Morgenausgabe Nr 501 A 252 47. Jahrgang Wöchentlich SS Pf» monatlich S.SO M. tm voraus zahlbar. Postbezug 4L2 M. einschließlich 60 Psg.PoftzeitungS' und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Auslands« abonnemem 9.— M. pro Monat. » Der.Vorwärts' erscheint wochentäg» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben frür Berlin und«w Handel mit dem Titel.Der Abend" Illustrierte Beilagen.Boll und Zeit" und.Äinderfreund". Ferner »Frauenstimme" Technik"..Blick in die Bücherwelt".„Iugend-Vorwürts* und»Stadtbeilage". r WW> Aerliner Voltsblatt Sonnabend 25. Oktober 1950 Groß-Äerlin HP ps. Auswärts tS ps. Sie«intpalttge Nonpareillezelle 80 Pfennig. ReName�eile 5.— Reichs� mark.„Kleine Anzeigen' das ettge» druckt» Won 25 Pfennig(zulässig zwei fettaedruckte Wonc).«edes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch» das erste Won lS Pfennig,«edes wettere Wort 10 Pfennig. Wone über lü Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt« geschäst Lindcnstraße 3. wochentäglich von S1/» bis 17 Uhr. IsttSsawesan der Gozialdemokvattfchsn Partei NeutSsbSmsds Redaktion und Verlage Berlin SW ö8. Uindenstraße 3 k�crnsvrcSer: Tönbol« ZS2— R? Telegrawm.Zldr- Svnaldemokral Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bank derArbeitcr. A n gestellten und Beamten, Wallstr. 65 Dt B u.Disc.-Ges.. Depositenkasse.JernsalemerStr. 65/66. Preußen schafft Arbeit! Das Programm der Regierung Braun. Die preußische Staatsregierung hat der Reichsregierung Vorschläge zur Arbeitsbeschaffung unterbreitet, bei deren Durchführung der Arbeitsmarkt um etwa 430 000 Arbeitskräfte entlastet werden würde. Die Hauptpunkte'dieses Ar- beitsbeschaffungsprogramms sind: &eine Belegschaftsverminderung bei ausreichender Beschäftigung für 40 Wochen stunden. Ein neues Bernfsschuljahr zur besseren Vorbildung der Jugendlichen; 280 000 ans ein Jahr vom Arbeits» markt zurückgehalten. Bisher 110 000 ausländische Laudarbeiter zugelassen. seht: Prenhen will deutsche Arbeitslose an ihre Stelle sehen. Umfassende Meliorationsarbeiten zur Hebung des landwirtschaftlichen Ertrages. Jährliche Beschästigungs- Möglichkeit für 78 000 Arbeiter. Zu diesem Programm teilt der Amtliche Preußische Pressedienst folgendes mit: Das Staatsministerium unterbreitet der Reichsregienrng den Vorschlag, alsbald durch Gesetz eine Regelung dahingehend zu treffen, dah bis auf lveilcres alle Betrieb«, die zu«iner Einschränkung ihrer Arbeit gezwungen sind, so lange keine Berminderung ibrer Belegschaft vornehmen dürfen, als die von der Arbeitscin- stbrirnkung betroffen« Belegschastsgruppe bei einer Verminderung der Arbeitszeit noch mindestci� td Wochenstunhen oder S Tages- schichten Beschäftigung finden kann. Durch eine solche Maßnahme würde die weitere Zunahm« der Arbeitslosigkeit nicht un- wesentlich gehemmt und gleichzeitig den individuellen Verhältnissen der einzelnen Ve- triebe genügend Rechnung getragen werden. Auch«in Personen- Wechsel innerhalb der Belegschaft würde hierdurch nicht verhindert. Das Staatsministenum einigte sich ferner darauf, durch eine vorübergehende Verlängerung der Schulpflicht um ein weiteres Jahr ein Zuströmen von neuen Arbeits- kräften auf den Arbeitsmarkt ln der jetzigen Rot- zeit zu verhindern. Dabei ist daran gedacht, das weitere Schuljahr in erster Linie der Vorbereitung des Jugendlichen auf seinen künftigen Berus zu widmen und die Ausbildung, die er so erfährt, bei seiner späteren Berufsausbildung in angemessenem Umfang zur Anrechnung zu bringen. Lediglich für diejenigen Jugendlichen, die das Ziel der Volksschule nicht erreichen und über deren mangelhaft« elementare Kenntnisse in allen Wirtschaftskressen immer wieder Klage geführt wird, soll das neue Schuljahr zur Besserung dieser Kenntnisse inner» halb des Rahmens der Volksschule selbst verwandt werden. Als weitere Anregung hat die preußische Staatsregierung, die schon in den vorangegangenen Jahren immer für den fortschreitenden Abbau des Kontingents dieser Arbeiter«Ingetreten ist, der Reichs- regierung vorzuschlagen, alsbald klarzustellen, daß im nächsten Jahr keinerlei ausländische Wanderarbeiter(sogenannte Sachsengänger) für die deutsche Landwirtschaft zugelassen werden dürfen. Dadurch könnte etwa 110 000 deutsche« Arbeitslose« Arbett verschafft und dem unerträglichen Zustand ein Ende bereitet werden, daß bei einer deutschen Arbeitslosigkeit von fast drei Millionen Menschen über 100 000 Arbeitsplätze wieder von Ausländern ein- genommen werden. Der immer wieder vorgebrachte Einwand, daß genügend deutsche Ersatzkräste für diese Landarbeit nicht zur Ber- sügung ständen, wird restlos widerlegt durch die Feftstellun- gen der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenoer- sicherung, nach welcher sich die schon jetzt in die Landwirtschaft in erheblichem Umfang vermittelten berufsfremden Arbeitskräfte und namentlich die Jugendlichen im allgemeinen recht gut bewährt haben, und daß die gegenteilige» Behauptungen, die gelegentlich in die Oefjentlichkeit dringende Einzeifälle betreffen, keineswegs All- gemeingültigkeit besitzen. Gleichzeitig, hat der preußische Ministerpräsident in Ergänzung der obigen Dorschläge ein umfassendes Meliorations- Programm des Ministers für Landwirtschaft, Do- mänen und Forsten, Dr. Steiger, das ebenfalls die Zu- stimmung des Stoatsministeriums gefunden hat, an den Herrn Reichskanzler weilergeleitet. Landwirtschaftsminister Dr. Steiger schlägt vor, im Rahmen des Arbeitsbeschofftingsprogramms des Reiches mit größtem Nachdruck für die Berücksichtigung der land- wirtschaftlichen Meliorationen einzutreten. Der Land- tzjirtschaftsnnnister stellt ein auf drei Jahre berechnetes Meliorotionsprogramm auf, das für die Ostprovinzen etwa 90 Millionen Mark, für die übrigen Landesteile etwa 310 Mil- lionen Mark vorsieht, also jährlich rund 13S Millionen Mark erfordert. Er verweift auf die große Bedeutung, die diesem Programm bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zukomme. Da nämlich bei Meliorationen durchschnittlich 70 Proz. der aufzu- wendenden Mittel auf Löhn« entfallen, so würden etwa 94,3 Mil- lionen Mark jährlich für Entlohnung Verwendung finden und 78 000 Arbeitern auf diese Weis« eine Beschäftigung sichern. Llmsiurz in Brasilien. . Die Marine stürzt Sie Regierung. Rio de Janeiro, 24. Cktobcr. Die Regierung ist gestürzt. Präsident Washington Lutz hat seinen Rücktritt erklärt. 4- Jetzt hat also zu guter Letzt auch in der weitaus größten südamerikanischen Republik, in Brasilien, die„Revolution" gesiegt. Reoolution? Wenn eine Offiziers- und Politikerclique die andere nach einem mehr oder minder langen und blutigen Bürgerkrieg ablöst, so ist das in unseren Augen noch lange keine Revolution. Höchstens ein gewaltsam durchgeführter Personenwechsel, der auf die soziale, wirtschaftliche und sogar auf die politische Entwicklung des Landes keinen fühlbaren Einfluß ausübt. Das„Volk" jubelt? Was beweist das schon! Als kürz- lich in Argentinien Jrigoyen gestürzt wurde, lag Buenos Aires tagelang im Freudentaumel. Dabei hatte erst wenige Monate zuvor die direkte Präsidentenwahl durch das Volk eine ungeheure Mehrheit für ihn ergeben. Und viele von denen, die jetzt in Rio de Janeiro Todesrufe gegen den zurück- getretenen Präsidenten Washington Luis ausstoßen, dürften noch vorgestern zum Kampfe gegen die Rebellen auf- gefordert haben. Diese politische Unreife der südamerikanischen Volksmassen ist nicht zuletzt durch das Fehlen einer nennenswerten moder- nen Arbeiterbewegung zu erklären. Außer in Argentinien, wo gewisse Ansätze einer sozialistischen und gewerkschaftlichen Bewegung vorhanden sind, gibt es eigentlich nur- einen Staat, nämlich Uruguay, wo die Arbeiterschaft einigermaßen organisiert ist: und es ist wohl kein Zufall, daß gerade Uruguay von jenen Cliquenkämpfen zwischen rioali- sierenden Militärs und Politikern verschont geblieben ist, die sich stolz„Revolutionen" nennen. Diese politische Rückständigkeit der südamerikanischen Republiken hatte Genosse H i l f e r d i n g in seinem Referat aus den Kieler Parteitag 1927 treffend charakterisiert: „Die Demokratie existiert nur, wo stark«, mit politischem Bewußtsein erfüllte proletarische Organisationen dahinterstehen: sonst geht sie zugrunde. Sehen Sie sich die süd- amerikanischen Staaten anl Famose Verfassungen, Demo- kratie In Ordnung, aber keine proletarische Organisation, Cliquen- Wirtschaft, Militärputsch« usw.. eine vollständige Berlodderung. weil Demokratie nur möglich ist, wenn eine starte bewußte Arbeiterklasse dahintersleht.- So stehen mir dem vorläufigen Abschluß des Bürger- krieges auch in Brasilien ziemlich gleichgültig gegenüber. In Ländern, in denen die Bevölkerung, die zum größten Teil aus Mischlingen besteht, oft mit den rücksichtslosen Methoden des Frühkapitalismus ausgebeutet wird, werden sich die wirt- schaftlichen Zustände nicht im geringsten deshalb ändern, well ein Irigoyen durch einen Uriburu, oder ein Washington Luis durch einen General Castro gestürzt worden ist. Für die aus- ländi'chen Kapitalisten, namentlich die Nordamerikaner, die ihr Geld mit Hilfe der gestürzten Machthaber nutzbringend investiert haben, mag der Personenwechsel von beunruhigender Bedeutung sein, und es scheint in der Tat, als ob die Washingtoner Regierung d. h. die Finanzgrößen von Wall- street, einen neuen schweren Nackenschlag erhalten hat. Aber darüber hinaus sollte man den Ereignissen in Brasilien keine übermäßige innenpolitische und erst recht keine internationale Bedeutung beimessen. (Weitere- MeidMgen flehe S. Seite.) Das Ende der Staatspariei. Llnd das Ende des deutschen Liberalismus. Von �nton lllrlroleuL. Kein verständiger Sozialdemokrat wird sich freuen über den Zusammenbruch der Staatspartei und mit ihr der Demokratischen Partei. Aus den Erinnerungen und, aus den geschichtlichen Leistungen seit 1918 für den neuen Staat ist die Demokratische Partei nicht wegzudenken. Gewiß. der große Machtkörper dieser zwölf Jahre war und ist die Sozialdemokratische Partei. Auch das Zentrum war und ist, oermöge seiner katholischen Massen in bestimmten Landesteilen, für die Republik ein bedeutender Machtsaktor, Eine Macht in diesem Sinne war die Demokratische Partei nie. Und dennoch war sie unentbehrlich für den Aufbau des neuen Staates. Sie war eine geistige Macht, nicht aus einer geschlossenen Ideenwelt heraus, sondern weil sie den Zugang hatte zu einem Teil, zeitweise zu einem großen Teil des aeistigen Deutschland! Ohne die geschlossenen Macht- formatürnen der Sozialdemokratie wäre die Republik längst nicht mehr. Wer ohne den Zuzug der ein bis zwei Millionen der„Gebildeten" aus der Leyrerschaft, auch einzelner Teile der Unternehmerschaft wäre die Deutsche Republik viel schwächer gewesen und geblieben, als sie heute ist. Mit der Demokratischen Partei sinktderLiberalis- mus als politische Macht dahin. In einer Zelt, die nicht mehr ganz zum Kapitalismus zurück und die auch noch nicht den neuen Geist, die neuen Formen finden kann, die wachsen müssen und werden, könnte ein entschlossener, sozial verantwortungsbewußter Liberalismus noch einmal eine ent* scheidend wichtige Aufgabe erfüllen. Liberalismus ist als Ge- sinnung auch immer noch vorhanden. Seine politische Organi- sationsform aber sinkt rettungslos hin. Es gibt nur noch Reste eines politischen, organisierten Liberalismus, obwohl es noch viele Liberale gibt. Ein großer Teil von ihnen wurde mehr und mehr gezwungen, die Erfüllung ihrer Ziele zu suchen in Anlehnung an die Arbeitnehmermassen der Sozial- demokratie. Die anderen werden bald noch folgen müssen. wenigstens alle diejenigen, die nicht einfach im„bürgerlichen" Opportunismus der Deutschen Bolkspartei untertauchen wollen. Der Kampf um die Ideale, der Kampf um das Morgen bleibt allein der Sozial- demokratie. Das englische Beispiel ist darin fast ebenso schlagend wie das deutsche. Die Wurzeln der bisherigen Demokratischen Partei waren in der Vorkriegszeit vor 1910 die Wähler der damaligen Freisinnigen Volkspartei und der Freisinnigen Vereinigung. In der ersteren sammelte sich der letzte Rest des radikalen und liberalen Kleinbürgertums von 1848, der diese Ideen teils noch bewußt gepflegt, teils nur traditionell weiter» getragen. Die Freisinnige Vereinigung war, besonders unter dem Einfluß von Barth und Naumann, eine Führer- gruppe von Jntellektusllen, erfüllt vom Staatsgedanken und von dem Bewußtsein sozialer Pflicht für die Aufsteigenden, für die Hungrigen. Naumann usw. wollten hauptsächlich für die Arbeitnehmer und für den Staat wirken. Es war— jetzt nachträglich sehe ich das deutlicher als damals— eine fast unlösbare Aufgabe, ein-"einbürgerliche Wäblerschast für die schwerste aller politischen Aufgaben, für eine Einordnung der Arbeitnehmerschaft in Staat und Nation zu gewinnen. Das gelang noch, solange die eiserne Reaktion des wilhelminischen Zeitalters die Ideale und Gefühle des liberalen Kleinbürger- tums täglich oerletzte und noch einen Rest achtundvierziger Stimmung wach erhielt. Als nach dem Kriege mit der Er- füllung dr achtundvierziger Ideale dies Band wegfiel, ging auch dieser TeU des Kleinbürgertums schnell zur Interessenpolitik über und wurde reaktionär. Damit verlor die Demokratische Partei ihre soziologische Grundlage. ihre bis dahin noch einigermaßen leidliche innere Festigkeit. Das liberale Bildungselement war in sich nicht fest genug, um einen Rahmen unerschütterlicher Organisation zu schaffen. Treu bl'eben der Demokratischen Partei bis in die letzten Jahre hinein vier Gruppen: 1. Die Träger des Naumannschen Ideals des sozialen Liberalismus: 2. Arbeiter und Angestellte, die aus vielen Gründen nicht den Weg zur Sozialdemokratie finden konnten: 3.„bürgerliche" Elemente, die aus ähnlichen Gründen nicht den Weg zur Sozialdemokratie fanden: 4. der Rest der Freihändler und die viel größere Zahl derjenigen, die für weitgehenden Güter- und Geistesaustausch eintraten. Kurz nach der Wahl 1928 schon trat die Gruppe 4 fast restlos aus. Die D i e t r i ch sch e Agrarpolitik, illiberal und auf Konservierung der landwirtschaftlichen Besitz- und Arbeitsmethoden eingestellt, führte zu einer Massenflucht be- sonders des Handels. Was parteipolitisch um so wichtiger war, als diese Kreise meist auch noch zu den sonst spärlichen Geldgebern gehörten. Die zahlenmäßig stärkste Gruppe waren danach die Arbeitnehmer, obwohl schon im Laufe der Jahre durch die schwankende Politik der Partei viele stille Abwanderungen nach links stattgefunden hatten. So haben vor und bei der Wahl schon Hunderttausende Demokraten den Weg zur Sozialdemokratie gefunden und der Abfluß von der Demokratischen Partei ist unter dem Druck der Ereignisse nach der Wahl noch größer geworden. So schnell und unter so Kränzen überführt! Sein Parteifreund Guth belastet ihn schwer. Oer bräunschweigische Raziminister Frentzen kämpft einen verzweifelten Kampf gegen die Wahrheit. Roch einem lächerlichen und widerspruchsvollen Dementi, das selbst die chm befreundete Presse nur mit äußerster Verlegenheit abdruckte, sucht Herr Franzen die Verbreitung der Wahrheit mit Verboten, Beschlagnahmen und einstweiligen Verfitgun- gen aufzuhalten. Aber er- kämpft einen verlorenen Kampf. Die Wahrheit ist auf dem Marsche! Wie wir zuverlässig ersahren, wird Franzen nicht nur durch das Zeugnis von sechs Polizeibeamten, fondern auch durch die Aussage seines eigenen Parteifreundes Guth auf das schwerste belastet. Guth, der sich— mit dem falschen Ausweis des Abgeordneten Lobs« bewaffnet— als dieser ausgab, hat nämlich zu Protokoll dem Sinne nach folgendes ausgesagt: Nachdem er«ivmal, durch den in seinem Besitz befindlichen Ausweis verführt, sich als Abgeordneter Lohse ausgegeben habe. sei es ihm peinlich gewesen, seinen Betrug ein.zugestehen, und er sei bei der falschen Aussage geblieben. Er habe dann seinen Freund, den Minister Franzen, telephonisch herbeirufen lassen, in der Hoffnung, daß dieser einen erträglichen Ausweg finden werde. Als aber der Staatsminister Dr. Franzen auf seinen— Guths— Wunsch herbeigeholt wurde, habe Franzen die Aussage Gulhs unlerstüht und den Polizei- beamten der Wache erNärt, daß die au» dem Lichlbildousweis bezeichnete Person der Abgeordnete Lohse sei. Guth erklärt weiter, daß dann der Poiizeimajor Heinrich hinzugekommen sei und daß auch diesem gegenüber weder Franzen noch Guth ihre Aussage, daß es sich um Löhs« handele, geändert hätten. Erst gänz am Schluß. unmittelbar odr dem Abtransport Guths, habe Franzen ihm zu- geflüstert, daß es jetzt doch ratsam sei, der Wahrheit die Ehre zu geben. Hierauf sei Franzen an einen Polizeibeamtcn heran- getreten und habe mit diesem etwas gesprochen, was Guth nicht verstanden habe. Cr nehme aber an, daß dies Gespräck) der Aus- klärung des Sachoerhalts dient«. Diese von Guth völlig unbeeinflußt gegebene und eigenhändig unterschriebene Aussage deckt sich in allen wesentlichen Punkten mit der Darstellung der Polizeibeamten. Die Beweislagc ist damit folgende: Aus der einen Seile steht gegen Franzen das Zeugnis des Polizeimajors Heinrich, eines Polizeihauptwochlinc-siers. zweier Polizeioberwachlmeister. eines polizeiwachlwelslcrs und c>nes Sri- minawjsisienlen. zusammen von sechs Polizeibcamlen. deren übereinstimmende Aussage vntersluh» wird durch die d-'s sie- beulen Zeugen, des Ratio»alsozialislen Gulh. Gegen diese fieben Aussogen steht für Franzen— allein das verlegenheilsgestammel des Herrn Minister Franzen selber. S 0 n st nicht«? Sämtliche Augen- und Ohrenzeugen des Vorfalls sagen geschlossen gegen Franzen aus. Damit ist der Minister Franzen' einwandfrei überfuhrt, die Unwahrheit zu sage n. Im Dienste dieser offensichtlichen Unwahrheit erläßt.Herr Franzen Beschlagnahmen, Plakate- und Versammlungsoer- böte, erwirkt er einstweilige Verfügungen— alles zum Schutze seiner eigenen Person, zur Vertuschung seiner eigenen Verfehlung. DerSkandalwirdvonTagzuTag größer. Sozialdemokratische Realpolitik in Bayern. Zusammenarbeit mit der Bayerischen Volkspartei. München. 