Morgenausgabe 7lr. 525_, A264 47.Iahrgang Wöchentlich SS Pf, monatlich 3�0 WL vn voraus zahlbar. Postbezug 4�Z M. einschließlich 60 Pfg. Postzeitung»« und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Auslands abonnemem 6.— M. pro Monat. ♦ S)er„Vorwärts' erschetm wochentäo« lich zweimal, Sonntag» und Montag» einmal, die Abendausgaben Kr Berlm und»m Handel mst dem Tstel.Der Abend" Illustrierte Beilagen.Volt und Zeit" und �inderfreuno'. Ferner „Frauenstimme' Technik'.Blick m die Bücherwelt'..Iugend«Vorwärt»� und„Stadtbeilage". f VerUnee vottsbiatt Sonnabend S. November 1.930 Groß-Serlin 1V pf. Auswärts 15 pf. Di?«t» f p alttge Noaparetllezeite «0 Pfennig. Retlamezetle S.— Relch«. mark.„Aletne Anzeigen' da»>ettge« druckt» Won 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort la Pfennig. Stellengesuch» da» erste Wort 15 Pfennig, jede» wettere Won 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- gefchäft Lindenslraße 3. wochentäglich von LV, bis 17 Uhr. Jentvalosgan der Sozialdemokratischen Vavtei Deutschlands Redaktion und B erlag: Berlin SW 68. Uindenstraße 3 sternivrerber� Dönbos« WS— SN Telearamm-Zldr � Soualdemskra« Berlin. Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlins? S36.— Bankkonto: BankderArbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. KS. Dt.B.u.DiSc.-Ge!.,Deposttenkasie, JerusalemerStr.KS/KS. Heute Gchiedsspmch! Die Verhandlungen vor dem Schiedsgericht. Die Verhandlungen im Reichsarbeltsmiulsterium zur Festsehung der Berliner vlelallarbeikerlöhne, über deren Beginn wir in unserer Abendausgabe bereits berichteten, unterschieden sich nicht wesentlich von den Parlei. und Schlichiungsverhandlnngen, die dem Metall. arbeilerstreik vorausgingen. Es wurden im allgemeinen die gleichen Argumente vorgebracht wie bei den srüheren Verhandlungen. Ein Unterschied, besonders gegenüber den Verhandlungen vor dem Sonderschlichler Dr. V o e l k e r». bestand jedoch darin, dah den Barleivertretern Gelegenheil gegeben wurde, ihre Aufsaflnngen über die Frage der Preissenkung auf dem Wege des Lohn- o b b a n e s eingehender zu begründen, vor allem folgte das Schiedsgericht— und das gilt besonders auch für seinen Vorsitzen. den— mit regem Znleresse den Ausführungen der Arbeiierverlrcler. einen Eindruck, den man leider bei den Verhandlungen vor dem Sonderschlichler nicht Halle. Der Syndikus des VBMI., Rechtsanwalt Oppenheimer, begründete noch einmal den Antrag auf Abbau der Löhne und Akkorde. Er vertrat wiederum die bekannte Auffassung, twß eine Gesundung der Wirtschaft nur durch eine generell« Senkung des deutschen Lohnniveaus möglich fei. Der natürliche Ablauf der Krisen sei stets der gewesen, daß mit ihnen auch eine Senkung de? Löhne verbunden war. Auch auf dem Arbeitsmarkt müsse das Gesetz von Angebot und Nachfrage sich wieder aus- wirken können. Oppenheimer konstruierte eine ZOprozentige Lohnsteigerung. die angeblich seit März ISZ? in der Berliner Metoll- industrie eingetreten sei, während der Reichsindex der Lebens- haltungskosten der gleiche sei wie im März 1927. Einen besonderen Trumps glaubte er damit ausspielen zu können, datz er die U e b e r» « i n st i m m u n g des Vorgehens der Berliner Metallindustriellen mit dem Finanz- und Wirtschastsprogramm der Reichsregie.rung betonte. Der Bevollmächtigte des Metallarbeiteroerbandes, Genosse II r i ch. wies zunächst einmal die Unrichtigkeit der Behauptung von der 20prozentigen Lvhnsteigerung seit 1927 nach. Die Erhöhung der Mieten, der Werks- und Derkehrstarife, der Sozialbeiträge usw. sei dabei nicht in Rechnung gestellt worden. Das Argument von den niedrigeren Löhnen in der Prooinz entkräftete er ebenfalls durch eine Darstellung der tatsächlichen Entlohnung der Metall- arbeiter außerhalb Berlins. Die angebliche Uebereinstimmung mit dem Regierungsprvgramm fei ebenfalls nicht zutreffend. Danach sollen die Beamten und öffentlichen Angestellten bis zu einem Jahresoerdienst von lötX) Mark vom Gchaltsabbau verschont bleiben. Nach dem Willen der Metallindustriellen jedoch sollen auch die Metallarbeiter, deren Berdienste unter dieser Freigrenze liegen. ebenso mit dem Lohnabbau bedacht werden. Etwa 40 Prozenl der Berliner Melcllarbeiter arbeiten verkürzt. und zwar bis zu zwei Tagen in der Woche. Dies« Zehntausende von Arbeitern und Arbeiterinnen würden durch einen Lohnabbau weit unter die Grenz« des Existenzminimums ge- drückt werden. Nicht in Rechnung gestellt wird von den Unternehmern auch die Tatsache, daß in den letzten Monaten das Verdienstniveau der Akkordarbeiter ebenfalls gesenkt worden ist. Die von den Unternehmern angeführt« Erhöhung des Durchschnittsakkordver- dienstes ist darauf zurückzuführen, daß bei dem Arbeiterabbau die min derlei st ungsfähi gen Akkordarbeiter entlassen wurden. An einem reichhaltigen und zum größten Teil von den Unternehmern selbst stammenden Material wies Urich weiter nach, daß in der Oeffentlichkeit über die tatsächliche Lage in der Berliner Metallindustrie eine ganz falsche Vorstellung erweckt wird. Interessant und zugleich blamabel war dos Austreten des Syn- dikus des Vereins Deutscher Maschinerrbauanstalten, Dr. Lange. Er überfiel das Schiedsgericht mit einer Sammelmappe von QJra- phiken. Statistiken und'sonstigen Berechnungen, an denen er die „ungesunde" Steiaenrng der Löhne in den letzten Iahren und die Notwendigkeit eines allgemeinen Lohnabbaues zu beweisen ver- suchte. Dr. Brauns stellte schon nach einer flüchtigen Durchsicht des Materiols dieses Herrn fest, daß es zumindest sehr„flüchtig" zu- sammengestellt war und deshalb nicht zur Beweisführung in diesem Schiedsverfahren verwendet werden könne. Nach hartem Ringen, bei dem sich die Unternehmervertreter geistig nicht überlegen zeigten, führt« Dr. Brauns noch eine kurze Aussprach« mit den einzelnen Parteien herbei, die in später Abend- stunde beendet wurde. Heute tritt nur noch das Schiedsgericht zu- jammen. Seine Entscheidung ist nicht vor dem Nachmittag zu er- warten. Vykow in der Verbannung. Stalin braucht wieder Sündenböcke. Nykow. der Vorsitzende des..Rates der Volks- lonmissare der Towjetunion". ist vom Rat der Volks- kommissare ans einen Monat wegen angeblich„an- gegriffener Gesundheit" beurlaubt worden. Er wird bei der 13. Jahresfeier der bolschewistischen Revolution nicht mehr repräsentieren» und wird sein Amt nicht wieder antreten. Rykow verbannt' Warschau.?. November. sEP.) wie die Blätter aus Moskau melden, ist die..Beurlaubung" Zlykows, des Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare, auf eiueu Beschluß des Politbüros zurückzuführen. Unmittelbar nach der Sitzung des Politbüros l« Rykow von zwei verireleru der Zentrolkoalrollkommission nach einem vorläufig noch streng geheim gehaltenen Verbannungsort, einem Städtchen an der Wolga, gebracht worden. Rykow werde dort unter Bewachung einer besonderen Abteilung d e r G P U. stehen. » Die sogenannte Rechtsopposition in Rußland, geführt von B u ch a r l n und Rykow, wurde seinerzeit gemaßregelt. bekämpft, umerdrückt, weil sie geredet hat. Ihre kritischen Aeußerungen zum Fünsiahresplan, ja, ihre Gedanken dazu wurden zum Gegen- stand eines hochnotpeinlichen Verfahrens. Seitdem haben sie vor- sichtig geschwiegen. Der Zusammenbruch des Fünfjahresplans, das völlig« Fiasko der Lebensmittelversorgung in Sowjetrußland hat ihnen keinerlei kritischer Aeußerungen entlocken können. Sie sind zu politischen Zuschauern geworden. Sie mischen sich nicht ein. sie lassen alles gel>en. Aber das wird ihnen nun wieder als Verbrechen an- gerechnet. Die Getreuen Stalins argwöhnen: sie lasten alles gehen, well sie alles für miserabel halten. Sie schweigen, well sie pamit rechnen, daß die Entwicklung ihnen recht geben werde. Die Folge ist, daß ihnen nun ein neuer Prozeß gemacht Mid. Stalin läßt durch seine Getreuen Bucharin und Rykow vor der russischen kommunistischen Partei anklagen: wegen Schweig- s a m k e i t! Der Anklag« folgt das Urteil auf dein Fuße: Rykow! ist abgesetzt. Bucharin ist der nächste, der an der Reihe ist, und j als dritten nennt man W o r o s cht l o w, der Oberbefehlshaber der Roten Armee. Die neue innerpolitische Terrorwelle ist ein Symptom für die Schwere der wirtschaftlichen Krise, in der sich Sowjetruhland be- findet. Nachwahlniederlage in England. Konservative erobern Zndustriewahltreis- vvo« Stimmen verloren. London, 7. November.(Eigenbericht.) Die Labour Party hat eine schwer« Schlappe erlitten. Durch den Tod von W. Mackinder, dem Abgeordneten des In» dustriewahlkrelse, Sh i p l e y(Porkshire) mußte am Donnerstag eine Nachwahl stattfinden. Die am Freitag bekannt. gewordenen Ergebnisse zeigen, daß die Labour Party nahezu 6909 Stimmen verloren hat und damit auch das Mandat. Es ist in konservative Hände übergegangen. Der konservative Kandidat L o ck w o o d erhielt 15 238(vorige Wahl 15 K39) Stimmen. Auf d-e Liberalen entsielen 13 573(11 712). die Arbellerpartei buchte diesmal 12 785(18 654) Stimmen, der Kommunist Ecllacher brachte es aus 791 Stimmen. Die konservative Mehrhell beträgt somll 1665 Stimmen gegenüber 4961 Stimmen, mit der in 1929 die � Labour Party den Sieg davontrug, den sie 1923 zum erstenmal, erobert hate Es ist zweifellos, daß die Ursache dieser Niederlage � in der auf 2,2 Millionen gestiegenen Arbeitslosigkeit und i ihren Folgen zu suchen ist. Das hat viele frühere Mitläufer ins s bürgerliche Lager getrieben. Ein Tell der ehemaligen Arbeiter- Wähler ist aber auch zu Hause geblieben und dieses Zeichen muß sowohl die Regierung wie die Arbeiterpartei noch bedenklicher stimmen und sie veranlassen, den Gründen nachzugehen, die nicht in der Gegenwart, sicher aber ifc, vergangenen Jahre liegen dürften. Gefährliche Lohnpolitik. Lohnsenkung ohne Preissenkung. Die Reichsregierung hat in ihrer Programmerklärung u. a. als Ziel die Senkung der Preise und der Löhne aufgestellt. Der Reichsarbeitsminister hat in seiner Erklärung vor dem Reichsrat an dieses Programm nochmals erinnert. Soweit von Staats wegen eingegriffen wird in die Regelung der Löhne und Gehälter, erfolgen nunmehr auch überall Schiedssprüche, die eine Herabsetzung der Löhne und der Gehälter vorsehen. Auch die Gehälter der Beamten sollen gekürzt werden. Es liegt auf der Hand, daß die Stellungnahme der Re- gierung zu dieser Frage stark beeinflußt wird von der D e u t- schen Bolkspartei als Vertretung der Großindustriellen und von der W i r t s ch a f t s p a r t e i, die ja immer be- sonders sozial rückständig gewesen ist. Womit begründen die Unternehmer die Notwendigkeit der Lohnsenkung? An sich hat es ja nie einen Zeitpunkt gegeben, wo die Unternehmer nicht behauptet hätten» daß die Löhne und Gehälter in Deutschland nicht viel zu hoch seien. Selbst in den schlimmsten Tagen der Inflation haben die Unternehmer behauptet, die Löhne befänden sich über Vorkriegshöhe. Ihr beliebtestes Argument war immer, daß die hohen deutschen Löhne die Industrie auf dem Weltmarkt konkurrenzunfähig machten. Dieses Argument wird gegenwärtig so gut wie gar nicht mehr gebraucht. Aus begreiflichen Gründen. Wie könnte man sonst damit vereinbaren, daß trotz der WeUkrise der Anteil der deutschen Fertigfabrikate auf dem Weltmarkt im letzten Jahr ganz erheblich gestiegen ist. Wenn die Ausfuhr der deutschen Fertigfabrikate trotz der Krise auf dem Welt- markt steigt, so könnte man, wenn man davon auf die Löhne schließen wollte, damit den Beweis erbracht sehen, daß die Lohnkosten in Deutschland nicht höher, sondern niedriger sind als im Ausland. Die Unternehmer haben also dieses gegenwärtig nicht anwendbare Argument zurückgestellt und stellen dafür die Behauptung auf, daß die Selbstkosten gesenkt werden müßten und daß bei diesen Selbstkosten nur noch die Löhne und Gehälter in Frage kämen. Den Beweis für ihre Behauptung sind uns die Unternehmer bis jetzt schuldig ge- blieben. Die Unternehmer sagen auch, daß durch diese Senkung der Selbstkosttm auf dem Wege der Lohnsenkung eine Be- lebung des Marktes eintreten würde und damit die kata-- strophale Arbeitslosigkeit eingedämmt werden könnte. Auch hier Handell es sich um eine Behauptung, die deshalb noch kein Beweis ist, weil sie bis zum Ueberdruß wiederholt wird. Jedenfalls ist es den Unternehmern gelungen, auf die Reichs- regierung genügend Einfluß zu gewinnen, um die Unter- nehmerforderung zum Regierungsprogramm zu erheben. In der weiteren Folge haben wir nun in den letzten Tagen und Wochen Schiedssprüche erlebt, die ohne Rück"cht auf die wirtschaftliche Lage der' Arbeiter und Angestellten, ohne von den Unternehmern den Nachweis für ihre Behauptungen zu fordern, eine Kürzung der' Löhne bis zu 8 Prozent ausgesprochen haben. Der Reichsarbeitsminister nennt dies einen„mäßigenden" Einfluß aus die Gestaltung der Löhne ausüben! Wo bleibt aber die Verwirklichung des anderen Tells des Regierungsprogramms? Wo bleibt der Druck der Reichs- regierung auf die Kleinhandelspreise? Die Ge- schichte der Senkung der Aluminiumpreise lehrt uns, daß die Energie der Reichsregierung zu erlahmen beginnt, wenn es sich um die Durchsetzung der Preissenkung bis zu den Kleinhandelspreisen dreht. Wie wirkt sich nun diese..Sparpolitik" aus? Den Lohn- empfängern sind ihre Bezüge schon gekürzt worden durch die Erhöhung der Bellräge zur Arbeitslosenversicherung, durch vermehrte Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit. Die Folge dieser Verringerung der Kaufkraft von etwa 29 Millionen Lohn- empfängern mußte unausweichllch zu einer Verschärfung der Wirtschaftskrise führen. Diese Krise ist von den Unternehmern ausgenutzt worden. um die ll b e r t a r i f l i ch e n Löhne und Gehälter ab- zubauen. Seit einem Jahr und darüber wird in den Be- trieben ein stiller, aber erbitterter Krieg um die Lohnhöhe geführt. Zähneknirschend muß sich oft der Arbeiter fügen. Nun kommen die staatlichen Schlichtungs- instanzen und bauen die Löhne weiter ab. Glaubt der Reichsarbeitsminister ernsthaft, daß seine Lohnsenkungsformel auf-die mit Recht erbitterten Arbeiter mäßigend wirken kann? Die unausbleibliche Folge solcher Schiedssprüche muß die Entfachung großer und er- bitterter Wirtschaftskämpfe sein. Der Berliner Metallarbeiterstreik muß in diesem Zusammenhang als Symptom und als Warnungssignal gewertet werden. Aber wo ist der Ausweg durch Lohn- s c n k u n g? Es wird von der Regierung nur behauptet, es müßten soundsoviel Millionen eingespart werden. Aber die Regierung behauptet keineswegs, daß mit diesen Einsparungen auch eine Wiederbelebung der Wirtschaft verbunden sein würde. Das Wohnungsbauprogramm, die Notstandsarbeiten, sollen ja' nicht erweitert, sondern eingeschränkt werden. Fiskalische Maßnahmen, wenn sie auch noch so radikal sind, ersetzen noch kein Wirtschaftsprogramm. Die Unternehmer lehnen zwar die von den Gewerkschaften vorgeschlagene Arbeitszeitverkürzung auf 40 Stunden die Woche ab. Die Gewerkschaften sind sich durchaus darüber klar, daß diese Arbeitszeitverkürzung heute nicht durchzusetzen ist mit einem vollen Lohnausgleich. Die Arbeiter würden dieses Notopfer aber gern auf sich nehmen, weil sie damit einen Ausweg aus der Krise sehen. Die Unternehmer lehnen aber nicht nur diese Forderung ab, sie gehen sogar so weit, von den Arbeitern eine Verkürzung der Löhne und gleichzeitig eine Verlängerung der Arbeitszeit zu verlangen. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß es sich bei den Unternehmern bei ihren Vorschlägen keineswegs um eise Eindämmung der Arbeitslosigkeit handelt, dann ist es diese unglaubliche Forderung, die von der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände aufgestellt worden ist. