BERLIN Freitag 24.Sltober 1930 10 Pf. flr. 500 B 249 42. Jahrgang e-rscheiot täglich anSerSsnataz«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bejugsprei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, Z,«oM. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSW68,Lindeastr.Z Anjeigenpreii: Die einspaltige Nvnpareillejeilt 80 Pf., Reklamezeile 5 W. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwürts-Vcrlag G. m. b. H., Berlin Nr, 3753«. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 29? polizeipräfideni gegen Nazi-M'nisier- Oer Beschuldigte läßt haussuchen- Zum Amtsmißbrauch Iustizmißbrauch! Der Polizeipräsident teilt mit: Zeitungsmeldungen zufolge hat der braunselgoeigifche Minister Dr. Kränzen wiederholt dem Polizeipräsidium Berlin den Vorwurf unrichtiger oder irreführen- de Berichterstattung in der Angelegenheit der ihm zur Last gelegten Begünstigung gemacht. ES sei da- her nochmals festgestellt, dasi die Vernehmung der be- teiligten Polizeibeamten in nachfolgend aufgezählten Punkte« restlose LUarheit ergeben habe. 1. Herr Minister Dr. Kränzen hat den festgenommenen Landwirt Paul Guth gesehen. 2. Herr Minister Tr. Kränzen hat den festgenommenen Paul Guth als den nationalsozialistischen Abgeordneten Lohse legitimiert. A. Dem Herrn Minister Dr. Kränzen wurde auf der Polizeiwache von mehreren Polizeibeamten ausdrücklich erklärt, dasi Guth wegen des Vergehens der Bann- meile nverlehung festgenommen fei und daß der dringende Verdacht der falschen Namens- a n g a b e bestehe. Trotzdem hat 4. Herr Minister Dr. Kränzen die Freilassung des angeblichen Abgeordneten Lohse auf Grund der Immunität gefordert. Mißbrauch der Polizei. Braunschweig, Z4. Okiober. sEigenbericht.) Der lkazi. Minister Franzen läht mii polizeilichen Hans- fvchungen' bei sozialdemokratischen Funktionären beginnen. So erschienen in W o l s e n b ü t l e l bei drei Mitgliedern des Kreisvorstandes und beim Ortsvorsihenden unserer Partei Polizei- b e a m t e und hielten Haussuchungen noch Plakaten und Ilugblällern ab, die die amtlichen Berichte des Berliner Polizeipräsidiums über den Kall �ranzen enthielten. 3n einer Der- kaussflelle des Allgemeinen Konsumvereins wurde gleichsalls eine Haussuchung nach den Plakaten abgehalten. Beschlagnahmt wurde» die Plakate und ein Belegexemplar eines Flugblattes. Alle Partei- genossen wurden nach der Polizeiwache zitier», wo sie die Aussage verweigerten und gegen das ungesetzliche vorgehen der Polizei protestierten. Gegen die Maßnahme Franzens wurde sofort Beschwerde erhoben. Der Bezirksvorstand erläht eine Anweisung an die Braunschweiger Partei, dah Im Falle der Haussuchung und Beschlagnahme jeder Funktionär und jedes parleimitgljed derBejchlagnähme nachdrücklich wi dersprechen, eine Quittung über Art und Zahl eines beschlagnahmten Flugblattes verlangen und richterliche Entscheidung beantragen sollen. Oer Mißbrauch der Justiz. Wir haben in unserer gestrigen Ausgabe dem braunschweigischen Naziminister Kränzen Mißbrauch seiner Amtsgewalt für persönliche Zwecke oorgeworsen, also einen nicht leicht zu nehmenden Verstoß gegen seine Amtspslichten. heute können wir feststellen, daß die sonst so empfindlich«, herrsf Kränzen ergebene hugenberg- und sonstige Rechtspresse sich zu diesem Vorwurf taub st e l l t. Wird die Erörterung des Falles Frenzen in Braunschweig mit Polizeigemalt unterdrückt, so soll er in Preußen totgeschwiegen werden. Nun Hot Kränzen durch die bei Gericht erwirkt« einstweilige Verfügung seinen ministeriellen Erlaß noch übertrumpft. Eine einstweilige Verfügung ist ein vorläufiger gerichtlicher Akt, dessen Rechtmäßigkeit in dem kommenden Streitoerfahren noch zu erweisen ist. Imnxrhin verlangt der§ 920 der Zioilprozeßord- nung in Verbindung mit§ 32g, daß der Anspruch und der Grund dieser vorläufigen Maßnahme dem Gericht„glaubhaft zu machen' sind. Di« Glaubhaftmachung kann auf verschiedene Weis« geschehen, un vorliegenden Fall aber, wo Herr Franzen die Richtigkeit der Darstellung eines Vorgangs bestreitet, ist kein anderes Mitteldenkbor als die Abgab« eidesstattlicher Erklärun- gen durch Augen- und Ohren zeugen des Vorgangs. Als solche kommen allein in Frage der Polizeimajar Heinrich, die anwesenden Polizei wacht meist er. Herr Franzen und der Landwirt Guth. Ander« Zeugen waren nicht zugegen. Nun stützt sich die durch die einstweilige Verfügung verbotene Darstellung des Braunschweiger„Bolkssreundcs' gerade auf die übereinstimmenden dienstlichen Aussagen der polizeibeamlen. Es ist undenkbar, daß einer von ihnen durch eidesstattlich« Versiche- rung seine eigene dienstliche Aussage als falsch bezeichnet haben sollte. Es blieben also als Unterlagen für die einstweiligen Ver- fllgungen nur eidesstattliche Versicherungen des Landwirts Guth und— des Herrn Ministers Franzen selber! Ob einer von den beiden eine solche eidesstattliche Versicherung abgegeben Hot, wonach die Darstellung des Braunschweiger„Volks- freundes' und der Poiizeibeamten falsch sei, wissen wir nicht. Wir wissen aber, daß ein« solche Erklärung, von wem immer sie ab- gegeben wäre, falsch ist. Ihr Urheber niüßte wegen Abgabe einer falschen eidesstattlichen Erklärung(«träfe bis 3 Jahre Gefängnis) unter Anklage gs- stellt werden. Es sei denn, daß der in Frage Kominende sich darauf berufen sollte, daß sein klares Erinnerungsvermögen an den Vor- fall durch dic� vorausgegangene gemeinschaftliche Kn« i- ste r e i im„Bayerischen hos' stark getrübt gewesen sei.' ES steht »ämlich fest, daß ursprünglich Franzen, Lohse und Guth im „Bayerischen Hof' am gleichen Tische gezecht haben. Guth ent- lernte sich dann und randalierte auf dem Potsdamer Platz. Als Franzen von der Polizei gerufen wurde, um den vcrhastcten „Abgeordneten Lohse" zu identifizieren, saß er nochmitLohse am gleichen Tisch. Er wußte also von vornherein, daß der Verhastete unmöglich Löhs« sein konnte. « Das Braunschweiger„Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold' ver- onstaltel an Stelle der verbotenen Demonstration am Sonntag im größten Saale Braunschweigs eine öffentliche V e r i a n> m- l u n g. Das Reichsmisschußnntglied des Reichsbanners, Abgeordneter Kuttner, spricht über das Thema:„Die von Minister Franzen unterdrückte Wahrheit.' In Braunschweig verboten! Mit allen Mitteln luchi Noziminister Franzen in Braunschweig die Erörterung sciner Verseh.ung zu unterdrücken Minister Kränzen:„Reden die etwa über meinen Kall? Sicherheitshalber werde ich sie auseinandertre»bea!" Neuer Kredit für Berlin. Kurzfristiges Kassendarlehen von 25 Millionen Mark. Um über die Schwierigkeiten gegen Ende des Monals hinweg- zukommen, hat sich die Stadt Berlin gezwungen gesehen, einen größeren kurzfristigen kassenkredil auszunehmen. Ein unter Führung der preußischen Seehondlung stehendes Bankenkonsorlium gewährt der Stadl Berlin ein kurzfristiges Darlehen in höhe von 2S Millionen Mark. Dos Geschäft ist heule vormittag bereilg abgeschlossen worden; die Auszahlung erfolgt noch vor Ende des Monats. Die Rückzahlung soll bereits in der ersten Höste des nächsten Monals erfolgen. Es ist anzunehmen, daß die Gelder in erster Linie für die Zahlung der Angestellten- und Beamtengehälter beansprucht werden. Neue Verhandlungen Montag! Die Llntkrtommissiontn beim Arbeitsminister sollen weiter beraten. Wie wir erfahren, treten die beiderseitigen Unter- kommissionen an« Montag wieder zu Vcrhand- langen zusammen. * Die Scharfmacher im VVMJ. haben den Konflik! in der Ver- liner Metallindustrie vom Zaun gebrochen. Bei ihrer Lohndruck- oition hotten sie die Regierung auf ihrer Seite. Der Sonder- ichlichter hielt sich verpflichtet, den Unternehmern entgegenzu- kommen. Sein Schiedsspruch kürzt die Löhne zwar nicht wie gefordert um 13 Proz., sondern„nur" um 8 Proz. Das„Sagen wir die Hälfte" wurde noch zuungunsten der Arbeiter berechnet, deren Gegenforderungen gänzlich unbeachtet blieben. Auch ihr Vermittlungsvor schlag, durch Verkürzung der Arbeitszeit der Krise zu begegnen, wurde nicht genügend beachtetz Von Preisherabsetzungen, zu denen inzwischen Zeit gewesen wäre, ist im Ernst nicht die Rede. Di« Unternehmer bestehen auf ihren Schein und fordern die Verbindlichkeitserklärung ihres Schiedsspruches. Die Arbeiter wurden durch den Schiedsspruch in den Streik ge- trieben: Organisierte und Unorganisierte. Vor der Verbindlich- crtlärung dieses Schiedsspruches hat nicht nur der Ausschuß des ADGB. gewarnt. Auch der Reichstag hat sich in seiner Mehrheit dagegen gewandt. Denn es handelt sich hier nicht un; einen xbeliebigen Lohnstreit. Durch die besonderen Umstände erhielt dieser Konflikt politische Bedeutung. Ganz abgesehen von dein kommunistischen Treiben, das darauf abzielt, jeden Streik weiterzutreiben, möglichst viele Arbeiter mit hineinzuziehen, die damit nichts direkt zu tun haben, um zum Generalstreik für ihr„Sowjetdeutschlanü" zu kommen, sind zugleich andere— von Unternehmern finanziell geförderte— Kräfte or» Werk, die nur auf de» ihnen geeignet erscheinenden Augenblick warten, um in Aktion zu treten. Die Drohung mit einer General- aussperrung läßt sie hossen. * Zu der politischen Seite des Metallkonflikts nimmt die von dem Reichsinnenmiiiister Dr. W i r t h herausgegebene„Deutsche Republik' Stellung. „Das große politisch« Gesahrcnmoment in diesem Streik sind... nicht die Kommunisten, sondern die Nationalsozialisten. Während die Kommuniste» ihr ganzes Bestreben daraus richten, den freien Gewerkschaften und der Sozialdemokratie Abbruch zu tiin, verknüpfen die Nationalsozialisten ihre Absichten mit einem hoch- politischen Ziel. Ihnen geht es um den Sturz d e r a u g e n- blicklichen Regier u na." „Andere Gefahrenmomente stich die Terrorakte, die sich einstellen könnten, wenn der Streik sich in die Länge ziehen oder gar abbröckeln würde. Heute habe» wir noch di Hoffnung, daß die . Heraufbeschwörung all dieser Gefahtenmomente durch eine rechtzeitige Verständigung verhütet wird. Sollte sich aber kein Ausweg bieten, dann freilich wäre es die Ausgabe der Regierung, auf die MstallindustrieUen einzuwirken, das' sie durch Verlängerung des alten Tarifs die Gemüter besänftiger und größeres Unheil von dem deutschen Stqat fernhalten.' Dunkel um die Grubenkatastrophe Morgen Beerdigung der Opfer Anwürfe gegen Severins. Kommunistischer Phrasenkampf. Die„Dl'jU Fahne" begrüßt die Berufung Smnngs mit einem Wutgeheul. Wir haben nichts anderes erwartet. Wer Amnestie- gesctze zur Befreiung der Fememörder freudig willtommen heißt, dem muß naturnotwendig Severing als Innenminister ein Greuel fein. Immerhin— der Grad der Niedrigkeit, den die„Rote Fahne" erklimmt, ist diesmal ein so außerordentlicher, daß wir einige Sätze dieses Wutgeheuls wiedergeben, nicht um darauf zu antworten— das lohnt nicht—, sondern um diese Art der Dreck- schleudere! niedriger zu hängen. Wir zitieren: Wenn jemals die sozialdemokratischen Parteiführer Bluthunde gegen die revolutionäre Arbeiterschaft gestellt haben, dann ist Severing unter allen Bluthunden der schlimmste, tückischste und grausamste. Severing, der sich noch Sozialdemokrat nennt, hat niemals etwas mit dem Sozialismus gemeinsam gehabt. Er jst der typische Npoembergewinnler... Severing spielt nur gegen die Arbeiterschaft den starken Mann. Gegenüber dem Faschismus ist er ein schlotternder Lakai, ohne Rückgrat, ohne Ehre, ohne Macht. Severing ist ein stumpfes P o l i z« i g e h i r n in all seiner Schlauheit, ein er, b ä r m l ich e r Feigling in all seiner Grausamkeit, ein elender Schwächling in all seinem Größenwahn. Grzesinski gehört zu Severing wie das Beil zum Henker. Man täte dieser Ausgeburt kranker Hirne zuviel Ehre an, würde man sachlich darauf erwidern. Die Wut der Reaktionäre, die einmütige Befriedigung der Republikaner im ganzen Land über die Berufung Severings ist die beste Entgegnung. Di« Arbeiter- schaft weiß zu gut. wer Severing ist, um solche Ergüsse anders als mit Gelächter zu beantworten. Aber ein Wort zum„Feigling": dieses verleumderische Ge- schimpfe der„Roten Fahne" zeichnet verantwortlich—— der �mmunitätsgeschützte Rcichstagsabgeordnete Schneller! Massenkundgebung in Dresden. Zehntausende unter dem Banner der Sozialdemokratie. Dresden, 24. Oktober.(Eigenbericht.) Eine niachtoolle Kundgebung veranstaltete die Sozialdemokratie Dresdens gegen die saschistischc Gefahr. Zwei Tage nach der Bekannt- gäbe, daß Reichstagsprästdcnt Paul L ö b e im Zirkus sprechen werde, mar keine Eintrittskarte mehr zu haben. Eine Parallel- Versammlung im n ä ch st g r ö ß t e n Saal war ebenfalls in kurzer Zeit ausver kauft. So i, orten am Donnerstag abend 10 000 Menschen Paul Lobe, die Reichstagsabgeordneten Toni Sender und Arzt. Oft von brausendem Beifall unterbrochen, kennzeichnete Löb« in schlagenden Sätzen die Nationalsozialisten als Toten- gröber der deutschen Republik. Ihre Anhänger würden bald an ihrer parlamentarischen Tätigkeit erkennen, daß die Nazis nicht einen Arbeiterstaat, sondern einen Herrenstaat erstreben. Der preußische Ministerpräsident Braun habe aus das provokatorische Austreten den Nazis durch die Ernennung Severings zum preußischen Minister des Innern die gebührend« Antwort gegeben. Es sei nicht daran zu zweiseln, daß Hitlers Wort vom Köpfe-Rollen ernst gemeint sei. Die sozialdemokratischen Führer, die seit Jahrzehnten an der Spitze der Partei stünden, würden aber nicht wie andere beim Ausbruch der Revolution ins Ausland flüchten. Ihre Köpfe könnten vielleicht rollen, aber die Millionen Arbeiter, die in der Arbeiterbewegung vereinigt seien, k ö n n e n u i ch t e n t h a u p t e t w e r d e n. Sie bilden das Rückgrat eines Staates, der heut« zu 9K Prozent aus Besitzlosen und nur zu vier Prozent aus Besitzenden besteht. Wenn die arbeitende Bevölkerung, wie das jetzt allerwärts zu sei>en ist, sich um die Partei schart und sich opfermutig auf die bevorstcheuden noch ernsteren Zeiten vorbereite, werde die Gefahr, die von der Schutzgarde des Kapitals, den Ratio- nalsozialisten her drohe, ganz sicher, wie sie gekommen sei, auch wieder verschwinden. In der Zirkusversaminlung warfen politische Gegner Tränen- gasbomben, um die Redner am Sprechen zu verhindern. Sie erreichten damit, daß einig« Besucher sich von Sanitätern behandeln lassen mußten. Sonst verlies die Versammlung ohne Zwischenfälle. Genosse L ö b e sprach am gleichen Abend noch in einer Versamm- lung in Radeberg, der Arbeitervorstadt Dresden», vor mehr als 2000 Personen. Ein Naumburger Urteil. Hakenkfeuz-Theologen ist alles erlaubt. Naumburg, 24. Oktober.(Eigenbericht.) �as Schöffengericht Naumburg sprach den Nazi- studenten Krcßler ain Donnerstag von der Anklage des Aufruhrs frei. In einer überfüllten Versammlung der SPD. in der Nazihoch- bürg Freiburg an der Unstrut kam es im April dieses Jahre» durch das Auftauchen und skandalöse Verhalten des Naziabgeordneten Hinkler zu blutigen Auseinandersetzungen. Biel« Retchsbanncrmitglieder wurden sehr schwer verletzt. Wegen dieses Borsalls sollten sich Hinkler und der ZSjährig« Nazlswdent der Theologie Kießler aus Kiel am Donneretag verantworten. Der Naziführer ließ seinen versührten Helfer jedoch im Stich und ver- kroch sich hinter seiner Immunität. 20 Zeugen wurden vernommen, davon 17, d>« belastend aussagten. 