Morgenausgabe Er 521 A 262 47.IahrgPfg.Pl>stzeimng«» a»d 72Pffl PoftdestellgedüHren. Ausland«- Qöonneireni 6,— M. pro Monat. * Sa ,55onräri«* erlchetm wochentig. stch Zweimal. Eonmag» and Montag» einmal, die Abenbauogaden stlr Berlin nnd im fiandel mit dem Titel.Lee Adend' Iii nitrierte Beilagen.Boll � und Seit- und.Kind-rsteund- Zerner .lZrauenstimme- Technik-.Blut in die Vücherwest-,.Jugend-Dorwärt»- «nd.Stadtbeilog«- Vevttner Vottsvlatt Donnerstag 6. November 1930 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Oie e t n 1 p ü 1 1 1 g t NonpareMeze'.l« 80 Pfennig. Reklame�eile 5.~ Reichs« mark.„Kleine Anzeigen' das ettge» druckte Won 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte). iedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche da» erst« WoN 15 Pfennig, ledes weitere Wort 1V Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeitsmartt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Ze 1« 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHanpt- Geschäft Lindenstraße S. wochentäglich von SVj bis 17 Uhr. Aentealsesan der GozialdemoSvatifchen Vaetei VentschtandS Redaktion und Lerlag: Berlin SW 68. Linvenslratze 3 Retnfmifcer Tönbvst 292—297 Jcltsicntm-Jlbi Sozialdemokrat Berlin. Vonväris-Verlag G. m. b. H. Dostlchcilkomo: Bcrlln375IK.— Bankkonlo: Bank derArbeiter.Angeslrlllcn und Beamten, Wall str 65 Dt B u.Disc.-Gcs.,D«Posttenkasle, JerusalemcrStr 65/66. Braunschweiger Gericht drückt sich! Ltrteilsverkündung in 1l2 Tagen.— Kränzen vollständig überführt. Braun schweig, ö. Noveurüer. In dem Prozesi des Ministers Dr. Franzeu gegen den sozialdemokratischen„Volksfreund" in Braunschweig, dem durch eine einstweilige Verfügung verboten wurde. die beleidigenden Angriffe gegen Dr. Frauzcn zu wiederholen, wurde nach achtstündiger Verhandlung vom Gerichtshof die Urteilsverkündung auf de» 17. November festgesetzt. « Die Richter von Braunfchweig haben sch auf eine höchst einfache Art und Weise aus der Affäre gezogen. S i e haben sich 12 Tage Bedenkzeit genommen. Die einstweilige Verfügung, die dem Braunschweiger „Volksfreund" verbot, die Wahrheit über Franzen zu sagen, ist in einer Viertel st unde erlassen worden. Der Wunsch des Herrn Franzen genügte. Für die Beweiswürdigung der gestrigen Verhandlung braucht die Braunschweiger Justiz zwölf Tage! In diesen zwölf Tagen aber bleibt diese unbegründete einstweilige Verfügung in Kraft! Weil dem so ist, bedeutet die Festsetzung des Berkündigungstermins auf den 17. No- vember eine glatte Rechtsverweigerung! Herr Franzen aber— das steht nach diesem Prozeß fest— ist der B e g ü n st i g u n g schuldig, und es fehlt ihm der moralische Mut, zu seinen Handlungen zu stehen! (Bericht stehe 2. Seite.) Das rote Wien demonstriert. Riesenaufmarsch vor dem Rathaus.* Wie». 5. November.(Eigenbericht.) Wer gemei»l habe» sollte, bah sich die österreichische Arbeiterschaft durch die Provokationen der Hetmwehr- regierimg in Ihrem Kompfesmwt und in ihrer Wnt- schlvssenheit beirren lassen könnte, dem dürste der Anblick der sozialistischen Massendemonstration auf dem Nothaus- platz am Mittwochabend und des darauf folgenden Mar- sches über die Ringstraste eines anderen belehrt haben. Trotz strömendem Stegen hatten sich etwa 200 000 Mensche« vor dem Rathausplatz und in den anliegenden Straften eingefunden. Die Demonstration war eigentlich als eiste Kundgebung der sozialistischen Jugend und der Arbeitersportler gedacht, aber auch Zehntausende anderer Genosien nnd Genossinnen waren dem Ruf gefolgt, ob- wohl zur selbe» Zeit in de» verschiedensten Bezirken tveit über 100 Massenversammlungen der Partei in ge» schlossene« Räumen tagten, die alle überfüllt waren. Stürmisch begrüstt nnd unter begeistertem Beifall sprachen zu den Massen vor dem Rathaus die Genossen Hermann Müller-Franken und Julius Deutsch. der Führer des Republikanische» Schutzbundes. Nach der Kundgebung zog stundenlang ei» Demo«- strationszug mit Fackeln über die Ring- und Mariahilfer Straste. An der Spitze sah man neben den Führern der österreichischen Partei Hermann Müller und den Sekretär der Internationale Friedrich Adler. Die Provokation wird fortgeseht. Wien. S. November.(Eigenbericht.) Die Oeffenitichkeit steht unter dem Eindruck der frivolen Wtion der Regierung und zugleich der a r g e n Blamage, die sie sich geholt hat. Die„Neue Frei« Preste" nennt das Vorgehen der Re- oierung eine Kompromittierung des Entwaffnung s< gedankens und erklärt weiter, daß der Eindruck der«in- f e i t i g e n Cntwaffnungsaktwn ungünstig sei. Auch am Mittwoch wurden in zahlreichen Orten Haus- s ii ch u n g e n vorgenommen. In Wien selbst die Depots der Feuerwehr ourchsucht, ohne dost irgendetwas gesunoen wurde. In Linz wurde in den Gemeindebetrieben gehaussucht. So wurden im Gaswerk durch Pioniere und pollzetablellungen die Koks- und Kohlenlager durchgeschaufell, allerdings ergebnislos. Polizei und Militär mit fünf Maschinengewehren zog am Mittwoch auf dem alten Exerzierplatz aus und richtete die Maschinen- gewehr« gegen«ine dortige Fabrik. Darauf legte die Belegschaft die Arbeit nieder und kehrt« während der ganzen Dauer der Haus- stichung nicht in den Botrieb zurück. Di« Durchsuchung bl'eb voll- kommen ergebnislos. Eine amtliche Meldung hat am Dienstag von einem angeblichen Fund von Handgranaten in Linz gesprocheii. In Wirklichkeit handelt es sich um hölzern« A t t r a p n e n � wie sie zu Wurfübunoen de? S�ntzbnndes verwmdt wurden Wi' kliche Granaten wurden In ganz Oberösterreich nH-t gefun'icn. Die Stadt S t e y r ist auch am Mittwoch no'b von M'litär besetzt. Eine Feldkanonenbatlcrie Fl In Stcyr eingetroffen und hat vier Geschütze iu Stellung gebracht, die erst aus Protest des Bürgermeisters mit Reisig vordeckt wurden. In Wiener Neustadt wurden wieder Hausdurchsuchungen vorgenommen. Besonders arg hat man es an den beiden Togen tu der Steiermark getrieben. In L e o b e n, dem Sitz der Zllpinen Montangesellschast wurde den ganzen Tag eine Durchsuchung der Arbeiterkammer und des Arbeiterkonsumvereins vor- genonunen. Es wurden-r» einig« Spaten und Beilpickel gesunden. Terrorzug durch Warschau. Die Polizei sieht Schmiere. Warschau, 3. November. Gestern abend haben Stoßtrupps der Reglerungs- Partei schwere Ausschreitungen begangea. Mit Knüppeln. Revolvern und Träneugranaten ausgerüstete Burscheu versuchten mehrmals den Bürgerklub zu stürmen, wo eine Wahlversammlung der Nationaldemokraten tagte. Studenten verteidigten die Eingänge. Während des Handgemenges schössen die Angreifer mehrmals. Zahlreiche Personen wurden verletzt, darunter sieben schwer. Der Stößtrupp marschierte dann unter verschiedenen Hoch- und Niederrufen unaagesochteu durch die Stadt bis vor die Redaktion der nationaldemokratischen„Gazeta Warszawska", wo man die Fensterscheiben einschlug, da das Haustor geschlossen war. Dann marschierten die Burschen vor das Gebäude der rechtsstehenden Zeitung„ABC", die übrigens von den Behörden verboten worden ist. Sie drangen in die Verwaltung ein und schlugen dort alle? kurz und klein. Daraus zogen sie weiter in das Parteilokal der Nattonaldcmokraten, das im zweiten Stock eines Hauses einer Hauptstraße Warschaus, der Jerusalemsallee, liegt. Die Burschen zerbrachen die Möbel, zertrümmerten die Wanduhren und zer- setzten die Bilder, schlugen alle Fensterscheiben ein und schleuderten das gesamte Wahlpropagandamaterial auf die Straße. Dann zerstreuten sich die Terroristen, ohne weiter gestört zu werden.— Die„Gazeta Warszawska" betont, daß sich die Polizei passiv verhallen habe, ja, als der Stoßtrupp in das Parteilokal eindrang, sollen sich sogar die Polizisten ruhig mit einem Manne unterhallen haben, der dem Blatt als Leiter der„Aktion" bezeichnet worden ist. 100 Bergleute emgefchwffen. Echiogwe't?rka Die kapitalistische Produktionsweise gedeiht also kurz gesagt am besten bei politischer Freiheit, Freihandel und allgemeinem Frieden. D'e Politik der Parteien der Besitzenden schlug immer mehr die entgegengesetzte Richtung ein. Wollte eine dieser Parteien nicht mittun, verlor sie rasch an Einfluß und An- hang. Diese verhängnisvolle Politik hätte das kapitalistische Europa unfehlbar völlig zerrüttet, wenn nicht gleichzeitig mit ihr d a s P r o l e t a r i a t e r st a r k t e und ihr nach Möglich- keit Widerstand leistete. Es vertrat dabei immer mehr nicht bloß seine Klasseninterefsen, sondern die der Gefamtkultur. Doch vermochte es die verderblichen Wirkungen der neuen kapitalistischen Politik nur zu mildern. Noch war es nicht stark genug, das drohende Unheil völlig zu verhindern. Dieses brach schließlich herein in der Form des Weltkrieges. Leider sind Kriege nicht geeignet, ruhige Vernunft zur Herrschast zu bringen. Sie peitschen die Leidenschaften auf. Bei den besitzenden Klassen haben sie die Dummheit und Kurzsichtigkeit noch vermehrt, von der sie schon vor dem Kriege beseelt waren, da sie nur noch nach Sondervorieilen des Augenblieks haschten und für die großen dauernden Inter- essen der eigenen Gesellschaftsordnung immer blinder wurden. So sinnlos und gewissenlos der Weltkrieg war, wo- möglich noch sinnloser und gewissenloser gestalteten sich die Friedensbedingungen» die von den Siegern den Besiegten diktiert wurden. Diese Bedingungen atmeten nicht bloß die ganze furchtbare Brutalität, die das vierjährige Schlachten allenthalben erzeugt hatte, sie waren auch von solcher Unwissenheit und Kurzsichtigkeit eingegeben, daß sie sich als äußerst wirksames Mittel erwiesen, die Welt nicht zur Ruhe kommen und jedes ökonomische Gedeihen zunächst bei den Besiegten, dann aber auch bei den meisten der Sieger nicht wieder aufkommen zu lassen. Aber auch in die innere Politik der Staaten drang jetzt der Geist der Roheit und Gewalttätigkeit, der die Bourgeoisie aller Länder schon in den letzten Jahrzehnten vor dem Krieg immer mehr erfüllt hatte Durch den Welt- krieg, wie durch die brutalen Friedensschlüsse noch ungeheuer verstärkt, erfaßte er selbst viele Kreise des Proletariats, denen die Sozialdemokratie vorher in mühseliger Propaganda von Jahrzehnten die frohe Botschaft des Friedens und der Mensch- lichkeit verkündigt hatte. Unwissenheit und Kurzsichiigkeit wuchsen auch in manchen Schichten der Arbeitenden nach dem Beispiel, das von oben gegeben wurde. Zu alledem gesellte sich endlose Verzweiflung der Massen, namentlich bei den Besiegten. Nach dem Elend des Krieges verfielen sie zunächst dem Elend der Blockade, des Mangels an den notwendigsten Lebensmitteln. Dann dem Elend der Inflation und schließlich dem der Weltkrise. Zuerst gab es Krisen der Sanierung der Währung, dann solche der Rationalisierung und daneben noch wirtschaftliche Störungen durch eine unsinnige Zollpolitik. Selbst ökonomisch notwendige Maßregeln gestalteten sich jetzt zu Krisenursachen, da sie mit jener Unwissenheit und Brutalität durchgeführt wurden, die den oberen Klassen in unserem Zeitalter eigen sind. Zu allen diesen besonderen Krjsenursachcn, die in Deutschland noch durch die Lasten der Reparationen schmerzvoller gemacht wurden, gesellte sich schließlich eche allgemeine, von Amerika ausgehende Weltkrise. Das alles hat die sozialen Gegensätze furchtbar verschärft, die sich schon in den Jahr» zehnten vor dem Weltkrieg immer mehr zugespitzt hatten. Immer unfähiger und verblendeter werden die besitzenden Klassen und ihr Anhang, immer größer das Unheil, das sie dort anrichten, wo sie sich durchsetzen, immer stärker ihre Neigung, das Versagen des Knopfes durch die brutale Faust wettzumachen. Mehr noch als vor dem Kriege fällt nach ihm der Sozialdemokratie die große Aufgabe zu, in diesem Tollhaus die Vernunft zur Geltung zu bringen. Dies zu er- reichen wird immer schwerer, je mehr die ökonomische Lag« sich verschlechtert und die herrschenden Klassen von früher wieder Courage gewinnen, die unmittelbar nach dem Zu- sämmenbruch,"den sie verschuldet hatten, sehr kleinlaut ge- worden waren. Je stärker damals die Sozialdemokratie, desto mehr wurde der A r b e i t e r h a ß der Besitzenden angestachelt. Kein großer Gedanke, keine umfassende Gesellschaftsauffassung verbindet sie mehr zu einer weitausschauenden gemeinsamen Politik, wie in der Blütezeit des Liberalismus. Sie zerfallen nur noch in Gruppen und Grüppchen mit den verschiedensten beschränkten Souderinteressen lokaler und augenblicklicher Natur. Nur eines ist ihnen gemeinsam, der Haß gegen die Arbeiter. Unfähig ein positives Programm großer Reformen zu entwerfen, haben sie nur dieses eine rein negative Kennzeichen gemein: das Verlangen, die Arbeiter niederzuhalten. Natür- lich bemänteln sie es in ihren Parolen. Sie erklären, sie seien nicht gegen die Arbeiter, sondern nur gegen den Klassenkampf. Aber sie wollen diesen nicht gegenstandslos machen durch Auf-' Hebung der Klassengegensätze— das wäre Sozialismus—, sondern durch Kampfunfähigkeit der Arbeiter, denen olle! Mittel genommen werden sollen, sich gegen die Anschläge der Kapitalisten zur Wehr zu setzen. Andererseits erklären sie,! nicht gegen die Arbeiter zu sein, sondern nur gegen die M a r x i st e n. Als solchen aber betrachten sie jeden unter- j richteten, selbständig denkenden, selbständig organisierten Arbeiter. Allerdings jenen Arbeiter, der sich duckt, und der sich ihnen willenlos unterwirft, den hassen sie nicht. Jetzt ist ihnen der Kamm nicht zum wenigsten in der ganzen Welt deshalb geschwollen, weil die Weltkrise eine so furchtbare Höhe erreicht hat, daß sie so manchen Arbeiter zwingt, der freien Organisatiön zu entsagen, so manchen drängt, sich den Ausbeutern zu verkaufen oder feine Kraft in sinnlosen Abenteuern zu verschwenden. Allenthalben glauben die Gegner des Proletariats, ihre Zeit fei gekommen, ihm wieder die alten Fesseln anzulegen. Von Lappland bis Sizilien spreizt sich der Faschismus. Wo er nicht offen siegen kann, oersucht er sich durch ehrlosen Wortdruch in die Staatsgewalt gegen die Arbeiter einzu- schleichen. Wieder einmal ist es ein schwerer Kampf, den wir zu rühren haben. Das bedeutet nicht, den Kopf hängen zu lassen, sondern unsere Anstrengungen zu verdoppeln, um der drohen- den Niedertracht Herr zu werden. Die Machtverhältnisse deuten auf ein ziemliches Gleich- gewicht der Kräfte des Proletariats und seiner Gegner. Um io w-chtiger jeder Sieg auch in dem kleinsten Territorium. Es ist eine allgemeine welthistorische Tendenz, nicht eine lokale momentane Strömung, gegen die wir zu kämpfen haben. Und so wird auch ein Wahlsieg, wenn mir ihn er- ringen. Bedeutung für ganz Europa gewinnen. Scharfer Kurs gegen Putschisten. Severmgs Emführungsrede für Polizeipräsident Grzesinski. Gester» nachmittag fand im Berliner Polizeipräsidium die Der- abschiedung des bisherigen Polizeipräsidenten Zörgiebel statt. Bei dieser Gelegenheit hielt der Minister des Innern Severing eine Ansprach«, in der er u. a. folgende bemerkenswerte Ausfüh-- rungen machte: Das preußische Staatsministerium hat beschlossen, Sie, Herr Polizeipräsident Zörgiebel, in den einstweiligen Ruhe- stand zu versetzen. Ich kann Ihnen gber heute schon mitteilen, daß dieser einstweilige Ruhestand nur ein sehr kurzer sein wird. da auch aus dem Kreise des Staatsministeriums der Wunsch unter- strichen worden ist, Ihre Totkraft der allgemeinen preußischen Der- waitung nicht lange vorzuenthalten. Sie werden recht bald einen Posten einnehmen, der Ihren Fähigkeiten und Neigungen entspricht. Gleichzeitig möchte ich Veranlassung nehmen, Ihnen den Dank des preußischen Staatsministeriums auszusprechen für die Arbeit, die Sie in schwerer Zeit der Stadt Berlin und dem ganzen preußischen Staat geleistet haben. Es liegt mir ferner ob, Sie, Herr Präsident Grze- s i n s t i, in Ihr neues altes Amt einzuführen. Als Sie im Jahrs 1925 dieses Amt antraten, habe ich meine Ausfastung von den Aufgaben des Polizeipräsidenten schon ausführlich zum Ausdruck ge- bracht. Was ich damals sagte und was von Ihnen als Programm aufgefaßt wurde, gilt auch heute, nur mit dem Unterschied, daß wir Zeht unvergleichlich schwerere Zeiten haben. Jeder wirtschaftliche Niedergang bringt nicht nur wirtschaftlich« Not, sondern oermehrt das Verbrechertum und in unserer Zeit auch die Gruppen der unzufriedenen Parteien, die glauben, nicht auf dem verfassungsmäßig vorgeschriebenen Wege, sondern m i t Gewalt ihre politischen Ziele erreichen zu können. Diese Ver- Mehrung der Verbrecher und Putschisten bringt uns erhöhte und komplizierte Aufgaben. Ich bin überzeugl, Herr Präsident, daß sowohl Ihre Praxis der früheren Jahr« wie auch Ihre Erfahrungen im preußischen Ministerium des Innern Ihnen eine Erleichterung bei der Lösung der bevorstehenden Aufgaben bringen werden. Man hat in diesen Tagen in der Presse van einem scharfen Kurs gesprochen, der in den Perfonalveränderungen im Ministe- rium des Innern und im Polizeipräsidium zum Ausdruck komme. Richtig ist an diesen Erörterungen, daß wir alle in den nächsten Monaten nicht mir unsere Pflicht in hervorragendem Maße, sondern mehr als unsere Pflicht tun müssen. Aber wenn man sagt, daß der Kurs heut« besonders scharf gesteuert wetde, dann hat man dabei ganz bestimmte Tendenzen im Aug«. Nach manchen Zeitungsmeldungen steht es so aus, als ob wir mit besonderer Ilnnachsichtigkeit gegen bestimmte politische Richtungen vorgehen. Aber ich sage hier: wer ia einer polllifchcu Orgauisatton auf verfaff mgsmätzige« Boden mit oerfaffungsmäßigen witleln seine Ziele erstrebk. wird von der Polizei nicht nur in Ruhe gelassen, sondern sogar von ihr geschützt werden. Aber die Aufmerksamkeit und Stoßkraft der Polizei wird sich gegen alle diejenigen richten, die nicht mit verfassungsmäßigen Mitteln. sondern unter Gewaltanwendung ihre Ziel« erstreben. Diese Elemente sollen allerdings scharf an gepackt werden, und die Schärfe wollen wir nicht in Aeüungs- artikeln und Versammlungsreden bakanntgeben, sondern wir wollen durch die Praxis erweisen, daß wir nicht gesonnen und in der Lage sind, uns den Terror der Straße gefallen zu lassen» und mik scharfen Mitteln wollen wir diese Störenfriede der öffentlichen Ordnung bekämpfen. Ich habe von Erörterungen der Presse gesprochen und von Gerüchten, die dies« oerbreitet hat. Sie wissen» daß ich, da ich aus der Presse lomuie, für die Zusammenarbeit von Behörde und Presse das größte Verständnis Hab« und das Zusammengehen von Polizei und Presse für eine absolute Notwendigkeit halte Ich bin also von dem Verdacht befreit, daß ich vielleicht animos gegen die Presse eingestellt bin. Aber was ich in den letzten Tagen erlebt habe, was mir unterstellt wurde, hat mir doch den Beweis erbrach:. daß nicht jede Zeitung in Berlin von ihrer hohen Mission, der Bevölkerung zu dienen, erfüllt ist. Die Sensation regiert die Stunde der Presse, und ich bin der Meinung. daß in dieser Untugend die Behörde der Presse keinen Vorschub leisten darf. Ich möchte deshalb an Sie alle die dringende Mahnung richten, Rachrichten an die presse erst dann herauszugeben, wenn diese Rachrichten Tatsachen erzählen, Pläne aber, die im Interesse der Staatsautorität und des Ansehens der Behörde im Schoß der Berwalwng bleiben mästen, nicht an die Oeffentlichkeit zu bringen. Dadurch würde die Autorität der ganzen Belzörde und auch das An- sehen einzelner Beamter erschüttert werden.