24. Oktober.(Eigenbericht.) In Bayern ist eine politische Entscheidung gefallen, die für das Land große Bedeutung hat und unter Umständen auch nicht ohne Wirkung aus die Reichspolitik fein wird. Räch einigen Wochen diskreter Verhandlungen zwischen der Bayerischen Bolkspartei und den Sozialdemokraten gelang, was ein Bürgerblock- regiment In sechs Jahren unter viel günstigeren Verhältnissen Nie zu Wege brachte, die Mgleichung des Haurhatts und damit buchstSbllch in letzter Stunde Sie Abwendung schwerster Gefahren für die Wohl- fahrt des Volkes und des Staates. Seit 10 Jahren wurde in Bayern gegen die Sozial- demokratle regiert. Stürmisch setzte dies« Entwicklung«in Mit. einem vom Staat zunächst heimlich und dann offen begünstigten .wntimarxistifchen' Kurs, der die Nationalsozialisten und da» ganz« Mosaik recht, radrkater Bund« und Verbände hochzückstet«, bis Ach die offizielle Staatsgewalt des Freistaat» Bayern offen tüf dem Boden des Hochverrats gegen das Reich bewegte. Di« Katastrophe des Hiller-Putjche» ging gerade noch an Volk und Staat vorüber. Dann kam die./demokratische" Legalisierung des Kurses zur Unter- drückung der Sozialdemokratie, die damit endet«, daß der Staat Bayern ii g e ir sein wird, diesen Kampf allein zu führen, und vielleicht liegt der Tag nicht so fern. Weil ich die Dinge so sehe, deshalb bin ich zur Sozialdemokratie gegangen. Es wird . keinen leichten Sieg geben, sondern es werden wahrscheinlich harte Jahre kommen. Um so mehr ist es Pflicht, jeden heran- zuziehen, der bei diesen entscheidenden Auseinandersetzungen über Deutschlands nationale und soziale Zukunft mittun will. Für das Arbeitnehmerelement in der Partei wird das alles bedeuten, entschlossener als bisher den Weg der gemein- ''amen Arbeit mit den Kreisen des Volkes zu suchen, die nicht Arbeiter im eNgeren Sinne sind. Ein etwas besserer Anzug macht einen hungrigen Vürorockträger noch nicht zum reichen Manne oder zum Klassenfeind. Solche Scheidungen sind Reste aus dem Denke« des wilhelminischen Halbfeudalismus. Das Freiligrathsche:„Wer da mäht im Feld die Nehren..." sollte Wsmckl im Jahr der Tagesspnich einer siegessicheren Sozialdemokratie sein. Die größere Schwierigkeit in der Einordnung der hier geineinten Kreise in das Heer der Freiheitskämpfer liegt noch düf der anderen Seite. Die Einbildung des Intellektuellen, der ob seiner größeren Kenntnisse meint, alle anderen seien doch nicht recht für voll zu nehmen, muß überwunden werden. Das Ziel hat Thomas Mann in diesen Tagen gezeigt. Er sollte seinen Kreisen noch deutlicher sagen, w i e sie dies Ziel erreichen können. Wenn Hunderttausende Arbeiter und Angestellte als Mitglieder der Sozialdemokratie ihr Geld, ihre rastlose Arbeit der Partei und durch die Partei dem Staate opfern, dann sollte man in dieser Opferwilligkeit etwas Großes. Wichtiges sehen lernen statt der'„kleinlichen Pedanterie des Organisationsbürokraten". Ohne den Orga- nisationsbürokraten gibt es keine Macht für die Ideen, die rtiän durchsetzen will. Ideen ohne Macht sind luftige Gebilde, Seifenblasen. Man kann sich gewiß daran erfreuen, si« auf- steigen zu lassen. Mit Politik aber Hot das nichts zu tun. Und man kann von den Millionen Anhängern einer Partei, die aus taufend bitteren Erfahrungen wissen, wie schwer es ist, die Weltgeschichte ein Stückchen vorwärts zu schieben, nicht ver- langen, daß sie sich mit Seifenblasen zufrieden geben. Die Häitdärbeiter und die Kopfarbeiter müssen jetzt erfassen, daß ein neuer Abschriitt der innerpölitischen Entwickinng Deutsch- läUds begonnen. Die Sozialdemokratie, ob sie will öder nicht, muß diö Er bschaft öesdeukschenLibe tot i sm u s übernehmen, sonst gibt es bald nur noch finstere Dunkelheit in Deutschland. Volkspartei! Die Knechte Oer Nationalsozialisten Die ganze politische Erbärmlichkeit der Deutschen Volks- Partei oder um völlig gerecht zu sein, ihres größten Teils, ergibt sich aus den Bemerkungen, die eins Reihe von volks- parteilichen Blättern zur Ernennung Severings machen. Man lese nur beispielsweise, was die„M agdeburgifche Zeitung" und der„H a n n o v e r s ch e K u r i e r" zu diesem Thema schreiben: Das Volk, das am 14. September unzwei- deutig sein Votum gegen die Sozialdemokratie abgegeben habe, müsse die Folgen des Streites zwischen Zentrum und Sozialdemokrätie um die Vorherrschaft in ihrer Ehe tragen. Was soll das heißen? An die Stelle eines Sozialdemokraten ist ein anderer getreten. Die Stellung- des Zentrums in der Preußenkoalition Ist dadurch in keiner Weife erschüttert. Aber der andere gilt eben als besonders energifch. Er ist entschlossen, den Fehdehandschuh, den die Nationalsozialisten der Republik hinwerfen, aufzunehmen und deshalb wird er von der Volkspartri angegrifseii. Das Volk hat gegen die Sozialdemokratie entschieden? Nun, und was hatesmitderVolkspartei angefangen? Es Hot sie in ein Häufchen Unglück verwandelt, aber diese erbarmungswürdige Gesellschaft hat sich nicht gescheut, die Hand nach dem Posten des ReichstagsprSsibentett aus- zustrecken, die Hand freilich, die dem Kommanvä des Herrn Hitler folgte. Der„Hannoversche Kurier" aber verlangt wieder einmal, baß auch in Preußen die Lösung von der Sozialdemokratie vollzogen werbe und praktisch läuft das Streben dieser Leute nach wie vor darauf hinaus, den Natlonätsozia- listen auf dem Weg über ihre Regi«rungs- beteiligung im Reich Preußen auszuliefern. In deren Schatiert hoffen dann die Freunde des Herrn Scholz die Rolle spielen zu können, auf die sie weder nach ihrer ziffernmäßige Größe noch nach ihrem politischen Talent oder gar nach ihrem politischen Charakter«inen Anspruch erheben dürfen. Sie sind tief genug gesunkeii, um sich mit ihrer Läkoienstellung zu begnügen. Oos Kabineit beräi. Fteichshaushslt für 1931 verabschiedet. Iii der Kabinettssttzung am Freitag verabschiedet« das Reichs- kabMeü unter dem Vorsitz des Reichskanzler» den Reichshaus- haltsplaii für 1031. In diesem Zusammenhange faßten dl« Reichsminister deN Äeschluh, nicht erst eins gesetzliche Herabsetzung ihrer B«züge abzuwarteti, sondern berilts äM 1. Rob'sM. der auf 20 Proz. ihrer Gehätisbezügs zu vir- z i ch t e n. Im Anschlub an die Veroksichiedung des Reichshaushälts- planes 1031 wird das Reichskabmett in der nächsten Woche die weiteren mit dem Wirtschafts, und Fi Nanz plane zu- -ämMetchängendeN Bärlägen oerabschieden. Nach Vördefprechun» gen mit den Länderregierungen Wer diese Vorlagen ist als Beginn der Beratungen des Reichsrates Wer den Wirtschafts- und Finonzplan der Reichsregierung In der heutigen Kabinetts- sitzUng Dienstag, der 4. November, in Aussicht genommen worden. Das Reichskabinett trat schließlich auf Grund eine» Bor- trage» des Reichsministers Schiele in eine eingehende Erörterung der zur Milderung der landwirtschaftlichen Not- läge erforderlichen Mahnohmen ein. Diese Bcratungsn werden am Sonnabend zum Abschluß gebrächt. SSV Millionen Mindereinnahmen. Däs RsichsfiNänMiNisteriuM veröffentlicht jetzt die Steuer- und ZolleinitähMen für den Monat September und zugleich für die irsteft sechs Monat« des ab April laufende» Finanzjahres lsizy/tzl. Nach dem Septemberausweis kamen an Besitz- und B«t- kehrssteuern 3ZZ,7 Millionen Mark und an Zöllen und Verbtauchsabgöbev Zßtz.l Millionen Mark auf, so daß sich da? GefamtäUfkomMi-v IM September auf 308,8 Millionen stellt. Im«in-elnen blieben die Einkommen-, Körperschasts- und llmsatz- sieuerzahlungen hinter dem Augustaufkommen um 30, ü Millionen Mark zurück, während an Lohnsteuerzahlungen mit 111 Milllonen Mark rund 1,0 Millionen Mark mehr einginKeri. Da» Gesamtaustom wen an Steuern und Zöllen in den ersten sechs Monaten des laufenden Rechnungsjahres 1930/31 be- zlffert sich auf 4S80,7 Millionen Mark und bleibt'damit um ,V>Z,1 Millionen hinter den im Etat veranschlagten Solleinnahmen von 3,13 Milliarden zurück. Das Minderaustommen geht mit 207,3 Millionen zu Losten der Besitz- und Verkehrssteuern und mit 23-1,8 Millionen zu Lasten der Zölle und Verbrauchsabgaben. Dies« Ziffern lassen jedoch noch keine Schlußfolgerungen für das Endergebnis des laufenden Finanzjahres zu, da die neuen S t i u« r Ii, die zum Teil erst im Lauf« dieses Rechnungsjahres eingeführt find und zum Teil erst in den kommenden Monaten stießen werden, eine Steigerung der Einnahmen trotz der .schwierig«» Wirtschafteverhältniss« bringen werden. „Vertauschte Rollen." Städtische Oper. A>l b e r« heilere Oper„Vertauschte Rolle n", von Alfredmd Durchführung äußer st er Sparsamteit seien die Aufgaben, die er sich vor allem setz«. Mit warmen Worten der Anerkennung und des Dantes gedacht« Minift«r Severing dann des Wirtens seines Amtsoorgängers Staatsminister a. D. Profestor Dr. W a« n t i g. In der Staatsministerialsitzung fand vor Eintritt in di« Tages- Ordnung di« Vereidigung Se Oerings durch den preußischen Minister- Präsidenten Braun statt. Gleichzeitig wurde er durch Kabinetts- befchluß zum Bevollmächtigten des Reichsrats ernannt. palastina-�egierung gegen Zionisten« Zusammenhänge mit der)ndienpolitik? H a i f a. 24. Oktober.(Eigenbericht.) Die Palästinoregierung wird demnächst ein d r a k o- nisches Preßgesetz erlosten, das di« P r ä v e n t i o z e n f u r verfügt und schwere Strafen für Preßdelilte vorsieht, ferner wird ein Ausnahmegesetz über das Verbot von Landtöusen durch Juden erwartet. Arabstche Kreise behaupten, daß dos Kolonialamt unter dem Druck der indischen Mohammedaner mit Unter- srützung Lord Irvins eine Revision der bisherigen Bodenkäuf« aus dem jüdischen Rationalsonds erwäge. Güdflawischer Terror. pribitfchewitsch im Verlies. In elnlgen Zeitungen stand dieser Tage, der stidstawisch« Demo. kratenführcr und ehemalige Mnister Svetosar Pribitsche- witsch sei wieder freigelassen worden. Wie uns mitgeteilt wird, ist diese Rachricht falsch, pribiksche- witsch wird seit siebzehn Monaten in Einzelhaft gc- kalten. Weder der Grund der Verhaftung noch eine Anklage ist ihm bisher bekanntgegeben, man verwehrt seinen Angehörigen, ihn zu sehen und zu sprechen, man verweigert ihm alle Rechtsmittel! Arbeiierverfammlungen verboten. Bon den freien Gewerkschaften einberufene Veriammlunoen in Marburg, Eilli, Laibach usw., in Serren der Vertreter Südslawiens im Internationalen Arbesteamt. Dr. Zioko Topalo witsch, über die Wirtschastekris« und di» Arbeiterschast sprechen sollte, hat die Regierung des Draubanats allesamt o e r b o t e n. Kempkes will nicht mehr. Staatssekretär a. D. Kempkes, der schon bei der letzten Reichstagswahl auf«in Reichstagswandat verzichtet», hat, wie die„NLE." berichtst, di« von ihm fett langen Iahren innegehabt« Stellung»ines Leiter» der Gesamt- Organisation der DLP. niedergilegt. Beschlagnahm« der„Roten Aahne". Auf Ant-og der Staat». «nwaltichait beim Landgericht l Berlin ist die Beschlagnahme t<« .yauptblatte» der Nr. 249 der„Roten Fahne" vom 24. Oktober d. Y. wegen de» Artikels:„Wir warnen vor Severing" von dem Amts- aericht Lerlin-Mitte angeordnet worden. Verna mbuco über New Bort, 24. Oktober. Einem Funkspruch der„Associated Preß" aus Rio de Janeiro zufolge hat sich auch die Marine, die bisher treu zur Regierung hielt, den Ausstiindischen an- geschlossen. Bald darauf erfcklgte der Rücktritt des Präsidenten Washington Luiz. Als die Bekanntmachungen über de« Rücktritt an den Zeitungsgebäuden angeschlagen wurden, bemächtigte sich der Bevölkerung es» wahrer Freudentaumel. Di« Banken und Geschäfte. schlössen zur Feier des Sieges der revolutionären Sache. Di« Zeitung„Sa Raeion" in Buenos Aires meldet aus Rio de Janeiro, daß eine Militärjunta, unter deren Führern sich Tasso Fragoso»ud General Menno Barreto befänden, di« Regierung übernommen habe. Weitere Rew-Dorker Meldungen aus Rio besagen: Anscheinend beherrscht der Pöbel di« Straßen, Studenten vsr«- anstatt«» Kundgebungen und bejubeln den Sieg d«r Revolution. Häuser von Regierungsanhängsrn sind geplündert worden. In der„Agencia Amerlcana" wurde die gesamte Einrichtung auf dl« Straße geworfen und das Gebäude von der Menge in Brand ge- steckt. Di« Polizei sieht dem Treiben auf den Straßen tatenlos zu. Die geringe Garnison ist anscheinend noch unschlüssig, ob fle sich den Aufständischen anschließen soll. In Porto Allegr«, dem Hauptquartier der Aufständischen, hat die Nachricht vom Ausbruch der Revolution in Rio unbeschreib- liche Begeisterung hervorgerufen. Man ist sich darüber klar, daß die Loge der am Parana kämpfenden Bundestruppen völlig un- haltbar werden muß, falls die Aufständischen in Rio die Oberhand behalten. Militärputsch? Rio de Zaneiro. 24. Oktober.(Eigenbericht.) Der Militärputsch des Generals de Eastko hat auch zur Ver- hastung des gestürzten Präsidenten Luiz geführt. Gegen drei. Uhr vormittags nickte der General Menno B e r r e t o in die Stadt ein. DI« Straßen und dos Präsidentschaftspalais wurden militärisch besetzt. Luiz weigerte sich, zurückzutreten. Darauf wurde ihm ein Ultimatum gestellt. Beglaubigt« Darstellungen Über die weitere Entwicklung des Umsturzes und ob Luiz freiwillig zurücktrat, fehlen noch. Senator Azeredo, ein Anhänger Luiz'. wurde auf der Strohe gesteinigt und ist jchiver verwundet. Berreto erklärte in einem Aufruf, er betrachte sich nur qls provisorischer Inhaber der Macht, bis ein neuer Mann den neuen Verhältnissen Rechnung getragen hätte. Damit ist nach der a r g s n I i n i scheu auch die brastliantsche Regierung der W'ki' "jchoftskrise' uich her �rbe.ilelosigkett zum Opfer gefallen. Ein Militärdirektorium. New Jork, 24. Vkkobm. Aach dem Umsturz wurde in Rio de Zaneiro ein an» drei Generälen und drei Admiralen zusammengesetztes Rlilltärfomitee eingesetzt, das den General TNenna varreto zum Schuhdiktalor ernannte. Barreto soll die Regierung». geschäfle bis zur Durchführung der Reuwahlen führen. Er erließ sofort«ine Kundgebung an dos brasilianische Volk und ordnete die. Demobilisierung der Truppen an. Zn einem weiteren Aus. ruf ermahnte er die Bevölkerung, die Ruhe zu bewahren. Der VunSesgcneral varros. der mit 100 000 Dollar Regierung». gelder flüchten wollte, wurde Im letzten Augenblick verhastet. Die Mitglieder des allen Kabinetts haben sich In die ausländischen Gesandtschaften geflüchtet. Washington Luiz de- findet sich angeblich im palast des Kardinal». Bestürzung in Washington.— Ein blamierter Botfchafier. Washington, 24. Oktober. Nach Blättermeldungen Hot der Sturz der brasilianischen Bundesregierung im Staatsdepartement große Bc- stürzunz erregt. An die amerikanische Botschaft in Rio de Janeiro, die noch zwei Stunden vorher gedrahtet hotte, daß alle» ruh i g sei und nichts von einem Rücktritt des Präsidenten berichtet hatte, wurde eine telcgraphische Anfrage gerichtet. Mangels einer amtlichen Bestäiignng der Meldungen lehnte der S«aotsj«kretär jegliche Stellungnahme ob. Ein Braunkohlenskandal. Berliner Vriketipreise sollen unverändert hoch bleiben. Das Zllttleldeutsche und Oflelbische Broun- kohlensyadikat haben beschlossen, die preise für Zndnstrt«. brikelt» mit Wirkung vom 25. Oktober um 6 Ist. se>0 Tonnen herab- zusetzen, vi« hausbrandpreise bleiben bei beiden Syndikaten unverändert. Diese Maßnahme der beiden Bkäunlohlensyndikat« ist bei der jetzigen Lage eine Herausforderung der Der.