BERLIN Sienstag 4. Rovember 1930 10 Pf. flr. 518 B 255 47. Jahrgang Lrscheintt-Klich-°ßerS-»nt.g«. O �» jO t S/ /// Dieeknfp« ?uzleich AdendauSgab« de».Vorwärts". Bejugsxrcit i/LVl Rettamez.il- ö M. Erm« b-ibt Au«gab-n SSPf. pro Woche. 3.60M. pro Monae. sCLß& ff U€sV*iS*JU�f\b P»«scheckk- ntv: Vorwärts Redaktion und Expedition; Berlin SW6S,!indcnsir.Z§ Berlin Nr. 37S3S. Fernsprecher: elnspaltig« Nonpareillezeile Ermäßigungen nach Tarif. VorwärtS-Vcrlag G. m. b. Jp., Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Brüning spricht im Z�eichsrat Die Schwäche feines Programms.- Wo bleibt die Arbeitsbeschaffung? Der Reichskanzler hat heute vormittag vor dem Reichs- rat den Finanz- und Wirtschaftsplan der Regierung l>e- gründet. Er fordert, daß das umfangreiche Programm» das 30 Gesetze umfaßt, vom Reichsrat in vierzehn Tagen ver- abschiedet werde, damit es bei der Wiedereröffnung des Reichstags sofort in Angriff genommen werden kann. Die Besprechungen mit den Länderregierungen haben deutlich ergeben, in welchem Punkte im Reichsrat Kredit- und Verbesserungsvorschläge einsetzen werden. Der Reichskanzler hat diese Punkte hervorgehoben. Kritik- und Berbesserungsoorschläge werden nach dem Abschluß der Arbeiten des Reichsrates vor allem im Reichstag«in- setzen. Die sozialdemokratische Reichstags- fraktion wird an vielen Punkten kritische Bedenken erheben, sie wird den Versuch unternehmen, wesentliche Verbesserungsvorschläge durchzusetzen. Der Reichskanzler hat in seiner Begründung das Psychologische in den Vordergrund gestellt. Das Pro- gramm soll dazu dienen, Argumente gegen die Preis- j e n k u n g aus dem Wege zu schaffen und psychologische An- : e!ze für die Anlurbelung der Wirtschaft aus sich selbst heraus zu geben. Darin liegt das grundsätzlich Be- d e n k l i ch e des Programms. Es läßt eine tatfäch- liche, aktive Wirtschaftspolitik durchaus vermissen. Das gilt sowohl für das Gebiet der Preis- ienkung, wie für das der Arbeitsbeschaffung. Die Regierung redet sehr viel vom Ziel der Preissenkung: sie will Argu- mente gegen die Preissenkung bekämpfen und aus der Welt schaffen— was will sie aber aktiv für die Preissenkung tun? Und was hat sie bisher getan? Dieser Einwand gilt in erhöhtem Maße für die Stellung der Regierung zur A r b e i t s b e s ch a f f u n g. Der Reichs- kanzler hat angekündigt, daß die Reichsregierung keine Einzelmaßnahmen zur Arbeitsbeschaffung vorschlagen werde. Das ist nun wieder im höchsten Maße n n s p y ch o l o g i s ch. Das ganze Volk erwartet eine aktive auf Arbeitsbeschaffung gerichtete Wirtschaftspolitik. Es liegt das Programm der Preußenregierung vor, das nicht nur von der Arbeiterschaft, sondern von weitesten .Kreisen des Volkes darüber hinaus gebilligt wird. Es werden darauf erhebliche Hoffnungen gesetzt. Soll die Enthaltsam- keit, die der Reichskanzler in puneto Arbeitsbeschaffung an- kündigt, auch gegenüber diesem Programm gelten? Mit Psychologie allein ist man seinerzeit der Inflation nicht Herr geworden, sondern mit h ö ch st realen, a k t i- ven Eingriffen. Mit Psychologie allein wird man auch die heutige Situation nicht meistern können! Die heutige öffentliche Neichsratesitzung fand im großen Saale des Reichshtiiishallsausschusses statt. Da der Reichstag jetzt nicht ven'ammelt ist, waren verhältnismäßig wenig Parlamentarier als Zuhörer anwesend, während die Presse außerordentlich stark ver- treten war. Reichskanzler Dr. B r ü n i n g erschien frühzeitig in Begleitung des Reichsfinanzmmisters Dietrich. Bald darauf erschienen auch die Reichsminister Stegerwald und Curtius. Die Länder waren vielfach durch ihre Ministerpräsidenten vertreten, Preußen durch Ministerpräsident Braun und Baiiern durch Minister- Präsident Held. Reichskanzler Or. Brüning. Die jetzig« öffentliche Tagung des Reichsrats ist die Fortsetzung der im Lause der letzten vierzehn Tage zwischen der Reichsregierung und den Ländern geführten oertraulichen Verhandlungen über die großen Fragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Wir stehen vor cinem Gesetzgebungswcrk, wie es von so großer Bedeutung uns seit vielen Iahren nicht vorgelegen hat. Dieses Gesehgebungswerk steht ln engster Beziehung zu unserer Außenpolitik, ja es bildet die Voraussetzung für unsere Außenpolitik. Nachdem wir die Freiheit von der ausländischen Kontrolle durch die Annahme des Aoung-Plans bekommen haben, muß es die Ausgab« jeder Reichsregicrung fein, wie fi« auch parteipolitisch zusammen- (Fortsetzung auf der Z. Seit«.) Die Schlichter emannt. Sinzheimer für die Gewerkschaften, Larres für die Llniernehmer.- Kreiiag Verhandlungsbeginn. Tie in der Berliner Metallindustrie zur endgültigen Regelung der Löhne von den Parteien vereinbarte S ch l i ch t u n g s st e l l e ist nunmehr gebildet worden. Autzer dem früheren Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, dessen Bestellung der Leffentlichkeit bereits bekannt ist, hat der Reichsarbeitsminister im Benehmen mit beiden Parteien den Oberbürgermeister Dr. Jarres-Duisburg und den Professor Dr. Sinz- Heimer-Frankfurt a. M. zu Mitgliedern der SchlichtnngSstelle ernannt. Die Genannten haben die Berufung angenommen. Di« Schlichtungsstelle wird die Verhandlungen am Frei- tag, dem 7. Novemb er, unter Vorsitz des Herrn Ministers a. D. Brauns alsbald aufnehmen. Sinzheimer ist durch Arbeiten auf dem Gebiet des Arbeits- und Tarifrechts sowie des Schlichtungswesens bei den Gewerkschaften gut bekannt, er hat die Sache der Gewerkschaften im großen Nordwcsttampf vor dem Reichsarbeitsgericht vertreten Gegen Lleberftunden! Sine Anordnung des preußischen HandelsminisierS. Der Preußische Handelsminister hat von neuem an- geordnet, daß die Gewcrbeaufsichtsbeamten die bchörd- liche Genehmigung von Neberarbeit auf das äußerste einschränken sollen. Die Beamten sollen bei ihren Betriebsbesichtigungen dahin wirken, daß auch von tarifvertraglich zulässigen Ueberstunden insoweit kein Gebrauch gemächt wird, als die jeweiligen Ber- hältnisie eine Mehrein st ellung von Arbeitern ermöglichen. Die tarifvertraglich zulässigen und unzu» lässigen Neberstunden müssen eingeschränkt werden. Oer Kampf um Severins. Heute politische Aussprache im Landtag. ?m preußischen Landtag begann heute um lZ Uhr die mit Spannung erwartete politische Aussprache. Veranlassung dazu gaben die von den Deutschnalionalen und Kommunisten gegen den neuen preußischen Innenminister S e v e r i n g eingebrachten Miß- trauensanträge. Die namentliche Abstimmung über diese Anträge soll am Donnerstag ersolgen. Fememord, die große Mode Räch dem Fememörder Heine« wurde jetzt auch der shemehäuptling Schulz von Hitler in die Leitung der S A. berufen. I .Oberleutnant Schulz— zur Stelle .Gut, mein Lieder. Ihre Aufgabe wird sein: in jeder Versammlung Ihre Hände in gänzlich u n g e» waschenem Zustande vorzuzeigen.* Sorgt für Winterbeihilfe! Sozialdemokratische Forderung im Rathaus. In der heutigen Sitzung des Stadtverordnetenausschusses für die Angetegenheileo der Erwerbslosen stellte als Beauftragter der sozialdemokratischen Fraktion der Sladlverordnele Siegle einen Antrag, der für langfristig Enverbslase Gewährung einer Winterbeihilfe fordert. Die Beihilfe soll auch sonstigen notleidenden Anlerslützungsempsängern gewährt werden. Gleichzeitig wird der Magistrat aufgefordert, Vorschläge über die Ausbringung der Mittel zu machen. Der?lnlrag wurde an- genommen. Haushaltsausschuß genehmigtNotstandSprogramm Im Haushaltungsausschuß wurde heut« die Vorlage über die Bewilligung von N o t sta n d sa r b c i t e n auf dem Gebiete des Straßenbaues in Höhe von rund 13,53 Millionen Mark mit den beiden Ergänzungsanträgen des Magistrats einstimmig ange- n o m m e n. Die Beratung über die Vorlage wegen der Ber- pjlichtungserklärung der Stadt Berlin über die Beteiligung am Umbau der Mühlendamm st au stufe wurde oertagt.— Bei Redaktionsschluß dauern die Beratungen des Haushaltsausschusses noch an. Von Hitler nach Moskau. Otto Siraßer wirb Kommunist. Otto Stroßer, der aus der Nationalsozialistischen Partei hinaus- geworfen wurde, weil er die Kreise Hitlers störte, hat sich in der letzten Zeit bei den Kommunisten angebiedert. Im Berliner Metallarbeiterstreik hat er für die NGO. Reklame gemacht. Trotzdem ist und bleibt er der nationalsozialistische Abcn- teurer, der die verworrenen Ideen des Anarchosyirdikalismus mit dem Gedanken des nationalistischen Terrors zusammenwirft. Für seine Anbiederung wird er von Moskau belohnt. Er ist unter dem Vorwand einer Besichtigungs- und Inspektionsreise z u Besprechungen nach Moskau eingeladen worden. Man erwartet dort, daß er mit seinem Grüppchen feierlich zur KPD. übertreten werde. Es ist bezeichnend, daß man sich in Moskau für ein Grüppchen interessiert, das das L o ck s p i tz e l t u m, die D y n a m i t p r o v o- k a t i o n und den Revanchekrieg auf seine Fahne geschrieben hat! 3m goldenen Prunkwagen Oie Kommunistin Alexandra Kollontay sähri zum schwedischen Konig Brüning im Zieichsrat. "Fortsetzung von der 1. Seite.) gesetzt ist, dafür zu sorgen, daß von dieser Freiheit der richtig« Gebrauch gemacht wird und Sicherung«» dafür getroffen werden, daß dies« Freiheit unter allen Umständen erhalten bleibt. Die Freiheit ist auch mit Opfern verbunden. Skis Ziel unserer Finanz- und Wirtschaftspolitik ist, die Aktions- fähigkeit unserer Außenpolitik zu erweitern. Wir müssen das Vertrauen zu unserer Wirtschaft wiedergewinnen. Ausland und Inland, vor allem aber die Wirtschaft erwarten, daß das Finanz- und Wirtschaftsprogramm in kürzester Frist Gesetz werde. Ein gewisser Zug der Resignation und Müdigkeit, der durch unsere Wirtschaft geht, muß beseitigt werden. Wir haben die feste Zuversicht, daß es bei Anspannung aller Kräste Deutschland gelingen wird, den Anschluß an die weltwirtschaftliche Umstellung zu finden und daß Deutschland dabei weniger leiden wird als andere Länder. Der Streit bei den kommenden Verhandlungen wird im Reichs- rat gehen um die hundert Millionen Kürzung an d«n Länderüberweisungen, um das Bauprogramm der Reichsregierung, um die Senkung der Realsteuern und um den endgültigen Finanzausgleich, den wir in Form eines Rahmengesetzes Ende dieser Woche Ihnen zuleiten werden. Es wird möglich sein, die Realsteuern zu senken. Das soll der Schlußslein sein zu den Preissenkungsmaßnahmen der Regierung, denn damit soll das Argument beseitigt werden. das jetzt gegen die Preissenkung im Kleinhandel und bei den Lebensmitteln angewandt werden wird. Wir bedürfen zur Durchführung der Preissenkung der Unterstützung der Oesfentlichkeit und der Presse. Wir sind auch über- zeugt, daß es möglich sein wird, den Wohnungsmarkt in Gang zu bringen. Wir müssen in diesem oder im nächsten Jahre zu einer Ueberleitung des Wohnungsinarkts von der rein staatlichen Unterstützung zur Privatwirtschaft kommen, weil wir sonst in zwei oder drei Iahren vor einen, jähen Absturz stehen und jahrelang Hunterttausende arbeitsloser Bauarbeiter haben würden. Unbedingt notwendig ist rücksichtslose Sparsamkeit ans allen Gebieten, denn mit weiteren Stcuererhöhungea tonnen wir den Fimxnz- bedars nicht mehr decken. Auch in der Tabak beste» erung haben wir jetzt das Optimum erreicht. Die einzige Steuer, die noch erhöht werden könnte, wäre d i e Umsatz st euer, aber eine solche Erhöhung wäre unvereinbar mit unserer Pveiesenknngsaktion. Zur Kürzung der Beamten- g e h ä l t e r mußten wir greifen, weil einfach ein anderer Weg nicht vorhanden war. Wir haben das gewiß nicht leichte» Herzens getan, aber wir meinen, daß die Beamtenschaft sich durch dieses Opfer am stärksten in das Volksganze einfügen wird. Nach einiger Zeit wird man erkennen, daß durch diese Rotmaßnahme die Reichsregierung dem Berufsbeamtentum keinen Schaden, sondern einen vollen Dienst erwiesen hat. Wir müssen an den Reichsral die Bitte richten, innerhalb vierzehn Togen die Gesamtheit dieser Gesehe zur Verabschiedung zu bringen. Das ist gewiß ein« ouherordeirtlich schwierige Arbeit, aber sie ist votwendig zur Wiederberuhigung der öffentlichen Atmosphäre in Deutschland und zur Ankurbelung d«r Wirtschaft, die die Voraus- fetzung ist für eine Preissenkung und für eine E insch? ä n- lung der Arbeitslosigkeit. Wir haben uns damit beschäftigt, wie der Arbeitslosigkeit gesteuert werden kann, aber