BERLIN Sonnabend i. Rovember 1930 10 Pf. Nr. 514 B 256 47. Jahrgang ErscheiottSglich au?erS»»»t«ß«. Zugleich Abendausgabe bei.Vorwärts'. BezuzSprei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3.60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 68, Lindenstr. 8 ff L»t«ize»pr«ii: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Keklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. PoKfcheckkonto: DorwSrtS-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr.S7SZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 20? Banditen in der Stadtbank Maskierte und bewaffnete Räuber- Beamten find eingeschüchtert I« einer Zweigstelle der«tadtbank Berlin !n der Wilsnacker«traste, Ecke Perleberger Ztrastc, drangen heute vormittag gegen 10 Uhr zwei Banditen, die sich mit Papicrmasten unkennt- lich gemacht hatten, ein, hielten das Personal der Zweig- stelle mit Revolvern in«chach und gaben zwei«chrect- schüsse ab. Darauf raubten sie in Eile das herumliegende weld und flüchteten nach abermaliger Bedrohung mit der«chuhwaffe aus dem Gebäude. Auf bereitstehenden Fahrrädern suchten sie das Weite und konnten trotz sofortiger Verfolgung noch nicht gefaßt werden. Nach flüchtiger Schätzung ist den Räubern ein Betrag von etwa 1 7 0 0 l> M a r k in die Hände gefallen. Zu dcm verwegenen Banditcnstreich werden noch folgende Einzelheiten bekannt: In»er Sparkasse, die in einem etwa nur 80 bis 90 Quadratmeter großen Raum untergebracht ist, waren im Augenblick des Uebcrfalls der Kassenleirer, der Kassierer sowie zwei Buchhalter anwesend. Die Kasse ist modern eingerichtet und nur ein langgestreckter flacher Ladentisch trennt den Dienstraum van der Kundcnabfertigung. Etwa gegen 10 Uhr befanden sich drei Wiederaufnahme der Arbeit. Am Montag folgt der Nest. 3n der Berliner Metallindustrie ist heute die Arbeit im weitesten Ainsairge wieder ausgenommen worden. Rur noch ganz wenige und dazu kleine Betriebe konnten, da die Belegschaft erst zum Montag die Arbeit beginnen will, ihre Produktion noch nicht ausnehmen. Bei der AEG.. RAG.. Schwarhkopss, Telesunken, Sanitas usw. haben auch die Kommunisten sich heule morgen gemeldet. Rur bei A r i st e r A.-G. wird noch gesireiki. Die Firma hat heute morgen den Arbeitern, die nicht zur Arbeit kamen, brieflich gekündigt. Frauen auf der Sporkasse, um Einzahlungen bzw. Abhebungen vor- zunehmen. Die Tür wurde plötzlich aufgerissen und zwei noch jugendliche Männer stürmten mit vorgehaltenen Pistolen in den Raum hinein. Der eine hatte das Gesicht durch«ine schwarze Papiermask«, dcr andere durch ein vorgebundenes Taschen- iuch unkenntlich gemacht. Die Frauen, die aufs äußerste erschreckt waren, wurden barsch aufgefordert, zur Seite zu treten und sich nicht zu rühren, da man sonst van dcr Schuhwafie sofort Gebrauch machen würde. Der eine Verbrecher hielt in jeder Hand eine Pistole, die drohend aus die Beamten der Kasse gerichtet waren. Auch sein Komplice war mit einer Pistole bewaffnet, und als der Kassenbeamt« eine Bewegung machte, feuerte der Räuber einen Schreckschuß ab. Die Kugel drang in den Ladentisch. -Ich schieße Sie über den Haufen?' Mit dem Ruf„Wenn Sie noch eine Bewegung machen, schieße ich Sie über den Hausen,' sprang der Verbrecher mit einer Flanke über den Ladentisch. Er schob die Zahlhaube hoch und riß 14 000 M. an sich. Die Beamten mußten ohnmächtig zusehen, da die Ver- brecher ihre Drohung beim geringsten Widerstand zweifellos wahr- gemacht hätten. Die geraubte Summe, die zum größten Teil aus 20- und SO-Markscheinen bestand, verstauten die Verbrecher schnell in ihren Taschen und die Beamten nicht aus den?0!gen lasiend, gingen sie schrittweise mit vorgehaltenem Revolver rückwärts auf den Ausgang zu. Blitzschnell rissen beide dann die Tür aus und liesen davon. Der Kasscnleiter, der sich als erster van dem ausgcstaritzensn Schrecken erhalt hatte, stürzte sofert aus die Straße, um zu sehen, welches Fluchtinittels sich die Räuber bedient hatten. West und Kreil war jedoch weder«in Auto noch ein anderes Fahrzeug zu sehen. Plötzlich erkannte dcr Beamte die beiden Flüchtenden, die bereits einen großen Borsprung erreicht hatten, als sie auf ihren Fahrrädern gerade in die Puttlitzstroße einbiegen wollten. Dort ging ihre Spur leider verloren in dem starken Der- kehr, der dort herrscht. Vis ins lehie vorbereitet. Kriminalkommissar Werneburg, der mit den Rackisoschungen beauftragt wurde, hat in der Kasse die ersten Ermittlungen angestellt. Der liebersoll ist nach ollem sehr sorgfältig vorbereitet worden. Leider mar es bisher nicht einmal möglich, auch nur eine annähernd einwandfreie Beschreibung von den Räubern zu erhalten. Bon dem eine» weiß man nur, daß er einen grauen Anzug trug. Do inst ist natürlich wenig anzufangen. Kommissar Werneburg ließ die Zahlhaube beschlagnahmen, um aus Grund von Fiugerabdrücken vielleicht auf die Spur der Banditen zu kommen. Die Kasse ist natürlich sofort geschlossen worden. Bei Schluß des Blattes find nach verschiedene Vernehmungen im Gange. Ein ganzes Aufgebot von Kriminalbeamten hat inzwischen die Suche nach den Räubern, die offenbar aus Moabit stammen, oufgenommen. Freibrief für Verleumder! Beschimpfung Eberls 0, Beschimpfung Stresemannö 200 Mk. weißensef?. 1. November.(Eigenbericht.) „Wenn jemand ein« Urkunde fälsäjt, kommt er ins Zuchthaus. Stresemann gab damals dem deutsäzen Volke den Wortlaut des Dawes-Pakts bekannt, ließ aber die für das Volk cmschneidensten Bestimmungen weg. Das ist auch ernc Ur» k u n d« n f ä l s ch u n g. Womit ich nicht gesagt haben will, daß Stresemann zuchthausreis ivor, denn wir haben ja ein K o r ru p t i o n s- Sch u tz- E e s e tz. Während Millionen deutscher Volksgenossen verhungern, hat sich dieser Stresemann regel- recht t o t g e f r e s s e». Ebcrt, der Dissident, der unter einem Kruzifix begraben liegt, ist schuld, daß zehntausende deutscher Sal- daten ins Gras beißen mußten, denn er organisierte den Munitions- arbeiterstreik. Na, ein republikanisches Gericht l>at ihm ja noch kurz vor seinem Tode bescheinigt, daß er«in Landes- Verräter sei!' So und ähnlich sprach in einer öffentlichen Versammlung dcr Weißenselser Nazis am 6. Mai der Wanderredner von Ribbcn- t r o p p über die Republik und ihre Staatsmänner. Der anwesende Kriminialsekretär L o tz e notierte sofort die schlimmsten Veschimp- fungen, erstaltete Anzeige und sa kam v. Ribbentrapp vor das große Schöffengericht Weißenfels am Land- g e r i ch t Naumburg. Das heißt, die Polizei mußte ihn erst aus einem oberboyerischen Kurort vorführen, weil er sich unter Be- rufung auf ein falsches ärztliches Attest zu drücken versuchte. Die gestrige Verlzandlung war eine vollendete Komödie. Dcr Verteidiger war nicht erschienen, weil das Gericht seine Beweis- anträgc, wie Heranziehung des Dnmcs-Pakts usw. abgelehnt hatte. Letzter Rettungsanker Naziminister Franzen will sich, wenn die(Sache in Braun. schweig schief geht, um eine Stellung als staatlicher Lotterie- kollekteur bewerben. Seine Devise wild lauten: (Such gab ich für Lohse! Vom Vorsitzenden mit väterlicher Milde behäng delt, durste sich der Angeklagte in den frechsten Beschimpstingen ergehen. Als sich der Staatsanwalt empört dagegen verwahrte, mußte er, der Oberstaatsanwalt im weißen Haar� sich vor der grinsenden Nazimeute im Zuhörerraum eine Z u r e ch t- Weisung durch den Vorsitzenden gefallen lassen. Das Urteil entsprach der Prozeßführung. Auf die beispiellos rohe Gesinnung hinweisend, die aus dem Verhalten des Angeklagten spreche, beantragt« der Oberstaatsanwalt(RSchG. 8 5 Abf. 3) zehn Monate Gefängnis und sofortige Verhaftung wegen Fluchtverdachts. Das Urteil lautete auf 2 0 0 M. G e l d st r a f e an Stelle von 20 Tagen Gefängnis. Die Bezeichnung„Landesverräter' beziehe sich auf eine Zeit, in der Ebert noch nicht im Amte mar, deshalb habe das Gericht den Angeklagten insoweit freigesprochen. Wegen der Beschimpfung Stresemann« seien mildernde Umstände gewährt worden, weil sie in der Hitze des Wohlkompses gefallen sei(6. Mai!) und weil bei dem Bildungsgrade des Angeklagten anzunehmen sei, daß er es nicht wieder wn würde. Vom Gerichtssaal aus ging Ribbentropp, begleitet von seiner triumphierenden Meute in eine Versammlung, in der er über das gleiche Thema sprach. � « Ein neues Denkmal der N a u m b u r g- W e i ß e n f« l s e L Justiz! Jüngst hat in Zeitz ein noch nicht volljähriger national» sozialistischer Angeklagter gesagt:„3ch bin bei den Razis, weil e» da immer nur so geringe Strafen gibt." Der Junge kannte sich in seinem Gerichtsbezirk aus. Krankenhaus geschloffen. Vernünftige Maßnahme des Bezirksamts Kreuzberg. Das Bezirksamt Kreuzberg hat der Bezirksversammlung eine Borlage über eine vorläufige Stillegung des Krankenhauses Gilschiner Straße zugehen lassen, das bekanntlich völlig veraltet ist. Die dort liegenden Kranken, die seit langem über den bis in die späten Rachlstunden anhaltenden Lärm der Hochbahn- züge klagten, werden auf die anderen Krankenhäuser verteilt werden. Sonst wird vorläusig an dem Hause nichts verändert, so daß es in Zeiten großer B e 1 1 e n n o t immer noch eingesetzt werden kann. Der Plan des Bezirksamts, der aus die Initiative des soziatdemokrotischeu Bürgermeisters Dr. herz zurückgeht, ist eine vernünftige Rationatisierungsmahnohme, die auch aus sozialen Gründen begrüßt werden kann. Seitens des Bezirksamtes wird darauf hingewiesen, daß diS Stillegung dieses Krankenhauses zur Zeit völlig unbedenklich sei, weil an Stelle dcr früher in Berlin herrschenden Bcttennat augenblicklich ein U« b e r f l u ß an Krantenhausbetten eingetreten sei, so daß jetzt durchschnittlich 16 bis 20 Proz der Krankenhaus- betten leer stünden. Durch die Schließung der veralteten Anstalt sei eine wirtschaftlichere Ausnutzung der übrigen Krankenhäuser möglich, wodurch noch für den Rest des laufenden Haushaltsjahres mindestens 50 000 Mark, für das Haushaltsjahr 1931 aber rund 350 000 Mark gespart würden. Ff ick ist nicht tabu. Erklärung des preußischen Lustizministers. Der Amtliche Preußische Pressedienst verbreitet folgende Dar- stcllung des preußischen Justizministers: «Preußische Staatsanwaltschaften haben in einer Reihe von Fällen, in denen Dr. Frick Strafanzeige ans Grund des Republik- schutzgcsetzes erstattet hatte, ein Einschreiten wegen Vergehens gegen dieses Gesotz abgelehnt, weil eine Beziehung zwischen der gegen Dr. Frick gerichteten Aeußerung und der verfassungsmäßig fest» gesetzten republikanischen Staatssorm nicht nachweisbar war. Denn die Bejchimpsung oder Verleumdung eines Mitgliedes der Reichs- oder einer Landesregierung ist nach dem Republikschutz- gesetz nur strafbar, wenn durch diese Beschünpsung oder Verleumdung gleich zeitig die republikanische Staatssorm herab- gewürdigt wird, nicht aber wenn sich der Angriff nur gegen die Person des Ministers richtet. Wegen rein persönlicher Beleidigung des Ministers Frick(§Z 185 ff. StGB.) haben preußische Swatsonwallschaftcii in einer Reihe von Fällen die Erhebung der öfsenilichen Anklage aus den von Dr. Frick gestellten Strafantrog nach Prüfung des Sach- Verhalts mangels öffentlichen Interesses an der Straf- verialgung abgelehnte Solch« Entscheidung der Siaatsaiiwalt- jchost zu mißbilligen, hat der Justizministor keinen Anlaß.' Sieben Lahre deutscher Rundfunk Bundestagung des Arbeiter-Nadiobundes Deutschland Am Tage des siebenjährigen Bestehens der Berliner Funkstunde sprach ihr Generaldirektor, Professor Georg Friedrich Knöpfte, über die bisher geleistete Arbeit. Der Vortrag war klar und instruktiv, so daß die �örer reichlich Gelegenheit hatten, nicht nur die Entwicklung des Berliner Bezirksscnders. sondern darüber hinaus auch die Bewegung des gesamten deutschen Rundfunks kennenzulernen. Knöpfte ist ein Mann vom Bau, den er richten half. Selnein Dortrag war deshalb besondere Bedeutung bei- zumessen. Wer es gibt auch Hörer, die ebenso lange am Rundsunk beteiligt sind, die ihn finanzieren helfen. Knöpfte sprach deshalb von der Pflicht des Rundfunks, dein Hörer soweit als nur möglich iräherzukommen. Ihm ist beizupflichten, wenn er davon sprach, daß trotz aller Berücksichtigung der Rundfunk nicht die Möglichkeit hat, zu jedem Hörer zu sprechen. Den Posteingängen, die in steben Jahren zu 380 000 Briefen und Karten anschwollen, stehen in der- selben Zeit% Millionen Postausgänge gegenüber. Es ist anzu- nehmen, daß unter diesen Zahlen ein ganz erheblicher Briefwechsel auf die Korrespondenz zurückzuführen ist. die zwischen den Hörern und der Funkstunde stattfand. Sicher hat dieser gegenseitige Kontakt nachgelassen. Der Verlust ist aber nicht infolge gegenseitiger Jntcr- essenlostgteit, sondern auf die Toleranz der Hörer zurückzuführen, die sich über ihnen unsympathische Sendungen kaum noch beschweren. Wichtig war das Versprechen Knöpfkcs, auch die Besitzer ein- fach er Apparate dadurch an den Ereignissen aller Welt teil- nehmen zu lassen, daß der Berliner Sender wichtige Dar. bietungen anderer Stationen häufiger über- nehmen wird. Dabei ist, wie Knöpfke ausführte, die Tätigkeit wohl zum Unbegrenzten hin erweitert, obgleich die Struktur der Programmarbeit so, wie sie vor sieben Jahren begonnen wurde, auch heute noch die gleiche geblieben ist. Zu diesen Fragen wird unter anderm auch die heute und morgen im Berliner Gcwertschaftshaus stattfindende Bundestagung des Arbeiter» Radrobundes Stellung nehmen, der vor sechs Jahren gegründet wurde. Die Benachteiligung der werktätigen Rundfunkhörer hat seine Existenz notwendig gemacht. Ohne Zweifel wäre seine Tätigkeit nicht ja wirtsam geworden, wenn ihn nicht Partei und Gewerkschaft unter- stützt hätten. Ohne Zweifel müßte seine Arbeit weniger nachhaltig wirken, wenn nicht sein Bundesorgnn,„Arbeitersunk", für die Forde- rung der sozialistifcheii Arbeiterschaft immer wieder und wieder ein- tritt. Progrommbeeiaslussung und Senkung der Rundfunkgebühren stnd Angelegenheiten, die die breiteste Oeffeirtlichkeit angehen. Der sozialistisch denkend« Mensch will im Rundfunkprogramin auch seine eigene Weltanschauung berücksichtigt finden. Das wichtige Be- einflnssunosmitiel, der Rundfunk, soll dazu benutzt werden, auch indifferente und weltanschauliche Gegner der Arbeiterschaft zu vcr- anlassen, über die Soziologie der arbeitenden Klasse nachzudenken. Bisher hat der Rundsunk davon abgesehen, eine gleiche Berück- sichtigung der verschiedenen Weltanschauungen vorzunehmen. Die Richltimen für den Rundfunk bestimmen, daß er keiner Partei zu dienen habe und daß sein Vortrags- und Rachrichtentossert neutral zu gestalten seien. Trotzdem wurde es ein unerträglicher Zustand, nachdem stch herausstellte, daß die Programmvorschläge der Arbeiterschaft aus politischen Gründen abgelehnt und die Ereignisse der kapitalistisch-n Gesellschaft als wsltachchaulich unvergleichlich stark bevorzugt werden. Dabei bleibt festzustellen, daß sich die Mehr- zahl der Teilnehmer aus werktätigem Hörern zusammensetzt. Nicht immer gestaticien es ihre Berhältnisse, die Rundfunkgebühren leicht aufzubringen. Es sollte daher wenigstens gelingen, Erwerbslosen und Körperbehinderten die Ge- b u h r e n z u e r l a s s e n. Diesen Menschen werden Empfangs- apparaturen durch die Soziale Radiohilie des Arbeiter-Radiobundcs zur Verfügung gestellt. Es ist das Ziel des