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß es gewissen Unter- nehmerkreisen, die heute in den Unternehmeroerbänden ton- angebend sind, gar nicht so unangenehm wäre, wenn die katastrophale Arbeitslosigkeit in eine politische Katastrophe umschlagen würde. Jedenfalls scheint man sich in der Reichsregierung und an den amtlichen Schlichtungsstellen nicht darüber Rechenschaft abzulegen, wie diese Schiedssprüche, die die völlig un- zureichenden Löhne der Arbeiter von Staats wegen noch mehr beschneiden, auf die große Masse der Arbeiterschaft wirken müssen. Eines muß jedenfalls mit aller Deutlichkeit aus- gesprochen werden: dieses Eingreifen des Staates wirkt nicht mäßigend. Diese Schiedsspüche wirken nicht schlichtend. Ihre Folge müssen unweigerlich schwere und ausgedehnte Wirt- fchaftskänrpfe sein. Die Arbeiterschaft erinnert sich noch zu gut der Preis- senkungsaktion des Kabinetts Luther. Auch damals sind unter dem Hinweis auf die kommende Preissenkung Lohn- senkungen vorgenommen worden. Die Preissenkung aber ist ausgeblieben. Wir halten eine Verkoppelung von Preisen und Löhnen. besonders bei der Lohnfestsetzung, überhaupt für abwegig. Wenn aber die Reichsregierung, wenn die amtlichen Schlich- tungsstellen diese Verkoppelung vornehmen, dann muß sie auch bis zum Endeffekt durchgehalten werden. Dann müssen in den Schiedssprüchen, wenn sie schon eine durch nichts gerechtfertigte Lohnsenkung vorsehen, entsprechende Klauseln eingefügt werden, die die Durchführung der Lohnsenkung a b- h ä n g i g machen von der Senkung der Lebenshaltungskosten. Wie aber heute die Preis- und Lohnsenkungsaktion der Regierung durchgeführt wird, kommt sie praktisch nur darauf hinaus, daß nach dem Unternehmerdruck auf die Löhne der Lohndruck der staatlichen Schlichtungsstellen kommt, ohne Rücksicht darauf, ob die Kleinhandelspreise nun wirklich auch gesenkt werden. Die Gewerkschaften sind nicht gewillt, eine derartige Politik ohne Abwehr hinzunehmen. Und daß sie durchaus in der Lage sind, auch große Kämpfe zu führen, das hat u. a. der Metallarbeiterstreik gezeigt. Stegerwald zur Wirifchastskrise. Ein ausgedehntes Programm. In einer Vertrauensmänner-Versammlung der Berliner Zentrums- parter sprach gestern Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald über die Arbeitslofenfrag«. Seine Ausführungen gipfelten in folgenden Programmpunkten: Jnordnurrgbringung der Finanzen der öffentlichen Hand ln Reich, Ländern und Gemeinden: Vernünftige wirtschaftliche Regelung der Reparaiionsfrag«: Rentabolgeftattung der Landwirtschast: Senkung der Gestehungskosten in der deutschen Wirtschaft: Arbeitsbeschaffung, eventuell vorübergehende Arbeitsstreckung und Fürsorge für die Menschen, die arbeiten wollen und nicht arbeiten können. Dos Programm ist wohl nicht ohne Absicht so weit ausgedehnt, daß es sich schließlich wie Zukunftsmusik anhört, besonders was die Regelung der Reparationssrage betrifft. Was der Reichsarbeits- minister unter der„Senkung der Gestehungskosten" oersteht, hat er zwar nicht gesagt, aber feine Lohnpolitik ist um so deutlicher. Und die ist leider keine Zukunftsmusik. Ltebertritt zur Gozialdemokraiie. Professor Vergflräßer verläßt Sie Äemokrasische Partei. Frankfurt a. Hl.. 7. November.(Eigenbericht.) Professor Bergsträßer ist aus der Demokratischen Partei ausgetreten und der Sozialdemokratischen Partei bei. getreten. Professor Bergsträßer gehört« dem Reichstag von 1924 bis 1928 an und arbeitete im Untersuchungsausschuß über die Ursachen des Zusammenbruchs und im Femeausschuß. Krach in der Knedensgesettschast. Professor Quidde ausgetreten. Wie wir erfahren, ist der Präsident der Deutschen Friedens- gesellschast, Professor Quidde, aus der Deutschen Friedensgesellschaft ausgetreten. Der Austritt hängt damit zusammen, daß er von dem jetzigen Geschäftsführer Küster- Hagen der bewußten Unwahrheit bezichigt wurde. Obwohl Profesjar Quidde den Nachweis führen konnte, daß dieser Anwurf nicht stimmte, hat ihn Küster nicht zurückgenommen. Quidde war Mitbegründer der Deutschen Friedensgesellschaft. Oer Iustizskandal von Naumburg. Rechtsverweigerung für Republikaner. halle, 7. November.(Eigenbericht.) Vor dein Schöffengericht Delitzsch wurde der kommu- nistische Gcmeindevertreter Bär wegen Beleidigung des Landrats zu 40 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Korn. munist hatte in öffentlicher Gemeindeoertretersitzung, als über die Beschaffung von Bauland oerhandelt wurde, die Behauptung aus- gestellt, der Landrat würde die Baulustigen bei der Beschaffung von Bauland ebenso betrügen, wie er sie bei einer Vermögens- rechtlichen Auseinandersetzung betrogen habe. Als der Gemeinde- Vorsteher gegen diese Beschimpfung Einspruch erhob, erklärte der Eemeindeoertreter, er werde beweisen, daß der Landrat der größte Betrüger sei. In der Verhandlung wurde sestgestellt, daß der Land- rat überhaupt keinen Bertrag mit Nachlatzpflegern abgeschlossen habe— und trotzdem diese lächerlich niedrig« Geldstrafe, die nur verstanden werden kaim, wenn inan erfährt, daß Delitzsch zum Gerichtsbezirk Naumburg gehört! Der Iustizskandal von Naumburg hat die sozialdemo- kratische Fraktion des Preußischen Landtags veranlaßt, eine Große Anfrage einzubringen, die umfangreiches Material über die parteiische Handhabung der Justiz im Gerichtsbezirk Naumburg vorlegt. „Es ist", so sagt die Interpellation,„eine Ungleich- heit vor Gericht entstanden, die himmelschreiend ist und die Gefahr in sich birgt, daß im Gerichtsbezirk Raum- bürg das gesetzlose Treiben der Nationalsozialisten um die Unterhöhlung der Republik sich unter dem-Schutze der Ge- richte immer weiter ausbreitet." Die Regierung wird gefragt, ob ihr diese Zustände be- kannt seien und was sie zu deren Beseitigung zu tun gedenk«. Vaugvin lieferte dm Schchbund Waffen und hott sie jeht unter Wortbruch zurück.- Eine Sitzung in der„Arbeiterzeitung". Wien, 7. November.(Eigenbericht.) Am Donnerstagabend hatte der Nationalrat Julius Deutsch in einer Red« im Semmering den wahren Verhall bezüglich der Waffen des Republikanischen Schutzbundes, die in Tirol, entdeckt" und beschlagnahmt wurden, enthüllt: es waren dies Waffen, die Ende 1925 und Zlnfang 1926 von der damaligen Bundes- regierung mit Zustimmung des jetzigen Bundeskanzlers Baugoin dem Republikanischen Schuhbund zur Verfügung gestellt worden waren für den Fall, daß die Abwehr eines drohenden italienffch-faschistischen Bandenangriffes auf Tirol notwendig werden würde. Herr Vau- g o i n, dem diese Feststellung, die die ganze Erbärmllchkeit und Unehrlichkeit seiner einseitigen Waffenrazzia aufdeckt, höchst pein- l i ch war, hat nun einen schüchternen Versuch gewagt, den Tatdestand zu dementieren. Prompt hat daraufhin Genosse Deutsch seine Ankündigungen mahrgemacht und die Dokumente oeröffentticht, die den Bundeskanzler Lügen strafen. Es handelt sich zunächst um einen Brief von Deutsch an Vaugoin vom 14. Dezember 1925, in dem mitgetellt wird, daß die Tiroler Ortsgruppe des Repu- blikanischen Schutzbundes von der Innsbrucker Heeres- l« i llr n g(Oberst Kirsch) mn ihre Mitwirkung ersucht worden sei. Die Tiroler Gruppe habe jedoch erklärt, daß nur die Zen- t r a l e des Republikanische» Schutzbundes kompetent für solche Verhandlungen sei. Deutsch ersucht Vaugoin, einen V e r. treter des Heeresministeriums zwecks Verhandlungen mit ihm namhaft zu machen. Am 21. Dezember findet nun die Besprechung iu der Zentrale des Republikanischen Schuh- bundes. d. h. im Gebäude der„Wiener Arbeilerzeihing" stall. Es nehmen daran teil von sozialdemokratischer Seite Deutsch, General a. D. Theodor Körner und der Znusbrucker Dierller, auf Regierungsseile als offizielle Abgeordnete Baugoia. General Witlas und Oberst Elcß. Deutsch veröffentlicht nun längere Auszüge aus dem Pro» t o k o l l dieser Sitzung. Aus diesem Dokument ergibt sich ein- wandfrei die Zusage des Heeresministeriums, Aus- rüstungsgegenstände und Waffen zuerst für 1000 Schutz- bündler zur Verfügung zu stellen. Des weiteren wurde die Frage der Heranziehung von Verstärkung aus Salzburg. Vorarlberg und Innerösterreich besprochen. Auch Fragen des Oberkommandos, des Rechtsverhältnisses und sogar der Versorgung etwaiger Hinterbliebener des Schutzbundes durch den Staat wurden besprochen. Ain 5. Januar 1926 findet in Innsbruck eine wellere Besprechung zwischen Deutsch und dem Tiroler Landeshauptmann Stumpf in dieser Angelegenheit statt, der eine weitere solgen sollte. Baugoin war dabei der Vermittler zwischen Deutsch uNd Stumpf. Am 14. Januar 1926 teilt Vaugoin im Brief an Deutsch, den die Arbeiterzeitung in Faksimile veröffentlicht, mit, daß Landeshauptmann Stumpf gern bereit sei, mit ihm„in der bewußten Angelegenheit zu sprechen". Am 18. und am 23. Februar 1926 endlich berät der Heeresausschuß des Parlaments über die Mitwirkung der Selbstschutzverbände, also auch des Republika- nifchen Schutzbundes, an der Verteidigung Tirols. Heute hat nun Vaugoin dem Sozialdemokatischen Parteloorstand mitgeteilt, daß er morgen sozialdemokratische Waffenbestände, die im südöstlichen Wiener Bezirk Simmering aufbewahrt werden, nach einer staatlichen Fabrik überführen lassen werde. Es hanbell sich um jene A r se na l w a s f e n, die die Wiener Arbellerschaft den Zugriffen der Entente Ende 1918 entzogen hatte. Im Frühjahr 1927 hatte Vaugoin diese Waffen aus dem Arsenal zunächst wegführen lassen, er mußte aber«inAbkommen mit der sozialdemokratischen Parteileitung treffen, wonach diese Waffen unter Doppelsperre auf- bewahrt werden würden. Den einen Schlüssel sollte die Sozial- demokratische Partei, den anderen das Hecresministerium besitzen. Nach dem Vertrag sollte in Zukunft eine weitere Ueberführung nur im beiderseitigen Einverständnis erfolgen. Deimoch oerleugnet Vaugoin jetzt seine Unterschriften, indem er die Ueberführung für Sonnabend vormittag selbstherrlich anordnet und verkündet. Dieser Wortbruch geschieht zu dem offenkundlgen Zweck, die Arbeiterschaft einseitig zu entwaffnen, während die Heinnvehr nach wie vor unbehelligt rüstet./ Vaugoin versucht zu leugnen. Wien, 7. November. Amtlich wird bekanntgegeben: Die in einer gestrigen Ler- sammlung in Simmering von Dr. Deutsch aufgestellten Behauptungen über ein« Bewaffnung des Schutzbundes in Tirol durch das Bundesheer und über eine Kooperation des Schutzbundes mit dem Bundesheer sind unrichtig. Dem Republikanischen Schutzbund wurden vom Bundeskanzler Vaugoin als Heeresminister nie und nirgends Waffen übergeben und ein« Zusammenarbeit von Bundesheer und Schutzbund war vom Bundeskanzler in Wirk- lichkeit nie geplant. Ueber die Einzelheiten dieser Ange- legenheit wird heut« noch eine aktenmäßige Darstellung erfolgen. lange vor dem 14. September schrieb:„Hitler frißt Hugen- berg." Der alte konservative Parlamentarier bestätigt damit aber auch, daß die Rechte von heute mit ihrem„unreifen Auftreten" nicht regierungsfähig ist. Hitler fraß Hugenberg! Westarp bestätigt es. Graf Westarp, einst unumschränkter Führer einer großen Partei, jetzt gleichberechtigter Unglücksgenosse einer Fünfmännergruppe, kritisiert das Werk seines Nachfolgers Hugenberg. In den„Volkskonservativen Stimmen". einem dürftigen Wochenblättchen, schreibt er einen Artikel, in dem er darlegt, daß die Deutschnationale Partei durch Hugenbergs Führung nicht nur von 4,5 Millionen Wählern 2,5 Millionen verloren hat, sondern auch in völlige Ab- hängigkeit von der Hakenkreuzpartei geraten ist. Gegen Hugenberg, der in seinen Reden die 148 Stimmen der Deutschnationalen und der Nationalsozialisten als eine Einheit betrachtet, führt er aus: Ich oerrate kein Geheimnis, sondern kann mich auf zahlreiche öffentliche Aeußerungen beziehen, wenn ich feststelle, daß bis zur Auflösung auch in denjenigen Kreisen der Partei, ihres Vorstandes, ihrer Parteivertretung, ihrer Fraktionen, mit denen ich in Gegen- satz geriet, die weitaus herrschende Meinung die war, daß e i n zu enges Zusammengehen mit den Nationalsozia- listen höchst gefährlich und zu vermeiden sei. Jetzt wird von deuffchnationaler Selle der Wahlerfolg der National- sozialisten vielfach ganz lyje ein eigener Erfolg behandelt, und die Deutschnationalen bekennen sich zu einer engen Gemeinschaft poli- tischcr Zusammenarbeit, während die Nationalsozialisten sehr geneigt sind, die deutschnational« Annäherung sehr von oben herab zu behandeln. Die Führung ln dem Kern der 148, um welchen sich hie neue Mehrheit gruppleren soll, liegt bei Hitler, nicht bei Hugenberg... Die Kampseswesse der Nattonolsozialisten, der sich diejenige der Deutschnationalen mehr und mehr angepaßt hat, ihr teils rein agitatorisches, teils u n- reifes Auftreten im Reichstage haben die Hoffnung, daß das Zentrum unter den jetzigen Verhältnissen für reckstz optieren könne, wie alle taffächlichen Vorgänge der letzten Zeit beweisen, wesentlich oermindert. Graf Westarp bestätigt damit, daß der„Vorwärts" die Entwicklung auf der Rechten richtig beurteilte, als er schon Ein Lteberfatl auf Zörgiebel. Die Folge kommunistischer Hetze.. Genosse Zörgiebel wurde gestern vor der 3. Strafkammer des Landgerichts III als Zeuge in einem Berusungsprozeß eines tom- munistischen Stadtrats vernommen. Als er den Gerichtssaal wieder verlassen wollte, sprang ein Kommunist namens Heitrich auf ihn zu und schlug ihn ins Gesicht. Der Täter wurde sofort festgenommen und vorgeführt. Aus die Frage nach den Motiven erklärte Heitrich:„Den schieß« ich noch über den Haufen." Der Täter wurde zu d r e i T a g e n 5) a f t wegen Ungebühr vor Gericht verurteill und sofort abgeführt. Er hat außerdem ein Strafverfahren zu erwarten. Der Ueberfall ist eine Folge der unausgesetzten Hetze der KPD. gegen den Genossen Zörgiebel. Hausknechte Hugenbergs! Kommunisten verschaffen einer Arbeiterstadt einen deutsch- nationalen Bürgermeister. Eisleden. 7. November.(Eigenbericht.) In dem im Mansfeßwr Seekreis gelegenen Städtchen S ch r a p» l a u fand dieser Tag« die Neuwahl de« Bürgermeisters statt. Sozialdemokraten und Kommunisten haben in der Stadtverordneten» Versammlung die Mehrhell. Vor Beginn des Wahlaktes verließen die Kommunisten die Sitzung, wodurch die Bürgerlichen die Mehr- heit«rhiellen und einen ausgesprochenen Deutsch» nationalen zum Bürgermeister wählten. Zufolge der australischen Flruwzkrise ist der Finanzminister da austrolffchen Arbellerregierung Lyons zurückgetreten. Ein guter Osterhase er versteckt nicht nur die Eier...... sondern verrät auch gleich ihr Versteck! Auswirkungen der Notverordnung. Die preußischen Ausführungsgesehe vor dem Landtag. Helden mit dem Hakenkreuz. Bibbernde Angst vor dem Richter. D«r nationalsozialistische Reichstags- und Landtagsabgeordnete Kaufmann gibt eine Halbmonatsschrift„NationaUazialistische Briefe' heraus. In der ain lö. März 1928 erschienenen Rümmer dieser Briefe veröffentlichte Herr EregorStratzer einen Artikel, der so ziemlich das Schamloseste darstellt, was je zur Verunglimpfung eines politischen Gegners gesagt worden ist. Straßer schrieb nämlich, dah man in gewiffcn Augenblicken,„in denen Otto Braun nicht ohne Geschick eine uberlegen« Geste markiere, daran denk«, ob viel- leicht seine gewiß sehr ehrenwerte Ahnfrau bei irgendeinem astpreußischen Junker Gefallen fand". Diese Infamie bestimmte Braun, Strasantrag sowol)! gegen Straßer als den Veriiber dieses Bubenstreichs wie auch gegen Kaufmann, der den Straßers chen Schmutz in seine Monats» schrift übernahm. Strafantrag zu stellen. Die Sache sollte vor dem Schöffengericht in Oranienburg zur Verhandlung kommen, das Termin auf den 2. Oktober 1928 anberaumte. In diesem Termin blieben beide Angeklagten aus. Darauf stellte die Staatsanwaltschaft beim Reichstag den Antrag, die Vorführung Stroßers zu einem neuen Termin zu genehmigen, und beim Preußischen Land» t a g den gleichen Antrag bezüglich Kaufmanns, der sich damals damit begniigte, dieses Parlament zu zieren. Der Reichstag genehmigte die Vorführung S t r a ß e r s, nachdem die beiden Kumpane auch in einein auf den 5 April 1929 anberauniten Termin ausgeblieben waren. Der Land- tag gab dagegen nicht die Zustimmung zur Vorführung Kauf- inanns. Nunmehr blieb Straßer nichts anderes übrig, als in dem nächsten Termin am 27. August v. I vor dein Schöffengericht Oranienburg zu erscheinen: Kaufmann blieb wiederum aus. Straßer wurde damals wegen einer ganzen Reihe von Straftaten zu s e ch s Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt. Die schamlose Verunglimpfung Otto Brauns wurde mit drei Monaten Gefängnis geahndet. Gegen Kaufmann wurde neuer Hauptverhandlunngstermin auf den 16. November 1929 anberaumt. Kurz vor dem Termin sandte Frau Kaufmann die für ihren Gatten bestimmte Ladung mit der Bemerkung zurück, daß er auf W a h l r e i s e n sei und sie ihn: vom Termin keine Nachricht habe geben können Nachdem noch das Gericht eine neue Verhandlung auf den 2. Mai d. I. anberaumt hatte, die nicht stattfinden konnte, sollte sich Kaufmann endlich ain 4. November dieses Jahres vor dem Schöffengericht Oranienburg verantworten. Am Tage vorher lief bei Gericht ein Brief von ihm ein, tn dem er mitteilte, baß„wichtige Pflichten" ihn am Erscheinen hinderten. Die Verhandlung mußte infolgedessen vertagt werden. Da Kaufmann seit dem 14. September d. I. auch dem Reichstag angehört, werden nunmehr Reichstag und Landtag sich dar. über schlüssig zu niachen l)aben, vb sie diesem würdigen Mitglied gestatten wollen, sein frivoles Spiel in olle Ewigkeit fortzusetzen. Sollten beide Parlamente die Genehmigung zur Vorführung, um die sie erneut ersucht werden, versagen, so würden sie damit in die Spuren des braunfchweigifchen Justizministers F ranzen treten, d. h. sie würden sich der Begünstigung schuldig machen. Das Verhalten Kaufmanns liefert einen neuen Beweis dafür. was die Nationalsozialisten unter„sittlicher Erneuerung" verstehen. Den politischen Gegner in der gemeinsten Weise beschimpfen und sich dann der Verantwortung durch ein Ver- halten zu entziehen, das sie bei jedem anderen als„jüdischen Dreh" bezeichnen würden, ist nach nationalsozialistischer Anschauung offenbar hochmoralisch. Sie sind aNe da! Die Putschisten von 1923 sammeln sich. München, 7. November.