Morgenausgabe Nr so? A 255 47. Jahrgang Wöchentlich SSP� monatlich 3.« M. tm voraus zahlbar. Postbezug 4�2 M. einschließlich 60 Pfg.PostzeiwngL- und 72 Pfg Postbestellgebühren. Auslands- obonnement 6.— M. pro Monat. » Der.Vorwärts' erscheint wochentög- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben stir Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustnerte Beilagen.Volk und Zeit' und.Kinderfreuno'. Ferner �Frauenstimme' Technik'..Blick in die Dücherwelt'..Jugend» Vorwärts' und.Stadtbetlag«'. � G- yw m, berliner VolkSvlatt Mittwoch 29. Oktober 1930 Groß'Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. nfpolttge Nonpareillezeile inig. Retlame�eil» b,— Reichs» „Kleine Anzeigen' da» ettge» fenmg Die eins 60 Pfennig. mark.„Kleine Anzeigen' da» ettge» druckt« Wort 2ü Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte),«edes wettere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch« da» erste Wort IS Pfennig, ledes wettere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- gefchäst Lindenstraße 3. wochentäglich von 81/) bis 17 Uhr. Zentrawraan der SoziaSdemoSraiischen Oartei Deutschlands Redaktion und Verlag- Berlin SW 68. Lindenstraße 3 syernivrecher- Tönbost 292— 297 Teleoiomm-Adr Soualdemokrai Berlin. Vorwarts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin Z7 586.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr SS. Dt.B.n.DiSc.-Ges., Depositenkasse, JerusalcmerStr.KS/KS. Einigung im Metattstreik. Arbeitsaufnahme zu alten Bedingungen.- Bindender Schiedsspruch. Die Verhandlungen im Rcichsarbeitsmlnisterium zur Beilegung des Konflikts in der Berliner vletallindustrie. die gestern unker Vorsitz des Reichsorbeilsministers Dr. Stcgerwald staklfanden, wurden in später Abendstunde mit folgender Vereinbarung zwischen den Parteien beendet: l. Die Arbeil wird sofort zu den allen Bedtaguu- g u n g e n wieder aufgenommen. Matzregelnngea aus Anlaß dieses Streikes finden nicht stall. 2. Die Entscheidung der im Schiedsspruch vom 10. Okto- der behandelten Fragen erfolgt durch Schiedsspruch einer Schlichlungsstelle. Sie besteht aus drei llnpartei- i scheu, die vom Reichsarbeiisminister nach Benehmen mit beiden Parteien ernannt werden. 3. Die Verhandlungen vor der Schlichlungsstelle sind möglichst bald zu beginnen. Die Entscheidung hat spätestens in der ersten Woche des November zu erfolgen und ist e a d- güllig. 4. Heute. Mittwoch, den 2g. Oktober, setzen sich die Betriebsräte mit den Firmen wegen der Wieder- aufnähme der Arbeit in Verbindung. Das Ergebnis des großen Abwehrkampfes der Berliner Metallarbeiter, das durch die vorstehende Vereinbarung fest- gelegt ist. bedeutet, daß der Schiedsspruch, der die Löhne um 8 bzw. 6 Prozent kürzt, weder verbindlich erklärt wird.nochzurDurchführung kommt. Dieser Erfolg des Abwehrkampfes ist um so höher zu be- werten, wenn man das leider immer noch ungenügende Or- ganiifationsverhällnis in Berlin in Betracht zieht. Dank der entschlossenen und geschickten Führung durch den Deutschen Metallarbeiter-Berband ist es trotz des hartnäckigen Wider- standes der Berliner Metallindustriellen gelungen, den An» schlag auf die Löhne, die nach dem Willen des Verbandes der Berliner Metallmdustriellen um 15 Proz. gekürzt werden sollten, abzuwehren. Der Kampf der Berliner Metallarbeiter hat darüber hinaus eine große Bedeutung. Er hat aufgezeigt, daß trotz der fürchterlichen Krise, trotz der ungeheuren Arbeitslosigkeit, trotz der Quertreibereien der Kommunisten und der unsicheren Haltung der Wirtschaftsfriedlichen es möglich ist, die gesamte Arbeiterschaft in den Kampf zu führen. Die Tatsache, daß 130 0cht.) Die neue Hetzrede Mussolinis scheint die künstlich ge- pflegte Langmut Frankreichs erschöpft zu haben. In Parlament«- rischen Kreisen oerlautet, der Ministerpräsident Tardieu beab- sichtige, die außenpolitische Debatte in der Kammer zum Beginn der Herbsttagung dazu zu benutzen, um Mussolini die notwendig« A n t- wort zu erteilen. Selbst die sonst mit dem Faschismus stark lieb- äugelnde Rechtspresse ist jetzt entrüstet. So erklärt das „Echo de Paris", dessen Außenpolitiker Pertinax bisher immer die Versöhnung zwischen den beiden lateinisch«,, Schwestern- Nationen gepredigt hat, daß sich ein„w a h r e r A b g r u n d" zwischen Rom und Paris aufgctan habe, den selbst die geschickteste Diplomatie nicht ohne weiteres überbrücken könne. Trotzdem ist man aber aerode im Lager der Rechten bereit, Mussolini mildernde Umstände zuzubilligen, weil die von ihm bei den Pariser Großbanken erbeten« K r« d i t h i l s e an dem Veto der französischen Regierung g e- scheitert sst. Im Lager der Linken befürchtet man vor allem die mög- lichen Rückwirkungen, die die Hetze Mussolinis bei seinen Anbotern in den nationalistischen Kreisen D e u t s ch l a n d.s haben könne. Man ist besorgt, daß Sie Hitler,- 5)ug«nberg- und Stahl- helmlsute jetzt wieder Mut schöpfen und in dem Wähne einer Unter- siützung Mussolinis zu neuen Taten schreiton könnten. Di« bürger- lichen Linksblätter beschränken sich dieser Gefahr gegenüber meistens auf den Ausdruck der Hoffnung, daß es der Sozialdemokratie und den übrigen Republikanern Deutschlands auch diesmal wieder ge- lingen werde, der nationalistischen Well« einen Damm entgegen- .zusetzen. Nur die radikale„Re publique" Daladiers hat den Mut, zu erklären, daß Frankreichs allzu konservative Außenpolitik an der Hochflut des Faschismus«ine starke Mitschuld trage, und daß daher Frankreich die Initiativ« er- greifen müsse, um dieser Gefahr zu begegnen. Dar allem müsse sich Frankreich an die Spitze der Bewegung für die A b r ü st u n g und für die Revision der unhaltbar gewordenen Friedensverträge stellen, wenn es der faschistischen Hetze den Wind aus den Segeln nehmen wolle.(Wir unterschreiben jedes Wort dieser Aeuß«, rung der„Republique". Rur wenn Frankreich seine bisherig« Haltung in der Frage der Bertragsreoision und der Abrüstung gründlich ändert, wird. es erwarten können, daß der Kampf der deutschen Sozialdemokratie gegen den nationalistischen Faschismus zum Ziele führt. Red. d.„V.".) Siarhemberq schaltet Schober aus. Die Demission des Polizei- Vizepräsidenten Dr. P a m e r ist noch gestern angenommen worden, t«r Nachfolger Brandl wurde ohne Befragen des beurlaubten Polizeipräsidenten Schober ernannt. Weiter« Pensionierungen durften folgen. Die Redaktion des Braunschweiger„Volksfreond" hat gegen die eiusiweilige Verfügung, die der Kazlmlnlsker Franz eu gegen sie erwirkt hat, Einspruch erhoben. lieber diese Verfügung wird am S. Ztoaembcr 1SZ0 vor dem Landgericht Braunschweig öffentlich ver- Handell. Das persönliche Erscheinen von Franzen ist an- geordvet. pic sozialdemokratische Zvierpellation über den Fall Frauzeu wird am 30. Oktober im B raunschweigischen Landtag verhandelt werden. »> Die Rechtspresse hat bisher den Fall Franzen in pein- iichster Verlegenheit totzuschweigen versucht. Nach der Be- kanntgahe der offiziellen Einsetzung eines Strafverfahrens und nach der Ankündigung des Reichsinnenministers ist die Rechtspresse gezwungen, das Schweigen zu brechen. Nun hört man plötzlich, es handle sich nur um eine per- s ö n l i ch c Angelegenheit des Ministers, um Irrtum und Uebertreibuna. Alle Mittel der Vertuschung werden ver- sucht— von ver Hu g e n b e r g- P r e ss e bis zur„K r e u z- Z e i t u n g". Diese Parteinahme der konservativen Presse für Franzen hat auch ihr Gutes. Man weiß nun, was man dort unter der gerühmten a l t p r e u ß i s ch e n Be- amtenkorrektheit versteht! Herr Franzen hat nicht nur inkorrekt gehandelt, er hat sich vielmehr gerade des- jenigen Vergehens schuldig gemacht, das das Gegenteil von Beamtenkorrektheit ist. Trotzdem wird er gedeckt, trotzdem soll sein Fall vertuscht werden. Die Liebe zum Hakenkreuz ist in der Rechtspresse größer als die Rücksicht auf Konsequenz! Von der preußischen Korrektheit redet man nur, wenn es gilt, Sozialdemokraten zu verleumden, wenn es aber unl die Verfehlungen von Rechtspolitikern geht, läßt man alle Rücksicht auf die Korrekt- heit beiseite. Um so nötiger ist es, diesen Herrschaften wirkliche Korrektheit beizubringen! Große Worte der Nationalsozialisten. Braunschweig. 28. Oktober.(Eigenbericht.» Die Braunschweiger Naziregicrung betrachtet, wie ihr amtliches Organ heute abend verkündet, das Schreiben des Reichsinnen- Ministers Wirth als eine Einmischung in«ine rein per- sönlich« Angelegenheit des Ministers Dr. Franzen. wodurch das Dertausnsoerhältnis zwischen den Ländern und dem Reich auf das allsrfchwerst« erschüttert werde. Das diktatorische Auftreten des Reichsinnenministers fei eine Verletzung der Würde des braunschweigifchen Landes, für dessen Selbständigkeit einzig und allein die Partei Dr. Franzens eintrete. Die Antwort des braunschweigifchen Staatsminisderiums, die noch beraten werde. würde eine Zurückweisung der Einmischung des Reiches in die Angelegenheit Dr. Franzens darstellen. Die mehr volksparteilich schillernden„Braunschweigifchen Neuesten Nachrichten" legen Dr. Franzen nahe, von sich aus auf die Immunität zu verzichten. Der Braunschweigische Landtag tritt am Mittwoch zusammen. Er wird in dieser Sitzung lediglich eine Regieru.ngs- e r k l ä r u n g entgegennehmen, die Aussprache über den Fall Franzen erfolgt erst am Donnerstag. Er wackett! Braunschweig, 28. Oktober.(TU.f Die von dem Reichsinnenministec Dr. Wirth Ins Auge aefaßle Sperre der Bolizeikostenzuschüsse an dos Land Braunschweig würde einen Betrag von jährlich 1 289 000 211. ausmachen. Zm Kabinett ist man sich darüber einig, daß man im Falle einer Sperre dleser Gelder durch das Reich entschiedenen Ein- spruch erheben werde. 3n weiten, der Regierung nahestehenden Kreisen ist man überzeugt, daß Braunschweigs Regierung und Land nicht dafür bestraft werden könnten, daß etwa ein Minifker nicht korrekt gehandelt habe. Trotzdem hat die Entwicklung, btc die Angelegenheit ln den letzten Tagen genommen ha«, nicht dazu beigetragen. die Stellung des Ministers Franzen zu festigen. Zn bürgerlichen politischen Kreisen sind st a r k c Sl r ö m U n- gen vorhanden, den Minister zu veranlassen, von seinem Amt zurückzutreten. Die Angelegenheit wird bis Mittwoch rnlschteden sein müssen, da dann der Landlag zur Entgegennahme der Regierungserklärung zusammentritt. Reumann- Goebbels- Theater. Große Vorstellung am Zriedrichshai«.- Heinz Neumann zweiter(Sieger. Die nördlich« Seite des Friedrichshains war gestern Front- unb Kampfgebiet. Fast 700.Schutzpolizeibeamten waren aufgeboten worden, um die Kommuntsteckr ürnd N atZonals ozi a- listen, die in den b«den.großen Sa leb am Friedrtchshain Per. sammlungen einberufen hatten, auseinanderzuhalten� Schon am Königstor begann die Absperrung. Die Straßenbahnen und Autobusse durften nicht hasten und die Straß« zum Fricdrichshain war polizeilich gesperrt. In den Prachtsälen am MS r ch« n- b r u n n e n tagten die Kommunisten. Der Saal war übe» füllt und die Polizei hatte ihn abgesperrt. Einige Kommandos der Schutzpolizei standen bereit, um Ausbrüche der kommmristischen Versainmlungsbesucher zu verhindern. Der größte Teil der Schutz- polizei war im Saalbau Fried richshoin postiert, weil es dort zum Kmch kommen tonnte. Die Nationalsozialisten hatten nämlich ursprünglich ihre Eintrittskarten wahllos verkauft, und so hatten bald mehr er« hundert Kommunisten Karten in den Händen. Als die Nazis das merkten, gaben sie Karten nur iwch an SA.-Leut« aus. Die Versammlung der Nationalsozialisten war mit etwa 1200 Ratio- nalsozialisten und 300 Kommunisten besetzt. Di« SA., die wieder ihre rote Annbinde trug, war rings an den Wänden im Saal postiert. Man hatte sogar noch eine Anzahl Parteimitglieder in die SA.- Abteilungen gesteckt, die trugen als besonderes Kennzeichen ihre Taschentücher um den Arm. Di« Versammlung begann zunächst mit dem Referat eines ehemaligen Kommunisten und I�utigen nationalsozialistischen Sturmtruppführers Cavrani, der den Kommunisten die intimen Geheimnisse ihrer Partei vorhielt. Das konnte der Redner um so besser, weil er heute noch von der Partcizentral« der KPD. die geheimsten Rundschreiben zugeschickt bekommt. Er verlas aus diesen sehr ergötzlich« Dinge, so u. a. eine Anordnung der SpD�Zentrale an ihre Mitglieder, rücksichtslos aus allen Leitungen die zu entfernen, die heute nicht mehr ganz sichxr wären. Der zweite Redner war ein Deutschbalte, der den Kom- munisten sehr ergötzliche Dinge über ihr Paradies Sowjetrußland vorlas. Er hatte sich außerdem zwef Stücke Brot aus Ruß- land mitgebracht, die er in der Berfammlung umherzeigtc. Das angebliche Weizenbrot war mit Maismehl durchmengt und schmeckte bitter. Zlus den kommunistische» Zeitungen der Sowjetunion verlas er danst die L e b e ns m i t t« l ra t i on e n, die der russische Arbeiter erhall. Das waren S00 Gramm Brot pro Tag und 50 Gramm Fleisch und olle Monate ein Pfund Butter. Heinz Neumann wird ausgelacht. Unter den 300-Äomn�tnisten, die im Saal« waren, saß auch Heinz N«uma nn. der„geistig« Führer" der KPD. Er sprach in der Diskussion. H«inz Nsumann wollt« den Beifall der SA. erhaschen, indem«r sie als Sozialisten bez«ichn«te. die doch eine ähnlich« Kampffront einnehmen wie«r. Er glaubte sich der Versammlung beliebl Machen zu können, indem er in den Saal rief: Wir Kommunisten kämpfen sür die nationale und soziale Befreiung Deutschlands, und damit müsse« eigentlich auch die Nationalsozialisten an unserer Sette stehen. Zuerst klatschte die Versammlung, als Herr Neumann aber immer wieder diese nationalen Töne anschlug und auf die An- schuldigungen gegen das Sowjetsysten, nicht antworten wollte, lacht« die Versammlung ihn bald au's. Als es mit der nationalen Befreiung nicht ging, glaubte Herr Neumann in dtefer Versammlung dadurch Beifäll zu erhaschen, daß er auf ,chl« blutrünstigeKänailleZörgiebel" schimpfte. Einen Satz weiter ober brüstst« er sich selbst damit, daß man in Rußland. Mehrere tausend McnlcheN an dt« Wo ni» �gestellt habe. Neumann' bettelte dünn'' die NcttionalsozÄistifche Partei onp sis 'möge"doch nicht immer gegen die Sdwfewnwn Hetzen, sondern einmal gegen den bösen Feind F rank reich'mä r> schieren. Auch seine Anbiederungen, die Sowjetunion habe doch eine R o t e Arm e e, die man zum Befreiungskampf zur Ver- fügung stellen könne, zog nicht mehr. Als Neumann allzuviel von Tanks, von kampfbereiten Fliegertruppen sprach, wurde ihm aus der Dersemtmlung N i c wieder Krieg! zugerufen. Darauf erwidert« er,„Nie wieder Ktieg" habe nur die■c.PD. gerufen. Zum Schluß betteUe Herr Neumann um d i e Einstellung des„Bruderkrieges". Goebbels schwielige Jaust. Dr. Goebbels sprach zum Schluß und hielt Herrn Neumann vor, daß er wohl noch nie so zahm gesprochen habe wie heute. Man sei sonst von Neumann schärfere Töne gewohnt, aber das läge wohl daran, daß diesmal die Nazis in der Mehrheit und die Koiumu- nisten in der Minderheit wären. Dr. Goebbels beschwerte sich be- sonders darüber, daß er immer als Bourgeois angesprochen werde. Als darüber diskutiert worden sei, ob die Nationalsozialisten in die Regierung gehen sollten ui»d als dabei erörtert worden sei, wer denn nun Minister sein sollte, da hätte sein Name niemals unter den Titelanwärtern gestanden, da er zum Volk« stände. Dr. Goebbels wollte sich offenbar mit' semer rebellierenden SA. aussöhnen. Cr zeigte Heinz Neunzann, daß er sich ebensogut wie cr auf prinzipienlose Demagogie verstehe. Spielte Heinz Neumanii den nationalen Mann, so betrieb Herr Goebbels um so kräftiger Demagogie der schwieligen Faust. Als die Versammlung der Nationalisten geschlossen wurde, w»r- den die Polizeimannschosten wieder zum verstärkten Streifendienst eingesetzt._ Güdslawien und die Demokratie. Eine bemerkenswerte Ministerrebe. Die jugoslawischen Minister benutzen Inspektionsreisen zur Ab- Haltung von Bcrsammlungen, in denen sie zum Volk sprechen. Dos darf gegenwärtig nur die Regrerung. Bei einer solchen Gelegenheit sagte in Groß-Betschkerek, im früher ungarischen Gebiet, der J-u st iz- minister Dr. Srskitsch: „Es wäre verfehlt, wollte man den Parlamentarismus und Leute, die die Träger des Parlamentarismus im Staate ge- wsferr filib, mit Kot bewerfen, damit würden w i r u n s selbst verleugnen. Das Hebel lag in den ungsziigelken Auseinander-' setzunqen der Parteien, wodurch schwere Reibungen entständen. Das Regime muß fein« großen Aufgaben bis z» Ende durch- führen. Das Januar- Manifest bezeichnet diesen Zustand als ein U e b e rg a ng s fta di u m. Daruber herrscht kein Zweifel. Diese» System ist nicht unser Ziel, sondern nur ein Mittel zur Gesundimq des Staatskörpers, um ihn von allen Krankheiten, die an ihm nagten, zu befreien, um dann die ri ch t i g c» n d wo h r c Demokratie herzustellen. Jedoch wird dieses System nicht weichen, solange sich die Regierung der großen- Aufgaben nicht entledigen wird, die sie sich gesetzt hat." Einstweilen wird aber, wie zum Beispiel der letzthin gemeldete Fall Pribitschewistch zeigt, in übelster Diktawrmanier regiert:: / Ginstem-Feier in London. &. V Shaw begrüßt den Ehrengast. Auf einem Londoner Bankett zu Ehren Albert Ein st eins am gestrigen Dienstagabend begrüßte der Dichter G. Shaw den Forscher. Der Rundfunk gab den Hören» im ganzen Reich und Deutfchösterreich Gelegenheit, die klassischen Witze des Iren einmal von ihm selbst sprechen zu hören, mit jugendfrischsr Stimme von dem Siebzigjährigen gesprochen. Da sprach G. B. etwa von dem großen Newton, der dabei doch seine Schwächen hatte und an Dinge glaubte, die heut« selbst ein intelligentes Kaninchen nicht mehr glauben würde, Newton habe das Weltall dargestellt alz«ine echt englische, klare und korrekte, wenn auch recht trocken« Sache. Als nun der Professor aus Mittelsuropa verkündete, daß i m Perihel um den Merkur herum etwas nicht stimme, da sagten die Astronomen, sie hätten das längst gewußt. Da fragten die Leute, warum sie das nicht gesagt hätten, erwiderten die Astronomen, sie hätten es schon gewußt, aber nicht sagen wollen. So ging das weiter bis zu der Erkenntnis, daß Newton zwar die Schwerkraft entdeckt, aber nicht erforscht habe. Am zu wissen. was in dem fallenden Apfel vorging, hätte Newton den Apfel fragen müssen. Einstein aber habe im Krankenhaus einen Arbeiter, der vom Gerüst gestürzt war, danach gefragt, ob ihn die Erde angezogen hätte.„Im Gegenteil", habe der Arbeiter gesagt,„sie Hot mich so kräftig abgestoßen, daß ich jetzt im Krankenhaus liegen muß." Und von da führte noch mancher echte Shaw-Sprung zu den besten Wünschen für des deutschen Forschers Leben und Werk. Einstein antwortet. Hierpuf nahm Prof. E i n st e i n, von der Versammlung lebhaft begrüßt, das Wort. Er erinnert an die Bande, die die jüdische Gemeinschaft, die die Gemeinschaft eines kleinen, über all« Länder zerstreuten Volkes, zusammenhält. Die Tradition der Jahrhundert«, die es den Segen des Leides erfahren ließ, hat in ihm die Gerech- tigkeit und die Vernunft zu Leitzielen entwickelt. Einstein erinnert an Spinoza und Marx, die in neuerer Zeit aus gleichem Geiste er- wachsen sind. In alten Völkern sind den Unterdrückten von den Besten Verständnis und Hilfe geworden. Und gerade jetzt brauchen sie si« mehr denn je. Indem er sich hierauf Shaw zuwandte, feierte er ihn auch als einen Schöpfer, der eine ganze Welt graziöser Figuren aus seiner Zauberschachtel holte, die nicht ganz den Men- sehen glichen, aber die Gabe hatten, in sie hineinzufchlüpfen und zu verwandeln. Einstein schloß mit Dankesworten an Shaw und feine englischen Freunde. Die Berliner Opernsrage. Die Stellung des Kultusministeriums. Das Preußische Kultusministerium erklärt:„Der mehrfach an- gesuhne Brief des Kultusministers an den Magistrat lautet: Im � Schreiben vom 13. Mai ,1927 habe ich mich damit einverstanden er- klart, daß Herr Generalintendant Tietjen seine Tätigkeit an der Spitze der Städtischen Oper bis längstens 1. August 1939 fortsetzt. In meinem Schreiben vom 19. Februar 1929 habe ich mir darauf hinzuweisen erlaubt, daß ich eimr Verlängerung dieser Tätigkeit über, den 1. August 1939 nicht zuzustimmen vermag. An diesem Standpunkt müßte ich nach Lage der Dinge auch gegenüber einem etwaigen erneuten Antrage der Stadt auf Verlängerung der Ge- nehmigung festhalten. Ich wäre für sin« baldige Stellungnahme des Magistrats lsterzu..pnd. M der. Frage des Fortbestehens blfy übrigen sachlichen Teile der Ärbsitsgemeinschaft dankbar.