Arbeiter-Radiobundcs, die gesamte Arbeiterschaft am Rundfunk zu beteiligen, weil durchaus die Möglichkeit besteht, daß ihre wirtschaftlichen und kulturellen Kämpfe durck) den Rundsunk erleichtert werden können. Seine Tätigkeit und Erfolge sind von der Arbeiterschaft erlann! worden. Sein Wirkungskreis wird um so größer, je mehr die Arbeiterschaft den Arbciter-Radiobund unterstützt, je mehr sie für die Verbreitung des Bundesorgans,„Arbeiterfunk", eintritt. Heute wird dem Berliner Sender die Ansprache des Vor- sitzenden des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaflsbundes, Theodor L e i pa r t, um 17.53 Uhr, übertragen. Diesen Vortrag und das Reserat des Bundesvorsitzenden, Kurt Bake, sowie die Ansprachen der Gauleiter Medlin-Breslau und Siehning-Magdcburg übernimmt auch die Deutsche Welle um 17 Uhr. Den beiden Sendern sind die meisten übrigen deutschen Sender angeschlossen. Lustizhetze. Rechtspresse tobt über Äombenlegerurteit. Wie zu erwarten, überschlägt stch die Rechtspresse in Äi-fchuldigungen und Verleumdungen der Richter von Altona, die — völlig in Uebereinstimmung mit Recht und Gesetz— die Bomben- leger ins Zuchthaus geschickt haben. Die Rechtsblätter schreiben von „Schrcckensurteil" und„Fehlurteil", obwohl ihnen sehr gut bekannt ist, daß nach dem von der letzigen Rechten geschaffenen Spreng- stoffgesetz das Gericht keine andere Strafen verhängen konnte. Der Hugenbergsche„Tag" erklärt das Urteil stir ein„politisch bedingtes, ausgesucht schweres", erhebt also den Vorwurf gegen die Richter, daß sie sich von politischen anstatt von rechtlichen Er- wägungen hätten leiten lassen. Dies tut ausgerechnet das Blatt, das der Linken bei joder noch so gemäßigten und berechtigten Kritik an der Rechtsprechung den Borwurf macht, daß wir„die letzte ragende Säule" des Ordnungsstaats beseitigen wollten. In der „Deutschen Zeitung" ist die Rede von einer„Unzahl von V e r- leum düngen und R e ch t s w i d r i g k e i t e n, die sich um den Altonaer Prozeß winden". Der„Lokal-Anzciger" appelliert an die Tränendrüsen und behauptet, daß es sich um„Verzweiflungstaten" gehandelt habe, hinter denen„das grinsende Gespenst des Ruins" bekanntlich in einem festen Monatsgehalt von Ztzv Mark, das ihm der gleichfalls von dem„grinsenden Gespenst" bedrohte Hcruptvcrurteilte Heim aus eigenen Mitteln zahlte. Heim hat für die Bombelegerei viele Taufende geopfert— alles offensichtnch wegen des Ruins! In der„Deutschen Zeitung" wird bereits die Parallele zwischen den Landvolk-Bombenlcgern und den biederen Fememördern gezogen, man hat schon wieder ein Objekt für einen neuen Amnestierummel! Warum nicht? Die Kommunisten werden schon bei den Fememördern gegen entsprechende Gegenleistungen mitmachen! �acheanzeige gegen eine Zeugin. Hamburg, 1. November. Wie die Blätter melden, ist in der vergangenen Nacht gegen die im Altonaer Bombenlegerprozeß vielgenannte Zeugin Frau von O e r tz e n, von der behauptet worden rvar, daß sie sich als „agent provocateur" betätigt habe, Meineidsanzeige er- stattet worden. Man nimmt an, daß durch die Anzeige eine Wieder- aufnähme des Berfahrens gegen die verurteilten Bombenleger erreicht werden soll._ Hitler und der Weltkrieg. Er bekennt die Kriegsschuld, aber kuhhandelt mit Hervc. Uns wird geschrieben: Der„Vorwärts" l)atte am vergangenen Sonntag auf den Widerspruch zwischen dem nationalsozialistischen, Luchthausgesetz" hingewiesen, das für den Berteidiger der Kriegsschuldlüge Zuchthaus fordert und der Antwort Hitlers an Herve, in der er lediglich erklärt, daß das junge Deutschland am Kriege keine Schuld trag«. Diese Aeußerungen Hitlers haben alle überrascht, die die national- sozialistische Agitation gegen die Kriegsschuldlüge jemals ernst genommen haben, und die nicht wissen, daß Hiller selbst einmal«in Bekenntnis zur Kriegsschuld Deutschlands abgelegt hat, das in seiner Formulierung noch über den Inhalt des§ 231 des Friedensvertrages und die deutschfeindlichsten Kommentare dazu hinausgeht. Hiller schrieb in„Mein Kampf" auf Seite 169 und Seite 170 über das österreichische Ultimatum an Serbien: „Hätte aber die Wiener Regierung damals dem Ultimatum ein« ander«, mildere Form gegeben, so würde dies an der Lage gar nichts mehr geändert haben als höchstens das eine, daß sie selber von der Empörung des Volkes weggefegt worden wäre. Denn in den Augen der breiten Masse war der Ton des Ultimatums nach viel zu rücksichtsvoll und keineswegs etwa zu brutal oder gar zu weit gehend. Wer dies heut« weg- zuleugnen oersucht, ist entweder ein vergeßlicher 5)ohlkopf oder ein ganz bewußter Schwindler und Lügner. Was der Mensch will, daß hofft und glaubt er. Die über- mätrtgende Mehrheit der Nation war des ewigen unsicheren Zu- standes schon längst satt gewesen; so war es auch nur zu ver- ständlich, daß man an eine friedliche Beilegung des österreichisch-serbifchen Aonstiktes gar nicht mehr gläuble, die endgültige Auseinandersetzung aber er hos sie. Zu diesen Millionen gehörke auch ich." Und wenige Sätze vorher wird er noch deullicher: „Der Kamps des Jahres 1914 wurde den Massen, wahr- listiger Gott, nicht aufgezwungen, sondern von dem gesamten Volk selbst begehrt. Man wollte einer allgemeinen Un- sichevheit endlich ein Ende bereiten. Nur so kann man auch verstehen, daß es zu diesem schwersten Ringen sich über 2 Millionen deutscher Männer und Knaben freiwillig zur Fahne stellten, bereit, sie zu schirmen mit dem letzten Tropfen Blute." Das Millionenausgebvt der Kriezsfreiwilligen glaubt also Hitler nur mit der Kriegslust des deutschen Bolkes erklären zu können, obwohl doch gerade er wissen könnte, daß für den Entschluß zur Freiwilligemneldimg auch andere Gründe maßgebend sein könnten. So haben sich zum Beispiel in Deutschland verschiedene österreichische Freiwillige gemeldet, unter ihnen auch Adolf Hitler, die vor dem Kriege sich ihrer regulären Dienstpflicht in Österreich durch Verlassen des Landes entzogen und die durch ihre Freiwilligen- Meldung ihrer Bestrafung als Deserteure entgehen wollten. Wie sich die Nazis nach diesen Llcilße rangen 5)itters einen erfolgreichen Kampf gegen die Kriegsschuldlüge vorstellen, läßt sich schwer jagen. Sie sollten nicht vergessen, daß das verantwortungslose Geschwätz und Geschreibsel ihres Führers heut« im Ausland beachtet wird, weil das Ausland in Hitter lediglich den Führer einer b Mi lli o nen-Pa rt ei und nicht den Hysteriker kennt, als der er sich dem deutschen Volke immer wieder erweist. Herve sragi weiier. Kapitän Ehrhardt antwortet ihm. Gustave Hervc telegraphiert seinem getreuen Arnold R e ch b« r g: Nachdem ich von Herrn Hitler und von dem Stahlhelm keine präzise Antwort erhallen habe, bitte ich Sie, den Kapitän Ehrhardt über meine Borschläge zu befragen. Ich weiß, daß sich der Kapitän Ehrhardt, einer der ausgeprägtesten Führer des deutschen Nationalismus, bereits früher für eine deutsch. französische Einigung unter der Varaussetzui« ausgesprochen hat, haß sie der nationalen Ehre Deutschlands uno seinen Lebensinteressen im weitesten Maße gerecht werde. Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie de» Kapitän Ehrhardt, von dem ich annehmen muß, daß er seine prinzipielle Einstellung trotz der Schwankungen der Tagespolitik nicht geändert hat, zu eiver Acußerung an mich veranlassen könnten. Daraus antwortet der alte Bandenführer mit einem Schreiben, in dem es heißt: Das Wesenlliche ist, daß die Frage der Einigung in F l u ß b l e i b t. Da ich mit meiner persönlichen zustimmenden Meinung zur deutsch-französischen Einigung bereits hervorgetreten bin, so'halte ich es nunmehr für erforderlich, eine breitere Basis zu schaffen. Ich werde daher meine politischen Freunde, von denen viele ihre Arbeitskraft den größeren nationalen Verbänden und Parteien gewidmet haben, befragen, wie der einfache deutsche Frontsoldat über die endgültige Beilegung des Jahr- hunderte alten Streites zwischen Deutschland und Frank- reich, für den beide Nationen ihr werkollstes Blut vergossen haben, denkt. Ist das nicht merkwürdig? B o r den Wahlen haben die Kommu- nisten den Nationalisten ihr Programm der nationalen Befreiung geklaut. Nach den Wahlen klauen die Nationalisten den Sozial- demokraien ihr Programm der deutschfranzösischen Der- ständigungspolitik. Verfassirngsurkunde von�S49 gestohlen Seit acht Tagen aus der Reichstagsbibliothek spurlos verschwunden. Der Verlust einer der werf vollsten und bedeutendsten preußischen Urkunden, der Versassungsurkuade von 1846/49. ist zu beklagen. Das unersetzliche Dokument wurde zuletzt In einem sicheren Wandschrank der Reichslagsbiblioihek mit anderen Dokumenten aufbewahrt und einigen Karikaturen ans dem Jahre 1848. Der Verlust der Urkunde wurde allerdings schon vor einer Woche, am 24. Oktober, bemerkt, jedoch hatte man sich» um die Nachforschungen nicht zu stören, nicht entschließen können, den Lerlust der OefseiMchkeit bekämet zu geben. Bis zur Swnde tonnte nichts über den Verbleib der Urkunde ermittelt werden und man darf nur hoffen, daß es in den acht Tagen den Dieben nicht gelungen ist, das Dokument über die Grenze ins Ausland zu bringen. Es muß nunmehr jedoch eine schnell« und sorg- fältige Untersuchung gefordert werden, besonders auch darüber, ob ein solches Dokument, das unersetzlich ist, tatsächlich mit allen«.forderlichen Schutzmaßnahmen umgeben worden ist. -i> Der Verlust der preußischen Versassungsurkunde von 1849 erinnert seltsam an ein berühmtes Beispiel, das Ferdinand Lassalle, der Gründer der Deutschen Sozialdemokratie, einmal geprägt hat. Als Lassalle sein« Rede über„Vcrfassungswesen" hielt, lag ihm vor allem daran, seinen Zuhörern klarzumachen, daß jede Verfassung mir insoweit die Grundlage des Staates bilde, als sie den in diesem Staate vorhandenen tatsächlichen Macht- Verhältnissen entspreche. Zu diesem Zweck wendete Lastalle einen jener M e i st e r k u n st g r i s f e an, die für seine Darstcllungs- traft bezeichnend sind: er bat die Zuhörer, sich eimnal vorzustellen, daß die preußische Verfassungsurkunde aus dem Staatsarchiv plötzlich verschwunden sei und mit ihr alle Abschristen und Vervielsältigiingen. Was würde dann sein? Preußen wäre ein Land ohne Verfasstmg, trotzdem würden die damaligen realen Mächte der Militärmonarchie, des adligen Groß- grundbesitzertums, des bürgerlichen Fabrikantenwms und— in sehr bescheidenem Maß«— auch die des Volkes sich so weit durchsetzen. daß die neuzu schassende Verfassung fast genau so aussehen würde wie die vcrkrengegangene. Als Lassalle dieses Beispiel formte, hat er sicher nicht geahnt. daß seine Annahme vom Verlust der Verfassungsurkunde 68 Jahre später einmal Wirklichkeit werden könnte. Etwas anderes dürfte Lastalle um so klarer vorausgesehen haben: daß diese Ver- sassung des monarchischen Preußens mit ihrem Herrenhaus und Dreiklassenporlament zwei Menjchenalter nach seinein Tode mir noch ein historisches Dokument sein würde. Es haben sich seitdem die realen Machtverhältniste im Staat zugunsten der Arbeiterschaft verschoben: der Ausdruck dieser MachKsrschicbung ist die demvtra- tische preußische Verfassung von ISIS mit dem gleichen Wahlrecht. für das Lassalle einst vergebens gestritten hat. Einladung zum europäischen Studienkomitee. Das Völkerbunds- sekretariat hat das Einladungsschreiben veröffentlicht, das der Generalsekretär des Völkerbundes an die Regierungen zur Teil- nähme an der nächsten Konferenz des europäischen Studienkomijees gerichtet hat. Die Konsercnz wird zur selben Zeit stattfinden wie die Ratstagung, die am 14. Januar beginnt. Sicherheit im Bergbau. Begrüßenswerter Entschluß der„Rotgemeinschast der Wissenschaft". Hauptausschuß und Volloersammlung der„Notgemcinschast der deutscheil Wissenschaft" haben einstimmig beschlossen, einen Aktionsausschuß zu bilden, dessen Zweck es ist, auf dem Wege der Forschung und durch praktische Maßnahmen alles zu tun, was geeignet ist, die Sicherheit im Bergbau im weitesten Umfange zu fördern. Die erste Sitzung dieses Ausschusses hat bereits unter Hinzu-. ziehung der Gewerkschaften stattgefunden. Es wurde ein engerer Aktionsausschuß eingesetzt, dessen Aufgabe es ist, ein Arbeitsprogramm aufzustellen und die organisatorische Vor- arbeit zu leisten. Dieser dankenswerte Beschluß der Rotgemeinschast ist zurück- zuführen aus den Ausruf, den der„Vorwärts" am Donnerstag ander Feder des Genossen Dr. I. Moses veröffentlichte. Die gleichen Ziele. Bortrog Aufhäusers vor Wiener Angestellten. Ivien, 1. November. Der deutsche Reichstagsabgeordnete Siegsried A u f h ä u se r, der Vorsitzende des Allgemeinen Freien Angcstclltenbundes Deutsch- lands, sprach gestern abend in einer Massenversammlung der Wiener Angestellten, wobei er u. a. ausführte: Die freien Angestelltengewerkschaften Oesterrei6>s und Deutschlands sehen in der Angleichung der Sozialpolitik in beiden Ländern die beste Vorarbeit für den politischen Anschluß. Die Feuerprobe für die Verbundenheit der Angestellten und Arbeiter beider Länder ist heute der gemeinsame Kampf gegen den Faschismus. Für uns steht der Kampf um den sozialen Inhalt am Eingang des Ringens um die kommende g r o ß d e u t f ch e R c p u b l i k. In Oesterreich wie in Deutschland, fuhrt« Redner weiter aus, ist der Angriff auf den Arbeiter- und Angestelltenschutz verbunden mit dem Angriff aus die Demokratie. Mowrradunglück bei Spandau. Gegen einen Boum gerast.