(Eigenbericht.) Der H i t lc r> P u t s ch i st Ernst Röhm, der Führer der hochverräterischen Organisatton Reichskriegsflagge im Jahre 1923. ist aus dem bolivianischen Heeresdienst wieder ausgeschieden und unerwartet schnell nach München zurückgekehrt, wo er am Bahnhof von Hitler und seinen, Stab feierlich empfangen wurde. Seinen Landsknechtsdienst in Bolivien hatte er als ehemaliger aktiver Generalstäbler um die Jahreswende 1928/29 angetreten, nachdem seinem militärischen Ehrgeiz in der deutschen Republik keine Erfolgs mehr winkten und sein Reichstagsmandat nach einem halben Jahre wieder verloren gegangen war. Nach dem Naziauftrieb vom 14. September schöpfte Röhm offenbar Hoffnung, auch in Deutsch- lond wieder zu Ehren zu kommen und folgte kurz entschlossen dem Rufe Hitlers. Es ist anzunehinen, daß er neben den Fememördern Heines, Schulz uiü» Klapproth von seiner Partei eine einträgliche Stellung in der Bürgerkriegsarinee erhalten wird. 918 Mtlionen Oefizii. Oer Reichshaushalt im September. Das Reichssinanzministerium verösfentlicht jetzt die Ausgaben und Einnahmen des Reiches im Monat September. Somit kann man sich jetzt«in genaues Bild über die Entwicklung der Reichs- finanzcn in den ersten sechs Monaten des laufenden Rcchnungs- lahres 1930/31 machen. Gegenüber einem Einnahmesoll von 11,63- Milliarden im ganzen Rechnungsjahr, dem für das erste Halbjahr ein Einnahmesoll von 5,8 Milliarden entspricht, sind die bisherigen Einnahmen im ordenllichcn Haushalt um 600 Millionen zurück- geblieben. Allerdings find die neuen Steuern in dem abgelaufenen Halbjahr erst einen Monat wirksam gewesen, so daß sich die Ein- nahmen in den kommenden Monaten verbesiern dürften. Anderer- seits steltteu sich die Ausgaben auf 5,65 Milliarden, so daß die Aus- gaben um fast 455 Millionen über den Einnahmen liegen. Im außerordentlichen Haushalt stellten sich die Einnahmen von April bis September auf 631,8 Millionen, darunter 487,1 Millionen Mark aus Anleihen, wahrend sich die Aurgaben aus 158,0 Millionen Mark bezifferten. Es ergibt sich hier also eine Mehreinnahme von 472,9 Millionen Mark. ElafchNeßllch des Fehlbetrages aus den Vorjahren beläufl sich Lade September da» Defizit im ordentlichen Etat auf «19.7 Millionen und im außerordentlichen Etat, der einen Fehlbetrag von 771.7 Millionen au» dem Vorjahr ausweist. a»f ?gs.e Millionen Mark. Znsgefam» stellt sich also das Defizit im Reichshoushalt Ende September auf 916,5 Millionen Mark. ver Saffonbefiand belies sich Ende September bei 12S9 Millionen Einnahmen und 1275 Millionen Ansgaben anf 14 Millionen Mark. Der Preußische Landtag überwies am Freitag zunächst aus Antrag des Abg. Brandenburg(Soz) eine» Antrag ohne Aussprache dem LantOTirtfchaftsausschuß, der Arbeitsbeschaffung für die Forstorbeiter durch Holzeinschlag und Vornähme von Wege- bauten usw. verlangt Es folgt die zweite Lesung des G e f e tz« n t wu r f e s zur Durchführung der G e ine i n deb i e r st eu e r, G e- in e i n d« g e tr ä n ke st« u e r und Bürgersteuer sowie zur Abänderung des Kreis- und Provinzialabgabengefetzes. Abg. Szillal(Soz.) als Berichterstatter: Durch die Verordnung des Reichspräsidenten von, 26. Juli 1930 erhalten die Gemeinden das Recht, die Vier- und Bürg ersten er einzuführen oder bei außer- ordentlicher Belastung durch Wvhlsahrtsausgaben die Möglichkeit, eine Geträn lest euer zu erheben. Die Länder sind ver- pklichtet. den Landessatz der Bürgersteuer zu bestimmen, die Höhe des Landesdurchschnilts für die Grund- und Gebäudesteucr festzustellen irnö Bestimmungen über die Ausgestaltung der Bier- und Bürgersteuer zu erlassen. Mit dem vorliegenden Entwurf ist die Staalsrcgierung dieser verpslichlung nachgekommen. Die Regierung will die Höhe des Laildesdurchschnitlcs für die Grund- und Gebäudesteuern in einem Erlaß feststellen. Der Lcmüesfatz der Bürgersteuer ist wie in der Reichsnotverordnung für cinkommensteuerfrcic Personen mit 3 M., für die Ehefrau mit 1,50 M., bei einen, Einkommen bis zu 8000 M. mit 6 M. und für die Ehefrau mit 3 M. sestgefetzt. Die Steuer soll lediglich durch Gemeindcbeschlüss« erhoben werden,«ine Genehmigung der Aussichtsbehörden ist nicht erforderlich Sind die Genieindcn aber nach der Beftiimnung der Notoerordnung zur Einführung der Bürger- und Biersteuer verpflichtet und kommt en, solcher Beschluß in den Gemeinden nicht zustande, so sollen die Zlufsichts- und Be- schlußbehörden das Recht der zwangsweisen?lus- erlegung haben. Die Regierung ging insofern noch über die ihr ans der Not- Verordnung zustehenden Rechte hinaus, als die Einführung der Bier-, Bürger- und Getränkesteuer auch dann durch Beschluß der Aussichtsbehörden' möglich fein soll, wenn eine Verpflichtung dazu nicht besteht. Die Sozialdemokraten haben Streichung dieser Be- sliirrmung beantragt, die Regirrung erklärte jedoch, daß sie bei der Entwicklung in den einzelnen Gemeinden zu einem solchen Vor- Neues britisches Schulgesetz. Verlängerung der Schulpfl cht. London. 7. November.(Eigenbericht.) Dem Unterhaus legte Unterrichtsminister Trevelyan da? neue Schulgesetz vor. Das Kabinett hofft, die Vorlage bis Weih- nachten unter Dach und Fach zu bringen. Was wir hier vorschlagen — erklärte der Minister— ist eine der größten Reformen in der englischen Geschichte, sie soll dem Kinderdrama in der englischen Arbeiterklasse ein Ende bereiten. Das schulpflichtige Aller soll ans 15 Zahre erhöht und die davon betroffenen Eltern mit durchschnittlich 5 Schilling pro Woche für jedes Kind unlerftüht werden. Volksbühne und Krolloper. Snlfcheidende Verhandlung heute. Zwischen dem Kuttusmimslerium und der BoUsbühne haben gestern die Verhandlungen über den Krolloper-Vertrag begonnen. Die Verhandlungen waren für alle Beteiligten streng oertrau- l i ch. Trotzdem werden in der Presse darüber Mitteilungen ver- öffentlicht, die zum Teil unrichtig sind. So läuft der Krolloper- Vertrag zwischen Volksbühne und Ministerium nicht bis zum Jahre 1947, sondern 1949. und die Entschädigungssumme, di« der Staat sofort an die Volksbühne zahlen will, umfaßt nicht die Beträge für fünf, sondern, für sechs Jahre. Die entscheidend« Verhandlung wird heut« nachmittag stattfinden, und wir werden dann unsere Leser über die Einzelheiten informierer. können. Eurt Eorrenih:„Sektion l�ahnsieiien". Erstaufführung im Berliner Tbeaier. Ein Femcmörderstück mit Jreundschasts- und Menfchlichkeits- idealen, kindlich aufgebaut, ohne Leben und von verspäteter Aktua- lität. Unter mittelmäßigen und undiskutabel schlechten Leitungen ein hervorragender Darsteller: Lothar Körner. Großer Bei- fall, verein zellc Pfiffe. D«r. gehen gezwungen sei. Eine Verständigung erfolgte� in dem Sinne, daß nur in b e st i n, m t e n Grenzen die Steuern zwangs- weife eingeführt werden follen Eine Debatte über Zweckmäßigkeit der Steuern hol deshalb keinen Sinn, weil nach der Rolverordnung für die Länder die zwingende Verpflichtung besteht, sie durchzuführen. Der Redner empfiehlt namens des Hauptausschusses die Anncchine der Vorlage in der Ausschußfassung unter Ablehnung aller 2lb- änderungsanträge. Abg. Dr. v. kries(Dnat.) fragt den Finan.znnnister über di« «tellung dar Regierung zum Finanzprogramm der Reichsregierung. Dos preußische Arbcitsbeschasfun gsprogramm gebe zu erheblichen Bedenken Anlaß. Abg. Kölqes(Z.) unterstreicht noch einmal die Feststellungen des Berichterstatters, daß der Entwurf nur die Ausführung der Rcichsnotoerordnung sei. Er hofft, daß die Gemei'.rdcn die Getränke- steuer so wenig wie irgend möglich einführen. Al>g. Oberdörster(Komm.) kritisiert das Reichssinonzprogramm und lehnt für seine Fraktion die Steuervorlage unter heftigen An- griffen gegen die Sozialdemokratie ab. Abg. Zleumann-Frohnau(DVp.) polemisiert gegen die Gc- trönkesteuer und damit auch gegen seinen Parteifreund Dr Mulert. den Vorsitzenden des Stödtetoges, der sich für diese Steuer enl- schieden eingesetzt hat. Zlbg. Wüller.Zsernhagen(Chr.-Rat.) erwartet von der Ein- führung der Bier- und Bürgersteuer eine Senkung der Realsieucrn. Die Gemciiidegctränkesteucr sei überaus bedenklich und würde vor ollen Dingen die notleidenden Winzer treffen. Zlbg. Donners(Wirtfchp.) erklärt, daß feine Partei mit ihrer Warnung vor dem Arbeitslosenoerficherungsgesetz Recht behalten hat. Abg. Dr. von krics(Dnat.) stellt fest, daß zum Vedaueli, seiner Fraktion dar Finanz», iniii er nicht Gelegenheit genomn�n hat. zum Finanzprogramm der Reichsregierung Stellung zu nehmen. Hierauf wird durch Schlußantraq die Aussprache beendet. Die Abstimmungen finden am Mittwoch, nachmittag- 5 II h r. statt. Nächste Sitzung Mittwoch, 12. November, 12 Uhr. Tages- ordnung: Abstimmungen in zweiter Lesung über die Steuer- vorlagen, dritte Lesung. Anträge des Hauptausschusses über Hilf-- maßnahmen für die Landwirtschaft. Einer Armee von Kindern wollen wir ein« verlängerte Ausbildung!-- zeit und damit die Grundlage für einen besseren Lebensstandaro geben. Wir wollen die Kinder vis zum 15. Lebensjahre von der Arbeit fernhalten, wie es die Besitzenden ihrer Jugend bis zum 18/ Lebensjahr« und noch länger gewähren können. Die Lehrer und Erzieher treten warm für unser« Reform ein, die keinen Gegner unter denkenden und empfindenden Menschen haben' sollte. Für 300 000 Kinder soll das Gesetz sofort in Kraft treten, und bis zum April 1931 kann die Umorganifierung so weit gediehen sein, daß alle englischen 500 000 Bolksschüler in das Gesetz einbezögen sind. Die 300 000 Kinder machen aber für 150 000 ältere Arbeiter Arbeitsplätze frei, so daß dadurch die Arbeitslosigkeit erheblich vermindert wird. Die jährlichen Kosten für die Ausführung dos Gesetzes belaufen sich auf 7 bis 9 Millionen Pfund Sterling. Unter den Hochrufen der Arbeiterpartei schloß Trevelyon seine Rede. Der Sprecher der Arbeiterfraktion E d e sagte, die Hoffnungen der englischen Arbeiterbewegung würden auf diesem Gesetz beruhen. Vielleicht ist dies auch der Grund, weshalb der nächste Redner, Lord P e r z y, Unterrichtsminister im früheren Kabinett Baldwin, im Namen der Konservativen dos Gesetz ab'ehnt«. Seine Partei werde unter allen Umständen gegen das Gesetz stimmen. Die Z e r- fahre nhelt der Liberalen zeigt sich wiederum darin, daß sie bis heute noch nicht wissen, ob sie für oder gegen dos Gesez stimmen sollen. Das neue Schulgesetz ist in zweiter Lesung vom Unterhaus mit 294 gegen 227 Stimmen angenommen worden: 33 Liberale haben für die Regierung gestimmt. Der Gesetzentwurf ging darauf an einen Ausschuß. 218 zu 216 Knappe Republikanermehrheit. New Dork, 7. November. Die Wiederwahl des republikanischen Unterhaus- Mitgliedes V o t e s in Illinois erscheint auf Grund der nunmehr vorliegenden Nachrichten als gesichert, so daß die Republikaner»>, Repräsentantenhaus mit 218 Sitzen über ein« knappe Mehrheit ver- fügen. Dies gilt natürlich vorbehaltlich der Aenderungen. die in den Wahlbezirken, deren Ergebnisse angefochten werden, eintrete' könuen. Streiks und Tarife �9�2 unM929 Soziale Kämpfe in Gegenwart und Vergangenheit. Heute schon gehört jeder vierte Wohlberechtigte zur Nach- rriegsgenerotum, also zu denjenigen, die erst nach 1918 29 Jahre alt geworden sind. Was wissen die jungen Staats- bürger der Republik von der Lag« des Arbeiters im kaiser- lichen Deutschland der Vorkriegszeit? Ist es wahr, daß damals die Arbeiter viel mehr kämpften als sie es heute tu»? Diesem Thema gilt die nachfolgende Untersuchung. Die Redaktion, Im Jahre 1912 wurde vom kaiserlichen Statistischen Amt erst- malig eine umfassende Zusammenstellung der in Deutschland be- stehenden Tarife veröffentlicht. Jene Veröffentlichung war nahezu ausschließlich auf den Angaben der Gewerkschaften aufgebaut. Alle anderen Quellen waren unzuverlässig, amtliche Feststellungen gab es nicht, wir hatten ja noch nicht das Arbeitsrecht von heute. Der Arbeiter lebte vor dem Äricge in weiten Berufsgruppen ohne jede tarifliche Sicherung von Lohn und Arbeitszeit. Im Bergbau gab es 1912 nicht«inen Tarifvertrag! Fast ebenso sah es in der chemischen Industrie, in der Textilindustrie, im Handels- und Reinigungsgewerbe, in der Gast- und Schankwirt- schaft, im Musikergewerbe, für Theater und Schaustellungen und selbstverständlich in der Landwirtschaft und für die kaufmännischen Angestellten, Techniker und Werkmeister aus. Ende 1912 bestanden in Deutschland lediglich'für 1 571 099 Ar- heiter und Arbeiterinnen tonflich« Abmachungen irgendwelcher Art, mehr als eine Million davon waren freigewerkfchaftlich organisiert. Die Tarife waren Kampfeserfolge der Gewerkschaften! Die 1912 in Kraft getretenen Tarife waren für 293 999 Arbeiter durch Verhandlungen abgeschlossen, 35 999 Arbeiter hatten sie erst noch Streiks oder Aussperrungen erreicht. Der Achtstundentag war für 7,6 Prcz. der an den Tarifen beteiligten Arbeiter während des Sommers und für 4b, 8 Proz. während des Winters festgelegt. Es fcmdelt sich bei dem Winter- ochtftundentag zumeist um die Bauarbeiter und verwandten Gewerbe. Heber 8 bis 9 Stunden reine Arbeitszeit hotten im Sommer 39,5 Proz., im Winter 22.6 Proz. der tariflich geschützten Arbeiter. Mit über 9 bis 19 Stunden war die Arbeitszeit im Sommer für 57,7, im Winter für 27,2 Proz. der Tarifarbeiter fest- gelegt. Die Tarifverträge umfaßten ober auch 19, 11 und noch niehr Stunden. Es handelt« sich dabei immer um die tariflich festgelegte kürzeste Arbeitsdauer ausschließlich der Pausen. Der Mindeststundenlohn für den erwachsenen gelernten männ- lichen Arbeiter und für den erwachsenen ungelernten männlichen Ar- bejter war in Pfennigen für die an den Tarifen Beteiligten wie folgt festgelegt: äs unter 23 1.9 Prozent 25 bis 35 3,4 Prozent 19,3 36„ 45 23,9. 36,6 46„ 55 36,3. 38,9 56„ 65 24,7.. 3.9 66. 75 7,2. 9,9 über 75 4,5, 9,3 An Urlaubsforderung war damals noch nicht zu denken,— das war ein Stück„Zukunftsstaat"—, deswegen enthielt kein Tarif' irgendeine llrlaubsklaufel. Dies waren die besten Arbeitsbedingungen, die nur«ine Nein« Minderheit genoß. Betrachten wir nun die Gegenwart. Ende 1S29 waren die freien Gewerkschaften nach ihrer füngsten Deröffentlichung,„Die Tarifverträge in Deutschland Ende 1929", Sonderheft 1 der „Gewerkschaftszeitung", an folgenden Torifen beteiligt: für Betriebe für Arbeitskräfte Volltarife...... 198 278 1 951 711 Manteltarife: ohne Arbeitszeitregelung 171 597 2 389 979 Mit.. 3! 8 764 5 743 938 Arbeitszeitabkommen.. 25114 1 472192 Lqhnabkommen.... 428 935 7 974 466 Ende 1929 waren die Arbeitsverhältnisse in Deutschland f ü r 12 bis 13 Millionen Erwerbstätige tariflich geregelt, fast bei jedem Tarifvertrag find die freien Gewerkschaften Vertrags- Partner. Von den Lohntarifen sind die Verträge für 685 999 Ar- beiter erst nach Streiks oder Aussperrungen zu- stände gekommen. Das Prozentoerhältms der Kämpfe und der friedlichen Erfolge ist also heute ebenso respektabel wie in der Vor- kriegszeit. In dem Rahmen der gesamten wirtschaftlichen Bewegungen der deutschen Arbeiterschaft nahmen schon in der Vorkriegszeit die ohne Arbeitseinstellung verlaufenden gewerkschaftlichen Bewegun- gen die überragende Stellung ein. Im Jahre 1913 kämpften in Streits und Aussperrungen 249 999 Arbeiter. Im Jahre 1929 standen 464 999 Arbefter und Arbeiterinnen durch Streiks und Aussperrungen im härtesten Gewerkschaftskampfe. Ueberhaupt an gewerkschaftlichen Bewegungen waren 1913 rund 1,2 Millionen Beschäftigte beteiligt. 