die Reich sregieruug lehnt c» ab. in d'cfer Stunde Einzelnwß nahmen vorzuschlagen, weil Voraussehung die Beschaffung von Kapital und Kredit ist. Das wird nur möglich sein, wenn«s gelingt, vorher in kürzester Frist, dieses Gcsetzgebungswerk zu erledigen. Der Reichsrat befindet sich in einer großen geschichtlichen Stunde seiner Tätigkeit. S«e wissen olle, daß schnelles Handeln notwendig ist und daß davon ein großes Stück der Zukunft des deutschen Volkes abhängt. Zieichsfinanzminifter Dietrich rvläulerte dann die vorliegenden Gesetzentwürfe im einzelnen. Es handelt sich dabei um den Etat, um dos Gehaltstürzungsgefetz. um das Gesetz zur Senkung des Perfonalmifwands, um die Ausgaben- Begrenzung im Haushalt, um die Fortsetzung der bisher als Rot- Verordnung verfügten Zuschläge zu den höheren Einkommensteuer- stufen, um die Fortsetzung der Erhöhung der Tantiemesteuer, um die Senkung der R«alsteu«rn und die Vereinfachung des Steuer- systems. Die Vorlage.zur Erhöhung der Tabaksteuer wird in den nächsten Tagen eingehen. Im neuen Haushalt konnten infolge der Beitragserhöhung bei der Arbeitslosenversicherung 267 Millionen gespart werden. Die Gehaltskürzungen bedeuten für das Reich einschließlich der Post eine Ersparnis von 124 Millionen, sür Länder und Gemeinden eine solch« von 270 Millionen. Davon sollen 170 Millionen den Ländern und Gemeinden verbleiben, während 100 Millionen an den Heber- Weisungen gekürzt werden sollen. Es muß unter allen Umständen eine Entlastung d>er Wirts cha st erfolgen. Es ist populär und sehr bequem zu sagen, man decke die Staatsausgaben durch Be- lastung der vorhandenen Objekte. Es:st aber Demagogie, zu glauben, daß eine solche Politik zu dem Ziel der Belebung der Wirt- schast und der Verringerung der Zlrbeitslosigkeit führen könne. Die deutsche Finanz- und Wirtschaftslage ist schwierig, gibt aber keine Veranlassung, den Katastrophenpotitikern nachzulausen. Bor allem ist Wiederherstellung des Vertrauens nötig. �eichsarbeitöminister Dr. Siegerwald: Die Oesfentlichkeit beschäftigt sich mit der Verselbständigung der Arbeitslosenllerstcherung. Die 2l b h ä n g i g m a ch u n g der Versiche- rung vom Etat ist a n M ch richtig. Strittig ist nur die Summe, die dafür eingestellt werden soll. Wir rechnen damit, daß im nächsten Jahre 900 000 Menschen unter die Krisenfürsorge fallen und daß die Wohlsahrtsunter- stütznng am 1. April ISZl etwa 700 000 bis 800 000 Erwerb». losen zugute kommen wird. Wenn die Sanicrungspolitik der Reichsregierung überhaupt einen Sinn haben soll, dann muß im nächsten Jahr« mit einer Vermin- derung der Arbeitslosigkeit gerechnet werden. Wird der Beitragssatz von 6s4 Proz. beibehalten, dann müßten wir im nächsten Jahre mit den Mitteln sicher ausreichen. In der Wohnungspolitik ist gleichfalls die Boraus- s e tz u n g, daß die Sonierungspolitik der Regierung zum Ziele führt. Gelingt das nicht, so tonnen wir weder mit der alten noch �nit der neuen Wohnungspolltil etwas erreichen. lieber die Lohnpolitik besteht augenblicklich große Verliebet diese Fahrt der Bolschewistin zum König veröffentlicht die bürgerliche Presse den folgenden Bericht: „Der KönigvonSchwcden empfing im Königlichen Schloß zu Stockholm in Audienz zur Ueberreichung der Kreditivbriefe den außerordentlichen und bevollmächtigten Minister der Vereinigten Sowjetrepubliken Frau Kollontay. Frau Kollontay wohnte in Stockholm in den: bekannten Grand Hotel, dem elegantesten und teuersten Hotel in Schweden. Als der berühmte„Siebenglaswagen", der goldene Prunkwogen. bespannt mit vier feurigen Hengsten, vor deui Hotel vorfuhr, hatte sich eine ansehnliche Zuschauermenge versammelt. Frau Kollontay ließ nicht nur die Zuschauer, sondern auch den König etwas warten. Sie kam etwas verspätet in einem wundervollen Pelz, es soll Ehinchilla gewesen sein, und auf ihrer Brust blitzte ein Schmuck(oder war es sogar ein Orden, wie manch« behaupten). Sie lächelte holdselig in die Kameras der Photogrophen und Filmleute und sprach ein paar wohlklingende Phrasen zu ihrem Begleiter vor dem Mann mit der Laut- f i l m k a m e r a, wahrend die Damen in der Zuschauermenge von ihrem Hut und ihrem eleganten Taftkleid tuschelten. Dem offiziellen 5)osbericht ist dann noch folgendes zu entnehmen: wirrung. Ganz zu Unrecht wird der Regierung vorgeworfen, daß sie Lohnfenkungspolitik treibe. Dabei wird vergessen, daß in anderen �andern, wo der Staat sich gar nicht um die Löhne kümmert, auch«ine starke Lohnsenkung eingetreten ist im freien Spiel der Kräste. Wenn die Reichsregierung ihre Machtmittel zur Stabilisierung der seitherigen Löhne einsetzen wollte, so stände sie vor einer kaum lösbaren Aufgabe. Ueberlassen wir die Lohiuntwicklung dem freien Spiel der Kräfte, so könnten bei der deutschon Neigung zu Extremen Störungen der öffentlichen Ordnung im Gefolge von Streiks und Ans- sperrungen eintreten, daß das Sanierungswerk dadurch ernstlich ge- fährdet werden könnte. Für die deutsche Reichsregierung bleibt daher nur der dritte weg der Lohnpolitik osien, nämlich mäßigend und regulierend einzugreifen. Hierauf wurde gegen 12 Uhr mittags die öffentliche Relchsrats- sitznng geschlossen und die Beratung in vertraulicher Sitzung fort- gesetzt.__ Krankreichs Weichselgrenze. Blum und Oaladier gegen die Lleberpatnoten. Paris, 4. November.(Eigenbericht.) Die außenpolitisch« Debatte in der Kammer wird in der heutigen Morgenpresse durch eine Reihe programmatischer Erklärungen eingeleitet. Der große patriotische Stimmführcr Franklin-Bouillon, der heute nachmittag als Hauptinterpcllant austreten wird, ver- Als die Galaequipage die Einfahrt passierte, ging die Schloß- wache unter Gewehr, und die Musik der Göta Garde blies den Parademarsch. In den Treppen und Vestibülen waren d i e Trabanten in Harnischen und Lederkostümen aus der Zeit Carl XI. und Cark XII. aufgestellt. Kammerherren und Kammerjunker bildeten Spalier mit dem ersten Hofmarschall an der Spitze. Im nächsten Salon hatten sich der O b e r st- k a m m e r h e r r, die diensttuenden Kabinettskaminer» Herren und A d i u t a n t e n versammelt� Der diensttuend« Oberkammeicherr sührte Frau Kollontay zum König, dem sie ihre Kreditivbriefe überreichte, worauf er sich einen Augenblick mit ihr unterhielt. Nach der Audienz wurden auch die übrigen Mitglieder der Sowjetgesanldtschast vorgestellt. Auf der Rückfahrt wurde Frau Kollontay vvn dem Baron de Gecr im Prunkwagen begleitet. von anderer Seite wird zu diesem Bericht noch gemeldet, daß Frau kollontay nahegelegt worden sei, avs das altertümliche Zeremoniell zu verzichten. Frau Kollontay habe das ausdrück- lich abgelehnt. Die kommunistische Presse, die gewohnheitsmäßig zetert, wenn sozialdemokratische Rlinlster repräsentieren— wobei es keine goldenen Prunkwags« und keine Ehlnchillopclze gibt— hat diesen inler- essanten Hofbericht ihren Lesern vorenthalten. Gtegerwald fährt nach London Labour kämpft für europäische Kohlenregelung London. 4. November.(Eigenbericht.) Di« Regelung der Arbeitszeit im Bergbau und di« chaotischen Zustände auf dem europäischen Kohlemnarkt wurde bereits im Mai bei der letzten Tagung des Internationalen Arbeits- amts zwischen dem englischen Arbeitsnnnister, Frau Bondficll», und den Vertretern Deutschlands betrachtet und erörtert. Dabei kam auch eine Einladung nach London zur Sprache, die vor der deutschen Reichstagswahl der englische Bergbauminister Shinwell beabsichtigte dem deutschen Arbeitsminister zugehen zu lassen. Sinn und Zweck der Londoner Besprechungen sollte nicht nur die inier- nationale Regelung der Arbeitszeit sein, sondern auch die des Kohlen in arktes. Gegenwärtig bekämpften sich auf dem europäischen Markt die hauptsächlichsten Kohlenproduzenten Europas: England, Deutschland und Polen. England und Deuffchland unter- bitten sich besonders bei den französischen Abnehmern, und ähnliches ist auf dem skandinavischen Markt zu beobachten, wo alle drei Länder um den Absatz ringen. Der Wirrwarr geht sogar so- weit, daß die englische Kohle in Hamburg billiger verkauft wird als deutsche Kohl«. Die Industrien verlieren dadurch Geld und Zeit, die Unkosten werden gesteigert, was sich zuletzt in den Kämpfen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ausdruckt. Zuletzt sind es doch iimner wieder die Arbeiter, die die Kosten des Streites und des Konkurrenzkampfes zu tragen haben. Di« englische Arbeiter- regierung ist der Ansicht, daß durch die Beseitigung des Konkurrenz- kampses der europäischen Kahlenindustrie gedient werden kann. Jetzt nachdem die Rcichstagswahlen stattgefunden und die politische Lage Deuffchlands gefestigt ist, lag kein Anlaß mehr vor, die von England vor Monaten bei Deutschland angeregte Konferenz hinauszuschieben und wie Bergbamninister Shinwell am Sonntagabend mitteille, wird Deutschlands Arbeitsminister Siegerwald in den nächsten Tagen in London zu Besprechungen eintreffen. Er wird mit Margareth Bondfield üb«r die Regelung der Arbeitszeit verhandeln und mit Shinwell über ein internationales K o h l e n k o n t o r. Die führenden englischen Kohlenproduzenten stehen den Plänen der eng- tischen Regierung sympathisch gegenüber und es wäre Ausgab? Stegerwalds, auch in Deutschland bei den deuffchcn Produzenten den Boden für eine internationale Regulierung des Kohlenmarktes vor- zubereiten. Der legte Schritt liegt selbstverständlich im Ermessen der beiderseitigen Industrie.. Gelänge es aber, eine Einigung zwischen der deutschen und der englischen Kolsienindustrie herbeizuführen, so wäre damit der Weg frei für ein europäisches Kohlenabkommcn, das naturgemäß auf ander« Industrien abfärben und sich auch politisch auswirken müßte. l langte in einer Rede eine energische Solidaritätserklärung der fran- zösischen Regierung sür Polen. Frankreichs Grenze sei an der Weichsel. Rühre man sie an, dann entfessele man einen neuen Krieg. Löon Blum fordert, daß die Aussprache in der Kammer zu einein Markstein für die Friedenspolitik werde. Schon jetzt sei es gelungen, die„tollen Hunde der Kriegshetze" in die Defensive zu drängen, iielite gebe es niemand mehr, der von einem reinigenden Stahlgewitter, von einem srisch-fröhlichen Krieg zu reden wage. Ueberall wisse man, daß der Krieg eine Geißel der Menschheit sei. Aber man müsse auch den Rllsiungsschreiern, die dem arbeitenden Volk Milliarden und aber Milliarden abpressen wollten, endlich den Mund stopfen. Der radikal- Parteiführer Daladier betont in der„Republiquc", daß zwischen Deutschland und Frankreich keine einzige lebens- wichtige Frage mehr stehe, die die volle Verständigung unmöglich machen könnte. Vor allem müsse man abrüsten und das Deutsch- land im Friedensvertrag gegebene seierlich« Versprechen erfüllen. Was solle man tun, wenn Deutschland bei einem etwaigen Miß- erfolg der Abrüstungskonferenz seine Reichswehr ver- doppeln würde? Wolle man den Krieg erklärsn? Wolle man vor allem das Militärbündnis mit Polen, das ln zwei Iahren ablause, wieder erneuern mit dein Versprechen, wegen des polnischen Korridors einen neuen Krieg zu beginnen? Gerade im Korridor könne man durch ein System von Freizonen oder durch Einrichtung eines gemeinsamen Verwaltungs- a p p a r t c s sofort eine wesentliche Entspannung schaffen. Zellenarbeit der.Hakenkreuzler. Nie Ausbreitung der Nationalsozialisten auf die Berliner Betriebe. Wir wollen unsere zweit.' Besprechung der nationalsozialistischen Betriebszelle ii arbeit�) mit einer Skizzierung derjenigen Betrieb« beginnen, in denen die Nationalsozialisten bisher keinen oder nur wenig Fuß fassen konnten. In dieser Richtung stehen in erster Reihe die Berliner Stüdtischcil Elektrizitätswerke. In diesem, allgemein unter der Abkürzung„Bewag* bekannten Betrieb arbeiten zur Zeit 4L00 Arbeiter und 2700 Angestellte, jedoch ist bis heut« von einer regelrechten Nazibewegung wie in anderen Betrieben nichts zu bemerken. Besonders die Arbeiterschaft verhält sich nationalsozialistischen Einflüssen gegenüber völlig ablehnend, in den Kreisen der Ingenieure und der kaufmännischen Angestellten bekennen sich allerdings einige zum Nationalsozialismus. Sie treten aber nicht öfssnllich hervor. Dies wagte kurz vor den Reichstags- wählen nur ein sechzehnjähriger Laufbursche, der mit einem kleinen Stempel„Wählt NSDAP. Liste S!" Schränk- und Wände bedruckte. Der