Morgenausgabe 7lt 513 A 255 4?.Iahrgang «SchevMch SS Pf. mo»aMch S.S0 M. im oorou* zahlbar. Postbezug AJS2 M. ainschlteßlich 60 Pfg. Postzeitun?»- onb 72 Pfg. Postbestellgeb ührea. Ausland»« abonnement 6.-— M. pro Monat. * D«.vorwärts' erfchetm wochentäg» llch zweimal. Eonmags und Montag» einmal, die Abendausgaben jfcr Berlin und im ftandel mit dem Titel.Der Abend'. Jllustnerte Beilogen.DoU und Zeit' und.Ainderfreund'. Ferner K Frauenstimme' Technik'..Blick in Bücherwelt'..Iugend-Vorwärts' und.Stadtbeilage' «> Veeiine« Vottsbla« Sonnabend T. November 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die etBlpalttg« Nonpareillezc,!« 80 Pfennig. Retlameieile 6.— Reich». mart.„Kleine Anzeigen' da» ettge- druckte Won 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Wone). ledes weitere Won 12 Pfennig. Stellengesuche das erst« Won 15 Pfennig, jedes weitere Wort Pfennig. Worte üb« 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- Geschäft Lindenstraße 3. wochentäglich von 81/, bis 17 Uhr. Aentvawvsan der SozialdemoSvatifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlajt Berlin LW 68. Üinöenftrafee 3 Rernftirtdifr Eönboft 292- 297 ielearamm-Adl gcnalbtmofrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postschecktonio: BcrlinL7S3K— Bankkonto: BankdcrArbelicr.Angestclllcnund Beamten, Wallstr 65 Dt B u.Disc.-Ges.,D«PoIltenkasle,JerusalemcrClr 65/66. Zuchthaus für Bombenleger Schwere Strafen im Altonaer Terroristen-Prozeß Altona, Zt. Oktober. Zw Vombenlegerprozeh wurde heule abend das llrleil gesprochen. E? erhallen Hofbesitzer Claus heim sieben Jahre Zuchthaus, Schriftsteller Herbert B o l ck sieben Jahre Zuchthaus. Nickel» Zwei Jahre und sechs Monate Gesäagnls, Kunstmaler Schmidt füns Jahre und sechs Monate Zuchthaus, Hofbesitzer R a t h j e n s ein Jahr Zuchthaus. Srostwagenftihrer w i b e r g ein Jahr uod drei Monat« Gefängnis, Kaufmann Johnsen füns Jahre und drei Monate Zuchthaus, Geschäftsführer M« s ch k c sechs Monate Gefängnis und 50 Mark Geldstrafe, Gastwirt M a t t h e s 50 Mark Geldstrafe, Landwirt Hennings fünf Jahre und drei Monate Zuchthaus, Landwirt V i ck sechs Zahre Zuchthaus. Landwirt Becker fünf Zahre und drei Monate Zuchthaus, Weichensteller Mahnke ein Jahr Zuchthaus, Sousmann Rieper ein Zahr und drei Monate Zuchthaus. Landwirt Holländer vier Monate Gesäugais, Landwirt Lüh mann fünf Zahre Zuchthaus, Landwirt Vesseo vier Zahre und vierzehn Tage Gefängnis, Hofbesitzer Milhelm hamkens 500 Mark Geldstrafe an Stelle von zwei Monaten Gefängnis, Rehling. 5 r a u Holländer und Bruno von Salomon sind freigesprochen worden Die llrteilsbec ründung. Im Anschluß an die Verkündung des Urteils verlas der Vor- sitzend« die ausführlich« Begründung, ui der«s u. a. heißt: Die Angellogten heben im wesentlichen geschwiegen. Das war ihr g.tes Rechte dos ihnen keinen Nachteil bringen durfte aber sie müssen Übcrftihrt, ihr Schweige» darf nicht als Schuldbekenntnis gewertet werde». Nach dein Ergebnis der Beweisaufnahme, den frühe- r e n G e st ä n d n i s s e n, � welche die Angeklagten mit Ausnahme von heim und Rehling in der Voruntersuchung abgelegt haben. hält das Schwurgericht sie für überführt. Die Vcr- lesbarkeit der Protokolle ist von. keiner Seite in Zweifel gezogen worden, aber trotzdem Hot das Gericht reiflich geprüft und gefunden, daß all« Protokolle rechtmäßig zustandegekom- men sind. Die Angriffe gegen dieselben sind unberechtigt Nach- gewiesen ist nur ein Fall, bei dem entgegen den Vorschriften der Untersuchungsrichter einem Verteidiger die Anwesenheit gestattet liat. Das Gericht hat die Geständnisse geprüft und ist zu tem Schluß gekommen, daß sie der Wahrheit entsprechen. Sie decken sich bis ins einzelne hinein und ergänzen sich gegenseitig. wo Lücken vorhanden sind. Die Verhandlung hat nichts ergeben, was Zweifel an der Richtigkeit der Geständnisse auskommen lassen könnt«. Es bleibt noch die Frag« offen, ob das Sprengstosfgejetz in An- wendung zu bringen sei. Auch diese Frage hat das Schwurgericht bejaht. Die Ausfasjung der Verteidigung, daß dieses Gesetz nur auf politische Attentate anwendbar sei, mutz nachdrücklich zurückgewiesen werden. Die Anwendbar- keit steht außer jedem Zweifel, denn das Gesetz will anerkannter- maßen Sprengstofsverbrechen ahnden, ohne Rücksicht auf die Motive. Die Anschlag« des Jahres 1329 lassen überhaupt keinen Zweifel, daß alle Beteiligten genau wußten, was sie taten, und daß sie die Absicht hatten. Schaden anzurichten. Daß Menschenleben nicht zu beklagen waren, daß den Angeklagten somit nicht die schwersten Strafen nach dem Gesetz zudiktiert werden mußten, danken sie lediglich einem gütigen Geschick, das alle Anschläge verhältnismäßig glücklich ablaufen ließ. Ihr Ler- dienst war es auf keinen Fall. Ein' übergesetzlicher Notstand, wie er weiter von der Verteidigung behauptet wurde, kann nicht als vorliegend erachtet werden, denn wenn auch die Not überaus schwer auf der Landwirtschaft lastet, so steht doch fest, daß die Regierung keines- wegs untätig gewesen ist, sondern vielerlei getan hat, um der Landwirtschast ihr« Existenz zu sichern.. Sämtlichen Angeklagten wird die Untersuchungshast voll an- gerechnet..' In' Anbetracht der Höhe der erkannten Strafen werden die Angeklagten Dolck, Dick, Luhmann und Becker sofort in Haft genommen » Die Taten, die mit diesem Urtest iyr« gesetzliche Sühne gefunden haben, stellten den Höhepunkt jener gegen den Staat gerichteten Bewegung unter den schleswig-holsteinischen Land- leuten dar, die von den Nationalsozialisten geflissentlich ge- schürt worden war. Obwohl die Nationalsozialistische Partei nach der Verhaftung der Bombenleger sie abzuschütteln ver- suchte, ist sie mit der Schuld für die Attentate belastet, und die Verurteilten sind ihre Opfer! Erfolge der Arbeiterregierung. Zm Ltnierhaus und bei einer Nachwahl. London, 31. Oktober.(Eigenbericht.) Die Labour-Regierung erzielte in der Adreßdebatte des Unter- Hauses einen ersten nicht zu unterschätzenden Erfolg. Im Auftrag« der unabhängigen Arbeiterpartei hatte I o w e t t einen An- trag eingebracht, der das Bedauern bekunden sollte,„daß die Thron- rede keine sozialistischen Vorschläge zur Bekämpfung der Wirtschafts- kris« und zur Reorganisation der Industrie enthalte". Der Antrag wurde gegen elf Stimmen unabhängiger Arbeiterparteiler abgelehnt. Einen zweiten großen Erfolg bedeutet der Beschluß des Land- wirtschaftsrates. In dieser Tagung, die sämtliche Wirtschafts- sachverständigen umsaßt, wurde der Gesetzesoorschlag der Regierung zur Reorganisation des Agrarmarktes ein st immig gut- geheißen. Die Nachwahl von Süd-Padbinqion. London, 31. Oktober.(Eigenbericht.) Seit 1885 ist das Mandat von Süd-Paddington bei London ununterbrochen im Besitz der Konservativen, die es stets ohne Gegenkandidaten als sichere Domäne buchen konnten. Der Tod des Mandatsinhabers erforderte die Neuwahl. Schon die Kandidatcnaust'tellung zeigte eine heillose Zerfahrenheit in den konservativen Reihen. Zum Schluß standen sich drei konservative Kondidate» gegenüber, und es bedurfte langer Auseinandersetzungen mit ihnen, bis das tonseiwative Hauptquartier endlich wußte, wen es den Wählern als offiziellen Kandidaten empfehlen sollte. Die zwei anderen konservativen Gegenspieler weigerten sich, zurückzutreten. Einer von ihnen, der frühere Admiral Taylor, warf sich dem Reichs- Mner und Zeitungskönig Beaiierbrook in die Arme. Ein heißer Wahlkamps setzte ein, bei dem der Pressekönig seine gesamte Presse mobil macht« und vor keinen Kosten zurückschreckte. Taylor mjxbt gewählt mit 11 209 Stimmen gegen 10 280 Stimmen des offiziellen konservativen Kandidaten Lidiard: die konservative Frau Stewart hat nur 491 Anhänger sammeln können. Der wahre Sieger dieser Wahl ist jedoch die Labour- Party. Zum e r st e n m a l beteiligte sie sich an der Wahl in dieser kon- seroativen Hochburg. Die Arbeilerkandidatiu Dorolhy Ewans erhielt 7944 Stimmen. kein wunder, daß dieses glänzende Ergebnis, als es Freitag- mittag im Unterhaus bekannt wurde, die freudigst« U Überraschung la den Labour-Reiheu hervorrief. Macdonald strahlle. Es ist ein großer Prestigeerfolg für die Arbeiterpartei und ein Beweis, daß das großzügige Re» gierungsprogramm zur Bekämpfung der Arbeitslosig- keit und der Wirtschaftskrise einen neuen Auftrieb in die Arbeiter- bewegung gebracht hat. Den Konservativen reißt das Wahlrefuttat sämtliche am Parteikörper schwelenden Wunden aus, die tags zuvor in der konservativen Parteisitzung mit verpflastert worden waren. Die presselord», erHoll und gestärk», werden von neuem das Haupt Valdwins fordern und ihre Reichszollagitation mit doppelter Wucht ausleben lassen. Selbst die konservativen Blätter sagen von dem Donnerstagsieg Valdwins, es zeige weniger Vertrauen der Partei zu dem Führer als Mißtrauen gegen die P r e s s c p i r a t e n. Sie werde» jetzt mit Süd-Paddington aufwarten und der Kampf um die Parteiführung wird morgen schon mit neuer Wucht ent- brennen. Inzwischen geht die Labour Party ihren Weg, und der Ausfall der Wahl hat deutlich gezeigt, daß er trotz aller widrigen Umstände vorwärts führt, wenn unentwegt auf das Ziel zu- gesteuert wird. Bulgarische Amnestie. Anläßlich der Königshochzeit wurden 430 Gefangene, darunter 100 politische, begnadigt Bei etwa 1500 Gefangenen wurde �»ie Straft zum Teil um die Hälft« herab- gesetzt Die Kommunisten hatten ihren eingekerkerten Parteisreunden die Weisung gegeben, auf jede Begnadigung zu verzichten; alle begnadigten Kommunisten haben die Amnestie angenommen Oer Machtkampf in Oefierreich. Niedergang der Ehrifilichfozialen. : Von Friedrich Austerlitz-Wien. <• Die Wahlkämpfe gehen in dem kleinen Oesterreich nie geruhsam vor sich, und eine so bescheidene Stelle das Parlö- ment im Bolksbewuhtsein auch einnimmt: eine Neuwahl des Natjonalrats erregt doch immer die Leidenschaften. Es ist ein Machtkamps in den größten Maßen, und die Frage, die in diesen Wahlen entschieden werden wird, ist keine andere und keine geringere als die ob Oesterreich den Weg einer demokratischen Republik einhalten und fortschreiten soll oder ob es eine Beute reaktionärer und faschistischer Anschläge werden darf. Würde es den„Antimarxisten" gelingen, vor- wärts zu stoßen und das bisherige Kräfteverhältnis zu ihren Gunsten beträchtlich zu verschieben, so könnte der Faschismus, der seit drei Iahren in Oesterreich herumschleicht, den offenen Vormarsch beginnen: gelingt es aber, ihm entscheidend Halt zu gebieten und die Partei, die sich ihm immer unoerhüllter ergibt, die C h r i st l i ch s o z i a le n. zu schlagen, so wird der Heimwehrspuk, der die Menschen hierzulande seit Jahr und Tag nakrt, bald verfliegen. Unverkennbar hatte die Heimwhr im Herbst des vorigen Jahres den Plan, die angespannte Lage durch einen Hand- streich zur„Lösung" zu bringen der politischen und parla- mentarischen Demokratie durch einen Putsch ein Ende zu be- reiten. Aeußerlich trat die Absicht in der Form einer„Rc- vision" der Verfassung auf. Aber daß damals die 5?eim- wehr als Generalissimus den bewährten Putschisten Pabst hatten und überhaupt in dem Geiste dieses Putschstrategen er- zogen sind, hat ihre Begeisterung nach Berfassungs ä n d«- rüugen vorweg zweifelhaft gemacht. Uizd da sie unaus- gesetzt mit ihren Waffenbeftänden protzen, so war es schon im vorigen Jahr nicht unklar, was die letzte und wirkliche Ab- stcht� der ganzep' Heimwehrbewegung ist: eine Situation her- bsizüführen," in'der die normale Politik versggt, sich dann irgendwo der' Staatsgewalt' zu bemächtigen.' in den Wirbel der konterrevolutionären Bewegung die Machtmittel des Staates— Heer und Gendarmerie— hineinzureißen, und so einen Augenblick der U e b e r r u m p e l u n g, einen Augen- blick der Hilflosigkeit der Gegenkräfte zu benützen, um die faschistische Umwälzung durchzusetzen. Dieser Plan ist der Heimwehr aber gründlich mißlungen: die Arbeiterklasse hat es verstanden, die Gegenkräfte zu mobilisieren und hat eine so wilde, vor nichts zurückschreckende Ent- schlossenheit ahnen lasten, daß der Heimwehr und ihren Gönnern nichts übrig blieb, als den großen Plan a b z u- blasen und sich mit Paragraphen einer Berfassungs- reoision zu begnügen, deren antidemokratischer Ge- halt zwar nicht zu verkennen ist, die aber in der Gesamten!