BERLIN Donnerstag 13. Aovember 1930 lUPf. Nr. 534 B 266 47. Jahrgang Erscheint tSglich au§erS»»«tags. Zugleich Abeudauegab« des.Vorwärts�. BezugSprei? beide Ausgaben SdPf. pro Woche, S.soM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW öS, Lindeustr.» SfuUauigaße Jeh AnteigenpreistDie einspaltige Nonpareillejeile 80 Pf., Rcklamezeile SM. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Derlag G. m. b. H., Berlin Nr.»7SZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Bergrutsch in Lyon Ganze Häuserreihe eingestürzt- Bisher-100 Tote geSorgen Paris, 13. November.(Telegramm unseres Pariser Korrespondenten.) In Lyon hat in der vergangenen Nacht mitten in einem dicht bewohnten Stadtviertel ei« Bergrutsch eine furchtbare Katastrophe hervorgerufen. Gegen drei Uhr nachts stürzte am Abhang des Hügels St. Jean die Stühmauer einer Bergterrasse ein. Die Trümmer verschüttete» am Hospital von St. Pathien das Wohnhaus der Krankenschwestern. Eine oberhalb der Bruchstelle gelegene Häuserreihe von etwa 100 Meter Breite wurde ihrer Fundamente beraubt und brach tn sich zusammen. Aus den Trümmern konnte« bisher gegen 8v Tote geborgen werden. Die Nettungsarbeiten werde» durch das ständige Nachrutschen der Erdmassen außerordentlich erschwert. Von einer einstürzenden Mauer wurden 12 Feuerwehrleute und Polizisten erschlage«. Zehn Familien unter Sen Trümmern. Paris, 13. November. Das Einsturzunglück in Lyon hat sich zu einer beispiellosen Katastrophe auggewachsen. Aus den heule nacht um 1.15 Ahr im Stadlteil St. Andrö« erfolgten Erdrutsch folgte eine Stunde später ein zweiter Erdrutsch, durch den die mit Aufräumungs- arbeiten beschäsligieu Feuerwehrleute ebenfalls vollkommen begraben wurden. Außerdem liegen etwa zehn Familien unter den Trümmern. Angesichts der gewaltigen Erbmassen. die niedergegangen sind, besteht kaum Hofsuung. auch uup einen g-ößeren Teil der Verschütteten noch lebend bergen zu können. Da weitere Erdrutsch« drohe«, hat die Polizei dl« Räumung von mehreren hundert Wohnungen angeordnet und einen Ordnungsdienst eingesetzt, der die Flüchtlinge nach der innere« Sladt leitet. Nach den letzten Nachrichten ichähl man die Fahl der Tote« aus über 100. Die erst« Ohle der Opfer enthält 23 Namen. Am 7 Uhr heute früh wurde die erste Leich« gesunden, nachdem vorher schon drei Schwerverletzte geborgen worden waren. Sine ganze Giraße eingestürzt. pari», 13. November. Die meist von Arbeilernund Kleinbürgern bewohnte Lsrstadt St. Jean ist auf dem steil abfallenden Hügel von Roccue- billiere aufgebaut, dessen häng« durch mächtig« Stützmauern:n Terrassen verwandelt sind. D'e starken Regenfälle, die seit Togen über ganz Frankreich niedergegangen stud. haben diese künstlich gz. fchassene« Terrassen unterhöhlt und heule nachl gegen 1 Uhr eineu Erdrutsch zur Folge gehabt. Durch den Einsturz einer der großen Stützmauern wurden zunächst etwa zehn Häuser mitgerissen, deren Bewohner unter den Trümmern begraben wurden. Wenige Minuten später trafen die ersten von der Polizei und Feuerwehr entsandten hilssmannschaftsn auf der Unglück. stelle ein. Di« Bergungsarbeiten waren in vollem Gange als dem ersten Erdrutsch gegen 2 Uhr«in neuer noch viel größerer folgt«, durch den die den Hügel von Rorcue- billiere entlangziehende Straße Ehemin-Neus in einer Länge von etwa 300 Nieler mit ihren zum Teil fünf, und sechstöckige» Wohnhäusern einstürzte. Die gewaltigen Trümmermassen stürzten in die etwas tiefer gelegen« Rue Tramassac, wo sie den Zusammenbruch vier weiterer Gebäude, darunter eines Hotels, verursachte. Der größte Teil der Rettungs- Mannschaften, etwa 30 Schutzleute und Feuerwehrmannschaften, wurden vorschüttet und konnten nur als Leichen geborgen werden. Gegen 3 Uhr und kurz nach 1 Uhr erfolgten zwei neue Erdrutsch?. die jedoch, da auf Anorimung des Poli-eiptßfekten die Unglückestraß« geräumt worden war, keine neuen Opfer forderten. Die Panik, die sich der mitten In der Nacht von dsr grauenvollen Katastrophe überraschten Bevölkerung bemächtigte, war unbeschreib» lich. von de« Bewohnern der eingestürzten Häuser war elu großer Teil Im Schlafen von herabstürzendem Gebälk und Mauerwerk crsch'agen worden. Die UeSerlebsnden, die sich aus eigener Kraft aus den Trümmern herausarbeiten konnten, flüchteten, von pamk. artigem Schrecken erfaßt und hilfeschreiend nach ollen Richtungen. Die Verwundeten wurden in dl« nahe Kathedrale von St. Jean gebracht, die zu einem Hospital umgewandelt ist. Die Bergungsarvelien die wegen her noch immer drohenden Gefahr neuer Einstürze nur mit allergrößter Borsicht durchgeführt werden können, sind noch lange nicht beendet Man hörl au» den Trümmern heraus noch immer zahlreiche hllserufe. so daß die Gesamtzahl der Opser zur Zeil noch nicht endgültig festgestellt werden konnte. Wie die ersten Ermittlungen ergaben, sind bereit» vor Monaten in dem Quartier lleinero Erdrutsche konstatiert nwvden. s» daß bereit» vor Tagen ein in dem Viertel gelegenes Hospital, da, bedeutliche Mauerrijs« auswies, von den Kranken geräumt werden mußt«. Aussperrung in Delmenhorst. Lohnabbau von 10 bis 60 Prozent verlangt. Delmenhorst, 13. November. fEigenbericht.) Di« Hansealische Zulespinnerei und Weberei, die zum 15. No- vember die Enllassung des gesamleu Personal» ausgesprochen und seine wiedercinslellung abhängig gewacht hat von der Annahme des von ihr verlangten Lohnabbaus, gehört zu den reaklior.örstcn Unternehmungen In der Textilindustrie. Sie folgt bei dem Lohn- abban aber offensichtlich„höheren" Anweisungen des Unternehmer. verbände». Seit einem halbe« Zahr wird in der hanseatljche« Zulespinnerei berclls larislos gearbeliel, da die Firma«Inen Neuabs chluh des Tarifs zu den alten Lohnsätzen nicht eingehen und die gut organi- Der psennigabbau sierte Belegschaft einem Lohnabbau nicht zustimmen wollte. Die Firma verlangt jetzt eine« Lohnabbau der Sluudrnlöhne von >0 bi« 15 Pro z. und der Akkordlöhne von 10 bis 3 0 p r o z. Der Akkordrichlsoh beträgt gegenwärtig für Männer 75 Pfennig, für Frauen 56 Pfennig die Stunde. Damit vergleiche man die hohen Gewinne in der lexlillndussrie. Die Hansealische Jntcspinncrci hat birher glänzend verdient. Die Arbeiter werden diesem Lohnabbau Widerstand leisten. Am 17. November wird niemand die Arbeit ausnehmen. Das Hochwasser als Llrfache. vi« Zahl der Toten wurde gegen Mittag bereits aus an- nähernd hundert bczissert. darunter zwanzig Feuerwehrleute und Polizelbeamte. Die erst« Katastrophe, von der das„Hotel du petit � Berfa Ules" betroffen wurde, ereignete sich zwischen 1 und Z Uhr 1 nachts. Nachdem man die Ausräumungsarbeiten bereits ausge-' nommen hatte, stürzten plötzlich mehrere Häusergruppen in der Nachbarschaft zujawmea und begrübe« Bewohner und Hilfsmann. schofle« unter dea Trümmern. Sofort wurde das gesamt« Gelände m einem Umkreis von mehreren hundert Metern abgesperrt. Die im Abspsrnrngskreis liegenden.Häuser mußten auf Befehl der Polizei sofort geräumt werden, kaum war dieser Befehl ausgeführt. alz wiederum große Erbmassen oachrutjchlcn und ein weiterer Häuserblock zusammenbrach. Verschiedene Rettungswagen, die in- Zwischen bereits zum Abtransport der Verunglückten eingetroffen waren, wurden unter den Trümmern begraben. Man nimmt an, daß die Ursache der verschiedenen Erdrutsche auf die letzte h o ch wa s s« r t a ta st r o p h e, die das Erdreich gelockert hat, zurückzuführen ist. Verschiedentlich wird auch vermutet, daß unterirdisch« höhlen, d!