Morgenausgabe Nr 543..,, A 223 4?.Zahrgang DöchenMch«SV». moaatNch Z.so VL tm oorau» zahlbar Postbezug 4 LZ M. ewichließlich bo Pfg.Poftzertun�». und 72Pfg Postdestellgebühren Ausland»« abonnemem 6.— M- pro Monat. * Der.Vorwärts' erlchetm wochentäg» lich zweimal. Sonntags unt. Montags einmal die Abendausgaden stir Berlm und im kiandei mit dem Titei.Der Abend" Illustrierte Beilagen.Soll und Zeit" und.Kinderfreund' Ferner .Frauenstimme' Technir.Blick in die Tücherwelt'..Jugend-Dorwätt»� und.stadtbeilage' Verttnev Vvttsbßa« Mittwoch 19. November 19)0 Groß-Äerlin 1V Pf. Auswaris 15 ps. Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reklame eile 5,— Reichs- mark.„Kleine Anzeigen� das ettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgsdruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig, Worte über IS Buchstaben* zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zei'e 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im�aupt- gefchäft Lindenstrabe 3. wochenlöglich von SVj bis 17 Uhr. Zentealoesan der GozialdemoSvaMtben Partei DeutftMandS 'JleDaftion und Lerlafl Berlin ZW üb. VimDenftrafee 3 ilerniptftbft lonboti i92 291 telearamm-Ädl Soualdemokra» Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postlcheitkonio. Berlin LI 536— Banffonto; Bank der Arbeiicr. Ä ngellelllen und Beamten, Wallllr KL Dt B u.Disc.-Wel.Deposllenkalie.JeriilalemerStr KS/L3. Sowjet-Offiziere verhafiet. Vorsichtsmaßnahmen in Moskau. Der„I o z i a l i st i s ch e Bot t", das Berliner Zentralorgan der Rufstichen Sozialdemokratie erhält aus sicherer Mostauer Quelle folgende Nachrichten: Im Zusammenhang mit der Verhaftung des Vor- sihendrn des innerrnfstschen Rates der Volkskommissare. Sshrzow. siab noch weitere führende Kommunisten verhastet worden, darunter A n d r e j e w, Mitglied des Obersten Kriegsrates und General Blücher, der Oberbefehlshaber der Sowjetarmee im Fernen Osten. der noch vor kurzem als Bcsiegcr der Chinesen an der Ostbahn geradezu als Nationalheld gefeiert wurde. Diese Verhefwngen sowie die überraschenden Amtsversetzungen und Enthebungen von höchsten Würdenträgern werden mit der Ausdeckung einer weitverzweigten Geheimorgantsa- t i o n begründet. Im Zentrum soll Ssyrzow gestanden haben, den Stalin noch vor wenigen Monaten als g a n z zuverlässig be- trachtete und eben darum den,..unsicheren" Rykow in der Regie- i'ung beiordnet«. 3n der privalwohnung von Ssyrzow wie auch in der Dienstwohnung des Voik'kommissars süc Post und Telegrophlc Lniipow soll die Zentrale der Verschwörung getagt haben. die sehr geschickt„getarnt" war und an der u. a, hochgestellte Will- t ä r s, wie der lürzlich oerhastete General R j u t i n sowie eine Reihe kaukasischer Kommunisten(Lominadse und sein« Kruppe) beteiligt waren. Selbst der intimste persönliche Freund Stalins. Sergo Ordshonikidse, gewesener Vorsitzender der Arbeiter- und Bauerninspektion, soll in Beziehung zu der Sache ge- standen haben, Die kouspirallon ist von— Rykow verraten worden, dem im letzten Augenblick Zweisel über die Zweckmäßigkeit oder den Erfolg der Aktion gekommen sind. Rykow ist nicht verhastet, sondern nach Suchum im Kaukasus«zur Erholung" verschickt worden.(Er hat bereits sein Rücktrittsschreiben als Vorsitzender des Rates der Volkskommissare der Sowjetunion, also als Reichskanzler, dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei zugeschickt.— Red. d. V.) Eine Bestätigung finden die Gerüchte über den militärischen Tharakter der geplanten Aktion darin, daß da» kommunistische Zentraikomlkee, das seit Jahren in dem srüheren Gebäude der Genosscnschasls zentrale aus dem Alteu platz untergebracht war. jetzt sehr eilig in den Kreml über- gesiedelt ist. Die Häuser um den Roten Platz sind von den darin untergebrachten Behörden, Kanzleien und Privatpersonen geräumt und mit den Truppen der O. G. P. U. belegt worden. Ein(Setreidekommissar ermordet. Moskau, 18 November. Potappsf, der Leiter des„Stabes" der Getreidebereitstellungsn im Bezirk Oreschkino im unteren Wolgazebiet, ist ermordet wor- den Bisher tonnten die Täler nicht ermittelt werden. Die Sojwet. presse sagt, daß es. sich um einen politischen Mord und. zwar um eine Gewalttat der Kulaken handelt, welche die Getreidekampagne schädigen wollten. Wegen Entgleisung zum Tode verurteilt' Moskau, 18. November. Wogen der am 17. Oktober erfolgten Entgleisung eines Waren- zuzes bei der Station Chcpra. wodurch hoher Matcriälschaden an- gerichtet wurde, har das Sowjetgericht zwei der anzeklazten Eisenbahner, den Revisor Tschernoglasow und den Bürobeamten Schapo» walow, zum Tode verurteilt, vier andere zu IM: bis 8 Jahren Gefängnis. Die Urteilsbegründung führt aus, daß den Beamten nicht nur unerhörte Mißwirtschaft und Vernachlässigung der Dienst- pflichten, sondern auch„Machenschaften des Klassen- s e i n d e s" zur Last fielen, der es verstanden hätte, sich in die Be- amtenschast einzuschleichen. Kampf um den yreieabbau. Gemeinsame Maßnahmen von parte', Gewerkschafien und Kon umvereinen. Am 17. November traten die Vorstände des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, des AfA-Bundes, der Sozial« demokratischen Partei und des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine im Bundeshaus des ADGB. zu einer Be- sprechung zusammen, um die Möglichkeiten �ines durchgreifenden Abbaues der Preise für die Gegen- stände des täglichen Bedarfs zu erörtern. Die Vertreter der Konsumgenossenschaften schilderten an reichem Zahlenmaterial dit von ihnen selbst seit dem letzten Jahr durchgeführten Preisermäßigungen und wiesen auf die steuerlichen Hemmungen hin, durch die ihre gesamte Tätigkeit und damit auch die Fortführung der Preisabbauaktion zur Zeit erschwert wird. Sie kenn- zeichneten an einer Reihe von Beispielen die ll n z u l ä n g- lichkeit der Ergebnisse der bisherigen, von der Re- gierung eingeleiteten Aktion. Die Konsumgenossenschaften würden aber trotz dieser starken Widerstände überall, wo sich die Möglichkeit biete, weitere Preissenkungen vor- nehmen. Die Vertreter der Spitzenorganisationen kamen überein, durch planmäßiges Zusammenwirken der Ge- werkschaftcn. der Sozialdemokratie und der Konsumgenossen- schaften einen verschärften Kampf um den Abbau derPreisezu führen._ Protest der Beam enverbände. Beamte Odjekt eines politischen Geschäfis Wie durch die amtliche Bekanntmachung vom 18. November 1938 mitgeteilt wurde, soll die von der Rcichsregierung geplant« Gehaltskürzung der Beamten entgegen dem Wortlaut der Vorlage schon am 1. Februar 1931 in Krafl treten. 2er Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundcz iat in seiner gestrigen Sitzung dazu ein« Entschließung angenommen, in der er gegen ein solches Verfahren, das ohne sachlich« Begründung R-sSwg, 21. November, 19* Uhr An ohalle ECeiserdamm Massenkundgebung uiiMiiiiiiiiiuiiiiiiimiiiniiiiiiiiiiMiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiuniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiniiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiii Es sprechen Führer der Internationale! die Beamten lediglich als Ausgleichsobjekt für politische Schwierigkeiten verwendet, protestiert. Wenn die amtliche Kundmachung es so darstellt, als ob es sich um die Deckung eines Mehraufwands handle, zu dessen„Tragung" die Länder einen„Aus- gleich" erhalten müßten, so muß demgegenüber festgestellt werden, daß die geplante Gehaltskürzung bei den Landes- und Gemeinde- beamten eine Ausgabencrfparn's von mindestens 279 Mil- lionen Reichsmark ausmacht, von der nach dem Vorschlag der Reichs- regierung die Länder 179 Millionen erhalten sollen, während dos Reich 199 Millionen für sich beansprucht. Es handelt sich also bei der Vorverlegung des Termins lediglich um die Absicht einer Er- h ö h u n g der auf Kosten der Beamtenschaft erzielten Mehr- einnahmen der Länder, keineswegs um einen Ausgleich für Mehxausgaben. Die Bundcsleitung des Deutschen Beamtenbundcs hat gleichfalls sofort zu dem Beschluß der Rcichsratsausschässe Stellung genommen. Dem Reichsrat wurde folgender ein- stimmiger Beschluß unverzüglich zugeleitet: „Die Leitung des Deutschen Beamtenbundes ist erstaunt und empört über den Beschluß der Reichsratsausschüsse, wonach die von der Reichsregierung sür den 1. April nächsten Jahres geplante Gehaltskürzung bereits am 1. Februar emrreten soll. Die Beamten. schaft hat jederzeit Verständnis- für sachlich begründete Not- wendigkeiten bewiesen, sie lehnt jedoch entschieden ab, zum Objekt eines politischen Geschäftes gemacht zu werden. Die Bundesleitung erwartet von der Vollsitzung des Reichsrats, daß sie dem Beschluß seiner Ausschüsse nicht zustimmt. Die Abberufung Lüdemanns als Obervräsidenten fordern in einem Antrag die Dentschnationalen im Preuß'schen Landtag. Grund: Llldemann hat am 9. November von seiner Privatwohnung jieben der schwarzrotgoldenen Reicksstagge auch die rote Fahne der Sozial- demokvatie wehen lassen. Daß sowohl Herr Treviranus wie Herr Schiele sch warweißrot zu flaagen pflegen, interessiert die Deutschnationalen nicht, denn die beiden unterstehen ja nicht mehr der Fuchtel Hilgenbergs. Argentiniens große Diebe. Sie stahlen wie die Raben. L. G. Buenos Aires, im Oktober. Die Staatsschuld Argentiniens ist unter der zweiten Präsidentschaft Jrigoyens vom 12. Oktober 1928 bis 6. Sep- tember 1939 von 2599 Millionen auf 4299 Millionen Pesos oder mehr als 9 Milliarden Mark angewachsen. Am Tage des Zusammenbruchs betrug das Verwaltungsdefizit 799 Millionen Pesos. Die Staatskassen waren leer, der größte Teil der Gehälter noch nicht bezahlt und der Rationalbank war die Regierung Jrigoyen noch 1S9 Millionen Pesos schuldig. Um die � dringendsten Ausgaben bewältigen zu können, war die provisorische Regierung gezwungen, bei den 21 Banken in der Bundeshauptstadt kurz- fristige Anleihen im Gesamtbetrage von 99, S Millionen Pesos unter sanftem Druck aufzunehmen. Das ist das vorläufige Fazit der Diktatur eines„glor- reichen" Mannes, der nach außen hin auf sein Präsidenten- gehalt zugunsten der Wohltätigteitsgesellschaft verzichtet, den das Volk buchstäblich auf Händen getragen hatte, und der sich nun mit seinen Gehilfen vor Gericht zu verantworten hat. Die durch den Staatsstreich vom 9. September zur Macht gelangte Regierung des Generals U r i b u r u ist eben un- ermüdlich mit der Reinigung des Augiasstalles beschäftigt, den die Regierung Jrigoyens hinterlassen hat. Ihre Aufgabe ist um so schwieriger, als nickt nur die Bundesregierung selbst das Rationalrermögen schwer geschädigt hat, sondern an der Spitze der wichtigsten Verwaltungszweiqe geradezu notorische Verbrecher standen. Da ist es kein Wunder, daß in den zwei Jahren der zweiten Präsidentschaft Jrigoyens so phantastische Summen verschleudert wurden. Jrigoyen selbst hat in nur sieben Monaten seinem Bankkonto 688 S27 Pesos zugeführt. Der ins Ausland geflüchtete Außen- minister Oyhanarte hatte in den 23 Monaten seiner Amtszeit, soweit bis jetzt bekannt ist. Grundstücke und Liegen- schaften im Werte von sieben M i l l i o n e n Pesos er- worden. Bei einem Monatsgehalt von dreitausend Pesos eine gewiß respektable Leistung, denn das bedeutet, daß er der Nation monatlich.399 999 oder täglich 19 999 Pesos ae- stöhlen hat! Aehnlich geräubert wurde im Kriegsministerium unter dem General Dcllepiane, wo unter unzähligen Vor- wänden dem Nationalvermögen Millionen und aber Mll- lionen Pesos entzogen wurden. Ein Beispiel für viele: Delle- plane ließ einen Teilnehmer am Kriege gegen Paraquay pensionieren und aab der Pension rückwirkende Kraft bis 1868! Gesetzlich aber, läuft die Pension von dem Tage, an dem sie� bewilligt wurde. Das heißt, die Jahresvenlion von sechstg Jahren floß mit Zins und Zinseszins in Taichen, die nicht die des Pensionierten waren..In der gleichen Weise wurde mit den Pensionen auch in den anderen Berwaltungs- zweiqsn gewirtschaftet. Dieles gute Beifviel des Kriegs- Ministers wurde von dem Außenminister Oyhanarte, als er davon Kenntn'S erhielt, sofort praktisch angewendet. Zum Glück für die Steuerzahler hatte der Außenminister von der Praxis Delleplanes erst kurz vor dem Umstürz erfahren, so daß er sie, wie bisher festgestellt wurde, nur in zwei Fällen anwenden konnte. Der erste Fall vom Juli 1939 betrifft die Ernennung eines Gesandten für Holland mit einem Monats- gehalt von 1909 Pesos Gold. D'e Ernennung wurde aber fünfzehn Monate zurückdatiert und das Gehalt mit fünf-ehn.Zahlungsanweisungen, die Jrigoven unter- zeichnet hatte, abgehoben. Der zweite Fall ist die Ernennung eines Konsuls erster Klasse am 1. August 1939, die aber bis 15. Oktober 1928, also drei Tage nach Beginn der zweiten Präsidentschaft Jrlqonens, zurückdatiert wurde. Sofort nach der Ernennung ließ Oyhanarte 19 999 Pesos an Gehalt und 19 909 Pesos Gold für außerordentliche, seinem Ministerium erw'esene Dienste auszahlen. In diesen zwei Fällen wurde die Nation um 76 999 Pesos bestohlen. Wegen d'eler von der staatlichen Untersuchungskom- Mission festgestellten schweren Korruptionsfälle hat nun die provisorische Regierung die Anklage gegen Expräsident Jrigoyen, Exaußenminister Oyhanarte und Erkr'egs- minister D e l l e v i a n e erheben lassen, deren Verhaftung und Vermögensbeschlagnahme angeordnet wurde. Jrigoyen ist als Stckatsgefangener auf einem argentinischen Kriegs- schiff, Ovhanarte ist ins Ausland geflüchtet, De'leviane in seinem Palaste gefangen. Die Anklage lautet auf Verletzung der Amtspflicht durch Fälschung ofsizieller Dokumente und Veruntreuung staatlicher Gelder, was mit Gefängnis bis zu zehn Jabrcn bestraft wird. Stellen war übrioens kein Privilegium der Minister. Diebstahl. Bestechung. Günstlingswirtschaft herrschte in allen Verwaltungsäm�ern. Die nationale Lotterie- Verwaltung hatte allein nach Mendoza zu Parteizwecken 190 999 Pesos geschickt, und ein Neffe Jrigoyens hatte diesem geschrieben, er'möge ibm den Betrag für 1990 Lose(25 009 bis 65 999 Pesos) flüssig machen,„eine Sache, die jeden Tag gemacht wird". Der Verwalter dieser Lotterie, Manuel Alna- rado, hatte bei seinem Amtsantritt— er war von dem Gou- verneur der Provinz W�enos Aires, Ar. Vergara, protegiert worden— kaum dos zvm Leben Nötige. Zehn Monate später kaufte er sich für sine, halbe Million Pesos ein Grundstück und bezahlte es bar. Heut? wird sein Vermögen auf viele Millionen �geschätzt.. Es gab tausende staatliche Angestellte, unter ihnen viele MpaZaten, Aerzte, Söhne von Ministern, Gesandten, Bot- schaftenn und Deputierten� idie in mehreren Verwaltungsämtern zugleich Monatsgehälter bezogen, ohne jemals dafür die ge- ringste Arbeit zu leisten. Beispvellose Formen hatte die Korruptton in der Geheimpolizei, deren Chef. Eduardo Santiago, ein notorischer Verbrecher war. D.ank seiner genauen Kenntnis der engen ljusammeiihänge zwischen Parteipolitik und Ver- brechertum beherrschte er die ganze Regierung, so daß ihn der Lnnenmini�er Gonzülez. selbst dann noch deckte, als seine Verbrechen öffentliches Geheimn-s waren. Santiago verfügte eben über diejenigen Elemente, um Führen der Opposition beiseite zu schaffet?,„Dokumente" beizubringen und vor allem die Bevölkerung zu terrorisieren, die sich gegen den Persona- lismus auflehnte. Die Tätigkeit dieses Chefs der Geheim- polizei war denn auch einzigartig. Er hat in acht Fällen überwiesene Bpntnotonfälscher der Bestrafung entzogen, in 51 Fällen FalMspieftr gegen angemessene Entschädigung laufen lassen, in vier Fällen den Raub minderjähriger Mädchen, die der Prostitution zugeführt wurden, geschützt, den schwunghafteften' Mädchenhandel durch seine jahrelange Passivität der 450 Mitglieder zählenden Mädchenhändler- organisation„Zwi Migdal" gegenüber gefördert. Er hat Mörder geschützt, Desraudanten„echte" Ausweispapiere ver- schafft, über LOY Jünglinge der Gesellschaft gegen Bezahlung von 800 bis 1200 Pesos pro Mann vom Militärdienst befreit, Schmugglern Ware und Geld abgenommen und sie nach Umerzeichnnns eines Dokumentes, wonach sie auf den Besitz verzichten, freigelassen. Als nach seiner Flucht der Kassen- schrank seines Büros geöffnet wurde, war er angefüllt mit goldenen Herren- und Damenarmbanduhren und anderen Schmucksachen, die er Schmugglern abgenommen hatte. In einigen Automobilgaragen hatte er vierzehn der luxuriösesten Automobile stehen. Bei der Durchsuchung seines Büros wurden in einer Schreibtischlade 100 000 Pesos in Banknoten gefunden, die er inttzunchmen vergessen hatte, und 150 An- zeigen gegen Verbrecher, die er nicht verfolgen ließ, so daß sie straffrei ausgingen; der Chef der Geheimpolizei hatte diese Anzeigen einfach unterschlagen, um seine Helfershelfer zu beschützen. Er und hundert andere derartige„nationale Hüter der Ordnung und Sicherheit" sind in den Tagen vor und nach dem Umsturz in die Nachbarrepublikcn geflohen, wo ihre Festnahme und Auslieferung nachgesucht wurde. Das den lateinamerikanischen Staaten während eines Fahrhunderts so verhängnisvoll gewesene geflügelte Wort von den„südamerikanischen Raubstaaten" hat zuerst durch die Schandwirtschaft des bolivianischen Diktators Siles, dann durch die ungeheure Korruption unter der Herrschaft des peruanischen Exdiktators Leguia und jetzt durch die schamlose Ausplünderung Argentziniens unter der Herrschaft Jrigopens einen großen. Teil seiner Berechtigung wiederbekommen. Während aber das bei den anderen Stachen nicht allzu tra- gifch zu nehmen ist, lzildet es für Argentinien das schwärzeste Kapitel seiner Geschichte. Mit berechtigtein Stolze konnte das argentinische Volk davauf hinweisen, daß es vierzig Lahre lapg nicht üöUg hatte, korrumpierte Regierungen mit Ee- w alt zu entfernen; das war in diesen vier Jahrzehnten ein Prwuegrüm der anderes. Unter dem Druck der 1890 ge- gründeten„Union Civica Radical" bis zu ihrem Aufstieg zur Macht im Jahre 1916 unter Jngoyen, hat sich das Land friedlich entwickelt, ist es von ehrlichen Regierungen verwaltet worden. Das Programm dieser Partei war, die politische Gewissenhaftigkeit zu schärfen, die Oligarchie, Vetternwtrt- schaft und den Personalismus mit allen Mitteln zu beseitigen, und ihr Werk ist die schlimm st e Korrumpierung aller Lerwaltungszweige und des ganzen öffentlichen Lebens, die Erhöhung der Staatsschulden von 683 Millionen Pesos im Jahre 1916 auf 4200 Millionen im Jahre 1930. Sie hat eine Generation notorischer Verbrecher herangezüchtet, die das Nationalvermögen unter sich aufteilten und das Land zugrunde richteten. Ihr Sturz erfolqte im letzten Augenblick, denn einen Monat später hätte die Regierung Jrigoyens den Bankrott erklären müssen, und was dann aus Argentinien geworden wäre, ist nicht auszudenken. Nur die strengste Sparsamkeit und eine Volksvertretung, die aus ehrlichen Männern besteht, kann das Schlimmste verhüten und die Wirtschaft des Landes wieder allmählich auf eine solide und gesunde Grundlage stellen. Das 6rbe Gtrefemanns. Scholz nimmt AbfchieS wegen der„unbezweifelbarea Niederlage". Wie schon kurz berichtet, hat der Führer der Deutschen Volks- partei Dr. Scholz seine Aemter als Vorsitzender der Partei und der Reichstagsfraktion niedergelegt. In einem Schreiben an den Vorstand der Volkspartei schlägt Dr. Scholz den Reichstags- abgeordneten Dingeldey als seinen Nachfolger vor. Der engere Vorstand der Volkspartei hat daraufhin einstimmig beschlossen, dem Zentralvorstand, der zum 30. November nach Berlin ein- berufen ist, die Wohl Dingeldeys zum Parteivorsttzenden zu empfehlen., Scholz begründet seinen Rücktrirt mit seinem Gesundheitszustand, der u. W. in der Tat viel zu wünschen übrig läßt. Trotzdem spielen bei seinem Verzicht auf die Führung der Volkspartei politische Gründe mit. In seinem Abschiedsbnef spricht Scholz zum Schluß von einer„unbezweifelbarei, Niederlage", die seine Partei bei den letzten Wahlen erlitten hat. Diese Niederlage, sein mangelhaftes Geschick bei Verhandlungen um die „große Mittelpartei" und seine Niederlage in dem Kampf um die Präsidentschaft des Reichstags sind es ge> rvesen. die es maßgebenden Kreisen der Volkspartei dringend an- gebracht erscheinen ließen, ihm den Rücktritt von der Führung der Partei anzuempfehlen. Man hat den Rücktritt zwar nicht erzwungen, aber man kann ebensowenig sagen, daß Scholz von sich aus ohne Initiative von dritter Seite seinen Abschied genommen hätte. Scholz ist wie K o ch von der Staotspartei Opfer jener Krise geworden, in der sich zur Zeit sämtliche bürgerlichen Parteien be- jinden. Nach dem Beschluß des engeren Vorstandes der Volkspartei ist anzunehmen, daß der'Darmstadter Rechtsanwalt Dingeldey Nachfolger von Scholz wird. Cr. vertritt innerhalb der volkspartei- lichen Rcichstagsfraktion die gemäßigte Richtung und gilt auch außer halb seiner Partei alsbesonnenerPolitiker. Severins an die Republikaner! Massenkundgebung im Gporipalafi.