BERLIN Donnerstag 20. November 193« 10 Pf. Nr. 544 B 271 47. Jahrgang Erscheint tiglich außer Sonntags. Zugleich Abendauegabe des„Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 8öPf. pro Woche, SF0M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 68, LindenKr. 3 „Ibwafdi Anzeigenpreis: Die einspaltige Noupareillezeile 80 Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VvrwärtS-Verlag G. m.b.H.. Berlin Nr. S7ä36. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Aendenmg der Aoiverordnung? Hat der Haushaltausfchuß das Z�echt zur Abänderung?- Gefthästs- ordnungsdebatte im Ausschuß D« Haushalt sanssetpap dcö Reichstags trat heute in hie Beratung der Anträge ei«, die sich auf die Auf» Hebung bezw. Aenderung der Notverordnung vom LS. Juli 1S30 beziehen. Die Beratung wurde ringe» leitet mit einem instruktiven Vortrag des Vorsitzenden Heimann( Zog.) über Wesen und Umfang des dem Ausschuß vom Plenum erteilten Auftrags über die Be» fugnisse des Ausschusses. Vom Plenum sei die Frage der Rechtlichkeit einer AuSschußberatung mit 33S gegen 220 Stimme« bejaht worden. Abg. Hugo Heimann(Goz). Wen« über die gänzlich« oder teilweise Aufhebung eines Gesetz» gebung swerks von der Bedeutung und dem Umfang der Nowerord- mnTg beraten und beschlossen werden soll, mutz die Möglichkeit gs- geben sein, den Inhalt der Verordnung nach allen Richtungen durch» zuprüfen. Es liegen nun neun Anträge zur Notoerordnung vor. Von diesen oerlangen zwei, die der Herren Hugenberg und Frick, die gänzliche, drei, die der Herren Torgler, Köster und Nolte, die teilweise Aufhebung der Verordnung vom 26. Juli 1930. Soweit scheinen mir die Dinge einfach zu liegen. Wenn aber, wie ich annehme, Aenderungsanträge zur Notvorordnung gestellt werden, so könnt« die Frage entstehen, ist das zulässig und, falls ja, wie müssen solche Anträge aussehen und wie sollen sie behandelt werden. Artikel ä8 Absatz 3 der Reichsverfassung besagt bekanntlich, dag von allen nach Absatz 1 und 3 getroffenen Matznahmen dem Reichstag unverzüglich Kenntnis zu geben ist. und daß die Matz- nahmen auf Verlangen des Reichstages auher Kraft zu setzen sind. Auch wenn man dies« Bestimmung so eng wie nur möglich auslegt, wird nicht bestritten werden können, daß damit dem Reichstag nicht die Vefngnis und die Möglichkeit genommen ist. ein Gesetz zu beschließen, das vielleicht mit den gleichen, vielleicht mit geänderten Vorschriften die gleiche Materie behandelt wie die Notverordnung, sosern einer Mehrheit aus irgendwelchen Gründen ein solches Gesetz erwünschter ist als dl« auf Grund des Artikels 46 der Relchsverfasjung erlassene Verordnung. Gleichzeitig mützte dann natürlich nach Artikel 48 Absatz 3 der Reichsoerfassung die Außerkraftsetzung der Verordnung verlangt werden. � Die Literatur hat sich bisher nicht viel mit der Frag« beschäftigt, ob und wie Verordnungen nach Artikel 48 im Wege der Gesetz- gebung geändert werden können. Der bekannt« Kommentar von Anschütz schweigt sich über diese Frage vollkommen aus. Nur Poetzsch-Hefter(Handbuch der Reichsverfassung. 3. Auflage, 1928, Seite 242) macht dazu folgende Ausführungen: «Die diktatorische Matznahme kann auch durch Gesetz auf- gehoben werden... Der Einwand von Graus, daß dadurch die oerfassungsmätzigc Zuständigkeitsoerteilung umgangen würde, ist nicht berechtigt. Die Freiheit des Gesetzgebers sollte durch keine Bestimmung des Artikels 48«mgeengt werden. Eine solche Be» schrönkung sollt« auch nicht in der Erteüung der besonderen Be- iugnis an den Reichstag liegen, die Aufhebung zu verlangen. Wenn diese Befugnis nicht bis zu einer unmittelbaren Aufhebung erweitert worden ist, so war das Motiv dafür, zu oerhüten, daß übereilt« Beschlüste ohne Uebergangsregeluna sofort wirksam würden. Das Gesetzgebungsoerfahren bietet hiergegen selbst die nötige Sicherheit." Der Dersasser steht also auf dem Standpunkt, daß der Reichs- tag nicht nur verlangen kann, daß nach Artikel 43 Absatz 1 und 2 erlastene Maßnahmen außer Kraft gesetzt werden, sondern hält es auch für zulässig, daß der Reichstag seinem Verlangen durch Be- schluß eines entsprechenden Gesetzes Ausdruck gibt. Offen bleibt die Frage, ob es nach Lage der Gesetzgebung und früherer Vorgänge möglich ist. ohne Aushebung der ganzen Verordnung emzclnc Bestimmungen der Notverordnung im Wege der Gesetzgebung durch andere Vorschriften zu ersehen. Ein Analogon ergibt sich für diese Frage aus der Personal- abbauoerordnung vom 27. Oktober 1923 in Verbindung mit den beiden Ermächtigungsgesetzen vom Ende des Jahres 1923. Tat- sächlich Hot der Reichstag wiederholt unter Mitwirkung der Reichsregierung Aenderungen der Personalabbauoerordnung i m Wege der ordentlichen Gesetzgebung vorgenommen. Es geht daraus hervor, daß der Reichstag mindestens seit 1925 es als sein Recht angesehen Hot, im Wege der ordentlichen Gesetzgebung Aenderungen an einer Verordnung vorzunehmen, die er nach dem Wortlaut des ersten Ermächtigungsgesetzes nur von der Reich-regierung„verlangen" konnte. Da dieser Wortlaut sich in der entscheidenden Bestimmung mit dem Wortlaut des Artikels 48 Absatz 3 der Reichs oersastung deckt,, so ist der Schluß berechtigt, daß der Reichstag auch gegenüber der Notverordnung des Reichs- Präsidenten vom 26. Juli 1930 das Recht zu Aenderungen einzelner Bestimmungen durch Gesetz hat. (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Die Bestätigung «Wer mit der preußischen Polizei anbindet, dessen Kopf braucht nicht erst zu ralien, er hat nie einen gehabt" Severing im Sportpalast Wirbelsturm begräbt eine Stadt Im Staat Oklahoma bisher 440 Tote geborgen. New Nork. Lv. Novcmbe. Die Stadt V c t h a n t> im Staate QUahonia wurde am Mittwoch von einem furchtbaren Wirbelstnrm heim-- gesucht. New Jork, 20. November. Die Sturmkatastrophc in Ollahoma, über die bereits kurz be- richtet wurde, erweist sich als weit verhängnisvoller, als man an- fang annahm. Unter den Trümmern der zusammengebrochenen Häuser wurden bisher 140 Leichen hervorgezogen. Die Stadl Bekhany ist vollkommen vernichtet. 200 Gebäude sind in Trümmer gelegt. Das Schulhaus im nahen Dorfe Camel brach zusammen, das Dach wurde wie mit einem Messer abgeschnitten und in die Lüste gehoben. Zwei Schüler kamen ums Leben. Der Tornado war von einem Wolkenbruch begleitet. Die Straßen lagen bald über einen halben Meter tief unter Wasser, so daß das Rettungs- werk erschwert wurde. Drei Kompagnien der Nationalgarde wurden nach Oklahoma entsandt. Schandtat eines Großbauern. Den Knecht mit einem Knüppel erschlagen. Neubrandenburg. 20. November.(Eigenbericht.) Zu einer bluNgen Auseinandersetzung, die ein Todesopfer forderte, kam es in dem Dorfe Thurow zwischen dem Arbeiter Wilhelm Gill und dem Großbauern Heinrich Neu mann. Der Hosbesitzer versetzte dem Arbeiter mit einem dicken Knüppel einen heftigen Schlag über den Schädel. Der Arbeiter brach zusammen und starb einige Stunden später an den Folgen der schweren Verletzungen. Schiffskatastrophe! In Nacht und Nebel aufgerannt.— 546 Passagiere in höchster Gefahr! London. 20. November.(Eigenbericht.) Am Mittwoch morgen um 4 Uhr ist der große englische passagier- dampfer Highland h o p e bei Nacht und Nebel an der portugiesischen Küste aus einen Felsen gerannt. Das Schiff ist 14129 Tonnen groß und hatte 545 Passagiere und Mannschaften an Bard. darunter 2ZZ spanische Auswanderer. Das Unglück ereignete sich 50 Meilen nordöstlich von Lissa» b o n. Sofort nach dem Zusammenstoß begann das Wasser in die Kesselräume und die unteren Schisfsteile zu dringen: die elektrische Beleuchtung versagte. Unter den Passagieren entstand eine Panik. Sie stürzten teilweise mir halb bekleidet auf das Deck. Die Matrosen erhielten sofort den Befehl, die Rettungsboote frei zu machen. Mit Revolvern in der Hand gingen sie an die Aus- bootung der Schiffbrüchigen. Um 8% Uhr hatten die letzten Passagiere das Schiff verlassen. Die Gestrandeten wurden von portugiesischen Fischdampfern aufgenommen und in ein portugiesisches Fischerdorf gebracht, von wo aus sie um 2>5 Uhr nachmittag« in Orolte internationale Kundgebung Morsen, Freitag, 19% Uhr, in der Autohalle am Kaiserdamm Redner- Frlfz\dler, Sekretär der Sozialistischen Arbeiterinternationale: George Micks, Abgeordneter des englischen Unterhauses, Generalsekretär des britischen Bauarbeiter- Verbandes und Mitglied der Exekutive des britischen Gewerkschaftsbundes; G. E Modigliani, Italien, ehemaliger Deputierter; Pictro Nenni, Verfasser des Buches:„Der Todeskampf der Freiheit"; Walicr Sdievenels, Sekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes; Otio Wels, Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. irbeilur, Anoestellte. BBamie! ErscneiDi in massen! Bakuadei Eaern uiillen zum Kampl sagen den Fascnismus! Dar Bazirksvarataan einem Erkozug nach Lissakion gebracht wurdei,. Ein spmnschor Airswandercr wurde bei den Bergungsarbeiten schwer verwundet. Alle übrigen Passagiere und Mannschaften wurden gerettet. E» ist nicht damit zu rechnen, daß das Schiff gerettet werden kann. Die Notverordnuna (Fortsetzung von der I.Seite.) Am 8. November 1923 ist ferner aus Grund des Artikels<8 eine Verordnung des Reichspräsidenten über die Ausprägung von Münzen ergangen. Diese Verordnung ist geändert worden durch§ 16 des Münzgesetzes vom 36. August 1921. Am 8. Dezember 1923 hat der Reichspräsident auf Grund von Artikel 18 eine Verordnung zur Abänderung des Okku- pationsleistungsgefetzes erlassen. Durch das Besatzung?- leistungsgesetz vom 5. April 1927 ist dies« Verordnung im§ 17 zum Teil gesetzlich bestätigt, zum Teil aufgehoben worden. Danach fleht also unwiderleglich fest, daß der Reichstag auch früher bereits einzelne Bestimmungen von Verordnungen des Reichs- Präsidenten, die aus Grund von Artikel 48 erlassen sind, im Wege der Gesetzgebung geändert oder aufgehoben hat. A» diese Ausführungen des Vorsitzenden cheimann schloß sich eine mehrstündige GeschästSordnungödebatte, in der die deutschnationalen Abgeordneten Gottheiner und H«rgt die Meinung vertraten, daß der Zlusschuh zwar die Notverordnung sachlich zu prüfen und dann über die Aufhebung und Aenderunz sich schlüssig zu machen habe, daß er ober Aendcrungen nur in Form einer Entschließung dem Plenum vorschlagen tonne. Ein Jnitiativgesetzentwurf zur Aenderung der Notverordnung könne der Ausschuß nicht beantragen. Die Kommunisten vertraten wiederholt die Forderung nach sofortiger Abstimmung über die Aushebungsanträg«. Abg. Müller-Kranken(Goz.) erklärte: Mit der Neberweisung der Notoerordnung an den Aus- schuß sei der Austrag zur materiellen Prüfung ihres Inhalts erteilt. Eine glatte Aushebung der Notverordnuiig könne heute aus sachlichen politischen Gründen nicht in Frage koniinen, wdb sonst die ganze Staatsverwaltung in der Luft schwebe; sie hätte nur dann einen Sinn, wenn die Gegner der Notverordnung bereit wären, gemeinsam eine Regierungskoalition zu bilden und die Notverordnung durch eine neue bessere Regelung der berührten Materie zu ersetzen. Aber schon die Komnlumsten seien jedenfalls dazu nicht bereit. Abänderungsnnträge können sehr wohl In Form eines Jnltiativ- gesetzez ans Plenum gebracht werden, das sie dann in drei Lesungen zu beraten habe. Dieser letzteren Auffassung schloß sich auch der Abg. Gerig (Z.) an und der Vorsitzende ch e i m a n n stellte fest, daß vom Steuerausschuß. Sozialpolitischen Ausschuß und Volkswirtschaftlichen Ausschuh mehrfach Initiativgesetzentwürfe beim Plenum beantragt worden sind. Das Ergebnis der Geschäftsordnungsdebatte bestand darin, daß zunächst einmal eine Generaldebatte über den ganzen Komplex der Notverordnung stattfinden und erst nach ihrer Beendigung darüber entschieden werden soll, ob die Ab- stimmung über die Aushebung der gesamten Notverordnung vor oder nach der Einzelderatung erfolgen soll. Heuchelei rechts. Steinbombardement ge<»en dieWohnung vonOberpräfident Lüdemann. Die Rechispresse hat sich darüber erregt, daß O b e r p r ä j i- dent Lüdemann am 9. November an seiner Privalwohnung in Breslau neben der Reichsflogge die rote Fahne gehißt hat. Oberpräsident Lüdemann selbst hat den Zeitungen, die sich darüber aufgeregt hoben,«in Schreiben geschickt, in dem er darauf hinweist, daß die rote Fahne die Flagge der Sozioldemokrati» scheu Partei ist, also einer republikanischen Partei, die eine wesentliche Stütze des Staates ist. Die Parteien, die Gegner des Staates find, und ihre Presse wollen stch dabei nicht beruhigen, ganz besonders nicht die Nationalsozialisten. Ihre Organisation in Breslau ver- anstaltete am Dienstag eine öffentliche Kundgebung, in der der Reichstagsabgeordnete Löpelmann sprach. Da seine Ausführungen Beschimpfungen der verfassungsmäßigen Staats- form enthielten, wurde die Versammlung aufgelöst. Die AersamTnlnnggteilnehmer zogen vor die Wohnung des Obcrpräsidenten Llldemann und warfen ihm die Fenster e i n. Di« deutschnationale Hugenberg-Presje verzeichnet diese .iKlbenlot mit Genugtuung und dichtet ihr an, es sei ein Ausdruck des Volkszorns gegen die rote Fahne. Nach diesem Zusammenstoß gerieten die Nationatsoziakisten mit der Polizei zusammen, ste warfen mit Steinen und bezogen dafür Gummiknüppekhiebe. Wenn ein Beamter der Republik die Flagge einer Partei hißt. die die wesentlichste Stütze des Staates ist. so zieht er sich das Miß- fallen der Rechtspresse zu. Wenn die Feind« des Staates Wohnungs- senstcr einschlagen und die Polizei mit Steinen bewerfen, haben sie den Beifall derselben Presse. Woraus hervorgeht, daß das Geschrei über die rote Fahne des Oberprästdcnten Lüdnnann abgrundtiefe Heuchelei ist. Kein Dank an Vangoin. Der Ehristlich-Sozials Parteivorstand für die Verfassung. Wien. 26. November.(Eigenbericht.) Der Vorstand der Ehriftlich-Sazialen Partei, der am Mittwoch in Wien versammelt war, sprach dem gegenwärtigen Bundeskanzler Vaugoin entgegen dem bisherigen Brauch weder sein Ber- trauen noch seinen Dank aus. In der von dem Borstand angenommenen Entschließung heißt«s lediglich, daß die Christlich. Soziale Partei auf dem Boden der Verfassung steht und seden gewaltsamen Versuch zu ihrer Abänderung ablehnt. In Wiener politischen Kreisen wird dieser Beschluß allgemein als Niederlag« des gegenwärtigen Bundeskanzlers angesehen. Todesstrafe vorläufig aufgehoben. Das von der Labourregie- rung e Inges stzl« Porlamentskomitee empfiehlt dem Unterhause, für 5 Jahre probeweise die Todesstrafe abzuschaffen. Die Waffen d« Or. Lübbe«, ein Neireuer> Der Regierungsral vom Reich? paleulamt Dr. Lübbea steht heute zum zweiten Wale vor dem Schössengerichl Ehar. lottenburg. diesmal wegen eines Munition»- und Waffen- lager», das er in seinem„Warineküjfe" unterhielt. Gegen dos Urteil von g Monaten am?. November wegen sittlich«! Verfehlungen, begangen an Mitgliedern seines Deutscheu Marinesportklubs, hat er Berufung eingelegt. Der Eröff'nungsbeschluß legt Dr. Lübbcn zur Last, daß er ohne Genehmigung der zuständigen Behörde Waffen- und Muniturns- lager besessen, Kriegsgerät für inländische Verwendung ausbewahrt, Waffen und Munition, die aus heeresbcständen flammten, im Besitz gehabt habe. Aus einer kurzen Uebersicht de? Vorsitzenden, Land- gerichtsdirektor Rambke, erfährt man den Tatbestand. Der?ln- geklagte l)at Mitte 1926 den Deutschen Morinesportklub gegründet. Im Ausammenhang mit den bekannten sittlichen Verfehlungen wurde bei ihm von seiner vorgesetzten Behörde eine Hau?suchung vor- genommen. Man fand in seiner Wohnung und auf dem Boden «ine große Anzahl Waffen und Munition. Unter anderem ein Ge- wehr 98,«ine Mauserpistole, eine Parabellumpistole, vier Eierhand- granaten, eine Stllhandgranate, drei Trommelreooloer, eine englisch« Selbstladeprstol«, drei Magazine für Maschinenpistolen, zwei Schlag- bolzen für Maschinenpistolen, zwei Seitengewehr«, 1266 Patronen und noch verschitdenes andere. Di« in einem Paket ans dem Boden aufgefundenen Eierhandgranaten waren noch verwendung?fähig. Zwei von den Pistolen sind auf der Jacht„Wörth" beschlagnahmt worden. Der Zlngeklagte Dr. Lübben bestreitet nicht, von dem Dorhandensein der Waffen auf dem Boden feiner Wohnung etwa? gewußt zu haben. Dr. Lübben gibt eine au?führlich« Schilde- rung feines Lebenslaufes. Er ist an der Ostsee groß ge- worden, hotte mit 22 Jahren sein Doktorexamen gemacht und fand in Berlin beim Geographisch-Statistischen Reichsamt Anstellung. Er meldete sich als Kriegsfreiwilliger, nahm an verschiedenen Gefechten teil, wurde verschüttet und erhielt Auszeichnungen. Nach der Novemberrevolillion beteiligte er sich an den Abwehrkämpfen gegen die Spartakisten, war zuerst Mitglied der Schöneberger Einwohner- wehr, später Leiter de? Landschutzes auf der Insel Rügen. Nach der Auslösung dieses Landschutzes durch den Kapp-Putsch wurde er Mitglied des Verbandes noiionalgesinnter Sol- d o t e n und des Wiking-Bnnde«. Wegen einer Beleidigungs- geschichte, die seinerzeit«ine Pistolenforderung zur Folge hatte, und s Marineklubs er nationalistischen Lugend bei der er kein« Unterstützung durch seine Kamerade» fand, t«t er aus dem Wiking-Bund aus. Anschauungsdifferenzen traten hinzu. Daß schon damals sitlliche Verfehlungen eine Rolle gespielt hätten, bestreitet er. Er beteiligte sich aktiv am R u h r k a m p f und war, wie er behauptet, innenpolitisch nicht mehr tätig. 