Morgenausgabe Kr. 533_„, A 268 47-3/, bis 17 Uhr. Jeniealoesan der SozialdemoSratischen Oaetei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Reittiptttbet; Dönboi» 292—297 lelearamm-Adr.: Sozialieviokrai verlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkouio: Berlin 37 536.— Bankkonto: BankderArbeitcr.Angestelltcnund Beamten, Wallstr 65. Dt.B.u.DiSc..Ges.,D«Positenkass«. Scmfolcinetgtr.(55/66. Urteil über den Einstimmige Entschließung des Der Kampf in der Berliner Metallindustrie und sein« Bedeu- hing veranlagte den Dorstcmd des Metallarbeiterverbandes die Bei- ratsmitglieder aus ganz Deutschland nach Berlin zu berufen. Der Vorsitzende, Genosse Brandes, schilderte noch einmal den ganzen Verlauf der Bewegung bis zu dem Sckiiedsspruch des Dreimännerkollegiums Brauns-Iarres-Sinzheimer. In der bis in die Abendstunden sich hineinziehenden Ausspräche erkannten die Vertreter der 17 Bezirke, daß es hotwendig gewesen ist, trotz der Ungunst der Verhältnisse den Kamps in der Berliner Metallindustrie auszunehmen. Um so mehr gaben die Delegierte» ihrem Erstaunen und ihrer Empörung über den letzten Schiedsspruch Ausdruck. der von den drei Unparteiischen gefällt wurde. Der Mitgliebschait in ganz Deutschland hat sich eine ungeheure Erregung-bemächtigt, weil sie— nicht mit Unrecht— befürchtet, daß die Unternehmer versuchen werden, diesen Berliner Schiedsspruch auf das ganze Reich anzuwenden. Diese Gefahr wird noch vergrößert, weil der Schiedsspruch den Absichten der gegenwärtigen Regierung entspricht. Die drei Unparteiischen haben ihre Ausgabe vollkommen verkannt. Wenn sich auch die Metallarbeiter von vornherein ihrem Spruch unterworfen haben, so durfte dies«: doch kein Diktat sein, sondern mußt« versuchen, den berechtigten Erwartungen der Arbeiter zu entsprechen. Die große Gefahr dieses Schiedsspruches liegt darin, daß in Zukunft die Gewerkschaften nicht mehr bereit sein können, sich einem Schiedsspruch von vornherein zu unter- werfen im Vertrauen aus die Einsicht etwa zu berufender Un- parteiischer. �, Die Stellung des für die Arbeiterschaft in das Schiedsgericht berufenen Prof. Sinzheimer zu dem Schiedsspruch wurde scharf kritisiert. Der erweitert« Beirat nahm wohl Kenntnis von der Er- klärung Prof. Sinzhsimers im„Vorwärts", daß er durch seine Zu- stimmung zu dem Schiedsspruch einen schlechteren Spruch verhin- der» wollte. Dennoch wurde die Auffassung vertreten, daß es richtig gewesen wäre, diesem Schiedsspruch die Zustimmung zu versagen, um den beiden anderen Unparteiischen die ganze Ver- antwortung für die Folgen zu überlassen. Besonders unangenehm wurde die Mitteilung ausgenommen, daß Sinzheimcr während der ganzen Dauer der Schiedsgerichtsverhandlung auch nicht ein einziges Mal versucht hat, die Verbindung mit der Verhandlungskommission der Metallarbeiter auszunehmen. Durch seine Zustimmung zu dem Schiedsspruch hat Sinzheimer jenen infamen Verleumdern Vorschub geleistet, die behaupten, daß der Demsche Metallorbeiterverband ein abgekartetes Spiel getrieben habe.„ Das Treiben der kommunistischen Bari« vor und nach dem Streit, sowie während des Streiks hat zwar nicht überrascht, weil man es nachzerade von diesen Kumpanen der Unternehmer gewohnt ist. Daß nun die KPD. auch noch zur Spal- tung des Metallarbeiterverbandes durch Gründung einer Splitter- vrgamsativn überging, in einer Zeit, wo Einigkeit und Geschlosseiz- heit die erste Voraussetzung ist, um dem Ansturm aller Reaktionäre zu begegnen, ist nur die Krönung des Arbeilerverrats, den die Kommunistische Partei schon immer getrieben hat. Gerade die Berliner Bewegung und ihr Verlauf müßte der großen Zahl der Unorganisierten besonders begreiflich gemacht haben, daß sie nicht länger abseits von den Gewerkschaften stehen dürfen. Darüber bestand im Erweiterten Beirat volle Einmütig- k e i t, daß durch den Ausgang der Berliner Bewegung der Widerstand im Lande gegen jede LoHaverschlechleruag wie gegen jede sonsllze verschechterung der Arbeitsbedingungen nicht leiden darf, sondern im Gegenteil auf das stärkste gefördert werden muh. Die Meinung des Erweiterten Beirats wurde in der folgenden Entschlief-ung zum Ausdruck gebracht, die einstimmig angenom- men wurde: „Der am 12. November 193» in Berlin versammelt« Erweitert« Beirat des Deutschen Metallarbeiterverbondes spricht dem Vorstand, der Ortsverwaltung und den Berliner Kollegen die An- ertennung aus für den unter ungünstigen Verhältnissen auf- genommenen und durchgeführten Kampf gegen den von den Metall- industriellen geforderten Lohnabbau, der auch noch von der Schlich- terkammer unter Dr. Völker durch«inen unerträglichen Schieds- spruch unterstützt wurde. Die Wwehr war unerläßlich, weil dieser amtliche Schiedsspruch und sein« drohende Derbindlicherklürung die verhänignisvollsten wirtschaftlichen, sozialen und politischen Folgen haben mußte. Deshalb wandte sich auch die INehrheil des Reichstages und die breiteste Oeffentlichkeit gegen eine verbindlicherkläruug de» uaverständsicheu Schiedsspruches. Um so empörender ist der unter dem Vorsitz Dr. Brauns von den drei Unparteiischen gefällte neu« Schiedsspruch vom 8. No- oember 1930, der als osfener Betrug von den beteiligten Ge- Schiedsspruch. Zrweiterien Beirats des OMV. werkschaftsfunktionären und-Arbeitern und als eine Provoka- t i o n von der gesamten Arbeiterschost empfunden werden muß: um so mehr, als der bisherige Verlauf der Preissenkungsaktion, ins- besondere für die notwendigen Lebensgüter, einer Verhöhnung der Arbeiterschaft gleichkommt Der erweiterte Beirat hat kein Verständnis für das Verhalten des vom Verband benannten Unparteiischen, Pros. Dr. Sinzheimer, der durch sein« Zustimmung zu dem Schiedsspruch, auch wenn er damit den Zweck verfolgte, einen noch schlimmeren zu verhindern, die Verantwortung für denselben mitübernommen und damit die beiden anderen Unparteiischen entlastet hat. Die Entscheidung der drei Unparteiischen ist eine hilse für die arbeiterfeindlichen Bestrebungen des gesamten deutschen Unter- nehmertums. Aber der Deutsche MetaLarbeiterverband wird allen Angnssen gegen die Lohn- und Arbeitsbedingungen wie bisher den größtmöglichsten Widerstand entgegensetzen. Die reaktionären Attentate gegen die Berliner Arbeiterschaft sind aber nur möglich infolge der die Arbeiterbewegung zersetzenden und zermürbenden Tätigkeit der Kommunistischen Partei, die selbst in diesem schweren Berliner Kampfe ihre Aufgab« lediglich darin sah, die Arbeiter gegeneinander zu Hetzen, um sie zu schwächen. Diesem verbrecherischen handeln setzte die Kommunistisch« Partei Deutschlands die Krone ans durch die Bildung einer neuen Organisa- tion, die zur Interessenvertretung der Arbeiter unfähig ist, auch keine Kampsorganifation der Arbeiter gegen die kapitalistische Reaktion und die Scharfmacher, sondern eine mit den gemeinsten Wittel» arbeitende Kampsorganisation gegen die in den Gewerkschasten vereinigten Arbeiter sein soll. Die oon der KPD. aufgestellte Behauptung, daß die Ortsverwaltung Berlin oder irgendeine andere Körperschaft oder Person des Deutsche» Metallarbeiteroerbandes den letzten Schiedsspruch vorher gekannt, ja, denselben mit veranlaßt habe, entspringt nur der niedrigsten Gesinnung: ist eine Infamie und wird mit der größten Verachtung zurückgewiesen. Der erweiterte Beirat brandmarkt dieses arbeiterverräterisch« verhalten der kommunistischen Partei Deutschlands und ihrer sogenannten RGO. und fordert alle denkenden Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und des ganzen Reiches aus, diesem arbeiterschädlichen Treiben Halt zu gebieten. Er ruft angesichts der dauernden Verschärfuna der Klassen- gegensätze die Metallarbeiterschast zur höchsten Geschlossen- heit und Solidarität und zur unermüdlichen Stärkung der Macht und des Einflusies des Deutschen Metallarbeiterverbandes auf. Besonders an die Metallorbeiter Berlins ergeht der Aufruf, aus dem Verlauf des Kampfes die L e h r e zu ziehen, daß nur durch sestgesügte, innerlich geschlossene Organisation oller Metallarbeiter im Deutschen Metallarbeiterverband den Unternehmern der ersorder- liche Widerstand geboten werden kann" Maffenaufmarsch in Wien. Die W/rttä«igen schüßen die Republik. Wien. 12. November.(Eigenbericht.) Heute am Gedenk- und Staatsfeiertag der Republik hat die Arbeiterschaft in ganz Oesterreich groß«. Kundgebungen ver- anstaltet. Die Kundgebung in Wien war noch weit gewaltiger als m früheren Iahren. Von 19 Uhr vormittags bis b»2 Uhr nachmittags zogen die demonstrierenden Masten beim Denkmal der Republik am Parlament vorüber, zum Teil in Zehner-, zum Teil in Zwanzigerreihen. Die Bezirk« hatten ihre Musikkapellen, ihre roten Fahnen und Standarten mitgenommen, deren Inschriften den Willen der Arbeiterschost betonten, den Faschismus zu beseitigen und die sozialen Errungenschaften der Arbeiterschost aufrechtzuerhalten. Reden wurden nicht gehalten. Am Denkmal der Republik hatte der sozialdemokratische Parteioorswnd und der Vorstand der Wiener Organisation Aufstellung genommen. Man schätzt die Zahl der Tellnehmer auf weit über 499 999. Außerdem umsäumte ein dichtes Spalier den ganzen Weg des Aufmarsches. * Beim Vundespräsidenten erschienen das Präsidium des National- rats. In Verhinderung des Präfidenten Gürtler— den die Christ- lichsozialen nicht mehr aufgestellt hatten!— sprach der zweite Prä- sident Genoste E l d e r s ch dem Bundespräsidenten die herzlichen Glückwünsche aus und sagte u. a.: Die Wahlen haben bestätigt, daß das österreichische Volk nach wie vor an den demokratischen Grundsätzen der Versassung festhält. Bundespräsident M i k l a s antwortete, er teile die Meinungen über den hohen Wert der demo- kratischen Einrichtungen der Republik. Hegel und Prügel. Zierden des Oritten Reiches an der Berliner Universität. In Berlin ist es auf dem Vorhof des Univerfitäts- gebäudes, dem Hegelplatz, und in dem Haufe der Gelehrsam- keit selbst zu blutigen Prügeleien gekommen, wie sie bis- her nur von Wien bekannt waren. Nationalistische Studenten unter Führung von Hitler- Anbetern haben sozialdemokratische Mitstudierende körperlich attackiert, eine Studentin, die ihnen zu jüdisch aussah, geschlagen, zu Boden gerissen und mit Füßen getreten. Der teutsche Heldenmut dieser Edelinge tobte sich an einer Frau aus, die das Pech hat» mit ihnen von der gleichen A.Img, rnater geistige Speise zu erwarten. Der Rektor der Universität, der Theologe Deißmann, hat vergeblich ver- sucht, die randalierenden Rassenjünglinge in die Hörsäle zu dirigieren. Sie fühlten sich, wahrscheinlich in Erinnerung an die Gedenkfeier für Langemark, als Retter der Nation und mußten auf der Straße wie im Vorgarten der Unwerfität durch die Polizei zur Räson gebracht werden. Sieben von ihnen wurden vorläufig„zwangsgestellt", um den polizei- .technischen Ausdruck hier einmal anzuwenden. Den Vorwand für diesen Tumult muhte die Tatsache liefern, daß die Sozialistische Studentenschaft Flug- b l ä t t e r verbreitete, in denen sie auf die Absicht der Nazi- akademiker aufmerksam machte, in der Zeit der schwersten wirtschaftlichen Sorgen einen akademischen Ball zu horrenden Eintrittspreisen zu veranstalten. Ein solcher Hin- weis auf die demagogische Propaganda der Hitler-Bewegung und, im Vergleich dazu, aus die bourgeoise Praxis ihrer An- Hänger, hatte es den akademischen Anbetern des Dritten Reiches angetan. Da sie auf dem vniversitätsgeländ« noch die Mehrheit zu haben glauben, griffen sie zum Knüppel- komment, indem sie tapfer auf die Minderheit cinfchlugeti und besonders die Frauen nicht verfchonren. Das Ganze scheint eine Episode zu sein in der großen Auseinandersetzung, die unsere Zeit nun einmal erfordert. Aber es hat sicher eine tiefer und weitergehende Bedeutung, wenn man sie im Rahmen der besonderen Entwicklung des akademischen Nachwuchses betrachtet. Aus jahrhundertealter Ueberlieferung nimmt die akademische Jugend für sich das Recht in Anspruch, ihre besondere„Frei- heit" zu genießen. In den gleichen Lebensjahren, die die Arbeiterjugend längst an Schraubstock und Hobelbank, an die glutheißen Kessel oder den Pflug fesseln, pflegten die Söhne des aufstrebenden Bürgertums ihren freiheitlichen Bummel mit akademisch-alkoholischer Begeisterung. Wußten sie doch. daß ihnen später als den„Führern des Volkes" alle Würden und Aemter offen standen, die das Klassen- und Privilegien- system den„Gebildeten" vorbehielt. Die Demokratie hat mit vielem aufgeräumt, auch mit dem absoluten Vorrecht der akademischen Formalbildung. Heute sieht sich die bürgerliche Jugend plötzlich in ihrer sicheren Zukunft bedroht, sie muß mit Schaudern sehen, daß„gewöhn- liche" Volksschüler und Handwerker zu Aemtern im Volke kommen, die doch eigentlich ihr vorbehalten sein sollten. Mehr noch: Proletarierkinder kommen durch Selbststudium und Arbeiterkurse zur Möglichkeit, selbst als Studenten in die Kreise des früheren Vorrechts einzudringen. So ist der akademische Radikalismus und Nationalismus heute im tiefsten Grunde ein Versuch, die gesicherten Rechte und Vorrechte der aristokratischen Klasse it- t e i l u n g früherer Zellen so oder so wieder herbeizuschaffen. Jeder, der von Demokratie, Republik oder gar von Sozialis- mus als der Lehre eines gesellschaftlichen Menschentums spricht, ist ihnen ein Greuel. Während sie selber auf der Straße und in den Hochschulen für ihren Rationalismus— mag er hlllerisch oder wie immer verbrämt sein— die lärmendste Reklame treiben, fühlen sie sich in ihrem Tiefsten getroffen, wenn andere etwas Aehnliches tun. Diese prügelnden, lärmenden und dabei empfindlichen Schüler der Gelehrsamkeit fühlen sich heute noch als Vor- kämpfer eines nebelhaften„Dritten Reiches", das ihren Be- russidealen wieder Erfüllung bringen soll. Morgen schon, so hoffen sie, werden sie im Staate ihrer Sehnsucht die„Führer der Nation" sein dürfen, als Richter, als Staatsanwälte, als Industriedirektoren mit unbeschränkter Bollmacht, vielleicht gar als Zuchthausdirektoren faschistischer Prägung. Es ist selbstverständlich, daß diese Hoffnungen nicht sämtlich in Er- füllung gehen. Aber die Möglichkeit besteht, daß ein großer Teil von ihnen rechtzellig Anschluß sucht, um innerhalb der demokratischen Republik Anstellung als„Führer" zu erhatten, /ei es auf der Schills, fei es bei Gericht oder in welchem Amt und Aemtchen immer. Der Amtsrichter Franzen in Kiel, der seine nationalsozialistische Gesinnung amtlich ab- meldete so lange, bis er aus der Reichstagsliste der Nazis sicher untergebracht und dadurch vor disziplinaren Folgen ge- sichert war, ist ein leuchtend Beispiel für die Art, wie grund- sätzlich Gegner der Staatsform die Toleranz dieses Staates mißbrauchen. Diese staatliche Toleranz gegen akademische Raufbolde mit und ohne Hakenkreuz schädigt den Staat der Gegenwart und die Zukunft des Staates selbst. Die Prügelepisode von Berlin wirft deshalb die Frage auf, ob die demokratische Republik