Morgenausgabe Nr 537 A 220 4?.Iahrgang SSSchentllch S5�t% manallich S.S0 2R. w, voraus zahlbar. Postbezug 4L2 M. emschließlich 60Pfg.PoftzeitungS' und 72 Pfg. PostbesteÜgebühren. Auslands- abonnement 5.— M. pro Monal. * tu„Sonn dm* erscheint Wochentag. lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Tstel.Der Abend" Illustrierte Beilagen.Boll und Zeit- und.Kinderfreund". Ferner »Frauenstimme* Technik*..Blick in die Bücherwelt-..Iugend-Dorwüm� und»Stadtbeilage�. IP#- WG. berliner Volksblatt Sonnabend 13. November 1930 Groß-Lerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. DU eins p alttge Nonpareillezei!« SS Pfennig. ReName i eile S.— Reichs- mark..,5Ueiue Anzeigen' das ettge- druckt» Wo« Z5 Pfennig(zulassig zwei fettgedruckte Motte). ,edes wettere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch» das erste Wott IS Pfennig, jedes wettere Wott «0 Pfennig. Motte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Wotte� Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigett Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- geschäst Lindenstraße 3. wochentäglich von S»/, bis 17 Uhr. Jenteawesan der GozialdemoSraMwen Vavtei DeutteblandS ittedaklion und Verlag: Berlin sW 68. Uindenstratze 3 fiernwitcker: Tönbol» LW— 29? Teleln-nnm-Ädr So,laId«moKa» Berli». Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin Z7S2L—Bankkonto: Bank derArbciler, Angestellten nnd Beamten, Dallstr 62 Dt B u.Dl!c..GcI.,Depolitenkaffe,JerusalemerSlr 62/66. Aufruf zur Preissenkung. Eine Kundgebung des Kabinettsausschuffes. Amtlich wird mitgeteilt: Die von dem Kabinettsausschuß für Arbeits- und Preisfragen am Dmnlerstag in Aus- ficht gestellte Verlautbarung hat folgenden Wortlaut: Wie die Reichsregierung in ihrem Wirtschafts- und Finanz- progranrm betont hat, ist die Herabsetzung der Preise auf der ganzen Linie eine Notwendigkeit. Durch Verbilligung von Erzeugung und Berbrauch muß die Wirtschaft neu belebt werden. Verbilligung des Verbrauchs. Senkung der Lebens- Haltungskosten sind insbesondere anch geboten, um die Wirkungen abzuschwächen, die sich aus der Kürzung der Beaintcnbezüge und aus Lohnsenkungen ergeben. Ihr Jicl ist ebenfalls, die Lasten zu ermäßigen, die auf der Erzeugung ruhen. Niemand darf und wird sich aus die Dauer dieser zwangs- läufigen Entwicklung entziehen können. Sache der Regierung ist es, sie inst allen Kräften zu fördern, damit die Schäden und Nach- teile der Uebcrgangszeit zum Ausgleich von Angebot und Nachfrag«, von Preisen und Kaufkraft abgekürzt und das Millionenheer der Arbeitslosen so rasch wie möglich der schaffenden Tätigkeit wieder zugeführt wird. Die ungezählten und viesgestaltigen wirtschaftlichen Vorgänge des täglichen Lebens können nun aber nicht durch staatlichen Zwang in diesen: Sinn«' einheitlich und plötzlich gestaltet werden. Zwang ist geboten, wenn der wirtschaftlichen Entwicklung wider bester« Erkenntnis Hinderitiste bereitet werden, die anders nicht zu beseitigen siud. In diesem Sinne fördernd diese Verbilligungs- trndenzen zu stützen, ist die Aufgabe des Kabinettsaueschusses für Arbeits, und Preisfragen. Fast noch wichtiger aber als Zwang ist neben den VerHand- lungen des Staates zu gütlicher Läsung der Fragen der Druck der Verbraucher und der öffentlichen Meinung auf Widerstrebende. Wenn durch die Hand der Hausfrau jährlich etwa ÄS Milliarden deutschen Volkseinkommens gehen, so ist es vornehmlich anch sie. die auf die Preishaltung stärksten Einfluß nehmen kann. Sie kann die Per- käufer und d»e Waren bevorzugen, durch die sie billiger und besser bedient wird als durch andere. Die öffentliche Meinung braucht es nicht zu dulden, daß durch Zurückhaltung im Preisabbau Einzelne unberechtigte Vorteile haben, wenn andere in richtiger Erkenntnis der Lag« Opfer bringen. Sie kann und muß auch hier der Gerechtigkeit zum Siege verhelfen. Der Presse jeder Richtung und Größe, besonders auch den Zeitungen auf dem Lande, sind hier wichtige volkswirtschaftliche Aufgaben erwachsen, die verdienstvoll gelöst werden können. Gerechtigkeit kann insbesondere der Landwirt fordern, besten Preise weit unter dem Stand derer anderer Waren hinabgeglitten sind. Wird dieser Bewegung Einhalt geboten, wird oersucht, in an- gemestenen Grenzen die Preise der Agrarerzeugnisse und der anderen Waren einander anzunähern, dann braucht daraus für die Lebenshaltungskosten der breiten Masten keinerlei Nachteil zu ent- stehen. Tcitn die rückläufige Bewegung der Preise, die der letzte Verbraucher zu zahlen hat. muß dadurch auch weiter möglich sein, daß sich der Unterschied der Preis- spannen in gerechter Weise aus die Zwischenglieder verteilt. « Die folgende knappe Zusammenstellung soll eine gewiste lieber- ficht darüber geben, welche Fortschritte die Abwärtsbewegung der Preise in letzter Zeit auf einzelnen Wirtschaftsgebieten, meist infolge der staatlichen Maßnahmen, gemacht hat. Gewiß sind an sich die Lebenshaltungskosten für den Verbraucher unmittelbar von sinnfälligster Bedeutung. Trotzdem ist aber auch für ihn gleich wichtig, wenn die llrsiosfe der Wirtschaft verbilligt werden. Daher steht die inzwischen erreichte Herabsetzung der Kohlenpreise um K P r oz. im Vordergrund«. Sie wird sich für den Verbraucher in allen Ri' lungen mowirken. Ferner sind die �H o l z p r e i se um 17 bis 20 P r oz. die Preise sür Walzwerksprodutte um Z Proz. ermäßigt worden Von den Baustoffen sind im Durchschnitt Z e m e n t um ll> Proz.. Ziegel um 10 bis 1B Proz., F e n st e r g l o s um 22 Pro-, und Platten um 35 bis �0 Proz. im Preise gesunken. Der Inder der gesamten Baukosten ist seit Januar dieses Jahres um 11 Proz. zurückgegangen. Wenn so die Preste in den Grundlagen der Wirtschast weichen, dann muß davon der ganze Preisauft.au beeinflußt werden, der daraus ruht. Aehnliche» gilt von den Kosten der Nahrungsmittel. die für den realen Wert des Lohnes von entscheidender Bedeutung sind». Von den Nahrungsmitteln ist der Brotpreis von 50 Pf. auf 46 Pf. für das Normalbrot herabgesetzt worden unter gleich- zettiger Erhöhung des Gewichtes von 1225 auf 1250 Gramm. Das bedeutet eine Ermäßigung um 10 Proz. Ferner'oll in Zukunft das Brot einheitlich nach Gewicht verkaust werden Damit wird einem lange gehegten Wunsche der Vevölkerung Rechnung getragen. Das Pfund Schweinefleisch ist um 5 Pf. billiger geworden. Der Preis für Kartoffel» hat sich auf 23 bis 30 Pf für je 10 Pfund gesenkt gegenüber einem Preise von 40 bis 45 Pf. im Oktober d. I. Tor L i t e r p r e i s der Milch ist für Berlin uin 1 Pf. auf 29 Pf. gesenkt worden: im Oktober 1929 betrug er noch 32 Pf. Dabei ist zu berücksichtigen, daß durch Einführung der Oualitätsbezahlung für Milch dem Handel Mehraufivendungen entstanden sind, auf deren Einreck-nung in den Milchpreis er bei den Verhandlungen verzichtet hat. Bei Gemüse und Obst haben die Verkäufer eine Preis- scnkung grundsätzlich zugesagt. Die Einzelheiten werden noch im Benehmen mit der Marktforschungsstelle geregelt. Zunächst gellen diese Vereinbarungen nur für verNn. Das Preußische Handelsministerium hat bei ihrem Zustandekommen mitgewirkt. Es wird dafür sorgen, daß auch die zuständigen Be- Hörden im Lande in gleicher Weise eingreifen. Mit den Regierungen der anderen Länder wird die Reichsregierung selbstverständlich eben- falls in diesem Sinne zusammenarbetten. Bedeutsam Ist in diesem Rahmer. daß der DeutscheStädte- tag in Unterstützung der amtlichen Aktion inzwischen sämtlich« Siadtverwaltüngen zu tatkräftiger Mitarbeit an dieser wichtigen volkswirtschaftlichen Aufgab« aufgerufen hat. Es ist nicht zu zweifeln, daß im Zusammenwirken aller Behörden die Bewegung eine starte Stütze findet, die auf die allgemeine Preissenkung, gerichtet ist. Als weitere Beispiele für die Abwärtsbewegung der Preise seien erwähnt die Preisrückgänge der einzelnen Markenartikel auf dem Nahrungsinittelgebiete, wie Malzkaffee, Honig, M a k t a r o n i um 5 bis 12,7 Proz. Auch einige andere Marken- ortikel sind dieser Bewegung bereits gefolgt, dies im Ausmaße von 5 bis 20 Proz. Auf dem Gebiete der Eisenverarbeitung beträgt die Preisermäßigung bei einer Anzahl von Waren 3� bis 10 Proz., bei Messing- und Kupferfabrikoten 25 bis 40 Proz., bei Aluminium 10 Proz. und bei den Erzeugnisien daraus 5 Proz. Gummireifen weisen eine Preisermäßigung von 10 Proz., Linoleum im Durchschnitt von 5V Proz., einzelne Sorten von Zündhölzern von 8 bis 20 Proz., Papier von 8 bis 10 Proz. aus. Ortbopädische H'lfsmillel haben einen Preis» abs.'blag von 8 Proz., orthopädisches Schuhwerk einen solchen von 10 Proz. erfahren. In manchen dieser und anderer Fälle werden sich die Abschläge vom Preise im Einzelkonehalt nur in Pfennigbeträgen auswirken. Wer sich der Inflationssitte noch nicht entwöhnen kann, auf 5- oder 10-Pfennig-Beträqe abzurunden, der wird genug Gelegenheit haben, den Erfolg der Preissenkungen zu verkleinern. Tattächlich ist aber die Zeit dazu zu ernst. Auch der Bruchteil eines Bfennigs gewinnt in der Volkswirtschaft mehr Bedeutung denn je. Daher muß der Pfennig als Rechmings- einhett anerkannt und gewertet werden. Die erforderlichen Maß- nahmen sind In Porbereitung, die es ermöglichen sollen, dem auch im Zahst-ngs verkehr Rechnung zu tragen. So wird der Kabinettsausschuß iür Arbeits- und Preisfragen mit allem Na-bdruck an die weitere Entlastung der Wirtschaft durch Preisermäßigungen herangehen/ -» Die Zusammenstellung über die Abwärtsbewegung der Preise fordert zu kritischen Feststellungen heraus. 1. Die bisherige Senkung der Nahrungsmittelpreise ist für den Haushalt der Arbeiterfamilie fast ohne Bedeutung. Nur ein lächerlich geringer Bruchteil der allent- halben tatsächlich eingetretenen Lohnsenkung ist dadurch aus- geglichen. 2. Die Senkung der Preise von Urstoffen der Wirtschast und von Fertigwaren bedeutet eine Senkung der sogenannten . Selbstkosten der Wirtschaft. 3. Obwo�' diese Selbstkosten oesunken sind, wird unter dem Geschrei.«Lenkt die Selbstkosten" der Lohnabbau weiter aetrieben! 4. Die tatsächliche Senkung der Selbstkosten stebt in i keinerlei Verhältnis zur Senkung des Realeinkommens der ; Arbeiterschaft. 5. Wenn das Verhältnis sich nicht radikal verkebrt, wird ! die Arbeiterschaft in stirer Lebensßaltung die Zeche der 'Prelssenkungsaktion bezahlen. polnische Marschall-Wahle«. Em Vorspruch zum 16. November. Von einem polnischen Sozialisten. Einer der Vertrauten des Marschalls Pilsudski, der ge- wesene Ministerpräsident S w i t a l s k i. hat in seinen Ver- sammlungsreden angekündigt, daß es diesmal in Polen „rumänische Wahlen" geben wird. Die Wirklichkeit hat diese Ankündigung weit in den Schatten gestellt. PUsudski hat Bratianu überflügelt. Eine solche Wahl- fälschung aus Prinzip, wie sie diesmal in Polen geübt wor- den ist. ist wohl überhaupt noch nicht in der Weltgeschichte dagewesen. Die berüchtigten Badeni-Wahlen waren dagegen, so sagt man in Galizien. ein Kinderspiel. Und in dem vor- mals russischen Polen staunt man nachträglich, wieviel Liberalismus im Reiche des Zaren eigentlich doch immer noch vorhanden gewesen ist. In einer öffentlichen Versammlung konnte der Minister des Innern S l a d k o w f k i erklären, er habe feine Beamten aufgefordert, dafür zu sorgen, daß überall unbedingt die Kan- didaten Pilsudskis gewählt werden. Diese merkwürdige Wählerversainmlung nahm die Ausführungen des Ministers, die in jedem Wort einen Hohn auf Recht und Gesetz bedeute- ten, ohne P"otest, ja sogar mit Beifall auf. Man hat die Stimmungsmache für Pilsudski und seine unbestimmten Ziele damit begonnen, daß man 86 bisherige Abgeordnete in den Kerker warf und sie dort unter Bedingungen schinachten läßt, die an die Methoden der mittelalterliche» Inquisition erinnern. Man hat Stimmung gemacht, indem man diesen Abgeordneten 4000 Vertrauens- männer der oppositionellen Parteien, darunter 1000 Sozialisten, Versammlungsredner und Organisationsleiter, in den Kerker nachschickte. Man hat Stimmung gemacht, indem man die o p p o- sitionellen Zeitungen täglich mehrmals konfis- zierte und schließlich, da damit der erwünschte Erfolg nicht erzielt wurde, ihre Druckereien unter nichtigen Vor- wänden schloß. Säle der oppositionellen Organisationen wurden unter baupolizellichen Vorwänden geschlossen, den Wirten, die geneigt schienen, ihre Lokale für höheren Orts nicht beliebte Wähleroersammlungen herzugeben, wurde mit Entziehung der Konzession gedroht� In einem Viertel aller Wahlbezirke wurden die oppo- sitionellen Kandidatenlisten einfach für ungültig erklärt. Natürlich suchte man sich für diese Aktion gerade die- jenigen Wahlbezirke aus, in denen die Opposition bei den letzten Wahlen die größte Stimmenzahl erhalten hatte. Das Verhängnisvollste aber von allem ist das Ver» sagen der Justiz. Die Schöpfer der polnischen Ver- fassung haben in den Richterstand ein Vertrauen gesetzt, dessen er sich nicht würdig erwiesen hat. Die Richter versagen jetzt vollständig, wo sie' über die Gewaltakte der Verwaltung zu entscheiden haben. Sie versagen als Vorsitzende der Wahlkommifswnen. indem sie Ungesetzlichkeiten nicht nur dulden, sondern sogar selber Instruktionen herausgeben, die dem Gesetz ins Gesicht schlagen. So hat der Vorsitzende der Reichswahlkommission G i z y z k i, einer der obersten Richter in Polen, erklärt, daß es mit der verfassungsmäßig garan- tierten geheimen Wahl vereinbar fei, wenn die Wähler freiwillig ihren Stimmzettel offen ob» geben oder gar mündlich erklären, für wen sie stimmen. Da die Wahlkommissionen mit Verwaltungsbeamten besetzt sind und die PUsudski-Partei ihre Wähler zur offenen Stimm- abgäbe aufgefordert hat, kann man sich ungefähr vorstellen, was denjenigen droht, die es noch wagen, von ihrem ver- fassungsmäßigen Recht auf geheime Stimmabgabe Gebrauch zu machen. Die Verteidiger der Gefangenen von Brest-Litowsk haben gegen die Richter, die ihre durchschlagend nach dem Ge- setz begründeten Berufungen zurückgewiesen hatten, Straf- anzeige wegen Mißbrauch der Amtsgewalt er- stattet. Ueber diese Anzeige hat nun ein Senat zu ent- scheiden, dessen Zusammensetzung streng geheimgehalten wird!, In einem seiner vielen übelriechenden Interviews hat der Marschall Pilsudski den Gerichten für ihr promptes Funktionieren seinen öffentlichen Dank ausgesprochen. Im Sommer dieses Jahres trat ein Mitglied des Obersten Gerichtshofes, das im Begriff war. in Pension zu gehen, an einen sozialistischen Abgeordneten heran und bat ihn, eine Erklärung abgeben zu dürfen, die die Quintessenz seiner Erfahrungen als Mitglied des Obersten Gerichtshofes darstelle Diese Crlläruvg lautete kurz und bündig:«Es gibt keine Richter in Polen!" Dieser Satz schien damals— es war noch vor der Auf- Mfung des Sejms— selbst Pessimisten übertrieben. Seit- dem aber haben Herr Gizycki und seine würdigen Kollegen den vollen Wahrheitsbeweis für ihn erbracht. Was alles geschieht, um den Buchstaben des Gesetzes parteipolitisch zu Mißbrauchen, und Recht in Unrecht zu verwandeln, das bildet heute schon eine Wissenschast für sich. Kann man sich vorstellen, daß Gesetze, die zur Pflege der Gesundheit er- lassen sind, heute dazu mißbraucht werden, um mit unaus- dsnklichen Schikanen gegen unbotmäßige Gemeinden vorzu- gehen? Daß Umsatzsteuern, Einkommensteuern willkürlich bemessen werden in der offenen Absicht, mißliebig gewordene Staatsbürger dadurch wirtschaftlich zugrunde zu richten? Hat Pilfudski recht, wenn er die Polen ein Volk von Idioten nennt? Ich glaube nicht. Aber, daß er aus den Polen ein Volk von Charakterlosen macht, ist zu befürchten. Auswärtige Journalisten bedrängen uns Sozialisten mit der Frage, was wir als Ergebnis dieser Terrorwahlen er- warten. Persönlich kann ich die Hoffnung nicht aufgeben, daß sich die ungeheure Mehrheit des Voltes, die gegen Pilfudski ist. durchsetzen wird, trotz aller Gewalt, trotz aller Ungesetzlichkeit, trotz ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit, trotz der ganzen Hölle, die um sie entfesselt ist.� , Aber leider muß zugegeben werden: gelänge das, so wäre es beinahe schon ein Wunder. Zrick-Justiz in Gsenach. Gefängnisurteil im Zanfon-prozeß. Papier statt Fleisch! Hakenkreuzdemagogie in der Gesnerfieischftage. Der Ausschuß für den Rcichshaushalt mußte entgegen der gestrigen Absicht in der Freitagssitzung nicht sofort zur Abstimmung über die Anträge zur Verbilligung von Frischfleisch jchreiten, da von der Deutschen Nolksportei und der sozktldemokra- tischen Fraktion noch zwei neu« Antrüge eingelaufen waren. Die Debatte mußte daher neu aufgenommen werden, und als erster Redner bat der Reichsfinanzminister D i e t r i 61 den Ausschuß dringend, nicht größere Geldmittel anzufordern, als in der Borlag« des Reichsernährungsministeriums vorgesehen sind. Abg. Keil(Soz.) empfahl seinen neu eingebrachten Antrag zur Annahme. Die Debatte nahm einen teilweise erregten Charakter an, als von den nationalsozialistischen Abgeordneten Feder und Reinhardt Deckungsvorschläg« entwickelt wurden, durch die die Regierung instand gesetzt werden sollt«, alle vom Zlus- jchuß gewünschten Maßnahmen zugunsten der unbemittelten Kreise zu decken. Diese Deckungsvorschläg« bestehen in einem Monopol auf die Einfuhr von Bananen und Südfrüchten und -n der Besteuerung des Gewinnes auf Börsen- ipekulotionen für die rückliegenden Jahre. Bon den sozialdemokratischen Abgeordneten H e i n i g, Keil und Frau Wurm und von dem Abgeordneten Schnack(Z.) und Cremer lDBph wurden diese Vorschlag« als r«in« Agi- tatione antrage enthüllt, mit denen man vielleicht in einer Boltsvensammlung. aber nicht im Haushaltsausschuh Eindruck machen könne. In der Abstimmung wurde schließlich nach Ablehnung ver- 'chiedener anderer Anträge mit 24 Stimmen bei Stimmenthaltung der Deutschnationalen der folgende Antrag Torglers angenommen: „Die Reichzregicrung aufzufordern, die Lerbilligung von Frischfleisch für die minderbemittelte Bevölkerung in der Weise vorzunehmen, daß der Preis des verbilligten Frischfleisches in keinem Fall« hoher fein darf als der bisherige Preis des zoll- freien Gefrierfleisches und der Kreis der Bezieher von verbilligtem Frischfleisch alle Erwerbslosen, Sozial- und Kleinrentner sowie alle Fürsorgeberechtigte umfassen muß." Der Ausschuß trat sodann in ein« Besprechung der Hochwasser- schaden und der notwendigen Abwehrmaßnahmen ein. Die Abstimmung über die Anträge wird am Sonnabend nach erfolgter Drucklegung vorgenommen. Sozialisten die stärkste Soldaienpartei. In den Wiener Kasernen die Christlichsozialen überflügelt. Wien. 14. Rovember.