1922/23 gehört« er dem Stahlhelm an und ist augenblicklich eingeschriebenes Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei und Mitglied des Offiziersbundes des Nachrichtenbundes. Hakenkreuz- Wikingerschiff. Es folgt eine ausführliche Erzählung, unter welchen Umständen der Deutsche Marinesportklub gegründet wurde. Aus den vom Bor- sitzenden verlesenen Satzungen geht hervor, daß der Klub die morinesportliche Ertüchtigung seiner Mitglieder zur Ausgabe hatte, und daß eine politisch« Betätigung ausgeschlosien war. Vorsitzender: Ist es Ihnen denn gelungen, iede politische Be- täiigung aus Ihrem Klub auszuschließen? Angeklagter: Ja. Es sind wiederholt Versuche gemacht worden, den Klub ins politische Fahrwasser zu treiben. So haben z. B. zwei bis drei Mitglieder der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei mehrmals die Halen- kreuzflagge gehißt. Ich habe sie ihnen schließlich weg- genommen. Die jungen Leute sind darauf aus dem Klub aus- geschlossen. Vorsitzender:<Äe führten aber die alte Kriegsslagg« auf dem Heck, Ihre Standardslagg« zeigte auf dem blauen Felde drei schwarzweißrot« Ringe. Sie führten das alte W i k i n g e r s ch i fs als Abzeichen, wenn das im großen und ganzen dem Ehrhardt-Abzeichen entsprach, sie haben doch weder mit der Ehrhardt-Brigade noch mit der alten Manne etwas zu schaffen. Angeklagter: Das war rein zufällig. Vorsitzender: Für Sie mag es ein« reine Zufälligkeit gewesen sein, bei den jungen Leuten muß das Abzeichen aber eine gedankliche Brücke zur Ver- gongenheit schlagen. Der Zeuge Ziegler hat ausgesagt, daß Sie ihm ein Ehrhardt-Abzeichen geschenkt hätten, und«ine Anzahl Zeugen hat bekundet, daß bei dem Klubabend auch von dem Fortleben und Wiederaufleben des Wiking-Ehrhardt-Gedaickens durch den Marinesportklub gesprochen warben sei. Der Angeklagte bestreitet beides. Er bestreitet auch, daß irgendwelche Hebungen militärischer Art vorgenommen worden seien. Zur Verhandlung ist eine große Anzahl Zeugen geladen. Außer- dem mehrere Schießsachverständlgc. Das Waffenlager soll aus dem Polizeipräsidium in den Gerichtssoal transportiert werden. Berlins Kassen leer! Magistrat fordert neue Steuern. /Defizit über 90 Millionen! Der Magistrat wird heute nachmittag der Stadtverordneten- Versammlung eine neue Dringlichkeitsvorloge über die Deckung de? auf nenn; ig Millionen Mark angewachsenen Defizit, zugehen lasten. Der Magistrot weist noch einmal aas die Notwendigkeit hin. neue Sleuerquellen zu beschaffen, da sonst da, durch die wohljahrtslasten von Tag zu Tag drohend an- wachsende Defizit verhängnisvolle Aolgen für die Stadl haben müßte. Der durch Steuern zu deckende Teil de, Defizit? beträgt jetzt rund 30 Millionen, von denen bisher nur 3.2 Millionen durch die beschlossene Erhöhung der Bierstener gedeckt sind. Der Magistrat schlägt vor, die Grund Vermögens st euer von 273 auf 366 Prcz. rückwirkend vom 1. April 1936 zu erhöhen. Eine Annohme dieser Sleucrcrhöhung. die im jetzigen Augenblick allerdings keine Zustimmung der Skadlverordnelenversammlnng finden dürfte, würde eine Erhöhung der Miete um 4 Proz. vom 1. Januar 1931 ab bedeuten. Die Gewerbesteuer soll um 30 Proz. erhöht werden. Und schllehlich sieht der Magistratsvorschlag ein« Erhöhung der L o h n su m m e nst« ue r, die bekanntlich von, Arbeitgeber zu tragen ist, von 1236 auf i486 Proz. ab 1. Januar 1931 vor. Volkspartei für Hakenkreuz. Sie erklärt ihr Vertrauen zu Frick. Weimar, 26. November. Im Thüringer Landtag wurde am Donnerstag dcr nationalsozialistische Dertrauensantrog für die Gesamtregierung>mt 28 Stimmen der Rechtsparteien e i n s ch l i e ß- lich der Deutschen Dolkspartei gegen 23 Stimmen an- genommen- Ueber die sozialdemokratischen Mißtrauensanträge gegen Stoatsminister Dr. Frich und Staatsrat Marschier wurde aus Antrag der Landvolkpartei zur Tagesordnung übergeganaen. Der kommunistische Auflösungsantrag fand kein« Mehrheit. Leipari über die Krise. Leitsähe zu ihrer Bekämpfung. Bochum. 26 November.(Eigenbericht.) Der Bezirk Rheinland und Westfalen des ADGB. veranstaltete am Mittwoch in Düsseldorf eine 5luudgcbung. di« als Antwort auf die letzte Tagung des Lai�nam-Vereins gedacht war. Zu dem Thema„Gewerkschaften und Wirtschaftskrise" sprach unter anderen der Vorsitzende des ADGB.. Theodor L e i p a r t, der sein« Ausführungen in folgenden Leitsätzen zusammenfaßte: „1. Kampf für die Revision und die schließiiche Aufhebung der Reparationsverpflichtungen, wobei wir uns klar dar- über find, daß der Erfolg nur a l l m S h l i ch und nur durch innere Geschlostenheit des deutschen Volkes gegenüber dem Ausland zu er- zielen ist. 2. Enliaswilg der Wirtschaft in erster Linie durch Sanierung der öffentllchen Finanzen: dann gesunde Finanzen sind Voraussetzung und Rückgrat einer gesunden Wirtschaft. 3. 46-Stund«n- Woche als Novnaßnechm«, die ollmählich die Gesundung der Wirtschaft vorbereiten kann. 1. Keine Senkung der Reallöhne, weil st« de» Aufschwung dcr Wirtschaft verhindert. 3. Angleichung des deutschen Preiskegcls an die Weltmarkt- preis« durch Bekämpfung unwirtschaftlicher Preisbindun- gen, durch Kartellkontrolle und Zollsenkungen. 6. Förderung einer zeitgemäßen Umstellung in der Land- Wirtschaft ohne Kauskraftoerschiebung zuungunsten der Ar- beiterschast. Kampf den Uebergowinnen des Zwischenhandels, die den Verbraucher ebenso ausbeuten wie den Erzeuger. 7. Kampf dem heutigen Zunftgeist der Innungen, die durch Verteuerung lebenswichtiger Bedürfnisse der deutschen Wirtschaft schweren Sehoden zufügen. 8. Förderung des gmosjenschastlichen Zusammenschlusses bei Produzenten uitd Konsumelften. Unterstützung aller Bestrebungen, die die Gmostenschoiten der Erzeuger und Verbraucher zu gemein- samem Handeln zusammenfüliren. Leipart schloß seine Ausführungen mit d«m Appell an die Ge- werkschastsfunktlonäre, die Mitglieder und die groß- Zahl dcr immer Unentschiedenen zu stärkäft, im Glauben an das Recht und den Er- folg gewerkschaftlichen Kampfes." 24 SOo Mk Postgelder geraubt. Berliner Autoräuber in Wittenberg. El» räuberischer llebersall wurde heute vormittag in Willenberg verübt. Es scheint, daß es sich um Berliner Verbrecher handelte, die mit einem Auto lu die Provinz gefahren waren. Zwei Postschaffner hatten den Auftrag, nach der Reichsbonk- stelle 24366 Mark zu bringen, die einer von ihnen in einem Ruck- sack auf dem Rücken trug. In einer stark belebten Straß« fuhr plötzlich«ine Limousine an den beiden Männern vorüber und stoppt« kurz vor ihnen. Aus dem Auto, in dem drei Männer sich befanden, stiegen zwei aus. zogen Pistolen und stellten sich mit dem Ruf„tzändc hoch!" de» Postschaffnern ia den weg. während der eio« die Be- awlen mit der Waffe in Schach hielt, schnitt der zweite die Halterlemen des Rucksacke, durch und warf Ihn mit dem Inhalt in da» Auto. Als Passanten aus den ungewöhnlichen Vorfall hin herbeikamen, hielten di« Räuber sich die Beut« mit den Waffen vom Leib«. Ei« sprangen, während alles zurückwich. In den Wagen und jagien i» raschem Tempo in der Richtung nach Berlin davon. Die Polizei >ii» Wittenberg, die von dem dreisten Raub in Kenntnis gesetzt wurde, nahm mit einem starken Kraftwagen di« Verfolgung auf. Bisher sind Meldungen von einer Festnahme der Flüchtigen noch nicht«ingogangen. Räch der Bekundung der Zeugen soll der Wagen der Räuber das Kennzeichen I dt getragen haben, doch können die Leute stch auch irren und es handelte stch um eine» in Berlin zugelassenen Wagen mit dem Zeichen I A. Das geraubte Geld bestand aus gebünjdelten 1 6 6-, 50- und 2 6- M a r k- Scheinen. Bei der Verfolgung auf der Chaussee schösse» die Polizeibeam'.en auf das slüchtige Auto. Das Hintere Scheibenrad wund« durch einen Schuß beschädigt, außerdem soll eine der im Wagen sitzenden Personen getrosten worden sei». Wie festgestellt worden ist, gehört das Auto einem Kaufmann in der Kaiser- Wilhelm-Straß« 74 zu Lichtenrade. E, wurde dem Eigentümer in der letzten Nacht aus der verschlossenen Garage g e st o h l e n. Das Raubdezernat des Berliner Polizeipräsfiums hat die weitere Ver- folguna der Räuber in die Wege geleitet. Mitteilungen nimmt die Dienststelle A 5 im Polizeipräsidium und die Oberpostdirektion Berlin entgegen. Schändung des Raihenau-Brunnens' Eine neue Leistung der Hakenkreuzler. I» de? Nacht von Mittwach zu Donncrsiog ist der Rathenau-Brunne» Im Dolkspark Rehberge in übelster Welse beschmutzt worden. Gemeines Gesindel hat das Denkmal nnt Unflätigkeiten beschmiert. Als Msitenkarte prangten Stahl- Helm, Hakenkreuz und„Front Heil". Auch die Reliefs von Emil und Walther Rathcnau wurden besudelt. Das ist der Geist des dritten Reiches! Das deutsche Volk wird diesen Elenden eimnal tüchtig auf die schmierigen Finger klopfen müssen! Das Haus am Wedding Gin neues Verwaliungsgebäude des Bezirksamts in der Mütterstraße Endlich hat jetzt der Bezirk w e d d i a g, nach Krcuzberg der zweitgrößte Bezirk Berlin», das dringend benötigte V e r. maltvngsgebäude erhalten. Ein R a t h a u» zu bauen, gestattete die Bot der Zeit nicht. So entstand ein Norgegliedecter, einfacher Zwcckmäßigteitsbau. der vor Vertretern der städtischen Verwaltung mit einer schlichten Zeier eingeweiht wurde. Das Gebäude, desjen Kosten sich auf 2A Millionen Mars be- laufen, lst in der Müllerstrohe an der Ecke der Lim- burger Straße, ganz in der Bähe de, Leopoldplahe», erbaut morden. Trotz einfachster Mittel wirkt das riesige Gebäude im- pofant und darf als ein neue» Wahrzeichen Berlins bezeichnet werden. In seiner kurzen Begrüßungsansprache betonte der Bürger- meistcr des Bezirks, Genosse Leid, daß der Vorteil des Baues vor ollem die Zusammenfassung der Dienststellen mit ihren mehr als 600 Beamten und Angestellten sei. Dadurch werde die Verwaltung übersichtlicher, und man könne den Leerlaus energischer als bisher bekämpfen, vorüber hinaus spart die Sladt verlin die Mieten in höh« von jährlich 200 000 Mark, di« das Bezirksamt bisher sür Büros in Privathäusern bezahlen mußte. Die Wohlsahrtsverwaltung habe einen Umfang angenommen, den noch r-or einem Jahr niemand voraussehen konnte. Znsgesami habe zur Zeil da» Bezirksamt Wedding 4l S0Z wohlsahrlsunlerslützle zu betreue«. Der Bürgermeister dankt« besonders den, Stadtrat Bock und Magistratsaberbaurat holwig, die sich um den Bau besondere Verdienste erworben haben, sowie den zahlreichen Arbeitern und Angestellten. Er schloß seit« Rede mit den Worten:„Die Beamten iiiid Angestellten, die in diesem Haus« die Geschäfte der städtischen Verwaltung mit zu besorgen und ouszusühren haben, werden, so hosse ich. sich bewußt bleiben, daß sie für die von uns zu betreuende Bevölkerung tätig find und daß sie mit uns gemeinsam Dienst leisten am Volte, Dienst im. Interesse der Stadt Berlin und Dienst an der Deutschen Republik." Ein von der Schulkinogemeinde Wcddiny auf- genommener Film veranschauliciste die Entwicklung des Baues, dessen Grund st einlegung im Ziovember 1928 stattfand. Das neue Bcrwaltungsgebäudc zeigt an seinen Außensronten violette Klinker- steine, während die Innenräume hell und freundlich gehalten sind. Mit den« i n f a ch st e n Mitteln hat man gute, künstlerisch« Wirkungen erzielt. Besonders gelungen ist das F o y e r, das unmittelbar zum Sitzungssaal der Bezirtsverordnetcn führt. In dem Haus, dessen Straßenfront 13? Meter lang ist, sind untergebracht: die .hauptvermaltuitg, die Finanzverwaltung, das Gesundheitsamt, das Volksbildungsamt, Teile des Wohlfahrts- und Jugendamtes und schließlich dos Steueramt sowie di« hauptsteuerkasse. Wir schließen uns den Wünschen d«, sozialdemakratlschen Bürgermeisters an und wollen hoffen, daß die Zlrbeit in dem neuen Hause den, Wohle der arbeitenden Weddinger Be- völkerung dienen möge. Bildpädagogik und Bildffatistik. Otto Neurath im preußischen ZZoltsbildongsministerium, Vom Volksbildungsminister Grimm« eingeladen, sprach vor Direktoren der pädagogischen Akademien und Leitern de» preußi- schen Bolksschulwesens der Direktor de« Gesellschafts- und Wirt- schoftsmuseums in Wien, Gen. Otto Neurath, über„bild- haste Pädagogik", llnter Hinweis auf da» btldstatistisch« Elementarwerk„Gesellschaft und Wirtschaft", dos soeben im Wiener Institut ots neuartiges Bildungsmittel erlchienen ist und an Hand von Licht- bilder» zeigte der Bortragende die Möglichkeit, den gesamten Unter- richt bildhast zu betreiben. Ausgangspunkt für die Wiener Arbeit war die Volksbildung: rasch und sicher soziale Ein- ficht zu vermitteln, ohne bei den Lernenden Minderwcrtigkelts. gefühie auszulösen. Vortrag und Bilder zeigten ein durchgebildetes Systcni der Farben- und Formensymboltk. die gelegentlich als Renaissance der Hieroglyphenschrift bezeichnet worden lst. Einer der Erundgedanlen der bildhaften Pädagogik ist es, größers Mengen von Gegenständen durch größere Mengen von Sachzcichen abzu- t llden. Abgerundete Daten in richtiger Auswahl dienen als Grund- lag« der Darstellung. Es ist besser, sich vereinfachte Mengenbllder zu merken, al» genau« Zahlen zu vergessen. Di- Bildstatistik nach dieser Wiener Methode Hot auch international« Bedeutung, In Bildern dargestellte Tatsachen wirken weniger emotionell und können daher die Gegensätze weitaus besser üb«rb,ück«n: Bilder verbinden, Worte trennen. Manche sehen in diesem System, dos den Ausbau des Unterrichts ändern kann. entscheidende Schritte zu neuer Pädagogik. Die Bildpädagogik stellt einen Teil der Wiener Schulreform dar, sie ist über die Schul« hin- aus für die Arbeiterbildung aller Länder bedeutsam. Lob der Lufiiz. Was wollt Ihr von Nraunschwelg? Nunmehr bitt« ich mir energisch aus, daß das Genörgel über die Justiz in, Lande des Herrn Franzen endlich aushört. Was wollen Sie«gentlich von den Braunschweigcr Richtern? Sie sollen reaktionär sein? Ich sag« Ihnen: die Zivilkammer, die ihre«inst- wellige Verfügung in Sache,, Franzen gegen den Braunfchweiger „Bolksfreund" bestätigt hat, ist alles ander« als rückschrittlich, sie ist richt_nur fortschrittlich, sie ist revolutionär! Sie lächeln, Sie zweifeln? Lassen Sie sich belehren! Wie war es früher? Ich nehme als Beispiel den Essener Meineids- prozeß von 18gs. Ach so, von dem wissen Sie nichts mehr? hören Sie bitte zu: Da hatte in einer Essener B«rgorbeit«roer- sammlung der baumlange, als brutal bekonnte Gendarm Munter den Bergmann und ehemaligen Kaiserdelegierten Schröder zu Baden gestoßen. Als die sozialdemokratische Zeitung am Ort diese Tat rügte, wurde, wie dos damals so war, natürlich nicht Herr Munter, sondern der Redakteur unter Anklag« gestellt. In der Der- Handlung beschwor Herr Munter, daß er' nicht gestoßen hob«. sieben sozialdemotransche Zeugen bekundeten unter Eid das Gegenteil, Erfolg: der Redakteur wurde verurteilt und gegen dl« sieben Zivilzeugen eröffnete der Staatsanwalt ein Strafverfahren wegen Meineid, Im Prozeß gegen dl« sieben traten sieben oder acht neue Zeugen auf. die bekundeten, daß Münter gestoßen hatt«. Münter dagegen beschwar wiederum, nicht gestoßen zu haben, Erfolg: die sieben wurden wegen Meineides zu langen Zucht- Haus st rasen verurteilt. Deswegen kein« Unruhe! Man hat sie im Jahre lSll, also sechzehn Jahre später, nachdem sie ihre Straf«, sein säuberlich abgesessen hatten, im Wiederaufnahmeverfahren f re i- gesprochen, soweit sie i,otab«ne noch erreichbar waren. Der G«ndarm Münter hatte sich nämlich inzwischen auch nach in vielen anderen Beziehungen als übler Schweinehund entpuppt. Aber sehen Sie: so war da» damals! Ein einziger Ken dorm schwur mit gerecktem Zeigefinger ohne jede Schwierig. keit sieben, vierzehn, in, B-darssfalle auch vierundzw-rnzig Zivil- zeugen unter den Tisch, Die Uniform, die geputzten Knöpfe, die schimmernde helmspitze, der scheppernd« Schleppsäbel, die sporn- klirrenden Stiesel genügten. Aus so viel Glanz und Messing konnte doch nur die lautere Wahrheit strahlen. Die Uniform schwor nicht, was darin steckte! Und nun sehen sie dagegen di« revokutianäre Tat des Braun- schweigcr Gerichts: sechs uniformierte P o l i z« i b e a in t e zeugen einmütig gegen den einen Ziviin, inistcr Franzen, es nützt ihnen nichts! Ein Wörtlein des Zivilisten schlägt sechs Polizei- beamte zu Boden. Herr Franzen braucht gar nicht selber zu schwören. Er braucht nur zu sagen: Ich bin Minister und pveußsscher Amtsrichter a. D. Da nickt das ganze Gericht: Bei einem solchen Manne ist jede Unkorrektheit ausgeschlossen. Sechs Polizei beamt« haben gehört, nicht einmal, mehrmals, wie Franzen den G u t h als Löhs« legitimierte? Schnurz, egal! Sie wollen«» be- schwören?