- wicklung eines Landes doch geradezu nichts bedeutet. An- statt des Pabst kam Schober zur Regierung, und aus den Umsturzplänen wurde ein landläufiges Regieren, das zwar fchlechte Gesetze, aber nicht einmal eine Alleinherrschaft der bürgerlichen Parteien brachte. Das Fiasko der Heimwehr, die sich zu einem großen Sprunge angeschickt hatte, endete sinnfällig darin, daß Pabst, der Oesterreich erobern wollte, aus Oesterreich abgeschafft wurde. Aber das Gift schwärt noch im Körper, und wenn auch eine ernstliche Putschgefahr beseitigt ist, so ist dafür die faschistische Beunruhigung sozusagen chronisch geworden, und zwur daourch, daß sich die größte bürgerliche Partei, die ch r i st l i ch s o z i a l e, der Heimwehr verschrieben hat. Daß eine so große Partei wie es die Christlichsozialen sind, eine Partei auch von geschichtlicher Wirksamkeit, ihre eigene Basis aufgibt, auf ihr Eigenleben verzichtet, davon leben will, daß sie sich einer fremden Bewegung unterordnet, daß ist ohne Zweifel ein moralischer Niedergang. Aber der moralische Niedergang, den die Christlichsoziaten auf sich nehmen, soll den politischen Niedergang verhindern, den die Christlichsozialen fürchten. Die schlichte Wahrheit ist, daß sich die Christlichsozialen nicht t r a u e n, sich auf sich selbst zu verlassen, daß sie die begründete Vorstellung haben, von derSozialdemokratie überrannt zu werden, daß, sie aufhören werden, die große, sozusagen allösterreichische Partei zu sein und den Vorrang an die Sozialdemokratie abtreten werden müssen. Der Werbekraft des Klerikalismus mißtrauend, der auf die Dauer selbst in einem reinkatholischen Land zur Parteibildung nicht ausreicht, und schlechthin un- vermögend, eine demokratische Linie einzuhalten, wie das deutsche Zentrum wenigstens versucht, hat S e i p e l den „Antimarxismus" erfunden der nichts anderes ist als die Aufpeitschung aller bürgerlichen Instinkte gegen die Arbeiter- klasse. als die Raillierung aller an der ungestörten Erhaltung der bürgerlich-kapitalistischen Ordnung interessierten Menschen und Parteien zu einer einigen Front gegen die Partei der Arbeiter. Und so erkor sich Seipel die Heimwehr zum Sturm. Die Heimwehr ist aus mannigfachen Ursachen entstanden, und ihre Ausbreitung dankt sie wie alle diese Formationen, an denen ja auch in Deutschland kein Mangel ist. nicht zum wenigsten dem Umstand, daß sich die guten Deutschen, die so lange für das Militär geschwärmt haben, die Welt ohne Uniform nicht vorstellen können; aber zu einem, oi« iwjtmaJte politische Entwicklung beunruhi g e n d e n Faktor hat S e i p e l sie gemacht." Das Schicksal der Christlichsozialen ist Seipel weniger wichtig als hie Star kung der antimarxifttschen Front; sein Verhältnis zur Heim wehr ist kein anderes als das H u g e n b c r g s zu den Nazis. Und darum geht die Wahl: ob Oesterreich ein Staat normaler politischer Demokratie sein soll— und man weiß, wie wenig Ertrag für die Arbeiterklasse diese normale ppli- tische Demokratie liefert— oder ob der„Antimarxismus" Trumps werden darf. Was ist denn häs. der Anti- Marxismus? Das ist vom Faschismus wirklich nur dem Grade nach verschieden. Denn der Antiiyarxismus ist in Wahrheit die Negierung der Gleichheit; wenn sie auch in die Verfassung eintragen müssen, daß die Staats- bü r g e r vor dem Gesetz gleich sind, so bestreiten sie doch die. Gleichheit des Anrechtes der Parteien: die Partei der Ar- b e i t e r möchten sie ächten und als Auswurf be- handeln. Der Antimarxismus ist die freche Behauptung, daß die Partei der Arbeiter so minderwertig sei wie die Ar- beiter minderwertig seien, ist demnach die Inkarnation bürger- licher Ueberheblichkeit— und die dringendste Aufgabe der sozialistischen Politik in allen Ländern ist im Augenblick, dem kapitalistischen Bürgertum die Vorstellung, daß es mehr sei als die Arbeiterschaft, gründlich auszutreiben. Der Faschismus mag weit fein, aber der Antimarxismus ist nahe: den müssen wir ausrotten. Denn der Antimarxismus ist der geheime Ausnahmezustand wider die Arbeiter- partei, der sich in allen Ritzen einnisten kann, ohne haß auch nur ein Gesetz oerändert werden müßte. Und gegen diesen Antimarxismus, diesen Anruf aller reaktionären Tendenzen, diese Betätigung aller antisozialen Instinkte, geht der Kampf der österreichischen Arbeiterklasse. Sie kämpft ihn als Vortrupp des europäischen Sozialismus. Und deshalb würde ein Sieg, den sie am 9. November erficht,«fn Sieg auch für alle sein. Antimarxismus. l. Jas christlichsoziale Wahlplakat, das sozialistische Jugend bei der Steinigung einer Christusstatue darstellt und auf Anirag der beleidigten Organisation beschlagnahmt wurde, geht auf einen Vor- fall anfangs September lgZ4 in Steyr lOberösterreich) zurück. Damals hat ein achtjähriger Junge Steine gegen sin Kruzifix geworfen. Darauf übergab man das Kind zur Beobachtung seines Geisteszustandes der Universitätskinderklinik Wien. Regierungsrat Dozent Erwin Lazar bezeichnete»wegen der beson- ders gefährlichen Handlungen(de? Jungen) die Abgabe in eine Pfisgeanstalt oder in eine wirklich geschlossene Anstalt"' als qnge- zeigt. Das ist auch geschehen.— Rach sechs Jahren verwendet die Regierungspartei diesen traurigen Fall zum—»Welt- anschanungskamps" gegen die Arbeiterpartei! 17. Als die Heimwehrführer Hueber und Starhemherg an der Wende September/Oktober zu Ministern ernannt wupdeic,»er- breitete hie Heimwehrpresse sofort, sie hätten auf hos ihnen über, brachte Ministergehalt für September„zugunsten dex Arbeitslosen rerzichtet", die christlichsozifllcn Minister aber nicht. Darüber hat nun der christlichsoziqle Bundeskanzler Vaugyin ifl einer Versammlung zu Wels(Oberösterreich) berichtet, daß Hueber erst am 1. Oktober den Verfassungseid geleistet und lqnrit sein Justiz- miflisterqmt angetreten hat, also das Septembergehalt gar nicht he- kommen konnte; der andere Heimwehrminister(Starhombexg) habe ihm, dem Bundeskanzler, aus Befragen die Wahrh« i t senex ■Seitungsnachrjcht bestritten. III. Die„Oherösterreichische Tageszeitung" erzählt, gerat« während Schätzer und B a u g P i n im Lande gegeneinander reden, daß der damalig« BizekanFer Vaugoin dem Bundeskanzler Schohsr das„Du" angetragen Hab»; als Schober � was sollte er machen! ja sagte, siel ihm Vaugoin um hen Hals untz herzt« ihn, In dex Tür drehte sich Vaugoin um und rief, damit es die wartenden Reporter hören, ins Zimmer zurück:„Grüß dich Gatt, lieber Schoher, Servus, Servus!" Wenige Tag« darauf war Schober»yn Vaugoin wegen Sfrafesta gestürzt, IV. Das neue Presseggsetz schützt auch die Ehre yon Zej- t u n g« n. Ein christlichsoziales Wahlplakat, dos der „Arheiter-Zeiwng" Hochverrat nachsagt, ist auf Verlangen unseres Bruderblattes beschlagnahmt worden. Galerie dunkler Ehrenmänner. Wegen gemeiner Verbrechen(Diebstahl, iinterschtaguna. Sittlichkeitsverbrechen usw.) sitzt allein im Wiener Landesgericht nahezu ein kriegsstarkes Bataillon HahnenfchwäNzler in klnter- fuchungs- oder Strafhaft. Letzthin ist noch der Lustmörder»on Ternitz(Riederösterreich) ins Gefängnis des Kreisgerichts Wiener- Neustadt»einrückend gemacht" worden. In den mehr ländlichen Teilen des nördlich der Doipu gelegenen 21. Wiener Bezirkes(Floridsdorf) reißen Heimwehrleute nachts die drastischen Vitderplakate der Sozialdemokraten ob. Ar- beiterwehren werden ihnen dieses Handwerk batd legen; dabei gelang es ihnen in Jedlese«, unter den Hahneyschwänzlern, die heimlich nach Haus« schlichen, auch den katholischen Ortspfarrer mit Heimwehrhut zu erkennen. In seiner— übrigeng unbegründeten— Angst rief er:»Nicht schlagen, ich bin Geistlicher!" Merkwürdiges von der Grenie. Prag. Zl. Oktober.(Eigenbericht.) An der tschechssch.oberSsterrelchischen Grenze sind sei) Met Tagen die österreichischen Bahnhöfe und Landstraßen von Gendarmerie stark besetzt. Andere behaupten, daß durch hie Zusammenziehung der Gendarmerie eine Aktion der Heimwehs vexdeckt werden soll und der Innenmimstex Starhemherg hie öfter- Vichts che Sozialdemokratie kurz vpr hen WÄlen des Hochverrats und dez Wassenschmuggels beschuldigen will. Protest gegen Richter. Eine Kundgebung in Naumbmg. Naumburg. 31. hktptzer. Im d< cht besetzten Rathaussaal fand am Mittwochabend«ine stark besuchte Protestversammlung gegen de» Nazi-Justizskandal statt. Es wurde folgende Entschltehung angenommen: ,,Di« Versammelten stellen nach Referaten vom Landtagsabgeordneten Franken-Zeig und Schwrriner-Berlin mit Entrüstung fest, daß die vom Namn- burger Gericht gefällten Urteile, insbesondere das im Falle des Theologie st udenten Kiehler gesprochen«, dein Rechtsempfinden des Vylkes ins Gesicht schlagen. Di« Protestversammlung verlangt vom Justtzminister. daß er der Recht- sprechung in Naumburg sein« besondere Aufmerksamkeit widmet." Otto Braun an die Studentenschast Kundgebung im ehemaligen Herrenhaus. Hie soziakisttschc Studentenschaft Deutschlands und Oesterreich? halte gestern zu einer Kundgebung für den d e m o t r a t i, schan Sozialismus im ehemalige» Herrenhaus aufgeruten. Sagt und Tribünen waren überfüllt. Lieder des Jungen Chor« leiteten die Kundgebung ein. Dann sprach für die deutsch- österreichischen soziaksstrschen Studenten Genosse Hitzinger-Wien, der Führer der Sozialisten an der Wie,»er Technischen Hochschule. „Wir Oesterreicher", sagt« er,»stehen augenblicklich in schweren« Kampf für die Demokratie, die 1918, nach dem Sturz der Habs- burger, durch die Sozialdemokratie errichtet wurde. Darüber hin- aus ist die Anschlußbewegung heut« Sache des österreichtschen Proletariats. Der Anschlutzgeist ist auch durch brutale Mittel, wie Seipel und Starhemberg sie anwenden wollen, nicht zu beseitigen. Unser Ziel bleibt: ein freies Volk in einem freien deutschen Reich, der grotzdeut scheu Republik!" Genosse Enspien legte dar, daß die Reaktion durch das unwahr« Schlagwort, der Parlamentarismus habe versagt und die Demokratie sei untauglich zur Erfüllung der Ausgaben der modernen Zeit, den Diktatur- gebauten in die Massen geworfen. In einer historischen Betrachtung stellte er die Entwicklung vom Urkommunismus über das Feudal- system und den Frühkapitalismus zum heutigen Stande der Gefell- jchaft dar.»Die Sozialdemokratie ist nicht Fortsetzung und Voll- streckung der bürgerlichen Freiheitsbewegung, sondern etwas Neu- erstandenes. Bürgerlichs Revolutionen waren rein geistiger Art, während der sozialdemokratischen Ideenwelt real« Schlüsse und Erwägungen zugrunde liegen. Faschismus will Rück- schritt, will Ständestaat und Diktatur. Er nennt sich revolutionär, ist aber weder revolutionär und nicht einmal fort- schrittlich. Das beweisen die Zustände in Italien. Die Sozial- demokratie greift nach den höchsten Zielen, nach der Macht im Staate, und wenn Gefahren drohen, wird sie in geschlossener Front zusammenstehe»." Von stürmischem, immer erneutem Beifall begrüßt, nahm dann der preußische Ministerpräsident Genosse Otto Braun das Wort. Sein erster Gruß galt den österreichischen Freunden: „Mit lebhaftester Teilnahme verfolgen wir euren Kampf um die ErHaftung' der Demokratie. Unser Herz ist in diesen Tafte" und Wochen, wo ihr in hartem Wahlkamps um Freiheit und Recht« des Volkes ringt, bei such. Denn euer Kampf ist unser Kampf pnd euer Sieg ist unser Gi« g" Pvaun fuhr fort: Sie haben, meine Dmpen und Herren, zu einer Kundgebung für den Gedanken der sqziasen Demokratie aufgerufen. Es berührt immer wieder eigenartig, daß sich junge Akademiker zujamnienfinden müssen, um der übrigen akademischen Iugentz gegenüber eine Forderung zu perteidi�sn, die in früheren Zeften dem innerstem Herzensbedürfnis der gesamten Jugend eines Landes mit den Ausnahmen allein dex hafttuingstosen Spießer und der in iisfstem Grunde u n j u n g« n Menschen ent- sprach Wo in der Weft für Freiheit und Menschenrechte gekämpft wurde, und rrw es gaft, für stiefe ewig gMgsn PchtiMttzn normalen Zeiten. ja, w e n n es wenigstens noch g e i st i g e r Radikalismus geworden wäre! sieber Geistiges laßt sich streiten. Geistiges wjll wohl den anderen überzeugen, will sich an