Nr. 103. Erscheint täglich außer Montags, Preis pränumerando: Viertel jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret tu's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Bfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Desterreichs Ungarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. tu der Post Beitungs Preisliste für 1886 unter Nr. 7877. = Vorwärts 13. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder beren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 fg. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508 Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin", Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Sonntag, den 3. Mai 1896. DIATR Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Die Feier des ersten Mai von Feiernden hatten mit Weib und Kind nachmittags in den sind ebenfalls in Buchbindereien, Steindruckereien, Lichtdruc Gartenlokalen Play genommen, um bei Musikhat auch diesmal wieder die Kraft und das Wachsthum der Gefangaufführungen, und anstalten u. f. w. vorhanden. Gleichzeitig erwarten die Ver fowie in traulichem Gespräch mit fammelten, daß auch eine umfangreichere Fabritinspektion, als internationalen sozialistischen Bewegung offenbart. Unsere gleichgesinnten Freunden und Genossen sich der un es bis jetzt der Fall, und ein für alle Deutschen gleiches, den auf die Nachrichten aus den verschiedenen Ländern sich getrübten Festfreunde hinzugeben. In den Abendstunden Arbeiterinteressen dienendes Vereinsgefeß geschaffen werden stüßende Bemerkung, daß die siebente Feier des Welt- wurde die Zahl der Festheilnehmer noch bedeutend ermögen. . bald nach Schluß der Festreden die Lokale. festes der Arbeit an Umfang und Massenhaftigkeit der höht durch diejenigen Arbeitsbrüder, deren wirthschaftliche Lage Die Arbeiter der Leberindustrie hatten sich bei Theilnahme die vorjährige Feier ebenso übertreffen werde, ihnen eine Arbeitsruhe leider nicht gestattet, und die auch an Uhliß, Badstr. 19, verfammelt und folgten aufmerksam den Auswie diese und jede andere ihre Vorgängerinnen übertroffen diesem Tage- wohl mit schwerem Herzen- dem Kapitalis- führungen des Genossen Georg Wagner. Eine vorgenommene mus die erzwungenen Frohndienste leisten mußten. Wie Abstimmung ergab, daß von den ca. 800 Anwesenden nur etwa hat ist im vollsten Maße erfüllt worden. immer, wenn ziel- und klassenbewußte Arbeiter mit ihren 15 arbeitslos waren. Alle übrigen begingen den Weltfeiertag Für Deutschland, und insbesondere auch für Berlin, ist unter gleichem Druck und gleicher Noth leidenden Ge- durch Arbeitsruhe. in der Zahl derer, welche die Arbeit ruhen ließen, eine noffen sich zusammenfinden, um in gemeinfamem Denten und Der Andrang zu der Versammlung der 3 im merleute entschiedene Zunahme zu verzeichnen. Viele Arbeitgeber Streben für die Forderungen des Proletariats einzutreten, so war so start, daß, nachdem Tische und Stühle aus dem Saal des waren so vernünftig, sich mit den Arbeitern gütlich zu ver- verlief auch diesmal die Feier des Maifestes in würdigfter Weise Böhmischen Brauhauses entfernt waren, schließlich der Saal noch ständigen. Die Drohungen und Hezereien des stumpfen, Scharf- und ohne jede Störung. Ruhig und ernst wie sie gekommen, polizeilich abgesperrt werden mußte. Mehr als 3000 Buhörer machers" haben nur ihren Urheber lächerlich gemacht, und die traten die Massen den Heimweg an. Die meisten verließen folgten mit Aufmerksamkeit den Ausführungen des Genossen angstmeierlichen Philister haben sie wieder einmal umsonst ein jeder von ihnen in der Frühe des nächsten Tages legten Streit bezug nehmende Resolution zur Annahme: Die Muß doch Millarg und gelangte sodann am Schluß folgende auf den geängstigt. wieder in der Tretmühle bes Kapitalismus thätig Arbeit ist am Montag den 4. Mai überall da niederzulegen, wo Zu einer Kraftprobe" scheint es, einer Notiz des sein und darf daher selbst bei feftlichen Gelegenheiten die Nacht die gestellten Forderungen: 9stündige Arbeitszeit und 55 Pf. Leipziger Tageblatts" zufolge, blos in Leipzig zu kommen, rube nicht allzu sehr fürzen. Alles in allem zeigt der Verlauf Minimallohn nicht innegehalten werden. Die Unterstützung wird wo sich ein Ring von Tischlermeistern und Möbel- der diesjährigen Maifeier, daß das Proletariat sich seinen Feier in derselben Höhe weiterbezahlt. fabrikanten