Lausbursche wurde sofort entlassen. Noch negativer verliefen unsere Recherchen bei der bekannten Brauerei Schultheiß-Palzenhoser. In deren sechs über Groß-Berlin verteilten Werken sind iin ganzen ZS88 Arbeiter beschäftigt. Eine Nazizelle besteht nicht, zumal bisher nur ein Arbeiter als Mitglied der NSDAP, festgestellt werden konnte. Auf der Abtellung Kreuzberg ist dann noch«in Brauerei- arbeiter Mitglied des„Stahlhelm* der jedoch keine sonderliche Propaganda für seine Organisation betreibt. Ebenso liegen die Ding« bei einem anderen Betrieb der Nahrungsmittelindustrie, nämlich bei der Brotsabrik Mar wiltler. Hier ist die Belegschaft 600 Mann stark und unter den Arbeitern bis heute kein Mitglied der NSDAP, zu finden gewesen. Lediglich unter den Angestellten sind einige Anhänger der nationalsozialistischen Bewegung, die aber auch nicht weiter hervortreten. Dann liegt uns ein Bericht aus einem Großbetrieb der Metall- Industrie vor, die dem ZZerband Berliner Metallindustrieller an- geschlossene Ludwig Löwe u. Eo. Gesfärcl. Die Belegschaft dieses Betriebes(Gesfürel heißt Gesellschaft für elek- irische Unternehmungen) ist 2700 Mann stark. Auch hier besteht keine Nazizelle, trotzdem schon seit zwei Jahren einige Mitglieder der Nationalsozialistischen Partei hcrumspuken. Es handelt sich um vereinzelte junge Leute, die keinen Einfluß bei der Beleafchost erlangen konnten. Nehmen wir dagegen den Städtischen Vieh- und S6)lachthos, dann sehen die Dinge schon wesentlich anders aus. Auf dem Vich- bof arbeiten insgesamt 1S36 Personen(967 Arbeiter, 60 Arbeiterin- nen, 146 Angestellte und 363 Beamte). Die Nazizsll: ist ungefähr 20 Mann stark. Die Lerhästnisse sind etwas kompliziert, weil neben dieser Nazizell« noch eine besondere„Nationale Arbeitsgemeinschaft* existiert, die auch einen Sitz in dem elfköpfigen Betriebsrat hat. Diese „Nationale Arbeitsgemeinschaft" rekrutiert sich jedoch größtenteils aus S t a h l h c l m e r n, die am stärksten in der Abteilung Fleisch- großmartt sind. Mit den Nntionalsozialisten dagegen dürften verschiedene Beamte sympathisieren. Unlängst ist eine Bclegschafts- Versammlung einberusen worden, die sich mit dem Treiben der „Nationalen Arbeitsgemeinschaft* beschäftigte. Die Nationalsozia- listen, die zum ersten Male vor zwei Jahren austauchten, halten regcl- mäßige Zellenoersammlungen ab. Aehnlich liegen die Dinge bei den Bergmann-Elekkriziläts- Derlen. in deren Werk RosenUial 3100 Mann beschäftigt sind. Hier erfreut sich sowohl der„Vaterländische Arbeiterverein der Bergmann- Elektrizttäts-Werke* wie der Werksportveretn der besonderen Förde- rung der Direktion. Diese„Vaterländischen* treten seit 1926 übrigens mit eigenen Listen zu den Detrisbsrätewahlen auf. Da sie auch einen zentralen Arbeitsnachweis für Berlin unterhalten, konnten vor- schiedentlich„Nationale* in den Betrieb schlüpfen. Neben dem „Aaterländischen Arbeiterverein* konnte sich bisher aber eine Nazi- bewegung nicht entwickeln. Wie nicht anders zu erwarten, besteht bei der Dresdner Bank cine Nazizelle, die 20 Mann umfaßt. Hier geben die Nazis sogar eine Zellenzeitung heraus, ebenso halten sie öffentliche Berfcnnm- lungert ab. Bei einer Belegschaft von 3200 Angestellten konnten sie einen«ig im Betriebsrat erringen. Wie überall, handelt es sich um jüngere Angestellte, die vor etwa drei Jahren mit ihrer Zer- setzungsarbeit begannen. Ebenso wie bei der„Allianz" ist es der NSDAP, bei der „vikloria"-versi«herungs-A.-G. noch nicht gelungen, eine Zelle aufzubauen, trotzdem bisher zehn Angestellte als Mitglieder der Nazis bekannt sind. Auf dieses Häuf- lein jüngerer Angestellter wurde man aufmerksam, als sie begannen, Wahlpropaganda für die List« 9 zu betreiben. Sie sind nach der Reichstagswahl auch etwas aktiver geworden, ohne daß sie jedoch bisher«ine Versammlung oder Sitzung einberufen haben. Jntcr- essant ist übrigens, daß die Stazis bei der„Viktoria" gewerkschaftlich im Deutschnationalen Handlungsgehilsenoerband organisiert sind. Die Belegschaft der„Viktoria" ist 1100 Mann stark. Bei dem Berliner Großbetrieb der Bekleidungsindustrie Peek und Cloppenburg in der Geriraudtcnstraße arbeiten rund 400 Arbeiter und rund 240 Angestellte. Die Anzahl der NSDAP.-Mitglieder war nicht festzustellen, es besteht jedoch eins Nazizell«. Diese Zelle hat bisher gleichfalls noch kein« Versammlung einberufen, beschränkt sich viel- mehr auf Propaganda unter den Arbeitern und Angestellten von Mund zu Mund. Es wird damit gerechnet, daß die feit ungefähr zwei Jahren im Betrieb tätigen Nationalsozialisten mit einer eigenen Liste zur Betriebsratswahl hervortreten. Bei einem anderen Groß- betrieb der Berliner Bekleidungsindustrie, der Firma Dernward Leineweber ain Köllnifchen Fifchmcn kt sind unter Jier 450 Mann starken Belegschaft 10 Angestellte Mitglieder der NSDAP. Sie treten sehr forsch auf, wenn zum Beispiel der Anführer den Raum betritt, grüßt er *) Bgl. Nr. 506 aojeres Blattes. mit vorgestrecktem Arm. Neben geschlossenen Sitzungen halten die Leineweber-Nazis auch öffentliche Versammlungen ab, denn sie sind sich zum mindesten der stillen Duldung durch die Parsonaileitung sicher. Ilebrigens befinden sich unter den heutigen Nazis drei frühere „revolutionäre Oppositionelle". Zum Schluß unserer llcbcrsicht liegt uns von der Berliner häutevcrwerlung in Lichtenberg ein Bericht vor. Es handelt sich hier um einen Mittel- betrieb, der 76.lzandwerker und Fahrer beschäftigt, van denen im- acfähr die chcilfte freigewertsckiaftlich organisiert ist. Dieser kleinste Betrieb unserer Blutenlese hat kurioserwcisc den stärksten Prozent- satz an Nationalsozialisten aufzuweisen, nämlich 12 Mann von 76. Hier ist auch einmal ein Nazi mit bemoostein Haupt anzulresfen, das ist ein Arbeiter, der schon 26 Jahre bei der Berliner Häuteverwertunz tätig ist. Es ist erfreulich, daß die Nazibewegung in diesem Betrieb bereits im Abflauen ist. Auf Grund uß:rloser Versprechungen konnten die Nazis einen Sitz im Betriebsrat erlangen. Als sie jedoch vor die Fragen der täglichen praktischen Kleinarbeit gestellt wurden. versagten sie völlig, zumal sie auch sofort von der Direktion fallen gelassen wurden, als sie Forderungen durchsetzen wollten. So wandte sich die erdrückende Mehrheit der Belegschaft schnell von den Nazis wieder ab! die den Abwehrkampf allein führenden Sozialdemokraten hoffen zuversichtlich, bei der nächsten Betriebsraiswahl den ganzen Nazispuk überwunden zu haben. -»! Wir haben 18 Berliner Betriebe besprochen. Wägen wir den Einfluß der Nationalsozialisten ab, dann sind die immun gebliebenen, sich vornehmlich aus Fackzarbeitcru rekrutierenden Belegschaften wie durch eine Mauer von den nazidurchsetztcn Belegschaften der übrigen Werke getrennt. Es ist kein Zufall, daß die Brauer von Schultheiß. die Bäcker von Wittler, die Maschinisten der Bewag, die Onalisi- zierten der Metallindustrie kein Ernteseld für den Bc« i r i e b s s a s ch i s in n s abgeben. Wie die ganz ungerecht gelästerte „Arbeiteraristokratie" schon in der Vorkriegszeit die Sturmtruppen für die Erkämpfung menschenwürdiger Lohn- und Arbeits- bedingungen stellt«, so stehen diese gewerkschaftlich und politisch ge- schulten Arbeitergruppen noch heute in den vordersten Kampfreihen gegen den Nationalsozialismus. Künfunddreißig Lahre Kino Wie das Kino zum ersten Male nach Berlin kam Als die letzte Programmnummcr des Berliner Varietes „Wintergarten" am 1. November 1895 begann, hob sich der Bor- hang nicht wie gewöhnlich vor einer bunten Kulisse: nur«ine weiße Leinwand hing vom Schnürboden herab, und der Saal verdunkelte sich. Eine Schrift war plötzlich zu lesen:„Einfahrender Eisenbahn- zug": sie verschwand, und nun sah man einen Bahnhof,«ine Loko- motive tauchte auf und kam langsam naher,«in wenig ruckartig allerdings, und das flimmernde Bild tat den Augen weh. Dann bekam man ein Straßenbild vom Berliner Alexanderplatz zu sehen, mit zwanzig Fußgängern, zwei Droschken und einer gemütlich in ihren Schienen dahcrwackelnden Pferdebahn: schließlich erschienen noch die Feuerwehr, die zu einem Alarm ausrückt«, ein„komisches Intermezzo", und die Wachtparade Unter den Linden. „Schwindel! Bluff!* lachten die skeptischen Berliner. Das sollte die amüsante und interessanteste Erfindung der Neuzeit sein, wie es im Programm hieß? Dieses„Bioskop* war ja nichts an- dcres als eine geschickte Kombination zwischen Schattenbild und Latcrna Magica! Direktor Baron vom„Wintergarten* hatte sich getäuscht. Das „Bioskop* war gar nicht nach dem Geschmack seines Publikums, und er mußte den Brüdern Max und Emil S l l a d a n o w s k y, die er mit ihrem Apparat zu der Tagesgage von 75 Mark engagiert hatte, bald den Bertrag kündigen. In einem Vorstadtvariete hatte er sie aufgestöbert und die„Borführung lebender Bilder* Hatto ihn ehrlich begeistert.'„Meine Herren! Sie sind Millionäre!" sagte er zu ihnen. Berlin N., Schönhauser W«« 56. Ein graues Haus, van dem langsam der Putz abbröckelt. Im vierten Stock ein Schild: Max Sklndanowsky. Wir treten«in. Ein Retlameplakat an der Wand zeigt den Erfinder des Bioskops, DRP. 88 599. als energischen jungen Mann mit forsch aufgczwirbcltem Kaiscrschnurrbart. So eischrickt man fast vor der Erscheinung des alten Mannes, der sich nun als Max Skladanowsky vorstellt: Fünsunddreißig Jahre der Arbeit, der Sorgen und bitteren Enttäuschungen liegen zwischen ihm und seinem Bilde an der Wand. Warum ist er nicht Millionär geworden, wie man«s ihm prophezeit hatte und wie es eine Selbstverständlichkeit sein müßte für jenen Mann, der tatsächlich eine der wenigen welterobernden und revolutioniereirden technischen Erfindungen unserer Zeit gemacht hat? Warum gehört ihm nicht einmal ein einziges der 70 000 Kinos in der Welt? Warum genießt er nicht, geachtet nnd bewundert von allen,«in sorgenfreies Alter, sondern muß sich abrackern mit der Vermietung seiner alten Filmstreifen als„Kuriosität" an die modernen Lichtspielpakäst«? Die Geschichte der Kinematographie gibt die Zlntwort. Die Brüder Max und Emil Skladanowsky konstruierten bereits 1892 einen Photographenapparat, der„Reihenaufnahmen" machen konnte— acht Bilder pro Sekunde. Die Erfindung des Zelluloid- films wies den weiteren Weg: Ein Projektionsapparat wurde kon- struiert und 1895 meldeten die Brüder ihr Patent Nr. 88 599 an. das„B i o s k o p". Zwei Monate später erst traten die Brüder Lu mi ere in Lyon mit ihrem„Cinematographe" an die Ocsfcntlichkcit und ein volles Jahr danach der�große Edison. Nach ihrem Debüt im„Wintergarten" zogen die Skladanawslys durch ganz Europa mit ihrem Wunderkästen. Nach Berlin zurückgekehrt, fanden sie die inzwischen aus Amerika und Frankreich im- portierten Projektionsapparat« vor. Kein Mensch brauchte mehr die Brüder Skladanowsky.' Sic hatten den Anschluß an die Film- Industrie versäumt. Heute erinnert man sich wieder ein wenig an den Namen Skia- danowsky. Man hat ermittelt, daß heute das fünfunddreißigjährigs Jubiläum der Kinematographie gefeiert werden darf, daß sogar die einzige existierende Filmaufnahme Bismarcks von Max Skladanowsky gedreht worden ist. Man veranstaltet eine» Sanderabend im„Wintergarten" mit Borführung der ältesten Filme der Welt: man hat auch den Weg in die Schönhauser Allee gefunden. Aber man wird den grauhaarigen Mann nicht entschädigen können für das schmerzliche Gefühl, das er wohl empfindet, wenn«r an den lichtgleißenden Kinopalästen vorübergeht, die mit Riesenletlern den neuesten Tonsilmschlager anpreisen. Plön Lnrsen. Ein Film aus der Unterwelt. Eapitol. Der amerikanisch« Film hat, seit er Tonfilm geworden, den größten Teil seines Auslandsgeschäftes verloren. Man versucht allerlei, um es wiederzugewinnen. Aber die Herstellung von Ton- filmen in den wichtigsten Sprachen wird zu teuer. Warner Bros. haben jetzt mit der Produktion deutscher Filme in Hollywood be- gönnen(ob sie gleichzeitig englisch herauskommen, ist hier unbc- kannt). Unter dem Titel„Der Tanz geht weiter" ist nach einer amerikanischen Novelle ein Stoff aus der Ehikagoer Unterwelt oersikmt. Wilhelm D i e t e r l e ist Regisseur und Hauptdarsteller zugleich. Dieterl« geht diesmal kräftig ins Zeug: er komponiert einen Kriminalreißer mit wuchtigen Akzenten. Seine Regiebegabung, bis- her in etwas verstiegenen Sachen gchondicapt, zeigt sich