1929 dagegen 19,8 Millionen! Dabei waren Ende 1913 nur 5 Proz. der Arbeiter vollarbeitslos, Ende 1929 dagegen 22 Proz. Die Gewerkschaften kämpften asso 1929 auf härterem Boden und auf viel breiterer Front als 1913! Vergleicht man die vorstehenden Zahlen, so zeigt sich, daß die Redensarten von dem angeblich verloren gegangenen Kampfgeist der Gewerkschaften, vom verwässerten Klassenkampf usw. einfach ohne Kenntnis der Vergangenheit nächgeplappert werden. Allein für Arbeitskämpfe haben die freien Gewerkschaften ausgegeben: 1927..... 11358 999 Mark 1928..... 32 224 099. 1929..... 13 395 990, Den Hauptgewinn hat feit 1913 der Unorganisierte gezogen, der heute alle Vorteile der Tarife und der gewerkschaftlichen Arbeit genießt, ohne einen Pfennig zu opfern und ohne Solidarität anzuerkennen. Das sind dazu häufig jene Elemente, die jetzt als Nationalsozialisten von bestimmten Unternehmergruppen als Gelbe gefördert werden, um die Tarifverträge und das Schlichtungswesen zu zerschlagen oder die als kommunistische Gewertschaftsopposition die Kraft der Gewerkschaften zerstören möchte, weil deren politische Richtung nicht in den Moskauer Kram paßt. Die heranwachsende Generation mag genau bettachten und festhalten, was ihr in den letztvergangenen Jahrzehnten erkämpft worden ist, damit sie das Erbe ausbaue und weiter gestalte und nicht verliere. Die Zeiten sind ernst! Lwt IIsmiA. Endlich die Preisklausel! Einigung in der sächsisct en Lederindustrie. Dresden, 7. November. 3m Lohnstreik der sächsischen Lederindustrie ist gestern in der Verhandlung vor der Tarifschlichtungsstelle unter Vorsitz von Ober- rrgierungsrat Panoscha folgende Einigung der Parteien erzielt worden: Das bis zum 31. Oktober 1939 geltende Lohnabkommen wttd mit Wirkung ab 1. November 1939 wieder in Kraft gefetzt mit der Maßgabe, daß bei Senkung des Reichsindexes für Ernährung, Kleidung und Wohnung nach dem Stande vom Oktober 1939 je f ü n f Punkte eine Herabsetzung de« Spitzenlohnes nm drei Pfennig pro Stunde mit Beginn der ersten Lohmvoche des daraus folgenden Monats eintritt, vor der gleichen Tarifiustanz ist vor einiger Zeit über den Mantellarifvertrag und die Arbeitszeit- bestimmungen ebenfalls eine Einigung in den wesentlichsten Punkten herbeigeführt worden. Nur in einigen weniger wichtigen fragen, wie höhe des lleberstundenzuschlages, Bezahlung der Ar- loubszeit bei Kurzarbeit, Ortsklafsenobslufung und Einteilung, ist durch bindenden Spruch entschieden worden. Kamps den Spallern? Ein BerdamwungSurteil. In einer überaus stark besuchten Belegschastsversammluyg der Turbinenfabrik der AEG. wurde folgende Entschließung mit allen gegen sechs Stimmen angenommen: Die Betriebsversammlung der A E G.- T u r b i n e am 7. November 1939 in den Arminiussälen verurteilt und be- kämpft auf das schärfste die verbrecherische Politik der kommunistischen Partei. Diese spaltet bewußt und planmäßig die deutsche Arbeiterschaft und deren Kampforgane, die freien Gewerkschaften. Die KPD. spaltet die Kampsorganisation der Metallarbeiter, den Deutschen Metallarbeiterverband. Sie gründet abermals einen neuen verband, einen sogenannten„Roten Metallarbeiterverband". Seit 1918 ist dies der fünfte versuch, die Komps- organisalion der Arbeiter zu zerstören. Dadurch unterstützt die KPD. ganz zielbewußt die Faschisten, die in Deutschland oer- suchen, an die Macht zu kommen. Die Kollegen der Turbine appeliercn an die Berliner und deutschen Metallarbeiter und fordern diese aus. dem Treiben der SPD. in allen Betriehen aufs schärfste entgegenzutreten. Die Belegschaft der Turbine ist sich klar, daß nur ge- s ch l o s s e o e s Auftreten und durch eine starke kampffähige Organisation den Angriffen der Unternehmer auf unsere Löhne und auch den Faschisten von rechts, unter Hitler, und deren Steigbügelhalter von links, unter Thälmann. Trotz geboten werden kann. Die Kollegen der Turbine weisen die nur mit Verleumdungen und Lügen arbeitende kommunistische Kampsweise mit Ekel zurück und fordern die Metallarbeiter aus, sich nur in den freien Gewerkschaften zu organisieren. Durch Kampf zum Sieg! Einigkeit macht stark! Arbeiier und Reamie. Gehalt und Lohn sind solidarisch. Die Bestrebungen, die Gehaltskürzung beretts am 1 Januar 1931 eintreten zu lassen, haben in der Beamten- ühast Erregung hervorgerufen. Der Allgemeine Deutsch« Beamten bund hat in einem Schreiben an den Reichsrat nach- drücklich betont, daß eine Vorverlegung der Gehaltskürzung von April auf Januar von der Beamtenschaft einmütig abgelehnt werde, und zwar nicht zuletzt deswegen, weil van einer Auswirkung der Preissenkungsaktion im Kleinhandel noch absolut nichts zu be- merken ist. Nach einer Mitteilung des Deutschen Beamten-� ü u ii d e s soll die Vorverlegung der Gehaltskürzung mit der Neuregelung der Löhne in der Metallindustrie in Zusammenhang stehen, Die Arbeitergewerkschaften hätten bereits fett längerer Zeft den 1. Januar befürwortet, und neuerdings fei das besonders von fetten der Metallarbeiteroerbände wegen des bevorstehenden Schiedsspruchs im Berliner Metallkonflikt geschehen. Wie wir dazu erfahren, trifft diese Behauptimg auf keinen Fall für den f r e i g e w e r t f cha f t l i che n Deutschen Metallarbeiterverband zu. Er l)at weder direkt, noch indirekt eine Vorverlegung der Gehaltskürzung befürwortet. Die christlichen Gewerkschaften waren an den Verhandlungen gar nicht beteiligt. Daß die christlichen Gewerkschaften die Beamten sozusagen als Prügeliungen betrachten, ist bekannt. Damit stehen sie aber unter allen Gewerkschaften ganz allein. Eisenbahner gegen Jl(30. In einer überfüllten Versammlung der Eisenbahner in den Sophienfälen, einberufen vom Einhettsverband der Eisenbahner Deutschlands, wurde mit den Arbeiterzerfplitterern von rechts und links scharf abgerechnet. Nach einem Referat des Bevollmächtigten, Genossen Winkler, wurde folgende Entschließung angenommen: „Die am 7. November tagende, öffentliche Versammlung der Berliner Eisenbahnwcrkstättenarbeiter nimmt entrüstet Stellung gegen Abbau und Ausbeutung durch die Reichsbahn-Gefellschast und bringt zum Ausdruck, daß die jetzige Wirtschaftskrise niemals behoben wer- den kann durch einseitige schwere Belastung der Arbeiter. Sie sieht in der Arbeitszeitverkürzung auf täglich 7 Stunden und der damit verbundenen Verringerung des Arbeitslosenheeres den ersten Schritt zur Behebung der Krise und ist bereit, kämpfend ihren Antett an der Rationalisierung zu fordern. Voraussetzung für diesen Kampf ist der einheitliche Wille und eine einheitliche Organisation. Sie verurteilt aufs schärfste jeden Versuch einer weiteren Spaltung der Eisenbahner, ivis sie von Nazis und der KPD. bereits in die Wege gelettet»st. Die Gründung der REO. wird als Derbrechen an der Ar- beilerfchaft gebrandmarkt. Paul pawlowitsch gestorben. Wieder ist einer der Genosien dahingegangen, die schon unter dem Ausnahmegesetz für die Arbstterbewegung tätig waren. Paul Pawlowitsch, schon seit mehreren Iahren an einer Magen- krankheit leidend, ist, 66 Lahre alt, gestorben. In den 89er Iahren des vorigen Jahrhunderts war er schon für die Sozialdemokratische Partei tätig. Anfang der 99er Jahre hatte er sich den damaligen„Unabhängigen" angeschlossen und später der anarchistischen Bewegung. Anfang dieses Jahrhunderts kehrte er zur Sozialdemokratischen Partei zurück. Für seine Gewerkschaft, den Deutschen Metall- arbeiterverband, hatte Pawlowitsch eine ehrenamtliche und dann besoldete Funktionärtätigkeit mehrere Jahrzehnte erfolgreich ausgeübt. Er war ein unerschrockener Kämpfer für die Arbettcr- fache und alle, die ihn gekannt haben, werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. TNerkblakl für Arbeitslose. Infolge eines sinnentstellenden Druckfehlers bringen wir nochmals folgenden Passus unseres Artikels im gestrigen„Vorwärts": Schließlich wird noch besonders darauf hingewiesen, daß nach der neuen Fassung des Gesetzes zur Be- rechnung des Unterstützungssatzes der Brutto- verdienst der letzten 26 Wochen(ausschließlich der gesetzlichen Feiertage) des ArbeltsverhAtnisses notwendig ist. Wenn in den letzten 28 Wochen Krantheitszeiten liegen oder es mußte ausgesetzt werden, dann fällt diese Zeit für die Berechnung des Bnittoverdienstcs weg und es muh der Bruttoverdienst der gleichen Zeitdauer für die Berechnung rtitt herangezogen werden, die vor den letzten 26 Wochen liegt.__ Ifo ftreie Gewerkschafts-Zuaend Verlin Achtung. Eprechchormitglicder! Seilte um 20 Ahr Sprechchoraus. sithrunq in Mahlsdorf. Bahnhofstrah«,— Sonntag, 9. November Iugendoeranstaltung der Doltsblthne im Theater am BiUowvlad um HVi Ahr. Eintrittskarten ausoerlailft. Verantwortlich für Politik: Victo» Schill! Wirtschaft:».«linarlhöser: Geraikschaftsbewegung: J. Steiner! ffeuilleton: De, Zahn Schilowaki: Lokales und Sonstiacs grih Narktädt: Anieiaen: Tb Slotke: sämtlich in Verlin Verlag: Vorwärts-Verlag D. m b. L, Berlin Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u, Eo., Berlin SB. SS. Lindenstrah» t Kierzu Z Beilagen. WERTHEIN Bedeutend vergrößerte Spielwaren-Abteilungen Große Weihnachts-Ausstellung Leipziger Str.. Mittel-Lichthol Im Spielzeug-Reich Könlgstr.. Einrichtungshaus Rosenthaler Str., III. Stock Weihnacht, Im Weihnacht überall! I Wintermärchen Horihplalj, III. Stock Im wunderbaren Puppenland Nr. 525» 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, S. November 1930 Jluiohalle 2, am tKaiferdamm, Singang S&redtfchneiderfirafle beginn 18 Uhr i Saatöffnung 17 Whr/ SintrUSspreis 60 Pfennig WlHnirkende: Da* verfi&rkle SSertiner Sinfonie Oi chefter/ Chöre des Deulfchen Jlrbeiier Sänger Stunde*(Xendrai Chor/ Sterliner Sängerchor/ Sleuköllner Sängerchor Friedrich JCegar Chor),-Heilung: Qcorg Oskar Schumann/ Sprechchor für 3>roletarifche Seierflunden unter JCeilung von Alberl Slorath/ Cinaselfprecher: Steinrich Ttilte und trude Daniel/'.Karlen bei den Sunklion&ren und im.'ßüro, JChulenflrafte 3/ Die. Ordner treffen fich pünktlich 16 Uhr am Singang in der Stredlfchneiderftrafte Sottialdemokraiiiche Partei Deutschlands Desirksverband ffierttn Kommt Berlin über den Berg? Es fehlen jetzt 80 Millionen I- Neuer Kredit über 40 Millionen?-> Magistrat rechnet mit den neuen Steuern not ollem die Alehransgabcn sür die W o h l s ah r l ausiugleichea. Die neueu kommunal st euer«, mit deren Einführung der ZNogislrat allzu optimistisch trotz der vielen Widerstaude zu rechnen scheint, sollen ungefähr lS Millionen Mark einbringen. Der vcr- bleibende Rest soll dann aus das nächste Rechnungsjahr vorgctrageu werden. Die sehr schwere Wirtschaststrise hat bekoiinUich nicht nur zu einer Steigerung der Wohlfahrtslasten in ganzlich unerwartetem Maße geführt, sondern auch ganz bedeutende R ü ct- g ä n g e bei den Steuereinnahmen verursacht. Di« Zahl der von Das Defizit der Stadl Berlin wird vom Magistral jetzt auf 79 Millionen Mark beziffert, wenn man hierzu die zwangsläufig noll) auftretenden, unvorhergesehenen kleineren Ausgaben hinzurechnet, dürste man auf einen Fehlbetrag von rund achtzig Millionen Mark komme». Das ist auch für eine Stadt von dem Ausmaße Berlin» eine bedrohliche Summe, und es ist die Pflicht des Magistral». rellstzeitig für Deikung zu sorgen. Wie der Rachlragshaushalt zeigt, der nunmehr der Stadlver- ordnctenverfammlung zugeht, will die Stadt vorerst ein mittel- fristiges Darlehen in höhe von 40 Millionen ausnehmen, um der Stadt zu unterstützenden ausgesteuerten Erwerbslosen stieg feit der Haushallsaufftellung erschreckend und hat sich inzwischen gegen die für den Haushalt angenommene Durchschnittszisfer von 30.000 etwa oerdoppelt. Der Rückgang bei den Steuerein- nahmen beträgt nicht weniger als 20,5 Millionen Mark. Durch die letzte S p a r a k t i o n hofft man. das Defizit noch etwas herabdrücken zu können, aber schon jetzt ist klar, daß es un- möglich ist. die Einnahmen und Ausgaben noch in diesem Jahre auszugleichen. Die Ausbringung der Deckungsmittel muh vielmehr auf die kommenden Jahre verteift werden, was auch angesichts der schweren wirtschaftlichen Not berechtigt erscheint. Der Mogistrat schlägt daher die Aufnahme eines mittelfristigen Heber- brückungskredits in Höhe von 40 Million e n Mark vor. Da eine Besserung der Finanzlage der Stadt im Jahre 1931 nicht erwartet werden kann, würde dieser Kredit frühestens vom Jahre 1932 ab in auf mehrere Jahre zu verteilende Raten zu tilgen sein. Maskierte plündern Auto. tteberfall auf offener Landstraße.— Erwerbslosengelder gerettet. Eisen ach.?. November. Am Freitagfrüh begaben fich zwei Beamte de» Eisenacher Arbeitsamt» im Kraftwagen nach ciebenstein. um den dortigen Er« wer Oslojen die fälligen Unter st ühungsgelder auszuzahlen. Kurz hinler der hohen Sonne war der Wagen bei einer abschüssigen Kurve gezwungen, langsam zu fahren. In diesem Augenblick sprangen fünf maskierte Männer aus dem Walde und zwangen mit vorgehaltener Pistole den Wagenlcnker zum hallen. Die beiden im wagen sitzenden unbewaffneten Beamten mußten mit ansehen, wie die Straßenräuber in aller Ruhe da» Auto nach Geld untersuchten. Die Räuber erbeuteten zwei Geldkassetten und zwei Aktentaschen, die aber nur Formulare und Zahlkarlen enthielten. Da» Geld war anderweitig untergebracht und von den Bandilen nicht entdeckt morden. Dämme werden durchstochen. Frankfurt außer Gefahr! Das Wasser sinkt langsam. Frankfurt a. d. 0, 7. November. Die Oder erreichte heute nacht im Frankfurter Stadtgebiet mit S.ZS Metern ihren höchsten Stand. Ab 4 Uhr morgens siel dann das Wasser um einen bis zwei Zentimeter. Auch in Krassen und Fürftenberg f i n k t der Wasserspiegel langsam. In der letzten Nacht wurde bei dem Dorfe Reipzig mit den Vorarbeiten für einen Dammdnrchfiich begonnen, da mau eine Entlastung sür da» untere Stromgebiet für zweckmäßig hielt. Die Arbeilen, zn denen etwa 200 Einwohner der umliegenden Dörfer herbeigezogen wurden, dauerten fünf Stunden und wurden ohne Zwischenfall durchgeführt. Die Durchbruchsskelle wurde mit Faschinen und Sandsäcken gesichert. Das Wasser schoß mit unheimlicher Gewalt in das Bruchgelände. Neuerdings soll auch an einer anderen Stelle des Estang. bei Schwevg, der Damm in Gefahr fein. Todesstrafe im Gistmordprozeß. Augsburg, 7. November. Im Giftmordprozetz gegen Frau Lntzenburger wurde die Angeklagte zum Tode verurteilt. Wegen des fünffachen Der- brechen» des versuchten Giftmordes wird die Angeklagte zu 12 Jahren Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehren- rechte auf die Dauer von 10 Jahren verurteilt. Die Angeklagte bricht zusammen und wird vou zwei Beamten gehalten. I&Ä Er bückte sich zu dem Tischler hinab: „He, Meister, he... he... sag er doch was! Wünscht er einen Schnaps? He? Den kann er gleich haben. Schau er her, die Flasche, ist noch voll!" Er bekam keine Antwort. Aber unentwegt machte er den Pfropfen der Flasche frei, nahm zuvörderst selbst einen tiefen Schluck und setzte dann den Feuertrant an die fahlen Lippen des Alten. Doch der Tischlermeister trank nicht. Nur seine Brust hob sich weiter in schwerem Gestöhn. „Was machen wir da?" sagte Eisermann ratlos.