— Oer Führer getötet. Aus der Potsdamer Chaussee, kurz hinter Spandau, ereignete sich in der vergangenen Rächt ein schweres vlotorradunglück, das ein Todesopfer forderte. Der 23jährige Alfred D r a n s ch aus der Sldamstraße 31 in Spandau unternahm gegen 23 Uhr mit seinem Freund«, dem 29 Jahre alten Arthur Bella k aus der Kolonie Hasenheide in Spandau, eine Motorradfahrt nach Potsdam. In der Nähe des Guts Earolinenhöhe geriet Dransch, der des Fahrens noch ziemlich un> kundig war, vermutlich infolge zu hoher Geschwindigkeit auf die link« Straßenseite und raste gegen einen Baum. Das Rad wurde völlig zertrümmert. Dransch erlitt«inen doppelten Schädelbruch, der seinen sofortigen Tod herbeiiiihrte. Bellak wurde später von Automobilisten in schwerverletztem Zustande bewuhltos ausgesunden. Er fand im Städtischen Krankenhaus Spandau Ausnahme, wo er bedenklich doiriederllegt. Gegen Lohnverschtechienmg. Aussperrung ver Textilarbeiter in Nordhorn. Rordhorn, 1. Rovember. In den verschiedenen Betrieben der Rordhorner Textilindustrie wurde am Freilagmorgen über die Lohnkürzungsmahnahinen der Tcxtilindustriellen abgestimmt. Die velegschaslen der einzelnen Betriebe stimmten mit großer Richrheit für die Ablehnung des Arbeitgebcrangebots. lieber 5000 Textilarbeiter werden ab Montag ausgesperrt. Republikoper als Notopfer Schicksalsfrage des Berliner Opernlebens Berliner Opernkrise, von neuem ist dos Thema aktuell gc- worden. Das öffentliche Interesse konzentriert sich im Augenblick fast ganz auf die Frage der staatlich. städtischen A r b« i t s g e m c i n- s ch a f t, und das bedeutet: des künftigen Verhältnisses zwischen Linden- und Stadtopcr. Das Interesse wird, wie auf Verabredung, abgelenkt von der größeren Frage nach der Aukunft der Republikoper. Gewiß, es ist wichtig und sicher nicht nur von wirtschaftlicher Bedeutung, ob Linden- und Stadtoper nebeneinander (was nie heißen dürfte: gegeneinander) oder miteinander— und in welchem Grade innerer Verbundenheit sie fortan miteinander arbeiten sollen. Aber das Schicksal des Berliner Opcrnlebens entscheidet sich jetzt weder in der Bismarckstroß« noch am Kaiser-Franz- Joseph-Platz. Die Schicksalsfrage lautet: Soll die Republikoper aufhören zu bestehen? Die Antwort, die gefunden wird, ist un- wiercuflich entscheidend aus unabsehbare Zeit. Die Schicksalsfrage lautet, ob es in der Tat so weit gekommen ist, daß der preußische Volksstoat das Werk sozialer Kunst- pflege aufgibt, das er im Hause der Republikopcr ausgerichtet hat. Sollen wir hinnehmen, daß die erste und einzige deuische Volksoper. die Berliner Arbeiteroper, aufgelassen wird— und sollen wir uns lieber den Kopf zerbrechen, wie vielleicht der Betrieb von zwei ä)o X über dem ffiodenfee. Der Start zum Amcrikaflug des X ist überraschend bereits auf den 2. November angesetzt worden. Bei dem Flug wird Do X im allgemeinen den Laus des Rheins folgen. Repräsentations- und Gesellschaftsopern, die Staat und Stadt in Verlin unterhallen, sich rationeller gestalten liehe? Und würde das Gewissen des Staates, der Stadt, der Oeffenllichkeit— würde auch nur ihr wirtschaftliches Gewissen, daz heute durch die Suboentio- nicrung dieser beiden Luxusin st itute allzu schwer belastet scheint, ernstlich erleichtert werden, wenn das Haus der voltstüm- lichen Opcrnkunst zugesperrt wird? Das sind die Fragen, um die es heute vor allem geht. Reden wir also nicht mehr von den künstlerischen Leistungen der Republikoper: nicht mehr von dem Vorbild von Ensemblekunst und künstlerischem Gemeinschaftsgeist, das Klempcrer und seine Mitarbeiter geschaffen haben: von dem Beispiel der strengen Kunst- moral und des konzessionslosen Ernstes, dos hier der ganzen Opern- weit gegeben wird: nichts davon, daß diese Oper die beste von Berlin ist, das fortschrittlichste Operntheater Deutschlands, dos erste, das mit der Tradition des alten Hoftheaters, mit dem System der Repertoirefchlamperci gebrochen hat, das erste und bahnbrechende Beispiel einer staatlichen Theaterorganisation auf zeitgemäßer Basis ... Di« Republikoper soll geopfert werden— welchen Erwägungen, welchen Notwendigkeiten? Di« Einnahmen halten sich, wie es heißt, nicht auf der Höhe der vorigen Saison— es wäre kein Wunder. Kein Wunder, daß die furchtbaren Nöte dieses Jahres sich in der Frequenz eines Thealers spiegeln, dessen Besucher sich aus den Kreisen der Arbeiterschaft— und heute aus den Elcndsbezirken der Arbeitslosigkeit rekrutieren. Das ist eine beklagenswerte Selbstverständlichkeit. Geht es den anderen Theatern heute bester? Freilich, in den Reihen des bürgerlichen Opernpublikums hat es nicht zwei Wochen Metall- ardeiterstreit gegeben, gibt es keine Solidarität des Hungers, und die Herrschaften, die in den Logen und Rängen der Lindenoper sitzen, kennen den Druck, unter dem im heutigen Berlin Hundert- tausende elend dahinleben, kaum vom Hörensagen. Selstverständ- lich trotzdem, daß unter der krisenhaft zugespitzten Gesamtsitualion, in der wir uns befinden, alle Theater zu leiden haben. Aber es muß uns empören, wenn nun dem Arbeiter das Bedürfnis nach künstlerischer Erhebung, nach Opernkunst, rundweg abgesprochen wird, nur weis er sich zur Stunde versagen muß, es zu befriedigen. Und es wäre, um kein stärkeres Wort zu gebrauchen, ebenso kurzsichtig wie unvernünftig, ihm in diesen schlechten Zeiten zu nehmen, was ihm in besseren nicht wieder zurückgegeben werden kann. Das aber ist es, was man vorhat ihm onzntun. Der Staat, sagt man, sei unter den gegebenen Umständen den finanziellen Anforderungen nicht gewachsen. Das Verlangen nach Ein- schränkung des staatlichen Theateretats ist heute gewiß nicht un- berechtigt. Aber es ist ja nicht wahr, daß gerade durch die Schließung der Rspublikoper erhebliche Ersparnisse zu erzielen wären. Unsere Leser wissen Bescheid, die Verhandlungen zwischen Staat, Stadt und Volksbühne sind noch in Erinnerung. Für den Fall, daß sie schei- lern— und es hat nicht den Anschein, daß noch ein Abschluß zu- stände kommt—, wird die Möglichkeit erwogen, der Volksbühne eine Reihe von Vorstellungen in der Lindenoper crsatzwowise«in- zuräumen. Wenn die Volksbühne einwilligt, bestünde in der Tot kein rechtliches Hindernis mehr, den Opernbetrieb am Platz der Republik auszulosen. Doch, keine Rede, daß damit alle eingegangenen Berpflichhingen aufgehoben wären. Auch wenn bei den notwendig werdenden Kündigungen mit rücksichtsloser Härte verfahren würde, die Berliner Slaatskapelle könnte nicht unter die Zahl ihrer beamtete» Mitglieder — fast 180— gebracht werden. Und wenn aus dem Bestand dieses Riesenorchesters außer dem Betrieb der Lindenoper auch der Be- darf der staatlichen Schauspielhäuser noch so üppig gesteift würde, es blieben noch immer etwa 40 Musiker übrig, die weder verwendet noch abgebaut werden könnten, und das bedeutete bei einem durch- schnittlichen IaHresgcHalt von 5000 M. ein« jährliche Belastung von 200 OOO M. Für alle sonstigen, weiterlaufenden und nicht zu lösen- den Verpflichtungen ist eine Pauschalsumme von 400 000 M. jährlich gewiß nicht zu hoch eingesetzt. Und dazu käme noch die Notwendig- kcit, nicht allein das Theatergebäude, sondern auch all seine tech- nischcn Anlagen instand zu halten, und das wiederum er- forderte die Unterhaltung eines vielglledrigen Unterhaltung:?- und Verwaltungsapparats, dessen jährliche Kosten mit 300 000 M. vor- sichtig geschätzt sind. Und zu dieser Jahressumme von etwa 600 000 Mark käme nun noch der E i n n a h m s a u s f a i l an den Abenden der Volksbühne, der für die Lindenoper, mit ihren höheren Ein- trittspreisc», wesentlich höher wäre als gegenwärtig für die Republik- oper. Und die B o l k s b ü h n c müßte obendrein für ihre Zustim- mung zu diesem Arrangement, deren es auf Grund ihres Vertrag» ohne jeden Zweifel bedarf, forllaufend durch eine sinanziellc Gegen- leistiing entschädigt werden, die ihrem Schauspiel betrieb am Bülowplatz zugute käme. Sa ergäbe sich alles in ollen, für den Staat eine Höhe jährlicher Aufwendungen, die unter dem gegen- wärtigen Zuschußbedarf der Rspublikoper kaum zurückbleibt. Und in diesem Resultat sind noch nicht die sehr erheblichen Kosten ent- halten, die sich zumindest im ersten Jahr in unmittelbarem Zu- sammenhang mit der Auflösung ergeben würden. So sehen die „Ersparnisteaus, die gemacht werden sollen. Wir wissen, daß es in Wahrheit nicht vor allem finanzielle Erwägungen sind, aus denen die Schiie- ßung der Republikoper gefordert wird. Wir wisten, daß politische und kunstpolttische Antipathie. Gegnerschaft aus Vorurteil und Haß die Sparparole als Vorwand mißbrauchen. Eins Woge der j o- zialen und kulturellen Reaktion ergießt sich über unser Laird: Wirtschaft und Gesellschaft sind von ihr erfaßt, alle Bezirke der Kunst und des Geistes bedroht. Es gilt für uns, eine wertvolle Position zu retten. Im Abwehrkamps gegen reaktionären Ungeist hat die Republikopcr, grimmig angefeindet seit dem ersten Tage ihres Bestehens, unerschütterlich standgehalten. Wer die Republik- oper verteidigt, kämpft für die Idee des Fortschritts. Wer sich irgendwie— politisch, kulturell, sozial— der Linken verbunden fühlt, darf in dieser Stunde die Republikoper nicht im Stich losten. In der Entscheidung, die bevorsteht, hat auch die Volksbühne ein gewichtiges Wort zu sprechen. Die Volksbühne— es ist kein Geheimnis, und wieder ist es kein Wunder, daß auch sie gegen die Rot der Zeit einen schweren Kampf zu führen hat. Eher ist es ein Wunder ihrer starken, gesunden Organisation, wie sie ihn besteht. Ihr« Verbindung mit der Republikopcr schien uns unlös- bar. Sollte dennoch eine Lockerung des Verhältnisses unvermeidlich werden: für uns werden Republikoper und Volksbühne nie ein Entweder— Oder darstellen, sondern die Forderung eines Sowohl- ale-ai/ä). Es hieße, die Wahrheit auf den Kopf stellen, wenn man heute sagen wollte, nur in der Erfüllung des Volksbühnen-Vertrags fei das Daseinsrecht der Republikoper begründet. Ganz im Gegen- teil hat nunmehr der Staat die Aufgabe, die Republikoper dem Publikum zu erhalten, das die Volksbühne ihr zugeführt und heran- gebildet hat. Allein beim Staat und seinen Organen liegt alle Verantwortung, ob seine soziale Theaterschöpfung untergehen soll. XIsus Pringsheirn. „pat und paiachon als Kunstschühen." Atrum. Diese Uraufführung hotte besondere Bedeutung. Es galt, Pat und Patachon persönlich zu danlen und zugleich Abschied zu nehmen von dem letzten stummen Film eines Genres, das Hundcrttausenden Freude gemacht hat. Pat und Patachon, die beiden Unzertrennlichen, mieten ein Zinuncr, das sie gar ulkig ausstaffieren. Beide schwärmen für die Artistik, der eine liebt das Ballett, der andere aber möchte Kunst- schütze wenden. Daß er beim Training sich möglichst ungeschickt anstellt und sogar durch die Ztmmerwand seine« Nachbarn, einen Kraftmenschen, anschließt, versteht sich beinahe von selbst. Doch bei allem Pech haben die beiden Glück, sie können in einem Vorstadt- varietä auftreten, wo aber ausgerechnet auch der angeschossene Kraftmensch wirkt. Doch jedem Pech folgt prompt das Glück. Mädchen vom Lapde erscheinen auf der Bilöfläche, die von den beiden„Berufenen" zu Tänzerinnen ausgebildet werden und die beiden Schönen liegen, nachdem ein Bombencrttentat im Theater verhindert ist, zum glücklichen Filmabschluß Pat und Patachon in den Armen. Wieder wird bewußt und wirkungsvoll in Clownsmanier gc spielt. Wieder kennen beide nur die Ausgabe, Menschen lachen zu• machen und abermals gelingt die Lösung ihnen restlos. Das Premierenpubiikum, durch die Anwesenheit der beiden Künstler und eines richtigen Orchesters aufs höchst« erfreut, raste Beifall. Pat und Patachon sind längst auf die Schablone festgelegt. Sie wollen und werden sie nicht abändern, auch nicht für ihren neuen Tonsllm, in dem sie deutsch radebrechen wollen. Bei ihm wird man höchst- wahrscheinlich nur eine gute Kapelle vermissen.— p. Kinderparadies im Museum. Ausstellung kusstscher Kinderbücher. In der Staatlichen Kunstschule in der Hardenbergstraße findet augenblicklich eine Ausstellung statt, die dem russi- scheu Kinderbuch gewidmet ist. Der Leiter der Kinderaus- stellungcn des Bolksbildungskommistariats van Sowjetrußland, I. M e k s i n, sprach über„Versuche einer A u s st e l l u n g s- arbeit für Kinder in der Sowjetunion" im Anschluß an die gezeigte Bücherousstellung. Man erfuhr von den Versuchen, die Ideenwelt der russischen Kinder durch Ausstellungen verschieden- ster Art zu erfassen und anzuregen. So zeigt« man einmal in ge- schloflencr Darstellung Tiernachbildungen, künstlerische ebenso wie zum Beispiel Erzeugnisse der niodernen Spielwarenfabrikation. Das wohlfeile, leicht ersetzbare Spielzeug durfte angefaßt und es konnte auch damit gespielt werden. Dieses„Museum" war begreiflicher- weise bei den Kindern sehr beliebt. Aber die Ausstellung dauerte nur kurze Zeit— sonst wären wohl auch die Kosten für die„Ersatz- stücke" zu hoch geworden., Als neuester Versuch dieser Kinderausstellungen ist die jetzt gezeigte Ausstellung des Kinderbuches anzusehen. Bücher werden empfohlen, die Lescfrcud« soll angeregt werden: obgleich das bei den meisten Kindern eigentlich kaum nötig sein dürfte. Außerdem: ob sich die russische Prcletarierjugend, die oft aus sehr witzige uo eindrucksvolle Weife empfohlenen Bücher auch beschaffen kann? Und oh die russifchen Boiksbibliothekcn frei sind von den angeprangerten „Bazillenträgern", beschmutzten und zerlesen«» Büchern? Diese Fragen behandelte der Vortragende nicht. Man nahm von der Ausstellung den Eindruck mit, daß sich hier ein Kinderporadies auf- getan hat— aber«ins hinter Schloß und Riegel, das nur auf kurze Zeit seine Herrlichkeit cnihüllt und in dem man sich dann, nach den verlesenen Aussagen der russischen Kinder, gegenseitig drängt und auf die Füße tritt, um einen Blick zu erhaschen. Iz. Naimwiffenschast als Erlebnis. Eine Abiturientin spr cht in der llrania. Lotte Adam, eine frische, lernfreudige Abiturientin des Abendgifmnasüliiis. sprach im Hause der Technik über das Thema „Der gefürchtete naturwissenschaftliche Unter- r i 6? t— ein Erlebnis". Sie erzäHUe, daß sie jetzt nicht nur lernt, sondern begreift, und zwar nicht nur die einzelnen Fächer in ihren Besonderheiten, soniern ebensogut auch die vielen Zu- iammcnhänge und mannigfachen Wechselbeziehungen. Dieser Vor- trag war für Pädagogen auf jeden Fall hochinteressant, ebenso für die Freunde der Rednerin und des Abendgrfmnasiums, die nun nachprüfen konnten, wie weit es ihr gelang, ein äußerst fleißig gesammellcs Wissen zum Lobe der Naturwissenschaften zu verwerten. Doch war dieser Vortrag(womit kein Wort gegen das Abend- gymnasium und die Rednerin gesagt sc!), für die il r a n i a nicht günstig gewählt. Ihre Zuhörer sind ohne weiteres von der Wichtig- teit der Natnrwijsenschasten überzeugt. Sie kamen zu ihrer Er- lenntnis womöglich schon in der Schule, vielleicht auch erst in späteren Jahren durch einen Film, einen Rundfunkvortrag,«in Buch oder ein Erleben im Alltag. Hörer der Urania wollen durch die Vorträge die-ses Instituts entweder ihr eigenes Wissen erwettern oder dankbar neue Woge nachprüfen, die es ermöglichen, Naturkunde in volkstümlicher Form zu verbreiten. Es wurde aber diesmal nicht die Art des Unterrichts erklärt, sondern nur darauf hingewiesen, daß z. V. in der Biologie der Erwachsene die Entwicklungsgeschichte von einem ganz anderen Gesichtspunkt aus betrachten kann, als das Kind. Die Urania ist heute, trotz der vielen Bildungsmöglichkeiten, cristenzberechtigt, doch darf an ihren Abenden nicht angehäufter Lehrstoff ausgezählt werden, im Gegenteil, es muß aus dein blut- warmen Leben etwas Jnteresiaittes, allgemeingültiges oder leicht selbst nachzuprüfendes Spezinlwissen zur Mitteilung gelange... P.rna Büsing. Kommunistische Meihoden. Verkappte Parteipropaaanda im Theater. Die kommunistische Praxis, unter harmlosem oder gar löblichem Aushängeschild(„Verein für...",„Bund der...", e tuUi quanti) zu einer Theateraufführung zu laden und dann billige Pnrtei- Propaganda zu treiben, ist nicht neu. Sic wurde auch bei der Aufführung des„8 218, Die Tragödie der Frau" in den Sophie nsälen geübt. Parteigenossen tun gut, wenn sie solche schönen Vereinsnamen lesen, die Ohren zu spitzen und vorsichtig zu sein. Wir haben nicht nötig, unsere paar Groschen für gegnerische Demagogie auszugeben, und wissen, daß der Kampf gegen den � lulturell reaktionären und proletarierseindlichen§ 218 des Strafgesetzbuches wirksam nur von der Sozialdemokratie geführt werden kann. Das Stück selbst besprachen wir: das redliche Bemühen des Schauspielerkollektivs um eine lebensvolle Wiedergabe sei gerne anerkannt. beäu. „Journalist über Bord." Eine neue Komödie von Robert Gröhsch. Das staatliche Schauspielhaus in Dresden brachte als Urauf- führung die oieraktige Komödie„Journalist über Bord" von Rodert Grötzsch, dem erfolgreichen Verfasser von„Dyckerpotts Erben", heraus. In dem neuen Stück geht es Grötzsch bestimmt um hohe Ziele. Er will an dem Schicksal eines Journalisten, des Märtyrers „eines Berufes, für den die Dichter bisher vergeblich nach Gleichnissen suchen", dartun, wie zwecklos es ist, in einer vom Kapitalismus abhängigen Presse um Ideale zu kämpfen. Das Ge- triebe einer großstädtischen Redaktion läßt Grötzsch zum Spiegelbild der Straße werden, die diktatorisch, rücksichtslos den Zeitungsleuten ihren Willen aufzwingt. Sie müssen, ob sie wollen oder nicht, dem Bedürfnis der Massen nach wilden, sich überstürzenden Sensationen Rechnung tragen. Andernfalls siegt die Konturrenz, gibt es unauf- haltsam riesigen Abonnentenschwund. Daher ist es unausbleiblich, daß anständige journalistische Gesinnung dem reinen Profitinteresse der Zeitungskonzern« unterliegt. Darüber hinaus läßt dos Stück zum mindesten ahnen, daß diese Gier nach immer größerem Macht- einfluß an ihrer eigenen Skrupellosigkeit ersticken muß. So bc- trachtet, bringt der dritte Akt den Zusammenprall zweier Welt- anschauungen. Zu diesem Höhepunkt dramatischen Geschehens führt leider eine im wesentlichen lückenhafte Handlung. Die Charakterisierung der Hauptgestalten läßt unbefriedigt. Sogar vor einer Art liapp/ euch das die ethischen Ziele des Stückes fast hinfällig macht, schreckt der Verfasser nicht zurück. Daß ein namhafter Zeitungskonzern einem ziemlich üblen Bankunternehmen mitten im Zusammenbruch bei- springt und gleichzeitig die Bantiersgattin zu ihrem Geliebten, dem „Journalisten über Bord" für immer zurückkehrt, ist ein reichlich romanhafter enttäuschender Schluß. Die unter G i e l e n s Leitung gebotene Aufführung hielt sich an eine gute Mittellinie. Sie ließ einerseits einem Künstler von der Bedeutung Rainers genug Gelegenheit, in der Hauptrolle«inen edlen Iournalistentyp zu schaffen. Anderseits nutzte die Regie alle Möglichkeiten, um die heiteren Züge des Stückes mehr als nötig herauszuarbeiten. Die Durchschnittsbesuchcr waren, wie der Erfolg bewies, damit zufrieden, doch im übrigen blieb der Eindruck haften, daß um des Kompromisses willen dem Grundgedanken der neucn Grötzsch-Komödie Abrbuch getan worden war.