— Aha, sechs Meineidsprozesse werden fällig. Und wenn zwanziA- Polizisten schwören: wir Braunfchweiger Richter glaube: allein dem hokenkreuzabzinchen im Knopfloch des Herrn Franzen! Ist das nicht revolutionär? Bon plus unendlich ist in Braunschweig der Polizisteneid aus minus unendlich herab- gerutscht. Der nebensächliche Umstand, daß früher d!« Polize-i königlich und ihre Gegnerschaft meist sozialdemokratisch war. daß dagegen di« heutige preußische Polizei republikanisch ist. und ihre Gegner meist Nationalsozialisten sind, spielt natürlich bei dieser Umwertung aller Werte durch die Braunichweiger Richter keine Rolle. Sie haben als revolutionäre Recht- erneucrer rein aus juristischer Possion gehandelt! Unterlassen Sie endlich das Lachen!_ Jonathan. Mord im Auio. Tänzerin erschießt ihren Geliebten. Leipzig. 20. November, Auf der Rückfahrt von einem Automvbilausflug hat heut«»aä auf der Staatsstraße Grimma— Leipzig die 25 Jahre alt« aus Ho"! gebürtige Tänzerin Koch ihren Freund, den 48jährig«n Kausmann ThrSnhardt, am Führersitz seines Kraftwagen, durch Re- volverschüsse getötet. Di- Täterin stellte sich noch in der Nacht der Leipziger Kriminalpolizei. Sie gab an, seit etwa einem halben Jahr habe sie sich mit dem Gedanken getragen, mit Thränhardl gemeinsam zu sterben. Thränhardt Hab« ein großes Haus geführt. und sie habe ihn mit Geldmitteln unterstützen müssen. Als sie kein Geld mehr beschoffen konnte, habe sie sich entschlossen, die Tat auszuführen. Bergarbeiierdrama von Ernst Ottwatt. Wallner-Theater. Im Wallner-Theater wollten die Nazis ihre Volksbühne einrichten. Seit Wochen zeigten sie die„Räuber". Dann wurden sie von Piscator ausgekauft, und di« Naziräuber müssen auf bessere Zeiten warten, Piscator veranstaltet eine dramatische Totenieier für die Opfer der Katastraphen von Neurod« und Alsdorf. Ver- sasser des Bcrgarbeiterdramos„Jeden Tag 4"(das heißt: jeden Tag fordern die deutschen Bergwerk« vier Menschenopfer) ist Ernst Ottwolt. der sich schon durch seinen Selbsterlebnisromon„Ruhe und Ordnung" auszeichnete. Darin war die schillernde Unstetigkeit unserer deutschen Jugend geschildert. Sic weiß nicht, ob sie im braunen Hemd oder im Zeichen des Sowjetsterns das Vaterland erlösen soll. Da sie unsicher, arm, schlecht genährt und schlecht er- zogen ist. geht mit dieser Jugend die Hitlersche Sturmtruppen- verrücktheit durch. Das Bergarbciterdrama ist herzprodukt des sungen Schrift- stellers. Es ist aber wich das übliche, betrüblich«, trogisch aus- gefaßte, theatralisch ungeschickt hergerichtete Bekenntnis des revo- luttonären Jünglings. Dann geschieht da, entsetzlich« Unglück. 151 Proletarier des Schachtes werden getötet. Zweideutige und heuchlerische Bcrtuschungspolitik der Behörden und des Parlaments werden entlarvt. Die am schwersten getroffen« Bergmannsfra», die bei dem Unglück Ehemann und Sohn verlor, reist ihren Jüngsten an sich und schreit:„Der darf nicht mehr In die Grub«, niemals mehr!" Ihr wißt es: nach einigen Iahren wird di« Rat sie lehren, daß solch« Proletarierwünsch« zu Meineiden werden müssen. Zu all dem Furchtbaren gibt ein Sprechchor den anklagenden und rebellischen Unterton. Einige klassenbewußte Bergleute, die noch nicht ganz entmutigt sind, verkünden den kommenden Aufruhr. Dies« herzzerreißenden Tatsachen kennen wir. Da wir dos dichterische Talent des tiefbewegten Schriftstellers kennen lernen möchten, kommt über uns die tiefe Enttäuschung, kommt über uns di« tiefe Niedergeschlagenheit. Aus dem höchsten Unglück und ver- ständnisovllen Mitteip zieht er nur die platteste Alltäglichkeit. Alles im Theater oerzagt. Nicht einmal Gelegenheit zum lärmenden Mit- spielen der Theaterbesucher bietet sich. Die Pointen des revolutio- nären Dramatikers sind zu schwach. Das Werk, das er so hitzig improvisierte, ist auch nicht durch den hingebungsvollen Regisseur Friedrich Neubauer und die Schauspieler zu retten, die sich in den Dienst der guten Parteisach« stellten!!>l. II. Julius HarttGedenkseier. Matinee in der Volksbühne Vülowplah. Am 7. Juli dieses Jahres starb der Dichter, Denker und Kri- tiler Julius Hart. Dem Gedächtnis des Einundstebzigjährigen galt die Feier am Sonntag mittag in der Volksbühne am B ü l o w- platz. „Kritische Wafsengänge" hieß das Werk, die Sammlung von Kritiken, die die Brüder Heinrich und Julius Hart in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in den Mittelpunkt des Interesses des geistig lebenden Deutschlands rückt«. Die alten Götter wurden zertrümmert,«s zeigte sich plötzlich, daß sie nur au, Ton beftaichen. Die kiteranschen Lieblinge eines satten, arrivierten Bürgertums«nt- hüllten ihr banales Gesicht, ihre künstlerische Unfähigkeit. Di« Brüder Hart rissen ihnen schoimirgslbs di« Maske herunter. Aber es war nicht di« Freude am Zerstören, am Negieren des Bestehen- den, sondern der leidenschaftliche Wunsch, die Dinge beim wahrm Namen zu nennen, bis zum Kern der Erscheinung vorzustoßen, und Wesentliches, wirklich Lebendiges an Stelle des lleberalterten, nur Routinierten zu setzen. Begeisterungksähigkeit bis zur flammenden Leidenschaft für das Leben, für wahre, große Kunst zeichnen Julius und iein-n früh verstorbenen Bruder Heinrich aus. Sie spricht au» den Dichtungen, die der Schauspieler Friedrich K a y ß l e r beherrscht, aber mit starkem, innerem Erleben spricht. In kurzen, prägnanten Worte» umreißen Julius Bob und Adele Gerhard das Bikd dieses seltenen Mannes. Bab kommt es mehr auf die geistige Haltung an. der Frau auf die menschlich« Persönlichkeit, llneigennützigteit, gütiges Helfen, Förderung junger Talente bedeuteten für Julius Hart Selbstverständlichkeit. Er (ärnpste nie gegen Personen, sondern gegen die Sache, die sie ver- traten, er setzte sich sür Begabungen ein, nicht nur weil sie ihm menschlich nahestanden, vielmehr, well er von dem Glauben durch- drungen war, diese geistige Krait dürfe nickt verlorengehen. Hart, der Idealist, wies den lange verschütteten Weg zur Wertung großer Kunst, zum selbstlosen Einsatz kür das, was er als Wahrheit er- kannte. Ein Kämpfer um der Sache willen. „Susanne macht Ordnung." Atrium. Wer etu» glaubt, daß Susanne in den Tonfilmwirrwarr Ord- ramg hineinbringt, der irrt sich mal wieder ganz gewoüig. Man Hot umständlich«ine Mottenkiste ausgeräumt und aus überalterten Witzen und abgebrauchten Situationen einen lustigen(die Bezeich- nung lustig kann nur für di« Ankündigttng der Firma gelten) Tonfilm geschaffen. Susanne wird in einem Pensionat in der Schweiz erzogen. Sie rückt aus und fährt nach Bertin, um in der Millionenstadt ihren unbekannten Bater zu suchen. Nachdem sie durch diese Such« in drei Familien Unheil angerichtet hat, endet sie in den schutzbereiten Armen eines Liebhabers. Das Drehbuch nahm Eugen Thiele in«in« planlose Regie. Er wußte offenbar gar nicht, was er wollte: er verpflichtete sich weder der Operette noch dem Lustspiel und der Film wirkt daher an den Stellen am besten, wo er die Schauspieler einfach sich selbst überläßt. Don denen sucht jeder nach Möglichkeit Eindruck zu machen, spielt jeder ein paar Paradeszenen, und wenn damit Schluß ist, wird tonsllinrnäßig gesungen und getanzt. Truus van Alten findet sich mit der Roll« des Backfisches gut ob. Di« Schlager von L«o Leux reihen sich der üblichen Serienproduktion ein. Der einzig« Gewinn des Abends waren die E o m e d i a n Harmonists, die persönlich auf der Bühne standen. e. b. Verleihung der Helnrich-Herh-Medalllen. In der Festsitzung, welch«„die Heinrich-Hertz-Gesellschast zur Förderung des Funkwesens" gemeinsam mit den,„Elektrotechnischen Berein" abhielt, wurden zunächst zwei bronzene Medaillen an die um das Funkwesen verdienten Mitbegründer der Telefunlen-Gesell- schaft, Generaldirektor von Siemens u. Halske Dr. Adolf Franke und Kommerzienrat Paul M a m r o t h von der Allgemeinen Elet- trizitäts- Gesellschaft verliehen. Dann überreichte der Präsident der Gesellschaft, Professor K. W. Wagner, die goldene Heinrich-Hertz-Medaille dem um die Entwicklung der Aildübertragung und des Fernsehen» ganz be- sonder» verdienten Erkinder der Äarolus-Zcll«. Prof. Dr. August K a r o l u s. Leizig. In feiner Danksagung erwähnte dieser, daß das eigentliche Fernsehen noch immer erst Sache des Laboratorium- Versuches ist. Für befriedigend können Uebertre�mgen nnt 10 000 Bildpunkte n angesehen werden, die wir auch mit kurzen Wellen durchaus beherrschen. Wann aber ein solcher Bildsender praktisch ins Leben treten wird, kann heute noch nicht gesagt werden: da« hängt von einer Reih« wirtschaftlicher und organisatorischer Fragen ob, zun, Beispiel von der Preisfrage und der Wellenfrag«. Doch muß das Fernsehen kommen und wird in wenigen Jahren auch kommen. Dam, übervelchte Präsident Wagner die silberne Heinrich. Hertz- Medaille, welche als Anerkennung für erfolgreich« RundfunÄieb- haber und für hervorragend« Bastelarbeit bestimmt ist, den, Haupt- lehrer Theodor Eckert aus Deggendorf an der Donau, der sich durch die Konstruktion eine» ausgezeichneten Gerätes zur Bermlnde- rung der Störungen bei Fernempfang in der Nachbarschaft starker Sender«in große, Verdienst erworben hat. Den Festvortrag de» Abends hielt dann Bros. E. R e g en er. Stuttgart, über»Durchdringende Höhenstrahlung und kosmisches Geschehen' Dunkles Erwachen. Matinee des Goetheanum. Aus einem Mysteriendrama„Der Seelen Erwachen" von Rudolf Steiner zelebrierte eine Schar seiner Jünger und Ilingevinnei, zwei Szenen im Deutschen Künstler- Theater. Es bedarf eines besonderen Geistes, um in das weihe volle Geheimnis dieser mystischen Angelegenheit einzudringen, der wohl nur dem Anthropasophen verliehen ist. Der profane Zuschauer. dem dieser Geist fehlt, saß hilflos vor einer bunten ägyptischen Zauberszenerte und lzörte in wohlklingenden Vokalen und sürchter- llch gequälten Konsonanten dunkle Reden über dunkle Weisheiten euf sich nicderströmen. Auf welcher fernen, fernen Insel müssen diese seltsamen, von der Wirklichkeit so gänzlich unberührten Heile- künder leben, di« der Welt die Rettung bringen wollen, indem sie Raun, und Zeit in kindlich naiven Deutungen zu durchdringen ver- suchen? Was man bewunderte, war ihre Körperbeherrschung: Rede und Geste verschmolzen zur Einheit, und diese seltsamen Verse regte» sie an zu seltsam starren, erstarrenden Gesten, die mft erstaunlicher Gelassenheit, ohn« Zeichen van irgend welcher Ermüdung, durch- geholten wurden.'~h. Der Aulorenkamps tun„Die Affäre Dreyfu»". Trotz mehr- sachcr Schiedssprüche hatte.Hans I. Rehsisch gegen Wilhelm Herzog. den Mitverfasser der„Afför, Dreyfiis". Klage mit der Behauvtuna erhoben, daß«r. Rchsisch. der alleinig« Verfasser des Bühnenwerkes sei. Jetzt hat das Landgericht II die Klag« Dr. Rehfischs abgewieftr und ihm die Kosten de» Rechtsstreites auferlogt. ver„verllaer ceebval�her Tbormeiller«eorg OSkar S-bmuaim. vei- anstaltrt Sonntaq. 7 Ubr, Im Saalbau stttedttrkh'Mn ein Mlf4lümlid)tf Konzert. Zur Mitwirkung ist die Trttaruvv- Moabit de«..Deut'ldin Arbeiter- Mandoiinlsten-Biinde«', 60 Mitglieder, gewonnen worden. Eintritt«rr«i< in«. Liedertexte, R. Aeber die bildend« Snnft und Musik zur Zell der Austläruna und de« Klasnzlsmn« spricht Dr. Frip Schiss Sonnabend. 8 Uhr. im Hörsaal de« Kunstgewerbemuseum« in einem Vortrag, der mit Lichtbilder» und Schall- platte» Ulnstriert wird. Eintritt 0,70 JS. lebsrlebende der Rationalisierung Gtreifzug durch den Westhafen— LleberfüNte Speicher und darbende Massen Eine Eliieiruppe der Transportarbeiterfchast Kennst du das Land, wo die Zitronen blüh'n, Im dunklen Laub die Goldorangen glüh'n? .