gebildet hat, der in rohefter provokatorischer tag nicht streitig machen läßt, daß derselbe vielmehr immer mehr Weise jeden Arbeiter, der am 1. Mai nicht arbeite, mit Anerkennung findet, und daß er als der Tag des Völkerfrühlings sechsmonatlicher Aussperrung bedrohte. Die Tischler be- gefeiert werden wird, wenn die Mächte, die heut noch unser antworteten dieses freche Gebahren damit, daß sie die Werk- politisches und wirthschaftliches Leben beherrschen, längst in den Staub geſunten sind. stätten der betreffenden Ringhelden am 1. Mai nicht betraten. Wird die Drohung nun ausgeführt werden? Dann mögen die Herren die Folgen tragen, wie sie die Verantwortlichkeit tragen. Alle Meldungen stimmen darin überein, daß die Versammlungen und Festlichkeiten durchschnittlich so zahlreich besucht waren, wie in feinem früheren Jahre. Das gilt insbesondere auch von Berlin. Das Wetter war überall gut- Sonnenschein, nur etwas tühle Temperatur, die abends den Aufenthalt im Freien etwas einschränkte. Und überall ist die Feier in Ruhe und friedlicher Ordnung verlaufen, wie das bei einem dem Frieden und den höchsten menschlichen Gütern gewidmeten Fest selbstverständlich ist. H Im Schüßenhause in der Linienstraße hatten sich die Töpfer, Dachdecker, Steinmeßen und Steinfeber in einer Anzahl von zirka 300 Personen versammelt. Das Referat hielt hier Genoffe Dupont und gaben am Schluß der Versammlung einige Gesangsvorträge der Feier einen Wir lassen hier eine furze Uebersicht über den Verlauf der würdigen Abschluß. einzelnen Versammlungen folgen: Die Musikinstrumenten Arbeiter hatten zwei Für das Nahrungs und Genußmittel- Versammlungen einberufen. Die eine tagte in Sanssouci und Gewerbe fand eine Versammlung in Nieft's Salon statt, die betheiligten sich an derselben ungefähr 1800 Personen, so daß von zirka 1000 Personen besucht war. Hervorragend betheiligten die Polizei Veranlassung nahm, das Lotal abzusperren. Die sich die Tabakarbeiter, Brauer und Brauerei- Hilfsarbeiter sowie zweite Versammlung bei Hente in der Naunynstraße, war von die Mufiter. Genosse Pörsch referirte und schilderte in längeren girta 500 Theilnehmern gefüllt. Genosse Schöpflin und Frau Ausführungen die Bedeutung des 1. Mai für die Arbeiterflaffe. Mesch hatten die Referate übernommen und entledigten sich ihrer Eine Disfuffion fand nach dem mit großem Beifall aufgenommenen Aufgabe unter lebhafter Zustimmung der Theilnehmer. Vortrag nicht statt. Die Versammlung der im Handels.Transportgewerbe beschäftigten Arbeiter, welche im Neuen Klubhause", Kommandantenstr. 72, tagte, war von ca. 250 Personen besucht. Das Referat batte Genosse Dr. Pinn übernommen, der sich seiner Aufgabe unter lebhaftem Beifall der Zuhörer entledigte. Besondere Berücksichtigung fand im Referat die gegenwärtig schwebende, für die Handels- Verkehrsbewegung fo wichtige Frage des Achtuhrschlusses. Von einer Diskussion wurde Avstand ge nommen. Nach Annahme der Resolution schloß die Versammlung mit einem Hoch auf die allgemeine Arbeiterbewegung unter Abfingen der Arbeiter- Marseillaise. Die Versammlung der Bildhauer( Engl. Garten, Alexanderstr. 27 c) erfreute sich eines zahlreichen Besuches. Ueber 350 Personen waren anwesend, darunter nur 16 Arbeitslose. Das Referat hielt Genosse Dr. Pinn. Im Anschluß daran ließ Winkler die Lohnbewegung des vergangenen Jahres Revue paffiren und behandelte verschiedene, im Vordergrunde des Interesses stehende Streits. Mit dem Hoch auf den Weltfeiertag schloß die von vorzüglichem Geifte beseelte Versammlung. Die Möbelpolirer hatten den Saal bei Joel voll befeßt und behandelte hier in einem beifällig aufgenommenen Referat Genoffe Reuter das Thema des Tages. Nur in Wien wurde die imposante Feier durch das herausfordernde Benehmen oder die Ungeschicklichkeit der Polizei gestört. Nachdem diese die Arbeiter durch allerlei chitanöse Maßregelungen- Verbot eines Kinderzuges u. s. w. Die Maler und Lackirer füllten den geräumigen Saal gereizt hatte, veranlaßte sie durch gewaltthätiges Einschreiten Ueber 6000 Solzarbeiter hatten sich in der Neuen im Louisenstädtischen Konzerthaus bis auf den letzten Play. gegen die friedlich im Prater wandelnde Menge eine häßliche Welt" versammelt. Der große Saal faßte natürlich bei weitem weit über 600 Personen, darunter viele Frauen, nahmen an der Schlägerei, die ohne die Disziplin und den