„Bitte, meine Herren, tretenSie näher!" Dieses Wort gilt nicht nur für die Presse, sondern, für das ganze Publikum. Wir wollen keine Klatscheinrichtung sein, aber auch keine Geheimniskrämerei treiben. Ich habe es für meine Pflicht gehalten, diese Ausführung in diesem Kreise Mit besonderem Nachdruck vorzutragen, weil gerade über die Veränderungen in der Abteilung IA. die meisten falschen Nachrichten herausgekommen sind. Sorgen Sic, Herr Polizeipräsident Grzesinski, dasür, daß das ganze Polizeipräsidium', die oberste Polizeibehörde des Deutschen Reiches, nicht nur die Organisattonsbezeichnunz I A trägt, sondern, daß Die Oualifikaiiön „IA" zutrifft. Hoovers Niederlage. Die Krise Hilst den �Nassen" Zum(Sieg. Rem Jork, Z. November. fEigenoericht.) Die Nanonaüvahien zeige« einen ausgesprochenen Triumph der Demokratischen Partei und eine schwere Niederlag« der republikanischen Regierungspartei, die hauptsächlich auf den Zusammenbruch der Prohibition und den Wirtschaft- ltchen Niedergang des letzten Jahres zurückzuführen ist. Dw Prohibitionsgegner gewinnen im Bundeskongreß be- trächtlich, so daß künftige gesetzgeberische Auswirkungen der Anti- prohibitionswell« nicht ausgeschlossen sind. Der Wahlaussall bedeutet ei« Mißtrauensvotum für hoover und eine auherordeaMche Stärkung der kommenden präsidcntschastskandidalur Roosewelts. Di« Hoover-Regierung sieht sich einer gegnerischen Mehr- heit in beiden Häusern gegenüber, die aber in der neuen Zu- (ammenfetzung erst in einem Jahr zusammentritt. Die Zusammensetzung des künftigen Repräsentanten- Hauses ist nach unvollkommener Zusammenstellung: 186 Demo- kraten, 189 Republikaner, 66 noch Zweifelhaste, jedoch zum Haupt- cell Demokraten. Der Bundessenat wird wahrscheinlich 46 Demokraten gegen bisher 39 haben, was nicht zu einer absoluten Demokratenmehrheit ausreicht. Man erwartet Zusammenarbeit der unabhängigen republikanischen Senatoren mit den Demo- kraten. Das würde sämtliche Regierungsmaßnahmen blockieren. Vi« Demokraten haben besonder» m New Aar?.'Illinois. Connecticut und Masiachuletts gewonnen. Die N?w-?)or.'sr Roosevelt-Mehrheit wird auf 800 069 Stimmen beziffert, l-'e Demr traten haben alle Südstaaten wiedergewonnen, die in den Hoover-Präsidentschastswahlen an die Republikaner verloren- gegangen waren. Die Gouverneurswahlen zeigen ein« ähnliche Richtung. Di« sozialistische Stimmenzunahme ist recht befriedigend. Der New-Porker sozialistische Gouoerneurskandidat Waldmann erhielt knapp 200 000 Stimmen, eine Verdoppelung gegen die vorig« Wahl und die stärkst« Sümmenzahl seit 1920. Das neueste Ergebnis. Rem Jork. 5. November. Nach der um 14 Uhr hiesiger Zeit zusammengestellten lieber- sicht sind bei den Ergänzungswahlcn zum Vundessenat bisher 13 Republikaner und 20 Demokraten gewählt worden. Zwei Wahlkreise stehen noch aus. Die Zahl der Demokraten im Vundessenat belauft sich soweit auf 46, während die Republikaner 47 Sitz- und die Farmer- und Arbeiterpartei einen Sitz haben. In das Repräsentantenhaus sind bisher 186 Republikaner und 193 Demokraten gewählt worden. Bon den noch aus- stehenden 56 Wahlbezirken, waren bisher 52 republikanisch vertreten. Minister Kränzen überführt. Sein Enilastungsvsrsuch vollständig zusammengebrochen. Lraunschwcig, 5. November. In der Fortsetzung der Verhandlung wurde Polizeimajor Heinrichs vom Berliner Polizoipröiidiuin vernommen. Polizeimajor Heinrichs vorn Berliner Polizeipräsidium erklärr, auch auf energisches Borhalten von Minister Dr. Franzen. daß Minister Dr. Franzen ihn ausdrücklich auf d,e Immunität des Verhafteten aufmerksam gemacht habe. Doroiifhin hcch- Heinrichs erwidert, daß diese von Franzen behauptete Immunität nicht in diesem Fall in Frage komme, da der Berhastetc in ilagrantt ertappt worden sei. Daraus antwortere Minister Dr. Franzen: „Ich legilimiere den Herrn, den Sie verhastet haben. Sie haben kein Recht, ihn zu verhaften und festzuhalten." Er Hobe ihn aber trotzdem festhalten müssen, da er nach seiner Dienstanweisung so handeln müßte. Nachdem der preußische Dandtagsabgeordaete Dohse. der«inen Augenblick mit Franzen zusammen aus der Wache am Potsdamer Plötz gewesen, aber von Guth nicht gesehen worden ist, weil dieser in einein anderen Zimmer sich aushielt, vernonmien worden war, aber nichts Wesentliches aussagte, wurde der Landwirt Guth ver- nomine», der den Fahrtausweis zu feiner Legitimation benutzt hotte. Auf die Frage, was er mit dem Fabrtauswsis anfangen wallt«. erklärt er, daß er bei der Eröffnung des Reichstags auf Grund dieses Abgeordnetcnauswei'es der ersten Sitzung aiff der Ab- geordnetentribüne habe beiwohnen wollen und auch beigewohnt habe, da er auf andere Weise nicht mehr habe in den Reichstag hineinkommen können. Auf die Frage, weshalb er nach feiner Sistierung Minister Dr. Frauzea ans einem Bierlokal habe holen lasten, erklärt Guth, et habe ihn rufen laste«, io de? Hoffnung, daß Dr. Franzen Ihn als den Abgeordneten Lchsc legitimieren und ihn au» der unangenehmen Situation befreien werde. Auf Vorhaltung muß Guth zugeben, daß er in dem Pro- t o k o l l seiner Bernehmung vor dem Berliner Polizeipräsidium erklärt und diese Erklärung unterschrieben habe, Franzen habe ihn als den Abg. Löhs« auf der Polizeiwache identifiziert. Da feine heutigen Aussagen anders lauten. wird er vom Gericht daraus aiffmerksam gemacht. Er gibt zu. unter dem Druck der Verhältnisse die protokollarischen Aussogen unter- ichrieben zu haben, obwohl die Polizei nicht das, was er gesagt habe, zu Protokoll genommen habe, sondern ganz andere Tatsachen. Dr. Jasper stellt die Frag«, ob er sich über die zu machenben Aussagen vorher mit irgend jemandem verabredet habe, wo- Guth bestreitet. Er gibt aber zu, daß er mit L o h s e z u � sa m m c n nach Braunschweig gefahren sei und daß man sich ein gehend über den bevorstehenden Prozeß unterhallen hätte. Er gibt �rner zu. ba% tt mit dem Rechtsanwalt des Antrag- stsllers über die Aussagen lorrespondiert habe Die Bernchmung der Zeugen Thormählea und Neyer-Quadde. zweier nationalsozialistischer Reichetazsabgeardneter, ergibt keine neuen Moments, da sie nur darüber aussagen sollen, was Dr. Franzen nach der Rücklehr von der Polizeiwache ihnen über di« Borgänge erzählt habe. Dann wird von Anklägsrseite gebeten, den Polizei Haupt- mann a. D. M i g g e zu vernehmen, der über die Glaubwürdigkeit des Polizeimajors Heinrichs Angaben inachsn soll. Rechtsdsistand Dr. Zasper erklärt dazu, daß die G>'genseite ver- suche, die gesamten Berliner Polizeibeamten zu verdächtigen. Dann betritt Polizeihauptmann a. D. Migge den Saal. Gr grüßt mit dem Faschist engruß. R.-A. Dr. Jasper macht darauf auimcrtjam. daß Migge den Gerichtshof mit dem Faschistengruße begrüßt habe und daß dieses der Mann sein solle, der ein objektives Urteil über die Glaubwürdigkeit anderer abzugeben habe. Der Dorsißende erklärt, er habe gehört, daß Polizeimajor Hein- richs von den Zuhörern belästigt worden sei. Er mahne die Zuhörer, derartige Handlungen nicht noch einmal auszuführen, da sie bei nochmaligem Vorkommen solcher Belästigungen den Saal verlassen müßten. Polizeimajor Heinrichs gibt an, daß man ihn im Saale als Berliner Schuljungen bezeichnet habe. Das Gericht zieht sich nunmehr zur Beratung darüber zurück, ob Polizeihauptmann o. 2. Migge gehört werden soll. Nach kurzer Beratung erklärt der Vorsitzende, daß das Gericht beschlossen habe, den Zeugen Migge nicht zu vernehmen, well es seine Aus- jagen nicht für erheblich hält. Nunmehr vernimmt dos Gericht Regirrungsassessor Dr. Schoch wr verliest die Protokolle über die Vernehmung G u t h s. Am 13. Oktober ist Guth mit Lohse in Berlin in einem Lokal gewesen und hat mit ihm zusammen gesessen. Lohse hat dann beim Weggehen einige Zeitungen und seinen Fahrtausweis liegengelassen. Guth hat sowohl die Karte, wie auch die Zeitungen an sich genommen. ?m Lokal habe Guth ausgesagt, daß er nicht an den Ausschreitungen beteiligt gewesen sei. ßr habe zu einem Viehverkau- in Berlin geweilt und brauchte den Erlös dringend. Di« Fahrkarte des Abg. Lohse habe er nicht benutzt. Er, Guth, bat um seine baldige Enl- lassung. In dem anderen Protokoll des Kriminalkommissars Meyer ist die Rede davon, daß Guth sein Bild in Lohses Ausweis gelegt habe und mit mehreren anderen chm unbekannten Abge- ordneten Ungehindert in den Reichstag gelangt sei. Später sei Guth in der Nähe des Reichstags spazieren gegangen und dabei won einem Scbupobeamten angehalten worden. Guth habe dem Beamten u n- '»fgef ordert Lohses Ausweis gezeigt. Auf der Wache am Potsdamer Platz habe Minister Dr. Franzen gejagt, daß der Festgenommene der Abgeordnete Lohse sei. Auch Polizeimajor Heinrichs gegenüber habe Franzen das gleiche behauptet. Später habe der Minister zu Guth gesagt: ,.Es ist doch besser, wenn wir die Wahrheit sagen." Wachtmeister W i y l u j e k hat Guth zwangsgestellt und ihn in der Nähe des Potsdamer Platzes wegen Verletzung der Bannmeile festgenommen. Der letztgenannte Wachtmeister habe auch gehört, daß Franzen den Guth als den Ab- gardneten Lohse bezeichnet habe. Polizeiwachtmeister A l p e r t habe nach dem Protokoll behauptet, daß er ebenfalls hörte, wie auf wiederholte Fragen Dt. Franzen den festgenommenen Guth als .Abgeordneten Lohse hinstellte.- Guth habe dazu immer geschwiegen. Als die Einlieferung Giühs von Polizeimajor Heinrichs angeordnet worden sei, habe Dr. Franzen gesagt:.Der Verhaftete ist doch immun!" ver Vorsitzende erklärt nun, daß dos Gericht von einer«ides- stattlichen Versicherung oller Zeuge« absichtlich Abstand nehmen volle, da es überzeugt sei, daß die Zeugen auch in diesem Falle nichts anderes ausgesagt hätten. Nach zweistimdiger Paus« begann R.-A. Dr. Lusteubach seine Ausführungen, di« fast ausschließlich juristischer Natur waren. Dr. Zasper erklärte: der Kernpunkt der Verhandlung sei. ob eine Zeitung dos Hecht habe, die Wahrheit zu sagen. Cs sei festzustellen, ob'sich Dr. Franzen so verhalten habe, wie die protokollarischen Aussagen und Darstellungen es berichten oder wie es Dr. Franzen in verschiedenen Versammlungen geschildert habe. Es könne einer Zeitung nicht verboten werden, di« Wahrheit zu sagen»nd cs komme darum darauf an. was die Wahrheit sei. Die vom Antragsteller aufgebotenen Zeugen wären gar keine Augen- zeugen gewesen, sie hätten aus Grund von Hörensagen ihre Aussagen gemocht. Aach mehrfacher Replik«ad Duplik der Anwälte sehte das Gericht den Termin der Urteilsverkündung auf den 17. November fest. Herr Alfred Rosenberg. Was hat er während des Krieges getan? Herr Alfred Rosenberg. Chefredakteur des„Völlischen Deobach- fers" und M. d. R. von Hitlers Gnaden sendet uns eine Berichtigung. in der es heißt: Unwahr ist, daß ich den Wellkrieg als Rusie in Paris ver- bracht habe; wahr ist oietmehr, daß ich Architektur an der Rigaer Technische n Hochschukc studierte und weder während noch nach dem Krieg« in Poris gewesen bin. Unwahr ist, daß ich mich hartnäckig gewehrt hätte, mich von diesem Vorwurf reinzuwaschen: wahr ist vielmehr, daß ich be- reits am 12. September 193» in Nr. 217 des„Völkischen Beob- cchters" den Anwurf richtiggestellt habe. Unwahr ist. daß ich zu irgendeiner Zeit für die Entente ge- wirkt hätte. Wir.frägen: hat Herr Rosenberg auch seinem Parteifreund G o e h r i n g eine Berichtigung geschickt? Am 1». August ISA) war in der Zeitung der„Nationale Sozialist", die Herr Ollö Straßer herausgibt, das folgende zu lesen: „Wir erinnern uns nämlich, wie Herr G o e h r i n g vor noch nicht allzu langer Zell am Tisch dar Reichetagsfraktion den Herrn Rosenberg sehr wenig schmeichelhaft beurteille und mit der all- seits verblüffenden Aufforderung schloß:„Der Kerl soll nur endlich sagen, was er während des Krieges in Paris getan hat?" Hat Herr Rosenberg ein Verfahren gegen Herrn Gochring ein- gelestet? Was sagt man dazu, daß Herr Rosenberg, der jetzt eine Polstik der Kriegsvorbereiwng betreibt, während des Weltkriegs— Architektur studiert bat" Krach in der Wirischafispariei. Aöckermsester Drewitz tobt, Colosser stürzen, und Ladendorffs Bank sucht vergeblich„Anhalt" Alsdorf und Neurode. Oer Landtag bespricht das Vergarbeiterschicksal. Der Preußische Landtag stand am Mittwoch im Zeichen der Aussprache über die großen Grubenkatastrophen von N e u r o d e und Alsdorf. Auf der Tagesordnung standen die sozialdemokratischen Großen Anfragen über das Unglück von Neu- rode und über das Unglück von Alsdorf. Die sozialdemokratische Anfrage über das Als- dorser Unglück begründete Abgeordneter Fries-Köln. Was er zu sagen Halle, war kurz, aber es war eine furchtbar« Anklage gegen ein System, das sich am sprechendsten selbst charakterisiert durch die„Deutsche Bergwerkszcstung", die den erschrockenen Aktionären unmtllelbar nach dem entsetzlichen Unglück die„beruhigende" Mitteilung machte, daß auch künftig der Profst nicht gefährdet ist, daß dank der Verbindung mit dem ausländischen Kapstal bei der betreffenden Grube eine Dividend« von 14 Proz. bis 1Z42 ge- sichert ist. Mit scharfen Worten geißelte der Rebiwr dos schon so oft kri- tisierte Antreibersystem, das namentlich bei dem Eschweiler Bergbauverein in Blüte steht, ein Unternehmen, das sich den Arbeitern, Angestellten und technischen Beamten gegenüber fest jeher durch eine besonders antisoziale Haltung ausgezeichnet hat. Mg. F r a n z-Oberschlesien(Soz.) begründete die Anfrage seiner Fraktion über das Grubenunglück in Reurode.'Auch diese Kata- stropi)« zeige, daß an der Grnbenkontrolle noch immer viel zu viel gclpart wird. Die Anfragen wurden durch Ministerialrat R c t lz e r vom Handelsministerium beantwortet Daraus geht hervor, daß der Kohlensäuremisbruch in Neurode der größte gewesen ist, der sich ohne Anzeichen in: niederichlesischen Bezirk ereignete. Di« I>r- fachen der.Alsdörfer- Katastrophe sind bis heute nach nicht fesi- gestellt. Auch 5) andelsmini st er Dr. Schreiber antwortet« in kurzen Ausführungen auf die Anfragen. Es sei unmöglich, namevl- lich ohne Klärung der Ursachen, für solche Unglücksfälle, die man nur mit einem Naturereignis vergleichen könne, schon jetzt Einzel- Personen oder die Behörden verantwortlich zu machen. Die Aussprache wird am Donnerstag fortgesetzt. Außerdem stehen auf der Tagesordnung die Abstlmmungen über die Miß- trauensanträge gegen Innenminister S e v e r i n g. Neuer Panamaskandal. Ein Tardieu-Mlnisier beteiligt. Paris, 5. November(Eigenbericht). Die Regierung Tardieu, die in ihrer Antrittssrklärung dem Lande eine unerhörte Prosperstät verheißen hatte, scheint setzt jenem Börsenskandol zum Opfer fallen zu sollen, der seit einer Woche die Finanzwell in Atem hält. Bor einigen Togen geriet die Bangste O u st r i c, eine ungeheuer geschäftstüchtig« Spekulationsbank, die sich während der Frankeninflation mit rückstchtslojen Mitteln einen Platz an der Börse zu vcrschäisen verstanden hat, in Schwierigkeiten. Vergeblich versuchte Finanzmimster Reynaud mll den Groß« danken eine Stützungsaktion zu vereinbaren.' Als seine Bmühungen «rioigios blieben, ließ er die Kurse aller von der Banqu« Oustric beherrschten Börsenwerte streichen. So konnte e? durch Unter- bindung jeglichen Geschäftes di« Bank Oustric notdürftig über Wasser ballen, aber eine ganze Reihe anderer Iirstllute, die mit ihr in Geschäitsverbindung gestav-den hatten, brachen durch diesen brutalen Eingriff zusammen. Am Mittwoch stellte sich nun heraus, daß in der Spekulationsbank Oustric nicht nur mehrere Politiker und Senatoren, sondern sogar ein Mitglied der Regierung Tardieu aufs schwerst« kompromittiert sind. Dieser Minister, der einst unter Briand schon Finanzminister gewesen ist, soll erst vor einer Woche seinen bezahlten Aufsichtsratsposten bei der Banqu« Oustric niedergelegt haben. Der Skandal hat selbstverständlich im Parlament ungeheure Entrüstung hervorgerufen und dürfte in den nächsten Tagen im Plenum zur Sprache kommen. Benesch aniworiei Curiius. Kein Kultmboykott— keine Einmischung? Prag, Z. Nooember.