3 Nationalsozialisten mußten vor den präzisen Fragen des Staatsanwalts ihre Aussogen wesentlich einschränken. Der Zul�rerraum war dicht mit Reichsbannerleuten besetzt, die ihrer Empörung über die verlogenen Nazi- aussagen de» öfteren so stürmisch Ausdruck gaben, daß der Bor- sitzende mehrmals einschreiten mußte. Der Staatsanwalt forderte 6 Monate Gefängnis, da nach den übereinstimmenden Aussagen er- wiesen sei, daß der Nazistudent mit einem Bierglas auf einen Land- jäger eingeschlagen hat und damit das Signal zum Aufruhr gab. Der streitbare Hatenkreuz-Pastor in»pe wurde nach langen Be- ratungen jedoch freigesprochen. Das Gericht erklärte, trotz der zahl- reichen Aussagen der Augenzeugen tonn« es nicht glauben, daß ein T h e o l o g i« st u d e n t mit Biergläsern schlage! Ein N au in burger Urteil! Franzens Stoßseufzer. ,Jn meinem Machtbereich verhindere ich jede öffentliche Erörterung meines Falles durch Verbote und einstweilige Ver» fügungen. Aber leider liegt daneben noch Preußen, wo der Otto Braun regiert, und für dieses Land kann ich leider nicht befehlen: Braun schweig!" Jonathan. 256 Toie geborgen. Alsdorf. Z<. Oktober. Auch am heutigen Ireitag werden die Ausräumungs. arbeiten an der Uaglücksslätl« in Alsdorf mit ollem Nachdruck gefördert. Zm Laufe der Nacht ist von den im Krankenhaus liegen- den veclehten Bergleuten ein weiterer gestorben, so daß die Zahl der Toten nunwehr 2Sö beträgt. Auch heute ist die Grubenverwaltung noch nicht in der Lage, anzugeben, welche Personen noch vermißt werden. Der Ansallausschuß sehte gestern seine Untersuchungen fort. Weitere von der Explosion ersaßte Steigerreviere wurden befahren. Auch in diesen Revieren konnten Arsprungsherde der Ex- plosion nicht festgestellt werden. Während bisher noch angenommen werden konnte, daß eine Benzin- oder Benzol. explosion über Tage die Ursache der Katastrophe sein könnte, scheidet ans Grund des Ergebnisses der langsam fortschreitenden Aus- röumungsorbeiken über Tage diese Annahme aus, weil alle B e- Halter unversehrt vorgesunden wurden. Der Umstand, daß über Tage umfangreiche Zerstörungen an Schachtanlagen und BelriebtgebLuden eingetreten sind sowie die kilometerweiten Aus- Wirkungen der Explosion auf Betriebsabteilungen unter Tage erschweren die Ermittlung der Ursache de» Unglück» außerordentlich. Im Interesse der beschleunigten Ausklärung der Ursache der Explosion ist e» als erforderlich bezeichnet worden, daß alle Personen, die über Tage irgendwelche Wahrnehmungen über den Explofionsvorgang ge- macht haben, sich beim Bürgermeisteramt in Alsdorf melden. Vor den Litfaßsäulen drängen sich heute i» den Vorniittags- stunden die Menschen. Mit staunenden Augen lesen die Erwerbs- losen in fetter Schrift auf flammendem Plakat die verheißungsvollen Wort«:„Eine Million Arbeiter gesucht". Und weiter heißt es:„Schlosser, Werkzeugmacher, Dreher, Tischler in Deutsch- land? Dem Land der drei Millionen Arbeitslosen..." Nein, ruft das Plakat, nur in der S o w I«< u n i o n". Es folgt noch kurzen Zwischenbemerkungen— die Ankündigung der Vorführung von fünf„hochinteressanten, spannenden, russischen Kleinfilmen". Danach folgt eine Ansprache des Herrn Erich Lange und eines Rußlanddelegierten. Ein roter Sprechchor und ander« Attraktionen find vorgesehen. Preis SO Pf. Erwerbslos« 50 Pf. Das ganz« Machwert ist gezeichnet von der„Internationalen Arbeiterhilfe", der Deckorganifation kommunistischer Demagogen. Arbeitslose, wollt Ihr Euch diesen blutigen Hohn gefallen lassen? In einer Zeit, in der die Sowjetunion in schwerster wirtschaftlicher Krise sich befindet, in der die Arbeitslosem- Versicherung vernichtet und die Zwangsarbeit eingeführt wird, in der die Hungerpolonäsen vor den Läden stehen, wagt man es wieder, das„rote Paradies" vor die Augen der Hungernden zu zaubern. Auch diejenigen, die trotz oller kommu- nistifchen Phantasien die Anstrengungen, den Fünsjahresplan durchzusetzen, mit ehrlichem, darum aber auch kritischem Interesse verfolgt haben, müssen die Frage stellen, ist dieses Maß von demagogischer Frechheit für dl« Moskauer Auftraggeber noch erträglich? Ist dos noch«ine Methode, die der denkende Arbeiter, mag«r noch so getreu parteikommunistisch gesinnt sein, sich bieten lassen kann? Arbeitslose, meldet euch bei den Sowjetoertretungen und in den kommunistischen Parteilokalen in Mosten für di«se Arbeit, die man euch gütig spenden will. Erfragt aber auch die genauen Bedingungen, unter denen man euch anzustellen, zu be« Herbergen, zu oerpflegen und zu entlohnen gedenkt. Oder tut es lieber nicht. Man würde euch mit einem leeren Hohn heim- schicken, der euch noch schmerzlicher träfe als der dieses Plakats. Klar und eindeutig enthüllt sich die IAH. als ein in t e r- nationaler Arbeiterhumbug größten Stils. Bon allem Politischen abgesehen, stellt man sich die Frag«, wie muß es in den Köpfen und Herzen derer aussehen, die so die Aermsten der Annen mit Methoden locken, die den Schwindel- ärzten und Anreißern von Schaubuden entlehnt sind:„Eine Million Arbeiter gesucht." Wofür? Für die Vorführung„hoch- Fabrikbrand in Moabit. Sin Lagergebäude nachts ausgebrannt. Durch ein Großfeuer wurde in der vergangenen Nachi ein etwa 100 Weier langes Lagergebäude der Berliner Emaille- werke„Ergo" in der K i r ch st r a ß e 10 in Woabii zum großen Teil zerstört. Das von dem Brand betrosfene Gebäude ist zwei Stock- werk« hoch und liest auf dem zweiten Hof des umfangreichen Grundstückes. Gegen 1 Uhr nachts wurde die Gefahr vom Nacht- porlier der Cmaillewerke bemerkt. Die Flammen hatten bereits den größten Teil des Gebäudes, In dem viel leichtbrennbores Material lagerte, erfaßt und griffen mit rasender Schnelligkeit um sich Als die Feuerwehr auf Grohfeueralorm mit fünf Zügen anrückt«, hatte das Feuer schon auf ein angrenzendes Stallgebäude über- gegriffen. Da eine weitere Ausdehnung des Feuers befürchtet wer- den mußte, wurde auch das im Osthafen stationiert« F e u« r l ö s ch- b o o t alarmiert. In stundenlanger Arbeit gelang es, das Groß- feuer unter Einsatz von 7 Schlauchleitungen, 2 mechanischen Leitern und mehreren Steckleitergängen einzukreisen und zu löschen. Die Kirchstraße war während der Löschaktivn für jeden Ver- kehr völlig gesperrt. Die Entstehungsursache ist zur Zeit noch Gegen- stand der polizeilichen Untersuchung. Lugendlichen-Tragödie« Mord und Selbstmord aus unglückliche? Liebe. Bor der Laube aus dem Grundstück Wendenschloßstraße 19/21 fand man gestern abend zwei Personen,«in junges Mädchen und«inen jungen Mann, erschossen auf. Die Bewohner wurden herbeigerufen und die Polizei alarmiert. Die Toten wurden Die lehie Nuhesiätie der Opfer. Die Gemeinde Alsdorf hat einen Friedhof abstecken lasten, der morgen von 200 Arbeitern vorbereitet werden wird. Das Gelände liegt zwischen Tannenwald und Weidenböumen. Es sind vier große Gräber reihen vorgesehen, durch deren Mitte ein Weg führen wird. Diese Stätte wird der Mittelpunkt des zu- künftigen Gememdefriedhoses sein.— An eine Trauerseier, die am Sonobeud vormittag, um �blO Uhr. im Perwaltui�sgebäude der Grube Anno I, stattfindet, wird sich die Beerdigung anschließen. Aus Mangel an Raum können an der Trauerfeier die Angehörigen nur in beschränkter Zahl teilnehmen.— Der Westdeutsche Rundfunk wird die ganze Trauerfeier auf alle westdeutschen Sender, auch auf den Berliner Sender, übertragen.— Die Beisetzung der Toten auf auswärtigen Friedhösen wird am Nachmittag desselben Tages erfolgen. * Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Auf Beschluß des preußischen Staatsministeriums sind die staatlichen und kommunalen Dienstgebäude, die Gebäude der übrigen Körperschaften des öffentlichen Rechts, sowie die Gebäude der öffentlichen Schulen am 25. d. M., dem Tag der Beisetzung der Opfer des Grubenunglücks bei Sllsdorf, nach den Bestimmungen der Verordnung vom 29. Juni 1929 halbmast zu flaggen. Genehmigungen zu Polizeistundcnverlöngerungen und zu öffentlichen Tanzveranstaltungen sind für den Beisetzungstag nicht zu erteilen, bzw. zu widerrufen. interessanter, spannender, russischer Kleinfilme", Rur herein- spaziert, meine Herrschaften! Eintritt 80 Pf. Das Sowsetparadies steht offen. Eine Million Dumme werden gesucht! Zrüchie des RGO.-Treibens. 50.Bollejung«»" und 150 Chauffeure arbeitslos. Verzweifelt sucht die„RGO." den Streik in der Berliner Metall- industrie zu„verbreitern". Durch Prügel sollen die Arbeiter anderer Betriebe zum Feiern gezwungen werden. So suchte die „RGO." auch die Meierei C. Bolle stillzulegen, wo man die sugend« lichen Mitfahrer und Miifohrerinnen, das sind die sogenannten „Bolle jungen", mobilisierte und in einen aussichtslosen Kamps hetzt«. Wer nicht willig war, gegen den wandte man Gewalt an. Nach«inigen Tagen mußte dieser von der RGO. angezettelte wilde Streik bedingungslos abgebrochen werden. Aber nur ein Teil der Bollejungen konnte wieder an die Arbeit gehen, ungefähr fünfzig Jugendlich« blieben als Gemaßregelte auf der Strecke. Das ist das Ergebnis zweier RGO.-Aktionen au» den letzten Tagen: 150 Kraftdroschkenfohrer bei d-r„Krastag' gcmaßregelt und 50 Mitfahrer bei der Meierei Bolle. Die Arbeiterschaft bedankt sich für ein« derartig«„revolutionäre" Führung, die nur ins Verderben führt. Solidarität. Sozialistische Lehrer für die Metallarbeiter. Die am Dvnnsrstag, dem 23. Oktober 1930, in der Aula des Kölnischen Gymnasiums tagende Fachgruppe Derufsschul- lehrer der Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Lehrer beschloß einstimmig: 1. Die Fachgruppe Berufsschullehrer der AsL. erklärt den streikenden Metallarbeitern Berlins ihre volle Sympathie und wünscht dem Deutschen Metollarbetter-Verband«inen vollen Erfolg in der Durchführung seines Abwchrkampfes. 2. Die Fachgruppe Berufsschullehrer der AsL. beschließt, vorerst für den Monat Oktober einen Sonderbeitrag zur Unter- st ü tz u n g der streikenden Metallorbeiter. Der Betrag ist dem DMV. zur Unterstützung In besonderen Notfällen umgehend zu überweisen. festgestellt als die 17 Jahre alt« Verkäuferin Käthe Schröder und der 22 Jahre alt« kaufmännisch« Angestellt« Walter K r e y s« l aus der Wagnerstraße 5 zu Lichtenberg. Das junge Paar hatte sich im Februar d. I. kennengelernt und betrachtete sich als miteinander verlobt. Die Beziehungen wurden aber getrübt durch den Einspruch der Eltern de» jungen Mädchens. Gestern abend hatte das Mädchen eine Veranstaltung in der Dorothecn-Schul« besucht. Kreysel hat sie wahr- scheinlich von dort abgeholt oder sie unterwegs erwartet. Es muß zu einer Auseinandersetzung gekommen sein, in deren Verlauf Kreysel vermutlich die Waffe zog und das Mädchen durch zwei Kopfschüsse tötete. Der eine Schuß ist aus unmittelbarer Nähe abgegeben war- den. Sich selbst tötete Kreysel durch einen Schuß in die rechte Schläfe. Ein Kamps hat sich zwischen dem Paar offenbar nicht ad- gespielt. Die Leichen lagen, als sie aufgefunden wurden, nebenein- ander. Die Schüsse hatte niemand gehört. Ein Verwandter der Familie Schröder kam kurz nach 11 Uhr noch zu einem kurzen Vc- such und fand das Liebespaar etwa 30 Meter von der Laube cnt- fcrnt in dem Zugangsweg liegen. Wie später ermittelt wurde, hatte Kreysel am Donnerstag nicht seine Arbeitsstelle aufgesucht. Er hatte sich etwas Geld geliehen, wahrscheinlich, um damit die Waffe zu kaufen.__ Brüning bei hiudevbnrg. Der Reichspräsident empfing heute vormittag den Reichskanzler Dr. Brüning zum Vortrag. Alleger ins kilichev. Der spanische Ozeansliezer Franca ist zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er durch die Presse da« bestehend« Rsgim« kritisiert hat.— Der ehemalig« Fliegerofizier Römern, vor kurzem zum Untergouveniour des spanischen Teils der Sahara ernannt worden, ist wegen Kritik an der Verfolgung Francas o e r h a f t e t worden. Der neu« Ehrlst Tschiangkaifchek ist der Methodistcn- k i r ch e beigetreten. Eine Mittion Dumme gesucht? Verhöhnung der Arbeiislosen durch die KVT). Weg mit der Anleiheblockade! Die Behaupiungen über finanzielle M'ßwirSschast widerlegt. Heb« die Berfd&ulfcung der öffentlichen Hand liegt nunmehr auf Grund der Reichsflnan�statistlk vollständiges Zahlennmierial vor, das sowohl die politischen Körperschaften wie die selbständigen Unter- nehmungcn der öffentlichen Hand umfaßt. Diese Ergebnisse widerlegen sehr eindrucksvoll die Bchauptun- gen und Heßereien, die der öffentliche» Finonzwirtfchaft Verschwendung, leichtfertige Schuldenwirtschast sowie unproduktive Verwendung der aufgenommenen Kreditmittel vorwerfen. Die große Reuverschuldung der öffentlich«! Hand seil der Stabilisierung ist hervorgerufen worden durch die auhergewöhn- lichen wirtschaftlichen und sozialen Ausgaben. die den öffentlichen Körperschaften und den öffentlichen Unterneh- mungen in der Wiederaufbauperiode nach den Zerstörungen der Kriegs, und Jnflationsjahre gesetzt waren. Die g e s a m t e ö s f c n t- liche Verschuldung, die Ende 1929 einschließlich der ösfent- lichen Unternehmungen etwa 23 Milliarden erreichte, bleibt zwar noch erheblich hinter dem Schuldenstand der öffentlichen Hand der Vorkriegszeit mit 32, ö Milliarden am 31. März 1�14 zurück; der Zuwachs der öffentlichen Verschuldung seit der Stabilisierung mit etwa 13 Milliarden einschließlich der Unternehmungen der ösfcnt- lichen Hand scheint dennoch sehr hoch. Vergleicht man aber die Neuvcrschuldung der letzten S Jahre mit der öffentlichen Schulden- zunähme in den letzten 6 Vorkriegsjahren, so ergibt sich unter Bc- riicksichtigung der Veränderung des Geldwerts trog der außerordent- lichen Erweiterung des Aufgaben kreiscs der öffentlichen Hand keine verbände beliefen sich Ende 1929 auf 743 Millionen Mark bei einer Gesamtneuverschuldung von 7.6 Milliarden Mark. Die Auslandsschulden der verselbständigten Gemeindeunter- nehmungen bcliefen sich»ach der Erhebung vom 31. März 1929 auf 390 Millionen Mark. Auch im Rohn>«n der gesamten Auslandsverschuldung hält sich die Schuldenoiisnahme der Gemein- den und Gemeindeunternehnrungen in durchaus angemessenen Grenzen. Di« gesamte ausländisch« Anleiheausnohme betrug Ende 1929 6,6 Milliarden. Hiervon entsielen aus Gemeinden, Gemeinde- verbände und rechtlich selbständige Gcmeindeunternehmungcn 16�3 Millionen, also weniger als ein Sechstel der gesamten deutschen Neuverschuldung aus ausländischen Kreditmitteln. Der Bericht des Statistischen Reichsamts unterstreicht die Pro- duktivität der kommunalen Auslandsverschuldung. Wir zitieren die wichtigsten Stellen: „Im großen gesehen ist die kommunale Auslandsverschuldung eine last ausschließliche Angelegenheit der Großstädte... Aon grundlegender Bedeutung für die Frage der kommunalen Aus- lairdsverschuldung ist die Verwendung der zugeflossenen Kapitalien. Die Belmchtung der Verwendungszwecke ergibt«in verhältnismäßig günstiges Bild. Der weitaus größte Teil der Auslandskredite� ist Aufgaben zugeführt worden, die mindesten» in den: toinnc als„produktiv" anzusprechen sind, als Verzinsung und Tilgung durch steigende Erträge ausgebrocht werden können. Inwieweit die Investitionen von Auclandskapital auch zu einer größeren Aktivität der Gesamtwirt- schast gegenüder dem Ausland beigetragen Heues Dotkshaus in grankfurimt) Jn SrankfurlfVIain) errichten die ßeirerkfehaften ein neues geirerkfchaffshaus, das aüjüer SSüroräuinen und Sälen auch Stotel Stimmer auf iteiil. SDerSnl irurf diefes gana modernen Staufes l/i von dem he kannten �Berliner Arcbitek len Sflnx Taut hergeftelll übermäßige Steigerung des Wachstums der öffentlichen Schulden im Vergleich mit der Aorkriegsentwicklung. In dem Iohresabfchnitt 19 0 8—1 914 betrug die jährliche Zu- nähme der öffentlichen Schulden 1,3 Milliarden, in den letzte» 6 Jahren betrug unter Abzug der für die Erfüllung unmittel- barer Kriegsverpflichtungen aufgenommenen Anleihen der Schuld«»- zuwachs der öffentlichen Hand 2,4 Milliarden Mark pro Jahr. Unter Berücksichtigung des veränderten Geldwertes liegt also die Schulden- zunähme seit der Stabilisierung nur um etwa 2li Proz. höher als in den letzten Vorkriegsjahren, obwohl die ösfent- lichen Körperschaften für völlig neue Aufgaben, wie z. B. das Wohnungswesen, große Aufwendungen leisten mußten und der Umkreis der öffentlichen Wirtschaft und