BERLIN Montag 12. Rovember 1930 Lrsch eist täglich aoßerSosstag«. Zugleich Abendausgabe de<.Vorwärts". Bezugspreis beide AuSgabm ssPf. pro Woche, 3MM. pro Monat. Redaktion und Expedition-, Berlin SWS«, Lindeustr. 3 iMiiWiSiffa 10 Pf. Nr. 540 B 269 47. Lahrgang Auteisenprei«: Die einspaltige Nonpareillezeile so Pf., Reklamezcile ö M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. S7536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Sonntag der Wahlen Polens tiefste Erniedrigung- Das Volk seines Rechtes beraubt W a r s ch a u, 17. November. fEigenbericht.) Die Seimwahl ia Pole« stand vollkommen unter dem Icichen stärksten Terrors der Polizei und der Behörden. Agitation und sogar Itimmzettelverteilnug der Lppo» jltion. vor allem des Linksblocks, waren fast vollkommen unterbunden, da die Polizei oder bewaffnete Beamte in jedem Falle mit Gewalt gegen die Dppofitiousanhänger vorgingen. Dagegen entwickelte der Regierungsblock ungeniert eine Rieseupropaganda. In Warschan sind bis jetzt zwei Tote und über SV Ber» letzte gemeldet worden. Z« Posen zerstreute berittene Polizei eine Kundgebung der Nationaldemokraten, wobei es Verletzte gab. In Biala in Schlesien nahm die Polizei in den Lokalen der Sozialisten Haussuchungen vor, be> schlagnahmte Flugzettel und verhaftete einige Personen. In Lodz demolierte» mehrere hundert Mann starke Banden sozialistische Parteilokale. 30 Personen wurden zum Teil schwer verletzt. In einigen Wahlbezirken wur- den die oppositionellen Wahlausschusimitglieder verhaftet. Anschließend wurde das Wahlresnltat bekanntgegeben, das bei angeblich Ivvprozentiger Wahlbeteiligung lauter Regierwngsstimmen aufwies. Ergebnisse aus Westpolen. Warschau, 17. November. Aon den insgesamt 64 Wahlkreisen sind die Ergebnisse aus zwölf Wahlkreisen bekannt, die Warschau, Posen und Oberschlesien ilmfosscn. In diesen Gebieten erhielt der Regierungsblock 2S(bei der letzten Wahl la) Mandate. In der Hauptstadt Warschau har von den 14 Mandaten der Regierungsblock 8(4- 2), die National. Demokraten 3(— 1), die Juden 2(wie bisher), die Kommunisten 1 (— 1) erhalten. Die Sozialisten haben ihr einziges Mandat verloren. Sieger Korfanty. Wahlkreis Königshütt«: Sanacja 2 Mandate(wie bis- her); Deutscher Wahlblock 1 Mandat; Korfanty-Partei 2 Mandate (— i); Kommunisten und Sozialisten kein Mandat. Wahlkreis Kattowitz: Sanacja 2 Mandat«(wie bisher): Deutscher Wahlblock 1 Mandat(—1): Korfanty-Partei 2 Mandate (+ 1); Sozialisten und Kommunisten kein Mandat. Wahlkreis Bielitz-Pletz: Sanacja 2 Mandate(— 1): Deutscher Wahlblock 1 Mandat(—1): Korfanty-Partei 3 Mandate (+2); Sozialisten 1 Mandat(wie bisher). Brutalster Terror hat den Deutschen in Ostoberschlesien wie in Poinerellen Stimmen und Mandate geraubt; er konnte aber nicht verhindern, daß die polnischen Wähler dem Pilsudski-Block „Sanacja" eine schwere Niederlage und dem schwerkrank in Brest- Litowsk eingekerkerten Korfanty einen Triumph bereiteten. Zn Brest. wo die verhafteten Abgeordneten im Gefängnis sitzen und wo der Terror besonders groß war, hat die Regierungspartei 71320 Stim- men erhalten, die nächststärkste Partei, nämlich die Jüdische Minder- heitspartei, nur 1831. Die Mehrheit ergaunert. Die Regierungsliste hat 240 von 444 Mandaten„erobert", also die einfache Mehrheit, die aber zu einer Verfasivngsänderung nicht genügt. Die Nationaldemokraten haben bis jetzt Sg Mandate, drei mehr als bisher. Den im Zenkrolew vereinigten sünf Parteien sind nur $0 Wandale zugefallen— 84 Wandale weniger! Der Rest oyn Mandaten entfällt aus die Minderheiten und aus die Kommunisten. Vis jetzt sind die Weißrussen und Ukrainer noch ohne Mandat: man dürfte ihnen aber schandenhalber einige Mandate „zubilligen". Die Deutschen haben bisher in den Wahlkreisen Bromberg. Sanster, Kömgshütte, Kattowitz und Tesche» 5 gegenüber 9 Man- baten erzielt. Im Wahlkreis Dirschau ging das deutsche Mandat verloren, ebenso in Gnesen. In Gnxudenz war die deutsche Liste für ungültig erklärt worden! Die Gemeindewahlen Hakenkreuzwelle noch nicht abgeebbt Die Wahlen in Baden. Mannheim, 17. November. fGigenbericht.) Die Wahlen zn den badische« Gemeindeparlnmenten sind überall ruhig verlaufen. Die Wahlbeteiligung betrug zwischen 5V und 60 Prozent, das sind 20 Prozent weniger als bei den Reichstagswahlen am 11. September. Im Vergleich zu den letzten Gemeindewahle« im Jahre 1926 hat die Sozialdemokratie vielfach be trachtliche Zunahme an Stimmen zu verzeichnen, während sie im Vergleich zu den Reichstagswahlen ebenso wie fast alle anderen Parteien teils größere, teils ge» ringereVerlnste buchen mutz. Auch die National- sozialiste» nehmen an dem allgemeinen Stimmen- rückgang teil, jedoch in schwächerem Matze. Ins» gesamt lassen die Ergebnisse der Gemeindewahlen eine rückläufige Bewegung bei den Nationalsozialisten nicht erkenne«. Das Z e n tr u m hat sich verhältnismätzig gut gehalten. Bei der Deutschen Volkspartei und der Staats- Partei nimmt der Zersetzungsprozetz, wie das Ergebnis der Wahlen zeigt, munter feinen Fortgang. Tie Korn- m u« i st e n haben ebenfalls Verluste erlitten. Die Wahlen i« Mecklenburg. Schwerin, 17. November.(Eigenbericht.) Am Sonntag wurden in beiden Mecklenburg die Kommnnalparlamente neu gewählt. Die Wahlen sind ohne Störungen verlaufen. Ihr Ergebnis wird im Ver- gleich zu den letzten Rcichstagswahlen gekennzeichnet durch einen weiteren Aufstieg der National- f p z i a l i st e n, die durchschnittlich 20 bis 26 Prozent zu- genommen haben, und einer katastrophale« Niederlage der Dentschnationalen und der Deutschen Bolkspartei. So- wett die Dentschnationalen und Volksparteiler nicht auf einer sogeuannttn Einheitsliste znsammenumrschierten, kehren sie fast überall nur noch als Splitter in die neuen Stadtparlamente zurück. Verluste hat auch die Sozialdemokratte erlitten, und zwar sowohl im Vergleich zu den Reichstagswahlen als auch zu den letzten Gemeindewahlcn im Jahre 1927. (Einzelergebnisse siehe zweite Seite.) Die Akkordarbeiter vergessen Ist der Meiallschiedsspruch rechtskräftig?- Oer OMV. behält sich Rechtsweg vor Zn dem Schiedsspruch für die Berliner Metallindustrie, der von den drei Schiedsrichtern Dr. Brauns. Dr. öarres und Professor Sinz- heimer gefällt wurde, heißt es bezüglich der Löhne: „Die bisherigen Tarifmindesllöhne werden vom 17. November 1 1930 bis einschließlich 18. Januar 1931 in allen Gruppen um 3 proz. gekürzt. Wik Wirkung vom 19. Januar 1931 vermindern sich die bis zum IS. November 1930 geltenden Tarismlndestlöhne um weitere 3 proz. für männliche und weibliche Zugendliche unter 18 Zahren und um weitere 5 proz. für alle übrigen Gruppen." Es fiel im Deutschen Metallarbeilerverband sofort aus, daß in diesem Schiedsspruch die Akkordsähe nicht erwähnt sind. Nach den übereinstimmenden Gutachten aller Rechtskundigen In dieser Frage würde der Schiedsspruch nur anwendbar sein aus die i m Zeit- lohn beschäftigten Arbeiter und Arbeikerinnen des BBWZ. Der Borstand des Deutschen Wetallarbelterverbandes hat des- halb beschlossen, den Obleuten der BBWZ.-Betriebe die Frage zu stellen, ob sie der Anficht sind, daß auf Grund diese» Schied». spruches der Metallarbeiterverband den Rechtsweg beschreiten soll. Die Versammlung der Obleute am Sonnabend hat diesem Vorschlag des Vorstandes des Berliner Metallarbeitervcrbandes zugestimmt. Es wurde daher b e- schlössen, neue Vereinbarungen über die Fesisehuog der Akkordprcise nicht anzuerkennen, um dem Deutschen Welallarbeikerverband den Rechtsweg offenzuhalten. Es muß auf den ersten Blick überraschen, daß anerkannte Autoritäten auf dem Gebiete des Schlichtungswesens wie des Arbeitsrechts überhaupt, wie Dr. Brauns und Professor Sinzheuuer, einfach übersehen haben, daß" 75 proz. der Berliner Metallarbeiter und-arbeilerinnen Im! Akkord beschäftigt sind. Man könnte allerdings zu der Ansicht neigen, daß die j Schlichter von der Tatsache ausgingen, daß die Akkordlöhne schon ohnedies ganz erheblich abgebaut worden sind, dieser neue Lohnabbau die Aktordorbeiter also nicht treffen darf. Das ist jedoch eine Annahme, die nicht in Uebereinstnnmung steht mit den sonstigen Aeußerungen der Schlichter. Man muß also zu der Schlußfolgerung kommen, daß die Schlichter einfach vergessen haben, die Akkordarbeiter in ihrem Schiedsspruch zu erwähnen. Vertrauen zur Organisation. Die Kritik aus den Betrieben. Am Sonntagvormittag waren etwa 2000 Funktionäre aus den Betrieden des BBMI. im Saalbau Friedrichshain ver- jammelt, um zu dem Abschluß der Lohnbewegung in der Berliner Metallindustrie Stellung zu nehmen. Es war vorauszusehen, daß in dieser Konferenz manches scharfe Wort der Kritik nicht nur über den Schiedsspruch fallen wird, sondern auch über die Beendigung dieser Bewegung. Denn allen organisierten Berliner Metall- arbeitern ist klar, daß die Opfer dieses großen Abwehrkampfes leider fast umsonst gebracht wurden. Was die KPD. und ihre NGO. jedoch von der Konferenz erhofften, nämlich, daß sie die Organisation in Grund und Boden verdammen würde, ist natürlich nicht eingetreten, well die zum Teil jahrzehntelang organisierten Funktionäre aus eigener Erfahrung nur zu gut wisien, daß auch in der Bergangenheit nicht jeder Kampf zun, Erfolg führte und die Gewerkschaftsbewegung trotz mancher Niederlagen unaufhaltsam an Boden gewann. Genosse Tost vom Hauptvorstand des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes schilderte noch einmal die einzelnen Phasen dieses Kampfes und legte besonders eingehend dar, warum die Unterhändler der Streikenden die Vereinbarung getroffen haben, sich einem bindenden Schiedsspruch zu unterwerfen. Den Gewerkschaftsvertretern blieb nur die Wahl zwischen der Verbindlichkeitserklärung des Lohnabbauschieds- spruches des Tondcrschlichters Dr. Dölcker und dieser Der- cinbarung. Mitentscheidend war bei dieser Zustimmung auch die Tatsache» daß leider nur rund 50 Proz. der Berliner Melollarbeiler organisiert sind und die Befürchtung bestand, daß die geschlossene Abwehr- front infolge der Mittellosigkeit der Unorganisierten nicht mehr lange standhalten würde. Der Schiedsspruch des Dreimännerkollegtums Hot alle Metall- arbeiter, auch ihre Unterhändler und die verantwortliche» Führer der Bewegung, überrascht. Sie betrachten den Schiedsspruch al« einen glatten Betrug, was auch in der Beiratssitzung des Mctallarbeiterverbandes ganz offen zum Ausdruck gebracht worden ist. Bon Prof. Sinz- l, e i m e r hatten sich die Gewerkschaften, die ihn als Unparteiischen vorgeschlagen haben, eine andere Stellungnahme zu den Wünschen der Unternehmer und der Reichsregierung versprochen. An der Tatsach«, daß dieser Schiedsspruch gefällt worden sst, lasse sich aber im Augenblick leider nichts ändern. Die Arbeiter« schaft muß aus ihm die Erkenntnis ziehen, daß ihr Lohn mehr und mehr ein politischer Lohn wird. Um solchen Ueber- raschungen für die Zukunft vorzubeugen, sei es notwendig. sich nicht nur aewerkschaftlich besser zu organisieren, sondern auch politisch ausklärend zu wirken und«lue Aenderung der politischen Machtverhältnisse anzustreben. Ziehen die Arbeiter aus diesem Schiedsspruch die richtige Schluß- folgerung, dann werde es auch möglich fein, dies« Schart« bald wieder auszuwetzen. In seinen ergänzenden Ausführungen kamjier Bevollmächtigte, Genosse Urich, darauf zu sprechen, daß der Schiedsspruch nur die Neuregelung der Tariflöhne festseßt. Die Regelung der Akkorde und der überlarlslichen Löhne fehlt in dem Schiedespruch. Der Metallarbciterverband hat aus diesem Grunde beschlossen, die Betriebsräte aufzufordern, Verschlechterungen der Akkordpreise auf Grund des Schiedsspruches nur unter Prolesi hinzunehmen, damit der Organisation der Rechtsweg in dieser Frage nicht verschlossen wird. Aber abgesehen von dem Ausgang dieses Rechtsstreites miiWe jetzt in den Betrieben eine lebhasle Agitation enlfaltel werden, um die Voraussetzung dafür zu schaffen, daß am 1 Juli nächsten Jahres der Kampf um die Wiedergewinnung der alten Positionen mit größerer Aussicht auf Erfolg aufgenommen werden kann als dieser Kampf. Ii, der Diskussion kam vor allein ein starker Unwille darüber zum Ausdruck, daß die Ortsverwaltung es zugelassen habe, daß der Kampf nicht geschlossen beendet wurde, sondern die Siemens-Belegschast und die der AEG.-Turbinenfabrit bereits früher als die übrigen Arbeiter in die Betriebe zurückgingen und sich an der Urabstimmung nicht mehr beteiligten. Gleichfalls scharf kritisiert wurde die Zustimmung zu der Vereinbarung über das Schiedsgericht, dem die bindende Entscheidung über den Konflikt übertragen wurde. Für die phrasenhaften Ausführungen eines„oppositionellen" Funktionärs hatte die Konferenz nur ein mitleidiges Lächeln übrig. Genosse Tost setzte in seinem Schlußwort noch einmal die Gründe auseinander, die die Organisation veranlaßten, dieser Vereinbarung zpzustimmen und auch die Genehmigung zur früheren Arbeitsaufnahme bei Steibens und in der ATG.-Turbinenfabrik zu geben. Unter Ablehnung aller rechts, und linksoppositionellen Anträge machte sich die Konferenz gegen ganze elf Stimmen die Eni- schliehung zu eigen, die der Beirat des Deutschen Metall- arbeiterverband«s über die Beendigung der Bewegung gefaßt hat und die im„Vorwärts" veröffentlicht worden ist. Ein Antrag, in dem der Rücktritt der Ortsoer- waltung gefordert wurde, wird in der nächsten Woche In der Generalversammlung der Berliner Metallorbester behandelt werden, da die Funktionärkonferenz für die Beratung dieses An- träges nicht zuständig ist. parieitag der Bayerischen Volkspartei. Segen Diktatur— aber auch gegen Demokratie. München, 17. Stooember.(Eigenbericht.) Der diesjährige Parteitag der Bayerischen Voltspartei, der am Sonnabend und Sonniag in Anwesenheit von Vertretern des Zentrums und der Christlich-Sozialen aus Oesterreich und der Tschechoslowakei in München abgehalten wurde, stand im Zeichen des politisch weltanschaulichen Abwehrtampfes gegen den Radikalis« mus von links und rechts. Alle Referate waren mehr oder weniger auf- dieses Thema eingestellt, ob sie sich speziell mit Innenpolitik, mir Außenpolitik oder mit der katholischen Kulturpolitik befaßten. Am schärfsten kam die Kampfstellung gegen den Kam« munismus und den Nationalsozialismus zum Aus- druck in der Rede des Parteioorfitzenden Schaffer und in der dazu vom Parteitag einstimmig angenommenen Entschließung: „Aus christlicher Weltanschauung und al» deutsche �Partei lehne ii wir de» reinen machtpolitischen, die Frei- deit des Gewissens nicht achtenden, völlig NN« deutschen Gedanken der Diktatur ab, mag er nach italienischem oder moskowitischem Muster empfohlen iverden. Wir erstreben die Ueberwindung der reinen Zahlendemo- kralle und ersehnen eine wahrhaft deutsch« und christliche Demo- kratie, die auch das Recht der Minderheit achtet." Etwas vorsichtiger umschrieb der Fraktionssührer Leicht die Reichstagspolitlk der Bayerischen Bolkspartei und ihr Verhältnis zur Regierung Brüning. Er nannte auch offen den Grund der Unzufriedenheit, der darin liegt, daß man der Bayerischen Volkspartei zumute, bei der Mitarbeit an der Samerung der Reichsfinanzen Maßnahmen willig hinzunehmen, die die Selbständigkeit der Länder und Gemeinden trejf«. Dazu werde sich ober die Bayerische Volkspartei niemals bereit finden. Nach den jüngsten Ereignissen in der Landcspolitik wurde mit besonderem Interesse das Referat des Fraktionsführers im Landtag angehört. Angesichts der Neuwahlen im kommei» den Frühjahr unterstrich er immer wieder, daß die Bayerische Bolkspartei allen Parteien gegenüber vollkommen freie Hand behalte. Bemerkenswert war aber eine scharfe Polemik gegen die Deutschnationalen, die aus Angst vor einer Koalition mit den Sozialdemokraten in den letzten Wochen die größten Vorwürfe und Angriffe gegen die Bayerisch« Volkspartei gerichtet haben. Es war bezeichnend, daß der Parteitag gerade diese Polemik gegen die Deutschnationalen fortgesetzt mit stürmischem Beifall begleitete, wie es in dem ofsiziellcn Bericht heißt. Das Verhältnis zur Sozialdemokratie nannte der Redner „klar". In der Frage der Kinderfreundebewegung hätte sich zwischen beiden Parteien ein Berg ausgetürmt und erst die Zukunft müsse darüber entscheiden, ob ein Weg darüber führe. Ergebnisse der Gemeindewahle« Schwache Wahlbeteiligung in Baden Die Gemeinbelvahlen in Baden folgende Ergebnisse: Mannheim. Sozialdemokralen.... 28838 Zentrum........ 17 242 Deutsche Bolkspartei... 5631 Nationalsozialisten.... 17 145 Staatsparlei...... 4 585 Kommunisten...... 16 171 Deutschnationale Volkspartei. 