— Glänzender Verlauf. Die große republikanische Kundgebung, die das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold gestern abend im„Sportpalast" veranstaltete, zeigt« durch Rissenbeteiligung den entschlossenen Willen der Berliner Republikaner, sich durch das lärmende Treiben der Faschisten nicht aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen. In Massen waren die aktiven Reichsbanner-Kameraden dem Ruf der Führung gefolgt, in wuchtigen Kolonnen zogen sie von Norden und Süden, von Osten und Westen der Stadt heran, um schon durch ihren Aufmarsch zu zeigen, daß die demokratische Republik nicht ohne Schutzwchr gegen Ueberrunipelungsoerfuche ist. Ernst und würdig wie der Zweck der Kundgebung war ihr Verlauf. Nachdem die endlosen Fahnenreihen einmarschiert waren, nahm der Berliner Gauoorsttzende Reichetagsabg. Stelling das Wort zur Eröffnung der Versammlung:„Besonders herzlich begrüßen wir unseren Freund und Kameraden Karl Severing (stürmischer Beifall), den preußischen Innenminister, zu dem wir das feste Vertrauen haben, daß in seinen Händen das Schicksal der Republik wohl verwahrt sst. Getrosten Mutes ver- nahmen wir seine Berufung. Wir wollen, hier Abrechnung halten mit dem Faschismus. Dem Terror und der wüsten Gewalt stellt sich das Reichsbanner mit Kraft und Zuversicht entgegen." Dann sprach, von immer wiederholtem stürmischen Beifall be- grüßt, der preußische Innenminister Karl Severing: „Unser Freund Stelling hat in mir den alten neuen preußischen Innenminister willkommen geheißen. Seit der Uebernahme meines allen Amtes ist diese Versammlung in diesem Saal, in dem sonst Räder rollen, die erst«, in der ich die republikanischen Kräfte rednerisch zu unterstützen versuche. Mein Amt legt mir Zurückhal- tung und Freimut zugleich auf. Der zweiten Verpflich- tung möchte ich zuerst nachkommen: Wenn die Feinde der Republik ihre politischen Ziele durch Gewaltanwendung verwirtlichen wollen, so haben sie die Rechnung ohne die preußische Polizei gemacht.(Lebhafter Beifall!) Die Exekutive in Preußen ist auf dem Posten.(Erneute Zustimmung!) Aber mir leben nicht dahin in satter Selbstzufriedenheit, wir liegen nicht auf dem Faulbett der SelbstsättiZung. Unaufhörlich arbeiten wir an der Bervollkommnuag der staatlichen Machtmittel. Wir wollen erreichen, daß wir über alle Bestrebungen der Feinde der Republik zeitig genug unterrichtet sind, damit ihrerseits die Schutzpolizei zeitig genug auf dem Platz« ist, um einen lokalen Brand zu er- sticken und auch mehrere lokale Brände, aus denen vielleicht«in Zsntraifeuer entstehen sollte, bewältigen können. Wer es wagt, rnil der preußischen Polizei anzubinden, dessen Kopf braucht nicht mehr zu rollen, der hat niemal» einen Kops gehabt. Bor einer größeren Oefsentlichkeit möchte ich es heute aus- sprechen, daß die Kraftmeierei gewisser Phrasenhelden keinen GrundzurKopfhängerei gibt. Um eine erfolgreiche Gewalt- anwenduvg zu verhindern, ist alles getan. Aber g e ist i z e Be- w«jungen— verzeihen Sie das in diesem Falle hart« Wort— und seelische Bewegungen kann man nicht allein durch die Polizei unterdrücken. ZKaa darf der Obrigkeit nicht alle» anvertrauen. Zeder einzelne republikanische Staatsbürger hat die Pflicht, an der Gesundung unserer politischen Zustände mitzuarbeiten und neben den Fehlern anderer in Selbsterkenntnis auch die eigenen Schwächen sich vor Augen zu führen. Es ist nicht Einiges, sondern Vieles versäumt worden. Nicht mit allem sind wir einver- standen, was nach der Berkündnng der Verfassung von Weimar geschehen ist. Wir hoffen auf einen rascheren Ausbau dessen, was sie verspricht. Aber hat nicht die Kritik oft das Maß überschritten? War es immer aufbauende Kritik? Hat nicht Miesmachen manchen die Mitarbeit verleidet? Es hat Menschen gegeben, die da meinten, daß mit der Ausrufung der Republik am 9. November 191L alles geschehen sei und nun automatisch die erhofften Dinge ihren Gang nehmen. Ihnen müssen wir dos Wort eines unserer Größten entgegenrufen:„Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muh." Der 14. September 1930 mahnt die lebende Generation der Republik daran, die ersten Ansätze deutscher Freiheit nicht wieder zertreten zu lassen. Wir müssen uns die Freiheil verdienen, indem wir die Scharte wieder auswetzen. Wenn wir glauben, daß unser Volk in allen seinen Teilen für den Uebergang vom Unter- tanen zum Staatsbürger, vom Halbabsolutismus zur demokratischen Republik nicht reff gewesen ist, dann müssen wir durch Aufklärung und Erziehung des deuffchen Volles in allen seinen Gliedern eine lebendige Demokratie erwecken. Die Aufgabe ist schwer, und leichter ist es, von der Opposition aus alles anzugreifen. Ein altes Sprichwort sagt:„Eine gute Sache empfiehlt sich selbst, eine schlechte muh man loben!" Von diesem Lob hat uns die Demagogie unserer Gegner vor dem 14. September und vor den Nachwahlen vom Sontag einen Geschmack gegeben. Es muß anders werden und es wird anders werden, wenn jeder Republikaner sich zur d e m o- kratischen Erziehung der Bolksmassen zur Verfügung stellt. (Stürmische Zustimmung.) Jene Nationalsozialistische Partei hat sich bis vor kurzem ge- weigert, eine Partei zu sein. Sie nannte sich Bewegung: sie be- cnspruchte sogar eine Weltanschauung. Eine Weltanschauung bedarf einer sittlichen Grundlage. Wo ist die sozial und national sittlich« Erunklage der Nationalsozialisten? Ein Demokrat hat das Wort geprägt:„Nicht helfen und tadeln, nein, helfen und adeln!" Wo wird geholfen und geadelt? Man nennt sich Erneuerer des nationalen Denkens. Aber nicht die Phrase, sondern die Tal bringt national« Befreiung und Wiederaufstieg. Diese Tat liegt nicht bei den Nationalso-ialisten, sondern bei den Republikanern. 'Als die Lautesten von heut« noch die Schulbänke drückten, da stellt« sich 1914 die größte republikanische Partei«in in die einmütige Abwehrfront. Ein konservativer Reichskanzler zitierte das Wort des Arbeiterdichters, daß Deutschlands ärmster Sohn auch sein getreuester war, und ein deutschnationaler Reichsraisbevoll- mächtigter wiK>erholte es 1929 nach der Abstimmung in Menftein und Marionburg. 1918 stellten sich die Republikaner vor das arme. ausgeplünderte, zum Weißbluten gebrachte Vaterland.(Stürmischer Bei'all.) Arrogant und srecb will man sie heute vaterlandsla» I nennen, lind jene Männer sind die vordringlichsten, die damals l in den M a u s e l ö ch s r»- saßen, oder mit blauen Brillen Bässe j nach Schweden und Holland visieren ließen. Ein Verbrechen ist es, die deutsche Jugend aufzuhetzen gegen die Männer, die mehr als die Republik, die Einheit und Zukunft des deutschen Volkes gerettet haben.(Begeisterte Zustimmung.) Ein«Wort noch zu den Köpfen, die rollen sollen. Nehmen wir das Kraftmeiertum nicht zu ernst und zu tragisch. Am meisten aber hassen wir die Indolenz des politischen Flugsandes, und ihn können wir gar nickst ernst nehmen. Uns gehören Vernunft und Zukunft, aber daneben müssen wir auch an das Gefühl appellieren im Bewußtsein der Wahrheit des Satzes:„Mein Sohn bedenke, daß man begeistert sein muß, wenn man große Dinge vollbringen will!" Ist es nicht größtes Ziel der Begeisterung, unser Volk in die a l l g e m e i n e V ö l k e r f a m i l i e zur Wahrung des Friedens einzureihen? Gegen den Schild der Lüg« und Verleumdung die Waffe der Wahrheit und Freiheit und die B e g e i st«- rung gläubiger Herzen, um die Niederungen dieser Zeit zu durchwandern! Gelingt uns das Werk nicht, dann werden nicht nur Köpfe rollen, dann werden die Grundlagen unseres LebensundDaseins beseitigt.(Anhaltende Zustimmung.) Die Außenpolitik würde jene Zweideutigkeit bringen, die uns Kredit un6 Vertrauen nimmt und deshalb den Kampf gegen die Arbeits- lofigkeit unmöglich macht. Eine Politik der Revanche aber, dieses Produkt von Kinterjahren, ließe nicht nur einige Köpf« rollen. sondern gäbe alle Köpfe der Vernichtung preis. So verteidigen wir die Substanz des Reiches und des Volkes selbst. Ein altes Proletarierlied sagt:„Nicht predigen wir Haß den Reichen." Aber wir predigen auch den geistig Armen keinen Haß. Aber Haß dem Haß und Unduldsamkeit der Unduld- samkeit! Wir werden den Spuk des Chauvinismus überwinden! (Jubelnder Beifall und HändeklÄfchen.) Als zweiter Redner sprach Georg Bernhard. Er zeichnete vor allem die wirtschaflliche Widersinnigkeit des nationalsozialistischen Programms.„Wer ein« neue Inflation will, der braucht nur für eine naiionalsoziatistisckze Mehrheit zu sorgen, damit Herr Feder Finanzminister- wird. Unverständlich ist es, wie Männer der Wirt- schaft, die nachher im Ausland Kredits anstreben, mit diesen Leuten frühstücken und techtelmechteln können. Die Sumpfpflanze aus dem Treibhaus des extremsten Kapitalismus fft groß gefüttert wie einst die gelben Gewerffchaften." Nach einem kurzen Appell des Vorsitzenden der Berliner Zentrumspart« i, Rektor Sellerwann, zum Zusammenstehen der Weimarer Parteien, ergriff das Wort, von Jubel begrüßt Aundesvorsihender Hör fing. Punkt für Punkt beleuchtete er die Unwahchastigkest des nationalsozialistischen Parteiprogramms. Besonders scharf geißelte er den politischen Mord als Kampfmittel der Nationalsozialisten: „Drei Viertel aller politischen Morde in Deutschland entfallen auf die Nationalsozialisten. Damit wird ein Tiesstand dieser Partei charakterisiert, wie er bisher nirgends angetroffen ist.(Lebhafte Zu- stimmung.) Wenn aber schon Köpfe rollen sollen, was wir nicht wünschen, dann sei gesagt: Das Reichsbanner steht gerüstet in der Defensive.(Stürmischer Beifall.) Ein geschlossenes Reichsbanner Mutz es geben und keine Nebenorganisationen irgendwelcher Ver- bände. Denn nur eine geschlossene Abwehrorganisation, die alle republikanischen Männer und' Jünglinge in sich vereinigt, kann zum Ziel« führen.(Anhaltende Zustimmung.�' Sollisn'uns die Feinds der Republik angreifen, werden wir sie mit der gleichen Waffe, die sie benutzen, bekämpfen. Wir ringen, bis der Feind am Boden liegt.(Stürmischer Beifall.) «- Nach den Ausführungen des Bundesvorsitzenden Hörsing schloß der Gauvorsitzende Johannes Stelling die Kund- gebung mit einem Dank an die vier Redner, indem er betonte, dem wilden Heerhaufen der Nationalsozialisten werden wir die enb schlossene Abwehrfront der Republikaner entgegen stellen. Langsam leerte sich der Saal, nachdem die Massen stehend das Kampflied des Reichsbanners„Im Kümmernis und Dunkelheit" gesungen hatten. Die einzelnen Ortsoereine des Reichsbanners rückten dann geschlossen in ihre Bezirke ab. Gelegentliche Störungsoersuche von Nationalsozialisten, die in den Nebenstraßen einzeln gehende Reichsbannerleute übsrficl.n und auch im Saal sich bemerkbar machten, wurden durch die über- legen« Ruhe des Reichsbanners schnell erledigt. polizeifunk nach VraunschNeig. Kundgebung gegen das Franzen-Gerichi. Der Polizeipräsident von Berlin teilt mit: „Das Urteil des braunschweigischen Landgerichts in Sachen der einstweiligen Verfügung gegen die dortige Tageszeitung„Volksfreund", das diesem Blatte die Stellungnahme zur Ermittlungssache gegen Staatsm-nister Franzen wegen Be- günstigung untersagt, btzz weifelt verschiedentlich die Glaub- Würdigkeit der vernommenen Berliner Polizei- b e a m t e n. Diese Anzweifelung ist. angesichts der Klarheit und Einheillichkeit der Aussagen derari ungewöhnlich, daß der Polizeipräsident den in Frage kommenden Beamlen, die seit vielen Iahten Ihren Polizeidienst In einwandfreier Weise verrichtet haben, sein vertrauen ausgesprochen hat." Reichswehr und Goziachemokraiie. Sin VerptsiunaSverjuch. Nach einem Bericht der„Verl. Börsenzeitung" soll ein Mitglied der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, der Genosse Gerhard S e e g e r- Dessau, am letzten Montag in einer Versammlung der „Liga für Menschenrechte" u. a. ausgeführt haben, es fei nötig, „die Reichswehr zu diffamieren", man müsse jeden Reichswehr- ssldaten so betrachten,„als ob er die Pest hätte". Wären diele A-ußerungen wirklich gifallen, so müßte die Liga für Menschenrechte sich der Roichswehrsoldaten ganz energisch an- nehmen, denn es verstößt gegen die Menschlichkeit, ander« wegen ihres Berufs als Verpestete zu behandeln. Die„Berl. Börsenzeitung" aber macht den Versuch, die Sozial- demokratische Partei mit der angeblichen Aeußerung Seegers zu be- lasten und aus dieser Angelegenheit weitreichende Schlüsse zu ziehen. Dazu ist zu bemerken, daß erstens sich Seeger nach unserer Unterrichtung gar nicht so geäußert hat. wie die„Verl. Börsen- zeitung" ihm unterstellt, und daß zweitens die Auffassungen, die in jenen angeblichen Redewendungen zum Zsusdruck kommen, das gerade Gegenteil von dem sind, was die Sozialdemokratische Partei für richtig hält. Italien kürzt Gehälter. Aufrollung des Organ fationeproblems. Rom. 18. November.(Eigenbericht.) Ter Ministerrat hat die Herabsehuag aller Gehälter und Löhne sämtlicher Ztaatsbediensteten ab I. Dezember um 12 Prozent beschlossen, auch die aller Vediensteten der Gemeinden und der halbstaatlichen Unternehmungen. Tie Gehälter bei den halbstaatlichen Unternehmungen lrcrdcn von 40 000 bis 60 000 um 25 Prozent, von 60 000 Lire an um 35 Prozent herabgejeht. Die Re- gierung begründet ihre Massnahmen mit dem Staats- defizit. Der Minisierrat beschäftigte sich in den lehte.i Togen vor ollem auch mit dem Problem der Syndikate. Wie wichtig dieses Problem der Arbeiter- und Unternehmersyndikate in der gegenwärtigen Krise geworden ist und wie stark das ganze largo- rative System, das auf ihnen basiert bedroht erscheint, oerrät ein Leitartikel des„Corriere della Sera" ziemlich offen. Der Per- 'asser ist Augusto Turati. der gewesene Generalsekretär der Faichistenpartei. Er klagt, daß schon seit ewiger Zeil ein intensiver anlisyntilkälistlscher Wind wehe. Alle Schuld an der Wirtschaftskrise wollten diese Leute dem korporativen System geben. vor allem Unternehmer behaupten, daß dieses Zwangs- sysiem ihre private Initiative schwer behindere und daß dadurch die Wirtschaftsbeziehungen starr und ansicher würden. Tnrati betont, daß es heute Leute gebe, die das Gegenteil für richtig halten. Diese Leute bewiesen, dass die faschistische Auffassung noch teineswegs gesiegt habe, aber es gebe mir zwei Wege: entweder die volle Annahme der Thesen des Regimes oder die volle Ablehnung und damit die Wiedergeburt der freien Gewerkschaften und de- freien Unternehmertums. Das Unternehmertum scheine solche Sehnsucht nach Areiheik zu haben, daß es sogar den alten Kamps mit den freien Gewerkschaften dem jetzigen System vorzuziehen scheine. Turati aber verlangt«ine noch schärfere Eingliederung der gesamten Arbeitskräste in das korporative System und Ausschließung aller. Ae sich nickst fügen wollen. Es ist aber nicht mehr zu leugnen, daß beute die Arbeiter schon wegen des Vorgehens der Unternehmer gegen das System genau so unzufrieden sind wie die Unternehmer, gegen die Turati wettert. Bassanefi vor Gericht. Aber der Faschismus unter Anklage. Lugano. 18. November.