- Wenn in der Verlautbarung des Städtischen Pressedienstes von Vereinbarungen des Oberbürgermeisters mit dem Kultusminister aus dem vorigen Jahre die Rede ist, so kann es sich dabei nur um unver- bindliche Vorbesprechungen gehandelt hoben. Es ist dabei geblkbben, daß der Kultusminister der Beschäftigung des Herrn Tietjen an der Städtischen Oper nur bis zum 1. August 1939 zustimmte. Weiteren Bindungen, erklärte der Kulwsminister im Schreiben vom 19. Februar 1929, könne er schon mit Rücksicht daraus, daß sich die Entwicklung der Opernverhältnisse in Berlin zurzeit nicht übersehen ließe, zu seinem lebhasten Bedauern nicht zustimmen. Auch der Der- trag zwischen der Städtischen Oper und dem Generalintendanten Tietjen ist mit dem entsprechenden Vorbehalt abgeschlossen worden. Der wesentliche Grund, der den Kultusminister veranlaßt, an dem seinerzeit eingenommenen Standpunkt auch jetzt festzuhalten, liegt in der Tatsache, daß der Generalintendant Tietjen bereits durch feine ftacalichen Aufgaben im lieb ermaß in Anspruch genommen ist, nach- dem er mit der Führung aller preußischen Staatstheater in Berlin, Wiesbaden, Kussel und dem entsprechenden Referat im Kultus- Ministerium betraut worden ist." Wie wir in: gestrigen Morgorrblatt bereits darlegten, ist die Frage des gemeinsamen Intendanten und ein Teil des gesamten Problems und kann nur im Zusammenhang mit diesem gelöst werden. Die pädagogische Akademie in Köpenick. Endlich eine konfessionell nicht gebundene Akademie. Die protestantische, Rechtspresse hat«inen heftigen Kampf gegen das preußische Staatsministerium eröffnet, weil es in seiner letzten Sitzung beschlossen hat, endlich auch«ine Lehrerakademie zu gründen, an der die konfessionell nicht gebundenen Be- v ölk e run g s k r ei s e ein Interesse haben. Es wird bei«diesen Angriffen geflissentlich verschwiegen, daß gegenwärtig in Preußen 1Z pädagogische Akademien bestehen, aber kein« einzige vpn ihnen der Ausbildung konfessionell nicht gebundener Lehrer dient. Nur eine einzige Akademie, die in Frankfurt a. M., ist für die beiden. christlichen Konfessionen bestimmt, während die übrigen 14 streng konfessionell gebunden sind. Von ihnen sind nur zwei katholisch, die in Bonn und Beuthsn, weil die Zahl der noch unterzubringenden katholischen Schulamtsbewerber sehr viel größer ist als die Zahl der evangelischen. Wenn das preußische Staatsministeriwn jetzt befchlossen Hot, daß wenigstens«in« weltliche Akademie, und zwar in Köpenick, er- richtet werden soll, so wird damit nur ein Teil des Unrechts wieder auszeglichen, das darin besteht, daß die große Mass« der konsefsionel nicht gebundenen Arbeiter und Angestellten bisher nicht die Möglich- keit hatten, die Begabtesten ihrer Söhn« und Töchter in Preußen auf einer konfssiionell nicht gebundenen Akademie zu Volksfchul- 'ehrern ausbilden zu lasten. Di« neue Akademie in Köpenick soll dem Rechnung tragen. Es sollen Studierende jeder Richtung in ihr aufgenommen werden. Damit würde in Preußen endlich ein Anfang damit gemacht, daß die tralutionellen konfestionellen Gegen- fätze zugunsten einer gemeinschaftlichen Erziehung im Sinne«des deutschen Volkstums und der Völkerversöhnung, wie es in der Reichsverfastunz heißt, zurückgedrängt weisen. Hürdenrennen nach Kränzen. F>>u.Is Ausred e n Jnnniinilät Kränzen:„Ogotiogott, zwei Hürden hat der Staatsanwalt schon genommen, wenn er auch über die dritte kommt, bin ich perdüh!" Die Grubenherren verantwortlich? Stellungnahme der Bergbauangestellten zu den Grubenkatastrophen. Auch t« England steigt die Well«. Di« englisch« Arbeitslosigkeit yt auf 2 200 000 Personen gestiegen. Am 2S. und 26. Oktober tagte in Berlin eine Reichstonfe- renz der technischen Bergbäuan gestellten im Bund der technischen Angestellten und Beamten(Butob), zu der aus allen deutschen Bergbaübezirken einschließlich des Soärgebietes Vertreter erschienen waren. Ehrend wurde der vielen Todesopfer von Alsdorf gedacht. Während der ernsten Beratungen traf die Mel- dung von dem neuen schweren Unglück, der Schlagwetterexplosion auf Grube M a y b a ch, ein. Als Ergebnis der«ingehenden Be- ratung der Delegierten— überwiegend praktisch tätige Steiger, Fahr- und Obersteiger aus dem Steinkohlenbergbau— wurden in der nachstehenden Entschließung, die einstimmig zur Annahme, ge-. langte, die Forderungen des Butab zur Grubensicherheitsfrage zu« fammengefaßt: „Die entsetzenerregende Häufung großer Grubenkatastrophen, — Neurode, Alsdorf undJKaybach—, ist eine eurdcinglich« Mahnung an die Otlch�''ui�''pr«>Wche'-Sl«a»r«ler»NH»'Saarr«gi«rung sowich gesetzgebenden Körperschaften, nunmehr endlich cnergijchc Maßnahmen zur Erhöhung der Grubensicherheit zu ergreifen. Uebcr 500 Bergleute sind allein den letzten drei Schlägen zum Opfer gefallen. Noch größer ist die Zahl dsr Todesopfer infolge der täglichen kleineren Unglücke: dazu kommt die un- geheuer große� Zahl von jährlich 130.000 Unfallverletzten. Das furchtbare Wort: der Bergmann trägt ständig sein Totenhemd, ist mehr denn je bittere Wahrheit geworden. Die vielen Massenunglücke und die hohe Unsallziffer lasten sich durch die natürlichen Gefahren des bergbaulichen Betriebes allein weder erklären noch entschuldigen, andere Gründe haben in stärkstem Maße mitgewirkt. Die Hauptursache liegt in dem heutigen Betriebssystem im Bergbau.» Das überaus schnelle Arbeitstempo, der Kamps ums tägliche Brot und die Furcht vor Entlassung zwingen den Bergmann, die Sicherheitsvorschriften zu vernachlässigen. Die technischen Angestellten stehen unter dem gleichen Druck: ohne Rücksicht auf ihre wichtigen Aufgaben für die Grubcnsicherheit werden sie vom Arbeilgeber zur Steigerung der Förderung ange- trieben. Hierdurch werden zwar Höchstleistungen erzielt, aber gleich- zeitig in unerhörtem Maße die B e t r i c b s g e s a h r e n g«- steigert. Die Reichskonfercnz der technischen Bergbaiiangestclltcn im Butab erhebt Anklage gegen dieses verderbenbriogende Arbeitssystem und fordert mit aller Entschiedenheit seine Beseitigung. Der hohe Stand der Technik und der Wissenschaft ermöglicht un- zwcisclhost die Verschließung zahlreicher Gefahrenquellen und damit die Verhütung vieler Unglücke und Unfälle. Notwendig ist vor allem, daß im Gegensatz zu heute die Sicherung der Grubenbaue und die Sorge um das Leben des Bergmannes über das Gewinnstreben der Unternehmer gestellt werden. Sicherheit zuerst, mutz endlich oberster Grundsatz des Arbeitsschutzes im Bergbau werden, auch gegen den Widerstand der Unternehmer. Die Reichskanfercnz fordert ferner erneut eine Verschärfung und Erweiterung der behördlichen Grubcukontrolle. Mit Entrüstung erhebt sie Einspruch gegen die von der Staatsrcgic- rung angeordnete Kürzung der Ausgaben für. die Bergaufsicht und die Verminderung der Zahl der staallichen Bergrevierinfpsktoren. Wo, wie im Bergbau, Menschenleben ständig in HSchsier Gefahr sind, darf der behördliche Sontrollapparat nicht eingeschränkt, so«. dern muh erweitert werden. Bon den weiteren durch den Butab schon seit langem vorge. schlagen?»' Mahnahmen zur Erhöhung der Sicherheit muß tnsbe- sondere die Frage der,. Verantwortlichkeit für die Belriebsführnng vordringlich einer grundlegenden gesetzlichen Neuregelung entgegen- geführt werden. Hierbei müsten die technischen Angestellten(Gruben- auffichtxpersonen) nr ihrem Arbeitsverhältnis einen besonderen Schutz erholten, damit sie ihre wichtigen Aufgaben auf dem Ge- biete der Grubcnsicherheit ohne dauernde Sorge um ihre Stelluno erfüllen können. Ferner ist dem Bergwerksbesitzer eine seiner Direktionsgewalt entsprechende strafrechtlich« Verantwortung für die Einhaltung der gesetzlichen und bergpolizeilichen Sicherheit,- oorschristen aufzuerlegen. Es ist ein unhaltbarer Zustand, daß der Bergwerksuntemehmer und seine Stellvertreter, abgleich sie die höchste An o r dn u n g s 6 e fug n i s im Betriebe haben und die Arbeitsweise entscheidend bestimmen, nach den geltenden gesetz- lichen Borschriften von der strafrechtlichen Verantwortung für Unglücksfälle fast gänzlich befre.it sind. Die Reichskonfsrenz betont schließlich erneut die Notwendigkeit, in dem zu schaffenden Bergarbeitsgefetz dem erhöhten Schutzbedürfnis der Arbeitnehmer im Bergbau Rechnung zu lragen und die Abänderungsvorschläge der Gewerkschaften in den vor- liegenden Entwurf hineinzuarbeiten." Ein Brief an den Staatsanwali. �,'--W Aachen, P. Oktober.(Eigenbericht.) "• 5H rv östrV mikt' �«zfH batrin'dustriearbeiter Deutschlands,, Ortsverwaltung Aachen, hat an die Staats- anwalifchäst ein Schreiben gerichtet, in dem darum gebeten wird, die angestellten Zeugeiwernehmungen nicht nur auf die sich in den Krankenhäusern hefindlichen Verletzten zu beschränken, sondern in erster Linie unter ihrem Eid die Mitglieder der Direk- tion, der Werks- und Betriebsleitung, der ver- schiede nften Steiger, ferner die sonstigen Aufsichtspersonen unter und über Tage sowie alle die Personen zu vernehmen, die eventuell aüf die nachfolgenden Fragen Antwort geben können, insbesondere die Mitglieder des Betriebs- und A r b e i t c r r a t s. Die Fragen sind folgende: 1. Befand sich am oder in der Nähe des llnglücksschachtes über Tage oder im Verwaltungsgebäude ein Baum, in dem Sprengstoff, wenn auch nur vorübergehend, aufbcwahrl worden ist?' 2. Sind Kurzschlüsse mit Funken- oder Tichtbogcn- erscheinungen an den elektrischen Licht- und Kraststromleitungen, an den Verbindungen. Schallern oder anderen Stellen beobachtet worden? wenn ja, wurde der Bergbehörde Meldung erstattet? 3. Sie Brände der De nzolloko Motiven beobachtet worden? wenn ja, wie oft? In welchem Ilmfange? wie wurden diese gelöscht? wurde der Bergbehörde Meldung erstattet? 4. Ist über Tage an verbotenen Stellen mit Schweiß. apparalen und S chne i d e b r e n n c r n gearbeitet worden? 5. 3st in der Nähe des Schachtes oder im Schachte oder in der Grube mit Schweihapparaten und Schneidebrcnncrn gearbeitet worden? Im Wurmremer sind im Anschluß an das Alsdorfer Unglück wilde Streiks ausgebrochen, die von den K omni un ist rn veranlaßt worden sind. Sowohl die freien Gewerkschaften als auch di« christlichen Gewerkschaften lehnen die Beteiligung an diestn Aktionen ab, di« nicht, gewerkschaftlichen Charakter tragen, sondern allein dem kommunistischen A g ita t i o n s b e d 2 r f n i s dienen. Di« Streiks find ein Fe HI schlag. Auf den Haupt- sächlich betroffenen Gruben Karolus Magnus und Karl Alexander sind 85 Prozent der Belegschaft«ingefahren. Aus der Grube Karolus. Magnus kam es zu Zusammenstößen zwischen Streikenden ünd der Polizei. Dabei griff ein Demonstrant nach der Pistole eines Polizisten und versuchte, sie ihm zu entreißen. Bei dem Hin- und Hcrzerren der Waffe entlud sich diese und der Schuh traf von der Wand abprallend einen anderen Bergmann in den Unterleib. Der Mann wurde sofort dem Knappschaftskronken- haus zugeführt. Die Verletzung ist nicht lebensgefährlich. In Alsdorf wurde am Montag noch ein S t e ig er tot ZU Tage gefördert. Zwei Verletzt« sind im Krankenhaus gestorben, so daß die Zahl der Opfer jetzt 265 beträgt. Hakmkreuzjchwindel gcplaht. Die polizeilichen Ermittlungen über: die Behauptung., bei„Deutschen Zeitung", wonach an den Demonstrationen in der Leipziger Straße am Tage der Reichstags eröffnung Angehörige der Polnischen Gesandtschaft oder des P o l n i s ch e n. Konsulats teilgenommen hätten,. sind jetzt abgeschlossen. Sie haben ein bolkkommen negatives Er g e b n i s gehabt./ Der putschlüsterne finnische Generalstabeches wallonius ist end- gültig verabschiedet. Es ist festgestellt, daß der Befehl, zur Entführung des früheren Staatspräsidenten Stahlberg aus dem Generalstab gegeben war und daß ein Plan zur Befreiung Wal- lonius«ms der Hast bestanden Hab Die oberen Zehntausend. Was die Berliner Gteuerstaiistik enlhütli. ' Uobcr di« Einzelheiten der Steueraufkommen wird von den Behörden und Finanzämtern ein peinliches Stillschweigen bewahrt. Der Magistrat hat aber jetzt einmal den Schleier etwas gc- lüftet und in der Begründung feiner Vorlage über die Ein- führung der B ü r g e r ft e u e r allerlei verraten, was intcr- cffantc Aufschlüsse über die Einkommensverhältnissc der Berliner Bevölkerung geben kann. Der Kreis für die Steuerpflichtigen für die Bürgersteuer ist so weit gezogen, daß er über drei Millionen der Berliner Steuerzahler um- faßt, von denen aber nur 1 234 WX> vollstcucrpflichtig sind, während die anderen«inkoinmensteliersrei oder als Ehefrauen nur zur Hälfte zur Bürgcrsteuer herangezogen werden sollen. Dieser Personenkreis soll rechnerisch in jedem Jahre annähernd l 3 M i l l i o n e n B ll r- g e r st c>: e r aufbringen. Bei Einkommen über 8000 Mk. sollen dann erhöhte Steuersätze berechnet werden, und hier verrät uns der Magistrat einmal genau die Zahl der gliictlichen Berliner, die min- bestens 8000 Mk. Jahreseinkommen aufweisen können. Es sind von den 4,3 Millionen Einwohnern Berlins genau 45 953. Die Mehrzahl von ihnen, nämlich 38 359, verfügen über das vielen Berlinern immerhin schon phantastische Einkommen von 8000 bis 25 000 Mk. Darüber hinaus beginm dann aber erst der K r e i s d e r o b e r st c n Steuer 5 chn tau send. 5349 Berliner Einwohner haben ein jährliches Einkommen von 25 000 bis 50 000 Mk., 1006 ein solches von 50000 bis lOOllOO Mk. Dann aber kommt die Schicht der „a ll e r ob e r st c n Tausend"— nämlich 436, die ein Jahres- einkonmten von 100 000 bis 200 000 Mk. verdienen. Diesen wenigen Einkommcnskrösussen gegenüber steht die große Masse der Erwerbstätigen, deren Durchschnittseinkommen bei 80 Proz. nicht einmal die 2400-Marr-Grenze crreickit. Diese große Mass« der Berliner Steuerzahler soll bei der vorgeschlagenen Bürgersteuer in jedem Jahre rund 13 Millionen Mark ausbringen, während die 45 953 Berliner„Schweroerdiencr" mit ihrem hohen Einkommen nur mit hmpp einer Million Mark an dem Steueraufkomnicn der Bürger- steuer beteiligt sind. Berlin mit Kohlen eingedeckt. Bisher �03000000 Zentner in Berlin eingeführt. Mit dem Wiedereintritt der kälteren Jahreszeit begegnet die Frage der Bersorgung der Reichshauptstadt mit l/inreichenden Brenn- stoffoorräten erhöhtem Interesse. Roch den Zusammenstellungen des R e i ch s k o m m i s s o r s für die Kohlenvertcilung und der Reichsbahn- direktion Berlin belief sich die Gesamtmenge der im Laufe dieses Jahres von Januar bis Ende September nach Berlin ge- führten Kohlemnengen aller Art— ohne Eisenbahndienstkohlen— auf 5150 000 Tonnen gleich 103 Millionen Zentner. Wenn auch die Quantitäten nicht an die in der gleichen Zeit des vergangeneu Jahres nach Berlin transportierten Kahlenmengen— 6 229 090 Tonnen— heranreichen, so darf doch andererseits nicht außer acht gclasscu werden, daß infolge des milden Winters 1 929/30 noch hinreichende Reserven in den Niederlagen der KahlcnhaudUWgcn vorhanden waren. Einschließlich dieser Lagerbeständc dürfte daher die Zufuhr im Laufe dieses Jahres vollständig ausreichen, um die Kohlen- Versorgung der Biermillionenstodt selbst bei plötzlich auftretender und anhallender Kälte sicherzustellen. Dem außerordentlichen Brcnnstoffbedorf der Berliner Industrie dienen in erster Linie die. bedeutenden Lieferungen von Stein- kohle einschließlich Steinkohle nbriketts und Koks, die mit 3,59 Millionen Tonnen rund 69,5 Proz. des diesjährigen Ge- jamteingangs ausmachen, während die restlichen 1,57 Millionen Tonnen oder 30,5 Proz Braunkohlen und Braunkohlen- brikett� als Hausbrandkohle Verwendung finden. Bon den bisher eingegangenen Kohlenlieferungen gelangten 1,83 Millionen Tonnen hauptsächlich ob e r s ch l e s i s ch e, w e st- f äl i schc und e n g l i j ch e.Steinkohlen per Schiff nach Berlin, während der Houptanteil der Kohlentransporte— vor ollen Dingen der Bedarf an Braunkohlen und Braunkohlenbriketts— fast aus- lchlichlich auf die Eisenbahn entfällt, die im Verlause von drei Viertel- jähren 3.33 Millionen Tonnen Kohl« zur Reichshauptstadt beförderte. Die englische Thronrede. Die Soziaipolilik der Arbeiterregierung. London, 28. Oktober.(Eigenbericht.) Menschcnmassen mnsämnten am Dünstag mittag die Straßen. als der König unter Entfaltung des hergebrachten Pomps m der goldenen Staatskarosse— von acht Pferden gezogen— nach West- minster fuhr zur Eröffnung der neuen Parlaments- s e s s i o n. Nachdem sich der gesamte Hofstaat, die Lords, die in- ländischen und ausländischen'Würdentrögcr und die Ministerpräst- deuten der Dominien im Oberhaus versammelt hatten und zum Schluß der Hof eingetroffen war, mußten sich die Würdenträger zum verschlossenen Tor des Unterhauses begeben, wo die Ab- geordneten und die Regierung tagten. Dreimal forderten, wie es fett der englischen Revolution unumgänglicher Brauch ist, die Ab- gesandten der Krone vor der verschlossenen Tür Einlaß, um dann, als sie geöffnet wurde, zu oerkünden, der König bitte die Regie- rung und die Abgeordneten zur Entgegennahme einer Botschaft. Erst hierauf begaben sich Premierminister Macdonold und Baldwin als Führer der Opposition, zum Oberhaus, beglellet vom Sprecher des Unterhauses und den Mitgliedern des Kabinetts. Diese marim zum größten Teil im S t r a h e n a n z u g erschienen, einig« Mimstcr trugen die rote Nelke im Kuopsloch. So traten sie in den von mittelalierlicher Prallst erfüllten Thronsaol, wo der König und die Königin saßen urfd wart ei en, geschmückt mit Krone und Hermelin und unigcben von den Pagen und Würdenträgern. Erst als di« Regierung eingetreten war, konnte sich der König er- heben, um die Thronrede zu verlesen. Das ist ein überwältigendes Symbol für die Macht des Volkes und der englischen Demokratie, ein Symbol, das diesmal doppelt unter- strichen wurde, da der König zum erstenmal vor einer Arbeiter- rcgierung stand, die diese Thronrede versoßk und in ihr ihren Millen und ihre Macht niedergelegt hat. Die Thronrede handelt zuerst von der Reichskonfcrcnz und der bevorstehenden Verhandlung mit Vertretern der Fürsten und Völker Indiens. Nach einem Rückblick auf die Zlußenpolitik und die Abrüstungsbestrebungen kommt die Thronrede zu der schweren Arbeitslosigkeit und der wirtschaftlichen Depression. Dazu wird gesagt: Meine Regierung wird in ihren Bemühungen ver- harren, den Innen-, Reichs- und Außenhandel zu entwickeln und auszudehnen und bei Maßnahmen mitzuhelfen, die zu einer größeren Leistungsfähigkeit in der Industrie führen werden. Nach Erwähnung bevorstehender Vorschläge für die Förderung des Erwerbs in der Landwirtschaft und der Absicht der sofortigen Errichtung einer Kommission zur Untersuchung der gesamten Frage der Arbeitslosenversicherung. insbesondere ihres angeblichen Mißbrauchs. sowie einer Maßnahme zur Gewährung weiterer finanzieller V o r- sorg« für Arbeitslos enfonds kündigt die Thronrede Vor- schlüge für di« Erhöhung des schulpflichtigen Alters, für die Aenderung des Gesetzes über die Gewerkschaften und vor allem der W a h l r e f o r m an. Im Unterhaus wurde die Thronrede am Nachnnttag ver- lesen und viel bemerkt wurde ii?iter den Zuhörern der gerade aus Deutschland angekommene Albert Einstein. Dem Her- kommen entsprechend erhielt zunächst Baldwin das Wort. Im Namen der konservativen Partei bat er den Ministerrpäsidenten mn E r- gänzungen zur Thronrede. Unter anderem will er wissen, ob die Regierung ihr letztes Wort in der P a l ä st i n f r a g e desprochen habe. Baldwin vermißt auch die Erwähnung von O st a f r i k a in der Thronrede, und im weiteren Verlauf seiner Rede Zählt er alle wirtschastlichen und politischen Wünsche seiner Partei aus. Besonders unzufrieden sind die Konservativen mit der angekündigten Wahl- r e f o r m: daß die Regierung gegenüber den konservativen Zoll- fcrderungen stumm und taub bleibt, mißfällt dem konservativen Führer doppelt und dreifach. Oer Inhalt der Vorschläge. Die Landbcsicdlnngsvorlage wird die Möglichkeit geben, Arbeiter aus den Städten nach dem Lande zu überführen und sie so auszustatten, daß sie ihren Lebensunterhalt ver- dienen können. Di« Gewerkschafts vorläge soll die Bestimmungen des liberalen Gewcrkschaftsgesetzes. die nach dem Generalstreik unter der konscrvaliveu Regierung abgeändert worden waren, wieder- herstellen. Hierbei wird Widerstand des Oberhauses erwartet. Poch ist die Regierung bereist nötigenfalls die Konsequenzen zu ziehen. Der Ärbeitsiosenunte�tützungssonds wird wahrscheinlich um 2 0 Millionen Pfund Sterling erhöht werden müssen. Militärgewott und Zivilgewatt. Ein Beispiel aus der englischen Geschichte. Ein Lehrer des Staatsrechts schreibt uns: Herr von Oldenburg-Janufchau sagt in seinem Brief an den Rcichswehrminister G r o c n e r:„Es ist untragbar, daß Ossiziere unter Berufung auf den Herrn Reichspräsidenten angesichts der Truppe durch Kriniinalbechute verhaftet werden." Dies sei ein Verstoß gegen die altpreußischc Tradition und ein Mißbrauch des Namens Hindenburg. Im Reichstage hat Herr von Oldenburg sich noch drastischer ausgedrückt. Er sagte, der militärische Befehlshaber hätte dem Vertreter der Zivilgeroalt einfach sagen müssen:„Machen Sic, daß Sie fortkommen." Es ist nicht ohne Jntcrcsic, hier eine Begebenheit anzuführen, die in der staatsrechtlichen Literatur Englands oft als Präzedenz- fall angerufen wird. Bor fast 200 Iahren, im Jahre 1744 fand eine kriegsgerichtliche Verhandlung gegen den Bizeadmiral L e st o ck statt. Der Präsident des Kriegsgerichts war der Konteradmiral Pcrry M a y n e. Während der Verhandlung erschien ein Ab- gesandter der zivilen Gerichtsbarkeit, der den Konteradmiral Mayne wegen einer gegen ihn erhobenen Anklage im Verhandlungs- s aal verhaftete. Die Beisitzer des Kriegsgerichts waren hier- über sehr ausgebracht und verfaßten«ine scharfe Erklärung gegen den Lord Obcrrichter Willes, die st« nebst einem Protest der Admiralität übermittelten. König war damals Georg II, der sich nur widerwillig in seine Rolle als konstitutioneller König fügte und sich in Himnooer, wo er Kurfürst war, viel wohler fühlt«. Der König beauftragte den Herzog von Newcastle, der Admiralität zu schreiben, er habe mit großem Mißsallen von der Beleidigung gehört, die dem Kriegsgericht zugefügt worden sei. Der Lord Ober- richter ließ sich aber auch durch den Brief des Königs nicht ein- schüchtern, sondern verfügte die sofortige Verhaftung sämtlicher Mitglieder des Kriegsgerichtes und die Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens gegen sie, weil sie die Würde und Autorität der zivilen Gerichtsbarkeit oerletzt hätten. Daraufhin unterwarfen sich die Offiziere und baten schriftlich um CntschuOigung, woraus das Verfahren gegen sie eingestellt wurde. Herr von Oldenburg wird über einen solcbcn Staatsgeist gewiß entsetzt sein. Immerhin hat sich die englische Marine wohl einigen Ruhm erworben, und dieser verabscheuungswllrdige Staatsgeist hat die Engländer dazu besähigt, ein Weltreich aufzubauen, während die dem Herrn von Oldenburg am Herzen liegende preußisch-militaristische Tradition das deutsche Volk in die furchtbarste Katastrophe ge- stürzt hat._ Die bulgarische Königshochzeit. Oer Weg zum Koschismu««. Sofia, 28. Oktober.