(Eigenbericht) Au« den seht vorllcgenden Ergebnissen der Rationalrats. mahlen In den wiener Garnisonen ergibt sich, daß die Ehrisflichsozialen in den Kasernen eine Niederlage erlitten haben. Während bei den Dertrauensmönnerwahlen der Sol- baten, bei denen sich der Druck der Offiziere ganz unmittelbar au»- wirkt und das Wahlgeheimnis nur sehr unvollkommen gewahrt ist. sich der christlichsoziale Wehrbund bisher auch in Wien eine große Mehrheit sichern konnte, haben die Ehristllchsozialen bei den Rationalratswahlen kaum ein D r i t l et der Soldatenstimmeu er- Hakken. Bon 6652 in den Kasernen wahlberechtigten Männern haben 5733 abgestimmt.. Die Zahl der Wehrmänner ohne Offiziere be- trägt 4844. Davon erhielten die Sozialdemokraten 2311 Stimmen, die Cbristlichsozialen 2240, der Schaber-Block 480, der Heimatblock 168. die Nationalsozialisten 461 und die Kommunisten 18 Männerstimmen. Danach hat die Sozioldemokrati« die anderen Parteien auch in den Kasernen überflügelt. Dieses Wahlergebnis ist für das System Baugoin niederschmetternd. Es zeigt, daß es Herrn Paugoin keineswegs gelungen ist, die Wehrmacht von„den Roten" restlos zu säubern. Korruption. Dem deutschnationalen Stadtver» ordneten U l x i ch in Kassel war von dem dortigen sozialdemy» tratischen„Volksblatt" Korruption vorgeworfen worden. Ulrich klagte und wurde abgewiesen. Er legte Berufung«in und erzielt» ein Urteil, in dem es heißt, der Wahrheitsbeweis (für die Korruption) sei in vollem Umfange gelungen. Der Privaikläger. eben der deutschnationale Herr Ulrich, habe sein Amt als Stadtverordneter mißbraucht. Die Art, wie er gehandelt habe, nenne man Korruption. Sein Derhalien sei verwerflich. Oldenburg« Winlsterprästdent. Der- Oldenburger Landtag wählte am Freitag mit den Stimmen der Rechtsparteien den Regierungspräsidenten C a s s e b o,h m zum Ministerpräsidenten. ver langjährige erste Vizepräsident des Vreußischen Landtages. Abti-ordneler Dr. Dorsch, der Jahrzehnte hindurch zugleich der erste Barsitzende der preußischen Zentrumspartei mar, ist gestern nachmittag schwer erkrankt und auf seinen Wunsch nach Breslau gebracht worden. Di? Breslauer Volksmacht" feiert heute mit einer Festnummer ihr 4Vjahricies Jubiläum als sozialdemokratisches Organ in der Hauptstadt Schlesiens. Eifeuckch, 14. November.( Eigenbericht.) In dem Prozeß des Eiseaacher Oberbürgermeisters Ianso» gegen die„Eisenacher Volkszeitung" wurde der verautwortliche Redakteur des Blattes Schroot zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Ju der Begrüuduug des Urteils betonte der Vorsitzende, daß der Vorwurf des Hochverrats ein sehr schwerer sei. Der Wahrheitsbeweis habe nicht erbracht werden können. Tie Glaubwürdigkeit des Hauptzeugen Machts sei durch entgegengesetzte Zeugenaussagen erschüttert worden. * Der Zeug« Machts hatte im Verlauf des Prozesses seine Dar- stellung über die Unterredung mit Oberbürgermeister Janson in allen Punkten aufrechterhalten. Danach bemühte sich der Vertreter Iansons, die Glaubwürdigkeit Machts zu erschüttern. Drei Zeugen sagten über Machts Verhalten im Kriege sehr ungünstig mis. Die von der Verteidigung beantragte Vernehmung von Zeugen, die günstig aussagen würden, lehnte das Gericht ab. Der Staatsanwalt hielt in seinem Plädoyer die Darstellung des Berliner Gesprächs, die Machts gibt, für unwahrscheinlich. Er haste manche Aussage dessen Aufgeregtheit zugute. Für den Vorwurf des Hochverrats durch Janson sei kein Beweis erbracht. Bei der Schwere des Vorwurfs beantrage er vier Monate Gefängnis für den Angeklagten. Der Anwalt Iansons legte es besonders darauf an, die Glaubwürdigkeit Machts zu erschüttern. Dagegen verwahrte sich der Verteidiger Schroots ganz entschieden. Er stellt im übrigen fest, daß beide Teile eine ziemlich gleiche Darstellung gaben, nur mit einem verschiedenen Tenor. Auf diesen Tenor aber komme es doch sehr an! Ein Mord an Machts sei ober die einseitige Vernehmung ungünstiger Zeugen über die Kriegs- erlebnisse aus frühester Jugend. Gegen das Urteil wird sofort Berufung«ingelegt werden. -i> Das harte und.durch nichts begründete Urteil des Eisenacher Gerichts kann nicht verwischen, daß der Gang der Beweisaufnahme einwandfrei gezeigt hat, daß Fr ick mit Hilfe des Oberbürgerineisters Janson die Einstellung eines Polizeibeamten verhindert hat, weil er im Verdacht stand, Republikaner zu fein. Herr Janson hat den Gang dieser Unterredung in ent- scheidenden Punkten nicht bestritten. Taffache ist, daß Frick gegen Machts vorgegangen ist. daß das Verbrechen von Machts darin bestand, daß sein Bruder Sozialdemokrat und preußischer Polizeioffizier ist. Tatsache ist, daß Ministerialrat G u r g e t unter dem Druck von Frick sein günstiges Urteil über Machts ändern mutzte. Das Vorgehen her Kreise, die Frick angebliches Material über Machts geliefert haben, ist eine Infamie. Sie haben den Vorwurf der Feigheit im Kriege erhoben. Das Gericht hat diese Gerüchte benutzt, um Machts als unglaubwürdig hinzustellen. Es hat drei Zeugen für diese Gerüchte ver- nommen— es hat Gegenzeugen nicht zugelassen. Es hat in einseitiger unobjektiver Weise die Ehre und die Glaub- Würdigkeit des Zeugen Machts angegriffen. Ein Zeuge sollte unglaubwürdig gemacht werden, weil seine Aussogen sachlich nicht erschüttert werden konnten! Diese Art der Prozeßführung charakterisiert sich als politisches Zweckversahren, sie ist des Regimes Frick würdig! Frick ierrorisiert Zeugen. Sein Kampf gegen das Reichsinnenmimsterivm. Weimar, 14. Nooembtr.(Eigenbericht.) Der chüringifche Innenminister Frick hat an die Polizei- beamten der thüringischen staatlichen Polizei und Gendarmerie einen Erlaß gerichtet, in dem alle„versassungs- treuen und ordnungsliebenden" Beamten gewarnt werden, dem Reichsminister des Innern für seinen Kampf gegen die Weimarer Putschzentrale irgendwelche Unterlagen zu liesern. Zum Schluß des provozierenden Erlasses heißt es: „Wir warnen die' Beamten, Einflüsterungen, Versprechungen und Verlockungen nachzugeben, und weisen darauf hin, daß wir gegen jeden Angehörigen der staatlichen Polizei und Gendarmerie, der Dienstvergehen der genannten Art begeht, sofort mit schwersten Dienststrafen, wenn möglich durch sofortige Entlassung, einschreiten werden. Wir haben das Vertrauen zur Beamtenschaft der thüringischen Polizei, daß es nur dieses Hinweises zur Vermeidung weiterer Verrätereien und weüerer Verletzungen der Amtsverschwiegenheit bedarf. Sollte einem Beamten etwas über ein geplantes oder voll- endetes Dienstvergehen dieser Art oder über Versuche von nicht der Polizei angehörigen Organisationen und Persönlichkeiten in der ge- nannten Richtung bekannt werden, so ist es seine dienstliche Pflicht, umgehend dem Ministerium auf dem Dienstwege Meldung zu er- statten." Die Hatenkreuz-�eichStagSfraktion wird dreist. Di« Reichstagsfraktwn der Nationalsozialisten hat ein« Jnter» pellation eingebracht, in der die R e i ch s r e g i e r u n g auf Grund der bisherigen Thüringer Regierungsfeststellungen gesragt wird, ob sie das Vorgehen des Reichsinnenministers und feine Ver» schlevpungstaktik billige. Weiter werden die Reichsminister der Deutschen Volkspartei,' Wirtschaftspartei und des Landbundes gefragt, was sie zu tun gedenken, um das Land Thüringen, in dessen Regierung als Minister und Staatsräte An- gehörige ihrer Parteien sitzen, von einer derartigen unbegründeten und ungerechten schweren Schädigung zu befreien. Wie der Großgrundbesitz die Landwirischastshilfe ausbeuteie. Im weiteren Verlaufe der gestrigen Landtagssitzung, über deren Anfang wir bereits im gestrigen„Abend" berichteten, begründet« Abg. Hartwig(Soz.) die sozialdemokratisch« groß« Anfrag« über die llmfchuldungsaktionen in Pommern: Das Vertrauen zur gerechten Verteilung der Umschuldungskreöite ist auch in den Kreisen der bäuerlichen Bevölkerung Pommerns völlig geschwunden. Auch in Pommern bekommen dabei die Großgrund- besitzer viel, die Besitzer mittlerer und kleiner Betriebe fast nichts. Ein Fall mag für viel« dienen. Der Landwirtschaft des Kreises Schlawe sind 412 000 M. an Umschuldungskrediten zugeflossen. Davon nahmen 5 Großgrundbesitzer erst einmal 204 000 20. für sich in Anspruch, während der Rest von 118 000 20. sich wie folgt verteilte: 21 mittclbäuerliche Betriebe rund 95 000 20., � 7 kleinbäuerliche Betriebe rund 22 400 20. Diese Praxis wirft auf die Uneigennützigkeit der Großgrund» besitzer ein eigenartiges Schlaglicht. Wir haben wiederholt nachge- wiefen, daß dieselben Zustände auch in anderen Kreisen vorherrschend sind. Der Großgrundbesitz nützt auch heut« noch wie früher seine Vormachtstellung aus, um sich persönliche Vorteile zu verschaffen. Wir verlangen von der»Regierung Auskunft, in welcher Weife sie die gerechte Verteilung der Umfchuldungsaktion endlich durchsetzen will.(Beifall! bei den Soz.) Hierauf begründen die Vertreter fast aller Fraktionen große Anfragen und Anträge, die sämtlich Hilfsmaßnahmen zur Linderung der Not der Landwirtschaft fordern. Landwirtfchastsminister Dr. Steiger erklärt die deutsche und Weltagrarkrise aus der verminderten Auf» nahmesähigkeit des Fernen Ostens, den durchgeführten Rationali- sierungsmaßnahmen und der Produklionssteigerunq im übrigen Europa und Amerika. Der Weltmarktpreis des Weizens betrage 120 M., der Jnlandpreis 240 M. bei einem Zoll von 250 M. All« Länder hätten Hilfsmaßnahmen für die Landwirffchaft durchgeführt. Also nicht die Regierung, sondern Krieg und Kriegsfolgen tragen an dieser Not die Schuld, also auch an der Zunahme der landwirtschifft- lichen Gesamtverschuldung in Höhe von 400 Millionen bis zum ersten Halbjahr 1330. Dabei liege in den kurzfristigen Krediten der Schwerpunkt. Dazu komme die Absatzkrise, inebesondere in der Getreidewirtschaft. Erforderlich sei insbesondere eine Umstellung von Roggen aus Wetzen. Ein Regierungsocrlreter beantwortet die großen Anfragen der sozialdemokratischen Fraktion. Danach sind bis zum 30. September 1930 für Ostpreußen als zweifftelliq« Hypotheken über 91 Millionen Mark bewilligt worden. Daran find nach Größenklassen betefligt: Betriebe bis 20 Hektar mit etwa 3,5 Millionen, bis 100 Hektar mit "23,2 Millionen, bis 200 Hektar mit 20,8 Millionen und über 200 Hektar mit 44,4 Millionen Mark. Bis August 1930 sind an Um- schuldungshypötheken, für die Reich, Staat und Provinz in Anivruch genommen wurden, etwa 2,15 Millionen Mark ausgefallen. Welche Beträge als gefährdet anzusehen sind, läßt sich zahlenmäßig nicht angeben. Für Sicherung der Umschuldungshypotheken ist durch Gesetz vom 18. Mai 1929 Vorsorge getroffen. Die Beankworiung der svzialdemokraiischen Anfragen über die Berieilung der Amschuidungekredlke im pommerschen kreise Schlawe bestätigt die Angaben des Abg. Hartwig. Ueber die Bcwilligyng hatte der provinzielle Kreditausfchuß� zu be- finden. Nach Angabe des Oberpräsidsnten hat der bäuerliche Besitz deshalb weniger erhalten, weil er in nördlichen Teilen des Avises auf gutem Boden sitzt und zu dem wohlhabendsten Teile des bäuer- lichen Besitzes in der Provinz Pommern gehört. Bei der Osthilfs werde die Staatsregierung für eine gerechte Verteilung eintreten. Abg. peters-Hochdonn(Soz.): Nach der eingehenden Begründung unserer Anfragen liegt für meine tztrattion in der Aussprache kein Bedürfnis vor, noch einmal das Wort zu nehmen, wenn uns nicht die Begriptdung der deutsch- nationalen Anfragen und Anträge dazu zwingen würde. So haben die Deutschnationalen z. B. behauptet, daß weder die Staats- noch die Reichsregierung für die notleidende Landwirtschaft gesorgt hat. Außerhalb des Hauses würde ich diese Behauptung«inc Unoerschämi- beit genannt haben. Ich stelle fest, daß namentlich die preußische Staatsregierung alles menschenmögliche getan hat, um der Land- Wirtschaft zu Hilfe zu kommen. Ich stelle weiler fest, daß sich kein anderer Stand rühmen kann. ähnlich unterstützt oder subventioniert zu sein, wie die Land- Wirtschaft. Der notleidende Mittelstand wäre froh, wenn er nur einen kleinen Teil davon bekommen hätte und vor allen Dingen ist etwas Positives zur Linderung Ser unbeschreiblichen Not der arbeitenden Massen überhaupt noch' nicht getan worden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die von den Deutschnationalen gefordert« bedingungslose Stundung von Steuern ohne Nachweis der Notlage ist zwar blanker Unsinn, aber kennzeichnend für die schamlosen Agitationsmethoden. Ich erinnere an all« bis heute noch nicht zurückgezahllen Saat, Dünger- und Unwetterschädenkredite. Im Gegensatz zum heutigen »taat hat z. B. das alte D r« i k l a i s e n p a r l a m e n t unter Führung der Konservativen im Jahre 1888 anläßlich der'urchtbaren Unwetterkatastrophe für die davon detrosfene Landwirtschaft nicht das geringste getan.(Hört! Hört! bei den Soz.) Ich er» innere weiter daran, daß die Landwinschafi keinen Pfennig Hau�- zinssteuer aufgebracht, gleichwohl aber 20 Millionen daraus be- kommen hat. Im ganzen bringt die preußische Landwirts chasl an Grund- steuern 80 20illioneu aus. die aber mit 73 kNillioneu beinahe wieder oom Staate ausgegeben werden für Auswendungen Im Interesse der Landwirtschaft. Es gehört schon dsr traurige Mut unserer Rechtsparteien dazu, an- gesichts dieser nicht zu widerlegenden Tatsachen die Behauptung aufzustellen, daß nickt- für die Landwirtschaft von fetten des Staates getan worden ist.(Sehr wahr! bei den Soz.) Die schon vom Minister gekennzeichnete Absatzkrise der Land» Wirtschaft kann nur durch H e b'u ng der Kaufkraft ubcnxiunden werden. Henry Ford rückt in seinem letzten Buch ebenfalls die Hebung der Kaufkraft zur Uebcrwindung der Wirtschaftskrise in den Bordergrund. Dies« Theorie hat«r in die Praxis umgesetzt. Es war ein Schlag ins Gesicht der Berliner Metall- industriellen, die Lohnabbau zur Uebenpttchung der Krise forderten, als«r am Tage des Streikausbruchs in seinem Betrieb erhebliche Lohnzulagen gewährte mit dem Hinweis, daß sich dadurch die Kaufkraft erhöht. lSehr wahr! bei den Soz.) Ebenso unsinnig ist die' deutschnationale Forderung, das lond- wirtickaitlichc Einfuhrkontingent der landwirtschaftlichen Ausfuhr an- zuglsichen Da Deutschland jetzt einen erheblichen Ausfuhrüberschutz zu verzeichnen hat, würde da- in letzter Konsequenz eine Ueber- schwemmunq des deutschen Marktee mit ausländischen Produkten bedeuten. Man will natürlich etwas anderes: die Kündigung der Handeisverträge und Sperrung der Einfuhr!(Sehr richtig!'bei den Asutscknationalen.) Die Herren können keinem vernünftigen Menschen zumuten, einem wichen Antrag zuzustimmen, benu seine Annahme mürbe ein« wirtschaftstche Katastrophe bedeuten. während der Zwangswirkschasl schrie die Rechte nach Wirtschaft. licher Freiheit. Heute will sie die Zwangswirtschaft in anderer Form, denn sie will dem Konsumenten vorschreiben, welche waren gekaust werden sollen. Tie hüll die deutschen Frauen für so dumm, daß sie ihnen zumutet, für qualitatio nicht so gut« deutsche Ware mehr zu zahlen als für gute Auslandsware Die dänische Landwirtschast hat eingestandener- mähen für ihren Export nach Deutschland so lange keine Angst, als die deutsch« Landwirtschaft auf so niedrigem Produktionsstand steht. Vis letzt hat leider die deutsche Landwirtschaft alles versäumt, um durch Schaffung von Absatzgenossenschaften die un- erträglichen Preisspannen zu beseitigen, also ihrerseits durch Hebung der Kaufkraft zur Beseitigung der Krise beizutragen. Im Gegenteil dazu geht man in Ostpreußen jetzt iwn über, die Kaufkraft durch Herabdrücken der an sich schon elenden Landarbeiterlöhne noch weiter zu senken.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Stall Absatzgeuofseuschaflen zu schaffen, sehen die veulschnallo. nalen aber die Rettung der Landwirlschasl nur in hochschnh. zollen. Dabei besteht längst Klarheit darüber, daß diese lediglich dem Groß. orundbesitz. aber nicht den Millionen von Mittel- und Kleinbauern dienen,(sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Di« Sozialdemokratie will der notleidenden Landwirtschaft helfen, aber sie will Gerechtigkeit und nicht eme Politik, die die Landwirt- chaft Ins Verderben bringt.(Lebhafter Beifall bei den Sozia«- demokroten.) Abg. von Rohr(Dnat.) erklärt, daß das marxistisch-liberale System sich nicht nach den Interessen der Nation richte. Man will das Interesse der stödtiichen Bevölkerung ablenken. Die Land- arbeiterschast sei im Erwachen, sie sehe hinter ihrem kargen Lohn die dunklen marxistischen Gestalten, die Deutschland in den Abgrund geführt haben. Die Linke wolle die Gegensätze zwischen Klein- und Grohdesitz verschärfen. Abg. Wallach(Z.) kritisiert die hohen Bankzinssätze der landwirt- 'chaftlichen Hypotheken. Im Osten sei die Landwirtschaft am End« ihrer Kraft. Hilfe müsse rechtzeitig kommen. Er fordert Bei- »iahlungszwang von Roggen zum Weizen und hohe Zollsätze auf Futtermittel. Abg. Kerfs(Komm.) wendet sich gegen die Angriffe der Agrar- presse gegen die Sowjetunion. Zu helfen sei nur durch«ntschädi- gungslose Enteignung des Großgrundbesitzes. Abg. Dr Schislan(D. Bp.) verwahrt sich gegen die Aeußerung des Abg. von Rohr, der Liberalismus mit Marxismus in Zu- fammenbang gebracht hat. Er fordert Ausbau des Notprogramms. Abg. Fischer(Chr.-Nat.) gibt der verkehrten Handelspolitik der fetzten süns Jahre die Schuld an der landwirtschaftlick�n Not. Nur an der nationalen Seite könne die Landwirtschast Rettung finden. Landwirtschaftsminister Dr. Steiger weist die Angriff« des Abg. von Rohr zurück und zitiert Auslassungen rechtsgerichteter landwirt- i Gastlicher Sachverständiger dafür, daß Reich und Staat nicht nur Hilfe versprochen, sondern das Versprechen auch eingelöst haben. Abg. wachhorsl de wevle(Smatsp.) polemisiert ebenfalls gegen den Abg. von Rohr. Beim Aufbau des neuen Staates habe man die jetzigen Bolksbeglücker von rechts vergeblich gesucht. Di« Staats- Partei lehne die konservative Agrarpolitik ab. Abg. Schtvidl-Brestau(Wp.) macht für die hohen Einzelhandels- preis«, das Steuersystem verantwortlich. Die Lage der Schläfer- meister, die am Hungertuche nagen, sei m'tleid erregend. In der Zwesten Rednerreihe polemisiert Abg. v. Rohr(Dnat.) gegen die Ausführungen des Redners der Landoalkpartei. Dos deutsche Volk sehne sich nach den Gedankengängen . Mussolinis.> der ihm gegenüber erklärt hat, daß er für di« italienisch« Landwirt- f chaft nichts, dagegen aber für die Kraft und die Größe der italie- nilchen Nation alles tu«. Rur dadurch sei auch d«r Landwirtschaft zu helfen. In der weiieren Debatte kommen noch einmal die Redner den einzelneu Fraktionen zu Wort. In später Abendltund« überweist das Haus all« vorliegenden Antrags zum Teil dem Haupt- und zum Test dem Landmirtschaftsauzschuß. Hierauf vertagt sich der Landtag auf den IS. Dezember. Dann sollen die Etatberatungen beginnen. Die Maierialschlacht in Genf. Die deulfchen Anträge haben mehr Stimmen als je erhalten. Genf. 14. November.