(Eigenbericht.) Am Montag begann vor dem Bundesstrafgericht in Lugano der Prozeß gegen den antifaschistischen Flieger Bassa- nesi. Trotz der gegenteiligen Bemühungen des schweizerischen Bundesrats und des Gerichtspräsidenten scheint der Prozeß zu einem Strafgericht über den Faschismus zu werden. Baffanesi, der bis jetzt den Namen feines Begleiters auf dem Fluge nicht bekanntgegeben hat, bekennt sich frei zu feiner Tat, für die die Brutalität des faschistischen Regimes verantwortlich fei. Der Mitangeklagte ehemalige Chefredakteur des„Eorriexe della Sera" tagte, der Tefstn, in dem demokratische Italiener sich selbst regieren, sei der Beweis dafür, daß auch Italiener unter der Freiheit ge- deihen. Der Angeklagte Rosfelli, dessen Flucht von der Insel Lipari seinerzeit großes Aufsehen erregte, schilderte in ergreisenden Worten sein Schicksal:„Ich hatte in Italien ein f) y u s, man hat es mir genommen, ich hatte eine Zeitung, man hat mich daraus vertrieben, ich hatte einen Lehrstuhl, man hat ihn unterdrückt. Man hat mich ins Ge- fängnis geworfen und deportiert. Ich hatte Freunde. Mattsotti rntd Amendola, und andere. Man hat sie getötet. Alle Mittel der Unterdrückung werden angewendet. Aber wir werden weiter kämpfen." In der Dienstag-Verhandlung schilderte Fllippo Turati. der Führer der italienischen Sozialisten, als Zeuge den Angeklagten als einen stillen, ruhigen und für die Sache der Freiheit und seines Vaterlandes opferbereiten jungen Mann. Graf Sforza er- klärte, die Angeklagten Dassanesi und Tarchiani hätten, wenn sie schuldig seien, für die Freiheit gekämpft, die jedem Schweizer heilig sein müßte. Auf die Frage nach seinem Wohnort antwortete Sforza, daß er in Rom wohnhast sei, zur Zeit aber zu Studienzwecken'in Paris welle, da der Aufenthalt in Rom für ihn unerträglich geworden fei. Der Staatsanwall stellte folgende Strafanträge: gegen Baffanesi fünf Monate Gefängnis, 1000 Franken Gewstrafe und Ausweisung aus dem Gebiet der Schweiz auf Lebenszeit, gegen Tarchiani vierzehn Tage Gefängnis, 300 Franken Geldstrafe und Ausweisung aus der Schweiz für zehn Jahre. Den gleichen Strafantrag stellte er auch gegen R o f e l l i. Schwere Unruhen auf Sizilien. Paris, 18. November.(Eigenbericht.) Die antifaschistische..Italia" veröffentlicht am Montag eine Bestätigung der schweren U n r u h e n, die in S i z I l i e n in- iolge der strengen Tteusreintreihungsmethoden durch die italienisch« Regierung ausgebrochen sind. Danach sind nicht weniger als 300 Verhaftungen namentlich von Frauen vorgenommen worden, die sich an einer Revolle beteiligten. Die Tumulte nahmen nach der„Italia" so drohende Formen an, daß die Karabinieri einschreiten lind von der Waffe Gebrauch machen mußte. Die Zahl der Verwundeten sei nicht bekannt. polnische q Wahlen. Ausruhr in Barcelona. Es wird geschossen.— Eiudenten und Arbeiter für die Republik. Paris. IS. November.(Eigenbericht.) „Paris Zstidl" und„Liberi 6" meld» aas Parce- lona, daß es dort zu schwere» Zusammenstößen zwischen Arbeitern, Studenten und der Polizei gekommen ist. Die Polizei habe wieder in die Menge geschossen und durch ihr brutales vorgehen eine ungeheure Aufruhrstimmung in der Stadl geschasfen. An mehreren Punkten der Stadt habe die zur Verzweiflung getriebene Bevölkerung die elektrischen Straßenbahnwagen umgestürzt und ang-zürdct. Die Läden und Theater se'en in aller Elle geschlossen worden. Wie in Madrid sollen sich auch in Barcelona die Studenten an die Spitze der Bewegung gestellt haben, lln Demonstralionszügen seien rote Fahnen mit Aufschriften wie„Es lebe die Republik" herumgetragen worden. Pressemeldung: In vielen Orifchaften gelang es, auch den letzten Wähler an die Ltrne zu bringen... Oeuisch-englische Sozialpolitik. Arbeitszeit, Produktion und Kohlenmarkt. London, 18. November(Eigenbericht). Die am Dienstag zwischen dem deutschen Reichs» arbeitsminister Stegerwald und dem englischen Bergbauminister J h i n w e l l geführten Berhandlungen betrafen in erster Linie die Fragen der internatio- nalen Siegelung der Arbeitszeit im Berg- bau und sind als Fortsetzung der im Juli dieses Jahres in Genf begonnenen Besprechungen zu werten. Eine von der englischen Regierung am Dienstagabend heraus- gegebene offizielle Mitteilung besagt, dass die Vcrhand- langen zu einer Verständigung der beiden Minister geführt hätten. Gleichzeitig haben aber auch, wie der effi, zielte Bericht mitteilt,„informatorische Besprechungen > über die wirtschaftliche Lage des europäischen Kohlen- Marktes" stattgefunden. Die englische Regierung strebt»ach einer R e g u- lierung und Rationalisierung des euxo- falschen Kohl~e nmarktes. Ihre Absicht ist. Pen europäischen Kohlenverkanf international z u regeln und die Pretsunterbietuagen Der verschiedenen Kohleaprsptzzenten auf dem europäischen Markt zu ver- hindern. Die englischen Kohlenproduzenten sind mit den Pläne» der englischen Regierung einverstanden. Minister Stegerwald versprach die Absichten und Wünsche der eng- lischen Regierung der deutschen Regierung vorzutragen. Labourregierung für Achlsiundeniag. Ratifizierung des Abkommens von Washington. Lonpon. 18. November(Eigenbericht). Als die erste Arbeiterregierung in 1921 dabei war. das Washingtoner Abkommen über den Achtstundentag zum Gesetz zu erheben, wurde diese Absicht durch den Sturz Macdonalds und die Auflösung des Unterhauses durchkreuzt. Die daraufiolzend« konservative, dem Achtstundentag abholde Regierung Valdwm verweigerte die Ratifikation. Am Dienstag hat die zweite Arbeiter- regierung das Werk wieder aufgenommen. Margret Bondfield hat dem Unterhaus ein neues Gesetz über die Beschränkung der Arbeitszeit vorgelegt, das die Voraussetzung zur Unterzeichnung des Washingtoner Abkommens bildet. Cine historische Leistung. So nennt Lloyd George die englische Agrarreform. London, 18. November.(Eigenbericht.) Mit 297 Stimmen der Arbeiterparte: und der Libe» r a l e n gegen 2lK Stimmen der Konservotwen wurde am Dienstag- abend vom Unterhaus dasneueAgrargesetz in zweiter Lesung angenommen. In der Debatte spendete Lloyd George der Regierung die h ö ch st e Anerkennung für dieses Gesetz, dss einen außerordentlichen Fortschritt darstelle und in der Geschichte Englands historisch bleiben werde. In der gleichen Zeit, als die Regierung ihren großen Erfolg im Unterhaus davontrug, wurde ihr wieder einmal von dem Ober- Haus ein Knüppel zwischen die Beine geworfcn. Die Regierung hatte in zweiter Lesung das internationale Abkommen über die chandelssch'ffahrx vorgelegt, das die Sicherheit des Matrosen- lshens betrifft. Trotzdem der Sprecher der Regierung Lord Parmyor erklärte, hie Regierung brauche die Annahme und Durchführung dieses Gesetzes aus internationalen Gesichtspunkten. so schnell als möglich, nahmen die Lord? einen Antrag an, der das Gefetz noch einmal in eine Kommission zurückverweist. SisenbahnersewerMafi gegen iede Lohnkürzung. London, 18. November.(Eigenbericht.) Als Antwort auf die angeörohte Lohnherabsetzung durch die englischen Eisenbahngesellschaften haben die Gewerk« schasten der englischen Eisenbahner bei den kommenden neuen Loh»- Verhandlungen einen M in d e st!« l> n von drei Pfund(60 M.) pro Woche beantragt. Jede Lohnsenkung wird von den Eisen- bahnergewerkschaften entschieden abgelehnt. Diesem Vorgehen haben sich auch die Werkstättenarbeiter angeschlossen. Sie erklären, daß sie unter keinen Umständen in eine Lohnherabsetzung einwilligen, sondern daß es notwendig sei. die Löhne zu erhöhen. Die diesbezüglichen Verhandlungen zwischen Unternehmern und Gewerkschaften finden in den nächsten Tagen statt. ——.i.!........................ Landesverrat. Sie pabst-Feier am Brenner. Der Tiroler Heimwehrfiihrer Dr. Steidle hat den mili- tärifchen Leiter der österreichischen Faschisten, eben den bekannten Waldemar P a b st, oftmals als den Mann mit„der glühenden Vaterlandsliebe" bezeichnet. Die Regierung Schober sah sich veranlaßt, diesen Pabst wegen hochverräterischer Bestrebungen aus- zuweisen. Die cheimwehrregierung Vaugyin-Seipel-Starhemberg hatte nichts Eiligeres zu tun, als diese Ausweisung aufzuheben. Wie er sich auf dem Brenner, nach Durchfahrt durch das so hart unterdrückte deutsche Südtirol von den Italienern verabschiedet hat, berichtet das Faschistenblatt„La Proolncia di Bolzano" in folgender Weise: Major P a b st: �„Ich spreche die Hochachtung und B e- wunderung s ü r' de n Faschismus und feine Organe aus. es lebe der Du«, es lebe Mussolini! Ich schulde den italienischen Behörden und dem Volke großen Dank. Ueberall bin ich in einer Weise aufgenommen worden, die mich da? Fexrckein von meinein Vaterlande hätte vergessen lassen können. Das faschistische Italien ist sehr' schön, bewunderungswürdig." Darauf die italienischen Journalisten:„Unkerc Glückwünsche, Major, unser« Glückwünsche, daß Ihr und die Euren erreichen mögen, was der Faschismus m Italien 1922 geschaffen hat!" . Major Pabst:„Das ist. die Bolschewisten aufreiben!" Die beiden Journalisten fügten hinzu:„Die Klerikalen." Major P a b it:„Und die Demokraten," fügte«r hastig, als könne er«s vergessen, hinzu. Diese Gesinnung des Käppisten Pabst war längst allgemein bekannt. Das hat seinen begeisterten Empfang durch die Heim- wehr... unter den Klängen des südlich vom Brenner verbotenen Andrcas-Hofer- Liedes nicht gehindert.„Pfui Teufel, seid Ihr noch Tiroler?" fragt unser Jnnsbrucker Parteiblatt deshalb die deutschen Faschisten. Aber auch der Tiroler Bauernrat protestiert auf das schärjste gegen diesen schändlichen Verrat an Südtirol und erklärt klar, die Bauern würden mst einer Heimwehr, die solches tut, nichts mehr gemein haben. Oer gestohlene Krieqsplan. General ÄUrcscu durch Tod der Strafe entzogen. Budapest, 18. November. Wie der„Pester Lloyd" meidet, sind anläßlich des Todes des General? M i r e s c u in Bukarest folgende Einzelheitsn bekannt geworden: Vor ungefähr zwei Monaten war das Gerücht verbreitet, daß der General sich vergiftet habe, da damals das Verschwinden eines wicht! gen militärischen Dokumedts entdeckt worden war. Es handelte sich um den Plan der gelncinfainen Mobilmachung Rumäniens. Polens und der Tschechoslowakei lm Falle eine? Augrisses durch Sowjetrußland. Der Plan wurde damals in Faksimile in tschechischen Blättern ver- öffentlicht, und so wurde erst die rumänische Militärbehörde auf das Verschwenden des Dokuments aufmerksam. Es stellte sich heraus, daß das Dokument dem General Mirescu, damals Kriegs- minister, abhanden gekommen war. Der General hatte sich zum Sommeraufenthalt in den Badeort Dornawatra begeben und dort bis Vckannlschasl einer Dame gemacht, die eine Spionin wo, und ihm das. Dokument entwendete. General Mirescu hatte damals n i e m a nd Über das Derschwinden des Dokuments Mitteilung gemacht Erst zwei Monate später wurde auf die erwähnte Art die Aufmerksamkeit der militärischen Behörde daraus gelenst. Damals verlautete, daß der General nach seiner Genesung vor ein Militärgericht gestellt werden würde. Durch seinen Tod hat diese Angelegenheit ihren Slblchluß gefunden. Dr. Käthe Schirmachcr gestorben. Dr. Käthe Tchirmacher, die bekannte Schriftstellerin, ist am Mont.ignachmittag m Meran an Herzschwäche verschieden. Bon 1919 bis 1920 gehörte Käthe Schm- machet als Abgeordnete der Dcutlchnationalen Partei der National- Versammlung an. Die türkische Oppoiiiwnsparlei aufgelöst. Die kürzlich von Fethi Bey gegründete türkische liberale Oppositionspartei beschloß ihre Auslösung, weil der Staatspräsident Kemal Pascha Führer der alten Lolkspartei geblieben ist und man nicht gegen ihn kämpfen will. Die Banken für Gtegerwald. Gehalisabbau für die unieren Angestellten. Wie uns der Allgememe Verband der Deutschen Bankangestellten mitteilt, sind die freien Verhandlungen mit dem Reuhsoerband der Bankleitungen, die im Sitzungssaal« der Industrie- und Handels- kommer gestern vormittag 1l Uhr begannen, gescheitert Der Neichsoerband der Bonkleitungen oerlangte durch seinen Verbands- direktor, daß das Lohnniveau in Deutschland auf den Stand des Jahres 1327 zurückgeführt werden müsse. Er machte eine Rechnung aus, wonach den Bantangestellten. ein ZSprozeniiger Lohnabbau auserlegt werden müsse. Nachdem die Ausführungen von den Ver- tretern der Bankangestellten entsprechend bekämpft waren,„be- schränkte" sich Dr. Haessncr auf die Forderung einer llpro- zentigen Se n k ung der Tarifbezüge. Außerdem müsse aber«ine Reduzierung der Berufsjahr st affel der- gestalt eintreten, daß Gehaltssteigerungen nur mehr bis zum 33. Lebensjahr gewährt würden. Das Aufrücken zum kommenden 1. Januar müsse außerdem generell unterbleiben. Im übrigen erstreb« der Reichsoerbaird der Bankleitungen grundsätzlich einen anderen Ausbau des Tarifes der den„veränderten Verhältnissen" Rechnung trage. Die Forderungen seien hiermit natürlich noch nicht erschöpft. Der Rcichsverband der Banklcitungen wolle jedoch erst grundsätzlich die Stellungnahme der Arbeitnehmer- verbände zu diesen Forderungen hören. Di« Erklärungen der ein- zelnen Organisatwnsoertreter gingen dahin, daß � von einer Zustimmung zu irgendeiner Gehaliskürzung keine Rede fein könne, der Hinweis auf das Lohnniveau von 1927 sei schon deshalb verfehlt und zwar mit Rücksicht auf die vollkommen anders geartete Em- wicklung, die der Bankentarif in den letzten drei Jahren entgegen der Beamtenbesoldung genommen habe. Der Standpunkt der Ange- stelltenorganisationen ging überein st im mend dahin, daß, ver- bunden mit einer entsprechenden Kürzung der jetzigen tariflichen Arb'eitszeit im Bankgewcrb« der Tarif um' ein Jahr verlängert werden könne, eventuell auch für einen kürzeren Zeitraum. Von den Uitternehmern wurde die Erklärung abgegeben, daß die Vertreter nicht ermächtigt seien, auf einer derartigen Grundlage � abzuschließen. Darauf wurden die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen. Der Allgemeine Verband der Deutschen Bankangestellten ver- anstaltet heute vormittag 11 Uhr im Admiralspalast«ine große öffentliche Kundgebung, die sich mu dem zu organisierenden Ab- wehrkampf der Bankangestellten befaßt. Als Redner sind neben den Betriebsräten der Großbank die Hauptfunktionäre der Orga- nisaiion vorgesehen. Die Bankangestellten werden also Gelegenheit haben, in aller Oeffenllichkeit zu sagen, was sie von den Forderungen der Bankleitungcn halten. bekommt, ober«in»nzulSssige? Zwang sei auf den Kläger nicht ausgeübt worden. Es bleib« ja dem Arbeitnehmer überlassen, ob er zu den ihm gebotenen Bedingungen arbeiten wolle oder nicht. Wenn er mit den Arbeitsbedingungen einer Firma nicht zu- frieden sei, dann könne er ja zu einer anoeren Finna gehen. Der Tarifvertrag enthalte nichts, woraus gefolgert werden könnte, daß die Vereinbarung mit dem Kläger ungültig fei. Verkehrte 40-Einnden-Woche. Wie sie vom Vroukapital verstanden wird. Der Verein der Brauereien Berlins, wünschte Anfang November dieses Jahres mit der Gewerkschaft über die E i n- führung der 43-Stunden° Woche zu verhandeln. Naturgemäß waren die Gewerkschaftsvertreter über dieses An» sinnen der Brauereibesitzer sehr überrascht, zumal sich im Laufe des Jahres der Personalbestand in' den Berliner Brauereien so verringert hatte, daß von der übrig gebliebenen Arbeiterschaft die Betriebe kaum bewäll igt werden können. Deshalb richteten die Gewerkschaftsvertreter bei den ersten Verhandlungen an die Unternehmer die Frage, od sie in erster Linie an«ine Entlastung des Arbeitsmarktes durch die Einführung der 43-Aunden-Woche denken. Auf diese Frage blieben jedoch die Unternehmer die Antwort schuldig, es stellt« sich vielmehr heraus, daß es den Brauereibesihern vor allem auf die mit der 40-Slunden-Woche verbundene erhebliche Lohnkürzung ankommt. In den lange ausgedehnten Verhandlungen erklärten dem- gegenüber die Arbeitcrvertreter, daß die Brauer und Fahrer nicht daran dächten, die gegenwärtigen Krisenlasten allein zu trogen, besonders wo die hohen B e t r l e b s g e w t n n« den Brauereien große Investierungen, Mschreibungen und die Häufung ansehnlicher Reservefonds gestattet haben. Dann wird überhaupt die 40-Stundcn« Woche in dem von den Unternehmern gewünschten Sinne bestritten. Die Arbeiter bestreiten nichteinen gewissen Rückgang des Bierkonsums. Dieser hat aber besonders schwer die Malz- und Weißbierbrauereien getroffen, die 53 Proz. ihres Absatzes verloren haben. Dagegen ist der U.mfa tz r ü ckga n g t> e i den Lagerbierbrauereien nur minimal, bei den einzelnen Werken vielleicht 1333 Hektoliter im Monat, was bei einem Jahresausstoß der Berliner Brauereien von fast 6 INillioncn Hektoliter natürlich kaum ins Gewicht fällt. Trotzdem wurden fortgesetzt Entlassungen vorgenommen. Waren Ende Oktober 1329 nur 738 Brauereiarbeiter auf dem Fachnachweis, so waren es End« Oktober dieses Jahres 437 Arbeits- lose mehr, näinlich 114S Mann. Zu diesen 437 im Laufe des Jahres entlassenen Arbeitern kommen noch 146 ob- gebaute, über 65 Jahre alte Arbeiter, so daß rund 633 Mann von rund 7333 in den Berliner Brauerelen Beschäftigten in jüngster Zeit auf die Straße gefetzt wurden. Dies bedeutet natürlich für die oerschonr gebliebenen Arbeiter eine erhebliche Be- lastung. So wird von Bierfahrern berichtet, daß sie durch die übermäßige Stillegung von Bierwagen über 233 anstatt früher 93 Kunden beliefern sollen, was selbstverständlich nicht zu bewältigen ist. Es blieb den Brau unter nehmern schließlich nichts weiter übrig, als ihren Vorschlag zurückzuziehen und zu erklären, daß man am 31. Dezember des Jahres erneut mit den Gewerkschaften verhandeln wolle. Die unnachgiebige Haltung der Gewerkschaften, in die ID-Stunden-Woche nur bei angemessenem Lohnausgleich und bei Einstellung neuer Arbeitskräfke einzuwilligen, hat den verkappten Lohnabbauversuch der Brauereibesiger vereitelt. lieber dies« Dinge berichtete Genosse Schmitz in einer über- füllten Sektionsversammlung der im Nahrungsmittel- und Getränke- arbeiterverband organisierten Brauereiarbeiter. Die Versammlung, die Sonntag vormittag im Großen Saal des Gewerkschaftshauses tagte, billigte nach längerer Diskussion einmütig, die Haltung der Gswerkschaftsvertreter in diesem Konflikt. Meiallarbeiierverband bleibt stark. Die Organisation im Äesirk Brandenburg. In der Bezirkskonferenz des Deutschen Metallorbeiterverbandes für den Bezirk Brandenburg, gab der Bezirksleiter Genofs« Mieles nach einem großangelegten Referat des Vorsitzenden Genossen Reichel den Jahresbericht. Die Zahl der Befchäftigtcn ist stark gefallen: 41 892 gegenüber 49 213 im Jahre 1929 und 54 331 in 623 Betrieben im Jahre 1928. Dauernd stillgelegt wurden 1933 27 Betriebe mit 3489 Beschäftigten und vorübergehend stillgelegt 63 Betriebe mit 7216 Beschäftigten. die je nach den Verhältnissen bis zur Wiedereröffnung der Betriebe 2 bis 43 Wochen arbeitslos wurden. Die Lohnbewegungen waren nicht Abwehrbewegungen gegen Verschlechterung der Akkordoerdienst« und sonstigen Arbeits- Verhältnisse E'n Lohnabbauschiedsspruch ist für die Schiffswerften der Havelgruvpe gefällt in Höhe von 3 Pf. pro Stunde, den die Unternehmer angenommen und die Arbeiter a b- g e l e h nt haben. Der Manteltarif des Verbandes Brandenburgischer Metallindustneller wurde mit wenigen Aenderungen erneuert und der Lohntarif für die Optik in Rathenow bis 33. Juni 1931 verlängert Die Mitglicderzahl ist trotz der geringeren Zahl der Be- schäftfaten e r h a l te n geblieben mit 31 633 am 1. Oktober 1933 gegenüber 32 476 am 1. Januar 1933. Die Wirtschaftsschul« in Dürrenberg besuchten 19 Kollegen, 5464 Besucher waren bei 48 Licht- bildervorträzen. Gegenüber den Gewerkschaftsipaltern wird mit aller Energie vorgegangen werden. Alle Organisationen der Arbeiterschaft müsien einander stützen im Kamps gegen die Unternehmer und ihre Hilfskräfte, die Nationalsozialisten und Gewerkschaftsseinde. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, die dem Borstavd und der Bezirksleitung, sowie den Ortsverwaltungen das i Vertrauen ausspricht. Im Kampf gegen Unternehmer und Gewerkschaftsspalter werden alle Milglieder zur Organisationstreue und Gegenwehr aufgerufen Als Mitglieder in den Erweiterten Betrat wurden gewählt L e h m a n n- Rathenow und Kleeberg- Fürstenwalde. In die engere Bezirkskemmission Witt- Branden- bürg, G ru h l-Rowawes, S t r ü v e r- Finsterwclde und 5?ey l- Luckenwalde. Mit einem Aufruf des Bezirksleiters zur gemeinsamen Arbeit schloß die in bester gewerkschaftlicher Arbeit verlaufene Konferenz.___ Lohnabbau die große Mode. Die Karosseriearbeiter unter dem Zwang 3er Arbeitslo�ateit. Seit Monaten schon bemühen sich die in, K a r o s s e r i c- kartell zusammengeschlossenen Gewerkschaften für de Arbeiter in den Berliner Karosicriefabriken einen neuen Lohntarif abzuschließen. Der Lohntarif ivar von den Unternehmern zum 33. September gekündigt worden Die Unternehmer verlangten einen Lohnabbau von 15 Proz. und lehnten alle direkten Verlzand- lungen auf einer anderen als dieser Grundlage ab. Der Schlichtungsaurlschuß hat nach Mehrinaligen ergebnislosen Verhandlungen den Torifparteien jetzt srnen Vergleichsvorschlag gemocht, der wie aufs Haar dem Schiedcipruch für die Bau- und Geldfchrankschlofser gleicht. Der Bergleiche vorschlug fleht ab 1. Januar emen Lohnabbau� um 3 Proz. und bei einem Sinken der Reichsinderziffer der Lebenshaltungskosten unter 143 um weitere 3 Proz. vor. Die Arbeiter der Karosseriebranche haben am Montag zu dem Bergleichsoorfchlag Stellung genommen. De geheime Abstimmung ergab-nicht die notwendig« Dreioiertelmehrh.'lt für den Streik, so daß mit Zustimmung der Versammlung der Vergleichsvorfchlag als von den Arbeitern angenommen gilt. Der Grund für dieses Abstimmungsergebnis ist die ä u ß e r st i schlechte Beschäftigungslage in der Berliner Karosserie- branche. Etwa ein Drittel der Arbeiterschaft ist nur noch voll beschäftigt, während der Rest verkürzt arbeitet oder arbeite- l o s ist Die Karosserieaicheiter waren deshalb der Aufs isf'ing, daß angesichts dieser ungünstigen Derhältnisse ein Kampf'.ur wenig Aussicht auf Erfolg haben würde. Die Stellungnahme der Unter- nehmcr zu dein Verglcichsvorschlag steht noch aus, da die Er- tlärungssrist bis zum 20. November läuft. „Verrückter Schiedsspruch." Nicht drei und sechs, sondern drei und drei Prozent. Der Schiedsspruch des Berliner Schlichtungsausschusies im Bon- schlosierstreik, den wir am Sonnabend kritisierten, sieht, wie uns und dem Metallarbeiterverband berichtigend mitgeteilt wird, nicht«inen insgesamt neun prozentigen Abbau der Tariklöhne und Akkorde vor sondern„nur" einen l e ck sprozentigen Abbau. Di« Tarif- lohne und Akkorde sollen ab 1. Januar um 3 Proz.. und. wenn die Reichsindexziffer der Lebenehaltungskosle» unter 140 sinkt, um weitere 3 Proz. abgebaut werden Die. Fassung des Schiedsspruches ist so unklar, daß sowohl die Ortsverwaltung des Mekistarbeiter- Verbandes sowie die Branchenleitung der Bau- und Geldschrank- schlosser annahmen, daß bei dem Sinken der Rcichsinderzifser unter 143 der Lohn um weitere 6 Proz. gekürzt werden kollte. Wörtlich heißt es in dem Schiedsspruch: ..Vom 1. Januar 1931 an ermäßigen sich d-e tariflichen Stunden- löhne, in der G.'ldschrankindustrie auch die Akkorde um 3 Pröz. Sinkt während der Vertragsdauer die Reichsinderzifter lLebens- haltungskosten) eines Monats unter 143, so ermäßigen sich die bis- berigen Löhne und Akkorde von der ersten Lohnwcche des nächsten Monats an um 6 Proz." An der Tatsach«, daß der Schiedsspruch eine ungeh-nerliche Zumutung an che seit über füns Wochen streikenden Bau- und Geld- lchrankscHosser ist, wird auch durch diese Richtigstellung nichts ge- ändert. Die Streikenden hätten den Schiedsspruch bestimmt mit der gleichen Mehrheit abgelehnt, wenn sie gewußt hätten, daß.'icht ins- gesamt 9 Proz., sondern 6- Proz. Abbau darin vorgesehen waren. Das Entscheidende bei ihrer Abstimmung war, daß der Schudsfaruch die Tarifbestimmung beseitigt, wonach bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht verschlechtert werden dürfen. Durch die Beseitigung dieser tariflichen Sicherungsklausel Ut den Unternehmern die Möglichkeit gegeben, die übertarifliche« Löhne nicht nur um 3 bzw. 6 Prnz. zu kürzen, sondern bis aus die reduzierten Tariflöhne, also um 13 ch-s 15 Proz. Wie wir weiter er- fahren, hat der Schutzverband Berliner Schlossereien und die Schlosserzwangsinnung zu Verlin den Schiedsspruch angenom- m e n und bereits feine Verbindlichkeitserklärung be- antragt._ Nachverhandlungen im Nuhrkonfl ki. Zechenverband fordert Verbind ick�eiärung. Der Zechenverband hat den das Tflehra-eltszeikabkommen lra Ruh be g au verewigenden Schiedsspruch natürlich angsnommeu und die�UerblndUchkeitserklärnng beantragt. Der Antrag dürste heute im Reichsarbeilsminlsterium eingehen, voraussichtlich werden die Ikachverhandlungen noch im November in Verlin vor sich gehen. Lustig sür MetaNindustriette. Gehaltskürzung zulälfia. In der Strsitsrag«, ob sich die Angestellten der Metallindustrie, die nach dem Verlangen der Unternehmer o e r k ü r z t arbeiten müsien, eine Gehaltskürzung gefallen lassen müssen, haben die Mctallindustriellen zum zweiten Male ein obsiegendes Urteil des Landesarbeitsgerichts Berlin erlangt. Der erste Fall betraf die Klage eines Angestellten her Brennabor-Werk«. Jetzt hatte sich die Kommer 5 uiüer Vorsitz des Landgevichtsdirektor Dr. Heise mit einem gleichliegenden Fall zu beschäftigen, wo ein Angestellter der Bergmann-Elcktri- zitsitswerk« als Kläger auftrat. Cr ficht den ihm wegen der Arbeitszeitverkürzung gemachten Gehalteabzug als ta rif widrig. an, weil der Tarif Monatsgehälter festsetzt und nichts da- von sogt, daß diese bei etwaiger Berkürzung der Arbeitszeit gekürzt werden dürfe. Die Firma beruft sich dagegen auf ein mit allen chren An- gestellten abgeschlossenes Einzelabkommen, wonach sich der Angestellt« damit einverstanden erklärt, daß sein Gehalt bei verkürzter Arbeitszeit entsprechend gekürzt wird. Rechtsanwalt Oppenheimer, der die Firma vor Gericht vertrat, glaubte den Gehaltsabzug noch als„besonders human" hin- stellen zu können, denn den Angestellten wurden ja„n u r 13 P r o z." abgezogen, obgleich ihre Arbeitszeit um 13 bis 16 Proz. verkürzt worden sei. Rechtsanwalt Dr. Braun, als Vertreter des Klägers, be� zeichnet« die Auslegung des Tarifs durch die Unternehmer als eine Bergewaltigung des Tarifvertrages, das dem Kläger ohne Zweifel das volle Monatsgehalt gewährleiste. Nach einem Zuständigen Rededuell der beiden Anwälte war das Gericht in einer zehn bis fünfzehn Minuten währenden Be- rotung mit seinem Urteil fertig, das die Klage des Angestellten abwies und zwar aus den gleichen Gründen, die die Kammer 8 im Falle der Brennabor-Werke anaesührt hat. Die Einzel- a b m a ch u n g mit dem Kläger sei gültig, sie widerspreche n'cht dem Tarif. Es könne kein Zweifel darüber bestehen, daß«ine Ge- haltskürzung von 10 Proz. zulässig sei, da ja die Arbeitszeit noch über dieses Maß hinaus gekürzt worden sei. Es fei ja bedauerns- wert, wenn ein Festangestellter«in geringeres Gehalt als bisher Die Schw�hen wollen nicht zurückstehen. Württemderg.sche Meto lindustriette loidern 45 pivzent. Sluikgart. 18. November(Eigenbericht). Der Vorstand Württemberg scher Metallindustrieller hat das zurzeit gültige Lohnabkommen zum 31. Dezember 1933 ge- kündigt. Er oet langt nicht weniger als einen Verdienstabbau von 15 Proz. In demselben Ausmaße sollen auch die Tarifmindestlöhn« gesenkt werden. Ebenso hat: der Verband der Uhren- Industrie das zurzeit gültig« llollektioabkommen für den 31. De- zcmbcr 1933 gekündigt. Welche Abbcusorderungen er zu stellen beabsichtigt, ist noch nicht bekannt. Di« zuständigen Organisationen werden in den nächsten Tagen zusammentreten. SPD..««Nossen Sei Siäbtischen Waffcrwe:!-: T-nncrÄ-a. 16H Ul>r. Z in baver'ando tzcftfiücn, Zleue Duedrichstr. 83, wichtig« Versammlung, g -Alle Senoss.-n ffirtivn dring--ni> crsuchl.*u kommen. f-J Ter Ätnftlor.onorftorb der SPD. Da»«etrl«b»setretariat. Ui 2PD..>sratt'on beim Aibeiteamt Berlir-OX sslcitaa. 164 Uhr, M im Loa'rtanno. O. IIS. miorrpronrnade Z. nilch'iac Bcrlammluniv Sc. S noZe B-iIracrmc:s!rr Paul Miclii, spricht Uder.Droht uns der ssaschi». S MUS?" f eoer Vcii'ch wird rrwartel. Der!sraktlon,»»rst»rd. S Srädtisrlc» Oldach! 6PD..Kralti-n»v-rs-mmIuna ssreita». 20 Uhr, fe bei krause, S aumcr.str. SO, Ecke Sen«s-Iderstraftc. Um recht zahlreichen W Besuch bittet Der ffraUlon-norst-nd. 1----l (ftewefklchnsts-Auflest VVeflin Seilte folaeude Veranstaltungen: Gruppe Sumboldti Iugcnhhnm Graun. Ecke Lori>inastroste. g-hrtenerlebnissc.— Silden, Südwesten! Schnigelsahrt zum Vogenice. Dreisen um 7 Uhr am Echlesischen Dahn- hos.— EewerlsFastetau»: cckmiSflfoistt nach Eriinau.— Schi>»eberg: ssahrt nach Strausberg.— Tc�pclhoi: Auf zur ssahrt durch d'e Schor-Heidc— Ren. iiMn: Echu tzelkahrt nach ssr.-deeedarf.— Vaumsit uicuiregi Gruppenfahrt. � Moabit: Wir fahren nach Bernau.— Weihenic«: ssahrt nach Brieselang.— Morgen, Donncrstaz. um 194 Uhr, t äff in die Gruppen: Rj-crirf: Zugerthr'm Griinaucr Str. ä. Brihenrartraa:.Unsere glthrer— 1. Abend: sseudinanb Lassalle".— Eesnudbrunren: 5'llgendheim Baie Schule. Soicnburaer Str. Z. Vortrag:.Internationaler Ecwerkschaf'obund und B ote Scwerkschafto'nter» nafonalc".— Vitdoslen: Gruvpenheim ZZeichenberger Str SS nleuerwehrhau«). Vortrag:„Gewersfckaften im Ausland— Italien". � Tempcldof: Srupp-rheim Lyzeum Kermanivstr. 4—6. Di« an dem Sv'.ollciteriurlu» deteiligten ffollcaca gestalten den Aberd aus.— Moabit: Jugendheim Lehrter S't. 18—19. Mädch n. nvu i>.— Ren-Lichtenberg: Jugendheim Gunterltr. 44. Reihenporlrag:..Dir SleUuna der fdrau in der Gcsellschaft".— LiGtenberg: Iuaendheim Sauds» an dcr Lcssingstraäe Bcih'nuortraq:..Arbeitcrfiihrcr— Marx".— Schjjrhau'er Tor: Jugendheim Dicckstr. 18 isseuerw-hrhausi. Sasemann kommt.— Land». tcexer Platz: Jugendheim Dirstelmeperstr. S. Lustiger Abend von Gutheit. �»loen'Vrupoe vesZertra verhonves ver AnneUeilten Heute. Donnerstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Pankow. N:«d«rschö»hansen: Iuguidheim Gbrschstr. 14 lgrotzcz Jammer). Jährten. ccinncrung-n.— Osten: Jugendheim der Schul- Litauer Str. 18. Vortrag: ..Deutschland im Spiegel dcr Weltw'rtschaft". Beferent Willi Derkow.— Treptow: Iugu dheim 5;t Schule MIdcnbruchstr. 53 lstuaan« von der Eraetz- straßc in Trcptow). Vei UNS geht's weder so noch so, sondern sd. Verantwortlich«ür Volitit: Victor SchisI: Sirllchast: S.«Iinqelhkscr! Severklchaklsbcwegung. I. Steiner: Zeuillclon: Dr Zohn Schitow»!!: Lokale» und Sonstiaee ilri» Ziarstädt: Sn,c:aen: Id Glocke: sönillich in Berlin. Verlag: Borwärts-Verlag G. m d. H Berlin Druck: Vorwiirls.Viichdinckcrei und Lerlffffsanftali Paul Singer u. Co. Berlin SW 08 Lindenstratze 8. Hierzu 2 Beilagen und.Frauenstimme"., fikAty [ Matztiiidies Mfcealwsset' Zur Gesundhaltung! Fachingcr Versandslelle, Berlin Sff U SebSnebergffrStr. Ka. Tel. Lflliowo260-Ä| Nr. 543 ♦ 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 49. November 4930 Lindemann, das Llnschuldslamm. Hat nur erlaubte Gefchäste gemacht. Das eine zeigte bereits der erste Tag der Verhandlung des Riesenspritschmuggelprozestcs Liodemanu u. Co.; das Unternehmen war hervorragend organisiert, während der Ingenieur Bauer bei seiner stümperhaften Schmuggeltätigteil fast mit jedem seiner Motorboote Pech halte, so daß er schließlich ohne einen Pfennig dasaß. Lindemann hingegen heimste hunderttausende ein. Um so schofler war sein ver- halten seinen Mitarbeiten» gegenüber, die für das Geschäft aus hoher See ihr Leben riskierten. Sowohl der Angeklagte R ö ß l« r, der gewissermaßen als Hilfs- matrose mitfuhr, als auch der Maschinist Stampe und Ingenieur Bauer selbst konnten gestern nicht genug über den schmutzigen Geist der Geldgeber Lindemanns klagen. Bon Ingenieur Bauer erfuhr man, wie er eigentlich auf den Gedanken des Spritschmuggels gekommen war: Auf einer Fahrt nach Schweden bedeutet« man ihm, daß man Sprit gebrauchen tonnte. Cr erkundigte sich bei den Zollbehörden und dies« sollen ihm gesagt haben, daß man die Sache mit einem lachenden und einem weinenden Auge ansehen werde, sicherlich brauche man ja in Deutschland Geld. Er kauft« also im Freihasen Sprit, brachte ihn ins Ausland, wurde aber vom Mißgeschick verfolgt. Er konnte seine Gläubiger nicht befriedigen, sein Motorboot fror 1926 in Lübeck fest, es fehlte ihm das Geld, den Sprit, den er auf der.Inge' hatte, ins Ausland zu schaffen. So fuhr er nach Berlin und kam hier ohne einen Pfennig an, verkaufte zum erstenmal den für das Ausland bestimmten Sprit in Deutschland selbst, und zwar an den Angeklagten Zabel. Durch den Angeklagten Weyen trat er in Verbindung mit den Brüdern Lindemann, die sich bereit erklärten, da» Unternehmen zu finanzieren. Natürlich dachten sie gar nicht daran, den Spiritus in das Ausland zu befördern— feit dem helfingforser Abkommen nom Jahre 1926 war auch der Spritschmuggel nach dem Ausland verboten. In- teresiant war, daß der erste Scheck auf 2009 M., de» Bauer von Lindemann zum Ankauf der Ware, d. h. des Spiritus erhielt, nir- gends losgeschlagen werden tonnte. Es war eben ein Lindemann- Scheck. „Ich hatte auf der.Inge' nichts zu sagen,' klagt der Kapitän. „Lindemann besaß das Geld, er nutzte meine Kenntnisse aus und ich konnte nichts dagegen machen.' Seemännische Kennwisse besaß dieser Kapitän aber tatsächlich. Er wandte folgenden Trick an: Am Tage suhr er harmlos an der Zollstation auf der Ipsel Rügen vorbei, dann machte er kehrt und legte nachts den Weg vom Greifsivalder Bodden zur Peen« zurück. Da diese Route.in der Regel sehr gefährlich war, so erregte das Erscheinen der.Inge' keinen Verdacht. Die Zollbeamten nahmen nicht an. daß er von der offenen See kommen konnte. Der Angeklagte Karl Lindemann will nichts Aagcfehliche» begangen haben. Daß nach Deutschland Spritschmuggel getrieben worden sei, habe er nicht im geringsten geahnt. Sein Freund Weyen, dem er hatte helfen wollen, habe ihm gesagt, es handle sich um ein Spritgeschäft nach dem Ausland und das fei erlaubt. Und doch hat er die.Inge' an der Plötzenseer Schleuse höchstpersönlich empfangen, hat bei einer Autofahrt nach Erkner in dem Wagen das Paket mit Pumpe und Schlauch fehen müssen und war auch auf dem Grundstück m Erkner zugegen, als dort nachts der Sprit ausgeladen wurde. Er bleibt also dabei: das ganze fei eine Angelegenheit seiner Brüder gewesen. Mit einem Wort, der Kommerzienrat ist an allem un- schuldig wie ein neugeborenes Kind. Die nächste Verhandlung findet am Donnerstag statt. Antifa will Terror. Oer Eid der kommunistischen Konterrevolutionäre. Das Große Schöffeagerlchl Neukölln halte sich mit der Frage zu beschäfiigen. ob die„Antifa"(Antifaschistische Zunge Garde) die geheime Fortsehung des verbotenen Rokfront- kämzsserbuudes und der„Roten Zungen Garde" darstelle. Den Anlaß dazu bot eine Anklage gegen vier junge Kommii- nisten, die am 26. Juni im Verlauf des„Kommunistischen Welt- Ucffens der Arbeiter- und Bauernkinder' wegen Tragens blauer Blufen und Singens verbotener Lieder zusammen mit zahlreichen Teilnehmern aus Halle festgenommen worden waren. Der Sachver« standige des Polizeipräschiums, Regierungsassessor Dk. Ariän,«. klärte vor Gericht, daß die„Antifa' tatsächlich und organksatortsch als geheime Verbindung im Sinne des Republikfchutzgefetzes fortbestehe und eine illegale Fortsetzung de» Roten Frontkämpfer- bunde« sei. Di« Staatsfeindlich keit gehe au» der eidlichen Formel hervor, die den Mitgliedern abgenommen werde und in der es u. a. heiß«:„Wir geloben aufzurichten die Front de« revolutio- nären Terrors auf Straß« mid Betrieb.' Der Rot« Frontkämpfer- duird, der ebenfalls fortzubestehen versuche, sei wegen feiner staats- feindlichen Bestrebungen, die Wehrmacht und die Schutzpolizei durch Zellenbildung zu zerfetzen, verboten worden, so daß auch die „Antifa" als feine Nachfolgerin aus diesen Gründen als staats- feindlich anzusprechen sei. Auf Grund dieses Gutachtens und unter '�ertickfichtigiing der Tatsache, daß die vier Kammunisten durch das Tragen der blauen Blusen in geschlossenem Austreten für die „Antifa' demonstriert hatten, verurteilte das Schöffengericht drei Angeklagte gemäß dem Republikschutzgesetz zu der gesetzlichen Mindeststrafe von je drei Monaten Gefängnis, während ein Angeklagter freigesprochen wurde. Zu Beginn des Prozesses spielt« sich übrigens ein kleiner Zwischenfall ab. Der 2ZjShrige Angeklagte Karl W. hatte im Ge- richtssaal demonstrativ seine Mütze aufbehalten und sie erst nach Aufforderung durch den Vorsitzenden mit einer abfälligen Bewegung abgenommen. Das Gericht, das Kundgebungen der Zuhörer im Keim« erfticki«, belegte W. mit einer sofort zu vollstreckenden Haft. strafe von zwei Tagen. Krawall auf dem Lausitzer platz. Em Vorgang auf dem Lausitzer Platz, auf dem jchan Sster AuseinaMerfetzuirgen her radikaken Parteien ausgetragen wurden, befchästigt« das Schöffengericht Berlin-Mitt«. Am 11. September waren dort Kommunisten zusammengekommen, die sehr baiid in»m Wortgefecht mit Nationalsozialisten gerieten. Als ein nationalsozialistischer Drucker« ibesiger aus seinem Geschäft auf die Straße kam, wurde er von den Kommunisten mit den Rufen: „Schlagt die Faschistenbande tot! Wir Üben Selbstjustiz!' empfangen. Er rief das Nebersallkommando, das dann einen der Beteiligten, den Arbester B.. der auch Schimpfreden gegen den Staat geführt hatte, festnahm. Vor Gericht, das ihn wegen Aufforderung zu Gewalt- tätigkeiten und Vergehens gegen das Republikschutzgesetz zu drei Monaten Gefängnis verurteilte, benahm sich der Angeklagte so laut und renitent, daß der Vorsitzende mit einer Verhaftung drohen mußte. Gaffran ein Mörder. Das Geständnis einer grauenhasten Tat. SSiiigsberg. 