Morgenausgabe Sonntag i a Wf 2. Tlooember 1930 Jkv � Ji Groß-Serlin 15 Pf. ■■ MM WFi 11 IM VMW Auswärts 20 Pf. «>nschl«»ßlichsoPfg.Poftz«ilunq».«nd 8H WM M) MM MW HF EbB Bh Hl f/ DD wkl�// 72Pfg Posideslellgedühren� Zlu-lond«- krägB B» BH—|H ffg Km MW WD WW HM") MM\ BSj 1/?>« clnlpaltig« Nonpareillezeil« ebonncmna 6,— TO. pro Monat. ff WW MW �W W« BW MW H| JBH MM DM—s M» WM! AL 80 Psennig. TlttlametciU 9.— Reich,. * ▼ISI 1 WW W M W» Wl BS. HS W? Sjg BH W BTftedrm* ln°rt'"Kletne«nzeigon- da» enge- -0°.v°r°�. eriche.nl-ochen.-,. M W MM ML MÄ» Ml D �iJeS?irfc€o!!Wfl®ÄcUnbJRofli,ta?9 H B � B!2 Pfennig Stellengesuche das erste einmal, dle Abendausaaben fvr Berlin Wl�t WM. W» Wort 15 Pfennig. ,edes weitere Wort SU?!'U'' dem Titel.Der>V—:0 Pfennig Worte übe» 15 Buchstaben �n-? Beilaaen.Volk/ ÄaJ��SSA zählen ftir zwei Worte. Arbeitsmarkt. und Zeit und. Kinderfreuno". Ferner m m Zeile 60 Pfennig..Fomilienanzelgen Zeile �echuik"..Blick in M � lO» �< 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupl» �Nickss?� S�loiBSSPlÄH■"*" Aentvatovgan der GosiatdemoSvaMOen Partei Deutiwtands �evattion und Lerlag Berlin SW 68. Uindenstraße 3 iiernlpreider TönboU 2S2- 291 lelearomm.Sdi Soualdemokrai Berlin. Severins an Oesterreich. Euer Komps ist unser Kampf. Wien, 1. November.(Eigenbericht.) Eine in Massen verbreitete Wahlnummer der„Zlrbeiter-Zeitung", die um so begieriger gelesen wird, als wegen der beiden katholischen Feiertage die Zeitungen nicht erscheinen, enthält folgendes Schreiben: Mit heißen Wünschen verfolge ich den Wahlkamps unserer öfter- reichischen Parteigenossen, an dem teilzunehmen mich leider Anüs- pflichten hindern. Wie Oesterreich und Deutschland in besonders enger Volks- und Schicksalsgemeinschaft verbunden sind, so steht auch die Sozialdemokratie dieser beiden deutschen Länder besonders eng zusammen. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ist in den 12 Iahren seit dem November 1918 der Block, an dem alle Versuche, die Demokratie und Republik zu stürzen, zunichte geworden sind. Der Wahlausgang des 14. September 1939 aber hat gezeigl. daß die Partei heuteer st rechtkompfbereit sein muh. uin den Feinde» der Demokratie und des sozialen Fort- fchritts entgegentreten zu können. Auch in Oesterreick) kämpft die Sozialdemokratische Partei entschlossen gegen die gleichen Mächte, die an Stelle demokratischer und parlamentarischer Re- Vorwärts-Verlag G. m. b. H. gierungsausübung Diktatur und Vergewaltigung setzen wollen. So ist unser Kampf der gleiche, und deshalb wird der Sieg der österreichischen Sozialdemokratie auch unser Sieg sein. Diesem Sieg gelten unser aller Wünschet Es lebe der Freiheitskampf der Arbeiter! Es lebe die Sozialdemokratie! Berlin, 30. Oktober 1930. Carl Severin g. Die Wahrheit wird unterdrückt. Die Wiener Staatsanwaltschaft konfisziert seil Monaten jede Veröffentlichung von Putschplänen der Heimwehr. Am Sonnabend- morgen hat man die„Arbeiter-Zeitung" beschlagnahnn. und zwar wegen eines Bildes, das eine militärische Abteilung mit einem Maschinengewehr darstellt, anscheinend eine Ab- teilung der ehemaligen Kaiserjäzcr, die eine Hahnenfeder an der Kappe trugen. Dadurch„sollte" der Eindruck hervorgerufen werden, es handele sich um eine Heimwchrabteilung. Darumer stand: „Wählt gegen den Bürgerkrieg." Heimwehrhaufen mit Armeewaffen konnten noch vor kurzem unkonfisziert abgebildet erscheinen— letzt ist es damit vorbei. Die Herren Machthaber glauben totsächlich, man wüßte nicht in der ganzen Welt, daß die Heimwehr dank der Duldung durch frühere und aktiver Förderung durch die>etzig« Regierung mit gestohlenen oder„legal" erworbenen Arinee-Kriegsmitteln aus- gerüstet ist! Vostschcckkomo: Berlin 37 S36—Bankkonto: Bank der Arbeucr, Angestellten und Beamten. Wallstr 65 Dt B u.Dikc.»Ges, Depositenkasse, JeritialemerStr.(55/66. Vor dem Spruch. Oie wahre Einheitsfront der 130 000. Das Schiedsgericht, das nach dem Ende des großen Metallarbeiterftreiks eine beide Parteien bindende Verein- barung treffen soll, wird aus drei Männern bestehen. Diese drei Männer werden miteinander ringen. Sie werden argu- mentieren, mit Zahlen und mit Tatsachen. Es wird vor ihnen erstehen das Bild des Metallarbeiterhaushalts in einer Ecke einer grauen Mietskaserne im Berliner Norden, in seiner Dürftigkeit, und das Bild des Riesenbetriebes, in dem die privatwirtschaftliche Entscheidung schon zur Volkswirtschaft- lichen Kursbestiinmung wird. Eine Vision nüchternster Wirtschaftsrechnung— und eine Vision des Durchschnitts- Metallarbeiters, der auf seine Art den Kampf mit dem Leben führt, unter Bedingungen, die heute weiteste Kreise des Bürgertums nur noch mit schlechtem Gewissen und Schuld- bewußtsein überdenken mögen. Nein, eg wtrd nicht nur nackte Zahlen und statistisch er- faßbare Tatsachen zwischen diesen drei Männern geben, son- dern auch sehr vieles, was unwägbar ist! Es ging den streikenden Berliner Metallarbeitern nicht nur um die paar Mark, die doch von der größten Bedeutung im Arbeiterhaus- halt sind. Es ging um den Lohn, aber es geht auch um Politik und Wirtschaft! Es ging den Angreifern, den Unter- nehmern darum, ein Exempel zu statuieren, das über ganz Deutschland wirken sollte, um eine Neuverteilung von Macht und Einkommen, um eine grundsätzliche Entscheidung der Wirtschaftspolitik. Nun— um eben dasselbe ging es den Berteidigern. Sie wollten nicht der Willkür ausgeliefert werden, sie wollten nicht, daß das Unternehmertum feine falschen Rezepte zur Heilung der Wirtschaftskrise auf ihren Rücken ausprobiere. Der Schiedsspruch war die Sanktion dieser falschen Heils- rezepte. Er ist gefallen. Wird der neue Spruch abermals im Zeichen der falschen Heilslehren des Unternehmertums stehen? In dieser Frage liegt die ganze Verantwortung, die auf diesen drei Männern ruht, vor allem auf dem Vorsitzen- den, dessen Stimme die Entscheidung geben wird. -i- Die Berliner Metallarbeiter haben gegen die falschen Heilslehren gekämpft, die ihre Löhne beschneiden sollten. Dieser Kampf hat sich vollzogen in der klassischen Form des organisierten, von einer starken Gewerkschaft geführten Streiks, in Einleitung, Durchführung und Abbruch. Wir wünschen, daß das Schiedsgericht diese Tatsache fest ins Auge faßt. 136 666 Berliner Metallarbeiter haben 14 Tage Lohn geopfert, um sich gegen den Angriff der Unter- nehmer zu verteidigen. Sie haben das eine Ziel erreicht, daß der Spruch des Sonderjchlichters nicht mehr existiert. Sie erwarten etwas ganz anderes als ein Diktat, das ihre Löhne kürzt, damit die hohen Preise behauptet werden können. Sie warten darauf, daß endlich die Preise ins Rutschen kommen, daß der Konsum sich ausweitet, daß davon jene Belebung ausgeht, die auch die Arbeitslosen wieder Hofnung fassen läßt. Wer sie abspeisen wollte mit der Ankündigung: erst herunter mit den Löhnen — und das andere wird die Mechanik der kapitalistischen Wirtschaft besorgen, der würde ein gefährliches Spiel treiben! Denn zu der Mechanik der kapitalistischen Wirtschaft, die das Wunder bewirkt, daß es der Arbeiterschaft besser geht, wenn man ihr nur die Löhne kürzt, hat die Arbeiterschaft be- greiflicherweise nicht das mindeste Vertrauen. Auch das gc- hört zu dem Unwägbaren, was zwischen diesen drei Männern sein wird! Von ihrem Spruch kann Vertrauen ausgehen— aber auch Hoffnungslosigkeit und Verzweiflungsstimmung? * Während die Berliner Metallarbeiter ihren Kampf durch- gesochten haben, hat sich am Rande des großen Kampfes ein hysterischer Lärm erhoben. Die Leute von der K o m m u- nistischen Partei und der R O G. haben wahre In- dianertänze aufgeführt, um die Aufmerksainkeit auf sich zu ziehen. Wie das kreischte und zeterte! Wie das die große Trommel schlug und mit überschlagender Stimme täglich neue Parolen hinausschrie! Während 136 666 Berliner Metall- arbeitet in geschlossener Wucht ihre Macht gezeigt haben, hat die Kommunistische Partei ihre Ohnmacht erwiesen. Was war dies für ein Gezappel vor dem Beginn des Kampfes! Schon am 5. September hat die RGO den Streik- ausbruch für den Termin des 6. Oktober proklamiert. Der 6. Oktober kam. war da und ging vorüber— gestreikt hat niemand. Aber dann wurde es Ernst, als der DMB. zum Kampfe schritt. Nun schien endlich der Tag gekommen, an dem sich Wehrt dem Faschismus! Oie Entschließung der Sozialistischen Arbeiter-Internationale und des ZGB. Die in Köln von den Kovtinissionen der GeWerk- schasts- und Sozialistischen Arbciterinternationale angc- nommene Entschließung gegen den Faschis- m u s hat folgenden Wortlaut: „Der italienische Faschismus, der jede geistige Be- wegunzssreiheit vernichtet hat, wird immer offener von den reak- tionärsten Gruppen aller Länder als Vorbild gepriesen, obwohl die Wirtschaft Italiens einer Katastrophe zutreibt und das Land zum Zentrum der Kriegsgefahr geworden ist. Die Methode der Vergewaltigung der Mehrheit des Volkes, der zynische Gewaltstreich als bestes Mittel, zur Austragung politischer Kämpfe findet immer mehr Nachahmung. Eine Welle der Reaktion geht durch Europa, unver» hüllt wird der Teulokratie der Kampf angesagt. Di« Wahlen in Finnland haben bewiesen, daß trotz- allen Terrors der Lappoleute die große Mehrheit des Volkes am demo- kratischen Parlamentarismus festzuhalten gewillt ist Diese deutliche Kundgebung des Dolkswillens haben die Faschisten mit der gewall- famen Verschleppung des freisinnigen früheren Staatspräsidenten beantwortet. Das Mißlingen dieser Schandta- hat die Hüllen von einer großen Konspiration fallen lassen, der Plan des Staats. st reiches gegen die demokratische Verfassung ist offenkundig geworden. P i l s u d s k i. der sich seit Jahren durch die niedrige Art seiner Bekämpfung des Parlamentarismus und dessen Repräsentanten vor aller Welt bloßgestellt hat, lebt sich nun in noch nie dagewesenen Terrorakten gegen die unzweifelhaft« Mehrheil des polnischen Volkes aus.•"• V t 68 Abgeordnete, ein volles Viertel aller Oppositlons» Parteien des aufgelösten Sejm, sind in den Kerker geworfen worden. Man will sie hindern� am Wohlkampf teilzunehmen und versucht, Erklärungen des Verzichts auf die Kandidatur zum Sejm zu er- pressen. Sie sind von der Außenwelt vollständig abgeschnitten, ihr Schicksal ist unbekannt, ja man weiß nicht, ob noch alle am Leben sind. Ebenso ergeht es Tausenden anderer Inhaftierten, unter denen sich die bekanntesten Vertrauensmänner der Arbeiterklasse, wie der Vorsitzende der Gewerkschaften Kwapinsti. befinden Unbekümmert um das Urteil der Welt schreckt Pilsudski vor keiner Gewalttat zurück. Die berüchtigten„galizischen Wahlen" unter dem habsburgischen Regime werden weitaus in den Schatten gestellt durch das, was sich gegenwärtig in Polen vollzieht. Freiheitsberaubung wie unter den Romanows. Wahlbetrug wie unter den Habsburgern, das ist die Synthese, bie Pilsudski verw.rl- licht hat. durch die er den Ausdruck des Volkswillens in den Wahlen zu fälschen hofft. Der Sieg der polnischen Demokratie über P'l- sudski würde die Wiederherstellung des unabhängigen Polens als Glied eines demokratischen Europas bedeuten, des unabhängigen Polens, für das die internationale Arbeiterbewegung stets cinge- treten ist. In die reaktionäre Minderheitsregierung in Lester- reich haben die Christlichsozialen zwei Führer der Heimwehren, die im Parlament bisher überhaupt nicht vertreten sind, berufen. Ihnen wurde das Ministerium des Innern und der Justiz ausge- liefert. Die erste Erklärung des„Fürsten" Starhemberg, des neuen Ministers des Innern, war. daß diese Minderheitsregierung ge- sonnen, fei, im Amte zu bleiben," auch wenn die Wahlen gegen sie entscheiden. Inzwischen werden all« leckenden Beamtenposten mit veriäß'ichen Elementen der F a> schiften besetzt. Der Amt-antrckt des neuen Generaldirektors der Bundesbahnen und die gleichzeckige ungesetz'iche Sistierung der Parlamentskommissäre für das Heerwesen haben e.ne Welle tiefster Beunruhigung erzeugt. Kaum halte die Aussprache im Unteraus- schütz des Nationalrates die öfsentliche Meinung einigermaßen darüber beruhigt, daß ein reaktionärer Putsch nicht unmittelbar bevor- stehe, als der HeimwehrMinister Siarhemberg daran ging, den Be- amtenstab des Polizeipräsidiums durch Elemente zu ersetzen, die zu allen reaktionären Untaten bereit sind Die Großjährigkeitserklärung des Otto Habsburg, die im November erfolgeu soll, mahnt nicht nur die Arbeiter Ungarns, sondern ganz Mitteleuropas zur strengsten Wachsamkeit. Ein Königsputsch in Ungarn, zu dem intensive Vorbereitungen von den Legitimisten gelrossen werden, bedeutet nicht nur«inen neuen Vorstoß der Reaktion in MUteleuropa, sondern ernsteste Kriegs- gefahr. In D e u t? ch l a n d haben die Vertreter der reaktionären Dem- aoogie bei den Wahl«» großen Zulauf erhalten Ihr Spiel mit Diktatur und Putsch tonn Deutschland in dsn kommenden Monaten vor ernst« Gefahren stellen. Die deutsche Sozialdemokratie hat es aber in dieser äußerst schwierigen Situation bisher vermocht, die faschistischen Bestrebungen zu durchkreuzen. Die internationale Arbeiterbewegung spricht ihr den Dank aus, daß sie m. dieser Periode reaktionärer Vorstöße mit vollem Bewußtsein die Verteidigung der Demokratie zum Angel- punkt ihrer Taktik im tiefsten Hlasjeninteresse des Proletariats ge- macht hat... Die Arbeiter Oesterreichs und Polens gehen in den nächsten Wochen in den Wahlkampf. Die heißesten Wünsche der gesamten internationalen Arbeiterbewegung oegleiten sie, ihr Kampf ist ein wesentlicher Teil des großen Kampfes, ben die Arbeiterklasse zu führen hat. um die Voraussetzungen ihrer gewerkschaftlichen und polilischen Arbeit zu sichern, des Kampfes um die Erhaltuno der Demokratie. Das Schicksal der Arbeiter aller Länder ist untrenn- bar miteinander verbunden, es fordert in höherem Grade wie jemals früher tätige internationale Solidarität. Die Arbeiterbewegung jedes Landes hat die Pflicht, alles aufzubieten, um die Bourgeoisie zu verhindern, die Länder der Diktatur und der faschistischen Gefahr durch Anleihen oder durch andere Formen finan- zieller Hilfe zu unterstützen. Die demokratischen Elemente in allen Ländern müssen geschlossen dem Block der faschistischen Diktaturen entgegentreten. In dieser Periode bedrohlicher faschistischer Vorstöße rechnen der IGB. und die SAI. auf Wachsamkei. und Klugheit. Mut und Entschlossenheit der Arbeiter der bedrohten Länder und sie fordern die Arbeiter aller anderen Länder auf, den Kampf gegen den Fa- ! schismus mit allen geeigneten Mitteln zu unterstützen." Laßt Zahlen sprechen! Dle Wahrheit über Mussolmien.- Erzählt von dem ehemaligen italienischen Faschisten A.p. die RGO. an die SpiAe setzen konnte. Sie mf zum Streik— einen Tag vor dem festgesetzten Tage de«*«hxeitbeginns. Aber siehe da, die Massen kamen wieder nicht. Sie haben sich um das kommunistische Parotengeschrei während des ganzen Äainpfes nicht gekümmert— und diese Tatsache ist um so bemerkenswerter, weil auch die shreidenden kommunistischen Arbeiter mit dem RGO.-Spektakel nichts zu tun haben wollten. Hören wir nur die Zeugnisse aus kam» mpnistischen Kreisen selbst. Das Organ Brandlers„Gegen den Strom" schrieb ingrimmig mitten im Ttrsu: „Die RGO. treibt auch jetzt nach Aufnahrm: des allgemeinen Streiks chr-Spiel der s e l b st b e rau s ch e n d e n Phrasen und der systematischen Sprengung der geschlossenen Streikfront weiter. Natürlich hat sie„den Kamps ausgelöst", natürlich„führt" die NGO. den Metallarbeiterstreik. So lach er- lich gering wirklickzer Einfluß auf den Streik und die streikenden Massen auch ist, so wirkt sich ihr Treiben in den Streit- Versammlungen verheerend aus. Fast in jeder Betriebsstreikvcr- sammlung, wo auch nur einige RGO.-Lsute sind, entsteht wüster Krach. Häujig werden auch arbeitslose„Sturmtrupps" eingesetzt. Kurz, es ist ein beschämendes Bikd. Eine verbrecherische Provo- zierung des Kampfes, Arbeiter gegen Arbeiter, wird hier von Leuten, die sich Revolutionäre nennen, betrieben." Von der Seite der linken Opposition her schrieb das Organ des Lenin-Bundes am 17. Oktober: „Wenn jemals das Perbrecherische der Stalin-, Thäb nvein-, Neu mann-Taktik zum Ausdruck gekommen ist, dann bei diesem Metallarbciterkamps. Für den Kampf sind die günstigsten Vorbedingungen gegeben. In dieser Situation propagiert die KPD. die Führung der NGO. Sie hat es mit ihrer Taktik so weit ge- bracht, daß unter der Mehrheit der Berliner Arbeiter nur noch heiteres Gelächter entsteht, wenn von der Führung der NGO. gesprochen wird. Diese Führung der NGO. besteht lediglich in der Phantasie der Redaktionsjünglinge in der„Roten Fahne". Ilntcrden BerlinerMctallarbeitern hatdic RÄO. ü i ch t s z u sagen." So haben sie geführt, und beim Abbruch des Kampfes führten sie noch besser! Weiterstreiken hieß die Parole, und so las man noch am Freitag im kommunistischen„Klassen- kämpf" in Halle: „Die Berliner Metallarbeiter pfeifen dieses Mal auf die Bonzen. Unter Führung der Revolutionären Gewerkschaftsopposition wird der Streik mit voller Kraft fortgeführt. Wir streiken weiter trotz der Verräter— ist die Generallosung im roten Berlin." Sie streikten allerdings weiter, die Berliner Metall- lirbeiter, aber nur gegen die Parolen der RGO., und am Sonnabend verkündete die„Rote Fahne": „W i r g c h e n i n d i e B e t r i e b e z u r ü ck, um zu rüsten und nach schärfster Abrechnung mit den verbrecherischen Führern des DMV. die Einheit sfront des Proletariats unter revolutionärer Führung zum neuen, siegreichen Borstoß gegen die Ausbeuter zu führen." Das ist die ganze Geschichte der kommunistischen Be- tätigung mährend des großen Berliner Metallarbeiter- kampfes. Ohnmacht und Einslutzlosigkeit— aber zugleich der böse Wille zur Spaltung der kämpfenden Arbeiterschaft! * Verbrecher— so sagt die Presse der kommunistischen Opposition. Wir fügen hinzu: und Narren. Jetzt wollen sie die Spaltung der Gewerkschaften weitertreiben und wollen . eine kommunistische Metallarbeiterorganisation in Berlin gründen— als ob nach dem Treiben und dem unwirksamen Gekreisch der RGO. die Berliner Metallarbeiter keine andere Sehnsucht hätten, als sich diesen Narren auszuliefern. Sie spielen mit dem Gedanken eines wilden Streiks gegen den Willen des DMV., wie sie schon zuvor mit diesem Gedanken gespielt haben. Die Lehren und Beobachtungen dieses Kampfes existeren für sie nicht. Sie sehen sie wohl— aber sie wollen sie nicht beachten. Was liegt ihnen daran, daß«in zum Zusammenbruch verurteilter wilder Streik die Abwehr- kraft der Arbeiter schwächen müßte— zur Freude der Unter- nehmer! Verbrecher und Narren, die in der Zeit schwerwiegender Entscheidungen«in komödiantenhaftes Spiel mit den Inter- essen der Arbeiterschaft treiben wollen! Die in einem schweren Abwehrkampf den Arbeitern einzureden versuchen, ihre ge- schwollenen Phrasen könnten wirkliche Macht ersetzen, und die sie in sinnlose Opfer hineinzutreiben versuchen! Der Kampf der Berliner Metallarbeiter war sinnvoll. Das Millionenopfer, das sie in Gestalt von 14 Tagen Lohn- ausfall gebracht haben, hat den Angriff der Unternehmer wie den Spruch des Sonderschlichters abgewehrt. Die ge- werkschastliche Führung des Kampfes hat die Interessen der Arbeiterschaft erfolgreich verteidigt. Aber Millionenopfer für die Charlatane der RGO.— nein! Das ist die Lehre: wenn es um ernste Entscheidungen geht, stehen die Kommunisten gegen die Arbeiterschaft. Wenn � es um ernste Entscheidungen geht, schiebt die Arbeiterschaft die kommunistischen Schreier mit einer Handbewegung beisehe. Das ist eine Lehre auch für die Unternehmer, die in diesem Kampfe die wirkliche, ernsthafte, geschlossene Arbeiter- bewegung in ihrer Machtentfaltung gesehen haben! Die Rheinbesreiungs-Exzeffe. Vorlegung der Millionenrechnung. Nach dem Abzug der französischen Besatzung aus dem Rhein- lgnd ist es bekanntlich an vsr'chiedenen Stellen zu Usberfällsn auf Geschäfte und Wohnungen non Separatisten gekommen und es sind auch Personen schwer geschädigt worden, die mit dem Se- parathrnu» n i ch t s z u t u n hatten. Die Moldungen der Geschädigten laufen noch jetzt bei den beteiligten Ländern«in. Bisher habm sich iast 100 Geschädigte bei der bayerischen, der oldenburgischen und der preußischen Regierung gemeldet. Besonders schwer sind die Schädi- gungen in Virkenseld, das zu Oldenburg gehört und in der bayerischen Pfalz. Die Schadenersatzansprüche belausen sich schon ca' mehrere Millionen Mark. Wie das Büro Sochärzowski !>ört, soll eine Konferenz der drei Länder Richtlinien für den Schaden- ersetz oulilcllen. Eine Anzahl Geschädigter behauptet, daß ihre E x i st e n z völlig zerstört sei und sie nicht wagen könnten, an dem bisherigen Wohnsitz ihr« Geschäft« weiterzuführen. wer weiß in Deutschland.. wieviel der Arbeiter in Zloliea verdient? Folgende Zahlen geben, darüber Ausschluß: a) Handarbeiter: Straße narbeiter und Steinklopfer in d«r schreck« lichsten Südsonne haben einen Tagelohn von 11 Lire — 2,30 Mark. Die Woche hat bei uns im Durchschnitt fünf Arbeitstage, da- her beträgt der Wochenlohn der Straßenorb«iter: 11,50 Mark. Unser Durchschnittsarbeiter verdient täglich 16 Lire = 3,30 Mark, daher in der Woche 16.50 Mark. Aus statistische» und Propagandagründen werden die Arbeiter in den vom faschistischen Staate subventionierten Fabriken etwas höher bezahlt. Sie verdienen nämlich täglich 25 Lire— 4,20 Mark. Wöchentlich also 26 Mark. Nun höre man folgende Zahlen: Es gibt bei uns viel« Betriebe, wo Frauen angestellt sind. Ihr Tagelohn bclrügl zwei bis drei Lire, gleich 42 bis 62 ps.! b) Die sogenannte werktätige Intelligenz: Die Männer: Bon 100 bis 800 Lire— 21 bis 170 Mark monatlich. Im Durchschnitt 500 Lire— 105 Mark. Die Frauen in: Büro oder als Verkäuferinnen bekommen monatlich 50 bis 200 Lire— 10,50 bis 42 Mark. c) Hotel- und Gaslhausaugestellle: Sie werden größtenteils mit 10 Proz. der Einnahn�en entlohnt. Jeder Gastwirt stellt daher ein« Menge Leute ein. Sie sind noch die Glücklichsten, trotz der von der faschistischen„Gcwerk- schaft" vorgeschriebenen IZstündigen Arbeitszeit, denn sie essen ja jeden Tag Fleisch.— Diese hotelangestellten verdienen heute(wegen des schwachen Fremdenbesuchs) nur 100— 300 Lire---- 21— 63 Mark monatlich. Und heute drängt bei uns alles zum hotclsach, obwohl die Leute durchschnittlich 1 6— 1 7 Stunden täglich im Dienste bleiben müssen. 6) Stacls- und Gemeindcangestellte: Aerzte im Kommunaldienste bekommen einen AnfangsgeHalt, der gewöhnlich viele Jahre dauert, von 600 Lire 126 Mark. In- genieure ebensoviel. Die Folgen: Nichtarbeiten und Bestechung. Alte Amtsdiener bekommen 450 Lire--- 95,50 Mark monatlich. e) Mlilör: Der„Genieine" 5 Pfennig Tagessold... der juiKte Leutnant 1200 Lire=" 252 Mark monatlich. Der Duce weiß schon, was er tick. Er muß für die Faschistenfreundlichkeit des Offizierkorps sorgen. s) Foschislenmiliz und Geheimpolizei: Der einfache Milizsoldat hat vor der Oeffentlichkeil denselben Lohn wie der Normalarbeiter, das sind 16 Lire— 3,80 Mark täglich, nur: 1. Er hat ihn tagtäglich(also siebenmal in der Woche). 2. Er bekommt für jed«„Aktion" doppelte Löhnung. („Aktion" heißt: Gegenfaschisten verprügeln und deren geheime Schlupfwinkel ausstöbern, oerbrennen und die Leute halb.— aus Versehen manchmal auch ganz— totschlagen.) 3. Bekommt der Milizsoldat(die„Milizia Nazionale" fft im Bahnhofs-, Zug-, Straßen-, Forst-, Polizeidienst, kurz überall eingeteilt und eingetücki)- für jede Straffumme. die er von dem meist ahnungsloses Bürger einzieht, die Hälfte als Prämie. Und das verdienen sich die Herren natürlich gar oft und gerne. Die Arbeitslosen. Dieses Wort im Fcschistcnlande in Gegenwart eines Faschisten auszusprechen, bringt meist Prügel«in. E«„gibt keine" Arbeitslosig- keit wie anderswo. Ist ja eine Arbeitslosenunterstützung eingeführt worden. Aber was für eine! Das Recht auf Unterstützung hat der in der faschistischen„Ge- werkschaft" Organisierte, der für die Legitimation 31 Lire,«inen jährlichen Mindestbeitrag von 10 Lte und weiter mindestens ein Jahr lang die Versicherung von 5,50 Lire pro Woche ge- zahlt hat. Das Recht auf Unterstützung hat der Arbeitslose nur ISWochenlang, und er bekommt während dieser Zeit für joden Arbeitstagverlust 3,30 Lire— 70 Pf. Im Durchschnitt zahlt man 5 solche Tage pro Woche, daher 5X16 X 3,30= 264 Live insgesamt als höchstuv.terstützungssumme. Der arme Teufel von Arbeiter, der erwerbslos wird, erhält also von der eingezahlten Mindestbeitvagssumme von 313,50 Lire bloß 264 Lire wieder. So ist der Faschistenstaatl Nach den vier Monaten die Sintflut, die meist Kerker heißt, deim Hunger treibt zum Stehlen, zum Betrügen, zun: Raufen. Und... wir haben nicht nur die politischen Briganten von Istrien, wir haben Räuber und Wegelagerer überall in den Massentod auf dem Gletscher. 14 Italienflüchtlinge erfroren. Genf. 1. November.(Eigenbericht.) SV Italiener, die in den lebten Tagen über den Kleinen Tt. Bernhard wollten, sind auf dem Marsch über die Eis- und Schneefelder in die grSsiten Schwierigkeiten geraten. 14 erfroren. Ter Rest wurde halberfroren von schweizerischen Grenzbeamten aufgefunden und mit der Eisenbahn nach Italien zurückbcfördert. pariser Nervosität wegen Gibsou. »Vollkommene Unkenntnis der wahren Sachlage.* Poris, 1. November.(Eigenbericht.) In den letzten Tag«:: ist im französisch- italienischen F l o t t e n st r« i t em« Vermittlungsaktion eingeleitet worden, an der u. a. auch der ainerikanisch« Botschafter in Brüssel, G i b s o n, beteiligt ist. Nach Äiitteilungcn aus dem französischen Lager scheint aber auch diese Aktion von dem gleichen geringen Erfolg gekrönt zu sein wie die früheren Versuch« Englands. Man behauptet in Paris, daß G i b s o n seine Aktion in vollkommener Unkenntnis der wahren Lag« der Ding« unternomm«» Hab«, da man.in Wafbington durch aewisie italienisch« Einflüsterung«« falsch unterrichtet worden sei. Iiaiien habe glauben machen wollen. daß es sich mit der„theoretischen Parität" begnüge, d. h. eine Formel, annehmen würde, die seiner Prestiaelorderung nach außen Genugtuung gebe..)