öraucher- Massen, gn einer Zeit schwerster Wirtschaftskrss« und ständig zu- nehmender Drosselung der Massenkaufkrast haben die Köhlenbarone im oslalbischen und müteldeutschen Revier die Stirn, sich vyr tiner allgemeinen Preissenkung zu drücken und'im Gegensatz zu sämtlichen anderen Kohlenrevieren Deutschlands nur ein« gering- fügig« Preissenkung für Industriebrikette vorzunehmen. Die Absicht der Braunkohlenherren liegt auf der.Hand. Mit der Abschlagszohiüng an die Industrie wollen sie et'waigcn Borwürfen' ihrer jnduftti.ellen Kollegen ausweichen, daß sie ein« Senkung der Produktionskosten vereitelt hätten. Der Bevölkerung Groß-Berlin, aber, die ihre Brikettvvrräte fast ausschließlich nur aus den Revieren dieser beiden Syndikate bezieht, wollen sie weiter ihre hohen Prxise diktieren, da die Nerbraucherschaft den Syndikaten gegenüber machtlos ist- Erst gestern hat das Institut für Äonjuntturforschung eine Untersuchung veröffentlicht, wonach die Ausgaben der deutschen Be- oölkerung der Hausbrandkohle jährlich IL bis l,7 Milliarden Mar? betrögt. Ein« durchgängig« Pretssenttmg für Hausbrandtohle würde bei gleichbleibendem Verbrauch den Konsumenten sährlich um 9 0 bis 1 00 Millionen entlasten Diese 100 Millionen ständen also'den Derbraitthermassen für andere Slusgaben zur Verfügung und würden somit«in« tatsächliche Kauskraststärkung und damit eine Konjunkturbelebung zur' Folge-Haben. 1"■ Dies« Gründe find Natürlich für die Führer der großen Braun- kohlenkonzerne gar nicht maßgebend Ihre wahre Meinung wurde von un» bereits nach den Feststellungen eines bürgerlichen Blattes dahin charakterisiert, daß eine Britellvrrbilligung für die Berliner Bevölkerung deswegen nichi in Frage lammen könne, weil für den mitteldeutschen und, ostelbischcn Braunkohlenbergbau zurzeit keine neuen Lohnverhandlungen möglich seien. IllSotSI', Ucktspisls usw. -onnÄd.. 2Z. 10. HSÄZ-OPLI' Unter d. Linden A.-V. SS 20 Uhr Der PosNlioo v.Loninmeau Ende n-22Uhr Sonnab., 2S 10 Stüdt. Oper Bismarckstr. Turnus I 19% Uhr Aida Ende g. 23 Uhr Staats-Oper An Plitr der bpsblik. ««. R.-S, >9% Uhr Der Frelsdifltz (Uftnfl. brtnnrbdf Ende 22% Uhr StaatL Schausph. lam Gendamcnmarkij. «. A-V. 20 Uhr OesdiidilB Gottfrii- dsHsvonBerlitogen oitdereistmenllMil Ende n. 23% Uhr M.StliHeater.aiaritbg 20 Uhr NORA. Ende 23 Uhr Tigl. 5 u. 815 Sonni. 2, So. 8" Alex. E 4. 80« Sylvester SchSffer Charley-Wllllams-Bono usw. Theater i. d. Behrenstr. 53-54 Direktion: Ralph Arthar Roberls r.. Das häBtichs Rlädchen Engllecn— Rdbans— Janston. ABOf(.SCBADSPIELBADSS Nur noch 1 Wocn e! Lustige Witwe Hesterberg:. Hansell. Arno. Seholln-er, Jankobn.Sehaeflers, Winkelstern. Desnl. REGIE: C H A REEE «Afli. t vorsu- ist. weioenu. jma Sonntags 3 vorsielluafleo; 24 Uhr: 30 Ptg. 1.50 Mk 9 11.34 Uhr: 30 Pf» 3� Mk SV Bei diesen Preisen;"Wt 4lie Kirfler m den Gircnsi t%uh, CASINO-THEATER uolhrimter Sirahe B7. Unwldermllicfa aar bis 30. Oktober Hurrah, ein Junge! ■'iiiiiuiutimiiiitiiuiimtiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiuiiiuiiiiiMiiiiiiR Am 1. November 1930 zum 1. Malet Arm wie eine Kirchenmaus Gutschein 1—4 Pers. Faureuil I�S M.. Sessel 1,75 M.— Sonstige Preise; Parkett 75. Rang 60 Pfg. 8.15 Uhr- Handicn er anbi Tlffany Twins. Dora Kasan u. Nester. Prof. Pallos S singen- deLadies. Brown u.LaHart us» Sonnabend a. Sonntag Je 2 Voretallungen 4 und S"1 Uhr. 4 Uhr kleine Pr. VoiKsbUline ünater am BDlowplatz. 8 Uhr Die Weber v. G. Hauptmann Regie: K. H. Martin. ilaatLSdiiller-Tli. 8 Uhr Nora Oeottüies Tbeaiet 8 Uhr Neueinstudierung Ein Sommer- nachtsiraum üaqii; Mai Reintiardt. Kammersptele 8% Uhi Elga ran Gerhait Haoptmann. Regie: Gustav Hartimg. Die Komödie 8% Uhr Der Schwierige »»» Hea« im Hoffflniillui. Regie: Mai Raiplianlt. ibeat. J. Westens 8% Uhr Brest Litowsk von Hau J. Sehfisdi. Soairteg pzchm.ZGiu Peterdtens Hondfanrl 5 Uhr SdivamralilmSiltL Lessing-TbeaL 81/4 Uhr Elisabeth, KGaigio von Englaud von Lenormand HSttidi Rabmami. So. 11% Uhr; Nadttvorsteliung Gruppe junger Schauspieler Flndil nach Stftanihal Lustspiemaus Dir.: Haas LQpsdiQfi Täglich 8lii U h i meine Sctiwester und ich Musik von Benatzky Lory Leui. Kurl von Möllendori Sonntag 5 Ohr Ueine Sdivester und im metropol-Theater Täglich 8% Uhr Sensationeller Oper ebener folg I Omer pers. Leitun« des Komponisten Viktoria undihrHusar Sonntag 2% Uhr Das Land des Lächelns Sonntag 5 Uhr Friederike. Kleine Preise. Oentsehes Xflnstier-Thesl Tel. Rartarossa 3937 8% Uhr Jim und Jiil Grate Mosheim. Harald Paulseil. Renaissance- Iheater Steinplatz 6780 8% Uhn von Max Alsberg und O E. Hesse Neues Theater ■ am Zoo—■■■ ArpRahnUoo. StpLGSSt Täglich 8% Uhr Max Adalbert in Hasenklein Tßealeraro SdüRbaaerdaiain Täglich 8% Uhr Jud Süßi von Paul Kornfeld. ItSL: laop. ietner mit Etrnst Deutsch Sonntag 3% Uhr OreigrosdiüDoper. Komische Oper 8% Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Gilben AusscbneldeD! Zentral-Theat. Täglich 8% Uhr Sonnt auch 5% Uhr Eine Freundin so goldig wie Du Operette v. Meisel. Tort für Parkett df statti- M. nur I■* gültig vpm 2i-a Okt. Sonntags 3 Uhr Roucippchsn CHans Rose) Stärmiscbes Lachen! Entzückende Musik! Traute, Haas a. Willi Boso! Wochentags 8« Uhr; Sonnabends 7 und 10« ühr Preise von SO Pf bis 3.- M Prooramm u. Garderobe Ja 25 PI (kein Zwang). Theater fOr die Kinder: Kommendan Mittwoch 5 Uhr; „HRnsel and Gretel" Jeden Montag. Dienstag, Donnerstag und Freitag S.SO Uhr Familien-Nachmittage Das Lustspiel„Knkalfl" mit Traote Rose Preise von SO vf bis 1.50 M Garderobe und Programm Je 1 0Pf. Kafiee mit Kuchen 25 PI. Kommenden Sonnabend 4«Uhr: „Dorn röschen 44 Bltlettkaaaa: Alex 3422 u. 3454 Gr. Fr-ta k f nr tarS tr. 182 R O S B Theater Bantowsky-SOhneD TliBaitr in dei Stresemannsii. Täglich 8% Uhi Sturm im u/essergias Xomiilii von Frank. Komödienhaue 8 Vi Täglich«Vi Konto X von Bernauer und Oasterreidiei Tbeatr an Rattb. Tor Kottbusser Str. 6 P.8. Oberb. 6070 Tägl. 8% U, Sonnl auch 3>Ä M» Elite- Säuger Präsident Zunkel Cr. Iramugiel- barhstg Söiorsffi Ruselli ssa Berliner IVIkTriO NCIlkOllll. Uhnatr 74/76J Sonnabend, 25. Oktober nacfamltfags 1? Uhr. Reichshalldti-Theater Abend*|7| Sonnleg nachm.| 3';| (zu halben Preisen) Stettiner sanger Zum Schluß „Wir ollen Berliner" läget- IM, Alm Alba. Ztr. 11153 Dönhoff- Brettl: Okt-Prograuiinl Tml RapalletaiSiitni SeutsdinllletallaMMiliand Adilung, Werbzengmadier! Montag. Den 27. Oftobec. nachm. 5 Ahr Im Lokal»an Lehmann, Mnskaner Skr. L, Ecke Zeaghofstr. verssrnmiong der werfcengmschei' der Kleinbetriebe Tagesordnung: Oer Streif In den OB nt3--Betrieben. Sehet Settieb mutz vertreten fein. Ohne Mitgliedsbuch lein gulritt: Die Oitsverwaliving. Dm Donnerstag, dem ZS. vktoder. 4% Uhr. entschlief unerwartet meine liehe Frau FranzlsKa Pflanz Um stille Teilnahme bitten Anglist Pflanz und Neffe Frankmrter Allee 829 Die EinSlcherung findet Montag. den 27. Olioder, 1S% Uhr. im Are- matorimn Kerichtsttatze statt Dsnlissgung. Den Patteigenofsinnen, Senosten. Freunden und Bekannten, die uns anlStzlich des Hwlcheiden» meinet lieben Ftau und uuferet guten Mutter herzliche Beweise ihrer Teilnahme fpendeten. und im besonderen Herrn Pfarrer Dr. Piechowski für die fchSne Gestaltung der Traurrleier sagen wir unseren innigsten Dani. Lugen Kirsche und Söhne. Kleines Thea). Merkur 1624 Täglich SVi Uhr Wassersdieo Leopoldüie Sonstautla. Ralpü. Chlud. Gartie. Dumke, Siegel da Ruin. Guitluujs-.Rabatt- u Reklameirarken gegen Nachahmung gesetzt gesch. fenigt seit 44J«bi als SpeztaliiU Conrad NlUier Leipzie- Schkeuditz Biumenspenden jeder Art liefert preiswert Paul Golletz vormals Robert Meyer Marlannenstr. 3 F8, Oberbaum 1303 ab Lager u/eiioiech- und Siahihauien jeder Art Gebr. Afitienbadi(LiD.D.B.,Weidenan Sieg Elsen- und Wellblechwerke.— Postfach 38b, Dönh 623.626. Täglich 8 Uhr Alexander Hoiss! in „Der Idiot44 v. Dostofewskif Rose-Theater 8r.fruiUiul8rStr.l32 Tel. Alex 3422 u. 3494 US Uhr; Dornröschen 7 und 10 15 Uhr In der Johaimisnacfat Gewinn artszng L JHofle 36, Preubisch-Süddeullche Alaffen-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen,»ad zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I nno II 1. Ziehungstag 24. Oktober 1930 In der heutige» Vormittagsziehnng wurden Gewinne über 300 M. gezogen 2 OebfauM m 80000 ffl. 309362 4•Mrtimt m 10000 90. 177996 291869 2 Ttannn« z» 6000 M. 392639 2»ewinu«»» 3000 M. 1 294S4 14»«o!»»« ,» 2000 90. 1637 39139 127243 136498 371237 309377 202300 1 70601 383034 100637 163330 296271 314181 281144 176781 360818 102 333 133774 293118 22«ewime m 1000 90. 89686 71143 162693 172071 266853 279636 303319 333179 386509 32®.tDinii. zu 300 9n. 8933 26319 49233 130788 180346 231817 233423 276763 317472 331 348 382215 377155 30 Gewi»«, m 800 M. 21314 21737 44118 30882 103349 118099 I 18769 142543 143355 150559>63979 171079 202976 206363 211430 233236 284334 283950 325453 332534 337607 364303 378211 387618 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über Z00 M. gezogen 6«eviR». 3B 3000 90. 34195 132079 149891 4®«l»inn« gn 2000 90. 76603 1 04439 24©«toinn«>b 1000 90. 860 48025 48499 60813 71187 196114 221096 276443 298831 306260 358845 379309 44»cBtnnc zu 800 30. 54318 54994 65093 91802 101629 101900 115471 126795 188119 211672 243854 250353 258507 260630 343697 364237 356513 367310 371245 372486 386835 399875 82««Dimt»»n 500 90. 1884 25081 56382 84764 88929 102344 103712 I 03343 116763 130065 130753 146212 150201 151604 158394 191129 200520 260050 260294 260959 268812 294982 340058 341341 381670 398767 ZIEHUNG 19. UND 20. DEZEMBER 1930 Arbelfer- WstiJfcbtird" DOPPELLOSE le- RM. PORTO UNO LISTE 30 pfa EXTRA 139 674. GEWINNE UND 2 PRÄMIEN IM GESAMTWERTE VON RM. HUCHSTGEWINN AUF EIN DOPPEU- LOS IM WERTE VON RM- 70000 HOCHSTGEWINN AUF EIN EINZEL- LOS IM WERTE VON RM. 2 HAUPTGEWINNE IM WERTE VON«JE RM. 2 HAUPTGEWINNE IM WERTE VON JE RM 15000 u. s, w. u. s. w. *§£iU&4ßüefe mnlO Shh. rk 20 Losen IObm. sämtliche Gewinne werden eufWunsch mit 90 Prozent ausgezahlt. Losa zu haben bei den Krelsioltern der Arbeiter-Wohlfahrt, bei der Buchhandlung Dletz, Vorwürts-Expedltlon, Linder. stroßo 3. bei Wertheim und In allen Geschäften der Konsumgenossenschaft. iiteine Anzeigon. wirkungsv&U und billig. Uberschrrftswort 25 Pf., Text wort 12 Pf./ Wiederholungsrobotts IO mal 5%, 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10%, 2000 WortelS*, 4000 Worte 20% Stellengesuche: Überschriftswort 15 Pf., Textwort TO Pf. Annohme durch den Verlag, Llndenstr. 3(Tt9 bis 5 Uhr), und sämtliche Vorwärts Filialen u. Ausgabesteilen i/erhauie Tapeten. Szillat. Kolonie. strotze S._* Gardinen, Läulerstofse. Tilch. Diwandelle», Tepvich«. To'al» Ausveriauf. Preitc rückstchtslds herab» gefeftt. Aberbach, IVriedrichstr. 163 I, Ull« Bchrenstratze. „Borwärts"• Sehe Grtrarabatt.* Waschmaschine, Leiter, billig zu ver- kaufen. Marek, Sartenstratze 19,�® Tcppichhau» Emil Lefdorc. B»r. lin. seit 1882 nur Orauienstratze 158. ZahIi'Ngocrleichtr. rung ohne Au«. »ochberd«, Gas, Hohle, Ok-n. tstren. Ofenrohr, W-schk-stel. Wasch. malchinen, Abwasch- tische, Wäscherollen, Teilzahlung, Bade. wannen Velen, eiserne, seder Art »nd Grütze von 12,50 Marl, Amerikaner, irische Dauerbrand fauch Hit Säle bis 5000 llubikmeter), transportable Na. cheTüfen. Die alte EpezlalfabrikSemm. lern. Blei,bcrgA..G. Dresdcnerstr. 08—09 Iiie!0llngzz«iciis. UiiiZCll» USUI. Wenig getragen, teils auf Eeibe ge- arbeitete, erstklassige Iackeitanzllge, Frack. onzllge, Smokingan- zUge.Sehrockaiizllg«, Bauchanzsiae. Ulster und Paletots, boch- elegante neue Ear- dervbe zu stau- nend billigen Brei- sen. Selegenheits. käufe in Herren. und Damenpelzen. Leihhaus Lowick!, Prinzenstratze 10S. eine Treppe, Leine Lombardwore.' Verleih hocheleganter Gefell. schasts.A„zUge.Lriii> haus Lowick!. Prin> zcnftratze 105 Wenig getragene Iackettanzllge. Vale. tots. Ulster, pracht- volle Kammgarn- a...... auzllgr. Cmokingan. e!>»?nr..i> Gelegenheits.. log kostenirel._ itäufr in neuen Mefstaqkr-ue,! Serrengarderob.'n, vierflammig, mit. Brillanten. Uliren, Ecidenschirm. 25.—.!E°ldware»,uErot. Serren, immcrkrone!»reisen. Leihlmus 10�- Kronen, mo-iDosentbalcr Tor. dernistert und neu. Linicnstratzc 208/904 bronziert. Dort- Ecke Bosenthalcr. kchack.Nogazrnstratze.stratze. Kein« vom-: 18,. ihardware.' Wenig getragen« Aavaliergarderobe von Millionären, Acrzten. Anwälte». Fobelhait billige Preise. Emvichle Taillenmäntei.Palc. iots, Fracks. Emo- kings. Gchrockan- zstae. Solen. Sport.. Grhpelze. Gelegen. beitskäuse in neuer Garderobe. Weite- ster Weg lohnend. Lotbringerstratze 56. 1 Treppe, Siefen. thaler Platz.• Damnnmäniel, Ottomanmäntel 8,— Flauschulster 8,—, Beloursmäntel 12— rutzllckende pelzbe» setzte Modcllmäntcl, modernste Stoff» arten 10,—, 20,—, 80.—, 40.—. direkt ab Werkstatt. Schmechel, Gips» strotze 15. Bahnhoi Bärse. j Willi 1 Waschtoilette. Mormorplatt«. gut erhallen. Werzat, Reuchlinstratz« 5. G Benig getragen« Frackanzstge, Smo. kinganzllge. Geh. rockanzllge, Jackett. anzstge. Sommer. palcwts, Trench» coatmäntel, fiir iede Figur passend. Epe- zialität Bauckan. zstge. Spottbillig. Salpern, Zloscn. thalerstratze 4. eine Treppe. M Ii* 113» ler werke Kredit und bar Mobeldazar, große Auswahl. kleine Preil«: Beilpiclsweisc: Schlafzimmer 455,—, Speisezimmer öl7<—, Serren, immcrZ80.—. Spiegelschränk« 118.—. Dielengarni. tur 88,—, Anrichte. Bon Kavalieren wenig getragene und neue slackeltanzstge SmoiinganzUae. Frackanzstge. Bauch- anzstge. Ulster. Pa- letots. Irde Figur pastend. Serren. und Damenpclze enorm billig. Lrihhans Friebrichstratze 2, KalleichesTor. Keine Lombardware. Patentmatratz»« PrimltOma". Me- tallbetten. Auflege mot—hen. Ehaise- longues. Walter Storgarderftratzc � ad?,«». achtzehn.«e.nLaden �ll/«.-. Kl" i. MSbelK-m-rling. derlchrünk» 48,-, Kostanienallee 56. llhaifelongues 28—, Nußbaum. Walch. Metallbr»stelle 18.-. kommoden, englische l Auflegematratze Bettstellen. Nacht. iZ,-. Sonstige MS- tische. Niesenaus. bei angemessene wähl. Plstschsosos. Preise. Teilzahlung Spottpreise. Fah- ausschlagirei. Wo- lungserleichterung. chenraten. Monats- --—---- raten. Kassarabatt Kassatäuser! bis zebn Prozent, Aulgcpatzt! jauch auf Anzablnn. Golbbirke.Schlahim-jgen. Kredite bis mer. 180 breit! Aus zwei Iohre Mätzi- poliert! 705.—. ger Zins. Katalog Eiche. Nutzbaumab. franko Sauv'g.-- Stannener regend! Praihttevpichel2,—! Riesenlager samt- Ncher Grützen I Bor. leger! Diwandccken 5.—. Federbetten Stand 25.-. An. zstae 20.—. Ulster! Monatsgarderobe! Elegante Pelzmän. tel 65,—.(Keine Bersandware.l Pfandleih» Verkaufs. Hans Schünhauler Allee 115(Nordringl miiziii- inziTumsii» letz'ing. 180 bre bochelegant, 405 Mark Sveisezim- mer! Alles rund! 180 breit. Fron! Kauiastsch-Nutz. bäum. Rindlcder. stuhle 475,—. Mö. belbaus N conder» strotze elf. schält: Steglitz. Schloßstratze 107: 2 Gelckält: Neukölln Sermannvlad 7: 3. Geschäft: Pelle. Allianec-Stratze 95, llnterorund ahn: 4 Geschält: Kottbuss-r Straße 28. gegen. über ENtestinger.• Schlafzimmer Küchen in roh von 80,— an. lackiert und lästert bis zu 700,—. Mar Berg n. Co,.Luisenufer II, Fabrikgebäude II, Oranicnftratze 188. Gotzlowskystratz« 28, Ecke Alt. Moabit. sicheren Kunden weitgehendste Zah. lungserleichterung ohne Preisaufschlag. Tesszahlung. Komplette Zimmer. Einzelmöbel billig Wenger. Marstlius» stratze acht. AI> Schünbauserstvaße zwanzig. verlause Piano. 800 Mark. Gsttschow, Rheins- bergcrstratze 17.__® vttopiano. neu, verkauft Lenz, Reuterstratze 80 1. G Linkpiano». Überaus preiswert. Pianofabrik Link. �Brunncnstratze 35.* Piano»— Flügel. Riesenlager. Pech» stein. Blstthner, Steinwav, Schwech- ten. Solonpianos 275,—. 800.—. 425,—. gebrauchte Abend- roth. Potsdamer- stratze 74. fiarifln, lbuDb und Balkon Obstbäume aller Art, Beeren. obst. Ziergebölze. Rosen, Alleebäume. Nadelhölzer und Stauden, Jllu- strier'« Preisliste arati». Daum- schulen. Berlin- Tempelbos, Wer- bcrgstratze. Fern- sprecher: Sstdring 780. vei'- wmtm j Fanrrader j Sleiser, 800 Zimmer am Lager. Alexander- platz. Gebrauchte Fahrräder 15,—. 20.-. 25.-. 30.—. 85.—. Machnow. Weinmelstcrstr 14 Laternen IM. Fahrraddecken 2.20, Schläuche 1,20, Pedele» 1,50, Vorderräder 8,50. Schönleinstratze 2.* Grstklasfig« Obstbäume, Sträucher. in sehr großer Auswahl. F. Lang«, Erfurtcr Samenhandlung, Schünrberg. Bahn. Hof Papestratze.' Genosse» kauft Tabalwaren bei unserem lang. tährlgen Mitglied Max Grawunder. da er durd> Schiagan- fall arbeitsunfähig geworden ist. Moa. Kit. Wiclefstratze 15 Billig fertigt Damcnkleider Wiederhöft. Wit- tenau. Sangestr. 83. Wülcherei Kubasch, Köpenick, Grllnauerstrotze 45 (Teleph.: T 4. 0587), wäscht und plättet sämtliche Hau», und Leibwäsche Bezug 80. Damenhemd 15. Abholung Donners- f-g.(Mitglied SPD. und AB.)' ZlumBr wasenereien |itamoasL'ctie Zahngchisse, Plalinobsällc. Löh zinn. Blei, Queck- stlbcr.Silberlchmelzc GoldlchmelzereiEHr'. ftionat Köpenlcker. stratze 80 tSaltestelle 'Adolbertstratzel.» Wäschereibetrieb Erna Butzke. Köpe- nick. Parristusstr. 27. Telephon: F 4 1516, liefert tadellose Saus- und Leib. Wäsche. Schonende Behandluizg. im Freien getrocknet keinBertaulch. gegen Feuer und Dleb> stahl verstchert. Be» zug 30, Damenleib. Wäsche 15. Sandtuch 5. Oberhemd 60, Abholung Mittwoch, Donnerstag Auw. l/ai'' mleiuncen Zimmer, freundlich, möbliert oder leer(Bad. Gartenl. achtzehn Minuten nom Bahnhof Sriin» au(Auwbusverbin- düng). Paradies- stedluna Bohnsdorf, Polkw'tzerstratze fünfundzwanzig. twe niinzsiei>selit Wohnung, Nostitzstrotze. nach Spandau zu tausche» gesucht. Offerten unter K. 88 an die Sauptexvedition des ..Borwärt»*.