sich Fußtritte versetzen lassen muß von Bourgeoissöhnchen. für deren Ausbildung sie Jahr für Jahr das Vielfache dessen an öffent- liehen Mitteln aufwendet, das für die Bildung der Arbeiterkinder übrig ist. Aber die Vorfälle zeigen auch der sozialistischen Arbeiterschaft aufs deutlichste, wie notwendig ihr Zusammenarbeiten mit den sozialisti- schen Studenten ist, den jugendlichen Mitkämpfern für die Ideale einer neuen Well, die keine wirtschaftliche Not und keinen geistigen Zwang mehr kennt, für die demokratisch- sozialistische Republik der Zukunft! Nesprechung über die Notverordnung. Zusammentritt des Hauptausschusses des Reichstags. Der Haushaltsausschuß des Reichstags, der am Mittwoch zusammengetreten ist, wird sich zunächst mit den Anträgen auf Winterbeihilfe für Erwerbslose und Rentner, auf Verbilligung des Frischfleisches, den Anträgen wegen des Grubenunglücks in Alsdorf und der Fürsorge für die Hochwassergeschädigten beschästigen. Dann e r st werden die Anträge zur Aufhebung oder Abänderung der Notverordnung in Angriff genommen werden. Da wegen des Buhtages die Sitzungen in der nächsten Woche erst am Donners- tag beginnen, dürste auch erst an diesem Tage mit der Beratung der Notverordnung begonnen werden. Zur Vorbereitung dieser Verhandlungen des Haushaltsausschusses haben in den letzten Tagen Besprechungen stattgefunden, die noch fortgesetzt werden. Es handest sich dabei sowohl um Be- sprechungen der Sozialpolitiker wegen der Krankenoersicherung und der Arbeitslosenversicherung, als auch mn Besprechungen der Finanz- pollliker, bei denen vor allen Dingen die Kopfsteuer erörtert wird. lieber die Aus sichten dieser Besprechungen und über ihr Ergebnis läßt sich im Augenblick noch nichts sagen. Berawngen über eine Winierbeihilfe. In der ersten Sitzung des Hauptausschusses wurde nur der konununisiische Antrag über die Gewährung einer W int erb ei- hilf« an Erwerbslose, Sozialrentner und Kleinrentner behandelt. lieber die furchtbare Rot, die in den Kreisen dieser Opfer der kapitalistischen Wirtschastsordmmg, besonders unter den Erwerbs- losen herrscht, bestand keine Meinungsverschiedenheit. Daß mit der einmaligen Beihilfe von-40 Mark für den Hauptunterstützungsempfänger, wie sie die Kommunisten beantragten, nur wenig ge- halfen würde, das betonten selbst die Antragsteller. In den letzten Jahren ist. um die reguläre Durchführung der Unterstützung nicht zu gefährden, von solchen einmaligen Zuwendungen abgesehen worden. Trotzdem ist die Sozialdemokratie, wie Abgeordneter Biedermann ausführte, in Rücksicht auf die verschärfte Notlage bereit, dem Antrag zuzustimmen, sofern sich irgendeine Möglichkeit zu seiner Durchführung bietet. Dazu ist aber eine Regierung erforder- lich, die den Antrag auszuführen und die notwendigen Mittel zu beschaffen berell ist. Von den Vertretern der Regie- rung wurde mitgeteilt, daß die Durchführung des Antrages etwa 360 Millionen Mark kosten würde. Eine Reichswgsmehrheit, die diese Summe von den Zahlungsfähigen zu erheben berell wäre, besteht nicht, obgleich die Nationalsozialisten und die Deutschnatio- nalen vor Freundlichkeit und Mitleid mit den Hungernden und Frierenden Überflossen. Die Entscheidung über den Antrag wurde daher vertagt durch Annahme eines Antrages des Zentrums und der Deutschen Volkspartei, wonach die Regierung ersucht wird, eine Aufstellung vorzulegen, welchen Geldbedarf der kommunistische An- trag auf Winierbeihilfe erfordert und welche Deckungsmlltel zur Ver- fügung gestellt werden können. Gehalis?ürzung ab 1. April. Keine Aenverung des Termins in den Reichsratsausschüssen. Die Vorlage auf Kürzung der Beamtengehälter wurde gestern in den Reichsratsausschüssen in zweiter Beratung angenommen, ohne daß Anträge auf Vorverlegung des Gehaltskürzungstermins gestellt worden wären/ Es bleibt also bei dem Termin vom 1. April. Die Verhandlungen wurden nachmittags fortgesetzt. Das Ge- setz über die Einschränkung des Personalaufwandes in der öffentlichen Verwaltung wurde in zweiter Lesung an- genommen. Sodann fand eine allgemeine Aussprache über das Real- steuergesetz statt. Bis in die späten Abendstunden beschäftigten sich die Ausschüsse noch mit der Einzelberatung dieses Gesetzes, die am Donnerstag fortgesetzt werden soll. Die zweite Lesung des Aus- gabenibegrenzungsgesetzes soll gleichfalls am Donnerstag vormittag vorgenommen werden. Kein Vergleich mit Zorns! Hornstein gibt Zorns keine Ehrenerklärung ab. Die auf Anregung des Oberstaatsanwalts Köhler am Mittwoch eingeleiteten Bergleichsoerhandlungen zwischen dem Vertreter des Reichsanwalts Jörns, Iustizrat Dr. Löwenstein, und dem Redakteur B o r n st e i n, sind nach kurzer Dauer ge- scheitert. Iustizrat Löwenstein erklärte, Reichsanwalt Jörns würde auf die Fortführung der Klage verzichten, wenn Bornstein die Erklärung abgebe, daß er aus den festgestellten objektiven Män- gel» im Verfahren Liebknecht-Luxemburg keine Vorwürfe in subjektiver Richtung gegen Reichsanwalt Jörns her- leiten wolle. Redakteur Bornstcin lehnt« elne solch« Erklärung ab. Er habe zwar mit der Veröffentlichung des inkriminierten ArtiMs noch nicht den Vorwurf der Rechtsbeugung gegen Jörns erheben wollen. Nach Kenntnis der Akten und nach der Vernehmung der Zeugen im Iorns-Pro.zeß sei er aber jetzt davon überzeugt, daß Herrn Jörns auch in subjektiver Richtung die schwer- sten Vorwürfe zu machen seien. Daraus wurden die Ver- gleichsverhandlungen als aussichtslos abgebrochen. Der Prozeß wird am Donnerstag fortgesetzt. Oer Kampf um die preise. Das preissenkungsdirektvrium bei der Reichsregierung. Die Relchsregicrung hak sich eulschlosseu, die Bestrebungen zur Senkung der wichtigsten Lebensmillelpreise straffer zu- sammenzusasscn. Das soll durch elnea Ausschuß geschehen, besten Vorsitz der Reichskanzler Dr. Brüning selbst sührk. Dem Ausschuß gehören der Reichsarbelksminister Stegerwald. der Reichssinanzminister Dietrich, der Reichswirtschaflsminlster Treadelenburg und der Reichsernährungsminister Schiele an. hinzugezogen sind ferner der preußische haodelsminister Dr. Schreiber und der Reichsbankpräsident Dr. Luther. ver Reichspräsident empfing gestern nachmittag den Reichskanzler Dr. Brüning und den Reichsminlster für Ernährung und Landwirtschaft Dr. Schiele zu einer gemeinsamen Besprechung über die Durchführung der zum Schuhe der deutschen Landwirtschast sowie zur Durchsehung der Lebensmlttelpreissenkung von der Reichsregierung in Aussicht genommenen weiteren Maß- nahmen. Die Durchsetzung des Preisabbaus, den die Reichs- regierung auch bei den Bedürfnissen des täglichen Lebens beabsichtigt, erweist sich als schwieriger als die Regierung angenommen hatte. Bezeichnend dafür sind die Vorgänge in Berlin, wo die Regierung zuerst oerkündete, daß eine erhebliche Herabsetzung der Brot- und der Fleischpreise mtt den Interessenten vereinbart sei, was diese jedoch bestritten. Aber auch wenn die ursprünglich von der Regierung angekündigten Preisermäßigungen für Brot, Fleisch und Milch in vollem Ausmaße durchgeführt werden, so wird davon doch nur eine' Teilwirkung auf die Lebenshaltungskosten ausgehen können. Was in Berlin begonnen wurde, muß erst im ganzen Reich durchgesetzt werden. Preissenkung für einzelne Lebensmittel sind zwar gut und schön, aber erst eine Senkung aller Preis« für den Lebensbedarf wird für den Konsumenten eine fühl- bare Erleichterung bringen. Don diesem Ziel sind wir vorläufig noch sehr weit entfernt. Das Reichskabinell hat nun einen kleinen Ausschuß eingesetzt— Preissenkungsdirektorium—, der dw.begonnene Aktion mit größerem Nachdruck und einheilluher als bisher fortsetzen soll. Man will in erster Linie die Preisspanne des Handels, durch die die Waren auf ihrem Wege von, Erzeuger zum Ver- braucher wesentlich verteuert werden, vermindern. Man denkt außerdem an eine Senkung der T a r i f e bei Rs i ch s b a h n und Post und macht auch den Versuch, die Gebühren für Gas und Elektrizität mindestens in dem Ausmaß der Kohlenoerbilligung durchzusetzen. Das ist zwar richtig, dennoch muh nian bezweifeln, ob durch diese Maßnahmen allein die Preissenkung so rasch und so wirksam erfolgen kann, daß sie einen Ausgleich für den Lohnabbau darstellt. Diese Maßnahmen beseitigen nicht die Ueberhöhung der Preise, die durch Zölle und Kartelle er- folgen. Eine wirksame Preissenkung wird daher erst eintreten, wenn die verfehlte Zoll- und Kartellpolitik geändert wird, die die Preise in Deutschland über den Stand der Weltmarktpreise hinaushebt. Oer Wirrwarr dauert noch fori Verhandlungen, Verfprecfmnoen, Anklagen— alles durcheinander. Das Tohuwabohu der Preissenkungsaktion in Berlin hat sich noch wenig geklärt. Draußen im Reich ist bisher kaum etwas ge- schehen. Bemerkenzwert ist die Behauptung der Vereinigung der Brotfabrikanten Groß-Berlins, daß sie dem Reichs- ernährungsminister Schiele schon vor besten Mitteilimg an die Presse Kenntnis gegeben hätten, daß sie nur um zwei Pfennig herunter wollen. Dazu wird sich Herr Schiel« äußern müssen. Niedrige Richtpreise für Kartoffeln. Vom Roichsernährungsministerium wird mitgteilt, daß die Berliner Kartoffelhändler bereit sind, im Kleinhandel zehn Pfund weiße Kartoffeln für 23 Pfennig, rote und blaue Kar- tosfeln für 23 Pfennig und gelbe Kartoffeln für 30 Pfennig abzu- geben. Eine Sicherheit für die Einhaltung dieser Preise scheint nicht zu bestehen. Die Preise der Konsumgenossen s-chaft Berlin lauten auf 23, 23 und 29 Pfennig. Besprechungen über Obst und Gemüse. Für die Verbilligung von Obst und Gemüse gab es bisher im Reichsernährungsministerium nur Besprechungen. Die Verbände der Interessenten wollen die Mitglieder zur schärfsten Kalkulation auffordern. Hier ist also noch nichts erreicht, obwohl viel zu machen war«. Holsteinischer Kohl kostet an Ort und Stelle pro Zentner bis höchstens 60 Pfennig, in Berlin kostet das Pfund 7 bis 8 Psennig. Für Zwiebeln wird in Calbe, Bezirk Magdeburg, 1 Mark pro Zentner bezahtt. in Berlm steigt der Klein- Handelspreis auf 10 Mark. Das sind beachtliche Beispiele. Oer Widerstand der Droifabritanten. Die Berliner Brotfabrikanten beharren nach wie vor in ihrem Widerstand. Sie erklären, wegen ihrer hohen Kosten nur zwei Pfennig heruntergehen zu können. Tatsächlich scheinen es Kartelloerabredungen zu sein, die den Grund des Wider- standes bilden und durch die die kleineren Fabriken geschützt werden sollen. Die Regierung hat Kartellvollmachten. Wird sie sie ge- brauchen? Für Milchpreise noch keine Klarheit. Die Berliner Stadtgüter G. m. b. H. war tatsächlich an den Preisverhandlungen nicht beteiligt. Mtt ihr und auch der Meierer Bolle wurde gestern im Reichsernährungsministerium oerhandell. Im ganzen scheint es noch immer ungewiß. was bei der Milchoerbilligung herauskommt. Die Reichsregierung glaubt nicht, so heißt es, daß die Milchhandelsorgonisationen die getroffenen Abmachungen nicht anerkennen wollen. Ein Appell der Städte. Der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Mulert, erklärt in einem Rundschreiben an die Städte, daß ohne ausreichende Senkung der Preise den Beamten, Angestellten und Arbeitern keine Einkommensenkung zugemutet werden könne. Die Städte müßten in erster Linie für die Aufklärung der Konsumenten sorgen, insbesondere durch laufende Veröffentlichungen der wichtigsten Lebensmittelpreise, und zwar namentlich der niedrigsten Preise unter Ncnnung�des betreffenden Stadtteils und der betreffenden Straße, wo die Feststellungen ge- troffen wurden. Lebensmittel- und Gemüsehändler protestieren. In einer öffentlichen Kundgebung des„Zcntralverbandez der Lebcnsmittelhändler Deutschlands" und des„Reichsverbandes deutscher Obst- und Gemüsehändler" kam der WUle zum Ausdruck, von sich aus nichts für einen wirksamen Preisabbau zu tun. Es wurde die für jeden Konsumenten phantastische Behauptung auf- gestellt, daß der Handel sett 1928 ständig rückläufige Preise ausweise. Ferner wurde erklärt, daß die Forderung auf Preissenkung mit Rücksicht auf den Lohn- und Gchattsabbau eine Ungerechtigkeit gegen den Einzelhandel darstelle, da dieser seine Preise nach der Gehallserhöhung der Beamten»n Jahre 1927 auch nicht erhöht habe.(!!) Es wurden sodann Tarifermäßigungen der Reichsbahn, sowie Verbilligung der Strom- und Gaspreise und der Mieten gefordert. Hilfe für Hochwafferopfer. Das Preußenparlament beschließt ein Hilfsprogramm. Nach den furchtbaren Bergwerkskatastrophcn, die in der vorigen Woche den Landtag beschäftigten, behandelt« das Preußenparlament am Mittwoch in ausgedehnter Debatte die Hochwasferkatastrophe in Schlesien und Brandenburg. Fast alle Parteien hatten Altträge gestellt, die sofortige Hilss- leistungen, aber auch vorbeugende Maßnahmen forderten. Alle diese Anträge hatte der H a u p t a u s s chu ß in einem Programm zusammengefaßt, in dem unverzüglich ausreichende Mittel für Wie�erherstellungsarbeiten gefordert werden, aber auch Hilfs- leistungen für die schwer in Not geratenen Einwohner der betroffe- neu Gebiete. So sollen nach dem sozialdemokratischen 'Antrag die noch aus den Jahren 1926— 1928 stammenden staatlichen Hochwasserkredite in den Notstandsgebieten nieder- geschlagen werden, soweit Provinzen und Kreise dasselbe tun. Es sollen Beihilfen gewährt werden und ferner alle vorbeugen- den Maßnahmen durch ein auf längere Zeit berechnetes Wasser- bauschutzprogramm getroffen werden. Der Hauptausschuß verlangt außerdem, daß die Notstandsgebiets von Schlesien und Brandenburg mit in das Osthilfeprogramm aufzunehmen sind.