>aß. es dagegen peak tisch Frankreich Wäldern, auf zahlreichen Landstraßen... trotz der vielen und zur bewaffneten Staats- und Faschistenpolizei. Ueberall Not, Not und Verzweiflung! Die Gründe der großen Arbeitslosigkeit: a) Geldmangel: Die Führer des Faschismus eignen sich Unsummen des Volks- Vermögens mehr oder minder zynisch an, Gut. das soll auch anders- wo vorkommen, nur daß unsere Führer dies« Gelder des armen Landes im Auslaiche anlegen, z. B. in Oesterreich bei der Alpinen Montangesellschaft usw.. während bei uns Arbeitslosigteit wüter Das Ausland investiert nicht mebr bei uns. Unser Großkapital flüchtet. Unsere„Fuoriusciti"(politische Auslands flüchtlinge) schicken nicht mehr ihre Ueberschüsse nach Hause. Es kommen viel weniger Fremde zu uns, weil wir zu teuer geworden sind. Unser Export liegt brach. Wir sind mit unserer zu hoch stabilisierten Lira zu teuer geworden. b) Wir sind übervölkert und... man gibt den Leuten keine Auslandspässe.(Neuerdings in manchen Gegenden doch, weil ein Ventil geschaffen werden muß. Red. d.„V.".) In unsere kolonialen Sandwüsten geht keine Katz, trotz aller Propaganda durch den„Duce*. Die Leute glauben nicht mehr an Versprechungen, nicht an die Utopist ischen Pläne des großen Bluffers. c) Die Folgen der Verschwendungswirtschaft durch Dilettanten und Jünglinge, die höchstens Potemkinsche Dörfer zu bauen verstehen, beginnen sich van Tag zu Tag immer mehr bemerkbar zu machen. Nicht einmal der Staat zahlt mehr die großen Arbeiten. die Großunternehmer für ihn ausgeführt haben,. Die Staat«- lassen sind leer. ä) Die Worte:„Wir sind kein Bettlervolk mehr, wir brauchen die Fremden nicht" beginnen sich auszuwirken. e) Ganz abgesehen von den Geldern, die für die persönliche Sicherung des Diktators verwendet werden: Die Milizia Nazionale kostet uns täglich bei dem jetzigen Stande von 100 Ol» Mann(neben dem stehenden Heer von 600 000 Mann, 2-5 Een- tesimi pro Mann) und 20 Lire pro Mann 2 000000 Lire. Ich rechne statt 16 Lire 20, da viele„Aktionen" und da ja der Kommandant einer Hundertschaft schon ein wohlversorgter Hauptmann ist. Die 100 000 Geheimpolizisten zur besonderen Verwendung durch die faschistische Partei, dieselben Kerl«, die gar häufig nur deshalb Anzeigen erstatten, um ihre Existenzberechtigung zu begründen, tosten uns, da ein jeder durchschnittlich täglich 20 Lire bekommt, weitere 2 000 000 Lire pro Tag. Dazu kommen noch die nicht festbesoldeten Spitzel, die Reise» und andere Spesen der oft zu Demonstrationen usiv einberufenen Faschisten, die Reklamefahrten von Rednern im In- und Auslande, die Bewirtungen von ausländischen Faschisten- freunden und solchen, die es werden sollen, weiter die Ausrüstung und Bewassnung der Faschisten: all das kostet täglich weitere 2000 000 Lire.' Also kostet der Apparat des Faschismus insgesamt: täglich 6 000 000 Lire, das heißt im Jahr« 365 X 5000 000- 2190 000 000 Lire(gleich etwa ein« halbe Milliarde Mark). Gegenüber dieser Summ« muten die 40 000 000 Lire, die als Quotenbeiträge der in die Fafckgstenpartei 800 OOD Geprsßten wie ein'Wch an. Jeder Em- getragene zahlt nämlich pro Kopf und Jahr 50 Lire. Ztallen ist nickst billiger als Deukschland. Die von mir angeführten Zahlen über Löhn«, Gehälter und Arbeitslosenunterstützungen sind in ihrer ganzen Tragik nur zu er- fassen, wenn man sich von der vielfach im deutschen Bürgertum verbreiteten Illusion befreit, daß Italien ein billigeres Land als Deutschland ist. In Wirklichkeit sind die wichtigsten Lebensmittel in Italien genau so teuer, wenn nicht sogar teuer als in Deutsch- land. Für Kleidung und Schuhzeug zahlt man ungesähr die gleichen Preise in beiden Ländern. Die Wohnungs- mieten sind in Italien heutzutage entschieden höher als in Deutschland, trotzdem die Zimmer meist viel kleiner und ungesunder sind. wer in Deuffchland glaubt, bei gleichen Preisen wie in Stallen. eine Familie mit einem Arbeitseinkommen von 11,50 Mark oder sogar 26 Mark in der Woche ernähren zu kSnncn, der soll ruhig den Faschismus in feinem eigenen Land herbeisehnen. wer diese» allgemeine und wachsende Massenelend, unter dem das itlaieoische Volk seit acht Jahren leidet, dem eigenen Volk« nicht wünscht, der wird den Lockungen de» Duce widerstehen und den Faschismus im eigenen Lande unerbittlich be- kämpfen müssen. eine gewiss« Ueberlegenheit zugestehen wolle. Der gleiche Vorschlag fei aber, wie man in Paris betont, gerade noch vor wenigen Wochen in Genf von dem italienischen Außenminister Grand: rundweg abgelehnt worden. Außerdem genüge e» nicht, wenn man Frankreich eine„inoffizielle", sozusagen heimliche Ueberlegenheit zubillige. Frankreich brauche mindestens 240000 Tonnen mebr Schiffsraum als Italien, und zwar 140000 Tonnen, um die deutsche Flotte in Schach zu halten(!) und 100 000 Tom:«», um sein Kolonialreich zu decken. Jeder Vermittlungsversuch sei daher von vornherein mit allergrößter Skepsis aufzunehmen da sich die beiden Länder aus der Londoner Konferenz auch nicht um Haares- breite nähergekommen seien. Im übrigen scheint:non hier in Poris an einer Neubelebung der FloUeittontroverse mit Italien nicht den geringsten Gefallen zu haben. Obwohl:na„ sich bewußt ist. daß Frankreich auf der bevor- stehenden Abrüstungstagung des Völkerbundes einem gemeinsamen Angriff von England. Amerika. Stallen und Deukschland ausgesetzt sein werde und es eventuell auch für einen Mißerfolg der Abrüstungsbemühungen verantwortlich gemacht werden könnt«, zeigt man sich zum Entgegenkommen, um so weniger- geneigt, als man sich auf die neu« Hetzrede Mussolinis und die verworrenen Verhältnisse in Mitteleuropa berufen zu können glaubt. Sefcheiterter pumpversuch Mussolinis in Paris. Rom. 1. November.(Eigenbericht.) Eine italienische velegatlon. die zu Verhandlungen über eine Anleihe von drei Milliarden Fronken in Van» weilt, ist unverrichteler Dinge nach Rom zurückgekehrt. Man führt für da» Scheitern der Verhandlungen u. a. p o- ltiische Schwierigkeiten an. Kommunistisches Agitprop-Theater. .Seht, ihr Streikendea, hinter dem Berge wartet auf euch die große Goulofchkanone der ZAH.... Bor der Strafan statt.«Bist du uuser Held Margies?-—.Mee. ick werd erst nach uud nach eencr, vorläufig bin ick noch bei's Klauen!" ... aber verderbt euch bitte nicht den Magen daran!" Heinz Neumann übt sich eine Diskussionsrede für die nächste Nazi-Versammlung ein. Die Grüne Krönt zerfällt. Schlange-Schömngen gegen den Reichslandbund. Aufgabe des Tages. Historischer Augenblick für das deutsche Schulwesen. Von �ilbelm Paulsen Not bricht Bahn. Di« erstarrte Form unseres Bolksichulwefens gerät m Bewegung. Di« preußische Regierung hat beschlossen, bis allgeineins Schulpflicht aus neun Jahr« hinaufzurücken. Ein paar hunderttauienb Jugendliche werden ZUM 1. April kommenden Jahres vom Arbeitsmarkr zurückgehalten. Der Beschluß der preußischen Slaatsregi»rung charakterisiert sich damit als eine notwendige und von allen Seiten begrüßt« soziale Hilfsmaßnahme. Darüber hinaus aber kann und muß er mehr bedeuten. Seins Durchführung muß zu einer schul- und kulturpolitischen Leistung ersten Ranges erhoben werden, indem man ihn zum Anlaß nimmt, das Schulwesen noch den dringenden Bedürfnissen unserer Wirt- schaft und Kultur umzugestalten, die Volksschule zu einem wirksamen Bildungsinstrument der breiten Massen unserer Bevölkerung auszubauen. An sich ist das neunte Schuljahr bedeutungslos, es führt lediglich zu einer stärkeren Belastung der Staats- und der Einzelhaushaltung, die den momentanen Gewinn der Wirtschaft mittelbar wieder auf- bebt. Sie ist nur tragbar, wenn sich dl« Summen produktiv aus- wirken: wenn mit der vermehrten Schulzeit eins Mobilisierung der Gesamtintelligenz unserer Jugend erreicht wird, die sich wirtschaftlich und kulturell in vermehrte Leistung umsetzt. Durch die lieber we'sung des neunten Schuljahres an die Berufs- schule und die Belassung der unzulänglich„Allgemeinbegabten" in der Volksschule ist praktisch nichts erreicht, vielleicht gar ein« Schädigung der Interessen beider Schulgattungen. Die berufliche und geistige Förderung unserer arbeitenden Jugend bleibt eine Illusion, wem» die Einzelmaßnahmen nicht in ein groß- zügiges Bildungsprogramm hineingestellt werden, dos die praktischen Begabungen organisatorisch ersaßt imd neue Bildungswege öffnet. Schon das achte Schuljahr stellt eine Verlegenheitslösung dar, weil«s kein charakteristisches Arbeitsprogramm besitzt und die Schüler an die entscheidenden Stellen unseres öffentlichen Lebens nicht heranführt. Das kommende Reichs- oder Landesschulgesetz müßte folgende, schon heute möglichen Forderungen verwirklichen (siehe mein„Neues Schul- und Vildungsprogramm", dessen Grund- züge bereits im„Vorwärts" vom 3. Juli abgedruckt wurden): Fakultative Anedehmmg der Volksschule aus zehn Jahre, Breiten- gliederung ihrer Oberstufe nach theoretischen und praktischen Begabungen, Schaffung beruslicher Bildungsgänge, Entlastung der höheren Schule und organischer Anschluß an das Berufsschulwesen, Ausbau des Berufsschulwesens und sinnvolle, gerechte Uebertragung von Berechtigungen. Schulpolitisch gesehen ist der R« gi« r u n g s a n t ra g ein Torso, sein Vergleich mit der englischen Gesetzesvorlage völlig abwegig. England arbeitet seit Iahren an der grundsätzlichen Erneuerung seiner Schuioersassung. Die Pläne, die aus Grund des sogenannten„Hadow.Rcport" dem Unterhaus nunmehr in dritter Lesung vorliegen, bewegen sich alle in dem oben angeführten Rahmen. Sie enthalten: den zehnjährigen Ausbau der Volksschule l Schulpflicht bis zum 16. Lebensjahr«), die allgemein« sechsjährig« Grundschule(Elemeatac Schoo!) und eine wohlgegliedert«, vier- jährig«. Oberstufe der Volksschule(Modern School) mit kaufmännischen, industriellen und allgemeinbildenden Lügen, von denen de? Uebergang zur höheren Schule und den Fachschulen gegeben ist. Mit der Vollendung dieses Aufbaus übernähme England neben anderen Ländern im Schul« und Bildungswesen die Führung. Es muß einmal deutlich gesagt werden, daß Deutschland, das Lastd der„Schulen. Dichter und Denker", das unentwickeltste Elementar- und Mittelschulwesen der gebildeten Welt besitzt. All« Anstrengungen und Kämpfe der legten Jahrzehnt« bis zur Gegenwart, sein« Schulen zu reformieren, sind gescheitert. In bei? Weltanschauungskämpfen um das unheilvoll« Reichsschulgesetz versiegten die konstruktiven schulpolitrschen Kräfte— und das in einem Augenblick, da Deutschland durch seine führenden Pädagogen und Psychologen die Theorie einer neuen Erziehungswissenschaft begründete(von Lichtwark und Avenarius bis Adler und Freud). Vielleicht begreifen wir heut« in unserer verzweifelten wirt- schaflkichen und politischen Bedrängms die ungeheure Verantwortung gegenüber den ideellen und materiellen Notwendigkeiten. Preußen lönm« ein« Mission an Deutschland auch auf schulvolirifchem Gebiet« eriüllen, wenn es den historischen Moment beg risse und tatkrästig an den Neuaufbau seines Schulwesens ginge. Die ernst« Zeit verlangt Erfüllung. Deutsche Totenfeier in Paris. Hoefch lobt das Werk Gtrefemanns. Pari», 1. November(Eigenbericht.) Am Sonnabend veranstaltete diedeutscheKoloniein Paris eine Gedächtnisfeier für die im Weltkrieg« in fran- zösischer Gefangenschaft oerstorbenendcutschenSoldatcn. Mit großer Genugtuung und Dankbarkeit stellten die Besucher fest, daß infolge der freundschaftlichen Zufmnmenorbeit d«r deutschen skriegergräbcrverwaltung und der französischen Behörden sich die Mehrzahl der Soldatengräber in tadellosemZu stand befindet, ja sogar viele bescheidene Holzkreuz« durch kleine Grabdenkmäler er- setzt worden sind. Der deutstfye Botschafter von H o e s ch, der aus dem Friedhose von Ivry die Gedächtnisred« hielt, erinnerte im Anschluß daran an das Werk Stresemanns, dessen Friedenspolitik in der Räu- mung des Rheinlandes ihre Krönung gefunden habe und betonte, daß nicht ein« Politik der Abenteuer, sondern nur einePolitik des Vertrauens und der Beständigkeit Deutschland au» der äugen- blicklichen Misere heraus zur vollen Freiheit und zur Wiedererlangung seiner Weltgeltung führen könne. Haushaltsausschuß einberufen. Notverordnungen und Oppositionsanträge. Der Haushaltsausschuß des Reichstages ist für Mist- woch. den 12. November, einberufen worden. Hauptgsgenstand der Beratungen des Ausschusses wird die„Notverordnung zur Behebung finanzieller, wirtschaftlicher und sozialer Notstände" vom Juli sein, zu der Aufhebungsantrags von den Kommunisten, den Nationalsozialisten und den Deutschnationalen vorliegen. Ferner hat die WirlschflftSpartei die Aufhebung der Teile der Notverordnung be- antragt, die sich mit-Cetränkesteuern bsfasien Darüber hinaus wird sich der Ausschuß mst den Anträgen her Nationalsozialisten und Kommunisten auf Aufhebung des Erlsfies des Finanzministers über dieKürzung derBezüg« der Reichsangestellten um fi Proz. beschästigen, ferner mst einem kommunistischen Antrag auf Auszahlung einer Winterbeihilfe an Erwerbslose, Sozial- und Kleinrentner. Die Reichsregierung wird dem Reichs rat om kommenden Dianslag in einer öffentlichen Sitzung ihr Reformprogromm vorlegen. Der Reichskanzler und der Rai ch s f i n a n z. minister werben da» Reformprogramm begründen. Schlange-Schöningen, einst einer der schärfsten Streiter für die Landbundpolitik, jetzt Reichstagsmltgli«d für die Landvolkpartei, distanziert sich in der„Berliner Börsenzeitung" in deutlichster Form von der KatastropheNpolitik des Grasen von Kalck- reuth. Als Kalckreuth zum ersten Präsidenten de» Reichsland- bundes gewählt würde, hat der Landvolkabgeordneis und westdeutsche Landbundführer H e p p in demonstralioer Weise auf seinen Sitz im Landbunüprasidium verzichtet, weil da» bäuerliche Element im Reichslandbund sich durch Kalckreuths Wahl mit Rocht provoziert und feine Interessen geopfert sah. Die Grüne Front, die Kolckreuths Notverordnung«;, und Wahnsinnspolitik stützen sollte, zerbröckelt. Schlange-Schöningen will zur agrarpolitischen Per- n u n f t z u r ü ck. Cr verbrennt dos meist«, was der Rcichslandbund jetzt anbetet.„Die Zollpolitik, wie sie bisher ge- trieben wurde, oermagunsnichtzuretten". der Land- wirt braucht«ine gesicherte Kalkulation. Er wendet sich gegen die völlige Umgestaltung der Handelspolitik und die Befestigung der Meistbegünstigung! die Erschütterung der Jndustriepolstik könne an- gcsichts der Arbeitslosigkeit kaum ertragen werden. Ein« aussichts- reiche Rettungspolitik für die Landwirtschaft ist nur möglich,„wenn sie mit und nicht gegen die Einsicht der anderen Bcvölkerungsschichten gemocht wird und möglichste Rück- ficht auf die beiden Pole nimmt, zwischen denen sie hindurchgesteuert werden muß: Jndustrieabsatz und Kaufkraft der Bc. oölk.erung". Und weiter:„Mst Notverordnungen... kann man wohl Augenblickserfolge... aber keinen vernünftigen Dauerzustand erzielen." Dos sind sichere, wohlbemessene Faustschläge gegen die Wahnsinnspolitik des Reichslondbundes. Wir find mit Schlange-Schäningsns positiven Forde- r u n g« n nur zum geringeren Teil einverstanden, ober sie haben einen gewissen Sinn. Entscheidend seien Eingriff« auf wenigen Ge- bieten, besonders zugunsten des Rüben-, Kartoffel- und Getreide- bans: Staatliche Kontingentierung und Beschränkung des Zuckerrübenbaus, volles Brennrecht zur Rettung der leichten Kortoffelböden und dazu den Spritbcimischungszwong, und endlich statt übersteigerter Getreidezollpolstik das staatliche —»mm«, in■ni.iMpiraB—.M«■[»■im—— ra—— n——— Kurt Götz im Lufispielhaus. Oer erneute»HokuslpotuS�. Das Lustspielbaus hat wieder einmal eine neue Direktion. Aber diesmal ist sie besonderer Art, der neue Direktor Kurt Götz bringt eines seiner erfolgreichsten Stücke„Hokuspokus" mst und zugleich die besten Darsteller, mit denen er im„Theater am Schissbauerdamm" den Erfolg pflückte. Inzwischen bat.„Hokuspokus" auch als Film seinen Weg gemacht-mit einigen Abänderunzen und vor allem mst einer filmgerechten Erweiterung der Schauplätze. Diese glänzende Persiflage auf den Kriminalreißer, dieser geist, voll« Schmarren, in dem es von allen Teufeleien funkelt, dieses Witz- raketenfeusrwerk, das den ganzen Umkreis de, Theaters überschüttet, wirkt beim Wiedersehen in nichts veraltet(obwohl dieses Genre sich inzwischen totgelaufen hat). Di« Pointen sitzen immer noch, und nur dos Moment der Ueberrgschung fällt natürlich weg. Kurt Götz hat sich und sein«(Kattin wie immer mit' den dantbarslen Rollen bedacht. Er ift wieder im Vorspiel und Nachspiel der närrisch« vra- maturg und im Haupistück der Gatte und Impresario seiner schönen Frau, Valeria von Martens. Walter S t e i n b e ck gibt dem Gerichtspräsidenten galante Würde. Hermann Vallentin bleibt sich als Theaterdirektor wie Verteidiger treu in seinem T«m- perament, und so kommen auch die kleineren Rollen schars charokte- risiert berous. Die ctwas breit ausgezogene Kerr-Parcdi« wirkt von selbst, auch wenn man sie wie M c. x K a u f m a n n nur im äußeren ersaht. Das srohgelauntc Haus bereitete der neuen Direktion und allen Mitwirkenden ein herzliches Willkommen. ICkl.D.• Getreideeinfuhrmvnopol. Schlange-Schöningen hat, wie er erklärt, den„Glauben an die alleinige Heil traft der. Zoll- Politik v e r lo r e n". H« p p s Protest gegen Kalckreuth war ein« politische Demonstration. Schlange-Schöningens Stellungnahme bedeutet eme scharf motiviene Absage- an den agrarpolstischen Wahnsinn des Reichslandbund-s. Versteht Herr Schiele die Zeichen der Zeit? Eolosser kontra Drewitz. Zührerkrise in der Wirtschastspartei.— Oos parteiblo« unter Drewitz«Zensur. Der zweite Vorsitzende der Wirtschaft-partei, Abg. C o l o s s e r, hat sein Amt niedergelegt. Er begründet diesen Schritt de- mit, daß der Parteiführer Drewitz die übrigen Vorstands- mstglieder und Abgeordneten durch selbstherrliche Hand- lungsweise dauernd brüskiert habe. Die weitere Vc- dauptung, daß zugleich auch der Führer der preußischen Landtags- fraktion der Wirtschaftspartei, Abg. Ladendorsf, und der Generalsekretär der Partei, Landtagsabgeordneter Dannenberg. ihre Aemter niedergelegt hätten, wird von beiden dementiert. E o l o s s e r hat die Absicht geäußert, aus der Wirtschoftspartei ganz auszuscheiden. Abg. Drewitz erklärt, daß die Differenzen mit Colosser Haupt- sächlich auf Meinungsverschiedenlieiten über die H a l t u n g g e g c n- über dem Berufsbeamtentum zurückgingen. In der „Deutschen Mittelstandszeitung", dem Parteiblatt, der Wirtlchaft-- parte!, in dessen Verlag Herr Eolosser führend tätig war, ist seiner- zeit das sogenannte„M a d e n l i c d" erschienen, dos st a r k e A n- griffe gegen das Veamtentum enthielt. Auf den letzten großen Beamtcntagungcn sind deshalb heftig« Beschwerden gegen die Wirtschaftspartei erhoben worden. Der Reichsausschuß der Wirtschastspartei habe sestgestellt, daß die Partei als solche s i ck) nicht mit den starken Angriffen gegen dos Berufs- beamtenwm identifizieren wolle. Um nun in Zukunft ahn- lieh« Deröfsentlichungen in dem Parteiblatt zu verhindern, habe der Reichsausschuh beschlossen, daß alle Artikel für dos ge- nannte Blatt vor ihrer Veröffentlichung den, Partei- führer Drewitz vorzulegen seien. Durch diesen Beschluß, so er- klärte Drewitz weiter, habe sich wohl Herr Colosser brüskiert gefühlt. Der Hausagrarierbank- Ladendorff, defien seltsam« Beziehungen zu den„Entschädigungsgeldern" für an baltisch« Abgeordnet« wir mehrfach besprochen haben, erklärt, daß er vorläufig nicht daran denke, seine Parteiämter niederzulegen. Zranzens Verbot aufgehoben. Umzüge wieder erlaubt. Der braun schweigische Naziminister Franzen hat dos om 23. Ottober erlassen« Verbot von Umzügen und öffentlichen Per- sammlungen unter freiem Himmel aufgehoben, nachdem die Voraus- fitzungen dafür fortgejallsn sind." Voraussetzungen für das Darbot waren überhaupt niemals gegeben. Die öffent- lichs Ruh« und Sicherhest ivar in Braunschweig niemals g«- stört. Nachdem sich aber Franzen überzeugt hat, daß die braun- schweigische Sozialdemokratie, ebenso wie da, Reichsbanner, jetzt im ganzen Fresitoat Ries«nversammlung«n veranstaltet, ge�n die er doch nicht aufkommen kann, hat er das Verbot aufgehoben « Di« Hamburger Polizeibehörde l?at bekanntlich das Tragen der nationalsozialistischen Parteiunisorm am 23. August d.J. mit beschränktem Umfange und am 8. September bJ. allgemein verboten. Da die Voraussetzungen, die Zu dem Verbot durch die Polizeibehörde geführt hatten, noch wie vor fortbestehen, hat der Senat das Verbot der Polizeibehörde bestätigt. Die hohen Nroi- und Fleischpreise. Lad od die Löhne einer VerbiUigung im Wege sind. Der Nahrungsmittel- und GetrSnkearbeiter- verband teilt uns zu dem Verhältnis von Arbeitslöhnen zu Brot- bzw. Fleischpreisen u. a. folgendes mit: ,3m Bäckereigewerbe bestehen nach der Feststellung des Bäckerinnungsverbandes 37 223 Bäckereibetriebe, in denen keine Lohnarbeiter beschäftigt werden. Hier kommen ledig- lich Ausgaben für die Lehrlinge und für die sonstigen Hausange- stellten in Frage, davon find 17 S61 Betriebe, die weder G e- Hilfen noch Lehrlinge beschäftigen. Für weil mehr als ein Drittel aller Bäckereibelriebe kommt eine Bezahlung von Löhnen überhaupt nicht in Frage. Dennoch muß festgestellt werden, daß es auch den ohne Gesellen arbeitenden Betrieben nicht einfällt, ihre Brot- und Backwaren billiger abzugeben. Außer diesen Betrieben ist ein« große Anzahl Kleinbetrieb« vorhanden, die grundsätzlich die tariflichen Lohnoereinbarungen nicht beachten und denen es nicht einfällt, ihren jungen Gehilfen die Tariflöhne' zu bezahlen. Darüber können die Arbeitsgerichte sehr gut Auskunft geben. Wie im Bäckergewerbe, so liegen auch die Verhältnisse im Fleischergewerbe. Hier ist ebenfalls die Fahl dersentgen Betriebe, die ohne Gesellen arbeiten, groß, hier trifft ebenfalls zu, daß die Unternehmer tarifliche Löhne nicht beachten. Die Lohndrückerei steht in den beiden Berufen auf der Tages- ordnung. Hinzu kommen weiter die tagtäglich erfolgenden U e b e r- tretungen der Arbeiterschutzgesetzs. Die U e b e r- stundenarbeit ist in den Kleinbetrieben ohne Bezahlung an der Tagesordnung und diejenigen, die sich weigern, über die gesetzliche oder tariflich zulässige Arbeitszeit zu arbeiten, werden auf das Strahenpflaster geworfen. Sehen wir uns demgegenüber die wirtschaftliche Lage der Unter- nehmer in diesen Berufen an. Wiederum nach Feststellungen des Bäckermeister-Jnnungsverbandes sind 7S Prozent aller im Reiche vorhandenen Bäckermeister Hauseigentümer. Die Zahl der Hausbesitzer ist in der Nachkriegszeit bei diesen Unternehmern rasch gestiegen. In gleicher Weise kann die Beobachtung im Fleischecge- werbe gemacht werden. Trotzdem in beiden Berufen der familien- wirtschaftliche Detriebscharakter stark vertreten ist. ist die Wirtschaft- liche Lage der Unternehmer weit günstiger als in vielen anderen handwerksmäßigen Berufen. Die Konkurs« haben in der Nach- kriegszeit viel stärker abgenommen, wie die Konkursstatistik beweist. Bedeutende Aufwendungen konnten im Bäcker- und Fleischer- gewerbe hinsichtlich der technischen Ausgestaltung der Betriebsräum« und der Verkaufsstellen gemacht werden. Das kann aber nur mög- lich sein, wenn gut verdient wird. Bei der Preissenkungsaktion bemüht man stch, die überhöhte Gewinnspanne zu erhalten. Arbeiter und Lehrling sollen die Leidtragenden sein. Es wird bereits Propaganda für die B e- seitigung des gesetzlichen Verbots der Nacht- und Sonntagsarbeit eingeleitet. Auch mit der durch nichts be- wiesenen Behauptung, daß das Nachtbackoerbot die Herstellung eines qualitativ guten Brotes unmöglich mache, wird jetzt wiederum krebsen gegangen. Demgegenüber ist festzustellen: Seit dem Verbot der Nacht- und Sonntagsarbeit hat die technische Eni- Wicklung der Bäckereibetriebe einen solchen ra- piden Auf st leg zu verzeichnen wie in keiner Zeit- Periode der ständigen Nacht, und Sonntagsarbeit. Gewiß besteht die Möglichkeit zur Senkung der Brot, und Fleischpreise, sie kann durch Kürzung der überhöhten Zwischenvcr- dienste erfolgen. Gewerkschaftliches siehe 3. Beilage. Verantwortlich Mr Politik: Victor Schiff; Wirtschaft:®. Klingelhöfcr; Gev�rtschaktsbewegung. Z. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonshncs!?rj» Karstadt: Anseiaen. Tb Glocke-, sämtlich»n Berlin Verlag: Vorwärts-Verlag G. m b, Ö Berlin Druck: Vorroarts-Buchdruckcret und Verlaasanstalt Paul Singer u 5o. Berlin SW 68. Linden strafte 8 Hierzu 5 Beilagen« PL BERLIN C2• SPANDAUER STRASSE• KÖNIGSTRASSE• GEGRÜNDET IBIft 7!r. 515» 47..Jalf'goiig*1« �00*<�301*0�0!*�� öonnfea, 2. JloeeraSer 1930 In Zeilen politischer Hochspannung, besonders wenn diese von hi isenhaften Momenten begleitet ist, zeigt sich in weiten Beoölkerungskreisen eine starke Unsicherheit über die weiteren Möglichkeiten zur Beschaffung des notwendigen Nahrungsbedarfs. Der Kapitalflucht im großen entsprechen die Angstkäufe der Hausfrauen im kleinen. Für den kommenden Winter sind jedoch Befürchtungen in dieser Richtung unbegründet, noch nie waren alle Speidier der Reichshauptstadt dermaßen mit Lebensmitteln überfüllt, wie in diesem Herbst. Wenn trotzdem heutzutage Getreide, Kartoffeln, Zucker und Hülsenfrüchte zu einem großen Teil fast unoerkäuflich sind, dann liegt das vielmehr an der Wirtschaftskrise mit ihrer drückenden Arbeitslosigkeit: die breiten Verbrauchermassen haben kein Geld, um sich die nötigen Lebensmittel in den sonst üblichen Mengen zu kaufen, allenthalben fehlt es an Kaufkraft. Ein wenig anders liegen die Dinge allerdings beim Hausbrand. Hier ist vorerst wenig zu sehen von überfüllten Lagern. Wir wollen oersuchen, uns ein Bild dop. der tatsächlichen Lage zu machen und im einzelnen die Wirtschaft liehen Verhältnisse bei den verschiedenen Gegenständen unseres täglichen Bedarfs bespredien. Ueberschwemmung Verlins mit Kartoffeln. Beginnen wir mit den Kartoffeln, die nicht nur in Zeiten der Krise das Hauptnahrungsmittel der arbeitenden Bevölkerung bilden. Berlin ist mit Kartoffeln geradezu überschwemmt. Trotzdem die Jnteresfentenverbande jeden Tag die Kartoffelerzeuger durch den Rundfunk und durch die Zeiwngen mahnen, keine Kartoffeln mehr nach Berlin zu senden, weil sonst die Großhandelspreise immer weiter sinken müssen, nehmen die Zufuhren an Kartoffeln enorme Ausmaße cm. Daß dies keine Redensart ist, beweisen die statistischen Auf- Zeichnungen der Berliner Güterbahnhöfe über den krartosseloerkehr- die neuesten Zahlen reden eine anschauliche Sprache. So wurden gezählt: ncuan'rtnmcnbe babntiehenbe ftanbflelbpftidjtlge Waeen Wagen Waaen am l8. Oktober 233 670 437 . 