guten Humor nicht die große Zahl der Theilnehmer, so daß ein großer Theil Bersammlung theil. Genoffe G. Lint legte in 3/4 stündiger der Arbeiter sehr leicht zu einem ernsthaften Kampf derselben im Garten plagnehmen mußte. Nach einem mit leb- Rede die Bedeutung des Tages flar. Reicher Beifall lohnte dem mit der, höchst überflüssiger Weise herangeholten bewaffneten erfolgte die einstimmige Annahme der Resolution. Die Ber- statt und wurde die Feier durch Gesangsaufführungen seitens der hafter Buftimmung aufgenommenen Referat des Genossen Glocke Redner für seine Ausführungen. Eine Diskussion fand nicht Macht hätte führen können. fammlung wurde sehr unliebsam durch die Rixdorfer Gendarmerie Liedertafel der Maler eröffnet und geschlossen. Aus England, wo bisher die Hauptfeier des gestört, die es für angebracht hielt, die Tellersammlung im Be- Die Versammlung der Puger war von mehr als Mai am ersten Sonntag des Mai begangen ward, trage von 132,24 M. zu beschlagnahmen. Der Vertrauensmann 2000 Personen besucht, so daß Keller's großer Festsaal bis auf erfahren mir, daß die Manifestationen diesmal der Holzarbeiter wird natürlich gegen dieses sonderbare Vorgehen den letzten Plaz gefüllt war. Auch eine bedeutende Anzahl zum größten Theil am 1. Mai stattgefunden haben, und der Beamten Beschwerde einlegen, da die Tellersammlung an-& rauen nahm an der Versammlung theil, in der Genosse zwar unter größerer Betheiligung als früher. Die Kund- gemeldet war. Den Schluß der Versammlung bildeten einige Jahn unter größter Aufmerksamkeit der Anwesenden über die Bedeutung des 1. Mai sprach. Der Gesangverein der Buyer gebung im Hydepark wird auch von den Gegnern als Gesangsvorträge. hatte vor Beginn der Versammlung drei stimmungsvolle Lieder imposant bezeichnet. vorgetragen. Kurz es unterliegt keinem Zweifel, daß das Maifest der Arbeit der Würde und Größe der internationalen Arbeiterbewegung entsprechend verlaufen ist. An der Versammlung der Schuhmacher betheiligten sich ungefähr 2000 Personen und wurde das Lofal, Fiebig's Salon, polizeilich abgesperrt. Das Referat des Genossen Hoffmann nahm bie Bersammlung mit begeisternder Zustimmung entgegen. Sodann schloß man sich dem Boykott über die Mohr'sche Margarinefabrit an. Nach Schluß der Versammlung veranstalteten die Theilnehmer, deren Zahl wohl auf 3000 angewachsen war, einen Ausflug nach Stralau. Obwohl die Polizei am Stralauerplay versuchte, die in losen Gruppen dahingehenden Spaziergänger zu zerstreuen, verlief die Feier in würdiger Weise. = Die Glafer, Glasschleifer, Bilderrahmenmacher, Firmenschilder Branche und Porzellan arbeiter tagten bei Bolg. Durch Auszählung wurde festgestellt, daß die Berufe in folgender Zahl vertreten waren: Glasschleifer 88, Glaser 12, Bilderrahmenmacher 14, Porzellans arbeiter 45 und Firmenschilderbranche 2. Frau Greifenberg bes handelte in geschickter Weise die Bedeutung des 1. Mai. Bei den Vergoldern referirte Genoffe Ewald vor zirka 200 Besuchern. Die Hutmacher haben einmüthig die Arbeitsruhe bes gangen und betheiligten fich an der Versammlung wohl über 2000 Personen. Das Referat des Genossen Peus wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Ju der Versammlung der Studateure sprach Genosse Saffenbach unter großem Beifall vor 200 Personen. Die Maifeier der Berliner Arbeiter. Vom herrlichsten Frühlingswetter begünstigt, begingen die Arbeiter der Reichshauptstadt den Weltfeiertag des Proletariats. Die überaus zahlreiche Theilnahme, deren sich sowohl die Bersammlungen als auch die feftlichen Veranstaltungen erfreuten, ist Jm Feenpalast waren die Metallarbeiter verfammelt ein sicherer Beweis dafür, daß der erste Mai, dem prozenhaften und fonnte die Zahl der Besucher auf 4000 geschätzt werden. Widerstande des Unternehmerthums zum Troy, mehr Das Referat hatte Gen. Näther übernommen. Wie bekannt geund mehr den Charakter eines echten und rechten Volks- geben wurde, haben die Metallindustriellen beschlossen, sämmtfeftes annimmt. Wenn auch die würdigste Form liche Arbeiter, die am 1. Mai feiern, bis zum 5. Mai auszu der Feier die unbedingte Arbeitsruhe von einem großen sperren. Theil der Arbeiter noch nicht durchgeführt wird, theils weil sie Die Bersammlung der Bekleidungsindustrie bei aus mangelnder Erkenntniß ihrer Klaffenlage den Reihen des Brochnow war äußerst start besucht. Der Saal war von 