„Hat etwa niein Junge den Meister so zugerichtet, dann muß er Prügel von mir haben, daß ihm die Schwarte knackt! Ich wußt's ja, der Junge ist etwas närrisch!" „Eisecmann, jeder kriegt den Lohn, den er oerdient!" „Ach was,«in Lehrjunge darf die Hand nicht gegen seinen Meister ausheben. Wohin sollte das führen?" „Lehrjungen sind kein Vieh, das man nach Belieben schlägt!" sagte der Kunde. „Ich Hab meinen Lehrbuben auch mit dem Spannriemen verdroschen, wenn's nötig war, und es hat keinem von ihnen geschadet. Es sind alles tüchtige Männer geworden, und sie ziehen noch heute den Hut vor mir, wenn sie mich nur von weitem sehen!" Der Schuhmacher war rechtschaffen ärgerlich: er guckte darum rasch noch einmal in den Flaschenhals. „Es kommt auf die Art an, in der geschlagen wird!" sagte der Kunde mit Nachdruck. Diese Worte gaben Eisermann zu denken. Er hörte auf, zu widersprechen. Der Kunde hatte inzwischen ein Gefäß gefunden, ging damit auf den Hof und pumpte Wasser hinein. Damit kühlten sie Stirn und Wangen des leblos Da- siegenden. Es dauerte lange, aber allmählich kehrte doch das Leben ja den Greis zurück. Er schlug die Augeu auf und stöhnte. Eisermann fiel ein Stein vom Herzen. „Da, Meister, nehm er erst mal'nen Schluck, dann wird's schon besser gehen!" rief er gemütlich. Der Tischler trank gierig den Schnaps. Da er sich nicht ganz aufrichten konnte, hielt ihm Eisermann die Flasche mit beiden Händen. Als sie beinahe ausgetrunken war, setzte er sie ab. „Nun, wie fühlt er sich, Meister. Ein guter Schnaps, Meister, was? der belebt den Leib, nicht?" Der Angeredete verzog schmerzerfüllt sein Gesicht: „Was ist denn mit mir los? Sitze hier mang die Späne. Au, da tut mir was weh! Au, au, die Beine, Schuster! Wer hat sich erlaubt, mir auf die Beine zu trampeln? Ist hier etwa die Straße? Ist mir ein Wagen über meinen sonst so stand- haften Leib gefahren? Au, ich kann mich nicht rühren! Und erst mein Kops, Schuster, mein armer Kopf!" „Quängel er nicht. Er ist doch nicht aus der Straße, son- dern hier in seiner Werkstatt!" „In meiner Werkstatt?" „Ja, wo denn sonst?" „Ist mir noch immer nicht erklärlich, Schuster." „Dann halt er mal eine Weile seinen Kopf schön still, Meister, gleich werden die Gedanken besser werden!" Der Tischler tat es. Der Kunde schaute sich inzwischen in der Werkstatt etwas um. Irgendwo raschelte es in dem Gerümpel, und der Mann suchte die Ursache des Geräusches festzustellen, indem er etliche Holzböcke zur Seite schob. Da guckte aus einem Winkel zag- Haft der Kopf eines schmutzigen Kätzchens hervor. Der Kunde lockte das Tierchen, aber es blieb an seinem sicheren Ort und kam nicht hervor. Inzwischen waren in dem alten Tischlermeister die Lebensgeister helsi�oach geworden. Schon das unflätige Fluchen bezeugte e». , Wo ist dieser verflixte Strolch, dieser Habersack? Gnad ihm Gott, wenn ich ihn wieder unter die Fuchtel kriege! Dieser Hundskot hat mir die ganze Arbeit verpfuscht!" Krebsrot war das Gesicht des schimpfenden Tischlers ge- worden. Eisermann spürte, daß von Ludwig die Rede war. Auch der Kunde streifte ihn, wie es schien, mit einem Vorwurfs- vollen Blick. „Bon wem spricht er denn, Meister?" fragte er leise. „Bon wem ich spreche? von wem denn anders als dem Strolch, seinem Sohn, seinem nichtsnutzigen, der sich an mir vergriffen hat. An mir, seinem Lehrherrn. Aber ich werd's ihm anstreichen, dem Halunken! Anzeigen werd' ich ihn. Das ist Aufruhr, das ist... das ist Rebellion! Das ist noch nie dagewesen, �u meiner Zeit, da war noch Zucht! Da ließ man sich ruhig prügeln vom Lehrmeister und wagte keinen Mucks! Aber heute! Die verrohte, rechthaberische Jugend! Pfui!" Der alle Tischler war ganz außer Atem gekommen bei seinem Geschimpfe. Schaumiger Speichel stand ihm in den Mundwinkeln. Er suchte nach neuen Worten, seinen Zorn daran zu entzünden, unsagbar komisch sah der alte Säufer aus in seiner randlosen Wut. Der Kund« konnte nicht anders, er lachte dem Alten gerade ins Gesicht. Auch Eisermann war nahe daran, her- auszuplatzen. Aber er ließ es bei einem verhallenen Lächeln bewenden und zwang sich zur Sachlichkeit. „Erklär' er uns doch, wie sich alles zugetragen hat. Meister!" Mühselig erhob sich der Alle aus den Hobelspänen und stöhnte dazu in einem fort. „Der Lump hat mir sämtliche Knochen zerschlagen, ha. das ist brutale Körperverletzung, wenn nicht noch mehr! Warte, Iüngelchen, wenn ich dich vor mich kriege! Einen netten Burschen haben Sie da großgezogen, Schuster! Ein Früchtcken, ein verkommenes. Wenn ich das geahnt hätte! Da stelle ich mich jahrelang hin und lehre dem Querkopf das Handwerk. Das ist nun der Dank davon! Ja, so ist es... au... au... Undank ist eben der Welt Lohn. Was passiert ist. wollen Sie wissen? Die Schranktüren da hat er zu kurz geschnitten, der Pfuscher! Da wollt ich ihm eben einen Denkzettel aeben... au... weiter nichts! Und nun liegt der schöne Schrank im Dreck! Schauen Sie sich das mal an, Sie Vater eines Taugenichts, der seinen Lehrherrn verdrischt. meine ganze Kraft steckt darin... ach... ach... der Lausejunge, der elende, soll sofort herkommen, sofort sage ich, sonst..." Drohend erhob das Gespenst die zitternden Arme und wankte zur Hobelbank, mehr stolpernd, als gehend. „Was, Ihr Geld und Ihre Kraft steckt in dem Schrank?" fragte interessiert der Kunde.„Wie reimt sich denn das? Ich denke doch. Eisermanns Junge hat den Schrank gemacht?" Fortsetzung folgt.) Neue Schleuse dringend not! Alte Mühlendammbrücke muß verschwinden' Die Aufgabe der Ret chswasserstraheu Verwaltung in der Frage des Umbaues der Miihlendammschlcusc wird in der Presse vielfach irrtümlich aufgefaßt, und wieserholl ist die Meinung vertreten worden, daß der Umbau der Staustufe am Mühlendamm allein zu dem Zweck geplant sei, um den 1000- Tonnen-Schiffen die Durchfahrt durch Verlin zu ermöglichen. Demgegenüber wird vom Relchsverkehrs. minister auf folgendes hingewiesen: Der bauliche Zustand der bereits 1890 gebauten Schleuse und der Wehranlage am Mühleirdamm erfordert dringend einen Zteubau. Eintretende Störungen würden den gesamten Schiffsverkehr auf der Spree in Berlin, der im vergangenen Jahre den Mühlendammstau in Höhe von ZI 300 Fahrzeugen mit einer Ladung von über 3,23 Millionen Tonnen passierte, stille gen. Ein Neubau an der Stelle der alten Schleuse ist jedoch ausgeschlossen, weil die Schiffahrt während der mindestens vierjährigen Bauzeit nicht lahmgelegt werden kann und weil die'Mühlendaminbrückc nur eine völlig unzureichende Durchfahrtshöhe von 3,30 bis 3,50 Meter Durchfahrtshöhe hat, Sie ist die einzige Berliner Spreebrücke mit so geringer Durchfahrtshöhe, also ein Verkehrs- Hindernis, das unbedingt befeiligt werden nmß. Bei der Umgestaltung der Staustufe kommt die Stadtschleuse im Spreekanal in Fortfall. Die beiden alten Schleusen sollen durch ein« Doppelschleitse etwa 100 Meter oberhalb der Mühlendamm- brücke ersetzt werden, die eine anderthalbfache Leistungsiahigteir der beiden alten Schleusen ausweisen wird. Damit verde« auch die teilweise übermäßig langen Wartezelten von teilweise 12 Stunden für die Schiffe verkürzt. Die Kosten des Schleusenbaues, die vom Reich getragen werden, sind auf Grund der Projekte mir 12 Millionen veranschlagt, die bereits im Haushalt des Verkehrs- witlisteriums für 1930 angegeben wurden. Im Zusammenhang mit diesem Schleusenbau muß durch die Stadt der Neubau der Mühlen- dammbrücke erfolgen, wobei das Sparkassengebäude fortfallen muß. Die vielumstrittene Frage des Cphra im scheu Palais be- rührt die Reichswafferstraßenverwaltung nicht unmittelbar. Dieses Palais, das unter Denkmalsschutz steht, wird vom preußischen Kultusminister geschützt, der über die Erhaltung dieses historischen Gebäudes bereits Verhandlungen und Untersuchungen eingeleitet hat. Zeckstagerennen. 24. Berliner Fahrt— Der erste Abend. Und wieder Hat Berlin sein Sechstagerennen, fünfzehn Mannschaften kämpfen wieder um die Siegeslorbeeren und nicht zuletzt um klingenden Lohn im Sportpalast, Es bietet sich das gewohnte, immer wieder geschilderte Bild. Gegenüber der Ziel- geraden die Ruhekojen der Akteure, die Ruhestätten während der nicht neutralisierten Zeit. Jnncnraum und Tribünen sind gut besetzt. Oben auf dem „Heuboden" aber, auf dein zweiten Rang, gibt es weite Lücken. Auch ein Zeichen der Zeit! Bevor die Sechstageleute ihr Werk beginne!', steht ein Vorprogramm zur Erledigung. Im M a I f a h r e n behauptet sich Kantorowicz. im 1 9 0- Runden-Fahrcn Feder, während die Brüder Wolke dos Verfolgungsrennen gegen die Brüder Nickel gewinnen. Kaum find diese Wettbewerbe erledigt, tauchen schon die ersten Sechstagefahrer auf. Einige Proberunden und die Vorstellung der Herren der Pedal« beginnt. Und nun ist das sachverständige Publikum ganz in seinem Element. Mehr oder minder schöne Begrüßungen empfangen die Fahrer.- Dann, endlich rückt das Heer dqr Photogrgp.hcn in Aufnahme,. Wei f tgte. Ründen, Kaxtschußh-! B e r l in s„V ic r u nd z w ay z i gD'xs, h ä t b c- gönnen! Der„Extrasport" des Marineklubs Regierungsrat Dr. Lühhen zu neun Monaten Gefängnis verurteilt Es war ein niederdrückendes Bild, das die gestrige Verhandlung gegen den Regierungsrat Dr. 5 ü b b e n bot. lieber den Angeklagten selbst noch Worte zu verlieren, wäre überflüssig. Man hak es hier mit einer schwer palholvgischeu Persönlichkeit zu tun. Anscheinend unfähig, seinem Trlebleben die sozial nolwendigen Hemmungen entgegenzusehen, ist er sich selbst und seiner Umgebung zum Verhängnis geworden. lieber die Entwicklung des Dr. Lübben, über sein Geschlechts- leben und feine persönlichen Verhältnisse erfuhr man ja überhaupt nichts. Er blieb bis zuletzt dabei, augenblicklich nicht in der Lage zu sein, über sich im Zusammenhange Zu erzählen. Unfaßbar bleibt, daß diese kräftigen jungen Leute im Alter von 18— 20 Jahren monatehindurch gleich kleinen Schulbuben die maßlosen Züchtigungen über sich hoben ergehen lassen. Es halte manchmal beinahe den Anschein, als hätten viele von ihnen das Ganze ohne besonderes inneres Widerstreben mitgemacht. Nicht »nur, daß sie als Objekte der Züchtigungen dienten; sie halsen ihren»„kapilän", ihre Kameraden zu züchtigen und prügelten auch einander. Im Jargon des deutschen Marinesportklnbs hieß das „rolle n". Es hott« sich hier überhaupt ein besonderer Jargon herausgearbeitet. Statt rollen sagte man auch„e l n h o i e n". Wenn jemand„d r a n" war, bezeichnete man das auch als .,f ä l l i g". Das Ganze trug die Bezeichnung„E x t r a s p o r t". Sollte jemand oon den Kameraden„gerollt" werden, io wurde ein besonderes Rollkommando bestimmt. Den Begriff Roll- kommando— von den Fememordprozessen her ja ganz besonders geläufig— kannte man übrigens auch bei dem I u n g- W i ck i n g, dessen Wilmersdorfer Führer eben derselbe Dr. Lübben war. Kluch hier gab es Verfehlungen! Beim„Marinesportklub" begnügte man sich nicht mit„Schul- keile". Die gebrauchlichste Methode war Schlagen mit dreikantigem R i e m e n. während dos Opfer, den Sopf zwischen den knien des Kapitäns eingeklemmt, bis hunderimal Kniebeuge machen mußte. Das Prügeln mit dem Tauende, behauptete der Angeklagte. gelte auch bei anderen Nachtklubs als die beste Erziehung-- Methode. Dr. Lübben ließ aber feine jungen Leute selbst an die Bäume binden und sie dann verprügeln. Bis zur Besinnungslosigkeit wurde gezecht! Man unternimmt auch Bootspartien, arrangieA Klub- abends, an denen bis zur Besinnungslosigkeit gezecht wird, im trunkenen Zustande kommt es dann zu den verschiedensten, auch sexuellen Exzessen. Ein Beispiel statt vier: Ein junger Bursche wird von seinem Freund in einen der Klubabende eingeführt. Aus dem Nachhauseweg, im Grunewald, richtet Dr. Lübben an den jungen Menschen ganz unerwartet die Frage:„Willst Du komimknist werden?" Im nächsten Augenblick schon erhält er einen Schlag ins Gesicht: die Frage wird wiederholt, es folgt die Drohung, ihm mir dem Messer den Hals durchzuschneiden, dann wird der Bursche von dem Kapitän und den Kameraden sasl bis zur Vcwußllossgkeik durchgeprügelt. Zum Abschied die Drohung:„Bist Du nicht zum nächsten Klubabend da, so findet man dich im Chausseegrabev." Auch ein Papier zur Unterschrift wird dem jungen Menschen norgelegi. Darin heißt es:„Ich bin geständig, die Brieftasche des Dr. Lübben gestohlen zu haben." Auch andere junge Leute erzählten vor Gericht, Dr. Lübben habe ihnen Geld zugesteckt und ihnen hinterher' gedroht, er werde sie wegen Erpressung anzeigen. Schließlich bildeten sich zwei feindliche Parteien und einer der Jungen erstatrete gegen den früheren„Kapitän" Anzeige. Plötz- lich ging allen ein Licht auf. Dr. Lühben soll aber gesagt haben: „Wenn es darauf ankommt, fo werdet ihr vor Gericht auch einen Meineid leisten." Man merke sich: Dr. Lübben ist Stahlhelm- mann, der Deutsche Marinesportklub segelte unter„nationaler" Flagge... Der Sachverständige Dr. M a h r e n h o l z wollte dem Regie» rungsrat Dr. Lübben unter keinen Umständen den§ 31 zubilligen, Der Staatsanwalt beantragte wegen fortgesetzter gefährlicher Körper- oerletzung und S i t t l i ch k c i t s v e r b r e ch e n s aus den Zs? 174 »und 17» eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten. Auch das Gericht hielt diese Strafe für angemessen. Der nichi erkannte Schädelbruch. Oberflächliche Llnlerfuchung eines Erkrankten? Seil Bestehen der„SV-Pfennig-Verorlmung" Haider„Vorwärts" wiederholt gegen die folgenschwere, namentlich die minderbemillelie Arbciterschasl lressende Mahnahme energisch Front gemacht. Zahlreiche Zuschriften sprachen von den schlimmen Answirkungen der Verordnung. Rachstehend geben wir jedoch einen Fall bekannt, der von einigen Berliner Blättern zu Unrecht der Rolverordnung zur Last gelegt wird. Am 7. Oktober erschien auf der Ortskrankenkasse in Neukölln der arbeitslose Mechaniker Franz Schau. Sch. legte dem Schalter- beamten eine Bescheinigung der Rettungsstelle des Urbankranken- Hauses vor, aus der heroorging, daß der Kranke wegen einer Ber- letzung der linken Gesichtshälfte, die er sich bei einem Sturz zu- gezogen hatte, behandelt worden sei. Der Mann klagte über heftige Schmerzen und forderte einen Krankenschein für die Aufnahme in ein K r an ken ha u.s. Da der' Schaltcrbeamte auf Grund des Harm- los erscheinendes Attestes eine. Krankenhgnsbehavdlung nicht für- notweichig hieltf wies«k den Ankragstellerlob. Schau hatte am gleichen Tage aber auch noch die Rettungsstelle des Bethanien- krankenhauses ausgesucht, wo er lediglich verbunden wurde. Der Krankenbefund wurde hier als„Hautabschürfungen im Gesicht und Comotivverdachi" feftzestellt. Am folgenden Tage, am 8. Oktober, suchte der Kranke, dessen Austand sich inzwischen verschlimmert hatte, den Kassenarzt Dr. Arn heim auf. Nach eingehender Unter- suchung stellte der Arzt überraschend sest, daß Schau bei seinem Sturz auf der Straße eine Gehirnerschütterung erlitten hatte und daß sogar Verdacht aus leichten Schädelbruch bestand. Ter Arzt stellte dem Patienten eine Bescheinigung aus. daß seine sofortige Uebcrführung in ein Krankenhaus notwendig sei. Noch om selben Tage wurde darauf der bedauernswerte Mensch selbstoerständlich durch die Kasse in das Buckower Krankenhaus überwiesen. Der Aufenthalt, der zunächst nur bis zum 26. Oktober bemessen war. ist von der Kosse da eine völlige Genesung des Mannes noch nicht erfolgt war. sofort ohne weiteres verlängert worden. Mit der„Sl)-Pscnnig-Verordnuiig" hat, wie man sieht, dieser Fall nichts zu tun._ kirchenaustrilte können jeden Dienstagabend van t8 bis 19 Uhr im Kreisbüro der Neuköllner Sozialdemokratie. Jdeal-Passagc, Fuldastraße-35/36, umer Vorzeigung einer Legitimation(Jnvoliden- oder Steuerkane) gegen eine Gebühr von 2 Mark vollzogen werden. n � 6 k e it lüif�keuie? Sativabend.iUl. Staats-Oper Unter d. Linden A-V.«0 20 Uhr fladame Balierfiy Enden. 22% Uhr Sonnabend ,8.11. staut, oper Bismarckstr. Turnus III. 30 Uhr Simone Bocranenra Ende Uhr Staats-Oper Jm Walz Ar l>-»»M. 88. R-S. 20 Uhr' mgoistto Oeftmfl. Xarfatmkatf Ende �.ZÄ- Uhr Staatl. Schauspli, (ig CmdannetinarnJ. 60. A-V. io Uhr Oeaäiidite OotUrie- lim KW BeriidiingM mit dn eisern Hand Ende 23V. Uhr Tigl. 5 1.8" S«nn».2,5u.8'5 Alts. E 4 8066 I. Vorstellune 50 Ff. 61» 1 M II. und III. Vorst. 1 bis 2 M AFRA, UE88EMS, KOHLBRAN DTusw. Volksbühne Theater am Büiowplatr. 8 Uhr UrauUührung Die matrosen von Cattaro Till. S u, 8i/2 Uhr- BS8«rb. 9256 TEgl. 1—6 H— Nachm. halbe Preis» Rästclli's Matray-Ballett,�.�«: •v« uhr CAS1N0-THEATER 81/4 U!" cothrtatfer Strafte Z7. Nur 5m Monat November die emzücKende Komödie Arm wie eine EirGbenmaus Outsohein 1—4 Fers. Fauteuil 1.25 M, Sessel',75 M.— Sonstiee Preise: Parlseu 75, Rasg 60 Pifc-' StaatLSdiitier-Tli. S Uhr Nora Dsatsöissltiüaier 8 Uhr Elisabeth von England »on Fem irurkoer Pen«: Heinz iiilpcl Kaniniersplele 8- 2 Uhr letzte(uftöhiuneen Elga von Gcihait Hauptmann. Hegie: Gustav Härtung Die Komödie PJs Uhr Oer Sciiwierige via Hugo von KoIiuidsIIuI.{ Regie; Max Reiahudt. Lustspielhaus Täglich SV. Uhr Kurt Götz in HokuspoMus metropoMtieater| Täglich SV." sowieSoiiotagiu.av.Dhr{ ScosationeUer Oper cllcncr folg: Viktoria ibrUusar j 8.1 3 Uhr— RaDdien erlagtn 24 Tillerette«. Carr'» u. Batty Das Tonphflnomen Linder usv>. Sennabsnd u. Sonntag Je 2 Vorstellungen 4 und 8� Uhr. 4 Uhr kleine Pr. Theater am Sdiiffhauerdamra Täglich 8 V. U h i Die■ Theater l.d.Bebrenstr. 53-54 Direktion: Ralph Arthnr Robert» >. Das näBiicne wanctien Englisch— Roberts— Janssen. fatDiiieo- wlttWO ROSE THEATER Cr. Frankfurter Straß« 132 Billettkasso für den Vorverkauf; Alexander 3422 and 2494 HEUTE 4.15 Uhr Das entzückende Welbnacht5Tnär<*hen (Preise von 30 Pf. bis 1.50M 1 Wochentags G15 Uhr, Sonnabends Tii.X0J5Ubr. „In der Johannisoachr' Sonntag, den 9. November 2. C Uhr einmalige UOtagsIeler Ludwig Haidt und Erstaufführung «wr tomann und der Tod" Mä und 9 utu ..In der Joh«: nisnic!u". T. n Brecht und Weil. Preise 1.