20.. 150 691 541 . 21.. 143 700 557 . 22. 190 657 467 . 23.: 186. 601:' 415 . 24.•. 163 L7Z-- 409-.' 1065 9891 2826 In der vorhergehenden Woche vom 11. bis zum 18. Oktober waren dagegen auf den Berliner Güterbahnhöfen nur 990 Wagen mit Kartoffeln neu angekommen, 3075 standen schon auf den Bahn- Höfen und 2085 standen schon so lang«, daß sie standgeldpflichtig geworden waren. In der Woche vom 18. bis zum 24. Oktober kamen jedoch rund 2500 Kartoffelwagen hinzu, ohne daß cm Ende der Kartoffelüberflnwng Berlins zu sehen wäre. Denn die diesjährige Kartoffelernte beträgt 44 Millionen Tonnen, das sind 13 Proz. mehr als im Vorjahre. Die Landwirte, die dringend Geld brauchen. werfen alle verfügbaren Mengen auf die großen Absahmärkte und bieten sogar an. sofern sie nicht allzu weit von Berlin entfernt wohnen, die Kartoffeln den Berliner Haussreauen per Fuhrwerk frei ins Haus zu liefern. Wir wollen dabei nicht oerschweigen, daß viele Landwirte jede Unterscheidung zwischen Speise- und Futter- kartoffeln vermissen lassen, es muß sehr schlecht um die Qualität der nach Verlin kommenden Kartoffeln stehen, wenn sogar in der Nr. 42 der„Mitteilungen der Preisberichtsstell« beim Deutschen Landwirt- lchaftsrat" zu lesen ist,„daß die Landwirte Kartoffeln in wenig be- friedigender Qualität an den Markt bringen, so daß häusig berech- tigte Beanstandungen zu verzeichnen sind". Aber dies nur nebenbei. Die Hauptsache sind die hohen Preise. Man sollte doch annehmen, daß bei einem derart großen Angebot das überhöhte Preisniveau langsam sinkt, aber nichts von alledem. Noch immer müssen die Hausfrauen für die winker-Jndustriekarkoffel ZS Pf. für 10 Pfund bezahlen, obwohl die Landwirte als Erzeuger uoch nicht die Hälfte dieses Preises erhalten. Der Gewinn bleibt auf den langen Etappen des Zwischenhandels, und die Reichsregierung, deren Finanzminister Dietrich mit Donnerstinime in der letzten Sitzung des verflossenen Reichstags den Preisabbau forderte, hat sich schützend vor den Profit der Kartoffelhändler gestellt, indem sie umfangreiche Stützungskäufe in Kartoffeln vornahm und erhebliche Mengen dieler Hackfrucht aus dem Verkehr zog und sie den Kartoffelflockenfabriken zuführte. An- statt die Kartoffelpreife entsprechend dem Ucberangebot ihrem ver- dienten Schicksal zu überlassen. Alle Getreidespeicher überfüllt! Die Ueberschwemmung Berlins mit Kartoffeln ist gegenüber der- jcnigen niit Getreide fast ein Kinderspiel. Wir hatten dieser Tag- Gelegenheit, in die Hallen des riesigen, neun Stockwerke hohen Getreidespeichers am Berliner westhafen hineinzusehen: es ist un- möglich, auch nur noch ein Körnchen Roggen unterzubringen, wenn es nicht durch Selbstentzündung zur Katastrophe kommen soll. Dessenungeachtet fahren Tag für Tag ganze Flotten von Kähnen vor und wollen ihre großen Getreideladungen löschen. Doch das ist unmöglich, denn weder in einem städtischen Lagerhaus, noch in einem privaten Speicher Berlins ist gegenwärtig noch Getreide einzulagern. Trotzdem ist für die Getreidehochfwt kein Ende abzusehen, auf den märkischen Wasserstraßen waren in Richtung Berlin unterwegs in oer Woche vom. 4.— 10 Oktober.. 5065000 Kx- Weizen 4 186000 ka Rogaen 11.— 17.... 5966000.„ 4877000. also genau die gleiche Entwicklung wie bei den Kartoffeln. Dabei muß man berücksichtigen, daß das Inlandsangebot an Getreide zur Zeit gar nicht einmal erheblich ist, well die Landwirte mit der Hack- fruchternt« und den herbstlichen Bestelluugsarbeiten vollauf in An- spruch genommen sind und zum Dreschen bisher noch gar keine Zell hatten. Der ärgste Störenfried am Weltgetreidemarkl ist augcnblick- lich Sowjetrußlcnd. In diesem Lande sind die Lebensmittel längst wieder rationalisiert, nur nach langem„Schlangestehen" können die Städter ihr täglich Brot erhallen, trotzdem laufen ununterbrochen Meizentronöporte durch die Dardanellem«ine halbe Million Tonnen(!) war das im vergangenen September, das ist die Hälfte einer Wochenverkädung der ganzen" Welt� Kein Mensch kann ab- sehen, welche Maße die Vorratsstauungen an Getreide noch an- nehmen werden. Die diesiährige Roggenernte Deutschlands beträgt bei einem erstrnolig zu verzeichnendem Rückgang der Anbaufläche um 2 Proz. ungefähr 7,7 Millionen Tonnen. Diese Menge wird als unterdurchschnittlich bezeichnet, reicht jedoch zur Deckung des deutschen Bedarfs vollkommen aus, abgesehen von den vorhandenen Vorräten. Entsprechend diesem Ueberangebot schwanken wohl die Großhandelspreise, aber auf eine Auswirkung dieser Entwicklung auf den Berliner Brotpreis warten wir schon lange vergeblich. Und beim Weizen sind wir vollkommen von der reinigenden Konkurrenz des Auslandes abgesperrt. Weil auf jeder Tonne einzuführenden Weizen ein Zollsatz von 185 Mark liegt, können sich die deutschen Weizenpreise auf der doppelten Höhe des Weltmarktpreises halten. Fehlende Käufer für Zucker. Die Zuckerernte steht vor der Tür und noch liegen in den Speichern Berlins die Zuckersäcke zu Bergen gestapelt. Weil es an Kaufkraft fehlt. Dabei wird die Zuckerernte in Deutschland«in« aus- nahmsweife große fein, näinlich 45 Millionen Zentner. Dagegen be- trägt der deutsche Jnlandsverbrauch nur 35 Millionen Zentner, 20 Proz. der deutschen Rübenzuckerernte müssen also auf dem Welt- markt abgesetzt werden. Niemand braucht also eine Zuckerknapp- lzeit zu befürchten, im Gegenteil! Nun muß man 6 Zenlner Rüben Das Innere einer geiü.nen Speicherhaile. haben, um daraus einen Zentner Zucker gewinnen zn können. Die Verarbeitungskosten für jeden Zentner Rüben stellen sich auf 90 Pf., das wären demnach für jeden Zentner Zucker 5,40 Mark reine Ver- arbestungskoften ohne den Preis für die Rüben. Der Weltmarkt- preis für Zucker, der sich nach dem ausschlaggebenden kubanischen Rohrzucker richtet, beträgt jedoch nur 5 Mark pro Zentner, so daß dieses verlustbringende Zlusfuhrgeschäft an Rübenzucker durch überhöhte Inlandspreise wieder wettgemacht werden muß. Das kann sich die Zuckerindustrie leisten, denn Zucker ist in Deutschland mit 16 Mark pro Zentner zollgeschützt! Trotzdem will man in Zukunft auf den Export verzichten. So lesen wir in der Nr. 38 der„Deut- schen Handelsrunds chau", dem Organ der Edeka-Genossenschafte». „Es wäre durchaus verständlich, wenn der Landwirt im Hinblick auf die vorerwähnt« Tatsache seine Rüben einfach auf dem Felde verfaulen ließe, um sie als Düngemittel wieder zu gebrauchen." Eine derartige Ungezogenheit müßte plakatiert werden und gleich- zeitig die Derbraucher davon in Kenntnis gesetzt werden, daß man bei einer nicht absetzbaren Zuckerernte den Großhandelspreis für den Zentner Rohzucker auf 23 Mark in die Höhe treiben will! Die Versorgung mit Preßkohlen. Wir sparen uns eine Schilderung des Erben-, Bohnen- und Kaffeemarktes. Ueberall große Vorräte bei vereinzelten Käufen. Beim Kaffee haben die am 5. März in Kraft getretenen Zoll- «rhöhungen von 65 auf 80 Pf. für das Pfund Rohkaffee und von 87 auf 150 Pf. für das Pfund Röstkaffee zu einem besonderen Rück gang des Verbrauchs und zur Abwanderung zum Malzkaffee gc- führt: von Januar bis Juli 1930 wurden nach Deutschland 112 500 Säcke Kaffee weniger eingeführt als in der gleichen Zeit de«..Vor- fahres. Etwas anders liegen die Dinge, wie schon angedeutet, b.'i der Versorgung Berlins mit Hausbrand. In den, hinter uns liegenden Sommer der Krise, einem Sommer mll 400 000 ErwerbClofen allein in Berlin, deckten sich nur wenig« Familien mit Preßkohlen ein. Die Braunkohlengruben legten deshalb Feierschichten ein,»m die Haldenbestände mcht ins Ungemessene wachsen zu lassen. Auch bei den Händlern sind leine übermäßig hohen Vorräte vorhanden. weil diese aus Furcht vor einem plötzlichen Preisabbau mll Lager- kaufen zurückhielten. Andererseits spielte natürlich auch der Kapllal- Mangel in diesen Kreisen eine erhebliche Rolle. So betrugen die Zufuhren an Braunkohlen in den verflossenen Monaten dieses Jahres reichlich\lA Millionen Tonnen, das ist ungefähr die Hälfte des vorjährigen Verbrauchs. Nun war der letzt« Winter ein milder, und es fragt sich ob bei strenger Kälte die Braunkohlenmeng« des Vorjahres von knapp 3 Millionen Tonnen zur Deckung des Haus- brandbedarfs in diesem Winter ausreicht. Zumal Berlin in seiner Versorgung mit Hausbrand allein auf das Niederlausitzer Braun- kohlenrevier angewiesen ist: die mitteldeutsche Braunkohle ist stark teer- und schwefelhaltig und kann nur in besonderen Röstöfen ver- brannt werden. Wir wollen jedoch Holsen, daß die Feierschichten vom Sommer noch eingeholt werden können und daß die Ver- ladungen auch bei strenger Kälte flott vonstatten gehen. Dann sind auch beim Hausbrand keine Befürchtungen für eine Knappheit gegeben. * Wie wir gesehen hoben, ist bei den Lebensmitteln kein Grund zu Besorgnissen vorhanden. Ueberall sind Scheunen und Speicher bis unter die Dächer mit Waren gefüllt. Nur fehlt es an Käufern. Die Umsätze der Warenhäuser an Bekleidung betragen nur noch 79 Proz. der Ziffern von 1925, das Teilzahlungsgeschäft ist im Juli 1930 gegenüber dem gleichen Monat des Borjahres um 36 Proz. zurückgegangen, die Geldeingänge um 12 Proz., und nur noch 48 Proz. ihres vorjährigen Bedarfs haben 1930 die Teilzahlungs- geschäfte eingekauft. Erschreckend aber geradezu sind die Ziffern über die Darlehnsgefuch« beim Staatlichen Leihamt in Berlin, die im ersten Halbjahr 1930 4,35 Millionen Mark betrugen gegen nur 1,58 M llionen im ganzen Jahre 1925! Deshalb ist es eine Unsitte sondergleichen, in diesen Zeiten daniederliegender Kaufkraft auch noch die Löhne abbauen zu wollen. Nicht Lohnabbau, sondern Preis- abbau muß die Parol« sein, dann werden auch die Vorräte in den überfüllten Speichern langsam abnehmen. Bettfedern �Vertrauens artifeef mJrZ Fertige Betten Steppdecken Sei' 188! 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Die sozialdemokratische Stadtverordneten- sraktion ist mit seinem Ausscheiden einverstanden. Genosse Majerczik hat sein Amt unter außerordentlich schwie- rigen Verhältnissen übernommen. Der Zusammenschluß der Berliner Verkehrsbelrieb« zur BVG. erfolgte in einer Zeit, als die ösfcnt- liehe Wirtschaft durch die drosselnde Anleihepolitik Schachts aufs schwerste gefährdet und die kommunalen Finanzen auf das ernsteste bedroht wurden. Der Aufbau der BVG. mußte also in schwerer Sturmzeit durchgeführt werden. An diesem Aufbau war Dr. Majerczik, der das verantwortliche Amt der Vertehrsdisposi- tion und Tarifpolitik leitete, in hervorragendem Maße beteiligt. Di« Tariferhöhung der BVG., die die Berliner Bevölkerung nicht mit Unrecht sehr beunruhigte, war freilich nicht sein Werk. Sie ist, allerdings mit als Folge der starten und notwendigen, aber sehr kostspieligen Ausbauten des l-I-Vahnnetzes seinerzeit vom Ober- Präsidenten der Provinz Brandenburg der Stadt Berlin und damit auch der BVG.«uferlegt worden. Bei der Durchführung der Verkehrs- und Tarifpolitik zeigten sich später stark gegensätzliche Auffassungen zwischen Dr. Majerczik und dem Aufsichtsrat, die nicht zu überbrücken, aber von grundsätzlicher Bedeutung für die Führung der BVG. waren Schon im September sprach sich Genosse Majerczik deshalb dahin aus daß der Anstellungs- vertrag nach seinem Ablauf nicht mehr verlängert werden sollte. In- zwischen war er mit Erfolg um Ersparnisse im Verkehrsbetrieb de- müht, die schließlich ein« beachtliche Summe erreichten und die innere Gesundung der BVG. fördern werden. Daß Genosse Majerczik in absehbarer Zeit aus seinem Amt scheiden wird, bedauern wir sehr. Wir hoffen aber, daß seine geschulte Kraft und große Wirtschaftserfahrung der öffentlichen Wirtschaft, die Kenner und Könner dringend braucht, erhalten bleiben wird. Oer Raubüberfatl in der Giadtbank. �500 Mark Belohnung ausgesetzt. Von den Räubern, die die Filiale der Stadtbank in der W i l s- nacker Straße heimsuchten, ist bisher noch keine Spur ge- funden worden. Es ist jetzt festgestellt, daß insgesamt 14 00» Mark geraubt wurden. Die Summe besteht in der Hauptsache aus 50», 20- und 10-Markscheinen, 1g0-Marknoten waren nur wenige darunter. Die Beschreibung der Täter ist sehr lücken- Haft. Es sollen Leute von etwa 25— 30 Jahren gewesen sein, die mittelgroß waren und helle Sportmützen und wahrscheinlich graue Anzüge trugen. Die Stadtbank hat auf die Ergreifung der Räuber eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt, die Kriminal- polizei eine solche von 5 00 Mark. Außerdem werden 10 Pro- zent vom Wert der wiederbeschafften Summe zugesichert. Mit- teilungen W»«Uufklärung werden an das Raubdszernat A tz im Polizeipräsidium erbeten. Für de» bedrohten deutschen Osten. Im ehemaligen Herrenhaus veranstaltet« der Landesverband Mark Brandenburg des Vereins für das Deutschtum im Ausland eine Kundgebung für den bedrohten deutschen Osten. Nach dem Fahneneinmarsch, der von den Trägern des Vereensbanners und der Reichsfahnen geführt wurde, und musikalischen Darbietungen folgte«ine Reihe von Vorträgen, von denen dös Referat„Die Staaten Südosteuropas und ihre deutschen Minderheiten" des Ge- werkschaftsfekretärs Furtwängler besonderen Beifall fand. Er betonte, daß die Bewegung für das Demfchtum im Ausland« frei sei von Chauvinismus und vor allem die Erhaltung deutscher Kultur, deutscher Schulen und deutschen Wesens jenseits der Grenzen erstrebe. Aus diesen Erwägungen heraus sei auch der Kampf gegen die Un- gerechtigkeiten der Friedensverträge von 1919 zu erklären. Der gemeinsame Gesang der Nationalhymne schloß die Veranstaltung. Zn den letzten Tagen wurde, wie bereits mitgeteilt, in der Reichstagsbibliothek das Fehlen der verfassungsurkundc vom 2 8. März 1849 festgestellt. Die Urkunde befand lich in einem der verschlossenen eisernen Schränke im Speicher der Reichstagebibliothek: sie stellt ein Unikum Insofern dar, als unter dem gedruckten Text der Reichsverfassung sich die Original- unterschrtsten sämtlicher Abgeordneter der Rationalversammlung der Pauls-Kirche befinden. Die Urkunde ist auf Pergament gedruckt: ste umsaht 27 Seilen Text und 19 Seiten Unterschrisle». Das Format ist etwa 35: 23 Zentimeter, der Einband besteht aus rotem Leder: aus der Vorderseite befindet sich ein Adler in Silber. Zu den Bibliotheksräumen des Reichstags haben nur die Bibliotheksbeamtcn Schlüssel. Das hat allerdings nicht verhindern können, daß bereits im Sommer d. I. einmal ein Ein- bruch in die Bibliotheksräume des Reichstags verübt wurde. Damals wurden Wertgegenstände gestohlen, die ein Dibliotheks- bcamter für die Zeit seiner Sommerreise in den Schränken unter- gebracht hatte. Man kann in der Reichstagsbibliothek leider nicht genau das Datum des jüngsten Diebstahls ermitteln Die Verfassungsurkunde von 1849 ist zuletzt in ihrem eisernen Gewahrsam im November 1929 festgestellt worden, seitdem aber nicht mehr heraus- gesucht. Erst vor einigen Tagen wurde der eiserne Schrank, der einem der eisernen Garderobenschränke gleicht, wie sie in manchen Betrieben für die Angestellten bereitstehen, geöffnet. Man wollte nämlich die Urkunde für ein Bildwerk über den Reichstag photo- graphieren lassen und stellte dabei ihr Fehlen fest. Zugleich ent- deckte man, daß der oder die Diebe außer der Verfassungsurkundc Heute Hallensportfest des Arbei er-Toern- u. 5' portbundes Im Sportpalast, Potsdamer Straße, lindet naclimiitags 3 Uhr eine Hec schau aller Sportarten unserer Sportlreurue statt. Alle Genossen, die dem Arbeitersport Sympathie entgegenbringen, werden ersucht zu erscheinen. Der Bezirkivoi stand. Betrug und Koh!enwucher. Drei Monate Gefängnis für einen Hausbesitzer. Dieser Tage fand vor der Zweiten Großen Strafkammer des Landgerichts III Verhandlung gegen den Kaufmann Leon Kohen au» der Eijenacher Str. 29 und den Kohlenhändler S. aus Charlollenburg statt, die mit der Verurteilung beider Angeklagten endete. Der Verhandlung lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Kolilenhändelr S. hatte von dem Hauseigentümer Leon K. für zwei Grundstücke in Charlottcnburg die Belieferung der Zentral- Heizungsanlagen mit Koks erhalten. Die allgemeine Un- sitte der Rabattgewährung an Koksbesteller spielle auch in diesem Falle die entscheidende Rolle. Kohen hatte von dem Kokslieferanten 10 Prozent der Rechnungsbeträge, später sogar 12 Prozent für sich in Anspruch genommen, die er auch erhielt. Als der Kohlenhändler die Abfuhr der von ihm verkauften Mengen durch etne andere Firma ausführen lieh, verständigte er Kohen davon, daß er nicht mehr in der Lage fei, die 12 Prozent Rabatt zu gewähren, da er dann selber nichts mehr verdiene.(12 Prozent machen bei einem Zentner etwa 35 Pfennig aus.) Kohen, ein gebürtiger Serbe, der in der Jnflations- zeit die Berliner Grundstücke gekauft hat, wollte den mühelosen, aber recht lukrativen Nebenverdienst nicht missen und ersann einen Aus- weg. Er überredete den Kohlenhändler, der für die Häuse«�.stets Schmelzkoks„Brech I" liefert, Rechnungen über Schmelztoks „Brech II" auszustellen, dadurch habe er ja dann die Differenz zwischen Sorte I und Sorte II— für den Zentner 18 Ps. — schon wieder für sich heraus, so daß eine Weitergewährung des noch einige andere Werke mitgenommen haben. In dem gleichen eisernen Schrank, in dem sick) die wertvolle Verfassungsurkunde befand, hotte man auch einige Karikaturen von 1848 auf- bewahrt, seltene Graphiken, und weiter Wissenschaft- l i ch e Werke, die man nicht in die offenen Bibliotheksregale ein- reihen wollte. Zugleich mit der Verfassungsurkunde hat der Dieb diese Graphiken mitgenommen und außerdem einige Bände über Sexualwissenschaft, und zwar die Sittengeschichte des Weltkriegs von Magnus Hirschfeld und drei Bände„Bilderlexikon der Erotik", herausgegeben vom Institut für Sexualforschung in Wien. Man kann annehmen, daß die entwendete Verfassungsurkunde einen Werl von wenigstens 100 000 Mark hat. Diese wertvolle Eigenschaft des Dokuments dürste es allerdings zugleich dem Dieb, wenn er nicht etwa selber ein fanatischer Sammler sein sollte, nahezu unmöglich machen, seinen Raub in Deutschland zu veräußern. Denn jeder Händler oder Interessent, dem das Do- kument angeboten würde, muß sofort wissen, wo es gestohlen ist. Der Diebstahl an siä) aus dem Tag und Nacht bewacksten Reichstag und aus den unter besonderem Dersdstuß gehaltenen Bibliotheks- räumen dürfte trotzdem nicht allzu schwer gewesen sein. Es liegt in der Natur des Reichstags, daß sich zu ihm außerordentlich viele Menschen Zutritt verschassen können. Der Dieb hat ferner den eisernen Schrank mit einem einfachen Dietrich öffnen können, und ihn nach vollbrachter Tat sogar säuberlich wieder zugeschlossen. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß die Bibliothek des Reichstags im Augenblick etwa 320 000 Bände umfaßt, die in einem riesigen Saal untergebracht sind, in dem sich die Regale auf drei Stockwerke verteilen. Rabatts möglich sei. Zu diesem unlauteren Manöver, das auf Kosten der Mieter ging, fand sich der Kohlenhändler denn auch bereit. Mit Hilfe der Brennstofs-Ueberwachungsstelle in der Königin-Augusta- Straße 15 kam der Betrug ans Licht, und es wurde Anzeige erstattet. Die Angeklagten Kohen und S wurden wegen Betruges zu j e 500 Mark Geldstrafe verurteilt. Kohen außerdem wegen schwerer Urkundenfälschung zu 3 Monaten Gefängnis(mit Bewährungsfrist) sowie zu einer Geldbuße von 1000 Mark. August Vogens begnadigt. Reustrelitz. 1. November. Der im April d. I. vom Schwurgericht Neustrelitz zum Tod« ocr- urteilte Landarbeiter August Rogens ist aus Beschluß des Mecklenburg- Strelitzer Staatsministeriunts zu lebenslang- lichem Zuchthaus begnadigt worden. Billiger Sonnlag im Zoo. Der 2. November ist billiger Sonn- tag im Zoo. Das Eintrittsgeld beträgt nur 50 Pf. für Erwachsene und 25 Pf. für Kinder: dieselbe Ermäßigung gilt auch für dos Aquarium. Von 4 Uhr nachmittag ab findet Militärkonzert unter Leitung des Obennusikmeisters Hagcmann statt. .,Wirtscl>oslskrjse und Arbcili'.chmcrschasl." Iii, Programm der Aktuellen Abteilung, Vortragsreil)«„Wovon man spricht", wird am Montag, dem 3. November, 20 Uhr, Wilhelm Eggert, Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes, über das Thema„Wirtschaftskrise und Arbeitnehmerschost" sprecheir. Arbeiterbildungsschule. Der Kursus des Genossen Braunthal fällt am Montag, dem 3. November, aus. Fortsetzung Montag, dem 10. November. Orchesterchorkonzert des Berliner Sängerchors. Der Berliner Sängerchor veranstaltet am Montag, dent 3. November, 20 Uhr, in der„N e u« n Welt"(Hasenheide) ein Orchesterchorkonzert. Zum Vortrag gelangen Werke von Johannes Brahms. Das gesamte Bcr- liner Sinfonieorchester wirkt mit Der Eintrittspreis beträgt in- klusive Textbuch an der Abenkasse 1,50 M. Uta» geht in Polen vor? Im Nnhlnc» bei 4. wissenichastllchcn Klub» nbcndä bcr Deutlchrn Liga für Mciischcnrcihte wirb Joseph-Dubrowilich am Montag, dem 3. November über bic jüngsten Vorgänge in Polen, die'eil Wochen bfe Oesseiillichkeit erregen, sprechen. iAäsle gegen Zahlung des.In» tostenbeilrage» willkommen. Der Vortrag findet im WirlschailSvolitilchen Saal deS Reichswirtichastsiates, W 9, Belleouestr lö, abend» 8.80 Uhr, statt. Itchs仫*;. Deutschland ist wirklich das Land, wo Milch und Honig fließt, wenn man nur tüchtig die Arme rührt und das nötige Sitzfleisch mit auf die bucklige Welt gebracht hat, um täglich feine zwölf bis dreizehn Stunden auf dem lederbespannten Schusterschemel zu sitzen! Nur tüchtig zugegriffen, nur un- verdrossen geschuftet, keine Arbeit zurückgewiesen, und mag es sich um das lumpigste Riesterchen handeln, und das Sohl- leder geklopsi, daß hell der Unterlagestein klingt und die Näh- Maschine mit der derben Steppnadel sausen gesassen, dalli, dalli, dann kommt man schon vorwärts und kann seine Fa- milie ernähren, mögen abends auch ein halbes Dutzend hungrige Mäuler um die dampfende Pellkartoffelschüssel sitzen! So ungefähr lautete die Lebensmaxime des Schuh- machermetsters Andreas Elsermann, der im Osten Berlins eine Flickschusterei betrieb, der er eine kleinen Laden ange- gliedert hatte. Das war lange vor dem Krieg. Eisermanns Geschäft ging gut. Er hatte eine zahlungs- fähige Kundschaft, die nicht nur Flickarbeit brachte, sondern sich auch von. Zeit zu Zeit Maßarbeit fertigen ließ, so daß der Meister in der Lage war. einige Gesellen zu beschäftigen. Daher war er meistens guter Dinge, nahm das Leben rund und in allen seinen Teilen wohlgefügt, und pfiff lustig sein Liedlein, ob es nun am frühen Morgen oder am späten Abend war. Seiner Frohmütigkeit wcgen war er im ganzen Viertel beliebt, und so konnte er sich mit seiner Kund'chaft und auch mit seinen beiden Gehilfen manchen Scherz und manche Neckerei erlauben, ohne daß ihm irgendwer seinen Schnack übel nahm, mochte er noch so derb und ausgelassen sein. Im übrigen hatte er zu den Dingen der Welt und seiner Umgebung eine eigene philosophische Einstellung, die er aber niemanden ausdrängte. Vor allem war er sehr stolz auf sein Handwerk. Er konnte toll werden vor Zorn, wenn ihn jemand ge- ringschätzig Schuster nannte. „Ich bin kein Schuster!" pflegte er dann zu sagen.„Ich bin Schuhmacher! Schuster heißt Pfuscher. Ich aber bin Meister und habe mein Handwerk redlich gelernt!" Aus diesem primitiven Handwerkerstolz heraus hielt er auch große Stücke auf seine Innung. Es verschlug ihm nichts, daß es nur eine Zwangsinnung war. Was sein Jnnungsblatt schrieb, war richtig. Darauf konnte man schwören wie aufs Evangelium. Manchmal, wenn er die Schweinsborsten eingedrillt hatte und nun den Pechdraht mit gelbem gut duftenden Bienen- wachs einwachste und die langen Enden mit seinen kräftigen, muskulösen Händen langstrich, die schwarzgebeizt von Lack und Lohe waren, blickte er versonnen in die wasserklare Glas- kugel, die im Lampengalgen auf dem Arbeitstisch hing, und nickte wie in Beschauung vor sich hin. Die Gesellen kannten diesen Zustand bei ihrem Meister und störten ihn nicht bei derlei Betrachtungen. Kam in solchen Augenblicken ein Kunde in den Laden und wollte bedient werden, so wurde der Meister grob wie Bohnenstroh und ließ seinem Unmut freien Lauf. Aber das verdroß die Kunden nicht, ihm ihre Arbeiten aufzutragen: denn der Mann lieferte wirklich sauberes, solides und dabei doch preiswertes Schuhwerk. Da kam die Kon- kurrenz nicht mit. Auch die drei kleinen Krauter nicht, die sich im Lauf der letzten Jahre in seiner unmittelbaren Nähe festgesetzt hatten. Die schlug er mit seiner Arbeit glatt aus dem Felde. Meister Eisermann hatte es aber auch verdammt nötig sich zu rühren und fleißig zu sein. Seine Familie wollte leben. Sie wuchs jedes Jahr um einen Kopf mehr War seine Frau auch schwach und kränk- lich, im Kinderkriegen nahm sie's mit der Gesündesten auf. Die reinste Gebärmasttstne, mit der Pünktlichkeit eines Uhr werks funktionierend. Vater Eisermann war gar nicht böse über den sich jähr- lich mehrenden Segen. Er oertrat den Standpunkt: Ein rechter Mann setzt dem Kaiser möglichst viele Iungens in die Welt! Sie werden ihm gute Soldaten. Denn das ist es, was Preußen braucht! Eisermann sprach daher mit Stolz von seinen fünf Jungen, die nacheinander da waren, in der Größe abgestuft wie Orgelpfeifen. Von dem Mädchen aber sprach er nicht mit Stolz: denn die war zart und schmal und kränklich und ganz der Mutter nachgeraten. Der älteste der Iungens, Paul, war ein gewitzter Bengel, der schon als kleiner Steppke, kaum zur Schule gekommen. der Kundschaft die fertigen Stiesel ins Haus trug und dabei manchen Sechser und manchen Groschen einheimste. Sein Rivale auf diesen Gängen war Ludwig, sein um ein Jahr jüngerer Bruder, der weniger sprach, dafür aber um so nachdenklicher war. Da er sah, wie sein Bruder Paul sich ein hübsches Naschgeld verdiente, drängte er sich förmlich mit Gewalt zum Stiefelaustragen. Denn Geld oder gar Süßigkeiten kannten Eisermanns Kinder noch wenig. Des Sonnabends, wenn die Mutter vom Einholen zurückkam, hatte der Kaufmann die übliche Tüte voll Brustkaramellen mitgegeben. Die wurden redlich verteilt. Jedes der Kinder erhielt zwei Bonbons. Das war dann die ganze naschhafte Herrlichkeit für die lange, lange Woche bis zum nächsten Sonnabend. Der Schuhmachermeister sah dem stillen Konkurrenz- kämpf seiner beiden ältesten Knaben behaglich schmunzelnd zu. Im übrigen ließ er ste tun, was sie wollten. Daher kam es, daß sie richtige Gassenfeger wurden sich in der langen Freizeit in den Straßen umhertrieben und allerlei Streiche anstellten. Wohl kamen Klagen über sie zu ihres Vaters Ohren. Aber der Alte fuhr mit keinem siedigen Donnerwetter drein, sondern lachte nur. Die Verwilderunge- der Jungen hatte zur Folge, daß sie schließlich auch der Mutler nicht mehr gehorchten. Ja, sie höhnten die kranke Frau manchmal geradezu aus. Wohl klagte sie's ihrem Manne. Doch Vater Eisermann tröstete sie mit dem nachgerade stereotyp gewordenen Satz.