18. November. Wie von der Zustizprefsestelle Königsberg iu später Abendstunde milgeteill wird, hat der kürzlich in Berlin wegen Brand- sliftung verhastete und nach Bartenstein iu Ostpreußen übergeführte Safsran dem Untersuchungsrichter nach langen Vernehmungen eingestanden, daß er und sein Geschäflsführer Klpuick einen Mord verübt hätten, nm sich in den Besitz einer Leiche zu setzen, die in dem in Brand gesetzten hause in den Kleidern Saffran, niedergelegt wurde und vortäuschen sollte, daß Saffran selbst bei dem Brand den Tod gefunden habe. Sie seien in der Nach! vom Freilag. den 12. zum Sonnabend, den 13. Seplernber, mit dem Kraftwagen fortgefahren. Auf der Ehaussee S türlack— Oueden hätten sie bei Luisen- Hof einen Melker getroffen. Sipnick sei ausgestiegen und habe den Melker mit einer Selbstladepistole niedergeschossen. Sie hätten dann die Leiche in einen zu diesem Zweck mitgenommenen Tcppich gewickelt und in dem Möbelspeicher am Platz an der Artilleriekaserne in Rastenburg verborgen. Am nächsten Abend hätten sie die Leiche abgeholt, sie mit den Sachen Saffran, bekleidet. mit Benzol begossen und darauf das Haus angezündet. Es muß nun festgestellt roerden, ob seit dem ein Melker vermißt ivird. Der ebenfalls verhaftete Kipnick ist trotz Gegenüberstellung mit Saffran bei feinem Leugnen verblieben und will an der Tat nicht beteiligt ge- wefen sein. Die„Preissenkung" für Seefische. Sie hinkt der Wirklichkeit nach. Zwischen den Fischhändlern und dem Ernährungs-» Ministerium fanden dieser Tage Verhandlungen über ein« Senkung der Preise für Seefische statt. Nach dem Ergebnis dieser Verhandlungen sollen neit sofortiger Wirkung gesenkt werden: der Kleinhandelspreis für 1 Pfund Schellfisch im ganzen von S9 Pf. auf 50 Pf., das find 16 Prvz. Für K a b l j a« im Anschnitt von 76 Pf. mif 55 Pf., das find 28 Proz. und für Fischfilet von 80 auf 50 Pf., dos sind sogar 38 Proz. Auch für dl« übrigen Seesischarten sollen entsprechende Preisherabsetzungen vorgenommen iverdsn. Voraussetzung für diesen Preisabbau sst allerdings, daß die Fänge nicht durch außergewöhnliche Witterungseinflüsse bcein- trächtigt werden. Dieser Preisabbau für Seefisch« mutet zwar ganz kolossal o», sieht jedoch in Wirklichkeit ganz anderes aus. Schellfisch in» ganzen ist nämlich Überall in Berlin schon längst für 50 Pf. das Pfund zu haben, so daß bei einem„neuen Preis' von 50 Pf. gar kein Preisabbau eintritt. Auch bei Kabljau kann von einem Preisabbau von 28 Proz. keine Rede fein,: denn Kabljau im Anschnitt kostet in Berlin nur 60 Pf. pro Pfund, würde sich also bei dem neuen Preise um nur 5 Pf. ermäßigen mch nicht um 21 Pf. Ebenso liegen die Dinge bei den F i s ch f i l« t s. bei denen man nur staunen muß. wo der jetzige Preis von 80 Pf. herkommt. Fischfilets kosten gegenwärtig 60 bis 65 Pf., vereinzelt 70 Pf. pro Pftmd. Wenn der Preis jetzt auf 50 Pf. gesenkt werden soll, dann ersparen die Hausfrauen keineswegs 30 Pf., sondern nur 10 und 15, äußerstenfalls 20 Pf. Es wäre doch angebracht, daß die beteiligten Stellen bei der Ankündigung von Preisnachlässem etwas mehr bei der Wahrheit bleiben, zumal die Verbraucher der Preissenkungsattton an und für sich schon sehr mißtrauisch gegenüberstehen.- Der Tod des Zauberkünstlers Velachini. der einstmals Weltruhm genoß, wird aus Marburg an der Lahn, wohin sich der alte Artist, der ein Alter von 70 Iahren erreicht hat, gemeldet. %****?** Doch das konnte Ludwig alles nicht sehen. Was er sah, war der glattgezogene Scheitel der hübschen Kontoristin, die ihm seinen Scheck ausschrieb. Sie war kurzsichtig, die Kleine, und hielt darum tief den Kopf auf ihr Schreibpult gebeugt. Ludwig aber war es. als ob dieser glattgezogene Scheitel eine helle, lichtbeschienene Straße sei, die hinausführe aus dem Druck seines bisherigen Lebens in Freiheit und Weite. * Er stand auf der Trepve, lief über den Hof mit einer Schnelligkeit, als ob ein Verfolger hinter ihm her sei. Erst als ihn der Verkehr der Straße umbrauste, das Durcheinander der Kutschen, der Karren, der Rollwagen, das Gehaste der drängenden, zwängenden Fußgänger, das Gebrüll der fliegenden Händler, erst da kam er einigermaßen zur Be- sinnung. An einer stilleren Ecke des Moritzplatzes blieb er stehen und besah die Papiere, die er in Händen hielt. Dos eine war ein Scheck über dreihundert Mark, zahlbar an einer Kasse der Deutschen Bank, das andere die Auftrags- bestätiguxg auf die Lieferung von zweihundert Schreibtischen. Das Wort Schreibtische wirkte auf Ludwig wie eine magische Kraft. Noch nie in seinem Leben hatte er ein solches Möbelstuck angefertigt. Er wußte überhaupt nicht, ob«r's zustande bringen würde. Während er nach Hause fuhr, dachte er zum erstenmal über die Konstruktion eines Schreibtisches nach. Als Ludwig in den Laden trat, hantierte sein Vater an der Steppmaschine und setzte eben die vierte Nadel ein. Trotzdem lachte er seinen Sohn an:„Feiner Pinkel ge- worden, was? Sannst Werktags vormittags schon in der i Andreas Eisermanns Lachen verstärkte sich. „Immer noch' die alte Marotte?" „Da lies, Vater!" Ludwig gab ihm den Auftragsschein. Der Alte las. Nahm die Brille ab, rieb sie sauber, setzte sie auf und las wieder. Aber er konnte lesen, wie er wollte: die zweihundert Schreibtische ließen sich nicht wegdisputieren. Da gab er Ludwig die Hand. „Bist doch ein Teufelskerl. Ludwig. Ich hätte nie ge- glaubt, daß du soviel Courage aufbringen'würdest. Nimm mir das nicht übel, Junge, aber es war meine Meinung." Er wischte sich heftig an den Augen, als ob da ein Staub- korn hineingekommen sei. „Nun habe ich wenigstens einen Jungen, der nicht mehr den alltäglichen Trott zur Fabrik macht. Einer wenigstens unter den Fünfen, der den Willen hat. zu zeigen, daß er etwas kann! Komm!" In überquellender Freude nahm er Ludwig und führte ihn in die nächste Kneipe. Es war ein sonderbarer Kontrast, Vater»md Sohn in ihrer verschiedenartigen Kleidung zu sehen. Lautstimmig begrüßte Eisermann«vuior den Wirt, einen schon bejahrten, schwächlichen Mann, der hinter der Theke stand. Lautstimmig bestellte er Bier und Schnaps, und' noch lautstimmiger erzählte er, Ludwig habe die Absicht, sich selb- ständig zu machen und eine eigene Werkstatt aujzutun. Der Wirt, der Eisermann schon seit Jahrzehnten kannte, freute sich mit dem Schuhmachermeister zusammen, daß „wenigstens ein Junge einschlägt in der Familie!" Auch der Wirt ließ sich nicht lumpen und schmiß eine Lage nach der andern. Dabei versäumte er nicht, Ludwig allerlei nacheifernswerte Beispiele vor Augen zu stellen. „Schau mal an, Ludwig, sagte er,„da drüben- das schöne Eckhaus gehört einem Tischlermeister. Ganz klein hat er an- gefangen und seine Ware zuerst mit dem Handkarren zum Händler gefahren. Und heute? Heut lebt er von den Zinsen seines Kapitals, und seine Kinder sind Großkaufleute ge- worden. Weißt du, Handwerk hat noch immer goldenen Boden. Man muß nur strebsam sein und festen Willen zeigen!" Ludwig trank und trank und hörte die beiden alten Herren bis zur Bewußtlosigkeit erzählen. An diesem Tage fuhr er nicht zu Maria hinaus. Er war dazu nicht imstande. Bater Eisermonn hatte schon alle Müh«. ihn dt« paar Schritte bis in den Laden zu schleppe«. Wie ein Toter sank er aufs Bett. Das war das erstemal in Ludwigs Leben, daß er be- trunken war. Der Kater am nächsten Tag war nicht von Pappe. Doch, mochte auch der Schädel brummen, wenigstens war die Meisterschaft begossen. * Wenn Ludwig dem Himmelsbach gesagt hatte, seine Werkstatt befinde sich Gürtelstraße 38, so war das zunächst eine Notlüge gewesen, entschuldbar aber dadurch, daß Lud- wig tatsächlich die Absicht hatte, sich im Hof des väterlichen Hauses in der Bude seines ehemaligen Lehrherrn zu etablieren. Der Raum stand zur Zeit leer. Zwar hatten in der Zwischenzeit die verschiedensten Klein- gewerbetreibenden drin ihr Handwerk ausgeübt. Aber keiner von ihnen hatte Glück gehabt. Alle waren wieder zurückge- schleudert worden in die Bahn, aus der sie kamen. Nicht einem einzigen war es gelungen, sich hochzuarbeiten. Und es waren doch ganz tüchtige Leute mit darunter gewesen. Aber jedem von ihnen hatte es an Kapital gemangelt, um durch- zuhalten. So zog denn Ludwig als Nachfolger eines Lumpen- Händlers in den Halbdunkeln, verwahrlosten Raum. Er rümpfte die Nase beim Einzug und sagte:„Nach memem Geschmack ist die Bude nicht!" „Das will ich schon glauben", erwiderte Vater Eisermann, der ihm beim Einräumen half.„Doch wenn das Geschäft geht und dir Derdienst abwirft, dann kannst du dir sehr rasch was Besseres mieten. Nimm dir ein Beispiel. Ich habe auch nicht in meinem schönen Laden angefangen, sondern in einem zappendüsteren Keller in der oberen Straße." Ludwig ging mit Feuereifer an die Arbeit. Fleißig schnitt er das Holz zu den ersten fünfzig Schreib- tischen zu. Da die Tagesstunden nicht ausreichten, nahm er noch die halbe Nacht dazu. Er gönnte sich unter Tags kaum die paar Minuten zum Essen. Doch je länger er arbeitete, desto mehr sah er ein, daß es ihm kaum möglich fein würde, an dem Auftrag zu ver- dienen. Schon der Ansang brachte ein böses Omen. Mit dem gefügten und geleimten Holz war er zur Schneidemühle gefahren, nm einen Teil der Arbeiten maschinell zu bttvältige».(Fortsetzung folgt). Freitag, den 21. November, 191': Uhr, in der Autohalie am Kaiserdamm Arbeiter, Angestellte, Beamte! Erscheint in Massen! HaaBÜBBBHBnZEOBHHHH Es werden u. a. sprechen: Fritz Adler— Otto Bauer(Wien), Pietro Nenn!(Verf. des Buches„Todeskampf der Freiheit") # sowie Vertreter des Internationalen Gewerkschaftsbundes, Bekundet euern Willen zum Kampf gegen den Faschismus! Der Bezirksvorstand. Räisei um Levme. Oer festgenommene bestreitet jede Schuld. Wien, 18. Bovcmber. Zur Verhastuug des amerikanischen Kaufmanns und k)zcanflicgers Karl L e v i n e. der scioerzett mit Lindbergh den Ozeanflug nach Deutschland gewagt hatte und seht unter dem Verdacht steht, bei einem Wiener Graveur Stanzen zur Ausertigung falscher französischer Münzen bestellt zu haben, ist bisher folgendes ermittelt worden: Levine brachte vor einiger Zeit dem betreffenden Graveur drei Medaillen und sagte, er wolle zur Herstellung dieser Medaillen Ttdnzen haben mit den Jahreszahlen 19M bis 1930. Rückseitig soll- lcn die Medaillen die Bezeichnung tragen:„Chambre de Commerce de Paris"(Handelskammer von Paris) und die Wertangaben„Bon pour 2 Francs",„Bon pour 1 Francs" und„Bon pour SO Centimes". Derartige'Münzen kursierten, wie Levine sagte, als Geld in ganz Frankreich und würden von der Pariser Handelskammer ausgegeben. Run erklärte der Graveur, dem die Sache bedenklich war, er müsse sich erst beim Münzamt erkundigen, ob er solche Stanzen herstellen dürfe. Der Graveur besteMe Leoine dann für einen späteren Ter. min, und zwar sür den 14. November. Da man aber befürchtete, dah Levine mißtrauisch geworden sei und ins Ausland flüchten werde, wurde seine Berhastung verfügt, die dann in dem Augenblick erfolgte, als er mit dem Expreßzug nach Italien reisen wollte. Levine stellt alle ungesetzlichen Absichten in Zlbrcde.und er- klärt, er habe die Medaillen nur sür seine Freunde be- stellen wollen. Daß er Stanzen bestellt und die Wertbezeich- nungen verlangt habe,, stellt er in Abrede. Bei Leoine fand man einen roten Heton(Spielmarke) mit der Bezeichnung„C D". Unter seinen Korrespondenzen wurde ein Brief gesunden, aus dem hervor- ging, daß er niit einer Wiener Firma wegen der Lieferung von IM 000 solcher Jctons für Kartenspiel« in Bcrbindung stand. (Sie kann sich auf nichts besinnen. Gegenüberstellung Gertruv Frenzelei mit Landwirt Höhne. >.r der Vormillagssilzung wurde Gertrud Frenzes dem Landwirl höhne aus Mallershausen gegenübergeskelli, und es ergab sich die eigenartige Tatsache, daß Gertrud . Frenzel auch diesen Zeugen nicht kennen uiü» sich nicht an die von ihm gcschiidcrlen Vorgänge und Erzählungen erinnern wellte. B o r s.- Fräulein Gertrud, kennen Si« Herrn Höhne? Zeugin: Nein. Zeuge Höhne: Ein Irrtum ist ausgeschlossen.(Zu Gertrud Frenze! gewandt:) Fräulein Frenze!, ich saß doch mit Ihnen zu- smnmen am Tisch und wir haben uns beide unterhalten, das können Sie'doch nicht vergessen haben! Gertrud: Ich kann mich auf nichts besinnen. Zeuge Höhne: Sie haben mir doch auf wieder- holt« Fragen erzählt, daß Sie«ine unglückliche Liebe zu einem P f a r r e r hätten. Gertrud: Ich kann mich gar nicht besinnen, ich so etwas gesagt habe. 2lgch auf weiteres eindringliches Fragen des Zeugen«rwidert flfcrtrud Frenze! beharrlich, daß sie stch aus gar nichts besinnen könne. Nicht besser geht es dem Rechtisanwalt Brandt mit seinen Fragen an die Zeugin. Aus Fragen von R.-A. Dr. Biuwenhein erklärte Gertrud Frenze! dann, daß sie zu niemanden über angebliche Be- Ziehungen zu Pfarrer Schenk gesprochen und auch nicht damit renommiert habe. Auf Veranlassung der Verteidigung hielt Höhn« der Gertrud zum Schluß noch einmal alle Einzelheiten vor und gab ein« so genaue Beschreibung' des Gasthofes, daß Gertrud schließlich zugab, sie erinnere sich seht doch. in Walmsdorf gewesen zu sein und auch davon gesprochen zu haben, ihre Mutter gern wiedersehen zu wollen. Darauf wurde Frau Rittergutsbesitzer Zimmermann aus Maliershausen nochmals vernommen, die bekundete, daß Gertrud nur alle vier Wochen einmal aus Urlaub gefahren sei. Wenn es richtig sei, daß das junge Mädchen am 9. und 10..Juni in Bornim gewesen sei, so rönne sie unmöglich auch am 3. und 4. Juni im Elternhaus gewellt haben, da sie, die Zeugin, der Gertrud jeden Monat nur zwei Urlaubetage gewährt habe. Dieser Umstand ist wichtig, da Gertrud behauptet h-ü, daß ihr Vater sich ihr, als sie am 3 und 4. Juni im Ellernhaus war, genähert habe. Landgerichtsdirektor Hellwlg verkündete dann, daß a« Donners- tag Landrichter Heyer, der Sachverständige Dr. Plauth, der Ange- tlagte urzd Gertrud Frenzel nach Maltershausen fahren sollen, wo Gertrud dem erkrankten Gutsinlpektor Pieper gegenüber- gestellt wird. Zwei Menschen wtgequetscht. Panik im brennenven Kino. Warschau. 18. November. Wie aus L u ck in wolhynicn gemeldet wird, brach dort am Montagimchmillag m einem Kino während einer Vorstellung ein Feuer ans, das eine ungeheure Panik auelöste. Da in dem Kino nur eine Ausgangstür vorhanden war. entstand ein derartiges Gedränge, daß zwei Personen zu Tode gedrückt wurden: zahlreiche andere trugen Verletzungen davon. Wurde das Kind ermordet? Vor etwa 14 Tagen wurde aus dem Tegeler See, wie berichtet, die Leiche eines etwa vier- bis fkchsjährigen Knaben gelandet. Trotz aller polizeilichen Bemühungen nvr es bisher nicht möglich, den Namen und die Herkunft des Kleinen zu ermitteln. Offenbar ist das Kind das Opfer eines Verbrechens geworden. An dem ffc m d ch e n des Kindes entdeckten die Beamten, daß an der Knopfleiste früher einmal ein Moiwgramm eingestickt gewesen, das dann aber tauber herausgeschmtten war. Es gelang schließlich, die Buchstaben zu rekonstruieren uird so ergab sich das Zeichen:- Auch i n d e n Stiefeln wurden die gleichen Zeichen gesunden, nur steht das„K." halb seitwärts. Die merk- würdige.Kopfform des Knaben läßt vermuten, daß es sich um ein anormales Kind handelt, das vielleicht ln einer Pslegeanstalt oder in einem Heim untergebracht war. Nach allem glaubt man mit Sicherheit annehmen zu können,'daß der Knabe von keinen An- gehörigen aus dem Wege geräumt worden ist. Zur Aufklärung des seltsamen Falles sind S00 M. Belohmmg ausgesetzt worden. Zweck- dienliche Nachrichten sind an Kriminalkommissar Bcrndorsf zu richten. Arbciterbildungsschule. Der Zentralkursus der Genossin Kurgah fällt am Freitag wegen der iirternationalen Konferenz aus. Fortsetzung Freitag, den 28. November. Sprechchor für prolekarischc Feierstunden, llebungsstunde am Donnerstag. 20. November, 19!H Uhr. im Gesangssaal der Schule Weinmeisterstraß« 16/17. Alle Mitglieder müssen bestimmt mll) pünktlich erscheinen. „Die Tätigkeit des Arbeiter Radiobulldes auf dem Gebist des Rundfunks kommt bei; gesamtzn Arbeiterbewegung zugute," sagte der Limdesoorsitzende des ADGB. Theodor Lei pari in seiner Rede auf dem 5. B.liideslag des Arbeiter-Radiobundes, die nunmehr in der neuesten Nummer des-„A r b c i t c r f u n k" ungekürzt zum Abdruck kommt. Die Nummer enthält weiterhin«inen beachtens- werten Rückblick auf die Bundestagung. Hertha Feist tritt am 20. 20 Uhr, im Bach-Saal mit neuen Tänzen auf. WffiJe&ir Der 23 u ß tag zwingt den Rundfunk zu ernsten Darbietungen: deshalb wäre es angenehm gewesen, wenn man den Hörern wenigstens am Tage zuvor etwas Heiterkeit gespendet hätte. Doch die einzige immerhin teilweise fröhliche Darbietung an diesem Tage war die Ueberiraguirg, die der Deutschlandsender aus Köln übernahm und die ihrem Titel„M usikalisches Durcheinander" mit Recht trug. Berlin sandte am Abend die Oper„Lakme" von Delibes, eine Art Butterfly im indischen Milieu. Der sentimentale Text wurde von dem Komponisten graziöser Ballettmusik in süßen Wohlklang gehüllt: die Aufführung war stimmlich ausgezeichnet be- letzt. Sonst bracht« das Musikprogramm Kammermusik auf Scholl- platten, Rokokomusik, Cellooorträge— diese ein großer künstlerischer Genuß: Maurice Eisenberg spielte. Auch die Rokokomusik aus Leipzig war schön in der Ausführung. Doch es war wenig geschickt, daß diese drei anspruchsvollen Konzerte aufeinanderfolgten. Eine leichtere Note wurde erst in der ilnterhalwngsmusik der Kapelle E. Sonntag angeschlagen.— Prof. Henri Iourdan-Paris sprach über „Französische Musik der Gegenwort". Setne geist- vollen Aussühnmgeu, die die Entwicklungsliine von den Kon»- Positionen der Gegenwort zurückführte, in die Kurven vergangener Musikepvchen, hätte unbedingt der musikalischen Illustration bedurft, um auch für Hörer, die in der modernen französischen Musik wenig bewandert sind, �verständlich zu sein.