® Möblierte, Zimmer vermietet Nürnberg. Spreu- geistratze 40. G Möblierte, Zimmer tklcinesl zu vermieden. Scndel» strotze 20 m, linker Autgang. G Fremdenzimmer vermietet Sotek Stadt Nürnberg, Bülowstratze 87. G Suntpspierlsdrek in V�ttdg sucbt Tilcbtiß �rdeilei ob /�fbeiiel-in, welcbe in 6er tter» I slcllung von handgcupriizlcn Bonlpapfcren perfek: sind Qef Angebote unter L. 33 an die Exped. 1 7lr. 501* 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 25. Ottober 1930 An der Stätte der Trauer Die des Grauens: 262 Opfer! Alsdorf, 24. Oktober. lEigenbericht.) Im Laufe des Freitagnachmittag haben die Hinter- bliebcnen ihre Toten, die in der Waschkaue der Zeche Anna I würdig aufgebahrt liegen, aufsuchen können. vüS ist e r s chü t t e r n d, die Vorbereitungen für die am Sonnabend stattfindende Trauerfeier mit ansehen zu müssen. Ganz Alsdorf ist eine Statte der Trauer. Am Sonnabend werden die Trauerfeierlichkeitcn durch Gottes- d i e n st e in der katholischen und evangelischen Kirche eingeleitet. Die Gemeindevertretung von Alsdorf hält um 8.4S Uhr eine Trauersitzung ob. Um Uhr nimmt die Trauerfcier im Zechengebäud«, die auch durch Rundfunk verbreitet wird, ihren Anfang. Es werden sprechen, Generaldirektor Westermann vom Eschweiler Bergwerksverein, ein Vertreter der Arbeiter, der Reichs- orbeitsminister, der preußische Handelsminister und Geistlich« der drei Konsessionen. An der Trauerseier können nur die nächsten Angehörigen, Vertreter der Bchördcn, der Organisationen, der Betriebsvertretungen in beschränkter Zahl teilnehmen. Den freien Bergorbeiterverband wird der erste Lorsitzende, Reichstagsabg. Genosse H u s e m a n n vertreten. In der Toienhalle... Im Lause des Freitag wurde noch cia Vergmann im unterirdischen Betrieb tot aufgefunden. Ebensalls wurde unter den Schuttwasseu de? eingestürzten Fördergerüstes noch ein weiterer Bergmann geborgen. 3m Krankenhaus sind zwei weitere Berg- knappen ihren schweren Verletzungen erlegen. Somit weist die Toteuliste von Alsdorf nunmehr 262 Opfer auf. Unter den Trümmern des eingestürzten Verwaltungsgebäudes wurde Freitag mittag nicht die Markenkontrolle, sondern die Kartothek gefunden. Damit können nun noch nicht genau« An- gaben über die Zahl der Eingefahrenen gemacht werden, sondern es kann lediglich, wenn die Kartothek freigelegt ist, der Familienstand, Geburtstag usw. der Bergleute eingesehen werden. In dem Ber- waltungsgebäude befanden sich zur Zeit des Unglücks auch drei Bergleute aus der Nachtschicht, die vor der Lohnabteilung auf ihren Restlohn warteten. Zwei von ihnen sind jetzt unter den Trümmern geborgen worden. Dos furchtbarst« Bild bietet augenblicklich die Wasch- kau« von„Anna I", in der nunmehr alle Toten gesammelt in den Särgen aufgebahrt sind. Vor dem großen Altar in der Mitte liegen schon viele Kranzspenden, darunter auch Kränze ausländischer Grubenverwaltungen. Aus jedem Sarg liegt ein Kranz des Eschweiler Bergwerkvereins. In einzelnen Gruppen, nach Gc- meinden geordnet, sind die Toten hier aufgebahrt. Die Angehörigen werden von Sanitätern hereingeführt und zu ihren Toten gebracht. Immer wieder brechen Frauen mit lauten W e h r u f e n zusammen. Trauergeläut in Berlin. Auf Grund eines einmütigen Beschlusses der evangelischen Kirchenbehörden Berlins werden am Sonnabend vormittag in der Zeit von ll) bis IlZ.lö Uhr aus Anlaß der Beisetzung der Gruben- opfer in Alsdorf die Glocken sämtlicher Berliner Kirchen läuten. Frankreichs und Englands Arbeiter trauern mit uns Beim Bundesvorstand des AOGB. sind von den französischen und englischen Gewerkschaften Beileidstelegramme eingegangen. Das Telegramm der Franzosen lautet: „Tief erschüttert durch die Katastrophe von Aachen, drückt die EGT. im Namen der französischen Arbeiterklasse ihr aus- richtiges Beileid aus und bittet, den Familien der Opfer und den, Bergarbeiterverband ihr brüderliches Mitempfinden zu über- initteln. gez.: I o u h o u x." In dem Telegramm der Engländer heißt es:„Im Auf- trag« des Generalrats des Gewerkschaftskongresses, der die Gewerk- schaftsbewegung Großbritanniens repräsentiert, drücken wir unseren deutschen Genossen unser tiefstes Mitgefühl aus. Eine Katastrophe solcher Art muh die Gewerkschaften aller Länder mächtig bestärken in ihrem unablässigen Streben um das Höchstmaß von Schutz für die Arbeiter gegen die schweren Gefahren, denen sie sich täglich aussetzen in der Erfüllung der verschiedenen Dienst«, von denen die Existenz der Gesellschaft abhängt." * Der französische Außenminister B r i a n d hat namens der französischen Regierung durch den französischen Botschafter der Reichsregierung anläßlich des Grubenunglücks in Alsdorf sein Bei- leid übermitteln lassen. dem jungen Mädchen und dem Geistlichen handelt«. Vors.: hat Gertrud Frenzel Ihnen den Ramen dieses Geistlichen genannt? Zeuge: Das hat sie nicht getan. Ich wollte ihr anfangs auch keinen Glauben schenken, aber Gertrud wiederholte daraufhin nachmals, daß zwischen ihr und dem Geistlichen intime Beziehungen beständen. Ich zweis«lte schließlich nicht mehr, zumal das junge Mädchen behauptete, 19 Jahre alt zu sein, eine Angabe, die, wie ich später hörte, unrichtig war. Dann wurde der Chauffeur Rost aus Maltershausen ver- nonnnen, der bekundete, daß er Gertrud und ihre Freundin etwa achtzehmnal abends heimlich zum Tanzvergnügen gefahren habe. Der Zeuge erklärte, er habe beobachtet, daß der Landwirt Höhne sich mit Gertrud anläßlich des Tanzvergnügens in Wölnisdorf lange Zeit unterhallen habe.' Die Aussage des Zeugen Höhne hatte im Gericht die größte lleberraschung hervorgerufen. Der Staatsanwalt Dr. Storgard fragte den Zeugen Höhne wieder- holt, ob er mit irgend jemandem vorher über den Prozeß gesprochen habe. D«r Zeuge verneinte das jedoch. Gertrud trieb fich nachts herum. Sehr interesiant verlief auch die Vernehmung des Inspektors Pieper, der in Maltershausen auf dem Zimmermannschen Gut tätig war. Der Zeuge erklärte einleitend, es sei ihm bekannt ge- lvesen, daß Gertrud sich viel herumgetrieben habe. Rechts- auwalt Dr. Brandt: Was verstehen Sie unter 5)erumtrelben?" Zeuge: Das Mädchen ist abends nach 9 Uhr im Dunkeln ausgerückt und die halbe Nacht sortgeblieben. Gertrud hatte stets ihre Heim- l i ch k« i t e n, so bat sie mich von Anfang an, ich solle ihr olle Brief«, die an sie gerichtet waren, aus der Post heransmhmcn und sie ihr zustecken. Mit der Zeit lernte ich die Handschriften auf den an sie gerichteten Briefen genau kennen. Als ich ihr eines „Na, hat Dein Freund wieder mal geschrieben?" lachte sie und sagte: „Na, hat Dein Freund wieder mal geschrieben?" lachte si:»nd sagte: ,.3a, Gott sei Dank, endlich." Diese Mitteilungen, die in schroffem Widerspruch zu den bisherigen Aussagen Gertrud Frenzels stehe», veranlaßt« das Gericht, Gertrud erneut zu laden. Oer Uebesbriek des Pfarrers. Sensaflonclle Wendung im frenzel-Prozeft- aerirud in iUcbiem Lldd. Gestern sind in Potsdam eine Anzahl Zeugen aus Alaltershausen, wo Gertrud Frenzel auf dem Gut der Zimmermannschen Eheleute als Haustochter tätig war, vernommen worden, deren Bekundungen die Glaubwürdigkeit der hauptbelaftungszeugin Gertrud auf das schwerste er- s ch ü t t e r t haben. Einleitend wurden einige Hausangestellte und Schornsteinfeger vernommen, die bei Frenze! tätig waren und die übereinstimmend bekundeten, daß ihnen niemals etwas Verdächtiges aufgefallen fei. Dann wurde der wichtigste Zeuge des Tages, der Landwirt Reinhold Höhne aus Wölm�dorf vernommen, der Gertrud Frenzel 1929 gelegentlich eines öffentlichen Tanzvergnügens im Gasthaus seines Neffen kemrengelernt hatte. Mein Neffe halle mich gebeten, ihm im Geschäft zu helfen und so beobachtete ich die Gertrud, die zunächst ziemlich gedrückt im Saal stand. Ich sprach das junge Mädchen an und fragte im Verlauf der Unterhaltung, ob sie etwa Liebeskummer habe. Gertrud wollte erst nicht mll der Srache heraus, wurde dann aber zutraulicher und erzählte mir, sie habe eine unglückliche Liebe, denn ihr Geliebter, zu dem sie in nahen Beziehungen stehe, fei ein Pfarrer. Mein Erstaunen war sehr groß, da ich aus dem Gespräch den Eindruck haben muht« und auch heute noch habe, daß es sich um ein sehr enges Liebesverhältnis zwischen Eine Stadl überflutet. Bolttommen vernichtet.- Hunderte von Toten. New Bork, den 24. cktober. Wie aus Mexiko-Stadt gemeldet wird, ist die Stadt A l a m o durch ei« verheerendes Hochwasser völlig vernichtet worden. Hunderte von Menschen hübe» in den hochgehenden Fluten den Tod gefunden. Ausser Alamo ist auch die Stadt Tuxon im Staate Veracruz durch die Ueberschwemmung schwer heimgesucht worden. Militärische Hilfe ist aus Tampico angefordert worden. Schiffbrüchiger gerettet. Im Meere treibend aufgefunden.— Dampfer mitten durch- gebrochen. Oslo. 21. Oktober. Bei Ehristianfund wurde am Freitag ein Boot im Meere treibend aufgefunden, in dem sich ein völlig erschöpfter Mann befand. Es handelte sich um den zweiten Steuermann des Oslocr Dampser»„Song Ragnar". Er berichtete, daß der Dampfer in der Nacht gestrandet und mitten durchgebro«hen sei. Er sei über Bord gesprungen und habe sich schließlich retten können. Noch einer weiteren Meldung sind noch acht Mann der Besatzung geretict worden. Sieben Mann werden noch vermißt. 2b] Und weiter die Rede ein Schrei:„Vielleicht ist es schon tot! Begreifst du— Bert— vielleicht hat es keinen Atem- zug mehr im Leib und ist starr und kalt und sein Mund ist still und es kennt keine Schmerzen mehr. Nein— nein— halte mich nicht fest— nein—" Sie war aufgesprungen und rang an der Küchentür mit ihm.„Nein, du, laß mich, ich muß zu ihm. Ich m u ß es wissen! Fühlst du denn nicht dies« Angst? Du hast kein Herz mehr, selbst nicht für dein Kind! Geh doch morgen zur Arbeit— geh nur, viele Stunden bin ich allein. Stehe an der Maschine, hole dir eine Blut- Vergiftung, stirb und dann laß mir Bescheid schicken: der Junge ist tot und der Mann ist auch tot! Und um mich her ist die ganze Welt. Die lebt weiter und hält nicht eine Mi- nute den Atem an, weil eine Frau allein ist!" 15. Schließlich war Werla gegangen. Es bestand wenig Aus- ficht, daß er seine richtige Bahn noch erwische, so sehr hatte er sich verspätet. Die Männer glauben immer, mit trost- reichen Worten etwas Ordentliches zu tun. Dabei rühren sie nur mit plumpen Fingern an die Wunden. Weshalb hatte er eigentlich soviel geredet? Wenn er des guten Ausgangs so sicher war, wie er angab, hatte er denn nötig ihr immer wieder zu sagen, sie müsse vernünftig sein? Männer sind eben nur Väter, nichts weiter. Das Unglück ihrer Kinder macht sie traurig, aber es vernichtet sie nicht. Annie hatte sich jedenfalls vorgenommen, sich bis gegen ein Uhr. nicht früher und nicht später, auf der Reinmachestelle aufzuhalten und nach dem Kind zu sehen. Um diese Zeit mußten die Stationsärzte zu erreichen sein, daß wußte sie. Sie würde sich heute nicht wieder abspeisen lassen, und sollte sie die Türen mit aller Kraft auseinanderschieben, die Schwester zur Seite stoßen und den Weg erzwingen... Der Portier ließ die Entschlossene wortlos passieren— ihr Gesicht war Drohung und Qual, sie ging an ihm vorüber, einfach und selbstverständlich, niemand hätte sie aufhalten können, und ehe er denken konnte, war sie im Garten ver- schwunden. Mochte sie... solche gehen nur zu Toten, und die kann man nicht wegschicken. Da war der Pavillon.» Heute benutzte Annie den zweiten Eingang, den zum Tagesraum, und darin war etwas von der Sonne dieser Tage und ihrer Müdigkeit. Kinder saßen um einen Tisch mit Bilderbüchern, beschäftigten sich mit Bauklötzen, bunte Papp- stücke, kleine Bälle flogen zur Erde und es war alles voll von ihrem Sprechen, Lachen, Lallen. Wirklich, eines weinte auch in der Ecke— das hielt vor der Frau, die so große Augen hatte, inne. Es stand auf, kam näher, Annie merkte es nicht, da sie die Schwester suchte. Das Kleine zerrte sie am Rock. „Du", sagte eine helle Stimme,„du Frau, bring Lena zu Mammi. Lena ist traurig, Lena will doch sooo dern zu Mammi und tann da nich hinfinden.. Die Tränen— ja, sie waren wieder da, als Annie sich herabbeugte und den Kopf des Mädels streichelte. „Ich kann auch nicht hinfinden, Lena. Morgen kommt deine Mammi hierher, sie hat es mir gesagt. Spiel nur mit den andern." Vom Saal her kam eilig eine Schwester, die eine Fremde im Vorraum gesehen hatte. „Der Zutritt ist doch verboten, bitte, gehen Sie!" rief sie schon von weitem. „Ich möchte zu meinem Jungen", erklärte Anni leise. Die Schwester, eine von den ganz jungen, fast noch ein Kind, fragte, und ihre Stimme wurde gut:„Auf unserer Station? Da ist doch nur ein Fall— gewesen... wie heißt er denn?" „Ferdinand Werla..." „Ach so.. Das waren zwei mutlose Worte, und der Mund der Schwester sah nicht so aus als wenn er noch einen Laut hergeben könne. Ein Mädel rief weinerlich:„Tester Fina— er nimmt mir die Teine weg.. Die beiden Frauen wußten nicht, was sie miteinander beginnen sollten. Der Wunsch der Pflegerin, ihr zu Helsen und die offenbare Unmöglichkeit, es zu tun, sprach sich beut- lich in der ganzen Haltung des Mädchens aus. Sie ordnete mit einer Hand etwas ausi dem Tisch und blickte die Frau immer wieder an. Eine andere Schwester brachte ein Kind auf dem Arm herein und setzte es in einen hohen Stuhl, der vorn zu- geriegelt wurde. Erst, als sie gehen wollte, schien sich„Fina" zu besinnen. Sie hüpfte erregt der Kollegin nach. „Schwester Alberto, bleiben Sie bitte zehn Minuten bei den Kindern?" „Ich habe im Saal zu tun.. „Ja— ich muß aber einen Augenblick frei sein.— Dies ist Frau Werla, die Mutter des Knaben, der gestern..." „Ach so—" lautete die gedehnte Antwort,„aber nicht lange, bitte!" Alle schienen hier zu wisien, was mit dem Jungen ge- schehen war, nur sie, die Mutter, hatte keine Ahnung. Wollte man sie nun zu ihm bringen? Sie mußte wohl endlich folgen, die freundliche Schwester wartete zwischen den Schiebetüren. Man sah mit eineni Blick die Reihen der Kinderbetten, nahm noch heftigeren Chloroformgeruch auf und befand sich sogleich in einem zimmerartigen Gelaß an dessen Wänden trist Instrumenten- und Medikamentenschränke standen. Die junge Schwester schloß die Tür und bat Annie, auf dem einzigen Stuhl Platz zu nehmen. Dann stand das kleine blonde Ding wieder mit hängenden Armen vor ihr, ohne eine Ahnung, was man mit der Mutter beginnen könne. „Schwester, bitte— bitte— sagen Sie mir, was ist geschehen? Warum führen Sie mich nicht zu meinem Jungen?" „Haben Sie heute morgen keinen Brief bekommen?" „Heute? Nein. Ich bin um acht Uhr fortgegangen." „Liebe Frau Werla— es war nicht möglich, das Kind zu retten. Ich habe selbst bis zum letzten Augenblick an seinem Bettchen gesessen— gestern abend ist es ganz still eingeschlafen. Ich hatte es eben vorher noch gut ins Kissen gelegt— es schlief— und als ich seine Hand fühlte, war sie schon kalt.— Bitte Frau Werla, denken S:e daran, wie- viele Kinder wir als Schwestern zum letzten Male sehen— all dies Furchtbare ist uns schon Gewohnheit geworden, wir wissen n,cht mehr, was es heißt, wenn ein Mensch stirbt. Und dennoch hätte ich Ihren kleinen Jungen so gern gesund gesehen Er war so klein und hatte so viel Geduld mit leinen Schmerzen, wie kaum ein Erwachsener. Ich weiß nicht, wie ich darauf komme, ich dachte mir immer, er müsse, wenn er gesund«, ein guter Mensch werden.. (Fortsetzung folgt.) % Koch nicht der Mörder? �Ubibeweis im Kramer-Prozeß aeglückt?— Beide Etief- söhne gegen den Angeklagten. Halber siadt, 24. Oktober. 3a der Prozeßverhandlung gegen den Heilgehilsen Otto ki � ch wegen der Ermordung des Bergwerksdirektors Krämer ist am gestrigen Bachmillag eine große sensationelle Wendung eingetreten. Di« Vernehmung des Zeugen Hermann Brandt hat den � l i b i b e w e i s des Angeklagten fast lückenw? bestätigt. Bekannt- iich hat der Angeklagte seinerzeit ausgesagt, daß er in der kritischen Stunde sich zu Hause beim Abendbrot befunden Hab« und daß damals der Sohn seiner Bekannten, der eben vernommene Hermann Brandt für eine Weile zu Besuch kam. Brandt mußie aber bald fortgehen, weil sich das Ehepaar Koch zum Besuch bei Bekannten aufmachen wollte. In der heutigen Verhandlung bekundet« Hermann Brandt, daß er am 19. Februar gegen 7 Uhr abends zu Koch gekommen fei und daß dieser um diese Zeit auf dem Sofa gesessen habe. Cr könne nicht genau sagen, wie lange er bei Kochs geblieben sei, es könne sich aber höchstens um 20 Minuten handeln, dann sei er fortgegangen, weil Frau Koch sagte, sie gingen abends noch zu Besuch. Die Vernehmung des L4jährigen Stiefsohnes von Koch, des Arbeiters Hans S t ö l z e r, ist für den Angeklagten belastend. Stölzer bekundet, daß der Angeklagte seine Mutter, die Frau Koch, auf das ärgst« mißhandelt hat und erzählt, daß einige Tage vor der Tat der Angeklagte an ihn und an seinen Bruder herangetreten wäre mit der Aufforderung, Kramer niederzuschießen. Der Angeklagt« hätte gesagt:„Krämer ist über Leichen gegangen, jetzt sollen die Leichen über Kramer gehen. Das Gericht beschließt den Zeugen unbeeidigt zu lasten und schreitet dann zur Vernehmung des zweiten Stiefsohnes des Ange- klagte» Alwin Stölzer. Dieser Zeuge bestätigt die Aussagen seines Bruders und erzählt, daß der Angeklagte st« aufgefordert habe, Krämer in die Senkgrube des Zechenbades zu werfen. Auf eine Frage des Rechtsanwalts, wo dies« Aufforderung erfolgt sei, erklärt der Zeug«, in der Wohnung beim Skatspielen.