1 V61 Karlsruhe. Sozialdemokralen..... 12 783 11017 2 489 18 830 2 034 5 695 1531 hatten im einzelnen Zentrum Deutsche Volkspartei.. Nationalsozialisten... Staatspartei...... Kommunisten..... Deutschnationale Volksparici Freiburg. Sozialdemokralen.. l.. 7 959 Zentrum....... 12 965 Nationalsozialisten.... 6236 Wirtschoftspartei..... 3188 Deutsche Bolkspartei u. Staatspartei........ 3 327 Kommunisten...... 1 540 Heidelberg. Sozialdemokralen..... 6972 Zentrum........ 5 583 Nationalsozialisten.... 14045 Staatspartei...... 1 749 Kommunisten...... 3 901 Eoangelilcher Volksdienst.. 2 852 Deutsche Volksparlei... 997 Pforzheim. Sozialdemokralen.... Zentrum....... Deutsche Volkspartei... Nationalsozialisten.... Staatspartei...... Kommunisten...... Evangelischer Volksdienst.. Deutschnationale Bolkspartei. Wirtschaftspartei und Bolls- konservative...... 7 101 1987 1737 7 022 1235 2 613 1 998 2 032 3179 StuSälafl*- mtil 1880 38 776 18 476 18 845 20 051 1891 21608 14 659 23012 8596 2 378 10685 15 451 7 093 3142 2 964 9 006 7 028 14 282 5133 2 394 1468 10 959 2 984 8 587 4 914 2 259 2 858 3 014 Gemeinde- wähl 1926 21 442 10861 9 022 9 732 10 184 236 11802 8 469 5 734 2 247 2 813 4245 5 092 7 631 3 785 709 5 284 3574 2 377 3-439 5 892 1502 2 914 1419 1784 3 541 Ote Verteilung der Sitze. In Mannheim, der größten Stadl de» Lande», ziehen die Naiionalsozialisten mit 14 Vertretern und in Heidelberg mit 30 von insgesamt 84 Lürgeransschußmitgliedern in da» Gemeinde- Parlament ein. In Karlsruhe erhallen die Ztalionalsoziatistca im Stadl« Parlament 26 Sitze. Sie sind hier die stärkste Partei. Die Sozial« demokratle ist in Karlsruhe von 24 auf 16 Mandate zurückgegangen. da« Zentrum von 19 auf 16. Die Kommunisten steigerien ihren Besitzstand von sechs auf acht. 3n Pforzheim erhallen die Sozialdemokrale« 21(22) Sitze, die Ralionalsozialisten 20(—), das Zentrum 5(5) und die Kommunisten 7(6). Bei den Siadlverordnetenwahlcn in Freiburg haben die Deulschnalionalen und die bürgerliche Mitte gegenüber den Reichs- lagswahlen weitere Verluste erlitten. Reu in den Bürgerausschuß ziehen die NaUoaalsoziaNsten ein mit 14 Mandaten. Zm übrigen entsenden die Sozialdemokraten 18 gegen 20 im letzten Bürgerausschuß, Zentrum 30 gegen 29, Kommunisten 3 gegen 2. Mirtschastspartei 9 gegen 14. Evangelischer Volksdienst 3 gegen 0, Bürgerliche Miitelparieien 7 gegen 14. 3n Konstanz ziehen in den Bürgerausschuß ein die So- zialdemokrakeu mit 13 gegen 14. da» Zentrum mit 31 gegen 33. die Rationalsozialisten mit 12 gegen 1, die Kommunisten mit 6 gegen 11. die Mirtschastspartei mit S gegen 6. die Deutschnationalen mit 4 gegen 4. Deutsche Volkspartei 3 gegen 3, Staatspartei 8 gegen 10, Evangelischer Volksdienst 2 gegen 0. Lörrach hak folgenden Bürgerausschuß gewählt: Sozial« demokraten 7 gegen 10. Zentrum 13 gegen 14. Rationalsozia« listen 9 gegen 1. Kommunisten 21 gegen 18, Slaalsparkei 5 gegen 6, Evangelischer voksdicnst 4 gegen 0. Bürgerliche Vereinigung 4 gegen 10. Grund- und Hausbesitzer 8 gegen 13. Die Wahlen in Mecklenburg. I« Mecklenburg-Schwerin Hutten die Gcmeindewahlen das folgende Ergebnis: Schwerin: Soz. 7848(10 863), Bürgerliche Einheitsliste 5899, Nationale- Wirtschaftliche Liste 1825, Kommunisten 676(906), Nationalsozialisten 6513(5111), Christlicher Volksdienst 327(393), Fortschrittl. Lsste 315. Reustrelih: Soz. 10SS(2133), Komm. 512(630), Natsoz. 713(1196), Beamte 1033, Handel und Gewerbe 790, Volksrechtspartei 303, Deutsch- nationale bSS(1144), Christlichsozialer Volksdienst 224. Rostock: Soz. 14 514(19 600), Deutschnationale 3798(6291), Wirtschafts- Partei 1608(5112), Hausbesitz 3315, Mieter 494, Deutsche Volkspartei 1149(3626), Komm. 3500(4224), Staatspartei 539(1578). Nationalsozialisten 9250(8175). Güstrow: Soz. 3159(4378), Nationalsozialisten 1431(1979), Bürgerliche Einheitsliste 3403(letzte Gemeindewahl 3647), Komm. 893(1093). Wismar: Soz. 5615(6200), Nationalsozialisten 3401(2655), Kommunisten 1809(1979), Bürgerliche Einheitsliste 3658(letzte Gcmcindewahl 2990). Danziger Volksiagswahl. Wie im übrigen Zieich. Dauzlg. 17. November.'(Eigenbericht.) Die Wahl zum Danziger Volkstag zeigt das gleiche Bild, wie die jüngsten Wahlen im Reich: die extremen Parteien erzielen die Haupterfolge. Die Stimmen verteilen sich wie folgt: Soz. 48 859(gegen 61 729), Dnat. 25 507(35 826), D. Volks- gemeinschalt 5197, Zentrum 28 958(26 096), Komm. 19 895(11700), NaL-Lib. 4322(8831). Wp. 6223(8010), D.-Lib. 3203(304), Veainien- parte! 4528(422), Polen 4589(5764), Mieterp. 1276(3575), Nazi 31 516(1482), Eisenbahner 3463(—). Wirischastspartei- wie sie leibt und lebt! Parteivorsitzender Drewitz entläßt vor Weihnachten alle Parteiangestellten. Wie wer erfahren, hat der Abgeordnet« Drewitz, Vorsitzender der Wirtschaftspartei, dem geswten Personal des Partei« zentralbüros, angefangen vom Generaldirektor bis zur Stenotypistin, plötzlichgekündigt. Es handelt sich durchweg um Angestellte, die fest fünf bis zehn Jahren im Dienste der Partei tätig sind. Für die Oeffentlichkeit von größtem Interesse ist die„Gesetzes- künde" sowie das soziale Empfinden des Reichstagsabgeordnetetz Drewitz. Das Personal jst nämlich, obwohl«s sich durchweg um ältere Angestellte handelt, mit einer Frist von 14 Tagen gekündigt worden. Infolgedessen werden die Arbeits» g e r i ch t e sich demnächst wahrscheinlich sehr eingehend mit den Zuständen im Parteizentralbüro der Wirtschaftspartei beschäftigen müssen. Das„Weihnachtsgeschenk") das der Parteiführer Drewitz den Angestellten des Parteibüros beschert hat, dürfte durch die Gerichte korrigiert werden, denn dl« Entlassung ist z. B. auch gegenüber dem Landtagsabgeordneten Dannenberg, dem Generalsekretär der Partei, ausgesprochen worden, der einen langjährigen Anstellungsoertrag besitzt ebenso wie die Sekretärinnen, die zum Teil drei» bi» fünfsährtge Kontrakte in der Hand haben. Man bringt die ausfallende Maßnahm« de» Abgeordneten Drewitz jedoch mit der Tatsache in Verbindung, daß man!m Partei» büro ein« grundsätzliche Reinigung vornehmen wolle, bevor In Berlin die Reichskonserenz zusammentritt, die von den Landes- verbänden und Ortsgruppen im Reiche stürmisch gefordert wird. Goebbels soll vorgesühri werden. Drei Beleidigungsprozesse. Bor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgcrichtsdirektors Dr. Siegert gelangten heute drei Beletdigung-prozesse gegen den Reichstagsabgeordneten Dr. Josef Goebbels in der Berufungsinstanz zur Verhandlung. Der An- geklagt« war nicht erschienen. Der erste Fall detraf eine Verurteilung der ersten Instanz wetzen Beleidigung des früheren Innenministers Grzesinski zu 400 Dtark Geldstrafe. Di« Berufung de« Angeklagten wurde gemäß dem Antrage des Staatsanwalts verworfen, und darauf nahm StaatsanwaUfchaftsrat Stenig auch die Berufung der Staatsanwalt- schaft zurück. Ebepso wurde der zweite Prozeß erledigt. Der drilte Fall betraf ein« Beleidigung der Reichsregierunz, ebenfalls wie in den früheren beiden Fällen durch Artikel im„An- griff". Dr. Goebbels war zu 600 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Die Berufung des Angeklagten wurde wiederum verworfen. In diesem Falle aber nahm Staatsanwaltschastsrat Stenig seine Be- rufung nicht zurück, sondern beschränkte sich auf das Strafmaß. Er beantragte, sofort zu oerhandeln. Die Strafkammer vertagte den dritten Beleidigungspro.zeß und beschloß die Dorsührung des Angeklagten zu der neuen Verhandlung. Neuer Erdrutsch in Lyon. (klfi 12 Zote des ersten llnglücks geborgen. Paris, 17. Rovember. 3n Lyon fand am Sonntag die Beisetzung der ersten vier aus den Schuttmassen geborgenen Todesopfer des Erdrussches stall. Bei den Aufräumungsarbeitea sind bis jetzt insgesamt zwölf Tote, darunter sieben Feuerwehrleute, freigelegt worden. Am Sonnlag Halle sich eine unübersehbare Menschenmenge am Ort der Katastrophe eingefunden. Es mußten energisch« Absperrung»- maßnahmen getroffen werden, um Zwischensällen vorzubeugen. Da sortgeseht Regen fällt, befürchten die Sachverständigen, daß der linke Flügel des auf der Anhöhe gelegenen Krankenhauses jeden Augenblick einstürzen kann. Am Sonnlag vormittag ereignete sich«in neuer Erdrutsch. wobei ein weitere Teil der Stützmauer zusammenbrach. Reue Opfer sind nicht zu beklagen, da man die Gesayr bereits vorausgesehen hatte._ Selbstmord im Grunewald. Am Sonntagnachmittog wurde der Vorsitzende des Marine-Offiziersoerbandes, Kapitän zur See a.D. Waldemar Kraf, im Grunewald am Rande einer Schonung erschossen ausgefunden. Kraf hat allem Anschein noch infplge eines Nervenzusammenbruches zur Pistole gegriffen. Er brachte sich einen Schuß in die Schläfe bei. der sofort tödlich gewirkt haben muß. Die Waffe hielt der Tote in der rechten Hand noch fest' umklammert. Feuer in Tempelhofer Schulbaracke. In einer Schulbaracke am Preußenring in Tempel- Hof brach heut« vormittag während des Unterrichtes Feuer aus. Die Klassen in den Baracken werden durch große Kachelöfen geheizt. Infolge Usberheizung wurde eine Holzwand in Brand gesetzt. Die Gefahr wurde ober rechtzeitig bemerkt und die Schülerkonnten in aller Ruhe ins Freie geführt werden. Die Flammen wurden unter Zuhilfenahme von einer Schlauchleitung in kurzer Zeit gelöscht. BVG.-Bekriebsfrakkion ll-Bahn- Verkehr. Frak- lioneversammluug am Dienstag. 18. Rovember, im Lokal von Schmidt. Luckenwalder Straße 11. Alle Genossinnen und Genossen müssen erscheinen, da wichtige Fragen zu besprechen sind. Der FraMonsvorstand. Schnee über Berlin. Matsch in Oer Lnnenflavt.- Kältewelle Vroht! Zn der vergangenen Nacht hat der Winter, der kalender- mäßig erst am 22. Dezember seinen Einzug hält, ganz über- raschend seine Visitenkarte abgegeben. In den gestrigen Abendstunden sank das Thermometer plötzlich rapide, und bei knapp X Grad Wärme sehte gegen 2 Uhr nachts ein heftiges Schneegestöber ein, das nahezu 2 Stunden andauerte. Straßen und Plätze waren bald mit einer starken Schneedecke über- zogen. In den Morgenstunden war wieder ein leichter Temperatur- anstieg zu verzeichnen, und der Schnee verwandelte sich ziemlich ichnell in den so beliebten Berliner„Matsch". In den Außen- bezirken dagegen hat sich der Schnee meistens gehalten, und es bietet sich die herrlichste Winterlands chaft dar. Die starke Abkühlung ist auf kalte arktische Lustmassen zurückzuführen, die zwischen Spitzbergen und Grönland nach Süden iließcn. Diese Kältewelle hat sich besonders in einem Teil von Skandinavien schon sehr empfindlich ausgewirkt. So werden aus Norbsinnland 22 Grad und aus Nordschweden 21 Grad Kälte gemeldet. Das sind für diese Jahreszeit selbst in den nördlichen Wohngebieten ganz außergewöhnliche Temperaturen. Wie der Amtliche Wetterdienst noch mitteilt, schwankte die Quecksilbersäule in der vergangenen Nacht in, ganzen Reich zwischen ß und minus 2 Grad. Tagsüber werden die Temperaturen etwas über 0 Grad betrogen, dagegen ist in den Nächten mit st a r k e n F r ö st« n zu rechnen. Niederschläge stehen nach der augenblicklichen Wetterlage kaum in Aussicht. Interessant ist noch, daß der F i ch t e l b e r g bereits 7 Grad und die S ch n e e k o p p c 9 Grad Kalle zu verzeichnen haben._ Wir stoßen vor! Zmposante Demonstration in Friedenau und Echöneberg. StorungSvcrsuche der Nazis. Der kreis Schöneberg-Friedenau der Berliner Sozialdemokratie balle seine Mitglieder am Sonntag nachmittag zu einer anli- faschistischen Kundgebung ausgerusen. Ein imposanker Demon- strotionszug bewegte sich aus der hauplstraßz nach Schöneberg zu. Auf dem Rudols-wilde-plah rief dann Arlur Erispien in kurzen, knappen Worten zum Kampf gegen den Faschismus auf. Die Nationalsozialisten versuchten selbstverständlich zu stören. Sie bekamen dabei Arbeitersäuste zu spüren. Di« Mörderecke an der Wielandstraße war bereit, passiert, ohne daß man von dem Ge- gröhle der Nazibande in ihrem dortigen Wirtshaus Notiz nahm, Plötzlich stürzte eine Rotte Nazis aus dem Lokal und versuchte, die am Ende des Zuges marschierende Reichsbannerkolonn« abzuschneiden. Genau dasselbe Manöver hatten sie am Wahlsonntag verübt, wo sie«ine republikanische Motorfahrerkolon»« überfielen. Ihr Mut sollt« schnell gekühlt werden. Unsere Genossen waren auf der Hut, und im Nu waren die Hitler-Iünglinge in ihr Rattennest zurückgeschlagen. Die Polizei, die sofort eingriff und mit g e- schwungenen Bierseideln empfangen wurde, sorgte mit dem Gummiknüppel für Ordnung. Die Denwnstration bewegte sich durch die Straßen Schönebergs und nahm auf dem Rudolf- Wilde-Platz Ausstellung. Hier sprach Ariur Erispien. Seit dem 14. September sei die faschistische Gefahr zum Hauptpunkt der inneren Politik geworden. Die Arbeiterschaft sei stark genug, die Sturmtrupps der Konterrevolution abzuwehren. Der Terror der Nazis würde durch die noch härtere» Arbellerfäuste zerbrochen werden. Hier im Westen, in der Hochbug de« Faschis- mus, haben buch diese machtvolle Demonstration die Arbeiter de- wiesen, daß ihr Kampfesmut u n b e s i e g b a r ist. Die Partei ruft aus zu verstärkter Aktivität, die Massen folgen ihr im Kampf gegen alle Reaktion.— Genosse Mendt als Vorsitzender des 11. Kreises betonte in seiner Schlußansprach«, daß mit diesem Umzug nur ein Ansang gemacht sei. Mit einem begeisterten H o ch auf die Völker- befreiend« Sozialdemokratie und dem Absingen der I n t e r- nationale schloß d!« eindrucksvolle Kundgebung. „Schüßlest 1930." Zwei Tage alte Kiichenmusik. Unter dem Namen„Gchützfest 1930*— die Plakatwirkung war nicht ganz ohne unfreiwillige Komik— bot die Staatliche Akademie für Kirchen» und Schulmusik ein lehrreiches und eindrucksvolles Gesamtbild vom Wirken und Schassen de» evangelischen Kirchen- musikers Heinrich Schütz, der einer der bedeutendsten deutschen Kam- ponisten des 17. Jahrhunderts gewesen ist. Eine Reihe von Per- anstaltungen im Lachsaal und in Berliner Kirchen, Musikalische Vesper. Festgottesdienst, vier Konzerte mst schwerer aller Musik, das alles in zwei Tagen: mit Rücksicht auf die auswärtigen Mitglieder 'dap„Neuen Schütz, Gesellschaft" war das Programm in so knappem Zeitraum zusammengedrängt: und manches gewiß ist nur von musikwissenschasilichem Fachinteresse gewesen. Aber die Gelegenheit, den großen Vorgänger Bachs, von dem sonst mir wenig an das Ohr des Berliner Musikpublikums gelangt, einmal in seinem Werk und in dessen geschichtlict�m Zusammenhang gründlicher kennenzu- lernen, war auch einem weiten Hörerkreis willkommen. Heinrich Schütz, der den größten Teil eines langen Lebens— er starb 1672 als 87jährig«r— in Dresden als tursürstlicher Hof- tapellmclster gewirkt hat, tst als Musiker aus der Schule von San Marco in Venedig hervorgegangen: der berühmte Giovanni Gabrirli war sein Lehrer. Aus Italien hat er dl« Meisterschaft des viel- stimmigen Ehorsatzes und die Anfänge der eben entstehenden Opern- kunst nach Deutschland gebracht. Das war seine musikhistorische Sendung. Sein« Musik will für uns nach drei Jahrhunderten nicht mehr in allen Teilen lebendig werden. Für die Ausführung des umfassenden Programms war ein stattlicher Apparat von Mitwirkenden, vor allem von mitwirkenden Chören, aufgeboten: Das Collegium musicum der Akademie (Leitung Hermann Diener), der Kammerchor Caecilia(Leitung Pius Kalt), der gemischte Chor und der Iugendchor der Akademie und das Gesangsolisten-Enseinbl« der Schule Ludwig Heß. Die zur Per- sügung stehenden Mittel und Proben hatten wohl nicht durchaus zu vollkommenen Aufführungen ausgereicht. Aber es war alles in ollem viel planvoll« und gewissenhaft« Arbeit aufgewandt. Es wäre schade, wenn st« nur für diese zwei Tage getan war«: es würde sich lohnen, als künstlerisches Gesamtergebnis das Best« kieser sechs Ber» anftallungen zusammenzufassen und an einem Konzertabend zu wiederholen._ K, P. 3« Zaslibtt fit INeereskunde'pr'chl Dienstag. 20 vbr. Prof 8. Hentschel» Hamburg üb er Ozeanische LebenZgemein schalten. Zn der Sesellschosl sir Ysycholoai« und Ehorakleraloaie ilmchi DonnerS- i.. abcniz S Uhr. Gras den Arco ubir„Psychologie de! SifinderS"(tieibniz» Oberrealschul«, Schillerstr. ,2«). Hakenkreuz-Urteil in Braunschweig Einsiweilige Verfügung gegen den„Volksfreund" aufrechterhatten V r a u n s ch w e i g, 17. November.