BERLIN Mittwoch 29. Oktober 1930 10 Pf. Nr. 508 B 253 41. Jahrgang erscheint tSslichaaferG»»»t«s«. Auzleich Abendausgabe des.Vorwärt«'. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche. 3.60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSWLS,Lindenßr.g „%fu>aSI« 90 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. PoKscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. S7SS6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Urabstimmung im Metattkonflikt Ergebnis muß bis morgen 4 Llhr nachmittags feststehen Heute vormittag 10 Uhr waren die Obleute der «treitteitungen der VBMJ.-Betriebe versammelt, um zu dem Vcrhandlungsergebnis. das wir heute morgen veröffentlichte», Stellung zu nehmen. Zunächst gab der Bevollmächtigte, Genosse U r i ch, einen Bericht iiber die Verhandlungen im Rcichsarbeitsministcrium. U r i ch [/teidisarbcilsmhnifer a.3).S)r.&raung, drr hI» JCeilrr der SdillchlungzkommiWon Im.'ßerllncr UlelallarbeHerffrelk In.'Jiisflc/if genommen ifl wies besonders darauf hin, dah die Unternehmer bis zum lebten Augenblick darauf bestanden haben, das» der Schiedsspruch verbindlich erklärt wird. Tie Tatsache, die vorangestellt werden müsse, sei die Beseitigung des Schiedsspruchs, der einen Lohnabbau von 8 bzw. ll Proz. vorgesehen habe. Ter Schiedsspruch ist nicht verbindlich erklärt worden, er existiert nicht mehr. Weiter wies Genosse Urich darauf hin. das» die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder aufgeiwmme» würde, das besage, daft nicht nur die bisherigen Löhne, sondern auch die sonstigen Arbeitsbedingungen, Ferien- anspruch usw. bestehen bleiben. Tic dritte Vereinbarung, auf die Urich hinwies, ist der Passus, das» keine M a p- regelungen vorgenommen werden dürfen. Besonders dagegen hätten sich die Unternehmer heftig gewehrt. Wer sich an frühere Streiks erinnere, werde wissen, was ein solcher Passus zu bedeuten habe. Tns neue Schiedsgericht werde aus drei Mitgliedern zusainmcngcsebt, wovon der Vorsihendc vom Reichs- arbeitsminister, je ein Beisitzer von den Parteien ernannt werde. Man wollte zunächst, datz nur eine Person als Schiedsrichter fungiere, dagegen hätte» sich aber die Vcrhandlungsführer der Arbeiter gewandt. In der Diskussion wurde besonders bemängelt, datz durch die Forin der Veröffentlichung der Eindruck entstanden sei, die Streikenden selbst hätten nichts»ehr zu bestimmen. Es wurde allgemein anerkannt, das» die Vcrhandlungskommission herausgeholt habe, was herauszuholen war. Man dürfe aber durch einen Abbruch des Streiks ohne Befragung der Streikenden nicht den Eindruck erwecken, als wollte die Crganisationsleitung gegen den Willen der Streikenden selbst den Abbruch herbeiführen. Urich erklärte darauf, das; selbstverständlich die Streikenden das Recht hätten, ab zu st im- men und dast es von dem Willen und dem Beschluf» der Streikenden abhänge, ob der Streik weitergeführt werden soll oder nicht. Nach dieser Erklärung Urichs wurde eine weitere Diskussion uud Beschlußfassung für überflüssig gehalten. Alle Streikenden kommen morgen, Donnerstag früh 8 Uhr, in ihren Strciklokalen zusammen, nm sich an der Urabstimmung über die Fortführung oder Beendigung des Streiks zu beteiligen. Es wird geheim a b g e st i m in t. Das Ergebnis der Abstimmung mutz morgen, spätestens 4 Uhr dem Mctallarbeiter-Verband mitgeteilt werden. Morgen abend, 7 Uhr, kommen die Obleute der Streikleitungen im Bcrbandshaus des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes, Linicnstr., zusammen, um zu dem Abstimmungsergebnis Stellung zu nehmen und die weiteren Massnahmen zu befchlicssen. Zu seinem Schlußwort hob Urich hervor, datz es keine ander« Organisation gibt, als den Deutsche» Metall- arbeiter-Vcrband und die ihm im Metallkartell an- geschlossenen Verbände, der den Schiedsspruch beseitigt und den Streik geführt hat. Ter Metallarbeiter» Verband wird die Führung bis zum Schlutz in seinen Hände« behalten; was ausserhalb seiner Reihen beschlossen wird, zählt nicht und hat keine Bedeutung. BeiGiemens morgen Arbeitsaufnahme Die Siemensarbciter nehmen an der Urabstimmung aus veschluss der Zenlralstreikleitung des Sirmenskonzerns und mit Zu- stimmung des Metallkarlells nicht teil. Mit der Generatdirektio» ist die Vereinbarung getroffen toorden, doss die Arbeit im gesamten Siemen skonzern bereits morgen. Donnerstag, mit dem üblichen Schichtbeginn in den einzelnen werken ausgenommen wird. Die streikenden Siemensarbciter, die infolge technischer Schwierigkeiten am Donnerstag dle Arbeit noch nicht aufnehmen können, werden durch Kart« zur Aufnahme der Arbeit benachrichtigt. Die Zentralftreikleiwng des Siemcnskonzerns. Morgen, lt Uhr, Vetriebsverfammlung aller Streikenden oon Ohrenstein u. Koppel. Spandau, in haacks Jestsälen, Stresow- platz. Bericht über die Verhandlungen. Ein edles Brüderpaar. Zur Versammlung am Anedrichshain. Hfmi Goebbels:„7ka, wie haben wir unsere Rollen ge- spielt? Sie, Neumann als feudaler Nationalist, und ich, der Mercedesbescher, als Proletarier-- einfach glänzend!" Brüning konferiert. Verhandlungen des Reichskanzlers mit den parleisühmn. Zu Beginn der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses des Reichs- tags hatte Reichskanzler Dr. Brüning, der selbst an der Aus- schußsitzung nicht teilnahm, Besprechungen mit den Führern der Parteien im Auswärtigen Ausschuß. Die Besprechungen erstreckten sich auf alle Parteien mit Aus- nähme der Kommunisten. Als erster wurde der Vorsitzende des Ausschusses, Aba. Dr. F r i ck sNatsoz.), einpsangen. Dann folgten d-ie Vertreter der Sozialdemokraten, der Deutschnationalen, des Zentrums, der Bayerischen Volkszmrtei, der Konseroativen, des Christlichsozialen Volksdienstes, der Wirtschaftspartei, der Deutschen Bolkspartci und des Landvolks. Nach diesen Besprechungen hat der Reichskanzler den Reichstag wieder oerlassen. lieber den Inhalt der Unterredungen wird Stillschweige» bewahrt. Im sachlichen Ncrhandlungsteil des Auswärtigen Ausschusses des Reichstags begründeten zunächst die Antragsteller ihre Anträge, worauf Reichsflnanzmimstcr Dr. Dietrich die Stellungnahme der Reichsregierung zu den Anträgen im Rahmen einer ausführlichen Darlegung über den gegenwärtigen Stand des Rcparations- Problems auseinandersetzte. Die Ausführungen des Reichs- fineurzministers wurden dann durch den Reichsnnnister des Aus- wörtigen, Dr. C u r t i u s, nach der allgemein politischen Seite hm ergänzt. In der nun folgenden Aussprache kamen die Vertreter aller Parteien zu Wort. Brüder der Mordpest. Die prostilution der KPO. vor den Nationalsozialisten. Heinz Ncumaim, der im Auftrage seiner Moskauer Herren die Drähte der KPD. zieht, hat in einer nationalsozialistischen Versamm- lung um die„E i n st c l l u n g des Bruderkrieges" gebettelt. Cr sieht also in Herrn Goebbels und seinen Banden„Brüder". Im Zcntralorgon der KPD. mcrhcn die Goebbels und Genossen für gewöhnlich„A r b c i t c r m ä r d e r" uud„b raune M o r d p c sl" angeredet. Worin besteht die Brüderlichkeit? Im gemeinsamen Märdcrtum? Heinz Neumann wirbt um die Bruderliebe der National- soziallsten. Um sie zu erhalte», hat er sich vor ihnen prostituiert. Er hat verleugnet, Ivos er sonst über die Sowjetunion zu dekla- Mieren pflegt— nur um vor den Goebbcls-Hordcn als natioiml honoriger Mann zu gelten. Diese Prostitution vor den National- fazialisten wird von der„Roten Fahne" als„Abrechnung mit den Faschisten" angepriesen. Herr Goebbels hat auf die Bitte um Bruderliebe kühl gc- antwortet, Herr Neumann habe etwas ganz anderes gesagt als er denke und wolle, er hat Herrn Neumann abgewiesen wie eine häßliche Dirne, deren fragliche Reize nicht begehrt werden. Bnidcrliebc zu den Nationalsozialisten! Kann man sich vor- stellen, daß 5)err Heinz Neu mann in eftier sozialdemokratischen Versammlung die Einstellung des Bruderkrieges er- bitten würde? Herr Heinz Neumann wird sich- beherrschen; denn der Bruderkrieg der Arbeiterschaft ist sein Pro- gramm, er ist es, der es allein ermöglicht, daß Leute- vom Schlage dieses charakterlosen Abenteurers eine Roll« spielen können. Herr Heinz Neumann bittet die Nationalsozialisten um„Einstellung des Bruderkrieges", um' Seit« an Seite mit ihnen den Krieg gegen die sozialdemokratische Arbeiter- schaft führen zu können. Freispruch im Mordprozeß Koch Oer Angeklagte auf Kosten der Staatskasse freigeiprochen. Der wegen angeblicher Ermordung des Bcrgwerksdircktors Emil kramer angeklagte hcilgehilsc O l t o K o ch, über dessen Pro- zetz in halber st adt der„vorwärts" ausführlich berichlele. wurde soeben von dem Erweitcrlen Schösscngerichl auf kosten der Slaotskajfc freigesprochen. Ladendorff und seine Bank. (kine Berichtigung, die eine Bestätigung ist. Der preujzische Landtagsabgeordnete Laden darf f, Fraktions- suVer der Wirtschaftspartei, Vorsitzender(oder gar„Präsi- dent"?) des Verbandes der Hausbesitzervereine, im Hauptamt A u f- sichtsratsvorsitzender der Berliner Bant für Handel und Grundbesitz Zl-G.— dieser Abgeordnete Ladendorff sendet uns folgende„Berichtigung": Es ist unwahr, daß„durch die Bemühungen der Wirt- fchaftspartei der Demschen Nealkrcditbank A.-G. in Dessau das Recht der Pfandbrisfausgabe verliehen worden ist". Wahr dagegen ist, daß die W i r t s ch a f t s p a r t« i mit dieser Ange- legenheit auch nicht das geringste zu tun hat, sondern daß samt- liche Landesverbände des organisierten deutschen Haus- besitzes am 30. Oktober 1927 in Berlin beschlossen haben, durch Verhandlungen mit den zuständigen Reichsratsmitgliedcrn die Verleihung der Reichskonzession an die Dculsche Realtreditbank A.-G. in Dessau zur Förderung vor allen Dingen des Klei n- realkrcdits für den klein, und mittcistädtischcn Hausbesitz anzustreben. Und wahr ist, das; der Landesausjchuß des Preußischen Landesverbandes der 5iaus- und Grundbesitzervereine e. V. mir als dem Vorsitzenden dieser Organisation in seiner «itzuug vom 18. Oktober d. I. den Dank für die erfolg- reichen Bemühungen um die Verleihung dieser Kon» Zession ausgesprochen hat. Ts ist unwahr, daß, wie Tic behaupten, die beiden an- haltischen Abgeordneten von mir je 10 000 M. erhalten haben, weil sie sich für die Verleihung des Pfandbricsrechts(Reichs- konzsssion) an die genannte Bank besonders eingesetzt hätten. Es ist unwahr, daß ich„auch gar nicht bestreite, die Zuwendungen an die beide» nnhaltischen Abgeordneten gemacht zu haben". Wahr dagegen ist, daß die betrefsenden Abgeordneten von mir niemals auch nur einen einzigen Pfennig erhalten haben, fon- dern daß sie infolge wirtsämstlicher Sächdigungen, die sie durch ihr Eintreten für den Preußag-vertraq erlitten hoben,, aus ihren Antrag und nach Vorlegung von Unterlagen nach der Abstimmung im Anhaltischen Landtag von der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz A.-G. eine Entschädigung erhalten haben. Nach diesen Feststellungen Ladendorffs hat also nicht„die Wirt- schaftspartei", deren Fraktionsfllhrer Ladcndorff ist, die Aktionen zugunsten der Realtreditbank vorgenommen, sondern der Bund der 5)ausbesitzcrvereine, deren B o r s i tz« n d e r der gleiche Ladcndorff ist. Ferner hat nicht Ladendorsf persönlich das Geld an die beiden Anhaltiner gegeben, sondern die Berliner Bank für Handel und Grundbesitz, deren A u f s i cht r a t s v o r- fi tz e n d e r der gleiche Ladendorsf ist. Daß'er persönlich 20 000 M. verschenke, das hat ihm niemand zugetraut und nach- geredet. Aber daß er das Geld„gegeben", das heißt durch seine Bank hat geben lassen, bestätigt jetzt Ladendors selbst. Giaubeckenbau Oiimachau gefähröei. WasserhöchststanS der Oder seit'lSOZ. Breslau, 29. Oktober.(Eigenbericht.) Die Baustellen des Skaubeckenbaues bei Ollmachau sind infolge des in ganz Schlesien zu verzeichnenden Hochwassers vollkommen überschwemmt. Bagger und andere werl- volle Maschinen sind überflutet und drohen im Schlamm zu versinken. Der Bau gab bisher 2500 Arbeitern tägliche Ve- schäflicuug. 3m Regierungsbezirk F r a n k s u r t a. d. Oder sind ein Dienstag die E i s e n b o h n d ä m m e an mehreren Stellen unterspült worden, so daß teilweise schwere Verkehrs- st ö r u n g e n zu verzeichnen waren. Jüns Strecken mußten vorläufig gesperrt bzw. durch einen Rotbesrieb erseht werden. Der Höhepunkt des Hochwassers in Schlesien scheint jedoch xlücklicheriveis« erreicht zu sein, denn aus den Gebieten der Neben- sliisje der Oder wird bereits ein Stillstand und teilweise auch schon ein Rückgang gemeldetz Die Oder selbst steigt jedoch infolge des Zuströmcns aus den Nebenflüssen noch immer und hat bei Rati» bor eine Höhe von 7 Meter erreicht. Böhmen und Mähren von Hochwasser bedroht Prag, 29. Oktober. Infolge der andauernden Regensäll« st c i g e n die Flüsse Böhmens andauernd. Während jedoch die M o l d a u nur wenig gestiegen ist, zeigen die Oberelbe uuo ihre Neben- f l ü s s e ein rasches Ansteigen. Mit der Niedcrlegung der Wehre der Elbe ist begonnen worden. In Mähren und in Schlesien ist infolge der Regengüsse und Schneefälle zum Teil bereits Hoch- masscr eingetreten. Am meisten angeschwollen ist die Oder, deren Wasserstand sich dem Hoch st st and vom Jahre 1903 nähert. Die March ist in einem Tag um einen halben Meter gestiegen. Auf den Straßen des Jglauer und Mährifch-Trübauer Bezirks, besonders bei Zwittau, stockt der Verkehr nahezu voll- kommen. Der Neustädter Bezirk ist durch Schneewehen in Höhe von einem Meter und in Länge von 200 bis 400 Metern von der Umgebu»z vollkoinme» abgeschnitten. In Eilschwitz bei Troppau hat die Möhra einen Dayim durch- Trauerfahnen über den Landen Die BeisehungsfeierZichkeiten in Saarbrücken Saarbrücken. 29. Oktober.