(Eigenbericht.) Eine englische Entschließung zur Materialbegrenzung zählt alle drei Arten der Begrenzungsmöglichkeit auf: die durch Beschränkung des Budgets, die durch direkte Herabsetzung und endlich die Kombination aller Methoden. Graf Bernstorss oerlängte, daß die Kommission zu einer Abstimmung komme über die direkt« Begrenzung, weil'sie die weitestgehende sei und mehr bedeute als die Begrenzung durch das Budget, um endlich festzu- stellen, welche Regierungen für die sine oder andere dieser Arten der Begrenzung sei. Bernstorfs erklärte unter großer Be- wegung der Konferenz, daß es an den anderen Mächten fei, abzu- rüsten und nicht an Deutschland. Technisch könne die Frage keine Schwierigkeiten beresten, da die direkt« Begrenzung für Deutsch- land ausgiebig angewandt worden sei. Di« öffentliche Meinung würde nicht befriedigt werden, wenn man nicht direkt das Kriegsmaterial begrenze. Im späteren Verlauf der Beratung wurden von Massig»«ine scharfe Erklärung gegen Bernstorsss Ausführungen abgegeben. Mthrere Delegiert« erklärten sich nach Massig» für ein« Kam- binatlon der Methoden, unter denen die Entwaffnung vor- genommen werden soll. Gras Bernstorss oerlangte, daß unbedingt über das Prinzip der direkten Begrenzung und seine Zulassung abgestimmt werden soll. » Ein Genfer halbamfllcher Bericht saht da» Ergebnis der bis- herigen Veralungen wie solK zusammen: „Der Bordereilende Abrüstungsausschuß hak in zwei wichtigen Dunklen, dem der ausgebildeten Reserven und dem des Heeres- malerials. seine früheren Beschlüsse im weseuklichen aufrechlerhalten. Allgemein ausgefallen ist, daß der deutsche Antrag elue verhällnis- mäßig beträchtliche Anzahl von Zustimmungen ge- funden hat. E» ist das erstemal, daß im Vorberelt enden Abrüstunas- ausschuß ein deutscher Antrag Stimmengleichheit erreichte. Das Bild wird noch etwa» günstiger, wenn man berücksichtigt, daß unter den Reglerungen, die sich der Stimme enthalten haben. sich solche befinden, di- w der Dchalle ihre grundsätzliche Zustimmung zum deutschen Standpunkt zu erkennen gaben. Der Berliner Polizelpräsidenl feilt mit: Die„Junge erde', Zentralorgan des kommunistischen Iugendverbandes eutichlands, ist auf Grund der§8 13 und S in Verbindung mit n tz§ 5 und 4 des Gesetzes zum Schutze der Republik auf die auer von zwei Monaten verboten worden, weil sie ie an dem früheren Berliner Polizechräsidenten Zörgiebel be- ingene Gewalttat ausdrücklich verherrlicht und gebilligt hat, und eil sie in einem anderen Artikel der gleichen Nummer die ver- ssungsmäßig» republikanisch« Staatsform des Reiche, beschimpfte. Ktick fäuberi die Schupo. vÜ* ,Was haben Sie denn da in der Tasche? Die Weimarer Verfassung? Aha, wieder ein Umstürzler erwischt." Finanzskandal vor der Kammer. Schwere Angriffe auf Justiz« und Finanzminisier.- Regierung Tardteu dennoch gerettet. Paris, 14. November.(Eigenbericht.) Die französische Kammer lzat am Freitag nachmittag mit der Diskussion über die Börsenkrise und den O u st r i c- Skandal begonnen. Der sozialisttsche Abgeordnete Mannet begann mit einem scharfen Angriff gegen den Justiz mini st er Raoul Peret. der dem Spetulationsbankier Oustric als Rechtsberater diente. Di« Zusammenarbeit habe schon 1326 begonnen. Damals, als Peret sein Amt als Finanzminister an Caillaux abgetreten habe, Hab« er noch schnell die Aktien der zum Oustric-Konzern gehörenden Kunst- seldefabrik Snia Biscosa zur offiziellen Börsennotiz zugelassen. Sofort erhebt sich der beschuldigt« Minister Raoul Pöret zorn bebend und erklärt, die Börsenzulassung sei regulär er- folgt. Die Klage gegen Oustric wegen Betruges, Unterschlagung und Wechl elretterei werden einen normalen Verlauf nehmen. Mannet läßt sich aber durch he Entschuldigungen de» Justizministers nicht besänftigen. Er schließt jeine Rede mit der Forderung. daß di« Regierung Tardteu. diese Regierung der „Skandal, und G«schä f t s p ö lit i k�. sofort ver» schwinde. Der Radikale Bonnet stellt« fest, daß der Krach Oustric die französischen Sparer mindestens Milliarden Franks gekostet Hab«. Die klein« Gefälligkeit Pörets sei bei lvettem nicht alles gewesen, was Oustric an Unterstützungen von offizieller Seite zuteil geworden sei. Zweimal habe ihn die Bank von Frankreich vor dem sicheren Untergang gerettet, indem sie ihn einmal 157 Mrl- lionen, das andere Mal 163 Millionen gegen Wechsel geliehen Hab«. In beiden Fällen habe Oustric neun Monate Frist erhallen, während sonst die Bank von Frankreich Kredtte über drei Monate hinaus nicht zu geben pflege. Wie erkläre sich dies« Begünstigung? Am 18. Ok- tober habe das künstlich in die Höhe getriebene Kursgobäude deutlich zu wanken begonnen. Was hätten da der Finanzminister Reynaud und der Justizminister Peret getan? Sie hätten am 13. Oktober jenen famosen Polizeifeldzug gegen di« Balsse-Spe- kutation an der Pariser Börse eröffnet. Das sei der Triumph Oustrics gewesen, b�m seine Gegner an der Börse seien als Der- räter und Schädiger der nationalen Finanzen ge- brandmarkt Wörden. Finairzminister Reynaud sucht sich zu«ntschuldigen. Was die Zulassung der Oustric-Attien zur Börse angehe, so hohe der Finanz- minister daraus keinen Einfluß. Die Kredite der Bank von Frank- reich für Oustric habe er ebenfalls nicht verhindern können. Ilebrigens fei Oustric ein Opfer der We lt wi rt s cha fts- k r i s e geworden[ei. lieber seinen Polizeifeldzug an der Pariser Börse schweigt sich der Minister vollkommen aus. Mit dem radikalen Parteiführer Deladie beginnt eine neue Offensive gegen die Regierung. Man habe gemunkelt, erljärt Daladier, daß auch mehrere Parlamentarier der Regierungsparteien kompromittiert seien. Heraus mit den Ramen, damit die Schuldigen zur Rechenschaft gezogen werden können! So habe man den Namen des radikalen Senators B e s n a r d genannt. Besnard ober habe sich als Botschafter in Rom wiederHoll der Einführung der Snia-Viscoso-Aktien am Pariser Markt widersetzt und leiner Meinung hätten sich die Finanzminister Caillaux. Doumerge« und Painleoö angeschlossen. Peret aber habe plötzlich das Entgegengesetzte getan. Run sei Peret der Rechtsbeistand Oustrics, berichtet man, um heute in seiner Eigenschaft als Justiz- minister über die Klagen gegen Oustxic wegen Betrug. Wechsyl- falschung zu entscheiden. Der Ministerpräsident Tardteu sucht seinen Justizminister mit der Erklärung zu decken, daß er nur seinen Beruf als Rechisa nwall ausgeübt habe, genau wi« die übrigen Rechtsanwälte her Kammer und des Senats. Wenn man ihn für den Oustric- Skandal oerant- wortlich mach«, sei das boshaft« Voreingenommenheit. Der sozia- listische Abgeordnete Vincent Auriol bedauert, daß Tarheu, statt der Kammer sachlich« Slufklaning zu geben, nur daran denke, di« Existenz seines Kabinetts zu retten. Georg Kaiser:„Mississippi." Erstaufführung in der Volksbühne. In Georg Kaisers neuestem Bühnenwerk versucht eine Farmer- sctte mit verzweifeltcn Sabotageakten die sündig« Großstadt den Fluten.des angeschwollenen Mississippi preiszugeben. Religiöser Fanatismus gegen kapitalistische Staatsaufjassung. Ein« interessante Ausführung in ausgezeichneter Darstellung. Die Zuschauer folgen den kalten Gedankenkonstruktioven des Dichters angeregt, aber ohne innere Anteilnahme. Dgr. Trotz der schwerwiegenden Enthüllungen über die Kompromittierung des JustiMinisters und des Finanzministers durch den Oustric-Ärach sprach die Kammer schließlich der Regierung mit 318 gegen 271 Stimmen das Vertrauen aus. Tardieu und Briand. Unüberbrückbare Gegensähe. Paris, 14. November.(Eigenbericht.) Boll paradoxer Widersprüche, wie sie begonnen hatte, ist die große außenpolitische Debatte in d«r Kam- mer am Freitag früh gegen vier Uhr zu Ende gegangen. Die 323 Ab- geordneten, die der Regierung das Vertrauen aussprachen, sind in der Wehrzahl die gleichen, die bisher die Politik und di« Person des Außenministers Briand verunglimpft und verleumdet haben. Die Opposition aber setzt sich zusammen aus den Pur- feien, di« feit Iahren die T r a g« r o« r Vetf-öHnung sp olit.ik gewesen sind. Wenn sie diesmal gegen die Regierung gestimmt haben, so geschah dies aus dem einfachen Grund, daß nach den Reden Briands und TardieUs niemand sagen kann, welches nun eigentlich die amtliche französische Außenpolitik ist. Briand hatte betont, daß der Erfolg der Hitler-Leute und die Entgleisungen deutscher Wahlredner ihm keinen Anlaß zur Beunruhigung und noch wenig« zu einer Aenderung seiner Versöhnungspolitik gäben. Tardieu hak das glatte Gegenfeil erklärt. Wo Briand die Versöhnung, die Organisation des Friedens in der ganzen Well will, verlangt Tardieu Sicherheit und immer neu« Garantien für die Verewigung der französischen Hegemonie. Wenn Briand erklärte, der Artikel 13 des Völkerbundspattes gebe den interessierten Mächten ein unbestreitbares Recht. zu verlangen, betonte Tardieu schroff, jeder Dorjuch zur R c- orsion bedeute Krieg. Wenn Briand zugab, daß die Prä- ambel zu Tell fünf des Friedensvertrages eine bindende Ab- r ü st u n g s v« r p s l i ch l n n g für die Alliierten enthalte, bchouptetc Tardieu. Frankreichs Abrüstung sei freiwillig erfolgt, denn' b;e Alliierten feien zu nichts ver pf lichte 1- Zwischen Tardieu und Briand klasst also trotz aller lauten So- lidarilätsversichcrungen ein Abgrund.' der nicht zu überbrücken ist. Ts wird die Aufgabe der französischen Linksparteien sein, die Außenpolitik Frankreichs von den Üblen Nachwirkungen jener Burgfriedensporole Poincares zu befreien, di« in den srcüizösischen Parteien allmählich die schlimmsten Verwirrungen angerichtet hat. lSurgfrieden in LIGA. Um die Wirtschaftskrise zu überwinden. Washinglou. 14. November.(Eigenbericht.) Die Bemühungen des Präsidenten Hoooer um den Abschluß eines parlamentarischen Burgfriedens für die kommende De zembersession stich geglückt. Hoover gab nach mehrtägigen Verhandlungen mtt den Parteiführern des Bundessenats«ine Erklärung ab, wonach beide Parteien gemeinsam zur beschleunigten Ver- abschi«dung der Finanzoorfchläge für das kommende Haushaltsjahr bereit stich. Die Erklärung erwähnt nichts von der allerseits ge- forderten Arbettslosengesetzgebung und läßt die sozialen Fragen gänzlich offen, was Schwierigketten im demokratischen und unabhängigen republikanischen Senatskreisen auslösen mag. Todesstrafe gegen LlnpünMichkeit. Die Eowjetbahnen unter Kriegsrecht. S o w n o. 14. November. Me aus Moskau gemeldet wird, hol der Rat der volkskow- missare im Zusammenhang mit den halllosen Zuständen aus den russischen Eisenbahnen die Eiajührong des milllärischen Regimes aus sämtlichen Bahnen angeordnet. Zedes Vergehen wird jetzt von einem Kriegsgericht abgeurteilt und der Bahnschuh besonderen Truppen der OGPU. übergeben werden, die auch die Todesurteile vollstrecken werden. Mit diesen Maßnohmen will Moskau da« normale Verhältnis aus den russischen Eisenbahnen wiederherstellen vnd tzie Disziplinlosigkeit im Transportwesen de- seiligeu. Theater, Lichtspiele usw. ».15 Uhr- haudien er nnhi 24 Tlllerettes. Carr's u, Betty Oes TonphSnomen Linder us» Sonnalisnilu. Sonntag Je 3 Vorsteilungan 1 und 8U Uhr. 4 Uhr kleine Pr. Tägl. 6 u.S'lg Uhr. J 5 BarD. S2S8 Tägl. 1— 6 M.— Nachm. halbe Preise Rncfalli»Der Meiater aller naSlClII Jongleure" -Hedlni rt USW. Matrar-BaiIett,cTrru0pp" Tägl. 5 u. 81» Sooni. i, 5 a. B" Alex. E 4. 806« I Vorstellung 50 Pf. bis 1 H. II. und III. Vorst. I bis 2 M. Heute letzter Tag! AFRA, UGSSEMS, KOHLBRANOT usw. Morgen Premiere I •'�CASIIilO'THEATER«v.üh. eolhrtnder Strohe 57 Nur im Monat November die entzückende Komödie Arm wie eine Kirchenmaus Outschein 1—4 Pers. Fautenil I.2S M Sessel 1,75 M.— Sonstide Preise: Parkett 75. Rang 60 Pfg Rose-Theater GroBe Frankfurter Str. 132 BUlallkaua: Alex. 3422 u. 3494 Letzte Waehe: In der«lohannisnacht Sonnabend 7 und 10u ohr Sonntag 2.30. 5.45 utid 9 Uhr Sonnabend Uhn Peterchcns Mondfahrt (Preise von 30 Pf. bis 1.60 M) Montag, 17. Nov., 8« Uhr: Premlere: •�rel- Fi« Abend Theater 1. d. Behrenstr. 53-54 Oiiektion Ralph Arthur Roberts Letzte 4 Aufführungen! sv. Das naoitcha maccnen Sonntag nachm Uhr Kleine P eist Arm wie eine Kirchenmaus Bußag; y.Pic Siebzchpfährtgcn*'. Reichshallen-Theater änljng|T| yiir, Soimta] Datfimitta�[T�l Diu («u halben Preisen) „Peplla vor fierldiii" d. neueste Schlager d.„Srett Incr" Dazu zum'00 Male: „LaB Blumen spredien" Das große neue Solo-Programm! D&nholi- Brettl: 10 große Nummern Tanz. Konzert» Kapelle Hans Sixtus VolKsbtthre Thuter an BDIovolati. 8 Uhr Mississippi von Geors Kaiser itaatl�diiller-Di. 8 Uhr Florian Geyer Deulselies Kflnsller-Theal. Baidat.ZZZ?. B'�Pbr Sormtag andi 3J0 ungalt.Vorstg. halbe Pr. jim und Jill Grete Mosheim. Harald Paulsen. Renaissance- Theater Steinplatz 6780 bVi Uhr Sonntag amh 3.30 oiigel(.VDrstg.b]lhePr. IfGrüDtersodiDng von Max Alsberg und O E. Hesse diltesanäer Kottbusser Stt.« F. 8. Oberb. 6070 Tägl. S'/t U, auch Sonntag Z>. um Dil Ritge de ÜDiion; „Wir ladieo uns 1(311011- mit Lotte Werkmeister Musik von i Willi Rosen, Willi Rollo und Siegwart Ehrii�i. Tagest. 11-2, Abendk. ab 6 Oeotsdies Tbeat» 8 Uhr Elisabeth von England vonFerd Brackoer Regie: Hein Hilpert Kammerspieie 8 Uz Uhi Die zHrtildien Verwandten foo Roderitb Eenedii Regie: finetat ürtmlgciB. öle Komödie S'lt Uhr Der Schwierige voa Hngo vob HofmaaDSlhai. Regle: Max Relohanit. Ibeat. d. Westens 8V,Uhi Emil Jannings Beschatt ist Bsscnati Lessing-Theat. 8 Uhr Ein iomnierDadih- traom Regie; Max Reinhanll Neues Theater — am Zoo»» (mBahiih.Zaa. SfpL 6554 Täglich Wi Uhr Geld, wie Heu musikal Lustspiel mit Paul Heldemann o Irene Ambro« Sonnabends 4 Uhr Sonntags 3„ Knadit Ruppiethts Fahrt tos Märdunlaui Rennen zu Strautbera (Wallner- Thetter) raglich SVt Uhr Rradi n bBteait Sonnah,, 15. November nachmittags 1 Uhr U litbndi. 4. IL In ta Totrauratai Urauf ifinrnag .»........_. M BügartsiisnunHB n S liUin jeden Tag• 4• von Ernst Otnrald. Fnfaii.l-tl.-l.llii.4Hl Barnovjkn-UliD«) Theater Ii des Siresenemuii. Täglich Ufa' Sturm im waseergias KumGilii w» FiaiL Komödienhaue 8 V« Täglich iVt Konto X «du Bemauer und Ceslerrtiito Rose- 1 Realer &f.FraiiUi(terUr.i32 Tel. Alex 3422 U- 3494 4.15 Uhn Pclerdieiu Mondfahrt 7 Uhr und 10.15 Uhr In der Johannünacht WmWläl Dönh. 623, 626. -89 Uhr Sektion Rabnsteiten Bio Gegenwartsspiel top [ort Cerrlirth kleines Theat. Täglich 8-8 Uhi Ger grolle Instspielerfolg! Max Adalbert Fritz Kampers Dagny Sorvaes in Dermann.der schweigt Zentral Theat. Täglich 8-8 Uhr Sonnt auch 5-8 Uhr Eine Freundin so goldig wie ou Operette v. Meisel. Ion. ist Parkett e statt 4.- H. nur I■ Ittg mm 15. bis tibi. Sonntags 3 Uhr Rotkäppchen Bußtag, 19. Noventb. 8-8 Uhr Tagenuch einer uerlorenen iNur fflr Erwachs.) 6 Uhr ScfaneewU dien SCHAUSPIELHAUS lüetkieM Singspiel in vielen Büdern. « nm. Spiro, Hansen. Ltcekc. Wallltant. Arno, Janknhn. Pnul ROibtgcr, Im». Srhacnrrs, M In knistern, Rull», IJcsnl, Stark. Gctcttenbaner. OriRlnal Tiroler Hat sehen Hin er. Original Tiroler Jodlerlnnen.qnlntett, 1 , Musik. Trio aus Sehlle>s«r. I Jan- Band Girls n. Boys. Grosse Chüre. Uer Zelt enlspreehend sind, trnts des J rieslern Andranges. A|S Q/ er- jdlc Hassenpreise um JiO /0 mässlgt. tfUB-T. aHltlangs-.BabaU- u Reklame narkeB gegen Nachahmung gesetzl gesch. fertigt seit 45 Jahr als SpeslalUU Conrad Müller Lclpriz- Schkeiidllr i S o n n I a s 1 N'aehmitlag S O lIRkm Orlglnalbeaetsnng s wn i Billige Preis». icfonden wliksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in derGesamt- au llsge des ..Vorwärts" und inrzdem n billig n 1 Grofzes SchsufziieiHaus- 7ht ufei�sen ßiihsC Resse: Erik Chareli Brief STEFAN GROSSMANNS an Erik Chareli. Lieber Herr Chareli! Das„weisse Rössl" ist Ihre souveränste, berauschendste Inszenierung. Ich weiss nicht, wo in Europa oder Amerika jemand Ihnen ein so bis ins Detail gelungenes Meisterwerk nachmachen könnte., Mit Dank für den lange nach- leuchiend'en Abend , lhr � Belanntmachuaa. Der vom Aueichtch beschi qsteae I Satzung»- nnchirag III durch da» Oretners-cherunp»- amt genrbmlgl und Im StutX, schienen. öntzung-S- und zintbttngseritnplarr meibm an'Ärbettnebcr unb SIrbriinebmet in ben Stailrnhunben v. tausgadt. Serlln-Pantow ben 13 November I9SO gloranromenobe 4. Hagcmclae Otl»ttonfen1aH« Berlin- panlonz. O.(Bflltfl,«orlitzeiiber._ L poL Z. 1178 29- 17. Ttrafsache fgen ben lautmännildien Angeheilten ;ranj St übt m Betii-Sieglitz Ruckerp ilrntze 1 wegen ijfienilid et Beleidigung Da« Schcfiengencht Berlin- Mitte. Adlig. 201. in Berlin. Hat am>9. August 193» Hir Recht eitannt Der Angetiagie wird wegen Ubier Nach- rede»u 509— lltnlbunbert— Reichematl Selbstrale. an deren Stelle Im Nich- deitreibung« all tilr je 5»— tllnizlg- Relch-mart I— ein- Tag Seiangni« tilit, kofaenpftichtig verurteilt. Den Beeidigten wird die Beiugni« in» te'vrot cn, den vet llgenden Teil de« Urieii» du ch etnmai ge Einrllduiig tm . piwcrle" dimieii eine« Monat» nad: Rechtsita i de» tlre-I» ou' Hohen de« Angeiagten lelnnvaum iden Piat: 5 de> Rai pnal-Sniauft Iden Btefle-Sto re v n- ornz L Iudtgana 91t l. vom H Eep- tsnuoe>929 und derjenige Teil der B niAl» und Formen, ou welchem sich die e Stelle befhibet. Und unbrauchbir üu machen. Da» Urteil ih oollBteelbor. Der ffleneralftiateonmolt bei dem Landgericht I Berlin. Liistspieinaus Täglich 8-8 Uhi Kurt Götz in HOKUSPOKUS metroßoi-itieater Täglich 8-8 sowie Sonntag 4<8i.B<< Sensationeller Operettenerfolg Viktoria undlhrHusar Korniscne uper 8-8 Uhi Das Mädei am S.euer Operette v. Gilben Wwscre QuaÜli�t_ l» 4�4 U.S_- 'träte Die Qaatiikl aoserer Milch, die durch über 4300 Getcfanflr die m biaue- S-hrifi unse- Fitmenzeiihen iragm, zun Ve>kaui gebracht wird, konnien wir erheblich sleigrro 1 Wir lietirn feizi ein Mich mit Ob-.r 3,2 Proz. F itgebalt AlsoPrcisabbaudurdiQualitäissteigerang Am II November verschieb nno turzem Srnntenlogcr unerwnrtei unser lieber Bruder, Schwager und Onkel Adolf Czautferna tm Alter von 48 Jahren. 2m Namen der Trauernde» GescLwisier Czauderna *3)it(Jlnäidjetung findet am Sonn- abend, dem 15. November. oo> mitlag» II Uhr im Arematormm Detichi stratze 37/38 statt. Statt Kartco Fllr die vielen Beweise herzsichlle, Teiwahme beim Seimgange meinei iiedcn Frau, uuierer guten Mulur Etpeslivk Viaym eflen wir allen Freunden und Betanuten ivmie allen Aollaien und dem Redner vam Freidenker-Berdand unseren herzlichsten Dani. VUfaela» Vsgaei nedst Kinder Allgemeine Crlslii'snlkenlcssse Perllv'Tlelilei'sellie. An�Jreiiao. dem 28. November>938. abends 7-/, Uhr, findet im Rasse» olaL Berlin- Lichierieide. Roonsttatze 13, eine Treppe, eine ordentliche Auefchubsthung statt mit so'gen er Tagesordrnng: 1 Wahl t ne» Aneschuss-, xur Briikung der Zahreerechnung 193- 2 geslsetznng de» Doranlchloge« illr 1931. 4. Satzung»» ändeiung. 5 Brcichiebene« Berlin-Lichterielde, den 13. Ron 1930. Der vorstand: star: Brand endurger B.rli.en: er. BsiiehZems-lsrh aiin liPiSi! Zasnizi-HSi an bi iig und däuerhnli bei Lei, SS 3«, W enar SSraSe O seit 40 Jahren am Görlitzer Bahnhof Nr. 537• 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 45. November 4930 Nationalistische Studentenwehr? Sozialistische Studenten schützen Kommunisten. Der gestrige Tag ist im allgemeinen in der Universität ruhig verlaufen. Ztachdem am Donnerstag die Nationalsozialisten SA.