Morgenausgabe Nr 535 A 269 4?.Iahrgang «Schentvch SS Pf. moaattich S.So M. tm oorau» zahlbar. Postbezugm Kandel mit dem Titel.Der Abend" Illustrierte Beilagen.Poll und Zeit" und, Kinderfreund". Fern« »Frauenstimme" Technik"..Blick in die Lücherwelt"..Jugend-Dorwärt»� und»Stadtbeilage� NevUnes Vottsvlatt Kreitag 14 November 1930 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. VW«Inlpalttg« RonparciQeAHIt 80 Pfennig. ReName�etle 5.— Reichs- wart„Kleine Anzeigen' da» ettge- druckt» Won 2S Pfennig lzulafsig zwei fettgedruckte Wone). lede» weitere WoN 12 Pfennig. Stellengesuch» da» erste WoN 15 Pfennig, zedes wettere Wort !0 Pfennig Worte übe» IS Buchstaben zöhlen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile SO Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imL)auvt- Geschäft Lindenstraß» 3, wochentöglich von 8*y, die 17 Uhr. Jentvawvgan der GozialdemoSvatikchen Partei Deutschlands Redaktion und Berlage Berlin SW 68. Lindenstratze J »�ernwrccker Dönboti 292—297 Telearamm.Adi ecnalbemofrat Berlin. Vonvärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Bcrlin37KZS— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten, Wallstr SS Dt B u.DiSc.-ISes.,Depostienkafl«.JerusalemerStr SS/SS. Herunter mit den preisen! Der Kabinetisausschuß berät.— Verbraucher an die Front! Gestern hak der kabinektsausschuh für Arbeits- und Preisfragen unter vorflh des Reichskanzlers Brüning feine erste Sihung abgehallea. Der ReichsbankprSfident Luther, die Reichsminister Dietrich. Stegerwald und Schiele, der preuhifche Minister Schreiber und Dr. Trendeleaburg. der Verweser des Reichswirlfchaflsministeriums. nahmen daran ieil. Es wurde vor allem eine systematische Ausleilung des ganzen Arbeitsgebietes vorgenommen, um durch organische Zusammenarbeit die aus Preissenkung gerichteten Tendenzen mit aller Machi zu stärken. Eine Verlautbarung des bisherigeu Ergebnisses der amtlichen Maßnahmen soll heute erfolgen, die Beratungen de, Sabinetksansschustes werden laufend fortgefeht. * Nach dieser Meldung hat der neue Kaknnettsousfchuß alsc zu- nächst einmal das Terrain sondiert und die Arbeit oerteilt. Neu ist, daß der ÄabmettsaussckMß nicht nur Preissenkung!!- sondern auch Arbeitsfragen zu behandeln hat, daß wir also nicht nur vor einem Preissenkungs-, sondern vor einem vollständigen Krisen- bekämpfungsdirektorium stehen. Die schwermdiistrielle �DAZ." wollte wissen, daß ein spezieller Kommissar für Preissenkung emgesetzt wi>rd, und sie nannte auch schon als schwerindustriellen Kandidaten 5)errn Schacht und den aiwenneid. lichen Herrn Treoironus. Das scheint«ine Ente zu sein bzw. ein Dersnchsballon. Dennoch wird die Oeffentlichkeit aufpassen müssen. Wenn auch kern Preissenkungskommissar, so wird vielleicht für Fragen der sofortigen Arbeitsbeschaffung, der Bekämpfung der Ar- bcitslosigkeit ein Wirtschaftskommissar mit speziellen Voll- mochten berufen. Grundsätzlich könnte es gleichgültig erscheinen, welche Stelle das schafft, was geschafft werden muß. Restlos alles kommt aber dabei auf die Persönlichkeit an, die mit solchen Aufgaben betraut wird und auf die ihr gegebenen Vollmachten. In der Prei-senkungsfrage hat. die Reichsregierung nicht nur eine außerordentlich schwer« Verantwortung übernommen, sie findet auch. wenn sie ihre Fähigkeit zum Durchgreifen beweist, besonders gegen- über den Kartellen, die Sympathie der Oeffentlichkeit. Alle Wirt- schafts- und Arbeitsmarktfragen aber sind auch zugleich soziale und Klassenfragen, we jeder Eingriff von der größten staatspolitischen Sedeuhmg ist. Das möge von Herrn Dr. Brüning wohl bedacht werden. � l Eine sehr wichtige Rolle fällt jetzt denHausfrauen zu. Vor chrer„öffentlichen" Meinung, die durch Nachfrage bei jedem ein- zelnen Einkauf über Preissenkungen sich bilden und dann in jeden Haushalt weitergetragen werden muß, müßte der Händlerschaft all- mählich bange werden. Auch von dieser Seit« kann der Preibabbau gefördert werden. Die Arbeiterklasse muß auf der anderen Seite ihre Kräfte aufs äußerste anspannen, daß der Wahnssnn des Lohn- abbaues ohne erheblich stärkere Verbilligung der Lebenshaltung nicht weiter um sich greift! Fricks Kampf gegen das Reich. Die naiionalsozialistifche Verseuchung der thüringischen Polizei. Die Oeffentlichkeit wird gegenwärtig mit entrüsteten Schilde- rungen des thüringischen Innenministers Dr. Frick über das Reichs- Ministerium des Innern versorgt, dos sich unterfangen habe, in die „nationale" Arbeit der Nazi bei der thüringischen Landespolizei hineinzuleuchten. Es ist nicht üblich, in ein schwebendes Gerichtsverfahren durch ministerielle Erklärungen einzugreifen. Das thüringische Staats- Ministerium tut es dennoch. Das dritte Reich führt offenbar neben Landtagsfreifahrkarten mit doppeltem Boden vermutlich auch eine Staatsmoral mit auswechselbarem Boden im Register. Wenn Herr Dr. Frick sich über Untreue einiger thüringischer Polizei- beamtcn beklagt, fo muß die Oeffentlichkeit wisse», daß alle thüringischen Polizeibeamten ihren Treueid sowohl auf die Reichsverfassung als auch auf die thüringische Perfassung geleistet haben; sollte nicht Reichsrecht auch in diesem Falle vor Landesrecht gehen, wenn diese Beamten die Ueberzeugung haben, daß die thüringische Landespolizei als Sturmbock für das dritte Reich mißbraucht wird? Außerdem wissen die wenigsten, daß aus Mitteln des Reiches bis zu etwa 96 Proz. die Polizeikosten der Länder aufgebracht werden. Mithin wirkt die Entrüstung über die in Leipzig vor dem Staatsgerichtshof festgestellten Dinge ein wenig komisch. Holtet den Dieb! Die Behauptung Fricks, daß das vom Reichsminister des Innern gegen Thüringen in Leipzig vorgebrachte Material sich größtenteils als unrichtig erwiesen habe, bedarf aber denn doch einer Richtigstellung zur Steuer der Wahrheit! Die bisherige Beweisaufnahme über die Zustände in der thüringischen Landespolizei hat jetzt schon eine Reihe schwerer Verletzungen der vom Reich seit langem erlassenen Richtlinien ergeben, die allen Länderpolizeikörpern Ueberparteilichkeit zur Pflicht machen. So hatte zum Beispiel der thüringisch« Minister des Innern. Herr Dr. Frick, dem Kommandeur der thüringischen L a n d e s p o l iz e i, wie dieser zeugeneidlich hatte zugeben müsien, Anweisung erteilt, bei künftigen Einstellungen Bewerber, die sich als Angehörige bestimmter politischer, und zwar republikanischer Richtungen bekennen, insbesondere aber solche der Sozialdemokratie, möglichst nicht zu berücksichllgea. Merkwürdig, staatsbejahend« Bewerber haben keinen Zutritt! Herr Frick hat sich nicht gescheut, der Personalabteilung seines Ministeriums Bcwerbungsgcsuchc nationalsozialistischer Anwärter zu übermitteln; Tie Bezeichnung solchcr Ersuche nu röl;u Zeltc!.'. sollte diese Bewerber als vorzugsweise zu behandeln termzeichnen; der verhältnismäßig geringe Umfang der Ei» stellungen sollte dann einen rasse- und klassereinen Nochwuchs er- geben. Fricks Pech war es, daß tatsächlich nur wenig von diesen so hoffnungsfrohen Bewerbern hatten eingestellt werden können, was daran lag, daß gegen viele unter ihnen etwas Entscheidendes bekannt wurde. Es wird ihnen dann auch nichts genützt haben, daß Herr Minister Frick sich in einem beachtlichen Unterschied zur Betätigung seiner Kollegen in anderen Ländern die persönliche Ent- s ch e i d u n g über die Einstellung aller Beamtenanwärter seiner Landespolizei selbst vorbeha lten hatte. Welch eine köstliche Fürsorge zeigt dieser Vorläufer des dritten Reiches! Es geht noch weiter: die ihm nachweislich vorgelegten Vor- fchlagslisten nationalsozialistischer Partei stellen hatte der thürmgische Landtagsabg. Heimicke zu sichten, damit Herr Dr. Frick hiernach seine Entscheidung zu treffen vermochte, ist doch Herr Dr. Frick leider landfremd und kennt sich unter seinen Tbüringer Nazis vermutlich nicht teien nur 227 Ja-Stimmen erreichen. Bei der Reichstagswahl im September erhielten dt« Nationalsozialisten allein 427 Stimmen. Oer brennende Osten. Szenenwechsel in China. Von Dvtor Garwy. Der jüngste Abschnitt des permanenten Bürgerkrieges in China ist abgeschlossen. Der Versuch der Nordkoalition, eine Gegenregierung in Peking aufzustellen, ist miß- lungen. Damit ist die widernatürliche politische Kombination der linken„Reorganisationisten" mit den waschechten Mili- taristen gescheitert. Der verzweifelte Versuch des Führers des kleinbürgerlichen radikalen Flügels der Kuomintang, Wangti- wei, im Bündnisse mit Berufsmilitaristen und halbfeudalen „Tuchons" die Diktatur Tschangkaischecks zu brechen, endete mit einem kläglichen Fiasko. Die Niederlage der Nordkoali�tion ist nicht auf die militärische Ueberlegenheit der Nanking-Regierung zu- rückzuführen. Die Kriegsoperationen haben vielmehr ein > labiles Gleichgewicht beider Rivalen bewiesen. Die finanzielle i und außenpolitische Unterstützung Nankings durch Amerika konnte freilich allein dieses Gleichgewicht zugunsten Tschankai- schecks nicht ändern. Den Ausschlag gab die Einmischung des Mukdener Diktators Tschanghfüliong. Zuerst bewahrte er zwar eine zweideutige und rätselhafte Neutralität im Zwei- kämpf zwischen Nanking und Peking. Am 19. September haben aber seine Truppen die Provinz Tschili mit der alten Hauptstadt Peking eingenommen, ohne daß die inzwischen ver- schwundene Gegenregierung mit Feng und Iensischan an der Spitze auch nur versucht hätte, Widerstand zu leisten. Der Sieg Nanking? ist also ein Sieg Mukdens. Der Mukdener Diktator hat bisher nur nominell die Oberhoheit der Nanking-Regierung anerkannt. Kaum ilt es anzunehmen, daß seine Intervention zugunsten Nankings ohne Hinter- gedanken unternommen wurde. Die nächste Zukunft wird zeigen, ob Tschanghsüliang im Interesse der nationalen Kon- sölidierung Chinas oder im eigenen Interesse gehandelt hat. Immerhin bedeutet der Szenenwechsel in China keines- wsgs das Ende des Generalkrieges. Der politische Zweikampf Nanking-Beking droht bald durch den neuen Zweikampf Mukden-Nanking abgelöst zu werden. Und dies um so mehr, als die zum Rückzug gezwungenen Nordkoalitionisten Feng und Ienüschan in der Reserve bleiben und nötigenfalls wieder aktionsfähig werden können. Jedenfalls ist eine Atempause im Generalskrieg eingetreten, die von Nanking für die Nidder- Wertung der sogenannten„kommunistischen" Bauernaufstände in Zentral- und Südckuna eifrig ausgenutzt zu werben scheint. Es ist übrigens möglich, daß die Intervention selbst von Tschanghsüliang durch sein Bestreben veranlaßt wurde, die immer mehr um sich greifenden„kommunistischen", im Grunde aber agrarrevolutionären Bauern auf- lehnungen zu unterdrücken und somit die bolschewistische i Gefahr aus der Welt zu schaffen. Der Szenenwechsel bedeutet also noch kein Ende des Bürgerkrieges in CHna. Denn dieser Bürgerkrieg in Per- manenz hat seine tiefsten Ursachen im außen- und innerpoli- tischen Leben Chinas. Das Versagen der Nanking-Regierung aus dem Gebiete der Agrarreform und Sozialpolitik, der Be- kämpfung des Massenelends und Hungers, der Sanierung des i Finanzwesens usw. näbrt nack wie vor den Bürgerkrieg. Die partei-militärische Diktatur Tschangkai- schecks versagt. Es war ein Grundfehler Dr. Suniatfens zu glauben, daß ein Volk zu Demokratie und sozialer Gerech- tigkeit durch die militärische Diktatur„erzogen" werden kann. Jede Diktatur als„Uebergangsfonn" bat die Tendenz, sich zu verewigen. Es ist kein Zufall, daß die nordkoalstionistische Gegenregierung die Forderung der Einberufung eines Nationalkongresses— wenn auch aus kriegsdemagogischen Gründen— aufstellte. Und es ist gleichfalls kein Zufall, daß nunmehr der Mukdendiktator— natürlich aus ebenso fadenscheinigen Gründen— daraus besteht, daß„die Periode der politischen Bevormundung durch die K"omintang-Orgone und der Alleinherrschaft der Kuomintang-Partei durch die Ein- berufung einer tatsächlichen Volksvertretung init Einschluß aller politischer Gruppen abgelöst werden soll." Der zum 12. November einberufene Parteikongreß der Kuomintang wird auch mit dieser Grundfrage sich zu beschäftigen haben. Es ist aber höchst zweifelbaft, ob Tschangkaischeck, der sich als Sachverwalter der chinesischen Bourgeoisie entpuppte, ein- willigen wird, die soziale Basis der Nanking-Regierung nach links zu erweitern, um den Uebergang zum Regime der Volksvertretung und der Bürgernäste zu ermöglichen. Diese Umstellung der inneren Politik in China ist um so dringender geworden, als die außenpolitische Lage die sofortige und"endgültige Konsolidierung und Be-riedung des Landes erbeischt. Die Verhandlungen mit den Großmölsen'"'der die Ueberprüfung der„ungleichen Verträge" und über die Ab- schaffung der Erterritorialitätsrechte, gerieten in die Sackgasse. Aber noch scblimmer steht es mit den Beziehungen Chinas zu Sowsetrußland.die gerade in der letzten Zeit eine gefährliche Wendung genommen haben. Das Chabarowfk-Protokoll vom 23. Dezember vorigen Jahres, das die Feindseligkeiten in der Mandschurei einstellte und zur Wiederherstellung des»tabue quo, d. h. des Briand rechnet ab. Scharfe Zurückweisung nationalistischer Angriffe.— Bernünstige Worte über Deutschland. komme es nur, fragte er. daß die Außenpolitik in der Politik der Gesamtregierung, nicht aber in der sein igen anerkannt werde? Wo doch die ganze Regierung solidarisch sei, verdiene da er nicht wenigstens einen kleinen Platz in dieser Solidarität? Er habe an die Stelle der Gewaltpolitik die der versöhanug geseht. Sein« Politik sei eine Politik des Friedens in der ganzen Welt, itnd sie habe ihre Früchte getragen. Der Augenblick sei gekommen, das noch einmal ausdrücklich zu sagen. Die Verträge könnten nicht alle Fragen«in für allemal regeln, aber sie hätten wenigstens den Vorteil, Verhandlungen zu ermöglichen. Man dürfe dabei ober nicht den Fehler begehen, nur die vorläufigen Teile der Verträge zu sehen, inn den Gegenpartner gewisse darin e n t- haltene Rechte streitig zu machen. So gestalte es der Artikel lS des Völkerbundpaktes, die erneute Prüsung gewisser Probleme bestehender Verträge und politischer Verhältnisse vorzunehmen. Man könne die interessierten Regierungen nicht hindern, diese er- täubte Prüfung zu verlangen, aber das heiß« noch nicht, daß sie damit gewonnenes Spiel haben. Als er, Briand, sich mit Strefemann zusammengesetzt habe, Hobe er nicht erwartet, daß Stresemann entschlossen sei, die Interessen seines Landes zu miß- achten. Gerade wenn die Verhandlungen zur Verständigung schwierig würden, bedürfe es besonderer Geduld und Ausdauer, um den Frieden zu ermöglichen. Heute leider sei das vertrauen durch die schamlos« Panikpropaganda erschüttert. ritfsisch-chincsischen Kondominiums bei der Ostchinabahn qsfill)rt hatte, war das Ergebnis des milthärischen Sieges der Sowjetunion. Aber es war wahrhaftig ein Pyrrhussieg. Mit einem Schlage hatte die R4te Armee, die tief in die Mandschurei eingedrungen war,.die chinesische Regierung auf die Knie gedrückt. Aber mit dem�lben Schlage hatte sie auch das große moralische Kapital zernichtet, das die Sowjet- diplomatie feit 1924 durch den Verzicht auf die„Ungleichen" Zarenverträge(übrigens mit Beibehckktung des Kondominiums bei der Ostchinabahn!) erworben hatte. Das Chabarowsk-Protokoll, das den Chinesen mit Vajonetten aufgezwungen wurde, brachte keinen festen Frieden, sondern nur einen Waffenstillstand. Bereits am 8. Februar hat die Nanking-Regierung die Rechtmäßigkeit und Verbindlichkeit des von der Mulden- regierung abgeschlossenen Chabarowsk-Protokolls in Abrede gestellt. Die im Chabarowsk-Protokoll vorausgesehene Sowjet- Chinesische Konferenz in Moskau wurde dacher immer weiter oerschoben. Während die Sowjetregierung, um Nankings Nollage auszunutzen, auf baldige Einberufung der Konferenz drang, bemühte sich die Nanking-Regierung in Anbetracht der verschlechterten innerpolitischen Lage die Konferenz möglichst zu verschleppen. Am 11. Oktober trat die Konferenz in Moskau endlich zusammen, aber nur um bald ihre Arbeiten abzubrechen. Der Vertreter der Sowjets, K a r a ch a n, forderte von China als Vorbedingung die klare und volle Anerkennung des Chabarowfk-Protokolls. Der chinesische Vertreter verhielt sich aber in dieser Frage ausweichend. Run wird der Ball der Verantwortlichkeit für das Scheitern der Konferenz hin- und hergeworfen. Die Sowjet- preffe behauptet, daß die Nanking-Regierung nur deshalb das Chabarowsk-Protokoll nicht anerkennen wolle, weil sie den § 4, der China zur Ausweisung der Führer der weiß- gardistischen Banden aus der Mandschurei verpflichtet, nicht durchzuführen entschlossen sei. Die Tätigkeit der weißgardisti- schen Banden an der Grenze der Mandschurei ist nicht zu leugnen. Sie ist für beide Seiten gefährlich, weil ihr Bor- hondensein immer neuen Konfliktstoff liefert. Der Hauptpunkt der Weigerung- der Nanking-Regierung, das Chabarowsk-Protokoll anzuerkennen, scheint in ihrer Angst vor der Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen mit Moskau zu bestehen. Die Nanking-Regierung fürchtet, daß dies zur Wiederherstellung der„exterritorialen" Stützpunkte für die Arbeit der Komintern und der Agenten der Moskauer Regierung führen würde. Die Sprengung der Moskauer Konferenz bedeutet V e r- mehrungderKriegsgesahrim Fernen Osten. Schon liest man in der Moskauer Presse, daß Truppen der Roten Armee im Fernen Osten in Protestversammlungen und Reso- lutionen„einen entschiedenen Druck auf die chinesische Regie- nxng" fordern und erklären:„W ir halten das Pulver t r ock e n und werden auf den ersten Ruf der Sowjetregierung marschieren." Hat Europa, hat die Welt den Willen und die Kraft zu verhindern, daß im Fernen Osten marschiert wird. Iiaiionale Würdelofigkeit. Oer Stahlhelm bettelt beim Sieger um Sympathie- Rom, 1Z. November.(Tigenbericht.) 30 Vertreter des deutschen Stahlhelms wurden am Donners- tag von Mussolini in besonderer Audienz emp- sangen. Selbstperständlich geschah das nicht, une das sonst üblich ist, durch Einführung oder gar auf Veranlasiung des deutschen Bot- ichafters von Schubert. Und wenn der Führer der Stahlhelm- grupps von der Freundschaft zwischen dem faschistischen Itaken und dem nationalen Deutschland sprach, die auf der gemeinsamen Idee des Faschismus basiere, dann ist über diese gefährliche Form von Diplo- matie zu bemerken, daß allein der deutsche Botschafter gegenüber einem fremdländischen Ministerpräsidenten im Namen Deutschlands zu sprechen berechtigt ist. Dr. H e i n t e, der Gruppenführer, erklärte sogar, der Stahlhelm sei dankbar dafür, daß Mussolini die iaschistilche Idee zu einer universellen erklärt habe, zu einem Wegweiser der Welt, und der Stahlhelm müsse in seinem Kampf« gegen den Marxismus und den Liberalismus diese Idee oer- breiten. Mussolini fand u. a. herzliche Wort« der Sympathie für die Stahlhelm bewegung. Der Stahlhelm hetzt in Deutschland gegen die inter- nationalen Beziehungen der Sozialdemokratie, Beziehungen, die sie zu Gesinnungsgenossen pflegt. Seine Dele- gation nach Italien aber schämt sich nicht, bei dem Diktator des Landes um Sympathie und Unterstützung zu bitten, das nicht nur zu den„Siegern" des Weltkriegs gehört, sondern auch zu den schärfsten Feinden des Deutschtums in S ü d t i r o l. Aber der Vorgang hat auch noch ein anderes Gesicht. Der Empfang einer dreißigköpfigen Stahlhelmdelegation durch den italienischen Diktator stellt nicht nur eine Takt- l d s i g k e i t, sondern eine ausgesprochene Provokation dar. Mussolini weiß, daß der Stahlhelm eine nationa- listische Organisation ist, die den schärfsten Kampf nicht allein gegen die Außenpolitik des Reiches, sondern auch gegen seine Verfassung und gegen seine Regierung führt. Dennoch emp- sängt er eine Stahlhelmabordnung, drückt er seine Sym- pathie für diese Bewegung aus und nimmt sogar, wie weiter berichtet wird, als Ehrengeschenk das Stahlhelmabzeichen an. Wenn die Wilhelmstraße auch nur einen Funken von Selbstbewußtsein hat, darf sie sich diese Herausforderung nicht gefallen lassen. Schon anläßlich des Koblenzer Stahl- Helmaufmarsches, an dem eine italienische Faschistenabordnung teilnahm, haben wir auf diese unzulässige Einmischung der offiziellen italienischen Partei in die deutsche Innen- Politik hingewiesen und einen Protestschritt in Rom für an- gebracht erklärt. Man hat den Anfängen nicht gewehrt, und nun hat man die Fortsetzung, freilich in einer viel be- denklicheren Form.,- In den Straßen Roms ist der uniformierte Stahlhelm- trupp von faschistischem Publikum mit den Rufen„Nach Paris!" angefeuert worden. Für das faschistische Italien gilt eben das deutsche Bolk zur Zeit als billiges Kanonenfutter gegen Frankreich. Vielleicht hält es die deutsche Diplomatie auch nützlich, mit dem Gespenst einer italienisch-deutschen Allianz gegen Frankreich z» operieren. Das wäre eine ebenso kindische wie gefährliche Politik, die Stresemann immer entschieden abgelehnt hat, wie sein damaliger Staatssekretär von Schubert am besten bezeugen könnte. Varls. 13. November.(Eigenbericht.) Die Kcmnner hat am Donnerstagoormittag eins Sammel- anlelhe von drei Milliarden Franken für die fron- zöstkchen Kolonien bewilligt. Nachmittags wurde die große außen- politische Aussprache fortgesetzt. Als erster Redner ergriff der Kommunist voriok das Wort. Er erklärte, der P o u n g- P l a n fei die tieffte Ursache der Weltwirt- schastskrise. Er müsse daher nicht nur revidiert, sondern vollständig annulliert werden. Der nächste Redner, der reaktionäre Abgeordnet« Marin, ver- trat die entgegengesetzte These. Er begann damit, die finanziellen �Enttäuschungen" Frankreichs zu schildern, dos einst annähernd 800 Milliarden deutscher Kriegstributzahlungen erwartet habe, und erklärte, daß man jetzt unbedingt auf der Respektierung der deutschen - Unterschrift unter dem Poung-Plan bestehen müsse. Es müsse endlich halt genracht werden auf jenem verhängnisvollen weg der ewigen Konzessionen. den Driand eingeschlagen habe. Er, Marin, allerdings habe Deutsch- lands schlechten Zohlungswillen schon bei der Unterzeichnung des Noug-Planes richtig eingeschätzt, denn er habe seinerzeit Briand ge- raten, seine verfügbaren Gelder nicht in der Joung-Anleihe anzulegen, sondern sie zur Vergrößerung seines Landgutes Cocherel zu verwenden. Darauf, nahm sich Marin den sozialistischen Abg. Grumbach zum Ziel seiner Angriffe, der sich des angeblichen Der- brechen? schuldig gemacht hat, in einer Rede darauf hinzuweisen, daß der Doung-Plan eine„automatische Revisionsklausel" enthalte.(„Aber ich habe doch recht gehabt!"