(Eigenbericht.) Das Landgericht verkündete heute in Sachen„Volks- freund" gegen Frnnzen folgende Entscheidung: „Tie einstweilige Verfügung vom 2Z. Oktober wird aufrechterhalten." Der einsttveiligen Verfügung wird ein neuer Sah zugefügt, wonach der„Volksfreund" amtliche Verlaut- barunge« über die Angelegenheit Franzen nur dann wiedergeben darf, falls sie in nicht beleidigender Form gebracht werden. Gegen dieses Urteil ist sofort Berufung eingelegt. Die Urteilsbegründung, die 33 Seiten umfaßt, wird erst später publiziert werden können. ->> Zwölf Tag« haben die Braunschweiger Richter.zu diesem Spruch gebraucht. Zwölf Tage haben sie gewartet, um den Eindruck des völligen Zusammenbruchs Franzens in der Verhandlung zu verwischenl Dann haben sie ihren Spruch gefällt, der das Tollste karstellt, was bisher von der Justiz im Zeichen des Hakenkreuzes geleistet worden ist. Die Braunschweiger Richter gestatten gnädigst dem„Volks- freund", amtliche Erklärungen des Berliner Polizeipräsidiums über die Schuld von Franzen zu veröffentlichen— aber sie untersagen ihm, redaktionell wiederzugeben, was in diesen Erklärungen steht. Die Braunschweiger Justiz maßt sich damit einen Eingriff in die Pressefreiheit an, die mit den Taten der Militärzensur zur Kriegs- zeit zu vergleichen ist. Tatbestand ist, daß die politisch-reaktionären Kräfte in der Justiz im Zeichen des Hakenkreuzes wieder aktiv werden. Die Rechtsprechung wird wieder zu einem Instrument gegen Recht und Äerfassung. Die V e rt r a ue n s kr i s e de r I u sti z ist wieder da— stärker denn je zuvor. Tatbestand ist: der braunschweigische Ministerpräsident hat sich bewußt einer strafbaren Handlung schuldig gemacht. Die Justiz seines Landes deckt ihn. Er findet eine Landtagsmehrheit, die ihn deckt. Und dann reden sie noch vom Recht— das natürlich nur für 1 die anderen gilt! Schafft ein Theater-Giudio! Aus den Kreisen angehender Schauspieler wird uns geschrieben: Vor einigen Wochen wurde das Kabarett- Studio gegründet. Willi Schaesfer hat sich damit zweifellos ein Verkienst erworben. Di« durch dieses Studio geschaffene Möglichkeit, jungen Talenten zur Erlangung eines Engagements zu verhelfen— und dies ohne jede Protektion— muß freudig begrüßt werden. Trotzdem ist Erstaunen darüber am Platze, daß man ein kabarettistisches Studi in Berlin für notwendig erachtet hat, ohne im entferntesten daran zu denken. wie unumstößlich wichtig die Gründung eines T h ca t e r- Studios ist. Zlllein die Tatsache, daß in Berlin ein itddisches Studro besteht, müßte die interessierten Kreise aushorchen lassen: der Zu- schnitt dieses Stuidios in einer sozial großzügigen, vorurteilslosen und absolut ernsthaften Art sollte das Borbild des zu schaffenden deutschen Studios sein. Zur Begründung der Notwendigkeit des Studios sei folgendes ausgeführt: Es ist kurzsichtig, Menschen, die die künstlerisch« Be- rusenheit in sich fühlen, kurzweg zu einer Prüfung zu schicken und ihnen keine andere Möglichleit, ihr Talent beweisen zu können, zu geben. Dieser Weg, Bühnennachwuchs zu entkecken, ist— ich wage kies« Bel)auptung— zumindest unrichtig. Es bedarf keiner beson- deren psychologischen Schulung, um zu wissen, daß bei einer solchen — gewissermaßen erzwungenen— Prüfung, die entscheidend sein kann für«in ganzes Leben, viele— schon allein in Anbracht dieser in wenige Minuten zusammengeballten Entscheidung— völlig versagen, somit den Anschein der Talentlostgkeit erwecken und brüsk abgewiesen werken. Ferner sind folgende Moment« bei derartigen Prüfungen LU beachten: 1. Schamhaftigkeit, die durch die ungewohnte Situation derart gesteigert werden kann, daß ein Zerrbild,«in« Karikatur entsteht. 2. Mangel an Selbstkritik, an Objektivität, die bei der fehlenden künstlerischen Führung kes Betreffenden ihn«ine Rolle sprechen laßt, ! die gänzlich ungeeignet für ihn ist. somit«in vollkommenes falsches Bild von ihm erwecken muh. 3. Hemmungen, Hemmungen!! All diesen Hindernissen ist abzuhelfen durch«in Studio, das ihnen erschöpfend Rechnung trägt. Ein Studio, das jedoch nicht nur diese Momente berücksichtigt, sondern auch in sozialer Hinsicht einen groß- zügigen Charakter trägt. Die Kunst ist nicht nur geschaffen sür Menschen, die ein kostspieliges Studium ermöglichen können, son- der» in gleichem Umfange für andere. Arbeitende. Und Ich behaupte, daß gerade diese Menschen, die den tägliche» Bürostaub schlucken müssen mit all seinen Widerwärtigkeiten. Demütigungen, reifer und aufnahmefähiger sein können für die Kunst als andere, ka sie au« eigenstem Erleben seelische Not kennen. Gebt uns das Stutio! Laßt uns unbefangen, ungehemmt lernen! Gebt uns die Möglichkeit, unter sicherer, ernster Führung all- mählich reif zu werden für ki« Kunst! Laßt unsere Lieb« zu ihr nicht umsonst verströmen, da wir nicht wissen, wohin wir sie tragen sollen! Ein Güdamerikafilm. Kenntnisse vom Ausland zu vermitteln, ist dar Film in hervor. ragendem Maße geeignet. Jnrbesondere könnte er fruchtbar ge- macht werden für die Beratung von Auswanderern, die ohne irgend welche Beziehung innerer oder äußerer Art zu dem ge- wählten Lande sich blindling» hinauswagen und vielfach scheitern. Der Fild„Zwischen Amazonas und F e u e r l a n d", der Sonntag in den Kammerlichtspielen lief, will über das ungeheuer groß« Gebiet von Südamerika orientieren. Er will sein« landschaftlichen Eigenarten und Schönhest'in, die Wunder des Ainazonenstroms, das kraftvoll pulsierende Leben seiner Millionen- städte(Buenos Aires) mit ihren Wolkenkratzern, die hauptsäckp lichsten Prokuktionsorten(Kaffee, Mate. Rindvieh. Schafe), den unheuerlichen Wasserfall des Jguazzu und vieles, vieles andere zeigen. Dr. Rudolf Roch, der als Journalist in Südamerika gelebt hat, gab Erläuterungen zu den Bildern, die eine» starken Eindruck von der südamerikanischen Wirtschaft hinterließen. In der Borkricgszcit hat Genosse Kummer die Weltreis« eines Arbeiters geschildert, es wäre Zeit, daß Arbeiter mit dem Film- tasten* die Welt bereisten und vom Standpunkt des Arbeiters Aus- Wanderungsgebiete betrachteten. r. Kilmfragen von heuie und morgen. Nachdem der„Volksverband der Filmfreunde" an seiner eigenen Mitzwirtschast und daran, daß er trotz feierlicher Versicherung der„Ueberparteiltchkcit" immer unverhülltcr im kommunisj�chcn Fahrwasser segelte, eines unrühmlichen Todes gestorben ist, hat man jahrelang nichts mehr von einer Bcsucherorganisation gehört. Das Bedürfnis nach einer solchen Einrichtung ist inzwischen nicht etwa geringer geworden—, im Gegenteil. Bekanntlich hat die„Spitzen- organisation der deutschen Filmindustrie", gereizt durch die abfällige Beurteilung ihrer Produkte, zu einem wuchtigen Schlage ausgeholt und einem der größten Zeitungsverlage mitgeteilt, daß die Film- induftrie„zunächst ein kommerzielles Wirtschaftsgebiet" sei, das es „ablehne, seine Produkte kritisch gewürdigt zu sehen". Der groß- kapttalistische Verlag hat— wie das nicht anders zu erwarten war— Ordre pariert und seinen Filmkritikern einen Maulkorb um- geschnallt. Die Folge war die Gründung eines eigenen Film- kritikcr-Verbandes. In Paris ist etwas ganz ähnliches passiert. Ein bekannter Filmkritiker hatte gegen ein Schundstiick mit Pfeifen protestiert und war daraufhin aus dem Theater entfernt worden. Er strengt««ine Schadenersatzklage an und machte vor Gericht geltend, daß er ln einer künstlerischen Vorführung ebensogut sein Mißfallen ausdrücken dürfe wie seinen Beifall. Woraus ihm der Vertreter der Film- Industrie entgegnete, das sei«in Irrtum: ein Film s«i eine War« so gut wie ein Paar Stiefel! Seither führt dieser also belehrte Kritiker zwei Rubriken:„Filme, di« man auspjeist" und „Filme, die man sich ansieht.* Als dritte« Ereignis wäre zu erwähnen der Prozeß, den der Komponist Kurt Weilt und der Dichter Bert Brecht gegen di« „Rsro"»Geszlls.»».ft geführt haben, und der im Falle Weille zu- gunsten des Klägers cmjchicdcn worden ist. Di«„Tobis" war an die beiden herangetreten, um ihre Mitwirkung an der Verfilmung der„Dreigroschenoper" zu gewinnen. Beide hatten einen Vertrag abgeschlossen, in dem ausdrücklich ihr« Mitwirkung an der Manu- skriptfassung und Vertonung festgelegt war. An diesen Vertrag hielt sich jedoch die„Nero"-Gesellschaft überhaupt nicht, sondern beauftragte Bela Balasz mit der Manuskriptbearbeitung. Erst vier Wochen nach Beginn der Aufnahinen erhielt Weist Kenntnis von dieser Aendcrung, die Einsicht in das neu« Manuskript wurde ihm verweigert. Als er gegen diesen Vertragsbruch protestiert«, wurde er fristlos entlassen. Das sind keine rein literarischen oder journalistischen Angelegen- heilen, sondern es sind Kultursragen, zu denen all« Filmsreunde Stallung nehmen müssen. Das im Tonfilm investierte riesige Kapi» tat, hinter dem die Großbanken stehen, Hai den stummen Film ob- gewürgt. Mit ihm werden die Sympathien weiter Publikumskreise vergewaltigt. Mit allen Misteln de» kapitalistischen Terrors, die sich auch gegen di« Besitzer der kleineren Kinos wenden, nicht zum wenigsten gegen oie Kinomusiter. soll die Umwandlung der Film- kunst in die Ftlmware erzwungen werden. Dagegen erhebt sich eine neue Organiation, die nach dem Muster ausländischer Organisu- tionen, etwa der holländischen, geschaffen ist, die„Liga für den unabhängigen Fil m*. Ihre erst« Veranstaltung, die am Sonntagoormittag in einem kleinen Lichtsvieltheater in Halensee vor sich ging, bestand aus Referaten ihres Begründers, Hans Taussig, und der Hauptbeteiligtan am Prozeß der„Dreigroschenoper*. Sie waren aus einen scharfen An- grifsston gestimmt. Als Beispiele dafür, daß den elenden Kontin- gcntierungsbestimmungen die besten ausländischen Filme zum Opfer fallen und im wesentlichen„Schund gegen Schund ausgetaujck!" wird, wurden zum Schluß Szenen aus dem surrealistischen französi» scheu Werk„Seestern" und aus dem russischen realistischen Film „Erde" gezeigt: stumme Film«, die die Tonfilmflut vers�luna«!, hat, und die uns doch mehr künstlerischen Genuß verschaffen als die Seriensabrikate der Operettenfilme. Hermann Hiebet. Eine Ehrysankhemamblüle von 23 Zenllmeler Durchmesser. Die englische Chrysanchemumschau zu Torquay zeigt die Erfolge der britischen Züchter in ihrer ganzen Pracht. Mit der Medaille kür die beste Blüte wurde ein prächtiges Eremplar der So-te Louisa Pocket ausgezeichnet: die Blüte maß im Durchmesser 2ö Zentimeter und war 30 Zentimeter tief. S'ae 3ntlU9-f drf-ckedrtrfeler findet am Vutüaa. vormiltaa« Nst, llbr. Im �aiile der PoliStildne am Pülowplah statt. Bruno Eitncr um- radmt die kreier mit Klovstriiücken von Bach und Cbovin.(ZuliiiL B a b bä» die Gedciilrede, Kay HI er ipricht Ged'chle von Justus Hart und Adel« Gerbard ErinnerunaSworte. IIa G o l l a n d fingt Lieder des Bcrstordeiien und Maua Hart trägt die letzte Ardest ihre« VaiclZ „Boin ewigen Sein* vor.— Karten gegen Freikuvert durch HanS Oftwald, Zeblendors, Karlstraße 2S. Was Andr�es Ulme zeigen. Prof. Hergberg, der Sachverständige, der die Entwicklung der 1897 aus der Andreeschen Expedition aufgenommenen photo- , graphischen Filme übernommen yat. errang damit größere Erfolge ! als er selbst erwartet hatte. Wie Stockholmer Blätter melden, > ergeben zwanzig dieser Filme ganz klare Bilder, und zwölf von ihnen werden in dem offiziellen Bericht über die Expedition ab- geblldet werden. Die besten Abzüge zeigen den Ballon, nachdem er auf dem Eis gelandet sst: es läßt sich daraus erkennen, daß der Verlust von Gas und die Eisbildungen auf der Ballonhülle das Niedergehen erzwangen. Auf einem anderen Bild ist Andres mit einem von ihm geschossenen Eisbären zu sehen, und das Fell des Bären ist ganz deutlich. Andere Bilder lassen die gute Stimmung erkennen, die di« Mitglieder in dem Lager beseelte: doch Ist es unsicher. od es das Lager auf dem Eis oder aus der Kwitö-Insel war. Dadurch, daß die Ränder der Filme bei einigen Rolle» ineinander geschoben waren, so daß sie das Innere hermetisch verschlossen, i' zusammen mit der niedrigen Temperatur die vortreffliche Erhaltur zu erklären._ „ffmll und die Belrfüoc", das Kinberstlick von Erich Kästner, wird am 20.. nachmittags i Uhr, unter der Regie von Karlheinz Marti» u, Theater am« ch i s s b a» c r d a ni in uraufzesührl. Die Gefahr des Faschismus Renner und Hefler über Wurzeln und Aussichten des deutschen Faschismus Dresden, 17. November. Im Rahmen der Reichstagung des Deutschen Republikanischen Reichsbundcs fand am Sonntag vormittag im Dresdener Gewerbe- Haus eine groß« öffentliche Kundgebung statt, der das Thema zu- gründe lag„Im Kamps um Republik und Demo- kratie". Auf dieser Kundgebung sprach u. a. der österreichisch- . Nationalratzabgeordnete Or. Renner-Wien. Ich komme aus einem Lande, dessen republikanische Freiheit nun- mehr schon feit Jahren bedroht ist durch den Faschismus. Bei uns wird der Faschismus genährt durch die doppelte Nachbarschaft des faschistischen Italien und des faschistischen Ungarn— Er schilderte dann die Entwicklung, die die österreichische cheimwehrbewegung iu faschistischer Richtung genommen habe bis zu dem Mißerfolg bei den jüngsten Nationalratswahlen. Zn Oesterreich werde von diesen Kreisen ebenso wie von den reichsdeutschen Nationalsozialisten mit dem Wort: Aatimarxis- mus gearbeitet. Dieses Wort sei deshalb verlogen, weil es den demokratischen Sozialismus der Sozialdemokratie gleichseht mit dem onkidemokratischen Diktatursozialismus der Kommunisten. Wöhrend der Sozialdemokrat in der bestehenden Wirtschast kämpft um den gerechten Anteil des Arbeiters an dieser Wirtschast, will der Kommunist diese bestehend« Wirtschaft zerstören ebenso wie es auch der Nationalsozialist will, obwohl er sich beim Bürgertum als Retter dieser Wirtschaft empfiehlt. Wenn so große Massen deutscher Wähler dem konfusen Programm der Nationalsozialisten nachge- laufen find, so liege das in der Hauptsache daran, daß die jetzt prob-etarisicrlen Mittelschichten in Deutschland noch niemals eine politisch« Schulung genossen hoben. Im Obrigkeitsstaat waren zwar die Arbeiter, die Industriellen und zum Teil die Bauern politisch geschult, nicht aber die Mittelschichten, die sich in allein auf die Obrigkeit verliehen. Es ist nun die Aus- gäbe der republikanischen Parteien, dies« Erziehungsarbeit an den Mittelschichten nachzuholen. Die Republik Hot dem deutschen Volk erst den Gedanken der Nation gebrocht. Sie hat an die Stell« des Ständestaates den Volksstaat gesetzt. Wir wollen diesen Volksstaat erholten und als die Znmufnng einer kulturellen Schmach es zurückweisen, wenn man uns die Diktatur aufdrängen will, die immer nur die Staaisform der- jenigen Völker gewesen ist. bei deneu das Analphabetentum am stärksten vertreten ist. Mit einem dreifachen Hoch auf die deutsche Republik wurde die Kundgebung geschlossen. Am Sonntag" nachmittag fand im Plenarsitzungssaal des Landtages eine republikanische Reichskonserenz statt, deren Be- ratungsgogenstand die Stellungnahme zum Faschismus ivar. tlniversitätsprofessor Or. Heller-Derlin. Will man die tiefere» Ursachen des Nationalsozialismus begreifen, so darf man sich weder an die Schlagwort« des naiionalsozialistisch-n Programms, noch an die sonstigen äußerlichen Symptome hasten, Auch die außenpolitische Lage kann nicht als die wesentliche pr- fache, sondern nur als ein die Bewegung allerdings ungeheuer ocr- stärkendes Moment angesehen werden. Dabei sind die Kriegs- leistungen gar nicht das Entscheidende. Viel wesentlicher ist die unsinnige Vrutalilät des Vcrsailler Vertrages, welcher ein großes Volk zur dauernden Wehrlofigkeit verurteilen will. Auch innerpolitisch darf man die tieferen Ursachen nicht in den persönlichen Machtaspirationen ehrgeiziger Demagogen sehen. Rich- tig kann der Nationalsozialismus nur als eine der Geburts- wehen der sozialen Demokratie verstanden werden. Augenblicklich bildet allerdings er das ideen- und gestattlos« Sammel- decken oller irgendwie Deklassierten und Unzufriedenen, welche durch einen, sei es reaktionären, sei es revolutionären Putsch,«tne Ge» waltlösung herbeiführen möchten. Daß aber die Kleingewerde- treibenden nicht die Warenhäuser wollen, die Unternehmer gegen die Arbeiterbewegung sind, abgebaute Offiziere kriegslustig sind und viele die Juden nicht mögen, alle diese und ähnliche Antistimmungen würden zwar ausreichen, den plötzlichen Ausschwung der Bewegung zu erklären, nicht aber, um ihre starke Werbckraft in der Jugend zu verstehen. Entscheidend ist, daß die Nakionalsozialisten sich dem zweifellos sehr starken antikopiolislischeu Affekt in der gesamten bürgerlichen Jugend zunvhe zu machen wußten. Zehntausende unter den Landwirtssöhnen,, Zehntausend- unter den Studenten haben keine Hoffnung aus eine bürgerliche Existenz und sind non der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung tief enttäuscht. Ebenso wie die hunderttausende von Angestellten wollen sie aber