ihm messen, und sich selbst dabei abschleifen, will im Ringen des Meipnngsstreftes sich selbst klären und dabei erstarken Aber wps wir haute erleben, ist doch etwas ganz anderes: W s ist die Kritik geblsehen, die dach Voraussetzung für jode selhständig« geistig« Entwicklung eines jungen Menschen ist, wo der ernsthafte Wille noch Ergrändung einet heiß und strebend gesuchten Wahrheit? wo vor alte« der Respekt vor der Ueberzeugung und dem wirken de» anderen, der immer die Ziaxde oder vielmehr dos selbstverständliche Attribut einer geistig kämpfenden Zugend war, dte auch imstande wqr. vor dem Gegner rjtlerlich den Degen zu senken? Heute ringt man nicht zweifelnd und immer wiichex abwägend nach Wahrheft, sondern gibt sich mit einer ans Unfaßbare grenzen, den Kvittklosigteit den ollerprimitivsten politischen Heilgtehren hin, die vor keiner ernsthaften Durcharbeitung und Prüfung bestehen können. Heut« beschimpft und schmäht man den Gegner, bestreitet ihm jedes ehrenhafte Motiv, ja selbst die sachliche Ueberzcugimg und hält ihn von oornberein einzig und allein wegen seines Anders- denkens und Andersseins für«inen Lumpen. Das geistsge Argument ist durch den Knüppel und durch den Schlagring erseht, e» ist ein Rückfall in die Zeiten Mittelalter. ltch-n Faustrecht». Wir sollen dies« irrcgalciteie Jugend nicht schelten, fte män zurückstoßen. Es ist UN» bitter seid um sie. All diese jungen radikalen Studenten schaden stch selbst in ihrer menschlichen Entwicklung durch die Irrwege« in die sie sich verlaufen. Früher oder später muß für st«, wenn sie ehrlich gegen sich selbst sind, und bei reiferem Durch- denken die innere Hohlheit ihres bisherigen Programms und die llnhaltbarkeft ihres bisherigen politisch-gedanklichen Systems sowie das Sinnlose ihres politischen Treibens erkennen, ein schreck- fichez Erwachen, ein geistiger Katzenjammer ohne gleichen kommen. Die besten und produktivsten Zugendjahre, maßgeblich für die Formung und Entwicklung ihre» Geistes, in denen sie sich in den Dienst wahrhaft ausbauender Gedankengänge und der Arbeit an Volk und Staat hätten stellen können, sind nutzlos vertan mit der Hörigkeit gegenüber einer zwar suggestiv vorgetragenen, aber gleich einer tauben Nnß teeren politischen Theorie, von der sie vergeblich eine radikale staatliche und wohl auch geistige llm- ' formung aller Dinge erwartet haben. Demgegenüber ist es Ihre gewaltig große, heute vielleicht noch in vieler Hinsicht undankbare Aufgabe, meine Damen und Herren, dieser im Irrgarten nationalistischer Phraseologie sich bewegenden Jugend das in allen Zeiten für eine gesittete Menschheit gültige und immer wieder über alle Krisenzeiten hinweg sich Geltung ver- schassende demokratisch-soziale Ideal entgegenzuhalten! Sie, meine Damen und Herren, sollen unsere Mitkämpfer für die rc- publikanische deutsche Reichsverfassung von Weimar sein, die für uns eine Sammlung gesetzmäßig garantierter freiheitlicher Bestimmungen bedeutet, aus die das langsam und mühsam zur Demokratie reisende deutsche Volk nicht verzichten kann und auch niemals verzichten wird. Auch für uns gilt das, was vor 6 Jahren einmal Calvin E o o l i d g e, der damalige Herr des Weißen Hauses in Washinzlon, schrieb: „Die Verfassung bedeutet eine Regterungsform traft Gesetz- Mäßigkeit. Es gibt daneben nur noch eine andere Autontäte- form, die der Gewaltherrschaft. Die Amerikaner müssen zwischen diesen beiden Dingen wählen Das«in« bedeutet Gecechtigkeit und Freiheit, das andere Tyran-� neiundUnterdrückung." Der neuen Staaistheodi«, die für einen Teil unserer Jugend solche Anztehungskroft erlangt hat, der Lehre von der Gewali- hezrsctzast und der Tyrannei durch Diktatur und von der eng stirpigstep, chauvinistischen nationalsozialistischcn Gesinnung und Praxis stellen wir die beiden ewig ruhenden Ppls in der Geistes- geschichte der aufwärtsstrebenden Menschheit entgegen: G-rrch- t ig k« it Mch Freiheit- Eine Gerechtigkeit, dte sich bis ins tiefste und letzte hinein aych auswirkt aus das Leben des Gedrückten und Schwachen, auf bes, Leben tzes Arbeiters, der teilhaben muß am wirklichen Ertrage feiner Arbeitsleistung. And Freiheit in politischer und geistiger Hinsicht, gepaart mit dem Willen zum wahren Menschentum und der«chtüng vor allen, dte wirklich»strebend sich bemühen". Man sagt Ihnen und uns so est, daß der„Geist der Zeit" gegen uns sei, daß die Gntmicktungn gegen die teziste Demokratie ynd» für die anderen arbeite. Lassen Sie sich dadurch nicht betoreu Denken Tie an den Wahlsprijch eines wahrhaft, freien und zhaßen «eistK. OßMtM» erweis-G w e» Mrtt jj|J „Mas Ihr den Geist der Zeiten heißt. fin* ist fürwahr der Herren' eigener Geist,-| In hem hie Zeiten sich bespiegeln." Mit anderen Worten: Es gibt keinen Zeitgeist, der jozujagen aftt etwas, dem wir nicht entrinnen können, dem wir widerstandslos ausgeltefert find, über uns triumphiert. W i r selbst formen den Geist der Zeit, geben der Zeit, in der wir. leben, unser G«- präge. Jimuer sind es die Zielbewußten, Energischen, fest van ihrer Ueberzeugung Durchdrungenen, die Mmpeniatiiren im besten Sinne dez Wortes, die ihre Zeit bezwingen und so das bilden und fessige», was man dann später rückwärtsblickend als den Geist jener..'feii erkennt. Festigen Sie sich in unermüdlicher Arbeit in den großen uiid starken Gedankengängen der auf das Recht und das Glück des eigenen Volkes, wie darüber hinaus auf Vtenschheitsziele gerichteten wahrhaft sozialen Demokratie! Kämpfen Sie dafür mit aller Kraft Ihrer Ueberzeugung, ritterlich, und durch das Vorbild Ihres überlegenen Menschentums— und Sie werden e s fe i n, die ha np d e m.G e> st unserer Z e i t dp s G e p r ä g e geb e n! Unser der Zeitgeist und unser die Zukunft!- Zu eiyem flammenden Appell an dte akademische Jugend ward die Ansprache, die als nächster Redner Genosse Ttadbnich hielt. „Ein Bekenntnis zuvor! Noch nie war ich so stolz. Sozigl- deinokrat ZU sein, wie in den letzten Wochen..ais sich die Pqrtei in Verantworiungsmut vor den Stqat stellte und Parieiintexsssen im Hintergrund« ließ. Sie hatte den Mut zur Unpopulari t,ä t, und nach eiwm Sturm über die Haltung der Fraktion sieht die Parte! heute wieder fest und einheitlich hinter ihren Abgeordneten. Der Anschauungzunterricht der ersten Reichstagssitzungen hat oe- wirkt. E? handelt sich nicht um Rettung vor Wahnwitz und Kg!«, strpph«, es handelt sich um das nackis Leben, um die einfachsten menschlichen Werte., Der Mensch ist das Maß aller Dmge: auf der ein«» Seite Beschimpfung, Verleumdung. Gewalt, Ehrenworte y's politische Lift, Fememörder, die mit neuen Morden hrohen, tobende Fenster einwerfende Menschen auf der Straße, drinnen der Sp:ech- chor der heulenden Derwische, Ungeist der Kaserne und Stumpf- finn, und auf her anderen Seite Persönlichkeiten wi« Paul Lobe und Karl 6 ene ring. Dos Schauspiel brachte Klärung, ober noch keine Rettimg. E» ist eine Atempause, die in erhöhter Zllarmbcreitschast genutzt worden muß. Zeder aus seinem Dosten! Vorsicht und Kühnheit müssen Zugend und Alter einen. Die Zeit xcbieftt handeln und Selbstbesinnung in gleicher Weise. Man hat den Marxismus as-j politischen Äinderschreck higgestellt. aber haben»ir ihn nicht auch mft einem Stachekdraht umgeben und ylz«in« rein proletarische Angelegenheit hingestellt, während er in Wahrheit Z u k u n f t s f r a g e der M e n s ch h e i t ist? Die Zersetzung des Bürgertums mahnt zur Werbung. Nicht umforst Hot der Reichstag sine fintikapilalistische Mehrheit, wenn auch der Nationalsozialismus Schein- und Lügensozialismus ist! Die nationalsozialistischen Führer nehmen da» Wort Sozialismus nicht ernst, aber viele Wähler haben es ernst genommen. Es gilt, die Intelligenz zu gewinnen. Der Intellektuelle ist gewiß nicht Führer, aber er ist Fachmann. Führer ist die aufsteigend« Kränzen:„Rann, der Wlrth will uns wohl das Gas abdrehn?" Der Wahlschwindel in Polen. Auch deutsche Listen rechtswidrig kassiert! Es fp'J sich dabei ausschließlich um Persönlichkeiten handeln, die dem heutigen Regierungolöger in Pole» angehören und B c- Ziehungen zum deutsche» G e n e r a l g o» v e r n e u r B e s e l« r bzw. seinem«tabschös in der Zeit zwischen der Berhaftung Pilsudski» durch die deutschen Behörden und Oktober lgsK.jtNter- hielten. Von dex Veryssentlichung der betressenden öchriltstücke sjnd, wie d«r„Rabptnik" zu verstehe» gibt,„sensationelle K n t h ü kl u n g e n" zu erwarten. Klasse, dil JnteUeklueiton stellen nicht die Heroen, aber den Chor im Weltdrama. Der Intellektuelle wandelt de» Instinkt zur Idee und macht ihn diskussionchähig, trägt ihn in die ösjantliche Meinung. Einheitlich im Wollen und Handeln, sei die Partei vieksaltig im Denken und Reden, um Über jhre Grenzen hinaus wirken zu können. Thomas Mann rief das henkende Bürgertum an hie Seite der Sozialdemokratie. Was will der Bürger? Sicherheit. keine Abenteuer, keine Katastrophen! Die Lemokratic ist. stabile Ktnatsform, die Diktatur ist labil und bringt nach dem Tode des Führerp den Kamps der Diadschcn oder wiederum die Demokratie. Wir haben Tlktatppen kennengelernt, das Reich Wilhelm II. war nach den Erinnerungen Pulows ein Nest mm Nattern, ein(3e- webe von Intrigen und brachte ein Meer pon Blut und Tränen, In welchen Händen die Militärdiktatur im Kriege lag. has sehen wir an dem Wahnwitz, den Ludendorss über Jesuiten, Frei, inaurer und Juden schreibt. In welchen Händen waren wir! Hitler, der neue Diktator, der sich ankündet, wird den Gcistes- reichlum tudcndorfss mit der Redesreudigkeit Wilhelms verbinden. �Heiterkeit und Beifall.) Eine stetige und friedliche Außenpolitik ist nur durch diö" Sozialdemokratie zu führen, wenn auch der National- sozialihmus in den letzten Wochen pazifistische Schrvächeanfäll« zeigte. Der denkende Bürger sagt heute zum Sozialismus nicht mehr rund- weg nein. Massenelend auf der einen, Ikeberprodtiktion auf der anderen S�ite zeigen ihm. daß ein Konstruktionsfehler vorliegt. Aian sagt, der Sozialismus sei Utopie. Es ist eine Utopie, daß die Menschen sich den gegenwärtigen Zustand der Wirtschaft noch lange gefallen lassen. (Stürmische Zustimmung.) Umbildung durch Aerguust und Ausbau durch die soziale Demokratie oder Zertrümmerung aus Verzweiflung stehen in Aussicht. Die Sozialdemokratie kämpft für die Umbildung durch Aufbau und Bernunft- Wo Kampf ist, da ist Lebenz wo Leben ist, da ist die Jugend. Kampf aber tyi» nur sein für den Geist. Di« Jugend steht bei Freiheit, Menschlichkeit und Gerechligkeit. Die Jugend steht nicht bei Unterdrückung. Knechtschaft und Gewalt. Die Jugend steht bei Paul Lobe und Ofto«raun, di« Jugend steht nicht bei Goebbels, Hitler und«straßer. Di« wahre akademische Jugend, steht bei der Sozialdemokratie.(Langanhqltender, jubelnder Beifall.) Nach einem Lchtußwort des Vorsitzenden der sozialdemokratisch«!, Studenten Berlins Genossen Vcrlowitz und neuen Lied«r- vortrügen des Jungen Chors schloß der Versänunlungsleiter, Genosse> T i e t g e n s, die Kundgebung. Verdächtiges Geschrei. Wer organisiert den Bärgertneg in Deutschland? "Dex Deutsche", das Srggn de? christlichen Geiperkschasten, hat plötzlich entdeckt, haß Deutschland pon Ppinatkriegen kämpfenßerP arteten bedroht sei, Zu dieser Entdeckung hat ihn hie Feststellung des sozialdemokratischen Parteiausschusses veranlaßt, daß hiß Massen her sozialdemo- lratischen Hrheiler zu verznehrter Uklivitäl drängen, unh daß in hen Reihen der Sozialdemokratie d i e b e st e K a gl p f st s zn m u n g herrsche t>m enz Aufruf in unsöM�K«I?riMx. Par:eisrggn. mt A d V 8.5 k b e mg» ou n g gegen den xerrpr des g a j ch i p m u p � zu bilden. Der Pxivatkrieg der SU.