(Eigenbericht.) In seinem Referat aus dem sozialdemokratischen Parteitag führte der Froktiansführer in der Sobranje Pastuchoff aus, der offene Faschismus fei durch die Heirat des Königs mit der italienischen Königstochter in bedrohliche Röhe gerückt. Mussolini, der sich seit Jahren um die Ausbreitung des faschistischen Imperialismus auf dem Balkan bemühe und bereits Albanien und Ungarn in seinen Fängen halte, würde jetzt mehr denn je oersuchen, Bulgarien zu einer weiteren Operationsbasts für feine verbrecherische Balkanpolitik zu machen. Hierbei finde er die Unterstützung jener bulgarischen Reaktionäre, die in einem Bündnis mit dem jäbelrasseliiden faschistischen Italien eine„besjere Zukunft" des Landes jähen. Die Lage der arbeitenden Bevölkerung sei unter dem Regime des sog. Demokratenblocks unerträglich geworden. Geschäfte mit der Dummheit. Hakenkreuzspekulation auf dieLnflatiousfurcht. Pvtboilers sind im amerikanischen Jargon die Leute, die„d e n Topf ani Kochen erhalten". Es hairdelt sich dabei nicht um Suppentöpfe, sondern um literarische Topfgerichte. Pot- bailers sind»Macher von Scnsationsbüchcrn, die einen Publikums- erfolg ausnützen bis zum äußersten. Sic lassen einem erfolgreichen Buch Dutzende von Büchern mit denselben Personen und ähnlicher Staffage nachsolgen. Das typischste Beispiel dafür, das auch in Deutschland bekannt ist, sind die Tarzan-Bände. Die Methode ist sehr primitiv. Am Ende des Buches wird die Spannung nicht gelöst, der Leser wird vielmehr auf die nachfolgenden Bände vertröstet. Derartige Potboilers haben sich im nationalsoziali st i- scheu Lager aufgctan. Sie vertreiben serienweise Schund- broschürcn, in denen Geschichte und Politik im Stile von Detektiv- ramanen dargetan wird. Da wird geheimnisvoll dargelegt, daß „das politische Geschehen der letzten Zeit willkürlich herbeigeführt worden sei, und zwar von sich im Dunkeln haltenden M ächten". Interessiert sich der primitive Leser dafür, wer diese sich im Dunkeln haltenden Mächte sind, so wird er auf eine demnächst erscheinende weitere Broschüre hingewiesen. Einer dieser Potboilers nennt sich P. Hochmuth. Er hat das Material der Hitler-Hugenbergschen Bolksbegehrens-Propaganda in eine Broschüre verwurstell, die er nun unter dem Titel„Die kommende In- f l a t i o n" vertreibt. In diesem ersten Machwerk verweist er daraus, daß er für jeden einzelnen auch das Gegenmittel habe. Und also stürzt sich der gläubige nationalsozialistische Leser auf sein« zweite Broschüre„Wie schütze ich mein Eigentum im kommenden Staatsbankerott?" In der Broschüre Nr. 2 erhält er nun die Antwort: Durch die N a t i o n a l w ä h r u n g, die Hitler und seine Mitarbeiter einführen werden. Diese National- Währung wird dargestellt als Notenausgabe, deren Deckung das gesamte deutsche Volksvermögen in Höh« von 15 0 0 M i l- liarden Mark bilden soll. Die primitivste Assignatenwirtschaft wird als Währung des Dritten Reiches angepriesen! Dafür kami sich der wißbegierige Hitlergläubige nichts kaufen. Und also wird ihm weiter erzählt: „Ucber die bei dieser Sicherstellung zu beobachtenden Richt- � linien kann hier nichts Näheres mitgeteilt werden, weil ja unserem Volk dadurch genützt werden soll, was nicht möglich wäre, würden wir jeden Galizianer Einblick in unsere Karten gestatten. Ich hoffe, daß die Reichsparteilcitung alles tun wird, was ihr möglich ist, wenigstens die 21 n g c- hörigen der Partei zu sichern. Ganz natürlich muß sich jeder selbst so viel wie möglich zu schützen versuchen, was er kann, wenn er flüssige Kapitalien in Realwerten an- legt. Es ist immer noch bester, es werden irgendwelche Wirt- schaftsgcgen stände angeschasst als gar nichts zu haben. 'Angebracht dürfte es sein, wenigstens für die in Großstädten Lebenden, ihren Bedarf an Kohle und Kartoffeln für den Winter im'Auge zu behalten." Das ist Panikmache in jeder Form. Die Empfehlung der Flucht in die Sachwerte, dazu die Erwcckung der Hoffnung, daß bei der prophezeiten Inflation Hitler jeden seiner Parteigenosse« mit Dollars, Franken oder Lire ausstatten werde. Der Leser hat ein Rezept erhallen. Er soll aber noch weitere Broschüren kaufen. Und also wird ihm erzählt, dos ins'Ausland geflüchtete Kapital sei bedroht. Wie und wodurch, darüber berichtet eine dritte Broschüre. Schließlich sagt man ihm, das Jntevessc des Volkes verbiete, darüber zu sprechen, wie das Dritte Reich gestaltet werden solle.'Aber Andeutungen darüber werde er in einer vierten Broschüre sinden. Die Dummheit höret niminer auf. Der Topf kocht, und die geschäftstüchtigen Nationalsozialisten, denen es selbstverständlich nur auf die eigene Tasche ankommt, sind eifrig dabei, ihn am Kochen zu erhalten! Verantwortlich iür Politik! Vietor Schiff: Wirtschatt:®.«liaaelhöfer: Ecoerkschaftobewegung: Z. Sieiaer: Feuilleton; Dr John Schikow-ki: Lokale» und Toniliaeo Fr!» ilarNädt: Zlnieiaen; Zd Sloite! sämtlich in Verlin. Verla«; Vorwärto-Verla« E. m d. b. Berlin Vruek: Vorwärio-Buchdruckeret und Veriaaoansiali Paul Linaer u. So. Berlin SS.<8. Lindenstrake 1 Kicr,« i Beilage». Mdiet WMMel'MM Achtung I FllVlktlOSläre achtung I Heute. HI i f f ro o ch. den 29. Oktober 1930, vormittags 10 Uhr, in der kullurableilung. Berlin 71 54. Linienstraße 197 Sitzung tisr Obleute dar StreiMeitungen. Slreikausweise und die für diese Sitzung besonders ausgestellkea Ausweise sind am Eingang zur Konirolle vorzulegen. vi« Ortsverwaltung. Donnerstag, den 30. Oktober, abends 7 Ahr. im Rofenthaler Qof, Aofenthaler Strafte 11/12 VerssnuBlnng alier Bau- and lelftsdiranksdilosser- Lehrlinge Tages orb nung: I. Bericht von der Streikbewegung der Bau- und Geldschrankschlosser. 2. Organisatorisches. 3 Verschiedenes. IugendkoUegenk In dieser Ver amm uug darf kein Kollege fehlen Agitiert in d r-blekkstau und«n der Schule für einen guten Besuch und bringt alle Jugend« tollegen. die unserer Organisation noch nicht angehören, mit. Die Die OrtsTcrwaUpvit« 3lr. 507* 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 29. Oktober 1930 Verwüstung in Schlesien Der Damm zerreißt, das Feld erbraust... Breslau, 28. Oktober. Da die Fluten der einzelnen Flüsse im Steigen be» griffen sind, so dürfte ein Hochwasser ähnlich dem des Jahres 1SV3 zu verzeichnen sein. Wie weiter von amt- licher Seite mitgeteilt wird, dürfte eine Berschärfung der Hochwasferlage dadurch eintreten, daß die Temperaturen im Gebirge wie auch im Flachland angestiegen sind. Der Sturm, der am Montag im Hochgebirge Orkan- stärke angenommen hatte und auch im Flachlande 23 Sekundenmeter Geschwindigkeit erreichte llOV Kilometer Stundengeschwindigkeit), hat etwas nachgelassen. Dienstag mittag ist auch der Schuhdamm zwischen dem Frauenhag und der Umgehungsbahn bei Pfaffendorf an vier Stellen von den Fluten durchbrochen worden. Das Wasser kann ungehindert in das Gelände des Frauenhags, auf dem auch das Telegraphen- und Zeug- amt steht, eindringen. Die Schnelle Deichsa bei Pilgromsdorf ist zu einem wüten- den Strom angeschwollen und hat weite Strecken überschwemmt. Der Fluß hat den chochwasserstand vom 26. Juni 1912 überschritten. Die Chausseebrücken, die über drei Meter hoch sind, sind von Hoch- wasser überspült. Die hierdurch angestauten Wogen suchen sich einen Zlusweg, indem sie Gärten, Wiesen und Gehöfte übersluten und alles im Wege Stehende mit fortreißen. Aus mehreren Gehöften konnte das Vieh nicht mehr gerettet werden und ist in den Fluten um- gekommen. Auch die Oder steigt weiter. Ratibor, 28. Oktober. Am Dienstag mittag zeigt« die Oder bei Ratibor einen Wasser- stand von 6,12 Meter gegenüber etwa 2 Meter am 26. Oktober. Da von hen weiter oberhalb gelegenen Ortschaften ein weiteres Ansteigen des Wassers gemeldet wird, dürste einstweilen mit einer Besserung der Lage im oberschlesischen Ueberschwemungsgebiet nicht zu rechnen sein. Man erwartet, daß die Oder bei Ratibor um weitere 39 bis 49 Zentimeter steigen wird. Nördlich von Ratibor sind weite Wiesen- und Ackerflächen überschwemmt. Erschoß Koch den Grabendirektor? Heute Urteil in Haiherstadt Staatsanwalt beantragt Todesstrafe Halber st adt, 28. Oktober. sEigenberichl.) Im Prozeß wegen der Ermordung des Gruben- direktors Emil 51 r a m c r beantragte der Staatsanwalt gegen den Angeklagten Koch wegen Mordes die Todesstrafe. Tie Berteidigung plädierte auf Frei- f p r c ch u n g. Der Angeklagte betonte im Schlußwort feine Unschuld. Das Urteil wird morgen mittag verkündet werden. * Im Mordprozeß Koch handelt es sich um einen typischen I n- dizienbewcis. Am 19. Februar 1939 ist der Grubendirektor Cmil Krämer von der Grube„Concordia" in Nachterstedt im Garten seiner Villa, um 19.13 Uhr, erschossen worden. Krämer, der dem Kreistag als Vertreter der Deutschen Volkspartei angehörte, war in der Arbeiterschaft wegen seiner Strenge außerordentlich verhaßt. Nach seinem Tode jayd man zahlreiche Droh- b riefe, die ihm ein baldiges Ende ankündigten,'wN)rend andere Direktoren uarli. ihren cigeuen Aussägen Nigchalh�kKhbriefe er- hielten. Schon 1928 wurde auf Kramer ein.Anschlgg verübt. Als er am Abend des 19. Februar im Scheinwerferlicht eines Autos, mit dem ein Freund von ihm,«in Arzt, zu Besuch gekommen war, im Garten stand, fiel vom Zaun des Grundstücks her auf etwa 25 Meter Entfernung der tödliche Schuh. Trotz aller Nach- forjchungen, trotz einer Belohnung von 11999 Mark blieb der Täter zunächst unentdeckt. Nach fünf Monaten erst trat Plötz- lich die Frau des früheren Heilgehilfen der Grube, Otto Koch, der von Krämer entlassen war, mit der Beschuldigung gegen ihren Mann hervor, daß dieser ihr gestanden habe, die Tat aus Rache verübt und das von ihm benutzte Militärgewehr,-das mit einer Kinderjpringschnur umwickelt war, in einen Graben geworfen zu haben. Tatsächlich wurde in dem Graben ein verrostetes Militärgewehr. Modell 98. das mit einer stinderfpringschnur umwickelt war, gesunden, und Koch wurde verhastet. Steuern werden abgelehnt. Die Rathausfraktionen haben entschieden. Aus der Tagesordnung der Skadtverordnelensitzong am kommenden Donnerstag steht die Beratung der Mogistratsvor- lage, die eine neue Erhöhung der Diersteuer, die Einführung einer Gemeindegetränke st euer sowie einer Bürgersteuer vorsieht. Der Magistrat fühlte sich zu diesem Borschlag verpflichtet, weil ein von Tag zu Tag ansteigendes D e f i z i t den hau». hallsplan bereits stark ins Wanken gebracht hat. Das Ergebnis der gestrigen Fraktionssihungen läßt daraus schließen, daß der Magistratsoorschlag von allen Parteien des Rathauses abgelehnt werden wird. Ob die neuen Steuern uns tatsächlich erspart bleiben. ist damit allerdings noch nicht endgültig entschieden, da e» durchaus möglich ist, daß der Oberpräsident erneut eingreift. Den ablehnenden Standpunkt der sozialdemokratischen Rathausfraktion wird der Stadtverordnete L oe wy vertreten. Ein weiterer wichtiger Punkt der Tagesordnung ist die Beratung eines sozialdemokratischen Antrages, der die Durchführung der Milchverbilligungs- und F r e i m i l ch a k t i o n bis zum Schluß des Etatsjahres sichern will. Durch die ungeheure Nct erweisen sich die hierfür bereitgestellten Mittel bei vielen Bezirksämtern als nicht ausreichend. Da es sich hier um die Erhaltung der Gesundheit proletarischer Kinder handelt, tut schnellste Hilfe not. Für die Annahme des wichtigen Antrages wird die Stadtverordnete Frankenthal plädieren. Bedeutsam für die Erhaltung der Bolksgesundheit ist auch«ine Vorlag«, die die Ausstellung von Auto- s maten mit Vorbeugungsmitteln zur Bekämpfung der Geschlechts- trankheiten vorsieht und die gleichfalls zur Debatte steht. * Der Stadtoerordnetenausschuß für den An- und Verkauf von Grundstücken hat nach eingehender Aussprache mit Mehrheit den Ankauf des der Firma Leonhard Tietz A.°G., Köln, gehörenden Grundstücksblocks Stralauer Straße 47— 51 und Kleine Stralaucr Straße 1 bis 6 beschlossen. Die Verhandlung, die acht Tag« in Anspruch nahm, brachte sensationelle Zwischenfälle. Als Hauptbelastungszeugen gegen den Angeklagten trat die Ehefrau auf, die acht Jahre älter als Koch ist und ihm zwei Söhne in die Ehe mitbrachte. Frau Koch schildert« ihren Mann als einen rohen Patron, der auch sie tätlich bedroht und mißhandelt habe. S.e erklärte, er habe bei einer ehelichen Auseinandersetzung den Mord an den Bergwerksdirektor gestanden. Koch sieht in diesen Bekundungen einen Racheakt der eisersüchtigen und haßerfüllten Frau. Auch die beiden Stiefsöhn« belasteten Koch. Widersprüche in den Aussagen der Belastungszeugen konnten nicht geklärt werden. Das Kernstück des Prozesses war der Ver- such des Angeklagten, sein Alibi für die Zeit von 19 bis 29 Uhr am Tage der Tat nachzuweisen. Roch der beeideten Aussage des Zeugen Brandt war der Angeklagte zur Zeit der Ermordung des Bergwerksdirektors, also zwischen 19 und 19.20 Uhr. zu Hause beim Abendessen. iNach dieser beeideten. Aussoge mußte es um so größere Sensa- tstm erregen, daß bei Schluß der.Beweisaufnahme die Stiefsöhne des' Angeklagten, die ihren Vater belastet hatten, auf Grund der Strafprozeßordnung die A bgave des Eides ver- weigerten. In seinem Plädoyer stützte sich der Staatsanwalt fast ausschließlich auf die Zlusfage von Frau Koch, die der Angeklagt« als haßerfüllt und rachgierig kennzeichnet. Der Verteidiger betonte, daß ausschlaggebend für den Prozeß der A l i b i b e w e i s sei; dieser sei geglückt, deshalb müsse ein Freispruch erfolgen. Selbstmordversuch Ali Höhlers. Zu den Gerüchten über einen Selbstmordversuch des wegen Tötung des Studenten Horst Wessel zu sechs Iahren Zuchthaus verurteilten Ali Höhler erfährt der Berliner Gerichtedienst, daß Höhler in der letzten Zeit große Er- regiingszuslände gezeigt habe. In einer der letzten Nächte war er unruhig in seiner Zelle hin- und hergelaufen. Sein Zellengenosse wachte auf und bemerkte in den Händen Höhlers ein Rasier- messer. Er sprang hinzu und es gelang ihm, nach einem heftigen Kampf Ali Höhler das Messer zu entreißen. Wieder Fahnen halbmast! Heute Beisetzung der Opfer von Maybach. Der Polizeipräsident teilt mit: Auf Beschluß des Staats- Ministeriums sind die staatlichen und kommunalen Dienstgebäude, die Gebäude der übrigen Körperschaften des öffentlichen Rechts, sowie die Gebäude der öffentlichen Schulen am heutigen Mittwoch, dem Tage der Beisetzung der Opfer des Grubenunglücks bei Saarbrücken, halbmast zu beflaggen. Genehmigungen zur Polizeistundenvcrlänge- rung, zu öffentlichen Tanzveranstalungen und zu anderen nach außen hin wahrnehmbaren Vergnügungen werden für den Beisetzungstag nicht erteilt. Bereits erteilt« Genehmigungen werden widerrufen. Demnach müssen all« lauten Vergnügungen, die mit dem Gedenken an die Toten des Grubenunglücks unvereinbar sind, unter- bleiben: insbesondere ist auch Musik und lautes Ausrufen auf öffentlichen Vergnügungsplätzen verboten. Dagegen können in ge- (chlossenen Räuinen Theater, Kabarett und Zirkusvorstellungen fowi«.Konzerte stattfinden..Es wird aber von dem Takt der Unter- nchmcr sowie der Leiter geschlossener' Veranstaltungen erwartet, daß sie dem Geiste dieses Trauertages Rechnung tragen. Ministerrat über die Katastrophe. Paris, 28. Oktober.(Eigenbericht.) In dem am Dienstag abgehaltenen Ministerrat, an dem Außenminister Briand noch nicht teilnehmen konnte, hat der Minister für öffentliche Arbeiten, Pernot, eingehend Bericht über die Bergwerkskatastrophe von Maybach erstattet. U«ber das Resultat der eingeleiteten Untersuchung konnte er aller- dings keinen Aufschluß geben, da die Aufräumungsarbeiten noch nicht beendet sind. Der Minister, der im Laufe der Aussprache noch ausdrücklich die Zusicherung von d«r materiellen Entschädigung au die betroffenen Familien abgab, wird an« Donnerstag im Namen der französischen Regierung an den Beisetzungsfeierlichkeiten teil- nehmen. yaMexjf. � Nein, es war keine Angelegenheit von Worten, es war nur gut, was sie tat, sie fühlte in diesem Augenblick, daß der Mann ein Kind ist, bang und dürstiger als jede Frau vor dem Leid, und ihre plötzliche Besorgnis um ihn warlüe gle che. die sie während der Nachmittage an ihrem Fenster- platz dem Jungen schenkte— ihre Hand fuhr langsam durch das Haar des Mannes, ihren Kopf lehnte sie an feine un- rasierte Wange, und so. eingebettet von zwei Seiten, ließ sie ihm seine Tränen, die unaufhaltsam kamen. Sie gingen früh ins Bett. Eng aneinandergepreßt fühlten sie die Wärme des anderen, der Schmerz war in jedem Herzschlag, und so war es gut, zu wissen, daß doch noch einer atme, für den man leben müsse, dem jetzt und morgen und weiterhin zu helfen Pflicht und Erfüllung sei, und wenn nur durch Verhinderung seiner Einsamkeit. Um Mitternacht sprach Bert die ersten Worte seit seinem Kommen. Annie verstand ihn sehr gut, obgleich er nicht den Kopf wandte. Sie ahnte, daß seine Augen, gleich den ihren, geradeaus auf die im Halbdämmer schwebende Zimmerdecke starrten. ,.Jch habe dich belogen, Annie. Jetzt kann ich es dir sagen. Damals die Geschichte mit der Guhlmann. weißt du — sie hat mir erklärt, der Junge werde wahnscheinsich sterben. Natürlich ist alles Quatsch— ich weiß, es ist grauenhast und unglaublich, wie sehr sie recht behielt. Aber ich will diesen Firlefanz nicht ernst nehmen, es muß ein Zufall fein, sonst wäre die Alte eine Hexe. Nun weißt kku alles, Annie. Die letzte Lüge zwischen uns ist erledigt. Du brauchst dich nun nicht mehr zu ängstigen, nicht wahr? Morgen gehe ich nicht zur Arbeit! Ich gehe mit dir ins Krankenhaus.. Er hörte dicht neben den Atem der Frau— sie war wohl auch mit der Sache noch nicht fertig— er tastete unter der Decke nach ihrer Hand. „Nein", flüsterte Annie,„gehe nur morgen. Wenn du auch noch die Arbeit verlierst,, das geht nicht, wir würden verrückt— du bekommst auch dann später schwerlich Urlaub zur Beerdigung. Morgen kann ich dem Jungen nur ein Hemd anziehen— dann wird man mich doch wieder weg- schicken, und dich auch. Was willst du da.. Werlo wollte noch entgegnen, aber seine Zunge war schwer, und ohne Uebergang fiel er in Schlaf. Er schnarchte ein wenig und murmelte halblaute Worte. Annie wand sich leise aus der Decke, ging mit nackten Füßen ans Fenster und stellte im geringen Licht der Hof- laterne den Wecker auf sechs Uhr. Dann legte sie sich wieder. Im Halbschlaf sah sie den Kleinen mst hetzenden Händen nach Sonnenpfeilen greifen, die seltsam über seine Federdecke spazierten. Er lachte... Sie wollte das Gesicht des Jungen streicheln. Erschreckt wandte sie sich um, die Nichte der Guhlmann, das Mädel mit den frechen Beinen, stolzierte ins Zimmer, stellte sich neben sie und spuckte ihr mit einem ekelhaften und lärmenden Geräusch auf die Hand, die schon das Kind berührte. 