(Eigenbericht.) Am ZNitlwochmorgen um 9 Ahr begann die Irauerseier für die auf der Zeche„Maybach" verunglückten Bergarbeiter. Um die Sandstelnkapelle aus dem Hügel, von dem aus der Blick aus den Ort und die Unglückszeche fällt, drängten sich Tausende. 3n der Kapelle fand zunächst die kirchliche Trauerfeter statt. Der Bischof von Trier hielt die Trauerrede. Der Abschied der Angehörigen von den Toten im Iechensaal war ergreisend. 2 0 Särge standen im Zechensaal abseits; sie bergen die Toten, deren Persönlichkeit nicht s e st g e st e l l t werden konnte. Vach dein Pilgerchor aus„Tannhänser" sang der Knappen- chor. Dann begannen die Ansprachen. Es sprach zunächst der fran- zösische Arbeitsmlnisler Pernot, der zugleich des Unglücks von Alsdorf gedachte: nach ihm der Präsident der Saorregie- r u n g. Dann nahm der deutsche Perkehrsminister v. Gucrard das Wort. Zum Schluß sprachen noch die Vertreter der Berg. arbeiterver bände und ein Vertreter des Grubenausschusies der Grube Maybach, letzterer auch für die Belegschaft der Grub«. Ein Gewerkschaftsvertreter betonte, daß vurch Einzelunfälle im Bergbau im Jahr noch mehr Opfer zu beklagen seien, als durch die Masscnkatastrophen, auch diesen Hinterbliebenen müsse geholfen werden. Der Parteivorstandder Sozialdemokratischen Partei sprach dem Bergarbeiterverband sein innigstes Beileid zu dem Gruben- unglück aus und übermittelte ihm Z000 M. als erste Hilfeleistung für die Familien der verunglückten Saarbergleule. Die Trauerfeier im Rundfunk. Wieder Tag der Trauer auch für den Rundfunk: Uebertragung der Totenseier von Maybach. Im Zeitraum von noch nicht einer Woche werden zum zweiten Male Bergleute deutschen Stammes zur letzten Ruhe geleitet, 350 tote Knappen in so kurzer Frist! Der Sprecher schidert die Sandstelnkapelle auf einem 57ügel, von dem aus man im nebligen Oktobermorgen den Unglücksort May- bach und die Essen und Schlote der Reviere ficht. Bor der Kapelle drängen sich Hunderte und Taufende, drinnen schluchzen Frauen... Der gerade in seiner Eintönigkeit ergreifende lateinische Sang des katholischen Ritus erklingt. Dann spricht der Bischof von Trier, das Menschlich« vielleicht allzusehr gegenüber dem rein Religiösen, Ueber- irdischen zurückstellend. Wieder Gesang. Die kirchliche Feier ist beendet. Ergreifend und oft bis ins Tiefste erschütternd der Zlbschicd im Zechensaal. 2ln hundert schlichte, braune, mit Kränzen und Blumen überhäufte Särge. 20 stehen abseits: Man kennt die Toten nicht. Pilgerchor aus„Tannhäuser". Dann singt der Knappenchor, von schrillem Weinen aus der Traucrgemeinde unterbrochen. Nach den Vertretern der religiösen Bekenntnisse sprechen der französische Zlrbeiisminister Pernot. der gemeinsamen Trauer um die Toten von Maybach und Alsdorf gedenkend und zu menschlicher Solidorilöt mahnend, und in gebrochenem Deutsch der Präsident der Saar» regierung, der Engländer Wilton. Mit besonderer Betonung oerheißt der Vertreter des Reiches und Preußens, Minister von Gucrard, werktätig« Hilfe. Auf den christlichen Arbeiiervertreter folgt der Freigewcrkschastcr Schwarz, der die harte Frage stellt:„Warum sind all die Augen starr, warum stnd all die Lippen stumm? Ist alles geschehen, um diese furchtbare Katastrophe zu verhindern? Wir haben die Aufgabe, alle kohlenerzeugenden Länder zu mahnen, endlich in die Weltkohlenwirtschast energisch einzugreifen. Die Unsall- Vorschriften müssen noch mehr als bisher beachtet werden. Hierzu gehört, daß der Bergmann ohne Sorge um Lohn und Brot in die Grube steigen kann. Wir halten das Andenken unserer Toten am besten in Ehren, wenn wir für die Lebenden sorgen." Ein letzter Gruß aus der engeren Kollcgenschaft bildet den Abschluß der Reden. Bon Bergknappen getragen, verschwindet Sarg nach Sarg aus dem Saale.„Man findet kaum Worte, so schwer ist die Luft geworden," sagt der Sprecher. Die Rappen ziehen an. Feiner, durchdringender Regen fällt. Die Uebertragung endet mit einem letzten Glückauf. Baldwin geht zum Angriff über Macdonald gegen SchutzzoNpolitik London, 29. Oktober.(Eigenbericht.) In der Unterhaussitzung nach der Thronrede führte Baldwin in seiner das Regierungsprogramm ablehnenden Rede weiter aus, daß besonders die Wahlrechtsreform, die Erhöhung des schulpflichtigenAlters und das neueGe werkschafts- geseg für{eine Partei unerträglich seien. Die Thronrede könne nur die Arbeiterpartei befriedigen und der konservative Beifall gelte lediglich der bewundernswerten Ler- fassungstreue des Königs. Es fei allerdings zu bedauern, daß,«nt- gegen dem früheren Brauch, die Aussprache des Königs nicht mit einem Gebet geschlossen habe. Baldwin erntete stürmischen Beisall bei den Konservativen. Darauf erhebt sich Macdonald, von der Arbeiterpartei mit einer großen Ovation empfangen. Der Ministerpräsident dankt zunächst noch einmal im Hinweis auf die Lustschiffkatastroph« dem französischen Volke für sein großes Mit- gcfühl, und wiederum richtete dann Macdonald einen Appell an olle Staaten, die Abrüstung zu sörderu. In der P a l ä st i n a s r a g e werde die britische Regierung ihre Pflichten gegenüber dem Völkerbund erfüllen, und das bedeutet in Wahrheit nur die Fortsetzung der England durch das Palästina- mandat auferlegten Politik. Macdonald erläutert dann, daß in der großen Thronrede niedergelegte Regicrungsprogramm: Keine Kritik könne das Kabinett abhalten, die Arbeitslosen- fürsorge und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit für die wichtigsten innerpolitischen Aufgaben zu halten. Deshalb werden die Regierung auf ihren in der Thronrede niedergelegten Fordeningen bestehen, und sie hoffe, das Arbeitspensum bis Weihnachten erledigt zu lzaben. Schutzzölle und Absperrung der Länder durch Zoll- schranken seien keine Mittel, die Arbeitslosigkeit zu heben. Deshalb gebe es für die Schutzzollpolitik der Konservativen nur ein entschiedenes Nein. Niemals werde die Regierung irgend- einem Lebensinittelzoll zustimmen, da dies lediglich die Lebens- Haltung der Volksmassen verteuert. Das einzige, was die Regierunr den Ueberfeestaaten zugestehen könne, sei eine gegenseitig» Meistbegünstigung für die Einfuhr von Lebensmitteln. Ec gibt andere Wege als Zölle, erklärt zum Schluß der Minister Präsident, um der Wirtschoftsnot der Ueberfeestaaten zu steuern. Diese anderen Wege werden auf der Reichskonferenz sorgfällig be- trachtet. Gleichzeitig mit dem Unterhaus erörterte auch dos Ober- Haus die Thronrede. Hier würbe der konservative Siandpunl' noch schärfer als im Unterhaus hervorgehoben und entsprechen! schärfer war die Betonung der Richtlinien der Regierung, die ih Vertreter Lord Parmoor, gab. Beide Häuser vertagten sich dam zur Fortsetzung der Debatte auf Mittwoch. Berselbständiguttg der Dominions. London, 29. Oktober.(Eigenbericht.) Wie wir erfahren, hat die britische Regierung den Uebersee- ländcrn ein bedeutsames Zugeständnis gewahrt. Ursprünglich wurden die britischen Gcneralgouvcrncure für die Dominions von der englischen Regierung ernannt. 1.920 erhielte» die Ueberfeestaaten das Mitbestimmungsrecht in der Er- nennung der Generalgouverncurc. Einer der wichtigsten Beschlüsse der dicssährigcn Reichskonferenz wird sein, daß in Zukunft die Ueberfeestaaten ihren, der englischen Regierung gegenüber verein- karten Generalgouverneur selbständig und ohne Zutun der englischen Regiening bestimmen werden. Lediglich der englische König hat bei der Ernennung eine formell beratende Stimm«. Das bedeutet zugleich, daß die künstig«» General- gouverneure auch aus den Dominions selbst entnommen rverden können und die gesamte Neuregelung ist ein bedeutender Schritt vorwärts in der Selbstverwaltung und Unabhängig- teit der britischen Ueberscestaaten. brachen. Die O p p a ist von Deutsch-Krawarn bis Schünbnmn über die Ufer getreten, wodurch stellenweise der Verkehr auf den Landstraßen unterbrochen ist. Außer in Schönbrunn, wo bereits 40 Häuser geräumt wurden, mußten in Mährisch-Ostran- Neudorf und in Oderfurt Räumungen vorgenommen werden. Am Diensiagniorgen gegen 6 Uhr hat die Oder die Dämme hinter der Stickstoff-Fabrik in Qdersurt durchbrochen. Da sich der Dammbruch dauernd erweitert, wurden umfassende Lorkehrungen getroffen und Militär zur Hilfeleistung aufgeboten. Mordiat im Norden Berlins? Rätselhafter Tod eines Uhrmachers. Di« Nachricht von einem mulmahlichen verbrechen rief heule vormillag die Berliner Mordkommission noch der Drontheimer Straße 5, wo der Uhrmacher Friedrich U l b r i ch in seinem Schlaf- zimme mit einer schweren Kopsverlelznng tot ausgesunden wurde. U. betreibt im Hause Drontheimer Straße 5 in kleines Uhren- und Goldwarongefchäft. An den Laden schließt sich, nur durch eine Bretterwand getrennt, eine einzig« Stube an. Heute gegen 10 Uhr erschien eine Kundin, um eine Uhr zur Reparatur zu geben. Sie betrat das Geschäft, ojs sich der Uhrmacher nickst sehen ließ, klinkte die Frau die Tür auf, die zur Stube sührt«, um den Mann zu rufen. Zu ihrem Schrecken gewahr« sie,. daß Ulbrich im Bett regungslos lag. Das Deckbett war halb über den Kopf gezogen. Die Kundin schlug sofort Lärm, andere Leute benachrichtigten darauf- hin dos zuständige Polizeirevier. Die alarmierte Mordkommission erschien alsbald mit dem Chef der Inspektion A, Rcgierungsdircktor S ch o l tz sowie Kriminalrat Gen not, um die notwendigen Er- mitttimgen aufzunehmen Inzwischen war auch der Gerichtsarzt an Ort und Stelle er- schienen. Außer einer starken blutunterlaufenen Schwellung am Hinterkopf, die möglicherweise von einem Schlag, aber auch von einem Fall herrühren kann, konnte der Arzt weitere Verletzungen nicht feststellen. Di« Leiche wurde zur genauen Feststellung der Todesursache ins Schauhans gebracht. Illbrich empfing trog seiner 50 Jahre noch häusig Damen- besuch. Auch gestern abend hat er offenbar wieder Besuch gelzabt, der sich offenbar spät entfernt und die Ladentür nur eingeklinkt hat. Nach ollem scheint es nickst ausgeschlossen, daß der Uhrmacher im Bett von einem Schlag ereilt wurde. Genaueres kann jedoch erst die Obduktion ergeben._ Zugzusammenstoß in Württemberg. Zwei Vahnbeamte getötet, drei schwer verletzt. SluOgarl. 29. Oktober. Auf der eingleisigen Strecke Ulm— Aalen stieß am Dienstag gegen 19 Uhr zwischen den Bahnhöfen Giengen und H c r b ra ch- tingen der aus leeren Personenwagen bestehende Zug 3753 Giengen an der Brenz— Heidcnheim mit dem leichten Güterzug 8506 Zinken— INm auf freier Strecke zusammen. Der Lotamotioführcr und der Schaffner des Leerzuges wurde getötet, der Lokomotiv- Heizer schwer verletzt. Vom Personal des Güterzuges wurden der Lokomotivführer schwer und drei Schaffner leicht verletzt. Die Verletzten wurden ins Krankenhaus nach Giengen gebracht. Die Schuld an dem Unglück dürfte den Fahrdienstleiter treffen, der die eingleisige Strecke für den einen Zug früh freigegeben hatte. Genosse Benjamin Schmidt in der Liegnitzer Straße Z, ein lang- jäl?nger Parteigenosse und„Borwärts"-Lcser, erreicht heute das acht zig sie Lebensjahr. Wir wünschen unserem alten Partei- genossen das Beste. Wirtschastsnot Wie kann der berufslosen Lugend geh Angesichts d«r ungeheuren Erwerbslosigkeit, von der auch die im erwerbstätigen Atter stehend« Jugend in großein Umfange betroffen wird, hat die preußische Staatsregierung der Reichs- regierung Vorschläge zur Arbeitsbeschaffung unterbreitet. Ein Hauptpunkt ihres Programms ist ein neues Berufsschuljahr zur besseren Vorbildung der Zugendlichen. 250 000 junge Menschen würden dadurch auf ein Jahr vom Arbeits- markt zurückgehalten. Bei diesem begrüßenswerten Vorschlag ist daran gedacht, das weitere— also ein neuntes— Schuljahr in erster Linie auf den künftigen Beruf einzustellen und die Ausbildung, die der Jugendliche hierdurch erfährt, bei der späteren Berufsausbildung in angemessenem Umfange zur Anrechnung zu bringen. Dieser Borschlag muß alle Freunde der Jugend mit Aenugwung erfüllen. Un�so mehr, als schon seit einigen Jahren die Frage einer erweiterten Schulpflicht sür die Besucher der Volksjchule diskutiert wird. Es ist wissenswert, daß nicht nur in Deutschland, sondern auch in Amerika, England und Frankreich Schulfragcn im Mittelpunkt ernster Erörterungen stehen. Mit der Verlängerung der obligatorischen Schulzeit und deren Rückwirkungen aus Arbeitsverhältnisse und Arbeitslosigkeit besaßte sich im Herbst vergangenen Jahres auch die dritte Generalversanimlung der Jnter- nationalen Vereinigung für sozialen Fortschritt in Zürich. Aus dieser Tagung erklärt« der Vertreter der englischen Arbeiterregierung, daß diese Anordnungen zu treifen gedenke, um die obligatorische Schulzeit bis zum Alter von 1ö Jahren zu verlängern und den Eltern der Kinder eine entsprechende Entschädigung zu gewähren. Aus der Konferenz wurde eine Entschließung an- genommen, in der n. a. gefordert wird, die Entlassung aus der Schule sobald wie möglich auf-das 15. Altersjahr festzusetzen. Der Studienplan soll neben dem allgemeinen Charakter eine stärkere Betonung des Berufsschulunterrichtes im letzten Schuljahr erfahren. Man ersieht hieraus, daß selbst im internationalen Maßstäbe eine Erweiterung der Schulpflicht unter starker Betonung des Berufs als notwendig angesehen wird. Im Zusammenhang mit diesen Forderungen ist in Deutschland debattiert worden, ob ein neuntes Schuljahr der Dolksschule verbleiben oder der Berussschule an- gegliedert werden soll. Die Meinungen sind darüber recht geteilt. Eine Reihe wichtiger Gesichtspunkte spricht edenfalls für die Angliederung an die Berufsschule. Diesen Standpunkt vertritt auch der bekannte Schulmann K e r s ch e n st e i n e r. Er hebt hervor, daß die vor allein bei den Knaben um das 12. bis 15. Lebensjahr auftauchenden Neigungen, sich manuell zu betätigen, bei einer Aus- dehnung der Schulpflicht