- Hanhen hes Herrn Hitler, hie allläglichen blutigen Zusammenstöße in den Straßen der deutschen Städte, die in der Hauptsache durch die Nationalsozialisten verschuldet sind, die blutrünstigen Morddrohungen der Faschisten— das alles hat die Redaktion des Organs der christlichen Gewerkschaften kalt gelassen. Um so mehr, alq der nationalsozialistische Einfluß in den christ- lichen Gewerkschaften sich in der letzten Feit stärker bemerkbar gemacht hat. Vermehrte Aktivität, b e st e K a m y f ft i m? mun g in her sozialdemokratischen Arbeiterschaft aber— hys erweckt das Geschrei hes„Deutschen so sehr, daß ex nach Reichsregierung und Länderrsgierungen, nach Polizei gnd Reichswehr Ntst. Er ist geradezu hysterisch geworden. Die Sorge vyr Privatkriegen ist gewiß berechtigt, seitdem sie»gn Nationalsozialisten und Kommunisten geführt werden. Wer aber bisher dazu geschwiegen hat yud nun schreit, weil die Sozialdemokratie gegenüber diesem Treiben. aus den Tisch schlägt, der wacht sich höchst verdächtig! Gchwerindusirielle Gewinne. Stahlkonzern Klöckner zahlt ß Prozent Dividende, Der Avfjichlsrat des S l ö ck« e r- So n Z e r n s beschloß in seiner gestrigen Bilanzsihung, für das am ZS. Zyni beendete Geschäftsjahr IgZg/Zg eine Dividende von 6 pro z. gegen 7 proz. im Vorjahr auszuschütten. 3a den Gewinnen des llnlernehmens hat sich die schwere Krise, die immerhin mehr als die Hälfte de» letzten Betriedsjohres bei Klöckner beeinflußte, nur wenig ausgewirkt. So ist der B e t r j e b s- gewinn mit 35,6 gegen 37.4 ZNillioneu Im Porjahre nur unwesentlich gesunken. Anderersclk, ist das Unternehmen durch einen Rückgang der sozialen Lasten von 7.S5 ans?L5 Millionen und der Steuern von 8 auf 7.73 Millionen e n t t a st e t worden. Bei einem Rohgewiyn pon 17,? gegen 18,2 Plillipnen ist das > Anlernehmen in her Lage, hie Abschreibungen aus die An? lagen sogar noch von ld.l ays 10,35 Millionen Marl herauszusehen und von dem sodann verbleibenden Reingewinn von 6F4 Millionen eine Divideiche von 6 Vroz. zu zahlen. Wie bei der Guten hossnungshöllc zeig» auch her Abschluß dieses zweiten schivesindnstriellen konzer»?, daß die Rackenschlage der Kaje. die die in Massen abgebauten verg- und Eisenarbeiter so schwer zu fühlen bekamen, für die Unternehmer bisher noch kaum spürbar gewesen sind. Unser neuer Roman. Wir beginnen am Sanntaa mit dem Abdruck eines Nomons von W. Seemann und©. Währte: „Unternehmer.,. Dieser Roman gibt an Hand«ine» Querschnitts durch drei Generationen ein Entwicklunnsbiid von den vierziger Jahren des vergongenen Isbrhunderts bis u, unserx Tage. Er zeigt die allmählich« Umstellung hes Handwerks auf Maschine, Fabrik, Großbetrieb und schließlich jenes System, in dem durch Rationalisterung und Laniendes Bond der Mensch seihst Teil einer Maschine wird Warf che», 31. Oktober. lSigenbersrht.) Der LLahiterror der Regse�ung Wlsnbski wendet sich neuerdings auch gegen die deutsche Miuderheit. In den Wahlkreisen Graüdcnz und Wloclawek wurden die Kau- didatpnlisten der drutschen Wahlgemeinschqft für unsiiltig erklärt. In Äxnudeuz. wo ISS? aSein ru«d SSVSV deutsche Stimuren abgbgcben wurden, erfolgte die A«> nuSierung mit der„Begründung', da« die borschrifts-, mäßige Blindestzahl von SV ilut-xschriften nicht borge- legen habe. Tatsächlich war der W-rhlvprschlag von Ivo vollberechtigten Staatsbürgern unterschrieben, ach v»n ihnen wurden einsach als nicht tvahlberechtigt erklärt. Ter Magistrat Posen hat die Truckerei Cpneprdi« in Posen, die größte deutsche Druekerei Pplen», in der auch daK �Pchvnev TeWsblatt" godweM wfted, y!»f um bestNumte Zet� �echchrvstl e n. Ter ganze BelZikech wunde stillgelegt, die SSafchinon vesstegelt und die IlSetriedö- räum« mit Polizeiposten beseht. SVV Arbeiter und A«- gestellte sind brotlos gemacht. «Sensationen angekündigt. Warschau. S\. pftph«.(Dst-Expretz.) Wie der sozialistisch«„Robotnik" mitteilt, werden sozialistisch« Blätter in Deuischländ, Oesterreich, Frankreich und England gegen Ende Ropember mehrer« Geheimdokumente verössentlichen, die die Be- Ziehungen eines Teil der sogenannten polnische» Aktivisten zu den deutschen Okkiipotionsbehbrden am Ende des Weltkrieg«* betreffen. Verschleppung der Abgeordnetenprozessx. Warschau, 31. Oktober. sDst-Expreh.) , Hie Prozesse gegen die in Brest eingekerkerten früheren Sejm? abgeordneten werden„wegen- ergänzender Boruntersuchungen" Nicht ppr den tzejmwahlen?in IS. Nöpember perhandest werden. Di« OxxWiänspresse erklärt dazu. daß. hie Verschleppung dieser Prozesse .ladigllch. Rstzüttvtttß« Partei dich. WahstampaHN« erleickj!«ch> soll. Die ßpppsitiKisführer sitzen scho«- seit ucht.Mchen in H»p. Die Verfolgung der Ukrainer. Lemberg. Zt. pktader. Di« Leiter der ukralNisch.nattonaldemskrgtischen Partei, sindo, Psksitzender L e w t z k i und Generalsekretär M a t z r u s ch k q sind noch.Haussuchung bei ihnen unter H y ch p e r ra t s hßschuldigung y« r h y f t e t worden. Die Suche»ach W a s f e N dauert in einigen Landkreisen an. Der Metropolit K z e p t y Z k l Hot die Geistlichkeit durch«in Ruitdschreibe» oufgesordert, die am l. No» vember traditionell üblichen Gedenkfeier» für die im polnisch- ukrainischen Kriege 1918—20 gefallenen Soldat«, i in diesem Jahr zu u n t e r l a s s en. Franzen maßregelt Schulräte. Draunschtveig bezahlt alles!/ Wiederl Beamte pensioniert. Braunschweig. 31. Oktober. sEigenberichf.) Der brounschweigische Raziminister F r a h Z e n hat am Freitag sieben Schulräte, von denen süns der Sozlaldemokrakischen Partei angehören, in Pension geschickt, Der Schulrai von Blankenburg am Har, ist erst vor sechs Tagen auf Anweisung der Regierung Franzen-Süchenthal mst feiner Familie nach Blanken. bürg verzogen, um dort eine neue Stellung anzutreten. Kaum in Blankenburg angelangt, wurde er seines Amtes entHaben, wa» stören den Nazimann Franzen die dem Staat durch den Umzug entstandenen Kosten, wys die Ncuauswendungen an Pensionen sür die eizllassenen Neamlen- Der Abbau von Schulrälen ist als Racheakt des M i n'i st e r» Franzen aufzufassen. Bayern wird saniert. Die sozialdemokratischen Forderungen durchgesetzt. München. 31. Otipber,(Eigenbericht.)- Dem Lande BalZern sinh nunmehr durch eine schristtiche Vereinbarung mit dem Reichsfinanzminister die Zinsen gug der P p st> a b f i n du n g in d e r H h h e p o n 5 S M i ll i p n e n für da? lausend« Haushallsjahr garantiert. Aie enhgüllige Negelung, an der such andere ßändex stark iitteressiert sind, ipird daddrch nicht berührt. Durch die Vereinbarung konnte dys Sanierung?- gefetz der hgyexifchen Regierung am Freitag im Bayerischen Land, tag v e r a h s ch>« d e t und der E>at IM ouagegkichen werden. G«, schlössen, für da? Gesetz stimmten die Bayerisch« Hplkspartei, hie che- ziathemakraten, die Deutsche Bolkspartei. Bon den Peutfchnationalen stimmten nur die Hälfte für. das Gesetz. Der Bauernbund enthielt sich der Stimme. Die Hokenkreuzler beteiligten sich überhaupt nicht an der Abstimmung, während die 2 Kommunisten mst Nein stimmten. Mit 86 Ia-Stimmen ist die Mehrheit für dq» SanieruvSdsesetz Über- raschend groß. Di« sozialdemokratische-Fraktion beorllndetc ihre zustimmende Haltung mit einer Erklärung, in der es heißt: „Das Saizierungsprogramni kann zwar im«inzelnen vielfach nicht befriedigen. Zum ersten Male sind aber die- Forde- ruiigender6ozialM"'ok.rfltischenPart«jfl*pnd- sötzlich anerkannt. Die Gefetzesvorlgge enthält., den Ab- strich von einer Million an den freiwilligen Leistungen de, Staates für d>e Kircheilgesellschajten uizb die Regierungserklärung gibt hie Gewähr für weitere entsprechende Einsparungen bei diesen, Etat, titel in der Zukunft. Die Schlachtsteuer dal wesentliche Berbesse, rungen erfahren, liisbelpndere in her Richtung des Berbroucher. ichutzes, der Sicherung des Absatzes der inländischen Fteischwaren- inbiiftrie und der gitteressen ihrer Arbeiter, Die entsprechende Peteiligung der Gemeinde» an dem Aiiskommeu ist sichergestellt. Es besteht die Möglichkeit, daß Regierung und Landtag auf dem Grunde eines nicht nyr dem Scheine»ach ausgeglichenen Haus- Haltes wie andere deutsch« Lander sich mit. Eifer der Arbaitssür- sorge und der Durchführung eines Arbettsbeschaffunasprogramms zuwenden können. Die Not ist so groß und unsere Wirlschast bedarf so dringend jeder, mich der kleinste» Hilfe, daß wir als Boll- strecke* des Willen- einer verantwortungsbemußteii Partei njcht abwarten konnten, bis unsere Forderungen restlos erfüllt sm�. Wir betrachten aber das, was der.Londiag jetzt beschließt, q!s Abschlagszahlung auf unsere Forderungen, Auch ein Notopfer. Mlitza von Montenegro erhält eine halb« Million Mecklenburg-Slrelitz soll 3*/* Mit ionen zahlen. Nenstrelitz, 31. Oktober. Am ponnersiag tagte in Neustrelitz unter dem Borsitz pon Glaakssskrelük z. D. Professor Dr. Popis-Berlm ha? Schied»- ßvxlcht, da? über di« Aufwerkungsansprüchs der graßherzpglichqn Familie in Höh« pon fünf Millionen Mark dphin entschied, daß der Freistaal 3?4 M i l k i o n e n M g r t bejah feu los!, pp» denen die Arpßhex,zogin Elisabeth zwei Mil-. lipnen nebst Zinsen, hie Kronprinzessin Militza von Monte«' vegra, gehöre,« Herzogin zu Meyenburg,«ine halbe Mi Iii an Mark nebst Zinsen, und Prinzessin Marie zur Lipp-, geboren« Herzogin zu MecNettburg. 160 000 Mark nebst Zinsen erhallen soll. Der Führer der amerikanischen Delegation zur Genfer Ab- rüstung., Vorkonferenz. Gibson, ist am Freitag in Rom»in- getrosten, wo«r mit Mussolini und Grandi lonisriertz. nachdem er Besprechungen in Paris abgehalten hatte. Obwohl man es in Rom offiziös bestreitet,, hat Gibson zweifellos persucht, in der Flottensras« zwischen Italien und Frankreich zu vermitteln. Ei' soll sogar vom Präfidenten H o a v e r ausdrücklich damit beaustrigl . worden sein. TRI-EÜGON /£) JHRE oLsioblingsplaifQ TRl-ERGON SCHALLPLATTEN überraschen durch Lautstärke— Klangfülle— Plastische Wiedergabe und sind in jedem besseren Fachgeschäft erhältlich. Bezugsquellen- Nachweis durch TRI- ERGON MUSIK A.-G., Berlin SW. öS, Ritterstraße 46-47 "y H'1 B' 4\i | Iltea,i ZUe&Ut LtdiUptele ustv Staati.Sciiiller-TIieater. z» Uhr NORA. ". Endf>Z tibi- Winrer ★ uarren« 8.15 Uhr- aaoOien er anht 24 Tlllerettes. Carr's u. Betty Das Tonphänomen Linder usw Sonnabend u.Sonntag je 2 Vorstellungen 4 und 8""Uhr. 4 Uhr kleine Pr. VoiKsbtthne Theater am Bölnwntetr. 8 Uhr Die Weber V G. Hauptmann Regie K. H. Martin. ftaatüdiiller-Tli. - 8 Uhr Nora SCAM Tftgl. 5 u. 81/2 Uhr.-öd Earb. 9266 Tägl. 1—6 M.— Nachm. halbe Preise Heute Premiere: Rastelli's neuer Fußball- Akt Nalray-Bailelt mit Katta Sterna und Maria Solveg Carlo Medini» Truppe fliegende Akrobaten and weitere Sensatlonea. PlrA�A AI«*' E. 4. SOBe�flg TAsI. B, 8«, Sonnt. 8, B, 8«; I. Voratellung SO Pf. bis 1 M II. and III. Vorst. 1 bis 2 M Heute Premiere I AF Spitzenlelstunf auf dem Gebiete j der okkulten Wiesenechaft U ESS EMS Equlii bristische Weitsensation KOHLBRANDT der rheinlach. Humorist und welter* Sensationen! I 6B0SS.SCBAUSPIELBAll$S Heute Beginn 7.15. Nur noch 2 Tage Lustige Witwe Heatcrbore. Hansen« Arno. Sehollsrer« JaDhuhn.Schaeflers, Winkelstern, Dcsni. R E G I i:: C TT A RELT. Reichshallen-Theater Abends fT| Sonntag nachm.| S'?! Stettiner SSnger Das neue Programm! fiadraiittags halbe Preise. Dönhoff- Brettl: 10 groSe Nummern! Tanz» Kapelle Hans Sixtus. Oeotsdiei meatei 8 Uhf Heute letzte Aalfllhniiigl Ein Sommernachistraum Regle: Max Reinhardt, Kamraerspiele St/s Uhi Elga ton Oerhai! Hauptmann. Regie: Gustav Härtung. Die Komödie 8'rs übt Der Schwierige tod Hags von Hofmaanstba. Regie:-Max Reinhardt. Ttieat. d. Westens 8V« Uhi Gastspiel Lnpgliliii Konstaatis finden sie, daß «Cnnstance sich richtig vethält? Loos. Sthott, BBttcher. Lessicg-Ttieat. SVo Uhr Elisabeth, KHnigin von England von Lenormand Höllidi. Kehmann. Aussebneiden: ZentraMheat. Täglich S'/n Uhr Sonnt auch SV. Uhr Eine Freundin so goldig wie Du Opererte v. Meisel. Von. für Parkett s» statu.- H. nur I■" Qlli3T.30.nkL-2.HoT. Sonntags 3 Uhr Rothappcnen Sarnawskj-EOhnen ntgalex in d«i Streseoianosii. fäglich 8«/» Uhr Sturm im Wasserglas Komödie ran frank. Komödienhaus 8 Vi Täglich 8V4 Konto X von Bernauer und Oesterrekhei Rose- iheater Br.FranWnnerStt.isz Tel. Alex 3422 u 3494 4.15 U. Premiere Peter schens Mondfakrt 7 Uhr und 1115 Uhr In der Johammnachf ".vhr liASlNÜ-THEATER i.othrtnger Strafte 97. Nur im Mona! November die enußckende Komödie Arm wie eine Kirchenmaos Gutschein 1—4 Pers. Fauieuil US M., Sessel 1.75 M.— Sonstige Preise: Parkett 75. Rang 60 Pfg itaumnl dmm ms Thealer fOr Kinder: Sannabend. 