—.na— Amtliche Jubtungen der Staatlichen Aluieen. Sonnlag, 2. November: 9 Mir. Prof. Neugebautr über den TelepboSiriej im Pcrgamon- Museum: 10 Ilbr. Prof. Vos, über„Italienisches Barock" im Kaiser« Friedrich-Ausenm: 10 Uhr, Dr. Doppelseld über„Der Mensch der Eiszeit und seine Kunst" im Völlertundcmuseum ll. Ausstellung von Tonzpholo». Der durch seine Tan-ausnabmen bekannt« Pbotogroph Robertson veranstaltet vom l. bis 15. Noveinber in den Räumen der l'andsberg Buchhandlung, Kursürstendamm 201, eine größere Ausstellung semcr Arbelten. Zm Museum der Staalolhealer veranstaltet die Generatiniendanz zum KedächtniS de? langiäbrigen. ISLö verstorbenen Mitgliedes der ehemals Königlichen Schaufpiete Gustav Bervdal anläßlich feines 100. Geburtstages am 3. November eine kleine Ausstellung von Bildern,.Kgstämen ustv. de' seinerzeit sehr beliebten Künstlers. Die Ausstellung(in der Oberwallstr. 2-' dauert vom 3. bis 10. November und ist täglich von 11 bis 13 tlbr• öfjuet: Eintritt unentgeltlich. Dänemarks Metallarbeiter kündigen. Torifablauf für SO OOS Arbeiter. Kopenhagen, 1. November.(Eigenbericht.) Alle am l. Februar in her Eisenindustri« ablaufenden Tarifverträge find von den Gewerkschaften gekündigt worden. Ins- gesamt werden von dieser Kündigung rund 50 000 Arbeiter betroffen. In den letzten Iahren waren es im allgemeinen die Arbeitgeber, die die Tarife zum 1. Februar kündigten. DieLohnkürzungsaktion in derMeiallindustrie. Kündigung im Bezirk Hagel,-Schwelm. l) a g e n, 1. November. Der ZNärkifche Arbeitgcberverbond hat das zwischen ihm und de» ZNctallarbeilervcrbänden des Bezirks fjagen-Schwelm obge- schlosfcne Lohnabkommen zum Zi. Dezember l9Z0 gekündigt, von der Kündigung werden 20000 bis 2 5 000 Metallarbeiter betroffen. Auch die Arbeitgcbervereine des Bezirks Menden- (sründenberg des Kreises Olpe haben die Lohntarife gekündigt. Der Zweck der Kündigung besteht darin, die Löhne herabzu- drücken. Vetter für Berlin und Umgebung: Größtenteils stark bewölkt mit etwas Regen. Wieder geringer Temperaturanstieg.— Jfir Deutschland: Ini Osten trocken und zeitweise heiter. init kühler Nacht, weiter westlich mcldcr, trübe und vielfach etwas Regen. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postaufloge bei. Theater der Woche. Vom 2. bis 10. November. Volksbühne. Theater am iBiilawplajj: 2. Die Weber. 3. bis 7. Der fröhliche Weinberg. Ab 8. Die Matrosen non Caitaro. 2.. tltb Uhr: II. Tanzmatince. g., UK Uhr- Ii. Konzert: Offene Singstunde. Slaalslheaker. Unter den Linden: 2. Meistersinger. 3. Der Licbsstrank. 4. Die Mach« des Schicksals, ä. Der.König. Zierpuppen.«. Zldelio. 7. Tristan und Isolde. 8. Modame Butlcrflp. g. Fitrst Igor. 10. Covalleria Rusticana, Oper am Pwtz der Republik: Ä. Die verkaufte Braut. 3. Der Barbier VON Sevitla. 4. Hafftnenns Erzählungen. 5. Csrmen. L. S-infonie-AonAert. 7..�»uberslöte. 8. Rigoletto. 9. Lalome. 10. Die Stumme von Portiei. Städtische Oper: 2. �ohenqrin. 3. Die Entführung aus dem Serail. 4. Othello. 5. Pertauschte Rollen.«. Aida. 7. Boheme. 8. Simone Boecs- ncgra. g. Die Walküre. 10. Der Troubeldour. Schauspielhane am Gendarmenmartt: 2., 5., 7. und 8. Got; von Berlichingen. 'S. Weh' dem, der lügt. 4. und 9. Liebe auf dem Lande, 33 Minuten.!» Grüne- berg. 0. Bürger Schippel. 10. Wilhelm Tell. Schiller- Theater: 2., S., 7.,*. und 10. Nora. F. und 4. Eiavisn». 6. Sie Journalisten. 9. Kabale und Liebe. Theater mit festem Spielplan: Deutsches Theater � Slisabeih von England.— Die Komödie: Der Sckpierig«. — Theater in der Stresemonnstraß«: Slurn: im Wasserglas.— Ztomädienhau«: Das.Konlo T.. Theater de« Westen«: Finden Sie. daß Eonstonce ssch richtig verhält?— Rclson-Theater: Quick. 8. Nachtvorstellung. 28*1 Uhr: Quick.— Komische Oper: Das Mädel am Steuer.- Deutsches«ünstler-Theater: Jim und Iill— Reuaissauce. Theater: ZZorunterluchung.- Theater ia der Behren- ft roste 88—84: Das hästliche Mädchen.— iZcntral'Theater! Eine Freundin so goldig wie Du.— Metropol-Theater: Victoria und ihr Husor.— Rcue« Theater am Zoo: Sasenklcin kann nichts dafür.— Die Tribüne: Etienne.— Wallner. Theater:.Krach um Leutnant Blumcnthal.— Walhalla-Theatcr: Berlin ist richtig. Rose-Theoter: In der Iohannisnacht.— Kafino Theatei: Arm wie eine.Kirchenmaus.— Theater in der Klostcrftraßc: Einbruch ausgeschlossen G. m. b. f> 7. Seschlosscnc Vorstellung- Theater im Admiralspatast: D,e Seala: Internationales Bariet«.— Theater am Rottbuffer Tor: Elite. Csardasfürstin.— Wintergarten. Ploza Rcichshallen-Theater: Strttincr Sänger. Sänger. Thealer mit wechselndem Spielplan: Theater am Schiffbaucrdamm: Bis 5. Iud Süß. Ab K. Die Dreigroschen. oper.— Kammerspiele: Bis 7. Glga. Ab 9. Die Wirtlichen Verwandten.— Berliner Theater: Bis 0. Der Idiot. Ab 7. Sektion Rahnstetten.— Schloß. park-Theater Steglitz: Bis 5.... Bater sein dagegen sehr. Ab 6. Katharina Knie. Itachmittagsveranslaltungen: Die Komödie: 1., 2. Der Diener zweier Herren. Theater in der Strese. wannstraste:!>. Winnetou.- Komödicnhaus: 0. Das.Konto i--- Theater de« Wcsteus: 8 Uhr: Petrrchens Mondfahrt: ä Uhr: öchwarzwoldmädel.— Rclson. Theater: 8. Quick.— komische Oper: 2.. ü. Das Mädel am Steuer.— Deutsches Künstler. Theater: 2.. 8. Jim und Iill.— Ren-iflaace-Theater: Bvettc Guilbert.— Zentral-Theate«: 2., g., 18 llhr:� RottäppLen und der Theater: 2. Krach um Leutnant Mumenthal.— Walhalla. Theater: 2. Schnee. wittchcn und die sieben Zwerge. 0. Tischlrin deck dich.— Rose»TH«atee: 8., 8., 8.. 7. Kusiili. 5., 8. Pcterchcns Mondfahrt. I4'i Uhr und 17M Uhr: In der Iohannisnacht.— Theater iu der Klosterstrastc: 2., 8., 18 Uhr und 8.. 18 Uhr: Rotkäppchen: 2..8., 17 Uhr und 8.. IS Uhr: Hänsel und Kretel.— Schlostpor«. Theater Steglitz: 2. Der Frolchkönig. 8., 8. Petcrchcns Möndfahrt.— Theater im Abmiralspalast: 2..8. Die Esardasfürstin.— W: nlrraartrr: 2., 8., 8. Internationales Bariete�— Pia/M. Seal»: Internationales Vorjeto.- Reich». hgllen. Theater: 2., 9. Eteitiner Sänger.— Theater am Kottbusser Tor: 2., 9. Elite Sänger. Erstaufführungen der Woche: Donnerstag. S'chloßpg rk-Theater: Katharina Knie.— �veitag. Berliner Theater: Sektion Rahnstetten.— Sonnabend. Volks- b ii h n e: Die Matrosen von Lattaro.— Kammerspiele: Die zärtlichen Verwandten.— Großes Schauspielhaus: Im weißen Rbßl. Sonvsbenck, l. stiovemder. ö e r! i v. ll.OV Kdilgffer aus der sanzcn Welt fSchallpIatten). 16.05 Prof. Dr. Adolf Marcus«: Die Welt der Fixsterne. 16.30 Königsbers;: Konzert 17.20 Zehn Minuten Film. 17.30 Kurt Heynicke liest eigene Dichtungen. 18.1» Artur Holitseher; Das Düte H«rt»» fem. 18.25 I. Ldvp: Srnfonische Variationen.— 2. Lisrt: rranriskus Iher di« Wogen schreitend. Legende(Celeste Chop-Gronevelt, Flügel). 18.55 Arbeitsmarkt. 19.00 Gerhart Pohl: Die deutsche Landschaft in der Dicbtuns. 19.30..Funkhaus." TeilüberlraKungen aus: Kroil-Opcr: ,, Carmen"; Städtische Oper:„Vertauschte Rollen";. Staatsoper Unter den Linden„Der Koni?'. 21.10 Geistliche Werke des jungen Mozart. Dir.: Dr. Ludwig Landsboff. 1. Kircchen-Sonate B-Dur(K.-V. 68)(für Streichorchester und Orgel).— 2. Offcrtorium„Sub tuum praesidium"(K.-V. 198)(für Sopran- und Tenor-Solö. Streichorchester und OrjEcl).— 3. Gradualc ad festum B. Märiac Virginis("K.-V. 273)(für Chor. Streichorchester und Orgel).— 4. Motette„Exsiritatc, juhilate"(K.-V. 165)(für Sopran-Solo und Orchester).— 5. Laudatc Dominum aus den Vcsperae solennes de com- fessore(K.-V. 339).— 6. Messe G-Dur(Krönungsmesse)(K.-V. 317)(für Söloqnartett, Chor, Orchester und Orgel). Nach den Abcndmeldungen bis 0.30 Tanzmusik. Königswüstcrhaascm, 16.90 Dr. Rocseler: Staatsbürgerliche Erziehung. 16.30 Hamburg; Konzert \7.30 Dr. Ludwig Lewin: Der Mensch in der OeffentlichVeit. 18.00 Französisch für Fortgeschrittene. 18.25 Prof. Dr. Rod. Saitschick: Goethes Faust. 19.00 R. W. van Lool und Partner: Holländischer Arbeitcrfunk— Deutscher Arbeiterfunk(Zwiegespräch). 10.30 Stille Stunde. 20.30 Breslau:„Die Musik der Oper". Sonntag, 2. November. Berlin. 7.00 Gymnastik. Anschließend Frühkonzert. 8.00 Für den Landwirt. 9.00 Stadtkirche Wittenberg: Orgelkonzert..7. S. Bach. 9.30 Stadtkirche Wittenberg: Reforraations-Gottcsdicnst. 11.00 Stettin: 6. Stettiner Kunstturnen. 11.30 Lisa Tet�ner: Märchen für die Kleinsten. 12.00 Unterhaltungsmusik. 14.30 Wj|l?er. Abschließend. Zeitgenössische Lieder. 15.15 Aktuelle Abteilung. 16.10 Unterhaltungsmusik. 18.00 Aus Luthers Schriften. Alfred Braun; Konzertmeister Henry Holst, Violine, und Karl Rockstroh, Flügel. 19.00 Flesch: Rückblick auf Platten(Oktober). 19.35 Sportnachrichten. 19.45 Uraufführung:„Wetterkantate", Hörspiel von O. H. Jahn. Regie: Max Bing. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Alcssandro Valente singt. 22.15 Wetter-, Tages-, Sportnachrichten. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Königs Wusterhausen. 14.00 Ida v. Hauff: Wie erziehen wir die Kinder zur Rücksicht auf andere? I�.OÖ Franz Mahlke; Alter und Arbeit. 18.30 Dr. Hagemann: Im ostafrikanischen Busch. 19.00 E. Pabst; Die Be<1eutung des Provinztbeatcrs. 19.30 Walter von Hollander liest. 30.10 Köln:„RcQuicm". BerantwortL für die Redaktion: Franz Klahs, Berlin; Anzeige«: Th. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S>., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Veclagsanstalt Paul Singer 6i Co.. Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Hierzu 1 Beilage. � Thediev, Lickispiele usw. � 20 Uhr NORA. Ende 23 Uhr Täfll, 5 u.»Vs Uhr.— BS Barb. 9258 Tjtzi. 1—6 M.— Hachm, halb« Prals» Heute Premiere: Rastelli's neuer Fußball- Akt Nalray-Baileü mit Katta Stsrna und Maria Solva« Carlo Medini- Trappe fliegende Akrobaten nnd weitere Sen«*tloiiei». TAflrl. B,»'S Sonnt. 2, 8, 8« I. VorstelluDtC 50 Pf. bi» 1 M II. und III. Vorst. 1 bis 2 M Heute Premiere! Spitzenleistung auf dem Gebiete der okkulten Wiesenschaft U ESS E MS EquilibrUtische Weltsensation KOHLBRANDT der rheinische Humorist une weitere eeneatlenen! vmmmmmmmmmmmm VolHsbillme Thuir im BDIowpiall. s Uhr Die Weber v. G. Hauptmann Regie K. H. Martin. Staatl.Sdiiiler-Tli. 8 Uhr Nora Deolsdiei Theater 7>/- Uhr Uraufführung: Elisabeth von England voo Ferd. Bruckaer Regie: Beiaz Hiiperl Bühnenbilder; ErnstSchütte. Kammcrspiele 8-ä Uhr Elga voo Ceilait HsugtaiDn. Regie: Gustav Rartüng. Die Komödie 8-,- Uhr Der Schwierige von Hugo von HofmaaDSthal Regie: Mai Reinhanlt. Kunsflerspiele Sleinmoier- Jas Ballhaus" Kurfürstendamm 217(Fasanen-Ecke) |—— Eröffnung; Sonnabend, den 1. November 1930, 20 Uhr-- Tischbestellungen: Zentrale, Zentrum 7712 Das erstklassige Kabarettprogramm II Terry Rosznyai Hans Grosser Rose und CISre ][ Peggy White ][ ][ Erik Robertson J Lucia Gallo 3 | Pia und Plno s j 10 Stimmungssängerinnen �[ 20 Tanzgirls] r Jan Pütt 10 Accordlons-Harmoniker ] c 3 The Rytmic Expellers ] Tischtelephone Eintritt frei! Sensationelle üchteffekte An lc«ftn«m Tlscla Weftnznan� Täglich 5-Uhr-Tee— Volles Programm— Gedeck M. 1.80 mer Dönh. 625, 626. Täglich S Uhr Nur oodi 1 korslsllungen Alexander Moissi in „Der Idiot" t. Dostote w�kif Neues Theater >» am Zoo' ImBahDlLZoo. SlpL6554 Täglich 8>,. Uhr DwpBe laMgl Max Adalbert in Hasenklein Sonnabends 4 Uhr Sonntags 3. Roedit Ruppredils Fahrt ins Märihenianl Lustspleinaus Heute 8 Uhr: WledererOflnuagl Kart(vötz in Hokuspokus Winrer * Qarreru S.lSDhr— BanStn erliabl 24 Tillerettos. Carr's u. Betty Da. 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BMItttkass«: Alex. 3424 u. 3494 Gret« Fr«nKfurt«r Straße 132. ROSE •Theater CIRCUS VARIETE BUSCH Tücl* 2 Vorst. 41, n.»V, C. TeL Waldaad. 3S40 Res «4»] »ehm. 4';, t'hr » JN.-1.84» Mk. Abends Chr: SO Pf.— 8.— Mk. Seulags 3 Vontellnngen; 2'/, Beate tolliUDil. Prodrammgedisel: eno-jfi-mv CbtnesiacherSaltomortalerciter Zum ersten Male in Europa! Edith Ruth& Co. Karnssell in der (ircnskapprl, lissn Akrobaten, Pferde, Clowns. Das abwechslungsreichste Circus- o. Vatlcteprogramm Berlins f fieifage Sonnabend� 1. November 1930 BwAtottd Wmi6jHk 9iünlüergelpräche in cllS»/[ Begegnungen in der tKünftterkolonie Vaos TOs. Vlanche C.(5 r a n t ist Malerin und Schriftstellerin. Sie hat die Geschichte der Künstlersiedlung Taos in Neu-Merika geschrieben. Forschungen über Taos und die Puebloindianer gemacht l>nd das wertvolle Material verdienstvoll geordnet, aufgeschrieben und selbst herausgegeben. Ihr Haus, nach eigenen Entwürfen im Stile der i n d i a- nisch- mexikanischen Bauweise gebaut, grüßt von der Anhöhe zur Autostraße herab. Es wirkt stolz wie ein.Häuptling in der Unrgcbung der Indianerhütten. l. Plauderei mit Ms. Grant. ?ln der Tür empfängt ims eine weißhaarige Dam«, deren elastischer Schritt im modernen Dreß Zweifel über das Alier erweckt. Ein paar freundliche Augen im energischen Gesicht zeigen Intelligenz und Verstehen, die Art, sich zu setzen und zu sprechen weist auf häufigen Umgang mit vielen Menschen hin. in den Gesten der Hände liegt Selbstbewußtsein. Ms. Grant zündet sich eine Zigarette an und erzählt: Von der Urbevölkerung Amerikas feien Erinnerungen nicht mehr zurückgeblieben. Das sagenhafte Zeitalter beginnt mit der Einwanderung der Indianer, die sicherlich aus den Steppen Tibets durch die Beringftraße übers Meer herüberkamen. In alten indianischen Sagen wird erzählt, daß die Urväter über das große Wasser herüberruderten vom Osten her. Die Sprache der Indianer weift Aehnlichkeiten mit den chinesischen Lauten aus, auch den Namen der Stadt Taos kann man von dort herleiten. Das Zlusseheu der Indianer zeigt selbst dem Laien die mongolische Verwandtschaft. Im 16. Jahrhundert kamen die S p a n i e r ins Land und errichteten die ersten europäischen Niederlassungen. Ms. Grant hat die Gsschichte dieser Zeit durchforscht und auf« geschrieben, soweit sie New-Mexiko betrifft. Wir hören über die ersten Kämpfe, die ersten Wege und Bahnen— der Historiker ist in der Erzählerin erwacht und ihr Blick versinkt in sich. Plötzlich erinnert sie sich der Gäste, und mit lächelnder Miene entschuldiat sie sich: „Aber das wird Sie ja nicht so interessieren. Was möchten Sie denn hauptsächlich erfahren?