etwas anderes sein als Proletarier. Bon dieser Jugend bekommt die Bewegung den Schwung. Diese Jugend weih nicht, daß sie durch den Nationalsozialismus zum Vorspann für die von ihr bekämpften Mächte wird. Wohl möglich, daß sie wie die faschistische Parteijugcnd in einer völkischen Diktatur ihr Pöstchen ergattern wird. Erreichen würde sie damit nur, daß die Geburt der sozialen Demokratie eine lebensgefährliche würde, den» diese Diktatur könnte die wachsende Arbeiterschaft keineswegs dauernd niederhallen und bevormunden, wohl aber das groß« demokratische Selbsterziehungswerk dieser Ar- bciterschaft unterbrechen. Der reaktionären Stauung mühte totsicher ein revolutionärer Dammbruch folgen. Abgewendet kann diese für Deutschlands Zukunft ungeheure Ge- sahr nur dann werden, wenn es gelingt, der nationalsozialistischen Demagogie eine ebenso intensive Aufklärungsarbeit und eine un- nachgiebig« Energie entgegenzustellen. Nur ein« Demokratie, die sich keine Blößen gibt und die Jugend zu gewinnen weiß, vermag:n diesem Kampfe zu siegen. Die Aussichten tür eine nationalsozialistische Diktatur in Deutsch- land bezeichnet der Redner als gleich Null. Im Gegensatz zu Mus- soliin sei Hitler viel zu dunnn, um als Diktator das deutsche Volk zu regieren. Die Nationalsozialisten verfügen übcrhmipt nicht über intelligente Diktatoren. Dadurch werde aber nicht die Gefahr für die Republik vermindert, denn die Kreis«, die hinter Hitler stehen, wissen sehr wohl, daß auf die Dauer die Regierung nicht bei den Nationalsozialisten bleiben würde. Sie wollten selbst die Macht in die Hand nehmen, und nachdem Hitler und seine Sturmabteilung abgewirtschaftet haben, würde daim Hugenberg die Sack)« über- nehmen. Das faschistische Experiment ist über, so fuhr Prof. heller fort. in Deutschland nicht so leicht zu»lachen wie in Italien. Die deutsche Arbeiterschaft und die deutschen Gewerkschaften sind ganz anders als die italienischen Arbeiter und die italienischen Gewerkschaften. In Deutschland wäre ein solches nationalsozialistisches Experiment der Ansang zu einem furchtbaren Bürgerkrieg. unter dem das antimarxistische Bürgertum am schlimmsten zu leiden hätte. Es kam» eines Tage» so tomrn«, daß Hitler« Wort gegen ihn feffi# zitiert wird:„Köpfe werden rollen, entweder unser« oder die der arideren: sorgen nur dafür, daß es die der anderen find!" Niemand im deutscheu Bürgertum darf sich darüber täuschen, daß, wenn es eimnal hart auf hart geht, die Zahl derjenigen, die bereit sind, auf die Straße zu gehen, immer noch auf der linken Teste größer sein wird, als aus der rechten! Und daß in solchen Augenblicken sich die Spekulation der Nationalsozialisten auf den Bruderkampf zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten falsch sein wird. Das hat alle geschichtliche Erfahrung gezeigt. Dieses Risiko sollen diejenigen Herren, die die Nationalsozialisten finanzieren, sich klar in ihre Kontobücher eintragen. Sie sollen sich auch klarmachen, daß es dann nicht mehr mit rein finanziellen Ausgaben getan ist, sondern daß sie bei einem deutschen Bürgerkrieg mehr zu riskieren haben. Wer die Bolschewisierung Deutschlands wirklich rasch durchsehen will, der dürfe nur die faschistische Propaganda fördern. Weil es so ist, darum muß gewarnt werden vor den Stimmen, die bis ins Loger der Deutschen Voltspartei erschallen, daß man den Nationalsozialisten doch einmal Gelegenheit geben möge, an die Macht zu kommen, um abzuunnschoften. In dieser kritischen Zeit muß der deutsche Republikanische Rcichsbund auf der Wacht sein. Die deutschen republikanischen Parteien haben die groß« Aufgabe, Deutschland und damit ganz Europa vor einer Rebarbarisieriing zu schützen. Wir müssen dogu auch den persönlichen Mut aufbringen, hinauszugehen aus dem Schutz der eigenen Partei und sich zum Kampf zu stellen. Wir haben einen Bundesgenossen, den die an- deren nicht haben: auf unserer Seite ist das bessere Gewisien. (Stürmischer, langcmhaltender Beifall.) Wetter für Berlin: Ziemlich heiter, nachts Frost, auch tagsüber Temperaturen nur wenig über Null. Für Deutschland: Im Küsten- gebiet noch unruhig und namentlich an der östlichen Ostsee einzelne Schauer. Im Binnenland fortschreitende Beruhigung des Westers, nachts überast kalt. Montag, 17. November. Berlin. 16.05 Dr. med. Claubera: Die sotenannten BlatamppeD des Menschcii. 16.30 I. Pacbelbel: Toccata. Ramcau: Gavotte und Variationen. 3. Händel; Qijne G-Moll.< Mozart: Sonate D-Dur(Gisela Springer. NSgel). AnschlieBend: 1. Tartini-Kreisler: Variationen. 2. Dvorik-KrcisJer: Slowa. kisciifr Tanz. 3. Rich. StrauB-Prihoda; Walzer aus..Der Rosenkavalier". d. Wieniawskl: Scherzo.Taranierie. 5. Szymanowski: La fontaine d'Are- thnse.(Violine: Eugenia Uminska: Flügel: Bruno Seldler-Winkler.) 1730 Dr. Ueberall erzähIL 1TA0 Herbert Hartmann: Seibsterlebtes im Reicht der Prohibition. 18.15 Artnr Kahaner Kleine Philosophie. 18.40 Oskar Maria Graf liest eigene Erzählungen. 19.10 Unterhaltungsmusik. 30.30 Uraufführung;..Der Strich durch die Rechnung". Rennfahrer-Komödie in drei Akten von Fred, A. Angennayer. Regie; Alfred Braun. 33.15 Wetter-, Tages-, Sportnachrichten. AnschlieBend bis 030 Tanzmusik. Kdnigsvusierbausen. 16.00 Rektor Höft; Die Lichtbildsamnilune in der Aibettsschule einer Kleinstadt. 17.30 Ouartettlieder von Ed. Borschein(Erstaufführung). Mitw.; Käte Weener und Bmioier-Ouartett, 18.00 Prof. Hocbstetter und Dr. Zehden: Lache dich gesund! 18.30 Prof. Dr. Julius Wolf: Gibt es zuviel oder zutvenig Menschen auf der Welt? 19.00 Englisch für Anfänger. 19.30 Prof. Dr. Borchert: Pilanrenschutz und Bienenzucht. 30.00 Leipzig: Konzert. 30.15 München: Konzert. Berantworif. für hie Rehaliinn: Are uz glüh«, Berlin: Anzeigen: TH. Siecke, Berlin. Beria«: ZerwSrf» Bering j'Das 600.- Wlaik- \9nisräisel d. ÖVßja Ii Ah IT- er.(ck»7 ao.- M. In bar. : Nihtns i. d-«ggf. VanttHunitH. iHMMIIMiMHIUHMUHItHirt"""!"1»« VolKsbUhne Ibtiler an Bülowplati. 8 Uhr Mississippi von Geore Kaiser Staatsoper Am PI. d, Republik 7h- Uhr Die verkaufte Braut itaatl.tdiiller-Ib. 8 Uhr Clavigo Tltuaisr am SciiittDauarflamm •8 Vi Uhr Omgrosdieitoper Oantsdies Theater 8 Uhr 30 di BuStag u.Toteasom;. Elisabeth von Enoiand von Ferd Bruckner Regie: Hiici tfilpcv Kammerspiele SV» Uhi Die zärtlidien Verwandten ibd Rodindi Emdix Eegie: Gictat MadgBiB. Die Komödie SV, Uhr Oer Schwierige «09 Hugo no Hofmiorrü,. Regie: Kai BeiiMt. Kleines Iheat. I ä g I i c h 8"j U h■ Oer groäe Lostspielerlolg! Max Adalbert Fritz Kampers Dagny cäervaes In (Jap Mann, dar schweigt �feSfdeft Singspiel in vielen Bildern. Cmb. Splra. Hansen, Lloske, Wallbnrr. Arno. Jnnknhn, Panl Bftrblger, Lena, Sebaeflers, Wlnkelstcrn, Bolls, Desnl, 1 Stark. listet tenbnucr. Original Tiroler WatsrhrntAnzer, Original Tiroler Jodlerlnnen-Knlnteit,| nnslh-Trlo ans Sehllersee. 1 Jus. Band I Girls n. Boys I Grosse Chöre. ■ Oer Zelt entsprechend sind, trotz des | riesigen Andranges. ck>«ä 0' er. I dte Bassen preise nm X J! 0 m Assig t. i S* o•» t n* �■||a w Orlglnalbesetsnnc Nnehmutnc ,9 Wir Billige Preise. MJ. Westens SV, Uhr Emil JanningB Geschart ist Geschart Lessing-Iheat. 8 Uhr Ein trauoi Regit: Mai Rtiobinil Zentral Tbeat. Täglich SV, Uhr Sonnt auch SV, Uhr Eine Freundin so goldig une ou Operette v Meisei- Von. Ki Parkett sfl ststti M. nm I•* gültig nun IS. Iis 19. Nev. BuStag, 19. Novemb. 8>- Uhr Tagehuch einer verlorenen iNur für Erwachs.) 6 Uhr Schneewltchen Theater i.d.Behrenstr. 53-54 Direktion: Ralph Arthur Robertf hv. Das haBllchG madchen ffeute ZV, Uhr kleine Pi eise Arm wie eine Kirchenmaus mit Lncie EnoUsdi. Bußtag:..Die SitbzehniShrlgea". Freitag zum I. Male: Grose Weene in Baden-Baden i.«»thriAH<*er Strafte 57 Nur bis Sü. November Arm wie eine Kirchenmaus und das erstklassige bunte Programm To'ensaiintagi Einmalige Aofführong Da« verlorene Paradies Für unsere Leser: Cutschein 1—4 Pers. Fameuil 135 M.. Sessel 1,75 M.— Sonstige Preise. Parkett 76, Rang 60 Pfg. Bamowsky- Bahnen Tltater Ii dBi StfGSBaaniiitr. rägiieh 8V, Uhr Sturm im Wasserglas Rgnödit von Frank. Komtfdianhaus S'/s Täglich SV« Konto X von Btruner und Qntintidier PIscator-BflDae (Wallner-Theatcr) Täglich«>,< Uhi Krad) W UutBant U Kttnuti, 1 19. Konaier bis Titnugitia Urauttfinrung de Enjarheitmlmio ig 5 Bildern Jeden Tag- 4- von Ernst Ottwald. Pniui.t-t K.- T. 11r.(592 Oeutsehts Kttnstler-Theai. Barkar. 3337. Iv.Ubr Jim und Jill Creta Mosbtin, Harald. Paulsan. Renaissance- Iheater Steinplatz 6780 hV, Uhr von Max Alsberg und O E. Hesse Komische Oper BW Uhr Das Mädei am Steuer Operette v. Gilbert instropoi-Theaier Täglich 8V. sowie Sonntag t'öj. 8'> Stmatlonellcr Operetten crfol« Viktoria undlhrHusarl ROSE -Theater Gr.Fraukfnrtcr Str. 132 Alex. 3422 und 3494. Tftgllch 8» Sonnabends 7» u. 1O» Sonnlaos 2», 8" u. 0« „Oer Diener zweier Herren" „Die schöne Galathee" „Erster Klasse" Voran selaret BtjOtnff �Feierstunde mit Irene Trlesoh, Leo Schfltxendorf und „Dor Ackermann und dar Tod.'* e- und»» jUgencj mit Arthur Kraaßneck Totensonntag 6» und 9» Jugend In der Bußtngswoche fallen die Famlllen-Nach- mittäte aus und beginnen wieder: Montag, den 24. Ncrrbr., 8» „KuRuli" Dienstag, 25„ Donncrstg,27., Freitag, 28. November, 5� Nenelnstudicrongr: Familie Hannemami Preise von 0.30 bis 1.50 M Theater iör die Kinder: Sonnabend 4« Peterclien!« Mondfahrt Reichshaden-Theater tofang|T| Dkr. Snnutag nadiinittag fT?] ffhi (zo halben Preisen) „Peplla vor fierldu," d. neueste Schlagerd., Stcttlnet'* D'zu zum 00 Maie Laß Blumen spredien" De zni, nsoi Solo-ProjTJirim! Dönhoff- Brettl: 10 groBe Nummern: Tarn, Konzert» Kapelle Hans Sixtus Neues Theater ■ am Zoo Amtehnh.Iuo. Sftl. 655t Täglich 8V, Uhr fieid. wie Ken imnikiL lutspiil ait Panl Heidemann n Irene Ambras Rose-Theater Gr.rr«okiBrt«rstr.i32 Tel. Alex 3433 u 3494 8.15 Premlere Der Diener zweierHerren Die schöne Galathee Erster Klasse (.ustspiemaus Täglich SV, Uhr Kurt GOtZ in HOKUSPOKUS UlMHHUrli Tl. Mi Adnlnispslut SV« Uhr: CsirdtRf&ntii I. Prenlcrtn-Beieti|. tnitsj 2 Vmt. S•. SV,» luäa. I.gaaze Vint.nhmlk. Mtag a.Titmuztii „Rivalen" Biittp. hrwinVj-l suwm düie-sanper Kottbusser Str. 6 F. 8. Oberh. 6070 Tägl.• V, U., auch Sonntag S1» uhi Dil Dm, de Kumn: „WirlatkiDUMkaputl" mit LotteWerk- meistcr Musik von Willi ünn. Wim itii, und SiRWvt Buüdi. Ttgek. 11-2. Uatt. a f Dönh. 635,626. >ö» Uhr Sektion Rabnstelten Eis fcjMwartnpiel tos birf Corrlirth Theater am SGrinbaDerdamin Täglich 8V, Uhr Die r n Brecht und Weil Preise l.-bis 12-M Aloxanderplatz Neun K6nigstr.43 SSHbellänfct med« Srcbü nnk bar SRöbeibaiar, Ataje«u-wodl, Uciac Paeife! 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Cr verdankt das neben seinem Geschick als ehemaliger Artist in Ver- bindung mit ausnahmsweise hoher praktischer Intelligenz seinem Freunde, dem Charlottenburger homöopathischen Arzte Dr. Kröner und der chm von Prof. Or. pliil. Schröder in Lichterselde gc- legentlich des Lcitmeritzer Prozesses geleisteten Hille.„fKmussen" harte sich freilich für wissenschaslliche Nachprüfung seiner„H e l l s e h- sähigkeit" wieder nur Herrn Schröder zur Verfügung gestellt: Schröder schrieb daher an mich, daß das Ausbleiben Hanussens dem Urteil über ihn auf jeden Fall eine ungünstige Richtung gäbe. Nun hat„5)anusien" ein Buch herausgebracht, das er„M eine Lebenslinie" nennt(Universum, Deutsche Berlags-Aktiengesell- schaft, Berlin— ohne Jahreszahl). Hanussen(Erich Jan) hat es für gut befunden, das Titelblatt mit einem Satze aus der B«- gründung des Freispruches im Leitmeritzer Prozeß zu zieren:„Der Gerichtshof glaubt aussprechen zu dürfen, daß der Angeklagte über rätselhafte Geisteskräfte verfügt: denn ihre Wirkung wird von zayl- reichen glaubwürdigen Zeugen bestätigt." Leider verschweigt Hanussen im Buche selbst die Angabe der in Leitmeritz von ihm gelösten Aufgaben! Nun erhebt das Buch allerdings nicht den An- spruch, irgendwie wissenschaftlich zu sein. Es ist nn Plauderton geschrieben, liest sich„ganz nett", besonders wenn man Herrn Steinschneider kennt. Aber zur Ausklärung bezüglich der ernsten Problematik okkulter Phänomene trägt es nicht bei. Den Menschen„Hanussen" bringt es freilich erheblich näher, manchmal sogar ins Gesichtsfeld der Lupe! Wir wollen einen Teil seines Grundwesens mit seinen eigenen Worten zu erkennen versuchen. Borher sei noch hingewiesen aus die Brandstiftung im Orte Boskowig, die der neunjährige Steinschneider mit Stolz berichtet:„Ich beschloß, B o s k o wi tz anzuzünden. Mittel und Wege standen mir genügend zur Verfügung, da ich der Stärkste, Rauslustigst« und wahrscheinlich auch der Frechste unter der Jugend von Bo-kowitz war."(S. lZ/13.) Mit ähnlichem Stolz erzählt der„Hellsel>er", wie er einst den Musikverleger Blaha betrog, als er e i g e n e Liedertexte als Nachlaß des verstorbenen Volkslieder- dichters Lorenz ausgab(S. 20). Recht wenig naturwissenschaftliche Kenntnisse verrät Steinschneider aus Seite 47, wo er vqn seinem Freunde, dem Athleten Heinrich erzählt, daß dieser sich ein g c- füllt es Biersaß aus halber Zirkushöhe auf den Brustkasten fallen ließ. Diese» Heinrich betrog Hanussen(S. 43), indem er statt eines Liebesbriefes an dessen Freundin einen„ordinären Abschiedsbrief" schrieb. Und nun einige der oben angedeuteten Proben: S. 59'„Nur die Einbildung in a ch t's i m L e b e n." Seite 63;.,I cht o g das Blaue vom.H i m m e l.".Seite 7l:„Ich heiße Tittb Ruffo und komme aus Mailand von der Skala."(Mit dieser Unwahrheit erlangte Steinschneider auf„Baron Beck" eine Fahrkarte t. Kajüte.) Seite 72:„Ich beschloß also, in Korfu eine Heiserkeit zu acquirieren und zU verschwinden." Seite 8l:.Leider nahm die Brieftasche sehr rasch ab und Betty, meine kleine Freundin, nahm rasch zu. Das Kindchen starb gleich nach der Geburt." Seite 82:„In einer einzigen Bo r st e l l u n g leistet j i n Artist mehr Arbeit, verausgabt er mehr Seele und Kraft, als zehn berühmte Anwälte in zehn berühmten Senfationsprozessen."(!!) �Bon einem gefallenen jüdischen Kameraden sagte er(Seite lS7):„Schau", sagte er,„ich bin ein I u d'»nd infolgedessen darf ich mir leider nicht den Lurus erlauben. so feig zu sein, wie ich feig sein möchte." Seite 130:„Ick, bc- schloß, für meine Person Frieden zu schließen. Zu diesem Zweck schaffte ich mir ein Gcmütsleiden an und begann zu zittern." Seite 142:„Dann holte ich mir meine damalige Flamme, eine.sehr hübsche junge Frau, deren Mann bei einem Eisenbahnerregimcnt als Zugführer diente."