4* Uhr; Peterchens Mondfahrt ( Preise ron 30 Pf. bis IAO II) Montag. Olsiutan. Dennentag und Frelta« S30 Uhr: FamlKen-Nachmitlag Kukuli mit Tränte Ron« la der Hanptrollo Preise tob 30 Pf. bis 1 50 M Garderobe a. Progr. Je 10 Pf. Kaffee und Kuchen, Bier mit Salzbrot je 25 Pt. Wochentage'S« Dhr: In der Johannlsnnehl Sonnabends 2x(7 n. 10� ü.) Karten Im TtAglg. Vorverkauf sind ku heben von 11-1 Uhr vorm. nnd von 4-9 Uhr abends. Binsttkene: Alex. 8424 u. 8484 GroBs Frankfurter StraBe 132. ROSE -Theater Oeauefett IlBSiler-Tbeat. Tel bttosai 3137 H'u Uhi Jim and Jill Gate Hoslm itnild Paulsea. Renaissance* ideales Stemplatz 6700 SV. Uhr VorQoteriDdiDDg von Max Alsberg und O E. Hesse Kleines ideal. Täglich 8V. Uhr LoniLenx in meine Sctiuiester und ich ndi Verueuil von Bha. Musik voe BeuitikL Theater am Sötllidauer flamm Letiti 5 Toisfeflugga! Jud Süßi von Paul Kornleid. Ins.: Inp. JeButr mit Ernst Deutsch Sonntag 3>d Uhr Dreigroidienoper. Wmfi!» Dönh 625,626. Täglich 8 Uht Kur nmi 7 lorstelhngen Alexander Moissi in „Der Idiot" V. Doslofewskit Neues Theater am Zoo•— ltniBahn!i.2oo. StpLSSSt Täglich 8V. Uhi Der große ladierfo'gl Max Adalbert in Haxen kl ein Sonnabends 4 Uhr Sonntags 3. KueÄ üuffMtrtx fahrt las Mördienlni Lusupiemaus Heute 8 Uhx: Wleflereröflnnnnl Hart(.ötz in Hokuspokus metrepoi-Ibeeter Täglich 8>/, Uhr Sc um Hone Her Operetten erfolg I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria und ihrHuaar Sonntag 2>r Uhr DasLaRMl des LflcUeliis 5 Uhi Wiener Blnl Thealw n Ksttb. Ttr Kottbusser Str. 6 F. a Oberb. 6070 ragi.tv.U- Saarn toeh 3>d 01» EUte- SBnöer Präsident Zunkcl tr. IntBiriil- Sfliorsö Rusclll InKlongs-.tabatt' a.RekUmeiuarken gegen Nachahmung gesetzt gesch. fertigt seit 45 Jahr als SpeslalttU Conrad NOller Leiprlff• SchkrMdltr ab Lager uielliüech- und Stahibauien Jeder Art GebrAdienbadi K.m.d.B.. Weldenaa sied Bisen- und Wellblech werke.- Postfach 38 Nazi-Offiziere verlangten Reic�ÄzeB Verbot der Reichswehrkomödie in 3 Akten von Alfred Herzog „Krach um Leuluaul Biumenihal" Ab Sonnabend« den 1. November, tätlich S1/« Uhr« in der Inszenierung der Berliner Spielgemeinschaft in der Piscator- Bühne im Wallner-Theater Vorzeiget dieses erhässBO0/, ErmäSigung, gültig für 1— t Personen. auch Sonnahend und Sonntag. Komiscne Oper 8V, Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Gilbert Theater 1. d. Behrenslr. 53-54 Direktion: Ralph Arthur Roberts �v. Das häBlicha madchen Engliscn— Rodens— Jansson. Tägl. 2 Vorst. 41, a.sv, FJ. Tel. Vederichs in Jena«r schienenen„Deutsch-Nordischen Jahrbuch für 1930" veröffentlicht. „Spätestens in Kiruna tauchen die ersten Lappen auf", schreibt er, „plattnasig, breitmäulig und klein, wie schon Heine wußte. Sie gehen tief in den Knien, als wateten sie immer über Moospolster und Sümpfe. Si« stehen auf den Bahnhöfen umher, als ob sie reisen wollten. Sie find aber da, um sich photographieren zu lassen, und wenn man sie mit der Linse fangen will, ehe man ihnen eine Krone gegeben hat, zetern sie mit dünner, hoher Stimm« Abwehr. Nicht allen geht es so gut wie einigen in Norwegen, di« mit einem Reisebüro einen Vertrag haben und, wenn die Schiffssirene ertönt, ihr Lager beziehen und bezinnen, primitive Genüsse für folkoristische Neugier zu kochen. Renommierlappen finden sich fast um jedes Hotel, sie leben von der Küche des Hauses und fertigen Handarbeiten, Schnitzereien und Flechtwerk, die fo übel nicht find. Anständige Andenken. Aber hinter den Bergen an der Bahn führen die kleinen Kerle mit den kindlichen und etwas scheuen Mongolenaugen noch ihr freies Leben. Dann begegnet man vielleicht einer Ricsenherde von Renn- tieren und dem freien Lappen, der mit ihr bei Beginn des Frühlings in die Berge zieht nach Finnland oder nach Norwegen, überall hin, wo noch kllnimerliche Einöde für Renntiere ist. Die Schweden sind sehr ritterlich gegen ihre unproduktive nationale Minderheit, die ungern zur Schul« geht, zu europäischer Arbeit, wie man's nimmt, unfähig oder unlustig ist und als Attraktton für Forschungs- und Vergnügungsreisende bestenfalls die Zinsen von dem Kapital auf- bringt, das der Staat zu ihrer Erhaltung aufwendet. Sie dürfen die letzten„Wilden" Europas sein. Ihr Gehege verengt sich inimer inehr, bis es bloß noch ein etwas größeres Freiluftmuseum sein wird und ihr Aberglaube sich von keinem unberührten riesenhaften Wasser- fall und nicht mehr vom ungebrochenen Schweigen«infamer Hoch- täler nähren kann. Wasserkräfte mit Millionen Pferdestärken, plaxini! groutuls für Touristen ohne Zahl, schlummerndes Erz, und möglicherweis« auch noch einmal Nutzen aus dem Birkenbusch, das alles verspricht Lappland. Neuland im Norden." Ein riesiger Tunnelbau. Eine der bedeutendsten Ingenieurtaten, die jemals für die Wasferzufuhr unternommen worden sind, wird jetzt in England ausgeführt. Es Handell sich um die Anlage einer über 130 Kilometer langen Wasserleitung. Me von Manche st er nach Hawcswater führt. Durch gewaltige Sprengungen, bei denen IM 000 Tonnen Felsen mit 250 000 Tonnen Explosivstoff beseitigt werden sollen, wird eine 40 Kilometer lange Tunnelstrecke angelegt, deren größter einzelner Tunnel 8 Kilometer lang ist und allein 200 Millionen Mark kosten soll. Die Oberfläche des Sees bei Haweewater wird von 30 Meter auf S8 Meter durch einen großen Damm gehoben, und dabei wird die 1000 Jahre alte Kirche von Mardale mit den umliegenden Gebäuden unter Wasser gefetzt. Der See, der gegenwärtig etwa 4 Kilometer lang ist, wird bis zu elfter Ausdehnung von etwa 1.Z Kilometer vergrößert und damit zum zweitgrößten See Englands gemacht. Andrö Wlaurois: 9imdheU undWeisheU Es gibt Augenblick« im Leben, die uns alle auf dieselbe Ideen- gruppe zurückzuführen scheinen. Eines Tages sprach ich mit einem Freund des Cocteaujchen Romans„Cnkants terribles" und er äußerte sich dazu: Cocteau hat recht, wenn er sagt, die Kindheit ist oft ein tragischer Zeitabschnitt. Ich selbst habe einen sechzehnjährigen Sohn, an dem ich den Uebergang von der Kindheit zum Jiiyg- !ingsalt«r beobachten kann. Aber wie wenig gleicht das den Dar- stellungen der optimlstischen Romnnschreiber! Denn die Jugendzeit umfaßt die Jahre der Trauer und Verzweiflung, der oft ein schreck- licher Todesgeschmack beigemischt ist.— Erst mit reiferem Alter kommt auch das Glück zu uns. Slm Abend las ich in einem amerikanischen Buch„Einführung ln die Moral" von Walter Lippmann, in dem Ich eine Theorie des Jünglingsalters und der Reifezeit fand, die mir dasselbe zu be- slätigen schien, was mich am Morgen verblüfft hatte. Die frühe Kindheit ist die Zeit der magischen Kräfte. Schon in„Des Icköes et les Aga" wird nachgewiesen, daß das wirkliche Hindernis dem Kind« unbekannt ist. Es lebt auf ein«r Zauberinsel allein in seiner Schwäche, und wird von göttlichen Kräften, einer Mutter oder einer Amme genährt. Wenn sie ihm wohlwollen, Ist alles möglich, und es kann die Gunst erwidern, zuerst durch Schreie und Gebärden(Period« der Allmacht durch zauberische Gebärden, Dr. S. Ferenczt), dann durch Worte und Sätze(Periode der ma- gischen Zauberformeln). Der Versuch zeigt dem kleinen Kinde nicht, daß di« Dinge durch eine Handlung oder Arbeit erobert werden können. Während der ersten 1ö Monat« muß es zu den Dingen getragen werden, oder man muß sie ihm bringen. Seine Borstel- lung vom Weltall kennt kein« Widerstände als sein« Launen. Diesem Zeitabschnitt, den wir alle durchlnachen, entspricht wahrscheinlich die unbesiegbar« Neigung, die wir für das Wunderbare halten. Die Mutter ist dem Kind eine Fee, der Vater ein Zauberer.„Köchin, Gärtner, Portier und Nachbarin sind Hexen und Zauberer mit be- stimmt«» Eigenschaften und der Gegenstand besonderer Verehrung." Wen» diese Gottheiten sich durch die Macht der Schrei« oder Wort« gnädig gezeigt haben, herrscht dos Kind ln seiner Scheinwelt. Sobald es sich allein bewegen kann, sieht es sich von feind- lichen Dingen umgeben, von deren Vorhandensein«s bisher nichts wußte. Die Katze kratzt, der Hund beißt, das Feuer brennt: weder Schrei« noch magische Worte haben Gewalt über dies« Schinerz- quell«n. Durch sie verläßt das Kind die Zaubcrwelt und nimmt Fühlung mit der Wrklichkeit. Aber das geht nur sehr langsam: erst mit 12 oder 15 Jahren verliert es das Gefühl seiner Allmacht. Wenn es verwöhnt und allein in einer zärtlichen Familie auf- gewachsen ist, bleibt es lange im Schutz der natürlichen Herrschaft. Darum ist di« Fühlungnahme mit anderen Kindern und die Cha- rakterbitdung durch die Schul« notwendig. Solange es sich gegen die Schlägereien in der Klaff«, die Verfolgungen und Verspottungen, diese schmerzhaften Lehren der Wirklichkeit, wehrt, verteidigt sich das Gefühl der magischen Allmacht. Cocteaus Helden hüten in einer Schublade Fetisch« und Amulett«. Alle phantasiebegabten Kinder hoben neben der Religion, die sie lernen, eine eigene My- tbologie mit grausamen Satzungen. Die meisten Eltern wissen nichts von den prinritiven Kulten, die in ihrem eigenen Hause gläubig in verschwiegener Heimlichkeit geübt werden. George Sand betete die Göttin Corambe an. Ich kennen einen kleinen Jungen, der vor jeder Entischeidng in einer Ecke, und zwar immer in der- selben Ecke eines leeren Zimmers blonsieur le Lort(den Herrn des Schicksals) befragte.„Die Reifezeit beginnt, sobald der Er- wachs«»« auf die magischen Kult« verzichtet und die Bedingungen an- nimmt, die die Wirklichkeit seinen Wünschen auferlegt." Aus dieser Erklärung sieht man, daß nur sehr wenige zur voll- ständigen Reife gelangen. Für di« meisten von uns bleiben die Zauberwelt und die wirkliche Welt zwei Länder mit beweglichen Grenzen. Die Geschichte d«r langsamen Annäherung an diese Grenz« ist da» Romanthema zum Beispiel. Ein Mensch stimmt zu oder weigert sich, das Vorhandensein einer Welt außerhalb der physi- kalischen und psychologisch«» Gesetze anzuerkennen. Das ist dos Thema von„Der Kartauj« von Parma",„Dz-s ckane la Vallee", von „Wilhelm Meister" und allen großen Biographien. Das Jugeiüialter, der Zeitabschnitt der ersten. Lieben, bringt die Wiederkehr zum Zauberglauben mit sich. Von neuem werden für einige Jahre die wirklichen Menschen durch gottähnliche Geschöpfe ersetzt, die mit einem Wort unser Glück oder Unglück entscheiden. Manche Menschen reisen niemals: das heißt, sie nehmen nie die Lehren der Wirklichkeit an und bleiben bei dem Glauben, daß die W«lt nach ihren Wünschen gemacht sei. D«r große Reichtum, di« Macht, der kampflose Erfolg lassen den Menschen ein ewiges Kind bleiben. Die Merkmal« der„Erwachsenen— Kindheit" sind bekannt: nämlich der Gedanke, daß ein« geheime Verschwörung zwischen den Menschen und den Dingen besteht, um ihren Wünschen zu wider- streben, j«n«s Gefühl, daß das Leben ihnen etwas schuldet, daß es doch die Pflicht der Welt wäre, sich mit ihnen zu beschäftigen, ent- stammen einer optimistischen Philosophie, die das Verschwinden d«s Bosen verspricht, gleichwie eine Mutter ihr Kind tröstend in die Arme nimmt und ihm verspricht, den bösen Tisch zu bestrafen. Selbst bei denen von uns, die schließlich die Gleichgültigkeit der Natur, und di« defensiv« Selbstsucht erkannt haben, dauert oft ein kindliches Trauern und ein melancholisches Badauern an über ver- loren« Illusionen der frühen Kindheit. Wir wision, daß die Welt, in der wir leben, unvollkommen ist, aber wir hoffen auf eine andere, in der wir das golden« Zeitalter unserer Kindheit wiederfinden werden. Die wahre Reife, die wahre Weisheit wird nur von denen erlangt, die von ganzem Herzen, wie Mark Aurel, sagen:„Jeder, der zu dir gehört, o W«lt, geht auch mich selbst an". Oder wie Des- cartes:„Ich habe di« Gewohnheit angenommen, meine Wünsche zu korrigieren, noch bevor die Welt ihren Verzicht«rzwingt, und dabei zu bedenken, daß tas, was nun einmal nicht eintreffen konnte, auch für mich belairglos war". Hier sieht man, daß die Weisheit sich wieder mit der Kindheit vereint. Während die Wünsch« sich der Natur der Dinge anpassen mußten, steht er sich jetzt in einer Welt, die sich se!n«n Wünschen anpaßt. Er kann sich nun seinen Leidenschaften hingeben, aller- dings nicht wie ein Kind, well andere über ihre Folgerungen wachen, aber weil er der Herr der Meute ist, und sie. wenn er will, wieder zurückrufen kann. Nur sehr wenige erlangen diese.Kind- hcit der Weisheit, und der Uebergang von der Zauberinsel zum „carnaval«trangc", dem wirklichen Dasein, bleibt das große Drama des menschlich«» Lebens. Die heimlichsten und mühsamsten Tra- gödien spielen sich aus den Schulhöfen ab. wo jeden Tag ein zehn- jähriger Haml«t die Ungerechtigkeit, d«n Haß und die Bosheit ent- deckt, sie ablenkt oder annimmt und schließlich ein Mensch wird. Glutorilierte Uebertrazunz von Eva Schutt-Weblan.) parteinachn'chten Kafeabimgea fSt dies« Rubrik sind B( 1 1 1 a SS 48. Liudeaftr-de Z. furGroß-Verlin ft«t»»n da»»ez»rk»I«kretarial Z.Hoi, ZZrevaea recht», zu richte» Jum Notopfer für die Erwerbslosen wurden von der Beleg- schaft der Konsumgenossenschaft Grotz»«erlin und Umgegend lZO,— Mark aus Listen gesammelt und als erste Rate an die Bezirkskasse abgeliefert.