� Als erster Debatteredner gab Abg. Simon» Neusalz(Soz.) «inen umfassenden Ueberblick über die verheerenden Wirkungen der furchtbaren Katastrophen, die, wenn auch keine Menschenleben zu beklagen sind, wie damals bei den Ueberschwemmungen von 1903. wirtschaftlich größeren Schaden angerichtet hat als jene. Cr vertrat die sozialdemokratischen Forderungen und sprach insbesondere dem Reichsbanner Dank aus für die tatkräftige Hilfeleistung, die dies« Organisation in allen Orten des Notstandsgebietes geleistet hat. Zum Schluß wandt« sich der Redner gegen die polittsch« Hetze der reaktionären Parteien, die sich gegen die Preußenregierung und gegen die Außenpolitik wendet. Denn nur d'e letzter« hat die Aufnahme größerer Luslandskredtte möglich gemacht, ohne die die bisherigen Wafferfchutzarbeiten unmöglich gewesen wären. Auch der zweite sozialdemokratische Redner, Abg. Freier. setzte sich nachdrücklich für das Hauptausschußprogramm ein, das entfcheidendc Teil« der sozialdemokratischen Forderungen über- nommen hat. Ms Landrat des brandenburgischen Kreises Kala»- Luckau forderte er Fortsetzung der seit drei Iahren betriebenen Spree- waldregulierung durch Anlag« eines bereits vorgesehenen Stau- -beckens und vor allem die Aufnahme des Regierungsbezirks Frank- furt a. d. O., ebenso wie der belrofsenen Kreise in Riederschlejien. in das Osthilfeprogramm. Die Regierung erklärte, daß außer den vorläufig zur Der- fügung gestellten Mitteln zur Hilfeleistung selbstverständlich im Sinne des Hauptausschußprogramms alles getan wird, um durch weitere Mittel Not zu beseitigen, die beschädigten Wasierschutz- anlagen wieder herzustellen und vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Das Hauptausschußprogramm wurde mit großer Mehrheit an- genommen. * 3n zweiter Lesung stimmte dann das Haus noch über die Durch- sühnrngsbestimmungen zur Gemeindebier st euer, ffle- meindegelränkesteuer und zur V ü r g e r a b g a b e ab. Die vorlagen wurden mitd eu Stimmen der Regierungsparteien Die Vorlagen wurden mit den Stimmen der Regierungrpurteiea in namentlichen Abstimmungen gegen die übrigen Parteien an- geuommeu. • Die nächste Sitzung findet am Donnerstag um 11 Uhr statt. Auf der Tagesordnung stehen: dritte Lesung der neuen Kommunal- steuern, pädagogische Akademien und Landwirtschast-fragen. Oldenburg ohne Rltnlsterprästdenl. In der gestrigen Landtags- sitzung blieb die Wahl eines Ministerpräsidenten wieder ergebnislos. Ein nationalsozialistischer Antrag, den Landtag aufzulösen, wurde abgelehnt. Razilandtagspräsidenk in Sachsen. Die Rechtsparteien des Sächsischen Landtags hielten am Mittwoch wiederum eine Sitzung ab, die sich mit der am Donnerstag stattfindenden Präsidenten- wähl besaßt«. Die Nazis schlugen ihren Abgeordneten Kunz sür die Wahl vor. Indessen kam eine Einigung nicht zustande. Schwerer Entschluß. Die anglo-indische Konferenz. Ihre Eröffnung und ihre Bedeutung. London. 12. Nonember.(Eigenbericht.) „Wir sind m der Geburtsstunde eines neuen Zeitalters�, sprcut» der Führer der englischen Arbeiterbewegung, als er am Mittwoch mittag den Vorsitz der britisch-indischen Konserenz übernahm. Würdig und einfach war die Eröffnung dieser Versammlung, in der sich das künftige Schicksal des größten Reichs ßer Erde uui) von 350 Millionen Inder vorbereiten werden. Im Oberhaus versammelten sich die 83 Delegierten, 68 Inder, meistens in bunten Kostümen, darunter zwei Frauen und zwei Vor. tnruensleute der Gewerkschaften. Fast vollzählig sind die Maharadschas und Nabobs erschienen, von Kaschmir, von Tikainir. Alvar, Patiala, Heiderabod und wie die sagenhasten Namen alle heißen. Sie sind die Repräsentanten der indischen Staaten. Aga Khan ist da, der seine ungeheuren Reichtümer in Europa verzehrt. Mohammed Ali. der Oberst« der indischen Moslems, Sopru und Ioyatar, die. Führer der indischen Liberalen, Iiruiar,.Sastri, Männer, von denen jeder einzelne den Charakter bäuerlichen Herkommens trägt, köpfe, aus denen die Weisheit, die Kultur und die lleberlieserung von Jahrhunderten strahlen. Gesichter, die die Maschinen noch nicht egalisieren und schoblonisieren tonnten, köpfe, als feien sie aus einem bunten schönen Märchen- buch geschnitten. Den Indern, Hindus und Moslems gegenüber sitzen 15 Dele- gierte Englands, mi der Spitze Macdonald, henderson, Wedgewood, Venn und Thomas, drei Konservative und drei Liberale. Nur ein einziges äußeres Zeichen der Vergangenheit und der Verbunden- heit der Inder und Engländer: die englische Sprache. Ob Moslem oder Hindu, welcher Stamm, welches Land, welches Volk: durch ver- schieden« heimatsprachen getrennt, verständigen sie sich auch unter- elpander aus englisch. Das Gesumm« bricht jäh ab. Der König und Kaiser von Indien erscheint und verliest die Begrüßungsrede. Unter stürmischem Bei- fall wird daraus Macdonald zum Vorsitzenden gewählt. Mit tiefem Ernst und hohem Verantwortungsbewußtsein verweist er auf die historische Stund«, die die Geburtsstunde eines neuen Indien sein müsse, das am Tor seiner konstitutionellen Entwicklung angelangt sei. Es folgen die Reden der Führer der indischen Dele- gationsführer, alle die Verbundenheit Indiens mit England betonend, alle bereit, diese Konferenz zum Besten des indischen und des englischen Volkes reifen zu lassen, nicht durch ein viktal. sondern durch gemeinsame Arbeit. Diese Konserenz wird der Anfang sein einer auf der indische» Freiheit und Selbstverwaltung aufgebauten Union der beiden Staaten, oter das E n d e der Zusammenarbeit, was zu gleicher Zeit Indien auf den Weg Chinas treiben müßte. Niemand weiß dies besser als die Arbeiterregierung. Die Vorschläge des Simon- Berichtes, obgleiä) sie zur Debatte stehen, sind bereit« sä»cts gelegt. A» ihrer Stelle wird die englische Regierung durch die in den nächsten Tagen zu erwartende Denkschrift des indischen Vize- lönigs eigene Ansichten darlegen lassen. Dies« neuen Vorschläge reichen nahezu an den D o in i n i o n st o t u s heran. Die indischen Fürsten sind bereit. In große Machlabstriche«ior.x- zuw-llig-n.;r Die Beratungsdauer der Konferenz ist auf drei Monate he-'' rechnet. Im Vordergrund der Diskussion muß die Selbst- Verwaltung Indiens stehen und die Demokratisierung seiner Staaten. Die Befreiung der indischen Bauernmassen ist auf der Tagesordnung der Weltgeschichte. Mit England— auf dem Weg der Evolution: gegen England— ans dem Weg der Gewalt, der Zerstörung und des blutigsten Kampfes. Das ist die Frag«, die neben dem britischen Reich auch die Welt erschüttern kann. Sie kann nicht mit englischen und nicht mit indischen iwtionalistiscken Phrasen, noch mit der reakiionären Maschinenstürmcrei und Ge- snndbeterei Gandhis gelbst weiden: ober mit der Besonnen- heit, der historischen Erkenntnis und der Erfahrung einer in der demokratischen und sozialistischen Schule groß ge- wordenen Arbeiterbewegung und ihrer Regierung. Gegenkundgebunq. London, 12. Novcnchcr. Aus Anlaß der Eröffnung der englisch-indischen Konferenz ver- anstalteten die Anhänger Gandhis in Indien einen Trauertcrg. Alle Geschäfte und Märkte der Hindus in Karatschi waren ge- schlössen. pilsitdstis Wahlterror. Polizeiattacke in Vromberg. Bromberg. 12. November. Am Dienstagabend wurde eine Wahlversammlung der polnischen Nalionaldemokralen(Rechlsopposition) von der Polizei gleich zu Beginn aufgelöst. Die Versammlungsleilnehmer zogen daraus durch die Hauptstraßen. Aus dem Theaterplah und dem Friedrichsplatz ging die Polizei mit gefälltem Bajonett gegen die Menge vor. Mehrere Personen wurden zum Teil schwer verletzt, während der Demonstration wurden zwei nationaldemokratische Redakteure wegen Ausreizung zu Gewalttätigkeiten verhaslet, Mittwoch früh ein dritter Schriftleiter dieses Organs. Graebe vor Gericht. Gegen den gewesenen deutschbürgerlichen Abgeordneten, ehe» maligen preußischen Oberstleutnant Graebe verhandelt jetzt das Bromberger Gericht. Die Anklage stammt von— 1923 und wirft Graebe Landesverrat durch die Tätigkeit des längst ausgelösten Deutschtumsbundes und dadurch vor, daß er Posener Deutsch« ab- gehalten habe, für Deutschland zu optieren!! Damit soll er die Stärkung der deutschen Minderheit angestrebt haben, da die Verfassung volle Gleichberechtigung verspricht... Auf dem Danziger Bahnhof in D i r s ch a u wurden zwei Deutsche, die Arbeiter Johann Mauritz und Oskar Reikowski aus Dirschau, die sich mit Wahlmateriol und Stimmzetteln nach Neustadt begeben wollten, verhaftet. Man durchsuchte ihre Pakel« und beschlagnahmte das Wahlmaterial und die deutschen Stimmzettel. Dieses Material hatte die Zensur anstandslos pafsiertl Gtraßenierror in Warschau. In der Nacht zum Sonntag wurde in Warschau der Maurer Piotr Lenarczyk. der Zentrolinken-Wahlplakat« anklebte, von unbekannten Männern angefallen, die ihm die Plakate entrissen und ihn bedrohten. Als er die Flucht ergriff, sandten ihm die Unbekannten einige Revolverschüsse nach, von denen einer Lenarczyk in die Hüfte traf, so daß er bewußtlos zusammenbrach. Nach den An- gaben des Ueberfallenen ist der Täter ein gewisser Piotr owski, Lucka 12 wohnhaft, der natürlich spurlos verschwunden ist. Kauf deutsche Zeitungen— und du wirst verprügelt. Kottowitz, 12. November. Die angekündigten Maßnahmen der Aufständischen gegenüber der deutschen Presie werden seit Beginn der Mobilisation des Auf- ltändikchenverbandes in brutaler Weise durchgeführt. In Gruppen zogen die Ausständigen in Kallowitz von Lokal zu Lokal, zer- rissen die dort ausliegenden deutschen Zeitungen und Zeitschriften, belästigten die Gäste, die deutsche Zeitungen lasen, verprügelten die Verkäuferinnen der deutschen Zeltungen und überfielen die Zeltungsboten an den Straßenbahnhaltestellen und in den Zeitungskiosken. Nur heimlich durften deussche Zeitungen zum Verkauf angeboten werden. In Pschow wurden einem Austräger des„Oderschlesischen Kurier* nicht nur die Zeitungen entrissen und das Fahrrad zer» trümmert, sondern er selbst wurde bis zur Vewußtlosigkeft geschlagen. In Laurahütte wurde ein Ehepaar, das eine deutsche Zeitung gekauft hatte, jämmerlich verprügelt und selbst dos Kind, das mit den Eltern deutsch sprach, mit Fußtritten bearbeitet. Als Straßen- passanten zur Hilfe kommen wollten, wurden sie von den Strolchen ebenfalls angegriffen. In Königshütte wurde die große Schau- fensterscheib« der Gsschäjtsstelle des„Obers dzlesischen Wanderer* eingeschlagen. In Lipin« wurden erneut deutsche Zeiwngs- auströger überfallen und verprügelt. Selbst die Polizei betelligt sich an der Ausrottung der deutschen Presse. Nicht genug, daß täglich die deutschen Zeitungen wegen belangloser Artikel der Beschlagnahme verfallen, werden die Zei- tungsausträger von der Polizei angehalten und darüber vernoinmen, weshalb sie deutsche Zeitungen austrogen- Den Leuten werden Versprechungen gemacht für den Fall, daß sie ihre Tätigkeft einstellen. Auf diese Weise wird den deutschen Parteien die letzte Möglichkeit der Wahlpropaganda durch die Presie ge- vommen. Deussche Wahlversammlungen finden schon lang« nicht mehr statt.__ Iialiens Armee: 630000 Mann. Die Mli, einbezogen. Genf, 12. November.(Eigenbericht.) In der vorbereitenden Abrüstungskommission macht die Vertretung Itastens gelegentlich«ine Geste, die den Eindruck erwecken soll, das Faschistenreich wolle Abrüstung: man erttärt sich zum Beispiel für deutsche Anträge, wenn Frankreich dagegen ist. Die Wahrheit aber zeigen folgende Tatsachen: Am 1. November hat der italienische Minssterrat die Gesetze über die Neuformierung der Faschistenmiliz verkündet, die mit einem Schlage die Kampfkraft der italienischen Landarmee weit mehr als verdoppeln. Die Gesetze haben den Sinn, die Parteitruppe von 363165 Mann auss engste mit der regulären Armee von 230 000 Mann zu verbinden. Daher werden die Bataillone der Miliz nicht mehr als selbständige Truppenkörper geführt, sondern der Armee als Kerntruppen des Faschismus bei- gegeben. Die hohen Chargen der Miliz rangieren in Befehls- gewalt, Geholt und Pension genau mit dem Generalstab der Armee: auch die übrigen 1200 Milizossiziere werden aus dem auf sämtliche Staatshaushalte verteilten Militärbudget besoldet. Zum Unterschied von der regulären Truppe, die auf der allgemeinen Wehrpjlicht aufgebaut ist, handelt es stch bei der Miliz um ein „freiwilliges* Heer. Schon mit acht Iahren werden die jungen Schwarzhemden in die„Balilla* eingegliedert, der sie bis zum 14. Jahr angehören. Von da bis zum 18. Jahre kommen sie in die Vortrupps, bis 21 Jahre bilden sie die jungen Kampfverbände, aus denen jedes Hahr etwa 90 000 zur Miliz übergehen. Die Verpflichtungszeit für die Miliz beträgt 10 Jahre, während deren die Milizsoldaten jetzt regelmäßig an der mili- tärischen Ausbildung und allen Gefechtsübungen teilnehmen. Be- sonder« Milizmanöver gibt es außerdem. Der Kampfwert der Miliz wird von der italienischen Presie ganz besonders unterstrichen.„Das neue Gesetz*, sagt die Proklamation des Großen Faschistenrates,„ist nicht nur ein Fort- schritt für die Verbände der Schwarzhemden. Es stellt eine viel größere Garantie für die Zukunft der faschistischen Revolution und für die Macht des Vaterlandes dar.* Mussolinis„Popolo d'Italia* betont:„Freiwillige Soldaten, von juristisch und gesetzlich offiziellen Offizieren befehligt, die im Krieg dekoriert sind, stellen eine furchtbare Verstärkung der aktiven Truppe dar.* Praktisch kann man also ruhig sagen, daß seit 1. November neben der rgulärea Armee von 230 000 Maua eine bewasfuete Macht ww 400 000 Mann ständig in Zlalien mobilisiert / ist. Die praktische Verdoppelung des italienischen Heeres durch die neuen Gesetze ist eine neu« P r o v o k a t i on aller Friedensfreund«. Sie kommt gerade noch recht, um der vor» bereitenden. Abrüstungstom Mission zu beweisen, daß an ein Ausschalten bewassneter Verbände aus dein Programm der Abrüstungskonferenz nicht gedacht werden kayn, wofür sich gerade Italien so eifrig einsetzt. Fünf Schilling für das Arbeiterkind. OieEtternunterflützung wegen derSchulpflickwerlängerung London, 12. November.(Eigenbericht.) Die k o st e u d e ck u n g s v o r l a g c für die Verlängerung der Schulpflicht und die dadurch notwendig werdende Unterstützung der Eltern wurde am Dienstag auch hitziger Debatte gegen 12 Uhr nachls mit 271 gegen 242 Stimmen angenommen. Liberale und Sonservattoe bekämpften den für dos erste Jahr geforderten Aufwand vou rund 6M> Millionen Pfund(130 Millionen Mark). Maxton, der Führer der Unabhängigen Arbeiterpartei widerlegt« schlagend die Gegner der Vorlage. Beschämt saßen die Bürger- lichen auf ihren Bänken. Aus den Reihen der Arbeiterabgeordneten rief man ihnen zu: hier jammern sie, daß England an diesen Mil- lionen zugrunde gehen werde, und dann gehen sie in den Speisesaal und geben im Handumdrehen fünf Schilling aus— denselben Betrag, Oer KroN-Vertrag. Die„Voss. Ztg.* veröffentlicht die Bereinbarungen, die zwischen der Volksbühne und der preußischen Regierung abgeschlossen sein sollen, für den Fall, daß die BolkÄbnhne auf ihre vertraglichen An- recht« auf die Kroll-Oper verzichtet. Wie wir dazu erfahren, ist der Vertrag noch von keiner Seite perfekt gemacht. Di« Meldung der„Voss. Ztg.* ist also verfrüht und geeignet, den ruhigen Ablauf der Verhandlungen zu stören. den die Arbeitereltern als Wochenhilfe bei der Durchführung der Schulpflichtverlängerung bekommen sollen. Lord Oickinson— Labourmann. London, 12. November.(Eigenbericht.) Lord D i ck i n s o n, früher William Dickinson, ein hervorragen- des Mitglied der Liberalen Partei, ist zur L a b o u r Party übergetreten. Er war lange Jahre liberaler Abgeordneter und hat sich vor allem als früherer Präsident der Londoner Stadtver- wallung große kommunalpolitifche Verdienste erworben, die ihm den Lordtitel verschafft haben. Dickinson ist einer der Gründer der Kirchlichen Gesellschaft für internationale Verständigung. Sein Uebertritt zur Labour Party ist ein Zuwachs an Prestige und der Gewinn einer bekannten Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Tagung der unabhängigen Demotraten. Die Vereinigung un- abhängiger Demokraten wird ihre konstituierende Tagung am Sonn- tag, dem 30. November, in Kassel abhalten. Deussche Filme in Prag werden in drei Kinos ab Freitag wieder laufen. Die Beschießung der„Baden". Da die meisten Todesopfer Spanier waren, wird die spanische Botschaft in Berlin an der Verhandlung vor dem Hamburger Seeamt teilnehmen Die belgischen liberalen Parlamentarier haben chren Exministern das Vertrauen und sich für weitere Zusammenarbeit mit den Katholiken ausgesprochen. Die Krise steht vor der Beilegung. Der litauische Gouverneur des wemellande» forderte bei der Landtagseröffnung, daß endlich Wandel geschaffen werde, damit die Lehrer und Richter auch litauisch beherrschen. Pabst kehrt zurück. Am Republikseiertag hat der von Miklas angesetzte Innenminister Starhemberg mit den anderen heim- wehrführern den sattsam bekannten heinnvehrpusschssten Pabst an der Brennergrenzc feierlich empsangenl WERTHEIM Rfflige Bücher Leipziger Str.