Wirtschastsordnung und damit auch deren Kapitalbedarf sich außerordentlich erweitert hat. Für die Verwendung der neuen Schulden liegen für den Stand voin März 1928 detaillierte Angaben vor, aus denen hervorgeht, daß rund 70 Proz. der Verschuldungssumme für die össenllichea Unternehmungen und die lllirlschastssorderung Verwendung gefunden haben. Zeig, so schon das G e s a m t b i l d der öffentlichen Schulden, daß der öffentlichen Anleiheaufnahme zum weit überwiegenden Teil als Gegenwert Investitionen und volkswirtschaftliche Kapitalblldung gegenüberstehen, so gilt das gleiche auch für die viel be- fehdete Verschuldung der Gemeinden. Di« Schulden der Gemeinden zeigten schon in der Vorkriegszeit die Tendenz eines raschen Wachstums, die sich naturgemäß in der Nachkriegszeit durch das Fortschreiten der Verstadtlichung und durch den außerordentlich erweiterten wirtschaftlichen Aufgabentreis der Kommunen fortsetzen mußte. In dem Bericht des Statistischen Reichsamts heißt es hierzu: „Die Gemeinden und Geineindeverbänd« find von den neuen Aufgaben, die der öffentlichen Hand als Kriegsfolge erwachsen sind(Wohnungswesen, wertschaffend« Erwerbslojenfürsorge u. dgl), in hohem Maß« betroffen worden. Außerdem haben dies« im Zu- lammenhang mit der öffentlichen Wirtschaft ihre Anlagen in der Nachkriegszeit seit der Stabilisierung stark ausgedehnt. Der Kopital- bedarf für diese Anlagen und für die jahrelang wieder mcsgescho- denen Wiederherstellungsarbeiten hatte ein rasches Ansteigen der gemeindlichen Verschuldung zur Folge." Ans diesem Grunde erklärt sich die relativ hohe Neuverfchuldung der Gemeinden. Diese betrug Ende 1929 7.6 Milliarden Mark und dürfte gegenwärtig 8 Milliarden Mark überschritten haben. Der Ver- schuldungszuwachs betrug im Jahresdurchschnitt der letzten 6 Jahre 1339 Millionen. Von der gesamten Neuverschuldung der Gemeinden sind nach einer Erhebung vom 31. März 1928 69 Proz. für den Wohnungsbau, die Verforgungsbetrieb« und da» Verkehrswesen ver- wandt worden, weitere 11 Proz. zu Aufwendung«» für die sonstigen Gemeindcanstalten(Kanalisation, Schlacht- und Viehhöfe, Markt- hallen» und Gemeindeunternehinungen(Sparkassen, Banken. Land- und Forstwirtschaft sowie Boustoffbctrlebe) sowie zur allgemeinen Wirtschaftssördcrung verwandt worden, so daß also auch von den Gemcindeschuldea mehr als 70 proz. unmittelbar zu werbende» Zwecken Verwendung gefunden haben. Die Verschuldung der Gemeinden hat also zu threm weit überwiegenden Teil volkswirtschaftlich produktiven Zwecken gedient. Von der Neuverfchuldung der Genieinden ent- fallen noch nicht 19 Proz. auf Auslandsschulden. Die gesamten Auslandsschulden der Gemeinden und Gemeinde- haben,...läßt sich aus Unterlagen nur annähernd beurteilen. Von S23,9 Millionen Auslandsschulden der Gemeinden über 19 999 Einwohner sind über 99 Proz. zum Ausbau von Unter- nehmungen und Betrieben verwendet worden. Man kann an- nehmen, daß von den Schulden der Geineinden unter 19909 Ein- wohnem, deren Verwendung nicht erfragt wurde, ebenfalls der überwiegende Betrag für Betriebszwecke verwendet worden ist... Der Kapitalbedarf der Dersorgungs- lind Verkehrsbetriebe, entstanden aus der Notwendigkeit, i» der Kriegs- und Geldentwer- tungszeit zurückgestellte Erneuerungsarbeiten nachzuholen und die Betriebsleistungen der» gestiegenen An- sordxrungen anzupassen, erklärt somit in erste. Linie die Höh« der gemeindlichen Auslandsschulden." Di« Ergebnisse der Schuldenstalislik und ihre Sommenlierung durch da» Reichsaml widerlegen also die maßlosen Angrisse der Privatwirtschaft gegen die Zinanzwtrtschast der öffentlichen Hand. Di« Frage der konununalen Anleiheaufnahme wird in kurzem wieder grundsätzlich zur Diskussion stehen. Die Beratungsstelle für Auslandsanleihen ist nur provisorisch bis zum November verlängert worden. Dann soll eine Neuregelung erfolgen, deren Grundzitg« von der Regierung Im Sommer veröffentlicht wurden und die mit Recht in der Oeffentllchkeit und von den Kommunen wegen der ungerechtfertigten und unwürdigen Knebelungsvorschriften, die sie für die Finanzgebarung der Kommunen vorsah, die stärkste Ent, rüstung hervorgerufen hat. Zlu« den Crl>ebungen der Relchsfinanzstatistit geht eindeutig hervor, daß die Verschuldung der Kommunen zum weit überwiegenden Tell unaufschiebbaren pro- duttiven Zwecket, gedient hat und daß die A n l e i h e b l o ckade, die seit inehr als zwei Jahren über die Kommunen verhängt wurde, sachlich nicht zu rechtfertigen ist. Handelsverirag und Tonfi'jmkrieg. Tschechische Regierungserklärungen. Prag, 24. Oktober. Im Auswärtigen Ausschuß des Abgeordneteichaufes erklärte Außenminister Dr. Ben« Ich zu der Frage des Handelsvertrages mit Deutschland, dle Ursache der Verzögerung sei nicht die Frage der Martprioritäten. Dies« Angelegenheit fei durch eine beider- seitige authentische Erklärung erledigt. Die Ursachen der Ver- zögerung des Vertragsabschlusses sind kompliziert und olle Einigungs versuche in den letzten Iahren waren vergeblich. Die ursprüngliche Ursache war die, daß die Verhältnisse in Deutsch- land derart lagen, daß sich unsere 21 g r a r s o r d e r u n g e n nicht erfüllen ließe«. Dann komplizierte sich die Angelegenheit durch industrielle Fragen. Deutschland begann, die I n d u st r i« t a r i s e zu erhöhen. In Genf haben Dr. Eurtius und ich sich geeinigt, daß wir in nächster Zeit versuchen werden, die Verhandlungen wieder efttszunehmen. Zu den Demonstrationen in Prag erklärt« Dr. Benesch, daß dies« die Tschechoslowakei geschädigt haben. Eine Demonstration ist ein« Unordnung, die die Regierung nicht dulden kam,. Da- hat sie deutlich gesagt. Oeffentlich- Kundgebungen dieser Art kann eine Oppositionspartei machen. Die Regierungspresse kann das nicht unterstützen. Das Ein» schlagen von Fensterscheiben ist ein Berbrcchen, mag es sich um das Einschlagen von Fenstern eines privaten oder öffentlichen Besitzes l>ondeln. Und wenn dle Fenster eine« kulturellen Unter- nehmen s(des Deutschen Landestheaters! Red d.„B.".) ein- geschlagen werden, so ist das eine Kulturbarbarei. Ich möchte wünschen, daß wir in Zukunft von solchen Dingen verschont bleiben. Jn dem Augenblick, in dem mir in Genf über dle Minderheiten l�riet«» und ich unseren guten Willen zur Zusammenarbeit mit ihnen betonte, brachte das„Journal de Geneve" Telegramme aus Prag, wie bei uns Fenster eingeschlagen werden. Das hat mehr Schaden angerichtet als Monat« oder Jahre feindlicher PropagSfcda. Oer Innenminister entschuldigt die polize». Im Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses gab Innemuinrftee Dr. Slaoik zu, daß die Weisungen des Polizeipräsidenten gegen die Ruhestörer nicht so durchgeführt wurden, daß ihr Zweck erreicht wurde, doch könne man nicht von einer passiven Resistenz der Polizei sprechen und auch nicht von einen, Bergehen, das Gegenstand eines Disziplinarverfahrens sein könnte. Außerdem je« der Grund für da» gemäßigle Einschreiten der Polizei in der Kritik zu suchen, der die Sicherheilsmache nach den fogenanolen Sludcntendemonstrationen am Schlüsse des Vorjahres ausgesetzt war. als sie im Interesse der Ruhe und Ordnung energische Mittel zur Anwendung brachte. Nur so habe es dazu kommen können, daß gerade in der Zeit, als die Straßendemonstrationen zu gefähr- liche,, Ausschreitungen zu wenden drohten, in der Presse namens der Redaktion des Anzeigers, dessen Inhaber die G e w e r k- schast der Sicherheitswache ist, ein« Notiz perössentlicht wurde, worin dies« Redaktion indirekt ihr« Soli dar, tat mit den Demonstranten erklärte. Der Ausschuh dieser Gewerkschaft habe die Notiz nicht dementiert und so seine Zustimmung b«- kündet. Das Ministerium habe daher die Gewerkschaft auf, lösen rniilfse», um ein Untergraben der Disziplin zu verhindern, An» Schluß erklärte der Minister, daß das Ministerium immer bestrebt sein werde, unparteiisch und gerecht vorzugehen und die öffentliche Verwaltung zu entpolitisieren, Unruhen würden nicht geduldet werden. Di« bitteren Ersahrungen, die bei den letzten Demoisitratlonen in Prag gemacht worden feien, gäben die Gelegen- heit, aus I e h l e r zu lernen. Oie„�adio-Zeiiung. Sförterung auf dem Weltkongreß der presse. Auf den, Weltkongreß der Presse(Internationale Föderation der Journalisten) wurdcn am Donnerslag drei interessante Referate zu der Frage der in der Entwicklung degriisenen„gesprochenen Zeitung" gehalten. Renö S u d r e(Frankreich) gab eine Darlegung der jüngsten Entwicklungsphasen der Rodiozeltung unter besonderer B«' riicksichtigung der künftigen Möglichkeiten auf dem Gebiete der Bild» Übertragung durch Rundfunk. Th. F l c> s ch n, a n n(Belgien) legte ans gründlicher Erfahrung heraus die Eigenheiten der Radiozcitung und ihrer Bedürfnisse dar, und der Generalsekretär der FII. Sie, phane B a l o t zog daraus die Schlußfolgerungen, die sich für den journalistischen Berus, für seine Beteiligung an dieser neuen Ent, Wicklung und für die Sicherung seiner Dafeinsbedingungen ihr gegenüber ergeben. »Die Gartenlaube." Walhalla-Theater. E» ist eine Kühnheit des Walhalla-Theater», diel« Komödie de» verstorbenen Hermann Ungar auszuführen, denn sie stellt außerordentliche Zlnsprüche an die Gestaltungskraft der Dar- stell«. Nein,„Die Gartenlaube" ist nicht im geringsten pikant. Das Stück hat nichts von der spielerischen Erotik der Fron- zosen, es ist vielmehr eine Groteske, der Versuch, die Berlogeichcit eine» auf Anständigkeit kostümierten Bürgertums zu entlarven, eines Bürgertums allerdings, das für einen Angriff zu geringfügig er- scheint. Ungar gibt in seine», Dialog den Extrakt einer Gedankenreih«, feine Menschen sind nicht in sich geschlosje», gerundet, sondern sie bleiben eigentlich Typen, die irgendeine Leidenschaft, ins Extrem gesteigert, verlebendigen soll«». Di« daraufhin stilisiert und mit grotesken Arabesken versehen sind, genau wie in den Romanen„Di« Hilflosen" und„Die Klasse". Verkennung und Verzerrung durch Sexualität. Verneinung der Bourgeoisie und vielleicht Verneinung der Menschen überhaupt. Leiden unter bestimmten Wünschen, Trieben und Vorstellungen, aber ein Leiden, da» die Betrosfenen in ihrer Enge. Mufsigteit und Begrenztheit entlaevt, dos ihr kleines Format cnchüllt und sie lächerlich macht. Der Proletarier ist unter diese» Umständen nichts weiter als ein Negationstrumpf. Elemente des Schwankz und der Posse mische» sich mit diesen Elementen der Verneinung. Deshalb ist es schwer, für die Komödie den richtigen Darstellungsstil zu finden. Der Schauspieler tonn den Typ betonen und kann auch andererseits ihn von seiner Persönlich- keit aus erweitern. Das Walhalla-Theater gibt dagegen bürgerliches Lustspiel in, Stil Kadelburgs. Aber der Dialog fordert trotzdem seine Rechte und bricht hindurch, und Darsteller und Regie bemühen sich wenigsten» um anständiges Niveau der künstlerischen Leistung, so daß der Abend nicht verloren ist. I'. 5cl,. Europa gegen die Meli? Vortrag von Eolin Roß. Europäischer Einfluß, oder,, wie Europäer lieber sogen, euro- päisch« Kultur ist bereits über die ganze Welt gedrungen. Kaum «in Fleckchen, das davon noch völlig unberührt ist. Di« Tatsache steht fest. Umstritten ist die Frage, ob dieser Einfluß für die Welt Be- r«icherung oder Verarmung bedeutet, un, stritten ist auch jen« ander«, ob dieser Einfluß dce Folge natürlicher Entwicklung darstellt oder nicht. Dr. Colin Roß, der einen großen Teil unseres Erdballs bereist hat, nahm in der Philharmonie zu diesem Problem Stellung, indem er von seinen Reisen erzählte und so in Wort und Bild diese Mischung vo» Weltkultur und Europakultur zeigte. Australien, China, die Südseeinseln, Indien, Länder, die«ine teils sehr niedrige, teils aber auch erstaunlich hohe Eigenkultur entwickelt haben, stützten diese Entwicklung alle aus den gleichen Grundpfeiler: di« eigenen Lebensbedürfnisse. Wenn diese befriedigt waren, stand die Entwicklung still. Europäische Technik aber ist universell. Wenn man die ei was pathetischen Reflexionen, mit denen Dr. Roß seine sonst sehr sachlichen Ausführungen umrankte, auf«in« einfach« Formel bringen will, so kann man sie vielleicht so zusamm«nfasi«n: iolong« und soweit die Technik Europas der Menschheit zur Ent- saltung ihrer Fähigkeiten und ihres Menschentums dient, ist sie ein natürlicher und segensreicher Faktor in der Weltentwickelung; schäo- lich wurde der Einfluß Europas immer nur dann, wenn er ver- ständnlslos in«in Kulturberelch einbrach. Daß der größte Teil der Zuhörerschaft dies« Anschauungen de» Bortagenden teilte, bewies der lebhaft« Beifall. T. L. 5. Zum Gedächwl» von Zuliu» hark»cronitalid ein Ksmiiee am Bufitag. dem 10. lVev.. mittags 7,12 Mr. in der Dellödühiie am Vülowplatz eine Mcdentteicr. Interessenten werden gebeten, Eintrittilarten bei SJanS Ostwald» Berbn-Zchlcndors, Karlstr. 28, z« verlangen. Frcikuvert erwünscht. Vom Sinn und Lebenssinn der Msik Konzertumschau./ Von Klaus pringsheim Du: vielen Sonjcrtc, die Woche für Woche in Berlin nieder- gehen, regen, wenn wir näher hin- und tiefer hineinhören, eine Unzahl von Fragen an, deren Beantwortung wohl wichtiger und interessanter ist ab immer wieder die Untersuchung, wie dieser Dirigent seine Sache gemacht, wie gut oder schlecht gerade an dem Abend ein Sänger gesungen, ein Geiger gegeigt hat. Dringender als in ruhigen, zufriedenen Iahren ist heute die Frage nach dem Sinn und Lebenssinn aller Musik, die es in Konzen- seilen zu hören gibt. Gewiß, Musik hat nicht unmittelbar irgend- eine politische Funktion zu erfüllen. Aber der Künstler hat eine menschliche Mission Und es gibt Zeiten, in denen diese Mission ihm wichtiger sein muß als alles andere und in denen er sich nicht scheuen darf, aus artistischer Reserve in die weitere Welt der Lebenswirklichkeit zu treten: Zeiten, die der Kunst nur soviel Raum gewähren im Leben, wie diese dem Leben Raum gibt. Zeiten, mit einem Wort, sür die die Ausgabe der Kunst jenseits des Nur-Kunstfeins, jenseits des„Aefthetischen" liegt. Es ist ein« solche Zeit, in der wir leben. Das heißt nicht, Kunst habe nichts anderes zu sein als die Fortsetzung des Lebens mit anderen Mitteln, nämlich mit den Mitteln der Kunst. Die Frage wird sich nie eindeutig und allgemeingültig beantworten lassen, ob es eher Sache des Kunst- werks sei, den Menschen im Bereich seines Lebens und Lebens- gesühls aufzusuchen oder ihn daraus zu entführen. Das scheinen Gegensätze, aber unter Umständen sind es sozusagen nur Unter. schiede der Methode. Gewiß,«in« Stunde der Erholung und Er- Hebung, des Bergcssens in den lebensfernen Regionen der Musik, das muß den Besuch eines Konzerts lohnend machen, gerade in diesen Tagen der Rot und der Ausregungen: denn das bedeutet in der Wirkung zugleich Stärkung der Lebenskräfte, deren der Mensch heute, und gar der Mensch unserer Kreis«, für den persönlichen und allgemeinen Lebenstampf mehr den» je bedarf. Aber welche Musik ist so wunderbarer Wirkung mächtig und vermag ihm eine erhebende Stunde des Bcrgessens— ein« Stunde, in der er dieses heutige Leben mit all seinen furchtbaren Sorgen, Röten, Aufregungen vergißt— zu geben? Es müssen starke Kräfte der Kunst sein, die heute mit dem Leben zu konkurrieren und ihn aus diesem zu ent- sühren vermögen: für das Mittelmäßige, Schwache, ohne Tiefe, Formalistische haben wirKeutc kein williges Ohr. Rur in den Gipselhfetn der Kunst sind die scheinbar weitesten Gegensätze des Lebenss�ffn und unmittelbaren Lebensnahen ver- eint: die Besucher des volkstümlichen Beelhoven-Konzerts Sonntag vormittag in der R c p u b l i k- O p e r— es war vor ausverkauftem ftaus eine Wiederholung von Klemperers hier besprochenen Beeethoven-Abend— haben das auf überzeugendste Art erfahren. Zur selben Stunde ein nicht minder erfreuliches Bild im Haus der Bolksbühn«, die ihr erstes Konzert gibt. Es zeigt sich, daß das Bedürfnis nach Musik in den Kreisen der Arbeiterschaft nicht nachgelassen hat, und die Besucher wissen, daß sie hier das Beste erwarten dürfen. Im Programm die Rainen Schönberg, Schreker, Mahler, drei Musiker unserer Zeit. Auf Schönbergs„Perklärtc Nacht", ein frühes Werk seiner„romantischen Periode", und Schrekers Liederzyklus„Pom ewigen Leben", folgt als chaupt- nummer Gustav Mahlers„Lied von der Erde". Symphonie des Abschieds von der Schönheit des Lebens, ein Werk von un- sagbarer Abgeklärtheit und Tiefe des. Gefühls, es wird für die Hörer in der Tat eine beglückende Stunde lebensfernen Vergessens, obgleich von den beiden Solisten nur Ida Hart zur Rieden geistig über ihrer Aufgabe steht, und obgleich der Dirigent Hermann Scherchen in seiner lehrmeisterlich-oernünftigen Art den jen- seitigen Ton dieser Musik noch weniger als ihr Tempo und ihr« Tempi findet. Felix M. G a tz, der über Bruckner den Weg zu Mahler sucht, kommt in der Siebenten Symphonie seinem Wesen näher. In der ausverkauften Philharmonie sitzen die Abonnenten der Bruckner-Vereinigung und sind hingerissen von dieser Siebenten, die, ähnlich und doch anders als die Fünfte, aus Wirrnis und Dunkel in die Höhen der Lebensfreude und Heiterkeit«mporsührt. lind am selben Abend Mahler in der Singakademie: Ludwig Wüllner lftingt die„Kindertotenlicder" in ihrer visionären Schönheit zu ergreifender, erschütternder Wirkung. Zweimal in wenigen Wochen fand der große, wahrhaft ehrwürdige Künstler hier seine Gemeinde versammelt. Unvergleichlich diese Kunst des Vortrags, die jedes Lied zum neuen Erlebnis macht, das Lied der deutschen Romantik und ihrer Klassiker: Beethoven, Schubert, Schumann, Brahms, Hugo Wolf.