— Vors.: Dann wird es vielleicht ein Spaß gewesen sein.— Zeuge: Nein, es war sehr ernst. Auch dieser Zeuge bleibt unbeeidigt. L/nvßHksTins Lm Arbeiisami niedergeschlagen. Wieder ein Noheilsakt kommunistischer NowdyS. In den Räumen der Nebenstelle des Arbeilsamts Nord» o st am Slislsweg in Pankow hat sich gestern ein empörender Borfall zugetragen. Ein Parteigenosse, der in Pankow auch als politischer Vertrauensmami bekannt ist, befand sich am Freitagvormittag auf dcm Arbeitsamt. Als er mit einem anderen Besucher des Arbeits- amts einige Worte wechselte, wurde er plötzlich ohne jeden Grund von mehreren kommunistischen Burschen umringt. Die Strolche schlug«» den Genossen nieder und traktierten den Wehr- losen dann mit Fußtritten. Als leider erst nach einiger Zeit Hilfe zur Stelle war, hatten die Rowdys bereits das Weite gesucht. Wie uns Pankower Parteigenossen mitteilen, wird seit langem lebhaft darüber Klage geführt, daß gerade die lftebenstell« des Arbeitsamts in Pankow, das die Kommunisten offenbar als ihre Domäne betrachten, völlig ungenügend gesichert ist. Auch gestern fehlte Wieder jede Aufsicht. Es ist dringend zu fordern, daß vom Arbeitsamt alle Maßnahmen ergriffen werden, um eins Wieder- holung ähnlicher skandalöser Vorgänge zu verhindern. Oer neue„BVG.-Anzug". Die Berliner Verkehrsgesellschaft ist nunmehr in der Lage, für das gesamte Personal eine«inheitliche Uniformierung durchzufüliren. Dadurch wird die Bewirtschaftung der von der Gesellschaft zu liefernden Bekleidungsstücke wesentlich vereinfacht. Die bisher bei der U-Bahn vorhandenen Uniformen werden also jetzt verschwinden, die Angehörigen der einzelnen Betriebszweige werden durch die Buchstaben A, S, U(also Straßenbahn, Autobus und U-Bahn gekennzeichnet. * Die gestrige Aussichtsratssitzung der BVG. beschloß die Auf- lösung der Tochtergesellschaft nnt Ausnahme der Nord-Süd-Bahn A.-G. und der Heimstätten-Gesellschaft. Die Frage der Direkt»- rengehälter wird in der nächsten Sitzung besprochen werden. Geschäfisräuber am Werk. Zu Ausschreitungen Halbwüchsiger kam es gestern abend zwischen 19 und 29 Uhr in Charlottenburg. Eine Kolonne junger Burschen drang am Horstweg und am Königsweg in mehrer« Bäckereien und Delikateßwarengeschäfte ein. Sie griffen alle erreichbaren Lebensmittel und suchten damit das Weite. In einer Gastwirtschaft in der Schloßstraße 26 wurden die Fensterscheiben eingeschlagen. Als die Geschäftsinhaberin di« Verfolgung der Rowdys aufnehmen wollte, wurde sie von anderen Burschen daran gehindert und durch Beinsetzen zu Fall gebracht. Die Kriminal- polizei hat die Ermittlungen nach den Tätern aufgenommen. Teiche, die einst Tongruben waren. Daß ein« Kleinstadt wie das Havelstädtchen Ketzin— halbwegs zwischen Potsdam und Brandenburg gelegen— nicht mit einem Schlage zur Metropole des Westens werden kann, ist selbst- verständlich, aber seine Entwicklung ist gradlinig vorwärtsgegangen, gestützt auf drei wertvoll« Faktoren: Baumschule. Angler- kolonie, Zuckerfabrik. Und wenn es jetzt im Begriff ficht. die schöne Wasserlage und di« interessante Um- g e b u n g als neuen Trumpf auszuspielen, so darf man, grade weil die kommunale Leitung die Interessen aller Schichten der Bevölke- rung in vorwärtsstrebendem Sinne berücksichtigt, wohl die Erwartung aussprechen, nach Vollendung der Havel-Strandpromenade mit Dampferlandungssteg und Sportheim den Ort als ebenbürtig mit den älteren Havel-Ausflugsorten zu sehen. Für den Natur- speziell Wassersreund hat Ketzin aber schon jetzt eine Anziehung durch die eigenartigen Wasserflächen, die unabhängig von dem eigentlichen Siromgebiet dicht bei dem Ort beginnen und in einer Ausdehnung von 2999 Morgen sich nordwärts bis nach Etzin und Tremmen erstrecken. Es sind dies mit Wasser angefüllten Ausschachtung«», ehemalige Tonlöcher, die sich nach Ent- nähme des für früher vorhandene Ziegeleien bestimmten Tons in Teiche von recht respektablen Ausmaßen verwandelten und— was die Hauptsache war— sich mit Fischen aller Arten bevölkerten. Aus ihrer Entstehung erklärt sich der schmale Trennungsstrich zwischen zwei Teichen: es ist der Damm, auf dem vor 39 oder gar 39 Jahren der Ton auf Loren, di« ein Pferd zog, fortgeschafft wurde. Heute ist alles, was nicht Wasser ist, von Grün überwuchert— das für solche Bruchlandschaft charakteristische Gebüsch hat Riesendimensionen angenommen— ebenso das am Uferrand emporgeschossene Schill und auch das Gras reckt und streckt sich nach Herzenslust. Aielfach— nicht immer— stehen die Teiche miteinander in Berbindung, was bequemes Angeln vom Boot aus erlaubt. Das Wasser der Teiche zeigte nur ganz geringe Bewegung: es ist etwa 12 Meter tief. Im Sommer muß dieses eigenartige Gebiet— in noch höherem Maße als der Brieselang— Kenner der Fauna und Flora anziehen; es wäre zu erwägen, ob hier nicht eine Erklärung zum Naturschutz- Eine der Tongruben im Bruchland. gebiet angebracht wäre. Der größere Teil soll im Besitz der Baumschule sein. Vom Bahnhof der Kleinbahn Nauen— Ketzin die Chaussee noch Brandenburg einschlagend, hat man dieses Teichgebiet zur Rechten. Nach etwa 29 Minuten Wanderung gelangt man zum„Brücken- köpf", der Brücke über einen Stichkanal von der Havel her. Gleich dahinter beginnt links die Anglerkoloni«, durch die Inschrift einer Tafel: Kleingärten der Interessengemeinschaft 5ketziner Angler und Siedler" den Doppelcharakter ihrer Bewohner andeutend. Hier sind Wochenende, Ferien und sonstige freie Stunden der stärkenden Arbeit in der Natur dienstbar gemacht, und die schmucken Häuschen, die noch blumenreichen Gärten und die große Schar der Ruder- und Fischerboote sprechen für die Liebe, die Land und Wasser entgegengebracht wird. Die Kolonie ist eine der in der Nähe von Berlin befindlichen Kolonien des Arbeiter- Angler- Bundes Deutschlands. Während in Ketzin die Kolonie auf Pachtvertrog mit der Stadt Ketzin beruht, hat die Bundesverwaltung in anderen Kolonien die- Anglergenosten zu Eigentümern machen können. Die Wege in der Kolonie führen vom Fischfang abgeleitete Namen, so Schleiteich, Stipp«rweg und Petriweg — die nur Interessenten zugängliche Gaststätte heißt„Anglerklause zum Paddenbudiker". Die schmalen, für die modernen Vehikel der Fort- bewcgung gesperrten Straßen und dos Umgeben- und Durchdrungensein der Kolonie von Master aller Arten mutet ganz— oenetiamsch an. Rationalisierte Justiz 2600 Angestellte, 600000 Prozesse,-1 Million Zahlungsbefehle Llnregelmäßigkeiten beim Aerztebund. Wie wir von zuverlässiger Seite«rfahren, sind in der Wirt- schajttichen Abteilung des Groß-Berliner Aerztebundes Unregel- Mäßigkeiten vorgekommen, doch soll ein« gerichtliche Verfolgung des Falles nicht beabsichtigt sein. Verbandstag der Gewerbetreibenden. Der Einheitsverbani» der Handel- und Gewerbetreibenden und freien Berufe, Sitz Leipzig, die groß« Arbeitgeberorganisation, welche auf dem Loden der freien Gewerkschaften und der von diesen an- erkannten sozialistischen Arbeitnehmerorganisationen seit einer Reihe von Jahren im Kampf gegen das Großkopital um das Sein oder Nichtsein aller, besonders aber aller Kleingewerbetreibenden zur Ver- besterung der sozialen Lage steht, hält am Sonnabend, 23. Oktober, 14 Uhr, und Sonntag, 26. Oktober, 9 Uhr, im Reichswirt- schaftsgebäude seinen diesjährigen Verbandstag ab. Am Sonntagoormittag wird Rudolf Wissel! di« Lage der Handel- und Gewerbetreibenden in einem Referat„Gewerbetreibende und Sozialdemokratie" behandele. Die Kaiserallce künftig ohne Vorgärten. Der Magistrat leitet der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlag« zu, m der et um Zustimmung zu dem neuen Fluchtlinien- plan der Kaiserallee bittet. Dieser Plan steht ein« Verschmälerung und zum Teil eine gänzliche Aufhebung der vorhandenen Vor- gärten vor, um eine neue Straßcneinteilung durchführen zu können. Der Verkehr in der Kaiserallee hat in letzter Zeit so außerordentlich an Umfang zugenommen. Zehntausende suchen Jahr für Jahr das Zlmtsgericht Berlin- Mitte auf, niemand hat aber wohl eine Vorstellung von dem un- geheuren Apparat, der dazu erforderlich ist, uni die Büroarbeit des Amtsgerichts zu bewältigen. 36 999 Lrieseingänge täglich, über 49 999 Briefausgäng«, 599 999 laufende Prozesse jährlich— ein Fünftel sämtlicher Zivilprozesse Preußens—, eine Million Zahlungsbefehle bei 2-39 Richtern und 2399 Beamten und An- gestellten. Diese Zahlen aus dem Munde des Amtsgerichtspräsidenten Dransfeld geben einigermaßen eine Vorstellung davon, welch großer Apparat aufgeboten werden muß. Wie dieser Apparat in den letzten Jahren verbessert, verbilligt, vereinfacht und beschleunigt worden ist, davon konnte man sich bei einer Führung durch die Büroräume des Amtsgerichts überzeugen. Zn der Briefannahme ftndet zuerst die Grobsortierung für die fast 399 Abteilungen statt. dann folgt di« Feinsortierung in Kästen, die turmartig aufgebaut sind mit einem Beamten auf einem Drehstuhl in der Mitte. Sechs Stunden lang steckt er die Briefschaften und Schriftstücke in die einzelnen Kästen— dann wird er von einem Kollegen abgelöst: bereits drei Stunden nach dem Briefeingang befindet sich das Schriftstück in den Händen des Abteilungsleiters. In der Brief- abgangsstelle sorgen Frankotypmaschinen für die Flankierung der Briefe, 8999 Mark Porto werden täglich gebraucht. Ein« besondere Einrichtung gestattet in der Verteilungsstelle der Gerichtsvollzieher, auf telephonische Anfrage binnen wenigen Sekunden den für den Bezirk in Betracht kommenden Gerichtsvollzieher zu nennen. Berlin hat 134 Bezirke, 89 bis 199 Anfragen täglich sind zu erledigen. Im Schnellmahnamt «rmöglichen gewiste Borrichtungen ein so beschleunigtes Verfahren, daß der Gemahnte bereits ani selben Tage bei Gericht seinen Wider- spruch erheben kann Mit 293 Firmen arbeitet dieses Amt zu- sciinmen. Die Besoldungsabteilung bedient sich der Elllot-Fischer Maschine. Hier werden die Lohntüten für 8999 Personen, Beamte und Angestellte von Moabit und für das Amtsgericht, für Ruhe- empfänger usw. vorbereitet und gleichzeitig auch die Lohnlisten her- gestellt. In der Kostenregistrierungsstelle sorgen besondere Ma- schinen für die schnelle Zlusstellung der Kostenrechnc ngen, 1299 bis 1399 an der Zahl werden innerhalb 24 Stunden den Schuldnern zugestellt. Iii der Grundbuchabt�ilung hat man das System der losen Karten eingeführt. Die Eintragungen in das Grundbuch werden gleichfalls mit der Elliot-Fischer-Maschine bewerkstelligt. Gleichzeitig wird«ine Grundbuchtabelle für die Gerichtsatten her- gestellt und. um den Interessent«» eine Einsicht in die Grundbücher zu ermöglichen, auch«ine Karte mn sämtlichen Eintragungen in einer besonderen Kartothek ausbewahrt, di«, alphabetisch geordnet, gar keine Schwierigkeiten macht. Man braucht nicht mehr wie früher jedesmal die umständlichen Grundbücher aufzuschlazen. Das Interessanteste ist aber die Schuldenableilung. Hier gab es früher 89 Bände, in denen die Schuldnernamen ein- getragen waren. Jetzt hat jeder der Schuldner, das heißt der Leute, die Offenbarungseide geleistet oder Konkurs angemeldet haben oder üb«r die die Schuldnerhast oerhängt worden ist, eine besondere Karte, die mit anderen alphatbetisch geordnet in besonderen Kästen unter- gebracht ist. Da aber jeder zu diesen Kästen Zutritt haben muß, damit er feststellen kann, ob der Betreffende, mit dem er in geschäs!- liche Berbindungen treien will oder sonst etwas zu tun hat, im Schuldenoerzeichnis ausgeführt ist, war man gezwungen, es so ein- zurichten, daß di« Karten aus den Kästen nicht entnommen werden können. Sie befinden sich daher unter Glas und können durch einen besonderen Schieber bewegt werden. Alle fünf Jahr« werden die abgelmifemn Karten entfernt. Ebenso leicht kann die Einreihung neuer Schuldner erfolgen. Im ganzen sind es 499 999 solcher Karten. Jahr für Jahr gibt es einen Zugang von 99 999. E:wa 173 Firmen, in der Hauptsache Auskunfteien, sind Abonnenten der Schuldner- listen. Sie haben sie streng vertraulich zu behandeln Acht Tole bei einer Explosion in einer ttchechis'owakilchen Muni- lionssalrik. In der Preß bürg er Fabrik der Firma Roth et t- zünde:« Montag iiachmittag eine Patrone die Pulvcrmischungen für militärische Leuchtrateten. Bisher wurden acht Tote, zwei wchwer- und 13 Leichtverletzte festgestellt. Ciafcnbungtn für diese Rubrik sind Berlin TW SS. Lindenitragr Z. parteinachnchten für Groß-Bertin stet»»n da» Bezirkeselretariai i. Hai, 2 Trennen reibt», ju richten Das Mitgliedsbuch des Genossen Karl Lubach. geboren 21, Oktober 1888 zu Lehnin, wohnhast Berlin-Halensee, Georg- Wilhelin-Ztraße 2, ist abhanden gekommen,— Zugleich ein Ausweis als Wohlfahrtspfleger, ein Mitgliedsbuch des Reichsbanners, eine Funktionärkarte des Bildungsausschuffes und eine Mi.- gliedstarte der Zwangsinnung der Klempner,— Sollten diele Ausweise irgendwo beirutzt werden, dann sind sie anzuhalten und an das Bezirkssekretariat einzusenden. 3. 2l.: Alex Pagets. « 5. Sirti« Friedrichihai». Der Druisch« Frcidenlerncrbaud, Gruppe z?,«rr. anstaltet am Sonntag, 2S. Oktober, l? Uhr, im großen Saal de» Ecwerl- schait-hause», Eogcluler 24— 2S,»Einen Sonntaa bei den Fre�dculera". Eintritt einschl. Tan, So Ps. Programm: Musil, Gesang, Rezitationen, Bühnensplel und Volt-tänzc. ltirchenau-tritt kann vollzogen werden. Au». weis ist mitzubringen. I. llrci, streu, bcrg. Artung! Montag, 27. Oktober, A Uhr. Vollvcrsamm- lung der Ordncr im Lokal Look, Lchönlcinstr, ö. Mitgliedsbücher sind mit- zubringen, 7. strei» Sharlottenburg»nb Spandan. Juristische Sprcchstunte findet am Sonnabend, 2Z, Oktober, nicht fto't. ». strei» Wilmeredors. Monlog, 27. Oktober, 20 Uhr, Sitzung de» streisvor» Mtihlenstraße, ein Isilmmatinee. Zeltlagcrfilm, Trickfilm usw. Sintritts- karten dO Pf. Die Parteigenossen werden gebeten, diese Lcranstoltung durch regen Besueö zu untcrsliitz/i. Renkrlln. 54. rnb 54. SemeirdesnMle: Tonntag, 25. Oktober, Elternbeirats- wählen in der Sc meinbeschule Hergbeegplatz in der Zeit von 8—1« Uhr. Schlepplokal in der Schule. Rege Beteiligung ist erbeten. 20. strei- Reinickeudorf. Montag, 27. Oktober, 20 Uhr, anschließend an die ssraktionssitzung, strcisvorstandssstzuna mit allen Abteilungsleitern. Die Porschläge für die Wohlfahrtsiommissionen sind mitzubringen. Jede Ab- teilung muß vertreten sein. heute, Sonnabend, 25. Oktober. zz. Abt. 2» Uhr Herbstfest zugunsten der arbeitslosen Partei, und•' Iugeudgenossen in der»Alten Taverne-, Alt-Stralau. Mitwirkende:!— Berliner UU-Zrio, Srbei:cr.Zportocrcin Stralau n. a. Zkarteu bei deu i- Brzirk»fllhr«rn und au der stasse. - Ig 47. Abt. Großes Kerbstsest im großen Saal de» Sewerkschafishanse-, g Engelufer 24-25. Mitwirkcrde! TAI., stinderfreund« Gruppe Wraugcl. s-t straße. Die Zugendgruppen der Freien Turnerschaft. Tan,. Um recht regen Besuch wich, gebticn. Beginn 1» Uhr. Eintritt 75 Ps. Erwerb». lose frei. 77. Abt. Schöaeberg. Alle Hauskossierer holen die Einladungen zur Mitglieder. Versammlung sofort ab. 1. Bezirk bei Mild«: 2. Bezirk: Bahr: 2. Bezirk: Zacobi: 4. Gruppe: Zillmann. 82. Abt. Steglitz. Wir bitten um rege Beteiligung an dem 10. Stiftungsfest der Freien Schwimmer heute um 20 Uhr in den Lichterfelder Festfchlen, Lichterfeld«, Zehlendorfer Straße. k«. Abt. Treptow. Di« Bezirks sührer holen ab 17 Uhr die Landzettel zur Mitzliederversaminlung von der Spedition Eraetzstraße zur Bertetlung ab. Morgen, Sonntag. 2S. Oktober. It. Abt. Alle Mitglieder treffen sich nach Schluß der Werbpfeier de» Reichs. banner» um 13 Uhr zur Teilnahme an dem Umzug in der Heidedrinker Straße lBahnhos Gesundbrunnen). 101. Abt. Treptow. Besichtigung der Anlagen der stonsumgenossenschaft in Lichtenberg. Treffpunkt 0 Uhr vor der Verkaufsstelle Graetzstraßc oder 9% Uhr vor dein Berwaltungsgedäude, Lichtenderg, Rittergutstr. 10—2«. 5 rauen Veranstaltung. §t. Abt. Renköll». Treffpunkt zur stonsumbesschtigung am Sonntag. 2«. vkto. ber. 8 Uhr. Lobrcchtb rücke. Vezirksausschuß für Zlrbelterwohlfahrt. Z. st«i» Wedbing. Die Lose der Arbeiterwvhlfahrt find umgehend zum Bertrieb in Empfang zu nehmen. Die Abteilungsleiter der Arbeiterwohlfahrt treffen sich am Sonnabend, 25. Oktober, um 17 Ä Uhr, im Lokal von Stein, Pankstr. 