17. Am Morgen, als Annie die Kinderstation betrat, hatte scheinbar keine der ihr bekannten Krankenschwestern Dienst. Eine schweigsame, in sich zurückgezogene Frau in Tracht und Haube, erklärt kurz, sie müsse sich zu einem anderen Pavillon bemühen, das Kind fei hier nicht mehr. Es war neblig, die Luft ging wie Rauch in die Lungen. Selbst das Grün ringsum schien mit einer Schicht kalten grauen Dampfes überzogen und zu frösteln. Das Gebäude, wohin man sie verwiesen hatte, stand ab- seits von den übrigen und befaß nur langgestreckte hoch- liegende Fenster. Ein Kerl in grobem Jackett und mit gleicbgültigen Augen wies wortlos auf eine Tür, sie pochte schüchtern und trat ein, da niemand antwortete. „Die Leichen, die morgen rüberkommen.. erklärte ein Arzt gerade der vor ihm sitzenden Schwester— brach ab und sah erstaunt zu der Frau hinüber.„Nun?" Die Leichen— dieses Wort-- ihr Kind war jetzt eine Leiche. Hier, in diesem Haus lag es wohl. Kam nicht ein seltsamer, eisiger Geruch aus den Wänden? In Reihen, stellte sie sich vor, bahrt man. was übrig bleibt von Menschen, hier auf. Der Gedanke, ihr Junge könne vielleicht auf nacktem Boden liegen, peinigte sie, aufblickend fand sie sich zurück, gewahrte sie Arzt, Schwester, Kalender und dünnes Licht des Raumes und gab Antwort. „Mein Kind ist vorgestern gestorben, Herr Doktor, man sagte mir, heute.. „Name? Ah— richtig, ich habe die Krankenakten hier. Setzen Sie sich einen Augenblick, Frau Werla. Wollen mal sehen, wo Ihr Kleines geblieben ist..." Seine Hände fuhren wild in den Stoß Papier hinein. er murmelte unzählige Namen vor sich hin, nervös, daß die Frau den Stuhl nicht annahm. Sie stand unschön und wie fordernd hinter seinem Rücken, fremd in der Unbehaglichkeit des Zimmers, das halb Studierzimmer, halb' Büro fein mochte und in all ihrem Willen, durchzudringen bis ans Ziel, bis zu ihrem Kinde,.nicht frei von der Gebärde Unter- geordneter und Verzichtender. „Sagen Sie mal...", fuhr der junge Arzt, erschreckend heftig, herum...„hier haben wir ja die Sache, richtig. Werla, Ferdinand, Station 37a., Doktor Lohse. Totenschein, alles in Ordnung. Sagen Sie mal, was ich noch fragen wollte, ehe ichs vergesse— dieses Formular", er hielt ganz dicht vor ihre Augen ein längliches Papier, das seinen Kopf mit den zwei Schmissen halb verdeckte,„das haben Sie doch be- kommen und gelesen, ohne Einspruch zu erheben?" Annie sah sich hilflos die bedruckte Seite an. Sicher be- deutete das eine neue Schererei, wollte man noch ein Mittel suchen, das sie von Ferdinand fernhalten sollte. Und in dieser Furcht nahm sie alle Kraft zusammen, um bestimmt und klar zu sprechen.„Nein, davon weiß ich nichts. Wieso Einspruch, Herr Doktor? Das Kind ist doch gestorben, da- gegen kann ich nichts, gar nichts tun. Was hilft ein Ein- fpruch gegen den Tod? Ist hier ein einziges großes Ge- heimnis? Immer will man von mir etwas wissen— und ich bin gekommen, weil ich erfahren möchte, wo mein Kind ist. Dorthin, zu meinem Jungen komme ich nicht? Lassen Sie mich bitte zu ihm, Herr Doktor, wo ist es?" (Fortsetzung folgt.) / Llnwürdig! prügelnde(Schupos— Zu neun und vier Monaten Gefänqms verurteilt' Die beiden Angeklagten", ja sagte der Staatsanwalt gestern in einer Verhandlung vor dem Schöfsengericht Neukölln,„haben den Volizeirock beschmuht. Ich habe oft genug in diesem Saal Beamle gegen unberechtigte Vorwiirse in Schuh genommen. Gerade deshalb fordere Ich aber in diesem Falle schärfste B e st r a- f u n g— im Interesse des Publikums, im Interesse der Reinheit der Polizei. Die beiden Beamten sind de» Polizeirocks unwürdig." Der Sachverhalt, der dieser niedcrschmetierriden Anklag« des Staatsanwalts zugrunde lag, war folgender: Der Polizeiwacht-- Meister R. war von seinen Kameraden in einen Vergnügungsaus- schuh gewählt worden. Am 29. Juli t>. I. begab er sich in Beglei- tung des Polizeiwachtmeisters U. auf die Suche nach einem Saal, in dem das Fest abgehalten werden konnte. Bald im einen, bald im anderen Lokal wurde tüchtig dem Alkohol zugesprochen. In � der Nähe des Treptower Parks verspürte U. ein Bedürfnis. Anstatt � die gegenüberliegende Treptower Anlage aufzusuchen, stellte er sich am Rande des Bürgersteigs auf. Ein fünfzehnjähriger Tischlerlehr- ltng, ob dieses ungewöhnlichen Schauspiels erstaunt und belustigt, blieb stehen. Polizeiwachtmeister U. fühlt« sich dadurch chokiert und; forderte den Lehrling zum Weitergehen auf. Als dieser der Auf-| sorderung nicht genügend schnell Folge leistete, versehte ihm U. mit �om Knie zwei Tritte in den Rücken. Der 22iährige Schlosser« geselle K. hatte diese ganze Szene beobachtet; er ging auf den bc- trunkenen U. zu und sagte, seine Schulter leise mit den Fingern berührend:„Herr Wachtmeister, Sie sollten doch mit gutem Beispiel vorangehen." Im selben Augenblick erhielt er von R. einen, Fau st schlag ins Gesicht, daß er auf den Damm flog; sodann bearbeiteten ihn beide Beamten mit Fäusten. Sie liehen auch nicht von ihm ab, als Passanten sie in aller Ruhe mahnten, doch „menschlich" zu sein. Schliehlich forderten sie den Schlosser- gesellen K. unbesugterweise auf, zur Wache mitzugehen. Dieser tat das ohne Widerspruch. Trotzdem packte U. ihn derart an den Kragen, daß ihm fast die Luft wegblieb, während R. ihn weiter mit den Fäusten bearbeitete und ihn zu guter Letzt in einer Weise die Handfessel anlegte, daß er vor Schmerzen um Hilfe schrie. Obgleich das empörte Publikum sich im allgemeinen ruhig verhielt, zog U. noch kurz vor der Wache seinen Revolver. In der Gerichtsverhandlung suchten die Angeklagten ihr un- glaubliches Verhalten in einem milderen Lichte erscheinen zu lasten. Die Zeugen bestätigten aber in allen Einzelheiten die Schilderung des Mißhandelten. Der Staatsanwalt beantragte gegen R. ein Jahr und gegen 11. neun Monate Gefängnis. Das Urteil lautete auf neun und vier Monate Gefängnis. Die Berufung der Angeklagten dürfte ihnen nicht viel nützen; der Sachverhalt liegt allzu klar auf der Hand. Ihre Karriere als Polizeibeamte muß beendet sein! Flauen, die sidi ins Unglfidl sflirzen. Opfer der Jusiizmaschine.— Der verhängnisvolle Reinigungseid. Liegt im Ehescheidungsprozeß der verdacht nahe, daß eine der Parteien sich des Ehebruchs schuldig gemacht hat, reichen jedoch die Beweise nicht aus, so kann das Gericht den Wann oder die Frau oder auch beide veranlassen, sich von dem verdacht de» Ehebruchs durch den Eid zu reinigen— das nennt man Reinigungseid. von der fragwürdigen juristischen Seite dieses Verfahrens abgesehen, steht eine llnhaltbarkelt vom moralischen Stand- punkte aus unzweifelhaft fest. Wöhrend die Strafprozeßordnung dem Zeugen ein Zeugnisverweigerungsrecht zubilligt, sofern er sich durch seine Aussage strafbar machen würde, zwingt hier das Gericht eine Partei, die durch ihre Aussage sich de» Ehebruchs bezich- tigen würde, einen Eid zu leisten. Das kommt fast einer V e r- leitung zum Meineide gleich.... Eine Sechzigjährige ist. zum drittenmal oerheiratet— mit einem 24 Jahre jüngeren Mann. Sie ist Mutter von sieben Kindern, Großmutter mchrerer Enkel, ihr« Ehe mit dem Sechsunddreißig- jährigen aber höchst unglücklich. Das Gericht erster Instanz, das die Ehescheidung ausspricht, sagt u. a.: Die unertragbar« Un° Verträglichkeit der Ehefrau hat nach Ueberzeugung des Gerichts einen derartigen Grad erreicht, daß es unmöglich sei, dem Manne die Fortsetzung der Ehe zuzumuten Die Sechzigjäh ige legt Be- rusung ein und erhebt Widerklage Der Mann beschuldigt sie. mit einem ööjährigen Brauer Ehebruch getrieben zu haben. Dcr Brauer verweigert vor dem Kammergericht seine Aussage, die Sechzigjährtge leistet den Reinigungseid. Die Ehe bleibt ungejchie- den, der Mann erstattet Anzeige wegen Meineids. Im Meineidsprozeß vor dem Landgericht I leugnet die Sechzig- jährige jede Schuld. Sie hat den Fünfundsechzigjährigen auf dem Friedhof kennengelernt, als er die Blumen auf dem Grabe seiner verstorbenen Ehefrau pflegte, er klagte über seine Einsamkeit, sie besuchte ihn wiederholt mit Tochter und Sohn—»weil es da so gut zu essen gab"— es ist nie zu irgend etwas Unanständigem ge- kommen. Der öSjährlge Brauer erzählt ausführlich, wie die Be- kanntschaft zustand« gekommen, wie die Sechzigjährige sich ihm als kinderlos« Kriegerwitwe vorgestellt und wie... hier verweigert er seine Aussage. Doch vorher hatte er schon das Entscheidende dem Gericht„aus Versehen" mitgeteilt. Auch vor der Polizei und beim Untersuchungsrichter hatte er es gesagt und auch dritlcn Per- sonen gegenüber mit einer nichts zu wünschen übriglassenden Deut- lichkeit geäußert. Das Gericht oerurteilte dt« Sechzigjährige zu einem Jahr Zuchthaus. Die harwlo e Sebirgsbekannifchast. Der andere Fall. Der Ehemann B. erhebt gegen die Frau Scheidungsklage wegen Untreue der Frau, begangen mit drei Männern. Die Ehe wird geschieden. Es folgen Berufung und Widerklage vor dem Kammergericht Der Zeuge K-, mit dem die Frau Ehebruch getrieben haben soll, oerweigert die Aussage. Die Frau leistet den R e i n i g u n g s e i d. Die Ehe bleib: ungeschieden. Im Meineidsprozeß schildert die Angeklagte ihr« Beziehungen m t dem anderen Manne in der harmlosesten Weise. Während eines Ausflugs im Erzgebirge habe sie ihn in größerer Gesellschaft kennengelernt, ihn bloß einmal in seiner Heimatstadt besucht, um billi-g Stoffe zu kaufen, habe mit ihm einen Brief und eine Post- karte gewechselt, weiter nichts, noch nicht mal einen Kuß. Der Zeuge N. soll aussagen. Was er bekundet hat, ist der Oeffen'lichkeit nich- be- kannt geworden, sie wuriie ausgeschlossen— im Gegensatz zur ersten Verhandlung. Frau B. erhielt aber 1 Jahr 2 Monate Zuchthaus und 3 Jahre Ehrverlust. Zwei Frauen sind ins Zuchthaus gestürzt worden. Wievie'e werden ihnen dorthin noch folgen. Der Reinigungseid muß eingeschränkt werden. Löwenbändiger vnd Regenwmmfanner. Hastentlassung, damit die Würmer nicht hungern. Frenzel-prozeß geht weiter. Verteidigung wieder oufaenommen.- Zulassung der presse verlangt. Die Iustizpressestelle teilt mit:„Nachdem in der Straflache, gegen Frenze! der Gerichtsvorfltzend« in der Sitzung vom 28. d. M. erklärt hat, daß alle Mitglieder im Interesse der Wahr- heitsermittlung und des Angeklagten es begrüßen würden, wenn die Rechtsanwälte Dr. Brandt und Dr. Dlumenhein die Verteidigung des Angeklagten wieder aufnehmen würden und nachdem auch von dritter Seite vermittelnd eingegriffen ist, haben die genannten! Rechtsanwälte die Verteidigung wieder aufgenommen, um dadurch eine reibungslos« Durchführung des Prozesses zu ermög- lichen." Wie wir erfahren, haben die Anwälte bei den Besprechungen vor allem die Forderung erhoben, daß Landgerichtsdirettor Hell- wig aus den Erfahrungen der letzten Verhandlungstage die Kon- scquenz ziehen und sich beim Potsdamer Gericht dafür einsetzen soll, daß der Ausschluß der Presse aufgehoben wird. Diese Forderung werden die Anwälte am Donnerstagmorgen bei Beginn der Ber- Handlung auch formell in Form eines Antrags wiederholen, und das Erweiterte Schöffengericht wird zeigen müssen, ob es noch immer der Ansicht ist, daß die Zulassung von Pressevertretern die öffentliche Sittlichkeit und Ordmmg gefährdet. Er konnte wohl Löwen bändigen, wilde Tier« zähmen, bei einer Frau jedoch war sein« ganze Dompteurkunst vergebens. Wenn ein Löwenbändiger sein Herz verliert, ist die Sache immer gefährlich. Gefährlich war es denn auch, daß der Dompteur L., der eines Tages bei einer Bekannten eine hübsche Frau kennenlernte, sich in sie ver- liebte.' Roch gefährlicher wurde die Sache aber, als diese Frau noch einiger Zeit die Liebe des Löwenbändigers nicht mehr in Anspruch nehmen wollte. L., der sich vor dem Schöffengericht Berlin-Mitt« wegen Be- drohung und Körperverletzung zu verantworten hat, sorgt« in rührender Weise für die Dam« seines Herzens und war sogar bereit, sie vom Fleck weg zu heiraten. Nur einen Fehler hatte die Liebe des Dompteurs: Sie war zu groß! Nebenbei war er auch«if er- süchtig und dies war der zweite schwere Fehler, besonders well dies« Eifersucht begründet war. Eines Tages wurde die« der ge- liebten Frau unangenehm und sie erklärte, ihn nicht heiraten zu wollen. Der Löwenbändiger hatte in der Geliebten sein Herrn ge- funden! Das konnte er nickst überwinden, er wurde schwermütig, zog sich von seinem Beruf zurück und gründete eine Regenwurm- f a r m. In der Nähe Berlins züchtet« er dies« kleinen unappetitlichen Tierchen zu Tausenden und verkaufte sie an die Angler. Sein« Liebe zu Maria konnle er jedoch nicht vergessen, und als er sich ihr eines Tages wieder näherte, ließ sie sich bewegen, das alte Verhältnis wieder aufzunehmen. Aber auch diesmal war es nicht lange von Bestand. Maria lieh sich nicht bändigen wie wilde Tiere, sie lief ihrem Dompteur davon. Bei einem zufälligen Zusammentreffen mit dem stürmischen und liebestollen Berehrer kam es zu einem f u r ch t- baren Auftri t t. Im Verlauf des Streites bedroht« der An- geklagte feine treulose Geliebte mit einem Dolch und schüttet« ihr gleichzeitig 100 Gramm Salzsäure ins Gesicht. Maria schrie auf und brach dann bewußtlos zusammen. Ihr hübsches Gesichtchen, und ein Teil ihres Körpers waren mst schweren Brandwunden be- deckt. Und wenn sie nicht instinktiv sofort die Augen geschlossen hätte, wäre ste auch noch erblindet. Der Attentäter wurde sofort verhaftet und nur dem Umstand, daß seine. Regenwürmer verhungert wären, wenii er nicht für sie sorgen könnte/ hatte er es zu danken, daß er nach vierzehn Tagen auf Antrag seines Berteidigöre a u s d e r H ä f t e n t l a s f« n wurde. Die ganze Zeit über, als der Angeklagte in Haft faß, mußten Taufende von Regenwürmern hungern, und aus Mitleid mil den unschuldigen Tierchen hat das Gericht die Haftentlassung gewährt. Roch immer kann der Dompteur L. feine Liebe zu Maria nicht vergessen und er drohte ihr nun, wenn sie ihn nicht heiraten würde, so werde er von den Regenwürmern wieder zu den Löwen zurückkehren, um bei den wilden Bestien den T o d zu suchen. So sieht die Lieb« eines Regenwurmfarmers aus... Mariendorfer DRatHausgarien als park. ?tuheplahe und Spazierwege für die Erholungsuchenden. Der Haushattsausfchuß der Tempelhofer Bezirtsver- fammlung hatte angeregt, den bisher als Nutzgarten ver- pachteten Rathausgarten in Mariendorf für die erholung- suchende Bevölkerung zu erschließen. Wie das Bezirksamt Tempel- Hof in einer Borlage mstteilt, hat der Magistrat dem Projekt bereits zugestimmt. Das Projett sieht unter Erhaltung des werwollen Baumbestandes die Schaffung mehrerer Ruheplätze und Spazierweg« vor. Die Arbeiten sollen mit Wohlfahrtserwerbslofen ausgeführt werden. Die Genehmigung des Mogisttals hierzu liegt bereits vor. Zur Be- schaffung der notwendigen Materialien hat das Bezirksamt am' S. September d. I. 1100 Mark aus Borbehaltsmitteln vorbehaltlich der Zustimmung der Bezirksversammlung bewilligt. Praktische Volksbildung„Von Weimar bis heute". Kunstabend des Volksbildungsamtes Wilmersdorf. In der Stadthalle kann kaum ein Apfel zur Erde fallen. Albert S t e f f a h n reiht unter dem Titel„Von Weimar bis heute" «ine Perlenkette klassischer Literatur aneinander. Da geistert der Zauberlehrling und der Erlkönig durchs Geschehen, da ergreist der wuchtige Racheschrci des Prometheus und die Feuerfzene aus der, Glocke, in edler Sprache fließt die Verherrlichung des großen' Moham«d dahin. Von den beiden ganz Großen klassischer Literatur geht der Sprecher dann über zur schwärmerischen Lyrik eines M öricke. Und machtvoll erhebt sich Liliencrons gewaltige Sprache in seines Fischers Wchrnf„lewer dvt äs flaw; gleichsam als Widerhall braust hier in die zarte, fast weihevolle Stimmung des Abends donnernder Beifall der Anwesenden. Der Menschen ewiges Sehnen: Freiheit! Nun geht es über zu den Dichtern unserer Tage. Franz Werscls„Gemeinschaft" und„Warum mein Gott", der Wehruf des Einsamen, zart und tief empfunden, und eindringlich in starkem Bekennertum. Den Schluß bildet eine launige Iugendnovelle van Thomas Mann„Eisenbahminglück", die von des jungen Dichterlings Nöten im Eifenbahncoupö berichtet. Die sorgfältige Programmgestaltung und gut« Vortragsweise des Rezi- tntors stempelten den Abend zu einem jener kulturellen Höhepunkts, deren Schaffung sich die v o l k» b i l dn e r i s che Arbeit mit Stolz rühmen darf. Eisenbahnunglück bei Lllm. Lokomotivführer und Schaffner getötet. Stuttgart, 26. Oktober. vm 19,30 Uhr stieß zwischen deu Bahnhöfen Giengen an der Brenz und herbrechlingen auf der Strecke Ulm— Aachen der Leichtgülerzug Rr. S5S6 mit einem Leer.Persooenzug aus freier Strecke zusammen, von dem Güterzug wurden ein Schaffner leicht und der Lokomotiosührer schwer verletzt. Von dem Leerzug wurden ein Schaffner und der Lokomotivführer getötet, der Heizer schwer verletzt. Die verwundeten wurden sofort dem nächsten Krankenhaus zugeführt. Der Hilfszug war ZI Uhr an der Unfallstelle. Die Untersuchung der Schuldsrage ist noch im Gange, angeblich trifft dem Fahrdienstleiter in Giengen die Schuld. Selbstmord eines Lehrlings. Ein Achtzehnjähriger, ver vas Leben wegwirst. In der Woynung seiner Eltern in der Schulzendorfer Straße in Berlin- Hermsdorf verübte gestern der 18jährige Drogisten- lehrling Günter I. Selbstmord durch Erschießen. Als der sunge Mann allein im Haufe weilte, schoß er sich aus einem K-Millimeter-Tefching«ine Kugel in die linke Schläfe. Mit tödlicher Verletzung wurde er in die Universitätsklinik gebracht, wo er bald nach seiner Einlieferung gestorben ist. Das Motiv zur Tat ist nicht bekannt. Offenbar in einem Nervcnanfall stürzte sich heute vormittag die 44jährige Frau Frieda M. aus dem 4. Stockwerk ihrer in der Wihmannstraße gelegenen Wohnung auf den Hof hinab. Mit lebensgefährlichen Verletzungen wurde die Selbstmörderin ins Urbankrankenhaus übergeführt. 10 Jahre Iungfozialtsten. Ein« von mehr als 1000 Personen besuchte Kundgebung in den „E l y s i u m- L i ch t s p i e l e n" in der Prenzlauer Allee feierte am Sonntag das 10jährige Jubiläum dcr jungsazialistischen vrganffa- tton. Zu Ehren der toten Bergleute der Gruben Anna II und Moy> dach erhoben sich zu Beginn die Anwesenden, als der Borsitzende der Berliner Iungsozialisten. Genasse Seigewasser, die Jung- arbeiterschast dazu aufrief, das Bermächtnis der toten Klassen- genossen durch Einsatz aller Kräfle für den Kampf um die Ber- besserung der Lebensverhältnisse der Arbeiterschaft, um die Be- scitigung aller Ausbeutung zu erfüllen Genosse Schenk begrüßt« die Erschienenen im Namen des Bezirksbildungsauejchusse» der Partei. Zwei Agitatione-Spieltruppen der Iungsozialisten brachten wirksame Spiel- und Sprechchorszenen zur Aufführung, die dem- nächst in der Oeffentlichkeit die Werbung für die Sozialdemokratische Partei unterstützen sollen. Genosse S e y d c w i tz hielt«ine Ansprache, in der«r als die Auf- gäbe der Jungsozialisten bezeichnete, olle Trugvorstellungen der Arbeiterschaft über das Wesen der kapitalistischen Gesellschaft durch sozialistische Blldungs- und Aufklärungsarbeit beseitigen zu helfen. Ehrliches Ringen um die Klärung des sozialistischen Weltbildes, Streben nach Zusammenfassung aller jugendlichen Kräfte im Dienste des Sozialismus vereinig« die fungen Genossen. Die arbeitende Jugend, in der heutigen Krisenzeit unter verschärftem Druck der Ausbeutung, vielfach durch jahrelange Arbeitslosigkeit entourzpl:, läuft in ihrer Ratlosigkeit den politisch-radikalen Flügel Parteien nach. wo sie glaubt, ihren leidenschaftlichen Mtten zur Umgestaltung der Gesellschaft besser betätigen zu können. Unter dieser radlkalisietten Jugend muß die attivste Aufrüttelungsarbeit gerade von den Jung- fozialisten geleistet werden.'