(Dazwischen standen die fünf George-Gcsänge von Bernhard Blau, die schon zum Be- stand der neueren Literatur gehören.) In diesen weltabgewandten Bezirken des Liedes wird eine Welt der Musik lebendig, in die der heutige Hörer sich willig entführen läßt— von einem Meister wie Wüllner. Oder von einer Meisterin wie Lula Myjz- Gm einer, die sich— an ihrem ersten Abend im Beelhoven- Saal— mit überlegenem Können und tief eindringender Liebe in Schumanns„Dichterliebe" versenkt, Wort und Musik aus innerer Anschauung plastisch gestaltend. Ein anderes sind die Symphonien Schumanns. Mit der Dritten, die fast nur noch formal interessiert und befriedigt, einem matten, gedanklich schwachen Werk, Hauptnummer des zweiten Philharmonischen Konzerts, wissen wir nicht viel anzufangen, obgleich Furtwängler sür ihre vollkommene Wiedergabe seine und des Orchesters beste Kräfte einsetzt. Der Abend, den die lustig-leichte, mir technisch schwierige Ouvertüre zu Hindemiths Oper„Neues vom Tage" eröffnet, klingt mit Berlioz aus: mit den drei Orchesterstücken aus„Fausts Ver- dammung", hinter deren blendender Artistik sich die verhaltene Leidenschaft eines besessenen Musikers birgt. Aber Mendelsohns formvollendetes Violinkonzert wird vor allem für den Geiger M i s ch a E l m a n Gelegenheit, all« Künste eines raffinierten, doch nicht immer vornehmen Virtuosentums zu entfalten. Und noch zwei Gelger, die sich in diesen Tagen hören ließen: der Franzose Jacques Thibaud imponiert als reifer Könner und Künstler größten Formats vor allem in der„Chaconne" von Bach, und man bestaunt von neuem das Natur- und Kunstwunder des frühreifen Genies, vermöge dessen der Knabe Pehudi Menuhin. ein freundliches, unbefangenes Kind, als schlechthin Vollendeter vor sein Publikum tritt. Doch die typischen Programme solcher Geiger- abende bleiben Muster von Geschmacksverlassenhest und Stillosigkcit, die nicht den Sinn der Musik, sondern eher den Unsinn des heutigen Konzertierens anschaulich macht. Achtung! Die Vertriebsobleute der Schülergemeinschaften und die Schüler-Vertrauensleute der Werbebezirk« haben umgehend die neuen Nummern des„Roten Schülers" abzuholen. Weiler für Berlin: Kühl, wechselnd bewölkt, ohne erhebliche Niederschläge, westliche Winde. Für Deutschland: Wechselnd be- wölkt und kühl, nirgend nennenswerte Niederschläge. Bukab. Ortsverwallung Berlin. sind eingeladen worden. Fnnktionärausweis und ÄUgliedsbuch legitimieren. Inte» efftette Mitglieder sind als Hast« willlommea. Mitgliodnbnch weist an,. Kreits«, 24. Oktober. Berlin. 16.05 Cellovcrträge(Felix Salmond; am Flügel: G. O'Connor Morris). 16.30 Vom Winterschlaf und Sterben der Pflanzen.(Dr. W. Noclle.) 16.50 Gabriele Haitcnstein: Eigene Erzählungen. 17.10 Prof. Dr. Otto Kahn: Radium und Alter der Erde. 17.35 Unterhaltungsmusik. 18.35 Das neue Buch. 18.45 Programm der nächsten Woche. 19.10 Aktuelle Abteilung. 19.30 Zweimal Joseph Schmidt. Natur und Schallplatte. 20.30 Dr. Dr. E. Frey: Die Erzählung der Woche. 21.10 Unbekanntes aus Jugendwerken Richard Wagners. Dir.: Sslmar Meyro- witz. Solist: H. Schey, Bariton. Nach den Abendmeldungen Abendunterhaltung. Königswusterhausen. 16.00 Dr. Gerhard Lehmann: Kongreß für Heilpädagogik. 16.33 Leipzig: Konzert. 17.30 Dr. Ludwig Lewin: Der Mensch in der Ocffentlichkeit 18.00 Prof Dr. Palyi: Das internationale Goldproblem. 18.30 Dr. Otto Häuser; Urmeuschenaufslieg. 19.00 Englisch für Fortgeschrittene. 19.30 Wissenschaftlicher Vortrag für Acrzte. 20.00 München:„Boris Godunow". Vtrontwortl. für die Redaktion: Fran, Stlühs, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag OL m. b. Berlin. Druck: Bdrwärts Buch- druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer 6: Co., Berlin EW 68, Lindenstrabe S. Hierzu 1 Beilage. sotor am Halleschen Tor, die Gaststätte der guten Küche Inhaber; Willy Schwärze! Jeden Sonnabend und Sonntag 7 Uhr: Die Stimmungskapelle Ausstoß der vorzuglichen Löwen- Böhmisch- Biere Freitag, 2t. 10. St&ais-oper Unter d. Linden A.-V. 54 19% Uhr Die Madil fies SAKksais Ende g.22-r. Uhr Staats-Oper tu Plih der Rflpablik. V-B. 20 Uhr neues vom Tage Oeffentl. 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Ztr. 11263 Dönhoff- Brettl: VolKsbttime Theater am BQInvpiati. 8 Uhr Die Weber v. G. Hauptmann Regie: K. H. Martin. ineatsr am schiit&auerdamni 8'U Uhr Jud SiiO I Staat). Sdnller-Tb. 8 Uhr Nora Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Neues vom Tage Oeatsdies Tfieafct 8 Uhr Neueinstudierung Ein Sommer- 1 nachtstraum Regie: Mai Reinhardt. K&mmerspiele S'.J Uhr Elga m Gerhait Hauptmann. Regie: Gustav Härtung. Die Komödie 8Va Uhr Der Schwierige »oo Hugo von Hofmsooülul.| Regie: Max Reinhardt. Barnowsky-IKltineii Theater In der Mresefflanosir. Täglich SV. Uht Sturm im Wasserglas Knnädle von frank. Komödienhaus 8 Vs Täglich 8 V< Konto X von Bernauer und Oesterreiihef S14 Uhr.— Zentium 2819.— Rauchen erlaubt Tiffany Twins eine Augonwj�tda Bedini Tafany* die derzeitige Sensation Daa ganze Programm hervorragend. Sonnab. u. Sonntags Ja 2 Vorstallungen 4 Uhr und 8.15.— 4 Uhr kleine Preise' Das führende Variete CHans Rosod „Ii dn Maindit" Stürmisches Lachen S Entzückende Musik! Tränte, Hans u. 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Wenn man jetzt feststellte, daß die offizielle Welt und die breite.Oeffentlichkeit Amerikas dieses Eiland der Kunst gor nicht kennt, ja wäre das kein Widerspruch zu dem ersten Satz, sondern nur eine weitere Charakterisierung des amerikanischen Lebens. Der große Fremdenverkehr von„American Expreß' und Harry, dem amerikanischen Hotelbesitzer, geleitet, umgeht dieses herrliche Städtchen oder weiß nur die Siedlung der Pueblo- indianer in der Nähe davon bedeutsam zu machen. Ankunft in Taos. Ein alter Cowboy(Kuhjungc) hat uns aus dem Mittelwesten dorthin geschickt. Es waren etwa 500 Kilometer Umweg für den direkten Weg nach Kalifornien, und der heißeste Weg durch die Wüste mußte nachher genommen werden. Aber wir sind dem kunstbegeisterten Farmer vom Kansas, der in New Mexiko die Herden weidete und sich an der architektonischen Schönheit von Taos erfreute, dankbar für«inen reichen Schatz von Eindrücken echten, künstlerischen Schafsens. Die Sonne ist in? Niedergehen, als wir den breiten Talkessel erblicken, wo die Häuser von Taos hervorleuchten. Der Wagen rollt so leicht und frisch nach der langen, anstrengenden Fahrt durch Berge, den Weg hinunter, als freue er sich auch über das Bild, das sich da den Blicken enthüllt. Die Kronen der hochgestreckten Pappeln am Wege sind rot durchleuchtet. Ihr Glanz flimmert über alte Häuser, aus Lehm und Stroh gebaut, vierkantig, mit wulstigen Kanten am Doch und hölzernen Balkenenden am First. Sparsam sind rot und blau für Fenster und Türen verwendet, wo künstlerische Freude und Reichtum lächeln. Armselig grau und verschüchtert ducken sich die Jndianerhütten in das Grün der Felder oder lehnen sich an die wenigen Bäum« und Strüucher. Der alte Zieh- b r u n n e n mit der Kettenwalze träumt verlassen in den Abend hinein. Nur die Hühner stören ihn, die gackernd in einer primitiven Heckenumzäuimng ihren Abendklatsch führen, bevor sie die Augen schließen. Ein paar schwarzhaarig«, schmutzige Jndianerkinder schauen erstaunt auf die Fremden, die mit der Kamera hantieren. Die Mutter, die schau aus der Tür blickt, ruft sie zurück. Als wir den Weg fortsetzen, leuchtet durch eine Heckenlichtung der bunte Schimmer eines herrlichen Hauses, mexikanisch- indianisch, in reinen barocken Formen, schimmernd in klaren Farben mit. Loggien, Ausgucken, und den dunklen, runden Balkon- eudea. Ein Schild am Eingang belehrt uns, daß hier der russische Künststr-L co n Ga sp ar d seine timstlerische Impression van indianischer Baukunst verarbeitet hat. Kurz nachher öffnet sich das Städtchen. Am Marktplatz drängen sich die Autos. Ein leichter Staubschleier graut die gelbbraune Lehmfarbe der Häuser etwas an. Teilweise hat der Regen der letzten Tage den Außenputz aufgeweicht und die nachherige strenge Sonne breite Risse hineiugetrocknet. Bei heftigen Erschütterungen sollen die Lehmstiicke ab. „Ein starker Regenguß muß doch die ganze Stadt mit Hausen? und Ställen in einen einzigen dicke?? Breihausen verwa??deln", meint E l in e r nachdenklich, als wir am Marktplatz standen. „Sicher, das Ganz« scheint aus K?chsladen und Dreck erbaut", ruft lachend nrit deutschen Worten ein frisches Mädel uns zu— in Taos, in New Mexiko, in d:??? südlichsten Teil der Vereinigten Staaten von Airzerita, ein Mädel aus Ha in bürg zu treffen, das hätten wir uns allerdings nicht gedacht. Die Ueberraschung kostete??achher einen Dollar. Die junge, kühne Hambrirgerin roar Schülerin einer F l u g s ch u l e in Mittelamerika und ver- kaufte Abonnements für eine New-Porker Zeitung, die ihr dafür das Studium freistellte. Von 100 Mark aufwärts pro Tag... Ein oorüberfahrendes Auto hüllt uns in eine dichte Staub- wölke. Der malerische Marktplatz braucht scheinbar zu seiner künstlerischen Entfaltung Staub und Schmutz: de??n der Weg bis zum Städtchen war gut gepflastert und geteert. Die Seiten des Platzes sind von klugen Geschäftsleuten und Hotelbesitzern stilgerecht bebaut. Rothenburg o. d. T. in rnexikairisch-indioni scher Ausgabe. Für die vierte Seite hat sich noch keiner gestmden, der den teuren Boden rrnt noch teureren Mauern besetzt. Seit Taos seinen künstlerischen Beruf erkannt hat, ist es kostbar geworden. Mr. H a r v a y, der Reifeunternehmer für den Süden der Ber- einigten Staate??, setzte sich mit einen? Hotel— revidierte Kunst- ausgab?— an eine Ecke des Marktplatzes und läd olle Fremden ein, in feiner Jndianerhütte für lll Dollar oder 40 Mark e i>? e Nacht zu schlafen. Sollte ein längerer Aufenthalt mit Pension angenehm sein, so kann man alles im Harvay-Hotel gut uud stilvoll für 25 Dollar, b. h. von 100 Mark aufwärts, für jede?? Tag, den die heiße Soni?« New Mexikos den Pueblos(Indianer) schenkt, erhalten. In der Mitte des Marktplatzes steht eii? erhöhtes Postaimmt für eine mögliche Musikkapelle. Einige Ji?Sianerjungcn haben sich dort zur Ruhe gestreckt und pfeifen einen amerikanischen Schlager. Auf dem Rasen rundum liegen, stehen, sitzen Mexikaner, Jndiairer. Weiße und halten ihren Abe>?dNatsch. An einer Stelle hat sich eine größere Gruppe gebildet. Einer liest eine Liebesgeschichte a??s der Zettung vor. Ueber die harmlosesten Stellen können diese Natur- linder in entzückter Freude lächeln. In den�K a u f l ä d e n leuchten die elektrischen La?npsn aus. Ilnter den«äule?? Hollen vor den Schaufenstern promenieren d'e Fremden und lasten sich von den leuchtenden Farben a??geblich indianischen Ku??stgewerbes zum Kauf hineinlockei?. Da liegen die bunten Teppich« i?i?d Wondbehänge, die Toiwasen, Leuchter. Teller und Töpfe, die Jndianerpuppcn, Ketten, Armbänder, Ring« und Kleider:«in Kinderspiel ist der Häuptlingskopfputz geworden: im vollen Jndianerdreß darf man sich photographierei? lasten, allein oder mit einem echten Häuptling oder einer Squaw zur Seite man kann im Kreise von Indianern sitzen und die Friedenspfeife rauchen und hii?ter sich Jndiai?erhütten im Feuerschein lodern lassen, n?a?? kai?n als Trapper durch die Berge schleichen oder auf stolzem Rosse mit erlegtem Bär oder Büffel hinter sich von anstrengender Jagd heimkehrend dem kebensw-urdigen Photo graphcn ins Gesicht lächel??, der so verdienstvoll den großen Auge?rbl!ck der Nachwelt überliefert und den Leuten daheim den Nachweis für die über- standen«?? Abenl«??er im fernen Westen liefert. Mr. Tfchuld'gen. Als wir ein A u t o k a n? p aufsuchen, empfängt uns ein Bursche, der seit einigen Wochen vergessen hatte, sich zu rasieren u??d gelegentlich ein sauberes Hemd anzuziehen, sei??«» Kamm hatte er ent?»eder verloren oder zerbrochen ui?d seine Finger zeigten, daß Seife vor Berührung mit den Händen beschützt rverden müsse. Ueber Hose und Schuhe kon??te man kein Urteil fassen— sie waren dunkel wie die Nacht ringsum. Woher hatte dieser Hotelangestellte seine liebenswürdigen Manieren und seine bewegte, außerordentlich saubere Sprache her? Als er an meinem schwerfälligen Englisch den Ausländer er- kannte?md erfuhr, daß ich aus Berlin käme— ja, wer hätte da gedacht, hier in New Mexiko, im fernen Westen Ai??erikas, u>?ter Indianern und Mexikai?ern, Weißen und Roten und unbestimm- baren Farben die höchsten Lobpreisungen z?rr Ehre der de??tsche?? Reichshauptstadt aus solche?» Munde zu hören! Das sprudelte in einem Deutsch hervor, daß dem Habitus des Redners eher als fein E?rglisch entsprach, wovon noch an? besten das„Entschuld'gen" klang. Hören wir sie selber, die Lobpreisungen a??f unsere gottbegnadete Heimat: „Tfchuld'gen— you komm from Berlin? O i(ich) dort sechs Monat. Schöi?« Stadt, schönste Stadt in Europe. Sauber, sauber, very clean— o, Paris, Dreck, Dreck! Ich kennen die Mann — o w hat's sei?? Na???e? Poet, wilde Haare, groß, big Mann, Anarchist, sricnd of E i s n c r, bayrisch Revolution— tschuld'gen, ich Hove sein Visitkart— tschuld'gen, hier: Erich M ü h s a m. O, wundervoll Man??, bißchen Bourgeois. Schreibt auch für „Berliner Tageblatt" oder so— tschuld'gen! Ich auch kenn' Rocker. Nou know Rocker? Tschuld'gc??, hier sein Karte. Was, du denkst about: Im Westen nichts Neues? Karl Maria Remarqu«?— Krämer— ich auch heiß Kramer. Entschuld'gen— hier my Kart'. Bin van Wilna, kam as ein little Boy. Js Sergeant Grijcha nicht nmch bettcr? Gar kein -"f Ii v � Der Patient richtete feinen bandagierten Kopf mühselig in die Höhe: er hotte zuletzt noch das Bedürfnis sich mitzuteilen, Mit- menschen seinen traurigen Fall z?i erklären. „Mein Name ist Niemand", sagte er, wie im Fieber sprechend.„Das ist heutigentags ein häufiger Naine: Nie???and.— In jeder Großstadt gibt es eine Menge Nie>??a??ds: durchweg unglückliche Leute. Ein„Niemand" ist, wer heute er selbst bleibe?? will, wer sich steinmt und n>ehrt gegen den Mechanisi??us des?i?oder??