� „In erster Linie die Geschichte der K ü n sts.c r s i�d«. 'lang."..... "Ja— so! Der erste, der die Schöniheit dieses Erdenwinkcls sah, war Jos. 5) e n r i, S h o r p. Er kam 1893 hierher und be- richtete in Paris über seine Eindrücke. Dadurch angeregt, kam 1898 der Maler Blumenschein hierher, der aber dann wieder zum S>m'Maus der Wlalerin ins. Qroni Osten zurückkehrte und erst später wiederkam. Im gleichen Jahre passierte B. G. Phillips die Stadt. Er blieb hier und wurde zum Gründer der Künstlerkolonie. Heute wohnen etwa 26 Maler dauernd hier, darunter Russen, Deutsche und Mexikaner, oer- schieden in der Art der Malweise— fast alle Richtungen sind ver- treten—, verschieden im Talent und in der Auffassung. Wir haben keine einheitliche Schule jeder folgt den eigenen Eingebungen. Vor Jahren weilte eine größere Anzahl jüngerer Leute hier, die lernen wollten. Wir versuchten eine Art Malschule zu errichten. Die älteren der ansässigen Künstler gaben Unterricht. Die Sache zerschlug sich bald, als man sah, daß mancher Dilettant mehr aus Pohcmicnnianier teilnahm als aus Liebe zur Malerei. Mit dem Dilettanten verschwand auch alles Bohemicnhafte. Heute ist ein loser familiärer Zusammenhang in der Künstlergilde da— aber auch eine ganz« Menge Eisersucht und Klatsch. Was fall mait auch schließlich hier in der Einsamkeit, bei Natulschönheit und Malerei weiter tun?" Die freundliche Erzählerin lächelte. Das Lächeln wurde«in wenig boshait, als sie davon berichtete, daß die Gattin des einen Künstlers so geizig sei, nicht allein von jedem frentden Besuckzer ihres wundervollen Hauses für die Besichtigung i Psund zu fordern, sondern auch ihr. Ms. Grant. diese Taxe nick>t erließ. Amerika kauft entweder europäische Berühmtheiten oder eigenen Kitsch. Eine förmliche Begeisterung für die süßlich blauen Berge mit griechischen Terrassen im Vordergrund auf den Bildern des Malers Maxwell Parrish machten diesen Meister des Kitsches -um Liebling des Publikums. So haben es Taos' Künstler schwer. In New Park hängt ein Bild von mir in der„... Ausstellung". sagt Ms. Grant zu meinem Freunde, der eine gute Stellung-n diesem Staate hat,„helfen Sie mir, daß es verkauft wird. Im grauen Haar ist es nicht einfach, sich durchs Leben zu schlagen." Ein i'cuchtcr Schimmer liegt in ihren Augen. 2. Ein Gang durchs Künstlerhaus. Dann zeigt sie uns ihr Haus. Der Salon, in dem wir während des Gesprächs verweilten. hatt» da» Zbchh-o a»« gute» all«» d««tsch«» Ha»«s», st n b e. Heber dem kalkweißen Kamin hingen indianische Embleme. An den Wänden leuchteten Jndianergobelins in grellen Farben, der Fußboden war mit Teppichen der gleichen Art bedeckt. Indianer- muster sind kindliche primitive Darstellungen vom heiligen Vogel. der wie der preußische Adler aussieht, oder vom Menschen nach der Art unserer Kinderzeichnungen, oder einfache Strich- und Rund- sormcn, wie wir sie am Schirm ck aller primitiven Völker sehen Itts. Qrant In ihrem Melm können. Das große Bücherregal und der Schreibtisch der M. Grant mit der Schreibmaschine wirken trotz ihrer Einfachheit fremd:n dieser Umgebung des ländlich Primitiven— wie die geistreiche weiß- haarige Frau auch. Ihr- t u d i o"— oder.chrutsch" Melier genarmt ist ein großer«»«ihgetünchter Raum, der an einer. Seite von einem mich- tigen Dreikantvorbau in seiner Eintönigkeit unterbrochen wird. .flinter ihm ist eine auswärtsführendc Treppe. Auf der Gegenseite wölbt sich aus der Mauer eine Sitzbank heraus, von der man die rings ausgestellten Bilder, die sich gut einstigen, betrachten kann. Szenen aus dem Indianerleben, Jndianerköpfe und Landschaften sind der Vorwurf für die Künstlerin, gewesen. In der buntbemalten Küche mit dem farbigen Geschirr glaubt man Aehnlichkeiten zu der heute von Reformern in Deutschland gepflegten Art Herstelleu zu können. Die indianische Bettdecke könnte ein« altdeutsche Decke sein— so gleichen sich Frühkulturen verschiedener Bölker. 3. Mr. Phillips c m p s ö n g t uns. Mr. Bert G. Phillips empfängt uns am Nachmittag. Er ist das Haupt der Äünstlerkolonie, ihr erster Vertreter in Taos und somit der Begründer. Seine mittelgroße schlanke Gestalt Ifat ein« gewisse Zartheit an sich, die auch aus den knappen Bewegungen der feinen Künstler- babdc spricht. Wenn er spricht, versinken die Augen in tiefes Nachdenken: mehr als 3 9 Jahre Erfahrung in diesem schönen Erdenwinkel hat er zu überdenken. Wie er hierher gekommen? Ein herrlicher Herbsttag war es, als der Weg ihn durch Taos führte. Er hatte von dem Ort« gehört, wo die Pueblaindianer ihr« hochgetürmten Wohnburgen seit Jahrhunderten bewohnten. Bis Weihnachten wollte er bleiben und malen— das war im Jahre 1898— und bis heute ist er geblieben. Ob er von den Indianern, insbesondere von ihrer primitiven Kunst starke Zlnreaungen für sein Schassen bekommen habe? Mr. Phillips stützt seinen grauen Kopf itachbenklich aus die Linke:„Wenn Sie das Weben der Teppiche und ihre Muster meinen, ober das Bematen der Tonvasen, so muß ich verneinen: das Sfngang zur Munjlausflelluug in Taos sind künstlerische Darstellungen, die dem Material völlig angepaßt sind. Gehen Sie nach Santa Fee, der Hauptstadt New Mexikos. Dort wohnt ein bekannter Kunsthändler,. zu dem ich Sie gern empfehlen will. Er hat Indianerteppiche van solch unerhörter Schönheit, reine handgewebte Wollwarc, wie Sie sie nirgends wieder finden werden. Keiner dieser Indianerkünstler, sei es Mann oder Frau, macht vorher einen Entwurf dessen, was er darstellen will. Ist ein Gedanke, der häufig in. genialer Weise Gestalt gewinnt. Im Khychmn» sab Gleichmaß hat, der niemol» faift bfe teilt, trotzdem doch keinerlei Hilfspunkte gezeichnet werden. Der Indianer nimmt gleich die voll« Farbe, zeichnet gleich die seststahende Form auf die Tonvase und hat die Aufteilung der runden Fläche in der Hand und im Auge." , /)abcn sich Indianer auch in der Malerei betätiift oder haben Sic junge Indianer gelegentlich anzulernen versucht?" „ein"— Mr. Phillips schüttelt den Kopf,„Indianer sind zurückhaltend. Ich wohne mehr als 30 Jahre hier, aber es bleibt die Fremdheit zwischen dem weißen und dem roten Mann. Ein anderer Maler hatte einen Jndiaiterjungen zur gelegentlichen Hilfe. Der Bursche fand Gefallen an der Tätigkeit seines Meisters und ahmte sie nach, aber es blieb bei unbedeutenden Versuchen. Neuer- dings macht ein Indianermaler von sich reden. Seine Bilder ober unterscheiden sich von denen seiner weißen Freunde durch keinerlei Eigenart." „Kommt das daher", wage ich einzuwerfen,„daß dreidimensia- nale Darstellung auf einer Fläche diesem primitiven Bolkc nicht künstlerisch geeignet erscheint— so l>aben ja auch Griechen und Chinesen Flachen nur in der zweidimensionalen Form bemait, wie wir sie bei der Vasenmalerei der Indianer finden." Mr. PhDips nickt:„Das kann der Grund sein. Der i n t e l- l« t t u e l l e�s a k t o r scheidet aus der Kunst der Indianer aus. Sie üben sie nur, soweit sie intuitiv ersaßt werden kann. So hibcn sie ihren stärksten Ausdruck im T a n z." 4. Indianer tanzen. Der Künstler versank für eine lurze Zeit in Nachdenken. Sein Bück schien Erlebnisse zu rekapitulieren." Dann fuhr er fort:„Tie Indianer glauben, daß der Rcgcnianz den fliegen herbeiführt. Der weiß« Mann lacht darüber, als wäre es Aberglauben— uns dach liegt die Erkenntnis als Wahrheit in der Nähe des Glaubens. Denken Sie an das Experiment Carusos, der das Vibrieren im Klang eines Weinglases sa in seine Stimme hineinnahm, daß er es fertigbrachte, durch seine Stimme den Klang des Weinglases zu verändern bis zu dem Punkte, wo das Glas springen mußte. « Unter diesem Gesichtswinkel sehen Sic den Indianertanz. Wie in einem aus dem Aether erfühlten Rhythmus gleiten die Füße im Sande. Immer zarter werden die- Bewegungen, immer iiftenswer. Man spürt als Zuschauer, wie Luft- und Glieddrzittern euch werden, wie die ganze Reihe der Tänzer und Tänzerinnen zu einer cinheii- lichen Form züsammenklingt und der begleitende Takt der einfachen Instrumente sich einreiht— nicht dirigiert! Das schwillt an und scheint bersten zu müssen im immer stärkeren rhythmischen Zittern und Schwingen, und schwillt ob zu ein Zltenizng zu neuem lllr. Phillips iu feinem.Heller Beginnen— bis rings die Luft erfüllt ist vom Rhythmus der Tänzer, einschwingt und mitschwingt und schließlich das erlösende, erfrischenide Naß sammelt, zu Wolken ballt und die Erde erfrischt. Oder sehen Sie den A d l e r- und den B ü f f e l t a n z, und Sie werden spüren, wie stark die Bewegungen dieser Naturkinder den Tieren gleichen kann, die sie darstellen, weil diese Tiere, vor denen sie sich fürchten, ihnen noch so gewaltige Impressionen zu geben oermögen." Phillips schwieg lange, ehe er weiter sprach:„Hier sind die Wirkungen, die die Indianer meiner Kunst gaben: den Rhyth- mus dessen zu erfüllen, was ich zeichnen will, bis in die kleinste Schwingung hinein und mit den Mitteln, die mir zur Verfügung stelzen, mit Farbe und Form auf die Leinwand zu kämmen. Und jetzt will ich Ihnen mein Studio zeigen." Damit stand der Meister auf und ging uns voran. Ein matt erleuchteter Raum empfing uns. Phillips zog die Vorhänge des Glasdaches zur Seit« und lenkte unseren Blick aus ein Bild im Vordergründe: ein Indianer, Wild erspähend. Der rote halbnackte Körper beugt sich ein wenig vor. Man kann sein Gesicht nicht sehen, aber man spürt, was er sticht Di« Bäume ringsum scheinen seinen Blick ausgenommen zu. haben, wie ein Pfeil fliegt das Aug« des Beschauers zu dem Bären im Hintergrund, der wuchtig wie die Bergwand hinter ihm ruht— und leise Wittcnmz verspürt. Noch ein anderes Bild sei«rwahirt: Schneesturm: Mächtige, zu kubistischen Formen geballte Luft- und Wolkenmassen stürzen über das Gebirge in das herbstlich grüne Tal. Eine Konzentratian von Rhythmen und Farben in scharfen kantigen Zusammenballungen und doch so feiner, durchsichtiger, hauch- zarter Art, daß die Uebergänge einen Zusammenklang von imer- hörter Wucht ergeben. Mr. Phillips drückte uns zum Abschied warm die 5)and. Seine Bescheidenheit hat cs bisher nicht gewagt, seine Bilder, die zum Teil amerikanische Museen schmücken, in C u r a p a anzubieten. Europas Blick sollte gelegentlich auch einmal den Kunstwinkel Taos■ in New ■■■■' Prits. „Ist i*t TOuborori mit Euch befreundet?� „Wie wäre das möglich, Aiya/ Er ist ein Mahatmaya aus Siamburupitiya. Ich bin nur ein Dörfler. Wie könnte er mit mir befreundet fein? Er ist nur in das Dorf gekommen, um feine Außen- stände hereinzubekommen." „Wenn er kommt, laßt Ihr ihn in dem leeren chause neben dem Eitrigen wohnen, nicht wahr? Im übrigen kennt Ihr ihn nichts" „Ja, das ist richtig, Aiya." „Ist der Korala mit Euch verwandt?" „Nein." „Befreundet?"(Fortsetzung folgt.) VW �LJ.möLF Copyrijht 1930 by„Der Biidiertrei» G. m. b. H,", Berlin SW 61. (23. Fortsetzung.) Endlich war die Namenfrage geklärt. Babehann wurde auf- gefordert, auf den Zeugenstand zu treten. In demselben Augenblick stand ein Anwalt auf und sagte: „Ich vertrete den Kläger, Euer Ehren." „Irgend jemand für die Angeklagten?" sagt« der Richter. „Habt ihr einen Anwalt?" fragt« der Dolmetscher Eilindu. „Nein", antwortete Babun,„wir sind sehr arm." „Nein, Euer Ehren", sagte der Dolmetscher. Babehami wußte genau, was er zu tun hatte: es war nicht das erstemal, daß er als Zeuge vernommen wurde. Er war sehr ruhig, als er schwor, die reine Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit sogen zu wollen. Er gab seinen Namen und seinen Stand an. Dann erhob sich sein Anwalt und sagte zu ihm: „Nun, Arachi, erzählt uns genau, wie alles gewesen ist." Babehami räusperte sich und erzählte in singendem Tonfall folgende Geschichte: „Als ich vor vier Tagen morgens aufwachte, war meine Frau schon auf den chof gegangen. Plötzlich hörte ich sie rufen:„Aiyoh, femand hat ein Loch in die chauswand gemacht." Ich lief hinaus und sah auf der Westseite des Hauses«in Loch in der Wand. Es war groß genug, daß ein Mann hindurchkriechen konnte. Das Haus l)at Zwei Räume, einen auf der Ostfeitc und llnen aus der Westseite. Wir, meine Frau und Ich, schliefen in di»fcr Nacht in dem Räume auf der Ostseit«: in dem anderen Räume stand eine Holzkiste, in der Tücher, zwei neue Sarongs und einige Schnmck- fachen meiner Frau waren. Die Kiste war verschlossen. Als ich das Loch sah, lief ich in das Haus zurück, um zu sehen, vb die Kiste noch da war. Sie war verschwunden. Ich rief laut:„Aiyoh, meine Kiste ist gestohlen worden." Auf mein Rufen hin kam der Muda- lali, der in der Hütt« nebenan wohnte, heraus und fragte, was los sei. Ich erzählte es ihm. Er sagte:„Heute nacht mußte ich, kurz«he «s Tag wurde, in den Hof gehen, um ein Bedürfnis zu verrichten. Ich hörte ein Geräusch in Eurem Hofe. Weil ich vermutete, es fei ein Wildschwein, trat ich in fcie Tür und spähte vorsichtig hinaus. Da sah ich, wie Euer Schwager von Eurem Hause herkam und etwas in den Armen trug. Er ging in den Djungcl hinter seinem Hause." Ich machte mich jofort auf den Weg nach dem Dorfe des Korala> Mahatmaya: es liegt viele Meilen weit nach Norden zu. Als die Sonne ungefähr dort war— er deutete zu der Dreioiertelhähe der Wand hinauf—, traf ich den Korala Mahatmaya auf dem Wege. Der Korala Mahatmaya sagte:„Ihr seid wohl auf dem Wege zu mir, um mich wieder zu belästigen. Ich habe in Kamburupitiya zu tun." Ich erzahlte ihm, was geschehen war und ging mit ihm den Weg zurück. Wir kamen nachmittags im Dorf« an. Der Korala Mahat- riiaya ging in das 5)aus der Angeklagten und durchsuchte es. Er fand in der Decke des Daches die zwei Sarongs und die Schmuck- fachen meiner Frau: die Kiste fanden wir mit gesprengtem Schlosse in dem Djungel hinter dem Hause." Als Babehami mit seiner Aussage begann, hatten Babun und Silindu nur halb hingehört, was er erzählt«: ihre Verwirrung war noch zu groß. Je länger er aber redet«, desw heller wurde es in ihren Köpfen, und als er zu der Geschichte mit dem Mudalali kam. durchschauten sie das Komplott. Ihr Verstand arbeitete langsam: sie fühlten, daß sie in einer Falle saßen:«inen Ausweg gab es nicht. Babehamis Anwalt stand auf, um ihm Fragen vorzulegen: der Richter unterbrach chn plötzlich: „Ter erste Angeklagte ist, soweit ich verstanden habe, der Schwager des Klägers. Stimmt das? Ich will jetzt förmlich die Anklage erheben lassen. Aber liegen denn gegen den zweiten Be- schuidinten— Silindu heißt er ja wohl— irgendwelche Beweise vor, Mr. Perera?" Der Anwalt rief Babehami zu sich und hatte eine geflüsterte Unterhaltung mit ihm. „Es liegt kein Beweis vor, Sir", antwortete er dem Richter, „daß er unmittelbar an dem Diebstahl beteiligt gewesen ist. Er war aber in der fraglichen Nacht in dem Hause, in dem der Be- schuldigte wohnt. Er muß Beihilfe geleistet haben. Das Haus ge- hört ihm, wie mir eben gefügt wird, und man könnte gegen ihn die Anklage wegen Hehlerei erheben." „Nein, auf keinen Fall— wenn das Ihr einziger Beweis der Mittäterschaft ist. Ich würde ihn auf keinen Fall verurteilen. Ich werde ihn sofort entlassen— er sieht übrigens auch aus, als wenn er nicht ganz richtig in seinein Kopfe wäre." „Ich bin einverstanden, Sir." „Erheben Sie die Anklage nur gegen den ersten Beschuldigten", sagte der Richter zu dem Dolmetscher.