-■/tignon dachte an den Süden, als sie dieses Lieb sang, wir >i.rd bescheidener und begeben uns m die Kellerräume des rissigen Getreidespeichers am Westhafen Hier glühen wohl die Gold- orangen nicht„im dunklen Laub", sie liegen aber immerhin aneinandergereiht auf weiten Holzrasten und schlummern, von tropischer Wärme umgeben, dem Tag ihrer Abberufung entgegen. Es geht ihnen wie den Bananenstauden, deren Fruchtbüschel aus dem Dampfer kommen, bedächtig das Transportband entlang- schaukeln und eine nach der anderen ihr gutgehesztes und wohltemperiertes Logis beziehen, wo sie reif und gelb werden. Di« Sonne Westindiens oder der Kanarischen Inseln ersetzt ein Gas- ofen, dessen Kurve über die von ihm gespendete Wärme mit der Kurve des Berliner Bonanenbedarfs parallel läuft. Nur liegen beide Kurven jetzt sehr niedrig. Die Zeiten sind schlecht, sagt der Bananenwächter. Getreide ohne Absah. lieber dein Keller türmen sich die neun Stockwerk« des Getreide- vsichers. Was er an Körnerfrucht zu fassen vermag, ist in ihn hineingestopft und jeden Tag fahren neu« Kähne vor und warten auf Löschung. Di« Hafenleitung weiß nicht mehr wohin init diesem Roggeii- und diesem Weizensegen: während draußen die Massen nach Brot hungern, warten die Myriaden von Körnern vergeblich auf einen Käufer. Eine besondere Schwierigkeit kommt hinzu: gegenwärtig ist Inlandsgetreide eingelagert, desien maximal« Stapel- höhe bei 1,20 Meter liegt, amerikanisches oder russisches Getreide könm« man drei Meter hoch lagern denn die Sonne von Oklahoma oder Saratow dörrt anders als die über Mecklenburg und es rft ein« Binsenwahrheit, daß die steigende Höhe des Wassergehalts einer Stapelware auch die größere Gefahr der Selbstentzündung in sich birgt. Paradox ist das, aber nicht zu ändern. ArbeiterZparende Mechanisierung. Auf dem Getreidespeicher arbeiten Sll Mann, eine Saugförderanlage, zwei Wanddrehkrane, vier Lukenwinden, zwei Wendel- rutschen und vier Fahrstühle. Eimerdicke Schläuche, denen eine Luftpumpe von öl) den Odem einbläst, saugen das Getreide aus dem Kahn: ehe es auf den Lagerboden kommt, wird es gereinigt, das macht unter ohrenbetäubendem Getöse natürlich eine Maschine, Berge von Staub werden dabei ausgeschieden und dann sind 1200 Meter laufendes Band da. Das ist ein vielleicht halbmctcr- breiter Lederstrcifen, auf dem die Noggenkörncr durch das Haus ununterbrochen spazieren fahren, bis oben hinauf in die Dach- geschosfe. Hier oben ist ein Schaltbrett, wenn man beispielsweise an dem kleinen dünnen Drahlseil Nr. 5 zieht, dann fahren die Kürner zu einer bestimmten Luke, fallen hinein und rutschen durch ein Röhrensystem, das wie eine ins Groteske übersteigerte Rohrpost- anlag« aussieht, auf den Lagerboden Nr. S. Nie hat eines Menschen Hand ein Korn berührt. Wie das Getreide hereingekommen ist, so komnit es auch wieder hinaus, es macht vorher nur noch bei einer Wiegeschale Station, die macht einmal„klapp" und einmal ,chums", dann find acht Zentner Getreide abgewogen. Und ehe num�es sich versieht, sind die acht Zentner durch das Berladerohr schon wieder im Kahn. Maschinen säen, ernten, dreschen, transportieren, mahlen und backen. Der Mensch steht dabei, bedient vier, fünf Hebel, zieht dann und wann eine Schraube nach und beschränkt sich auf das Vertilgen des Brotes. Die 50 Uebcrlebenden, die von dem Riesen- troß der Speichereiarbeiler die Rationalisierung überstanden haben, betrachten diese Elevatoren, diese Fließbänder als ihre unmittel- barsten, erbittertsten Feinde. Den Fünfzig haben die Maschinen nichts getan, im Gegenteil, sie haben ihnen die Arbeit erleichtert, aber bei jedem Gespräch über diese Wundertier« der Technik lautet das dritte Wort aller Arbeiter:„Wenn die Dinger hier nicht wären, brauchten nicht so viele auf dem Nachweis sitzen." Wir haben noch keine drei Menschenalter moderner Arbeiterbewegung hinter uns, aber derartige ebenso primitive wie tiefempfundene Bs- weife aufrechter Solidarität der arbeitenden mit ihren arbeitslosen Klasiengenosscn legen ein beredtes Zeugnis ab für das ungeheure Selbsterziehungswerk des Proletariats. Im übrigen umreißt diesen Akt des Rationalisierungsdramas ein einfaches Rechenexempel: der Elevator hat eine Stundenleistung von 50 Tonnen Getreide bei zwei Mann Bedienung. Ein Arbeiter schippte früher pro Tag 25 Tonnen Getreide um. Also in acht Stunden schafft die Maschin« 400 Tonnen, das ist das Sechzehnfache als ein Arbeiter und das Achtfache der verbliebenen zwei Arbeiter. Immer sechs Mann von jeder Kolonne können stempeln gehen! Sie Krise lahmt den Vasen. Die Entwicklung des Berliner Westhafens, dieses Instations- kindes, das in den schlimmen 2Zer Tagen seine Mutter, die Stadt Berlin, nicht mehr aufzuziehen oermochte, ist außerordentlich. 1924 erst ein Gesamtgütereingang von 233 000 Tonnen sind es 1929 schon 1060 000 Tonnen, und wenn wir die Gesamtumschlagleistung nehmen, dann stieg diese von 416 000 Tonnen auf 1213 000 Tonnen im Jahre 1929. Den Löwenanteil an dieser Steigerung hatten die Baustoffe, erst in weitem Abstand folgt die Kohle, während die anderen Gütcrarten ganz und gar zurückbleiben. Mittlerweile hat sich ein Verhältnis herausgebildet, wonach der Güterverkehr auf den Berliner Wasserstraßen zu S2 Proz. von den Bauftosfen, zu 26 Proz. von der Kohle und nur zu 22 Proz. van den übrigen Guterartcn bestritten wird. Und hier liegt die Ursache für die schwer« Krise, die auch der Westhasen jetzt durchzumachen hat: bei dem katastrophalen Daniederliegen jedweder Bautätigkeit ist nirgendwo an den 3472 Meter langen Kais ein Ziegelstein oder eine Schaufel Bctonkies zu sehen. An den Stellen der oer- schwundenen Baustoffe türmen sich Kohlenhalden und Koksberg«, die ebenso wie die Getreidemassen keine Seele hott, trotzdem die Zechenherren den Kohlenhändlern bis zu einem halben Jahre Ziel geben. Arm ist Berlin geworden. Zukunstsprogramm. Rtan sollte meinen, bei überfüllten Getreide-, Zucker- und Tabakspeichern floriere das Hafengsjchäft. Aiber das ist nicht wahr, denn Ziegelsteine und Kieshaufen, die kann man längs den Lade- straßen legen, ohne Dach und Fach, das Getreide aber muß in kost- spieligen Bauten eingelagert, behandelt und beobachtet werden, Menschen und, Maschinen werden gebraucht, mit anderen WöVtcn: das Unkostenkomo des Westhafens steigt bei dieser ilmschichtüng des Gülereinlaufs um beträchtliche Summen. Di« erhebliche Konkurrenz des Lastkraftwagens gegenüber Binnenschiffahrt und Eisen- bahn kommt hinzu, soweit die Straßen günstig und die Ent- fernungen nicht allzu weit sind, hat der modern« Lastwagtnzug sich zum Beispiel die Margarinetransporte so gut wie erobert, andere Lebensmittel werden folgen. Die Vorzüge des Lastkraftwagens liegen auf der Hand: zweimal wird das Rollgeld gespart, der Weg vom Erzeuger zum Verteiler ist direkt und wo die Schiffe bei Rocht und Nebel, bei Klein- oder bei Hochwasser hilflos festliegen, rollen die Ungetüme von Autos sicher ihrem Ziele zu. Allerdings braucht niemanden um den Westhafen bange zu sein, die Erfüllung seiner ganz großen Zukunftshoffnung steht ihm noch bevor: nämlich die Fertigstellung und Eröffnung des Mittellandkanals, durch den Berlin Anschluß finden wird an die Wirtschaft des Rhein-Ruhr-Bszirks und wo dem Westhafen die Massengüter des westdeutschen Industrie- reviers als reife Frucht zufallen werden. Wem gehört der Westhafen? Roch einig« orientierende Bemerkungen: der Westhofen mit seinen drei großen Hafenbecken, die 100 Fahrzeuge zu je 600 Tonnen aufnehmen können, ist die größte Betriebsaillag« der Berliner Hafen- und Lagerhaus-A.-G.(Behala). Dieses Unternehmen ist eine gemischtwirtschaftliche Gefellschast, deren Aktien zu 25 Proz. im Besitz der Stadt Berlin sind: in dem 30köpfigen Aufsichtsrat sitzen acht Vertreter der Stadt. Im Jahre 1973 gehen alle Bauten und Anlagen in den Besitz der Stadt über. Die letzt« Gewinn- und Berlustrechnung der„Behala" zum 31. Dezember 1929 weist auf der Einnahmenseite einen Betrag von 5 293 000 Mark aus, von dem nach Abzug aller Hafenbetriebsausgaben, Handiungsunkosten, Steuern, Soziallasten, Zinsen, Abschreibungen und Ueberweisungen 172 000 Mark als Reingewinn oerblieben, auf den eine Dividende von 6 Proz. auf das Aktienkapital von 1 600000 Mark verteilt wurde. Man kann übrigens für Hafenanlogen keineswegs unbedingt große Rentobilitätsfordcrungcn erheben, so ist der Hamburger Hasen durchaus kein„Geschäft" im landläufigen Sinne, sondern ein Zuschußbetrieb, der dem Staat Hamburg jährlich mehrere Mil- lionen Mark kostet. Es muß unter Umständen auch genügen, wemi ein Hafen sein« Rolle als Zubringer für die Industrie voll zu erfüllen vermag. 1 oo prozentiges Organisationsverhältnis. Die Belegschaft des Westhafens teilt sich in eine etwa 150 Mann starke Stammannschaft zu der je nach Bedarf Aushilfskräfte treten. Die Löhne sind ziemlich differenziert, sie schwanken bei 48stündiger Arbeitszeit zwischen 61,84 Mark brutto für den Hasenarbeiter und 64,31 Mark brutto für den Handwerker mit besonderer Ber- antwortung(Elevatorenmaschinisten usw.). Aushilfsarbeiter er- halten 1% Proz. Zuschlag zu dem Stammarbeiterlohn, mindestens jedoch pro Woche 65.52 Mark Dazu kommen 5 Proz. Zuschlag für dos Umschlagen einer ganzen Reche von Gütern, wie Tran, Teer, Kali. Häuten, Schwefel usw.: außergewöhnliche Arbetten unterliegen besonderer Vereinbarung. Allerdings sind die Arbeiter zu 100 Proz. im..Gesamtoerband" und die Angestellten zu 100 Proz. im Zentral- verband der Angestellten freigeweikschostlich organisiert! Bei einem derartigen Organisationsverhältnis konnte die Belegschaft trotz Wirtschaftskrise und Unternehmeroffensive vor kurzem eine Klausel zuin Tarifvertrag durchsetzen, wonach bei jeder Mielsteigerung um re 5 Proz. sich der Lohn um 1 Proz. erhöht. Alte erschöpfte Arbeitskräfte, die den Anforderungen eines Lagerarbeiters nicht mehr genügten, wurden nicht entlassen, sondern in einen besonderen Wach- und Reinigungsdienst übernommen. Im Aussichtsrat der „Behala" sitzt sowohl ein Vertreter des Arbeiter- wie des Auge- stelltenrats.„Habt ihr eigentlich auch eine revolutionär« Opposition?" fragten wir zum Schluß. Alles lacht«.„Ja, die haben wir auch". sagen die Arbeiter.„Ra und was sind eure Differenzen?" „Augenblicklich schimpfen sie über die Bierkaffe, wenn sie sich nicht gerade gegenseittg entlarven und auffressen." Wir lachen nochmals. Oer kommunistische Fememord Durch die Fememord-Amnestie unaufgeklärt Durch die neue Amnestie scheint auch ein Fall in der Versenkung zu verschwinden, der oerdiem hätte geklärt zu werden. Es handelt sich um den am 28. Februar 1930 in Moskau ermordeten Düsseldorfer Kommunisten Fridolin Leutner. Leutner war Redatteur der Kommunistischen Partei in Hamborn, und es sollen sich, da Leutner sehr beliebt und angesehen war Rivalitäten zwischen dem Reichs- tagsabgeordneten Stöcker und Leutner herausgestelll haben. Leutner bekam, nachdem er für einen der Zentrale der KPD. mißliebigen Redakteur Meinberg eingetreten war, die Anweisung, nach Moskau zu fahren. Hier traf er mit dem Reichstagsabgeordneten Hörnte zu- fammen, der ihn eines abends bat, ihn in einer Versammlung zu vertreten. Zwei„Genossen" würden ihn abholen. Dies«„Genossen" kamen, holten Leutner ab. Am nächsten Tage wurde er in der Nähe einer Fabrik tot aufgefunden. Die russische Tscheka registrierte„Unfall". Es stellte sich aber heraus, daß eine Fabrikoerfammlung überhaupt nicht stattgefunden hatte, in der Hörnle oder gor Leutner hätten sprechen sollen. Und auch die in Deutschland getanen Aeußerungen wie„Wir werden dich erledigen!" und vor allem die später widerrufenen Aussagen des Rechtsanwalts Dr. Wolff aus Düsseldorf deuteten darauf hin, daß diese Affäre mehr als aufklärungsbedürftig fei. Die Justizbehörden haben sich bemüht, diesen Mord auf zu- klären, was ihnen besonders schwer gemacht wurde, well die Haupt- zeugen Hörnle und Stöcker auf Grund ihres Reichstagsmandatcs keine Auskunft zu geben brauchten. Run ist dieser Fall auch unter die Amnestie gefallen, obwohl der Mord nicht auf deutschem Boden oerübt wurde. War das vielleicht auch«in Grund, daß die Kommunistische Partei sich für die Amnestierung der Fememörder«insetzt«? „Riederl. Braunkohle." Die Braunhemden verkohlen sich selbst. ist ge- ch e Im„Nationalsozialistischen Parlanientsdienst" Nr. A 30 den geistigen Größen der Nazis wieder einmal der Nachweis lungen, daß der,.rot« Berliner Mag! st rat" die deuts Wirtschast ruiniert! Die Nazis wollen denen, die dumm genug sind, auf ihre Schwindelmeldungen hineinzufallen, erzählen, daß die Stadt Berlin Braunkohlen für Erwerbslose ausgerechnet aus— Holland bezieht! Auf dem Bezugsschein steht nämlich:„Niederl. Braunkohlen". Sicher war niemand außer Herrn Hitlers Schildknappen auf den Gedanken gekommen, daß mit dieser Abkürzung nicht die Niederlausitz, sondern die Niederlande gemeint sein könnten. Denn die meisten dürften wissen, daß die N i e d e r l a u- s i tz«ine hervorragende Stelle in der Brounkohlenerzeugung ein- nimmt, wogegen von der Einfuhr holländischer Briketts im allgemeinen nichts bekannt ist. Das brauchen die Nazi-Wirt- schaftspolitiker aber nicht zu wissen. Woran erkennt man einen Hakenkrevster? So ziemlich jeder Lastwogenzug voll SA.-Leute, der von der Polizei auf Waffen durchsucht wird, birgt ungeahnte Mordwcrk- zeuge, die zum notwendigsten Propaganda. Rüstzeug der Haken- kreuzler gehören. Von den zierlichsten Totschlägern bis zu robusten armdicken Eisenstangen ist alle» oertreten. Adolf Hitler tonnte deshalb mit seinem bekannt guten Gewissen und seiner. ebenso bekannten Wahrheitsliebe im Schweidnitzer Prozeß versichern:„Unsere SA.-Leute führen keine Waffen." Alle Zeitungen sind voll von den Blut- und Mordtaten der Hiller-Buben. Ein«, noch dazu lückenhaste Zusammenstellung über die Tätigkeit der Erneuerer Deutschlands ergab, daß in den letzten Monaten 215 Tot« und Schwerverletzte von Nozi-Mördcrhönden fielen. Das Recht zu diesen Taten leiten sie wahrscheinlich aus ihrem dritten Gebot her. das da heißt:„Jeder Volksgenosse ist einStück Deutschland, liebe ihn wie dichselbst." In den Reihen der Hakenkreuzler finden sich Zuhälter, Dieb«, Betrüger und Mörder. Nie zuvor gab es in einer Organisation soviel Verbrecher. Der Hakenkreuzführer Goehring hat deshalb sicher den Nagel auf den Kopf getroffen, als er im Berliner Sportpalast erklärte: „Wir erkennen unsere Leute am edlen Blick." Einen echten Hakenkreuzler zu erkennen, fällt nun nicht mehr schwer: er trägt keine Waiien, liebt jeden Deutschen und hal einen edlen Blick. Gteuersubveniionen für den Osten. 30 proz Grundverwöaen«!. und IS proz Gewerbesteuer erlassen- Auf Kosten des Reichs. Aus Mitteln des Reiche» sind zur Entlastung der Landwirtschost und Gewerbetreibenden in den Ostgebieten von Gc- me indesteuer 27 Millionen zur Bersügung gestellt worden. Diese Fürsorg« erfaßt die ganzen Provinzen Ostpreußen, Grenzmark Posen- Westpreußen und Oberschlesien sowie die Kreise Lauenburg, Büton� Stölp(Stadt und Land) und Rummelsburg"im Regierungsbezirk Köslin, Zullichau-Schwiebus und Friedeberg im Regierungsbezirk Frankfurt a. O., Glogau(Stadt und Land), Freystadt, Grünberg (Stadt und Land) im Regierungsdezirk Liegnig, Guhrau, Mililsch, Namslau und Groß-Wartenberg im Regierungsbezirk Breslau. Wie der Amtlich« Preußische Prejsedieu,. mittellt, wird die Steuerlast durch Herabsetzung der gemeindlichen Zuschläge zur Gewerbesteuer und zur Grundoermögenssteuer vom Grundbesitz gemindert. Das Ausmaß der Senkung ist in Krisengebieten höher als in den anderen. Immerhin wird die Entlastung der Steuer- pslichtigen selbst in den Richtkrisengebieten noch drei Zehntel der gemeindlichen Grundoermögenssteuer und drei Zwanzigstel der Gewerbesteuer ausmachen. Di« Gemeinden werden für den ihnen durch Herabsetzung ihrer Zuschläge entstehenden Aussall aus den Rcichsmitteln entschädigt. Exkönig husseln gestorben. Der frühere Herrscher des Hedschas, Exkönig Huffein ist im Alter von 80 Iahren aus Eypern ge- st ö r b e n, wo er in der L e r b a n n un p lebte. Sein Sohn. Konig F a i s a l von Irak, der im vergangenen Sommer Europa durch- reiste und dabei auch Berlin besuchie. befand sich auf dem Wege zum Slerbebette seines Baters. Exkönig Hussein hat im Wellkriez auf feiten Englands gegen die türtisch-deutschen Truppen gekümvft. wetler für Berlin. Nach nächtlichen Regenfällen mit raschem Temperaturanstieg weiterhin mild und ziemlich trübe mit etwas Regen.— Für Deutschland. Größtenteils ttübe, vielfach Regenfäll« und namentlich im Südwesten sehr mild. vonnerstu«. 26. diovember. Berlin. 16.05 Prosranira de1* Aitudleo Abteilung. 16.30 1. Mozart: StrSlcbQuartett D-Dur(K. V. 572). 2. Lopatnikoff: Streichquartett op. 6b, Nr. 2(Brulpicr-Ouartett). 17.30. Refchcqbacbr Natu�isscnschaften. 17.50 Erich Zillich* Oer Wert der Kurzschrift. 18.15 Dr. Jul. West, Tübingen: Die Kleinhandelspreise als Ursache der Arbeitslosigkeit, 18.40 Arbeitsrnarkt. 18.45 Programm der Aktuellen Abteilung. 19.05 Chorgesänge. 19.30 Zeitberichte. WicUcrcröifnung des englischen Parlaments. 20.10 Tanzabend. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend bis 0.30 Unterhaltungsmusik. Königs Wusterhausen. 16.00 Franz Qraehn: Deutsche Schule im Auslande. 17.30 Mausmusik. 18.00 Prof. Dr. E. Maiek: Volksleben der. Sicbeabürger Sachsen. 18.25 SaÜschick: Goethes Faust. 19.00 Emanuel bin Gorlon: Lesestunde. Joh. Peter Hebel. 19.30 Qartenbauinspektor Reichelt; Rückblick und Ausblick im deutschen Ge. müsebau. 20.00 Leipzig: Bekannte Walzer. 