Morgenausgabe 519 A 261 47.Iahrgang Wöchentlich SS Pf. monatlich S.60 TL Im voraus zahlbar. Postbezug AJ52 M. •tnjchlif felid. 60 Pfg.Postzeiwngs- und ?2Ljg. Poft�estellgebühren. Ausland»- abonnement 6.— M. pro Monat. * J)er„iöortvdrts* erfcheim Wochentag- l'ch zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgaben Mir Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend" Illustrierte Beilagen.Volk und Zeit" und.Kinderireund". Ferner .Frauenstimme" Technik"..Blick in die Dilchenoelt"..Iugend-Vorwätt»� und»Stadtbeilage-. tr*>». Verttner Soitsvlatt Mittwoch 5. November 1930 Groß-Lerlin 10 Pt Auswärts 15 pf. ?ie r i n l p o l t» g e NonpareiUezeil« 60 Pfennig. Reklame eile 5,— Reichsmark.„Kleine Anzeigen' das ettge- druckte Wort 2b Pfennig(zuläjfig zwei fettgedruckte Worte), ledes wettere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, fedes wettere Wort iü Pfennig. Worie über 15 Buchstaben zählen für zwei Worie Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. 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Um �410 Uhr vormittags erschien im sozialdemokratischen Parteihaus in Wien ein starkes Polizeiaufgebot und wies dem Obmann des Repnblika- nischen Schutibundcö, dem Genossen Heinz, einen Polizei- anftrag zur Durchsuchung des Hauses vor. Der Auftrag war nicht, wie das Gesetz vor- schreibt, vom Gericht ausgestellt. Genosse Heinz protestierte gegen diese gesetzwidrige Haus- suchung. Da aber der Polizeibcamte darauf bestand, wurde ihm freigegeben, die Haussuchung vorzunehmen. Es wurde nun das ganze Partcihaus vom Keller bis zum Boden durchsucht. Im Keller wurden auch Mauern durchbrochen und Kriminalbeamte krochen durch die Löcher, um sich zu überzeugen, daß in den Mauern nichts verborgen ist. Die Aktion im Parteihaus dauerte bis gegen ein llchr. Um dies« Zeit zog die Polizei ab. ohne auch nur die Spur einer Waffe gefunden zu haben.. Zur gleichen Zeit erschienen größere Polizeiaufgebote auch in den Arbeiterheimen der einzelnen Bezirke und in einer ganzen Reihe von Pa r t ei s e k r et a r i a t e n, wo überall die Kanzlei- räum«, Schreibtische und die ganzen Häuser durchsucht wurden, ohne daß auch nur irgendeine Waffe gefunden worden wäre! In der Provinz wurden überall unter riesigem Militäraufgebot mit Ma- schinengewehren und Gendarmerie die Durchsuchungen vor- genommen. 3n Wiener-Neustadt befindet sich seit der Burgenlandkrise in I Verwahrung der Gemeindeverwaltung im Rathaus eine größere Aazahl von Wassen, die unter gemeinsamem Verschluß der Vertrauensmänner der Sozialdemokralen und der Christlich- Sozialen standen. Als am Dienstag früh Gendarmerie und Staatspolizei erschien und die Auslieferung der Waffen verlangte, erklärte der svzialdemo- kratische Bürgermeister Ofenböck, daß er ohne Austrag der L a n» desregierung die Waffen nicht ausfolgen könne. Er verlangte, daß der christlich-foziale Landeshauptmann Dr. Buresch befragt werde. Der Komnwndont der Gendarmerie erklärte aber, «r habe einen höheren Auftrag als von der Landesregierung. Nun wurde das Lokal gewaltsam ausgebrochen und natürlich mir die Waffen gefunden, von denen sowohl die Landesregierung als auch die Bundesregierung wußten. Während dieser Amtshand- lung im Rathaus in Wiener-Neustadt war in der ganzen Stadt Militär aufmarschiert, Maschinengewehre waren vor dem Rathaus aufgestellt, die Telephonzentrale war von der Bundespolizei besetzt und alle Gespräche aus dem Rathaus wurden überwacht. 3n St. Pölten wurde sogar das siinderfreundeheim noch Waffen durchsucht, allerdings vergeblich. Dort wurde auch im Garten nach Waffen gegraben. Einzig beim Arbeiter-Schutzenverein wurden einige Iagdwaffen gefunden, die dem Verein erlaubt sind. Aus ganz Oesterreich werden ähnliche Amtshandlungen gemeldet. In Wien wurde das sozialdemokratische Parteihaus und einige Gasthäuser, in denen Sozialdemokraten oerkehren, besetzt und die Straßen von Militär abgesperrt. Am ärgsten trieb man es in der Steiermark. In Graz waren schon am Montagabend riesige Mengen Gendarmerie zusammengezogen. Nun wurde am Dienstag um sechs Uhr morgens das Parteihaus und das Lokal de» Schutzbundes von Militär besetzt, die Schreibtische erbrochen, aber nichts gefunden. In B r u ck wurde die Wohnung des Landtagsabgeordneten Wal- lisch von der Polizei besetzt und Wallisch gehindert, die Wohnung zu verlosten Aehnlich crgmg es in Leoben, wo in d!« Gebäude der Arbeiter k a m m e r. der Arbeiter b ä ch c r e i usw. eingedrungen und sogar die Fußböden aufgerissen wurden, ohne daß man irgendetwas fand. In Innsbruck wurde ebenfalls das Parteihaus, die Arbeiterbäckerei und die Redaktion dir sozialdemo- kratischen„Bolkszeitung� von Gendarmerie durchsucht. Es wurden einige Gewehre gefunden, die nach den Erklärungen des Tiroler Landeshauptmanns unter die von der Bundesregierung anerkannte Tiroler historische Waffen freiheit fallen. Die ganze riesige Aktion hak mit einer ungeheuren Blamage geendet. Auch die bürgerlichen Blötler stellen die Ersolglosig- kelt fest. Die„Zleue Freie Presse", die durchaus nicht sozialistenfreundlich ist, erklärt, daß wenigstens in Wien der ganze Vorstoß ein ab so- luter Mißerfolg war, und daß es eine einseitige Eilt- waffnungsaktion ist, die vollkommen im Widerspruch zu einer wirklichen Entwaffnung beider Teil« steht. Es müsse auch der ernsteste Zweifel an der Gesetzlichkeit dcr ganzen Aktion gehegt werden. Am Dienstagnachmittag ist der Wiener Landtag zusammen- getreten, in dem die Sozialdemokraten zunächst eine Reihe kon- fiszierter Artikel der„Arbeiterzeüung" und anderer Blätter durch Verlesung immunisierten. Darauf wurde eine Anfrage an den Bürgermeister eingebracht, die sich gegen die Umgehung des Aufniarfchverbots durch die Heimwehre» wendet uiid die Ungesetzlichkeit und Verfastungswidrigkeil der heutigen hans- ducchsuchungea ohu« richterlich«» Befehl darlegt. Eine dritte Interpellation erörtert einen neuen Waffe nschmugget des Innenministers und Heimwehrfiihrers Starhemberg. Das Gesamtergebnis. Wien, 4. November.(Eigenbericht.) Das gesamte Ergebnis der großen Regierungsaktion, die die Sozialdemokraten und ihre Aktion auf innere Abrüstung vor der Leffentlichkeü herabsetzen und die Arbeiter zu Unbesonnenheiten provozieren sollt«, besteht selbst nach christlich-sozialer Dar- stellung in 4000 Gewehren und 20 Maschinengewehren in ganz Oesterreich. In Wirklichkeit sind aber nur 30S0 Gewehre in ganz Oesterreich beschlagnahmt worden, von denen 2000 in Wiener- Neustadt von der Burgenlandkrise her und in Steyer von einst beschlagnahmten Heimwehrwafsen her in paritätischer Verwaltung und der Regierung schon längst bekannt waren, sowie 4 Maschinengewehre, ein für den Riesenapporat geradezu lächerliches Ergebnis, um so mehr, da die in Tirol beschlagnahmten Waffen dem von der Regierung aner- kannten Brauch dcr Tiroler Wasfenfreiheit nicht zuwiderlaufen. Die Leitung des Republikanischen Schuhbundes hat noch heute vormittag den Behörden sehr genaue Angaben über wasfealager der heimwehr gemacht. Die„Sicherheltsbehördcu" haben sich aber geweigert, diese Anzeigen In Empfang zu nehmen. Im Wiener Landtag haben die Sozialdemokraten auch eine Anfrage eingebracht, in der darauf verwiesen wird, daß am Sonnabend und am Montagsrüh von Wien ein« große Menge von Waffen und Zlusrüstungsgegenständen auf der Donau für den Bundesführer der Heimwehr und Minister Starhcmbcrg nach Linz gebracht wurde. -!> Wien, 4. November.(Amtlich.) Innenminister Fürst(diese amtliche Meldung oerletzt die Ver- fassung, die Adelstitel verbietet! Red. d V.) Starhemberg hat die Ausweifung des Majors Pabst ausgehoben, zumal die gegen ihn erstattete Strafanzeige vom Staatsanwalt zurückgelegt worden ist. » Der oberste Führer der Putscharmee, der ISfadze Schloßbesitzer„Fürst" Starhemberg, ist auf Vorschlag des christlich-sozialen Bundeskanzlers Vaugoin vom christlich- sozialen Bundespräsidenten Miklas zum Innenminister ge- mocht worden. Er hat wiederholt öffentlich erklärt, daß die Heimwehr sich auch durch das neue Parlament nicht aus ihren Machtstellen werde verdrängen lassen. Wenige Tage vor der Parlamentswahl läßt dieser Innenminister alle Waffen, die in Gewahrsam von Arbeiterorganisationen sind, durch Militär und Gendarmerie beschlagnahmen— die Waffenlager der Faschisten bleiben unberührt. Arbeiterwaffen sind staatsgefährlich— Heimwehrwafsen sind legal: das ist der Rechlezustand unter dcr Regierung Paugoin-Starhemberg. In der Erkenntnis dieses Zustandes geht das Volk Deutschösterreichs am Sonntag zur Wahl. Brünings Programm. Die Sozialdemokratie hat freie Hand. Die Reichsregierung hat am Dienstag abermals den Reichsrat als Forum für die Bekanntgabe und die Be- gründung ihrer allgemein-politischen Absichten benutzt. Der Reichskanzler Brüning hat das Finanz- und Wirtschafts- Programm der Reichsregierung politisch begründet. Die Sozialdemokratie steht diesem Programm mit stärksten Be- denken gegenüber. Nach wie vor hofft die Regierung, eine Kostensenkung in der gesamten Wirtschaft durch Preissenkung und ein- seitige Steuerherabsetzungen herbeizuführen. Das Wesentliche�dabei ist, daß sie auf Preissenkungen hofft, und nur auf dem indirekten Wege darauf hinzuwirken ver- sucht. In der Frage der Lohnsenkung verhält sie sich, wie frühere Ausführungen des Reichsarbsitsministers Stegerwald und feine Rede im Reichsrat beweisen, weit- aus aktiver und entschiedener. Hier hofft sie nicht nur, hier handelt sie auch! Wir vermissen jedoch eine gleiche Aktivität und tatsächliche Handlungen in der Frage der Preissenkung. Einige kleine Ansätze, so bei. den Kohlenpreisen, ver- mögen nicht, den Eindruck zu erschüttern, daß die Regierung bisher nichts Entscheidendes zur Herbeiführung der Press- fenkung unternommen habe! Aus den Worten des Reichskanzlers geht das Eingeständ- nis hervor, daß vor allem bei den Kosten der Lebens- Haltung bisher nichts Entscheidendes zur Senkung ge- fchehen ist. Der Reichskanzler hat dafür neue Maßnahmen auf agrarpolitifchem Gebiet angekündigt. Er hat sich nicht darüber geäußert, ob diese Maßnahmen die bisher einge- schlagene Richtung in der Agrarpolitik weiter verfolgen wird. Die bisherige Agrarpolitik, die in der Hauptsache Zollpolitik war, hat nicht nur auf ein Festhalten der Agrarpreise, sondern darüber hinaus auf eine Aufwärtsbewegung hinwirken wollen. Das wirtschaftliche Gesamtinteresse erfordert jedoch nicht nur, daß die Zwischenhandelsspanne erheblich gesenkt wird, es erfordert vielmehr eine energische und deutlich fühl- bare Preissenkung beim letzten Verbrauch. Die Programmrede des Reichskanzlers ließ außerdem ein positives Arbeitsbeschaffungsprogramm vermissen. Man kann darüber hinaus ausser Erklärung des Kanzlers, daß die Regierung zunächst keine Einzelmaß- nahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vorlegen wolle, den Schluß ziehen, daß die Reichsregierung zunächst auch dem preußischen Arbeitsbeschaffungsprogramm, das von weitesten Kreisen der Bevölkerung gebilligt wird, nicht näherzutreten wünscht. Die Stellungnahme, die das neue Programm dem Wohnungsbau gegenüber einnimmt, ist gleichfalls nicht geeignet, der Massenarbeitslosigkeit entgegenzuwirken. So beruht die Gesamtheit dieses Programms im weseni- liehen auf Hoffnungen. Auf der Hoffnung, daß durch in- direkte und psychologische Einwirkungen die Preissenkung von selbst in Gang kommen möge und auf der Hoffnung, daß die Senkung einzelner Steuern zu einer Belebung der Wirt- schaft aus sich selbst herausführen möge. Solange die Hoff- nungen nicht von einer aktiven Wirtschaftspolitik begleitet werden, bleiben alle Voraussetzungen für den Aus- weg aus der Krise unsicher. Wenn unter diesen Umstände;'. d£5 Programm glaubt. die Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung vom Reichsetat loslösen zu können, so liegt darin ein sehr starkes Gefahrenmoment! Das Programm der Regierung wird zunächst im Reichs- rat umkämpft sein. Die Interessen der Länder werden dort sehr energisch vertreten werden. Die Interessen der Gemeinden jedoch, in die dies Programm außer- ordentlich stark eingreift, haben im großen und ganzen im Reichsrat keine Vertretung..Die Interessen der Gemeinden aber sind im wesentlichen identisch mit den sozialen Interessen der breiten Massen der Bevölkerung! Um so stärker müssen die Masseninteressen bei der Be- ralung des neuen Programms im Reichstag vertreten werden. Die sozialdemokratische Reichstage- f r a k ti o n ist diesem Programm gegenüber in ihrer Stellung vollständig frei. Sie wird sich bemühen, die Interessen der breiten Massen des Volkes zu wahren, Verbesserungsvor- schlüge durchzusetzen und das Beste aus diesem Programm zu machen. Ihre Berbesserungsversuche werden, wie die letzte Entschließung der Deutschen Bollspartei erkennen läßt, auf große Widerstände stoßen. Bon rechts her wird der Versuch unternommen werden, noch einseitiger die Unternehmer- 'Äeresien gegenüber den Interessen der breiten Massen der Bevölkerung herauszuarbeiten. D!e sozialdemokratische Reichs- lagsfraktion wird in dem Ringen um die Verbesserung des Programms ihre ganze Kraft einsetzen, sie ist bereit zur Ab- wehr wie zum Angriff! Grzesmski Polizeipräsident. Zörgiebe! in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Das Preußische Staatsmiuisterium hat am Dirnstag beschlosss», de» Staatsmiuister a D. Grzesiwski zum 'Holizeipräfideuten von»Berlin zu ernennen. Der bis- herige Polizeipräsident von Berlin, Zörgiebel, ist in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. «- Es ist aufs lebhafteste zu begrüßen, daß sich Genosse G r z e s i n s k i für das schwere Amt des Polizeipräsidenten von Berlin zur Verfügung gestellt hat. Mit S e v-e r i ir g als Innenminister Preußens, mit Grzesinski als Polizei- Präsidenten der Reichshauptstadt sind die stärksten Garantien dafür gegeben, daß der kommende Winter nicht noch mehr Elend bringt, als die wirtschaftliche Not schon an sich im Gefolge hat. S e v e r i n g und Grzesinski sollen dafür sorgen, daß es keinen Bürgerkrieg gibt. Das ist der Sinn ihrer Berufung. � Genosse Z ö r g i e b e l, der in den einstweiligen Ruhestand tritt, gewiß aber bald einen seinen hohen Verdiensten und Fähigkeiten entsprechenden Wirkungskreis finden wird, hat sich während der Jahre seiner Berliner Wirksamkeit in den weitesten Kreisen der Berliner Bevölkerung Achtung und Sympathie erworben. Wer sein Wirken von der Nähe zu verfolgen Gelegenheit hatte, weiß, daß Menschlichkeit und der Wille zu helfen und zu schützen, stets seine leitenden Gesichtspunkte waren. Dank und beste Wünsche aller ver- nünftigen und anständigen Berliner werden ihn in seine neue Tätigkeit begleiten. Kuliurkrisg Prag-Berlin? Unerwünschte Wirkungen einer Ministerrede. Als der deutsche Außenminister, Herr Dr. C u r t i u s, vor einigen Tagen im Reichsrat seine bekannte Erklärung über die Prager Straßenkrawalle abgab, war er sicher des Glaubens, er würde damit der Sache des Deutschtums in der Tschechoslowakei einen guten Dienst erweisen. Leider ist— und das hätte ihm jeder Kenner der Verhältnisse voraussagen können— die entgegengesetzte Wirkung einge- treten. Bekanntlich ist das Deutschtum seit Jahren durch ver- schiedene Parteien, gegenwärtig auch durch die Sozialdemo-; kratie, in der Prager Regierung Vertreten. Und daß sich diese � Regierung in der Angelegenheit der Straßenkrawalle loyal! verhalten hat, kann nicht gut bestritten werden. Aber auch � die große Masse des tschechischen Volkes kann man gerechter-! weise für die begangenen Ausschreitungen nicht verantwort- lich machen. Regierung und Volk sind an den eingeschlagenen> Scheiben in Prag ebenso wenig schuld, wie die Regierung Brüning-Eurllus und das deutsche Volk an den zertrümmerten Schaufe'nstsrtt in der Leipziger Straße in Berlin. Die deutschen Tonfilme waren in Prag unter stürmischem An- hrang des tschechischen Publikums gespielt worden, bis irgend- eine im dunkeln wirkende Stelle— man sprach von der amerikanischen Konkurrenz—, einige Pöbelhaufen gegen die Kinotheater hetzte. In der Eegenbewegung gegen diesen Skandal, die sofort einsetzte, hat die tschechoslowakische Sozial- demo�ratie die Führung gehabt, was ihr auch in deutschen Kreisen hoch angerechnet wurde. In deutschen Kreisen der Tschechoslowakei dedauert man, daß der Minister Dr. Curtius falsch unterrichtet war und die Leute um B a x a und K r a m a r s ch viel zu ernst genommen hat. Sie sind keineswegs die berufenen Ver- treter der tschechischen Nation, die gerade in ihren geistigen Spitzen mit der deutschen Kultur enge Verbindung hält. Deutsche Schauspiele und Opern werden auf tschechischen Bühnen aufgeführt, deutsche Bücher in tschechischen Buch- Handlungen verkauft oder auch zahlreich ins Tschechische über- setzt. Am 28. Oktober, dem tschechoslowakischen Staatsfeier- tag, wurden verschiedene deutsche Künstler und Künstlerinnen mit Staatspreisen ausgezeichnet, die sie natürlich auch an- nahmen. Daß das Deutschtum in der Tschechoslowakei noch viel zu tun und zu kämpfen hat, um seine volle nationale Gleichberechtigung zu erringen, bedarf bei alledem nicht der näheren Ausführung. Wer eine Verschlechterung des Verhältnisses zwischen der deutschen und der tschecho- slowakischen Republik und ein Kulturkrieg zwischen Berlin und Prag könnten dem Deutschtum in seinem berechtigten Streben nichts nützen, sondern nur schaden. Es ist daher dringend wünschenswert, daß an die Stelle des angekündig- ten Kmltur k r i e g s ein wohlfundierter Kultur frieden tritt, der ein besseres Sichverstehen und einen intensiveren Austausch der Kulturgüter zwischen den beiden Nationen mit sich bringt. Hello Gerlach gefährdet die Ordnung. slkrict verbietet deshalb seine Versammlung. Weimar, 4. November.(Eigenbericht.) Im Dienstagabend 8 Uhr sollte Helmut von Gerlach in einer össentlichen Versammlung ln A l t e n b u r g über das Thema iprechen:„Ist die deutsche Republik bedroh t?" Die Versammlung war einberufen vorn Reichsbanner, Gewerkfchaftskar- tell, der deutschen Friedenzgesellschaft' und der Sozialdemokratischen Partei. F r i ck hat diese Versammlung aus Grund ß 3? der Landes- permaltungpordnung von Thüringen verboten. Dieser Paragraph besag!:„Dix Verwaltung hat als Polizei die Aufgabe, der Gelamr? seit oder dem einzelnen bevorstehende Gefahr abzuwehren, durch die die öffemliche Ruhe. Sicherheit oder Ordnung gestört wird." � Daß diese Anwendung einer Polizeibestimmung einen offenen Mißbrauch seines Amtes bedeiuet, ist dem Nazi- Frick natürlich vollkommen klar. Er geht aber daraaus aus, dir Republik und ihre Einrichtungen durch Mißbrauch ner- ächtllch zu machen. Deshalb ist er es, der die öffentliche Ruhe, Sicherheit oder Ordnung stö rt, nicht der Versommlungsrednor. Es ilt notwendig, daß man gegen solchen Polizeimivister die republikanische Verwaltungsordnung zur Anwendung bringt, damit er nicht nach größeren Unfug treibt. Kränzen auf der Anklagebank. Sturm im Vraunschweigifchen Landtag.— Oeutfchnationale decken dieZustizperle. Braunschweig. 4. Novsrnber.