« nicht mehr standgehalten hoben, das Unglück herbeigeführt haben. prsis« mit viel schöneo Nedea... Die Prügel-Kommilitonen. Ein Aufruf des NektorS. Der gegenwärtige Rettor der Universität Berlin, Professor Dr. D e i ß m a n n, hat an die Studenten aller Richtungen einen Ausruf gerichtet, tn dem er um Wahrung der akademischen Würde und dadurch um die Sicherung der akademischen Freiheit bittet. Der Ausruf hat folgenden Wortlaut: Ich habe mich gestern persönlich für die Wiederher« st eilung der Ordnung der Universttät eingesetzt. Wollen wir diese Ordnung aus eigener Kraft, ohne behördlich«« Ein» areifen, aufrechterhalten, so bedarf ich der loyalen Unterstützung durch die gesamte Studentenschaft. Führer verschiedener, bei den Ereignissen anwesend gewesenen' Studentengrupven haben mir diese Unterstützung zugesagt. Ich erwarte, daß diese Unterstützung eine allgemeine sein wird. Es müsseu vor allem jene liesbedaueUichrn Schmähworte und Kränkungen aufhören, durch welche die Würde unserer Alma Maler gröblich verletzt wird. Ich appelliere an den Geist akademischer Kameradschaft, Ritterlichkeit und Gemeinbürgschaft. Zn diesem Geist ein Anwalt auch der Minderheiten zu sein, ist mir eine Ehrenpflicht. Ich bin bereit,«inen neutralen Boden zu schassen, aus dem die besten Köpfe von rechts und links sich im g e I ft i g« n Ringen miteinander messen können. Aber zuerst müssen wir durch Selbstbeherrschung den Beweis erbringen, daß wir der akademischen Selbstverwaltung fähig und würdig sind. Kommilitonen! Es geht um das kostbare Gut unserer akade- mischen Freiheit. Helft mir, daß dieses Gut nicht verschleudert werde! Der Ausruf des Rektors ist ernst und würdig. Wir hoffen, daß er Erfolg hat gerade bei denen, die am lautesten sich als Schützer akademischer Freiheit ausgeben und dabei ihren Terror zu üben pflegen. « Wie wir bei Schluß des Blattes erfahren, ist es heute mittag auf dem Hof der Universität wieder zu einer Schlägerei zwischen den Studenten gekommen. Polizeibeamte griffen sofort ein und brachten die Streitenden auseinander. Nazi'Versammlung verboten. Grzesinski warnt und kündigt Auflösungen an. Der posizeiprasidenk teilt mit: Der Polizeipräsident hat sich zu seinem Bedauern innerhalb ganz kurzer Zeil zum zweiten Male veranlaßt gesehen, da» Stattsinden einer össenliiche« Versammlung in geschlossenen Räumen zu verhindern. So ist der Gauleitung der NSDAP, heule mitgeteilt worden, daß die von ihr für Freitag, den 14. November, in der Neuen Welt vorgesehene öffentliche Versammlung mit der Tagesordnung„Her mit der Reichswehr!" aus Grund des Abs. 1 des Arllkels 123 der Reichsverfassung verhiuderl werden wird, da das Thema und die Auswahl der vorgesehenen Redner daraus schließen lassen, daß die Versammlung im Sinne de, Gesetze» eine unsrledliche, also un- gesetzliche sein wird. Bei dieser Gelegenheit sei festgestellt, daß ln letzter Zeit in steigendem Maße In öffentlichen Versammlungen strafbare Handlungen der verschiedensten Art begangen werden. Die Absichten dazu werden verdeckt, Indem eine harmlos« Tagesordnung gewählt wird. Strafbare Handlungen können bei niemandem gedulde: werden und wenn die verfassungsmäßig gewährleistete Ber» sammlungsfreiheit dazu mißbraucht wird, strafbare Handlungen zum Teil schwerwiegender Art zu begehen, so hat die Polizei die Verpflichtung, zu prüfen, ob die liberal« Handhabung vereins- gesetzlicher Bestimmungen noch am Platze ist, zumal In letzter Zeit Polizeibeamt«. die zum Zwecke der Information, ohne dabei die gesetzlich zulässige Uederwachung ausüben zu wollen, von Ter-- scimrnlung-veranstcjltern ausgewiesen worden sind. Der Polizeipräsident ist unter diesen Umständen genötigt, ernstlich zu er- wägen, ob er nicht von dem Recht des Z 13 des Reichsvereinsgesetzes vom 19. April in ihm geeignet erscheinenden Fällen Gebrauch machen wird und Beauftragte in öffentliche Versammlungen mit der Befugnis zu entsenden, die Versammlungen nach Z 14 des Reichsvereinsgesetzes für aufgelöst z u erklären, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind. Bevor der Polizei- Präsident solche durchaus unerwünschten Maßnahmen zu ergreifen gezwungen ist, richtet er noch einmal an alle Veranstalter von Ver- sammlungen und Redner in Versammlungen die ernste Mahnung, sich beim Gebranch der weitgehenden demokratischen Rechte des heutigen Staates auch der demokratischen Pflichten zu erinnern und bewußt zu sein. Zu welchem Wahnsinn sich die nationalsozialistischen Agitatoren in ihren Versammlungen versteigen, davon gibt der nachfolgende Bericht ein neues Beispiel:.- Am 12. November 1339 veranstaltete die Naticnalsozialrstishe Arbeiterpartei, Sektion Pankow, eine Versammlung im Schloß Schönhausen, Niederschönhausen, Lindenstraße. Redner waren Pz. Engel und Z i e d l o w. In dieser Versammlung führte u. a. Herr Engel folgendes aus:„Wir aber zücken unseren Farbenbleistift, um uns in unser Buch vor allem die Namen Severing und Grze- s i n s k i einzutragen, für eine spätere Abrechnung mit diesen Herren. Wir haben uns aber von diesen Herren noch viel mehr vorgemerkt. Die zwei Millionen deutsche Kriegsopfer müßten eines Nachts aus den Gräbern aufstehen und ihre Knochen mühten den Herrn Severing und Grzesinsti im Bett einen Besuch abstatten. Dann würde es ihnen wohl doch eiskalt über den Rücken laufen. Wir Nationalsozialisten werden aber bestimmt dafür sorgen, daß diese zwei Millionen nicht vergebens gefallen sind." In diesem Kampf„gegen den Marxismus" gehen die Nazis jetzt schon soweit, Sozialdemokraten für schuldig am Ausbruch des Weltkrieges zu erklären— Mitglieder derjenigen Partei, die im alten System ausgeschlossen gewesen ist von jedem Einfluß auf die auswärtige Politik der damaligen Machthaber, die gegen Krieg und Militarismus gekämpft hat und kämpft! Affäre Zorns geht weiter. Einigungsperhandlungen zerschlagen.- Neuaufrollung des ganzen Verfahrens. Zu Beginn der heutigen Berhandlung im Jorns-Prozeß gab Justizrot Dr. Löwenstein für den Nebenkläger Jörns folgeitbe E r- k l ö r u n g ab:„Di« Verhandlungen zwischen mir und dein Ange- klagten Bornstein im Beisein des Oberstaatsanwalts Köhler haben zu keinem Ergebnis geführt. Der Nebenkläger wäre zur Zurücknahme der Strafanzeige gegen den Angeklagten nur unter der einen Bedingung in der Lage gewesen, wenn sowohl die in dem Artikel gegen ihn erhobenen Anschuldigungen zurückgenommen würden, als auch die nachträglich in der Verhandlung in bezug auf die gemachten Feststellungen als nicht zu Recht bestehend anerkannt würde. Das ist nicht geschehen." Der Angeklagte Bornstein erklärt« dazu: In dem angeklagten Artikel wurden nur objektive Mängel des Verfahrens des Kriegsgerichtsrats Jörns vorgebracht. Die in der ersten Ver- Handlung gemachten Vorwürfe subjektiver Natur muß ich Aufrechterhalten.........,—--- . Der Angeklagte Börnste i n stellt an da? Gericht feryer das Ersuchen, ihm die Möglichkeit zu geben, sich zu dem Ergebnis der Sitzungstage zu äußern, an denen er abwesend war. Es war mein Wunsch, sagte er, der Verhandlung fernzubleiben Ich bin aber dem Wunsche des Gerichts nachgekommen und hier erschienen. Ich habe den Eindruck, daß in mancher Hinsicht aus Tatsachen Wert gelegt worden ist, die ohne Bedeutung sind, dagegen manche- nicht zur Sprache gekommen ist, was für die Beurteilung des Verhaltens des Nebenklägers wichtig fein könnte. Iustizrat Dr. L ö w e n st e i n erklärt, auch der Nebenkläger sei für die restlose Aufklärung des ganzen Komplexes,«s sei aber nicht Sache des Angeklagten, zu verlangen, daß eine Verhandlung wieder- holt werde, weil er durch seine Schuld ferngeblieben sei. Derartige Wiederholungen wären geeignet, das Gesamtbild zu verwischen und den Prozeß zu verschleppen. Oberstaatsanwalt Köhler gibt die Anregung, gewiss« Punkte. über die zwischen den Parteien bereits in früheren Eerichtsuerhand- lungen eine Einigkeit vorgelegen Habs, diesmal unerörtert zu lassen. Landgerichtsdirektor Ohnesorge ist jedoch der Ansicht, daß es notwendig sei. sämtliche Verfügungen des Neben- k l ä g e r s, die er in seiner Eigenschaft als Untersuchungsrichter gemacht hat, zu erörtern, da ja das Reichsgericht dem früheren Gericht den Vorwurf gemacht habe, daß es nicht aus dem G e s a m t v e r- halten des Nebenklägers, sondern aus seinen einzelnen Verfügungen Schlüsse gezogen Hobe. Es wird deshalb in der Beweisaufnahme fortgefahren. Frick maßregelt. Eine?Whe republ, Manischer Polizeibeamter entlassen. Die thüringisch« Regierung, die unter dein maßgebenden Ein- fluß des notorischen Putschisten und Diensteidbrechers Frick steht, veröffentlicht heute folgende Erklärung: Die iin Disziplinarverfahren gegen den Verwaltungs- obersekrerär Müller bei der Wirtschaftsstell« der Polizei in S on d e r sha u s e n angeordneten Untersuchungen und Beschlag- nahmungen gegen mehrere Angehörige der thüringischen Polizei und in den Geschäftsräumen des Gaues Thüringen des Reichsbanners, sowie in den Privaträumen des Geschäftsführers des Reichs- luinners, Dr. Dietzel, in Weimar hoben, soweit es überhaupt noch nötig war, weitere erdrückende Beweise für das Bestehen einer Spitzelzentrale bei der thüringischen Polizei erbracht. Sie hat offenbar die Aufgab« gehabt, dem Herrn Reichsminister des Innern Material für das Verfahren vor dem Staats- gcrichtshof wegen der Polizeikostenzuschüsse zu liefern. Das ' beschlagnahmte Material ist derartig belastend für mehrere Polizei- beamtc, daß das Ministerium des Innern(lies: Nazi- Frick) sich oeranlaßt gesehen hat, sofort gegen einig« Beamre einzu- schreiten. Sie haben in gröblichster Weise ihre Amtsverschwiegenheit verletzt, durch Erstattung von noch dazu durchaus unrichtigen Berichte» über Vorkommnisse bei der Polizei dem Lande Thüringen, dessen Beamte sie waren, schwersten Schaden zugefügt und damit den von ihnen geleisteten Beamteneid gebrochen, mit dem sie dem Lande Thüringen Treue geschworen hatten. Das Ministerium des Innern hat den Polizeihauptmann Schüler in Gslha heule fristlos und ohne Zuerkenvuug von verjorgungsgebüh'.