— erklärte Grumbach in einer kurzen Erwiderung.) Im weiteren Verlaus seiner Rede verlangte Abg. Marin, daß keine neuen Konzessionen hinsichtlich der Saarsrage oder der entmilitarisierten R h e i n la n dz o n e gemacht werden. Auch dürfe man es Deutschland nicht weiter gestatten, sich der Minder- Herten als Mittel politischer Erpressungen zu bedienen. Marin protestierte dann gegen die Anschlußpropaganda und er- rnnerte daran, daß einst die Weimarer Verfassung einen Artikel ent- halten habe, der den österreichischen Abgeordneten gestattet hätte, im Reichstag zu sitzen.(Ta r dr e u hielt dem Redner entgegen, daß dieser Artikel gerade auf den Protest Frankreichs hin entfernt wor- den sei.) Weiter bedauerte Marin, daß Mussolini es über sich habe bringen können, die Wahrheit der deutschen Kriegsgreuel zu bezweifeln. Er schloß mit der Fordorung. daß Frankreich im- bedingt eine energischere Politik verfolgen müsse. Die cocarvo-Volikir habe Schissbroch erlitten. denn alles, was Briand gesagt und verkündet Hab«, sei nicht ein- getroffen. Nur eine Politik der Macht und der entschlossenen Stärke könne einen' neuen Krieg verhindern. Die Sitzung wird dann auf eine halb« Stunde oertagt. Nach der Wiederaufnahme ergriff Briand das Wort. vriand, der bei seinem Erscheinen äüf der Kammertribüne von allgemeinem minutenlangen Beifall bis weit in die Reihen der Rechten hinüber begrüßt wurde, begann fein« Red« mit einer scharfen Polemik gegen die nationalistischen Interpellanten. Er protestierte zunächst gegen die wüst« Panikpropaganda. die man im Lande betreibe und die den neuen Krieg schon für morgen ankündige. Er protestierte weiter gegen die Ber- unglimpfungen. denen er persönlich ausgesetzt sei. Wie Karl Bücher gestorben. Leipzig. 13. November. Am 12. November abends ist in Leipzig der bekannte Volkswirt. schaftler und Begründer der Zeitungswissenschaft. Professor Karl Bücher, im S4. Lebensjahre gestorben. * Kart Bücher kam auf einem obwechsiungsreichen Lebensweg an die Leipziger Universität. Ursprünglich neun Jahre Gymnasiallehrer. dann zwei Jahre Redaktour der„Frankfurter Zeitung", Prioatdozent in München, Professor In Dorpat, Basel und Karls- ruhe— bis er im Jahre 1892 nach Leipzig berufen wurde. Er war damals 45 Jahre alt. Seine wissenschaftliche Leistung lag in seinen Studien zur Ent- Wicklungsgeschichte der europäischen Wirtschaft, seine Hauptwerke sind „Die Entstehung der Volkswirtschaft", eine Aussatz- sammlung, in der er seine Theorie der Wirtschaftsstufen entwickelt, und„Arbeit und Rhythmus". Als Dozent und chs Direktor der Vereinigten staatswissenschost- liehen Seminare an der Leipziger Universität war er ein großer Lehrer, der nicht nur durch seine Kenntnisse, sondern auch durch seine Persönlichkeit eine starke Wirkung auf seine Schüler ausübte. Viele namhafte Nationalökonomen und Staatsmänner sind durch seine Schul« gegangen. Eine feste liberal« und demokratische Gesinnung, ein stetes Streben, di« Unabhängigkeit der Wissens-haft zu wahren, gaben ihm eine besonders ausgezeichnete Stellung. Unter den Kontroversen, die er ausgefochten hat, ist die gegen die Unter- nehmerprofessuren eine der für sein Wesen charatteriskischstc. Im Jahre W17 trat Bücher vom Lehramt zurück. Er widmet« sich nun gänzlich dem von ihm geschaffenen Institut für Zeitungs- künde an der Leipziger Universität. Von diesem Institut aus wurde die Zeitungswissenschaft an die deutschen Universitäten eingeführt. Von 1903 bis 1923 war er Herausgeber der„Zeitschrift für die gesamten Staatswissenschaften, im Jahre 1919 gab er Lebens- erinnerungen heraus. Karl. Bücher hat Generationen von Nationalökonomen beei»- flußk, als Wissenschaftler, als Lehrer und als Mensch. In den letzten Jahre» war es sehr still um ihn geworden. Oer Kampf ums Gefrierfleisch. Heute Abstimmung im BeichstagSausfchuß. In der weiteren Beratung des Ausschusses für den Reichshaus. halt über die Verbilligung von Frischfleisch, kamen in der Sitzung vom Donnerstag noch Redner aller Parteien zu Wort. Es liefen eine größere Anzahl von Anträgen ein, darunter zwei von der s o z ia l d c mo t r a t if ch e n F ra t t i on. In dem Hauptantrog wird die Reichsregierung ersucht, sofort Die nakiaualistische Welle in Deutschland sei nicht zuletzt durch die Wirtschaftsnol hervorgerufen. In Deutschland gebe es 314 Millionen Arbeitslose, die natürlich ein unerschöpfliches Reservoir Mißvergnügter bildeten und nur allzu leicht Opfer der demagogischen Verhetzung werden könnten. Aber werde schließlich auch nicht in Deutschland jedermann begreifen, daß das Interesse aller Nationen dahingehe, einen Frieden sich zu sichern. Neben den NationaNsten gebe es WIllioneu pazifistischer Deutscher. Er, Briand, hoffe jedenfalls und diese Hoffnung genüge ihm, um die Durchführung der Versöhnungspolitik zu versuchen. Bei aller Pflicht der Wachsamkeit habe nämlich Frankreich olles Interesse daran, die Friedensstimmung in Deutschland zu fördern. Di« gegen Frankreich gerichteten Ausfälle in deutschen Zeitungen und in Wahlreden deutscher Politiker könne er nicht tragischer nehmen als ähnliche Vorkommnisse in Frankreich. Maßgebend für ihn sei lediglich die offizielle Politik der Reichsregierung. Er bleib« also dabei, daß er leinen Grund habe, seine Politik der Versöhnung und Verständigung oui- zugeben. Finde man aber einen anderen Au ß e n m i n i st« r. der eine andere Außenpolitik treiben wolle, dann solle disser zeigen, ob seine Politik wirklich zum Wohle Frankreichs sei. Wenn man aber die Derständigungspalitik nicht lieb«, dann soll? man sie aber auch nicht billigen aus Gründen, die nichts mit außen- politischen Erwögungen zu tu» hätten. Man. habe auch nicht das Recht, ihn auf das schainlosest« zu verleumden und vordem Aus- land lächerlich zu machen. Er protestiere noch einmal da- gegen, daß man ihn mit Worten vergifte. Dem Gift ziehe er die Kugel vor. Das sei sedevfall, sauberer. Die Sitzung wird darauf auf 10 Uhr zur Nachtsitzung vertagt, um den morgigen Tag für di« sozialistischen Interpellationen über de» Börfsnkrach und den Skandal Ouftric freizuhalten. «ine Gesetzesvorlage«inzubringen, wodurch entweder die zollfreie Einfuhr elßes Gefrierfleischkontingents von 100000 Tannen zugelassen, oder unter entsprechender Linderung des§ 12 des Flesschbojchau- gesetzes der Zoll für Gefrierfleisch auf höchstens 15 M. pro Doppcl- zentner herabgesetzt wird. Für den Fall der Ablehnung dieses Antrages verlangt die sozialdemokratisch« Fraktion, daß die außer Kraft gesetzten Einfuhr- erleichterungen für Gefrierfleisch mit Rückwirkung vom 1. Oktober 1930 wieder in Kraft gesetzt werden. Zwei der Anträge, und zwar ein Eventualantrag der Kommunisten und ein Antrag der Nationalsozialisten stellten sich auf den Boden der Regierungsvorlage mit der Aenderung, daß an Stelle der von der Regierung verlangten 20 Millionen sehr viel höhere Beträge für die Verbilligung von Frischfleisch angefordert werden. Da die Anträge nur handschriftlich vorlagen, wird die Ab- stimmung erst zu Beginn der Freitagssitzung stattfinden. Ein Giaaiskommissar für Aliona. Haushaltsausgleich unter Aufficht. Regierungspräsident Dr., Abegg hat Oberbürgermeister Brauer zum Staatskommissar für Altona bestellt. Am Donnerstag ist der Magistrat mit dem Staatskommissar unter Hin- zuziehung der Fraktionsführer zusammengetreten, um über die Deckung des Fehlbetrages im Haushaltsplan für 1930 zu beraten. Auf Vorschlag von Oberbürgermeister Brauer hat der Magistrat gegen eine Stimme beschlossen, die Grundvermögenssteuern von 300 auf'350 Prvz., die Gewerbesteuer von 450 auf 475 Prvz. zu erhöhen und vom 1. Dezember an die Bier- und Getränkesteuer einzulühren. Bon der Einführung einer Bürgersteuer wurde Abstand genommen. Anklageschrist gegen Nykow« Stalin macht sechs Sowjetführern den Prozeß. Sowuo, 13. November. Wie aus Moskau gemeldet wird, hat Llallu im Zusammeuhaug mit der beschleunigten Einberufung der Vollsitzung des Zentral'- tomllee» der kommunistischen Partei der Sowjelunioa seinen un. mittelbaren Mitarbeiter Sossior beauftragt, die Anklage- schrisl gegen Lucharin. Rykow. Tomski. Syrzow und Srischanowsti auszuarbeiten. Stall» selbst wird die Anklage gegen die Rechtsoppositton in seiner großen Rede aus der Sitzung de, Zentralkomitee» unterstützen. Sozialdemokratischer Landiaqspräjident In Sachsen. Der Sächsische Landtag wählte am Donnerstag in der Stichwahl. den Genossen Meckel zum Landtagspräsidenten. Für ihn stimmten auch die Demokraten. Reuss Besoldungssperrgesetz. Die Einschränkung des personalaufwands. Neben dem GehalLstürzungsgefetz sieht dos Nsgierungsprogramm einen Gesetzentwurf zur Einschränkung des Per- sonalaufwands in der öffentlichen Verwaltung vor. Dieser Gesetzentwurf, der zur Zeit vom Reichsrat beraten wird, umfaßt drei Teile: 1. die Gehaltskürzung bei Ländern und Gemeinden usw., 2. die Vereinheitlichung der Besoldung und 3. die Unterbringung der Versorgungsanwärier. Im ersten Teil verpflichtet der Gesetzentwurf Länder und Gemeinden. Reichsbahn und Reichsbauk bei chren Beamten vom l April 1S31 ab dieselbe Sprozentige Gehaltskürzung durchzuführen. die im Reich auf Grund des Gehaltskürzungsgefetzes erfolgen soll. Zlehnlich wie im Reich sollen auch die Bezüge der Minister in den Ländern, der Landtogsabgeordneten, Stadtverordneten ufw. um 6 bis 20 Proz. vermindert werden. Ilm die Durchführung dieser Vorschriften zu beschleunigen, sollen die Länder das Recht erhalten, die erforderlichen Maßnahmen für die Landes- und Gemeinde- beamten im Wege der Verordnung zu treffen. Der zweite Teil des Gesetzentwurfs umfaßt die Be- .stimmungen. die die Ungleichung der Besoldungsvor- schriften in Ländern und Gemeinden an die des Reichs bezwecken. Damit wird das Befoldungssperr- g e s e tz von 192», das Ende 1926 außer Kraft getreten ist, in ver- änderter Form wieder aufleben. Die Länder sollen dafür wrgen, daß ihre eigenen Beamten und vor allem die Beamten der Gemeinden finanziell nicht bester gestellt werden als die Reichs- beamten der entsprechenden Gruppen. Der Reichsfinanzminister soll berechtigt sein, sich durch Stichproben von der Durchführung dieses Grundsatzes zu überzeugen und erforderlichensalls Einspruch gegen eine Besoldungsordnung zu erheben. Heber diesen Einspruch entscheidet— ähnlich wie unter dem Besoldungssperrgesetz von 192»— ein Reichsfchiedsgericht, das beim Reichsgericht ge- bildet wird. In einem dritten Abschnitt sieht der Gesetzentwurf schließlich eine Reihe von Maßnahmen vor, die die Unterbringung der Verjorgungsanwärter aus der Reichswehr und der Polizei in Beamtenstellen der Länder, Gemeinden und Betriebsver- waltungen erleichtern sollen. Zu diesem Zweck wird bis zum 31. März 193S eine Stellensperre für Zivilanwärter gefordert. Die Ueber- nähme der Milüäranwärter hat große finanzielle Bedeutung, denn die zur Zeit nicht untergebrachten 35 000 Anwärter belasten das Reich mit jährlich 40 Millionen für die Zahlung der Uebergangs- , gebührnisse. Das Reich beabsichtigt, für seine eigenen Verwaltungen dieselben Vorschriften jeweils in die Reichshaushaltsgesetze auf- zunehmen. Du der Gesetzentwurf zum Teil in wohlerworbene Rechte der Beamten eingreift, die nach der Verfassung geschützt sind, ist er auch nach Meinung der Reichsregierung verfassungsändernd. Das Haupt stück dieses Gesetzentwurfs ist der Versuch, in Reich, Ländern und Gemeinden einheitliche Besoldungsgrundsätze durchzuführen. Die Begründung verweist darauf, wie sowohl nach dem Erlaß des Reichsbesoldungegesetzes von 1920 als auch von 1927 Länder und Gemeinden bei chren Besoldungsneuordnungen wesentlich über die Sätze des Reichs hinaus- gegangen sind. Da sich die Festsetzung der Beamtengehälter auf Grund der verschiedenen Besoldungsordnungeu immer mehr zu einer Geheimwistenschafi entwickelt hat, ist die Oefienttichkeü sehr chwer in der Lag«, sich Wer die wirtlichen Verhältnisse ein zu- treffendes Bild zu machen. Die Begründung bringt aber einige Beispiele dafür, in welchem Umfange Länder und Gemeinden in vi eleu Fällen ihre Beamten günstiger gestellt hoben als die Reichsbeamten. Ein Stadt- assistent erhält z. L. 700 M. mehr, ein Stadtfekretär 900 M. mehr als der entsprechend» Reichsbeamte. Der Gemeindevorsteher einer Landgemeinde von noch nicht 1000 Einwohnern bezieht das Geholt eines Oberregierungsrats. Der Landeshauptmann einer preußischen Provinz erhält 2000 M. mehr als der Oberpräsident. DaM kommen Vergünstigungen bei den Beförderungen, bei der Festsetzung des Besoldung sdienftalters, bei den Ruhegehältern, Dienstouswonds- entschädigungen usw. usw. Das Bild, das die Begründung von diesen Zuständen entwirft, ist für den Sachkenner nicht überraschend. Die Sozialdemo- k r a t i e hat seit jeher auf dem Standpunkt gestanden, daß eine u n t e rschiedliche Behandlung zwischen Reichs-, Landes- und Gemeindebeamten höchst unerwünscht ist. Dieses Mesten mit zweierlei Maß schafft Mißstimmung bei den Benachteiligten, verstärkt das Drängen nach Besoldungsverbesserungen und erschwert die Verwaltungsresorm. Deshalb hat die Sozialdemokratie auch in ihren Richtlinien vom 23. Juli 1930 die Forderung aus- gestellt, daß die Gehaltsordnungen. der Länder, Gemeinden und Körperschaften des öffentlichen Rechts die Gehaltssätze der Reichs- befoldungsordnung nicht übersteigen dürfen. Die Verhandlungen der ReichSratS-Ausschüsse. Die Bereinigten Ausschüsse des Reichsrais setzten am Donnerstag unter dem Vorsitz des Reichsfiuanzministers Dietrich die Beratung des Gesetzentwurfs über die Senkung der Real steuern fort. Die Vorlage wurde in erster Lesung erledigt. Eine zweite Lesung soll in der nächsten Woche stattfinden. Die Ausschüsse begannen dam, die zweite Lesung des Aus- gabenbegrenzungsgefetzes, das bestimmt, daß die Aus- gaben in den Jahren 1932 und 1933 nicht hoher sein dürfen als 1931. Strittig ist hier bekanntlich besonders die Stellung der Gemeinden, die darauf hinweisen, daß eine solch« Begrenzung der Haushalts- ausgaben durch den dauernden Zugang von Wohlfahrt suntcr- stützungsempfängern außerordentlich erschwert werde. Preußen beantragt Kürzungen beim Wehretat. Im weiteren Verlauf der Donnerstagsitzung, in der der Reichs- etat beraten wurde, beantragte die preußische Regierung wesentliche Kürzungen sowohl am Heeres, wie am Marrneetat. An dem Haushalt der Reichs marine sollen 10 Millionen gespart werden. Wesentlich hoher sind die von Preußen beantragten Kür- zungcn am Reichswehretat. Ob die preußischen Anträge eine Mehr- hell im Reichsrat finden werden, ist vorläufig noch nicht sicher. Ein Gaar-prozeß. Drei Gendarmen verurteilt. In der Nacht zum 22. Mai hielten drei saardeutsche Land- jäger ew Auto an. Der Insasse hatte keinen Ausweis. Da er angab, Becker zu heißen und Reichsdeutscher zu sein, brachten die Landjäger ihn gemäß Dienstanweisung der Saarregieruna an die Reichsgrenze. Die deutsche Polizei verhastete Becker als langgesuchten Schwerverbrecher: ballt erkannte man in ibm auch einen Spion für Frankreich. Di« drei Landjäger aber wurden so- fort entlassen und der Freiheitsberaubung angeklagt und die Strafkammer verurteilt« sie zu je zwei Monaten Gefäng- p-is mit fünf Jahren Strafaufschub. Franzens Bürgersieuer. Im VraunschwSiger Landtag stimmten die national- 'ozialistischeo Abgeordneten gegen die von ivrem Minister Kränzen eingebrachte Bürgersteuer. /ta'if 17 Uti5 da verließen ße ihn. * Sturm im Landtag. Gegen deutschnationale Freunde der Rowdyfiudenten. Vor Eintritt in die Tagesordnung brachte Abg. Borck(Dnat) einen Antrag seiner Fraktion ein, der sich mit den Zufammenstößen zwischen viudenlen und Polizei vor dem Berliner ilnioersitäts- gebäude beschäftigt. Der Abg. Borck beantragte, dieien Antrag sofort als ersten Punkt auf die Tagesordnung ,zu fetzen, da der Landtag nach Ansicht seiner Fraktion beschleunigt gegen derartige Zluswüchje des Polizeiregiments einschreiten müsse Es sei ein Hohn auf die verfassungsmäßig zugesagte Freiheit, wenn man die akademisch« Jugend von ihrem llnioersitätshof Herunterprügel?, nur weil sie ihrem unterdrückten Freiheitswillen nach akademischem Brauch Luft mache. Als der Redner erklärte: Der Landlltg muß sich dagegen verwahren, daß ein System, das aus dem Verbrechen der Novemberrevolution entstanden ist.... wurde er von der Linken stürmisch unterfirochen und durch andauernde S<$lußrufe am Weiterfprechen verhindert. Präsident Bartels ruft den Redner zur Ordnung. Die weiteren Ausführungen des Ab«. Borck gehen im allgemeinen Lärm unter. Abg. Heilmann(Soz.) wies darauf hin. daß die Deuts chnatio- nolen in der eben beendeten Sitzung des Aelteftenrats kein« Wünsche zur Tagesordnung geäußert hätten. Daraus ergebe sich, daß es chnen nicht auf eine sachliche Klärung der Vorfälle ankomme, son- dern lediglich auf einen aus agitatorischen Gründen vorgebrachten Angriff auf die Regierung. Zu den letzten Ausführungen des Abg. Borck bleibt zu sagen. daß dieser es dem aus dem angeblichen November verbrechen hervorgegangenen Staat verdankt, wenn er V�lieiofsiper ge- worden ist uod sich als solcher nicht schenf, von dem Staat Pension zu beziehen, den er beschimpft. Der Redner widersprach der sofortigen Behandlung des deutfchnatw- nalen Antrags. Als der Abg. Borck(Dnat.) das Wort zur Erwiderung ergreifen wollte, erhob sich bei den Linksparteien ein so starker Lärm, daß er sich nicht verständlich machen konnte. Die sofortige Beratung des detüschnationalen Antrags war durch den Widerspruch der Sozialdemokraten unmöglich gemacht. Das Haus begann hierauf die dritte Beratung der Durch- führungsbestimnningen zur Gemeindebier-, Gekränke- und Vürgerfteuer. Abg. Dr. von krics(DnaL) unterstrich den Antrag seiner Frok- turn, das Staatsministerium möge sich vor seiner Stellungnahme zum Reichsfinanzprogramm im Reichsrat darüber im Landtag äußern. Finanzminister Dr. Höpker-Afchoff äußerte sich über das Reichsfinanzprogramm. Bei dem Befoldungs- fperrgefetz habe die preußische Regierung Bedenken nicht etwa gegen eine Angleichung der Bezüge an diejenigen im Reich, sondern des- halb, weil entsprechende Maßnahmen von ihr bereits durch-. geführt feien und sie Bedenken gegen eine nochmalige Durch- führung habe. Sie werde daher eine Aenderung des Gesetzes dahin beantragen, daß eine Wiederholung des durchgeführten Verfahrens nicht stattzufinden brauche. Der. Minister richtet an die Beamtenschaft den Appell, die Gehaüskürzungsmaßnahinen verständnisvoll zu ertragen, da sich am 1. April vielleicht ergeben werde, daß di« Gehälter nicht herabgesetzt, sondern dem gesunkenen Preisstand angeglichen worden seien. Die Reichsregierung habe den festen Willen, die Preissenkung weüerhin energisch zu betreiben und durchzuführen. Gegen die im Reichsfinanzprograwm vorgesehene Mitwirkung des� Reiches bei der Gestaltung der Länderhaushalte habe er keine Bedenken, vielmehr begrüße er sie. da dann auch das Reich die Uederzeugung gewinnen werde, daß die Ersparnis möglichkeüeu innerhalb des preußischen Haushalts die Grenze erreicht hätten. Die Absichten, die die Reichsregierunq zur Erzislung einer spar- sameren Rechtspflege verfolg«, gehen auf preußische Anregung zurück. Ein entsprechender Gesetzentwurf werde für Preußen eine , ährliche Ersparung von sechs Millionen bringen. Bezüglich der Perwaltungsoereinfachung. d. h. Aufhebung von Lokal- behörden, seien preußisch« Varschlä.ge in Vorbereitung. Di» geplant« Einheitssteuer für Landwirtschaft und Gewerb« sei zu be« grüßen. Ebenso verdiene das geplante Steuervereinheitlichungsgesetz allgemein« Billigung. Bedenken seien da- gegen.zu erheben hinsichtlich der Neuregelung der Woh- nungswirtschaft und der Realsteuersentung. Preußen würden danach im nächsten Jahre nur 120 Millionen Mark Haus- zinssteuermittel fiir die Neubautätigkeit zur Derfügung stehen, ein Betrog, der in keinem Verhältnis.zum Bedarf stehe Deshalb habe die ureußisch- Regierung vorgeschlagen, die Hau-.- zinssteuennitlel für die Neubautöligkelt nicht nm die Hälfte. sondern um ein Drillet zu kürzen. Die Senkung der Realsteuern könne nach Ansicht der Staatsregie- rung nur an solch«», Orten erfolgen, wo die fftsakstesetsüße überspannt seien, d. h. in Gemeinden, in denen die Zuschlagssätze über dem Landesdurchschnitt lägest. Er hoffe, daß die Abänderungsanträge der preußischen Regierung eine Mehrheit im Reick�rat, aber auch die Austimwung der Reichsregierung finden mögen. Abg. ftlosl(Z.f dankte dem Finanzminister für die ausführliche Auskunft über die schwebenden Mnunzsragen und wies auf die Not- wendigkeit hin, den G e m e i n d e-n angesichts ihrer erhöhten Lasten, hauptsächlich auf dem Gebiete dar Wohlfahrt, eine Ausgleichs- Möglichkeit zu geben. Abg. Szivai(Soz.): Wenn man jetzt, um die Preitzfenkungsaktion rascher m Gang zu bringen, an die Konsumvereine herantritt, dann muß man auch konsequent fein und die Sondee-rbelastung der Konsum- vereine wieder abbaue». Die Debatte«»weckt den An- schein, als feien die Getränke- lifo, Steuern durch eine preußisch« Notverordnung eingeführt morde»' verschiedene varlelen bringen hier zum Ztv»druck, was sie t« Reich nicht vochubringen wagen. Besonders die Deutsche Polkspacktei sollt« ihre entschiedene Haltung .gegen die in dar Rotoerordmnrg enthaltenen Steuern lieber im Reichstag zum Ausdruck bringe», da dort die Magßchkeü besteht, die Verordnung zu ändern. Am: 31. Dezember 1929 gab es in den Kommunen von über 26 000'Einwohnern 242508 Wohlfahrtserwerbslose. Die Zahl der Hauptunterftützungsempfänger und Lrifenbetreuten betrug damals$85 673. Am 30. September 1930 aber hatten die Kommunen 4�8 000 Wohlfahrtserwerbslose bei 1,128 Millionen Hauptunterstützmtgs- und Krifenfürforgoempfängern. Uns Ist unverständlich, wie van«» augesichl» dtefet Zahlen wagen will, den Gemeinden t*>ch weiter die Millel zn kürzen. (Sehr wahr! bei dchi Sozialdemokraten.) Wenn die Pläne der Reichsregienung gegen die Hauszinssteuer voll durchgeführt werden, dann wird die Wohlfahrtsbelastung der Ge- meinden sich so steigern, daß ei»e geordnete Finanzwirtschaft der Kommunen überhaupt nicht mehr denkbar ist(Lebhafte Zustim- mung bei den Sozialdemokratem) Mir stimmen den Durchführmigs- bestmnnungen zu, wenngleich wir keine Freunde der Bürgersteuer sind, aber es Handell sich ja hier nur um die Ausführung eines Reichsgafetzes, und zwar ejnes solchen, das gemacht wurde, ohne daß wir selbst in der Regieyungskoalllion waren. Wir unter- scheiden uns in unserer Haltung pvn den Nationalsozialisten,»eil wir verantwortuirgsbewußte Poljik grundsätzlich treiben.(Beisoll bei den Sozialdemokraten.) Zlbg. Schwenk(Komm.) bezetchneie die Bürgersteuer als unsozialste aller Massensteuern. Abg. Dr. Neumann(DDP.), begrüßte die Einführung der Bürgersteuer, wenn sie in der jetzigen Form auch nicht ganz den Wünschen der Deutschen Dolksparfoi entspräche. Abg. Grüler(Wirtsch.