Morgenausgabe Nr 517.„, "ÄIm«*9<>n9 DöchenMch SüPt. mooaMch S.« VL im oorau« zahlbar Postbezug 4LZ M. einschließlich vV Pfg. Postzeitung»' und «2Pfg Postbestellgebühren. Auslands- abonnemem 6.— M. pro Monat. * Tier„tBortoärts* erscheint Wochentag- lieh zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben sür Berlin und im Handel mit dem Titel„Ter Abend- Illustrierte Beilagen„Boll und Zeit" und.Kinderireund". Ferner .Frauenstimme" Technik-.Vlict in die Bücherwelt-.„Iugend-Dorwärts� und.Stadtbellage" berliner vottsvlatt viensiag 4. November 1.9)0 Groß-Äerlin 1V Pf. Auswärts tS ps. 5te e t u l p a l t i g e Nonparetllezelle 80 Pfennig. Neklameielle 5.— Reichs- mark.„Meine Anzeigen' das ettge« druckte Won 2S Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte),«edes weitere Wort 12 Pfennig Stellengeiuch» dos erst« Wort 15 Pfennig, sedes weitere Wort !0 Pfennig Wotte übe» 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeilsmartt Aeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeil« 40 Pfennig. 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In ihrer Stellungnahme weist die Vereinigung auf den Schluß- bericht hin, den eine Sachverständigenkommission in Verbindung mll den Feststellunzen einer Regierungekommission zur Unterbringung Arbeitsloser auf Veranlassung der englischen Arbeiter» regierung erstallet hat. In diesem Schlußbericht wird darauf hingewiesen, daß eine künstliche Belebung der Konjunktur durch staatliche Intervention oder durch Subvention notleidender Unter- nehmungen ungeheure Mittel verschlingen würde, abwegig»nd un- gesund sei. Dann heißt es in dem von der Vereinigung zitierten Passus: „Das einzige Mittel gegen die seit Jahren aus der engllscheo Wirtschaft lastende Arbeitslosigkeit ist die Vergrößerung von Produktion und Handel." Darauf kommt es In der Tat an! Aber w i e sollen Produktion und Handel vergrößert werden? Darauf erwidert die Vereinigung: Durch eine„allseitige Senkung der Gestehungskosten als Grundlage für die Senkung der Preise und die Hebung des Absatzesi" Unter Senkung der Ge- stehungskosten versteht die Vereinigung aber eine Senkung der Löhne. Wie durch diese Verringerung der Käuskrast. auch wenn die Preis« dann im gleichen Ausmaße gesenkt werden, der Absatz gesteigert werden kann, das verrät die Vereinigung allerdings nicht. Sie geht sogar noch weiter! Sie lehnt nicht nur ein«„schema- tische oder generelle Verkürzung der Arbeitszeit" ab, da sie„in ihren Folgen die Arbeitslosigkeit vergrößern" müßte, und zwar well sie„eine Einengung der gerade für die Arbeitszell unerläß- lichen Vewegungssrccheit der Betriebe" nach sich ziehen würde. „Rur durch Senkung des Lohne»— unter Umständen auch in Form der Arbeitszeltverlängerung und der Ausrechterhaltung des bisherigen Gesamtlohaes" wäre eine Einschränkung der Arbeitslosigkeit möglich. Die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberoerbände macht es sich sehr leicht, aber jade ernsthafte Diskussion wird dadurch um so schwerer. Wenn es wahr ist. daß nur durch eine Bergröße- rung der Produktion und des Handels die Arbellslosigkell behoben werden kann, dann ist dies nur möglich, wenn der A b f a tz s e l b st gesteigert wird. Der Absatz kann aber doch nur gesteigert werden, wenn auch die Kaufkraft der großen Masse der Verbraucher gesteigert wird. Das kann geschehen entweder durch eine Herabse ßuug der preise, die der Senkung der R o h st o f s p r e i s e und der Senkung der Gestehungskosten durch die Rationali- s i e r u n g ohnehin folgen muß. oder aber bei g l e i ch b l e i- benden preisen durch eine starke Erhöhung der Löhne und Gehälter. Man kann sich zur Rot auch vorstellen, daß z. B. die Löhn« und Gehäller, die Tantiemen und Dividenden progressiv nach oben gesenkt und gleichzeitig noch in viel stärkerem Maße auch die Preise gesenkt werden. Das würde aber nur zu einer Kom» p l i z i e r v n g des Problems führen und zu A r b e i t s k ä m p f e n, wie wir einen soeben m der Berliner Metall industri« erlebt haben, die gewiß nicht geeignet sind, die Wirtschast anzukurbeln. Wenn es sich in der Vereinigung wirklich um die Ankurbelung der Wirtschaft drehen würde, dann brauchte sie nicht diesen kom- plizierten und gefährlichen Weg vorzuschlagen, sondern könnte ihren Organisationen den guten Rat geben, den Mitgliedsfirmen dringend zu empfehlen, die Preise einer ernsthaften Nachprüfung zu unter- ziehen, und zwar auf Grund der bereits eingetretenen Senkung der Gestehungskosten. Was die Vereinigung der deutschen Arbellgeberverbände hier vorschlägt, führt nicht zu einer Behebung, sondern zu einer Verschärfung der Zlrbells- losigkcit. Ihre Stellungnahme wird nicht diktiert von der Sorge um die Wirtschaft, sondern von dem reaktionären Macht- Hunger, die Not der Arbeitslosen zur Vergrößerung des Prosits auszunutzen. Arbeiterpartei gegen Gchuhzott. Vergeblicher Vorstoß der Konservativen gegen Macdonald. London. 3. November.(Eigenbericht.)| Im dichtbesetzten Unterhause begann am Montagnachmillag die j Debatte über den konservativen Mißtraueneantrag� gegen die Regierung. Als die Sitzung eröffnet wurde, betrat der' am Dannerstag in Süd-Paddington gegen den ossiziellon konser-] vativen Kandidaten gewählte Major Taylor den Saal.- Eisiges Schweigen herrschte auf den konservativen! Bänken, als Beaverbrooks Kandidat schüchtern seinen Platz aus der konservativen Seite des Hauses suchte. Ironischer Beifall kam aus den Reihen der Arbeiterabgeordneten, die den konservativen Oppositionellen einluden, auf die Regierungsseite zu kommen. Baldwin blickte bescheiden zu Boden. Neoille Ehamberlain hatte darauf den wenig ver- lockenden Auftrag, den Mißlrauensantrag zu begründen. Er tat das in glatter aufgewärmter Rede, die für Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit nur das einzige Heilmittel kennt: den Zollschutz zur Stärkung des inneren Marktes und zur größeren Einheit des Britischen Reiches. Sowohl bei den Liberalen wie bei der Arbeiter- part« erntete Ehamberlain nur einen 5)ellerkettserfolg. H a n d.e l s m i n i st e r Graham, mll großem Beifall emp- fangen, setzte dem konservativen Redner gründlich zu. In einer kräftigen Rede erklärte Graham: Gewiß sei der Freihandel für die Arbeiterpartei keine endgültige Lösung der vom kapllalistischen System geschaffenen Erschütterung der Weltwirtschaft. Aber gesünder und besser als der Protektionismus sei der Frei- Handel immer noch, wenn er gestützt werde durch Reorganisation der Industrie und des Marktes. prolektionemus und Zoll bedeute Erhöhung der preise und der Lebenshaltung, Verminderung der Kaufkraft der Massen, ver- mlnderter produltior-sabsah im Inland? w'.e im Auslande. Dazu werde die Arbcilerregierung niemals die Hand reichen. Das zur Hebung der Krise getan werden könne habe die Arbellerregicrung getan und versuche sie als Minderheitsregierung auch weller zu schaffen. Die Leistungen der Arbeiterpartei könnten sich in ökonomischer Beziehung gegenüber den Leistungen der ehemals konservativen Regierung immer sehen lasten, obwohl diese Arbeiter- parte! nur eine Minderheitsregierung sei. Graham schloß seine Rede unter stürmischem Beifall der Arbeiterpartei nril dem Bekenntnis zum Sozialtsmus, der allein einen wahren und endgültigen Ausweg aus der kaplla- listischen Krise schaffen könne. Als dann in später Abendstunde Sir Robert Samuel für die Liberalen das Port ergriff, war das Urteil über den kon- servativen Mißtrauensantrag gefällt. Samuel erklärte, daß die Liberalen, wenn es ihnen auch schwer fallen würde die Arbeller- regierung zu stützen, keineswegs für den konservativen Mißtrauensanlrag stimmen würden. Nach 11 Uhr wurde die Debatte auf Dienstag vertagt. Oer polnische Faschismus. l�odzer Soziolistenburo aesiürmt. Warschau, 3. November. Dem„Kurjer Ezerwony" aus Lodz zufolge wurden die dortigen Büroräume der Iozialistischeu Partei von einem regierungsfreundlichen Pöbel gestürmt und voll- ständig zerstört. Vorher wurden sämtliche Scheiben zer- trümmert. Als die Polizei am Tatort erschien, waren die Täter schon längst in Sicherheit. In den Partei- räumen fand kurz vorher noch eine Besprechung der Lodzer Tozialistenführcr statt. Lei den Mcgerratswahlen in Das l haben die Sozialdemo. traten ihre Mandatszahl von 7 aus ö von insgesamt 40 g.st.'ixert. Die Kommunisten haben»in Mandat verloren und behalten nun- mehr noch vier. Neuwahl in Amerika. ApathieimLansiderpolittsch-neuiralen Arbeiterschaft Washington. Ende Oktober.(Eigenbericht.) Die Wahlen zum 72. amerikanischen Bun- deskongreß finden heute statt. Die amerikanische Nation hat nun Gelegenheit, sich über die künftige Zusammensetzung der beiden gesetzgebenden Häuser, des Bundessenats und des Repräsentantenhauses, klar zu werden und der wie in der übrigen Welt so auch hier aufgesammelten politischen und wirtschaftlichen Unzufriedenheit Luft zu machen. Jedoch das Problem so formulieren heißt es leugnen. Von bewußten Wahläußerungen politischer und wirtschaftlicher Unzufriedenheit kann hierzulande keine Rede sein, soweit sie eben nicht aus sozialistischen und anderen Kreisen mit bestimmten programmatischen Forderungen kommen. Der Rest ist Wahlmache und einzig dazu bestimmt, den Wähler in das republikanische Regierungslager oder in das oppositionelle Lager der Demokraten zu lotsen. Unter diesen Voraussetzungen erscheint die allgemeine Wahlapathie. die von beiden Parteien offen zugegeben wird, nur zu ver- ständlich. Sie ist ein Beweis mehr, daß die amerikanische Nation bis heute noch nicht verstanden hat, sich mll grixnd- legenden liebeln ökonomischer und politischer Ratur radikal auseinanderzusetzen und sie mll Hilfe des Stimmzettels zu korrigieren. Die letzten Präsidentschaftswahlen des Jahres 1928 brachten infolge der Bedeutung der aufgewor- fenen Fragen und der auf beiden Seiten herrschenden Bitter- kett die bisher unerreichte Rekordziffer von 3 7 9 9 9 99 9 Wählern auf die Beine. Aber selbst diese 37 Millionen machten kaum 69 Prozent der amerikanischen Wahl- berechtigten aus. Ueber 49 Prozent der Wählerarmee hatten es vorgezogen, zu Hause zu bleiben und die ihnen vorgelegte Entscheidung über wichtigste nationale Fragen einfach zu ignorieren. Um wieviel mehr muß dieses mangelnde Interesse in einem Jahre zutreffen, wo es nicht um die Besetzung des Präsidentensessels und die vierjährige Festlegung auf einen bestimmten Parteienkurs, dafür aber um das Mächte- Verhältnis im Bundeskongreß geht? Die Par- teien wissen das auch und sind mit Hilfe der großen Presse bemüht, das Interesse der Wähler auf wichtige innerpolitische Probleme, wie Prohibition, Sozialversicherung, Wirtschafts- krise usw., zu konzentrieren und sie damit an die Wahlurnen zu bringen. Es ist sicherlich interessant, daß die amerikani- scheu Blätter in diesem Zusammenhange auf die überaus starke Wahlbeteiligung bei den deutschen Reichstagswahlen hinweisen und sie dem amerikanischen Wähler als Muster vorhalten. Aber der amerikanische Wähler ist nun einmal anders. An Präsidentenwahlen mit ihrem Persön- lichkeitsappell und ihrem individualistischen Anstrich betelligt er sich, aber die Kongreßwahlen vergißt er, ob- gleich beide Wahlakte sich gegenseitig ergänzen und von der harmonischen Zusammenarbeit der Exekutivgewalt mit den parlamentarischen Kräften die Wohlfahrt des Landes abhängt. Für die Parteien ist das Bild natürlich klar. Sie wisien, daß die Wahlen des Jahres 1939 einen guten Gradmesser für die Präsidentschaftswahlen im Jahre 1932 abgeben und daß aus ihnen mll ziemlicher Sicherheit die künftige Entwick- lung gefolgert werden kann. Alle Anzeichen lassen auf starke Gewinne der demokratischen Partei schließen, und maßgebende Beobachter gehen sogar soweit» eine demokratische Majorität im künftigen Repräsentanten- hause zu prophezeien. Im demokratischen Lager hofft man insgeheim auf keine Riesenerfolge, da eine Majorität nur zu leicht zu einem Rückschwung des Pendels in 1932 und zur Versorgung der jetzt unterliegenden republikanischen Partei mll bequemen Wahlargumenten führen kann. Wie dein auch sei, die Spekulationen sind nutzlos, da der neu gewählte Bundeskongreß mit seiner starken Hinneigung zur Oppositionspartei verfassungsmäßig erst am 4. März 1931 sein Amt antritt und sich erst im folgenden Dezember zur ordentlichen Tagung versammelt. Bis dahin übt der gegenwärtige Kongreß seine Rechte aus, und man kann sich leicht vorstellen, welche Schwierigkeiten sich aus dieser Zwitterstellung eines geschlagenen und noch im Amte befind- lichen Parlaments ergeben können. Seit Jahren liegen dem Bundessenat Anträge auf Abstellung dieses Uebelstandes imd sofortige Uebernahme der Macht durch den neugewählten Kongreß vor, aber bisher sind keine bindenden Beschlüsse gefaßt worden. Amerika fühlt seine Wirtschaftskrise mit ihren Begleit» OerReichshaushattsplan fär-1931 Im Zeichen der Kürzunge«. erschsinungen des Masienelentis und der Arbeitslosigkeit, aber von dem»mMikanischen Wähler außer Machtver- schiebungen im Lager der bürgerlichen Parteien, die sich wie ein Ei dem anderen Aeichen, etwas Positives zu erwarten, wäre zu viel verlangt. Die S o z i a l i st e n werden mit einer starken Gefolgschaft rechnen können, aber von Wirklichen Gewinnen kann, neben der Entsendung einiger weniger Abgeordneter in das Repräsentantenhaus Im besten Falle, keine Rede sein. Das ist nur selbstverständlich in einem Lande, wo die organisierte Arbeiterschaft politisch neu? t r a l beiseite steht und ihre Stimmen in Wahlzeiten an die m ei st bietende bürgerliche Partei gegen imaginäre Zu? sicherungen sozialer und wirtschaftlicher Rechte verschachert. Vom sozialistischen Standpunkte kann es gleichgültig bleiben, ob der Bundeskongreß eine republikanische oder demokratische Mehrheit besitzt. Die Erfahrungen haben deutlich bewiesen, daß die mit so vielen Argumenten und sittlicher Entrüstung bereitstehende biirgerliche Opposition sich überraschend schnell änderte, sobald sie erst einmal zur Macht gelangt war. Pon der Einlösung der an die Arbeiterschaft gegebenen Zvsiche- rungen konnte nur in seltenen Fällen die Rede sein. Der 5)aken der amerikanischen Demokratie liegt nicht in der Verfassung und in den parlamentarischen Institutionen- Cr liegt beim Wähler, der sich sehr viel auf seine öffentliche Macht und seine demokratischen Rechte einbildet, aber von ihnen nur in den seltensten Fällen und dann in dümmster Weise Gebrauch macht. Das Gefäß der amerikanischen Demo- tratie ist schon dg! was einzig fehlt, ist seine Füllung mit warmein sozialen Inhalt und die Erziehung der ameri- konischen Massen zur Verantwortlichkeit. Senator verhaftet. Unter aufsehenerregenden Beglejtunchon-dcn ist das bekannte Ssnawmitglied George L. Caffiday verhaftet worden. Uebsr den wahre» Grund seiner Inhaftierung bewahren die Behörden »tillichweigen. Es ist nur bekannt' gegeben worden, daß sie auf Cassidays Verletzung der Prohibitionsgesetze hin erfolgte. Man spricht allerdings davon, daß C, in direkter Verbindung mit den große» Bootlegger- Banden gestanden haben soll, und man in «hm den— in Fachkreisen»fld Polizeizirkeln— berüchtigten„Mann mit dem grünen stut" vermutet. Der„Mann im grünen Hut" ist eine gehxiginisvßlle Persönlichkell und bildet gewissermaßen die unbekannte Zentrale des gesamten Alkoholpertriebes in dep USA. Mst der Verhaftung wurde auch bekannt, dgß ein Agent der Prahibitiansbehörde seit Wochen als einfacher Angestellter im Senatsgebäude arbeitete. Seinen Nachforschungen soll es gelungen fein, umfangreiche Listen von Senatoren, die die Prohibitionsgesetze verletzt haben, zusammenzustellen, Naiionaisozialjstssche Ooppelzüngigkeii. Her«zusgeschlossene und der gefeierte Jemefnörder HemeS. In Berlin ist dieser Dag« als nationalsozialistischer Varsamm- kmigsx«dn«r der..Femerichker" Leutnant Heines. M. d.R, onge- karrdet. Hitlers„Völkischer Beobachter" streut Lorbeeren für diesen Tchtagetat und Landsknecht aus der Noßbachschaor. dessen einzige Schuld«s sei.„in der größten Nmzeit des Asterlsndes einem verrstexischefl Lumpen dos Handwerk gelegt zu haben", I» dem Schwurgerichtsurteil, durch da? der Leutnant Heines zu 13 Jahre» Zuchthaus verurteilt wurde, wird ausdrücklich festgestellt, daß Heines sein Opfer auf einen gänzlich unbewiesenen Verdacht hin hmkerlistig umgebracht hat. Diese Feststellung ver- hindert den„Baltische» Beobachter" nicht, dos Opfer des Schlagetots noch über das Grab hinaus mit folgenden Sätzen zu besudeln: Wer Edmund Hei, res kennt, weiß, daß er nur aus Zwangs- voller Pflicht und mit Widerwillen seine ehrlichen Hände mit diesem schmutzigen Blut besudelt hat. In den Augen yo» 0'� Millionen deutschen Staatsbürgern sind sie reiner als die Krallen der ach'fo zart besaiteten Novembermänner. Dys ist ja nun sehr schwungvoll gesagt, aber wie wird uns? jn demselben„Volkischen Beobachter" Hai vor drei Jahren ganz etwas anderes über den Fememörder Heines gestanden. Da- mals hatte das Steftiner Schwurgericht Heines zu lä Iahren Zucht- haus verurtsUt und— onter den, 31. Aiai 1927 zeigte im„völkischen Beobachter" Adolf Hitlers den Ausschluß des Fememörder Edmund Heines aus der Nationalsozialistischen Partei vir. Damals war man anscheinend von der Nelnheit dieser blnb besudelten Hand« im Lager Hitlers ebensowenig überzeugt wie wir «s heute sind. Oder vielmehr: es zeigt sich, daß bei den Nazis eben alles Taktik undnichts Gesinnung ist, Wie Herr Gregor Straßer nach Bedarf sein Ehrenwort bricht, so schließt Herr Hitler de» Fememörder Heines aus seiner Partei aus, wenn es ihm bei der damaligen Volksstimmung opportun erscheint, und stellt den am gebftch Ausgeschlossenen ebenso gleichmütig an die Spitze einer Kandidatenliste, sobald ex hinter dem Wort„Fememörher" agitatorische Zugkraft wittert. Aus dem Schicksal des Fememörders Heines kann man klar ersehen, welchen Wert die periodischen Verstcherungen Hitlers hah.N, daß Gewaltperbrecher spfprt aus her Nationqliozialisttschen Part«! hinausfliegen würden! Vorne fliege» sie hinaus, von hinten kommen sie wieder herein und gelangen bis zu den höchsten Ehrenposten! *," Lm vorigen Reichstag hatten die Natignslsozialisten ihren schönen. Antrag„zum schütze des deutschen Volkstums" einge- bracht. Nach diesem Antrag wich„wegen Nassenoexrats mft Zuchthaus bestraft, wer es unternimmt, die natürliche Fruchtbarkeit des deutschen Volkes zum Schoden der Natisn künstlich zu hemmen",' Gegenüber dieser Drohung verdient es einiges Interesse, daß der nglionalsozialistische Reichstagsabgeordnete Fritz Weitzel. m'\i die Zeitschrift der„Alarm" mitteilt, bereits wegen Beihilfe zur Abtreibung nach 213 StGB, vorbestraft ist, Nach der nationalsozialistischen Theorie gehört«r ins Zuchthaus. Di« nationalsozialistische Praxis befördert ihn in den N e i ch s t a g! per sowsetrussische Volkskommissar des Aeußeren, Litwinow, hat ous der Durchreise nach Gens zwecks Teilnahme an der Bor- bereitenden Abrüstungskonferenz dem Reichsaußenminister einen Besuch abgestattet, Im Anschluß hieran fand heute auf Einladung! des Reichsaußenminifters«in Frühstück statt, an dem die Mit, xlieder der söwjetrussischen und der deutsche» Delegation, sowie die zuständigen Herren des Auswärtigen Amtes und her Sswjetbotschaft teilgenemms« haben. Der Relchshaushaltsplaa für tSZl wird heut« dem Kelchsrai osstziell überreicht. Er schließt i«, ordentlichen Haushalt mit rund KU Milliarden Mark in Einnahmen und Ausgaben ab. wozu noch der außerordentliche Haushalt in Höhe von 237 773 000 Mark WK- Die Anleiheermächtigung zur Bestreitung außer- ordentlicher Ausgaben aus früheren Rechnungejahren, betrügt S 4 8 Millionen, wozu für lSSl weiter? 