hier freier und gelangt in Einzelzügen bereits zur Eigenart. Das Milieu ist das übliche: Verbrecher in den Bars, der große Eoup: Juwelen- einbruch mit Hilf« des Wächters, ein Polizist wird erschossen. Elly, die Schwester des erwischten, ober am Mord« unschuldigen Tim, setzt sich für ihn ein. Sie handelt im Bunde mit Fred, dem Polizei- beamten, dem Bruder des Erschossenen. Wie sie ihn bei Joe, dem wirtlichen Täter, als Verbrecherkumpanen einquartiert, wie dabei dos häusliche Leben des gefährlichen Burschen geschildert wird, ist nicht ohne Reiz. Di« Spannungen steigern sich zum Schluß immer mehr, der Ball der Berbrechcr. die Entlarvung Freds, das recht- zeitig« Eintreffen des Ueberfallkommandos sind sichere Knalleffekte. Dieterle verkörpert den Fred einfach, sachlich. Sehr wirksam sein pointierender Gegenspieler Anton P o i n t n c r als Joe. Lissi A r na ist eine glaubhaste Elly. Sehr gut in der Maske Lothar May ring. Ernö Rapses Musik hat starke Akzente. r. Vrahms- Abend des Nerliner Gängerchors. Der Berliner Sängerchor, Mitglied des DAS., gibt im Saal der Neuen Welt, der dicht besetzt ist, ein Konzert großen Stils. Ein Brahms-Abend unter Mitwirkung des Berliner Sinfonieorchesters und bewährter Solisten— ein Brahms-Abend: von der heutigen Welt und Ideenwelt eines Arbeiterpubillums ist das Programm allerdings weit entfernt. Gewiß, es ist gut, wenn in diesen Konzerten auch die Kunst der vergangenen bürgerlichen Epoche gepflegt wird, und es Ist an sich zu begrüßen, wenn unsere Arbeiterchöre ihre Kräfte an Aufgaben messen, die im Bereich der großen Konzertmusik liegen. Aber die Auswahl der Werke mußte diesmal doch grundsätzliche Bedenken erwecken. Galt es, den Hörern ein summarisches Bild von der Be- deutung des Komponisten Johannes Brahms zu vermitteln, so war die Zusammenstellung wenig glücklich. Auch die beiden ausgeführten Chorwerke— die„Rhapsodie" und die Kantate„Rinaldo"— beide in früheren Jahren, lauge vor den Sinfonien, geschaffen, zählen sicher nicht zu seinen wichtigsten Arbeiten: vor allem nicht die selten gesungene Kantate, deren Stoff, trotz der Dichtung Goethes, und deren musikalischer Gehalt ihre Wiedergabe in diesem Rahmen in der Tat kaum rechtfertigen. Und wenn sich schon in einem Brahms- Programm lebendige Beziehungen zu den Sorgen und Gedanken, die uns bewegen, nicht ausdrücken ließen: ein Gelegenhestsstück wie die„Akademische Festouvertüre"— der Komponist hat sie anläßlich seiner Ernennung zum Ehrendoktor der Universität Breslau ge? schrieben— eignete sich wohl eher für eine Studentenfeier als für ein Arbelterkonzert in diesen Zeiten der Not und der Kamps- bereitschaft. Dem Berliner Sängerchor hat unsere Arbeitermusikbewegung viel zu danken, und er hat seine bedeutenden Verdienste auf dem Gebiet des Arbeiterchorgcsanges. Cr zeigte sich auch gestern wieder unter der Führung seines Dirigenten Philipp Heid durchaus auf der Höhe seiner künstlerischen Aufgabe. Bor allem in der Kantate. in der C. E. Ohlhaw die anspruchsvolle Tenor-Solopartie mit schönem Gelingen durchführte, kam es zu imposanter Älangcntfaltung. _ K.!>. Ein Schuhpark für Meerkühe. Ein Naturschutzpark für Meerkühe und«ine Reih« anderer im Aussterben begriffener Meer-Säugetiere wird von der französischen Regierung aus den in der südlichen Arktis gelegenen Kerguelen- Inseln eingerichtet. Es soll für ein« regelmäßige Fütterung der Tiere Sorg« getragen werden. In einem Umkreis« von 20 Meilen wird es verboten sein, auf diese Tiere Jagd zu machen. Man erhofft van diesen Maßnahmen, daß das Aussterben der in Frage kommen- den Tiere dadurch um eine längere Zeit hinausgeschoben werden kann. Verband der Berliner Zilmkritiker. Aus Anlaß unsachlicher Vor- stoße der Spitzenorganisation der deutschen Filmindustrie gegen die Unabhängigkeit der Filmkritik, haben sich am 3. November in Ber- lin die Filmkritiker Berliner und auswärtiger Tageszeitungen samt- licher Richtungen zu dem Verband der Berliner Filmkritiker zu- sammengeschlossen. Der Zweck des Verbandes ist die Wahrung der Unabhängigkeit der Filmkritiker in der Tagespresse und die Wahrung und Förderung der Berussintcrcssen gegenüber allen äußeren Bc- einflussungen. Das neue Lenia-Mausoleuw. Zum 13. Jahrestage der bolschc. wistischen Revolution, am 7. November, soll das neue Lanin-Mauso- leum fertiggestellt sein, mit dessen Bau 1929 begonnen wurde. Es erhebt sich an der Kremlmauer in Form eines gewaltigen Kubus im Umfang von 5800 Kubikmetor. Die Haupthollc des Mausoleums ist 10 Kubikmeter groß und aus Granit in drei verschiedenen Farben erbaut. Eine ttlobnnd.Ielcr iindet anläßlich dcZ 40. GevurtötageS dcS ver- slorbcnen Dichters am Mttiwoch, 20'/, Uhr, im Meistarsaal Kölhener Str. S8, statt. Prosa. Aeder, Chansons. Zm Grotzberliaer Dorkrag»-El>nd lält Mittwoch im HauS der Technik, Friedrlchstr. 110. obendS Ubr, Pros. Roy aus Lahor« in Indien einen Lschtbildervcrtraz über„Das Wunderland Indien*. Perza veranstaltet ain 12., 2(1 Uhr, tin HaiiS der Deutschen Presse. Ticraaiteiislr. IS. einen R i in b a u d- Abend. Sllsted Wolsenstein spricht über„Da? Leben Rimbaud?", Lothar Müthel liest Verse. Prosa. Briefe in der'.Nachdichtung von Alfred Wolsenstein. Auskunft: Porza-Büro,(5b ar- lottenburg S, Reichsstr. SS, Tel. 0 3 Westend 5231, Oer„Prophet" kuriert zu Tode Weißenberg wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht Joseph Veißenberg, der..Prophet" der„evangelisch Johannis-Kirche", Weisler einer(gemeinde von 12 000 Angängern, verantwortet sich heute vor dem Schöffengericht Berlin-Witte wegen fahrlässiger Tötung. ClmtTicr wieder verstand er es. sich der Verfolgung der Behörden zu entziehen. Trog wiederholter Anzeigen wegen Gesundheit-- gefährdung, ja seldst wegen fahrlässiger Tötung, gelang es ihm bis jetzt stets, die Klippen der Justiz zu umschifsen. Wieviel seiner gläubigen Anhänger er mit seinem weißen Käse zu Tode kuriert und dem lebenslänglichen Siechtum ausgeliefert hat, wird nie festgestellt werden. Das Verfahren wegen der Erblindung der 10 Monat? alten Hildegard H c n f i k c, Tochter eines Landarbeiters auf dem Gut Hohenfinow, schwebt gegen ihn noch. Die kleine Hilde- gard erkrankte einige Monate nach der Geburt an einer Augen- entzundung. Die Eltern des Kindes, sanatische Junger des Meisters Weißenberg, wollten von einem Arzt nichts hören. Sie begaben stch , nach Berlin, Weißenberg nahm bei dem Kinde seinen üblichen Hokus- pokus vor und entließ die Eltcrit init der Weisung, dem Kinde fleißig weißen Käse auf die Augen zu legen und zu beten. Tag und Nacht log der weiße Käse auf den Augen des Ki n d e s. Mit den, Erfolg, daß die Sehkraft immer geringer wurde, bis sie eines Tages gänzlich erlosch. Heute handelt es sich um den Drogisten Rudolf Wer nicke aus Niederschönhuusen. Seinen Glauben an den Meister bezahlte er mit seinem Leben. Auch er, obgleich schwer zuckerkrank, wollt? yon ärztlicher Hilfe nichts wissen. Auch ihm verschrieb der Prophet sein Allheilmittel, den weißen Käse, und allerlei Kräuter dazu. Die Heilkraft, die er diesen Mitteln vermöge seiner göttlichen Sendung verlieh, versagte aber. Wernicke, der Geschwüre im Nacken hatte, wurde von Tag zu Tag kränker, bis er schließlich an einer schweren Blutvergiftung daniederlag. Als seine Nachbarn eine Anzeige erstatteten und er ins Krankenhaus Pankow gebracht vmrde, war es bereits um ihn geschehen. Er starb einige Tage daraus. Ein ganzes Jahr brauchten die Behörden, um gegen Weißenberg Anklage erheben zu können. Vom Juni 1029 bis Juni dieses Jahres verstand es Weißenberg, durch immer neue Entlastungszeugen den Abschluß der Ermittlungen gegen chn hinauszuschieben. Ja selbst die Witwe des durch den weißen Käse Getöteten versuchte, ihren Propheten herauszureden. Sic erklärte sich sogar bereit, sich ihm zu opfern und statt seiner vor Gericht Antwort zu stehen: nicht der Meister habe den weißen Käse als Arznei verschrieben, sondern sie telbst habe in ihrem unerschiitterlichen Glauben an die Heilkräfte dieses Universalinittels ihren Mann mit Käse gefüttert... Die Vernehmung des Angeklagten ist abgeschlossen, es folgen die Gutachten der Sachverständigen Dr. Mahrenholz und Prof. Strauch über die Todesursache im Falle Wernicke. Beide erklären, daß der zuckerkranke Patient bei einer Insulinbehandlung jedenfalls noch längere Zeit hätte leben können. Ins Krankenhaus wurde er mit einem Nackcnkarbunkel, lä Zentimeter Durchmesser, und einer allgemeinen Blutvergiftung eingeliefert: der Zustand der Bewußtlosigkeit, in dem er sich besand, war die Folge der Zersetzung des Blutes durch die Säuren. Wie Weißenberg wurde. Der Eröffnungsbeschluß lautet aus fahrlässige Tötung an dem Drogisten Wernicke und auf fahrlässige Körperverletzung, begangen an der kleinen Hildegard H e n s i k e. We i ß e n b e r g spricht mit großem Pathos schlechtes Deutsch, sein Temperament sprudelt manchmal über, so daß er vollkommen unverständlich wird. Er ist im Jahre 1804 in Fehlbeutel, Kreis Striegau, geboren, lebt von seiner Frau getrennt, ist einmal wegen Steuerhinterziehung de- straft und von Beruf H c i l m a g n e ti s e u r. Ich habe meine Eltern, erzählt er, im Alter von 6 Jahren verloren, lam zu einem Schäfer, der mir die ersten Hellkünste beibracht«, lernte Maurer, wechselte aber später immer wieder meinen Beruf, war Diener, Kellner, wieder Diener, Droschkenkutscher und Gastwirt. Ein Trieb, der in meinem Körper steckte— so erzählt er—, zwang mich immer wieder, meinen Beruf zu wechseln. Bis mir im Jahre 1903 Jesus Christus erschien und zu mir sagte: Lege dein irdisches Amt nieder, ergreife von nun an den geistlichen Beruf. Das habe ich getan. Ich hatte nur den einen Gedanken, den Menschen zu helfen an Seele und Leib. Der Vorsitzende unterbricht den Redeschwall des Angckloglen: Wann haben Sie Ihren ersten Verein ange- meldet? Angckl.: Im Jahre 1906. Ich nannte ihn„Ernste Forschung van diesseits und jenseits". Vors.: lind Sie sind ihr Oberhaupt? Wer steht Ihnen zur Seite? Ange kl.: Ja, ich bin dos Oberhaupt der Kirche. Ich habe die Kraft, zu irgendeinem zu sogen: Gehe und lehre und heile. Alle kriegen die Krajt von mir. Korsowskj hat die Registratur unter sich. Er zeichnet die Sterbefäll« usw. ein. Lenz ist mein Sekretär. Er sührt den Briefwechsel. Dann habe ich Kirchenräte, die predigen bei den Beerdigungen und bei den Taufen. Vors.: lind wie heilen Sie? Ange kl.: Ich lege die Hand auf den Kranken, ganz wie es in der Bibel geschrieben steht, ich streichle ihn und nchnie ihm die Krankheit ab. Die Krankheit, das ist nur der böse Geist. Vors.: Sic geben aber auch Mittel? Angckl.: Ja, zur Blutrcinigung, z. B. den Tee, den ich vom Schäfer kenne. Vor f.: Und den weißen Käse. Ange kl.: Ja, den lasse ich auf die Augen legen. Ich habe schon viele und viele Tausende sehend gemacht.(Hier verliert sich der Angeklagte wieder in einen übersprudelnden Wort- schwoll.) Vors.: Kommen wir also zu den beiden Ihnen zur Last gelegten Füllen. War der später gestorbene Wernicke Mit- glied Ihrer Gemeinde? Angetl.: Vor drei Jahren war er dos letzte Mol bei mir. Vors.: Seine Fron war aber Mitglied Ihrer Gemeinde? Angckl.: Ja, aber sie sollte gar nicht zu mir kommen. Sie hatte sich so viel in den Kops gesetzt, sie war hqste- risch und kam zweimal am Tage zu mir. Es war ja blöde, soviel Geld zu verfahren. Vors.: Also, Sie haben nicht die Käsebehond- lung vorgeschrieben? Angckl.: Nein. Das hat die Frau Wer- nicke von sich aus gemacht. Vors.: Und im Fall« Hcnsike? An- gell.: Ich habe dos Kind weder gesehen,»och behandelt. Ich hotte von der Frau eine briefliche Anfrage bekommen, was sie mit dem Kinde machen soll, und ich Hobe ihr geantwortet: Nehmen Sie zwei Ehlofel weißen Käse, verrühren Sie es gut mit etwas Salz und legen Sie es dem Kinde zweimal in der Woche auf die Augen. Nachts über den Käse einen nassen Lappen und ein wollenes Tuch. Den Käse verbrennen Sie hinterher. Glauben Sic und vertrauen Sie, verharren Sie im Gebet, sprechen Sie jeden Tag zwei Vaterunser und den ersten Psalm. Die Augenkur mit Weißkäse. Das Gericht wendet stch der Erörterung des Falles Hensike zu. Die Mutter der erblindeten Hildegard erzählt, wie ihr Tochterchen an einer Augencntzündung erkrankte, wie der Arzt eine Salbe verordnete und wie sie nach dem zweiten Besuch des Arztes sich auf Anraten einer Bekannten schriftlich an Weißenberg gewandt und den Brief von ihm erhalten hat. Sie war früher nicht Mitglied der Weißcnbcrg-Gemeinde und hatte von Weißenberg auch nichts gehört. Die Käsebehandlung der Augen hat sie monatelang sortgesetzt. Ihre Vernehmung dreht sich hauptsächlich um den Punkt, ob sie mit Weißenberg persönlich gesprochen oder von Kor- sowski empfangen worden sei. Früher hat sie mit aller Bestimmtheit ausgesagt, Weißenberg selbst habe ihr zur Kasebehondlung geraten. Auf die direkte Frage des Vorsitzenden, ob es Weißenberg gewesen sei, mit dem sie gesprochen habe, meinte st« zuerst, daß es auch ein anderer gewesen sein könne. Dann wieder erklärt die Frau, es sei Weißenberg gewesen, nimmt ihre Behauptung zurück,, um auf erneuten Vorhalt des Vorsitzenden und des Beisitzers, ob sie auch wirklich die Wahrheit sage, ob nicht jemand sie beeinflußt habe, dabei zu bleiben, daß es nickst Weißenberg gewesen sei. Slreikversamwlung bei der Firma R. Stock u. Co.. Alarieu- selde! Morgen, Mittwoch, nachmittags 2 Uhr, in Mari endo rf, Lokal„Atter Hof". Wir ersuchen die Streikenden, in dieser Ver» samnilung bestimmt zu erscheinen, da eine geheim« Abstimmung vorgenommen werden muß auf Grund des Verhandlungsberichtes vom Montag, dem 3. November. Mitgliedsbuch oder Streik karte dient als Ausweis. Di« Ortsverwaltung. Witmersdors, Gewerkschastsuntertommission, Vollsitzung, heut«, 20 Uhr, in der Gewerkschastsklause, Gasteiner Straße 6.