20.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Vcrantwortl. für die Redaktion: Franz ftliths, Berlin: Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag(S. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch« druckeret und Derlqgsanstalt Paul Singer St Co.. Berlin SB 68� Lindenstraße Z. Kurz» t BclIgfiC föeffoge Donnerstag, 20. November I9S0 Di*r&>nit §haJajj±Oaße Lesebücher des SopaliSmus parteiverleger» an die Slalsenseont! Die gesellschaflliche Schichtung Deutschlands ist stark in Be- wegung geroten. Ein« Parter, die um Macht tm Staate kämpft, muß die Gesetze dieser Bewegung aufmerksam studieren, wenn sie zu den ihr bereits anhängenden Gesellschastsgruppen neue gewimren will. Daß der deutsche Gesellschaftskörpcr in einer gewaltigen Um- fchichtung begriffen ist. war schon vor dem 14. September vielen deutlich geworden. Aber seit dem Wahlausgange beschäftigen diese Vorgänge jeden politisch denkenden Menschen. Es gilt diejenigen. die heute noch nicht ch uns gestoßen sind, über unsere Ziele aus- zuklären, es gilt diejenigen, die schon in unserem Lager stehen, in ihrer politischen Willensbildung zu festigen und es gilt endlich, die junge Generation mit dem überlieferten Lchrgut unserer Be- wegung oertraut zu machen. Dabei ist das B u ch der wichtigste Mittler. Es erhebt sich also die Frag«, ob die vorliegende Literatur den geforderten Absichten genügt. Bei der Prüsung dieser Frage wollen wir an dieser Stelle kein Programm entwickeln, sondern von vorliegendem Material aus- gehen. Der kommunistische Internationale Arbeiter- oerlag hat ein« Sammlung herausgebracht, die unter d«n Titel „(Blemeutarbücher des Äomituinisnius" eine Reihe von bisher schwer erreichbaren Marx�irgelsjchen Texten wieder leicht zugänglich wacht. Wir können hier nicht alle besprechen: nur auf drei dieser Bändchen wollen wir näher eingehen. Ernst Duncker hat in zwei Bändchen ein Quellenbuch des historischen Materialismus bearbeitet. Diese Arbeiten sind zweifellos die besten der ganzen Sammlung. Der erste Bond behandelt die Herausbildung der materialistischen Welt- und Geichichtsauftassung in den Marx-Engelsschen Schriften von 18j2 bis 1846. Vor allem wird der erste Teil der »Deutschen Ideologie" hier mitgeteilt, den Rjasanoff seiner Zeit im 1. Band des Maiz»Eng«ls-Archivs veröffentlicht hat. Diese Arbeit von Marx und Engels, welche bekanntlich als die ausführlichste theoretische Darstellung ihrer Geschichtsausfasiung angesehen werden muß, ist dadurch jedem für 1,20 M. zugänglich geworden. Im einzelnen lassen sich fteilich gegen Dunckers Auswahl allerlei Be- denken geltend machen. Das muß hier jedoch auf sich beruhen. Auch die gelegentlichen Worterklärungen sind für ungeschulie Leser völlig unzulänglich. Der.zweite Band des Quellenbuches, der die materialistische Ge> schichtsausfassung aus den Schriften der Meister seit 1846 belegt, leidet an zu stark betonter Programmatik. Selbstredend sind die Altersbrief« von Engels, die bisher in älteren Jahrgängen sozialistischer Zeitschriften begraben lagen, zur Kennzeichnung der methodischen Schwierigkeiten, die in den Problemen des historischen Materialismus liegen, von großer Bedeutung. Duncker vergißt jedoch keineswegs die pflichtgemäße Abfertigung von Äautsky und C u n o w und die notwendige Berbeugung vor Bucharin und Lenin. Auch das soll hier auf sich beruhen. Bekrachten wir nun'das von P. Friedländer eingeleitete Pändchen, das die Engclssche Schrift»Zu-r Wohnungs» frag«"/enthält. Di« Behauptungen des Herausgebers sind hier von der leichtfertigsten und bösartigsten Dummheit. Von den Wiener Wohnbauten behauptet Friedländer, daß„diese Neubauten fast nur kleinbürgerliche Mieter oder Gewerkschaftsfunktionäre aufnehmen. Die Masse der Arbeiter bleibt davon ausgeschlossen, weil ihre Löhn« nicht ausreichen, auch nur bescheidene Beiträge für die Baukosten aufzubringen und die hohen Mieten zu erschwingen". Es ist neulich hier im„Abend" gezeigt worden, daß die Durchschnittsmiete IS M., das sind ungefähr 12, S Pro;, des Arbeitereinkommens, betragen! Diese„Clcmentarbücher" müsien also als rein kommu- nistische Agitationsliteratur angesehen werden. Es ist jedoch zweifellos notwendig, solch« billigen Quellenbücher zu schaffen, nur müssen sie mit sorgfältigen, den Tatsachen und dem heutigen Stand der internationalen Arbeiter- bewegung gerecht werdenden Einleit u'n gen versehen werden.. Es kann nicht bestritten werden, daß die junge Generation von einem starken Drang nach den Quellen des Sozialismus erfüllt ist. Das haben auch die Herausgeber des mir in den Korrekturbogen vorliegenden Buches„Der deutsche Sozialismus von Ludwig Gall bis Karl Marx", Fritz Brägel und Benedikt Kautsky tdas Buch erscheint im Verlage von Heß u. Co., Wien und Leipzig), richtig gesehen. Der Band ist als Lesebuch gedacht und vereinigt ausgewählte Texte deutscher Sozialisten von Ludwig Gall bis zum„Kapital" von Karl Marx (1867). Die Herausgeber, beide ausgezeichnete Kenner der Geschichte der Arbeiterbewegung, beabsichtigen,„den geistigen und politischen Kampf des Proletariats um seine Emanzipation im Zusammenhang mit jener wirtschaftlichen Entwicklung darzustellen, die zum modernen Industriekapimli-mus gesührt Hai". Von Ludwig Galls sozialer Utopie, die ihren Niederschlag auch in Goethes„Wllhelm Meisters Wandcrjahren" fand, bis zu Marx dialektischer Gesetzlichkeit des kapitalistischen Systems belegt der Band in Lesestücken, die sich sehr gut zu gemeinsamer Lektüre für Arbeitsgemeinschaften eignen, die Geschichte des deutschen Soziatismus. Di«'Auswahl, welche die Herausgeber getrosfeu liabcn, ist aller- dings nicht immer gegen jeden Einwand gesichert. So ist z. B. Moses Heß(nicht durch seine wichtigsten Arbeiten) vertreten: seine Arbeiten in den von Georg Herwegh herausgegebenen „21 Bogen aus der Schweiz"(1843) sind von Marx 1844 in einer bisher allerdings nur teilweise russisch veröffentlichten Schrift(vgl. die russische Ausgab« des Marx-Engels-Zlrchivs, III. Bond 1S27) in positivem Sinne anerkannt worden. Diese Marxsche Schrift zeigt auch früher als„Das Elend der Philosophie", wie gegen die Be- Häuptling der Herausgeber in der Einleitung zu jagen fft, bereits den starken Einfluß von Engels Schrift„Umrisse zu einer Kritik zu einer Nationalökonomie". Schwerer wiegt jedoch, daß Ferdinand Lassalle nur in einem Lesestück zu uns sprickt. Eine Leseprobe aus der Rede über das Verfassungsmesen oder aus dem Arbeiterprogiamm hätte beigefügt werden müssen. Das muß bei einer evtl. zweiten Auflage unbedingt geändert werden. Die gesellschaftlichen Kräfte und ihre Trager sind heute, so sagten wir eingangs, in Bewegung geraten. Es gilt, das überlieferte Lehr- Hut aus unserer neuen Situation neu zu deuten, es gilt, das neue Welt- und Geschichtsbild, das sich herauszuformen begonnen hat, in die Massen zu tragen, damit wir verstärkt und vertieft für die Er- pcichung unserer Ziele weiterkämpfen können. Parteioerlegcr, an die Kloffeufrontl Keim Halbheiten! Reformen der Verlmer Philosophischen Fakultät Di« Phllofophifche Fakultät an der Berliner Universität bemüht sich, ihre Satzungen und Prüiungsbestimmungcn den neuen Per- Hältnissen und Reformbestrebungen anzupassen. In diesem Zu- sammenhang darf man wohl auch die Verleihung des Ordinariats an den bekannten Wirtschaftsgeographen Professor Dr. R ü h l fehen, eine Maßnahme der Fakultät, die nahezu einstimmig erfolgte und endlich dem starken Andrang zum geographischen Studium Rech- nung trägt. Allerdings ist die Fakultät noch nicht dazu übergegangen, mit der Verleihung die Wirtschaftsgeographie selbständig zu machen. Die Berliner Ilniocrsstät steht damft noch beispielsweise hinter der Breslauer Universität zurück, an der längst die Win- schaftsgeographi« selbständiges Prüfungsfach ist. Man darf der Hoffnung Ausdruck geben, daß auch Berlin dazu übergeht, in diesem Sinne das umfangreiche Gebiet der Geographie zu gliedern, um so einem vertieften Studium den Weg freiziunachen. Die vielfältigen Aufgaben der Wirtschafts- und Verkehrsgeographie erfordern eine Selbständigkeit als zweites Prüfungsfach und ge- währen als solches eine tiefer« geographische Durchbildung der Doktoranden, als es heute möglich ist. Eine wichtige Aufgabe ist die Anerkennung der Deut- schen Oberschule. Für die Staatsexamina ist das Reifezeugnis der deutschen Oberschule seit ihrem Bestellen anerkannt, nicht aber für die P r o m o ti o n. Die Phllcsopb-sche Fakultät wird an dieser Forderung um so weniger vorübergehen können, als die Schüler der Deutschen Oderschule ihren Interessen nach vor allem der Philo- sophischcn und auch Juristischen Fakultät angehören. Die Deutsch« Oberschule ist aufgebaut auf den germanischen Kulturkreis. Neben Englisch als wichtigst« Fremdsprache steht eine zweite Fremdsprache, die an den einzelnen Schulen gewähft wird(Französti'ch, Russisch, Latein) Dos Schwergewicht liegt in der Erarbeitung der germanischen Kultur- und Gescllschaftssormen, insbesondere der Geschichte, den Wirtschafts- und Staatseinrichtungen, der deutschen und englischen Sprache und Literatur, der Soziologie und der Geographie. Die mathematisch-physikalssch« Ausbildung ist gleich der in den Oberrealschulen. Diese Ausbildung führt für die Philosophische Fakultät besonders zum Studium der neueren Geschichte, der Staats- Wissenschaft, der Geographie und der Soziologie. Für diese Fächer dürft« die Fakultät die Oberschule wohl ohne weiteres anerkennen. Zum Studium der neueren Sprachen und der Germanistik wird di« Deutsche Oberschule mit der Ergänzung der jewelligen alten Sprache(Latein bzw. Griechisch) den bisherigen neunstufigen Lehranstalten gleichzustellen sein. Es darf auf die Erfolge der Deutschen Oberschule und auf die Aeußerungen Pros. Sprangers hingewiesen werden. Beides berechtigt zu der Hoff- nung, die Deutsche Oberschule demnächst an der Berliner Universität anerkannt zu sehen. Die Promotionsordnung sieht eine Prüfung bisher nur in den großen Fachgebieten vor. Ein« Gliederung sst außer in Geschichte nur für dos Studium des Englischen erfolgt insoweit, als neben der englischen Philologie die englische Kulturwissenschaft zweites Prüfungsfach bilden kann. Ein« solche Gliederung wäre auch für die Germanistik wünschenswert, um so mehr, als bereits Kiel mit dieser Aufteilung praktische Erfolge erzielt hat. Ueber die Gliederung der Geographie ist bereits gesprochen. Soziologie erscheint nur als Prüfungsfach, wenn di« Disser- tation soziologisch ist, gill ober nicht als zweites Fach. Ebenso ist Pädagogik kein selbständiger Zweig, trotz der guten Besetzung der pädagogischen Wissenschaft an der Berliner Universstät. Auch hier ist eme Neugruppierung der Prüfungsfächer notwendig. Eine gute wissenschafUichs Durchbildung kann nur gewährleistet sein, wenn die Promotionsordnung diesen erhöhten Anforderungen Rechnung trögt und in zweckmäßiger Auftellung solche Fächer neben- einander stellt, di« sich ergänzen und ein umsassendes Stndiengebiet verkörpern. Die Reformarbeit der Philosophischen Fakultät gewinnt um so größere Bedeutung, weil die Berliner Universität in so vielem maßgebend ist für die Arbeit der anderen Universitäten. Die Be- setzung der Philosophischen Fakultät darf besonders nach der Stellungnahme Pros, Sprangers zu der Hoffnung berechtigen, daß die Neuordnung der Promotionsbestimmungen geeignet sein wird, die neuen Bildungskräste in die Universität aufzunehinen und in weitestem Sinne fruchtbar zu machen. Dr. G. Neubauer. Wie Kinder die Arbeit ihrer Eltern fehen Mitgeteilt von C. Vantz-Vremen IL Arbeit» aber was für welche! Der Bann ist gebrochen, die Räder beginnen wieder sich zu drehen, es findet sich Arbeit. Aber was für welche! Es ist gerade so, als ob die gute Arbeit, die man mit sauberen Fingern und nnt geradem Rücken in einem geheizten Zimmer tun kESi,«in für allemal in festen Händen ist. Was übrig bleibt, ist die Schmutz- arbeit, die Arbeit in Kälte und Regen und Sturm, die Nacht- arbeit. Was wird einem da nicht alles zugemutet! Da ist das Hantieren mit Teer und Schmeer, das Kcsselklopfen. das Aschehieven. Da heißt es Gestank und Giftgas einatmen: da wirkest Staub, der die Augen beizt und die Lunge zerfrißt. Da ist die stumpfsinnig« Arbeit an der Maschine, die immer nur einen Handgriff verlangt, Stund« um Stunde, Woche um Woche nur das eine Zulangen und Fortnehmen. Da ist die Arbest im Hetztempo, die Gesundheit und Leben bedroht, die Akkordarbeit, die an die Grgten geht... Ach, es ist schon so: Alle körperliche Arbeit ist Knochenarbeit, muh mit diesem Verzicht ans Sauberkeit und Gesundheitlichkeit, mit diesem Opfer an Lebenskraft und Lebensfreude geleistet werden. Wer ober die Arbeitslosigkeit kennt, der fragt und wählt nicht lange, der greift zu, wo sich nur etwas erwischen läßt, was nach Arbeit aussieht. „Der Dampfer, auf dem mein Vater arbestet, kriegt große Essenschwellen, jede ein« Tonn« schwer. Der Kran nimmt jedes- mal zwei Schwellen, die bringt er auf Deck. Da steht der Wohrschumann, der untersucht erst mal, ob die Schwellen gut fest- gebunden sind. Die Winschen werden angespannt. Wemi alles in Ordnung ist, ruft er: Hiew up! Die Winschen heben di« Schwellen hoch. Der Wohrschumann balanciert sie ins Luk. Die Schwellen sind so lang, daß sie immer ans Zwischendeck stoßen. Nun sind sie endlich unten, aber ihren richtigen Platz haben sie noch nicht. Die Winsch muß di« Eisenschwellen noch einmal heben, und dann kommen zwei Arbeiter, die sie an ihren richtigen Platz schieben. Sie müssen alle gut auspassen, daß sie den Fuß nicht unter die Schwellen kriegen. Der Wohrschumann ruft: Hiew up! Die Arbeiter müssen machen, daß sie wegkommen, sonst kriegen sie die Kette an den Kopf, Die Arbeiter, die an der Winsch stehen, müssen genau aufpassen, daß sie den richtigen Gang ein- hatten, sonst gibts ein Unglück. So geht es die ganzen acht Stunden."(W. L. 12 I-) „Dater muß manchmal auf dem Gleis arbeiten: die großen Dompfkrän« brechen da vieles kaputt. Es ist sonst ganz schöne Arbeit, bloß bei schlechtem Wetter nicht, weil man dann ganz durch- regnet. Er muß auch öfter mit den Maurern in den Schiffsdoppcl- boden und dort zementieren. Da ist es unbequem, eng und niedrig, Krumm und bei einem Talglicht muß man darin sitzen."(A. M. 11 I.) Als mein Bruder noch im ersten Lehrjahr war, lam er eines Sonnabends erst um zehn Uhr noch 5)ause Er hatte noch- arbeiten müssen. Wir erschraken, als er in die Küchentür kam: denn er war im Gesicht ganz dreckig von Farbe, Ruß, Mennige und Staub. Dann zeiqte er seinen Arbeitsanzug, der war so steif wie Hartgummi. Mutter sagte in ernstem Ton: Es ist noch fraglich, ob ich den reinigen kann. Lrch an Loch war der Anzug, völlig entzwei gerissen,"(Kl. I.) „Es sst Morgen. Die Ascheneimer stehen vor der Tür. In dem einen liegen Fischköpfe, woran schon eine Menge Fliegen sitzen, in dem andern Asche, Granat und Bananenschalen die man schon auf drei Meter Entfernung riechen kann. Da sehe ich einen Hund, der in einem Eimer herumwühlt und sich einen Knochen herausholt. Ein Junge springt über einen Eimer und tippt ihn um: da fallen Asche, faule Apfelsinen und Fischgräten heraus. Jetzt kommt der Aschenwagen, Der Mann nimmt alle Eimer und tippt den Schmutz in den Wagen. Was daneben liegt, nimmt er mit den Händen auf"(P. Sch, 11 I.) „Der Montag ist gekommen, di« Arbeitswoche fängt wieder an. Nun heißt es, fleißig hineingreifen in die nassen, dreckigen, staubigen und stinkenden Lumpen: denn es gibt Akkordarbeit, Di« Arbeiterinnen müssen ihre 36 verschiedenen Lumpensorten sortieren. Veloet, Flanell, Kattun, Wolle, Putzlappen, Weiß usw., und jede Sorte in eine Kiste legen. Der Wochenabschluß kommt heran. Wieder einmal sst keine Zeit da, den Arbeiterinnen ihr« vollen Kisten abzuwiegen: also bleiben sie am Platz. Am nächsten Lohntag erst sieht sich der Arbeitgeber gezwungen, die Ware abzuwiegen, um Platz für neue zu schassen. Beim Abwiegen bemerken die Arbeiterinnen, daß sie v i e l D e r l u st durch das Austrocknen der Lumpen haben. Sie werden unzufrieden, weil ihnen ein Teil ihres sauer verdienten Lohnes, zwei bis drei Mark, verloren geht. Beschwerden bei der Firma sind zwecklos, denn die ensschuldigt sich immer mit den schlechten Zeiten."