(!) Seit« 144:„Kaum war Borislav (Stationstommandant. Anm. des Berf.) außer Sicht, öffnete ich natürlich(!) vorsichtig das Kuvert, und das war gut so. Aus der Visitkarte stand: Reicher Dieses ist so s ort In Arrest zu setzen und bis auf weiteres darin zu belassen." liier ging's also mit dem „Hellsehen" nicht, hier mußte der Brief auf„normale" Weis« geöffnet werden! Seite 147:„Immer in meinem Leben manifestiert sich das Wunder, wenn ich es brauche, auf meinen Anruf." Seite 231:„Ich hatte das Mangobaumwunder gesehen und den be- rühmten Seiltrick, oder war bei Fakicren und Derwischen in der Lehre." Seite 261:„Vor der Tür stand mein neuer Wagen im Werte vop vielen tausend Mark." Nach diesen Proben könnten wir Herrn Steinschneider-Hanussen verlassen, wenn es nicht interesiant wäre, auf eine bei ihm wohl vorhandene Gedächtnisschwäche hinzuweisen. Einer seiner größten Gegner ist Landgerichtsdirekior Dr. Albert H e l l w i g in Potsdam, zugleich heftiger Gegner des schon genannten Dr. Krön er. Wir lesen nun auf Seite 183:„Wie er(Hellwig) mit seinem Vor- »amen heißt, weiß ich wirklich nicht. Ich weiß noch nickst einmal, ob der gute Mann sich mit„b" oder mft„w" schreibt." Das gesteht törichterweis«(!) ein„Hellseher", der für teures Geld in über- füllten Sälen die„telepathische" Post vorführt, wobei Namen mft und ohne b oder w durchs Kuvert hindurch erkannt werden! Auseinandersetzungen so läppischer Art, wie wir sie auf den Seiten 183(134 und auf Seite 82 finden, fördern wahrhaftig weder Ansehen noch Vertrauen. Ueber meine vergeblichen Versuche, �rrn Steinschneider zu einem Experiment mit mir zu veranlagen, habe ich ausführlich be- richtet in der.Leitschrift für Parapsychologie"(Mai- Heft und Iuniheft 1930)..Lanusien". der Hellseher, wies auf offener Bühne einen ihm von mir gereichten Brief z u r ü ck(als ungeeignet) und er lehnte auch ab, die Geschichte meiner Taschenuhr „psychometrisch" zu ermifteln. Noch gröber war seine Ablehnung gelegentlich einer Vorstellung in Potsdam, die nach einem Brief Kröners an mich auch für den Abwehrkampf in Sachen Hellwig gedacht war. Obwohl ich auf meinen Fragezettel geschrieben halle: „2. Dezember 1919, 11 Uhr vormittags. Alex- anderplatznähe, II Treppen", wollte Hanusien unter vier Augen noch viel mehr von mir wissen. Es war also ganz anders, als wir in Steinschneiders Buch auf Seite 104 lesen:„... ich konnte kein Datum hören, ohne sofort(!!) zu was au dem Tag« geschehe» war." Wenn wir uns nun fragen, ob es überhaupt Telepathie und Hellsehen gibt, so ist zunächst zu sagen, daß eine u n g l a u b- l i ch e Begriffsverwirrung auch in den Köpfen der Gelehrten vorhanden ist. Hellsehen liegt in Wahrheft nur vor, wenn jemand iinftande ist, Dinge, die bisher in keines Menschen Gehirn bewußt oder unbewußt gewesen sind, zu erkennen. Hellsehen wäre es, wenn jemand in Serienexperimenten, zum Beispiel korrekt ansagt, wieviel Augen mft 3 Würfeln geworfen sind, ehe der Würfelbecher abgenommen wird. Ich habe in mehr als elfjährigem Studium noch kein Medium entdeckt, das die angedeutete Aufgabe gelöst hätte. Vom Hellsehen zu unterscheiden ist die Telepathie. Sie wird nur noch von„Skeptikern uin jeden Preis" bestrillen. Die Telepathie kommt dem Kausal bedürfnis, also der Beant- wortung der Frage„W a r u m" insofern entgegen, als die Experi- mente sich gegebenenfalls erklären lassen aus der Elettrizitätslehre und chrer Anwendung bei der Uebertragung elektrischer Wellen. Die Tatsache, daß der menschliche Organismus elektrische Energie besitzt, ist ja heute allgemein bekannt. Aber: es gibt keine Telepathie in dem Sinne, daß man einem Medium Sätze, Befehle, Rechenaufgaben exakt und zu beliebiger Zell und in b e- l i e b i g e r Entfernung übermitteln könnte. Schneickerts Wort gilt auch hier bezüglich der Telepathie:„Es gibt kein Hell- sehen aus Kommando." Häufig sind dagegen Ahnungen, Empfindungen betreffend weit entfernte Er- eignisse. Herausfühlen, ja auch Herauslesen von geistigem Besitz aus dem Gehirn anderer Personen durch tele- pathisch begabte Medien. Inwieweit im einzelnen Falle K o m- bination, gerissene Beobachtung, geschicktes Aus- fragen, unbewußt verlausend« momentane Einfühlung(die sogenannte Intuition) eine Rolle spielen, läßt sich nickst immer schnell entscheiden. Aber festzuhallen ist, daß wir tatsächlich ein „dunkles" Gebiet vor uns haben, auf dem der Wissenschaft- lich-exakte Forscher nur schwer vorwärts kommt. Und so viel steht auch fest, daß Leute, die mit dem Okkultismus Geschäfte machen, ä u ß e r st vorsichtig zu beurteilen sind. Or. Seelinx. Blick nach Armenien Tagebuch einer Bergexpedition Standlager a m Fuße des Varfambek, Hemshistan in Kleinasien. Freitag, 22. August 1930. Gestern ist der stolzeste von allen, der das ganze Gebiet über- ragende, nach unseren neuen Messungen 3550 Meter hohe Katsch- gar Dag gefallen. Damit ist das Hauptziel unserer Expedition gesichert. Nun bleibt noch die nicht minder wichtige, mühevollere, weniger an- spornend« Arbeit zu tun übrig: das Gelände rund um unser Stand- lager so weit wie möglich zu erforschen, Gebirgszüge und Flußläufe aufzunehmen und die anderen, umliegenden wichtigen Gipfel und Aussichtsberge zu besteigen. Mit einem Freunde werde ich morgen den weitcsten Vor- stoß nach Süden machen. Während ich vor dem Wind ans dem Innern' des Hochlandes von Armenien in das Zelt gekrochen bin, um schnell diese Zeilen zu schreiben, wird draußen der Höhen- Proviant verteill. Die Treiber kommen mit einem geschlachteten Hammel zurück, den die morgen diensthabende Küchengruppe als Festssien schmoren wird. Die anderen Kameraden, selbst die allen Herren, sind in bester Stimmung. Jeder hatte sein Möglichstes getan. Ein paar mühsam gefangene Forellen und freiwillige Nachtwache können den Erfolg einer solchen Unternehmung, die auf der Mitarbeit und Kamerad- schaftlichkeit aller Beteiligten ausgebaut ist, ebenso sicherstellen wie die gewagtesten Klettereien und langen Märsche der jungen Berg- steiger. Es handelt sich gar nicht darum, wer als erster oben war und wer die gefährlichsten Sachen gemacht hat. sondern gemeinsam ist die Arbeit, gemeinsam ist der Erfolg und die Freude an dem Gelingen. Anders ist eine solche Fahrt, die nur mit den geringen eigenen Mitteln der Beteiligten unternommen wurde, auch nicht möglich. Das beste Beispiel gab unser Führer. Nur durch seine Erfahrungen und Kenntnisse von früheren Expeditionen durch Ruß- land und Lappland wurde die Reise überhaupt möglich, zumal durch die Einreiseverweigerung nach Sowjetruhland unser Ziel kurz vor der Abfahrt umgestellt werden mußte. Aus einen Vorschlag von R i ck m c r- R! ck m e r s wurde dann der Transkautasus, insbe- sondere die wilde Bergwelt Lasistans, in derem schönsten Teil wir jetzt liegen, ausgewählt. Und unser Leiter sagte in einem Gespräch vor einer halben Stunde zu mir, daß er überrascht sei von der Schönheft und Unberührtheit dieses Gebietes, das ihm bedeutungs- voller erschein« als die vorjährige Fahrt in den russischen Teil des Zentralkaukasus. Jetzt steht er draußen am Feuer und kocht die allabendliche Maggisuppc. Unermüdlich sorgt er während der Zeil des Stand- lagers für unsere leiblichen Bedürfnisse, lehnt jede Hilfe ab und seiner erfahrenen Kochkunst ist sowieso niemand gewachsen. Früh gehen alle heute zu Bett, d. h. ins Zelt auf den harten Boden, auf dem wir trotzdem besser schlafen, als mancher auf Daunenkissen, denn morgen wird ein schwerer Tag sein. Ich schreibe aus dem schon fertig gepackten Rucksack. Schnell bricht draußen die Dunkelheit herein. Es ist nach europäischer Zeit er st halb sechs Uhr. Ich schließe die Zellwände vor dem Sturm, lege mich in den schmalen Raum zwischen zwei andere Kameraden, der noch für mich srei ist, und werde bald auch in den bleiernen Schlaf der wohltuenden Müdigkeft versinken, vereint mft der erwartungsvollen Freude auf den kommenden Tag. Auf 3 Uhr morgens ist der Wecker gestellt. Sonn lag, 24. August 1930. Bell» besten Willen fand ich gestern keine Kraft und Zell mehr, das Tagebuch fortzusetzen. Nach tunszehnstündigem, un- unterbrochenem Marsch waren wir bei Dunkelheit wieder im Lager angekommen. Dort gab es Hammelsuppe und Hammel- braten und dann halle der Körper einfach sein Recht aus Ruhe geltend gemacht. Nur um etwas auszuspannen, hatte ich wich mit den Kleidern hingelegt— ich sollte eigentlich nochWnen Bericht geben— und wachte erst tief in de, Nacht wieder auf. Meine Freunde hatten versucht, mich zu wecken, aber es war aus- sichtslos. Auch in der Nacht hatte mich nur ein unheimlicher D u r st hochgebracht und nachdem ich diesen an dem eisigen Bach- wasier gestillt hatte— die Nachtwache Halle mich beinahe über den Haufen gerannt, weil ich vor Müdigkeit vergessen hatte, mich zu melden— schlief ich unbekümmert weiter bis in den Sonnenschein des heutigen, allgemeinen Ruhetages hinein. Mit Baden, Kleiderreinigen und Steinesammeln oerbrii'gen die anderen den Vormittag. Ich will schnell versuchen, die Eindrücke und Erlebnisse des gestrigen Gewallmarschcs wiederzugeben: > ZKieder wie am Tage der Besteigung des Katschgar Dag waren wir noch in der Dunkelheit aufgebrochen. Krampfhaft umschließt die Hand den kalten Griff des Eispickels, vorsichtig vorwärts tastend, Steinkolosie und gefährliche Spalten, unter denen rauschendes Wasser gurgelt, unterscheidend. Denn schon wenige hundert Schritt über unserem Lager beginnen die langen Moränenhalden, die in dem düsteren Grau der Dämmerung einem wogenden Stein- meer gleichen, unberechenbar und unübersehbar. Wir halten uns deshalb rechts an den aufsteigenden Rand eines Berges, dem wir nur zu folgen brauchen, uni auf den Uebergang zu kommen, der nach dem südlichen Kessel führt, den wir schon zwei Tag« vorher gesehen hatten. Bis wir uns hinaufgekeucht haben— zwei Stünden starker Anstieg in scharfem Tempo— hat sich die Sonne durchge- tämpst. Blaugewaschcn vom jagenden Wind strahlt in heller' Durch- sichtigkeit die Höhenluft. Weit unten im Tale, dem Meere zu, stehen unbeweglich die dicken, milchigen Wolkcnmassen. Unser fernes Ziel gewährt uns nur eine kurze Ruyepause. Schokolade, harter B r o t f l o d« n und ein Schluck Tee frischen uns auf, dann geht es in noch schnellerer Gairgart die glallen Hänge hinunter zu dem großen See auf der anderen Seite der Katschgar-Dag-Kette. Damit haben wir schon das eigentliche Ge- biet von Hemshistan verlassen, denn dieser Gebirgszug ist die Grenze zwischen dem Küstenstrich und dem inneren Hochland von Armenien und zugleich auch die politische Scheidewand zwischen dem Wilajet Rize und Erjerum. Leider ist dieser Kessel zwischen den Bergen noch voll- ständig unbewohnt. Wohl werden Kühe und Pferde ans den saftigen Wiesenstrecken, aber die Steinhöhlen der Hirten liegen tief unten im Tale, wohin wir nicht gehen dürfen, wenn wir unser Ziel, einen hohen Aussichtsberg im Süden, von dem uns jetzt noch zw«! andere Bergzüge und dazwischen wahrscheinlich breite Hoch- täler trennen, erreichen wollen. Außerdem war es uns zu gefährlich, allein und ohne der Sprache mächtig zu sein, in diese fremde Menschenwell einzudringen. Denn die hier lobenden Reste der Armenier, die Kemal Pascha noch nicht vertrieben hat und die zwangsweise angesiedelten Türken haben mit den Lasen keinerlei Verbindung. Auf der Schart«, über die wir gezogen waren, dem niedrigsten Uebergang zwischen den beiden Hochtälern, war nicht die gering st e Spur eines Weges. Die Karawanenstraße nach Erserum geht von Trapezunt aus und so wird sich noch kein kühner Prometheus gefunden haben, der sich von seiner Sippe entfernte und über die gefährlichen Berge nach dem fremden Volke zog. Für diese Menschen sind die Berge noch üvergroße Naturgewalt, zu der man aufsehen, die man aber nicht bezwingen kann. Ein Beweis für die Abgeschlossenheit der beiden Telle des Gebirges sind die gleichen Namen für Flüsse, Ortschasten und Berge. Wir hatten das sogar bei unserem Marsch zum Lager beobachten können. Dreimal waren wir durch Ortschaften mit dem Namen O r t a Kay gekommen und keiner der Einwohner hatte eine Ahnung, daß in kurzer Entfernung ein Dorf mft der gleichen Bezeichnung bestand. Es wurde heller Mittag, bis wir auf den Grat des höchsten Gipfels kamen. Wir mußten ohne halt weitereilen, wenn uns nicht die Dunkelheit in den Bergen überraschen sollte. Zum Glück war das letzte Stück verhältnismäßig leicht. In einer knappen Stunde waren wir auf dem Gipfel und hatten die schönste Rundsicht van unsercr ganzen Fahrt. Bor uns lag im trüben Dunst der flimmernden Hitze das ganze Hochland von Armenien. Schwach zeichnen sich die viereckigen Konturen des Arrarat in den Himmel. Grün schimmern die Täler, die weiten, undurchdringlichen Urwälder, die an die Berge geschmiezten Dörfer, bis sie in das unterschiedslose Grau der Ferne untertauchen, wo Hiinmel und Erde nicht mehr zu trennen sind. Auf der anderen Seite liegt das kohlenschwarz« Baldasch-Gebirge. Ausläufer des Zentralkaukafus schieben sich in die dichten Woltenmassen ein, die rückwärts über dem Meere und den Vorbergen Lasistans liegen. Wir bauen schnell einen Steinmann, versenken darin unsere Namen, schreiben den Stand des Höhenmessers auf und beeilen uns, zu den zurückgelassenen Rucksäcken zu kommen, denn eine dunkle Wollenwand kündigt das tägliche Gewitter an. Karl Moclkr. flössen dfez?'Woche Dichter und Dcmbenleger Mitunter ist es etwas schwierig für einen vernünftigen Menschen, sich in der Gedankenwelt gewisser öeutschnationaler Dichter zurechtzufinden. Otto Ernst bekam nach dem Unglück- lichen Kriegsende den Koller und schwenkte bis zu seinem Tode den chauvinistischen Schmutzkübcl. Rudolf Herzog prägt« die Jdealgestalt des Hugenberg-Deutfchen in der Figur des revanche- wütigen Romanprofeffors. Und Arnold Bronnen sucht das eigene kümmerliche Flämmchen durch Reibung an der geläuterten Geistigkeit Thomas Manns anzufachen. Dieser auserwählten Korona hat sich nunmehr der„boden- wüchsige" Pfarrerdichter G ust a o F re nssen angeschlossen. Um sich seinen Anteil an nationaldeutschem Ruhm zu sichern— denn unter der wirtschafllichen Rot der Zeit leidet er ja, nach der Höhe feiner Buchauflagen zu schliehen, weniger hat er sich in groß» väterlicher Weise der Übeln Affäre der schleswig-holsteinischen Bombenleger angenommen und, weil das am billigsten und un- gefährlichsten Ist, an die Frau des L a n d v o l k h S u p t l i n g s Klaus Heim folgende Epistel gerichtet: Liebe Frau Heim! Ein hareis Gesetz hat Ihren Mann zu einer Sühne verurteilt, die ihn ehrlos machen soll. Wir Unterzeichneten, die gleich ihm aus allen dithmarschen Familien stammen, wollen Ihnen sagen, daß wir zwar die Unternehmungen Ihres Mannes, seinem schwer bedrobten Stande zu helfen, nicht billigen, daß wir aber fern davon sind, sie ehrlos zu nennen, und daß wir also Ihren Mann weiterhin für einen der unseren hallen und achten werden. Wir sind dabei der Meinung, daß diese unsere Stellung und Er» klärung wohl von der gesamten Bauernschaft Dithmarschens, einerlei welcher Partei, geteilt wird. Wir sind mit freundlichem Gruß an Sie und die Ihren Ihre ergebenem G u sta v F r e n s f e n. Hans Thlcfsen-Helse. Otto Iohannsen jun., Neuhof. Es ist bekannt, daß man in gewissen Kreisen die willkürliche Bedrohung des Lebens und Eigentums andersgesinnter Mitbürger durchaus nicht mehr für ehrlos hält. Aber wie kommt ausgerechnet der fromme Gustav Frenffen unter dies« Gesellschaft? Gustav Frcnsscn ist Pfarrer. Gustav Frensten ist Eottesmaim. Gustav Frensten ist Dichter. Gustav Frensten ist aber auch der Mann der Vorbehalte! In seinen Romanen predigt er zwar einen ge- sunden Egoismus, aber er gesteht doch wenigstens den Rest einer gemäßigten christlichen Nächstenliebe zu. Derselbe Mischmasch von erkünsteltem Mitgefühl und natürlicher Kaltherzigkeit findet sich auch in seinem Briese an Frau Heim. Cr billigt die Bombenlegerei keineswegs, das sagt der Pfarrer: aber er sindet sie auch keines- wcgs ehrlos, das sagt der Politikus. Was stellt Gustav Frensten sich eigentlich unter einem Bombenattcntat vor? Anscheinend ein kleines Brillantstuerwcrt. Daß dieses Feuerwerk keinen Menschen an Leib und Leben geschädigt hat, war doch nur der reine Zufall. Aber Gustav Frensten, der Gottesmann, spricht die Urheber indirekt von jeder Schuld srei und versichert sie sogar seiner besonderen Hochachtung. Hei. was hätte dieser selb« Gustav Frenssen wohl gelobt, wenn das Verbrechen von einer anderen Gelle ausgegangen wäre! Daß Herrn Gustav Frenssen, dem Dichter und Pfarrer, die deutsche Republik und Ihre Beamten und die Republikaner überhaupt«an der Taille, bummeln können". Misten Mir ja seit langem." P. P, Deutschland erwache... Hört, was da brüllt, seht, was da steht im Hof der Universität! Der tapfre deutsche Haufen braucht hier nicht wegzulaufen: Die aima matcr macht irnnrun, hier kann kein Schupo euch was tun, hier könnt ihr statt studieren den Geist kompromittieren. Dar kleine Kopf macht großen Krach. «Deutschland erwach! Deutschland erwach!"— Meint ihr. ihr Herrn Studenten, daß alle Deutschen pennten? noch die Preise. Nun, für dieses Geld gäbe«s viele Arboitslofe, die sogar zwölf Nächte rasen würden bis zum Umfallen. IIS M) Menschen haben das letzte Sechstagerennen befuchtl Es gab Menschen, die bis an 50 Mark bezahlt haben, um einige Stunden zu sehen, wie schwitzende Fahrer um die Bahn rasen. Wieviel Menschen schwitzen wieviel Stunden in den Fabriken, um 50 Mark zu verdienen?