71 Millionen treten. Ferner wird der Finonzminister ermächtigt, zur teilweisen Deckung des Fehlbetrages aus dem Rechnungsjahr 1930 im Wege des Kredits die Summe von 375 Millionen Mark zur Abdeckung de« Fehlbetrages zu beschossen, Weitere 1SV Millionen Mark sollen im Wege des Kredits solange und soweit beschasst werden, als die durch die Peräuh«' rung der Vorzugsaktien der Reichsbahn flüssig zu machenden Decknngsmittel noch nicht oder nicht in vollem Umfange zur Verfügung stehen. Im H a u s h a l t S g e s e tz ist auch vorgesehen, daß im Hinblick aus die Einschränkung des Personalaufwandes!n der öffentlichen Verwaltung der Länder und Gemeinden die Ueberweisungen an die Länder um 100 Millionen Mark gekürzt werden. Garantien zur Förderung des deutsche» Außenhandels sind bjs zu 3St) Millionen Mark porgesehen. Die für den 1. April geplante sechsprozentige Kürzung der Bcamiengehälter ist im Entwurf des Haushaltsplans bereits berücksichtigt, so daß in allen Haushaltsplänen die Ansätze für den Personalaufwand verringert worden sind. Streichungen überall? Der Haushaltsplan weist in allen Einzeletats sehr erheb- liche Kürzungen auf. Belm Reichsinnenmini st e- rium, beim Auswärtigen'Amt, beim Reichs wirt- schastsmi niste riu m und beim Reichsernährungs- Ministerium sind vor allen Dingen fast alle Ansätze zur F ö r- d e r u n g irgendwelcher Zwecke entweder gekürzt oder voll- ständig gestrichen worden, gleichviel, ob es sich nun dabei um die Pflege kultureller oder wissenschaftlicher oder technischer Bestrebungen handelt. Namentlich beim Reich»- i n n e n m i n i st e r i u m Ist die Möglichkeit der Beeinflusiung dieser Gebiete auf das radikalste eingeschränkt worden. Einschränkung sozialpolitischer Aufgaben. Im Haushalt de? Relchsardeitsminlsterlums er- fordern die Reichszuschüsse zu den Renten der Invalidenserstcherung mit rund ZSZ Millionen infolge der Zunahm« der Renten gegenüber dem Borjahre ein Mehr po» 10 Millionen Mark, Dogegen wird der B eltrag Des Reiches für S t« i g e r u N g S b e t r ä g e der In- validenversicherung um 7 Millionen herabgesetzt, da di« Zahl der in Frage kommenden Renten allmählich gering«? wird. Der Reich szuschuß zur Famliienwochenhilfe soll in- folge de? Finanzlage im Jahre IM ganz fortfallen- Im Kapit»! Arbeitsvermittlung und Arbeits- lossnpsrstcherung sind die Mittel für die Krisen» fürs arge mit Rücksicht auf die Entwicklung de» Arbeitsmarkt«? um W Millionen auf 400 Millionen«rhöht worden. Die Mistel für den N o t st o ck der Reichsanstalt sowie die Darlehen an die Reichsanstalt sind in Wegfall gekommen, da der Ausgleich der Einnahmen und Ausgaben auf Grund der neuen Finanzvorlage der Reichsregierung neu geregelt werden soll. Der sogenannte Wohnungsfgrsorgefonds ist von SB auf Z Millionen Mark herabgesetzt worden. Um rund 7 Mit- A-B-C-D! Mer Panzerschiffe in sechs Jahren! Das neve Flottenprogramm. Der Etat für 1931 enthält das neue Marinehaupro» gramm- Im Haushalt der Reichsmarln» für 1931 beginnt der Abschnitt über die einmaligen Ausgaben mit folgender Vor- bsinerkung: „Rsgelui, gderErsatzfrage.») Kriegsschiffe(Panzer- schiffe, Kreuzer, Zerstörer und Torpedoboote) werden außer im Falle ihres Verlustes»ach Ablauf ihrer Lebensdauer ersetzt. Die Lebensdauer beträgt 30 Jahre für die Ponzerschisse und Kreuzer. IS Jahre sür die Zerstörer und Torpedoboote, vom Tage des Etapeltauss an gerechnet, h) Hilfskriegssqhrzeug«(alle übrigen Schisse und Fahrzeuge) werden nach dem Grad« ihrer Abnutzung und der Eignung für ihre» Svnderzweck ersetzt, e) Für den Zeit- räum von 1931 bis zunächst 193(3 werden die Erfatzbauten noch dem Schiffbauersatzplan Teil 1 geregelt." Di« Aufnahme dieser Bestimmung in den Etat selbst ist auf einen Reichstagsbeschluß vom vorigen Jahre zurück- zuführen. Der„Schiffbauersatzplon" ist dem Etat als Beilage an? gefügt. Er ficht u- a. vor: daß das Panzerschiff„Ersatz Preußen"(A) sGesamtkosten 75 Millwnen Marks aus den Deutschen Werke» in Kiel 193 2 fertig wird, Panzerschisf „Ersatz Lothringen'(k) s7Z Millionen Marks soll 1981 a» f der Marinewerft begonnen, 1934 fertiggestellt,„Ersatz Braun schweig"(G) 1932 begonnen und 1938 fertig? gestellt,„Ersatz Elsaß"(D) 1 934 begonnen werden. Der auf der Marinewerft im Bau befindliche Kreuzer „Leipzig" soll IM fertig werden und insgesamt ruud 42 MU- lionen kosten. Vier ReseroezerstÖrer sollen 1934 bis 1933. fünf Bewachungsfshrzeug« für 2,9 Millionen Mark 19J1 bip 1932, fünf Torpedoboot« ab 193S gebaut werden. Artillerieschulboot„Ersatz Drache"(Gesamtkosten 9, St Mil- lionen) pich 1931 aus der Marinewerft fertig. Artillerieschulboot „Ersatz H a y" soll 19ZS auf Kiel gelegt werden. Der Kau von sechs Ersatzminensuchbooten soll- 19Zz beginnen. Sieben Sperrübungssahrzeuge sür 1,5 Millionen solle» 1932/33 gebaut werden. Als Sefamtiahresbetrag sür Schiffsneubauten wird für die sechs Jahre, die der Plan umfaßt, die Durchschnitts- summe von SO M i l l i o n e r» angegeben. • Panzerschiff B(„Ersatz Lothringen") soll demnach j im kommenden Jahre in Angriff genommen werden. C und 1 lionen wurden auch die Ausgaben für die wirtschaftliche Siedlung gesenft. Kürzungen haben auch erfahren di« Mittel zur Förde- rung der privaten Wohlfahrtspflege, für die Blinde» füriorg« und ander« soziale Aufgaben. Für Zweck« der Kinderspeisung(bisher 1 Million Mark) sind keine Mittel sorgesehen. Di« Ueberweisungen an die Knappschaftliche Pensionsversicherung miz dem Lohnsteuerauskommen sind infolge des Rückganges der Lohnsteuer auf b Millionen, statt bisher 75 Millionen, beschränkt worden. Für die Invalidenversicherung, die aus dem wetteren Auf- kommen gleichfalls noch bis zu 50 Millionen bekommen sollte. bleibt daher gar nichts mehr, e» mußte ein Leertitel eingesetzl werden. Oer Wehretat. Im Haushalt d«s Reichs wehrmini st exium- ist ei"« Ausgabensenkung um insgesamt 7 Millionen vor- gesehen, und Zwar 4,5 Millionen für das Heer, 2,5 Millionen für die Marine. Die Ersparnisse werden zunächst nicht bei den einzelneu lilelu. sondern als Gesamtabstriche im Abschluß ersichtlich gemacht. Sie sollen erst am Schlüsse des Rechnungsjahres 19 31 f t st g e st e l l t und in der Haushaltsrechnung auf die einzelnen Titel verteilt werden. Der 1930 begonnene Abbau der Heeresleitung wird fortgesetzt. Insgesamt sollen 397 Beamte, Offiziere, Angestellte, Unteroffiziere und Mannschaften«ingespart werden: davon 47 aller- dings erst 1932 oder später. Die Ersparnis für 4930 und 1931 aus diesem Abbau beträgt nicht ganz eine Million. Bei der Marin« werden Einnahmen von etwa 83 Millionen aus dem Verkauf von nicht mehr dien st sähigen Schiffen erwartet. Dafür komme» in Betracht drei Linienschiffe, drei Kreuzer, einige Torpedoboote, ein Vermessungsschiff, ein Peil- boot usw. Der Minderdedarf an fortdauernden Ausgaben beträgt rund 68 Millionen gegenüber dem Etat von 1930. Besonders wich- tige Einsparungen sind rund 5� Millionen durch Einschrän- kung der Instandsetzungskosten der Schisse und Senkung der Mogazinb« stände. Dagegen haben sich die .Kosten für S ch i f f, ii b un g s m» n i t i o n wesentlich er- höht, C» sind hierfür zunächst 1,4 Millionen angefordert, wi« das Wetzrmmisterium erklärt,„auf unter Zurückstellung vieler für Artilleriezwecke sonst»roch bestehender sehr dringender Forderungen". Für Schiffebauten und Armierungen werden nsben den 34,77 Millionen weiter« Raten für die bereits ge- nehmigien Neubauten nach«in erster Teilbetrag für das Panzerschiff„Ersatz Lothringeiz" von 10,83 Millionen für den Bau von 5 DD-Booten(Bewachungsfahrzeuge) von 2.S Mil- lionen und den Bau von 7 O�-Baoten(Uebungefahrzeugen) von lA Million«» angefordert. Insgesamt sind für Schffssbauten und Armierungen gegenübsr 1930 rund 9.? Millionen mehr eingesetzt. Eingespart werden bei den Arbeiten zur Verbesserung der Werft Wilhelmshaven, des Arsenals Kiel und des Fahrwassers der Jade insgesamt IR Millionen, bei den Kosten für d!e Verbesserung der Verteihigungfimittel und der Wastenausblldung rund Z Z Mil- lionen. bei den Kosten der Unterbringung und Fürsorg« 0,3 Millionen. Dagegen erhöhe» sich die Ausgab«» von Luftschutz- Übungen um 1 Million. Insgesamt sind die«imnaligen Au»- gaben gegenüber 1930 um 2R Millionen höher angesetzt. V sollen nachfolgen trotz Krise und Arbeitslosigkeit, trotz drückendster Rot! So steht der Reichswehretat im Zeichen der Sparsamkeit aus! Mstungspolitik bei Defizit. Der schweizerisch« Etat für 1931, den der Bundesrat soeben d«m Parlament zugehen ließ, zetgl di« Auswirkungen der Weltwirtschastskni« in der Schweiz. Zum erstenmal seit 1928 wird der Etat für 1931 wieder ein Defizit aufweisen, nämlich von 7 700 000 Franken. Di« Ursache ist!» erster Linie die Steigerung d«r Ausgaben, die zum Teil, aber auch nur zum Teil auf Maß- rakmen' zur Bekämpfung d-r Kriegsfolgen zurückzuführen ist. Um ic erstaunlicher ist es, daß der Bundesrat sich bemüßigt glaubt, in einer solchen Zeit sein« Rüstungspolitik gesteigert fortzusetzen. Wie klug ist die Gozialdemvkratie? Und wie dumm ist H-rr Iucundusk Di«„Kreuzzeitvng" bringt einen Artikel„Wie klug ist d!« Toziall>emokr«zti»?* von Iueundu?. Dieser beginnt mit fol? gendem Satz: Die SoMdemokraiische Partsi ist eine Abteilung der zweiten International« und somit programmäßig Ztazisistisch, und sie ist. weil eine deutsch« sozialtstssche Partei, gegen d i e Abrüstung der Franzosen. Wi« klug di« Sozialdemokratie ist, läßt sich schwer sagen. Aber Herr Iueundu? ist so dumm, daß«z kaum zu glauben ist! Die Jolgen einer Schwäche. Thüringen verlangt pollz-izuschüffe. D?» Reichskabinett ist dem Reichsimwnministar bei seinem Bor- gehen gegen Braunschw«tg in den Arm gefallen. Braunichweig erhält trotz granzen sein« Polizeizuschüss«. Di« Folg« ist, daß nun auch Thüringen die Aufhebung der Sperre verlangt. Dt« Fraktion der Christlich-Natianalen Bauern- und Landvolkpartei in Thüringen hat durch ihren Vorsitzenden Norst«llung«n bei nahestehenden Reichsmini st ern in Berlin erhoben, um mindestens eine Gleich st eklung Thüringen, mit Braunschweig in der Frag« der Behandlung der Pvlizeikostenzuschüsse zu Erreichen. Es bedeute bei der Haltung der Reichsregierung gegenüber Thüringen eine Härte, wen» Thü- ringen weiterhin die Gelder gesperrt würden. Da, ist die Folge der Halbheit! Micha von Montenegro. «Mich Hai noch nich« vergeffen mein in»tts ÄaierlanPI" Zr« nach der«Lustigen Wlive". «.Oanilo, laß meine Hand los. Ich muß das Geld einkassieren, das mir mein teures Ochsenkopf' Vaterland nachmirst!� Heimwehr bricht Wiener Verbot. Schutzbund beachtet Ltmformverbot. Wien, st. November.(Eigenbericht.) Die H« i m w» h r hatte am Sonntag»inen Aufmarsch in Uniform. Der Nepublikanifche Schutzbund hat am Moutog durch ein« Abordnung unter Führung de» Abg. Dr. Deutsch bei dem Ujirgermeister®»>tz unter Borweisung von Photographien darauf aufmerksam gemacht, daß d!« cheinuvehr am Sonntag unter den Augen von Ministern da» Aufmarschverbot durchbrochen hat. Sie stelle daher an den Bürgermeister da» Ersuchen, das Aufmarsch» »erbot aufzuheben, da es hem Grundsatz der Gleichheit wider» spreche, bah dem Schutzbund verboten bleibt, was d«r cheimwehr erlaubt ist. Der Bürgermeister antwortete, auch ihm fei berichtet worden, datz das Lusmarlcho»rbpt am Tonmag durchbrochen wurde. Trotzdem wolle er da» Ausmarschoerbot nicht aufheben, und er appelliere im Interesse der Ruhe und Ordnung an den Nepublita» Nischen Schutzbund, da» Austnarschverbot streng.»inzuhalten. Er werde selbstverstäMich die notwendigen Weisungen geben, dah auch die anderen gormattonen zur strengen Ctnhastung des Aufmarsch- verbot? angehalten werden..Nach einer längeren Aussprach- sagte die Abordnung dem Bürgermeister zu, dah der Schutzbund von einem uniformierten Ausmarsch absehe und sich bei dem am Dienstag stattsindenden Fackelzug mit einem Aufmarsch in Zivil begnügen werde. Tatsächlich hat auch die Zentralleitung des Republikanischen Schutzbund«»»in, Weisung an sein« Mitglieder erlassen, sich an dem Fackelzug, der am Dienstagabend stattfindet, nicht in Unifarn'. sondern in Zivil zu beteiligen. Polizei auf Waffensuche. Wien,?. November.(Eigenbericht.) D«? sozialdemokratische Parteioorstand erläßt einen Aufruf an die Genossen und Eanossinnen. worin er mstteili, ihm sei bekannt geworden, daß die Regierung am Dienstag in per- schieden«» Parteilokalen in Wien und«n den anderen Bundesländern chau»durchsuchung»n durchführen lassen«olle. De? Bor- wand dafür sei, daß nach Waffen gesucht werde. Der Partei« vorfiand fordert die Genossen uird Genossinnen dringend auf. sich nicht zu Unb-sonnenheüen provozieren zu lasten. Wo» die Frage der Waffendurchsuchungen anbelangt. Hab« dl« Partei nichts zu per» bergen. Sie sei unbedingt und jeder Zeit schon stst Dohren iur die beiderseitig« innere Wrüstung und der gegenseitigen Kontrolle«in- getreten. Die Arbeiterklasse werde dagegen nie einseitig darauf oerzichten können, sich zur Verteidigung der republikanischen Ber- sassung beveit zu halten, solange nicht die beiderseitige Abrüstung durchgeführt wird. Die Berliner Opernfrage. Keine vöiltge Lösung der Beziehungen) künftige Lnteressen, gemeinschaft in Bussicht genommen. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit- In dar gestrigen Unterredung zwischen dem Kultusminister, Burger. Meister Scholtz und Stadtsyndikus Lange über die «eitere Zusammenarbeit zwischen Staat»« und Stadlischer Oper wurde folgende» erörtert! 1..Ein« völlig« Lösung der Beziehungen zwischen den Opsrnbetrieben Unter den Linden und Charlottenburg liegt n.icht im Interesse der beiden Institut«. Z. Eine Bereinigung der Opernbetriebe Unter den Linden und Eharlottenburg mühte nach Ansicht des Ministers, wenn sie zu weiteren wesentlichen Ersparnissen führen sollte, auf einer restlosen rechtlichen und wirtschastliche» Einheltlichteit beruhen.(ein- heitliches Personal, gemeinsame Kassen, Teilung de» Zuschusses nach einem vorher festgesetzten Schlüssel usw.). Eine solche Verschmelzung mär« für den Staat nur auf dem Wege de? Gesetzes möglich und würde abgesehen von den langwierigen Vorbereitungen, hie bis zur Fertigstellung de» nächstjährigen chaushalleplan» van beiden Parteien nicht mehr getroffen werden könne», � zunächst auf Schwierigkeiten stoßen, deren Lösung in kurzer Zeit nicht möglich 'st. Di« Möglichkeit eines solchen Zusammenschlusses soll von beiden Seiten weiter geprüft werden. S. Für eine künftig« Interessengemeinschaft wurden folgende Punkte besprochen, die in einer weiteren Aussicht»- ratssitzung der Städtischen Oper beraten werden sollen: a) Für die lausende Spielzeit bleibt, während die Per- lonalunion ausgehoben wird, der fachliche Teil der Arbeltsgemeinschaft aufrechterhalten. Generalintendant Tietsen ist ermächtigt, sich für die hierau» erwachsenden Aufgaben zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus glaubt der Minister«ine weitere Belastung der Arbeitskraft des Herrn Tietjen nicht per- Mitworten zu können. st) Für die Zeit nach Ablauf der gegenwärtigen S p i e l z e I t soll ein Abkommen über die gemeinsame Wahrung der künstlerischen und wirtschaftlichen Interessen beider Institute getrossen werden. Die Verständigung soll sich u. a. beziehen auf Perfonalfragen, Erwerbung von Werken, Spiel- plangestaltung, Dekorationswesen, Rundsunk- iragcn, Retlamewesen. Der Minister gab dem Wunsche Ausdruck, dah im Rahmen dieser Verständigung die Städtische Oper sich besonders auf dem Gebiet der sozialen Kunst pfleg« stärker betätige, da auch damit zu rechnen sei, daß die Oper am Platz der Republik nach Ablauf dieser Spielzeit geschlossen mird. Die Staateoper wird bei der Abtretung von Ausführungsrechten, die ihr allein zustehen, der Städtischen Oper möglichst weit entgegenkommen. Oer Auffichtsrai der Gtädt schen Oper A.-G. hat von den gestern vormittag stattgefundensn Verhandlungen des Bürgerm-istar» Scholtz und de» Stsdtsynöikus Lange mit dem preu- hifchen Kulrusmlnist-r KenMni» genommen. itzeneralintendant Tietjen legt« gemäß dem Wunsch« des Minister» sein Amt in die Hände de» Aufsicht, raies zurück. Räch Abschluh des Vertrages des stellvertretenden Intendantin endet mit der Beschäftigung des Generalintendanten zugleich auch der Vertrag des stellvertretenden Intendanten. Daher muhte der Auisichtsr-u Vorsorge für«in« reibungslos« Fortführung der Ge» ichäste trefsen. Dieses ist durch folgenden Beschluß ersolgt: Dr. Singer bleibt vorläufig bi» zur Beendigung der lau- 'enden Spielzeit in seiner bisherigen Stellung. Die Stellung»ine» Intendanten soll sofort mit kurzer Frist ausgeschrieben werden, In dieser Beschlußfassung liegt durchaus nicht eine Ablehnung weiterer Verhandlungen mit der S»oat»oper über die Fragen der Int«ress«ngemeiirschqst oder einer Fusion. Der Kspp-Puisch vor dem Reichsgericht. Nuß Kapitän Ehrhardt bezahlen? Das Reichsgericht wird sich heute noch einmal mit dem Kapp- Müsch zu beschäftigen haben, und zwar mit den zivilrechtlichen Folaen dieses Unternehmens, die sich für den ehemaligen Führer der Marinebrigad«. KapitänChrhardt. ergeben haben. Ehrhardt lx-tt«, ebenso wie General v. Lüttwitz undMajor Bischofs im August 1927 vom ReichsVehrministerium die Mitteilung erhalten. daß er wegen des Vermögensschadens. der dem Reich durch den Kapp-Putfch erwachsen sei, in vpller Höhe in Anspruch genommen werde. Gegen diesen Bescheid ließ Ehrhardt ein« Feststellungsklage beim Landgericht I einreichen, wonach das Reich gegen ihn keine Schaden- ersatzaniprüchs geltend machen könne. Wenn das Reichswehr- Ministerium den entstandenen Schaden in der von General v. Lütt- witz vorgenommenen Erhöhung der Reichswehrzulagen erblicke, so nenvahre sich Ehrhardt gegen«ine Inanspruchnahme dafür, weil Lüttwitz sein Vorgesetzter gewesen sei und er. Ehrhardt, nur als Untergebener die Anordnungen des General» ausgeführt habe. Es sei tatsächllch unrichtig, dah er als Führer der Marinebrigad« Ehrhardt auch ein Führer de» Kapp» Putsche» gewesen sei. Dae Landgericht I in Berlin hatte di« Schadensersatzansprüche d«, Reichsministeriums zum Teil als berechtigt an« «rkannt. während das Kamwergericht Piese Entjchetdung aufhob, weil die Schadeneersatzansprüch« des Reiches«tst so spät geltend gemacht worden seien, daß sie als v« r w i rk t angesehen werden mühten. Gegen dieses Urteil des Kammergericht« meldst« da» NcichcwehrminisUrium Revision«n, dt« nun den 3. Zivil» senat des Reichsgerichts beschäftigen wird. In der heutigen Verhynd» lung wird e» sich in erster Linie darum drehen, wer als Führer de» Kapp-Unternehmens außer dem inzwischen verstorbenen S«neral< landschastsdirektor Kapp anzusehen war. Zentrale der Mörder. Il'ben Heines auch Schulz. Aus München wird gemeldet, daß Hitler den amnestierten Führer der Fememörder, Oberleutnant a. V. Paul Schulz, ln die ReichspartetleUung der Nationalsozia» listischen Partei berufen hat._ Revision im Bombealegerprozeh. Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, hat die S t a a t s a n w a l t s ch a s t im Bomben- legerprozeß Revision eingelegt. Von den Angeklagten hat vieher nur der zu sieben Jahren Zuchthau» verurteilte Volck durch leinen Verteidiger Revision einlegen lassen. Die Frist läuft jedoch bis zum 7. November. Ehemals viel zikierk war das große Petersburger Blatt„N o- w o j e W r e m j a". Sie erschien seit 1S7S in Petersburg, dann feit 1918 m Belgrad und hat nun ihr Erscheinen eingestellt. Soeben erschien he) I. M. w. E»iets8 Der Voeecsbetma der NetlenaUosialUte», Bede des Abs. Or. Noeener in der Relchstegssltsund am td. Ofcleher Prei» SO Plcnnl« Tardieu verkriecht sich hinter Briand. Bor der auswärtigen Debatte. Pari«, 3. November.(Eigenbericht.) Der sozialistische Parteiführer L ä o n Blum, hat am Sonntag iy Narbonn« auf dem Kongreh der fazialistischen Lugend Frankreich» an die Regierung Tardieu di« schärfst« Kampfansage gerichtet. Die sozialistische Parlamentsfraktion werbe jede Gelegenheit er- greifen, ja st- eventuell selbst provozieren, um da» Kabinett zu stürzen. Die Regierung, um dt« sich die ganz« Reaktion in«iser» süchtizer Wachsamkeit geschart hat. habe in Frankreich ein« Atmosphäre v-rbreitet, die bis in di« letztin Zwerge des politischen Lebens reaktionär gewirkt habe. Auch auf militäxtschem Gebiet habe vi» Regierung nicht, ol, Reaktion gestiftet. Sie sei da, Haupthindernis auf dem Weg« der Abrüstung und Versöhnung. Trotz dieser energischen Kriegserklärung scheint sich die Position de, Kabinetts für die am Dien,tag beginnend« grphe außenpolitisch« Debatte in der Kammer wesentlich g e b» s s« r t zu haben. Tardieu hat sich nach längerem Zögern doch mutig und entschieden— hinter den Rücken Briands geflüchtet und Hot so die patriotische Opposition gegen die Zluhenpolitik Briands um ihren schönsten Kampseseiser gebracht. Auch dos Interview des Reichs- tanzler« Brüning im„Petit Parisien* hat hier beinahe wie ein« Entlastungsoffensive zugunsten Briand, gewirkt. Der „Temps" ist bisher da, einzig» Blatt, da» davon Notiz genommen hat, aber auch er sucht sich au, der Erklärung Brünings di« ihm genehmen Punkte heraus. Er unterstreicht vor allem, daß Brüning jede Politik der Abenteuer ablehnt und den Willen Deutschland« zur friedlichen Zusammenarbeit erneut ausspricht. Wenn auch einige seiner Forderungen nur schwer niit dem Versailler Bertrag und mit den Rechten und Interessen Frankreichs in Einklang zu bringen l feien, so habe Brüning augenscheinlich doch die RotweMgkeit oer- spürt, jenem Mißtrauen entgegenzuwirken, das durch die brutale und völlig aussichtslose Agitation der Hitler und Hugcn- berg im Ausland entstanden sei. Die Mächt«, di« in der Aufrecht- erhastung der Verträge die wichtigst« Garantie für den Frieden sähen, hätten aber trotz Brünings Erklärungen die Pflicht, fest und wachsam zu bleiben. Muffolini bekommt Bankengeld. lleber den Kopf der franzSstschen Z�egirruns. Pari,, 3. November.(Eigenbericht.) Wie der„Jntransigeant" berichtet, hat trotz der De- m« n t! S der französischen Regierung eine Bontengrupp« unter Führung des Credit Lyonnais der italienischen Regierung einen größeren Kredit eingeräumt- Angeblich zahl« Mussolini für diese Hilfe den verhältnismäßig hohen Zinssatz von sechs Prozent. Das Blatt richtet die entrüstete Frage an die Regierung, ob der Kredit etwa über ihre» Kops hinweg gewährt worden sei. weil man doch nicht gut annehmen könne, daß Frankreich die italienischen Rüstungen gegen sich selbst auch nach finanzieren wolle. Belotti verbotet und verschickt. Zürich. 