innerhalb der Bolksschul« nicht befriedigt würden, da sie nicht auf den Beruf, für den sich der Jugendliche in diesem Alter schon interessiert, eingestellt ist. Kerschensteiner sordert aus diesem Grunde einen Ausbau der Berufsschulen, der sich bei der Struktur dieser Unterrichtsstätte sicher leicht durchführen ließe. Er verspricht sich auch in pädagogischer Hinsicht größere Erfolge. Daß solche zu verzeichnen wären, zeigt sich in der sogenannten..vorlehre* in Frankreich. Diese wird hier in besonderen Schulen mit gut eingerichtcien Werk- stalten als Bernfsvorbildung durchgeführt. Man kann diese Vorlehre — Lugendnot! Ifen werden? Vcm kalter Eschbach. etwa vergleichen mit den deutschen Tagessachschiilcn für Handwerk- liche und Angcstclltenberufc. Auch in der Schweiz bestehen ähnliche Einrichtungen wie in Frankreich, und es ist durchaus denkbar, sie auch in Deutschland einzuführen. Ein Ansang dazu wäre ein obligatorisches an die Berufsschule angegliedertes neuntes Schuljahr. Für dieses Angliedern spricht vor allem der Umstand, daß der Jugendlich« zum mindesten im 14 Lebensjahre schon vollkommen auf seine später« Lehre und Erwerbstätigkeit eingestellt ist. Seine Lebensausfassung hat sich zu diesem Zeitpunkt aus der Struktur der Volksschule herausentwickclt. Es kommt aber noch ein anderes Moment hinzu. Bei der Kompliziertheit des heutigen Berufslebens und der Produktiaii ist es notwendig, dem jungen Menschen vor seinem Eintreten in die Wirtschaft das Berufsbild sichtbar zu machen und ihm die Zusammenhänge der Warenherstellung zu zeigen. Welcher Jugendliche hat in der Stadt heute noch Gelegenheit, den berufstätigen Menschen bei seiner Arbeit zu sehen? Mancher jung? Mensch würde lieber einen anderen als den zuerst gewünschten Beruf ergreifen, wenn er sich vorher mit defsen Besonderheiten hätte vertraut machen können. Damit wäre auch der Berufs» beratung ihre Aufgabe erleichtert; weiterhin würde eine sinn- volle Einordnung des Jugendlichen in den Beruf, zu dem er sich hingezogen fühlt und für den er sich als geeignet erweist dadurch möglich fein. Mit dieser ganzen Sachlage rückt die Schulfrage in den Rlitlelpunkl der Sazialpolilik. Besondere Maßnahmen sind auch notwendig, um die nicht mehr schulpflichiige Jugend jugendpflegerisch zu betreuen. Di« Gewerk-- schaften sind Hier in früheren Jahren und auch gegenwärtig mit gutem Beispiel vorangegangen, indem sie Kurse und Internate für erwerbslose Jugendliche eingerichtet haben. Eine besonder« Aktion hat vor einiger Zeit die Stadt Düsseldorf durchgeführt; erwerbslose Jugend hat hier unter geschickter, verständnisvoller Leitung Oedland in eine vorbildliche Parkanlage mit Spielplätzen, einer Frcilicht» bühne u. a. verwandelt. Die gegenwärtig« nngcwühiilich« Erwerbslosigkeit erfordert außergewöhnliche Maßnahmen. Für die Jugend, die bei ihrer Schulentlassung nicht damit rechnen kann, eine Lehr- oder Arbeits- stelle zu finde», die also zeitweilig berusslos bleibt, ist daher der Borschlag der preußischen Staatsrcgierung zu begrüßen. Hierdurch würde der Arbeitsmarkt entlastet und der Jugend selbst außer- ordentlich geholfen werden. Erstrebenswert ist es, dem Beispiel Englands folgend, den Eltern während dieses verlängerten Schul- befuches in irgendeiner Form eine besondere Entschädigung zu gewähren. Für die Teile der Jugend, die nach vollendeter Lehre ihre Arbeitsstelle verlassen müssen— deren sind nicht wenig«— sowie für die vielen anderen erwerbslosen jugendlichen Arbeiter und Angestellten sind dagegen Kurse und Arbeitsgemeinschaften durch- zuführen. Erfahrungen aus diesem Gebiet der Jugendpflege liegen aus früheren Jahren vor. Es sei nur oerwiesen auf die Einrich- tungen der Berliner Jugendämter. Die Wirtschaftsnot bringt automatisch die Not der Jugend mit sich. Dieser Jugendnot aus den verschiedenen hier gezeigten Wegen zu steuern, muß eine dringende Aufgab« von Staat und Gesellschaft sein! Hugenberg-Adreffe unbekannt. Die Hugenberg-Redakteure vor dem Mchter.— Hugenberg selber druckt sich. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte begann heute morgen unter dem Vorsitz des Landgcrichtsdirettors Rücker der Prozeß gegen den Redakteur des„L o k a l- A n z e i g e r", John, den Redakteur des„Tag", Flemming, und den Redakteur der„Deutschen Zeitung", Schwendy, wegen eines Artikels des Reichs- ragsabgeordneten Hugenberg vom 3l. Oktober 1929. In diesem Artikel, der sich mit dem Ergebnis der Abstimmung zum Volksbegehren beschäftigte, hieß es u. a.! „Ist die Schlacht gewonnen oder verloren. Der sozialistische Reichsinnenminister will es uns am 6. November verraten. Hoffentlich wird inzwischen nicht allzusehr retuschiert." Durch diese Worte haben sich der damalige Reichsinnenminister Se o e r i n g. der preußische Mini st erpräsident Braun und die M i n i st e r p r ä s i d e n t c n einiger Staaten beleidigt gefühlt. Die Anklage lautete demgemäß aus Beleidigung. Von den vier Angeklagten ist Hugenberg nicht erschienen. Der Vorsitzende verliest ein Schreiben, in dem der abwesende Hugenberg mitteilt, daß er sich augenblicklich zu einer Nachkur in Bai)ern befinde. Eine Vorführung sei nicht möglich, da er nicht nur Reichstagsabgeordneter, sondern auch Mitglied seines Ständigen Ausschusses sei. Er beantrage, das Verfahren gegen ihn ruhen zu lassen. Oberstaatsanwalt Köhler widerspricht diesem Antrage. Hugenberg fei ebenso zu behandeln wie jeder andere Angeklagte, da das Verfahren gegen ihn bereits vor Eröffnung des Reichstages 3)er kann lachen! Der Frankfurter Architekt und Stadtbaurot E r n st May, der von dcr Sowjetunion mit einem Johresgehalt von 150 009 M. nach Moskau engagiert worden ist. geschwebt habe. Ein Ruhen des Verfahrens käme nur auf Grund eines besonderen Antrages des Reichstages in Frage. Die Ver- zögerung in der Anberaumung des Gerichtstermins sei durch Hugen- berg selbst verschuldet. Er, der Staatsanwalt, beantrage deshalb die Durchführung der Verhandlung gegen die drei anwesenden An- geklagten und Abtrennung des Verfahrens gegen Hugenberg. Die Beschlußfassung darüber, ob beim Reichstag eine Genehmigung über die Dorsührung des Angeklagten Hugenberg nachzusuchen sei, behalte er sich vor. Justizrat Hahn widerspricht seinerseits einer Abtrennung des Verfahrens gegen Hugenberg. Hugenberg sei der Verfasser des inkriminierten Artikels. Der Prozeß müsse deshalb gegen sämt- liche vier Angeklagten gemeinsam durchgeführt werden. Hugen- berg trage keine Schirld an der Verzögerung in der Anberaumung der Verhandlung. Da» Verfahren müsse eben vor- läufig ruhen. Der varsihende stellt fest, daß eine Vernehmung hugenberg» nicht stattfinden konnte, da seine Adresse unbekannt war. Alle versuche, seine Adresse omssindig zu machen, sind ergebnislos geblieben. Schließlich war das Gericht gezwuinzen. den Eröffnungsbeschluß ohne vorhergehende Vernehmung Hugenbergs zu erlassen. Ober- staateanwalt Köhler ergänzt diese Ausführungen des Vorsitzenden durch den Hinweis, daß auf ein von ihm persönlich an Hugenberg gerichtetes Schreiben, doch seine Adresse mitzuteilen, unbeantwortet geblieben sei. Das Gericht beschließt nach kurzer Beratung, da» Versahren gegen hugenberg abzutrennen.. Die drei Angeklagten werden zur Person vernommen. Dcr Eröffnungsbeschluß und die inkriminierten Artikel kommen zur Verlesung. Rechtsanwalt Gollnick stellt sür den Angeklagten John eine große Anzalst von B« w e i s a» t r ä g e n. Es sollen G e« m e i» d« v o r st e h e r, verschiedene Beamte und Privat- Personen über Unregelmäßigkeiten beim Volksbegehren ver- nommen werden. Sollte es sich ergeben, sagt Rechtsanwalt Gollnick zur Begründung seiner Beweisanträge, daß vor Niederschrift des Artikels durch Hugenberg eine Reihe Vorkommnisse sich zugetragen haben, die die Befürchtung aufkommen lassest mußten, daß das Er- gelmis des Volksbegehrens objektiv falsch sein muhte, so wäre der Wahrheitsbeweis erbracht und die Angeklagten könnten njcht bestraft werden. Denn die ihnen inkriminierten Sätze besagen nichts anderes als den Wunsch und die Warnung, daß nicht„retuschieri" würde. Justiz rat Hahn ergänzt die Unzahl der Anträge seines Kollegen durch weitere Anträge. Der Oberstaa�amwilt Köhler hält sämtliche Anträge sür unerheblich. Das Gericht behält sich die Beschlußfassung über die Beweis- antrage bis nach der Vernehmung der Angeklagten vor. Vernehmung der Angeklagten. Redakteur John vom„Lokal- Anzeiger" wird verantwortlich vernommen. Er hat den Artikel nicht erst gelesen, ihn von seinem Kollegen Dr. Harnisch erhallen und im Vertrauen aus dessen langjährige redaktionelle Erfahrung ihn unbedenklich in Satz gegeben. Er übernimmt selbstverständlich die Verantwortung. Die Reihe, sich Zu äußern, ist am?ln geklagten Flemming. Auch sei» Blatt, der„Tag", hat natürlich Berge von Zuschriften erhalten mit dem Ersuchen um Vermittlung bei der Wahrung der verfassungsmäßig zustehenden Reäste der Briesschrciber. Stzo rs.: Was lzaben Sic unter„Retuschieren" verstanden? Angekl. Flemming: Ich habe unter Retuschieren das ver- standen, was ollein darunter zu verstehen war. Es sollte durch Aenderung der Listen nicht das Endergebnis des Volks- begehren? beeinflußt werden, wie das z. B. in Essen durch Aus- radieren von Namen geschehen ist. Es folgt die verantwortliche Vernehmung des Redakteurs der„Deutschen Zeitung", Schwendy. Herr Schwendy hat den Artikel gelesen, für gut beiunden und ihn in Satz gegeben. „Es war für mich außer Zweifel", sagt er,„daß gerade im gegebenen Augenblick, wo der Kamps um das Volksbegehren auf dem Hohe- am Artikel von Hngurbar� augewanmum werde« mußte. Ich konnte mir selbstverständlich nicht denken, daß einem Manne wie Hilgenberg in seinem Artikel etwas Strafbares unterlaufen könnte." Vors.: Sie waren doch befugt, Aenderungen vorzunehmen. Ihr Blatt befand sich doch in keiner Abhängigheit von Hugenberg. Angekl. Schwendy: Selbstverständlich war ich besugt, Aenderungen vorzunehmen. Ich sah aber keinen Anlaß dazu. Angekl. Flemming(aufspringend): Es war ja überhaupt nicht so, daß wir einen Artikel von Hugenberg unbedingt bringen mußten. Hatten wir Bedenken, so konnten wir sie ihn: mitteilen und fanden dann das größte Ent- gegen kommen. Vors.: Es war also nicht so, daß ein Artikel von Geheimrat Hugenberg unbedenklich angenommen werden mußte? Angekl. Flemming: Rein, unter leinen Umständen. Bors,(zum Angeklagten Schwendy): Der Artikel in der„Deutschen Zeitung" ist am 3l. Oktober erschienen. Die Eintragung in die Listen war bereits abgeschlossen. Vom 31. Oktober bis zum 6. November fand die Prüfung der Listen statt. Da konnten eigentlich Streichungen oder sonstige Aenderung nicht mehr vorgenommen werden. Justizrat Hahn(an Stelle von Schwendy): Es handelte sich um die Wertung der Einzcichnungen, um die rechtliche Aus- sassung zweiselhester Eintragungen, z. B. wenn jemand, der sich eingetragen hatte, später seinen Namen streichen ließ und dcr- gleichen mehr. Vors.: Ich möchte es vom Angeklagten Schwendy selbst hören. Schwendy wiederholt nun die Aussage seines Verteidigers. Im übrigen erklärt er, daß er in dem Artikel eine Beleidigung von Beamten nicht erblickt und auch kein« beleidigend« Absicht gehabt habe. Lm Zeichen der Wirtschastsnoi. Zum zehnjähnaen Bestehen der Notgemeinfchast der Deutschen Wissenschast. Am 30. Oktober sind zehn Jahre vergangen, seitdem die beut- scheu wissenschasUickien Körperschaften zur„R otg e m« i n s cha s t der Deutschen Wissenschaft" zusammentraten, um von der deutschen Forschung die drohende Gefahr des Zusammenbruches abzuwenden und die Forschung als unentbehrlichen Faktor im deutschen Wiederaufbau zu erhalten. Mit den Jahren hat sich gezeigt, daß die Aufgabe der Notgemeinschaft sich nicht in einer einmaligen Hilfsaktion erschöpfte, sondern daß für eine Reihe von Bedürfnissen der deutschen Wissenschast die zentrale Wirksamkeit eines Körpers wie dcr Notgemcinsck)oft auf die Dauer notwendig ist. Die Not- gemeiiy'chast ist zu einem wesentlichen Organ in der deutschen Wissen- sckMspflege geworden, dessen Bedeutung auch dos Reich durch Uebernahm« der ihr geleisteten Zuschüsse in das Ordinarium des Reichshaushalts Rechnung getragen Hai. Der Name„Deutschs Gemeinschaft zur Erhaltung und Förderung der Forschung"(abge- kürzt„Deutsche Forschungsgemeinschaf t"), mit dem der alt« Titel neuerlich ergänzt wurde, bezeichnet die Entwicklung der Notgemeinschaft zu einer grundlegenden Förderungsorganisotion im deutschen wisscnschartlichen Leben. Der soeben erscheinende neunte Bericht gibt ein Bild von der Tätiskeit der Rotgcmciujchajt i» Jahr 1929/30. Die Förderung der Erperimentalsorschung und der großen Forschungsaufgaben im Bereich der nationalen Wirtschaft, dcr Bolksgesundheit und des Volkswohls erstreckt sich über eine große Zal)l wichtiger Arbeiten und hat immer neue auch wirtschaftlich bedeutungsvolle grnnd- legende Aufgaben, die nur in Gemeinschaftsarbeit zu fördern sind, erfassen müssen. Die Mittel der Notgemeinschaft waren im Jahre 1929 bereits einer Einschränkung unterworfen. Auch die weitere Zlrbeit vollzieht sich im Zeichen der Wirtschafts- und Finanznot. der die Notgemeinschaft durchaus Rechnung zu tragen sucht. Trotz- dem dürfen begonnene große Unternehmung«», wie die Grönland- expedition, nicht unterbrochen werden, wenn die deutsche Forschung in der Lage bleiben soll, die Notloge des deutschen Volkes weiterhin zu bessern. Gerade diese Notlage fordert oerdoppelte Wissenschaft- liche Anstrengungen, um Deutschland wirtschajtlich-wettbewerbsfähig und kulturell widerstandsfähig zu machen. Der Garten des Friedens. Eine Grenz-, Befestigung" durch Blumen und Bäume. In Erinnerung an den lOOjähvigen Frieden zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten van Nordamerika find lanadische Friedensfreunde mit ihren Gesinnungsgenossen in den Vereinigten Staaten in Verbindung getreten, uin ein 1000 Morgen großes Gelände an der Grenze beider Staaten anzukaufen und in einen „Garten des Friedens" umzuwandeln. In diesen Garten sollen sämtliche Arten der Bäume, Sträucher und Blumen angepflanzt werden, die in Kanada und in den Vereinigten Staaten vorkommen. Dabei sollen sen« Pflanzen, di« an ein südliches Klima gewöhnt sind und die kälter« Temperatur des Nordens nicht ertragen können, in Glashäusern untergebracht werden, damit kein ameritanischcr Baum oder Strauch, und keine amerikanische Blume in diesem„(Zarten des Friedens" fehle. Die Kosten für dies« einzigartig« Anlag«, die zur Hälfte auf lauadischem und zur Hälfte aus dem Gebiet der Union liegen wird, sollen aus Beiträgen der beiden Völker zusammen- gebracht werden, damit der Garten, der den sriedlichen Gefühlen beider Völker Ausdruck geben fall, auch im wahren Sinne des Wortes ein Volkspart werde. Darum wird sür ihn auch eine leicht zugänglich« Stell« ausgewählt werden und zwar dort, wo der Staat New Port an die kanadische Provinz Ontario anstößt. An alle Gartentünstler in den Vereinigten Staaten ist die Einladung er- gangen, sich an dem Wettbewerb sür die Ausgestaltung dieses Gartens zu beteiligen, der eine der größten Sehenswürdigkeiten der Vereinigten Staate» bilden wird. Er soll, wie der Anreger dieses Gedankens, Donald I. Crighton, sagte, nicht nur den beiden Völkern Nordamerikas«ine Erinnerung an einen 100jährigen Frieden und eine 100jährige Freundschaft sein, sondern zugleich für die übrigen Völker der Erde, die an ihren Grenzen keine Blumen und Gärten, sondern Festungen und Geschütz« haben, ein« ständige und lebendige Mahnung. vr. Karl Haue!