— Eine Reportage von der Treptower Sternwarte konnte von der Wunderwelt, die sich hier dem Besucher eröffnet, kaum etwas andeuten. Das lag an der ungünstigen Themenstellung. Statt in das Innere der Sternwarte, hätte mau die Hörer in das Blickfeld des Riesenfern. rohrs, in dos Inner« des Weltenraums, führen müssen.— A. Artur Kuhnert las aus einem eigenen Roman eine norwegische Fischer- szene von zwingender Anschaulichkeit. T«. Typographia. Die Ucbungsstnnd« am Donnerstagvormittag, dem 20. November, fällt wegen der Einäscherung des Songesbruders Otto Stock aus. Die Sänger treffen sich 10Vi Uhr im Krematorium Gerichtstraße. weltcraussichten für Berlin. Langsame Bewölkungszunahme und später Neigung zu leichten Niederschlägen, etwas milder.— Für Deutschland. Im Südosten und Osten Fortdauer des ziemlich kalten und beständigen Wetters: im übrigen Reiche langsame Milde- rung, ipäter besonders im Westen und Nordwesten Niederschlage. Sport. Rennen zu Strausberg am Diensfag. dem 18. November. , Rennen l. Instruc'.or(Bes.), 2. Kurzschluß, 8. Schlagbauin Toto: 36: 10. Mab: 14, 14, 21:10. Ferner liefen: Tolphm, Denar. Felienaar, Pcllandabilis.. m... 2 Rennen l iRahadöh(Oiiermann). 2. Matrone..->. Wlld!o>!e, 4. 3» oilem. Toto: 80:10. Platz: 18, SO. 40, 21:10 Ferner Helen: Sahare 1. Kriegs, fiel, Minnellang. RaloSbona. Negus, NordsrlcSlantz. Sä'mciäüerin lad.),«lurmhaube. Tauperle, Lohland. Neunen, l.f riiche tG-mpl». l.f MaSted Mogul kKränzleiu,. 3 Palras Toto: 10: 10 lEiche), 88: 10(Matlcd Mogul). Platz: 13,25,15:10. Ferner liden: BoroS. Prachller!, Cirnoni, Daladw, Rorjana, Satan IN. Antin. lToleS Rennen.!-. 4 Nenne n. 1. Komm voran tUhi). 2. Eiienhagel, 3. Entel. Tole: 45-10 Platz: 17,47.19:10. Ferner liefen: Faretra. Oetavia. FUixrm, kad), Morgenrot, AttaluS, Marlitla. Lobi. Blocksberg(gd), Mnestra. 5. Rennen. 1. Faieiit(Müschen).- 2. Marcwn, 3.. Sarsus. Toto.- 46:10. Platz: 15.. 81, 25:10. Ferner liejen: P-rsta, Lichlblick, Eiriu». Husdrnt. Richtlinie.„_„ ' 8 Rennen. 1. Rote Nelke(Moritz!, 2. Manoir. 8. Battle Crnäcr. Tote- 28:10. Platz: 18, 13:10. Ferner Uesen: Enrmenz, Lawine. Prima?. 7. R c n n c». 1. Merlonius«Häuser). 2. R-gan. 3. Black Brrdgc. Toto: 19:10. Platz: 12, 16:10. Ferner lies: Sternkunde. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin (Enftolmnaoi für die'- JintzrlT nor« 6 IS Übe ireuoMiae D-olx-n bc-v, Genossen Lütrel. Etolvischc S!r. z?.«uiNina IV. Erscheinen aller Eenoiien-.n wümckenswerl., Schüler. Sprechstunde füllt heute aus. BernsogrigWenpeesammlungen Dienstag, 25. Roveniber, 19ii Uhr. snit oem Thema:„Die Auma den der SÄI..M!!«lied-- In Beruf und Schul/. 1. aesr-llte: Schule Kochstr. Itz«Zcichensaal). Referent Ludwm Diederrch.- ch-I,. indnstri«: Iugendizeim Lindenstr. 4. vorn 1 Tr. Referent Gustav tLeoer. 3 Metallindustrie: Sitzungssaal der Bezirksversammlun« Prenzlauer Berg. Tanziger Str. 64. Refereni Theo Thiele. 4. Ungelernt« Arbe,t«r: Zignurdheun R. 5d. Somrenduvoer Str. 20«Schule!. Referent Erich Lindstacdt. 5. Sraphlschc «»«iverbe: Jugendheim SQ..«a,1eiwr!tr.». Referent üvillv»retzumnn. 6. ZertUardeUer: Iunendhe.m R.<». Willdenvmstr. 5. Referent Seor« Albrcch:. 7 Banat'.rerbc und restlich« Beruf«: Jugendheim E. 2, Baiscnflr. IS. SRcftteiit Schcn Sichert.— Mllgiiedsbuch dient als Ausweis. Alle«Sruppenvcranstaltun- oen fallen aus. i? i-i--. l f l!! i!' i Ö' gilm-eranstaltong für«rwerbsl,!«»e»»«si>t»«»»»»«e-offe» s) Donnerstag, 20. Rovcmber. pünttlich lö Uhr, im Fllmsoal des P.»B., r. tz-> SW., Lindenstr. 3, Z. Laf. Z Tr. links. Mitgliedsbuch dient als Aus.~ k~ weis. Alle erwerbslosen MitgNtder Sud herzlichst eingeladen. i International« Änndqc oung gegen de» Falchiatn», ffreitag. A.. Ravembcr. IS'H Uhr. in den Aulohallen am Saiserdamm. Wir demilij� UN, an di«mr Kundgebung. Di« Eruvpenfahncn müssen schon um Ißü Uhr itl der ApU). Halle sein. fieute, ZMktwoch. 19 H Uhr: chefvnddrnnven II; Heim Ehristianiastr. 38:„AtbeUetfähm*.— rntsexstad«: Heim Wassertvrstr. S: Lustiges«leinholz".— Reicheubeiger Viertel: Hein: Britzer Str. 27—30: Umerhaltungeabend.— Lankwitz: Gon-tndeschul« Schul- strotze: Bunter Abend.— Zrrrdrichsfelde« Heim Hunterstr. 44: Sprechchorptga — Lichtenberg. Mitte: Heim Scharnweberstr. LS:.Zleichstagssttzung".— Reu. Lichtenberg: Heim Houffstratze: �rrungenfchakten der Technit".— Lichtende:g Rvrd: Heim«Sunlerjrr. 44: Arbeitsgemeinschaft.— gettbnsser t»r: Besuch der Sternwarte. Treff vunkf 15 Uhr NvUduNrr Tor.— Zehlradori-Dahlrm: Schnitzel. fahrt. Treffvunt! S Uhr Onkel-Touis-Hlltt«. «erbebezirt Westen: W..B.!: Weihnachtsbcfprechgng.— Töpeuickrr Viertel: Schule Wrangelstr. 126: Polili. scher Informationsabevd.— gottbusser lar: Heim Britzer Str. 27—30:„S t Kirch« als Machtfottor des Kapitals".— Südwest: Seim Lindenstr. 4:„KameroV fchaft, itzreundichaft. Liebe".—?vantf»rt»r Viertel: Treffpunkt zum Besuch des Kviueris 19 Uhr Baltenplatz.— Zedlendorfssvahlem: Revolution sfeler In der Waldschule. Schlicffevsrratze— Schoncderg III:«beim Sauptstr. 15:„Die will. schaftlia,« Lage".— Reute In IX: Beteiligung der Erwerdslvsen gg.der stziln:. veransta?wna im gllmsaal Lindenstr. 3.— ZegeU Heim Bahnbafslr. 15:„SAX und KIZ.-SchlagwvrtpoUtil".— Wittenau: Heim Rosenthaler Str. 15: �ageg. Politik. SSS. Westen: Heim Rofineustr. 4, 17% Uhr: �ciheldergor Prngiamm"/ L D-il. SS». Lichtenberg: Heim Scharnweberstr. 29. 20 Uhr: �vefterreichisch« Devin. kratie gegen den Taschismus". Werbebezirk Ritte: Heim KZpenicker Str. 92: W.TS�Boistauchsfitznng.. Werbebezirk Wedding: SSnrtliche erwerbslosen Senpsssnaen und«xenpssen treffen«Ich um IVIh Uhr im Seim Dilldenvwstr. 5. Werbebezirk SchSncberg: Erwerbsloseniahrt fällt aus. DtefktRmki HVj Uhr Wonumentenbrllcki Ecke Kreuzbtrgstratze. Besuch der ffilmoeranstaUung Linden- stratz» 3. Werdedezlrk Nenklllla: Karl�starr-Schule. Arbeitsgemrinschakt:„Gevpvlitit". Im Zeichen den Z- Preisabbaus Z können Sie aus dem heotigea Inserat erkennen, was 62 M. S. Ihnen zu tVeihmucMen Swf»"" Unvergleichlich billige Geschenke für Ihre Lieben erwarten Ihre Besichtigung! Hier nur ein kleiner Ansznk ans unseren Rieseni�em! 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Lohnabbau ist an der Tagesordnung. Preisabbau ist bis heute nur ein Wunsch und eine Forderung gebliebe«. Das Massenelend, in welchem sich Millionen unserer Klassen- genossen befinden, nutzen die Nazis in gewissenloser und dem- Logischer Weise aus. Eine wüst« Hetz? treiben sie gegen die Sozial- temolratie. die sich immer für das Wohl der arbeitenden Menschen eingesetzt bat. Die Nationalsozialisten sind die Sklaventreiber ihrer kapitalistischen und koulerrevolutionären Geldgeber. Arbeiter werden von Eitler und Goebbels mißbraucht, mn davongelaufenen Monarchen und Prinzen, wilhelminischen Generälen wieder zu uneingeschränkter Macht zu verhelfen. Dieses Dorhaben wird an der unbeugsamen Tatkraft der Sozial- dcmokratie zerschellen. « Am Freitag, dem Zl. November, abend, VA Uhr. erhebt die Berliner werktStige Bevölkerung in einer großen Kundgebung in der Auw hall« am Käiserdamm ihre Stimme für Demokratie und Volksrechte, für internationale Verständigung uud Völkerversöhuuug. Die maßgebenden Fichrer der Sozialistischen und Amsterdamer Gewetkschaitsinternationale werden zu den Berliner Arbeitern sprechen. Der Bezirksvorstand. *' Achtung! Parteigenossen! „ ia.Frrie» Sport,»nb Schützkn»erci»igu»g Beckin'. j»«n«b«ü). 22. Htnmbtr, l»-4 llhe, int i!-sstng.»,n,nastnm. Pn-Istt. 18. .dU tritt Uwe geye» Partrimitflliedsbuch oder eines Buche» der der Zeutral- (aanmfgaa nie aroeilctfpotl««b ftöcptrpiltnr angc'chlossrnen Betdne. AHemat.arf.iek'peit«ob Arbeit« rfttasr. Referent Snbeet Oebllchläaec. '_ ,2-•cd« Zingadttt.«chtunq!! Sonnenteg, 2«. üoDemb«, 2« Übe, t I K'«ismltgllebee»kef»mmluug in ben Aeminiin-b-llen, Serner Sie. 72/73. gi Zagcsocbnnng:.«»zi-Ibcmoteatie ttnb Mietwucher.' Reseeeni Seuofle!" «rdb«,».. 1 3. Stele Wedtnno. Sonnustoq, 20. Ailautic-Bäle»(Lichtbueg), Bebmsirahe. Srriemltgliedeenersnmmlung. Doeteaa: Refeeent Nurt Hdnig. R. b. R. Ronember, IgZ? Ahr. in br» � am Bahnhof«esnnbbennnen, „Sa» Aehelt»l»s«npeoblem/ Freitag. Sesellschastehana. 2t. UZDWW November, to'i _ llhr, ZilmoorfShenng im Ewinemünd-r Str. 41.„Die Wunder Beid« Film« find fiir JugendlitSe und Sympathifierende find 3. Sed» Webbing. Swinemünbee � Asien»'.„Mungo, bee Schlangentiitee'. ireigegrbrn. E>utritt»prd» 40 Pf. Senoffra eingelaben.— Deutscher Freibenkerueehanb. Zahlgruppr' 8. Freitag, ZI. Ronember, I0>- Ufte, bei Äutkomflt, Schild str. Z. iNitgliedrrnrrsamm. lim». Tageeoednung: Lichtbildeenortrag! �Die Kirlix in der Narilatur.' t. See!» Peenzlaner Berg. Biidunaeauoschusi: Der Kursus Uber Solschewissus iindet heute, 20 Uhr, im BeHirkoamt slntt. Freitag, 20 Uhr, wird der Sueiuo.De. Norbert Marx übet BenBlfmingspoUtil und soziale Gesund- fteitsfürsorge fortgelein. 4. Srd» SteMbeeg. Achtung! Ortmerbiensi Kreuzberg. Frritog, ZI. Noncmber. � psinktlich 18?-, llbr, Eophie.Eharloll«.DH>8. 10. Krei» Zehlenborf. Kostenlos« Sprechstunde in allen Wohlsahetoangefegen. beitea beim Genossen Bernhorb Zander, gehlenbors, Sven.Hebin.Str. 7« an ledcm Donnerotag von 17 bi» Ig Uhr., >1. Sem Zchönrbera. Frauen, Zungmödchen und Schülerinnen de» Arbeite?. speansreins Cchönedera Frlebenn» O 7 neronftaltei Mlittnoch lBußiagl in der Turnhalle her ZUitbee.Echnie am Siadtvark ein Werdcfest. Beginn 1t» Uhr. Gintritt frei. Di« Parteigenossen werden gebeten, die Beranstol- tun» zu Unterstufen. 14. Kret» Reuliillu. 8. Weltliche Schule. Marienborser Weg. Alle Genossen, bie Mitglieder der Freien Schulgemeiude sind, treffen sich zu einer bringenden Ausspräche»m Donnerstag. 20. Rooember, 1? Uhr. Klassenzimmer 5, der S. Schule. 10, See!« ftäpenM. Bonnerstag, is'.b Uhr. in Könenitt. Schloßlir. 27. wichtige Krrisnorssiindositsung.— Bildungsansfchnsi. Freitag, 21. Nooember, fnilt her itursusabend wegen der internationalen Kundgebung aus. 17. Krei» Lichtenberg. Bildungoausschiisi. Donnerstag. 20. Nooember, 1014 Uhr im Siofbain. Miillendorfsirasie, StSnngofaal Zimmer 23, Kursus„Kultur und Wissen ogeschissite des Proletariats." Leiter Dr. Hennigsen. yeiikc. Miklwoch, IS. November(Bußlaq). : V Ii'' 1 n- �' 40. Abt. Schwerhörig«. Am 18 llhr Im Jugendheim Liabenstr. 4, tri. l nn-n 1 St., Mitgliederversammlung. Vortrag der Genesfin St-dtoer. ordurten Mian» Tadcnhagen Uber„Krankenrrrsichet Bczlrksanssfliüß für sozlaltsfisflic Blldungsarbeft, Berlin Sonnlag, den 23. November, morgens 9 Uhr, findet Im Plenarsaal des Berliner Raihauses, Hing Könlgstr�eine Kulturtagung statt mit dem Verhandlurgsihema; Feste und Feiern Referenten: Prot. Leo Keslenberg/ Marl. Gletsnery Wflh. Schenk Danach Aussprache Alle an der Bildungserbelt Interessierten Genossinnen und Genossen sind eingeladen. Parteimitgliedsbudi legitimiert. gficbcmctfiMnnrung. Bortrag:„Der deutsche Faschismus.' Reserent Pro» 78. Abt. Schöueberg. Sonntag. 2Z. November, findet die geplante Besichtigung des Strafgefängnisses Tegel statt. Teilnahmeberechtigt sind nur Männer iibrr 20 Jahre. Interessenten aus den Rachbarabteilungen können sich an- schließen. Treffpunkt vor der Pforte der Slrasanstalt in Tegel, pünktlich lOH Uhr. Vorherige Anmeldung bei Genossen Dr. Kraust, Akazienstr. 27. Stephan 9482, erwünscht. Abt. Röntgental-Zepernich. Donnerstag, 2V. November, 20 Uhr. Mitgliederper, fainmlnng im Lokal Mclstel. Bahnhosstraste.»chriflsteller Philippsohn spricht über das Thema:»Warum Reichsbanner?' Alle Genossinnen und Genossen sowie»Vorwörts'-Leser und Sympathisierend« lind eingeladen. Freitag, 21. November. 108. Abt. Köpenick. Abfahrt zur Internationale» ttundgebung in der AutoHalle ab Bahnhof Spindlersfeld um 18.09 llhr, ab Bahnhof Köpenick 18.13 Ubr. 128.-180. Abt. Pankow. Treffpunkt zur Kundgebung In der Auwbolle am Kailerdamm am Freitag. ISZH llhr. am Untrrgrunbbahnhof Binetastraste. Gemeinsaine Abfahrt. Jrauenveranstaltungeu. 4. Krei, Prrnzlaner Peez. Die Abteilnngsleiterinneu rechne« die Karten pur Frauenfeierttund« Donnerstag. 20. November, 19 Uhr. bei Klug, Danziger Straße 71, ab. 14. Krei» Neukölln. Die Funktionärinnen de« 14. Kreit es NenkMn werden vom Frauensekretariat aus auf den Vortragsabend der Genossin Martha John:.Revolutionäres aus alter und neuer geit' des Bezirksamts Neukölln im Städtischen Saalbau in der Bergstr. 147 am Dienstag, 25. November. 1914 llhr, aufmerksam gemacht. Eintritt 80 Pk.- 4. Abt. Da die ursprünglich für den 21. November an ge sehte Kreisoevansial. tung wegen der internationalen Kundgebung in der Aulohall« am Kaiser. dämm ausfällt, findet Montag. 24. Rovember, unser Frauenabenb statt. Nähere Mitteilung erfolgt In der Svnntagsnununer des„Bormärts'. 79. Abt. Sichöneberg. Heute. Mittwoch, 19. November tBusttaaf, Sy llhr, aus» nahmsweise bei Höhnisch, Gothenstr. 60,..Tut �Buste�. � Referent Genosse ' Kloth vom Freidciikervirband............~ Bezirksausschuß für Slrbeiterwohlfahrk. 1. Krei» Mitte. Donnerstag, 2«. November, 1944 Uhr, im Sihnngsfaol des Bezirksamtes Mitte, Äiosterstr. 68. Kursus über.Bcrufsvormundschaitrn'. Referent Genosse Gustav Becker. 2. Krei» Tiergarten. Freitag. 21. November. 20 llhr, in Alt-Msabii, Sistungssaal Bezirksamt Tiergarten. 8. Kursusabend:„Soziale Gerichtshille'. Referent Genosse ßt'o Krebs. Hm pünktliches Erscheinen wird gebeten. 6. Krei, Kreuzberg. Donnerstag, 2V. November. 18 llhr. Ausgab« der Iugendamtsokten. Um 19a llhr Sistung des Ausschusses mit den Helferinnen und Helfern der Arbeitcrwohlfohrt. Bortra«:„Die sozial« Gerichtshilfe". Rewrcnt Genosse Bölner. Die Sistung findet bei Krüger, Grünstr. 1. statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 14. Jtrd» Neukölln. Der Kurlus am Freitag, 21. November, fällt wegen der großen Internationalen Kundgebung am Kaiferdamm in der Auwhall« aus. 17. Krei» Lichtenberg. Die Abrechnung der bis iestt verkauften Lose erfolgt bei dem Genossen Otto Stein, Lichtenderg. Wagnerstr. 27. 20. Krei, Reinickendorf, llvsere Filmveranstaltung im Rahme» der loziolpolititche» Bloch«.Der Immenhof' und.Giftgas* läuft am Bußtag. l». November, 14'.i Uhr, im Ala-Filmpalost. NeinItkcndorl.West, Scharuweberstr. 67. Srnoifin Lott« Lemke spricht bau, über.Fürsorg«. erziehunq'. Karte» zum Preis« von 80 Pf. sind bei alle« Abteilung�. leiterinne» bee Arbeite rmobllahrt z« babev. Bei Losabschnitt ein«, Arbeiterwohlsahrtslose» Eintritt frei. Zvgenblich«»icht zugelassen. Seminar für Wahlfahrwpfleq«. Der Kursus.Psychologie der Segen. war! und ihre Anwendung in der Eozialpädago.lik' findet am Freitag, 21. November. 20 Uhr. in der Wohlsahrtsschul« de, Kauptansfchusse, für Arbeiterwohlfahrt, Lindenftr. Z, 2. Hof, 3 Tr„ statt. Leiter Genvss« Schulrat Dr. Ernst Hering. Fsirfprger, Fürforgerinne». Lrneivge für«-hlwlnOapflege. 1. Bor. trag der Sinzelvortrogsreihen, Wir weisen schon jefst darauf hin. daß gm 27. November, 20 Uhr. der Vortrag de» Genossen Stadtrat Fried. landet:„Die Reform der Fürsorgeerziehung' nicht im Bürgersaal des Rathauses lwtrlindet, sondern im großen Sigungszimmer im Stadthaus. Klosterstraße. Jungsozialisten. kl �lranteneersichervvg in der RotoFe. >WWW>WWWW Genosse»{»«'—'' MmmMg uhincreade find lrcnndlichf,»illgclodcu. ordnnng' Allr Genossin»«» nnd Genossen sowie„Vorwörts'.Leser und Sympathis''" =£ 88« Abt. Lichte»?z»de. Die Bezirküfül?rer holen heute, Mittwoch, dus Material für die Neeanstattlmg am 22. November vom Genossen Scmmler ab. SZ. ASt. Reu/Zvn. Seute, Uhr, trifft sich der engere Rorftand bei Griege?. L�sfingstr. S, m tiner wichtigen Besprechung. Morgen, Donnerstag. 20. November. SO. Abt. I8U Uhr des Peinlich, Weißendurger Str. I, Porssand'si�nng. Um 20 llhr«bendort Funktionarssßung Rur Partei, und Gcwerklchaftsfuntiio- när« haben Kutritt. ö». Abt. Gharlottenburg. Donnerstag, 70. TovemV-, 20 Uhr, Funkiionörver. fammlung hei Koch, Schillerltr. 75. Die Iügcndgcnossen sind besonders dazu.eingeladen. 74. Abt. Zehlendorf-Befi. 20 llhr im Lokal Schneider, Potsdawer Str. 35, Mit. Gruppe Friebrichshai«: Donnerstag. 20 Ildr, T-lsiter Str. 4— 51, MitgNeder. Versammlung. Itder. der noch irgendwie Interesse an der Gruppenarbeit hat, ist verpflichtet, zu erscheinen. Gruppe Renlillnt heute. Mittwoch. 19. Navembtr, 19H llhr, im Jugend. heim Treptower Str. 95- 96, Mnsikabend. veranstaltet von Genossen Decker. Gruppe Schöneberg: Unsere Genossen nehmen an der Gründungsfeier der Gruppe Siemensstadt heute m 20 llhr im Lokal ,Lum Heidekrttg" fMarsand), Sientensstadt, Rönnen daimnallee 89. teil. Gruppe Wrbding.Geliirdbrunnen: Unser Gruppenabend findet diesmal wegen technischer Schwierigkeiten ausnahmsweise am Donnerstag statt. Tbema: ..Klassenkampf um Lohn und Preis!' Referent steht noch nicht fest. Vorher tvle üblich: Taaesrvlittschr.'tilunggschgu(Kurzreseroie). Partei, und SAI.» Genossen sind hierzu eingeladen. Gruppe Rcinickettdots: Wir gehen heute. Mitttngch, zur Filmvorführung der Arbeiterwohlfahrt des 20. Kreises im Ala-Filmpalast, Reinickendorf-West. Scharnweber. tsicke Anioni'nstraße. i£s wevd'n die be-den Filme..Giftggs' und ..Immenhof' aufgeführt. Die Genossin Lemke spricht übe?„Fürsorgeerziehung". Beginn 1 1:r Uhr. Eintritt 80 Ps. Wir treffen uns um 14 Uhr am Gingang.— Freitag. 21. November, beleiltgen wir uns restlos an der Internationalen Kundgebung der Partei in der Ätitohalle. Kaiserdanmi. Es sprechen Friß -idlcr und O'to Bauer lWien). Pietro Rennt u. a. Wir treffen uns spätestens 19 Uhr am Eingang zur challe. Niemand darf fehlen. Gruvpe Prenzlauer Berg: Der Gruppenabend am Donnerstag. 20. Novem. der, muß umständehalber noch einmal ausfallen.— Achtung! Eonmag, 23. Nr>- vember. 19 Uhr, in der Vosiksspeitestelle Gleimssrgße, besonderer Abend mit Atbeiterivgend. Arbciksgemeinschoft der ftinderfreundc. Krei, N-«kölla. Gruppe Friß Neuter: Eliernabend Donnerswsi. 2>.>. Rovem» der. 20 Uhr, Schule Parchimer Allee. Odsgruppc«öpenickt Alle Jung, und Rote» Falken treffen sich beut«(Baß- log) aap' 15'- llhr im Jugendheim zum heiteren Nachmittag. All« Teilnehmer M ,,, /K+Mf—Snf---__, 1 1 1<«fcl i I MmfKittm in--- m-.,■* ml 1 1 Ü~-»»»»»"- Bm �ejIzprCi ulil Ti ca tZSBCDiBQS crzn)etÄQ Mutter, zum Aussuchen. 