-P.) betnachtete die Bürgerstcuer als einen Vorläufer zu den unbedingt nadvendigsn Zuschlägen zur Einkommensteuer. Angesichts der fchfochten Erfahrungen, die man mit der Reichsbiersteuer gemacht habe, lehne seine Fraktion die Ge- meindebier- und Gemeindegetränkesteuer ab. Vle Durchsührungsbestimmungeu wurden in namentlicher Ab- stimmnng mit 251 gegen 14« Slinmum endgültig verabschiedet. E» folgen die Großen Anfrage», über die Aeuerrichwng pädagogischer Akademien. Abg. Oelze(Dnat.): Der Bedarf an Lehrern ist für einige Jahr« noch gedeckt. Wir sind deshalb gegen neue Alademien, aber besonders gegen eine wellliche Akadawie, die keine gesetzliche Grundlage hat. W,g. Dr. Schwarzhaupl(D. Vp.st Weltliche Schulen und diffi- dentische Lehrsrakademien sind nicht verfassungsmäßig. Wir lehnen weltliche Lehrerakademien aber auch grundsätzlich ab. weil sie uns noch über die konfessionell« ZerspStterun« hinaus vom Ziel de? nationalen Einheitsschule entferne». Kultusminister Or. Grimme: Das Staatsrninifterium hat. als es am 24. Oktober die Errich. tung von vier neuen Akademien beschloß, einer katholischen in Spandau, einer allgemeinen in Berlin und zweier evangelischer M Potsdam und Königsberg i. Pr., nicht entsernt an eine Brüskierung der evangelischen Bevölkerung gedacht. Es bestehen fünfzehn Akademien, davon eine simultan, zwei kakholisch und zwöll rein evan gelisch.(Hört, hört! links.) Der evangelische Volksteil hol also gegeniid« allen übrigen Gruppen einen ganz gewalligm Vorfprung. ("Sehr wohrs) Am liebsten hätten wir in SerTm»wo ß c Simultanakademie errichtet. Wer bei den realpolitischen Gegebenheiten ist das ja leider nicht durchMjehen. So nahmen wir drei Akademien entsprechend der weltanschaulichen Zusammen- setzung in Aussicht,«ine evangelische, eine katholische inrd eine dritte für alle Bolkskreise, die eine kirchlich-konfessionell gebundene Er- Ziehung nicht wünschen. Hätten wir diese Kreis« gar nicht berück- sichtigt, mühten sie sich mit Recht als Parias im Staate ansehen. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Aber»vir meinen es ernst mit der Parität gegenüber allen Volksgenossen. Wer weite Bolkskrcilse, die sich auf konsessionellen Akademien nicht ausbilden lassen wollen, entgegen ihrem Gewissen daM zwingt, ver- leht die einfachsten Pflichten der Loyalität und Parität.(Lebhaste Zustitnmuwi bei den Sozialdemokraten.) Die Abgeordneten als Mittler zwischen Volt und Regienuig haben nicljt nur die Aufgabe, der Regierung gegenüber den Volkswillen durchzusetzen, sondern auch die Pflicht, die Wähler über den ehrlichen Willen der Regierung zum Ausgleich der weltanschaulichen Gegensätze aufzuklären. Par- teien, die sich aus agitatorischen Gründen dieser Pflicht entziehen. zeigen damit nur ihren Mangel an Staat-gesinmmq.(Lebhafter Beifall links und in der Mitte.) Mr werden sehen, wem Toleranz und Parität mehr als eine Phrase sind.(Lebhafter Beifall.) Abg. König-pobSdam(Soz.): Die Stellungnahme der Deutschen Volkspartei verrät nicht die leise st e Spur von Liberalisnius mehr. Wir werden auf die rechtlichen und finanziellen Fragen im Ausschuß zurück- kommen. Aber grundsätzlich ist dfc Lage doch so, daß alle Eltern ihre Kinder von» ReligionsunterriAzt abmelden können und die Kinder selbst vom zwölften Leben�ahre ab freie Entscheidung über konfessionelle oder nichtkonfessionelle Erziehung haben. Wir stehen vor der Tatsache, daß Hunderstauseude von Kindern vom Religionsunterricht tatsächlich abgemeldet webden. Es handelt sich aber nicht nur um die Religionsstunden, fondsm in der konfesstonellen Schule soll die Religion ja bekanntlich den Hnterrickst in allen Gcsinnungs- fächern durchdringen. Kinder und Eltern werden alß, in ihrer Gewissensfreiheit beelnlrächligk. wenn man sie in die Konfessionsschule zwingt. Deshalb haben die Kultusminister Haenisch.Boelitz Becker die Sammelschulen geschaffen. Bestehen sie, dann brauchen sie auch dafür ausgebildete Lehrer. Wir gewähren aus ehrlicher Toleranz und Parität den Evangelischen und Katholischen ihre Aka- demien. Will man sie den Freitn Fort- fall kommen müßte. Auch sonst ist darauf hinzuweisen, daß die weitere Durästührung des Kroll-Vertrages die Volksbühne zu organi- fatorischen Maßnahmen veranlassen würde, die sich für die Finanzen der Kroll-Oper im ollgemeinen nicht günstig auswirken dürften. Auf Wunsch ist die Volksbühne jederzest bereit, diese Feststellungen im einzelnen zu belegen. Die Volksbühne wird sich erlauben, dieses Schreiben auch der Presse zu übermitteln, damit der Sachverhall in aller Oeffentlichkest einwandfrei Nargestellt wird." Zwei Nobelpreisiräger. Oer preis'sär Chemie kommt nach Oeutschland. Die schlvedrsche Akademie der Wissenschaft hat am Donnerstag- abend den Nobelpreis für Chemie dem Professor Hans Fischer von der Technischen Hochschule in München zuerteilt. Er erhiett den Preis für seine Arbesten über die Konstimtion der Blut- und Blattsarbenstofse und für die Synthese des Hämin.— Damit sind insgesamt nicht weniger als 14 chemische Nobelpreise an Deutschland gefallen, d. h. mehr als die Hälfte aller überhaupt erteilten Nobel- preise für Chemie. Der diesjährige Nobelpreis für Physik wurde dem Inder Sir Chandraselhaara Venkata R a m a n aus Kalkutta zu- gesprochen. Der bekannte indische Physiker erhielt den Preis für seine Untersuchungen über Diffusion des Lichtes undchie E»»tdeckung des nach ihm benannten Effektes. Hakenkreuz-Obst in der Slaaksparlei. Das außenpolitische, fast im nationalistischen Fahrwasser segelnde Referat des Professors Obst auf dem Parteitag der Staatspartei in Hannover hat in wetten Kreisen der Staatspartei lebhafte Kritik her- vorgerufen. Jetzt l>at sich die Parteileitung der Staatspartei veranlaßt gesehen, in dem ersten von ihr herausgegebenen Rund- schreiben die Feststellung zu treffen, daß einzelne Formulierungen des Referats von Obst nicht als parteiverbindlich anzu- sehen seien Demaegenüber ist darauf zu verweisen, daß das Referat dem Parteitag in Hannover schrifttich sozusagen als Programm unterbreitet worden ist._ (Gewerkschaftliches stehe 2. Beilage.) BerarUwortlich fllr Politik: ßirtor Schill! Wirtschall:®. Itltag»Il>SIer» De>?«rlschallsbewegi.ng: 3. Stetoer; Feuilleton: Dr. Zoh» Schltoiorki! Lolale« und SonOta» ffti« Naritädt: jinjetacn; Tb Stocke, sämtlich in Berlin. Berlag: Borwzrto.Birla!i S. m b. K Berlio Druck: Borwärts-Buchdruckeret und Äerlaadansialt Vau! Singer u. To.. Berlin LW SS. Liudenftrate 1 Kierz» 3 Beilagen und»Stodtbeilog«'. WERTHEIM Leipziger Sir.(Vereanä-Abi) Königstrafis RoMnthaler Sbv Moritzplak C9> Scnnahend, mcanni iSWtge Hehensmittel Zusendung bei Besfellung von 5 M an Leicht verderbliche Artikel sind vom Versand ausgeschlossm ffirfsctass ffictgcfc Suppenfleisch.-pwi 0.88 Rinderkamm ß™>» 0.90 Roastbeef m» Knodi, pm. 1,10 Schmorfleisch 1.10�; 1>24 Gehacktes u. Liesen 0.65 Gulasch...... Pfund 1,00 RUckenfeft bratfertig, Pfd. 0.85 Kahler mlldgeMlzen, Pfund I.OB Kalbskamm u. Brust 0.94 Rotbars ohn?Ä0n.r.0.16 Schellfisch Pfund von an 0.18 Seelachs pr.Ä.r™ 0-20 Kabeljau 0�3 Fischfilet. Pfund von an 0.30 Grüne Heringe 3 v.u£n 0.45 Zander gefroren, Pfd. v. an 0.53 Spiegelkarpf. m vf'an 0.98 geraudterf: 9effbQcklinge Pfd.v.an0.38 Scheiliisch 0.42 Seelachs, ßotbars v.-n 0.48 Kieler Bücklinge v�' 0.48 Aale 0.28 Ht 2.30 LachS In Stlldcen, Pfd. von an 1»30 Bratheringe, Rollmops, Lifar- Hettr.gi.Oelsr, Bismarck-» Lf' herirc, KronscrdiRon i>:. Kalbsnlerenbrafen 0.96 Kalbskeule 1-00 Hammel-Vorderflelscfc 1,02 Fr. Bratwurst 1.18 Schweinerüdcen■»<*> 0.92 Schweineschinken n Q_ und Komm, Pfund w»"# Fr. Rinderzungen Pfd. 1,24 HierenfalgJ�TT'nd 0.55 Rinderkamm gafroran 0.84 Obst Um Samüsa Musäpfel____ 2 Pfund 0.45 Kochbirnen 2 Pfd. 0.45 Hasenköpfe... Pfund 0.30 Amerikan. Apfel Pfd. 0.38 Tafeiäpfel irV.t" n Kitte ca. 45 Pfd. br. 14.75, Pfd. Feigen... Pfund 0.28 0.32 Bananen..... 3 Pfund 0.98 Almeria-Trauben Pfd. 0.68 Rot-, w'ningjcoM 4 Pfund 0.10 Sellerie.. Pfund 0.06 0.09 Möhren u. Zwiebein 0.04 Roie Rüben... 4Pfd. 0.20 Mark. Rübchen 3 p» 0.25 Rosenkohl....«und 0.20 Kartoffeln... IOPfd.0.20 Winterkartotfeln,.0 rola, Zentner von an Zusendung in Grofj-Berlln per Ztr, 0.50, �ackpfand 0,50 aam in mi— Gänse Odarbrudu Hflhnei* Pfd. v, an 9 2 nt, Hasen u. Kaninchen g«str«K> u. ausgewoti, Pf. Pfund Enten| M Pfund von an" rn Hipsohfleisch an 45«. Blatt Pfd. v. an PI. Kaula, RBdion I Pfund von an■*»3 Fasanen �onanSSV Gebr. Kaffee •Iqana Röstaral flofl Pfund von an■ SpezIal-MUdiung mit 70-, m M» Bohnenkalfaa U.O* mit 40°/» n Oft Behnankaffoa U.lO Brot vorga.dirlab. Gawldit '/s Vi 23pf.45«. •«.. 1.60 1.95 (Weit* Prslse fdr'it Flasche, ohna Glas 1929 Oberhaardter.... DJS 1929 Hainteld. Letlen Habl. 035 1928 Siefershetm.Sandborg130 1928 Plattener Neuberg. Tischmosal 1.20 1928 Liebfraumildt bi. Kaps, 130 1924 Chat. Reignac Bord. 1.40 Billige Naturgawldisat 1929 Gumbsheim.Fudtslodi,,„ Wach$!um Malfern OaTS» 1928 Dillichelm. Feuerberg.„ Rclvc.n 1.00 1928 Maikammcrer Schien~en- gäs:el V/achitum Erath... 130 1923 Lie,arer Ni-detberg Wochsium Schumann l«"® Halb& Halb LuSr..... 3.75 Nordhäuier Korn. Litarfl. 3.80 Wein and Spiri!uo:en vam ra-i zu billigen Proben 7lr. 535» 42. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Kreitag, 44. November 1930 Die Katastrophe von Lyon man beiorchtet mehr als 100 Tote.- Ein ganzer Stadtteil vernichtet. Lyon. 13. November. lEigenbericht.) Die Katastrophe, von der in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag das Quartier St. Jean, das Proletarier- viertel der besonders durch ihre Seidenerzeugnisse be- kannten französischen Fabrikstadt Lyon im Rhonetal, heimgesucht worden ist. nahm weit grausigere Formen an. als die ersten Beobachtungen erkennen liehen. Die Zahl der Toten soll bereits die Hundert überschritte« haben, die der Verletzten dürfte kaum geringer sein. Die meist von Arbeitern und Kleinbürgern bewohnte Vorstadt St. Jean ist auf dem steil abfallenden Hügel Roccuelbilliere auf- gebaut, dessen Hänge durch mächtige Stützmauern in Terrassen ver- wandelt sind und dessen Gipfel von der aus dem 12. Jahrhundert stammenden St.-Jean-Kathedral« malerisch gekrönt wird. Die starken Regenfälle, die seit Tagen über ganz Frankreich niedergegangen sind, haberr nun diese künstlich geschaffenen Terrassen unterhöhlt und mehrere gewaltige Erdrutsche zur Folge gehabt. Der Umfang der Katastrophe und ihre Schrecklichkeit wird besonders an einer Stelle des„Neuen Weges" deutlich, wo sich eine gähnende höhle von fast 300 Meter Tiefe und 50 Meter Durchmesser aus- getan hak: in der Tiefe der höhle liegen die Ruinen mehrerer fünfstöckiger Häuser. Di« Stadt lag in tiefem Schlaf. Kein Mensch hatte an den Ernst der Warnungen geglaubt, die sowohl in der vorigen Woche, als auch noch einmal am Mittwoch von Ingenieuren, die die Erdrutschkatastroph« kommen sahen, ausge- sorochen worden waren. Ganz positiv hatten die Stadtingenieure festgestellt, daß durch die Stützungsmauern der Bergstraßen das Wasser hindurchsickert«. Fast auf die Minute um 1 Uhr ereignete sich der e r st e E r d r u t s ch. Er hatte zur Folge, daß ein Teil des „Hotel-Zu petit Versailles" unter furchtbarem Krachen zusammen- stürzte. Das Hotel war bis auf den letzten Platz gefüllt gewesen. Das Getös«, das durch den Zusammensturz verursacht worden war, wurde in weitestem Umkreis gehört. Der Bevölkerung des ganzen Stadtteils bemächtigt« sich eine furchtbare Panik. Bald trafen Polizeiabteilungen, Rettungstrupps und Feuerwehnnannschaiten an der Katastrophenstelle ein, um Hilse zu leisten, so weit noch Hilfe geleistet werden konnte. Sofort wurde von der Branddirektion Befehl gegeben, den gesamten Häuserblock zu räumen. Aber während noch die Bergungsarbeiten, bei denen das Gestöhne und Gewinnner der Verunglückten in schauriger Weise als akustischer Wegweiser diente, im vollen Gange waren, folgte dem ersten Erd- rutsch gegen 2 Uhr ein neuer. Der noch stehende Teil der Hotel- gebäude, der noch nicht einmal von allen seinen Insassen geräumt war. brach unter drohendem Getöse zusammen und begrub etwa bg bis 80 Menschen unter sich. Außerdem hatte dieser zweit« Erd- .rutsch zur Folge, daß. in einer. Länge von etwa LOQ.Metern sämtliche sechzehn fünf- und sechsstöckigen Wohnhäuser zusammenstürzten. die am Rande des„Neuen Weges" standen, der sich den ganzen Hügel von Roccuebillier« entlang zieht. Die gewaltigen Trümmer- masscn stürzten in die etwas tiefer gelegen« Rue Tramassac, wo sie den Zusammenbruch vier weiterer Gebäude, unter denen abermals ein Hotel war, verursachten. Die weiteren drei Erdrutsch« forderten keine neuen Opfer mehr, da auf Anordnung des Polizeipräfekten die Unglücks- straße geräumt worden war. Aber naturgemäß standen die letzten Stunden der Rächt und die ersten des Morgens im Zeichen einer Panik, die sich allmählich so weit steigerte, daß die Polizei alle Kräfte aufbieten mußte, um die erregten Volksmassen von Attentaten auf die, die si« für schuldig hielten, zurückzuhalten. Nachdem die ersten Verwundeten in die St.-Jean-Kathedrale transportiert worden waren, wo sich Nonnen ihrer annahmen, bemühte sich die Polizei. für sofortig« Räumung der umliegenden Distrikte Sorge zu tragen. Eine Stadt der Verwüstung. Lyon, 13. November.(Eigenbericht.) Die R e t t u n g s a r b e i t e n bei der Lyoner Katastrophe ge- stalten sich besonders schwierig, weil die aus dem Felsen stehen gebliebenen Gebäude, wie das Hospital von St. Anüquaille und das anschließende Kloster, jedes Untergrundes beraubt, jeden Augen- Anlifasdiislische Kundgebung am Sonntag, dem 16. November, nachmittags 2�/s Uhr Treffpunkt: Albestraße am Friedrich-Wilhelm-Platz in Friedenau.— Redner: Artur Crispien, M. d. R. Keiner darf fehlen! Erscheint in Nassen! 11. Kreis Schöneberg-Friedenau. blick einzustürzen drohten. Einige besonders entsetzliche Stunden erlebte eine 50jähr!ge Frau, die, wie viele andere, von der Katastrophe im Bett liegend überrascht worden war. Durch den glücklichen Umstand, daß sich das Bett infolge des Au- pralls umkehrte und sich schützend über sie legte, blieb sie am Leben. Rundum bis zum halse verschüttet, hatte sie die Kraft, Stunde um Stunde hilse zu rufen, bis es endlich möglich war, mit Hilfe von Stangen und Leitern die Frau aus ihrer furcht- baren Lage zu befreien. Sie wurde ohnmächtig im Automobil des Bürgermeisters herriot in Sicherheit gebracht. Das Stadtbild von Lyon ist ein Bild der Trauer. Familien kampieren auf der freien Straße. Wie nach der entsetzlichen Ueberschwem- mungskatastrophe im vorigen Hahr ziehen Scharen von Frauen und Kindern, die nichts als das nackte Leben gerettet haben, von der Unglückssteste fort,.und niemand weiß im Augeyblick, wo sie in der kommenden Nacht schlafen werden. Sämtliche Aerzte der Stadt sind zur Hilfeleistung herangezogen worden, ebenso die Studenteu der medizinischen Fakultät. Ministerpräsident Tardieu hat an den Bürgermeister der Stadt Lyon ein Beileidstelegramm gerichtet. Zm Laus des Donnerstag ist übrigens ein Flugzeug, das von zwei großen Pariser Zeitungen beauftragt worden war. die Stelle der Katastrophe zu photographieren, in die Saone gestürzt. Der Apparat wurde vollkommen zertrümmert, die beiden Znsgsien konnten sich mit leichtey Berletzungeu aus den Fluten retten. Die Bergungsarbeiten, die wegen der noch immer drohenden Gefahr neuer Einstürze nur mit der allergrößten Vorsicht durch- geführt werden können, find noch lange nicht beendet. Noch in den Vormittagsstunden des Donnerstag hörte man aus dem Ge- wirr der Trümmer heraus zahlreiche Hilferufe, so daß die Gesamtzahl der Opfer einstweilen noch nicht endgültig festgestellt werden konnte. Die Stadtverwaltung von Lyon hat Ermittlungen eingeleitet, um die eventuell« Schuld einer städtischen Stelle fest- zustellen. Wie die ersten Ermittlungen ergaben, sind bereits vor Monaten kleinere Erdrutsch« in dem Unglücksstadtteil festgestellt worden, so daß ein besonders gefährdet erscheinendes Hospital, dessen Mauern Risse aufwiesen, von den Kranken geräumt worden war. Berlin sperrt Wandergelder! Keine Winterwanderungen der Schulen? Der Magistrat hat als Anfang der neuen geplanten Spar- maßnahmen sämtliche Mittel für die Schülerwanderungen mit sofortiger Wirkung gesperrt. Dieser Beschluß ist um so folgenschwerer. als damit allgemein die winlerausslüge, besonders der Volksschulen in den Arbeiterbezirkcn bedroht sind. Bisher war Vorsorge getroffen, daß b«>. den monatlich einmal stattfindenden eintägigen Schulausflügen für die Kinder mittel- loser Eltern die Stadt die notwendigsten Ausgaben übernahm. Die Schulen sind nun zur Rückzahlung dieser bereits gewährten Gelder aufgefordert worden. Bei einem Schulausflug müssen also künftig gerade die Kinder zu Haust bleiben, die der Erholung im Interesse ihrer Gesundheit am allerdringlichsten benötigen. Bei der ungeheuren Arbeitslosigkeit in Berlin ist die Zahl dieser Kinder bekanntlich so erschreckend hoch, daß viele Volksschulen die Winterausslüge überhaupt werden einstellen müsstn. Selbst bei «rnsthastester Würdigung der finanziellen Lage der Stadt, muß man sagen, daß dieser Beschluß des Magistrats als nicht haltbar erscheint. Zuchthaus für den Heizungsingenieur. Die Unterschlagungen beim Bezirksamt Steglitz. De» Schöffengericht Schöneberg verurteilte nach zweitägiger Verhandlung den früheren Leiter der Heizungsabteilung des Bezirksamtes Steglitz, den Oberingenieur Mo eller ke. wegen fortgesetzter Amtsunterschlagung zu zw ei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust. Die Untersuchungshaft von elf Monaten wurde ihm angerechnet: der Antrag aus Aufhebung des Haftbefehls dagegen abgelehnt. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende unter anderem aus, daß bei der Strafbemessung die Skrupellosig- keit und die Raffiniertheit berücksichtigt werden mußten, mit denen der Angeklagte jahrelang die städtischen Gelder in seine Tasche ver- schwinden ließ. Er hatte sich bei seinen Unterschlagungen die einzige Lücke, die durch die Persönlichkeit des kontrollierenden Beamten entstanden war, zunutze gemacht. Mildernde Umstände konnten ihm nicht zugebilligt werden. «! Im Laufe der gestrigen Verhandlung schilderte der Prokurist der Berliner Brennstoff-Gesellschaft, Sp i e r, wie das erste Geschäft mit dem Bezirksamt Steglitz perfekt wurde. Klarer wurde das Bild durch die Aussage des damaligen Geschäftsführers der Berliner Bremistoff-Gesellschast Brolat. Die BBG. hatte sich im Jahre 1924 und 1923 sehr viel Mühe gegeben, um beim Bezirksamt Steglitz Kohlenbestellungen zu erhalten. Erst als der Zeuge im Jahre 1926 den Oberbaurat Freimüller persönlich aussuchte und dieser auf Moellerke als auf die Persönlichkeit hinwies, von der die endgültige Entscheidung über die Kohlenlieferung abhiug, erfolgte nach Rücksprache mit diesem dienerst« Bestellung. Wenige Tage darauf erschien beim Zeugen der Prokurist Spier und sagte: Herr Brolat, die Sache mit Steglitz scheint doch noch nicht auf ganz festen Füßen zu stehen. Herr Moellerke war bei mir und ver- langte, daß wir für das Bezirksamt Rechnungen auf nicht gelieferte Kohlen ausstellen, das Geld soll uns überwiesen werden, das Bezirksamt will es aber abheben und uns Rechnungen für Heiz- körperreparaturen vorlegen. Das Bezirksamt habe einen Ueberschuß an Kohlengeldern, jedoch keine Mittel, um die erforderlichen Reparaturen vorzunehmen." Mit der Maßgabe, daß diese Rechnungen auf offiziellem, ordentlichem Wege dem Bezirks- amt zugeleitet werden und daß die Bezirksamtskasse gleich- falls das Geld auf offiziellem Wege an die BBG. überweist, willigte er, der Zeuge, ein. Ueber das Sonderkonto wurde regel- vT" //V-. �4 Ifcösg.. Sie nickte nur. Beide schwiegen. Schließlich sah sie ihm voll ins Ge- ficht, wieder die Macht ihris geheimnisvollen Lächelns pro- bierend:..Nun, Ludwig, willst du?" „Natürlich will ich, Mädchen, heute schon, wenn es dir recht ist. Morgen, übermorgen, wie es dir paßt!" Sie überlegte:„Dienstag ginge es am besten, da habe ich früher Schluß im Geschäft." „Gut, also Dienstag. Ich werde inzwischen meinem Vater alles sagen." „Ach so, der weiß von mir noch gar nichts!" Es klang beleidigt, und wieder war das schnippische Wippen des Fußes'da. Er zuckte die Achseln.„Ich bin wenig zu Hause, das weißt du ja, Maria!" Sie überhörte feine Antwort, in angestrengtes Nach- denken versunken. Plötzlich, wie von einer Eingebung ge- packt, sagte sie heftig:„Aber eine Bedingung habe ich zu stellen, Ludwig, ehe ich in das 5)aus deines Vaters komme!" „Was nun noch?" fragte er unwirsch und erhob sich. Sie lenkte sofort mit ihrem strahlendsten Lächeln ein: „Bleib doch noch ein Weilchen sitzen, Ludwig. Es ist so schön hier. Oder hast du schon genug von mir und willst nicht mehr bei mir bleiben? Bitte, dann gehe, wohin es dich treibt. Es braucht ja nicht unbedingt zu sein, daß wir zusammen- kommen. Wenn ich dir nichts wert bin..." Er sah ihr starr ins Gesicht und wußte nichts zu ant- warten. Wie ein Schlag auf den Kopf hatten ihn ihre Reden getroffen. Sein Gesicht wurde rot. Wie ein unbeholfener, täppischer Junge stand er da. Doch durch all das Brausen seines Blutes hindurch spürte er, daß Maria die Frau seines Lebens fein könnte, und daß er sie nicht verlieren dürfe. Er kniete vor ihr nieder, umschloß ihren herrlichen Blond- köpf mit seinen großen, ungeschlachten Händen und rief:„Du weißt doch, Maria, ich liebe dich. Ich tu alles, was du willst! Bitte, bitte küß mich!" Sie erfüllte seinen Wunsch, ober nicht hingerissen vom Sturm des Begehrens, nicht getrieben vom Anstoß der Liebe, sondern kalt und mit Berechnung. „Du mußt das werden, was ich will, Ludwig!" „Sag nur, Liebste.. „Du mußt deine Gesellerei in der Fabrik aufgeben, Lud- wig. Du mußt dich selbständig machen, dich auf eigene Füße stellen. Ludwig! Du mußt Meister werden, Unternehmer auf eigene Rechnung!" Ludwig stieß vor Erstaunen einen leisen Pfiff durch die Zähne. „Diesen Vorschlag hat mir bisher noch niemand gemacht, Mädchen!" Wieder stand das seltsame Lächeln in ihrem Gesicht, dem er so schnell und widerstandslos erlag. Er schüttelte den Kopf. „Wie soll ich das nur anfangen, Mädchen. Ohne Geld und ohne Kundschaft ist da verdammt nichts zu machen..." „Pah, wenn weiter nichts ist! Aber jetzt Farbe bekannt, Ludwig, willst du nicht oder kannst du nicht?" Elastisch sprang sie auf und reckte sich. Er sah ihren gutgebauten, geschmeidigen Leib, ihre kraft- vollen Brüste, ihren sieghaft lächelnden Mund. Er sah ihr im Sonnenschein leuchtendes wundervolles Haar. Sein durstiger Blick wanderte ihre ganze Gestalt ab und blieb an ihrem zierlichen Fuß hängen, dessen Spitze keck unter dem Rocksaum vorlugte. Da war's um ihn geschehen. Mit beiden Händen umfaßte er sie und rief begeistert: „Ich will, Marie!" „Na also!" Sie gab ihm einen schallenden Kuß und hängte sich kuschelnd in seinen Arm. Dann schritten sie weiter durch die sonnfleckbesprentelten Föhren. Drosselsang und Kuckucksruf waren verklungen. Aber in chrem Blut vernahmen sie weit herrlichere Stiminen. Die ganze Welt pochte wohlig durch ihre Adern. Die ganze herrliche Welt hatte Stimme bekommen. Es war der Weltsang des Kosmos, der aus Unendlich- leiten her auf sie einströmte. Es gab diesen Abend kein glücklicheres Paar. * Montag, nach Feierabend, faß Ludwig seinem Vater gegenüber auf einem Schusterschemel und wartete auf den Augenblick, wo der Meister den Hammer aus der Hand legen und sich die geliebte Stummelpfeife anstecken würde. Der Alte merkte wohl, daß sein Junge etwas Besonderes auf dem Herzen hatte. Er lachte in sich hinein. Na, zapple ein wenig. Bursche! Die Gesellen sagten„Guten Abend" und gingen. Gemcühlich zündete sich jetzt Vater Eisermann die Pfeife an und griff nach der Abendzeitung. Ludwig setzte ein paarmal zum Reden an. Doch es kostete eine gehörige Anstrengung, bis es endlich zu dem Satz reichte: „Vater, ich Hobe dir eiwas zu sagen!" „Nanu?" Der Alte ließ die Zeitung fallen und sah über die Brillen- gläser hinweg den Sohn an. „Raus damit, Junge! Aber das will ich dir von vorn- herein sagen, Geld kannst du von mir keines kriegen, habe selber nichts. Raus mit der Sprache, Junge! Hast du Spiel- schulden gemacht, irgendwo die Zeche nicht gezahlt? Ge- beichtet, es reißt dir darum niemand den Kopf ab!" „Ich habe eine Braut, Vater!" Gottlob, nun war das Schwerste heraus! Ludwig atmete wie befreit auf. „Potztausend, Junge! Das ist etwas früh für dein Alter. Hängst du dich auch schon an die Weiber!" „Vater, was du denkst, ist nicht. Sie ist ein anständiges Mädchen!" „Was ist sie denn?" „Kontoristin." „Donerwetter, Junge, Kontoristin! So etwas Feines! Du gehst ja ordentlich ran, Junge! Ist sie denn auch schön?" „Für mich ja, Vater!" Das klang wie ein Freudenschrei. Ludwigs Augen leuchteten. Der Schuster sah, daß tüchtig Feuer im Gebälk war. Er beschloß, ein wenig zu dämpfen. Lachend sagte er:„Schön und gut. Kenn das schon, mein Junge. Ich bin ja auch mal ein verliebter Esel ge- wesen, wie du jetzt.