500 Per- Die Bauarbeiter zähten 300 Theilnehmer und referirte kämpfenden und am 1. Mai für seine Klassenforderungen de fonen, darunter zahlreiche Frauen, bis auf den legten Play hier Genosse Kunze. Zur Annahme kam eine Resolution, die den monstrirenden Proletariats noch fernstehen, zum andern Theil aber, gefüllt. Nach einem begeistert aufgenommenen Vortrag des Ge- Boykott über die Margarinefabrik von Mohr ausspricht. weil sie die Hungerpeitsche fürchten, die ja das Unternehmerthum noffen Timm gelangte die Resolution der Gewerkschafts- An der Versammlung der Tapezirer nahmen 250 Per über den Maifeiernden mit ganz besonderer Erbitterung schwingt: so fommission zur einstimmigen Annahme. Angenommen wurde fonen theil. Nach dem Referat des Genossen Faber wurde be ist doch zu bemerken, daß die Zahl derer, die durch Arbeitsruhe eine weitere Resolution, die den Boykott über die Magarinefabrit schlossen, bei jedem Streit die Forderung auf Freigabe des ersten demonstrirten, in diesem Jahre weitaus größer war, als früber. des Herrn Mohr ausspricht. Mai zu stellen. Bur selben Stunde, wo draußen in Treptom unter dem bei solchen Den geräumigen Saal der Brauerei Friedrichshain füllten Wohl an 5000 Maurer begingen die Maifeier in der Gelegenheiten üblichen Pomp die Eröffnungsfeier der Ausstellung die Angehörigen des graphischen Gewerbes. Durch den Unionsbrauerei. Der große Saal konnte die Menge nicht faijen vor sich ging, zu derselben Stunde fanden sich in 24 von den Gewerk: Gesang des Liedes: Wir glauben an der Freiheit Sieg, wurde und mußte deshalb eine große Zahl der Besucher im Garten Plaz schaften einberufenen Versammlungen viele tausende von feiernden die Feier würdevoll eingeleitet. Hierauf ergriff der Referent, nehmen. Das Referat hatte Genosse Antrick übernommen, der Arbeitern zusammen, um in ernster und würdiger Weise für ihre Buchdrucker Massini, das Wort zu einem wirkungsvollen Bor- in wirkungsvoller Weise die Bedeutung des 1. Mai vere Forderung: Befreiung aus den Fesseln des Kapitalismus, zu trag. Mit dem energischen Appell, die Organisationen weiter anschaulichte. demonstriren. Diese Vormittagsversammlungen waren durchweg auszubauen, damit das graphische Kartell endlich in die geleitet werden fönne, schloß Redner gut besucht, ja die meisten sogar überfüllt. Zu den Gruppen- Wege brausendem Beifall versammlungen, die in den größten Sälen Berlins stattfanden, war mit aufgenommenen Ausführungen. Resolution der Gewerkschaftskommission wurde ein der Andrang so stark, daß diese Säle in mehreren Fällen nicht aus- Die reichten, um die herbeiftrömende Menge zu faffen, sodaß hunderte stimmig mit folgendem Busay angenommen: Die graphi nach erfolgter Absperrung keinen Einlaß mehr fanden. In all schen Arbeiter und Arbeiterinnen verlangen, daß die für diesen Versammlungen gelangte die von der Gewerschafts: Buchdruckereien und Schriftgießereien dem Bundesrathe vor tommission empfohlene Resolution zur Annahme. Als gleichfalls gelegten Schußbestimmungen für sämmtliche Industriezweige des recht gelungen müssen die von der Partei am Nachmittag und graphischen Gewerbes eingeführt werden sollen; die Uebelstände, Abend veranstalteten Feierlichkeiten bezeichnet werden. Tausende welche in Buchdruckereien und Schriftgießereien vorherrschen, Am Abend begingen Parteigenossen des ersten Wahl= feine treises die Feier im festlich dekorirten Saal des Feenpalastes. Gesangs und deflamatorische Vorträge gaben dem Programm eine reiche Abwechselung. Vom stürmischen Beifall begrüßt hielt hier Genosse Liebknecht einen oft von lebhaftem Beifall unters brochenen Vortrag. Alfeitig wurde den lebenden Bildern, dem finnreichen„ Maiengruß“ und dem herrlichen Frühling" große Anerkennung gespendet. Die Genossen des zweiten Berliner Reichstags Wahltreifes hatten die Unionsbrauerei als Festlokal erwählt, woselbst sich eine nach tausenden zählende Menge versammelt hatte. Die Gesangsaufführungen sowie die Leistungen der Musikkapelle fanden den lebhaftesten Beifall der Fest- theilnehmer. Die Festrede hielt Genosse Dr. A r o n s. Die Polizei hatte es für gut befunden, das Lokal während der Festversammlung abzusperren, so daß ein großer Theil der Anwesenden keinen Einlaß in de» Saal fanden. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie, in das die Anwesenden begeistert einstimmten, schloß der Redner seinen Vortrag, dem brausender Beifall gezollt wurde, worauf die Versammelten stehend den ersten Vers der Marseillaise sangen. Der anschließende Festball, der in beiden Sälen abgehalten wurde, hielt die zahlreichen Theilnehmer noch bis zur frühen Morgenstunde beieinander. Die Parteigenossen des 3. Wahlkreise? feierten ihr Maifest in der„Neuen Welt". Der Zudrang war bereits nachmittags ein außerordentlich starker. Konzert, Vorträge und Gesangspiecen wechselten in bunter Reihenfolge. Gegen 9 Uhr hielt Genosse Vogtherr im großen Saale seinen mit reichem Bei- fall aufgenommenen Festvorlrag über die Bedeutung des Tages. Im Anschluß hieran gelangten auf der Soinmerbühne zwei treffliche lebende Bilder zur Aufführung,„Die Stützen der Gesell- fchast" und den„1. Mai" darstellend. Die erläuternde Deklamation sprach Genosse Winkler. Den Abschluß des Programms bildete ein Feuerwerk. Die Parteigenossen de? 4. Wahlkreises hatten der Anzahl der sozialdemokratischen Wähler und dem Umfang des Kreises entsprechend, 4 der größten Lokale für sich in Anspruch genommen. Zahlreich hatten sich überall die Sänger zur Vcr- fügung gestellt. Die Aufführungen der lebenden Bilder waren gleichfalls dazu angelhan, das Fest zu einem würdigen zu ge- stalten. Der Besuch war in allen Lokalen ein außerordentlich guter. In der Brauerei Friedrichshain hatten sich bereits nach- mittags Tausende eingesuuden. die den herrlichen Garten be- völkerten und bei Musik und Gesangsvorträge sich dem Genüsse des Festes Hingaben. Ungefähr 4000 Personen füllten den Saal bis zum letzte» Platz, als Genosse P. Singer unter lebhaftem Beifall die Bedeutung des Tages erläuterte und das Verhalte» der bürgerlichen Parteien zu den Arbeiterschutzgesetzen in treffender Weis« kennzeichnete. Im E l y s i u m. Landsberger Allee, sah sich die Polizei veranlaßt, den Saal während der Festrede wegen Uebersüllung abzusperren, sodaß ein großer Theil der Festtheilnehmer keinen Einlaß fand. Von Zustimmungsbezeugungen häufig unter- brachen, schilderte Frau Kl. Z e t k i n in geschickter Weise die wirthschaftliche und politische Lage der Arbeiterklasse. Sturmi- scher langanhaltender Beifall lohnten den lehrreichen Vortrag. Bei Keller, Koppen st raße, nahmen ca. 2000 Per- sonen theil, die mit gespannter Aufmerksamkeit den Ausführungen des Genossen P. Singer folgten und begeistert in das Hoch auf die Sozialdemokratie einstimmte. Ungelheilte Anerkennung wurde allseitig dem Gesangverein„Typographia" und den Mitgliedern des Turnvereins„Fichte". die vorzügliches leisteten, gezollt. Das Konzerthaus Sanssouci hatte sich ebenfalls eines sehr zahlreichen Besuches zu erfreuen. Hier hielt Genosse Dr. A. Bernstein eine wirkungsvolle Festrede. Die Genossen des sünsten Wahlkreises waren über 2000 an der Zahl wie alljährlich im Schweizergarten versammelt. Besonderes Lob verdienen die vom Genossen Türk dirigirten Vorstellungen. Der Gesangverein Freie Liedertafel erfreute die Genossen durch mehrere sehr schön vorgetragene Freiheitsgesänge. Genosse Peus aus Dessau hielt im Garten noch eine ca. stündige Festrede, die am Schtuß von den zahlreiche» Zuhörern stürmisch applaudirl wurde. Die Parteigenossen deS sechsten Wahlkreises hatten für ihre Maifeier sechs der größten Garten- lokale gewählt, die alle gut besucht waren. Die Feier begann in allen sechs Lokalen nachmittags um 4 Uhr mit musikalischen und gesanglichen Vorträgen; unter den Besuchern waren in den Nachmitlagsstunden die Frauen und Kmder vorherrschend, denen sich erst am Abend diejenigen Männer. welche mit Rücksicht auf ihre wirthschaftlichen Verhältnisse die Arbeitsruhe nicht hatten durchführen können, zu- gesellten. Mit Festrede und lebenden Bildern, die aus die Bedeutung des Tages hinwiesen, schloß der ernste Theil der Feier, während die Jugend noch einige Stunden am Tanz sich belustigte. Für Moabit war die Kronenbrauerei als Festlokal ausersehen, das von etwa 3000 Theiloehmern besucht war. Genosse Liebknecht hielt hier unter stürmischem Beifall die Festrede. Die Genoffen des Wedding waren in der Norddeutschen Brauerei in einer Anzahl von etwa 4000 Personen versammelt, während im Feldschlößchen, wo Beutler die Festrede hielt, zirka S000 Theilnehmer anwesend fein mochten. Hier führte der Turnverein „Fichte" sowie 5 Gesangvereine recht anerkennenswerthe Leistungen vor. In Weimann's