„Bedenke doch, Frau es sind Iungens, und das sind immer wilde Men cken!" Manchmal mußte er sich aber doch dazu bequemen den Spannriemen, das schusterliche Währzeichen, zur Hand zu nehmen, um den beiden Flegeln den ärgsten Uebermut aus- zuklopfen. Freilich, diese Erziehungemelhode hielt nie lange vor. In keinem Falle länger, als bis die.Schwielen wieder abge'chwollen waren: denn die Straße hatte sie zu sehr in den Klauen..(Fortsetzung folgt.) Faschistische Astrologie. Ist es Berechnung oder Dummheit, in dieser Zeit freigeistigen Denkens treibt die Astrologie Geschäft«, die an ihre besten Zeiten gemahnt. Wenn Dr. C. f). seine Getreuen in den Schubertsaal einladet und bittet, sich rechtzeitig einen Platz durch den Vorverkauf zu sichern, so hält man das für geschäftliche Gerissenheit. Aber dreiviertel vor 8 Uhr schlägt sich bereits die Masse der Anstürmenden vor den Türen, um noch ein Billett zu erhalten. Die Büchse der Pandora kann nicht so viel Scheußlichkeiten enthalten, als dieser oerkappte Savonaröla aus dem Arsenal unglückbringendcr Sternkonstellationen herausliest. Man merkt es bald, es hat Mechode, die Zuhörer rverden breit geschlagen, ihre Sinne sind nunmehr für jeden Humbug und dann auch—> für jede Tröstung empfänglich. Zurückgreisend auf die Ge- schehnisse der letzten Jahre kann der Sterndeuter unkontrollierbar behaupten, daß er dies alles mit tödlicher Sicherheit prophezeit Hab«. Er ist für ein Bündnis mit Italien: er ist gegen den„Erbfeind Frankreich". Aus dem läppischen Zahlenspiel merkt man, wie das ganze horoskopische Spiel mit„Häusern" Himmelszeichen, Umlaufs- zeiten usw. ein fürchterlicher Quatsch ist, indem sich der Herr Doktor selbst mehrfach verwirrt. Er versucht es zu beweisen, daß Frankreichs böse Zeit gekommen sei und daß Deutschland im Verein mit England und Italien bis 1934 aus Frankreich Kleinholz machen wird, wobei Paris in Trümmer geht. Die arische Rasse wird wieder tonangebend werden und die Juden, die leider ihr Geld schon jetzt in Sicherheit bringen, werden aus den Führerstellungen gedrängt werden. Für weite Sicht zwischen 1979/89 wird ein Weltkrieg zwischen der gelben Rasse und Europa angekündigt. Plötzlich spricht er von Deutschlands ruhmvoller Misston. dl« im Jahre 1934 anhebt. Die Welle des Nationalismus wird alles Ungesunde hinwegschwemnien, wenn es Hitler gelingt, an der großen Klippe„Rom" glücklich vorbeizuschiffen. Die ganzen Jahre des Unglücks waren nur eine Prüfung, aus der das Volk geläutert her- vorgehen soll. Freilich wird es Hitler selbst nicht sein, aber ein Führer, der schon unter uns weilt, von ganz großen Formaten, lauteren Charakters, ein zweiter Cromwell, der„Cäsar", der das neue Volks- kaisertum in Deutschland errichtet. In diesem dritten Reich wird eitel Friede und Freude sein. Bis dahin aber wird die Sozialdemo- kratie zerschlagen sein und das Massenelend, Massenstreiks, Riesen- revolten werden auch im nächsten Jahr das Land zerfleischen. Es wird im neuen Jahr der Reichstag gestürzt werden, der Zauberer kann es nicht genau sagen— es wäre auch zu unvorsichttgtl—, aber er glaubt, daß es schon der letzte Reichstag sein wird, der ge- wählt wurde usw. usw. Rach�diese» Kostproben dankt der unbefangen« Zuhörer seinem gütigen Schicksal, daß er noch soviel Vernunft übrigbehalten hat, um diesem Hakenkreuzsobbath der Himmelszeichen zu entfliehen. Die Flutwelle in Niederschlefien Sie größte Gefahr vorüber. Während in Oberschlesicn allgemein ein Fallen des Pegel- stqndez zu verzeichnen ist und dadurch auch besonders in Oppeln die größte Gefahr beseitigt ist, hat die Flutwelle nunmehr Niederschlesien erreicht, wo im Durchschnitt die Pegelstände einen halben Meter höher sind als am Freitag. Man glaubt aber, daß die gr ö.ß t en Ge iuh r e n v o r.ü b e r sind, wenn auch, noch mit einem weiteren Anschwellen der Flutwelle in Niederschlrsten gerechnet wird. Die D e i ch b r u ch st e l l« bei Lindau hat noch nicht ge- schlössen werden können, aber auch eine Erweiterung der Bruch- stelle konnte vermieden werden. Scheidelwitz, Neu-Limburg und die Domäne Lipitz sind zwar vom Wasser umspült, werden aber durch alte Deiche geschützt. Di« Försterei dagegen steht völlig unter Wasser/ Der Farster konnte gerettet werden. Welche ungeheuren Regenmengen in den letzten Tagen niedergegangen sind, geht aus den Berichten der Wetterstationen hervor. In der mittel- schlesischen Ebene sind danach im letzten Monat durchschnittlich über 299 Millimeter Regen gefallen. Aus dem Bober-Katzbach-Gebirge und aus dem Jscrgebirge werden sogar über 399 Millimeter ge- nannt, aus Fiinsberg 383 Millimeter. Einzelne Orte dürften an 499 Millimeter lzerankommen, das heißt auf 4 Hektoliter je Quadratmeter, die fast ganz in den letzten Tagen niedergegangen sind. Bei der unbeständigen Witterung ist mit einer schnellen Ab- nähme des Hochwassers nicht zu rechnen. Im Hochgebirge ist außerdem in den Lagen über 1499 Meter bereits wieder Frost eingetreten. Leider hat das Hochuwsserunglück ein weiteres Opfer gefordert. Wie aus Glatz gemeldet wird, ist am Freitag in der Neiße ein Mann ertrunken. Erdbeben in Dänemark und Schweden Die lehlen Erdstöße sogar in?iügen verspürt. Kopenhagen, 1. November. In der Nacht zum Sonnabend, etwa 17 bis 18 Minuten nach Mitternacht, verspürte man in verschiedenen Teilen Kopenhagens einen heftigen Erdstoß. In Gammelholm und im ganzen Hafengebiet klirrten die Lampen an den Decken, und man glaubte, daß sich der Fußboden senke. In den Kopenhagener Vorstädten Hellerup, Söborg und A m a g e r verspürte man ebensalls den Erdstoß. Die Bevölkerung wurde in einigen Teilen der Stadt unruhig und stürzte aus den Häusern. Der Staats- meteorolog teilt mit, daß das Erdbeben 29 Sekunden gedauert habe und sich von Norden nach Süden«rstreckte. Die Meldungen aus der Provinz besagen, daß man in nächster Nähe Kopenhagens den Erdstoß ebensalls verspürt hat. Auch aus der schwedischen Seite des Sundes hat man, wie aus Malmö gemeldet wird, sechs bis sieben Sekunden lang die Erderschütterungen ver° spürt. Wie das Observatorium Lund mitteilt, hat es sich um einen lokalen Erdstoß von ungewöhnlicher Stärke gehandelt, der um ll.ISi-* Uhr festgestellt worden sei. Es handelt sich um mehrere Erschütterungen. Dos Erdbebenzentrum habe sich nur wenige Meilen von Lund entsernt befunden. Selbst bis zur Insel R ü g e n erstreckten sich, wie jetzt aus Stettin gemeldet wird, die Erdstöße. So wurden kurz nach Mitternacht in. Putbus und Umgebung deutlich be- m e r k b a r e E r d st ä tz c wahrgenommen. Tarows Dachbühne. In den neu ausgestatteten Räumen des Wa1halla-Tutm«1s hm di« Wüitersaison begonnen. Das Falkner- Orchester gab di« Einleitung Begeistert wurde das Hausquartett empfangen. Part und Part zeigten sichln hübschen equilibristischen Spielereien. Ferner der Tenor Ossy Schubert, Fredq Sieg, der humorvolle Komiker, Marlaine und To bor in exzentrischen Tänzen. Jou und Ieromes gefielen als Exzeiitrikcr, ebenso in ihrem Zahn- krast-Spörtakt die 3 Moussons und Henry Saturn mit seiner vier- beinigen KünstlerfamiUe. Der Hauptschlager war ein parodistisches Liederspull aus galanter Zeit am Hof« de» König Karo 99, worin natürlich Erich Carow di« Hauptrolle, die königliche Hauptrolle spielt. Den Schluß bildete eine Burleske aus vergangenen Tagen„Der schlaue Johann". & Li WM-? MsM W ",>'skl&fäk W.- SM'> 4- Ä. i M,-'<0•' W?••: MK 1 ■iW'.y„.i•i-..••' '$V ?*v. "w- 5; �"Iv . v->>..>- y--* vi-\ s � y''*' I ||&' W WWW W�WWW�W � I xM" '•' W:.'»•. ms, ... i- v j Jnic vvelfaHigcrv ßtlÄ 9K 1} luumiw CuerKojrixatjien. s retgen, hui 1 aricuixg�turnLc wce üuinkrat�er';n. eirter 1 mx�erru:«. Slcuät txuf. Iru llmcn. werben, �tc mit �er! Banderole versekeaen. JajJauufert nuxscliuielL auf' ■ gascJuAitcfy ujjv heunn. votv{linken. 51 in. fjjjß-'] i UJib wasserbüdliein Papier 5U.%.-Rilceten. versanÄfcrttg l ' einjgesclilagen. 50. werben,. 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Der Verband der Reeder beeilt sich übrigens, seine ablehnende Stellungnahme gegenüber diesen Subventionswünschen zu betonen. Womit er gut tut. Krisenwirkungen bei der Neichspyft. Verkehrsrückgang in fast allen Oienstzweigen. Die Deutsche Reichspost veröffentlicht jetzt ihren Vierteljahres- bericht für die Zeit vom Juli bis September 19 3 0. Der Verkehr bei der Post ist gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres in fast sämtlichen Dienstzweigen zurückgegang e u, mit Aus- nähme des Postscheck- und Nachnahmebriesoerkchrs. Im einzelnen wird berichtet, daß im Luftpost verkehr sowie im Post- und Fernmeldewesen eine Reche weiterer Betriebs- Verbesserungen durchgeführt wurden. Die Zahl der Postscheckkonten erhöht« sich in den drei Monaten um 3658 aus 987 649. Die Zahl der Buchungen stellte sich auf 184 Millionen i in Betrage von über3 5. Milliarden Mark. Auch die Fernsprechstelle,, haben sich in der Berichtszeit um 8266 auf 3 167 505 erhöht. Die Zahl der Rundjuntteilnehmer ist gleichfalls gestiegen und erreicht bei einer Zunahme von 17 000 Teilnehmern nunmehr insgesamt 3 241 72 5. Gegenüber dem September vorigen Jahres ist eine Zunahme von fast 400 000 neuen Teilnehmern zu oerzeichnen. Auch die Einnahmen der Reichspost sind von der Wirtschaftskrise nicht unberührt geblieben und liegen in der Berichts- zeit mit 552,1 Million Mark um 33,4 Millionen unter den Aus- gaben. Oeffentliche Arbeitsbeschaffung. Finanzierung für eine Vierielmilliarde Aotstondsorbeiien gesichert? In der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeiten A.- G. ist seit einiger Zeit die Finanzierung der öffentlichen Notslandsarbeiten(werteschafsende Arbeitslosenfürsorgef ionzentriert. Die Grundlage sind bekanntlich die rund 400 Mll- lionen in früheren Jahren an die verschiedensten Stellen gewährten öffentlichen Darlehen. Die Gesellschaft hat, wie gemeldet wird, sich die nötigen Mittel zur Gewährung von 45 Millionen Mark neuen Darlehen gesichert, die als Grundförderungs- b e i t r o g zur Durchführung von Aufträgen im Wert von etwa 250 Millionen verwendet werden köimen. Werden sie»ich verwendet werden? vergrößeri und erweitert seine Interessen in der Schuhfabrikation und im Schuhhandel! Leiser konzentriert sich jetzt ausschliesslich auf sein eigentliches Spezialgebiet, um als grösstes und leistungsfähigstes Schuhhaus Berlins in der Qualitätssteigerung und Preissenkung neue Wege zu beschreiten. Daher werden die bisherigen Nebenabteilungen Seide undWolle aufgelost. Am Dienstag, den 4. November, beginnt der in Seiden- und Wollstoffen. Nur reguläre, hochwertige Ware— LEISER-QUALITÄTEN! Ganz aussergewöhnliche Sonderpreise. LEISER-SEIDE: Tauentzienstr. 17 und am Spittelmarkt, Leipziger Str. 65. KommenSiezurEröffnung,Dienstag9Uhr Total- Autverkaur Her mit dem Gefrierfleisch! Die Knschfleisch�erbittigung wird vorenthalten.— Auch die Kleischer lernen um. Produktion und ll m s a tz NN letzten Geschäftsjahr steigern können. In der Bilanz sind die Fordsrungen und Gut- haben uin rund 1 Million auf 2,63 Millionen Mark angestiegen, andererseits aber auch die kurzfristigen Schulden von 0,61 auf 1,3 Millionen Mark. In diesem letzteren Posten befinden sich aller- dmgs auch stille Reserven, die vernrutlich für zweifelhafte Forderungen eingesetzt sind. Infolge der stärkeren Produktion sind die Vorräte von 770 000 ans rund 1 Million Mark angestiegen. Nähere Angaben über die Entwicklung des Schuhgeschäfts während des laufenden Bctriebsjahres werden nicht gemacht. Seit dem I.Oktober ist die Gefrierfleischeinfuhr unter- banden. So wollen es die Agrarier: so ist es beschlossen. Gegen den Vorschlag Schieles, den Minderbemittelten durch die Ausgabe von Fleischbons einen Ersatz, für den Fortfall des Gefrierfleisches zu geben, hat sich die Sozialdemokratie gewandt, weil hierdurch einmal nur eine völlig unzureichende Verbilligung des Fleischkonsums entsteht, fodanu aber den Gemeinde» neue Kosten er- wachsen und der alte Schwindel mit den Fleischtarten, wie mir ihn in der Kriegszeit hatten, wiedar' aufleben muß. Aber nicht einmal diese lächerliche Fleischverbilligungsaktion ist bisher durchgeführt worden, obwohl Herr Schiele hoch und heilig versprochen hat, für einen ausreichenden Ersatz des GesrierfleiAhes zu sorgen! Gleichzeitig unterstützt dießelbe Regierung den Volkswirtschaft- lich katastrophalen Lohiwbbau! Jetzt machen selbst die F l-ie i s ch e r, die sich zuerst für den Fleischbon eingesetzt haben, gqgen die Benachteiligung der not- leidenden Masien Front, wobei, sie freilich auch an ihren Vorteil denken. In einer Jnnkmgsuersaminlung haben die Berliner Fleischer einstimmig die Wiedereinführung des G e fr i e rs le i sch k ont i ng c n,t s von 50000 Tonnen verlangt. Die Gründe hierfür find interessant. Bisher war es für die ärmeren Beoölkerungsklasien möglich, das halbe Pfund bestes Gefrierfleisch.zu 35 bis 40 Pf. zu kaufen. Ein Ersatz des seit dem 1. Oktober dem Berliner Fleifchmarkt entzogenen. Gefrierfleisches, das ungefähr einem rvöchentlichen Auftrieb von 550 Ochsen erster Qualität entspricht, durch die deutsche Landwirtschaft ist nach den Aussagen der Fleischer, die es ja auch wissen müssen, incht möglich. Außerdem würde der Frischfleischverbilligungsfonds gar keinen Ausgleich für den Fortfall des Gefrierfleisches schaffen, denn selbst billiges Frischfleisch kostet 60 bis. 65 Pf. je halbes Pfund, also N Pf. mehr als das Gefrierfleisch. Der versprochene Bon dagegen soll nur zu 10 Pf. vom Fleischer angerechnet wenden. Endlich sehen also mich die Fleischer ein, daß durch keinen Bon die Verteuerung des Fleisches für die breiten Massen ausgewogen werden kann. Hätten sie seinerzeit zusammen mit der Sozialdemo- Anhaltender Krisendruck. Noch keine Besserung der Wirtschaftslage im Oktober. Nach den Berichten der preußischen Industrie- und Handels- kammern hat der Druck der Krise im Oktober noch nicht nachgelassen. Die Depression in der Weltwirtschaft hat im vergan- genen Monat auch mehr und mehr die Länder ersaßt, die bisher von ihr verschont geblieben sind. Im Bergbau stellte sich die a r b e i t s t ä g l i ch e Kohlenförderung im Oktober auf 331 476 Tonnen, weist also fast die gleiche Hohe auf wie im Septeinber. Die Koksproduktion ist mit arbeitstäglich 69 000 Tonnen sogar noch mn 2297 Tonnen hinter den schon iehr schlechten Seplemberergebmssen zurückgeblieben. Auch der a r- beitstägliche Absatz des Kohlensyndikats wies mit 214000 Tonnen mir ein« ganz univesentliche Besseriing gegenüber dem Vor- monat auf. Znegesaml lagerlen Ende Oktober rund 7,85 Millionen Tonnen auf Halde, hierzu kommen noch die Lagerbestände des Syn- dikolg mit etwa 1,4 Millionen Tonnen, so daß sich die gesamten Kohlen- und Koksvorräle an der Ruhr ans über 9,2 Millionen Tonnen stellen. Auch in der G r o ß e i s e n i n d u st r i e hat sich der Druck der 5l.rise noch nicht gemildert. Es ist im Berichtsmonat im Gegenteil eine noch stärkere Zurückhaltung des Eifenhcmdels zu beobachten gewesen. Aus de» Auslandsmärkten hat sich der Eifenabsatz gleich- falls weiter verschlechtert. Besonders ernst liegen die Dinge in der Eisenfertig w arenin du st rie. So sind in den Bezirken Hagen und Eneppe- Ruhrkreis von einer Gesamtbelegschaft von 43 000 Arbeitern weit über 20 000 Personen erwerbslos. Da auch der Rest der beschäftigten Belegschaft vielfach verkürzt ar- beitet, ist der Beschäftigungsgrad bis a u f 3 0 h ö ch st e n s 3 5 Prozent zusamine»geschrumpft. Aber auch trotz dieser erschütternden Berhälmisse wollen sich die Cisensyndikate auch jetzt noch nicht zu der so dringend notwendigen Preissenkung verstehen. In der Fa h rze li g i n du st i�i e ist die Lage uneinheitlich. So ist stellenweise in der Automobilindustrie eine Belebung festzustellen, während andere Werke iiber'eme Verschärfung der Absatzschwierigkeiten berichten. Die W a g g o n i n d u st r i e ist zur Zeit verhältnismäßig gut beschäftigt, da im Oktober die Aufträge der Reichsbahn in Höhe von 63 Millionen zur Verteilung gelangten. In der Bautätigkeit ist keine wesentliche Veränderung festzu- stellen. Der Ba u k o st e n in de x ist im Oktober von 159,8 auf 158,7 zurückgegangen und der Baustofsindex sank in der gleichen Zeit von 141,9 auf 140,5. Die Warenhausumsätze im September. Die Umsätze der Warenhäuser haben sich trotz des Einschrumpfens der Massenkanfkraft im September verhältnismäßig gut gehalten. Sie lagen mir 1,5 Prozent unter den Um- fätze» vom September 1929. Uebcrrafchend ist, daß in den Lebens- mittelabteilungen die Umsätze sogar um 9 Prozent gestiegen sind, kratie sich gegen den Unfug des Bonsystems ausgesprochen, so wäre er erst gar nicht erörtert worden. Die Regierung muß aus diesen Dingen lernen. Der Reichstag muß in einer Zeit der schwersten Wirtschosts- trist, nachdem das Gefrierfleischverbot der Landwirtschaft nicht das mindeste nützt und den Arbeitslosen auch den bescheidensten Fleisch- geniiß unmöglich macht, der Gerechtigkeit und der Ber- nunft die Ehre geben und die zollfreie Einfuhr des Gefrier- fleisches wenigstens in den an sich schon herabgesetzten Umfang von 50 000 Tonnen, wieder beschließen. Es ist auch kein Lob für eine Regierung, einen Ersatz durch eine Berbilligungsaktio» zu versprechen und dami nicht einmal dieses Versprechen zu halten. Ltm die Obst- und Gemüsepreise. Eine Vorständesitzung der 28 Groß-Berliner Gruppen des ..Reichsverbandes deutscher Obst- und Gemüsehändler' beschäftigte sich am Donnerstagabend mit der Frage der Preissenkung bei den einschlägigen Bedarfsartikeln. Es wurde natürlich„fest- gestellt', daß die Kleinhandelspreise für Gemüse und Obst durchweg den Stand der Vorkriegspreise bereits erreicht, vereinzelt sogar diesen Stand schon unterschritten hätten. In> Gegensatz dazu sei die Belastung des Kleinhandels durch Steuern, Sozialabgaben und Meten dauernd weitergestiegen. Jmmerhin wurde beschlossen, den Mitgliedern zu empfehlen, eine weitere Ermäßigung der Preise vorzunehmen, wo dies irgend angängig ist. 2lls unbedingt notwendige Voraussetzung hieisür wurde der Erwartung Ausdruck gegeben, daß die Reichsbahntarife für Obst, Gemüse und Kartoffeln beschleunigt lzerabgesetzt werden. In der Tat wirken sich die Frachten beträchtlich aus, und eine Frachtenfenkung wäre zweckmäßig, nachdem die Kohlenpreist er- mähigt werden sollen. Slber auch hier soll, wie es bei Verbänden üblich ist, der Pelz gewaschen, stdoch nicht naßgemacht werden. Preissenkung, wo sie„angängig ist", die Reichsbahn soll voran- gehen! Preissenkung im Kreise, der andere soll vorangehen, und heraus kommt nichts. was sicherlich mit der Perbilligung verschiedener Produkte zusammen- hängt. Andererseits darf nicht vergessen werden, daß infolge der kühlen Witterung der September schon einen Teil des Herbst- geschäftes vorwcggenomnien hat, was in den Bekleidungs�bteilungen die Ilmsätze stark beeinflußte._ Billigere Reichsbahn- und postiarife. Oie Reichsbahn sagt, sie kann nicht. Die Vollversammlung der Industrie- und Handels- k a m in e r z u Berlin hat sich in ihrer Donnerstagsitzung u. a. mit der Möglkchkeit des Abbaues der Tarife von Reichspost und Reichs- bahn beschäftigt. Nach Ansicht der Kammer steht diese Frage in Anbetracht des hohen Anteils der Beförderungskosten an den Ge- stehungskosten der Ware im Zusammenhang mit den gesa-intcn Be- strebungen auf Ipreisabbau. Deshalb müfst im Interesse einer Belebung der Wirtschaft mit allen Mitteln, selbst unter gewissen Opfern seitens der Reichspost und Reichsbahn, nach einer baldigen Erleichterung auf diesem Gebiete gestrebt werden. Hierzu seien in erster Linie Mittel zu verwenden, die aus der Ausgabenseite frei würden. Der Verkehrsansschuß der Kammer wurde beauftragt, Vor- schlüge für etwaige Tarifsenkungen auszuarbeiten. Die Reichsbahn läßt erklären, daß sie für 1930 einen Einnahmeaussall von 700 Millionen zu verzeichne» habe, daß die Verkehrszunahnic nach dem Kriege jährlich nur 2 gegen 7— 8 Pro;. in der Vorkriegszeit briragen Hobe und daß ein- Tarifermäßl- g u n g unmöglich sei. Daß auch eine Tarifsenkung, wenn die Beschäftigung wächst, den Einnahmeanssall verringern und die Ver- kehrszunahnie wieder steigern innß, dazu braucht sich Herr Dorp- müller scheinbar nicht zu äußern. Hoher Gewinn der Schuhfabrik Lingel. Die ungleiche Lage in der Schuhindustrie. Wie uneinheitlich das letzte Betricbsjahr für die Schuhindustrie gewesen ist, zeigen zwei ganz kurz hintereinander folgend« Abschlüsse aus dxr Erfurter Schuhindustrie, der Schuhfabrik Lingel und der Erfurter mechanischen Schuhfabrik A.- G. Während das letztere Unternehmen das Geschäftsjahr 1929/30 mit hohem V e r l il st abschloß und sogar zur Sanierung des Betriebs eine Zusammenlegung des Kapitals vornehmen mußte, konnte die Schuhfabrik Lingel A.-G. in Erfurt«inen hohen Gewinn heraucmirtschaften. An dem Kapital der Gesellschaft von 3,8 Millionen Mark ge- inessen, könnte aus dem Reingewinn von fast 400 000 Mark eine Dividende von 10 Proz. ausgeschüttet werden. Die Gesellschaft hat jedoch infolge der hohen Verlust« im Jahre 1927/28 noch einen Verlu st Vortrag von rund 335 000 Mark aus- zuweisen, der mit Hilfe des jetzt erzielten Reingewinns getilgt wird. Trotz der allgemein schlechten Wirtschaftslage und der zahl- reichen Zustnnmenbrüche im Schuhhandel hat die Gebrüder Lingel Tprozentiger Pfandbrief soll bleiben. Eine stumpfe Waffe. Der Sonderausschuß für Hypothckenbankwescn des Zentral- Verbandes des Bank- und Bankiergewerbes empfiehlt den Hypothekenbanken, an dem siebenprozentigen Pfandbrief- und Schuldverschreibungstyp trotz der erschwerten Kapital- Marktverhältnisse und veränderten Zinslag« ststzuhalten. Damit soll die P r e i s s e n k u n g s a k t i o n der Regierung gefördert werden. Wir finden die Empsthliing lobenswert. Aber wir vermissen, nachdem die Ausgabekurse und Bonifikationen leider veränderlich sind, aber allein die tatsächliche Verzinsung bestimmen, Empsthlungen, die Zins kosten für Hypotheken und öffentliche Anleihe auch wirklich niedrig zu halten, was mir durch einen G e w i n n v e r z i ch t der glänzend rentierenden Hypotheken- danken möglich wäre. Der siebenprozentige Zinsfuß allein bedeutet für die Baufinanziening und die Befriedigung des öffentlichen Kapitalbedarfs so gut wie nichts. Eine stumpfe Waffe, mit der man die Preis- und Kostensenkung wahrlich nicht fordern kann. Elektrobaiterien- glänzendes Gefchäst! Die„P e r t r i x' Chemische Fabrik A.-G., Berlin, hat ein glänzendes Geschäftsjahr(1929/30) hinter sich. Di« steigende Nachfrage nach den von ihr fabrizierten Taschenlampen- batterien und Trockenelementen hatte eine Umsatz st cigerung »m 50 Prozent zur Folge. Domit hielt die Betriebs- erweiterung Schritt, die natürlich über II» k o st e n k o n t o erfolgte. So erhöhte sich der Wert der Gebäude von 0,17 am 0,30 Millionen und der der F a b r i k c i n r i ch t u n g e n von 0,28 aus 0,69 Millionen Stark gestiegen sind die Lagerbc stände mit 1,49 Millionen(0,45 Millionen) und unter den Passiven die Schulden, von 2,45 auf 3,75 Millionen. Infolge der stark er- höhte» Abschreibungen(0,14 gegen 0,08 Millionen) blieb von dem auf 0,2(0,15) Millionen gestiegenen Ueberschuß ein etwas geringerer Reingewinn von 0,09(0,1) Millionen. Die geringfügig« Dividende nreduktion von 12 auf 10 Proz. ist angesichts der Umsatzentwicklung als leere Demo»- st r a t i o n aufzufassen, zumal sich 94 Proz. des Kapitals im Besitz der A c c u m u l a t o r e n Fabrik A.- G., Berlin, befinden. Dem gewachsenen Geschäft entsprechend wird das Kapital von 0,5 auf 1 Million erhöht. Die Zunahme des Auftragseinganges hat sich auch in den letzten Monaten fortgesetzt. Die englische Fabrik bei B i r- mingham konnte ihren Umsatz in einem Jahr sogar auf das Vierfach« steigern. In Ungarn ist, in B u e�n o s Aires wird«ine Filiale errichtet: andere europäische Staaten sollen folgen., Vermehrung der Konkurse. Im Oktober ist nach einer Ber- öifentlichung des Reichsanzeigers die Zahl der Konkurse gegen September wieder von 739 auf 843 gestiegen. Nur die Zahl der eröfsneten B e r g l e i ch s v e r s a h r e n hat sich von 308 aus 480 verringert. Die Bodenresormer hallen in der Landwirtschaftlichen Hochschule in diesem Winter ein freies volkswirtschaftliches Seminar über „Drängende Steuer- und L» n d w i r t s ch a f l s- Problem Das Seminar beginnt am Montag, dem 10. Ro- vember, 8 Uhr, Invalidenstraße 42, Hörsaal 6(Hos Mittelgcböndc). Di« Einleitung gibt Dr Adolf Damaschke. preußische Zentralstadtschasl im Wohnungsbau. Wie die Ber- waltung der Preußischen Z e n l r a l ft a dt s cha s t mitteilt, tonnte das Unternehmen in den ersten neun Monaten dieses Jahres eine kräftige Aufwärtsentwicklung nehmen. Der P f a n d b r i e i u in l a u f des Instituts stieg um 67 Millionen und beträgt zur Zeit 273 Millionen Mark. Der Hypothekenzugang von 67 Millionen ist fast ausschließlich zur Finanzierung von Wohnungsncubauten verwandt worden. Der Gcsamtbestand an Deckungshypotheken von rund 274,5 Millionen Mark verteilt sich mit 98 Millionen aus Ülltbaiiten und mit 176,5 Millionen auf Wohnungsneubauten 5 proz. Dividende der Sleltiner Oderwerke. Die Stettiner Ode»werk« A.