„Metall- arbeiterstteit und RGO." Gäste willkommen. Verbandsbuch gilt als Ausweis. Oas Rätsel um Alsdorf. Die amtliche Untersuchung konnte h\ne ExplosionSursache ermitteln. Alsdors, 4. November. Der Unfallausschuß der Grubensicherheitslommission Bonn nahm einen ausführlichen Bericht der Bergbehörde über den Siand der Anfräumungsarbcitcn und über die bisherigen Ermittlungen cnt- gegen. Die Annahme einer Erplosion über Tage, für die die außerordentlichen Zerstörungen crrn Vordergerüst und am Bctriebsgebäud« des Eduard-Schachtes sprechen, kann noch nicht ausgeschaltet werden. Zwar scheiden die Möglichkeiten der Explosionen größerer eigener Sprengstoffmcngen oder eines Benzin- tanks oder Benzoltonkwagcns oder verschütteten Benzols sowie einer Explosion in der Lampenstube aus, dagegen bleibt die Möglichkeit einer Explosion, die ihren Grund in Schneidearbeiten oder anderen Ursachen hat, bestehen. Unter Tage sind die Feststellungen, so- weit die Grubenbaue zugänglich sind, inzwischen abgeschlossen worden. Die Möglichkeit einer Zündung van Schlagwettern durch Schießarbeiten erscheint nach den bisherigen Feststellungen aus- geschlossen. In den Abbaubetrieben und den unmittelbar anschließen- den Abbanstrecken haben sich keine Merkmale einer Explosion ergeben, die darauf schließen ließen, daß sich hier der Unglücksherd befunden hat. Die Auswirkungen der Explosion be- schränken sich auf den Eduard-Schacht, auf die Füllörter und die Hauptförder- und Retterwege. Ob hier der Ausgangspunkt der Explosion gewesen ist, wird sich erst feststellen lassen, wenn die Aus- räumungsarbeiten über Tage zu Ende geführt sind. Zu der Frage der Ursache der Maybacher Katastrophe wird der „Frankfurter Zeitung" aus Quierschied gemeldet: Bei den Jnstandsetzungsarbciien wurde in einem schlagwettcrreichen Aufbau der vierten Sohle eine Venzinsicherheitslawpe in unversehrtem Z». stände vorgesunden: sogar der Glaszylinder ist nnbeschödigt: dagegen ist die Schutzkappe über dem Drahtsieb abgeschraubt und konnte nicht gesunden werden. An dem Sieb sollen sich deutliche Zeichen vorfinden, daß es geglüht hat. Daraus wird gefolgert, daß dies? Lampe die Ursache der Erplosion mar, zumal von dem Aufbau an nach beiden Richtungen die Wirkungen der Explosion in der vierten Sohle gleichmäßig erkennbar sind. Wetter für Verlin: Wechselnd bewölkt und wenig Temperatur- änderung: schwache Luftbewegnng.— Für Deutschland: Im Alpen- vorland"trübe mit Niederschlägen, sonst wechselnd wolkig und meist trocken. IS.gZ 16.30 37.30 17.50 18.20 18.46 19.00 19.30 21.10 22.25 Dienstag, 4. November. Berlin. W. B. Sachs: Handwerksmeister und Techniker!» der Tierwelt. Königsberir: Ballctmusik. Dr. med. Hoskc: Sportarzt nnd iuEcndlichcr Sportler. Slawische Literatur.(Mikrophon: Dr. Flaszenben-Hndar.) Dr. Reisinzer; Deutsche Landerziehungsheime. W. A. Mozart: 4. Fantasie C-MoII(.K-V. 396).— 2. Rondo A-Mo.t (K.-V. SU).—3. Variationen über„Ah, vous dirai-ie. Maman"(K.-V. 265) (P. Aron. Flüsel). Q. Benn: Der wissenschaftliche und der künstlerische Typ. Ouerschnitt:„Die Lombarden"(Der erste Krenzzuf). Lyrisches Drama in vier Teilen von Temistocle Solera. Deutsch von Manfred Ourlitt. Musik von Giuseppe Verdi. Dir.: Generalmusikdirektor Guriitt. Stunde der Unbekannten. Dr. Ränscher; Politische Zeitungsschan. Königswnsterhausen, 16.00 Prof. Willy Fender: Der staatsbürgerliche Unterricht w der Berufsschule. 16.30 Nachmittagskonzert von Leipzig. 17.30 Prof. Dr. Schönemann: Der Weltkrieg hl der amerikanischen Literatur. 18.00 H. P. Wcitz: Die Kunst des Hörens. 18.30 Dessoir: Philosophie der Gegenwart. 19.00 Französisch für Anfänger. 19.30 Prof. Dr. R. Wilbrandt: Die Kapitalbildm* der Massen. 20.00 Leipzig: Militärkonzert(Nr. 5— 12). 21.00 München: Hallo! Radio Wien! Hier München! SSnantmotU. für die Sicboltion: Franz SUfih», Berlin: Anzeigen: TH. Siecke, Berlin. Verlag: Vonoärls Verlag E. m. h. S., Berlin. Druck: Börwiiris Buch» dnickerei und Verlagsanstalt Paul Einger& Co., Berlin ES 68, Lintrnstraste 3. Kirrzu 1 Beilage. Täsl. 5 n. r/: Uhr— B 5 Bart. BZM Tifll. 1—• M— Naohm. halbe Preise Rastelli's S:5e'.r;2l Matiay-Ballett,?£pr,r PI/Aza Tifll. 5 i. 8» Sennt.Z.Su. _ Ale*. E 4 80M I. Vorstellung 50 Pf. die 1 M II. und III. Vorst. 1 bis 2 M AFRA. UBSSEMS, KOHLBRANDT«aw. GROSSES SCHAUSPIELHAUS 7m ßös; Kaffee mit Kuchen 25 Pf. Kinder haben Zutritt Mittwoch 5 Uhr und Sonnabend 4« Uhr Peterc&ens NooiHalirt Daa entzückende Weihnachtsmärchen (Preise Ton 30 Pf. bis 1.50 M) Wochentags Uhr, Sonnabends Zu. 10 15 Uhr, Sonntag 5« u. 9 Uhi: „In der Johannisnacht" Nächsten Sonntag um 2« U spricht Ladwifr Hardt Heinrich Heine AuBsrdem Erslaufföhruno: Der Ackermann und der Tod 43ellage% Dienstag, 4. November 1930 ScrAliptiD Shnlnakijne* 4m Hakenkreuz Im Krankenhaus Ts wir» qraipltct: Sin SttBanb nationalsozialistischer Aerzte ist gesründet worden. Wer krank war, weih es, daß der Arzt in den Augen des Kranken als«in höheres Wesen erscheint. Disser da, im weißen Kittel, ist dein Meister, er wird dir helfen, denkt der Kranke im Krankenhaus. Erscheint der Arzt, so blicken aus allen Betten nertrmiend« Augen der Kranken. Der Doktor ist im Zimmer, nun kann nichts mehr geschehen! Der Doktor... der große Meister. Weh» dem„Großen", der das menschliche Vertrauen der Kranken enttäuscht! * Drei Jahre Klinik. Drei Jahre A»thergeruch, weiße Kittel, Schmerzensschrcie. Ich bin in einem orthopädischen Krankenhaus in Frank- surt a. M. Die Klinik ist halb privat, halb städtisch. Die Behandlung ist sehr gut. Gütige Schwestern, der gute alte Professor behandeln nicht nur die Beine und Arm« der Kranken, sondern lassen mich die Seele in der Aimosplsärc des Krankenhairies nicht verzagen. Alle wurden gleich gut belsandelt. In diesem Hause der Schmerzen liegen Kranke verschiedener Bälkcr, Rassen, Religionen, ober alle waren einig in ihren Schmerzen, und der Haß der Welt von draußen drang nicht über die Operationssäle. Bis... Bis der Professor eines Tages für längere Zeit verreisen mußte. Ein neuer Oberarzt wurde ernannt. Herr Dr. S., ein Bayer, Schmisse im Gesicht. Schon bei der ersten Visite trug er ein großes schwarzes Hakenkreuz auf dem Aerztekittel. Ein großer Fleck des Hasses auf dem weißen Kittel der Barmherzigkeit! Er steht zum erstenmal an meinem Bett.' „Na, Nathan der Weise", beginnt Dr. B. sein Gespräch,„habt ihr Juden denn heute Feiertag?" „Nein, Herr Oberarzt", erwidere ich erstaunt. „So, ich dachte. Die Börse ist nämlich geschlossen!" sagt er und geht höhnisch grinsend weiter. Das Gift von draußen war in das abgeschieden« Krankenhaus gedrungen und breitete sich aus. Schwestern und Assistenzärzte waren auf einmal wie aus- gewechselt. Sie versuchten den Geist des neuen Chefs anzunehmen, und es gelang ihnen! Hakenkreuze tauchten überall im Hause auf. Auch die Patienten beeilten sich zum großen Teil, den„nationalen Auf- schwung", wie der Herr Oberarzt es nannte, mitzumachen. Sogar in die Kinderabtcilung trug Dr. B. sein Gift. Wenn die kranken Kleinen zusommensaßen und mit ihren jüdischen Leidens- genossen friedlich Halma spielten, erschien der Oberarzt. Die Ein- tracht störte ihn, und er rief:„Laßt euch doch nicht von den zu- künftigen Börsianern betrügen!" "-d anstatt Halma zu spielen, sangen auf einmal die kranken T" Hetzlieder. Dr. 25. hatte sein Ziel erreicht. Vereinsamt, ver- und traurig lagen die jüdischen Kinder da. Doppelt schwer war es geworden, krank zu sein. Eines Tages erschien die Stationsschwester in meinem Zimmer. „Uebermorqen spricht der Oberarzt über deine Krankheit. Da muß er Lichtbilder von dir haben. Komm,»wir fahren dich nach cbcn." Ich werde auf eine Bahre gehoben. Im zweiten Stockwerk wartet der Oberar.zt Dr. B Ein photographischcr Apparat steht vor ihm. Ich werde von der Bahre gehoben. Man setzt mich auf einen Stuhl, der Oberarzt lyütft mir zwei Stöcke in die Hand und sogt: „Hopp, hopp, ausgestanden, wir brauchen ein stehendes Bild!" Zwei Jahre durfte ich nicht auf den Füßen stehen.„Sonü passiert was", sagte immer der Profesior. lind nun fall ich eines Bildes wegen aufstehen! Ich kann es dach gar nicht. Die Beine wollen ohne Schienen gar nicht gehorchen. ...Herr Oberarzt", sage ich ruhig,„Herr Professor hat mir streng verboten auszutreten... ich kann auch gar nicht." „Ei w e i, ei w c i, hat er A n g st wie alle« i r e L c i t!" spricht höhnisch Dr. B. Das Blut steigt mir in den Kopf. Ick) versuch« aufzustehen. lind sinke wieder kraftlos auf den Stuhl. Das rote, von Schmissen bedeckte Gesicht des Oberarztes grinst. Eine Schwester flüstert ihm änglich zu:„Er darf nicht stehen, Fraktur(Knochenbruch) zu befürchten." Dr. B. winkt lässig mit der 5)and:„Ach was, Slngst hat der Matkabäer! Im Kriege haben sie auch gekniffen, was Nathan der Weise?" Haßvoll blicke ich in die Augen des Oberarztes. Ich greife nach den Stöcken. Jetzt Zöl/ne.zusammengebissen! Ich erhebe mich lang- sam und schwer. Vor mir der weiße Kittel, der Photoapparat und das Hakenkreuz. Ich stehe... Dr. B. greift mit einem„Na also" zum Knipser. da... Ein stechender furchtbarer Schmerz in meinen beiden Beinen! Ein furchtbarer Knacks in beiden Oberschenkeln... Ich sinke mit einem lauten Ausschrei zu Boden... Beide Beine ge- b r o che n... Der Herr Oberarzt hat sein Bild! * Eine Stunde danach liege ich im Operationssaal. Aethermaske ans dem Gesicht. Zählen... Eins... zwei... Der Oberarzt wäscht sich, lustig mit dem Assistenzarzt plaudernd, die Hände. Er macht sick fertig. Zählen... Zwanzig... einundzwanzig.. Ruhig atmen, sagt die Schwester... Ich versinke. Zwemndzwanzig....Herr Doktor, Sie sind schuld!" schrei ich mit letzter Kraft... O Als ich zwei Stunden später aus der Narkose erwache, sind meine beiden Bein« in schwerem Gipsverband. Bis über die Rippen zieht sich dieser furchtbare weiße Panzer. Sechs Wochen liegen. keine Bewegung möglich und dazu schreckliche Schmerzen. Ich oersuche mich etwas zu erheben... Was ist das? Etwas Blaues auf dem Gipsverband in der Nähe der Bruch- pellen... Ein großes Hakenkreuz haben sie mir, ivährend ich in Narkose lag, im Operationssaal ausgemalt! Ich habe das Hakenkreuz«ruf dem Gipsnerband drangelaflen, Zeder sollte seh««, ma wir diese Qual verschaffte! NeA«, Gariw. Opfer der Arbelt 1928: 9331 Tote Wir stellen hier einige Zahlen über die Häufigkeit der B e r u f s- Unfälle zusammen, die den Amtlichen Nachrichten für Reichs- Versicherung entnommen oder aus ihnen errechnet sind. Man kann aus ihnen ablesen, in welchem Umfang auch heute noch die Arbeiter gesundhcits- und lebensgefährdcnden Unfällen ausgesetzt sind und wie die Kurve der Verletzungen und Berufserkrankungen ins- besondere in den letzten Jahren, parallel zu den Fort- schritten der industriellen Rationalisierung, steil anschwillt. Sie sind ein Beweis dafür, wie notwendig die von Dr. I. Mösts auf der Tagung der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft angeregte Schaffung eines Aktionsausschusses zur Bekämpfung der Berufs Unfälle war. In dem vierjährigen Zeitraum von 1925 bis 1928 sind nicht weniger als 339 778 in Berufsgcnossenschastcn versicherte Personen verletzt oder von Berufskrankheiten betroffen worden. Diese Ziffer entspricht etwa der gesamten Einwohnerzahl von Dortmund oder Frankfurt a. M. Hierunter befanden sich— innerhalb dieser 4 Jahre — 34 040 Gelötete— etwa ebensoviel, als die Städte Zlschaffcnburg oder Paderborn Einwohner zählen. Die folgende Tabelle ver- onschaulicht das starke Anschwellen der Unfallverletztenziffer in den letzten Jahren: In Deniksgeniillen- In de? Ausübung des schaflcn uersicherle Berufs uerletU oder Personen rrtrantt 1924.. 