- bis 12.M Dienstag, II. Nov. IlVa Uhr nachts WiniDdXaoieraileii yod Peter Nartio Lunpil Deotsehes lOnstler-Theat Barbar. 3937. 9". Mir Jim und Jill Grete Mosheim, Harald Pauken. 3.30Stg.uogek.Yorstg. Jim nnd Jill Originalbes halbe Preise. Renaissance- Theater Steinplatz 6780. SV* Uhr: WMlldlW von Max Alsberg und O E. Hesse 3.3CStg.UBgek.Vontg. Voruntersadiung Origimlbes. halbe Preise Kleines Theat. Täglich 8V. Uhr LoniliCnx in meine sctiiiusster und ich nadi Vemeuil von Blum. Musik von BenatikL Komisene eper 8V> Uhr Das Mädel . am Steuer llOperettft v. üiibeit ROSSES KHAUSPIELHAU5 7tn uStüs&K xöwi Premiere: Heute 7Va Uhr präzise. Singspiel nach Blumenthal und Kadelburg von Hans Müller, Musik von Balph Benatzky Musik. Einl. Bobert Slolr. Tesangstexte Robert Gilbert. Camiiis Splra. Max Hansen. Trude Lieske, Otto Wallburs. SiegfrArno. Walter 3ankuhn, Paul Hörbiger, Käte lenz. Willi Schaefiers, Winkelstern. Desnt, Gustl Gstettenbauer. und das grosse Ensemble. Gefimtsnsst Prof. Stern. Mus. Ltr Ernst Hauke. BamowsHy-eiitinen Theater iu der Slreseraannslr. Täglich 8>, Uhr Sturm im Wasserglas Komödie von Frank. Komödienhaus 8 Va Täglich 8 Vi Konto X von BomabUHnd Oester; ElUe Sänger Kottbusser Str. 6 F. 8. Oberb. 6070 Tägl. 8 Vi U.. auch Sonntag 3' 2 Uhr Die Revue ies Himers: „Wirlatiienunsk�iult" mit Lotte Werkmeister Musik von WilH Rstei. Willi Kelle und Siegwvt EHrlidi. legest. 11-2, Abentfk. ab E Reichshallen-Theater tHabeDdlidi 1T| Soimta] nachmittag fTTI SteiliRer Sänger Zum Sc1 luS 0 PepüavorSeridil: A Nach in. halbe Preise Dönhoff- Brettl: 10 große Nummern Kon-crt» Tanr. Zentral-Tlteat. Täglich SV* Uhr Sonnt auch SV« Uhr Eine Freundin so goldig wie Du Operelte v. Meiscl. forc. ffit Parket! statu.- M. nur göltig vom 8. bis II.Hov. Sonntags 3 Uhr Rouappchen >n>!�np>-:cn der Gräber bitten wir mit�ubrinncn. Abendicier der Pnrtei: Treffpunkt der Tclcistit-oncn 1«'.: Ilbr Unterarund» bahnbof Äaiserdamm. Die«rcisc schicken isaltenbclegaiioncn in Stärke von 10 Kindern. Oille Wimpel mitbringen.- Krei, Mitte: Zum Besuch der Gräber im ssriebrichsbai» trifft sich unser Benrl itiorticn um S>? Übe om BUfchingplatz mit Wimpeln und siäbnen. Tie Tclcgationen filr die Revolutionafeicr der Partei treffen sich wie folgt: die drei nördlichen Grupppcn WA Ilbr Bahnbof Börse, die drei südlichen Gruppe» 10 llhr Bohnhas Iannowitzbrllckc. Tiergarten. Gruppe August Bebel: Jung, und Rote Falken: Wir treffen uns om eonntag. 9. November, um S Ilbr im Kleinen Tiergarten rum Besuch der Revolntionsovier nach dem- spriedrichshain. 30- Pf. ssahrgcld mitbringen.— Rote ssalten: Dienstag. II. Ziovcmber, im Heim Waldenserstras!«, Tan.-abend.— Aungfallmt: Dienstag ebenda Lesc.bend.— Z!ell?alken: Mittwoch. IS. November, von 17—!!l Illir, Gruvvc A: Basteln. Papier, Schere. Bleistift und Buntpapier mitbrinaen. Gruppe v: Heimabend. Kreis Reii-ickendorf: Besuch der Gräber der Mär.lgefollencn. Gruppe Neinickendori-Ost trifft sich om Sonnlag. 9. November. 9 Uhr: die Gruppen Reinickendorf.-West,?reic Scholle. Tegel und Wittenau treffen fich um 10 Uhr am Landsberger Platz. Oberfchoneweibe, Gruppe Rot« Wacht: Alle ffungfalten und Rot« stzalkea treffen(ich am Sonntag um 9 Uhr am Marktplatz Edifonftratze zum Besuch des Friedhofes am Friedrichshain. 30 Pf. Fahrgeld mitbringen. Kreis»öpeutck, Gruppe Bohnsdorf: Gonniaq. 9. Rovember. treffen mir uns um 9 Uhr Bahnhof Eriinau zum Besuch der Gräber im Friedrichshain. 23 Pf. Fahrgeld mitbringen. Geburkslage. Jubiläen usw. 81. Abt. Friedenau. Unserem Seuofsc» Johann Heiber zum ZZjähri. gen Parteijubiläum die herzlichsten Sliickmtinschc. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin Ginsendnnaen ftlr diese Itudril nur an das Fnaendfekretartar Zferlbi SW 06. rwdentkrab« Z AN« Gruppen bringen am Sonntag zur Reualutiausseier ihre Fahnen mit, sie müssen um 17 Uhr in der AutahaNe sei». * Streichorchester Groß. Berlin: Treffpunkte zur Mitwirkung.an den- Per. anstaltungen: In Tempelhof heute 19 Uhr Realgumnassum. Tempelhof, Kaiserin» Augusta-Strossc lLinie 99 und 199): morgen 81: Uhr Ringdahnhof Sirolou- Rummelsdurg, Singang Hauptstrasse, bzw. 91� Uhr Bahnhof Erkner: U! Uhr Volksbühne. Eingang Linienftrasse.(Iu allen Veranstaltungen Notenständ:! mitbringen.) Henke, Sonnnbend. Luifenflabt! Heim Wasser'orsir. 9: Lustiger Lichtbildcrabcnd.— Wann e:; Schule Charlottcnstrasse: Revoluiionsfeicr.— Britz: 19 Uhr Funktianärsitzuvg, .Lufeiseu". Ersäfeinen ist Pflicht.— Neukölln IV: Funktionärsttzung Sv'i Udr Heim Äauncr Strasse.- Pantow l und lU: Iusammenkunft des Wander» aussckuifcs um lL Uhr im Jugendheim Äisstugenstr.<6. STG. Neukölln: Funkt ionärstssung 18 Uhr. Treffpunkt Rathaus Reickälln. Werbcdeztrl Prenzlauer Berg: Probe zur Werberevue 19 Uhr Bonacke 3. --Ü£t .... . i Abt. Wörther Platz: öchulaula Danziger Str.- 23: Wcrbefeier. Be» 1 W fondcres Programm. Unkostenbeitrag 20 Pf. Beginn 20 Uhr. Alle C- Genoffen werden gebeten, sich zu beteiligen. sts Werbebezirk Weste«: Spandau, Jugendheim Lindenufer 1:»Wir"3 f-'-i trauern um die Toten der Revolution". Ansprache: Dara Fabian,-, W Musik, Gedichte. Beginn lOsl- Uhr. Z W Werbebezirk Tenipclhos: Realgnmnaüllm Kaiserin-Augusta.-Strasse: ff i-ff Rcoolutionsseier. Besonderes Programm. Alle Fahnen mitbringen�.ff gj Beginn lO'/p Uhr.• f 1 Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 39. Abt. Unser langjähriges Mitglied Mar Held ist im 63. Lebensjahre verschieden. Schon unter dem Sozialistengesetz war er ein treuer Partei. gcnoffe. Die Einäsck>erung findet am Montag. 18 llhr, im Krematorium Gerichtstrasse statt. 117. Abt. Lichtenberg. Unser lieber Genosse Richard Kielgass. Lcssingstr. 27, ist verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat bereits stattgefunden.— Unser lieber Genosse Max Gerhard, Leopoid- strasse 23. ist verstorben. Ehre feinem Andenken! Beerdigung Eonnabend, 8. November. 15 Uhr, auf dem Fcntralfriedhof Fricdrichsfelde. Um rege Be- teiliguug wird gebeten., 13«. Abt. Reinickenborf-Ost. Nach längerem Leiden verstarb om 4. Nvvem- der unser langjähriger Genosse Georg Schütz. Provinzstr. 100, an Nerven. leiben in der Heilstätte Wittenau. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, 8. November. Uhr. auf dem Städtischeu Friedhof. Reinickendocf-Ost. Humboldt strasse. statt. Um recht rege Beteiligung der Ge- »osssnnen und Genossen wird gebeten.— Der Porstand. Ein« Rcportag« aus dem Kaiscr-Wilhelm-Jnffitlck sür p h y s!- f a l i s ch« und E l e k t r v ch« ni i e führt« an ein« wisienlchastliche (rvrschuncisstötle. von der sich nicht leicht«in allssenicinocrstäiidlichds Bild übermitteln Iaht. Gclzeimrat Profesior Friß Haber zeigte jedoch ein außerordentlich großes Verständnis>ür d:z Bedürfnisse des »'löri'nbliktiins, so daß sein« Auskünstr auch für. den- Laien iinmer anschaulich w.aeen. Der Jntervienier, Waller S t öl t i n g, bewies sich als geschickter Fragesteller. Erstaunlich ist es eigentlich, daß über die Arbeiten des Institutes so wenig in die breite Oeffentlichkeit dringt.— Die Zeit für die„P rogrammvorscha u" der kommenden Woche war diesmal sehr knapp bemessen. Trotzdem gelang es Detlef Ä ö p p e n., mehr zu bringen als nur eine Auf- Zählung einiger Veranstaltungen. Er sog Verbindungelinien zwischen geistesverwandten Darbietungen und war auch sonst bemüht, im Rahmen seiner Besprechung zum sinnvollen und also befriedigenden Fmikbören zu erstehen.— Zum 120. Geburtstag Friß Reuters las Gustav Belin aus seinen Werken. Recht geschickt sandte er den einzelne» Vorlrägen kurze Einleitungen voraus, d!« in das Milieu der Dichtung«ürführten.— Die �Ausgewählte Unterhaltungs- musik" der Kapelle Hans I.©alters verdiente den Titel mit Reclst. Das Programm nur sehr gut zusammengestellt. Tcs. Werbebezirk Westen: Mvrgen Treffpunkt l« Uhr Heim Rosinenstr. 4 in Charlotlenburg zum gemcinsomen Anmarsch zur Revoluliousfeier. der Partei. Werbebezirk Ncukällu: Morgen 9 Uhr Funktionärversammlung im Hei in Kanner Strasse. Thema:„Die soziale Loge und Aufgabe her arbeitend-» Jugend". Referent Ludwig Tiederick. Werbebezirk Weddiug, Tambourkapellc: Montag Uebungsabend der Flötisten, Heim Barackenschule, Eeestr. 84. Alle Mitglieder müssen pünktlich 20 Uhr erscheinen. Flöten und Notenbücher, die nicht mehr benutzt werden, stickt umgehend abzuliefern._ Vortrage, Vereine und Versammlungen. Neichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Tefchäftsstell': Berlin£ 14. Cebaftianstr 37—38. S«f 2. Tr. Treptow sKameradfchaft): Heule. Eonnabend. 8. November,»ünkt- lich 20 Uhr, Graetz. Ecke Wildenbruchftrasse. in Bannerlleidung. Alle dienstfreien Kameraden beteiligen stch an dem Ausmarfch der Reu» iöllner Kameraden.— Sonntag, 9. November. Krei» Westen, Jugend: An» treten 10 Uhr vor den Arminiushallen, Bremer Straße, zur republikanischen Kundgebung. Bundesileibung. Tiergarten lOrtsverem): 11 Ilbr„Republikanische Kundgebung" in de» Arminiussälcn, Bremer Str. 72— 73. Kamerad Dr. Mischlcr spricht. Heinz Löwi rezitiert. Antreten aller Blocks mit Fahnen und Spielleutcn mit Instrumenten 10 Ubr vor dem Lolal. Eintritt 20 Uhr. Kameraden in Bannerkleidung frei. Pflichtveranstaltung. Friodrichohain. Kameradschaft Büsching: 6 Uhr Antreten mit vollem Gepäck bei Blawert, Weberstr. 24a. Erscheinen Pflicht. Schjjneberg.Frjebena». Fungbanner: A». treten 9 Uhr Bhf. Ebersstrasse in Bundeskleidung zur republikanischen Kund- gebung.— Köpenick: 10 Uhr im Jugendheim Köpenick. Grünauer Str. 9. Zersammliinq der Iungkameraden zwecks Gründung eines Iungdanner».- Pankow. Radkahreradteilung: 7 Uhr Pankow-Rordbahnhof<8ivil mit Räbernl. — Montag,>0. November. Krei, Weste«: Beginn eines Fttbrerkursus. Näheres durch die Ortsvereinsvorsttzendeu. Ehaelottenburq: 20 Uhr Kameradfchaftsver- sonimlnng„Foo" bei Arndt, Kantstr. Sl. Echo nebeeo- Friedenau. Kamerod» schafl Friedenau: 20 Uhr Versammlung bei Katz, Bornstr. ö. Referent Köln. Mosbach. Steglitz sOrlsvereinf: 20 Uhr Ortsvereinsversamnlluna bei Schulz, Birkbuschstr. 90. Referent»am. Senaisprändent Dr. Orgler:„Die Erziebung zum Faschismus". Fugführer und Ortsvereinsvorstandsmitglieder 10 Uhr. Pankow, Kameradschaft Süd: 20 Uhr Kameradschaitsverfammlung bei Kober, Berliner Str. 86.— Fehlendorf fOrtsvereini: Jeden Montag und Mittwoch 20 Uhr Turnabend in der Rordfchule falte Holle). Reichsucreinigunq ehemaliger Krieg«,eso»gen«r,».«.. Ortsgruppe Perlin. Rorben l. Mitgliederversammlung Sonnabend. 8. Nouembcr, 20 Uhr. im Wöhlert-Garten. Pflug» Ecke Wöhiertstrasse. Alle Mitglieder und ehemalige herzlich«ingeladen. Freireligiöse Gcmeinbe. Sanntag. 11 llhr, Pavpelallee 1ü. Poetrag des Herrn H. Alflen:.Luther und feine Stellung zu den Bouernlriegen". Hae» monium: Roeturne l Chopin). Gäste willkommen. Republikanische Redner, Bereinigung. Montag. 20 llhr,..Aller Askauier", Anhaltstr, 11. Es spricht Herr Sebwartz über„Frauen in der Perwaltung". Disknsstan. Gäste Willkomm». EIperanto-Eesellschait üharlottenbnrg. Montag. 10. Rovember.-20 Uhr. Konditorei Wolter. Estorlottenburg. Pisusarcksn-. UJ(Knie),»luhzimm.iex Ucbnngs. und«onveriationsahend. Gäste willkommen. Perband Eherechtsresorm. Sitz Berlin. Oeifentlichc-Perfammlung Dienstag, 11. Zioveml'sr. 20 Uhr. im Restaurant„Funi alten Askanier", Berlin EW. Q, Anhaltstr. 1l CI Trevv«. grosser Eoal). Arbeiterverein für SeburtenrcaelllNtz, Bezirk Lichtenberg. Dienstag. U. Ro. vemder, 20 Uhr. im Restaurant Pickenhagen. Schar» weberstr. 80. Vortrag mit Lichtbildern:„Proletariermädel und Proletarierfrau". Gäste willkommen. Ein. tritt frei. wetteraussichlen für Berlin. Etwas milder, zunächst zeitweise aufheiternd, später wieder Bewölkungszunahme, siidwestiiche bis weltliche Winde.—.Tür Deutschland. Im Süden beständig, im Norden Uebergang zu milderem und vorwiegend bewölktem Wetter mit ein- zelnen Rcgensollen. Die langjährige renommiert» Keriank»nfektio»»sjr«>a ZK. Schuliweister»» K-ttbnss«! Tor hat stch entschlossen, ihre Firma aufzulösen und veronstallrt zur Feit einen To'alausverfauf. Slk ADLER, dann FAHREN SIE SICHER) Viele Automobilisten glauben, daß sie einen Wagen mit Ganzstahl-Karosserie besitzen,— meist ist es aber nur ein Rahmenbau aus Holz, der mit einerMe- tallhaut bedeckt ist! ADLERGarr-Stahl-.Ko r o>»e r■ e CM ehr Sicherheit durch Cfanzstahl-Xarosserie! ADLER• Karosserien sind Stahl durch und durch— eine einsige geschweißte Einheit aus Stahl! Es gibt keinen Holzrahmen, der bei einem möglichen Zusammenstoß splittern könnte, keine Holzverstrebungen, die mit der Zeit locker werden,— Geräusche und Klappern verursachen... Die schmalen stählernen Eckpfeiler für Türen und Fenster gewähren freie Sicht! Leicht, stark, feuersicher, I a c k b e s t ä n d i g und im Falle einer Beschädigung schnell und billig wieder instand zu setzen,— sind die bewährten ADLER- Ganzstahl- Karosserien nicht nur ein Sicherheitsfaktor ersten Ranges, sondern durch ihre praktisch unbegrenzte Lebensdauer auch die beste Garantie für besonders hohen Wiederverkaufswert! ADLER. HLIALL BtRirs'. BLLLK- AIU ANCE-S FR ASSE 6, UNTER DEN LINDEN 12-13 UND ADLER-SALON AM ZOO. HADDENBERGS 1 HASSE;Oa-e Weitere eigene Werksüliako; BRE&I.AT i y nrw.r rvnR F/ HAMBURG/ HAWQVEB,/ KARLSRUHE. LB./ KÖNIGSBERG L Fr./ LEIPZIG 1 MÜNCHEN/ XOBiMBLEG/ STüTTGAET Siegfried von der Trenck: ßfä ttQCttßt* Drei Jahre auf der Pritsche— gut. Drei Jahre in kahler Zelle— wohl Drei Jahr« Hunger, Unfreiheit, Schmutz. Ungerechtigkeit, Empörung. Ertragen. Drei Jahre kein Madchen. Wahnsinn. * Die Wochen vor der Tat: Kampf, Verzweiflung, Gewissen. Hohn. Ausflucht, Angft, Planen. Aufgeben, Arbeitsuche, Bürgerhaß, Bürgersehnsucht. Zufall bringt Entscheidung. Narrheit. Plan verfehlt. Gefaßt, oerschleppt, oerhört, überführt, verurteilt. Blind schicksalswütig hineingetaucht. Was macht schon Un- freiheit— man hat Obdach. Was macht schon Hunger— man verhungert nicht. Was macht schon Büttel? Welt war Büttel auch so. Ehrlosigkeit? Ehre ist Phrase. Bin, der ich bin, bleibe, der ich bleibe. Nicht schlechter als ihr, nicht unglücklicher. Welt ist Zucht- haus. Ordnung Mauer, Gesetz Gitter, Armut Peitsche. Freiheit, Lebenskampf Lüge. Die anderen haben die Borgabe. Bestochene Schiedsrichter rechnen sie nicht an. Mob brüll, wenn du zu Boden fällst. Zählt dich aus, geht saufen. * Das alles war nichts. Schien nichts. Nie hing dein Herz an Ordnung, an Recht. Besitz der anderen war Diebstahl, Aufruhr Muttermilch, Verachtung, Selbstverachtung, Lebensverachtung, Wildheit Kinderspiel. Kanntest keinen Führer. Wolltest keinen Führer. Littest keinen Führer.. Warst Tiger im Dschungel. Nein, nicht Tiger, kleines Tier im Dunkeln. Ichneumon, Schlange. Maus, Marder, alles in«ins. Zufall, daß du dich nicht längst vergriffst. Kein Vordienst von dir, kein Verdienst von den anderen. Pfaffen, Lehrer, Bonzen— all« Lügner, Betrüger. Hielt dich nichts zurück als Zufall. Oder als Trieb. Ms Ähnung. Ahnung, die das Schrecklichste nicht ahme. * Warst me unglücklich, eigentlich Hattest Muskeln, hattest Wachstum, hattest Augen und Ohren auf. Schlugst um dich. Schlugst dich durch. Wardst Zeuger. Dogegen verging alles. Arm, Brust, Schoß war Himmelreich in Hölle. Hölle versank, Himmel blühte aus. Warst Gott. * Das Mädchen auch trieb dich zur Tat. ,* Wo bleibt sie? Wollte sie kommen? Durste sie kommen? Und wenn: hatte «s Sinn? Konnte man hier umarmen? Durst« umarmen? * Das wurde langsam klar. Ganz langsam, wie die Walze übers neu gelegte Pflaster fährt, wie«in Nilpferd sich da hinwälzt im Schlamm, wie die Nacht gegen den Mittag rückt, Wahnsinn den Verstand überdunkelt. Ganz langsam. Niemand hatte dir das gesagt. Daran hattest du nicht gedacht. Kanntest nicht Entbehrung. Kanntest nicht Hemmung. Warst reif geworden, hattest gesucht, gefunden, gegeben, genonunen, Besinnungslos. Ohne Nachdenken, ohne Dank. Nie begriffen, daß du darum allein ein Herrschender warst, mehr als die Herrschenden, ein Besitzender, mehr als die Besitzenden, ein König, mehr als die Könige. Di« alle wurden gehemmt. Als Kinder verdorben. Als Jünglinge in Sümpfe der Einsamkeit gejagt, von Vögeln der Finsternis zerfleischt, zerkrallt. Ihr hattet Freihctt. Ihr brauchtet sie. Warst Gott. * Langsam, ganz langsam kommt Bewußtsein, Erinnerung, Furcht. ★ Ein Tag. Du siehst dich in der Zelle um. Probierst die Pritsche. Fluchst über das Essen. Noch kannst du es herunterwürgen, denn noch sind die Wände