-G. für Schiff- und Maschinenbau hat ihren kleinen Gewinn vom Porjahr im Geschäfisjahr 1029/30 mit 192 749 Mark u ni das Sicbcnsachc erhöht. Nach mehrjähriger Dividendenlosigkeit wird die Zahlung von Aktionärsgewinnen mit 5 Proz. wieder aufgenommen. Das Werk ist zur Zeit in Anbetracht der im Schissbau herrschenden Arbeitskrisc verhättiiismäßig gut beschäftigt. Kling sn von Mk. 1.25 an: Wacholder-Schokolade, der naturelle Wacholder- Extrakt in Schokoladen- Überzug, die bequeme Taschenpackung Mk.-.90. Jn Apoth. und Drog., sonst durch Otlo Reichel, Berlin SO, Eisenbahnstr. 4. Sandblatt Alle 3 Preislagen in geradem(Coronas-) and spitzem Formai �$0 Sondblatt neue Abbildg. Weltpreis Coronas 2£* Sandblait JLCj Pf. 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Krematoriums Berlin- AlitmerSdors, Berliner Straße illl-ivg statt. klsaslte Küchen ab eigener Fabrik ohne Zwischenhandel direkt an Private Berliner RliihenniSliel-IndDSirle Ernst Manske Berlin, Sreilswalder Str. 140. gegr. 1001 Oebäude R— 12 Alexander 40cl Teilzahlung gestattet. Küchen- Die schönsten Muster Die billigsten Preise Die größte Auswahl Himmel SCHON HAUSER TOR liefert preiswert Paul Goiletz vormals Robert Mefer vtarlannenstr. 3 F8, Oberbaum 1303 Snfecole Im A Vorwärts sichern Erfolgs Am 30. Oktober 1930 starb an den Folgen einer ichweren Blasenoperation unser Mitglied und lieber Kollege Georg Gaebler Er war vom l. Oktober ISIS bis 30 Dezember lSSZ Angestellter und Bevollmächtigter der Ortsaruvpe Ber- lin des Zentralvorbandes der Fleischer u B D und hat in dies« Zeit wie stets seine ganze Person in den Dienst sstr seine Kollegenschakt gestellt. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Verdsnil derNahrungsmitlel- und Geträakeartielfer Orisprupps Berlin L A.: B. Sdmlli. Die Einäscherung findet am Diens- tag, dem 4. November, 16 Uhr, im Krematorium Wilmersdors statt. Oaahsaguns Für die herzliche Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes und guten Baters Emil Rockstroh sagen wir allen Freunden' und Be- kannten, insbesondere den lieben Mietern des Hauses, dem Herr» Redner, der Gewerkschaft und der Partei sowie dem Personal der Firma Hermann Hendebett unseren aus- richtigsten Dank. Berlin-Baumschulenweg, den 30. Oktober 1930. Rosa Rocksh-oh und Sohn Gerhard. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unseres lieben Vaters, Echwieger- und Groß- vaters Wilhelm Burg sagen wir allen Parteigenossen, Freunden und Bekannten, dem Per- band der Salt- und Schankwirte, ins- besondere dem Reichsbanner Schwarz. Rot-Sold sOrtsverein Prenzlauer Berg) unseren tiefgesllhiten Dank. Berlin, den 1. November 1930. Die tleftrauernden Hinterbliebenen — Sit Inten M?- Mkf 1 r fertisco elefint Anzflse und Mantei >vs aiitsebracbteB Stüffeo nark ceoauem fiaB für H.39.- _ � eiiiehließlieh utssrer iäatliebea Zutatea— Tadelloser �Hx.— Roßhaarvcrarboitung J Aus unseren*9 C Mark Stulfen vou# an Neo aufgenommen! Damen-M0«� ABfcrtignng »ach Mäh M. AA.» HerrenWeiRer-AnieriißBBg Gegr. 1919 Zentrum- Klosterstraße 65 Moabit: Solinger StraCe 9 Osten: Frankfurter Allee 364 Westen; Augsburger Straße 43 Eingang Papiergeschäft Norden: Chausseestr. 47(laden] Oberschöneweides SiemensstraßeM Neukölln: Pßügerstraßä 26 Schöneberq-Fnodenau: Houptstr. 99 Tegel: Brunowstraße 49 Tempelhof: Kaiserin-Augusta-Str. 71 uerbandshaus Edie. Alter Westen 30-40 Räume frei RM. 150000.- besonderer Verhältnisse halber Julius M. Bier AG KARSTÄDT m \B7 BANK DER ARBEITER, ANGESTELLTEN UND BEAMTEN� BERLIN S 14, WALLSTRASSE 65 FILIALEN: SIEGEL& Co BELEUCHTUNGSKÖRPER HAT SEINE PREISE ERHEBLICH HERABGESETZT BITTE BESICHTIGEN SIE UNSER REICHHALTIGES MUSTERLAGER, DAS EINE GROSSE ZAHL NEUER PREISWERTER MODELLE ENTHALT SIEGEL& CO, BERLIN PRINZENSTRASSE 33/ AM MORITZPLATZ BOCHUM BRAUNSCHWEIG BREMEN BRESLAU DRESDEN ESSEN FRANKFURT AM MAIN HAMBURG HANNOVER KÖLN AN RHEIN MAGDEBURG MÜNCHEN SAARBRÜCKEN STUTTGART ERLEDIGUNG ALLER BANKGESCHÄFTE VERMIETUNG VON FEUER- UND DIEBESSICHEREN SCHRÄNK FÄCHERN SPAREINLAGEN GUNSTIGSTE BEDINGUNGEN Otgtsdier ReiallaiMHiM Montag, de» 3. Itoaember. nacht». 2 Ahr. in Swnid» Ucreins- h»»s, Skaliher Strohe 12S «Fveilsiosen- VLPSSMMlUNg Biiar Im om». oroanisierlsn MeiallBvblaNar. Oaivaniseune, Kralzar. oeizer. brvnnep. Uer- zlnner und uerzinKer Tagesordnung: L Verbands- und Branchenangelegenheiten !. Diskusfion. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiche» Erscheinen wird erwartet. tTdittinZ, TVkrhzkuümsdier! Montag, de» 3 Aonentdee, nach»,.» Ahe.>», Lotnl»an Lehmann, Mnstoner Str. 1, Ode Zenghofstr. Versammlung aller u/arltzeugmacber der spezialbeirtabe Wichtige Tagesordnung! Jeder Betried muß vertreten sein. Spielplsn unserer ftullntablcllung In der Woche vom 3. bis 9. Ziovemder I. Der Bibeipeiz soon Gerh. Hauvwiaun) 3, Aulovioiisches Lichtdogenschweißen Technischer Film. Zn der Woche vom iO. bis 16. Novdr.: 1 Der Ausstand der Niffkadylen ■2. Herstellung von Nohgao Techn. Film Zn der Woche oom 17. die 33. November. l Unter den Indianern Elld-Ameettas. 2. Achtung. Geiahr i Technlicher Film. Zn der Woche vom 3t. bis 30. November: I. Tem i(großer Raudtier-Film). Z. Techniicher Film Antragen wegen Uederlassung und Be- mch der Abteilung sind telephonisch oder ichrisiiich an die Kuliurabteilung iBüro Linienstr. 33 Bä, Zimmer 29) zurichten l>le Ol IsTerwaltang. AllgemeineOrtskrankenkasse tOr den TervulhiniilUdlikZ] der Stadl Berlin Sdiöneberg-Frledenau Bekanntmachung. Der 33. Nachtraa zur Satzung, mit dem diese der Notverardnuug vom 26. Juli 1930 angepaßt wurde, ist am l. Seotemder 1930 iu Kratt getreleu. soweit einzelne Bestim. mungeu nicht bereit, früher auf Grund der Notoerordnung Gültigkeit hatten. Der 33. Nachtrag zur Savung, mit dem die Beiträge auf 6 a. H. de,»rundlohn« herabgesetzt stnb, ist am 37. Ottoder 193» in Kraft getreten. Für Handlungsgehiilen und Angestellte sowie sonstige Personen lauch Lehrlingel. die der Angestellien-Ber- iicherung unterliegen und die im Falle der Ardeitsunsähigkeit einen Anspruch aut Weiterzahlung von Lohn oder Sehalt für mindestens einen Monat baden, werde» die Beittäge ans ö v. H. ermäßigt: da» Nähere besagen unsere Rundschrerden an die Ar- beitgeber Druckeremplare der Rochträge sind bei der Hauplstelle, Srunewalbstt. 30, ünb bei der Geichäftsstellr sür Friebevau, Rheinstr. 9. erhältlich. Bin-Schäneberg, den tzl. OBobet 1930. See Aorflnnd: «. Schuld t, Fritz Senß, Porsttzender_ Schriftlührer Pfänderversteigerung. Die in den Monaten Zannar. Zebenar. März 1930 versetzten Pfänder tommen, soweit sie nidst erneuert worden sind, zur Versteigerung: bei Abteilung II, Elsässrr Str. 7t, vom Moniag dem 1u.Rovemder 1930. ad 9 Uhr, und zwar: Fahrräder usw., Olcibtr, Pelzwerk und Wäsche: del«dtellnng I. ISgerstr St, vom Montag, dem 17 November 1930, ob 9 Uhr, und zwar: fahrrader, Gegenstände der Optik. leider, Pelzwerl. Wäsche. Kristall, Zewelen- Sold- und Sildersachrn. Für verfallene Pfänder, welche erst nach dem Aultionsbeginn erneuert oder einge.- löst werden, mutz bestimmungsgemäß Aul- tionsgebühr berechnet werden. 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Der Bundesousschuß des ADGV. hat die Forderung nach Zlrbeitszeitoerlürzung, die 40-Stunden-Woche, in den Mittelpunkt seines Notprogramms gestellt, die sozloldemokratischen Fraktionen haben im Reichstag und in den Landtagen entsprechende Anträge eingebracht, die preußische Regierung hat sich die Forde- rung der Gewerkschaften und der Partei zu eigen gemacht. Die Erörterung der Arbeitszeitverkürzung zum Zwecke der Arbeits. marktentlastung hat weit über die Kreise der Arbeiter» bewegung hinausgegriffen. Es scheint nunmehr an der Zeit, ein» inal an Hand von detaillierten Zahlen die Wirkungen einer solchen Arbeitszeitverkürzung zu untersuchen. Wir betrachten dabei: 1. die Wirkung auf die Lohnhöhe, 2. auf das Lohntonto der Unternehmungen, 3. auf den Arbeitsmarkt. Eine Vorbemerkung scheint notwendig zu sein: soll die Arbeits- zcitverkürzung die von uns gewünschte Wirkung, nämlich die Enllaslung des Arbellsmarkles, haben, so muß sie radikal sein. Es ist nicht möglich, hier zwischen dem heutigen Zustand(durchschnittlich 48 Wochcirstunden) und der Gewerkschaftsforderung(40 Wochenstunden) etwa einen „Mittelweg"(etwa 44 Wochenstunden) zu gehen. Aus dem ein» fachen Grunde nicht, well jede leichte, nicht radikal« Arbeitszeit- Verkürzung aufgewogen werden wird durch eine einsprechende Leistungssteigerung von Mensch und Maschine. Di« Tat- fache dieser mit jeder Verkürzung der Arbeitszeit«intretenden Leistungssteigerung wird auch bei unseren Berechnungen zu berücksichtigen sein Es scheint mir außer Zweifel zu stehen, daß sie st a r k g e n u g sein wird, um eine zu gering« Kürzung über- zukompensieren. Zur Vereinfachung der Rechnung nehme ich an. daß der Stundenlohn 1 M. betrögt. Als Beitrag zur Kranken» Versicherung wird durchschnittlich 6 Proz.«ingesetzt. Dann ergibt sich für die 4S-Stunden-Woche folgendes Konto: Der Arbeiter erhält also netto 42,47 M.; das Lohntonto je Arb öfter ist mit 51,52 M. belastet. Welche» ist nun die Wirkung einer Arbeitszeitverkürzung auf 40 Standen? Dabei müssen wir uns über eines völlig klar sein: der Ersatz der 48�Stunden-Woche durch die 40-StuvdeN'lvoche ohne jeden Lohnausgleich ist nicht diskutabel. Das würde eine Lohnreduktion um fast 17 Proz. bedeuten, worüber man mit keinem Appell an die Solidarität hinwegkommt. Die Arbeitzeitvertürzung mit vollem Lohnausgleich wäre am wünschenswertesten. Ob das bei den gegenwärtigen Kröfteverhölt- nisien zu. erreichen ist, laste ich dahingestellt. Ich lege der nach- stehenden Berechnung für die 40�Stu»den-Woch« einen Wochen. lohn von 45 Mark zugrunde. Dann ergibt sich folgendes Konto: Es ergibt sich: bei einem Wochenlohn von 45 M. für die 40-Stunden-Woch« erhält der Arbeiter irctto 40,50 M., das Lohn- konto je Arbeiter ist mit 47,80 M. belastet. Jetzt kann folgende Rechnung aufgemacht werden. Das Lohnkonto beträgt: für 100 Arbeiter in 4«-St»nden-Woche: 5152— M. . 100.. 40 4?80—. je 100 Arbeiter Ersparnis: 372,— M. Es entsteht jetzt die Frage, wieviel Arbeiter durch eine solche Arbeitszeitverkürzung eingestellt werden können. Die Arbeitszeit ist um 17 Proz. oerkürzt. Rein mechanisch sind um 20 Proz. mehr Arbeiter erforderlich, um die Wochenstundenleistung der 48-Stunden- Woche in 40 Stunden zu erledigen. Natürlich kann kein« Red« davon sein, daß es möglich wäre, nun auch um 20 Proz. mehr Arbeiter in Arbeit zu bringen. Das Konjiinkturforschungglnstitut hat bereits«ine Reihe von„Ausgleichshemniungen" ausgezählt, die dem rechnerischen Ausgleich mehr oder weniger stark im Wege stehen. Darauf braucht jetzt nicht näher eingegangen zu werden. Ob und in welchem genauen Maße jede der Ausgleichshemmungen wirksam werden, kann ebensowenig berechnet werden wie die genaue Auswirkung der von mir zu Beginn genannten Leiftungs- steigerung infolge Arbeitszeitverkürzung. Man wird aber kaum den Vorwurf eines übertriebenen Optimismus machen können, wenn unter Würdigung aller dieser„Hemmungen" lediglich mit einer Vermehrung der Arbeit er zahl um8 Proz. gerechnet wird. Dann kann der Lohnkontenvergleich folgendermaßen ver- vollständigt werden: Das Lohnkonto beträgt für 100 Arbeiter in 48-Stunden-Woche: 5?82.— TO. , 100., 40 4780—, mithin Ersparnis: 572— M. 8 neueingestellte Arbeiter kosten an Lohn: 382.— M. (8 mal 47.80 M.) Mit anderen Worten: bei Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden und einem Wochenlohn von 45 M., also einem Ausgleich von 82,5 Proz., ergibt sich die Möglichkeit zur fteueinstellung von 8 Arbeitern auf 100 Arbeiter ohne er wähncnswerte Mehrbelostuog des Lohnkonlos. Das bedeutet, wenn ich wie das Konjunkturforschungsinftitut mit rund 7 Millionen„regulär" Beschäftigter in der Industrie rech«, eine Verminderung de» Arbeitslosenheeres um 500 000 bis 600 000 Menschen. Ebenso günstig gestaltet sich das Konto der Arbeitslosen» Versicherung. Ich habe für die 40-Stunden- Woche mir noch «inen Betrag von 4 Proz. angenommen pnd komme dann zu folgen» dem wöchentlichen Kontostand der Arbeilslojenversicherung: Mindereinnahme je 100 Arbeiter... 132— M Mehreinnahme durch 8 neue Beitraaszohler 14.40, Minderausgabe für 8 Arbeitslose etwa 160.—. je 100 Altbejchästigte Gewinn d Arbeits!-Vers. 42.40, (der entweder zu weiterer Beitragssenkung oder zur Auffüllung des Notstocks Verwendung finden kann). Ich komme zu folgendem Ergebnis: 1. Eine Arbeitszeitverkürzung auf 40 Stunden bei S2�pro- zentigem Lohnausgleich senkt die Arbeitszeit um 17 Proz.. den Nominallohn um knapp 4,7 Proz. Abgiesehen von der größeren Freizeft bringt sie eine erhebliche Entlastung des Arbeitsmarktes(um Möhr als% Million Arbeitslosen). 2. Sie bringt keine Neubelastung der Lohnkonte« der Unternehmungen. Mit dieser Begründung kann man die Ar- beitszeitvertürzung also nicht bekämpfen. 3. Sie bringt eine wesentliche Entlastung der Arbeit«- losenversicherung bei glelchzeitiger erheblicher Beitrags- scirkung. Der Reichstag muß also unverzüglich nach semcm Wieder- zusammentreten an die Behandlung des sozialdemokratischen Antrags gehen. Aber auch das Schiedsgericht im Metallarbeiterkampf darf an den hier angestellten Ueberlegungcn nicht mehr vorbeigehen! Lnte Croncr. Berliner Erwerbslosenfürsorge Neuregelung der llnterstützungsrichtsähe. Der Magistrat der Sticht Berlin Hot irnierm 31. Oktober allen Bezirksämtern eine Verfügung über die Neuregelung der Not- standsaktion sür Erwerbslose aus Wohlsahrtsmittein, die am Montag, dem 3. November, in Kraft tritt, zugehen lasten. In dieser Verfügung heißt es: „Durch die Verordnung über die Krisenfürsorge für Arbeitslose vom 11. Oktober 1930 sind die maßgeblichen Unterstützungssätze der Krisenfürsorge für Alleinstehende um 11 Mark, für Familien um 6 bis 11 Mark herabgesetzt worden. Diese Maßnahmen des Reiches macht eine sofortig« Neufest- setzung der für die Notstandsaktion geltenden Unter stütz nngs-, r i ch t sä tz e notwendig. Bisher logen die Unterstützungsrichtsätze der Notstandsaktion für Alleinstehende um mehr als zwei Klassen tiefer als die entsprechenden Unterstützungslchchstsätze m der Krisen- sllrsorge. Wir haben beschlossen, der vom Reich vorgenommenen Kürzung nur in sehr beschränktem Umfange zu folgen und den Unterstützungsrichtsatz so festzusetzen, daß er nunniehr nur noch etwa eine halbe Klasse unter dem Höchstsatz der Krilenunterstützung liegt. Für Famllien lagen bisher die Unterftützungsrichlsätze der Not- standsaktion etwas unter den Höchstsätzen der Krisenfürsorge. Wir haben beschlossen, ste nunmehr den Höchstsätzen der Krisenfürsorge anzugleichen. Die Untcrstützungsrichtsätze der Notstandsaktion betragen dem- noch ab 3. November 1930 für: Einzelne Perlonen.»•«.. Ehepaare �, . mit 1 Kind.... is » ,2 Kindern..». » ,3„.... . ,4 und mehr Kinoern monatltch: 52.— M. 71.85. 80, iO. 88.75. 97,0. 103,65„ wöchkntlich: 12,— M. 16,60. 18,55, 20,50. 22,45. 24,40. Borstehend« Unterstlltzungsrichtsätze sind— wie bisher— keine Mindest- oder Höchstsätze, sondern lediglich Richtsätze. Äse Fest- setzung des im Einzelfalle erforderlichen UnterstützungsbetragSS hat daher— wi« bisher— auf Gnmd einer genauen individuellen Nachprüfung der wirtschaftlichen Lage zu erfolgen. Notstandsarbeiien im Straßenbau. Der Magistrat läßt der Stadwerordnetenversammlung eine Vor- lag« zugehen, in der er die finanzielle Grundlage des Notstandsprogramms wi« folgt zu ändern bittet: In der ersten Vorloge, in der die Ausführung von Notstands- arbeiten im Straßenbau in Höhe von 13,5 Millionen Mark gefordert worden war, war vorgesehen, daß ein Betrag von 5 Millionen Mark aus Mitteln der wertschaffenden Arbeitslosensürsorge in der Weise beschafft werden sollte, daß für eine Leistung von 350 000 Arbeitslosentagewerken 1 Million Mark als verlorener Zuschuß und je 2 Millionen Mark von Re'ch und Staat als Darlehen gewährt werden sollten. Auf Vorschlag der Wohlfahrtsdeputation hat der Magistrat nunmehr beschlossen, auf eine Inanspruchnahme dieser Mittel zu verzichten und an ihrer Stelle nur städtische Mittel des Wohlfahrtsetats in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig 1 ktirii '■:>■■\ Neu! Der schweren Zeft Rechnung tragend, eröffneten wir in unserem Hauptgeschäft Jerusalemer Stesse, am Dönhoffplatz, 1. Etage, eine __ ij•/_ i. Wir bieten damit dem Anspruchsvollen auch in dieser schweren Zelt ständig die Möglichkeit, für eigenen Bedarf oder für besondere Ge- schenkzwecke sehr hochwertige Qualitätsschuhe zu ausserordentlich billigen Vorzugspreisen zu erwerben- also wirklich zu sparen! Es ist Ihr Vorteil, sich dieser Gelegenheit bei Bedarf zu erinnern. Immer allen anderen weit voran! ist beschlassen worden, die Notstandsaltion mit 40ftüitl)lger Arbeitswoche durchzuführen, wodurch ssch d>« Zahl der Ar- bsitsloscntaßewerke von 350 lM auf 420000 erhöht. Dabei ist an- genommen worden, doh mindestens 75 Prozent der(ZesomtMegschast cua Wohlfahrtserwerbslofen besteht. Die Ableistung dieser Tags- werke ausschließlich durch Wohlfahrtserwerbslose Hot für die Stadt den Vorteil, daß sie für die gewährte Unterstützung einen Gegen- wert in Form von geleisteter Arbeit erhält. Ferner ist zu berück- sichtigen, daß diejenigen Erwerbslosen Arbeit«hosten, die am l ä n g st e n ohne Beschäftigung sind. Gelbstentlarvung der Spaller. Miliionenschwinde! der RGO. „Der M e t o l l st r e i t geht weiter", hieß es rn großen Lettern am Donnerstag in der.Ftoten Fahne". Noch am Freitag konnte man, allerdings schon in etwas kleineren Lettern, lesen: „Streikt weiter! Wir unterstützen euch." Am Sonn- abend aber konnte man auf der ersten Seite des soaujctnissischen Blattes lesen: „Angesichts dieser Lage hol die zenkrale Streikleitung der RGO. den Beschluß gefaßt, alle noch streikend«» Belegschaften aus- zusordern, die Arbelt geschlossen wieder dort auf- zunehmen, wo der Ausschluß jeder Maßregelungen gesichert ist." Auch bei der RGO. hat die Lächerlichkeit ihr« Grenze»». Es ging denn doch nicht ai», iinmer noch zu behaupten, daß die Berliner Metallarbeiter unter der„Führung" der RGO. wester streiken, mährend, entsprechend dem Beschluß der Metallarbeiter, die Arbeit überall da aufgenommen wurde, wo die technischen Möglichkeiten bereits gegeben waren, mit Ausnahme von zwei Betrieben, wo die Unternehmer die Vereinbarung durchbrochen und Maßregelungen vorgenommen habe»». Die RGO., d. h. auf gut Deutsch die von Moskau bezahlte kam- munistische Bürokratie, küinmcrt sich nicht um den Beschluß der Arbeiter. Für sie ist die Abstiitnnung der Streikenden null uird nichtig. Sie faselt von„organisiertem Streikbruch", während sie ganz genau weiß, daß eine Mehrheit der Abstimmenden für den Abbruch des Streiks gestiinrnt hat, ganz ungerechnet die fast 00 000 Arbeiter und Arbeiterinnen, die an der Abstimmung nicht teilnahmen und damit zu erkennen gegeben haben, daß sie der Ver- dnbaniilg zustimmen. Ln ihren» Aufruf zur Spaltung der Berliner Metallarbeiter, dem diese ebensowenig folgen werden, wie sie sich während dos Streiks nicht um die Parolen der RGO. gekümmert haben, wird erzählt, daß diese,„unterstützt von der glänzenden Hilfsorganisation der Jnter- nationalen Arbeiterhilfe",„M i l l i o n e n zur begeisterten solida- rlschen Unterstützung der Käinpseirden" geweckt hat. Millionen! Mo sind di e Gelder dieser Millionen geblieben? Glaubt»nan in der KPD. ernstlich, daß die Arbeiterschaft auf dieser» Schwindel hereiirfallen wird? Die Metallardester werden nach dem Streik noch viel weniger geneigt sein, den Spaltern Gefolgschaft zu leisten. Oer Anschlag auf die Angestellien. Ableuanuugen, die Bestätigungen sind. Der Verband Berliner Metall industrieller äußert sich nunmehr endlich zu dem Rundschreiben an sein« Midgliedsfirmen, das wir im Wortlaut veröffentlicht haben und in dem zur Kündigung auf- gefordert worden ist Der VBMJ. behauptet, daß er sich damit nur die Sicherheit verschaffen wollte,„auch dies« außertariflichen Arbestsvertrage. wenn eine tarifliche Gehaltskürzung erfolgen sollte, dementsprechend kürzen zu können." Damit wird ausdrücklich zugegeben, daß diese Kündigungsaktion den Zweck hatte, auch die L e i st u n g s z u l a g e n zu kürzen. Die AEG. läßt mitteilen, daß es sich bei ihrer.Küirdigungsattion „um eine rein formale Maßnahme" gehandelt habe. Ausdrücklich erklärt die AEG.:„Nach der geltenden Gesetzgebung rmird« eine etwaige Abänderung der Tariffätz« des Angestelltentariies nach seinem Ablauf am 31. März 1YZ1 nur bei denjenigen Angestellten sofort in Kraft treten könnerr, in deren Verträge ausdrücklich vermsrlt ist» daß ihr C i n k o in m« n sich nach dem jeweils gültigen Tarifvertrag« für die Angestellten der Berliner Metallindustrie richtet... Di« in einzelnen Fällen»»erlangte kurze Ertlärungsfrist sei da- durch bedingt worden, daß in diesen Fällen die gesetzlich vorgesehene fünfnwnatige Karenzzeit formell zu wahren war." Damit bestätigt die AEG. nur, was wir gestern zu der Kündi- gungsaktion gesagt habe»». Sie bestätigt ausdrücklich, daß sie auch die Leistungszulagen kürzen will und daß sie den gekmrdigten Angestellten nur einige Stunden Frist zur Ueberlegung gegeben hat. Daß sie ein« länger« Frist hätte geben können, wagt auch die AEG. nicht zu bestreiten. Gtuhlvcrstopfung. Nach den an den Kliniken für innere Krankheilen gesammelten Erfahrungen ist dos natürlich« „Franz-Josef"-Bsttcrroalser ein äußerst wohlluendes Abführmittel. Schwerer Konflikt ans den» Schlachthof. Ltnerhöris Anmaßung der Engrosfchlachier. Schon des öfteren berichteten wir über die skandalösen Arbeits- verhältuiis» der in den Engrosfleischereien beschäftigten Gesellen auf dein Berliner Schlachthof und in den Borortschlachthäusern. Das Bestehen eines allgemeinverbindlich erklärten Tarif- Vertrages, der die 48-Stunden. Woche vorsieht, hinderte sie Herren Fleifchermsister nicht, täglich dessen Bedingungen zu durch- brechen, dank der wohlwollenden Rechtsprechung der Strafgerichte, di« anhängig gemachte Strafverfahren wegen Vergehen gegen die Arbeitszeübestiminungen des Tarifvertrages mit Freisprüchen belohnte. Die Unternehm« und ihr« Rechtsanwälte verstanden es meisterhaft, von der 1 0- bis 1 5 st ü n d!> gen Arbeitszeit 0 und inehr Stunden in Pausen und„Zlr- beitsbereitschaft" umzufälschen. obwohl es A.'beitsbereitschatt für diesen BerusskreiS aar nicht gibt. Durch unermüdliche Ausklärungs- arbest der Organisation und ihrer Funktionäre faßte der Tarif- gedanke unter den Eirgrosschlächtergesellen mehr und mehr Fuß, und in erlveitertem Maße machten die Gesellen von ihren tariflichen Rechten Gebrauch. Dieses und die-allgemein unter den Unternehmern grassierende Abbauseuche veranlaßte den Jnteressenoerband der Ber- liner Engrosschlächter, den bestehenden Tarifvertrag zu kündigen und Forderu-ngcn aufzustellen, wie sie wohl einzig da- stehend sind.„Anerkennung eines von Ihnen neu zu gründenden Arbeitsnachweises, obwohl«in eigens für diesen Gciverbezweig errichteter Facharbeitsnachweis der Stadt Berlin auf dein Schlachthof besteht. Als Arbeitszeit wird gefordert die Ksslündige Arbeitswoche ausschließlich Pausen, Arbeitsbereit- schafl und Reioigungsarbeikcn. Was die Herren unter„Arbeitsb«reitsä>aft" und„Reinigungz- arbeiten" verstehen, haben wir schon zum Ausdruck gebracht, indsin alle Arbeiten außer der reinen Schlachttätigkeit als solche gelten sollen. Also das Ein- und Ausbringen des Schlachtgutes in die Kühl- und Markträume, das Zerlegen in Spezialstücke, das Salzen und die Arbeit auf dem Fleischmarkt, die in der Woche etwa 25 bis 30 Stunden beträgt, svll nicht als Arbeiitszeit gerechnet »verdenk Wester: Einführung des Stundenlohnes neben dem bis- herigen Wochenlohn. Minderleistungsfähig« sowie Schioerbeschädigte sollen 75 Proz. der Tariffätz« erhasten.(Dann wird es bald keine Vollarbester mehr geben.) Nach alledem wird es nicht verwundern, daß man den§ 616 BGB. ebenfalls außer Kraft setzen will, der Bezahlung der ersten Krankheitstage und die Differenzzahlung zwischen Lohn und Krankengeld bei Unfall vorsieht. In einem Beruf also, wo die llnsallgesahr ciue oußcrorden.tUch hohe ist, noch gesteigert durch das Arbeststempo. die lange Arbeitszeit und die leichte Infizierungsgefahr beim Schlachten kranker Tiere. tritt man die einiachsten sozialen Forderungen mit Füßen. Das; dann noch der Urlaub gekürzt werden soll, paßt sich harmonisch in das Gesamtbild ein. Noch andere kleine Bcrschlechtc- rnnqsanträge erwähnen wir gar nicht. Begründung:„Notlage der Fleische rmeister". 1013 gab es in Berlin auf dem Schlachthof 314 Engrosschlächter: heute sind es deren mindestens doppelt soviel, ungerechnet diejenige»'. die in den A o r o r t e n ihre Betriebe haben. Die S ch l a ch> t u n g e n sind in» Jahre 1928/29 gegenüber 1913/14 bei Rindern um 46,1 Proz.. bei Kälbern um 38,4 Proz., bei Schafen mn 5,7 Proz.. bei Schweinen um 13,4 Proz. gestiegen. Das sind im Durch- schnitt 22 Proz. mehr Schlachtungen, bei 190 Proz. Zunahme der Gewerbetreibenden ein Zeichen, daß die B e r d i e n st m ö g l» ch- leiten doch recht gute sein müsse»». Eine vom Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter, Sektion Fleischer, einberufene und überfüllte öffentliche Versammlung hat sich mit diesen Anträgen beschäftigt, und ans Ihrer stür- mischen Entrüstung bei Bekanntgabe der Unternehmerwiinsche war festzustellen, daß die Arbeiter m»k allen Mitteln diesen Torisraub abwehren werden. Zum�ireik der Bauschlosser. Die Isolierung des Gchuhverbandes. Der Slrbesterfchoft zur Kenntnis, daß der Streik der Bau-»»d Geldschrankschlosser mit dem Streit der BBMJ.