. Der Film„Sturm über Assen" und der Gesang der„Intel» nationale" sck�ossei, die eindrucksvolle Kundgebung. Mit Dolch und Stahlrute zur Versammlunq. Gestern abend wurden die Teilnehmer der kommunistischen und nationalsozialistischen Versammlungen am Friedrichshatn von der Polizei auf Waffen durchsucht. Fünf Perjonen, die feststehend« Messer und Schlaginstrument« bei sich führten, wurden Zwangs- gestellt und der Politischen Polizei übergeben. Die Waffenträger werden vermutlich schon heute den, Schnellrichter vorgeführt loerlen- Außerdem wurden von der Polizei 12 Messer und Dolche sowie mehrere Stahlruten und ein Gummischlauch, deren sich die Besitzer rechtzeitig entledigt hatten, um der Festnahme zu entgehen, gesunden._ Die Trauerselerlichkeit für die Opfer der Saargrubenkataslrophe wird heute Mittwoch früh um 9 Uhr mt Programm der Aktuellen Abteilung der Funkswnde aus Saarbrücken übertragen. Sprechchor für Prolelarische Feierstunden. Uebungsstund«: Donnerstag, 29, Oktober, 19� Uhr, in ker Schule Weinmeister- straße 10/17. Alle Mitglieder müssen bestimmt und pünktlich er- scheinen. Au» Anlaß de» ZOjährigen Bestehen» der Friedrichsschule in Berlin-Friedrichshagen wurde am Sonntag in der Aula der Schule eine imrfangreiche und beachtenswert« Z e i ch« n a u s st« l l u n g eröffnet, die van dem Leiter des Zeichenunterrichts dieser Anstatt. Studienrats Genossen Böttcher, erläutert wurde. Di« Aus- stellung weist Linoleum-, Scheren-, Faltschnitte, Stempeldrucke usw. in reicher Auswalss auf. Die Ausführungen des Studienrots Böttcher wurden sehr interessiert entgegengenommen. Die sehens- wert« Ausstellung ist werktäglich von 10 bis 20 Uhr und Sonntags von 10 bis 10 Uhr zu besichtigen. Der Eintritt ist frei. V Bersammluag a»tt D«z.-Dchölel heut«. Ift'/z Uhr, im Bortragssaal i< des Parteiverstande», Lindenstr. Z, II. Hof, 2 Treppen links. Senosl« W Gaed« spricht Uber:„Die Schule der Republik". Mitgliedsbuch dient als Ausweis. W 2». Kreis Relnickendors. Leute, Mittwoch, 29. Oktober, t9th Uhr. im Stranbschloh in Tegel Ztreismitgliederpcrsannnlnng. Vortrag!„Die politisch« Lage". Referent: Rudolf Wifsell, M. d. R. All« Senosfmuen uud»eaoffea muffen sich au dieser wichtigen Versammlung beteiligen. Esnsrolvvi'ti'vfvng: LonI 5u«fol, Barlin N.W 6, Luisenstraße 30/ Tel« D 2, Weidendamm 3354 dinsendungen für diese Rubrik sind »«rlt» S««, Lindenstrahe Z, parteinachn'chten für Groß-Berlin stet, a» da» Beztrkssekretariai 2. Hos. 2 Treppen recht», zn richte» Zum Notopfer für di« Erwerbslosen wurden von den Fliesenlegern, Maurern und Hilfsarbeitern der Bauabteilung der KGB. u. Umg., Großbäckerei Spandau, ISO,— Mark gefammelt und abgeliefert.--- Allen Spendern hierdurch besten Dank. I. A.: A l e x P a g e ls. * 2. Kreis Tiergarten. Bildungskommifffonen. Heute, Mttwoch. 29. Okiober. IS'/- Uhr, Sihung der Bildungskommisffonen aller Abteilungen bei Bcrgcr, Levetzowstr. 21, Eck- Iagowstrahc. S-Ay.- und Iu»gso,ialislenvcrtre!er sind herzlichst eingeladen.— Adtciluugsmieterocrlreler. fsreltag, 81. Oktober, IS� Uhr, Sitzung der Abtcilungsmictcrvcrtrctcr bei Hennig, Wiclefstr. 8«. 8. Are!» Krcuzberg. Donnerstag, 80. Oktober, IS'� Uhr, bei Rabe, sichte» siratz« 29, Konferenz der Arbeiterwohlfahrt. Alle ssunktionäre und die in der Wohlfahrtspflege tätigen Genossen werden ersucht daran teilzunehmen. !9. Kreis ssehlendors. Kostenlos« Sprechstunde in allen Wohlfahrtsangelcgen- Helten beim Genossen Bernhard Zander, Zehlendors, Svcn-Hedin-Str. 7t. an jedem Donnerstag von 17 bis lg Uhr. lt. ftrei» Reulöllu. Donneretag, 30. Oktober, pünktlich 19 Uhr, Sitzung de» engeren Kreisvorstandcs mit den Abteilungsleitern im Parteibüro. Iii. Kreis Köpenick. Bildungsausschuh. Mittwoch. 2g. Oktober. 19'/- Uhr, Sitzung des Kreisbildungsausschusscs, Schlossstr. 27, Bibliothek. Die«arten für die Teputa'ionsvcranflallung sind in dieser Sitzung unbedingt abzurechnen. Nicht abgerechnete«arten gelten als verkauft. 17.«reis Lichtenberg. Bilduagsausschuß. Kursus:„Kultur, und Sittcnaelchichte des Proletariats"0. Oltobcr, 19'!, Uhr, im Rathaus Eharlottenburg. Zimmer 2, 6.»urfusabend. Der Genosse Hcinzmann spricht über:„Gesangencnfürsorge". 18.«reis Tempelhos, Rorlcnbors, Maricnsclde, Lichtenrade, ss rettag, 81. Ottober, pünktlich 19% Uhr, im Bezirksamt Trinpelhof, Dorfstr. 42, 1 Treppe, 3. Kursusabend über:.«ommunalpolitik und Wohlfahrt". Alle Intcrcsstertcn sind eingeladen. 19. Kreis Pankow. Freitag, 81. Oktober, 19% Uhr, im„Türkischen Zell", Pankow, Breite Eir. 14, findet der dritte Kursusabcnd statt mit dem Thema: „Soziale Gerichlshilse". Referent: Genosse Dr. Essers. Wege» der W'ckiti--' der Tagesordnung müssen olle parteigenössischen Wohtsahrtspflegerlinnen) er- scheinen. 26. Krei» ReiniSenborf. Freitag. 8l. Oltobcr. 20 Uhr, im Vcrwaltungs. gebäude, Rcinickendors, Hauptstr. 40, Zimmer 60, 6. Kursusabcnd. Thema: Das geltende Fürsorgerccht". Referentin: Genossin Lotte Lemke. Alle in der Wohlfahrtspflege stehenden Genossen und Genossinnen mllsscn daran teilnchme». Seminar für Bohlsahrtspfleg«. Der Kursus:„Psychologie der Gegenwart und ihre Anwendung in dcr Eozialpädagoglk" beginnt Freitag. 31, Oklobcr, 20 Uhr, in der Wohlsahrtsschule, Lindenstr. 8, II. Hof, 8 Treppen. Zungsozialisten. Gruppe«chlneb«rg. Freitag. 81. Oktober, 20 Uhr, im Jugendheim Haupt. strotze 15 Wcrbeadend. Es spricht Genossin Dora Fabian über:„Politlsckie Aufgaben der proletarischen Jugend". Junge Parteigenossen, ältere SÄI.-Mit- Bliebet und Sportler sind freundlichst eingeladen. Bezirksaussctiuss für Arbelterwohitatirs Z, Kreit Tiergarten I Am 30. Oktober 1930/ abends 7Va Uhr.. in den Arminiushallen, Bremer Straße 72—73 Grosse Wohlffahrtskonfferenz Mit dem Thema;„Politik und Wohlfahrtspflege." Referenten Genossin Hedwig Wadienhelm, MdL. und Genosse Frans Künstler, MdR. Alle Geneuen sind dazu eingeladen.— MUgliedsbuch legitimiert I Gruppe Wedbing-Sesundbrunnen. Wir«eisen schon heute aus unseren Gruppenabend am Freitag, dem 81. Oktober. 19% Uhr, in der welt!id>en Schule. tank. Ecke Wicsenstratze, hin. Genossin Torhorst spricht über:„Die geistigen trömungen in der Arbeiterbewegung". Vorher tagcspolitische Umschau. Junge Partei- und SAI.-Genosscn sind hierzu herzlich eingeladen. Rote Reihe. Heute, 17 Uhr, und morgen, Donnerstag, 19 Uhr, Probe im Jugendheim Porckstr. 11. Gruppe Neukölln. Werbelundgebung. Heute, Mittwoch. 29. Oklober, 20 Uhr, im Jugendheim Böhmische Ecke Kanner Straße. Vortrag:„Die Aufgaben der proletarischen Jugend in der heutigen Zeit". Referent: Genosse Hans Sei. gewasser. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. K»«>» Reukölln. Zcltlagericilnehmcr. Heute, Mittwoch, sind wir all« um 17 Uhr in der Karl-Marx-Schule, Kaiser-Friedrich-Stroßc. Der Sprech, und Bcwcgungsck-or und der Singekrci, übt zur Zeltlagervcranstaltung. Gruppe Birke. Elternversammlung um 20 Uhr in der Lcsfingschule. All- Eltern und Genossen der 94. und 95. Abteilung sind willkommen. Gruppe Falke. Morgen, Donnerstag, Elternversammlung um 20 Uhr im Jugendheim Kanner Straße. Genosse Fritz Hosfmann spricht über:„Musik bei den Roten Falken". Geburtstage, Jubiläen usw. 7. Abt. Unserem lieben««Nossen Emil Kabsch, Boyenstr. 2, die besten Glückwünsche znm 60. Geburtstage. 19. Abt. Unserem lieben Genoffen Rartin Kusterk«, Bellermannstr. 8, zum 88. Geburtstag« die herzlichsten Glückwünsche. Genosse kusterka ist heute noch ein «isriger H«lfer in der Arbeiterbewegung. Mögen sich die Jungen ein Beispiel an ihm nehmen. 86. Abt. Unserem lieben Genossen Robert Busch zum 66. Geburtstage sowi« zum G-burtsag sein«, licbeu Sattin, wohnhaft Tilsitcr Str. 27, dir herzlichsten Glückwünsche. Die Bbteilungsleitung. 104. Abt. RIederschöneweibe. Unserem Genossen Wilhelm Dietrich und Frau zur»Uterhochzeit a« Mittwoch, dem 29. Oktober, die herzlichsten Glückwünsche. «_ Der Vorstand. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". (EeschSMeNellr: Berlin S 14, Sebastianstr 37—38. Hol 2. St Prenzlauer Berg. Der Ortsverein beteiligt sich geschlossen an her Einäscherung des Kameraden Wilhelm Burg am Mittwoch, dem 29. Oktober, 16% Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Antreten 16 Uhr daselbst In Bundeskicidung.— Weddinq. Donnerstag, 80. Oktober, 19% Uhr, Sitzung des erwrilerten Vorstandes bei Reuffner, Seestraße 62., Deutscher Schäferhnnbverbanb, Ortsgruppe Gesundbrunnen. Löwenbrauerei, Hochstr. 2. Donnerstag, 80. Oktober, 20% Uhr, ffilmvortrag über den deutschen Schäferhund. Gäste willkommen. Eintritt frei. vplum. und Waffen schmuggel in China. Vortrag von Frau Thea Persiu»: „Beobachtungen während meiner Weltreise" am Montag, dem 8. November, 20 Uhr, im Hotel Atlas, Friedrichstr. 106(Bahnhof Fricbrichsttaßc). In der Literarjschen Umschau unter der Leitung Edlef K ö p- pens kommen moderne Dramatiker, denen die deutsche Bühne dieser Spielzeit verschlossen wird, zu Wort. U. a. gelangt«ine Szene zwischen Cecil Rhades und Wilhelm It. zur Verlesung. Alles ist hier bis zum letzten pointiert und auf geläufige Begriff« gebracht. Es handelt sich nicht im Grunde um realistische Reportage, wie sie augenblicklich im Theater beliebt sind, sondern uin den Kamps der Gedanken. Unmöglich, aus dieser Szene einen Schluß auf das Werk zu ziehen, aber die Wellgeschichte scheint in einer zu kleinen Retorte aufgedampst zu werden. Das selbe Empfinden hat man bei der rethorisch schönen Rede des Dramatikers C a r s ch. Wieder einmal ein Querschnitt durch die künstlerische und kulturelle Situation der Gegenwart, ein Querschnitt, der sich in malerische» Worten erschöpft und der sehr gerne»inen Generalnenner für die kulturellen Be- strebungen finden möchte. Es wäre besser, daß anstatt dieser heroischen Reden eine dramatische Szene aus dem Werk vorgelesen worden wäre. Aber sowohl Carsch wie auch Bluth wenden sich energisch gegen die aktuelle Bllhnenreportage, die sich als Dichtung inaskiercn möchte, ohne daß sie von größeren Gesichtspunkten aus als den«» des augenblicklichen Erfolge's gestaltet werden. Vielleicht könnten diese Autoren einmal auch Prinzipielles zur äußeren modernen Dramenform erwähne», denn die Diskussion über die Inhalte ist reichlich bekannt und gibt neben guter sprachlicher Stili- sierung kaum etnxis Neues. M o e l l e r, dcr Verfasser des Panamaskandals, verläßt dagegen die gewohnte» Bahnen. Ein paar Wort« von ihm illustrieren eingehend«ine politische und wirischaft- liche Lag«. Abends die Operette„Donna I u a n i t a" von Franz Suppe in sehr guter Aufführung. Der Rundfunk rettet hier ein musikalisches Gut, das im Laufe der Zeit den Theatern verloren gegangen ist. F. Scli. Im RviwTheater findet am Bußtag(Mittwoch, 19. November), 15% Uhr, «Ine Feierstunde statt. Das Programm wird bestritten von Leo Schützendorf, von der Berliner Staatsoper, und Irene Triesch. Anschließend daran findet eine Wiederholung des Mnsterienspicls aus dem 15. Jahrhundert:„Der Acker- mann und dcr Tod" statt. Sozialtstische Arbeiterjugend Groß-Berlin Einsendungen für diese Rubrll nur an da» Zuaenblelretaet« Berlin SW«6. rindenürai« 3 „Rote Schüler." Die Oktvber.Rummer ist erschienen und sofort von den Vertriebsvcrtraucnslcutcn dcr SEG. und den Schülervertrouenslcuten der Werbebezirle abzuholen. Revolutionsscier der Partei am 9. November in der AutoHalle am Kaiser. dämm. Karten für Jugendliche 30 Pf., sonst 60 Pf., müssen umgehend von den Gruppen abgeholt werden. Erwerbslose gegen Vorzeigung der Stempelkarte Eintritt frei. Volksbühnen, Sondervorstellung sür Zugeudlich« am 9. November. Einig« Karten zu 80 Pf. sind noch zu haben. Der Berichtsbvgen vom 8. Quartal muß umgehend abgeNefert werden. Heute. Mittwoch. 29. Oktober. 19'/, Uhr: Gesundbrunnen II: Heim Chriftianiastr. 88.„Berufsschulwesen."— Norden: Heim Lvrtzingstraße. Einsllhruiigsabcnd.— Wedding: Neues Seim. Willdeuvw- strotze 8..„Zweck und Ziele dcr SAJ."— Faltplatz I: Funktionärsttzung beim Ge. nassen Milbe, Schönhauser Allee 59.— Falkplatz II: Funltionärsitzung beim Genossen Rudals Marx.— Hohenschönhausen: Schule Dingelstädter Str. 50. „Einführung in den Marxismus."— Andreasplatz! Heim Brommystr. l. „Marxismus", l. Teil.— Frankfurter Piertel! Heim Franksurter Allee 307. „Das Reichsbanner."— Luisenftadt: Heim Wassertorstr. 9.„Nutzen und Zweck des sozialen Manderns."— Reichenbcrger Viertel: Heim Britzer Str. 80. Tagespolitik.—«harlottendurg-Rord lAelterej: Heim Olbersstraßc. Tages- polltik.— Lankwitz: 15. Gemeindeschule, Schulstraße.„Bürgerlid»- Jugendbewegung und wir."— Wannsee: Schule Eharlottcnstraße...Reiseerlebnisse." — Neukölln XI! Heim Flughafenstr. 68. Funktionärsitzung.— Fallenberg: Heim auf dem Eutshof dcr Gartenstadt.„Die saschistisd»« Ge-iahr."— Friedrichs Hagen: Heim Friedrichstr. 87.„Warum bin id> in der©AI."— Friedrichsfeld«: Hein: Gunterstr. 44.„Was bedeutet uns der Betriebsrat?"— Reu-Lichtenbcrg: Heim Hausfstraße.„Reidisbanner und Schutzbund."— Lichtenberg-Rord: Heim Gunter» straßc 44.„Der Einfluß der 2. und 3. Internationale in anderen Ländern." — Lichtend« rg.Rardweft: Helm Dossestr. 22. Mitgliederversammlung.— Paulo» (R.-F.): Heim Kissingenstr. 48. Heimabend. Instrumente mitbringen. SSG. Renkölln iAcltcre): Heim Bergstr. 29.„Moderne Sträflingsfürsorge." er«.„Moderne Kinder- und Jugenderziehung." Herbeb«, irt Mitte- Heben dcr Agitationsgrupp« im Werkraum Köpenick« Strafte 125. Zahlreiche Beteiligung wirb erbeten. Wcrbebczirl Tiergarten- Evrrchchorprobi, Schul« Waltenserstr. 20. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Probe bcs 1. Teiles, sowie Sprechchor. Pünktlich 20 Uhr Heim Sonnenburger Str. 20. All« beteiligten und inter» essierten Genossen müssen erscheinen. Volkstanzkursus(Anfang-rkursus), Weh. lauer Straße 8. Turnschuhe mitbringen. Morgen Treffpunkt zur Probe des Sprechchors für Proletarisch« Feierstunden pünktlich 19 Uhr im Bezirksamt. Beteiligung aller Genossinnen und Genossen, die keiften Gruppenabend haben, Äcrbebezirl Westen: Werbebezirksfunktionärversammlung um 20 Uhr im Heim Roffnenstr. 4. Alle Fnnkl-onär« müss"" imhebi-v» erscheinen. Werbe bezirk Tcltowkanal: Beginn des Volkstanzkursus, Bolksschul« Lank- Witz, Sendlitzstraße. Werbebezirk Neukölln: Engere Werdebezirksvorstanpssißung im Parteibüro, Fulda strafte.?n--»ckornrob» im Heiin Kanner Straß«, Werbebezirk vberspre«: Beginn des Bilbungskursus. Heim Baumschulenweg. Grnststr. 16, oberes Zimmer.„Was muß der Arbeiter von der Wirtschaft wissen?" Webebezirk Lichtenberg: Zusammenkunft oller erwerbslosen Genossinnen und Genossen um ll Uhr im Heim Hauffstraß«. Werbebezirk Schineberg: Morgen Fahrt der erwerbslosen Genossen nach den Havelbcrgen. Treffpunkt 10% Uhr Kalscr-Wilhclm.Platz. 25 Pf. Fahrgeld. Sport. Rennen zu Grunewald am Dienstag, dem 28. Oklober. 1. Rennen. 1. Vatdar(Egqertz), 2. Fakir, 3. Ute. Toto: 93:10. Platz: 39, LS: 10. Ferner liefen: OSram, Charitas. Musketier. 2. Renne n. 1. Gasron(Narr), L. Oriolus, 3. Viaduct. Toto: 29:10. Platz: IS, 27, 32 MO Ferner liefen: Helmut, Prolongobardc, Feiet. RamseS, Auch einer, Silberfuchs, Ostade. 3. Renne n. 1. Maiennacht(Sajdil), 2. Orenburg, 3. Garibaldi, 1. Edeldamc. Toto: 45:10. Platz: 14, 32, 2l. 15: 10. Ferner liesen: Pival, kkriegsipiel. Helmbusch, Äalvani. Hlo«, SilviuS, Lehnsherr,. Fasanen- heune. Galiena Reale. 4. Renne II. i. Marie Louise(®. Streit), 2. Ich will. 3. Tcutschc. Toto: 42: 10. Platz: lS, ll, 16: 10. Ferner liesen: Frivole, Thüringen, Makrele. Modestä. 5. R e ii ii e». 1. Wiener Blut(O. Schmidt, 2. Rhapsodie, 3. Int. Toto: 16:10. Platz: II. 15:10. Ferner lies: Osniunda. 6. Renne n. l. Evelyn(Narr), 2. Varro, 3. Berenice. Toto: 26: 10. Platz: 16.21,29:10. Ferner Uesen: Müsse, Cyllop, Mentha, Bicnchen, Pracht, Göttersage. 7. R e n n e n. 1. Moira(Huguenin), 2. Malatesta, 3. Eidora. Toto: 29:10. Platz: 12,12, 16:10. Ferner liesen; Roderich, Pcllcgrino, Borussia, Tarnschild._______ wetteraussichten sür verlin: Zeitweise etwa- ausklarend, doch überwiegend bewölkt, nur unbedeutend« Niederschläge, ziemlich kühl. — Für Deutschland: Ueberall ziemlich kühles und stark wolkiges Wetter, vielfach etwas Regen. JJJyAS RESULTAT UNSE- v RER QUALITÄTSPOLITIK.|| Es ist interessant das Urteil neuer Raucher der 1 1 MAKEDON-Zigaretten zu hören. Alle, die unsere| hochwertigen Marken kennen gelernt haben, er* I klären begeistert, so zufrieden damit zu sein, daß es ihnen unmöglich erscheint, jemals auf eine andere Marke zurückzukommen. Diese spontane Feststellung der neuen Raucher unserer Zigaretten ist die beste Empfehlung für unsere Marke: �Dichter schütten ihr Sierst aus Ton fflans Sauer Alle Jahre wieder... Mngt aus den Spalten irgendeiner Zsi- tung oder Zeitschrift ein dufteres Lied auf und erinnert uns ddran. daß es der Poet war, der am allerletzten kam, als die Güter der Welt unter die Menschen verteilt wurden. Diesmal wurde das Lied in der„Berliner Börsen-Zeitung" angestimmt und seine Weise ist bedrückender als je. Ein Dutzend Dichter schreibt über die materielle Lage des Standes... grau in grau, pechschwarz in pechschwarz. Es ist wahrhaft ein Lied des Ianimers, aber auch eines des Zornes, das uns entgegentönt. Else Lasker-Schüler berichtet, daß sie dieser Tage von ihrein Verleger die Quartalsabrechnung für elf Bücher bekommen habe: sie habe 18,20 Mark betragen, 5 Mark mehr als im vorangegangenen Quartal. Kurt Martens, der das Feuilleton der„Münchener Neuesten Nachrichten" heroisch verließ, als sein Blatt nach der Revolution in das reaktionäre Fahrwasser einmün« dete, bezeichnet seine Einkünfte als minimal und unsicher und sieht ein Greisenaltcr voraus, das im Elend enden werde. Alfred Brust weiß keinen Ausweg mehr: er überleg« es sich ernsthaft, was mit diesem Leben noch zu beginnen sei. Alfred Richard Meyer, Ge- schäftssührer der„Notgemeinschaft des deutschen Schrifttums", schreibt, daß Exmissionen, Pfändungen, nicht einlösbare Versatz- scheine bei den bekanntesten Dichtern etwas Alltägliches seien... Vor allem klagen die Dichter an. Walter von Molo reitet eine wilde Attacke gegen Rekorde, Boxen, Kinogröhen und anderen„Quatsch und Tratsch ungeistiger Art". Gottfried Venn hat bitteren Hohn für die Banken, die Truste und die„amerikano-sarmatische Gruppe unter den-Autoren", die selber die Verkündigung in die Hand ge- nommen hätte, ein Boxmatsch, ein Dauerslug, ein Tarifftunk sei wichtiger, imposanter, zügereicher als dos Anlitz des Gedichtes". Ernst von Wolzogen geht politisch aufs Ganze und zieht über die „widerdeutschen Gewalten" her, die„planmäßige Klassenverhetzung und Verführung zu gottlosem Gcnußleben" betrieben. Der- einzige Lichtschimmer, den er sieht: Noch immer sei der Wille zmn Mäze- natentum nicht oöll>g ausgestorben, und wenn auch die Zeiten vor- über seien, in denen die Fürsten halfen, so gäbe es immerhin noch „tapitalsiarkc Privatleute wie den Konunerzienrat Kossenhaschen, die eine offene Hand für ideale Zwecke hätten". Es dürfte wenig ersprießlich sein, mit Ernst von Wolzogen po- l-tifch zu rechten: aber über eines sollte Einnmligkeit herrschen: Der Ruf nach dem Mäzen, gar der nach dem fürstlichen, ist unter allen auf die Verbesserung der Lage der Dichter gerichteten Vorschlägen der unwürdigste und am wenigsten charaktervolle. Freier Herr im Reiche der Phantasie-- abhängig von der Gunst Seiner Hoheit oder her des Herrn Komnierzienrats, van launenhafter Barmherzig- teit