Volksgarten hatten sich die Ge- Nossen vom Gesundbrunnen zusammengefunden. Der Andrang war daselbst ein ungemein starker. Etwa 10 000 Personen nahmen an der Feier theil. Festredner war Genosse Ad. Hoffmann. Für die Schönhauser Vorstadt waren Puhln, ann's Vau de- ville-Theater und der gegenüber liegend« Berliner P r a t e r ausersehen. In beiden Lokalen hielt Genosse Borgmann die Festrede. Die Zahl der Theilnehmer betrug 3—9000. Die polnischen Genossen veranstalteten am Bor- mittag einen Ausflug nach Wilmersdorf, an dem sich IS0 Genossen mit ihren Familien betheiliglen. Am Abend fand im Lokal von Pasch, Alte Jakobstraße, eine Versammlung statt, in der Genosse Berfus in einem mit Beifall aufgenommenen Vor- trag über die Bedeutung des Tages sprach. Trotz überaus eifriger Agitation war es den Anarchisten doch nur gelungen, zirka 250 Personen nach dein Cohn'schen groben Saale zusammenzutrommeln. Nachdem der Anarchist Petersen den anarchistischen Standpunkt, wie er schon in dem verlheilten Flugblatt zum Ausdruck gelangt war, vertreten hatte, entspann sich eine ziemlich lebhafte Diskussion. Herr und Frau Köhn sprachen entschieden gegen den Referenten, obwohl sie sich selbst als Anarchisten bekannten. Die Unruhe, die sich hier schon bemerkbar gemacht hatte, steigert« sich»och. als ein anwesender Sozialdemokrat den sozialdemokratischen Standpunkt vertrat. Herr Landauer hatte kaum noch Gelegenheit. seinem Phrasenschwall Luft zu machen und wurde die Versammlung dann schleunigst geschlossen. Während der Ver- sammlung wurde«in Anarchist wegen verbotenen Kollektirens von der Polizei verhaftet. Aus den Vororten liegen uns bis jetzt folgende Nach- richten vor: In Schöneberg fand am Abend eine sehr gut besuchte Versammlung statt, wo Genosse Zubeil eine beifällig auf- genommene Festrede hielt. Die Theilnehmer, unter ihnen auch sehr viele Frauen, saßen in gemüthlicher Unterhaltung noch lange beisammen. In Charlottenburg fanden zwei Versammlungen statt, die beide sehr zahlreich besucht waren. Einige Gewerkschaften hatten sich schon am Morgen in ihren Versammlungslokalen zu- sammengefunden und sich gemeinschaftlich nach dem Festlokal be- geben. Das Referat hielt Genosse Zubeil. Eine Maifeier mit Hindernissen haben die Wilmersdorfer Genossen gehabt. Um halb acht Uhr abends begaben sich die Festgenossen in den Saal des Seeschlößchcns, in dessen Räumen das Fest stattfand, um die angekündigte Festrede des Genossen Bebel anzuhören. Vorsichts- halber entfernte man die Kinder aus dem Saal. Als aber der zum Vorsitzenden gewählte Genosse Reuter Bebel das Wort geben wollte, erklärte der überwachende Gendarm, die Versammlung dürfe nicht eher stattfinden, bis die Frauen entfernt seien. Der Vorsitzende und Bebel protestirten energisch, die Versammlung sei als Volksversammlung angemeldet und zu dieser hätten die Frauen Zutritt, das gestellte Verlangen stehe im Widerspruch mit dem Gesetz. Der Gendarm blieb bei seiner Erklärung und drohte anderen Falles aufzulösen. AlS der Versammlung dies mitgethesit wurde, erhob sich ein Sturm der Entrüstung, namentlich unter den Frauen. Bebel ließ abstimmen, ob die Versammlung ohne die Frauen stattfinden solle oder gar nicht. Eine kleine Mehrheit erklärte sich zweimal für die Abhaltung. Aber ein Theil der Frauen weigert sich, den Saal zu verlassen, darauf machte Bebel den Vorschlag, unter solchen Verhältnissen keine Versammlung abzuhalten� dagegen wolle er, sobald die einzureichende Beschwerde erledigt fei, in einer neuen Versammlung in Wilmersdorf sprechen. Dies fand jubelnde Zustimmung; man brachte stürmische Hochs auf die internationale Arbeiter- bewegung aus und stimmte die Arbeiter-Marseillaise an. Nachdem sich die Wogen der Aufregung gelegt, begann ein fröhlicher Tanz, an dem sich Alt und Jung lebhaft betheiligten. In Steglitz sprach Gen. Bruno P ö.r s chjin überfülltem Lokale vor zirka 400—500 Anwesenden in zündender Rede über die Bedeutung des 1. Mai. Die bekannte Resolution wurde einstimmig angenommen und stimmte die Versammlung begeistert in ein Hoch auf den Achtstundentag ein. In Groß-Lichterfelde hatten die Parteigenossen in Ermangelung eines Saales sich in dem einzigen Lokal zusammen- gefunden, das ihnen zur Verfügung steht. Die meisten Genossen hallen es erreicht, von Mittag an Arbeilsruhe eintreten zu lassen. Die eigentliche Feier am Abend