„Gegen den zweiten Be- schuldigten liegen kein« Beweise vor. Er kann gehen." Di« Unterhaltung war auf englisch geführt und deshalb wieder nicht von den beiden verstanden worden. Ihre Unsicherheit wurde noch größer, als der Dolinstschcr zu Silindu sagte:„He. du da, geh fort!" Silindu, der nicht wußte, wohin er gehen sollte, blieb stehen.„Kannst du nicht hören, Uakko")?" rief der Dolmetscher. „Mach, daß du fortkommst." Der Gerichtsdiencr kam und schob Silindu auf die Veranda hinaus. Ein paar müßige Zuschauer lachten, als er herauskam. „Heute abend wirst du gehängt werden, Vater", sagte ein kleiner Junge. „Ich meine, der Richter Hamadoru sagte etwas von zehn Jahren Zwangsarbeit", ulkte ein junger Bursehe. Silindu wandte sich an einen alten Mann, der aussah wie ein Dörfler. „Was bedeutet das, Freund?" Alles lachte. „Du bist frei", sagte der alte Mann:„gehe heim zu deinen Düffeln." Babun verstand ebensowenig, warum Silindu gehen konnte. Ihm kam alles wie ein wilder Traum vor. Der Dolmetscher trat vor ihm hin und sagte sehr schnell auf singalesisch folgenden Satz: „Du wirst auf Grund des Absatzes eintaiisendnndzehn des Strafgesetzbuches angeklagt, am Zehnten des Monats in das Haus des Klägers eingebrochen zu sein und eine Kiste mit Kleidung und Schmuck gestohlen zu haben, und du wirst aufgefordert, den Beweis zu erbringen, daß du nicht schuldig bist." „Ich verstehe nicht, Hamadoru." „Hast du gehört, was der Kläger gesagt hat?" „Ja, Hamadoru." „Cr beschuldigt dich des Diebstahls. Host du dazu etwas zu sagen?" „Ich weiß von alledem nichts." „Er sagt, er wisse von alledem nichts", sagte der Dolmetscher zu dem Richter. „Irgendwelche Zeugen?" fragte der Richter. „Hast du irgendwelche Zeugen?" fragte der Dolmetscher Babun. „Wie kann ich Zeugen haben. Niemand wird gegen den Aeltestea aussagen." „Irgendein Grund für eine falsche Beschuldigung?" fragte der Richter. „Hamadoru, ich stehe sehr schlecht mit dem Aeliesten. Er ist mir böse wegen meiner Frau. Er kann den Bater meiner Frau nicht leiden. Er wünschte, ich sollte ein« Frau aus einem anderen Dorfe heiraten. Dann verlangte er von mir, ich sollt« meine Frau dem Mudalali geben, und weil ich mich weigert«, ist er bös«." „Sonst noch etwas?" Babun schwieg. Da war nichts mehr zu sagen. Cr sah durch die große Tür auf den Djungel hinaus. Er versuchte sich klarzu- machen, nach welcher Seite Bcddcgama lag: ab«r aus der Eni- fernung war es unmöglich, irgendeine Landmarte in dem unabseh- baren Meer von Bäumen zu sehen. „Mr. Perera, bitte!" sagte der Richter. Mr. Perera erhob sieh wieder und verhörte Babehami. „Seit wann seid Ihr Aeltestcr?" „Seit fünfzehn Iahren." „Seid Ihr schon einmal in einer Angelegenheit vor Gericht gewesen?" „Nein." „Steht Ihr schlecht mit Eurem Schwager?" „Nein, aber er steht schlecht mit mir." „Was soll das heißen?" „Es gibt eine Verordnung der Regierung, die sagt, daß Chenas nur geeigneten Personen übergeben werden dürfen. Der Angeklagt« ist leine geeignete Person. Er kann arbeiten, aber er ist faul. Des- halb mußte ich ihm die Ehena oerweigern. Er meinte, es sei böser Wille von mir. Tatsächlich war es aber eine Kackzeri-Verordnung des Agenten Hamadoru. In der letzten Woche war er deshalb sehr erregt und bedrohte mich. Der Mudalali hat es gehört." eBuch Die unbekannte Jnfel? „England, die unbekannte Insel"(Klinkhardt u. Biermann Verlag). Es gibt kein Land(selbst in Indien und Afrika), so unbekannt. so verkannt(sagt der Autor) wie dieses merkwürdige kleine Insel- reich, das einen Kontinent, ein« Welt für sich bildet: und Paul Cohen-Portheim macht sich in seinem Buch mit viel Fleiß und Gründlichkeit daran, diese vielfach so widerspruchsvolle kompli- zierte Welt aus den großen Entwicklunngslinien zu erläutern. Po- litisehes und gesellschaftliches Leben, geschichtliche und geographische Bedingungen, was die Rasse geformt, zieht zum besseren Verständnis an uns vorüber, und der Verfasser gelangt zu prägnanten, wohl- dokumentierten Schlüssen. Das Meer hat den Engländer zum Mystiker gemacht, der sich unter göttlicher Führung glaubt. In jedem Engländer steckt ein Stück Landmann und ein Stück See- fahrer. Das aristokratischste ist auch das demokratischste Land, wo dem nüchternen Spießbürger der phantastische Welteroberer und Romantiker geeenübersteht. Abnahme, Ausgeben der Privilegien von oben, Zuwachs, Eroberung derselben von unten, Ausgleich der Schichten, der immer wieder revidiert wird, ist dos Gesetz englischer Entwicklung. Die Geheimherrschaft der vornehmen Gesellschaft, die englische, von einer Aristokratie geleitete demokratische Herrschaft ist keinem Prinzip entsprungen und auch nicht auf andere Länder übertragbor. England gilt als altmodisch, unzeitgeniäß, überholt. im Untergang begriffen— aber der englische Geist hat nichts an seiner Kraft verloren. Das englisch« Ideal, in dem sich Komfort, Eleganz, Sport und Freilustleben mischen, ist heute das allgemeine Ideal, weil es das höchst Erreichbare scheint. Der Engländer will nicht in der Metropole, sondern auf dem offenen Lande leben— je reicher er ist, desto vollkommener realisiert er das Ideal des Land- leben?. London aber ist das unwahrscheinlichste, phantastischste Mcnschenwerk der Erde— unendlich ausgedehnt und mannigfach, auf keine Formel zu bringen und daher ewig neu. Selbst wenn Englands Kolonialzeit vorüber sein wird, bleibt dem Inselrcich noch immer ein enges Zusammengehen mit USA. und ein politischer Zusammenschluß aller Länder anglosöchsischer Kultur. Vieles ist richtig, manches zweifellMt, anderes dem England- kenner selbstverständlich in diesem Buch, aus dem man natürlich England auch nur dann wirklich kennen lernt, wenn man es selber mit offenen Augen gesehen. Eine scharfe Abgrenzung deutscher und englischer Wesenseigenhesten gegeneinander fehlt, sowie die Er- klärung des äußeren Einfügens und inneren Entgegenkommens des Deutschen im englischen Staatskörper, von dem er so leicht verschluclt wird. H. Hemmer. RätsehEcke des„Abend" QWiiuniiumrunnitinniuuiiiuMHiiußiuntnninnuiunauuiiiinuuiuiiiniimuiiuuiuuMumiuuuuiu:iuiiitiui!iniriiiiiHtiiiim!r!iininnnim;ni!!ini]!niuuniiiuiiiii!niiiiiov »0 Bails: mißÄchtliche Anrebe, etwa•Sutföe', Kreuzworträtsel Waagerecht: l. Fisch: 3 Fluß: 6. Halbedelstein: 8 männl Vorname: IlZ Lebensbund: 12 Gegenteil von „immer": 13. Gegenteil von.all": 16. Teil eines Theaterstückes: l?. Singspiel: 19 erhöhter Platz: 20. Fahrzeug: 21. Schicksal.— Senkrecht; 1. Urteilchen: 2. Senkblei: 4. Metall; 5 feierliches Lied: 7. Fluß: 9 Behälter: 11. Backmittel: 14. Haushaltplan: 15. Liebesgott: IL Münze: 1?. Fluß: 18. Drehpunkt der Erde. tt. L. Silbenrätsel Aus den Silben and ba bahn bäum bier br! cham de e e ei el fa ge hi i la le lin mi mi mis ne ni pn pag qui ra ras recht sa se s«n so stil sto stoi tol turn ut sind 14 Wörter zu bilden deren An- fangsbuchstaben von oben nach unten und deren Endbuchstaben von unten nach oben gelesen ein Sprichwort ergeben,(ch 1 Buchstabe). — Die Wörter bedeuten: 1. Planet: 2. Landschaft in Frankreich: 3. Stadt in Holland: 4. Königin von Assyrien: 5. russischer Schriftsteller: 6. Gefährt: 7. Moler: 8. deutscher Schriftsteller: 9. Baum: 10. Verkehrsmittel: 11. Gestalt aus„Wallenstein": 12. Pariser Siaatsgefängnis: 13. französischer Staatsmann: 14. kirchlicher Sonntag.— ekr.— Silben-Kreuzworträtsel Spiralenrätsel. Waagerecht: 2. Nordische Gottheit: 3. Sigmöbel: 5. Nebenfluß der Donau: 6. Bogel: 8. Grundbestandteil: 9. Stadt in Palästina: II. Stadt in Süddeutschland: 12 Stadt in der Mark.:>4. Vorrichtung zum Wenden von Eisen- bahnfahrzeugen: 15- At- mung-Senkrecht: 1. Tierprodukt: 2. Tierkadaver: 4 Farbe: 5 weiblicher Vorname: 7. Nebenfluß des Mains: s. geschmackvoll: 10. Sohn des Zeus: 1l. Stadt am Neckar: 13. fugenloses Mauerwerk: 14 Bohrgerät für Holzbohrer.-kr- Abzählrätsel Schen. gen, nig, dich, willst, has, wart, sie, ums, du, sen, ge, muß, oer, dir, und, nie. dich, gang', ein, die. ßen, ver. ne, hübsch, zu, be, dri«. nicht, le, fünft, son, ßen, be, den, goit, ders, mußt, küm, zim, ü, fei, stets, mcni, mern, der, neu, die, das, mutzt, las, men. ge, mc. du, sen.— Borstehendc Silben sind durch eine zu ermittelnde Zahl abzuzählen, aneinandergereiht ergeben dieselben ein Zitat von Goethe. kr. " aa" r I �!r~1 I Waagerecht: 1. Rechnungsabschluß: 3. Monat: 4. Schifss- kellner: 5. biblisch« Person: 6. Frauenname: 8. Baumbestandteil: 11. nordischer Gott des Feuers: 13. Gcsichtsteil: 15. Papageienruf- nam«: 17. Käufer: 13. Planet: 19. Gefäß: 2V. Volksstamm: 22. Kanone: 23. Schaskamel: 25. Sttitzbalken im Schijfsrumps: 27. Affenart: 29. Flußmündung: 31. Abschied.— Senkrecht: 1. Nagetier: 2. männlicher Vorname: 3. Farbe; 4. Talg(Herstellungsmaterial für Kerzen): 7. Getreidespeicher; 9. Hinterlegtes: 10. polnische Stadt: 12.(Gewicht: 14. Zeitbegriff: 16. Feuerwerks- körper: 18. Enterich: 19. Papierart: 20. Teil eines Hauses; 21. Muster: 23. wohlriechendes Oel; 24. langsames Tonftürf; 28. Erguß eines Kraters: 30. Münze.— Die vier Silben der Nummern 10, 2. 22. 21 ergeben zusammengesetzt den Vor- und Zunamen eines bekannten populärwissenschaftlichen Schriftstellers. ak. (Auslösung der Rätiel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer Silbenrätsel: 1. INonnoncn: 2. JsolonI: 3. Chinin; 4. Hindu; 5. Arrak; 6. Europa: 7. Labendieb.— Michael Bakunin. Worträtsel: Zunge, Ulm, Name, Geige, Grill«, Enkel, Itzind. Oder, Halle. Nobel, Teer, Art, Limge, Tanne, Geld, Edel, Teil, Alster, Nacht.—„Jung gewohnt, alt getan." Rösselsprung. Das Glück ist eine leichte Dirne. Und weilt nicht gern am selben Ort. Sie streicht das Haar dir von der Stirn?, Und küßt dich rasch und flattert fort. Frau Unglück hat im Gegen- teile Dich liebefest an» Herz gedrückt; Sie sagt, sie habe kein« Eile, Setzt sich zu dir ans Bett und strickt. Heine. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Los: 3. Fee; 5. Dom: 6. Tis: 7. General: 8. Rio: 9. Inn: 11. Don; 12. Hut. Senkrecht: 1. Lid: 2. Samenkorn: 3. Federvieh: 4. Ems: 8. Rad: 10. Not. Kapselrätiel: Amanda, Eichelhäher, Torwächter, Eisen- bahnlruppe, Bersicherimg, Waschsrau, Bleiuruc, Handschuh. Ziehung, Aetna. Belichtung, Nachtdienst, Hebamme, Gcsindestub«, Strohdiemen, Weihnachten, Wischer, Schnürnaht, Antenne.—„Mancher wähnt sich frei und stehet nicht die Baude, die ihn schnüren." Nr. 514 H| dam HA HB BB BH Sonnabend -7. Jahrgang m. �Wj DD �W» W 1. November 1950 Deutsche Stromw Im El-Urotechnischen Verein hielt vor kurzem Prof. Dr. Robert Haas-Rhoinfelden einen Bortrag über die deutsche Strom- Wirtschaft und ihre voraussichtliche Entwicklung, dem wir folgende interessante Zahlen entnehmen: Im Jahre 1923 wurde die g e- samte Maschinenleistung auf der ganzen Erde auf ZOO Millionen P f e r d e st chr k e n(PS) geschätzt, welche ein« Arbeit von 8 00 Milliarden Kilowattstunden(KWK) erzeugten, wovon 230 Milliarden, also 31,23 Proz. elektrisch« Arbeit waren. Von dieser entfielen auf die Vereinigten Staaten von Amerika 100 Milliarden, also 40 Proz., auf Deutschland nur 30 Mi!- liarden oder 12 Proz. Schon dieser Vergleich mit den Vereinigten Staaten.zeigt die grosse Entwicklungsfähigkeit der Verwendung elektrischer Arbeit in Deutschland, zumal auch in den Vereinigten Staaten der Elektrizitätsverbrauch erst in den Zlnfängen der Ent- Wicklung steht. Noch deutlicher tritt die Entwicklungsfähigkeit her- vor, wenn nioii den Elektrizitätsverbrauch auf den Kopf der Bevölke- rung berechnet. In Deutschland ergeben sich 400 KWh im Jahr gegen 900 in den Bereinigten Staaten. Doch auch sie werdcn noch übertroffen von der Neinen Schweiz mit 1000 KWh aus den Kopf der Bevölkerung und dem schwach besiedelten Kanada mit 1200 KWh. Es steckt eben der Verbrauch bei uns noch durchaus in den Kinder- schuhen.� Im Haushalt wird in weiten Bezirken elektrischer «trom überhaupt noch nicht benutzt, und in den Gemeinden, wo bas bereits der Fall ist, bewegt sich der Haushaltsstromverbrauch für den Kopf und das Jahr zwischen 30 und 80 KWh, während die«nt- lprechendc Ziffer in dar Schweiz z. B. bereits 300 KWh beträgt. 2luch im Kleingewerbe und in der Landwirtschaft stehen wir erst im Anfang des Stromverbrauchs. Di« Elektrifizierung der Eisenbahnen wird fortschreiten und den Stromverbrauch gewaltig steigern, wozu noch eine Reihe weiterer Bcnutzungsarten in den verschiedensten Industrien treten werden. Sehr interessant sind die Ausführungen von Haas über die Elektrizitätserzeugung in Eigenbetrieben der Industrie, die in Deutschland noch 30 Proz. beträgt gegenüber z. B. nur 20 Proz. in den Vereinigten Staaten. Haas schiebt das zum großen Teil„auf die Eigenbrötlerei des Deutschen, der„Herr im Hause" sein will. Er bedenkt dabei nicht, daß er einen Teil seines wertvollen Betriebs- kapitals auf IS bis 20 Jahre bindet, daß seine Anlage allmählich veraltet und dadurch kostspielig wird, und daß er bezüglich der Re- lernen sehr viel schlechter dasteht, als wenn er an ein öffentliches Elektrizitätswerk angeschlossen wäre.... In Amerika und anderen fortschrittlichen Ländern pflegt man die angeblichen, oft nur errechneten Vorteile der Eigenanlagen nicht besonders einzuschätzen". Unter öffentlichen Werken versteht Haas aber hier keineswegs solch«, die im Besitz des Staates oder der Gemeinden sind, sondern Werke, die eben nur Elektrizität erzeugen und abgeben im Gegensatz zu eigenen Anlagen, die sich industrielle Unternehmungen irgend- welcher Art wie Berg- und Hüttenwerke, Textilfabriken und viele andere für ihr« Zwecke errichtet haben. In den Belitzverhältnissen der Elektrizitätswerke kann Anierika durchaus nicht als Vorbild gelten, da dort die meisten und bedeutendsten Werke in Privatbesitz sich befinden. In Deutschland dagegen wurden im Jahre 1328 nur 13 Proz. der elektrischen Arbeit in Privatunternehmungen erzeugt gegenüber 37 Proz. aus Werken i?n Besitz der öffentlichen Hand und 28 Proz. aus gemilcht-- wirtschaftlichen Betrieben. Haas rechnet damit, daß die gegenwärtige Finanznot der Gemeinden dazu führen wird, nicht nur neue öffentliche Werke nicht zu errichten und die vorhandenen nicht auszubauen, sondern durch Verpachtung oder Ver. kauf öffentliche Werke wieder in Privathände übergehen zu lassen. Die großartige Entwicklung' der amerikanischen Stromwirtschast führt er auf den Privatbesitz an den Werken zurück. Er rühmt hier ..größere Freiheit der Bewegung, stärker« Entschlußkraft und billigere Wirtschaft". Demgegenüber muß noch hervorgehoben werden, daß wir aus der kürzlich abgehaltenen internationalen Weltkraftkonserenz aus sehr berufenem Munde, nämlich dem Boffchafter der Vereinigten Staaten in Berlin, gehört haben, daß gerade das Fehlen von Werken im Besitz der öffentlichen Hand in den Vereinigten Staaten«in« vernünftige Tarifpolitik verhindert, durch die allein die große Masse der kleinen