(Eine Aufgabe, die ich der Oeffent- lichkeit zu lösen gebe!) Und viele waren im Sportpalast, die das Geld für die Karte stch vom Munde absparten. Jetzt am Schluß des Rennens freuen sich die Besitzer des Sportpalastes und vielleicht die Fahrer.. Vielleicht: wenn sie noch die Kraft dazu haben. Die Gesundheit eines noch so starken Menschen muß von der Sechs- tagejagd erschüttert sein! Desl)alb nenne man diese Raserei nicht „Sport". Die höchste Aufgabe des Sports ist, Menschen gesund zu machen und zu erhalten, dieser Sechstagetaumel aber macht aus gesunden Menschen kranke! dl. E. Hechfsf vagen desTages Unfatlneurese, Deichsgerichl, Versicherung samt Eine maßgebende Entscheidung des Reichsversicherung s- amts vom Jahre 1026 besagt, daß«. ein oorangcgmgcner Unfall auch dann nicht eine wesentliche Ursache der ErwerbsunsähigMt ist, wenn sich der Bersicherte aus Anlaß des Unfalls in den Gedanken, trank zu sein, hineingelebt hat oder wenn die sein Vorstellungsleben beherrschenden Wünsche auf eine Unfallentschädigung abzielen. Das besagt mit anderen Worten, daß der Wunsch nach einer Rente zwar einer Nervenschwäche eigentümlich sein kann, daß dieser Wunsch aber dann juristisch nicht wesenttich sei für die Bc- trachtung des Ursachenzusammenhanges zwischen Unfall und Er- werbsunfähigkeit durch Nervenschwäche. Die Rente wird in solchen Fällen abgewiesen. Die ärzllichen Gutachter in dcr Bersicherungs- und Lersorgungspraxis halten sich schematisch an jene Entscheidung. Für st« Ist nach Prof. Stier eine Rentenneurose keine Krankheit im medizinischen Sinne Damit ist alles in schön- ster Ordnung. Die Gelehrten beider Fächer, Juristen und Aerzte, stimmen in den praktischen Ergebnissen ihrer Arbeit harmonisch überein. Der Proletarier wird von vornherein k. v. geschrieben. Ran an die Maschine, wenn Körper und Geist auch heruntergewirt- schaftet sind. Zu diesem Standpunkt steht die Auffassung des Reichs- gerichts in einem anffälligen Gegensatz, wobei zu bemerken ist, daß dieses Gericht praktisch vorwiegend Fälle ans dem bürgerlichen Recht und solche aus Grund des Automobil- und Reichshaftpflicht- gesetzes(Eisenbahn-, Strahenbahnunfälle) zu enl- scheiden hat. Kläger und Beklagte sind hier klassenmäßig nicht so cinhclllich oertreten wie dort in der Sozialversicherung. Das Reichsgericht sagt in zwei Entscheidungen ausdrücklich und i» vieKn anderen im selben Sinn«:„Es ist die Frage der Feststellung des einzelnen Falles, ob zwischen einem Unfall und einer zeit- lich nach diesem entstandenen Erkrankung dss Verletzten ein u r- sächlicher Zusamnrenhang im Rechtssmn besteht oder nicht." Das will heißen, daß nicht jeder Entschädigungsuchend« von vorn- herein als rentensüchtiger Faulenzer angesehen wird: diese in der Versichcrungsproxis in jedem Falle vermutete Tatsache ist hier erst zu beweisen. Walter Riese hat zu dieser Frage fünszehn zum Teil un» veröffentlichte Reichsgerichteentscheidungen gesammelt und unter Mitwirkung von Otto Rothbarth kommentiert und herausgegeben. (Waller Riese: Die Unfallneurosc und das Reichs- g c r i ch t. Hyppokrates-Verlag, Stuttgart.) Er sagt im Vorwort, er wolle nicht das Reichsgericht gegen das Reichsvcrsicherungsamt ausspielen, sondern es läge ihm nur daran, aufzuzeigen, wie zwei so grundverschiedene Betrachtungsweisen wie die rechtliche und die biologische zu gleicher, aber richtiger Erkenntnis eines Gegen- ftandes kommen können, wenn das Problem in gewissenhafter Wsfe durchdacht wird. Gut so—, wir verstehe» den Hinweis Rieses, feine Absicht ist nicht zu verkennen, und sind ihm sehr dankbar für den neuen Beitrag zum Problem dkr Unfallneurose. II..�. Buch Ihr. die dem Denken abgeneigt. ihr meint, daß Deutschland schläft Frcm-d ist euch die Erfahrung: Arbeit braucht Ruhewahrung. Dies ist der bündige Beweis, daß Deutschland wohl zu wachen weiß: War' Deutschland eingeschlasen— saß Hitler schon im Hasen und drillte uns tagaus, tagein, im Takt:«Deutschland erwach!" zu schrei» Wir müßten v o r n r u m brüllen und hintenrum erfüllen. Doch rrär' erreicht dann, was bezweckt: Ganz Deutschland wäre aufgeweckt Und zur Vernunft gerüttelt— Dann hätt' er ausgehittelt. C-Tage-Dummel — wcil's schweigt? J. H. «He. he, he!" 10 000 Menschen im Berliner Sportpalast brüllen, schreien, pseifen. 10 000 Menschen sind außer Rand und Band, sind empört aus voller Kehl«.. Was ist los? Politische Versammlung? Wird die G e r e ch- t i g k e i t unterdrückt? Schreien die Massen um Freiheit? Rein. 10 000 Menschen sind empört, weil einige andere Menschen, die seit 100 Stunden mit gebeugtem Rücken über ihren Rädern hocken, einen Moment etwas langsamer fahren. Für einige Minuten dachten sie an ein weiches Bett, an Schlaf... vergaßen die Menge, die Preise. Waren für kurze Augenblicke keine rasenden Renn- Maschinen, sondern müde Menschen.. Und da brüllte es von der höchsten Galerie bis zur Loge.«He, h e. he... Tempo. Tempo!" Man wollt« für sein Geld was sehen. Die Menschen auf der Bahn dürfen nicht müde sein! So wie in Spanien das Volk Blut beim Stierkampf sehen will, so will man im Sportpalast den Schweiß der Fahrer sehen. Tempo, Tempo.. Die Fahrer reißen die Köpfe hoch und rasen wieder. Zufrieden brüllt die Menge. Jagden will man sehen! Vielleicht würde es sogar Stürze geben?! Richtig« Stürze' Dann könnte man morgen sagen: Als wir da waren, da war was.os! Und dann rasen die.Lieblinge" bepflastert und verbunden weiter um die Bahn. Die Fahrer kann man verstehen, wenn sie doch Ärmer wieder dÄ Köpf« hochreißen und der Menge Jagden zeigen. Bis an die 1000 Mark täglich soll jeder von ihnen oerdienen, dazu kommen Äs« geheime fDeuIfchland Friedrich Glum, der Generaldirektor der Kaiser-Wilhelm- Gesellschast, der organisatorisch« Leiter der größten Öffentlichen Unterstützungsaktion für die deutsche Wissenschaft, offenbart uns in feinem Werk«Das geheim« Deutschland"(Verlag Georg Stille: 1930: 1477 Seiten) seine polttischen Anschauungen. Er hat seinem Buch trreführenderweise den Titel„Das geheime Deutsch- land" gegeben, und die reichlich unklare Losung der„Aristokratie der demokrattschen Gesinnung" nimmt bei ihm einen großen Raum ein. Doch das geheime Deutschland des Organifationsprofestors hat außer dem Titel nichts gemein mit dem geheimen Deutschland, dos die aktioistisch-naiionalistische Literatur mit ihrem Wortführer Ernst Jünger an der Spitze auf ihre Fahne geschrieben hat. Nichts von dem heroischen Weltbild eines Nationalismus, der nur das Unglück hat, hundert Jahre zu spät zu kommen, wird in diesem Buch � lebendig. Seine geistige Nährquellc ist ein bürgerliches Denken, das hier eine für Deutschland typische Verbindung mit beamtenm ätzigen Wertmaßstäben eingegangen ist. Diese Verbindung hat ihre Vor- und ihre Nachtelle. Sie läßt den Verfaster mit klarem Blick die Unmöglichkeit einer politischen Dilta- tur in Deutschland ebenso wie die Unmöglichkeit der Monarchie er- kennen. Die Phraseologie des Ständestaates und der bedenklichen Wunderparolc, di« in dem Reichspräsidenten einen veus ex maebina steht, wird schonungslos aufgedeckt. Aber dw Stoßkraft des Verfassers ist ball» erlahmt. Das Problem der Distanz zwischen den einzelnen Schichten des Bürgertums und des Beamten» j tu ms selbst mag für den Verfaffer sehr wichtig sein: die Proble- matik des Vcrhältniffes zwischen Bürgerschaft und Arbeiter- s ch a f t liegt aber doch in einer ganz andere» Ebene, und hier versagen all« Kategorien de» Verfassers. Sieht man von den üblichen bürgerlichen Argumenten, wie dem vom Materialismus der Arbeiterschaft und von der finanziellen Vergeudung der Gemeinden ab— die Argumentation mit der Herrschast des Parlaments über die Bürokratie»nißt« der Verfasser am Schluß seiner Ausführungen selbst so stark einschränken, daß fast Richtige, nämlich das Gegen- teil herauskam—, so bleibt das letztlich unbefriedigende an diesem Buch die Vereinfachung der Gegensätze, die weder psychologisch noch soziologisch gerechtfertigt wird. Integration der Arbctterjchast in den Staat, Integration des_ deutschen Volkes zu einer Nation nennt der Verfasser seine Ziele: doch dazu hätte er sich nicht nur in Teilstücken über das Bürgertum erheben müssen: dazu hätte es eines wirklichen Durchbruches zu den ökonomischen und sozialen Problemen unserer. Zell'elbst bedurft.-. Sieht man von einer allgemeinen Phraseologie ab, so ist hier per Verfasser ganz im Bürgerlichen steckengeblieben. Was soll man über eine Argumentation sagen, die die Wahl des Betriebs- leiters durch die Betriebsversammlung deshalb ab- lehnt, well dieser Betriebsleiter in die unmögliche Situation kommen könnte, m der sich der Beamte nicht befindet, von denen, denen er Befehle erteilt, in der Betriebsversammlung kritisiert zu werden. Hier trisft alles zusammen: formaler Autoritätsglaube und bürgerliches Interesse. Der Verfasser, der sich in vielem ehrlich bemühi, hat den Titel seines Buches schlecht gewählt. Es ist das bürgerliche Deutschland, gestützt und getragen im Guten wie im Bösen von Beamtentradi- twnen, das hier seine offizielle Parole verkündet. Es hat lein Geheimnis mehr; wir rechnen mit ihm: aber wir fürchten es nicht. Otto Kirdibestricr. WAS DER TAG BRINGT «nmmnimimmniiunimiminiinRiiniiiiiiiiiiiitinnHmiiituuiiiiniiiiiinntuinniiniiuiniiniiuiimimimitiimiiiinMUimtiiuiniiinniminiiiniiiuiiuininHDniiiiiiiiiiiiininiuiiniiur Studienwesen in USA. Wie in Deutschland und in anderen europäischen Ländern, ist auch in den Bereinigten Staaten von Nordamerika die Zahl der Studierenden in steter Zunahm« bcgrifsen. Nach einer kürzlich er- schienen«» Statistik beträgt die Zahl der an höheren Schulen ein- geschriebenen jungen Leute. 8KH 703, unter denen stch 333 038 mann- liche und 335 755 weibliche befinden. In diesen Ziffern sind die fast ebenso zahlreichen jungen Leute beiderlei Geschlechts nicht«in- begriffen, die nur Sommer- oder Winterkurse oder sonstige Fort- biidungeichulen besuchen. Würde man auch diese da,zu rechnen, so ergäbe sich«ine Anzahl von 1500 000 jüngeren teilweise freilich auch schon älteren Leuten, die sich eine höhere Bilduna anzueignen bemüht sind. Um nun das ständige Anwachsen des Bildunoseilers unter der heranwachsenden Jugend nachzuweisen, führt die Statistik an, daß der Prozentsatz der jungen Leute, die in dem für das Studium geeignetsten Alter von 10 bis 22 Jahren höhere Schulen besuchen, vor 40 Jahren erst 2.43 Proz. betrug. Im Jahre 1005 war die Zabl schon auf 3 03 Proz. gestiegen 1915 aus 416 Vroz.. 1020 auf 6 32 Vroz.. 1022 auf 7 51 Pro,. 1024 aus 0 03 Pro,.. 1026 auf 10.41 Proz. und im Jahre 1028 dem Jahre dieser Statistik, auf 117 Proz, um sich m diesem Jahre noch weit über die letztere Zahl zu erheben. Prozeß um einen Zahnstocher In diesen Tagen starb in Nimes«in Anwalt der der sran- .zöststhen Justiz lzarie Niisie zu knacken gegeben hatte. Dieser Mann, der hochbegabt war und ein Jurist von hohem Ansehen halte werden können hatt- eine fire �dee die sein gan'e» Le�en beanspruck>te. Er hatte es sich in den Kauf a-fetzt. die unmög'ichstsn Vroz-sie de'' W<>tt an?''strengen Vor 20 Iahren war er durch seine merk- würdigen Re�streitigkeiten einer der pom-lärlten Männer von Frankreich Emen sew-r kuriosetten V'-ozesse fübrte er peaen die Uniue'-fität Toulouse Dort war nämlich ein Hebairnnenkursus auz. aeschaieben worden, und der Anwalt beaehrte daran tellzunebmen Selbstverständlich wurde er nicht zugelallen aber da er in der Ein- laduno der Universtiät einen Iormiehser entdeck« batte machte er diese Angelegenheit zum Anlaß eines großen Prozesses Die Uni- oerfität hatte nämlich nicht ausdrücklich erklärt, daß der Kursus nur für Frauen bestimmt sei. Der Anwalt verfocht den Rechtsstreit durch alle Instanzen und verzichtete auf die Teilnahme an dem Kursus, nachdem er den Prozeß gewonnen hatte. Eines Tages erschien Goguilot, so hieß der Anwalt, auf einem Pariser Bahnhoj und wollte dort einen Zahnstocher als Reisegepäck ausgeben. Zu- nächst weigerte sich der Bahnbeamt«. dieses merkwürdig« Gepäckstück anzunehmen, aber in langen Ausführungen wies der Advokat ihm nach, daß keine Vorschrift bestehe, derzusolge Zahnstocher von der Gepäckbeförderung ausgeschlossen feien. Nachdem er di< Annahme durchgesetzt hatte, ließ er ihn mit 1000 Franken»ersicher». Darauf gab er schriftliche'Anweisung, den Werlgegenstand von der Pariser Gepäckausbewahrungsstelle nach der von Bordeaux zu leiten. Er reiste auch dorthin und forderte von der Ausbewahrungsstelle den Zahnstocher, der selbstverständlich inzwischen verlorengegangen war. Damit hatte der Anwalt gerechnet und flugs verklagte er die Ver- sicherung und damit auch die Eisenbahnverwaltung auf Zahlung dcr 1000 Franken. Die Versicherung wollte ihm einen Ersatz dafür ver- schassen, ober der Advokat bestand darauf, entweder seinen allen Zahnstocher oder die 1000 Franken zu erhalten. Durch drei Instanzen ging dieser Prozeß, der schließlich zugunsten des Advokaten ent» schieden wurde. Oasbäder Als solche kommen insbesondere in Betracht das Sauerstoffbad und das Kohlensäurebad. Für das Verständnis der Wirkung dieser Bäder ist wichtig zu wisicn, daß trockene Haut, noch dazu schlecht durchblutet, einen fast vollsWndigen Zlbschluß gegen das Eindringen eines Gasts bietet. Dagegen läßt feuchte Haut die Kohlensäure ziemlich leicht hindurch. Wenn also jemand im Kohlcnsäurebade sitzt, werden die Bedingungen geschaffen, unter denen Kohlensäure durch die Haut dringen kann. Voraussetzung ist frellich ein« qe- nügende Konzentration der Kohlensäure im Bade. Diese Konzen- tration wird deehalb leicht erreicht, weil di« Kohlensäure zu den leicht löslichen Gasen gehört. Im Gegensatze hierzu steht der Sauer- stoff. Er ist über dreihigmal schwerer löslich. Aus diestr Tatsache crgibl sich, daß die Haut kein Organ ist für Sauerstoffaufnahme im Bade. Im Sauerstofsbade fröstell man: das hat st'nen Grund darin, daß eine Zusaminenziehung der feinsten Blutgefäße an der Körper- Oberfläche erfolgt. Nach einem Saucrsiosfbade trttt— wie Stephan Hcdiger in einer Spczialarbeit betont— regelmäßig Beruhigung und Appetttanregung«in. Hediger hat auch darauf hingewiesen, daß es unmöglich ist, dem Körper durch ein Sauerstossbad Sauer» stosf zuzuführen. Montag 17. November 1930 Nr. 540 47. Jahrgang Technik in dti Landwirtschaft In Deutschland UeBer„Die Anwendung der Elektrizität in der Landwirtschaft unter besonderer Berücksichti» gung von Neuerungen" sprach Oberingenieur K i r st e i n von dem Märkischen' Elektrizitätswerk im Elektrotechnischen Verein. Die Zeit ist ja vorüber, in welcher der Landwirt der Einführung des Elektromotors sich deshalb widersetzte, well dann sein tierischer Motor und Haferverbrauchcr ungenutzt im Stalle stände, im Gegenteil erkennt der Landwirt inehr und mehr den Nutzen, den er von der Anwendung der Elektrizität hat. Das trifft gerade auch für den kleinen Landwirt, den Bauer, zu. Zum Tell erhall er für feine Prddukte heute weniger als vor dem Krieg, infolgedesicn kann er sich kein Hilfspersonal hallen und er selbst wie auch seine Frau sind überlastet. Erhebungen in Süd- deutjchland ergaben für den Bauer wie sür seine Frau eine tägliche schwere Arbeitsleistung von 13 Stunden, und als Gegenwert erhall der Bauer für feine Arbeitsstunde nur 10 Pf. Hier drängt sich die Elektrizität von selbst als Helfer auf, wie im Film„Der Arbeitstag der Sandfrau" sehr deutlich zum Ausdruck kam. Man sah, eine wie große Rolle die Elektrizität auch in dem ländlichen Hausholt bereits spielen kann und sicherlich immer mehr spielen wird. In einer Reihe von Lichtbildern wurden weiter die neuesten niaschinellen Einrichtungen auf sehr verschiedenen Anwendungs- gebieten gezeigt, von denen wir einige hervorheben. Zunächst die Geflügelzucht, wo die Legetätigkeit der Hennen durch sach- gemäße Beleuchtung der Ställe beträchtlich erhöht wird. Ferner können In elektrisch geheizten Brutmaschinen bis zu 20 000 Eier zu- gleich ausgebrütet werden, wobei sich die Stromkosten nur auf 1 Pf. pro Ei stellen, in kleineren Oefen aus 3 bis 4 Pf. Auch die aus- gebrüteten Tiere erhalten aus elektrischem Wege eine gleichmäßige Wärme, so daß sie sich nicht zusammendrängen wie bei der Glucke, wobei zuweilen einige Tierchen erdrückt werden. Der Stromver- brauch pro Tier und Tag stellt sich hier auf% Pf., also bei einer Aufzucht von 30 Tagen aus imr 13 Pf. pro Tier. Es ist ganz Zweifel- los, daß bei Zunahme der elektrischen Geflügelzucht ein erheblicher Teil der jetzt noch aus dem Ausland benötigten Eier in Deutschland selbst erzeugt werden wird. Em weiteres wichtiges Gebiet ist die elektrische Boden- beheizung, die sich bei uns ebenso durchsetzen wird wie es im Ausland geschehen ist. Heber einer Schlackenschicht werden die Heiz- törper entweder in einer Sandschicht eingebettet oder in Tonröhren verlegt, die den Vorteil der leichteren Auswechsekbarkeit haben. Der Ertrag an Gemüse aller Art ist bei solchen elektrisch geheizten Beeten beträchtlich höher als bei Dungbeeten. Di« Verwendung der Elektrizität bei der Bodenbearbei- tung, das Pflügen mit Elektromotoren ist während des Krieges etwas zurückgegangen, weil wegen des hohen Kupferpreifes die Maschinensätze zum Tell vertauft wurden und bei dem gegenwärtigen Kapitalmangel die Neuanschaffung schwierig ist. Nach dem kapital- kräftigeren Ausland, auch nach Rußland, werden elektrische Pflüge ausgeführt. Von dem Einmaschinens ystsm ist nm» hier zurückge- kommen und ausschließlich zum Zweimaschinensystem übergegangen. Die Stromkosten sind hier je nach der Art des Bodens und der Pftugtiese verschieden. Im Gartenbau erweist sich der Kleinmotor, die Gartenftäse, als sehr nützlich, so daß er sich bestimmt in einem