3. November.(Eigenbericht.) Di»„Neue Züricher Zeitung" erfährt, daß der ehemalige italienisch« Minister Bartolo Belotti aus Grund einer Weisung au, Rom von der Mailänder Polizei verhaftet wurde. Den Anlaß hierzu soll ein von der Pastzensur beschlag- nahmt«? Brief Belpttis an den frül)er«n Ministerpräsidenten Bonoml gebildet haben, der sehr offen über die Korruption In der Faschistischen Partei berichtete. Außerdem soll darin der Plan der Gründung einer Zeitschrift»nt- wickelt worden sein, an der außer Belotti und Bonomi noch der srühere Ministerpräsident Orlando mitarbeiten sollt«. Belotti soll auf fünf Jahre auf die Inseln verschickt werden. Der Eindruck der Derhastung Hab« sich an der Börse kräftig fühlbar gemacht. Man ist sich im Zweifel darüber, ob Mussolini den Eindruck solcher Maßnahmen auf die Bevölkerung der Lombardei richtig einschätzt. Täglich fünf Morde. Das Untersuchungsbüro des Bundes» justizdepartements gab di« Perbrecherstatlstit der ersten 9 Monat« de» Jahres 1930 bekannt, die auf den Zahlen von LS größeren amerikanischen Städten basiert und ein beträchtliche» Anwachsen der Verbrechcrrate aufzeigen. Die tägliche Mordrote ist von drei auf fünf gestiegen. Jakob Goidschmidt, der Geschäftsinhaber der Darmstädter und Nationalbank, läßt öffentlich und auf das bestimmteste imtteiicn. daß er niemals, weder direkt noch indirekt, der Nationalsozialist!- schen Partei Gelder gegeben habe, ferner daß er niemals einen nationalsozialistischen Führer empfangen habe. WERTHEIM fl-risch, fleisch Ohst u. Gemüse{Kaan m.&ett HkIm. Obst und C«mGs« werden nicht Bttgesandl Hammel•Vorderfleisch 1.02 Kalter milagaMlzwi.Pfuna 1>06 RQckenfetf t>rat- 0.45 Musäptel.... 3 ptwa 0.58 Amerik. Äpfel• p*"* 0.38 Felgen.... p'uno oji 0.28 Bananen..... Pfund 0.38 Rot.. Weift.&Ä!"p5: 0.03 Zwiebeln M8hrePnfund 0.04 Mark. Rübchen 3 p'--. 0.25 Sellerie p un ern Richen, der feil Iair- lednlen in oorderster Reihe als gämvtet in der Bewegung gestanden hat. ?aIkenfeeiSvandau.?.Noven>der ISZst. Sozlaldefnokniillilr Partrl Dealldilamis Oiisvereln Falhensee Die Einäscherung findet Dienetag. den 4 November, abend- S>/, Uhr im Kremalerlum Gerichistraße stall. Die Parteimitglieder werden um -ahlreiche Bele lignng gebeien Allen Parielgenosse». Freunden und Belannle" hiermit die traurige Nach- eicht, daß mein> el er guier Leben«- .'am er d,»nler Schwager und bester F'eund. der Zimmerer Franz Kabiizki im Aller von SA-tabrr.i nach langer chweier Kranfheit sanft»nlschlasen ist Tieft etlstb» ze g«n diese» an Frau Elsjadeid stadlirlC. ged Iuooin Frau Anna Salbacb, geb Iuvpln Familie ttreldolä Menke als Freunde Faltenfee. SO. Oktober 930. Die E'nälch) rung findet am Dien«- lag, 4. November, a' end« K>-e Uhr. iai Kremalormm Berlin. Derichl- straße. statt. Am Sannrnrend dem l. Nooemder machte der Tod dem wirkungsvollen Lebe» unser.» braven Genossen Karl EEnKelbrecbT ein ichnelle« Ende. Wir verlieren in idm einen Klassen» ginosten sellener Arl und werden se.n Andenken bewadren. SPJ.-Frakilon Fa. lierrtnann Gereon AilgemeineOnsKraDKenkasse Berlin-Weijensee Bckanntmacl ung. Der auf Grund der Notverordnung vom 20. 7 1930 vom Kassenaueschuß am 5. Eeplembee 19 0 beschlossene 35. SatzuagSnachirag ist vom Odervcrsicherungsamt geuehmlgi worden Drurkststcke de« Nachtrag« find nach Drucklegung in unserer Seschällsstelle er- hälllich. Berlin- Weißensee, den l. November 1930. Oer Vorstand. 3JL BrUhrnllller. Vorngender ffl Schräge. Schrisllilhrer. Bekanntmachung. Die in der Zeit vom 1. Oftober bis 31 Dezember lSo9 verlegten Pfänder find verkteigerl worden. lieber- fchüfse sind bis zum 3 Nl> vember 1931 abzuheben. Staatliches Leihamt. MsdieMMMssaiiil Achtung! Bau- und Celd- schianKschtosser AmDirnstag. den» 4.3toobc. 1930. 11 Ahr ooemittags, findet eine fr- welerie Strel.Ieilungsstkung im Lvlal „Sosenfhalec Aol", Berlin 9t, Rvlen- ihalrr Straße, stau. Zu erscheinen haben van seder Konlrvll- stelle uwei Kollegen; au» jedem deilreiklen Leniev ein Kouege(wenn möglich Per- irauelismann. Es ist wichttg. daß ieder Belrteb ve» treten ist vie Ocfsoertoallung. , Ziebaog. ,»« 11. bis t8. Novbr. 1930 J ranUehnle firon« Olkswohl- otterie 51 1 78 Gewinn* and 3 Pr innen im S 465000 �150000 �x7500C IS i�oooo f/Ä'MSOOOO �h;äm40000 Lose ra 1 HM Doppcllose so 2 RM yr öinclislirielß:; tn 6liiMsliriBlj:.ÄÄi2tlO/ Porto und Gewinnliste 35 Pf. In sllcn durch Plekete kcnutlich.| Verkaufsstellen und durch G. Dischlatis& Co. Berlin Cz, Königstr.$i Postschsckkonto: Berlin 6779 s>«s;l jene Ocw. aul | Wunsch 9- e q b*r| am seifensimie zu Friedensprelseii! Nulzen Sfe meinen Verkaut in modernen Quall- tSIeri un J Farben In r iner Seide und Kunstseide direüi an Private vom 6.- 12. noiiember Georg Lehmann Mechanische Seidenweberei Bernau b. Berlin. KaiserstraBe 31/32 fileine A+xze/pon,, unvkunQSv&U und km*®. Uberschriftswort 25 Pf., Textwort 1 2 Pf./ Wiederholungsrabatt: 10 mol 5%. 20 mal oder IOOO Worte Abschluß 10%, 2000 Worte 15%, 4000 Worte 20% Stellengesuche: Uberschriftswort 15 Pf., Textwort TO Pf. 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' P'atlnn'"' ll.- Lk: ' zinn. Blei, Queck- filter.SUderschmclze Goldichmei-erciEhr'. stionat KLpen'cker- straße 39'La'lrltcll! -Udgldcristcaße).' Abituriuw, Einjährige». Direk- tor Dr. Fackclmanns Anstalt. Sohen. zollcrndamm 198. Schwerbrriae und Ertaubte. Ahlehen der Sprache pom Munde unier. richtet Elle Miß. mann, Schäferstraßr II. Zannowitz 5981.' Technische Privalschule von Ludwig Barth. Zn- Haber und Leiter Dipl.-Zng.Scrmann Saale, N 4, Ehaussce. straße 1 sOranicne burger Tor). Mo, schincnbau. Elektro. technik. Tages-, Abendschule. De- ginn- Oktrher Technische Privalschule. Diplom- Ingenieur Sieklm'cher. Fried- rlchstraße 118119. Maschinenbau. Elek- 'trn'echnik. Galvano- 'technik. Ausbildung zu technischen Zeich- ncrinnen. Auwsahr- l schule. Bcrllß Schoos. Leipzigerstraße HO, Kuriürstendamm 26». Fremd« Sprachen. Zirkelt 12 T-iln-h. mer. monatlich 12 Mark, vicrteliährlich 30 Mark, zahlbar in Raten. Eintritt ie- derzeit. | lanfU' terrici»( Tan, Unterricht Egon Mangelsdorfs. 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Untersuchungsausschuß über die Berliner„Mißwirtschaft" stirbt in Lächerlichkeit Böß noch einmal vernommen** Schnüffelei aus parteipolitischer Gehässigkeit Der von deaVentschvationalen seinerzeit im Prendischeu Landtag beantragte Uatersuchungsausschuh zur Prüfung der Mih. Wirtschaft in der Berliner Stadtverwaltung st i r b t jetzt nach seiner 54. Sitzung In Lächerlichkeit. Noch einmal marschierten am Blontog eiue Reihe von Zeugen aus. die aus Antrag der Deutsch- nationalen vorgeladen waren, um mit dem Oberbürgermeister Dr. Bäh konfrontiert zu werden. Das peinliche Verhör, das dabei namentlich Abg. Hillger fDnt.) mlt dem Oberbürgermeister an- stellte, wirkte aber nicht anders als kleinliche Schnüffelei. So nahmen denn nacheinander am Zeugentisch die Promi- nentesten des Berliner Hotel- und Gastwirtsgewerbes Platz: die Herren Peltzer, Generaldirektor Lüpfchütz vom Excelsior-Hotel, Lorenz Adlon und Knebel vom Weinhaus Hitler, die sämtlich darüber aus- sagen sollten, daß der Oberbürgermeister sie zu sich kommen ließ, um sie zu„schröpfe n�. Es handelt sich um den Ankauf eines wert- vollen Bildes von Max Liebermann„Di« Geschwister"', das der in- zwischen verstorbene Kunsthändler Cassirer der Stadt für 45 000 M. angeboten hatte, um ein« Abwanderung des Kunstwerkes in das Ausland zu vermeiden. Dr. Böß leitete eine Sammlung in die Wege und soll dabei auch an die genannten Zeugen mit der Auf- forderung herangetreten sein, sich mit Spenden zu beteiligen. Er hatte dabei die Idee, das Bild„zur Hebung des Fremdenverkehrs" im Foyer der Städtischen Oper aufzuhängen und tatsachlich ist auch so verfahren worden. Nach einiger Zeit wurde es jedoch auf Anraten des Generalintendanten wegen Diebstahlsgefahr entfernt und hängt jetzt in der Stadtbiblwthek Nach den Angaben des Oberbürger- meisters aber haben die Vertreter des Gastwirtsgewerbes nur einen kleinen Teil der genannten Summ« mifgebracht. Die nicht erschienene Rektonienotiz. Es ergab sich ferner, daß Herr P«ltzer 500 M. gegeben hatte, Herr Lorenz Adlon 1000 M., und zwar gern, wi« er ausdrücklich betonte, weil er ein Interesse an der Kunst im allgemeinen und an Max Liebermann im besonderen hat. h«rr Lüpschütz hat für das Excelsior-Hotel ein« Spende rundweg abgelehnt und Herr Knebel vom Weinhaus hiller wußte überhaupt von nichts, denn er nwr mn keine Spende gebeten worden. Die Deutschnationalen hatten ferner behauptet, daß Dr. Böß zu einer privaten Veranstaltung in seiner Wohnung bei Peltzer Essen bestellt, dasselbe aber schließlich zu bezahlen„vergessen" Hobe. Es wurde aber festgestellt, daß der Oberbürgermeister 1024 in Wahrnehmung seiner Repräsentations- pflichten als Stadloberhaupt in den Amtsräumen seiner Dienst- wohnnng den damals anläßlich einer Musikwoche in Berlin anwcfcn- diltt Komponisten und Musikern ein Eisen gegeben hat, das.. bei Peltzer bestellt und von diesem auch getieferl wurde." Peltzer che- haüptet, es s«i ihm telephonisch von irgendeiner Mägistratsstelle das Ansinnen gestellt worden, das Essen zum E i n k a u f s p r e i s zu liefern. Die hier In Betracht kommenden Beamten aus der Umgebung des Oberbürgermeisters bestreiten jedoch diese Angaben. Peltzer hat dann überhaupt keine Rechnung eingereicht, damit man ihn künftig mit derartigen Ansinnen verschone. In einem anderen Falle hat Peltzer nach einem Wohltatigkeltsboll im Zoo mit von ihm gestifteter Tombola deren Erlös in höhe von 0300 M. zu einem Drittel notleidenden Künstlern und zu zwei Dritt«ln der Volks- s p c i s u n g zur Verfügung gestellt. Er fühlt sich nun dadurch benachteiligt, daß eine über diese Wohltätigkeit berichtende Notiz in den Zeitungen nicht erschienen ist. Also viel Lärm um nichts! Man hatte durchaus den Eindruck, daß um einer unterbliebenen Reklamenotiz willen und— vielleicht auch als Nachwirkung des berühmten Flaggen st reites in Berlin mit den Hoteliers— sich der Ausschuß bis nachmittag mit Bagatellsachen beschäfttgen mußte. Die Vernehmungen sollten noch einmal gegen die Stadtverwaltung politisches Materiol liesern. Aber die Aktion der Deutschnationalen ist kläglich verpufft. Der Rest der Verhandlung wurde ausgefüllt durch einen Disput über Zuständigkeiten zwischen dem Oberbürgermeister und dem Zeugen Bezirksbürgermeister Dr. herz(Soz.) vom Verwalwngs- bezirk Kreuzberg. Anlaß dazu gab der Tunnelbau des Hotel Excelsior unter der Stresemannstraß« nach dem Anhalter Bahnhof. Dr. herz erhebt dabei gegen die Zentrale den Vorwurf, daß bei der Borbereitung des bedenklichen Projettes das Bezirksamt Kreuzberg ousgefchallet wurde. Die Behauptung der Deutschnationalen, daß um der persönlichen Freundschaft des Oberbürgermeisters mit dem Ehef des Hauses Excelsior, Geheimrat Elschner, willen der Bau des Tunnels beschleunigt wurde, weist Dr. Böß mit Entrüstung zurück. Er bezieht sich dabei auf die abschließende Untersuchung des Ober- Präsidiums als Aufsichtsinstanz. Zum Schluß beantwortete noch«in Vertreter des Staats- Ministeriums die Anfrage, ob Stadträte oder Staatsbeamte sich als Schiedsrichter betättgen dürfen. Danach dürfen unbesoldet« Stadträte, die neben ihrem Ehrenamt noch in einem Hauptberuf tätig sind, ein Schiedsrichteramt übernehmen. Nur wenn ein« solche Schiedsrichtertätigkeit im Zusammenhang mit Dienstobliegenheiten bestht, hat darüber der Magistratsdezernent zu entscheiden. Unmittel- bare Staatsbeamte bedürfen zur Ausübung einer solchen schiede- richterlichen Tätigkeit der Genehmigung der vorgesetzten Dienststelle. sofern es sich um kein« ständige Beschäftigung handelt. Es handelt sich hier um den verstorbenen Stadtrat Busch und Regierung?- direttor Abramowitsch vom Polizeipräsidium. Es ist festgestellt worden, daß in beiden Fällen die Uebernahme des Schiedsrichter- amtes amtlich nicht zu beanstanden ist. In kurzer nichtöffentlicher Sitzung beschloß hieraus der Ausschuß einstimmig, die Beweiserhebung abzuschließen. Das Plädoyer des Berichterstatters soll erst Anfang Januar stattfinden. Damit haben die Untersuchungen des Ausschuffes zur Prüfung der Mißwirtschasl in Berlin einunrühmlichesEnde gefunden. Sic waren nicht objektiv. Parteipolitische Gehässigkeit haben ihnen den Stempel aufgedrückt und in cnlstellender. demagogischer Weise haben die Reaktionäre aller Schattierungen aus ihnen ihr trübes Rlaierial geschöpft, mit dem sie im September den Reichstagswahlkamps gegen die Gemeinwirtschast und gegen die Sozialdemokratie führten. Ws kann Berlin noch sparen? Magistrat in größten Sorgen.— Defizit schon weit über 20 Millionen. In einer außerordentlichen Sitzung begann gestern der Rtagi- slrat die Beratung des R a ch l r a g s h a u s h o l l s, die am kommenden Willwoch sorlgesehl werden soll. Man ist bestrebt, weitere Einsparungen an dem Rolelal zn niachen. Berlins Finanzlage ist außerordentlich ernst. Durch die dauernd steigenden Wohlfahrls- lasteo und den Rückgang der konjunklursteuern ist das Defizit auf weit über siebzig Millionen Mark angewachsen. Im Etat sollen alle Posten, die bis jetzt noch nicht verausgabt worden sind, g e st r i ch e n werden. Es handelt sich hierbei aller- dings meist um nur geringere Beträge, heute findet eine B e- s p r c ch u n g über die Gesamttage mit den Bürgermeistern der einzelnen Bezirk« statt. Es kam der Tag, wo Vater Eiscrmann einsah, daß auch er trotz seiner Zuschlagmuskeln die Gewalt über Paul und Ludwig verloren hatte. Da beschloß er, von nun an die jüngeren seiner Kinder mit um so größerer Strenge zu er- ziehen. Bon irgendwoher war der Bibelspruch in seinem Ge- dächtnis Höngen geblieben: Wer seine Kinder lieb hat, züchtigt sie! Nach dieser erhobenen, durch Jahrhunderte geheiligten Leitschnur wollte er künftighin handeln. Doch noch ehe er dazu kam. seinen Entschluß in die Tat umzusetzen, trat ein Er- eignis ein, das sein Vorhoben mit einer Handbewegung aus- wischte wie ein nasser Schwamm eine Kreideschrift. Dies Ereignis war der Tod seiner Frau. Nach kurzem Krankenlager starb sie. Ausgelöscht war sie, verweht wie ein Licht. So still und unbemerkt, wie sie gelebt hatte, so still und unbemerkt war sie hinaus auf die ewige Wanderschaft, und all Geschrei der Kinderschar rief sie nicht mehr zurück... Nun saß Varer Eisermann da mit seinen vielen Kindern und wußte die erste Zeit nicht aus noch ein. Gut, daß wenigstens Paul und Ludwig so weit waren, aus der Schule zu kommen und irgendein« Arbeit anzu- nehmen.,, � � Der älteste lief denn auch sofort nach dem Begräbnis der Mutter in eine Fabrik. Er wollte kein Handwerk lernen, keine Lehr- und Schinderjahre durchmachen, wie er sagte. Ihn lockte der verhältnismäßig hohe Verdienst als un» gelernter Fabrikarbeiter. Da gab es alle vierzehn Tage bares Geld in die Hand, und so viel fiel immer ab, als er brauchte, um mit Mädchen und Kollegen auf Rummel- platzen und billigen Varietes sich ein paar fröhliche Stunden zu verfchaften.'. �. Ludwig dagegen wollte ein Handwerk erlernen. Auf dem Hofe war eine Tifchlerwerkftatt. die schon von «mg an eine seltsame Anziehungskraft auf ihn ausgeübt frrft- Stundenlang war er davorgestanden und hatte feine I Nase an die blinden oerstaubten Scheiben gedrückt, um dem allen Meister zuzusehen, der kunstgerecht allerlei Möbel baute. Das war ein Handwerk, dos dem Jungen gefiel. Das war anders, als alte Schuhe flicken! Das war knifflig und wert, daß man es lernte! Deshalb stand es in ihm fest: ich will Tischler werden! Als er nun aus der Schule kam, erklärte er dem Vater mit seitler hellen Knabenstimme:„Vater, du sagst doch immer, Handwerk habe goldenen Boden!" „Hat es auch, Ludwig! Willst du etwa Schuhmacher werden?" Der Knabe schüttelte energisch den Kopf:„Nein, Vater, Schuster, das ist so dreckig!" Da ging der Alte hoch wie von einer Ahle gestochen. Rot vor Zorn schrie er:„Was sagst du? Schuster? Willst du Lausebengel mein ehrbares Handwert beleidigen?" und er suchte nach dem Spannriemen, um nach Ludwig zu schlagen. Doch der Junge wich keinen Schritt zurück. Furchtlos sah er dem zornigen Mann ins Gesicht:„Es ist wahr, was ich sage, Vater. Ich mag nicht immer den Geruch von frem- den Füßen in der Nase haben! Nicht immer alte Schlurpen sticken!" „Was verstehst du schon davon, Junge! Du denkst nicht an die neuen Stiefel, die man machen kann. Es gibt doch nicht nur Flickarbeit!" „Ganz egal!" sagte Ludwig.„Ich will uicht. Ich möchte Tischler werden. Du kennst doch den Meister, der im Hof hinten seine Werkstelle hat..." „Ach so, der? Na, der wird gerade auf'nen Lausejungen wie dich gewortet haben..." „Es kommt auf einen Versuch an!" sagte Ludwig und lief aus dem Laden. Freilich, vor der Werkstatt wurden seine Schritte merk- lich langsamer, und als er gar drin stand, klopfte ihm das Herz bis zum Hals herauf und er brachte kein Wort heraus. Der Meister schaute ihn eine Weile über die Brille hin- weg an. Seine Miene war nicht besonders einladend. „Was will Er hier?" scknaubte er schließlich. „Ich will... ich will... ich will..." stotterte Ludwig. Aber da war es mit seinen Sprachschätzen bereits zu Ende. „Was willst du, Junge?" Di« Stimme des Tischlermeisters war bei der zweiten Frage bedeutend schärfer geworden. Sie klang beinah« wie «me Drohung. Autounglück bei Wannsee. Drei Leipziger Automobilisten erheblich verletzt. Auf der Berlin-Poisdamer Chaussee ereignete sich am Moutagnachmittag ein schwere» Autounglück, bei dem drei Personen erheblich verletzt wurde». Ein Privatcmw, das von dem Besitzer, dem SOjährigea Kaufmann Gustav Gamberger aus Leipzig gesteuert wurde, geriet dicht bei Wannsee ins Schleudern und rast gegen einen Baum. Der Wagen wurde zertrümmert und der Führer sowie seine Begleiter, ein junges Ehepaar aus Leipzig, erlitten komplizierte Brüche und Kopfverletzungen. Die Verunglückten wurden m das Potsdamer Städtische Krankenhaus Übergeführt. Das Autowrack mußte obge- schleppt werden. * Beim lleberfchreiten des Fahrtxmnnes in der Reuen R o ß- st r a ß e wurde gestern der 21jährig« Hausdiener Walter S a p i l z k i aus der Dresdener Straße von einem Lastauw überfahren. Di« Räder des schwerbeladenen Fahrzeuges gingen so unglücklich über den jungen Mann hinweg, daß der Tod ans der Stelle eintrat, Tausend Häuser eingestürzt. Hochwasser auch in der Türkei.— Smyrna verwüstet. Leinahe 1000 Häuser sind bei den lleberschwemmnngen in der türkischen Hasensladt S m y r o a eingestürzt und die Gesamtziffer der von den zusammenstürzenden Mauern Erschlagenen sowie der Ertrunkenen steht noch immer nicht fest; bis jetzt konnten erst 100 Tole identifizlert werden. Das Wasser stand tagelang so hoch. daß in den Bäckereien nicht gebacken, in den Schlachthäusern nicht geschlachtet, in den Zeitungsdruckerelen nicht gedruckt werden konnte. Es trat eiue fo empfindliche Lebensmittelknappheil ein. daß unter der Sevölkernng eine Panik ausbrach. Nachdem in den letzten Oktoberlagen der Sturm auf dem Meere nachließ und die Regenfälle zugleich an Heftigkeit verloren, konnte das aufgestaute Wasser zur See absließen, und die Stadt kehrt jetzt wieder zn ihrem normalen Leben zurück. Gasexplosion bei der Ruhrchemie. Drei Arbeiter schwer verletzt. Sterkrade, Z. Novemb«. Bei der Rnhrchemie A..G. im holkener Broch bei Slcrkrade sind kurz hintereinander zwei üoksgasexploslonen erfolgt, durch die das Doch der Halle vollkommen abgedeckt, die Mauern zum Teil und alle Fensterscheiben der Halle sowie in der nä6)sten Umgebung zertrümmert wurden. Ein Arbeiter wurde da- bei schwer, zwei weitere wurden leicht verletzt. Der Werkseucrwehr gelang es, den Brand«inzndämmenl und durch Absperrung der Easzukeitang vom Gasometer jede weitere Gefahr zu beseitigen. Die Ursache der Explosionen ist noch nicht geklärt.'