(Eigenbericht.) Im Außsnausschuß des Senats antwortete Außenmmister B e n« s ch auf die Rede Dr. C u r t i u s. Cr drückt« fein Bedauern über die Art aus, in der der Reichsauhenministsr di« Prager Borfäll« besprochen hat. Benesch sagte, daß Curtius diese Aeutze- rungen nur deshalb tun konnte, well er über die Ereignisse in Prag und in der Tschcchosloipakei unrichtig insormiert war. Eurtius habe sälschlich die Aufregung wegen der deutschen Tonfilm« als gegen die gesamt« deutsche Kultur gerichtet bezeichnet: von einein Kulturboykott könne keine Rede sein. Benesch sagte wcller, daß er die Auslegung über die Kundgebung des Deutschen Tlzeotexs zurückweisen müsse, die als das Beginnen einer extrewen Gruppe nicht mit der tschecho- slowakischen Lolkemeinung idealisizierl werden könne. Das Einschlagen der Fenster am Deutschen Theater sei nur das Werk von Gassenbuben gewesen und nicht das des tschechischen Bolke?. Die Kundgebung Eurtius' über da» Deutsche Theater sei in einer Weise vorgebracht worden, daß sie den allge- meinen Eindruck hervorrief, als sollte sie die Durchführung eines bestimmt«» Einflusses aus dem Ausland in die tschecho slowakischen innerpolitischen Angelegenheiten bedeuten. In diesen Dingen sind wir mit vollem Recht sehr empfindlich und wir müssen uns dagegen entschied en wehren. Stegerwald eingeladen. Zweite Novemberhälfte in London. Di« bereits angekündigte Einladung des Reichsarbeitsministers zu Besprechungen mit der britischen Regierung ist in Berlin ein- getroffen. Di« Besprechung soll alsbald nach dem 15. November in London beginnen. Die englische Regierung hat die Erörterung ge- wisfer Schwierigkeiten vorgeschlagen, die der Durchführung des Washingtoner Achtstundentagablommens entgegenstehen, sowie die auf der letzten'Arbeitskonferenz gescheitert« und für die nächste Konferenz wieder zu erörternd« internationale Regelung der Arbeitszeitfragc im Kohle nberg- bau. Deutschland hat angeregt, über die Durchführung der internationalen Uebereintonmien zum Schutz der Hafenarbeiter zu sprechen. Erstreckung der Verhandlungen auf Fragen der K o h l« n w i r ts ch a f t ist bisher nicht angeregt worden. Or. Ernst Heinitz. Jin Krematorium Wilmersdorf fand am Mittwoch die Ein- äscherung des Geheimen Iustizrats Dr. Ernst Heinitz stall, des Führers der Berliner Anwallschoft. Er war ein Mann nicht nur von hoher wissenschaftlicher Bedeutung, sondern auch van seltenen Eharaktereigenschosten. die ihm jahrzehntelang ein« fast einzigartige Stellung innerhalb der Anwaltschaft gesichert haben. Er gall als ein« unbestrittene Autorität. Au der Feier hat das preußische Justizministerium den Staatssekretär Dr. Hölscher entsandt, es waren die Spitzen der juristischen Wissenschaft und her Anwaltschaft fast vollzählig oersammelt. Wir wollen an dieser Stelle gedenken, daß Heinitz, dessen Gebiet sonst ausschließlich das Zivilrecht war, und der als bürgerlich liberaler Mann der Sozial- demokratie durchaus fern stand, dennoch während des Krieges bereitwillig die Strafoerteidigung für einen unserer Redakteure über- nommen hat, als der„Vorwärts" in Verbindung mit dem Muniiionzarbeiterstreik vom Januar 1!)18 unter Landesoerrats- an klage stand. Heber die Reform des juristischen Studiums in Preußen sprechen in der Vereinigung sozialdemokratischer Juristen am Donnerstag, dem 6. Nooeinber 195(1, ZV Uhr, im Ebenholzsaal des ,-Rheingold". Potsdamer Straße 3: Ministerialrat Genosse Walter Lande vom VolksbildlMasministerium und Referendar Genosse Dr. Heinz Ollendorff vom Vorstand der sozialistischen Studentenschaft. Luigi Facta gestorben. 69 Jahr« alt ist in Baris der Mann gestorben, der Italiens Ministerpräsident war. als die Faschisten sich des Staates bemächtigten. Das hätte er. verhindern können: ob er cs aus Vertrauenssaligkett und Schwäche unterlassen hat, oder weil Giolitti und Victor Emannel es nicht wollten, dos ist noch aus- zuklären. Bruderkrieg... Während der Beerdigung des sozialistischen Arbettersetretürs in Madrid, der kürzlich von den Syndikalisten er- schassen wurde, kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen den den Trauerzug begleitonden sozialistischen und syndikalistischen Arbeitern. Die beiden feindlichen Parteien bewarfen sich mit Steinen, wobei auch vereinzelt Pistolenschüsse fielen. Der Wandalvwechsel in der Slaolspaelei. An Stelle des Ab- geordneten Erich Koch-Weser, der sein Mandat niedergelegt hat, tritt der Schriftsteller Dr. Joses Winschuh-Verlm(Deutsche Staatspartei) in den Reichstag ein. 4 200000 Arbeitslose bis Februar! Or. Gyrup zu den Problemen der Arbeitslofigkeii. nis- sei aber doch«<« Zust««». vamtt erzielte der Wackere einen vollen cheiterkeckserfolg. Da die Firma einen Lohnanspruch für die Zeit nach dem 14. Oktober bestreitet, da K. mit m den Streik eingetreten sei. pand Kuscheroski vor der Frage, ob er sich dem Streik an- geschlossen habe. Cr sagte mcht ja und sagt« nicht nein und vollführte einen richtigen Eiertanz. Das Arbeitsgericht billigte ihm eine Entschädigung von 99 DMark zu. Im Falle Bremse wiederHoll« die Firma ihren Bergleichs- oorschlag auf 500 Mark, den Bremse ablehnt. Im Gegensatz zu S. gibt er seine Beteiligung am Streik unumwunden zu. Die Firma wird verurteilt, ihm eine Entschädigung von 139,40 Mark für 214 Wochen Lohnentgang zu zahlen. Leipzig. 5. illovember.(Eigenbericht.) Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, Dr. S y r u p, sprach gestern an der Universität Leipzig im Institut für Arbeitsrecht über die Probleme der Arbeitslosenversicherung. Bei der Reichsanstall schätze man das Anwachsen der Haupt- unter st ützungsempsänger in der Arbeitslosenversicherung bis zum Februar 1931 auf etwa 2 600 000 gegenüber 1 493 090 am 15. Oktober, die Zahl der K r i s e n u n t e r st ü tz t« n bis dahin auf 750 000(jetzt 500 000) und die Zahl der Wohlfahrtsunterstützten auf 800 000 bis 900 000(jetzt 600 000).>0 daß bis zum Februar 1931 mit einer' voraussichtlichen Arbeitelosenzisscr von 4 200 00C zu rechnen sei. Bei Beiträgen von 3'A Proz. tonnten 900 000 Hauptunterstützungsempsänger unterstützt rrevden, so daß es von vornherein selbstverständlich war, daß in Krise nzeiten Zu- s ch ü s s e geleistet werden müßten. 1926, vor Schaffung der Arbeitslosenversicherung, haben Reich, Länder und Gemeinden 700 Millionen Mark aufbringen müssen. Eine territoriale oder berufsmäßig« Risiko- Verteilung sei undurchführbar. Bei einer territorialen Risiko- Verteilung würde sich für Sachsen Nordmark und Rheinland für das Jahr 1929 ein« Beitragshöhe von 4.7 Proz., für Westfalen und Süddeutschland von 3,3 Proz., für Bayern von 5 7 Proz., für Schlesien von 6,9 Proz., für Pommern von 7.4 Proz. und für O st p r e u ß e n von 8,6 Proz. notwendig gemacht haben. Für 1930 wären die entsprechenden Zahlen für Sachsen 7,2 Proz., Schlesien 9,5 Proz., Pommern 9,7 Proz. und O st preußen 11,9 Proz. Der Finanzausgleich wirke sich also zugunsten der aus- gesprochen agrarischen Ostprovinzen aus. Präsident Syrup wandte sich gegen die leichtfertige Art, mit der in der Presse urtd in politischen Debatten van den sogenannten Mißständen in der Arbeitslosenversicherung gesprochen werde. Di« Zahl der vorgekommenen Fäll« sei so gering, Metallstreik in Bielefeld. Bisher 1150 im Ausiland. Bielefeld. 5. November.(Eigenbericht.) heute ist die Belegschaft der Aoker-Merke in Bielefeld in Stärke von etwa 1150 Mann in den Streik getreten. Seit dem l. Oktober arbeite» die Metallarbeiter in Bielefeld taclslos. Nachdem die Verhandlungen zwischen den Parteien gescheitert waren, wurde der Schlichter für Bheinland-weslfalen angerufen. Doch auch hier kam es nicht zu einer Einigung und auch nicht zu einem Schiedsspruch, da die Abbausorderungen der Unternehmer so exorbitante waren, daß der Schlichter sich ihnen unmöglich an- schließen konnte. Der konfllk« umsaßt sowohl die Löhne, wie die Arbeit»- zeit, die Jeriensrage und die Akkordberechnuag. Die Arbeiter haben nunmehr im Aaker-werk die Forderung der Einführung der 44- Stunden- Woche, einer ver- besserung in der Ferienfrage und eine gerechtere Akkordberechnung gestellt. Da diese Forderungen abgelehnt wurden, hat die gesamle Belegschaft die Arbeit niedergelegt. Zn der Biclcselder Metallindustrie werden elwa 13 000 Arbeiter und Arbeiterinnen beschästigl. Man muß mit einer Ausdehnung des Konfliktes rechnen. Konflikt in der Werstindustrie. Wieder Lohnabbau. kiel, 5. November.(Eigenbericht.) Der allgemeine Kampf um die Löhne droht mmmehr auch die W e r f t i n d u st r i« zu erfassen. So will die Kruppsche G e r in a n i a- W e r s t beträchtlich« Lohnkürzungen durchführen, die zunächst di« Akkordlöhne treffen und in den Gießereibetrieben nicht weniger als 12 Mark pro Woche ausmachen sollen. Eine Konserenz der Vertrauensleute der Bctriebsvertretung der Werft lehnt« die geplanten Maßnahmen mit aller Entschiedenheit ab und betonte, eher noch einmal alle gewerkschaftlichen Mittel anzuwenden, als einen derartig unerträglichen Lohnabbau gefallen zu lassen. Es geht auch ohne Lohnabbau. 7t cht nur in der Uniformlieferunasschneiderei. Der Reichsoerband der Uniformlieferungsfabrikanlen Halle das Lohnäblommen zum 15. November gekündigt und eine Lohnkürzung um 8 Proz. beantragt. Die Arbeiterorganisationen forderten dayaushin eine Lohnerhöhung von 5 Proz. und die Höhergruppierung einer SCnzahl Städte. Nach vorausgegangenen Parteiverhandlungen wurde am 3. No- vember vor einem vereinbarten Schiedsgericht unter Vorsitz des Herrn Regierungsrats Dr. D o b b e r st e i n verhandelt und nach hartnäckigen 14stündigen Beratungen folgendes vereinbart: „Die Parteien unterwerfen sich von vornherein einem von dem Vorsitzenden der tariflichen Schlichtungsstelle, Herrn Regierungsrat Dr. Dabberstein, zu fällenden endgültigen und bindenden Schiedsspruch." Der nunmehr abgegebene Schiedsspruch lautet: .„Das Lohnabkommen vom 1. Juli 1929 wird über den 15. November 1939 hinaus in unveränderter Form auf «in weiteres Jahr, das heißt also bis zum 15. November 1931, verlängert. Es kann erstmalig am 1. Oktober 1931-ge> kündigt werden. Wird es zu diesem Zeitpunkt nicht gekündigt, so daß sie für die Finanzierung der Reichsanstalt überhaupt nicht ins Gewicht fallen. An eine Senkung der Unterstützungssätze sei nicht zu denken, da dies« im Endeffekt ein« Uederwälzung auf die kommunale Fürsorge bedeuten würde. Di« Bedürftigkeits- prüfung, die eigentlich sowieso vorhanden sei, noch auszudehnen,! habe keinen Zweck und falle finanziell nicht ms Gewicht. Im nächsten Haushallsjahr rechnet die Reichsanstalt mit Ausgaben in Höhe von 1 790 000 000 Mark, mit Einnahmen aus Beiträgen in Höhe von 1 716 000 000, somit einem FehSbetrvg von 74 Millionen. Sperr« die Reichsregicrung die Zuschüsse ganz, dann bliebe, da eine weitere Beitragserhöhung ausgeschlosien sei, nur eine Kürzung der Unter st ützungs- dauer von 26 aus 24 Woche». Man erwäge auch den Gedanken einer noch stärkeren Kürzung der Unterstützungsdouer, um die Arbeitslosen schneller der Krisenfürsorge zuzuführen, für die die Aufwendungen geringer und die Bedürftigkeitsanforderungen schärfer sind. Auf 100 Millionen in der Arbeitstosenversicherung komm« ein« Ausgabe von 75 Millionen in der Krisenfürsorge Mit den voraussichtlich für die Krisenfürsorge aufzubringenden Mitteln könnten 800 000 Krisenunterstützt« versorgt werden. Zu den Fragen der produktiven Erwerbslosenfürsorge, der Arbcitsdienstpflicht und der Arbeitspflicht oerhiell sich Syrup ablehnend oder doch sehr skeptisch. Die Ausgaben würden so hoch werden, daß die Arbeitslasenver- sicherung immer noch rentabler sei. Aehnlich verhielt sich Dr. Syrup gegenüber dem Vorschlage der Einführimg eines neunten Schuljahres. Eine ernsthafte Diskussion oerdiene di« Frage der Kürzung der Arbeitszelt. Man müsse aber mit Vorsicht vorgehen und ein« schematische Behandlung der Wirtschaft vermeiden. Die Gewerkschaften hätten bisher großes Verständnis für die Schwierig- leiten dieser Probleme gezeigt. löuft es mit sechswöchiger Kündigungsfrist auf unbestimmte Zeit weiter." Ferner wurde noch folgende Vereinbarung getroffen: „Der Reichstarifoertrag für die Uniformlieserungsschneiderei vom 12. März 1926 nebst den Bestimmungen des 2. Nachtrages bleibt unverändert bestehen für die Güllig keitsdauer des Lohnabkommens mit der Maßgabe, daß die Kündigungsfrist, in diesem Falle ab- weichend vom§ 6, die gleiche ist, die für das Lohnabkommen gilt." Inzwischen haben die Uniformschneider und Uniformlieferanten Zeit, um abzuwarten, was bei der sagenhaften Preisabbaugeschichte herauskommt. Llttier falscher Flagae. Kommunistisches Spaltungegebilde als„Einbeiteverband". Die KPD. hat in Berlin ewige totgeborene Splitterorganisa- tiönchen der Metallindustrie aufgezogen. Run oereint sie die Nullen Zu einem.roten" Metallarbeiteroerband und kommandiert die kom- munistischen Zellen dazu.� Der Kampf ist ja vorbei, der Krampf kann also beginnen. Damit niemand sin Zweifel ist: Mit der Gründung des„revo- lutionären" Derbändchens verschwindet auch aus der„Roten Fahne" die Vellage„Streikzeitung der Metall- a r b e i t e r". Kämpf« führen, das können eben nur die„Verräter". Abbau dsrMammutgehälierbeiVänken Bei den Va n k e n geht man mft dem Plan um, Gehalts- kürzungen für den gesamten Leftungsapparat, vom Vorstand abwärts bis zu den Oberbeamten, wirksam werden zu lasten, deren Ausmaß sich von 5 Proz. bei den geringer bezahllen Oberbeanücn bis zu 20 Proz. Kürzung bei den Vorstondsgehällern bewegen soll. Will man damit eine Kürzung der Gehälter der Tarif- angestellten vorbereiten? Demgegenüber wird im„DeutschenBankange st eilten", dem Organ des Allgemeinen Verbandes der deutschen Bankangc- stellten, schon jetzt vor Provokationen gewarnt. Gewiß sei es zu begrüßen, wenn die Mammuteinkommen der Banklefter auf ein ihren Leistungen und der allgemeinen Moral entsprechendes Niveau herabgesetzt werden. Darum kämpfe der Zlllgemeine Verband bereits seft zwei Jahrzehnten. Eine Senkung der Tarisangestelltengehälter sei etwas ganz andere s als di« Kürzung von Einkommen, die bis zu dem Dreihundertsachen, besten gehen, mu dem der Neme Bankangestellt« sein Leben fristen nnisse. Was oben gerecht, billig und notwendig sei, werde unten zur schreienden Unge- r e ch t i g k e i t. Derartige Herausforderungen werbe die Bank- angesielllenschaft jedem'alls nicht kampflos hinnehmen. Der Beleg- schastsabbau habe bereits genug Zündstoff geschassen. Ein Gehalls- abbau, wie ihn die Bankleitungen anscheinend erstreben, müste ei?" Explosion hervorrufen. NGO-Liquidaiion bei Lindßröm. Oer letzte Akt vor dem Arbeitsgericht. Bei der Firma Lindström hatten die„Revolutionäre" Bremse und Kuschewski als Vorsitzende des Arbeiterrats Gelegenheit, zu zeigen was sie können.' Da sie jedoch unentwegt die kommunistischen Parolen verfochten, konnten sie nicht die Jntercsten der Arbeiterjchait wahrnehmen. Vor die Frage gestellt: Kurzarbeit oder Entlassungen, lehnten sie Kurzarbeit ohne Lohnausgleich ab, unbekümmert um dos Schicksal der Entlassenen. Die„Reformisten" inachten dem„revolutionären" Treiben ein Ende. Sie. ver- hinderten die Entlassung von 120 Riann und wählten neue Vorsitzende in den Betriebsrat. Den„reformistischen" Betriebsräten sollte deshalb„die Maske vom Gesicht gerissen" werden. Bei diesem Geschäft erlttten jedoch Bremse und Kuschewski«wen Betriebsunfall: sie wurden f r i st l o s entlassen. Eine„Protestaktion" siel ins Wasser. Die Entlassenen klagten— ohne den Betriebsrat anzurufen— auf Weiterbeschäftigung und Fortzahlung ihres Lohnes. Einen Vergleichsvorschlog der Firma auf Zahlung von 500 Mark lehnten sie ab. Noch iin Kammertermin lehnte Kuschewski eine Ent- schädigung in Höhe eines Monatsverdienstes ab. Er habe zu feiner Entlassung keinen Anlaß gegeben. Der Vertreter der Firma be- gründet die Entlassung damit, daß K. als Mitglied des Betriebsrats in einer Betriebsversammlung zum Streik gehetzt, politische Reden gehalten und den Betriebsleiter. Bau- meister Rauch, beleidigt habe. Um den neuen Betriebs- ratsoorsitzenden QU o g e r zu verdächtigen, hatte Kuschewski be- hauptct, dieser habe mit dem Betriebsleiter zusammen Bier getrunken. K. bestätigt« diese„revolutionäre" Absichr durch seinen Einwand, seine Bemerkung über das Biertrinken sollte keine Beleidigung gegen den Betriebsleiter sein, sie habe sich hauptsächlich gegen den Betriebsrats- Vorsitzenden gerichtet. Er hat zwar- nicht gesehen, daß die von ihm Beschuldigten zusammen Bier getrunken h?ben. sondern nur durch Hörensagen aufgegriffen. Ein solches— von ihm lediglich behauptetes, keineswegs erwiesenes—„Bertrauensverhäll- Krih Müniner 60 Lahre. Der Vorsitzende des Gesamtverbandes, Genoste Fritz M ü n t n e r, feiert am heutigen Tage seinen 60. Geburtstag. 