- Leute, die nicht Studenten waren, in Masjen in die Universität ge- holt hatten, die dann von sozialdemokratischen Studenten scstgestellt und aus der Universität entfernt wurden, machten die Nazis am Freitag Jagd auf alle, die nicht den Eindruck von Studenten machten. Verstärkt wurde die Nervosität noch durch das Gerücht, daß Krimi- nalpolizei im Hause sei. Der Rektor Professor Deißmann oerhandelte den ganzen Tag mit den Führern der einzelnen Studentengruppen über die Bildung einer Sludenlenwehr zur Aufrechterhaltung der Buhe und Ordnung. Entgegen den Meldungen der Abendpresse ist die Gründung der Wehr noch nicht vollzogen worden, da von rechtspolitischer Seite gegen die paritätische Besetzung Bedenken erhoben wurden. Die Absicht der Nationalsozialisten war zweifellos, die republi- konische Studentenschaft derart zu terrorisieren, datz sie auf längere Zeit auf eigen« Propaganda an der Universität Verzicht leisten sollte. Zu diesem Zwecke hatten die Nationlsozialisten ihre Mitglieder schon am Montag abend zusammengerufen und die Parole der getarnten Aktion ausgegeben. Als dann am Dienstag der Ausruf des Deut- fchen Studentenverbandes erschien, versuchte man, die Verteilung zu verhindern. Als Vorwand diente das Erscheinen der Polizei, die auf diese Herren angeblich provozierend wirkte. Am nächsten Tag oer- teilte die sozialistische Studentenschaft das Flugblatt gegen de» Ball der Nationalsozialisten. Auch hier tonnten alle Terroristerungs- versuche der Nationalsozialisten abgewehrt werden. Die Wut der Nationalsozialisten ist erklärlich, wenn man bedenkt, daß die sozialistische Studenkeoschaft seit Ansang November schon fünf große Kundgebungen durchgeführt hat, in denen u. a. die Genosien Otto Braun, Crispien. Radbruch, Heinig, Oftrowsky und Kuttner sprachen. Sehr eigenartig bei den ganzen Zwischenfällen war das Ver- halten der Kommuni st en. Es bestehen an der Universität nicht weniger als drei verschiedene kommunistische Studentengruppen, die sich gegenseitig aufs heftigste bekämpfen. Am ersten Tag war weit und breit niemand von den Kommunisten zu sehen. Am zweiten Tag, an dem es zu den stärksten Zusammenstößen kam, waren auf der Universität ganze vier kommunlsteu, die von unseren Genossen vor den Nationalsozialisten geschäht wurden. Gestern nun verteilten die Kommunisten ein unverschämtes Flug blatt, in dem sie behaupteten, daß lediglich sie den Kampf gegen den Hochschulfaschismus führen. Die sozialdemokratischen Studenten wurden aufgefordert, sich daher der KPD. anzuschließen. Den Ratio- nalsozialisten empfahl man sich als die einzige Kampfpartei gegen die SPD. Beweis: der Schneider Heitrich, der die Tätlichkeiten gegen Zörgiebel begangen hat. Verantwortlich für den ganzen Blödsinn zeichnete— O b u ch, M. d. L. Die Verteilung des Flugblattes be- sorgten bezeichnenderweise nicht die Studenten selbst, sondern kam- munistische Arbeitslose. Die sozialistische Studentenschaft wird sich in diesem Kampf gegen den nationalsozialistschen Terror von den Machenschaften einiger kommunistischer Intellektueller in keiner Werse beirren lassen; sie ist bereit, an der Aufrechterhallung der Ruhe und Ordnung auf der Universität mitzuwirken, wird aber dem national- sozialistischen Terror unter keinen Umständen weichen. Naziterror in der Ltniversität. Von einem Augenzeugen erhalten wir folgenden Stimmungs- bericht: Nach den Zwischenfällen in den letzten Tagen ist in der Uni- versität wieder alles ruhig. Ein Trupp Nationalsozialisten möchte allerdings die Skandalszenen tagtäglich fortsetzen. Mit großen Haken- kreuzen geschmückt patroullieren diese Studenten durch die Gänge, um alle Personen anzupöbeln, die ihnen aus irgendeinem Grund« nicht gefallen. Es kann gewiß nichts dagegen gesagt werden, daß die Räume der Universität in den unruhigen Zeiten nicht von jedermann betreten werden sollen. Der Rektor der Universität Professor Deiß- mann hätte aber dann zum mindesten die Pflicht, den Eingang zur Universität mit beamteten Personen zu besetzen, die das Recht haben, die Vorzeigung der Studentenkarte zu verlangen. Das Verfahren, jeden in die Unwersität hineinzulassen, ihn dann aber in den Gängen tätlich zu bedrohen und zwangszustellen, sieht nach einer Falle aus. Die jetzigen Zustände, daß ein nationalsozialistischer Sludententrupp sich offenbar unter voller Duldung der Unioersitätsleilung Polizeigewalt anmaßt, sind unhaltbar. Vielleicht machen die preußischen Behörden der Uni- versitätsleitung einmal klar, daß die heute eingerissenen Zustände sür das Ansehen der größten preußischen Universität unbedingt schädlich sind. Vielleicht auch läßt sich die Unioersitätsleitung einmal Bericht erstatten, was für Personen von den nationalsozialistischen studenti- schen Rowdys besonders bedroht werden. Dann würde bald festgestellt werden, daß die jüdischen Studenten hinausgeekelt werden sollen. Immer noch Zeugen im Irenzel-prozeß Krau Schenk und Zrau Vogel sagen aus In der Freitagsitzunq des Potsdamer Frenzcl-Prozesies wieder- halte Frau P f a r r e r E ch e n k, die zuerst vernommen wurde, ihre Aussagen aus der ersten Verhandln»®, Hilde und Gertrud Frenze! hätte» beide gleich stark ihren Pater im Sinne der Anklage be- lastet. Hilde Frenze! gibt diese Belastung zu, erklärte sie aber aus dem Motiv ihrer damaligen Absicht, Frau Pfarrer Schenk mit- leidig zu stinimen und zu einer Hilfsaktion zu bewegen, durch die sie das Elternhaus mit einen, neuen Heim vertauschen könnte. Tat- sächlich war Hilde Frenze! die Verwirklichung dieser Absicht ge- lungen. Z» einem heftigen Zufanrmenstoß kam es dann noch zwi- schen dem Angeklagten Frenze! und Frau Pfarrer Schenk. als diese auf Befragen des Vorsitzenden zugab, daß sie über die Affäre Frenzel auch in der„Fraucnhilfe"' gesprochen habe. Der Angeklagte geriet in Erregung und rief der, Zeugin zu, es wäre, besser, wenn, sie in der„Krauenhilf«" auch etwas über ihre«ige n e Vergangenheit erzählt chatte. In der N a ch m i t t a g s s i tz u n g warf die Verteidigung dem Pfleger Gertrud Frenzels, Dr. Stappenbeck, vor, daß er sich mit seiner Aussage offensichtlich sehr zurückhalte; der Vorsitzende, Landgcrichtsdirektor Dr. Hellwig, na hin den Zeugen in Schutz. Dr. Stappenbeck schilderte weiter den Verlauf eines Zusammen- trefsens zwischen Gertrud Frenzel und ihrer Mutter, und schließlich kam die Rede auf eine Reih« von anonymen Briefen, die die Familie Frenzel vor längerer Zeit erhalten hatte. Diese offenbar den Angeklagten denunzierenden Briefe stammten nach der vor- sichtigen Aussage von Frau Pfarrer Schenk vermutlich von— einem anderen Pfarrer namens Bier. Ziemlich erregte Formen nahm dann die Gegenüberstellung der Zeuginnen Frau Vogel und Else Frenzel an. Frau Vogel sagte, datz. Else Frenzel als kleines Mädchen ihr gegenüber ihren Vater lielastet habe. Else Frenze! bestritt das aber energisch. Weiter behauptete Frau Vogel, daß auch ihre Tochter Margot durch Frenzel völlig verdorben worden sei. Es existiert jedoch ein polizeiliches Protokoll, aus dem hervorgeht, daß diese Margot vor vier Jahren zwei Potsdamer Bürger beschuldigt hat, unzüchtige Handlungen an ihr vorgenommen zu haben. Die Polizei befaßte sich mit dem Fall und stellte die Haltlosigkeit der Behauptungen des offenbar parho- '--gifchen Mädchens fest. Do X auf dem Meer. 200 Kilometer von dem Ziel Bordeaux entfernt. E. B. Paris, 14. November. Einer Meldung der Agentur Radio aus R o ch e s f o r l zufolge hat die dortige drahtlose Station einen Funkspruch aufgefangen. wonach das F l u g s ch i s f Do X aus der höhe der sogenannten Sables d'Olonne in der vendee nördlich der Insel Re aufs Wasser niedergehen mußte. Das Alugschiff bewegt sich auf dem Wasser in südlicher Richtung. Sables d'Olonne ist aus dem Luftwege 30 Silometer von Rochesforl und 200 Kilometer von Bordeaux entfernt. Ueber die Gründe der Zwijchenwasserung weiß man im Augenblick noch nichts. Man nimmt an, daß die einbrechende Dunkelheit den Führer veranlaßt hat, von einem Weilerflug nach Bordeaux Abstand zu nehmen, um das Flugschiff bei der Wasserung in fremden Gewässern im Dunkeln nicht zu gefährden. In La Nochelle eingelaufen. Paris, I-t. November. Havas berichtet aus Bordeaux: Die Küstenfunkstation Port-Bouscat hat um 21.40 Uhr folgende Meldung ge- geben: Das deutsche Flugschiff Do X ist um 21 Uhr bei La Nochelle angekommen und wird die Nacht über bei seinem Antcrplah verbleiben und morgen vormittag seinen Flug fortsetzen. London. 14. November. Der Start des Do X von Calshot ging nicht glatt vonstatten. Di« Startmanäoer dauerten ungefähr eine Stunde. DoX hat zehn Passagiere an Bord, darunter Prof. Dornier und seine Gattin. Um 2 Uhr nachmittags war sein Standort bei Eap Ouessant an der äußersten Nordwestecke von Frankreich. Zu diesem Zeitpunkt also hatte die Do X den Kanal verlasien und den Atlantischen Ozean erreicht. Es war das erstemal in der Geschichte der Lustfahrt, daß ein Flugzeug mit Passagieren an Bord auf«inen Langstreckenflug auf den Atlantischen Ozean hinausflog. Der Kurs ging dann weiter an der französischen Küste entlang in die Biscaya hinein. Leichenfund im Grunewald. c Selbstmord oder Verbrechen? In den ersten Nachmittagsstunden des Freitag fand ein SJLc.reU# in der Nähe des Großen Sterns im Grunewald seitwärts vom Reitwege, der nach Schildhorn führt, die Leiche eines jungen Mannes. Der Tote lag auf dem Rücken. Der Reiter benachrichtigte die Kriminalpolizei, die Beamte entsandte. Das Alter des Toten wird nach der ersten Besichtigung aus?S Jahre ge schätzt. Er trug gute Kleidung, einen dunkelblauen Anzug, dunkle» Wintermantel und schwarze Schnürstiefel. In den Mantel ist sin Monogramm, die Buchstaben E Z eingestickt. An der Stirn hat er eine leichte Verletzung wie einen Kratzer, auf den Lippen stand leichter Schaum. Beraubt ist der Tote anscheinend nicht, denn er hatte sein« silberne Taschenuhr mit Kette nach bei sich. Die Möglichkeit, daß der Unbekänitte seinem Leben durch Vergisten ein Ende gemacht hat, ist nicht ausgeschlossen. Auf die Meldung von dem Leichenfund fuhr.Kriminalkommissar Rassow mit Beamten nach dem Grunewald hinaus. Bei der näheren Be- Er lachte jetzt laut und dröhnend und schlug sich auf den Schenkel, als ob es sich um. einen guten Witz handele. „Na, denn man zu, Junge! Lustig geheiratet! Aber von mir ist nichts zu erben, das weißt du ja wohl!" «Das will auch gckr niemand!" „Was denn sonst?" „Meine Braut möchte morgen gern zu dir kommen, Bater!" „Sieh mal an, ist das ein seines Luder, Junge! Nobel, muß ich sagen. Dein Bruder Paul hat mir seine Frau vor der Ehe auch nicht vorgestellt. Sie wollte nicht, sagte fr.'' „Paul! Was geht mich denn Paul an? Ich bin doch nicht Paul, Vater!" sagte er wegwerfend,„schließlich Hobe ich doch auch etwas zu bestimmen!" „Das mit dem Bestimmen ist eine feine Sache, Ludwig, nämlich vor der Ehe. Aber wenn die Weiber den Mann mal ordenllich am Bändel haben, na, dann bestimmen denn sie meistentells." „Aber Vater!" Der Schuhmacher winkte ab. „Diese Erfahrung wirst du noch selber machen. Junge. Weißt du, wenn man gar zwei Frauen gehabt hat, wie ich, dann wird man ganz kusch mit der Zell." „Na. warum hast du überhaupt geheiratet. Vater, wenn du so von den Frauen denkst?" „Siehst du, Ludwig, das ist so'ne Sache. Die kann ich dir heute unmöglich in voller Ausführlichkeit erzählen. Na, das erstemal war es sicher aus Liebe, so jetzt bei dir. Na, und das zweitemal, als deine Mutter gestorben war, da Hab ich geheiratet, damit für euch Kroppzeug wieder eine Mutter da ist. Na, Schwamm drüber! Also laß mal deine Braut kommen. Ich bin sehr neugierig auf sie. Hoffentlich ist sie «in gutes Mädel!" Damit war für Vater Eisermann die Unterredung er- fcdigt. Er hob die Zeitung vom Wertstattisch auf. rückte die Brille zurecht und schickte sich an, die Fülle des Handelsteils in sich aufzunehmen. Denn dort, irgendwie zwischen minder wichtigen Notizen versteckt, standen die Notierungen von Häuten und Sohlleder. Und das war für ihn wichtiger als alle Bräute der Welt, die Ludwigs nicht ausgeschlossen. Ludwig stand auf, warf sich in seinen Sonntagsstaat und fuhr noch am späten Abend hinaus zu Maria. Am andern Abend, kurz nach sechs Uhr, führte Ludwig Maria in den väterlichen Laden. In der Werkstatt war noch Hochbetrieb. Eisermann sah flüchtig auf, als die Ladentür ging, dann aber beugte er sich wieder auf seine Arbeit und vertiefte sich so darin, als ob niemand gekommen sei. Ludwig bot Maria einen Stuhl an und zwinkerte ihr mit den Augen zu, still zu sein. Beide guckten nun dem Meister und den Gesellen zu, die fleißig die Schusterhämmer kleppenr Jteßen. Da�Nädchcn wurde allmählich nervös. Ludwig sah endlich ein. daß er den Vater anrufen müsse,, „Vater, einen Augenblick, bitte!" rief cr laut über den Tisch, der den Laden von der eigenllichen Werkstatt trennte. Der Schuhmachermeister zuckte zusammen und hob den Kopf. „Ach so, ich Hab ja die jungen Leute ganz vergessen. Entschuldigen Sie man, Fräuleinchen. Ich komme gleich. Gehen Sie mal inzwischen mit Ludwig hinter zu Muttern!" Ludwig führte Maria in die Wohnung. Dort begrüßte er seine Stiefmutter und machte sie mit Maria bekannt. Die beiden kamen bald miteinander in ein angeregtes Gespräch. Es dauerte aber noch eine volle Stunde, ehe Bater Eiser- mann erschien, sich umständlich wusch, die grüne Schürze an den Nagel hing und dann Maria die Hand schüttelte und sie in seinem Hause willkommen hieß. Er musterte sie scharf. Sie gefiel chm. Auch die ein- fachen Antworten, die sie chm gab. befriedigten ihn. Nun ging er daran, kräftig auf den Busch zu klopfen. Unver- mittelt fragte er;„Sie wollen doch recht bald unsem Ludwig heiraten, nicht wahr, Fräulein?" Maria schüttelte stumm den Kopf. „Nanu, warum denn nicht? Eine Wohnung ist doch schnell gemietet. Warten Sie mal, ganz hier in der Nähe... wo habe ich gleich eine kleine Wohnung in der Nahe gesehen. wo war das nur?., Er dachte nach. „Ach so gleich um die Ecke, die zweite Querstraße. Fräulein. Billige Miete, sag ich Ihnen. Ein Kunde von mir wohnt dort im Haus. Zugreifen, der Hauswirt läßt sogar die Stube tapezieren!" Aber Maria ging nicht darauf ein. „Wir haben gar keine Eile mit dem Heiraten, Herr Eiser- mann", sagte sie ernst.„Ludwig muß doch erst etwas werden!" Erstaunt zog der Schuhmachermeister die Augenbrauen hoch, so daß sogar die Brille mitging und fragend glitzerte. „Ludwig muß erst etwas werden? Was werden? Wie meinen Sie das, Fräulein?" Er soll Meister werden und sich eine solide Existenz schaffen, ehe wir heiraten." Fast erschrocken'sah Eiserinann das schöne Mädchen an: „Ludwig Meister werden? Hat er das gesagt, Fräuleinchen. hat er das gesagt?" „Nein, aber es ist mein Wunsch!" Wieder war das seltsame Lächeln da. Doch bei Vater Eisennann verfing es nicht so rasch. Er war von dem Ge- hörten noch so überrascht» daß er nur stockend antworten konnte:„So... Sie.. wünschen... es. Aber Frön- leinchen,.. ich oermute... das ist... das ist... ein frommer Wunsch und wirds auch wohl bleiben. Ludwig und Meister, weiß Knöppchen, das würde was Schönes werden. Stellen Sie sich doch vor, er ist ja viel zu jung und unerfahren. Als ich Meister wurde, war ich dreißig Jahre all. Da sieht man die Well schon mit ganz anderen. Augen an als mit Ludwigs dreiundzwanzig. Heiraten kann man bald, Fräu- leinchen, aber Meister werden, glauben Sie mir, ist eine schwierigere Sache! Er schnaufte und wischte sich den Schweiß mit dem rot- getupften Toschentuch von der Stirn. „Uebrigens, was ich noch sagen wollte, kühne Gedanken baben Sie, Fräuleinchen, recht kühne Gedanken. Wie stellen Sie sich das eigentllch vor: Meister werden? Dazu gehört Geld und Geld und nockmals Geld!" Sie zog unwillkürlich ihr Schönheitsfleckchen nähet: zum Muud hin:„Geld?... wenn man Geld hat, dann braucht man nicht Meister zu werden, dann gibt es bessere Möglich- keiten." Wieder war das Lächeln da. .Ludwig soll erst etwas vor sich bringen. Wie er es macht, ist seine Sache.(Fortsetzung folgt.) sichligung ergab sich, daß man das Alter des Toten zunächst zu jung geschätzt hatte. Er muß etwa 30 Jahre alt gewesen sein, vielleicht sogar älter. Darauf deutet, daß setn blondes Haar schon etwas ge- lichtet ist. Außer dem leichten Kratzer an der Stirn sind ähnliche Hautabschürfungen im Gesicht festgestellt, aber keine Schußwunden. Auch dafür, daß der Mann etwa gewürgt worden wäre, hat man keine Anhaltspunkte gefunden. Der Arzt konnte deshalb die Todes- Ursache nicht einwandfrei erkennen, darüber wird wohl erst dir Sektion Klarheit bringen. Mittellungen werden an Krimina!- kommissar Rassow, Dienststelle B I, im Polizeipräsidium, erbeten Neubaumieien dürfen nicht erhöht werden. Falsche Alarmmeldungen von einer irtprozentigen Erhöhung. Arbeiter gegen Arbeiter. Ein trauriges Bild vom Kriegsschauplatz der Radikalen. Schlimm endete für den 25jährigen Arbeiter B.. Mitglied der proletarischen Wehrorganisation, eine Gerichtsverhandlung vor dem Schöffengericht Berlin-Blilte. B. war wegen Beamtennötigung und unbefugten Waffenbesitzes angeklagt. Der Staatsanwalt beantragte aber im Verlauf« der Verhandlung Weitergabe der Sache an das Landgericht wegen versuchten Totschlags. Auf Grund von Zeugenaussagen hatte sich herausgestellt, daß B. scharf ge- schössen haben mußte. Cr wurde im Genchtssaal verhaftet. Am Sonntag wollte er Hochzeit feiern. Auf dem F i s ch e r k i e tz, der südöstlichen Ecke der von der Spree gebildeten Insel, herrschte seit jeher Kleinkrieg zwi- scheu Kommunisteti und Nationalsoziali st en. Man beschimpfte sich gegenseitig, bedrohte und überfiel einander. Am 19. Juni d. 5. fand in den Residenzsälen eine kommunistische Jugendkundgebung statt. B. und drei seiner Genossen unterhielten sich über die Nationalsozialisten am Fischerkietz und beschlossen, sich einen ihrer besonders schlimmen Feinde, den Arbeiter P., vor- zunehmen. Man verabredete sich für den nächsten Tag. Morgens 5 Uhr brachen B. und seine drei Genossen auf. B. und ein anderer Kommunist nahmen Ecke der Wallstraße Stellung, die beiden anderen Ecke Grünstraße und Friedrichsgracht. Im selben Augenblick, als P. seine Wohmmg verließ, um sich zur Arbeit zu begeben, ertönte ein Pfeisensignal. B. schoß zweimal seine Pistole ab, P. warf sich zu Boden, die Kugeln flogen über seinen Kopf hinweg und schlugen in das gegenüberliegende Haus ein. Jetzt galt es für die Schießhelden, schleunigst das Kampf- seid zu verlassen. Sie liefen, was sie tonnten von Passanten ver- folgt, wobei B. abermals schest Er wurde schließlich gefaßt, und man fand bei ihm eine Parabellumpistole mit vier scharfen Pa- .troncn, aus der Straße einen Trommelreoolver mit Schrotladung. B. behauptete, nur mit der Schrotlabung geschossen zu haben. Die Parabellumpistole wollte er auf der Straße aufgehoben haben: einer seiner Genossen hatte sie fallen gelassen. Das Gegenteil war ihm nicht nachzuweisen. Daher lautete die Anklage zunächst nur auf Beamtennötigung. In der Gerichtsverhandlung bestritt der Ange- klagte, die Absicht gehabt zu haben, dem Nationalsozialisten P. etwas zuleide zu tun. Er und seine Genossen— die übrigens nicht zu ermitteln waren— hätten den P. nur einschüchtern wollen. Das Gericht war anderer Ansicht Die nächste Verhandlung findet vor dem Landgericht statt. 