• Die nächste Stadlverordentensitzung findet am kommenden Donnerstag, dem 6. November 1930, statt. Beginn der Be- ratungen um 16%, Uhr. Auf der reichhaltigen Tagesordnung steht u. a. die Beratung von Grund st ücksankäusen zur Durch- führung der Untergruiwbahnbouten. Berichterstatter ist der sozial» demokratische Stadtverordnete Schäfer, für die sozialdemokratische Fraktion spricht Stadtverordneter Robinson. Wieder Anfliegen des Flughafens Dresden-Heller. Der Reichs» oerkehrsnünister hat numnohr de» Luftsahrttmtcrnehmen das An- fliegen des Flughafens Dresden-Heller im planmäßigen Luftverkehr bis aus weiteres mit folgenden Flugzeugmustern gestattet: Junkers F 13, Junkers G 24 mit Bremsen, Bayerische Fluigzeugwerke M 18 und Fokker F VII. Andere Flugzeugmuster dürfen im planmäßigen Lustverkehr in Dresden nicht landen. Eigentümlicherweise gab gerade diese Härte und Strenge Ludwig Mut, weiterzusprechen und sein Anliegen vorzu- bringen. Der Meister hörte ihn ruhig an und sagte dann:„Na, da soll erst mal dein Vater zu mir rüberkommen!" Ludwig stürmte über den Hof zurück und in den Laden. „Vater! du sollst zu dem Meister kommen!" rief er freudig. „Gleich!" Doch bevor Eisermann von seinem Schusterschemel auf- stand, nahm er erst einen tüchtigen Schluck aus der Flasche und hielt sie dann prüfend gegen das Licht, um sich zu ver- gewissern, ob noch genügend Nachfuhr darin sei. Erst dann ließ er sich von seinem Jungen in die Werkstatt führen. „Guten Tag!" sagte er freudig beim Eintreten. „Tag!" klang es mürrisch zurück. Da stand nun der Schuhinachermeister an der Hobelbank, schneuzte, um seine erste Verlegenheit loszuwerden, ziemlich laut die Nase, schneuzte sie mehrfach und schaute dann inter- essiert dem Tischler zu, der einen alten Stuhl leimte, ganz in die Arbeit vertieft und seinen Besuch überhaupt nicht be- achtend. Eisermann wurde das Schweigen unheimlich. Nur um etwas zu sagen, platzte er schließlich heraus:„Interessanter Beruf das, die Tischlerei, gerade wie die Schuhmachereil" Da stellte der Tischler den Leimtopf mit einem harten Ruck hin, als hätte er einen unsichtbaren Schlag bekommen, und sah Eiscrmann betroffen an. Protestierend schüttelte er den Kopf und'agte, jedes Wort aus der tiefsten Stelle des Kehlkopfs herholend:„Das hier... das ist Kunst... Kunst- Handwerk! Mancher lernt es nie!" „Schuhmacherei ist auch Kunsthandwerk!" brauste Eiser- mann auf.„Auch das lernt mancher nie, einen Schuh nach Maß zu machen!" Doch das klang schon halb wie eine Entschuldigung. Der Tischler warf ihm nur einen verächtlichen Seiten- blick zu und leimte weiter an seinem Stuhl. Schließlich sagte er:„Wir wollen uns nicht streiten! Handwerk ist Handwerk! Jeder lobt das seine! Ich frage num will Er mir seinen Jungen in die Lehre geben? Bin zwar ein alter Mann und weiß nicht, ob ich solch einem jungen Dachs das Handwerk überhaupt noch beibringen kann. Aber sein Junge gefällt mir..." (Fortsetzung folgt.) Wie heißi der Tafchendieb? Lwei Namen und drei Natwnalitaten! Zanos oder Peter? Jugoslawe. Bulgare oder Ungar? Las war die Aroge. die das Schöffengericht Verlin-Mitte bewegte. Ein längst bekannter alter Taschendieb internationalen Tha- rakters stand vor Gericht. Zunächst aber war die Frage zu ent- scheiden, ob der Angeklagte mit seinem richtigen Namen Peter Serbenovic oder Ja n o s P a u l i c heiße, ob er jugo- slawischer, bulgarischer oder ungarischer Nationalität sei. Unter Heiden Ütamen ist er bereits in verschiedenen Ländern und auch in Deutschland abgeurteilt worden. Bei einer früheren Berhafiung hatte man einen Paß auf den Namen Peter Serbenowic bei ihm gefunden. Jetzt hatte er sich aber in das Gefangenenbuch als Janas Paulic eingetragen. Er blieb auch dabei, daß er in Wirt- lichkcit Paulic heiße. Das hatte insofern für diesen Prozeß ein« besondere Bedeutung, well er außer wegen Taschendiebstahls auch wegen intellektueller Urkundenfälschung angeklagt war. Das Gericht entschied sich schließlich, den Angeklagten als Paulic alias Serbenovic abzuurteilen, und zwar nur wegen Taschendiebstahls, während die AnNage wegen Urkundenfälschung fallen gelassen wurde. Der Angeklagte Hot im Juli eine Reihe von Taschcndiebstählcn in Berlin verübt und hat bereits ein Jahr drei Monate Gefängnis erhalten. Eine Nachtragsanklage gegen ihn stand zur Verhandlung. Am 13. Juli fuhr«in Herr im Autobus und ließ beim Schaffner einen Zehnmarkschein wechseln. Das Wechselgeld steckte er in die kleine Tasche seines Rockes. Gleich darauf kam ein Mann von ausländischem Aussehen, der bis dahin auf der Plattform gestanden halte, in den Wagen und setzte sich, obwohl die ganzen Bänke leer waren, neben den Fohrgast. Er zog eine Zeitung hervor und tat so, als ob er eifrig lese. Dabei rückte er seinem Nachbar immer näher auf den Leib. Diesem wurde das bei der damals herrschenden drückenden Hitze allmählich lästig und er fragte den fremden Mann, ob er sich nicht auf seinen Schoß setzen wolle. An der nächsten Haltestelle Unter den Linden stieg der unbequeme Mitfahrer aus und gleich darauf entdeckt« der andere, daß sein Geld verschwunden war. Auf die Be- schreibung, die er von dem Fremden bei der Polizei abgab, wurde ihm auf dem Polizeipräsidium nach einigen Tagen der Peter alias Janas gegenübergestellt und er erkannte ihn wieder. Der Angeklagte bestritt, der Täter zu sein und behauptete, daß er erst am Tage seiner Festnahm« auf der Durchreise von Budapest nach Paris in Berlin eingetroffen wäre. Wo er sein Gepäck gelasien hat, gab er nicht an. Das Gericht kam zu der Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten und er höhte seine Strafe auf ein Jahr neun Monate Gefängnis. Schnellzug entgleist. Oer Lokomotivführer zu Tove gequetscht.- Viele Eisen- bahner schwer verletzt. Bukarest, Z. November. Der Schnellzug Bukarest— Czernowih ist im Bahnhof ZNuncel entgleist, weil er mit zu großer Geschwindigkeit durch die Stolion fuhr. Der Lokomotive mit dem Tender, der Postwagen und drei Personenwageu stürzten um. Der Lokomotivführer wurde zu Tode gepreßt, der Heizer wurde schwer verletzt. Sieben Eisenbahner, die im Postwagen arbeiteten, wurden ebensalls er- heblich verletzt. Reisende sind nicht zu Schaden gekommen. Arge(Schäden in Schlesien. Oie Oderüberschwemmung südlich von Breslau. i Breslau. Z. November. Wie die Wasserbauämler Dyhernsurth und M a l t s ch telephonisch mcldeu. ist die Lage aus der linken Oderstromseite bei Neumarkt bedrohlich. Bei der Ortschaft See darf sei der Oderdamm undicht ge- worden und die Bauern aus Seedorf und den umliegenden Ort- schoftcn seien schon Tag und Nacht an der gefährdeten Stelle tätig. Im Dorfe L e u b u s sind zahlreiche Anwesen vom Master völlig abgeschlossen. In der Ohleniederung sind die vier Dörfer A l t h o f n a ß, Treschen, Neu Haus und Ottwitz bei Breslau durch kilo- meterweite Wasserflächen, die stellenweise ein« Tiefe bis zu fünf Metern aufweisen, vom Breslauer Vorstadtgebiet abgeschnitten. Etwa ein Dutzend Kähne versorgen die Bewohner mit Lebens- Mitteln, Post und sonstigem Tagesbedarf. Taifun über den Philippinen. Zahlreiche Todesopfer. New Bork. Z. Novcurbrr. Z-tthlt-röhe Inseln des philippinische« Archi- p e l S wnrden von eine« Taifun heimgesucht. Die Einwohner forderten dringend Hilfe an. Einzelheiten fehlen nach. Tie Zahl der Opfer ist groß. Die Philippinen sind die nördlichste Inselgruppe des malaiischen Archipels. Sie wurden im Frieden von Paris 1898 von Spanien an die Vereinigten Staaten von Nordamerika abgetreten. Wohltätigkeitsfest der Feuerwehr. Morgen. Mittwochabend, um 20 Uhr, findet in den gesamten Festsälen des Zoologischen Gartens ein Wohttätigkeitsfeft statt, dessen Reinertrag für ein Erholungsheim der Berliner Feuerwehr bestimmt ist. Es spiele» mehrere Kapellen: außerdem werden künstlerisch« Darbietungen und eine große Tombola für bester« Anregung sargen. Eintrittskarten sind noch bei den Tl)eatcr- kosten der Warenhäuser, Jnvolidendank, Bote u. Bock zum Preise von 5 M. erhältlich. Die 76iührige weise Frau Wegen dreifacher Abtreibung angeblagt Bor dem Landgericht I verantworten sich acht Personen wegen versuchter und vollendeter Abtreibung, wegen Beihilfe und Anstiftung. Zur Anklage stehen drei Fälle von Abtreibung— drei Frauentragödien. Die zentrale Figur des Prozestes bildet die Vgjährige R.„Meine Eltern/ sagt sie,„waren reiche Leute: ich habe die höhere Töchterschule besucht und von Seiner Majestät zwei Orden erhalten. Durch Unglück im Leben mußte ich Hebamme werden/„Sie haben im„L o k a l- A n z e i g e r" und in der „Morgen post" und auch in Provinzzeitungen inseriert: Ver- trauensvolle Auskunft und Beratung?" fragt der Vorsitzende.„Was sollte ich tun? Ich war nach der Lappalie brotlos geworden/ .Lappalie/ dos waren vier Jahre Zuchthaus wegen berufs- mäßiger Abtreibung— vorher hatte sie bereits ein Jahr Ge- fängnis. Nun sind es wieder drei Fälle, einer mit tödlichem Ausgang. Die junge Stenotypistin F. ist bereits Mutter eines un- ehelichen Kindes: es lebt bei ihren Eltern. Nun ist sie ein zweitesmal in anderen Umständen. Aus Furcht vor dem Bater und auf Anraten ihrer Kollegin sucht sie eine Frau L. auf. Ein zweimaliger Eingriff bleibt ohne Erfolg. Da begibt sie sich in Begleitung chrer Mutter zu der 76jährigen R. Die SS Mark— es sollten anfangs 7S sein— waren nicht vergeblich bezahlt... Seitdem waren anderthalb Jahr« vergangen, als die Großmutter des ersten Kindes wegen der Abtreibung Anzeige erstattete... Frau L. will die F. nur wegen Bleichsucht behandelt haben, die 76jährlge spricht von gewissen krankhaften Erscheinungen, die mit einer Schwangerschaft nichts zu tun hatten. Alles spricht aber dafür, daß das junge Mädchen die Wahrheit sagt. Der Eingriff, der bei ihr vorgenommen worden sein soll, entspricht ganz dem Eingriff, der in dem anderen Falle der Patientin das Leben gekostet Hot. Eine junge Arbeiterin, Mutter eines achtjährigen unehelichen Kindes, ist mit einem Klavierarbeiter verlobt. Im März soll die Hochzeit stattfinden. Am Silvesterabend teilt sie dem Bräutigam mit, daß sie in anderen Umständen sei. Sie will dos Kind wegbringen. Er verbietet ihr das. Am 7. Januar liegt sie bereits im Krankenhaus. Am 11., fast am Rande des Todes, beichtet sie ihm, sie habe die Frucht abtreiben lasten, st« schreibt auf«inen Zettel Name und Adresse der weisen Frau. 7S M. habe es kosten sollen, sie hatte nur 15, für die restlichen 60 M. hat sie Wäsche als Pfand gelöstem Die 76iährige R. b est r e it e t. einen Eingriff vorgenommen zu haben, die Wäsche wurde aber bei ihr gefunden. Schließlich der dritte Fall. In einem Städtchen in der Nähe von Berlin unterhält ein« junge Hausangestellte mit dem Sohn ihrer Herrschaft ein Verhältnis. Sie wird schwanger, die Eltern des jungen Menschen wollen die Schande nicht aus sich nehmen. Die Mutter versucht es zunächst mit Hausmitteln und Be- schwörungsformeln. Als alles nichts hilft, fährt sie mit ihrer Haus- angestellten zur 76jährigen Frau R. Der ,Lcrr" gibt das Geld dazu. Nach dem zweiten Eingriff muß die D. ins Krankenhaus. Hier bringt sie ein Sechsmonatskind zur Welt. Seitdem befindet sie sich in schwerem Siechtum. Auf Anraten ihrer verheirateten Schwester erstattet sie durch ihren Arzt Anzeige. Wieder will die Sechsundsiebzigsährige nichts gemacht hoben. Das Urteil folgt am Mittwoch. Weil es der Herr Pfarrer war... Wie Pfarrer Schenk Gertrud Krenzels Pfleger wurde. Die gestrige Verhandlung des Frenzel-Prozesses brachte noch nicht die mit Spannung erwartete Konfrontation des in der Untersuchung tätigen Staatsanwalts Dr. Fuhr- mann mit den Mitgliedern der Familie Frenze!, da sich die Bernehmung der Sachverständigen und anderer Zeugen unerwarteterweise sehr in die Länge zog. Die Verhandlung gestaltete sich aber nicht minder interessant, besonders durch die Bernehmung der Gerichtsastessorin Fräulein Dr. Pauli, die als stellvertretende Vormundsschoftsrichterin die Entziehung des elterlichen Fürsorgerechts über das Ehepaar Frenze! ausgesprochen und dem Pfarrer Schenk die Vormundschaft über« tragen hat. Sie schilderte, daß eines Tages Herr und Frau Schenk mit Gertrud Frenzel bei ihr im Vormundschaft-gericht er- schienen seien und die Beschuldigungen gegen Frenzel erhoben hätten, die sie zu Protokoll genommen habe.„Ich habe sojort, ohne den Angeklagten. Frenzel oder seine Frau anzuhören, eine einstweilige Verfügung ertasten, durch die ihnen das elterliche Für- sorgerecht entzogen wurde, und habe Pfarrer Schenk die Pfleg- s ch a f t übertragen/ Am anderen Tage seien dann Herr und Frau Frenz«! erschienen. Frenze! habe alle Beschirldigungen«ner- gisch, aber sehr aufgeregt bestritten und gesagt, daß es sich um «inen Racheakt des Pfarrers Schenk handle. Auf Fragen des R.-A. Blumcrhein erklärte die Zeugin, daß sie Frau Frenzel nicht darauf aufmerksam gemacht habe, daß sie ein Einspruchsrecht gegen die getroffene Maßnahme habe. R.-A. Dr. Vlumenhein: Wie lange waren Sie damals in Staats- diensten? Zeugin: Vierzehn Tage(allgemeine Bewegung). R.-A. Dr. Blumenhein: Waren Sie sich damals schon der Be- deutung der von Ihnen getroffenen Maßnahme bewußt? Zeugin: Nach den Angaben des Pfarrers Schenk und dem Eindruck, den Gertrud auf mich machte, sah ich mich veranlaßt, zum wchug« des Mädchens sofort zu handeln. R.-A. Dr. Blumenhein: Wenn aber jemand anderes gekommen wäre als Pfarrer Schenk, hätten Sie dann auch solch« Maßnahme ergriffen? Zeugin: Das weiß ich nicht. Herrn Pfarrer Schenk betrachtete ich wegen feiner Eigenschaft als Seelsorger als eine besonders glaubwürdige Persönlich- keil, und als Vormundschaftsrichteria mußte ich in diesem Falle etwas tun. R.A. Dr. Blumenhein: Hatten Sie den Eindruck, daß die Erzählungen des Mädchens etwa nicht wahr fein könnten? Zeugin: Ich habe angenommen, wenn Pfarrer Schenk bei den Aussagen dabei ist unb die Beschuldigungen in seiner Gegen- wart wiederholt werden, dann müssen sie wahr sein. Die Verhandlung wurde sodann auf Dienstag früh vertagt. wo zuerst Hilde Frenzel und Frau Pfarrer Schenk gegenüber, gestellt werden sollen. Dann erfolgt die Konfrontation des Ersten Staatsanwalts Dr. Fuhrmann mit Frau Frenzel sowie den beiden Töchtern Else und Hilde und mit Frau Bell, und im werteren Verlauf soll nach Möglichkeit Gertrud noch dem Zeugen Höhne gegenübergestellt werben. Mittwoch, Freitag und Sonnabend dieser Woche bleiben verhandlungsfrei, um den Sachver- ständigen die Ausarbeitung ihrer Gutachten zu erleichtern. Autobus umgestürzt. Von der Linie 75 in Spandau gerammt. In der S t r e i l st r a ß e in Spandau wurde gestern abend ein p o st a u t o b u s von einem Straßenbahnwagen der Linie 75 gerammt. Der Aulobus, der glücklicherweise unbesetzt war, stürzte dabei um, der Ehausseur erlitt leichte Verletzungen. Kurz nach 20 Uhr wollte der Führer des Postautobus vor dem Hause Streitstraße 71 die Mittelpromenade, an deren beiden Seiten die Straßenbahngleise entlangführen, überqueren. Der Chauffeur hat vermutlich dem mit' seinem Fahrzeug fast auf gleicher Höhe fahrenden Stroßenbahnzug nicht rechtzeitig genug bemerkt, denn m dem Augenblick, als er in den Straßenübergang einbog, erfolgte der Zusammeirprall. Der Autobus stürzte krachend um. der Vorderperron der Straßenbahn wurde eingedrückt. Ein Oeltonk ging in die Brüche und das ausfließende Oel geriet in Brand. Die Feuer- wehr, die nach einigen Minuten zur Stelle war, löscht« das Feuer in kurzer Zeit und richtete das umgestürzte Auto, das schwere Be- schädigungen zeigte, wieder auf. Die Fahrgäste der Straßenbahn kamen mit dem Schrecken davon. Sie wollten nicht mehr leben. In einem Anfall« von Schwermut hat sich gestern der 7Ziährige Arbeiter Gottlieb E rtel in seiner Wohnimg in der Grünauer Straße 33 erhängt.— Aus noch unbekannten Gründen stürzte sich der KZjährige Rentner Karl F i r ch aus dem im dritten Stockwerk seiner im Hause Urbanstraße 36 gelegenen Wohnung auf den Hof hinab. F. fand im Urbankrankenhans Aufnahme, wo er bald nach leinor Einliefening gestorben ist.— Spaziergänger machten gestern in einem Gehölz bei Pichelswcrder eine grausige Entdeckung. An einem Baum sahen sie die Leiche eines jungen Mannes bänqen. Nach den polizeilichen Ermtttlimgm handelt es sich um den 26 Jahre allen Heinrich Weiß aus Hafelhorst bei Spandau. Das Motiv zu dem Verzweiflungsschritt ist nicht bekannt.— Die ZSjährige Frau Elise Abraham aus der Stolpischen Straße 27 und de? Schneider P r z i n> a aus der Eldenaer Straße 21 wurden in ihren Wohnungen durch Gas vergiftet tot aufgefunden. In beiden Fällen soll wirl- schaftliche Not der Grund zur Tat sein. Ebert- Ehrung in Hinierpommern. Errichtung eines Ebert-Wohnhofes in Stargard. Bei der Einweihung eines ausgedehnten„Selbsthilfe"- Wohnblocks des gemeinnützigen Wohmmgsbauvereins„Selbst- Hilfe" wurde am Sonntag in Stargard i. Pomm. ein« machtvolle Kundgebung sür die Republik veranstallet, an der Tausende teil- nahmen. Mit dieser Kundgebung im reaktionären Osten mar die Weihe eines Ebert-Denkmals verbunden, bei welcher Reichs- kanzler a. D. Hermann Müller-Frankcn die We ihr» red« hielt und die Derdienste des Reichspräsidenten Ebert, des Baumeisters der Republik, schilderte. Der„Selbsthilfe"- Wohnblock hat die Bezeichnung„F r i e d r i ch- E b e r t- H o f" erhallen. Regierungspräsident Dr. Simons- Stettin, Vizepräsident beim Oberpräsidium Dr. T« r w i e l» Stettin, Polizeipräsident Maier-Stettin und pommersche Reichstags- und Landtags- abgeordnete sowie Führer des Wirtschaftslebens wohnten den Fest- lichkeiten bei. Einrichtung einer neuen Zahlstelle der verllmer Stadtbank im Osten Berlins. Die Sparkaste 7 in Berlin O 34. Warschauer Str. 58, ist seit dem 13. Oktober 1930 auch fflefchäftsstelle der Berliner Stadtbank. Sie nimmt Anträge auf Errichtung von Girokonten für die Girokaste 7, Berlin O 31, Warschauer Straße 14, entgegen. Ferner können bei ihr Einzahlungen jeder Art für die Berliner Stadtbank geleistet werden. Auch ohne Fleisch kräftige Suppen und schmackhafte Gemüse zuzubereiten, ermöglicht auf einfache und sparsame Weise MAGGI5 Würze Nachföllprelse;-H? Schutz vor Katastrophen Die Aufgabe der Berliner Feuerpolizei Wenn es brennt ist es zu spät! Ein IHixf in die Stattfttk der Veiriebsunfällc zeigt. doh die Anfälle, deren Ursache in Brand und Explosion zu suchen ist. einen nicht ernst genug zu nehmenden Prozenlsah aus- machen. In teils kürzeren, teils längeren Abständen erhält die tiessentlichkeit Sunde von solgcnschweren Unglücken, die sich in diesem oder jenem Dirtschostsbezirk Deutschlands ereignet haben. Alenschsnlcbeu fallen der Vernichtung anhcim, Gesu-�heits- zerstöning ist die Auswirkung für viele Arbeitnehmer, Volkswirt- schersillche Schädigung grötzken Ausmaßes ist das Ergebnis dieser Katastrophen. Eine wirksame Bekämpfung dieser Gefahren für Arbeitnehmer und VZirtschast ist nur möglich, wenn neben der Erkenntnis der Arsachen geeignete Mahuahmen zur Verhütung zur Durchsührung gelangen. Wenn auch die nachstehend angeführten Zahlen einer standigen Veränderung unterliegen, so geben sie doch ein anschauliches Bild darüber, welche Gefahrenquellen inmitten des dicht bevölkerten Berliner Wirtschaftsbezirkes ständig für die gesamte Einwohnen- schalt gegeben sind, wenn nicht durch systematische Kontrolle und Verhütungsmaßnahmen der größte Sicherheitsgrad erstrebt wird. Zu rund lZZ 000 Grundstücken der zwanzig Berliner Bezirke sind nicht weulger als 125 000 Betriebe gelegea. Von diesen 123 000 Betrieben müssen nach der Statistik rund 60 000 Betriebe mit dem Wort„f e u e r g e f ä h r l i ch� belegt werden. Je nach Trßkmltmachung des Gewerbes und der Industrie treten in einigen Bezirken die obenerwähnten Betrieb« besonders stark in Erscheinung. Sa beherbergt der Bezirk Mitte ungefähr-50 000 Betriebe und davon nicht weniger als 20 000, die als„feuergefährlich� bezeichnet werden. Eine ähnliche Situation ist in K r c u z b e r g gegeben, wo auf 6000 Grundstücke 44000 Betriebe und davon 30000 seuer- gefährliche entfallen. Wenn die Nokausgänge verbaut sind. In welcher Richtung die Gefahren zu sehen sind, hierfür nur einige Beispiele: Die nicht oorschristsmähige Lagerung und Behfinblung von Explosiv st offen sowie leicht entzünd- lichen Rohstoffen kann katastrophale Folgen nach sich ziehen, wenn, wie vielfach in kleineren Betrieben, Lager und Arbeitsraum ein Ganzes bilden. Man stelle sich weiter vor, welch' verhängnisvolle Folgen ein Brand in einem Betrieb haben muß, wo die Rot- a u s g ö n,g e mit lagernden Materialien verbaut sind. Die Vergitterung von Fenstern kann jede Rettung des bedrohten Menschenlebens unmöglich machen. Um- und Einbauten aus Holz usw. ohne Kenntnis der Baupolizei, wie zum Beispiel unsach- gemäße Durchbrüche in Brandmauern können bei Feuer die cnt- feßlichsten Folgen haben. Dies- Beispiele ließen sich beliebig erweiternd Es fest jedoch im Rahmen dieses Artikels nur noch auf die G r a n i t t r e p p e u hingewiesen wichen, die nach fach- männischem Gutachten bei einem Brand msolg« Springens und Einstürzens die Katastrophe zu vergrößern geeignet sind. Bedroht ist bei Explosions- und Brand katastrophen nicht nur die Arbeiterschaft dieser Betrieb«. In Berlin liegen Wohnräume und oewerbliche Betriebe, auch' feuergefährlichen Charakters, so dicht bciciuander, so daß bei Eintreten einer Katastrophe auch die An- wohner solcher Betriebe aufs höchst« gefährdet sind. Als seinerzeit das furchlbare Explosions- und Brandunglück in der Schön lein- str y ß e, hervorgerufen durch«ine Entzündung von Zelluloid- abfällen, die Oeffentlichkeit stark erregte, wurde in der Presse und in der Stadtverordnetenversammlung stürmisch eine sofortige systematische Untersuchung der Grundstücke, besonders der feuer- geiährlichen Betriebe, verlangt. In den Debatten wurde mit Recht daraus hingewiesen, daß