(Versand-Abt) XönigetraSe Bosenthaler Str. Blorftzplatz Arthur Graf v. Gobineau Glück u. Leidenschaft od dio Abenteuer des Jean de la Tour Miracle. Roman. Deutsche öbcrfraq. v. Hans Heinr. a mm Blumenlhal. 340 Seilen. V~b p« Eleg. geb. statt 5.00 nur Barlsch,Ruc]oIf Hans, Frohe Botschaft d.Welfkindes Line selbsfbiographi'sche Anleitung zum Glück. 190 Seiten. 8. Autlage. FH Gtf Halbleinen statt 3.50... nur Bang. H., Wanderjahre. in seinen Briefen an Peter Nansen. Mit einer Radierung v. H. Struck. 4 A4h 179 Seit. 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SBooembrt oerfdjlrt plötzlich unb untrmortet meine liebe Frau, un- lere Schwester, Schwägerin unb Tanie Kate Massow geb. Krawczyk im 36. Lebensjahr. In tiefet Trauer Alfred Meuow n. Verwandle, Spanbau, ben>2 November 1930. Die Einäscherung finbet am Sonn. abenb, bem 15 Sioocmbct, II1/, Uhr, im ftrema orlum Serichtstratze stall. Oeotsdier Metallarbeiter-VerbaDd Verwaltunesstelle Berlin Todesanzeigen Den Milgiiever» zur Nachricht, bah unser Aallege, ber Dreher �ililklm Kemkk geb. 20, Januar I86l, am 9, Na- uember gestorben ist Die Einäscherung finbet Danners. lag, ben Ii. November. iVn Uhr. im Aremalorium Baurnlchulenweg, ftiei- hoizstraße, statt Arn 10. November starb unser Kol- lege, ber Lackierer Otto Doli geb. 26. Juni 1868. Die Einäscherung findet Donners- tag, den>3. November. Iii1-» Uhr. im Krerna orium Baurnlchulenweg, Aieshoizftrake, statt. Ferner starb am 19 November an de» Folgen eines Unfalls unser Aollege, ber Klempner Lothar Paech Die E näscheiung findet Frettag den 14 November. 1; Uhr im Are- malorium Berlin. Sertchtstratze, statt Nege Beieitigung wirb erwartet. Nachruf Ferner verstarb un et Aollege, der H'hier Koihoü Sciimel cg Die Beerdigung hat bereits statt- gemnben. Am 3. November starb unser Kollege, ber Klempner Psat Eejn geb. 25 Äprll 1S6L Die Beerdigung hat bereits statt« gesuudon. Am IQ. November starb an Herz- schlag unlet Kollege, der Dreher Otto 8Lvumsllll Die Beerdigung Hai bereits statt- gesunden Ehre Ihrem Andenteal Die Orlsverwaltung. Mtefae Anzeigest wirkun&sveii und billig- Ühurachrlflawort TS PI.. Taxtvawrf 17 H./ Wiaderhelungsrobatf: IO mal 3*. 70 mal odar lOOO Worte Abschluß 10V lOOO Wort; 131». 4000 Wart« 70* Stollawgeaucha: Uburschriftawort 13 PI.. Toxtwert 10 Pt. Arnohmc durch den Varfog, Lindanstr. 3('*9 bis 5 Uhr), und sömtlicha Vorworts Filialen u. AusgobesleHon uernauie|1 Tapete». 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Zlovember 4930 vsr Xsrllersvs» In Universität Berechtigtes Eingreifen der Polizei zum Schutze der akademischen Freiheit Sie von den nakionalsozialistischen Studenten und ihren Anhängern gestern mitlag in der Berliner Universität provozierten Krawalle und Tätlichkeiten gegen sozialistische Studenten haben den Vorstand des Deutschen Studentenverbandes zu der folgenden Erklärung veranlaßt „Im Anschluß an die gestrige Verteilring des„Aufrufs an die deutschen Studenten", den der Deutsche Studenten- verband im ganzen Reich gegen den politischen Radikalismus auf den deutschen Hochschulen erlassen hat, haben sich an der Uni- versität Berlin schwere Krawalle entwickelt. Der Vorstand des Deutschen Studentenverbandes stellt dazu fest, daß seine Mitglieder die Verteilung in ruhiger und in keiner Weise provozierenden Form durchgeführt haben. Trotzdem sind die republikanischen Stu- deuten in unerhörter Weise angegriffen worden. Der Deutsche Studentenverband verurteilt aufs schärfste diese Vorgänge, die ge- eignet sind, das Ansehen der deutschen Hochschulen auf dos äußerst« zu gefährden. Im übrigen beweist aber dieses unakademisch« Ver- halten der rechtsradikalen Studenten, wie notwendig die jetzt vom Deutschen Studentenverband begonnene Sammlungs- und Atlivie- rungsaktion der verfassungstreuen Kräfte auf den Hochschulen ist. Der Vorstand des Deutschen Studentenvcrbandes legt ferner Wert auf die Feststellung, daß die Polizei nicht von ihm in die Universität gerufen worden ist, daß aber die Situation das Eingreifen der Polizei in jeder Hinsicht rechtfertigt. Die akademische Sonderstellung und Freiheit hört in dem Falle auf. wenn die Studenten durch ihr verhalten sich dessen unwürdig zeigen. Der Deutsche Studentenverband wird sich durch derartige Oppo- sitionsmethoden keineswegs hindern lassen, mit gesteigerter Inten- sität für die Idee des republikanischen Volks- st a a t e s an den deutschen Hochschulen zu werben, und hofft, daß er in Bekämpfung dieser unwürdigen unakademischen Kampfesart des Hochschulfaschismus von den Dozentenschaft und der Oeffentlich- keit in weitestem Maße unterstützt wird." Polizei muß Studenten schützen Der„Lokal-Anzeiger" erzählt,„daß der Rektor der Universität in Verhandlungen mit dem Koimnandeur der Berliner Schutzpolizei erreicht habe, daß sich in Zukunft Polizeiorgane nicht mehr aus den Hof des Unioersitätsgebäudes begeben und sich auch nicht in der unmittelbaren Nähe der Eingänge aufhalten, weil die Tatsach« von Kreisen der Studentenschaft als Provokation aufgefaßt worden ist". Ganz im Gegensatz zu dieserMeldung teilt Kommandeur Hcimannsberg mit, daß Verhandlungen dieser Art zwischen Ihm und Professor Deißmann nicht stattgefunden haben. Im Gegenteil hat Kommandeur Heimannsberg, der von dem Leiter der Universität telephonisch um sein Erscheinen gebeten wurde, in der Unterredung ausdrücklich betont, daß auch in Zukunft rücksichtslos eingegriffen würde, wenn sich in der Universität ähnliche Vorfälle wiederholen sollten. Der Kommandeur wies auch ausdrücklich daraus i/in, daß die Universität wie jedes andere Hau» der Polizeigewalt unterstehe. Professor Deißmann hat ver- «prochen, in Zukunft alles zu tun, um unter feinen Studenten Ruhe und Ordnung zu schaffen. Sollte ihm dos nicht gelingen, wird die Polizei mit allen zu Gebote stehenden Mitteln für Ordnung und Sicherheit in der Berliner Universität sorgen. Oer Berliner polizeiprösident teilt mit: Zu dem Krawall der nationalsoziakistischen Studenten am Mitt- wochoormittag auf dem Gelände der Berliner Universität veröfscnt- licht ein Spätabenblatt eine angebliche Erklärung des Rektors der Universität. Hierzu ist folgendes zu sagen: Schon in den Vormittagsstunden mußten am Eingang zur Universität sowie auf dem Universitätsgeländc selbst Schutzpolizei- kräfte zur Verhütung und Unterdrückung von Ausschreitungen ein- gesetzt werden. Gegen Mittag rief der Rektor der Universität, Herr Professor O. Deißmann, den Kommandeur der Schutzpolizei, Herrn He i m a n n s b e r g, an, damit dieser in Verbinduirg mit ihm beruhigend auf die Studenten einwirke. Der Kommandeur begab sich zur Universität und sagte hier dem Rektor auf dessen Wunsch zu. daß er die eingesetzten. Polizeikräfte zurückziehen würde, wenn es der Einwirkung des Rektors gelänge, weitere Tätlichkeiten zwischen den gegnerischen Studentengruppen zu unterbinden. Nachdem diese Vor- ausfetzung erfüllt war, verließ die Polizei das Universitätsgelände. Gegenüber einer unrichtigen Behauptung des Abendblattes fei her- vorgehoben: Kommandeur Heimannsberg hat den Rektor von vorn- herein nicht im unklaren darüber gelassen, daß die Polizei auf dem Universitätsgrundstück genau so wie überall mit allen gebotenen Mitteln einzuschreiten berechtigt sei und auch in Zukunft allen Ausschreitungen auf dem Um- versitätsgelände entgegentreten werde. Weiter hat der Rektor nicht davon gesprochen, daß die Anwesen- heit der Polizei auf die Studentenschaft provozierend gewirkt habe. Ein« Auffassung, die das berechtigte und notwendige Eingreifen der Polizei als„Provokation" ansieht, kann im übrigen nicht scharf genug zurückgewiesen werden. Das Flugblatt gegen den sogenannten Unwersitätsball der.Allgemeinen Studenten- fchaft"(unter welchem irreführenden Titel sich die Rechtsradikalen verbergen), das den besonderen Zorn der Nazis erregte, sieht m genauer Wiedergabe folgendermaßen aus: Ä�iUnonsri Arbeitslose hungern in Deutschland! Tausende von Studenten müssen nach einer Statistik des Studentenwerks von monatlich 80 RM. und weniger leben. Die Reichsregierung und der Reichspräsident Hindenburg sagen wegen der Not der Zeit alle Empfänge und Bälle ab. Die sogenannte allgemeine Studentenschaft der Universität Berlin, die unter Führung des nationalsozialistischen deutschen Studentenbundes steht, veranstaltet einen Ba|l in den Gesamträumen des Zoo mit Eintrittspreisen von 3 bis 8 RM. Die Nationaisozialiston an der Technischen Hoch» schule Berlin verlangen den Abbau des Wirtschaftsamtes, das die notleidenden Studenten in ihrem Wirtschaftskampf unterstützt. Studentinnen und Studenten! Protestiert gegen diese Verhöhnung des werktätigen deutschen Volkes und des notleidenden Teiles derdeutschen Studentenschaft. Erteilt diesen„Sozialisten", die stets von der Not des arbeitenden Volkes reden, und nichts Besseres zu tun haben, als kostspielige Bälle zu veranstalten, die richtige Antwort- Reiht Euch ein in die Sozialistische Studentenschaft! Und von diesem Flugblatt behauptet die„Deutsche Zeitung", daß es„hetzerischen Inhalts" sei, während die Hugenberg- Blätter sich als Schützer der akademischen Freiheit aufspielen und von einem„P o l ize i k ro w a l l" sprechen. Keines dieser Blätter wagt natürlich mitzuteilen, daß sozialistiische Studenten von den nationalistischen Rüpeln der Universität tätlich angegriffen und daß eine Studentin mißhandelt, niedergeschlagen und mit Füßen gerieten wurde. Friedhof wird Volkspark. Oer alle Spandaver Nicolai-Friedhof als Erholungsstätte. Ein Stadtverordnelenausschuß hat beschlossen, den alten Fried- h o s der Nicoloi-Sirchengemeinde in Spandau, dessen Gräberliegcfrisk längst abgelaufen ist. in städtischen Lefitz zn überführen. Der Paco- chlalverband wird dafür einige andere städtische Grundstücke erhalten. Der alte Friedhof liegt in Spandau mitten zwischen zwei Haupt- verkehrsstraßen, seit langem war es der Wunsch der Spandauer Le- völkernng, den Park, der einen herrlichen, alten Laumbestand aufweist, als öffentliche Erholungsstätte zu sehen. Die Stadt Berlin erhält vom Parochial-Berband 3065 Quadrat- meter Straßenland unentgeltlich und 20 432 Quadratmeter Strahenland und Freifläche gegen Hergabe städtischen Grundbesitzes. Für den Bau einer Kirche und eines Gemeindehauses gibt nämlich die Stadt an den Parochial-Berband eine Baustelle im Ortsteil Hakenfelde an der Werder- und Wichernstraße und am Schlehen- weg, ferner eine Baustelle im Ortsteil Klosterfelde und der Sirahe An der Kappe ab. Oeichbruch im Ostegebiei. Viele tausend Morgen unter Waffer. Stade, 12. November, i Die Orlschasten an der Oste, südlich von hechthauseu. sind bei dem gestrigen Sturm von einer heftigen Flutwelle heimgesucht worden. Schon morgens ging das Wasser aus 20 Kilometer Aus- dehnung über die Deiche, und abend« waren die Niederungen weithin überschwemmt. Aus Graepel werden lleberflatungen von über 1000 ZNorgen wiesen und weiden gemeldet, wie aus Eranen- bürg(Kreis Stade) gemeldet wird, hielt in der Witte des Durchlasses nach Vlumenthal die Deichkrone nicht stand, und durch die Lücke stürzten die Fluten lns Hinterland, so daß mehr als 1200 Morgen unter Wasser gesetzt wurden. Die Gewalt der anstürmen- den Flut spottete allen Abdichkungsbemühungen. Die ganze Niederung von Niederochtenhausen(Kreis Bremervörde) bis zum Lau- mühlener Deich ist überschwemmt. Der Fährbetrieb über die Oste ist eingestellt. Der Schaden läßt sich noch nicht übersehen. Oie veruntreuten Heizungsgelder. Gin Teilgeständnis des AnqeNaqlen Der Oberingenietlr des Bezirksamts Steglitz, Moelleck«, der es oerstanden hat, im Laufe von fünf Iahren 70 000 Mark Heizungsgelder in seinen Taschen verschwinden zu lassen, wurde im Lause der gestrigen Verhandlung geständnisfreudiger. Cr gab zu, nicht, wie er anfänglich behauptete, 7000 Mark, sondern 2 0 00 0 Mark für eigene Zwecke oerbraucht zu haben, in der Hauptsach« ftir R e n n w e t t e n. Wo waren aber die restlichen 30 000 M. geblieben. Der Angeklagte beharrte dabei, sie für Reparaturen verbraucht zu hoben. Allerdings bestreitet auch die Anklage nicht, daß Reparaturen, etwa für 5000 M., aus dem Schwarzfonds genommen worden seien. Belege gibt es auch für diese verausgabten Gelder nicht. Ebensowenig für die übrigen angeblich zum Besten des Bezirks- »SÄ 10] Die Arbeit war schon längst nicht mehr das wichtigste in Ludwigs Leben. Unaufhörlich wurde er von dem Gedanken an feine Vergnügungen abgelenkt. Es gab Nächte, die er auf dem Tanzboden verbrachte, toll vor Taumel. Bleich und übernächtigt kam er dann morgens in die Fabrik, gähnte, und schuftete sich allmählich den übermüdeten Körper munter. Seine besondere Liebe galt dem Kaiser-Wilhelm-Garten in Halensee. Dort konnte man ihn beinahe jeden Sonntag treffen. Hier lernte Ludwig'Eisermann an einem Sonntagnach- mittag das Mädchen kennen, das fein Herz gefangen nahm. Sie hieß Maria und war eine schön gewachsene, außer- gewöhnlich hübsche Blondine. Auf der linken Wange hatte sie ein schwarzes Schönheits- fleckchen» das sie besonders reizend machte. Immer stand ein Lächeln in ihrem Gesicht. Doch man wurde nie klug daraus, war es Liebenswürdigkeit oder ledig- lich verhaltene Ironie. Auch Ludwig kannte sich da nicht aus. Nicht ihr Lächeln hatte ihn angezogen, sondern vor allem ihr volles, glänzendes Blondhaar, das er so sehr liebte, und ihre schönen, feingegliederten Hände, die damenhaft gepflegt waren Ihr Gang war stolz, auch ihre Kopfhaltung. Sie fiel in jeder Gesellschaft auf und ragte wie eine Königin aus der Mittelmäßigkeit um sie herum empor. Die Zuneigung der beiden mngen Menschen war gegen- seitig. Sie hatte zu Ludwig schon bei der ersten Begegnung volles Vertrauen gefaßt. Der junge Tischlergeselle gefiel ihr. Er schien ihr so männlich. Außerdem paßte sein starkes schwarzes Haar so gut zu seinen rehbraunen Augen. Es dauerte gar nicht lange, da wurde aus dem äußer- i,ch.n guten Zusammenpaffen auch ein innerliches. Ein von wahrer Liebe getragenes Verhältnis verband die beiden jungen Menschen. Bald trafen sie sich auch an Wochentagen. Ludwig Eisermann war auf dem besten Wege, richtig- gehender Bräutigam zu werden. * Maria war Kontoristin. Wie sie eigentlich zu diesem Beruf gekommen war, wußte sie selbst nicht. Doch