(D. B. 12 I.) „Heute gibt's eine Sauarbeit, sagte mein Bater eines Tages. Dampfer Cöln muß heute abend um 12 Uhr in Bremerhaven sein, und ich habe einen Atkordschein genommen, um etwas mehr zu verdienen. Um Uhr morgens ging er nach dem Hafen. Eine halbe Stunde nach dem Beginn der Arbeit sing es an zu regnen. Es regnete, was vom Himmel herunter wollte. Aber die Arbeiter machten keine Pause; denn sie mußten es bis 7 Uhr abends geschafft haben. Bei jedem Ueberholen wirbelte der Staub zur Kohlenschute nieder, und die Arbeiter wurden schwarz und staubig von der fetten Kohle. Ais es 7 Uhr war, hatten sie die Arbeit wirklich geschafft und ihr Geld oerdient. Aber wie sahen sie aus! Meine Mutetr erschrak, als Vater nach Haus« kam: So schwarz und angegriffen sah er aus. Alles war naß und schmierig, und das Gesicht so geisterhaft als sei er tot. Das Zeug konnte man der Plürnieissrau gelicn, so war es zugerichtet. Vater sagte: Einmal und nicht wieder solche Schufterei.! Die Unternehmer sind die Einzigen, die den Vorteil davon haben."(Friede! L. 14 I.) Tunahme der ErztehuugSschtmmgkeite« Der bekanm« Heilpädagoge Gustav Lesemann(Hannover) bat jüngst die Frage«ingehend untersucht, ob von einer Zunahm« der Erziehungsschwierigkeiien gesprochen werden kann. Er stellt zunächst die Tatsache fest, daß die Uiuwellsoktoren von größerer Vc> dcutung sind als die Erbfaktoren Sodann betont er, daß von einem Kinde ein großes Maß von Selbstverleugnung verlangt wird, wenn man von ihm ün jeweiligen Erziehungsschema fordert bzw. fordern muß, den jahrtausendelangen Entwicklungsgang des Volkes im Eistempo abgekürzt zu durchwandeln. Lesemann kommt schließlich zu dem Satze, daß rem objektiv das Erziehungswerk heutzutage ganz besonders schwer ist. Zweifellos sei der Fa miliengeist erheblich gelockert. Er fordert, daß die Erzieher von B ruf den Erziehungsgedanken systematisch und intensiver als bisb erforschen. Dr. S Die£? rcßlEopf eien£urc>ptts M« einem'Buche des Carlo Sforza Dom Fürsten B ü l o w, der sich in seinen Denkwürdigkeiten zwanglos als Staatsmann von bismörtfifchem Format gibt, sagt Gras Carlo Sforza in seinem soeben bei S. Fischer, Berlin, erschienenen Buch„G e st alter undGe st altcnd es heutigen Europa", er habe sich bei ihm nie des Eindrucks erwehren können, als gehöre Wilhelms Bernhard ,,mit seinem oncien- lexime-Steptizismus und seiner chöfling-geschmeidigkeit eigentlich ins achtzehnte Jahrhundert, zu jener überlebten Kategorie Deutscher, die bereit gewesen waren, jeden? beliebigen Souverän zu dienen, in Rußland oder sonstwo, ehrlich zu dienen ohne Zweifel, ober mit derselben Ehrlichkeit wie die Kondottieri des Quattrocento". Ohne zu hart zu urteilen, nennt Sforza den vierten Konzler rund heraus den„wahren Totengräber des deutschen Kaiserreichs". In der Tat, als ein wie wichtiger und wichtigtuerischer Windbeutel steht B ü l o w neben diesem seinen? italienischen Amts- und StaNdes- genossen da, der doch auch durch die Schills der Vorkriegsdiplomatie gegangen?oar. Aber der Sproß eines norditalienijchen Adels- geschlechts rvar iveit weniger den Mächten der Vergairgenheit ver- haftet als der deutsche Salonjunker. Als junger Attache an der Bot- schaft zu Paris erlebt« er mit angehaltenem Atein die D r e y f u s- Affäre mit, schon dan?als auf der Seite der Demokratie gegen die militaristifch-nationalistisch-klerikalen Gewalten. Demokrat blieb er auch, als ihn feine Laufbahn höher und höher, bis zum Platz des Auße?nninffters i?n Kabinett G i o l i t t i von 1920, führte. Denn als er danach den wichtigen Botschafterposten in Paris i??n« hatte, mr rf er sofort und ohne Besinnen sein Amt hin, als Mussolinis .Marsch auf Ron?" geglückt roori mochten viele andere vor den neuen Herren den Rücken krüinmen, er diente dem Faschismus nicht. Daß Sforza nicht durch einen Türspalt in die Küche spähte, in der das neue Europa gekocht wurde, sondern selbst am Herd 'tand, daß er die Grohkopfeten der europäischen Politik nicht aus der Froschperspektive, sondern als Glei-t— e""«er Gleichen beobachtete, macht nicht den geringsten Reiz seines Buches aus, aber anziehe?rder noch ist die Denkart dessen, der seine angeborene Träg- heit nicht verhehlr und gerü aus dem geräuschvollen Betrieb der Gegenwart in P a s c a l s strenge und kühl« Philosophie flüchtet. Sicher fehlt es in diesen Kapiteln nicht an schiefen Urteilen. Bona- parte lvor nicht so unbedingt Militarist, nne Sforza amnarmt: es gibt über Ihn sogar eine aufschlußreiche Studie„Napoleon anti« rnilitaristc". Auch überschätzt den Erzherzog Franz Ferdinand gründlich, wer auch nur zur Erörterung stellt, ob dieser in den dynastischen Vorurteilen des achtzeh?rten und ssebzehnten Jahr- Hunderts befangene, sture Ur- und Erzhob sburger die Donau- Monarchie durch Vernxindlung in einen freien Staat ihrer Völker habe retten können. Auch was Sforza nebe??bei über den Marxisnms zu Papier bringt— nun. Schwanrm drüber! Sogar unmittelbare historische Schnitzer vermeidet das B?!ch nicht immer. Di« fraryösischs Kaiserin E u g e n i« Hot nie den Krieg von 1870 spielerifch-kokett„ma petita gucrre",„mein Kriegchen". genannt: nicht bei der Präsidentenwahl von 1913, sondern bei der von 1887 erklärte Clcmenceau zynisch, man müsse für den dümmsten der Kandidaten stimmen: keineswegs war der Vater des Attentäters Gawrilo P r i n c i p„Agent der österreichischen Ge- Heimpolizei", und von Haß gegen die Bulgaren, bei denen er als politischer Flüchtling gastfreundlich aufgenommen worden war, blieb Paschitsch stets frei. Böser Selbsttäuschung unterliegt Sforza schließlich, wenn er, das Lied von Italiens„natürlichen Grenzen" anstimmend, den verlrag von Rapallo, den er als Außenminister im November 1920 mit Jugoslawien ab- schloß, als„gerechten Frieden" feiert, während bei den Südflatven noch heute die Erinnerung an jenes Abkomlncn, das eine halbe Million der ihren endgültig u??ter italienische Herrschaft brachte, als offen« Wund« brennt. Aber dafür auf der Ptusfeit« welch eine europäische Gesinnung, die dartitt,„daß der«uropäische Konflikt nichts rvar als ein gräßlicher Bürgerkrieg", und wieviel gesunder Menschenverstand, der die treffetrdsten Urteile über Dinge und Menschen abgibt! Wie wohltuend sticht von vielem haltlosen Ge- schtvafel in der Presse Sforzas Glaube an die Vereinigung aller Südslawen mit Einschluß der Vulgaren ab, ein Gedanke, der sich trotz dynastischer und militaristischer Opposition Bahn breche! Wie berechtigt ist sein Zweifel an der Wirksamkeit und Dauer des„kind- lichen Unfugs" der„Refonnspielerei" K e??? a l s. vor dem selbst demokratische Betrochier aus Deutschland das Weihrauchfaß schwenken! Und wie tveiß Sforza mit wenigen sparsamen Strichen eine Gestalt lebendig zu umreißen! Etwa W o r o w s k i, Sowjet- dipwmatcn und russischen Handelsvertreter in Rom:„Hochbegabt. war Woroursti ein Lugner, wie mir selbst unter den Paschas Abd ul Hamids leiner begegnet?var, aber noch Polenart versiel er von Zeit zu Zeit in toahre Abgründe hemmungsloser Aufrichtigkeit." In einen? solchen Fieberonfall von Aufrichtigkeit vertraute Worowski eines Tages Sforza von Lenin an:„Wir u>er- den von einem deutschen Schulmeister geführt, den die Syphilis noch n?it ein paar Funken Gci?ie begnadet hat, bevor sie ihn tötet." Wen Sforza nicht aus der Näh« zu beobachten vermochte, den läßt er möglichst aus dem Spiel. Der Herr von Doorn wird unmittelbar, aber ziemlich erschöpfend gekennzeichnet durch eine?? Brief des österreichischen Kronprinzen Rudolf aus dem Jahre 1888: „Wilhelm II.?nacht sich:.r dürfte bald eine große Kon- fusion im alten Europa anrichten: dieses Gefühl habe ich auch. Er ist ganz der Mann dazu. Vau gottbegnadeter Beschränktheit, dabei energisch und eigen- sinnig wie ein Stier, sich selbst sür das größte Genie haltend. Was will l??an n?ehr? Er dürfte im Laufe rveniger Jahre das hohenzollerische Deutschland auf den Standpui?kt bringen, den es verdient." Zluch der k. und k. Generalstabschef Conrad von Hötzen- dorff charakterisiert sich selber durch«ine Aeutzeru??g zu einem deutschen Offizier, dem er klagte,„daß wir Italien nicht schon zur Zeit des Erdbebens von Mcfsina überfallen haben": boshaft be- merkt Sforza, daß der Depositar dieses Vertrcnienscrgusses dar- über„keinerlei Erstaunen bezeigte". U??d von Rathenau heißt es nur. daß er den? Verfasser des Buches erschienen sei„gequait vo>? einer geistigen Unruhe zwar edler, aber oft widerspruchsvoller Art": geblieben fei von einigen Gesprächen mit ihm nichts als „das Gefühl einer?inbefriedigten psychologischen Neugier". Dafür marschieren sehr viele der Staatsmänner und Staats- männlein der letzten Jahrzehnte in voller Fig??r auf: ihre politische Haltung wird de?!tlich und was hinter dieser Haltung steckte: Aehrenthal, Tisza, Giolitti, Sonnino, Lord Curzon, Lloyd George. Bonar Law, Balfour, C h a m b e r l a i n, bei dem Gehrock, Zylinder und Monokel „Schutzrequisiten" sind, um„eine unheilbare Schüchternheit zu ver- bergen". Wo Sforza auf französische Politiker zu spreche,? kommt, ist es wichtig zu wissen, daß er dem neuen Deutsch- land mit graßer Sympathie gegenübersteht: er sagt von unserem Lande, n>as T r e i t s ch k«??och 1871 von Frankreich sagte: sein Wesen und Denken sind wesentlich für die Zivilisation der Welt, und mit tiefer Achtung erfüllt ihn„der Anblick eines Volkes, da-, mit den? Zusammenbruch des Bis?narckschen Kaiserreichs zum erste??- mal in seiner Geschichte vor den völligen Zerfall aller traditio??ellen Mächte gestellt, dennoch imstande rvar, selber sein Geschick in die Hand zu nehmen und trotz aller Nackenschläge von rechts und links, trotz Spartakis?m?s und Inflation sich ein neues Grundgesetz wie die Weimarer Verfassung aufzubauen ?ind z?vei PrSfide??te,? zu finden wie E b e r t und H i n d e n- bürg". Gleichwohl kommt P o i n c a r e bei ihm weit glimpflicher weg als bei den meisten auch nicht extrem nationalistischen deutschen Betrachtern. Gewiß hängt sein Herz an B r i a n d,„einem einiger- maßen lässigen Träumer, der nur in die Zukunit blickt u?!d sich wenig um unmittelbare logisch« Zusammenhänge kümmert", aber auch P o i n c a r e mit der„kalten Unerbittlichkeit seiner französischen Logik" erscheint als ein„ehrlicher demokratischer Republikaner", „erfüllt von der Ehrfurcht des alten Republikaners vor der. Ver- sassung, von der angeborenen Ehrfurcht des Juristen vor dem Ge- fetz" und keineswegs als Deutschenhasser im üblichen Sinne. Die Ruhr besetzte er 1923„mit tragischem inneren Widerstreben", roeil er glaubte, daß er unbedingt etwas für das Prestige Frankreichs tun müsse und ebenso sehr, um eine neue Situation in den franzö- sisch-britischen Beziehungen zu schaffen, wie um ein Druckmittel gegen Deutschland in die Hand zu bekommen. Brest und scharf aber fällt der Lichtkegel des Buckzes auf den Faschismus, dessen Progran?m von 1919 ihm„ein schlecht ver- dautes Gemengsel aus Gemeinplätzen und Kindereien" und ein Beweis für die„politische Armseligkeit Mussolinis" ist. Ii? dem Regiinc, das der Faschismus nach seiner Machtergreifung aufrichtete, erkennt Sforza mit sichere?» historischen Instinkt unschwer eine Kopie des französischen Regimes unter Napoleon IN.: Fast alle Gesetze und neuen Gedanken des Faschismus sind dieser Periode cnllehist. Louis Napoleon degradierte das Parlament zur Ohnmacht, genau so der Faschismus. Das „ckecret-Ivi" vom 25. März 1852 machte die Präfekten allmächtig ?ind zerstörte jede lokale Selbständigkeit, genau so der Fo- schismus. Im bonapartistifchen �Frankreich wurde 1855 die Er- uennung der„niaires"(Bürgermeister» den Präfekten anvertraut, genau so unter dem Faschismus. Napoleon III. ver- jagte alle republikanischen richterlichen Beamten, und ein faschistisches Gesetz crnrächtigt die Regierung, jeden Richter zu ent- lassen, der den Gehorsam verweigert. Die Beha?idlung der Universitätsproiessoren, die Behandlung der Press« hat?hr Vor- bildindensranzösischenGesetzen jener Zeit. Auch die Psychologie der beiden Regierungen ist die gleiche: die Grabes- stille der Nation wird so oft wie möglich unterbrochen durch Feier- lichkeiten, Ausstellungen, sportliche Veranstaltungen, krnter Dinge, die auf die unkritisch« Phantasie wirken, während die Intelligenz in Untätigkeit erhalten wird. Genau dieselbe Prahlerei:„Lange Zeit", sagte der zweite Bon apart« im Jahre 1852,„?oar die Gesellschaft wie eine umgestürzte Pyramide, die auf der Spitze steht. Ich habe d?e Pyramide auf die Basis gestellt." Und Mussolini hat es wiederholt. Armer Hitler! Anner Goebbels! Armer Seldte! Armer D u« st« r b e r g! Da sie den Faschis?nus nachäffen und der Faschismus den Bonapartismus des falschen Bon apart« nach- äfft, sind auch dies« gegen den„lvelschen Erbfeind" donnernden te??tschesten der teutschen Männer in Wahrheit Zlssen dessen, den Viktor Hugo„Napoleon den Kleinen" nannte. Aber obwohl gezwungen, in der Emigration zu leben, mißt Sforza dem Spuk des Faschismus keine übertriebene Bedeutung bei. Unerschütterlich glaubt er an den Sieg der Demokratie. Für ihn ist von überzeugender Durchschlagskraft die Lehr«, die man nie!- fach schon wieder vergessen hat.„daß der Krieg gewonnen wurde von den Völkern, die von den demokratischen Traditionen durchdntngen waren, und daß der einzige autokratische Staat, der der demokratischen Koalstion angehörte. Rußland, derjenige?var, der zusammenbrach". Darum:„Das einzige Prinzip, das die Weit noch immer beherrscht, ist das Prinzip der Demokratie." Und mag ich Rutenbündel und Hakenkreuz noch so trutziglich gebärden,„die ???aßlosen Haßkrämpfe von heute sind in Wahrheit nur die Geburtswehen einer gesicherteren und umfassenderen Demokratie: alles Wüten gegen sie ist nur der letzte Kraftaufwand eines ge- schlagen«« Heeres". Hermann Wendel. � Buch SDüs brUifche IteUreich Die Welt ist anders geworden. Das erscheint jedem selbstverständlich. Aber wie stark diese Veränderilngen sind, erkennt man doch??ntunter überrascht an literarischen Symptomen. A?lf dem deutschen Büchermarkt haben große illustrierte Wer�e, die sich an die breiten Massen wenden, stets eine Rolle gespielt. Aber nxlchen I?chalt hatten früher diese illustrierten allgemeiner Orlen- tierung dienenden Werke und welchen Inhalt haben sie heute. Früher: allgemeines Wissen. Technik, Entwicklungsgeschichte der Menschheit, Hausmcdizin und ähnliches. Heute: Weltwirtschaft und Politik. Da merkt man. wie sehr auch den Massen zum Bewußtsein gebracht wird, daß Wirtschaft und Politik, Produktion und Absatz unser Schicksal bestimmen. Eine solche Bücherserie erscheint jetzt im Bibliographischen Institut, Leipzig, und behandelt die Provinzen der Weltwirtschaft und Weltpolitik. Als erster Band erschien das Britische Weltreich, dargestellt von H« r>?? a n n L u f f t, der lange in? Ausland, besonders in Amerika praktisch und journalistisch tätig u>ar und durch seine Beiträge in der„Arbeit" und im„Weltwirtschaftlichen Archiv" weiteren Kreisen bekanntgeworden ist. Die Aufgabe, das britische Weltreich eirnnal als Ganzes dar- zustellen, ist im höchsten Maße aktuell. Der Zeitungslefer hört und liest von der Entwicklung des Empiregedankens, von dem Kongreß der englischen Ge?verkschaften und der Arbeiterpartei, der sich mit dem Aufbau des Empire beschäftigt hat. ober ei?, nwdernes und instruktives Wert über das britische Weltreich als Ganzes hat bishcr eigentlich gefehlt. Luffts Darstellung zeichnet sich durch Systelnatik, Hervorheben der wirtschaftlich bedeutsamen Probleme, durch Sinn für das Konstruktive des britischen Weltreichs und durch eine Dar- stcllul�i aus, die das ungeheure statistische Material in lesbare Formen verroandeit. Er teilt das britische Weltreich i?, 11 Zonen ein und stellt in joden? Kapitel politisch und wirtschaftlich das Problem der Einzelzone an sich und die Problemlage in bezug aus das Gesa???treich dar. Von Bedeutung ist die Darstellung, aus der hervorgeht, wie das britische Weltreich gleichzeitig Improvisa- t i o n und Konstruktion ist. wie überall die Sicherungsidee jedes Teiles für sich und aller Teile für das Ganze gestaltet ist und wie schließlich das Weltreich zu einer Aufgabe wird, deren Er- süllung das eigentliche Schicksal des britischen Gedankens bedeuten wird. Illustrationen, Statistiken, Tabellen machen das Buch zu einem Nachschlagelverk ersten Ranges. Besonders erfreulich ist es. daß das photographische Material nicht, lvie das in solchen Werken oft vorko?nmt, spielerisch zusam???engestellt ist, sondern wirklich dazu dient, durch bildliche Anscha?mng die Karten u?