18S0 trat er seiner Berufsorganisation bei. Genoste Müniner war bald einer der eiftigsten und erfolgreichsten Agitatoren. 1902 wurde er zum An- gestellten der Ortskrankenkasse der Sattler gewählt. Der Verbandstag der Sattler wählt« ihn 1906 zum Hauptkassierer und drei Jahre später zum Redakteur. Im Jahre 1911 trat Müntner dann als Gauleiter(Leipzig) in die Dienste des Verbandes der Gemeinde- und Staats- a r b e i t e r.- Die Berliner Filiale des Verbandes der Gemeinde- und Staals- arbeiter wählte Müntner im Jahre 1914 zuin ersten Bevoll- mächtigten. In der schweren Zeit des Weltkrieges war Müntner mit oiner Füll« besonderer Ausgaben betraut für die gesamte Berliner Arbeiterschaft im Ortsausschuß sowie im Ernöhrungs- ausschuß, der bekanntlich eine eminent wichtige Roll« spielte. Aus dem Nürnberger Perbandstag 1919 wurde Müntner zum zweiten Borsitzenden des Verbandes der Ge- mein de- und Staatsarbeiter gewählt. Ein Jahr später wurde er' erste? Vorsitzender. Dix glänzende Aufwärts- entvncklüiig des Perbandes auf fast 300000 Mitglieder bis zur Verschmelzung mit dem Gesamtverband Ende 1929, hgt er an dieser Stelle wesentlich fördern können. Mit dem Genossen Schumann steht Müntner h.cute an der Spitz« des Gesamt- Verbandes der 700 000. Außerdem ist er internationaler Sekretär hes Personals der öffentlichen Betriebe. Genost« Müntner hat auch, soweit es seine Zeft eben zuließ, sich in unserer Partei nach Kräften durch Vorträge und Agitation betätigt. Mehrere Jahr« war er Stadtverordneter und später Stadtrat im Bezirk Friedrichshain, bis er vor vier Iahren noch Johannisthal übersiedelte. Wir beglückwünschen unseren Jubilar zum heutigen Tag«. Möge ihm auch fernerhin eine fruchtbringende Tättgkeit in der Arbeiter- bewegung beschicden sein._ Achtung, Bauarbeiter! Die Sperre über 6ie Firma Hermann König- Spandau, Baustelle Onkel Toms Hütle, Lichterfelde-Ost, Berliner Slraße und Neu-Westend, Reichsstraße, ist hiermit aufgehoben. Die tariflichen Bedingungen find erfüllt. Baugewerkschaft Berlin, Fachgruppe Stuck- und Gips bau. t Treis Gewerk5chasts-Iuqend Berlin Smie, Tonntatag. um l9'/i Uhr. tagen die Gruppen:«öpealck: Jugend- heim Grünauer Gtr. 5. äiottrgft: ,D«r 9. Zloocmbir und di« Arbeiter- Ichost".— GestU! dbrunnr»! Jugendheim Tote Schul«. Gotenburger Stroh« 2. Heimb«ipr-chpng und Licd«rgl>«nd. Verbandsbuchtontrollo.— Süd- osten: Gruppuihcim Rrichenderger Str. 96 iiZeuerwehrhauo). Keimbtsprechunz. Ohne Heimauon-rio und Brrlandsbuch kein Iptritt.— Tempelhos: Grupp:::» heim Lnzeum Germaniasir. i~~6. Se.mdesprechuno. Vortrag:.Tie- Ausgaben de: zeuerwthr".— Moabit: Jugendheim Lehrter Str IS— 19, Ke mbrsprechupg, anschiiegend Schachabcnd.—«en-Lichteuberg: Iugrndbetm Gnnterstr. 44. Vor- trag:.Etwa, von der Ironiiösischen ffremtxnlegion".— Lick-tendcrg: I>ig:nd. heim Lauss.«n der Lessingsirah«. Bortrag:..Berufk«rankhcltcn und ihr« Ge- sah reu".— Se6 der Anaesseilien Heut«, Tonners'gg, finden folgend« Beranlkaltungen statt: Porlo»,. Aieberschzrhgusen; Jugendheim Gdrschstr. 14 igrohes Zimmer). Bor» trag:»Was ich im SefSngnio sah". Referent Wiheim Lemiusll.— vst-n- Jugendheim der Schule Litauer Str. lb. Bortraq:.Die Reoolut on von 1918". Referent Dr. Mar SchAte.— Zreptom: Jugendheim der Schule W'id.'nbruch. straße 53 Guganq von der Graedstrah« in Trepiow). Generalprobe für unseren Bunten Abend.— Am 9. November findet die nächste Iugendoorstelluug der Bolksbllhne statt,«arten hierfstr stnd im Zugendsekretariat erhältlich Verantwortlich sstr Politik! Bieto» Schiff; Wirtschaft:».»Iingelhöter; Geockschaitsbewsgung. Z. Steinet; Feuilleton: Dt. Zahn Schlkowoki; Lokale« und Sonstiges är>,»orltödt: Anjeiaen- Th Sloit-: tiinilij» in Berlin Verlag: Borwärts-Berlag G. M d. H Berlin Druck: Borwärts-Buchdruckcret on» Berlaasanstalt B-ui Singer u Co. Berlin SW«8 Lindenstrahe» Hier« Z Beilage» und.iZraueustimme". Nr. 521• 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag- 6 November 1930 3)orffchmiede in der lHöeUUadl Bergstraße Neukölln: Großstadtoerkehr, Großstadtbetrieb und Großstadtlärm. Und nur einige hundert Sdiriite seitmärts liegt unberührt von der Unrast unserer Zeit die Dorf schmiede auf dem Richard platz. Gerade an sonnigen Herbsttagen strömt diese uralte, einstige Dorfaue einen seltsamen Zauber aus. Das goldgelbe Laub der Kastanien und Rüstern schroebt in müdem Tanz zu Boden und bededd den Platz mit einem raschelnden Teppich. Auf blaugestrichenen Bänken sitzen rund um den Kinderspielplatz Invalidenrentner, alte Mütterchen mit roeißem Haar und sonstige„kleine Existenzen", Während die Jugend in der Mitte des Platzes mit lebhaftem Geschrei schnell fortschreitende Sandbauten aufführt, führen die Alien eine in Gebärden und Stimmauf rvand recht gemessene Unterhaltung. Ein Blinder mit der typischen, gelben Armbinde diskutiert mit einem gelähmten Alten, der sich selbst im R&lLstuhl hierhergebracht hat. Allen sieht man an, roie gern sie die letzte, warme Herbstsonne genießen. Inmitten dieses Platzes, der von einem bescheidenen Verkehr(meistens Fuhrmerken) umkreist wird, steht grau und still die alte Dorf schmiede; ein Komplex von aneinander geschobenen, recht verroitterten Häuschen, auf deren langgezogenen Dächern das schönste Moos grünt. Auf der einen Seite baut sich der Hof vor, das ganze Anwesen streng mit Steinmauer, Bretterzaun und Stacheldraht nach außen abschließend. Eine mehr als hundertjährige Rüster strebt in schiefem Wuchs nach außerhalb. Um die Mitte ihres Stammes ist eine lange Kette geschlungen, die sie zu ihrem ursprünglichen Standort bekehren soll. Einige Schritte weiter ragt wie ein M useu m sstiiek mitten am Weg ein mit Eisenklammem zusammengehaltener Holzbock, der noch heute vom Schmied zum Gemindebohren benutzt wird. Tritt man durch, die nur angelehnte Brettertür in den Hof, so bietet sich einem als erster Anblick ein riesiger Berg von alten Hufeisen dar. Auch das Innere der sdimarzgeräucherten Schmiede steht im Zeichen des Hufeisens. Der Schmied selbst steht in einem Nebengelaß, das ebenfalls bis an die Decke mit sortierten Hufelsen, diese noch neü und ungebraucht, angefüllt ist. Oachstuhlbrand in Eharlottenburg. Am Mittwoch wurde die Feuerwehr nsch der Spreestraße Z7 in Charlottenburg alarmiert, wo im Dachftuht des �ohnhaußes aus noch unbekannter Ursache Feuer ausgebrochen war. Zwei Lösche zuge waren bis in die Mittagstunden hinein mit den Lösch- und Aufräumungsarbeiten beschäftigt. * In der Villenkolonie Grunewald brach gestern abend kurz nach 18 Uhr in der C a s a r- T h« i ß- S t r a ß e 18 ein Dachstuhlbrand aus, zu dessen Bekämpfung die Wehren von Schmargendorf, Wilmersdorf und zwei Züge aus Berlin anrückten. Das Feuer war in dem als Wohnung ausgebauten D a ch st u h l des Gartenhauses entstanden. Die Flammen griffen so schnell um sich, daß die Wehren gleich mit fünf Schlauchleitungen gegen das Feuermeer, das einen weithin sichtbaren Feuerschein ver- breitete, vorgehen mußten. Nach mehrstündiger Löschtätigkeit konnten die Züge gegen 23 Uhr wieder abrücken. Der Schaden ist sehr hoch. Die E n t st e h u n g s u r s a ch« ist noch Gegenstand der polizeilichen Untersuchung._• �aububetfall in Pankow. Gestern abend wurde aus die Frau des Sausmanns Wasner aus Pankow, Amalienpart 3 a, ein verwegener Raubübersall verübt. Frau W. Halle für ihren Mann einige größere vclräge einkajsierl und lrng das Geld in einer Aklenlasche. Als sie gegen 20 Uhr durch die wollankstraße ging, stürzle sich in der Nähe des Elisabclhfriedhoscs. einer in den Abendstunden sehr ruhigen Slelle, ein Mann aus sie. Er versetzte der Frau mehrere Schläge gegen die Brust und entriß ihr die Aktentasche. Trotz der Hilferufe der llebersollenen gelang es dem Räuber, der osfenbar den weg über eine freie Baustelle genommen hat, zu entkommen. Die geraubte Tasche enthielt außer 2S00 Mark Bargeld zwei Schecks über 10Z1 Mark sowie ein Bank- und Scheckbuch. Berliner Kunstwochen 1931. Nechtzeitiqe Vorarbeiten sind vonnöten. wie wir von unterrichteter Seile hören, besteht die Absicht. die Institution der..Berliner K n n st w o ch e n" im Frühsommer 1931 wieder aufleben zu lassen. So sicher wir zur Stunde drin- gendere Sorgen haben als die Beschäftigung mit künstlerischen Sommerplänen, so ist doch zu sagen, daß mit den Vorarbeiten. wenn nicht die Fehler von 1930 wiederholt werden sollen, nicht früh genug begonnen werden kann— nicht früh genug mit der Aufstellung eines künstlerischen Gesamtplanes und mit der Werbung im Ausland. Cs handelt sich um zweierlei: erstens darum, in der Jahreszeit des erfahrungsgemäß flauesten Theater- und Konzertgeschäfts die produktiven Kunstkräfte Berlins zu repräsentativen Höchstleistungen zusammenzufassen. Und zweitens, durch Veranstaltungen außer- ordenllicher Art den Fremdenzustrom zu beleben. Man wird, um auswärtigen Besuchern etwas Besonderes zu bieten, sich nicht auf die eilcheimischen Attraktionen zu beschränken haben; aber wenn Berliner Kunst in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt werden soll, müssen vor allem auch die volkstümlichen Elemente viel stärker als bisher im Programm vertreten sein. Die Idee der Kunstwochen war ursprünglich aus den„Berliner Festspielen" her- vorgegangen. An diesen Ursprung darf nichts mehr erinnern. Schon die Ankündigung von Sommersestspielen müßte heute im Ausland wie in Deutschland eher befremdend, sa verletzend als werbend wirken. Aber wenn es in sachlicher Arbeit gelingt, die künstlerische Aktivität der Reichshauptstadt zugleich im Dienst ihrer wirtschaftlichen Interessen anzuregen und zu steigern, dann könnten diese Kunstwochen gerade auch in schweren Zeiten für uns von Wert sein. Do X in Amsterdam gelandet. In 5'/, Stunden vom Bodensee zur Zuiderlee. Das Flugfchiff Do X(V 1929)»st am gestrigen Mittwoch- nachmittag um 17 Uhr(16.30 Uhr holländische Zeit) von der holländischem Marineflugstalion ScheMngwoude an der Zulderfee bei Amsterdam glatt gelandet. Damit ist der erste F e r n f l u g des Riesenflugschiffes der Dornier-Werke, das bisher das Bodenseegebiet nicht verlassen hatte, in vollem Umfange geglückt. Di« Reise des Do X rheinabwärts vollzog sich programmgemäß und ohne jeden Zwischenfall. Um 13.63 Uhr wurde Koblenz, 13.27 Uhr Bonn, wenige Minuten später Köln und um 13.56 Uhr Düsseldorf passiert, wobei die Bord- station jedesmal die Standorte durch Funksprüche meldete. In der holländischen Marineflugstption Schellingwoude bei Amsterdam war man inzwischen durch die Funksprüche von Bord über die An- Näherung des Do X unterrichtet, und es wurden alle Vorberettun- gen zum Empfang getroffen. Aus Amsterdam waren riesig« Scharen Schaulustiger herbeigeeilt, die die Uier der Zuidersee in der Umgebung des Flughafens dicht besetzt hielten, hunderte vou Wastörsahrzeugen, Dampfern, Motorbooten und Seglern kreuzten bei �Tchelliihzwouds fn Erwartung des deutschen Riesenflugzeuges, so dqß die holländische» Strompolizelbehörden scharf« Absperrmaß. nahmen treffen mußten, damit eine breite Wasierfläche freigehakt«» wurde, auf der die Landung erfolgen sollle. Gegen 17 Uhr(mittel- europäische Zeit), als schon die Dämmerung einsetzte, erdröhnte von ferne her, immer mehr anschwellend, der Donner der zwölf Motoren des Dornier-Flugschiffes, Do X erschien in ruhigem sicheren Flug« über der Zuidersee, und nach einer Schleife über Amsterdam erfolgte unter dem ohrenbetäubenden Jubel der Tausende und dem Heulen der Sirenen und Dampfpfeifen die glatte Landung in unmittelbarer Nähe des großen Flugboot- schuppens von Schellinguzoude. Do X hat für die 886 Kilometer lange Strecke vom Bodensee nach Amsterdam rund SM Stunden gebraucht, hat also eine Durch- IfeS Ludwig nahm zwar die Prügel in Empfang. Er hatte aber längst aufgehört, seinem Vater deswegen mit Klagen zu kommen. Nur abends, wenn er in die Falle kroch, rieb er sich heimlich den aufgeschundenen, verbeulten, verstriemten Körper. Grün und blau und braun war er an manchen Stellen, alles Aeichen fortgesetzker Mißhandlung. Ja, der Alte schlug manchmal unbarmherzig! Aber der Junge beschloß, an seinem Peiniger eines Tages furchtbare Rache zu nehmen. Und zwar an dem Tage, an dem er kräftig genug fein würde, den Alten zu überwältigen! Das war wieder ein Gedanke, der ihn das schauerliche Jetzt vergessen ließ und der ihm neue Kraft und neuen Auf- trieb gab. Aushallen! Abwarten! Und ermüdet streckte er seine ab- gerackerten Knochen auf dem harten Lager aus, und schlief tief und traumlos den Schlaf der Jugend Mit den Monaten und Jahren entfremdete sich Ludwig dem Ellernhaus immer mehr, trotzdem er doch inmitten feiner Geschwister und dem Pater lebte und Tag für Tag ihre Er- lebnisse hörte. Aber ihre Sorgen und ih�e Lustigkeiten waren nicht die seinigen. Das alles ging ihn ja gar. nichts an. Es führte im Grunde keine Brücke mehr von ihm zu ihnen. Nun war auch schon sein dritter Bruder. Albert, der Schule entwachsen und kam' als Lehrling in eine Eisen- Handlung. Der tünftige Kaufmann tat sehr großspurig zu seinen Geschwistern und schnitt mächtig auf. So mächtig und über alles Maß hinaus, daß Vater Eisermonn öfters ein- greifen mußte, um die Großmäuligkeit seines Sprößlings zu dämpfen. Im Grunde seines Herzens war er jedoch davon überzeugt. Albert würde ein guter Kaufmann werden. Die erste Grundbedingung kaufmännischen Erfolges war ja, den Kunden einzuseifen, ihn etwas vorzuschwatzen. Demnach mußte fein Albert eine glänzende Zukunft haben! „Der Junge macht sicher mal sein Glück!" sagte er vor- wegnehmend zu seiner Kundschaft, und erzählte des weitern allen Hausfrauen, die Arbeit brachten,«r halle bald Hochzeit. „Na, viel Glück in der neuen Ehe, Herr Cifermann!" sagten die Frauen und lachten. Und bei diesem Weiberlachen zog sich der heiratslustige Schuhmachermeister am Bart und dachte:„Der Teufel kenne sich aus in den Weibern!" Doch weiteren Gedanken in dieser Richtung enthob er sich meist durch einen Schluck aus dem gläsernen Tröster. An Vaters Hochzeitstag hatte Ludwig frei. Sein Meister war selbst als Hochzeitsgast zugegen. Als er einige Gläser hinter der Binde hatte, wurde er gesprächig und rühmte Ludwigs Geschicklichkeit. „Der Junge hat was los, wird bestimmt ein tüchtiger Handwerker werden!" Das war das erste Lob, das der eingeschüchterte Junge über sich sprechen hörte. Es klang ihm zwar gut in den Ohren. Aber da er- innerte er sich der vielen Schläge, die ihm dazu verholfen hatten, und sofort wurde der meisterliche Lobspruch be- deutungslos. Morgen würde ihn das Vieh ja doch wieder schlagen. Die neue Mutter trat ihr Amt mit viel Geräusch an. Aber alle ihre Versuche, die jüngeren Kinder in ihre Gewalt zu bekommen, scheiterten, mochteil sie noch so gut gemeint sein. Sie oermochte nicht, sich durchzusetzen und sich Respekt zu verschaffen. Sie war und blieb eben die Stiefmutter. Paul, der Aelteste, sah sich die Sache mit der neuen Mutter wie von ungefähr an. Wie man Personen betrachtet, die einem eigentlich gar nichts angehen. Er sagte„Sie" zu ihr nnd behandelte sie sehr von oben herab. Auf ähnl'che Art schnappte äuch Albert ein. der Kauf- mannsstift. Er sagte;, Alles was recht ist aber die Frau ist mir viel zu jung, als daß ich mir von ih' was sagen ließe!" Ludwig indessen nahm eine neutrale Hallung ein. Er ließ sich zwar ihre Sorglichkeit gefallen, tonnte jedoch keine Symoathie für sie aufbringen. D'e Frau, die sehr unter diesen äußeren und inneren Widerständen litt, klagte ihr Leid dem Manne. Doch auch da fand sie keine Hilfe. Er zuckte nur verlegen die Achseln und sagte;.Sieh zu. Maria, wie du mit den Bengeln fertig wirst ich w'll nichts davon hören!" Wer schließlich ermannte er sich doch auf und warf Paul, als der einmal zu frech wurde, kurzerhand aus dem Hauie. Doch„die andern jungen Leute", für die dieses Exempel statuiert worden war, nahmen es sich nicht besonders zu