«?? Masfcnlebens. Ein Nie:??and ist derjenige, der sich in die Allgeineinhcit nicht einorimen kann, der es nicht versteht, irgendeine Funktion in den? Getriebe und Betriebe der Großstadt zu überitehmen. Der I n d i v i d?> a l i st, der Outsider, ist heute der Nieinand. Die Zeit zermal?i?t ihn... so wie sie mich zermalmt hat..." „Ich hatte versucht, in dieser meiner Heimatstadt," so suhr der Schwerverletzte fort,„in die ich ar??? zurückgekehrt bin, a conto meines reichen Lebens ein wenig Beachtung zu finden. Kein Mensch frug, wo ich herkomine, ums ich erlebt und gedacht habe... was mir gefalle oder rnißfalle. Es interessierte nicht weiter, was ich sei, so??dern nur?vas ich leiste. Für die Allgemeinheit? Nein: für jemanden Befoirderen. Ich hatte indessen kein geeignetes Tätigketts- feld gefu??den. Zu allerhand Dingen taugend, hatte ich nicht heraus- finden könne??, wo in dieser komplizierten Maschinerie hier mein Arbeitsplätzchen ist. Wo immer ich mich hinwandte, fand ich einen anderen am Werk, der mich als Außenseiter scheel ansah... Jedermann. In der Möblierte-Zimmer-Wohnung, wo ich Quartier genommen, wußte man mich nicht anders als der„Niemand" zu betiteln, denn man bezeichnet die Leute nach der Beschäftigung, nicht nach ihrem Streben. Als der Niemarrd verließ ich das Haus und ging auf die Straße... wo der eii?zelne Mensch, zumal der unnijtze, der Be- schauer, wiederu??? Niemand ist, ein verlorenes Partitelchen in eine?» Kollektiv. Die Straße gehört Jedermann. Jedcri??ai?n hat etnms a??dercs vor, aber Jederinann ist tätig(falls genug Arbeit vorhanden ist) an den? großen Mechanisi??!?s Stadt. Die Restaurants, die Kaufläden, die Büros sind für Iederi??ai?n, der Selbsterlzaltungs- trieb zwingt Jedermann, ohne zu fragen wozu, weshalb, zu arbeiten, arbeiten, arbeiten, um das Räderwerk: Stadt in Gang zu halten, das sich dreht u??d dreht und dreht, lind was die Masse produziert, konsuiniert wieder die Masse, gedankenlos, uniform, ewig in Be- wegung und doch nicht recht von der Stelle kommend, oft auf die sonderbarste Weise beschäftigt und wiederum jede Eigeirart ablehnend. Man liebt den Niemand nicht, der da sinnend vor blendenden Schaufenstern steht, in sich aufzunehmei? versucht, was kein einzelner auszunehmen vermag und darüber nachdenkt, warum sich Jedermann so rackern muß.„M a??" sieht so ungern, daß einer nebenher seine eigenen Wege geht... Man. Was Jedermann tut, das tut„man". Man sagt, man kaust, man liest, man trägt nur das, was Jedermann trägt. Ohne sich viel zu fragen, ob es einen Sinn hat.„Man" ist die Tyrannei des Jedermann. Niemand entgeht'ihr, niemand kann sich absondern. Die Allgemeinheit vergewaltigt den einzelnen— wie sie ihrerseits von I e??? a n d e in verge?valtigt ivird, der Nutzen zieht aus den? großen Mechaitismus, der die Massen nicht zu Atem kcmmren läsit. Jeder Gang durch eine Großstadtstraße liefert einen Werwäliigeaden Beweis von der Ohnmacht des Jrrdividuums gegen- Vergleich Zweig und Re???arque.— Tschuld'gen— große Schweinerei, 2 Millionen Auflage! Grischa nur 100 000." Die Amerikai?er— rote und wdiße— ringsum hören verwundert die Vorlesung über deutsche Literatur. Mr. Krämer aber ruft ihnen mit bedeutender Gebärd« zu— natürlich in guten? Englisch:„Eirtschuldigen sie,?neii?e Herrschaften, einen Augenblick. Hier ist ein Deutscher, dem das Englisch« schwer fällt. Ich unter- halte mich ein bißchen mit ihm in seiner Muttersprache, die ich auch gut spreche." Und zu mir gewandt?nit der gleichen selbstbewußten Gebärde: „Tu nicht sprecken englisch, ich like zu hören de??tsch. Meine Ohr sehr einpfindlich für gute Sprecken, you better sprech deutsch." So— und ich bildete mir ein, ich spräche bald wie ein Amerika??er— und meine guten Freunde hatten diese trügerische Hoffnung genährt. Wenn ich??ur nicht so empfindliche Ohren für schlechtes Deutsch gehabt hätte. Mr. Tschuld'gen— wie wir Kramer jetzt??annten— stellte sich nochmals an? Abend ein, um mir zu sagen, daß Otto Dir und George Groß viel besser feie?? als die Käthe Kollwitz: daß der Kölner Don??nit Walt Whitinan zu vergleichen wäre, daß aber die Rocky Mountains in Kanada??och geusaltigcr auf ihn wirkten. Er hätte gewattige inner« Erlebnisse gehabt, die das Christentum nie vermitteln könne. Christus sei ein Stümper, ober roenn ich könne, solle ich von seiner großen Wandlung ii? De?ttsch- land erzählen. Ein Mädchen kenne er auch dort, ui?d sie hätte ihn? einen Brief geschrieben, so wie?>e?-liebte Mädchen ihn schreibe??. Ich solle sie einmal aufsuchen und?ostillc>n d'amour spielen. Sie ist Medizinstudentin in? 0. Sei??ester und er— Maler, Dichter, Philosoph, Polittker vo?? Berufung— im Hauptberuf leider nur Cainpclerk, d. h. Angestellter dieser Auto- und Persoirenüber- rvachungsstelle. New Mexiko init seiirem herrlische?? Klima und sein lächelnder Optimismus ii? dieser Tätigkeit werden sicher dein Lungenkranken i??it den Kirchhofsrosen auf den Wangen gut tun. Cr hofft, in zwei Jahren gesund zu sein. Hier ist ein Beispiel, wie ein armer Ainerika??er Sanatoriumskur macht.„Frei Heil" rief er uns an? nächsten Morgen zum Abschied nach. llritr� hält seine eigene Grabrede über der Zlllgeineinheit. Hin! Deutschland ist so stolz darauf, dos sich am raschesten ai??erikanisierendc Volk zu sein, weil dies als ein Fortschritt airgesehen wird: aber wohin diese Amerikanisierung führt, ist eine kniffelige Frage, über die?nan leicht hinwegsieht. Ich wollte warnen, in a n lieh mir kein Gehör. Menschentum zu verteidigen ist ein gänzlich rinmoderncs Unterfange??. Ich mischte mich unter Menschen, aber sie glitten von inir ab, da ich keiner Iitterefseirgruppe angehörte, ivie Jederinann, der im Stadtmechanis- mus tätig: ich war und blieb eben der Niemoird.. Jemand. „Es ist ein wundeiwoller Mechanisnius, an dein ihr olle arbeitet," sagte ich,„kein GroßstadtmechanisnuiS funktioniert in so vollendeter Weise und nirgends wird so viel gearbeitet wie hier, aber ?vsr ist der Nutznießer eurer großen Mühe, immer Jemand, Außenstehender, der gar nicht an der Sache beteiligt war. Viel weniger als ich, der Nie??? and. Immer heiinst Jemand, ein meist u n s i ch� b a r e r Jemand, über die Köpfe von Jedermann hin- weg, einen großen materiellen Vorteil ein. Waruin eigentlich? Im Gefangenenlager, wo alle unter denselben äußeren Be- dingungen lebten, wie leicht wurde da aus Ieinand ein Nieinand. Hier will aber Jedermann Jemand fein und in a n vergißt leicht darüber, daß die, die Jen?a??Ä vorstellen wollen, oft nichts sind, und i?ur un? deren Luxusleben zu befriedigen, ist Jederi??a??n so eifrig tätig." Ich Hab' rnir's genau besehen, wie alles ineii?andergreift, ein Rad von? a??deren unerbittlich abhängig ist, kleine hastige Räder- chen und große, die nur langsain ruck-zuck inachen und w?e Jeder- mann ausgenützt werden. Der herrliche Mechanismus, den er geschaffen hat, sollte zu seiiier Freude in Betrieb sei??, mit den heutigen technischen Hilfsmitteln könnte man eii?e Stadt für Götter bauen— aber dies» ist trotz allen Glitters, trotz ihrer inodernen Architektur, trotz vielen Feinheiten und� allerlei Komfort für die Herren Iemands, für einen Großteil der Bevölkerung die für sie arbeiten, physisch unbewohnbar, lind es wird iinmer jchliminer in bezug auf Lärm, Staub, Unglücksfälle, Not u??d Elend... Nichts.' Also: Meine Sliinme verhallte nutzlos, kein Blick blieb aus mir haften, das Leben umbrauste mich und schloß i??ich aus. Der Nieinand ist der Mann auf der Straße, in a n sieht ihn nicht an, man hört ihm nicht zu, in a n beachtet ihn nicht: er kann nie???als das Augenmerk auf sich lenken, es gelingt ihm nicht, sich vo,? der Masse abzuheben. Er fühlt alles und gilt als Nichts. Seifte.Sinne sind allesamt geschärft, aber die Umwelt bleibt stuinpf für ih>?. Was soll er tun, im? sich bemerkbar zu machen, zu zeigen, daß er nicht ivie ein Tropfen Wasser mit dem ander.'?? fortgeschwcimnt wird sondern ein Eigenleben besitzt. Ich blickte einmal surch'sain und lachte dann wieder, ich rannte und stand darauf still an einer Ecke, ist stieß an Jederinann an, u??d ging hierauf Jederinann aus dem Wege. Ich nahm die verschiedenartigsten Haltungen an, ich schrie. ich lachte, tobte... nichts, wie höchstens ein Achselzucken. Ich war tot für diese Stadt, wie sollte ich lebendig werden...? ... Ein großer Omnibus bog um die Ecke: ich blieb stehen, rührte mich nicht... siel... Als ich blutend auf der Erde lag, da, da kamen sie endlich herbei. Jedermann lief a?if mich zu. Und ich, der Niemand, war für einen Slugenblick Jemand... Für ei?« kurze Spanne Jett... ehe ich eingehe in das eunge Nichts." Heinrich Hemmer: �TlCnTCllT& WUMOOLF Copyright 1930 by ,,Der Büchcrkrcis G. m. b. II.*', Berlin SW 61. (16. Fortsetzung.) Es dauert« nicht lange, und das Dorf begann Punchiralas Ansicht zu teilen. Die kleinen Kinder wurden eiligst versteckt, wenn Hinnihomi vorüberging. Natürlich war der Hirsch ein Teusel, der Unglück über dos Dorf gebracht hatte. Man erzählt«, daß er zur Nachtzeit umherstrcife und die Leichen in den frischen Gräbern fresse. Eines Tages brachte ein besonderer Vorfall die feindliche Stimmung gegen Hinnihami zum Ausbruch. Der kleine Sohn des Dorfältesten starb plötzlich, ohne eigentlich krank gewesen zu sein. Dann erinnerte man sich, daß das Kind drei Tage vor seinem Tode Hinnihami und dein Hirsch begegnet war. Das Kind hatte ein paar Zweige in der Hand getragen, und als der Hirsch herangekommen war, um davon zu naschen, hatte es sie hinter sich gehalten. Der Aelteste und der Vederola waren überzeugt, daß Hinnihami und der Hirsch umnittelbar an dem Tode des Kindes schuld seien. Sie überlegten hin und her. Nachbarn wurden gerufen und gingen und kamen und besprachen sich im Hose des Aeltesten! endlich beschloß man zu handeln. Ain nächsten Morgen sammelte Hinnihami in einer alten Chena Feuerholz. Der Hirsch war bei ihr und äste nicht weit entfernt im jungen Grase. Plötzlich hörte sie ein Geräusch Eine Rotte von Männern und Knaben aus dem Dorfe war leise durch den Djunget peschlichen und stand jetzt zwischen dem Hirsch»nd ihr. Als sie aufsah, flog der erste Stein; er verfehlte sein Ziel, aber ein zweiter kam und traf mit einem dumpfen Aufschlag den Hirsch in die Flanke. Er slüchtete in weiten Sätzen. Hinnihami schrie auf und lies aus ihn zu. Als er ihre Stimme hörte, blieb er stehen und sah sich um. Ein Hagel von Steinen siel rings um ihn; Blut begann von seinen Flanken zu tröpfeln, plötzlich stürzt« er niit zer- schmetterten Vordcrlnufen vornüber auf den Kopf. Die Männer jubelten. Hinnihami, die herbeirannte, wurde von zwei Burschen gepackt und rückwärts auf den Boden geschleudert. Sie siel schwer und war für einen Augenblick betäubt; dann hörte sie einen lang- gezogenen Klagslaut und sah, wie der Hirsch inmitten der höhn- lachenden Bande sich vergeblich auf seinen gebrochenen Läufen auf- zurichten versuchte. Sie fühlte, wie ihr das Blut in den Kopf schaß; eine maßlose Wut packte sie, und sie stürzte sich auf die beiden Männer, die ihr den Weg versperrten. Klatschend fielen Schläge auf ihren Kopf und die Brust, ihre Jacke wurde zu Fetzen gerissen, und endlich brach sie erschöpft zusammen. Der Anblick des blutenden Hirsches und des halbnackten Weibes am Boden sandte eine Welle von Grausamkeit und Wollust durch die Männer. Sie rissen Hinnihami ihr Tuch ob, packten sie bei den Armen und schleppten sie nackt zu dem Hirsch hin. „Hier, tröste deinen Pakka, Pakkini. f)aft du keine Milch mehr für ihn in deiner Brust?" Sie hielten sie fest, damit sie sah, was sie taten. Der Hirsch stöhnte vor Schmerz. Einer von den Männern schnitt einen dicken Knüppel und schlug damit auf die Himerläuse, bis sie gebrochen waren. Hinnihami kämpfte, aber sie war machtlos in ihren Händen. Endlich, als sie der Quälerei müde waren, warfen sie sie neben den Hirsch auf den Boden und gingen-davon. Hinnihami war unverletzt aber betäubt vor Entsetzen und Wut. Der Hirsch stöhnte von Zeit zu Zeit. In dem Verlangen, ihn nach Hause zu bringen, verluchtc sie ihn aufzuheben. Aber er klagte bei der geringsten Berührung, auch war er zu groß geworden, als daß sie ihn hätte tragen können. Sie fühlte, daß er verloren war. Sie warf sich neben ihm auf die Knie, streichelte seinen Kopf und flehte ihn an, sie nicht zu verlassen.--„Punchi Appu, du darfst nicht sterben. Sicherlich, der Gott, der dich mir sandte, wird dich retten. Punchi Appu! Punchi Appu. du kannst nicht sterben." Dann überwältigte sie das Gefühl dumpfer Verzweiflung. Einen zeitlosen Tag hindurch saß sie da. Sie merkte es gicht, als der Hirsch starb; sie wußte nur, daß er tot und mit ihm alles für sie erloschen war. Jetzt hatte sie nichts mehr, für das sie leben konnte, und schon fühlte sie das Leben langsam von sich gleiten. Sie dachte an das Kind, das sie verloren hatte; es hatte ihr gefehlt, und sie hatte es betrauert, aber niemals hatte sie das Kind geliebt, wie sie an dein Hirsch gehangen hatte. Er war, ein wildes Ding aus dein Djungel, zu ihr gekommen, die geheimnisvolle Gabe des Gottes. Jetzt lag er tot mit zerbrochenen Gliedern da. Sie er- lchauerte, wenn sie an die Szene dachte, erschauerte, als sie sich des dumpfen Ausschlags der Stein« erinnerte. Siliiiidu fand sie am nächsten Morgen nackt neben dem Hirsch am Boden sitzend: ihr Haar war naß von Tau und die Kleider steif von der nächtlichen Kühle des Djungels. Es kostet« ihn große Mühe, sie zu sich zu bringen. Endlich erkannte sie ihn. „Laß mich, Appochi,� sagte sie immer wieder.