�> Tabellen in anschauliches Leben zu verrvandeln.?. Lt. WAS DER TAG BRINGT «nnumiiaimnmn]ui)ntmiimiiiiniiniiinuimnimMmmiuuiiHiiinniiuiiiiiiiiiniuiinunnnnimnniiiimnn::niinmiiiiii::iiiMii:iiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiuiiiiiiiiumiiiimiii!!MHinir Staatslotterien 400 Jahre alt Die Staatslotterien, oder wie man sie jetzt nennt, die Klassen- lotterien, können in diesem Herbst auf ein Alter von 100 Iahren zurückschauen. Ihre Wiege stand freilich nicht in Deutschland, sondern in dein Mittelpunkt des Geldwesens jeiter Zeit, in Italien, und ztvar in Florenz. Im Jahre 1530 war die Stadt nach langer Be- lagerung in die Här�e des Kriegsobersten Kaiser Karls V., Ferdiitands von Gonzaga, gefallen, der ihr eine ungeheure Kriegs- cntschädgiuttg auserlegte. Um diese bezahlen und zugleich den zerrütteten Staatsfinanzen wieder aufhelfen zu können, ver- anstaltet« die Republik Florenz die erste allgemeine Staatslotteri«. Sie knüpft« damit an einen Bratich an, der bereits seit Jahr- Hunderten in Venedig geherrscht hatte, wo die Kaufleute ihre schwer absetzbaren oder durch Havarien beschädigten Waren öffentlich auszuspielen pflegten. Zwar hatte dieses Ausspielen im Anfang großen Beifall g«fu??den, allmählich aber nahm das Interesse an solchen Ladenhütern so bedeutend ab, daß den eirtzelnen Waren, um sie überhaupt loszutverden, noch Geldsummen.beigefügt werden mußten. Schließlich wurden dann die Waren überhaupt weg- gelassen und von den Kausieuten nur!«ch das Geld ausgespielt. Dies« Lotterien waren aber privater Natur, während die erste staatliche Lotterie, wie gesagt, in Florenz stattsand. Als zweiter Staat schloß sich bereits 1539 Frankreich an, wo die Staatskasse durch die fortgesetzten Kriege des Königs sehr erschöpft war. Erst im 18. Jahrhundert verbreiteten sich diese Loitarien auch im übrigen Europa, wo sie zunächst als„geiwefische Spiele" bekannt wurden. In Genua war es nämlich im Mittelalter Sitte gewesen, aus der Zahl der 90 Senatoren des großen Rats jährlich fünf auszuscheiden und durch neue zu ersetzen. Aus die Namen der neu zu wählenden wurde nun gewettet, und diese Wetten wutTen allmählich so volkstümlich, daß der Ratsherr Benedetto Gentile i?n Jahre 1620 die Namen durch Zahlen ersetzte und den Staat zur Uebcrnahme der Wetten oeranlaßte. Dies war der Anfang des heute noch bestehenden Zahlenlottos. Dieses Lotto wurde aber in den übrigcn Staaten Europas allmählich in die Klassenlotterie uitigewandelt, in der die Höhe und Zahl der Gewinne ebenso festgejetzt sind wie die Zahl der Lose. Pferde in Urlaub Von dem zweifellos richtigen Gedanken ausgehend, daß nicht nur abgearbeitete Menschen, sondern auch abgearbeitete Tierc, vor allem die auf dem Pflaster der Großstadt trabenden Pferde eine Erholung, und im wahrsten Sinne des Wortes eine Ausspannung nötig haben, hat der Vorsitze??de eines amerikanischen Tierschutz- vereins, I a?n e s P. B r i g g s aus Washington, am Potomacsluß in Maryland ein Ferienheim sür erholungsbedürftige Pferde jeden Alters errichte�. Neben luftigen Ställen sind dort ausgedehttte Wiesen mit recchlichem Graswuchs vorhanden, und an den Ufern des Potomac, in dem die Tiere mit Vorliebe baden, spc??den zahl- reiche alte Baume dichien Schatte,?. Nicht nur jüngere Pferd« tum. mein sich dort, auch alte, im Stadileben abgetriebene Gäule ver- suchen im Genuß einer lange entbehrten völligen Freiheit noch einmal die Sprünge ihrer weit zurückliegenden Fohlenzeit. Der Preis für den Unterhalt eines Pferdes in diesem Ferienheim beträgt für die Woche zwei Dollars und ist deshalb so niedrig geholten. damit möglichst viele Pfcrdebesitzer von dieser Gelegenheit, ihre Tiere wieder zu Kräften kommen zu lassen. Gebrauch machen köiin-n. Bei reichlichem und guten Futter und dem dauernden Aufenthalt in frischer Luft erholen sich auch die müdesten Arbeitstier« schon nach zwei bis drei Wochen in überraschender Weis« und wie die Menschen kehren auch sie erfrischt und gestärkt von ihrem Urlaub zmn harten Tagesdienst zurück. Wie Briggs sogt, gewinnt sein Unternehmen, das er im vergangenen Jahre begonnen hat, dadurch stets größeren Anklang, daß die Pferdehalter von ihren auf Urlaub gewesenen und dadurch gekrüftigten Tieren größere Arbeitsleistungen erzielen können, als vorher, und so hofft er, daß solch« Erholungsheim« auch noch an andern Orten der Vereinigten Staaten eröffnet werden. Bußtags-Werbefeste der FTGB und bei ASV-Sdiöneberg Am gestrigen Buhtog hatte die Freie Turner schast Groß-Bcrlin wieder ihren großen Tag in der Turnhalle Prinzenstraß«. Schon eine halb« Stunde vor Beginn waren die Galerien und die in der Turnhalle bereitgestellten Plätze voll besetzt und immer mehr Zuschauer kamen Punkt 16 Uhr marschierten nach den Klängen des Bereinsmusikkorps die 400 gemeldeten Teil- nehmer mit wehenden Sturmfahnen in den Saal. Dann zeigten die Frauen von Lichtenberg körperveredelnd« Gymnastik. Hervor- gehoben seien noch die Frauen von Osten, die als Kampfhähn« recht belebend« und lustig« Uebungen zur Darstellung brachten. Es folgte das so oft totgesagt« Geräteturnen von Frauen und Männern, bei dem reckst beachtliche Leistungen gezeigt wurden. Unmöglich ist es, hier alle guten Darbietungen zu nennen. Das Puschballspiel hielt alle Anwesenden in Atem, denn oft genug wurden die Zuschauer unfreiwillige Mitspieler, wenn der große Ball die Linien des Spielfeldes verließ. Ter vom Bezirk Südost-Treptow als Finale gezeigte Bewegungschor nach den Motiven der Marseillars« gab der Veranstaltung«inen würdigen Abschluß. Die FTGB. kann diesen Tag, der durch einen stimmungsvollen Festabend im Gewerkschafts- Hause beschlossen wurde, als vollen Erfolg buchen. Von den jüngsten Kücken bis zu den ältesten geschulten Mit- gliedern war gestern auf dem Werbeabend für die weiblichen Mitglieder des Arbeiters portoereins Schöneberg- Friedenau 07 alles mit regem Eifer bei der Sache, so daß die zahlreich erschienenen Zuschauer voll auf ihre Kosten kamen. Der Unrstand, daß alle Vorarbeit, Organisation und Propaganda von den Frauen allein geleistet wurde, ist ein Plus für die gute Wirkung des Festes. Das vielseitig« Programm wurde eröffnet mit allgemeinen gymnastischen Uebungen. Dem reiht« sich eine beifällig aufge- nommene Laufschule der Jungmädchen an. Nun kamen die Kleinen und veranstalteten«in« lustige Hindernisstafett«. Daß das Alter kein Hinderungsgrund für Leibesübung ist, demonstrierten die älteren Frauen. Nun wechselten, in bunter Reihenfolge Sprungübungen, Barrenturnen, heitere Singspiele der Mädchen, Wettgehen der Frauen, sowie körperdurchbildende und anstrengende Gyninastik der Jungmädchen. Medizinballllbungen und Tänze in Form von zu- sammengestellten verschiedenen Schrittarten vervollständigten das Bild. Stafettenläuferinnen zogen ihre Runden. Heilere Neck- und Fangspiele aller Teilnehmerinnen schlössen sich an. Unter den Klängen der Arbeiter-Marseillaise begann der Bewegungschorl er war ein eindrucksvoller Abschluß der Veranstaltung. kilmsbend bei den Naturfreunden Einen recht interessanten Werbeabend veranstaltete am Bußtag die Ortsgruppe Berlin des Touristenvereins„D i e Naturfreunde". Nach gutem Chorgesang der Gruppe Humboldthain, der mir noch Unterstützung aus weiteren Gruppen verdiente, rollte ein Film„Vom Fels zum Meer" ab. Natur- crlebnisse in den verschiedensten Landschaftsgcbieten fanden leb- haften Widerhall. Das Wesentlichste aber waren die eindrucksvollen Bilder aus den Industrien: Glasbläserei, Heimarbeit, Stein- und Holzverarbeitung, Papier, Porzellan, Eisen- und Braunkohlen- bergbau, Fluß- und Seeschiffahrt. Das gab tiefgehende Eindrücke vom wahren sozialen Wandern. Daneben wirkte Kulturgeschichte und Städtebau. �rbeiter-kasenspiele Ludccnwalde gegen Berlin 4:1(Z: 0) Vor 600 Zuschauern fand gestern das Fußball-Städte- spiel Luckenwalde— Berlin in Luckenwalde statt. Die Luckenwaldcr Mannschaft trat zum Spiel in der vorgesehenen Auf- stcllung an, während Berlin den Mittelstürmer und den linken Verteidiger ersetzen mußte. Berlin l>att! Anstoß, brach durch und erzwang die erste Ecke, die jedoch nichts einbrachte. Ein schneller Durchbruch des Liickenuxilder Sturms führte zum ersten Tor für Luckenwalde. Berlins Mannschaft, die gegen den Wind spielte, hatt« einen sehr schweren Stand. Außerdem gefiel sich der Sturm in Einzclaktionen, die von der Luckenwalder Verteidigung stets unterbunden wurden. Ein erneuter Durchbruch Luckenwaldes wurde von der rechten Seite aufgcnonmicn und zur Mitte gegeben. Der Mittelstürmer täuschte und Halblinks sandte unhaltbar zum zweiten Tor ein. Alle Bemühungen der Berliner Maimschast, das Resultat günstiger zu gestalten, war vergeblich. Mit 2:0 für Luckenwalde wurden die Seiten gewechselt. Nach Wiederanswß war die Berliner Mannschaft zunächst wieder im Angriff. Die Stürmerreihe sond sich jedoch nicht zu- sammen. trotzdem die Läuferreche sehr gute Vorlagen nach vorn gab. Die Luckenwalder Stürmer führten dagegen ein bedeutend flüssigeres Spiel vor und bedrohten so das Tor Berlin« des öfteren. Der Berliner Torwart mutzte hart« Arbeit leisten, konnte aber nicht verhindern, daß Luckenwaldes Halbrechter(allerdings aus klarer Abseitsstellung heraus) zum dritten Tor einsandte. Das Spiel stand jetzt 3: 0 für Luckenwalde. Da besann sich auch der Berliner Sturm. Linksaußen bekam den Ball, lief schnell durch, wurde jedoch im Strafraum von Luckenwaldes Verteidigung unfair gelegt. Der oerhängte Elfmeter wurde vom Mittelstürmer glatt verwandelt. Die Freude sollte jedoch nicht lange dauern. Einige Minuten später koimte Luckenwaldes Rechtsaußen dos Resultat auf 4: 1 stellen. Alle weiteren Angriffe wurden von den beider- festigen Hintermanschaften abgestoppt. So endete das 6. Stödtefpiel wiederum mit einem Siege der Luckenwalder. Vorher spielten die Alten Herren der„Schweifsternc", verstärkt durch Kreisfunktionäre, gegen Luckenwaldes Alte Herren unent- schieden 2:2(1: 2). Handball FTGV.-Friedenau 1 konnte sich von FTGB.-Neukölln 2 mit 8:2(3:1) die Punkte holen. Friedenau war überlegen und drückte in der zweiten Halbzeit stark, so daß Neukölln wenig zum Schutz kam. Umgekehrt war es bei der 2. Männermannschaft von Friedenau, die sich den Freien Schwimmern Berlin 12 1 mit 1: 0 (1: 0) beugen mußten. Etwas weniger glücklich waren die Frauen von Berlin 12, die den Frauen der Ferien Sportvereinigung Tegel den Sieg mit 4: 0(3: 0) überlassen mußten. Kleine Sportergebnisse vom Buhtag Fußballspiel Hamburg gegen Verlin 1: 1. Das 32. Stödtefpiel zwischen Hamburg und Berlin litt sehr unter starkem Schneetreiben. In der Berliner Elf fehlten die bewährten Kräfte von Hertha BSC. und Tennis Borussia. Das Lußtagsgostspiel des deutschen Fußballmeisters herkha BSC. in Hannover gestallete sich zu einem überlegenen Siege. Die Ber- liner konnten die Mannschaft des norddeutschen Sportverbandes 9: 1 schlagen. Der Hockeykampf verlin gegen Hamburg, in Berlin zum vierten Male ausgetragen, endete mit einem 4:0- Siege der Hiesigen. Den kunstwrnwetlkampf Leipzig-homburg-Verlin gewannen die Leipziger wieder in großer Form, nachdem die Berliner durch einen schweren Unfall von Bockmauer all« Chancen preisgeben mußten. Der handballstädletampf Berka gegen Leipzig sah auf dem Tiergartensportplotz die Leipziger 6: 3 siegreich. Kleiner Sport von uberall Die englischen Polizeiboxer in Verlin eingelrosscn. Am Bußtag vormittag sind die englischen Polizeibo�er Titmus. Carmichacl, Jackson, Egan und Mellish in Berlin eingetroffen. Sie befinden sich in ausgezeichneter Verfassung und sind sehr siegessicher. Die deutschen Polizeiboxcr werden aifo heute abend einer wohlvorbc- reiteten, ausgeruhten Mannschaft gegenübertreten. Nach ihren Kämpfen in Berlin werden sie vor der Rückreise nach London noch einmal in Leipzig, bei Atlas-Leipzig, in den Ring steigen. Serienringkämpse der Arbeiter-Athleten. Freitag, 21. Ro- vember. 19 H Uhr, findet in der Turnhalle der Realschule Tegel (Graf-Rödern-Korso) der 1. Serienkamps im Ringen der H-Kiasfe zwischen dem Kreismeister Alt-Wedding und der E-Mannfchast von Tegel statt. Der Filmabend des Arbeiter- Sportverein» Neukölln findet am Sonnabend, 22. November, 18 und 20 Uhr, im Saalbau, Berg- ftraße 147, statt. Gezeigt werden der Bundeslehrfilm«Das Schnee- schuhlaufen" und der humoristische Wintersportfilm«Der große Sprung". Eintritt S0 Pfennig. Erwerbslos« und Jugendliche 30 Pfennig. Filmabend im Kartell für Arbeilersport und Körperpflege. Charloltcnburg, am 22. November, 19 Uhr, Königin-Elisabeth-Str. 6. Film?„Giftgas über Berlin" und der Film vom Reichsarbeiter- sporttag m Berlin. Arbeiterschützen in Charlottenburg. In Charlottenburg ist ein« Abteilung der«Freien Sport- und Schützenvereinigung Berlin- Mitte" gegründet worden. Vorbedingung für die Aufnahme ist die ugehörigkeit zur Partei oder Gewerkschaft. Es wird Kleinkalibcr-, uftbüchfen-, Pistolen- und Bogenfchießen betrieben. Bogenschießen soll hauptsächlich von den weiblichen Mitgliedern geübt werden. Uebungsstunden bei Sandmann, Westfälische Straße 42, jeden Frei- tag, von 20— 22 Uhr. Auskunft dort und bei Werner Gutknech:, Söphie-Charloite-Siraße 24, oder Ernst Voege, Friedbergstraße 27. Vesselmann boxt Im Splchernrlng. Seinen ersten Berliner Start als Professional gibt der diesjährige Amoteurcuropameister im Weltergewicht. Besselmann-Köln, am Freitag bei der Veranstaltung im Spicheniring, wo er gegen den Hamburger Kracht kämpfen wird. .Harry Stein- Berlin trifft auf den Franzosen Borguet, den zweiten internationalen Kampf bestreiten Erwin Zinndorf-Wiesbaden und der Belgier Chviteau. Ferner treffen Proiß-Köln und Walter Peter-Berlin, sowie die Berliner Matter Stobbe und Fritz Schlägel zusammen. verufsringcr im kriegervereinshaus. Auf dem am Freitag, 21. November, stottfindenden Rlingkampsobend zum Besten der Bergwerksunglücke bei Alsdorf und Maybach, veranstaltet vorn Jnternativnalen Ringerverlxmd, werden eine An, zahl der besten in- und ausländischen Berussringer auf die Matte gehen. Neben dem Neger Million Thomson findet man den Hamburger Schulz, den Europameister Leskinowitsch, die Berliner Luppa und Pietro Scholz, und neben vieten anderen den Schweizer Grüneisen. Bleislerschaft der Zeitungssahrer. Zum siebten Male kommt am 30. November die Meisterschaft der Berliner Zeitungsfahrer auf einer Strecke„Rund um die Rütt-Arena" zum Austrag. Arbeitersportler rüsten zur Olympiade in Wien Der englische Arbeitersportverband beabsichtigt zur z-w«!