1 495.0 Rm&mmfML DAUNEN-DECKEN mit la Kunstseide, Rückseite daunendichter Satin in allen Farben, Größe ca. 200x1 50 cm, nur poarw. I II III Jedes Stück: Serie M. 69,00 59,09, 49,00 DEKORATIONEN STEPP DECKEN prima Kunstseiden-Jacquardrips, im eig. Atelier angefert., 4 versch. Macharten, Flügel ca. 275 cm. O O 50 lang,100cmbr.,jede Dekor. M. O prima Kunstseide, Rückseite in gutem Satin mit gewasch. 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Das Gutachten des Reichswirtschaftsrats zeigt der Regierung mit aller Deutlichkeit, daß sie, will sie ernsthaft aus dem Wege des Preisabbaus oorschreiten, Entscheidendes■ bei den Eisenpreisen zu tun hat. Das inländische Preisdiktat der Eisen- monopalistcn datiert seit dem Wiederinkrafttreten der Eisenzölle seit Ansang 1925. Als die ausländische Konkurrenz hierdurch vom deutschen Markt abgeschlosien war, taten sich die Eisenproduzenten sehr schnell zu neuen Verbänden zusammen. Jetzt war es viel rentabler, sich über den Anteil an, Jnlandsabsatz zu verständigen, sich dafür aber an hohen Preisen genieinsam schadlos zu halten. Die Gründung der Internationalen Rohstahlgemeinschaft (IRG.) mit dem Gebietsschutz(jeder Inlandsnurrkt bleibt den nationalen Werken vorbehalten) machte die Monopolherrschaft voll- ständig. Für diesen Gebistsschutz wurden die 40 Mill. Strafgelder für lleberschreitung ihrer zu geringen Quote willig bezahlt: um des Gebietsschutzes willen scheint auch auf die aus der Abrechnung dieses Jahres ihnen zustehenden Summen verzichtet worden zu sein. Preisstabilisierung zum Schaden Deutschlands. Die Spanne zwischen den Eisenprclsen auf dem Welt» markt und in Deutschland ist unerträglich groß geworden. Im Juli betrug die Differenz bei Bandeisen 40, bei Blechen 2Z bis 30, bei Draht 54 bis 64 Proz. Die Entwicklung der Stabeisenpreise zeigt folgende Tabelle: Slabeisenpreis(Reichsmark je Tonne) in D e u tsch l a n d 1927.... 134 lötS bis 13. 1.. 184 1928 ab 13. 1.. 137 ,11.5. 141 1930. 1.6. 137 F o b Antwerpen 1927... 1928.. 1929 Jan. Juli. 1930 Jan. Iu'i. Ok ober 96,75 114,54 124,12 115,31 105,76 98,08 79,00 Der deutsche Stabeisenpreis ist mit der Besserung der Konjunktur erhöht und dann auf seiner Höhe gehalten worden: die Senkung in diesem Jahr macht kaum so viel aus wie die gleichzeitige Lohn- senkung. Die Entwicklung des Ausfuhrpreises: mit der Besserung der Absatzlage Erhöhung bis Januar 1929; von da ab eine stets zunehmende Senkung, so daß der Oktoberpreis 58 M. oder um 73 Proz. unter dem deutschen Inlandspreis � liegt. Seit Mitte des Jahres 1929 liegt der Inlandspreis bedeutend! höher als der Weltmarktpreis plus Zoll(25 M. pro Tonne). Für ihre Kartellpolitik haben die Unternehmer auch ein« theoretische Begründung:„Stabile Preisverhältnisse zeitigen einen gleichmäßigen Beschäftigungsgrad."(Klotzbach.) Der �gleichmäßige Beschäftigungsgrad" sieht so aus: Versand von Walzwerkserzeugnissen, 1927=100: Also das glatte Gegenteil einer„gleichmäßigen Beschäftigung". In Wahrheft wird di« Monopolmacht ohne jede Rücksicht auf den Markt ausgenutzt: nur wo sie fehlt, wie aus dem Weltmarkt, da »erden die Preise selbstverständlich mft rückläufiger Konjunktur herabgesetzt. Die Eisensteuer... Die Praxi«:„Dem Inland« die Theorie, dem Auslandc das i billige Eisen", hat zu einer ungeheuren Belastung des! Inlandes geführt. Das„Magazin der Wirtschaft" hat die> „Eisensteuer" aus den überhöhten Eisenpreisen wie folgt berechnet' .... zirka 1925 1926 1927 1928 1929 150 Millionen Mark 230 460 Z40 320 zirka 1500 Millionen Mark Für dieses Jahr wird man mindestens den Betrag für 1929, also über 3 00 M i ll i o n e n Mark ansetzen können, da zwar der Absatz zurückgegangen, aber die Preisdifferenz erheblich größer geworden fft. Bon diesen Beträgen sind die A v i(Export)-Rück-- Vergütungen für Eisen, dos direkt für den Export oerarbeftet wird, abzusetzen. Da dieses Eisen aber nur einen geringen Prozentjätz des Gesamtabsatzes ausmacht, so fallen diese Summen nicht ms Gewicht. Die Schwerindustrie selbst hat sie für 1927 mit 36 Mill., für 1928 mit 42 Mill., für 1929 mit 41 Mill. Mark angegeben. ... hemmt deu Export... Die Beibehaltung dieser„Eisensteuer" fft ein furchtbares W i r t f ch a f t s h e m in n i s. Die Ueberteucrung des Inlands- eifens fetzt sich selbstverständlich in allen nachfolgenden. Stufen fort, verteuert die Produktionsmfttel(Baumaterial, Maschinen) und letzten Endes die Konsumgüter, hält also das gesamte Preisniveau hoch. Ein hohes Preisniveau treibt auch die Löhne und Steuern, über die geklagt wird. Indirekt wird auch auf diesem Weg unser Fertigwarenexport den Profften der Schwerindustrie zuliebe behindert. ... und führt zur üapilalfehlleituug. Und was tat man mft den Profften? Zunächst wurden überaus anständige Dividenden gezahtt, trotz der schlechten Beschäftigung, neben großer Reseroenbildung. Sodann finanzierte man damit die Quotenkämpfe innerhalb der Kartelle, und schließlich verwendete man sie zur Verbesserung und zum Ausbau der Werke, im Wege der„Selbstfinanzierung". Weil jedes Werk„sich selbst finanzierte", I e d e s die Anlagen erneuerte und jedes sie erweiterte, war der Endcrfolg eine Uebersetzung des Produktionsapparates, also eine Kapitalverschleude'rung. Das gibt heute auch der Vater des Gedankens der Selbstfinanzierung, Herr Siloerb erg, zu. Die auf diese Weise investierten und zum erheblichen Teil nutz- los investierten Kapitalien gehen an die Milliarde und darüber. Der Skandal dieser Kapitaloerfchwendung ist um so größer, als die Stillegung veralteter, unrentabler oder einfach über- flüssiger Werke nicht, wie bei freier Konkurrenz, nnt dem Verlust des Kapitals durch die Kapftalisten endet. Wenn nämlich die Ruhrherren, für 80 bis 90 Milt. Mark Werke auf- taufen, imr um sie stillzulegen und die Quo t e n zu erhallen, so setzen sie natürlich diese 80 bis 90 Mill. in ihre K o st e n- r e ch n u n g«in. So wälzen die Eisenmonopolisten die Kosten der Kapitatfehlleitung auf die Verbraucher ab. Die Fragen der Herab- setzung der Kapazität, das waren die„besonderen Schwierigkeiten". von denen der Reichswirtschaftsrat spricht und von denen in der Oeffentlichkeft nicht gesprochen werden soll! Auf deu Absatz, nicht auf hohe Preise kommt es ank Bei der Höhe der fixen(der von der Beschäftigung un- abhängigen) Kosten ist die Ausweitung des Absatzes von zentraler Wichtigkeit. Es ist durchaus möglich, daß eine sühlbore Preisherab- setzung mit nachfolgender. Absatzerhähung üborlrafsen würde durch die Kostenminderung(Kostenbegression) beladen fixen Kosten. Die Absätzzahlen für die Walz w e r ks p r o du k t i o n(In 1000 Tonnen): Man-Durchschnitt Erzeugung �"äbsatz' Ausfuhr im Jahre 1927: 1072.2 827.0- Z46.1 „ 1929.. 1038,3 7-18,1 320,2 im 2 Quart. 1939. 768.0_ 498,3 269,7 Veränderung geg 1927—304,2—328.7->23.6 Diese Zahlen zeigen die überragende Bedeutung des Inlandsabfätzes: Der Rückgang(infolge der hohen Preise!) um 328 700 Tonnen fft höher als je die gesamte Ausfuhr war. Deshalb Schluß mit dem Vsrluftexport, herunter mit den Inlandspreifenl Die Eifenkartellpolllik dient im Unland der privaten Bereiche- rang, im Ausland dem Dumping, sie ruiniert im Unland die eisen- verarbeitende Uadvstrie und zwingt auch sie zur Kartellbildung: sie verschärft lm Ausland die Schuhzollteadenzen und die GegenfShe zwischen den Völkern. Sie ist nichts als eine von der Schwer- Industrie erhobene privatkapitalistische Steuer, die Deutschland in der schwersten weise schädigl. Die Reichsrcgierung will der Krise auch durch Preisabbau bcikommen. Aber sie hat bisher vor den Eisenherren gekuscht. Uhr Ansehen steht auf dem Spiel, will sie es noch länger gefährden?— z—. Preissenkung nichts Neues. VerHand ungcn und Erklärungen. Seft der Kundgebung der Reichsregicrung hat man von d«r Preissenkungsaktion nichts mehr gehört. Das preußische Handelsministerium ist bemüht, durch Verhandlungen neue Gebiete für Preissenlungen zu erschließen. Wir hören, daß mft großstädtischen Berkehrsgesellschasten(darunter auch mit der BVG.) wegen der Verkehrstarife, mit den Installateuren, den Vertretungen des Einzelhandels und auch des T a x a u t o- Verkehrs oerhandeft wird. Mit den Brotfabriken, die ihre Körtellpolitik fortsetzen, wird noch immer gekämpft. Inzwischen hat ein früher Winter«ingesetzt, die Kosten im Masicnhaushalt wachsen und die Verbilligung der Lebenshalturrg wird immer dringender. Den Hausfrauen zur Nachprüfung empfohlen! Don den Großbetrieben des Einzelhandels, di- mit den Konsumvereinen ab 1. April d. I. auf Betreiben der Wirt- schaftspartei eine Soilderumfatzsteuer zahlen müssen, werden in der Oeffentlichkeft Mitteilungen über Preissenkungen gemacht, die im Lause eines Jahres, unabhängig von der Preisfenkungeaktion der Regierung, erfolgt feien. Kartoffeln, Obst und Gemüse seien in diesen Großbetrieben immer schon billiger gewesen als im kleinen Einzelhandel Von Oktober 1929 bis November 1930 feien bei 98 Lebensmitteln im Durchschnitt die Preise um 21 Proz. gesenkt, bei 15 Artikeln seien sie gleich geblieben, bei 11 Anikeln im Zu- samnienhang mit landwirtschaftlichen Schutzgesetzen erhöht worden. Vci 19 Markenartikeln(von den übrigen Tausenden wird nichts gesagt) sei eine Preissenkung von 17 Proz. erfolgt. In der gleichen Zeit sei bei 93 Textilnrtikeln der Preis im Gesamtdurchschnitt um 15 Proz. gesenkt worden: bei Haushaltsgebraiichsartikeln erreiche die Preissenkung einen Durchfchnittssatz von 2t Proz. Die Mit- tcilung weist darauf hin, daß die Großbetriebe des Einzelhandels in der Preisentwicklung geführt hätten und daß damit von neuein die Unvsrnünftigkcit von Sondermaßnahmen gegen die Großbetrieb« bewiesen seien. Die hier genannten Prozentsätze sind so enorm, daß es sich wahrlich nicht um Waren bandeln kaim. deren Derbrauch im Masten- Haushalt wirklich sehr füblbar ist. Sonst hätten die Hausfrauen davon viel mehr merken müssen. Wo b'eibt die Berliner Milchverbilligung? In H a m b o r n- W e st f a l e n fft der Milchpreis von 28 a u f 25 Pf. gesenkt worden. In Berlin Ist bisher noch nicht einmal die lächerlich geringe Verbistigung um 1 auf 29 Pf. eingetreten. Warum ist in Berlin die Milch soviel teurer als in dem dicht bo< siedcllen Industriegebiet an der Ruhr? Mit der Lohnkürzung hat man's eilig. Mft der Preissenkung kann gewartet werden! Ta�elservice billiger/ Soll man weinen oder lachen? Die Staatliche Porzellanmonufaktur Berlin hat die Preise der weißen und mit Rand dekorierten Tafelserviee im Durchschnitt um 20 Proz. gesenkt.-- So 1 1 ni a n h i er wein en o d e r ltfch e n? Täfelservice)' von denen sicher kein B e d ü r f t Ig e r' jenials essen wird, werden� verbilligt. Bei der Milch war der e i n e P f e n n i g für Berlin bisher noch nicht voll durchzusetzen. Man kann wahrlich nur den guten Willen achten, den der Staat hier wieder bewiesen hat. Die tlfa ben'chiei. 19 Millionen Tonfi mkosten. Wie wir bereits gestern mitteilten, schließt die Universum F kl m A.- G., das von Hilgenberg beherrschte größte deutsche Fftm- unternehmen. ihr am 31. Mar beendetes Geschäftsjahr 1929/30 wie im Vorjahr wieder mit einem kleinen Reingewinn von rund 14 300 M. ab. Dieser Gewinn ist offenbar auf K o st e n der Abschreibungen errechnet worden, die gegenüber dem vorher- gehenden Jahre von 12,5 auf 11,4 Millionen herabgefetzt wurden. Die Einführung des Tonfilms in Amerika hafte in der Film- industrte der ganzen Well die Produktionsgrundlagen über den Haufen geworfen. Auch für die deutsche Filmindustrie ist unter diesem Gesichtspunkt 1929 als eines der schwierigsten U m- stellungsjahre anzusehen. Nach einer Studienreise führender Ufodirektoren Anfang 1929 nach Amerika ging die Universum Film A.-G. bereits im Frühjahr vorigen Jahres zu einer radi- taten Umstellung auf die Tonfilmproduktion vor. Rund 19 Millionen hat das Unternehmen nach dem Gefckiäftsbericht für die Atelierumbauten. Installationen und die Ausstattung der Theater mft Klangfilmapparaten investiert. Den größten Teil dieser Summe konnte die Ufa aus laufenden Betriebs- «innahmen bezahlen. Die Einnahmen des Untcrnehnieiis wurden lediglich dadurch beeinflußt, daß die Auswertung der vorrätigen stummen Filme sich im Berichtsjahr sehr günstig entwickelte, da stumme Filme so gut wie gar nicht mehr hergestellt wurden, andererseits aber infolge der schleppenden Ausrüstung der europäischen Kinotheoter mft Klangfilmapparaten noci)»ine starke Nachfrage nach stummen Filmen vorhanden war. So waren in D e.u t s ch�l a n d Ende Mai dieses Jahres von 5200 Kinotheatern erst 1200, in England von 4200 Lichtfpiel- zheatcrn erst 1450. in Frankreich von 4200 erst.340 und i n Italien und Spanien von 5800 Theatern erst 140 mit Klang- filmapparaten ausgerüstet. Unter diesen Umständen hat die Ufa in den ersten vier Monaten des laufenden Geschäftsjahres 1930/31 aus ihren Vorräten an stummen Fllmen rund 35 Proz. ihrer gesamten Verleiheinnahmen erzielt, also mehr als das Doppelte wie in der gleichen Zeit des Vorjahres. Diese Entwicklung hat vermutlich auch die A 6 f ch reib u n g s- Politik beeinflußt. Der gesamte Filmbestand des Unternehmens steigerte sich im letzten Geschäftsjahr von 21,1 aus 33,2 Millionen und belies sich ani 31. Mai dieses Jahres nach Absetzung der Ab. schreibungen von 11,4 Millionen auf insgesamt 21,8 Millionen Mark. Wieviel von diesem Bilanzwert der fertigen Filme auf die alten Bestände entfällt, wird nicht ersichtlich, jedenfalls scheinen hier aber noch zur endgültigen Bereinigung der Bilanz stärkere Abschreibungsbedürjiiffse vorzuliegen. In der Saison 1929/30 brachte das Unternehmer» 54 längere und kürzere stumme Filme, 30 längere und kürzere deutsche und fremdsprachliche Tonfilm« sowie 156 Wockzenschauen heraus. Im Berichtsjahr wurden in sechs deutschen Großstädten neue Theater- betriebe eröffnet, und seit dem 1. Juni dieses Jahres der Theater- park durch acht Neueröffnungen erweitert. Es handelt sich hierbei durchweg um Theater mit mehr als 1000 Sitzplätzen. ISPwz.Schuiiheiß-Oividende Glanzc'ewinne im AraugeVerve. Der Aufsichtsrat des Schulthelh-Pahenhoser- Konzern hat beschlossen, für das obgelausenc Geschäftsjahr 1929/30 wieder eine Dividende von 15 Proz. vorzuschlagen. Der Rein- gewinn dieses größten deutschen Brauereikonzern ist mit 10,41 Millionen Mark sogar noch clwos höher als in den vorhergehenden guten Konjunklurjahren. Die inzwischen mit Schulthciß-Pahenhofer � verschmolzene Ostwerkegruppe weist einen Reingeminn von rund 5.5 Millionen Mark aus, der über eine Dividende von 12 Proz. hinausgehl. Gleich glänzende Ergebnisse werden auch von den vrauerei- obschlüssen im Reich gemeldet. So schüttet die Radeberger Exportbierbrauerei in Dresden wieder 16 Proz. Dividende aus. während die Dortmunder Ritlerbrauerei sogar wieder 20 Proz. Dividende an ihre Aktionäre zahlen will. Die herkulesbrauerel in Kassel hält gleichfalls an ihrer vor- jährigen Gewinnausschüttung von 11 Proz. fest, und auch die Brauerei Gel ym an n A..G. in Fürth wird, wie 1929. eine 12prozenlige Dividende verle'leit. Diese Dividende bei der Geismann A.-G. ist als„sehr bescheiden" anzusprechen, da allein der ausgewiesene Rein- gewinn von 310 000 M. einer Dividende von 24 Proz. entspricht. Moniangewmne an der Saar. Die Gebrüder Röchling, Stahl- und Zecbenmagnaten an der Saar, können ihren Aktionären für das letzte Geschäftsjahr 1929 wieder die hohe Dividend« von 15 Proz. auszahlen. Von der Absatzkrise der deutschen Montanindustrie ist da, Saärgebiet auch so gut wie gänzlich verschont geblieben, da der französische Markt, der dem Saargebiet durch besondere Zollabkommen offensteht, noch sehr ausnahmcfähig blieb. Unter diesen Umständen konnte der Umsatz des Röchling-Konzerns 1929 noch von 5�2 aus 59,1 Mill. Mark steigen. 