die anzustrebende Vereinheitlichung der staatlichen und kommunalen Instanzen bzw. die Aeberkragung der seuerpollzeilichen Kontrolle aus die Kommune Verlin in cht erst abgewartet werden kann, sondern daß sofort mit der erstmaligen Kontrolle begonnen werden müsse. Di« Sozialdem»- kratie fordert« stärkeren S ch u tz und die Einstellung von geeigneten Kräften bei der städtischen Baupolizei. Mit Recht wurde auch in den, eingesetzten Ausschuß darauf verwiesen, daß es der Sach- lenntnis geschulter Kräfte bedürfe, um bei den Kontrollen die Gefahrenquellen zu erkennen. Bei dein Verhältnis zwischen Arbeit- gcber und Arbeitnehmern in kleineren Betrieben, in denen oft eine Gesetzliche Betriebsvertretung nicht gegeben ist, kann nicht erwartet werden, daß aus dem Betrieb heraus Unregelmäßigkeiten sowie i-hrlässiges Verhallen der Betriebsleitung den zuständigen� In- stanzen zur Keimtms gebracht werden. Gerode die gegenwärtig« Zeit der Wirtschaftskrise, wo Tairsend« von Arbeitern die Sorg« um das tägliche Brot in Atem hält und leider zu Maßnahmen der Unternehmer vielfach schweigen läßt, die dem Schutze der Arbeit» nehmer abträglich sind, erfordert ein wachsames Auge der Behörden. Wenn der Minister fiir Bolkswvhlfahrt in feinem neuesten Erlasse den Paupvlvzeibehörden zur Pflicht macht, daß sie den Jnterestenten größtes Entgegenkommen beweisen und eine beratende Stelle ein- nehmen sollen, so kann dein zugestimmt werden. Es darf jedoch. und das muß für Berlin besonders stark bstsnt werden, nicht dg zu führen, daß die Bauherren und Betriebstnhaber Erlsichte- rungen erstreben, die vom Standpunkt der Bau- und Feuerpolizei nicht zu verantworten sind. 66 000 Betriebe müssen überwacht werden. Die von den Baupolizeüimtern auf Grund des bis zum 31. März 1931 geltenden Beschlusses der städtischen Körperjchosten mit zirka 25 Hilfskräften durchgeführte Kontrolle konnte bisher bei rund 24 000 von den 66 000 feuergefährliche» Betrieben vorgenommen werden. Bei der Kontrolle Hoden sich sehr viele B e- anstandungen ergeben. Es zeigt sich also, wie zweckmäßig und vorbeugend die angeordneten Maßnahmen waren. Wenn fetzt, wie beabsichtigt, aus der finanziellen Notlage der Stadt heraus(Ersparnis durch Fortfall der.35 technischen Hilfskräfte von 175 000 M. pro Jahr) die feuerpolizeiliche Kontrolle ab 31. März 1931 eingestellt werden soll, so ist der Zustand, daß 50 Proz. der feuergefährlichsn Betriebe von der erstmaligen Kontrolle befreit bleiben sollen, einfach untragbar. Schon jetzt wirft die vorgesehene Aushebung der Kontrolle ihre Schatten voraus. Es glauben viele der Eigentümer und Betriebsinhaber, ihren Verpflichtungen und den ihnen gemachten Auflagen mit Erlöschen der feuerpolizeilichen Nachprüfung entgehen zu können. Es wäre ja auch eine osfensicht- liche Ungleichheit in der Behandlung der Betriebsinhaber und Eigentümer gegeben, wollte man einem Teil mit der Erfüllung de? Auflagen zugleich finanzielle Opfer auferlegen, und dem anderen Teil von jeder Kontrolle und finanziellen Aufwendung befreien. Im Ausschuß hat seinerzeit der Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion verlangt, daß nach der restlosen Prüfung aller gcföhr- lichen Betriebe wester lausend die Anzahl der von den Gewerbe- ämtern übermittelten neueingerichteten Betriebe bzw. die inzwischen umgestellten Betriebe einer Kontrolle unterzogen werden sollten. . Daß bei der nicht zu verkennenden F i n a n z n o t der Stadt Berlin in stärkstem Maße auf den Staat eingetvirkt werden mutz, daß mit der restlosen Ucbernahme der Feuerpolizei durch die Kommune auch besondere finanzielle Zuwendungen ersolgcn müssen, ist selbswerständlich. Bleibt die Kontrolle beim Staat, so ist einmal ein nicht ersprießliches Nebeneimmderarbeiten zwischen staatlichen und kommunalen Instanzen die Folge, zum anderen aber wäre das Polizeipräsidium als staatliches Organ gehalten, die notwendigen technischen Kräfte zur Einstellung zu bringen. Die Berliner städtische Baupolizei ist aber aus Grund der genauen Kenntnisse in den Bezirke» wie keine andere Behörde geeignet, dies« Funktion zur allgemeinen Sicherheit auszuführen. Auf keinen Fall können allgemein als notwendig anerkannte Maßnahmen abgebaut werden. Die auszunehmenden 173 000 M. bewahren kost- bares Menschenleben vor der Zerstörung und schützen Sachwerte vor der Bernichtung. Hermann Lempert. Ruhe im Ledigenheim? Die Vorgänge in Chariottenburg/ Manche Verbesserungen erreicht, Die viel erörterten Fragen über die Vorgänge im Ledigenheim Charlottenburg haben nun einen vorläufigen, aber kaum endgültigen Abschluß gesunden. Die dem Vorstand angehörenden Dezirksstadt- oerordneten Bunge und de Roon haben ihre Aemter niedergelegt. Seitdem hat sich zuerst der von der Bezirksversammlung gewählt« Ausschuß, dann diese selbst nochmals eingehend mit den verschiedenen Beschwerdepunkten befaßt. Da die Versammlung leider gegen den Wunsch der Sozialdemokraten in nichtössenllicher Sitzung ver- handelte, kann hier nur das Ergebnis der Beratungen mitgeteilt werden, das nach Ablehnung weitergehender sozialdemokratischer Forderungen sowie der kommunistischen und der nationalsozia- listischen Fraktionen in der Annahme einer farblosen Entschließung der Wirtschastspartei gipfelte. Wichtiger sind die tatsächlichen Aende- rungen, die von der Leitung des Ledigenheims beschlossen wurden. Der Vorstand ist den Beschwerden der Insassen in einer erheblichen Zahl von Punkten entgegengekommen, hat damit deren Berechtigung anerkannt. Wenn er es trotzdem für nötig geHaften hat, die größere Zahl der Kündigungen aufrechtzuerhalten(3 von 14), so mag das seiner Meinung nach im Interesse der Erhaltung eines guten Einoernehmens zwischen Mieterschaft und Heimleftung liegen, findet auch in der teilweise gehässigen Agftativn einiger Gekündigten eine gewisse Begründung. Trotzdem wäre es richtig, durch Rück- nähme der Kündigung gegenüber allen, die sich zur Einhaltung der Heimoridnung oerpstichten(das muß natürlich Bedingung fein), das Kriegsbeil zu begraben und Grund zu einem wirkliche» Zusammen- arbeiten zu legen. Im übrigen wurde zugestanden: Di« Heimordnung soll durchgesehen und dazu eine Vertretung der Mieter(die früher abgelehnt worden war) zugezogen werden. Die Schlußsfcunde wird von 23 auf 24 Uhr erhöht. Von da an soll der Spervgroschen für später Erscheinende bestehen bleiben, jedoch für beruflich oder aus sonstigen dringenden Gründen Abgehaltene eine Ausnahme ge- macht werden. Die Miete für Benutzung der Fahrradabstellung fällt weg. Hinsichtlich des Besuchs weiblicher Familienangehöriger soll Entgegenkommen gezeigt werden. Die Heizung soll ver- bessert, der Wechsel der Bettwäsche verbessert werden. Man sieht: es bleibt noch recht viel zu bessern. Die Mieter werden in ihren 6-Quadratmet«r-Zellen nur ein sehr b e- scheldenes Proletaricrglück genießen können. Immerhin hat die Bewegung, der durch rechtzeitiges verständnisvolles Entgegenkommen viel unnötige Schärf« hätte erspart werden können, manchen Fortschritt erreicht. Eine Hauptfrage bleibt freilich noch zu läsen. Die Gesellschaft hat dem Hausinjpcktor seine Ordnung und Sauberkeit in Geldsachen bescheinigt. Das soll nicht bestritten wer- den, wenn auch einige geschäftliche Maßnahmen, die von der Gesellschaft nicht gebilligt wurden, gerade noch die Grenze des Erlaubten gestreift haben. Aber damit ist seine Eignung zur Leitung einer großen Gemeinschaft von mehr als 300 im Schattenwinkel der Gesellschaft lebenden Menschen noch nicht erwiesen. Dazu gehören i mehr als die Korrekcheit des Unteroffiziers, der für die Wauzen- freiheit der Kabusen einsteht. Hoffen wir, daß Herr Htldebrandt einen seiner Art besser entsprechenden Platz finden und durch Ein- stellung einer psychologisch besser geschulten Persönlichkeit ein Haupt stein des Anstoßes beseitigt werden wird. Damit kann, soweit die beengten Verhältnisse es zulassen, ein wirklich gutes Einvernehmen. angebahnt werden. „Menschen im Käfig." Ein Verfahren gegen Ernst Friedrich wegen eine«! Romans. Gegen den Anarchisten Ernst Friedrich, der erst vor kurzem durch die in seiner Pacht aufgefundene Zersetzungsliteratur wieder von sich reden machte, fand gestern vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte ein objektives Berfahren statt. Der Staatsanwalt hatte beantragt, den in der„Schwarzen Fahne" in Fortsetzungen er- schienenen Roman Ernst Friedrichs„Menschen im Käsig" zu ver- Nichten und die Platten unbrauchbar zu machen. Der anstößige Roman behandelte die S e x u a l n o t der Gefangenen. Ein äußerst empsiudsamer und etl?isch hoehsiehender Gefangener wird in die Gemeiuschaftobaft verlegt und ist von dem. was er aus sexuellem Gebieie um sich sieht und hört, auis höchste bestürzt. Diese sexuellen Dokk werden in drastischer Weise wirk- lichkeftsgemäß geschildert. Eben diese Darstellung hatte aber dem Staatsamoatt Anlaß.zu seinem Antrag gegeben. Ernst Friedrichs Verteidiger, Dr. Sitten, hatte eine Anzahl Gutachten emgefordert. Der Schriftsteller Arnold Zweig und Heinrich Man», der Anarchist Mühsam, Magnus Hirschfeld und Dr. H o d a n n hatten sich einstimmig dahin geäußert, daß die Friedrichschen Schilderungen in keiner Weise übertrieben feien. Heinrich Mann meinte n. a., der Roman„Menschen im Käfig" sei nicht unzüchttg, weil keine Unzucht, sondern im Gegenteil die Abstellung der Unzucht in Zuchthäusern gewollt sei. In der gestrigen Verhandlung waren als Sachverständig« Dr. Engel vom„Berliner Tageblatt", Dr. Ihering vom„Börsen» Courier", Erich Mühsam und Dr. Abraham vom Institut für Sexual- Wissenschaften erschienen. Während Dr. Engel, der gleichzeitig auch Sachverständiger am Polizeipräsidium ist, der Ansicht war, daß die einzelnen Fortsetzungen dieses Romans in der„Schwarzen Fahne". einzeln für sich genommen, äußerst ordinär wirken mußten und geeignet waren, Scham und Sittlichkeit zu verletzen, waren die drei übrigen Sachverständigen der Meinung, daß an dem Roman ein künstlerischer Maßstab nicht anzulegen sei, es sich vielmehr um eine soziale Anklage handle. Das Gericht entsprach dem Antrage des Staatsanwalts. In der Begründung führte der Vorsitzende aus, daß es nicht Aufgabe des Gerichts gewesen sei, über den gesamten Roman zu entscheiden: daß jedoch die einzelnen Fortsetzungen desselben zusanunenhanglos in der Zeitschrift„Schwarze Fahne" gebracht, geeignet gewesen seien, die Scham und Sittlichkeit zu verletzen. Mntterfchttlkurfus iu Neukölln! Das Bezirksjugendamt Reukölln veranstaltet in der Zeit vom 4. November bis 9. Dezember 1930 im Rahmen des Elternlehr�anges(Mutterschulkursus) für Pflegeeltern einen Sonder- lehrgong Uber„Umgang mst Kindern", an welchem aber auch alle anderen Eltern und Erzieher teilnehmen können. In diesem Kursus wenden in gemeinsamer Aussprache alle Schwierigkeiten der Er- ftehung in Schule und Haus besprochen. Der Lehrgang umfaßt sechs Borträge über„Die Einstellung des Erwachsenen zur Erziehungsfrage":„Die venschiedenen Schwierigkeiten in der Er- ziehung":„Das Kleinkind":„Das Schulkind":„Die Schwierigkeften des Entwicklungsalters":„Ziele der Erziehung". Vortragend«: Frau Lichtenstein, Jndividualpfychologin. Die Bortröge finden am Dienstag jeder Woche. 20 Uhr, im Gesanqfaal der Wulter-Rothenau- Schule, Berlin-Neuköllu, Boddinstr. 33/41, statt. Die Teilnahme am Kursus ist unentgeltlich. psrnÄndo die rnert würdigste Insel dcrWelt. Ihr Selikum gestalteter Felsblock steht wie eine Schildwjche eine Tagereise entfernt von der brasiiia� nischcn Küste. Jeder Dampfer, der, mit Kaffeesäcken beladen, dieses größte Kaffeefand verlaßt, muß an diesem Felsen vorbei; Icein Sadk Kaffee« den er nicht überwacht. Ebenso wachen»n allen wichtige« Kaffeclandcrn Vertrau ensleuta darüber, daß die feinsten Qualitäten für Kaffee Hag, dcn ccffeinfrciem Bohnen leaffee, gesichert werden. Diesen erlesenen Spitzenqualitäten verdankt Kaffee Hag seinen wundervollen Wohlgeschmack und sein herrliches Aroma. 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Es ist, um eine Wellretse zu machen, nicht immer die Eisen- bahn, da» Auto, der Dampfer oder gor da» Lnftschisf adlig. Jtttra konnte am Sonntag, wenn man bescheiden war, auch um die Well reifen, wenn man die Briesmarkenavs» steilung de» Deutschen Arbeiter- Sammler. bände» im Gewerkschaflshau» besuchte. Goschichts-, Crif und Doltsiundeunterricht weichen verewigt, and auch die Kunst kommt nicht zu kurz. Da sieht man zum Beispiel in«in«? Kollektion, die sich„Ansicht gleich Briefmarke" nennt, die Wiedergab««rnes Rembrandtschen Meisterwerkes zugleich auf der abgesandten Postkarte und auf der aufgeklebten Briefmarke, Es handelt sich um die Gedenkmarken der holländischen PostverWol- tung zu Ehren des großen Meisters. In einer anderen Ecke des Gaoles wird die Geschichte Oesterreich-Ungarns und seiner Nachfolgestaaten lebendig. Wir sehen Kaiser Franz Joseph, wir be» trachten Marken der t. und k. Postverwoltung zur Erinnerung an den Mord von Serasewo mit den Bildern Franz Ferdinands und der Herzogin von Hohenberg, mich Karl und Zita fehlen nicht. Ihre Bilder freilich tragen den bedeutsamen Vermerk:„Für Kriegsopfer" oder„Für Kriegsbeschädigte". Marken mit Ueberdruck deuten auf die Umwälzung von 1918. Dann folgen die Köpfe des achtzigjährigen tschechoslowakischen Präsidenten Masoryk, des Königs Aleander von Serbien, Kroatien und Slowenien, der Ferdinand und Michael von Rumänien, das ,K>r"(Königreich) Ungarn und die Zeichen unserer deutschösterreichjjchen SchwesterrepubUk. Ein« halbe Kehrtwendung befördert uns über den Ozean: Wir sind in Süd- amerika, in Brasilien. Erst sehen wir den bärtigen Kops Kaiser Pedros, dann aber kommen die Präsidenten der Republik. Etwas betrüblich stimmen die Inflationsmarken Deutschlands aus den Jahren 1321 bis 1923, die an einem anderen Tische gezeigt werden. Man kommt sich vor, wie der berühmte Reiter über den Bodensee, wenn man die Ziffern„40 009 Mark",„29 Millionen Mark",„299 Milliarden Mark" liest, und schwere Zeit wird auch lebendig, wenn man das Notgeld aus Blech, Ton und Pappe sieht und von einem Sammler belehrt wird, daß ein td-Vseunigstuck Notgeld aus Fürsien felde, das nur in wenigen Exemplaren vorhanden sei, heule schon einen Wert von etlichen hundert Mark habe. Da erfreut es doch, wenn mon die Schaffung der Festmari bei Be- trachtung der Stephan-, Ebert- und chindendurg-Marken erneut mit- erlebt und zudem alle deutschen Dreimarkstücke seit 1324, den Bcr- fassungstaler, den Taler„Tausend Jahre Rheinland", den Lübecker Taler, den Bremerhaoener Taler, den Lessing-Taler und zum Schluß den Rheinland-Befreiungstaler, bewundern kann. Hoffentlich wird der Arbeit er-Sammlerbund noch oft so gelungene Ausstellungen zeigen. Man lernt und frischt Vergessenes auf, nron kommt aus Nachgedanken und hat so vielfachen Genuß und Gewinn. Der Bund religiöser Soziollsie«, Neukölln, veranstaltet am Freitag, dem 7. November, 2l> Uhr, im Gemeindelaal Neukölln, Herthastr. g t».. einen öffentlichen VoriragS- und Liussprache-Zlbend. Genosse Piarrer H. Franke spricht über»RelieionnndNaii-nalsojialijmu;". Sport. Rennen zu Mariendorf am Montag, dem 3. November. t. Renn'en. 1. Asmodi((£. TecuherzV 2. Dewed Pillat. S. Fecht. Meister. Toto:-IS: 10. Plah: 12,19,23:10. Ferner liefen: Fahrenbcit,. Hella Timoks, Heureka, Dortan, Heldin, Adreffc, Dies irae, Tarol, Hexen- meisler. 2. R e n n e n. 1. Hcftla(ule Kastanienallee Sri.— Hasenheid«: Heim Wast cnorslr. 9.— Sirdcn: Heim Porckstr. 11. Zimmcr 5.— sitbroeften; Heim Lindcnstr. 4. vorn l Tr.— Schön eberg I, lll. IV, V: Heim Hauptstr. 15.— Eharwttenbnrg: Heim Rofinenstr. 4.— Siemenestobt: Schnle SÄulstraße.— Rcniiilln I: Heim Sander- Ecke Hobrechtstraße.— Neukölln II: Heim Eteinmetzstr. 94.— Neukölln 15': Heim Kanner Slraßc.— Neukölln VII: Karl-Ätari-Schuie.— Neukölln LX; Neues Heim! Schiertestr. 44.— Köpenick l: Heimi«nm, von 20— SS Uhr.! Zicuc AntSngkb-, FömvlldungS. und Redefchristkurse beginneitz. Auelunst und Anmeldung: H. Blndau, Oderschöneweide, wdathildenstr. 12. Kriegsteilnehmer und Krieg erhinter- bliedenen. Ortsgruppe Süden. Versammlung am Miltwach, 5. Ztooencher, 20 Uhr, Der Haushalt von heut« stellt an die Hausfrau besonders hohe Anforderungen, denn das Sparprogramm macht auch vor der Küche nicht halt, und«s heißt niehr denn{e„ouskotmnen mit den vorhandenen Mitteln". Als wahre Freunde erweisen sich auch jetzt die bewährten Maggi-Erzeugniss« lWitrzr, Suppen und Fleischdrühwvrsel). Die Hausfrau, die sie verwendet, spart Geld. Feit und Arbeit. Dr. med. H. Schulze« F regalin mhrt dem Blut hochwertig« Nährstoffe M und bewirkt dadurch eine Blutrcrnigung und eine hervorragend« Nerven- stärkung. Wir verweisen auf die Anzeige In dieser Nummer. Verantwortlich für Politik:«irtor Schiff! Wirtschaft: G. Kliugelhöser: Deo/«rklchaft:dewegung: Z. Steiuer; Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lokales und Sonstiges: Fritz Karftiwt: Anzelaen: Th. Glsck«: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Druck: Vorwärts-Buchdruckerel und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 08, Linhenstraße 3. Hier,» 2 Beilage». denn die Beweise, die wir Zhnen hier vorlegen, sprechen mebr als alle schöne:! Wort« für unser seit Jahren bekanntes IMat- und Nerven- Regenerntionsmittel.Fregalln'. Viele Taufende, die nnfer„Fregalin" bereits genommen haben, Wr Naben es nicht nötig, Ihnen viel zu erzählen, sind nicht enttäuscht worden. Aaß-rordeutlich bewährt hat sich..Fregalin" bei Nervosttät, allgemeiner Schwäche. Mattigkeit, Schwirl delanfällen und rheumatischen Leiden. Fragen Sie Ihren Arzt. Um de» ichwercn Kampf ums Dasein führen zu lönnen. braucht man starke Nerven und gesundes Blut. Lesen Sie bitte recht genau, was die hier Abgebildeten von selbst über dt« Wirkung des„Fregalin" schreiben und sie werden sich danach ein Urteil bilden. In unserem Archiv sind noch viele Tausend derartiger Dankschreiben aus dem In- und Auslande, die unaufgefordert ein... Alle Dankfagunge» sind notariell beglaubigt.—„Fregalin" ist erhiUlltch in ollen Apotheken.— Der Berfand erfolgt durch angen sind und die Sie jederzeit in unserem Büro einsehen können. ie Minerva-Apotheke.— Di« Herstellung erfolgt unter wissenschaftlicher Ueberwachung. Magenschmerzen, Verstopfung. Gelseutircheu, d 12.Frbr.19S9. Fürftiunenflratze 2. Fregalin wirst wunderbar! Ich litt 5 Jahr« an Magenschmerzen, Verstopfung. Rücken-, Nerven- und Unterleihsschmerzen: kürzlich hatte ich Gelbsucht. Nach zwei Fregaltn-Kuren stud alle Be- ichwerden verschwunden Ich habe wieder Appetit und kann wieber arbetlen. Ich danke Ihnen, geehrter Herr Doktor, für Ihre H"ke. Frau Gohr. 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Ich bin über die Wirkung Ihres Fregalin überrascht. Ich habe seit Benutzung dieses Mit- tels viel mehr Appetit und werde Fregalin meinen Be- kannten gern empfehlen. Frau Marie Aurel. Mr versenden völlig umsonst und ohne BerdtndUchkett SOOOO Prebepackungen Dazu erhält jeder, ebenfalls kostenlos, da» kleine Werk: „Vle erhalle idi meine KOrperlldien und delsttden Kralle v Schreiben Sie bald, bevor die Proben vergriffen find, am llr. med. B.Sctiulze, Gnibd.. Beriin-ciiarlottenburg 2/288? Segen Rücksendung dieses Scheine» als Drucksache 5 Pf. Ich ersuche um eine Probe des »» M nebst dem goldenen Buch des Lebens umsonst und ohne jede Derdiudlichkeit. Name:. Stand: Ort: Straße:. Adresse bitte mit Bleistift zu schreiben. 2SS7 Jtr. 5iT* 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Oienstag 4 November 1930 Preissenkung— Lohnschuh— Kürzere Arbeitszeit. Wilhelm Eggert vom AOGV. über Wirtschaftskrise und Arbeitnehmerschast. Genosse Eggert vom Vundesvorsland des ADGB. Hai gestern abend im Rundsunk In eindrucksvoller Weise die Wege zur Linderung der Wirlschaslskrise und zur Milderung der Arbeitslosigkeit ausgczeigt. Wir heben folgende Gedankengänge hervor: Jede vorurteilsfreie Betrachtung muß von der Tatsache aus- gehen, daß die jetzige deutsche Wirtschaftskrise zusammenhängt mit der allgemeinen Slnse der Weltwirtschafr. Aber die Krise ist in Deutschland drückender als in den Bereinigten Staaten Nordamerikas, England und in den meisten anderen Ländern. Deutschlands Verarmung infolge des Krieges, fein« Kapitalnot, die verschärft durch K a p i t a l s l u ch t ins Ausland, sein Verhältnis- mäßig hoher, dem Weltmarktpreis gegenüber häufig überhöhter Preisstand infolge der Preisbindungspolitik der Kartelle, und seine rund zwei Milliarden jährliche Reparationslast kenn- zeichnen die besondere Schwere seiner wirtschaftlichen Lage. Aber nur insoweit die deutsche Wirtschaftskrise durch innerdeutsche Ursachen verschärft wird, kann sie auch durch innerdeutsche Maßnahmen gemildert und in ihrem Ablauf beschleunigt werden. wlr haben in Deutschland folgenden Zustand: 1. Einen Prodnktionsapparät. der nach den Fest- stellungen des Enqueteausschusses nur zu7S bis8iZ Proz. selbst in den besten Konjunkturen ausgenutzt werden konnte. 