-. Jen Olympiade der Sozialistischen Arbeitersportiiniernationale 14 Fußballspieler, 8 Radfahrer, 8 Sportler, 4 Sportlerinnen, 4 Schwimmer, 2 Tennisspieler und 1 Tennisspielerin zu entsenden. Ein Olympiakomitee hat die Vorarbeiten eingeleitet. Die Kosten der Expedition sind mit 1000 Pfund Sterling<20 000 M.) veranschlagt. Der Generalrat des englischen Gewerkschaftskongresses hat sofort 30 Pfund Sterling bewilligt. Di« ungarischen Arbeiiersportler haben«in Olympiakomitee berufen und rechnen in Wien mit einer Beteiligung von 230 Sport- lern. Di« Sportler sollen sich zusammensetzen aus Leichtathleten, Hand« und Fußballspielern, Schwimmern, Turnern, Rodfahrern und Ringern. Der Verband der tschechoslowakischen Arbeiterturn- vereine(Sitz Prag) und der deutschchöhmisäzc Arbciter-Turn- und Sportverband(Sitz Llussig) führen die Werbung für Wien gemein- sam durch. Das Interesse für die 2. Arbeiteroiympiade ist in der Tschechoslowakei groß. WerbeveranstoUungen, Film, Radio, Bor- träge, Presscnachrichten und Hausagitation stehen im Dienste der Sache. Die zwei großen Kreise Teplitz und Karlsbad des deutsch- böhmischen Verbandes führen einen Wettbewerb durch, wer die meisten Olympiosahrer ausbringt. Nach der gegenwärtigen Lage im deuisch-böhmischen Verband ist von diesem«ine Teilnehnierzahl von 2500 bis 3000 zu erwarten. ♦ Die Ausscheidungen für die w: n t e r s p o r i l i ch e n Olymp iaweitkämpfe der Arbeiiersportler. vom 3. bis 8. Fe- bruar 1931 in Mllrzzuschlag, sinden für Deutschland in zwei Teilen statt. Für Süddeutschland werden sie vom Arbeiter-Turn- und Spvrtbund gemeinsam mit den Naturfreunden am 10. und 11. Januar in den Vallepalpen durchgeführt; Bahnstation Neu- Haus, an der Strecke München— Schliersee. Für das übr.ge deutsche Gebiet gehen die Ausscheibungstämpfe am 23. und 26. Dezember in Johanngeorgenstadt im Erzgebirge vor sich.— Der Schweizer Arbeiter-Turn» und Sportoerband beabsichtigt zu den Longlauskämpfen(13 und 30 Kilometer) nach Mürzzuschlog seine sechs besten Läufer zu enffenden. Die Läufer sollen in besonderen Ausscheidungstämpfen des Schweizer Verbandes ermilteli werden. Ctfht Rrtit. Zttc Sonntag. 30. Noocmbcr. ist Epicltaa angeWit. Mabls- do-k ist Triffpunlt. Beginn 14 Uhr. Anschließend Beisammensein.— Zu. samwentnrnen der Alten Sonnabend. 14. sZebrnor, Lalle ElisabelhNraßc. Am gleichen Abend Iahrcanersammlung. ,®oli",»rastlahrer. Touren siir Sonntaq, 23. Bovember. Abt. Narben: Birkenwrrdcr. IZ Uhr Sparrstr. Z.- Abt. Ncekölln: Ziel am Start Ii! llbr Svhendvllernplatz.— Abt. ssriedrichshain: Summt. 10 Uhr Lanbsbrrgrr Pluß. Abt. Kreutberg: Uel am Start 12 Uhr Reichenberger Str. 91. � Abt. flopenitf; Samengruna, 9 Uhr«aiser-Wilhelm-Str. 2 in ftäptuiif.— Abt. TJontom: Ziel am Start 12 Uhr Pankow. Berliner Str. W.— Abt. Shar- lottenburg: Ziel am Start 13 Uhr Wiimeradorfcr Str. 21. Versammlungen der Krastsahrcr. Abt. Vankowi Am 19 November, 20 Uhr. Pankow. Berliner Straße 9«.— Abt. Sharwttrnburq: Am 20. November, 20 Uhr. bei Nrimee, Wilmersdorser Str. 21. Freie Sport, und SchSßeuvereiuiguuq Beelin. Mitte. Abt. Sbarlottenbuig. Freitag, 21. November. Nonnen str. 4, UVt Uhr. Treffpunkt zur Temonstration nach den Ausstellungshallen. De« Urbeiier. Sportkegelklub.Borwärt»- kegelt seben Freitag um 20 Uhr bei Wolf. Sarbeustr. 44. Gäste willkommen. RoteHLntz« od« brennend rotes Gesicht wlrlen unfein. Tin wlrksmne, Mittel dagegen ist die kühlende, relzmildernde und schneeig» weisie Creme Leodor, auch als herrlich duftend« Puderunterlage vorzüglich geeignet. Ueberraschender Erfolg, Tube 1 ML, wirksam unterstützt durch Leodor- Edelseife, Stück 50 PL In alle« Chlprodont-verlauststellen» haben. Allerle! kli kiugrelcorde vor zwanzig Jahren Welchen erheblichen Fortschritt die Flugtechnik in zwei Jahr- zehnten gemacht hat. bezeugt am besten ein Vergleich der ftiege- lis�en Höchsileistungeil aus dem Jahre 1910 mit denen von heute. Damals bet.ug der St r c ck e n s l u gr c k o r d 3 9 2,73 Kilo- nie t c r und wurde von dem Belgier Olieslagers auf der Flugwoche zu Reims ausgestellt. Er erzielte eine Flugzeit von 3 Stunden und 3 Minuten. Den Strecken- und Douerflngweltrckord in geschlossener Bahn halten heute die Italiener Maddalena und Eecconi mit 8188,800.Kilometer, die sie in 67 Stunden 13 Minuten absolvierten. Die größte Höhe erreichten im Jahre 1910 die Franzose Loga- ncux mit 3100 Metern und der Amerikaner 5zoxsey mit 3497 Metern. Der heutige Höhenrekord des Zlmerikaners Soucek beträgt 13 137 Meter. Den Schneliigkeitsweltrckord hält äugen- l'licklich der Engländer Orlebas. der vor einem Jahre 573,700 Stundenkilometer flog. Die. größten Geschwindigkeiien erzleUen im Jahre 1910 der Deutsch« Mackenthan mit 130 Äilameter, der Engländer Radcq mit 122 Kilometer in der Stund«. Im Jahre 1910 gab es in Frankreich 335 Flugzeugführer, in Deutschland 36 und in England 30. Es wurden im Jahre 1910 in Frankreich 1300 Flug- zeuge gebaut und 3000 Uebcrlandflüg« von mehr als 10 Kilometer ausgeführt. Die Gesamtflugzeit belies sich auf 8300 Stunden. Vor 20 Jahren fielen 57 Pilcten Unfällen zum Opser. Man kann also sagen, daß im Jahre 1910 zirka 10 Proz. oller a»f der Welt vor- handenen Flugzeugführer tödlich verunglückten. Segelfhig im Harz In den ersten Jahren, da die Segelslugbewegung festere Formen annahm, war es mit geeigneten Geländen für diefen Sprt ziemlich schlecht bestellt. Man mar in der Hauptsache an die Rhön' gebunden. Das hemmte aber die Ausdehnung der Vewcgung, weil sich die Flüge zumeist nur auf die Zeit des Wettbewerbes er- sireckten, im übrigen aber die Segelfliegerocreine— sofern sie nicht in unmittelbarer Röhe der Rhön beheimatet waren— ziemlich zur Untätigkeit verurteilt waren. Sie konnten weder die Zeit noch die Mittel aufbringen, mehrmals im Jahr noch der Rhön zu gehen, um dort zu fliegen. Sollt« der Segelflugsport nicht erliegen, war es nötig, auch noch andere Gelände ausfindig zu machen, die in der Nähe der Segel- fliegerklubs lagen, damit diese vor allem zum Wochenend« fleißig üben tonnten. In West-, tn Ost-, in Nord- und in Süddeutschland hat man mit ber Zeit Gegenden gefunden, in denen es durchaus 0 möglich ist, den Segelflug, wenn auch in beschränktein Maße, zu beireiben. In neuester Zeit hat man nun auch im Harz Flugoersuche angestellt, die ergeben haben, daß auch dort die Möglichkeit besteht, nicht nur kleinere, sondern auch Flüge von längerer Flugdauer aus- zirführen. Die Ergebnisse, die in den letzten Tagen erzielt wurden, müssen als außerordentlich befriedigend bezeichnet werden. Die Magdeburger Segelflugvercinigung„Lüwa" hatte am letzten Sonn- tag im Harz einen eifrigen Flugbetrieb entwickelt. Neben einigen Priffungsflügen konnte auch der erste Stundcnflug im Harz aus- geführt werden. Polizeimajor Angerftein-Magdeburg gelang es, auf dem Flugzeug„Willi Fabcr" auf 100 Meter über der Startstelle zu steigen und einen Flug von 1 Stunde, 1 Minute und 25,4 Sekunden bei einer durchschnittlichen Windstärke von 20 Sekundenmetern auszuführen. Mit 48 Minuten hatte auch Leipner eine für dos neu gefundene Gelände recht ansehnliche Flugdauer erzielt. Dies« Flüge hoben deutlich den Beweis gebracht, daß auch der Harz für den Segelflug die nötige Eignung aufweist. IV. Auf einem Vortragsabend in der Wissenschaftlichen tvesellschasl für Lvslsahrl sprach dieser Tag« Dipl.-Jng. L i p p i s ch über die Er- gebnisi« des Rhön-Segelflug-Wettbewerbes in diefem Jahre. Als besondere Neukonstruktion waren auf der Rhön zu finden die„Austria", ein« Konstruktion Dr. Kuppers mit dreißig Meter Spannweite. Wenn die neue Maschine auch eine Weiter- entwicklung der bisherigen Muster bedeutet, so stehen der Ueber- Züchtung der Spannweilc doch erhebliche Bedenken gegenüber. Mit Neukonstruktionen waren auch die DLB.-Gruppe Meiningen, Dipl.-Jng. Mayer, ein Dresdener Doppelsitzer, und das Segelflugzeug Fafnier des Forschungsinstituts der Rhön-Rosfitten-Gcfellfchast vcr- treten. Anschließend besprach der Vortragende die Möglichkeiten, die nach dem heutigen Stande der Entwicklung des Segelflugzeugbaues zur Verbesserung der Flugleistungen gegeben sind. Er bezog sich hierbei auf die von Dr. Schrcnck in Vorschlag gebrachte Einteilung der Segelflugzeuge in S p a n n w e i t e n k la s s« n. Es wurde ge- zeigt, daß die Spannweitenoergrößerung über das heute übliche Maß von zwanzig Meter noch weitere Derbesierung der Flugleistungen ermöglichen wird, und daß andererseits eine Verfeinerung bei fest- gehaltener Spannpsitg kaum weniger kostspielig ist als die Spann- weüenvergrößerung. Der diesjährige Leiftungsweltbewerb hat dent- lich gezeigt, welche außerordentlichen Schwierigkeiten ein Fern- f e g e l f l u g für im Strcckenflug noch unerfahrene Segelflieger bietet. Di« Schulung des Fronffegelfluges auch außerhalb des Weit- ln.wsrbes, in besonderen Kursen der Segelflugjchulen, ist eine der wichtigsten Aufgaben für den Fortschritt im Segelflug. Angriff der Metallherren Auf der ganzen Linie Lohnabbau von-IS Prozent München. 20. November.(Eigenbericht.) jer Arbeitgeberoerband der bayerischen Provinz-Metall- iniiufirie hat am Mittwoch die Tariflöhne der Arbeiter zum Zt. Dezember 1930 und die Gehälter der A n g e st e l l t e n. Werkmeister und technischen Beamten zum Zt. Januar 1931 gekündigt. Die Unternehmer verlangen einen Lohn- und Gehalts- abbau von nicht weniger als IS Prozent. Der Kampf in der bayerischen Hüttenindustrie hat zu einem höchst brutalen Schiedsspruch geführt, durch den die Löhne bis zu 6% Prozent gekürzt, die Akkordbedingungen verschlechtert und das Urlaubsrecht beschuitten wurde. Dabei haben die hütleninduftriellen, darunter auch die in Staakshaud befindlichen Bayerischen Werke, die Tariflöhne für die Uebergaugszeit benuht, um die Akkordlöhne bereits vor der Fällung des Schiedsspruches bis zu 40 Prozent zu kürzen. Der Deutsche Metallarbeiter-Verband hak seine Anhänger für Mittwoch zur Urabstimmung aufgerufen. Bei dieser Gelegenheit machte sich, wie immer bei entscheidenden Kämpfen der Arbeiterschaft, die k o m m u- nistische Spaltungsarbeit bemerkbar. Die Badener folgen. Mannheim, 20. November. Der Verband der Mannheimer Metallindustriellen hat den Lohntarif in der Metallindustrie zum 31. Dezember 1930 gekündigt. Gefordert wird ein ISprozentiger Lohnabbau. Eine nähere Begründung soll bei den Verhandlungen gegeben werden. Schiedsspruch für die Stettiner Metallindufirie Stettin, 20. November. In dem Konflikt in der Stettiuer Metallindustrie sällte der Schlichtuirgsausschuß einen Schiedsspruch über die Löhne und den Mantellarif. Die Löhne wurden neu festgelegt Der Abbau schwmrkt zwischen 3 bis 5 Pf. pro Stund« oder 4 bis 6 Proz. An dem Mantcltarifoertrag wurde nur wenig geändert. Die Bestimmung. nach der die Arbeitszeit wöchentlich bis zu 31 Stunden ausgedehnt werden durste, ist gestrichen worden. Der Lohnschiedespruch wird von den Arbeitern abgelehnt wer- den. Der Metallarbeiterverbaich ist entschlossen, jeden Lohnabbau init den schärfften Mitteln zu bekämpfen. Krieg-Inflation- Rationalisierung Was dem Bergarbeiter aufgebürdet wird Die Reichskonfereiiz des Bergbauindustriearbeiterverbandes, die im Gewerkschaftshaus in Berlin tagte, gedachte zunächst in ehrender Weise der Opfer, die der Bergbau in diesem Jahre in außergewöhnlich großem Umfang« gefordert hat. Dann wurden die schwebenden Knappschaftsfragen erörtert. Als Ergebnis dieser Be- sprechungen wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: „Die wiederholten Grubenkatastrophen haben die Oeffentlichkeit erneut auf die schwere und gefahrvolle Tätigkeit der Bergarbeiter aufmerksam gemacht. Beklagenswert sind aber nicht nur die Opfer der Massenunglücke, sondern auch diejenigen, die der Bergbau täglich fordert. Sind doch allein im Ruhrbergbau seit Kriegsende rund 10 000 Bergarbeiter tödlich verunglückt und über 700 000 verletzt worden. Diese Zahlen bedeuten ein Meer von Blut und Tränen. Hinzu komint, daß infolge der maschinellen Arbeit und des mörderischen Arbeitstempos im Bergbau die bergmännischen Berufskrankheiten«inen sehr erheblichen Umfang angenommen haben. Auf Grund dieser Verhältnisse werden der bergmännischen Sozialversichcrung, der Knappschaft Lasten aufgebürdet, die für diese allein nicht mehr tragbar sind. Sehr ungünstig und verhängnisvoll für den finanziellen Stand der Reichsknappschaft hat sich ferner die Rationalisierung des Bergbaus ausgewirkt. In wenigen Iahren sind H u n d e r t- t a u s e n d e von Bergarbeitern entlassen worden, wovon ein großer Teil der Pensionsversicherung zur Last fällt. Allein im Jahre 1930 sind dnrch Belegschaflsabbau der Reichs- knappschoft rund 100 000 Beitragszahler entzogen worden. Die Folgen dieses rapiden Belegschafisabbauz sind, daß die aktiven Bergarbeiter unmöglich die notwendige Summe zur Unterstützung der pensionierten aufbringen können und die Knappschaft trotz der Rationalisierungserfolge im Bergbau in steigendem Maße mit Fehl- betrögen arbeiten muß. Hinzu kommen noch die Millionen Feierschichten, die das Beitragsaufkommen sehr ungünstig beeinflussen. Um einen Ausgleich zwischen Einnahme« und Ausgab«, zu erzielen, müssen entweder die Leistungen vermindert oder neue Mittel geschaffen werden. Der Weg einer Leistimzs« Verminderung würde bedeuten, daß die Jnvolidenpension, die durch- fchnittlich 63 Mark im Monat beträgt, um die Hälfte gekürzt werden müßte. Eine derartige Maßnahme ist überhaupt nicht bis- kutabel. Unmöglich ist auch eine weitere Beitragserhöhung, da bereits jetzt Z,Z aktive Bergarbeiter mit ihren Knappschaftsbeiträgen einen Invaliden durchhallen müssen. Die Beiträge, die der Bergarbeiter heute zur Sozialoersicherung leistet, betragen bereits 15 Proz. des Lohnes und stellen ein Höchstmaß dar, das nicht mehr überschritten werden kann. Da eine Durchführung von Sparmaßnahmen, wie sie der Reichsarbeitsminsster durch Aende- rung gewisser Bestimmungen wünscht, den notwendigen Ausgleich auch nicht bringt, gibt es daher nur die«ine Möglichkeit, daß das Reich weiterhin die nötigen Zuschüsse leistet. Es darf dabei vor allen Dingen nicht vergessen werden, daß der Reichsknappschaft aus Krieg nnd Inflation, aus der Ab- tretung von Elfaß-Lothringen. Ostoberschlesien und der zeitweiligen Loslösung des Saargebietes Lasten auferlegt wurden, die gerechter- weise das Reich zu tragen hätte. Die Reichskonferenz des Verbandes der Bergbauindustriearbeiter fordert deshalb, daß Reichstag und Reichsregierung der Eingab« des Bergbouindustriearbeiterverbandes vom 15. Oktober d. 3. und dem Antrage der Abgeordneten Breitscheid. Hufemann und Genossen ihre Zustimmung geben, wonach die Reichsregierung ersucht wird, unverzüglich Maßnahmen zu treffen, um die finanziellen Schwierigkeiten?cr knappschaftlichsn Pensionsvsrficherunz zu be- heben."_ 10 Tote in Madrid. Die Polizei gegen Streikende. M a d r i d. 20. November.(Eigenbericht.) Der Generalstreik in Barcelona hat bisher zehn Tote ge- fordert. Außerdem wurden von der Polizei zahlreiche Personen v e r h a f t e l. Die Auseinandersetzungen entstanden, als die Polizei auf Anordnung der Regierung das Lokal der radikalen Gewerk- schofisvereinigung schloß._ Die Lohnabbauwelle. Der Bergbauliche Verein Zwickau hak die Lohnordnung für den sächsischen Steinkohlenbergbau zum ZI. Dezember gekündigt. Wie er ankündigt, um auf kosten der Ar- beiter und Angestellten der Preissenkuugsattion der Reichsregierung folgen zu können. plaza-preisausschreiben. Mtrbachltr.Wi Z.F.Limp-ch, Frankfurier Allee ZS;£(E. Pl8 uKke, Th-erttr 50. Donnerst ,20. 11. staats-Oper Unter d. 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