eines einzelnen also, das gehl nicht. Der Dichter als Einzel- perjon mag sich unterstüyen lassen van wem er will: das ist seine Sache. Aber das Dichtertum als solches, die Gattnug Dichtertum, kann man unmöglich auf Schnorren verweisen. Und wie wäre wirklich zu helfen? Es gibt kein allgemein gül- tiges Rezept. Völlig unmöglich, zu sagen: so und so muß es ge- macht werden! Gottfried Bcnn hat durchaus recht, wenn er auf den Einwurf„Unterstützungen" erwidert:„Wer soll denn unter- stützt werden? Alle die im Kürschner stehen? Nur die Promi- nenten? Wer ist das, wer bestimmt das...?" Aussichtslos, auf diesem Wege zum Ziel zu kommen. Es gibt hier, weniger noch als' in anderen Disziplinen, ein Radikalmittel. Es gibt nur den, aller- dings wegen des Fehlens aller ökonomischen Machtmittel, beispiels- weise des Streiks, sehr schwierigen Versuch, durch den Zusammen- schluß zu besseren Bedingungen zu kommen. Aber darüber hinaus darf zu dem Problem der Dichternot viel- leicht einmal eines gesagt werden: Wer ist Dichter? Wer ist „bloß" Schriftsteller? Wer ist„bloß" Journalist? Es ist«in biß- chen lächerlich, nach äußerlichen Gesichtspunkten Unterscheidungen zu machen. Es gibt Leute, die aller zwei, drei Jahre einmal unter viel Gegackcr, mit einem fragwürdigen Buch oder einem ver- waschenen Drama zur Welt kommen, es gibt andererseits Gerichts- reparier, Theaterreserenten, Kinokritiker, Glossenschreiber, die mit der größten Selbstverständlichkeit und ohne daß darob viel gekräht würde, jeden zweiten Tag eine gewiß nicht weltbewegende, aber doch gescheite und geschliffen« Arbeit auf dem Redaktionstisch nieder- legen. Sind jene die großen Dichter, diese die kleinen Tagesschrei- ber? Um ein einziges praktisches Beispiel zu nennen: eine kleine Zeitungsglosse Alfred Polgars ist schöner, wichtiger und vor ollem dichterischer als«in Vierakter... sagen wir Josef von Lauffs. Die Not unter den Dichtern ist riesengroß, aber sie ist nicht be- klagenswerter, abschasfenswerter aks die Not schlechthin. Es scheint, daß bei den Dichtern oft eines übersehen wird: Dichten, im Sinne von: Träumen, von: Visionen haben, von: Verbindung suchen mit dem Ewigen: das tun all«, die nicht gerade sture Klötze sind, jeder, der mit der geliebten Frau über die sommerliche Wiese geht, jeder der in den klaren Sternenhimmel blickt. Dichten tut(immer mit Ausnahme der Klötzel die ganze Welt. Die Dichter im eigentlichen Sinne haben vor denen im uneigentlichen Sinne eines voraus: sie vermögen es, ihren Bisionen Wortgestalt zu geben: ober das ist kein seelischer, sondern ein handwerklicher Vor- z u g. Handwerk muß bezahlt werden. Das Dichterhandwerk wird, im Durchschnitt und in der Regel, jämmerlich und erbarmungswürdig bezahlt. Aber sofern überhaupt die Möglichkeit einer Besserung besteht, ist sie bestimmt nicht durch die sentimentale Berufung auf die schönx Seele des Dichters durchzusetzen, sondern nur als Aus- Wirkung sozialer Zustände denkbar, die die geistige Leistung besser schützen, als sie heute geschützt wird. Kürzer gesagt: nur die Po- litik kann helfen.„Unser Reich ist nicht von dieser Welt", sagt Gottfried Ben». Der dichterische Gefühlsrohstoff gewiß nicht, aber es muß versucht werden, den im Manuskript Gestalt findenden Hand- merklichen Niederschlag der inneren Gesichte immer scster in dieser Welt Fuß fassen zu lassen. Mimmelsrätsel Das Mount-Wilson-Observatorium hat mit seinem lOOzölligen Teleskop über entfernte Welten Feststellungen gemacht, durch die dargetan wird, daß in dem weiten Himmelsraum Welten mit fast unvorstellbaren Eigenschaften vorhanden sind. Wir wissen, daß sich olle Himmelskörper mit größerer oder kleinerer Geschwindigkeit be- wegen. So hat die Erde bei ihrem Laus um die Sonne«ine Schnelligkeit von 23,7 Kilometer in der Sekunde. Mit dem Sonnen- system bewegt sie sich zugleich mit der Milchstraße mit einer viel größeren Geschwindigkeit, nämlich mit 7SO Sekundenkilometer nach dem Stern Ca p ella, da sie die Eigenbewegung der Milch- straß«, die nach diesem Stern mit der genannten Geschwindigkeit gerichtet ist, mitmachen muß. Schon 730 Kilonieter in der Sekunde erschienen für ein Wellensystem als beträchtlich« Beschleunigung, zumal sie gegenüber der Erde das 23fache des Wertes darstellt. Nun hat das Mount-Wilson-Observatorium in dem Sternhaufen des Großen Bären einen Nebel festgestellt, der sich mit der un- vorstellbaren rasenden Schnelligkeit von 11 500 Kilometer in der Sekunde von der Erde fortbewegt. Diese Geschwindigkeit wurde mit Hilfe der Spektralanalyse errechnet, für die während 9 Nächten in 50 Stunden die erforderlichen Ausnahmen gemacht wurden. Durch die starke Rotverschiebung im Spektrum, die sich bei den Aufnahmen zeigte, konnte diese ungeheure Schnelligkeit der fernen Nebelwelt errechnet werden. So kann man mit Hilfe der neueren Forschungsmittel Einblicke in die größten Fernen des Himmelsraumes erhalten und Eigenschaften der Gestirne kennen- lernen, die die Schöpfung immer rätselhafter erscheinen lassen. Das Geheimnis der Vorgänge in jenen nebelhaft erscheinenden Stern- systemen ist unergründlich und unerklärlich, denn obwohl es mit Hilfe der Spektralanalyse gelingt, die Einzelheiten dieses Geheim- nisses den Sternenwelten abzulauschen, so haben wir doch keinerlei Möglichkeiten, uns dies« unerhörten Erscheinungen und ihr« Ursachen zu erklären. Ebenso rätselhaft ist die Feststellung des gleichen Observatoriums, daß im Sternbild des Pegasus ein junger Stern vorhanden ist, bei dem eine Oberslächentemperatur von»ngesähr 100 000 Grad erreicht wurde. Es ist die' höchste Temperatur, die bisher bei Sternen festgestellt wurde und die aus die gewaltigen Energien hin- weist, unter denen sich neue Welten entwickeln. Zwischen den er- kaltenden Sternen, wie z. B. unserer Sonne, die eine Oberflächen- temperatur von 6000 Grad hat, und diesem Stern ist ein Wärme- unterschied, der die Mannigfaltigkeit und Vielaestaltigkeit aller Erscheinungen im Weltenraum dartut. Mit dem Unterschied der Temperaturen ist natürlich auch ein Unterschied in dem Wesen der verschiedenen Sterne verbunden. Hierfür gibt es einige ganz besonders charakteristische Beispiel«, die die Verschiedenartigkeit der Beschaffenheit der einzelnen Sterne beleuchten. Auch die verschiedenen Dichten weisen nämlich Unterschiede auf, wie wir sie aus Erden nicht kennen und die selbst noch Unter- schiede der Dtchte von Lust, Eisen oder Platin um das Vieltausend- fache Übertressen. Als Beispiel dafür sei angeführt, daß unsere Sonne eine mittlere Dichte von 0,25 unserer Erde, also 1,11 von der Dichte des Wassers hat. Daraus geht hervor, daß unser Tages- gestirn schon eine ziemlich große Festigkeit erlangt hat. Run gibt es Riesensterne, wie z. B. der Stern Capella, der eine Dicht« hat. wie die unserer Lust. Er ist also in des Wortes wahrster Bedeutung «ine Art von lustförmiges Gebilde. Das ist aber noch nicht der geringste Grad von Dichtigkeit, denn der Stern Antares hat sogar nur eine Dichte wie ein mit Hilfe einer Luftpumpe luftleer geniachter Raum. In. diesem befindet, sich� bekanntlich auch noch Luft in.einer großen Verbindung,' Pa- völlige' Luftleere technisch nicht darzustellen ist. Dies« Verdünnung zeigt der Stern mit der geringsten Dichtigkeit. Demgegenüber stehen Sterne mit einer. Dichte, die geradezu unge- heuerlich ist. Bisher hielt man den dunklen Begleiter des Sirius als den dichtesten Stern, da er einen Wert van dem 50 000fachen des Wassers, also fast von der 50 000fachen Dichte unserer Sonne hat. Der Astronom van Mannen fand nun einen Stern, der noch neunmal so dicht ist' wie der Sirius-Vegleiter und fast lOOOOOrnal so dicht wie unsere Sonne. Die Masse dieses Sterns beträgt das 16 000fache der Dichtigkeit des Platins. Ein Liter Wasser, der bei uns ein Kilogramm wiegt, würde auf diesem Stern das lOOOOOfache dieses Gewichtes aufweisen. Es müßten Loko- motiven von gewaltiger Zugkraft gebaut werden, um diese rerhält- nismäßig gering« Menge Wassers oder des entsprechenden Stoffes dieses Sterns fortzubewegen. Man hat auch Erklärungen für. diese groß« Dichte vermutet, indem man annimmt, daß hier die Materie sich in einem seltsamen Zustand befindet, denn sie besteht aus Atomkernen, die ohne die Elektronenbahnen vorhanden und fest aufeinander gepackt sind, so daß ein Stoff von einer deraNigen Schwer« entstehen kann. Sechs&iund Schwere Ohrringe Tief im Urwald von Sumatra haben die Damen der höheren Kreise ihre Ohren zu erstaunlichen Lastträgern ausgebildet. Bei dem Stamnl der Karo-Batat wird nämlich die hohe Geburt und die Vornehmheit einer Dame durch die Schwere ihres Ohrschmuck?? ausgedrückt. Die Frauen tragen dort Ohrringe aus Silber, die bis zu sechs Pfund wiegen. Eins Reisend«, Shirley Vernon, die kürz- lich diesen Stamm besuchte, hat ein Paar solcher Riesenohrring« mitgebracht, aber es besteht keine Gefahr, daß man in Europa diese Mode aufnehmen könnt«, denn die europäischen Ohrläppchen wür- den diese Beanspruchung nicht aushalten. Die Frauen und Töchter der Häuptlinge tragen diese Ohrringe, die von den heimischen Silber- schmieden mit großer Kunst angefertigt werden und einen Wert bis zu 20 000 Mark besitzen. Die anderen Frauen müssen sich mit leichterem und weniger schönem Schmuck begnügen, doch tragen die verheirateten Frauen immerhin noch Ohrringe, die bis zu drei Pfund schwer sind: bei den Aermercn sind diese Schmuck'tücke oter nicht aus Silber, sondern aus Holz oder Knochen. Die jungen Mädchen müssen sich mit leichtem Ohrschmuck begnügen, ober sie legen schon vor der Verheiratung„zur Probe" die schwereren Oh'- ringe an, damit sie sie auch trogen können, wenn ihre Sehnsucht nach dieser Last befriedigt wird. Vom paplernen Zeitalter. Die Welterzeugvng an Rapier ist im letzten Jahrhundert immer Höker gestiegen. Während sie 1800 nur 10 000 Tonnen betrug, hatte sie sich nach 50 Jahren verz-hniacht, 1900 die Menge von 8 Millionen Tonnen. 19l1 von 10 Millionen Tonnen erreicht und ist 1927 aus 18� Millionen Tonnen gestiegen. Zur Beförderung dieser Papiermengs wären 1850 000 Waggons notwendig, die einer Länge von 18 500 Kilometern ert- svrechen. Ein Drittel all dieses Papiers wird zur Heritellung von .Leitungen verwendet, felt ebensoviel als Pack- und CinW-loavapie". fieitaus den größten Papierverbrauch weist die Bevö'kerung der ereinigten Staaten auf, wo auf den Kopf 69 Kilogramm jährlich koinmen: in England beträgt der jährliche Papieroerbrauch 37. in Deutschland 26,5, in der Schweiz 25. in Italien 9, in Rußland 3 und in Indien nur 1-Kilogramm. Setix Scherrrt: c Als Reginald Glasow an den Verkaufstisch für Herrenhaiidschuhe trat, war er fest überzeugt, diesmal mit der kleinen Verkäuferin eine Verabredung zu treffen. Lotte Popp hatte ihn sofort wiedererkannt, den nach letzter Mode gekleideten Herrn, der gestern ein Dutzend der teuersten Wildlederhandschuhe kaufte und ihr so prüfend in die Augen geschaut hatte. Während sie sich jetzt bemühte, einen schweren Nappastepper aus feine Finger zu streifen, wobei Reginald wieder mit leiser Rührung die Rauheit ihrer kleinen Hände spürte, fragte er mit lebenlännischer Selbstverständlichkeit ganz nebenbei, ob er das Fräulein wiedersehen dürfe. Die unscheinbare Lotte Popp war an solche Fragen nicht gewöhnt und senkt« verwirrt die Augen. Eine Aufsicht, die mit Argusaugen vorüber spazierte, erschwerte noch die Situation. Aber Lotte überwand die angeborene Schüchternheil in diesem besonderen Falle, wo es sich vielleicht darum handelte, das Glück zu machen, und flüsterte ein kaum vernehmbares„Ja", wobei sie zu ihrem größten Aerger errötete. Reginald Glasow bemerkte es mit Genugtuung. Sein Kenner- blick hatte ihn also nicht betrogen, das war wirklich das einfache Kind aus dem Volke, das ihm, dem blasierten Weltmann und Frauen- kenner, als den er sich selbstgefällig fühlte, eine nicht zu oerachtende Abwechselung bieten würde. Feine Sache eigentlich, so ein un- beschriebenes Blatt! Man würde da Erzieher spielen können und schließlich wie ein Gott vor diesem unverdorbenen Wesen dastehen. Wie lieb und bescheiden sie in dem schwarzen Kittel aussah! Der blasierte Reginald beugte sich beim Anpröbieren des zweiten Hand- schuhs ganz tief Uber Lotte Popps blondes Wuschelhaar, das einen leicht muffigen Geruch ausströmte und bestimmte:„Also morgen abend, an dek Normaluhr Bahnhof Zoo, um halb neun." Lotte Popp nickte. Freude und Stolz über diesen ungewohnten Erfolg ihres kleinen, wenig beachteten Perfönchens beraubten sie fast der Sprache. Was der nur an ihr fand! Und die Kolleginnen sagten doch immer, daß sie so miekrig aussähe. Reginald- erhielt sein Päckchen und entfernte sich mit lässigem Kopfnicken. „Mensch, Lotte, den mußte dir warm halten, von dem kannst« was erben!" Mieze Kippke sagte es während der Kaffeepause in der Kantine, und Mieze Kippke wußte Bescheid in diesen Dingen. „Das is'n Kavalier, sag' ich dir!" Lotte Popp war jetzt davon überzeugt, daß sie vor einem Wende- punkt ihres Lebens stand. Auto und Villa winkten verheißungsvoll, und sie sah sich schon als große Dame in Modellkleidern und Pelzen. Aber die rauhe Wirklichkeit war leider anders.„Was zieh' ich bloß an", stöhnte sie aus tiefftem Herzen und fuhr sich mit beiden -Händen in das zerzauste Haar. „Ich pump' dir mefti schwarzes Taftkleid", erklärte Mieze Kippke sofort hilfsbereit. Durch einen generösen Freund war sie in den Besitz dieses Prachtstückes gelangt, das sie hin und wieder gegen zwei Mark Leihgebühr an diejenigen Kolleginnen oerlieh, die kein Abeirdkleid ihr eigen nannten. Lotte Popp leuchtete aus „Und morgen abend komme ich mit dir und helfe dich anziehen!" Die Hllfsbereitschaft der Mieze Kippke kannte jetzt keine Grenzen. Man mußte diesem unerfahrenen Ding mit Rat und Tot zur Seite stehen und man konnte nie wisien..., wenn die jetzt ihr Glück machte, würde man auch davon profitieren können. Lotte siel ihr vor Dankbarkeit um den Hals. Am nächsten Abend begleitete Mieze Kippke chre kleine Kollegin nach Hause. In der Aktenmappe lag neben der leeren Thermos- flasche und dem Stullenbehälter das schwarze Stilkleid, das im Pöppschen Haushast noch schnell auf neuen Hochglanz gebügelt In ytendesBvous werden sollte. Lotte war furchtbar aufgeregt und gehorchte blind de» Anordnungen, die Miez« Kippke mit großer Sachkenntnis erteilte. Eine glühende Brennscheere, von Fräulein Kippkes kundiger Hand geführt, brachte Ordnung in Lottes wirres Haar.„Au!" schrie sie, denn im Eiser war dos linke Ohrläppchen mit onduliert wordön. Dasür saßen di� Wellen jetzt aber auch wie mit dem Beil gezogen. „Das hält mindestens vierzehn Tage", stellte Mieze Kippke befriedigt fest, und ging mit Puder und Lippenstift auf die blasse Lotte los, die nach dieser Behandlung den Anblick eines Indianers auf dem Kriegs- pfade bot. Lottes Mutter, durch diese Vorbereitungen beunruhigt, stellte verwunderte Fragen und erhielt die Auskunft, daß man zusammen auf ein harmloses Tanzvergnügen ginge. Frau Popp war altmodisch und die Kippke hielt es für ratsam, sie über den wahren Sachverhalt im unklaren zu lassen. Schwänzchen, der kleine Nachkömmling des Hauses Popp, strich mit scheuen Händen über die Pracht des auf einem Stuhl ausgebreiteten Kleides und biß schmatzend in seine Schmalzstulle. Wie schön das knisterte. Mit einem spitzen Entsetzensschrei rettete Miez/ Kippke das gute Stück und scheuchte Schwänzchen fort. Und dann kam der große Augenblick, Mieze streifte die schwarze Seide über Lottes Schlankheit, zupfte den Sitz zureckst und weidete sich an dem gelungenen Werk. Eine dunkelrote Ansteckblume wurde an der Schulter befestigt und Mieze kramte zur Kröziung des Ganzen «ine dicke, blitzende Kette aus ihrem Kösierchen, die mit beinahe feierlicher Gebärde um Lottes Kinderhals gelegt wurde. „Ich geb' dir noch ein bißchen Parfüm!" Mieze entnahm ihrer Handtasche ein sorgsam behütetes, winziges Fläfchchen und tupfte mit dem Finger eine Andeutung von Chypre auf Lottes Busen, der sich zaghaft unter dem starren Taft des Kleides verkroch. Mieze half der Freundin und Kollegin in den Trenchcoat, der ja eigentlich nicht zu dem langen Abendkleid passen wollte, und Lotte stülpte sich mit unendlicher Vorsicht, um die Frisur zu schonen, die kleine Filzglock« über. Unterwegs erteilte Mieze Kippke nach schnell Lerhaltungs- maßregeln. ..Erzähl' nicht gleich, daß du so selten ausgehst. Sag' ihn,, du Host einen reichen Freund, dann wird er scharf!" Die mondän aufgezäumte Lotte versprach, alles auf das genaueste zu befolgen.' „Also mach's gut!" Mit großer Geste raffte Lotte die Schleppe ihres Kleides und schritt die Trepp« zur Untergrundbahn hinab. Gelangweilt schlendert« Reginald Glasow vor dem Bahnhof Zoo auf und ab. Die Hände hatte er tief in die Taschen seines Raglan vergroben. Eine vorüberstohierende Dame in hellem Sommerpelz blickte ihn aufmunternd an. Reginald blieb stehen und runzelte die Stirn. Diese geschminkten Puten mit den großen Ansprüchen waren ihm jetzt gründlich über. Da war das nette kleine Mädchen aus dem Warenhaus etwas anderes. Er begann seine Promenade von neuem und riß plötzlich in äußerstem Staunen die Augen auf. Was war denn das?! Das konnte doch unmöglich...!? Mit einem Sprung rettete er sich in das Portal des Bahnhofs und betrachtete von hier aus, noch immer fassungslos, die seltsame Verwandlung der Lotte Popp. Eine halbe Stunde später tippelte Lotte Popp noch immer auf- geregt unter der Normaluhr hin und her. Ht 502• 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 29. Oktober 1930 VBMI. will wieder Gehaltsabbau! Maffenkündigung von 50 000 Angestellten.— Hungsrdiktatur von Borsig und Genoffen. Der Verband Berliner Metallindustrieller, unter der glorreichen Führung des ijerrn von Borsig, verschickt an seine Mitglicdsfirmcn folgendes Rundschreiben: Rundschreiben Rr. 2dl t/Z 0. Betrifft: Gehaltstarif. Unter das Kündigungsschutzgesetz fallende Angestellte. Der zur Zeit geltend« Gehaltstarifoertrog für Angestellte ist erstmalig am W. Februar 1931 zum 31. März 1931 kündbar. Da diese Kündigung ausgesprochen werden wird und demnach mit Wirkung vom 1- April 1931 nif niedrigeren Tarifsätzen zu rechnen ist. ist bei Angestellten, deren Anstellungsvertrag nicht ausdrücklich Bezahlung nach den jeweils geltenden Tarifsätzen Vorsicht, eine Aufkündigung des alten Arbeitsvertrages not- wendig, um ein niedrigeres Gehalt vereinbaren zu können. Bei den hierzu erforderlichen Kündigungen ist die für den einzelnen An.qestellten geltend« Kündigungssrist einzuhalten. Da das Kündigungsjchutzgesetz je nach der Dauer der Zugehörigkeit des Angestellten zum Unternehmen Kündigungsfristen von drei bis sechs Monaten zum Quartalsschluß vorsieht, ist zu beachten, daß Angestellten mit fünfmonatiger Kündigungsfrist am 31. Oktober 1939, mit viermonotiger Kündigungsfrist am 39. November 1939, mit dreimonatiger Kündigungsfrist am 31. Dezember 1939 zum 31. März gekündigt wird, um ihr Gehalt im Falle des Zustandekommens niedrigerer GehallssShe am 1. April 1931 mit diesen in Einklang zu bringen. Bei Angestellten mit sechsmonatiger Kündigungsfrist ist«ine rechtzeitig« Aufkündigung zum 31. März 1931 nicht mehr möglich. Solchen'Angestellten empfehlen wir am 31. Dezember 1939 zum 39. Juni 1931 zu kündigen. Bei Kündigungen von Mitgliedern de? Betriebsvertrewngen bzw. von Schwerbeschädigten bedarf es der Zustimmung der Be- triebsoertretung bzw. der chauptfürsorgestelle. Die hierfür maß- gebenden Bestimmungen dürfen wir als bekannt voraussetzen. Es empfiehlt sich, bei Kündigungen, die nur aus vielem Grund« erfolgen, zum Ausdruck zu bringen, daß die Kündigung vorgenommen wird, um bei einem Heruntergehen der Tarif- gehälter das Gehalt mit diesen in Einklang zu bringen. Verband Berliner Metallindustrieller. Tagebuch-Nr. 13891/39. gez. Oppenheimer. Das ist der zweite Gehallsabbau, den der Verband Berliner Metallindustrieller vornehmen will. Erst Gehaltskürzung bei Arbeitsstreckung. Jetzt Gehaltskürzung auch ohne Arbeitsstreckung. Die Angestellten sind rechtzeitig gewarnt. Di« Unternehmer hoffen, diesen zweiten Gehaltsabbau durchsetzen zu können, weil sie wissen, daß noch immer ein« beträchtliche Anzahl von Angestellten nicht freigewerkschastlich oder gar unorganisiert ist. Wenn die Angestellten den sie bedrohenden Gehaltsabbau v« r- hindern wollen, dann ist es jetzt die h ö ch st e Zeit, es so zu machen wie ihre Unternehmer. Ihre Unternehmer gehören alle einer Organisation an, dem Verband Berliner Metallindustrieller. Auch die Angestellten müssen sich den dem AsA-Bund an- gehörenden freien Gewerkschaften anschließen. Das ist die beste Antwort. Achtung, Obleute der VVMI.