der Menschen Geschicke sind sonderbar. Sie stammte aus ganz kleinen Verhältnissen. Der Vater oersah Nachtwächterdienste in einer großen Fabrik. Da die Mutter nicht mitoerdiente, ging es zu Haufe knapp her. Wohl verdiente Maria als tüchtige Kraft ein schönes Geld. Doch sie gab auch viel aus. Sie war eitel und schaffte sich viele Kleider an. Ihr Sinn war immer aufs Vornehme gerichtet. Nichts war ihr gut genug. Auch mit Ludwig Eifermann hatte sie besondere Dinge vor. Während der junge Tischlergeselle in der Fabrik den gleichaltrigen Kollegen vielerlei von seiner Braut vorschwärmte und in seinen Nacht- und Tagträumen sie anbetete, dachte Maria weit praktischer. Sie stand mit beiden Füßen auf Berliner Erde. Sie gab sich keinen Illusionen hin, keinem verliebten Rauschen des Blutes. Wohl liebte sie Ludwig. Aber sie war nicht blind für seine Fehler. Vor allem ging ihr sein robuster Ton auf die Nerven. Aber sie traute sich zu, den ungeschlachten Bären ab- zuschleisen. Sie wollte etwas aus ihm machen. Denn das ging doch nicht, daß er für immer in seinem Gesellenstand stecken blieb. Nein, auf keinen Fall wollte sie sich das kleine enge notgebüttelte Schicksal zimmern, wie es ihre Eltern ge- habt hatten. Heiraten, Hausfrau werden, Kinder kriegen, schuften, sich abrackern, nein, gegen ein solches Schicksal sträubte sie sich mit allen Kräften. Wenn sie nichts Besseres eintauschte in der Heirat, als es ihre Eltern gehabt hatten, dann blieb sie lieber ledig, lief sechsundzwanzig Tage im Monat ins Büro, saß über ihr Hauptbuch gebeugt, schrieb Zahlen und Zahlen und nochmals Zahlen, rechnete und rechnete und addierte Zifferkolonne um Zifterkolonne. Wozu heiraten, wenn sie sich nicht verbesserte? Wozu heiraten, wenn sie immer nur das arm«, vom Schicksal hart angefaßte Menschenkind hlieh. Sie hatte sich ihren Plan, wie alles werden sollte, schon seit geraumer Zeit festgelegt. Wenn Ludwig ihren Rat- schlagen folgte, hatte sie die Möglichkeit, mit der Zeit die feine Damen zu werden, als die sie sich in ihren Träumen sah. Vor allem konnte sie dann ihr Leben nach eigenem Zuschnitt ge- stalten. Das war ein Ziel, das sich zu erreichen lohnte. Und hurtig beschloß sie, die ersten Schritte zu tun. * Am nächsten Sonntag fuhren die beiden nach Erkner hinaus. Der Menschenstrom schob sie vom Bahnhof über den Damm zur Dampferstation. Sie fuhren über den Flakensee bis zur Woltersdorfer Schleuse und bestiegen dann die Kranichsberge. Bald waren sie dem lauten Trubel der Ausflügler ent- kommen und freuten sich königlich, allein zu sein. Es war Mittag geworden. Die Sonne brannte. Da gab es nichts Schöneres, als in einem einsamen Föhrenwald Rast zu machen. Die großartige Einsamkeit der Natur nahm sie gefangen. Irgendwoher klang verliebter Drosselgesang, und irgend-. woher rief unaufhörlich ein Kuckuckmann nach seinem Weibchen, immer lockender, immer brünstiger werdend, die ganze Kraft seines Wunsches in die Welt hineinschreiend. Liebeswerben dort wie hier. So etwas steckt an. Ludwig überfiel Maria unversehens mit einem Kuß. Nur sträubend fügte sie sich seiner Umannung. Wieder stand das rätselvolle, unerklärliche Lachen in ihrem Gesicht. „Geh", sagte sie und wehrte seinen verliebt tastenden Händen,„wenn wir erst mal verheiratet sind, kannst du alles von mir haben... aber nicht eher!" Ludwig äffte ihren gedehnten Tonfall nach und rückte ebenfalls einen Schritt weiter von ihr ab. „Wenn wir erst mal verheiratet sind.. Ja, sag mal, wie stellst du dir das eigentlich alles vor?" Dann brach er in ein schallendes Gelächter aus und sagte: „Du bist ein sehr vorsichtiges Mädel, allen Respekt!" Maria wtsipte schnippisch mit dem Fuß und erwiderte: „Hör mal, wenn du mich wirklich so liebst, wie du immer behauptest, warum führst du mich dann nicht mal bei deinen Eltern ein?" Er sah sie erstaunt an, wie aus den Wolken gefallen: „Daran habe ich überhaupt noch gor nicht gedacht, Marn, Legst du irgendwelchen Wert darcnff?"(Fartft holgt.) antls> Steglitz nmoenbeteit Smmtwt>Zch beb« ste iweutttzdef. sagt der Angeklagte. Der Obermgen-eu? stellt an übrige» die Dinge so dar. als müßten seine Mitarbeiter von den überschüssigen Geldern, die angeblich zirm Wohle des Bezirksamts verwendet wurden, Bescheid gewußt hoben. Aber der Rechnungsdirektor und seine Beamten wollen die ganze Zeit über von alledem nichts gemerkt haben. Sie gaben zu, daß der Angeklagte einige Male nicht ganz nüchtern zum Dienst erschien. Es kann auch gar keinem Zweifel unterliegen: Hätten sie das Geldgebaren des Oberingenicurs beobachtet, es wäre mit dem Schwarzfonds aus gewesen.— Der «achverständige Dr. Dyrenfurtl) hielt das Nervensystem des Angeklagten für nicht einwandfrei funktionierend, von der An- Wendung des Z 51 könne aber keine Red« fein. Sie Nazi-Rowdys in Wannsee. Von der Anklage des Hausfriedensbruchs freigesprochen? Die Nazi- Rornbys, die im letzten Sommer zwei Sonntage hintereinander das Strandbad Wannsee unsicher gemacht hotten und deren hakenkreuzlerischc Rüpeleien zu«chlägereien ausgeartet waren, hatte» von der Polizei Strafbefehle in Höhe von je 5g Mark eichilte». Die Jüngling« glaubten sich aber ungerecht bestraft: sie legten gegen den Strafbefehl Einspruch ein. Also standen sie gestern vor dem Schöneberger Einzelrichter. >Ind da erlebte man das übliche Schauspiel. Die Radauhelden, die sonst den Mund nicht voll genug nehmen können, wollten es natür- l ich alte nicht gewcsen fein. Sie straften sich selbst Lügen und wider- sprachen ihren eigenen polizeilichen Aussage». Alle hotten sie sich »ein„zufällig" an beiden Sonntagen in Wannsee eingesunden. An allem waren die bösen Boxer von dem jüdischen Sportklub„Mal- lab!" schuld. Sie haben ihnen den Wimpel entrissen, waren auf ihren Kleidern herumgetrampelt und dergleichen mehr. Die Angeklagten litten richtig spekuliert. Die Zeugen konnten sich nach so langer Zeit auf einzelne Gesichter nicht mehr entsinnen: sie konnten auch nicht mehr sagen, ob gerade diese jungen Leute wiederholt zum Verlassen des Bades aufgefordert worden waren. Der Richter war aber gezwungen, um zur Verurteiümg zu kommen, den unbefugten' Aufenthalt der Angeklagten im Strnndbaiü» Wannsee festzustellen. Also mußt« das Gericht zum Fretspruch kcmuicn. Kührerschein entzogen! Am ersten Tag der Autofohrerlavbnis eine Frau toigesahren. Durch die Unachtsamkeit eines Autofahrers, der soeben in den Besitz des Führerscheines gelangk war, wurde gestern nachmittag in W e i ß e n s e e ein schweres Unglück verursachk, bei dem eine Passantin tödlich verletzt wurde. Der Cafeticr Lukas aus der Raumerstraße hatte am Diens- tag nach bestandener Prüfung seinen Führerschein erhalten. Gestern unternahm er nun in seinem neuen Wogen die e r st« Ausfahrt. An der Eck« Berliner Allee und Porkstraße in .Wcißensee bediente L. einen falschen Hebel und sein Wagen prallte mit großer Heftigkeit auf ein haltende» Pferdegespann. Eine Passantin, die üvjährige Frau des Postrates Frank aus der Tassostraße 20 in Weißensee, wurde von dem Auto ersaßt und übersahren. Die Verunglückte wurde mit einem doppelten Schädelbruch ins Weißenseer Krankenhaus gebracht, wo sie kurze' Zeit nach ihrer Zlufnahme starb. Ein Pferd des angefahrenen Gespannes yMßte getötet werden.■ Dem unglückseligen Autofahrer ist, sofort der Führerschein entzogen worden. Außerdem wird ex sich noch wegen fahr- lässiger D ö t u n g zu verantworten haben. « ?n der Kurfür st en st raße stießen gestern nachmittag zwei Privatautos zusammen. Ein Wagen wurde völlig zertrümmert und die Insassen, zwei achtjährige Mädchen, erlitten schwere Verletzungen. Die Kinder wurde» ms Elisabeth- Krankenhaus übergeführt. SO Jahre Waisenfürsorge. Der Rcichsoerband für Waisenfürsorge, Verband Mark Brandenburg, beging das SOjährig« Bestehen des Verbandes. Herr Dozent Dr. Z e ß l e r hielt die Festrede, in der er eingangs das Protokoll der Gründungssitzung vorlos, aus dem zu ersehen war, daß der Verein aus freiwilligen Beiträgen in Höhe von 9,62 M. begründet wurde. Dann schilderte er die Entstehung und Entwicklung des Verbandes. Am 13. Oktober 1930 seien fünszig Jahre uerflosseir, seitdem der Verband für Warsensürsorge in Magdeburg gegründet wurde. Aus dem Nichts heraus entstanden, lediglich in der Zuversicht auf di« offen« Hand gütiger Menschen ins Leben gerufen, habe er bis 1914 sechs Reichs-WaisenhSuser in Lahr, Magdeburg, Schwabach, Solzwedel, Niederbreisig und Promberg errichtet und nach dem Vcriust des letzten infolge der Abtretung, sei es ihm gelungen, in Hall« an der Saale ein Heim zu sdjaffen. Gestützt auf reiche Erfahrungen habe er sein« Heime u mustergültigen Erziehungsstätten ausgebaut, denn di« Waisen- fürsorge sei weniger ein Gebiet der Armensürsorg« als der Er- Ziehung, und der Reichsverband lege besonderen Wert auf die Pflege einer Pädagogik, die geeignet sei, den Waisenkindern das rerlorene Elternhaus, soweit es menschenmöglich ist, zu ersetzen. lieber 2500 Waisenkinder haben aus seinen Heimen bereits den Weg ms Leben angetreten, und sie haben sich fast ohne Ausnahme als gefestigte Charaktere bewährt. Die Arbeit des Reichsverbondes iür Waisenfürsorge habe«ine unschätzbare volkswirtschaftliche Bs- lXmtung. 300 Waffen. Halbwaffen und sonst verlassene Kinder befinden sich ständig in seiner Pflege, die«inen jährlichen Kosten- aufwand von 160 000 Mark erfordere, der größtenteils mw frei- willigen Spenden mitgebracht werden muß. Tachftnhlbrand in Neukölln. Durch ein Großfeuer wurde gestern nachmitlag der Dochstuhl des Vorderhauses Fl u g haf« n st ra h« S in Neu- k ö l l n zerstört. Starker Qualm erschwerte die Löschaktion, lieber die Treppenhäuser und zwei mechanische Leitern wurde das Feuer aus mehreren Schlauchleitungen bekämpft. Durch den Brand, desien Entstehungsnrfach« noch nichl ermittelt werden konnte, fft großer Sachschaden angerichtet wvrden. Durch die Dvbrowsorst und zu ihren Seen sührt am Somuap, dem 16. November, ein« Wanderung, veranstaltet von der Führerseition des Tourtftenvereins„Die Naturfreunde". Wie bei der Fahrt nach Oderberg und dem Oderbruch wird auch bei diel er Wanderung die geologische u»d sozio toaische Eigenart des Gebiets durch Erklärunzen der Führ« dargestellt. Die Teilnehmer an dieser Wanderung, an der sich alle sozialistischen Naturfreunde und P�rtetgenosssn berelligen können, treffe» sich Sonntag früh um ItJ Uhr am Sörsttze? Bahnhof. Finmbghrchaür Fahrkosten strta £20 Warh, Weglänge jfe» 24 fniwiT, Xn Mstmoch"*»» Sozialistische Studentenschaft Berlin WERBEABEND der Sozialökonomischen Fachschaft Donnerstag, den 13. November, abends 8 Uhr c. t. im Stadthaus, Stralauer StraBe(Saal 339) spricht KURT HEINIG, M. d R,, über Reichsfinanzen und Haushaltsrecht 19. November(Bußtag) führt eine ebensolche Wanderung durch den unbekannten Grunewald. Treffpunkt ist hierzu um 9 Uhr am Bahnhos Grunewald, Ausgang rechts. Auch zu dieser Wanderung sind Parteigenossinnen und-genossen gern willkommen. 20 Mark Tagesmiete für Wahlplakai. Wie ein Hauswirt die Sozialdemokratie bekämpft. Zu welchen Mitteln Hausbesitzerwillkür greift, um die verhaßte Sozialdemokratie zu schädigen, zeigte ein Fall, der kürzlich vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte verhandelt wurde. In der T r a k e h n e r St r. 4 bewohnt der Genosse Hermann Filsch ein« Mietwohnung, zu der auch ein Balkon gehört. Wie taufende andere Berliner Mieter brachte auch er in den Tagen vor der Wahl vom 14. September an seinem Balkon«in Plakat an, durch das für die Liste 1 geworben wurde. Hierfür beanspmckste der Hauswirt eine„M i e t e" von 20 M. pro Tag und erhob, als Fitsch selbstverständlich nicht gutwillig zahlte, Klage beim Amts- gericht Berlin-Mitte. Rechtsanwalt Dr. Siegfried Weinberg ocr- trat Fitsch rm Austrage des Bezirksvorstandes und wies darauf hin, daß der in der Klage verlangte Betrag ungefähr das Zehnfache dessen beträgt, was für die ganze Wohnung an Miete zu zahlen ist und daß es an jedem Rechtsanspruch für das gestellt« Verlangen sehte. Das Gericht schloß sich diesen Ausführungen an und wies die Klage ob. Durch dieses Urteil dürste den Versuchen io mancher Hauswirte, die verhaßte Propaganda für die Sozialdemokratie Partei zu unier- binden, ein Riegel vorgeschoben sein. Gen. Paul Duponl, 121. Abt. Karlshorst, wird heut« 7Z Jahre alt. Er ist einer von den� Allen, die schon unter dem Sozialisten- gesetz für die Ideen der Sozialdemokratie gekämpft und gelillen haben. Als longjähriger Stadtverordneter halle er es verstanden, sich das Vertrauen seiner Wähler zu erhalten und sich bei seinen politischen Gegnern Achtung zu verlchasfcn. Der Füniundsiebzig- lährige fft in seinem Kreise noch heute williger Berater in schwierigen Situationen. Dem Allverehrten möge ein recht langer und gesunder Lebensabend beschieden sein. Welleraussichlen für Berlin: Zunehmende Bewölkung mit Neigung zu Regensallen, langsame Erwärmung.— Für Deutsch. land: Im Norden Eintrübung mit Regenfällen, im Süden noch größtenteils heiter, vielsnch Nachtfrost. Sport. Rausdi-Hürigen weiter in Front! Nach einem ruhigen Nachmittag und unerheblichen Vorstößen, bei denen lediglich Pffnenburg-Braspenning eine ihrer vielen Ver- lustrunden wettmachten, gab«z bis zur 10-Uhr-Ab«ndwertung nichts mehr zu sehen. Die während, der Wertung von Pffnenburg, Funda und Maczynski augezetielten Jagden brachten für die Mannschaffen Petri-Lehmann. Dinale-Tononi. Pijnenbürg-Lraspenning und Manthey-Maczynski je einen Rundgewinn, also keinerlei Po- fition sveränderungen der mehr vorn liegenden Paare. Ehmer kam schwer zu Fall, so daß für dies« Mann- schaft das Rennen neutralisiert werden mußte. Da die Jagden weiter geh«),, verzögert sich die 5k tonntgabe des Standes._ Rennen zv Strausberg am Mittwoch, dem 12. Rovember. t. Rennen. 1. Eldon(Eichler). 2. Octavia, 3. AtwluZ(ausgebrochen und nachger.1. Toto: 35:10. Platz: 15, 17, 34:10. Zern« liefen: Pollaca. Berenna(gef). Meto»(gef.), Elioqabal(ges.). 2. R e n n e n. 1. Partie(Neuman»), 2. Enkel. 3. Kurzschluß. Toto: 54:10. Platz: lS. IS. 20:10. Ferner liefen: Hol' Gulden. Treuherz, Ernani, PerlaudabiliS. Norjana. Jnstruttor. 8. R e n n e n. 1. Abt. 1. Meermädchen iOertel), 2. SimplarS. 3. Futurist. Toto: 116:10. Platz: 33, 39, 13:10. Ferner Uesen: Moslem, Merlan, Rhenus, Tauperle. RotlSbona(ges.).— 2. Abt. 1. Doralid«(Schäser), 2. Mabadöh. 3. Svinello. Toto: 25:10. Platz: 13. 20, 16:10. Ferner liefen: GroMrst, Charleston, Letzter Versuch, Mainixe. Saharet. 4. R e n n e n. 1. Ledon(Häuser), 2. Faselst, 3. Reg an. Toto: 48: 10. Platz: 27, 4L. 24:10. Ferner Uesen: Myron, Röhlwg. Sigmar. Gero, Derben, Sturm, Barsuf. 5. Rennen. 1. Vigor Mnterholzner), 2. Eiche, Z. Ztzif Kff. Toto: 17: 10. Platz: 13,18,20:10. Ferner Uesen: Filigran, Vimont, Girigar« XVI, Sattle Truiser, Fairh. 6. Rennen. 1. Judich(Häuser), 2. ReguS, 3. Roxana. Tot»: 2l: 10. Platz: 12, 12, 15: 10. Fern« Uesen: Achmed. Modeland, ASmene (ges.). Briholder, Friederike sges.). Im Stur«. 