80» zwecks Entgegennahme der Lose. Di« erste Abrechnung der UNI. gesetzten Lose hat bis zum 5. November zü' ktssdlgtn.— HWneikirT Retzlafl, stafstercr. Zungsozialisten. Preazlanlr Berg: Wir beteiligen UNS morgen geschlossen an der Elnsium. stundgebung, Beginn 10'-) Uhr Gruppe Reiulckendors: Sonntag, 20. Oktober, Ivbh Uhr, stundgebung gegen den Faschismus im Lichtsvieltheater„Elysium"» Prei�Iauer Allee 58. Wie nehmen geschlossen daran teil und treffen uns mit der Gruppe Pankow um 0 Uhr in Pankow. Marktplatz lBreite Straße). Parteigenossen und SAZ. werden ersucht, sich recht zahlreich daran zu beteiligen. Gruppe Bohnsdorf! Heute, ISIh Uhr. findet im Gutshof Falkenberg lGe> jneinschaftshaus)»»irre gemeinsam mit der SAZ. veraiistaltele Werbcfeier statt. Da» Programm besteht au» sslln-.vorführung:..StaAeldraht", Musik. Rezitationen, ErSfknung�ltzung de» Deutschen Reichstags usw. Eintritt 30 Pf. Wir bitten all» Genosse» und vor allem die Jugendlichen» um reg« Beteiligung.— Morgen, Sonntag, treffcn wir uns zur Kundgebung gegen den Faschismus am Bahnhof Grünau pünktlich 02» Uhr. Wir bitten um rege Beteiligung aller Parteigenossen. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. strei» Schlnedeeg: Filmmatinee am Sonntag, 28. Oktober, im Titania. Lichtspieltheater. Hourst. Ecke Mühlcnstraße. Beginn>l!ö Uhr. Einlaß II Uhr. Wir spielen Filme aus dem Lebe» der Kiiiderrepubliken und»Der Fall Crain» quebille". Unkostenbeitrag 80 Pf.» Ninder 30 Pf. strei» Treptow: Fahrt nach Strausberg. All« Gruppen treffcn sich, wie vereinbart, am Sonntag» 28. Oktober» 8 Uhr» vor dem Schlesischen Bahnhof tHaupteingang). strei, Wedbing: Di« starten für unseren heutigen ffllmabend sind au». verkauft. Bezirk Mttte: Heut« streisfahrt asser Rot. und Isingfalken mit Helfern nach Rüdersdorf. Wir veranstalten ein feines Schmugglerspicl. Treffpunkt 16)4 Uhr am Schlesischen Bahnhof. Mitzubringen sind: 1,18 M.. Esse», Decke und Schlafsack. Gruppe Pankow: Nestsalken treffen sich am Sonntag. 28. Oktober, um 1\i Uhr am Bahnhof Ponkow-Schönhausen zur Fahrt»ach Brieselang— Finken- krug. Mitbringen: Essen, Getrilnk. 40 Pf. Rückkehr beim Eintritt der Dunkel. heit.- Heute. Sonabend, Rote Falken, 18 Uhr Bastelkeller: Iungfalien 18 Uhr Zimmer 3: ZIestfolken 17 Uhr Zimmer 5, Jugendheim stissingonstraße. Rote Falken: Montag. 27. Oktober, 18 Uhr, Basteln im Bastclraum. strets Neukölln: Heute, Sonnabend, um 18 Uhr, im Heim Ganghofcrstraßc, Bildungsausschußsitzung mit technischen Helfer» der Zeltlagcroeranstaltung. Alle Gruppen müssen vertreten sein.— Filmabend: Morgen, Sonntag, ver. ansialtet unser strei»«inen Filmabend für Jung- und Rote Falken, Eltern »nd Parteigenossen im Saalbau Bergstraße um ITA Uhr. Kinder 30 Pf., Erwachsene 60 Ps. Die benachbarten streife bitten wir um Unter. stützung. strei» Kreuzberg: Berichtigung! Zu dem lustigen strclstrefsen kommen nicht nur die südwestlichen Gruppen, sondern alle Gruppen im Heim Belle. Alliance-Platz von 17—10 Uhr zusammen. Geburtstage. Jubiläen usw. 0. Abt. Unserem Genossen Wilhelm Meister und seiner Frau, Fürstenberger Dir. 10, znr Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche.— Unserer Genossin Emilie Taßler, Wolliner Str. 11, znm 80. Seburt»t-g« die herzlichsten Glückwünsche. 30. Abt. llnferem lieben Genossen Willi Zabel und seiner Shofran zur Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin Einsendungen für diese Rubrik nur« Berlin©35 6ft,£inbcnflrafi« 3 i das 3t'cenbWreterfttt Kamcrtrttü�u 10 Ui)i; iöcctftjraioroi. hr daselbst. Nack�ägler U bzw. 13 Ulje Licytburg. Kamerad- 0% Ufjc Bahnhof Äosenthal zur Morgenfeier.— Montag. rich-hain, Iungbanner: 20 Uhr im Jugendheim ssrantfurter Hof, Grünstraße. Bortrag:„Reichsbanner oder proletartscher Selbstschutz". Mit- �7... �4*..rt.«.�l»s�.. C.' w'. 4 m. I..t.* 74-.»>» X ti�s rl».«4» iOl'» f» Brbeiiskrei» Abraham: Fahrt nicht morgen, sondern erst am 2. November nach Melchow. Treffpunkt V/i Uhr Etettiner Bahnhos. Streichorchester Eroß-Berlin: Heute Treffpunkt zum Wvck>«nendkursus I7?4 Uhr Ringbahnhof Stralau-Rummelsburg. Eingang Hauptstraße. In- ftrumente und Notenpulte mitbringen. Jeder Teilnehmer erhält Privatguartirr und Mittagessen. Erwerbslose Orchestermitgliedcr erhalten das Fahrgeld ganz oder teilweise erstattet. Fahrgeld 1,20 M. Vorsißendenkonscren, Montag. 27. Oltober, 10)8 Uhr, in der Au ich des Sgmnastums stochstr. 13. Alle Abteilungen müssen vertreten fein. »Rote Scküler-: Die neue Nummer ist erschienen und sofort von den Per- triebsleuten der ESG. und den Echllleroertranensleuten der Wcrbcbezirie ad. zuholen. heuie, Sonnabend. Nordosten I: 18 Uhr Probe zum Einführungsobend beim Gensssen Scholz. Lippehuer Str. 23.— Pankow III, N. F.: Treffpunkt zum Umzug durch Pankow 18!8 Uhr Sörschstr. 22. Role.Faiken.Tracht. Werbebezirk Wedding: Uebungsabend für den 20. November, Heim Utrecht« Straße. Alle Genossen, die an der Wahlrcvue mitgewirkt haben, müssen eben. falls erscheinen. Alle Flöiisten und solche, die es werden wollen, kommen am Montag pünktlich 20 Uhr im Heim See- Ecke Turin« Straße zusammen. Lehr, bllcher mitbringen. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Vorsitzendenkoirferenz im Heim Danziger Straße 83, B. 3. Um 1» Uhr cbendort Sitzung de» engeren W.»B..Dorstand«s. Probe zur Werderevnc, Baracke 3. 10)8 Uhr. Asse müssen erscheinen. Morgen. 10)8 Uhr, im Heim Danziger Straße: W..B..Mitglicb«rocrsammlung. Genosse Zorn referiert über»Unsere politische Erziehungsarbeit-, Erscheinen aller Gr- nassen ist Pflicht. Alle Gruppcnvcronstaltungcn fallen aus. Werbebezirk Lichtenberg: Epielleiterkurfus in Tiefcnfee. Treffpunkt 18)4 Uhr Bahnhof Lichtenberg�ricdrichsfclde. Alle Gruppen entsenden drei Genossen. Kosten 1,35 M. Morgen, Sonntag. Arnimplatz: Treffpunkt zur Fahrt nach Dernau 8«4 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen.— Neukölln l: Fahrt. Treifpunkt 0)8 Uhr Rruterplatz.— Neukölln IV: Radtour. Treffpunkt 8 Uhr Bahnhof Neukölln.— Pankow N1, R. F.: Fahrt nach Birkenwerder. Treffpunkt 3 Uhr Pankow-Nordbahnhof. Kosten 80 Pf. Bei starkem Regen fällt die Fahrt aus.-- Wedding und Wedding R. F.: Fahr«. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Wedding. Norden: Ewinemündcr Gcsellschakt-Haus, Swincmünb« Str. 42, Werbe- und lO-Jahr-Fei«. Aus dem Programm: Musik, Rezitationen, Bolkstänze. Schotten- spiele, Aufführung» Festrede. Einlaß 18 Uhr. Beginn 17 Uhr. Eintritt 80 Pf. Alle Parteigenossen sind herzlich«ingeladen. Werbebezirk Neukölln: Filmabc nt> im Stadtsaal, Berastr. 147. Folgende Filme werben vorgeführt:„Berdun", Steinerne Welt",..Maitag der Kinder- freunde". Beginn 20)4 Uhr. Eintritt 80 Pf. Werbeveraustaltung der Zuugiozialisten um 10)8 Uhr im Lichtspielthea-er „Ellistum". Prenzlauer Allee 58. Kundgebung gegen den Faschismus. Redner Genosse Max Seydewitz. Film.____ Vorträge, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner..Schwarz-Rot-GollT. « e f ch S t t s N e l I': Berlin 3 14. Sebastianstr 37-38. Soi i. Tr Sonnabend. 25. Oktober. Zehlendorf sIungbanner): 20 Uhr Heim- abend bei Schneider. Potsdamer Str. 25. Weißens-««Ortsverei»): IS Uhr Borstandssitzung im»Berliner Hof".— Sonntag, 28. Oltober. Wcddiag sOrisvercln): 11)8 Uhr große republikanische Morgenfei« in der Lichtburg, Bahnhof Gesundbrunnen. Antreten: 1. Kameradschaft VA Uhr Binetaplatz. 2. und 3. Kameradschaft in den Blocklokalen. Iungbanner: 10)8 Uhr Antreten aller Kameraden an der Lichtdurg. Prenzlauer Berg, Iungbanner: Antreten 10)8 Uhr Lichtburg. Bahnhof Gesundbrunnen, zur Morgenfeier. Anschließend Ummarsch- Bundcshemd mit Windjacke. Weißense« fOrtsverein): Antreten 12 Vi Uhr an der Lichtburg. Dahnhof Gesundbrunnen, mit Fahnen. Iungbanner: 10% Uhr daselbst. Reinickendorf(Ortsverein): Iungbanner Pflichtantreie» 11 Uhr an der Lichtburg, Bahnhof Gesundbrunnen, zur Morgenfeier. An- schließend ilinzng. Kamerabslhaii Weft: Iungbanner 10 Uhr Perlehrsiokal. Kameradschaft 12 Uhr daselbst....... M' schaft Rosenthal: 10)8 Uh" 27. Oktober. Fried rtchshai, D___„_______ WW.______________________________ Allee 307, Frictrich-Ebert. Zimmer. Referat:»Reichsbanner oder proletarischer Selbstschutz". Köpenick(Ortsvcreln): 20 Uhr Mitgliederversammlung im Kaiser. Das Abend-konzert brachte 3u!lendwerke von W a q n e r, sehr epillonenhafde Kompasitionen, aber interessant sür seinen tkniwick- lunasstana und, was für eine Funkabenddarbietunsi wichtig ist, anaenehm zu hören. Hermann S ch e y war der Solist, Selmar M e iz r o w i tz der Dirigent des Funkarchesters. Einen lebendigen, verbindenden Text gab Dr. 3ui!us Kapp. Ausjerardentlich genuh- rcich wurde die Stunde.»Zweimal 3j) s e s Schmidt", die den Sänger var das Mikrophon und in«challplattendarbiehmgen brachte: eine wunderbar« Stimme im Original wie in der Re- Produktion.„Die Erzählung der Woche, Sprecher Dr. Dr. E. Frey. Sprachlich geschliffen, in der Form gerundet, war sein Bericht „23 Minuten und dann der Tod", der einen würdigen, sehr ver- ständnisvollen Nachruf auf den jäh verschiedenen Komponisten Einödshofer darstellte. Eindrucksvoll waren die„Legenden um den Tod" von Gabriele Hartenstein, die van der Autorin selbst gelesen wurde. Einen lehrreichen Vortrag brachte der Direktar des Kaifer-Wilhelm-Jnstitutes für EHeini«. Professar Dr. 0. Hahn, über„Radium und Alter der Erde", in dem er darlegte, wie sich aus dem Zerfall der Mineralien Uran und Thorium in Radium- emanation und Blei das Alter der Erde berechnen läßt. T«. Deutscher Arbeitcr-Abstinenten Bund, Ortsgruppe Berlin. Am Sonnabend, 25. Oktober, um 39 Uhr. M'.tglildrrversnmmlnng im Bildungssaal de» Buch. biudcrorrbande», Gewcrtichastsi'aus, Eugclufer 24—25, Aufgang C, 3 Tr. Wir erwarten in Anbetracht der wichtigen Tagesordnung bestimmtes und pünktliches Erscheinen aller Mitglieder. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, N Uhr, Pappelallce 15, musikalische Mittagstunde: Russisch« Musik. Gäste willkommen. Bund entschiedener Schulreformer. Pädagogische Arbeitsgemeinschaft am Montag. 27. Oktober, l0g4 Uhr, in der Schule Kochstr. 13. Thema:„Hngiene der geistigen Arbeit". Referent Dr. Paul Cohn. Guben. Gäste willkommen. Gesellschaft sür Scxualrcsorm, Liga sür Mutterschutz. Mittwoch. 20. Ok'odcr, 20 Uhr, spricht vr. wech. Heinrich Dehmes im Bürgersaal de» Berlin« Rat. hause», Königstraße, über da» Thema.Frei-Ehe und eugeiiisth« Ehe". Eintritt für Mitglieder 30 Pf., für Gäste 80 Pf. V«cin Sozialistischer Acrzte, Ortsgruppe Eroß-Berlin. Sitzung Frei'ag, 31. Ottober, 20 Uhr, im Louptgcsundheit-amt der Stadt Berlin, Fischer- . straße 39—42(U-Bahn Spittclmarkt). Tagesordnung: 1. Die Krise ber Arbeit». j thcrapir. Ein Bcittag zum Bewahrnngsproblem. Referenten:"-Jaul Levh ! sReichsscktion Gesundheitswesen) und Stadtarzt Dr. Georg Locwrnstci». 2. Di». kussion. 3. Bcrschiedenc». Gäste willkommen. Einheitsnerband ber Handel, und Gewerbetreibenden und freie» B«ufe, Sitz Leipzig. Betbandstaq Berlin 1930, Rcichswirtschaftorats-Kebäude, Bellen ue. straße 15. Sonnabend, 25. Oktober, Beginn 14 Uhr: 1. Begrüßungsansprachen. 2. Wahl der Leitung des Vcrbandstagcs und der Rommissionen. 3. Geschäft». und Kassenbericht des Hauptvorstandes.(Referent Bcrbandsvorsttzcnder Direktor Kraule.) 4. Bericht der Revisoren. 5. Aussprache zum Geschäsls» und Kassen- bcricht. 8. Unterstlltznngsclnrichtungen des Verbandes.— Sonn'ag. 28. Oktober, Beginn« Uhr: 7.»Gewerbetreibende»nd Sozialdemokratie". Bortrag geholten vom Reichsministcr a. D. Dr. R. Wissell. 8. Beratung des Aktionsprogramms. 9. Bcricht der Kommissionen. 10. Abänderungsantrag« zum Vcrbandsstatut. 11. Anträge der Mitglieder und de» Souptvorstondc». 12. Neuwahl des Haupt» vorstand«» und des Pcrbandsausschusscs. Allgemeine Wetterlage. 24..0kM930,abds ©wollonlos.O heiser, ahalbbcdsckt »wolkig,®bedeck5»Regen/.Graupeln Die mitteleuropäische Weitersage wird zur Zeit von einem um- fangreichen Tiesdruckgebiet beeinftuht, dessen Kern über dem europäischen Nordmeer liegt. Das Ties ist vollkommen von Luft- massen volaren Ursprungs umflossen. Sie kommen jetzt mit west- lichen Winden zu uns. Nordwestdeutschland ist bereits von einer neuen Kaltluftstaffel überflutet worden. Auf den Gipfeln der deutschen Mittelgebirge hat es heute nachmittag geschneit. Ein zweiter Schwall kalter Luft hat die Linie Borkum— festländische Kanalküste erreicht. In England sind stellenweise Graupelschauer niedergegangen. Jnfalgc der schnellen Temperaturabnahme nach oben dürfte das Wetter zunächst unbeständig sein. * Weitet für Berlin: Kühleres und unbeständiges Wetter mit einzelnen leichten Regenfällen.— Für Deutschland: In Nord- und Mitteldeutschland unbeständig, im Küstengebiete auch vielfach windig, im Süden nach meist regnerisch: allgemein kühl. — Große Trauring-f abriK verkauft fugenlote Trauringe direkt an Private 1 Ring 333 gestempelt nur S bis 8 Mk I. 585., leicht 8.50. 1. 585_ mittel 12.- 1_ 585, schwer 14.80. 1„ 900. leicht 16.50 v 1 000 mittel 21.50. 45(11«!(slllS I I OVO. schwer 28.- ceranliMeheln. Q panieren gratis sofort 2. nrnnehnten Ges. geschützt. VlnMvmrtintn m*nnn N, ArtlllerleslraBe 30 W. Passauer Str. 12 S, KotiDusser Damm 2 Dem lese Höchstleistungen. '-Mtz •*> ezHöi "'.".14 "-v .a»' c!os 5c!i!czgv/Ol-f �6� �sutigsn Zeif, sind überall an der Tagesordnung. Salamander-Schuhe bedeuten eine Höchstleistung an Qualität, fachgemäßer Ausführung und Preiswürdigkeit 3)r. Sbruno tBorchardt: 25 Jahre 9lel Vor 25 Jahren erschien in den Annale« der Physik die erste Arbeit Einsteins unter dem Titel„Zur Elektrodynamik be- wegter Körpe r", von der die Entwicklung der Relatioitäts- thearie, die weit über die Fachkreise hinaus auf unsere Anschauungen umwälzend gewirkt hat, ihren Ausgang genommen hat, und das mag Anlaß sein zu überlegen, was denn diese Lehre, die so viel Aufsehen erregt hat und imnier noch erregt, eigentlich will, und wie Einstein zu ihr gekommen ist. Wichtige physikalische Erkenntnisse sind noch niemals dem Kopf eines einzelnen entsprungen, geht man der Geschichte einer Erfindung oder einer wissenschaftlichen Entdeckung und neuen Erkenntnis nach, so findet man stets, daß sehr lange Arbeit vieler vorausgegangen und daß es mehr oder minder zufällig ist, mit welchem Namen der Schlußstein verbunden wird. Das verhält sich mit der Relatioitäts- lehre nicht anders als z. B. mit dem allgemeinen Anziehnngsgesetz der Massen und mit dem Gesetz von der Erhaltung der Energie. Bei letztcrem war es das Mißlingen der jahrhundertelang fortgesetzten Bemühungen um die Konstruktion eines Perpetuum mobile, das ist einer Maschine oder Vorrichtung, um dauernd Arbeit zu leisten, ohne daß doch ein gleicher Betrag van Energie aufgewendet wird, was schließlich zu der Frage führte, ob dieses Bemühen nicht überhaupt unmöglich sein muß, und mit dieser Fragestellung war dann das die ganze Physik beherrschende Energieprinzip aufgefunden. Ganz ähn- lich verhält es sich mit dem Relativitätsprinzip. Zur Erklärung der Siichterschcinungen hatte man die merkwürdige Vorstellung eines Liethers ausgebildet, der den ganzen Weltraum erfüllt und alle Körper durchdringt, selbst ohne Masse, also gewichtslos sein soll, so daß die Weltkörper sich durch ihn hindurch bewegen, ohne irgendeinen Widerstand zu erleiden. Erschütterungen in ihm, die von'leuchtenden und»ach der später erkannten engen Beziehung zwischen Licht und Elektrizität— von elektrischen Körpern ausgehen, breiten sich mit ungeheurer Geschwindigkeit aus, die zu 3M 000 Kilometer in der Sekunde gefunden wurde. Die Erfolge, die mit dieser Wellentheorie des Lichtes erzielt wurden, ließen über die Schwierigkeiten der ganzen Aethervorstellung hinwegsehen. Eine Folgening aus dieser Vorstellung mußte sein, daß die Licht- gcschwindigkeit abhängig wäre von dem Bewegungszustand der Erde, wie ja die Schallgeschwindigkeit von dem Bcwegungszustan�e eines in ruhender Luft bewegten Fahrzeuges abhängt, wie aus der Messung der Schallgeschwindigkeit die Insassen eines solchen Fahrzeuges ihre Bewegung gegen die ruhende Luft, die sie sonst nicht wahrnehmen, zu ermitteln vermöchten, so müßte aus der Messung der Lichtgeschwin- dtgkeit auch die Bewegung der Erde gegen den Aether, die ja bei ihrem Iahrcsumlauf um die Sonne und ihrer täglichen Drehung ihre Richtung ständig ändert, erkannt werden können, und außerordentlich zahlreich waren die Versuche, den Einfluß der Erdbewegung auf die Lichtgeschwindigkeit festzustellen. Wären diese Versuche geglückt, so hätte man damit die Bewegung der Erde gegen den ruhenden Aether, also ihre absolute Bewegung im Weltenraum, festgestellt und ge- messen— gewiß ein wertvolles physikalisches Ergebnis, das immer von neuem zu Versuchen anreizte. Aber stets blieben sie ohne Erfolg, die Geschwindigkeit des Lichtes wie überhaupt die der Wellenaus- breitung im Aether erwies sich als eine Konstante simmer gleiche) Größe, in welcher Richtung und bei