-. Der sronzösische vialer Spiridon gestorben. In Nizza starb der Porträtmaler Spiridon im Alter von 82 Jahren. Spiridon war in Rom geboren und ließ sich dann später in Nizza nieder, wo er sich naturalisieren ließ. Unter de» Porträts Spiridon- sind be- sonders diejenigen Purrinis, Gambettas und des Papstes Pius XI. hervorzuheben Von seinen Werken hat ein im Vatikan hängender Ehrijtuskopj Berühmtheit erlangt. Oer Marsch auf Rom. Die Wahrheit zum Jubiläum I Ter Verfasser des nachstehenden Berichts über oaS Ereignis des 28. Lttobcr 1922 ist damals italienischer Richter gewesen. Ich war damals größtenteils Augenzeuge der Ereignisse, andere erfuhr ich gleich, nachdem sie sich ereignet hatten, aus amtlichem Wege, und bin daher sicher, daß kein auf Tatsachen beruhendes Dementi der Faschisten erfolgen kann. Die faschistische Bewegung war 1919 hauptsächlich unter solchen Elementen entstanden, die aus dem Kriegsdienst entlassen waren und ein abenteuerliches Leben jeder ernsten Arbeit vorzogen. Ur- sprünglich wollten die Faschisten die Monarchie absetzen, der Kirche jeden Einfluß in weltlichen Dingen nehmen, den Dichter Gabriele d'Annunzio zum Präsidenten der Republik proklamieien und Benito Mussolini zum Regierungschef, alles wenigstens i m Namen der Demokratie. Der Bewegung selbst wäre be- stimmt kein Wert beizumessen gewesen, wenn d'Annunzio nicht am 12. September 1919 mit chilfe seiner Legionäre die Stadt Fiume besetzt hätte. Mussolini war damals Besitzer der Zeitung„II Popolo d'Italia", die sich in sehr schlechten finanziellen Verhältnissen befand; er eröffnete daher, angeblich zugunsten der Besetzung Fiumes, eine Geldsammlung, die etwa ZtillWW Lire einbrachte, und dieses Geld diente teils seiner Zeitung, teils dem Versuch, in der Parlaments- wähl einen Sitz als Abgeordneter Mailands zu erreichen, was ihm aber nicht gelang, da nur 1009 Wähler für ihn stimmten. Der Skon- dal ob der Aneignung des für einen öffentlichen Zweck gefammeltm Geldes wurde dadurch unterdrückt, daß d'Annunzio im Namen der Stadt Fiume auf das Geld verzichtete. In dieser Zeit fing eben das Glück an, dem Faschismus hold zu werden. Dem damaligen Regierungschef Giovanni Giolitti gelang es, Mussolini, der mit d'Annunzio sympathisierte, von diesem zu trennen, was das Ende der Besetzung Fiumes bedeutete: erst in Rapallo, am 2l>. September 1929, und dann in Nettuno wurde die Fiume- frage gegenüber Jugoslawien geregelt. Die Mittel, die Giolitti zu seinem Zweck anwendete, lassen sich leicht denken, wenn man Musso- fini kennt; es genügt hier daran zu erinnern, daß er 1915 durch französisches Geld, das ihm die Gründung des zum Kriege hetzenden Blattes„31 Popolo d'Ilalia" gestattete, vom strengsten Neutralismus plötzlich zum feurigsten 3ntervenlismus bekehrt wurde. Obwohl sich Mussolini gegenüber der kommunistischen B e- setzung der Fabriten, die in Oberitalien auch im September 1929 vorgekommen war, wohlwollend gezeigt und sogar sich zugunsten der Arbeiter in die Verhandlungen eingemischt halte, wechselte die Faschistenpartei gleich nach dem Rapallovertrag, und zwar wenige Tage darauf, vollkommen ihr Programm und be- zog eine reaktionäre Stellung, die von der Regierung Giolittis und von den Machthabern der Industrie und der Finanz mit Waffen und Geldmitteln reichlich unterstützt wurde. Es folgten zwei Jahre Bürgerkrieg, in dessen Verlauf die Schwarzhemden nicht nur den Kommunismus bekämpften, sondern überhaupt eine jede Partei, die ihre demokratische Gesinnung behalten wollte; die Bewegung war — wie gesagt mit Hilfe der Regierung— hauptsächlich gegen die Arbeiterschaft gerichtet und gegen alle diejenigen, denen die Erhaltung der Bolkserrmigenschaften an erster Stelle stand. 3ch selber habe mit eigenen Augen gesehen, wie halbe Städte in Flammen aufgingen, besonders in der Gegend von Bologna, wo der rote Widerstand am stärksten ausloderte; wie einsam liegende Häuser von Hunderten von Schwarzhemden belagert und beschossen wurden: wie die Bewohner vertrieben oder niedergestochen wurden, ohne daß die Behörde einen Finger zur Erhaltung der Ordnung erhoben hätte, ohne daß ein einziger Mann der Militärbesatzungen mobilisiert worden wäre! Als bei der Justizbehörde die Anklagen gegen Faschisten zu Tau- senden angewachsen waren, wurde von der Regierung eine A m n e st i e erlassen und die Schuldigen konnten wieder frei umher- laufen— heute stehen sie an der Spitze der Partei fBalbo, de Vecchi, de Bona usw.). Jedes Verbrochen wurde als„begangen zu notio- nalcn Zwecken" betrachtet: so die Vergewaliigung eines Mädchens in einer Stadt des Südens anläßlich der Erstürmung einer Privat- wchnung durch die Schwarzhemden: das Mädchen starb, aber die Mörder wurden, infolge einer Amnestie, als p o l i t i f ch e Verbrecher betrachtet und freigesprochen; so die wilde Ermordung eines tüch- tigen und angesehenen Arztes in einem Dorfe der Romagna wogen Liebesangelegenheitcn, so unzählige andere Falle! Es genügte, daß die Täter Faschisten waren. Gerechtigkeit, Justiz, Sicherheitsbehörde waren zu lächerlichen, unnützen Dingen geworden, die man ebensogut hätte abschaffen können. Warum hat nun Giolitti, der sich früher immer als Demokrat bewährt hatte, seine Hand zur Unterstützung einer solchen morde- rischen, verbrecherischen Bande geboten? Zwei Gründe bewogen ihn: der eine war, daß Mussolinis Trennung von d'Annunzio dem Re- gierungschef freie Hand in der Frage von Fiume gab, wodurch ein größeres Blutbad vermieden blieb, denn Fiume sollte anfäng- lich selbständig bleiben, aber Giolitti wollte die Stadt annektieren; es wurde Mussolini erlaubt, sein« Banden militärisch auszurüsten und sie im Inland zu verwenden. Der tiefere Grund war. daß Giolitti durch die faschistische Be- wezung in ihrer reaktionären Neugestaltung das Aufsteigen der Arbeiterklasse zur Regiernngsmacht verhindern wollte: von der kommunistischen Gefahr ganz abgesehen, die 1921— 1922 zugunsten der Sozialdemokratie viel von ihrer Stärke eingebüßt hotte. Und Giolitti, wie auch das Bauerntum, das seine Männer dazu hergab, und die Industrie- und Finanzherrscher, die mit Geld nicht sparten, hofften bestimmt, sich des Faschismus ohne eigene Gefahr bedienen zu können, machten dabei aber ihre Rechnung ohne den König Viktor Emanuel III. Auf Giolitti folgten in der Regierung des Landes erst B o n o m i, dann Facta, die aber beide sich sehr schwach zeigten und gänzlich die Kontrolle über den Faschismus verloren. Am 24. Oktober 1922 hielt die faschistisch« Partei in Neapel einen Kongreß ab, der sich aber mehr als eine Konzentration bewaffneter Schwarzhemden erwies: etwa 39 999 Mann waren zu- sammengekommen, aber ihr Haupt Mussolini hielt sich in Mailand auf, von wo er, im Falle eines Mißlingens des Aufstandes, hätte am schnellsten die Grenze der Schweiz erreichen können. General Badoglio. heute Faschist, erklärte sich bereit, die ganze slaalsseindliche Bewegung in zwei Stunden aus immer zu ver- nichlen; der König aber unterhandelte indessen mit einem Vertrauensmann Mussolinis und verweigerte die Unterzeichnung des Dekretes über den Belagerungszustand, den das Kabinelt Facta beschlossen hatte und berief Mussolini zur Regierung. Die Schwarzhemden, die bis dahin sich von Neapel nicht entfernt hatten, bestiegen Eisenbahnwogen, die ihnen zur Verfügung gestellt wurden und verließen sie erst 19 Kilometer vor Rom, um den „Siegesmarsch" nach der Hauptstadt zu Fuß anzutreten. Mussolini traf erst drei Tage später mit Sonderzug und Schlafwagen aus Mailand in Rom ein und wurde, unter den Evoioa- Rufen seiner Anhänger und der Bestürzung des ganzen Landes, vom König feierlich empfangen. Diese und keine andere ist die glorreiche Geschichte des„Marsches auf Rom". A. F. Beamtenrätewahlen bei der Reichsbahn Freigewerkfchastlicher Erfolg in Sachsen Bei der Neuwahl der Beamtenräte bei der Reichsbahn am 19. und 29. Oktober erhielten Stimmen: Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands., Berlin. Drurk: Lorwärts Buch- druckcrci und Berlagsar.ftalt Paul Lingcr öc Co.. Berlin. SW 68, Lindenstratze 3. Hierzu 1 Beilage. a.Ur, Lidtispiele usw.| Reichshallen-Theater Abend, IjT) Sonntag nadim.|- 1 (Zu halben Preisen) Steifiner Sänger Zum Schluß: „Wir ollen Berliner" sSSS TaceiUI-?, Hbrnil«. ab 6. Ztr. 112 63 &S$Oönhoff- Brettl: gasar.Okt.-Primraimii! Tanz. KapaieHansSinlus 8.15 Udr— Ranmen Brianöi Tlfffany Twin«. Dora Kasan u. Nestar. Brown u. La Hart us�. VolKsbilttne Ihealer am Ktoplatz, 8 Uhr Die Weber v. G. Hauptmann Regie: K. H. Martin. Thealer am Schitthauerdamm 8 Uhr Jud Süß I StaatUdiiiler-Hi. 8 Uhr Nora Staatsoper Am PI, d. Republik 8 Uhr Neues vom Tage mmm preiswerte IrgRugun� Re�feuirunt Berlins I Midies Theater 8 Uhr { letzte Joffühiungeit! Ein Sommer- nachtstraum Regie: Max Reinhardt. Kammerspiele 8' j Uhr Elga van Gerhait tiauptmana. Regie; Gustav Härtung. Die Konrädie 8% Uhr Der Schwierige vonliujp vna Hofmannstbal. Regie; Max Reiabanil. Kleines Tlieat. Täglich SV. Uhr Lon' lienx in meine Schwester und ich nach Vemeuil von Blum. Musik ven BeaatikL Theater am sminbauerdamm Täglich 8'U Uhr Jud Süß! von Paul Kornfeld Inn.: leej. JeBaer mit Ernst Deutsch Deutsches KOnslIer-Theal. Tel. Barbarassa 3337 8 Vi Uhr Jim und Jill Grete Husbeim. Harald Paulsen. Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 8V4 Uhr: von Max Alsberg und O. E. Hesse eillfleiTMet Dönh. 625, 626. Täglich 8 Uhr Hur nodi 10 VorsteHungen Alexander Hoiss! „Der Idiot" t. DotiotcTiki) Ausschneiden! Zentral-Ilieat. Taglich Uhr Sonnt auch SVs Uhr Eine Freundin so goldig wie Du Operette v. Meiset. km. für Parkett s» statt 4.- M. nur I■" gültig vom 23.-28. Okt. Lustspieihaus U Suanabenil, 1. Kovemb. f röffrung durch die Direktion Kurt Götz mit HOKUSPOKUS 55(7, Mertens, Valentin, SteinkeA. Theater för !Mer: K,mm,nU«n Hittwoch,* Uhr mm leisten MMn „Hansel und Gretel" SontmUeiM). 4' Uhr: Petercheas Mondfahrt (Preise von 30 Pf. bis 1.50 M) MonUo, Dienstao. Oonntrstag und Freitag S�Uhr: Famillen-NachmHtfm Kukuli mit Traute Ro»e In der Hauptrolle Preise von 30 Pf. bis 1.50 M Garderobe u. Progr. je 10 Pf. Kaffee ond Kuchen. Bier mit äalzbrot je 25 Pf. Wochentagrs 8« Uhr; fn der«Johannlsnaeht Sonnabends 2x(7 u. 10« ü.) Karten im Tfügig. Vorver- kaof sind ru haben rnn 11-1 Uhr Torrn, und von 4-9 Uhr abends. BIHettkass»; Alex. 3424 u. 3494 Große Frankfurter StraSe 132. ROSE -Theater original- Beiema patentmatratzen/ Ruheoenen mit Bete ma- Federung Patenl-Drehbe«(D. R.P.) ein Griff ein Bett, sowie das neue Holzbett mit Befema-Federnng sind vollkommen gergnscfaSosI— Kein Einliefen. Für schwerste Belastung. 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Opsrsttss-nactiMiorstgüuiig der Genossenschaft deutscher Buhncn- angehöiieer „Die keusche Suzanne" Jean Gilberts erfolgreiche Operette in erster Bes. Karten un Vorverk. erhalt!. Wochentags: 4. 5»/-, 8'« Uhr Sonntags: 3. 5�, 8Vi Uhr Eintrrtspreise: RM- 1.