Herzen. Besonders Albert war nach wie vor von geradezu höhn- voller Gehässigkeit. Bei jeder Gelegenheit versuchte er, die Stiefmutter zu reizen und zu verwunden. Und es gelang ihm nur zu gut! Weinend faß die Frau, die in den Vierzigern war, manche Stunde und beklagte ihr bitteres Los. Der Alte sah selber, daß der Karren von Grund aus ver- fahren war. Noch schlimmer wurde es, als ein Jahr später der Stief- mutter ein Mädchen geboren wurde. Da waren die Jungen außer Rand und Band. Jetzt lärmte und triezte Albert erst recht und zog auch den vierten Bruder, Stephan, auf feine Selle. Der war erst vor kurzem aus der Schule gekommen und vom Bater bei einem Schuhmachermeister in der inneren Stadt in die Lehre gegeben worden. Wenn die beiden da waren, hatte die Stiefmutter die Hölle im Hause. Unter solch unguten Verhältnissen wuchs Ludwig heran. wurde groß und stark, ein hübscher Junge mit zartem Ge- ficht und dichten, schwarzen Haaren, die wie Bürsten auf recht standen. Im stillen gestand er sich ein, daß die Stief- mutter tüchtig und von wirklich rührender Fürsorge war. Wer er konnte ihr keinen freundlichen Blick geben, ihr kein lobendes Wort sagen. Es war noch das Blut seiner Mutier, das alles an ihm wie zugeschnürt hielt. Vater Eisermann liebte seinen Sohn Ludwig seines stillen Wesens halber besonders; aber manchmal wollte es ihm dach scheinen, als ob der Junge etwas beschränkt wäre. „poof", wie er sagte. Er äußerte diese Befürchtungen auch den Kunden gegenüber die zu ihm in den Laden kamen. Wer die also Angesprochenen sagten weder Ja, noch Nein. Was sollten sie auch. Sie kannten ja Ludwig gar nicht. * Ludwig Eisermanns drittes Lehrjahr ging zu Ende. Wieder einmal stand er wie immer bis spät abends an seiner Hobelbank und arbeitete an einem Schrank, den er noch fertigstellen sollte. Das Gehäuie war fertig, die Rückwand eingezogen. Er ging eben daran, die Türen in das Gehäuse einzupassen. Der Junge war übermüdet. Kaum konnte er die Augen noch offen hallen bei dem trüben, fun�eligen Lampenlicht. Da passierte es ihm, daß er die linke Tür zu kurz riß. Beim Einpassen nachher erwies sie sich als zu klein. (Fortsetzung folgt.) Braucht Berlin Eine Krage, die jeden Steuerzahler ai Die Sladlverordnelcnversammlung hat einen Ausschuß eingeseht, der noch in dieser Woche über die Frage der Auf- lösung oder Abbau der städtischen Fuhrbetriebe entscheiden soll. Nachstehend soll gezeigt werden, welche De- deulung ein eigener Fuhrpark gerade für eine Sladt von dem Ausmaß Berlins hat. Di« Fuhrparks der Stadt Berlin sind nicht geschaffen worden als Konkurrenzunternehmen gegenüber soliden privaten Fuhrbetrieben. Oft waren selbst bürgerliche Kommunalpolitiker Schöpfer städtischer Fuhrbetriebe. Vielfach gaben unerhört hohe Forderungen, die private Fuhrunternehmer an die Stadt für ihre Leistungen stellten, den unmittelbaren Anlaß zur Gründung städtischer Fuhrparks. Teilweise sind die Fuhrbetriebe auch in der Kriegs- und Nachkriegszeit entstanden, um notwendig« Lebens- Mitteltransporte zu sichern. Einig« sind auch schon vor dem Krieg« für die Strahenreinigung und die Müllabsuhr eingerichtet worden. Hinzu kam der laufende Wagenbedarf für die Abfuhr und Anfuhr von Materialien für Straßen-, Kanalifations- und Hochbauten. Das einmal vorhandene Wagenmaterial der Stadt wurde, gleich- gültig für welchen besonderen Zweck es ursprünglich angeschafft worden war. im Interesse der Wirtschaftlichkeit naturgemäß für alle Fuhrleistungen der Stadt ausgenutzt. Von einer Konturrenz der Stadt gegenüber privaten Fuhrunternehmern kann also keine Rede sein. So wenig«in vernünftiger Mensch einem Waren» hau» einen Vorwurf daraus machen wird, daß es für sein« Waren- «xpeditüm eigene Wagen unterhält, so unberechtigt ist der Angriff aus die Stadt, daß sie die Erledigung ihrer regulären Fuhr- leistungen durch eigene Autos und Gespanne zu sichern sucht. Sämtliche städtische Fuhrbetriebe Berlins haben außerdem aber stets private Unternehmer zu Arbeitsleistungen herangezogen, ein Be- weis, daß sie nicht von vornherein das gesamte private Fuhrunternehmertum ausschalten wollten. Auf den Leiter kommt es an? Vielleicht ist richtig, daß dt« Verwaltung der städtischen Fuhr- betriebe selbst in Berlin verschieden ist, und daß einige vielleicht auch Zuschüsse aus städtischen Kämmereimitteln bedurften. Das spricht aber höchstens gegen die Verwaltung der Fuhrbetriebe, nicht aber gegen diese Betriebe a n s i ch. In der letzten Nummer der„G« w e r k s ch af st', dem Organ des Gesamtverbandes der Ar- beltnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Waren- verkehr», wird in einem Auffatze„Sind städtische Fuhrbetriebe wirtschaftlich?" der zahlenmäßig« Nachweis erbracht, daß der Stadifuhrpark des Berliner Bezirks Treptow seit seinem Bestehen keinerlei Zuschuß aus Mitteln der Kämmereiverwaltung erhalten hat. er hat sogar noch im vorigen 3ahr einen Ueberschuß von lOOllll warf an die Kämmereiverwallung abgeführt. Das war einen Fuhrpark? geht!— Die Verpflichtung der Stadt. zu erreichen, trotzdem der Fuhrtarif des städtischen Betriebes niedriger ist als der der Berliner Fuhrherremnnung und die Arbeits- und L o hn v e r h ä! t n i s s e für die Arbeiterschaft in einem städtischen Betrieb weit g ü n st i g e r sind als m dem Be- triebe eines Privatunternehmers. Dieses günstige Ergebnis wird damit erklärt, daß der Fuhrpark nach kaufmännischen Gesichts- punkten geleitet wird und dadurch m kurzer Zeit technisch und or- gamsatorisch auf einen verhältnismäßig hohen Stand gebracht werden konnte. Das Interesse des Steuerzahlers. Die Erhaltung der städtischen Fuhrbetriebe liegt somit sowohl im Interesse der Stadt wie auch im Interesse jedes Steuerzahlers. Sofern städtische Fuhrbetriebe nicht günstige Ergebnisse gezeitigt haben, sollte ihre Verwaltung genau unter die Lupe genommen werben. Dabei wird sich wieder einmal ergeben, daß sich im asten Geist stecken gebliebene Beamte kaum zur Leitung städtischer Unter- nehmen eignen. Mit einer Auflösung der städtischen Fuhrbetriebe aber würde nur erreicht werden, daß sie nach einiger Zeit unter weit größeren Opfern wieder geschaffen werden müßten. Die Nebelstraße. Stickige Zinkgase in der Mühlenstraße. Von der Not entsetzlicher Wohnverhältnisse können die An- wohner der M ü h l e n st r a ß e am Osthafen einmal«in trauriges Lied singen. Die Herren Fabrikbesitzer, deren Schornsteine den Proleten tagaus, tagein Ruß und Gestank in die Lungen trichtern, merken davon allerdings wenig. Vor ungefähr VA Iahren hat sich im Hause Ntühlenstraße öüa eine Zinkschmelzerei niedergelassen und die ganze umliegende Nachbarschaft hat nun das Der- gnügen, die stickigen Z i n k g a s«, die in dicken, gelben Rauch- schwaden dem Schornstein entströmen und oft die ganze Straße in dichten Nebel hüllen, einzuatmen. Die Geschäftsleute sind dadurch gezwungen, stets ihre Ladentüren geschlossen zu halten, ebenso müssen die Hausbewohner ängstlich ihr« Wohnräume vor diesem Gestank, der noch dazu Kopfschmerzen und oft Erbrechen ver- ursacht, verschließen. Kinder, die aus der Straße spielen, klagen auch über Beschwerden. Dem Uebel ließe sich durch Anbringung eines stark erhöhten Schornsteins wenigstens teilweise abhelfen. Di« Leute haben sich überall beschwert, die Zuständigen besahen sich auch wohl die Angelegenheit, nahmen vielleicht auch noch eine Prise des wohlriechenden„Parfüms" zu sich, aber weiter geschah nichts. Biel- leicht sieht einmal die polizeiliche Gewerbeaufsicht bzw. die@ e- sundheitspolizei hier nach dem Rechten. schnittsgeschwindigkeit von 160 Kilomeier in der Stund« gehabt. Dabei ist ober zu berücksichtigen, daß die Motoren absichtlich nicht voll ausgenutzt, sondern stark gedrosselt worden sind, so daß bei Vollgas noch eine wesentlich besser« Flugzeit erzielt worden wäre. Wie lange das Flugschiff in Amsterdam bleiben wird, steht im Augenblick noch nicht fest. Der Start zur nächsten Etappe nach der englischen Marineflugstation Calshot bei Southamton könnte also frühestens Freitag früh erfolgen, doch lauten die Wettermeldungen für das Kanalgebiet für die nächsten Tage bisher ziemlich ungünstig. Immer wieder Bücherdiebe. Erwill wertvollstes Gutbeistiegendem Händlergekaustbaben Ein gewerbsmäßiger Bücherdieb ist ein gewisser Bartel. der sich Schriftsteller ncanl und vor dem Schössen- gerjchs Berlin-INikte unter der Anklage stand, wert- volle Bücher gestohlen zu haben. Wo der Angeklagt« sich als Schriftsteller betätigt, blieb in Dunkel gehüllt. Dagegen geben seine 11 Vorstrasen, die fast sämlich auf dem Gebiete des Bücherdieb st ahls liegen, einen gewissen Ausschluß, wovon der Angeklagte sich seinen Lebens- unterhalt erwirbt. Gegenwärtig befindet er sich auch in Strafhait. Nach seiner Angabe war sein Vater aktiver sächsischer Offizier und ist jetzt noch Fabrikbesitzer. Er selbst hat Medizin studiert, will aber später dramatischer und politischer Schriftsteller geworden sein. Jedenfalls geht aus den Akten hervor, daß er schon im Jahre 1917 zum erstenmal wegen Bücherdiebstahls vorbestraft ist. In der Zeit vom Juni bis August vorigen Jahres verschwanden aus dem Dibliophilen Antiquariat bei Wertheim eine Reihe von Büchern. Man vermißte u. a. ein« Dueringsche Chronik im Wert« von 125 Mark und einen Band I n-k irn a b« l n(sogenannte Wiegendruck«, die ältesten, vor 1500 gedruckten Bücher), die mit 1100 Mark ausgezeichnet waren. Die Chronik wurde in einem anderen Berliner Antiquariat entdeckt. Dort hatte sie B. verkauft. Gleichzeitig halte er auch Inkunabeln für 000 Mark angeboten. Da die Inhaberin des Antiquariats aber verlangte, daß der Band zu- nächst zur Prüfung des Wertes und der Echtheit dort bleiben sollte, nahm sie B., der sich mit seinem richtigen Namen legitimiert hatte, wieder an sich und erschien nicht wieder. Der Angeklagte bestritt, überhaupt bei Werthcim gewesen zu sein, und behauptet, an einem Bücherstand in der Nähe der Uni- versitäi mehrere Bücher billig gekauft zu haben. Als Bibliophile habe er sofort erkannt, daß er mit den erworbenen Büchern ein gutes Geschäft machen könne. Wo die Inkunabeln geblieben sind. wollte der Angeklagte nicht mehr wissen. Der Band ist spurlos ver- fchwunden. Zwei Angestellte des Warenhauses erinnerten sich, daß sie den Angeklagten zu der fraglichen Zeit mehrmals in der Bücher- obtcilung gesehen haben. Die Inhaberin des Antiquariats, der der Inkunabelnband angeboten worden war, konnte über die Art des- selben aus ihrer Erinnerung kein« bestimmten Angaben mehr machen. Das Schöffengericht mußte den Angeklagten tn diesem Falle auch freisprechen, verurteilte ihn jedoch schon mit Rücksicht auf sein« einschlägigen Vorstr»fen, wegen des Diebstahls der Chronik zu drei Monaten Gefängnis.' -140 Jahre Theaierverein. In der altbekannten„R e f j o u r c t" in der Oranienburger Straße, feierte am Sonntag Berlins� alt est er T h« a t«r v c r e j n „Thalia" seinen 14 0. Geburtstag, und der 1. Vorsitzende, der ein wenig in der Chronik geblättert hatte, wußte i» seiner Festansprache viel Interessantes zu berichten. 1700 wurde m einem Lokal in der Klosterstraße die„Thalia" gegründet und bald fand sich auch ein begeisterter Mäzen, der Cafetier Schröder, der den Spielwütigen eine kleine Bühne bauen ließ. Mit leiser Weh- mut gedenkt der Chronist des 100jährigen Stiftungsfestes im Jahre 1890, das drei volle Tage dauerte; am ersten Abend Kommers, am zweiten ein« Festaufführung nn Ostend-Theater— dem jetzigen Rose-Theater— und am dritten Abend Ball. Aus allen Kreisen der Bevölkerung setzten sich die Akteure zusammen. Da minit der Schlosser neben dem Wäschcr."der Gürtler neben dem Schuster, auch viele Beamte und auffallend viel Zahnärzte mimen mit. Aus der Reihe der Dilettanten schälten sich auch einig« „Prominente" heraus, unter anderem der populäre Komiker Arnold R i e ck, Bernhard Rose, der Gründer des Rose-Theaters und Adolf Ernst, der Erbauer des Thalia-Theaters. Durch Generationen vererbte sich die Lust an der Schauspielerei und heut« noch findet man unter den Mitgliedern Großväter als Ehren- initglieder, Tochter und Enkel als Mitwirkend«. Eine wirklich aller Ehren werte Aufführung von Kaisers„Kolportage", Borträge und Ball lieferten das Festprogramm. Die Scala im November. Vielversprechend wird das Novemberprogramin eingeleitet mit Hochspannungsexperimenten am menschlichen Körper. James und Fred Watson sind die geschickten Borführer. Dann Ist Ra stellt wieder da, und immer noch steht auf der Bühne ein großer spielender> 'X Jung«,«enn er auch heute als da» nicht mehr zu überbietende Genie der Iongleurkunst gilt. Mit tänzerischer Leichtigkeit, gleichsam befreit von aller Erdenschwere, wirft, schlägt und fängk er sein« Bälle. Sie folgen ihm wie gut dressierte Hund«. Alle Gesetze der Schwere sind aufgehoben, ein Verjagen unmöglich, nur-wirkt hie Vielseitigkeit lini> die Länge der Darbietungen zuletzt etwas ermüdend. Das Matray-Balleit mit'Katta Sterne und Maria Soloey zeigt wiederholt Gesehenes. Edgar mit feiner Marionette Joe bringt die gute alte Bauchrednerkunst in höchster Vollendung wieder zu Ehren. Wie der kleine Puppenpartner singt, Klavier spielt, trinkt, spricht und sich bewegt, das wirkt verblüffend und amüsant. Auf einem Einrad produziert sich meisterhaft George Dormonde, Gern gehört wird auch De Busse, der auf einem Accordeon Tangos spielt. Di« Carlo- Medmis werfen die Kleinsten der Truppe, am Trapez hängend, durch die Luft, wobei noch Doppelsaltos geschlagen werden. Charly und sein Partner vollführen auf freistehender Leiter, Geige spielend, Künste, die an Tollkühnheit grenzen. Zuletzt kommen Little Freds prächtige ballspielond« Hunde, ungeduldig erwartet, an die Reihe. > Nordische Tiere im Zoo. Die sogenannten Könige der Tiere Löwen und jmch Tiger kann jeder sich kaufen, der das nötige Geld dazu hat. Selbst Elefanten, die Größten der Tiere, sind jederzeit im Handel zu haben. Anders aber steht es mit nordischen Tieren und unter ihnen namentlich mit einigen unscheinbaren ArtenT Um sie in einem Tiergarten be- Herbergen zu können, muß man erst eine Expedition unternehmen. Darum ging Dr. Lutz Heck auf Reisen, um für den Berliner Zoo allerlei nordische Exporten zu holen. U. a. brachte er Schnee- Hasen mit, die man hier noch nie gesehen hat. Sie haben zum guten Teil schon ihr« Winterfärbung und paradieren in einem leuch- tenden Weiß, das freilich an den Löffenspitzen durch ein Schwarz unterbrochen ist. Sie haben ausfallend dicke Läuse und starke Polster unter den Sohlen, damit sie nicht im Schnee einsinken. Diese Hasen, die auf keinen Fall mit einer unserer Kaninchenrasse zu verwechseln sind, kommen auch in Deutschland vor, und zwar bei uns in den Alpenregionen. Ferner kamen weiße Schneehühner. Ihre I Verpflegung ist schwierig, denn sie beanspruchen u. a. zu ihrer I Nahrung Waldbeeren, frische Zweige mit Knospen und Tannen- nadeln. Bon der Jpa in Leipzig wurden aus einem Transport aus Sowjetruhland übernommen: ein eigenartiger russischer Biber mit dunklem prachtvollem Pelz und Feh Eichhörnchen. Und zwar die allerbeste Qualität, die sich durch einen dimkelblaugrmisn Pelz auszeichnet. Als größte Sehenswürdigkeit- aber hat Berlin jetzt zwei E l ch e i die sehr zahm sind, ihrem Wörter aus der Hand fressen und sich den Kopf kraulen lassen. Elche sind im' allgemeinen weniger schwer zu fangen, als in der Gefangenschaft zu halten. Neutschnationale sür KPN.-Stadträte. Bei der gestrigen Ersatzwahl für die beiden nichtbestätigten kommunistischen Stadträt« in der Bozirksversammwng F ri« d ri chs ha i.» wurden mit den Stimmen der Deulich- nationalen und der Nationalsozialisten wiederum zwei kommunistische Stadträte gewählt. Das Ergebnis der Wahl veranlaßt« den kommu- mstsschen Stoßtrupp auf der Tribüne zu den üblichen lärmenden Kundgebungen. Der Vorsitzende, Genosse Pohling. sah sich g«. zwungen, den randalierenden Teil der Tribüne durch Polizei räumen zu'lassen. Als auch nach Wiedererösfnung der Sitzung die Skandolszenen nicht aushörtetz, unirde die Sitzung«nd- gültig geschlossen. Ein neues Altersheim. Der Verband Berlin des Jüdischen Frauenbundes konnte«in neues Heinr seiner Bestimmung übergeben. Auf Grund einer Stiftung l>atio der Bqrband ein Privatgnindstück Im Gnmc- ivald in der Königsallee IIa erworben.' Herr Architekt Borchard bat aus dieser alten Billa ein Hau» qeschasfen. das 30 alien Männern und Frauen ein Eigenheim ersetzt. Reben geräumigen (gemeinichastssälen enthält das Heim, das den Namen Olga-Stern- Haus trägt, für jeden Insassen ein Einzelzimmer. In jedem Zimmer ist fließend beiße? und kaltes Wasser. Aus jeder Etage ein Bade- zimmer, das allen Anforderungen der modernen 5iyglenc gcrecht wird Eine deullldie Spradie reden unsere heutigen Angebote mit ihren phantastisch billigen Preisen. Der Preisabbau, den Olle Wirtschaftsführer verlangen, ist bei uns Tatsache geworden. Dabei handelt es|ich um nur gute Qualitäten, die teder Prüfung standhalten. Solche Gelegenheit dort niemand ungenutzt vorüberlassen! Prädiflger Sporfnumfel aus weichen, molligen Stoffen eng. 