- nisfen entlassen, sowie gegen die Polizejhauptwachtmeister Lenk und Engel und ge�en den am 31. August 1930 aus der Landespolizei auegeschiedenen»rüheren Polizeioberleutnant B o t h k e � sowie gegen den städtischen Polizeioberwachtmeister U n d e u t s ch in Jena das Strafverfahren eröffnet. Die Beamten haben das Material on den Leiter des Gaues 6 des Reichsbanners in Gotha abgegeben Dieser hat es an den Gau Thüringen des Reichsbanners in Weimar Kampf gegen Zehn Millionen Der Ausschuß für den Reichshaushalt beschäftigte sich in seiner Donnerstagfitzung mit der Vorlage des Ernährunzsministeriums betreffend die Bereitstellung von 19 97S 999 M. für die Zeit vom 1. Oktober 1939 bis 31. März 1931 für die Verbilligung von Frischfleisch an Stelle des zollfreien Gesrierfleischs. Die Vor- läge will an Stell« des bisherigen zollfreien Kontingents ein Gulscheinsystem für den Ankauf von frischem Fleisch fetzen und glaubt, daß durch dieses System eine sichere Gewähr, dafür gegeben wird, daß die wirklich minderbemittelte Bevölkerung das ihr zugedachte verbilligte Frischfleisch auch erhält. Vom Ernährungs- minister Schiele wie einem seiner Referenten wurde zu Beginn dxr Verhandlung die Vorlage noch einmal umschrieben und aus den Mißstand hingewiesen, daß Gefrierfleisch früher auch in die Küche der großen Hotels gewandert sei. Das würde beim Gut- fcheinsystem unmöglich werden. Man müsie die Frage stellen, ob die deutsche Landwirtschaft in der Lag« sei, den Fleischbedarf der deutschen Bevölkerung aus eigenem zu decken, und. es sei hoch- erfreulich, daß diese Frage mit einem glatten Ja beantwortet wer- den könne. Deutschland habe im Augenblick«inen Schweinebestand von 23'A Millionen und dieser Bestand werde nur in Ehina und Amerika übertroffen. Bei der Beurteilung der ganzen Frage dürfe man auch die Seuchengefahr nicht' übersehen. Abg. Frau lvunn(Soz.) erklärte, daß, selbst wenn man eine Seuchengesahr zugebe, die aber in Anbetracht der strengen Veterinär» polizeilichen Bestimmungen in Argentinien und Uruguay nicht unbedingt zu bejahen sei, so sei diese Gefahr noch lange nicht so groß wie die der Unterernährung breiter deutscher Volksschichten. In England erfolge der Fleischoerkauf unter wen ungünstigeren hygienischen Bedingungen als bei uns, dewioch sei England größtes Abnehmerland für argentinisches Gefrierfleijch, und mit der Seuchen- gefahr werde niemand graulich gemacht. Es fei doch klar, daß die in Betracht kommenden Staaten bei der Einfuhr deutscher industrieller Produkte ihre Revanche gegen diefe Absperrungsmaßnahmen nehmen: so sei es auch zu erklären, daß und worum alle �ndnstrieverbändc gegen diese Agrarpolitik Front machen. weitergeleitet. Ausfallend ist, daß der Gau Thüringen des Reichs- bannsrs sein Materiol nicht unmittelbar an das Reichsministerium des Innern gesandt hat, in dessen Schriftsätzen Bericht« als Beweis- themen meist wörtlich wiederkehren, sondern an einen.Herrn A u g u st Feil in Erfurt. Wir haben festgestellt, daß sich beim Polizei- Präsidium in Erfurt ein Kriminalkommissar August Feil befindet. Die wiederholten, bisher unwidersprochen gebliebenen Be- hau p tu n gen nationalsozialistischer Zeitungen, daß preußische Regierungsstellen mit der Bespitzelung Thüringens beauftragt worden sind, gewinnen daher an Deutlich- kcit. Wir können nur unsere gestrige Erklärung wiederholen, daß sich Methoden, wie sie hier eingeschlagen worden sind, ollein schon durch ihre Unmoral richten." Diese amtliche Erklärung der thüiingischen Regierung ist eine — gelinde gesagt— Unverfrorenheit. Sie wagt Beamten, die in Sorge um das Sdiicksal der Republik sind. Bruch des Beamteneid»es vorzuwerfen, obwohl sie diesen r e p u b l i- konischen Beamten den Frick als Minister vorsetzte, der wegen Hochverrats unter/Bruch seines Beamteneides gerichtlich abgeurteilt worden ist und der vor ollem durch feine Amtshandlungen gezeigt hat, daß er im Sinne seiner Partei die republikanische Verfassung im Freistaate Thüringen von innen heraus zu zerstören beabsichtige. Man soll im Hause des Gehenkten nicht vom Strick reden, und im Hause des Herrn Frick nicht vom Bruch des Beamteneidesl Llnschuldig zum Tode verurieilt. �evisionsverhandlung v. Oielingen vor dem Reichsgericht. Leipzig. 13. November. ver Fall des wegen Ermordung der Emma Höge im Zahre 1924 zum Tode verurteilten 24jährigea Landwirts Hermann v. Dietingen, der dann zu lebenslang. llchem Zuchthaus begnadigt wurde, beschäftigt erneut das Reichsgericht. Für den Angeklagten hatte R.-A. Dr. Sidney Mendel-Beclin durch Ueberreichung von Gutachten Berliner Gerichtsärzt« nach. gewiesen, daß der Tod der angeblich Ermordeten nicht durch Erdrosselung, wie das snihere Urteil angenommen halte, sondern wahrscheinlich durch Herzschlag eingetreten war. Im Wiederaufnahmeverfahren wurde dann o. Dielingen im März d I. nur wegen Körperverletzung mit Todesersolg zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt und sofort in Freiheit gesetzt. Gegen dieses Urteil hatte die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt und sie später wieder zurückgenommen. Das Reichsgericht verhandelte jetzt über die von den Rechts- anwällen Dr.' Mendel und Rahardt eingelegte Revision. Während das Schwurgericht annimmt, daß der Angeklagt«, entsprechend seinem Geständnis, die Höge»am Halse gewürgt habe, wodurch dann der Tod, unabhängig von seinem Willen, eingetreten sei, wird von den Verteidigern der Standpunkt vertreten, daß das Geständnis des Angeklagten falsch sei. Auch wenn der Angeklagte mit der Höge zusammengewesen sei, was er jetzt bestritten hat, so sei der Tod doch durch Herzschlag oder Embolie eingetreten, ohne daß der Angeklagte das Mädchen berührt haben müsse. Di« Revision rügt, daß das Schwurgericht die wichti-gen Gutachten der Berliner Gerichtsärzte, Geheimrat Straßmann, Medizinalrat Dyren- furth, Dr. Weimann und Professor Steinbiß, nicht genügend berücksichtigt und sich fast ausschließlich auf das Gutachten des Professors Lochte(Göttingen) gestützt babe, obwoh' dieser Sachver- ständig« in seinem ersten Gutachtcw Tod durch Erdrosseln ange- nommen und Herzschlag ausgeschlossen habe, während das zweite Gutachten genau das Gegenteil enthält. Da das Reichsgericht keine neuen Zeugen vernehmen kann, wird es bei dieser Entscheidung nur auf die Prüfung der Rechtsfragen ankommen. Weröen Köp�e rollen? Das Reichsbanner veronstal'et am Dienstag, 18 November. 29 Uhr, im Sportpalast eine Kundgebung. Die Frage„Wer!.en Köpf« rollen?" werden als Redner Staatsminister Severing, der Bundeeführer des Reichsbanners, Oberpräsident z. D. Hörsing und Prosesior Georg Bernhard behandeln. Eintrittskarten zum Preise von.