(Eigenbericht.) In der Dienstagfitzung des Braunschweigischen Landtags wurde die sozialdemokratische Groß« Anfrag« über den Fall Franz«n behandelt. Die sozialdemokratischen Abgeordneten Thielemann und Dr. Jasper begründeten die Anfrage und stellten an Hand der bisher zur Veröffentlichung im „Volksfreund" verbotenen amtlichen Bekanntmachungen des Berliner Polizeipräsidiums fest, daß der b ra u ns ch w e i gifch« Polizeiminister die Berliner Polizeibeomten irregeführt habe. Alle Versuche, die Angelegenheit als Tages- klatsch crbzutun, wie es die bürgerliche Presse in Braunschweig versuche, feien gescheitert. Wenn Dr. F ranzen wirklich den ganzen Sachverhalt aufklären wollte, dann hätte er den verantwortlichen Redakteur des„Bolksfreundes" wegen Beleidigung verklagen müssen. Das hätte er nicht getan, deshalb müsse man sein« Haltung als ein Kneifen bezeichnen. Bezeichnend sei auch sein schnelles Verschwinden aus dem preußischen Iustizdienst. Das habe er nur getan, um einem unangenehmen Diszlplinarversohren zu entgehen. Minister Dr. Franzen glaubt wohl selbst nicht daran. daß er in Braunschweig eine Lebensstellung haben würde.(Hier ruft ein nationalsozialistischer Abgeordneter:„Doch, bestimmt!"— worauf große Heiterkeit im ganzen Hause enlsteht.) Minister Dr. Kuechenthal gab eine Erklärung ab, worin die Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion in dem ersten Teil, wo gesraest wird, ob Franzen bereit sei, sein Amt nieder- zulegen oder sich wenigstens bis zur Entscheidung über� das Strafversahren oller Dienstgeschäfte zu enthalten, mit einem Nein beantwortet wird. Aus die zweite Frag«, welche Folgerungen das Staatsminffterium aus dein Derhalisn des Ministers Dr. Franzen zu ziehen gedenkt, antwoltet Dr. Kuechenthal, das Staatsminrsteriuin könne zu der Angelegenheit erst dann Stellung nehmen, wenn ein« abschließende Beurteilung möglich wäre. Der Minister erläuterte dann eingehend seine Bemühungen, mit Dr. Franzen, der während der ganzen Zell in Berlin geweilt habe, eine Verständigung über die Vorgänge herbei- zuführen. Als er nach Braunschwcig znrückgekommen sei, wäre der braunschweigische Gesandte in Berlin beaustragt worden, bei den zuständigen Stellen um möglichste Beschleunigung der gerichtlichen Klärung der Angelegenheit, insbesondere des Falles Guth zu bitten. Daran habe dem Minister Franzen selbst gelegen. Bis heute sei das Aktenmaterial der preußischen Regierungsstellen dem Staats« Ministerium in Braunschwcig nicht zur Dersügung gestellt worden. Dr. Iacsp« r(Soz.) etilärte, die Antwort des Mintsters könne in keiner Weife befri edigen. Das Berhalten des Ministers Dr. Franzen könne nicht mit einem parlamentarischen Ausdruck bezeichnet werden. Minister Dr. Kuechenthal machte hier eine Zwischenbemerkung, aus der zu erkennen ist, daß er von dem Berhalten seines Minifterkollegen Dr. Franzen abrückt und sich dessen Auffassung Über das Verbleiben im Amt nicht zu eigen macht. Er, Kuechenthal, habe lediglich einen Beschluß des Stoatsminlsteriums wiedergegeben. Es:st unver- kenntbar, daß dieser Beschluß gegen die Stimme Kuechenthals zu- stand« gekommen ist. Bekanntlich besteht das Staatsministerium aus zwei Mitglieder», Franzen und Kuechenthal! In der dann fortgesetzten Debatte kam es zu h e f t i g e n Zu- sammen stoßen zwischen den nationalsozialistischen Rednern. die einen verzweifelten Ablenkungsoerstich machten und der Sozial- demokratie alle möglichen Korruptionsfölle vorwarfen, und den Sozialdemokraten. Wiederholt nahm die Sitzung tumultartigen Charakter an, wobei es Ordnungsrufe hallte. Der volks- national« Abg. Schräder, der mit seiner Stimme für die Rechtsregierung in Braunschweig die Entscheidung gibt, bedauert, daß Franzen nicht so viel Takt beweise, sein Amt. solange das Verfahren schwebt, zur Verfügung zu stellen. Im weiteren Bertaus der Sitzung nahm Franzen das Wort. Er behauptete, daß gerade er es gewesen, wäre, der alle Schritte zur schnellsten juristischen Klärung der Angelegenheit tmter- nommen habe. Er verwahrte sich gegen die Erklärung seines eigenen Rechtsbeistondcs, Dr. S a ck- B e r l i n, wonach er irgend- welche Anweisung gegeben habe, das am Mittwoch in Braun- schweig anstehende Verfahren lediglich auf formal« Dinge zu beschränken. Er persönlich habe das größte Interesse daran, daß alle tatsächlichen Feststellungen zur Klärung der An- gelegenheit getroffen werden könnten. Er habe gehört, daß das Berliner Polizeipräsidium die persönliche Anwesenheit des Polizei- majors Heinrich und' der anderen Polizeibeamten gestattet hätte. Dadurch fei eine Gewähr gegeben, daß alle Dinge geklärt iverden könnten. Der Vertreter der bürgerlichen Einheitsliste gab eine Erkläning ab, wonach sie nicht in ein schwebendes Verfahren eingreifen wollten und den Gerichten Vertrauen zu einer gerechten Entscheidung geben. Nach lebhaften Auseinandersetzungen, in denen die sozial- demokratischen Redner die wüsten persönlichen Angrifs« zurückwies cn, oertagte sich der Landtag. Frankreich will Frieden. Linkskurve in der Kammer. Varl». 4. Nooember.(Eigenbericht.) Die Erössrwng de? Herbsuagung des Parlamentes stand unter dem Zeichen tiefer Mißstimmung. Weder die innen- noch die außenpolitische Lag« sind danach angetan, Optimismus zu erzeugen. Di« Verschärfung der Wirtschaftskrise, die unaufhaltsam steigende Teuerung, der große Krach cm der Börse, die Hetzreden Mussolinis, die sctzchiskischen Umtriebe in Oesterreich und die Hitler-Gefahr in Deutschland stellen Regie- rung und Parlament vor immer neue schwere Probleme. In der allgemeinen Verwirrung hat nur die Link« eine deutliche Marschlinie vor sich. Der sozialistische„Pojmlaire" veröffentlicht einen drohenden Ausruf gegen die nationalistischen Kriegshetzer. Gleichzeitig hat die radikale„Republigue" D a lad i er s eine Sondernummer über die Geiahr eines neuen Krieges ausgegeben. Die Stellung der französischen Linken in der außenpolitischen De- batte ist damit von vornherein klar. Die Eröffnungssitzung begann mit einer kleinen Demonstration. Der Einzug der Regierung vollzog sich unbemerkt, ohne den üblichen Beifall. Briand,-der nach langen Wochen der Krankheit zum erstenmal wieder in der Oeffentlichkeit erschienen war, ist sichtlich gealtert, bleich und müde. Lebhafter Beifall ans der ganzen Linken begrüßte den neu- gewählten kriegsblinden Abg. Thiebaull, der seinen lvohlkampf mit der Parole geführt halte:„Wer für Tardieu stimmt, stimmt für den Krieg!" Gleich die erste Abstimmung Über die Frage, ob die außen- politische Ausspräche sogleich oder erst am Donnerstag beginnen soll«, bringt der Linken einen überraschend großen Sieg: die ge- samte Loucheur-Gruppe und etwa zwei Dutzend sonst treuer Ge- solgsmänner der Regierung stimmen mit der Linken für die sofortige Diskussion. Der patriotische Borsprecher, Abg. Franklin. Bouillon, der als erster aus der Tribüne erscheinen soll, tritt einen kläglichen Rückzug an. Er habe seine Akten zu Hause gelassen, ent- schuldigt er sich, und könne daher noch nicht sprechen! Die gleiche Erklärung gibt auch der kriegsblinde Abg. Scapine von der Mopin-Gruppe ab. So spricht der radikal« Abg. F ra n? o i s Albert als erster: Er wolle nicht so handeln wie sein« beiden Vordermänner, erklärte er, die ihre patriotischen Besorgnisse ans Donnerstag hätten vertagen wollen. Er halt« dl« Gefahren der nationalistischen Kriegshetze für zn groß. als daß auch er sich hinter diesen Vorwand verschanzen wolst«. Mit beihendean Spott überschüttete er die Rechte, di« zwar immer die Politik Briands mitgernocht. die Locarno-Derträg» und den Ponng-Plan genehmigt und selbst die Rheinlavdräumung hinge- nwrnnen hob«, gleichzeitig aber ganz Frankreich mit ihren„patrio- tischen".Klagen erfüllt Hab«. Dies« Zwiespalt igkest und Doppel- zünzigkest sej auch in der Haltung des Ministerpräsidenten T s r- die» zu bemerken, der sich m seinen offiziellen Reden mit Briand solidarisch erkläre, ihn ober in der ihm treu ergebenen Presse aus? schamloseste angreisen lasse. Abg. Fransois Albert fährt fort, das Ministerium Tardieu fei keineswegs von jenem„Einigungskoefffzienten" beseelt, den Tardieu in einer seiner letzten Reden gepredigt habe Tardieu sei ge- nötigt gewesen. Briand in fein Kabinett auszunehmen, w»il dessen Ansehen und Einfluß größer sei als der feine und weil das französische Volk sein« Friedenspolitik verlange. Aber Tardieu Hobe es mehr gegen seinen Willen getan. Der Abg. Marin,«inst mit Briand im gleichen Kabinett gesessen, Hab« ihn neuerdings in der Presse als den„schlechtesten Außemnurrster, den die französische Republik je gekannt habe" bezeichnet. Tardieu müsse noch ein Pressemmisterium gründen; damit solche Unstimmig leiten nicht in die Oeffentlichkeit dringen. Zum Schluß geriet Franavis Albert noch in ein« Ansrtnanderfehnng mit dem reatllonären Abg. Scaplni(Marin. Gruppe), der erklärte, die Rechte sei gegen Briand nur, um die Linke zu ärgern. Frcmcois Albert nagelt« dieses merkwürdig« Geständnis sofort fest: die Rechte oerrate also dos nationale Interesse, nur um ihr« innen- politischen Gegner zu ärgern! Scapini wieberholte, Hauptsorge der Reaktton sei, die Bildung eines Linksministeriums zu verhindern. Die Debatte wurde damit auf den nächsten Donnerstag vertagt. Zum Schluß kam es noch zu einer kurzen Auseinandersetzung, als der kommunistische Abg. B ertön die Amnestie für Ma rty und D u c l o, fordert«, die seit ihm Wahl im Gefängnis sitzen und ihr Abgeordnetenmandat noch nickst ausüben konnten. Der elsossische Abg. Walther verlangt« die Amnestierung der einst in Kolmar verurteilten elsöfsischen Autonomisten. Vertrauen zu Leon Blum. Paris. 4. November.(Eigenbericht.) Die sozialistische Kammerfrartion hat Leon Blum, der in der letzten Zeit vielfach das Opfer erbärmlicher Attacken der Rechts- presse war, die zuweilen in wahre M o r d a u f r u f e ausarteten, ihr vollstes Vertrauen ausgesprochen. In der Kammer bedrohte der Chefredakteur der nationalistischen „Libertä" Leon Blum des öfteren mit standrechtlicher Ex- s ch i« ß u n g! Der sozialistisch« Abg. Grumbach beschuldigte den Chefredakteur der.Liberi«", das gleiche Spiel zu treiben, das 191 l zu dem Attentat auf Iaurä- geführt habe. Di« Auseinander» sehung wurde jo erregt und h a n d g r e i s l i ch, daß die Parlaments- diener schlichtend eingreijen mußten. pilsudskis Wahlfälschung. Oer olle Terrorist verfolgt jetzt Sas eigne Volk. Warscha». 4. November.(Eigenbericht.) Am Montag wurde» in Neustadt in Pommerelle» neu» Deutsch« verhaftet, die führende» Anteil an der deutschen Wahlbewegung genommen haben, unter dem Borwand, in ihrer Wahlpropagauda staatsfeindlich« Agitation getrieben zn haben! Unter den Verhafteten ist auch«in deutscher SefmkajnJfcidot. Im Wahlkreis Samter- Ezarnikau, Bezirk Posen, wurde durch Schikane der Behürde«. der deutsche» Lifte ein« ander« Nummer ver- liehen, so daß sie nicht der Staatsliste aageschlossea werden kann, und die Gefahr besteht, daß etwa 20 000 deutsche Stimme» verlorengehe». Aehnlich wurde auch in andereu Wahlbezirke« vorgegangen, wo außerdem noch zahlreichen deutschen Wählern ihr Wahlrecht, das sie bisher ausgeübt hatten, aberkannt wurde. Tie Wahlvorschlägc des Linksblocks sind bisher in 14 Bezirken für ungültig erklärt worden, wodurch allein dieser Block schon vor den Wahlen einen Bcrlnst vpn etwa 80 Mandaten zn verzeichnen hat. i Arbeiterregierung gesichert. Lloyd George kein Tory-Haadlanger. Loodo», i. Novsmber sEigeuKeÄcht.� 5" d« Debatte über den konservativ«» Mißnauensanrrag ergriff am Dienstagnochmittag Lloyd Georg« das Wort. Am Morgen hatte er bereits in den Tageszeitungen sein neues großes Programm zur Arbeitsbeschaffung und zur Reorganisation der Wirtschaft veröffentlicht: sein« Rede war hauptsächlich eine Vegrün- düng dieser Vorschläge. Sie bewegte sich im Rahmen des vorjährigen liberalen Wahlprogramms mit der einzigen Aenderung, daß Lloyd George jetzt nicht mehr erklärt, die Arbeits- losigkeit beseitigen zu wollen. Er will das Programm noch„anpacke n". Und um das zu tun, verlangt er zunächst eine Anleihe von 2Sl> Millionen Pfund, mit denen er im ersten Jahr 700 000 Menschen Arbeit beschaffen will, durch Wege- und Häuser- bauten, Elektrifizierung, Ausdehnung des Telephonnetzes und land- wirtschaftliche Siedlungen. Diese sollen 100 000 neuen Sauern« samilien Grund, Soden und Haus geben. Als Voraussetzung für die Reorganisation der Industrie fordert das liberale Programm eine Steuerermäßigung von mindestens zehn Pro- -ent und staatliche Finanzhilfe zur Rationalisierung der Sctriebe, ferner engere Zusammenarbeit von Sanken und Industrie unter Führung des Handelsministeriums. Daraus hielt Lloyd George eine scharfe und gründliche Abrechnung mit den konservativen. denen er die Hand zum Sturz der Arbeiterregieruug nicht reichen ivolle. Die Liberalen würden nicht für den konservativen Miß- lrouevsankrag stimmen und neutral bleiben; sie wollten der Regierung jede Möglichkeit zu einer konstruktiven Politik gewähren. Transportminister Herbert Morrison anerkannte das Se- mühen der Liberalen um die Lösung der Wirtschaftskrise, während die konservativen nichts anderes zu sagen wüßten als hohle Phrasen. Das liberale Programm ähnele in vielen Punkten den von der Regierung bereits in Angriff genommenen Maßnahmen, und deshalb sei die Kritik Lloyd Georges nicht stichhaltig. Wir haben nichts.zu entschuldigen, rief Morrison unter stürmischem Seifall der Arbeiterpartei. In den ersten 12 Monaten unserer Regierung haben mir 50 Millionen Pfund für Notständsarbeiten ausgegeben, bis Jahresende werden wir insgesamt 220 000 bis 250 000 Erwerbslosen neue Arbeitsgelegenheit gegeben haben. In den VA, Iahren konservativer Herrschast hat die frühere '.icgierung insgesamt nur 25 Millionen Pfund für Notstandsarbeiten ausgegeben. Morrison beruft sich zum Schluß aus die Ausführungen des Handelsministers Graham am Montag, der mit Recht den Kapitalismus als den olleinigen Urheber dieser furchtbaren Wirtschaftskrise bezeichnet hat, und auch«r wiederhole, daß nur der Sozialismus den einzigen und wahren Ausweg aus der Wirtschaftskrise bringen könn«. Die Konkur ienzlädeu. Hsilmagneiifeur Goebbels. Er nimmt nicht Weißkäse, sondern Rlnzinus. In«in«r.streng vertraulichen� Versammlung von Angehörigen Ut SA.-Leut« hat Dr. Goebbels am Montagabend auf allerlei jchrfftliche Anfragen großmündlich geantwortet. Wie der Meister Weißepbsrz weiß auch der Goebbels allerlei Wunderkuren. nur daß- ex im dritten Reich nicht Weißtäse, sondern R h: z i nus als Heilmittel anwenden lassen will. Wenn er»ämlrch, so sagte«r wörtlich, Innenmini st er geworden sei, so würde er sich i m m e r als Parteifunktionär fühlen. Würde«r dann in einer Zeitung angegriffen, so müßten die SA.-Leute den betreffenden Redakteuren je einen Liter Rhizinus zu trinken geben. Als Polizeiminister würde er dann dafür sorgen, daß die Beamten immer ein« halbe Stunde zu spät kämen, damit alles vorüber sei.» Im Reichstag.— nicht des dritten, sondern des gegen wär- t i g e n Reiches— sei es unmöglich, alle Tage eine solenne Prügelei aufzuführen, wie es die SA.-Leute vielleicht erwarten. Aber den Abg. Landsberg würde sich der H e i n e s schon einmal von der Reditertribüne holen, wenn er noch emnial das Wort Mörder auf ihn anwende. Im übrigen würden die Nazis.die Roten aus dem Reichstag hauen, daß sie das Wieder- kommen vergäßen". Von den Kommunisten müßten erst einmal sechs Mann abgeknallt werden, damit ihr Terror aufhöre. Schließlich empfahl Goebbels denjenigen hier anwesenden Parteigenossen, die etwa den roten Slättern Serichte über die„ver- trauliche" Versammlung geben sollten, vorher eine Lebens- Versicherung abzuschließen. d Es scheint bei dem politischen Wunderdoktor Goebbels wirklich nötig zu sein, ync Lebensoersicherung abzuschließen, bevor man sich in seine geistige Sehandlung begibt. Seine Rhizinus-Kur, von ihm selbst angewandt, scheint ein« regelwidrige Wirkung zu haben: Seine blutrünstige Beredsamkeit ist noch heftiger geworden als vorher, lind Rhizinus wirkt doch sonst mehr auf den Darm, als aus das Mundwerk! „Schwarze Fahne" verurteilt. Gefängnisstrafen im oflprevßischen.Bauernnot�-Prozeß. Königsberg. 4. November. Am Dienstag wurde im Königsberger Bauernnotprozeß � folgendes Urteil verkündet: ! Di« Angeklagten Doepner, v. Platen. v. Weih und T l/y m i a n werden wegen Vergehens gegen§ lÄi des Strafgesetzbuches(Zugehörigkeit zu einer staatsieindlichen Organisation) ver- urteilt: v. Platen. v. Weiß und Thymian zu je drei Mona- l e n, Doepner zu fünf Monaten Gefängnis, die Ange- klagten Puchholz und Paltinat wegen schweren Aufruhrs zu je sechs Monaten Gefängnis. Di« Angeklagten Doepner und Wegerer werden von der Anklag« des Aufruhrs freigesprochen. Den Angeklagten Suchlzolz und Paltinat wird die Untersuchungshaft in vollem Umfange angerechnet. In der Begründung ging der Vorsitzende zunächst aus die in der ostpreußischen Landwirtschaft unzweifelhaft bestehend« Notlage und Verzweiflungsstimmung ein, deren Ursachen sowie die Auswirkungen nachzuprüfen nicht Zlufgab« des Gerichts gewesen sei. Eine Notlage gebe aber niemals das Recht, gegen gesetz- liehe Maßnahmen Front zu machen. Die Angeklagten Doepner. v. Weiß, n. Platen und Thymian kämen als A n st i f t« r u n d A n- führcr der Sausrnnotbewegung in Frage. Es habe sich um eine von langer Hand vorbereitete Vereinigung gclzandelt, deren Organisation im Ausbau begriffen, zum Teil auch schon durch- geführt wäre. Aufgabe des Gerichts fei die Feststellung gewesen, ob man mit vng es etzlichen Mitteln vorgegangen sei. Das Gericht Hab« dies« Frage bejahen müssen. Der Angeklagte Attraktion im politischen Variete. Margies- Tschekist in(Sowjet-Oeutschland. Die Kommunisten haben gestern abend den aus dem Zuchthaus entlassenen berüchtigten Einbrecher Rudolf M a r g i e s vom Schlesischen Sahn Hof abgeholt und ihm abends in der N s u e n W el t in einer kommunistischen Versammlung öffentlich zur Schau gestellt. Es herrschte der übliche kommunistische Trubel. Mit Transparenten, auf denen der Einbrecher und Pcckizistenmörder als„Klassen- kämpf«?" verherrlicht wurde, zog man in den Saal, und als der Mann eintraf, wurde er von einer Musikkapelle zur Bühne geleitet. Margies sprach als zweiter Redner und betonte, er würde auf die An- griffe des„Vorwärts" gegen ihn nicht antworten. Die Hetze gegen ihn fei nur so groß, weil er beim Kapp-Putsch herzhaft zugegriffen hätte. Das Gericht habe ihm Milderungsgrüad« für feine Taten — Ermordung dreier Polizeibeamter— versagt, weil er sie alle m i t besonderer Lust und Freude begangen hätte. Mit er- hobener Stimme verkündete er, daß er auch heute wieder mit der gleichen Lust und Liebe das gleiche tun würde. Er hielt fein« rechte Hand hoch, machte mitdemZeigefingerdieSe- wegu ng des A-b d r ü ck« n s und erklärte dazu, solange er diesen Finger noch krumm machen könne, würde er immer wieder bereit sein zu den gleichen Taten. Margies hatte aber noch einen besonderen Wunsch: Er wollte im kommenden Sowjetdeutschland gern die Rolle des roten Anklägers und Henkers spielen. Er würde auch, so versicherte er heute schon, mit großer Lust und Freude Todes- strafen verhängen. Bei diesem Sag nickl« ihm der Wttator der Kommunisten, Heinz Neumann, gnädig zu, als ob e r jetzt schon verfügen könne über die