—, 1.20, 1.50 (Logen 2,—). Sonntags3Uhr Einhe t- preis RM. 1,—. Vorverkauf ab 12 U- ununterbrochen für 7 Tage im voraus dBetfa�e Mittwoch, 29. Oktober 1930 SprÄblmd SfiäJmthfa&ß ko*u>dr& In unerforschten Bergen Menschen und Siedlungen in Lasistan Kornfelder in 2000 Meter Höhe Sjci'.lc haben wir den auf der Karte eingezeichneten Weg zum Demir Dag(3000 Meter) verlassen. Damit beginnt der Vorstoß in das auf der deutschen Karte als weißer Fleck stehengebliebene Gebiet nind um den Gipfel dcsVarsambek(3700 Meter). Auch die Karte des Wilajet Rize(etwa unserer Kreiseinteilung cnt- sprechend) zeigt nur ein paar überflüssige Namen mehr und wejent- lich differenzierend« chöhena,«gaben. Vielleicht verfügen der russische und der türkische Generalstab über besseres Kartsnmaterial, offiziell sind diese HockMer, Bergzüge und Bäche noch nicht aus- genommen. Es ist jammerschade, daß noch immer der dicht« Nebel anhält, so daß wir von der ganzen Gegend sehr wenig sehen. Wir müssen uns auf die Angaben unserer Treiber beschränken In etwas gedrückter Stinnnung tappt einer hinter dem anderen durch das undurchsichtige Grau. Ein leiser Nieselregen durchnäßt langsam aber sicher Kleider, Rucksack und die Zelttücher. An der höchsten Stelle des Grates zum Demir Dag sind wir Z400 Meter hoch, dann biegen wir ab und müssen nach der Aussage der Eingeborenen durch das Kurab-Dere-Tal über den Incesu-Bach nach HcmsHin. dem letzten Ort vor unserem großen Standlager. In steilen Serpentinen und über Steingcröll fällt der Weg ziemlich schnell ob. Manchmal ist es gar nicht so leicht für unsere sthwerbcpockten Pferde, bei der Nässe nicht ins Rutschen zu kommen. Schon nach kurzer Zeit wird der Weg breiter, aufgehäuft« Stein- niauern verraten die Nähe einer Siedlung, und in diesem aus- gesprochenen Gebirgstal in einer Höhe von etwa 2000 Metern tauchen weite Getreidefelder auf. Während am Meer nur Mais gezogen wird, scheint es hier noch warm genug zu fein, um das Korn zum Reifen zu bringen. Zwischen Gerällhalden und kahlen Felsbcrgen stehen hohe Garben, ein für unser wirtschastsgcographi- fchcs Auge ganz merkwürdiger Anblick. Doch die Häuser des Dorfes Magre B u d a m haben ganz typischen Hochgebirgscharakter: Steinsockel, Holzausbau und flache Dächer, die zum Schutz gegen den Wind nüt Steinen belegt sind. Als wir in die Hauptstraße des Ortes einbiegen, nehmen die herum- stehenden Bewohner vor uns Reißaus. Erst als Hassan, unser Uebersetzer, das Empfehlungsschreiben an den Bürgermeister abgibt, werden die Leute zutraulich. Man lmtte uns zuerst für Be- ö listragte der Regierung gehalten, die, wie schon so oft vorher, Bich , und Pferde requirieren sollen. Nun, da wir uns als harmlos« Touristen entpuppe», weist man uns in einem alten Schuppen einen trockenen Platz zum Uebernachten an. Der nächste Morgen bringt herrlich klares Wetter. Nur vsr- cinzelte Wolkenfetzen jagen vorbei, Nebelschwaden sehen sich wie weiße Tarnkappen aus die Bergkuppen, doch die jede Unbill verjagende Höhensonne bleibt Siegerin. Aus den Zelten krieche» Hohe Gesichter. Nun sind wir bald oben, hoch über Dunst, Nässe und Kälte. Erst jetzt sehen wir, wie schön sich das geschlossene Dorf in die Landschaft einpaßt. Die natürlich wieder herumstehenden Männer werden photo- oraphicrt, in ihrer Mitte der einzige im europäischen Zlnzug: der B ü r g e r m e i st e r. Als ich mir seine Adresse geben lassen will, stellt sich heraus, daß er noch nicht lateinisch schreiben kann. Bis hierhin dringen die Reformen Kenia l Paschas nur langsam vor. Der letzte Paß An geschützten Kornfeldern vorbei ziehen wir das geschützte Inccsutal auswärts. Aus den höher gelegenen Weidestrecken stehen versteckte Sennhütten, los« aufgetürmte Steinmauer» mit ein paar dorübergelegten Brettern, manche aber sogar ohne Dach. Sobald wir vorbei sind, kommen die Bewohner heraus und schauen uns ängstlich nach. Weit draußen kommt uns plötzlich der Bürger- ni e i st c r von Magre B u d a m entgegen. Er war schon lange vorausgeeilt, um uns ein« Kanne Milch von den Sennhütten zu besorgen, die er uns in seinem Torfe nicht geben konnte. Mit jeicrl ichcr Miene überreicht er den Krug unserem Professor, der ihn ebenso würdevoll entgegennimmt. Der tüchtige Bürgermeister gibt uns noch die letzten genauen Wegvorschriften, dann geht es im Zickzack bergauf. Aus dem dichten milchigen Wolkenineer lösen sich kleine Stücke ab, werden vom Wind herarisgetriebcn und legen sich wie Eispanzer um unsere glühenden Körper. Der dauernde Wechsel von nassem Redet, Wind und brennendein Sonnenlicht Hut unsere Gesichter trotz Gl« tschcrsalbe glühendrot und spröde gemacht. Manche haben sich lchliminer vermummt als die vorsichtigslen Frauen im Tal. Und doch sind alle wohlauf, abgesehen von de» unvermeidlichen Magen- Verstimmungen. Endlich können wir Berge sehen, wild zerklüftete Zinnen, Türme und langgestreckte, scharfkantige Gratübergänge. Dann kommt die große Ueberrasohung: der langersehnte BlickausdenKatschgar Dag. Zlus einem Gewirr ebenso verwitterter Bergmassive hebt sich klar dos ungeheure Massiv des trans- taukasischen Matterhorns hervor. Die vorgelagerte Gipfelketre sieht von unserem Standpunkt höher aus, doch mit dem Glos kann man Deutlich das Zlisammendrangen der nerjchiadenen Gebirgszüge sehen. die den Katschor Dag in ihrem Mittelpunkt w«st über sich in die Höhe geschoben haben. Seitlich, weit in der Fern«, treten die Ausläufer des Zentral- taukasus heraus. Roch trennen uns zwei Täler und der letzt« Ort von unserem Standlager. Ueber Wiesenhänge und kleine Geröllhalden steigen wir hlmmter nach He ms hin. Die hinter uns aufgestiegenen Nebelwolken holen uns ein, und wieder lausen wir in dem undurch- sichtigen, raumloiscn, gleichförmigen Licht. Eteinhnetten tauchen auf. große Viehherden, Ziegen, Schafe und Kühe«erden durch wütendes Hundegebell zusammengetrieben. Wir hören gedämpftes Geschrei, und nirgends läßt sich ein Mensch blicken. Hinter einer Tür hören wir sprechen. Hassan versucht, ibnen unsere Wünsche nach Milch und Krise zu verdolmetschen, aber sie lassen sich«ms nichts ein und sagen:„Wir wissen nicht, iver ihr seid. Wie könneir wir euch öffnen, wenn selbst unser« tapferen Hunde Angst haben und sich verkriechen." Weiß der Teufel, was sie sich unter uns vorstellen. lieber Bäche und kleinere Hügel kommen wir an einige an den Berg angelehnte Häuser.„Das ist Heinshin", sagen unsere Treiber und werfen das Gepäck zwischen dem Gemäuer eines verfallenen Hauses ab. Unter wilden Menschen Auch hier bekommen wir, nachdem sich die Leute von unserer Harmlosigkeit überzeugt hoben, Milch und sogar Tobak zu kaufen. Immerhin muß man sich hier vorsehen. Sehr friedlich sehen die Einwohner nicht aus. Neben den landesüblichen Doppel- mesfern tragen sie hier kleine Brownings am Gürtel, und sehr lange überlegen werden sie nicht, bis ein Schuß losgeht. Ein armes Opfer dieser Zustände wurde uns noch herbei- geschleppt, da man uns mit unseren seltsamen Geräten wieder als halbe Wunderbringer ansieht. Es war ein bedauernswerter Mensch: der ehemalige Bürgermeister dieser Gemeinde. Zwei alte weißbärtigc Dorfbewohner stützen ihn an beiden Seiten, während er unter allen Anzeichen größten Entsetzens zu uns ge- bracht wird. In regelmäßigen Abständen brüllt er auf wie ein Tier. Erst ist uns rätselhaft, was dem armen Mann fehlt, bis wir beiin Schein der Zeltlaterne die stieren, unruhigen Augen sehen. Und die Begleiter erzählen jetzt auch seine traurige Geschichte: Unter den Dorfbewohnern hatten sich noch den unruhigen Derhält- nisscn des Krieges Banden gebildet, die hinunter bis noch Rize zagen, die Läden ausplünderten und wieder im Gebirge verschwanden. Bis eines Tages die Klagen der Kausmannschaft nach Konstantinopcl drangen und eine Ausrottung verlangten. Daraufhin wurden zwei Abteilungen Gendarmerie herauf- geschickt, die natürlich nichts vorfanden. Sie hielten sich an den Bürgenneister, der zweifellos die Schuldigen kannte. Ob er mit den Räubern in Verbindung stand oder nicht, jedenfalls verweigerte er die Aussage. Nun wurde er nach türkischer Methode ganz jämmerlich verprügelt und wäre wohl zu Tode geschlagen worden, wenn er nicht dock» schließlich mit den Namen der Haupträdelsführer herausgerückt wäre. Diese wurden nun gesangen und kurzerhand hingerichtet. Damit waren natürlich nicht alle verschwunden, und als die Truppen wieder abgezogen waren, nahm sich der aus den Bergen zurückkommende Rest der Band« den nun zwischen zwei Pressen stehenden Bürgermeister vor und ging sicher nicht viel glimpflicher mit ihm um, bis er ihnen wieder Treue zusagte. Da sich, die Plündcninoszüge fortsetzten, wurde eine neue Säuberung durch die Regierung vor- genommen. Durch die abermaligen Prügel oder seine Gewissens- bisse verlor das erbarmungswürdige Oberhaupt den Verstand. Vor uns liegt der Berg, die unbesticgenen Gipfel, Sonne, zahl- lose Seen und der Blick nach Armenien, zum A r r a r a t. Da können uns auch die gruseligen Folgen der Schreckensherrschaft Kenia l Paschas nicht zurückhalten. Xarl dlocllcr. Tonfilm in Zahlen Folgen der Umstellung: Monopolisierung und Mechanisierung Wir übe» im folgenden keine Kritik am Tonfilm. Wir geben nur einige Zahlen über die bisherige Entwicklung an. Solche Zahlen ermöglichen es, die sozialen und wirtschaftlichen Bcrschiebungen, die die Mechanisierung-tendenzen des Tonfilms gebracht haben, ver- ständlich zu machen. Die Entwicklung vom stummen zum tönenden Film vollzieht sich unter starken sozialen Belastungen. Seit Einführung des Tonfilms in die Lichtspieltheater sind Hunderte von Millionen Mark in Aufnahmeapporaturen angelegt worden und Zehntauseade von Kinomusikern entlassen worden. In Deutschland gab es zu Beginn des Jahres 1929 rund S300 Lichtspieltheater. Davon wurden in rund 4000 Theatern, die allerdings teilweise nicht täglich spielen, insgesamt etwa 12 000 Musiker beschäftigt. Die fast 5300 Lichtspieltheater ver- teilten sich der Größenordnung nach: über 1000 Sitzplätze S00— 1000 300— 500 unter 300 138 646 1219 3264 Je größer dos Theater, um so größer natürlich die Zahl der Mu- siker. Gerade die größten Theater gehen jedoch als erste zur Um- stellung auf den Tonfilm über. Der Deutsche Musikerverband gab vor«inigen Monaten hierüber Ziffern in einer Aufklärungsschrift, die den Titel trägt„Der Tonsilm— eine Gefahr für den Musiker- beruf und die Musikertultur". Diese Schrift entstand zu einer Zeit, wo rund 400 deutsche Lichtspieltheater— natürlich meist die größten— bereits Borführapparate für Tonfilme be- saßen. Die Umstellung dieser 400 Großkinos hatte die Entlassung von 4000 Musikern zur Folge gehabt, die Gesamtzahl der in Kinos beschäftigten Musiker war also bereits auf zwei Drittel zusammen- geschmolzen. Inzwischen sind aber die Dinge weitergegangen. Waren um die Jahreswende 1929/30 in Deutschland erst 223 Theater mit T o n- filmapparaten ausgerüstet, d. h. 4 Prozent der Gesamtzahl, so waren es Ende Mai bereits 830 oder 16 Prozent. Ge- niesten an der Zahl der täglich spielenden Lichtspieltheater(2106) bedeutet dies bereits einen Anteil von fast 40 Prozent. In- zwischen hat die Zahl der umgestellten Kinos in Deutschland 10 00 überschritten, und entsprechend ist auch die Zahl der dadurch erwerbslos gewordenen Musiker weiter gestiegen. Der Zeitpunkt, wo die übergroße Mehrzahl der größeren, läg- lich spielenden Lichtspieltheater endgültig aus den Tonfilm umge- stellr sein wird, liegt bei diesem Entwicktnngstempo nicht mehr in allzu weiter Ferne. Der dann oerbleibende Rest, die nur an einem oder einigen Wochentagen geöffneten sowie die ganz kleinen Kinos, hat schon bisher nur verhältnismäßig wenigen Musikern Beschäfti- gung gegeben, oft nur einem einzigen Klavierspieler, vielfach sich auch schon mit primitiveren mechanischen Musikinstrumenten be- Holsen. Zu dem erwähnten Zeitpunkt werden allein in Deutschland 8000, 9000, vielleicht auch 10000 Musiker durch den Tonsilm brot- los gemocht sein. Der Deuische Musikeroerband errechnete vor einigen Monoten. daß die damals erwerbslos gewordenen 4000 Musiker eine Erwerbslosenunter st ützung von etwa 4l? M i!- lianen Mark beanspruchen. Diese Summ« dürste in nicht allzu ferner Zeit auf rund 10 Millionen Marl angewachsen sein. Zluch in den Bereinigten Staaten, wo es etwa 22 000 Kinos gibt, von denen heute mehr als ein Drittel auf den Tonfilm umgestellt ist, wurde hierdurch der größere Test der Musiker ent° lasten. Allerdings sahen sich zahlreiche Theater, den Wünschen des Publikums entsprechend, nach und nach gezwungen,«inen erheb- lichen Teil der Musiker wieder«inzustellen. In den Bereinigten Staaten liegen die Verhältnisse jedoch anders als in Deutschland. In Deutschland beträgt die wöchentliche Besucherzahl sämtlicher Kinos etwa 1 Million, i» den Vereinigten Staaten rund 10 Mil- lionen. Mit anderen Worten: Im Durchschnitt entfällt in Amerika auf jedes einzelne Kino eine Besucherzahl, die die entsprechende deutsche Zahl um das Zweieinhalb fache übertriffi. Die Durchfchnittseinnabmen und-gewinne der amerikanischen Kinos find schon aus diesem Grunde größer als die der deutschen. Es ist jehr unwahrscheinlich, daß in Deutschland ein« nennenswerte Theaterzohl nach der kostspieligen Tonfilmumstellung es sich wird leisten können, nebenher noch Musiker in größerer Zahl zu beschäftigen. Dies ist die eine Seite des Tonfilms: Vermehrung der Erwerbs» losenarmee und verstärkte Anforderungen von Erwerbslosen- und Krisenunterstützungcn. Diese auf der einen Seite entstehende Er- werbslosenzisfer wird durch vermehrte Arbeitsmöglichkeiten auf der anderen Seite, insbesondere im Apparatebau, nur zu einem Bruch- teil ausgeglichen. Was kostet die Tonsilmunistellung der Theater? Der Preis für die K l a ng f i l m- T o b i s- A p p a- ratur schwankt zwischen etwa 20 000 und 58 000 Mark. Durch- schnittskosten im Betrage von 30 000 Mark bedeuten bei 1000 um- gestellten Kinos einen Aufwand von 30 Millionen Mark. Für diesen Preis wird übrigens der Vorsührungsapparol noch keineswegs Eigentum des Theaters, sondern nur auf zehn Jahre gemietet. Von der Summe sind zu zahlen: ein Viertel bei Bestellung, ein Viertel bei Lieferung, der Rest in Raten innerhalb von 1 oder W-i Jahren. Es werden auch billigere Apparate ver- mietet oder verkauft. Da sie aber meist gegen das eine oder andere Potent verstoßen, wird hiergegen wegen Patentverlctzung vorgc- gangen. In den Vereinigten Staaten hat diese höhere Belastung be- reits dazu geführt, Theaterkonzerne unter stärkere Kontrolle der Apparateindustrie(d. h. der Elektroindustrie) zu bringe» und Kon- zernbildung überhaupt zu beschleunigen. Ein dritter Punkt ist die B e