-Betriebe nichts zu tun hat. Bei der»»eiteren Entwicklung des Kampfes der Bau- und Geldschranks chlosser stellte sich heraus, daß der größte Teil der Unternehmer, denen die Forderung der Branche von 10 Ps. Lohnzulage unterbreitet wurde, mst dem geplanten Lohnabbau des Schutz- verbandez von 20 Proz. und mst der Maßnahme des Schutz- Verbandes, auszusperren, nicht einverstanden ist. Tatsächlich sind der Aufforderung, auszusperren, nur neun Betriebe mit 35'Beschäftigten von 2000 nachgekommen. Demgegenüber haben 24 Betriebe die Forderung der Branche r« st los bewilligt. Es geht die Zluffordenmg an die Arbesterschrft Groß-Berlins, all« Bauschlosier ohne Arbeitsberechtigungstarte als Streik- breche? zu betrachten.. Bei Gtock-Marienfelde geht der Gtrei? Weiter Unter Führung des Metailarbeiter Verbandes. Gestern fanden durch den Deutschen Metollarbelter-Verband Perhandlungea km DBMI. gegen die Firma R. Stock u. Co., Marienfekde, statt. Gegenstand der Beratung waren die Bor- aussetzungen der Wiederaus», ahine der Arbeit. Die Verhandlungen, die 314 Stunden dauerten, führten nicht zu einer Einigung, so daß voraussichllich am Montag die Verhandlungen im Betriebe mit der gesetzlichen Vetriebsvertrewng weitergesührt werden. Sollte da ein« Einigung entsprechend dem Dorschlag des DMB. nickt zustande- kommen, dann würde der Streit bei der Firma R. Stock u. Co. weitergeführt»»erden müssen. Dieser Streit ist bis auf »»«steres vom Deutschen Metallarbester-Berband sanktioniert. Die Streiksühruug liegt in den Händen des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes. Die Belegschaft wird am Montag, nachmittag 2 Ubr. in der Streikoersammlung zu dem Ber- handlungsergebnis endgültig Stellung nehmen. Die RGO. hat mst dem Streik und seiner Führung»»ichts zu tun. Die REO. führt nicht zum Kampf, sondern nur zur S p a l tu n g. Lelegsihost der Firma Alfred Schütte, Baumschulen rv«g. Di« Kollegen' melden sich zur Arbeitsaufnahme am Montag, dem 3. November, morgens 7 Uhr. Der Arbeiterrat. Loen�-Gesfürel. huttenstr. 17/19. Die Arbeit wird am Montag, dem 3. Novencker 1930. um 7 Uhr in allen Abteilung«»» geschlossen aufgenommen. Der Arbciterrat. Berlin-Karlsruher Zndustrien»erke A.-(S. Betriebsversammlung aller im obigen Werk beschäftigt gewesenen Kollo- ginnci» und Kollegen am 4. November, nachmittags 3 Uhr, bei früher„Breßgott" in Wittenau, direkt am Bahnhos. Der Betriebsrat. Askania. Werke, Friedenau. Montag, morgens 6/: Uhr, Betriebsversa»»m!>rng des Merkes Friede»»«»» bei Klabe, Hairdjerv- slraßc 60, des Werkes Martendorf, Alte,- Gasthof, Großbeeryu- straße Ecke Dortstroße. Tagesordnung: Stellungnahme zu den Maßregelungen durch die Betriebsleitung.. Die Streikleitung. berliner Gewcrkjchastsschulc. ÜUbkiicr- uah Aagclislltcvbetricl�rätc. Slw Ditnitaq, 4. SRon-nnS«!, eheftn 7 Ulli, fittlxU im 4«« 5 bc»«Semerllctaftsh-vse«, Ciiflclul'-t 24 25, bet u»chpe «rbsit»rcchtlich« 3a(i>intatitn6o6enb für Betricd»rät« statt. Leite- bieje, «Iwub»»st d«l©eixossc Sil-saaaam-lt Dr. SröBlcl. Di- z-ila-hmr ist k-st---. Ui».«llcn sr«ig«wer!sckaftllch Arb-lt-i-»nb L»g-pcZten. betricbrrät-n wird ber Besuch bts Hbttibt btiugcitb«mpsohl»«,. TBD. Fralti»» b-i-v Li-H.»ab Bchtachthas. Dirnsta», IS Uhr, bei Busch. Tilliter Etr. 27. spricht G«n. Soliguuz Echwar, übet„Zaschislcp.=3 m fleiccht".(£3 ist Pflicht»cbes Genolsrv, zu dirs-r Deisauimlung ,u er. � e= fchernen. Der Zratttor»»orftanb. S � �|_�||______ �reieGewerkschafts-LuaenS Berlin Di« nächste Iugendvorstevnng der Volksbühne findet am 9. Rovemb«r im Tbeaier cun Bülowplak statt. Zur Aittfübrunq qelangt:„Die Matrosen von Casars". Einirit.ts?arten zum Preise von 80 Ps. sind noch in der Zugendsentrale zu haben. i .�uaendonwve k>eS?e»,>»t>«tanslaltut>u«n in foTR-nbr'n .l>igenbh«im«n statt! Iugrubheim Zieich-nb-rger«tr. 6«. vau IS bi» Lorsitrtgstr Iuarubbeim bewegung". Urban: gujcnbV'm Hobrecht. Elts conbetfic. Sorttaa: ..Sttuichtiinasprax!» In»Ungstct Zeit". Referent: Willi Dcrkom.- Au: a. Ro. vcmdcr sinbet die nächste Iugenbvorstellung ber BaUsbühne statt. Marien hierfür find im Iugendseiretariat erhältlich. Zur Bitstreinigung T Nur Kiviet's Universaltee // Seit fO lahren bewährtes Hausmiuel in fast allen norddeutschen Apotheken ä 1,50 M. Kurpackung(»0 Pakete) 13 M. käuflich, sonst durch uose c Versandapotheke. Krankheitsbilder und ämliche Gutachten gratis durch Haas Kwiet, Cüemiicfac fabrlk, Serlin SW OS, Alexandrlncnttrahe 29 a. Ein nachträgliches Wort zum Weltspartag! Wir wünsclien dem Weltspartag guten Erfolg zu bringen; denn ein Notgroschen für unvorlicr- * und hoffen, daß durch ihn viele Männer und gesehene größere Ausgaben ist ebenso wichtig Frauen veranlaßt werden, einen Teil ihrer Ein- und ebenso nötig, wie die Vorsorge für den Fall • � i,............ m nahmen regelmäßig zurSparkassc oderzurBank des vorzeitigen Todes durch Lebensversicherung. Die Lebensvers ichcrungs-Unternehmungcn in Deutschland WVJ&E UMMB Li tillsesdmlge» für diese Rubrik find Berlin SB 68, Liodcnfirafi« 8. Nariemachn'chienzW�fürGroß-Berlin iet» NN da» Bezirk»sekr«t»>i«i > Hol. 8 Zrevoru recht», zu richte» . Are» Witte. Dienstag, 4. Ziovember. WH llbr, Stkuitg de» erweiterten Areisoorstandes bei Debrohlaw, Swinemltirder Str. IL— Wontag, S, Ro. venibsr, 18 Uhr, findet die Belichugnng des Sladtbade» Gartenfira!'"" für die L, 2., 3., 4, Abteilung. Führung: Genosse Stadtrat F'� Trefsounkt vor dem Portal. . Kreis Beddillg. Dienstag, 4. November, is Uhr, Kreieionfereu« bei Preußner, Eeestr.«2.— Krei»blldllng»an»schuß. Mittwoch, Z. November, 1g>,d Uhr, Sitzung bei Senkel, Turiner Straße, Eck« lltrechtar Straße. Voll- z-hlig und pitnitlich erscheinen. Die Karten fllr die FilmaufMrung find endgültig abzurechnen, Kreis Prenzlauer Berg. Mittwoch, Z. Naveniber, lg Uhr, Sitzung de« er. weitcrten Kreisvorstandcs bei Klug, Sanjiger Str. 71. Wichtige Tages. ordnung. Pünktlich erscheinen. Kreis Fricdrichshai». Kreisvorstandssttzung nebst Abteilungsleiter und Ab. teilungslassierer am Dienstag, 4. November, 1» Uhr, bei Hentschel, Memeler Straße 13. drei» Kreuzberg. Kursus Thorhort findet am Freitag, 7. November, 20 Uhr, im Fraktionszimmsr des Bezirksamts Kreuzberg statt. . Krci» Charlstteuburg. Dieusiag, 4. November, 20 llbr, II. 17. 18. 19. 20. . WWWWWWWI____________.>W erweiterte Vorstands. sttzung im Lokal Reimer, Wilmersdorfer Str. 21. Ighh Uhr ebendort engere Vorstandssidunq.— Freie Schnlgemeiade. Morgen, Sonntag, in Ahlerts Fesliälen, Berliner Str. 88, Ecke Brauhofstraße, Festveranstaltung au» An. laß des zehnjährigen Bestehens. Mitwirkende: Bandonionklub Spandau. Rhythmische Tänze der Zutta-Slaurt-Schule. Heitere Lieder zur Laute. Fest. sviel:„Flachsmann als Erzieher' von Otto Ernst. Tombola und Tanz» tränzchen. Eintritt 50 Pf., Garderobe 2« Pf. und Kinder 10 Pf. Zu haben in den Konsumgeschästen und an der Kasse. Einlaß 17 Uhr. Beginn 18 Uhr. Kiei« Tempelhos. Montag, 8. November, 19% Uhr. Kreisvorstandssitzung in Temvelhof. Friedrich-Aarl-, Ecke Werderstraße, Lokal zur Lind«, Inhaber Stranok. strei, Neukölln. Montag, 19 Uhr, Fraktionssitzung, Rathau«, Zimmer 187. Sireis Köpenick. Montag, 3. November, 19% Uhr, wichtig« Kreisvorstands. sttzung in Köpenick, Schloßstr. 27 1. Sämtliche kreisvorstantsmitglieter müssen erscheinen. Krci» Lichtenberg. Mittwoch, 5. November, 19% Uhr, Äreisvorstandsfitzung bei Tempel, Guhrunstr. 7. Kreis Wcißensec. Dienstag, 4. November, 19 Uhr, Kreisvorstandsfißung. 20 Uhr Kreisfunktionärfitzung bei Gallas, L-Hdcrslr, 122. Kreis Pankow. Montag. 3. November, pünktlich 18% Uhr, Kreisvorstandssitzung bei Meyer, Türkisches gelt. Breite Straße. Anschließend 20 Uhr Krcisdelcgiertenversammlung. Kreis N-Illickcndorf. Kursus Dr. Schlesinger„Geschichle der internaiionalen Arbeiterbewegung' am Montag, z. Ziovember, 19% Uhr- im Lehrerzimmer der Schule, Auguste-Biktoria-Allee 87, Rcinickendorf.Wcst. heule, Sonnkag. 2. November: 77. bis 81. Abt. Tchöneberg. Friedenau. 8. Ko»sumbesichtiqn»g. Tresspnnkt: Lichtenberg, Konsumhau», 10 Uhr.— Montag, 3. Rooember, 19% Uhr,>n der Hoben, ollernschnle, Belziger Straße, Ecke Eisenachee Straße, la Schöne. berg, Filmabend.„Unser Konsum".— Mittwoch, 5. November, 19% Uhr, ebenfall« Filmabend!„Unser Ksnsnm", In der Rheinganschulc, Friedena», chomnthstraßc. Ecke Schwolbachcr Straße. Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. ZNorgen, Montag. Z. November: Abt. Arnswaldee Platz. Funttionärsttzung am Montag, 3. November, 20 Uhr, beim Genossen Erlcr, Ehodowicckistr. 17. Interessierte Genossen sind«in. geladen. St. Abt. Eharlottenburg. 20 Uhr im Lokal Plötz, Eauerstr. 20, ssunktionärfißung. 98. Abt. Neukölln. 20% Uhr bei Kiaulehn. Hcrmannslr. 208, Sitzung de» Bor. stanbes mit den Obleuten der Kommissionen._ 108. Abt. Köpenick. 19% Uhr Versammlung der sungen Parteigenossen in der Aula der l'll. Schule, Freiheit.'Referar des Genossen Dr. Otto Friediänder über:„Die Gefahr des F-schisnms und unser Kampfs. Es wird erwartet, daß alle jungen Mitglieder daran teilnehmen. Mitgliedsbuch als Ausweis uiilbringen. Dienstag. 4. November: 98. Abt. Renkölln. Pü-ltlich 20 Uhr findet im Lokal Schilling. Ki�chof, Ecke Wivverstraße, ein- Mitgliederversammlung statt. Vortrag:„Was nun/ Referent Genosse Seydewitz, Zwickau, M. d. R. Aussprache. Da» Ntt- glied-buch ist am Saaleingang vorzuzeigen. Arauenveranstaltungen. Am Sonnabend, 8. Ravemie--. U% Uhr, spricht im Rahme» de« Freie» Sozialistisch:» Hochschule im Plenarsaal de» ehemalige» H-r-enha-se». Leipziger Straße 8, Fritz R-phtali. verli». über„Weltwirischaftskrise und«rbeiislose». rrodlem". Karteo zum Preise»o» 80 Ps. da, Stück iutl. Sarderod« fiud im straucnsekrctariat de» B-zirksuerbaudes, SB«8, Liudeustr. 8, 2. Los. 2 Treppen, Zimmer 4. zu habe». Sa, Fraueusekretariat. 4.«reis Prenzlauer Berg. Für die Funktwnärinnen findet am Dienstag, 4. November, 16 bis 18 Uhr ews Besichtigung der ständigen Ausstellung im Arbeiisministerium, Berlin NW 40. Echarnhorststr. 35, statt. Treffpunkt 1z°T Ubr nur dem Dienstoebüuds Scharnhorststr. 35. 941 Uhr vor dem Dienstgebäude, Echarnhorststr. 85. 7. Krei, Dharlottenbnrg. Mittwoch, 5. Ziovember, 19% Uhr, im Jugendheim, Rostnenstr. 4. Beginn der Vortragsreihe der Genossin Käthe Kern:„Die sozialistische Frauenbewegung und ihre Problem«'. 1. Kursu-abend:„Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen de- 19. S-hrhund-rts'. 10. Kreis gehlendorf. Der ursvrüngNch für den 5. Änvrmber vorgesehene Licht. bildervortrag muß uniständehalber verschoben werde». Nähere Mitteilung m erfolgt noch, m m M m 12 Krei» Stealitz. Montag, 8. November, pünktlich 20 Uhr, in den Lichterselder ff-sts-ilcn, Licht-rfelde. Zehl-ndorf-r sstr. 5. F�- u� Vor- tragsabend. Borführung des Films„Die Mutter' nach dem Roman von Marim Gorkü Aasproche der Genossw Klara Dohm.Schuch. M. v. N. Außerdem Gesang, Nezitationen, Eintritt 10 Pf. Die unveickautten »arten sind von den Funktlonarinnen bi» 19% Uhr vor der Beranstal- wng abzuliefern. 17.»reis Lichtenberg. Mittwoch, Altersheims Biesdorf.~' lltttwoch, 5. November, IS Uhr, Besichtigung des neuen .............. Treffpunkt l«i Uhr Pobnhof Wuhlheide. An. schließend gemütliches Beisammensein im benachbarten Lokal. 20.»i>» Reinickendorf. Dienstag, t. Noveinber. 20 Uhr, im Iug«ndh-iM, Tegel, Schöneberger Str. 8, wichtig- Funkttonarinnensttzung. 1. Abt. Wontag, 3. November, 10% Uhr, im Hackeichen Hof, Roseiltholer Straß« 40/41, B-rträg!„Eozialhygienischc Forderungen für dl« Proletarier- srau". Refercntin Dr. Frida Alerandcr.„„ 21. Abt. Mittwoch, 5. November, 19% Uhr, bei»roll, Utrecht er Str. 21, Bor. trag:„Hygiene im Haushalt'. Referent Dr. Joseph. kWW 22. Abt. Mittwoch,!!. Noveinber, 19% Uhr, im Feiler-Saal der Hoch, p schulbraner-i, Amrumert. Eck- Seesttatze, ssrauenabend. Dortrag:„Ernstes � und Heiteres von Müttern und Kindern'. Borttogende Genossin Wartha John. H 06. Abt. Marieudors. Mittwoch, 5. November, 20 Uhr, bei Görlitz. Ehausse«. straße 19. Bortrag: �Kamps der Sozialdemokratie gegen den Faschismus. Referent Redakteur Wolfgang Schwarz...... 195. Abt. Adlashos. Mittwoch, 5. November, 19% Uhr. bei Schmidtbauer. Bis. marckstraße 71,«ortrag:„Der Kamps der Sozialdenwkratie gegen den Faichismu«'. Referent Max Brinitzer. 117. 9I6t Lichtenberg. Dienstag, 4. November, 19% Uhr, bei Vstug. Emanuel., Ecke Leopvldstraße, Vortrag:„Berfässungsfragen'. Referent- r. Walter 128-. Abt.««ulsdors.Süb. Dien-ia», 4. Rovember, 19% Uhr, im„Jüg-rheim', Iägerstraß»,„Heiterer Abend'. Vortragender Hans ituhinnann, 184. Abt. Buch. Dienstag, 4. November. 20 Uhr, bei Göpfert, Vortrag des 186. Donners?ag,�?° November, 20 Mr, Diskussion�. abcnd in der Lindauer Straße. Genossin Charlotte Lemke spriHt mze .-Ardeiterwohlfahrt und öffentliche Wohlfahrtspflege. 1Z7. Abt. Rein!ckendorf-West. Dienstag, 4. November,.�esi�i�na der uan- diaen AussteNung im Reichsarbeitsministerium, Berlin NW 4s), Scharnhoril- l: ratze S5. Treffpstukt u. Uhr Invaliden., Ecke Gcharnhorststraße.� Abt. Teqel. Die auf dem leßten??rauenabend gefundene vanbta,che ist von Schröter. Schlieper. Ecke Treskow straße, X» Etage, abHuyolen. �_ 14k. Abt. Roseuthal. Dienstag. 4. November, vorm. 11 Uhr, Gestchtrgung P«r ständigen-Ausstellung im Reichsarbeitsministerium, Berlin NV. 40, Scharn» harftstr. 55. Treffpunkt 10 Uhr Kauvtstraße Ecke Lindenallee. Röusgental'Ieperuick. Donnerstag. 6. November. 20 Uhr, bei Metßel. Bannhof« straßo'76:..Reform des Sfamilienrechts.* Ref.: MargarTte Schenkalowsrt» Bezirksausschuß; für Arbeiterwohlfahrt. ». Kr«!, Ziergaeten. Dienstag, 4. November, pünktlich 19% Uhr, erster «„rlüoabsnd üb«„Strafvollzug und Gerichtsdilfe". Ref.: Regierungsrat Genosse Otto Kyeb«. De- erste Abend tiiidet statt im Zimmer 21«, Alte» Kriminal- ��z''�Ki«%�«e?dino!�Z�>Äl>ch. 5. November, pünktlich 19% Uhr,*incfu» Soziale Gerichtsbilfc" Im Derwolwng-a-bäude Müllerstr. 116/117, Zimmer 221. Letter- Genosse Wölfs. Um pünktliches Erscheinen wird gebeten. 5o?ioli». Kameradschaft Frankfurt. 20 Uhr bei Wittschuß, Petersburger Str. 6.«reu, borg. Versammlungen um 20 Uhr. Zug II bei Krepp, Planufer 75/76. Zug III bei Grabl, Wartenburgstt. II. Vollzähliges Erscheine» Pflicht. Zug Vll im Reichenderger Hof, Reichenberaer Ett. 147. Bortrag des Kam. Knauer: ..Aktivität,' das Gebot der Stunde". Zug Vlll bei Siedentopf, Muskaucr Str. 35. Erscheinen Pflicht.— Krenzberg: Sonnabend, 22. Rovember. Herbst- fest im„Elou", Mouerstr. Karten zu 1 M. sind bei de» Funktionären und im Goubllro Berlin, Sebastianstt. 37/88, zu haben. Abendkasse findet nicht statt.— Ruderriegc, Wintersportabteiln»«. Sonnabend, 8. November, in den Gesamträumen de»„Ulap", Ait-Moabit. Winterfest. Eintritt 1,50 M. int Vorverkauf. Karten sind in den Bootshäusern und in der Eeschäftsstell« der Wintersportadteilung zu haben. Arbeiler-Samariler-Bund e. v.. Kolonne Verlin. Geschästsftclle:«. 24. Gr. Hamburger St«. 20. Del.t 0 1 Norden 224«, »rbriter.Sainartter.Bnnd-. V., Kolonne Berlin, Geschäftsstelle ___ R 24. Abteilung Wedding. Am 3. November. 20 Uhr, Mitgliederversammlung, Lokal Dume, Echulsir. 109. Die für den 2. November angcsetzt« Iugendversammlung fällt aus und findet dafür am 17. November um 20 Uhr in der»eschästsstell- statt. Am Montag. 2. November, abends 7% bis 10 Uhr, Kursusbeginn.über„Erste Hilfe' in der 1. Semcindeschule. Zehlendors; Bot». domcr Stt, i.••-.' Sturmvogel", Flugverband der Werktätigen, r. 35„ Bezirksgrlipve Oft. Sitzung Diensiaa, 4. November, 20 Uhr, im„Revaler Bereinshaus", Revale» .r~ J. e—-.rr 4 m cn� �4—� �, vll)„v 4„!...> be e D* T* /II 12 r..114�.v, � M flUniiMi__ D_____________________ IM 20 Uhr bei Klug. Danziäer"Stt. 71,"statt.' 4. Noveniber Bericht von de» Bunbestaaung. Gäste willkommen. Selbsthilfcbnnd der Körperbehinderten(Reichsbund Deutscher Krüppel) 8. B.. Geschäftssiell« SS 16, Schmidtsir. 8a. Es finden Versammlungen statt: Mitte: 10. November. Bereinshau» Südost", Michaeltirch. Elte Wüster» hausener Str. Tiergarten: 17. November, Kleines Gefellschafishaus, Etrvy». straße 28. Gründungsfeier. Bedding. 6. November, Lokal Erdmaun. Schön- walder Straße. Beginn 7% Uhr. Prenzlauer»erg. 20. Rovemder bei E. Willner. Pankow, Berliner Str.»2. Friedrichsbain. 2. Noociubcr,„TU. siter Bereinshau»", Tilstter Stt. 64. Eharlottenburg. 22. Nooember, bei Röhrich, Schloßstr. 45. Spandau. 2V. November, im Polizeigebäude, Zimmer 14, Erdgeschoß, Eingang Am Walb 2. Schöne�rg. 22. Nooember, im Lokal Bvrbergstr 11. Treptow. Köpenick. 12. Rovember bei Streubel, Baum» schulenweg, Baumschulen. Ecke Scheidlerstraße. Lichtenberg. 28. Rovember, rm Lokal Iunystr. 1». Beginn, wo nichts anderes angegeben« überall nm 8 Uhr. Ä 5£*** Kef0rö£ SX'1*** *"°rö de? fc"« *"ojö der j?£Ä!!« 2?€'b. Wetort�aW OualiMea Metord der Leistungen Rekord der SluMWB Rekord de.- Rekord de Rekord Rekord__ Rekord de«SSÄSW Rekord der Käuferzahl Rekord der Auswahl Rekord der Qualitäten Rekord der Leistungen Rekord der Berbilligung Rekord der Käuferzaht Rekord der Auswahl Rekord der Qualitäten Rekord der Leistungen Rekord der Derbtlligun Rekord der Käuferzahl Re�ordchSOvAuswahl Qualiiäten .'�Leistungen RMMAMl�erbUligung äu�erzahl�� * wfefou Rekors VUfori Seford, ekordi Rekord' Rekord Rekord Rekord Rekord Rekord Rekord Rekord Rekord Rekord Rekord Rekord oei Rekord der Rekord der! Rekord der'! 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Nach Ueberweisung in den Standort wird an der Ausbildung des iungen Beamten, der nunmehr Bereitschaftsbeamter in der staatlichen Unterkunft ist, kleißig weiter gearbeitet. Im Dienste dieser Ausbildung steht die Polizeiberufsschule. Sie ist vor zehn Iahren aus kleinen Anfängen entstanden. Es wurden für die älteren Beamten der damaligen Sicherheitspolizei, die größtenteils Kriegsteilnehmer waren, Fortbildungskurse ein- gerichtet. In diesen sollten die Beamten ihre Allgenieinbildung aus- frischen und ergänzen. Nach Beendigung des Kursus wurde eine Abschlußprüfung abgelegt, aus Grund deren die Beaniten nach zwölfjähriger Dienstzeit(einschiießlich Kriegsjahren) zu anderen Be- bürden übertreten konnten. Im Jahre 1920 bestanden 519 solcher Fortbildungskurse, die rund 13 MI Beanite besuchten. Aus der Beamtenschule entwickelte sich die Polizei- berufsschule. Diese muß der junge Bereitschaftsbeamte 3 Jahre pflichtmäßig besuchen. Neben Deutsch, Rechnen und Kurz- s ch r i f t wird vor allen Dingen in Staats- und W i r t s ch a f t s- künde Unterricht erteilt. Der gesaurte Unterricht hat das Ziel der staatsbürgerlichen Erziehung. Wenn ein Beamter den Staat schützen soll, so nniß er ihn auch schätzen lernen. Das kann er aber nur, wenn er ihn auch wirklich kennengelernt hat. Diele Ausgab« hat das neu« Unterrichtsfach„Staats- und Wirtjchaftskunde" in der Polizeiberufsschule. Die Polizei im Volksstaats hat nach Maßgabe der Gesetze den Staat vor Erschütterungen zu bewahren, die fried- liche Arbeit seiner Bürger zu sichern und den einzelnen in der Wahr- nehmung seiner persönlichen Rechte zu unterstützen. Diese der Polizei gestellten Aufgaben erfordern eine Beaamlen- schast, die den republikanischen Staat innerlich bejaht. die Grundlagen der deutschen Wirtschaft und die gesellschaftliche Schichtung zu erkennen oermag und dem einzelnen und der Masse Verständnis und Takt entgegenbringt. Die schulmäßigen Voraussetzungen für die Erfüllung so wichtiger Berufspflichtcn soll die Polizeiberussschule schaffen. Das tut sie durch Vermittlung der be- rufsnotwcndigen Kemünisse und Fertigkeiten und steht somit, wie schon erwähnt, im Dienste der Zlusbildung der Polizei. Als Sonder- aufgab« betrachtet sie ferner, aus dem allgemeinen Kullurgut die Bilduugsstoffe zu behandeln und an ihnen die Fähigkellen und Fertigkeiten zu entwickeln, die berufsnohoendig sind. Die Eigenart des Polizeiberufs erfordert vor allem Beobachtung--, Merk- und Denkfähigkeit und Fertigkeit im mündlichen und' schriftlichen Ge- brauch der Muttersprache. Der Deutsch-nterrickst in � der Polizei- berüfsschule soll in erster Linie diesen Zweckeir. dienstbar gemacht werden. Ilm befähigten und strebsamen Volksschülern den Aufstieg zum Polizeioffizier zu ermöglichen, können nach den drei Pflicht- ichüljahren einzelne Beamte noch freiwillig drei Jahre eine Oberstufe besuchen. Der erfolgreiche Besuch dieser Oberstufe gibt dem ehemaligen Volksschüier dieselben Rechte wie dem Abiturienten tOffiziersanwärter). Die S chu l k l a s s e n sind untergebracht in den staatlichen Unterkünsten und zusammengefaßt zu sechs, den Berliner Polizeigruppen entsprechenden Polizeiberufsschulen, von denen jede unter Leitung eines Polizeischulrats steht. Die organi- satorijche Verwaltung der gesamten Polizeiberufsschule mit über 290 Klassen erfolgt van der Zentrale, dem Polizeipräsidium, wo sich das Polizeiberufsschuldezernat befindet. Zehn Jahre Arbeit an dieser Polizeiberufsschule bedeuten ein wichtiges Stück Werden unserer jungen Polizei im neuen Staat, und die Lehrerschaft an dieser Polizeiberufsschule tut recht daran, wenn sie den heutigen Tag des zehnjährigen Bestehens dieser Schule in bescheidenem Rahmen festlich begeht. Möge stzi) in Zukunft die Polizeiberufsschule auf dem eingeschlagenen Weg weiterentwickeln zum Wohle unserer Polizei und zum Wohle unserer Republik. Carl Lose. Oer„entführte" Baumeister. Naubgeschichte aus der Gegend am Schlesischen Bahnhof. Eigentlich eine ganz banale Raubg«schichte aus der Umgebung des Schlesischen Bahnhofs! Ein angetrunkener Bürgersmann landet nach durchzechter Nacht in einem Keller, hat die Unvorsichtigkell, sein Geld zu zeigen, und wird um seine Brieftasche er- leichtert. Schließlich nichts Aufsehenerregendes in einer Welt- stadt. Da aber der Bürgersmann in diesem Falle der Baumeister Dietrich war, der durch Malaria und übermäßigen Alkoholgenuß nicht mehr ganz bei Tröste ist und weil er hinterher der Oeffentlich- keit ein phantastisches Märchen von seiner„Entjührung im Auto- auszubinden verstand, schien auch der Prozeß der„Räuber", die ihn um seine Brieftasche gebracht haben, eine kleine Sensation zu vcr- sprechen. In Wirklichkeit war das einzig Interessante vielleicht der Aufmarsch der 3 3 Zeugen, in der Hauptsache„Herren" und „Damen" von Talmicleganz der Umgebung des Schlesischen Bahn- Hofs. Im Mittelpunkt des Prozesses vor dem Schöffengericht Berlin- Mille stand der Baumeister Dietrich, seines Zeichens„Privatier". Auf der Anklagebank saß der frühere Inmicrtreu- Mann C h o d o- r o w s k i, bereits einmal wegen Raubes mit fünf Jahren Zuchthaus vorbestraft— der Verein hat ihn nach dem letzten Vorfall ausge- schlössen—, und ein Mann namens Plattes, der ein Register von fünfzehn Vorstrafen aufweisen konnte. Chodorowski war von Dietrich zu einem Glas Bier aufgefordert worden. Als der Bau- meister dann sein Geld nachzählte, stand der Entschluß fest, ihm die preis ZszisIiZtiseKe Hochschule Sonnabend, den S. November Wa Ubr, im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straße 3 Vortrag des Genossen Fritz Naphiali' Berlin Gber „vueitwirtschaitslfriseunifßr&eüsioseniirGDiem" Karten zum Preise von 50 Pf.(einschl. Garderobe) sind an folgenden »(eilen zu haben: Büro des. Bezirli»bildungsau.sscbusses. I,indenstr." 2 HofhnVs, 2 Treppet!..Trbeiterttgend G'roB-Berfin, Llndenstr. 3.-2 Htff— links. 2 Treppen Buchhandlung J. H. W. Dietz Nachf. Lindensfr 2 Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten, Wallstr. 65. Deutsche Holzarbeiter-Verband, Am Köllnischen Park 2 und Rungestr 30. Verband der graphischen Hilfsarbeiter, Ritterstraße Ecke Luisenufer Ziparren- geschäft Horsch. Engelufer 24'25 Verlag des Bildunpsverbandes der. deutschen Buchdrucker, Dreibundslr.5. Zentralverba-d der Angestellten. Hedemannstraße 12. Verlags esellschaft des ADOB, Abteilung Sorti- rnent, Inselstr, 6 a. Frauensekretariat der SPD, Lindenstr 3. 2. Hof links 2 Treppen. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt Lindens'r 3, 2. Hof links, 2 Treppen. Geschäftsstelle des Touristenvereins der Naturfreunde, Johannisstr. 15, und an der Abendkasse. Brieftasche zu stehlen. Zweimal umfaßte Chodorowski seinen Sauf- kümpan und versuchte ihm in die Tasche zu gelangen. Zweimal wehrte ihn Dietrich ab. Als dann der Baumeister bereits in einem benachbarten Lokal war, Holle ihn Chodorowski gemeinsam mit einem anderen Komplicen unter dem Vor wand, er habe noch für sechs Gläser zu zahlen, zurück. Man arrangierte an der Theke ein Ge- dränge, wendete auch ein wenig Gewalt an und nahm die ersehnte Briestasche. Chodorowski suchte sofort nach der Tat das Weite, lief die Treppe eines benachbarten Hauses hinauf, kletterte über Dächer hinweg und wurde hier nach einer ausregenden Jagd von der Schupo gestellt und gefesselt aufs Polizeirevier gebracht. Unterwegs leistete er Widerstand. Dietrich verbreitete aber nach seiner ersten Vernehmung das Märchen von seiner Entführung im Auto. Chodorowski hatte bei seiner polizeilichen Vernehmung den Hergang wahrheitsgetreu geschildert. Gestern wollte er mit der ganzen Sache nichts zu tun haben. Seine Versuche, in Dietrichs Tasche zu gelangen, seien nichts anderes als Scherze gewesen. Er sei mit der Briestasche davongelausen, weil man sie ihm eben über- geben habe; als Vorbestrafter sei er in Angst gewesen, man würde ihn nun wegen Diebstahls anzeigen. Auch Plattes wollte von nichts wissen; um so schwerer belastete er Chodorowski. In zwei feindliche Lager teilten sich auch die Zeugen. So ging es stundenlang hin und her. Da die einen Chodorowski, die anderen Plattes belasteten, so dürsten es wohl beide gewesen sein. Der Staatsanwalt beantragt« gegen Chodorowsky fünf Jahre drei Monat« Zuchthaus und gegen Platte ein Jahr sechs Monate Zuchthaus. Die Tagung des Arbeiierradiobundes. Anker dem Dorsih des Genosien Staakssekrelär Curt Vaake wurde gestern die Konserenz des Arbeiter-Radiobundes erössnet. Für den Deukschen Rundfunk waren Staatssekretär Dr. Bredow, für die Sozialdemokratische Partei Genosse E r i s p i e n. als Der- Ireter des Kultusministers Ministerialrat h a s l i n d e. von der Deutsche Welle Dr. R o e s e l e r. vom Deutschen Freidenker-Verband Genosse S i e v e r s, sowie die Führer anderer Arbeiterorganisationen erschienen. Sämtliche Redner unterstrichen die Ausführungen des Genossen Baak«, der auf die Tätigkeit des Arbeiter-Radiobundes für die sozialistische Arbeiterschaft und für den Deutschen Rundfunk hinwiesen. Diese Ansprachen wurden durch den Geschäftsbericht des Genossen Segall besonders deutlich zum Ausdruck gebracht. Genosse W e i m a n n nahm während seines instruktiven Referates zum Rundfunkprogramm Stellung, dos noch im einzelnen wieder- gegeben werden muß, weil fast oll« Diskussionsredner zu den Aus- führungen Weltmanns Stellung nahmen. In die Debatte wurden gleichfalls technische Angelegenheiten gezogen, über die der technische Reichsleiter der Organisation Genosse Voigt berichtete. Am Schluß des ersten Berichtstages wurden die in der nächsten Nummer des„Arbeiterfunk" wiedergegebenen Referate des Bor- sitzenden des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes Leipart, des Bezirksleiters Königstadt und Gauleiters Medlin-Bre-lau und des Bundesvorsitzenden Baake von fast allen deutschen Sendern über- tragen. Die durch stürmischen Beifall unterbrochenen Reden behau- deltej� die Stellung der Arbeiterschaft zuni Rundfunk. Sie richtete sich gegen einseitige Polllisierimg der RuNdfmikdarbietUligen. Die Arbeikerschast müsse' selbst beteiligt, ihre Weltanschauung müsse im Rundfunkprogramm bedeutend starker berücksichtigt werden. Vedeut- sam war die Feststellung des Genossen Baak«, der zuni AusÄftick bracht«, daß mll allen Mitteln gegen ein« Erhöhung der Rundfunk- gebühren zu kämpfen fei. Die Tagung wird heute im Gewerkschastshaus fortgesetzt. vrandmeistkr Genosse wallner. NO 18, Schönlnuter Str. l5, beging gestern sein göjübriges SicnitjubiUmm. Die Praxis des verstorbenen Herrn S.