„Laß mich hier sterben; er ist ja tot. Laß mich hier sterben, Appochi." Silindu schlug ihr Tuch um sie und trug sie auf seinen Armen nach Hause. Sie weinte ein wenig, als sie seine Tränen auf sich fühlte, aber dann gab sie kein Zeichen von Leid mehr. Schweigend iag sie im Hause, bereit zu sterben. Sie hatte aufgehört zu denken und zu fühlen. Das Leben fand an ihr keinen Halt mehr und entfloh, als sie in tiefem Schlafe lag, in der Stunde des Sonnen- ausgangs. i. Kapitel. Silind» sah jetzt deutlich, daß Hinnihami das Opfer gewesen war, um ihn zu retten. Der Teufel und der Gott hatten gesagt: „Entweder der Mann oder das Mädchen muß geopfert werden." Das Mädchen war hingegeben worden— richtiger wäre es aber gewesen, man hätte ihn sterben lasse», als er noch vom Teufel besessen war. Jetzt, als es zu spät war, erkannte er, daß er Hinni- Hann dem sicheren Tode überliefert hatte, als er sie dem Vederala gab. Nun hatte er sie ganz und gar verloren, mrd das Haus war leer. Er war ein Narr, jawohl, ein Narr; er wußte es; aber wi« soll ein Mensch wissen, welchen Weg er zu gehen hat wenn er ringsum von den Schlingen des Mißgeschicks und Verderbens um- stellt ist? Ein Mensch kann sich von Oel reinwaschen, aber, soviel er sich auch müht, er kann niemals dos Schicksal von sich abreiben. llnd dann dieser Piinchiralo- der war an all dem Unglück schuld! Warum war er jemals mit seinem Unglücksgesicht auf den Hof ge- kommen? Er sollte wirklich ickorgen früh seine Flinte nehmen und den Vederala totschießen. Und doch, wozu würde das jetzt gut sein, nun, da Hinnihami tot war? Es würde nur ein neues Unglück sein. Es war zwecklos, überhaupt noch etwas zu tun. Tagelang saß Silindu im Hof herum und„dachte", wie Punchi Menika es nannte. Sie war die einzige, auf die er noch hörte, aber trösten konnte auch sie ihn nicht. Mit der Zeit verlor sein Schmerz die erste Bitterkeit und wandelte sich zu einem Gefühl trauriger Ergebung. Eine Atmosphäre von Schwermut und Mißgeschick schien über dem Hof« zu lagern. Kurze Zeit, nachdem Hinnihainis Tod das Dorf aus seinem gewöhnlichen Leben aufgerüttelt hatte, trat ein anderes Ereignis ein, das nicht wenig Aufsehen machte. Babehami, der Dorfälteste, ließ auf dem freien Platz neben seinem Hofe ein Haus baue«, und als es fertig war, zog ein Mann aus Kaniburupititza ein, der Fernando hieß. Viele von den Dorfleuten hatten Geschäfte mit ihm gehabt: er hatte einen kleinen Lade» in Kamburupitiya und lieh Geld aus zu dem gebräuchlichen Zinssatz: manchmal nahm er auch etwas mehr. Er war kein Singalese und sprach sehr schlecht singalesisch. Manche Leute sagten, er sei ein Tamule; sein« schwarze Hautfarbe und sein krauses Haar ließen fkaffernblut in seinen Adern vermuten. Fernando war ein typischer Stadtinensch, gerieben, gewissenlos, mit einem dünnen Firnis von Bildung. Er trug den üblichen Sarong, dazu aber ein Hemd und eine Jacke, weshalb ihn die Dörfler Mahatmaya nannten. Es war klar, daß nur ganz unze- wohnliche Umstände«inen solchen Mann veranlassen konnten, sich in einem Dorfe wie Beddegama niederzulassen. Tatsächlich war der Grund der, daß der Dorfälteste und viel« von den Dorfleuten tief in seiner Schuld waren. Die Mißernt« des letzten Jahres hatte es unmöglich gemacht, irgendwelche Außenstände einzutreiben; mehr als das, er wurde von den Schuldnern mit Bitten um weitere Vor- schösse bestürmt, dannt sie sich durch die trockene Jahreszeit bis zur nächsten Ehenabestellung durchschleppen konnten. Der Gläubiger stand vor einer unangenehmen Entscheidung. Wenn er weitere Borschüsse verweigerte, lief er Gefahr, sein Geld duikch Tod odek Auswanderung der Schuldner zu verlieren, oder diese borgten von anderen und erschwerten so das Eintreibe» seiner Guthaben. Auf der anderen Seite hatte die vollständige Mißernte ihn in eine nicht unbedenkliche Lage gebracht: die Vorschüsse nebst den Zinsen waren schon für sich eine schwere Belastung der nächsten Ernte, selbst wenn diese wirklich gut ausfallen sollte. Um neue Vor- schlisse zu sichern, hatte er eine weitere Deckung nötig. Der Dorfälteste Babehami hatte einen Plan ersonnen, um diesen Schwierigkeiten zu begegnen. Er übernahm es, für jeden der Schuldner die Erlaubnis für die Bebauung von vier Ackern Chena- land zu erwirken. Die Scheine sollten auf den Namen der Schuldner ausgestellt werden, die dann sogleich die Rechte an vier Fünfteln der Ernte an Fernando übertrugen. Dabei kam man stillschweigend überein, daß die Schuldner, wenn diese vier Fünftel inehr betrogen sollten als die Schuldsumme nebst Zinsen, auf Herausgabe des Ueberschusses verzichteten. Fernando sollte in das Dorf kommen, um selbst die Bestelluirg zu überwachen. Tatsächlich lagen die Dinge also so, daß der Geldverleiher für d'e Bestellung der Ehenas Arbeiter gegen einen Ernteanteil von einem Fünftel in Lohn nahm, was unter Umständen ein ganz ausgezeichnetes Geschäft sein konnte, während auf jeden Fall seine Gläubigerrechte unberührt blieben. Die Dorflcute waren gänzlich in seiner Hand, und beide Teile waren sich völlig darüber im klaren. Auch Babehami wußte natürlich, daß die Abmachungen ungesetzlich waren, aber er war in Bedrängnis und seine eigen« Gewinnaussicht groß; denn außer, daß er für seine Beihilfe die Streichung seiner Schulden erlangte, wurden nach einer privaten Abmachung mit Fernando seine eigenen vier Acker Chena dem Geldverleiyer nicht überschrieben. Für die Dorfleute war Fernando, durch sein« Kleidung und seine Gewohnheiten, ein Mahatmaya. Er behandelte sie nicht als Gleichgestellte, und sie— weil sie seine Schuldner waren— traten ihm als einer Respektsperson entgegen.. Mit Babehami jedoch pflegte er Umgang; abgleich er einen kleinen Jungen als Diener mitgebracht hatte, nahm er alle feine Mahlzeiten in dem Hause des Aeltesten ein.(Fortsetzung folgt.) 'zßuzh SosialiWiche'VerfaffuugsknUk Dr. Otto K i r ch h e i m« r will in seiner Schrift„W e i in a r »nd was dann?"(erschienen in der„Jungsozialistischen Schriftenreihe", Laubsche Berlagsbuchlzandlung) eine sozialistische Verfassungsbetrachtung geben, und es ist nur selbstverständlich, daß er zu Formulierungen gelangt, die denen liberal-demokratischer Betrachtung diametral entgegengesetzt sind. Ausgehend van der gesellschaftlichen Situation bei der Derfassungsschöpfung gelangt Kirchheimer zu dem Schluß, daß die Weimarer Verfassung den Sinn jeder Verfassung, die den Wendepunkteiner p o l i t i s ch e n E/i t w i ck l u n g b« z e i ch n e n soll, den der Ler- fasser darin sieht: ein bestimmtes Aktionsprogramm zu verkünden, in dessen Namen die Organisation einer neuen Gesellschaft crsolgen soll, nicht erfüllt hat. Und man kann wohl feststellen, daß ein« Gesellschaft, die von sozialer und geistiger Homogenität so wc.t entfernt ist wie unsere, sich dieses Aktionsprogramm auch nicht geben konnte. Der Verfasser selbst bezeichnet es als das tragische Schicksal der Weimarer Verfassung, die dem Bürgertum die politische Gewalt zu einer Zeit gibt, in der die ökonomischen und geistigen Grundlagen seiner Macht bereits stark erschüttert sind, daß das deutsche Proie- tariat nicht die Willenskrast zur Schaffung einer sozialistischen Demokratie aufbrachte. Den gegeneinanderwirkeiiden Kräften des liberalen Individualismus und des sozialistischen Willens der Arbeiterschaft versuchte Fr. Naumann zwar seine Idee des sozialen Staates entgegenzustellen, um so durch Nachgeben beider Teile ein positives Programm als Kompromißlösung herbeizuführen; aber die endgültigen Forniulterungen brachten durch die Verankerung der Rechte der einzelnen Jntercssentengruppen kein Kompromiß— Einigung auf neuer Basis-, sondern eine Nebeneinanderordnung und Anerkennung der verschiedensten Wertsysteme, die positiv« En!- scheidung wurde oerschoben. Maßgebend aber für die Verfassung eines Staates ist letzten Endes nicht die geschriebene Verfassung, sondern die Machtverhältnisse der Klassen, und an einigen konkreten Beispielen aus der Geschichte der Weimarer Verfassung können wir auch hier die Richtigkeit der Lasjalleschen Erkenntnis, daß Ber- sassungsfrazen Machtfragen sind, feststellen. Rictiarck Junge. iUi$(ßücMe£icbesmüh Rudolf von Delhis:„Die Unruhe der F r a ü«» a ug e n." Roman.(Dresden, Earl Reißner, 166 S., gcH�SO M., geb. 5,50 M.) — Der Dichter Tino absolviert mit bemerkenswerter Schnelligkeit vier Liebesafsären, widmet jeder von den vier Frauen allzu viele sein„Dichtertum" beweisende Strophen und schreibt zum Schluß au jede einen Abschiedsbrief, vier tiefsinnige Briefe auf einen Sitz. Mag sein, daß„unser" vom Verleger dazu ernannter„berühmtester und meist gelesener Philosoph der Liebe und Ehe" dieses kindisch- ungefügen Apparates bedarf, um seine„Philosophie" in allen Farben leuchten zu lassen. Der Leser jedenjalls empfindet das Resultat als schal, abgestanden und phrasenhaft und fragt sich mgebcns, für wen so anspruchsvoll nichtiges Wortgemächte eigentlich geschrieben und gedruckt wird. vr. eVIlrcck Kleinbcrg. WAS DER TAG BRINGT «itnnmiiiimniimiiiuiiiiiiiiiiitiiiiiiiniiniiiiiiiiiiMiiimiiiniiiiuiiiimiiiiiiiiuiiiniimiiiiiiniuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiMiiniiiiiiiiiiiminiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiimiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiir Ein seltsames Giro Als im Jahre 1867«in deutsches Fainilieuhlatt eine Samnilung für eine Freiligrath-Stiftung veranstaltete, lief unter anderen de- deutenden Spenden ein Wechsel über 25 Taler von einem Herrn Ausennan in New Pork ein. Der Wechsel trug folgendes Giro: Zahlet an die Ordre dessen, Der den Löwenritt erdacht; Der bei Belgrad die Affäre In gehör'gen Reim gebracht; Der die Wüste Sahara Und den Mohrenfürsten sah. Zahl«t dem, der uns die Riegel Schob von ferner Zone Pforten; Der das Drängen seines Aolkes Ausgedrückt in Freiheitsworten: Der den Werth entrichtet hat— Zahlt an Ferdinand Freiligrath. Japans Sorge um seine Kultur Auf einer internationalen Konferenz über Erziehungssragen, die vor einigen Tagen in Williomsstown(Massachusets) stattfand, beklagte sich das ehemalige japanische Parlamentsmitglied Uusuku Tsumuri, daß durch den Einfluß Europos und der Bereinigten Staaten von Nordamerika die altjopanifche Kultur allmählich vec- schwinde. Im Laufe seiner Rede kam er auch aus die Bildung zu sprechen, die sich zahlreiche japanische Studenten auf europäischen und amerikanischen Hochschulen angeeignet hätten und wies dabei die viclverbreitet« und für Japan herabsetzende Ansicht zurück, daß die geistige Bildung der Japaner auf fremdländischer Erziehung beruhe und Japan eigentlich erst seit 70 Jahren aus der Barbarei aufgetaucht sei. Im Gegensatz dazu bemerkte er, daß Japans wert- vollst« Kulturgüter nicht etwa vom Auslande eingeführt worden, sondern das Ergebnis einer langen Friedenszeit seien, in der sich das geistige und künstlerische Leben des Jnselreiches in einzigartiger Weise habe entwickeln können. Wenn das moderne Japan auch vielfach amerikanische und europäische Sitten und Gebräuche an- genommen habe, so könne es doch niemals zugeben, daß die Arne- rikaner oder Europäer eine höhere Kultur besäßen und daß technisch oder finanziell weiter fortgeschrittene Völker auf höherer Stufe ständen. Japans Ehrgeiz bestehe darin, Wächter und Hüter der altorientalischen Kultur zu sein, und die Zivilisationen des Ostens und Westens harmonisch miteinander zu verbinden, niemals ober werde es seine eizeile Kultur der eines anderen Volkes unterordnen. Zum Schluß drückte Fusuku Tsumuri die Befürchtung aus, daß dos Eindringen moderner Anschauunzen, vor allem der rein maleria- listische Kapitalismus, auch in Japan den alteingewurzelten Sinn für die Schönheit ertöten werde, und er bezeichnete es als die wich- tigste Aufgabe der Regierung, der Ueberflutung Japans durch aus- ländische Einflüsse, die seit dem Kriege außerordentliche Fortschritte gemacht und die japanische Eigenart vielfach schon völlig zerstört hätten, mit allen Mitteln entgegenzuarbeiten. Die bedrohten Geschworenen Drohungen sind Richtern gegenüber schon oftmals ausgesprochen worden. Wohl noch nie ist aber ein Fall vorgekommen, daß fast sämtliche Geschworenen sich geweigert hätten, ihre Richterpslichten zu erfüllen, weil sie ihr Leben gefährdet sahen. Das geschah aber kürzlich in Marseille. Der Tänzer Carbone war angeklagt, einen Neger getötet zu haben. Nach Eröffnung der Sitzung gab der Staatsanwalt folgende Erklärung ab:„Heute morgen erschienen bei mir 11 Geschworene und baten mich, sie von der Teilnahme an diesem Prozeß zu befreien. Die Marseiller Banditen hätten ge- droht, sie zu töten, falls sie gegen Carbon« ein Todesurteil fällen sollten." Die Geschworenen bestätigten auf die Frage des Bor- sitzenden ihr« Weigerung. Die Verteidigung wollte von einer Ver- tagung nichts wissen. Das Gericht hob aber die Sitzung aus. Unbeabsichtigte Wirkung In Miami, dem bekannten Modebad der amerikanischen Gesell- schast, sollte durch einen fahrbaren Magneten die Straße von den für den Zlntoverkchr so verderblichen Eisenteilen, besonders aber von alten Nägeln und Schrauben gesäubert werden. Der Magnet trat seine Fahrt an; aber er wurde recht bald wieder aus dem Dienst gezogen; denn er nahm nicht nur die rostigen Nägel vom Fahrdamm mit, sondern auch die— Eullideckell Jetzt überlegt der Hochwohl- weise Magistrat Miamis, was er jetzt anfangen soll; soll er die Nägel liegen lassen und sich den Zorn der Millionäre und ihrer Chauffeur« zuziehen, oder soll er andere Gnllideckel anschaffen, oder soll er ein neues Verfahren ausfindig machen, das wohl die Nägel mitnimmt, aber die eisernen Gullideckel liegen läßt?— Wer spielt gegen wen? Arbeiterrascnspicle am 26. Oktober Qtt der Ärcisflajfc spielt Hertha gegen Weißensee in Luckenwalde: alle anderen Dereine der Kreisklasse sind spielfrei. I. Bezirk: Minerva gegen Lichtenberg II in Neukölln, Plaß 7. Eiche-Köpcnick gegen Hoppegarten in Köpenick, Grünauer Straß« (13 Uhr). Lichtenberg I gegen Union-Tempelhof in Lichtenberg, Sportplatz Kynaststraße. Borussia gegen Schweifsterne. Straus- berg gegen Herzfclde. Dcutschwusterhousen gegen Neukölln-Britz. Wacker-Storckow gegen Osten. II. Bezirk: Lychen gegen Bor- wärts-Wedding. Freie Scholl« gegen Saxonia. Pankow gegen Eintracht. Oderberg gegen Niederfinow. Schisfmiihl« gegen Schwedt. Eöthen gegen Freienwalde. III. Bezirk: Werder gegen Spandau. Rathenow gegen Potsdam. Cladow gegen Nauen. Butab gegen Brieselang. Sokol gegen Nowawes. Zweite Mannschaften: Lichtenberg I gegen Kagel I. Wildau 1 gegen Neukölln-Britz. Zehdenick I gegen Karow. Frei« Scholle gegen Saxonia. Borwärts-Wedding gegen Wansdorf 1. Pankow gegen Weihensee. Rathenow gegen Potsdam. Cladow gegen Nowawes. Graetz gegen Spandau. Charlottenburg gegen Knoblauch. Werder gegen Brieselang. Nauen gegen Butab. Wil- mersdorf gegen Ketzin. Iugendmannschaften: Minerva gegen Borwärts-Wedding. Oberspree gegen Lichtenberg II. Lichtenberg I gegen Britz 88. Werder gegen Saxonia. Wilmersdorf gegen Nowawes. Branden- bürg gegen Caputh.— Beginn der Spiele: 1. Männermann- schaften IS Uhr, 2. Männermannschaften 13,13 Uhr, Jugendmann- schaften 11 Uhr. tfondball Die Arbeiter-Handballer sind am Sonntag an den Bezirkswald- läufen beteiligt; so sind nur wenige Handballspiele angesetzt. In der 1. Klasse empfängt in der Abteilung A FTGB.-Nordring-Turner 1. Männermannschaft auf dem Platz an der Schönhauser Allee FTÄB.-Wedding 1. Männer. Hier ist der Kreismeister bestimmt Gewinner der Punkte. Wedding 2. Männermannschaft hat in der Abteilung L im Volkspark Rehberge di« Freie Turnerschaft Hennigsdorf als Gegner. Sollte Hennigsdorf dieselbe Spielweise vom vorigen Sonntag zeigen, dann werden beide Mannschaften stark um den Sieg kämpfen. Im 2. Bezirk spielen nur die Frauenmannschaften Nordring gegen Tegel um 14 Uhr auf dem Platz an der Schönhauser Allee. Im 3. Bezirk spielen in der 2. Klasse Wedding 3. Männer gegen FTGB.-Spandau 1 um 1312 Uhr im Bollspark Rehberge und Rathenow gegen Sokol in Rathenow. Im 4. Bezirk spielen Luckenwalde 2. Frauenabteilung 1 gegen Schöneberg 1 um 14?4 Uhr in Trebbin. Dort findet auch um 15'A Uhr ein Nord-Süd-Spiel des Bezirks statt. ttedkex In der G r u p p e eV finden am kommenden Sonntag nur zwei Spiele statt. Die Bezirk« Nordring 1 und Pankow 1 der Freien Turnerschaft Groß-Berlin treffen sich um 13 Uhr in der Schönhauser Allee. Nordring ist hier Favorit. Zur gleichen Zeit spielen in Rummmelsburg, Laskerstr., Tsnnis-Rot 1 und der Sportverein Moabit 1. Tennis-Rot versteht zu kämpfen und dürste den Moa- bitern einen Sieg recht schwer machen. Beide Mannschaften hatten einen schwarzen letzten Sonntag. In Mariendorf fallen die Spiele am Sonntag aus.— In Gruppe B und C kommt nur je ein Spiel zur Durchführung. FTGB.