r t e u e r u n g des Films selbst. Nach den vor einigen Monaten zwischen den deutschen und den amerikanischen Tonfilmgruppen vereinbarten Abmachungen be- trägt die Aufnahme-Lizenz(bei Herstellung des Films) 500 Dollar— 2100 Mark je 300 Meter. Dies bedeutet bei einem Durchschnittsfilm von 2400 Meier eine Lizenzbelastung von etwa 17 000 Mark. Hierzu treten weiter die Kosten für die Ausleihung von Aufnah meapparoten. Man kann diese Leihkosten mit etwa 1800 Mark je Aufnahmetag als Durchschnitt annehmen. Eine weitere Verteuerung erfährt der Film schließlich durch international festgelegte Ein- und Ausfuhr-Lizenzen. Dos Ergebnis dieser starken Belastung mit Leihgebühren und Lizenzen ist, daß der billige Film unmöglich wird, daß der Anteil der Kosten für mechanische Leistungen und Patentbenutzung an den Gesamt- kosten bei der Filmherstellung steigt und daß hierin für die Film- Produzenten ei» Anlaß liegt, stattdessen an den Ausgaben für die menschliche Ztrbeilskraft, an Gehältern,-, Gagen, Löhnen usw. zu sparen. Der Haupt Nutznießer dieser Entwicklung ist die Elektroindustrie. Die W e st e r n Electric, die größte amerikanische Herstellerfirma, hatte bis zum März 1930 fast 5300 Theater mit Borführungsapparalen ausgestattet, die Radio Corporation o s America bis Ende 1029 etwas über 900. In- zwischen ist die von beiden Firmen insgesamt im Inland und Aus- lond abgesetzte Apparatczohl auf mindestens 7500 gestiegen. Die Kasten der Apparaturen schwanken zwischen 35 000 und 90 000 Mark. Dies bedeutet bei Zlnnahme eines Durchschnittsobsotzes von 50 000 bis 60 000 Mark je Apparat eine Gesamtsumme van rund 400 Millionen Mark, die der amerikanischen Elektroindustrie zu- gefloflen ist. Allein die Western Electric beschäftigt in ihren Ab- teilungen für Tonsilmapparatc etwa 6000 Mann. Zusammengefaßt sind die Kehrseiten des Tonfilms, von der katastrophalen Auswirkung auf die Beschästigungslage der.Kinomusiker abgesehen, etwa folgende: ein« starke einmalige und laufende Belastung der Lichtspieltheater und eine starke laufende Belastung der Filmproduzenten. Hierin wird der Zwang für viele noch selb- ständige Kinos ebenso wie für viele Filmhersteller liegen, s i ch größeren Konzernen anzuschließen. Hotte der Licht- spielunternehmer bisher noch in vielen Fällen aus die musikalische Umrahmung des Films, auf die Gestaltung der Bühnenschau usw. Einfluß, so fällt auch dies in zunehmendem Umfang fort. Der Ein- fluß des im Apparatebau und in den großen Filmkonzernen orbei- ienden Großkopitals auf die Filmgestoltung muß unter allen Um- ständen wachsen. Der Monopolisierung und Mechani- s i e r u n g eines wichtigen Knlturfcldes werden durch die Tonfilm» Umstellung die Tore noch weiter geöffnet. l'ranke. I/OM WUMOOLf Copyright 1930 by„Der Eiidicrkreis G. m. b. H.", Berlin SW 61. (20. Fortsetzung.) „Gut, wo es zu essen gibt� bleibt dos Glück. Ich habe nock) kein Jahr erlebt, dos so schlimm war wie dieses, und ich bin ein alter Mann. Ilm Po>)a-Tage vor zwei Monaten war im ganzen Dorfe kein Kuruni Korn. Ich ging zum Korala Mahatmaya und sprach zu ihm:„Können die Leute von Luft leben." Er ist ein harter Mann. Er sagte, mit seii�m dickgefressenen Rcisbauch: „Zehn Jahre lang habe ich euch gepredigt, das Dorf aufzugeben. Anderswo gibt es Felder und Land: anderswo gibt es Arbeit: die Arbeit an den Landstraßen wird gut bezahlt. Erwartet ihr Reis zu ernten, wenn ihr eure Felder auf einem Felsen anlegt?" Ich antwortete:„Die Regierung muß Korn ausgeben oder die Leute werden sterben." Da sagte er:„Geht und sterbt, aber schnell", schimpsl« mich einen Tamtamschläger und jagte mich fort. Dann ging ich zu diesem Mahatmaya und traf mit ihm das Abkommen über die Chenas. Wenn er nicht gewesen wäre, hätten wir alle verhungern müssen." „Ich weiß das. Der Mahatmaya ist sehr gut gewesen." „Und jetzt sagte der Mahatmaya zu mir:„Es ist töricht, mit seincin Bruder zu streiten. Eine alt« Wcibcrgcschichte: ein hitziger junger Mann, der hinter einer Frau her war: was ist denn dabei? Laßt ihn holen und vertragt euch!" „Der Mahatmaya ist sehr gut zu uns." „Ich habe dir lliirccht getan, Bruder. Irl) gebe es zu. Ich habe sehr häßliche Worte zu dir gebraucht. Das ist aber lange her. Ein junger Mann muß ein Weib habe». Es ist töricht, sich ihm in den Weg zu stellen. In der Brunst wird selbst der Hirsch gefährlich." „Das soll alles vergessen sein." „Nun sagt der Mahatmaya:„Es ist Zeit", so sagte er.„daß er heiratet. Laßt ihn holen und vertragt euch, denn die Hitze ist ver- flogen." Darum habe ich dich gerufen." „Ich bin gekommen." „Er sagt« zu mir, jetzt ist es Zeit. Der Kukibe ist ein Mann. Wenn er alles über die Frau erfährt, wird er Eurem Rate folgen." „Das verstehe ich nicht." „Die Frau hat dem Mahatmaya angeboten, zu ihm zu ziehen und seinen Reis zu kochen. Nun sagt der Mahatmaya:„Gut, ich will sie für die Zeit zu mir nehmen, die ich hier bin. Ich will ihr Geld und Essen geben, ebenso ihrem Bater. Eureni Bruder habe ich Arbeit auf meinen Chenas versprochen. So kann Euer Bruder sich iftm der Frau trennen und aus einem anderen Dorfe heiraten." „Ich oerstehe das nicht. Ich will aus keinem anderen Dorfe heiraten. Und was ist das für ein Anerbieten, das die Frau gemacht haben soll?" „Die Frau ist zu dem Mahatniayä gekommen, als du auf der Chena warft. Sie hat sich»ihm angeboten. Der Mahatmaya antwortete ihr aber:„Ich kann dich mir nehmen, wenn dein Mann einverstanden ist." Dann kam er.zu mir. Cr sagte:„Dieses Weib hat das und das zu mir gesagt. Ich könnte sie zu mir nehmen für die Zeit, die ich hier bin und Ihr solltet Euren Bruder an eine anständige Frau verheiraten." Deshatb habe ich dich kommen lassen" „Das ist gelogen, Bruder. Das muh gelogen sein. Wer hat dir das erzählt?" „Der Mahatmaya selbst. Würde er wohl lügen?" „Ist das wahr, Aiya?" fragte Babun Fernando. „Ja, es ist wahr. Die Frau ist zu mir gekommen." „Das Weib ist eine Hure, Bruder; ich habe es dir schon früher gejagt. Es wäre besser, du ließest sie dem Mahatmaya und heiratest aus einem anderen Dorfe. Du könntest in mein Haus zurück- kommen und inzwischen bei mir leben." Babun war betäubt. Seine erste Regung war gewesen, die Geschichte einfach als unmöglich abzulehnen. Er glaubte sie auch jetzt noch nicht, und doch war es ihm unfaßbar, wie so etwas er- funden werden konnte. Warum sollte der Mahatmaya lügen. Er konnte ihm nicht in das Gesicht sagen, daß er gelogen hatte. Er erhob sich und stand unschlüssig da. Die anderen beobachteten ihn. Fernando konnte das Lachen kaum unterdrücken. Mehrere Male öffnete Babun seinen Mund, um zu sprechen— und schwieg. „Ich verstehe das nicht", sagte er endlich.„Ich kann das nicht verstehen. Die Frau ist zu dem Mahatmaya gekommen? Sie hat sich ihm angeboten? Aiya, das ist ja nicht möglich. Sicherlich, dazu würde sie ja gar nicht den Mut haben. Und doch sagt Ihr, es ist wahr. Aiyoh, ich verstehe das nicht. Ich muß die Frau selbst sehen." Bnbehami stand auf und packte Babun« Arm, um zu ver- hindern, daß er den Hof verließ. „Tue das nicht, Bruder", sagte er.„Laß sie gehen, laß sie zu deni Mahatmaya gehen, und bleibe du hier. Mein Haus steht dir immer offen: bleibe hier, und ich will der Frau sagen, daß sie zu dem Mahatmaya gehen kann." „btein, nein, ich muß mit ihr sprechen." „Was hast du davon? Gefchimpf und Gescheit. Was ist je anderes im Munde der Weiber als Lügen und schmutzige Worte?" „Ick) muß gehen, Bruder. Ick) muß selyen." „Was für ein Unsinn! Aber du hast nie auf mich gehört, und du siehst, was dabei herausgekommen ist. Sie ist eine Hure. Alle lyabeu das gewußt, aber du wolltest es nicht glauben. Du wolltest nicht hören. Da, der Gecko ruft. Es ist eine Schicksalsstunde, und wieder willst du nicht hören. Du rennst in dein Verderben, Bruder." Babun ließ sich auf de» Hos. zurückbringen. Sein Verstand arbeitete langsam, und er war betäubt, überwältigt von dem Wort- schwoll des Äeltcsten. Es zeigte sich aber wieder seine sonderbare Dicklöpfigkeit, die der Aelleste konnte und sürchtete. Babun kam zurück und setzte sich nicht. Er stand vor Fernando; sein« Stirn war nachdenklich gerunzelt. Diese Geschichte war bestimmt nicht wahr und doch, wie konnte sie erlogen sein? Warum sollten der Malyatmaya und Babehami ihn belügen? In der Einfalt seines Gemüts war er immer geneigt, alles, was man ihm sagte, um bezweifelt als wahr hinzunehmen. Damit hatte der Aelteste gc- rechnet, und seine Ueberlegung würde sich wahrscheinlich als richtig erwiesen haben, wenn Fernando nicht das Spiel verdorben hätte. Fernando konnte mit einemmal fein« Belustigung nicht mehr ver- bergen. Die gerunzelte Stirn, der offene Mund, die Not und Hilflosigkeit auf dem Gesichte Vabuns, der vor ihm stand, kamen ihm unendlich spaßig vor. Er lachte auf. Das Lachen brach den Bann. Babun wandte sich ab. „Ich muß mit der Frau sprechen", sagte er und ging. „Das war dumm, Aiya", sagte Babehami zu Fernando.„Sehr dumm. Er würde hiergeblieben sein." „Dos weiß ich. Ich konnte aber nicht mehr. Er stand da wis ein Ochse, den man an seinem Nascnring hin- und herzieht. Was nun?" „Er wird zurückkommen. Dann werden wir ja sehen. Ich glaube, wir haben verspielt. Das ist ein Ochse, der sehr bockig werden kann. Wir werden vielleicht den Stachel nehmen müssen. Ich glaube, das wird der einzige Weg sein." Sie warteten in Stillschweige». Der Aelteste hatte recht gehabt. Babun kam zurück. Er sah Fernando nicht an, sondern wandte sich an den Aelteste». „Der Mahatmaya hatte recht, sich über mich Narren luftig zu »rochen. Ja, ich bin«in Narr. Ich weiß das. Die Geschichte war erlogen. Der Mahatmaya hat die Frau ausgefordert, zu ihm zu komnien, und sie hat es abgelehnt. Ich wußte es vorher; ja, Bruder, ich wußte es. Aber ich war verwirrt durch deine Worte. Ich dachte, er ist mein Schwager, warum sollte er mich belügen? Es waren Lügen. Die Frau weinte vor Scham, als ich es ihr erzählte." „Es war wahr, Bruder. Jetzt belügt dich die Frau. Sie hat Angst vor dir, Angst, weil du weißt, was sie getan hat." i,Jch bin ein Narr, Bruder, aber was sollen diese Lügen jetzt noch? Die Geschichte war erlogen. Es war der Mahatmaya, de? in mein Haus kam und die Frau verführen wollte. Sie hat nein gesagt. Sie wollte bei mir bleiben." Er wandte sich an Fernando: „Aiya, warum bringt Ihr Unheil in mein Leben. Wir sind arm und unwissend: Ihr seid reich und habt Frauen in der Stadt, wie Ihr uns erzählt habt. Laßt uns in Frieden, Aiya, laßt uns in Frieden." (Fortsetzung folgt.) e Buch Jiuaurs QeUindheilslexikon Dr. med. I. L ö b c l fragt im Vorwort des von ihm heraus- gegebenen„K n a» r s G e f u n d h e i t s l e x i k o n"(Verlag Th. Knaur Nach?., Berlin):„Wird man ärztliche Anordnungen nicht besser und williger begreifen, wenn man von ihren Gründen und Zielen einen Begriff bekommt?" Es ist ein Irrtum, wenn Löbel meint, die„Angst vor den Medizinern" und die Bcrtraucns- krife der Medizin ließe sich beseitigen durch Aufklärung im Sinne der heutigen Schulmcdizin. Das Berhältnis Arz�-Krankcr er- schöpft sich nicht in einem gemeinsanzen Verständnis„von Bau und Funktionen des menschlichen Körpers" das in unserer Zeit noch viel zu mangelhast ist, um zu befriedigen. Fragt man, für wen das Buch geschrieben sei. so hat man einen Maßstab, den anzulegen wohl nicht in Löbels Sinne wäre, den wir aber anlegen müssen, weil zwischen Arzt und Kranken Dinge liegen, die nichts mit Medizin zu tun haben, nicht zwischen jedem Arzt und jedem Kranken, aber zwischen den meisten. Für diese Vielen, die sich damit abgefunden haben, daß ihr Arzt kaum mehr als ein Hand- werker sein kann, besteht noch ein ganz anderes Bedürfnis nach Aufklärung in Sachen ihrer Gesundheit. Sie wissen, daß es«ine Gesundheitspolitik gibt. Sie wissen, daß diese Politik für sie ge- macht wird. Sie wollen wissen, an welcher Stelle st« den Nutzen dieser Politik in Staat und Gemeinde an sich selbst verspüren können. Kurz gesagt, es ist heute wichtiger zu wissen, was die nächste Beratungsstelle oder die nächste Fürsorgestell« zu sagen hat, als darüber nachzudenken, wie man„seinen Aberglauben an über- natürliche Wunder gegen den Glauben an natürliche" eintauschen kann. 5yier gibt das Buch außer in der Frage der Geschlechts- trankcnfllrsorge dem Leser nichts. Im übrigen finden wir an vielen Stellen den uns bekannten Löbel wieder, der unterhaltend� und aufklärend zugleich über medizinische Dinge»zu plaudern weiß. Wer nicht mehr von dem Buch verlangt, wird hier alles finden, was er sucht. Es ist ein Buch für die Wenigen._ Heinz Adam. £in Stomau aus Sow$elrußland Michail Scholochow:„Der stille Dan". Band H: Krieg und Revolution.(Verlag für Literatur und Politik, Wien-Berlin.) Krieg, Revolution, Bürgerkrieg vom Kosakenstandpunkt aus gesehen Das rein« Soldatenerlebnis wird durchbrochen von bolschewistischen Agitationsreden, dokumentenmäßigen Einschievungen, die von außen her den Lauf der Ereignisse beeinflussen, so daß man ein anschau- liches Bild bekommt, wie die Zeit der beiden Revolutionen mit dem Kornilowsckyen Intermezzo sich m den Kopsen der Kosaken spiegelte. Die Wahrheitsliebe des Autors zeigt, wie unklar, wie verworren sie dachten, zeigt, daß in der Hilflosigkeit den Ereignissen gegenüber allein der Trieb, heil nach Hause zu kommen, all« ihre Handlungen bestimmte. Als sie dann auch zu Hause keine Ruhe fanden, brach in ihnen die tierisch« Wut gegen die Boljchcwisten und die Weißgardisten aus, die den Kampf in ihre Dörfer getragen und sie in zwei feindliche Lager gespalten hatten, und sie äußert« sich in sinnlosen, widerlichen Metzeleien, haarsträubenden Grausamkeiten, die die beiden Gruppen aneinander verübten. Scholochow hat den Mut, den Zeitabschnitt, der von den Sowjets offiziell als der „heroische" bezeichnet wird, in seiner wilden Scheußlichkeit zu zeigen. Dieses Buch, in Rußland von Bedeutung, weil es das Berhalten, die Denkart eines russischen Bolksstamines schildert, hat uns nichts zu sagen, da es nur im speziellen Fäll wiederholt, was wir im Großen längst kennen. Di« Fäden, die diese Revolutionsmaschinerie in Gang setzen, werden nirgends aufgedeckt, die historischen Per- fönlichkeiten, soweit sie auftreten, bleiben Schablone—, und so be- hält der Leser als letzten Eindruck nur das Gefühl des Grauens vor einem sinnlosen Masfenbrudcrmord. lind vielleicht ist es gut so!