25 090136 80 820 7152 1923.. 25 981 050 107 5,7 804'. 1926.. 24 862 031 126 677 8121 1927,. 26 342 372 136 273 8345 1928., 26 843 859 160 303 9331 1929.. 26 920 000 167 781— Die Maschine, die eine Dienerin des Menschen sein sollte, hat seit 1925, dem Beginn der neuen Rotionalisicrungswelle, dazu bei- getragen, die Opfer der Arbeit stark zu vermehren. Die Zahl der bei der Berufsausübung getöteten Arbeit- n e h me r lag 1928 um etwa 17 P r o z. über der Ziffer des Jahres 192 5. Wie sich aus der folgenden Tabelle ergibt, ist der Unsallstand der Vorkriegszeit bereits erheblich überschritten. Ans je 100 000 in Borulsgcnossen- schaitrn oorgchorte Personen entfielen Hiernon getötet Von den 26,84 Millionen versicherter Personen entfielen 11,90 Millionen auf Gewerbe und Industrie und 14,05 Millionen auf landwirtschaftliche Berufsgenosstnschaften. In der Landwirtschaft wurden von je 100 000 Versicherten 563 verletzt und 21 getötet, in Gewerbe und Industrie betrug dagegen die Zahl der Verletzten (st 100 000 Versicherte) 617 und die der Getöteten 48. Unter den gewerblichen Berufsgenosstnschaften spielt nun die Knappschafts-Bcrufsgenosscnschaft eine besondere Rolle. Hier, also bei den Bergarbeitern, ist absolut und prozentual die Zahl der Verletzten und Getöteten am größten und überragt den Durch- schnitt der Unfallzifstrn bei weitem. Von 1923 bis 1928 wurden van den Knappfchaftsversicherten 60 377 verletzt(entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt Brandenburg), und die Johl der im Berg- bau in diesen 6 Jahren Getöteten bclief sich auf 9178. Allein im Jahre 1928 wurden fast 12 000 Verletzte gezählt: von ihnen waren 1380 getötet und 55 völlig erwerbsunfähig gemacht. Dies sind jedoch, lediglich, wie auch in den oben gegebenen Tabellen, die Zahlen für diejenigen Verletzten, für die oder für deren Hinterbliebene Cnt- schädigungen gezahlt worden sind. Die Gesamtzahl der ver- letzten oder berufskrank gewordenen Personen der Knappschafts- genosfenschaft, die über Unfälle Anzeige erstatteten, betrug sogar— allein 1928!— über 152 000. Das sind mehr als 20 Proz. der gesamten?lrbeitnehmergruppe! Die folgenden Zahlen deuten darauf hin, daß sich im Bergbau in den letzten Jahren, trotz der Verminderung der Belegschaft, die Unfallzisfern erheblich vermehrt hatten. tziffcrn der Nnappschasts- Bernfsge.nsfienschsit golll der Perlefite oder dernsslranc Versicherten gewordene Versicherte baden sich zu verständigen vermag. o/hüzl Box- und Ringkampf-Matinee Tegel besiegt Brandenburg l7Vs: 10V» Den Reigen der Berliner Veranstaltungen der Arbeiter- othlcten um die Kr e i s ni e i st e r s ch a f t der /�-Klassen er- öffnete am Sonntag die„Freie Sportvereinigung Tegel ISSö" mit einer Großtampsmatinee im Tegeler Strondfchloß. In dem fälligen Serienkampf standen sich„Tegel 189g" und der Sport- klub..-Toronia"-Brand«nburg gegenüber.— Den ersten Kamps der diesjährigen Serie gewann die erste Ringermannschaft von .Lichlenberg-Friedrichsselde 04" über den Kreismeisterverein Lucken- walds mit ISVj: 12 K. Leider traten die Brandenburger Sportler nur mit sechs Ringern an, da der Vertreter im Halbschwergewicht wegen Erkrankung nicht starten konnte. Auch die Tegeler Mannschaft inuhte mit Ersatzleuten vervollständigt werden. Die zahlreichen Freunde des Tegeler Vereins sahen dennoch außerordentlich inter- cffante Kämpfe. Die erste Runde ergab einen Punktgleichstand von 7:7, in der Wiederholungsrunbe holten die Tegeler dann aber mächtig auf, mit 10%: Zs4 stellten sie den Sieg im Gesamtklassement (17)�: lO'/v) sicher. Bereits am nächsten Sonntag treffen die beiden ' bisher unterlegenen Vereine aufeinander, während„Sparta" und „Alt-Wedding" für ihre erste Begegnung rüsten. Im Fliegengewichtstreffen, im Ringen der /�-Klasse, siegte der Brandenburger F r i ck e im ersten Gang über Kratzke(Tegel) nach 1,11 Minuten: den folgenden zweiten Kampf gewann der Tegeler dann in der 8. Minute. Der Bairtomgewichtler K o h n(Tegel) dominierte in beiden Gängen ganz überzeugend, den ersten Erfolg errang Kohn über Dittrich(Brandenburg) nach 2,6 Minuten und kam im Wiederholungsringen bereits nach üv Sekunden zu einem Blitzficg durch«inen beherzt gefaßten Schlcudergriff. Das erste Ringen der Federgewichtler Reichel(Tegel) und Bcrgcr(Branden- bürg) endete nach Ist Minuten ausgeglichenen Kampfes unentschieden, Reichel kam in der zweiten Runde dann zu einem leichten Sieg, da der Gegner durch übermäßigen Schwung seine Schulterniederlage selbst verschuldete. In ausgezeichneter Form startete der Tegeler K o h l in a n n gegen den Brandenburger Lorenz, der trotz hervor- ragender Gegenwehr dem führenden Gegner beide Male unterliegen mußte. Den ersten Erfolg erzielte Kohlmann nach der 8. Minute und war dann durch plötzliches Eindrücken der Brücke in der dritten Minute nochmals erfolgreich. Der Kreisfportwart Höhne(Tegel), der diesmal im Leichtmittelgewicht startete, hatte in dem Branden- burger Holzke wider Ewarten einen ausgezeichneten Gegner er- halten. Das interessante Ringen endete erstmalig unentschieden, in der zweiten Runde sicherte sich der Vertreter der Berliner Städte- Mannschaft dann einen knappen Punktsieg. Der halbschwere Tegeler Rosentreter erhielt die Punkte kampflos zugesprochen, da sein Brandenburger Gegner wegen Krankheit nicht antrat. Das Ringen der Schwersten, Hildcbrandt(Tegel) und Petzel(Brandenburg), endete nach zweimaliger Begegnung mit einem Unentschieden. Lei den Boxern. Stärkstes Interesse wurde weder den Boxern entgegen- gebracht. In den Einladungskämpfen der beiden Städte L u ck e n- walde und Berlin standen beste Repräsentanten der Boxkunst im Ring. Alle Kämpfer verfügten über ein außerordentlich hohes technisches Können uird zeigten große Härte im Nehmen und Geben. Der Luckenwalder Lörke erhielt den Sieg über Hoffmann(Tegel) zugesprochen. Pantke(Tegel) schlug den Luckenwalder Wegner mit kurzen präzisen Treffern bereits in der ersten Runde aus. Nach wechselseitigem Kampf um die Führung mußte Hacker(Tegel) seinem Gegner Lörke II den knappen Punktsieg überlassen. Der Welter- gewichtler Schräder(Tegel) erkämpfte sich in einem flotten Kampf mit dem Luckenwalder Große einen klaren Punktsieg. Dem Tegeler Stadtler fehlen mir noch die Kampftricks, um erfolgreicher zu sein, auf seine eigenartige Kampfposition konnte sich Gcrner(Saxonia) nur schwer einstellen: Das Treffen endete unentschieden. Schulz (Tegel) wurde von seinem Klubkameradcn Losock in der tz. Runde zur Aufgab« gezwungen. Losock ist ein äußerst befähigter �Boxer. der jeden der Gegner sofort physisch beherrscht: ebenso zwang Trainer Virus(Tegel) feinen Gegner Bößfleisch. nach einem überaus harten Schlagwechsel den Kampf vorzeitig zu beender(l. dl. Arbeiter- W asserbal! Spandau— Union 5:3 /Siädtemannscfaaft- Hellas I 13:3 Am Wochenende gab es im Lunabad Ueberraschuugen. Nach der 5: 8-Niederlage gegen Neukölln gingen die S p a n d a u e r in einen scheinbar hoffnungslosen Kampf. Ihr Gegner, Union, hatte in letzter Zeit durch ein S: 5 gegen den früheren Bundes- meister Wcißensee und einen glatten 5: v-Sieg gegen Berlin 12 beim Bezirksschwimmfest von sich reden gemacht. Es sollte aber anders kommen. Vonveg bemerkt, das Resultat wird dem Spielverlauf durchaus gerecht. Spandau spielte von Anbeginn mit vorbildlichem Eifer, an dem alle Gegenofsenslven kinions glatt scheiterten. Hinzu kommt noch, daß Unions Stürmer einen sichtbar schlechten Tag hatten, das Zuspiel war zu langsam, um nicht bei der aufmerksamen Spandauer Verteidigung aufgehalten zu werden. Das erste Tor des Spiels erzielte Union kurz nach Beginn durch geschickte Kombination, doch dann dominierte Spandau. Nicht weniger als dreimal fand der Ball den Weg ins Netz der Unioner. Kurz vor Halbzeit gelang es den sich nur schwer findenden Unionleutcn, ein Tor aufzuholen, und mit : 2 für Spandau wurden die Seiten gewechselt. Noch Halbzeit kam Spandau noch mehr auf, doch mar Union jetzt besser auf der Hut, 2 Tore waren die Ausbeute dieser Spielhälste, während Union noch einmal ans einem Gedränge heraus vor dem Spandauer Tor er- folgreich war. Der(tzesamtcindrnck des Spiels war, abgesehen von einigen unnötigen Härten Spandaus, gut, Spandau stellt« die besser -rainierte Mannschaft. Di« Entscheidungen des Schiedsrichters waren einwandfrei. Des darnuksolgende Spiel der S t ä d t e m a n n s ch a f t gegen Hellas I verlief trotz des hohen Sieges der Auswahlsieben spannend und»bwechsliingsreich. Zu bemerken ist allerdings, daß Hellas mit Ersatz antreten mußte, da zwei seiner Spieler in der Städtcmannschast mitwirkten. Zu Leginn sah es durchaus nicht „ach einem hohen Sieg der Auswahlmannschaft aus; die schnellen Hellasschwimmer niachter: der gegnerischen Verteidigung schwer zu schaffen. Nach einigen, beiderseitig ergebnislos verlaufenen Angriffen gelang es den Städtern nach vorbildlich schöner Kombination un- haltbar«inzusenden. Der Ausgleich ließ nicht lange aus sich warten, ein energischer Dnrchbruch brachte einen zählbaren Erfolg. Allzubald zeigte sich, daß die Hellasleute ihrem Tempo zum Opfer fallen mußten. Die Städtemannschaft kam sichtlich auf und kannte durch prächtiges, rationelles Spiel noch 6 Tore erzielen. Nach einem Halbzeitstand von 7; 2 war das Spiel bereits entschieden. Trotzdem brachte auch die zweite Halbzeit schön« Kampfesmomente. Während Hellas nur noch einmal einsenden komite, betrug»ie Ausbeute der Sieger 6 weitere Tore. Der Schiedsrichter hatte das Spiel stets fest in der Hand. Gegen eine Städtcmannfchaft in dieser Form kann man auch dem Bundesmeistcr FZ. Charlottenburg zu dem heutigen letzten Trainingsspiel, das um 22 Uhr im Luna- b a d stattfindet, nur schwer eine Chance einräumen, doch sind die ehrgeizigen jungen Charlottenburger nicht zu unterschätzen. Ein Besuch dieses Spiels ist zu empfehlen. Naturfreundejugend trifft sich in Rüdersdorf Die Groß-Lerlincr Naturfreundejugend sammelte sich Sonnabend und Sonntag in Rüdersdorf zu ihrem Herb st treffen. Schon am Sonnabend war die prächtige Jugendherberge in Rüders- dorf überfüllt. Und Scharen kamen Sonntag früh als Nachzügler. Der Sonnabend bracht« im großen Aufenthaltsraum eine im- provisierte Veranstaltung. Rezitationen und Chorgesang der Gruppe Humboldt und ein Laienspiel, direkt aus dem Leben der Jugend in der Familie, im Arbeitsdasein und in der Iugendgruppe hervor- gewachsen, begeisterte. Hier spielte nicht nur mehr die kleine Spiel- schar— in jedem Zuschauer fieberte es, mitzumachen. Das war ein voller Erfolg. Am Sonntag ging es unter guter Führung in die eigentlichen Kaltsteinbrüche. Alles interessierte: die Geschichte des Bruchs, die Schichtungen der Erde, die Brüche selbst mit ihren Stollen, die Arbeitsweise, die Technik, die Arbeitszeit und die Entlohnung der Bergarbeiter und schließlich auch die in Kalk- und Tonschichten vor» handenen Fund« und Versteinerungen. Nachmittags folgten vor der Jugendherberge Volkstänze und Ballspiele. Den Abschluß bildete ein großer Zug durch Rüdersdorf und Kalkberge zum Bahnhof. Geräte-Serienkämpfc im Arbcitcr-Turn- und Sportbund Der Arbeiter-Turn- und Sportbund beginnt setzt im ganzen Bundesgebiet auch im Geräteturnen Serien- wett kämpfe durchzuführen. Das Geräteturnen wird überall gepflegt wie wohl selten zuvor. Wenn vielleicht auch Berlin schein- bar etwas zurücksteht, so ist aber im ganzen Reich ein sehr großer Fortschritt zu verzeichnen. So wird auch Berlin-Vrandenburg den Versuch unternehmen, die edle Kunst vorwärtszubringen. Es haben