verlies in bester Weise. JnNowawes fand am Morgen 9 Uhr eine Versammlung statt, an der sich 150 Personen bethelligten. Gen. Lange hielt den Vortrag über die Bedeulung des Tages. An dem Kommers des Abends nahmen gegen 500 Personen theil. In Ripdorf halten sich zur Versammlung am Morgen 800 Personen eingefunden. Den V orttag über die Bedeutung des 1. Mai hatte Genosse Türk übernommen. Des Nachmittags hatte der Verein„Vorwärts" in den„Viktoria-Sälen" eine Fest- lichkeit arrangirt, an der sich mit den eingeführten Gästen 12—1500 Personen betheiligten. Die Glasarbeiter Stralaus hatten sich über 200 an der Zahl in der Versammlung vormittags in Strohmeyer's Lokal, Markgrafen-Damm, eingefunden und hörten mit Be- geisterung den Vortrag des Kollegen B u ck über die Bedeutung des 1. Mai an. Die von der Gewerkschaftskommifsio» empfohlene Resolution wurde einstimmig angenommen. Nach Schluß der Versammlung wurde von sämmtlichen Anwesenden die Marseillaise gesungen. Die öffentliche Volksversammlung für Stralau- R u in m e l s b u r g am Abend des 1. Mai war von zirka 800 Personen besucht. Nach einem der Bedeutung des Tages ent- sprechenden, durch starken Beifall öfter unterbrochenen Referate des Genossen Millarg-Berlin nahm die Versammlung die Berliner Resolution einstimmig an. Eine große Anzahl Frauen nahm an der Demonstration theil. In Adlershof belheiligten sich an der Vormittags- Versammlung 100 Personen, die den Tag durch Arbeitsruhe feierten. Am Abend waren in W ö l l st e i n's Lokal gegen 800 Personen versammelt. An das Referat des Gen. P ö tz s ch- Berlin schloß sich eine gemüthliche Abendunterhaltung an, die leider um II Uhr zu Ende sein mußte. Den guten Adlershofern hatte schon am frühesten Morgen eine lange rothe Fahne, welche stolz von dem Telephondrahte herabwallte, die Bedeutung des Tages angekündigt. Nach einigen vergeblichen Versuchen dortiger Ein- wohner mußten Telephonarbeiter dieses anstößige Symbol einer besseren Zukunft entiernen. Ob auch diese Fahne, wie die im Herbst v. I. auf einem Eichbaum„gefundene" für den Verlierer von dem Amtsvorsteher H. v. Oppen aufbewahrt wird, ist zur Zeit noch nicht bekannt. Friedrichshagen. Zahlreich waren auch die hiesigen Genossinnen und Genossen in dem mit unfern Farben und Emblemen festlich geschmückten großen Saal des„Eiskellers" abends zur Maifeier erschienen. Genosse Sonnenburg gelang es mit kernigen, von Herzen kommenden und zum Herzen dringenden Worten ein klares Bild von der Bedeutung der Maifeier für das Proletariat der ganzen Erde zu geben, die Forderungen der internationalen Sozialdemokratie zu beleuchten und die Hoffnungen der Genossen zu erwecken. Reicher Bei- fall belohnte den Festredner. Bon einer Diskussion wurde abgesehen, dagegen eine Resolution einstimmig ange- nommen, durch welche sich die Versammelten mit den bekannten internationalen Klassenfordernngen einverstanden erklärten und für die Verwirklichung derselben einzulreten sich verpflichteten.— Der Arbeiter-Gesangverein„Maiengruß" erfreute die Anwesenden durch Singen unserer schönen sozialistischen Lieder, und einzelne Genossinnen und Genossen trugen einige ergreifende Gedichte vor. Die Feier verlief in würdiger Weise und bester Stimmung. Die Genossen von Friedrichsberg und Umgegend versammelten sich mit Frauen und Kindern in Müller's Kronprinzen- Garten. wo die Genossin Frau Mesch in zündenden Worten über die Bedeutung des Tages referirte. Zum Schluß der Versammlung wurde die bekannte Resolution einstimmig angenommen. Unter Konzert und Gesangsvorträgen vergnügten sich die Anwesenden bis nach Mitternacht. In Friedrichsfelde, wo den Genossen nur ein kleines Lokal zur Verfügung steht, hatten sich am Morgen zur Ver- sammlung 70 Personen eingesunden. Die meisten Parteigenossen desuchten am Nachmittag die Berliner Festlichkeilen. In Weißensee hielten die Parteigenossen am Abend eine Festversammlung ab, die von ca. 1200 Personen besucht war. Männer, Frauen und Kinder füllten dicht gedrängt den weiten Saal. Genosse Fritz H a n s e n» Berlin hielt die Fest- rede. In großen Zügen gab der Redner ein Bild von der be- sonderen Bedeutung der Maifeier in diesem Jahre. Nach dem Vortrage blieben die Festtheilnehmer bis zum Eintritt der Polizeistunde(12 Uhr) bei Gesang und deklamatorischen Vorträgen zu- sammen.