> Freilich, es ist schon lange her. Ja, sehr lange. Ich bin sogar noch ein zwestes Mal auf den Leim gegangen. Ja. Junge, alle Predigten, alle Ratschläge. alle Warnungen nutzen nichts. Wer noch nicht drin sitzt im Käfig, will mit aller Gewalt rin! Jeder muß mal versuchen, wie schön es schmeckt! Deine andern Brüder sitzen ja schon dicke drin in den Nesteln. Nun machst du es denen nach. Es kann wohl gar nicht schnell genug gehen!" (Fortsetzung folgte! Biersteuer beschlossen. GelränKeverzehrsfeuer und BOrdcrsfcuer im Sladlparlameni abdeiehnl. Im Mittelpunkt der gestrigen Stadtverordneten. s i h u n g stand die Entscheidung über die Magistratsvorlage, die eine Erhöhung der Bier st euer und die Einführung einer G e- meindesteuer sowie der Bürger st euer vorsteht. Der Ma- gistrat sah sich zu diesen Vorschlägen gezwungen, weil eine andere Möglichkeit als die Durchführung der vom Reichspräsidenten ver. fügten Rolverordnung zur Beschaffung der dringend benötigten Mittel im Augenblick nicht besteht. Um die Erfüllung der so- zialen Aufgaben zu gewährleisten, hat der Magistrat die Pflicht, den stark ins Wanken geratenen Haushalt zum Ausgleich zu bringen. Die Stadtverordneten haben nun gestern die Erhöhung der Biersteuer beschlossen, die Gemeindegetränke- steuer sowie die Bürgersteuer abgelehnt. Die Erhöhung der Viersteuer tritt ab l. Dezember ein. sie bringt eine Verteuerung des Liter Bieres um ungefähr 2% Pfennig und soll der Stadt für den Rest des Etatsfahres drei bis vier Millionen Mark ein- bringen. Durch die Ablehnung der übrigen Steuern wächst das Defizit um rund IS Millionen Mark. Der Drinolichkeitsantrag der sozialdemokratischen Frak- tion, der den Magistrat ersucht, den Wohlfahrts- und sonstigen Unter st ützungsempfängern Winterkohlen in dem im letzten Winter gewährten Umfang« zu liefern, wurde ohne Debatte dein haushaltsausschutz überwiesen. Dann gab es«ine kleine Debatte über.Fürsorgeerziehung. Auf Antrag eines Vaters oerfugt der Jugendrichter die Unterbringung eines lSjährigen Jungen in der Fürsorgeerziehung, nicht zuletzt des- halb, weil sich der Junge sehr aktiv an nationalsozia- listischen Versammlungen und Schlägereien be- t« i l i g t e. Das regte die Nazis in der Stadtverordnetenversamm- lang mächtig auf. Stadtv. Engel(Nat.-So.z.) meinte, der Vater hätte sich mit dem Ueberweisungsantrog«in Armutszeugnis Hinsicht- lich seiner Fähigkeiten als Erzieher ausgestellt. In seinem Schlußwort als Berichterstatter des Ausschusses, der die kommunistischen Anträge zur Unlerstühung der streikenden Metallarbeiter beriet, bezeichnete der Stadtv. Wisnewsti(Komm.) unseren Genossen U r i ch als Streikbrecher, den Genossen Siegle als Verleumder. Der Redner nutzte, trotz der Berwarmingen durch den Vorsteher, sein« Berichterstattung zu einer Schimpfkanonade gegen die Sozial- demokrote aus. Glocke des Borstehers, abermalige Verwarnung Wisnewski schleudert schnell noch einige Kraftworte in die Versamm- lung, dann verschwindet er schnell. Der Haushaltausschuß hatte die kommunistischen Anträge abgelehnt, dasselbe tat gestern das Plenum. Rur die Antragsteller waren dafür. Der sozialdemo- kratische Redner, Genosse Siegle, hatte bereits in der Sitzung vor einer Wache die Begründung für die ablehnende Haltung der So- zialdenwkraten gegeben: Führung und Unterstützung von ordnungs- mähig laufenden Streiks ist Sache der beteiligten Tarif- gewerkschaften— sonst bat niemand etwas dreinzureden, am allerwenigsten die Kommunistische Partei und ihre Unterorgani. sationen! Die Bier-, Getränke- und Bürgersteuer. Dann trat die Versammlung in die Beratung der vom Magistrat auf Grund der Reichsgesetze vorgeschlagenen Erhöhung der Bier- steuer, der Einführung einer Getränkesteuer und der Erhebung einer Bürgersteuer(Kopffteuer) ein. Nach dem Stadtv. koenen(Komm.), der die beabsichtigte Ablehnung der Steuern durch die Versammlung als Heuchelei bezeichnete, ausgeübt zu dem Zweck, dem Oberpräsi- denten Gelegenheit zur diktatorischen Derhängung der Steuern zu geben, erklärte Stadtv. Lange(Z.) die Zustimmung seiner Fraktion zur Erhöhung der Viersteuer und zur Bürgersteucr. Die Getränke- steuer(Schankoerzehrsteuer) lehnte der Redner wegen der Schwierig- keit der Erhebung ab. Der Vertreter der Wirtschaftspartei behauptete, die Gastwirte hätten die letzt« Biersteuer schon aus eigener Tasche bezahlt, weil sie eine Abwälzung auf die Kundschaft für unmöglich hielten. Er lehntejüe Steuern ab. Dasselbe tat der Nationalsozialist Dr. Lippert. Stadtv. Easpari(Vp.) meinte, die Stadtverwaltung sollte es nicht dahin kommen lassen, daß die Auf- sichtsbehörd« die Steuern für die Bürger sestsetz«. Er verteidigt« die Steuervorlagen des Magistrats. Für die sozialdemokratische Fraktion sprach Stadtverordneter Loewy. Er wandte sich besonders gegen den kommunistischen Stadt- oerordneten Koenen, der wissen müsse, daß es nach der Gesetz- gebung der Stadt jetzt unmöglich ist, von sich aus Steuerzuschläge etwa zur Einkommensteuer, so wie es früher war, festzusetzen. Wenn die kommunistische Fraktion heute Steuern beantragt, von denen sie genau weiß, daß keine Aussichtsbehörde sie genehmigen wird, so ist das nichts als Heuchelei. Allerdings machen die Nazis etwas ähnliches. Die Sozialdemokratie im Reichstag hat die erste Notverordnung der Regierung Brüning zur Aufhebung gebracht, die zweite ist einem Ausschuß überwiesen worden, wo sie geändert werden soll. Damii hak die Sozialdemokratie den Weg zur Abänderung solcher diktatorischen Steuergesetze zum Nutzen der arbeilenden Bevölkerung gezeigt. Loewy erinnerte dann in der Polemik gegen Kominunisten und Nationalsozialisten daran, daß mit dem Sturz einer Regierung ihre Gesetze noch nicht aufgehoben sind. Die Sozialdemokraten hatten heul- im Preußischen Landtag für die Ausfllhrungebestimmunoen gestimmt, um schlimmeres zu verhüten. Man hat erst durch die Mitwirkung der Sozialdemokratie erreicht, �dah die in den Reichs- gefetzcn vorgesehenen Mindestsätze nicht überschritten wurden. Die Sozialdemokratie im Berliner Rathaus hak stets Ihre Bereit- Willigkeit zu erkennen gegeben, der Stadt zu geben, was sie braucht, um ihre sozialen Aufgaben erfüllen zu können. Die Steuervorlagen des Magistrats seien für die Fraktion ober in vielen Punkten unannehmbar. Insbesondere lehnen die Sozial- demokralen die ssopssteuer ob. Anders ist es allerdings bei der Biersteuer. Sic ist tragbar, weil sie aus ein normales Glas Bier nur einen Pfennig ausmacht. Bei einer Staffelung der Schankoerzehrsteuer könnte man auch dieser zustimmen. Man könne es aber nicht verantworten, daß zum Beispiel der Schneeschipper, der sich bei einer Tasse Kaffee aufwärmen will, be- steuert wird, während der reiche Mann seinen Wein zu Hause un- besteuert trinken kann.(Bravo! bei den Soz.) Stadtv. Steiniger(Dnat.) wollte nur die Bürgersteuer an- nehmen. Ein Antrag auf Ueberweisung der Cteuervorlagen an den Haushalteausschuß wurde gegen die Stimmen der Rechten ab- gelehnt. In der Abstimmung fiel ein kommunistischer An- trag mit allerlei Abänderungsanträgen durch. Die Biersteuer wurde mit knapper Mehrhett angenommen. Es wurde dann über die Schankoerzehrsteuer abgestimmt, die einstimmig abgelehnt wurde, wie auch die Kopfsteuer der Ablehnung oersiel. Gegen die Koos- steuer stimmten die Sozialdemokraten, die Kommunisten und die Nationalsozialisten: die anderen Fraktionen waren dafür. Die Neufassung der Friedhofs- und Gebühren- ordnung wurde nach kurzer Aussprache nach den Beschlüssen des Ausschusses gutgeheißen. Mit der debattelosen Berabschiedung einer Reihe kleiner Vorlagen schloß der Vorsteher die Sitzung gegen 23 Uhr. * Unter dem Vorsitz des Bürgernleisters S ch o l tz tagten um 19 Uhr die Stadtverordneten und der Magistrat in gemein- samcr Sitzung, um die Zteuwahlen zum Bezirks- au s s ch u ß noch einmal vorzunehmen, da gegen die im Juni vor- genommenen Wahlen Einspruch erhoben worden war. Für die Sozialdemokratische Partei wurde Rechtsanwalt Dr. Franz Reu- mann als Mitglied und Paul Litfin imd Bruno Theek als Stellvertreter gewählt. .echt Buch geführt: sämtliche in Frage konnnende 15 Beamte der BVG. wußten Bescheid, die Bücher tonnten zu jeder Zell ein- gesehen und nachgeprüft werden. Bei der Beurteilung der Sach- läge ist auch in Betracht zu ziehen, daß in den Jahren 1923 bis 1926 die Stimmung der westlichen Vororte gewissermaßen von der Parole„Los von verlin" getrogen wurde. Unter diesen Umständen war eine, rein kauf- m ä n n i s ch e Gefälligkeit mit dem Ziel, die Lieferung für die städtische Gesellschaft zu bekommen, leicht verständlich. Eine gewisse Differenz ergab sich insofern, als der Zeuge Brolat bei der Gegenüberstellung mit dem Oberbaurat Frei- »i ü l l« r in dieseni nicht die Person wiedererkannte, mit der er seinerzeit im Rathaus Lankwitz gesprochen hatte. Es mußte dem- gemäß, meinte er, ein anderer Beamter gewesen sein, der ihn an Freimüllers Stelle empfangen hat. Apotheker als Entdecker. In der Festsitzung zur Feier des 40jährigen Bestehens der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft, in der zahlreiche Glückwünsch« von rein wissenschaftlichen und Apotheker- Vereinigungen aus dem In- und Auslände überbracht wurden, über- reicht« Ministerialdirektor S ch o p p o h l im Austrag und in Vertretung des preußischen Wohlfahrtsministers Dr. fjirtsiefer dem Mitbegründer und langjährigen Vorsitzenden der Gesellschaft, Herrn Keheimrat Professor Hermann Thoms, die silberne Staatsmedaille für Verdienst« um die Volksgesundheit. Professor Paul Walden-Rostock sprach über„Der Apotheker als Kulturträger". In geistvoller Weise schilderte er, wie die Apotheker- kiinst und die Scheidekunst, die Pharmazie und die Chemie als Ge- schwister von derselben Mutter, der Not, entstanden sind und dem Verstand als gemeinsamem Vater. An zahlreichen Beispielen zeigte Watden, wie im Apothekerstand« eine international« geistige Ver- bundenhcit herrsche. Der kurze Raum gestattet nicht, aus die Fülle von Lebens- schicksalen, wissenschaftlichen Leistungen und Entdeckungen einzu- gehen, die Waiden in glänzender Rede fast als Hörfilm vorüber- führte. Die Chemie ist eine unbestrittene Weltmacht geworden und die Pharmazeuten, deren bevorzugtes Arbeitsgebiet die organische Natur ist, wurden in ihren bescheidenen Apothekenlaboratorien zu wissenschafttichen Entdeckern mit einem eigenen Forschungsideal. Was der Apotheker in vergangenen Jahrhunderten war, wird er auch in der Zukunft fein: ein Träger und Lehrer der menschlichen Kttliur, wissenschaftlich im Beruf, berufen als Wissenschaftler. An den mit großem Beifall aufgenommenen Bortrag schloß sich di« Berleihung der im vorigen Jahr gestifteten Sertürner-Medaill« an, di« zum Andenken an den Entdecker des Morphiums, F. W. Sertürner(1783 bis 1843), für hervorragende praktische Arbeiten aus dem Gebiet der Pharmazie verliehen wird. Sie wurde dem Apothekerdirektor des städtischen Krankenhauses in München, Phonnazierat Dr. Rudolf Rapp, verliehen. Krawall-Gtudent vorm Gchnellrichier. Wegen öffentlicher Beleidigung zu 60 Mark verurteilt. von den sieben würdigen Vertretern der Blüte der Nation", die am Mittwoch bei den unwürdigen Szenen vor und im llniversitätsgebäude festgenommen wurden, stand be- reit» gestern der Student Ernst Dietrich vor dem Schnell- geeicht. Die Anklage lautete auf öffentliche Beleidigung. Der hoffnungsvolle Hitler-Jüngling hatte in der Studenten- küche gegessen und war durch di« Dorotheenstraße und den Universi- tatshof gerade in das Portal des Unioerfitätsgebäudes getreten, als die Schupobcamten die immer noch randalierenden Studenten in das Universitätsgebäude zurückdrängten. Natürlich wurden die ihre Pflicht erfüllenden Beamten von den geol�eten Sohncn des Bürgertums mit Ausdrücken wie Schweinehund«, Bluthunde u. a. m. belegt. Auch Herr Dietrich wollte nicht nachstehen. Als er in seiner Aufregung zu sehen glaubte, wie ein Beamter einem seiner Kom- intlitonen einen Schlag mit dem Gummiknüppel versetzte, schrie er: „Die Nummer dieses Schweins muß festgestellt werden!" Im nächsten Augenblick wurde er s e l b st festgestellt. Bor Gericht gab D. die ihm zur Last gelegte öffentliche Beleidigung des Beamten zu. Er entschuldigte sich durch die Aufregung, in die ihn die Hand- lungsweise des Beamten versetzt habe Der Beamte dagegen bestritt mit aller Entschiedenheit, überhauupt nur irgend mit dem Gummi- knllppel geschlagen zu haben. Die zwei anderen Polizeibeamten, die den Angeklagten festgenommen hatten, behaupteten gleichfalls, daß die Gummiknüppel nicht verwendet worden waren. Der Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 100 M. Er glaubte, den Herren Studenten zugute halten zu müssen, daß sie, ihre akademische Freiheit von der Polizei bedroht wähnend, sich in begreiflicher Erregung befanden. Der Schnellrichter, Amtsgerichts- rat Rosenthal, verurteilte den Angeklagten wegen öffentlicher Be- leidigung zu 60 Mark Geld st rase oder zu sechs Tagen Haft. Auch er fand scharfe Worte der Mißbilligung für das Vorgehen der Studenten gegen die Beamten, die nur ihr« Pflicht erfüllt hätten; er glaubt aber auch seinerseits der Erregung des Angeklagten Rech- nung tragen zu müssen..._ Gine zurückgezogene Berufung. Am 24. September 1930 wurde der Redakteur H a u s w i r t h der„Roten Fahne" zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er, ohne auch nur den geringsten Wahrheitsbeweis zu erbringen, den Gc- nossen Franz K ü n st l e r einen Lockspitzel genannt hatte. Dreist hatte Hauswirth Berufung angekündigt: er zog sie aber noch recht- zeitig zurück, wohl weil er einsah, daß Unbeweisbares auch in einer Berufungsverhandlung nicht zu beweisen sein werde. Seinen 90. Geburtstag feiert am 13. November ein langjähriger „Vorwärts"leser, Johannes Kiejau, Schölleberg, Feurigstr. 62 Der Neunzigjährige ist Rentenempfänger und l«bt in bescheidensten Verhältnissen bei seinem 6Sjährigen Sohn, der selbst Renten- empfänger ist. Raindi-mitfden Sedi$-Tage-Slcgcr. Sdiwadier Verlan! der lelzien Stande. Wie wohl kaum anders zu erwarten, endete das 24. Ver- liner Sechslagerennen, das gestern abend um 11 Uhr im Sportpalast seinen Abschluß fand, mit dem Siege der Kölner Favoritenmannschaft Rausch-Hürtgen. Acht Mannschaften gingen in die letzte Wertungsstunde, die, abgesehen von einigen Rrmdengewinnen weit zurückliegender Mann- schaften, einen schwachen Verlauf nahm.� Einmal nur wird es lebendig in dem vollen Hause, als Piet van Kempen 16 Minuten vor Schluß einen Vorstoß unternahmen und diesen, mit einem Runden- gewinn durchführen konnten. Das Ergebnis: Sieger: Rausch-hürtgcn 137 Punkte. Zweiter: van Kempen- Schön 342 Punkt«(2 Runden zurück). Dritter: Rieger-Kroschel 191, Vierter: Manthey-Maezynski 154 Punkte(4 Runden zurück). Fünfter: Krüger-Funda 250 Punkte(5 Runden zurück). Sechster: Dinale- Tonani 278, Siebenter: Ehmer-Tietz 195 Punkte(7 Runden zurück). Achter: Petri-Lehmann 199 Punkte(9 Runden zurück). In den 145 Stunden wurden insgesamt 3 313,280 Kilometer zurückgelegt. Mit Blumen reich geschmückt fahren die Sieger und die anderen Mannschaften, außer Tonani-Dinale. viel bejubelt ihre Ehrenrunden. Hatentreuz am Bahnhof. Man schreibt uns aus Zossen: Auf der für jedermann sicht- baren Holzrückwand eines mit dem Bahnhofsgebäude in Zossen ver- bundenen Raumes klebt das Plakat„F e m e h e tz e" Auf dem Plakat wird die Hakentreuzherkunft verschwiegen, aber kleine auf- geklebte Zettel besagen weiteres. Und zur Kennzeichnung dieser „nationalen" Bundesbrüderschaft ist neben dem Plakat ein großes Hakenkreuz gemalt. Hat die Bahnhofsverwaltnng keine Ahnung, was das Wort„Femehetze" bedeutet oder hält sie sich be- rechtigt, der in überwiegender Mehrheit republikanischen Bevölkerung. der Stadt(siehe Zusammensetzung des Stadtoerordnetenkörpers) ihre„nationale" Anschauung aufzuzwingen? Die Reichsbahnleitung dürfte damit nicht einverstanden sein. Hochwasser in Ostpreußen. Straßen und Plätze in Königsberg unter Wasser. Königsberg, 13. November. Abgesehen von dem Hochwasser in Memelstrom und Gilge, das durch die starken Regenfälle, hervorgerufen worden ist, führen jetzt auch der Pregel und die anderen in die Haffe mündenden Flüsse durch Stauwind Hochwasser. An der Memelmündung sind die ganzen Außcndeichländereien überschwemmt. Die Krone des Deiches ist vielfach vom Wasser erreicht. Der gesamte Deichschutz ist alarmiert, um«inen Deichbruch zu oerhindern. In Königsberg stehen die am Pregel liegenden Siraßenzüge und Rlärkic unter Wasser. Militär und Feuerwehr sind dabei, die Bewohner aus den überschwemmten Wohnungen mit hilse von wagen herauszuholen. An der Pregelmündung sind Pioniere eingesetzt, die das Vieh von den überschwemmten Weiden und Gehöften mit Pontons retten. Stettin. 13. November. Durch den ungünstigen Nordwcstwind ist das Wasser der O st- Oder wider Erwarten noch weiter gestiegen. Durch den gewali'gen Wasserdruck brach der Deich einer hohen Schleuse bei Greisenhagen. Alle anderen Deiche zu beiden Seiten d r Oderbrück« waren schon überflutet. In der von dem Hochwaüer besonders bedrohten Ortschaft Mönchkappe und Eichwerder mußten mehrere Wohnhäuser geräumt werden, da tos Wasser di« Kellergeschosse bereits ausfüllte. In dem großen Gc- müsebaugebiet ist schwerster Schaden verursacht worden. Es mi ß noch mit einem weiteren Steigen des Wassers gerechnet werden. Aufgaben des Luftverkehrs Rationalisierung und Besserung im Passagierverkehr Die Lufthansa gab dieser Tage Ausschluß über den Luslvertehr des Jahres 1330 und über die Ausgaben für das- kommende Alugjahr. Direktor W r o n s k y beschäftigte sich in seinem Verkehrsbericht zunächst mit der Zusammenarbeit der Lufthansa mit den Dampfern der Hamburg-Süd in der Beförderung der Südamerikapost, und zwar habe sich durch diesen Flugzeuganschiuhdienst ein Zeitgewinn von vier bis fünf Tagen ergeben. Für das kommende Jahr sei eine solche Zusammenarbeit auch mit italienischen Süd- amerikadampfern geplant. Die Einschaltung des Luftschiffes in diesen Dienst wie sie zum erstenmal bei der Südamerikafahrt des„Graf Zeppelin" versucht worden sei, werde sich erst mit der Fertigstellung des jetzt im Bau befindlichen Zeppelinluftschisfes ermöglichen lassen. Dann verwies Wronfky auf den Vertrag mit der chinesischen Regierung über die Schaffung eines Fern- o st Verkehrs, der über Moskau hinaus mit chilfe einer russischen Luftverkehrsgesellschaft ausgebaut werden soll, und zwar rechnet man mit der Aufnahme dieses überaus wichtigen Dienstes für das kommende Frühjahr. Im europäischen Streckennetz sei die tägliche Verkehrsleistung 1330 etwa gleich geblieben gegenüber 1923. Der Rückgang im Personenverkehr werde ausgeglichen durch stärkere Beförderung von Fracht und insbesondere von Post im Zusammen- hang mit dem vermehrten Betrieb auf Post- und Frachistreck• zu denen vor allem die neue Linie nach S t a m b u l zu rechnen sei. Im übrigen Hobe der Luftverkehr des Jahres 1330 im Zeichen einer Rationalisierung des Streckennetzes gestanden. Aller- dinas fei mit dem Rückgang des eigenen Streckennetzes mich eine zunehmende Uebersremdung des Luftverkehrs über Deutschland ein- getreten, so daß die fremden Lustlinien in diesem Jahr eine Länge von mehr als 5000 Kilometer über Deutschland hatten gegenüber etwa 3000 im Jahre 1928. Die Passagefrequenz, die sich im Mai und Juni sehr günstig entwickelt habe, sei im Sommer und Herbst infolge des andauernden schlechten Wetters zurückgegangen wozu auch die allgemeine Wirtschaftskonjunktur noch beigetragen habe. Andererseits sei im Passagier verkehr allgemein eine st ei- gende Tendenz zu beobachten, denn auf den Flugkilometer seien von Juni bis August 2,70 bezahlte Personenkilometer entfallen, was eine Steigerung von 12 Proz. gegenüber 1929 bedeute. Direktor Milch gab dann einen technisch-wwtschaftlichen Rück- blick und Ausblick. Er verwies auf die Fertigstellung der Nacht- befeuerung nunmehr auf der großen Transverfale Königsberg- Berlin— Köln— Westgrenze, auf die Fortschritte im Funkdienst, auf den Einsatz eines neuen Kleinfunkgeräts, das es ermöglich«, in diesem Winter alle eingesetzten Flugzeuge, auch die kleinen Ma- schinen, mit Funkgerät zu oersehen. Die Zahl der Funkpeilstationen sei in Deutschland um drei vermehrt worden. Besonders hervor. zuHeben sei dabei die Tatsache, daß es dem Funkmeister Splitt von der Funkstelle Berlin-Tempelhof nach langer Zeit gelungen sei. ein