sich erstmalig 27 Mannschaften gemeldet, die Weit- kämpfe finden nur in den Wintermonatcn statt. In der kommenden Woche sind nun die ersten Wettkämpfe angesetzt. Alle Altersklassen sind vertreten: heute, Dienstag, treffen folgende Vereine zusammen: In der.A- Klasse, Männer: Nordring 1— Osten 1 in der Turnhalle Schönfließer Straße 7. In der L- K l a s s e der Männer kämpfen: Osten 2— Mahlsdorf, Turnhalle Straßmannstraße 6. Hennigsdorf hat Lichtenberg als Gegner in Hennigsdorf. In Spandau, Moltkestroß«, sind Spandau und Mitte die Gegner. Donnerstag, 6. November, ist in der Frauentlasse ein Kamps Osten— Lichtenberg, Straßmannstraße 6, angesetzt, ferner für die Jugendklasse ein Treffen Nordring— Lichtenberg, Turnhalle Dricsener Straße, Freitag, 7. November, für die Fraucnklasse, Span- bau— Hennigsdorf, in Spandau, Moltkcstroße. Alle Kämpf« de- ginnen um 2st klhr, Gäste herzlich willkommen. Geturnt wird am Reck, Barren, Pfevd und Gymnastik. Märkische Berbstfatirt des DMV. Bei strömendem Regen stellten sich in Werneuchen 107 Motor- radfahrer mit und ohne Beiwagen zur Märkischen Herb st fahrt des Deutschen Motorradfahrer-Verbandes. Aber von diesen 107 schieden bereits bis zur ersten Kontrolle Prenzlau (40 Kilometer) IS aus und im weiteren Verlauf der über eine Ge- samtlänge von etwa 400 Kilometer führenden Prüfung lichteten sich die Reihen ganz erheblich. Die Nachtschleife wurde mir von 68 Teilnehmern beendet und noch immer regnete es ohne Unterlaß, so daß weitere 22 Teilnehmer es vorzogen, heimzukehren, anstatt auf der nun folgenden Tagesschleife, die größtenteils über unwegsame Wald- und Wiesenpsad« führte, sich weiter durchschütteln und durch- weichen zu lassen. Auf diesem Teil setzt« es viele Stürze, die aber glücklicherweise alle recht glimpflich verliefen. Immerhin wurden noch weitere 7 Fohrer zur Aufgabe gezwungen, so daß insgesamt 39 Teilnehmer bis zum Schluß durchhielten. Line einzige Kraftleistung Bei dem Wettkampf im Gewichtheben zwischen der 1. Riege d�z Bundesbahner-Athletitklubs� Wien-West und einer Auswahl- monnschaft der Städte Mödling, Liefing und Atzgersdorf erzielten die Wiener eine Leistung, die noch von keiner Mannschaft Oester- reichs und Deutschlands erreicht wurde. Die Riegenmamffchaft von Wien-West stemmte 2413.5 Kilogramm: nach Abzug des Körpergewichts ergab das eine Relatioleiftung von 1925,5 Kilo- gramm. Dieselbe Mannschaft konnte den Städtewcttkampf Berlin-Wjen gegen den damaligen Bundesmeisterverein Deutschlands„Lichtenhcrg-Fricdrichsfelde 04" und den Retourkampf in Wien beide Male gewinnen. Wohl keim der bürgerlichen Amateurvercine dürfte eine solch enorme Krastleistung aufbringen. Nicht Rekordsucht treibt die Arbeitersportlcr, sondern ihr stetes JmForm-Bleiben ermöglicht ihnen solche Leistungen. Tennis in der Riesenhalle. In der„Alten" AutoHalle am K a i s e r d a in m, der Statt« vieler Ausstellungen, hat jetzt der weiße Sport seinen Einzug ge- halten. Es war ein guter Gedanke, die Riesenhall« den Winter über einer neuen, ganz anderen Bestiinmung zuzuführen. Wo sich früher die Stände der großen Ausstellcrfirinen aneinanderreihten, sind jetzt 24 Tennisplätze im Entstehen begriffen, von denen neun fertiggestellt und bereits in Betrieb sind. Di« Eröffnung dieser 48 Spieler können nach der völligen Fertigstellung gleichzeitig die Schläger schwingen. Die Halle steht weitesten Kreisen des tennis- spielenden Publikums zur Verfügung. Angesichts der Tatsache, daß die bisher in Berlin vorhandenen kleineren Hallen durchweg als Reservate der prominenten Klubs und ihrer prominenten Spieler betrachtet werden mußten, ist in dieser neuen Tennis-Großanlage nun jedem Klub, jedem Prioatspieler die Möglichkeit zur Pflege des Tennissportes während der Winterzeit gegeben. Nebenbei fei erwähnt, daß der Platzpreis am Tage noch unter dem Normal- preis für Außenplätze liegt. Der Gründer dieser neuesten Berliner Sportgelegenheit, Sportlehrer Piper, wurde kürzlich aus Anlaß feines 25jährigen Berufsjubiläums von der Gemeinfchoft der Tennis- jpieler der westlichen Bezirke gefeiert. Bas Sechstagefeld Andere Paarungen Di« Zusammensetzung der fünfzehn Mannschaften für das am Freitag beginnende 2 4. Berliner Sechstagerennen hat noch einige Aenderungen erfahren. Piet van Kempen ist von seinem Bruder Jan getrennt worden und hat in dem Wiesbadener Schön einen sicheren geeigneteren Partner erhalten. Jan von Kempen bestreitet die lange Fahrt mit dem jungen Berliner Manidelkow, der als Ersatz für den verletzten Miethe verpflichtet wurde, und der ursprünglich für Schon als Partner vorgesehene Westdeutsche Bernhard Stübecke ist mit dem„Amerikaner" Olta Petri gekoppelt worden. Die endgültige Starterliste zeigt nunmehr folgendes Bild: P. van Kempen-Schön: I. van Kempen-Mandelkow: Pijnen- burg-Braspenning: Horder-Elder: Manilzey-Maezinsky: Petri- Stübecke: Rauifch-Hürtgen: Peix-Lcmoin«: Denipsey-Walthour: Le!>- mann-Wissel: van Hevel-Debraycker: Dinale-Piemontesi: Ehmer- Tietz: Rieger-Kroschel: Krüger-Funda. Wettmeistertreffen der Amateure im Sporkpalast. Am 6. No- rember veranstaltet der Bund Deutscher Radfahrer mit dem Gau Berlin im Sportpalast ein Weltmeisterschaftstreffen, zu dessen Be- streitung die vier Finalisten der diesjährigen Amateurwcltmeister- schaft in Brüssel Weltmeister Gerardin(Frankreich), der Sieger eines Laufes in der Weltmeisterschaft Cozens(England) und die Dritten und Vierten in der Weltmeisterschaft Pelizari(Italien) und Meie:- Andersen(Dänemark) eingeladen wurden. Aus den Boxringen Deutsche Meisferscfaattsanwärier Im Bantamgewicht wurden Hans Linke-Duisburg und Hermann Heife-Hannover als offizielle Herausforderer des Meisters Pfitzner- Berlin anerkannt. Im Federgewicht sind Erich Thriene-Hannover und Harry Stein-Berlin Bewerber um den immer noch nicht vergebenen Titel. Nach seiner schweren Niederlage durch den ungeschlagen abgetretenen Meister Paul Noack müßte Harry Stein allerdings durch Noack erfetzt werden. Der Meister im Weltergewicht, Gustav Cder- Dortmund, wird seinen Titel gegen Nolkmar-B erlin und Rudolf Boguhn-Berlin riskieren müssen. Auch im Mittelgewicht haben sich zwei Bewerber gefunden. Hein Heeser-Koblenz, der einen oergeblichen Versuch unternahm, die Krone von Tobeck zu gewinnen, hat sich wieder als Herausforderer bestätigen lassen. Interesianter ist aber, daß Exmeister Seifried sich ebenfalls um den Titel der deutschen Mittelgewichtsttajs« bewirbt. Im Halbschwergewicht scheint die Lage numnehr geklärt. Heuser-Bonn hat den Berliner Hartkopp entscheidend geschlagen und müßte, nachdem Koska in seinen letzten Kämpfen gar nicht gefallen konnte, das Recht erhalten, Meister Pistulla zu fordern. Boxkämpfe im Spichernring. Nach der Unterbrechung durch di« Sportpalast-Kämpfe ist am Freitag in Berlin wieder der Spichernring an der Reihe, der zu seiner 90. Veranstaltung ein gutes Programm zusammengestellt hat. Der ausgezeichnete sranzö- fische Fliegengewichtler Apell kreuzt mit dem Berliner Erich Kohl er die Handschuhe. Ein scharfes Gefecht werden sich auch die Mittelgewichte Hein Heefer-Koblenz und Paul Vogel- Berlin liefern. Im Leichtgewicht begegnen sich Fritz Reppcl-- Hern« und Herbert Ulrich. Hamburg. Dazu kommen noch die Treffen Seisler— Urban und Kern— Hebben. Abrudern der republikanischen Ruderer Berlins. Am Sonntag veranstaltet« die Reichsbanner-Ruderriege Berlins ihr diesjähriges Abrudern. Die Boot«— Achter, Vierer und Zweier— sichren in Kiellnrie nach der Berliner Schweiz, wo einige gemütliche Stunden verlebt wurden. Da di« Reichsbamier-Sportabteilungen am nächsten Sonnabend ihr großes republikanisches Sportfest in den Gesamt- räumen des„Ulap" veranstalten, wird die offizielle Beendigung der Rud«rsaijon am Soimabend gefeiert werden. Ski-Trockenkurse. Die Trockenkurse des 1. Kreises im Arbeiter- Turn- und Sportbund und des Touristen Vereins„Die Naturfreunde" beginnen: Wedding: Heute, Dienstag, 19.30 Uhr, Turnhalle Goten- burger Straße.— Kreuzberg: 2 Kurse, heute, Dienstag, und Donnerstag, 6. November, 20 Uhr, Turnhalle Waldemarstr. 77.—• Neukölln: Mittwoch, 5. November, 20 Uhr, Turnhalle Mahlower' Straße.— Lichtenberg: Donnerstag, 20. November, 19 Uhr und 20.30 Uhr, Turnhalle Lllckstr. 63, „Soli"- Motorradrennen. Kürzlich fand nach längerer Zeit wieder«ine Vollversammlung der Obersten Motorradsportbehörde in Berlin statt. Die umfangreich« Tagesordnung wurde bis zum Abend vollständig erledigt. Der Arbeiter-Rad» und Kraftfahrer- bund„Solidarität" hatte im vergangenen Jahre Schwierigkeiten bei der behördlichen Genehmigung seiner nur sür seine Mitglieder ausgeschriebenen motorsportlichen Wettbewerbe, weil dies« von der OMV. nicht anerkannt waren. Es erfolgte jetzt eine Regelung da- hin, daß die„Solidarität" ihre Termine der OMB. einreicht und ihre diesbezüglichen Interessen durch die OMB. vertreten lassen wird._ grei« Wi>)s«rsahv» Ank»»rt»«. N. Donnersiaa, e. Rsvember, 2N lllir, Mouataversammlung beicr mtrbcn noch auf- a-nommcii. nootöstandc»och frei. gTS>'N., Ziml»r»crl>!>tnri»cjir1. Rackioadeabcnd icden Miliwoch um 20>4 Ufte im tolaötbob cherichistrahr. Wcgrn Zulassung moldc man sich vor tnu Uevung» stund« in der Badeanstalt oder in der Geschäftsstelle. RO. IS, Lichtenberger Straße 3.— Vezirl Lordost, gunktionarsitzung bei Bieberstein, Banziger Ltr. 1«. Donnerstag,«. November, 20 Uhr. «««. üf*-- tag, für!.....■■ Donnerstags, 20 Uhr, lliefholplr. Vi. Heute. Dienstag, beginnt der Skitursus, Waldemarstr. 77, 20 Uhr. Mittwoch, 5. November, Monatsversammluna bei Äehnigr, Mithlenftraße Ecke Brommnbristkc, «rbeitcr.Licktbild.Bund, T«.„Di« Raturfeuode", Stanemgruppe. Montag, 1«. November, 20 Uhr, Johanns rftr. IZ. Vom Vergrößern.— Abt. Osten. Zreitag, 7. November, 20 Uhr. Jugendheim IZrankfiirter Allee Z07.— Abt. Norden. Dvnucrstaa, 6. November, 20 Uhr, Phnsifzimm-r der weltlichen Schule. Pank. Ecke Wiesenstraßc. Wettbewerb:„Proletarierloo".— Abt. Neu- köll». Freitag. 7. November, 20 Uhr, Jugendheim Bergstr. 2», Zimmer I.— Sruop« Mitte. Dienstag. 11. November, 20 Uhr, Dunkelkammer Johannie- straßc Ib. ArdeNer-Phot«. Gilde Berlin. Freitag. 7. November, im Jugend- heim der TAI.. Linden str. 4, ,. l, 20 Uhr. Vortrag:„Praktische Optik". II.— � m r<.......... Ardeiter. Lichtbildner Tpanda». Montag, 10. Nooember, Jugendheim Linden- Tennis-Großanlage hat m Europa bisher nicht»hresgleichen. O.——«rsjy»».» ,j u iua,4. W 1 1 l J)U4iy«vi-v ss-w««4«.� , Domierstaa, 6. November, 20 Uhr. I. f Berein für Leichtathletik. Handball, Hocken. Wintersport). Trainingo- : Männer und Jugend Freitags, 20 Uhr, Neue«rugallee 10: fiir Frauen Zum vierten Male Zorns! �edakieurBornstein nimmt nicht teil/ Schwere Vorwürfe gegen dasNeichsgericht Heule morgen begann vor dem Landgericht III der vierte Prozeh Zorns. Das Reichsgericht hat ihn erzwungen— ober diese Rettungsaktion wird dem Reichsanwalt Zorns nichts mehr helfen. Zwei Znstanzen hatten über ihn den Stab gebrochen. und die Oesfentlichkeit behandelt den Fall längst als abgeschlossen. Herr Zorns ist und bleibt in den Augen der gesamten deutschen Oesfentlichkeit verurteilt. Er ist zum„lebenden Leichnam" geworden, und die Hilfsaktion des Reichsgerichts wird ihm nicht wieder aus die Beine Helsen. * Punkt 9 Uhr wurde im Schwurgerichtssaal des neuen Krinünal- gcnchtsgeböudcs in Moabit die Verhandlung in der Sache des Rcichsanwalts Jor« eröffnet. Der angeklagte Redakteur Bornftein ist nicht erschienen. Ueber die Rlolioe seines Richterscheinens hat er dem Gericht eine schriftliche Erklärung zugestellt: auherdem einen aussührlickien Schristsah, in dem er sich mit der Revisionsbegründung des Reichsgerichts beschäftigt. Jörns, in der richtigen Erkenntnis der wahren Lage, nimmt auf der Anklagebank Platz, auf der eigentlich sonst Born- stein sitzen sollte; neben ihm sein Vertreter. Justizrat Dr. Löwenstein. eingesandte Erklärung. Es Der Vorsitzende oerliest die heißt darin: „Dem hohen Gericht teile ich ergcbenst mit, daß ich in dem heute beginnenden Prozeß mein Recht auf Verteidigung nicht auszuüben gedenke und deshalb zu der Verhand- lung nicht erscheinen werde. Ich bitte das Gericht, in meinem Fernbleiben von der Ver- Handlung nicht ein Zeichen mangelnder Achtung vor der jetzt mit dem Verfahren befaßten Kammer zu sehen. Ich hoffe vielmehr, daß mein Verzicht