- Betriebe! heule vormittag. 10 Uhr. Obleutekonseren, der Streikleitungen der vVAlZ..Betriebe in der kulturableiluvg des Deutschen Jltelall- arbetterverbondes. LInienstrahe 198. Als Legitimation gilt die grüne Ausweiskarle. Golidariiatskundgebung. Gas- Elektrizität«!« und Wasserwerksarbeiter. Di« Sektionsleitung und die Obmänner der Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerksarbeiter beschäftigten sich in ihren Sitzungen mit der Situation im Metallarbeiterstock. Di« Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerksarbeiter wissen, daß die Berliner Metall- arbeite? diesen Kampf im Interesse der gesamten deutschen Arbeiterschaft führen. In einer Zeit, in der infolg« der Rationalisierung, des niedrigen Reallohns und der geringen Kaufkraft in Deutschland 3 Millionen Arbeitslose und ein Heer von Kurzarbeitern vorhanden sind und die Kosten für die Lebenshaltung der Arbeiterschaft durch Erhöhung der Mieten und Fahrpress«, durch Erhöhung der Beiträge für die Arbeitslosenversicherung, durch Erhebung von Gebühren für Kranken- schein, Medizin und Heilmittel, durch die Ledigensteuer und durch die Kopf, und Getrönkesteuer erheblich gesteigert werden, muß ein Schiedsspruch auf Abbau der Löhn« als Provokation der gesamten Arbeiterschaft wirken. Aus diesem Grunde sprechen die Gas-, Elektrizitäts- und Wasserroerksarbeiter den ft reitenden Metallarbeitern ihre volle Sympathie aus und verpflichten sich, diesen Kampf im Sinn« der Beschlüsse der freigcwerkschaftlicheu Organi-- jationen nachdrücklichst zu unterstützen. Kommunistischer Zirkus. Zu einer sogenamiten Metallstreikkonferenz im Zirkus Busch hatte die KPD. aufgerufen und versucht, alles auf die Bein« zu bringen, was möglich war. Die Mitglieder ihrer REO. waren als Gäste geladen, die meisten Besucher legitimierten sich am Eingang als Gäste. Ueber eine Stunde wartete man auf den Zustrom, doch es blieb reichlich unbesetzter Platz. Ueber die persönlich« Einstellung der Zirkusb esucher zum Metallarbeiterstreik wurde der Fragebogen einer psychologischen Arbeitsgemeinschaft verteilt, der nur durch Unterstreichungen auszufüllen war. Di« Befragten tonnten auf„baldige Beendigung oder./Dauer- streik� tippen, als persönliche Stimmung„begesstert, gut, gleichgültig, mies' anstreichen. Für die Beantwortung der Frage:„Werden die Gewerkschaftsführer kämpfen, vermitteln, verraten?' machte Herr Ulbricht die richtige Stimmung. Er schimpsle auf Seoering, llrich und erzählte den Moskaugläubigcn, an der Spitze der Streitleitung Kiindeu Männer, fcc ptzt de» Kdlffesfejad ocrbuabtit seist. Mit ihnen könne der Streik nicht gewonnen werden. Diese lügnerische Behauptung sand selbst in dieser Nersamnckuiig leinen Anklang. 4999„revolutionäre Delegierte' waren zwar begrüßt worden, doch sah man sehr viele davon, die nicht da waren. Zeis-Zkon A.-®., Goerz-Werk. Freitag, nachmittags 2 Uhr, Betriebsversammlung im Lindenpark, Lichterselde-West, Unter den Elchen. Die freigewerkschaftlichen organisierten Kollegen und Kolleginnen erhalten auch dort ihre Quittungen zur Auszahlung der Streikunterstützung. Di« Ortsoerwaitung. Achtung, Wernerwerke! heut«, 14 Uhr, Sitzung der Vertrauens- lcut« bei Lang«, Siemensstadt, Ronnendammallee. Oer Maschinenbau verdient. Gewaltige Leistungssteigerung der Belegschaft. Der Abschluß und der Geschäftsbericht des führenden w e st- deutschen Bergbaumaschinenkonzerns, der Schüchtermann und Kremer-Baum A.-G. in Dortmund, sind jetzt ver. öfsentllcht worden. Der hohe Gewinnabschluß des Unternehmens ist iin Rahmen des letzten Krisenjahrcs deswegen besonders auffallend, well der Konzern fast ausschließlich Bergbau Maschinen herstellt. Trotz der seit Anfang des Jahres verschärften Absatzkrije Im Bergbau müssen die Zechen, an den Gewinnziffern dieses Unternehmens gemessen, noch im ziemlichen Umfang Maschinen- auftrüge vergeben haben. Der Betriebsgewinn des Unternehmens ist von 9,79 aus rund ein« Million, also um rund 25 P r o z. gestiegen. Wenn der ausgewiesene Reingewinn von rund 421999 Mark den Vorsah rscrtrag nur unwesentlich ubersteigt, so liegen die Gründe hierfür in einer heraufschraubung der Abschreibungen um anähernd 290 000 Mark auf rund 9,58 Millionen. Diese sprunghafte Steigerung der Abschreibungen z.igt, in welchem Umfange der Kanzern im letzten Betriebsjahr Neu kapital gebildet hat, denn während die Dividende für die Aktionäre mit 6 Proz. unveränden gelassen wurde, macht der von dem Konzern einschließlich der Ab- schreibungen erzielte Verdienst mehr als 15 Proz. des Kapitals aus. Aach der Steigerung der Gewinnzisfern zu urleilen, muß sich der Umsah, dessen höhe verschwiegen wird, gleichfalls bedeutend erhöhl haben, und zwar um so mehr, als die M a f ch i n e n p r e i f e im lchlen Zahl bereits rückgängig waren. Wenn daher von der Verwaltung erwähnt wird, daß die Gesamtbelegschaft seit dem 1. August 1929 um 25 Pro;, abgebaut wurde, müssen die Leistungen der im Betrieb verbliebenen Arbeiter ganz erheblich gewachsen sein. Man wird nicht zu hoch greifen, wenn man die durch die Rationalisierung bedingte Leistungssteigerung je Mann und Schicht bei diesem Konzern auf 25 bisZO Proz. schätzt. Wie in Berlin, sind also auch bei den Metallbelrieben im Reiche ständig wachsende Mehrlei st ungen der Arbeiter festzustellen, denen natürlich eine entsprechende Senkung der(ße- ste h u n g s k o st e n gegenüber steht. Unter diesen Umständen könne« die auch im Reiche verfolgten Tendenzen der Unter. nehmer aus Lohnabbau nicht scharf genug zurückgewiesen werden. Die Linoleum-Preissenkung. Gin Kommentar zur Lohn- und Preispsychose. Daß unsere großen Konzerne und Trusts bei der Preisabbau- aktion, wenn sie auch die Presse um einig« Prozent senken, kaum Federn lassen, ist Tatsach«. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Linoleumindustrie. In dieser Industrie werden 85 Proz. des deutschen Bedarfs von der zum Continentalen Linoleumtrust ge- hörenden Deutschen Linoleumwerke A-G. gedeckt, während der Rest auf die tnistfreie Rheinische Linoleumfabrik Bedburg entfällt, Nach de? Gründung der Deutschen Linoleumwerke glaubte man allgemein, im Rahmen einer großzügigen Rationalisierung den weg für eine Preissenkung freigemacht zu haben. Es trat dann auch eins mit vielem Aufwand verkündete Preissenkung um 21/4 Proz. ein. Dann kam der Pserdesuß. Der Preissenkung folgten, in kaum Jahresfrist bis in den Februar 1939, drei Preiserhöhungen, wodurch die Linoleumpresse u m 15 bis 17 Proz. erhöht wurden. Der Trust nutzt« also seine Machtstellung hemmungslos aus. Die Rheinische Linoleumfabrik Bedburg nahm aus Gründen, die in ihrem fabrikatorischen Auf- bau liegen, davon Abstand, die überhöhten Preise der Deutschen Linoleumwerke zu unterbieten. Als vor einigen Wochen die Reichs- post, die Reichsbahn und sonstige Behörden auf Weisung des Reichs- wirtschaftsministeriums drohten, Linoleum nicht mehr zo beziehen, falls nicht«ine befriedigende Preisermäßigung eintrete, hat der deutsche Trust, um sich dem Zorn der Regierung zu entziehen, die Preise sage und schreibe um 7 Proz. ermäßigt. Di« Preis- ermäßigung kam also alles andere als freiwillig. Grund gemig für den Linoleumtrust, sie mit der dem Trust eigenen Kühn- heit in der Oeffentlichkeit als„freiwillig' zu bezeichnen. Seitdem hat man mit dieser 7prozentigen Preisermäßigung in der Oeffeltt- lichkeit allerhand Unfug getrieben. Nur eins hat man der Oeffentlichkeit nicht gesagt: daß die überhöhten Linoleumpreise trotz des 7prozentigen Preisabbaus weiter bestehen. Dafür folgender Beweis: Die hauptbestandietle des Baulinoleums(etwa 68 Proz) sind Leinöl. Jute und Kork, der Rest Farben und harze. Leinöl, Int« und Kork sind heute so billig wie vor dem Kriege, zum Teil sogar billiger. Da es sich um Stoff« handelt, die auf lange Sicht im Termingeschäft abgeschlossen werden, konnte sich der Preis- nick gang dieser Stoffe erst allmählich in der Fabrikation des Linoleums auswirken. Der Preisrückgang dieser Stoffe hat aber schon vor etwa 2 Iahren eingesetzt, so daß er heut« der Linoleuinindustrie bereits längere Zeit voll zugute gekommen ist. Wie ober hoben sich die Linoleumpreise entwickelt? Unserer Berechnung legen wir den Preis für einen O u a d r a k- meler A. w a l t o n braun 3,6 M i l li m e l e r zugrunde. Entsprechendes gilt für die anderen Sorten des Baulinoteums. Es ergibt sich folgendes: Linoleumprcise in Mark ab Fabrik ab Laden 1913/14......... 3/20 3,60—3,80 1926/27......... 4.65 6,60 1930.......... 5,40 7.85 Für die Presse für 1926/27 bzw. 1939 sst zu bemerken, daß bei Bezug größerer Mengen natürlich Reduzierungen eintreten. Wesent- lich ist vor allen Dingen die Tatsache, daß die Preise im Jahre 1939, also nach der viel besprochenen stebenprozentigen Preissenkung, weit über den Preisen von 1926/27 vegen. Die Rationalisierung der fett 1926 in den Deutschen Wnoleumwerken zusammen- geschlossenen deutschen Ltnoleumfabriken hat also trotz Absinken? der Hauptrohstoffpreise, trotz Einschränkung der Sorten und Muster, trotz Verbesserung der technischen Anlogen, trotz Leistungssteigerung der Lelegschajlen um 100 bis 130 Prozent. trotz Stillegung der Werke Hansa in Delmenhorst und Köpenick, trotz erheblichen Arbetter- und Personalabbaues dazu geführt, daß heute dos Baulinoleum für den Verbraucher fast 100 Prozent teurer ist als vor dem Kriege und etwa 20 Prozent teurer als 1926/27, kurz nach der Fusion der Werke. Das ist also das Ergebnis der großsprecherischen Verlautbarun- gen der Verwaltung in den Jahren 1926 und 1927, daß durch den Zusammenschluß eine weitgehende Verbilligung des Ar- tikels Linoleum eintrete. Selbstverständlich ist eine Verbilligung der Fabrikation eingetreten. Die Werke können heute Vni- linoleum zu 2,80 bis 2,99 Mark pro Quadratmeter herstellen. Wnnn man dieses zum Vorkriegspreis von 3,29 bis 3,49 Mark cm die Händler verkaufen würde, so verbleibt der Industrie noch ein an- gemessener Nutzen. Der Fabrikpreis von 5,49 Mark muß heute, trotz der Umsatzrabatte, als ungesund hoch und konsmn- drosselnd bezeichnet werden. Die Verwaltung des Linoleumkonzerns behauptet aber, eine weitere Verbilligung, als die kürzlich erfolgte um 7 Prozent, sei nicht möglich. Leider hat sie dafür ihre Gründe. Diese Gründe liegen, aber, wir unterstreichen das, weder in der Fabri- k a t i o n noch bei den sogenannten hohen Löhnen. Diese Gründe sind in der überstürzten und nicht immer glücklichen Ex- p a n s i o n der Continentalen Linoleumwerke zu suchen. Die Eon- tinentalen Linoleumwerte haben unter anderem die Schweizer Fabrik in Giubiasko erworben. Sie wurde zu hoch bezahlt, denn man kaufte mit ihr ein sanierungsbedürftiges Werk. Das holländische Werk K r o m m« n i e, an sich vorzüglich fundiert, wurde durch Aufnahme von Schulden erworben. Auch an der fran- zösischen Fabrik S a r l i n o, die in ihrer Kapazität für den fran- zösischen Markt viel zu groß ist, wird der Linoleumkonzern in Zu- kunft wahrscheinlich noch viel mehr Geld verlieren Äs bisher. Es ergibt sich also solgendes: Die vielen Millionen für die Verzinsung der Anleihen, für die 15 Prozent Dividende (ebenfalls überhöht), für die riesigen Tantiemen einer be- stimmten Verwaltuirgsgruppe, für die Mindererträgnisse der aus- ländischen Werke der Continentalen Linoleum Union, für die ver- lustreichen Fehlinvestitionen bei der Sarlino und anderen müssen verdient werden und zwar von dem„Kr o n j u w e l' der Continentalen Union, den Deutschen Linoleumwersen. Also: für ausländische Fabriken und einige verwalkungsmil. glicder, die außer an den deutschen Werken an den ausländischen interessiert sind, muß in Deutschland„noch und noch' durch überteuerte preise verdient werden. Die deutsche Verbraucherschasl einschließlich der Behörden und Händler müssen für ganz bestimmte Zwecke„bluten". Dos Sprüchlein unserer Unternehmer von den hohen Löhnen. erscheint geradezu grotesk, wenn man einmal hinter die Ku- lisfen sieht. Wir sind überzeugt, daß sich die deutsche Ver- b ra u che r s cha f t ein solches Spiel, das nicht nur beim Linoleum- tnist gespielt wird, nicht gefallen lassen wird. Es ist höchste Zeit, daß das R c i ch s w i r t s ch a f t s m i n i st e r i u m eingreift. Bis jetzt hat die Reichsregienmg ihr Versprechen, eine durchgreifende Preissenkung für Linoleum bis zum letzten Verbraucher durch, zu- setzen, noch nicht erfüllt. Es wird sogar behauptet, daß die Aufhebung des berüchtigten Preisschutzes(den die Linoleumwerke durch die ihr nahestehende Linoleumwirtschaftsstelle bisher ausübte und der heute noch, wenn auch in gemilderter Form, durch die örtlichen händlcrverbände ausgeübt wird) mir deshalb erfolgte, i«n vor der Regierung eine Verbeugung zu machen und sie über den wahren Sachverhalt zu täuschen. Arbeiterbank erhöht Sparzinsen. Infolge der Erböhung des Diskontsatzes der Reichsbank hat die Arbeiter dank mit Wirkung ab 1. November die Zins- fätz« für Spareinlagen wie folgt erhöht: für tägliches Geld auf 5 Proz., für monatliches Geld ans 534 Proz., und für einviertcl- jährlich« Geld aus 6 Proz. Die Lohnabbauparole. Aber die Arbeiter wehren sich. Die Untemehmer der westdeutschen Kanalschi s>/ahrt 'haben sich sehr stark in der Lohnabbauaktion des Unter- nehinertums engagiert. Sie haben den Tarifvertrag g e k üt!n d i g t — er läuft am 31. Oktober ab— und fordern, bescheiden wie sie sind, einen Abbau der Löhne von S bis 20 Prozent. Zu gleicher Zeit kündigen sie an, daß sie bei den Verhandlungen mit Forderungen herausrücken wollen, die eine Abänderung des Mantcltarifs zu ihren Gunsten bezwecken. Auch der chafenbetriebsverein Emden, worin die- selben Unternehmer wie in der westdeutschen Kanalschiffahrt sitzen, beteiligt sich an der Lohnabbauaktion. Dank seiner störrigen Haltung verliefen die Verhandlungen nach Kündigung des Lohntariss ergebnislos: es kam zu einem Schiedsspruch, der«inen Lohnabbau von 8 Prozent vorsieht! Die Emdener Hafenarbeiter haben sich einmütig gegen diesen Spruch gewandt. Sie denken nicht daran, einen derartigen Lohnabbau geduldig hinzu- nehmen: sie fordern neue Verhandlungen. Emden ist das Ausfalltor für die westdeutsche Kanalschtffahrt. Zweifellos haben es die Unternehmer darauf abgesehen, einen Lohnabbau auf der ganzen Linie zu erzwingen. Sie haben sich weit vorgewagt, weil sie glauben, daß die amtliche Schlichtung sie schützt und steift. In allen Lohnabbaufchieds- sprächen spuken die 8 Prozent, und daher haben die Unternehmer der westdeutschen Kanalschiffahrt diese 8 Prozent gleich zum Aus- gangspunkt ihrer Lohnabbauforderlingen gemacht. Gehaltskürzung fürBehördenangestellie Rcichsregierung Witt Organisationen festlegen. Vom Zentralverband der Angestellten wird mitgeteilt: Die Reichsregierung hatte die Angestelltenorganisationen ein- geladen, um mit ihnen über Ausfiihrung der Gehaltskürzung der B e h ö r d e n a n g e st e l l t c n zu beraten. Die freigewerkschaftlichcn Angestelllenorganisationen haben diesem Verlangen gegenüber erklärt, daß die Gesetzesvorlage der angekündigten Kürzung der Veamtengehältcr nochnichtbekannt und ihre endgültige Fassung nach der Beratung im Reichstag noch nicht zu übersehen sei. Deshalb lehnten sie ab, eine Verein- barung abzuschließen, die ihnen das Reichsfinanzminifterimn über die Auslegung der betreffenden Tarifvertragsbestimmungen vorlegte. Das Reichswirtschaftsministerium Hot auf Grund der Rot- Verordnung der Reichsregierung gegen„unwirtschaftliche Preis- bindungen" eine Aktion gegen die T a p e t e n i n d u st r i« und den Tapetenhandel geführt, der hoffentlich auf anderen Gebieten noch Vorstöße gleicher Art folgen werden. So hat das Ministerium die vom Hauptverein deutscher Tapetenhändler und vorn Verband deutscher Tapetenfabrikanten vorgeschriebenen Preisbindungen für nichtig er- klärt und die Anwendung der Geschäftsbedingungen, die diesen Preisbindungen dienten, verboten. Ferner ist der Hauptverein deutscher Tapetenhändler verpflichtet worden, dem Reichswirtschafts- Ministerium Preisbeschlüsse vor ihrer Inkraftsetzung zur Legut- achtung vorzulegen. Damit hat sich das Reichswirtschaftsministerium den Vorschlägen des Rcichswirtfchaftsrates angeschlossen, der in feiner Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen ist, daß die Maßnahmen der beiden Verbände die Fabrikate für die Verbraucher unnötig überteuern. Da die Handelsaufschläge für Tapeten zum Teil um 100 Proz., zum Teil sogar noch höher über den Fabik- preisen liegen, so ist dieses Durchgreifen des Ministeriums als Reinigungsaktion im Kartellwesen durchaus zu begrüßen. Billigeres Brot in München. ie M ü n ch e n e r Bäcker haben zur Unterstützung der all- gemeinen Preisabbauaktion«ine freiwillig« Senkung des Bratpreises beschlossen. Mit Wirkung vom 28. Oktober wird der Brotpreis in München um 2 Pf. je Pfund ermäßigt.— Wenn die Münchener Bäcker jetzt„freiwillig" das Brot verbilligen, so sind wir d i e l e tz t c n, die«inen solchen Schritt nicht anerkennen. Mit Selbstverständlichkeiten soll man aber nicht zu laut die Reklametrommel schlagen. Bei den starken Preiseinbrüchen auf dem inländischen Getreidemarkt hättep die Bäckereien s ch o n l ä n g st dem Verbraucher das Brot billiger oerkaufen können. Was aber, so fragen wir unsere hiesigen Bäckermeister, nützt den Berlinern wohl das billige Brot in München? Korderungen der sozialen Bauwirtschast. Oer Abschluß des?. Deutschen Oouhüttentages. Der 7. Deutsche Bauhüttentag wurde gestern.zu Ende geführt. Nach Schluß der Aussprache wurde einstimmig folgende Eni- Schließung zur Beschaffung von Arbeit angenommen: „Anläßlich der schweren Wirtschaftskrise und der katastrophalen Lage aus dem Baumarkt richtet der 7. Deutsch« Bau- Hütt entag an die deutschen Gewerkschaften und die b e- freundeten W i r t s ch a s t s u n t e rn e h m u n g e n die Bitte, die sozialen Baubetriebe bei der Beschaffung von Arbeit tatkräftig zu unterstützen und insbesondere zur Durchführimg ihrer eigenen Bauaufträge die sozialen Baubetrieb« heranzuziehen." Zur Behebung der Wirtschaftskrise wurde folgende Entschließung angenommen: „Der 7. Deutsche Bauhüttentag sieht in der Massenarbeitslosig- keit eine Gefahr für Dolk, Wirtschaft und Staat. Der Bau- Hüttentag hält deshalb die Beschaffung produktiver Arbeit für die wichtigste Aufgab« der öffentlichen Körperschaften in der nächsten Zeit. Bei Durchführung des Programms der Reichs- regierung zur Neuregelung der Wohrningswirtschait würde der Wohnungsbau mrt mehr als die Hälfte gedrosselt und die Massenarbeitslosigkeit weitcr verstärkt. Durch eine normale Beschüstigung des Baugewerbes würde auch den Baustosf- Industrien sowie den Ncbengewerben und der Urproduktion von Holz, Kohle und Eisen Arbeit zugeführt. Ohne ein normal besthästigtcs Baugewerbe gibt es keine blühende Volkswirtschaft. Die Vertreter der Reichsrcgiernng erklärten, nun ihre Maßnahmen von sich aus treffen zu wüsten. Die im Allgemeinen freien Angestelltenbund zusammengeschlossenen Angestelltenorganisationen(Zentralverband der An- gestellten, Bund der technischen Angestellten und Beamten, Deutscher Werkineister-Vcrband) können nicht einsehen, warum die Regierungen immer wieder den Versuch unternehmen, die Verantwortung für solche Maßnahmen mit aus die Angestelltenorganisationen zn legen. Protest derLustizangestetlien. Auf Einladung des Betriebsrates des Amtsgerichts Berlin-Mitt« nähmen die Betriebs-, Angestellten- und Arbeiterräte der Groß- Berliner Gerichte einmütig nachstehende Entschließung an: „Die am 24. Oktober 1930 in Landres Weißbierstuben ver- sammelten Betriebs-, Angestellten- und Arbeiterräte der Groß- Berliner Gerichte protestieren energisch gegen den drohenden Ausspruch der Kündigungen zwecks Abbau der Ge- hälter und Löhne um 6 Proz. Die Gehälter und Löhn« haben durch die enorm gestiegenen Lasten durch die erhöhten Leistungen der Sozialversicherungen sowieso schon einen erheblichen prozentualen Abbau der Gehälter und Löhne bewirkt, so daß eine weitere Kürzung der absolut mangelhaften Gehälter und Löhne infolge der äußer st geschwächten Kauf- kraft der Gehalts- und Lohnempfänger gänzlich untragbar ist und durch derartige Maßnahmen erneute Beunruhigungen, die nicht zur Hebung der Arbenssreudigkeit der Angestellten und Arbeiter beftragen, hervorgerufen werden." Die Ifoiwehr der Arbeiier. Streik geaen Lohnabbau. Köln. ZS. Oktober.