�9 Pf. zu dieser Veranstaltung sind bei allen Funktionären des Reichsbanner» und bei der Gauleitung des Reichsbanners, Sebastian» straße 37/38, erhältlich. Gefrierfleisch. für Frischfleisch. Der Import von Gefrierfleisch sollte ursprünglich mindestens bis 1333 aufrechterhalten bleiben. Daraufhin seien sehr große Investitionen für große Kühlhäuser, Transportschisse usw. erfolgt, die nun alle brachliexen müßten. Der Vergleich mit China, das mehr als 899 Millionen Einwohner habe, sei unglaublich. Eö käme dach nicht auf den mengenmäßigen Bestand an, sondern darauf, daß Preise gefordert würden, zu denen die Masse der Bevölkerung Fleisch erwerben könne. Was nützen die jetzigen Versuche der Rc- gierung. hier oder dort einen Preisabbau um 1 Pfennig im Klein, Handel durchzubringen. wenn gegen die Z a r t e l l p o l i t i k. gegen die die Kleinhändler selbst bei gutem Willen machtlos find, nichts geschehe. Was verstehe das Reichsernährungsministerium unter Minderbemitelten! Sie habe berechnet, daß, wenn in Berlin die Hunderttausende von Unterstützungsberechtigten Fleischbons er- hallen würden, alle 14 Tage ein Gutschxin für 20 Pfennig auf den Kopf entfallen würde. An der Freibank stehen die Menschen stundenlang, die Fleischstände in den Markthallen blieben leer. Früher hieß es: .Hat der Bauer Geld, hats die ganze Welt. Jetzt könnte man sagen, hat der Arbeiter Geld, hat es auch der Bpuer. Außer dem Fleischer- verbackd hätten sich alle Organisationen gegen die Fleischbons erklärt. Den Städten würde wiederum die ungeheure Last der Verteilung zukommen, und das alles wegen 29 Pfennig für 14 Tage. Nach der Vorlage sollten die benötigten 29 Millionen für das ganze und 19 Millionen für das halbe Iabr' aus deu Mehreinnahmen der Weizenzölle genommen werden. Der Reichs- finanzminister Dietrich habe aber neulich erklärt, daß diese Mehr» einnähme der Knappschastsversicherung zugeführt werden solle. Wie erkläre sich dieser Widerspruch? Sie sei auch' in der Lage, dem Ministerium nachzuweisen, daß 29 Millionen viel zu gering geschätzt seien. Berechne man die Geldsumme nach der Preisdifferenz des Gefrierfleisches zum frischen Fleisch und der Menge des früher«ingeführten Gesriersleischkontingents, so käme ein Betrag von mindestens 69 Millionen heraus. Feuerwehrauto verunglückt. Verkehrsunfall in Wilmersdorf/ 2 Beamte schwer verletzt. Heule früh stieß an der Ecke Hohen zollsrndamm vn!» Emser Straße in Willnersdors ein Feuerwehrauto mit einem Lieferauto zusammen. Dabei erlitten zwei Lberseuer- wehrmänner erhebliche Verletzungen. In den frühen Morgenstunden wurde der Löschzug ll in der Gasteiner Straße noch der Pariser Straße alarmiert. Als die Motorspritze, die mit sechs Beamten befetzt war, vom Hohenzollern» dämm in die Emser Straße einbiegen wollte, stieß das Auto, das sich in schneller Fahrt befand, mit einem Lieserwagen zusammen. Di« Oberfeuerwehrmänner Hermann und D i« tz e wurden hinabgeschleudert und erheblich verletzt. Die Verunglückten mußten ins Krankenhaus gebracht werden. . Aus dem Kurfürstendamm fuhr, in d-r-vergangenen Nacht, ein... mit drei Personen, besetztes.Privatauto gegen einen. Baum des /Kett,«:.. wegssi'Der'Wagen wurde völlig zertrümmert Der Fuhrer des Autos, ein 23jähriger Student Gert W c g e n e r und die Insassen, die 22jährige Studentin Helene G r ü n i g sowie die 26lährige Studentin Ruth G r ö s ch k e, mußten mit schweren Verletzungen in das Zlchenbach-Krankenhaus gebracht werden. Lleberfatt in einem Arbeiisami. Weil die Llnterstützungen vorübergehend gesperrt waren. Rolkweil. 13. Novenrber. Ein Erwerbsloser, dem vom Arbeitsamt der Bezug der Erwcrbslosenunterstützung vorübergehend gesperrt war, weil er eine ihm angebotene Arbeit nicht angenommen hatte, übersiel im Ge- bäud« des Arbeitsamts den zuständigen Kontrollbeamten nnt dem Messer und verletzte ihn durch Stiche in den Leib. Krauenmord bei poisdam. Oie Tote in der Schnilterkaserne. Ans Veranlassung der Oberstaotsanwaltschaft in Potsdam ist heute die Mordkommission des Berliner Polizeipräsidiums wegen eines Frauenmordes nach Neufahrlaryd alarmiert worden, dort wurde in einer Schnitterkoierne eine Frau er» mordet ausgefunden. Kriminalkommissar Dr. Wächter und der Gerichtsarzt Dr. Wiedholdt sind mit Beamten des Erkennungs- dienstes on den Totort gefahren. Die Untersuchung ist aufgenommen. Reichsbahn baut nicht ab. Tarihenkung für sie unannehmbar. Die Reichsbahngesellschaft wendet sich gegen dos Berlangen, daß sie durch eine Tarifermäßigung zum Preis- a b b a u beitragen solle. Die Reichsbahn sagt, ein solcher Tarif- abbau würde bei den großen Handelsspannen, die die Preise bestimmen, gar nichts ausmachen. Die Sachausgaben der Reichsbahn seien weitgehend gedrosselt, der Wirtschaft wäre am besten zu helfen, wenn die Reichsbahn ihre Aufträge für Material, Oberbau usw. wieder erhöhen könnte. Jedenfalls müsse sie ihren Betrieb im finanziellen Gleichgewicht halten. . Erdstoß in Schweden. In der Stadt S k ö v d e und Umgebung wurde am Mittwoch ein heftiger Erdstoß verspürt, der 23 Sekunden dauerte. Di« Erd- bewegung war so stark, daß Bilder von den Wänden her- u n t e r f i e l e n und geschlossene Türen aufsprangen: direkter Schaden wurde nicht angerichtet. Oiktaiur der Generäle. Rosionakfoz'alistif'cheBö haupiung, böswill ge Verleum�nnq -Die Behauptung in einer Kleine«, Anfrage der Nazis im Preu- ßischen Landtag, Generat o. H a m m e r st« i n habe bei einem Jagd- frühstück gesagt, der„Reichstag fei nach Haufe geschickt worden und die Generäle würden durch eine Diktatur für Ord- nung sorgen", wird vom Reichswehrmimsterium als bös» artis» Verleumdung bezeichnet. Erlebnisse in Rußland Berichte deutscher Bergarbeiter 3tn Sommer waren im rfteiniich-westitilnchen Indusiriegebict j Agenten, um deutsche Vergarbeiter für Rußland z>! werbem Die Zeit war chnen günstig, denn die Wirtschaftskrise hatte bewirkt, daß einige zehntausend Ruhrbergarbeiter entlassen worden waren, und dann rührte auch die kommunistische Presse recht eifrig die Werbetrommel. Die Arbeits- und Lohnbedingungen wurden übeams günstig geschildert und mit Versprechungen nicht geknausert. Der Mindestlohn sollte monatlich Hl) Goldrubel betragen. Es wurde aber auch die Möglichkeit in Aussicht gestellt, bis 20» Rubel im Monat oerdienen zu können bei töglich sechsstündiger Arbeitszeit. Im Erkrankungsfalle sollte der volle Lohn 3 Monate lang gezahlt werden und außerdem 30 Proz. des vollen Lohnes an die Familien Nach einjähriger Tätigkeit wurden ? bis 4 Wochen Urlaub mit vollem Lohn in Aussicht gestellt. Von den Angeworbenen wurde die Zusage oerlangt, sich den russischen Verhältnisse» zu unterwerfen, und die Nerhciratetrn sollte», in spätestens 4 Monaten ihre Familien mich* kommen lassen, wofür ihnen Dreizimmerwohnungen mit Vadeetnrichtungen in Aussicht gestellt wurden. Das in Kürze die Zusagen des Werbe- ogenten. Diese Bedingungen schienen vielen Bergarbeitern so günstig, daß sie sich anwerben ließen. Nicht nur Arbeitslose meldeten sich. sondern auch solche, die noch in Arbeit standen. Sic haben es längst bitter bereut, und ein großer Teil ist schon längst wieder in die fjeimat zu rück gekehrt, wo sie nun arbeitslos sind Ein Trupp von 33 Mann verließ am 19. August das Ruhr- sebist, oan einem deutschen Komnmnisten bis zur russischen Grenze behütet und bewacht. Dann ging dieses Anü an eine Russin über. Bei der Abfahrt erhielten sie 120. Mark Anschasfungs- und Der- pflegungsgebührnisse, wovon sie später 100 Mark zurückerstatten sollten. Acht von de« 3S Rußlandgängern schildern nun unter voller Namens- und Zldressenangabe in der„Bergarbeiter-Zeitung", dem Organ des Verbandes der Bergarbeiter Deutschland», ihre Erlebnisse. die wert sind— aber nicht zum Ruhme russischer Berhältnisse—, weiteren deutschen Arbeiterkreisen bekannt zu werden. Die Arbeiter sind angeworben worden für ein Bergwerk in G u b a ch a im Ural. Die Reise bis dort hat, mit Begrüßungen Besichtigungen und Vergnügungen in Schebitowka, Äijew, Moskau und Swerdlowsk 11 Tage gedauert. Dabei ist es chnen ergangen wie den Arbeiterdelcgationen unter kam- munistischer Führung, indem man ihnen Potemkinsche Dörfer zeigte und sie gut bewirtete, worin die Bolschewiften Meister zu sein scheinen. Die erst« Ernüchterung ist nach chrer Darfteilung in Swerdlowsk über die Leute gekommen, wo die.fsauptverwoltung des Bergwerks chreu Sitz hat, für das sie angeworben waren. Dort erfuhren sie uämlich ganz ander? Lohn- und Arbeltsbediugungea, wle Ihnen der Agent in Esten zugesichert hatte, so daß hier schon vielen der Mut genommen wurde und die Reue begann. Hier wurde chnen eröffnet, daß der arbettstägliche Lohn 3 J4 bis 4 Rubel betrage/Urlaub