einzelnen Posten im kommenden Sowjetdeutschland. Dann sprach Heinz N e u m a n n. der in die gleiche Kerbe schlug und die Versicherung abgab, die Kommunisten würben eines Tages nicht nur der bürgerlichen Presse, sondern auch der sozialdemokrati- schein„das Maul verbinden". Im Sowjetdeutschland würden nur Kommunisten Versammlungs- und Redefreiheit haben, und auch nur deren Zeitungen„Pressefreiheit" genießen. Heinz Neumann feierte den Einbrecher Margies als ein Vorbild eines proletarischen Klassen kämpfers. Er sei einer der Führer, die den Kommunisten bei der Aufrichtung Sowjetdeuffch- lands helfen würden. Zu Margies gewandt, erklärte Heinz Neu- mann:„Du hast Deine größte Tat noch nicht begongen. Dieerwartenwirnoch von Dir." Dos ZK. habe«inen ganzen Packen Aufträge für ihn. ' Auch die Konkurrenz hat ihre Mörder. Wenn die Konmmnisten ihren Margies haben, wollen die Nationalsozialisten nicht zurückstehen. Sei ihnen trat gestern im Sportpalast ein richtiger Fememörder, der bekannte Heines auf. Die feige Sluttat, wegen deren er zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilt war, wird auch jetzt noch von ihm als„nationale Tat" gepriesen. Er nannte sich einen„durch die Kerker geschleppten Märtyrer der politischen Justiz". Dann behauptete er: „Meine Amnestierung kommt nicht auf das Konto der Regierung Srüning, sondern auf das des Anwachsens der Nationalsozialisten." Heines war so undankbar, der freundlichen Hilfeleistung der Kom- nnmisten bei der Freilassung der Fememörder gar nicht zu gedenken. Am Schluß seiner Rede oerhieß Heines den Anhängern Opjer über Opfer, die sie zu bringen hätten. Nach Heines verkündete ein sicherer Redner die Werbung für das preußische Volksbegehren zur Beseitigung der„marxsstischen" Regierung Sraun-Severing als das Ziel der nationalsozialistischen Winterarbeit. Aus der Rede des Dr. G o e b b e ls sei nur e i n Satz erwähnt: „Neben mir sitzt ein Reichstagsabgeordneter, der zu 15 Iahren Zuchthaus oerurteitt war, mir gegenüber sitzt ein Mann, der an der Ermordung des Ministers Rathenau be- teiligt war." Die Versammlung quittierte diesen Hinweis mit Heilnffen. Klatschen und Seifallsgetrampel. «Schule der Betriebsunfall bei Mönzenber«. Münzenbergs Boulevardprefse ist ein ergötzliches Mißgeschick passiert. Weil Hitler als Soldat sich im Jahre 1919 als Mehrheit s- sozialdemokraten bezeichnet hat und weil auch der Femeleuinant Heines— angeblich— vor seinem 20. Lebensjahr einmal der Sozialdemokratie angehört haben-yoll, fühlt sich Münzcnbergs' Platt zu der Bemerkung berechtigt: Hier finden wir eine Schule vor, deren pädagogische Ergebnisse heute in die Nationalsozialistische P a.r t« i einmündeten: die Schule der SPD. Der neckische Zufall will es, daß diese Notiz in die- unmittelbare Näh« einer anderen geraten ist, die in fetten Lettern den feierlichen Empfang des„Märtyrers" Rudolf Margi.es durch die Ser- liner Kommunistische Partei ankündigt. Die„Rote Fahne" ober schreibt am gleichen Dienstag über Rudolf Margies folgendes: Nur faule Ausreden wußte der„Vorwärts" dagegen zu unserer Fessstellung, daß Rudolf Margies lange Jahre Mitglied ocr Sozialdemokratischen Par- t e i war. Wir wollen npch einmal die Tatsachen feststellen: Rudolf Margies war von 1904 bis 1920 Mitglied der SPD. Das stimmt zwar insofern nicht, als Margies von 1904 bis 1919 ununterbrochen wegen Einbruchdiebstahls im Zuchthaus gesessen hat— aoer warum bemühen sich Münzenberg-Presse und „Rote Fahne" eigentlich mit so glühendem Esser um den Nachweis, daß ihr Märtyrer Margies und der Fememörder Heines aus der gleichen Schule stammen? Wozu wir allerdings bemerken wollen, daß die Sozialdemo- lrati« für die Mordtaten der Margies und Heines ebensowenig die Verantwortung trägt wie irgendeine Schule für die Verbrechertaten der jedem Pädagogen bekannten„Unerziehbaren", die man schon daran erkennt, daß sie ihrer Schule möglichst bald den Rücke« kehreni Doepner mußt« von der Anschuldigung des schweren Aufruhrs frei- gesprochen werden, weil er zu der Zeit, als die Menge zum Zlufrichr überging, bereits verhastet worden war. Allen Slngoklagten ist Strafaussetzung aus drei Jahre gewährt worden. Die Äoraussetzung dafür ist, daß der Angeklagt« v. Platen 300 M., die Angeklagten Doepner, v. Weiß und Thymian je 100 M, Suchholz und Paltinat je 150 M. Buße zahlen. Ein Charakter. , Der Hauptan geklagte von Weiß mußte während der Verhandlungen zugeben, daß er aus der Ostpreyßenhilse ohne jede Schwierigkeit 317 000 M. Zuschüsse erhalten hat! Deutschland und— pilsudsti. Gewaliherrfchast hindert Annäherung. Freunde einer dcussch-polnsschen Annäherung findet man gewiß nur in den demokratischen Parteien. Mi« aber die Gewalt- i Herrschaft, die jetzt in Polen Terrorwahlen macht, die Annäherung-- arbeit erschwert, das zeigte eine Versammlung der Deutschen Liga für Menschenrechte am Montagabend. Der Warschauer Korrespondent des„Berliner Tageblatts", Herr Dubro wir z, schilderte, was jetzt gegen die polnischen Oppositionsparteien, was aber auch gegen das ukrainische Volt in Ostqalizien mit einer Barbarei verbrochen wird, die man einem Kulttirstaat nicht zutrauen sollte. Gegen- dies« Schändlichkeiten protestierte zur gleichen Stunde eine Kundgebung der Ukrainer Zum 12. Jahrestag der Errichtung der westukrainischen Volksrepublik. Haute ist dieses große Volk auf vier Staaten vec- teilt: Polen. Sowjetunion, Rumänien und die Tschechoslowakei, hat fast das gleich« Schicksal, das Polen 150 Jahre getrogen hat. In der intercssanten Diskussion sprach auch Genosse Kr asnik vom Deusschen Lzndarbeiterverbaud. Er unterstrich, wie sehr den Freunden deussch-pplnischer Annäherung durch das Regime Pilsudslis ihx Wirken verbittert wird. Der Referent des Abends hatte diese« Regime, dessen Träger früher sich vielfach Soziilisten nannte«, als echten„Nationalsozialismus" dargestellt, der offen die Interessen der Großgrundbesitzer und Generäle vertritt. Genosse Krasnik teilte mit, daß der in Polen verl>astete und wegen einer jahrelang zurückliegenden Versammlungsrede zn einem Jahr G«- fängnis verurteilte frühere Abg. K wapi nf k i gerade nach Deutsch land kommen wollte, um als Borsitzender des polnischen Land- orbeiteroerbandes anzustreben, daß wenigstens ein Teil seiner Ver- bandskollegen noch weiter Saisonarbeit in der deutschen Landwirt- schaft leisten darf. Durch seine Verhaftung und Verurteilung ho« Polen seine Bürger um diese Möglichkeit gebracht.._____... 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Der„Landbund", der um die Erhaltung der Autorität kämpft, hätte sich sagen sollen, daß ein derartiges Geschmier« die „Autorität" des Lehrers bei Eltern und Kindern herabsetz«. Die AGL. auf dem Marsche! Zustizangehörige bekennen sich zur Sonawemokratie. Ein Beweis für die Werbekraft der sozialistischen Idee ist der Zusammenschluß der bei den Gerichten beschäftigten Genossen zu einer„Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Justizangehöriger". In einer zahlreich besuchten Versammlung in Landrös Weiß- bierstuben referierte Genosse Max Heydemann über das Thema „Unsere Arbeit nach den Wahlen". Der Redner führte aus, daß unser Volk um jeden Preis vor einer nationalistisch ein- gestellten Regierung bewahrt werden müsse. Jeder muß an dieser Aufgabe mitwirken, indem er, Kleinarbeit leistend, in seinem Kreise die Lauen und Kleimnütigen aufrüttele und mit den Zielen der sozialdemokratischen Bewegung bekannt mache. Es sei aufs leb- hafteste zu begrüßen, daß die Iustizbeamten, den Ernst der Stund« erkennend, sich zusammenschließen. Sehr viel wichtige Kleinarbeit kann hier geleistet werden, denn in der Justiz bieten sich viele Möglichkeiten, der Sache des Volkes und der Republik zu dienen. Bor allem gilt es, den national! st ischen Einfluß und den alten Kastengeist nicht nur m der Rechtsprechung, sondern auch i m Justizapparat selber zu brechen. Kennzeichnend für den Geist der Solidarität, der unter unseren Genossen bei den Gerichten herrscht, ist, daß sich nicht nur Angestellte und mittlere Beamte, sondern auch Richter und Straf- a n st a l t s b e a m t e an der Tagung beteiligten. Die November- tagung findet im Moabiter Stadtteil statt. Di« Abteilungen werden schon jetzt gebeten, Adressenmaterial der bei der Justiz beschäftigten Beamten, Arbeiter und Angestellten an das Betriebssekretariat, Berlin SW68, Lindenstraße 3, einzusenden. Englische Fluazeuge stürzen! Drei Tote.— N.Sher 60 Todesopfer im Lahr. London, 4. November. Zwei schwere Flugzeugunfälle englischer Armeeslugzeuge haben sich heute in verschiedenen Teilen Englands ereignet. Ein drei- motor iges Bombenflugzeug, oas mit drei Piloten besetzt war, stürzte in der Nähe des Badeortes Ramsgate ab und geriet in Brand. Zwei Piloten wurden auf der Stelle getötet, der dritte verletzt. Das zweite Unglück ereignete sich in der Näh« des Ortes E h e l m s f o r d in Essex, wo ein einsitziges Kampsflugzeug aus 1599 Meter abstürzte. Die Gewalt des Anpralls auf den Erdboden war so stark, daß von der Maschine nur noch ein Trümmerhausen übrig blieb. Der Pilot wurde sofort getötet. Die Zahl der in diesem Jahre in der englischen Militärfliegerei getöteten Flieger hat sich damit auf 69 erhöht. Neue Erregung im Krenzel-prozeß. Hilde Krenzel gegen Staatsanwalt Fuhrmann. Die gestrige Verhandlung des Frenzcl-Prozefses brachte die mit Spannung erwartete Gegenüberstellung der Zeugin Hildegard F r r n z e l mit dem l. Staatsanwall Dr. Fuhrmann, der sie in dem Ermittlungsverfahren vernommen hat. Die Gegenüberstellung war notwendig geworden, weil Hildegard Frenze! bekanntlich im ersten Prozeß behauptet hatte, daß ihre Aussagen im Protokoll nicht richtig wiedergegeben worden seien, und weil sie sich außerdem über die Art der Vernehmung beklagt hatte. Dr. Fuhrmann bekundete: Daß ich Hildegard Kaffee und Kuchen vor Beginn der Vernehmung angeboten habe, bestreite ich mit aller Entschiedenheit. Hilde sagte sehr stockend aus. Sie sagte nur immer wieder, alles was ich gegen meinen Vater erzählt habe, habe ich gelogen, auch was ich Frau Schenk erzählt habe". Ich hatte den Eindruck, daß Hilde überhaupt nichts aussagen wollte, und daß man sie beeinflußt hatte, ihren Vater zu entlasten. Darauf erklärte Hildegard Frenzel folgendes: Herr Dr. Fuhr- mann hat zu mir gesagt, als ich sehr verweint ins Zimmer kam: Wollen Sie nicht erst eine Erfrischung zu sich nehmen oder etwas essen? Ich lehnt« das ab und habe immer nur gesagt, daß Dater unschuldig ist. Hierauf sagten Sie, Herr Doktor: Inwieweit Ihr valcr unschuldig ist oder nicht, das entscheiden wir. Sie haben dann noch zu mir gesagt:„Sie werden überall als sin so gutes und anständiges Mädchen geschildert, und jetzt wollen Sie plötzlich eine Lügnerin sein. Wenn man Sie hier so verstockt sitzen sieht, dann weiß man doch, daß Sie beeinflußt sind und was mit Ihnen los ist." Staatsanwalt Dr. Fuhrmann bestritt diese Aus- führungen. Die Verhandlung des Prozesses gestaltete sich teilweise sehr er- regt. Hildegard Frenzel hielt aber ihre Bekundungen, die im Widerspruch zu denen des Staatsanwalts stehen, aufrecht. Die nächste Zeugin war Frau Bell, die gleichfalls Dr. Fuhr- mann gegenübergestellt wurde, wobei es zu dramatischen Szenen kam. Frau Bell bekundete, Dr. Fuhrmann habe zu ihr in bezug auf den Angeklagten Frenzel, bei ihrer damaligen Vernehmung gesagt:„Er mag ja sonst ein guter Mann sein, hier hat er sich aber schuldig gemacht." Dr. Fuhrmann bestritt dies« Aeußerung mit großer Entschiedenheit. Weiter erklärte Frau Bell auf Befragen: Herr Dr. Fuhrmann hat zu mir auch bei Schluß meiner Ber- nehmung gesagt: Bilden Sie sich bloß nicht ein. daß Sie jemals Frau Frenzel werden. Dr. Fuhrmann: Ich kann versichem, daß ich diese Aeußerung nicht getan habe. Frau Bell(mit der Hand auf den Tisch schlagend): Sie haben es aber doch gesagt, das kann ich unter meinem Eid wiederholen. Sodann wurde Else Frenzel dem 1. Staatsanwalt gegen- übergestellt. Sie erklärte, daß sie bei ihrer Vernehmung sehr ge- weint und gesagt hätte: Ich kann von Papa nur Gutes sagen. Darauf habe Dr. Fuhrmann gemeint, das Gute wollen wir ja gar nicht hören. Vors.: Haben Sie das gesagt. Herr Dr. Fuhrmann. Dr. Fuhr- mann: Darauf kann ich mich durchaus nicht besinnen. Elfe Frenzel blieb aber bei ihrer Bekundung. Frau Frenzel. die gleichfalls in Gegenwart Dr. Fuhrmanns gehört wurde, erklärte, daß die Vernehmung damals so schnell er- folgt sei, daß sie gar nicht mitgekommen wäre. Vors.: Halten Sie Ihren Mann für schuldig, Frau Frenzel? Zeugin(bestimmt): VI ein Mann ist völlig unschuldig. Vors.: Sind Sie der Meinung, daß Hilde gelogen hat. Zeugin: Ja, sie hat meinen Mann unschuldig verdächtigt. Vors.: Herr Dr. Fuhrmann, wie verhielt sich Frau Frenzel bei der Vernehmung? Zeuge: Soweit ich mich entsinnen kann, hat sie belastende An- teuwngen gemacht. Frau Frenzel: Das stimmt nicht. Das ist in den Protokollen falsch zum Ausdruck gekommen.�V o rs.: Frau Frenzel. glaubten Sie. daß Ihr Mann in der ersten Instanz ver- urteilt werden würde? Frau Frenzel: Nein. Vors.: Warum denn nicht? Frau Frenzel: Weil er unschuldig ist. Staotsanwaltschaftsrat Dr. Stargard erklärt« sodann, daß er nicht mehr weiter verhandeln könne, worauf die Verhandlung auf Donnerstag früh vertagt wurde. Varietenummern aus dem Wintergarten 189S. u a. den damals sehr bekannten Ringer Sandow lebendig werden. Ma» Sklada- nowsky spricht von der Bühne und schreibt im Programmbest über sein Leben und seine Arbeit und man gönnt dem jetzl bald Fünfund- sechzigjährigen dankbar und von ganzem Herzen den schönen, wenn auch späten Tri'nnph, wenn ihm. der den Grund legte iür unser oe- laintes Filmwesen, allabendlich Tausends zujubeln. Denn es lall und darf niemals veraeüen wer�n: de-'. Deütfcb» Skladanaw-'kn ist für das ganze internationale Filmwesen das, was der viel be- kannter gewordene Deutsch« Lilienthal für das gesamte interratio- nale Flugwesen geworden ist. � Llrteil im phosqen-pro�eß. Hamburg muß Echadenerwß leisten. Nach insgesamt 2'�jähriger Dauer beendete die achte Zivilkammer des Hamburger Landgerichts den so- genannten großen Phosgen-Prozeß, in dem geklärt werden sollte, ob der Hamburger Staat für die bei der G i f t g a s k a t a st r o p h e am 2 9. Mai 1923 an Gesundheit und Erwerbsfähigkeit geschä- digten Kläger verantwortlich zu machen sei. Die Zivilkammer VIll des Landgerichts Hamburg bejahte diese Frage in sämtlichen 22 direkten und 19 indirekten Fällen, und der Staat wurde ent- sprechend zu Schadenersatzzahlung verurteilt. Durch das Urtest kommt zum Ausdruck, daß der Hamburgische Siaat seine Auf- sichtspflicht oerletzt hat. Sprechchor für proletarische Feierstunden?» Uebungsstunde am Freitag im Gesangssaal der Sophienschule, Weinmeisterstr. 16— 17. Do X startet heute. Wie aus Friedrichshafen gemeldet wird, ist nunmehr damit zu rechnen, daß Do X morgen vormittag seinen Flug nach A m st e rd a m antritt. Die Wettermeldungen lauten übereinstimmend dahin, daß die Möglichkeit besteht, zwischen zwei Tiefs hindurchzufliegen. Darauf hat die Leitung der Dornier- werke sich entschlossen, den Start vormittag vorzunehmen. Erfinderchrung im Wintergarten. Der Wintergarten erfüllt in seinem Novemberprogramm die dankens- und anerkennenswerte Aufgabe, einen ganzen Monat hin- durch allabendlich«inen deutschen Erfinder zu ehren. Es ist der � Berliner Max Skladanowsky, der vor genau 35 Iahren am � 1. November 1895 auf der Bühne des Wintergartens nach unend- lichcn,.bis in. las Jahr 1379-. ückreichrnden Be ju.«n �ie ersten f Filme vorführen konnte. Mit diesen selben Filmen erscheint jetzt Herr Skladanowsky noch einmal vor dem Publikum und so gewinnt das, was vor 35 Jahren war, und längst dahin ging, noch einmal Leben. Wir sehen aus dem Alexanderplatz im behaglichen Tempo von Pferden gezogene Straßenbahnen und an der Kranzler-; Ecke in demselben Tempo Pferdeomnibusse dahinschlendern. Wir< 'ehen die berühmte Berliner Wache ausmarschieren. Wir sehen l „Das Podium": ein« Neueinführung, die Jugend und Un- bekannte vor das Mikrophon bringen will; in Abendveranstaltungen, für all« also. Diese erste Darbietung läßt wünschen, daß spätere ebenso fruchtbar werden. Besonders die literarische Auswahl bot viel: Ein Bergmann Otto Kahlhammer aus Beuthen schrieb ein Hörspiel, das eine Grubenkalastrophe behandelt, in so lebendiger Sprache und mit solcher Wucht der Darstellung, daß man wünschen mußte, das Werk recht bald vollständig ausgeführt zu hören. Bon einem Sechzehnjährigen, Robert Lanz, wurden Gedichte und Prosa vorgetragen, Verse und Sätze, die schon das Gewicht wirklichen Er- lebens haben und die zwar noch nicht vollendet, aber vielleicht eine Verheißung sind. Di« belanglosen biographischen Mitteilungen über den jungen Autor waren überflüssig. Sicherer im Formalen, aber darmn nicht ohne inneren Wert waren die Gedichte Ludwig M a r o h l s. Maria P o r s ch e l t las ein« eigene Erzählung „Herbst in der Wirtsstube": in sauberen, anspruchslosen Sätzen gelang es der Verfasserin, Herbststimmung einzufangen.. Di« musi- kalische Abteilung stellte einen Komponisten heraus, Kurt F i e b i g, der Variationen über das Lied„Es kamen grüne Vöaelein" brachte, eine Pianistin Else Freud, die Chopin technisch sauber und ausdrucksvoll spielte. Daß oi« Veranstaltung auch einige gute leichtere Kost brachte, dürft« Beifall gefunden haben.— Der „Opernquerschnitt" gab einen musikalischen Ueberblick über ein Frühwerk Verdis.„Die Lombarden" sind eine Komposition dss dreißigjährigen Verdi. Das Werk, das mit einem unmöglichen Textbuch belastet ist,— in diesem Querschnitt stört das nicht— kündet schon den Schöpfer der soloenden großen Opern bis„Aida" an. Die Aufführung unter Manfred Gurlitl konnte auch musikalisch anspruchsvolle Hörer befriedigen.— Gottfried Venn setzte seinen Zyklus„Schöpferische Persönlichkeit" mit einem dritten � Vortrag fort, d«r den Titel führte:„Der wissenschaftliche und der künstlerische Typ". Die Feststelliing, die anläßlich der früheren Ausführungen Bcnns an dieser stelle bereits gemacht wurde, be- stätigte sich leider auch diesmal: Man kann ein angesehener Lyriker sein, aber dabei durchaus unfähig, zur großen Masse zu sprech«». Es ist unverständlich, daß jemand, der sich hochmütig von der Masse isoliert, seine fremdwortüberladenen Vorträg« in der Volkshochschule des Rundfunks halten darf. Tes. Goebbels in Abwesenheit verurteilt. Vor der 4. Großen Strafkammer des Landgerichts III sollte sich gestern der nationalsozialistische Reichstaasabgeordnete Dr. Goebbels wegen Aufforderung zur Begehung straf- barer Handlungen, di« aber ohne Erfolg geblieben war, ver- antworten. Das Schöffengericht Charlottenburg hatte Dr. Goebbels zu 399 M. Geldstrafe oder hilfsweise 39 Tagen Gefängnis verurteilt. Gegen das Urteil hatten der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Bei Aufruf der Sache ergab sich, daß Dr. Goebbels nicht erschienen war. Es war auch kein Ver» leidiger anwesend. Der Staatsanwalt zog seine Berufung zurück, und die Berusung von Dr. Goebbels wurde gemäß den gesetzlichen Bestimmungen infolge Ausbleibens für verworfen erklärt. Allgemeine Wetterlage. Dwo!>«ril!>s.cZ heiler.