(Eigenbericht.) Zn der westdeutschen Waggonfabrik, wo e» infolge rigorosen Lohnabbaues gestern zu einem Teilstreik gekommen ist, sind heute sämtliche Arbeiter der Arbeit fern- geblieben, wie uns weiter mitgeteilt wird, bestehen auch bei der Deuher Alotorensabrik ähnliche VIsserenzen. Auch dort will man die Löhne abbauen, und zwar pro Stunde um 17 bzw. ZO Pfennige! Der Arbeilerral ist bereits in Verhandlungen eingetreten. Der 7. Deutsche Baichüttentag erwartet deshalb von Reich, Ländern und Gemeinden ein« stärkere Belebung der Bau- tätigkeit, als sie in dem Programm der Reichsregierung vorgesehen ist Cr warnt gleichzeitig, dem Wohnungsbau weiter« Mittel aus dem Hauszinssteueraufkommen zu entziehen. Ebenso warnt der Bauhüttentag- vor der Beseitigung der Wohnungs- Zwangswirtschaft, bevor nicht die Wohnungsnot auch für die ininderbeniittelte Bevölkerung restlos beseitigt ist." Weiter nahm der Baichüttentag eine Entschließung an, durch die die sozialen Baubetriebe, soweit sie die wirtschaftliche Betriebsführung noch nicht«ingeführt haben, ver- pflichtet werden, mit ihrer Einführung sofort zu beginnen. In seiner Schlußansprache bezeichnete Bernhard es als Pflicht eines jeden einzelnen Gewerkschafters, die gewerkschaftlichen Eigenbetriebe tatkräftig zu sördern. Die ersten Vrauereidividenden. Oer Profit des Brauer, ikavitals bleibt hoch. Di« beiden Kulmbacher Brauereien, das Reicbeldräu und das Rizzibräu, haben, wie wir bereits berichteten, auch für das «mi 30. September abgeschlossene Geschäftsjahr wieder Glanz- dividenden ausoelchüttet. Das Reichelbräu hält seinen Rekordstand mit 2 0 Proz. Dividende auch weiterhin aufrecht und dos Rizzibräu zahlt 1 3 fh Proz. Auch die norddeutschen Brauereien scheinen trotz der vom Drau- �avital als ruinös bekämpften Bier st eu ererhöh u na sehr gut auf ihre Rechnung gekommen zu sein. So ist der Rein- gewinn bei der Rostocker Brauerei Mahn u. O h l e r i ch trotz Er- höhung der Abschreibungen mit 365 000 Mk. noch etwas größer als im Vorjahr. Es wird wieder eine Dividende von 10 Proz. verteilt. Die E l b s ch l o ß- B r a u e r e i bei Hamburg schlägt gleich- stills die gleich hohe Dividende wie im Porjahr von 8 Pro». vor. Auch bei dieser Gesellschaft ist der Verdienst noch größer als in dem guten Konfunkturjahr 1928/29, jedoch sind die Mehrgewinne in die Abschreibungen gewandert. Diese Vorläufer der Brauereiabschlllste zeigen, daß die hohe Ren- tabilität des Brangswerbes von der Biersteuererhöhung kaum au- gegriffen ist. Die Berteuerung des Bieres feit 1927 ist auch so gut wie restlos auf die Verbraucher abgewälzt worden. Wollen die Brauereiunternehmer bei ihrer so oft betonten„Konsumenten- pelitik" nicht wenigstens jetzt im Rahmen der Vreissenkungsaktion einen Teil der Biersteuer auf ihre eigene Kappe nehmen und den Bierpreis herabsetzen? Aeueinstettungen bei Opel. Wie die Adam Opel A.-G. in Rüsselsheiin mitteilt, wird der seit dem 15. Oktober wegen Invenbirarbeiten sehr stark ein- geschränkt« Botrieb in diesen Tagen wieder in vollem Umfange aufgenommen. Es erfolgen in den letzten Tagen regelmäßig Neueinstcllimgen. Weitere Verschmelzung im Hvpokhekenbankwesen. In den Auf. sichtsratssitzunzen der Sächsischen Bodenkreditanftalt in Dresden und der Leipziger Hypothekenbank A. zeichnet werben, daß in einem besonderen Saal etwa 80 Moschi- nenschreiberinnen untergebracht sind, die in der Form«in:r Akkordarbeit Abschristen herzustellen haben. Es ist bekannt, daß gerade die Maschinenschreibe rin info'ge d s heutigen Arbeitstempos nach einer Reihe von Jahren schädliche Aus- Wirkungen ihrer Arbeit spürt. Die staatliche Gewerbeaufsicht h.t z. B. in einer Sonderuinsrage festgestellt, daß die Arbeit cincr Stenotypistin höchstens 10 Jahre von ihr ausgehalten werdcn kann. Das muß bei solchen Raumverhältnissen, wie im Patontami, in noch stärkerein Maße der Fall sein. Es ist nur zu verwundern, daß die dort beschäftigten Maschinenschreiberinnen sich diese Verhältnisse bisher haben gefallen lasten. Für die Gewerbeaufsicht dürfte hier eine geeignete Gelegenheil bestehen, dafür zu sorgen, daß diese un- hygienischen, schädlichen Arbeitsmethoden abgestellt werden. Verschärsung im Vauschlossersireik. In der am Dienstag tagenden Funktionärversammlung der Bau- und G e l d s ch r a n k s ch l o s s e r gab der Branchenleitcr Becker«inen Bericht über den glänzenden Stand der Bewegung. Es wurde einmütig der Wille zum Ausdruck gebracht, den Streik zum siegreichen Ende zu führen. Ferner wurde beschlossen, die Kampfsront zu erweitern. Alle noch beschäftigten B a u s ch l o s s e r haben sich sofort an die Zentral-Streikleitung. Linienstraße, Lokal Nentwich, gegenüber dem Verband? Hause, zu wenden, andernfalls die Gefahr besteht, als Streikbrecher von der Arbeiterschaft Berlins betrachtet Zu werden. Heute Mittwoch, vormittags 10 Uhr, Streikoersammlung allcr streikenden Bau- und Geldschrankschlosser in den Soph�nsä'en, Sophienstr. 17. Mitgliedsbuch oder Kontrollkarte dienen als Aus- weis. tl?reieGewerk5chafts-�uaenöVerlin Unsere Iugendberatungsstelle ist jeden Mittwoch von iiiiZe bis 20 Uhr im Gcwerkschafishaus, Engelufer 34—25, Zimmer 28, geöffnet.— Heule, Mittwoch. iS'5 Uhr. tage» die Gruppe»:«aumschulenweg! Jugendheim Ernstsir. 18. Luftiger Äanarsschluß.— Tedönhaube Tori Zu. gendheim Tiechstr. 18. Vortrag:„Die fZrau in Lowietrrchland".— StutFür: Gruppenheini Bergslr. 29, Hof. Wir lesen aus proletarischen Werken.— Süden. Güdweste»! Städtisches Jugendheim Vorckstr. Ii iZabritgedliudi). Vortrag: ..Astronomische Plaudereien".— Flughafen: Jugendheim Neukölln, glughafen- strage 88. Imultr fidel.— Adlcrehos: Gruppeuheim Adlcrshof. Blsmnrckiir. 1. Vunter Abend.— Weihenice: Jugendheim Pari Hr. S8. Sprüche und Wider. iprllih« der Vibel.— Ziordring: Jugendheim Sonnenburger Etr. 20. Licht- bildcrvortrag:..Die Wohnung der Werktätigen".— Schöneberg: Jugendheim Haupistr. Ig. Vortrag:„Vorkämpfer der Arbeiterbewegung". föL �unenvoruvve de6?enverk'onvesl ver Zinoestettten iS�gi Heute, Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen statt: Gesund- brunnen: Jugendheim Orihftr, 10, pt. Arbcitogemeinschast:„Ein. stlhrung in den Sozialismus". Vcferent: Wilhelm Lewinski.— Zleii.ick«»dzrf: Jugendheim Lindauer Str. 2, Varacke. Vor'rag:„Und Sonntag» ziehen w r hinaus".— Eharlottenbvrg: Jugendheim Postnenstr. 4 Kritiker an die sZrout. — Schö neberg: Jugendheim Haupt str. Ig(Hofgebäude, Thüringenzimmer). Sruppenbcsprcchung. Anschließend bunter Abend. Außerdem an jedem Mitt- noch von 19 bis 20 Uhr Arbeitsgemeinschaft in Stenographie.— Schinhanser Dorstadt! Jugendheim der Schule jiastanienall«« 81.„Wrl'liche Macht, kirchliche Macht und neue Zugend." Ausspracheabend. Leiter: Hans Schulz. Außerdem jeden Sonnabend von 18 st!» 20 Uhr Sinaegcmeinschast, van 20 bi» 22 Uhr Ardeitsgemeinschast:„Sozial! sm>.i".— vbarsprce: Niederschöneweite, Ver- liner Str.«1(Schule). Leseabend.— Roidoft! Jugendheim Tanziger Str.«Z (Daracke Z). Bortrag mit Schallolattenmustk:„Nevolutranäre Arbei'ermustk". Referent: Kurt Kölpin.— Stralau: Jugendheim der Schule Goß'erstr. 81. Stegreifspiele.—«eukklla: Jugendheim Böhmische Str. 1—4, Eck- Konner Straß«. Vortrag:„Das Attentat auf die Sozialvgrstcherung". Referent Jranz Lcpinvki,— Silbost: Jugendheim Wrangelstr, 128. Arheitsnemcinlchatr:„So. zialismus". Leiter: Artur Rachaw.— Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. 90 Minuten Jrohstnn. Vortragende: Jriedel Hall.— Potidom.Roirowe«: Ju- gendherberge Rowawes. Pricsterstraße. Ausspracheabend:„Mehr Gemeinschaft". Leiter: Albert Manasse.— Am 0. November 1930 findet die nächste Zugend. Vorstellung der Volksbühne statt. Karten hierfür fiud im Jugevdsekrewriat erhältlich. Wirtschastsministerium greift durch Ein Schlag gegen Kartellbindungen. BERLIN HAMB. URO ALTONA KÖLN ESSEN DÜSSELDORF HANNOVER DORTMUND OUISBURO MAGDEBURG FRANKFURT Vm WUPPERTAL BREMEN 3alir$emQ 1930 Cxewid-mei: allen freunden unseres TL&xxsgs und denen, die es-werden wellen. Copyright by Kurt Lisser Rekfa-iMlSaO Nachdruck �Ü�üprt und Bild verboten! Ständchen" Schönst« Du b«t Schönen! Dürft' D«ia Haupt ich könt». Ach, wie gern ich's tu'! gart würd' ich'«««schmiegen, Und Dir würden fliegen Ali« Herzen zu. Komm' doch, lieb« ZUelne, Ich bin ganz der Deine. Sib bei C. L A. Schnell mir doch Dein ,3a'. Henry Ford— wer kennt ihn nicht— sagte bei seinem Besuch in Deutschland: „Um der heutigen Wirtsdiafts. läge in Deutschland Rechnung zu tragen, ist eine wesentliche Reduzierung der Preise geboten." Das ist auch unsere Meinung, die wir immer wieder- die Leser unserer C.& A.-Seite wissen's ja- gepredigt haben. Aber mehr als das, wir waren auch die ersten, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Wie recht wir daran getan haben, das zeigt unsere immer größer werdende Kundenzahl. Nicht zuletzt auch an unserem Kindertag, der für jede klug rechnende Mutter eine Fundgrube schönster Kaul- möglidikeiten bedeutet Sorgenbefreit, freudestrahlend blicken die Mütterumsich. Braucht man sich noch zu quälen, lange Zeit sich zu mühen, um den Kindern selbst Kleidung herzustellen? — Aerger und Kopfzerbrechen auf sich zu nehmen, um aus Altem Neues zu machen?— da doch das schönste Kleid, der wärmste Mantel, gut passend, nett aussehend, aus dankbarem Stoff bei uns nur wenige Mark kostet? Hätte Ford einmal unseren Kindertag besucht und sich bei dieser Gelegenheit auch sonst etwas bei uns umgeschaut, sein Ausspruch hätte dann vielleicht so gelautet: „Um derheutigenWirtsdiafts- lage in Deutschland Rechnung zu tragen, ist eine noch stärkere Befolgung der Mahnung geboten: ... so Zwitschern öle Jungen! Die kleinen Damen und jungen Herr» Kommen alle zu uns so gern. Sie wissen genau, was fie brauchen und wollen, Wie st» sich kleiden und schmücken sollen. Sie seh'o auf Fasson, auf Linie und Schnitt, Sie wollen doch auch mit der Mode mit! D'rnm steht auch alle» für fie bereit: Da» Falteuröckchen, der Ulster, da» Kleid, Die fesch« Hose(ganz wie bei Papa Ist auch die Bügelfalte da). Und herrliche Pelzkragen, mollig und dick, Denan wie bei Mama so schick! Und die Preise— da» ist da» Beste d'ra»— Sind so niedrig, daß j e d e r sie zahlen kann! Allerliebst- Bady-Mäu- t» l ch e n au« hübsch gemu- sterter Flausch- wäre, mit schö- nem Plüschtra- gen und glei- che« Besatz am Bermel. Gr. 40 (and. kr. ent- Iprech.) g»TS nur O Entzückende Ktuderlletdche» an» modernem Tweedstoss, mit Falte»«. hüb- scher Garuie- rung an Kragen und Aer- «eln verziert, in Gr. 70(au- der» kr. ent. sprech.)#>2S nur& Die reizenden klnderkleidche« aus praltischem, mader» gemn- stertem Wasch» samt habe» ein« kleidsame Fol- tenparti« und kosten in Er. 50 (andere Kr. ent. sprechend) bei "" Aeo nur*9 Kennen Sie Jen? »Also, Kinder, setzt seid mal so ruhig, daß man eine Stecknadel fallen hören kann!' Srabcsstill wurde es in der Klasse Bis plötzlich ein kleiner Junge ruft: »Na. Herr Lehrer, nun lassen Sie doch die Nadel endlich fallen!' *) N.B. Es handelt sich am«ine ganz entzückende Atelier» Kapp«, apart garniert, elegant gefüttert, für den beispiellos 75 niedrigen Preis von nur Mr Hübsche Möd- che»- Mäntel. in fich ge- mustert, großer imitierter Nu- trlakrage» und Stepp- und Knops-Varnie- rung im Rücken, Gr. 03(kl. 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Sie braucht nur zu uns zu kommen, und unter der Fülle unserer bildschönen Kleider und Mäntel findet sie bestimmt das, was sie braucht und was ihrem Geschmack entspricht. Und immer zu den Neinste» Preisen; wa» die Freude am Besitz noch größer macht. I All« in dieser Seite«uthaltene» Angebote stehen Ihnen ab Mttt» «och früh bei uns zur Ber» fügung. Schriftliche Bestellungen könne» nicht berücksichtigt werde» l Auch der Sport wird billiger. Ein Berliner Sport-Klub begann bei seinem letzten großen Sportfest da- mit, seine Eintritts- preise wesentlich her- abzusetzen, um sie den wirtschaftlichen Verhältnissen seiner Anhänger onzupas- sen. In kurzer Zeit sind diesem guten Beispiel die Der- liner Rennbahnen und die Schwimm- vereine gefolgt. Wenn zwar von diesem.Preisabbau im Sport' nicht jeder etwas merkt, weil ja nicht jeder Sportplatz° Besucher ist, unser Preis- obbau kommt jedem zugute, denn Klei» dung braucht jeder. Wenn Sie sich jetzt zum Winter einen neuen Mantel oder Anzug zulegen wollen, dann kommen Sie einmal zu uns und überzeugen Sie sich von der Auswahl und Güte unserer Kleidung. Und wenn Sie dann die Preise für diese Kleidung hören, werden Sie bestimmt und erfreut sagen:»Alle Achtung! Hier merkt «an wirklich'wa» vom Preieabbaul' Nicht» fehlt dem obigen Ulster: der flott« Rund« »der Rückengurt» angewebte» karierte» Futter. tuustseidener Sattel, kunstseidene» Aermelsutter, da» so angenehm ist beim Hineinschlüpse». und ein« ganz famos« Paßform.»» Und unser Preis dafür? Rur e®SP Sin hochelegante« Kleid, am da» Sie jeder beneiden wird! Au» gutem Veloutin« und äußerst schick ge- arbeitet, mit weitem Glockenrock, moderneu Hüft-Volant» und schö- ner doppelter Georgette. Garnitur, kostet«» 24° Dieser moderne, ganz gefütterte Velour«. Mantel wirkt mit seinem wunderschöne» Pelzschalkragen so«le- gant, daß ihn wohl jeder aus einen weit höheren Preis schätzen wird als den tatsächlichen, fabelhaft nie« drig-n MQ50 von nur«fil# Oranienitr.40 dm Oraalaaplal» Chatmeestr.llS Königftraße 33 Mm Si»tilB»f»«haha« AmftciuiliolAluwdervlatt Sarai' bnr. Ksaboi-iaddanck w da bdda QesdhSflcs: ICdnUdr. t Bratensoße, schon abgeschmeckt für 15 Pfg, Kein Wunder, daß bei Fleischmangel die Soße so oft daneben gelingt. Hat man doch nicht immer die nötige Ruhe, um die vielen Zutaten sorgfältig zusammenzustellen und anzurichten.„Knorr- Bratensoße" nimmt Urnen alle Mühe ab, denn es ist alles schon drin, was eine pikante Soße verlangt. Ein Würfel zu 15 Pfg. gibt soviel Soße wie 2 Pfund Braten. TZhc Vi 5 Brafensoße Mittwoch, 29. 10. Staats-Oper Unter d. Linden A�V. 59 20 Uhr la Hata Ende g.22i/s Uhr Staats-Oper tu Piltz dir RepnbliL V-B. 20 Uhr Neues vom Tage Oeffintl. Rartenverkaot unde 22 � Uhr Mittwoch, 29. 10 staut Oper Bismarckstt Turnus II 19 Uhr TertanMlile Bollen Ende g.22>ftUhi Staat!. Schaosph. (in Gtidirnignarkti. 51. A-V. 20 Uhr tediidite Gottfiie- densvonBerlidiingen mit der siseraen Hand Endeg. 23J/«Uhi Itaati.lcIiiller'Tlieater.aiarlttig 20 Uhr NORA. Ende'3 Uhr_ PLAZA Täqi. S u. 315 sonm. 2. 5 a, 8" Alex. E 4. 8060 Sylvester Schäffer Charley-Willlams-Bono usw. "-vhr CASINO-THEATEH Lothringer Straße 97 ün widerrat lieh aar bis SO. Oktober Hurrah, ein Junge! illUIIIIIUIIIiMIIII'IIIIMINIIIIIIHIIIIIIIUIIHinilUIIIIIIIIIIIIUIIII Am L November 1930 zom I. Male: Arm wie eine Kircbenmans Gutschein 1—4 Pers. Fauteuil 1,25 M.. Sessel 1,75 M.— Sonstige Preise: _ Parkett 75. Rang 60 Pfg._ ®anj unitmotlel vtrschird am Monwg, dem 27. Oltober, unsere liebe, gute Mutter,®io|muttet und Schwiegermutter Therese Besfcdt im 7S. Lebensjahre. Nach taum neun Mannten folgte sie ihrem Mann in die Ewigleii. Um stilles Beileid diiien via Hinierbliebenen. Berlin-Friedenau, 28. Oftober 1930. Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem 30. Oftober, nach» miiiags 5 Vi Uhr, im Äcematocium Wiimersdors statt Danksagung I Für die vielen Beweise herzlicher Anietinahwe an dem herben Perlusi meiner unvergesiiichen Frau und guten Mutter Elsa Rißmann oen. smnppe laae ich hiermit herzlichsten Danf. Im Namen der Hinierbliebenen Ott» ni�m»»» Baum'chuienweg. Wohlgemuthstr. 21. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meines liebe» unvergeßlichen Gatten sage ich zugleich im Name» der Hinterbliebenen allen Freun- den und Bekannten und den Te> noisinnen und Genossen derSt.Ab- teilung de» WablvereinS unsercn tiesgcsühlten Dank. Käthe Adeermann geh 5cfaa.emann eBOSLCCBADSPlELBADiS Nor noch 6 Tage! Lustige Witwe HMterbcr�. Hiuiaen. Arno. Sehollwer, Janknhn.Sehacflers, Winkel.tern, Oesnl. REGIEl CHAREI,!, alten jlabcnbmitt � EEHHch«»*>»•»:. Unserem lieben alten Parteigenossen und gahlabendwirt ködert kused zu seinem heutigen J SS.«ebuelsiage, sowie keiner � Sattin zu ihrem Seburistaae., dl« herzlichsten Slückmünsche i, von der l-i 90. Abteilung SPD. jSSSSSS»» Eiio.�Betten Klnderb., Polater, ChaiseL, an jeden, Teil» Katalog frei Eisenmöbalfabrüc Suhl(ThtiaJ r- Große Traarlnß-Fabrlb— verkauft fugenlose Trauringe direkt an Private 1 R i n g 333 gestempelt nur 5 bis 8 Mk- I 1. 1- ]* Katalog gntn i Z Gsrantietemin. 585 585 585 900 900 900 leicht 8.SO„ mittel 1 2.— schwer 14.80, leicht 16.50... mittel 21.50_ schwer 28.— ,. Ges. geschützt. Brtvltrea graflt sofort z. mitnehmen ArUllerleslreBe 30 Passaoer Str. 12 S, Koiibasser Damm 2 Heraiann Wiese l metropoi-Theater Täglich 8-/1 Uhr SenMiioBeller Operetteaerfolg I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undfhrHusar icmsE n.lBUiilrilspiiist 8'/, Uhr; Csdrdäslörslin Ii Premierenbeutzung Keine Organtsa- tions-Bill. aber billige Preise; II.Kangabl.-M, I.Rang: ab4.50M. 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November Lichtburg-Orchcsier: Franko Fcdeli Buhnen- u. Varieldtefi. Tonfilm-Teil Gastspiel Werner Barnharoy in der lustigen Szene„Der Herr von drOlieo" mit Käthe Jnpgherr, HeL Konscbewska, Karl Lambertin. Femer: De Illusionist 0y Corres, der Mann mit 1000 Gc- heinmissen, Eric und Jonny, komischer Radfahr- Akt Dia CslkosbaroneB Greil Theimcr, Paril Vincenti, Alb. Faulig, Ida Wüst, Ernst Verebes. JJFalkensfeinJL�enkeri�uge�� Jugendliche zahlen wochentags 4 Uhr u. bonntags 3 Uhr auf allen Plätzen halbe Preise Sonnabend. 1. November 11 u Uhr ebds, Ii. OperetiBi nacht uorsteiiung der Genossenschaft deutscher Kühnen- angeböriger „Die keusche Susanne*4 Jean Gilberts erfolgreiche Operette in erster Bes. Karten im Vorvetk. erhält i. Wochentags: 4. S1�, 8l* Uhr Sonntags: 3, Slf?f SV* Uhr Eintn tspreise: RM t/—. 1,20, 1.50 (Logen 2,—), SonntagsSUnr Einheitspreis RM. 1,— Vorvevkauf ab 12 U. ununterbrochen für 7 Tage im voraus Theafer för Kinder: KumudM Rlttmch, I Ukr nm leiste* Rai« „Hinsel und Gretel" Sonn, band. 4» Ufer: Peterchens Mondfahrt (Preise ToaSOPLfeis 1.50 M) Montafe, DtentKo. Densen lan und Freit«, 5» Uhr: FtmMlsn-Nachmittag Kukuli mit Tränte Rooo In der Hauptrolle Preise von 30 Pf. bi» 1.50 V Garderobe n. Progr. je 10 Pf Kafiec und Kuchen, Bier miv ßalrbrol je 25 Pf. Wochentags 8« ührt fn der Johnnnlsnnebt Sonnabend» 2x(7 u. 10« ü.) Karten Im TtÄglg. Vorverkauf sind T« haben von 11-1 Uhr vorm. und von 4-9 übr abends. BIRottlctMe r Alex. 3424 n. 3494 GroBe FranWurtar Strafis 132. ROSE •Theater Reichshallen-Theater Abende(T) Sonntag naebm.| (Zu halben Preisen) Stettiner SSnger Zum Schluß „Wir ollen Berliner" TignUI-Z, Ibmill.itf. ltT.11163 Dönhoff- Brettl: Dasgr.OH-Programini Tm. RaptlltHaiKSiitiis Ktetne Anzatgetx unrkungsveii und btUtg. Uberschriftswort 25 Pf., Textwort 12 Pf./ Wiederholungsrabatt: 10 mal 5?ö. 20 mal oder 1000 Worte Abschluß10%, 2000 Worte 1596, 4000 Worte 20 96 Stellengesuche: Ubersehriftswort 15 Pf., Textwort TO Pf. Annehme durch den Verlag, Lindenstr. 3(f 9 bis 5 Uhr), und sämtliche Vorwärts Filialen u. Ausgobestellen TevpichHan» itmil Sefsnrc, Ber> lin. seit 1882 nur Oranienstrasie 158. ZaHlunaserlcichtc» rung ohne Aus> schlag. Reuer Rata- loa losieusrei._ Linoleum, lözillat, Galanteste. 9. Kleidungsstacke, uiasche usw. Wenig getragen« IackettanÄge, Pale- tots. Ulster, vrocht- volle Kammgarn- auztige. SmoTingan- zllge. Selegenheits- kaufe in neuen Herrengarberoben, Brlllantsn. Uhren, tSvidwaren zu Spott- prellen. Leihhaus Zlslenthaler T»r. Linlenstraste 2Vgl?04. Ecke Rosenthaler- strasi«. Keine Lom- Hardware._ Verleih hocheleganter Gesell, schasts-Anzilae. 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