welcher Bewegung der Erde sie auch gemessen wurde, auch die berühmten Versuche des Amerikaners Michelsohn in dieser Richtung blieben ohne Erfolg, trotzdem die An- läge der Versuche so sorgsam war, daß der Effekt sich hätte verraten müssen, wenn er auch nur Viooo des theoretisch berechneten Wertes betragen hätte. So sahen die Physiker sich schließlich genötigt, die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit als eine Tatsache hinzunehmen. Es liegt auf der chand, daß nunmehr Versuche einsetzten, dieses sonderbare Verhalten der Ausbreitung der Aetherwellen zu erklären, das heißt dem Verständnis nahe zu bringen, und nicht gering ist die Zahl der Physiker, welche sich um die Jahrhundertwende mit dieser quälenden Frage anhaltend beschäftigten. Ein« überaus geist- volle Erklärung, an der auch heute noch von einigen Forschern fest- pehaltcn wird, welche die Einsteinsche Lehre ihrer merkwürdigen Folgerungen u>egcn ablehnen zu müssen glauben, gab der Schöpfer der Elektronenlehre, der berühmte holländische Physiker Hendrik Antoon L o r e n tz: er meinte, jeder bewegte Körper erleide eine Verkürzung in der Bewegungsrichtung, die um so größer ausfalle, je größer die Geschwindigkeit der Bewegung sei; dieser Verkürzung könne von uns niemals wahrgenommen werden, weil ja di« Jnstru- niente zur Messung von Längen sich mitbcwegen, also ebenfalls sich entsprechend verkürzen, und der Betrag dieser Verkürzung müss« so angenommen werden, daß hierdurch die tatsächlich bestehenden Unterschiede der Lichtgeschwindigkeit für unsere Instrumente aus- geglichen würden. Ja, ein Potsdamer Astronom, Leo Eourvoisier, har vor einigen Jahren gelaubt, bei der Erde, bei der infolge der täglichen Umdrehung stets andere und andere Durchmesser in die Bcwegungsrichtung fallen, diese abwechselnd« Verkürzung und Wiederausdehnung der Durchmesser nachweisen zu können; doch haben die Schlußfolgerungen aus seinen Versuchen keine allgemei- nere Anerkennung finden können. Die zwar geistvolle aber doch recht gekünstelte Annahme einer Längenverkürzung bei der Bewegung, die sich prinzipiell durch keinerlei Messungen nachweisen lasse, war doch so unbefriedigend. daß die Physiker nach anderen Deutungen der Tatsache der sich immer gleichbleibenden Lichtgeschwindigkeit suchten. Wie nun die Annahme, daß die Konstruktion eines Perpetuum mobile prinzipiell unmöglich sei, das Energiegesetz enthält, so kam Einstein aus die Vermutung, alle Versuche, den Einfluß der Crd- bewegung auf die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Aetherwellen festzustellen, seien nur deshalb fehlgeschlagen, weil ein solcher Ein- fluß gar nicht vorhanden sei, weil die Lichtgeschwindigkeit in der Tat eine von der Bewegung der Erde und überhaupt von jeder Bewegung vollständig unabhängige konstante Größe sei. Eine ganz überraschende, aber im Grunde doch auch recht einfache Lösung de? m Frage stehenden Problems, das di« Physiker so lebhast beschäs- tigte. Sie enthält das Relatioitätsprinzip. welches aussagt, daß die Erkenntnis einer absoluten Bewegung, einer Bewegung ohne Bezugnahme auf irgendeinen als ruhend anzusehenden Körper prinzipiell unmöglich sei und daß daher alle darauf gerichteten Versuche fehlschlagen müssen. Erkennt man dieses Prinzip oder diesen Grundsatz einmal an, so ist man auch zur Anerkennung aller sich aus ihm ergebenden logischen und mathematischen Folgerungen gezwungen, so seltsam sie auch auf den ersten Anblick anmuten. Dahin gehört zunächst die Relativität von Raum und Zeit, das heißt, daß weder räum- liche noch zeitliche Ausdehnungen, also weder di« Länge eines Stabes nochdie am Gange einer Uhr gemessene Dauer eines Vorganges absolute Größen sind, sondern daß ihre Größe von dem Bewegungszu stand« des jeweiligen Beobachters abhängt. In dem feit ihrer ersten Aufstellung verflossenen Vierteljahr- •__• m•• m_» M_____• hundert sind di« Folgerungen natürlich sehr ausgebaut worden und haben sich in verschiedener Richtung als sehr fruchtbar erwiesen. Zu ihrem Verständnis gehört freilich eine nickst geringe mathematische Durchbildung, weshalb hier nur einiges wenige angedeutet werden kamt. Die Vorstellung eines Raumes, in welchem gleichsam eingebettet die physikalischen Ereignisse an den Körpern oor sich gehen, ist un- haltbar, sondern die Eigenschaften des Raumes werden durch di« in ihm enthaltenen Massen bestimmt, deren Einfluß auf die räumlichen Eigenschaften um so größer ist, je größer sie selbst sind. Man ahnt hier einen Zusammenhang zwischen der Lehre von der Schwere und der Relativitätstheorie. Noch der herkömmlichen Lehre von der Schwere wirkt die allgemeine Massenanziehung ganz unvermittelt, so daß die Gestirne, welche Millionen von Lichtjahren voneinander entfernt sind, keiner Zeitdauer zu ihrer gegenseitigen unvermittelten Einwirkung bedürfen. Diese Anschauung Hot den Physikern schon imnker große Schwierigkeiten bereitet. Aus der Einsteinschen Lehre ergibt sich eine ganz neu« Anschauung auch van der Wirkung der ir alter 3)ehmel: 'nach der Sieiuchsseit Wir Kranken wissen ganz genau, daß gleich die Tür aufgehen und die Stationsschwester das Ende der Besuchsstunde ansagen wird. Und dennoch schrecken wir jedesmal zusammen, wenn es wirklich so weit ist. Im Rahmen der geöffneten Tür steht die weiß gekleidete Gestalt der Schwester, und mit unbewegtem Gesicht sagt sie in den Raum hinein:„Die Besuchszeit ist zu Ende!" Sie sagt es nicht unfreundlich, auch nicht besonders laut, sie sagt es sachlich und entschieden, so wie alles in diesem Hause gesagt wird. Wir Krank« in unseren Betten drehen uns mit einem Gesicht zur Tür, als wollten wir sagen:„Ach. bitte, Schwester, nur noch ein paar Minuten, die Stunde ist so kurz!" Mitunter sagt es auch einer von uns wirklich: es hat so wenig Erfolg wie unser bittendes Gesicht. Di« Besucher erheben sich von ihren Stühlen, Bänken, leeren Bahren, aus denen sie gesessen, sie sind«in wenig«ilsertig, und wir haben das Gefühl, als ob sie froh wären, dos schon stockende Gespräch zu be- enden. Sie machen sich noch einen Augenblick ziellos an unserem Nachttisch oder an den Blumen zu schaffen, wir fühlen deutlicher, daß es eine Erleichterung für sie ist, nun gehen zu können, diesen Raum mit dem undefinierbaren Geruch, der an Karbol erinnert, hinter sich lassen zu können. Linkisch oor Verlegenheit sind die Abschiedsg'esten, karg die Worte, eine riesengroß« Entfremdung steht zwischen ihnen und uns auf. Eh« wir noch rechl wissen, was in uns vorgeht, sind sie grüßend durch die geöffnete Tür unseren Blicken entschwunden, vom Flur her hören wir das Geräusch sich«nffernen- der Schritte, und bevor die Tür ins Schloß fällt, vernehmen wir vom Nebenzimmer her die Schwester im gleichen Tone wie vorher sagen:„Die Besuchszeit ist--" Die Tür schneidet das letzte weg. ——— zu Ende!" vervollständigen wir den Satz für uns. Wir liegen hilflos da in unseren Betten, sechs kranke Männer, die man in ein Zimmer gesperrt hat. Etwas unendlich Wehes steigt in uns hoch, wir liegen da wie ohne Haut. Diese ersten Minuten nach dem Weggang der Besucher machen uns schwach und mutlos. Jedesmal nimmt man sich in diesen Minuten vor: Nie wieder Besuch empfangen! Schroff allen Angehörigen und Bekannten sagen:„Bleibt wo ihr seid, ihr Gesunden und Robusten, ihr könnt uns doch nicht helfen! Ihr macht es uns nur schwerer, dies Aushalten hier, und wenn ihr hinausgeht, seid ihr Fremde, die wir beneiden um dieses Gcsundsein, die wir hassen wegen ihres Weggangs!" In diesen Minuten möchte man ganz allein in einem dunklen Zimmer liegen und ganz für fick» irgendeinen unsinnigen Satz ins Dunkle hinein sagen, einen blödsinnig-sinnlosen, immer denselben.— Einen, den man vielleicht vorhin selbst gesagt hat, etwa so:„Wir haben es ja hier ganz gut!" oder:„Kranksein ist auch ganz schön!" Irgend so einen Quatsch, wie man ihn in dieser Besuchsstunde spricht. Wir könnten ja die Augen schließen und uns einbilden, wir seien allein. Aber das geht nicht. Wir fühlen es auch mit ge- schlossenen Augen, daß da siins andere mit uns in einem Zimmer liegen. Und jeder ist für sich Das ist das Erschütternde dieser Minuten, daß wir in ihnen so mit aller Deutlichkeit empfinden: Jeder Mensch hat Stunden, in denen er ollein sein will, allein sein muß!— Wir liegen seit Wochen, seit Monaten zwangsläufig zu- sammengeb rächt, Tag und Nacht, in einem Zimmer. Und wir wissen mehr voneinander, als dem einzelnen lieb ist. Wir wissen, daß wir nachts zuweilen laut im Schlafe sprechen und dabei aus uns heraus- lassen, was wir nicht am Tage sagen wollen. Wenn wir einmal am Tage aufstehen dürften, eine Stunde aus diesem Zimmer hinausgehen, in den Garten hinunter könnten, es wäre in dieser Stunde nicht so schlümn. Wir könnten dieser seelischen Zerknitterung ausweichen, wir würden di« Blicke losen können aus diesem weihen Biereck des Zimmers, in dem die weißen Betten so genau in Reihe gestellt sind wie die Zahnputzgläser auf der Wasch- toilette. Aber wir Dauerkrankcn liegen fest im Bett, monatelang nebeneinander, und wir haben keine andere Möglichkeit, uns von solcher seelischen Belastung zu besreien, als uns gegenseitig mit ver- letzenden Worten zu erregen. Wir wissen nicht warum, aber in diesen Minuten nach der Besuchsstunde zanken wir uns heftiger als je, und es würde zu offenem Streit kommen, wenn nicht endlich die Schwester den Nach- niittagskoffee bringen, der Wärter mit ablenkenden Worten durchs Zimmer gehen würde. Langsam erst werden wir wieder freundlicher gegeneinander, fühlen uns allmählich wieder als Leidensgenossen. Und im Grund« unseres Herzens warten wir schon wieder ungeduldig auf den nächsten Besuchstag. Analole&rance: 3)16 �mbltOfäS €in poUtifchea Tllärchen über unfere ftahtfieger lim jene Zeit kamen Leute in die Stadt, die ein großes Geschrei erhoben und die man Irublivns nannte, weil sie einem Hauptmann dienten, der Trublion hieß. Dieser war von geringem Wissen und großer Unerfahrenheit der Jugend. Sie hatten aber noch einen anderen jjauptmann, der hieß Tintinnabulus. Und wenn dieser st« bergauf zog, zog der andere sie bergab. Aber sie mochten sich des- wegen keine Sorge: denn sie waren so närrische Leute, daß sie nicht wußten, wo sie hingingen. Unter diesen großen Häuptlingen aber führten bei ihnen das Kommando ein« Menge Bolksaufwiogler und Hetzer, welche sagten, man müsse alle Fremden totschlagen oder auffressen. Schwer«, in: in Zusammenhang mit elektrischen Wirtimgen gebracht wird. Einen Raum, in welchem Kräfte wirksam siiri», nennt man ein Feld, und so spricht man in der Nähe eines schweren Körpers, wo sich sein Einfluß geltend macht, von einem Schwerefeld, in der Nähe eines elektrischen Körpers, wo elektrische und magnetische Kräfte wirksam sind, von einem elektro-magnerischen Feld. Die Bemühungen Einsteins in den legten Iahren sind darauf gerichtet, die Er- scheinungen in solchen Feldern unter einheitlichem Gesichtspunkt zu begreifen, eine„einheitliche Feldtheorie" aufzustellen. Ihr weiterer Ausbau muß zu einer einheitlichen und dal>er sehr vereinfachten physikalischen Weltanschauung fuhren. Freilich leidet sie vorläufig an dem Mangel der Unanschaulichkeit. Das ist aber meist das Schicksal neuer Erkenntnisse. Die Behauptting, daß die Erde sich dreht, daß also die vertikale Richtung im Raum« nicht absolut sei. sondern beständig ihre Richtung ändert, war bei ihrer Aufstellung vor 4<)Ü Jahren sicherlich auch ganz unanschaulich; heute würde, wie Planck einmal sagte, jeder ausgelacht werden, der die mangelnde An- schaulichkcit als Einwand gegen den relativen Charakter aller räum- lichen Richtungen geltend machen wollte. Er fügte hinzu:„Ich bin nicht sicher, ob nicht in abermals 400 Jahren das nämliche jemand passieren würde, der den relativen Clxrrakter der Zeit bezweifeln wollte." So wird ganz im Sinne Plancks der weitere Weg der Relativitätstheorie„unablässig vorwärts führen, unbekümmert um die Art der Resultat«, einzig den, Licht« der Wahrheit entgegen." So hatten die Trublions verschiedene Häuptlinge, die untereinander uneins waren. Sie waren eine sehr beschwerliche sipp- schast. Sie saßen auf den Dächern und bewarfen die guten Bürger, die vorbeigingen, mit Schmutz und spuckten auf sie. Dabei schrien sie immerfort wie toll. Ihr oberster Hauptmann war ungeschickt im Kriege, aber der größte Feind der Gerechtigkeit und der Gesetze. Aus diesem Haupt- mann machten sie sich einen Götzen und liefen immersort durch die Stadt und riefen:.Lang lebe unser großer 5)aupttnonn!" Und die kleinen Schulbuben liesen hinter ihnen her und riefen dasselbe. Sie hielten mm eine unzählige Menge von Versammlungen und Zusammentreffen ab und ließen darin ihren großen Hauptmann hoch leben mtt einer solchen Gewalt der Stimme, daß die Luft erbebre- und die Vögel betäubt zur Erde sielen. Sie gebärdeten sich gerade so wie Rasende. Die Trublions glaubten aber, man könne nur dadurch dem Vaterlande dienen und einen Eichenkranz erwerben, wenn man ein wütendes Geschrei erhöbe und unsinnige Reden führe. Die Bauern aber, die Winzer und die Hirten, die Bauleute, die Weber und die Schlosser, die Bergleute und die Gelehrten, alle seien für das Land nichts nutze, sondern nur sie, die Trublions, dienten dem Vaterlandc auf die richtige Weise, indem sie immerfort schrien wie die Esel, die auf dem Jahrmarkt zum Verkauf stehen. Aber dies wollen wir ihnen nicht übelnehmen, denn sie wußten es nicht besser und hatten in ihrem Schädel nur Dunst. Und sie schrien nicht nur: Lang lebe unser großer Hauptmann, sondern sie scheien auch immerfort, daß nur sie allein das Baterland liebten. Darin taten sie den anderen Bürgern großes Unrecht, indem sie jedermann zu verstehen gaben, daß diejenigen, welche nicht so laut schrien» ihr Vaterland und ihre Heimat nicht liebten. Das ist ober eine offenbare Lüge und ein« unerträglich« Beleidigung, denn die Menschen saugen schon mit der Muttermilch die Liebe zu chrem Baterlande ein uiid es ist für alle jüß, die Luft der Heimat zu atmen. Es waren auch zu jenen Zeiten in Stadt und Land viel« kluge und weise Leute, die mit viel- stärkerer und reinerer Liebe ihr Vaterland liebten als die TrubUons; denn diese weisen Leute wollten, daß das Vaterland blühend-fei und unter dem'Schütz der Grazien, voll von allen Tugenden in Gerechtigkeit, lachend, friedlich und frei und gär nicht so, wie die Trublions wünschten. Dies« nämlich wünschten es nur mit einem großen Knüppel in der Hand, um damit all« guten Bürger zu verprügeln; denn in der Tat wollten die Trublions das Vaterland einer Horde von Lumpen, Totschlägern und Bauern- fängern unterwürfig machen, und sie bestrebten sich, es ganz roh und ungeschiifscn zu machen; denn sie hatten eine große Zlbneigung gegen olle Nachdenklichkeit und Philosophie, gegen alles, was noch Besonnenheit und Vernunft aussah, und kannten nur die Gewalt. Diese schätzten sie namentlich dann, wenn sie ganz brutal war. Auf diese Weise liebten die Trublions das Vaterland. Es nährten die Trublions großen Haß gegen alle fremden Nationen und bei dem bloßen Nomen solcher Nationen oder Völker traten ihnen die Augen aus dem Kopfe auf ganz erschreckliche Weise wie bei den Seekrebsen und sie warfen ihre Arme wie Windmühlen- flügel und es war unter ihnen kein Amtsschreiber oder Fleischer- lehrling, der nicht bereit war, einen König oder eine Königin oder den Kaiser eines großen Landes zum Kampf herauszufordern. Und der geringste Schneider oder Schankwirt stellte sich so an, als ob er jeden Augenblick bereit wäre, in den Krieg zu ziehen. Aber schließlich blieben sie doch zu Hause. Und wenn es wahr ist, daß zu allen Zeiten die Narren viel zahlreicher sind als die Weisen und immer dahin lausen, wo der größte Lärm gemacht wird, so hielten die Leute von geringem Wissen und Verstände(von diesen findet man viel unter den Armen sowohl wie unter den Reichen) den Trublions Gefolgschaft und lärmten mit ihnen und es war ein fürchterliches Getöse in der Stadt. Während- dessen saß die weis« Jungfrau Minerva in ihrem Tempel und ver- stopfte ihre Ohren mit Wachs von den Bienen des Hymellos und gab dadurch ihren treuen Anhängern, den Gelehrten, Philosophen und guten Gesetzgebern zu verstchen, daß es verlorene Miche. sein würde, in einen gelehrten Disput und Geisteskamps mit den schreien- den Trublions einzutreten. Und viele im Lande und nicht die Geringsten erschracken über dies Unwesen und glaubten, daß die Narren auf dem Punkte standen, das ganze Staatswesen über den Haufen zu werfen und auf den Kops zu stellen, was ein jämmerliches Abenteuer gewesen sein wüvde. Aber eines Tages ereignete es sich, daß di« Trublions zerplatzten, weil sie sich zu sehr ausgeblasen hotten. künstliche» Licht ist nichts für Tiere mit Wtnterschlas. Die Verwaltung des Londoner Zoologischen Gartens, die als erste den Ver- such unternommen hat. durch ultraviolette Strahlen dos Leben ge- wisier Tiergruppen zu verlängern, oeröffentliäst jetzt«inen Bericht, wonach dieser Versuch von einem Mißerfolg begleitet gewesen ist. Bei Tieren, deren Winterschlaf künstlich unterbrochen Worten sei, bätten sich erhebliche Störungen bemerkbor gemacht, wodurch die Leitung de? Londoner Zoos sich entschlossen habe, künftighin von Be- strahlungen mtt künstlichem Licht abzusehen. Eine automatische Filmkamera wurde in Japan erfunden, die es ermöglicht, in einer einzigen Minute 20 000 Aufnahmen zu machen. Man kann also mit Hilfe dieses Apparates mühelos den Flug einer Granate vom Abfliegen aus dem Geschütz bis zum Krepieren aufnehmen. Bcrantwortlich gir Politik: ßittat Schilk! WirtlchaU:®. fllinnrlliilct; Dewerllchaüobcw�wmg: Fr. fcZlot»; tzcmllfloii Dr. Zoha Schilowotii Lokales: und Foirsiiacs ikri» Narllädt: Anreiaen: TI> Stocke: lämtlicki in Keriio. Berlaq: Porwärts-Perlaa s. m d. s. Berlin Druck: Borwilrts-Buckidruckeret unt> Lerlaasanstalt Paul Smn-r u. Co.. Berlin SB. SS, Lindcustrabe 1 Hier,» Z Beilage». 