auf meine Rechte als Angeklagter richtig als ein Ausdruck des Vertrauens aufgefaßt wird, das ich dem Gericht entgegenbringe. Ich bin überzeugt, daß die Kammer auch in meiner Abwesenheit nicht unterlassen wird, um den aus den Akten hinlänglich bekannten Sachoerhalt zu meinen Gunsten restlos aufzuklären. Die Gründe meines Fernbleibens find in der Druckschrift enthalten, die ich der Strafkammer bereits überreicht habe. Zch glaube, in dieser Schrift ausreichend bewiesen zu haben, daß die reichsgerichtlichc Entscheidung, durch die diese dritte Verhandlung über die gleiche klage erzwungen wurde, nichts als einen radikalen Bruch mit der ständigen Rechtsprechung des Reichsgerichts zugunsten des Herrn Reichsanwalls Zorns darstellt. In dieser Entscheidung ist obendrein in unzulässiger Weise in die B e w e i s w ü r d i g u n g des Vordergerichts eingegriffen, sind wichtige Stellen aus dem Urteil des Vorderrichtcrs entstellt wiedergegeben, sind die w i l l k ü r l i ch st e n Behauptungen aufgestellt, um die Anberaumung dieser dritten Verhandlung begründet erscheinen zu lassen. Zu jeder Zeile seiner Enlscheidunq hat der zweite Strafsenat des Reichsgerichts seinen Willen erkennen lassen, daß der Reichsanwall Zorns rehabilitiert, und ich bestrast werden möge. Ich bezweifle nicht, daß die Strafkammer entgegen dem offenkundigen Wunsch des Reichsgerichts, ebenso wie die beiden Berliner Gerichte, die in dieser Sache bisher zu entscheiden halten, zu der Uebcrzeugung gelangen wird, daß der Wahrheitsbeweis zuungunsten des Herrn Reichs- anwalts Jörns erbracht ist. Aber ich muß befürchten, daß der zweite Strafsenat des Reichsgerichts auch ein drittes Urteil dieser Art wieder aufheben und noch einen vierten und fünften Jarns-Prozeß erzwingen wird. Unter diesen Umständen halte ich es für zweckmäßiger und meinem Respekt vor dem hohen Gericht besser angemessen, wenn ich von vornherein jede Einflußnahme auf den Gang der Ver- Handlung und das Urteil der Strafkammer unterlasse.' Ich bitte deshalb das Gericht, über die Berufung des Herrn Reichsanwalt Jörns gegen meinen Freispruch in meiner Abwesenheit zu ver- handeln." Zu dieser Erklärung nimmt als erster Oberstaatsanwalt Köhler Stellung. Cr ist der Ansicht, daß die Vcrhandlui»g auch in Abwesenheit des Angeklagten möglich sei. Die Verlesung des von ihm an sämtliche Prozehbcteiligten eingereichten Schriftsatzes sei dagegen unzulässig: es könne höchstens als Instruktion dienen. Als zweiter ergreift I u st i z r o t L ö w e n st e i n das Wort: „Es wäre wünschenswert", sagt er,„wenn der Angeklagte, der in den beiden ersten Verhandlungen so energisch auf sein Recht gepocht hat, auch diesmal zur Stelle wäre. Völlig unzulässig wäre es, wenn fein Schriftsatz den Prozeßbcteiligten selbst zur Kenntnis gegeben würde. Das würde eine einseitige Beeinflussung des Urteils bedeuten. Ob das Gericht von seinem Recht, die Anwesenheit des Angeklagten zu erzwingen. Gebrauch machen soll, überlasse ich dem Gericht. Notwendig ist die Anwesenheit des Angeklagten zur Gerichtsstelle nicht. Er kamr aus eigener Wissenschaft doch nicht Tatsachen bekunden, die zur Klärung der Sache beizutragen in der Lage wären. Falsch� ist es, wenn er in seinem Schriftsatz be- hauptet, daß das Reichsgericht zu der Frage seiner Schuld oder Nichtschuld Stellung genommen hat; es hat lediglich aus rechtlichen Gründen das Urteil der ersten Instanz aufgehoben. Schließlich Reichsanwalt Jörns selbst: Er findet es als «iß-rmch-nKch Safj bei Angeklagt««kW persönlich die Vorwürfe gegen ihn vor Gericht wiederholen wird. Der An- geklagte, sagt er, war schon in der zweiten Verhandlung nicht als Redakteur, sondern als Täter zu betrachten. Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück und verkündet folgenden Beschluß: „Es wird vorläufig in Abwesenheit des An- geklagten in die Berhandlung eingetreten: falls es notwendig erscheinen sollte, wird das Gericht das Erscheinen des Angeklagten anordnen." Nach Verlesung des Urteils erster Instanz gibt der Vorsitzende eine Darstellungdes Prozehoerlaufs in der zweiten I n stanz und beini Reichsgericht. Justizrat Dr. L ö w e n ft e i n bittet, die Verhandlung auf einen Tag auszusetzen, damit er den vom Angeklagten eingereichten Schriftsatz durcharbeiten könne. Man einigt sich schließlich dahin, daß die Vertagung« r st na ch Vernehmung des Nebenklägers über die gegen ihn er- hobencn Vorwürfe allgemeiner Natur erfolgt. Das Gericht tritt in die Vernehmung des Rcichsanwalts Jörns ein. Am Prelfetisch sitzt einsam und verlaßen ein einziger Berichterstatter, im Zuhörerraum nicht mehr als b bis 7 Interessenten. Der große Schmurgerichtcsaal ist nicht mehr erforderlich. Für den jetzigen Jorns-Prazeß reicht auch der kleinste Saal in Moabit aus. Die Berhandlung geht gewissermaßen unter Selbstausschluß der O e f s e n t l i ch l e i t vor sich. Lteberfatl an der Wohnungsiür. Die Erzählung einer Siebzehnjährigen. Die 17 Zahre alle Hausangestellte Gertrud D., die bei einer Familie in der A k a z i e n st r. 20 in Schönebcrg tätig ist. wurde nach ihrer eigenen Erzählung gestern abend von einem Eindringling überfallen, niedergeschlagen und betäubt. Am Montag abend waren die Wohnungsinhaber ausgegangen und fanden, als sie um 9 Uhr abends heimkehrten, Gertrud halb betäubt auf einem Sofa liegen. Das Mädchen klagte über schwer� Kopfschmerzen und Herzbeklemmungen. Sie gab an, daß es an der Wohnungstür geklopft habe und daß, als sie öffnete, ein fremder Mann davor gestanden habe. Dieser Mann sei mos- kiert gewesen und habe ihr einen so heftigen Stoß versetzt, daß sie zu Boden gefallen sei. Dann müsse er ihr«inen mit einem Bctäu- bungsmittcl getränkten Lappen auf das Gesicht gelegt haben, denn an weiteres könne sie sich nicht erinnern. Sie wisse deshalb nicht, ob der Fremd« die Wohnung durchsucht oder was er sonst gewolli habe. Das Mädchen wurde nach dem Krankenhaus in der Rubens- stroße gebracht. In der Mahnung wurde keine fremde Person gefunden, es ist anscheinend auch nichts gestohlen. Die Kriminal- polizei in Schöncberg hat eine Untersuchung eingeleitet. Es ist nicht ousgeschlossen, daß der Uebersall auf eine Angstphantasie der Sieb- zehnjährigen zurückzuführen ist. tür ilie?eil vom 4. bi» 6. November T A F ©lOQ Potsdamer Strafe 38 W. 5. 7, 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Verlängert! Eine Tonfilni-Operette: Oie Drei von drr T ankstcllc jugendliche haben Zutritt Rheinstralje 14 Kelche) W. ab 5.15 Uhr Stg. ab 3.15 Uhr Es gibt eine Fran, die dich niemals vergitzt.— Die keusche Kokotte mit Maly Dclschaft, Otto Gebühr U Cfiarlottenburg W Kant-Lichtspiele Kantstr 54.(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5; 7, 9.05 Uhr Stg 3, 5. 7, 9.05 Uhr Tonfilm: Der keusche Josef mit H. LIedtke, E. Brink— Beiprogramm Odeon, PotsdamerStr.75 W, 5, 7, 9 Uhr Stg.«b 3 Uhr Das Kabinett des Dr. Larifari (1000 Worte Ulk) mit Max Hansen, Paul Morgan, Karl Jüken Turmstrahe 12 W. 5, 7. 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Verlängert! Das Lied ist aus mit Liane Haid« Willy Forst Ein Schiff streicht durch die Wellen Alexanderstr. 39-40 (Patsa�e) Den ganzen Tag geöffnet' Hokuspokus(Ein Kriminaltonfilm) mit Lilian Harvey, Willy Fritsch a Westen W Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretcnstr. Aafa-Tonfilm: Leutnant warst du einst bei den Husaren mit Georg Alexander, Gustav Dlehe Franziskaner OeorgenstraBe(Ecke FriedrichstraBe) II. 2. 5, 8, 11 Uhr Fleck auf der Ehr' nach Anzengruber 12. 3. 6, 9 Uhr Neoeite Kultur- und Wocfaeiudian Tonfilm-Tanznumtner: Der gehelmaUvoUe Kammerdiener 1. 4, 7, 10 Uhr Gefuhren der Brau! zeit Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 W. 5. 7, 9 Uhr Sonnt, ab 3 Uhr(Jugendvorslellung) Tonfilm: Die Linden wirllnm Dorsch. H. H, Bollmann— Tanzende Linien Atrium Beb«.p«l
    erg"k Titania Schönebg. � äb' Hauptstraße 49 lOOproz. Tonoper.; Die Drei von der Tankstelle m. L. Harvey, W. Fritsch Tonwoche Die Kamera Unter den Linden 14 3, 5, Täglich 5. 7. 9 Uhr Die Welhergeschichfen de* Captaio Lasb.— Emil und aefaiemihi unter Mensebentreuern c Moabit Artushof-Lichtspiclc P.ritberger SuaBe 29 Film- nnd BOhnenidian Man•nteU nicht mit der Uebe I wTKrui mit Bühne: Km*. Gro*e» - Wochmendfahrt Fiim-Paiasi Kammersäle Teltower Str. 1 W. 5, 7. 9, Stg- ab 3 Uhr Tonlustspiel: Pension Schöller mit J. Tiedtke, Kampers Mlcky Maus Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 Wochent. 6.45, 9. Sonnt, ab 3, 5, 7, 9 U. Farbentonfilm und Orchester! Der Jazzkönlg mit Paul Whiteraan Tönende« Beiprogramm Auf der Bühne: Paul Corburg. der bekannte Kompo- nistendaisteller mit eig. Orchester Alhambra Hauptstr. 30 Tonfilm! Die Nibelungen(beide Teile in einer Vorstellung) Jugendliche haben Zutritt Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W. 7.9. So. ab 5 Uhr Tonfilm: Skandal um Eva mit Henny Porten Beiprogramm Ste9llt* Titania-Palast ItlÄm Steglitz. Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr Leutnant warst du einst bei den Husaren.— ab Mittwoch: Pension Schöller.— Tonwoche Zeli Wochentaes 6 30, 9 Uhr Sonntags 5, 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 50 Stg.2.30 Jug.-Vorst. Das Schweigen Im Walde mit Wilhelm Oleterle. Der tolle Ozeanflieger Wochentg ab 7 Uhr iVt■» Ii Mariendorter Tia-L>1 Lichtspiele Chausseestraiie 305 Kriminal-Tonfilm: Der Tiger Beiprogramm— Bühnenschao TivOÜ Berliner Str. 97 100 proz. Tonfilm: Der keuMhe Joaef mit Elga Brink, H. Uedtka— ToafUmbetprogr Südwesten Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. 5. So. 3 U 2 Großfilme: Das k. u. k. Ballett- mädel mit Dina Gralla Der Kampf um die Frau Th. am Moritzplatz Beg: Wtg. 5, 6.30, 9 Uhr Stg. ab 4 Uhr Tonfilm: Kabinett des Dr. Larifari mit Max Hansen, Paul Morgan. Jökcn Duell in den Lüften m. M. Christians Mercedes- Palast HermannsfraBe, Ecke JägerstraBe Anfang: Wchtgs. 6.45, 9. Stgs. 3. 5, 7. 9 U. Tonfilm: Zwei Wellen Regie E. A. Dupont Bühnensdhao Kukuk Wochent. 6,45, 9 U. Sonntags 3, 5, 7, 9 U. Kottbusser Damm 92 Kriminal-Tonfilm: Der Greifer mit Man* Albers Micky bei der Feuerwehr Wochent 6.45. 9 U. fcxcelstor Sonnt 3, 5, 7, 9 u. Käiser-Friedrich-Straße 191 100 proz. Tonfilm! Die Linden Wirtin mit Käthe Dondi Beiprogramm Stern, Hermanmfrafze 49 Wochentags 6 45, 9. Sonntags 3, 5.7. 9 U. 100 proz. Tonfilm: Unter den Oöchern von Paris mit A. P£jcan, P. Illory Micky Maus Filmeck Skalitzer StraBe, am Cörlitzer Bahnhof Beginn Wochentags: 6 30 und 9 Uhr Sonntags: 3, 5, 7, 9 Uhr. Verlängert Da* Lied Ut au* mit Uianc Haid. Willy Foni Luisen-Theater Reichcnberger Str. 34 Anf. W: 6 30 u. 9 U. Stg. 3, 5, 7. 9 U. Verlängert Da* Lied i*t an* mit Liane Haid, Willi Fer>t Bfibnen,«bau Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Beginn der Vorstellungen: Wochtgs.6.30, 9 U. Sonnt 3, 5, 7. 9 U. Greta Garbo in dem großen stummen Film Der Kuh Musikalische Leitung; Kapellmeister Arthur Steinke Grobe BOhnenxban Urania Tonfilm Varieti W 6 45, Stg 5 U Wrangalstraßc 11(a.d. Köpenicker Str.) Don Manuel der Bandit Die Liebe eines Mönches Bühncnschau Sternwarte- Treptow Di. 4., 8 U.: Boten an, den Himmel»- räumen, Vortrag mit Lichtbildern Dir. Dr. Archenhold Mi. u. Do. 8 U.: Eine Fncfa*fagd auf S Osten V Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Beginn der ersten Vorstellungen: Wochcnig. 6 30, Sbd.5, Stg 3 Uhr d Tonoperette: Der Liebeswalzer• Auf der Bühne; Zlgeunerkönig Beraeny, Cymbal- Virtuosin Luna-Filmpalast w.g s u! Gr. Frankfurter Str. 121 Tonfilm: Wie werde ich reich und giackticb.- Bühne: Holländer Trio, musik. Bilderbogen Schwarzer Adler am"« Woch. 5, 7. 5.45. Stg. 3, 5. 7, 5.45 U. Lumpenball mit Georgia Lind. Frl z Kampers, Harry Frank Beiprogramm Comenius-Lichtspicle Memeler Straße 67 W. 6 30. 9, S ab 5 U M&dcl aus U. S. A. mit A. Ondra Der Schrei aus dem Tunnel T onbeiprogramm Concordia-Palast Andreassir. 64 W. ab SU.. Stg. ab 3 U. 100 proz. Tonlustspiel; Die zlrtlcben Verwandten mit Ralph A.~ Böhne: Rhönrad der Luft Viktoria Lichtbild Th. Frankfurter Allee 48 100 proz. Tonfilm Woch. 5. 7, cä 8.45. Stg. 3. 5, 7. 8.45 U Lumpenball in. F. Kampers, H.Frank. Georgia Lind Beiprogramm ÄlllAmhr/« Woch. ab 6 30 Uhr. /Amamora Sonnt, ab 4 Uhr Koppenstraße 29 Bühnenschao Zarte Schultern mit La Plante. Zeugen gesucht mit Eddie Polo Tonwoche G Neu«U