2. Die Produktion steigt schneller als der Bevölke- rungszuwachs und als der Verbrauch überhaupt. 3. Die Steigerung des Einkommens der Arbeit- nehmerschaft ist weit hinter der Steigerung der Produktivität zurückgeblieben. 4. Die Wirtschaft kann bei der setzigen Regelung der Arbeits- zeit dem Zustrom vom Arbeitsmarkl nicht aufnehmen. Z. Drei Millionen Erwerbslose begehren Arbeit. Der Weg zur Milderung und Ueberwindung der Wirtschafts- krise soll nach der Ansicht des Unternehmertums über die Senkung der Löhne und Gehälter gehen. Und auch die amtlictä Wirtschafts- und Lohnpolitik hat diesen Weg beschritten. Dies« An- ficht geht von der Vorstellung aus, daß Löhne und Gehälter in gleicher Weise ein Kostenelement der Wirtschaft darstellen, wie etwa Rohstosspreise und Kapitalzinsen. Deshalb auch werden in diesem Zusammenhang die gewerkschaftliche Lohnpolitik und die Preis- politit der Kartelle gleich schädlich gewertet. Dieser Gedankengang übersieht vollkommen, daß Löhne und Gehälter der Arbeitnehmerschast eine völlig andere Funktion in der modernen Wirlschast haben als etwa Rohstosspreise und Kapitalzinsen. Rohstoffkosten und Kapitalzinsen erscheinen für das Unternehmen, grob gesehen, mir als eine Belastung. Löhne und Gehälter aber der Arbeitnehmerschaft, also der breiten Bolksmassen, sollen nicht nur die Arbeitskrast erhalten, sondern haben in der modernen Wirtschaft die unerläßliche Funktion, den Verbrauch zu regeln und— das ist der Sinn allen technischen und Wirtschaft- lichen Fortschritts— den Berbrauch zu steigern. Auf die jetzige Krise angewendct, kann. der Unterschied.etwa so. ausgedrückt werden: Senkung der Rohstoffpreise und des Kapitolzinses, also Senkung der Preise auf der ganzen Linie, bedeutet Antrieb zur Ueber- Windung der Wirtschaftskrise, Senkung der Löhne und Gehälter der Arbeitnehmerschaft hingegen bedeutet das Ein- schalten eines Hemmnisses ihrer Ueberwind'mg. ZNassenelnkommea und Industriell bsatz. Das Institut für Konjunkturforschung schätzte für das erste Halbjahr 1930 den Ausfall an Arbeitnehmer- « i n k o m m e n(unter Berücksichtigung der Unterstützungen, die die Arbeitslosen erhalten) auf 1830 Millionen Mark. Für das ganze Jahr 1330 wird nion nun auf mindestens 4 Milliarden kommen. Das sind nahezu 10 Proz. des gesamten Einkommens aller Arbeiter, Angestellten und Beamten, das für das Jahr 1329 auf etwa 46 Milliarden Mark geschätzt worden war. Di« Folg« ist, daß auch die Kleinhandelsumsätze in diesem Jahre einen entsprechen- den Rückgang ausweisen: für die ersten acht Monate dieses Jahres (Institut für Konjunkturforschung) um 6.3 Proz. bei Rahrungs. und Genußmitteln. - 5,7. für Bekleidung, . 8,7» für Hausrat und Möbel, .3,5 für Kultur- und Luxusbedarf. Rahrungs- und Genußmittel zeigen im August allein Herefts«inen Umsatzrückgang von 11 Proz. gegenüber dem Vorjahr«, Hausrat und Möbel sogar um 19,6 Proz. Zwar ist der wertmäßige Umsatzrückgang zum Teil eine Folge des Preisrückganges, immerhin wird man den Rückgang an realer Kaufkraft der gesamten Arbeik- nehmerschaft mindestens auf 5 Proz. schätzen können. Diese Ziffern besagen, daß es wenigstens durch die llnkerslühung der Arbeitslosen gelungen ist. den mengenmäßigen Rückgang der Umsähe für Masienkonsumgüler noch in verhältnismäßig engen Grenzen zu hallen. Sie besagen aber auch, daß die Schäden sich gewaltig ver< größer« würden, wenn ein Einbruch in die Löhn« und Gehälter der Arbeftnchmerschaft erfolgen würde, ohne daß eine entsprechend« Senkung der Lebenshaltungskosten vor- angegangen wäre. Würde z. D. ein allgemeiner Abbau der Tariflöhne und-gehäller um 8 Proz. eintreten, wie er in dem um- kämpstcn Schiedsspruch für die Berliner Metallindustrie vorgesehen war, so würde zu dem bisherigen verdienflaussall von ungefähr vier Milliarden Mark ein weilerer Aussall von nahezu drei Milliarden Mark hinzutreten. Mit einem solchen Elnkommensrückgang wäre ein weiterer schwerer Umsohrückgang verbunden, der sich überaus unheilvoll aus die Arbeitnehmer auswirken und den Ablauf der Wirlschaslskrise erschweren würde. Nun wird gesagt, eine Senkung des Realeinkommens der Arbeitnehmer solle gar nicht erfolgen, weil auch die Preise ent- sprechend gesenkt wevden sollen, um die Kaufkraft zu erhallen, also von der Erhaltung der Kaufkraft auf niedrigerem Preisstand allein, würde die Krise sicher nicht in ihrem Ablauf verkürzen. Das Gesamtergebnis einer solchen Aktion wäre wahrscheinlich vielmehr eine Verlagerung der Kauskrast zum Vorteil der Produktivgüter. An diesem Punkte erweist sich besonders deutlich, daß die Löhne nicht einfach als Unkostsnsaktor aufgefaßt werden dürfen. Dorm gerade eine Verschiebung der Kaufkraft in der oben erwähnten Rrchhirg würde die ilebcrwindung der Wirtichafts- trtje nur erschweren. Proseijor Lederer hat nachgewiesen, daß im Verlauf der ansteigeirden Konjunktur die Preise schneller steigen als die Löhne. Dadurch wird die Produktiogütcriiidustrie zu einer Entwicklung angeregt, der die reale Grundlage, nämlich die Nach- frage nach Konsumgütern, zu deren Produktion die Produktivgüter gebraucht werden, allmählich entzogen wird. Es tritt eine lieber- akkumulation von Kapital in der Produktlvgüterindustrie ein, die stark dazu beiträgt, wieder eine.Krise zu entfesseln. So geht es also nicht.» Soll eine wirkliche Gesundung der Mrkschast eintreten. so muß in der Krise, weil Arbeilslosigkeik und Kurzarbeit ohnehin schon die üauskrasl für Mossenkonsumgüler schwächen, die Senkung des allgemeinen Preisstandes durchgeführt werden. Zu diesem Zwecke mühte die Regierung, falls sich die Karlelle weigern, das Erforderliche zu tun. mit entschlossener Hand in die Kartellpolilik eingreisen und die Preisbindungen aufheben. Wie schädlich die Preispolitik der Kartelle für die erwünschte schnellere Ueberwindung der Krise ist. lehrt am besten die Talsache, daß die Indexziffern der kartell- gcregelien Preise von lOZ.l im Monalsdurchschnitl 1928 aus 105,0 im Monalsdurchschnitl 1929 gestiegen sind und erst im Juli 1930 aus 103,3, also nur um 1,5 Proz. gesunken waren, während die freien Preise im gleichen Zeitraum von 106.8 aus 78.9. also rund um 20 Proz. sanken! Drei Millionen Arbeitslose begehren Arbeit. Sie wenigstens teilweise in Arbeft zu bringen, gibt es im Augenblick keinen anderen Weg als die Verkürzung der Arbeitszeit! Darum sollte eine v i e r z i g st ü n d i g e A r b c i t s z e i t, die am zweck- mäßigsten auf nur für Tage verteilt würde, für die Dauer der Krise gesetzlich durchgeführt werdeiz Ferner sollten Reichsbahn und Reichspost vorübergehend während der Notzeit ihr Per- sonal um 10 Proz erhöhen. Das würde nach den sorgfältigen Schätzungen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes folgendes Ergebnis haben: Durch Abschaffung der Ueberstunden..... 150 000 Infolge der 40 stündigen Arbeitswoche...... 500 000 Durch Erhöhung der Personale der Reichsbahn und der Reichspost.............. 100 000 Privatangestellte............., 100 000 Zusammen 850 000 Arbeitskräfte, die auf solche Weise auch jetzt schon in Arbeft gebracht werden könnten. Es wäre aber unbillig und unvernünftig, diese Verkürzung der Arbeitszeft völlig ohne Lohnausgleich eintreten zu lasten. In zahlreichen Betrieben, auch ganzen Industriezweigen, sind die Gewinnreserven aus guten Konjunkturzeften und auch die heutige Rentabilität noch so groß, daß sie ohne weiteres im gesamtwirt- schaftlichen Interesse einen teilweisen Lohnausgleich übernehmen könnten. Aber auch die durch die Einstellung von Arbeitslosen erziel- baren Ersparniste können zum Lohnausgleich herangezogen werden. Gewinne der Schwerindustrie. Bei Meinmetall und Klöckner blieben die Gewinne hoch. Zn der Aufsichlsralssthuug des Rhelameiall- Konzerns wurde der Abschluß für das am 30. Juni beendete Geschäftsjahr vorgelegt. Auch dieses Unternehmen hat wie die Gakehofsnuugshütte und der Klöckner-Konzern überraschend gut abgeschnitten. Anstalt 2,4 Mill. werden diesmal rund 4 MIll. an Abschreibungen vom Gewinn abgesetzl, und trotzdem liegt der Reingewinn mil 1L2 Mill. noch um rund 112 000 Mark höher als im Vorjahre. Der Aufsichlsral beschloß für das Geschäftsjahr wieder die Dividende von 7 Prozent auszuschütten. Räch diesem Ausweis macht also der Rohgewinu(Rein- gewinn und Abschreibungen zufainmen) mil 6 MIll. Mark 30 Prozent des Kapitals aus gegenüber 20 Prozent im vorhergehenden Jahr. Zo welchem Umfange die Montanindustrie Immer noch eine Politik der inneren Reservea betreibt, beweist die Tatsache, daß der Rheinmelall-Konzern für Abschreibungeo mehr als das D o p p e l l e der Summe aufgewendet hat, dle fiir die Dividende von 7 Prozent benötigt wird. Bilanz bei Klöckner. Der Klöckner-Konzern, dessen wichtigste Zlbschlußziffern wir bereit- veröffentlicht haben, legt jetzt seinen Geschäftsbericht für das am 30. Juni abgelaufene Betriebsjahr 1929/30 vor. Der Absatz der Zechen erlitt erst bei.Beginn des lausenden Jahres einen Rückschlag, während in den E i s e n b e t r i e b e n sich der Konjunktur- Umschwung schon früher fühlbar wachte. Die Abjatzkrrse für Kohle habe sich noch dadurch verschärst, daß Deutschland auf Lieferung von 1 Million Tonnen Reparation, kohlen für Italien zugunsten Englands Verzicht leistete, der Export serner an England und Polen Boden verlor und schließlich die W e l t w i r t sch a f t s- krise sich in einem ständig sinkenden Bedarf der Kohleneinfuhr- länder auswirkte. Trotzdem ist der K o h l e n a b s ch l u ß des Klöckner-Konzerns noch relativ g ü n st i g. Die Förderung erhöhte sich von 4,09 aus 4.15 Mill. Tonnen und auch die Koksproduktion ist mit 1.44 Mill. Tonnen noch leicht gestiegen. Schwieriger lagen die Dinge in den Stahl- und Eisenbetrieben. So ging die Roheisen- Produktion der Hochöfen von' 0,73 aus 0,62 Mill. Tonnen, die Rohstahlproduktion von 0,87 auf 0,76 Ntill. Tonnen zurück, während die Fabrikation von Fertigerzeugnissen in den Walz- werten sich von 0,85 auf 0,75 Mill. Tonnen verringert hat In dem zweiten Halbjahr des letzten Geschäftsjahres, also von Januar bis Juni 1930, trat allgemein bei Produktion und Absatz ein durch- schnittlicher Rückgang von 16 Prozent ein. Während aber die Umsatzoerluste in den letzten sechs Monaten durch die noch gute Konjunktur in der ersten Hälfte des letzten Geschäftsjahres zum Teil gemildert, zum Teil wie bei Kohlen und Koks,, göxizlich ausgeglichen werden konnten.- zeigt.sich bei der Belegschaft, die insgesamt um über 15 Prozent bis auf � 23 673 Mann abgebaut wurde, tue Krl f« n w i r ku n g i n ihrer vollen Auswirkung. Wir hakten bereits bei der Vergssenllichung der Gewinnzisfern des Klöckner-Sonzerns auf die sehr geringen Rückwirkungen der Krise im Geminnausweis des Unternehmens hingewiesen. So Ist Slöckner in der Lage, bei einem Reingewinn von 6,8 Mill. Mark und einer Dividende von 6 Prozent gegen 7 Prozent im Vorfahr seine Abschreibungen aus die Anlagen sogar von 10,1 auf 10,35 Mill. zu erhöhen. Da Slöckner Im letzten Jahr knapp 14 Mill. zum Ausbau seiner Werke neu in den Betrieb gesteckt hat. wird also der größte Teil dieser ReuzugSnge sofort wieder abgeschrieben. Die Kosten für den Werksausbau wurden, wie bei den meisten schwerindustriellen Betrieben aus �laufenden Gewinne« bezahlt. Daß diese Art der Selbst- finanzierung der Schwerindustrie auch in dem letzte« Krisenjahr möglich war, ist für den Grad der K a p i l a l b i l d u n g in der Montanindustrie sehr ausschlußreich. Die Beratungsstelle. Leichte Verbesserungen.— Noch kein offizieller Bericht, Die Verhandlungen um die Neuregelung der kommunalen Anleihekontrolle scheinen endlich zum Absch'uß zu kommen. Im Ausschuß der Länderkonferenz, der sich mit dieser Frage zu be- fassen hat, kam eine grundsätzliche Einigung etwa oui folgender Grundlage zustande: Der bis jetzt bestehenden Beratungsstelle soll nach wie vor die Entscheidung über die Aufnahme von kommunalen Zluslaudsanleihen zustehen. Sie wind aber um zwei Bertreter der Kommunen erwettert und ihre Funktion wird aus die Prüfung der Anleihebedingungen beschränkt, während die Prüfung des Verwendungszweckes den Ländern überlassen bleiben soll. Die Entscheidung über die kommunalen Inlandsanleihen wird nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, der Beratungsstelle anHeim- gegeben, sondern einem zentralen Kreditausschuß der Kommunen, in den das Reich und die Rcichsbank je einen Vertreter entsenden. Diesen beiden Ljertretern steht das Recht des Einspruchs zu, über den von einer zweiten Instanz endgültig zu entscheiden ist. Für dkc Anleihen der öffentlichen Versorgung s- betriebe wird eine Sonderregelung getroffen, die weniger straff sein soll als die Regelung für die unmittelbaren Kammunalanleihen. Ueber einige noch im unklaren gebliebenen und über technische Einzelsragen wird die Entscheidung in den nächsten Sitzungen ge- troffen werden. Es kann nicht verkannt werden, daß die im Prinzip ver- einbarte Regelung einen gewissen Fortschrift gegenüber der bis- herigen Organisation und Funktion der Beratungsstelle und gegen- über den ursprünglichen Absichten der Reiches für die Neuregelung der Anleihekontrolle darstellt: der Einfluß der Kommunen auf die zentrale Kontrolle der Kommunalanleihen soll oerstärkt werden, die unwürdige Kontrolle der Beratungsstelle über den Verwendungs- zweck der Anleihe soll beseitigt werden und der kommunale Selbst- Verwaltungsgedanke soll mehr respektiert werden als bisher. Man muß freilich, um zu einem endgültigen Urleil zu gelangen, noch den genauen Wortlaut der Vereinbarungen abwarten, Un< abhängig von der genauen Formulierung der neuen Bestimmungen kann aber schon gesagt werden, daß liniere grundlätzlichen Einwände gegen die ganze Jnstiiution der kommunalen Anleiheköntrvlle durch die Neuregelung nicht betroffen werden. Devisenaufbau der Micbsbank. Der Reichsbankausweis vom 31. Oktober ist unter zwei Gesichts- punkten bemerkenswert. Die Zunahme der Wechselbestände um 362,3 auf 2300,8 Millionen ist verhältnismäßig gering gegenüber der Vermehrung der Lombarddarlehen um 256,2 auf 317,7 Millionen. Die privaten Bänken, die wichtigsten Kunden der Reichsbank, haben offenbar keine großen eigenen Wechselbestände mehr und inußten groß« Lombardkredite, die um 1 Prozent teurer sind, bei der Rcichsbank in Anspruch nehmen, gleichzeitig scheinen die Banken wenig Auslandswechsel bei J>cr Reichsbank rediskontiert zu haben. Darin enthüllt sich eine relativ sehr schwache Position der Privatbanken, die durch Kapitalflucht und ihre eigene gefährliche Kreditpolitik aus Devisen- grundlage von der Reichsbank sehr abhängig geworden sind. Das ist das eine sehr interessaifte Moment. Das andere ist die neuerliche Bermehrun gd erDevisen» bestände der Reichshank um 35,9 auf 198,5 Millionen Mark, während die Goldbestände nicht mehr abgenommen haben, sondern mit 2180,2 Millionen fast unverändert blieben.. Die Reichsbant hat also offenbar den gefährlichen Devisen st ur in vollständig überwunden und baut ihre Währungsrcserven schon wieder auf. Der Notenumlauf stieg zum Monatsende um 693.9 auf 4674,6 Millionen, Die Deckung der Noten durch Gold und deckuugefähige Devisen ging, wie immer am Monatsende, von 58L auf.50,9 Prozent stark zurück, steht aber noch um ein reichliches Viertel über den gesetzlich vorgeschriebenen 40 Prozent. �eichspost will Gebühren ermäßigen. Im Arbeitsausschuß des Verwaltungsrates der Deutschen Reichs- post erklärte der Reichspostminister, daß die Deutsche Reichspost im Zuge und im Rahmen einer allgemeinen Preissenkung durch Industrie und Handel ein« entsprechende Gebührenermäßigung eintreten zu lassen bereit sei. Eine Steuer aus den Rundfunk und eine heraussehung der Rundfunk- gebühren komme nicht in Frage. Die Triumphwerke Rürnberg A.-G. teilt mit daß st«'m Se- schäftsjahr 1929 30 den gleichen Umsatz erreicht habe wie im Barsabre. Sie habe trotz der schlechten Wirtschaftslage überroscheud gute Aufträge für Motorräder erhallen. Metallarbeiter, bleibt einig! Ablehnung jeder Spallung.— Nur gemeinsame Aktion sichert Erfolg. Einmütig, unter Beobachtung der gewerkschaftlichen Disziplin habt Ihr die Arbeit am 13. Oktober nieder» gelegt, um die Lohnkürzung abzuwehren, die Euch der Schiedsspruch auferlegte. Ungeachtet der Opfer und Gut- behrungeu habt Ihr im Streik ausgeharrt, bis durch eine neue Vereinbarung der Schiedsspruch beseitigt worden ist. Ein neues Schiedsgericht wird in den nächsten Tagen zusammentreten und einen für beide Teile verbindlichen Schiedsspruch fällen. Das Schiedsgericht wird an Eurer Einmütigkeit nicht achtlos vorbeigehen können. Ihr müht sie bewahren und verstärken. Noch sind wir nicht überm Berg. Es gilt auch für die Zukunft vorzubauen. Verkiirzung der Arbeitszeit zur Einreihung der Arbeitslosen in die Produktion. Erhaltung und Verstärkung der Kaufkraft. das sind die nächsten und dringendsten Aufgaben. Sie können nur gelöst werden, wenn Eure gewerkschaftliche Organisation auf Euch zählen tan«, wenn Ihr Euch auf Eure Gewerkschaft stützen könnt. Wie Ihr während des Streiks die Parole« der angeblich revolutionären Gewerkschaftöopposition u n- beachtet gelassen habt, so werdet Ihr auch jetzt und in der Zukunft taub sein gegen die Versuche. Eure Ein- heit zu zerstören. Eure Gewerkschaft zu spalten. Im Gegenteil! Jetzt gilt es erst recht die Lehren des Streiks zu beachten. Tie Mitglieder der freien GeWerk- schaften müssen jetzt mit Feuereifer au die Werbung der noch Ferustehendeu gehen. Den irregeleiteten Kolleginnen und Kollegen, ob sie nun den..Wirtschaftsfriedlichen", dem„Stahlhelm" oder den„Nationalsozialisten" angehörten, oder ob sie sich gleichgültig verhielten und überhaupt nicht organi- stert waren, den Kolleginnen und Kollegen, die bisher an die Versprechungen und Verleumdungen der KPD. und ihrer RGO. geglaubt haben, ihnen allen muh klargemacht werden, daß uur die geschlosseue Einheit innerhalb der freien Gewerkschaften, innerhalb des Deutschen Metall- arbeiterverbandes Euch wirksam zu schützen vermag. Während des Streiks und nach dem Streik hat man in der gegnerischen Presse versucht, unter Euch Verwirrung zu stiften und damit Euch zu schädigen. Nur die sozialdemokratische Presse hat rück- haltlos Eure Interessen und Eure Einheit verteidigt. Vergeht auch das nicht! Werdet Leser der sozialdemokra- tischen Presse, des„Vorwärts" oder des„Spandauer Volksblatt". Kolleginnen und Kollegen, an die Arbeit! Seid ein- gedenk der Lehren des Streits! Schließt Euch zusammen in Eurer freigewerkschaftlichen Organisation! Weist die Einmischung der Kommunistischen Partei zurück! Alles mit der Organisation, alle in die Organisation! Es lebe die Einheit der Arbeiterschaft! Es lebe der Deutsche Metallarbeiterverband! Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Arbeiislosigkeii und Lteberstunden. Rundschreiben des Handelsministers. Wenn auch die zur Zeit noch geleisteten lieberstunden in gewerblichen Betrieben zum weitaus überwiegenden Teil aus taris- vertraglichen Abmachungen beruhen, so hat der preußische Handels- minister doch erneut angeordnet, daß die Eewerbeaufsichtsbeamten die behördliche Genehmigung von Ueberarbeit auf das äußerste e i n- schränken sollen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst initteilt, haben die zuständigen Beamten es nach diesem Erlaß zur Zeit als ihre besondere Aufgabe zu betrachten, die E i n g l i e d e- rung von Arbeitslosen in das Wirtschaftsleben fördern zu helfen. Die Beamten sollen bei ihren Betriebsbesichtigungen durch entsprechend« Borstellungen dahin zu wirken versuchen, daß auch von tarifvertraglich zulässigen Ueberstunden insoweit kein Gebrauch gemacht wird, als die jeweiligen Verhältnisse ein« Mehreinstellung von Arbeitnehmern ermöglichen. * Es kommt nicht nur darauf an, die vertraglich zulässigen oder behördlich genehmigten Ueberstunden einzuschränken. Bor allem muß der vertraglich nicht zulässigen und behördlich nicht genehmigten Ueberktnndenschufterei entgegengearbeitet werden. Es müßte auch durch das Justizministerüjm wieder die Justizbehörden auf die volksfeindliche Haltung der Unternehmer hingewiesen werden, die geseßwidrige Ueberstunden anordnen. Sie dürfen nicht weiter mit lächerlich geringen Geldstrafen bedacht werden, die olles ander« sind als ein« wirkliche Sühne. Bei Tourbon geht der Streik weiter. Aerfuch, die Vereinbarung zu brechen. Die Firma Tourbon. Ventilatoren und Apparatebau G. m. b. H. in Reinickendorf-Ost. Eraf-Rädern-Allee 1/2, hat die Vereinbarung, die im Reichsarbeitsministerium getrosten wurde, wonach die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder aus- genommen wird, zu durchbrechen versucht. Sie hat den Ar- beitern. die sich zur Arbeitsaufnahme meldeten, weit schlechtere Bedingungen als die alten zugemutet. Verhandlungen, die die Bs- triebsvertretung am Sonnabend führte, scheiterten an der Haltung der Firma. Der Streik geht deshalb bei der Firma Tourbon weiter, unter Führung des Deutschen Metallarbeiteroerbandes. Wer sich nicht des Streikbruchs schuldig machen will, meidet die Firma Tourbon. Kabrikarbeiier marschieren. Hücker geißelt die Epaltungsaktion der KPO. Obwohl gegen den Fabrikarbeiter-Vsrband von der KPD. ein wütender Kampf geführt wird, der sich nicht nur in der Oestent- lichkeit. noch mehr aber in den Großbetrieben abspielt, hat die Berliner Ortsoerwaltung des Fabrikarbeiter-Berbandes ihre Position im dritten Quartal nicht nur gut behauptet, sondern sogar noch verbessert. Wie der Bevollmächtigte Genosse R ü ck e r in der Generaloersammlung im Gewerkschaftshaus berichtete, sind im dritten Quartal 300 neue Mitglieder dem Verbände bei- getreten. Dieser Mitgliederzuwachs in einer Zeit schwerster wirt- jchastlicher Depression legt davon Zeugnis ab, daß die Werbekrast des Verbandes nicht nachgelassen hat. Rücker kam dann auf die Gegensätze zwischen Unternehmern und Arbeitern zu sprechen, die sich nach den Reichstajjswahlei, außerordentlich v e r s ch ä r s t' haben. Das sozialreaktionare Auf- treten der Unternehmer ist nicht zuletzt auf die Sozial-, Wirtschaft»- und Finanzpolitik der Reichsregierung zurückzuführen, die die Unter- nehmer in ihren Lohnabbauplänen begünstigt, anstatt mit allen verfügbaren Mitteln auch die Preise zu drücken. Rücker ging in diesem Zusammenhang aus den Streik der Berliner Metallarbeiter ein, an dem die Berliner Zahl- stelle des Fabrikarbeiter-Berbandes mit rund 100 Mitgliedern beteiligt war. Er geißelte scharf das Treiben der RGO. in diesem Kampf, das den Streikenden bestimmt nicht zum Vorteil gereicht hat. Wenn noch bei jemand Zweifel darüber bestanden haben, daß die KPD. die Spaltung der sreien Gewerkschaften betreibt, so dürften diese Zweifel durch die offene Aufforderung der kommunistischen Presse zur Gründung eines„roten Metallarbeiter-Verbandes* endgültig beseitigt worden sein. Jeder einsichtige Gewerkschafter ist davon überzeugt, daß die KPD. mit der Gründung dieser an sich gewerkschaftsfeindlichen „Gewerkschaft" genau so Schiffbruch erleiden wird, wie mst den ähnlichen Spaltungsaktionen in den IAhren 1923/24. Trotz dieser Erkenntnis müssen die Gewerkschaftsmitglieder dieser neuen Spal- tungsaktion cillerwärts entgegentreten. Ganz unzweideutig müsse ober denen, die diese Spaltungsaktion direkt oder indirekt unter« stützen, erklärt werden, daß für sie in einer freien Gewert- schaft kein Platz mehr ist. Unter dem Beifall der General- Achtung! BSMJ-Betriebe! Auszahlung der restlichen Streikunterstützung? Besondere Vorkommnisse geben uns Veranlassung, daraus hinzuweisen, daß die Slreikunterslühung nur an das 7ss i t g l i c t>, das die llnlerstühuug zu erhalten hat, zur Auszahlung kommen kann. L» ist unzulässig, daß Familienangehörige die Unter- slühung abheben können.' Damit jedem Mitglied die Möglichkeit gegeben ist. das Ver- bandsbüro aufzusuchen, wird dieses im Laufe dieser Woche bis 19 Uhr(7 Uhr abends) offengehalten. Die Ortsoerwaltung des DMV. Versammlung appellierte Genosse Rücker zum Schluß seines Gs>. schäftsberichtes an die Vernunft der Arbeiterschaft und forderte zum festen gewerkschaftlichen und politischen Zusammenschluß aller Hand- und Kopfarbeiter sowie zur Beendigung des politischen und gewerk- schastlichen Bruderkampfes auf. Die Ausführungen des Bevollmächtigten wurden in der an- schließenden Diskussion noch wirksam unterstrichen. Lediglich«in kommunistischer Diskusstonsredner versuchte, seine Phrasen gegen die Sozialdemokratie an den Mann zu bringen, ohne jedoch in der Versammlung ein Echo zu finden. Die RGO. bei Lorenz-TemyeZhof. Lltid die Lügen in der kommunistischen presse. In der Rr. 256 der„Roten Fahne" ist ein Bericht über die Arbeitsaufnahme bei der Firma Lorenz, Tempelhof, enthalten, der von besonders krassen Unwahrheiten strotzt. Es wird da die B;- hauptung aufgestellt, die Betriebsleitung Hab« gemeinsam mit dem sozialdemokratischen Borsitzenden bis jetzt nur die Arbeiter wieder «ingestellt, di« sich durch das Verbandsbuch des Deutschen Metall- arbeiter-Berbandes ausweisen konnten. Das ist unwahr. Pom Betriebsrat wurde die Firma darauf aufmerksam gemacht, daß am Freitag die Auszahlung der Streikunterstützung stattfindet und das somit die Mit- glieder des Deutschen Metallärbeiter-Verbandes sich nicht so zeitig zur Arbeitsleistung zur Verfügung stellen können. Die Firma hat das berücksichtigt. Des weiteren trifft die Behauptung nicht zu, daß nur Mit- glieder des Deutschen Metallarbester-Berbandes eingestellt worden seien. Aber die Tatsach« trifft zu. daß sehr viele, die nicht Mit- glieder des DMB. sind, sich darauf berufen haben, sie kämen erst jetzt zwecks Einstellung und begründeten dies mit dem Hinweis, daß sie erst jetzt vom Empfang der Streikunterstützung aus der Linienstraße kämen. Sie benutzten somit die Gelegenhest, um unter falscher Flagge die Zlrbeit wieder aufnehmen zu können. Da dem Betriebsleiter, H«rrn Dublow, das aussiel, fragte er mehrere, ob sie das nachweisen könnten, daß st« Streikunter- stützung vom DMB. empfangen haben, worauf unser« Mitglieder selbstverständlich an Hand ihres Mitgliedsbuches den Nachwels ' führen konnten. Besonders interessant wirkt auch di« Tatsache, daß die„Revolu- tionärsten" des Betriebes, wie die Delegierten H ö p f n e r, P l« t t a u und Engelhardt schon früh um 7 Ahr 30 Minuten zur Arbeitsaufnahme erschienen sind. Letzterer entschuldigt« sich noch, er müsse den Betrieb wieder verlassen, weil er s e t n Früh- stück vergessen habe. Er hatte es also sehr eilig mst der Arbeiteausnahme. Ein Fräulein 51., das auch zur Arbeitsleistung erschienen war. ab«r«ntlassen wurde, trat an alle sich noch draußen Besindlichsn heran und teilt« chnen wieder besseres Wissen mst, daß alle, die sich draußen befänden, entlassen seien. Di« Angaben, di« in der„Roten Fahne" stehen, sind nur gceignel. neue Verwirrungen zu stiften, weil sie aus lügnerischen Behauptungen aufgebaut sind._ Zuschuß für die Reichstnappschost. Ausgleich jür den Ausfall aus der Lohnsteuer. Im Reichsarbeits Ministerium fand dieser Tag« eine vom AfA-Bund beantragte Aussprache über die Finanzlage der Angestelltenpensionstass« der Reichstnappschaft statt. Mimsterialdirektor Dr. Grieser machte dabei die Mit- tctlung, daß nach einem soeben vom Reichskabinstt gefaßten Be- schluß di« Pensionzversicherung für Arbeiter und Angestellte die Einnahmen aus den durch Verordnung vom 25. Oktober«ingeführten Zollerhö Hungen für Weizen, Gerste und Spelz als Zu- schuß erholten soll. Der Gesamtbetrag steht noch nicht fest; beim Weizenzoll wird«r auf 30 bis 35 Millionen Mark pro Jahr geschätzt. Diese Zuwendung an die Knappschaft ist als Ausgleich für den Wegfall der 75 Millionen Mark gedacht, di« sie bisher aus den Ueberschüssen der Lohnsteuer erhielt. Gegen Maßregelungen. Reformistische Methoden der Revo'utionäre. In der Vereinbarung zur Beilegung des Metallarbeiterstreiks ist klar und deutlich gesagt:„M a h r e g e l u n g e n aus Anlaß dieses Streiks dürfen nicht stattfinden". Bei Abbruch des Streiks am Donnerstag wurden die Obleute der Streikleitungen ausdrücklich darauf aufmerksam gemocht, jede Differenz, die wegen der Wiederaufnahme der Arbeit in den Betrieben entstehen sollte. sofort der Orgamsationsleitung mitzuteilen, damit sie unverzüglich eingreifen kann. Die KPD.„führte" einstweilen weiter. Jetzt empfiehlt sie den Gemaßregelten, Einspruch zu erheben und leitet ihre Ratschläge mit folgendem Satz« ein: „In dem verräterischen Abkommen Urichs mit den Unter- nehmern ist unter anderem die Bedingung entHallen, daß Maß- regelungen nicht stattfinden sollen." Gestützt auf dieses„verräterisches Abkommen" fordert die KPD. jetzt nicht mehr zum Wstterstreik auf, sondern sie verweist selbst die„revolutionären" Gcmahregellen auf die verschiedenen Paragraphen der bürgerlichen Gesetze. Wir Höllen nicht.geglaubt, daß die KPD. derart„resormistisch" handeln könne, ohne Rücksicht auf die Limen. Diese Abweichung soll jedoch morgen abend in den Pharussälcn wettgemacht werden, durch die Gründung einer„revolutionären" Svnderorgantsatioi� �reie Gewerkschafts-Lugend Verlin Frsülisnit« All««: Städt. Zriaeiüili-im Ei'aiift®tt, Lichtenberg: Jug-ndhelm tkosseslr. 22. Jugendheim fflunictftr.«.- itt. 18. SeimbesprcSung.— rechung.— Ren.Lich.enherg: — Panlnin: Srunwuheim Heimdesprechung ______|__ W... Keimbetprechung.— P.WW Pnnlow. kässtngrnstr. 48. Seimbesprechung und LiedergbentL— Gernerischakt», Haus: Jugendheim Engelufer 24~2Z,®aat Ii' de» Fabeikarbeiterverbanden. Heimbcsprechung. Verbgnd»buch!onirolli. �uaendoruppe oeS jjentralverbandes der Angestellten kjZJ Heute,-Dienstag, finden folgende Leranftallungen statt: Nordwest: Jugendheim Lichrtcc Str. 18-— 19. Disiusstousabend.— Lichtenberg: Iugendhe m(Suntciftt. 44. Bunter Abend.— Sprech, nnb Bcw«gn-g»char: Ucbungeabend«üickllich 20 Uhr in der Turnhalle der schule Baruther Str. 20. Leitung Otto Polemann.— Am 9. November findet dt-„nächst« Zug-ndvor. fiellung der Volksbithn« statt,«arten hierfür find im Iugendfrekrelariat er- häUlich. Mm saK:.Mer MfMkathreiner+ truGHer-Ui" -MMcht.bttm MMkathreiner iß-memal uchrlmster alsLeWbmhe/ 6ölchchee icht die LruahnWe- mMMM Wdnay: halb Mich. bald recht starker kaArnirer mrd jefefc voti unseren. Äsben viel, cmpsthlcn/ mm S&imbaum: Wirbelnder fflhylkmus! Wirbelnder Rhythmus. Maschinen rattern im Takt, unauf- hörlich, monoton. Riesige Papicrballen rollen sich automatisch ab. winden sich— ein schier erMoses weisiaraues Band— durch ein sinnvolles Walzengetriebe, schieben sich bedruckt, gesalzt und abge- zahlt, gebündelt in griffbereite Hände. Flinke Jungen auf Rädern flitzen in alle Teile der Stadt. Große, schwere Zeitungspacken lasten auf schmalen Schultern. Riesig« Pakete verschwinden im Schlünde der Lastwagen. Dreiräder, Motorräder mit Beiwagen werden herangcschoben. Bahnhöfe, Filialen, Ausgabestellen und Post sind in kürzester Frist beliefert. Ehe der Riese Großstadt erwacht, läuft schon das Räderwerk: Organisationl * Eilende Gestalten. Sie huschen treppauf, treppab: Frauen, Männer, junge Menschen. Kaum daß der Tag graut. Durch schmale Briefschlitze werden gefaltete Morgenblätter gezwängt. Klappen sollen schrill. Möglich, daß die Frau, die Mutter schon wach, in der Küche schafft. Denn frühe beginnt der Werkleut« Arbeitstag. Schlaftrunken noch erheben sich die Menschen der Großstaadt.(Das eigentliche Leben des Industriearbeiters betinnt ja nach dem Werktag erst!) Ein gewohnter Blick zur Uhr: Es ist höchste Zeit! Die Minuten rennen. Im Stehen wird ein Schluck warmen Kaffees hinuntergestürzt. Dazu: Ein paar Bisten vom Butterbrot. Flüchtig sind die Balkenüberschristen der Zeitung verschlungen. Der Tag beginnt. Tie Gehbahnen zu Bahnhöfen und Fabriken sind schwarz von Menschen. An den Haltestellen der Straßenbahnen und Autobusse stauen sie sich zu dichten Klumpen. In den Hallen der U. und Stadtbahnen quirlt es hin und her. Die Züge surren nach allen Richtungen: Alle drei Minuten in jeder Richtung«in Zug. Und in den Abteilen drängen sich die Menschen, stehen eng bei- ' einander. Wer kann— liest seine Morgenzeitung. Weniger Glück- liche schielen mit hinein, ergattern hier und da einen Fetzen— oder bleiben an den Ucberschriften hängen. ★ Um ein Viertel nach Acht bequemt sich Herr Kruschke an seinen Kaffeetisch. Alles liegt wohlgeordnet an seinem gewohnten Platz. Nachdem er behäbig Platz genommen, schiebt ihm die Gattin eine Tasse weißen, schön gesüßten Kaffee in Reichweite. Darauf läßt auch sie sich ihm gegenüber in den knarrenden Korbstuhl nieder. Herrn Kruschke mundet das Frühstück nicht, wenn er es allein zu sich nehmen soll. Er hält sehr auf Familiensinn. Es tut nichts, daß das Frühstück dennoch fast wortlos von Herrn Kruschke eingenommen wird, obwohl die Frau mehrere Male ein Gespräch anzuknüpfen versucht und ihn daran erinnert, heute nicht so spät aus dem Geschäft zu kommen—„wegen dein' Theater i" Herr Kruschke läßt sich nicht stören: Erst muß er sein Leib- ulid Magenblatt in aller Be- schaulichkeit studieren. Der neueste Stodtskandal interessiert ihn besonders. Nachdem«r schon vieles andere dazwischen gelesen, vertieft er sich«in zweitesmal in den überaus ausführlich auf- gemachti-n Bericht. Er fängt an.zu brubbeln:„Ist ein Skandal! Dieses Lumpengesindel!! Nein— das wär früher nicht möglich ge- mcsen'!" Die Kaffeetassen klirren. Fast ängstlich mustert ihn seine Frau. Ilm den Unmut ein wenig zu dämmen, erinnert si« ihren Josef daran, daß es wohl an der Zeit lei, auszubrechen. Da aber faucht er sie an:„Das laß nur mein« Sachs sein!''— und«rhebt sich. Frau Krulchke tut beleidigt, eilt zur Garderobe und Hilst dem .Hetzrn d«e Hauses in. den Mantel.. Beim Abschied tätschelt Herr »Ksuffcdke seiner Frau wie zur Äuesöhnunq' die Wangen und ent- scbwindet langsam ihren Blicken. Frau Kruschke lächelt beruhigt: Nur die böse Politik macht ihr«n Mann so garstig! -k Der erste Posteingang gelangt zur Verteilung. In mehr als hundert Fächern verschwinden die Sendungen: Zeitungen und Zeit- schristen im Fach der„Literarischen Abteilung''. Der Bot« Bock ächzt «in« DiertMunde spater schon mit einem schweren Packen zum Fahrstuhl. Im vierten Stock, Zimmer 237, nimmt ihm ungeduldig dar Erpedteni Krüger die Eingänge«ras dem Arm. Neue Verteilung in mehrere Ressorts: Tageszeitungen. Fackstchriften, Werbung. Re< klame. Di« Mappen landen auf den„zuständigen" Tischen. Kri- tische, völlig zweckemqestellte Hirne und Singen durchfliegen Seite um Seite, nervöse Hände streichen mit roten, grünen und blauen Schreibstiften die interessierenden Notizen heraus. Heinerle mit dem Spitznamen„Bott-boit" holt alle zehn Minuten die„gelesenen" Schriften zusammen, um sie dem Abteilungsleiter zuzuführen- Tele- phonote, Rücksprachen, Konferenzen werden veranlaßt. Schreib» Maschinen klappern unaufhörlich. Diktate schwirren um die beruflich Lesenden. Pressevertreter werden empfangen, unterrichtet. Besicht!- gungen, Rundfahrten wollen organisiert sein. Berichtigungen sind mit der„Juristischen Abteilung" aufzusetzen. Klagen werden ein- geleitet. Nach Rückkehr der rot und grün und bläu markierten Lektüre von den Abteilunqschefs sind die Ausschnitte zu machen und den verschiedenen Abteilungen zur„weiteren Veranlastung" zu übca-m'tteln. Telegramme und Ferngespräche auswärtiger Vertreter und Büros aus dem In- und Ausland weisen im voraus mif wich- tiq« Eeschehnists hin. Nebersetzungen fremdländischer Notizen und Slrt'kcl sind zu fertigen. Direktiven werden gegeben„Freie" Mit- arbeiter erhalten zweckentsprechendes Material: fette Honorare werden auf Konto überwiesen: Kassenzeichen„Freiwerbung". ★ Platz in der Innenstadt. Sieben Straßen münden hier ein. Unzählige Straßenbahnlinien kreuzen die Fläche. Die Ungetüme der Aboag nehmen sich selbst neben den Lastkraftwagen noch wie Riesen aus. Personenautos und Kraftdroschken scheinen dagegen lächerlich winzig. Ganz zu schweigen von den paar Verwegenen ruf Fahrrädern inmitten des Gewühls auf dem Fahrdamm. Di« Verkehrsampeln wechseln in kurzen Abständen von grün aus gelb, von gelb auf rot. von rot auf gelb, von gelb aus grün, von grün auf gelb— und so fort, immerwährend. Auf den Bürgersteigen hasten Menschenmassen, schieben und drängen. Dazwischen schlängeln sich Zeitungsjungen hindurch, die Mitiagszeitung über dem Arm. „Zweihundert Tote! Grubeimnchück bei Aachen! Zweihundert Tote!...* Auf der Straßenbahn grefft ein Herr in die Tasche. Schon ist der Junge über den Damm. Zeitung und Groschen sind blitzschnell gewechselt.„Zwerbundert Tote! Grubenunglück..." Man hört schon die letzten Worte nicht mehr. An der Haltestelle neben mir flucht einer plötzlich aus: Baslucht! Die 78 kommt noch immer nicht. Fünf Bahnen sind schon vorbei. Zehn Minuten warte ick nu schon!"(Es stimmt aber nicht: Es sind erst vier Minuten, daß er hier steht. Macht nichts. Auf ein paar Minuten kommt es beim Schimpfen nicht an!)„Zweihundert Tote! Grubenunglück bei Aachen!" Wieder wühlt sich der Junge durch den Strom, wechselt in einem fort Zeitung um Zeitung für einen Groschen. Di- Frau vom Zeitungsstand an der Ecke schaut ihm grimmig zu. Hier ist ihr Revier. Schon aber ist er wieder weiter. Die Käufer finden auch zu ihr. Fast mitleidige Blicke streifen dabei die noch aus- hängenden Morgenzeitungen. Die sind längst veraltet. Weiter hastet der Menschenstrom. Neugierig werfen die meisten nur einen kurzen Blick auf den Aushang am Zeitungsstand:„Zweihundert Tote! Grubenunglück..." Weiter können sie im Vorübergehen nichts er- haschen. Kaum, daß es tiefer in ihre Seelen dringt. Zweihundert, was sind Zweihundert— wo Tausende in wildem Tempo sich drängen?.... ★ Die Tore der Fabriken öffnen sich well. Werktätige Menschen füllen die Straßen wieder. Abgespannt und müde schreiten sie daher, wortkarg. Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Lohnabbau, Wirtschaftskrise irrlichtern durch die Zeit. Ein schwerer Druck lastet auf schwachen Schultern.„Vierhundert Angestellte zum Ultimo gekündigt..." rernchme ich hinter mir.„Mit dem Knüppel müßte man dazwischen- schlagen!" höre ich einen Arbeiter sprechen. In seinem Tonfall liegt der ganze Groll lange gestauter Unzufriedenheit. Vielleicht auch unterbewußt ein Gefühl der Ohnmacht des Indifferenten, Unorgani- sterten,„Sympathisierenden" gegen überstarks gesellschaftliche Mächte? Geschäftige Propheten, Heilslehrer, Rezepteschmiede sind am Werke. Zeitungen ihre Helfer.„Neuer Verrat der SPD.! So- zialdemokraten und Gewertschasten für die Regierung Brüning!" kündet in großen Lettern die kam-nunistische Abendpresse. Der Blick Verzagter. Verbitterter, Verzweifelnder verengt sich. Ingrimmig verschlingen sie Epistel für Epistel, Seite um Seite— und hängen gläubig gleich Ertrinkenden am gedruckten Wort. Haß frißt sich fest in ihre Herzen: Klassengenossen, Arbeitsbrüder werden zu Aus- bünden der GemeinheitI Letzte Hemmungen nur bewahren sie davor. den neben ihnen Sitzenden feinen„Vorwärts" zu entreißen und zu zerknüllen, buchstäblich mll Füßen in den Schmutz.zu treten. Em hohnoolles Lächeln nur haben sie für das junge Mädchen übrig, das sich im Romanteil des Generalanzeigers verloren hat. ★ Der Tag erlischt. Licht flammt auf. Die Stunden rinnen. Warenhäuser und Geschäfte schließen. Die 2. und 3. Ausgab« des „Tempo" sind unterdes erschienen:„Brüning gerettet!" Die Hugen- bergsche„Nacht"-Ausgabe mit dem roten Strich unter der Balken- zeile„Pyrrhussieg der Regierung!" welleifert mit ihnen. Das „8 Uhr-Abendblatt" ist schon sell halb sechs auf dem Platze. Noch immer flutet das Leben durch alle Kanäle der Stadt. Demonstrationen, Konferenzen, Sitzungen. Versammlungen allem- halben. Es ist eine unruhevolle Zeit! Kino, Theater, Cafäs und Kneipen sind gefüllt. Lohntag heute. Tausend andere dem Rund- funk lauschen. Tagsüber in Fabriken schaffende Frauen und Mütter rackern sich weiter ab, bis sie spät abends todmüde zu kurzer Ruhe ouf ihre Lagerstatt sinken. Tief und fest ihr Schlaf, den sie sich doppelt verdient. In den Redaktionen der Morgenzeitungen aber ist Hochbetrieb. Fieberhaft zucken die Tasten der Setzmaschinen. Letzte Nachrichten werden gesichtet. Der Umbruch ist fertig. Endlich ist auch die Schlagzeile zurechtgefeilt. Rotationsmaschinen kommen in Schwung, derweilen draußen der Riese Großstadt sich aus seine kurze Nachtruhe besinnt. Andre Geschehnisse, neue„Sensationen" steigen aus der Ties« der Nacht. Was heute die Nerven noch peitschte— läßt morgen kalll Weiter geht es in wirbelndem Rhythmus unserer Zeit. Ma- schmen rattern im Takt, unaushörlich, monoton... Stich. Wuelfcnbcck:.Tfilllflie? Mtld Ich traf gestern Dr. Robert Kleinschmidt, der als Mitglied einer englisch-amerilanischen Expedition versucht hatte, den Mount Everest zu besteigen. Er erzählte mir einige sehr interessante Einzelheiten: er wies auf den religiösen Fanatismus der Tibetaner hin und jagte, es herrschte dort am Fuß der GaurisankacmaWos eine Feindschaft gegen das Europäertum, von dem man sich hier keine Borstellung machen könne. Ich hatte, sagte der Forscher, in der Nähe der heiligen Stadt Lhasa einen Diener gemietet, der mir ansänglich sehr zutraulich und willig, später sehr verdächtig vorkam. Ich beobachtete ihn mißtrauisch, konnte ihn aber nicht entlassen, da eine solche Handlung bei der allgemeinen Spannung als offener Feindseligkeitsakt ausgelegt worden wäre. Der Mann hieß Pa, er war von mittlerer Größe und hatte wirres schwarzes Haar, das ihm in einer für«uro- päisch« Gemüter schreckeirerregendcn Weise über die Stirn in die Augen fiel. Pa war bekleidet mtt einem alten Iackfell, in dem es non Ungeziefer wimmelte: täglich rieb er sich Gesicht, Hände und Oberkörper mit ranziger Butter ab. Die Beine wusch er nie, so daß sie mll Schmutzborken bedeckt, ein Bild des Elends und des Ekels darboten. Pa verrichtete täglich religiös« Uebungen, aber so heimlich, daß seine Abwesenheit allein