nur uach der Leistung be- mesien, tm Fall« tödlicher Berun glückung keine Ren- t e n au die Hinterbliebenen gezahlt, aber statt dessen die Frau beschäftigt würde und schließlich, daß es im Erkrankungs- fakke nur für 3 Wachen vollen Lohn geben würde. hier erwachte denn auch der erste kviderstaud, denn nicht alle waren geduldige und rußlandfromme Kommunisten, mit denen eine Sondersitzung abgehalten wurde. Die Leute wei- gerten sich, die Arbeit aufzunehmen, ahne gegen Unfall ver- sichert zu sein..Schließlich wurde von der Hauptgruben- Verwaltung versprochen, daß im Falle eines tödlichen Unglücks die Frau eine einmalige Abfindung erhallen und die hinter- lassenen Kinder bis zum siebzehnten Lebensjahr unterstützt werden würden. In keinem Falle ist aber, nach den Angaben der Leute, über die Höhe der Leistungen etwas zu ver- nehmen gewesen. Die Gnibe stt chnen als eine„moderne Schachtanlage" geschildert worden, und so sind denn dies« Bergleute, wenn auch schon innerlich widerstrebend, nach ihrem Bestimmungsort Gubocho gefahren, wo sie am 30. August landeten und am Bahnhof von der Gruben direkt ion und einer großen Menlchen- menge mit Musik empfangen wurden. Natürlich wurden sie auch vom po l i t i s ch e n Direktor begrüßt und willkommen geheißen Vom Bahnhof aus sind dann die Frauen, Kinder und das Gepäck mittels Fuhrwerk zum Quartier gebracht worden, wah-end die Männer zu Fuß gingen. Da- erste Mittagessen in der neuen Heimat hat nicht gemundet, denn im Bericht heißt es wörtlich: „Im Kriege war die Feldküchenkost bedeutend besser als dos uns Gebotene. Auf die Frage an die Transport- sührer. ob es denn immer ein solches Esien gäbe, erklärten sie. es das beste Ellen sei, w a s es überhaupt gäbe." Dl? Quartier haben sie ein ausgebessertes, aber baufälliges altes haus vorgesuaden, das voller Ungeziefer war. heßt es ün Bericht. Vergeblich haben sich die Leute nach den ver- sprochenen schönen Dreizimmerwohnungen mit Badeeinrichtungen umgesehen und stattdessen nur Holz barocken gefunden. Wörtlich heißt es dann weiter in dem Bericht: „Zwei Frauen, welche mit unserem Transport gekommen waren, waren cnlselzl über das viele Ungeziefer. Selbst die kommunistischen Genossen hatten schon jeden M t verloren: es stand bei ihnen fest, daß sie dort nicht alt werden würden. Die beiden Frauen wollten mit den Kiu- dern sofort zurück, aber das wäre bei ihrem erschöpften Zustand nach der langen Reise unmöglich aewesen." Das Eisen ist dann weiter mit jedem Tag schlechter geworden— wir kommen noch einmal daraus zurück— und das Quartier nicht besser. Nu» kurz zu dein„modernen" Bergwerk. In dem Bericht der acht Bergleute wird darüber gesagt: „Der uns als selzr modern gepriesene Schacht entpuppte sich als gewohnlicher Stollenbetrieb. Di« Be'egsclialt war vielleicht 300 Mann stark Wetterführung gab es überhaupt nicht. Wenn wir aus dem Stollen an die frische Luft kamen, waren wir betäubt. Es war im Stollen sehr käst und naß. Wir trugen doppelte An- lüge und Fausthandschuhe. Einen Anzug und ein Paar Stiesel bekamen wir gestellt Die Stiesel waren aus ern Jahr berechnet Die Leistung der Russen war bis seßl 2>- wagen. ooo uns wurden gleich 15 wagen verlangt. Dabei mangelte es aber an dem nolige-, Gezähe. Die 100 Meter lange Rutsche, nvelchc von einem elektrische» Motor betrieben wurde, war so schlecht in Ordnung, daß sie vielleicht nur VA Stunden während der Schicht lies. Wie die Verhältnisse dort lagen, hätten wir höchstens 2 Rubel die Schicht verdienen können. Nachdem wir drei Schichten verfahren hatten und keine Besserung abzusehen war. wurde uns erschreckend klar, welch schlechten Tauich wir in Rußland gegen deutsche DerhAlnIsse gemachl halten." lieber die Arbeitsverhältnisse sagt der Bericht wei, er: „Die Arbeitsverhältnisse wurden von Tag zu Tag schlechter von den russischen Kameraden wurde offene Sabotage gelrieben. vi« Bohrhämmer und Schläuche wurden uns kaputt gemacht oder die Hähne gestohlen. Artscheinenb sahen sie uns als Lohndrücker an, besonders noch, do wir ß. die Russen 7 bis 8 Stunden arbeiten m» ß i e it." Man vergleiche min: Als dies« Bergleute in Eubacha ankamen, wurden sie von einer riesigen Menschenmenge mit Musik empfangen, und in der Grube wurde ihnen das G e z ä h e (Werkzeug) gestohlen oder kaputt gemacht! Beweis genug, daß der Empfang Theater aus Kommando war. Eine kurze Darstellung gibt der Bericht über die hygienischen Verhältnisse auf dem Bergwerk. ..Waschkaue und Umkleideraum kennt man in Rußland nicht. Nach der Ausfahrt geht jeder erst in seine Baracke, hall seine Kleidung und geht dann 10 Minuten weit zinn Waschraum, wo eine einzige Brause der ganzen B?- legschast zur Verfügung steht. Es sind auch einige Waschschüsseln oarhanden, welche man mtt Waller füllt, um«ich aus diese Art und Weise zu waschen.'" Die Arbeiter kommen in ihrem Bericht noch einmal auf die Lebensmittelversorgung zurück. Sie schreiben, daß es anstatt besser, mtt jedem Tag schlechter wurde. Ein« gewählte K ü ch e n k o m m i s s i o n habe sich r ergeblich bemüht, Besserung zu schassen, aber 2 Rubel hätten s': für Quartier, Mittag- und Abendessen zahlen sollen. Brot und Butter mußten sie außerdem noch kaufen und Wurst sei überhaupt nicht zu haben gc- wesen. Dann heißt es wieder wörtlich im Bericht: „Die Verhältnisse waren für uns unhaltbar. Wir ließen uns aber durch Versprechungen, daß es bester werden sollte, einige Tage hinhalten. Als aber keine Besserung eintrat und auch der Urlaub nur nach der Leistung erteilt werden sollte, wurde bei einein Teil von uns die Rückkehr beschlossen. Daß wir betrogen und alle Ulis gemachten Versprechungen großer Schwindel waren. stand bei jedem fest, selbst bei den KBD.-Komeradcn. Ein Teil unseres Iransporks, vornehmlich Kommunisten, ließ sich von Gubacha(Ural) nach dem Donezbecken versehen. Hoffend, daß es dort bester sei. Zur Rückkehr wollten sie sich noch nicht entschließen, um der eventuellen Blamage zu entgehen. Hinterher wurde uns aber bekannt, daß deutsche Arbeiter aus dem Dauez. gebiet die Verhältnisse dort genau so schilderten, wie sie im Ural waren. Familien schrieben ihren verwandten in Deutschland, dach nur ja Geld für die Rückkehr zu schicken." Nur fort aus dem russisch«» Elend, das war schließlich der er»- zige Wunsch der Leute. Am 13. September haben dann zuerst 10 Mann von dem Transport der 38, die nach Gubacha gegangen waren, die Rückreise nach Deutschland angetreten, and als sie in Perm abfuhren, waren schon wieder 3 weiter« auf der Rückreise eingetroffen. Die Rückreise war für sie eine Höllenfahrt. Am 1.3. September»erließen sie Gubacha und trafen am 16. September in Moskau«in. Am 17. und 18. September haben sie in strömendem Regen und großer Kälte In den Grünanlagen von Moskau genächtigl. Den großen Bemühungen der deutschen Botschaft gelang es erst am dritten Tag, Unterkunft für die Rückwanderer zu bekommen, wobei der größte Teil auf dem Fußboden liegen mußte, weil nur 2 Betten vorhanden waren, aber 2� Rubel hat jeder einzelne für diese Untere knnst zahlen müssen. Bei den russischen Behörden fanden die Leute keine Gegenliebe. Im Gegenteil. Man versuchte die Ausreise.zu hintertreiben. Mtt Hilfe der deutschen Botschaft ist es dann nach 7 Tagen gelungen. Paßvisum und Fahrschein bis zum Ruhrgebiet zu erhalten. Am 24. September überschritten dann die Rückwanderer die polnisch-deutsche Grenze. Im Bericht heißt es:„Wir atmeten erleichtert auf, als wir uns wieder auf deutschem Baden wußte n." Bon dem Wunsche, russische Berhättnisse kennen zu lernen, sind diese Rußlandfahrer gründlich kuriert. Es ist erschütternd, wenn die Bergleute nach ihren bitteren Erfahrungen in Rußland zum Schluß ihres Berichts ausrufen: „Lieber in Deutschland arbeitslos fein als in Rußland arbeiten! Dann hat man noch ein Plus von 100 Prozent." Schließlich stellen sie auch noch fest, daß die Berichte der deu t» schen K o m m u n ist e n p r« fs e über russische Verhält» nisse größtenteils Schwindel sind, wie sie sich persönlich überzeugt haben. Sie warnen nachdrücklichst die deutschen Arbetter, nach Rußland zu gehen, und verbürgen sich gemeinsam unter voller Nomens- und Adressenangabe ftir die Richtigkett der Sachdarstellung, so daß es sich erübrigt, noch weitere Warte über das russstche Paradies zu verlieren. II einrieb Tökller. 