gewissen Maße durchsetzen wird. Bon großem Stutzen ist bei der Schweinesütterung der elektrische Kartoffeldämpfer, der mit selbsttätiger Ein» und Ausschaltung versehen wird. Die Kartoffeln werben in ihm in einer Weise ausgeschlossen, welch« die Freßlust der Tiere erhöht, wodurch ein günstigeres Ergebnis erzielt wirb. Von erheblicher Wichtigkeit ist ferner das Konservieren von Futtermitteln, das auf elektrischem Wege gelingt. Ganz abgesehen davon, daß die Einsuhr von Futtermitteln geringer werden kann, wird der ganze Betrieb eines Landwirts, der Futterresevven hat. auf eine sicherere Grundlag« gestellt, er ist nicht genötigt, aus Mangel an Futter seine Viehhaltung zu verringern. Dieser Vorteil läßt sich in Geld gar nicht abschätzen. Di« elektrischen Melkapparate sind in erfreulicher Zunahme begriffen! vor sieben Jahren war in Deutschland noch keine einzig« Melkmaschine in Gebrauch, im vorigen Jahr« bereits 0000; es ist zu hoffen, daß sie bald, wie in Dänemark, auf jedem Bauernhof zu ftnden sein wird. Zum Schluß führte der Vortragende in einem FUm moderne elektrisch betriebene Regen- bzw. Bewässerungsanlagen vor. die sich aus einigen Gütern sehr gut bewährt haben. Di« Elektrizität scheint berufen, das prophetische Wort von Mar Eyth erfüllen zu Helsen: Auch der deutsche Landwirt wird dazu kommen, sein: Felder künstlich zu beregnen.' Lt. In Amerika Das hervorstechendste Merkmal der LaiÄwirtschost in Amerika ist die nahezu vollendete Mechanisierung der Landbestellung, der Saat und der Ernte. Zwei Gründe sind hierbei bestimmend: Ein- mal erfordern die ganz anders gearteten Bodenverhältnisse und das Klima die Maschinenarbeit, zum anderen ist die amerikanische Landwirtschast durch den Mangel an menschlichen Arbeitskräften g-zwung«», sich zu mechanisieren. Beide Gründe sind bei uns nicht in gleichem Maß« gegeben. Trotzdem haben wir von Jahr zu Jahr unter einem ausgesprochenen Arbeitermangel zu leiden, der Bsranlassung geben wird, Landmaschinen und mechanische Geräte in immer weiteren: Umfange zu verwertaeu. Di« klrmatischen Verhüllnisse in Amerika, vornehmlich in dem westlichen Kanada, kennzeichnen sich dadurch, daß ein ausge- sprachen«» Kontinentalklima herrscht. Es sind hier also strenge Winter mit viel Schne« und heiße Sommer mit langen, bis End« JllK reichenden Regenperioden, mit trockenen Erntemonaten, di« von August bis Anfang Oktober reichen, zu oerzeichnen. Der U abergang vom Sommer zum Winter ist sehr plötzlich, und die schnell austretenden gewaltigen Schneestürme machen dann jede Arbeit im Freien unmöglich. Die verhältnismäßig kurze Zeit mährende günstig« Witterung für das Einbringen der Ernte, das Dreichen und die Borbereitungsarbestcn für das kommende Früh- i jähr fordert gebieterisch die Unterstützung der Maschine. Die Pflug- arbeit im Frühsahr. die erst im Mai einsetzt, ist von der bei uns gewohnten grundverschieden. Di« kurzen Wochen, die hierfür zur Verfügung stehen, werden zu maschinellen Gewallarbeiten ausge- nutzt. Man verwendet ausschließlich Ilb bis 2 Fuß tief gehende zwei- oder dreischarige Kulturpflüge, die meist mit acht Pferden je Pflug bespanm werden. Größere Wirtschaften pflügen mit Trak- toren, die gleich zwei Pflüg« und Eggen schleppen und den Acker in elnom Zug saatfertig machen. Unmittelbar dahinter folgt die Drillmaschine mit tierischem Zug oder Maschinenzug. Das Saat- gut wird tiefer als bei uns in die Erde gebracht, weil bis in den Juni hinein Nachtfröste austreten. Ein« Düngung findet nicht statt. Bei wechselnder Frucht werden di« Felder ununterbrochen bestellt. Bei Welzenwirtschaft legt man zwischen zwei Fruchtjahren ein Brachjohr ein. Mtt dem Einbringen der Saat ist die Haupt- arbeit bis Ende Juli getan. Die Heuernte beginnt mft der letzten Juiftvoche und ist in überraschend kurzer Zeit durch die nahezu vollständige Maschinen- arbeit erledigt. Das Heu wird nicht nur mit der Maschine ge- schnitten, geharkt und gewendet, sondern auch ausgeladen. Hierzu dienen besonders konstruierte, fahrbare Elevatoren, die das Heu ans den Wagen befördern. Es ist für unsere Berhältnisse kaum glaublich, daß e t n Mann mit dem Besitzer der Wirtschast allein«in« Farm von 040 Zlckern Größe bearbeitet hat, von denen rund 300 Acker unter dem Pfluge waren. Auch die Saalbestellung hat der Bauer mit einer Hilfskraft allein durchgeführt. Di« 300 Acker waren in 3sb Wochen eingesät. Dabei wurde mit dem Traktor gepflügt und geeggt rnid mit den Pferden gedrillt. Bon Mitte August bis Mftt« September ist die Ernte im Gange. Man rechnet von der Saat bis zum Schnitt im Süden Kanadas etwa 90 Tag«, bis der Weiz«n völlig gereift ist: bei uns kann man mit rund den doppellen Reisetagen rechnen. Die kurze Zeit des Erntens läßt sich nur unter ausschließlicher Verwendung des Bindemähers einhalten. Es gibt drüben keinen Bauern, der nicht seine Billdemaschine hat. Di« Maschine leistet in etwa drei Wochen rund 300 Acker Schnitt. Hinter der Maschine werden die gebundenen Garben sofort in Hocken gestellt und nach Beendigung des Schnittes auf dem Feld« gedroschen. Die Dresck)- Maschine wird messt in Genossenschaften angeschafft. Di« Garben statt man direkt vom Wagen in di« Einsuhröffnung der Drcsch- maschme ab. Stroh, Kaff und Streu werden ausgeblasen. Stroh- schober sind drüben nicht üblich Nach der Ernte werden die großen unverwenbbaren Strohhausen verbrannt. Das gedroschene Gc- treibe wird von der Dreschmaschine unmittelbar in hohe dichte Kastenwagen geleitet und gelangt von hier in die Speicher oder nach der Bahn. Das Entleeren der Wagen geschieht mittels großer Saugrohre, wozu je Wagen nur wenige Minuten nötig sind. Aitge- stchts des großen Leutemangels erhalten die amerikauischen Land- arbeiter Löhne, die nach unseren Begriffen geradezu phantastisch sind. Einig« Löhne werden hier inieressieren: Ein Vollarb ei tcr oder Vollknecht— farmhelp wird er drüben genannt— bekommt im Monat etwa 30 bis 60 Dollar— 210 bis 250 M., bei freier Station und Kleidung. In der Ernle steigern sich die Löhne außer- ordentlich, 4 bis 3 Dollar— 16 bis 20 M. für den Tag gilt als normal. In besonders reichen Gegenden werden sogar 7 bis 3 Dollar— 29 bis 33 Mark für den Tag bezahlt. Diese hohen Entschädigungen erklären sich auch damit, daß ein sehr starker Wechsel unter den Landarbeitern stattfindet. Die Leute lassen sich nur durch hohe Löhne und durch dos Vochandenfein von Ma- schmen und maschinellen Einrichtungen zum Bleiben bewegen. Zum Schluß noch einiges über die amerikanische VieHwirtschau. Auch hier hat man sich in großzügiger Wesse mechanisiert. Sehr viel beschäfttgt sich der amerikanische Landwirt mit seinem Dich dabei nicht. Kühe, Pferde, Schafe und Schwein« sind das ganze Jahr im Freien in großen eingezäunten Koppeln, mis denen die Kühe abonds zum maschinellen Melken zusammengetrieben werden. Auch im härtesten Winter bleibt das Vieh draußen: kaum daß es bei besonders schlechten Witterungsverhältnissen die wenigen Schutz- Hütten aussucht. Durch diese naturbedingte Lebensweise der Tiere hat man durchweg einen prächtigen, gesunden Bishstand, in dem kaum Krankheiten vorkommen. Bei einem Viertel der Arbeit, die der deussche Bauer leisten muß, verdient der tüchtige amerikanische Farmer in fünf Jahren mehr, als der deutsche Landwirt in seinem ganzen Leben oerdienen kann. 100 fahre Salpeter In diesem Jahre feierten die wissenschaftlichen Korporationen der Kultiirstaaten in einer Zusammenkunft in Paris das h u n- dertjährige Jubiläum der Ausfuhr und der Bei- Wendung des Chilesalpeters. Wenngleich dieser gegen- wärtig neben den Lufssttckstoff.Produlten nur die zweite Rolle spiell, so war er es doch, der in der Landwirtschaft und in der chemischen Industrie eine neue Epoche eingeleitet hat. Im Jahre 1830 wurde zum ersten Male Chilesalpeter aus- geführt und in der Landwirtschaft verwendet. 830 Tonnen waren es damals. Seitdem standen jahrzehntelang die Verwendung von Chilesalpeter und die Steigerung der landwirtjchastlichen Produktion in direktem engsten Zusammenhang. Der Export erhöhte sich an- 5Me Stopierhaul Amerika giM jahrlüji große Summen zur Erhöhung der Er dm är me durch Auflegen von Papier aus. Angeblich sollen dadurch sehr große Ertragssieigerungen erzielt merden. So soll der Meisertrag um 691 Proz., der Ertrag von Baumwolle um 91 Proz. gesteigert worden sein. Der Berliner Ingenieur Artur Streich hat nun einen Apparat konstruiert, mit dessen Hilfe eine Papierhaut über die Erde gespritzt wird. Das Verfahren von Streidi ist viel billiger als das der Papierbelegung. Der JVind weht die gespritzte Papier haut nicht weg und der Regem löst sie nicht auf. dauernd, und betrug 1880 bereit? 223 000 Tonnen. Inzwischen halten sich die Kenntnisse über die Nährstoffe des Bodens weiter entwickelt und waren Allgemeingut geworden: die Ueberzeugung, daß zur Erzielung größerer Ernten eine intensive Düngung des Bodens mit Stickstoff erforderlich ist, brach sich immer mehr Bahn, die Nachfrage nach Chilesalpeter wuchs außerordentlich. Im Jahre 1890 konnten über 1 Million Tonnen in den Welthandel gebracht werden, 1910/11 waren es 2,5 Millionen. Nunmehr begann die künstliche Stickstoffgewinnimg dem chilenischen Salpeter Konkurrenz zu machen, die Ausfuhr aus Chile blieb ungefähr auf der Höhe von 2,3 Millionen Tonnen: noch der Statistik von 1928/29 erreichte sie jedoch 2 960 000 Tonnen. Der Rohsalpeter, in Chile„C a l i ch c" genannt, findet sich in weit ausgedehnten Lagern auf den Wesiabhängen der Küste>«- kordilleren. Cr enthält 1314 bis 16 Proz Stickstoff in einer von den Pflanzen direkt aufnehmbaren Form. Außerdem enthält er mehrere Begleissalze, deren Bedeutung man In neuerer Zell immer mehr errennt. In erster Linie ist es das lebenswichttge Jod, das von den Pilanzen aufgenommen wird. Durch das reich« Jod- oorkommen wird der größte Teil des Weltbedarfs an Jod als Rebenerzeugnis der Chilefalpeterindustri« gedeckt Wie so viel« Stoff«, deren mir uns mit einer gewissen Selbst- Verständlichkeit bedienen, hat auch der Chilesalpeter einen kompii- zierten Werdegang durchzumachen,«he er dem Landwirt zur Bor- sügung stehen kann. In der Natur ist er stark verunreinigt, tritt. auch nur selle» zutage. Meist befindet er sich unter einer harten Deckschicht von 1 bis 3 Meter Mächtigkeit, die erst aufgerissen werden muß. Alsdann ist es erforderlich, in umfangreichen Fabrikaiions- anlagen die unlöslichen Stoff«(Kieselgur, Sand. Ton) von den wasserlöslichen zu trennen und aus letzteren das falpetersaure Natron, das eigentliche Düngemittel, auszuscheiden. Die gewaltige Entwicklung der Chilesalpeterindustrie im Lause der Jahre sst nicht zuletzt mit das Verdienst deutscher techui scher Arbeit. Der Anteil Deutschlands an dem Wettkonsum von Chilesalpeter ist allerdings nur gering, da wir vollwertige künstliche Stickstoff-Düngemittel selbst erzeugen. Für die letzten Jahre ist er aus folgenden Zahlen zu ersehen: Düngejahr 1926/27. 1927/28. 1928,29. WeUoerbrauch Lirbrauch i.DnUschl. 1 781 030 t 16 410 t 2 358 290 t 48 360 k 2 737 100 t 99 010 t Letzter« Zahl cnssprickst einer Menge von etwa 15 000 Tonnen reinem Stickstoff. Die in Deutschland erzeugte Meng« ist etwa 23mal so groß.< Zum Schluß soll des Entdeckers des Chilesalpeters, des„Küsten- gokdes", gedacht sein. Es ist der Deutschböhme Dr. Thadäus Haenke aus Prag, derzett Asssstent am dortigen naturwissenschaftlichen Institut. Seine sehr bedeutenden wissenschaftlichen Arbeiten auf verschiedenen Gebieten der Pflanzenkunde verschafften ihm die Möglichkeit einer von Oesterreich und Spanien unterstützten wissen- schaftlichen Südamerikareise, die er 1789 alttrat und 1794 in Chile beendete, wo er sich dauernd niederließ. Dort fand er den C a l i ch e, in welchem das Natrimnnitrat entHallen ist. Es gelang ihm. daraus wichtige Salpeterverbindungen herzustellen. Im Jahre 1808 be schrieb er seine für die Kultur der Menschheit hochwichtige Eni- deckung und die weiteren Arbeiten in einem wissenschaftlichen Jrnn nal. 1810 bis 1812 richtete er die ersten Salpeterfiedereien ein. In?. 5. M. Im Norden und Westen; Ccestern Arbeiterschwimmfeste Gleich zwei Schwimnifests an einem Sonntag! Schwimm- feste der Berliner A r b e i t e r s p o r t l« r, die sich eines Massen- befuches erfreuten! Ein deutlicher Beweis dafür, dah die Arbeitersportbewegung mit Riesenschritten unter kundiger Führung marschiert. So konnte allein der A S B. ch e l l a s, das fei an dieser Stelle einmal festgestellt, auf dem Wedding seine Mitgliederzahl nach knapp IM Jahren auf nahezu 600 steigern. Diese Ziffer redet eine deutliche Sprache. In gleichem Tempo geht,, es bei den übrigen Arbeiterschwimmvereinen voran. Gestern zeigten nun Hellas und die Freien Schwimmer Charlottenburg in zwei gelungenen Veran- staltungen, was auf dem Gebiete des Schwimmens Famoses geleistet wird. Hellas hatte seine Kampfbahn wieder rm Stadtbad W e d d i n g. Als zur ersten Konkurrenz gestartet wurde, war die festlich geschmückte Schwiinnrhalle überfüllt. Im Mittelpunkt des ereignisreichen Nachmittages stand der B e r e i n s v ie r ka m p f zwischen Magdeburg, Halle, Dresden und Hellas- Berlin. Nach dem sehr knappen Resultat in Halle, wo kürzlich die Hellas-Mannschaft zu Gast weilte, gingen die Berliner mit recht geteilten Gefühlen ins Treffen. Aber schon»ach den ersten Weit- bewerben waren olle Zweifel beseitigt. Die Hellenen traten in großartiger Form an. Als zum letztenmal die Schwimmer landeten, lag Hellas in der Gefamtwertung mit 3l) Punkten an der Spitze. Magdeburg, das nicht enttäuschte, mußte sich mit dem zweiten Platz(l8 Punkte) und Dresden sowie Halle mit je sechs Punkten begnügen. Das Ergebnis zeigt, daß Hellas mit zu den sportlich stärksten Berliner Arbeiterschwimmvereinen zählt. Mit einer Männercrawl st afette über 6X50 Meter nahmen die Kämpfe ihren Anfang. Hier errang Hellas den ersten überzeugenden Sieg. In dem nachfolgenden E r st l i n g s- s ch w i m m e n starteten in allen Altersklassen annähernd 70 Debü- kamen. Der Nachwuchs machte feine Sache zum Teil schon recht ausgezeichnet und mehrere Zeiten erfordern bereits Beachtung. Sehr hart umstritten war der B e r e i n s me h r k a m p f im Strecken- tauchen. Kürspringen, Wasserballweitwurf und Balldribbeln über die Distanz von 50 Metern. Zwischen Hellas und Halle kam es hier zu einem erbitterten Ringen um die Punkte. Schließlich siezte Hellas knapp mit ll0 Punkten vor Halle mit 105 Punkten. Magdeburg und Dresden lagen mit 85 und 83 Punkten weit im Himertreffen. In der 4xl00-Meter-Lagenstasette siegte Hellas überlegen, im Kampf um den zweiten Platz ging Magdeburg vor Dresden durchs Ziel. Eine außerordentlich gute Leistung zeigte im 100-Meier- Männerbruftschwimmen(L-Klafse) Oesterreich, der die Strecke in der sehr guten Zeit von 1:29 meistert«. In den ab- schließenden Wasserballspielen gewann Hellas über Hall« mit 6: 1 Toren(1: 2), nach einem reichlich körperlichen Kampf, und Dresden war über Magdeburg mit 8: 2 Taren erfolgreich. Retultat«: Miinncr-Crawlstascili. 5 mal 30 Mctc? lBürtampfU 1. Ssllas 2. aHoabcbura 3:11,2; 3. Dr?-dcn 3:14.9.— Ersrfchwimmcn für finabcn: 1 öeiftrt 9,59; 2.<9. Preu« 1:04.— Miinnlichc Iuqcnd: 1. Meier 48,1; 2. Gacdle 52,6.— Miidchcn: 1. L. Weile 1:02; 2. I. Müller 1;03A— Weib- liche Zuacnb: 1. ltluike 29.6; 2. Wegner 1:93,?.— IZrguen: l. golink« 1:05.2; 2. Weitug 1:24.4,— Weibliches guaendschwimmen. 100 Meier: 1. Wob ick 1:41; 2. Aldag 1:515.— Knaben-Brustschwimmen, 50 Meier: 1. SanbiR 50,3: 2. Wcdcwart 51,2.— Crawl-Schwimmen: 1. Dcckcrt 41: 2. nippcr 415.— Männer-Brustschw mmcn. 100 Meler. C-RIaffc: 1. Richter 1:39.4: 2�Bct>lina 1:45. — B.Älafft; 1. Oesterreich 1:29: 2. Brünnct und M. Kandtkc 1:38.— Männer» Lagcnstafette, 4 mal 100 Meter, 14 bis 16 Jahre: 1. Hellas 5:19,9: 2. Magde. burq 5:27,4; 3. Dresben 5:30.— 100 Rieter, männlich« Jugend: 1. Äuncrt 1:39: 2. E. Schmidt 1:42,1.— 16 bis 18 Jahre: 1. Elulezewsli 1:35,4: 2. Biec,or. Iows!i 1:3S,4.— Crawlen, 50 Meter, 14 bis 16 Jahre: 1. Teske 34.4: 2. Hiuiel- mann 35.— 13 bis 13 Jabre: 1. Polt« 33,1: 2. Schumacher und Schmidt 37.— Mädchen-Schwimmen. 50 Me'er. Brust: 1. Zleubert 51�: 2. Schneider 64.— Rllcken: 1. Sagert 57,4; 2. Sa mm« 1:03,1.— Crawlcn, 100 Meter. Männer, C.ßTüiT«: 1. Iarliwih 1:S5L: 2. Birle 1:36.1.— Klasse C. 50 Meter: I. fl. Schäfer 39,9: 2.®. Schult 42.— Crawlcn. 100 Meter. V-Klass«: 1. Hinsel 1:17; 2. shlemc 1Ä25.— Rtänner-Bruststasette. 6 mal 100 Meter: 1. Sellas 9:06: 2 Magdeburg 9:25,4: 3. Dresden 9:26 2. ldistanziert): 4. Salle 10:45.