7. Rennen. 1. Ephe» ll(Oertei), 2. Faretra, 3. Mariza grovna. Toto: 40: KX Platz: 15, 20, 14; 10. Fern« liefen: Eiland, Schlagbaum, Oruk, Role Nelke, Felsenaar, Prima In dem Dialog.Kunst und Publikum" zwischen Hans ! Valuscheck und Georg Hausdorf werden allgemeine kritische Be- | merkungen zur Gegenwart gemacht. Beide Sprecher stellen seit, ' daß der moderne Mensch merkwürdig ungeittig geworden ist. Selbst- verständlich würde es den Rahmen der Diskussion sprengen, wenn die Gründe eingehender zur Erörterung kämen. Der Sport- «nthusiasmus, der berührt wird, ist eher ein Symptom für die Ungeistigteit als ein Grund. In dieser Siluation liegt der Rückgang des Interesses sür bildend« Kunst und für Kunst überhaupt be- gründet. Ein paar Anregungen zur Neubelebung werden hoffent- lich nicht vergessen werden. Der Vorzug dieser Ausführungen liegt darin, daß hier von zwei Künstlern von der wohlbegründeten Basis ihrer Kunst aus der Versuch gemacht wird, das in vielen Farben schillernde Bild der Gegenwart aus seinen geistigen Gehalt hin zu bestimmen. Edles Koppen leitet eine Veranstallung„Balzacs Panoptikum". Szenen aus dem Wert des großen sranzö- sischen Romanziers werden durch eine Konferenz verbunden. Die Szenen sind so qewähll, daß aus ihnen dem Hörer eine bestimmt« Balzacsche Figur in charakteristischer Haltung entgegentritt, so Lousteaux, Vauirin oder Oberst Ehabert. Es kommt weniger auf den Erzähler als auf den Menschenblldnsr Balzac an. Di« Szenen geben wirklich ein Porträt der Menschen, und es zeigt sich, wie un- geheuer lebensvoll, wie zeitgemäß sie heute noch wirken Dann ssn. AkontoMhlungen zu leisten. f i 5. JtKt« Friedrichehain. Donnerstag, 13. Roocmbcr, 19\i Uhr. Silin>- m anssährnng in Schmidt, Scsetl!chast«ho»». ärnchtstr. ZSn. E» wird drr u z W russische Meistersilm:„Die Kutter- laufen. Ansprache halt die«e- t I j noffin Näthe»crn. Eintritt gegen Abschnitt eine» Wohllahrt»l»le» frei, s M'onst gegen ei» EntgeU°»n 3, Ps. Alle Genossen und S«»-sfi»n-» � sowie?»teressirrtc und Inhaber ci»e, Lose» der Arbeiterwohlsahrt»->- M lottrri« sind dazu eivgcladcn. I 7 9 reit Eb-rlotteuburg. Freitag, 14. November. Upp Uhr. IM Rötha US Eharlottendnrg. Zimmer 2. Sitzung der Arbeiterwohliahrt. Referat über: Die Arbeit in den Wohlfahrt-4ommission-n'. Referent wird noch bekanntgegeben. Iungsozialisteu. Werbe bezirk«este». Am kommenden Dienstag, de« 1». November, findet in Moabit. Waldenserstr. 29 tweUli-de Schule), eine Werbeveranstaitnna stau. Genosse Äirchhcimer spricht über:.Die nächsten Aufgabe» de- Prole'aruüZ und der Iungsozialistcn". Die Agitatt-notrupp-.Rote Rebellen" treten auf. Außerdem Musik und Rezitationen. Die Gruppen haben die Pflicht, geschlosien an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Beginn 19?« Uhr. Prenzlauer Berg. Heilte abend findet in der weltlichen Schule. Danzlger Straße 21. ein Gruppenabend statt. Thema:.Di« Bedeutung de» 9. November". Jüngere Porieigenosscn und Arbeitersportlcr sowie Aeltcr, de« SAI. herzlichst einladen, Da unsere Bolk-ibühnrnvorft-Ilung verlegt worden ist findet der Gruppenabend statt. Es spricht Genosse Ahlfeld in ssortsetznng seines Vortrages vom 30. Oktober über:.Staatsbegriff bei Mari und Hege» Also pünktlich SN Uhr im S-im Tilsiter Str. 4—5. I. Gruppe Wedding.Gesnndbrunnrn. Ire I tag. pünktlich lll'.ö Uhr, Gruppen. abend in der weüüchen Schule, Bank- Ecke«iesenstraße Genosse Waldmaun spricht über:„Wabten in Oesterreich". Vorher tagespolltische.neitungsichau, «urzrcferale. Partei, und SAZ.-Genoffen sind hierzu herzlichst eingeladen. Arbeitsgemeinschasl der kinderfreunde. »«ei» Renktzll». Heut«, Donnerstag, beteiligen sich alle Iungfalken und Rote Itzalkcn au der Volloersammlung im Jugendheim«anner Straße um IVA, Uhr. Di« Heimabende fallen aus. »reis Weißenser. Achtung, Heiser! Heut«»ollektivbastellursuz ,n der Lindensiraßc um 29 Uhr. Schere. Schmierpapier und Bleistist sind mitzubringen Sobenschönhause». Wir sind heute von 17 bi» 19 Uhr in der itzreienwalder Straße. Alle ssalkcn. die im Weihnachtsstück mitwirken, müssen unbedingt erscheinen. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlio . des Beschäftigungsgrades. Davon können nur die ersten drei Punkte einer Nachrechnung unterzogen werden, doch geben auch diese allein ein hinlänglich branchbares Bild der Kosten der laufenden Produktion. Die Beränderungen der Löhn« und der Leistung sind unlchwer aus den amtlichen statistischen Veröffentlichungen zu entnehmen. Bei einem Barverdienst von 8,28 M. im Monat November 1927 und einem Schichtsörderantei! von 1153 Sijiogramni betrug der reine Lohnanteil je Tonne 7,8Y M. Er ist im Juni 1930— auf diesen Richtmonat hat man die neuen Berechnungen abgestellt— bei einem Barverdienst von 9 M. je Schicht und einem Schicht- sörderanteil von 1335 Kilogramm aus 5.74 M. je Tonne gefallen. Diese Veränderung hat, unter Einbeziehung der Ilrlaubsvergütung und eines Gehaltsanteils von 12 Proz. vom Lohnanteil, ein Sinken des Lohn- und Gehaltsanteils, bezögen auf Absatzförde- rung, von 6 Proz. bewirkt. Bei den Materialkosten sind Preissenkungen für die wichtigsten Verbrauchsgüter— mit Ausnahme von Grubenholz— iestzustellen. Gleiche Mengenanteile je Tonne vorausgesetzt— tatsächlich sind diese Mengenanteile insolge der Rationalisierung zurück- gegangen—, ist dadurch ein Rückgang des Materialkostenanteils hervorgerufen worden. Zurückgegangen sind auch die sonstigen Kosten, bei denen namentlich der Rückgang der Soziolversicherungs- beitrage ins Gewicht fällt. Auf diese Weise lasten sich die G r u b e n s« l b st k o st e n ohne ?lbschreibungen für Juni 1930 auf 12,93 Hl. gegen 13,64 Bl. im November 1927 errechnen. In der gleichen Weise ist mit den Selbstkostenrechmingen 1 der dem Bergwerksbetrieb zugehörigen Brikettfabriken und i .Kokereien zu verfahren. Danach stellen sich die Brikettkosten mit 16,85 M. um 1.2 3 M. niedriger als November KS27. während die Kokereiselbstkosten infolge des höheren Wertes des .Kohleneinsatzes trotz Sinkens der übrigen Kostenfattoren mit 24,03 M. je Tonne Koks die Novemberkosten überschreiten. Mit den so gewonnenen Selbstkostenunterlagcn sind die E r- löse in Beziehung zu bringen, um unter Berücksichtigung der Ab- ichreibungcn eine Kapitalertragsrechnung für Juni 1930 auszustellen. Der L�HIcnerlos je Tanne beträgt sür Iuni 1930— 15,94 211. Die Steigerung ist hauptsächlich auf die am 1. Mai 1928 erfolgte Kohlenpreiserhöhung zurückzuführen. Der Äokcrcicrlös j« Tonne Koks ist gegen 1927 u m 4.16 M. höher. Darin drücken sich die sowohl höheren Preise als auch die gestiegenen Erträgnisse der Ncbenproduktion aus. (Benzol stieg um 26,6.Proz. im Preis fest 1927.) Di« durchschnittliche Verbesserung der Gewinne aus Sonderbetrieben wird- mit 15 Proz. angesetzt. Die Briketterlöse zeigen eine leichte Ertragssteigerung. Der auf eine absatzfähige Tonne umgelegte l) a n d e l s- gewinn beträgt— berechnet nach der Methode des Schwalenbach- Gutachtens, so daß der Absatz im unbestrittenen Gebiet, gleichviel ob er durch das Syndikat oder durch die Kohlenhandelsgesellschasten besorgt wird, um den Werkselbstverbrmrch erhöht wird— 0,40 M. Dieser Betrag stellt lediglich den Großhandclsgcwinn dar und läßt die sonstige» Handelsbeteiligungsgewinne unberücksichtigt. Bon den Erlösen sind nunmehr die Abschreibungen abzu- setzen, und zwar eine Grubenabschreibung von 1,04 M. je' Tonne nach den Berechnungen Dr. Bandes im Schmalenbach-Gutachten. Eine.Kokereiabschreibung von 1,19 M. je Tonne Koks und eine Brlkettabschrcidung von 0,20 M. je Tonne Briketts nach Schwalenbach. Diese Sätze liegen 19 bzw. 100 Proz. über den vorher vom RWM. angewandten Sätzen. Auch der Baadesche Abschreibungssatz erscheint etwas, zu hoch, zumal da Dr. Bande selbst zugibt(Gutachten 3.87), daß darin„nach gewisse stille Reserven" enthalten sind. Noch Abfetzung der genannten Abschreibungen ergibt sich folgende G es a m t k a l k u l a t i o n je Tonne absaßfäbiger Kohle: kohlenqcwinn....... 1.97 211. kokereigewinn...... 2 02» Brikeklgewinn....... 0.10„ Handelsgewinn...... 0.40- Kapitalertrag....... 4.49 211. Diese Summe stellt den Kapitalertrag dar, der in der Ber. fügungsgewalt der Kapitalbesitzer und Kapitalgeber in Form von Dividenden, Zinsen oder Werterhöhungen der Anlagen durch Selbstfinanzierung übergeht. Das Ausmaß dieser Spanne ist so groß, daß daraus die unbedingt erforderlichen Kohlenpreissenkungen. und zwar in einem viel wirksameren Maße, als die Zechenbesitzer der Regierung Brüning in Aussicht gestellt haben, gedeckt werden können, ohne daß man sich dazu an den gegen- wäriigen unzulänglichen Einkommensverhältnissen der Bergarbeiter zu vergreifen braucht, und läßt danach immer noch genügend Spiel- räum, um eventuell anfängliche Kostenverschiebungen infolg« der Neuordnung der Arbeitszelt gemäß dem Tarifvertrag« hinnehmen zu können. Schlichter hört nur auf Ltuternehmer. Zede Arbeitszeiivertürzuna abgelehnt. Essen. 12. November. Die Schsichtungskammer unter dem Vorsitz von Reglenrngsral Vrof Brahm fällte zum Arbeilskansltkt im Ruhrbergbau falgev- den Schiedssvrnch: Das bisherige Arbeits, eitabkammen wirb n n- verändert bis zum 30. September l93l wieder ln Kraft gefetzt. Das Abkämmen ist erstmalig am 1. August l93l zum 30. September 1931 kündbar. Heber die Schichtzeit ans den heißen Zechen, insbesondere über die Durchführung der 7!dast?Z>aus. Cnflelufet 24— 2ä.— Leute, lozz tlhr. ta»en die Truppen: Köpenick: Iuoendbeim Grünauer Str. 5. Vortrna:„unter. eyantes ans Leip?!a'.- Gesuedbrnnnen: Iuaendlieim, Not« Schule, Toten. buraer Str. 2. S-bachlrdradend.—«äbnW1: Gruppendeim Rtich-nderqer Strahr 88 kgeuertpchrdaus). Vortrag:..Trlebnnse eines Polwitru".— Tempet» hof: Grupprndeim, Lntcinn Gernlaniastr. 4— 6, Eingang von der Gichstraße. Vortrag:„Tarif und Schlichtnngswrfep und ihre Bedentnna für dl« Unendlichen".— Moabit: Inqendbeim Lehrter Str. 18— 19 Vortrag:.Entstehung und Entwicklung der Religion".—»«-.Lichtenberg: I»q«ndh«Im Gunter- strahe dl. Ter Gruppenabend fällt au». Wir besuchen die Gruppe Lichtenberg. — Lichtenberg: Iugentheim Hguttstraße. an der Legingftrahe. Bortrag:..Wa» ist Sozialismus".— Schönhanscr Tor: Jugendheim Tieckttr. 18, geueowebr. Haus. Reooluiionserinnerung 1818/1S18.— Landsberger Via»: Jugendheim Viestelmenerstr. ö. Vorirag:..Die grau in Sowietruhlanb.—»arten fSr die veranstaltunq am 1». Rooember sind ansnertauit. §.�uaendoruvpe de» TZeniraiverbatttzes der Angestellten Hrulk. Donnerstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Pankow- »iederfchönhanfen: Zngendb.cim GLrfchstr. 14 Igroßes Zimmer)...Krieg — gretheit— Menschheit." Vortragende: gricdei Hall.— Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. VoIlsIa»Mbend.— Treptow: Jugendheim der Schule Wildcnbrncklltr. öl! fZilgang von der Kraehftrah« In Trrptowl. Vor» trag:..Lar! Licdlnccht und Vota Luxemburg",»eferent: Ariur Mechow.— Am Sonnag. dem 1«. November, 18 Uhr. beginnt der Vllrtragsvcklus:.Wie höre ich Musik?" Vortragender: Dr. Herbert. Jugendheim Nordwest. Lehrter Straß« 18—1« TrinK« Krüuteriee und gesunde? Nur eine Krtiile:kur, wie oie»cstan oeü Jahriarnrndea von der leidenden Mcnsdibelt angewendet wird, Ein Büchlein über KrankhciisbUder und Gutachten gratis durch Hans Kwt««, CH—t. Mferlk. Bart In SWM, Alaxandrlnwutr. 29« Werner Mühn: TälCT SÖtliie ..... 2hr s«d überspannt! Ihr habt große Raupen im Kops!" Der von Horn und Härte gekrümmte Zeigefinger meines Groß- oaters deutet auf das Scheunendach.„Vierzig Jahre habe ich dar- innen gewirtschaftet: so lange ist es gegangen! Und vor vier Wochen hast du es übernommen und da geht es schon heute nicht mehr?" Jabach! Die Zeit schreitet aber fort. Ein solches Stroh- dach, wi« leicht fängt das Feuer. Und dann die ewigen Repara» Nitren," verteidigt sich mein Vater. Ich betrachte erstaunt die Schäfte seiner Landstiefel. Er geht ein paar Schritte weiter nach dem Scheunentor hin. Sein Tritt ist fest. „Solche Reparaturen macht man selber. Aber so ist die Welt von heute... da muß es ein Ziegeldccker und möglichst noch ein Maler sein. Doch macht nur so weiter! Ein paar Jahre und ihr seid am Ende eures Lateins!"' Das eingeschrumpfte Kinn in dem glattrasierten Gesicht bebt. Wie schlaffe Segel hängen die Arme an seinen Schultern. Mit unsicheren Schritten geht er von dannen. Zwischen den dürren Gräsern blitzen die ersten grünen Blätter. Ich breite sie auseinander und finde«in Veilchen. Ich beschließe, davon«inen Strauß zu pflücken, denn ich weiß, mein Großvater liebt die Blumen. Plötzlich sehe ich hinter mir wieder die Stiefelrohre meines Vaters. Seine harte Hand streicht über meinen Kopf. „Nun, kleiner Mann, wollen wir das Strohdach herunterreißen? Aber dann geht dort oben auch das Storchnest futsch." Er hebt die Fersen, steht für einen Moment auf den Spitzen,„Gell, du willst doch noch ein Brüderchen haben?" Durch seinen Bart blitzen die Zähne. Ich fühle«inen Druck in der Magengegend und antworte prompt:„Nein!" Er hebt mich lachend aus seinen Arm.„Ach, du meinst, der Storch kann sich für sein Geschäft ein anderes Dach, einen anderen Bauern aussuchen." Dann wird sein Gesicht ernst. Ich fürchte beinahe diese Augen.„Du willst allein bleiben! Du fürchtest, daß die Scholle zerbröckelt? Recht so! Ein richttger Bauer liebt nur seinen Hof. Ist dieser in Gefahr, so lehnt er sich sogar gegen den eigenen Vater auf..." Au? einem Gemisch von Furcht und Dankbarkeit drückte ich ihm die Veilchen in die Hand. Er stellt mich vorsichtig auf die Erde zurück, wird nachdenklich, sieht nach dem Scheunendach.