— Allen Spendern hierdurch herzlichen Dank. I. A.: A l e x P a g e l s. 7. grei» Charlotieuburg und epaalxiu. Juristische Sprechstunde findet am Sonnabend, dem i. November, von 17 chis 18 Wir. im Jugendheim No. stchens. Mitwirkende: Bandonionklub Spandau. Ahnthmisärc Tänze der Iutta-Slamt-Schule. Heitere Lieder zur Laut«. Festspiel:..Flachomann als Erzieher" von Otto Ernst. Tombola und Tanzkränzchen. Eintritt äst Ps., Garderobe 20 Pf., und Kinder 10 Pf..zu haben in den Konsumgcschäftrn und an der Kasse. Einlaß 17 Uhr. Beginn 18 Uhr. heute. Sonnabend, l. November: tx. Abt. Eharlotteaburg. 20 Uhr Aualtioaärfißuag bei Bat«. Kaiserin-August»- Alle« 82. 11t. Abt. Bohnsdorf. Alle Parteigenossen beteiligen sich an der Kundgebung der Iungfozialisten im Lokal ,Lu den vier Jahreszeiten", Bahnhosstraßc. Beginn IRz Uhr. Morgen. Sonntag. 2. November: 28. Abt. gahlabeud Meye«. Treffpunkt zur Konfrrmbesschtigung 8 Wr Hoch» bahnhof Danziger Straße. 84. Abt. Eharlottenburg. 17 Uhr ffestveranstoltung der Freien Schulgemeind« bei Ahlcrt, Berliner Str. 88. Die Genossinnen und Genossen werden ge- beten, diese Veranstaltung zu unterstllhen. 84. Abt. Lankwiß. Treffpunkt zur Konsumbesichtigung»Vi Uhr Bahnhof Lankwih. 101. Abt. Treptow. Die Mitglieder werden hierdurch aufgefordert, nach MLg. lichkeit das Hallcnsportfest in den Ausstellungshallen am Kaiferdamm zu besuchen. Arbe-tsge-ieiaschast sozialdemokratischer Arbeitaehmee der Feuerwehr Berlin. Neoolutionsfeier der 1. Wochabteilung um 10 Uhr in Schinkel, Festsälcn, Brilckenstr. 2. Programm: Konzert, Eesäng» vom Hermstorfer Liederkranz, Rezitationen, Feitanspach«: Landtagsabgeordneter Harnisch. An» schließend Familienabend mit Tanz. Alle Freund« und Gänner sind herz. leladen. lichst eingeh Frauenveranstaltung. Der Festausschuß. ZS. Abt. Sonntag, 2. November, 9 Uhr, Besichtigung der ÄonsuBigenossen- schaft in Lichtenberg, Rittergutstraßc. Treffpunkt 8 Uhr Hochbahn Hallesches Tor. Fahrt bis Warschauer Brücke, dann mit der Linie 90. Jungsozialisten. Gruppe Beddiag-Sesuadbruunen. Heut«. 17'$ Uhr, treffen sich sämtlich« Genosse» oin Bahnhof Gesundbrunnen zur Fahrt nach Rcu-Vehlefanz. Daselbst findet in der Jugendherberge ein Wochenendkursus statt. Themen:„Unsere Auf. gaben."„Zugend und Sozialdemokralie." Referent: Genosse Walbmann. Etwa 2'M. Unkosten. Decken und Schlafsock sind mitzubringen. Prenzlauer Berg. Wir treffen uns unbedingt am Sonnleg um 19 Uhr Danziger Straße Ecke Prenzlauer Allee. Gruppe Zehleuborf, Lichterseldc, Steglitz. Unser erster Abend finde: am Montag, dem 2, Nooember, 20 Uhr. im Heim Zchlendorf-Mittc, Dahnhofstr. Z. statt. Die jungen Parteigenossen, die älteren SAI,-Genossen und Turner sind freundlichst eingeladen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Tiergartea. Gruppe August Bebel. Rote Falken. Am Sonntag treffen wir un» um 7V4 Uhr Bahnhof Bcusselstraß- zur Schnißclsahrt mit den Iungfalken. Iungfalken. Wir trcffen uns am Sonntag um 8 llhr Wald- Ecke Saldenfet. ftraße. Bei schlechtem Wetter fällt die Fahrt aus Rot« Falken. Dienstag, 4. November, von bis IS'H Uhr. im Heim Waldcnlerstraße Falkenoollvcr- fammlung, Iungfalken ebenfalls Diens-ag Falkenvollverfammlung. Nestfalken, Gemeinschaft A. Mittwoch, ö. November, von 17 bis 19 Wr, im Heim Waldenferstraße Tanzabend. Gemeinschaft B, Heimabend. »reis Neukölln, zcltlagervcranstaltung. Heute, Sonnabend. 18 Uhr, stir alle Kinder,»m 20 Uhr für Eltern und Porteigenossen ist im Saalbau Berg- straße die geltlagerreportage. Wir wollen allen unfern Freunden einen Tag im Zeltlager miterledcn lassen. Auch andere Kreise sind zur Veranstaltung gern gesehen. Unkostcnbeitrag fllr Kinder 10 Pf., fstr Ellern 80 Pf. Gruppe Tempelhof. Sonntag Besichtigung der Konsumgenossenschaft Lichten- berg. 9 Uhr Dorfstraße, Fahrgeld ist mitzubringen. 10—19 Uhr lustiges Bei- sammenfein im Heim Gätzstraßc, Keei, Prenzlauer Berg. Morgen. Sonntag, Schmugalerfahrt nach Birken, werder. Treffpunkt aller Gruppen 8>s Uhr auf dem Vororrbahnhof Gesund- brunnen. Bei ausgesprochenem Regenwetter fällt die Fahrt aus. Krei, Kreuzbcrg. All« Iungfalken der Gruppe treffen sich morgen 8 Wr vor dem Heim Wrangelstraße zur Schnitzelfahrt. 20 Pf. und Proviant mitbringen. Geburkskage, ZubNZen usw. 22. Abt. Unserem Genossen Paul Dahle zu« 28jihrig«a Partei judilöur» die herzlichsten Hlückwünsche. 48. Abt. llaserem Genossen Karl Tolzmann zum 7». Gebnrtstag« die heitz- lichsteu Glückwüniche. 81. Abt. ss' mann. Zröaufi 130. Abt. Sugs Rochbaus, Rcsidenzstraßc Ecke echönholzer Weg, fein 2öjShrig«» Partei. julnläum. Wir h Mitte weilt. hoffen, daß der Genosse Rochhaus noch recht lange in unserer Perontwortlich für Politik: Victor Schiff; Wirtschaft: S. Klintzrihöfer; Gerarkschattsbewegung: Z. Striurr: Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lokale» und Soniliacs Fritz Karstadt: Anzciaen: Tb Stock«: sämtlich in Berliv. Perlaa: Borwärts-Perlag G, m d. H. Berlin Druck: Porwärts-Buchdruckcret und Derlaasanstalt Piul Singer u Eo. Berlin CW. 08. Lindenstraß« 8. Hierzu 2 Beilagen. Wien--wbwrzt Bekanntmachung Parforce- Jagdrennen. Berliner Illh-IriO N e U k 0 i I v. w Lahnstr 74/75.1 Betten, Bemedern alle»rlen Baymuiolluiaren billig und dauerhaft bei~ Ed. Hofffmeister, SO 36, Wiener StraBe 20 seit 40 Jahren am Görlitzer Bahnhof Der auf Grund der Notverordnung vom 28 Juli 1980 vom Ausschuß der Kaste am l. Sevlember 1980 beschlossene 3. Nachtrag zur Satzung ist am 22. Sevlember>980 vom Die rversickerun- samt genehmig» worden. Geändert werden die zz>5—>7. 19. 20, .4 24, 31. 3«. 89- 43. 40. 07. 95, 99. IN, >14 und Iis, Iveldle in der neuen Fassung mit dem 28 Juli 1980 in Krau irelen. Die durch die Aenderung des 0 52 he» fdzlossene Beitragsherabsetzung von 7 guf 0 Prozent tritt am l. November in rast. mplare des 8. Nachtraas zur ehsn den Beteiligten im Kassen» lokäi zur Veriügung. Bertin-Steglitz, den 81. Oktober 1980. Der vorstand Liehr Koglt» Dorsitzendcr. Schriftsührec. Kteaxe Anznigen, wirkunQSveii und btlitg. Uberschriftswort 25 Pf., Textwort 12 Pf./ Wiederholungsrabatt: 10 mal 5%, 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10%, 2000 Worte 15%, 4000 Worte 20% Stellengesuche: Uberschriftswort 15 Pf., Textwort TO Pf. Annahme durch den Verlag, Lindenstr. 3('»9 bis 5 Uhr), und sämtliche Vorwärts Filialen u. Ausgabestellen Uerföiiie Tapeten. Szillai. Kolonie- straße 9.* KleldungssiacKe. uiasche usw. Wenig getragene ?ack«tta:izUge. Pale- lots. Ulster, pracht. volle Kammgarn. anztige. Smokinaan- »llge. Gelegrnheits- käuf» jn neuen Herrcngar.bero�«n, Brillanten. Uhren, Golbwaren zu Soot'. preisen. Leihhaus Roienthaicr Tvr. Linienftraßc 208/2lt4. Ecke Nnfenthaler. straße. Keine Lom- l-ardwars. Weuig getragene Frockanzllge, Smo, kinganzitge. Geh- rockanzttge. Jackett- anzllgc, Sommer- paletot», Trenäi- eoatmäntel. iitr jede Figur vasscnb. Epe- ziolität Bauchon» zllge. Spottbillig. Halver», Rosen. thalerstraße 4,«in« Treppe. 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Das Haus liegt im Zentium der Stadt, erreichte 1929 einen Bier- Umsatz von tund 1000 h'. besitzt setöne Gasträume, Versammlungszimmer Saal und gut eingerichtete Fremdenzimmer(Zentralheizung fließendes Wasser)— Bewerbungen mit Angabe der bisherigen Fätig- Keit und Referenzen an Ridtard Tanner, Coburg, Schlachthofstr. 4. Tlr. 513» 47. Iahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 1. November 1930 !« Die hohen Brot- und Ileischpreise. Reim �eichsernahrungsminister wird verhandeli. Im Reichsernährungsministeriüm haben am Freitagabend Der- bandlungen mit den Vertretungen der Bäcker nnd Schlächter statt- gesunden, die aus einen Abbau der Brot- und Fleisch- preise hinzielen. Wir können dazu nur sagen, dah es h ö ch st e Zeit ist, hier etws zu wn. Denn in einer Zeit, wo der Lohn unter stärkstem Druck steht, sind die Brot- und Fleischpreise nicht zurückgegangen, sie sind im besten Fall unverändert geblieben: vielfach haben sie sich sogar erhöht. So betrug der ortsübliche Rogoenbrotpreis in Berlin im Juni 1930 pro Kilogramm 39 Pf.: auch heute zahlt man noch denselben Preis, trotzdem die Relchsregicrung ihre Preislenkungsaktion proklamierte und das Unternehmertum den Lohnabbau mit dem Hinweis aus die gesunkenen Lebenshallungs- kosten begründet. In der fraglichen Zeit— die Erhebungen des Rsichsstatistischcn Amts liegen bis Ende September vor— ist aber auf Grund der Notierungen an der Berliner Produktenbörse der Roggenpreis von etwa 175 Mark pro Tonn« im Ansang Juni auf 150 Mark Ende Septeniber zurückgegangen. Gleichgeblieben ist der ortsübliche Roggenbrotpreis i?dch in Dresden mit 35. in Breslau mit 32, in Frankfurt mit 46, in Stuttgart mit 44, in Chenmitz mit 37, in Mannheim mit 42, in Augsburg mit 4L und in Karlsruhe mit 44 Pf. Der Brotpreis hat sich ermäßigt in Hamburg von 39 auf 38 Pf., in Köln, wo er überaus hoch liegt, von 55 auf 51 Pf. und in Aachen von 53 aus 45 Pf. Die vom Reichsstatistischen Amt ausgewiesene Brotpreis- uerminderung im Wirtschastsbezirk Lübeck von 50 auf 42 Pf., immer pro Kilogramm, beruht auf der Einführung einer anderen Brotsorte ab August. Letzthin hat auch München eine Brotpreiscrmäßigunz vorgenommen: aber für die Brotpreisverhältnisse Münchens gilt dasselbe wie für die Kölns: sie liegen trotz der vor«inigen Tagen vor- genommenen Reduzierung äußerst hoch. Roch gestiegen ist der Brotpreis in Essen von 45 aus 4S Bs., in fjannover von 34 aus 35 Bf., in Dortmund von 36 aus 35?f.. in Magdeburg von 34 auf 35 B?» und in Königsberg von 36 aus 38 Bf- Derteuart hat sich auch der P r c i s f ü r Weizenmehl. Er zog z. B. in Berlin, imnier für die Zeit von Anfang Juni bis Ende September und für 1 Kilogramm, von 58 auf 59 Pf. an, in 5>amb»rg von 54 auf 55 Pf., in Dresden von 60 auf 64 Pf., in Essen von 60 auf 61 Pf., in Hannover von 59 auf 60 Pf., in Chemnitz von 60 auf 64 Pf. und in Dortmund von 56 auf 60 Pf. Dazu kommen Verteuerungen in großen Wirtschaftsgebieten für weiße Speisebohnen, für Butter, Eier usw. Der Kar- toffelpreis hat im Kleinhandel gegeimber dem Vorjahr nnd angesichts der Rekordernte nur ungenügend nachgegeben. Ein Kapitel für sich sind die Flcischpreise. Hamburg hat nach der Reichsstatistik eine Verteuerung des Rindfleisches(Kochfleisch mit Knochen) von 2,30 auf 2,32 Mark pro Kilogramm zu verzeichnen, Essen von 2,20 auf 2,22 Mark und Frankfurt von 2,06 auf 2,10 Mark. In den übrigen Wirtschaftsgebieten ist der Preis gleich geblieben. Nur der Wirtschaftsbezirk Verlin weist eine Senkung von 2,28 auf 2,27 Mark auf, also um«inen Pfennig. Dogegen ist in Berlin das sür die Lebenshaltung der breiten Massen wichtige Bauchsleisch von 1,99 Mark Ansang Zun! bis 2,09 Mark Ende September gestiegen. Für Hamburg liegt eine Steigerung von 2,02 auf 2,08 Mark vor, für Breslau von 1,80 auf 1,82 Mark, für Hannover von 1,82 auf 2,03 Mark, für Stuttgart von 2,40 auf 2,50 Mark, für Magdeburg von 1,96 auf 2,10 Mark, und für Lübeck von 1,90 auf 2 Mark. Merkwürdig ist, daß in anderen Bezirken diel« Fleifchfor:« im Preise erheblich nachgegeben hat. So hat sich zum Beispi-'l der Preis für Schweinefleisch(Bauchfleisch) in Chemnitz von 2,40 auf 2,30 Mark gesenkt, und in Dortmund von 2,20 auf 2,10 Mark. Der Schluß liegt nah«, daß das, was in Dortmund und Chemnitz möglich ist, auch sicherlich in Berlin oder anderswo möglich sein muß. Bäcker und Fleischer begründen die Preiserhöhungen immer wieder mit den angeblich zu hohen Löhnen. Deshalb fei folgendes bemerkt: Den gegenüber dem Krieg gestiegenen Löhnen stehen Unkostensenkungen in einem Ausmaß gegen- über, daß man unmöglich die überhöhten Preise aus die gegenüber dem Krieg gestiegenen Löhne zurückführen kann. Ohne Zweifel liegt bei Brot und Fleisch eine Ilcberhöhung der Gewinnspannen gerade bei der Verarbeitung, d. h. beim Bäcker und Schlächter vor. Die Landwirtschaft verweist immer wieder auf die ungeheure Differenz zwischen den vielfach sehr tief liegenden Erzeuger- preisen für Getreide und Vieh und den hochüezenden Kleinhandels» preisen. Sie haben recht damit. Wird aber gerade Herr Reichsernährungsminister Schiele, der sich gegenüber den Per- brauchern immer sehr wenig rücksichtsvoll gez'cigt hat, die Energie aufbringen, hier eine Verbilligung der Lebenshaltung durchzusetzen? Eine Schonung der überhöhten Gewinnspannen in der Verarbeitung liegt weder im Jnteresie der Verbraucher, nach im Interesse der Landwirtscbaft. Sie auf ein vernünftiges Maß zurück- zuschrauben, ist eine in ocr jetzigen Krise hochwichtig« Aufgabe. Sie muß gelöst werden! Hinter Kartellkulissen. Aeihylätherkonveniion und IG.