(} halb bedeck: O wolkig,® bedeckt* RegetuiGraupeln ,Schnee:=Nebol,'kGewittet©Wini)siille Die norw«stlichen Kaltluftmassen, die am Dienetagfrüh ungefähr bis zur mittleren Elbe vorgedningen waren, lzaben jetzt das ganze Reich mit Ausnahme des Norcostens überflutet. Di« Temperaturen stiegen nur östlich von der Oder auf 19 Grad Celsius oder darüber. Das Wetter war allgemein unbeständig, vielfach gab es noch einzeln« Regenschauer. Die über dem Skogerrak befindliche Depression ver- flacht sich jetzt schnell. Das Wetter dürste sich bei dem stark steigenden Lustbruck bald beruhigen. Die Temperaturen werden aber ver- mutlich, namentlich durch Ausstrahlung weiter sinken. Für später wird eine Depression, die sich noch westlich von Irland befindet, neue Bewölkung' bringen. »••-- wellcraussichlen für Berlin: Vorübergehend noch leicht ver- änderlich, im ganzen ziemlich heiter, kühl.— Für Deutschland: Im Küstengebiet noch etwas unbeständig, im Alpenvorland langsame Besserung im übrigen Reiche vielfach heiter. Allgemein kühl. LIe setilaken besser und erwachen neu gestärkt nach folgendem Kezepf: Eine Flasche Baldrament Reichel, 3 mal täglich /z Teelöffel zu nehmen. Die natürliche Medizin zur Beruhigung und Stärkung der Nervenkraff FL M 1.50 und 2.50. In Drogerien und Apotheken erhältlich, sonst durch Otto Reichel, Berlin 43 SO, Eisenbahnstr. 4, Lustgefechte gegen Severins. Genen von Mißtrauensvoten.— Oer Nazi-Abgeordnete mit dem Jagdschein. Beim Wiederzusammentritt des Landtages in der Dienstags- sitzung gedenkt Präsident Bartels der Opfer der Grubenkata- straphen in Alsdorf und Maybach und widmet sodann den in der Vertagungszeit verstorbenen Abgeordneten Beucrmann (DBpt.) und S ch l u ch t m a n n(Soz.) einen Nachruf. Alle Anträge über die Hochwasserfchäden in Schlesien werde» d-�attelos dem Hauptausschuß überwiesen. Es folgt der ZNihtrauensantrag gegen Minister Severing. Abg. von winlerscld(Dnat.): Die Sozialdemokratie hat sich entschlossen, weil sofortige Neuwahlen ihr nicht angeraten erscheinen, einstweilen das Kabinett Brüning nicht ,zu stürzen, iondern die Macht in Preußen zu behalten und einen günstigeren Äahltermin abzuwarten. Dabei bleibt das unverrückbare Ziel der Sozialdemokratie die Erkämpfung der iozialistischen Gesellschaft. Wir kennen Herrn Severing viel zu genau, um nicht zu wissen, daß er von diesem plan ebensowenig einen Schritt weicht, wie von der Demokratisierung der Her- waltung. 'Scfjr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das System Severing ist nicht für den Staat; es arbeitet nur mit den Staatsmitteln für die Sozialdemokratische Partei. Severing ist restlos der Alte ge- b'ieben.(Stürmischer Beifall bei den Sozialdemokraten.) tscine Ernennung war eine Kampfansage an die nattanale Front. Wir sprechen ihm unser schärfstes Mißtrauen aus.(Beifall rechts.) Abg. Kasper(Komm.): Severing ist der V« r t r a u e n s m a n n der deutschen und der internationalen Kapitalisten »r Ausplünderung des Proletariats. Aber auch dieser„starke Mann" wird nicht verhindern, daß die Krise der kapitalistischen Wirtschaft zum bewaffneten Endkampf und zum Siege der KPD. führt.(Beifall bei den Kmrinmnisten.) Abg. Dr. Bachem(Dnat.): System Severing, d. h. die Polizei als Prütorianergarde für die schwarzrotgoldenen Parte-en. System Severing heißt: Fortsetzung der Diktatur Braun in Preußen. Auch dagegen führen wir den nationalen Befreiungs- kämpf. Abg. Dr. Stendel(DVp.): Wir stehen der gegenwärtigen preußischen Regierung mit unverändertem Mißtrauen gegenüber. Abg. Becker(Deutsche Fraktion): Severing kann niemals objektiv fein, wenn es sich um den politischen Macktlampf handelt. Letzten Endes steht er alles unter dem Gesiclstspunlt der Macht der Sozialdemokratie. Zlber sein geplantes Gewallregiment gegen die nationale Front wird an dem einigen Landvolk(Heiterkeit) scheitern. (Bravo! rechts.) Abg. lladendorsf(Wp.): Wir bekämpfen Severing nicht als Mensch, sondern als System.(Zuruf: Der Mensch Ladendorsf besticht Abgeordnete in Anhalt!) Wir fordern Auflösung des Landtages und Rücktritt der Regierung.(Zurufe: Ganz der alte Destauer!) 'Abg. kube(Nat.-Soz.): Die Moral der Herren Severing, Krzefinski und Böß kennzeichnet das nachrevolutionäre Preußen. (Stürmische Zurufe; holen wir Franzeni. Der frühere sozialdemokratische Landrat Scholz(Stürmische Zuruse: Reden Sie lieber von ihrem Gauleiter und Reich-tagsadgeordnctcn H o l tz!) hat das System gekennzeichnet. Wir weihen mit den Mairisten aufräumen. Abg. Riedel(Dem.): Herr Kube hat bestritten, daß die Rational- sozialtsten die Südtiroler im Reichstag als olle Kamellen bezeichnet haben. Ich leg« das Stenogramm der Sitzung des neuen Reich?- tngcs vor, in der der Abgeordnete Graf Renentlow misdrückbch die von den Sozialdemokraten gestellte Frage S ü d t i r o l als olle Kamellen bezeichnet hat.(Hört, hört!) Abg. Leinert(Soz): Der natlonalsozialistische Redner hat sich ungeheuer moralisch entrüstet über Angriffe, die die sozialdemokratische Preise während der Präsidentenwahl gegen Hindenbi:rg gerichtet hat. Aber Herr S t r a ß e r hat den amtierenden Reichspräsidenten hindenbiK« einen verstaubten Heros, Slajsage der Börse genannt. Herr Goebbels hat Hindenburg als Präsidenten der Er s ü ll u n g s p a r t« i e n bezeichnet, der wie ein unlerworsener Barbarensürst hinter dem römischen Triumphwagen Streiemanns einhergeschleopt werde.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Im Gegensatz dazu haben w i r dem gewäblten Reichspräsidenten stets die schuldige Achtung aezollt Ueber Moral zu diskutieren, lohnt nicht gegenüber einer Partei, die mit dem höchsten Ehrenamt des Reiches, dem Mandat des Reichstagsabgeordneten Mörder, Ein- b r e ch e r und Sittlichkeitsverbrecher beliehen hat. (Stürmischer Bestall bei den Sozialdemokraten, Unruhe rechts.) Der frühere nationalsozialistische Abgeordnet« D i n t e r bezeichnet die Partei als S a u st a l l, in dem durch die sittliche Berlotterung der I Sichrer Korruption und Mißwirttchast Herrichen Der frühere nationalsozialistische Gauleiter Friedrich nennt in einer Abrechnunasbroschüre„Unter dem Hakenkreuz" die nationalso.zia- liststchen Führer Lumpen, Lausbuben und Verbrecher, .erbärmliche Leute voll Eifersucht, Ehrgeiz und crbärm- lichen Konkurrenzneides. Der nationalsozialistische Reichs- tagsabgeordnste Sttidienrat a. D. Bernhard R u st, Hannover, hat stb als Leutnant während des ganzen Krieges von der Front ae'rückt. Dem Ralionalsozialisten Gauleiter hinckler hat die Univerfiläls- flinik in halle im Jahre lS2ö bescheinigt, daß er an vcststanz, Gedächtnisschwäche und schwerer Beeinträchtigung der geistigen Bereitschaft leide, bei der Natur des Leidens sei es ausgeschlossen, daß Hinckler zum Lehrerberuf wieder fähig werden könne. Dieser Hinckler steht jetzt vor mir als nationalsozialistischer Abgeordneter des Preußischen Landtages!(Stürmische Heiterkeit und leb- daste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Di« Zumutung des Herrn Kube, seiner Partei Achtung entgegenzubringen, erscheint danach geradezu lächerlich.(Erneuter lebhafter Bestoll links.) In Severing erblicken wir die Garantie, daß das 2lmt des preußischen Innenministers im Geiste der Republik verwaltet wird, baß die preußisch« Polizei dem Schutz der Volts- freiheit dient und nicht wie in Thüringen und Braunschweig ihrer Bedrohung. Gegenüber nationalistifchen und bolschewistischen Ge- ivaltobsichten bedeutet Severing die Sicherstellung der republi- farnichcn Abivehr. Der kommunistische Redner hat nach alter übler Gewohnheit Severing als Arbettermörder beschimpft. Niemand hat qrößere Ströme Arbeiterblut vergossen als die Kominunistische Partei. Severing ist der Schutzwall gegen den Bürgerkrieg. Aber er ist zugleich ein Repräsentant der sozialen Ziele der Ar- bciterklasse, wie er noch als Schlichter im Nordwestdeutschen Eisen- konslikt bewiesen hat.(Sehr gut! bei den Sozialdeinotraten.) Die deutsche Arveiterklasse, die deutschen Republikaner setzen das aller- größte Vertrauen in Carl«evering und begrüßen mit freudiger Genugtuung die Wiedgraufnahme seiner Arbeit im Preußischen Innenministerium.(Stürmischer Beifall und Händeklatschen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Aleycr-hermsdars(Ehristlich-svzialer Volksdienst): Ueber ui«s«re Haltung hat Herr Hugenberg im Wahlknnipf eine Fülle wahrheitswidriger Behaupwngen aufgestellt(Zuruf: Si« kommen gegen den Lügenberg doch nicht auf» Di« Mißtrauensanträge im Preußischen Landtag werden nachgerade lächerlich. Bei den letzten Mißtrauensanträgen haben 5 Deutfchnationale, 6 Kommunisten und S Volksparteiler gefehlt; bei den Anträgen aus Auflösung des Land- tages S Deutschnationale, 8 Kommunisten und 7 Volksparteiler. (Zuruf: Und die da waren, haben auch nur mit Angst dafür ge- stimmt! Heiterkeit.) Wir machen diese Spielerei nicht mehr lange mit. Aber wir werden gegen Severing stimmen, um nicht der skrupellosen Demagogie gegen uns neuen Stoff zu geben. Abg. Schmidt-Erfurt(Komm Opp): Im Interesse des Kampfes gegen den Faschismus stimmen wir gegen Severing.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Dfe Abstimmung findet Donnerstag- nachmittag um 2 Uhr statt. Nächste Sitzung Mittwochmillag. 12 Uhr. Auf der Tages- ordnung stehen die Anfragen und Antrüge.zu den Grubenkata- strophen._____ Aus der Partei. Zanko Sakasoff 20 Zahre alt. Der alte Vorkämpfer unserer bulgarischen Bruderparlei erhielt soeben zu seinem 70. Geburtstag viele Ehrungen der dankbaren Partei, deren Verkörperung er ebenso ist, wie einst August Bebel in Deutschland. Der Parteitag feierte ihn, auch eine Jubiläumsschrift ist, mit Beiträgen von Karl K a u t s k y, Vanderoelde, Soukup und anderen Führern der Jnter- nationale, erschienen. Als Janko Sakafow am 7. Oktober (24. September o. St.) 1860 in«chumla zur Welt kam, gehört« I«ine Heimat noch zur türkischen Provinz Rum ist, ein selbständiges Bulgarien gab es noch lange nicht. Aber schon ganz früh wurde der Jüngling in die revolutionäre Freiheitsbewegung feines Volkes hmeingerissen und begrüßte jubelnd das Jahr 1878, das ihm mit Gründung des bulgarischen Staates als Unterpfand nicht nur nationaler, sondern auch sozialer Befreiung erschien. Nach Besuch des Odessaer Priesterseminars studiert« er in I e n a und Leipzig, in London und Paris. Daß er sich hier nicht nur inJDiarx und Engels, sondern auch in Belinski, TobrÄjubow und Pisarew, in Spencer, Tain«, Louis Blanc und Proudhon vertiefte, gab seinem Sozialismus eine eigene Note, als er mit Dimitr Blogoew um 1800 die Vorpostengefechle der bulgarischen Arbeiterbewegung liefert«, ehe sie 1894 in einen Parteirohmen gefaßt werden konnte: er verfocht die Ansicht, daß in einem wirtschaftlich rückständigen, überwiegend agrarischen Lande wie Bulgarien die Sozialdemokratie mehr als anderwärts auf den Beistand der B t I d u n g s s ch i ch t e n, der Bauern und der Handwerker angewiesen sei. Eine orthodoxe Richtung der Bewegung verwarf diese Auffassung als „kleinbürgerlich", 1003 spaltete sich darob die Partei: seitdem be- sehdeten sich„Engherzige" und„Weitherzige" im Bruderkampf. Sakafow als Führer der„Weitherzigen" hielt in diesem uner- quicklichm Streit ebenso den Fuß beim Mole wie in dem schweren Kamps gegen die reaktionären Machthaber und das stumpssinniye Spießbürgertum, paarte stets Besonnenheit mit Leidechchaff, agitierte und organisierte, bewährte sich als Theoretiker und Prak- tiker, schlug als Abgeordneter im Sobranj« eine gute Klings, ging mit seinem Buch„Die Bulgaren in ihrer Geschichte" erfolgreich unter die Historiker und darf sich heut« sagen, daß es nicht zuletzt das Werk seines mit Kamps und Arbsit angesüllten Lebens ist, wenn der Sozialismus in Bulgarien ansehnlicher dasteht als in jedem anderen Balkanlande. Auch die deutsche Sozialdemokratie, in der ältere Genossen sich des seingeschnittenen Gesichts mit dem grauen Stzitzbart und den dunklen, lebendigen Augen von manchem internationalen Kongreß erinnern werden, entbietet dem„Dedo Janko", dem„Großoäterchen Janko", Gruß und Glückwunsch: nicht in beschaulicher Ruhe, sondern in erfolgreichem Kampf noch viele Jahre!»ermsnn Wende!. tinfcntungen für biete Rudrik sind B( c Ii■ SB AS, Sinbtnftcatje 3, stets an daz Be»iet«Ie!eelarlai !. Hof, 2 Treppen rechts. ,u richten 4.»reis Prenzlauer Berg. Leute. Miitovlh, 5. November, 20 Uhr pünktlich, im Bezirksamt, Danziger(Str. 64, letzter Kurfusabent über„Faschismus".— Morgen, Tonnerstag, 6, November, um 20 Uhr, beginnt am gleichen Ort der 2.»urfusabschnitt mit vier Abenben über„Bolschewismus". Es können noch interessierte Genossinnen und(Senosscn daran teilnehmen. 6.»reis»reuzberg. Wir bitten die Genossinnen und Genossen, sich an der Revolutioilsfcier der Lozialistischeii Arbeiters ugrnd am Donnerstag, 6. No» vcmder, um 20 Uhr, in der Echulaula Dleffenbachstr. 61, zu belelllacn.— Vollversammlung der Ordner in der Welillchen Schule, Dleffenbachstr. 63 (Turnhalle), um 1914 Uhr. 7. fliei» Eharlottenburg. Am ssreitaq, 7. November, 1914 Ubr. findet in der Aula Pestalozzistr. 40(Weltliche Schule), die 12-Iahr.sseier der Cozialifti. schen Arbeiterjugend Charloltenburg statt.„Da« üio-e llvlleitiv" tritt auf. Nedner Ludwig Diedcrich. Eintritt 30 Pf. Wir bitten um zahlreichen Besuch der Parteigenossen. l». Krel» gehlendorf. Arbeitermohlfahrt! Der durch Rundschreiben angekündigte gilmvortrag am 5. November mutz ausfallen. Nähere Mitteilungen er. gehen noch. 17.»reis Lichtenberg. Bildnngsausschntz! Kursus:„»ultur» und Sittengeschichte des Proletariats", Leiter Dr. Hennigsen. finde! am Donnerstag, 6. Rovcni» der, um 1914 Uhr. im Bathavs, Möllendorsstratzc, Sitzungssaal, Zimmer 2S, statt. Hörcrkartc» dorlscldst. TO. Abt. Reinickendorf. Donnerstag, 6. November, 1914 Uhr, im Lokal Bethke, Wittenau, Oranienburger S'r. 39—90, Versammlung der für die Wohl- fahrtsarbeit vorgeschlagenen Genossinnen und Genossen. Referent Stadt- rat Hecht:„Ueber unsere neue Wohifahrtsardeit". tztogestellirngen. heuke, Mittwoch, 5. November. 7. Abt. Die Bezirksführcr geben fümtlidie nicht verkauften Billetts zur Revo» lutionose.er an den Genossen Lehmann zurück. 26. Abr.„Unser Weg" ist abzuholen vom Genossen Walter, Metzer Str. 37. 33. Abt. 191- Uhr Versammlung der jüngere» Parteigenossen bei Losack, Beymcstr. 3. Thema:„Der Poung-Plon". 58. Abt. Sharlottenburg. 20 Uhr im„Berliner»indl", Würzburger Str. 17, d Porstands- und ssunktionärsstzung. 84. Abt. Lankwitz. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Lehmann,»aiser. Wilhelm-Str. 29—31. Vortrag"„Unsere Politik in der Gegenwart". Referent War Wcstvhal. Reukölln. 89. Abt. Mitqliedervcrsainmluna aller»onsummitglieder der 40. Ab- gabestellc, Sobrechjstr. 26—27. um 191- Uhr, in der»ottbusser»lause, Bllrkncrstratze Ecke»ottbusser Damm. Vor' rag des Genossen Allmannn, Mim der Poiksfürsora«.»onsumangelegenheiten. Wir bitten um rege Beteiligung.— 92. Abt. 33. Bezirk: Der für heute abend angesetzte„Bunte Abend" wird»mstLndehalber auf Mittwoch, 28. November, verlegt. 99. Abt. Britz-Buckow. Bezirke Erotzsiedlung: 20 Uhr Politischer Arbeitskreis i» der Salle am Sufciscn. Dr. Denccke spricht Uber„Programm und Taktik der Nationalsozialisten" 1| Nil|| if 1 M 146. Abt. Reichedenckcrei. 10 Uhr im Lokal SPittelmarkt-Seller �. wichtige Bersammlung. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder der fei Reichsdruckerei ist dringend erforderlich. p Morgen. Donnerstag. S. November. 1. Abt. 1914 Uhr bei Spiegel, Ackerstr 1, wichtige Funktionärsitzun«. 3. Ab». 1014 Uhr bei Lukaichewski, Georgenkirchstr. 38, ffunkt onärsttzung. 33. Abt. 1914 Uhr ssunklionärsitzung bei Lojack. Bepmestr. 8. Borher, um 1314 Uhr, Porstandssttzung ebenda, 36. Abt. 19(4 Uhr bei Busch. Tilsttcr Str. 27. ssunkt'onärützung. Wichtige Tagesordnung. Vollzähliges und pünktliches Erscheinen dringend not- w.-ndia. 93. Abt. Rcnköll». Der Arbeitskreis junger Genossen ladet zu einem Di«- kuisionsabend pünktlich 20 Uhr km Lokal Schauer, Trep'ower Str. 90. Ecke Weserstratze, ein. Vortrag:„»apitaikonzentratron und Rationalisierung". Referent Emil Barth. Wir bitten um rege Beteiligung. Lichtenberg. 114. Abt. 131- Uhr Vorstands» und Funkiionärsitznng bei Schwarzer, Gabriel-Mar-Sir. 17.— 115. Abt. 1914 Uhr bei Stöber, Iungftr. 2«, Funktionärsitznng.— 117. Abt. 1914 Uhr bei Klose, sZunItionärsitzung. Die virtauftcn Lose der Arbeitcrwohsahrt müssen abgerechnet n-erden.— 119. Abt. 20 Uhr bei Bartz, Möllendorfftraße. Funktionärsitzung. Be- sondere Einladung erfolgt nicht. Arauenveran stattung. »t. Abt. Eharlottenburg. Die Genossinnen beteiligen sich an der Borirags- reihe der Genossin Käthe Kern:„Die sozialistisch« Frauenbewegung und ihre Probleme" im Jugendheim Rosinenstr, 4. Beginn heute, Mittwoch, ö, November, pünktlich 1914 Uhr. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. l.»reis Mitte. Donnerstag. 6. Zlovember, 1914 Uhr, im Sitzungssaal de» Bezirksamts Mitte, Kiosterstr. 63, dritter Kursusadcnd, Tlstma:„Soziale Gerichtshilfe". Referent Genosse Dr. Essers. 4. Kreis Prcnzlauer Berg. Freitag, 7. November, 20 Uhr, int Zimmer 29 des Bezirlsaintcs Prenzlauer Berg, Danziger Str. 64, findet der dritte Kursus- abend statt über„Moderne Erziehungsfragcn". Referent Genosse Schnlrat Dr. Einst Hering, Zwecks Aktenerirdigung werden die Abteilungsleiterinnen gebeten, 14 Stunde früher zu erscheinen. 13. Kreis Tempelhos, Marien darf, Marienfelde, Lichtenrade. Freitag, 7. November, 1914 Uhr pünktlich, im Bezirkeamt Tempelbof, Dorsftr, 42, 1 Tr., vierter Kursusa dend über„Kommunalpolitik und Wohlfahrt". Alle Interessier- ien sind dazu eingeladen. Seminar für Wohlsahrtspflege. Der zweite Kursusabend:„Psycho- s I logic der Gegenwart und ihre Anwendung in der Soziaipädagogik't.'( findet Freitag, 7. November, 20 Uhr, i» der Wohlfahrtsschule. Linden- fV stratze 3, 2. Hof, 3. Etage, statt. Referent Genosse Dr. Ernst Haase. Vereinigung sozialdemokratischer Juristen, Konferenz am Donnerstag, 0. November, 20 Uhr, Im Ebenholzsaal des „Rhcingold", Potsdamer St«. 3:„Die Reform des juriftischeu Studiums in Preutzen". Referenten: 1. Ministerialrat Genosse Walter Lande vom Mini- sterinm für Wissenschaft, Kunst und Vollsbildung. 2. Referendar Genosse Dr. Heinz Ollendorfs vom Vorstand der sozialistischen Studentenschast.— Bei der Wichtigkeit des Themas wird um zahlreiches Erscheinen gebeten! Die sozialistisch« Stndentcn sind besonder, herzlich eingeladen.— Der Borstand. Jungsozialisten, Srnppe Wrdding Gesundbrunnen: Wir weisen bereits heute aus unseren Gruppenabend hin. der am Freitag, 7. November, in der Weltlichen Schule stattfindet. Beginn pünktlich 1914 Uhr. Genosse Hans Waldmann spricht über „Faschismus und Sozialdcmokratir". Borher wie üblich; Tagespolitifäie Zeitungsschau. Kurzreferate. Gruppe Frirdrichshain: Wir beteiligen uns geschlossen an der Veranstaltung „Gegen dir Kulturrealtion" heute, 1914 Uhr, in den Andreassälen, Andreas- stratze 21. Kein Unkostenbeitrag. Gruppe Neukölln: Jugendheim Treptower Str. 92. 20 Uhr spricht Genosse Franz Lepinski über„Politik und Soziologie". Gruppe Süden: Morgen. Donnerstag, in der Aula der Schule M "—~ Reoolutionsfeier. Musik, Ansprache der Genossen! i der„Roten Reihe". Alle Parteigenossen sind herz-'! Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. »reis Prenzlauer Berg, Gruppe Freiheit: Heute, Mittwoch. 20 Uhr, bei Iugendchor). Turnschuhe mitbringen.— Helferkrei«: Der Selscrschulungskursus deginnt am Donnerstag um 20 Uhr in der Baracke Gonghoferstrasic. Alle Helfer müssen daran teilnehmen. Di« Helfer des Kreises Treptow müssen auch erscheinen. Hohenschönhansen: Heute, 3. November, bei Ann! Schulz von 17—19 Uhr Basteln. Donnerstag, 6. November. Bastei» ssreienwalder Stratze von 17 bis 19 Uhr, Alle Roten Fallen, die in dem Weihuachtsstiick mitspiele», müssen voll- zählig und pünktlich erscheinen, Sonntag, 9. Nonember. gehen wir zur Revo- lutionsfeier. Treffe» um 914 Uhr Berliner Ecke Wriezcner Stratze. 1Z Pf. Fahrgeld mitbringen. Beteiligung aller wird rrwartct. Geburtstage. Jubiläen usw. 0. Abt. Unserer langsährigr« Genossin Aug« st« Hnsenbach, Perle- berger Ltr. 64, zu ihrem 7«. Geburtslage die herzilcksten SlLitwUnsche. Hoffen wir, datz sie noch lange Jahre in unserer Mitte weilen möge.— Der Ab- teilnng»»»«stand. 15. Abt, Unser Genosse Paul Lentz, Demminer Str. 10, begeht heute sei» Jubiläum 25iährige« Mitgliedschaft in unserer Pa«ei. Air gratuliere» best«»».— Die Abteiliingsleitnng. 69. Abt. Wilmersdorf. Unserer verdienten Genossi» Anna Preutz, Holstcinlsche St«. 6«, zu ihrem 23jährigen Parteijubiläum die herzlichsten Glückwünsche. 81. Abt, Friedenau. Unserer lieben, aSverehrtea Genossin Emma T ö l l e zu ihrem 23jährigen Parteiinbilänm die herzlichsten Glückwünsche. 33. Abt. Teinpelhos. Unserem Genoffen Paul Steinicke, Attila. stratze 15, zum 60. Geburtstage die herzlichste» Glückwünsche. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation J 18. Abt. Unser Genosse Friedrich»reowski, Bastianstr. 7. ist am 31. Oktober verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung heut«, Mittwoch, 5, November, 12 Uhr, im Krematorium Gcrichtstratze. Wir bitten um rege Beteiligung.— Unser Genosse Ncinhoid Letsch, Morlin-Opitz-Etr. 4. st verstorben, Ehre seinem Andenk.-n! Einäscherung Donnerstag, 6, November, Krematorium Gcrichtstratze, Um rege Beteiligung wird gebeten. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin Einsendnnzea iär diese Rubril aur ov da« FvaendkelrrNntat ?teelln GW 03 r laden(IroAe 5% Abteilungsleiter! Die Karten zur Revointionsfeicr am Sonntag müssen bis spätestens Freitag dicfer Woche abgerechnet werden, da die Karten zu 30 Pf. ausverkauft sind und wir die von den Gruppe» bisher nicht verkauften karten an andere Gruppen, die noch keine Karten haben, weitergeben wollen. Die Karten zur Volksbühnenvorstrllung sind ebenfalls ausverianft. Streichorchester Gratz. Berlin: Heute, 19'4 Uhr, Pflichtprobe im Heim Danziger Sir. 62. Ableilungsmitgliederversammlungen, Mittwoch, 19% Uhr. Gesundbrunnen II: Heim Ehristianiastr. 38. Gesundbrunnen, R. F.: . lule Gotenburger Str. 2.— Hohenschönhausen: Heim Dingelstädter Strasse.— Luisenstadt: Heim Wafseriorstr. 9.— Rcichenbcrger Viertel: Heim Britzer Stratze 27—30,— Lindenhof: Heim der Siedlung Lindenhof.— Lankwitz: 15. Ge» meindeschule, Schuistratze.— Friedrichs Hägen: Heim Friedrichstr. 87.— Friedriä-sfclde: Heiin In Lichtenberg. Gunterstr. 44.— Lichtenberg. Mitte: Heim Echarnweberstr. 29.— Ren-Lichtenberg: Heim Lonffstrafte(Sportplatz).— Mahlsdarf: Seim Mrianchthonftratze.— Pankow III, R. F.: Seim Kissingen- stratze 48.— Lichtenrade: Schule Roonstratze. * Wannsee: Schule Eharlottenslratze:„Die Bedeutung des 9. November--.— Liibtenderg-Rord: Heim Gunterstr. 44: Arbeltsgemeinschaft.— Lichtenberg-Rord- west: Heim Dossestr. 22, Zimmer 1:„Programm der NSDAP."— Tegel: Heim Bahnhofstr. 13: Funktionärsitzung. SS«. Neukölln(Aeltere): Heim Bergstr. 29: Die sexuelle Not der Jugend". SS«. Reuköln(Znngere): 18 Uhr Heim Bergstr.'29: Arbeitsgemeinschaft. Werbebezirk Osten: Kundgebung gegen die Kulturreaktion gemeinsam mrt dem Kartell für Arbeitersport und Lörperpstege 1914 Uhr Andreas-Festsäle. Andreasstr. 21. Gelegenheit zum Kirchenaustritt. Ausweis und 2 M. Werbebezirk Tiergarten: Sprechchorprobe Schule Waldenferstr. 20. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Probe zur Werbereouc Schule Sonnenburger Strafte 20. Werbebezirk Renkölln: Sprechchorprobc Heim Kanncr Strafte. Die Film- karten müssen im Parteibüro von 16—19 Uhr abgerechnet werden. « Abt. Eharlottenburg: Freitag, 7. November. Zmölf-Iahr-Feier, Aula der Weltlichen Schule, Pestalozzistr. 40.„Das Rote Kolleltiv" tri't auf und(ringt „Rrbellwn! Eine Revue der Empörung, ein Leuchtfeuer durch die Jahrhunderte". Eintritt 30 Pf. Beginn isti/z Uhr.— Sonntaglrefsen sich alle Gruppen um 14 Uhr Rosinenstr. 4 zur Demonstration durch Cssarlotienburg. Die Beteiligung anderer Gruppen ist erwünscht. Wcrbebezirl Krenzberg: Morgen Revolutionsfeirr. Schulaula Dieff-nbach- strotze 61 Aus dem Programm: Mnstk, Rezitationen, Anspraäie. Vorführung der �Roten Reihe". Werbebezirl Schöneberg: Morgen Fahrt der Erwerbslosen nach den Havel- borgen. Treffpunlt 1014 Uhr Kaiser-Wilhelm-Platz. Heilwirkend! Fiebinger Ters*ndsie'le, Berlin SV II Scb&n«ber(*r Str. Ii«. Tel. Lliliaw 82M-OI Sport. Rennen zu Hoppegarken am Dienstag, dem 4. November. l. Renne tr 3. Wassernymphe(Sohlte), 2. Atrox, 3. Sage. 2oto: 52:10. Platz: 18, 17, 39:10. gerner liefen: Maus!, Mahdi, Frontheil, Wigbert(ges.), Prusa. 2. R e n n e n. 1. Mißgriff(Krabsch), 2. Spinelly, 3. Fiametla. Tvlo: 46:10. Platz: 25, 11, 17:10. Ferner liefen: Eidora, Vielgeliebter, Eichen- Irone, Roxana. 3. R e n n e n. 1. Teddy(Viseti. 2. Hellseherin, 3. Held. Toto: 71: 10. Platz: 29. 19, 32: 10. Ferner liefen; St. Robert. Ledon. Silvius, Vlanler Hans. 4. R e n n e n. 1. Evelyn(R. Andrle), 2. OsÜind, 3. Vialta. Toto: 41:10. Platz: 15, 41. 19:10. Ferner liefen: Willloium, Mentha, Kavaltade, Bonila. Felltönigin, Schönau, Ata. Rawa. 5. Rennen. 1. Schinarzdorn>Pretzner). 2. Historia, 3. Nervus. Toto: 24: 10. Platz: 16, 24, 25:10. Ferner liefen: Tuor, Affuan, Prontv, Zkatuschka, Vergangenheit. 6. R e n n e n. 1. tlachteujel(Grabsch), 2. Serenice, 3. Erich. Toto: 30:10. Platz: 15, 15, 16:10. Ferner liefen: Jngwelde, Frohwalt, Cyklop, Motor, Hochwald, Ompbazit. 7. R e n n e n. 1. Jsola(Czarnetzli). 2. Roderich. 3. Petersilie. Toto: 36:10. Platz: 15, 19, 55: 10. Ferner liefen: Rotbuche, Pellegrino, Torrone. (Sesolei, Erinnerung. Vorträge, Vereine unO Versammlungen. Reichsbanner..Schwarz-Rot Gold". ■(Betdiätteftell»; Berlin E 14. Eebasiianftr 37—38 Kot 2. Tr Doonerotag, 6. November. Prenzlauer Berg: AameradsS�lflsoer- »»» sammlungen um 20 Uhr; ttam. Ballon bei Auhfithn, Iablousti. slratze S. Kam. Rordlap bei GoldschmiM, 6toIpifd)e Str. 36. Panlow, gamerod- schaft NiederschSnhausen: 26 Uhr bei Klindt, NieterschSnhausen. Friedensplotz. Tinaarten. Iunabanner: 20V4 Uhr Treffen zum Boden vor dem Ufa-Turmstroße. —- flreeltag,". November. Kreuz berg,.sug I: 20 Uhr Versammlung bei Seehot, Willibald-Aleris-Str. S. Erscheinen Pflicht. Weitzensee-Ortvoerein): 20 Uhr Mitglieberoersammlung im.Berliner Hof". Porlrag. Vorstand 1 Stunde frilher. Die llebungen der Sportler finden jeden Mittwoch und Freitag in der Turn» Halle ZSSrthstraße statt. Steglitz(Ortaoerein): Der Kamerad Karl Diebel ist am Z. Raoember verstorbe». E;nas6)erung am Freitag. 1? Uhr. Krematorium Wilmersdorf. Sn'reteu des Ortsuercins 16 Uhr Titania-Palost, Echlotzstratze. Wir erwarten rege Beteiligung. Dunkle Lose, Bundestleidung. Reichsdund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter» bliebenen, Osten Z. Monatsversammlung am Mittwoch, 5. November. 20 Uhr, im Bereinslvlal, Schmidts Gesellschaftshaus, Fruch'pr. ZSa. Bund deutscher hirnocrletzter Kriege-, e. B., Bezirlsgruppc Berlin unt der Provinz Brondenbnrg. Am Mittwoch. Z. November, 20 Uhr. Monatsver. sgmmlung im Berliner Bilrgerbräu, E. 2. BrUderstr. 16. Erscheitten aller Kameraden.' mit ihren Frauen ist notwendig. Londsmannschaft der Schleswig.Holfteiner zu Berlin, 18*2. Geschäftsstelle: 6 14, Prinzenstr. 61. Donnerstag. 6. November. 20 Uhr. im Dresdener Garten, Dresdener S'c. 45, Ufa-Kulturfilmvvrfllhrung. plattdeutsche Vorträge. Geschäftliches, Aufnahme neuer Mitglieder, Berichte. Vorher: Gedächtnisfeier für den am'21. Oktober verstorbenen Landsmann Heinrich Schlüter. Landsleute, Damen und Herren, sowie Plattdeutsche willkommen. Billiges Brot bei Tieh. Die Warenhäuser Tietz verabfolgen heut« Brote nach dem vorgeschriebenen Gewicht zu 46 Pf., halbe Brote, gleichfalls nach vorgeschriebenem Gewicht, zu 23 Ps.s 4 Brötchen kosten 16 Pf. Vorweihnachlen. ,»» Bei Tieh. Man beginnt wieder, der kleinen und kleinsten Kundschaft erhöhtes Interesse entgegenzubringen. Die Firma Ties; hat in ihren sämtlichen Häusern Weihnachtsaus- st e l l u n g e n eröffnet, und es gibt Vieles und Schönes da zu sehen. Da ist Hanfls Weihnachtstraum, der ihn durch alle möglichen Regionen freudigen Staunens entführt: in herrliche Landschaften, wo stinke Bäuerinnen ihres Amtes walten, ver Luftschiff in höchste Höhen, ins lustige Zwergenland, wo all die geschäftigen Dreikäsehochs hämmern und punipen, heben und drehen. Dies alles aber, als moderne Zwergengesellschaft, an Miniaturmaschinerien. Eine recht originelle Station auf der Traumfahrt ist der Spielzeug-Frieichof, wo" sich in großen Scherbenhaufen Hansels Sünden offenbaren. kinderweihnachien bei Zsraek. Da Hai'ein ultramoderuer Weih- nachtsmairn in der K ö n ig st r aß e bei?srnes seinen Einzug ge- halten.' Nicht der traditionelle Alte mit- Umhängebart und Zipfelmütze, sondern der lustige Amerikaner Dr. Dolittle und fein Zoo. Da wimmelt es von Aeffchen und Krokodilen, heimischen Haustieren und exotischem Federvieh, und ivas der lustige Alte mit Schmer- bauchlein und Knebelbart erlebt, das spielt sich in sernst«n Zonen, am weiten Meer und bei den Zulukassern, im Flugzeug und aus gigantischer Bergeshöhe ab. Immer und überall aber ist das geliebte Getier dabei, das seinen Beschützer derni auch aus lauter Dankbarkeit aus den heikelsten Situationen befreit. Einmal aus dem heißhungrigen Rachen einer Kannibalenmama, dann wieder qibts eine lebendig« Asfenbrücke. Die ganze Szenerie, die in kleinen Sojen plastisch sich darbietet, macht der zahlreich versammelten kleinen Gesellschaft Ricsenspaß.— Rekordtage bei Karstadl! Preisabbau in allen Lägern, um die Kaufmüdigkeit künstlich ein wenig aufzufrischen. Dies ist bei Ar- tileln, die nicht zum allernotwenüigsten täglichen Bedars zählen, naturgemäß ganz besonders schwierig. Und so verschreibt sich der tüchtige Kaufmann von Zeit zu Zeit ein paar„aktuelle" Menschsein und läßt sie für sich— nebenbei auch für sie selbst— Reklame machen. In der Bücherabteiiung lächelt das gulmütig-oerschmitztc Iungensgesicht Franz Dieners, daneben ist sein älterer Fachkollege Samson-Körner postiert, und ein paar Schritte weiter die Meisterin des weißen Sports, Paula von Rezniczek. Da gibt es naturgemäß eine beträchtliche Menge„Sehleute, die ihr Ideal vom Ring gern einmal von Angesicht und in„Zivil" bestaunen. Do der Zweck be- kanntlich die Mittel heiligt und der Reinertrag dieser Aktion für die Hinterbliebenen der letzten Grubenkatastrophe bestimnit ist, so mögen sich Sensationshunger und„Hcldcnverehrung" nur gehörig austoben! iiier- Wbhtfalui Olefor 91efor Neto Stelo Sefoj *efo.. Rekord Retoed Rekord de� Rekord de' Rekord Rekord Rekord ddOeWBffflT Rekord der KouferzoW Rekord der Lurwoh! Rekord der Ouolitäte» Rekord der Leisiungev Rekord der Derdillizun, Rekord der Käuseezotzl Rekord der Rurwotil Rekord der Lnolllöle» Rekord der Leisiungev Rekord der Berdilligung Rekord der Käuserzahl nuolUdlen eistungen serbilligun, WUkMefr mit 10 Losen 5 RiH. mit 20 Losen 10 RM. sämtliche Gewinne werden auf Wunsch mit SO Prozent ausgezahlt. ose zu haben bei den Krelsleltern der rbelier-Wohlfahrt, bei der Buchhandlung letz, Vorwürts-Expedltlon, LlndenstraBe 3, l Wertheim und In allen Geschäften d< Konsumgonoseenschoft. .autjucken, Flechten offenen Füßen, Krampsadern veralteten Wunder,>11 die vulde und woylluende n..Äai Dr. Strahl'S Saussalbe seil Zohrzeynten ärztlich emptohten und dewährt. In Origl.-Dosen ä 1.25, 2.30 und 4.30 Je haben In Vpofhcfcn, wenn nicht vorrätig. Beriond ipeienfrei durch innkon.Okitnkltpfp«erlw 5V I» 4Z. Leipziger MIeU'-upvlyrlr, Straße 74 tDänhoffplo») Rekorl Retor» Retor«, Retordj Rekord I Rekord) Rekord Rekord Rekord Rekord Rekord Rekord Rekord Rekord Rekord ve» Rekord den Rekord Rekord»vre Rekord der Rekord der Rekord der Rekord der Rekord der Rekord der Rekord der Rekord der Rekord der Rekord der Rekord der Rekord der Rekord der Rekord der. Rekord der; Rekord der 1 Rekord der ttu, Rekord der Qua Rekord der CeiS Rekord der vertzs Rekord der Käutz Rekord der AusÄ Rekord der Ouokj Rekord der L-isiä Rekord der BerbN Rekord der XäufS N»k»rd der SlustjL Rekord der DualiiJ. 2,'orfc der CeifiuS Rekord der Verdi» Rekord der Käusem Rekord der vuowai Rekord der QuolircE R'kord der Leistung Rekvrp der Verbillig Reford der»öu-erzS Rekord»er Au.woztz Rekord der vuolliät« Rekord der Leistung Rekord der verdilligS Rekord der Käuterioff Rekord der Auswahl P Rekord der Quolitäten» Rekord der LeisiunzertJ Rekord der verdilliguj» Rekord der Käufer., ohl� Rekord der Auswahl.« Rekord der Duafilaien l'i Sefurd»er Leistungen D Es ist uns unmöglich, die tausend und abertausend ungewöhnlidt billigen Angebote hier aufzuzählen. Besuchen Sie uns bitte bald: Jeder Besuch lohnt sich! '"------.o4r Spangenschuhe Herren-Socken reine Wolle, gestrickt,'VC grau und schwarz.... 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Der Kampf der Klosien in Deutschland, wer die Krisen- l o sl e n tragen soll, ist auf dem Höhepunkt. Gestern wurden die Schiedsrichter für die endgüllige Schlichtung des großen Berliner Metallarbeiterkanrpses ernannt, der Reichskanster Brüning hrelt nn Reichsrat ein« große Rede, die mit den einge- brachten Dutzenden von Gesetzentwürfen ebenfalls tief in den Krisen- kämpf eingreift, und der L a n g n a m v e r e i n sowie der Verein deutscher Eisen- und Stahlindustriellcr haben ebenfalls gestern geineinsam in Düsseldorf eine demonstrative wirtschaits- politische Tagung abgehalten, die die Entscheidung des Kampfes um die Krisenlasten zugunsten der linternehnlerllasse zu beeinflussen sucht. Den Unternehmern ging es in Düsfeldorf um die Beein- slussung der Reichsregierung und um das Ohr der öffentlichen Mei- nung für ihre Ziel«. Leider geht der Kampf um die Verteilung der Krisenlasten immer noch in der Form vor sich. ob eine Senkung der Löhne der Senkung der preise oder ob die Preissenkung der Lohnsenkung vorangehen soll. Die Düsseldorfer Tagung, auf eine letzte Formel gebracht, war eine einzige Demonstration für die erste, von der Arbeiterklasse und von jedem vernünftigen Wirtschaftspolitiker bisher mit Nachdruck bekämpfte falsche Alternative. In der Weltwirtschaft sind Anzeichen dafür vorhanden, daß nicht nur die Preissenkung für die Rohstoffe, fondern auch die Preissenkung für die fertigen Waren in den entscheidenden Ländern bereits ihren Tiefpunkt erreicht und überfchritten IM und daß jetzt bereits der Kampf um den Anteil am Welthandel anhebt. In Düsseldorf aber wurde— leider ist auch die Reichsregierung noch nicht weiter— noch um Voraussetzungen zu weiteren Preissenkungen ge- kämpft! Man hat gar nicht gemerkt, daß es wahrscheinlich schon fünf Minuten nach zwölf ist und daß man jetzt schon um des Kaisers Bart streitet, wenn nicht mit vehementer Wucht in Deutschland alles� roas auf dem Gebiete der Preissenkung noch nachzuholen ist, um den Anschluß an den Wltmarkt nicht zu versäum«», ohne Rucksicht auf irgendwelche noch möglichen D o r o u s s e tz u n g e n für diese Preissenkung durchgeführt wird. Es ist infolgsdefjen keine guke Rote für die Düsseldorfer Tagung möglich, und wir fürchten, daß die Tagung nur als Zeugnis für ein neues Versagen� der privatkapitalistische ii Wirtschaftsführung und leider auch der Reichsregierung in die Geschichte der deutschen Krisenbekämpfung des Jahres 1930 eingehen wird. Die Tagung hotte vier Redner. Für die Schwerindustrie Dr. Springorum und Dr. Poensgen, für die verarbeitende Industrie Dr. Müllcr-Oerliirghoufen und für das der Industrie nahestehende Bantkapital Dr. Werner Kehl von der Deutschen Bank, dessen Rede oeoen die öffentliche Wirtschaft und für den Substanzverkaus öffent- sicher Werke ans Ausland auf der Tagung des Reichsverbandes der deutschen Industrie im vorigen Jahre großes Auffeilen ge- macht hat. Die Begrüßungsansprache Springorums, das Schluß- rcferat poensgens entsprachen den bekannten'Ausfassun- gen und der doppellen Äloral der Schwerindustrie: Ticies Bedauern und Tränen für die dem arbeitenden Volk Pi» zumutenden hohen Opfer, im Ergebnis aber die harte und nackte Forderung scharfer Lohnsenkung. Die Reden Müller-Oerlinghausens und Kehls entwickelten viel vernünftige Theorie, kamen aber zu denselben unsachgemäßen Schlüssen wie die Vertreter der Schwerindustrie. Die Regie war einheitlich darauf abgestellt, daß die Arbeiter. Angestellten und Beamten durch Lohn- und Gehaltsabbau die Opfer der Krise zu kragen haben und so die voraussehungen zu weiterem Preisabbau schaffen müssen. Aus der Rede Springorums ist die Bemerkung charakte- riftifch, daß die vom U n t« r 11 c h m e r zu bringenden Opfer ihre Grenze in den Selbstkosten und in den not- wendigen Rückstellungen für Erneuerung, Wiederbejchaffuug und Schuldentilgung finden müssen. Das ist die kurzsichtige und engstirnige Auffassung, daß der Unternehmer auch in der Krise die Rentabilität aufrechterhalten müsse und es nicht nötig habe, in der Konjunktur gewonnene Reserven durch Preissenkungen in der Krise zu opfern, und die bewußt davor die?lugen schließt, daß gerade die kapitalstarken Industrien in Deutschland durch schivere Fehl- dispositionell und Uebererzeugung die Auswirkungen der Krise be- sonders verschärft hoben. Für die Rede von Poensgen ist die Verkennung des Zu- fammenhanges zwischen Rationalisierung und Lohnerhöhung charakteristisch, die Bezeichnung der Theorie der Kauf- kraftsteigerung als Irrlehre, die Forderung der völlig freien Lohngestalluvg durch die privalwirlschaft und das Bedauern über die nun einmal unvermeidlich gewordenen sehr großen Lohn- und Gehaltsopfer, die gebracht werden müssen. cherr Poensgen, einer der verantwortlichsten Vertreter der so übersteigerten und gefährlich gewordenen Kartellpreispolitik würde sich'freilich selbst enthüllen mit der den Tat- fachen allein entsprechenden Feststellung, daß die Rationalisierung nur durch die Unterlassung der Preissenkung in den Kartellindustrien und durch die Politik der hemmungslosen Selbstfinanzierung, nicht ober durch die Politik höherer Löhne zu einem Fehl- schlag geworden ist. Es ist nicht notwendig, auf die Reden noch näher einzugehen. Ihr Inhalt war ja politisch bestimmt, das heißt auf den politischen Effekt von vornherein abgestellt, die Krisenlasten einseilig auf die Arbeiterklasi« durch die Voranstellung der Lohnsenkung vor die Preissenkung abzuwälzen. Einige Bemerkungen sind aber gerecht- fertigt zur Rede von Dr. Werner Sehl, des Verireters