3ir. Kurl Singer der langjährige Musikrejerent des„Vorwärts", ist als Intendant mtt der Leitung der Städtischen Oper beaustragt worden. Irrwege des Phantasten. Lampel:„W»r sind Kameraden." Der Phantast Peter Martin L o m p« l, der gewiß ein begabter Literat ist, zu seinem Unglück aber sich in die Politik verlief, sucht aus dem Labyrinth mit einem Ariadnefaden herauszufinden, der dünnster Zwirn und deshalb sehr leicht zerreißbar ist. Fabel seines Schauspiels„W � r find Kameraden", das im T h e a t er am Schiffbauerdamm durch die BersuchsbüHne uraufgeführt wurde- Streitereien dreierfeits zwischen radikal-praletarischer und pfadfinderisch-bürgerlicher Jugend und einem üblen Fabrikbesitzers- neffen.. Spiel mit der Waffe tötet einen Jungen von dreizehn Iahren, radikaler Proletarier und bürgerlicher Pfadsinder reichen sich die Hände:„Wir sind all« Kameraden!" Im Hinundher der Begebenheiten als ständiger cieus ex maebina ein« Person, die„der Mann" genannt wird und offenbar Lampel selbst ist. Ein Mensch ohne Weg, ein Unklarer, ein Verlrrter, gibt Ratschläge. Widersinn in sich!„Heraus mit der Jugend aus der Parteipolitik!" Was soll das? Wohin mit der Jugend? Der Jungarbeiter ebenso wie der Primaner ist Zocm politikon, er darf sich nicht durch den Duft der blauen Blume der Romantik oerführen lasten in Welt- und Klasten- sremdhett, er muß sich durchrangen zu fester Ueberzeugung und klarer Einstellung. Wiederholt wurde, wenn.der Monn" dozierte oder schwärmte, aus dem Publikum„Phrasen" gerufen. Das war nicht höflich, aber richtig.„Der Mann" spricht nicht oerständiger als die Jungen, an die er sich wendet, er scheint qeistiz in der Pubertät stecken geblieben zu sein. Wie auch soll ein Mensch ohne Ziel Ziele, ein Mensch ohne Weg Wege weisen? Wer zur Jugend sprechen will, muß neben klare Zielsetzung kantianisches Pflichtgefühl und Opfer setzen können Es gibt Menschen, gut und edel os.Aeicht in ihrem Wollen, ober in sich selbst zerrissen, die für d'e Politik nicht geschossen sind Lampel scheint solch Zoon apolitikon. Schade daß er es nicht merktl Er könnt« ein Dichter werden. Höchste» Lab der Aufführung! Wir nennen die Herren Bal- hau», Winter, Haerrmanu. Ztrouz, dann den Sand- arzt Franz Schulz als oorlreffliche i Charge und— zuletzt aber nicht am wenigsten— die lebendige Alexa van P o r e m b s k y. biennine Duckerstadt. „Basaniasena." llrauffuhrung am Etaatstheater Wiesbaden. Mesbahen, 12. November. Di« Leitung des Wiesbadener Staatstheaters hat, der Gepflageo» heit früherer Zeiten gemäß, den schwäbischen Komponisten H u g a A Herr mann beauftragt, eine Oper zu schreiben. Dieser wählte sich als Libretto die Legende von der Bajadere Dasantajena, dio Lion Feuchtwanger nach dem altindischen Drama des Königs Sudraka für die Bühne bearbeitet hatte. Die Veroperung ist dem orientalischen Märchenstasse nicht gitt bekommen. Die Musik belastet das in seiner Eigenbedeutung gewichtige Wort macht es unverftänd- lich und bringt so das Drama um die beste Wirkung. Herrmann hat eine polyphon überladene Partitur geschrieben, mit guier deutscher Gründlichkeit, mit Regerscher Satzkunst und Schrekerschen Färb- klängen. Orientalische Melodien, Kttchentonarten und andere Mittel archaisierender und exotischer Art bilden ihr Grundelement. Diese Musik hängt sich mtt Zentnerlast an das feine Gewebe des Wort» fpiels und oergröbert dessen zartgeführte Linien. Herrmann lst ein Könner, er schreibt Chorpartien von höchster Durchsichtigkeit und aus» gezeichneter Klangwirkung. Er gibt der Singstimme die ihr ge- bührende Geltung. Er matt feine lyrische Stimmungen. Aber es fehlt chm die Kraft zu wirklich packender Melodie, es fehlt ihm (oarläufig) der Instinkt für das Theater, es fehlen ihm die kompa» sitarifchen Einfälle zur Ausfüllung der großen Opernform. Im ersten Akt ist überhaupt keine dramatische Spannung zu spüren, im zweiten werden die Ansätze dazu nicht voll zur Entwicklung gebrocht. Wir werden nicht überzeugt von der inneren Notwendigkett des Aufwands an Mitteln, wir werden nicht hinemgerisien in das Spiel. Der Gesamteindruck ist trotz vieler schöner Einzelheiten enttäuschend. Die Wiesbadener Bühne nahm sich mit vieler Sorgfalt des ihrem Intendanten gewidmeten Stückes an. Erich Böhlke sargte für saubere musikalische Wiedergabe, Paul Belker führte Regie: er ließ seinen Grundsätzen gemäß vor gemalten Dekorationen gute alte Oper spielen. Sa sehr dies im Interesse der rein musikalischen Wirkung zu begrüßen war,.so hätte man sich dach für diese östliche Fabelwelt eine weniger erstarrte Szene gewünscht. Die Solist".« bemühten sich mtt dem Einsatz ihrer besten Kraft um ihre Partien. Trotzdem kam kein rechter Erfolg- zustand«: der Beifall war lau. Das Werk wird kaum seinen Weg über die Bühne machen. Dr. N. Elirenreich. Kuliurfi me. Griechenland— Italien— Oeutschland. Die Filmtheater besinnen sich auf ihr« Pflicht, den Kultursilm in Pfleg« zu nehmen. Deutschland stellt ja aus diesem Gebiete mancher» lei gutes her Aber leider bekommt man in Berlin m den Urauf- führungslheatern nur' allzu wenig davon zu sehen. Der Sonntag- vormittag wird also jetzt dem Kullurfilm gewidmet, und am letzten Sonntag wetteiferten bereits drei Theater um die Palme. In den K a m m e r l i ch t s p i« l s n am Potsdamer Platz wurde die Filmausbeute einer F u h r e i f e durch Griechenland vorgeführt, die zehn rheinische Wandervögel unternommen hoben. Die Bilder sind ja nicht olle gelungen, aber sie atmen alle eine besondere Frische und zeigen auch Dinge, die der üblich« Globe» trotter kaum eingeheimst hätte. Die Jungen haben Griechenland die Kreuz und Quer kennengelernt, die klassischen Ställen werden mit Recht kurz bedacht, der Burg von Athen wird em Besuch abgestattet. aber sonst überwiegt das moderne Griechenland, die Jungen kampieren bei den Hirten sie feiern das Ofteriesi mit den Fischern. sie klettern auf die Felsenklöster Tesialiens, sie besteigen den O'ymp, der ihnen aber eine kalte Schulter zeigt. Bar allem aber bringen sie neues Anschauung-Material von den Klöstern de? Berges Athas mit. Das Leben und Treiben der Mönch« m dieser Männerrepubki' öic Klöster und ihre Heiligtümer werden uns vorgeführt. Zum Schluß gibt es noch einen Abstecher nach Saloniki. Man hat ordent- lich Lust bekommen, mitzuwandern, aber das militärische Getue möchte man sich verbitten und auch auf dos merlwürdige Tellspiel, womit die Jungen sich Einnahmen verschaffen, möchte man sich nicht allzu sehr verlassen. Italien, seine Natur- und Kunstschätze wurden im11 der Städtischen Oper, bei Weriheim, lieh, Bote& Bock. im Sportpalast, Kadewe und Jnvalidendanl. Bcrantworil. für die B-daltion: Stanz tUubt, Berlin: Snzcigea: W.(Siede. Berlin. Berlag: Borniätte Sctla«®. m. 6. Berlin. Druck:«orwärle Buch. druckerei und VerlaaeansiaU Paul Dinger& Co Berlin SS 68, Linden strage t. Kierzn t Beilage. �(5efdiäfi$-Jtnjeiger föexiwü Horden- Cften �R. Bauke, BandagisP Berlin C 2. 6 tr alaner Sir. 56 rwlscbca Kloster- und Neue FriedriclistraSe Leibbinden— Bruchbänder— Biaiünheinlncken Gmnmisir&xnpic(R. 134 Eigen« Werkstaa Litterant tSmtl. Krankenkassen � Johannes Buchweits Bln.-Niederschönhause�Treskowstr.K. Farnspreoher: PsnKo«, 20«0 Kunstschmiede u. 