-R. Dr. Schönfcld führe ich fort. Dr. med Edgar Sin'siver SO 36, Lacslizer Platz 3 Kassensprechstd v. 8—10 u 4»'?— 6V2 Nachtruf Oherbaum F 8,*8647 Verzogen Dr.vned.Hankow Arzt für Homöopaihie und Biochemie Bestrahlungsinstitut nach Potsdamer StraBe 82 d (Ecke Goeben- u. PallasstraSc) Sprechstunden; Vjll— 12, 5— 7 (außer Donnerstag nachm.) zu allen Kassen zugelassen. Am 3. November eroffnen wir unsere diesjährige SONDERAUSSTELLUNG WIE WOHNE ICH 1931 Diese Veranstaltung zeigt unter Mitwirkung erster Einrichtungskünstler neuartige Möbel in vorbildlichen W ohn- räumen, die in Zusammenstellung, Form, Farbe und Preis Außergewöhnliches bieten und bahnbrechend sind G L E I S E R Möbelwerkstätten und Einnchtungshaus Akt. Ges. ALEXANDERPLATZ D5e Axustcllnng ist vom 3.— 15. 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Ferner liefen: Houblon, Sperrmal(gcf.), Kermak Ige'.), Caefarlon, Boniburg. 4. Renne u. 1. Wtnlermärchen(Haufer), 2. Strona, L. San Domenico. Toto: 27:10. Platz: 14,18:10. Ferner liefen: Francesco, Nordfncsland. 5. R e n n e n. 1. Feune Chef(de la Foresti, 2. Prövoyant. 3. Bandola. Toto: 30: 10. Platz: IL, 15,>3: 10. Ferner liefen: Mertur II, Stattliche, Vimont, Röstling, Pimoulouch(gef.). «.Rennen 1. Helman(Ä. Schmidt), 2. Tongola. 3. Mola Toto: 71:10. Platz: 22, 18, LS: 10. Feiner liefen: Koerncr, Mijzgriff, Hella, litlipul, Fraucugunst, Jfabcll. Marburg. 7. R e n n e n. 1. Sternkunde tFranzke), 2. Battle Cruifcr, 3. Hol' Gulden. Toto: 02:10. Platz: 18, 17, 15:10. Ferner liefen: Die Saar, Manoi.r, Holdrio, Kern, Laokoon, Palms. 8. Renne n. 1. Oeeanus iGrabfchi, 2. Parzenländcr, 3. Romos, 4. Fandem. Toto: 99: 10. Platz: 27, 17, 30, 18: 10. Feiner liefen: Pylades, Fugger. Willkomm, Attache, Boro Budur, Blankenstein, Clichn, Rentmeifter, Ischl, Fürflenkind, Hochwald. �__ Wettecaussichien für Berlin und Umgegend. Bewölkt bis trübe, Leitweife Regen, ziemlich mild.—.'für Deutschland. Größtenteils ziemlich trübes, mildes Wetter mit verbreiteten Regenfällen, nur im Nordosten anfangs noch kühl. Briefkasten ver Redaktion. W. 100. Nein.— A. W. I. Privalschuke Kondor, S33 68, Lindenftr. 115. 2. Z Monate. 3. 156—300 Mk. Wie entsteht deutsche Qualitäts-Kunstseide? Zu den Höchstleistungen der deutschen Kunstseiden-Jndustrie zählen die A g f a- T r a v i s- G« w e b e. Je seiner die Einzelfäden einer Kunstseide nämlich sind, wie es bei diesem Erzeugnis der Fall ist, um so weicher, schmiegsamer und seidiger sind die daraus her- gestellten gewirkten und gewebten Stoffe. Um«in Gesamtbild der heute bereits führenden Beherrschung der Made durch dieses Ouali- tätsprodukt zu geben, wird von verarbeitenden Firmen und ersten Modehäusern Deutschlands im D e u k o n- H a u s, Markgrasen- straße 48,«ine Agfa-Travis-Ausstellung veranstaltet, die das Schönste und Eleganteste zeigt, von der eine Frau begeistert wird. Es gibt keine Seidenart, die von diesen Kunststassen nicht vollständig ersetzt wird: die Farben scheinen auf diesen feinen Geweben, bei denen eine Einzclfaser bei einer Länge von VÜOO Metern nur ein einziges Gramm wiegt, sogar viel besser und leuchtender herauszu- kommen. Wenn man dieses Wunder der Technik, das den Prozeß des Seidespinnens dem echten Seidcnwurm restlos abgelauscht hat, einmal gründlich überdenkt, so spürt man auch das Bedürfnis, den eigentlichen Herstellungsvorgang der Agfa-Travis-Seide kennenLU- lernen. Auch hier ist das Grundprodukt Zellulostz, die nach einem komplizierten chemischen Verfahre» aus rohem Fichtenholz gewonnen ist. Durch Behandlung mit Schwefelkohlenstoff entsteht das Panthogenat, das in Natronlauge und Wasser zu einer Honig- artigen Flüssigkeit, Viskose genannt, wieder ausgelöst wird. Die Viskos« wird durch Düsen gepreßt, die winzfa feine Löcher ausweisen. Die Herstellung der Düsen und Feinheit der Durchlöche- rungen, die säst unsichtbar sind, ist nur mittels bestimmter Metall- legierungen möglich: bier haben dl« HächsUeistungeii der Technik erst dem chemischen Erfinder die Möglichkeiten gcschasfen, das Kunst- Produkt der Naturseide anzugleichen Die Viskose durch diese Düsen o�p'reßt, erstarrt sofort in einem Spinnbäd zu Fäden von unend- lichcr Feinheit. Diese Einzelfäden werden wie bei der Naturseide zu einem Hauptfnden gesponnen und aufgespult. Das Endprodukt läßt sich nunmehr wie richtige Rohseide behandeln, es wird zu Seidensträngen aufgehaspelt, die entschwefelt, gebleicht und gewaschen werden. Immer schöner wird bei dieser Prozedur der Glanz, von echter Seide nicht mehr zu unterscheiden. Je nach Verarbcitungs- nrt der betreffenden Industrien wird sie ieun zu den verschiedensten Stoffen verwebt, auch mit Wolle und anderem Webinaterial gc- meinsam verwandt, wie wir sie in vielen Variationen kennen, vom eleganten Wäschestoff begonnen, bis zu dem indantbrenfarbia?» Vorhang, Strümpfen, farbigen und bedruckten Seideukleidsrstoffen usw. Tausende von deutschen Arbeitern schaffen an dieser Heimat- lichon Urproduktion, die wiederum bis zum sertigcn Fabrikat Hunderttausendcn in Deutschland Arbeit gibt. Wäsche bei Grünfeld. Die Firma Grünseld, Leipziger Straße, zeigt im Rahmen einer Tischdekorationsausstellung ein reichhaltiges Sortiment gediegener preiswerter Tischwäsche eigener Erzeugung. Wenn man bei Tischwäsche von einer Mode sprechen kann, so ist unbedingt jene einfache Waschdecke in lustigen, indanthren gefärbten Musterungen die Königin der Saison: denn ihr ist bei aller Billigkeit und gutem Aussehen auch noch«in langes Leben beschieden. Faktoren, die heute bei der Hausfrau eine große Rolle spielen. Daneben sieht nian kunstieidene Decken in uni oder gemustert, schönes, Hand- gewebtes Tischzeug, dann wieder einfache Leinendscksn mit bunter Kreuzstichstickerei— sie Wirten, aller Mode zum Trotz, eigentlich immer schön—, Decken mit Klöppelspitze, mit Ajour und vieles Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag, 2. November: 7; Funkgyninastik. Anschließend: Frühkonzert, 8: Für den Landwirt. 8.50: Stnndentrlockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche. 9: Aus der Stadtkirche Wittenberg' Orgelkonzert 9.30: Aus der Stadtkirchc Wittenberg: Peformations- Gottesdienst. II; Aus Stettin: 6. Steltiner Kunstturnen. II. 30: Jugendstunde, 12: Unterhaltungsmusik. 14: Elternstunde. 14.30: Walzer. Anschließend: Zeitgenössische Lieder. 15.15: Programm der Aktuellen Abteilung, 16.10: Unterhaltungsmusik. 18: Aus Luthers Schriften. 19; Ruckblick auf Platten. 19.35: Sportnachrichten. 19.45: Uraufführung:..Wetterkantate", Hörspiel von Jahn. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10; Alessandro Valente singt. 22.15: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik. Montag, 3. November: 7: Funkrymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Aus der Heimat des Kaffees. 15.40: Unbewußtes dichterisches Schaffen. 16.05: Kunst- und Kulturgeschichte auf Briefmarken. 16.30: Ungarische Musik. 17.30: Jugendstunde. 17.59: Kranke Nerven. 18.15; Erlaubte und unerlaubte Kritik am Zeittheater. 18.45: Ungeschriebene Dramatik. 19.10: Bunte Stunde. 20; Wovon man spricht, 20.30: Aus Budapest: Konzert. 22.15: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danacn Tanzmusik. Dienstag, 4. November; 7; Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30; Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Allgemeine Berufslage der weiblichen Jugendlichen. 15.40: Das Hiob-Problem. 16.05: Handwerksmeister und Techniker in der Tierwelt. 16.30: Aus Königsberg: Balletlmusik. 17.30: Jugendstunde. 17.50: Bücherstunde. 18.20: Deutsche Landerzichungsheime. 18.40: W. A. Mozart-Konzert. 19: Schöpferische Persönlichkeit. 19.30: Querschnitt: „Die Lombarden". lyrisches Drama von Verdi. 21; Tages- und Sportnachrichten. 21.10; Stunde der Unbekannten. 22.25: Politische Zeitungsschau. Mittwoch, 5. November: 7: Funkeymnaslit Anschließend Frühkoneert. 9: Von der Deutschen Welle: 13.30: Wetlenneldunsen lür den Landwirt. 14: Schallplatteukoiuert. 15.30: Aus der Praxis der Uheberalung. 15.40; Musikalische Jugendstunde. 16.05: Orient in Europa. 16.30: Aus Leipzig; Opern-Duette. 17.30: Cieläuterte Strafrechtspflege. 17.55: Friedrich Wollt erzählt sein Leben. 18.20: Lieder. 18.40: Verkürzung der Arbeitszeit? 19.30: Wanderung durch das musikalische Wien. 20.30: Programm der Aktuellen Abteilung. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10: Alle Kammermusik. 22.15: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik. Als Einlage; Aus dem Sportpalast; Vom Jubiläumsfest der Sportpresse. Donnerstag, 6. November: 7: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30; Die Viertelstunde für den Landwirt 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Hans-Hermann von Kalte zum 200. Todestage. 13.40: Lieber die Aussprache von Fremdwörtern. 16.05t Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30: Violine und Klavier(Konzert). 17: Oosterreichische und Schweizer Volkslieder. 17.30: Jugendstunde. 17.50: „Requiem und Hymnen" von Hellmut Draws Tychsen. 18.10: Rechtsfragen des Di« Rede Theodor L e i p a r t s auf der Tagung des Arbeiter-Radiobundes wird fast out olle deutschen Sender übertragen. Leipart, aus dessen Ausführungen hier noch an anderer Stelle näher eingegangen werden wird, stellt die Forderungen der proletarischen Hörer in bezug auf Programmgestaltung und Durch- bildung aus. Gut, daß dies« Forderungen durch den Rundfunk einem großen Publikum bekanntgegeben werden, denn sie bedeuten in ihrer durchaus im Rahmen des Möglichen blecbenden Formulierung eine Notwendigkeil, die von den Leitungen der deutscheu Sender unbe- dingt berücksichtigt werden muß. Hans Tafiemka sagt in der Bcr- austaltung„ltt Minuten Film" Prinzipielles, hauptsächlich über den allgemeinen Wirrwarr, der heute aus dem Gebiet der Filinpraduktion herrscht. Manchmal allerdings würde man ein näheres Eingehen auf die Entwicklungsmöglichkeiien wünschen, ein Hinweisen aus neue Bahnen. In der Reihe„Die deutsche Landschaft in der Dichtung" behandelt Gerhard Pohl Schlesien. Es ist weniger die Schr.derung der Landschaft oder der geistigen Charakteristik dieser Provinz, die sich in den Dichtungen spielte, als eine Skizze van den dichterischen Persönlichkeiten Schlesiens, und hier gibt Pohl gut gezeichnete Porträts, die das Wesentliche herausarbeiien.'Abcnäte ein Opern- ra g ou t aus den drei Berliner Opernhäusern. Sehr schön kommt der erste Carinen-Akt zur Wirkung. üh ScIi. Tages. 18.35: Aus dem Sportpalast: Interview der Woche. 19: Drei Minutca vom Arbeitsmarkt. 19.05: Zeitgenossen urteilen. 20: Tanzabend. 22: Sonate für Klavier. 22.15: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend Abendunterhaltung. Freitag, 7. November: 7: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20:„Gesprochene Landschaft.*4 15.40: Wintcrkampf gegen Gartenschädlinge. 16.05: Unterhaltungsmusik. 17: Jugendstunde. 17.20; Programm der Aktuellen Abteilung. 17.40: Kohle und Wasserstoff. 18.05: Das neue Buch. 18.15: Programm der nächsten Woche, 18.30: Drei Minuten vom Arbeitsmarkt. 18.35: Ausgewählte Unterhaltungsmusik. 19.45: Fritz Reuter zu seinem 120. Geburtstag. 20.10: Sinfonickonzert. 22.15: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik. Als Einlage: Vom Sechstagerennen im Berliner Sportpalast. Sonnabend, 8. November: 7: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 11.30; Aus dem Plenarsaal des Reichstages: Ausschnitt aus der Zehniahresfeicr der Deutschen Hochschule lür Politik. 12.30; Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Jugendstunde. 15.40: Medizinisch-hygienische Plauderei. 16.05: Möglichkeiten und Grenzen des Trockenskilaufs. 16.30: Unterhaltungsmusik. 17.35: Schallplatten. 17.45: Die Preisspanne der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. 18.20: Klaviervorträge. 18.50: Drei Minuten vom Arbeitsmarkt. 18.55: Die Erzählung der Woche. 19.20: Zehn Minuten Film. 19.30; Aus Königsberg: Konzert 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10;„Seifenblasen", Hörspiel von Ossip Dymow. 22.30: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik. Königswusterhausen Somifas, 2. November: Ab 7: Uebcrtragung aus Berlin. 18: Alter und Arbeit. 18.30: Im ostafrikanischen Bnsch. 19: Die Bedeutung des Provinztheaters. 19.30: Dicbterstunde. II; Dcutscfalandsender: Aus Magdeburg: Festkonzert aus Anlaß des 75jährigen Bestehens des Magdeburger•Männerchors. 20.10: Ans Düsseldorf.„Requiem". Sinfonische Totenmesse von Windspergcr. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. Montag, Z. November: 16; Was uns Famiiieunamen erzählen. 16.30; Aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17,30: E. T. A. Hoffmanns„Prinzessin Brambilla" und J. Callets „Capricio". 18: Viertelstunde für die Gesundheit. 18.30: Die deutsche Reiclis- verfassung. 19: Englisch für Anfänger. 19.30; Stunde des Landwirts, 20; Deutschlaudsender: Uebcrtragung aus Berlin. 30.30: Aus Düsseldorf: Konzert. 21.35: Schallplattenkonzert. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. Dienstag, 4. November: 16: Der staatsbürgerliche Unterricht fn der Berufsschule. 16.30; Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30: Der Weltkrieg in der amerikanischen Literatur. 18: Die Kunst des Hörens. 18.30: Philosophie der Gegenwart. 19: Französisch für Anfänger. 19.30: Die Kapitalbildung der Massen. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20; Deutschlandsendcr: Aus Leipzig; Militärkonzert. 21: Aus München: Konzert. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. Mittwoch, 5. November: 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30: Selten gespielte Trios. 18: Warum besuche ich die Volkshochschule? 18.30; Das physikalische Weltbild der Gegenwart. 19; Deutsch für Deutsche. 19.30: Stunde des Beamten. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Nöte der Zeit. 20.30; Deutschlandsendcr: Aus Breslau; Unterhaltungsmusik. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. Donnerstag, 6. November: 16: Bericht über eine pädagogische Studienfahrt ins Ausland. 16.30: Aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17.30: Hausmusik. 17.50: Studentenleben in Straßburg in deutscher Zeit. 18.10; Ucbertragung aus Berlin. 18.35: Hochschulfunk. 19: Lesestunde. 19.30; Stunde des Landwirts. 20: Deutschlaudsender; Aus der Staatsoper Unter den Linden:„Fidelio", Oper von Beethoven. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. Freitag, 7. November: 16: Pädagogischer Funk. 16.30; Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30: Zickzackwegc in der menschlichen Entwicklung. 18: Das neue Brotgesetz, 18.30; Vulkanismus und Erdbeben. 19: Englisch für Fortgeschrittene. 19.30: Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. Sonnabend, 8. November: 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30: > Der Mensch in der Oelfentliclikeit. 18: Französisch für Fortgeschrittene. 18.25: Hochschulfunk. 19: Stunde des Arbeiters. 19.30: Stille Stunde. 19.55; Wetterbericht für die� Landwirtschaft. 20: Deutschlandscnder: Aus Leipzig:„Tausend uud eine Nacht", phantastische Operette von Johann Strauß. Anschließend Uebcrtragung aus Berlin. andere. Das in den Farben harmonierende Geschirr aus Steingut gibt dem ganzen Tisch, auch bei einsachster Materialverwendung, ein geschmackvolles, gefälliges Aussehen. Reben dein regulären Wäscheoerkauf bietet die Firma auch fehlerhafte Tisch- und Haus- wüsche zu besonders billigen Preisen an. Am Palmensaal de» Kau» Vaterland ist die Premiere der neuen Revue .An-tdig« ffrou, was machen Sie heute?" auf Mrnstag, den 4. November, abend« 11 Uhr, angesetzt. Der Teet ist von Charles Amber«, die Musik von 5Iarl M. Man. Tänze: Bruno Arno. Hauptdarsteller: Kuqo sZischer.Kbvpe, aerta Cosani, töeotfl Tucher und Ruth«uthan. Orchester: Eid llan's gellow». usstattung: Hermann«rrhan. Kostüme: Leopold Verch. Die Jns,enieri>ng besorgt Hermann Feiner. Den wirtschaftlichen verhältniffe», welche viele Raucher zum Iltbergang zu niedrigeren Preislagen zwingen, Rechnung tragend, hat das bekannte Li- garrenhaus Otto Bvenicke, Berlin, Franzitsische Etr. 21, neben seinen an- erkannt preiswerten Epezialmarten unter dem Namen Weltpreis ein neue» Sortiment in Konsum-Preisiagen herausaegeben. Infolge eines auliergewöhn- lich günstigen Rohtabakeinianfes konnten die Sorten zu 1b und 20 Pf. mit einem qualitativ hervorragenden Eumatrasandblatt versehen werden. Dadurch wird eine hervorragende, feinaromatische Qualität erzielt, die beträchtlich über den betreffenden Preislagen liegt. Dies« zieufchöpfung, welch« sowohl in Kisten zu S0 als auch in Taschenpackungen zu 5 Eiück erhältlich ist, stell! daher eine einzigartig« Leistung dar. 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Niemand sollte es versäumen, einen Blick in diesen Wäscheverkaus zu tun und gleichzeitig die sehenswerte Ausstellung:„Die Kultur des gedeckten Tisches" in der Leipziger Straße zu besuchen. Wie wohn« ich ISZI. Das zeigt eine Sonderausstellung, die vom 2. No> vemder bis IS. November in dem bekannten Einrichtungshaus Albert Eiciser, Berlin, Alexanderplatz, stattfindet. Das diese Beranstalinng an neuartigen und schönen Zimincreinrichtungen zeigt, ist sowohl in Form, als auch in bcr Preisgestaltung einzigartig und bahnbreche.id. Die Besichtigung der Aus» stellung ist völlig kostenlos und unverbindlich. Daher sollte niemand vcr- säumen, diese Peeanstaltung zu besuchen, um sich Uder neueste Formen und Preise zu orientieren. Noch nie waren so schöne Schuhe so billig Modell CLEMENS: für den Abend in Lack und für die Straße in dunkelbraun Boxcalf und schwarz Chevreau. HÖCHSTE QUALITÄT 188 E,NHEi EINHEITSPREIS So außergewöhnlich gute Schuhe zu Einheitspreisen mußten sich ja durchsetzen. 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Dies« Ilebcrsejzung ist ein Auszug aus dem Roman des be- kannten amerikanischen Negcrdichtcrs Langston Hughes„Nicht ohne Gelächter", der vor kurzem im Berlage Knopfs New Vork, erschien. Langston Hughes ist der Verfasser von Zwei Gedichtbändcn, iwn denen Auszüge in deutscher Uebert ragung in der Sammlung „Afrika singt", Verlag Speidel, Wien, erschienen sind. Die alte Negerin nahm einen tiefen Zug aus ihrer Mais- kolbenpfeife und ein heller Feuerkreis glühte knisternd aus dem Pfcifenkopf. Milde des Spiels kamen die Kinder auf die Veranda. Die festen Linien des tages verwischt« die Nacht, und die Raucherin begann zu erzählen. Ihre Umgebung hatte ihre Geschichten mehr als ein Dutzend- mal gehört. „Ich will euch von Crowville erzählen... ihr kennt die Ge- schichte von..." „Nein, ich kenne sie noch nicht!" versicherte der Junge, der sich wie all« Kinder nie an derselben Geschichte satt hören konnte. „Nein, von Crowcille hast du uns noch nicht olles erzählt!" log di« ältere Harnet. „Also schön...* Mit tausend Einzelheiten erzählte sie ans ihrer Kindheit, wie sie als freigelassene Sklavin nach dem Bärgerkrieg bei einem Farmer in Dienst ging. Als sie mehrere Jahre immer noch bei denselben Farmer arbeitete, heiratete sie Tom Johnson, einen braven Landarbeiter. Jahr für Jahr kam ein Kind, und zu den eigenen fünf Babys behütete sie die drei Kleinen ihrer weihen Herrin. Sie nährte die kleinen Weißen mit ihrer schwarzen Brust. Manche Nacht überließ sie die eigenen Kleinen sich selbst und eilte hinüber, ihre weißen Sorgenkinder.zu pflegen, wenn sie krank lagen. Die weißen Kinder riefen sie„Mann!".— Als die Iungens Männer wurden uird sich verheirateten, ging sie immer noch zu ihnen und arbeitete für ihre Familien. „Damals lebten wir Nigger in einer Stadt, die die Weißen Crowville nannten. Wir hatten unsere Häuschen und Besitzungen, Baumwollfelder und Pflanzungen. Das war vor den Unruhen. Uns ging es zu gut! sagten die Weißen. Wir störten uns nicht an ihren Reden, bauten unsere Häuser, umzäunten unsere Gärten, strichen Fenster und Türen an und Crowville sah freundlicher aus als die haßerfüllten Gesichter der Weißen. Sie höhnten und spotteten:„Spitzbuben von Nigger! Leben in angestrichenen Häusern und kleiden sich, als ob sie wer weiß wer wären!" Wir hielten uns überall zurück, schafften mehr und mehr und kamen vorwärts. Jähr für Jahr wurde die Baumwollernte besser, und wir konnten uns Maschinen und Betten kaufen. Ja, einer von den unserigen brachte es sogar soweit, daß er einen Handel mit Auto- mobilen anfangen konnte. Das war John Lowdins. Dafür rempelte ihn eines Nachts ein Weißer an und machte ihm Vorhaltungen, wie er als Nigger dazu komme, einfach ein Autogeschäft aufzu- nrachen. Als John Lowdins nur zu erwidern wagte:„Lassen Sie mich bitte zufrieden!" schlug ihn der Weiß« mit der Faust ans den Mund. Was sollte John machen? Er war nur ein Neger, aber der andere war ein Weißerl Sechs-, siebenmal schlug der Weiße den Neger links und rechts in das Gesicht, daß ihm das Blut aus Nase und Mund kam. In seiner Verzweiflung riß John den Revolver aus der Tasche, und als der Weiße ihn niederstieß, um ihn zu erwürgen, feuerte er zweimal in die Luft und eine dritte Kugel streifte ungefährlich die Schulter des Rohlings. Als Lowdins sah, daß der Weiße blutete, sprang er Hals über Kopf in fein Auto und jagte davon. Cr erreichte noch in der lltocht den Fluß- dampfer nach Vicksburg, der ihn stroinabwärts in Sicherheit brachte. Und dann... mit Sturmlichtern und Gewehrschüssen, mit einem wahnsiimigcn Gebrüll alarmierten die Weißen die schlafende Stadt, rissen uns aus unseren Betten, nachdem sie Türen und Fenster eingeschlagen hatten und suchten John Lowdins. Sie fanden ihn nicht, und ihre furchtbare Roche wälzte sich über uns. „Wir werden den Niggern in Crowville einen Denkzettel, an den sie ewig deicken werden, geben! Wir werden ihnen die Häuser anstreichen, daß die rote Farbe zum Himmel flammt!" Mit ihren Hunden kamen sie brüllend herein in jedes Haus:„In die Hölle mit euch! Heraus aus den Betten! Heraus aus den Häusern! Auf die Straße mit euch!" Sie trieben uns in die Felder bei stockfinsterer Nacht! Aber sie wagten nicht, unser Leben anzutasten. Frauen irnd Männer rissen ihre Kinder an sich und rannten halbnackt den schnellsten Weg in die rettende Dunkelheit. Sie zerrissen sich die nackten Füße in den Drahtzäunen, brachen Arme und Füße in Gräben urch Löchern. Die alte Phecney, die seit sechs Iahren gelähmt im Bett lag und sich nicht rühren konnte, mußte von ihren Kindern hinausgcschleppt werden. Entsetzliche Schreie gellten von allen Enden aus den nächtlichen Feldern. Unser Nachbor Brian sprang aus dem Bett, griff nach dem ersten besten Kleidungsstück und kam in der Schürze seiner Frau angerannt. Unsere Männer fluchten und wollten mit Gewalt zurück in die Häuser. Jammernd und schreiend lagen die Frauen vor ihnen auf den Knien, und die Kinder� wimmerten ihre Bäter an. Wehrlos mußten wir zusehen, wie fünfhundert Weiße aus Stroh- bündeln und Holzscheiten Fackeln machten, sie anzündeten und damit grölend durch die Straßen rannten, um«in Haus nach dem anderen in Brand zu stechen. Die Stallungen und Scheunen zuerst und dann die Wohnhäuser. Aus einem Stall flog ein Schwärm brennender Hühner. Korn mieten explodierten wie Feuerwerkskörper. Der Qualm unserer Habe stach uns auf den Feldern in die Augen. Wir sahen, wie die Flammen aus Türen und Fenstern hinauf in das Dachwerk sprangen, wie die Treppen und Stiegen zusammenstürzten. Wir hörten das Gebrüll und Gestampf unserer angeketteten Tiere in den Ställen. Eine Kuh kam mit einem brennenden Bündel Stroh auf dem Rücken aus den Flammen gerannt und brach auf der Straße mit gräßlichem Gebrüll zu- sammen. Di« Feuersbrunst lodert« über die Wälder weithin über das ganze Land. Am Tage darauf, als sich der Rauch über die Trünmier wälzte, lagen wir nackt in den reifen Baumwollfelden, und Crowville war nicht mehr. Nichts, nicht eine Schwelle, keine Hundehütte war übrig geblieben. Glühende Asche, das war das Werk der Weißen und ist ihre Gesinnung zu uns bis auf diesen Tag!" Dann kamen j ße z» mrs Aä PMcheu und«enolvern?„SSMr haben groß« Luft, j als Extrazugabc einen jeden von euch durchzuprügeln! So wohl- habend wäret ihr schon lange nicht mehr! Haha!... Nun bemalt eure Häuser noch einmal, wenn ihr Lust dazu habt! Haha!... Wir werden euch beibringen, uns einfach init euren Autos herzu- kommen!..." Das war der letzte Tag in Crowville. Es war herzzerreißend zu sehen, wie sich einer nach dem anderen aufmachte, nur ein Hemd am Leibe, barfuß... Als Mutter Bailey sich auf den Weg machte, sagte sie: Hier hat mich Gott achtzig Jahre arbeiten lassen, nun muß er mich noch einmal achtzig Jahre in St. Louis weiter arbeiten lassen! Sie ging, ohne jedes Gepäck, barfuß, mit leeren Händen, und im Nachthemd... Tom und ich nahmen die Kinder und wanderten nach Kairo. Tom fand l'ald Arbeit in einer Kolonne Gleisarbeiter, und so kamen wir hierher. Gllll)endc Asche war ihr Werk! Glühende Asche blieb ihr Werk gegen uns in diesen, freien Amerika bis auf den heutigen Tag! Die alte Negerin klopfte ihre Pfeife gegen das Gebälk und schüttete die kalte Asche hinaus auf den Hof. Alle saßen still... * „Ihr kennt doch den alten Wright?" unterbrach die zwanzig- fährige Harriet das Schweigen.