der Deutschen Bank. Richtig entwickelt Kehl in seiner Rede, daß die De- presston die Preise senkt(er nennt hier die Preise.zuerst— D. RI. daß sie die Löhne senkt, dl«"Warenlager verringert, Gewinn« frei- setzt, das Geld oerbilligt und so in stch die Voraussetzungen und den Anreiz zu neuer Investition und zur Ueberwindung der Krsie schafft. Richtig, daß wir diesen Weg hätten gehen sollen, wie Dr. Kehl gesagt Hai. Aber es ist wirklich nicht abzusehen, weshalb der Staat durch seine Eingriffe diesen Normalablauf poex Krise verhindert hatte, wie Dr. Kehl behauptet, während«s, in Wahrheit doch so ist, daß dieser normale Ablauf der Krise einzig und allein durch die unerhörte Hochhaltung der Kartellpreise in Oeulschland verhindert worden ist. Davon aber steht in der 20 Druckseiten langen Rede des Herrn Dr. Kehl kein Wort. Kehl gibt vollständig richtig eine düstere Prognose für die End- Wicklung des Welthandels in den nächsten Iahren. Er sagt mit Rech, daß Deutschland sich auf die sehr geschwächte Kauskraft seiner Weltkundschaft durch billigste Produktion und Preis« dnstellen miisi« und daß wir keine Zeit mehr zu verlieren haben, unsere Selbstkosten so starr und so rechtzeitig zu senken, daß der Anschluß an den Weltmarkt nicht versäumt wird. Herr Kehl bekennt hier aber und zwar im Gegensatz zu seiner richtigen K r i s« n r h e o r i«, daß die Senkung der Selbst- kosten, also auch der Löhne, der Senkung der Preise voran- gehen müsie. Herr Kehl w i d e r s p r i ch t stch aber auch noch sonst in schärfster Weise. Wenn wir in Gefahr sind, durch imgenügendc und zu späte Preissenkung den Anschluß an die Weltmarktentwicklung zu ver- lieren, dann darf die Kausfähigkeit des Inlandes nicht mehr gesenkt werden, was die Konsequenz einer generellen Lahnsenkung wäre, denn bei sinkendem Jnlandsabsatz kann kein« Kostensenkung mehr wirkungsvoll genug sein, um den Anschluß der deutschen Erportindustrie an die Entwicklung aus dem Weltmarkt zu sichern. Herr Kehl meint auch, daß neue Kapitalimporte nacl� Deutschland kaum zu erwarten seien und daß Lohnsenkungen auch deshalb nötig wären, weil dann die Reparationen voll aus der eigenen Kapitalbildung gezahlt werden müssen. Auch hier handelt es sich um eine Zweckformulierung. Einmal sind auch Kapitalimporte möglich un» nötig, und wenn wir, wie be- hauptet, die Reparationen tatsächlich aus Anleihen gezahlt hoben, dann wäre es sinnlos, gerade mitten in der schwersten Krise ohne Anleihen zur Reparatioiiszohlung plötzlich auskommen zu wollen. Deutschlands Kredit aber kann kaum durch die Abwälzung jener großen von Kehl ielbst festgeftellteii Fehldispositionen in der deutschen Industrie aus die Arbeiterklasse durch Lohn- und Gc- Haltssenkung gebessert werden, sondern nur dadurch, daß die Unter- nehmerklasse für die von ihr begangenen Fehler kapitalmäßig die Verantwortung und die Verluste übernimmt. Dr. Kehl hat weiter mit Recht gesagt, daß die gegenwärtige Weltkrise beweist, wie wenig der Ausbau der W c l t k a u f- t r a i t mit der Entwicklung der U e b e r p r o d u k t i o n Schritt gehalten hat. Es bleibt aber sein Geheimnis, wie diese Ueber- Produktion untergebracht werden soll, wenn seine Auffasiung vom Primat der Lohnsenkung zum wirtschaftlichen Geieß erhoben werden würde. Lehren für die Reichsregicrung. Man tut der Düsieldorscr Unteriiehmertagung nicht Unrecht mit der Feststellung, daß sie als politische Denionstration gut orgoui- siert, für die Lösung der K r i s e n p r o b l e m c in T�e u t s ch- land aber wertlos war. Die Tagung hat die Gefahr nicht erkannt, daß ihre Forderungen die deutsche Wirtschait ruinieren müssen, nachdem eigene Schuld viel zu lange die erforderliche Preis- scnkung verzögert und zugleich übersehen hat, daß der Kamps um die Frage, wer die Krisenlasten tragen soll, zu einer lebens- gefährlichen Verschärfung der Wirtschaftskrise für alle führen kann, weil schließlich überhaupt nichts geschieht. Dos ist es aber, was die Reichsregierung ans dieser Tagung lernen muß. Sie muß sich bewußt sein, daß die Anternehmertagung in Düsseldorf nur Probleme von gestern, nicht Ausgaben von heute behandelt hat, und daß sie der deutschen Wirtschaft den schlechtesten Dienst leistet, wenn sie jetzt noch aus die Forderung der Unternehmer irgendwelche Rücksicht nehmen würde, daß die Lohnsenkung einer Preissenkung vorangehen müsie. wenn jetzt nicht mit allergrößter Wucht der Turm der Kartellpreise eingerannt und die Kleinhandels. preise bis zum letzten Verbraucher gesenkt werden, dann hat Deutsch- land für die Ueberwindung der Wirischastekrise wahrlich sehr schlechte Aussichten, mögen die übrigen Pläne und Arbeiten der Reichs- regiernng noch so gut gemeint sein. Oer westliche Elektro-Riese. Bilanz ttnO Zahfesbericht vom RWE. Das größte deutsche und europäische Elektri» zitätswerk, die Rheinische Elektrizitäts Werk A.-G., hat seine Bilanz zum 3V. Juni 1930 veröftentlichl. Die Zahlen des Geschäfts- berichtes und der Bilanz beleuchien eindringlich die riesenhaften Sprünge, die dieser von den Alpen bis zur Nordsee das westliche Deuki'chlaird immer stärker beherrschende Konzern auch im vergangenen Jahre wieder gemacht hat. Die nutzbare Stromabgabe der Kouzeriuverk« stieg von 2067 aus 2782 Millionen Kilowatistunden; innerhalb des RWE. und der Konzernuniernehmungeu zusammen stiegen die ins Netz- ge- schickten Kilowattstunden von 2700 auf 3500 Millionen. Noch stärker als bisher ist das RWE. Krastlicferant für die Industrie: kaum 5 Proz. seiner gesamten Stromabgabe ist Lichtstrom für die breiten Massen. Dos w i ch t i g st s Ereignis des Jahres 1929/30 um die engere Verbindung, die zwischen dem RWE. und den Ber- einigten Elektrizilätswerkeii W e st f a l e n durch jene bekannte, von den deutschen Großbauken in erster Linie ge- förderte Prioatisiei-ungsaktion hergestellt wurde, die bei der Kapital- beschofsung für die VEW. unter Zurückdrängung des kommunalen Einflusses erfolgte. Eine te ch n i j che�G r o tz l e i st u n g ersten Ranges, ein Markstein in der europäischen Elektrogeschichtc ist die endgültig hergestellte Schienenverbindung zwischen dem Golde n berg-Werk Köln und den Wasserkraft- werken bei Bludenz in Vorarlberg, durch die in einem bisher unerhörten Maßstabe Wasserkraft und Braunkohlen- kraft nebeneinandergekoppelt worden sind. Am l7. April 1930 wurde zum ersten Male das gesamte Hochspannungsnetz zwischen Vorarlberg und dem Niederrhein unter Spannung gesetzt. Zum Kapitel der politisch bedeutsamen Tätigkeit des RWE. gehön iieben der vollzogenen engeren Verknüpfung mit der Ver- einigten Elektrizitätswerken Weftfoleu auch der Uebergang der bis- herigen RWE.-Beteiligung an der kommunalen Frankfurter vollziekst sich eine ebenso in seiner elettropolitischen Gas A.-G. auf die Stadt Fronksurt. Die Frankfurter Gaswerke sind jetzt vom Einfluß des RWE. frei. In den Finanzen des RWE. sprunghaft« Entwicklung wie Ausdehnung. Das letzte Geschäftsjahr brachte eine Kapitolerhöhung um 60 auf 243 Millionen(1924 erst 126,4 Millionen) und eine neue Dollaranleihe im Betrage von 84 Millionen Mark, womit sich die gesamte ausländsiche Zlnleiheoerfchuldimg auf 265 Millionen erhöht hat gegen nur 103 Millionen im Jahre 1927. Die Bilanz zeigt eine Vennehrung des Anlagenwcrtes eigener Betriebe um 145 auf 608 und ein« Vermehrung des Beteiligungskontos um 38 auf 165 Millionen. Die Abschreibungen wurden um 24,6 auf 185,9 Millionen erhöht. Die ausgewiesenen Betriebsgewinne und Zineeimiahmcn sind von 60,7 aus 72,1 Millionen gestiegen, der ausgewiesene Reinüberschuß hat sich von 20,3 aus 26,5 Millionen vermehrt. Das deutlichste Zeichen der sprunghaften Sonzernous- deh mmg ist der Index der Bilanzsumme. Sie stieg im Jahre 1929/30 gegen das Vorjahr von 762 aus 1002 ZNilllonen Rlark, also auf über eine Milliarde und ist gegen 1925 fast genau verdoppelt und gegen 1924(276 Millionen) nicht viel weniger als vervierfacht. Die Politik des RWE. war in unseren Spalien sehr oft Gegenstand scharfer Kritik. Dos RWE. trat im letzten Jahre mit politisch bedeutsamen und ftir die Prioatisicrungstendenz charakteristischen Expansionen nur bei den Vereinigten Elektrizitäts- werken Wcstsaie» klar in Erscheinung. Hier freilich um so Mündlicher. Wir werden in unserer Aufmerksamkait gegenüber der Tätigkeit dieses Riesenunternehmens nicht nachlasien: denn dieser Elekiroriese im Westen ist von so überragender gesamtwirtschaftlicher Bedeutung, daß ohne nachdrückliche Anteilnahme der Oeffentlichkert an seiner Entwicklung allzu leicht gesamtwirtschaftliche Schädigungen unvermeidlich werden. Stimmungsmache der Agrarier Wie Agrarier Politik gegen die Preußenkasse machen.— Die Kunst der Protestorganisation. Kürzlich wurde noch längeren internen Länipfen festgelegt, daß auch Dünge mittelkredite nicht grundsätzlich, sondern bei ausreichender Sicherheit nur in Einzelfällen gestundet werden sollen. Als ein Beispiel für die Methoden, niit deren Hilfe aber versucht wurde, die Frage der Düngemittelkredite der Preußi- schen Zentrolgenosienschaftskosie auizubauschen und in dieser Angelegenheit Protestakiionen zu orgaUifiercii. ist folgendes Rundschreiben der Interessengemeinschaft brennerei- loser Betriebe E. V. und des Kartoffeloer- werlungsverbandes Pomniern-Ncuniark-Grenz- mark G. m. b. H. vom 27. Oktober sehr interessant. Es lautet: Besondere Mitteilung! Wir bitten, überall wo es nicht möglich ist, die Düngerwechjel dcr Preußenkasse einzulösen, telegraphisch unier Vrokest gegen die Haltung dcr Preußenkasse an dos Reichsernährungsministerium Milleilunq zu machen. Es ist wünschenswert, wenn diese Tele- gramm« schon morgen, Dienstag auf der Kar« toffelkonserenz �vorliegen. Telegrammadresie: Reich?- landwirlschoftsmin ister Schiel«. Berlin, oder Reichsernährungs Ministerium, Berlin. Wir wären dankbar, wenn uns die'Ab- sendung eines solchen Telegrammes schriftlich(Brief) nach Stettin mitgeteill würde. Ergebcnst:(Umerschnft) So wird's gemacht! Ilmnittelbarer Telegrammfttirni von einzelnen Zlgrariern auf die Reichsregierung, wenn normoie Privat- schulden, wie Düngemittelwechsel sie darstellen, eingelöst werden sollen. Das ist in der östlichen Landwirtschaft zur Selbstverständlich. lest geworden. Wie wäre es, wenn Zeder Arbeits- lose, den die Arbeitslosigkeit mindestens so drückt, wie den Agrarier der Düngemittelwechsel, bei seiner Entlastung aus den, Betrieb dem Reichsarbeilsminister ein Protesttelegramm schickte und die Gewerkschaften den Rummel organisierten? Erhebliche Besserung bei Earl Klohr. Die Carl F l o h r A.-G. in Berlin und Wittenau, die in der Hauptsache niechanische Aufzüge, Rolltreppen usw. fabriziert, Hot das Geschäftssohr 1929/30 in Anbetracht der Krise recht günstig ab- geschlossen. Während im vergangenen Jahr ein Bcrlust von 340 000 Mark entstanden war, wurde diesmal ein Neberschuß er- zielt, desien Höhe noch nicht bekannt ist. Der Umsatz hat sich trotz der rückläufigen Baukonjunktur aus der Höhe des Borjahres gehalten und infolge Senkung der Gc- st e h u n g s k oft e n konnte nach der Mitteilung der Berwattunq der Anteil an den zur Vergebung gelaugten Zlnfträgsn nochwesent- (ich vergrößert werden. Im Witten auer Werk der Gc- sellschast wird gegenwärtig wieder voll gearbeitet, während dcr Ber- liner Betrieb nach bestreikt wird. Der Kaliabsatz im Oktober. Der Absatz des Deutsche» alisyndikais stellt« sich un Ottober auf 716 59L gegen 791 518 Doppelzentner Reinkali im Oktober 1929. Der Rückgang gegen- über dem gleichen Monat Des Lorjahres ist hauptsächlich durch die starken Boreindeckungen, die im August und September durchgeführt wurden, bedingt— Im ganzen genommen liegt dcr Kaliabsatz vom Januar bis Oktober 19 3 0 mit 12,21 Mil- lionen Doppelzentnern noch um fast 40 000 Doppelzentner über den Abiatzzisiern des Vorjahres. Die gute Kolikoiii'mktur ■ der letzten Jahr« ist also von der Krise bisher noch nicht in Mi:- ' leidepichajt gezogea worden. Mäßigende Lohnsenkung? Wie man die Last der Arbeitslosigkeit beheben kann. Z>or Reichsarbeitsminister Hai gestern in seiner Rede vor dem Reichsrai u. a. auch über die Lohnpolitik gesprochen. Man spreche in Deutschland, sagte der Reichsorbeitsminister, von st a a t- licher Lohnsenkung. Aber in anderen Ländern, so in Eng- land in der Textilindustrie und in Belgien in der Eisenindustrie seien die Löhne auch gesenkt worden, obwohl dort ein staatliches Schlich- iungswesen nicht bestünde. In einer Zeit, wo wir in Deutschland 3� bald vielleicht 4 Millionen Arbeitslose haben. würde Ruhe und Ordnung gefährdet werden, wenn inan die Lohn- frage dem freien Spiel der Kräfte überließe. Die Reichsregierung stehe vor drei Möglichkeiten! 1. Stabilisierung der seitherigen Löhne: 2. freies Spiel der Kräfte; 3. mäßigende» und regulierendes Eingreifen der Regierung Rur der letztere Weg fei gangbar. Wenn man es so hört, könnte es leidlich scheinen. Wie liegen aber die Dinge in der Tat? Daß es auch ohne staatliches Schlich- tungswefen vorkommen kann und vorkommen wird, daß hie und da in Zeiten der Krise Löhne und Gehälter getürzt»Verden, hat noch niemand bestritten. Doch darum dreht es stch nicht. Wenn der Reichsarbeiisminifter besonders auf die große Arbeitslosigkeit hinweist und auf die Gefahr, die dadurch für die öffentliche Ordnung entfloht, fo befindet er sich damit im Kernpunkt des Problems. Die Frage, die es heute zu entscheiden gilt, und an der in Deutschland, da wir nun einmal«in öffentliches Schlichtungswesen haben, die Regierung nicht vorbei kommt, ist eben die: Wie kommen wir an» dieser katastrophalen Arbdtsbsigkeil heran»? Es ist richtig, daß in England l»» der Textilindustrie nach einem großen Streik ein Schiedsgericht eingesetzt worden ist, das el,»«n bindenden Schiedsspruch gefällt hat, der die Löhne um Proz. kürzte. Ist dadurch die Arbeitslosigkeit in der englischen Textilindustrie zurückgegangen? Tatsächlich hat sich die Krise in der englischen Textilindustrie seitdem verschärft. Herr Stegerwald hat wiederholt in öffentlichen Reden darauf hingewiesen, daß man vor allen Dingen dahin streben müsi«, die Arbeitslosen wieder in die Produktion einzureihen Wie kann das geschehen? Etwa durch einen Lohnabbau, den man deshalb für„maß! g* erklärt, weil die Uirternehmer einen doppelt so hohen Lohnabbau verlangen? Wir haben noch von keinem Wirtschaftler, von keinein Politiker außer von den Unternehmern selbst die Behauptung aufstellen gehört, daß eine Herabsetzung der Löhne die Aermehruisy des Absotzes zur Folge haben müßte. Jede Unternehmergruppe für sich allein rechnet so: wenn die Löhne unserer Arbeiter herabgesetzt werden, ohne daß die Löhne der Arbeiter der anderen Industriegruppen folgen, dann verkaufen wir billiger, die anderen können mehr kaufen, der Absatz steigt, also ist die Lohnsenkung die Voraussetzung für die Steigerung des Ab- fatzes. Daß eine Unternehmergrnppe von ihrem egoistischen Umer- nehmerftandpunkt aus und daß z. B. die Vereinigung der deutschen Arbeitgeber-Verbände, die ja nur ein Konglomerat von solchen „IMeressentenhaufen" ist, so die Frage der Ankurbelung der Wirt- schaft beantwortet, ist nicht weiter verwunderlich. Anders aber hat sich die Regierung und hat sich die oberste Schlichtungsinftaa» — und das ist schließlich der Reichsarbertsminister— die Dinge vor- zustellen. Gerade der 5)inwels des Reichsarbeitsministers auf Belgisn trifft daneben. Dort sind die Löhpe gesenkt worden n a ch der Senkung der Lebenshaltungskosten.. Bei uns will man es umgekehrt machen. Bei uns spricht man zu Unrecht von einem hohen Lohn- Niveau. Man vergißt, daß unsere Löhne erst wieder nach der Inflation mühsam und in harten Kämpfen wieder aufgebaut werden mußten, und daß seit mehr als einem Jahr tatsächlich die Löhne ganz erheblich gesenkt worden sind. Mindestens 75 Proz. der Arbeiter in Deutschland »»erden im Akkord beschäftigt. Man sehe sich einmal Z. B. in den Betrieben der B e r l i n er M e t a l l i n d u st r i e um, wie dort heute die Akkordpreise kalkuliert werden. Die Schiedsrichter, die in den nächsten Tagen hier zusammentreten werden, würden sich ihre Arbeil wesentlich erleichtern, n>enn sie die K a l k u l a t o r e n aus den Be- trieben des Verbandes Berliner Meiallindustrieller vernehmen würden. Sie würden ihr blaues Wunder erleben. Es ist gar keine Seltenheit, daß diese Kalkulatoren erkläven. die ihnen von der Direktion vorgeschriebenen Akkordpreise könnten unmöglich«in- »gehalten werden. Außer dieser Lohnsenkung, gegen die der Tariflohn nur ein nowürstiger Schuhwall ist, müßte die Lohnsenkung durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Er- höhung der Sozialbeitrög«..Erhöhung der Fahrpreis« und Mieten gleichfalls berücksichtigt werden. Wie stellt sich die Reichsregierung die Ankurbelung der Wirt- schaft vor, wie hofft der Reichsarbeitsminister die vier Millionen Arbeitsloser— ohne Kurzarbeiter— wieder in die Produktion ein- zureihen, wenn zu diesen Lohnsenkungen eine noch weitere „in S ß i g e" Lohnsenkung sozusagen von Staatswegcn hinzutritt? Ist es denn ein Zufall, wenn die hemmungslos« Demagogie der Kommunisten und der Nationalsozialisten auch unter der Arbeiter- schaft so viel» Gläubig« findet? Die Lohnsenkung, von der Herr Stegerwald spricht, wirkt in Wirklichkeit nicht mäßigend, sondern r a d i k a l i s i« r e n d. Sie tragt vor allen Dingen dazu bei, unser« Wirtschaftskrise noch zu verschärfen. Im Zeichen der Krise. Katastrophale Arbeitslosigkeit in der Holzindustrie. Die Berliner Ortsocrrvaltung des Holzarbeiierverbandes muß in diesem Jahr einer Belastungsprobe standhalten, wie sie »n ihrer Geschichte noch nie zu verzeichnen war. Von Quartal zu Quartal ist die Zahl der arbeitslosen Holzarbeiter in Berlin sprunghaft gestiegen. Am Schluß des zweiten Quartals waren in Berlin 17557 Holzarbeiter arbeitslos, om 30. Sep- tember waren es bereits 20 124, also 2567 mehr! Dies« Entwicklung aus dem Arbeitsmarkt ist um so kata- strophaler, als sie n a ch der M ö b e l in e s s e in Berlin erfolgte, auf die hinsichtlich der Belebung der Geschäftslage in der Berliner Möbelindustrie immerhin einige Hoffnung gesetzt werden konnten. Di« Verschlechterung der Arbeitsinarktlage hat aber immer noch nicht ihren Höhepurikt erreicht. Am 31. Oktober waren auf dem Arbeitsnachl»eis der Beniner Holzindustrie schon 20 753 erwerbslos« Holzarbeiter eingetragen. Daß es unter diesen Umständen der Organisation noch nicht gelang, den seit dein 1. September in der Berliner Holzindustrie bestehenden tarif losen Zustand zu beseitigen, ist sehr be- greiflich. Wenn es trotz der Ungunst der Verhältnisse gelungen ist, teilweise in nmchenlangen Streits, fast alle Lohnobbauver fache der Holzindustrielien abzuwehren. ist das ein Beweis für die Schlagkraft des Holzarbeiierverbandes. In finanzieller Beziehung geht«s der Berliner Orts- Verwaltung des Holzarbeitemrbandes gleichfalls nicht rosig. Infolge der»nachsenden Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung sind von der Lokalkasse in den ersten drei Quartalen dieses Jahres 8(5793 Mark mehr ausgegeben als eingenommen worden Daß trotz dieser ungeheuren finanziellen Belastungen die Leistungen der Organisation nicht eingeschränkt wurden, zeugt davon, mrf welcher gefunden ftnanzieven Grundlage der Deutsche Holzarbeiterverband steht. Auf die Mitgliederbewegung konnte die Zunahme der Beschäftigungslostgkeit logischervxise nicht ohne Einfluß bleiben. Im dritten Quartal hat sich der Bestand der Ortsoerwaltung um 477 Mitglieder verringert: an dem Mitglicderrllckgang sind— und damit wird eine alte ge>oerkschaftlich« Erfahrung aufs neue bestätigt— nur jugendlick,« und weiblich? Mitglieder beteiligt. Mit Einschluß der rund 500 Mitglieder, die durch den Anschluß der Szxnidouer an die Berliner Zahlstell« an» 1. Juli hinzugekonunen sind, zählte die Berliner Orisverrvaltimg des Holz- arbeiterverdandcs am 30. September 26 05 l Mitglieder. In der Generalversammlung an» Montag sprach der Berwllmächligte, Genosse F r e i g a n g, die Erwartung aus, daß für die Organi- fation auch wieder die Zeit kommen wird, in der er emen günsti- gcren Geschäftsbericht erstatten kann. Angesichts dieser durch den Zwang der Verhältnisse diktierten Entwicklung fanden die„oppositionellen" Generalversammlung»- delegierten keinen rechten Anknüpfungspunkt für ihre„grundfätz- liche" Kritik an der Tätigkeit der Ortsverwalwng. Aus Mangel an Diskussionsstoff kritisierten sie den— Metallarbeiterstreik und einen Unterstützungsfall innerhalb der Organisation, der zudem noch in einem ganz falschen Licht« dargestellt wurde. Die„resor- mistischen" Diskussionsredner wartete» mit so beweiskräftigem Material über das schäiiige Verhalten der KPD. und ihrer RGO. genannten Gewerkschaftsfiliale auf, daß die zahlenniäßig ohnehin bedeutungslose„Opposition" in der Generalversammlung der Ber- liner Holzarbeiter völlig verstummte. Stock&<5o. verurteilt. ÄisgemaßregettenLehNinge müssen weiterbeschaftigtwkrden Wie wir seinerzeit mitteilten, hat die Firma Stock u. Co. in Marienselde 23 Lehrlinge sristlos entlassen, weil sie der Jugendorganisation des Delitschen Metallarb citerverbandes angehörten und eine Lehrlingsversammiung dieser Organisation be- sucht haben. Die Firma glaubt die Maßregelung rechtfertigen zu können durch eine« Passus des Lchrvertrages, der besagt, daß der Lehrling, wenn er einer Verclnigung irgendeiner Art beitreten will, dies dem Lehr- Herrn anzuzeigen hat. Der Vorsitzende bemerkte hierzu, daß die Firma nach dem Ver- trage doch nur die A n z« i g« verlangen, aber nicht verhindern könne, daß die Lehrlinge einer Organisation beitreten.