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Mit dem von ihrem verdienst- vollen Gründer und Leiter Eduard Weitsch, einem Mann von ausgeprägtester Wesensart, ausgebildeten pädagogischen und metho- dijchen Grundsäßen sind der gesamten deutschen Volkshochschul- bewegung. die nach dem mllitärischen, politischen und geistigen Zu- fammenbruch eines brüchig gewordenen Systems die Roll« de» tultu. rellen und volkserzieherifchen Aufbaus übernahm, wesentlich« Materialien und Anregungen zugeführt worden. Dreißigacker kommt in diesem Sinne die Bedeutung eines unerschöpflichen Re- servoirs von volkserzieherischen Kräften zu, und es ist, wie H e i n e r Latze, ein ehemaliger Dreißigackercr Schüler, der als Lehrer und derzeitiger Leiter der Volkshochschule Jena die erlebt« Dringlichkeit der Neuformung der Erwachsenenbildung fortsetzen hllst, schreibt. ein„pädagogisches Laboratorium" für die deutsch« Boltshochschularbeit geworden. Diesem experimentierenden, durch Erfahrungen und neu« Einsichten immer überprüften Willen zur Aktivierung und Wetterbildung der erkannten Aufgaben ist eine un, gewöhnlich nachwirkende und so viele kulturelle Stützpunkte b«. fruchtende Wirksamkeit bcschieden gewesen. Die Herausbildung einer pädagogischen Leistung in Ihrer Neu- artigkeit ist neben seinem engsten Mitarbeiter m Dreißigacker und jetzigen Letter des Volkshochschulheims Sachsenburg Dr. F. G Angermann, das unbestreitbare Verdienst Cduard Weitsch«, dessen grundsätzliche Schriften lange Jahre hindurch die einzigen Hilfs- und Anregungsmittel für die deutsch« Bolkshoch- fchularbeit, ja man kann sagen das einzige methodische und päda- gogische Vokabularium gewesen sind. Obgleich diese Schriften in vieler Beziehung nur die Frühform der Arbeit charakterisieren und mehr grundsätzlichen einleitenden Charakters find, so haben sie doch die von Weitsch verkündeten Ideen einer Sozialtsierung des Geistes, die einer Demokratisierung der Bildung gleichkommt, den Anfang einer neuen, l«bensoffenen Erwachsenenbildung herauf- beschworen. Dieser erste pionlerhafte, literarisch ausgegebene Vor- stoß(der allerdings schon eine sechzehnjährige pädagogische Tätigkeit Weitschs in der Volks- und Berufsschularbest voraufgegangen war) hat eine mensch«nbildnerische Arbeit, der schon jetzt«in ganzes che er von chr aufgerührter Schüler und Lehrer dankbar sind, einleiten helfen, die in Dreißigacker ihre Praxi» und die immer weiter er- folgte Verwirklichung gefunden hat. Worin nun diese Verwirklichung einer volks- und menschen- bildnerischen Idee besteht und im Gegensatz zu anderen in vieler chinsicht benachbarten Unternehmungen eine Sonderheit darstellt, soll kurz angedeutet werden. Der in der Geschichte der Pädagogik schon oft auftretende und realisierte Gedanke einer Jnternatserziehung ist hier in Dreißig- acker in dem Gedanken der Republik des che! ms als eines gesellschaftlichen Organismus weitergeführt worden. 25 bis 30 Ar- heiter und Angestellt« der verschiedenartigsten politischen religiösen und wellanschaulichen Gurubensbekenntnisi« im Alter von 20 bis 30 Jahren(Kurse für Frauen und Mädchen folgen»ach Bedarf bzw. periodisch) bekunden durch freiwilligen Entschluß. durch die Aufsichnahme eines materiellen Opfers(40 Tagelähne, also etwa lKO Mark, müssen für den viermanatlichen Besuch von jedem Schüler aufgebracht werden) ihren Willen, einer Selbst- «rziehungsgemeinschast anteilig zu werden, die sie in den Stand setzen soll, durch das Labyrinth der Meinungen und Anschauungen den Weg der praVkNtiven Klarheit, den Weg der persönlichen und ge- sellschaftlichen Verantwortlichkeit zu gehen. So sind Delegationen. wie sie an anderen Schulen ähnlichen(im eigentlichen Sinne doch aber fremden) Charakters üblich sind, ein« Seltenheit. Entspricht schon diese persönliche Bereitschaft den grundsätz. lichen Aufgaben des chcims, so werden dies« durch die aktiv« Mit- arbeit eines jeden einzelnen, durch die Uebernahme von Verant- wortung für die geistige und, was ein wesentlicher Bestandteil des pädagogischen Wesens des Heims ist. auch für die ökonomische Existenz der Schule(einschließlich der Bewältigung der sich ergeben. den Schwierigkeiten) verwirklicht. Täglich zwei bis drei Stunden freiwillig aufgenommener Arbeitsdienst(auf dem Felde, in der Scheune, in Haus und Küche) sind eine Möglichkeit mehr, dem Schüler das Gefühl und oft das Erlebnis der Notwendigkeit eines solidarischen Einsatzes zu vermitteln. Die eigentlich geistig« Arbeit ist ke>n„Unterricht" im üblich zweckhasten Sinne(auch Katheder und Bänke fehlen ganz) sie ist ein« gemeinsam« Bewältigung und Lösung der am An- fang eines jeden Kursus von den Schülern an die Lehrer gestellten Fragen, die fast immer Ausdruck der geistigen und seelischen Not, der Unklarheit, des Zweifeln» und der Verzweiflung sind. Di« ge- stellten Fragen werden in das äußerst bewegliche Gerüst einer methodischen Folge eingebaut Den Bedürknisien der Schüler entsprechend, stehen Wirtschafts- fragen. Politik. Philosophie, weltanschaulich« und religiös« Bekennt- nisi«. Kunst immer wieder im Mittelpunkt der gemeinsamen Arbeit. die durch die Erfahrungen, Anschauungen und Kemcknlsie der Schüler in Form des Rundgesprä chs ausgefüllt wird. Hier, im Kreuzfeuer der streitenden, überprüften, korrigierten underarbeiteten Meinungen und Gegenmeinungen, zu denen jeder unter Aufnahme persönlicher Behauptung Stellung nehmen muß, erprobt sich der allein geltende Grundsatz der inneren und äußeren Wahrhaftigkeit. Nichts gilt, was dieser Wahrhaftigkeit, die das ABC teder Menschen- bildung ist, nicht standhäll. Immer ist es Weitsch und Dreißigacker um die Loslösung des Menschen aus den nicht selbst erlebten, sondern nur zugewiesenen, nicht selbst erarbeiteten, sondern nur über- nammenen Entscheidungen und Urteilen zu ttm. Jeder soll den Weg finden, den ihm die eigen« Aerantwortüng. die zu einer Verantwortung sür die G c m« i n s ch a f t werden soll, zuweist. Nicht um Fachwissenschaft, um zweckhafte Unterweisungen, die «ine berufliche Auswirkung im Anschluß haben, sondern um Ent- faltung und Formung des gesamten Menschen ist es Weitsch und seinen Mitarbeitern zu tun Er ist stch bewußt, daß dieser Grund- satz der Wahrhofttgkeit und ein«' menschenbildnerischen Humanität. die die Aueschaltung jeglicher äußeren Autorität bedeutet, ein päda- gogische? Wagnis ist und bleiben wird. Ei» jeder Mensch fein eigenes Beispiel seiner Verpflichtungen und Erkenntnisse: da» ist das Ziel der Schul«. Die Finanzkrif«, die allenthalben zu Einsparungen zwingt. bedroht auch die Arbeiter-Abiturieutenkurfe in Neukölln. Diese Kurs« bereiten stark« Begabungen, die infolge der finanziellen Lag« ihrer Eltern keine höher« Schule besuchen konnten, nachträglich auf das Abitur vor und eröffnen ihnen so die akademische Laufbahn. Sie bilden infolgedessen einen kleinen Ausgleich unserer gerade in dieser Hinsicht besonders ungerechten sozialen Ordnung. Den Teil- nehmern dieser Kurf« ihr entbehrungsreiches Studium auf Grund zumindest ihrer bisherigen Existenzbasis auch weiter zu ermöglichen und eine Zwfrechterhaltung der Kuif« selbst hallen wir für eine Notweirdigkeit. Aus diesen Gründen geben wir nachstehender Zuschrift au» den Kreisen der Arbellerabiturienten Raum. Die meisten von uns, die wir an dem Arbsiter-Abiturienten- kurfus in Neukölln teilnehmen, sind zwischen Zwanzig und Dreißig, also keine Schuljungens mehr. Schon durch das 2lltsr stehen wir in einem anderen Verhältnis zur Schule wie der regulär« Abiturient. Es ist bereits viel getan worden, um den Unterricht zu modernisieren. Die Lehrexchaben stch auf uns eingestellt. Das anerkennt jeder, aber es Handell sich letzten Endes nicht so sehr um modernen Unterricht, sondern darum, daß wir dos Abiturium machen. Dos ist etwas Dunkles. Geheimnisvolles das außerhalb des Mochtbereichs selbst des modernsten Lehrers steht. Dazu sind erforderlich:(es folgen die Bestimmungen), und vor etlichen Jahren muhten die armen Kerle fogar in einem dunklen Anzug zur Prüfung erscheinen! (Wir wären ohne Ausnahme unfähig, das Abitur zu machen, wenn diese Bestimmung heute noch in Kraft wäre.) Man darf die Arbeiterturfe und den Unterricht in den Kursen nicht isoliert betrachten, sondern immer nur in bezng auf dos „Abitur". Wirklich fortschrittlicher Unterricht und die Prüfung». bestimmungen vertragen sich nicht Jede außerordentliche einseitige Begabung kommt dabei zu kurz, wir sind gezwungen, uns in allen Fächern prüfen zu lassen, viele müssen zuviel Zeit darauf verwenden, für bestimmte Fächer zu lernen und zu pauken, well eine„l" etliche 4ren schwerlich aufhebt. Am Ende kommt es auch bei uns nur auf die Nummern an, die auf dem Papier stehen, alles andere scheidet mehr oder weniger aus. Nicht die Schuld der Schulleitung, von der©«it« ist immerhin schon eine Man hat Dreißigacker oft die geringe Einschätzung der Zweck. haftigkeU(darunter die pädagogisch? Führung nach bestimmten vor- gefaßten politischen und wellanichaullchen Prinzipien oerstanden wird) und«in« damit zusammenhängend« Entfremdung von früher innegehabten Stützpunkten zum Vorwurf