3n einem Teil der Berliner Presse sind Alarmnachrichten erschienen, die von einer drohenden llprozenligeu Wiek- erhöhung bei einem großen Teil der Neubauwohnungen sprachen. Es sollte sich»m alle Wohnungen handeln, die mit Haus- zinssteuermilleln erbaut worden sind und deren Erstellung bereits fünf Zahre zurückliegt, wie der„vorwärts- von gutunter- »ichteter Seite erfährt, sind diese Meldungen unrichtig und höchstens geeignet, den einen oder anderen Hauewirt auf den Gedanken zu bringen, nun talsächlich eine Erhöhung der Miete vorzunehmen. Die Neubaumieter werden also darauf zu achten haben, daß ihre ohnehin kaum tragbaren Mieten nicht unberechtigt noch weiter heraus- geschraubt werden., Die Berechnungen, die die Notwendigkeit einer llprozentigen Mieterhöhung nachweisen, gehen davon aus, daß die Bauherren, sowohl die privaten wie auch die gemeinnützigen Gesellschaften, nach ! Ablauf von fünf Iahren mit der Zahlung der ersten T i l g u n g s- l« t e n beginnen müssen. Das ist zutreffend. Die Bauherren haben 1 jedoch, wie uns weiter mitgeteilt wird, allgemein diese Verpflichtung und die zu zahlende Grundvermägenssteuer bei ihrer Mietkalkulation bereits berücksichtigt, so daß sie zu einer Erhöhung der Miele jetzt nicht berechtigt sein dürften. Bei dieser Gelegenheit weisen wir darauf hin, daß jede Mieterhöhung bei einer mit öffentlichen Geldern erbauten Wohnung der Genehmigung der Wohnungssürsorgegefell- schaft bedarf. Sollten in Ausnahmefällen die Vermieter eine Er- höhung der Miete durchzusetzen suchen, so wird es Aufgabe der Mieter sein, strengstens darauf zu achten, daß ihnen nicht u n b e- r e ch t i g t neue Lasten aufgebürdet werden.' Eine Iahresmiete im voraus! In einem Berliner Mittagsblatt wurden zuweilen„Gareon- Wohnungen- airgeboten—-Zimmer- Neubauwohnungen ohne Wohnungsberechtigungsschein, ohne Miet- l Zuschuß und was der verlockenden Dinge mehr waren. Durch die Reihen der bedrückten Untermieter ging ein erleichtertes Aufatmen. „Na endlich". Es gibt zwar in Berlin schon einige Junggesellen- Heime, zum Beispiel in der Soorstraße und am Kaiserdamm, die Mieten sind aber dort so unerschwinglich, daß gewöhnlichen Sterb- lichen schon ein Schauer überläuft, wenn sie die Preise nur nennen hören. Die Annonce klang aber so vielversprechend, daß man wenigstens eine Besichtigung nicht versäumen wollte. Am Hohenzollern- damm, unweit des Fehrbelliner Platzes, sind die neuen 5)äuser, die über 100 Eigenheime für Ledige in sich bergen, ent- standen. Eine 1�-Zimmer-Wohnung hat wenig mehr Quadratinhalt als«in großes Zimmer. Zu jeder Wohnung gehört Bad und eine Besenkammer, die als Küche dienen soll. Wie sehr das ganze Unter- nehmen auf Luxus eingestellt ist, geht daraus hervor, daß in allen Häusern gar keine Gasleitung vorhanden ist. Kochen, waschen, alles muß elektrisch betrieben werden. Jede Wohnung hat zwei eingebaute Schränke, einen für die Haushaltungsgegenstände, den anderen für di« Garderobe. Das eine Zimmer, das als Wohnraum übrig bleibt, ist durch eine Bettnische aufgeteilt. Ueber der Stelle, wo vermutlich die Lagerstätte stehen soll, ist in die Decke Glas eingebaut, so daß man verdecktes Oberlicht anlegen kann. Als besonderer Clou wurde ein eingebauter„Tresor" für die Werbgegenstände gezeigt Bei der Verteilung der Wohnungen ist das Prinzip, auf dem rückwärtigen Flur auch Wohnungen anzulegen, verwendet worden. So wird der Schein erweckt, als ob es nur gleichwertige Wohnungen gibt, und die Einrichtung des Hinterhauses geschickt kaschiert. Für ein solches Paradies wird die Miete von monatlich 105 bis 1 2 0 M a r k(je nach Lage) verlangt, zuzüglich eines IZprozen- ttgen Zuschlags für Umlagen, für Wannwasser. Zentralheizung usw Aber noch nicht genug damit! Für die mietzuschußfreien Wohnungen ist eine Iahresmiete im voraus zu bezahlen: diese- Betrag soll allerdings im Verlauf von fünf Jahren(das bedeutet in 60 Raten) zinslos zurückgezahlt werden. So sieht die Rechnung für Berliner Gargonwohnungen aus. Unerschwinglich für die Malle der Untermieter. Vormund als Betrüger. Sie veruntreuten Mündelgelder.- Klage gegen die Stadt. Im Sommer vorigen Jahres verstarb plötzlich der Klempnermeister Friedrich Jsleib und hinterließ seiner 19jährigen Tochter ein vermögen von 10000 Mark. Das junge, unerfahrene Mädchen wandle sich aus Anraten ihres verlobten, eines Schupowachlmeislers. an das Amtsgericht Schöneberg mit der Bitte um Bestellung eines Vermögensbeistandes. Aus Vorschlag der Jugend, und wohlfahrlskommission der Stadt Berlin bestellte das Amtsgericht den Heilgehilfen Fritz Möllert. Kaum war dieser als Beistand vereidigt und in den Besitz der Erbschaft gelangt, ver- spielte er die ganze Summe in wenigen Nachten bis aus den letzten Pfennig. Das betrogene junge Mädchen konnte ohne Mühe feststellen, daß Möllert ein schon zweimal mit Gefängnis, darunter wegen Unterschlagung, vorbestrafter, stark verschuldeter Mensch ist. Wöllert ist in der Heilanstalt Buch beschäftigt und bei Vorgesetzten und Kollegen als Spieler und Wetter allgemein bekannt. Es ist unerklärlich, wie dieser Mann als geeigneter Beistand vorgeschlagen werden konnte. Die Betrogene hat durch ihren Anwalt gegen den preußischen Justizsiskus eine Klage wegen Schadenersatzes eingereicht. Der Präsident des Landgerichts II hat namens des Justizsiskus den Anspruch mit der Begründung abgelehnt, daß die alleinige Schuld das Jugendamt Berlin träfe. Daraufhin hat der Anwalt die Stadt Berlin verklagt. In diesem Prozeß fand heute VerHand- lungstermin vor der 2. ZwilkamMer des Landgerichts I statt. Der Vertreter der Stadt Berlin erklärte, daß die alleinige Schuld an dem bedauerlichen Vorfall gerade umgekehrt dem Schöneberger Vor- nnindschastsnchter treffe. Das- Gericht gab den Parteien auf, nachzuweisen, ob die Per- sonen beim Jugendamt, die unzweifelhaft Vernachlässigungen be- gangen haben, Beamte, oder nur ehrenamtlich tätig sind. Nach Ab- laus einer Frist von drei Wochen wird die Zivilkammer ohne weitere mündlich« Verhandlung in diesem Rechtsstrett entscheiden. Kommunisten im Lustgarren. Die Kommunisten hatten wieder eiinnal für nötig gehalten, ihr« Anhänger zum Lustgarten zu bestellen, um wegen irgendeiner Parole dort zu �demonstrieren, d. h. zu schreien und zu toben. Di« kommunistischen Anhänger scheinen aber selbst nichts mehr von den dauernden Demonstrationen ihrer Partei zu hallen, denn an den Zügen beteiligten sich meist nur die jüngeren Zlntifa-Mitglieder. Mit Taintam und viel Protestgeschrei gegen die Schupo, die nicht den Koinmunisten zuliebe allen Verkehr abriegeln wollte, wurde eine kurze Kundgebung durchgeführt, dann rückten die Züge wieder ab. Der Zug vom Prenzlauer Berg marschierte zum Bülowplatz. Dort kam es zu einem Zusammenstoß mit der Polizei. Cw Demonstrant gab einen Schuß ab, der glücklicherweise niemand traf. Der Schütze konnte leider nicht oerhaftet werden. Die Polizei mußte ün ganzen siebzehn Demonstrationszüge auslösen. Dabei wurden 10 Personen Polizei übergeben werden. Sanikätsrat Dr. Magnus Hirschfeld wird sich einer an ihn ergan» genen Einladung medizinischer Gesellschaften folgend, am 15. d.M. mit dem„Columbus" vom Norddeutschen Lloyd nach Amerika begeben, um dort vor Aerzten Vorträge und Kurse über sein Forschungsgebiet zu halten. ■. Wetleraussichtea für Berlin: Später wieder Bewölkungszu- nähme mit neuer Neigung zu Regeujällen: weiterhin mild.— Für Deutschland: Im Süden meist heiter, tagsüber mild, im Norden nach vorübergehender Wetterbesserung wieder von Westen her ein- setzende Bewölkungszunahme mit Niederschlagsneizung, mild. Antifaschistische Kundgebung am Sonntag dem 16. November, nachmittags L'/a Uhr Treffpunkt: Albestraße am Friedrich-Wilhelm-Platz in Friedenau.— Redner; Artur Crispien, M.d. R. Keiner darf fieh!enl Erschaiirt in Nassen! 11. Kreis Schöneberg-Frledenau. Groß-Berliner parteinach richten. Achtung, Kreis-, und Abteilungsleiter? Am Freitag, dem 2t. November, 19): Uhr, findet eine große internationale Kundgebung in der AutoHalle am kaiserdamm statt. Wir bitten, möglichst alle für diesen Tag angesetzten Versammlungen zn verschieben und rege Propaganda für diese Kund- gebung zu machen. Der Bezirksvorstand. 4. tnät Prenzlauer Perg. ParteiflenaiTen, kommt zu b«t ffümoerondaltunq Ate flinirttfreunbe am Dirnsta«. dem 18. November, in der Danziger S'ta5c 23(Ptoqcamm unter Ninderfreundcmitteilungen). 7.»rel» Sharlottenbur« und Euandan. Juristische cprrttrfhml* findet am Connabend, dem IS. November, von 17 bis 18 Uhr, im Zugendheim Nosinenftr. 4, statt. Gelegenheit zum Nirchenanotritt! 13. iteei, Tempelhaf. Sonntag, 18. November. 10 Uhr. Rthruna durch die Brandenbnrgische Landesfrauenllinil, Neukölln, Mariendorfer Weg 28—38. Genossen und Eenossinnen tieften stch um Uhr nn der Ecke Germania- und Gottlieb-Dunckel-Etrastc.— Montau, 17. November, Uio Ahr, Krei«. Mitgliederversammlung im Rrftanraat Birkenmäldchen, Tempelhof, Maa» tensselstraße. gommunalsragen. Nefcrent: Genosse Bnrgemeistcr. heule, Sonnabend, 15. November: 17. Abt. Die Einlastkarten von der Revolntionofeier sind umgehend beim Genossen Höhne abzurechnen. Morgen, Sonnlag, 1(5. November: rr f t s s n n. t i S, 4«.«bt. Sonntag, 16. November, Serbstv-rgniiqen im«rasten Saal Z W den Semerlschaftshausc», Engelufer 24—25. Ansang 18 Ahr. Eintritt W & 75 Pf. Mttwirlende: Die beliebte Tanzkapelle der 5 eanan-Bays, Rwit:; Turnerschast Grvst.Berlin, die Tamdaurassea.Sekiioa de« Verein,> i Havliceck, Ninderfrennde Südost. zW-t i t M— 1-1— TU: I i t—M I l 92.«bt. ReuISIn. ICH Uhr Besichtigung de, Landtages. Treffpunkt vor dem Landtagsgebäude. Prinz. Albrecht-Str. 5. 1»8. Abt. ilöpenick. 11 Uhr Besichtigung der Zentralschule in Rahnsdorf. Zahrt mit der Strastenbahn 187 bis Rahnsdorf, dann Autobus. Treffen 11 Uhr vor der Schule. Zungsozialisten. Znnltionörc! Heute. 19>s Uhr, im Hackeschen Hof, Nosethaler Dtraste, Per. «Inszimmer 1, Saf eechts, gnnttionärlonferen,. Genosse Kran, ftünftler spricht über:.Die Partei im Kamps um die Seele der Zungwähler". Di««rnppea. leitet kommen bereit, um 18!?) Uhr zusammen. Gruppe Reinickeudarf. Die Gruvprnfunktionöre und auch Interessenten gehen heut« zur Berliner Iunktionärlonferenz im Lackeschen Hof llSlh Uhr). Margen, Sonntag, treffen roir uns zur Fahrt durch den Hermsdorfcr Wald INN s Uhr tu Tegel, Berliner Ecke Saupistraste lNormaluhr). Bei Regenioetter mm Seit längerer Zeit bemüht sich die Berliner Funks tunhc, aus der Fülle der Operellenliteratur verborgene und vergessene schätze zu heben. Leider war sie nicht immer vom Glück begünstigt. Der Name des Komponisten macht es nicht allein, denn auch ein Offen- dach uttd Suppe haben im Hinblick auf eine gute Gefchäftskonjunktur hin und wieder Belanglosigkeiten geschrieben. Mit Mtllöckers„Der Vizeadmiral"' oerhält es sich dagegen anders, da der Komponist des ,. Bettelstiide nt" hier ein Werk geschaffen hat, das in musikalischer Beziehung jeden Vergleich mit den wohlrenommierten Operetten der älleren Zeit aushallen kann. Innerhalb des Rahmens einer gepflegten musikalischen Tradition entfallet Millöcker einen wunder- »ollen Reichtum an Melodien. Beherrschung der Komposllions- technik wie der Melodieführung könnte heute manch einem modernen Komponisten als Vorbild dienen. Warum der„Vizeadmiral" in der Versenkung verschwunden war, bleibt ein Rätiel. Jedenfalls ist es ein Verdienst der Funkstunde, dieses Werk in sehr guter Besetzung dem Publikum vorgeführt zu haben.— In später Abendstunde pricht Alfred Mühr über das Thema:„Erst leben, dann auf» 'ch reiben". Es ist eine liebenswürdige und harmlos« Plauderei n sehr guter sprachlicher Formulierung, die sich mit dem Problem der schriftstellerischen Gestaltung befaßt.. Im Grunde wird die Binsenwahrheit erörtert, daß nur derjenige schreiben kann, der auch äußersiche oder innerliche Erlebnisse hinter sich Hot. Aber dies allein ist nicht entscheidend, und hier versagt Alfred Mühr. Man darf nicht nur den Schriftsteller als ein beklagenswertes Opfer, sondern muh ihn auch als kämpferische Persönlichkeit ansehen. Mührs Vor- trag bewegt sich allein in gut bürgerlichen Bahnen. F. Sch. finden stÄ all« um 15 Uhr im Tegeler städtischen Jugendheim ein. Unter. Haltung, Borfsthrungen usm. Heute obc-d im Hackcschcn Hof �unktionärlouferenz. Austerhem Land. jugend'ag in Boston» Treffpunkt 20 Uhr Bahnhof Charlottenburz öder morgen 8 Uhr ebenfalls Bahnhof Charlottenburg. Teilnahm« ist Pflicht. Arbeitsgemeinschaft der kiuderfreuude. «reis Neukklln. Morgen. Sonntag, ist Ztrets'reffahrt. Um 12 Uhr treff alle Eruvpcn am Miiblcnbecker See ein. Di« Gruppen treffen sich mir folg lirlst Ncuter um 714 Uhr am Bufchkrug. Quell« um 8 Uhr Bahnhof Henna::- strastc. Licttköurpfer und Sturmfalke um 8 Uhr Bahnhof Neukölln. Birkc nn 7>4 Uhr Bahnhof Neukölln Ja"- um 7ii Uhr Bahnhof aaser-Friedri-i Strast«. Jungvolk um 8 Uhr am athau,. E, betriligen stch all« Jungfaltc! und Noten Falken. Fahrge'd für alle Gruppen 80 Pf. ttrei» Retuickerdnrf. Heute findet um 19 Uhr die Gtütitmngsfrier de» ilindkrfreundegrnope Wittenau bei Hees«. Berliner Str. 73. statt. Lichtdildcr Musik und BorMhrungen der Zsalken werden den Ab:nd ausfüllen. Wir bitten alle Genossinnen und Genossen, auch sonstig« Intercsstertc. um ihren Besuch Unterstützt bitte die Veranstaltung zahlreich mit eurem Besuch. Prenzlauer Berg. lZilmabend Dienstaa. 18 November: Wiehre wieder. Afrika" und ein lustiger ffilm. Gruppe Biklor Adler. Die IungfaUen treffen stch Sonntag. 8 Uhr. an der llelkenecke.zur Wanderung durch Berlin. Mitte. Das Ausftellunasmater'al der Kruppen mutz heut« bis spätestens 15 Uhr beim Genossen Wollstein. SO. 18, ltranzstr. 11. II, abgeliefert werden. Arbeitslos« Helfer ntüssen unbedingt schon am frühen Pormittag<8 bis 9 Uhr) dort fein, um noch bei vielen Arbsi'en zu helfen. Ter Aiefbau der Ausstellung beginnt am Sonntag um 10 Uhr, iede Gruppe stellt einen Helffr b�m. Noten Talke» zur Verlügung» Diete treffen Fch um 9 Uhr beim: Genosse» Wollstein, um dos Material�zur' Ausstelluna zu schaffen........ Gruppe Martha Demnuxng. Alle Juiigfallen und Rote ssolkon gehen hont». 18 Uhr. zur Pollversammlung des«reifes in der Litauer Strasse. Der He m. abend fällt deswegen aus Achtung! Sonntag ssahrt nach Erkner. Treffe» "Vi Uhr Petersburger Plast(Fallenseitc). Essen, Tr-»rb«cher und«0 Pf. mitbringen.' Geburlslage. Jubiläen usw. 12. Abt. Unterem Genossen Engen Schomdnrg. Siemensstr. g, zu seinem 25jährigen Parteijnbilänm die herzlichsten Glückwünfibe. t». Abt. Unseren Genossen Otto Ringhand. Enterstr. 22. Heinrich Schüller, Soldiner Str. 8. zum 25lährigcn Parteiinbilänm die herzlichste!, Glückwünsche. Wir hoffen beide Genossen noch reckst lauge in unserer Ritt« zu sehen. 20. Abt. Unserer lieben Genossin Pose ,n ihrem 60. Geburtstage tri« herzlichsten Glückwünsche. 48. Abt. Unfern beiden Genosse» Hugo Zimmerling, Brandenburg. Ecke Stitterstraße, und Otto Sablowsli, Fürstenstrassc, die herzlichsten Glückwü llbc zn ihre«' 25. Barteiinbiläum. Mögen beide noch recht lang« in unserer Mitte weilen. Die Genossinnen und Genossen der 48. Abteilung. 124. Abt. Mablsdorf. Unserem alten, verdienten Genossen Hugo Scheibe. Renzelstr. 7, die herzlichsten Glückwünsche zum 25iähriaen Parteiinbilänm. Di« Abtcilnngslcituna. ! Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation � 28. Abt. Genosse ffrist flresina, Choriner Str. 53, ist im Alter von 85 Zahr-N verstorben. Ehre seinem Andenken! Beerdigung am Sonnabend, dem 15. November. 15 Uhr. Weissensee. Gustav-Adolf-Strassc, Zrrrdhof der Eegcnsgemeinde. Um»ahlreiche Beteiligung w�ird gebeten. Sozialistische Arbeiterjugend Groß'Berlin Glnsendunaen für diele BubrN NM an da« Znaendielrelarl» Unfhi GW 68.«bidenssross»> Streichorchester Groß-Berlia. Heute, 19 Uhr, Beteiligung an der Werbe- frier in der Gleimstr. 49(U-Bahnhof Rortring. Ningbahnhof Schönhauser Alle«, Autobus L>. Zentraler Bortragsabend: Montag, 17.-November, 19! i Uhr, im Sitzungssaal der Bezirksversammlung Kreuzbcrg. Heim Yorckstr. 11. Genosse Erwin Marquardt, Leiter der Volkshochschule Berlin, spricht über das Thema:..Bil; dungsmöglichieiten der Iungarbcilcrfchaft". All« älteren Genossinnen und Genossen sowie alle Abteilungsleiter müssen dtSen Bortragsabend besuchen. Mitgliedsbuch tient als Ausweis. Heule, Sonnabend. 15. November: Nenkölln I: Jährt. Treffpunkt 18?4 Uhr.— Tegel nnd Wittenau! Beleili» gung an der Gründungsfeier der ttinderfreundegruppe bei Heese, stremmcner Bahnhof. Beginn 20 Uhr. Werbebezirt Tellowlanal: Wochenenbkursus in Rüdersdorf. Treffpunlt 18V4 und 2014 Uhr Schleiischer Dahnhof. Unkosten 1,40 Rdgrk. Werbebezirk Pankow: Wcrdebezlrksdelegiertensistung um 20 Uhr im Heim ttifsingenftr. 48. Werbebezirk Renköln: Arbeitsfahrt des Bildunqsausfchusses tes Werbrbczirko mit den Vertretern der Gruppen nach Erkner. Treffpunkt 17!, Uhr Bahnhof Neulölln. Nachzügler 20 Uhr ebcndort. Werbsbczirl Teltowlanal: Beteiligung am Zugendtag in Bötzow. Tre'f» puntt 18 und 20 Uhr Bahnhof Tempelhof. Zahnen mitbringen. Unlostcn(Fahrgeld, Festbeitrag) 80 Pf. Werbebezirk Westen: Iugendiag in Bötzow. Eröffnungstuildgedung, Sport..Kundgebung gegen Faschismus und Diktatur" usw. Zentrale 7U>fadrtspunkte: 18(4 Uhr Bahnhof Iungfernheide, 20 Uhr Bahnhof Iunafernheide. Morgen 7 Uhr Zungfernhetde. Werbebezsrk Prenzlauer Berg: Werdefeier:..Wir legen los!"' Aula bei: Schule Gleimstr. 49. 19fi Uhr. Eintritt 30 Pf. Alle Grupven müssen die Fahnen und Transparents um 14 Uhr in der Aula abliefern. Morgen Wsrbedejirksmi'glioderversammluna im Leim Danziger Str. 82, 19b> Uhr. Werner Zorn spriäst über:„Unfcre politische Erziehung� aufgäbe". Alle Grupp.-n Veranstaltung, n fallen aus. m E ZNorgen. Sonulag, 16. November: Arnimplatz: Fahrt nach Ertuer-ktönigswusterhausen. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Schönhauser Allee.— Falkplatz I: Fahrt. Treffpunkt 8 Uhr Bahnhof Schönhauser Alle«.— Lichtenberg-Roidwest: Werbeveransroltung um 19fö Uhr. . Hinein in die EAZ" Jßs D führt ab, es wirkt sehr rtyas milde, versuch es, und VRpSrWWrDu bist im Bilde Schluß mit dem Lobnabbau! Antinationale Wirtschastspolitik. Mit dem verbindlich erklärten Schiedsspruch für N o r d w e st fing«s an. Naturlich! Wenn«s gegen tue Arbeiter geht, dann haben die Schwerindustriellen immer die Führung Der zweite große Schlag erfolgte durch den Verband Berliner Metallindustrieller. Auch das ist nicht überraschend. Dort IVt, hier 8 Proz. Lohnabbau. Und nun geht der Lohn- abbau von allen Seiten los. Auch den Beamten, von denen viele sich gern von der Arbeiterklasse distanzieren, soll klargemacht werden, wo sie hingehören: Auch ihre Gehälter sollen um 6 Proz. gekürzt werden. Warum dieser allgemeine Angriff auf den seht schon ungemigen- den tebensslandard der Arbeiterklasse? Weil man damit die Arbeitslosigkeit beseitigen, mindastens erheblich einschränke» will. So sagt man. Reichsregierung und Unternehmer glauben aber selb st nicht au dieses Argument. Wir haben Ende Oktober 3Vi Millionen Arbeitslose gehabt. Die Reichsregierung sowie die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung rechnen aber keineswegs mit einer Abnahm-, sondern mit einer sprunghaften Zunahm« der Arbeitslosigkeit. Man rechnet damit, daß bis Ende Februar die Zahl der Arbeitslosen mehr als vier Millionen be- tragen wird. Entweder diese Rechnung stimmt und dann lst der vorwand zum Lohndruck ei« Lüge oder sie stimmt nicht— und dann rechtfertigt sich der Lohnraub an den Beamten erst recht nicht. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die Rechnung noch zu o p t i m i st i s ch ist und daß gerade infolge des staatlich geförderten Lohnabbaus die Zahl der Arbeitslosen m diesem Winter sicher an iVt Millionen heranreichen wird. Am schlimmsten aber ist, daß durch den Lohnabbau die Behebung der Wirtschaftskrise noch weiter vertagt wird. Freilich werden schließlich dann die Preis«, besonders der Fertig- waren, um so stärker purzeln. Aber das ist kein Trost. Deutschland muß einen wesenllichen Teil seiner Fertigfabrikate ausführen. Wir zahlen mit den Ferligfabrikaten die Reparationen, die Rohstoffe und die Lebensmittel. die wir einführen müssen. Unsere Industriearbeiter werden aber heut« schon niedriger bezahlt als in den maßgebenden In- dußrieländern, also unter dem Meltmarktlohn. Wenn dieser Lohn noch weiter gedrückt wird, so bedeutet das «ine S« l b'st entwertung unseres internationalen Zahlungs- mittels. Ze tiefer die deutschen Löhne sinken, desto mehr müssen wir Reparationen zahlen. desto weniger können wir von dem Sinken der Rohstoffpreise profitieren. Das Sinken der Rohstoffpreise war für ein Land der Der- «dlungsarbeit wie Deutschland eine große Chance. Die stupide Lohn- Politik der deutschen Unternehmer schlägt dies« Chance aus. Die Reichsregierung unterstützt noch dies« antinationale Politik, die sich sowohl gegen die deutschen Arbeiter wi« gegen die deutsche Gesamt- Wirtschaft richtet. Damit muß endlich Schluß gemacht werden! Wenn die Reichs- regierung, wenn die Schlichtungsinstanzen der Abbaupfychose er-, liegen, so muß die Oesfentlichkeit aufgerufen werden gegen diese wirtschaftliche Selbstverstümmelung. Verrückter Schiedsspruch. Gemeingefährliche Wirkung der Lohnabbaupsychose. Am Donnerstag wurde im Streik der Bau- und Geld- schrankschlosfer ein Schiedsspruch gefällt, der in seinem Abschnitt über die Lohngestaltung folgenden Wortlaut hat: „Vom Tage der Wiederaufnahme der Arbeit an gilt das Folgende: Das bisherig« Lohnabkommen wird wieder in Kraft ge- setz, mit der Maßgabe, daß die Bestimmung:„Wo bisher schon höhere Löhne als die tariflichen gezahli wurden, wird die gleiche Differenz auf den neuen Tariflohn weiter- gezahlt. Bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen dürfen nicht verschlechtert werden.", in Forlsall kommt. Vom 1. Januar 1931 an ermäßigen sich die tariflichen Stundenlöhne in der Geldschrantindustrie, auch die Akkorde, um 3 Prozent. Dieses Abkommen gilt bis zum 30. Juni 1931. Es verlängert sich um jeweils sechs Monate, wenn es nicht einen Monat vor Ab- lauf mittels schriftlicher Erklärung gekündigt wird. Sinkt während der Vertragsdauer die Reichsindexziffer(Lebens- haltungskosten) eines Monats unter 14 0, so ermäßigen sich die bisherigen Löhne und Akkorde von der ersten Lohnwoche des nächsten Monats um 6 proz. Erllärungsfrist 18. November 1930." Dieser Schiedsspruch ist ein Joch verrückt. Der Reichsindex der Lebenshaltungskosten stand'Oktober auf 145,4. Ein Sinken auf 140 bedeutet eine Abnahme der Lebenshaltungskosten um vi« r Pro- zent. Der Schiedsspruch diktiert aber einen Lohnabbau formell um neun Prozent. In Wirklichkeit um 15 bis 20 proz„ denn er streicht auch die Bessenrngsklausel im Tarif. Der Mindestlohn wird dadurch zum Höchstlohn. Auch aus der sonstigen Fassung des Schiedsspruchs geht hervor, daß sein Verfasier bei der Abfassung nicht das geistig« Gleichgewicht besaß. In seiner allgemeinen Fassung spricht der Schiedsspruch zwar von der Nichtzulössigieit von Maßregelungen anläßlich des Streiks bzw. der Aussperrung, macht aber die Wiedereinstellung abhängig von„der gegebenen Beschäftigungsmöglichkeit". Dieser Schiedsspruch ist aber auch deswegen eine Ungeheuerlich- kcit, weil er einer fast restlos organisierten und seit fünf Wochen im Abwehrkampf stehenden Arbeiterschaft einen beispiellosen Abbau der Tariflöhne und Akkorde auserlegen will. Gar nicht in Rechnung stellt der Schiedsspruch die Tatsache, daß bereits 32 Firmen, darunter auch Großbetriebe, nicht nur ihre Lohnabbauabsichten preisgegeben, sondern darüber hinaus noch Lohnerhöhungen von durchschnittlich 10 Pfennig je Stunde bewilligt haben. Di« Branchenkommission und die Funktionäre der Bau- und Geldschrankschlosser haben diesen Schiedsspruch ein st immig ab- gelehnt. Die zum Bersten überfüllte Dranchenoersammlung der Bau- und Geldschrankschlosser, die gestern abend m den Prachtsälen am Märchenbrunnen stattfand und über dies« Entscheidung des Schlichtungsausschusses hell empört war, lehnte«s ei n st l m m i g ab, über den Schiedsspruch überhaupt zu diskutieren. Heute wird entsprecheich den statutarischen Bestimmungen in allen Bezirksstempelstellen«ine geheime Abstimmung über die Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches vorgenommen. Au der Abstimmung beteiligen sich nur die Bau. und Geldschrank- schlosser, die noch im Streik stehen, weil ihre Forde- rungen von ihren Unternehmern nicht anerkannt worden sind. Das Abstimmungsergebnis muß bis heut«, Sonnabend, 14 Uhr, der Ortsoerwaltung des Metallarbesterverbandes übermistelt werden, da zur gleichen Zeit ini Verbandshaus der Metallarbestcr in der Linienstraße eine Funktionärkonferenz zum Abstimmungsergebnis Stellung nehmen muß. Es steht außer Zweifel, daß die straff organisiert« Bau- und Geldschrankschlosserbranche den Schiedsspruch mit erdrückender Mehr- heit ablehnen wird. Vierzig Jahre. Die Vergangenheit weist den Weg in die Zukunft. Am 18. November 1890 trat in Berlin eine Konferenz der deutschen Gewerkschaften zusammen, die zur Gründung der G e- neralkommission der Gewerks ch asten Deutsch- l a n d s geführt hat. Damit können wir das vierzigjährige Jubiläum der freigewerkschaftiichen Organisation unter einheitlicher Leitung feiern. Die Gewerkschaften befanden sich damals am Ausgang des Sozialistengesetzes noch in einem Zustande der Schwäche und der Zersplitterung. Die Auffassungen über die Form, die die Gewerk- schaften anzunehmen hätten, waren gleichfalls noch sehr geteilt. Die Generallommisfion, die im Jahre 1919 in den Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbund umgewandelt worden ist, erhielt die Aufgab«, die Gewerkschaftsorganisationen gegen die An- griffe der Unternehmer zu unterstützen. Di« Mittel dazu sollten von den Gewerkschaften aufgebracht werden. Die Kommission hatte weiter die Ausgabe, einen Gewerkschaftskongreß einzuberufen. Die Kommisston sollte auch die schwachen Organisationen unterstützen und die Agstation überall da betreiben, wo noch keine Organi- sattonen bestanden. In die Generalkommission wurden gewählt Legren, von Elm, Damann, Kloß, Theodor Schwarz, Glocke und Frau Ihrer. Don diesen befindet sich nur noch unser Genosse Glocke, der Geschäfts- führer des„Vorwärts", unter den Lebenden. Der Boden, den die Generalkommifsion zu beackern hatte, war noch sehr steinig. Rur etwa 300000 Arbeiter waren in den oer- schiedensten Verbänden und Lokalvereinen organisiert. Aus diesen kleinen Ansängen ist es in schwerer Arbeit gelungen, die große ge- wallige Organssation aufzubauen, die heute rund 5 Millionen Mii- glieder umfaßt. Dieser Fortschritt konnte nur erzielt, diese Arbeit konnte nur geleistet werden im ständigen geistigen Ringen und im be- ständigen harten Kampf gegen alle Angriffe von außen. Der Rückblick auf den Weg, den die Gewerkschaften Deutschlands in diesen vierzig Iahren zurückgelegt haben, mahnt uns, auch in der Zukunft all« inneren Meinungsverschiedenheiten in kameradschaft- licher Weise auszutragen, damit wir stark bleiben gegen die äußeren Feinde. Das Unternehmertum sst jetzt daran, den Lebensstandard der Arbeiterschaft mst Hilfe staatlicher Machtmittel herabzudrücken. Um so notwendiger ist es, die Einheit der Organisation zu erhallen und zu verteidigen, um stark zu bleiben in der Berteidigung wie ini Angriff. Wenn heute die Kommunistische Partei auf Anordnung von Moskau den Versuch unternimmt, die Einheit der Gewerkschafts- bewegung zu zerschlagen, so ist es um so mehr die Pflicht aller Gewerkschaftsmitglieder, die so teuer errungene Einheit zu ver- teidigen. Fünf-Tage-Woche im Gastwirtsgewerbe Die Gastwirisgehilfen während der Kri4 Uhr Werbe. Veranstaltung des Jungbanncrs bei der Ausstellung der Zuqendgruvve des Bciirls Mitte, Neue Griinstr. 19. Antreten 18 Uhr Neuer Marli.?chzuederq. Friedenau. Antreten 14 Uhr Bahnhof Friedeuau-Wilmersdorf zur anti- falchistikthen Demonstration. Dtcgli«! lOrtsuerein). Antretcu 13 Uhr Dstunel. platt. Pflichtveronstaltung. P-al-w(Ortsvertinl. 7% Uhr Paniom. Lindcn- piomenade, Haltestelle Omnibus- zur Fahrt nach Schildow. Zivil mit Bundes- uodel.— Rodtahrcrabteilung. 7%' Uhr zur Fahrt nach Schildow vor dem „Türiischen Feit", Breite Straße. Zivi I mit Bundesnadcl., öurdj jrungenoon �KTtnn Sie gleich eine Postkarte nach ehrtstofstal schreiben: kostenfrei unö unverbinülich mit Äürffcnfle»jrefraarftn©fiit neue Zvunöerkiste für Herbst emb Wütter zum sparsamen Skosseinkaus!'-- bann nutzen Sie bie gute»© trfohrungen von 120000 zufrieüenen Kuoöen *< an öle thristofttal allein im letzten Zahre über 500000 Zlescrpostm» viele tismbahnzüge voll schöner Stoffe O für Mantel, Anzug, AIcifi unö Sosrnm© ätrsanfit hat. Diese 120000 rechnen vorteilhost unö khig, wenn sie in Shristosstal kaufen-> öenn sie wissen genau, öah Christofs« tal als wirtschaftlicher Srohbetneb Q MerragrnöcS leistet, öaß öort Millionen-Umsätze Sie so billigen preise machen. ■Sie verstehen, öast e« schon seinen guten Grunö hat, wenn so viele Kunöen ausgerechnet in ChristofStal bestellen. Auch für Äie ist»S bestimmt nicht gleich, ob ein Meter zwei, örei, fünf Mark mehr oöer weniger kostet-> ob Sie an einem An- zug oöer on einem anöeren Kleiöungsstück zehn, fünfzehn, Manzlg Mark unö oft noch mehr sparen Q oöer nicht! Sparen Sie ebenso!-» Sie wählen unter vielen hunöert Mustern© so angenehm~ mühelos- ungestört» kein übereifriger Verkäufer örängt -» Sie könneu Sie Stoffe anfühlen- preise vergleichen-» Sie haben Las Recht, alles Getauft» rückzusenöcn, was Ihren Srwar- tungen nicht-entsprechm sollte- Label ffnöen Sie alle nur öeukbarc Sauserleichterung! Sie können wirklich nichts Klügeres tun, als Lort zu kaüftn->wo 120000 mit öen Liefe- rungen restlos zufrieöeu sinü unö Ihnen für guten unö erfreulichen«inkauf(*) bürgen. KUNDEN, I�ZAHIEN /S27 56000 792ti■' i 57000 'l* x'Vi» j._ g. irüünTÄBRlK�CnRTSTÖTSTÄll FABRIK UNO VERKAUF EIGENER UND FREMDER ERZEUGNISSE IN CHRISTOFSTAL A27(WURTT.) Htetne Anzeigen, tmrkungsveii und billig-, Ubwif�iftrwerl 75 W., Trrtwwf» 17 W./ Wi»dl*rll«lwnBsr»batt; IO mal 5 V 70 mal oder lOOO Worte AbtthlwB 10*. 7000 Wort* 15*. 4000 Wert« 70 V |>taBaf>9a«Mch«: Überschrift» wort 15 Pt.. Textwort IQ PS. Annohme durch den Verlag. Undanstr. 3 j',? bit 5 Uhr und»bmtl'che Vorwort» Filialen u. Autgobcstellen UBPKSUle 3 Tapete a. Tzillat, Kolonie straße 9.' ilisiSiiiisttkiictzs. «llöseiis llzui. Wenig getragene Kaoaliergarderobe von Millionären. Aerzten. Anwälten. Fabelhaft billige Preise. Empfehle Taillenmäntel.Palc. tots. Fracks. Emo- kings, Gehrockan- Züge. Hosen, Spart., Gehpelze. Gelegen. beitsläuse in neuer Garderabe. Beiie- stcr Weg lohnend. Lothrlngerstraße 36, 1 Treppe. Rosen. thaler Platz- Wenig getragen, teils auf Seide ge- arbeitete, erftllassigc Jockettanzüge. Frack- anzllge, Smoliugan. Züge. Gchrackanzlige, Bauthauzllae. Ulster und Paletot», hod». elegante neue Gar- derobc zu stau» v.end billigen Brei- feu. Gelegenheits- käufe in Herren. und Damcupelzen. Leihhau» Lowick!, Briiuenstraße 103. eine Treppe. Keine Lombardware.' Von Kanal!««» wenig getragene und neue Jacketlanzüge. Smakinganzüge, Frackanzllge. Bauch. anzüge. Ulster, Pa- letots, jede Figur possend.H-rr-n. und Damcnpelz« enorm billig. Leihhaus Friedrichstraße 2, HalleschesTar. Keine Lombard warc.� Wenig getragene Winterpalewts, Wintcrulster. Bur. schenulfter. Frack- anzüge, Smokingan- züge.Eehrockanzüge. Jockettanzüge. für jede Figur passend. Spezialität Bauch- anÄge. Spottbillig. Holpern. Rosen. thalerstraße 4. eine Treppe. klUlv-l verleih hochelcgan'er Gesell, sd>afts.Anzüge.Lkih. hau» Lowick:. Prin ,-nstraße U» Beuig ge trage» c Jackettanzllge. Pal». lots. Ulster, vracht. volle Kammgarn. anzüge. Smokingan. Züge. D-legenheits. lauf« in neuen Serrengarderobrn. Brillanten.'Uhren, EoldwarenzuEvot'. preisen. Leihhaus Rafenthalcr Tor, Linienstraße 203/204, Ecke Rofentbaler- straße.«eine Lom- barüware. RöbeNänfer nxeke Kredit und bar Röbelbazae. große Auswahl. Nein« Preise! Beispielaweiic: Schlafzimmer 4öü.—. öpeisezimmer 117,-., HerrenzimmerZbg,— Spiegelschränke 113,—. Dielengarni. tur 38.—. Anrichte- küche. 99,—, Messing. bettstelle 66,-. Klrj. derschränke 48,—, Ehaiselongues 28.—, Metallbe'«stelleI8,—. Auftegemairatze 113,—. Sonstige Möbel angemessen» lBreise. Teilzahlung ausschlagfrei Wo. jchenratcn. Mona:-. raten. Kassarzdoit jbis zehn Prozent, auch auf Anzabluu. gen. Kredite bis zwei Jahr« Mäßi. ger Zins. Katalog franko Haup'ge- fchäft: Steglitz. Schloßftraße 197: 2 Gclchä't: Neukölln s-rmannplatz 7; 3 Geschäft: Belle. Alliance-Etraße 9ä, Untergrundtahn: 4. Geschäft: Sottbuss'r Straße 23. gegen. über Elitesängcr.' vatentmateatzen Primittzma", Mo- tallbctten. Auflege. mat-aden. Chaise» longues. Walter Etargarderstraße achtzehn. KeinLaden Möbel-Komerling, Kastanienallce 36. Nußbaum- Wasd>. kommoden, englische Bettstellen, Nacht» tisch«. Niesenaus» wähl. Plülchsofas. Spottpreise. Zah- lungserleichtcruna. Weihnacht». aagedotc! Sa, ist Prei«. senkuag: Noch ist es Zeit! Sie kaufen jetzt: Schlaf- Zimmer, Eiche, nur 373.—: Echlafzinl. mer. Nußbaum, nur 383,—: Sdilaf- zimmcr. Birke, nur 693,—: Schlaf- ziwmer, Mahagoni. nur 713,—: Speis». zimmer. Nußbaum. nur 490,—: Speise. zimmer. Eiche, nur 399.—: Küchen, weiß und lästert 68.—: Ankle>desd>rönke nur 82—: An- ileideschrank mit Evieoel 8«,—: Bücherschräiike. zweitürig. 42—. Viele Gelegenheits» kälifc in crtra sdzweren polierten Schlafzimmern. Sveisczrmincrn. Herr"-, immern. Spottbillig! Be. guemc Zahlunaser- letchterun«! Das versäum« niemand! Möbel-Schrager. Kastanienallee-Iö 49, im Fabrikgebäude. Serien-Peeise: Serie 1. Eiäic voll- gcardeitci mit Ruß» bäum. Mahagoni, Matassar abgesetzt nur 640 M. Seriell. Birke, Nußbaum, Mahagoni, Birn> bäum nur 890 M. Berliner Möbel- Haus Moritz Lirscho- witz. Südosten. Ska- litzcrstr. 23. Hoch. bahn KottbusserTor. sililZiU- INilstUlilZIIlS Möbel. Schräg er, Weihnacht». Angebot! Radikaler Prcisab. bau! Das— ver» säume niemand! Zu unscrm lieben Weihnachtsfeft, schmück auch ich mein trautes Nest. Das Gesdienk für meine Frau find' ich. bei' Schräger passend genau. Sie kaufen jetzt! Sdilas. zimmer. echt Eiche mit Fristertoilctte 373.- mer, 390.—. zimmcr, 780,-. zimmer, tt». Schlaf, Immer» Werbetage. Serie I in(Sidiel mit Nußbaum Ma. haaoni, Makassor abgesetzt, voll ge. arbeitet nur 640 Ma�tk Serie II. Birke. Nußbaum. Mahagoni, Birn» bäum nur 890 M. Berliner Möbel- Haus Hirkchowitz. Südosten. Skalitzcr- sttaß« 23. Hochbahn Äottbusscr Tor. Schlaf, im. Nußbaum. Schlaf. Goldbirtc, Speise- W. Eiche und poliert. Auszugtisch und echten Leder- stühl-n 420.-. Her. rcnziwmcr 193,—, wundervolles Herrenzimmer 2,30 Meter. Bibliothek. komplett mit Leder- Möbel SZ3,—, An- klcidelchronk 62,—. Ankleideschrank mit Spiegel 93.-. Bü. Aerschrank■ 43,—, Küchen lästert und weiß 68,—, Sdireib. tessel 18,—, Nuß. taumbHFftt. Sofa mit Umbau 33,—, Po sterseltel 2?.—. Riesenauswahl! Schreibtische. Ruh«. bttten.Staudubren, Klubsessel. Evott. preise! Kulante Zahlungserleicht«. rung! Schraaers Möbelspeicher. Ber. lin-Rorden. im Fa» brikgebäude. Kasta. nienallee 45/49, Sal. ieftelle Zionskirch. platz. Borzeiger 3 Proz. Rabatt! Linipiano», überaus preiswert Pianofabrik Link. Brunnenstraßc 33.' Piano»— Flügel. Riefenlagcr. Bech. stein. Blüthner. Cteinway, Schwech. ten. Salonpianos 273,—. 390.—. 423.—, gebrauchte Abend- roth, Potsdamer» straße 74_ Piano, kreuzsaitig. 200,—. Teilzahlung. Pi» anohaus Alt- Moabit 86 e. Kofswann Piano». wtaumchaus aegrün- det 1387. Pianos. Flügel, Harmoniums 100 Instrument«, Auswahlmnerkannte Tonschönheit, Preis. Würdigkeit, günstige Teilzahlungen. Neue Pianos 900 Mark, gebrauchte 400 Mark an. stets«belegen- lisitskäufe. Alte In. strumcnte Gegenrech. nung. Pianofortc- fgbrik Georg Aoft. mann G. m. b. H, Berlin SW 33. Leip. zigerstraßc 37 ISpit- relmarkt). sisiii'i'Zosi' ] Gebrauchte Fahrräder 13,—, 20,-, 25,-, 39.—. 35,—. Machnow, Weinmeisterftr. 14. Gepäckdreiräder. repariert, verkaust Grünstraße 23—2«. Sistisn. tLiids iiim Baiüon Obstbäume, Cträuchcr, Blumen- zwiebeln. Stauden, Sämereien, nur sortenechtc Ware, führt Lang«, Em furter Samenhand» lung. Berlin-Schb. neberg. Bahnhof Papestraße. IüallW8Mg> z» foulen ««sucht großer Posten Kanarien» vögel. weißeMäule. Meerschweinchen. gebrauchte Bogel- käsige, Aauarien- glaser, Papagei. käsig«. Bitte Preis- und Größenangabe. Offerten unter G. 34 an die Haupt- erpeditwn des Bor- wärts._ Zph-gebiss-, Plaiinabsällc_ Lö: Gegen kleme Raten erhol» ten Sie gebrauch!« sowie neue Pianos. Große Auswahl.------- Lagerbefuch lohnend Sinn. Blei. Queck- Stresemannftraße 14 plber.Silberschmelze. und Brunnen Nr. 191. EoldschmelzerriCbr'. stionat. Köpenickcr- Sic zahlen straße 39(Haltestelle Nein- Raten für Adalbert str-ßeV. Pianos, neu und ge- braucht, große Aus. wähl. Serer. Brun. nenstr lgl. l Treppe fRosenthaler Platz) und Stresemann. straße 14._ «,— Mietpianos. König, Bochumerstroße 27.' 299.- 230�-. 390.—. 330,— 400,—. gebrauchte Klaolere. Teilzah. luna. Herer, Prln- zenftraße neunzia. Möblierte» Vorderzimmer. elek- irisches Lirht, an Herrn»ermietet Bitfch. Ramlcr- straße 38. II TW. • JIr. 537• 47 Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 45. November 4950 Konsumvereine trotzen derKrise. Starler Mitgliederzugang in ganz Veutschland. Di? vom Zentralverlx'.nÄ deuischer Konsumvereine verösfentlichtc Erhebung über dos dritte Vierteljahr 193l1 beweist eine Ii a r k e W i d e r st a n d s k r a f t der Konsumgenossenschaften gegen- über der Wirtschaftskrise. Der Durchschnittzumsatz je Mitglied liegt mit l00.k8 Mark nur um l Pi. unter dem Satz im zweiten Viertel- iahr 1939. Gegenüber dem dritten Vierteljahr 1929 ergibt sich ein Rückgang von 3,07 Mark. Charakteristisch ist das Anwachsen des Mitgliederbestandes, der für das dritte Vierteljahr >939 gegenüber dem dritten Vierteljahr 1929 rund 73 999 de- trägt. Ohne Zweifel ist das die natürliche Folge der Verbraucher- feindlichen Politik, die in Deutschland gerade während des letzten ?ahrcs betrieben worden ist. Die Entwicklung im Zentratverband geht aus folgender Zusammenstellung hervor: 3. Vierteljahr 2. Bterteljahr 3. Vierteljahr 1330 1930 1929 Mitgstederbestond. 2 917 735 2 995 589 2 842 2S0 Bierteljahrsumiätze 292 Mill. M 291 Mill M. 299 MiC M Ilmsatz der Groß- einkaussgesellschi. 133,7., 113,4,. 