Funkpeilgerät zu erfinden, das den sogenannten Dämmerungs- effekt, der Peilungen zu Zeiten der Dämmerung durch Mißweisungen außerordentlich gestört habe, zu beseitigen. Besonders ausführlich äußert« sich der Redner über die Durchführung der technischen Kon- trolle an Flugzeugen und Motoren, die immer weiter ausgebaut und verfeinert worden fei. Abbruch der Badeanstalt Arunnenplah. Wieder Klagen aus einem Ledigenheim. Im städtischen Ledigenheim am Brunnenplatz, das 500 männliche Insassen beherbergt, ist man jetzt dabei, die dort be- findliche Badeanstalt abzureißen und den Raum für ander« Zwecke zu vermieten: als Ersatz wird ein kleiner Brause- räum mit vier Apparaten errichtet. Motiviert wird dieses Vor- gehen damit, daß sich die Badeanstalt als völlig unrentabel erwiesen häüe, daß außerdem zu ihrer Benutzung die Anschaffung eines Wasserkessels sowie die Anstellung eines Bademeisters notwendig würde. Tatsächlich ist die Anstalt seit dem Jahre 1922 nicht mehr in Betrieb und diente seit dieser Zeit als Aufbewahrungsort für alte Akten und sonstiges Gerumpel. Da die im Bezirk vorhandenen zwei städtischen Bäder bei der starken Bevölkerungsziffer nicht aus- reichen und der Badebesuch gerade in den freien Abendstunden wegen Ueberfüllung fast aussichtslos ist, hofften die Meter seit Jahr und Tag, endlich in den Genuß der vorhandenen Badegelegenheit zu gelangen. Die Mieter hätten sich auch mit einem regelmäßigen kleinen Mietaufschlag für die Badeeinrichtung einverstanden er- klärt, wodurch bei der großen Zahl der Beteiligten auch die Frage der Rentabilität gelöst worden wäre. Nun ist diese Hoffnung end- gültig dahin, die Wannen stehen bereits auf dem Hof, alles ist abmontiert. Weiter beklagen sich die Heimbewohner über die viel- fachen Unannehmlichkeiten bei Benutzung der Küchenräume. Die im Jahr« 1322 von den Mietern gegründete Kochgemeinschaft hatte Kochapparate angeschafft, und plötzlich, am 1. April d. I., zog die Verwaltung die Benutzungserlaubnis der Kochräume zurück, übernahm die Einrichtungen in eigene Regie, wobei sie erst nach vielen Monaten daran dachte, das Eigentumsverhältnis zu regeln. Inzwischen waren verschiedene Mitglieder der Kochgemeinschaft ver- zogen, so daß es unmöglich war, die von der Verwaltung geforderte Vollmacht beizubringen. Nun schweben fest langem die unerfreu- lichsten Verhandlungen und es besteht die Gefahr, daß den Insassen auch noch die Kochgelegenheit entzogen wird. Wer hat sie gesehen? Ein 39 jähriger und eine LT jährige vermißt. Seit einigen Tagen wird der frühere Buchbinder Artur Kaesler vermißt, ein Mann von 39 Jahren, der mit seiner Frau in der Hagenauer Str. 16 wohnte. Kaesler hatte seiner Frau erzählt, daß ein Bekannter ihn angerufen habe, und daß er Aus- ficht habe, bei einer Firma in der Großen Frankfurter Straße Heim- arbeit zu bekommen. Am 10. November ging Kaesler vormittags um 11 Uhr von Hause fort und ist seitdem nicht wieder gesehen worden. Nachforschungen ergaben, daß der Bekannte nicht an- gerufen hatte, und daß der Firma auch von dem Erscheinen des Kaesler nichts bekannt war. Was ihn veranlaßt hat, zu ver- schwinden, steht nicht fest. Der Vermißte ist 1,60 Meter groß und schmächtig, hat dunkelblondes Haar, gestutzten Schnurrbart und trägt eine Brille. Im Gesicht hat er mehrere alte Narben. Auch die 12 Jahre alte Schülerin Erika Grahl, die bei ihren Pflegeeltern in der Flughafenstr. 52 in Neukölln wohnte, wird gesucht. Das Mädchen ging ebenfalls am 10. Novem- ber wie gewöhnlich, zur Schule, entfernte sich aber um 9?t Uhr aus dem Schulhaus und kehrte weder zum Unterricht, noch nach Hause zurück. Das Mädchen ist 1.54 Meter groß und schmächtig, hat hell- blonden, sogenannten Flapperkopf und graublaue Augen. Mit- teilungen über das Auftauchen der beiden Verschwundenen nimmt die Vermißtenzentrale des Polizeipräsidiums entgegen.\ Die neue Monumenienbrücke. Am kommenden Sonnlag wird die neue III o n u- menteubrücke in Schöneberg freigegeben werden. Sie hat das alte Gewand einer Holzbrücke abgelegt und stellt sich dar als ein moderner Brückenbau aus Betonwiderlagern und Pfeilern mit eisernen Ueberbauten, deren vier Oesfnungen von Pfeiler zu Pfeiler 2X44 und 2x39 Meter Stützweite aufweiien. Der eiserne Ueberbau, der in äußerst gefälliger Linie die Oeff- uvngen überspannt, besteht aus Blechträgern mit unten liegender Fahrbahn, so daß die Sicht aus de: Brücke durch ketner'ei Aufbau gestört wird. Die Breite der Fahrbahn beträgt 12 Meter, die der beiden Gehbahnen je 3,50 Meter. Die Kosten des Neubaues werden von der Deutschen Reichsbahn-Eesellschast getragen und be- laufen sich auf über l'/i Millionen Mark. Die Brücke macht einen äußerst gefälligen Eindruck._, Arbeiter, Beamte und Angestellte bei den Berl-nec Gerichten aeben sofort ihre Adressen dem Betriebssetretariat des Bezirksoerbandes Berlin der SPD.. Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. an. Er erfolgen demnächst wichtige Mitteilungen. ilsÄrKniiimKiiK für Arbeiterwohlfahrt Am Montag, dem 17. November 1930, IS'/jUhr, in der Stadthalle, Stadthaus, Klosterstraße: Oelffentliche Kimdgebung Genosse Siegfried Aufhäuser, M. d. R., spricht Uher; „Arbeitslosennot und Arbeitslosenhilfe" Parteigenossinnen und Genossen, Funktionäre der Arbeiterwohlfahrt, werbt für ein volles Haus. Abschied von Max Held. Ein« große Trauergemeinde hatte sich im Krematorium in der Gerichsstraße eingefunden, um dem Genossen Max Held, der so plötzlich aus unserer Mitte gerissen worden ist,«inen letzten Gruß zu überbringen. Der Vertreter der Freidenker rühmte den Toten als einen Menschen, dessen Leben leuchtendes Vorbild war und der bis zuletzt seine Pflicht erfüllt habe. Für die Parteiveteranen sprach Genosse Gründe!, während Genosse S ch w a h n im Namen der Berliner Parteiorganisation dem Toten die Abschieds- warte sagte. Der„Vorwärts" und die Berliner Partei hotten Kränze gesandt. Millagsseier im Rose-Theater. Man muß vor der ebenso sauberen, wie vielseitigen künstlerischen Arbeit dieses Volkstheaters ganz besondere Achtung haben. Kürzlich fand die Erstausführung des Mysterienspieles„Der Ackermann und der T o d" aus dem 15. Jahrhundert von Johannes von Saaz statt: der ewige, ohnmächtige, ungehört verhallend« Verzwesslungsschrei der lebendigen Kreatur gegen die Macht des Todes. Hier erwiesen sich Arthur Malkowsky und Paul Dahlke als Ackermann und Tod als Sprecher von Format. Vorher sprach Ludwig Hardt Gedichte von Heine und er spendete aus des Dichters überreichen Gaben«in gutes Füllhorn voll. Das gut besuchte Haus kargte nicht mit Beifall: ein erfreuliches Zeichen kultureller Vertiefung in einer Zeit, wo der Daseinskampf und politische Verhetzung die Ohren taub machen für alles Schöne in der Kunst. Die Ausstellung 1930 der Fologemeinschast(Sektion der Orts- gruppe Berlin e. V. des Touristenvereins„Die Naturfreunde") findet vom 15. bis 24. November 1930 in den vereinseigenen Räumen, Verlin N. 24, Johannisür. 15(Laden) statt. Die Aus- stellung ist werktags von 10 bis 20 Uhr und Sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet._ �_ Allgemeine Wetterlage.- D WslkentesS heifar.a helbbedeckr Owcikig.vbedeckt�Regen�Graupsln ines=Neb(chTGewiHe5<§)Wiiulstine Wetteraussichten für Berlin: Zeitweise aufheiternd, aber üben- wiegend bewölkt ohne erhebliche Niederschläge, Temperaturen wenig verändert, westliche Wind«.— Für Deutschland: In Nord- und Mitteldeutschland überwiegend bewölkt, vielfach etwas Regen, im Süden zeitwesse heiter. OeDtsdier Metallarhiter-VeM Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige Dm Mitgliebern zur Nachricht, daß unser Ztollcgc, der Eilberardeitcr Molk Czanderun geb. 14 Ott ober 1882, am 11. No- vember gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die EinSscherung findet Sonnabmd. den Ib. November, Ii Uhr. im«rc- matorium Berlin, Dcrichtftraße, statt. Rege Beteiligung wird erwartet. VI« Ortsverwaltong. Danksagung. Für die vielen Beweise der Anieil- nähme beim Hinscheide» meines lteden Mannes, unseres guten Sohnes Walter Dorner sagen wir im Namen der Hinter- ditebenen den Verwandten. Freunden und Genossen unseren herzlichsten Dank. Blw-Bohnsdorf. 18. Novbr. im Familie Dorner. Optiker Ziem MImm Tor 1-2 |R. 161 Die rictilige GeieMeit! I Tümtet�lUäaiei jüc die ganze Jxun'die! Dieser Herreii-msler-Palelol 55.- ausgesucht elegant, ganz mit Kunstseide gefüttert, kostet nur M Dieser BamenWinlerManlel 55.- unbeschreibl. schick, ganz gekürt.— mitgroß.Pelzschalkrag. u. Manschetten, kostet nur M Dieser Mailiilcr-Ilister 19.- absolut dauerhaft, kleidsam und warm, kostet nur....... M Wir haben noch viele andere Modelle o. Preislagen— ähnlich günstige Gelegenheiten. Aber überzeugen Sie sich selbst. Verlangen Sie kostenlos unseren neuen Winter-Katalog I BAER SOMPy£ BERLIN N 4, Chausseestraße 29/30*»««««»«r Bahnhof parieinachrichien Kafenbungta für diese Rubrik sind >« r l i» SB«». Lindenttrahr Z. für Groß-Verlin stet»»» da» Bezirkesckretariai 2. Hof, 2Tre,p«u recht», zu richte» Di« Frei« Sport- uud SchüdeuuereiuiM»» Berli«, Mitglied der vrtsgruppe de« Arbeiterschutzenbundes Deutschland«, Berliu-Mitt«, verunstaltet eine Werbe- lundgebuug am Sonnabend, dem IS. November. lg>,. llbr, in der Aula der Gemeir.defchule, Zrist- Cefc Müllerstrabe. Vortrag:.Die Ziel« der Arbeiter, schügeabewegung". Referent: Robert vehlschläger. Wir bitte» die chenofic», durch regen Besuch die Suudgcbuug zu unterstützen. w W l«. itrei« Wrlbeusc«. Sonnabend. Iii. Rovember, 20 Uhr. j» der W Stadt halle, Pistoriusstr. 23. Die Welt der Arbeit tu Lied. Bild und W Musik, unter Mitwirlunq de« Mänucrchor» Weißensee. Anschließend W Tau,. Eintritt«« Ps. W Morgen, Sonnabend, 15. Rovember: 62. Abt. Siemensstadt. 20 Uhr im Lokal Heidekrug sMarsauht), W H Rounendammallec 89, Leiterer Abend. Rezitationen, Sesongsvorträg« l?s 1 1 und Musik unter Mitwirkung de« Senossen Saun» Kamm. Alle Sc- W uossinnen uud Seuoffeu find freundlichst dazu eingeladen. ls.! I 83. Abt. Lichterfelde. Der Männerchor„Einigkeit" feiert in den Lichterfelder Festsälen. Zehlendorfer Str. S, sein 35. Stiftungsfest. Der Volkschor Lichterfelde gibt am Sonntag, dem 16. November. 18 Uhr, in der Aula des Realgnmno.siums. Drateftr. 73— 74, sein 2. Konzert. Da beide Bereine dem DAS®, angeschlossen sind, und sich bei allen Veranstaltungen der Partei zur Berfllgung stellen, bitten wir um recht rege Beteiligung der Genossen. 117. und 121. Abt. Gruppe Klingenberg. 1»>.z Uhr 3. Zählabend im Lokal „Stadtisches Flußbad. Referent Genosse Längersdorf spricht über:„®irt° schaftskrise und die Gewerkschaften". 118. Abt. Lichtenberg. Die Gruppenführer rechnen bestimmt am Sonnabend beim Kassierer die Karten von der Revolutionsfeier ab. I3S». Abt. Freie Scholle. 2» Uhr pünktlich im„Scholenkrng* Mitgliederversammlung. Vortrag:„Nationalsozialismus und Sozialdemokratie". Referent: Dr. Otto Friedlöndcr. All« Genossinnen und Genossen müssen bestimmt erscheinen. 149a. Abt. Wittenau. 19 Uhr findet In Reinickendorf-West, bei Hees«, Berliner Straße 73, die Gründungsfeier unserer Kindersreundegruppe statt. Musik, Rezitationen. Vorführungen, Tanz. Die Parteigenossen werden zu» Be- such dieser Veranstaltung eingeladen. Eintritt frei. Bezirksausschuh für Arbeiierwohlfahrt. Sonntag. 23. Rovember, 9 Uhr, findet im Plenarsaal de« Rathans«,, Ein. gang»önigstraße, eine ttulturtagung»Feste und Feiern" statt. Referenten: Professor Kestenberg, Martin Gl«i«n«r. Leiter der Be- wegnngschöre und der Sekretär« de, Bezirksausschüsse» für sozialistisch« Bil- dungsardeit, Wilhelm Schenk. Anschließend«»»spräche. Alle an der Bildungs- arbeit interessierten Genossinnen und Genossen find eingeladen. Mitgliedsbuch legitimiert. * 7. Kreis Eharlotteuburg. Freitag. 14. November. 191b Ilhr. im Rathaus Eharlottcnburg. Zimmer 2. Sitzung der Arbeiterwohlfahrt. Genosse Gottschalk spricht über:„Die-Arbeit in den WohlfahrtÄommissionen", Alle in den Wohl- fahrtskommissionen tätigen Genossen und Genossinnen sind dazu eingeladen. 13. Kreis Tempclhof, Marienseld«, Maricndorf, Lichtenrade. Der am Mitt- woch hier angezeigte Kursus beginnt nicht heute, sondern erst am 21. November. Sonntag. 16. November. 1« Uhr, Führung durch die LandesfrauenNinik. Neu. kölln. Mariendorfcr Weg 28— 29. Genossen und Genossinnen treffen sich um 91b Uhr an der Ecke Germania- und Eottlieb-Dunkel-Straße. 29. Kreis Reinickendorf. Di« Besichtigung der Bohlrahrtsstell« im W Polizeipräsidium findet am Sonnabend, dem 1ö. November. 141b Uhr, j>. statt. Es wird dringend gebeten, reckst pünktlich zu sein. Treffpunkt fis vor dem Polizeivrästdium, Alcranderstr. 3—8. Alle Genoffen und Ee- nosstnncn beteilgen sich am Montag, dem 17. November, 1914 Uhr. an r i der Veranstaltung in der Stadthalle, Klosterstraße. Zungsozialistea. fis„Die Phrtts im Kamps INN die Seele der proletarische» Zuugm-Hler" m M sprechen. Interessiert« Genossen tönnea an hieser Konfereoz teiluehmen. � r 1 Die Srnppenoorsißenden treffen sich ebenda bereit, NM 18!4 Uhr. Gruppe Zehlendorf, Lichtcrfelde, Steglitz. Wir beteiligen uns am Samt- abenh am Wochenendiursus der SAI. in Rüdersdorf. Treffpunlte 1814 und Uhr Schlesischer Bahnhof. Kosten mit Uebernachten 1,49 M. Nachzügler müssen bis Sonntag. 9 Uhr, in Rüdersdopf fein. RlederschZnhauseu. Heute, Pünktlich 20 Uhr, im Augendhesm Sindenstr. 47, Vortrag über:„Vegetarismus". Referentin: Genossin Käthe Zicting. Erscheine» aller Genossen ist Pflicht, da außerdem wichtige Belanntmachungen, Kruppe Südost. Leute, pünktlich 29 Uhr, im Jugendheim Wrangelstr, 128. Genosse Lans Scigewasser spricht über:„Ziovembcr 1918".„Sozialismus?" „Bürgerliche Republik." Junge Partei- und SAI.-Genossen stnd herzlich ein- geladen. Gruppe Sudeu. Heute, 29 Uhr, im Jugendheim Porckstr. 11, Diskusstmis- abend über die letzten politischen Ereignisse, Gäste willkommen, Gruppe Mitte. Heute. 29 Uhr, im Jugendheim Landsberger Str. 59. Thema: „Der Mctallarbeitcrstrcik". Di« Eintrittskarten für die Ausstellung müssen abgerechnet werden, Gruppe Moabit. Sonntag Fahrt. Treffpunkt 8 Uhr Bahnhof Eharlvtten- bürg mit Fahrkarte nach Biitzow. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. Kr«i, Rtuiolla. Heute fallen die Heimabende der Jungfalken und Roten Falken au», dafür boteiligen stch alle an der Bollversammlung des Kreises um 17 Uhr im Jugendheim Kanner Straße, Alle müssen erscheinen. Wichtige Tagesordnung.— Gruppe Fritz Reuter, Jungfalken und Rote Falken beteiligen sich heute um 17 Uhr an der Vollversammlung in der Kenner Straße. Heim- abend fällt aus. Kreis Friedrichshain. Fiir Rote Falken und Iungfalken finden heute keine Gruppenabende statt. Alle kommen um l« Uhr zur Kreis- Rote-Falken- und Iungfalken- Bsrsammlung. Jugendheim Litauer Str. 18. Keiner darf fehlen, Pünktlich erscheinen,— Gruppe Landsberger Platz, Der Gruppenabend fällt heute aus. Alle Roten Falken und Iungfalken treffen stch um 1614 Uhr Falkenecke. Gruppe Weißensee. Wir gehen Sonntag auf Fahrt. Treffpunkt 714 Uhr am Bahnhos Weißensee. Unkosten 59 Pf Ende der Fahrt gegen 19 Uhr. Heute, Freitag. Liederabend. Vergcßt eure Liederbücher nicht. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei« Organisation J 12. Abt. Unsere Genossin Hertha Kauschke. Rostocker Str. 33, ist»erstorben. Ehre ihrem Andenken, Beerdigung am Sonnabend, dem 15. November, 14 Uhr. auf dem Heilands-Friedhof. Wir bitten um rege Beteiligung, 78. Abt. Schöneberg. Unser Genosse Wilhelm Westphal ist im Alter von 59 Jahren am 9. November verswrben. Ehre seinem Andenken. Die Einäscherung hat bereits am Donnerstag stattgefunden. Vorträge, vereine und Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-RoMBold-. Geschäftsstelle: Berlin 6 14. Sebastianstr 37—38 Hof 2. Tr Freitag, 14. Rovember. Dahlem(Kameradschaft), 29 Uhr Kamerad- schaftsversammlung bei Schilling. Luistnstr, 43. Bohnsdors-Griinau. Jungbanner. 29 Uhr Jugendheim Bohnsdorf, Wackstelstraße, Liederabend. Lichtenberg. Kamcradschaftsvcrsammlungen: Kameradschaft Rummelsburg. 29 Uhr bei Brunn. Türrschmidtstr. 49, Kameradschaft Gustav Tempel. I9>.4 Uhr bei Rodegast, Normannenstr. 38. Wichtige Mitteilungen.— Sonnabend, ■ Shakespecres„T h i m o n von Athen" als SenÄefpiel. Der Herausgeber der Wiener„Fackel", Karl Kra u ß, ist der Bearbeiter. Dieses Drama, das sich in neuester Zeit besonderer Wertschätzung erfreut, bleibt trotz aller Renovierungsversuche eine problematische Dichtung. Neben der großen dramatischen Form, die dos Drama in die Nähe der Tragödien wie„Hamlet",„Cäsar" oder„Macbeth" rückt, stehen Svenen, die rein ans dem Theatralischen geboren worden sind und kaum über ein Schema hinauswachsen. Deshalb ist es verständlich, daß immer wieder Bearbeitungen versucht werden und vielleicht empfindet Karl Krauß besondere menschliche Bindungen zum Thimon. Seine Bearbeitung geht in sprachlicher Beziehung daraus hin, die zerfließende unplastische Uebersetzung der Dorothea Tieck zusammenzuballen, zu intensivieren und die Begriff« zu klären und anschaulich zu machen. Stellenweise erweitert und modernisiert er den Text, wenn ursprüngliche Berschachteüingen den Sinn des Satzes verwirren. Es kommt Karl Krauß auf das Wort an, auf seine Plastik und Reinheit. Darauf stellt er auch die Regie«in. Er streicht, was fiir den Aufbau des Ganzen überflüssig fft, er streicht nicht oder stellt Szrnen-um im Hinblick auf die.Wirkung im Rund- fiink.- Der Szen-nahlaus'fpsgt der- dramatisch»,-Dichtung, und weil das Wort von Entscheidender Bedeutung ist, wird so klar und ein- deutig gesprochen wie selten im Rundfunk, aber nicht dramatisch bewegt, sondern eher rezitatorisch, worin Krauß selbst Vorbildliches lefftet. Doch dadurch kommt man nicht zum Hörspiel, sondern nur zum deklamatorischen Vortrag. Außerdem verwirrt die große Zahl der Personen. Hervorragend die Behandlung des Wortes, gering dke funkdramatische Wirkung. F. Seh. 18. Nvvembee. Reinickenboef. Kamerahkckiast Reckenkhak. 20 AH« inlchkte« Kutue- radschastssitzung bei Türke, Nirdcrstrvßr,— Sonntaa, 1«. Nvvember. Ä»i« Osten. 20 Uhr Ausstelluna der Ju-,eni>!,ruppc Mitte im F-stsaal, Reue Grün- ftraße 19«Spittelmarlts. Pfiichtveranstvltunu des Iungbanners. Mitte. 3 Kameradschaft und Spiclmannszu« mit Instrumenten. G-neralappell Runge- ftraße 39. Alle aktiven und passiven Kameradcn haben zu erscheinen. Bundes- ilcidung, 1.. 4.. S. und 8. Kameradschaft 814 Uhr Antreten in Zivil auf den Kameradschaftssammclplätzen, Tiergarten(Ortsverein). 19 Uhr technischer Dienst. Blockfiihrrr laden ein, Pflichtveranstaltunq. Zehlcniwrs(Ortsverein). 9 Uhr Antreten bei Schneider. Potsdamer Str. 25, turze Hose. Windjacke und Zivismütze.— Fricdrichshain. Kameradschaft Büsching. Freitag. 14. November. ISVi Uhr, Kameradschaftsversammlung bei Blascrt, Weberstr. 24». Sehr wichtige Tagesordnung. Referat, Erscheinen Pflicht.— Schöneberg-Frledenau. Sann- tag. 16. November. Antreten 14 Uhr Bahnhof Friedenau-WilmerÄvrf zur antifofchistifcheu Demonstration.— Steglitz(Ortsverein). Sonntag, 16. Ro- p-wbcr. Antreten 12>4 Uhr Düppelplatz. Pflichtvcranstaltung. . Arbeiker- Samariter- Bund e. B.. Kolonne Berlin. Selchäftsstellc: R. 24, Gr. Hamburger Str. 29. Tel.: v 1 Norden 334». Am üstontag, dem 17. November, 29 Uhr, in der Geschäftsstelle Zusammenkunft aller Jugendlichen. Bortrag des Herrn Böller übess „Gefai�enenfürsorge". Bercin zum Schutz der Kinder vor Ausnutzung und Mißhandlung E. B. Außerordentliche Generalversammlung am Dienstag, dem 18. Rovember. d. I. Vortrag von Professor Dovrfat:„Zugendschutz und Presse". Deutscher Arbeiter-Abstiuenten-Bund, Bezirksgruppe Reinickendarf.Tegel. Am Freitag, dem 14. November, spricht Genosse Kurt Etechert zu dem Thema: „Neue Lebensformen in einem alten Lande",„Fahrteneindrücke in Palästina." Beginn 29 Uhr. Ort: Lehrerzimmer der 5. Volksschule. Reiurckendorf-West, Auguste-Vik'oria-Allee 37—38. Topographisches Orchester. Dirigent Erich Gntzeit. Uebungsstuirden icdcn Freitag von 29>,2 bis 2214 Uhr im Ideal-Kastno. Neukölln. Weichselstr. 8. Bläser und Streicher willkommen. Für Bassist Instrument vorhanden. Esperauto-Gesellschaft Eharlottenburg. Montag, 17. November, 29 Uhr, Konditorei Wolter. Charlotlenburg, Bismarckstr. 114 sKnic). Klubzimmcr. Kon- versationsabend, Esperanto-Epiele. Gäste willkommen. W Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin Einsenbmiqen für diese Rubrik nur a« das IusendWrektri*. Sern« GW 68. �wdenstraSe S heute. Freitag, 14. Rovember, 19% Uhr: Zusammenkunft der Berussschul- und Gewerkschastsoblente im Zeichcnfaal der Schule Kochstr, 13(U-Bahn Kochstraße). Thema:„Warum freigewerkschaft- liche Organisaiion?"„Die Mitarbeit in der Berufsschule." Artonaplatz: Jugendheim Elisabcthiirchstr. 19. Tagespolitik.—, Köllnischer Pari: Jugendheim Waisenstr. 18,„Sexuelle Fragen."— Zentrum: Jugendhcim Landsberger Str. 59.„Erste Hilfe,"— M»abit I: Jugendheim Waldenfcrftr. 29. „Meine Wanderjahrc."— Arnimplatz: Jugendheim Sonnenburger Str. 29. Tagesvolitii— Fricdrichshain: Jugendheim Diestclmepersft. S.„Die politischen Parteien."— Warschauer Viertel: Jugendheim Litauer Str. 18.„Matcrialis. mus."— Warschauer Biertel(R.-F.): Iugendheini Litauer Etr. 1«.„Politische Lage in Italien."— Schönebcrg IV: Jugendheim Hauptstr. 15.„Politisch. satirischer Abend."— Schöneberq V: Iuaendheim Hauptstr. 15. �Ostpreußen- fahrt."— Eharlottcnburg- Süd: Jugendheim Goethestraße.„Unsere Heim- zeitung."— Steglitz(R.-F.): Jugendheim Flcmmingstr. 14d.„Was ist Klassen- kämpf?"— Maricndorf I: Jugendheim Dorfitr. 7.„November 1918."— Ma- riendorf II: Jugendheim, Siedlung Daheim 159,120.„Aktuelle Fragen des Sozialismus."— Neillölln IV/, D». 0.50 Gem.Gemüse mittelf. Vi Ds. 0.98 Spinat 3 Pfd. Ds. 0.63, Vi Ds 0.44 Pflaumen m. St...... Vi Ds. 0.60 Karotten, geschn..... Vi Ds. 0.25 Jg. Karotten....... Vi Ds. 0.60 Reineclauden....... Vi Ds 0.90 Aprikosen...........V, Ds. 1.10 Birnen V» Frucht...... Vi Ds 0.95 Pflaumenmus ca. 2 Pfd. Eim. 0.95 Vierfr.-Marm ca. 2 Pfd. Eim. 0.95 Pflaum.Marm.ca.1 Pfd.-Glas 0.50 Zucker fein............ Pfd. 0.26 Würfelzucker........ Pfd. 0.32 WienerAuszugmehlSPfd. 1.35 Kartoffelmehl........ Pfd. 0.16 Weiße Bohnen.... an Pfd. 0.18 Grüne Erbsen..... an Pfd. 0.18 Viktoriaerbsen....... Pfd. 0.19 Linsen.............. an Pfd. 0.18 Eierschnittnudeln____ Pfd. 0.48 Eierfigurennudeln... Pfd. 0.55 Sultaninen........ an Pfd. 0.32 Korinthen............ Pfd. 0.45 Haselnußkerne....... Pfd. 1.00 Pfirsiche.............. Pfd. 0.60 Birnen............. Pfd. 0.65 Mischobst......... an Pfd. 0.35 Gebr. Kaffee....... an Pfd. 1.90 Molkereibuttter...... Pfd. 1.38 Tafelbutter...... Pfd. 1.60, 1.50 Dänische Butter...... Pfd. 1.72 Margarine........... Pfd. 0.44 Pflanzenfett.......... Pfd. 0.45 Bratenschmalz....... Pfd. 0.72 Dänischer Schweizer Pfd. 0.84 Geheimratskäse____ Pfd. 1.10 Edamer u. Holl. 409/«- Pfd. 0.90 Edamer u. Holl. 20%. Pfd. 0.68 Tilsiter, vollfett....... Pfd. 0.82 Pinn. Schweizer..... Pfd. 1.18 Gorgonzola.......... Pfd. 1.30 Emmenth. o. Rd., vollfett Pfd. 1.30 Emmenth. Arto.Rd____ Pfd. 0.88 Camembert...... Schachtel 0.22 Harzer Käse..... Pfd.-Pak. 0.40 Dampfwurst. Pfd. 0.98 0.78 Plockwurst..... Pfd. 1.08 Cerrelatwursti.Rdsd. 1.08 Grob. Mettwurst i.Rg. 1.38 Schinkenpiockwurst 1.38 Cervelatwursti.Fettd. 1.38 Gek. Schinken.. Pfd. 1.80 Blut-, Leberwurst Pfd. 0.68 Landleberwurst Pfd. 0.95 Feine Leberwurst Pfd. 1.28 Speckwurst.... Pfd. 0.88 Fleischwurst.... Pfd. 0.98 Jagdwurst..... Pfd. K15 Schinkenspeck.. Pfd. 1.62 Bauernleberwurstpfd. 1.28 Sülzwurst..... Pfd. 0.85 Filetwurst..... Pfd. 1.60 Wintringer 10Ltr.8.50 1 Itr. 1.00 Nitt.Leiterch.lOLtr.lO.öO 1I.tr. 1.10 Niersteiner lOLtr. 12.0ü 1 Ltr. 1.25 Ungsteiner 10 Ltr. 8.50 I Ltr. 0.90 Johannisbw. 10 Ltr. 7.00 1 Ltr. 0.75 Tarragona 10 Ltr. 10.00 1 Ltr. 1.05 Samos..... 10 Ltr. 11.00 I Ltr. 1.15 Malaga...10 Ltr. 11.50 1 Ltr. 1.20 Muskat...10 Ltr. 11.00 1 Ltr. 1.15 DouroPortw.10Ltr.17.50 ILtr. 1.80 Weinbr.Spezial I Ltr. m. Fl. 4.80 Rum-Verschn....1 Ltr. m. Fl. 4.60 Weinbr.CabinetVzLtr.m.FI. 3.95 Utiel Span. Rotw.%Ltr.m.FI. 1.10 Montagne(Rotw.) 3/«Ltr. m. Fl. 0.95 27erHautSautern.»/4m.FI. 2.80 28erMargaux»/«Ltr. m. Fl. 1.60 OBST UND GEMUSE Bergamotten, hall.... Pfd. 0.20 Kachbirnen, große.2 Pfd 0.45 Dattelwein, span..... Pfd. 0.65 Amerik. Tafeläpfel... Pfd 0.38 Tiroler Edelböhmer. Pfd. 0.25 Blockdatteln.......... Pfd. 0.60 Getrocknete Bananen Pfd. 0.70 Kranzfeigen.......... Pfd. 0.32 Zitronen.......... an Dtzd. 0.30 Rosenkohl............. Pfd. 0.20 Dauer-Maronen...... Pfd 0.32 Bayerische Rettige Stück 0.10 Rot-, Wirsg.- Weißk. 4 Pfd. 0.10 Schwarzwurzeln... z pfd. 0.55 Sellerie........... 3 Pfd. 0.20 KONFITÜREN WILD U. GEFLÜGEL FRISCHE FISCHE DELIKAT., RÄUCHERW. Kräuterprinten....... Pfd. 0.95 Schokoladenprinten Pfd. 1.80 Pfeffernüsse, weiß.... Pfd. 0.50 Braune Nüsse....... Pfd. 0.60 Rhein. Spekulatius... Pfd. 0.50 Spitzkuchen m. Schok. Pfd. 1.20 Dominosteine(doppelfüilg.) 1.40 Herzen u Brezeln 6 Stück 0.25 Thorn.Katharinchen 3 Pak. 1.00 Malzbonbon.......... Pfd 0.50 Hustenmischung...... Pfd 0.60 Burgm.Vollm.Schok.100gr0.25 Burgm.NußKrok.100gr.Tfl 0.25 Sonderangebotl Sonderangebot I Haushalt-Kakao... Pfund 0.50 Mastsuppenhühn.fr.anPfd. 0.92 Jg. Oderbr. Gänse an Pfd. 0.92 Jg. Mast-Enten____ an Pfd. 1.00 Gänsestückenffeisch. Pfd. 0.95 Gänsebrust im Ganzen Pfd. 1.30 Suppentauben... an Stück 0.56 Fasanen.......... an Stück 2.60 Hirschblatt......... an Pfd. 0.80 Hirschrücken....... an Pfd 1.30 Hirschkeule..... an Pfd. 1.06 Rehblatt............ an Pfd. 0.98 Wildschweinkeule... Pfd. 1.40 Wildschweinblatt____ Pfd. 1.10 Hasen gstr.u.ausgew. an Pfd 0.35 Wildragout........ an Pfd. 0.45 Schellfisch mit Kopf.... Pfd. 0.18 Kabeljau L Gz. o. Kopf Pfd. 0.23 Seelachs o. Kopf!. Gz. Pfd. 0.20 Rotbars ohne Kopf.... Pfd 0.16 Fischfilet........... an Pfd 0.42 Rotzunge............. Pfd 0.38 Grüne Heringe..... 3 Pfd. 0.65 Leb. Karpfen...... an Pfd. 0.95 LolehtvordorbllchoWaro itt vom Vorland ousgeschlosson. Zu wirklichung die Rentabilität der Wirtschaft in Frage gestellt werde. Dieser Augenblick sei für die deutsche Wirtschast eingetreten, so daß jetzt— so war wenigstens der Sinn seiner Ausführungen— eine Rückwärt sorientierung in der deutschen Lohnpolitik eintreten müsse. Seine apodiktischen Behauptungen mündeten in der durch nichts bewiesenen Annahme, daß durch eine Verkürzung der Löhn« die Unternehmer initiative wieder angereizt werden wird, Neueinstellungen von Arbeitern bald in größerem Umfange erfolgen werden, und damit die Kaufkraft im allgemeinen wieder gestärkt, somit der wirtschaftliche Auf- schwung in die Wege geleitet wird. Gegen eine generell« Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden fand er die gleichen i.stichhaltitzen* Argumente, wenn er sich auch der Notwendigkeit der Arbeitszeitverkürzung nicht völlig verschließen konnte. Sein einziges Zugeständnis war, daß er sich einer Ber- kürzung der Arbeitszeit in einzelnen Betrieben oder In du st r ie g r u p p e n. gegenüber nicht scharf ablehnend verhielt. Bezeichnend ist, daß auch der Präsident der Reichs- anstatt für Arbeusvermittluug und Arßeitslosenversicherung, Dr. S Y r u p, ig der.Arbeitszeitfrage eine ähnliche Auffassung vertrat und die Nützlichkeit der schematischen Einführung der Vi erzig- -Stunden-Woche bezweifelte. Genosie Eggert vom ADGB. brachte dagegen zum Aus- druck, daß die Gewerkschaften in fast allen Punkten, die Dr. Brauweller in seinem Referat gestreift hatte, g e g e n s ä tz- licher Ausfassung seien. Mich setner lleberzeugung sei die Lohnpolittk der Unternehmer wie sie jetzt betriebe« werde, ein verhängnisvoller Fehler. durch den das Unheil nicht nur größer gemacht, sondern noch ver- längert wird. In der Verkürzung der Arbeitszeit auf 4k) Stunden sehen die Gewerkschaften auch kein Mittel, um die Krise völlig zu beseitigem Wenn es ober gelänge/ dadurch e i n paar hunderttausend Arbeitslose wieder in Arbei't zu bringen oder auch nur zu verhindern, dah die Arbeikslosigkeil im Winter noch größer wird. wäre damit nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch sehr viel gewonnen. Vor allem würde dadurch die Beunruhigung in der Arbeiterschaft nicht noch weiler gesteigert werden. Alle Kräfte müßten zunächst auf die Senkung der Preise anstatt auf den Abbau der Löhne konzentriert werden. Die Hoch- Haltung der Preise hemme den.natürlichen Ablauf der Krise. Ohne elneu nachhalligeu Preisabbau keinen wirtfchafWcheu Aufschwung. Das ist die Auffassung der Gewerkschaften, deren Richtigkeit sie jeder- zeit nachweisen können und von der sie sich durch beweislose Behauptungen nicht abbringen lassen werden. Was dann noch ein Unternehmer vorbracht«, war teilweise so widersprechend und unklar, daß es sich nicht lohnte auf besten Alls- führungen einzugehen. Wie der Derein Berliner Kaufleute und Industrieller selbst zu den Fragen des Arbeitslohnes und der Arbeits- zeit steht, Zeigte der Berlauf des Diskussionsabends nicht. Man zollte sowohl dem Vertreter der Bereinigung deutscher Arbeitgeberverbände, wie dem Vertreter der gewerkschaftlich organi- sierten Arbeiterschaft Beifall, so daß man annehmen muß, daß die Berliner Kaufleute und Industriellen mit sich selbst noch nicht ganz einig sind, in welcher Richtung sie marschieren sollen. Oer Achiprozenischlichier. Sein Schiedsspruch für das peiner AZalzwerl. Hannover, 13. November.(Eigenbericht.) In dem Konflikt be, der Jlseder Hütte und dem Peiner Walz- werk hat der Schlichter Dr. Völker(Bremen) nunmehr einen Schiedsspruch gefällt, der«inen Lohnabbau vo.n acht Pro- zent, rückwirkend vym 1. November, vorsieht.. In der■ Arbeitszeilregelung find soweit Aenderungen sorge- sehen, daß für alle Arbeiter, die bisher eine Arbeitszeit von 58 Stunden wöchentlich hatten, die Arbeitszeit auf 57 Stunden(!) wöchentlich festgesetzt wird. Lediglich für die Reparawrarbsiler in den Gas- und Gsbläfezentralen und den Ar- beitern in der Thomas-Schlackenmühle soll die bisherige Arbeitszeit von 48 Stunden verbleiben. Völker führte zur Begründung aus. die Schlichtertammer halte aus Mrtschaftsgründen ein« Lohnsenkung für erforderlich. Um die Lohnkürzung für die Arbeiter erträglich zu gestalten, feien die bisherigen Tariflöhlld unoerändert geblieben. Die vorgesehene Lohn- kürzung trete daher nur bei den über den Tariflöhnen liegenden Löhnen ein. Den Parteien wurde eine ErNärungsstist bis.zum 20. November gesetzt. Die Jlseder Hütte und das Peiner Walzwerk haben d i e K ü n- digllngen, die am Donneretag in Kraft treten sollten, vor- läufig zurückgenommen. Don dem Schiedsspruch werden etwa 3200 Arbeiter betroffen. Hoffnung auf Giegerwalö. Oer LobnabbauschiedSspruch in der Herrenwäscheindustrie. In der Berliner und Bielefelder Herrenwäscheindustrie wurden am 12. November Nachverhandlungen über den Schiedsspruch vom 21. Oktober geführt. Der Schiedsspruch sieht einen 4�prozentigen Lohnabbau vor. Die Nachverhandlungen haben zu keinem Ergebnis geführt. Ueber den Antrag der Arbestgeber auf die B e r b i n d l i ch- keitserklärung des Schiedsspruches wird der Rcichsarbests. minister nach seiner Rückkehr aus England entscheiden. 5-19000 Wohlfahriserwerbslose. Darunter 56400 Fürsorgearbeiter. Wie der Deutsche Städtetag mitteilt, hat die Zahl der Wohl- fohrtserwerbslosen in den Städten rnst mehr als 25 000 Einwohnern (mit einer Gesamtbevölkerung von 25 Millionen Einwohnern) eine halbe Million überschritten. Am 31. Oktober wurden von diesen Städten 519000 Wohlfahrtserwerbslose laufend betreut, davon 55 400 als Fürsorgearbester. Mit dem Stand vom 30. September verglichen(478 000) bedeutet dies eine größere Belastung der öffent- lichen Fürsorge in diesen Städten um 8,5 Pro� Darüber hinaus erhielten am 31. Oktober 5 5 000 Empfänger von Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge laufend gemeindliche Z u s a tz u n t« r st ü tz u n g. Notschrei der Tabakarbeiter. Gegen die Mehrbelastung des Tabaks. „Boritand, Ausschuß, Beirat und Gaulestsr des Deutschen Tabakarbeiter-Beibandes, im Bremer Bolkshaus versammelt, wenden sich mit aller Entschiedenhest gegen die Mehrbelastung, die dem Tabak und den Tabaterzeugnisten in völlig einseitiger Weise wieder ausgebürdet werden soll. Die von der Reichsregierunq beantragte Erhöhung des Tabak- zolles und der Tabaksteuern, die im strikten Widerspruch' zu dem allgemeinen Verlangen nach Preissenkung und Arbeitsbeschaffung steht, muh sich für dos gesamte Tabak- gewerbe, insbesondere aber für die 170000 Arbeiterinnen und Arbeiter der Tabak industrie geradezu katastrophal auswirken. Tausend« und aber Tausend« von Tabakorbeiterinnen unß Tabakarbeitern, die zu einem nicht geringen Teil in Gebieten ohne jede andere Erwerbsmöglichkeit ansässig und tätig sind, oder infolgc körperlicher Gebrechen usw. keine andere Arbeit verrichten können. werden für immer aus dem Produktionsprozeß scheiden müssen. oder zu lan ganhallender Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit oerurteilt sein, wenn die Regierungsvorlage Gesetzeekrast erlangen sollte. Aus diesem Grunde beaustragen und ermächtigen die ver- sammelten Funktionäre des Deutschen Tabokarbester-Verbaudes ihren Vorstand, alle nach Lage der Verhältnisse erforderlichen schritte zu unternehmen, um das der'Tabakarbesterschaft drohend« Unheil abzuwehren, oder aber, sofern das nicht möglich fein sollte, dos Allerschlimmste zu verhüten.*_____ Betriebsräte-Konferenz. Ein Lehrgang des Gesamtverbandes. Am 8. und 9. November tagte im Berliner Gewerkschastshaus eine Konferenz der Betriebsvertretungsmstglieder im Wirtschasts- bezirk V Brandenburg-Grenzmark. die von der Bezirksleitung in Formeines Lehrganges durchgeführt wurde. Die Leitung lag in den Händen des Bezirkssekrelärs Klatt, dem die De- arbeitung der Betriebsräteangelegenheiten obliegt. Seine Grund- gedanken über die Durchführung des Lehrganges hatte er in zwei kurzen Abhandlungen:„Wie wollen wir lehren und lernen?* und „Warum mehr Wissen?* den Teilnehmern vorgelegt. Die Tatsache, daß 100 Teilnehmer erschienen waren, beweist, wie groß auch heute— 10 Jahre nach Schaffung des Be- triebsrätegesetzes— die Notwendigkeit der Schulung der Betriebs- vertretungsmitgliedcr noch ist. Vom Verbandsvorstand war Enül Riedel, Lester der Abteilung für Betriebsoertretungen. erschienen. und sprach über„Rechtsprechung zum Einspruchsverfahren und zu den Schutzbestimmungen aus dem Betriebsrätegesetz*. Fragestellung und Debatten waren bei den Ausführungen der beiden Referenten recht lebhaft und bewiesen das groß« Interesse der Teilnehmer, auch wirklich zu lernen für ihre weiter« Arbeit. Bezirksleiter Gebert gedachte am Sonntag in kurzen Worten der Revolution und ihrer Opfer. Bezirlsleiter S chm etzer schloß die Beranstaltung mit einem zündenden Appell zum weiteren Kampf für die gute Sache der Arbeiterschaft, in dem die frei- gewerkschaftlich organisierten Mitglieder der Betriebsverttetungen «inen exponierten Platz einnehmen. Gegen die Neakiion. Aufruf des französischen SewertschastSbundeS. Paris, 13. November. Der französische Allgemeine Arbeiterverband(Confederation Generale du Travail) hat an verschiedene wirtsdzaftliche und politische Verbände, darunter an die sozialistische Partei Frankreichs, an die radikale Partei, die Sozialrepublikoner, die Liga für Menschenrechte, den Verband ehemaliger republikanischer Frontkämpser..nd andere einen Aufruf erlassen, in dem es heißt: Europa zählt ein Heer von 10 Millionen Arbeits- losen. Diese zur Untättgtell verurteilten Mafien bilden eine leichte Beute für die faschlstische und nationalistische Demagogie, deren offene oder versteckte Umtriebe die Bolksfreiheiten und Demokratien sowie den Frieden bedrohen. Dagegen muß man handeln. Die Verteidigung der sozialen Demokratie ist untrennbar von der Bsrleidiguug des Friedens. Daher glaubt der Allgemeine Arbeiterverband an sämtliche Kräfte des sozialen Fortschritts utt» V- sozialen Gerechtigkeit appellieren zu müssen, um eine gemein. same Aktion gegen die uns bedrohenden Gefahren zu unter- nehmen. Di« Verbände werden ersucht, ihre Antworten bis zum 26. November zu erteilen, damit sobald wie möglich eine erste Zusammen- kunft einberufen werden kann. Lim die Löhne in England. Eisenbahner, Bergarbeiter und Schuhmacher verhaudeln. London. 13. November. Am Donnerstag wurden drei Konferenzen zwischen Unter- nehmern und Arbestern abgehalten, die sich mit den Löhnen und Lebensbedingungen von zwei Millionen Arbeitern be- fafien. Es handelt sich um die Eisenbahngesellschaften, um die Berg- bauunternehmungen und di« Schuh- und Stiefelindustrie. -i° Die englischen Eise n ba hn ges ellscha f ten haben am Donnerstag denLohntarifgekündigt. Gleichzeitig haben sie den Eisenbahngewerkschasten neue Lohnsätze unterbrettet, die bei den Gewerkschaften und unter den Arbeitern und Angestellten einen Sturm der Cntrüstnug hervorgerufen haben. Als Minimal- lohn werden 38 Schilling in der Woche gegen bisher 40 Schilling vorgeschlagen. Die Löhne für Jugendliche sollen wöchentlich um drei Schilling herabgesetzt wer- den. Di« Verminderung der Beomtengehätter bewegt sich zwischen 6 und 12 Prozent. Die Nacht- und Sonntagsarbest soll in Zukunit nach dem Tagestaris entlohnt werden. Außerdem soll nur die Zeit bezahlt werden, in der der Eifenbahnarbeiter sich an der Arbeits- Stelle befindet._ f Freie Gewerkfckafis»Iusend Berlin Diensten. X8. Nnvember, und Zrcitnn, 21. November, findet für unsere Phowamnteur« eine Brsubtinuna der Austiclluna der Vbo'ozrnvpe de» Touristenvireins statt. Berlin 9?., Iohannisstr. 14—15.— Leute, Freitag. IS'.i Uhr. tagen die Gruppen: Rordring: Iuoendheim. Schule Son- nenduegee Str. AI. Bortrag: �Zugendbemegung in Oesterreich".— Her mann- plah: Sruppenheim Sanderftr. 11, Gcke Lobrech' strafe. Bortag:»Die Adeit»» lo Ii gleit und ihre Ausmirkung".— SSden. SSdweften: Druppmheim Waller. torltr. g, v. vi. Bortrag:.Erlebnisse eine» Schuhmanne«".— aharlottenbneg: Iugenbheim Svreesir. 30. Bortrag,»Gemerstchatten im Ausland— Russland". — ZeppeUnplass: Jugendheim Turiner Elle Seestrasse lllingang Turiner Strasse). Bortrag:..FGI. und politische Zugend".—«edding: Gtupp-nheim. Schule Banl- Ecke Wiesenstrasse Bortrag:»Die Bedeutung de» Z. Rooember 1918 in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung".—«dlershos: Grupp'nbeine Adl-rsbol. Bismarckstr. 1. Bortrog:»Der s. November".— Karten für den Hossmann.Abend am 16. Staounde find ausperkaust. @.3iur>endorvpve des?en Dahlwisser Str. 15(Gasanstalt am Botin. Lewinsli.— Am Sonntag, dem 16. November. 18 Uhr, beginnt der Bvr'rag»- tnflu»:..Wie biire ich Musiki" Boitragender: Dr. Herbert. Jugendheim Zlord» west, Lehrter Str. 18—19. BEI RHEUHfi Gicht, Ischias, Norvan- oder Er« I kältun�sachmsrzen, reiben Sie die j leHendsn Körperteile put mit dem i chten schnell schmerzstillenden 1 EICHELS ELECTRICUnri ein EO Fl Mlc.1.35, SL— und 390, dl» neue Tubenpeckuno Mk. 1—. In Apotheken unO Oroaorteo«rtilMteh,»ont«fofc Ott» Wolwl. 8«rHa43»0. r- Forschungsreise" durch Neukölln Ein„neutraler" Gelehrter„entdeckt" das proletarische Berlin Im 6. Heft cüter funkelnagelneuen„nationalen" Zeitschrift „Das freie Deutschland", das vorläufig noch unter Ausschluß der Oeftentlichkeit erscheint, berichtet als„neutraler" Ausländer Prof. Dr. B ö ö k, Mitglied der Schwedischen Akademie in Stockholm, über seine Eindrücke in Berlin am Wahlsonntag, also am 14. Sep- tember 1930. Diese Eindrücke, die er dankenswerterweise nicht sür Schweden, sondern für uns Deutsche in dem erwähnten Heftchen niederschrieb, sind zu köstlich, als daß sie der Vergessenheit anheimfallen dürfen. Wir erfahren da so allerlei Dinge, die uns Berlinern bisher völlig unbekannt waren, und wir beeilen uns, die Ergebnisse einer tiefgründigen Forschungsarbeit unseren staunenden Landsleuten mitzuteilen. Also am Wahlsonntag warf sich der hochgelehrt« Mann studien- halber und todesmutig in ein Auto, um das„proletarische Berlin" kennen zu lernen. Offenbar in der Absicht, aufregende Abenteuer wie auf einer australischen Buschexpedition zu erleben, fuhr er einige Stunden in Neukölln h«rum. Aber Neukölln hat ihn bitterlich enttäuscht. Er traf dort keine Kopfjäger, die in Lehmhütten oder Pfahlbauten Hausen: „Der Eindruck fft ja nicht direkt erschütternd, und einige von uns, die ganz neulich in London East-cnd herunigswandert waren, konnten nicht unterlassen, Bergleiche anzustellen. Die Proletarier in Berlin residieren in Miethäusern, die sich recht oft vollständig bürgerlich ausnehmen und am ehesten den weniger luxuriösen Quartieren auf Oestermalm in Stockholm gleichen." So kam der wissensdurstige Mann in Versuchung, sich vor einer Reihe schmucker, fünfstöckiger Häuser erstaunt die Augen zu reiben. Endlich wachgeworden, bemerkt er, daß Stockwerk sür Stockwerk mit roten Flaggen geschmückt ist, die entweder die kommunistische Liste 4 propagieren oder— ebenso energisch— den Anschluß an Listet der Sozialdemokraten verkünden. Cr erkennt mit tiefschürfender Gründlichkeit weiter, daß die letzteren in der Mehrheit sind. Und wieder ist er enttäuscht: „Aber die beiden Hauptsekten(!) von Karl Marx schienen nicht schlecht miteinander auszukommen, zwischen den streitenden Anhängern wurden keine Bomben ausgetauscht, sogar kaum Schimpfworte." Das ist beruhigend! Aber nun macht der alte Schwede eine Mitteilung, die geeignet ist, in Parteikrersen ungeheures Auf» sehen zu erregen: „Jeder bezieht, wie behauptet wird. 5 Mark cm» der Wahl. kasse seiner Partei als Belohnung für die Dekorationen, und die „Gesiniurngstuchtigkeit", die dadurch zum Ausdruck gebracht wird. ist vielleicht ein« Grundlage für das gegenseitige Verständnis." Also davon müssen wir erst über das neutrale Ausland er» fahren! Die Neuköllner Parteileitung muß Hunderttausend««mf diese Wesse frivol vergeudet haben, die sie sicher ganz geheim von dem schwedischen ZündhÄztrustmagnaten Kreuger erhalten hat. Die berliner zu faul zum Kurze-Pfeife-Tiauchen? Dann wird die gute Anordnung der zahlreichen Wahllokale gelobt und festgestellt, daß die Wähler an dem schönen September- somrtag noch Zeit genug haben, nach Köpenick, Grunewald oder Wannsee zu fahren. Aber was tun die Wähler, die zu Haufe bleib«»? „Die Valkone in den Prolelarierquartieren prunkten in reichem Blumenschmuck, weiße Dahlien, violette Astern und gelbe Kressen bildeten zusammen mit den roten Tüchern und Standarten kräftige Farbenakkorde. Bequem gegen da» Balkongeländer gelehnt saßen die Hausväter in weißen hemdärmeln und schmauchten ihre Pfeife— nicht die kurze englische Pfeife, die mit Körperbewegung vereinbar ist. sondern die bürgerliche lange Pfeife, die in Deutschland noch weiterlebt, die harmonisches Gleichgewicht, meditatives Denken und ruhiges Grübeln voraussehl." Der scharfsinnige Gelehrte beobachtet dann weiter den Rauch, der in weißen und blauen Spiralen aus kunstvoll geschnitzten Pfeifen aussteigt, freut sich über die Triller der Kanarienvögel, die in ihren Bauern draußen zwischen all den roten Fahnen hängen und schlußfolgert als oller Romantiker gerührt: „lieber dem proletarischen Berlin liegt noch ein schwacher. aber deutlich spürbarer Duft von den Idyllen und Genrebildern S p i tz w e g s. So sieht es in Neukölln aus! Es folgt nun eine politische Betrachtung, die sich nach dieser stimmungsvollen Ein- leitung darauf stützt, daß die deutschen Arbeiter samt und sonders spießbürgerliche Spitzwegfiguren sind. Das gelehrt« Haus ist weit davon entfernt, die Achseln zu zucken über das Bedürfnis der Arbeiter in einer 4-Mi2ionen-Stodt, Sonntags in Schrebergärten Erholung zu suchen. Cr rückt Neukölln in den Mittelpunkt der Weltgeschichte mit dem Fundamentalsatz: „Wir wollen dies« Neigung das Schrebergartentemperament nennen. Dieses Temperament sst ein moralisch-politischer Faktor gewesen, der dag Schicksal Europas ensschleden hat und der desien Zukunstsproblem in sich birgt." Die Arbeiter leben wie die Made im Speck! Und weiter schreibt der Herr Professor: „Was soll eigentlich ein Franzose oder ein Eng» länder denken, wenn er vor diesen blumengeschmückten Wohn- Häusern steht? Wahrhaftig, so gut wohnen die Arbeiter in Pari» oder London nicht, die Armenquartiere sehen anders au» an der Themse und an der Sein« als an den Ufer» der Spree." Wie kommt es aber, daß die deutsche Arbeiterschaft wie die Made im Speck lebt? Hier haben wir die Lösung: „Es war das rückständige und undemokratische Deussche Reich, das auf diese Weise für die Arbeiter gesorgt, ihren Lebensstandard gehoben und ihre Ansprüche gesteigert hat. Das sind die Früchte ein«r Sozialpolitik, die in die achtziger Jahre der Aera Bismarcks zurückgeht, einen Zeitpunkt, wo man in England und Frankreich noch nicht über den Raubbau hinaus- gelangt war." Wer mag dem Hern Professor diesen Unsinn erzählt haben! Wir empfehlen ihm, ehe er solche Behauptungen ausstellt, ein gründliches Studium der deusschen Geschichte der letzten zwei Jahr- zehnte des verflossenen Jahrhunderts. Er wird dann erfahren, daß die Anfänge der deutschen Sozial- polikik Herrn Otto von Bismarck von der Sozialdemokraiischen Partei abgerungen wurden. Aber dies« im warnenden Ton gehaltene schiefe Darstellung ist kein Irrtum, also nicht absichtslos. Der ganze Artikel hat die Tendenz, zu beweisen, daß Deutschland seine Reparationslasten nicht aufbringen kann, well die Wirtschast durch Sozialpolitik überlastet sst. Dadurch wird die deutsche Industrie tonkurrenz- unfähig. Aber das begreifen die Gläubigerstaaten nicht, und mit ihnen nicht— der deutsche Arbeiter. „Die wirtschaftlichen Rassonnements gehen über seinen Horizont, und wahrhastig, man kann ihm keinen Vorwurf daraus machen: denn gelehrtere Männer als er wollen den Zusammen- hang nicht einsehen." Wir wollen aus Höflichkeit dem Herrn Professor gegenüber dieser Selbsterkenntnis nicht widersprechen. Aber woher dieser beschränkte weltpolitische Horizont des deutschen Arbeiters? Auch darüber bekommen wir cm« bündige Auskunft: „Er ist vollständig bereit, Schadenersatz und Kriegst ribul« xu bezahlen, denn«r gehört zur Sozialdemokratischen Partei, die die eigentliche Grundlage des hohen Baues der Erfüllungspolitik bildet; für nationalistische Gefühle und störrischen Patriotismus sst er ziemlich unzugänglich. Mag die deutsche Industrie be- zahlen; das ist Sache der Jndustrieherren." Man merkt nur zu deutlich, von welchen Kressen dies«„obfek- tive Darstellung eines neutralen Gelehrten" beeinflußt ist, wenn er behauptet, daß der deussche Arbeiter völlig zufrieden ist, wenn er „einige Kleinigkeiten" erhält, die er feit SO Jahren bekommen Hot: j hohe Löhne, gut« Wohnungen, Krankenversicherung, Arbeitslosen- Versicherung. In diesen Zeichen sieht der Arkikelfchreiber das; Näherkommen der drohenden Katastrophe. Nur mit schiefen Blicken' könne der Reparationspolitiker diesen verstockten Egois- 1 rnus des kleinbürgerlichen Proletariers betrachten.! der nur von seinem eigenen übertofsen wird. „Da sitzt der Arbeiter, in dem ruinierten, tributpflichtige«» veutschtand und raucht In aller Seelnruhe seine Pfeife ans seine»' Balkon t" Und damit wollen wir diese Zitatenausles« abschließen. Di« blumenreiche Sprach« des schwedsschen Professors gibt schließlich nur wieder, was etwas nüchterner, mit anderen Worten, aber mit denselben Argumenten die deusschen Unternehmer behaupten. In diesem Zusammenhang mit Gegenargumenten zu kommen. halten wir für überflüssig. Wir wollten den Lesern nur Kenntnis davon geben, daß ein neutraler Gelehrter endlich Berlin entdeckt j hat. Neukölln muß einen getoeltigen Eindruck auf ihn gemacht- haben, denn von diesem Stadtteil aus schroeifen seine Gedanken in s märchenhaste, weltpolitische Fernen.