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Leiter Genosse Hartig. im Jugendheim Bahnhofstr. Z. Lbrerkarte» dort»u haben.— Arbciterwohl. fahrt: Kostenlose Sprechstunde in allen Wohlfahrtsanqelegenheitcn beim Genossen Bernhard zander, Zehlendorf, Sven-Hcdin-Elr. 7t, an jedem Donnerstag von 17— IS Uhr. heute. Donnerstag. S. November. .Unser Weg" ist am ssriitaa, 7. November, von Ib— 30 Uhr vom Lokal Schmidt. Dlclefstr. 17. abzuholen.- i2, Abt. m mmmmmtmm �>MlWWWWWWWW>WW>W>W>W Ebenfalls dort die Eintrittskarten fllr die Revoiulionsfcier adrechncni����M�W�WW�M 17. Abt.»Unser Wog" ist vom Genossen Höhne abzuholen. 33. Abt. Die Bezirksführcr rechnen heute die«arten ,ur RcvoluIIonsfeicr bei LojajWM'IM 3t. 110. Loiack. Benmestr.«, mit dem Kassierer ab. Abt. l»z., Uhr Funllioniirsihung bei Seidliti, Romintener Etr. 7. Abt. Lichtenberg.»Unser Weg" ist umgehend beim Genossen Sro Empfang zu nehmen. Sroppler in Kunktionärsitzungen Morgen. Zreilag. 7. November� in den nachstehenden Lokalen. 3. Abt. lS>4 Uhr im Saal 3 br» Gewerkschaftsliause«, Engelufer 24—25. o. Abt. 19H Uhr bei Dobrohlaw, Ewinemllnder Str. 11. 0. Abt. 20 Uhr bei Lufendach. Perleberger Etr. 6t, bußersi wichtige Funk» tionärslhung. um 10 Uhr cbendort Borstandsssssung. 30. Abt. 30 Uhr bei«artufch, ssriedenfir. 88. 40. Abt. isth Uhr bei Schilkowsii, Wrangel» Eck« laborstrahe. Schiaeberg. 77. Abt. 30 Uhr bei Illrqens. Parbarossastr. 5».— 70. Abt. 20 Uhr bei Arndt. Dautzener Etr. 10. Ecke Erossgorschcnstrahe, ssunttlonar, sshung. Um IS'4 Ubr evendort Borstandssshung. 83. Abt. Zempelhvs. 30 Uhr Vorstanbesthung bei Ptommerening, Berliner Straße 100. Neukölln. 80. Abt. 19 Uhr bei Groinmcck, Sandcrstr. 10.— 90. Abt. IS' i Uhr »»Whr i�WWWWUWWMWWMWWW. »1. Abt. 30 Uhr bei Keusch. Iägerstr. 10, Vorstandssshung mit allen Funk» tionären. Alle Fnnktionijrinnr» treffen ssch ebsndort um SZ1 Uhr zur Materialausgabe.— 90. Abt. ISVa Uhr bei Lohann. Wlpperstr. 18—19. - 07. Abt. 19 Uhr bei Rohr, Elegfriedstraße. 00. Abt. Brih. Buckow. Freitag, 19% Uhr, Funktiongrslhung hfl Becker, Ehaussrestr. 97. 110. Abt. Lichtenberg. 20 Uhr bei Siorr, Neue Bahnhofstr. 28. Wichtige Tage». Ordnung. 120. Abt. Mahlsdors. tfl Uhr bri Emil Anders. Bahnhofstr. 37. 120. /130. Abt. Panlsw. Freitag, 30 Uhr, Funktillniirsstzung im Türkischen Zelt. Breite Straße. 130. Abt. Tegel. 30 Uhr im Lokal Schade Funktionörühung. Arauenveranstallungen. 202. Abt. OAanIenbnrg. Die Frauen beteiligen stch geschlossen mit der Arbeiter, jugent» an der Bewag'Borführung im..Europa".Haus. Treffpunkt Frei. tag. 7. November. 1lks- liimlich und jede in der Auswahl des Gebotenen und der Aus- sührung schön. Als Gesamtsumme eines Funkabends aber wogen sie zu schwer. Daß die von Dr. Erich Fortner geleitete „Wanderung durch das musikalische Wien" fortgesetzt werden soll, ist grundsätzlich zu begrüßen. Die in der Einführung betonte Absicht, dl? klassischen Komponisten und ihr Schaffen volwtüinlich zu machen» wird Dr. Fortner allerdings nur dann erreichen, wenn er zu seinen gut ausgewählten musikalischen Proben aus alle Neigaden von Wiener Hofanetdoten verzichtet und dafür«in wenig die Gesamt- atmosphär« der einzelnen Epochen skizziert.— Dr. Friedrich Wolf, Arzt und Verfasser otelgespielter Zeitstücke, erzählte in der Stunde „Die Autobiographie" sein Leben eine fesselnde Schilderung, weil das dichterische Werk bei Wolf wirtlich lebendiger Teil seines Lebens ist.— Landgerichtsrat Dr. C. N. von Holten begann einen Zyklus über„Geläutert« Strafrechtspflege". Man wird auf diese Vortragsreihe zurückkommen müssen, nachdem sie abge- schlössen ist. Tes. Geburlslage. Jubiläen usw. 9.7. Abt Neukölln.. Unseren Genossen Karl Irrmisch. Wolliner Str. PnnlKopp, Wolline« Str. 10, Hc-mannSchmihtbnuer, Echwedtcr Straße 32. znm zsjähelgcn Parteijubiläum die berzlickstcn Glückwünsche. 102. Abt. Baumschulenweg. Unserem Genossen PaulBerger. der heule seinen GS. Geburtstag feiert, die herzliststen Glückwünsche. Wir hoffen, daß er der Partei, der er über 30 Jahre angehört, noch lana« erhalten bleibt. 196. Abt. Johannisthal. Unserem Parteigenossen und Führer der Arbeiter- schast Fritz Riintuer zu se:nem 60. Eebnrtstaa die allerhrrzüchsten Glückwünsche. Wir hoffen und wünschen, daß e» dem Genossen MLntncr noch recht lange vergönnt sein möge, an der Spitz« der Arbeiterschaft zu wirken. Sterbelafel der Groß« Berliner Partei- Organisation J 18. Abt. Unser Genosse ReinholdLetsch, Nlartin.Spitz.E'r. 4. ist per- siorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherunq Donnerstag. 0 November, 30'A Uhr. Krematorium Gerichtstraste. Um rege Bctciliguna wird aebeten. Sl. Abt. Eharlottenburg. Unsere Genossin Berta Holzapfel. Pots. damer Str. 24, ist»erstorben. Ehre ihrem Andenken!(kinäsiheruna heute, Douners'ag, 6. Nvvcmhor, um 18'.z Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Wir bitten um rege Beteiligung. 83. Abt. Lichterfelde. Unser lieber Genosse, der ehemalige Dorsttzende des ZdA., Carl Giebel, ist nach langem schweren Leiben verstorben. Ehre seinem Andcnkenl Einäscherung am �Freitag, 7. November, um 17 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Wir bitten um reae Beteiligung. 91. Abt. Nenlölln, Unser Genosse LermannKlinancrlst verstorben. Ehr« seinem Andenken! Di« Einäscherung ist bereits crsvlgt. Sozialistische Arbeiterjugend Grost- Berlin Ginsenbunaen tör diese Bude» nur an da« Fuaendteteel»«!« zzeell» GW 64. ClndenftroSe- Zu, Reooluttonsfete« am Sonntag bringen alle Gruppen ihre Fahnen mit. Die Karte» zur Renolutioasfeier am Snnataa müssen von allen Abteilungen bis morgen abgerechnet werden, da die Karten zu 90 Pf. ausverkauft ssnd und wir di« von den Gruppen bisher nicht verkauften Karten an ander, Gruppe», die noch kein« Karten haben, weiterarben wollen. Ableilungsmitgliederversammlungen. Donnerstag. 1g'/s Uhr. Norden: Keim Lortzina- Ecke Graunsttaßc.— W-estcnd, R. F.: Loeim auf dem Sportplatz Westend.— Tegel: Heim Bahnhofstr. Ib.— Arnswaltzer Platz ll: Seim Nastenburger Etr 16:»Der Aufbau unserer Orqanisatpn".— Fallplatz I: Schule Sonnenburger-. November".— Köpcnicker Viertel: Treff- s�l Werbebezirk Kreuzberg: Schulaula Diefscnbachstr. 6l. Revolution»- l'I i' fei er. Musik, Rezitationen, Ansprache. Film, Borführunaen der„Röten>: Reihe". Beginn 20 Uhr. Eintritt frei. sV .......................... SSG. Lichtenbera: Heim Särnrnwebersir. 20: lO-Minuten-Referate. Jede Wrrbebezlrt Mitte: Heim Köpenickrr Str. 92: Manderleiterkonfere»,. Gruppe muß vertre'en sein. Werbebczirk Schönebeig: Fahrt der Erwcrbsfosen noch den Savclbcrg-n. Irektpunkt]0H Uhr Kaiser-Wilhelm-Viatz.— Bilbunaskursus: Schule Feurigst raße:„EinfUhriina der Weltwirtschaft". Werbebcz'rt Renkiln: Arbeitsgemeinschaft„EitMhrung in die Weltwiri- schast". Karl.Marr-Schule. I9st» Uhr. Derbe bezirk Lichtenberg: W.-B..V.-Sitzung. Wrichfrlstraße, Bibliothek. 20llhr. vortrage, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Bol-Gnld" SeschOklssteli«: Nrrlin E 14. Eebostianstr 87—88 Soi 2. Dr. Tirrgarte»(JungbannerZ: Donnerstag. 0. November. Al4 Uhr, Treffen zum Baden vor dem..Ula". Tnrmsteaßc.— Freiiao. 7. Ro» vember. Steglitz-Orisverei»): Der Kamerad Karl Giebel ist am 2. November verstorben. Sinäscheruna 17 Ubr Krematorium Wilmersdorf. Antrrten des Ortsperein» 16 Uhr..Titania.Pafaft", Cchloftstraste. Wir erwarten rege Be. teiligung. Dunkle Hofe. Bundcskleiduna. Lichtenberg: Kameradschaftsverfamm- lungen: Kam. Traveplatz 20 Ubr Scipke. Echarnweberstr. ö. Kam. Gustav Tempel 19'4 Uhr bei R»begalt. Norniannenstr. 88. Wichtiger Bor'rag. Er. scheinen Pflicht. RSelßensee lOrtsoerein): 20 Ubr Mitaliederversammlnna im .Berliner Hof". Bortroa de« Kamkioden Psnl-pvsborn. Vorstand 19 Uhr. Hermnborf lKamerabschafti: 20 Uhr Kameradschattsversammlung bc! Okeent, Berliner Ecke Bahnbofstraße Bortrao. Eharlnttenlm»». Kameradschaft Witten. derg: 20 Uhr«ameradschattsvlrsommli'na im Restaurant'Nürnberger Ecke Fürther Straße. Referent Kamerad Schützingcr.— Gannabenb, 8. November. Reinlckcnborf fOrtsvereins: lS Ubr Antreten Bln. Waldmannslnst zur Kund. aedung. Pflichtveranflaltnna.— Ruberr'cae neb Win.'erfportab'eilnng: In den Gefamträmnen des„Ulap". Alt-Moobit, Wintrrfest. Eintritt 1 W M. im S'or. verkauf. Karten in den B«ot«bä»sern und in der Geschäf'sstellr der Winter. sportabtelluna.— drei» Westen: Führcrkursus beginnt am 10. November. Näheres durch die Ortsvrreinsvorsttzenden. Frei« Arbeiter. Esperanto. Vereinianng. Die Monotsversamminna findet erst am Donncrstaa, 18. November, 29 Ubr. im Jugendheim Am Ostbahnhok 17. statt.— Achtung! Sonntag Wanderung zum Licnrwitzsec über Wurzel— Fenn. Treffpunkt.Bohnsteig Eharlottenburg 8 Uhr. Sprachklub„The Erdish Speakers": Meetings on every Thursday atSo'ciock p m in the resiaurant„Slephanplatz", NW 21, Stendaler Sie 12— Topics' and debates ol general interest. Guests— Ladies and Genilemen— are cordially welcome._____ wesleraussichien für Berlin: Jni gonzen noch zienisich heiter, erst später BeivölkuirgszimaHm«. kühl.— Für Deulschland: Iin Südwesten nieist stärk bewölkt mit etwos Negen und Milderunp: im Osten Wetterbesserunq, im übrigen Reiche allmähliche Be- wölkungszunahmc, kühl.» �_ Wiutergorten. Den Wünschen von Presse und Publikum Rechnung tragend. hat stch der Wintergarten entschlossen, den Film„Kino vor 35 Jahren" auä, weiterhin im Rahmen des Var>et«.SpielpIans beizubehalten. Der Erfinder Mar Ekladanowskn wirb allabendlich anwesend sein und zu seinem Fism einleitende Worte sprechen. '"f-ry.v- \V| Warum hat die makedon- Zigarette IN KURZER ZEIT EINE SOLCHE VERBREITUNG GEFUNDEN? x> •M**, Oo», •-i»•>.5:.•• ■■- Weil MAKEDON die einzige Firma ist, die den gesamten Werdegang der Zigarette, von der Aussaat des Tabaksamens bis zur fertigen Zigarette, in einer Hand vereinigt. Dadurch ist jeder Zwischenhandel beseitigt, und der AAAKEDON- Raucher erhält sein Geld lOOprozentig zurück. M A K E D O N ZIGARETTEN FAß HK MAKE DON O.M.B.H, MAINZ A.RH. KONZERN FREI Generalvertretung: Carl Sudel, Berlin NW 6# Luisenstraße SO, Tel. D 2, Weidendamm 3354 SMMMM-WM Uenualtungsmitgiieder! Am ffrtUojv dem 7. November, leiu« Sitzung der Mittleren Verwaltung� Olc OrlnrcrwaUaatf. Allgemeine Ortskraukenkasse für den Stadtbezirk Eöpenick. vom am vetanulinathung. Der auf Grund der Roiverordnm 2Ä. Iulr 1920 vom Kass iiauvschu 21. August 1920 de chlossene 22. Nachtrag zur Sosseasatznog ist vom Oderoersicherungsamt genehmigt worden. Druckstücke des Nachtrages find nach Drucklegung in unierem Kaisenioiai er> hilltlich. Beriin-DSpenick den 4. November 1930. Ver Vorstand. Otto Nickel, Vorsitzender. VoUtsbMme sduw W BHioviilalz. 8 Uhr Oer fröhliche Weinberg Staafl.Sdiilier-Hi. 8 Uhr Die Journalisten. 6.15 Uhr— RsuUien er.aohi 24 Tillarettes. Carr's u. Betty Das Tonphanomen Linder usy. — i■ n 1 I rn---■■■ | Ikealet Licltisptele usw — i—----j-um-■bjVl Staat. Süiilier'Tiieater.Qiarltlig 20 Uhr Die Journalisten Ende 22 Uhr Ttgl S ii.»V» Uhr- B 5 Bark.«2M Tlgl. 1—• M— NiChm. halbe Pralaa Rastelli's MUdlni- usw. Matray-Ballctt, plAza TJjl. 9 I.»'» Sennt.2,5 u.»« Alex. E4«06« I. Voretallung SO Pf. bla 1 M II. und III. Verat. 1 bla 2 M AFRA, UE88EM8, KOHLBRANDT usw. •,"Uhr CASINO-THEATER 8,'Uh' Lothringer Strafe 37 Nur im Monat November die entzückende Komödie Arm wie eine Kirchenmans Gutschein 1— 4 Pers. Fauteuil 1.25 M.. Sessel 1,75 M.'— Sonstige Preise: Parkett 75. Rang 60 Pfg. > Tlgl. 2 Varel.— Tei. Weideaiiamm 2840. 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Preise 1- bis 12» M Lustspteihaut Täglich SV« Uht Kurt Götz in HOKUSPOKUS üleines rneai. Täglich 8'/. Uljr LoniLenx in meine Scüuiester und Ich nadi ferueuil van Blum. Musik van BenatzkL WM Metallarbeiter-VeM Verwaltungsstelle Berlin Nachruf Den Mitgliedern zur Nachricht, daß nnfer Kollege, der Rohrleger Otto Pahlow am 29. Oiiober gestorben ist. Den Kollegen znr NachrichL daß unser Kollege, der Arbeiter Frietlr. Kreowski geb. 19 Oft ob« 1870, am ZL Db tobet 19:0 gestorben ist Die Beisetzungen haben bereits stallgefunden. Ehre ihrem Audellkcn VI« Vitsverwaltang. ISlö noderne ovale form mit echtem Goldrand V 12 w MOrtATSRATEn Ky Berlin, leipzigers»r.1ZB-123 Donnerstag, 6. November nacnmiltags 3 Uhr Uteme Anzeigen, •wirkungsv&li und btSlig. überschriftswort 23 Pf., Texfwort 12 Pf./ Wiederholungsrabatt! 10 mal 5%. 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 1 0«, 2000 Worte 15«, 4000 Worte 20% Stellengesuche: Uberschriftswort 15 Pf., Textwort TO Pf. 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Dnmnastil oder Ballett monat. lich 5.—. SinftuMi. rung von Tänzeo. ekürlt Äurkl ! 9383 I i 8 eileugftzuchsl Heizer. gute sieugnisie. sn-bt Beschäftigung Ol- ferten unter-A..34 an die kaopieilvedi- lwn Bouwärts. Nr. 521 ♦ 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 6. November 4930 Europa kaust zu teuer! 6 Milliarden Mark Zölle.— Zu den Ursachen der Weltwirtschaftskrise. Eine der wichtigsten Ursachen der gegenwärtigen Weltkrise ist die Unjälstgkeit der europäischen Länder, in bisherigem Umfang« Wareri zzr kaufen. Bei fast allen überseeischen Ländern rst es der Warenexport nach Europa, der den stärksten Rückgang aufweist. Ein wichtiges Hemmnis zu schnellerer Erholung Europas ist sicher die Zerfchllagung Europas in 27 Zoll- und no'ch in ehr Wirtschaftseinheiten und die verschärft« Zollpolitik im europäischen Kontinent. Die hohen Zollbelostungen haben einen doppelten Zweck: Einerseits büken sie eins der Mittel zur Deckung des gewaltigen Finanzbedarfs der europäischen Länder, andeverseits fungieren sie als S ch u tz b a r r i k a d e n für die inner- halb der verhältmsinäbig kleinen Wirtschaftsgebiete unrentablen Wirtschaftszweige. Da die Zölle nicht nur auf die eingeführten, sonder» gleichermaßen auch auf die in den Ländern selbsthergestellten In- dustrie- und Landwirtschaftserzeugnisi« verteuernd wirken, so läßt sich der Grad der Verteuerung, der durch sie in Europa insgesamt hervorgerufen wird, auch nicht annähernd abschätzen. Jedenfalls nimmt in dem gleichen Maße, wie die Mafsenbelastung durch Steuern und Zölle weiter wächst, die Kaufkraft der europäischen Länder anderen Kontinenten gegenüber ab. Der europaische Konlinenl ist auch heule noch der größte Käufer des Wellmarkts, obwohl nur der vierte Teil der Menschheit in Europa wohnt. Im Jahre 1927 ginaen 49,3 Prozent der Ausfuhr der nord- und sud- amerikanischen Länder, 29,9 Prozent der Ausfuhr sämtlicher asia- tischer Länder, 85,4 Prozent der Ausfuhr Afrikas und 71,1 Prozent der Ausfuhr Australiens und Neuseelands nach Europa. Daß jede Verminderung der europäischen Kaufkraft die Märkte der Welt erschüttern muß. liegt auf d c r ch a n d. Wenn wir im sagenden Zahlen für die Z o l l b e la st u n g e n in wichtigen Ländern Europas geben, so ist immer daran zu erinnern, daß diese Ziffern ja erst einen Teil der durch sie ein- tretenden Verteuerung darstellen. Zunächst sei dargestellt, in welchem Ausmaß beule die Zölle gegenüber 1öl3 gestiegen sind. Zolleinnahmen von 19 enrop. Ländern ZNillicmen i> Landeswährung ANlNonen TXM 1913 192$ 19,3 1928 Deutschland fMark).. 679,3 1 140,6 679,3 1 140,6 Belgien«Frankens.. 7l.6 1 096,1 58.0 128,4 Bulgarien(Lewa).. 32,4 1281,5*) 26,2 38,4 Dänemwk(Kronen).. o5,2a) 88, 58) 39,4 99,1 Frankreich(Franken). 740, 8H 3 629,5 600,0 595,2 Großbritannien(Pfund) 35, 68) 118,8°) 726,2 2 423,5 Italien Lire)..... 342,7°) 3 055,8°) 277,6 672,3 Schweden(Kronen).. 68,9 14?, O'-) 77,2 159,0 Schweiz(Franken). 84/ 257,9 68,5 208,9 Spanien iPcsetas). 196,4')-586,8°) 159.1 422/ ä> 1914.»i IM? 28,>) Ig>.-/i4.«) Igl\») 1928/29.-) 19 7. Pci diesen 10 Ländenn vermehrten sich som't von 1913 bis 1928 die Zolleinnahmen von 2611,5 auf 5887,9 Millionen Mark, sind also auf mehr als das Doppelte gestiegen. 2m Durchs hnill befragt(vergleiche die solgende Ueberstcht) die Zollbelaskung rund ein Zehniel des Einfuhriveris. Die Ziffern betrefien 13 europäische Länder, die im Jahre 1928 ein« Einfuhr im Gesamtwert von 67 752 Millionen Mark verzeichneten. Die hierauf gelegten Zölle ergaben Einnahmen von insgesamt 6426 7 Millionen Mark. Dabei lagen die Zolleinnahmen von Italien, Polen, der Tschechoslowakei, Bulgarien und Großbritannien über dein genannten, etwa zehnprozentigen Durchschnitt. Im Jahre 1928 belief sich die Gefamtemfnhr aller europäisck)?n Länder einfchließ- lich der in der folgenden Zahlentafel nicht aufgezäh'ten, auf 81 bis 82 Milliarden Mark. Man kann annehmen, daß dementsprechend die Zolleinnahmcu sämtlicher tänder Europas die gewallige Summe von 8 Milliarden Mark erreicht haben. Einfuhr u.Zolle»nnohmen von 13 euron. Ländern 19?8 in WitfjonenTn. Einfuhrwert Zolleinnahmeu Deutschland....... 14 001 1140,6 Belgien........ 3 671 128,4 Bulgarien....... 213 38,4 Dänemark....... 1 944 99,1 Frankreich....... 8 783 595.2 Großbritannien..... 21 954 2423,5 Italien........ 