— Männer. 10U Meter,«lasse S. Rllcken: 1. Pohl- 1:22,6: 2. Kini-l 1:24,9.— Tellertauchen, 10 Teller, Mädchen: 1. Reumann. 6 Teller. 15 Sekunden.— Knaben: l..Zimmer, 10 Teller, 32 Sekunden— Lrowl-Schnellstafette, 60. ICO. 200, 100, 50 Meter: 1. Hellas 6:14,8; 3. Magdebura 6:32,2: 3. Dresden 6:40,7: 4. Halle 6:59.— Paddclstafet'c. 4 mal 25 Meter: 1. II. Itrauenmannschait 2:50,8: 2. I. sZrauelnimnnscha't 3:065.— ssrauen-Brnstichwimmen, 50 Meter. «lasse C: 1. Boas und Sinti 52: 2. Tietz und Schubert 65. I/nd in(�hsrlottenbur�... Während sich Hellas seine Gegner aus weiter Ferne eingeladen hatte, waren in der Krummestrahs auf Einladung der Freien Schwimmer Charlottenburg so ziemlich alle Vereine aus der Umgebung Groß-Berlins versammelt. Zu aller Ehre s« es dem Charlottenburger Veranstalter gesagt, daß die Programmfolgc voll- auf genügte. Die Männerbrust st afett« über 10X ZO Meter wurde in zwei Läusen ausgetragen. Den ersten Lauf beendet Möwe vor Berlin XII und Union erfolgreich. Der zweit« Lauf sieht Charlottenburg, von Lichtenberg ständig stark bedrängt, in Front. Eharlottenburg geht mit det besseren Zeit als Sieger hervor. In der M ä n n e r i a g e n sta f« t t« über 3X100 Meter gehen Neu- kölln, Freiheit und Eharlottenburg an den Start. Charlottenburg kann von Wechsel zu Wechsel stark an Boden gewinnen und mit erheblichem Vorsprung vor Neukölln anschlagen. Freiheit war in diesem Rennen ohne jede Chance. Die 4XZ0-Meter- Iu g en d- f r« i st i Ist a fet te holte sich ebenfalls Eharlottenburg. Die Wasserballspiele endeten: Eharlottenburg gegen Wittenberge (Jugend) 8:3 und Eharlottenburg gegen Berlin XII 11:7(6:4). Resultate: MLnii«r,Brustsiaf»tte, 10 mal 60 Meter: 1. Charlottenbura 6:28: 3. Möve-Berlin 6:36.— MäiiiKr-Lagenstasett«, 3 mal 100 Meter: 1, Chat. Irttenbutg 8:48: 2. NeukSlln 3:50,7.— Mäitasr-Paddelstafettc, 4 mal 25 Meter: 1. Berlin SU 2:175: 2. Charlottenburq 2:22.— Iuanit-Brustschwimmen,n»aiinl., 100 Meter: 1. Lehmann-Berlin TN 1:23: 2. Eriaulies-nalkepsee 1:Ä5— ssrauen- Rllckonsckiwimmhi'.. 100 Meter,«lasse vi 1.®. Pusch-Sharlottenbura 1:47.7: 2. Steffen.Poisdam 1:49.— Augend-lZrelstil. 100 Meter. 16 bis 18 Jahre: 1. Rlchtcr-Freiheit 1:185: Euffka�kbarlottenburä und Äetzmann-Tharlotten- burg 1:14,4.— MSmier-Brustschwimmeii, 200 Meter. Klasse A: 1. ss.(Statin. Charlottenburg 3:6,3: 2. B. Lehmann-Lichtenberg 3:12.— Männer. Bruststafettc für Ruderer und«anufahrrr, 4 mal 60 Rteter: 1. lISC. Kanu 2:43: 2. ZTGS. »anu 2:64.— Iugend-Lageustafette, 3 mal 50 Meter, wcibl.: 1. Neukölln 2:13,3: 2. Cliarwttenburg 2:20L.— Iugend-ssreisttlstafett«, 4 mal 50 Meter, männlich: 1. Charlottenburg 2:10: 2. ssreiheit 2:14.— Männcr-greiflilschwimmen. 200 Meier, Klasse A: 1. Ernst Scllhn.Charlottenbura 2:31.2: 2. sZrohn-Neu, källn 2:39,— ssrauen-Brustschmimmen. 100 Meter,«lasse V: 1. Gerda Pirsch- ssharlotenburg 1:49: 2. Ch. Illrmcdr. Kreutberg l:50.— Streckcntauche u: 1. W. Rasäike-Spandau. 50 Meter. 42; 2. A. Bild-Siemensstabt. 50 Meter. 42,4: 3. F. Dziobcck-Lichtenberg, 50 Rteler, 44B: 4. zisch, 50 Meter, 47,4 Sek. Großer Seriensportbetrieb bei den Arbeitcrsportlcrn Minerva im 1., Einiradit im 1. Bezirk Meister Der gestrige Sonnlag brachte gleich in zwei Bezirken die Eni- fcheidung über die B c z i r t s m e i st e r s ch a f t. Im ersten Bezirk gelang es Minerva 28 durch den- überlegenen 4:1- Sieg über Lichtenberg l den Titel an sich zu bringen. Lichtenbergs Niederlage stand in diesem Kampf nie in Frage. Bis zur Pause führte Minerva bereits mit 3:0. Mit dem Wiederbeginn legten sich die Lichten- berger gleich mächtig ins Zeug, so daß man glauben konnte, sie wollten den Norsprung Minervas einholen. Bold verebbte die An- griffslust. Der dann einsetzende Regen machte den Boden noch schlüpfriger. Beide Mannschaften verwandelten dann noch je«inen Elfmeter und stellten damit das Endresultat 4:1.— Eintracht- Reinickendorf kam gegen Vorwärts sehr billig zu den Punkten. Als beim Stande von 1:1 die Eintrachtler ein zweites Tor erzielten, prorestierren die Vorwärtsleutc. Der Schiedsrichter blieb jedoch bei seiner Entscheidung. Die Vorwärtsmannschast glaubte ihrem Protest mehr Nachdruck verschaffen zu können, indem sie vom Platz gingen. Eintracht heimste damit die Punkte und die Bezirksmeister- schaft ein.— In der K r e i s t l a s se dürfte die Entscheidung durch den Sieg von 1: 0, den Luckenwalde I über Hertha errang, eben- falls gefallen sein. Luckenwalde II sicherte sich durch einen 2-1- Sieg über Trebbin den Anschluß an die Spitze. Weitere Resultat«: Bulab gegen Sokol 0: 2; Fric- 'denau gegen Luckenwalde V 3: 4: Wilmersdorf gegen Spandau 1: 4: Miauen gegen Nowawcs 4: 2; Neukölln-Britz gegen Osten 3: 0: Britz 88 gegen Neukölln 3: 0: Minerva 2 gegen Lichtenberg I(2) 8:3: Butab 2 gegen Nauen 2 3:4; Vorwärts 2 gegen Schöneberg 2 4:2; Spandau 2 gegen Nowawes 2 0:9: Britz 88(2) gegen Neukölln 2 0:1: Neuenhagen gegen Freiinwalde 2:2: Neuenhogcn 2 gegen Altglietzen 1 0:1: Köthen gegen Alt-Ranft 1: 5: Käthen 2 gegen Freienwalde 2 0:2; Grebs gegen Schissmühle 4:0.— Jugendmannschaften: Minerva gegen Luckenwalde! 0:1: Minerva 2 gegen Vorwärts 2 1:3: Werder gegen Nowawes 1:4: Britz 88 gegen Neukölln 3:2: Schwedt gegen Schijfmühle 2: 0. tfocke� Tennis-Rot I gegen Athletik-Sport-Club 1 2: 0. Tennis hat von Beginn an ein geringes Uebergewicht. Ihr Spiel ist systemvoller, der«türm zeigt ein« flüssige Kombination, gut unterstützt von der Läuferreihe. Die Mannschaft erscheint durch mehrere Spieler wesentlich verstärkt. Durch die beiderseitigen schnellen Außenspieler kommt«in scharfes Tempo zustande. Trotzdem Tennis- Rot bis zux Pause«in überlegenes Eckenoerhältnis von 7: 1 heraus. spielt, kann keine Partei ein Tor erzielen. Nach Wiederbeginn spielt der Athletik-Sport-Club etwas besser. Wieder einmal ist der Sturm gut nach vorn gekommen, und durch exakten Schuß sitzt das erste To: im Netz. Tennis drückt jetzt etwas, und bei einer gut eingegebenen Flanke wird prompt zum zweiten Tor verwandelt. Leider muß bei diesem Stande wegen der plötzlich eingetretenen Dunkelheit und dem allzu starken Regen das Spiel abgebrochen werden. Frei« Turner- schaft Groß-Berlin Bezirk O st r i n g I und der Sportverein Moabit I trennten sich 4:3. Es gelingt Ostring bald nach Beginn, sich einig« Zeit in der Spielhälfts von Moabit festzusetzen, sie ver- passen aber zwei sicher« Torgelegenheiten. Moabit kommt dann mehr aus und kann durch zwei wunderbare, unhalibare Tore mit 2: 0 in Führung gehen, demgegenüber es Ostring gelingt, bis zur Paus« noch ein Tor aufzuholen. Nach der Paus« findet sich Ostring tajk» zusammen. Der Eportverem hält aber gut mit, so daß«in offenes und verteiltes Spiel läuft. Beiden Parisien gelingt es noch zwei Tore zu erkämpfen.— Weitere Resultate: Ostring II gegen Neukölln 17:1, Ostring III gegen Sportverein Moabit III 2:2. Nordring II gegen Athletik-Sport-Club II 3:0. Nordring III gegen Pankow III 2:2. Frauen: Frei« Turnerschaft Groß-Berlin Nordring I gegen Pankow II 7:0 und Tennis-Rot I gegen Tennis- Rot II 4:1. VMUYLäJoCÜiSL/ Der am Sonntagnachmittag niedergehende Regen machte einen Teil der Spiele unmöglich. So mußte das Spiel FTGB.-Wcdding I gegen FTGB.-Osten 1 bei Halbzeft mit 3:0 für Wedding ab- gebrochen werden. Auch Hennigsdorf und FTGB.-Nordring trennten sich 10 Minuten vor Schluß mit 2: 1(1: 1) für Nordring. FTGB.-Nordoft 1 verlor gegen Rcinickeiidorf-West 1 mit 8: 2(2: 2), während FIGB.-Nordost 2 gegen Bernau 2 mit 3:0(2:0) ge- wann. Die ersten Männermannschaften von Bernau und FTGB.- Norden trennten sich unentschieden 4:4(3:3). Wedding 2 konnte sich gegen Schöneberg 1 mit 6: Z behaupten. Rehfelde hatte FTGB.-Südost für alle Mannschaften als Gegner, und Südost konnte alle Siege mit nach Hause nehmen. Die Resultate lauteten bei den Männern 0:3(0:2). bei den Frauen 0:4 und bei den Jugendlichen 0: 6. Osten 3. Mäimeriiiaiinschast mußte sich FTGB.- Baumschulenweg 2. Männermannschaft hoch mit 10: 1(4: 1) beugen. FTGB.-Adler-hos 1 führte bis zur Pause gegen Baumschulenweg I mit 1: 0. Erst in der letzten Biertclstunde zeigte Bmimschnlenweg Schußtätigkeit und konnte mit 4: 1 Toren den Sieg sicherstellen. Auch Fichtenau 1 führte gegen Osten 2 bis zur Pause mit 2: 0, mußte dann aber Osten doch den Sieg mit 4: 2 überlassen. FTGB.- Rofenthal(Frauen) gewann gegen Schöncberg 2 mit 2: 1(2: 1). Arbeiter- Wasserball-Serie Weifjensec— Hellas I 7:4/ Union- Liditenberg 5:4 Der Sieg, den die Weißenseer am Sonnabend gegen Hellas erkämpften, kam vielleicht überraschend, war aber verdient. Während Hellas in den ersten Minuten eine leichte Ileberlegenheft im Zusaimnenspiek zeigte und mit 2 Toren in Führung ging, spielte sich Weißensee allmählich in ein« Form, die auch die schwimmerisch« Ueberlegenheit von Hellas aurichaltete. Nachdem der rechte Stürmer von Weißensee durch eine prachtvolle Verlängerung einer Vorlage das erste Tor für seinen Verein erzielt hatte, sah es noch einmal nach einer UeberleLenheit der Hellas-Leut« aus. die wieder durch oute Gesamtleistung zweimal erfolgreich waren. Kurz vor dem Halbzeitpflff gelang es dann Weißense«, mit Glück den zweiten Torschuß anzubringen. Nach Halbzeit nahm das Spiel an Schärfe zu. Der Hellas-Sturm war überraschend schußunstcher, dagegen konnte>hr eifriger Gegner noch fünfmal erfolgreich sein. Beim Sonntagsplel hätte es um ein Haar eine lieber- rafchung gegeben. Nach anfänglich wechselndem Kampf gelang Union ein Durchbruch, der den ersten Erfolg brachte. Ueberlegenheit im Schwimmen und Taktik brachten dann Lichtenberg drei verdiente Erfolge. Nach der.Halbzeitpause wurde Union sichtlich besser. Mit Energie wurde ein weiteres Tor erzielt. Wieder ging Lichtenbergs Sturm auf und davon, schoß und man hoffte kaum noch aus eine Chance für Union. Leider bracht« Lichtenbergs Lerteidigung dann «in« hart« Rot« ins Spiel, di» ein« Herausstellung d«s linke» V«r- teildigers zur Folge hatte. Nach einem verwandelten Strafnwrs war Union noch zweimal erfolgreich und konnte als glücklicher Tieger das Wasser verlassen. Man hat von Union schon bessere Leistungen gesehen. Ein unentschiedenes Resultat wäre dem Spiel- verlauf gerechter geworden. Die Serie im Geräteturnen. Die Serienwettkämpse im Geräteturnen nehmen bei ge- steigerlem Interesse ihren Fortgang. Es hat siel) gezeigt, daß ein derartiger Wettkampf im Geräteturnen für den Turner eine drin- gende Notwendigkeit war. In der Männcr-L-Klasse standen sich Osten 3 und Nordring 2 gegenüber Mit 422: 419 Punkten tonnte Osten knapp gewinnen. Im Kampf Schönsberg gegen Moabit nmßte sich Schöneberg geschlagen bekennen, wenngleich auch die bessere Gymnastikmannschaft bei Schöneberg war. Resultat: 468: 4-54 Punkte für Moabit. In der Frauenklasse zeigten einen schönen und spannenden Kampf FTGB.-Osten und FTGB.-Lichtenberg. Zwei gleichwertige Mannschaften, wohl die besten im Kreis, standen sich gegenüber. Ts war ein harter Kamps um die Punkte, den Lichten- bcrg durch seine bessere Gynmastikklasse mit 834: 833 Punkten für sich entscheiden konnte.— In der Jugendklasse gewann Nordring über Neukölln mit 430: 417 Punkten.— In der kommenden Woche treffen am Dienstag, 18. November, 20 Uhr, in Lichtenberg, Böcklin- straße, in der Männer-v-Klass« FTGB.-Lichtenberg und Schöne- berg zusammen.— In derselben Klasse treten Donnerstag, 20. No- vember, 20 Uhr, in der Eartenstr. 107s. FTGB.-Mirte gegen Hennigsdorf an, und Freitag, 21. November. 20 Uhr. in Nowawes. Turnhalle Friedrich-Kirch-Platz, Nowawes und FTGB.-Osten 2. Kleine Sporiresultate vom Sonntag Eine Anzahl der am letzten Berliner Sechstagerennen beteiligten Fahrer hatten zum Wochenende schon wieder neue Engage- ments eingegangen, in denen sie siegreich waren. So konnten Schön-Pijnenburg bei den Eröffnungsradrennen in der Halle Münsterland in Münster das Omnium und das 7S-Kilonieter- Mannschaftsfahren überlegen gewinnen. D i n a l e beteiligte sich mit seinem italienischen Landsmann Guerra auf der Parsser Winter- bahn an einem 10ct-Kilanieter-Mannschaftsrennen. dos sie ebenfalls siegreich beendeten. In der Rheinlandhalle in Köln fuhren Rausch- Hürtgen ein Dreistunden-Mannschaftsrennen siegreich nach 5; au je. Hertha besiegt Tennis. In einem Freundschaftsspiel standen sich am gestrigen Sonnrag die allen Meisterschaftsrivalen gegen- über. Bor 20 000 Zuschauern siegte im Poststadion Hercha über Tennis mit 8: 3. Schneller Veltmeisterschostssieg. Im New-Dorker Madison Square Garden nahm der Boxkampf um di« Wellmeisterschast im Leichtgewicht ein überraschend schnelles Ende. Der Herausforderer Toni Canzoneri schlug den Titelhalter Al. Singer bereüs in der I. Runde für die Zeit zu Boden. Damenhockcykampf Verlin— Hamburg. Der sechste Dam-n- städtekamps zwischen Hamburg und Berlin, der auf dem Platz an der Avus stattfand, endete mit dem neuerlichen Sieg« der Göst- aus der Hansestadt, di« mit 4:1(0:0) Toren die Oberhand bc- hielten, trotzdem sie mit zahlreichem Ersatz antreten mußten. Werbefest„Proles" und«Neukölln" Zu einer Werbeveranstaltung hotten der Verein für Körper- kultur„P r o l e und der Arbeiterjportoerein Neukölln nach der Zentralturnhalle in der Prinzenstraße eingeladen. Man muß sagen, daß das, ivas die Verein« versprochen hallen, auch geHallen wurde. Interessante Aue schnitte aus ihrem Uebungsbcttieb zeigten die allgemeinen Freiübungen, di« der neuzeitlichen Methodik angepaßt sind. Sehr schöne Wirkung erzielten die Iungmänner und Iungmädchen am lebenden Gerät. Auch die Altcrsriege zeigt«, daß sie noch mitmachen kann. Mir ihren Medizinbollübungen zeigte» sie auch die Lebhaftigkeit noch im Alter. Der Schlußchor, ein kleines Festspiel, löste starken Beifall aus. Alles in allem, ein gelungene i Fest, das gewiß wieder neue Anhänger den beiden Vereinen bringen wird. Freie Seölerjugend tagt Neunzig Iungmannen der freien Seglervereine Berlins waren gestern versammelt, um Rückblick zu hallen über die sportliche Aus- und Fortbildung in der verflossenen Saison und Maßnahmen für die Winterarbcit, die nicht auf Kiel und Wasser stattfinden kann, zu beraten. Sachs, der immer bewegliche Iugendleiter des„Freien Seglerverband« s", leitete die Tagung, I ö r st e l und P a I> vertraten den Vorstand. Der gastgcbende Verein hakte die schönen Klubräume mft Flaggengala und der großen SZerbandsnaticmal« nett hergerichtet und auch sonst den Jugendlichen den Aufenthalt so an- genehm wie möglich gemacht. Ein Vortrag von P o s ch a r s k i über„Jugend, Jugendbewegung und Jugendpflege" fand beifällige Aufnahme und gab den Iungmannen Gelegenheit, über ihre Stel- lmig in der freien Sportbewegung nachzudenken. Aus dem Kreis der Bersammelten kam daim im weiteren Berlauf der Tagung di« Anregung, di« winterlichen Zusammenkünfte mit Lichtbilde iwor- trägen, Museumsbesuchen— gedacht wurde vor allem an has Mu» seum für Meereskunde— und ähnlichem interessant und lehrreich zu gestalten. Während die diesjährige Ost erfahrt die Jung- mannen an die Wasserkante, nach Lübeck und Kiel und dort ins- besondere zu den ansässigen Brudervereinen führte, wird die Reise 1931 ins Riesengebirgc gehen. Die Freie tehrersportoerelnigung Verlin eröffnet heute Montag ein« neue Abteilung in Neukölln. Wie in den anderen Abteilungen Dienetags von 16—18 Uhr D.rnziger Straße 23 und Dienstags von 1714—19 Uhr Lütticher Straße 4— betreibt di« neue Gruppe Geräteturnen. Leichtachletit. Gymnastik und Spiel Regelmäßige \ Uebungszeiten'Montags 18 Uhr Kaiser-Friedrickt-Straßc 4(Nähe Herma implatz). Schwimmen für alle Abteilungen Dienstags 10 Ubr im Stadrbad Gerichtstraße. Vom 24. bzw. 26. Dezember b!s 3. Januar wird in Verbindung mit den..Naturfreunden' eine Ski- fahrt ins Riesengebirge veranstaltet. Slandquarti-r: Groß-A"po. Kosten einschließlich Fahrt und voller Pension im He.tel etwa 80 M. Ei» unentgeltlicher Stiircckenkursiis wird bei genügender Beteiii- gung Dienstags 16 Uhr Lütticher Straße 4(Nähe Untergrundbabn- Hof Secstraße) obgehallen. Meldungen und Auskunft bei H. Holze. N. 65, Sanstbarstr. 41. Schöne weiße Zähne.„Auch ich mSchte nicht verfehlen, Ihnen inein« gröht« Anerlennung und vollst« Zufttedenhett über die„(lhl-rodvnt- Zahnpaste" zu übermitteln. Ich gebrauche„Thlorodoni" schon seil Jahren und werde ob meiner schönen w-i-en Zäbne oft beneidet, die ich letzten lindes nur durch den täglichen(uebiauch istjtci„Thlorodonp Zahnpaste" erreicht habe."(i. Keichelt, Ech.../Saallreis.—(Man verlang« nur die echte Chlorodont-Zahnpaft«» ZUd« und»M. und««il« jtd«» Ersatz dasill zurück. Bortti««Spr.l