_ M. C. Peker Ritz: Stahlbad Anno 17, Teil 1 und 2, ist im Fackelreuer-Berlog, Hamburg-Bergedorf, erschienen. Geb. 8 Mark, kart. 6 Mark.« liät seh Ecke des„Abend iiiiuinutuiL'iniiiiin!ii[iu:u!im!!KiniKiminiii(UiuuniiiniminniuumBumniiuuiumifliuiniiiumi!miiuiununiuiiuiiuHiumuttuii!nmuiuiumiiiuuouanuiimDiuuuiiiiB Silbenrätsel Aus den Silben ar chi den dieb du eu hin i la la ino mar neu ni nin pa rak ro so sind 7 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben von oben nach unten und von unten nach oben gelesen den Namen eines russischen Revolutionärs ergeben. Die Wörter haben folgende Bedeutung: 1. Sekte in Amerika: 2. General ini 30jälyrigcii Kriege: 3. Fiebermittel: 4. Indischer Bolksstamin: ö. Rauschgetränk: ö. Figur aus der griechischen Mythologie: 7. leichter Verbrecher. mir. Worträtsel In den Wörtern Lunge, Ilm, Dame, Neige, Brille, Onkel, Rind, Ader, Falle, Zobel, Heer, Ort, Zunge, Kanne, Held, Adel, Beil, Elster, Pacht sind die Anfangsbuchstaben durch neue zu ersetzen. Die richtiggefundenen Buchstaben ergeben ein Sprichwort auf die Jugend.— kr.— Rösselsprung Kreuzworträtsel Waagerecht: 1. Lottericanteil: 3. Märchengestalt; 5. Bauwerk; 6, Tonstufe: 7. militärischer Rang: 8. Fluß In Spanien: 9. Nebenfluß der Donau; 11. Fluh in Rußland: 12. Kopsbe- deckung— Senkrecht: 2. Teil des Auges: 2. Das, was gesät wird: 3. Aus» druck für Geflügel; 4. deutscher Kurort; 8. Teil des Wagens; 10. schlechte Lebenslage.— ekr.— Kapselrätsel Aus den Wörtern Amanda, Eichelhäher, Torwächter, Eisen- bahntruppe, Versicherung. Waschfrau, Bleiurn«, Handschuh, Ziehung. Aetna. Belichtung, Nachtdienst, Hebamme, Gesindcstube, Stroh- diemcn, Weihnachten, Wischer, Schnümaht, Antenne sinid je drei, dem letzten Wort zwei aufeinandersolgende Buchstaben zu cnt- nehmen, die, aneinandergereiht, einen Sinnspruch ergeben. kr. (Auslösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer Kreuzworträtsel: Waagerecht: 2. Ar: 4. Lob: 5. Abel; 7. krank; 8. Saebel: 10. Madeira: 11. Rotunde.— Senkrecht: 1. la; 3. Bar; 4. Leun; 6. Kabel: 7. Krokus: 9. Arsenal: 10. Minister. Füllrätsel: 1. Rogate; 2. Arktis: 3. Afrika; 4. Madrid'. 3. Albert: ö. Makler. Doppelworträtsel: Berleberg. Silbenrätsel: 1. Joel; 2. Eisenbahn: 3. Rlachette; 4. Erwin; 5. hicrokratie: 6. Reigen: 7. Eiger: 8. Rienzi; 9. Händel; 10. Aisnc: 11. Trejeburgi 12. Jesuit: 13. Einstein: 14. Miesmuschel: 13. Eikon; 18. Halensee: 17. Rhabarber 18. England; 19. Rkgs: 20. Wann«: 21. Znsalvcnz: 22. Lokeran: 23 Leine; 14. Rclion; 25. Zller.—„Je mehr er hat, je mehr er will, nie jchweigcn sein» Klagen still." Besuchskartenrätsel: Maurerpolier. A b z ä h l r ä t s e l: Die Silben sind durch S abzuzählen. „Mögen die Federn der Diplomaten nicht wieder verderben, was das Volk mit so großen Anstrengungen errungen hat." Ungewiß: Viel— leicht— viclleich!. Zweierlei:.Hammer— Hammel. Nun hat die Segelei ein Ende Rückblick auf das Sportjahr der Freien Segler Obwohl der Sominer fast ganz vcr«giiete, stimmt cs jeden Wasserfportter doch traurig, wenn es ans Aufslippen geht: Auf den Bootsplätzen der freien Segler Herrschi geschäftiges Leben und Treiben, denn es gilt, die Boote in den Winlerftand zu bringen. Bei den meisten Vereinen mangeit es an Unterkum'tsmvglichkeiten für die Boote in gedeckten Räumen: wohl oder übel müssen sie bann im Freien überwintern, nachdem sie recht und schlecht „verpackt" sind, um nicht gar zu sehr den Unbilden des Winters ausgesetzt zu sein. Der Frei« Segler-Berband, der im nächsten Jahre sein Mjähriges Bestehen feiern kann, ist mit dem Erfolg des ab- gelaufenen Geschäftsjahres zufrieden. Alle Veranstaltungen, soweit sie nicht durch die Ungunst des Wetters beeinträchtigt wurden, nahinen einen schönen Verlauf. Zum ersten Male zeigten die Arbeitersegler ihre Flotte beün A n- segeln am 13. April. Sowohl aus den Gewässern östlich und westlich Berlins wie auch in der Mark und an der Küste legten die großen Geschwader Zeugnis von dem steten Wachsen der Arbeiterscgler ob. An der Maifeier beteiligten sich neben den Seglern auch die Ruderer und Paddler und warben unter ihren roten Flaggen in imposanten Demon- straiionen für den Arbeiterwassersport. Die ersten Wettfahrten des Kreises Berlin fanden am 18. und 25. Mai statt und zeigten mit 200 Booten eine sehr zufrieden- stellende Beteiligung. Für die großen Verbands- Wettfahrten, die in diesem Jahre auf dem Müggelsee stattfanden, waren die drei Tage, der 6., 13. und 14. Juli, angesetzt. Die Beteiligung war gut. Leider ließ der Wind auf sich warten und minderte den spart- lichen Wert herab. Immerhin zeigte das gestartete Bootsmatcrial doch mehrere Neubauten, die zum großen Teil im Selb st bau hergestellt waren. Die am 21. Juli abgehaltenen S o n d e r w e tt sa h rt e n für die 1ö- und 20-Quadratmeter-Renn- und Wanderjollen brachten ebenfalls nicht das gewünschte Resultat, da an diesem Tage der Müggelsee durch einen starken Weststurm ausgewühlt war, viele Boote vollschlugen oder zum Aufgeben gezwungen wurden. Als Vevanstalwng von besonderem Wert kann das Seetrcffen in Ost ernothafen bei Swinemündc bezeichnet werden, das in diesem Jahre zum ersten Male einen größeren Umfang angenommen hatte. Anwesend waren am 27. Juli 8 Jachten, davon 5 aus Stettin, 2 aus Berlin und der„Seeteufel", über dessen abenteuerliche Fahrt wir im„Abend" vom 11. September berichtet haben, aus Königsberg. Alle Jachten haben ihre Reisen, die sich bis nach Schweden, Dänemark und die deutsche Küste bis nach Lübeck ausdehnten und rund um Rügen führten, auf eigenem Kiel ausgeführt. Das Seetreffen ist eine noch verhältnismäßig neue Einrichtung. Es wird ober vom Fohrtenausschuß emsig daran gearbeitet, recht vielen Arbeiterseglern mit möglichst geringen Mitteln die Schönheit der Seesegelei zu erschließen. Das Bootsmaterial, das von einigen Seglern in selbstloser Weise zur Verfügung gestellt wird, ist schon vorhanden: viel schwieriger ist es. die Besatzung für die Boote zu finden, da ja die Ferien des Arbeiters leider nur sehr kurz sind und«in mehrmaliges Wechseln der Mannschaften unmöglich machen. Jedenfalls ist auch bei den Arbeitersegiern das„Reisen zur See" im Ausblühen. Den jugendlichen Seglern waren zwei große Veranstaltungen gewidmet: das Jugendtreffen am 10. August und die Jugendwcttsahrt am 24. August. Während bei dem Jugendtreffen die freie Seglerjugend zeigte, daß sie über einen durchtrainierten Körper verfügt, der vor ollem mit dem nassen Clement vollkommen vertraut ist und auch bei Rasenspielen und ieichiathletischen Uebungen gute Leistungen gestattet, sollte sie bei der Jugendwettsahrt zeigen, was sie von der Kunst des Scgelns gelernt hatte. Leider war der 24. August ein schwarzer Tag und für eine Jugendwettfahrt wegen des stürmischen Wetters nicht recht geeignet. Aber das war gerade für die Jugend, tatendurstig wie sie nun einmal ist, das richtige Wetter. Je schärfer der Wind um die Nase weht, desto wohler ist es den Jungen. Aber sie hatten sich doch wohl ein wenig zuviel zugetraut: denn manch einer mußte aus unfreiwillige Art Bekanntschaft mit dem Wasser machen. Der Materialschaden durch Planken- und Mastbruch war nicht ganz unerheblich. Aber die Jugend nimmt es nicht so tragisch. Voller Stolz erzählten dann Sieger und Besiegt« vom Kamps mit dem schweren Wetter. Di« ch erb st Wettfahrten standen ebenfalls unter keinem guten Stern— auch sie verregneten oder hotten unter einer täd- lichen Flaute zu leiden. Lediglich die letzte Regatta hatte mit den 240 gemeldeten Booten«inen wirklichen Erfolg, da der 21. Sep- tember mit dem herrlichen Segelwetter für alles entschädigen wollte. Diese Wettfahrt mit der selten erreichten Zahl der Boote war ein großartiges Schauspiel. Mit besonderer Genugtuung tonnt« im abgelaufenen Jahr fest- gestellt werden, daß es mit der Ausbreitung des Arbeitersegel- sportez rüstig vorwärts geht. Am 7. Mai konnte das Bootshaus der„Freien Segler Müggelsee" eingeweiht werden, ferner zu Pfingsten dos des Wassersportvereins Crofstnjee, das bereits vor drei Jahren durch einen Sturm mitten im Bau vernichtet und jetzt wieder, aufgebaut wurde. Der Wassersportverein„Welle" konnte ferner seinen neuen chofen in Schwanenburg-Stralau beziehen. Neben einer großen Anzahl von Einzelmitgliedern, die dem FSV. zuströmten, konnten sechs neue Vereine ausgenommen werden, und zwar: Segelklub Frei-Stettin, Freie Segler Kiels, Wassersportoerein Ziegenhals, Segel kl ub Wakenitz-Lübeck, Segclklub Nautilus-Hamburg und Äglervcrein Süderelbe Harburg-WilHelms- bürg. Damit gehören jetzt dem Freien Segler-Berband 42 Bereine an. Es ist«in gutes Stück Arbeit, die in diesem Jahre sowohl von den Funktionären sowie von den Mitgliedern geleistet worden ist. Die Erkenntnis dringt immer mehr durch, daß auch der Segelsport sich von dem Zopf verstaubter Traditionen frei machen imiß und ebenso wie alle anderen Sportarten ein Recht hat, Allgemeingut der arbeitenden Klasse zu werden. Wenn der Frei« Segler-Berband einen bescheidenen Anteil dazu beiträgt, dies« Aufgab« verwirklichen zu helfen, hat er sein« Aufgab« zum großen Teil erfüllt. Was wird geboten auf dem Hallcmportfest der ArbeHcrsporflcr? Di« Besetzung der Wettkäinpse beim H a l l« n s p o r t s e st der Arbeitersportler am 2. N o v e m b e r im S p o r t p a l a st ist in jeder Beziehung glänzend, so daß in allen Konkurrenzen Borkämpse stattsinden müssen. Bei den bRännern kärnpsen 116 Teilnehmer, davon 36 in der �-Klasse, um die Entscheidung. In der gleichen Klasse find 70 Jugendliche und 40 Frauen gemeldet. Der 1000- Meter-Laus ist mit 44 Sportlern besetzt, während die Jugend 51 Mittelstreckler zu den Ml-Meter-Läufen schickt. Auf die 3000 Meter lange Reis« gehen 24 Läufer. 31 Hürdenläufer,«ine wirklich stattlich« Zahl, werden die 1,06 Meter hohen Hindernisse nehmen. Die stärkste Besetzung hat die 10 X 50 Meter Pendclstasfel. Nicht weniger wie 46 Männer- und 26 Frauenmannschaften haben sich hier eingezeichnet. Die Nundenstasetten bringen 22 tt-Lemne über 10 X 2 Runden an den Start. Aus 18 Mannsii)asten wird sich über 10 X 1 Runde die beste Juaendmannschaft herausschälen. Die Hauptstaffel der.�-Vereine über 2V X 2 Runden bestreiten 8 Ver- eine. Die härtest umstrittene Staffel wird aber ohne Zweifel die 4 X400-Mct«r-Stasett« sein. Hier oersammeln sich 20 Mannjchasten am Ablauf, davon bestreiken Stettin, ASC. Hamburg, Hamburg 03, SlSC. Berlin, Ostring und Nordring den Einladungslaus. In den weiteren Einladungsivettbewerben sieht die Starterliste wie folgt aus: Kleine Olympische Frauenstasfel: Forst, Osten, Nordring, Wedding, ASC. Berlin, Friedenau-Schönebergj Hochsprung Frauen: Schulz-Farst, Weidlich. Moabit, Berg-Siiden, Gcichwister Bleul- Osten. Dühring- Köpenick: Hochsprung der Männer: Langmack- Stettin, Wilde-Farst, Bergens-Schänow, Zain-ASC. Berlin, Schier- wagen-Ostring, Haub-Obersprec. Di« Rennfahrer bringen einen Fliegerkampf Berlin— Wilmersdorf— Charlottenburg, ein Aurscheidungsiohren und ein Punktefahren über 60 Runden Sportlich steht das Hallenfest der Arbeitersportler auf hoher Stufe. Der Arbeiterschaft ist der Besuch des Sportpalastes am kommenden Sonntag daher nur zu empfehlen. Eintrittskarten zu ermäßigten Preisen sind zu haben: Wegeners Bereinshaus, Frankfurter Allee 236; FTGB- Geschäftsstelle. Lichtenberger Straße 3. Sportzentrale, Königsberg«-' Straße 5/0, Kreisgeschäftsstelle, Elsafscr Straße 86/88. Beginn des Festes 15 Uhr. Die V o r k ä m p f e beginnen um 11,50 Uhr mit dem 800-Meter- Lauf der Jugend. Dann folgt um 12 Uhr 1000-Meter-Laufen, 12,10 Uhr 36-Mcter-Laufen aller Klassen, 12,40 Uhr 60-Meter- Hürdenläufen, 13 Uhr 50-Mcter-Zwischenläuf« aller Klassen, 13,20 Uhr Pendelstafette aller Klassen, 13,33 Uhr 10 X 1-Runden- Stafette der Jugend, 13,30 Uhr 10 X 2-Runden-Stafctte Klasse V, 14,20 Uhr 4 X 400.M«ter.Slafette, 14,30 Uhr, Radballspiel, 14,45 Uhr Antreten aller Teilnehmer im Tunnel zum Einmarsch» Die Ringerserie deginnt im �rdeiter-�tkietendund Alljährlich tragen die bundestreuen Arbeiterathleten ihre S« r i« n k ä ni p f e im Ringen aus. Den Titel eines Kreis- meisters für Berlin und Brandenburg errang für 1020/30 der Sport- klub Luckenwalde, nach einer überaus harten und bis zum Schluß- kämpf völlig offen verlaufenen Runde. Außerordentlich stark ist in diesem Jahre wieder das Meldeergcbnis der Arbeiterathleten, die sich an den Kämpfen um die Kreismcisterschaft für das Jahr 1030/31 beteiligen. Alle Berliner Berein« und die des ganzen Kreises sind für di« Kämpfe bestens gerüstet. Viel« gut veranlagt« Neulinge sind in den Ausscheidungskämpfen mit nach norn gekommen, die nun mit den kampferprobten Ringern gemeinsam um die Punkte für ihr« Mannschaftsfarben streiten werden. Jetzt schon die Siegeschancen zu vergeben ist zwecklos, de? Ausgang dieser Kämpfe ist völlig offen bei der Gleichwertigkeit der startenden Verein«. Ein zähes und hartes Ringen ist bis zum Schlußkampf zu erwarten. Die ehrgeizigen Ver- lin«r Athleten wollen diese Meisterwürde diesmal bei sich ausgehoben wissen. * Den ersten Monnschastskampf