-Farben.- Das neue Lackdrahikariett. Wir haben eine Mitteilung erhalten, die einen interessanten Blick hinter die deutschen Kartellkulisfen erlaubt. Es gibt in Deutsch- land auch eine Aethylätherkonvention, deren mächtigstes Mitglied die JG.-Farben-Industri« A.-G. ist. JG.-Farben hatte zum 31. Dezember dieses Jahres im Bewußt- sein ihrer Ueberlegenheit die Konvention gekündigt. Auf den Wider- spruch anderer Kartellmitglieder hin erklärte sich JG.-Farben bereit, die Konvention zu verlängern, wenn ihr die übrigen Mitglieder die Belieferung eines großen Verbrauchers ausschließlich zuge- stehen würden. Diese fürchteten den kartelloscn Zustand, weil JG.-Farben konkurrenzmäßig natürlich überlegen ist, und sie kamen überein, die von der JG.-Farben gestellte Bedingung zu ersüllen. Wir haben schon früher einmal geschildert, wie man bei solchen Kartellen den. Eindruck erweckt, als bestehe kein Kartell. Auch hier trat das ein, was wir früher als die Politik der Mimikry- preisgegebene Treibstoffkonirolle. Gchieles Gchnapspo!i,81„, 1,74„ Halvsteine....„ 1,81„, 1,73, je Zentner frei Haus.' Die Braunkohlenkonzerne hoben unter Druck«nie Brikett« verbilligung auch für den Hausbrand zugestanden. Sie ist sehr gering, sie muß oerstärkt werden. Dem preußischen Handels- Ministerium, das jetzt die Preiskontrolle beim Berliner Klein- Handel ausübt, ist es zu danken, daß die Preissenkung auch in die Handelsspanne etwas hineingriff, die 77 Pfennig bei einem Zentnerpreis von 1,85 Mark betrug. Dennoch betrachten wir die Preisjentuns nur als«inen Ansang. karte Ii« gekeimzeichnet haben: Damit der bctresjcndc Groß- Verbraucher nun wicklich nur von der JG.-Farben beliefert wird— selbstverständlich zu den Kartellpreisen—, müssen die übrigen Kartell- Mitglieder diesen Großproduzenten„schützen". Dos heißt, sie müssen bei etwaigen Anfragen des betreffenden Verbrauchers Schutz- offerten machen, worauf selbstverständlich JG.-Farben, die billiger anbietet, den Zlustrag erhält. Zluf diese Weise kam die Verlängerung der Kon- v e n t i o n um ein Jahr, nämlich bis zum ZI. Dezember 1931, z u- stand e. Für die Politik der deutschen Kartelle ist auch dieser Fall iuter- essant. Er zeigt aber auch, welche Machtmittel die überlegenen Groß- finnen haben, um auf Kosten der schwächeren Kartellmitglieder ihren Absatz trotz der formell einheitlichen Kartellpreise zu erhöhen. Preiserhöhung im Lackdrahikariell. Zur gleichen Zeit, wo um die Löhne der Metallarbeiter ge> kämpft wird, haben sich die Lackdrahtfabritant-n Deutschlands zu einem Kartell vereinigt, wodurch die Preise vom 1. Oktober 1930 ab um 14 Proz. erhöht wurden. Zwar hatten sich die führenden Unternehmen schon vorher zwecks Preisbindung vereinigt, konnten die Preise jedoch gegenüber der bisherigen freien Konkurrenz nicht halten. Jetzt ist jede Preis- unterbietung vertraglich ausgeschlossen. Dos Kartell wird sich darauf berufen, daß die jetzigen Preise schon früher gallen, eine Preiserhöhung also nicht vorliegt. Prak- tisch traten die heutigen Preise früher aber nicht in Erscheinung, da die wenigen großen Werke sich bisher den Preisen der übrigen nicht kartellierten Firmen anpassen mußten. Nachdem jetzt alle F i r- m« n zusammengeschlossen sind, wird der Draht nur noch zu den Preisen verkaust, die bis vor kurzem nur auf dem Papier standen. Innerhalb von zwei Wochen ist der Preis in dem uns vorliegenden Falle um 14 Proz. gestiegen. Wir empfehlen auch diesen Fall der Aufmerksamkeit der Kontrollbehörden 10 proz. Elettriziiats-Dividende. Der führende gemischkwirlschaflliche Elektrizilätskanzern in West. deutjchland. das Rheiuijch-We st sälische Elektrizität s- w e t k in Essen, hat in dem jetzt abgeschlossenen Betriebsjahr 1929 30 einen Ueberjchuß von rund 26 gegen 20,3 Millionen im Vor- jähr erzielt. Es wird wieder eine Dividende in höhe von 10 proz. ausgeschüttet. wie die Verwaltung mitteilt, ist der S t r o m a b s a h des Unternehmens zwar von 2,06 aus 2,78 Milliarde« Kilowattstunden. also um rund 34 proz. gestiegen, jedoch hätte bei normaler Entwicklung der wirlschast der Stromabsah drei Milliarden Kilowattstunden erreicht. Immerhin übertrisst aber die Steigerung des Stromabsatzes im letzten Jahr noch den Zuwachs des vorhergehenden Geschäftsjahres, der 600 Millionen Kilowatt» stunden ausmachte. 3n der Bilanz wird der Betriebsgewinn ia höhe von 72 gegen 60.6 Millionen ausgewiesen, von dem 24,6 Millionen sür Abschreibungen und rund 21 Millionen für verwallungnskosten. Zinsen und allgemeine Ausgaben abgesetzt sind. Die Dividende von 10 proz. wird diesmal aus das volle Aktienkapital von 343 Millionen verteil' Oer �.evenshaltungsindex im Oktober. Das Statistische Reichsamt teilt mit: Di« Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten(Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuch- tung, Bekleidung und sonstiger Bedarf) beläuft sich noch den Fest. stellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats Oktober auf 145,4 gegenüber 146,9 im Vormonat. Sie ist um über 1 Proz. zurückgegangen. Belgisch� Glaekartell Unter Beteiligung von 13 Glasfabriken ist in Brüssel ein Kartell der belgischen Glasindustrie mit ein Kapital von 200 Millionen Franken geötldet morden V Metallfront bleibt geschlossen. DMV. behält die Führung.— Zusammenbruch der I�GO. Nur rund 32 000 von 130 000 Metnllarbeitern, die in den Ve- trieben des Verbandes Berliner Metallindustrieller beschäftigt such, haben für Fortsetzung des Etreiks gestimmt. Das sind runb 25 Prozo-nt der Beschäftigten: 75 Prozent haben«nt- weder für Annahme der Vereinbarung gestimmt oder sich der Stimme enthalten, was in diesem Falle gleichbedeutend ist mit der Annahme der Vereinbarung. Wie unter diesen Umständen jeder denkende Arbeiter zu handeln hat, wie jeder, der sich herausnimmt, den Arbeitern Ratschläge zu erteilen, diesen raten muß, ist ganz klar. Eine Fortsetzung des Streiks unter diesen Umständen würde für alle, die daran teilnehmen, die s ch w e r st e n wirtschaftlichen Folgen haben. Darüber hinaus bestünde jedoch die Gefahr, daß die bisher geschlossene Front der Arbsiler und Arbeiterinnen der Metallindustrie zerbrochen würde. Das Schiedegericht hat noch seine Entscheidung zu treffen. Es ist ganz klar, daß die Autorität der Ge> werkschaftsvertreter vor dem Schiedsgericht oermindert wer- den muß, wenn diese Vertreter sich nicht darauf berufen können, die gesamte Arbeiterschaft der Betriebe des VBMJ. hinter sich zu haben. Diese Erwägungeti gelten jedoch nicht für die Leute, die im Austrag« und im Sold« der KPD. während des Streiks sogenannte revolutionäre Gewerkschaftsopposition aufgezogen haben. Diese Leute hoben zwar während des Streiks nichts anderes getan als zu Herrn Brüning und zum VBMJ. als Bittsteller zu gehen, um empfangen zu werden. Ihre sonstige„Aktion" bestand in der Veröffentlichung von Schimpfartikeln gegen die Gewerkschaften und Aufforderungen an die Arbeiterschaft, die gewerkschaftliche Disziplin zu brechen. Sie haben wohl teilweise durch die unglaublichsten Gewaltmah- nahmen Aufnahmen in die sogenannte RGO zu erzwingen versucht unter Vorspiegelung der Auszahlung einer Streikunterstützung, von der die Strippenzieher der RGO. genau wußten, daß sie gar nicht in der Lage sein würden, diese Unterstützung zu zahlen. Auf Grund dieser„Beitritte" glauben diese Zerstörer der Gewerkschaft nunmehr eine eigene Organisation aufziehen zu können. Die„Rote Fahne" nennt dieses verbrecherische Unternehmen: „Ein historischer Beschluß". Das ist es auch! Die Metall- orbeifer und darüber hinaus die gesamte Arbeiterschaft Deutschlands weiß nun, was das Gerede der Kommunisten von der Einheitsfront bedeutet. Die„Well am Abend", die während des ganzen Streiks sich durch ihren lächerlichen Nachrichtendienst blamiert hat, jetzt die Serie fort und weiß sogar die Betriebe zu melden, die den Streik fortsetzen. Wir haben bei den bctrejjenden Betriebsröten durch den Deutschen Metallarbeiker-Verband eine Umfrage veranstaltet und haben folgendes festgestellt: Löwe-Radio, wo angeblich wcitcrgejtreikt wird, haben vereinbart, heule die Arbeit wieder auszunehmen. Bei der Ab- stimmung haben von etwa 750 Mann Belegschaft"162 sich bei der RGO. beteiligt. Bei Orenste in u. Koppel in Spandau ist bereits ver- einbort, daß die Arbeit am Montag ausgenommen wird. Bei A r o n wird dl« Arbeit je nach den technischen Möglichkeiten heut«, am Montag, Dienstag und Mttwoch aufgenommen. Bei Eassirer, wo angeblich weitergestreikt wird, ist die Arbeit bereits gestern aufgenommen worden. Bei F l o h r in Wittenau wird die Arbeit vereinbarungsgemäß heute ausgenommen: das gleiche gill für die Deutschen Telephonwerke und für Schuchardt. Di« A E G.- A ck e r st r o ß e hat die Arbeit gestern auf- genommen, desgleichen die A E G.- H e n n i g s d o r f. In der „Well am Abend" streiken sie noch„revolutionär" weiter. Die Niles-Werke Weißenfee arbeiten: die N i l e s- Werke Reinickendorf verhandeln heut« wegen der Zlrbeits- aufnähme. Bei Bergmann, Seestroße, ist die Arbeitsausnahme am Montag vereinbart worden, desgleichen bei Roller und Hasse u. Brede. Bei Vogel wird voll gearbeitet. Bei Wolf, Netter u. Iacobi wird die Arbeit auf Grund einer Vereinbarung am Montag aufgenommen. Bei Lorenz-Tempeihos fft bereits gestern gearbeitet worden. In den vorgenannten Betrieben, wo die Arbeit erst heute oder Montag aufgenommen wird, liegt das an ted�nifchen Schwierigkeiten oder infolge Mangel an Austrägen. Nur bei den Askania-Werken verharrt die Belegschaft im Streik, und zwar deshalb, weil bei der Arbeitsmeldung 44 Mann gemaßregelt werden sollten. Das sind die Betrieb«, von denen „Die Well am Abend" behauptet, sie befänden sich weller in revolutionärem Streik, während wir festgestellt haben, daß das kommunistische Abendblatt auch jetzt noch seine Leser bewußt falsch unterrichtet. Insgesamt dürfte es in ganz Berlin etwa 2000 Arbeiter geben, die sich noch weigern, die Arbeit auf- zunehmen. Aber auch diese werden heute, spätestens am Montag sich zur Aufnahm« der Arbeit melden. Damit wird die Aktion der RGO. endgültig zusammengebrochen sein. Wir sind nur neugierig, wie lange sich die Arbeiterleser der „Well am Abend", die dieses Blatt nicht wegen seiner pornographisch- sadistischen Roman« halten, sich dies« bewußt« Irreführung in allen Fragen der Arbeiterbewegung gefallen lassen werden. Jedoch ein werk gibt es. das noch einige Wochen sich im „revolutionären Generalstreik" befinden wird. Das ist die Maschinenglashütte von Osram. Zwar izaben sich die 453 Mitglieder der Belegschaft vollzählig zur Wiederausnahm« der Arbeit gemeldet. Eingestellt konnten jedoch nur 80 werden, mrb zwar deshalb, weil die Belegschaft auf Anraten der RGO. die Verrichtung von Rotstandsarbeiten ver- weigert und die Glashütte zum Erkalten gebracht hat. Es wird ooraussichtlich einige Wochen dauern, bis die Glashütte wieder instandgesetzt und die Arbeiter und Arbeiterinnen wieder in Arbeit treten können. Bis dahin können sie