134.» Umsatz der cherstel- lungsbetriebe der Großeinkaufsges. 36,1.. 31.9.. 33.2.. Spareinlagen... 412,9 ,.. 499.9.„ 369.9.„ Bei dam Anwachsen der Mitgliedcrzahlen muh berücksichtigt werden, dah die Vareine die sogenannten Papiersoldaten schonungslos ausgeschlossen haben. Die E i g c n b e t r i e b s m i t t e l der Konsumgenossenschaften find sowohl zahlenmäßig als auch im Verhältnis zum Umsatz ge- .'liegen. Die Geschäftsguthaben vermehrten sich von 61,96 auf 62,57 Millionen Mark. Noch günstiger gestaltete sich die Eni- wicklung der R ü ck l a g e n o l l c c A r t, die sich von 63,18 Millionen -Mark am 39. Juni 1939 auf 64,92 Millionen Mark am 39. Sep- tember 1939 erhöhten. Die Waren schulden der Konsum- aenossenschaften bei den Lieferanten hatten am 39. Juni 1939, dem Vetriebsjahresschluh der meisten Kansumzenossenschasten des Zentral- Verbandes, inst 43,7 Millionen Mark den niedrigsten Stand innerhalb des letzten Jahres erreicht. Im dritten Vierteljahr hat sich die Summe der Warcnschulden wieder erhöht, und zwar von 43,7 Mil- lionen Mark zu Beginn des Vierteljahrs auf 5l,8 Millionen Mark am Ende des Vierteljahrs. Di« Bewegung erklärt sich mit der bereits im September einsetzenden Eindeckung der Konsumgenossen- 'chosten für den Herbst- und Winterbedarf. Oer neue Zementbsock. Znieressengemeinschast des fchlesifchen und süddeutschen Zement-Konzerns. Di« beiden kapitalstärksten Zementkonzerne in Deutschland, die Schlesische Portland Zementfabriken A.°G. in Oppeln und die süddeutsche Gruppe Portland Zementwerle H e id elb« rg- Man.n.hei m- S tutt gar t. Ä,- G-,.habe), jeM eine Interesscnoemeinschost abgeschlossen, die für die künftige Äränel »crteilung in der deutschen Zemcntindustrie von größter Bedeutung ikt. Der Austausch von Aktienpaketen und einer Anzahl führender Aufstchtrotsmstglieder läßt von vornherein erkennen, daß diese Interessengemeinschaft ein sehr enges Zusammenarbeiten zur Folge haben soll. Zugleich mit dieser Aktion hat der schlesische Konzern, der seit etwa anderthalb Jahren bei den thüringischen Zement- werken P r ü s s i n g und der Adler A.-G. beherrschenden Einfluß gewonnen haste, die Bindung dieser Werke enger gestallet, indem künftig die Dividendenzahlungen bei diesen beiden Ulster- nehmungen in einem bestimmten Verhältnis zu der Dividende des Stammkonzerns in Oppeln erfolgen und sämtliche Betriebe dieser Thüringer Werte mit den schlesischen Betrieben zusammen unter eine einheitliche Leitung gestellt werden sollen. Mit dem Abschluß dieser Aktion ist also ein oft- und süddeutscher Zementblock gebildet worden, dessen Produltionsstärke mehr als 59 Praz. der deutschen Zementfabrikation umfaßt. Di« Hintergründe dieser bedeutenden Aktion sind in den immer 'clstirfer austretenden K r is e n w i r t u n g« n, die das Fundament der Zementsyndikate erschüttert haben,.zu suchen. Die übermächtig auskommenden Außenseiterwerkc haben ganz besonders die Stellung des westdeiltschen Syndikates so untergraben, daß mit einer Sprengung dieses Kartells zum Jahresende ge- rechnet wird. Das Auscinandcrbrechen des westdeutschen Zement- kartells würde aber nicht nur für die Absatzreviere dieses Ber- tomdcz, sondern für den ganzen innerdeutschen Zemcnkinarkt van schwerwiegendsten Folgen beglellet sein. Der Zusammenschluß des schlesischen und süddeutschen Konzerns ist daher in seinem Kern als ein Gegenstoß gegen die durch d!e Krise bedinoie Entwicklung in der Zcmentindustrie onzusehcn. Dem drohenden Verlust der djirch die Syndikate bichcr gesicherten Monopolherrschaft soll auf dem llmwco« über die Iruftartige Joteressengemeinschast i dieser beiden Zementriesen begegnet werden. Diese Ber-! trvstlmgsbcwcgung in der Jcmcntindustrie erfordert daher die! schärfste Aufmerksamkeit oller der Kreise, denen an cincni Durchbrechen des für den Baumarkt so schädlichen Zementmonopols gelegen ist. Vorfloß der Kupferkönige. Orosselung der Produktion beschloflen Das amertkanischc kupsertarlell, dos in den letzten beiden Jahren mst seiner Politik völligen Schissbruch erlitle« hak. holt jetzt zu einem neuen Stoß aus. Da, Kartell hat„zur Stützung der Kupserpreise" eine vrosselung der Produktion nm 20 000 Tonnen monatlich, also fast eine Viertelmillion Tonnen jähr- lich. beschlosien. Da im letzten Jahr der weltverbrauch an nupser sich ans 1.79 Millionen Tonnen beNes. dürste die Drosselung 15 proz. der amerikanischen Supserproduktion ausmachen. Diese Maßnahme hat ihre Wirkung aus die Supscr- preis« natürlich nicht versehlt. Nachdem sei« März 1929 der kinpserprel» ununterbrochen von 24% bis auf 9,5 Cent je Pfund ge- tunken mar und damit den lief st en Stand in diese« Jahr- hundert erreicht hatte, find die preise in den letzten beiden Tagen auf 10.3 Cent gestiegen. Gestern war ein« weitere Steigerung aus lOJt Cent eingrtrete». Ja» Kartell hat also ofieabar die Absicht, ReichSwirtschastSral gegen Sifenhenen. Die preissenkungsgutachien für die Reichsregierung feriiggestetlt. Der Reichswirtschaftsrat hat die von der Reichsregicrunz am 22. August verlangten Gutachten zur Preissenkung bei Kartellen und in der Markenartikelsrage fertiggestellt. Er hatte gute und schnelle Arbeit geleistet, und es wäre nur zu wünschen, dag die Reichsregierung an der Sachlichkeit und dem Willensernst des Reichs- wirtschaftsrotes sich ein Beispiel nähme und die Preissenkung mst Erfolg auf der ganzen Linie vorwärts treiben würde. Einleitend wies der Vorsitzendes des Reichswirtschaftsrates, Genosse Lei pari, darauf hin, daß die zehnjährig« Tätigkeit des Reichs- wirtschaftsrates der Gesamtwirtschaft von großem Nutzen ge- wcscn sei. Außer der Erstattung von zahlreicl?«" Soudcrgutachten seien 499 Gesetzentwürfe geprüft worden. Der Ausrvand für den Reichswirtschaftsrat sei gering: sein« Arbeit mache sich mehr als be- zahlt. Von den 326 Mitgliedern nähmen, da das Plenum fest 1923 nicht mehr zusammengetreten sei, nur 119 an den monatlichen Sitzungen teil, wobei jedes Mitglied, im Durchschnstt gerechnet, etwa 199 Mark monatlich kost«. In den letzten drei Jahren haben die Gesamtkosten für den Reichswirtschaftsrat durchschnittllch 646 999 M. nicht überschritten. Die Beschlüsse zur Preisbildung der Kartelle. Dem Auftrog der Reichsregierung hat der Rcichswirtschaftsrot im einzelnen durch folgende Beschlüsse entsprochen: Für die kalk- und Märlelwirtschofk wurde einstimmig festgestellt, dag hier die Anwendung der Kartcllnatverordnung nicht geboten sei, nachdem von einer Aushebung der freien Konkurrenz durch die Preis- Politik der Kartelle nickst gesprochen werden könne. Bei der Ziegelindustric wurde von derselben Voraussetzung ausgegangen. Es wird einstimmig empfohlen, überall da, wo lokale Kartelle durch Ausnützung der Frachtlagc eine Aus- nohmestellung einnehmen und wo die Listenpreise unterboten werden, Verhandlungen einzuleiten und nötigcnsalls aus Enind der Not- Verordnung einzuschreiten. Für die Zementwirtschaft wird sestgestellt, daß die früheren Preise der Zcmentkartell« überhöht und nicht zu recht- fertigen waren. Eine Preispolitik, die im wesentlichen auf die Außenseiterbekämpfung eingestellt ist, wird für bedenk- l i ch erklärt. Die Einführung und Ausrechterhaltung von Kampf- zementen stehe der notwendigen Preiswahrheit entgegen. Dennoch erscheinen die später eingetretenen Preissenkungen dem Reichswirtschaftsrat sehr beachtlich und im Augenblick sei infolge- dessen die Notwendigkeit des Einschreitens nach der Notverordnung nicht erforderlich. Der Reichswirtschaftsrat wendet sich aber gegen «ine Differenzierung der Rabatt« im Handel und verlangt, daß an gewerbliche Händler und im g c n v f s e n s ch a f t- lichen Handel gleiche Rabatte gewährt werden. Für die Tapetenindustrie wurde einstimmig beschlosien, der Reichsregiening zu empfehlen, den Preisschutz im Handel aufzu- heben(ist inzwischen erfolgt). rs: Gegen die Leberorganisation im Bergbau. Zur Stein- und Braunkohlenwirtschaft verlongt der Reichswirt- schaftsrat, daß die angekündigte sechsprozeistige Preissenkung zu einer Senkung des gesamten Preisniveaus und damit auch der Ge- stehungskosten führen müsie. Mit Nachdruck wird eine Vereinfachung der Zlbsahorganisatoin, d. h. der 5- und Kiach geschachtelten Z wisch eu- verdienste zwischen Produktion und Konsument, gefordert. Besonders im Ostelbischen vrauakohlensyndikat hält der Reichswirtschaftsrat eine Herabsetzung der Großhandelsrabatte für notwendig. Auch auf ein« Ermäßigung der Kleinhandelspreis« soll die Reichsregeirung hinwirken; wo der Erfolg ausbleibt, soll auf Grund der Notverordnung eingegriffen werden. Scharfe Verurteilung der Eisenpreispolitik. Für die Eisen Wirtschaft, die ja im Mittelpunkt der Preissenkuizgsdebatten steht, sind die Erhebungen nicht abgeschlossen. Die Senkung der deutschen Eiseninlondspreise wird für notwendig erklärt und die Reichsrcgierung ersuch», aus Beschleunigung dieser Preissenkung hinzuwirken, weil eine Ermäßigung der gesamten Produktionskosten der deutschen Wirtschaft nur möglich sei, wenn gleichzeitig von allen Seiten, in erster Linie von selten der wichtigsten Rohstofferzeiiger, Preisermäßigungen vorgenommen werden. Der Reichswirtschaftsrat ist auch der Ansicht, daß sich die Preissenkung nicht nur auf die Grundpreise, sondern auch auf die Effektivpreise einschließlich der Ans- und Ueberpreise erstrecken müsse. Die restlose Auswirkung von Preisennäßigungen bis zum letzten Verbraucher sei zu sichern. Der Reichswirtschaftsrat ist sich allerdings darüber klar geworden,„daß mit der Durch- führung der geuannten Maßnahmen die in der Eisenindustrie be- stehenden Schwierigkeiten nicht restlos gelöst werden können". Das Gutachten empfiehlt der Rcichsregierur.g, die«isenerzeugende Industrie zu Maßnahmen zu veranlassen, die eine Dauerlösung versprechen. Erzeuger, Arbeitnehmer und Perbaucher werden sich in nächster Zest zu Beratungen über«ine Lösung in der Eisenfrog« zusammenfinden. Hinsichtlich der Markenartikel hat sich die Auffassung im Reichswirtschaftsrat durchgesetzt, daß eins allgemeine Aufhebung des Prcisschutzes Bedenken ljabe und daß man mit cmer ollgemeinen Aufhebimg der Preis- bindungcn nicht nur die Unvernünftigen, die einer Preisherabsetzung Widerstand leisten, treffen würde, sondern auch einsichtig« Kreise. die der Preissenkungsaktion pofstiv gegenüberstehen. Bon dieser Richttinie aus wird der Regierung empfohlen, die S e n k u n g der Preise für Markenartikel durch Zusammenwirken der beteiligten Kreise in dem möglich erscheinenden Umfang zu sichern. Das Aus- maß der bisher erfolgten Preissenkung, die in der Regel 19 Proz. des Endverkausspreises überschreite, wird als Richtlinie für die Mindestmöglichkeiten des Preisabbaues angeschen. Nach dem Gutachten des Reichswirtschaftsrates soll die Reichs- regierung den Verbänden der Erzeuger und Händler kurze Fristen setzen, nach deren Ablauf die Preissenkung in aus- reichendem Maße auf diesen Gebieten gesichtet sein m u ß. Soweit es innerhalb dieser Fristen nicht gelingt, die erforderlichen Preissenkungen zu erreichen, empfiehlt der Reichswirtschaftsrat der Reickzs. rezierung, auf Grund ihrer Vollmachten aus diesen Gebieten, d i e Preisbindungen für Wiedervcrkäufer der Markenartikel zu lockern, erforderlichenfalls auszuheben. Soweit ist die Entschließung über die Markenartikel e i n st i in m i z angenommen worden. Gegen den dritten Absatz dieser Markenartikelentschließung haben die 19 Unternehmervertreter und 6 Vertreter aus der sogenannten Gruppe der Verbraucher gestimmt. Es standen also 13 Stimmen gegen 16 Stimmen. Mit den Arbeitnehmern stimmten unter anderen die Vertreter der Konjumgeiwsienschasten. Der von den Unternehmern abgelehnt« Abschnitt besagt, daß dort, wo sich das obenerwähnte Verfahren für die Preissenkung als nicht genügend wirksam oder als praktisch un- durchführbar erweist, der Reichswirtschaftsrat die all- gemeine Aufhebung der Preisbindung für Markenartikel empfehlen müsse,„da er in diesem Fall für die nächste Zeit den Wegfall des Preisschutzes als das geringere Uebel gegenüber der Gefahr einer Preishoch- Haltung auf dem Gebiet der Markenartikel ansieht". Wenn zu den Vollmachten der Reichsregierung noch Gittachte» nötig wären, so kann die Reichsregierung jetzt besonders auf dem Gebiet der Kohle, des Eisens und der Baustoffe handeln. Von der ausreichenden Preissenkung dieser Schlüsselproduktion hängt für den Wiederaufstieg der Wirtschaft sehr viel ab. In hohem Maße bemerkenswert aber scheint es uns. daß der Reichswirtschaftsrat in keinem Punkt seiner Beschlüsse und Gutachten die Lohnsenkung als Boraussetzung zur Preissenkung für zweckmäßig erklärt hat. mit Hllse seiner Drosselungspalilik die preise wieder bis aus etwa 13 Cent herauszusehen. Eine and-zrc Frage ist. wie lange das Kartell die Minenbesitzer und besonders die cohnhütten bei der Stange hotten kann. „Wer bittig isi, wird bestrast." Zur£age des Zigareitenhandels. Wir haben gestern scharf krittsiert, daß ein Händler, der Zigaretten unter den Richtpreisen verkaufte, deshalb bestraft Hwrde- Wir haben dazu mehrere Zuschriften erhalten, in denen der von uns geschilderte Fall als der Fall eines ausgesprochenen„Preis- schlcuderers" bezeichnet wird, wie der bei den Zigaretten- und Tabak Händler,, übliche Fachausdruck lautet. Es bestünden in Berlin noch mehrere dcranigc Firmen. Die Preisschuizstelle sei eine Einrich tung der Händler zur Verhinderung von Schleuderverkäusen im kleinen, deren Einrichtung auch von den Kleinhändlern beschlossen worden sei, nachdem die Handelsspanne gelegentlich der letzten Steuererhohungen schon verkürzt worden seien. Die Lage besonders der kleinen und kleiiisKn Händler ist im Gefolge der Krise zweifellos erschwert worden, so daß der verringerte Umsatz trotz der äußerlich reichlich scheinenden Spanne, zusammen mit den erhöhten Ladenmietcn vielen Kleinhändlern kaum mehr als das Existenzniimmum sichert. Wir haben volles Verständnis sür die besondere Lage des Äleinhandels im Zigaretten- und Tabakgewerbe. Jetzt aber steht, nachdem die Macht der Arbeiterschaft leider nicht ausreichte, um den Lohnabbau zu oerhindern, wie der Berliner Metallschiedsspruch beweist, der Zwang zun« Preisabbau auf der ganzen Linie vor uns, und da kann man die Arbeitslosen oder im Lohn verkürzten Arbeiter nicht damit trösten, daß der Umsatz der Zigaretten- und Tabakshändler zu klein ist,'als daß die Spanne noch gesenkt werden könnte. Mag die Echleuderei vielfach im- moralisch erscheinen, so trägt sie doch zum Preisabbau bei. Gegen normale Preisunterbietung körnten und werden wir uns daher nicht wenden. Ausgenommen selbstverständlich den Fall, wo das Schlau- dern auf Kosten des Staates und der beschäftigten Angestellten durchgeführt wird. In solchen Fälle» ober wird es auch an den Händlern liegen. den Nachweis dafür zu führen, daß die ftottfrndende Preisuni er- mrttng tatsächlich unmoralisch ist. Einzelhandel und Preisabbau. Die Stellungnahme der Hauptgemeiaschast. Die Fragen des Preisabbau» und der Gewinn- spann« im Einzelhandel standen gestern in einer von der H a u p t- gemeinschaft des deutschen Einzelhandels ver- anstatt«!«» Besprechung zur Debatte. Wie nicht anders zu erwarten war, stellten sämtliche Redner die Behauptung auf. daß in den verschiedensten Zweigen des Einzel, Handels fett einem Jahr ganz bedeutend« Preisseukun- gen eingetreten seien. An Hand eingehenden Zahlenmaterials wurde der Be w e i s des Preisabbaus zu führen versucht. Die angegebenen Zahlen sicheinen jedoch dringender Nachprüfung durch dft im Preisabbau tätigen Regierungsstellen zu bedürfen. Wenn z. B., um mir einen Fall herauszugreifen, das P s u n d K o f f« e in einem süddeutschen Filialbetrieb von 2,89 auf 2,49 zurückgegangen sein soll, olso um 14 Proz., so faßt sich der Berliner Konsument an den Kopf. Cr hat jedenfalls hiervon noch nichts zu spüren be- kommen. Wenn ferner behauptet wird, daß die Preissenkungen im kaufmännischen Lebensmitteleinzelhandel seit dem Herbst 1929 i m Durchschnitt 15 bis 29 Proz. ausmachten, für Butter 29 bis 27 Proz. und für Hülsenfrüchte und Konserven 29 bis über 39 Proz., so handelt«s sich hier ganz zweifellos um lieber- treibungen oder um zeitweise Derbilligungeu unter dem Ein- sluß des Wellmarktes, bei denen jedoch die Verringerung der Handelsspanne keineswegs zur Geltung gelangt ist. Mit der Preispolitik des Groß- und Einzelhandels werden stch Regierung und Oesfentlichkeit jedenfalls nach sehr eingehend zu befassen haben. Maschinenbau weiser ungünstig. Nach dem Bericht des Pereins Deutscher Maschinen- b a u a n st a I t e n erfuhr die Geschäftslage im Ottober ein« weitere Venchlechterung. Der Eingang von Aufträgen aus dem In-«od Ausland wir«, als unbefriedigend bezeichnet. Weitere Betrieb« hätten sich zur Einführung van Kurzarbeit genötigt gesehen; in den schon ftüher davon betrofssnen Betrieben sei. vielfach eine noch stärkere Arbettszeiwerkürzung eingetreten. 9 oh. diepler, der Wtyltlker SEu feinem 300. Todestage: 15, llorember xjrgerümjcnn macht jeder denkende Mensch den Sprung von der Mystik zur Physik. Und irgendwann macht ihn jede Nation(denn jede ist«in Volk von Denkern) und schält daraus Epochen. Aber wie im Mann stets ein Rest Kind bleibt, so in jeder Naturforschung als Wissenschaft ein Rest Mystik als Erbe. Unsere heutige Mystik werden uns einmal unsere Enkel oder Urenkel vorwerfen— wir freuen uns gegenwärtig über Keplers Erdenseele, die wir ein wenig von oben herab belächeln und über seine kosmische Mcteoro- logie, die meiner Meinung nach sehr wichtig ist und vermutlich wohl von einer künftigen Forschung an die Stelle der gegenwärtigen rein tellurischen und daher u>, wissenschaftlichen Meteorologie gesetzt wird. Aber Kepler war kein Mystiker von der Art des Zeitgenossen Jakob Böhme. Dieser Böhme, nächst Hans Sachs der zweite große deutsche Schuster, der den Aufstieg aus dem Handwerk in die Welt der Geistigkeit mit größtem Erfolg unternahm, war ein rein religiöser Mystiker, der sich freilich der naturwissenschaftlich- mystische» Redeweisen des damaligen Modernismus bediente. Keplers Mystizismus war viel umfassender, umschloß den ganzen Kosmos und versenkte sich nicht ins rein Religiöse. Kepler sah die Dinge der Welt in ganz moderner Weise, wie wir Leute des 20. Jahrhunderts, als durch mathematische Beziehungen miteinander verbunden an. Er suchte die Zusammenhänge zu entdecken und hatte darin auch ungeheuren Erfolg— nicht so sehr vielleicht, weil er ein genialer Mathematiker war, als vielmehr deswegen, weil er als e r st e r den erstaunlichen Gedanken an die Existenz der Naturgesetze faßte. Der erste, der einen neuen Erdteil betritt, kann dort natürlich die ausfallendsten Sachen eher als alle anderen entdecken. So betrat der Mystiker Kepler, der ja studierter Theologe war, als Außenseiter das Gebiet der Sternenkunde und sah mit dem ersten Blick, was Äopernikus und Galilei nicht einmal als Fragestellung erkannt hatten: die Planeten vollführen Umschwünge und sie stehen in ge- wissen Entfernungen von der Weltmitt«. Wie hängen diese Zeiten und Distanzen miteinander zusammen? Die Fragestellung war also das erste, was der junge Mystiker entdeckte. Und er hatte auch bald«ine Antwort gefunden. Mit 23 Jahren sah er jenen Zusammenhang zwischen den regulären (platonischen) Körpern und den Planeten, den er löW im „Frodomus dissertationurn cosniographicuin' veröffentlichte und der ihm die Aufmerksamkeit der zeitgenössischen gelehrten Welt eroberte. So war die Mystik Keplers gerichtet: er dachte in geometrischen Figuren und erblickte einen möglichen Sinn der Welt darin, daß die wundervolle Harmonie der platonischen Körper nichts anderes denn eine Widerspiegelung kosmischer Verhältnisse fei. Dies war der Titel seines Erstlingswerkes:„Schöpfungsgeheim- nifs« in Weltentiefen." Ein Stipendium des Städtchens Leonderg half dem jungen Kepler einst, im Stift zu Maulbronn die Gottesgelehrtheit zu studieren. Dort im Stift galt er bald als ein Verdächtiger, denn, er nahm die theologischen Lehren zwar in schuldiger Ehrfurcht, doch nicht ohne Grübeln auf. Was seit Jahrzehnten die Welt bewegt hatte, vor allem die Frage, wie Gott in der H o st i e enthalten sei, war eifrig diskutiertes Lehr- und Gespächsthema. Den Schülern und den Lehrern fiel der stille Grübler auf, und die Zeloten, in Württemberg nicht minder zahlreich denn in Italien, nahmen ihm, dem hervorragendsten Talent der Schule, jede Frage übel, die er in Wißbegier und Lerneifer stellte. Und welche Fragen könnte nicht«in genialer Mystiker an einen württembergischen Theologie- lehrer stellen! Zudem mag irgendein Geruch von Unzuoerlässigkeit in Glaubenssachen als Tratsch nach Maulbronn gekommen sein— um 1550 soll eine Tante unseres Kepler als Hexe verbrannt worden sein!