— Aber dos will die Firma in der Tat verhindern, und zwar, wenn man die Ausführungen der Herren für bare Münze nimmt, aus einem ge- wissen in Industriebetrieben unbekannten„väterlichen Wohlwollen". Gegen den Metallarbeiterverband hätten sie gar nichts. Aber die jungen Leute dürften stch einer Organisation erst anschließen, wenn sie„fertige Männer" feien, das heißt nach beendeter Lehrzeit. Vor- her dürften sie nicht politisch beeinflußt werden, dadurch würde die berufliche Ausbildung gefährdet. Was man dem Metallarbeitcrver- band geftolle, das müßte man auch der Hitlerjugend, dem Iungdo, dem Stahlhelm usw. zugestehen, und dann würden die Streitigkeiten «riter den junge» Leuten kein Ende nehme«. Opposition bei den Tapezierern erledigt. Die wirNiche Einheitsfront marschiert. Eine äußerst stark besuchte B rauchen ver sa m m lun g der Tapezierer beschäftigte sich mit den Verhältnissen im Beruf und mit Tarisfragen. Da die Jahresversammlung der Branche scinerzeit von der Opposition" gesprengt wurde und die bisherige Branchenleitung auf Beschluß des Vorstandes die Geschäfte interimistisch weiterführte, stellte sie in der Berfammiung ihre Funktion zur Verfügung und beantragte Neuwahlen. Obwohl die„Opposition" im ganzen Jahre nach Neuwahlen geschrien hatte, paßte ihr es einmal wieder nicht in den Kram. Sie verlangte Wahl einer Verfammlungsleitung und Verschiebung der Neu- mahl auf einen späteren Termin, wohl weil sie ihr« Kandidaten noch nicht zusammen hatte. Die Versammlung dachte aber nicht daran, noch dazu, da der Besuch so stark war, wie seit Iahren mcht, auf diese Verschiebung einzugehen und beschloß, die Neuwahlen sofort vorzunehmen. Das Ergebnis war, daß sämtlichen bisherigen Mitgliedern der Branchenleitung, die auf dem Boden Amsterdam stehen, durch Wiederwahl das Vertrauen ausgesprochen wurde. Der Bevollmächtigte Osten gab dann einen Bericht über iie Situation im Beruf. Er mußte auf verschiedene Mängel hinweisen, die in den Betrieben eingetreten sind und forderte die Kollegen auf, jeden Pessimismus zu verbanne, i, um den kommenden Aufgaben gerecht werden zu können. Wohl war der letzte Vertragsabschluß so� daß im Lause des Jahres 1930 der Tarifmindestlohn von 1,34 M. auf 1,38 M. gesteigert werden konnte, aber der Ablauf ist nicht mehr fern und deshalb die Parole: gerüstet fein! Anschließend berichtete H o f f m a n n über Verlzandlungen mit den Unternehinern über den Abschluß eines Nachtrags zum Tarif- vertrag. Auch im Tapeziererberuf ist die Maschin« und die weib- liche Arbeitskraft eingedrungen. Dafür fehlten tarifliche Bindungen bisher, die nun in den Verhandlungen nachgeholt wurden und der Versammlung zur Beschlußfassung vorliegen. Die„Opposition" bemühte sich ohne Erfolg, cm den beiden Berichten in kleinlicher Weise rumzumäkeln. In der folgende» Ab- stmmiung über den vorgelegten Nachtrag zum Tarifvertrag wurde das von der Leitung vorgelegt« Verhandlungsergebnis gegen drei Stimmen angenommen. Alles in allem ein« Versammlung, die bewies, daß das Ver- trauen der organisierten Tapezierer zu ihrer Organisation nach wie vor besteht! Ein guter Auftakt für die Generalversammlung, die nächste Woche Dienstag stattfindet. August Heiimann 26 Jahre Angestetlier Don frühester Jugend an ist August Heitmann ununter- brachen und mit größtem Eifer in der Gewerkfchafts- und in der Parteibewegung tätig. Bevor er oirt 1. November 1905 im dü- «ualigen Hauptvorstand des Verbandes der Schneider, Schneiderin- neu und Wäjchearbeitcr angestellt wurde, hatte er länger als ein Jahrzehnt an dem Aufbau und der Ausbreitung der Organisation mitgewirkt Noch dreijähriger Anstellung im Verbände ivtirde er im Jahre 1908 auf dem Nerbandstag als Hauptkafflerer des Ber- b a n d e s gewählt. Seit jener Zeit stnd die Aufgaben in der Sassenführung außerordentlich gewachsen. Doch trotz der gesteigerten Aufgaben durch Einführung neuer Unterstützungseimichwngen, trotz der Schwierigkeiten der Kassenführung durch wirtschaftliche Kämpfe. Inflation und Wirtschaftskrise, hat Heitmann die Kassengeschäfte des Verbandes auf dos beste verwaltet. Wir wünschen dem Jubilar, daß er mit der gleichen Rüstigkeit und geistigen Frisch« auch für die fernere Zeit im Interesse des Verbandes wie der politischen Bewegung tätig sein kann. Demgegenüber wies der Vertreter des Metallarbeiterverbandcs darauf hin. daß feine Jugendorganisation nichts mit Politik zu tun habe, sondern sich lediglich die gewerkschaftliche, berufliche und kulturelle Schulung ihrer Mitglieder angelegen sein lasse, was auch von behördlichen Stellen anerkannt werde. Diese Schulung sei das beste Mittel, um die jungen Leute von den Irrwegen der Hitler- jugend uxid anderer derartiger Vereinigungen fernzuhalten. Das Vorgehen der Firma gegen die Kläger stelle eine Beeinträchtigung des gesetzlich gewährleisteten Rechts auf Bereinigung dar und sc: daher ungesetzlich. Die grundsätzliche Entscheidung des Gerichts besagt: Es wird festgestellt, daß das Lehrverhältnis der Kläger fortbesteht. Die beklagte Firma wird oerurteilt, den Klägern für die Zeit der Nichtbeschäftigung den vertragsmäßigen Lohn zu zahlen. Das Ge- richt ging davon au», daß die Vertragsklausel, wonach der Bestritt zu einer Vereinigung dem Lehrherrn anzuzeigen ist, nur eine O r d- nungsvorschrist sei, deren Richtbefolgung keinen Grund zur Entlassung gibt. Gtreikversammlung bei R Giock ,Marienfesde Heute nachmittag 2 Uhr in Manendors, Lokal„Alter Hos", Streikversammlung der Firma R. Stock u. Co. Wir machen die Kolleginnen und Kollegen daraus aufmerksam, daß jeder streikend« Kollege zu erscheinen hat. da in dieser Versammlung eine ge- h« i in e Abstimmung vorgenommen werden muß auf Grund. des Aerhandlungsbcrichte vom Montag, dem 3. November. Mit-! gliedsbuch oder Strsikkarte dient als Äu-weis. Die Ortsverwaltung. 1 Ein Zubilar im Gesamtverband. Heute feiert Genosse Paul Sleinicke feinen 60. Geburtstag. In ärmsten Lebensverhältnissen ausgewachsen, wurde er frühzeitig ein Kämpfer für den sozialen Aufstieg der Arbeiterklasse. Bereits am 15. August 1891 wurde Eteinick« Mitglied seiner gewerlschast- lichen Organisation und 1899 zum besoldeten Funktionär gewählt. Im Mai 1920 in das Hauptbüro des Deutschen Verkehrs- bundes berufen, ist der Jubilar heute noch in der Kafsenver- «altung des Gesamtverbandes als Angestellter tätig. Der Parte! dient Paul Steinicke schon seit dem 1. Februar 1891, als Mitglied und Funktionär. Der Sechzigjährige kann auf eine langjährige und ersprießliche Tätigkeit in der Wohlfahrtspflege zurückblicken. Wenn Partei und Gewerkschaft gerufen haben, konnten st« wmier auf die Mitarbeit Anseres Jubilars zählen. Paul Steinicke begeht seinen 60. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische. Dazu unseren herzlichen Glückwunsch! Achtung, Vcmorbeiter! Die Finnen Hermann König, Spandau. Baustelle Onkel Toms.Hütte, Aaufirma Sommerfeld. Zementbau. Lichtcrfelde-Ost. Berliner Straße, Baufirma Hörne- mann. Neu-Westend, Rcichstroßc, Baufirma B o b st, find lür Koksascheputzer und deren Träger wegen Nichteinhaltung des Tarif- Vertrags für stuckaewerblich« Arbeiten gesperrt. Baugewerksclzost Berlin. Fachgruppe Stuck- und Gipsbau. �rete Gewerkicha?is-6uaend Neriin Stute, Mittwoch, W/i injt, tagen die Gruppen: Saumschulenweg: Jugendheim Ernststr. IS, Heimbesprechunq.— Sleulölln: Gruppen. heim B-rgstr. JV, gof. Heimbisprechung, BerbandsbUcher mitbringen.— Süden, Lüdwesten! Siädt. Jugendheim Horckstr, II Igabrilgibiiudc), Seim- befprrchunq. Anschließend Frogekastenabend, Heimouewei»- und Verband�» diichiontrolle,— glughase»! Znaendbeim StenkiMn, glnghafenftr, de. Selm- delprechung. Reu- Spiele,— W-iß-nse-: Jugendheim Perkstr, W, Heim- defprechung. Gewerkschaftliche Dtnkusflon.— Siordring: Jugcndbejm Sonnen- buegcr Str. AI, Heinidesorechung, Seedandsbücher mitbringen. Schöneberg: Zugcndbeim Sauptftr, 15. Heimbesprechung. Berbandobuchloulrolle.— Hu»'- doldt! Zuge od he wl Graun. Eck? Lnrtzinostrone, Seimdesprechuna und Bcrdande- duidkontrolle.- i. Die njlhste Zugendnorstellung der Soliebühnr findet am 9, November, 1 4: u Uh-u tm Theater aiff Sillomplag statt. Zur Aulführung ge- langt:„Die Malrosen von Gcttcgo". Schauspiel von g. Dolf.»iarten zum Preise von 80 Pf. stnd in der Zügen dzenlral«, Gewerkschaitshaus. Engel- ufer 24—23. Zimmer 26. 2 Tr.. erbültlich.— 2. Unsere Zugendberatunaostelle ist jeden Mittwoch» von 18H,. dis 20 Uhr qcSffnet.— 3. M, dchrukomwissto.!,- figung 19',-j Uhr Zugendzentralc, Zimmer 20, 2 Tr, f Fugendr-rupv? Scs'Zenlra perdandes der Anaestellten Heute, M ttwvch. folgend« Veranstaltungen: Gesurdbrnmie», Zug-nd- heim Willdenowstr. 5. kortrag:„Die i'«oelut'sn von 1918". Aefecent Dt. Map Scha te.— Reivickerd-rs: Zugeudhe'm Sündoret Str. 3 lBarnckc). Brcttlpielobend.— stharlotiendnrg: Jugendheim 2 ostncnst.u 1 Mir besuchen die Vcrsavluilung deo Werbt bezirto— Schoueberg: Zugendhe m Lanptstr. UZ ivofgcbZubc. Sachienzimmer». Vortrog:„Svüiali-mvz—»ommunlomus Anarchi-inu-"."Tefcrcnt Zill. Diederich.- Sck Snhauser Sorstad.: Zugeudhe'm der Schule Nastanlenallee 81. Bortrag:„Moderne Wohnkultur". Referent Dr. Bcrger.- Obcrsprec: Riederschöneweidc. Berliner Str. A> Schule). Aue. spracheobend:„Weshalb besuch- ich die ZdA.-Iugevdgrupv.'n?''— Nordost: Zugcndheim Danziger Str. 62 fBaracke S)..�tieiin er Rovcinver", Abend eigener Ausgestaltung.- Stralau: Zuaeudheiw der Schule GoKlerstr. 01. Bortrag: „Sozial- und wirtschaftspolltifche Anschauungen in dir Neugeii". Referent Erwin Punzel.— Neukölln: Zugenbbeim Böhmisch- Str. 1— I, Ecke 5, anner Straße. Wir besuchen die Versammlung des Werbebc,iiks.— Südost: Jugend- heim Wraiigelftr. 128. Arbeitsgemeinschaft:„Soiiallomus". R-feren: Artur Rachow.— Spandau: Zugendbcim Linbcnufer 1. Wir besuch.": bic Vcr- bthac stolit. Satten hierfiv! sind m Zugenosek-eta-iat erhältlich Sma Stüfing:«/tei l Ms Nachbarskinder wuchsen sie auf, die beiden. Di« nachbar- Kchen Eltern freuten sich sehr über ihre Knaben, doch versetzte deren Existenz sie in einen dauernden Notstand und beschwerte sie mit drückendsten Sorgen. Die Knaben spielten miteinander, weit von Flurtür zu Flurtür, namentlich für Kinder, sich gar leicht das Freundschaftsband knüpft. Die Knaben besuchten die Schule, kamen in die Lehre und nach der Lehre wurden sie dem großen, namenlosen Heer der Arbeits- Wien eingereiht. Erst suchten sie hoffnungsfreudig nach Arbeit, weil die Jugend sich nicht unterkriegen lassen will, dann wurden sie gleichgültig und hernach dumpf und verzweifelt, infolge der ewigen Fehlschlüge. Ihr Leben war immer leer. Darum ver- kauften sie alle entbehrlichen und unentbehrlichen Sachen— schreckten selbst vor Abgab« von Möbeln nicht zurück—, nur lrm auswandern zu können. Sie wollten weit, weit weg, um Gold zu suchen. Sie waren nicht begeistert von ihrem großzügigen Plan. Sie wollten bloß weg von der Heimat. Sie wallten sich nicht selbst als taube Nuß ansehen und ihren Eltern wollten sie nickst länger zur Last fallen. Sie trotteten auf ihre Reise, wie das Schlachtvieh auf den Schlachthof. Da sie bereit waren, jedwede Arbeit zu ver- richten und da die schlimmsten Entbehrungen sie nicht schreckten, kamen sie ein gutes Stückchen hinein in die Welt, bis nach China. Für wenig Geld kauften sie ein Stückchen Land, das iin Gold- grüberbezirk lag. Die beiden hausten dort in einer Wohnung, die halb eine stets stützungsbedürftige Bretterwand und halb eine flatternde Zeltbahn war. Ein Zelluid-Moscottchen, mit schielenden Augen und überrotem Haarschopf, einmal gewonnen auf einem Berliner Rimrmelplatz, wurde, mit dicker Schnüre um den Leib, an das Zeltstück gehangen. Die beiden Goldgräber kannten weder Empfindlichkeit gegen menschliche Unfreundlichkeit noch gegen die Unbillen des Wetters. Si« schufteten tagaus, tagein. Und morgens, vor Arbeits- beginn, lagen si«, die Spaten neben sich, vor ihrem Zell und flehten: „Herr, gib uns Gold!"' Dieser Ruf war kaum ein Gebet zu nennen. Nein, dieses„Herr gib uns Gold!" war nötige Spannung und Entspannung zugleich: denn für diesen Augenblick konzentrierten sich alle geistigen Kräfte der beiden auf den Mut zum Glück. Sie gruben im Dreck, im klebenden Schmutz. Sie schoufellen, wenn die Sonne sie dörrte oder der Regen sie durchnähte. Es gab für sie keine Abwechselung. Es gab für sie nur graben und graben und graben. Ihre geistigen Kräfte kannten keinen Ehrgeiz, ihre Körper kannten keine ungezähmte Lebenstraft. Sie gruben, und wenn das Dunkelwerden ihnen Einhalt gebot, dann schlangen sie ihr Esten hinein und fielen hernach auf ihr Lager, als seien ihnen die Hände abgehackt und als wäre ihnen der Rücken zersägt. Aber trog der Schinerzen schliefen sie. Ihr« Körper nahmen sich eben gebieterisch ihr Recht. Sie gruben und gruben, aber sie fanben kein Gold. Der Ruf Alfred SPruget: Sclllllll? Wenn di« Leute in Prostesov, einem kleinen Dorf m Mähren, von Ar päd, dem sungen Schuster, sprachen, so nannten sie ihn nur den Zigeuner. Warum eigentlich? Bielleicht, weil sein Gesicht braun war und seine Haare schwärzer und feuriger glänzten als die der jimgen Burschen in Prostejoo. Bielleicht aber kam es auch davon, daß manchmal an stillen Sommerabeuden seine Geig« fremd« und heiße Melodien spielte, die nieinand vorher im Dorfe gehört lyaiie. Niennmd wußte auch, woher er eigenllich stammte. Sein« Ellem waren eines Tages mit einem kleinen, niedrigen Wagen, den ein struppiges Pferd zog, ins Dorf gekommen und hatten sich im Haufe des verstorbenen Schusters, das schon lange leer stand, niedergelassen. Und da der Mann sich auf das Handwerk des Verstorbenen zu ver- stehe» schien und später sein Hammer vom frühen Morgen bis in die Dunkelheit hinein in der kleinen Werkstatt klopste. hatten sich die Leute bald daran gewöhnt, den Zugereisten als den ihren zu be- trachten, und ihn- damit in die Gemeinschaft des Dorfes aufge- nommeu. Nur erfuhren sie niemals— und das verdroß im stillen die Leute in Prostejoo— etwas Näheres über die Herkunft der Fremden. Immerhin hieß es dann, daß der vierjährige Sohn nicht das eigen«, sondern das angenommene Kind der Schufterleut« wäre. Darüber vergingen Jahre. Es kam der Krieg, und Arpads Bater fiel in den Karpathen beim Sturm auf einen russischen Schützengraben. Die Witwe, den Männern des Dorfes noch immer begehrenswert, ober, wie es schien, allen Werbungen unzugänglich, lebte noch einige Jahre mit dem heranwachsenden Sohne zusammen. Bis auch sie einer tückischen, fiebrigen Krankheit erlog, die in den Iahren nach dem Kriege durcb dos Land schlich. So hatte asto Arpad das Gewerbe seines Vaters übernommen und hockte wie jener in der kleinen, halb finsteren Werkstatt auf dem Schemel. Di« Bauern brachten auch ihm ihre groben Stiefel, und nur dann und wann ließ sich ein Mädchen ein Paar feine, zierliche Schuhe aus weichem Leder anrnesten Arpad hatte so sein Aus- kommen. Nicht viel, aber es genügte ihm. denn er war anspruchslos und ging fast nie unter Leute. Weder im Wirtshaus noch auf dem Festplatz begegnete man ihm. Eimge Mißgünstige behaupteten denn auch, er hätte den bösen Blick, und man sollte sich vor seinen Augen in acht nehmen. Doch hielten ihn die meisten für einen fleißigen Menschen, der sein Tagewerk rechtschaffen vollbrachte. Do geschah es eines Abends, daß ein Zigeunertrupp durch dos Dorf zog und auf dem freien Platze vor der Schenke sein Lager auf- schlug. Die Leute zündeten in der Dämmerung ein großes Feuer an und hängten ihre Kessel darüber. Später hört« man sie singen. Auch nahmen sie ihre Geigen zur Hand spielten die Melodien ihrer Heimat— der braunen Pußta. Es dauerte nicht lange, da klang ihren Liedern aus dem Dorf ein Echo. Es kam aus dem Hause des Schusters. Ein« Geig«, genau so heiß und wild, sang durch die Nacht. daß die om Lagerplatz aufmerkten und verwundert in die Nacht hineinhorchten. Zur gleichen Zell schlich sich eine, junge Zigeunerin aus dem Lager und schritt, angelockt von dem merkwürdigen Widerklang, bis ans End« des Dorfes nach dem Hause, aus dem jetzt wehmütig, voller unstillbarer Sehnsucht, die Stimme der Geige drang. Arpad stand wie immer Im Dunkel der Werkstatt imd setzte jäh die Geige ab, als er das junge Weib in der Türe stehen sah. Einen Augenblick herrschte Stbweigen. Nur ihrer beiden Auoen leuchteten. "„Du bist doch Schuster. Ich weiß es", sagt« dos Mädchen endlich mit einer harten, befehlenden Stimme.