'Ne'chsbank durch Reichskredtt erleichiert Der Reichsbankausweis vom 15. November zeigt einen Rückgang der Wechselbestände um den sebr boh-n Vetraa von 469,2 auf. 1664,5 Millioi»en. Die Bestände an Schatzwechseln ginge» um 44,8 aus 0,3, die Lombarddarlehen um nur 2.8 auf 98.4 Millionen zurück. Dieser Ausweis ist sehr stark bceiiifluht durch den inzwischen nach Deutschland geflossenen Reichskredit von 125 Millionen Dollar oder rund 500 Millionen Mark, von dem ein kleiner Teil auch in Deutschland in Mark aufgebracht und den betreffenden Banken vorläufig als Kredit belassen worden ist. Der deutsche Geldmarkt ist durch den Zufluß dieses Kredits vorübergehend beträchtlich erleichtert worden: die Banken haben in geringcrem Umfange die Reichsbank in Anspruch genommen und fällige Wechsel zum größten Teil eingelöst. Daraus erllärt ssch der starke Rückgang der Wechselbestände. Da ein großer Teil des Kredits vom Reich bei der Reichsbank In Dollar-Deoisen belassen wurde, haben sich die Devisenbestände der Reichübank um mehr als ein« Viertel- Milliarde, nämlich um 266.7 aus485.9 Millionen M a r k erhöht. Die D e ck u v g der»mlausenden Noie-i(Verringerung um 242.1 auf 4130,8 Mill'vnen) hui ssch durch.diese— möglicherweise vorübergehende— Anhäufung der Deckungsdeoisen von 54,9 aus 64,5 Proz verbessert. Einschränkung der Laumwollproduktton in Aegypten. Das' Landwirlschaftemintsterium beschloß, während der drei nächsten Jahre den Anbau der Sakellaride-Baumwoll« a u f 40 P r o z. des gesamten Baumwollanbaues herabzusetzen. Alfred Stein: �OlfioiS MSNÄZNNA S6u feinem 20. Todestag am 20. Wovember Nicht d«r Xag, an dem wir uns zur Tat durchringen, ist dcdeutsam in unserem Leben, auch wenn diese Tat groß und außergewöhnlich wirkt, sondern die stille Stunde, in der zum erstenmal der Gedanke keimt, aus dessen millionenfacher Wiederkehr endlich die revolutionäre Tat eines Lebens geboren wird. So unSb und wirr und niederdrückend Tolstois Kämpfe mit seiner Familie waren, da er sich freiwillig auf Jasnaia Poljana nicht mehr als Herr, sondern als Bettler einnistete, nur noch angetan mit dem grauen Misschikkittel und den geölten Schaftstiefeln, so hatte er ssch doch zu innerst durchgerungen und überwunden. Seinen Feinden, seiner Frau, die die größte Feindin seines Lebens und seiner Christutnachfolge gewesen ist, indem- sie in einem gewiß bürgerlich- mütterlich-gütigc» Instinkt„zu seinem Besten" die Gräfin blieb und aus ihm wieder einen Grafen inachen wollte, um das liebe Geld zu retten— cr verzieh allen, ein Lc-.doerstchendcr, ein Welt- weifer, aber er floh vor ihnen,- so oft er konnte, bis schließlich zu seiner letzten Flucht nach Astapowa, wo ihn Im Bahnhofsgebäude der Tod ereilte. Um die Jahrhundertwende begann man in der zivilisierten Cesellschasl sich über den Narren Tolstoi aufzuhalten Ja, man sagte folgendes so en passant; Nackdem er sein Leben lang in Saus und Braus gelebt, wird er auf seine alten Tage fromm. Mit achtzig Jahren könne ein jeder das Evangelium predigen. O Mitmenschen! Seit Jahrhunderten verratet ihr Christus und seine Lehre Tag um Tag. Generationen sind in dem Gebrauchs- chriftegtum erzogen, das nur insoweit benötigt wird, als es für das Dunkel des Jenseits«inigermaßen durch Buhübungen und Gebete beruhigt, aber in diesem Leben genug der Freuden des Besitzes an Glück und Geld übrig läßt. Es gibt nur ein Glück in der Welt: alle Menschen sind glücklich mit mir! Es kann kein Glück geben, nur Rausch, solange ein Mit- nrensch sich in Hunger und Not befindet, während du noch so glück- selig lachst. Das ist der Lcbensgedanl« Tolstois. Um dessentwillen er gelebt, um dessentwillen er gestorben ist. Doch laßt mich erzählen. Ith bin-in kleiner erbärmlicher Jünger des großen Lew Nilolajewitsch. Ich kenne seine Bücher und liebe sie. Ich bin bestredt, ihm nachzufolgen. Doch meine Stunde ist noch nicht gekommen. Solange aber will ich von ihn, reden, dem vom Leben besiegten Sieger in namenloser Armut, die allein selig und reich macht. Als Sophia Andrejewna ihren Haß, der gewiß zutiefst sorgende Liebe war, in die wütenden Worte goß:„Er sitzt in der Vliüe, in ichmntzlgen, wollenen Socken, zerzaust und traurig, und näht- zu- sammen mit Mitrofan Schultz für Agcfja Michailowna. Ein solcher Blödsinn— ," da war das Wunder in dir geschehen, da warst du jenseits der Anfechtungen, da war ja alles leicht und unerschütterlich für dich geworden. Aber wie schwer war der Anfang jenes Weges gen Armut, den du zu. Ende gingst. Und wie lang! Nie warst du größer, graubärtmer Bettelmönch des Klosters SchaMardino, ewiger Flüchtling de? Tulaer Steppe, du Sohn des Volkes, als da du Schuhe nähtest für Agafja Michailowna Welch ein Triumph! Welch ein Siez des Bestezten! Welch eine Hingabe! Da glänzen vor meinen Augen die goldenen Rücken der Lederbände mit Keinem Namen. Aber ich gäbe deine Werks hm, es sind ja nur Worte, für das Symbol deiner Tat, für die Schuhe der Agakja Michailowna. Sie wären mir heilig. Und da blättere ich wieder in deinem ersten Buch des Kampfes: „Was sollen wir denn tun?" Das Elend von Moskau stinkt mir entgegen aus deinen Zeilen, die du zum erstenmal als Mitmensch verwundet niedergeschrieben, da du zum erstenmal längere Zell in der Stadt lebtest. Und du schonst keinen, du klagst alle an, alle! Die Reichen, aber auch die Armen, die genau so schlecht wären wie die Reichen, wenn sie ihre Habgier nur befriedigen dürften, tum Staat. Hohe und Niedrige, aste Parteien, alle Bonzen und falschen Propheten. Das war der Winter Z882 in Moskau, da die große Volks- zäblnng stattfand und auch Tolstoi van Haus zu Haus ging und zählte. War nicht auch eine Volkszählung, da der geboren wurde, dem du nachfolgtest? Nun lo,q der Jesnsknabe für ihn in so -manchem Keller, in manchem Bodenloch, In mancher Strohhütte. Unb Maria sang trotz aller Not, während du mit Joseph mühsam ieststelltest, weÄ' Name und Art hier zu Haufe,-md wie groß die Zahl der Kinder wäre. Wie mancher wußte kaum, wieviel Kinder er belaß und wo sie gerade bettelten oder in Sklaverei lebten. Als du so von Haus zu Haus schrittest, Lew Nikolajewit-ch, da klieb in deiner Nase der Geruch der Armut, in deinen Augen dos Grau der Treppsnslure und in deinen Ohren das Hungerklaaen der blassen schmutzigen Kinder. Da bereitete ssch deine Seele für den großen Kampf und fragte:„Was sollen wir denn tua?" Denn erschreckend weit war der Weg, den der Graf Tolstoi gehen mußte, um zu den Armen zu gelangen und ihrer wert zu sein, also euch Gottes würdig „So kann man Nicht leben! Das kann nicht lein! Das kann nicht sein!" Das waren seine Worte, immer wiederkehrend, bei jedem Schritt, den er die morschen Hinterhaustreppen hinauf- und hinabstieg. Entscheidend aber war für Lew Nikolaiewittch das folgende unscheinbar« Erlebnis. Als er in einer engen Gasse, das Volk zählcnd, von einem Hans zum andern ging, o im dicken Guts- besitzerpelz und mit silbernem Krückstock, der Duft der Pomade kroch unter der Mütze hervor und auf der Zunge spürte er noch die Würze und Süßigkeit des Morgenfrühstücks, das ihm Sonja gut zuredend eingeflößt hatte, da kam plötzlich«in armer zerlumpter Schuster mit feiner schwangeren Frau vorüber, Stiefel hingen ihm über den Rücken und über die Brust, schmutzige Stiefel fremder Leute. . Tolstoi wollte den beiden ausweichen. Aber lchon waren die zwei, ihm zuvorkommend, auf die Straße gesprungen mit einem sich duckenden Satz, in den Augen Angst, Scbam und müde Unterwürfigkeit. Ewigkeiten lagen zwischen Tolstois und des Armen Blick. Ewigkeiten an unüberbrückbarer Scelenwüsts. „Warum weichst du mir so ängstlich aus. Bruder? Ich bin nicht mehr a>s du." sprach es aus Tolstoi. Der Arms sah ihn verständnikloi an. Das Wsib nahte sich Tolstoi, fiel auf die Knie und hielt bettelnd die Hand hin. ..Väterchen—' flüsterte sie. neigte sich und küßte seine Schuhe. „Steh auf, Mütterchen! Sa ist euch nicht zu helfen! Hier habt ihr! Es wird eine Weile reichen! Und i�ann?" Jedoch die Armen oerstanden ihn nicht, ihr Gesicht erfüllte eine tierische Freuds, nein, keine tierische— das Tier kennt ja keine ichbcwußic Besigfreude, also eine echt menschliche, allzumenschlich- eigennützige Freude! Tolstoi aber ging von Gedanken zerwühlt nach Hause. Er aß nicht, er trank nicht, auch nicht, als sein Liebling Tatjana ihm auf Wunsch der Mutter zuredete, und so blieb es viele Tage. Ihn ekelte die leckere Speise, die er nur essen durfte, weil er mit zu den Unterdrückern gehörte, eingereiht war ourch Schicksal und Geburt m die Reihe derer, den«!, es„gut ging". bdachts schlief er auf dem Fußboden. Eines Tages warf er feinen Pelz auf den Kehrichthaufen. Sophia Alexandrowna rang die Hände und weinte. Cr aber sah ihre Tränen nicht und war taub für alles, was nicht den Weg bereitete, den er nun beschreiten mußte. Das kann nicht sein! Das kann nicht sein! Das kann nicht fein! So flüsterte der Schlag seines zur Menschenliebe erwachten Herzens. Und erst als cr begann die erste Anklage niederzuschreiben: „Was sollen wir denn tun?" wich nach den Monaten gesteigertster Selbstpeinigung die Verzweiflung aus ihm. Noch mar seine Seele nicht stark genug, um mit dem ollen Leben zu brechen. Noch war die Verwirrung zu groß in ihm. Cr glitt scheinbar in das alle bürgerliche Leben zurück, doch er wußte, es war nur Schein. In seinem Innern war der Pilger längst aufgestanden und hatte die Märtyrerwallfahrt der ewigen Liebe angetreten. Er wollt« den Tag erleben, wo sie nicht mehr vor ihm aus- wichen und feine Schuhe küßten. Wo die Armen sich ihm oer- ttauensvoll nahten und Druder sagten. Und es währte fast noch siebzehn Jahrs, bis der Tag des Triumphes kam, an dem er. traurig und zerzaust wie sie, Schuhe für Agafja Michailowna nähte. Aber sehet, daß der Tag kam, das war«in« große Gnade für einen Begnadeten, wie er sett Franz von Assissi nicht mehr unter uns war. In seinem-Schloß saß er in der Leutekammer und flickte Schuhe Und nebenan lebte die Familie von seinem Geld das Leben der Grafen und Gräfinnen. Ihn aber lockte es nie mehr zurück. Doch ich weiß, daß ich ihn lästere, wenn ich sage, ich bm sein Jünger. Er wollte keine Jünger. Er wolll« nur der Liebe und Gott in ihr den Weg bereiten. Er ist ein Wegweiser. Im tiefften Grunde namenlos schön wie alles Schöne namenllos ist.. Denn Name, besonders berühmter Name, ist ja nichts anderes als auch feiler Besitz. Und ich taste ein wenig an diesem Wegweiser in die Ewigkeit. „Den Menschen scheint es nur so. als lebten sie von der Sorge um sich selbst: in Wahrheit lebten sie nur von der Liebe. Wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihnen, denn Gott ist die Liebe." Du bist in der Liebe geblieben. Das ist alles, was du tatst. Was die Liebe in dir tat. Lew Nikolajewitfch Tolstoi. Also preisen wir die Liebe. Und suchen wir sie. Einem jeden ein Paar Schuhe von Agafja Michailowna zum Flicken! Und auch aus diesen Schuhen wird nichts blühen als die Liebe. Nicht wahr, Lew Nikcäajewitfch? $)er„Vorwärts* in der dimserhrone Sine wahre„ißufilag" Oiiflorie von Ahasverus Dies«r Tcrickit beruht auf einer wahren Begebenheit, deren Urheber der Bater des Bcrfaffers war. Die Redaktion. Vor 36 Jahren sah es in der Weltstadt Verlin noch anders im wirtschaftlichen und politischen Leben aus als heute. Nur die Metast- u»d Bauarbeiter waren damals in größerer Zahl zu- sammengeschlossen. Kein Wunder, daß demgemäß die Arbeitszeiten noch oerhällnismäßig ungeregelt waren. Es gehörte speziell in den kleineren Handwerksbetrieben zur Selbstverständlichkeit, daß fast regelmäßig an den Sonntagen gearbeitet wurde. Man war das so gewöhnt. Mindestens aber wurde am Vormittag gearbeitet. Den Begriff der Sonntagsruhe kannte damals Noch niemand, und die Gelchüfke waren häufig auch am Sonntag wie a» allen anderen Tagen bis in die späten Abendstunden geöffnet. Zu dieser Zeit hotte das damalige Oberhaupt des Deutschen Reiches, S. M. W.h'elm II., eine auf ihm schwer lastende„Regie- rungssorge". Es wurde nämlich der von ihm eingesetzte Bußtag nicht genügend im Volke„gehelligt", und die Kirchen blieben ziemlich leer. Die arbeitende Bevölkerung kümmerte sich nicht um den Tag, sondern arbeitete heimlich. Als dies nun Wilhelm hinterbracht wurde, war er aufs äußerste entrüstet und erteilt« dem Berliner Polizeipräsidium einen geharnischten Befehl, energisch für die Heilig-- hallung des Bußtages zu sorgen. Jede Uebertretung sollte mit äußerster Strenge bestraft werden. Die Folge war, daß die Polizei überall Herumschnüffelle, ob sie nicht„Sabbatschänder" in Arbeits- kllteln fand. Di« Beute war ergiebig, und die armen Sünder wurden in schwerste Polizeistrafen genommen. Unglücklicherweise wurde gerade zu dieser Zell der berühmte Weiße Saal des Berliner königlichen Schlosses durch Baumeister Ihne renoviert und„modernisiert". Bekanntlich ist dieser Saal der prunkvollste Raum des Gebäudes. Der Fußboden besteht aus künst- lerisch auegelegtem Parkett, die Wände aus weißem, grau geädertem Carrara-Marmor, und die Decke weist einen nach heutigem Geschmack fast überladenen ornamentalen Schmuck aus schwer oergok- detem Stuck auf. Die Mitte der Dcckenverzierung bilden vier Haupt- felder, in denen sich die M a r t g r a f e n k r o n e, die branden- burgische Kurfürstenkrone, die preußische Königs- krön« und die deutsche Kaiserkrone, alle mit den dazu- gehörigen Adlern im Wappen, bcsinden. Nun hatte die Sache einen Haken. S. M. bereitete für die nächste Zeit Hoffestlichkeiten vor. Bis dahin mußte der Weiße Saal unbedingt fertiggestellt sein. Aber ach, die Zeit war, trotz Hinweis auf Extragratifikation, denn doch recht knapp geworden.„Cr" wußte sich aber sehr gut zu helfen und setzte seinen selbsterlassenen Befehl zur unbedingten Ar- beitsruhe am Bußtag für die Arbeiten im königlichen Schloß a u ß e r K r a f t. Es mußte dort also gearbeitet werden, und zwar unter Androhung der sofortigen Entlassung für den. der sich weigerte. Allerdings stand am nächsten Morgen im„Vor- wärts", der damals noch in der Beuthstraße bei Tading erschien, ein kleiner ironischer Artikel über die Vußtagsarbeiten im Schlosse. Gleich in frühester Morgenstunde war denn auch die Polizei eifrigst am Werke, die Nummer zu beschlagnahmen, was ihr fast restlos gelang— bis auf ein paar wenige fertige Exemplare, die in die Hände prominenter Gewerkschaftler kamen. Nun galt das Ansetzen der vier Stuckkronen an die Decke für die damit Beauftragten als eine besondere Ehrung, ja als aller- SSußl&g Ihr geht, mit Staub und Asche überschüttet. Im helle» Licht den Lüßerweg der Rächt. Ihr wankt. Geschlagene der Arbeitsschlachl. vom Hunger welk, vom Schmerz der Rot zerrüttet. And härter, als der herbst die Rebel streut, Starrt eurer Mütter hohler Blick umschleiert. Das Bolk der arbeitsfcohen Hände feiert Im Zwang, der schuldlos fremde Schuld bereut. Ihr hört die Kunde, die dem Bußtag läutet. !vie aus versunkene» Sleineu tief im Meer. Die Seelen eurer Andacht matt und leer. Und wißt nicht, was der Glocken Ruf bedeutet. Ihr glaubt es nicht, es könnte in der Stadt Melodisch ernstes Mahnen Menschen weck-n. Mo jeder Stein den kalten hauch der Schrecken Für Menschen eines Menschenoolkes hat. Volk der Enterbten. Welt der Ramenloseu, Verschwiegen von des Himmels Glockenklang, verschlungen von der Tage Erdengang. Sei Weg. eh' deines Winters Schrecken losen! Du trägst und weißt es nicht, für welche Schuld. Willst du nicht auch im Trotz des hiob bebest? Und bist du schuldlos? Brach dir nicht das Leben Dein heiliger llebereifer der Geduld? Rraur Rotbeukeicker. höchste Gnade, als Anerkennung ihrer tüchtige» Leistunzen! Es wurden also vier der zuverlässigsten Stukkateure dazu bestimmt. Die Kaiserkrone anzusetzen fiel einem Stukkateur E. D. zu. Die Krone selbst ist etwa einen halben Meter breit und hatte vorläufig noch auf der Rückseite einen größeren Hohlraum Wie es bei Bau- arbeitern Brauch ist, wurde auch an dem Tage nach dem Bußtag eine Flasche Bier zu dett Frühstücksstullen getrunken. E. D. war seltsam schnell mit dem Frühstücken fertig und verschwand dann unauffällig. Mit Hilfe eines mitgebrachten Schwefelfadens schwefelte er die Bierflasche aus und trocknete sie mit Sägespänen und durch Hineindrehen eines in Streifen zerrissenen Handtuches. Dann schob er das zusammengerollte Blatt des„Vorwärts" mit dem ominösen Artikel in die Flasche, verschloß sie, steckte sie in seine Gesäßtasche und begab ssch zu seinem Zlrbeitsplatz auf dem Gerüst. Dort wurde der Hohlraum der Krone mit Gips- drei gefüllt— ein schneller, kühner Griff nach hinten und— klatsch— war die Flasche in den Gipsbrei mit eingedrückt. Und nun, bei der Schwere des Stückes mit vereinten Kräften, herauf mit der Krone an die Decke! Nachdem sie noch zuverlässig oerschraubt war und einige Tage getrocknet hatte, wurde sie durch die Vergolder reich vergoldet. So erhielt auch der„Vorwärts"-Artikel einen „würdigen" Rahmen! Später wurde die Geschichte allerdings verpfiffen, aber da war schon jedes Gerüst aus dem Saale entfernt. E. D. wurde natürlich sofort entlassen, aber die ganze Angelegenhett totgeschwiegen. Jeden- falls hat Wilhelm II. niemals ersahren, welches Geheimnis seine stolze deutsch« Kaiserkrone birgt, und zwar noch bis zum heutigen -CS£' denn die Flasche ist kalsöchlich noch darin! 3&or[piarrerhändei vor 200 Jahren Durch den„Frenzel-Prozeß" wird man an die gute alte Zeit erinnert, in der Dorfpfarrerhändel zu manchen amtlichen Aus- einandersegunzen Anlaß gaben. So berichtet das Archiv im Schlosse zu Boitzenburg, daß 1660 über den Pfarrer von Weggun Klage geführt wurde, well er denjenigen unter seinen„Schäflein" den Zutritt zum Abendmahl verweigerte und ihnen die Hände nicht auslegte, die mit ihm in Unfrieden lebten, ihm die„Kirchensteuern" schuldig blieben. Der Kirchenpatron mußte darum Ordnung schassen zwischen den zankenden Parteien. Noch merkwürdiger, ja fast un- glaublich mutet es uns heute an beim Lesen eines preußisch- ministeriellen Schreibens vom 30. Juli.1739. Präsident Reichenbach hatte auf seinen General-Kirchenvisitationen merkwürdige Erfahrungen gesammelt. Danach benutzten Dorfgeistliche beim Austeilen des Abend« mahlsweins und der Oblaten die Gelegenheit, ihren„Freunden" eins auszuwischen und dies sehr gründlich. Dem genannten ministeriellen Schreiben zufolge wurde nicht nur festgestellt, daß das Abendmahls- brot in manchen Fällen so huldvoll dargereicht wurde, daß hernaöz dem Betreifenden aus Mund und Nase Blut floß, sondern es wurde auch dem Wein etwas beigefügt, was man im nachfolgenden Ab- druck urkundlich nachlesen wolle.— Da aus der früheren katholischen Zeit auch das Beichten übernommen und noch vor 150 Jahren in Hebung war. ist dem ministeriellen Schreiben zufolge mitunter der Beichtstuhl gelegener Ort für Liebesgeschichten, Zänkereien und ähnlichen Skandolen geworden. Das vom Minister Detlef von Arnim und dem Präsidenten von Reichenbach unterzeichnete Rund- schreiben des„Geistlichen Departements" behandelt diese Fälle detailliert.- Reichenbach betont dabei, daß diese Dinge„von einiger Jmportanz und die wahren Umstände von dem ganzen Verlaus der Sache darin enthalten sind". Im Geheimen Staatsarchiv Nr. 47 kann das Schreiben des„Geistlichen Departements an das Departe- ment der auswärtigen Affairen, Verlin, 30. Juli 1739" nachgelesen werden. „Die Prediger sind ernstlich verwarnet, selbst das erste Exempel von wahrer Devotion und nicht das größte Aergernis zu geben, sintemal ein paar Prediger so well gegangen, daß sie sich einander vor dem Altar während der Ausspendung der Communion gestoßen, gezanket und gar geschlagen e>der einigen Commumeanten, welchen sie feind gewesen, dergestalt die Hostie in den Mund gestoßen, daß zur Nase und Mund Bim herausgekommen. An verschiedenen Orten sind die aus Nürnberg, imzleichen von denen Braunschweigischen und Leipziger Messen verschriebene Oblaten zum Skandal der Communicanten so alt und verlegen gewesen, daß Maden und Würmer darin gesessen. Um solchem inconvenientt abzuhelien, hat man per moöum condlii anzerarhen, in unseren Landen, wo Mehl sattsam vor- Händen, die. Oblaten ordentlich frisch und in gehöriger Form zu backen— nicht minder, statt verdorbenem, absckmeckenden oder kabmichten Weines oder gar Urins— reinen Wein nehmen zu lassen... t Die bei dem Beichtstuhl und heiligen Abendmahl abgeschaffte abusus, zumal öfters 1. geizige Prediger notorisch arme Beicht- kinder, welche nicht im Stande sich befunden, Beichtgeld zu erlegen, aus dem Beichtstuhl zurückgewiesen: 2. oiele zanksüchtige Pfarrer aus dem Beichtstuhl eine Gerichts-, Prozeß- und Zanistude gemachet: 3. andere leider(!) wotzl gar reelle Ltebesintriguen vorgekommen..."» Die Reformation scheint da erst bis zu den Gliedern, nicht zu den Häuptern durchgedrungen zu sein! Hietonci. 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