„Er l>at über Nacht seine Mühle mit farbigen Mädchen so geölt, daß er jetzt ein großes Hotel, einen Wolkenkratzer, hochschmettern kann. Um die Baugenehmigung zu erhalten, machte er in Wohltätigkeit. Er vcnnachte dem Waisei»- hause für die Farbigen als sromikie Stiftung 2000 Dollar. Damit ändert der Spender nichts an der entsetzlichen Kinderarbeit, die zur Tradition eines farbigen Waisenhauses gehört. Habe ich nicht selbst als vierjähriges Kind dort dreizehn Stunden in sengender Sonne bei der Tomatenenrte arbeiten müssen?" Das Mädchen schauderte voll Abscheu vor der Erinnerung an ihre Kindheit. Sie war einmal als fünfjähriges Kind durch eine offene Tür in den benachbarten Garten geschlichen, als ein Hausen weißer Kinder über sie herfiel. Die Kinder griffen in ihre kurzen Locken und rissen sie an den Haaren im Kreise herum und schrien und tanzten:„Blockte! Blackie!"„Schwarze! Schwarze!" Als sie vor Schmerzen aufschrie und fliehen wollte, warfen die Kinder sie nieder und traten die hililos Daliegende mit Füßen. Das war die Erziehung der Weißen in Schul« und Haus, in Hof und Garten. Bon der Zeit an würgte es dem Kinde in der Kehle, wenn es vor einem Weißen stand. Die Ohnmacht nährte eine beständige Furcht, die sich zu unerbittlichem 5)aß steigern mußte. Die olle Negerin hatte das Kind adoptiert und schickte es mit den Ersparnissen ihres bitteren Lebens auf die höhere Schule. Harriet war die begabteste Schülerin in der Klasse, so daß viele der weißen Mädchen Harnets Freundschaft suchten. Aber das Kind wußte sehr gut, daß das„Auf Wiedersehen!", das die Freundinnen beim Schluß des Unterrichtes sagten, nichts anderes bedeutete als:„Wir dürfen uns auf der Straße mit keiner Farbigen sehen lassen!" Das freundschaftliche Geplauder der ersten Schuljahre wurde von Jahr zu Jahr mehr in das Gegenteil gekehrt. Als die Mitschülerinnen spürten, daß sie von den Augen der Jungens auf den Tennisplätzen und ans den Fenstern der Klubhäuser und Billardsälc aufmerksamer verfolgt wurden, war alle Freundschaft aus. Es war unsauber, mit Harriet überhaupt zu sprechen. Den letzten und schmerzlichsten Hieb versetzt« ihr einer der letzten Schultage. Es war bei einer Schiileroorftcllung im Palast- Theater in der Main-Street. Für die höheren Schulen wurde ein Lehrfilm aus der Welt der Ticffec gezeigt. Sie saß bei der Sondervorstellung mit ihren Klassenschlllerinnen zusammen und be- staunte die Wunder der Tiefsec, als plötzlich eine Platzanweiserin heftig ihre Schulter berührte: „Die hintersten drei Reihen sind für die Farbigen!" „Ich... aber ich bin doch mit meiner Klasse! lins ist diese Reihe hier angewiesen..." stammelte Harriet. „Die Hausordnung bestimmt es! Bitte keine Widerrede! Sie haben sich zu fügen!" Harriet stand auf und stolperte im Dunkeln über die Stufen j dem grellen Tageslicht entgegen. Sie zitterte an allen Gliedern. Ihr Klassenlehrer saß dabei, ohne mit einer Silbe zu protestieren, ahne für seine beste Schülerin ein Wort aufzubringen. Keinc ihrer Mitschülerinnen verteidigte sie. „Glühende Asche ist ihr Werk! Glicheicke Asche ist unser Weg!" Sie preßte ihre Hönde vor ihr« Augen, als wäre ihr Leben finsterer als di« Nacht, di« mit hellen Sternen über die Veranda zog. (Berechtigte Ueberfchung von?. B. Hiesgrit.) Täter THarx an Seinem Sohn Unter dem Titel„Geliebter Sofin" bringt der Ernst-Rowohlt-Ver. lag Berlin eine von Paul E l b o g e n besorgte Sammlung Briefe von Eltern an ibrc berühmten Kinder heraus. Sänfig sind es einfache, unbekannte, einfältige Menschen, die Ratschläge»u geben versuchen— aber sie wachsen tu biblischer Grone. Wir erleben den EinNnsi der Eltern auf bog Werben des bedeutenden Sohnes, der Tochter, ihre gelungenen oder fehlgeschlagenen Versuch«, sie zu wandeln, ihnen den Weg zu ebnen, ihnen geistig und materiell zur Seite zu stehen. Von Pipin Uber Friedrich 17.. Goethe, Schiller, Mozart. Schopenhauer bis zu Liliencron, Wcdetinb. Kainz, Behmol, Rathenau hären wir den Strom des Blutes rauschen. Als Probe geben wir einen Brief von Karl Marx« Vater an seinen Sohn wieder. Bad Ems, den 12. August 1837. Lieber Karl! Mein Schreiben, in einer großen Aufregung entstanden, mag Dich etwas hart getroffen haben, und ich bedoure es herzlich, wenn dies in der Tat der Fall war. Nicht, als hätte ich dabei ein Unrecht begangen, ich laße Dir selbst die Beurteilung über die Frage, ob ich gegründete Ursache hatte, aufbrausend zu sein. Du weißt es, Du muß es wissen, mit welcher Liebe ich Dich umfasse. Deine Briefe (insofern ich nur nicht darin Spuren jener kränkelnden Empfindlich- keit und phantastischer schwarzer Gedanken finde) sind ein wahres Bedürfnis, sie wären es mir und Deiner seelenvollen Mutter vor- züglich diesen Sommer gewesen... So sehr ich Dich über alles— die Mutter ausgenommen— liebe, so wenig bin ich blind, und noch weniger will ich es fein. Ich lasse Dir viele Gerechtigkeit widerfahren, aber ich kann mich nicht ganz des Gedankens eutschlagen, daß Du nicht frei von Egoismus bist, etwas mehr, als zur Selbsterhaltung nötig. Ich kann nicht immer den Gedanken verscheuchen, daß ich in Deiner Lage mit größerer Schonung, mit aufopfernderer Liebe den Eltern entgegen- gekommen sein würde..Habe ich außer dem Dasein nichts von den Meinigen erhallen— doch ohne ungerecht zu fein, von meiner Mutter Liebe— und wie habe ich gekämpft und gelitten, nur solange als möglich sie nicht zu kränken. Entschuldige Dich nicht mit Deinem Charakter. Klage die Natur nicht an. Si« hat Dich gewiß mütterlich behandelt. Sie hat Dir Stärke genug verliehen, das Wollen ist dem Menschen hingegeben. Herbstiuorgen E» haben Okebclhaubr» anfgrstiilpt öd Wege,"Wiese,"Wald und Bäsch and Bärrnir. Da» heifee Laad des öowener« ifi vergilbt, Dlun spinnt DT a tut ÄltweibersDrnnirrtränme. Hoch liegt in tiefem Grieben die Chanssee, Brüllt-ine früh- Hupe mit Ekstase, Hrrscht aus dem"Waldsaum ein gestörtes D�rh Und hoppelt au» dem Graben baug ein Hase. Ein Hahu hebt jäh vom Dorfe her zu trähn Tkud musiziert in g-llrudrr lZausare. Bald wird sich aus dem DÜIist die Glucke blähn, Weist stügge(Fungeu! ,«5st'» nicht gute Ware?" Ganz leise Dßlrlodien bläst der Wind, Äk» seufzten sie, durch Telrgrapheudrähtr. DlZlir aber Ist», es wimmerte eiu.Äiud, 3n Lebewesen wurden die Geräte. Ein Hferdetarreu schuckelt trag vorbei, Der lahme Schimmel wiehert Guten Dlllorgen. Der-Äutscher döst in stumpfem Einerlei. "Was heißt das leben? Schaffen, Schlafeu, Sorge»! Thn» fröstelt. Gib dir Thermosstafche fchnrlll lind weiter dann vorbei an Düsseilensteiuen! ... Die Diebel weichen. Gestlich wird es hell. Di« Sonne siegt. Sie siegt und wird an» scheinen! Henning Dnderstabt. Aber bei deni kleinsten Sturm sich dem Schmerz zu überlassen, bei jedem Leiden ein gerissenes Herz offen zu legen und das unserer Lieben mit zu zerreißen, soll das Poesie heißen? Gott bewahre uns für die schönste aller Noturgaben, roenn das ihre nächste Wirkung ist. Nein, Schwachheit, Verzärtlung, Eigenliebs und Dünke! allein reduzieren so alles auf sich und lassen auch die t«uersten Gebilde in den Hintergrund treten! Die erste aller menschlichen Tugenden ist Kraft und der Will«, sich zu opfern, sein Ich hintanzusetzen, wepn Pfitcht, wenn Liebe es gebeut, und zwar nicht jene glänzenden, romantischen oder heldenmütigen Ausopferungen, da? Werk eines schwärmerischen oder heroischen Augenblicks. Dazu ist selbst der größte Egoist fähig, denn gerade d a s Ich glänzt alsdann hoch... Du selbst hast so schön das Leben Deiner vortrefflichen Mutter geschildert, so tief empfunden, wie ihr ganzes Leben ein fortgesetztes Opfer der Liebe und der Treue ist, und Du hast wahrlich nicht über- trieben. Aber wozu die schönen Borbilder, wenn sie nicht zur Nach- ahmung beleben? Kannst Du aber— d:e Hand aufs Herz— dies von Dir bis heran rühmen?... Du wirst und mußt nun früh Familienvater werden.�) Aber weder Ehre noch Reichtum noch Ruf werden die Frau und die Kinder beglücken, Du allein kannst es, Dein besseres Ich Deine Liebe, Dein zartes Benehmen, das.Hintansetzen stürmischer Eigenheiten, heftiger Aufbrausungcn, kränkelnder Empfindlichkeit etc etc etc. Ich spreche kaum mehr für mich, ich rufe Deine Aufmerksamkeit auf das zu knüpfende Band. Du sagst es selbst, das Glück hat Dich zu feinem Schoßkinde gebettet. Möge der Allgütige es, soviel die gebrechliche Menschlich- keit es gestattet, treu Deinen Ferseß folgen lassen. Aber auch der Glücklichste sieht trübe Stunden: keinem Sterblichen lächelt ewige Sonne. Aber von ihm, dem Glücklichen, darf man mit vollem Rechte fordern, daß er dem Sturm männlichen Mut, Fassung, Resignation, Heiterkeit entgegensetze. Mit Fug darf man fordern, daß das ver- �flofsene Glück ein Panzer werde gegen momentane Leiden. Das .Herz des Glücklichen ist voll und weit und kräftig, es darf sich nicht so leicht zerreißen lassen.—... Leb« wohl, mein guter Karl, und behalte mich immer so lieb, wie Du es sagst, doch mache mich mit Deinen Schmeicheleien nicht rot. Es schadet nichts, daß Du«ine so große Meinung von Deinam Vater hast. In meiner Lage habe ich auch etwas geleistet, genug um Dich zu haben, lange nicht genug, um mich zu-befriedigen. Dein Vater ______ Marx. £)itc etekirifche AbHintmungsmaf chine Bei der Wiedereröffnung des frmizösischen Parlaments wird ein elektrischer Abstimmungsapparat zum erstenmal in Anwendung kommen, der vorläufig für 100 Abgeordnete eingerichtet ist. Jeder dieser Abgeordneten wird unter seinem Tisch drei Knöpfe finden, die die Aufschrift„Dafür".„Dagegen" imd„Enthaltung" zeigen. Diese Knöpfe sind mit einer Art Totalisator hinter dem Tisch des Präsidenten verbunden. Wenn ein Zldgeordneter den Knopf mit „Dafür" oder„Dagegen" herunterdrückt, dann fällt eine Metall- scheibe mit seinem Namen in di« enisprechend« Schale einer Waage, die einen Zeiger besitzt, der die Zahl der abgegebenen Stimmen mltomatisch feststellt. Bei einer Sttinmenthaltung fallen zwei Scheiben mit dem Namen herunter, jede in ein« Schale. Man kann so in diesen, Falle buchstäblich von dem„Gewicht" der Stimmen reden, denn die Schale der Waage, die weniger Marken enthält. geht nach Schluß der Abstimmung in di« Höhe. Der Präsident kann also mst einem einzigen Blick auf die Waag« das Ergebnis der Abstimmung feststellen. Außerdem werden dadurch Nachzählungen unnötig gemacht, die sonst entstehen, wenn ein Abgeordnetor in der Aufregung mehr als einen Zettel in die Urne wirft. Bei dem clck- irischen Apparat kann jedesmal nur eine Stimme abgegeben werden. £ 3R. fflcr init Lemnz von Westphaken verlobt. Auch Sie können hellfehen! Don täuch umt Wul Für eilige Leser und solch«, die es werden wollen, das heißt die Hellseher werden wollen, seien gleich zu Anfang die zehn Gebote niedergeschrieben, wie ich sie bei dem berühmten Hell-- scher Canuwitsch gelernt habe: 1. Eigne dir ein« gute Menschenkenntnis an. 2. Rode nicht zu bestimmt hell. 3. Laß dich auch durch deine falschen Antworten nicht verblüffen. 4. Mache Pausen, damit das„Fluidum"(deine Gehilfen) wirken kann. S. Habe kein.' Gehilfen, sondern nur Mit- glieder eines„verborgeiren* Zirkels usw. 6. Berkehre nie selbst mit deinen Opfern. 7. Sorge dafür, daß die Klatscher dann ein- setzen, wenn du drohst, offensichtlich Fehler zu machen. 8. Verteile auch geeignete„Gegner"' iinter deine Zuhörer. 9. Wöhle in erster Linie immer Frauen zum Medium: denn du bist ein Mann. 10. Wenn du Männer als Medien nehmen mußt, dann wähle immer die schwankenden: denn deren Lampenfieber wirkt für dich Wunder. Wenn du das tust, bist du ein Hellseher. Die zehn Gebote für die Besucher von Hellsehereien aber lauten: 1. Zu jeder„wissenschaftlichen okkulten Seance" gehe schon eine halbe Stunde vor der angekündigten Zeit; denn sie beginnt dann schon in den Vor- und Nebenräumen. 2. Eigne dir ein gutes Personengedächtnis an. 3. Laß dich durch lange Vorreden, Zwischenreden oder Pausen nicht ermüden oder einnebeln. 4. Traue deinem Nachbar nicht; denn es könnte einer von dem„verborgenen Kreis" sein. Z. Schweige und"halte dich zugeknöpft, auch dein« Taschen. 0. Wenn du als Medium mitwirken willst, mach« ein dämliches Gesicht, aber sei helle. 7. Sage aus alle Ausführungen des Hellsehers immer nur„Ja" oder immer nur„Nein". 8. So- lange du die Hellseher als Artisten ansiehst, stehst du hell. 9. Beurteile die Hellseher nach dem Grundsatz: ein wirklicher Hellseher braucht seine Kunst nicht gewerbsmäßig auszuüben. 10. Von einem Hellseher verlange als Mindestleistung die Patentlösung für alle wirtschaftlichen und menschlichen Nöte. Wenn du das tust, dann siehst du hell. * Wir stehen im Vorraum, Kragen hoch und machen gelang. weilte Gesichter. Hinter uns steht der große Hellseher Canuwitsch, der sich unerkannt glaubt, an die Wand gelehnt, mit zwei ehr- baren alten Herren mit Prosesiorenbärten. Ein lebhafter Kurier- dienst setzt ein. Nach unseren Beobachtungen sind an dem Netz der „Freunde" des Hellsehers mindestens fünfzig Leute beteiligt. All« vermeiden es, mit Canuwitsch unmittelbar zu verkehren. Das Mittleramt betreuen die beiden„Professoren". Meine Frau stößt mich an.„Sieh mal, da ist auch der Theater- direktor Fr-ischert. Was will denn der hier?" Der große Saal ist dicht gefüllt. Es sind weit über tausend Menschen. Auf der hellerleuchteten Bühne steht Canuwitsch im schwarzen Gesell ichastsanzug. Der Hellseher redet, redet würdig, mit beängstigend langen Pausen an ganz sinnlosen Stellen inner- halb der Sätze. Die Menge lauscht wie eine Genieinde Gläubiger vor einer großen Offenbarung. Dos Weltwunder Canuwitsch „erklärt" seine geheimnisvollen Gaben als ganz natürlich(woran ich niemals gezweifelt habe) mit einem Drum und Dran von natur- wissenschaftlich sein sollende'» Blödsinn, wie es kein Menagerie- besitzer ouf-eiiiem Rummel heute noch zu bieten wagt. Doch als der Helljeher bedauert, daß fein Gegner aus einem Nachbarorte heute nicht hier sein könne, kann ich es mir nicht verkneife», halb- laut zu erklären, daß der bewußte Herr vor kaum einer Stutche hier einen Rundfunkvortrag gegen das Hellsehen gehalten habe. Canuwitsch« Blick geht durch den Saal, einen kurzen Augen- Mick sehen wir uns kühl an. Kaum eine Minute ist vergangen, da steht einer von Canuwitfchs„Freunden" dicht hinter mir. Nun beginnt das„Suchen und Derbellen von Personen", würde der Jäger und Kriminilbeamte sagen; bei den Leuten von der„versteckten Wissenschast" heißt das Telepathie. Na, was der Canuwitsch da liefert, war von oben gesehen»in Spaziergang zu zweien hintereinander nut dem Führer als Nach- schieber. Die Menge war platt. Ick) fürchtete, daß die Raserei in stilles Lititi umschlagen würde, als Canuwitsch die Namen nannte, die für die Frager noch ein Geheimnis waren. Donnerwetter, der Canuwitsch'sche Zuträger- und Zeichendienst klappt großartig. Da plötzlich Länn im Saal. Aue einer Ecke im Hintergrund kommt es. Ein erregter Menschenhaufen wälzt stch der Bühne zu.„Schiebung— Schwindel— Canuwitsch kann durch die Binde sehen", klingt aus dem Stimmengewirr hervor. Eanuwitsch reicht gelassen seine schwarze Augenbinde von der Bühne dem Schreier zur Nachprüfung hinab. Ich sehe mir den mutigen Widerspruchsgeist genauer an. und es ist... unser stellungsloser Theaterdirektor Frlschert. Also auch hier hat die Inszenierung des§ 218 mit den Mitspielern im Zuschauerraum Nachahmung gefunden.„Huch, wie unangenehm",� würde Lulu aus dein„Erdgeist" sagen. Man sollte nicht glauben, daß es in der Großstadt so viele Menschen gibt, die sich dazu drängen, ihre geheimsten Erlebnisse auf dem Wege des Hellsehens der Oeffentlichkeit zu unterbreiten. Vieleicht ist das auch eine Verfallserscheinung in gewissen 5treisen. Jedenfalls inachten die Gesichter diesen Eindnick, die da auf der Bühne Canuwitsch umgaben, um sich aus einem Brief, einem Ring, einem Schmuckstück, einem Bleistift, einem Handschuh die verflossene Weisheit sagen zu lassen. Aber einmal hat Canuwitsch seine Menschenkenntnis doch im Stich gelassen. Der junge Mann mit dem Bleistift war helle; denn als Canuwitsch mit Bestimmtheit erklärte, daß der Besitzer den Bleistift vor vier Iahren geschenkt erhalten hätte, da sagte der Jüngling ruhig und trocken:„Nee, da habn wir uns noch jar nich jekannt!"— Aber der Bleistift war schon vor vier Jahren für Sie bestimmt", versicherte Canuwitsch mit fester Prophetenstimme. Und das Haus klatschte, klatschte, trampelte vor Begeisterung über diese Sehergabe. Die Sache endete noch fast dreistündiger Dauer mit einem all- gemeinen Staunen; hysterische Frauen waren verzückt und ver- drehten die Augen vor wollüstiger Furcht. Nur unten im Parkett saß ein dicker kleiner Mann und lachte, lachte unaufhörlich, lachte auch noch, als alle um ihn her totenstill wurden über dieses un-- gläubige, freche und höhnische Lachen. Canuwitsch stand und verkündigte seinen Gläubigen, daß er morgen fünf Stunden long— er hat schon den Achtstundentag für sich seit langem abgeschafft— bereit sei, den Leuten für seine Bemühungen um ihre Zukunft und Bergangenheit eine angemessene Vergütung abzunehmen.. Am nächsten Tage führte mich mein Weg kurz vor Schluß seiner„Konsuktationsswnden" an seinem Hotel vorüber. Da standen tatsächlich lange Reihen eleganter Privatwagen, deren Besitzer noch auf den Weisheitsspruch dieser männlichen Pythia warteten. Meine Herren Arbeiter, Gelehrte und Forscher, warum können Sie nicht auch hellsehen? 3)08 afrikanifche S&uch Daß der schwarze Erdteil als Bucherzeuger auf dem allg« meinen Markt erscheint, ist erst eine Erscheinung neueren Datums. Während noch um die Jahrhundertwende neun Zehntel aller in Afrika gekauften Bücher aus Amerika stammten, hat sich die Sachlage nach dem Weltkriege bedeutend oerändert, wie Herbert Schmidt-Lamberg in der„Literarischen Welt" ausführt. Die Zahl der Berleger und Drucker in Afrika ist in den beiden ersten Jahr- zahnten des 20. Jahrhunderts stark angewachsen. Statt der 8 Ver- lagsanstalten, die um 1900 in Britisch-Südafrita bestanden, gab es 1314 schon 17, davon 6 allein in Kapstadt. Deutsch- sprachige Verlage waren in der Zeit von 1300 bis 1914 auf afrikanischem Boden 18 vorhanden. Im ganzen wurden deutsche Bücher in Afrika während der deutschen Kolonialarbeit in 21k 000 Stück herausgebracht, so daß Deutschland in dieser Beziehung im schwarzen Erdteil an der Spitze aller Wettbewerber steht. Die Mittelpunkte des afrikanischen Buchdrucks liegen auch heute noch in Südafrika und Aegypten. Im Nillande haben nach dem Kriege national-ägyptische Schriftsteller eine ganze volkstümlich« Lite« ratur geschaffen, und in Algier sucht Frankreich dadurch zu wetteifern, daß es Berlagsanstalten In Algerien und Tunis unter- stützt. Die in Südafrika bestehenden englischen Verlage bringen Werke von nichtenglischen Schriftstellern heraus, so von Hamsun, Thomas, Bandervelde u. a., während lange Zeit in der Kapkolonie nur der Verlag englischer Werke in englischer Sprache gestattet war. Der Buchvertrieb erfolgt ganz nach europäisthem Muster, und die Zahl der Buchhändler ist heute etwa dreimal so groß wie vor dem Kriege. Der Anstieg des Vücherverkaufs war im letzten Jahre besonders bedeutend, er stieg in der K a p k o l o n i e von 31 92S Exemplaren im Jahre 1920 aus 205 098 im Jahre 1923 und in demselben Zeit- räum in Aegypten von 55119 auf 112 716 Stück. Die asrika- nische Bucherzeugung erstreckt sich über 29 verschiedene S mm Nische Bucherzeugung erstreckt sich über 29 verschiedene Sprachen: darunter sind 8 Negerdialekt«, in denen Lehr- bücher für d'e Jugend gedruckt werden. Eine wichtige Rolle spielt im afrikanischen Buchdruck das Missionswesen. Allein im britischen Gebiet Afrikas hat sich die Zahl der dort gedruckten Bibeln von 85 000 Stück im Jahre 1914 auf 142 000 Stück 1929 erhöht. 3)er Sntdecker der Blutgruppen Barl JCandfleiner, der neue flobelpreislräger Mit einer schweren Verletzung wird ein Mensch ins Kranken- Haus eingeliefert. Schwach gehen Puls und Atem, totenblaß, durch großen Blutverlust geschwächt, liegt er aus der Bahre. Nur hie Zufuhr' frischen Blutes von einem anderen Menschen kann ihn retten; rasch ist auch ein Opferwilliger gefunden, der oinen Liter des kostbaren Lebenssaftes zur Lebensrettung abgeben will. Aber bevor durch Glasrohr und Gummischlauch das Blut aus den Adern des einen in die- des anderen Menschen geleitet wird, erhebt der Arzt die warnende Hand: bevor die Transfusion stattfindet, muß er zur Vermeidung schwerer Schädigungen feststellen, ob sich die Blntarten miteinander vertragen, ob das Blut der beiden die gleiche Zahl, einen verwandten Buchstaben trägt. Denn eine solch« Gruppen» zahl des Blutes haftet unsichtbar jedem Menschen als Eharakteristi- tum an, sie ändert sich nicht durch Krankheit oder äußere Lebens- bedingungen. Diese geheimnisvollen Zusammenhänge aufgeklärt, die unsichtbare Zahl erkennbar gemacht zu haben, war da« Verdienst des jetzt mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichneten Forschers Karl Landsieiner, der am Rockefeller-Institut in New Tork wirkt. * Schon in den siebziger Iahren des vorigen Jahrhunderts haite man, allerdings ohne Erfolg, versucht, bei großen Blutverlusten Menschen Schaf- oder Schweineblut einzuspritzen, doch erkannte man bald, daß dabei das Blut des Empfängers zusammengeballt, agglu- tiniert werde. Nach diesen Mißerfolgen mit artfremdem Blut ver- suchte man es nun mit arteigenem, dem menschlichen Blut. Soli- samerweise wechselten hierbei Erfolge mit Mißerfolgen ab, so daß die Aerzte dieses Verfahren bald überschwenglich lobten, bald ver- warfen. Da gelang e» nun im Jahr« 1901 Karl Landsteiner, alle diese Widersprüche aufzuklären. Er zeigte, daß die Unverträglichkeit, die Isolyse, unter gewissen Umständen auch beim Blut zweier ge- sunder Menschen, wenn es vermischt wurde, auftrat. In den vier Jahre long währenden Forschungen entdeckte er, daß man die Men- schen nach der Art ihre» Blutes in drei Gruppen eintellen könne, denen später Jansky und Moß noch eine vierte hinzufügten. Diese Entdeckungen spielten zunächst bei der Bluttransfusion eine wichtige Roll«. Das Blut besteht aus einer wässerigen Flüssigkeit, dem Serum, in dem die roten Blutkörperchen, gestaltet wie flache Scheiben, zu Millionen im Liter aufgeschwemmt, schweben. Serum und Blutkörperchen haben nun nach Landsteiners Feststellungen Eigenschaften der Verträglichkeit oder Unoerträglichkeit mit fremdem Blut, wobei für den Empfänger das Serum, für den Spender die Blutkörperchen von Wichtigkeit sind. Das Blui der Gruppe 1, der Universalsender, ballt keines der anderen Gruppen zusammen, dos der Truppe 4, der Universalempfänger, wird von keinem anderen zusammengeballt, die Gruppen 2 und 3 vertragen stch nur in de- stimmter, auf Tabellen ablesbarer Weife mit fremdem Blut. Welche praktischen Folgen ergeben sich nun aus diesen Erkenntnissen? Bei lebensrettenden Transfusionen tappt man nunmehr bezüg- stch der Verträglichkeit der Blntarten nicht mehr im Dunkeln. Während sie früher dem Zufall überlassen war, prüft man sie jetzt vorher durch genau« Methoden. Man nimmt hierzu die im Handel erhältlichen Test-Sera der Gruppen 2 und 3, bringt sie mit dem Blut des Spenders und mit dem des Empfängers für sich zusammen und erkennt nun auf der Glasplatte genau, ob Ausflockung eintritt oder nicht. Borsichtshalbcr beginnt man dann bei festgestellter Ver- träglichkeit mit der Transfusion sehr vorsichtig mit wenigen Kudik- Zentimetern und beobachtet den blutleeren Kranken, ob sein Befinde» und sein Puls normal bleiben, dann erst verleibt man ihm die Hauptmenge des gespendeten Blutes ein. So sind bei vorsichtigem Zlrbeiten die früher bei Blutübertragungen häufigen Todessüll« ausgeschaltet. In manchen Krankenhäusern stellt man gleich beim Ein- treffen leicht Erkrankter ihr« Blutgruppe fest und hat so, wenn man an ihre Opferwilligkeit appelliert, stets im Notfall freiwillige Blut- spender zur Hand Vom volkekundllchen Standpunkt aus wurden zahlreich« Völker und Rassen nach der Häufigkeit des Vorkommens der Gruppen bei ihnen durchforscht. Für Norddeutschland fand man z. B. ftir Gruppe 1: 32,3, 2: 45,3, 3: 15,4, 4: nur 7 Proz. Aus dem Verhältnis der Prozentzahlen ftir Gruppen 2 und 3 wurde der sogenannte Rassen- index abgeleitet, der für die Kulturhöh« und Rassenreinheit maß- gebend sein soll. Dabei fand nian, daß die Gruppe 3 bei reinrassigen Völkern, Indianern, Eskimos und australischen llrvölkern fast ganz sehst. Groß« Wichtigkeit haben die von Landsteincr begründeten Lehren in der Gerichtsmedizin erlangt, da man aus der Beschaffen- heit von Blutflecken in ihrer Gruppe beurteilen kann, ob sie von einem bestimmten Menschen herrühren können oder nicht Ein? andere praktische Auswertung haben diese Erkenntnisse bei Dater- schaftsprozessen im Gefolge der Erkenntnis gefunden, daß sich die Blutgruppen von den Eltern auf die Kinder nach den Mendelsschea Gesetzen vererben. Freilich ergibt sich aus der Untersuchung nur ein« Art Alibi, Dämlich die Entscheidung, daß ein bestimmter Mann als Vater nicht in Frage kommen kann, nicht der Beweis seiner Baterschaft. Weigert sich semand, sich der ganz ungefährlichen Blut- entnahm«, zu der er nicht gezwungen werden kann, zu unterziehen, dann spricht der Schein gegen ihn. �Dr. Ernst Michael. ___ i ECHTE PERSER . 1 o.Orienl'-TepP'Che /-o Beiudjisranu. // Hiade Anato! W.�bis ca.A5*90 � joweie Voerol- Anarci- Brücken IM ca.SO*1A'0»*■/• Töbris. bi»/"ISO 1 nens,&lif i Schi ras tö�T/. Woilpiüsch-IeDpiche reine Kammqarnwoiie, scii-jofir. iehnien eroroore Morkeifilmusier Smyrna-Velour- Tcppiche bewährte Qualirähdus reiner Kdmmqarnwolle. hervorragend, Persarmusrer M» i .. 300 Persarmusrer 950 �/ K uffolä-W- 36: 51; 69: 92,»l • OS-TO L.\S. r.Halb- rr\ «sr.aus:-nU Wis JJ. ium ÄufcWCM" Brucken.Toumay-veicur nervorroqend bewährte Quaiitärm.R-antc«/"rrn Marke, Kasdk'co OOxtbOlD. • J-tCris'• -.Adorf'- 90*18049.'_ Berrvoriaqen iDiva h decken ------------- 1 Bouci4 merUacQuard-/, rc | munter, ca. 60"120 J Sreppdecken 1 Kunnteide.Soh'n RücwlQQO Ueite«0.150-260 id. 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