Haushaltungen für den Berbrauch von elektrischer Kraft gewonnen werden kann. Wenn wir in Deutschland wirklich die öffentlichen Elektrizitätswerke wie auch sonstige öffentliche Betriebe wieder in Privatbesitz übergehen ließen, so würden die Verbraucher an den erhöhten Preisen sehr bald merken, daß der Privatbetrieb, dem ja in erster Linie an hoher Verzinsung des Anlagekapitals liegt und liegen muß. den Umfang des Verbrauchs nicht fördert, sondern hemmt und sich als Hindernis für die Weiterentwicklung erweist. In der Frag« der Stromerzeugung aus Wasserkraft oder Dampkrasr wägt H. die Vor- und Nachteile beider sorgsam ab. In Deutschland ist das Verhältnis gegenwärtig 5: 1 und wird wohl auch so bleiben, denn einerseits hat Deutschland wenige günstige Wasserläufe, andererseits kommt die Billigkeit des Energieträgers Wasser gegenüber der Kohl« bei den großen Anlagekosten gar nicht in Betracht, zumal das Wasserwerk sofort auf volle Leistung aus- gebaut werden muß, während das Dampfkraftwerk allmählich er- weitert werden kann Auf die Einheit der Leistung be- rechnet, find Wasserkräfte drei- bis fünfmal so teuer wie Dampfkräfte. Trotzdem spricht sich H. im Zweifelsfall für den Ausbau von Wasserkräften aus, um die Ver- wendung von Kohls hcrabzudrücken und damit den Zeitpunkt der Erschöpfung der Kohlenvorräte hinauszuschieben. Besonders günstig liegen die Verhältnisse bei Braunkohlen- werken, so daß H. direkt sagt:„Unsere Zukunft liegt auf der Braun- kohle": doch wird auch diese in etwa 100 Iahren aufgezehrt sein. Mit scharfen Worten wendet H. sich g« g e n d i« K l e i n n e tz e. die sich viele kleine Dorf, und Stadtgemeinden halten, welch« den Strom vom großen Elektrizitätswerk kaufen und durch den Ketten, Handel, den sie damit treiben, ein Hindernis für die weiter« Entwicklung sind. Diese steht H. mit vollem Recht im Zusammenschluß der Werke und in Grohleiwngen, die den Austausch auch über die Landesgrenzen hinaus ermöglichen. Allerdings spricht er von solchem Austausch nur in Rücksicht auf einen Ausgleich der Spitzenleistungen, wie es mich auf der WeÜkrastkonferenz geschah. Der Plan eines Großkraftnetzes über fast all« Staaten Europas, den Generaldirektor Oliven dort entwickelte, wurde vor allem mit Rücksicht auf die Möglichkeit eines Ausgleichs der Spitzenleistungen gut geheißen, denn in Moskau z. B. herrscht schon tiefe Nacht, während in Paris zur selben Zeit es Abend mit außerordentlich starkem Stromverbrauch ist. Wenn hier Moskauer Strom zu Hilfe genommen werden kann. so bedeutet das für beide Werke die Möglichkeit einer bedeutend rationelleren Ausnutzung und Verminderung des aufzuwendenden Kapitals. Dagegen wurde nicht an eine regelrechte Stromlieferung aus einem Lande an dos andere gedacht, weil sich dadurch«ine poli- tisch nicht tragbare wirtschaftliche Abhängigkeit des einen Landes vom anderen ergeben würde. Auch H. betrachtet die Stromlieferung über die Landesgrenzen hinaus wesentlich von diesem Gesichtspunkt und meint z. B., daß man von Skandinavien, wo ungewöhnlich zünftige Wasserkräfte vorhanden sind, Aushilfsstrom beziehen und zu Zeiten der Wasserklemme Strom nach dort liefern wird. Aber die Technik wird sich mit solchen halben Lösungen nicht begnügen: wo der Strom wirtschaftlich am günstigsten erzeugt werden kann, werden die Elektrizitätswerke entstehen, deren Strom in anderen Ländern verbraucht werden wird. Die dadurch entstehende, heute politisch untragbar erscheinende gegenseitige wirtschaftliche Abhängig. keit der Völker und ihrer Arbeit voneinander wird den kommenden Geschlechtern als eine Selbstverständlichkeit erscheinen. Der Kapita- lismus wird sagen müssen: Die ich rief, die Geister, Werd' ich nun nicht wieder los, und die technische Entwicklung gerade auch auf dem Gebiet der Eiek- trizitätsversorgung wird schneller und gründlicher die Stimmung zu friedlicher Arbeit und ihrem Austausch zwischen den Völkern und Ländern verbreiten, als es alle noch so schönen Reden ideal gesinnter Friedensfreunde tun können, das Zutreffende der Marxschen Anschauung bestätigend:„Die ökonomische Entwicklung sprengt die Fesseln, die ihr«in« überlebte Gesellschaftsform aufzwingen will, und schafft die Bedingungen für eine neue Form des Gesellschasts- und Gemeinschaftslebens." Dr. Bruno Borcliarckt. Schwerölmotoren für Flugzeuge Daß es mit der Wirtschaftlichkeit im Luftverkehr noch schr im argen liegt, Ist em« bekannte Tatsache. Eine grundlegende Aendcrung kann hier aber eintreten, wenn an Stelle der heute durchweg ver- wendeten Vergasermotoren(für Benzin und Benzol) der Diesel- inotor im Flugzeug zum Einbau kommt. Im Fahrzeugbau hat man mit dem Schwerölmotor die denkbar besten Erfahrungen ge- macht. Immer mehr wird er bei Nutzfahrzeugen verwendet. Vom Fahrzeugmotor zum Flugzeugmotor ist jedoch noch ein langer Weg. Hier sind aber inzwischen Vervollkommnungen erfolgt, durch die die bisher bestandenen Schwierigkeiten im großen ganzen als überwunden gelten können. Gewiß sind noch nicht all« Schwierig- leiten restlos aus dem Weg geräumt. Was hier noch zu lösen bleibt, ist jedoch nicht mehr so schwer. Welches sind nun die Vorteile, die den Dieselmotor gegenüber dem Vergasermotor vor ollen Dingen für den Flugbetrieb geeigneter erscheinen lassen? Von allen bekannten Verbrennungsmaschinen setzt der Dieselmotor die Brennstoffenergie om vollkommensten in mechanische Arbeit um. Die Folg« ist ein geringerer Brennstoff- verbrauch, der sich besonders im Flugzeug sehr günstig auswirkt, weil hier mit jedem bißchen Raum für die Zuladung hausgehalten werden muß. Das Schweröl nimmt einen geringen Raumbodavs ein. Dar- aus ergibt sich folgendes, zweifellos überzeugende Beispiel: Nehmen wir zum Vergleich einen bestimmten FrachtslugzeugNip, der etwa dem Iunr«rs-„Br«men"-Typ entspricht. Für einei, 6000-Kilometer-Flug muß dieses Flugzeug bri Verwendung eines Vergasermotors so viel Benzin oder Benzol laden, daß irgendwelche Ladesähigkeit sür zahlende Nutzlast nicht mehr verbleibt. Die gleiche Maschine, sür denselben Flug mit Schwerölmotor ousgestattet, kann dagegen noch m e h r a I s 900 Kilogramm Nutzlast befördern. Dieser Vergleich zeigt eindeutig, wie die Wirtschaftlichkeit des Luftverkehrs durch Ein- sich rung von Rohölmotoren gesteigert— oder richtiger gesagt— über- Haupt erst erreicht werden kann. Da Schweröl in der Anschaffung wesentlich billiger als alle Leichtöle ist, so gestaüet sich ein solcher Motor auch im Betrieb viel billiger. Da zum Fliegen allgemein sehr starke Motoren(im Vergleich zum Kraftwagen) in Betracht kommen, so kann hier jeder einzeln« Flug eine erhebliche Ersparnis bringen. Vor allem ist aber auch der Schwerölmotor durch die erheblich ver- minderte Brandgesahr seines Betriebsstoffes von großer Bedeutung. Schon seit einer langen Reihe von Iahren befaßt sich Prof. Junkers mit dem Problem des Schwerölslugmotors. Der ortsfeste Motor und der Fahrzeugmotor hat Junkers lediglich als die Vor- stufen in der Entwicklung betrachtet, di« ganz und gar auf die Schoffuirg des Schwerölflugmotors abgestellt war. Heute hat der Junkers-Schweröl-Flugmotor bereits ein« groß« Zahl wohlgelungener Flüge, selbst mehrstündige Streckenflüge hinter sich. Seine prak- tisch« Verwendbarkeit im Flugzeug hat er unter Beweis gestellt. Mögen auch da und dort noch Verbesserungen notwendig sein, die Lösung des Problems ist doch einen gewaltigen Schritt vor- wärts gekommen. Die größten Schwierigkeiten bei der Lösung des Problems bereiteten der extreme Schnellauf und der Leichtbau: dies« können aber heut« als überwunden gelten. Von Anfang an widmete sich Junkers bei seinen Arbeiten dem Jweitakt-Doppelkolibenmotor. In jedem Zylinder arbeiten zwei Kolben gegenläufig zueinander. Hier hat man den Z w e i w e l l« n- motor entwickelt, bei dem eine Kurbelwell« oben und die andere unten angebracht ist. lieber verschiedene Versuchstypen ist man zu dem heutigen S e chs z y l i n d e r- R e i h e n in ot o r gekommen, bei dem Motorgehäuse und Getriebekasten(Stirnrod-Unter- setzungsgetriebe) In einem Block gegossen find. Besondere Sorgsalt erforderte es, eine gute Spülung zu erzielen. Zu diesem Zweck ist eine Anzahl von Spül löchern vorgesehen. Die Brennstoffeinspritzung kann bei diesem Motor als sehr glück- lich gelöst angesprochen werden. Durch die Düse wird der an sich ge- schlossene Brennstoffftrahl aus eine» flachen, fächerförmigen Spritz- Winkel von 120 Grad verbreitert. Damit eine vollkommene Ver- teilung auf den ganzen Raum erzielt wird, verfügt jeder Zylinder über vier Einspritzdüsen und zwei Pumpen. Eine Rutschkupplung zwischen Gebläse- und Kurbelwell« verhindert die gefährlichen Drehschwingungen zwischen Motorschwungmasse und Gebläseschauselrad innerhalb des normalen Umdrehungsbereichs. Trotz der durch die Doppelkolbenbauart bedingten größeren Bauhöhe des Motors konnte diese doch in solchen Grenzen gehalten werden, daß Einbauschwierigkesten in den Fwgzeugrumpf nicht he- stehen. Der Motor leistet bis zu 63 0 PS und wiegt trocken 8 4 0 Kilogramm, so daß sich«in K o n ft r u k t i o n s g e w i ch t von knapp 1,3 k g/ P S ergibt. Dieses Ergebnis muß durchaus als günstig angesprochen werden, einmal im Vergleich zu anderen Oelslugmotoren wie auch hinsichtlich der Tatsache, daß Junkers bei seinen ersten Dersuchsmotoren noch mit einem Einheitsgewicht von 30 kg/PS rechnen mußte, als man damals schon Vergasermotoren mit 1 kg/PS erfolgreich baute. In Amerika beschäftigt sich vor allen Dingen Packard mit dem Dieselmotor. Dieser Motor, ent- warfen von dem bekannten deutschen Flugzeugkonstrukteur Dorner, ist als luftgekühlter Neunzylinder-Viertatt-Sternmotor gebaut. An jedem Zylinder ist imten eine Brennstoffpumpe an- geordnet. Durch eine automatisch wirkende Düse wird der Brennstoff in die Zylinder«ingespritzt. Den Düsen wird das Rohöl durch eine Ringleitung zugeführt. Bemerkenswert ist bei diesem Motor vor allen Dingen die Ventilkonstmktion. An Stelle sonst üblicher Ein- und Aus- laßventile verfügt jeder Zylinder nur über«in großes Zentral- ventil mst zwei außen in Flugrichtung liegenden Oeffnungen. Durch den auf die«ine Oeffnung oustreffenden Propellerluftstrom wird frische Lust in den Zylinder gesaugt, während aus der anderen Ulster' Derinifchung mit Frischluft die Auspuffgase ausgestoßen werden. Diestr Motor Hot ein Hubvolumen von 16 Litern, leistet bei 18 00 U/ dl i n. 2 00 P 8. Bei einem Trocken gewicht von 280 Kilogramm ergibt sich ein Konftruktionsgewicht von 1, 4 K i l o g r a m m. Bei d�r Versuchen sollen sich aber noch Schwierigkeiten an der Lagerung der Kurbelwelle ergeben haben. Englischerseits ist zunächst der neue Sunbeam- Diesel- flugmotor zu nennen, der als wassergekühlter Vier- takt-Sechszylinder-R«ihenmotor von 8,8 Liter Hub ra uni ausgeführt ist. Neben Ein- und Auslaßventil verfügt jeder Zylinder noch über ein gesteuertes Brennstoff- ventil. Die Einspritzung geschieht durch eine stetig wirkende Pumpe in ein« Kammer. In dieser ruht ein Kolben, der beim U eberschreiten eines bestimmten Druckes angehoben wird. So kann dann aus den Oeffnungen solange Brennstoff entweichen, bis der ent- sprechende Druck wieder hergestellt ist. Rohrleitungen führen von der Kammer zu den Zylindern. Dieser Motor gibt bei 1300 minutiichen Umdrehungen 10 0 PS ab und wiegt 197 Kilogramm. Mit 1,9 kg/ PS liegt das Einheitsgewicht wesentlich über dem des Junkersmotors. Eine schwere Ausführung, speziell für Luftschiffe bestimmt, hatte Beardmore geschaffen, ohne daß hier jedoch wirk- lich zufriedenstellende Resultate erzielt worden waren. Di« vor- gesehene Leistung konnte nicht erreicht wenden, da an der Kurbel- welle so erhebliche Torsiansschwingungen auftraten, daß eine Dreh- zahffteigerung über WO U/Min. nicht mehr möglich war. So kam die Leistung im besten Fall aus 650 PS. Der Motor wiegt aber 2340 Kilogramm und dos somit erzielte Konstruktionsgewicht von 3,6 Kilogramm pro PS ist recht ungünstig. Pritr Winekivck. „Jotschung und Technik." Vom Verlag« von Julius Springer ist ein Buch erschienen, das sich„Forschung und Technik" betitelt und im Auftrage der AEG. van Professor Dr. Petersen heraus- gegeben worden ist. lieber 500 Seilen stark, enthält das Werk 40 Bericht« über Forschungen, die in den letzten Jahren von der ZlEG. durchgeführt wurden. Mehrer« Aufsätze behandeln Aufgaben, die mit den jüngsten und populärsten Errungenschaften der Technik. mst Rundfunk und Tonfilm, im Zusammenhang stehen, aber auch im weiteren Bereich Anwendung finden wie das Elektronen-Problem und die akustische Strahlung. Viele andere physikalische Probleme wie das Kochen, die magnetische Streuung, der Wechfelftrom- Hochfpannungslichtbogen und andere sind behandelt worden. Es finden sich weiter neue Wege der Errechnung und graphischen Lesung- von verschiedenen Problemen und Verfahren für Prüfung und Uebcrwachung der verschiedensten technischen Einrichtungen. Erwähnt sei«in Aufsatz über den Film als Forschungsmittel der Technik. Ferner wird berichtet über Neukonstruktionen und ihre Entwicklung aus Theorie und Versuch. Daß heut« mit dem Problem der Technik eng der Gesichtspunkt über Wirtschaftlichkeit verknüpft ist, zeigt die groß« Zahl der Untersuchungen der Wirtschaftlichkeit von technischen Einrichtungen. So behandelt beispielsweise«in Aufsatz die Bedeutung des elektrischen Betriebes für die deutsche Eisenbahn. Von den Forschungsberichten sind nur einige besonders erwähnt worden, aber jeder einzelne ist bedeutungsvoll. Ihnen allen gemeinsam fft eine Unsumme von Arbeit, die in ihnen an thear«. tischer und experimenteller Forschung steckt. Daß dies« Arbeit, die früher hauptsächlich den Universitäten und Forschungsinstituten vor- behalten war, heute von einem Industrieunternehmen geleistet wird, ist ein Beweis, daß die Forschung längst Wegweiserin sür die technische Entwicklung geworden ist. ~ oJfuel Brcüensträier-Premiere Der Sportpalast ausverkautt An der Stätte so vieler großer Boxkampsvcranstaltungen, dem Berliner Sportpalast, gab gestern abend Breiten st räter, der„blonde Hans"', sein Debüt als Veranstalter. Der Altmeister, mehrfach von allen � Seiten stünnisch bejubelt, hatte einen außerordentlich glücklichen Start, die große Halle war bis auf den letzten Platz besetzt.