leer. Noch redest du Aufruhr um Lohn, um Essen, Bewegung. Noch hat dich das Tier nicht gepackt. Achtzehn Jahre können einmal warten. Siehst du den Wärter an. Fällt dir nicht auf, daß er einen Ring trögt, daß er, Direktoren, Beamte, Aerzte in diesem Hause ein« Frau haben. Oder ausgehen, sich«ine suchen. Sprichst mit den, Wärter. Du fluchst, er ilucht. Er begütigt, du begütigst. Schließlich muß mau reden. Noch ist dir auch ein Mann ein Mensch. Seilst dich höchstens nach der Zigarette. Denkst, die Mädchen kommen nach. Hat sie dich ins Unglück getrieben, inag sie laufen. Drei Jahre werden vergehen. * Verachtest Aerzte, Priester, Direktoren, hältst sie doch noch für Menschen. Sticht für Drachen. Nicht für Teufel. Für Gistmörder. Fühlst dich irgendwie gelähmt, wie einer,-den der Gummi- knüppel traf. Denkst es wird besser. Ahnst noch nicht den Krüppel in dir. Pfeifst sogar. Spitzt noch den Mund. Pfeifst. Es ist zwar verboten. Aber wer hörts. Außer dem Essen kommt dich ja doch keiner besuchen. Und was können sie dir schon tun. ★ Zweiter Tag. Dritter Teig. Freiheit ist schon vergessen. Pritsche wird weich. Arbeit ist vergessen. Ruhe tut gut. Tinsamleit ist vergessen. Was liegt an Menschen. Kameraden waren Streber oder wachten es ebenso wie du. Manche traf es, manch« hatten Glück. Regte keiner die Hand für dich, du nicht für ihn. Trankt zusammen, schlugt zusammen auf den Tisch, johltet zu- samnien. trenntet euch, gingt zum Mädche». * i Zum Mädchen. Ho. Wo sie nur bleibt? Laß sehen. Wann wardst du eingeliefert? Montag. UntersuchlMgshast war dir erspart. Sofortige Verhaftung nach dem Urteil auch Die Gefängnisse waren voll. Du warst geständig. Nickst aus Verdienst, denn es war nichts zu vertuschen. Immerhin gab man dir Galgenfrist. Schwor sie Sonntag noch Treue? Wo bleibt sie? Wischst die Gedanken fort. Uebersiehst die Zelle. Denkst an dein Leben. Noch kannst du anderes denken. Mittwoch und Sonntag wart ihr zusammen. ★ Vierter Tag. Kennst die Zell« auswendig. Dein Leben auch. War das Leben von Millionen. Stand Im voraus fest. Kenntest es auch, wenn du nicht gelebt hättest. Hast es bei anderen gesehen. Kenntest es auch, wenn du es bei keinem gesehen hättest. Kann nicht anders sein. Unten ist unten. Kehrt man es um, wird oben unten. Die meisten sind immer unten. Das Fundament muß am breitesten sein. Dafür ruht es auch an der Erde. Verdunstet nicht in Geistluft. Ist nicht dünn, schwach, Hirnwesen. Ist Kraft, Blut. * Blut fängt an zu rollen. Weißt» nicht warum. Rollt durch den fünften Tag, den sechsten. * Feierabend. Sonuabcnd. Jetzt war die Sklaverei zu Ende. Jetzt kam das Leben. Jetzt warft du Mensch— Mann. * Blut braust. Hämmert gegen die Schläfen. Pulst in den Adern. Nicht wie Ameisen. Beginnt schneller auf und ab zu gehen. Stehst, säht die Wand an, stößt dich ab, gehst zur Gegenwand, suchst nach etwas. Wonach? * Gedanken sind träge. Worte auch. Warst kein Redner. Kein Denker. War alles schwer in dir, stunrm und voll Glut. •k Warst kein Mädchenheld. Fandest nach ersten Wirren eine, eine andere, die dritte. Jede ein Jahr. Diese sollte bleiben. Fünfzehnmai vier Ecken sind sechzig. Zwei Monate. Achtzehn- mal zwei Monate sind drei Jahre. Soweit alles ganz gut. Wo bleibt das Mädel? •k �* Wochen waren vorüber. Monate waren vorüber. UmHerr ennen war vorüber. Schreien war vorüber. Fäuste an die Wand war vorüber. Kopf an die Traillen war vorüber. Fluchen. Heulen. Weinen. Brüllen war vorüber. Tosen und Toben, Aufjagen und Getrümmtdaliegen. Wärter fragen, Arzt fragen, Geistlichen frage», Direktor fragen war vorüber. Dumme Antworten, grobe Antworten, mitleidslose Antworten, mitleidige Antworten waren vorüber. Gesetz entzog Freiheit. Wo stand, daß es auch Liebe entzog? Gesetz befahl Gesundheitsfürsorge, wo stand, daß man dich ver- giften darf? Säfte brannten, glühten, stockten, fraßen, eiterten. Leib ward wUd, ward lahm. Traum schlug Kopf und Pritsche blutig. Schlafwandel kletterte Wände hoch. Tobsucht schrie nach Zwangsjacke. * Zelle bevölkerten Traummädchen, eins, zwei, hundert, zärtlich. rein, schamlos, nackt, verkommen, verwirrt. Träume brachen aus Nacht in den Tag, umstanden dich rechts und links, umlagerten dich oben und unten. Vampyr Entbehrung saugte Lebenskraft. Essen ward Gift, Lust ward Gift, Sprache ward Gift. Licht ward Gift. Schlaf ward Mord, Wachen ward Mord. Freiheit ward lächerlich. Besitz ward lächerlich Essen, Trinken, Ruh«, Dienen, Sklaverei, Vernichtung ward lächerlich. Nur Liebe! Zeugen ward lächerlich. Nur Zärttichkeit! Nur berühren. N«? in Augen sehen. Nur Haare streicheln. Nur Worte hören. Aber allein. Zärtlich, weltverloren, nicht leere Worte im Be- fuchszimmer, bis sie ausblieb, von Grauen geschüttelt vor seiner Verwüstung, wirren Blick, verirrten Reden. Auf die Straße stürzte. Verging. Wärter wurde angegriffen, gewürgt, besudelt. Hast verschärft, Arzt gab Schlafmittel. Blutkühlungsmittel. Blutentzielping. Leere Worte. Ging zur Geliebten. Direktor sprach von Ordnung und Unmöglichkeit. Geistticher tröstete mit Märtyrern. * Wahn packte Leib. Geist, Seele. Fühlte er Frauenhaare in sein Hirn wachsen und darin herum- kchneiden. Waren heute Arme gelähmt, morgen Beine, übermorgen Ohren taub, nächsten Tag Augen blind. Wurden Träume greifbar. Redeten, umarmten. Rieb er Adern an Gittern, Bettkanten,. Löffeln, konnte sie nicht zerschneiden. ★ Schwermütig, stumm, holä-igig, lebensmatt, gezeichnet, Greis— so ging er mit eirnindzuxinzig Jahren hinaus, Fluch einer Ordnung, die Gollesdiencr. Aerzte, Beamte hinsetzt, um Gott, Nqtur, Welt- ordnung zu lästern. * Bücher schrieben: es läßt sich rricht durchführen. Auch Aerzte schrieben das. Kein Blitz fuhr vom Himmel und entmannte sie. .Taut.7. Schmidl: Siunfifammeln einU und feist Die Geschichte des Kunstsammelns ist insofern von großer Be- deutung für die Soziologie, als sie ein getreues Spiegekbild des gesellschaftlichen Schichtlingswechsels darstellt. Sammler war zu allen Zeiten nur die herrschende Klasse, und die Künstler schufen ihre'Werke nahezu ausschließlich für diese, bis zum heutigen Tag. Mit einem Kolonialskandal ersten Ranges setzte die Geschichte ein, mit dem Staatsprozeß gegen den römischen Blutsauger Verrcs und den bekannten Reden, die Cicero als Advokat gegen ihn ge- halten hat. Kunstlicbhaberei war für vornehme Römer ein sehr billiger Spart: sie requiricrten unentgeltlich alles, was ihnen in den unterstellten Provinzen gesicl. Verres, der Sizilien wirklich ausplünderte, war beileibe nicht der einzige Fall; er geriet nur in so üblen Geruch, weil ein tüchtiger Rechtsanwalt seine Taten an die große Glocke hing, um sich einen Namen zu machen. Die katholische Kirche, Erbin Roms, zog in universellem Geist alles künstlerische Gut an sich; man nmß sie die größte Kunst- sancmlerin aller Zeiten nennen, wenn auch in mehr passivem Sinn. Frmnme Stiftungen füllten ihre Klöster und Dome mit dem kost- barsten Kunstgut, und noch heute zeugen manche Kirchen mit einem kleinen i erhaltenen Rest von ihrem«instigen unvorstellbaren Reichtum. In der Renaissance wurde die Hierarchie als Herrscherin der Seelen und Leiber von den Fürsten abgelöst, die sich nun privatim ihre„Kunstkammern" einrichteten. Es waren meist seltsame Trödel- lagcr voller noturhiftorischer, technischer und kunstgewerblicher Raritäten, eine reine Despotenangelegenheit: die gros!« Kunst diente mittlerweile dem Prunkbcdllrfnis von Kirche und Fürsten mit gewaltigen Architekturen, Fresken und Dekorationen. Erst im 18. Jahrhundert kristallisierten sich ans den Kuriositäten- tammern bei einigen einsichtsvollen Fürstlichkeiten echte Kunst- sammkungen heraus. Es waren immer noch krasse Prioatjammlungen der großen Herren; sie zu besichtigen wurde nur ausnahmsweise aus dem Gnadenwege gestattet. Aber sie waren oft so bedeutend, daß im 19. Jahrhundert daraus ohne weiteres sich die vom Staat über- nommenen Museen herausbilden konnten. Mit der Französischen Revolution trat das Bürgertum als be- stimmender Wirtschafts- und Geschichtsfattor in Erscheinung und bemächtigte sich auch sogleich der Kunst, die in dieser Epoche immer bürgerlicher wird. Höhepunkt: die extrem bürgerlich« Malerei der französischen Impressionisten. Bis zum Welttrieg nahmen die Saminlungen von Kapitalisten enorm zu; sie zeigen sich oft tünst- lerisch radikal bis zur äußersten Konsequenz. Weltkrieg und Inflation stellten alles in Frage, viele Samm- lungen wurden verauttioniert und in alle Winde oerstreut, große Sammler scheint es nur inehr in Frankreich und vor allem in Amerika zu geben, wo der Kapitalismus noch unangetastet herrscht. Es entsteht aber eine neue Käuferschicht im vierten Stande, die deutlich dessen Ausstieg zur Macht symbolisiert: denn nur wer herrscht, hat ja in Wahrheit die Verfügung über Kunst. Flagrantes Zeichen eines neuen Geistes sind die Kunstkäufe auf langfristige Ratenzahlung, die vor allem von der Deutschen Kunst- g e m e i n s ch a f t organisiert werden und einem ganz neuen Käufer- und Sommlerkreis gelten, dem unbemittelten Arbeiter und 'Angestellten, der Kunstwerke nicht als Anlage- und Auktionskapital erwirbt, sondern zum Schmuck seiner Wohnung. Cr erscheint als kollektiver neuer Sammlertyp, er wirkt nicht durch die Masse einer einzelnen Sammlung, sondern durch die Masse der Kunstsammelnden. Itürum ifi die 13 eine Unglilckssahl? Daß sie das in den'Augen vieler an altem Aberglauben hän- gcnder Menschen ist, daran besteht ja kein Zweifel, am 13. eines Monats beginnen sie lein wichtiges Gesckstsst, inter nehmen keine Reife, sie wohnen in keinem Hause, das die Straßennummer 13 trägt, betreten kein Zimnier und dergleichen mehr. Diele große Hotels tragen diesem Umstände Rechnung, indem sie in ihren Zimmermimmern die 13 fehlen und auf 12 gleich 14 oder 12a und dann 14 folgen lassen. Woher mag dieser Glaube, der mit einer unschuldigen Zahl Unheil verbindet, wohl rühren? Nun, wie alle derartigen Dinge ist dieser Glaub« uralt. Schon bei den primitivsten(einfachsten) Menschen und Völkern, bei denen sich ein Bedürfnis nach einer Zeitregelung geltend machte, übernahm der Mond mit seinen wechselnden Lichtqeslulten die Rolle des Zeit- reglers, und daher finden wir, daß alle ursprünglichen Kalender Mondkalender sind. Die 12 Mondmonat« füllen aber das Sonnen- jähr nicht aus, und es mußte sehr bald ein« Verschiebung der Mo- nate zu den gewohnten landwirtschaftlichen Verrichtungen eintreten, die sich ja nach dem Lauf der Sonne richten müssen. War diese Verschiebung so weit sortgejchritten, daß z. B. die Ernte im gc- ivvhnten Erntemonat nicht reis wurde, so wurde eben ein zweiter Erntenionat, ein 13. Monat, eingeschoben. Später wurde das in ein System gebracht, wie z. B. der jüdische Kalender noch heute in einem Zyklus von 19 Iahren sieben Jahre mit einem 13. Schalt- inonat hat. Anfangs aber geschahen solche Schaltungen sicherlich ganz unregelmäßig je nach Bedürfnis, und es ist verständlich, daß sie jedesmal Unbehagen verursachten und solche Scholtzeite» in den Ruf von Unheilszeiten kamen. So ist denn allmählich die arme 13 zur Unglückszahl geworden. Aegypten ist mit seinen 992 000 Ouadrotkilametern mehr als doppelt so groß als Deusschland und zählt mir 14 Millionen Ein- wohner gegen 63 Millionen in Deussihland. Apf den Quadratkilonieter kommen demnach in'Aegypten kaum 15 Einwohner. Auf die eigentliche Kulturssäche. die Oase, die nur 35 000 Quadratkilometer (— Ostpreußen) groß ist, kommen dagegen 400 Einwohner auf den Quadratkilometer, und.zwar ist Unrerägypten(460) dichter bevölkert als Oberögypten(300). In einzelnen Provinzen, wie Menufieh, steigt die Bevölkerungsdichte sogar aus nahezu 700. Hingegen gibt es iin ägyptischen Sudan Provinze», in denen nichr einmal ein Eimvohuer auf dem Quadratkilometer wohnt, so Berber(0,6), Don- aola(0,5) und Halfa(0,1). d. h. in diesen drei Provinzen komme» auf 10 QuobrattMomeier 6 bzw. 5 bzw. 1 Einwohner. Das größte Bauwerk Deutschtands ist das Mannheimer Schloß, das eine Fläche van sechs Hektar bedeckt. Es wurde in den Iahren 1720 bis 1760 erbaut. Parlamentsdiälen. Ein Mitglied des amerikanischen Konzresses ci'hcttt 10000 Dollar Jahresent schädig ung, monatlich also 3500 Marl: ein Mitglied dcs Deutschen Reichstags erhält monatlich 619 Mark. Berichtigung. In dem Artikel„Sinclair Lewis"(Nr. 521) sind zwei Irrtümer enthalten. Der Romanschriftsteller Dreiser heißt nicht Artur, sondern Theodor, und stati Davysohn mutz es L e v i s o n heißen. 3tr. 525» 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, s. November 4930 Sensationeller Baukostensturz. Bauunternehmer machen plötzlich um 30 proz. billigere Angebote. Ein sensaliouelles Ergebnis brachte die össentliche Ausschreibung einer großen FranksurterWohnuogsbaogesellschasl. die von der Stadt Aranksurt a. ZN. kontrolliert wird. Die Gejellschast hatte zu Ostern den ersten Abschnitt einer Großsiedlung mit rund boo Kleinst- und Kleinwohnungen zur össenllichen Konkurrenz ausgeschrieben. Damals forderten die beteiligten Vaufirmen ziemlich übereinstimmend einen preis von Z7 M. je Kubikmeter umbauten Raumes, wobei offenbar kartellmäßige Preis- abreden der Bauunternehmer eine Rolle spielten. Durch heran- Ziehung von Außenseitern gelang es bei der Submission zu Ostern, den preis b i s a u s ZZ M. je Kubikmeter herunterzudrücken. Bei der überstarken lokalen Arbeitslosigkeit und des anhaltenden Bedarfs an Kleinst- und Kleinwohnungen entschloß sich dieselbe BZoh- nungsbaugesellschosl seht, den gleich großen zweiten Abschnitt ihres Vauprogramms durchzusühreu. Das Ergebnis dieser Ausschreibung ist geradezu aufsehen- erregend. Die Austrage konnten ausderBasisvonrund 24 ZR. je Kubikmeter, also rund 2g proz. unter den Frühjahrspreisen— und wenn man die ersten kartellgebundenen Angebote vom Frühjahr nimmt, sogar um Z5 proz. billiger— vergeben werden. Dieser Fall spricht Bände dafür, in wie starkem Illaße preis- und Kostensenkungen möglich sind, wenn die Unternehmer wollen oder wenn die Regierung ihren Widerstand endlich brechen würde. Die Berliner Briketipreise. Wird um 7 oder 12 Pfennig verbilligt? Wir haben schon mitgeteilt, daß die Berliner Brikettpreis« um 7 Pf. je Zentner herabgesetzt werden, nachdem die Syndikate eine sechsprozentige Preissenkung vornehmen. Merkwürdig ist nun, daß die„Berliner Börsen-Aeitung* in einem von der'Arbeitsgemeinschaft des Berliner Brikett Handels ein- gesandten Artikel behauptet, daß für die bekden letzten Jahresmonate eigentlich«ine Berbilligung um 12 und nicht nur um 7 Pf. je Zentner eintreten werde. Wir haben leider schon öfter darauf hinweisen müssen, daß es die Arbeiterschaft, und zwar keineswegs zum Borteil der sehr zahl- reichen Kleinhändler, die allein nnt den bresten Käufermassen in Verbindung kommen, mit der Wahrheit nicht sehr genau nimmt. Wir müssen es auch jetzt. Die Preistafel, auf die sich die Arbeitsgemeinschaft beruft und nach der sich ein« Preissenkung um 12 statt um 7 Pf. ergäbe, ist nämlich eine höchst private An- gelegenheit der Arbeitsgemeinschaft und hinsichtlich der Winterpreis« 1930/31 von den staatlichen Stellen gar nicht genehmigt. Die Arbeitsgemeinschaft hatte nur die— wenig löbliche— Absicht. für den ganzen Winter mit 1,90 Mark je Zentner um? Pf. höhere Preise als im Porsahr« zu nehmen. Das aber war ihre private Absicht, der von den preußischen Aufsichtsstellcn die Genehmigung versa gl worden ist! Es handelt sich also— gelinde gesägt'— um eine Heber« t r e i b u n g, wenn davon gesprochen wird, daß die Lerbilligung nicht 7, sondern 12 Pf. betrage. Wir geben diese Aufklärung keines- wegs, um die Kohlenhändler zu ärgern, denen es zum größten Teil alles weniger als gut geht. Aber wir halten die Ausklärung für nötig, um die Arbeitsgemeinschaft dazu zu erziehen, endlich einmal bei ihrer Politik die Wahrheit auch voll zu achten. Die preußischen Erdölpläne. Oer Oelmagnat Harry Sinclair und Oeutschland— Oer Sinclair-Konzern. Wie wir bereits gestern mitteilten, hat sich der preußische Staat Über die Preußische Bergwerks- und chütten-A.-G. fPreußag) in die Hannoversche Oelproduktion eingeschaltet. Zu dem Vorgehen der Preußag gab gestern der Oberberghauptmann Flemming der Presse noch nähere Einzelheiten bekannt. Danach stellt das Gelände von 1400 Morgen, das der preußische Staat erworben hat, ein Millionenobjekt dar. Man rechnet zu- n ä ch st mit einem Kapitalaufwand bei den Oelbohrungen von 7 b i s 8 Millionen, der von der Preußischen Staatsbank über die gleichfalls staatliche Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks-A.