„Nun, wenn du schon mal so groß wie ich sein wirst, dann werde ich dir zeigen, daß ich nicht so rück- ständig wie dein Großvater bin." Er betrachtet die Veilchen und «in energisches„Es wird gebaut!" verhallt mit seinen Schritten. Als die Bäume in unserem Garten blühten, stand die Scheune ohne Dach. Fremde Menschen waren auf unserem Hof. Aexte und Beile gruben sich in die Stämme für das neu« Dachgerüst. Ich spielte in den weißen Holzspänen. Mein Großvater sprach schon seit Wochen mit keinem ein Wort. Sein Kinn wurde immer spitzer. Auch mich beachtet« er kaum, obwohl ich wußte, daß er Kinder sehr gern hatte. Eines Tages stand er wieder sinnend in der Eck«, wo das ver- witterte Wagenrad van dem heruntergerissenen Strohnest lehnte. Ich faßte mir ein Herz und fragte:„Großvater, ist dir denn das Nest so leid?" Er sah auf. Seine Augen schimmerten feucht. „Aber wir können das Nest doch auch wieder auf dem neuen Dach anbringen." Ich fühlte dabei aber jene Angst im Magen. „Nein, niemals würde ein Storch auf einem Ziegeldach sich heimisch fühlen..." Sein Gesicht wurde weicher,«r sah mir in die Augen:„Aber wenn man schon mal alt und schwach ist, so muß man alles über sich ergehen lassen, muß zusehen, wie der Hos zugrunde gerichtet wird." Da knallte in der Küche, wo meine Mutter han- tierte, ein Topf. Main Großvater zuckte zusammen. Dann wurde mit Nachdruck mein Name gerufen. Die Ernte ist vorüber. Alle- ist unter Dach und Fach. Die Bauern atmen auf. Auch mein Großvater hat zur Arbeit nochmals seine letzten Kräfte zusammengerissen. Alle sind jetzt wieder gut. Ich glaube, im stillen freut auch«r sich jetzt über das neue feste Scheunendach. Eines Abends, da es schon früher dunkel wurde, spielte ich in der Stube mit meinem Holzpferde. Mein Großvater war noch wie immer draußen im Kuhstall. An den Fenstern rüttelte ein scharfer Wind. Plötzlich schrecke ich auf, wie der Bater heftig sagt:„Keine Furche kann man tief genug pflügen. Mit der Arbeit kommt man das ganze Jahr nicht zu Rande. Pferds werden gekauft, damit basta!" „Aber du weißt doch, wie der Vater an seinen Kühen hängt. Geht auch nur eine davon aus dem Stall«, so ist das sein Tod," «ripidert meine Mutter. „Aber die anderen Bauern können das Doppelte auf ihren Feldern ernten...." Durch die harten Wort« wird es hinter dem Osen im Waschkorb lebendig. Schrilles Weinen«rfüllt die Stube. Meine Mutter ver- sucht zu beruhigen. Ich oersppürte wegen des Pferdekaufs so etwas wie Schaden- freud«. Denn auch mich hatten sie ja alle belogen— trotz des heruntergerissenen Storchnest«« hat sich noch lein Brüderchen, ein Rivale,«ingefunden. Di« Tage verstrichen. Pferdehändler kamen und gingen. Sie rochen widerlich nach Schnaps. Di« Mützen hatten sie tief in die Nack«n gezogen. Ihre Pferde wurden beklopft, gemustert. Es wurde gehandelt und gestritten. Mein Großvater hatte sich fest in seine Auezüglerstube eingeschlossen. Auch auf mein heimliches Klopfen und Rufen öffnete er nicht. Es fiel der erste Schnee. Da zerrten ein Händler und sein Koppelknecht zwei schwarzgescheckte Kühe aus unserem Stall. Am Hoftor brüllte eine noch einen Abschiedsgruß. Da plötzlich klirrten als Antwort Glasscherben auf das Pflaster. Ein markerschütternder Schrei spritzte über den Hof.— Auf dem Fenstersims der Ausziiglerftub« lag ein Kopf und ein Arm hing heraus, leblos wie ein Wäschebündel. Mein Großvater war einem Herzschlag erlegen. Am dritten Tage klapperte der Sarg. Mein Vater meinte: „Wahr ist es: nie hat er sich eine Stunde Ruhe gegönnt. Doch sein harter Kopf ist an dem Fortschritt der Zeit zerbrochen." Dann schneuzte er sich. Bevor der Leichenzug sich in Bewegung setzte, ging mein Dater nochmals in den Stall zu den neuen Pferden, sah nach, ob alles in Ordnung war. * Das Leben geht weiter. Pferde und Scheunendach waren zur Selbstverständlichkeit geworden. Auch die Erinnerung an den Zweikampf der Bäter begann zu verblassen, denn mein eigener Arm hott« schon längst den Pflug führen gelernt. Und so etwas erfüllt und stärkt das Bewußtsein. Das Dorf hatte sich in dieser Aett wenig verändert. So hatte man kaum gemerkt, daß man älter geworden war. Und doch war ich schon verheiratet. Es war im Grunde«ine einfache gradlinige Sache gewesen. Mein Empfinden hotte dabei mit dem Vorschlag meiner Mutter ungefähr übereingestimmt. So war ich der Be- sitzer des Gutes und war schon selbst— Vater. Im Dorf hatte sich in dieser Zeit«ine Genossenschast gebildet. Ein« Anzahl Kleinbauern hatten sich zusammengeschlossen, um einen Traktor zu kaufen. Auch ich wollte beitreten, aber vorher meinen Vater davon unterrichten. Er stand in der Mitte der Stube. Er trug noch immer Land- stiefel wie einst. Ich hatte versucht, ihn von der Notwewndigkeit der Tiefkultur in der Bodenbearbeitung zu überzeugen. Er schwieg. Sein Gesicht war während der Zeit unbeweglich geblieben. „Genossenschaft...?" Er lachte gezwungen.„Nein und noch- mal? nein! Das ist der Bankrott, der Untergang. Jeder Bauer für sich! Nur so kann er gedeihen!" „Aber die Großbauern haben doch die Trattoren. Und wie sollen wir uns anders gegen ihre gesteigerten Ernteerträge behaup- ten?" wandte ich ein. „Kumpanei ist Lumperei!" Er brach ab. Sein Gesicht war zur Scheune gewandt. Doch die Augen starrten nur ins Leere. „Rückständig! Nein, ich bin nicht rückständig! Aber so etwas ist schon Selbstmord. Und ich dulde keineswegs, daß der Hof unserer Väter so leichtfertig zugrunde gerichtet wird!" Die Tür knallte ins Schloß. Draußen polterte und schimpfte er weiter. Ich zucke die Schultern und mache kehrt. Hinter mir steht mein kleiner Sprößling. Auch er trägt die ersten Langstiesel. Mit großen Augen hat er den Streit beobachtet. Ich streiche ihm über den Kopf und erzähle ihm die Geschichte meines Daters: von dem Pferdekauf, von dem Strohdach mit dem Storchnest... Doch er, der kommende Bauer, bleibt ernst, als hätte er schon heute seine Bedenken und seine Ziele. Da jagt jäh wie ein Stich durch mein Gehirn:„Was wird sein, wenn er groß ist? Bei welcher Gelegenheit wird er mir mal an den Kopf weisen: Ja, Vater, aber du bist eben rückständig!..." Draußen auf der Straße donnert der neue Genossenschafts- traktor über das Pflaster. Der Kleine ist begeistert zum Fenster gesprungen. Ich aber verspüre plötzlich jene Beklemmung, jene Angst aus der Kindheit wieder im Magen.... Wie enlf Sehen WinSergewiUer 1 Das kurze, aber heftig« Gewttter, das jetzt in einigen Testen Norddeutschlands beobachtet worden ist, bringt uns eine merkwürdig« und seltene Naturerscheinung in die Erinnerung, die den Gelehrten viel zu denken aufgegeben hat. Daß bei der Wärme im Sommer groß« Mengen Wasserdampf in die Lust aussteigen und bei der Ab- drängung durch die an und fiir sich trockene Luft bedeutende Elek- trizitütsmengen bstden, ist ja allen geläufig, ober wie kann derselbe Vorgang bei der Kälte im Winter sich vollziehen. Es ist nichts anderes als die Reibung, die auch hier Elektrizität erzeugt, und zwar die Reibung des Wassers in der Form von Wassertropfen oder Wasserdamps an der Lust oder auch an der Erdoberfläche. Diese Reibung verschiedenartiger Körper, die stets Elektrizität erzeugt, würde bei ruhiger Atmosphäre im Winter nicht ausreichen, um so boh« Spannungen hervorzubringen, wie sie für«ine Entladung im Gewitter notwendig sind. Es ist daher unruhige Witterung Vorbedingung für die Wmtergewitter, denn die heftige Bewegung der Lust im Sturm, wie wir sie auch diesmal erlebten, bringt«ine ge- steigerte Reibung der Wasserteilchen an der Luft hervor. Seine Raichen Ton Anielma Meine(f) Es gibt eine einzige Eigenschaft, um die ich den Mann benÄde. Dqs sind seine Taschen. Alle seine Uebcrlcgenheiten, die wir bewundern, olle unsere Mängel, die man uns vorwirft, rühren von dem Umstand her, daß der Mann Taschen Hot, wir aber keine. Ich werde das beweisen. Man nennt uns flatterhaft, vergeßlich, hilssbedürstig, langsam von Entschluß, furchtsam, sklavisch, unwahr, launenhaft, kokett, Neinlich, beschränkt, egoistisch. Wenn wirklich der Mann alles das nicht ist, so verdankt er das einzig und allein seinen Taschen. Denn warum sollte er flatterhaft und vergeßlich sein, wenn er doch dicke Notizbücher bei sich tragen kann, die ihn erinnern? Dazu einen Bleistift, mit dem er sich all« Rendezvous, Verabredungen, Versprechungen und Vorsätze sofort aufzeichnen kann? Unser Knoten im Taschentuch hat längst nicht dieselbe Wirkung. Und wie kann er hilfsbedürftig sein, wenn er olle mög- lichen Gerätschaften wie Messer. Bindfaden, Uhr, Propfenzieher. Streichhölzer, elektrische Lampe, Reserveklemmer bei sich haben kann? Ist es da nicht selbstverständlich, daß er. anstatt egoistisch zu sein, sich mit diesen Hilssmitteln auch anderen gefällig mach-, ihnen beispringt, wenn sie in Verlegenheit sind? Wie sollte er nichi rasch von Entschluß sein, wenn er Hausschlüssel, Brieftasche mit Geld. Briefmarken. Füllfederhalter bei sich führt, um etwa seine Angehörigen zu benachrichtigen, daß er eine plötzliche Reise unter- nehmen will? Furcht? Kann er nicht einen Revolver bei sich tragen? Außerdem all sein« Ausweise und Zeugnisse? Sklavisch? Ist er nicht immer Herr der Situation? Hat er nicht sozusagen die Menschen in der Tasche? Lügen? Wozu all die Unbequem- lichkeit? Mit seinen wohlgefülllen Taschen darf er es sich erlauben, d!« Wahrheit zu sagen und sie durch allerlei Zeugnisse, die er bei> sich trägt, zu erhärten. Auch die Koketterie ist ihm unnötig. Er hat gediegenere Eroberungsmittel. Kann er nicht Konfekt bei sich tragen und ihr anbieten oder sein« Gedichte herausziehen und ihr vorlesen? Oder ihr mit Stecknadeln berspringen, wenn sie sich beim Einsteigen in die Elektrische den Rocksaum zerrissen hat? Ihr ein Spiegelfchen anbieten und Puderbüchschen? Sie aber, die Zlrme, kämpft indessen mtt Paket, Handtöschchen, Regenschirm, Briefen, die sie in den Postkasten zu stecken hat, und dem Geldschein, der ihr im Handschuh steckt, well sie, beladen wie sie ist, nicht an ihr Portemonnaie herankann. Er natürlich braucht kein Paket. Er birgt Einkäufe im Ueberzieher. Immer hat er für sich und andere die Hände ftei, braucht weder ungeschickt noch schüchtern dazustehen, nicht kleinlich, hat Muße, freien, weiten Blick. der nicht für tausend kunstvoll angebrachte Anhängsel zu sorgen hat. Er kennt die West wie sein« Taschen, deren beruhigende Voll- ständigkeit ihm erlaubt, sich von den Kleinlichkeiten des Lebens ab- zuwenden und mit den großen Fragen zu beschäftigen: so daß er nicht beschränkt genannt zu werden braucht. Ihm gehört die Welt. Und das alles verdankt er— seinen Taschen. E r st« Nachschrift: Ich gebe dieses Manuskript meinem Main« mit, der es«mf die Post tragen soll, weil ich fürchte, es unterwegs aus meinem Perlen- handtäschchen zu verlieren. Es springt immer auf. Zweite Nachschrift: Das Manuskript ist in der Tasche meines Mannes mehrere Tag«„poste restante" geblieben. Es ist ganz zerknittert. Ich weiß nicht, ob ich es noch abschicken soll? Ich habe Zweifel bekommen an der einzigen beneidenswerten Eigenschaft des Mannes. Verbrecher- JCeld- Ein sehr simpler Lebenslauf, eine überaus einfach« Kranken- geschichte, die Prof. Johannes Lange, Breslau, von einem seiner Patienten veröffentlicht, wirst ein eigenartiges Licht auf die An- passungsfähigkeit der Persönlichkeit an veränderte Außenweltsver- hältnisse. Ob einer ein Entgleister wird, vielleicht ein Landstreicher, der in Hafenvierteln oder Nachtasylen endet, oder ein großer Entdecker und Forschungsreisender— ob einer ein Krimineller, ein Held oder ein Fürsorgeempfänger wird— das hängt oft nur von den äußeren Umständen ab, in die ein Mensch hineingeboren wird ober die die äußere Kulisse seines Lebenslaufes bilden. Der 1888 geborene 1 ist ein kleiner dürstiger Mann mit bereits stark gelichtetem Haupthaar und einer recht bewegten Vergangenheit. Ale Kind war er schwer erziehbar, in der Schule ist er sitzengeblieben, aus der Klempnerlehre lief er davon. Dann versuchte er sich in.zahl- reichen Berufen, auch zur See ist er eine Zeit hindurch gefahren: mitunter ging er auch vom Schiff in den Häsen einfach durch, so zuletzt in Genua 1S1Z, von wo er zu Fuß bis an die Maingrenze wanderte. Nach seiner Strasliste ist er mtt 15 Iahren wegen wider- natürlicher Unzucht, später viermal wegen Diebstahls, einmal wegen Betrugs und Mundraubs und achtmal wegen Bettelns bestraft worden. Doch spricht manches dafür, daß hier nur eine Auswohl aus seiner Strafliste vorliegt. Dieses Bist» verwandelt sich völlig im Krieg. Als Kriegsfrei- williger eingerückt, wird 1 nach wenigen Monaten Gefreiter, kurz darauf Unteroffizier und kaum ein Jahr nach Kriegsbeginn ist er schon Vizefekdwebel. Er ist zweifelsohne ein unerschrockener und eifriger Potrouillengänger, der neben anderen Auszeichnungen bald mit dem Eisernen Kreuz, dem Militärverdienstorden und der Goldenen Tapferteitsmedaille— einem sehr selten verliehenen Orden— ausgezeichnet wird und dessen Leistungen auch sonst ganz besondere An- erkennung finden. Dreimal wird er verwundet, und die Art der Verletzungen— Handgranaten- und Splitterverletzungen— zeigt, daß die Wunden Im Ncchkampf erworben wurden.— Ein Held, dessen große Zelt angebrochen war, der nun endlich einmal beweisen tonnte, daß auch er zu etwas gut war— getragen von der Situation, die ungewöhnlich war, ihn lockte und sein Abenteurerblut in Wallung brachte. Als jedoch die Episode, in der er sich als Held ermessen durfte. zu lange währt, gerät unser Freund— schon Anfang 1916— in Schwierigkeiten. Der eisernen Disziplin kann er sich nicht auf die Dauer fügen, die Strapazen werden ihm.zuviel: bald gibt er im Feld nur noch Gastrollen und wandert von Lazarett zu Lazarett, bis er schließlich al» beschränkt arbeitsfähig in die Heimat entlassen wird. Nun wird aus dem Helden ein Rentonjäger, der bald der öftent- lichen und privaten Fürsorg« dauernd zur Last fällt. Trotz ärzt- sicher Gutachten und der ausdrücklichen Feststellung, daß keinerlei Zusammenhang zwischen I' Wesensart, seinen ewigen, unsaß» baren nervösen Beschwerden und seinem Kriegsdienst besteht, daß er vielmehr der gleich« asoziale Psychopath geblieben sei, der er berests vor dem Kriege war, wird ihm«ine Rente von weit über 190 Mark monatlich zugebilligt, die zum Teil sogar kapitalisiert wird. Ohne jede sachverständige Beratung tauft I ein Haus in einer Einöd« und errichtet dort eine Hühnerfarm, nimmt Darlehen auf, bekommt Mittel zur Beschaffung von Werkzeugen, die ihm aber nur als Attappe dienen. In Wirklichkett arbeitet er nichts. Er ist zweimal verheiratet, doch sorgt er weder für Frau noch Kinder. Sein Kind aus zweiter Ehe läßt er unter allerlei fadenscheinigen Begründungen — weil die Wohnung zu naß, weil keine Milch.zu beschaffen sei ii. ä. m.