sich ja bei der RGO. die ver» sprachen« Streikunterstützung holen. Verantwortlich sind jedenfalls für diesen„Streik" der 370 Arbeiter der Maschinenglas- hülle die verbrecherischen Hohlköps«, die den Arbeitern solche Rot- schlage erteill hoben. AEG. an der Spitze der Scharfmacher. Kündigungsakiion zwecks Gehalisabbau. In der AEG. scheint feit dem Eintritt des Herrn Bücher in die Direktion ein neuer Wind zu blasen. Früher berief sich die AEG. gern aus die sozial« E i n st e i l u n g der Direktion, die sie von Rathenau übernommen habe. Unter Herrn Büchers Leitung ist offenbar die reaktionäre Tradition des Reichsverdandes der deutschen Industrie Trumpf.. Wir haben dieser Tage«in Rundschreiben des Verbandes Berliner Metallindustricller an seine Mitglieder veröffentlicht, in dem diese darauf aufmerksam gemacht wurden, daß sie mit Rücksicht auf die im Frühjahr zu vereinbarenden neuen Tarisgehäller die K ü n- digungssristen einhalten mühten, wenn sie die noch Annahme des LBMJ. geringeren Gehälter auch für die Angestellten mit. lang- fristigen Kündigungszellen ausdehnen wollen. Das hatte natürlich den Zweck, nicht nur die Tarisgehäller, son- den: auch die Leistungszulagen zu kürzen, Darüber hinaus sollten die Angestellten jetzt schon unter Druck gesetzt werden. Wir glauben allerdings, daß diese Spekulation die gegen- t«ilige Wirkung hervorgerufen wird. Die Angestellten, die es bisher noch nicht sür nötig gehalten haben, sich gewerkschaftlich zu orgamsteren. haben numnehr vom VBMJ. sozusagen eine Galgen- frist erhalten, sich den ihnen zuständigen freigewertschastlichen Organi- sationen(Zentralverband der Angestellten, Bund der technischen Angestellten und Beamten, Deutscher Werkmcisteroerband) anzuschließen. Die Metallindustriellen haben immer daraus gedrängt, das Tarif- geHall möglichst niedrig zu halten, weil sie selbst den besonders Tüchtigen und Fähigen höhere Gehälter in Form von Lelstungs- i" lagen zahlen wollen. Die Kündigungsaktion hat also keinen anderen Zweck als den Abbau der Leistungszulagen, well die Tarisgehäller. wenn sie geändert werden, auch ohne Kündigung ohne welleres in Kraft treten. Der VV7I7Z. desavouiert damit feine bisherige ganze Vertragspolitik. Es ist nun interessant, festzustellen, daß selbst der Siemens- K o n z e r n, der bisher nicht beansprucht hat. eine sozial durchtränkte Lohnpolitik zu sührcn, dies« Methode nicht mitmacht. Siemens lehnt es also ab, auch die Leistungszulagen abzubauen. Dagegen hat die AEG. ihren Angestellten folgendes Schreiben zugehen lassen: „Wir überreichen Ihnen anliegende Erklärung und bitten, diese noch heute in unserer Personalabteilung unterschrieben abzugeben. Falls wir diefe Bestätigung heute nicht erhalten sollten, gill dieses Schreiben als Kündigung zum 31. 3. 1931. Ich erklär« mich damit einverstanden, daß bei jeweiliger Ver- änderung des Tarifoertrages für die Berliner Metallindustrie sich mein jeweiliges Einkommen von dem tariflich festgelegten Zeitpunkt an in dem gleichen Verhältnis vermindert, in dem eine herabsehung der Tarissähe stattfindet. Sollte es nach Ablauf des zur Zell geltenden Tarifabkommens zu keinem neuen Tarifvertrag kommen, so bin ich damit einverstanden, daß der Arbeitgeber von s i ch a u s mein neues Einkommen fest- setzt, mit der Maßgabe, daß mein neues Einkommen iricht mehr alslOProz-untermeinembisherigenEinkommen liegen darf. Den Angestellten ist also nur einige Stunden Frist gelassen worden. Wer nicht unterschrieben hat, wurde gekündigt. So sind zwei Angestelltenrät« ohne Zustimmung des An- gestelltenrats gekündigt worden. Die Sache wird noch ein gerichtliches Nachspiel vor dem Arbeitsgericht haben, wo man auch Herrn Ge- heimrat Bücher klar machen wird, daß seine Scharfmachermethodcn durch die Gesetze begrenzt smd. tledensalls wissen die Angestellten jetzt, was man im VBMJ. plant: einen Gehaltsadbau von 10 Prozent. Frag«:'Werden auch den Direktoren ihre„Leistungszulagen" gekürzt? Herunter mit der Arbeitszeit! Auch bei der Reichsbahn. Reben dem Einheitsverband der Eisenbahner ist auch die Gewerkschast Deutscher Lokomotivführer in der Arbeitszeitfrage zum Angriff übergegangen. Sie hat am Frei- tag abend in einer Pressebesprechung durch ihr« Leitung, vor allem durch ihren Vorsitzenden W a r st e i n, in sachkundigen und«indrucks- vollen Darlegungen zugunsten der Arbeitszeitverkürzung einen scharfen Borstoß unternommen. Warstein wies darauf hin, daß das Reichsbahnbekriebs- und Verkehrspersonal heule noch g Stunden pro Tag. also wöchentlich 54 Stunden, arbeite. Das sei aber nicht die zulässige Höchstgrenze, zulässig seien sogar 57 Stunden pro Woche, und zwar handele es sich hier um reine Arbeitszeit. Das Reichsbahnbetriebspersonal frage demgegenüber mit Reckst, ob es denn wirtlich notwendig sei, daß der Eisenbahner weit über die normale Arbeitszeit hinaus beschäftigt wird, und ob es denn nicht jetzt wenigstens dringlich geboten sei, in Anbetracht der Riesen- arbeitslvsigkeit mindestens die ckS-Stunden-Arbeilszeitwoche auch im Reichs- bahnbelriebsdlenst einzuführen. Die Reichsbahn steh« noch nicht außerhalb der deutschen Wirtschaft. Auf Grund von Berechnungen der Reichsbahn werde die Herab- fetzung der reinen Arbeitszeit auf 48 Stunden pra Wache beim Betriebs- und Verkehrepersonal eine Vermehrung der Arbeitskräfte um 43 248 ausmachen. Die Koste» dafür be- liefen sich auf etwa 130 Millionen pro Jahr, einschließlich der Sozial- Versicherungsbeiträge auf höchstens 150 Millionen. An der Kosten- frag« dürfe aber die Arbeitszeitverkürzung angesichts der hohen wirt- schafttichen, staalspolitischen und. ethischen Bedeutung der Ber- rtugerung der Arbeitslosenzahl die Arbeitszeiwerkürzung bei der Reichsbahn nicht scheitern. Schließlich sei ja auch zu beachten, daß die von der Reichsbahn ans Reich gegebenen Gelder zum Beispiel in der Verkehrssteuer wieder zu einem großen Teil für Arbeitslosenunterstützung verbraucht werden. Erhöhe sich jedoch die Zahl der Beschäftigten, dann flössen auch wieder Lohnsteuerbeträge der Reichskasse zu. Die Reichsbahngesellschast muß den Arbeitszeitfarderungen der Gewerkschaften entgegenkommen. Sieht die Oessentlichkell, daß der Gewerkschaft darum zu tun ist. durch Verständigung mll den Organi. sationen der Eisenbahnarbeiter und Eisenbahnbeamten um jeden Preis etwas zur Festigung des Arbeitsmarltes zu tun, dann wird sie auch in ihrem Kamps gegen die gerade auf ihr lastende übergroße R« p a r a t i o n sl a st in den Volksschichten Verständnis und Unter- stützung finden. Lohnabbau im Rundfunk. Herr Dulsberg verkündet die neue Heilsbotschafi. In der Aktuellen Abteilung der Deutschen Welle sprach gestern der Präsident des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, Dr. D u i s b e r g, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des mächtigsten deusschen Trusts, der I G.- F a r b e n i n d u st r i e, ist. Der Gesamtkomplex der gegenwärttgen Wirtschaftskrise zerfällt nach Herrn Dulsberg in drei Gruppen: die allgemeine politische Vertrauenskrise, die innerdeutsche Finanz- und Wirt- schaftstrise und die Weltkrise. Die politische Vertrauenskrise habe durch die Festigung des Kabinetts Brüning bereits ihren Höhepunkt überschritten. Zur Bekämpfung der Finanzkrise in Deutschland müsse das Finan.zprogramm der Regierung rücksichtslos durchgeführt werden. Wenn Herr Dulsberg zur Niederringung der Krise einleitend „von allen Bevölkerungsschichten Opfermut" verlangte, so zeigten seine weiteren Ausfühningen, daß er seinerseits nur von den werk- tätigen Schichten der Bevölkerung Opfer sordert. Ganz und gar von der Lohnsenkungspsychose besangen, sieht er das alleinige Rettungsmittel in einem allgemeinen Abbau der Löhne und Gehälter. Eine Verkürzung der Arbeitszell müsse ab- gelehnt werden. Wenn durch die Arbellszeitoerkürzung Mehr- einstellungen erfolgten und diese die Lohnsumme und den Kapllal- aufwand in der Industrie erhöhten, so wäre das Gegenteil einer Berbesserung der Wirtschaftslage zu erwarten! Sodann sei der A u f- bau des inneren Marktes(nach radikaler Drosselung der Massenkauftrast. Red. d. 33.) in die Weg« zu leiten. d«r als-in« Vor- ausfetzung zur Ueberwindung der innerwirtschaftlichen Krise zu gelten habe.(Also doch!) Die weiteren Ausführungen des Redners befaßten sich mit dem Reparationsproblem. Herr Dulsberg hat mancherlei in seinem Dorttag vergessen. So unterließ er zum Beispiel bei der Behandlung der Kapitalnot in Deutschland die Feststellung, daß dteJG.-Forbenindustrie allein in den letzten drei Iahren an Abschreibungen zur Finanzierung von ReuaNlagen und Werksausbauten 216 Millionen vom Gewinn abgesetzt hat. Sind diese 218 Millionen etwa keine Kapitalbstdung? Herr Dulsberg hat ferner nicht erwähnt, daß er seinen Aktionären im letzten Jahr sogar die Dividende von 12 Prozent auf 14 Prozent herausgesetzt hat und daß bei 40proz«ntiger Steigerung der Detriebsgewinne ein ständiges Absinken der Belegschaft msolge der Rationalisierung eingetreten ist. Hier liegen die Ursachen der Arbeitslosigkeit. Der Lohn- und Gehaus-. attbau würde in Deutschland ein« Verschärfung der Krise hervorrufen, daß auch dem robusttestm Unternehmer die Augen übergehen werden. Herrenwäsche-Gchiedsspruch abgelehnt. Die Arbeiterschaft gegen den Lohnabbau. Der Schiedsspruch in der Herremoäschelndustrie, welcher einen Lohnabbau von 4H Proz. für Akkord-, 3 Mi Proz. für Zeitlöhne vorsah, ist in stark besuchten Versammlungen von Mitgliedern der Branche in Berlin und Bieleseld s a st ein st immig abgelehnt worden. Oie Nottage der Angestellten. Die moderne Produktionstechnik steigerte die Zahl der An- gestellten im Verhältnis zur Arbeiterschaft beträchtlich. Diese Erscheinung zeigt vielleicht am deutlichsten, daß es mögllch ist, eine scharfe Grenze zwischen Arbeiter und Angestellten zu halten. Die Mehrzahl der Angestellten weiß das schon längst, daß sie Seite an Sefte der Arbeiterschaft steht und mit ihr die gleichen Arbeits- und Lebensinteressen zu verteiMgeh hat. Wenn jetzt Angestelltenorganisationen der verschiedensten Rich- hingen sich mit den Existenzproblemen ihrer Mitglieder auseinander- setzen, so sind solche Slusstellungen nicht nur für alle Angestellte». sondern sür alle Werktätigen, sür jeden volkswirtschaftlich Jnier- essierten von Bedeutung, natürlich nur, soweit es sich um zahlenmäßig belegte Feststellungen, nicht um rhetorisch« Uebungen handelt. Su- sanna Suhr hatte sür die Bllcherstunde im Rundfunk drei solcher wichtigen Schristen Herausgegrissen: eine Berössentlichung des GDA., «ine Untersuchung der deutschnational orientierten Frauenberussver- bände und die(bereits besprochene) Broschüre des ZdA.„Die weib- lichen Angestellten". Sie zeigte in threm UeberbUck, wie aus allen in diesen Schristen bekanntgegebenen Zahlen und Ausstellungen immer wieder das«in« deutlich wird: die Notlage der An» gestellten, die Notlage aller Berufstätigen. Siemens-Arbeitert Die DMA.- Kollege,, holen sich heute, Sonnabend, von 13.30 bis 15.30 Uhr. ihre Quittungen gegen Rückgabe der Streiktontrollkarten aus den bekannten Stteiklokalen ab. Die Auszahlung der Stteikunterftützung erfolgt ab Montag im Verbandshaus, Lmienstraß«, oder in den Keschästsstelleii Spandau und Oberschöneweide in der Zeit von 18 bis 19 Uhr. Die Zentralstreikleitung des Siemens-Konzerns. Belegschaft Zelß-Jhon. Goerh-Werk! Die Arbeiisaufnahine findet nach Vereinbarung mit der Vettiebsleitung am Montag. dem 3. November, morgens 7.10 Uhr. statt. Der Arbeiterrat. Belegschaft Telesu«ke»! Die Auinahine der Arbeit ersolgt heute Sonnabend, den 1. November 1930, zu dem üblichen Beginn der Arbeitszeit. Der Arbeiterrot. Belegschaft der Deutschen Telephonwerke und Kabelindustrie. Bettieb Berlin und Lichtenberg! Arbeitsausnahme am Montag, dem 3. November, morgens 7 Uhr. G �reieGewerkschafis-IuqenS Berlin Seilte, 19 Uhr, SonI>«rfur[u3 für Iueentsunktionär« im S« wc rischaft s- hau». Eugeiiit«;:4-25, Unterrichisraum Kcwertfchattsschule, ' U. Hos.— Die nitchiic Iugrndosrstellun« dir-SoilsbUhnt im zh-ater ZUilowpIaH findet am Sanntaq, dem 9. Rov-mder, 14M Uhr, statt Site Äuffubrung gelangt:„Sie Matrosen no« Cattaro".€Aorsri«I cum Friedrich Wolf.