„Ausverkauft" war bereits wenige Minuten nach Beginn des ersten Kampfes an ollen Kassen zu lesen. Breitensträters großer Kollege Schmeling kam beim Publikum weit weniger günstig weg. Als Schmeling, übrigens unnötigerweise, im Ring vorgestellt wurde, setzte ein P f e i f k o n z e r t und ein Protest ein, wie ihn wohl der Weltmeister kaum erwartet haben dürfte. In sportlicher Hinsicht kamen die erwartungsvoll gestimmten Besucher nicht zu kurz. Lediglich der Hauptkampf zwischen den Halb- schwergewichtsmeistern von Deutschland und England, Ernst P i st u l l a(7S,.Z Kilo) und Harri) C r o ß l c y(81,2 Kilo), über dessen Ausgang im Morgenblatt bereits berichtet wurde, verpuffte in feiner Wirkung, weil der Engländer über die ganzen zehn Runden gar nichts riskierte, sondern sich dauernd abwartend verhielt. Er verstand es allerdings ausgezeichnet, die fortgesetzten Angriffe P ist ullas abzudecken und ihnen so die Wirkung zu nehmen. Immer hatte Pistulla ein klares Plus und feierte einen überlegenen Punktsieg. Gleich im einleitenden Kampf gab es guten Sport. Der Berliner Horst H i n z m a n n kletterte mit dem tschechischen Schwer- gcwichtsmeister Josef Hampacher durch die Seile. Nach Ablauf der sechs Runden, in denen Hinzmann fast ständig im Vorteil war, botte er sicher nach Punkten gewonnen. Der Münchener Welter- gewichtler Konrad Stein, vor kurzer Zeit aus Südamerika zurück- gekehrt, bewies in seinem Kampf gegen Weltergewichtsmeister Gustav Eber, Dortmund, daß er drüben außerordentlich viel zugelernt hat. Er konterte seinen Gegner fast immer recht wirkungsvoll und führte nach Ablauf der acht Runden klar nach Punkten, so daß das gegebene Unentschieden als klares Fehlurteil angesprochen werden muß. Mit seltener Erbitterung kämpften die beiden Feder- gewichtlcr Paul Noack und Harry Stein. Es gab unaufhörlich barten Schlagaustausch, bis sich schließlich in der dritten Runde die größeren körperlichen Kräfte von Noack durchsetzten, der dann die Führung übernahm und seinen Gegner in der vierten Runde durch einen schweren rechten Haken für die Zeit auf die Bretter setzte. Einen wirkungsvollen Abschluß erhielt der bis auf den«nt- täuschenden Crvßley wohlgelungene Abend mit dem Weltergewichts- kämpf zwischen dem Tscheck)«» Franz N e k o l n y und dem Bochumer Hans Seifried. Wie immer zog Nekolny von Beginn an in einem mörderischen Tempo los, schlug aus allen Lagen, so daß Seifned, obwohl er ausgezeichnet trainiert antrat, nur bis zur sechsten Runde einigermaßen mithalten konnte. Dann schwächt« er ab und mußte dem Tschechen einen verdienten und stark applaudierten Punktsieg überlassen. Sport am Sonntag Arbeilerschwimmfesk in Neukölln. Die Gruppe Neukölln der Freien Schwimmer Groß-Berlin hält morgen im Stadt- bod Neukölln, Ganghoserstraße, ihr bundcsoffenes Schwimm- f e st ob. Das Programm verzeichnet über 300 Startende in Cinzel- und Mannschaftskämpfen. In allen Konkurrenzen sind die besten Kräfte aar Start. Das Springen der Männerklasse sieht die fünf Besten des 1. Kreises im Arbeiter-Turn- und Sportbund. Neben den Rettungsvorfllhrungen dürfte der Frauenkunstreigen(Wertungs- reizen), der von Lichtenberg und Neukölln geschwommen wird, nicht unerwähnt bleiben. Die Veranstaltung beginnt um 13 Uhr. Slislungssest der FTGL.-Hermsdorf. Einer der jüngsten Bezirke der Freien Turnerschast Groß-Berlin feiert heute, Sonnabend, sein 2. Stiftungsfest»n Seeschloß, Berlin-Hermsdorf, Junostr. 6, unter Mitwirkung des Männerchors„Liederzweig 1888". Auch in diesem Jahr wird der Bezirk mit einem gut durchdachten und allerlei witzigen Einfällen versehenen Programm aufwarten. 1Z Paare im Sportpalast. Die Teilnehmerliste für das heute, Sonnabend abend, im Sportpalast sftittfmdcnd« Dreistundenmannschaftsfahren, �das die letzte Vorprüfung für die am 7. November be- jimnenden..Six days" bildet, ist jetzt komplett. Von den 13 ver- pflichteten Mannschaften interessieren neben den bewährten „Kanonen" wie Gebrüder van Kempen, Rausch-Hürtgen, Chmer-Tietz ujw. die beiden deutsch-ausländischen Paarungen N. Frantz-Micthe und Batlesini-Mandelkow sowie die erfolgreichen Cxamateure Engel- inann-W. Nickel, die hier ihr Berufsfahrerdebut geben. 3i>i pserdcrennsporl bringt am Sonntag Strausberg nur Durchschnittssport, der sich lediglich durch überaus starke Felder aus- zeichnet.— Am Montag hat M a r i s n d o r f wieder ein Abend- lrabrennen angesetzt, das um 15 Uhr beginnt. Arbcitcr-W asserball-V or schau In Fortführung der Serienfpielc im Lunabnd um die Ermitt- lung des K r e i s m e i st e r s stehen sich heute,- Sonnabend, 21 la Uhr, die 2. Mannschaft des ASV. Hellas und die Gruppe Lichtenberg der Freien Schwinimer Groß-Berlin und am Sonntag, 21 Uhr, die Mannschaften der Berliner Schwimmunion und der Freien Schwimmer Spandau gegenüber. Lichtenberg stellt eine schnelle Mannschaft, während die zweite von Hellas über eine gute Ball- tcchnik verfügt. Das Stärkeverhältnis ist ausgeglichen, doch tippen wir auf einen knappen Sieg der �ickstenberger. Anders fteln es mit dem Spiel Union— Spandau. Spandau spielt in dieser Serie mit einer neu ausgestellten Mannschaft, die kaum m der Lage sein dürfte, die in letzter Zeit stark nach vorn gekommenen Unioner zu gefährden. Ein sicherer Sieg von BSU. ist zu erwarten. Großes Interesse wird einem Spiel entgegengebracht werden, das am Sonntag im Anschluß an das Spiel Union— Spandau zur Durchführung gelangt. Anläßlich des Städtcschwimmwettkampfes Leipzig— Magdeburg— Berlin, ter am 9. November in Magdeburg stattfindet, wird die Berliner Wasserballmannschaft, die sich aus Spielern der Vereine Weißensee, Hellas, Neukölln und Spandau zusammensetzt, gegen die spielstarke 1. Mannschaft, von Hellas an- treten. Während die ersten beiden Trainingsspiele der Städte- Mannschaft gegen Berlin 12 mit 7:4 und gegen Neukölln mit ll: 4 gewonnen wurden, dürfte der zu erwartende Sieg bei diesem Spiel nur sehr knapp ausfallen. Erhöhte Bedeutung hat noch das 4. und letzte Uebungsspiel, das Dienstag, 4. November, am gleichen Ort um 22 Uhr stattfinden wird. Der Gegner ist kein geringerer als der Lundesmeister FS. EHarlottenburg. Dieses Treffen muß als durch- aus offen bezeichnet werden. Im Zportpalast Morgen: Arbeiter-Hallcnsportfcst Ganz anders wie auf einem Sportplatz im Freien wickeln sich Sportfeste in der Hall« ab: Wie auf einem Miniatursportplatz ist man in der Lage, die einzelnen Darbietungen aus nächster Nähe zu verfolgen. So wird es auch am morgigen Sonntag im Sportpalast fein, wo die Arbeitersportler ihr zweites diesjähriges hallen- sportfest veranstalten werden. Sportlich betrachtet, wird das Fest aus einer beachtenswerten Höhe stehen. Neben den unzähligen Berliner Teilnehmern haben sich aus der näheren und weiteren Provinz über 100 Arbeitersportler in die Meldelisten eingezeichnet, ein Beweis dafür, wie groß das Interesse für das Fest auch auswärts ist. Die besten Sportler des Arbeiter-Turn- und Sportbundes treten sich in Einzel- und Mann- schastsweltbewerben gegenüber. So wird zum Beispiel im 100-Metcr- Hauptlaufen die Elite antreten, darunter die fast gleichwertig zu bemessenen Gideon, Kristiansen und S e l i g m a n n aus Hamburg, Birkholz und Langmack aus Stettin, Schirde- mahn- Leipzig und K i t t l e r- Frei« Turnerschast Groß-Berlin (Ostring). Hamburg, Stettin und Berlin treten auch in der 4 X 400-Meter-Stafette an. In den 3000 Metern hat der Berliner 1. Kreis in dem jungen Hennigsdorfer Naturläufer Kloß einen glänzenden Vertreter, gegen den es die Konkurrenten sehr schwer haben sollten. Wilde- Forst und die Berliner Z a i n und Schier- wagen dürften im Hochsprung weit über 1,70 Meter kommen. Die kleine olympische Einladungsstafsel steht bei den Frauenwettbewerben im Mittelpunkt des Interesses; die Siegerinnen vom letzten Hallen- sportfest FTGB. Süden hat die Staffel gegen Forst, Berlin-Nordring, Wcdding und Osten zu verteidigen. Ueber die Sondervorführungen, die Schau- n u m m e r n und die a r t i st i s ch e n Einlagen hat der Abend bereits gestern Vorschau gebracht. Eine Radrennsaison im kleinen veranstalten die Rennfahrer von „Solidarität". Ein 60-Runden-Punktefahren wird alle zehn Runden eine Wertung bringen, so daß für einen außerordentlich lebhaften Verlauf des Rennens gesorgt ist. In zwei getrennten Läusen stehen sich Rennfahrer aus Wilmersdorf, EHarlottenburg und Berlin gegen- über; Fahrer aus Berlin und Wilmersdorf treffen sich ferner in einem Mannschaftsverfolgungsrennen, bei dem in jeder zweiten Runde der Führende ausscheidet. Die Arbeitersportler, die sich zu allen Veranstaltungen der Sozialdemokratischen Partei bereitwillig zur Verfügung stellen, er- warten den Besuch der Berliner sportliebenden Bevölkerung. Die Eintrittspreise sind gering bemessen; Deginn 13 Uhr. * Freie Spork- und Rkusikoereiuigung Berlin. Laut Beschluß der Vereinsversammlung beteiligen sich alle Mitglieder am Sonntag am � Hallensportfest im Sportpalast. Alle aktiven Mstglieder, Spielleutc i und Bläser, finden sich um 14.13 Uhr vor dem Hmrpterngang z»» Sportpalost ein, um die Eintrittskorten in Empfang zu nehmen. Ilm 15 Uhr Spiel zum Ausmarsch der Sportler. Spielleute in Bundeskleidung, Bläser dunklen Anzug und weiße» Schillerkragen. Ilmkleiden sofort nach Empfang der Eintrittskarten im Keller in der Umkleidezelle der Radfahrer. Alle antreten, keiner fehle! für Wintersportfreunde Ucbt Ski— aber schützt die Natur Am Montag, 3. November. 20 Uhr, findet zur Eiitjührung der Teilnahmer am Skitrockcnkursus der Arbcitersportlec«>n Licht- b i l de r v o r t r a g in der Aula des Bezirksamtes Prenzlauer Berg, Danziger Straße 64, linker Ausgang, 3. Stock, statt. Referent: Dr. Biese. Meldungen für die Teilnahme an den Trockenlursen können am Montag abgegeben werden. Die Gebühren süt die fünf Doppclstunden umfassenden Kurse betragen 2 M. für Erwachsene; Jugendliche und Erwerbslose(Mitgliedsausweis) frei. Uebungs- gerät wird kostenlos zur Berrfügung gestellt. Die Kurs« beginnen anschließend an den Vortrag. Die 51ursc lausen im Bezirk Neukölln: Turnhalle Mahlower Straße, Meldungen: E. Schmidt, Neukölln, Richardplatz 7; im Bezirk Wedding: Turnhalle Gotenburger Straße, Meldungen: W. Biese, Köpenick. Menzelstr. 8; im Bezirk Kreuz- berg: Turnhalle Waldemarstr. 77. Meldungen: W. Biese; im Bezirk Spandau: Meldungen: Dr. Krieg, Spandau, Rodelandstr. 58; im Bezirk Lichtenberg: Turnhalle Lückstr. 63; Beginn 20. November; Meldungen: O. Mattha, Berlin O. 112, Dosseftr. 1. Für Lichtenberg ist ein Einführungsvortrag mit Lichtbilde n am 13. November im Jugendheim Guntcrstraße 44 vorgesehen. Meldungen für sämtliche Kurs« werden auch in der Geschäftsstelle des Touristenvereins„Die Naturfreunde", Berlin N. 24, Johannis- stroße 15(Tel. vi 4177), entgegengenommen. Die Berliner Kommission für Nalurdenkmalpslege hat sich wiederholt mit dem Schutze der Havelufer beschäftigt. Es ist dabei festgestellt worden, daß die Steilabhänge durch das Publikum ständig herabgctreten und der Boden bloßgelegt werden. Dadurch sind häusig die Bäume, deren Wurzeln durch nachfolgende Regengüsse sreigewaschen worden sind, unigestiirzt und abgestorben. Der Schaden ist nicht allein in geldlicher Beziehung zu suchen, er ist un- gleich größer in bezug aus die Erhaltung der 5)avel»fer als Natur- schutzgebiet. Die städtische Forstverwaltung hat in den letzten Jahren größere Summen aus öffentlichen Mitteln für Auf- s o r st u n g und für die Erhaltung des L a n d s ch a f t s- b i l d e s aufgewendet. Wir bitten, bei S k i- II e b u n g e n im Gelände darauf zu achten, daß die Anpflanzungen und Befestigungen geschont und nicht benutzt werden. Arbeiter-tUuKer und-Boxer In den Serien-Ringkämpfen der-�-Klasse des vierten Kreises ün Arbeiter-Athletenbunid treffen sich am Sonntag im Teg.'er Stadtschloß die beiden ersten Mannschaften der„Freien vpottver- einigung Tegel 1899" und Saxonia-Brandenburg. Seit langem pflegen die Arbeitersportler auch die Boxkunst in ihren Reihen; sie haben in dieser Sporte bereits ganz achtbares voll- bracht. Am Soimtag steigen die besten Boxer des Kreis- meist ervereins Luckenwalde gegen die erste Boxnwnn- schast van„Tegel" in den Ring. Die Ringkämpfe beginnen vor- mittags 10 Uhr: anschließend kämpfen die Boxer in den Ring. Die Eintrittspreise sind überaus niedrig gehalten: 50 Pf. bis 1 M. kleiner Sport von überall Arbeiter-Rod- und Kraftsohrer-Vund„5olidaritäl". Alle Ab- teilungen der Rad- und Kraftsahrer tteffen sich zur Filmausnahme morgen, Sonntag, 9� Uhr, Heerstraße Ecke Pichelsdorf«? Stroße (Börnicker Hütte). Wandersahrtausrüstung. Erscheinen aller Ab- teilungen ist Pflicht. Der Bolkstanzkreis Weißensee beginnt Montag, 3. November, in der oberen Turnhalle des Lyzeums, Weißensee, Eingang Tasso- straße, mit einem neuen Anfängcrkursus über 6 Abende. Kursus- gebühr 1 M., Erwerbslose 50 Pf. Turnschuhe mitbringen. Die Wajserwacht benötigt die Adresse des Eigners des Vorder- kajütmotorboots„Delphin". Brauner Bootskörper, etwa 8 Meter lang, aufgesetzter Schornstein. Meldungen werden an die Geschäfts- stell« der Wasserwacht e. V.. Verlin S. 61, Planufer 61, Fernsprecher: F. 6 Bärwald 8154. erbeten. Die Rettungsgesellschost der wassersporkcreinc von Berlin und Umgegend gibt bekannt, daß die Rettungsstationen in Rahnsdorf, Friedrichshagen und Grünau sowie die damit verbundenen Wornungsstationen in Erkner beim Ruderklub Erkner und in Küpenick(Spreekasino) am Sonntag, 26. Oktober, für dieses Jahr geschlossen worden sind. Die Wassersportler werden deshalb gebeten, beim Befahren des Müggelsees die größte Vorsicht walten zu lassen und bei windigem Wetter den See gänzlich zu meiden, da aus Hilfe durch die Rettungsgesellschaft nicht mehr ge- rechnet werden kann._ RV.„Vorwärts". Mitgliederversammlung Tonnerstag. 6. November. Zum Lallensportfcst am Sonntag treffen sich die Teilnehmer zu d�n Torläufen um U Uhr am Ättlowbogen. Der Arbeiter-Sporttegettlnb„Vorwärts" kegelt jeden Freitag um 20 Uhr bei Wolf,«artenstr.-U. Gäste willkommen. Z�amvfrichtersitzuag 14 Uhr bei Frank,(Sanghofe rstraße. Mannschaftsführcr aller Vereine sowie die Ordner der Gruppe Neukölln müssen ebenfalls anwesend sein. Daselbst Startkarten- und Kappenausgabe. Alle Startenden müssen HVa Uhr im Ctadtbad Neukölln sein. Acht»ng, Wassersportlerinncn'. Das ssranentroffen der Wassersportsparte am 9. November muß wegen der Revolutionsfeier der Partei, welche am Kaiser- dämm in den Fnnthall.'n stattfindet, ausfallen. Alle Bundesgenossinnen bc. teiliaeil sich an der Parteiveranftaltung. Bc�irkstartcll Treptow. Nächste Sitzung Z. November. 20 Uhr, bei Vamp, Niedcrschöncweide. Lasselwerdcrstr. 12. „Soli". Tourcn der Radfahrer Sonntag, 2. November. 1. Abt.: virsch- garten, Äctlcvs Waldburg, S'art j3 Uhr Vülowstr. 53.-- 2. Abt.: Besichtigung des Konsums, Lichtenberg. Start 8 Uhr Dieffenbachstr. 3v. Treffpunkt der Bahnsahrer 8% Uhr vor dem Konsum. Nachm ttags Beteiligung am Hall�nsportfeft. Beginn 15 Ubr.— ö. Abt.: Ziel am Start 8 Uhr Hirschau r'ei,. Weltrcstaurant, 13 Uhr, Start Mariannenplatz, ffeuerwehrdentmal.— 9 Abi.: Birk.'nwerdcr, Waldschlößchen, Start l0 Uhr Triftsir. tÄ.— Abt Moabi*: Rad- und Kraftfahrer Frühschoppentour, frel am Start 8' 2 Uhr Wiclefstr. 17. Nachmittags Beteiligung am Hallen spart fest. Deginn 15 Uhr..— Abt. Chat*. lo'tenburg: Schnitzeljagd. Start 8 Uhr Wilmersdörfer Str. 22.— Abt. Schöne. berg: Beteiligung am Hallensportfest, Beginn 15 Uhr.— Abt. Neukölln: Fahrt ins Blaue. Start 13 Uhr Hohenzollernplatz.— Abt. Treptow-Ba umschulen- weg: Ziel am Start 10 Uhr Bahnhof Baumfchulenweg.— Abt. Oberschöne- weide: Herbstfahrt. S�art 13 Uhr Wilhelminenhofstr. 04. «zirkskavtell Friedrichshal». Montag, 3. November, 19� Uhr. Kartell- sitzung bei Gaul. Boxhapeuer Str. 114. Lichtbildervortrag:„Vom Vogelflug zum Menjchenflug?" Funkt'onäre als Gäste willtommsn. Mittwoch. 5. Novem- ber, 191? Uhr, Andreas-Säle. Kundgebung gegen die Kulturrcattion. Licht. bildcrvortrag:„Die Airche in der Karikatur". Eintritt frei. —=— Die einzige Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige ist die Kran5«en-«ind Sterbeicasse für sSmsBepf$€be ISeicb ■nn Jatare 11034 ttc:a|r334 OetfrUaadaeC die Versicherungspflichtigen und Nichtversicherungspflichtigen ausreichenden Krankenversicherungsschutz bietet R9au|»tfw«rwaltun�: Berlin N24. Oranienburger Sir. b? und 300 Verwaltungsstellen im Reich