gemacht. Ohne den Wert der weltanschaulich festgelegten Schulformen zur besonderen zweck- haften Disziplinierung bestreiten zu wollen, erscheint uns doch das Vorhandensein einer Stätte, in der«ine wechselnde Gemeinschaft von 30 jungen Menschen, die in jeder Stunde ihres Zusammenlebens das Erarbeitete und Erlebt« a-r Erarbeiteten und Erlebten des anderen Menschen in Achtung und Kamerrdschast parallelisieren und kontrollieren müsien, ein glückhafter Beginn und eine volkverziehe- Menge getan worden, um den Unterricht sür uns erträglich zu machen, aber es bleibt eben ein Rest, der sich nicht wegleugnen läßt: die Spannung zwischen Wollen und Dürfen ist viel zu groß, die Kurse sind noch immer viel zu sehr„Schule". Die augenblickliche politische Lage ist ungünstig für uns, sie verhindert einen weiteren Ausbau und stellt sogar die Wirtschaft- lichen Voraussetzungen in Frage. Die Stipendien betrugen bisher 100 Mark für solche, die in Untermiete wohnten, und 80 Mark für mietefreies Internat. Dies« Gelder sind jetzt in Frag« gestellt. Dadurch such besonders die unteren Kuxfe gefährdet, die noch ein und zwei Jahre zu machen haben. Man muß bedenken, daß es sich hier um rund 60 Leute handelt, die vor einem Nichts stehen, wenn die Sache wirtschaftlich unhaltbar wird. Bei der gegenwärtigen Krise und der herrschenden Arbeitslosigkeit ist es für die meisten unmöglich, in ihren früheren Berufen wieder Beschäftigung zu finden Ganz abgefehen davon, daß die Leute auch ein persönliches Interesse daran haben, zum Ziel zu kommen, das man als Arbeiter. Abiturient tatsächlich nur unter Entbehrungen und körperlichen und geistigen Krisen erreicht, ist es auch voni Standpunkt der Arbeiterschaft wichtig, daß mit allen Mitteln versucht werden musz, die Kurs« zu hallen und sie fortzusetzen. Sie bedeuten immerhin einen Anfang; mag man ihnen und dem Kuratorium parteipolitisch gegenüberstehen wie man will, ihr«� Funktion, jungen Menschen, die unmittelbar aus vroletarischeu Kreisen stammen, die „Eintrittskarte" zu okademifchen Berufen zu verschaffen, ist wichtig genug, die Kurse als Einrichtung ernst zu nehmen Wir wissen, daß die Kurse in ihrer jetzigen Gestalt das Bildungeproblem für den mittellosen Arb efter nicht läsen Fast jeder von uns gerät mit der Schule oft und weniger oft in Konflikte. Es ist versucht worden, die schulbedingten Gründe dafür oben auf- zuzeigen. Viele, nicht alle, sind gezwungen, neben ihrem„Schüler"- dasein noch ein privates Leben zu führen, das mit den Leistungen, die zum Wiwr oerlangt werden, dauernd in Widerspruch steht. Die Synthese zwischen Schule und Leben lft noch nicht gesunden Wir haben� mit den Arbeiterkursen noch nicht viel errungen, aber wir würden doch sehr viel verlieren, wenn es dazu käme, daß sie wieder verfchwmden. Dies« Gefahr muß beseitigt werden, das ist Im Augenblick das Wichttgste. tisch« Notwendigkeit, die man in der Menschenbildung nicht mehr missen möchte. Weltber G Oschilewski. Dich mehrende Zuschriften, in denen Eltern in Er- ziehungsfrage« Rat suchen, zeigen, ein wie starkes Vedilrsnls nach Erziehungsberatung vorhanden ist. Wir werden deshalb künftig— ohne Nennung von Name« selbstverständlich und soweit es der Platz erlaubt— an geeigneter Stelle auf diese Znschristen eingehen. Tic Zuschriften selbst bitten wir mit dem Vermerk„(?-• ziehnngsberatnng" zu versehen. Wie Kinder die Arbeit ihrer Eltern sehen Mitgeteilt von C Dautz- Seemen L Keile« Inniger denn je sind die Kinder heute mft dem Arbeftsleben ihrer Cllern verbunden. Selbst die kleineren spür«, dos bang» Auf und Ab eines Wertmannsdaseins. Denn Arbeft bedeutet dampfender Topf und gedeckter Tisch, Rhythmus und Regelmäßigkeit im Tages- ablauf, bedeutet Frohsinn und Freude auch im kleinsten Kreis. A r- beitslosigteit aber ist Margarinebrot statt Mittagesien, Anschreiben bei Schlächter und Krämer und ewiger Zank und Streit um das leidige Geld. Die Werkschule liegt im Stadtteil der Fabriken und Häfen. Durch die Straßen rollen die Lastautos, über die Dächer streicht der Rauch der hohen Schornsteine: man hört die Signale der ein- und aus- fahrenden Ozeandampfer. Froh oder bang erklingt durch alle Tag« das eine Wort, das das Leben dieser Menschen beherrscht, das Wort: Arbeft. Denn all« Väter sind Arbeiter. Sie stehen an Wintsch und Kran, hängen an Gerüst und Tauwerk, bücken sich über Ballen und Bänke. Die Arbeft ist schwer und schmutzig, ist ermüdend und gefährlich, und was sie einbringt, langt nur eben zum Kleiden und Sattmachen. Aber all« Glieder der Familie folgen mit einer ängstlichen Spannung dieser Arbeit, ob sie gertgell fortgehe, ob sie nicht einmal stock« oder plötzlich ganz aufhöre. Die Kinder wachsen auf unter einem Himmel der bösen Launen. Krise hören sie nennen, was in tückischer Bosheit zu feiern gebietet, wo eigentlich Millionen Hände sich rühren müßten. Sic mühen ihre kurzbeinigen Gedanken um dieses Problem der Wcftwirtschoft, das mich die Köpf« der Erwachsenen erfüllt. Trübe sind Eindrücke von Beruf und Arbeft des Zkiters. düster ihre Berichte von Betriebsgefahr und Betriebsunfällen Kein unbeschwertes, sorgloses Kinderleben, kein Kindheftsparadies locht aus ihren Schilde- rungen. Wissend und ernst klingen die Worte dieser kleinen Werkleute, die schon mitten im Arbeftsleben stehen, noch ehe sie die Kinderschuhe ausgezogen haben „Eines Tages, als meln Vater noch Hause kam. war er anders gelaunt als sonst"— so schreibt ein Kind der Oberklosfe.—„Man konnre es sich schon denken, was los war. ich wenigstens: Er war arbeitslos. Mit der Arbeitslosenunterstützung kann man sich gerade durchschlagen und muh auf vieles verzichten. Deshalb ver> dient meine Mutter mit" Regulär« Arbeit ist nicht zu finden: so beginnt die Jagd nach irgendwelcher Nebenbeschäftigung.„Der Dater versucht es mft etwas Rasieren und Haarschneiden im Hafen. Er macht es na- türlich billiger, weil er ja kein Fachmann ist. Wenn er geschickt dazu ist, kann er in Gartenwirtlchaften tellnerieren. [ Natürlich nicht In besseren Hotels oder ähnlichen Lokalen; denn da Ä werden nur gelernt« Kellner gebraucht, und die müssen im Frack erscheinen. Man darf ober nicht denken, daß er nun sehr gut aus- kommen kann." In ihrer Verzweiflung verfallen d-e Erwerbslosen aus all« möglichen Beschäftigungen.„Mein Onkel hat meist keine Ar- b e i t"— so ein Zehnjähriger—„dann Hüft er be! uns und macht rein, klopft den Teppich oder macht die Türklinken heil. Eines Tages mußten dl« Kammern gestrichen werden: da hat er es gemacht. Wenn aber Sonnabend ist, dann hilft er tüchtig mit. Dann Holl er seine Strümpfe her und flickt sie. Er macht auch unsern Wein zurecht und schneidet ihn, damit er nächstes Jahr blühen kann." Und«ine Vierzehnjährige:„Augenblicklich hackt mein Bater Holz kaputt; denn meine Mutter hat morgen Wasch- tag. Manchmal langweilt er sich so sehr, daß er fragt, ob er auf- waschen oder Kartoffeln schälen soll. Aber meine Mutter sagt immer, das wäre Arbeit für Frauen." Daß aus solchem Elend keine rosige Stimmung erblühen kann, liegt auf der Hand.„Meine Mutter kann stundenlang>n ihrer Eck« am Ofen sitzen"— schreibt dieselbe—„und vor sich hindenken. Wenn man sie dann sragt, woran sie gedacht hat, so ist meist die Antwort: Wann Vater wohl wieder Arbeit kriegt!" „Mein Vater rechnet alles zusammen, was gekauft worden ist. Stundenlang sitzt er dabei. Wenn es nicht stimmen will, schreibt er alles von neuem auf. Dabei ist er oft mißmutig und knurrt in den Bart. Er sagt: Daß das Geld doch immer nicht reichen will! Wenn er fertig ist, staunt er: Mensch, da ham wir aber ne Masse Geld ausgegeben! Und dabei ham wir doch wahrhaftig nicht wie so'n Baron gelebt!"(O. M.. 11 Jahre.) „Meine Mutter möchte nach Hannover zu ihren Verwandten, aber sie hat es nicht dazu. Nun studiert sie immer, was billiger ist: hinreisen oder ein Paket schicken. Es geht nur so, daß sie hinfährt, aber Bater zu Haus« läßt.">«,»»-/>. luMieii m>,em. tei» mirlsamu Mittel dagegen, ist die tüf, leibe, teizmiltambc und schneeig-weihe Crem« I�odor» auch als herrlich duftende Puderunterlage vorzüglich geeignet, Ueberrafchender Ersolg, Tube 1 Mb, wttssam unterstützt durch Leodottz Ctelstis«,»llul 50 Ps. In allen Worodont-BerlaussM« z» habe«.