7!r. 50i• 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 2S. Oktober 1930 Worauf die Metallindustn'eUen hoffen. Aber die geschloffene Front der Arbeitersthast ist unerschüttert. Die Verhandlungen in dem Lohnkamps in der Berliner Metall- iiidustrie werden am Montag wieder aufgenommen. Vorläufig sieht es nicht so aus, als ob dies« Verhandlungen irgendwelche Aus- ficht böten, zu einer Einigung zu führen. Die Unternehmer halten innner noch am Lohnabbau fest. Es genügt ihnen nicht, daß sie ieil mehr ats einem Jahre die Akkordlöhne abgebaut haben. Die Löhne sollen noch mehr herunter. Durch die fortgesetzten sinkenden Materialpreise müssen sie wohl oder übel mit den Preisen herunter. Diesen Preisabbau, der sie nichts kostet, bei dem sie wahrscheinlich noch verdienen, wollen sie sich von ihren Arbeitern und Arbeiterinnen bezahlen lassen. Die Senkung der Rohstoffpreise aus dem Weltmarkt führt notwendig zu einer Preis- lenkung auch der Fertigfabrikale. Unter Ausnutzung der großen Arbeitslosigkeit, die hauptsächlich durch die falsche Rationalisierung der Unternehmer herbeigeführt worden ist, will das deutsch« Unter- nehmertum jetzt unter dem Schlagwort der Dcrkupplung von Lohn- und Preisabbau die bereits gedrückten Löhne der Arbeiter noch mehr drücken. Die Berliner Metalliiidustricllen hatten zunächst gehofft, daß der Streikparole nur ein Teil der Organisierten iolgen würde. Sie hatten gehofft, daß die Unorganisierten und die Arbeiter, die anderen Organisationen als den freien Gewerkschaften angehören, sich unter ihr Lohndiktat beugen und zum schimpflichen Slreitbruch hergeben würden. Diese Hoffnung der Unternehmer ist an der vorbildlichen Solidarität der gesamten Arbeiter und Arbeiterinnen der Berliner Metallindustrie gescheitert. Ob organisiert oder nicht, die Metallarbeiterschaft Berlins ist sich der Folgen ihrer Handlung bewußt und hat es abgelehnt, sich der Willkür der Metallindustriellen auszuliefern. Die Unternehmer haben auch gehofft, daß es der KPD. gclmgen würde, die Führung in diesem Kampfe an sich zu reißen. Das hätte die schwersten Konflikte innerhalb der Arbeiterschaft zur Folge gehabt und der Streik wäre in kurzer Zeit zusammengebrochen. Auch diese Hoffnung der Uitkernehnier Hot sich nicht erfüllt. Aber im Verband Berliner Metallindustrieller klammert man sich auch heute noch an diese Hoffnungen. Man erwartet, daß mit der Fortdauer des Streiks einerseits die Unorganisierten wieder zu Kreuz kriechen würden, andererseits die Kommunisten Oberwasser bekommen würden. Wir haben bei den Streikleitungen der ver- schiedenen Berliner Betriebe, die hier besonders in Betracht kommen, llmirag« gehalten. Wir haben mit Befriedigung feststellen können, daß überall die Arbeiterschaft, fn welche Richtungen sie vor dem Streik auch verjallen niochten, eine geschlossene Alauer bildet, in der es keine Bresche gibt. Wenn es in den ersten Togen der sogenannten RGO. hie imd da gelungen ist, die Arbeiterschaft, zu bluffen, so ist ihr Einfluß von Tag zu Tag zurückgegangen und heiiie vollständig bedeutungslos. Der verbissene Wille der Unter- nehmer, die Löhne ihrer Arbeiter noch weiter zu beschneiden, wird an der eisernen Front der Arbeiter zerschellen. Wenn die Unter- nehmer erwarten, daß sie ain Montag, beim Zusammentritt der Vcrhandlnngskommission den Arbeitervertretern mit der Nachricht der Abbröckelung der Streikfront entgegentreten werden können und daß es ihnen dann gelingen wird, doch noch einen Abbau der Tariflöhne durchzusetzen, so sind wir über, zeugt, daß die Unternehmer sich damit verspekulieren. Die feste Front der Arbeiterschaft wird im Gegenteil die Stellung der Gewerkschaftsverlreter in der Der- handliingskommission st ä r k e n. Es ist zweifellos, daß die Uniernehnter jetzt all« Minen springen lassen werden, um bis zu», Montag ein« ver- änderte Situation zu schaffen. Das wird die Aibeiterschast nur anspornen, wachsam zu sein und sich gegen alle falschen Parolen verschließen. Die Berliner Alctallarbeiterschasl weiß, daß sie ihr Schicksal in der Hand hol. Sie wird es den Unternehmern nichl ausliefern. Die RGO. biedert sich an. E>ie wird aber nirgends empfang-n. Die sogenannte„revolutionäre Gewerkschastsopposition" hat zu- nächst beim Reichskanzler antichambriert, in der Hoffnung, Herr Brüning werde gnädigst die Abgesandten der KPD. empfangen und mit ihnen über die„Abwürgung des Berliner Metallarbeiter- streiks" verhandeln. Herr Brüning ist informiert und kennt die absolute Bedeutungslosigkeit der RGO. Er hat diese Ucber- revolutionären nicht empfangen. Darob große Trauer im revolutionären Lager und die Verbreitung der Behauptung, die Gewerkschaftsvertreter seien bei Brüning gewesen und hätte» mit ihm ein„Geheimabkommen" getroffen.' Die kommunistische Presse setzte diese„Sensation" ihren gläubigen Lesern vor. Nun versucht die RGO. beim Verband Berliner Metall- industriellen in Gnade zu kommen. Sie hat eine Delegation zu den Unternehmern geschickt, mit der Bitte, diese Delegation doch empfangen zu wollen. Auch hier ist die RGO. abgeblitzt. Die Unternehmer haben andere Sorgen im Kopf, als sich mit den Abgesandten der KPD. zu unterhalten. Worauf natürlich in den nächsten Tagen eine neue Sensationsmeldung der kommunistischen Presse zu erwarten ist, daß die Gewerkschaften mit den Unternehmern ein„Geheimabkommen" getrosten haben. Kommunistische„Aufklärung". Die Versuche der KPD., die streckenden Metallarbeiter gegen ihre Gewerkschaft mobil zu machen, sind bisher sämtlich gescheitert. Wir konnten es uns deshalb auch verjagen, den Schünpsercien und Schwrndelnachrichten der kommunistischen Preis« enrgegenzutreten. Mit welcher krassen Unwisienheit die kommunistische Press« Üb« de» Streik berichtet, dafür ausnahmsweise ein Beispiel aus der„Welt am Abend". Sie erzählt ihren Lesern, daß die Berliner Metallinduftriellen darauf beharren, die Arbeitszeit auf 49 Stunden die Woche zu verkürzen! Leider denken die Unternehmer gar nicht daran, den dahin- gehenden Borschlag der Gewerkschaften anzunehmen. Bisher haben sie es jedenfalls hartnäckig abgelehnt, eine derartige allgemeine Arbeitsstreckung vorzunehmen. Was man den russischen Arbeiter erzahtt. Der„T ru d" vom 18. Oktober schreibt über den Metall- arbeiterstreik: „Die Resormisten versuchen mit allen Mitteln den Beginn des Streiks hinauszuzögern, um dem Arbeitsminister die Möglichkeit zu geben, den Schiedsspruch für verbindlich zu erklären. Aber das gelang ihnen nicht. Die Metallarbeiter sprachen sich für sofortigen Streik aus. Sie wandten sich von den Reformisten ab und er- kannten als Führer des Streiks die rote Gewerkschaftsopposition an, indem sie mit den Parolen der Kommunistischen Partei in den Kampf zogen. Jetzt, auf dem Höhepunkt des Streiks, beschloß die Bourgeoisie, zum offenen weißen Terror überzugehen. Di« erst« Arbeiterdcmon- stration, an der Zehntausende von Metollarbeitern teilnahmen, wurde von der Polizei anseinanderoeschossen. In den Straßen Berlins ist erneut Arbeiterblut geflossen. Daran sind nicht nur die durch das Gespenst der Revolution eingeschüchterten Industriellen und ihre Angestellten in der Regierung Brüning schuld, sondern auch die Sozialfaschisten." Gelogen wie gedruckt. Achtung, Siemensarbeiter! Heute sind die �Quittungen und Verbandsbücher des DMB. aus den einzelnen Streiklokalen abzuholen. BAK-Akilglieder! Heute 8 Uhr vormittags Sitzung im Lokal von Lange. Siemens- Schaltwerk. Versammlung der stcigewerkschaftlich.'n Kolleginnen und Kollegen um g Uhr vormittags bei Möwes, Nonnendammallee, Ecke Rohrdamm. Dynamowerk. Betriebsversammlung um 19 Uhr vormittags bei Weidner, Steinfeld. Betriebsausweis legitimiert. Achtung, knorrbremse! Heute 14 Uhr bei Schonerl, Kynast» straße, Betriebsversammlung. Die Streikleituirg. Achtung! AEG., Ls. und 3f., Hennigsdorf und Stahlwerk Hennigsdorf! Alle Kollegen müssen sich heute in ihrem Auskunsts« lokal einfinden. Betrifft Zahlung der Streikgelder Die Streikleitung. Ausländischer Millionenaustrag für den Maschinenbau. Di« H a l l c s ch c Maschinenfabrik, die speziell Maschinen und Betriebseinrichtungen für die Zuckerindustrie herstellt, hat gegen schärfste ausländische Konkurrenz den Bau und die Einrichtung einer spanischen Zuckerfabrik in Auslraq erhalten. Der Wert dieses Auftrages beläuft sich auf mehrere Millionen. Beabsichtigte Stillegungen bei diesem Unternehmen kommen dadurch in Fortfall. Gelbstkostensenkung im VBMZ. Wachsende Mehrleistungen/ Rekordiiefstand am Kupfermarki. Bon der Verwaltung der Deutsche Kabelwerke A.-G. in Berlin-Osten wird jetzt ci» Bericht über die Entwicklung in den ersten neun Monaten dieses Jahres veröffentlicht, der für die tat- sächlichen Verhältnisse in der Berliner Metallindustrie wahre Bände spricht. Die Mitteilungen der Direktion, die offenbar als Beruht- gungspill« für die um ihre künftige Dividende besorgten Aktionär« gedacht ist, besagen, daß von Januar bis September dieses Jahres der Umsatz des Konzerns mengeninähig noch höher mar als in der entsprechenden Zeit des Borjahres. Der Wert der Umsätze ist um 19 Proz. gesunken, was angesichts der Preis- senkungen, die gegenüber dem enormen Preissturz der Rohmaterialien noch verhältnismäßig bescheiden sind, auch nur natürlich ist. Bon den Rationalisierungsgewinnen des Unternehmens de- kommt man eine ungefähr« Borstelhing, wenn dem Berwaltungs- berichl zu entnehmen ist, daß der erhöhte Umsah von einer um 10 proz. verringerten Belegschaft heransgewirtschastet wurde. Die Deutsche Kabelwerke A.-G. hat im Vorjahr« ihre Gewinne gegenüber 1928 mit rund 1 Million Mark verdrci- fachen können und hat bei erheblichen Rückstellungen eine D i v i- dendc von 6 Proz. bezahlt. Das Unternehmen wird bei dieser Entwicklung und besonders bei den kastenseiikenden Einflüssen infolge der Mehrleistungen der Belegschaft und der aus einem Rekord- liefftand stehenden Kupferpreise die gleich hohen Gewinne auch für das Kriscnjahr 1939 ausschütten können. Trotz seiner erhöhten Leistungen und trotz der bis ins Maßlose gesteigerten Antreiber«! soll der Berliner Metollarbeiter aber auch noch einen Teil seines Lohnes in den Wind schreiben. Tiefe Kupferpreise senken die Selbstkosten. Die Prcisrevolution auf dem Weltkupfermarkt, die feit dem Frühjahr 1929 anhält, steht noch nicht vor ihrem Abschluß. So bröckelten auf dem Londoner Kupserniarkt schon in den letzten Tagen die Preise ab, und gestern stand die Kupferbörse unter ganz besonderem Druck. Der neue Preisdruck erklärt sich daraus, daß von den amerikanischen Lohnhütten Elektrokupfer schon zu 91- bis 9% Cent je Pfund angeboten wird, während das anieri- konische Kupferkartell noch an seinem Preise von 19,3 Cent je Pfund festhält. Der von den amerikanischen Außenseitern bis auf 91- Cent gedrückte Kupferpreis ist bisher in diesem Zahrhunderl noch nicht erreicht morden. Man muß bis zum Jahre 1896 zurückgreifen, um einen derartigen Tiefftand am Kupfermarkt festzustellen. 3n diesem Falle ist die verarbeitende Bletallindu- strie in Deutschland, die im Jahr etwa 200 000 Tonnen Kupfer verbrauchk, der lachende Drille. Roch Anfang vorigen Jahres mußle die deutsche Melallindustrie fast 25 Cent je Pfund Kupfer bezahlen. Ja den kehlen eineinhalb Jahren ist der Kupserpreis u in 60 Proz. gesunken. Diese Preisrevolulion wirkt sich natürlich besonders bei den Kupfergroßverbrauchern wie Siemens, AEG. und Bergmann sowie den verschiedenen anderen großen Kabelfabrikca in Berlin in einer sehr kräftigen Senkung der Selb st- kosten aus. Wie groß der Kostenanleil des Kupfers bei der Fabrikation von Siemens oder der ACG. ist, bekommt die Oessenl» lichkeit natürlich nicht zu erfahren. Aber es dürste vielleicht Herrn Dr. Mewes vom Reichsarbeitsministerium interessieren, den Schleier dieses Betriebsgeheimnisses ein wenig zu lüften. Jeden- falls werden die Führer der Berliner Äkelallarbeiter bei den gegenwärtigen Verhandlungen diese Angclcgcnheik sehr denk- lich zur Sprache bringen. 6 proz. Dividende für Bergwerksmaschinen. - Der westdeutsche Masch inenkonzcrn Schüchtermann und Kram er- Baum wird nach dem Beschluß des Aufsichls- raies für das jetzt abgeschlossene Geschästsjahr 1929/Z0 wieder die gleich hohe Dividende von sechs Prozent wie im Vorjahr zahlen. Da das Unternehmen ein Spezialwerk für Berg werts- und Aufbereitungsmafchinen darstellt, müssen von den Zechen trotz der schlechten Zeiten noch schöne Aufträge eingelaufen sein. Was geht bei der Reichsbahn vor? Offener Brief des Einheiisverbandes an den Generaldirektor. Dem Einheitsoerband der Eisenbahner ist dieser Tage «ine alarmierende Mitteilung zugegangen. Sie ist ge- eignet, große Beunruhigung in die Eisenbahnerschoft hineinzutragen. Es handelt sich bei dieser Mitteilung um eine überaus bedeutsame Angelegenheit, an der die Oefsentlichkeit das größte Jnteresse haben dürste, und der Vorstand des Einheitsverbandes hat daher in Form eines offenen Brieses an den Generaldirektor Dr. Dorp- müller einige Fragen gerichtet, die rasch und klar beantwortet werden müssen. „Ist es wahr,"— fragt der Einheits verband—„daß ein M i t- glied des Vcrwaltungsrates der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft den Antrag eingebracht hat, die bisher in den Reichsbahnausbesserungswerlen zur Ausführung kommenden Reparaturen der Privatinduftrie zu überweisen, mit der Begründung, daß dann dies« Reparaturarbeiten zuoer» lässiger, besser und billiger gemacht werden und daß sich die Reichs- bahn in Zukunft beschränken soll auf die Ausführung der mit dem Betrieb unmittelbar zusammenhängenden sogenannten Zwischen- Reparaturen?" „So ungeheuerlich dieser Antrag auch sein mag," fährt der Ein- heitsverband in seinem Offenen Brief fort,„es will uns doch durch- aus glaubhaft erscheinen, daß ein solches Ansinnen von gewisser Seite gestellt worden ist. Wir gestatten uns daher die weiter« Frage: Hat es die Hauptverwaltung tatsächlich für notwendig ge- halten, Erwägungen anzustellen, um die Behauptung des Antragstellers, daß die Prioatindustrie besser und billiger arbeite, auf ihre Stichhaltigkeit zu untersuchen? Liegen nicht gc° nügend Beweise dasür vor, daß diese Behauptung u n- richtig, mindestens aber sehr stark übertrieben ist? Haben nicht oft genug Sachverständige erklärt, daß die modernisierten, mit allen Hilfsmiteln der heutigen Technik ausgerüsteten Reichsbahn- Ausbesserungswerke jedein Privatbetrieb durchaus ebenbürtig sind? Wir sind dieser Meinung, weil die Nationalisierung in den Ausbesserungswerken eine solche Stufe der Vollendung erreicht hat, daß die Werke den Privatbetrieben in nichts nachstehen und die Leistungssähigsgit des Personals kaum überboten werden kann. Wie die Privatbetriebe billiger und besser arbeiten sollen, ist uns rätselhaft, und man kommt unwillkürlich auf den Gedanken, dech dem Antragsteller andere Motive leiten müssen als die Sorge um das Wohlergehen der Reichsbahn. Die von der Reichsbahn gezahlten Löhne sind nicht höher, sondern eher niedriger als die vieler vergleichbarer Privatbetriebe. Di« Unternehmer aber produzieren schließlich nicht der Reichsbahn zulieb«! sie wollen verdienen. Im Hinblick auf diese Tatsachen erlauben wir uns die Frage:!Ud sgmp-thisicr-uve»ollegra der � j St.-®.! Montag, IC'i Uhr. bei Rcirncr, Wilniersborsor Str. A, wichligc r i Bersammlung...Dcr mirtschaftliche und politisch« Kampf der Arbeiter, y schuft. Referent cSenosfe Karl Dressel. Der Fratliouooolftaud. G> ut-i-u.i ri: �reie Gewerkschafts-Jugend Berlin öcimspicNlitcrkursus am Sonnabend und Sonntag in Rowawes.— Treffe» a n Sonnnlx-nii, 2ö. Oktober, um 18 Uhr, am Bahnhof A.elonder. p!ah. Eingang Gvntardslrg�e.— Sonntag, fl. Ronmnber. um 14>: Uhr, ltuqendvorstellung in dcr Bolkabtihne im Theater am BlNomplat:„Die Malro- feil oon ilattarv", Schauspiel uon Friedrich Wolf. Karten zum Preise von SO Pf. ffnd in der Ingeudzentral« zu haben.