—, so wurde dem bescheidenen Knaben auf Schritt und Tritt alles„übel genommen". Ein reiner Mystiker unter bornierten Fanatikern, die es freilich alle gut meinten, da sie eben des Glaubens waren, sie hätten die Wahrheit... Der Geruch blieb unserem Kepler zeitlebens hasten und ver- hinderte, daß er in Württemberg ein« Stellung finden konnte. Obgleick) tief religiös, war Kepler doch durch und durch Mystiker, der Gott selber, und zwar alle drei göttlichen Personen, in die Welt hineinverlegte. Als er nach dem Tode Rudolfs II. nach Linz zog, als landschaftlicher Mathematiker, da machle er freudigen Herzens «inen Antrittsbesuch beim dortigen evangelischen Pfarrer— war der doch ein Schulkamerad aus Maulbronn! Aber Kepler wurde übel empfangen. Der Mann fragte ihn über seine Rechtgläubigkeit aus, und da Kepler sich nicht dogmatisch festlegen wollre, verweigerte der Pfarrer die Zulassung zum Abendmahl. Kepler beschwerte sich in Stutiaart. Aber da kam er schön an— er wurde erst recht ab- gewiesen!„Ein Schwiirdclhirnlin" und„ein Letzköpflin" nannte das Konsistorium zu Stuttgart den größten deutschen Naturforscher. Damit ist die Parallele zu Galilei und seinem Verhältnis zur katholischen Kirche ziemlich vollständig. Fügen wir noch hinzu, daß Kepler sich (in einem Gutachten für den Regensburger Reichstag) unbedingt für die gregorianisch« Kalenderreform aussprach, während die Tübinger Gelehrten mit Keplers Lehrer Mästlin an der Spitze natürlich dagegen waren, so kann crmessen werden, wie wenig beliebt dieser große Prophet in seinem Vaterlande war. Ein jedes Zeitalter hat seine ihm gemäße Form der natur- wissenschaftlichen Phantasie und Spekulation. Und zu Keplers Zeiten war die Mystik die angemessene Form des Denkens— sie ist es zu einem(wenig erkannten) Teil auch noch heute Für Kepler ist die regulär« Sechseckigkeit der Schneeflocken ein gewolltes Spiel der Erdenseele, die kristallischen Formen vieler Gesteine freundliche Spiele der Allmutter. Die allgemeine gleichsinnige Drehung der Planeten um die Sonn« ist ihm ein himmlischer Wirbel, in dessen Einheitlichkeit Kepler ohne weiteres die Sonne selber„mit ihrem glänzenden Leib" einbezieht. Und so kommt der Mystiker Kepler vor Galllei, dem nüchternen Klassiker, zur Kenntnis einer Eigendrehung der Sonne. Kepler rechnet kühn und falsch drei Tage für die Drehung, man findet dann etwa 20 Tage. Max B r o d hat in seinem Roman„Tycho Brahes Weg zu Gott" manches aus Keplers Assistentenzeit in Prag berührt, und da hat der Seher im Didster richtig gesehen. Aber da Brods Held Brahe war, dessen Mystik als Bahn zu Gatt gesehen wird, so kommt dort Kepler zu kurz, dessen Mystik das Göttliche auf allen Bahnen, ja in den Bahnen selber drinnen sah. Seit Siegimmd Günther 1896 eine kurze Biographie Keplers schrieb, ist keine aus- führliche Würdigung des großen Astronomen erschienen. Ein« kurz« Skizze mit Biogramm seines Lebens brachte ich 1926 in„Natur- forscher und Naturgesetze". Dort ist noch besonders die Beziehung Keplers zu Galilei beleuchtet/ die lehrreich und typisch für das Ver- hältnis des romantischen zum klassischen Typ ist. Es ist ungefähr das Schiller-Goethe-Verhältnis. natürlich zeitgemäß verlagert und durch die Gla-ubensspaltung kompliziert. Hier sei zum Schluß nur an- gedeutet, daß Galilei unseren Kepler überhaupt nicht ernst nahm und hinter den schwärmerischen Ergüssen des Deutschen nichts, rein nichts sah. Galilei erntete zu seinen Lebzeiten die Nachwirkung von 300 Jahren Kultur ein, Kepler aber lebt in den ersten Jahrzehnten derselben Kultur, obschon zur gleichen Zeit wie Galilei. Wer dies nicht bedenkt, kann Kepler nicht gerecht werden. Wer es aber weiß und beachtet, wird Keplers Weg von der Mystik zu den Natur- gesetzen verstehen. * Was sind das nun für Gesetze, bei denen Kepler landete? Nun, in unseren höheren Schulen werden sie als die„Drei G e f e tz e von Kepler" gelehrt. 1. Di« Planeten bewegen sich in Ellipsen um die Sonne, die in einem Brennpunkt steht und die Quelle der Bewegung ist.(Das gesperrt gedruckte lassen unsere Schulmeister immer weg, es ist ihnen zu mystisch, aber Kepler hat es so ausgedrückt und es ist durchaus vernünftig.) 2. Die vom Leitstrahl Sonne-Planet beschriebenen Flächen sind in gleichen Zeiten gleich groß(anders gesagt: je weiter ein bestimmter Planet auf «einer Bahn von der Sonn« entfernt ist, desto langsamer läuft er, und je näher desto schneller). 3. Die Quadrate der Umlauf-zeiten zweier Planeten verhalten sich wie die dritten Potenzen der mittleren Entfernungen dieser Planeten von der Sonne. Diese drei Gesetze sind wundervolle Regelmäßigkeiten am Himmel. Wir wissen ja seit Newton, dem Begründer der rechnenden Astronomie, daß eins aus dem anderen folgt, daß alle drei aus dem s«inen Gesetz sich ableiten lassen: die Anziehung Sonne-Planet steht im verkehrt quadratischen Verhältnis zur Distanz. Aber zu Keplers Lebzeiten hat zum Beispiel Galilei die Gesetze nie anerkannt, auch nie erwähnt, für ihn blieben die Bahnen der Planeten stets Kreise, obgleich sich die Unmöglichkeit der Kreisbahnen schon längst erwiesen hatte. Galilei stand unter dem harten Druck der römischen In- quisistion, er durfte nichts anerkennen, tvas der Ketzer jenseits der Alpen ausgeklügelt hatte. Zeit seines Lebens hatte Kepler den Kampf ums Dasein wie aud, den Kampf mit der Unduldsamkeit zu bestehen. Der verrückte Kaiser Rudolf II. hatte ihn an semen Hof gezogen, blieb khm aber das GeHaft schuldig. Wallenstein wollt« Keplers astrologisch« Dienste in Anspruch nehmen, Kepler kam nach Sagau an den Hof dieses dunklen Helden. Im Herbst 1630 ritt Kepler nach Regensburg, um auf den, Reichstag das rückständige Geholt zu fordern— Rudolf II. war seit 1612 tot, die Erben wollten nichis davon wissen. Zu Pferd zog Kepler über Leipzig und Hof nach Regensburg, wo er krank ankam. Noch im April des Sterbejahres war ihm von seiner zweiten Frau in Sagan ein Töchterlein geboren worden. In Regensburg erlosch dieses typische deutsche Gelehrtenleben: wenig Erfolg und viel Miß- gunst und Neid, wenig Einnahmen und viel« Kinder, ein armer Teufel von der Wiege bis zum Grabe. Und wo das Grab ist, weiß heute niemand, obgleich doch damals, als am 15. November 1630 Kepler in Regensburg beerdigt wurde, fast der ganze Reichstag mitgegangen fein soll. Im Vergleich mit Galilei und Newton, Hobbes und Gassendi war Kepler das, was wir heute als einen Proletarier unter den Gelehrten bezeichnen würden. Rudolf Lämmel. 3)ie Xiebesgefchichte der Wildgans B e nq t Vera bat wieder eine neue Tiergeschichte geschrieben. Auf seiner an der Liidkllste Schwedens gelegenen Bcggun« bat er durch Jahre hindurch Wildgänse gejogen, hat sich mit ihnen eingelebt, sie verstehend betrachtet und nun ihr abenteuerliches Leben geschildert und mit wunderschönen Phato» uns veranschaulicht<,D i c Liebes- geschichte einer Wildgans", Verlag Dietrich Reimer. Berlin, Preis in Leinen gebunden 8 M.). Wir bringen daraus mit Erlaubnis des Verlages ein« nur wenig g stürmte entzückende Episode aus der Geschichte der Wildgans Nr. 5. Es wid immer erzählt, daß die Wildgänse in strenger Mono- gamie leben, genau wie unter den Menschen gewisse Nationen, die bekanntlich„besser" sind als alle anderen. Wenigstens unter den Wildgänsen muß es dann Ausnahmen geben. Und Nummer 1 war eine. Er zeigte sich immer nur„paorweis", und cr hätte insofern sehr wohl seinen guten Ruf behalten können. Mer er dachte ja nicht daran, daß mein Feldglas stets auf der Suche nach den Ziffern war. Dabei stellte es sich nämlich zu meinem Schrecken heraus, daß«r immer wieder mit einer neuen Nummer ankam. Kinder— dachte ich wieder, die Leute werden sagen, es ist nur, weil sie von mir erzogen sind. Mit einer vevfucht« er aber vergebens anzubandeln. Das war die feine Wildgans Nummer 5. Er gab sich die größte Mühe. Und leichtverständlich. Denn sie war und sie ist„heute noch", mit ihren fünf Jahren und neunzehn Kindern bitte, eine schöne Gans. Menschen denken wenig daran, daß«s unter Vögeln mich Schönheiten geben kann. O ja. Es gibt häßliche unter ihnen, und es gibt anmutige, wenn auch weniger, genau wie bei den zweibeinigen, die keine Flügel haben Sie konnte fliegen, wohin sie wollte, und doch war sie allein zurückgekommen und den ganzen Winter auf dem Eise in der Bucht stiefel an und watete zu der kleinen Schär« hinüber. Es stimmte. Zwischen den Tannen lag noch vom Winter her ein Haufen Stroh und darin leuchtete ein weißes Gänfeei. Beinah« wäre ich mit Wasser in den Stiefeln zurückgekehrt. Denn der große Kanadier hatte mid) vom anderen Ende der Bucht bewacht und kam wütend angeschwoimnen. Er schrie und schlug mit den Flügeln, und in dem Augenblick, als meine Stiefel in dem zähen Schlick bei der tiefsten Stelle stecken zu bleiben drohten, fuhr er ohne weiteres auf meine Beine los und biß, wo er beißen konnte, als wollt« er einen Ein- brecher festhalten, bis Hilfe kam. Und sie kam— die Gans nämlich, ob zufällig oder auf sein Rufen war nicht zu erraten. Erschrocken bei dem Gedanken, sie vielleicht durch meine Neugier zu vergrämen. entfloh ich durchs nächste Gebüsch. Der tüchtige Gänserich«chwimm ihr aber mit aufgeregten Gebärden und Lauten entgegen, als wollte er ihr auseinandersetzen, was vorgefallen war. Kann nun so ein Vogel wirklich einem anderen etwas berichten'' Von dem T-�ge an gackerte di« Gans mich den ganzen Frühling durch mißrrauifch an. sobald mich mein Weg in die Nähe führte. Das Mißtrauen beruhte aber auf Gegenseitigkeit. Denn mir schien es von Tag zu Tag verdächtiger, wie sie morgens und abends mit ihrem jungen Bewunderer herumflog, während der große Gänserich treu das Geheimnis auf der kleinen Schäre hütete. Es waren bald vierzehn Tage her, seitdem das erste Ei gelegt worden war, und immer noch schwärmte die Umworbene draußen bei den Inseln herum, als hätte sie zu Haufe keine Verpflichtungen. Dann, Mitte Mai, lag sie eines Morgens geduckt unter dem Tannenreisig. Sie blieb den ganzen Tag. Di lag sie jetzt vier geblieben. Jetzt ging sie den ganzen Tag da herum und ließ sich Wochen lang. Nur morgens und nachmittags flog sie eine kurze eifersüchtig von dem großen kanadischen Gänserich bewachen. Wer Mette zum Grasen heraus. Sofort mar der junge Ganfef' auch herankam, er wies jede Annäherung mit Bissen ab. Er schrie mit vorgestrecktem Hals der ganzen Gesellschaft seine Gefühle zu und stolzierte wie ein wahrer Othello um die Angebetete herum. Nun meinte ich, diese Verbindung wäre doch ein Unsinn. Er war fast doppelt so groß wie sie, und nebenbei wären mir reine Graugänse lieber als alle noch so interessanten Mischlingskinder. Uebrigens waren sie ja so ganz verschiedene Tiere. Hoffentlich war es nur blinder Lärm. Es ging mir wie einem bürgerlichen Vater, der die Wahl seiner geliebten Tochter nicht ohne Kummer ansieht. Da war mir doch ein einfacher ehrlicher Graugänserich lieber als so irgendein fremder Pascha. Deshalb begrüßte ich es mit einer gewissen Genugtuung, als meine liebe kleine Gans eines Tages mit einem neuen jungen Graugänferich herumflog. Wer er war, möchte ich heute noch gern wissen. Cr gehörte zu den dreizehn. Meine Kamera hat Bilder von ihm erhascht, wie er mit der Angebeteten herumflog: später sogar mit ihren Kindern. Aber niemals gelang es meinem Feldgkas, feine Ringnummer herauszufinden. Er war nämlich scheuer als all die anderen und wollte nicht gern nach dem Futterplatz in der Bucht kommen. Er hatte allen Grund dazu. Denn am Ufer ging der fast zweimal fo schwere Kanadngänserid) wütend hin und her und gab mit Gebärden und Geräuschen zu verstehen. daß er jeden Nebenbuhler kurz und klein machen würde. Sobald die umworbene Schöne aus der Bucht herausflog, kam ihr Bewunderer herangeschossen und flog mit ihr zu den Inseln* um zu grasen. Dann stand der stolze Kaimdier verlassen mit sehn- süchtig gestrecktem Hals am Ufer und schaute den beiden nach Immer wieder machte er einen verzweifelten Versuch, sich mit seinen ändert- halb Flügeln vom Wasser zu erheben. Im war, wie fast allen solchen fremden Wasservögeln, vom Fang her die eine Flügelspitze abgeschnitten. Und als er es wieder und wieder vergebens versuchte und schließlich machtlos auf den Wellen lag und nach den Inseln draußen schaute, drang aus seiner Kehle ein Ruf von Wut und Schmerz zugleich, ein Ruf aus einem Herzen, das sich mit den anderen dorthin wünschte und nicht zu fassen vermochte, weshalb feine von Geburt so starken Flügel ihn nicht dahintrugen. Es ist keine Sentimentalität und keine„Vermenichlichung" nötig, am mit der armen Seele zu fühlen, deren Ruf da erscholl. Fast wäre in mir manchmal die Versuchung übermächtig ge- worden, diesen feinen Kerl aus der Bucht für immer herauszulassen. hätten mich nicht die breiten dunklen Flügel des herumstreichenden Seeadlers über den Schären draußen daran erinnert, daß die Freiheit für meinen stolzen Gänserich nur den baldigen Tod in den Adlcrfängen bedeutet«. Und vielleicht wäre er doch frei geworden. hätte nicht meine„dumme kleine Gans" innerhilb der Budst ihr erstes Nest gebaut. Sie erzählte es selbst, als ich früh morgens an der Budft entlang wanderte. Einen halben Steinwurf vom Strande liegt da eine kleine Schäre, nur zehn Schritte lang. Vor dieser Schäre lag der kanadische Gänserich mit hochgerecktem Hals und hielt Umschau. Wo war sie denn? Da sie nirgendwo zu sehen war, rief ich den alten gewohnten Zuruf über di« Bucht hinaus: „Goose, kleine Eoofe, komm." Dann erhob sich ein Gänsehals aus dem niedrigen Tannenreisig. Sie war es. Aber keine Antwort folgte. Sie schaute mich nur stetig an, und jetzt, ihr Schnabel bewegte sich doch. Was tat sie? Sie gackerte mich mißtrauisch an, als hätte sie jemanden vor meiner Anwesenheit warnen wollen. Das war genug. Ohne ein weiteres Wort ging id) davon. Als sie aber eine Weile später laut schreiend mit ihren, jungen Ganser nach den Inseln hinausflog, zog ich schnell meine langen Wasser- Er gackerte sie entzückt an und begleitete sie sorgsällig zurück. Nur nicht bis zum Nest. Denn da hielt der kanadische Riese Wache. Allmählid) wurden meine Gedanken damft vertraut, daß es so sein müßte. Es wäre ja auch ganz gegen di« Natur, mit diesem großen Fremden Mischlinge zu erzeugen,. wenn sie doch einen Dater des eigenen Stammes wählen konnte. In der Bucht war sie aber auf- gewachsen. Dort getraute sie sich am ehesten, ihre Brut zu verberge,', und der große Gänserich durfte sich ruhig als Hüter stolz und glück- lich fühlen. Das tat er auch, als eines sonnigen Morgens im Juni die kleine Gänsemutter nad) allen Seiten gackernd ihre neun Sprößlinge in die Bucht und ins Wasser zugleich hinausführte. Neun waren es. Deshalb hatte es also vom ersten Ei bis zum Brüten so lange gedauert. Neun neue Kinder in der Familie. Der kanadische 'Riefe gebürdete sich für die Umgebung, wie ein kinderreicher Pasch.: es tun soll, und erzählte laut rufend allen in der Bucht di« Neuig- keit, während er als letzter in der Reihe zum Futterplatz schwamm und genau darauf achtete, daß keiner sich zu nahe heranwagte. We waren wir beide stolz auf das Ereignis, er und ich. Nur ein wenig verschieden. Denn er hatte ja niemals edste Grougansjungen gesehen. Ich hatte es. Und— beim helligen Franziskus— ich konnte keinen Untersd)ied sehen. Mit einem Auge sdsteltc ich zu der nächsten Landspitze hinüber, wo der junge Graugairser immer aus seine Angebetete wartete. Da saß er aus einem Stein mit einer anderen Dame. Du Luder!— sagte ich laut— und ich wußte nicht mehr genau, wen ich damit meinte. Sleinobfi ohne Sieine Pflaumen, Aprikosen, Kirfchen usw. haben in der saftigen Frucht einen mandelartigen Samenkern, der von einer steinharten Schale umgeben und geschützt ist. Daher der Name Steinobst. Diese steinharte Schale, der Stein, stört beim Genuß der Früchte und bei ihrer Verarbeitung im Haushalt und in Fabriken. Seit Jahrhunderten schon strebt daher die Menschheit danach, Steinobst ohne Steii«:, nur mit dem weichen Samenkern, zu züchten. Erst in aller- neuester Zeit ist dieser Versuch geglückt. Oer geistvolle Pflanzen- muberer in Kalifornien, Luther Burbank. hat dos Ziel nach jähre- langer Mühe erreicht. Er erhieft aus Frankreich einen Ableger einer steinlosen Pflaume von einem sehr alten Baume. Warum der alte Baum keine Steine mehr bildete, konnte weder der Ab- sender noch Burbank erklären. Der Amerikaner züchtete also diese Varietät weiter, bis sie sich mit Sicherheit durch Samen fortpslanztc und veredelte die Eigenschaften der Frucht. Es wäre ihm aber wohl nicht möglid) gewesen, auch eine andere Pflaume stcinlos zu machen, da er den Schlüssel für das Rätsel nicht gefunden hatte. Nun weist Dr. Ernst Sehrwald im„Kosmos" nach, daß schon vor hundert Jahren in Deutschland den Gärtnern das Verfahren bekannt war, kernlose Kirschen und Pflaumen zu erzeugen, indem junge Bäumchen gespalten und ihres Markes beraubt wurden, dann wieder zu- 'ammengefügt, mit Baumwachs verklebt und umwunden wurden. Dr. Sehrwald hat auch selbst an alten hohlen Pflaumenbäumen festgestellt, daß die Steine in den F Nichten immer mehr ver- kümmerten. Ob die hier versuchte Erklärung etwas für sich hat, wird sich nur durch zahlreiche Beobachtungen an Hahlen Steinobst- bäumen entscheiden lassen. Vielleicht regt diese Mitteilung ober auch praktische Obstzüdfter und Nattirfreund« an, durch Versuche die Frage zu lösen.