„Miß mir ein Paar Schuhe cml Da, schnell, worauf wartest du noch?" „Stell' den Fuß auf den Schemel?" entgegnet« der Schuster. Das Mädchen streifte ihren staubigen Schuh ab und stellte den Fuß auf den Schemel. „Du hast einen sehr Keinen Fuß, wie man ihn hier im Dorfe Seifen findet", sagte Arpad und nahm das Maß, wie er es von fewem Bat« gelernt hatte. , gib uns „Herr, gib uns Gold!", war schon lange zum Schrei geworden. Sie lebten fast nur von Wasser und Brot, jedoch jammerten sie nicht über ihre Armut. Si« gruben nach Gold. Sie wußten gar nicht mehr, daß die Welt in jede Woche einen Feiertag ein- geschoben hat. Beide wurden krank. Beide lebten in stetem Wechsel von Fieber und Schüttelfrost. Sie gruben im schmierig klebrigen Erd- reich und flehten Morgen für Morgen:„Herr, gib uns Gold!" Nicht weit entfernt wurde das Gebiet raffiniert planmäßig ausgebeutet. Man hatte Maschinen, die das Erdreich umwühlten, man hatte Maschinen, die den lehmigen Boden gründlichst wuschen und man fand dort Gold. Es ward aufgespeichert in einem massiven Gebäude. Das war mit unüberfteigbaren Mauern umgeben, das wurde Tag und Nacht von gut und festbesoldeten Menschen bewacht. Und im Innern des Gebäudes, da lauerten Maschinengewehre, da waren hinter kleinen Mauerlöchern sinnvoll konstruierte und schnell aufzuinontierende Massenmordwaffen versteckt. Dennoch wurde eines Tages ein Sturm auf diese Goldfestung gemacht. Er wurde natürlich zurückgeschlagen und die Angreifer, die nicht auf dem Platze vor der Festung blieben, die endeten durch ein schleunigst herbeordertes Erschießungskommando. Zwei oder drei Eingeweihte entkamen. Sie hiellen sich verborgen, sie über- krochen das Gebiet der beiden Goldgräber. Die wußten nichts Genaues. Doch ahnten sie infolge der Unruhe im ganzen Gebiet ungefähr die Vorgänge. Sie regten sich nicht aus, sie gruben weller nach Gold. Da sanken sie eines Morgens ein Paar Schaft- sttcfel und ein« Lederjacke. Umschichtig trugen sie die wertvollen Sachen. Den einen Tag trug der eine die Stiefel und stand trocken im feuchten Erdreich, und den anderen Tag wärmte die Lederjacke ihm den Rücken und ließ den Regen nicht sein Hemd auswaschen. Nachts aber kauerten die beiden eng aneinander und breiteten die Lederjacke über dem Lager aus. Sie wärmte und Wärme tut, wohl, wenn auch schmerzend« Glieder unter ihr besonders zucken. Bon der Goldfestung aus suchte man die Entwichenen. Man kam auf das Gebiet der beiden Goldgräber. Man sah die Schaft- stiefei, man sah die Lederjack«, man konstruiert« ein Einvernehmen mit den Aufrührern. Noch vor der Vernehmung war dos Todes- urteil bereits beschlossen. Angestautes Gefühl bedarf dann und wann einer Explosion. Im Goldgräberdistrikt muß man gewaltsam für Ereignisse sorgen. Was ist ein Menschenleben in dieser Region, wo ein Goldklumpen alles bedeutet. Man schleppte die beiden vor das Erschießungskommando Si« hatten Angst vor dem Tod, sie waren dumpf gegen das Leben. Es war Morgen und da knieten beide gewohnheitsgemäß nieder, und da si« ihre letzte Rechnung weder mll Gott noch mit den Menschen machen tonnten, flehten sie ihren üblichen Morgengruß: „Herr, gib uns Gold!" „Ich weiß es", hört« er wieder ihre Stimme, halb spöttisch, halb ungeduldig.„Aber hörst du, ich will, daß du rotes Leder nimmst!" „Wann willst du sie haben?" „Warte," sagte sie,„warte! Ich komme wieder."— Und kaum hatte er das Maß aus der Hand gelegt, da war sie auch schon ver- schwunden. Arpad strich sich über die Stirn— träumte er? Aber da war Ihm plötzlich, als wäre aus ganz frühen Tagen„ undeutlich und verwischt, eine Erinnerung an ihm vorüber geglitten. Eine Erinnerung aus Kindertagen— wie Heimat. Und er hatte sie nicht festhalten können. Am nächsten Morgen— die Zigeuner hatten noch halb in der Nacht das Darf verlassen— ging er mi die Arbeit Er nahm das feinste Leder, dos er in der Werkstatt fand, Mit unendlicher Sorg- fall schnitt er es zu und nähte die einzelnen Teile zusammen. Als er endlich nach Ablauf der Woche die Arbeit beendet hatte, hing ein Paar wunderschöne Schuhe im Fenster. Rote Schuhe, so zierlich imd klein, daß das ganze Dorf von ihnen sprach. So oft jedoch ein Mädchen kam und die Schuhe zu kaufen be- g ehrte, schüttelte Arpad den Kopf.„Ich verkaufe sie nicht. Sie such bestellt", sagt« er— und das ganz« Dorf sann darüber nach, wem wohl«in so schöner Fuß gehören konnte, daß ihm Arpads Schuhe passen würden. Arpad schwieg hartnäckig auf alle Fragen. Nur ganz fetten hörte man seine Geig«. Wochenlang hingen die roten Schuhe im Fenster. Verführerisch glänzten sie in der Sonne. Jedesmal weim Arpad einen Blick darauf warf, ging ihm ein Stich durchs Herz, und er dacht« an das fremde Mädchen uich an die Stunde, in der sie wiederkommen würde. Immer schweigsamer wurde er. Wenn die Bauern kamen und sich ihre Stiefel abholten, hörten si« kaum noch ein Wort von ihm. Eines Morgens aber waren die roten Schuhe verschwunden� Nachbarn fanden die Tür des Schusterhauses offen stehen, und als sie eintraten, war es leer. Tief in der Nacht hatten Dorfleute Zigeuner durch das Dorf fahren sehen, und Arpad. so sagten sie, ist mit ihnen gezogen, denn Nie wieder haben sie in Prostesov etwas von ihm gehört. 'Von der SBttergmam Die Zwergmaus ist die kleine europäische Maus: ihre Länge betrügt nur 13 Zentimeter, wovon fast die Hälfte auf den Schwanz kommt. Gewöhnlich erscheint sie aber noch viel kleiner, da sie sich meist nicht zur vollen Länge streckt. Wenn man eine junge Zwerg- maus, die eben zum erstenmal das Nest verlajfen hat, anschaut. wahrend si« sich ruhend zur Kugel sonnt, möchte man kaum glauben, daß man ein Säugetier vor sich hat. Das Zierbreitungsgebiet der Art reicht von Sibirien bis Italien, Frankreich und England. Ob- gleich sie innerhalb dieser Grenzen fast überall vorkommt, fällt sie dem Menschen nur selten auf, denn sie lebt sehr versteckt, und man sieht sie nur ausnahnrswerse einmal nach Art der Feldmäuse über den Weg huschen. Ihr natürlicher Aufenthalt sind prasdurchwachsene Gestrüpp« und schilsbestandene Ufer und Sümpfe, in bewohnten Gegenden, als Ersatz das Getreideland. So kommr sie auch, mll der Ernte eingefahren, regelmäßig in die Scheuern und von da gelegentlich in» Wohnhaus des Menschen, ohne sich aber wie Haus- und Waldmäuse dauernd dort anzusiedeln. Da sie ein schlechter Springer ist, fühlt sie sich an Orten nicht sicher, die ihr keinen dichten Pflanzenwuchs bieten und damit die Gelegenheit, ihre Metterfähig- keit auszunützen. Unsere Zwergmaus ist nämlich für das Klettern in ganz besonderer Weise ausgerüstet: sie ist das einzige europäische Säugetier, das einen Greiffchwanz hat. Zwar ist er nicht so vollendet ausgebllket wie das entsprechende Werkzeug z. B. bei einigen Gruppen neu weltlicher Assen, bei gewissen Beutellieren und etlichen «»deren, stellt aber mit seiner völlig ahgeftachten Unterseite doch eine schöne Anpassung an die besondere Lebensweise dar. Die übrigen einheimischen echten Mäuse verwenden wohl auch beim Klettern ihren runden Schwanz, aber es geschieht unbeholfen, die Wirkung bleibt nur auf das Stützen beschränkt, und keine vermag mll dem Schwanzende einen Stab kraftvoll zu umschlingen. Der Schwanz der Zwerginaus dagegen ist äußerst geschickt: er ist fort- während bemüht, den von der Maus schon überschrittenen schwan- k enden Weg über die.Halme noch abzutasten, um im Bedarfsfall augenblicklich einzugreifen und die fast unausgesetzt geübte leichte Umschlingung in eine kräftige llinklammerunz zu verwandeln. Nötigenfalls kann dann die Zwergmaus sich mll ihrem Schwanz allem festhallen und an ihm aufgehängt ein Weilchen frei in der Luft hängen; sie macht aber von dieser Knnst nie unnötig Gebrauch. A er Iin wird IMode Fast alle Besucher, die in den letzten Iahren nach Berlin kamen, sind begeistert gewesen von dem Rhythmus der Arbeit, der die Hauptstadt des Deutschen Reiches«rsülll, von der Höflichkell seiner Bewohner, der Füll« von Sehenswürdigkeiten und der Schönhell der Umgebung. Di« Urteile ausländischer Betrachter sind um so begeisterter, als viele von ihnen vor ihrem Besuch noch unter dem Eindruck der Kriegspsychose standen und nach eigener Erfahrung auf das angenehmste enttäuscht wurden. Mehr als jemals früher» befaßt sich die ausländische Presse, auch soweir sie sich bisher größte Zurückhaltung auferlegte, mit Schilderungen von Berlin, die sich um Objekttoität bemühen. Das sicherste Zeichen für das allgemein erwachte Interesse an einem„Trip to Berlin" ist das Anschwellen der Reiselektüre, die sich mit Berlin befaßt. In diesem Jahr sind allein in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht weniger als vier neue Reiseführer über Berlin und Deutschland erschienen. Während in den ersten Nachkriegsjahren die Amerikaner, be- sonders solche, die von deutschen Eltern abstammen, das Haupt- kontingent der ausländischen Reisenden stellten, denen Spanier Südamerikaner, Skandmavier folgten, ist Berlin jetzt endlich auch von England und Frankreich entdeckt worden. In der Pariser Ge- sellschaft wird es Mode, nach Berlin zu fahren, wie man früher zur Saison nach Trouville fuhr, und die kühlen Angelsachsen, die sich am längsten reserviert verhielten, fahren jetzt nach Berlin, sell sie wissen, daß.der Fremde in Berlin ein willkommener Gast ist. während er in Paris in erster Linie das Hühnchen ist, das gerupft werden muß", wie John Chancellor in seinem Buche.How to be happy in Berlin" schreibt. Eine Schwedin, Ellen Rydelius, gibt in ihrem Führer„Berlin in ad# Tagen" eine Fülle von Hinweisen, was Berlin für den Fremden so reizvoll macht. Die Goldene Galerie in> Charlotten- burger Schloß, das pittoresk« Alt-Berlin. der Sternenhimmel im Planetarium und die Seenkette um Berlin, durchzogen von Spree und Havel, und der gewallige Naturpark, der Berlins Umgebung so reizvoll für den Naturfreund macht, das Ephraimshaus, ein Rokokobau aus der Zell Friedrichs des Großen, die Moschee am Fehrbelliner Platz, das Buddhahaus in Frohnau, der modernste Flughafen der Welt in Tempelhof, der Botanische Garten in Dahlem und gemütlich« Weißbierkneipen in Alt-Berlin. Es macht auf sie großen Eindruck, daß Berlin,„das New Tort Europas", nicht weniger als Swa Briefträger hat, und sie ist entzückt von der genialen Verbindung von Natur und Technik.„Kann irgendeine andere Großstadt ein Elektrizitätswerk in so romantischer Lage auf- weisen wie das Großkraftwerk Klingenberg am Rummelsburger See?" Tchnjtsteller aller Länder und Sprachen vergleichen Berlin mll New Tork. Ein Franzose meint, alles Trachten und Sinnen Berlins sei darauf gerichtet, New Tork nachzueifern, während Paris mit allen Mitteln danach trachtet, Paris zu bleiben. Die glänzenden Cafes, Restaurants und Vergnügungsstätten erregen allgemeine Bewunderung.„Die Holels von Berlin sind die besten in Europa. Sie sind so gut, daß nichts weiter darüber zu jagen ist. Si« ent° sprechen allen Wünschen, die man an ein gutes Hotel stellen kann: saubere Zimmer, gute Bedienung, gutes Essen, �te Bader, ver. nüuftige Preise." Und Maurice de Waleffe meint:„Kein Land (außer Belgien) Shnett Frankreich so sehr wie Deutschland. Die Theater sind sogar besser als in Paris." Seit Vertreter aller Nationen in Berlin ihren Besuch gemacht haben, kann man in englischen Zeittingen lesen:„Ich halte das Glück, in den letzten fünf Jahren eine große Anzahl fremder Städte zu besuchen, aber Berlin überragte sie alle au Gastlichkeit und Liebenswürdigkeit. Es ist die angenehmste und sauberste Stadt Europas und hat eine arbettfame, fortschrittlich gesinnte Bcoölke- rung. In wenigen Iahren wird Berlin als Zentrum von Wirt- fchaft, Kunst, Kultur und Fortschritt Paris in den Hintergrund gedrängt haben." Und der Delegiert« einer von Präsident Hoover nach Europa entsandten Studienkommission erklärte:„Ich kann kaum mein Vergnügen und meine Ileberraschung feit meiner An- kunft in Berlin beschreiben. Da mein besonderes Interesse den öffentlichen Einrichtungen gilt, fielen mir die wundervollen Straßen und Alleen auf. ihr« Sauberkeit, dauerhafte Anlage und großanige Wette. Die Verwaltungsgebäude, die Einrichtungen für Kunst und Wissenschasl, die Parks und öffentlichen Anlagen waren eine Off n- barung für mich, und wenn ich sage, daß wir en zückt und dankbar überrascht waren von unserem ersten Besuch im wundcrsckönen Berlin, so kann dies unsere Freude nur unvollkommen wieder- geben." Wir aber freuen uns, daß Berlin im Urteil von Fach- leuten und Beignügungsreifenden die Anerkennung findet, die es verdient.. C. Sch. 3)ie-Launen eines Sees Der kleine See von Capena nördlich van Rom, der wegen seiner Launen bereits seit langem als ein merkwürdiges Naturfchouspiel gilt, erregt jetzt größere Aufmerksamkeit denn je. Er befindet sich an der Stätte eines erloschenen Kraters, und vor wenigen Jahren trocknete er plötzlich vollständig aus, ohne das irgendwie vorher an» zukündlgen. Vor einigen Monaten kehrten nun in derselben über- raschenden Weise, in der sie verschwunden waren, die Wasser wieder zurück, und wohl im Zusammenhang mit der jüngsten Tätigkeit des Vesuvs veränderten sie kürzlid) ihre Farbe, ließen Blasen auffteigen, sandten heiße Dämpfe aus, und in den Tiefen des Sees war ein wunderliches Rumoren zu vernehme». Als aber am Morgen des 10. Oktober ein« Anzahl von Gelehrten die Erscheinung studierte und sich dabei eine größere Menschenmenge versammclt hatte, fiel das Wasser auf einmal vneder mit graßer Scbnelligkeii und legte etwa tL Meter an den Rändern des Sc es trocken. Dabei traten eigen- artige Grotten und Höhlen hervor, die bls dahin noch nie beobachtet worden waren. An verschiedenen Punkten der Ufer, die den alten Kratertrichter bilden, sind Risse entstanden und die festen Massen geben noch, so daß man mit Spannung erwartet, was nun aus diesem launischen See werden wird. Als älfeste Stadl der well gilt vielfach Damaskus. Sie war schon vor den Tagen Abrahams voorhaaden. Uz, der Enkel des Sem. soll sie gegründet habe«. A 8.eAfytemß0i pmm. uaa WALUBURG StngspleL i>L3Ateteia frei nach dem Lustspiel von. Blamenthal und Kadelbarg von HANS MÖLLERMuslfe vonRALPH BENATZKY-öesamtaasstattune Prof. ERNST STERN Tanze: MAX RIVERS Muslfe. Leitung; ERNST HAUKE- Moderne Kleidung; RENE HUBERT ÖSTETTEN5AUEA WINKELSTERN Ed-Uh d'Anuua, MLrzL DreheC/EUen Plessow, 3ohn Begas, Fütz Bergar, Albert Berthold/Carl Geppert, Georg Gütlich., Erich Harden,• CYRILL ROLLS/ FRED CLEMENT-BAND•MUiam, H ach, Gast. Kotanyl SCHWAR2-TRIO SCHLIERSEE/ DIE MARQUARTSTEIN ER/ PAMMHOFER DODLER- GlUINTETT Weh in thzK wir� keuie 2 W HÖRBIGER Ti|l. 5, S" Sonnl.2,5 u. 8» Alex. E 4 8066 k. Vorstellung 50 Pf. bis 1 M II. und Iii. Vorst. 1 bis 2 M AFRA, UESSEM8, KOHLBRAN DTusw. Theater 1. d. Behrenstr. 53-54 Direktion: Ralph Arthur Roberts Das naanche rftäflcnen Englisch— Rob.rts— Jansson. Die Sehenswürdigkeit Berlins— Die führende Variete- und Filmbühnc Direktion: Luis Gutman Berlin• Geanndbrnn nen Von Dienstag, 4. November bl» Montag, 10. November Im Bühnenteil: Nor 7 Tage Gastspiel Nor 7 Tage Ludwig Manfred Lommel In zwerchlel. erschütternden neuen Szenen aus seinem Runxendorfcr Kabarett— Im FUmteil: Der groß« Ton- u Sprechfilm-Erfolg Anny Ondra in Siegfried Arno „Die vom Rummelplatz" Ltchtburg-Urchesicr Franco fede i und der aktuc I Bllderd.enst der Lichtbure Wochentags: 4. S'o, 8>.« Uhr Sonntags; 3, Slb, 8','t Uhr Eintrrtspreise: RM. 1,—, I 20. 1.50 (Logen 2,—), Sonntags 3 Uhr Einheitspreis RM. lr- Vorveikaufabl2 U. ununterbrochen für 7 Tage im voraus. jzte&ce,• ouäks Wegen Vorbereitung zur Premiere bis einschlieRlich Freitag, den 7. November, geschlossen £lllek 6 Volks bttttne Thuter im Btlovplilz. S Uhr Oer troouche Weinberg 4v.ühr CASINO-THEATER Lothringer Siraffe 37. Die Bratensoße im Würfel für 15 Pfg. Um Soße zu haben, ist es nicht nötig, daß immer ein großer Braten in der Pfanne schmort Denn soviel Soße wie ein großer Braten gibt Urnen auch ein einziger Würfel „Knprr-Bratensoße''. 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Ptul und Willi Rose Preise: von 30 Pf. bis 1.50 M Garderobe u. Programm je 10 Pf. 20iJin. Kaffcepause: Kaffee mit Kuchen 25 Pf. Kinder haben Zutritt Mittwoch 5 Uhr und Sonnabend 4* Uhr PeierAens NoDdialUl O». entrückende Weih nachtuen kreben (Preise von 30 Pf. bis 1.50 M) Wochenugs 8" Uhr, Sonnabends Zu. 10» Uhr, „In der Johannisnacht" Sonntag, den». November 2.30 Ihr einmalige Mittagsfeier Ludwig Hardt und Erstaufführung „Du IdicrmaPD und der Tod" 5.45 und 9 Uhr „In der Johannisnacfaf4. ■utfwamarj Th. im Admiralspalast 8V4 Uhr: CsdrddsfürsOn is Preirlerenbeselzung Keine Organlsa- llons-BIII. aber billige Preise: Parkett ab 3.- M. Lessing-Tlieat. M i t twb c h u Donnerstag geschlossen Ab Freitag; Wmdits- traDiü HegjpiMaiDtiphardl Kleines Titeat. Täglich 8'/« Uhr Lonilienx in meine scitutssier und ieit ■dl Vnuil m Slun Reichshallen-Theater Ibeads 8, Sonntag nadia Z- Uhr stettiner Singer Das neue Progranun! Nachm. halb« Preio« Tanz üönhof t- Brettl: 10 große Nummern: > Kapelle Hans Sixtus. Verlange in lflarzlc€ise „GarDalzutnerlst das Beste!" „M. S. tadellos!" Zentral-Tlieat. Täglich 8>i» Uhr Sonnt, auch S'lt Uhr HcbIc zdip 50. Male; Eine Freundin | so goldig wie Du Operette v. Meisel. Verz. für Partutt e> | statt 4.- M. nnr I■" | gültig vom 5. bis 8. Hov. Theater am Sdilffhaaerdamm Letzte Vorstellung! Jud Süß! mit j Ernst Deutach ab Donnerst, tgl. SV« Deuisehes Kflnstler-Thevt. Barbar. 3937. B'.übr Jim und Jill Grata Mpsbei«, Harald Paalsen 3-30 Stg ungek. Vorstellung Jim und Jill Originalbes "alba Preise Renaissance- Iheater Steinplatz 6780 bVi Uhr IfonintersDctiQDg von Max Alsberg undO�hesse Neues Theater •— v am Zoo■— Am ßatinti. Ins. SIpL 655< Täglich Uhi OerpBe ladterfoigl Max Adalbert in Hasenklein Heute 4 Uhr Kpadil HupprjtMs Fabrt im Mänbenlanl WlütftM Dönh. 625, 625. Täglich 8 Uhr Nur podi 3 lontenapgan Alexander Hoiss! in „Der Idioi" v. Dostofcwski Rennen zu Straufbersi Rose-Iheater ir.rranidutier$ir.i32 Tel. Alex 3422 u.34?4 5 Uhr Petercfaens Mondfahrt 815 Uhn In der Johannisnachl Barnowsky- Bühnen Thealer In dar Siresemannsit. Täglich SV« Uhi Sturm im Wasserglas Komödie von Frank. Komödienhaus 8 Vi Täglich 8 Vi Konto X von Bsmauar und Onterrcldiet Mittwoch, 5. November nachmittags 1 Uhr Unserem lieben (RcnofTen und Be�frksfüHrer Paul Stelnike jum 60. ffietmetstoge bie herzlichsten GiüawSnjche SPD. 85. Abi. 4. Bezirk «a Bekanntmachung. mg des Herrn f. r Auf®ruttb der Verordnung Reichsprälidenfen vom 2ti f. X(R.®. Vf. I S 311 ff) hat der Ausschuß unfeter Kasse in sewer Elliuna vom 23. 10»> de» Ichlossen, die vellrüge mll Zvtrknng oot» ä. XI. 30 auf ev» oom Hunberr drs Srandlohiis feifzusetzen Di« enf sprechende Aenberung der Satzung III durch den 32 Nachfrag crfolgf und oom Oderoersichcrungsamt genehmigt. Berlin»gehlendorf, den l.Novcmber lS20. vnlgeinelne Orfstranteatassc für Zehlendorf und Umgegend. Bich. Schulz. Nichard Schopp«, Vorsitzender. Echrifttührer. metropoi-Theater Täglich 8V« Uhr Sensationeller Opcrctiencrfolg 1 Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Komiscne oper 8>Ä Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Gilben Aloxandorplatz Neue Königst.-.49 lusispiernaus j fäg I i cii 6X* Uhi Kurt Oätz icfonaen wirksam sind die KLEINEN AN7.EI150000 50000 GlilcksbriBlBÄ-T�üs i ülücMriteÄi Hoäuspotuis m auiutni Porto und Gewinniiste 35 Pf. In«llco durch Plakate kcantlich.l Verkaufsstellcs und durch H. C. Kr6gerA,-G.j ßertiii W 8, Frledriciislr. X 92/93 f PeslacheLlkuDto; yrrlin 215 ibaml icheUew, auf| Wunsch 9 0/ft bar