4 857 6 2,3 Oesterreich....... 1 877 155.2 Polen........ 1 580 199.8 Schweden....... 1 918 159,0 Schweiz........ 2142 208,9 Spanien........ 2 4'4 422/ Tschechoslowakei..... 2378 183,8 Noch einige Worte zur Bedeutung dieser Ziffern. Wenn in Deutschland, wie angegeben, 1928 die Zolleinnohmen 1,14 Mll- liar�en Mark betrugen, so bedeutet das eine Belastung von knapp 18 Mark je Einwohner und Jahr, die oben erwähnte weitere Ber- teuerung inländischer Erzeugnisse nicht berücksichtigt. Die Iolleinnahmen steigen nicht nur absolut, sondern auch je Kopf der Bevölkeruag. Die folgenden Beispiele zeigen dies Anwachsen in Deutschland von der Gründung des Deutschen Zollvereins an ohne Berücksichti- gung der Aendemng des Goldwerts). Belastung je Sopf der Bevölkerung in MiMsnea Mark in Mark 1834— 35.».. 47/ 2/1 1881—85...... 216,1 4,74 1895........ 415.4 7,94 1900........ 492,9 8.74 1905........ 643,5 10,60 1910........ 715,7 11,01 1913........ 723,7 10,73 1915........ 549,8 8.79 1928........ 1140,6 17,y4 Dies gilt in ähnlicher Weife für olle anderen Länder. Die R o l l e, die die Zolleinnahmen innerhalb der gesamten staatlichen Einnahmen spielen, ist sehr verschieden. Im allgemeinen hat sich dieser Anteil, freilich infolge der stärk««» Steigerung der Staatseinnahmen und-ausgaben, verglichen mit der Zolleinnahmen letzten Vorkriegszeit etwas verringert. Die folgenden Ziffern ver- anschaulichm die auch heule noch große finanzpolitische Bedeutung der Zölle: An'cil der Zolleinnahmen an den slaal- lichen Gesamteinnahmen in Prazenl 1913 1925 1928 Deu'schland...... 32.4*) 8,1 11,1 Belgien....... 22,1 13/ 12,0 Bulgarien...... 22,6 36,6 30,7 Dänemark...... 35/ 18,3 24,6 Frankreich...... 19,5 4,4' 7,2 Großbr tonnien..... 21,9 15,1 17,3 Italien........ 22.8 19,6 21,2 Schweden.-..... 34,9 24,1 25,3 Schweiz....... 87,6 71,7 67/ Spanien....... 16.2 21,8 19,4 •) dier ist die ncrimderie SIeuerverteilung Zwilchen Reich nnd Ländern iu beriickslchtigrn Um aus diesen Tatsachen Schlüsse zu ziehen, sei noch aus einen wichtigen Umstand hingewiesen. Abgesehen von zwei Ländern (Italien und Großbritannien) spielt sich für alle europäis Heu Länder der Hauptteil ihres Außenhandels nicht mit überseeischen, sondern mit europäischen Ländern ab. Man kann hieraus schlußfolgern, daß von der gesamleuropäischen Zollbclastung in Höhe von etwa 8 Milliarden Mark etwa 5 Milliarden aus europäische Waren entfallen. In erster Linie belasten somit die europäische» Länder mit ihren Zöllen sich gegenseitig. Andererseits bedeutet der durchweg hohe Anteil der Zollein- nahmen an den Gesamteinnahmen der europäischen Staaten, daß man die Zölle nicht ohne weiteres radikal befeiti- gen kann, ohne zugleich die Siaatsfinanzen überall aufs schwerste zu erschüttern. Eben dieser Umstand macht es deutlich, daß die Errichtung einer europäischen Zollunion nicht losgelöst von anderen gesaniteuropäischen Problemen erörtert werden sollte. Die hierin wurzelnden Schwierigkeiten sind aber keines- wcgs unübcrwindbar. Man muß sich immer zwei Tatsachen vor Augen halten: Daß die Zerrissenheit unseres Erdteils gegenüber den großen vorhandenen oder projektierten Wirtschaftseinhnteu — Vereinigte Staaten, Sowjetunion, Britisches Reich— eine, der Hauptursachen der europäischen und außereuropäischen Krise dar- stellt und daß letzten Endes die heute zu beobachtende Tendenz, neue Zollerhöhungen als Heilmittel durchzuführen, die katastrophale gegenseitige Absperrung nur noch verschlimmern und die gesamt- europäische Produktion im ganzen mir noch unrentabler gcstaltcn muß. Aus den jetzigen Verhältnissen sollte jeder verantwortungsbewußte Europäer den Schluß ziehen, daß es keine drinolichere Ausgabe gibt als die: Europa nicht mehr nur als geographischen. sondern als wirlfchofllichen und politischen Begriff zu betrachten. A. Franke. Musikalische Krise. Enquete über den Großmusikinstrumentenbau. Der C n q u e t e- A u s s ch u ß hat jetzt seine Untersuchungen über die Industrie der Großmusikinstrumente(Verlag Mittler>k Sohn. Berlin) veröffentlicht. Diese Untersuchung umfaßt die Pianoforte-, Harmonium- und Orgelindustrie, sowie die dazu- gehörigen Bestandteilindustrien. Nach Produktionsumfang und Ertrag zu urteilen befindet sich diese Industrie seit Jahren in einem st Sndigen Rückgang. So stellte sich 1927 der Produktionswert noch aus 160 Millionen, dagegen 1928 nur noch auf 135 Millionen, während im letzten Jahr der Produktionswert sogar bis auf 100 Millionen zurückging. Gegen- über der Vorkriegszeit ist unter Berücksichtigimg der Preisver- änderungen demnach ein 50prozentiger Rückgang zu ver- zeichnen. Auch Deutschlands Anteil an der Ausfuhr ist mengenmäßig auf dem Weltmarkt von 76,5 Proz. in der Vorkriegszeit bis auf 63,6 Proz. im letzten Jahr gesunken. Demgegenüber konnten die Vereinigten Staaten ihren Anteil von 7,7 aus 14/ Proz., Frankreich seinen Exportanteil von 4,4 aus 8,2 Proz. und Oester- reich seinen Anteil prozentual am stärksten von 1,6 aus 6 7 Proz. heben. Diese Verluste in der Großmusikinstrumenten-Jndustrie Deutschlands geht hauptsächlich zu Lasten der Pianoforte- i n d u st r i e. Hier beträgt der Produktionsaussall gegenüber 1913 mit einer Fabrikattonsmenge von 160 000 Klavieren und 12000 Flügeln rund 60 Proz. Weit geringer ist der Rückgang in der Harmoniumindustrie, deren Produktion in der gleichen Zeit von 18 000 auf 14 000 gesunken ist. Die Zahl der Betriebe in der gcsaintcn Industrie für Großmusikinstrumente beträgt einschließlich der zugehörigen Neben- industrie rund 800. in denen über 30 000 vorwiegend gelernte Arbeiter beschäftigt werden. 85 Proz. der Gesamtbelcg- s ch a s t entfallen aus die Pianofortcindustrie. Bemerkenswert ist, daß die gegenüber 1914 erhöhten Löhne durch die Rationalisierung in den meisten Fällen voll ausgeglickien werden konnten. Wenn der Untersuchungsausschuß zu dem Ergebnis gelangt, daß eins Senkung des Lohnanteils an den Produktionskosten im ganzen nicht möglich gewesen sei, so sogt er damit, daß der Lohnanteil in vielen Einzelfällen doch zurückgegangen ist. Infolge der sck-«vierigen Lage bat die Konzentration in dieser Industrie sehr um sich gegriffen. So werden rund 71 Proz. der Industrie für Pianomechaniken von zwei Konzernen de- herrscht. Auch in der Pianoforteindustrie ist eine Reihe von Zu- sammenscbiüssen zu verzeichnen, aber obwohl in den letzten sechs Jahren 187 Fabriken ihre Tätigkeit eingestellt haben, herrscht in dieser Industrie doch noch eine starke Zersplitterung. Der hierdurch bedingte kleine Absatz des einzelnen Unternehmens fetzt der Rationalisterung, besonders der Typung und Normung enge Grenzen. Der Absatz der Erzeugnisse vollzieht sich noch überwiegend durch den Handel, der etwa zwei Driitel an die Kundschaft liesert. Die Preise für ein billiges Piano lagen 1929 noch um rund 100 D r o z. über Vorkriegsstand. Die Handelsspanne ist bei den Markenfabriken mit 34 Proz. am niedrigsten. Bei den Fabri- katen billiger Qualität ist sie sogar noch höher. Gchieles Karioffel- und SchnapspsliM Neichofinan'mmiffef qegen den Neichsernäbrungsminiffer. Der große Kartoffelsegen hat jetzt schon die zweite Kar- toffelkonferenz der agrarischen Interessenten mit dem Reichsernährungsminister zur Folge gehabt. Die Oefsentlichkeit wird Obacht geben müssen, was hier an Not maßnah wen für die nächsten Reichstagssitzungen wieder zusammengebraut wird. Reichsernährungsminister Schiele will weitere Reichs- mittel für die Einfäurung der Kartoffeln zur Verfügung stellen. Die vom Reich von den Kartoffelflockensabrikcn übernommenen Bestände will Schiele über den zunächst vorgesehenen Termin hinaus auf Reichskosten weiter lagern lassen-, er will ferner ein Zwangs- s y n d I k a t für die Kartosselstärkeindustrie zuwege bringen, dessen klare Aufgabe ein« etwa 23prozenttge Flockenverteuerung ist, und außerdem 10 Proz Stärkemehlverwendung zum Wei- zengebäck durch gesetzliche Maßnahmen gestatten. Endlich will Schiele alles daransetzen, um das zum Schaden der Branntwein- Monopolverwaltung und der Reichsfinanzen schon mit 70 Proz. zu hoch angesetzte Brennrecht weiter zu erhöhen und die nicht unterbringbaren neuen Spiritus- und Schnapsmengen der deutschen Treibstoffvcrsorgung Wch gesetzliche Maßnahme aufzuzwingen. Es soll also aus Reichs- und Berbrancherkostcu zu- gunsten der Agrarier lustig weitergewirtschaftet werden. Für die aus diesem Gebiete innerhalb des R c i ch s k a b i- netts bestehenden gegensätzlichen Auffassungen ist«in Artikel des Reichsfinanzmivisters Dietrich charakteristtsch, den die„Kölnische Zeitung' veröffentlicht hat. Nach diesem Artikel ist schon das 70prozentige Brennrecht eine unzweckmäßige Maßnahme, nur 50 Proz. hätten freigegeben werden dürfen, und schon jetzt sei die finanzielle Beanspruchung der Branntweinmonopol- Verwaltung außerordentlich groß. Die Möglichkeiten für eine er- höhte Beimischung von Karwffclspiritus zu mineralischen Trieb- stosfen und zur stärkeren Lagerung auf Kosten des Branittwein- Monopols feien einfach nicht vorhanden. Eine sofortige Erhöhung der Bezugsquote für die Beimischung von Kartoffclsprit müsse zu einer im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zu verant- wortenden Verteuerung der gesamten Treibstoffe führen, »nd von einer stärkeren Beimischung von Kartoffelsprit zu den Treibstoffen sei eine fühlbare EmlastuNg der Kartoffelwirffchaft un- möglich zu erwarten. Diese Flucht des Reichsfinanzministers in die Oessentlichkeit ist für das große Mißbehagen charakteristisch, das der agrarische Sturmlauf und Schielcs Willfährigkeit im Kabinett ausgelöst haben. privaiversicherung in der Krise. Wirtschastttcke Not stärkt das Versicherungsgeschäst. Der Leiter der Allianz und des Stuttgarter Ver- eins, Generaldirektor Dr. Schmitt, behandelte gestern in einem eingehenden Vortrag vor Vertretern der Regierung, des Parla- ments und der Presse die gegenwärtige Lage der deutschen Privat- Versicherung. Dr. Schmitt stellte einleitend fest, daß das Versiche- rungsgewerbe von der Wirtschaftskrise in einem verhällniS- mäßig sehr geringen Maße beeinflußt werde, da den Kriseneinwir- kungen auf der einen Seite die verstärkte Tendenz der Bevölkerung und der Wirtschaft gegenüberstehe, sich durch Versicherung vor mi- vorhergesehenen Rückschlägen zu decken. Auch im laufenden Jahre hoben sich die B r u t t o p r ö m i e n- einnahmen sowie die Kapitalien und Reserven im Versiche- rungsgewerbe verstärkt. Nach sicherer Schätzung dürste die Prämieneinnahme in der gesamten deuffchen Privatversicherung im laufenden Jahre mehr als 2,7 Milliarden betragen, so daß die Er- gebnisse von 1914 damit um rund 600 Millionciz übcrtroffen würde». Besonders erfreulich sei die Entwicklung bei der L e b e n s- Versicherung, deren gesamte Versicherungssumme bei Kriegs- ausbruch 16,2 Milliarden Mark betragen hatte. Nach den ver- nichtenden Folgen der Inflation war bereits 1926 wieder ein Be- stand von 8,1 Milliarden erreicht, der im vergangenen Jahre bis auf 17,4 Milliarden angewachsen war. Bis Ende dieses Jahres wird der Best and der Lebenzversicherungssummen nach den vorliegenden Ergebnissen 19 Milliarden Mark er reicht haben. Sodann befaßte sich Dr. Schmitt mit dem Entwurf zur Aenderung des Versicherungsaufsichtsgesetzes, dessen Zielen grundsätzlich zuzustimmen sei. Das Kernstück des Entwurfs befasse sich mit dem Ausbau des Revisionswesen s. Gegenüber verschiedenen Verdeckungsbestrebungen in Vi- tanzen und Geschäftsberichten forderte Dr. Schmitt, daß die Vermal- tungsberichte zum mindesten ein klares Bild der Lage, sowie über den Umfang und Verlauf der direkten und indirekten Geschäfte gebe. Wir wollen hoffen, daß der mächtigste deutsche Dersicherungskonzern, dessen Leiter Dr. Schmitt ist, auf dem Gebiete der Publizität mit allen seinen Tochtergesellschaften bahnbrechend wirken wird. oemonv aor Beilen rndcenaufsj Hier Ist ein neues Präparat, das rurn ersten Male auf Grund präziser wissenschaftlicher Experimente u. Forschung aufgebaut, einen wirklichen Verjüneunes- und Heilwert bei vorzeitigem Aitern(sexuelle Neurasthenie), nervösen Depres- sionszuständen usw. hat und sich sowohl im Tierexperiment wie bei Menschen in jähre- langen klinischen Prüfungen bewährt hat. Die Wirkungen der Sexualhormone sind bereits bekannt— aber— bisher war es noch nicht gelungen, diese so zu gewinnen, daß sie in präoarierter Form immer ihre Wirksamkeit behielten. Sie wurden entweder bei der Ptä- paration durch zu große Hitze oder durch Chemikalien geschädigt. Nach dem neuen Verfahren des Inztiiaf» für SexnalwUseiudiaft ru Berlin Dr.• Magnus-Mlraehfeld. Stmung ist es jetzt ermöglicht, das kostbare Hormon so zu gewinnen, daß seine spezifische Wirkung ganz erhalten bleibt. In den„Titus-Perlen" haben wir also zum ersten Maie ein Präparat, welches nachweislich das bisher vergeblich erstrebte VerfOngiings- Hormon in ge- sich« rier slandardUIcTfer Form enthält.„Titus- Perlen" wirken also meist auch da, wo andere Mittel vci sagten. Lassen Sie sich zunächst Ober die Funktionen der menschlichen Organe durch die zahlreichen farbigen Bilder der illustrierten, wissenschaftlichen Abhandlung unierrichten, die Sie sofort Kostenlos(verschlossen-neutral) erhalten durch die Friedr. Wiihelmstädt Apo heke, Berlin NW l0i Luisenstr. lu. Original- oackung 100 Stück RM dÄO(für Frauen RM 10 80). Zu tadsbess»»n callcin As»«»* 'lllax Jfochdorf: Aus Stockholm wird gemeldet,, daß ,ber amerikanische Schriftsteller Sinclair Lewis den Nobelpreis für 1930 erhielt. Die schwedischen Kunstrichter haben lange und mühselig die europäische Literatur abgesucht, bis sie diesmal einen würdigen Mann entdeckten. Zlllgcmein wurde erwartet, daß das Los jetzt einen Amerikaner treffen würde. Denn die Romanliteratur des neuen Kontinents erregte während des letzten Jahrzehnts in Europa großes Aufsehen. Man wunderte sich, daß dieses aus allen Rassen der Welt.zustmrmengemffchte Volk so großzügige und großartige Talente hervorgebracht hatte. Man hatte vermutet, daß in den Ver- einigten Staaten nur eine bürgerliche, ja spießbürgerliche Unter- hnltungsschriststellerei gepflegt werde. Und dann traten plötzlich die großen»nd sehr energischen Soziallrttiker auf. Romanschriftsteller wie Artur Dreiser, der aus dem Osten Europas Zugewanderte und jenseits des Ozeans heimisch gewordene Davisohn. der sehr radikale Uptan Sinclair und schließlich Sinclair Lewis, der jetzt den Lorbeer errang. Der amerikanische Nobelpreisträger, der jetzt mit allen euro- päifchen Ehren bedacht wurde, ist ein mutiger, aber auch ein sehr talentierter Mann. Er schreibt außerordentlich breit, ganz geschult an den mustergültigen Modellen des europäischen Wirklichkeits- romans. Er hat in der besten, begüterten Gesellschaft seiner Heimat gelebt nnd sie veranlaßt ihn zu durchaus satirischer Betrachtung. Upton Sinclair ist bitter und unerbittlich, ein Ankläger und Entlarve r von Uebelsländen, Sinclair Lewis, dessen Romane viel mehr in Europa als jenseits des Atlantik gelesen werden, ist gemütlicher. Er verurteilt nicht in Grund und Boden den spekulativen Jankee- gcist, er macht sich nur über ihn lustig, wie gebildete Männer es in bel>aglichen Klubs tun dürlen. Trotzdem wurde Sinclair Lewis seinen Landsleuten, schon von Ansang seiner Karttlere ab, verhaßt. Er hatte«inen amerikanischen Nationaltyp getroffen und wunder. voll charakterisiert, den Babbitt. Der Roman, der Sinclair Lewis Weltruhm einbrachte, erzählt denn auch von der Rasse der Babbitts. Was ist ein Babbitt? Es ist der sentimentale Spekulant, der Boden und Güter an sich bringt. Man würde ihn im Inflations- deutsch einen Raffke nennen. Der Babbttt srißt sich immer mehr in den amerikanischen Grund und Boden hinein. Er zerstört die Lungsräulichkeit der Erde. Er verwandelt Steppenöde in Städte und Siedlungen. Doch er tut alles das skrupellos. Nicht der Gemein- sinn und nicht die Freude, seinem Nebenmenschen zu nützen, treibt ihn zu den kühnen Geschäften. Und olles will er in seine Tasche bugsieren. Er normalisiert Schönheit, Kultur, Geist und sogar die Liebe. Der Babbitt ist gefräß-g, aber kein Feinschmecker. Er wirkt mit der sozialen Phrase um sich in Kirchen und Stadtparlamenten, doch im tiefsten Winkel seines Kopfes und Herzens liebkost er die Idee: wie drücke ich meine geschäftlichen Rivalen an die Wand, ohne daß ich belangt werden kann? Weil Sinclair Lewis diesen beinahe sympathischen Egoisten und Philister so nai» belrachtete, weil er nickst so emphatisch anklagte nnd verfluchte wie Dreiser, Upton Sinclair und ihre Nachahmer es taten, traf er den amerikanischen Durchschnittstyp der Bour- gemsie viel echter und gründlicher als die lauten Pathetiker. So kannte as geschehen, daß ein Romantitel zur Bezeichnung für eine Zanze Standes klosse aus oll« Ewigkeit ausgenutzt wurde. Man Es war sechs Uhr. Geschäftsschluh für das Prwatbanthaus. Äm Zimmer des Chefs wurde noch in einer Neugründungsifache verhandelt. Mehrmals klang seine Stimme auf:„40 Pro;.!" Am Kasjcnraum saß der Kassierer Frenze! noch vor den Büchern. Müller, auch„Kleiner" genannt, Buchhalter mit 150 M. Monatseinkommen und einem etwas zerfahrenen Wesen, besonders in der letzten Zeit, räumte seinen Schreibtisch ab und griff nach dem Hut. Frenzel sah auf.