-Neukölln II empfängt Pankow II um 13 Uhr und Tennis-Rot 3 Moabit 2. Lebhafter geht es aber bei den Frauen zu. Nordring 1 empfängt Pankow 2 um 14 Uhr. Neukölln 1 spielt gegen Tennis-Rot 1 um 14,30 Uhr, und Tennis- Rot II wird von Pankow 1 besucht. Anfang 14 Uhr 10 Jahre auf Vorposten Zum Gedenktag tür„Freie Schwimmer Berlin XII" In wenigen Tagen feiern die Freien Schwimmer Berlin 12«. B. ihr zehnjähriges Besteh««. Der Berein wurde im Jahre 1920 von einigen Schwimmern als Gruppe Westen des Arbeiterfchwimmvereiiis„Vorwärts" ins Leben gerufen. Durch Meinungsverschiedenheiten mit dem Hauptvereiii kam es noch kurz«? Zeit zur Trennung, doch blieb dieses Ereignis ohne Einfluß auf die Vorwärtsentwicklung des jungen Vereins. Es war nach einiger Zeit sogar möglich, in Lichterfelde«ine Schwimmabteilung zu eröffnen, die den Freien Schwimmern Steglitz, denn so hieß der Berein nach der Trennung, angegliedert wurde. In der ersten Zeit wurde von den Mitgliedern kein besonderer Wert auf die Tellnahme an Schwimmwettkämpfen gelegt. Eifriges Training jedoch weckte das Interesse auch für diesen Teil der edlen Schwimmerei, und nach kurzer Zeit waren schon die erste» Erfolge zu verzeichne». Es sollte nicht nur bei diesen ersten günstigen Ergebnissen einer mit großer Zlusdauer geführten Ausbildungs- arbeit bleiben: die Freien Schwimmer Steglitz-Lichters«lde e. B. nahmen bald eine günstige Stellung in der Groß-Berliner Arbeiter- schwimmbewegung ein. Inzwischen hatten sich die Verhältnisse im Arbeitersport des 12. Verwaltungsbezirkes dahin entwickelt, daß nach kurzen Verhandlungen alle Arbeitersportvereine in Steglitz, Lichterfelde und Lankwitz einen Gesamtverein gründeten, der den Namen Freier Sportverein Berlin 12 e. V. trug. Die in Berliner Arbeitersportlerkreisen nur zu gut bekannte Wühlarbeit der Kommunisten verschonte auch den Freien Sport- verein nicht. Das Vereinslebcn nahm derart scharf« Formen an, kurz nach dem Bekanntwerden der Bundestageveignisse 1928 und der daraus erfolgten Fragestellung des Bundes:„kommunistisch oder bundestreu" es die Schwimmabteilung Steglitz und der größte Teil der Lichterfelder Schwimmer für ihre Pflicht hielten, dem Bund treu zu bleiben. Nun begann eine Zeit schwerer Kämpfe. Doch ollen An- seindungen und Verleumdungen zum Trotz, gelang es dem Vor- posten der bundestreuen Berliner Arbeitersportbewegung im seu- dalen Westen, in den Freien Schwimmern Berlin 12, ein Bollwerk zu errichte», daß sowohl den Angriffen der Kommunisten als auch denen der Bürgerlichen standhielt. In sportlicher Beziehung steht der Verein auf beachtlicher Höhe: so spielt beispielsweise die Wass«rballmänn«rmannschaft in der A.-Klass«. In allen Schwimmarten konnten die Freien Schwimmer Berlin 12 e. V. auf Berliner und Provinztreffen recht gut« Zeiten hcrausschwimmen. Tatsachen, die den Verein auch in Zukunft nicht ausruhen, sondern weiter- arbeiten heißen für das gemeinsame Ziel, für eine geeinte deutsche und international« Arbeitersportbewegung. Der Verein veranstaltet anläßlich seines zehnjährigen Be° stehens eine Feier, und zwar morgen, Sonimbend, 20 Uhr, in den Lichterfelder Festsälen, Lichterseld«, Zehlendorfer Straß« 3. Es wird alles aufgeboten werden, das Fest zu einer bleibenden freundlichen Erinnerung für Gäste zu gestalten. �rbeiter-khoto-Cäkle im eigenen Heim Die Berliner Arbeiter-Photo-Gilde hat jetzt für ihre Abend« gute Atelierräume zur Verfügung, die es möglich machen, auf den Der. anstallungen die praktische Arbeit vorherrschen zu lasse». Es stehen ein Aujnahmeraum und eine Dunkelkammer zur Verfügung. Heine Freitag, 20 Uhr, findet im Atelier Friedrichstr. 237(nahe Hallesches Tor) ein Dortrag statt über„Praktische Optik". Die Filmabteilung tagt ebendort, die Atelierräume liegen 2. Hof links 3 Treppen. Gäste willkommen. Hallen-1' ennisturnier am Kaiserdarom Di« seit dem 1. Oktober in Betrieb stehenden 12 Tennis- pllitze in der Halle I, der größten Ausstellungshalle am Kaijerdamm, sind am kommenden Sonnabend und Sonntag der Schauplatz des ersten Berliner Hallen- Tennisturniers. Meldungen zu den Damen- und Herreneinzelspielen stehen jedem Amateur offen. Das Turnier beginnt Sonnabend, 23. Oktober. 18 Uhr; am Sonn- tag, 26. Oktober, um 17 Uhr. Gespielt wird nach amerikanischem System: Meldungen sind bis Vi Stunde vor Spielbeginn zulässig. Die Möglichkeit, tenniswettkampfmäßig auch im Winter zu spielen, hat die Leitung der Plätze wegen der zahlreich eingegangenen Mel- düngen schon heute veranlaßt, die Turnierveranstaltungen künftig jeden Sonnabend und Sonntag zu wiederholen. „Inari" ein Lapplandtraum Im 10. Hörsaal der Landwirtschaftlichen Hochschule saßen gestern abend Kopf an Kopf gedrängt die„Freien Faltbootsahrer". Wer nicht einen der 400 Plätze erwischt hatte, auf denen einträglich nebeneinander ein„Juda verrecke" und ein„Hoch Abraham" ge- schrieben stand, der muhte hoch oben aus der Empore stehen, und das waren nicht wenig«. Es war ein schöner Abend. Als es losging, stand ein Chor da und sang ein Lied. In feiner, alter Sprache. Dann setzte sich der Chor, der weite Raum wurde dunkel und unten turnte ein quicklebendiger, lustiger, etwas rund- licher Mann in besten Iahren umher: Curt B i g i n g. Während Lichtbild auf Lichtbild über die Leinwand huschte, erzählte er uns von seinem Lapplandtraum im Faltboot, ließ er „I n a r i" vor uns erstehen. Zwei Stunden lang hat der Vortrag gedauert, doch wir hätte» noch gern zwei weitere Stunden in dem Hörsaal gesessen. Aber auch das, was wir gehört und gesehen haben, werden wir so leicht nicht vergessen: viele Finnen sind in die Welt gezogen und reich geworden, aber als sie alt wurden, packte sie das große, unwiderstehliche Heimweh nach der Mitternachtssonne. In deren übernatürlichen, mystischen Glanz legten sie sich zur ewigen Ruhe. Wer einmal auf dem großen Jnarisee war, kommt zeitlebens davon nicht mehr los. Als es hell wurde in dem Saal, stand wieder der Chor oa und sang diesmal das Lied von den Fahnen, die wir in den Wind heben. Und kein Mensch„schloß die Versammlung". Wir wußten alle alleine, was wir zu tun hatten. Es war eben ein ganz anderer Abend als sonst. Berliner hochschul-Fußballkampf. Im Berliner Poststodion trafen die Fußballmannschaften der Universität und der Technischen Hochschule zusammen. Die Universität siegte mit 4:2(2:1) Toren. Bau einer Trabrennbahn in Bremen. Der in Brenien sich gut entwickelnde Trabrennsport wird im nächsten Jahre neuen Auftrieb dadurch erhalten, daß eine besondere Trabrennbahn gebaut wird. Bisher gastierten die Traber auf der Galopprennbahn des Bremer Reitklubs. Zwischen dem Traber-Zucht- und-Rennverein für Bremen und dem Bremer Reitklub sind jetzt Verhandlungen abge-- schlössen worden, nach denen im Gelände der Galopprennbahn eine Trabrennbahn entstehen soll. Bremen wird damit die einzige Bahn Deutschlands haben, wo Galopp- und Trabrennen auf eine» Spezial- geläuf in ein und derselben Veranstaltung abgewickelt werden können. Der Bau der Trabrennbahn ist bereits in Angriff ge- nomine» worden. Freie Faltbootsahrer Berlin. Connabeud, 2ö. Oktober, Besichtig»»« de» Flughafrns. Trrfkpunkt Iii Uhr U-Bahnhos Boddinstrahe. Eonntag, 26. Oktober, Wanberung durch den Brieselang. Treffpunlt Ubr Lehrter Bahn- Hof. Fahrkarte bis Finkcntrug lbse». Führer i He»»ig. Giistc willlommr». Der Arbeiter- Sporttegrltluo„Borrrärts" übt jede» Freitag um 20 Uhr in der Halleubahn von Wolf, Gartcnstr. 44. Gaste tviükonnncn. Touristcnocrrja„Dir Ratarsrenadc", Zentrale Wien. Freitag, 24. Oltotxr, 20 Uhr. Abt. Eharlottsnlmrg: Eprcestr. 80.§ 218 vorn Standpunkt des Juristen(ftranur).— Sonntag, 26. Okiooer. Potsdam— Ravensbergc. Abfahrt Bahnhof Chorlottcnburg, 7s: Uhr.— Kuinboldthai» I tFugendgruppe)! Bank- Ecke Wiesenstrahe.„Die politischen Parteien in Deutschland."— Faltboot. abtciluug: Britzer Str. 27. Bunter Abend.— Abt. Südost! Britzer Str. 27. Städtewandcrrmg.— Abt. Britz: Chausscestr. 48. Amerikanischer Humor.— Abt. Treptow: Elsenstr. 8...Grundlagen der Bclativitiitotheorie."— Photo» gemeinschaft, Abt. Osten: Franksurler ANcc 307.— Phologemciaschast, Abt. Neuliilln: Bergstr. 29.— Bilbungoauoschuh und Biidungssunktiouiirc der Ab- teilnngen: Iohanuisstr. lö.— Montag, 27. Oktober, 20 Uhr. Photogemein- scbast: Zlohanniüstr. IZ.— Malgemeinschast: Wrangelstr. 128. Skizze. � Esparanto-Arbeitogemeinschast: Tilsitcr Etr. 4. Bolistanztrei« Weihense«. Am letzten Montag ist die Winterarbett auf- genommen morden. Rege Unterstützung erbeten. Ucbungsabend jeden B!on- tag um 20 Uhr im Lhzcum in Weihensee, Eingang Tassostrahe. Turnschuh« mitbringen. Tourtsirnoercia„Dir Ztatursenude". Für eine Autosabrt nach dem Natur- frsunbcgclände am Ucdcrsee am Sonnabend, dem 2b. Oktober, werde» noch Teilnehmer gesucht. Abfahrt pünkilich l.IVi Uhr von der Schlegel» Eelc Eichen- dorfstratzc. Rühe Stcttincr Bahnhof. Fahrpreis hin und zurück 3 M. Rückfahrt Sonntag abend. Der Berliner Bewegnngschor, Mitglied des Arbeitrr-Turn- und Sport. dnndes, weist hiermit alle Freunde und Interessenten einer gute» gnmnastischcn NSrperschuluna auf die Ucbungsabende hin. dir an jedem Freitag in der oberen Turnhalle, Maricndorfer Weg 73, stattfinden. kRinybahn: Hermann- strahc. U-Bahn: Leincstrahc.) Eröffnung der neuen Abteilung am Dienstag, 28. Oktober, Turnhalle Britzer Str. 17/18 lKottbnsser Tor). Dir Leitung an beiden Abenden l>at Senta Hill-rt von der Polluccaschule. FTGB., Kanubezirl. Freitag, 24. Oktober, Beteiligung beim Schwimmbezirk Rreuzbcrq, 19 Uhr.— Bezirk Osten. Viciteliahresversammlung am Sonnabend, dem 2Z. Oktober, 20 Uhr, im Böhmischen Brauhaus. Etwas über die„sanfte Kunst David besiegt auch heute noch den Goliath ff Jiu-Jitsu ist eine Sportart, die durch ihre Vielseitigkeit all« Muskeln des menschlichen Körpers beansprucht, dazu die Geistes- gcgenwart, Aufmerksamkeit und Denkkraft ausbildet, ihrem An- Hänger eine unsichtbare Waffe ist, die die Wirksamkeit der meisten zum Angriff benutzten Waffen übertrifft. Man setzt dem Kraft- aufwand des Angreifers scheinbar das gleiche entgegen und bringt ihn durch plötzliches Zurückweichen mit feiner eigenen Kraft zu Fall. Es ist also nur ein scheinbares Nachgeben, man greift im ge- eigneten Moment zu und nützt die Situation für sich voll aus. Oft ist dem Jiu-Jitsu der Borwurf der Rohheit gemacht worden. Nun, wenn man einem mit einem Messer bewaffneten Angreifer mit einem Iiu-Jitfti-Grisf den Arm ausdreht, so ist das Notwehr und keine Roheit. Der moralische Erfolg ist jedenfalls weit größer, als wenn man mit einem Faustschlag arbeitet, den der Strolch nach kurzer Zeit überwunden hat. Die Selbstverteidigung ist mehr als ein bloßes System von Griffen und mehr als ein gewöhnlicher Spezialsport. Einer alten Sage nach soll cm Japaner eine Weide und einen Kirschbaum im Sturm beobachtet haben. Während der Kirschbaum der Kraft des Sturms nicht gewachsen war und brach, bog sich die Weide mit dem Winde und wich dem Anprall aus. Diese Beobachtung hat nun die Japaner zu ihrem Jiu-Jitsu gebracht. Nach einer anderen Dar- stellung soll es ein Chinese nach Japan importiert haben. Noch eine andere Legend« will wissen, daß ein japanischer Arzt, Akiyama, auf einer Studienreise durch China eine geheime Adelskoste kennen- lernte, die eine besondere Kampfart pflegte und bei Todesstrafe oerpflichtet war, von dieser Kunst nichts zu oerraten. Der Japaner erwarb die Mitgli�tzschaft der Korporation und nahm deren Ge- heinmis mit sich in die Heimat, wo sie besonders bei der Krieger- käste gelehrig«'Anhänger fand In neuerer Zeit war es der bc- kannte Staatsmann Ppostssor Djioro Kano, der Jiu-Jitfu wieder zu neuer Blüte brachte: er vereinigte die verschiedenen Systeme zu einem, dem nach ihm benannten Kano-Iiu-Iitsu: es ist heute in Japan obligatorisch für jjeer und Marine. Geschichtliches über Jiu-litsu In Deutschland konnte die„sanfte Kunst" vor dem Kriege nicht recht Fuß fassen. Man fand wenig Gefallen daran. Beim B c» kanntrverden dieser Kämpfart entbrannte sogar ein heftiger Meinungskampf. Der Iiu-Jitsu-Meifter Erich Rahn eröffnete im Jahr« 1906 als erster eine Berliner Iiu-Iitfu-Schule. Mit Miß- trauen wurden die Vorführungen aufgenommen, bei denen ein starker Mann durch einen Kunstgriff spielend leicht besiegt wurde. Ja, man hielt die Vorführungen einfach für Schwindel. Erst durch Herausforderungen an starke Leute, Amateure und Berussathleten, i gäbe des Kampfes zu zwingen vermag. setzte sich das Jiu-Jitfu durch. Im Jahre 1910 führte der damalige Berliner Polizeipräsident für die Berliner Kriminalpolizei das Jiu-Jitsu ein, der Erfolg dieses neuen Mittels zur Bekämpfung der Verbrecher veranlaßte auch die Behörden anderer Städte Jiu- Jitfu einzuführen. Nach Beendigung des Krieges nahm die„sanfte Kunst" einen großen Ausschimmg. Wieder war es die Polizei, die als erste Jiu-Jitfu aufnahm, die nun weit mehr sportliche Grund- läge war ein guter Nährboden für Jiu-Jitsu. In Arbeitersport- kreisen führte der A r b e i t c r- A t h l e t e n- B u n d«nie Jiu- Jitsu-Sparte ein und sorgte so für eine weitgehende Verbreitung. In verschiedenen Städten Deutschlands hat die Kunst der Selbst- Verteidigung feit langem eine Heimstätte gefunden. Besonders zeigten sich die Berliner Arbeitersportler sehr rührig in der Pro- paganda: Hamburg, Breslau und München können als Hochburgen der Selbswerteidigungsmethode angesehen werden. Was ist die„sanite Kunst" Der Hauptwert des Jiu-Jitsu ist wohl darin zu suchen, daß durch eine Hebung die körperliche Gewandtheit geschult wird, wobei insbesondere auch der weniger Kräftige befriedigende Ergebnisse er- reichen kann. Jiu-Jitfu ist nicht>mr ein Sport der Ge- s chm et d i g ke i t und körperlichen Disziplin, sondern die beste Selbstverteidigung gegen einen und sogar mehrere Gegner- Die Ueberlegenheit beruht auf der genauen Kenntnis des mensch- lichen Körpers. Schläge auf besonders empfindliche Stellen,'Arm- Hebel- und Gelenkdrehgriffe, Schulterwurf und Hüftschwulig find zu einem System vereinigt, dessen vollständige Beherrschung natürlich lange Hebung erfordert. Daß bei einem sportlichen Training natllr- lich alles vermieden wird,»Bis den Schüler in Gefahr bringt, ist selbstverständlich. Es mag überraschen, daß ganz auf den Gebrauch der Faust verzichtet und Stich und Schlag nur mit Fingerspitzen und Hand kanten geführt werden, wobei die sichere Wahl der Treff- stelle das Entscheidende ist. Die im Jiu-Jitsu angewandten Griffe sind im Augenblick schmerzhaft, aber unschädlich. Der praktisch« Wert dieses Sports liegt, von der vorzüglichen Körperübung ab- gesehen, in der Pflege der Ueberlegenheit und der Selbstsicherheit. Jiu-Jitsu ist die beste und sicherste Waffe des Schwachen gegen den Stärkereh und der rohen Gewalt, ein« wirkliche Kraftanstren- gung ist kaum erforderlich. Durch feine Vielseitigkeit bietet es jeder Berussklasse, dem geistig sowie körperlich Arbeiten, anregende Entspannung und führt darüber hinaus zu einer intensiven Durch« bildung des Körpers. Für den sportlichen Wettkampf sind Regeln vorgesehen, deren Beachtung Verletzungen ausschließen. Im freund- schaftlichen Kampf bleibt der Sieger, der jeinen Gegner kampfunfähig macht oder in irgendeiner Lage seinen Gegner zur Auf- <7,. DI. Ulster ST* temewtfctr bequem ßeVs IfduV das Jedkftri.1 tuiivht Kölln. Fischmarkt 4-6 Brnnnenstraße 171 Dunkelmelicrter Cheviot in moderner Aasführung, zwei- � reihige Form, Größe 38 M. JyJ»" DunkeifarbigerCbeviot, haltbare Woll-Qualitat in fester Verarbeitung, Größe 38 M. J S Modefarbiger festgewebter Cheviot, modern kariert, mit breiten Besätzen, Gr. 38 M. g/•*" Beamte und Sozialdemokratie Tagung der Arbeitsgemeinschast im DBB. Im Jusaminenhong mit der Tagimg des Deutschen Benmtcn- tundes I>ielt?n die sozialdemokratischen Delegierten eine Reichs- tonserenz ab. Genosse F r i ck von den Postbeamten hielt einen Vortrag über die Ziele der Arbeitsgemeinschaft. Er führte aus: Wir stehen in einem kritischen Augenblick. Die Frage der Stunde ist: Wie sichern wir die demokratischen Grundlagen des Staates? Nicht Rückblick auf Ver- gangenes, nicht Aufreißen vernarbter Wunden, sondern Blick nach vorwärts ist notwendig. Der Nazi hat in der Beamten- schaft gewaltige Fortschritte gemacht, nicht zuletzt, weil die An- ziehungskrast der Partei innerhalb des Beamtentums durch Diffe- renzen und Zank geschwächt worden ist. Besinnung, Verständigung und Zusammenhalt tun bitter not. Der-Einfluß der Partei in der Beamtenschaft muß unbedingt verstärkt werden, denn der republikanisch- demokratische Staat braucht Beamte, auf die er sich verlassen kann. Das ist das Ziel der Arbeitsgemeinschaft. Damit sie aber für dieses. Ziel mit aller Kraft arbeiten kann, muß innerhalb der Partei absolute Gleichberechtigung aller sozialdemokratischen Beamten herrschen. Die Arbeitsgemeinschaft verkennt nicht, daß im Deutschen Beamtenbund trotz seiner parteipolitischen Neutralität ver- schiedenc politische Richtungen bestehen. Geht