im Ringen um die Meister- schaft des 4. Kreises(Berlin und Brandenburg) trugen am Sonntag di« Tabellenbesten der vorjährigen Runde in Luckenwald« aus. Der Kreismeisterverein Luckenwalde konnte diesmal das erste Treffen nicht zu einem Erfolg gestalten. Die stärkeren Berliner „Lichtenberg-Friedrichsfelde 04" gewannen nach hartem Ringen mit 15/i: 121 2 Punkten. Das gezeigte Können der Kämpfer, di« mit außerordentlich stark verbeffcrter Ringtechnik starteten, wird beim Fortgang der Kämpf« in den Vorrunden weitere interessante Treffen bringen. Sport im Sportpalast Breüenslraier- Boxabend—„ 3- Siunden-Renner." Der erst« B o x k a in p f a b« n d der Wintersaifon im Sport- palast, der am 31. Oktober stattfindet, ist gleichzeitig Antritts- Vorstellung Hans Breitenfträters als Beranftalter. Das Programm. das jedem Geschmack Rechnung trage» dürfte, bringt als Haupt Nummer das Treffen zwischen den Halbschwergcmichtsmeistecii von Deutschland und England, Ernst P i st u l l a uird Harry C r o s s l e y. Nach reiner Papierform müßte Crossley gewinnen, denn er besiegte Frank Woody im Titelkampf nach Punkten, während Pistulla gegen Woody unlängst in Hamburg nur ein Unentschieden erhielt. Immerhin befindet sich der Deutsche in bester Form, so daß der Ausgang des Treffens völlig ungewiß erscheint. Sehr lebhaft dürft« es zwischen den Weltergewichten Hans S e i f r i e d- Bochum und Franz N e k o l n y hergeh«», dafür wird schon der tschechische „Wirbelwind" sorgen, der zur Zeit einer der gesuchtesten Boxer in Europa ist. Ein zweites Treffen der gleichen Gewichtsklasse sieht d«n deutschen Meister Gustav E d e r- Dortmund mit dem aus Süd- anrerika zurückgekehrten Münchener Conrad Stein im Ring. Eine interessant« Begegnung ist auch das Fcdcrgewichtstreffen zwischen Paul Noack und Harry Stein, die sich einen sinessenreichcn Kampf liesern werden. Di« Einleitung besorgen Examateunneister Horst Hinz mann- Berlin und der tschechische Echwergcmichls- meifter Josef Hampacher. Als letzte große Prüfung vor dem am 7. November beginnenden 23. Berliner Sechstagerenn«» gelangt an, Sonnabend, 1. November, «in 3-Stunden- Mannschaftsfahren zur Entscheidung, an dem voraus- sichtlich 13 Paare teilnehmen werden. Interessante Neulinge auf der Sportpaiastbahn sind der bekannt« Straßenfahrer Nicolas F ra n tz- Luxemburg, der Italiener Battefini, sowie die Holländer van Haut und van der Heyden. Des weiteren wurden bisher die Gebrüder van K«mpen, die starken Belgier Goossens und van Nevele, sowie von deutschen Mann- schaften Ehmer-Tietz, Raiifch-Hürtgen und R i e g e r. Krvschcl verpflichtet. Tritt Nazi-Geisow zurück 1 D«r Kreis I des bürgerlichen Deutschen Schwimm ver- band es faßte auf seiner Berliner Tagung einstimmig folgende an den ZZ«rbandsvorftand des Deutschen Schwimmverbandes weiterzu- leitende Entschließung: „D«r Vorstand des Kreises I macht die in der Angelegenheit „Dr. Geisow und Politik" gefaßte Entschließung des' Gaues I (Berliner Schwiimn«rbund) und des Gaues III zu der seinigen. Er erwartet, daß nunmehr die in Braunschweig in bezug auf die Wahl des 1. Vorsitzenden getroffenen Abmachungen durchgeführt werden." Bei den Braunschweiger Abmachungen handelt es sich darum, daß di« Wiederwahl Dr. Geifows unter der Voraussetzung erfolgte, daß er sein Amt noch im Laufe des Sommers zur Verfügung stellen würde. Dies ist jedoch bisher noch nicht geschehen. Dafür hat Herr Dr. Geisow im amtlichen Blatt des Deutschen Schwimmver- bandes aber Ausslüge in die Politik gemacht, die der„Abend" vom 22. Oktober als Werbung für die Nationalsozia- lische Part«i gekennzeichnet hat. Nun muß der Mann über die Klinge springen, seine Mitglieder sind nicht gesonnen, ihm zu folgen. Eisenbahn und Kraftwagen Wohl in keinem Lande steht die Frage„Schiene oder Auto" derart im Vordergrunde des Verkehrsinteresscs wie in Deutschland. Die großen Verbände befassen sich eingehend damit, Druckschriften und Veröffentlichungen und Borträge sind ihr gewidmet. Im Anfang schien es, als handle es sich um ein« Angelegenheit, die nur die Verwaltungen betrifft, immer mehr aber begreifen die Verbraucher- kreise die außerordentliche Wichtigkeit der Frage. Es ist daher be- greislich, daß sich der Autoniobilklub von Deutschland veranlaßt sieht, ein« Aussprache über„Eisenbahn und Kraftwagen" herbei- zuführen. Er lzat zu diesem Zweck für Freitag, 31. Oktober, eine Tagung der Vereinigung der Spitzenverbände des Kraftfahrweseus (sie umschließt 23 Verbände)«inberusen. In dieser Sitzung wird Direktor Dr. Scholz vom Reichsverband der Automobilinduftri« das Referat erstatten, an das sich eine Diskussion anschließt. Ztettm wieder Pommernmeister im Boxen Im Schlußkampf um die P o in m e r nme i st e r s ch a f t des Zlrbeiter-Athletenbundes im Boxen kletterten in Stettin der Stettiner„Arbeiter-Bvxklub 27" und„lieros-Kalberg" durch die Seile. Die besseren Boxer Stettins verieidiglen auch diesmal den Titel erfolgreich: sie schlugen die Gäste 10:6. Di« Meistsr- Mannschaft beteiligt sich nun an den Vorrunden um die Bundes- Meisterschaft 1030/31. Die durchweg spannenden Kampfe erwiesen die große technisch« Qualität der beiden Mannschaften. ' An die Kar tellvercine Berlins! Vom 1. bis 16. November sind wegen Behinderung des Geschäfts- führers Oehlfchläger alle«iligen Sachen mit dem Kartellvorsitzenden Fritz Barthelmann telephonisch unter C. 8 Oberbaum 7773 täglich ab 14 Uhr zu erledigen. Ilnfallmeldungen geh«» nach wie vor an die GefchästsstcUe Berlin N. 63, Nazarethkirchstr. 46. Der Geschäftsführende Ausschuß. .Eich«",?onncrslan, SIbt. Havel.?an!>erbtng. 30. Ottober, !3 Nhr,� Persamniiung bei Reimer, Charlottenburg. Wilmersdorfer Str. 44. Srcie Zaltbootfahrer Berlin. Tonnerslag, 30. Oktober, 20 Uhr, zusammen. i'unft im..Haeteschen Hof", Rosenthalrr Str. �l. Tagesordnungt„Cinweeken der galtboote". Gäste willkommen. Selbstbauer müssen erscheinen. Aadeabende Rvntog und Mittwoch, mi Uhr, Ctadibad Mitte, Gartenstr. 0. Soli-tdrastsahrrr. Touren iür Tonntag, 2. November. Abt. Neukölln t 13 Uhr Soheirzollernplah.— Sibt. griedrichshain: Besichligung der stonsui». geneissenfchast Uhr Landsberger Ploh.— Abt. Nreuitderg! Ziel am Start 12 Übe Reickenberger Str. Ol, ffrfc Ratiborstraste.— Abt. Norden: Sveel't. bansen(Nonnenfließ). 8'ö Uhr Sparrslr. 3.— Abt. Obcrschöneweide: Herbst- absabrt 13 Ubr WUhelminenhofstr. M,— Abt. Charlottenburg: Abteilungs- Schnitzeljagb, 3 Ubr Witmersborfer Str. 21, Abschluß: Naueoier Waldschänke.— Achtung, jiraftsahrer-vbleute! Am Montag, 3. November, sindet im Gewrrk. schastshaus, Saal II, bi« Zusammen/unsl statt.— Abt. Pankow: Abteilungo- versammlung am Z. November, 20 Uhr, bri Kober, Pankow, Berliner Str. SC. gTGB., ShÄetbejirt. Donnerstag, 30. Oktober, 29 Ubr, Sihung bei Schmidt. Nieberschdneweide, Berliner Str. 97—03. Badeabend jeden grritao Barrwald- strahr. Trainina jeden Montag. lO Ubr. Bootebans»Vorwärts". Gäste beralieb willkommen. gUr Interessenten ist jelit die günstigste Gelegenheit, mit den, Ruderlebrgang tu beginnen. Auskunft bei Oskar Noack, Neukölln, Nogatstr. 13. Lereiä für Bolkvgesunbbeit, r. B. Donnerstag, 30 Oktober, 20 Uhr, Luftbad NeuLill-r, Fontane, Ecke Karlsaartenstrastr. große Salle, spricht Zacher:, M. d. L-, Aber �enökOpeiitil ist GKliumötuswUtif'. Sastr willkomme: SOS-�uf der Verufsmusiker. Trotz großer Arbeitslosigkeit immer noch Schmuhkonkurrenz. Tauscnde brotloser Musiker bevölkern Tag sür Tag die Ber- lolttlungsstellc: bei manchen bauert bieser trostlose Zustand schon Jahre. Dichtgedrängt stehen sie und warten und hoffen, immer vergebens; ist eine oder die andere Stelle zu besetzen, dann sind Hunderte und aber Hunderte von Anwärtern da. Durch die lange Zeit ihrer Arbeitslosigkeit ist d i e Hälfte der erwerbslosen Musiker aus der Arbeitslosenversicherung bereits ausgesteuert. Von den 2300 in Berlin arbeitslos gemeldeten Berufsinusikern beziehen 1250 Arbeitslosenunterstützung, 650 werden von der Krisenfürsorge, 230 durch die Wohlfahrt be- treut und 330 erhalten überhaupt keine Unterstützung mehr. Nicht minder trostlos sind die Statistiken aus dem Reich. Des Musikers einzige Hoffnung ist immer noch die Wintcrsaison: aber auch da sind die Aussichten mehr als trübe. Auf der einen Seite werden infolge der schlechten wirtschaftlichen Lage die Arbeitsmöglichkeiten immer weniger, auf der anderen Seite stieg durch den Tonfilm und die Apparntmusik im allgemeinen das Kontingent der engage- mcntslosen Musiker ganz erheblich. Trotz dieses katastrophalen Bcrusselends machen Doppelverdiener und Dilettanten dem Berufsmusiker nach wie vor gefährlichste und gewissenloseste Konkurrenz, indem sie die Tariflöhne bis zur Hälfte und noch mehr unterbieten. Es muh mit allem Nachdruck gefordert werden, daß die durch Verordnung der Reichsregierung vom 1. November 1929 beschlossene Aenderung der Richtlinien über Musikaus- Übung durch Reichsbeamte von den zuständigen Stellen auch gewissenhaft durchgeführt wird. Nach diesen geänderten Nicht- linien muß bei nebenberuflicher nuisikalischer Beschäftigung eines Reichsbcamtcn eine Bescheinigung des zuständigen Arbeitsamtes vorliegen, daß für die beabsichtigte Musikaus- Übung geeignete Berufsmusiker nicht zur Verfügung stehen; außer- dem darf diese Musikausübung durch den Beamten nicht öfter ak» ZSmal im Jahr und neunmal pro Viertelsahr erfolgen. Gerade der Musiker, für den ein Hinüberwechseln in einen anderen Beruf so gut wie ausgeschlossen, bei dem außerdem musi- ' kalischcr Zeitgeschmack, Altersgrenze und Wirtschaftslage ganz be- sonders schwer ins Gewicht fallen, bedarf des Schutzes vor S ch m u tz k o n k u r r e n z in erhöhtem Maße. In der Städtischen Oper ausgespielt. Aus der KPD.-Zelle in der Städtischen Oper wurden fünf Mann ausgeschlossen, wovon vier Mitglieder des Arbcitcrrats, weil sie bei dem arbeiterfeindlichen Treiben einiger wildocwordener„Revolutionäre" nicht mitmachten. Darunter war ein Arbeiter, der seit sechs Jahren in der Städtischen Oper be- schäftigt und 4 Vi Jahre Arbeiterrotsvorsitzender war. Er trat der Sozialdemokratischen Partei bei und wurde deshalb hinterher nicht nur als Renegat beschimpft, sondern auch der Mitwisierschaft bei der Unterschlagung von 2000 M. Fcriengclder verdächtigt. Der„Renegat" Schrön beantragte deswegen ein Verfahren gegen sich. Die Revisoren erklärten, die Belege, Abrechnungen und Sparkassenbücher des der Unterschlagung bezichtigten W. seien m bester Ordnung gewesen, was der Revisor Heintze, Mitglied der KPD. in einer Versammlung wiederholte und W. gegen die An- schuldigungen verteidigte. Also kann Schrön nicht gut.Mitwisser" gewesen sein. Er hatte mit der Sache nichts zu tun. Wenn die KPD. auf die„revolutionäre Tätigkeit" Ihrer Stadtverordneten im Aufsichtsrat der Städtischen Oper verweist, so wird sie damit bei der Arbeiterschaft keine Seide spinnen. Die Erfolge im Aufsichtsrat wurden erzielt, als er nur ein kommunistisches MiV>lied hatte, den Herrn Gäbet, der zwar den Zuschuß für die Oper ablehnte, um dann eine Lohnerhöhuno von 10 Proz. für das technische Personal zu fordern. Natürlich wird auch die Sozialdemokratische Partei in diesem Zusammenhang angegriffen, dabei jedoch verschwiegen, daß die An- tröge de» Arbetterrats im ilufsichtsrat, der 16 MitzNeder zählte. nur von zwei Kommunisten unterstützt«erden konnten, also auch von Sozialdemokraten unterstützt wurden. Der Aussickstsrat, dem Vertreter aller Parteien angehörcn, zeigte mehr Verständnis für die Arbeiter in der Städtischen Oper als die ganze KPD. Die„Statisten" im Aufsichtsrat haben als Vertreter der Arbeiterschaft gehandelt. Die Arbeitslosigkeii. In Oesterreich, in der Schweiz und auch in England. Mitte Oktober wurden in Oesterreich insgesamt 174866 unterstützte Arbeitslose gezählt, wozu noch etwa 33 003 bei den Arbeitsnachweisen vorgemerkte nicht unterstützte Arbeits- los« kommen. Di« Gesamtzahl beträgt also rund 210 000 Personen. Das bedeutet gegenüber dem 30. September«ine Zunahme von rund 10 900 Personen. In der Schweiz nimmt die Arbeitslosigkeit ebenfalls zu. In den öffentlichen Arbeitsvermittlungsstellen waren Ende September 11 613 Arbeitsuchende eingetragen gegenüber 10 331 Ende August und 5197 im September 1929.» Diese sür ein kleines Land bereits fühlbare Schärfe der Arbeitslosigkeit dürfte nur zu einem geringen Teil auf Saifoneinflüss« zurückzuführen sein, da ins- besondere die Bauindustrie noch ordnungsmäßig arbeitet. Aus der Metall- und Uhrcnindustrie wird eine weitere Ausdehnung der Kurzarbeit gemeldet. In England betrug die Zahl der Arbeitslosen am 20. Oktober 2 199 288. 10 616 mehr als vor einer Woche und 984 794 mehr als vor einem Jahr. Wetter für Berlin: Mild und vorherrschend trübe mit etwas Regen und auffrischenden südwestlichen Winden.— Aür Deutschland: Im ganzen Reiche ziemlich mildes, trübes Wetter, zahlreiche leichte Niederschläge. �(Beßhäfite-Jlnsriger � (fteziwk füden-liJefien maierhülte Berlin G.m.b.H. VORMALS MALEREI8EN0SSENSCHAFT GEGRÜNDET 1912 N 018, LANDSBERGER ALLEE38-39 FERNSPR.: E 4 ALEXANDER 5628—30 ALLE MALERARBEITEN 186 M0EBEL- UND AUTOLACKIERUNG Friedrichshagener , Baugenossenschaft E.G. HUZI GROS SOEST I LL ATI O N Prinzessinnenstrasse 17 Ritter- Ecke Brandenhurgstr. Hoch- u. Tiefbau Fernruf: Friedrichshagen65a4jjn��525 IR.197 BERLIN-FRIEDRICHSHAGEN• KLUTSTR. 8 BAUAUSFÜHRUNGEN HOCHBAU/ TIEFBAU Berlin- Wilmersdorf Helmstedter Straße 3 Tel.; Amt Uhland 962�63 Bauklempnerei riedrich Hädicke Be- und Entwässerung ✓ Sanitäre Anlagen SW 48, Friedrichstr. 24£f„S.E„T,H£?2 Aufzüge Reparaturen Neulieferungen Bin- Wilmersdorf, Tttblnder Sir. 2/ Tel.: Pfalzbant 1433 Buchdruckerei C. 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