„Kleiner I" sagte er,„blechen Sie mal, ich habe mit Ihnen zu reden!" Der junge Mann wurde blaß. „Müller!" fuhr der Kassierer fort,„ich habe in ihrer Abwesen- hell mal ihre Stennielmarkentasse kontrolliert, es fehlen fünfhundert Mark" Der„Kleine" sah noch blasser aus, zum Wegfahren. Der Kassierer zündete sich jetzt«Ine Zigarette an. Er nahm einen tiefen Zug, dann sagt« er:„Müller! Sie haben die fünfhundert Mark unterschlagen!" Müller machte den Mund mif, brachte aber nur ein Lallen zustande. Frenzel wollte wieder etwas sagen, da klingelte das Telephon. Es war Fräulein Klara Ziegler. Frenzels Freundin, die hin und wieder anrief. Müller sank langsam in sich zusammen. Diese Minute des Gesprächs war wie die Qual des Fegefeuers. Gleich würde der Kassierer den Hörer auslegen, sich rnrtdrehen, noch einmal an der Zigarette ziehen und dann... „Ans Wiedersehen!" sagte der Mann am Telephon.„Und vergiß nicht: Morgen um acht! Auf Wiedersehen!' Er paffte schlveigend aus seinem Stuhl. Müller konnte es nicht mehr ertragen. Er feikfzte. Der Kassierer dreht« sich wieder zu ihm hin, sah ihn von oben bis unten an und öfsnete langsam den Mund:„Es tut mir leid, Müller, ich muß dein Chef Mitteilung machen..." Müller ließ den Kopf ganz ties auf die Brust sinken. Der Kassierer stand jetzt auf, ging in seinem Derschlag hin und her, die Hände aus dem Rücken und überlegte. Aus dem Zimmer des Chefs klang wieder die Stimme:„40 Proz.!" Frenzel klappte plötzlich feine Bücher zu, bürstete seinen Rock, nahm den Hut vom Haken und Müller am Arm:„Kommen Sie mit. Müller, wir gehen ein Stück. Sie miisien mir alles erzählen. Wir müstcn mal sehen..." Müller folgte ergeben. Mit einer ganz kleinen, fernen, müden Hoffnung. * Sie gingen eine Weil« schweigend durch die Straßen der Etty. Aus den Kontoren und Warenhäusern drän� sich der Strom der Heimkehrenden iy die Autobusse und Straßenbahnen, er floß unruhig nieder in die Schächte der Untergrundbahnen und tropfte bunt, mit dumpsein Murmeln durch die Drehtüren in die Easc: Häuser. Die Lichtreklame an den Häuserfronten zuckte, flammte, bohrte sich in die Hirne der Vorübergehenden. Weniger grell, aber zündend, zuckte die Liebeslichtreklan« aus den Augen der Friedrichstadtfraiien. Bar einem Lokal blieb Müller plötzlich stehen. Er hob den Kopf, als wollte er reden, losbrechen mit schweren Geständnisse», aber er lieh den Kops wieder sinken und sagte nur leise:„Hier war es!" Sie gingen in das Lokal. Sinclair£ewis | lagt heute nicht mehr: der Pank««. Man flüstert nur noch: Der Babbitt. Und jedermann weiß, was gemeint ist. Der„Vorwärts" druckte einen der unterhiltsamsten Romane von Sinclair Lewis ab. Di« ausfallendsten Personen darin werden geliefert aus der weitvertbreiteten Familie der Babbitts. Nun bleibt dieser Durchschnittsamerikaner em durchaus gediegener Mann mit Bankguthaben, kommunalen Ehrenstellen und Anrechten auf Gau- verneursposten und Senatorensitz nicht immer in seiner ameritani- schen Heimatstadt. Er kommt srüh zu Renten. Cr unternimmt den Trip übers Meer. Er erstaunt, daß seine Riesenheimat eigentlich nur ein komisches Krähwinkel gewesen ist. Babbitt wird geradezu von der Manie angesteckt, ein Weltbürger zu werden, nachdem er eben noch ein Spießbürger gewesen ist. Man lese Sinclair Lewis voll- kommensten und künstlerisch am höchsten stehenden Roman„S a m Dodsworth" und man wird beare'fen, welche inner« Revol>- tton in den Bewohner des neuen Kontinents kommt, der plötzl'ch all« feine alten Vorurteile wie eine nicht unbeträchtliche Geisteekrank- heit abschütteln möchte. Der Babbitt ist ein robuster Kerl. D''e zarteren Saiten fehlen seinem Gemüt nicht. Da sein Scheckbuch du-ch gewichtige- Bankguthaben gedeckt ist. gerät er sehr bald in die so- genannte beste Gesellschaft Europas. Dieses Abenteuer bekommt ihm ganz gut. Manchmal versällt er einer ziemlich hitzigen Leiden- schaft zu jenen noblen und komplizierten Europäerinnen, die viel Geld und viel Männergeduld verbraucben können. Aber Babb'tt, diesmal Sam Dodsworth genannt, übersteht olles schlecht und recht. Er ist eben ein Mann von guter Konstitution. Er ist nicht lange zu bluffen, er blufft vielmehr von sich aus und erkennt, daß in Europa zwar närrische Individualisten in allen Ländern wohnen. daß den Leuten aber im allgemeinen mehr der Selbsterhattungs- trieb als der soziale Trieb im Blute sitzt. Und Sam Dodsworth, Babbitts nächster Blutsverwandter, soll, wie Sinclair Lewis ihn anleitet, schließlich am moralischen und ökonomischen und kulturellen Weiterkommen der Bereinigten Staaten mitarbeiten. Durch Europa wird also Babbitt, der ein krasser Egoist war, bekehrt. Sinclair Lewis wanderte viel durch die europäischen Haupt- städte. In seinen Romanen werden Baris und Rom, Berlin und London beschrieben. Uns interessiert hier besonders der Sch'lderer von Berlin. Er beschreibt die sehr dunkle, von der Nachkriegszeit versumpfte, von der Inflationsnot verarmte Hauvtftadt. Er wird, wenn er von diesen Dingen und unangenehmen Zeiten erzählt, ein sehr ernster Moralist, beinahe«in politischer Kritiker. All das Narrcntum des deutschen Adels, der sich nicht an die neue Zeit ge- wohnen kann, wird in seinem Roman von Sam Dodsworth durch- gehechelt. Die lächerlichen Jongleure des Gefühls, die sich in der Berliner Boheme breit machen, bieten dem amerikanischen Gesell- schaftspsychologen einen dankbaren Gegenstand. So ist Sinclair Lewis wirklich ei» repräsentativer Romanschri't- steller. Es ist vieles in ihm, was auch in Thomas Mann, dem Träger des vorjährigen Nobelpreises, lebt. Besonders Sinclair Lewis führt eine famose Feder. Bolkerümlich kann er sein, ohne in Plattheit zu verfallen. Das gebildete Europa liest ihn mit Freude. Es ist wahr, vom Kampf der Massen und von dem Sieg und der Niederlage der arbeitenden Klasse hat er nichts begriffen. All sein Interesse gehört dem gediegenen Bürgerstand«, zu dem«r sich be- kennt. Doch hier ist er zu Hause wie keiner seiner Landsleule. Frenzel lächelte ein wenig verächtlich. Es war«in ganz gewöhnliches Lokal mit kleinen billigen Mädchen. „Kleiner!" sagte der Aeltcre, als sie Platz genommen und Bier bestellt hatten, es war ein sonderbarer Vorwurf in seiner Stimme: „Und hier haben Sie sich unglücklich gemacht! Hier sind Sie nach Büroschluß gelandet, weil Sie verwirrt waren vom Leben der Straße, ausgehungert nach einem Erlebnis. Hier haben Sie ein angemalles, primitives Mädchen auf dem Schoß gehabt und Wein bestelll, schlechten Wein. Und der Ober hat Herr Direktor zu Ihnen gesagt, das hat Ihnen geschmeichelt. Klingt anders als.Meiner'" Und Sie haben der Blumenfrau etwas abgekauft und dem Schoko- ladenmödel und eine neue Flasche Wem bestellt, schlechten. Und es war ihr letztes Geld, mit dem Sie noch den halben Monat reichen sollten. Aber Sie sind immer wiedereekommen. Warum, Müller? Wofür. Müller?" Der Jüngere konnte nicht antworten, ihn nicht ansehen. Das Bier vor ihm schalte ab. Unberichrt. Es roch ringsum nach schlechten Zigaretten, Bier und Puder. „Ober! Zahlen!" rief Frenzel angewidert. * Aus der Straße blieb Frenzel stehen, sah nach der Uhr, sah nach Müller, der ein gänzlich ausdrucksloses, unbeteiligtes Gesicht hatte, als hätten ihn schon zehn Monate Haft ausgezogen. Frenzel winkte einem Auto, mit einer Geste, die Müller auffiel, weil sie gar nicht dem gewöhnlichen Frenzel gehörte, sondern einem Manne, dem der richtige Sitz der Krawatte eine Lebensfrage ist und das Winken nach einem Auto«ine lässige Gewohnheit. Beide stiegen ein. Frenzel nannte ein Lokal im Westen. „Wie schön!" dachte Müller im Auto.„Wie fremd und schön! Zum Verrücktwerden schön, weil man es nickst gewohnt ist. Mit 150 Mark im Monat!" Die Lichter der Straße huschten wie Fackeln an den Fenstern des Autos vorüber, an Kreuzungen mußten sie holten mit anderen Wagen. Prioatlinwusinen, darin sahen schöne, lächelnde Frauen in hochgeschlagenen Pelzen. Müller dachte:„So eine für heute und dann'ne Kugel ins Hirn. Was bleibt einein anders übrig?" Frenzel saß im Auto mtt dcr Nonchalance des Chefs und mit seinem Bankkonto. Müller sah ihn von der Selle an. Was hatte der wohl vor? Aber ihm war alles egal. In diesem Auto, vor diesem Lokal, das sie jetzt betraten, in dieser verwirrenden Lichter- fülle und Iazzhölle, vor diesen fremden, interessanten, sinnllchen Frauen, alles war ihm jetzt egal, es gab für ihn nur noch dies« Nacht. Müller wunderte sich auch gar nicht mehr: Frenzel schien hier bekannt zu sein. Der Geschäft'iührer begrüßte ihn. Frenzel nickt« herablassend. Dann tranken sie-wen Wein, der Müller schneller durch die Kehle floß, als er wollte. Er fühlte seinen Kopf heiß werden Sein Atem ging rascher, unregelmäßiger. Wenn er auf das Parkett sah, wo man tanzte, verwischten die Gestalten vor seinen Augen in unruhigem Flimmern. Eine Frau lächelle Frenzel iehr vertraut an und dann den.„Kleinen".„Mich!" dachte Müller. Er vergaß seinen schlechten Anzug, das Bankhaus, die Stempel- inarkenkasle, die unterschlagenen fünfhundert Mark, das Mädel. das ihm damals die Näckste lvunnrhigt«. Sogar den Kassierer vergaß er. Aber der sagte plötzlich neben ihm mit«wer leisen, lallen Stimme:„Armer Kerl! Für einen Dreck haben Sie sich chr Leben ruiniert. Gefängnis wird Ihnen nicht«spart bleiben, wie ich den Allen kenne.. Der Kleine zuckt« zusammen. Alles fiel im Nu wieder über ihn her: er sah das leichtsinnige Mädel, die Tänzerinnen auf der Bühne, den allen, schmierigen Ober, die Blumenfrau, die Schoko- ladenverkäuferin, das Stundenhotel. Er sah sich vor seinen Büchern. Er hörte die Stimme des Chefs. Er fühlle die Hand eines Schupos auf seiner Schulter und stöhnte, schloß die Aügei,. Aber es war nur die Hand des Kassierers.„Müller!" sagte dcr, „denken Sie, für einen Dreck! Fünfhundert Mark!" Er schüttelte ihn. .La," stöhnte Müller,„ich schieß mich morgen tot. Für ganze 500 Ein." Frenzel tagte:„Unsinn! Vielleicht kann man Ihnen helfen. Für später. Ums Sitzen werden Sie wohl nicht rum kommen, aber Bewährungsfrist kann es geben. Und dann..* Er sprach nicht weiter, sah sich um, trank aus dem Weinglas, lächelte ein« Frau an, beschäftigte sich mit einer Zigarette. „Wie meinen Sie das, Herr Frenzel?" fragte der Kleine. wieder mit der ganz fernen, müden Hoffnung. „Tja, lieber Müller, das müssen wir mal bereden. Wer nicht hier. Bei mir zu Haus. Wir fahren jetzt hin" „Mir ist alles egal!" antwortete der Kleine. Dann schluckte er plötzlich, er sah aus, als würde er gleich ansangen zu weinen, aber er verzog nur das Gesicht, das in diesem Augenblick an die Gri- masse eines traurigen, abschiednehmenden Pierrots erinnerte. Drüben sah wieder die Dame und lüchelle ihn an. Die Kapelle spielte einen Tango. Müller hatte in diesem Moment den Wunsch, nicht nur fünf- hundert, sondeni fünftaufend Mark unteifchlogen und mit dieser Frau und in diesem Lokal durchgebracht zu haben.„Dann wüßte man doch wenigstens, wofür man sich morgen totschießt!" „Ums Sitzen kommen Sie nicht rum!" gingen ihm Frenzels Worte noch durch den Kopf. Lächelte die schöne Frau nicht:„Gc- fängnis!" Spielte es die Tangokapelle nicht-„Gefängnis!" Und der Ober lächelte. Und Frenzel.„Gefängnis! Gefängnis!" Und das Auto, das sie zu Frenzels Wohnung brachte, knirschte: „Gefängnis!" und es hupte davonjagend noch einmal in die dunkle Straße:„Gefängnis, Müller!"(Schluß folgi.) An. Sßruno SSorchardl: Strömende glektrissUät Am 6. November sind gerade 150 Jahre verflossen, fest ganz zufällig eine Beobachtung genracht wurde, von der die Entdeckung der strömenden Elektrizität, des elektrischen oder galvanischen Stromes, ihren Ausgangspunkt nahm. Luigi Galoani U737— l7v8), ein Mediziner, der damals Prosessor der Anatomie an der Universität in Bologna war, hatte schon lange vermutet, daß der Sitz der sog. Lebenskraft, welche man zu jener Zell allgemein als Ursache der besonderen Lebenserscheinungen annahm, in den Nerven und Muskeln der Lebewesen zu suchen sei. Als er an dem genannten Tage, vor genau 150 Iahren, einen Frosch zur näheren Untersuchung seziert und die präparierten Schenkel auf seinem Arbeitstisch liegen hatte, machten ihn seine beiden Assistenten daraus auhnertsam, daß die Froschschenkel in eigentümliche Zuckungen gerieten, sobald aus dem Konduktor einer Elektrisierwafchine, die in einiger Entfernung anf dem Tisch stand, ein Funken gezogen wurde. Galoani kam sofort auf die Vermutung, daß sich hier die noch nichr ganz erloschen« Lebenskraft betätige, die eine Verwandtschaft mtt der Clektrizttät habe. Er stellte mm eine große Reihe von Versuchen an. die er mehrfach veränderte, so setzte er die Froschschenkel dcr atmosphärischen Elektrizität aus und bemerkte ihr auffälliges Zucken bei jeder elektrischen Entladung im Blitz und sogar auch, wenn dunkle Wolken vorüber zogen, ohne daß e« zu einer Entladung durch ein Gewitter kam. Ja. auch als er sie mittels eines Drahtes an dem Gttter feines Balkons aufgehängt hatte, bemerkte«r die gleichen unoerkennbar elektrischen Zuckungen, wenn der Wind ihre Enden zufällig in Berührung mtt dem Gitter brachte. Die Berwandtschait der Lebenskraft mit der Elektrizität schien ihm nun unzweifelhafc, zumal er später noch die Entdeckung machte, daß gewisse Tiere, vor allem der Zitterrochen, imstande sind, elektrische Schläge s�-zuieilen. Die älteren unter uns erinnern sich wohl noch des Aufsehens und der Aufregung, die vor 34 Iahren die ganze Welt erfaßte, als die Entdeckung Röntg ens bekannt wurde; Berufene und Unberufene, Fachleute und Laien wiederholten überall die merkwürdigen Ber- suche. Aehnlich mag das Aufsehen gewesen sein, das die Beobach- tungen Galoanis seinerzeit erregten, die nun auch überall wiederholt wurden. Dabei bemerkte Alessandro Lolta(1745— 1827), der damals Professor der Physik in Pavia war und schon verschiedene Erfindungen zur Verstärkung elektrischer Wirkungen gemacht hatte, daß zum Zustandekommen der Zuckungen der am Gttter aufgehängten Froschschenkel erforderlich ist, daß der zum Aufhängen bemitzte Draht und die Gitterstäbe aus verschiedenen Metallen bestehen. Er suchte daher den Sitz der Kraft, welche die Elektrizität in Bewegung setzt, die sich dann in den Froschschenkcln ausgleicht, nicht in den tierischen Muskeln und Nerven, sondern an der Berührungsstelle der beiden Metalle, und sprach von Berührungselektrizität oder zu Ehren des ersten Beobachters von galvanischer Elektrizität, obgleich dieser die von seiner Auffassung abweichende Erklärung geradezu als persön- liche Beleidigung aufnahm und in bitterster, unsachlicher Weise bekämpfte. Aber Voltas Auffassung errang allgemeine Anerkennung, als es ihm gelang, auch ohne tierische Präparate bei Berührung zweier Metalle die Entstehung von Elektrizität nachzuweisen und die Wirkung noch erheblich zu steigern, indem er zwischen Platten- paare aus Kupfer und Zink noch flüsstgkeitsgeträntte Filzstücke ein- schob; der die Enden oerbindende Draht wurde dann von einem galvanischen Strom durchflössen— an dieser Bezeichnung Hielt Bolt r trotz seiner Bekämpfung durch Galoani fest und sie hat sich auch bis heute erhalten. Allerdings lstirt? der Strom nach kurzer Zett auf, denn die vielen zur„Säule" aufeinander geschichteten Platten preßten die Flüssigkeit aus dem Filz heraus, die dann an der Säule entlanglies, so daß in ihr selbst der elektrische Ausgleich erfolgen komtte. Aber auch, als die Platten in Becher getaucht und zur Verstärkung dbr Wirkung mehrere solcher Becher zu einer Boltaischen.Lette" oder „Batterie" vereinigt wurden, nahm der galvanische Strom in dem. die Enden verbindenden Draht an Stärke rasch ab und erlosch bald völlig. Die Flüssigkeit spielt eben nicht einfach die Rolle eines Letters der Elektrizität, wie Dolta glaubt«, sondern erleidet beim Durchgang des Stromes chemische Veränderungen, die«inen Gegen- ström hervorrufen. Der chemischen Vorgänge, die sich an den Be- rührungsstellen von Metall und Flüssigtett abspielen, sind, wie wir heute wissen, sogar die Ursache der ganzen Erscheinungen, der Sitz der elektrizitätsbewegenden(elektromotorischen) Kraft ist nicht die Berührungsstelle der Metalle, wie Volta glaubte, sondern die Be- rührungsstelle zwischen Metall und Flüssigkeit. Doch das gehört schon zu der weiteren Entwicklung, die sich an die erste Beobachtung Galoanis anschloß und in Iii Jahrhunderten zu so großartigen Ergebnissen geführt hat— ich erinnere nur an Telographie, Telephonie, Rundfunk—, an die weder Galoani noch Bolls auch nur entfernt denken konnten. Doch ändert das nichts an dem Ehrenplatz, den sie mit Recht in dcr Geschichte b« Wissenschaft nnd damit in der Geschichte der Menschheit einnehmen. fST" 9renmel reUel IHlitter...