-G. finanziert wird. Wie wir bereits gestern berichteten, sind schon vier lilfündige Bohrungen bis zu 1000 Meter Tiefe durchgeführt worden, zwei weitere Bohrungen haben in überraschend kurzer Zeit eine Tiefe von 400 bis SOO Metern erreicht. Der preußische Staat, der bereits im Kohlenbergbau und der Kaliindustrie eine bedeutende Stellung hat, schaltet sich damit also auch in die Oclförderung und Oelindustrie ein. Das Vorgehen des preußischen Staates ist deshalb b e s ch l e u- n i g t in die Wege geleitet worden, daß in letzter Zeft die von dem Sinclair-Konzern beherrschte amerikanische Gesellschaft North European Oil-Corporation nach erfolgversprechenden Unter- suchungen in Oldenburg, Mecklenburg, Braunschweig und Hannover Rechte zur Oelausbeutung erworben hat. Allein in Oldenburg haben die Amerikaner Ausbeutungsverträge auf einem Gebiete von 500000 Hektar abgeschlossen. Da Deutschland bisher nur 0 Proz. seines Bedarfs aus eigenen Oclvorkommen deckt« und im letzten Jahr 1,7 Millionen Tonnen einführen mußte, sind dies« Oelfunde und der Ausbau einer eigenen Oelindustrie von weittragender volks- wirtschaftlicher Bedeutung. Dies um so mehr, als die Herstellung des sogenannten synthetischen Benzins(aus verflüssigter Kohle). auf die man ftüher große Hoffnungen gesetzt hatte, zur Zeit wenig Aussichten auf Anwendung im großen hat. Ueber die Rentabilitätsaussichten der Oelförderung und der zur Verarbeitung des gewonnenen Rohöls noch zu er- richtenden Oelraffinerien gehen die Meinungen noch auseinander. Aber auch wenn man hinter die Rentabilität dieser Oelfelder noch «in Fragezeichen setzen müßte, ist die Aktivität des preußischen Staates zu begrüßen. Wer ist Harry Sinclair? Der amerikanisch« Erdölmagnat Harry F. Sinclair hat vor einigen Wochen Deutschland besucht und sich dabei für zweierlei interessiert, erstens für die Möglichkeiten einer deutschen Erdölindustrie im Gebiet von Hannover und zweitens für die Aussichten des Kraft st offabsatzes auf dem deut- schen Markt. Sein offenbar stärkstes Interesse für das hannoversche Oelgebiet war mit ein Grund für das preußische Eingreffen. Was die erste Möglichkeit betrifft, war noch nicht klar erkennbar, auf welchem Wege Sinclair Interesse nehmen wollte: ob direkt oder auf dem Wege über die vor einem Jahr gegründete North European Oil Corp., in deren Berwaltungsrat einige dein Sinclair-Konzern nahestehende Amerikaner sitzen. Wichtiger fast noch schien Sinclair damals eine Beteiligung auf dem deuffchen Treib st offmarkt zu sein. Das verstärkte Interesse Sinclairs für den deutschen Absatzmarkt kündigte sich bereits in der vor einem Jahr erfolgten Gründung der Deutsche Sinclair Pctro- leum G. m. b. H. in Köln an(Aktienkapital 0,5 Millionen Mark): eine Reihe eigener Tankstellen(S i n c o- P u m p e n) und Depots wurden in den letzten Monaten geschaffen, insbesondere in West- und Süddeutschland. In den letzten Tagen erfuhr der Sinclair-Konzern«ine gewaltige Kapitalverstärkung. Die Dachgesellschaft des Konzerns, die Sinclair ConsÄidatet Oil Corp., verdopelte ihr Aktien» kapital. Der Gesellschaft werden etwa 500 Millionen Dollar neue Kapitalmittel zufließen, d. h. etwa 2 Milliarden Mark. Außerdem erzielte die Gesellschaft erst vor kurzem durch den Verkauf zweier Beteiligungen weitere 72,5 Millionen Dollar, d. h. rund 300 Mil- lionen Mark. Es handelt sich um den Berkaus an der Sinclair Pipe Line Co. und der Sinclair Purchasing Co., an der sie bis dahin zu 50 Proz. beteiligt war, an die Standard Oil Co. of Indiana(Rocke- feller-Gruppc). Was will der Sinclair-Konzern mit diesen neuen 2,3 Milliarden Mark? Für den Ausbau des deutschen Geschäfts und die etwaigen Bohrungen in Norddeutschland würde hiervon nur ein kleiner Bruch- teil aufgebraucht worden sein. Eine Erweiterung, die aber mir knapp 19 Millionen Dollar(80 Millionen Mark) kostete, war die Uebernahme der Pierce Petroleum Corp. Seit einigen Wochen steht Sinclair in Fusionsverhandlungen mit drei anderen großen Gesellschaften: der P r a i r i e Oil Co., der P r a i r i e Pipe Line Co. und der Tide W a t e r Associated Oil Co. Diese Derhandsimgen, die Aktivität der letzten Monate und die starke Kapitalvergrößerung deuten an, daß Sinclair sich in den Vereinigten Staaten neben den Standard Oil-Gesellschaften zur zweitgrößten Oelmacht entwickeln wird. Harry F. Sinclair selbst ist der gleiche Unternehmer, der sich vor einigen Jahren durch besondere Zuwendungen die ölreichen Marinefelder von Teapot Dome zu sichern wußte und gegen den jahrelang ein Bestechungsprozeß geführt wurde, der schließlich auch — allerdings nur wegen verweigerter Aussage— verurteilt wurde. Die Oeffentlichteit hiell Sinclair noch vor wenigen Monaten für so geschwächt, daß die jetzt so lebhafte Expansion des Konzerns für viele eine Ueberraschung bedeutet. Es scheinen ober noch größere Ueberraschungen für die internationale Oelwelt bevorzustchen. KGB. trotzt der Krise. 30 000 kommen an 2 Sonntaqen in Lichtenberg zn Besuch. Im Oktober drückten zwei Tatsachen auf den Umsatz der Berliner Konsumgenossenschaft: die wester anschwellende Arbeitslosigkeit der Arbeiter- und Angestellteufchichten, die das Gros der Mitgliedschaft stellen, und der vierzehnstägige Metallorbeiter streik, der für viele Tausende von konsum- genossenschaftlich organisierte,, Familien einen vollkommenen zwei- wöchigen Einkommensausfall mit sich brachte. Trotzdem konnte die KGB. ihren Oktoderumsatz auch wertmäßig gegenüber dem Oktober des Vorjahres noch hasten und mengeimiäßig(Preissenkungen!) noch steigern. Der Gesamtumsatz erhöhte sich gegen September von 6 759'258 auf 6785 445 M. oder um 0.4 Pröz. In den Fleisch- abgabestellen belief sich die Umsatzstelgerung jedoch auf 36 Proz. Im Durchschnsttsutnsatz je Mitglied trat als sichtbare Folge der allgemeinen Kaufkraftsenkung eine Senkung von 36,94 M. auf 34,69 M. ein. f 2657 Haushaltungen traten neu ein; der Mit- - gliederbestand steigerte sich auf 199 566. In den ersten vier Monaten des 32. Geschäftsjahres wurden 11 483 Haushaltungen neu. auf- genommen. Die konsumgenossenschaftliche Spar lasse vennochte ihre Ein- lagen um 290 794 M. auf 47 763 044 M. zu erhöhen. Für die Warenoermittlung wurden zwei Lebensmsttcl- und zwei Fleischabgabestellen in Karow, Bahnhofstraße 53, Pankow, Neumannstraße 18, und Mahlsdorf, Bahnhofstraße 22, n e u er- richtet. An den V e s i ch li g u n g e n der Lichlenberger Zentralanlagen. die an sieben Sonnlageu der Rlonaie September, Oktober und November stallgcsunden haben, haben rund 30 000 Ristglieder und Freuode die Lichlenberger Anlagen besichtigt. 465 Führungen in Gruppen von 60 bis 70 Personen fanden dabei statt. Herrn Dulsbergs Kampfansage. Seine Vorschläge zur Krisenbekämpfung. der Produktionskosten angibt. Unter der theoretischen Annahme einer Lohnkürzung um 10 Proz. ergibt sich eine Berringe- rung der Produktionskosten um ganz« zwei Prozent. Ist sich Herr Duisberg nicht darüber klar, daß dieser gering- fügigcn Senkung der Produktionskosten eine viel tiefer eingreifende Verminderung der Kaufkraft gegenübersteht? Daß der innere Mar«, dessen Ausbau er in kurzen Worten gestreift hat, dadurch schwerstens geschädigt wird? Der Ausweg aus der wirtschaftlichen Notlage ist nur in einem gerechten Arbeitsausgleich und in der Einordnung aller gegen ihren Willen un- produktiven Kräfte in den Produktionsprozeß. Dazu muß ein Ausbau des inneren Marktes durch die H bung der Kaufkraft der Bevölkerung gehen, die auch bei der chemischen In- dustri« rücksichtslose Preissenkung fordert. Das ist der nach allen historischen Krisenerfahrungen gebotene Weg. In den Vereinigten Staaten blieben die Reallöhn« auch in den schlimmsten Krisenjahren konstant, während der Großhandelsindex 1894, 1907 und vor allem 1920/21 um 30 bis 40 Proz. fiel.(Paul H. Douglas:„Real Wages in the United States".) Heut« noch vertreten in USA. die Wirtschastsführer die Auffassung, daß die Krise 1920/21 nur deshalb schnell überwunden wurde, weil der Gewinn an Kaufkraft die gesteigerte Produktion ausnehmen konnte. Auch die Maßnahmen Henry Fords vor dem Metallarbeiterverdanü sind als Aus- Wirkung dieser Erkenntnis von 1920/21 zu betrachten. Daran kommt auch Herr Duisberg nicht vorbei. Aus der chemischen Industrie wird uns folgende Zuschrift gesandt: Die letzte Rundfunkrede von. Geheimrat Duisberg, Lever- kusen, des Chefs des I. G. Farbentrusts, über den„Weg aus der Krise" ist im Prinzip ein Ultimatum an die Arbestnehmerschast: Eist- weder Lohnsenkung oder weiter« Entlassungen. In einem patheti- schen Aufruf an die.Opferbereitschaft eines jeden einzelnen am Wirtschaftsprozeß Testnehmenden" erscheint ihm notwendig, daß „ein freiwilliger Lohn- und Gehaltsabbau die notwendige Selbst- kostenlag« schafft, die es den Betrieben ermöglicht, die Produttion auszudehnen und so neu« Arbeitskräfte wieder organisch einzu- gliedern". Gleichzeitig stellt er fest, daß die Kürzung der Arbeitszeit nicht generell durchführbar ist. Die Bereinigung der Arbeit- geberoerbände(Sitzung vom 3. November 1930) wehrt? sich in gleich« Weise gegen eine Verkürzung der Arbestszest, forderte im GegenteU entweder Lohnsenkung oder Verlängerung der Arbestszest bei gleichbleibendem Lohn. Wenn Herr Duisberg mst der Arbeitgebervereinigung meint, die Produktion der Industrie durch Lohn- und Gehaltskürzung heben zu können, so sei an einem Beispiel aus seiner eigenen Industrie gezeigt, wie gering die Auswirkungen einer Lohn- kürzung auf die Selbstkosten sind: Vor etwa einem halben Jahre verfaßte Duisberg mst den anderen prominenten Führern der chemischen Industrie für den Reichswirtschaftsrat ein Gutachten über: die Lage der chemischen Industrie, in dem er den Anteil Löhru und Gehälter mst durchschnittlich 20 bis 25 Proz. Noi lehri auch Eisenverarbeiier beten. Sie fordern neue Senkung der Eisenpreise. Auf der Tagung der Gesamtvereinigung der Weiß- und Schwarz- blech verarbeitenden Industrien hat endlich auch Direktor Lange, der Geschäftsführer des Vereins deutscher Maschinen- bauan st alten und der Arbeitsgemeinschaft der Eisen verarbeiten- den Industrie, den Mut gefunden, ei«« neue Senkung der Eisen- preise zu verlangen. Im Ausland hätten, so führte er aus, die Eisenpreise ihren Vorkriegsstand teils erreicht, teils unterschritten. Nur in Deutschland habe sich fest 1924 der Abstand der Cisenpreise vom Vorkriegsstand vergrößert. Die innerdeutschen Eisenpreise liegen zurzest etwa 70 Proz. über den Welt- Marktpreisen. Wenn auch die Eisen verarbeitende Industrie für den Export im wesentlichen Weltmarktpreise auf Grund des Aviabkommens erhalte, so belaste doch eine derartige Ueber- höhung des innerdeutschen Preises für«inen der wichtigsten Roh- stoffe die Eisenverbraucher in einem auf die Dauer nicht tragbaren Maß. Bon der Eisen schaffenden Industrie sei zu erwarten, daß sie aus der gegenwärtigen Lage ebenfalls die er- forderlichen preispolitischen Konsequenzen ziehen werde. Freilich war auch hier Herrn Direktor Langes M u t gegenüber den Eisenherren m i t V o r s i ch t gepaart. Seine Forderung nach niedrigeren Eisenpreisen hat er nicht ohne Erinnerung an das Regierungsprogramm vorgebracht, von dessen Durchführung— und zwar offenbar als Voraussetzung für die weitere Eiscnpreissenkung— die Senkung der Löhne, Frachten und Steuern erwartet wird. Es fällt' den Eisenverarbestern verflucht schwer, im eigen?n Interesse gegen den Ruhrstachel zu locken. Das muß man auch heute wieder feststellen._ Grünbuch der Aktiengesettfchafien. Der Verlag R. und H. Hoppenstedt hat kürzlich da» Grünbuch der Aktiengesellschaften Jahrgang 1930 herausgegeben. Das Werk enthält in erweitertem Umfange die wich- tiasten Daten und Angaben über den Aufbau, die Entwicklung, die Finanzen und die Personalien der Aktiengesellschaften. Besonders sorgfättig sind wieder die Angaben über die großen Konzerne und die bei diesen Unternehmen vielfach noch im Fluß befindliche Entwicklung ergänzt worden. Di« fast durchweg bis ins kleinste gehende Darstellung über Umsatzentwicklung. Belcgschaftsverände- rung und finanzielle Transaltionen macht die neue Ausgabe zu einem nicht zu entbehrenden Nachschlagewerk. Besonders den im gewerkschaftlichen Kampf stehenden Redakteuren und Funk- t i o n ä r e n wird das Werl gute Dienste leisten. Proteste gegen höhere Tabaksteuern. Der Verband der deut- schen Zigarettenindustrie protestiert in einer Entschließung gegen die Absicht der Reichsregierung, die Tabakbesteuerung von neuem zu verschärsen.. Ebenso haben die Betriebsräte von fünf Bremischen Fabriken, die mehrere tausend Arbeiter beschäftigen, gegen die beabsichtigte Tabaksteuererhöhung Protest erhoben. Das ideale Abführ-Konfekf aus Velours long, z. T. mit echt Pelzkragen und-Manschelten. ganz gefüllerl. gute Passform Wintermantel mit grossem Pelz» kragen.ganzgefütlert, aparte Verarbeitung Am Donnerstag, dem s November, verttaro nach kurzem schweren Leiden meine iiebe Frau, unsere gute Mutter und Großmutter Berta Becker geb. Eberl Im Namen der Hintcrbtiebeueu Helnrldi Becker n. Kinder Die Einäscherung findet Montag, 10. d. Mte.. 17 Uhr. im Krematorium Baum'chulenweg, Kieshol, straße, statt. �!Igemelneljtt8kfiinkeniiS88e örTlln-WUmcridori Bekanntmachung. Der 5. Nachtrag zur Kassensaßung der Allgemeinen Ortskrantentasse Berlin- Wilmersdors ist vom Oderverncherungsamt Berlin genehm gt und am 1. November lSRl in Krait getreten.— Bon diesem Tage ad betragen die Beiträge vom Hundert des lestaesehten Grundlohnes. Druckexemplare des 5 Nachtrages find im Kassenlolal erhältlich. Die neuen ad 1. November 1930 gültigen Tabellen werden wir unseren Arbeitgebern in den Nächken Tagen zustellen. Berlia-Wilmersdors.den? Novemb.lSZO. R. Engelhardt, Vorfißender. F. Wiemann, EchristsÜhrer. Beltenjeiedern alle arten Baummlluiaren billieund dauerhaft bei Ed. Hoffmeister. SO 36, Wiener Straße 20 seit 40 Jahren am Görlitzer Bahnhof Die Siemen s-Echuckertwerfe Aktiengesellschaft zu Berlin-Eiemensstadt, vertreten durch ihren Dorftand, die Herren Haller und Fessel. Prozeßbevollmächtigten Rechts- anwäl'e Dr. Hans Friß Abraham und Dr Günther Loebinger tl. hat als Schuld- nerin der von ihr im Jahre 1920 ge- schafienen.Ruhegehalts-Einrichtung für bei der Geiellichast tälige Personen mit über 10 OVO M. Iahreseinlommen" die unterzeichnete Spruchkelle gemäß Art. 14, 18 der Durchführungsverordnung vom 8. Juli IS>k(RGBl. I E. 403) mit dem Antrage angerufen. die Spruchstellc möge 1. die auf folgender Grundloge zwischen der AntragNellerin und den Gläubigern der~"*"" von Vergleiche klären Die Direktoren, Prokuristen und Hand. lungsdevollmächtigien erhalten als Aus- Wertung SO Proz., die übrigen Gläubiger 100 Proz. des über den Dollarkurs er- mittelten Goldmarkwertes der Rücklagen. wobei Stichtage für die Umrechnung die Tage find.< u denen die Rücklagen buch- mäßig gehellt worden find. Nämlich für da» ®«(chSfi»|obc 19/30'------ geichäftsiahr 1930 : 20/31 der 31. 7. 1920 30. 9. 1930 30 9. 1921 SO. 9. 1922 «fchältslahr Sesch-stsi-hr 21/23 Die Austvertungsbeträg« werden auf volle>0,— Goldmark, Beträge unter 100,— Soldmari aus voll» 100,— Goldmark auf- gerunder Rückzahlungen kommen mit ihrem üder den Dollarkur» errechneten Soldmarkwert vom Auswertungsdetrage m Adzng: 2) eventualtter die Aufwertung w der aus dem Antrage zu 1) ersichtlichen Höhe sestzusepen. ' Die demnächstig« Entscheidung der Svruchstelle wirkt gegenüber allen Släu- bigsrn, auch soweit st« sich nicht an bem Versahren beteiligen, einheitlich. » e r! i n. den 30. Oktober 1930. Spradretelle bei» Kamrncrge riebt. ■ Ziehnog- TM 11. Us 18. NoTbr. 1930| ronlzelmte aroße Volkswohl- Lotte riel 51 1 78 Gewiiui« und 2 Primi«n im 1 H 4650001 Höchst- 'ew.».«inl Ooppe lo» u' �__, Äxr 75000! 2 Haupt- MCKraR�. ÄrsSOOOO 1S'�40000 1Ärwm20000 Los« zn 1 RM Doppeüoje zn 2 RM 150000 "75000 •'jt 100000 ffl H ÜB I I' 1 II IS I; 1 ntl rrn im Mantel gule Qualität, mit grossem Pelzkragen u. -Manschellen. ganz geMerl, moderne Wickelform fiHlckslirieter S Lettn$irt Tau«. IlM öiocksliricfe: i.10Lo«an«ort verich.Tau«. io: Porto und Gewinnliste 35 PL In allen durch Piakate kenntlich.] Verkaufsatellen und durch H. C.KrogerA.-G.| Berttn W 8, Fritdricbsh'» tSZ/»zI Fnitacheckkonto: Barlin 21S � �-e w.au! 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