uns daran erinnerte, was vor sich ging. Pa hatte großes Interesse für die Erzeugnisse europäisch- amerikanischer Technik: er betrachtete lange und staunend die Kam- passe. Sextanten, Höhenmesser, die photographrschen Apparate und nicht zu vergessen die Autos. Einmal erwischten wir ihn. wie er die Haube eine« Motors entfernt hatte unir itt' Andacht versunken fcte Zylinder anglotzte, die ihm mix Anne: und'Beine eines fremden Gottes vorgekommen sein mögen. Aber daß Pa auch hassen konnte, begriffen wir, als wir aufgeschreckt durch ein spechtartig klopfendes Geräusch einen im' Lager wohlbekannten Mann Mr. Fleetwoods Spiegelreflexkamera zerhacken sahen. Sie können sich vorstellen, daß es nicht angenehm war, sich von einem mit so verschiedenen Eigenschafteu ausgestatteten Diener bis in die kleinsten Einzelheiten des täglichen Lebens beobachten zu lassen. Wie oft bin ich nachts, wenn ich auf meinem Zeltbett lag, urplötzlich aufgewacht, erschreckt, in Schweiß gebadet: ich glaubte, eine Fratze zu sehen, Pas Gesicht, das sich über mich beugte. Ich vermutete diesen Menschen zwischen den Falten meiner Kleider, hinler jeder Kiste. Wenn er dann wirklich«intrat, um in jener unterwürfigen Weise, die aus Sichtung und Verachtung gemischt ist, und nur von Asiaten geübt werden kann, meine Sachen ordnete, mir den Kaffc« reichte oder eine Zigarre in Brand steckt«, wurde ich von kühler Ruhe erküllt. Die Strapazen der Reise hatten meine Nerven angegriffen: ich wußte es, ohne etwas dagegen tun.zu können. Im Gegenteil: die größte Belastung unseres seelischen und körperlichen Menschen stand noch vor uns. Seit Wochen war der Horizont ausgefüllt von der Kulisse der Berge, an denen wir unsere Fähigkeiten erproben wollten. Genaue Beobachtung Pas hatte die UebÄ-zeugung in mir wachsen lassen, daß er feine ganze Abneigung gegen uns zurückhielt. bis sich ihm eines Tages ein« Gelegenheit bieten würde, die das Risiko, gegen so mächtig und gefährlich ausgestattete Europäer vor- zugehen, auch lohnend erscheinen ließ. Man mußte auf der Hut sein. So oft ich mit Mr. Flcetwqod oder mit Lang«, dem Letter der Unternehmung sprach, bekam ich schallendes Gelächter oder Vor- würfe zu hören, die besagten, ich hätte mich damals, als Pa die Kamera zersckchug. nicht gegen seine Bestrafung und Entlassung sträuben sollen. Lange war ein gewiegter Slsienkenner: aber in Tibet bejand er sich zum erstenmal. Da er den Charakter dieser Halbwilden nicht so wie ich beurteilen konnte und da er keine Vor. stellung von ihrem tiefgervurzellen religiösen Fanatismus besah, konnte ich ihm seine Vorwürfe nicht übelnehmen. Wir lebten seit einigen Wochen aus den Vorhöhen des Mount Everest, denen die leider so elend. zugrrmdezegangene Expedition Roß den Namen„Weißes Plateau" gegeben hat, weil sich hier einige salzseeartige Gebilde befinden, die in der Dämmerung wie Silber leuchten Unsere nächstliegendste Aufgabe bestand in der Er- richmng von Proviantstationen, auf die wir uns bei der Besteigung des Gipiels stützen wollten. Zu gleicher Zeit aber wollten wir einig« Eingeborene als Bergsteiger ausbilden: sie sollten Fleetwood, Lange und mich beim letzten Angriff auf dl« Mount Eoerest-Höhe, so weit es ging, begleiten und uns unsere Ausrüstungs- und Ersatz- stücke nachtragen. Wir hielten eine eingehende Musterung unter den Leuten ab und sonderten alle aus, die wegen ihrer körperlichen Beschaffenheit von vornherein nicht in Frag« kamen. Vollkommene Schwindel- freihett war natürlich unerläßliche Bedingung. Alle Eigenschaften mußten erprobt und mühsam nachgewiesen werden: da wir uns selbstverständlich auf die Behauptungen der Tibetaner nicht ohne weiteres verlassen konnten: zumal, wenn man bedenkt, daß bei solchen Unternehmungen ein Fehltritt genügt, die ganze Gesellschaft ins Verderben zu stürzen. Merkwürdigerweise blieb trotz meines inneren Widerstandes als kräftigster und geschicktester Anwärter mein Diener Pa übrig: mit großem Redeschwall erklärte er, er würde un» ewig dankbar sein, wenn wir ihn mitnähmen. Ich weiß nicht, ob Sie wissen, daß die Tibetaner den Mount Everest als Gottheit verehren und eine Stesteigung dieses Berges als schwere Sünde betrachten. Infolge des Einflusses des Mr. Lange hatten wir aber— trotz meiner Einwände— beschlossen, auf die religiösen Widerstände der Eingebarenen nicht einzugehen, indem wir der Ansicht waren, daß die Tibetaner in gemeinsamer Gefahr keine Dummheiten machen würden. Das war falsch, wie sich sogleich herausstellen wird. Wir waren schon sechs Stunden gestiegen: die Provianfftation Nr. II lag senkrecht unter uns, vielleicht fünfhundert Meter tieser, so daß man sie mit einem geschickten Steinwurf hätte treffen können. Es war eine Art letzter Vorübung, die wir abhielten: wir gedachten bis zur Proviantstation Nr. I zu klettern: das bedeutete weitere dreistündige Anstrengung, eingeschlossen die gefahrvolle Umkletterung des„Einhornfelsens". Die Platzverteilung hatte sich Im V.rlause des Aufstieges folgendermaßen fast von selbst geregelt: zuerst ging Lange, dann kam Pa, der einen schweren Sauerstoffapparat trug, dann ich, dann Fleetwood. Wir vier waren durch ein Seil ver- bunden. Hinter Fleetwood trotteten sehr ermüdet zwei tibetanische Gehilfen, die ebenfalls unter sich geseilt waren. Sll» wir das Einhorn,«ine zackig aus dem Massiv heraus- ragende Eranitspitze, umkletterten, mußten wir die Seilung zwischen Lang«, Pa, Fleetwood und mir lösen. Lange band sich an Fleet- wood und ich mußte mich Pa anvertrauen, der seinen Apparat den nachsolgonden Dienern überließ. Wir waren übereingekommen, diese Leute, die offensichtlich der Anstrengung nicht mehr gewachsen waren, vor der Einhornspitze�m einer Talmulde zurückzulasse». Es gibt am Ernhorn eine sehr gefährliche Stelle, wo ma« tat- sachlich zwischen Himmel und Erde schwebt und ganz auf die Kraft des Begleiters angewiesen ist: da immer nur einer sich auf einer festen Felsstufe befinden kann. Ich sagte Ihnen, daß meine Nerven nicht mehr ganz auf der Höhe waren: nur hierdurch kann ich mir mein Ausgleiten erklären: es war, als hätte mir jemand einen Schlag gegen die Beine versetzt. Ich glitt auf dem Geröll aus und im nächsten Slugenblick hing ich über der unendlichen Tiefe. Man kann schwer schildern, von welchen Gedanken man in solcher Lage erfüllt ist. Svahrschemlich ist man von gar nichts erfüllt. Man hak nicht einmal Angst: es ist so, als wäre man schon einen Schritt über das Leben selbst hinausgegangen. Man ist an dem Dasein, das man schon halb sortgeworfen zu haben glaubt, nicht mehr interessiert. In meinem Fall kam aber etwas hinzu, was meine Aufmerksamkeit aufs höchste erregt«. Ich fühlte, wie Pa sich mit dem Seil zu tun machte, jedoch nicht so wie einer, der versucht. Gestürzte empor- zuziehen: sondern, als wolle er das Seil durchschneiden. In meiner Angst rief ich aus vollem Hals, ich schrie hoch und gellend, so laut. daß ich hoffte, Lange und Fleetwood würden es hören. Nichts» destoweniger wurde die Tätigkeit an meinem Seil fortgesetzt und ich fürchtete, jeden Augenblick abzustürzen. Pa, dachte ich, glaubt nun endlich den Augenblick gefunden zu haben, wo er sich an einem verhaßten Vertreter der Zivilisation rächen kann. Das Seil zitterte. Sa muß einem Verurteilten zumute sein, der unter dem Fallbeil liegt und das Herabsausen des Beils erwartet. Ich erwartete das Ende, ja ich wünschte es herbei. Ich sehnte mich nach Ruhe: es war mir, als hätte ich schon ein Menschenalter am Strick gebaumelt. Wie das geendet hat? Nun, daß es nicht schlecht geendet hat, sehen Sie ja. Ich bin fest von der verbrecherischen Absicht Pas überzeugt gewesen und bin es noch heute, obwohl das Seil bei genauer Untersuchung keine Veränderungen auswies. Es ist möglich, daß die Umkehr Flcetwoods, der meinen Schrei hörte, den Tibetaner gehindert hat. Möglich bleibt auch,' daß ihn selbst im letzten Moment* der Mut zu so ungeheuerlicher Tat verließ. Genug, ich wurde gerettet. Ich habe dann Pa unter einem Vorwand entlassen: es haben sich für unsere Expedition daraus mancherlei Nachtelle er- geben: aber es ist hier nicht der Ort, dies zu erzählen. Ich werde später daraus zurückkommen. 3tückfchiag auf den Vormenfdien Lei der Ausgrabung der Gebein« von hingerichteten Verbrechern auf dem Gejängnisfriedhof in Melbourne fAustralien) wurde dl« eigenartig« Entdeckung gemacht, daß der Schädel eines Mörders die typisch« Schädeliorm des ältesten der anthropologischen Wissenschaft bekannten Menschentyps aufwies. Das groß« Hinterhauptsloch an der Schädelbasis, durch das dos Rückenmark mit dem Gehirn in Sterbindung steht, und das sich beim heutigen Menschen in der Mitte der Schädelbasis befindet, lag bei diesem Berbrecherschädel bedeutend weiter zurück, ähnlich wie bei den Menschenaffen. Auch der Hinter- Hauptswulst und die Warzenfortsätz« sowie die Gestaltung des Stirnbeines zeigten deutliche Anklänge an die Verhältnisse beim vor- geschichtlichen Menschen. Aus diesen Eigenarten schloß Dr. Springthorpe, daß der Verbrecher, dem dieser Schädel gehörte, einen Rückschlag auf den Vormenschen darstellt« und nicht im Voll- b«sig normaler geistiger und moralischer Eigenschaften gewesen fein könne. Demgegenüber ist interessant, festzustellen, daß das Gericht es abgelehnt hatte, ihm aus Gründen der Unzurechnungsfähigkeit mildernd« Umstände zuzubilligen. fQt bltj« Rubrik find Berlin S« kg. Lindenstrahe 3. pariemachrichienM�fürGroß-Verlin stet» nn IM« 9«jlrf»|eftttoria) 2. Hol. 2 Stepeen recht», ,u richte» 2. Krei» Tiergarten. Krclsfunktionörc und Mitglieder des ssreidenkerver- bandes: Heute, Dienstag, 4. November, ISi-j Uhr, findet in den Arminius- hallen. Bremer Straße, eine ilreisfunktionärversammlung statt. Su dieser find auch alle Parteimitglieder, die Mitglieder des l?reidenterverbandes sind, herzliäist eengeladcn. Der Genosse Kurt Löwenstein wird in dieser Bersammtuna über„Freidenkertum und Sozialdemokratie" sprechen. 2. Kreis griedriv'iohain. Das Kartell für Arbeitersport und Körperpflege und der Wcrbebezirk Osten der Eoz atisiischen Arbeiterjugend veranstalten am Mittwoch, November, 19�, Uhr, in den Andreas-fiestsälen, Andreas- straße 2l,«ine große Kundgebung. Lichtbildervortrag:„Die Kirche in der Karikatur". Eintritt frei. Organisationsausweis legitimiert. Gelegen. ficit zum Kirchenaustritt. Ausweispapiere und 2 M. mitdringen.— Die 12. lsahlgruppe des Deutschen sfreidenkerverbandes hält am Mittwoch. S. November, im Lokal Kassube. Neoaler Etr. l», eine sfunktionärsthung ab. Mitgliederlisten sind mitzubringen. Vollzähliges Erscheinen erbeten. ß. Kreis Tcmpelhof. Alle Genossen und Genossinnen, die aus der Kirche austreten wollen, haben am Mittwoch, 5. November, Gelegenheit dazu in der Werbeveranstaltung der srreidenker. Lokal Petsch, Marienfelde, Bcr- Nuer Ecke Dorsstraße. ß, Abt. Weihensee. Mittwoch, 5. November, um 19H Uhr, Diskussionsadcnd für jllngere Parteimitglieder im Zeichensaal der Weltliä>en Schul«, Park- firaße Ib. Es spricht Genosse Dr. ssritz Loevp, Breslau, über„Stellung. nähme»ur Vrlliiing.Ncgierung". ».«reisPai'"'' des deputierienWW «reisvorstand. heute, Dienstag. 4. November. 3. Abt.„Unser Weg" kann von den Bezirksführer» in der Erpedition Prinzen str. 63 abgeholt werden. 4P. Abt.„Unser Weg" kann vom Genossen Mazanke abgeholt werden. IS. Abt. Charloitenbiirg. 2» Uhr tm Berliner Äindl. Würzburger Str. 17, Vorstands, und!?unktio>iärsit>iing. 152. Abt. Laumstlnlcniveg. Pünktlich 20 Uhr bei Haß, Baumschulenfirahe, außerordentlich wichtige Funktionärs, tzung mit allen Helfern. Ml. Abt. B«b»«borf. Parteigenossen, betekslgt euch aw Kurfs« der ssung. sozialistischen Gruppe über..Geschichte der dcusschen Sozialdempkratie". Kursusleiter Hans Seigewasscr. Beginn 30 Uhr im Jugendheim Wachtel- straß« 1. Morgen, Mittwoch, S. November. Eharlotteaburg. 61. Abt. IS Uhr Abteilungsporstand sstßung bei Lehmann, Känigsweg S. Um 20 Uhr edendart Funktioilärsttzung.— II. Abt. 20 Uhr bei Liersch, Kantstr. 62, Funktionärsttzung.— 17. Abi. 20 Uhr bei Schiesq, Krumme S!r. 82, Funktionärsißung. 77. bis St. Abt. Friedenau-Schöneberg, lsip Uhr in der Rh-ingauschul«, Homuth- Ecke Sch-walbacher Straße, Filmabend:„Unser Konsum". Wir bitten um rege Beteiligung. S2. Abt. Steglitz. 20 Uhr bei Cchellhose, Ahornstr. 15, Funktionärsttzung. 83. Abt. Lickterselde. Alle Dezirksführer und sonstigen tätigen Genossinnen und Genossen treffen stch zur erweiterten Abteilungsvorstandssitzung beim Genossen Fritz Ouondt. Moltkestr 31, Ecke Hindenburgdamm. um 20 Uhr Wichtige Dagesordnung. Ausgabe von„Unser Weg", tzl. Abt. Neukölln. 19'/i Uhr bei Schröder, Eteinmctzstr. 52. Funktwnärsttzung. lv«. Abt. Johannisthal. 20 Uhr bei Botho, Stubenrauchstr. 12, Fuukt.onär. sl�ung. 105. Abt. Köpenick. 20 Uhr bei Stippetohl lZnhaber Hinz), Schönellinder Straße 5, wichtige Funktionärsitzung. p| 145. Abt. Reichsbruckerei. Mittwoch, i. Rorember, t5 Übe,, im.yj N Spittelmarkt-Keller. wichtige Versammlung. Da» Erscheinen sämtlicher ß Parteim'ltglicder der Reichsbruckerei ist eeforderlich. Koloui« Alpenberge. Zahlabend am Dannerstag, 6. November, 30 Uhr, bei Klemmer. Alpenschlößchen, Sdiwar, Wälder Straße. Referent Ernst Knösschke, Mitglied des Prooinziallandtages. über„Hauszinssteuer und Wohnungsbau" Frauenveransialtungen. 7. Krel» ssharlottenburg. Die am Sonntag im„Vorwärts" betanntgemachtc Vortragsreihe der Genosstn Käthe Kern:„Die sozialistisch« Frauen. bewegung und ihre Probleme" findet am ersten Mittwoch seien Monats im Jugendheim Nostnenstr. 4. Im Nahmen unserer Kreisab:rde statt. 53. Abt. Eharlsttcnburg. Die Genossinnen beteiligen stch vollzäbiig am Kreis» frauenabend am Mittwoch, 5. November, im Jugendheim Nosinenstr. 4. 140». Abt. Wittenau. Heute, Diens'ag, 4. November, 20 Uhr, im Bah-ihofs. rtfiamani Schul,:„Sa- hat dt« ffm«est«ejSaSam» t* Referent Schuld iretlor«omminger. Zungjozialisten. Gruppe Tempelhos-Rartesdorf! Am Zuaendhei« Luzeu« Dewpelhof, s«r» maniastr. 4—6(Eingang von der Götzstraße), heute um 30 Uhr Mitglieder. Versammlung. Erscheinen ist Pflicht, Abrechnung der Karten kür dir Revolu» iiaiisfeier, Rote Reih«: Leute, 19 Uhr, im Zugeudhelm Porckstr. U, Prob«. Gruppe Moabit: Heute, Dienstag. Gruppenabend im Jugendheim Lehrter Straße 18—10. Thema:„Die außenpolitischen Strömungen der letz'cn Zeit und die Neichsiagswahlen". Referent Hans Waldmann Außerdem Gruppen- angeleg-nheiien. SAZ. und junge Parteia-n-sscn herzlichst w llkommen. Wilmersdorf!„Einführung in den Marxismus", 4. November, 30 Uhr, Wilhelmsau- 124. Erster Abend der Arbeitsgemeinschaft. Leitung Doro Fabian. Der Kursus ist gerade für die jüngeren Partei- und die älteren SAI.-Ge- nassen gedacht. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. »reis Weißeujee: Donnerstag. 6. Naoembcr, 20 Uhr. Arbeitsgemeinschaft der Heiser bei Genossen Fenselau. Rennbahnstr. 17». Sonntag, 0. Nooember, Rcvolut onsseier. Wir treffen uns um 10 Uhr mit allen Falken am Lands- Vrei» Ncnlölln. Siugeir«!,: Wir kommen nicht mehr im KMR. zusammen- sondern von Mittwoch um 17 Uhr an in der Sckiule Donaustraße. Alle müsse» Turnschuhe mitbringen.- Helsilkreis: Der Hclferschulungskursu» findet erst- nialig am Donnerstag um 20 Uhr in der Baracke Ganghoferstraße statt. Alle Helfer müssen erscheinen.— Gruppe Falke: Wir sind ab heute in der Schule am Richardplatz lEingang Richardstraße). Restiallen von l6— 18 Uhr, No'e und Iungfalt:» von 17-19 Uhr.— Gruppe Quelle: Die Rotiz vo», Sanutag soll nicht heißen„Elternvcrsammlung am Mittwoch, 5. November", sondern heute, Dienstag, um 20 Uhr, in der Schule Moriendorfer Weg. Lichtbilder- Vortrag.— Gruppe Lichtkämpfer: Heute, Dienstag, um 17 Uhr. im Heim Bergstraß«, Gcmeinschgflsabeud der gesamten Gruppe. All« Falken müssen erscheinen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 18. Abt. Unser Genosse Friedrich KreowsM ist am M. Okiober verstorben. Ehr« seinem Andenken! Einäscherung findet am 5. Novemder im »rcmaiorinm Eerichtstraße statt. Rege Beteiligung erwünscht. Prei» nur liieuUg an« Mlthrnck.» Fleisch Kalbskammo.Be&.m.TtniOjSS Kalbskeule bii mMbnnPM.OjkS Suppenfleisch..Pfd. tob 0,88 Schmorfleisch...... m 1,20 Sch weiRebaudid.B.,m 0,94 Sdivveineschinken oder-BlaH................ Pld. 0,96 Kassler miM....... pm. tob 1,06 Schweinekamm oder«Schuft, ohne Beilädt. Pfd. 1 ,08 Sdiweineköpfem.ittM.PM.0,48 Eisbein m.spil«deln.gsp.pid. 0,74 ROckenfeft sS*�' m 0,84 Bratwurst B«rUn«rArt,Pfd. 1,00 Hammel-Vorderfleisdi pelroren................ Pich ron 0,66 Hammelrüccken gefroren.................... Pfd. 0,78 Fliiack und inichtTnrdarblichn Waren tlnd»om Versand ausgeiciilnaisn. Verunut soweit Vorrat. kengenobgaoa «orbehalten. Taubeni gesrorsB.SlTon Käse und Fette Suppen- hühner™1 0,90 �"„.1,00 Hasen gestreift u. aas-| geworfen. Pfd.v.� Kanindien { gestreift and so». geworfen, Pld. vo,, 0,98 Tilsller voufett........... p/d. 0,84 Dän. Schweizer 8ov.. Pfd. 0.84 Edamer 40»,............. Pfd. 0,90 Molkereibuller........ Pfd. 1,38 Dänische Butter....... Pfd. 1,74 Wurst waren Dampjwurst............ Pfd. 0,98 (f. Leberwurst.......... Pfd. 1,28 Zervelal u. Salami.. Pfd. 1,58 Schinkenspeck......... Pfd. 1,58 Qek. Schinken im stück, pfd.1,80 Margarine........ pm. 0,46 Q b S t Gemüse Sellerie.................. Pfd. 0,06 MärkischeRübchenspfd. 0,25 Grüne Bohnen....... Pfd. 0,20 Grünkohl............... Pid. 0,10 Amerik. Tafelapfel..m 0,38 Kochbirnen od-Äpfel 3Pid 0.65 Weinfrauben.......... pid. 0,68 Bananen.............. a ptd. 0,75 Feigen............ Pfd. 0,28, 0,32 Kolonialwaren Weisse Bohnen....... Pfd. 0,22 Linsen.................... pm. 0,22 Viktoria-Erbsen...... Pfd. 0.22 Kakao................... Pfd. 0,58 Kaffee............... Pfd. von 1,90 Konserven ■ IrVoa» Konsumgemüse_.. aasgetroebn. Erbsen ü. Karotten U,4o Jg. Kohlrabi in scheiteB... 0,35 Brechbohnen I............0,59 Preiselbeeren.............. 0,90 Stachelbeeren............ 0,75 BILLIGES BROT AB HEUTE Fische u. Räucherwaren 'Schellfisch Im gensen... Ptd. 0,28 'Kabeljau ohne Fopf....pfd. 0,38 'Qoldbars.............. pm. 0,30 'Seelachs tm gsur«,..... ptd. 0,32 'BralschoLen......... a Pfd. 0,45 'Grüne Heringe.... 3 pm. 0,68 'Zander gefroren...,,... Pfd. 0,60 Bücklinge.......... pm. von 0,38 Makrelen gertaehert.... ptd. 0,46 Fetlheringe ln?om»ten.v°?e 0,58 Portugiesische Oelsardinen Merke„He: tie", Dose 0,83, 0,65, 0,50 * In»llen HSuseni ausser Andnatetrassi. Brötchen 4sfü Brettl: 10 große Nummernl Tanz• Kapelle Hans Sixtus. ifieateri.d.Behrenstr. 53-34 Direktion- Ralph Arthur Robert» so, Das itäBiiche manchen Englisch— Roberfs— Jansson. Ttieat.il. Westens 8'/, Uhr Gastspiel Intziliiiu üomtntlg Finden tie, da» Tonstance sidi riditig verhält? loev SdHtt. AM«. Lessing-ItieaL 8','« Uhr laUt» KinWliws I Elisabeith, Kcjigui von England Oo n n e rs i ag geschlossen Ab Freitag: Sommer» nacblstraum etgik:MaiRelo!ianil Ptiilharmonie 8 Uhr Raydo-Mourt See!- d.Philharmon.O/cb. )lr. Prot. J. Priiwer >. S st.-IUjin. StmuJi-Es- i '■n-Voart, 7. Siil.-Batl»» Eintritt I M. Fantiiien- NaciUDitlage Im ROSE THEATER Gr. Frankfurter Straße 132 Billettkasse für den Vorverkauf: Alexander 3422 and 3494, Dlastng. Donmntng und frvttig Bmcbm. 5» Ohr Kukuli mit Traute, Hans, Paul und Willi Rote Preise: Ton30Pf.ble1.50i« Garderobe u. Programm jt 40 Pf. 2C&lin. Raffeepautc Kaffee mit Kucbec 25 Pf Kinder haben Zutritt Mittwoch 5 Uhr und Sonnabend 4« Uhr PelercbeBs MOfldfabri Das entzückende WeihnacbttTnkrcben (Preise von 30 Pf. ble 1.50 Wh Wochentags 8 15 Uhr, Sonnabends Tu. IC 18 Ufr, Sonntag Ö49 u 0 Uht: ».In der JohannUnÄCht* Nächsten Sunntag um 2» ü spricht Ladvilar Hardt Heinrich Heine AuBerdem ErttauffOhnmc: Der Ackerman» und der Tod »er gufö Kaplan *t in den meisten Ii- filuilSdUGli larrenresch. erhalt. C. Uöckcr, Berlin MfliienberflerSlrnBB22, KCnlos. 3861 Samowsky-dBluiei) Tünaier In ilni Sirssennnnsii. Täglich«'/« Uht Sturm im utassergtas Komödie von Frank. Komödienhaus 8 V* Tägllcl. 8 Vi Konto X von eernnui nnd OBltireldie! BgirafMer Dönh. 525. 626. Täglich 8 Uht Kur linld 4 Inrjtktagen Alexander Moissi „Deridioi44 v. Dosiofcwski LIUeSSnger Kottbusser Str. 6 F. 8. Oberb. 6070 Tägl. SV< U. auch Sonntag 3'/» Uhr Die Rmc des Bman; „WirlalienoüskaiJutt" mit Lotte Werk- melsier Musik von Villi Klus. Willi äolü und llcgsriri Earlldi. lajnk. 11-2. tendL!d t Komische oper 8"> Uht Das Mädel am Steuer Operette v. Gilben Deuisehe? Klinsiler-Theai. Tel Birbarom 3937 SV» Uhi Jim und Jill Qratn MnslKiin. Hnnld Panlsen Renaissance- Iheater Steinplatz 6780 8'/» Uhi von Max Alsberg und O E. Hesse imstropoMneater Täglich SV. Uhi SensatiemeUer Opcrcüencrfolg! Unter pers, Leiiung des Komponisten Viktoria undihrHusar Theater am smilfhaner dämm litzti 3 Vorstelluigsn' Jud Süß! mit Ernst Deutsch ab Donnerst tgl. 8'.'« Dreigrosdienoper mit Carola N�hcr Lustspielhaus Täglich 8V, Uhr Kurt Götz in HOKUSPOKUS Wangrin& Butz Eiekir. 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