der Einfluß der sozial- demokratischen Beamten zurück, dann muß naturgemäß ein Ab- rutsch des DBB. nach rechts erfolgen und es wird dann immer schwieriger, die bisher von ihm beobachtete gewerkschaftlich« Linie zu halten. Die Stellung der Arbeitsgemeinschaft gegenüber dein Allge in einen Deutschen Beamtenbund ist keine Kampf st ellung. Auf der anderen Seite können sich aber ihre Mitglieder als Parteigenossen auch nicht dauernd ohrfeigen lassen. Unser Ziel und unser Wunsch ist. als Parteigenossen mit den Genossen im ADV. zusammenzu- arbeilen und die Fraktion in ihrer beamtenpolitischen Arbeit zu unterstützen. Darüber hinaus wollen und sollen die sozialdemakratischen Beamten des DBB. draußen im Lande mit den Parteigenossen aus dem Lager der freigewerkschaftlichen Beamten, Angestellten und Arbeiter viel mehr als bisher in engsterFühlungnahmeim Interesse der Partei werben und wirken. Es fehlt noch immer sehr an einem engeren und herzlichen Kontakt zwischen Beamten und Arbeiterschaft. Wir brauchen diesen Kontakt, wenn wir einen rücksichtslosen Kampf gegen alle Feinde der Re- publik führen und mit Selb st Verleugnung und Opfer- m u t für die Partei eintreten wollen. Genosse Stelling vom Parteivorstand unterstrich noch einmal den Gedankengang Fricks, der richtig in der Frage gegipfelt habe: Was ist zu tun, damit alle sozialdemokratischen Beamten zusammen mit den sozialdemokratischen Arbeitern und Angestellten die Partei vorwärts bringen? Bei allem Verständnis für die Ursachen so mancher Verbitterung— betont« Stelling— dürfe nicht übersehen werden, daß die Silualion für Zank und Streit zu ernst sei. chüben und drüben seien Fehler gemacht worden, und bei ernster Gewissenserforschung müsse sich so mancher Ankläger überlegen, ob er das Recht habe, auf andere Steine zu werfen. Wenn die Tagung der Arbeitsgemeinschaft den Weg zur Verständi- gung geebnet Hab«— auf beiden Seiten sei Entgegenkommen notwendig— dann bedeute die Tagung einen erfreulichen Schritt vorwärts zu der— ohne Rücksicht auf gewerkschaftliche Dinge— unerläßlich«» kameradschaftlichen parteigenösstschen Zusammenarbeit der sozialdemokratischen Beamten. In der Partei gebe es k�ine Parteigenossen erster und zweiter Klasse, sondern nur Kameraden, die heute mehr denn je über alle kleinlichen Differenzen hinweg den Blick auf die große Kampfaufgabe: Erhaltung der Weimarer Ver- fassung und der Demokratie, zu richten haben. Sind diese verloren, dann brauchen sich auch die sozialdemokratischen Beamten im DBB. und im ADV. nicht mehr miteinander zu streiten: dann werden beide Gruppen an die Wand gedrückt. Der Appell zur Verständigung fand seinen Niederschlag in einer einstimmigen Entschließung, worin die Arbeitsgemein- schaft gegenüber allen Feinden der Republik unverbrüchliche Treue dem demokralischen volksflaal bekundet, der Reichstagsfraltion Dank und Anerkenming ausspricht und gelobt, alle Kraft für die Partei einzusetzen in der selbstver- ständlichen Erwartung, daß innerhalb der Partei sozialdemokratische Beamte wegen ihrer gewerkschaftlichen Zugehörigkeit zum Deutschen Bcamtenbund in keiner Weise benachteiligt werden. Den streikenden Berliner Metallarbeitern versicherte die Konserenz in einer besonderen Tntschließung ihre volle S y m- p a t h i.e, und den Opfern der Aachener Grubenkata» st r o p h e sprach sie durch ihren Vorsitzenden Winkler ihr Mit- gesühl und ihre tiefste Anteilnahme aus. Die Neuwahl der Leitung der Arbeitsgemeinschaft brachte folgendes Resultat: Vorsitzender W i n k l e r, stellvertretender Vorsitzender F r i ck und Schriftführer Strathmann. Beamienrate-Wahl bei der Reichsbahn. Oie Nazis in den Direktionsbüros. Die Beamtenrätewahlen bei der Reichsbahn zeigen, wer unter dem Eisenbahnpersonal mit den Nationalsozialisten sympathisiert. Abschließende Ergebnisse liegen bereits für die Reichsbahndirektionen vor, wo die Beamten der oberen Besoldungsgruppen sitzen. Sie verraten, daß die List« der Nazis gerade in den Direktionsbüros Unterstützung gefunden Hot. Von 12 847 vorläufig ermitteUen Ge- samtstiinmen in den preußischen Reichsbahndirektionen und bei der Reichsbahndirektion Dresden haben die Nationalsozialisten zum chauptbeamtenrat 2 3 74 Stimmen erhalten. Es ist bemerkenswert, daß diese nationalsozialistischen Stimmen restlos aus den Kreisen der Beamten stammen, die zu den örtilchen Bcamtenräten für die Organisation«» des Deut- schen Beamtenbundes gestirnt haben. Es erhielten i» diesen Direktionsgebäuden der Einheits- verband der Eisenbahner 1123 Stimmen und die der Ge- wekschaft deutscher Lokomotivführer 23 Stimmen. Bon den Organisationen des Deutschen Beamtenbundes er- hielten: die Lstte der Gewerkschast deutscher Eisenbahner 583 Stimmen, die Liste der Gewerkschaft der technischen Beamten 1886 Stimmen und die Liste des Zentralgewerkfchaftsbundes 6877 Stimmen. Beim Einheitsverband ist zu berücksichtigen, daß in ihm in erster Linie die Beamten des Betriebs- und Ver- kehrsdicnstes organisiert sind. Nach dem vorläufigen Gesamtergebnis im Reichsbahn- bezirk Ludwigshuifen erhielt der Einheitsverbond 812(-1-8) Stimmen, die'Christliche Eisenbahnerorganisation 1583(—127) Stimmen und die gemeinsame Liste des Zentralen Gewerkjchasts- bundes und der Lok.-Führerorganifation 1978(— 141) Stimmen. Die Vereinigung unabhängiger Demokralen veranstaltet am 28. Oktober, abends'814 Uhr, in den Spichernsälen. Spichernstr. 3 (Untergrundbahnstation Nürnberger Platz), eine öffentliche Kund- gebung. Es sprechen Georg Bernhard und Werner Bur- m e i st e r über das Thema„Der Todeskampf des Bourgeois! Aufbruch der n e v e n L i n k e n!" Eintritts- karten find kostenlos zu haben in der Geschäftsstelle, Berlin W 30, Schwäbische Straße 26(Pallas: 2539). für die Zeit vom 24. bb 27. Oktober I IC I Ii O»T A F E l PROGRAMM für die Zeit vom 24. bis 27. Oktober o Potsdamer Strafe 38 Die Lindenwiriin m. K&ihe Dorsch und Hans Heinz Boll mann W. 5. 7, 9 Uhr Stg ab3.Uhr Rhcimtralje 14 W. ab 5.15 Uhr Stg. ab 3.15 Uhr Die indiskrete Fron(6 Akte) m i t Jenny Jugo u Georg Alexander Staatsanwalt Jordan mit Hans Mierendorff Odcon, Potsdamer Str. 75 W. 5, 7, 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Der große Tonfilmerfolg: Unter den Dächern von Paris Turmsfrafze 12 W. 5, 7, 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Die Lindenwiriin mit Käthe Dorsch und Hans Heinz Boilmonn Alexandcrstr. 39-40 (Patsage) Den ganzen Tag geöffnetl Die Lindenwirtin m. Käthe Dorsch und Hans Heinz Bollmann « We.ten■ Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretensir. Uraufführg. d lust Agfa-Tonfilms: Laub enkolonie (Die lustigen Musikanten) mit Fritz Kampers. Camilla Spira« Hermann Picha und crika GiäHner � Friedrichstadt D Franziskaner Georgenstraße(Ecke Friedrichstraße) 3-Stunden-Programm: N. 2. 5, 8, 11 Uhr Evangeline mit Dolores del Rio 12, 3, 6, 9 Uhr Neueste Kultur' u. Wochenschau Tonfilm: Flockys Liebesfahrt 12 30, 3.30. 6 30, 9.30 Uhr Tonfilmoperette; Wie werde ich reich und glücklich Die Kamera z. �'9 um Unter den Linden 14 Ho Tage, die die Welt erschütterten (Russenfilm) Jenseits der Strafe 6 Moabit B Artushof- Lichtspiele Perleberger Straße 29 Film- und BGhncmcfaau Ein Wa'zertraum mit Mady Christians Beiprogramm Bühne: Revue der Komiker W 6.45, 9.00, U. S u Stg. ab 4 45 U. Welt-Kino Alt-Moabit 99 •Der keusche Joseph mit H. L\edikeI Ossi Oswalda und P. Heidemann Beiprogramm Kant-Lichtspiele Kantstr 54,(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5. 7, 9 05 Uhr Stg 3, 5. 7, 9.05 Uhr Die drei von der Tankstelle mit Lilian Harvey, Willy Fritscfa und O. Karlweis Beiprogramm Jugendliche h�ben Zutritt Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 W. 5. 7, 0 Uhr Sonnt- ab 3 Uhr(Jugendvorstellung) Der große Tonfilmerfolg: Unter den Dächern von Paris Fox tönende Woche D Wilmersdorf D Atrium Beb»-P«l«i 7'09CIh5euhr Sonnabends u. Sonntags 5, 7, 9,15 Uhr Kaiserallee, Ecke Berliner Allee Uraufführung: Tonfilmposse: Pension Schöller mit Kampers, Schulz, Heidemann, Tr. Berliner Sctiönetocrg Titania Schönebg.-v 5' 9 HauptstraSe 49 ' Stg.ab3 100 proz. Tonoper.: DleDieiyon der Tankitelle m. L. Harrey, W. Frlbdi Tonwoche Alhambra"Hg'.SIS: Hauptstr. 30 100 proz. Tonfilm: Komm zu mir zum Rendezvous mit R. A. Roberts, Lucie Englisch Frlegfenau Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W. 7.9. So. ab 5 Uhr Tonfilm: Die Lindenwiriin m Käthe Dorsch u. H. H. Bollmann Tönende Woche > Stegnt« 1 Titania-P alast IgÄ.m Steglitz. SchloBstr. 5. Ucke Gutsmuthssir 100 proz. Tonfilin: va» Lied I»t ans mit Liane Haid. Willy Forst, Otto Wallbarg und Ernst Verebes TOncndc Wocfaenscfaaa � Zehlendorf-Mttte B 7t�i Wochentaps 7. 9 Uhr «rdl Sonmags 5, 7, 9 Lhr Potsdamer Str. SO Stg.2.30 Jug.-Vorst Tonfilm: Llcbeswalzer mit Liltan Harwey, Willy F ritsch Südwesten Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. 5, So. 3 U. dir die 1C0 proz. Tonfilm: Mach Welt zum Paradies m. Anita Dorris Tonhcl programm Luisen-Theater Rcichenbcrger Str. 34 Anf. W: 630 u. 9 U. Stg. 3. 5. 7, 9 U. Die vom Rummelplatz mit Anny Ondra Grofje Bfihnenschan Film-Palast Kammersäie Teltower Str. 1 W.5, 7,9, Stg. ab 3 Uhr lOOproz. Tonfilm: Die Lindenwiriin mit Käthe Dorsch Beiprogramm ■■ Primus-Palast Am Hennannplatz, Urbanstr 72/76 Wochent. 6.45, 9. Sonnt ab 3, 5,7, 9.13 U. Die Spoliansky-Tonfilm-Opcrette: Wie werde Ich reich n. gIScklich? mit Georgia Lind, Ilse Korseck, Panl HOrbiger, Hago Schräder Die gute BQhnenschaa Th. am Moritzplatz Beg; Wtg 5, 6.30, 9 Uhr Stg. ab 4 Uhr Ein Walzer im Schlafconpe m. Paulig, L. Englisch, A. Sendrodc Grobes Beiprogramm D Neukölln j Mercedes- Palast Hermannstraße, Ecke Jägerstraße Anfang: Wchtgs. 6.45, 9, Stgs. 3, 5, 7. 9 U lOOproz. Tonfilm: Zwei Weifen Bühne; SO Minnfen Varfef« Stella-Palast Köpenicker Straße II— 14 Beginn der Vorstellungen: Wochtgs. 6.30, 9 ü. Sonnt 3, 5, 7, 9 U. Bockbierrommcl (Eine Nacht in der Hasenheide) Grobe Bfihnensdtsn V ikt oria-Lichtbild-Th. Frankfurter Allee 48 Tonfilm I Woch. 5, ca 7, S.43, Stg. 3, ca. 5. 7. 8.45 U. Die Lindenwirtin m. Käthe Dorsch, Bollmann, Schützendorf Beiprogramm Wochent. 6.45. 9 U. Soontags 5. 7. 9 U. Kukuk Kotthusser Damm 92 Tonoperette: Die Drei von der Tankstelle mit Lilian Harrey, Willy Fritscfa Beiprogramm jugendliche haben Zutritt Wochent 6.45. 9 U. ErXCClMUr Sonntags 5, 7. 9 u. Kaiser-Friedrich-Straße 191 Kriminal-Tonfilm: Der Greifer mit Hans Albers Micky bei der Feoerwebr MarfensSerF J fofa ¥ 5 Marlendorfer Wochen fg. Lichtspiele ab 7 Uhr Chausseestraße 305 Tonfilm: Va bonque mit LH Dagover, Gustav Gründgens Beiprogramm TempclhoP Tivoli Berliner Str. 97 lOOproz. Tonfilm: Kriminaltorifilm: Oer Greifer mit Hans Aibers Grones Beiprogramm Stern, Hermannstra/je 49 Wochentags 6 45 u. 9, Sonntags 5,7, 9 U. Kriminal-Tonfilm: " Der Greifer mit Hans Albers Widey bei der Feuerwehr Filmeck Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Beginn Wochen tags: 6.30 und 9 Uhr Sonntags: 3, 5. 7, 9 Uhr. Die Drei von der Tankstelle mit Lilian Harvey Jugendliche haben Zutritt IlraniA Tonfilm- Variete urama w. 545, stg 3 u. Wrangelstraße 11(a.d. Köpenicker Str.) lOOproz. Tonfilm: Ich glaub nie mehr an eine Frau m Rieh. Tauber Kamerad Slag Sternwarte— Treptow So. 25 8 Uhr u Sotg. 26. 10. 4 6. 8 Uhr: Roab-Roab, d. Schrei d. Sehnsucht Stg. 26 5 Uhr: Bewohnbarkelt der Wellen(Vortrag mit Lichtbildern, von Dir. Dr. Archenhold) 6 Norclo»t«H~"~k Plvcrnm" F1,m"""d Böhne uLily SlUill Prenzlauer Aliee 56 W. 5.15, 7. 9.15. S. 3.15, 5, 7.1 J, 9 15 Uhr Tonfilmoperette: D. Csikosbaronet) mit Greil Theimer, E, Verebe» Bühne: Zigeuner königln! Bcrseeny u a m- Tönende Wochenschau • o«fn a Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Beginn der ersten Vorstellungen; Wochentg. 630, Sbd.3, Stg3Uhr lOOproz Tonfilm; Hokuspokus, der Prozeß der Kitty Kellermann mit Lilian Harvey, Willy Friisch Beiprogramm Auf d. Bühne; Georg Erich Schmidt in seiner lustig. Szene; Salon Venu« Luna-Filmpalast w? 53 u Gr. Frankfurter Str. 121 Die grohe Sehnsucht m. Camilla Horn u. 36 Prominenten Bühne: Gustl Beer mit Ensemble Schwarzer Adler£110" w Woch. 5. 7. S.45, Stg. 3. 5. 7. 8.45 U- Tonlustspiel: Der Korvettenkapitän mit M. Paudlcr, Kemper, Beiprogramm Jugendlich�habcn Zutritt Comenius-Lichtspiele Memeler Straße 67 W. 6 30, 9, S ab 5 U Tonfilm; Skandal um Eva mit Henny Porten Tönende Woche— Beiprogramm Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab 5 U, Stg. ab 3 U. Der große Tonfilmerfoig; Uafer den Dächern von Paris mit A. Prefcaa Gr. VarieUsdiau— Beiprogramm Woch- ab 6 30 Uhr /ItnaniDrcl Sonnt, ab 4 Uhr Koppenstraße 29 Bühnenschau Showboat(Das Komödienschiff) mit Laura la Plante Der Kriminalist von Scotland Yard Tonwoche W Neu-iichtenbcrg A Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 W S, 7. 9 U., Stgs. 3. 5, 7, 9 U. lOOproz. Tonfilm: Dir gr, Sehnsncfal m Cnmilla Horn und 36 Prominente Jugendliche haben Zutritt M>rl«�rl«hsf Itie M Kino Busch Alt-Friedrichsfelde.1 Beiprogramm Fräulein v. Kleiderlager m O.Parlo Freiheit In Fesseln mit F. Kampers Schloßpark Film. Bühne Berliner Allee 206— 210 Stg. Vaä Jgd.-V. Tonfilm Bockbicrfcst mit Ida Wüst, Marg. Kupfer Bühne: 1 Stunde Kabarett a Worden O Alhambra KÄe36- 100% Kriminaltonfilm; Der Greifer mit H. Albers, Charl. Snsa Beiprogramm Micky Maus bei der Feuerwehr Pharus-Lichtspiele Müllerstr. 142 W. 5. 7. 9 U. Stg. 3 U Jgd-V. Tonfilm: Die Biegende Fioltc mit R. Noy.rro- Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Marga-Lichtspiele Schulstraße 29 Kriminaltonfiim: Der Tiger Geheizte Mädchen(Sittcntrlm) Grones Beiprogramm Pratcr-Lichispicl- Palasi Kastanienallee 7-8 W. ab 5, Stgs. 3% U Violantha mit H. Porten, Dieterle Keusche Susanne m Harvey-Frlisch Revue: Berlin amüsiert sich Noadc's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Beginn 5 Uhr Tonfilm: Die große Sehnsucht mit Camilla Horn und 36 Filmliebliagen Bühnenschau Metro-Palast ÄVb l u Chausseestraße 39 109 proz.Tontilm: Die gr. Sehnst; cht mit Camilla Korn u 36 Promiijcnte Beiprogramm Filmpalasi Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S. 3*/* U. Tonfilm: Die zärtlichen Verwandten mit Charl. Ander Bühne; 50 Min. Kabarett Casino-Lichtspicle Brunnenstraße 154 Beginn 5 Uhr Kriminaltonfilm. Der Greifer mit Hans Alfaers Beiprogramm Mila-Lichtspicl-Palast Schönhauser Allee 130 W.51�, 5.3*4 Rivalen im Weltrekord m. Bob Stoll D. gr Russenfilm: Menschcnarscnal Auf der Bühne: Schwarz Comp., der zerbroch. Spiegel— Nicholson, der wcltbck Tanzkomiker u Parodist Colosseum ab V uhr Schönhauser Alice 123 lüöproz Tonfilm Dockbierfcai mit Ida WQif Bühne: l ribollo n. Smllcs, amerik Excentr. Pan ko ZZD Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 6.30, 9. Stg. 4. 6�30, 9 100 proz Tonfilm! Der Greifer mit H. Albers Bühne: Walter Bähr mann, Humor Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 W. 6.30, 9 U., Stg. ab 4 U lOOproz. Tonfilm: Die Linden wirtin m. Käthe Dorsch Beiprogramm— Bühnenschau Film-Palast Blankenburger Str. 4 So. 2>/- Zgd. V. Wöchig 6 30,9 U, So. 4 30, 645, 9 U Tonfilm: Die Drei von der Tank- «lelie mit Willy Fritodi, L. Harrry Tönendes Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt c Tegel Filmpalast Tegel suÄ'" Stgs. 2 U Jgd.-Vorst. W. 6. Stg. 4'/. U. Tonfilm; Die vom Rommclplalz mit Anny Ondra. Siegfried Arno L artige. Beiprogramm Tobir-Apparat „Kosmos" Filmbühne Hauptstraße 6 Beg. 6 Uhr, 8,30 Uhr 2 große Tonfilma: Der Andere m. Kcrtncr, H. George Komm auf mein Schloß mit mir Union-Theater Hauptstr. 3 W b.S'.- Stg. 2Jgd.-V. Stg.4V..6tü.8»;»U. Mädchen in Gefahr, der große Sittenfiim Pfadfinder Filmpalast s,g. Berliner Straße 59 Stg. 2 U. jug.-Vorst. Tonfilm: Der Greifer mit Hans Alb er«, Charlotte Susa Beiprogramm