- Und da» haben mit ihren Zahnen Die Neuköllner Wähler getan! Otto dleicc. Was man von Berlin wissen muß Die Stadt der Brücken! Das„Auskunftsbüro" in der Westentasche v« Statistische Amt der Stadt Berlin hat kürzlich ein Büchlein herausgegeben, da» unbedingt zu den Zwergen im deutschen Schrifttum zu rechneu ist.„Berlin in Zahlen" heiß« es. und obwohl 144 Säten stark und mit einer Karle von Berlin«ersehen, läßt es sich bequem m der We st e u l a f ch e tragen. Der wert dieses Büch. leins allerdings steht l«g umgekehrten verhällals zu säuer Größe. Es beantwortet so gut wie olle Fragen, die jemand tu bezug auf Berlin überhaupt stellen kann, es ist ein allwissendes, allzät bereites Auskunstsbüro. Im Grund« genommen sst Berlin eine kalt« Stadt, SS Cis- tagen, an denen die Temperatur unter 0 Grad blieb, stehen nur SHitzetage(über 30 Grad) gegenüber. Auch die Zahl der F r o st- Do»' // „VORWÄRTS ist die Zeitung des denkenden Arbeiters! tage(zeitwellig unter 0 Grad) mit 104 sst bedeutend höher als die der 41 S o m m e r t a g e(mindestens 25 Grad). Geregnet hat es an 150 Tagen, und 73 Tage lang log der Schnee in Berlin. Wir blättern weüer: Zc Hiendorf ist bescheiden, es leistet sich nur ein Bezirksparlament mit 17 Mitgliedern; der Bezirk Köpe- nick sst doppelt so groß wie das ganze Alt-Berlin mit seinen sechs Jnnenbezirken, Berlin beherbergt 12SOOO Kleingärtner und auf seinen Straßen, Plätzen und Grundstücken stehen 480 000 Bäume. 871 Brücke» hat Berlin! Davon gehören allein 363 der Essenbahn. Recht achtbar sst auch die Zahl der 306 Spiel- und Sportplätze und weiß jemand, daß in Berlin 56 000 Hausholtungen Vieh haben(ohne Hunde und Katzen)? Ja, daß innerhalb der Stadtgrenze sogar 3600 Bienen- Völker hausen und daß auf der landwirtschaftlich genutzten Fläch« Berlins jährlich fast 1000 000 Doppelzentner Getreide. Hackfrüchte und Heu geernW werden? 375 Großfeuer in einem Lahr. Wie immer, war die Feuerwehr unermüdlich; über 13 000- mal wurde sie alarmiert, davon waren 676 Fälle böswilliger Alarm 375mal in einem Jahr«mißten sogar Großfeuer gelöscht werden. Berlin unirde längst eine abnehmende Bevölkerungsziffer haben, wenn dem Sterbeüberschuß nicht der Zugang von außerhalb gegenüberstehen würde. So ist Berlin im Vorjahr aber- mals um rund 50000 Menschen, das sst eine ganze Mittelstadt, ge- wachsen. Berlin sst eine richtig« Proletarierstadt, nur 16 Proz. seiner Bevölkerung bezeichnen sich als Selbständig« oder leitende Personen, olle anderen find Arbeiter(41 Proz.), Angestellt« «ad Beamte(2$ Proz.). 125000 Familien ohne eigenen Haushält. Berlin verfügt bei 1 210 000 Wohnungen(64 Proz. sind Klein. Mahnungen) Wer 1 236 000 Haushaltungen, so daß 96 000 Familien käne selbständige Wohnung haben, wozu noch 32 000 Familien ohne eigenen Haushalt kommen. Im: 3400 Wohnungen hausen mehr als 3 Familien! Bei den Wohnungsämtern sind immer noch 215 000 Wohnungfuchende eingetragen, von denen 37 000 im Vor- jähr Wohnungen zugeteilt werden konnten, aber 76 000 Personen ließen sich sofort neu eintragen. So gibt dieses Seine Buch auf alle Fragen bereitwilligst und eingehend Auskunft. Da steht zum Beispiel noch, daß die Gas- werke am 24. Dezember ihren Höchstverbrauch haben und am 21. Juli ihren niedrigsten, daß Berlin jährlich 3 Milliarden Brief« versendet, daß sich«in Berliner Straßenverkehr 27 000 Unfälle ereigneten, daß bei uns 132000 Ausländer wohnen, wie hoch der ortsübliche Tagelohn, die Beiträg« zur Sozialversicherung und die Ferien für das laufende Schuljahr find. Dann kommen Fahr- presse, Tarif«, Devssenkurfe, Diskonssötze, kein End« will das alles nehmen, und dabei sst dieses Miniaturlexikon doch nur den 32. Tell eines Berliner Zeitungsbogens groß. V-Bahn nach Lichtenberg. Die Strecken Alexanderplatz-Lichtenberg und Bergstroße-Grenzallee fertiggestellt. Die Antergrundbahnbauten vom Alexanderplatz nach Dichtenberg, die im Dezember 1927 begonnen wurden, gehe« jetzt ihrem Ende eulgegeu. Es sst damit zu rechnen, daß die 7, SS Silometer lange Bahnstrecke, die in neun Stationen ein- geteilt ist. noch Ende Dezember in Betrieb genommen wird. Gleich- zälig wird auch die Verlängerung der U-Bahn von der Station Bergstraße über Neukölln nach Grenzallee mit 1,49 Kilometer Länge dem Verkehr übergeben. Wird der Strom billiger? Sozialdemokraten fordern Nachprüfung des Bewag-TarifeS. Im Skathaus beschäftigt« sich«in Stadtoerordnetenausschuß, der unter dem Vorsitz des sozialdemokratischen Stadtverordneten Robinson tagte, gestern eingehend mit der Aenderung des Bewag« Tarife« und einer eventuellen Herabsetzung der Grundgebühr. Es wurde«in Antrag des sozialdemokratischen Stadtverordneten Amberg angenommen, m. dem es heißt: Die Slatllverordaeteuversammluag ersucht den Magistrat, den Aufsichtsrat der Bewag mifzufordern, in eine Nochprüfung der Tarife äuznträeu. ...98-99-100-1... Wer das vermeiden will, trinke stets coffeinfreien und so weiter zählen viele, um einzuschlafen. Warum? KAFFEE HA6 Aus der Arbeit der Bezirke. Oeuifchnaiionale gegen Kindergarten. 2. Bezirk— Tiergarten. Die BezirLsversommlung richtete an den Magistrat das Ersuchen, in dem seit längerer Zeit leerstehenden Haus Bethesda ein Rentnerheiin einzurichten. Durch eine Vorlage des Bezirks� omiee wurden Mittel gefordert zur Einrichtung eines städtischen Kindergartens im alten Kleist-Lyzeum. Der Bezirk Hot bisher mir private Kindergärten. Trotzdem sträubten sich Deutjchnationale und Volksparteiler gegen dies« dringend notwendige Einrichtung. Die Vorlage wurde gegen ihre Stimmen an genommen. Ein deutschnationaler Antrag oerlangt«, daß die städtischen Stellen das Recht erhalten, ihren Bedarf direkt durch die Geschäfte des Bezirks M decken, ohne Einschaltung des Airs chasfu ng sa mt« s. Der Stadtverordnete Neuendorsf(D. Bp.) führte mit Recht aus, daß dieser Antrag nicht angenoimnen werden kann, da er den zentralen Be- schlüssen widerspricht. Trohdem stimmte er zum Schlust dafür. Man kennt sich wirklich nicht mehr aus! Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Die Sozial- idemokraten stellten einen Antrag, für ausreichende Schulzkleidung aller bei der Straßenrcinigung beschäftigten Arbeiter zu sorgen. Bei ider Behandlung dieses Antrages kam es zu Radauszenen: die Sitzung wurde unterbrochen und di« Tribünen geräumt. Zum e-chlutz kam eine Anfrag« unserer Fraktion zur Behandlung, die sich auf die bereits schon«imnal beschlossene Ergänzung der Cinrichtungsgegcn- stände im Jugendheim Walde nserstraße bezog. Die ungenügende Auskunst des Dezirksamtes wurde vom Genossen Haedick« zurück- gewiesen. KPO. und Oeutschnaiionale.- 14. Bezirk— Neukölln. Di« letzte Neuköllner Bezirksoersammlung bewilligte 52 800 M. zur Umgestaltung des W e i chs e l p l a tz e s in eine Spiel, und Erholungsanlage, 2400 M. für eine Wasserleitung im Sportplatz Teinpelhofer Feld und 4000 M. zur Anbringung von Berieselungs- röhren in Schultoiletten. Dann redete von der.KPD. Weise über die Notverordnung der Brüning-Rcgierung. Es verlohnt nicht, auf die Schimpfereien einzugehen. Genosse 5? a r n i s ch sagte den Kam- ninnisten, daß sie heilsroh seien, daß unsere Fraktion den Mut auf» gebracht habe, den kommunistischen Mißtrauensanträgcn niäft zuzustimmen. Dieses Schauspiel habe man erst wieder vor einigen Tagen im Landtag erlebt. Beim Mißtruucnsantrag gegen die Regierung Braun fehlte von der sozialdemokratischen Fraktion kein Maim, von der kommunistischen aber acht. Es ist ja Stadtgespräch, daß niemand mehr Angst vor dem Faschismus lzat, als die KPD. Wir haben uns nicht nach der Politik der kommunistischen Dennigo- gen, sondern allein nach den Interessen unserer Wähler zu richten. Es ist allerdings leichter, sich vor der Verantwortung zu drücken. Daß die Hiebe gesessen hatten, bewies Weise im Schlichwort, wo er einen Tobsuchtsansalf erlitt. Diese gemeinen Ausfälle gegen unsere Partei veranlaßten unsere Fraktion, die einzelnen Absätzen des kommunistischen Antrages zustimmen wollten, ihre Zusage in einer entsprechenden Erklärung zurückzuziehen. Damit war der Antrag der KPD. abgelehnt. Ein neuerlicher Antrag der KPD., den kommu- nistischen Arbeitersportlern die Turnhallen zu denselben Bedingungen wie den anderen Vereinen zur Verfügung zu stellen und bis zur endgültigen Aufhebung der Magsttratsversügung die erhöhten Kosten aus Vorbehaltsmitteln der Bczirksversammlung zu zahlen, wurde mit den Stimmen sämtlicher bürgerlichen Fraktionen und der Kommunisten a n g e n o m m m e n. Unsere Fraktion gab durch den Genossen Gärtner die Erklärung ab, daß wir diesen Antrag ablehnen, weil die knappen Borbehaltsmittel für solche Zwecke nicht da sind. Hatte sich schon bei diesem Antrage die An- Näherung der beiden extremen Parteien stark bemerkbar gemacht, fo kam es bei Beratung eines deutschnationalen Antrages, dem Genossen W a l d h e i m das Personaldezernat zu entziehen, zu einer wahren Berbrüderung. Geschästigk sauste der Deutschnalionole Langula zum Kommunisten Erdmann, beriet und beriet, schließlich einigte man sich auf einen noch schärferen Antraa der Kommunisten, der auch dein Bezirksamt das TNißlrauen ausspricht. Interessant ist in diesem Antrage, daß es an einer Stelle heißt:„...hat wegen seiner Personalpolitik gegen revolutionäre Arbeiter� usw. Die Deutsch nationalen für die„Revolutionäre!" Geradezu erbärmlich war das Verhalten der Republikaner. Die Fraktion der Mitte schickte ihr jüngstes Mitglied, den Volksparteiler Fischer, vor. der dann auch mit viel Ueberhebung dunkle An- deutungen machte, aber keinen einzigen Beweis für seine Behaup- tungen vorbringen konnte. Immer mehr zeigt sich in Neukölln, daß die zwei Demokraten und ein Zentrumsmann sich von den zwei Volksparteilern ins Schlepptau nehmen lassen. Schon bei der Stadt- ratswahl ließen sie sich übers Ohr hauen, aewählt wurde ein Volks- vortciler als unbesoldeter Stadtrat, ein Mitglied wurde Vorsteher- stellvertreter, und vor einigen Wochen schrieb das„Neuköllner Tageblatt" anläßlich der bevorstehenden Wahlen der unbesoldeten Stadträte:„Am meisten Aussicht haben die Volks- parteiler!" Der Demokrat Bornemann oerlangt von uns Aus- oabe von Grundsätzen, aber«her verschwindet die Demokratische Partei, ehe wir da auch nur rütteln lassen. So kann keine Politik gemacht werden. Was soll es beißen, wenn der Volkspartestcr sich schon aufregt, daß Genosse Waldheim vor der Anstellung von Beamten an sie die Frage richtet, wie sie zur republikanischen Bersassung stehen und darin schon einen Borstoß des Personal- dezernenten gegen die Verfassung erblickt und einen Mißtrauens- antrag einbringt? Stadtrat Genosse Waldheim bestritt entschieden, jemals nach der Parteizugehörigkeit der Einzustelleirden gefragt zu haben. Nach der Bejahung zur bestehenden Staatsfonn b-ibe er gefragt, und dieses Recht werde er sich nicht nehmen lassen. Bürger- Meister Genosse Scholz unterstrich die Ausführungen des Genossen ?staldhemi und sagte, daß er keine Veranlassung Hobe, dem Stadtrot Waldheim das Personaidezernat abzunehmen. Genosse Po- l e n s k e erinnerte die„Hüter" der Verfassung daran, was früher alles von den Beamten verlangt wurde. Da wurde niemand anqe- stellt, der nur eine llberale Gesinnung hoste. Sozialdemokraten wurden überhaupt nicht eingestellt. In Neukölln, mit einer starken sozialdemokratischen Stadtverordnetenfroksto», wurde eine Sleno- lnpistin abgewiesen, weil sie Dissidentin war. Das Neuköllner Rat- haus glich früher einem großen Gutshof, wo Familienmitglieder, Mitglieder eines bestimmten Ruderklubs oder Angehörige eines besNmmten Regiments bcvor.gigt wurden. Heute von fvzialdemo- kratijchcr Personalpolitik zu reden ist Unsinn, denn keine 5 Proz. der Angestellten und Beamten gehören unserer Partei an. Unserer Stärke entsprechend müßten wir ganz anders vertreten sein. Die zum Teil leidenschaftliche Debatte endete mit der Annahme des kommunistischen Antrages mit 24 gegen 23 Stimmen. Die Fraktion der Mikle. darunter die Demokraten und des Zentrums enlhiestcn sich der Stimme. Darauf wurde die Sitzung vertagt. Kommunisten loben städtische Einn'chiungen. 15. Bezirk— Treptow. Die Bezirksversammlung stimmte in ihrer letzten Sitzung dem Fluchtlinienplänen für die Greifstraße und für die Kaiser- Wilhelm-Straße in Johannisthal zu. Das Projett über die. Auf- testung des als Heimstättengartengebiet vorgesehenen Geländes zwischen Nene Kruaallee und Köpenickcr Landstraße wurde o n g e- nommcn. Die Straße 4 in Berlin-Oberschöneweide wird der Name„Wentel in straße" gegeben. Für die Einrichtung des in der Siedlung der Gemeinnützigen Baugesellschast Berlin-Ost in Oberschöneweide, Cdisonstraße, errichteten Kindergartengcbäudez be- antragte das Bezirksamt 4000 M. Die Kommunisten wünschten, an Stell« von 4000 M. 5500 M. zu bewilligen. Bei der Begründung des kommunistischen Antrages erklärte die kommunistisch« Sprecherin, daß auch dieser Kindergarten ähnlich wie alle anderen Kindergärten der Stadt Berlin in vorbildlicher Weise herJerichlet werden müßte. Unser Genosse Becker mar der Mestnmg. daß«e vom Bezirksamt vorgesehenen 4000 M. zunächst für di« Inneneinrichtung ausreichen dürsten. Der Genosse Strieder stellte unter lebhafier Zustimmung der Versammlung fest, daß die Kommunisten zum erste« Wale in der hiesige« Bezirksversammlung Einrichtungen der Stadt Berlin als gut bezeichnel hätten. Bei der Beratung einiger kommunistischcr Anträge, die zum Teil schon in der Stadtverordnetenversammlung erledigt worden waren, kam es zu den üblichen Radauszenen. Di« Kommunisten wollten alle Händler, deren jährliches Ein- kommen unter 5000 M. liegt, sämtliche Steuern erlassen. Der sozial- demokratische Redner, Genosse Ncumann, erklärte, daß diese Mittelstandsfreundlichkeit der Kommunisten weit über den Rahmen der Forderung des Mittelstandes selbst ging. Dos große Heer der Arbeiter habe bei weitem nicht ein jährliches Einkommen von 5000 W. und müssen trotzdem feste Steuern zahle». Aus Wunsch der Sozialdemokraien wurde der Antrag der Wirt- schaftsdeputation überwiesen. Schließlich wurde noch beschlosien, ans die Besetzung der«inen freien Stadtrats stelle zur Zeit zu verzichten._ Ein dritter Markttag in Treptow. Die Ortsteil« Treptow-Süd und Treptow-Nord haben einen ganz beträchtlichen Bevölkerungszuwachs aufzuweisen. Die dort vorhandenen Märkte reichen bei der starken Inanspruch- nähme durch die Bevölkerung bei weitem nicht mehr aus. Eine räumliche Zlusdchnung der Märkte ist nicht mehr möglich. Es ist daher die Anregung gegeben worden, für beide Märkte mich einen driten Markttag einzulegen, und zwar in Treptow-Nord am Montag, vormittags von 8 bis 13 Uhr, in Treptow-Süd am Sonn- abend, nachmittags von 15 bis 19 Uhr. Di« Bezirksversammlung und das Bezirksamt Treptow haben der Einlegung eines dritten Markttages für beide Märkte zugestimmt. Trnde Hesterberg im Kabarett der Komiker. .Nacht in Nizza" nennt Kurt Robitsche! jenes klüne, amüsante Spiel, das er zusammen mit Max Bertuch für sein schönes Haus am Kurfürstendamm erdacht hat. Bisher hat der Herr Direktor bei der Auswahl feiner Kurzoperetten, ohne die es beim Kabarett der Komiker nicht mehr zu gehen scheint, keine sehr glückliche Hand gehabt. Diesmal ist es erträglich, Trade Hesterberg mit Hans Brausewetter.spielen" zu sehen, ist ein wahrer Genuß! Einen herzlichen Empfang bereitet das Publikum dem glänzenden Pariser Sängerpaar D e r n i e r- R i c a r t. Die beiden Alten mit ihren Straßenliedern.für die Armen" sind herrlich, sie zu hören und zu sehen rechtfertigt den Weg nach Halcnsee. Hans R e i m a n n läßt uns«inen Blick in die so„verheißungsvolle" Zukunft tun und erzählt uns von der Schönheit seines Schlarafsenlandes. Die»Negerdiva" Zaidee Jackson erfreut durch erfrischende Natürlichkeit. Tressen sozialistischer Reisefreu«de. Der Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbest veranstaltet ein Reiseteilnehmer- treffen zu Dienstag, 18. November, 2V Uhr, im Böhmischen Brauhaus, Berlin NO. 18, Landsberger Allee 12/13. Vorgesehen ist ein Lichtbildervortrag„Der Oriem", gehalten vom Genossen Wagner, München: anschließend geselliges Zusammensein mst Tanz. Die Teilnehmer an den Reisen des Reichsausschnsses sind mit ihren Angehörigen herzlichst eingeladen, ebenso sind Gäste will- kommen. Eintrittspreis 50 Pf.— Karten sind zu haben: Reichs- ausfchuß für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin SW. 68, Linden- straße 3. Buchhandlung I. H. W. Dietz, Vsrlin SW. 68, Lindenstr. 2 lLaden). Bezirksbildungsausschuß, SW. 68, Lindenstr. 3, 2. Hof, I I. Dank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, S. 14, Wallstr. 65. Zigarrengeschäft Harsch, SO., Engeluser 24/23. Perlag des Bildungs- verbandes der Deutschen Buchdrucker, S., Dreibundstr. 5. Zigarrengeschäft Erich König, Charlottenburg. Evsanderstr. 4. Vorwärts- Spedition, 0. 112, Boxhagener Str. 62(Osten): N. 113, Greis« n- hagener Str. 22(Nordring): N. 65, Müllerstr. 34�(Wcddino): NW. 21, Wilhclmshavener Str. 48(Moabit). >». I»IeMnr6,i1>»»>>, Wmt«lid»ob Torund uoiuohloioM. Torkut»0*0« Torrot vi» ZuieodonQ»oo L»beii»raltt»la»rfoljt btl B<»t»llng»»» 5,00 u UnsereLebensmittelabtellungen unterstehen der ständigen Kontrolle und Aufsieht des staatlich anerkannten und vereidigten Lebensmittelchemikers Dr. Lebbin und des Polizeitierarztes I. R. A. Hoepfner. Wild und Geflügel 3Q. Gänse Irisch, PfiTon 0j92 Suppenhühner»°° 0,92 Enten— m 1,00 Fasanen_______ stach»«» 2,60 Hirsdifleisdi....... m 0,45 Hirsdibiätter p«.*«. 0,80 Spiesserrücken v°°l,15 Kanindien 1,65 Hasen 0,95 Wurstwaren Leberwurst............... wa. 0,68 Rotwurst______________ Tt/,ki,0,75»/, Kl. 7.60 t929er Treiser Treppchen angenehmer Mosel '1, n.0,93 10 KL 9,00 Obst und Gemüse Essäpfel IHasenU�») P«. 0,30 Russ. Essäpfel..,. tu. 0,30 Musäpfel....... s Pfd. 0,45 Amer.tafeläpfel pid. 0,38 Kochbirnen....... Pfd. 0,22 Smymo-Kranzf eigen pm. 0, 32 Maronen.......... pm. 0,32 Bananen.........»Pfd. 0,98 Walnüsse...Pfi 0,58, 0,68 Haselnüsse........ Pfd. 0,68 Bayer. Reltiche staek 0, 10 Zitronen........... du. 0,38 Spinal.............. pm. 0,10 Grünkohl.........pm. 0,10 Rosenkohl.._...pm. 0,20 Rote Rüben pm. 0,05 Sellerie.........»Pfd. 0,20 Wirsingkohl...4 pm. 0,10 Weiss-, Rotkohl 4 Pfd. 0,1 0 Möhren gawaaeiuii, pm. 0,04 Kohlrüben........ pm. 0,04 Kopfsalat hon.. 2 Kapi» 0,25 iKartoflelnpM.0,20 Frisches Fleisch Deutscher*' Weinbrand, dl Liter. aliabgelasarte Qualität............ Fl. lose 4,60 j Räucherwaren Bücklinge...... piivon 0,38 Sdiellfisch geriirth., pia 0,42 Seelachs geräuchert, PM. 0,48 Eiundern garamch, pid. 0,55 RotbarS gartaehert, Pfd. 0,44 Zander Im elfenen 8aft Dose ca. 4Ä) g Inhalt..... 0,75 Sard i neu Marke..Hertie" Dom 0,85, 0.85 0.50 Schweinebauch o. Beilage, pm. 0,92 Schweineschinkena.-BiattPfd. 0,94 Kassler mud............... Pfd.»on 1,08 Sdiweinekammod.Schuft ohne Beilage....................... Pfd. 1|10 Schweinekotelett...pm. ron 1,14 Schweineköp(e mit Backe, Pd 0,48 Eisbein»u Spitzbala, gep&kolt, Ftd. 0,74 Rückenfett bratfertig, ohne Beb warte..................... Pfd. 0|S8 Schweinenieren.......... pm. 0,98 Hammelvorderfleisdiitd.» 1,0 Kalbskamm ohne Beilage.. Pfd. 0,84 Kalbsbrust md»« b.»....... pid. 0,90 Kalbskeule bt*» pm.»ohwer, c&nz oder geteilt................. Pfd. IjOC Kalbsroulade......... ptd. ron 1,48 Kalbskotelett.......... pm.»on 1,48 Kalbsschnitzel........ pm..on 2,00 Suppenfleisch......... pm. tod 0,88 Gulasch gemischt........... Pfd. 1,08 Schmorfleisch EeaIe.u.iLn.,Pld. 1,24 Rinderfilet im ganzen....... Ptd. 1,38 Roastbeef ohne Mnochen, Pfd. von 1,58 Euter............................ pid. 0,38 Rinderbacken«. Knochen, Pid. 0,58 Rinderherzen.............. Pfd. 0,68 Gefrierfleisch Hammeivorderfleisdi m. ,.0,64 Hammelrücken........... Ptd.0,74 1 Hammelkeulen............ Pfd. 0,88 J Suppenfleisch......... Pfd. von 0,68 Gulasch....................... Pfd. 0,98 Schmorfleisch o. Knochen, Pfd. 1,20 Rinderieber................ pm. 1,18 i Hr. 535 ♦ 47. Jahrgang 3. Beilage des Vorwärts Freitag, 44. November 1930 Qeorg SSritiing: �M> OCll tVftj/ CI' Es war überraschend Tauwetter eingefallen. Das grüne Wasser der Donau färbte sich ockergelb, braun, stieg, stieg und stieg. Sträucher trieben stromabwärts, zwischen den Wurzelarmen saßen frierend oersprengte Hasen. Die Mut trat aus den Ufern und warf Schlamm in die Keller. Durch die Straßen der kleinen Stadt plätscherten Boote. Ein Stück'vor den Toren lagen nebeneinander zwei niedrig« Häuser am Strom. Jakob erwachte um die Morgendämmerung. In seinem Zimmer zur ebenen Erde spiegelte Wasser. Er weckte seine Frau und befahl ihr, zu den Eltern in die Stadt zu gehen. Er wolle noch einige wichtige Papiere. Schmuck und dergleichen retten, einen Teil der Möbel auf den Dachboden schaffen und ihr dann folgen. Aiph Heinrich, den Nachbarn wolle er verständigen. Die Frau ging, und als sie im Nebel verschwunden war, watete er zum Boot, das hinterm Haus hing am Pfosten, der nur mehr mit rundem Kopf aus der gelben Flut spähte. Er setzte sich aus die Ruderbank, zündete sich ein« Pfeife an und beobachtete gleichmütig das stetig« Anschwellen des Flusses. In Heinrichs Haus regte sich nichts. Weit und breit war nur Nebel und Wasserfläche. Wie Inseln dunkelten die beiden Häuser. Als der Fluß bis zu den Fenstern des ersten Stocks gestiegen war, trieb Jakob das Boot mit langsamen Ruderschlägen gegen Heinrichs Haus und poltert« dort an die Läden. Heinrich, aufgescheucht, sah aus dem Fenster, sah Wasser, Wasser, gelb, strudelnd, und Jakobs rettendes Boot. Er erschrak nicht allzusehr. Uferbewohner müssen immer darauf gefaßt sein, daß das Element mit nassen. Zungen sie anfällt. Schließlich war er gegen Schaden versichert und die Stadt im Boot leicht zu erreichen. Er zog sich rasch an, fluchte einiges über den gewolt- tätigen Strom und erschien wieder am Fenster, Jakob zurufend, er möge das Boot zu ihm heranbringen, daß er einsteigen könne. Aber der machte keine Miene, es zu tun. Er befestigte den Kahn an einem in der Nähe stehenden Baum, der mit dürren Aesten zum Himmel griff. Dann begann er bei verschränkten Armen aus Heinrich ein- zureden, er soll« gestehen, daß er ihn m't Else, seiner Frau, be- trogen habe. Vergeblich beteuerte Heinrich, daß an dieser Beschuldi- gung kein wahres Wort sei daß Jakob leerem Gerede Glauben schenke, daß sein« Frau, ein Muster aller Tugenden, ihn mit keiner Silbe und keinem Blick jemals verraten habe. Jakob lächelte nur. Das Wasser stieg. Schon sprangs durch die Fenster des ersten Stocks, daß Heinrich ejne Stiege höher sich begeben mußte. Jakob schlang die Bootskette um den Wipfel des Baumes, der'kreischend sich bog. Heinrich redete lang und ein- dringlich zu Jakob. Er möge doch kein Narr sein. Er könne für die Treue seiner Frau die Hand ins Feuer legen. Nie habe er auch nur einen unrechten Griff nach ihr getan. Er sprach fort, bis Jakob mit schrecklicher Stimm« ihm zurief,«r möge doch jetzt, im Angesicht des Todes, die Wahrheit sagen. Heinrich könne ihm nicht mehr entgegen- kommen. Er werde warten, bis er wie«ine grau« Katze ersauf«. Der Nebel hing dicht. Die nahe Stadt war nicht mehr zu sehen. Der gelbe Strom wälzte sich brummend und klatscht« mit breiten Händen an das Haus. Wenn dos Wasser in der gleichen SchfKlfr weiter stieg, muhte«s boid das Doch erreichen. Heinrich bsjchwor Jakob, vernünftig zu sein. sei ja wahr, er habe Elfe mit freundlichen Augen angesehen. Er habe ihr einmal, verstohlen, sogar einen Kuh gegeben. Aber, bei Gott, dabei habe er ihr doch nichts abgebissen. Das sei doch kein Verbrechen. Jeder habe einmal ein« schwache Munde. Das dürfe Jakob nicht so gewaltig krumm nehmen. Er solle ihn doch um Gottes willen jetzt ins Boot n«hm«n uno in die Stadt rudern. Jakob verharrte in seinem schrecklichen Lächeln. Heinrich sing wieder an zu sprechen. Einmal, aber, bei allen Heiligen, nur ein- mal habe er ihn mit Else betrogen. Die Weiber, die seien nun schon lüstern nach fremdem Männerfleisch. Weiber seien wie Kinder, die von allem haben müßten. Er, Heinrich, der immer Jakobs Freund gewesen war, hätte frellich verständiger lein sollen. Jakob hatte die Beicht« mit Ruhe entgegengenommen. Er spielt« mit den Rudern. Er schaukelte im Boot. Heinrich fuhr fort: Er könne es ja gestehen. Es sei öfter als einmal gewesen. Nd ja, die Versuchung. Er sei auch nur aus Fleisch. Aber so oft, wie Jakob sich das denk«, so oft sei's wahrhaftig nicht gewesen. Er solle ihm doch verzeihen und ihn jetzt ins Boot lassen. Jakob sagte ihm ins Gesicht, daß er sterben müsse. Er soll« jede Hoffnung aufgeben. In einer Stunde sei das Wasser so weit. Er bliebe, um zu sehen, wie Heinrich vergurgl« und verrecke. Der in seinem eigenen Haus Gefangen« verlegte sich aufs Bitten, auf Betteln, aufs Jammern. Aber Jakob beachtete ihn gar nicht mehr, sah zu, wie die Wellen sich gegen die Bootsspitze warfen, als ob allein das noch seine Aufmerksamkeit fesseln könne, hörte gar "nicht mehr auf den ehebrecherischen Mann, der nun laut weinte, dann schrie, dann fluchte und heulte. Auf einmal, der Gefangene hatte aufgehört zu schimpfen und die beiden stummen Männer hatten sich minutenlang ins Auge ge- sehen, unbeweglich, und Heinrich hatte wohl im Blick seines Richters die Unerschütterlichkeit des Urteilsspruches gelesen, auf einmal trat Heinrich vom Fenster zurück, ins 5iaus zurück, verschwand. Un- ruhig beobachtete Jakob den Rückzug des Verurteilten. Es verging wohl ein« Viertelstunde. Jakob war es, als ob das schweigende Haus unt«r dem Ansturm des Wassers erbebe. Da er- schien Heinrich wieder am Fenster. Er trug die Uniform des In- fonterieregiments, in dem er gedient, in dem er den Krieg mitge- macht hatte. Er trug die hell«, blaue, bayerische Friedensinfanterie- uniform, trug den Helm mit der blitzenden Spitze auf dem Kopf, auf seiner Brust schaukelten Orden, das bayerisch« Militärverdienst- kreuz und das Eiserne Kreuz, schaukelten, klirrten leise, hingen dann stumm. Den Säbel, er war Vizefeldwebel gewesen, hatte er um- geschnallt. Ohne ein Wort zu sprechen, lehnte er am Fensterkreuz. Er schenkte Jakob keinen Blick, er tat, als sei dieser nicht vorhanden, gar nicht vorhanden, und seine Miene drückt« aus, er wolle den Tod als Soldat und brav und ohne Furcht und Zittern erwarten. Jakob sah ihn bestürzt an. Der kriegerische Mann am Fenster rührte sich nicht. Gewaltig floß die Donau. Da löst« Iaköb, und er wußte nicht, ob«r weinen sollte, ob er lachen sollte, ob er Be- wunderung fühlen sollte für seinen Gegner, da löste Jakob die Kette vom Baum und trieb das Boot zum Fenster. Der blau« Soldat salutierte, stieg ein-, setzte sich aus die Bank am Boolsend«, wie ein. Ehrengast, wie ein vornehmer Herr und General, und Jakob ruderte: ihn eilig und still über die gelbschäumenve Wasserfläche zur Stadt. Schöpfer des amerikanifchen Meeres Stetibens stveihundertfier Geburtstag Bor zweihundert Jahren, am 15. November 1730, kam Steuden als preußisches Offizierskind in Magdeburg zur Welt, und es verstand sich fast von selbst, daß auch Friedrich Wilhelm preußischer Offizier wurde. Im Si«benjährigen Kriege focht er mit Auszeichnung und brachte es zum Stabskapitän und Flügeladjutanten Friedrichs II. Da jedoch mit dem launischen König schlecht Kirschen essen war, verließ Stuben nach Friedensschluß enttäuscht und verstimmt eine Armee, der er sechzehn Iah--« angehört hatte. In der Enge süddeutscher Höse drückt« er sich mit Mißbehagen herum, dachte bald in Sardinien, bald in Oesterreich Kriegsdienst« zu nehmen und griff nach einiger Ueberlegung zu, als ihm 1777 der französische Kriegsminister St. Germain vorschlug, nach Amerika zu gehen, um dort den vom Mutterland abg«allen«n Rebellen, mit denen Frankreich«in Bündnis vorbereitete, militärische Zucht und Ordnung beizubringen. Daß Steuden Soldat war und in der neuen Welt Soldatisches leisten konnte, bestimmte seinen Entschluß. Aber da er im klassischen Altertum zu Hause, philosophischen Anwandlungen zugänglich, als Freimaurer mit den Humanitätsidealen der Zeit vertraut, zu den wirklich gebildet«« Ausnahmen im preußischen Offizierkorps zählle, wie sie auch L e f s i n g zuzeiten gern seines Umganges würdigte. mußt« er für die Stimmung der fortgeschrittensten Geister in Deutsch- land empfänglich sein, die mit Jubel die Erhebung der amerikanischen Kolonien fast als ihre«igen« Sache begrüßten; selbst die zahme „Berliner Monatsschrift" feiert« dithyrambisch den„edlen Kampf für Freiheit und Vaterland" und schwang sich zu ungewohnt revolutionären und republikanischen Tön«n aus: Und du, Europa, hebe das Haupt empor! Einst Klangt auch dir der Tag. da die Seite bricht. T>U. Edle, frei snxstr heiue Btxideo Scheuchst«»d et» glücklicher Vollsstaat grünet. In der Tat wurde auch der friderizianische Oifizier Steuden, als er, entschlossen, sich die amerikanische Bürgerkrone zu verdienen, drllb«n landete, von dem morgenfrischen Hauch einer jungen Demo- kratie angeweht.„Welch ein schönes, welch ein glückliches Land!" schrieb er einem Freunds daheim,„ohne Könige ohne Hohe- Priester, ohne aussaugende Gcneralpächter und ohne müßige Barone. Hier ist jedermann glücklich, Armut ist ein unbekanntes Uebef. und wiederum:.Wir befinden uns in einer Republik, wo. Gott sei Dank, die Würden nicht erblich sind wie die Barone in Deutschland" Kein Gamaschenknopf von der verbreiteten Art d«s preußischen Generals von Saldern. der sich die Stirn darüber zergrübelte. ob die Infant««« 76 oder 76 Schritt« in der Minute machen sollte. steckte Steuden doch noch in den Ueberlieferungen der fnderi. zi anischen Armee. Ab«r in einem Lande, wo die sozialen Grundlagen der Heeresversassung ganz anders waren, lieh sich damit nichts an- fangen. Die geworbenen und gepreßten Soldknechte unter Friedrichs Fahnen wurden durch Prügel und abermals durch zkfcgej zy uHlknlojcn Automateu gedrillt. Die amerikanischen Frei-. willigen, aufrechte, freie Männer, die ihre eigene Scholle verteidigten und für ihre Sache fochten, hätte kein Vorgejetzter anzurühren gewagt. Steuden erkannte und bekannt«, daß sie ihn bei dem Versuch, nach preußischem Muster zuzupacken, steinigen würden, aber indem er die Freien als Freie behandelte und durch echte Humanität ihre Herzen gewann, brachte er, zum Generalinipektor der Armee ernannt, in die regellosen und unbekümmerten Milizen die Disziplin hinein, deren jede Truppe bedarf. Meinte S t e u b e n einmal, er habe die Prinzipien der Kriegs- tunst unter Friedrich dem Großen studiert und unter Washington angewandt, so unterlag er allerdings einer Selbst- täuschung. Den amerikanischen Farmern war die friderizianifckie Taktik so wenig einzubläuen wie die friderizianische Disziplin. Wegen ihrer Neigung zur Desertion nur in geschlossener Formation verwendbar, erschienen die Söldner des Preußenkönigs auf dem Schlachtfeld als festgefügte Kolonn� die, vom Offizier mit der Fuchtel zusammengehalten, nach Befehl Salven feuerte. Die amerikanischen Milizen aber hatten in den Indianerscharmützeln das Gefecht in zerstreuter Ordnung mit Deckungnehmen und Schlltzenfeuer gelernt, wobei alles auf die Selbständigkeit des einzelnen ankam; so fochten sie mit Erfolg auch gegen die englischen Soldbataillonc. Wie nun Steuden statt der papageienbunten Un formen Europas für die Soldaten Washingtons linnene Jagdhemden und Ueber- röcke und runde, aufgekrempte 5)üte vorschlug, so entwickelte er auch mit genialem Erfassen des Wesentlichen die naturgegebene Taktik der Freiwilligen weiter: er schuf«in« der Alten Welt unbekannte Waffen- gattung, die leichte Infanterie, die für den Schtttzenkampf geeignet und geübt mar und sich auch dem waldreichen Gelände gut anpaßte. Diese leichte Infanterie, den britisch-n Söldnern zehnfach überlegen, bildete den Kern der amerikanischen Armee und zugleich den Vorläufer der französischen Revolutions- Heere von 179.3, von denen Steuden in diesem Jahre dem preußischen Militärschriftsteller von B ll l o w sagte, sie führten den- selben Krieg wie di« anwrikanifchen Farmer und würden ebenso unüberwindlich sein. In welchem Maße seine Prophezeiung in Erfüllung ging, erlebte S t e u b e n nur noch halb, denn die Revo- lutionskriege waren noch unentschieden, als er am 28. November 1791 in seinem bescheidenen Blockhaus in der Grafschaft Oneida starb. Menschlich und militärisch war der„Schöpser des ameri- konischen Heeres" eine Gestalt, die sich unter seinesgleichen wohl sehen lassen kqnn. Aber da es den amerikanischen Zeitgenossen kaum zum Bewußtsein kam, daß es sich bei dem gern Französisch redenden und schreibende� General um einen Deutschen handelte, erscheint es übertrieben, ihn heute im Zeichen der S t e u b« n- Gesellschaft und der St«uben-F«iern zu einem Sinn- bilde deutsch-amerikanis-der Annäherung zu machen. Steuden in allen Ehren, aber ein besserer Mitller aus den vergangenen Gene- rationen wäre Karl Schurz, der erst in Deutschland, dann in Amerika der Demokratie mit aller Hingab« diente und seinem neuen Vaterlande vielfältig nützte, ohne die alte Izcimat zu vergessen. Hermann WendeL ä)er Jlbfchluß einer Sfrluirache Auch in Ländern, in denen die moderne Rechtsprechung«in- geführt ist, erhält sich doch noch immer die alte Ueberlieferung der Blutrache, die dort einst lebendig war, und es ist die Aufgabe der Behörden, diese Form der wilden Vergeltung, die nun einmal dem Menschen noch im Blute steckt, in eine möglichst harmlose Zeremonie umzuwandeln. Wie dies im heutigen Palästina geschieht, dafür führt ein dort amtierender Vezirksbeamter, Major E. Keith-Roach, ein interessantes Beispiel an: Vor sieben Jahren erschlugen dvei Männer drei ander« in einem Familienstreit, und nachdem sie wegen dieses Verbrechens eine lange Gefängnisstrafe abgesessen hatten, wurden sie kürzlich entlassen. Sie wünschten nun, nach ihrem Dorf zurückzukehc«n, aber da die Blut- räche noch nicht beigelegt war, so wäre das für sie sehr gefährlich gewesen, wenn nicht vorher der Streit endgültig beigelegt ist. Sie wandten sich daher an den Bezirksbeaniten, der zunächst Schieds- richter ernannte, die die Bedingungen des Friedensschlusses festsetzen sollen. Fünf betagte Männer aus den benachbarten Dörfern, die wegen ihres aufrechten Charakters und ihrer Kenntnis der Bräuche allgemein« Achtung genießen, werden ausenwählt. An einem fest- gesetzten Tage versammeln sich diese Alten aus dem Marktplatz des Dorfes unter dem einzigen Baum, der sich hier erhebt, und ver- handeln über di« Form, durch di« die Blutrache am besten begraben werden kann. Es ist eine schwierige Ausgabe, bei der zahlreiche Tassen Kaffee getrunken werden und bei der man Allah und den Propheten zu Zeugen dafür anruft, daß in diesem Falle jedes Blut- vergießen auszuschalten sei. Auch die Zahlung von Geld wird nach längeren Erörterungen abgelehnt und festgestellt, daß nur die „Wajahah", d. h. die Ehre der beleidigten Familie, wieder hergestellt werden müsse. Schließlich kommt man zu dem Beschluß, daß die Mörder sich unterwerfen und ihre Familien ein.Mebesfest" ausrüsten müssen. Des weiteren wird festgesetzt, daß das Fest bestehen soll aus zehn Ziegen und«inem halben Sack Reis, zwei großen Kannen mit Sesamöl, 50 Kisten mit Zigaretten, drei Pfund Salz, etwas Pfeffer und soviel Feuerwerk, als ein Esel tragen kann. Die Nachricht von diesem Beschluß wird dem Bezirksbeainten mitgeteilt, und er wird zu dem Fest eingeladen. Am Festtage ist das ganze Dorf bereits früh auf den Beinen. Angesehene Leute aus den benachbarten Dörfern sind geladen, und um 8 Uhr morgens erscheint der Beamte mit einem Polizeioffizier und einem Gefolge von Vornehmen; er führt die drei aus dem Gefängnis Entlassenen bis an das Dorf. Dort werden sie von ihrer Familie in Empfang genommen, bleiben aber außerhalb. Der Beamte begrüßt nun die Schiedsrichter und die Familienmitglieder der Erschlagenen und teilt ihnen mit, daß drei Männer draußen warten. Di« Antwort lautet: -Laßt sie hereinkommen." Der Beamte bringt sie nun in den Hof, der das Haus des Dorfhäuptlings umschließt. Die drei stehen demütig und schüchtern in einer Ecke. Die Turbantücher auf ihren Köpfen, die mit einem Strick aus Ziegenhaar unsschlungen sind, wer- den abgenommen, zusammengefaltet und als eine Art Schlinge um den Hals gelegt. Wenn dann die Schiedsrichter, di« Vornehmen und die Dorfbewohner sich in dem Hof versammelt haben, entfernen die Männer langsam die Schlingen und legen sie zu ihren Füßen nieder. Der älteste Schiedsrichter hält min an die Angehörigen der Erschlagenen eine Ansprache:.Hier sind- die drei, die eure drei Söhne erschlagen haben; sie unterwerfen-sich."— Und mit bezeidh-, nendcr Gebärd« fährt er fort:„Tötet sie, wenn es euch gefällt."; Eine lange Pause entsteht. Dann fährt er fort:„Erwägt aber, daß der B«zirksbeamte und die Vornehmen der Umgebung hier- hergekommen sind, um für sie um Gnade zu bitten. Handelt nach arabischem Brauch; entscheidet!" Eine lauye Still« folgt; man hört das heisere Hüsteln einer alten Frau, das helle Schreien eines Kindes, die langgezogenen Töne der Pfeifen der Hirten, die in d«r Umgebung ihr« Herden weiden, das Gurren einer Taub«. Alles wartet gespannt auf den nächsten Akt des Dramas. Sehr langsam und sehr würdig treten nun die Brüder d«r Erschlagenen vor; sie beugen sich, sie nehinen die Turbansireifen voin Boden aus, und nachdem sie sie zu Kopfbedeckungen gefaltet haben, setzen sie sie den mit gesenktem Kopf dastehenden Männern aus. Dann grüßen sie sie mit einem schallenden Kuß auf jede Wange und sagen:„O ihr Männer, Friede sei mit euch, denn ihr seid wahrlich mehr wert als unsere Toten. Hat doch Allah selbst gesagt, daß die Lebenden besser sind als die Toten." Allgemeiner Jubel bricht darauf los; die schrillen Rufe der Frauen mischen sich mit dem dunklen Gemurmel der Männer; von allen Seiten werden die Weisen beglückwünscht, die dies« Blutrache zu einem so glücklichen Ende geführt haben. Dann beginnt das Liebesfest. Die Ziegen werden mit besonderer Fsierlich- keit geschlachtet, die anderen Speisen werden zubereitet, alles vereint sich zu dem Festmahl, dos bis spät in die Nacht dauert. �Bedeutung der deutfcfien Oelfunde Deuffchland braucht jährlich rund 1.1 Millionen Tonnen Min«ralöle. Davon brachte vor dem Krieg das Inland schon nur einen sehr geringen Teil auf, durch den V«rlust des Elsaß wurde der Anteil noch kleiner. Seit der Aufschließung des hannoverschen Oelfeldes bei Oberg, Oelheim, Steinförde und Wietze steigt di« Produktion unaufhörlich, so daß heute die vorhandenen Raffinerien nicht mehr genügen, um di« aus fließende Produktion zu verarbeiten. Im Jahre 1930 wird voraussichtlich die Produktion von 1913— damals also mit und heute ohne das elfäffffche Petrol— überschritten. Die Förderung von 1913 war 121000 Tonnen und sie sank bis auf 50 000 Tonnen, stieg schon 1929 wieder(ohne Elsaß) auf 102 000 Tonne». Heute, im November 1930, fftehr die Förde- rungsmöglichkeit bereits so günstig, daß man sür 1930 mit 150 000 Tonnen rechnet, sür 1931 ober etwa 600.000 Tonnen voraussieht. Zum Vergleich: Polen förderte 1929 625 000 Tonnen und Rumänien 1.8 Millionen'Tonnen. Weiter wird van einer besonders ergiebigen Sonde, Elwerath 38 in Nienhagen, angegeben, daß sie allein bei richtigem Ausbau eine Jahresproduktion von einer Million Tonnen geben könnte. Da der deutsche Bedarf sür 1931 auf IH Millionen Tonnen geschätzt werden kann, so ist klar, daß die hannoverschen Oelfunde eine größere Bedeutung besitzen, als man ihn«n in der Regel zubilligt. Es erscheint nicht als ausgeschlossen, daß Polen und Rumänien, USA. und Mexiko die deutsche Kundschaft«inbüßen, ja daß Deutschland zum Exportland sür Oel wird. Erinnert man sich nun des Umstandes, daß dies« Möglichkeit schon einmal nahe rückte — nämlich damals, als IG.-Farben künstliches Benzin in den Leuna- werken herzustellen begann—, so wird man sich fragen: welche Wege wird jetzt das internationale Kapital einschlagen, um den aus dem Boden quellenden Segen abzuwehren? Wird Morgan imstande sein, der Erde von Hannover das Maul zu stopfen, wie den Aktionären von JG.-Farben, die auf ihr« schöne Kunst zugunsten des amerikanifchen Oelünport» pe rechtsten? Mtyr MWklltt-MM Achtung! Bau- und Ceid- schranhschtosser Zrella«. Ben 14. Zlovember. nachm. 5 Uhr. Im Colal„mäcchcn Brunnen-, ,?rleBrlch»haln FunKlionär-Sitzung der Bau- und GetdschranK- schiosser 3n demselben Cofol, abends T Ahr. Vollversammlung aller Bau- und Ge.dschranüschiosser ianesotönund 1. Bericht der Zentralslreltleitnng und Lohnkommlsston von der Tarlsuerhandlung vor dem Schllchtnngsausfchnh. 2, Diskulsion Der Mcht>gkeit wegen ist erforderlich. dost alle Kollegen in diesen Beranstal» iungen restlos erscheinen, Miigliedsduch legitimiert, Achtung! Achtung! «sgen- und Karosserie-Arbeiter Montag den 17. Uonember, abend» 7 Uhr, In voekers ZestsSIen, Znh. Pohle. Wederstrahe 17 VOI Versammlung der tuagen- und Karcaaertearheitar Tagesordnung: Serlchl von der Verhandlung vor dem Schllchtungsausschuh gu dieser Wichligen Versammlung sind olle Kollegen verpflichtet zu erscheinen. Kr1™'* Theater, Lichtspiele usw. flchtung! 1)116(3111(811611!"""""g' Sonnlag, den 16. November, vorm. 10 Uhi im Konzert-Etablissement Eriedrichshain, Am Friedriohshain 16/23, Versammlung aller Vertranenspersonen und Betriebsratsdeiegierten aus den Betrieben des Verbandes Berliner Metallindustrieller Tagesordnung: Berichterstattung von den Verhandlungen Ober den Schiedsspruch Zutritt nur gegen Vorzeigung der mit dem VBMI.-Stempel versehenen Legitimationskarte und des Verbandsbuches ein r dem Metallkartell angeschlossenen Organisation. Die Ortsverwaltung. Freitag, 14. II. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. TS 20 Uhr Fürst Igor Ende n�S'/a Uhr Staats-Oper tm Pitt! der flepublii. V-B. 20 Uhr 3er Iliegeaiie Oeftmtl. Harteiinrkiei tnde n.22l/aUhi Freitag, 14. Ii Stadt. Oper Bismarcksir Turnus IV lO'i, Uhr Don Giovanni Ende 23 Uhr Staatl. (■in SiDdarniDini 65. A-V 20 Uhr Zum 25 Male! Liehe auf dem Lande. 33 Minuten in Brttne&erB Ende 22=;« Uhr M.Wiük'MMMW 20 Uhr Birr Doktor, tubtn Sit zu nun? Ende 22-/. Uhr TJjl. 5 l. 81« Ssnnl-Z.SB.S" ______ Alex. E 4«OOS I. Vor&t.llung 60 Pf. dl» 1 M II. und III. Vorit. 1 bl. 2 M AFRA, UESSEMS, K O H L B R A N DT usw. jgr �iLcfrn Mifi � 8,a Uhr.— Zen'ium 2819.— Rauchen erlaubt. Mangan* s 24 Tillerettes Das Tonphänomen Linder Carr's u. Betty» Sam Barton ct. Skladanowsky räTiSh"!," Sonnab. u. Sonntags Je 2 Vorstellungen 4 Uhr und 8.15.— 4 Uhr kleine Preise Das führende Variete i bester i. o, Behrensir. 53-54 Direktion: Ralph Arihar Roberts <■;. Das häSliche mäflehen Sonntag nachm 2-i, Uhr kleine P eise Arm wie eine Kirchenmaus Kleines Theat. raglich 81/2 Uhi Der große loshpielerfolgl Mox Adalbert Fritz Kampers Dagny Servoes in Der Mann, der schweigt jtrliiiTlieati!! Dönh. 625,626. -/-» Uhr Sektion Rahnsletten Ein Degenwarfsspiel»nn lirt Corrinfb CASINO-THEATER Lothringer Straf»«37._ Nur im Monat November die entzückende Komödie Ann wie eine Kircbenmans Gutschein 1—4 Pcrs. Fauteuil 1�5 M.. Sessel 1.75 M.— Sonstige Preise: Parkett 75. 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