— im Krankenhaus, in Säuglings- und Kinderheimen. Er bittet und bettelt nach allen Seiten und erhält vielerlei Zuwendungen. Liegt dieses Geschäft einmal im argen, sucht er auf Grund seines„Kriegsdienstbeschädigungsleidens" dos Krankenhaus auf. Diesen banalen Lebenslaus empfiehlt Prof. Lange unserer Be- achtung, weil er uns mit besonderer Eindringlichkeit die durch äußere Schicksale bedingten Wandlungen im Crscheinungsbikd eine psycho- pathische Persönlichkeit zeigt. Vor dem Kriege ein Haltloser. Ar- beitsscheuer, ja sogar ein ausgesprochen Krimineller, erwirbt er im Krieg« die Fassade eines Helden, die allerdings zusammenstürzt, so- bald Disziplin und längeres Ausharren von ihm verlangt wird. Nach dem Kriege kommt das Halllose seiner Persönlichkeit wieder zur vollen Gestung— bis er endgültig in die Arme der Fürsorge aufgenommen wird, die es ihm erspart, erneut kriminell zu werden Der, der all dies erlebte, bleibt wohl im Grunde immer un- widerrufsich derselbe. Nur die zufällige Gestaltung der äußeren Lage, die veränderte Umwelt oerleiht bei oberflächlicher Betrachtung dem Bild ein so verschiedenes Gepräge. Unfähig zur Eingliederung in jede Form von Gemeinschaft, blind für außerpersönliche Werte, eitel, prahlsüchtig, arbeitsscheu, liebesunfähig— das sind die Züge, die bei dieser Persönlichkeit immer wiederkehren— wenn sie auch in der Periode des Heldentums durch zeitweilige Leistung überdeck� wurden. Verbrecher— Held oder Objekt der Fürsorge— als was wird dieser T bezeichnet und in den Aufstellungen geführt werden, wen: einmal nach zwei oder drei Jahrzehnten bei Gelegenheit irgend- welcher Erblichkeitsfeststellungen eines seiner Kinder nach dem Vater gesragt wird? Hier tut sich eine Lücke auf, auf die Prof. Lange mit Nachdruck hinweist, weil sie für unsere eugenischen Bestrebungen von größter Tragweite sst. Heute wissen wir noch nicht, auf welchen Grundlagen jene verschiedenen Ausgestaltungsmöglichkeiten einer Persönlichkeit erwachsen, und noch viel weniger wissen wir, wie jene Grundlagen sich vererben. Um aber den Menschen„von morgen" gestalten zu können— und das ist ja schließlich das A und O alles eugenischen Handelns—, müssen wir die Grundlagen kennen, müssen wir wissen, in was für eine Umwelt wir ein bestimmt beschaffenes Individuum setzen müssen, um das beste aus ihm herauszuholen. Anfänge, sehr bemerkenswerte Anfänge sind bereits heute gemacht. an denen gerade Prof. Lange selber durch seine Zwillingssorschungen hervorragenden Anteil hat— aus den meisten Gebieten aber fehlt uns noch jede Boraussetzung für ein zweckmäßiges Handeln. Daß die Schaffung dieser Voraussetzungen eine der dringlichsten Forde- rungen unserer Zeit ist— das sollte uns die simple Lebensgeschichte jenes I besonders verdeutlichen. Dr. Lily Herzberg. Kkrantwortlich<üc Pollitt: flittor Schift: Sirtfiftaft:®. fthnqflljöfcr: G«»«rtschatt«b«wegung: I. Stet»»: Feuilleton: Dr. Zoh» Schitoweki: Lokal«, und Sonlliaes. Feit,»arttldt: Urmiotn; Zd. Glocke: lämtlick, in Berlin Lerlaa: BorsLrls-Berlag®. m b. Berlin Druck: Sorwärti.Buchdruckeret und Berlaesanftalt Paul Sinaer u. Co.. Berlin Forderung nach dem Eingreifen gegen die Preisbindungen zweifellos berechtigt. Das Problem des Preisabbaus beskehl in der Ueber. windung der künstlichen henimungen, die dem Zwanz zur Preissenkung unter dem Druck der Schwächung des Absatzmarktes entgegenwirken. Die Preissenkung vollzieht sich während der Krise unter dem Druck vom Absatzmarkt aus. Die Warenpreise müsien gesenkt wer- ' den. da die Waren zu den alten Preisen keinen ausreichenden Absatz finden. Durch diesen Vorgang wird die Kaufkraft wieder hergestellt � und damit die Voraussetzung für die Ueberwindung der Krise ge- schaffen. Wir haben schon eine ganz gewaltige Winderung der Kaufkraft. die um das Vielfache größer ist als der Ausfall der Kaufkraft bei den Erwerbslosen allein und ungefähr dem gesamten Pro- duktümsausfall entspricht� Nicht nur die Arbeitslosen bekommen jetzt weniger, als sie als beschäftigte Arbeiter verdienten. Durch die Verminderung des Umsonges der Produktion und des Absatzes haben auch verschiedene andere Einkünfte abgenommen Auch der Lohn- abbau bei den beschäftigten Arbeitern hak in großem Nahe ilalt- nesundea trotz der verhältnismäßig starken Stabilität der Taris- löhne. Leider versagt unsere Statistik on diesem wesentlichen Punkte vollkommen: man hat keine branchbaren Berechnungen für den Abbau der übertarislichen Löhne,, überhaupt keine ausreichenden Unterlagen für die Berechnung der effektiven Verdien st c. Daraus koüunt es aber in erster Linie an. Man spricht jetzt soviel von den Reallöhnen. Die Binsenwahrheit, daß die Entwicklung der Nommallöhne mit der Entwicklung der Reallöhne nicht gleichbedeutend ist. wird uner. müdlich wiederholt Die R e i chs r e g i e ru n g will angeblich den Lohnabbau ohne Verminderung derReallöhne fördern, also nur den Abbau der Nominallöhne, der durch die Verbilligung der Lebenskosten wettgemacht wird. Leider geht dabei die U n- wissenheit und dementsprechend die Unfähigkeit, wirt- schaftliche Zusammenhänge zu übersehen, so weit, daß man gar nicht zu merken scheint, daß auf dies« Weise der eigentliche Zweck des Preisabbaues nicht gefördert, sondern vielmehr sehr wirksam durchkreuz! wird. Der Preisabbau dient der Ueberwindung der Krise, indem durch ihn die reale Kaufkraft gehoben wird. Deshalb müssen während der Krise zunächst die Reallöhne im Sinne der Kaufkraft der Stundenlöhne und dann die Reallöhne.als R e a l v e r d i e n st e steigen. Das war auch immer eine typische Erscheinung für die Zeit der Krise und ihrer Ueberwindung. seitdem die Arbeiterschaft infolge ihres zunehmenden Anteils an der Gesamtbevölkerung zu einer sehr wichtigen K o n s u men t e n s chi ch t geworden ist. Es lassen sich während der Krise und in der Zeit, da die ersten Ansätze zur Besserung in Erscheinung treten, zwei Perioden unterscheiden. In der ersten Periode steigen die Real löhne im engeren Sinne, d. h. es wird der Stundenlohn in seiner Kaufkraft höher, zunächst sinken aber zugleich die Real verdien st e, weil viele Arbeiter verkürzt arbeiten, und sinkt die gesamte reale Kauf- kraft der Arbeiterschaft erst recht sehr stark, da die Arbeitslosigkeck zunimmt. Nachdem die Ncallöhne stark genug gestiegen sind, so daß auf diese Weise zusammen mit der Steigerung der realen Kaufkraft anderer Bevölkerungsschichten die Grund- lagen für die Besserung des Absatzes geschaffen sind, tritt auch eine verstärkte Steigerung der Realverdienst« durch die Besserung der Beschäftigung ein. Das ist die zweit«, die Periode der eigentlichen Erholung nach der Krise. Die reale Kaufkraft nimmt während dieser Periode zu l. wegen der Zunahme der Kaufkraft der Stundenlöhne, 2. wegen der stärkeren Beschäftigung der arbeitenden Lohnempfänger und 3. wegen der Wiedereinstellung der Arbeitslosen. Wir werden in einem späteren Artikel diesen Vorgang noch durch einige eindrucksvolle Beispiele erläutern. Heute kolnmt es darauf an, daß klar wird, worin eigentlich die k o n ju nktu r b e leb e n de Wirkung des Preisabbaus besteht und unter welchen Voraussetzungen der Zweck der P r e i s- lenkung erreicht wird, namentlich in einem Lande, in dem wie bei uns die Lohnempfänger«ine Konfumeutenschicht von entschei- dender Bedeutung sind. Die erste und zugleich wichtigste Funktion des Preieadbans besteht also darin, daß er eine solche Steigerung der Reallöhne bewirkt. die in ausreichendem Maße den Ausfall der kauskrafl infolge der schlechten Beschäftigung wettmacht. Sind wir uns darüber klar geworden, so muß uns auch der Zusammenhang zwischen dem Preis- und dem Lohnabbau in einem ganz anderen Lichte erscheinen, als er von den Leuten, die verschiedene offizielle Auslassungen der letzten Zeit erdichtet haben, geschildert wurde. Wenn infolge der Zu- jammenwirkung des Preis- und Lohnabbaus die Reallöhne der be- sihäsliglen Arbeiter nur in ihrer früheren höhe erhalten bleiben und nicht erhöht werden, so wird dadurch die Depression stabilisiert, weil für den Aussall der Saufkrosl der Arbeitslosen kein ausreichender Ausgleich geschasjen wird. Die Steigerung der realen Kaufkraft anderer Schichten wird für einen solchen Ausgleich schon deshalb nicht ausreichen, weil auch die veamtengehälter gekürzt und die Ange- stelllengehäller, wenn es nach den Unternehmern»nd nach der Regierung geht, abgebaut werden sollen. Konsumpreise und andere. Ein lehrreicher Vergleich über Fleischpreise. Daß dos Berliner Konsumfleisch gut und billig ist, weiß jedes Mitglied. Das„Berliner Tageblatt" hat gestern morgen eine Tabelle veröffentlicht, aus der sich für neun verschiedene Geschäfte am gleichen Tag«-die Preis« ersehen lassen Das„B. T." knüpft an die Dar- stellung die Bemerkung, daß die kolossale Verschiedenheit der Preise eine völlige Preiswillkür in Berlin, in den einzelnen Stadtteilen wie auch zwischen Warenhäusern, Großileischereisilialen und Klein- sleischereien, erkennen lasse. Bor wenigen Tagen hat der„Vorwärts" die Fleifchpreife der Konsumgenosienscha-st Berlin veröffent- licht. Für einige Fleischsorten ergibt sich danach unter Verwrndung des Materials des„Berliner Tageblatts" folgender mteresiante Ber- gleich: Die Tabelle zeigt im ganzen überraschend« Unterschiede zu- gunsten der Konsumvereinspreis«. Mögen bei der Auswahl durch das„Berliner Tageblatt" noch so viele Zufälle mitgespielt haben— es sind unter den ausgeführten Geschäften keine Fleischereien in Arbeitervierteln oder in der Nähe der Fleischabgabestellen der Kon- iumvercine genannt, buch sind scheinbar einige Posten nicht voll vergleichbar—, so ist doch an der«rsreulichen Erkenntnis nichts zu deuteln, daß die Fleischpreise des Konsumvereins Berlin die billigsten sind. Die gute Qualität der Konsumwaren hat noch niemand be- stritten: dabei müssen noch die 4 Proz. Rückvergütung-berücksichtigt werden._ Elektroherren bauen ab! Werben die Berliner Metallarbeiter jetzt Zähler und Transformatoren aufs Brot streichen? Die Preisstelle des Zentralverbandes der denk- schen elektrotechnischen Jndustrie teilt mit, daß sie schon mit Wirkung vom 15. November 1930 ab die Listenpreise für Maschinen, Motoren, Transformatoren, Zähler, Apparate, Jnstalla- tionsmaterial und Hauslzaltsgeräte um S Proz. senken werde. Dieser Beschluß setze baldige Senkung der Preise der Zulicseranten voraus und sei erfolgt, obwohl der Schiedsspruch für die Berliner Metall- Industrie erst am 19. Januar nächsten Jahres im vollen Ausmaß in Kraft trete. Die Gewinne bei der Elektroindustrie waren und sind der- ort. daß sie sich die Prei-sencnng von 5 Proz. schon leisten kann. Die Preissenkung hätte in Hinsicht auf die Gewinne in der Elektroindustrie größer ausfallen müssen, eine Lohnsenkung ist da- zu überflüssig! Die außerhalb Berlins liegenden Betriebe der elektrotech- nischsn Industrie haben sich der Preissenkung der Berliner Industrie angeschlossen,„in der Erwartung, daß auch bei ihnen«ine Lohn- senkung erfolgen wird"! Hamburger Strompreisfenkung? Die gemischtwirtschaftliche Hamburger Elektrizitäts- werke A k t.- G e s. hat den Aufsichterat zu einer außerordent- lichen Sitzung zusammengerufen, in der zu dein Vorschlag der Ge- schästsleitung aufSenkungder Hamburger Licht st roiy- tarife Stellung genvnmien werden soll, lieber den Umfang der Preissenkung sind noch keine Einzelhetten bekannt. Kleine V�dissenkung für Gmhlampen. Aus der Glühlampenindustrie wird mitgeteilt, daß ein Abbau der Preise um 5 bis 10 Pf. je Lampe erfolgen wird. Da ab November 1929 für die neue Norntallampe(innen mattiert) mit 220 Volt und 15 bis 100 Watt Preise von 1,10 bis 2,50 M. ga�en, betragt die Preissenkung etwa 4 Proz.. ist also angesichts der in der Gtühlampenindustrie erzielten außerordentlichen Gewinne sehr gering. Nicht völlig zutreffend ist die Behauptung, daß seit November vorigen Jahres insgesamt eine Preissenkung um 12}i Proz. eingetreten sei: denn von der vorjährigen Preissenkung wurden nur die innenmattierten Lampen, nach unserer Kenntnis aber nicht die hellen Lampen betroffen, die bis dahin die Normallampen waren. Für die gebräuchlichsten Typen von Auto- moblllampen sei außerdem eine Preissenkung von 714 Proz. vorgenommen worden. Weltdroffelung für Kupfer. Der Markt soll knapp gehalten werden. Bor einigen Tagen begann in New Vork eine Be- s p r e ch u n g der großen Kupsermagiraten Europas und Slmerikas über Maßnahmen, ein weiteres Absinken der K ups erpreise zu verhindern. Hieran haben außer Vertretern der großen amerikanischen Konzern« unter anderem teilgenommen zwei Delegierte der belgischen Kongogruppe sowie Vertreter der beiden großen kanadischen Konzerne International Nickel Co.(Konzern des Britischen Chemietrusts und der Noranda Mines. Da auch die vorwiegend mit englischem Kapital arbeiten rhodesischen Unter- nehmungeii(Südafrika) bereit sein sollen, sich gegebenenfalls enieni Ue b erel n ko mm e n zur Einschränkung der Produk- tion und zur Hebung der Preise anzuschließen, so wäre diese Front ber Kupfererzeuger noch umfassender als das bisherige internationale Kupferkartell. Es scheint also, als' ob infolge der all- gemeinen Absatzkrise die Gegensätze unter den großen Produzenten sich vermindert haben. Nach einer Meldung des amerikanischen„Journal of Conuneroe" haben nun tatsächlich die Besprechungen zu einer Abnrachung ge- führt, wonach die Kupfererz« ugung um 12 bis 15 Pro- zent eingeschränkt werden soll, um das Verhältnis zwischen Angebot und Aachfrage zugunsten der Erzeuger zu ver- schieben:-dabei soll angeblich die Produktionseinschränkung der bel- gisch-engkischen Haut-Katanga-Gesellschaft(die in Belgisch-Kongo ar- beitet) noch stärker sein als bei den übrigen Gruppen. Sollte diese Meldung zutreffen, so wäre dies ein sehr bemerkenswerter Erfolg der amerikanischen Kupferkonzerne über den bedeut- samsten nnt europäischem Kapital arbeitenden Produzenten. Andererseits wächst die Unzufriedenheit der e-urv- päischen Kupferoerarbeiter mit der Diktatur der am-evi- konischen Trusts. Die französische Spitzenorganisatro» der metall- verarbeitenden Industrie protesnert energisch gegen die Spekulatians-- Politik des interiratiomvlen Kupferkartells, das über gewaltig« Vor- rate verfügt, aber in Europa nur klein« Mengen anbietet. Dieses Protestschreiben ist an die Adresse von K e l l e y gerichtet, der an der Spitze des größten amerikanischen Kupferkonzerns steht(Ana- conda Copper) und zugleich Präsident des Kupserkartells ist(Copper Exporters Inc.). In der„Industrie- und Handels-Zeitung" wird bei dieser Gelegenheit der„Herrenstandpunkt der Amerikaner" stark kritisiert und betont, es sei„e i n offenbarer Unsinn, bei Kupfervorräten von der«normen Höhe, wie sie in Amerika lagern, den deutschen Verbrauchern Tageskontingent« von unter 1000 Tonnen Kupfer zuzuteilen". Abschluß der Hypothekenbankfusionen. Genehmigung durch die Generalversammlungen. Der L er sch m elzu n g s p r 0 z« ß im Hypotheken» b a n k w e s e n, über den wir bereits«ingehend berichtet haben, fand gestern mit der Genchmigimg der Fusionen dicrch die Gencral- Versammlungen seinen Abschluß. Der Kern der ganzen Aktion be- steht in dem Eintritt der Preußischen Central-Boden» kredlt-A.-G. und der Frankfurter Hypothekenbank in die Ge-- meinschaftsgruppe Deutscher Hypoihekenbanken, die bisher von acht Banken gebildet wurde. Als Zweck der Verschmelzung wurde auf der Generalversainm- lung der Preußischen Central-Bodenkredit-A.-G. neben der Förde- rung des Pfandbriefabsatzcs die einheitliche Lösung der drängenden Probleme im Realkreditgeschäft angegeben. Der Pfand- briefmnlauf und Darlehnsbestand des Instituts erreiche jetzt bereits 1,6 Milliarden Mark. Die Verwaltung hofft, billigen Au s- l a n d s k r e d i 1 zur Arbeit heranziehen zu tönneu und betonte die Notweikbigkeit, der Uebersätttgung des deutschen Pfandbricsmarktes im Interesse der Zinsverbilligung zu steuern. Lei Schwindelanfällen, schwerer Unruhe, Nervenkrirnpfen | usw. nehmen 5Ie Baldra nent Reichel, das natürliche.Sedativum von prompter Wirkung. Fl.Mk. 1.50 und 2.50, in Drogerlen und 1 Apotheken, sonst durch Otto Reidiel, Berlin 43 50, Eisenhahnstr. 4. v DAS WARENHAUS BERLINS STADTTEILEN Leipziger Strasse, Alexanderplatz, Frankfurter Allee, Belle-Alliance-Strasse, Wilmersdorfer Strasse, Brunnenstrasse, Kottbuser Damm. 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