— Die Vormittagsversammlung, in der Genosse AronS referirte, war von über 300 Personen besucht. Aus dem Reiche liegen uns über den Verlauf der Maifeier bis jetzt folgende Nachrichten vor; Provinz Brandenburg. In Rathenow hatten sich die Genossen nachmittags zu einem Aussluge in die schönen, der Stadt benachbarten Waldungen vereint. Etwa 250 Personen, darunter viele Frauen, nahmen an dieser frohsinnigen Wanderung theil. Abends fand im Grünefeld'schen Saale eine von 500 bis 800 Personen besuchte Versammlung statt, wieder unter Theilnahme vieler Frauen. Nach einem Referate des Genossen Ledebour über Geschichte und Bedeutung der Maifeier wurde die vom bestem Geiste beseelte Versammlung durch eine Reihe von Gesangs- vortrügen des Gesangvereins„Vorwärts" würdig beschlossen.— Velten. Vormittags Ausflug von 40 Personen, abends Ver- sammlung, von 400 Personen besucht. Das Referat hielt Dr. Pinn aus Berlin. Die Resolution der Berliner Gewerkschafts- Kommission wurde einstimmig angenommen. Die ganze Feier verlief vortrefflich.— Potsdam. Die Versammlung, von 5— 600 Personen, darunter vielen Frauen, besucht, füllte den Saal bis aus den letzten Platz. S a s s« n b a ch referirte unter lebhaftem Beifall. Eine entsprechende Resolution wurde einstimmig angenommen. Nach der Versammlung war Kommers, wobei der Gesangverein Schnee- glöckchen und der Arbeiter-Turnverein mit Erfolg sich produ- zitten.— In Forst war die Maifeier im Feldschlößchen von gegen 4000 Personen besucht; hunderte mußten wegen Play- mangels umkehren. Festredner war Jahn aus Berlin. Auch hier zeigte es sich, daß der Gedanke der Maiseier von Jahr zu Jahr immer tiefere Wurzeln schlägt. Die Tischler insgesamml und eine Anzahl anderer Arbeiter halten die Arbeit ruhen lassen.— Neu-Ruppin. Di« Versammlung war von zirka 200 Personen besucht, da? Lokal überfüllt. In seinem Referat betonte Wagner aus Berlin die Nothwendigkeit der selbständigen Be- theiligung der Arbeiterschaft an der bevorstehenden Reichstags- wähl. Die Resolution des Pariser Kongresses wurde einstimmig angenommen. Heute Sonntag ist Nachfeier in Form eines Aus- flugs.— Schwedt a. d. O. Imposante Maifeier. Vormittags Ausflug nach Monplaister und Vierraden, nachmittags mit Fa- milie nach Heinrichslust. Gegen 150 Arbeiter ließen die Arbeit vollständig ruhen.— In L a n d s b e r g a. d. W. konnte, da die Polizei alles andere verboten hatte, der 1. Mai nur durch eine Versammlung gefeiert werden. Das Referat Pätzel's aus Berlin wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Mit einem Hoch auf die Ächlftunden- bewegung schloß der Vorsitzende die Versammlung. Gegen seine Aufforderung, noch zusammen zu bleiben, um ein Glas Bier ge« müthlich zu trinken, legte die Polizei ihr Veto ein. Sie hatte auch die Erhebung eines Entree's inhibirt; dem Kassirer wurde« sogar, trotz wiederholten Protestes, die Teller entrissen.— In Fin st erwalde machten 100 Genossen am Nach- mittag einen Ausflug nach Nehesdorf. Am Abend referirte Naelher aus Berlin in einer gut besuchten Versammlung.— Brandenburg a. H. Zur Feier des 1. Mai wurde von zirka 800 Theilnehmer» eine Morgenvartie mit Musik nach Wilhelmsdorf gemacht und nach eingenommenen Frühstück in den Wald marschirt. Um 12 Uhr mittags wurde der Heimweg angetreten. Abends wurden in vier Lokalen Versammlungen abgehalten, die alle gut besucht waren. Eine Resolution, der Bedeutung des 1. Mai entspreckend, wurde überall einstimmig angenommen. Nach Schluß der Versammlungen hielt die Fibelitas die Theilnehmer noch ein Stündchen beisammen. Alles ist gut verlaufen. Schlesien. Görlitz. Der Konzerthanssaal, wo die Feier stattfand, war vollständig besetzt. Das Referat hatte Keller. Es herrschte große Begeisterung. Eine dem Tage entsprechende Resolution wurde einstimmig angenommen. Heute Sonntag ist Nachfeier.— Bunzlau. Wegen des schlechten Wetters war morgens die Betheiligung am Ausflug schwach, dagegen war abends die Versammlung, wo S ch e b s ans Breslau sprach, gut besucht.— Liegnitz. 130—140 Arbeiter und Arbeiterinnen ließen die Arbeit ruhen und nahmen am Ausflug theil. Die Ver- sammlung am Abend war äußerst stark besucht. Das Referat hatte B r u h n s aus Breslau. Eine dem Referat und dem Tage entsprechende Resolution wurde angenommen. Pommern. Kreis Randow-Greifenhagen. Die Versammlung in Bredow(Referent Körst««) war von 500, die in Grabow(Referent S ch e f f l e r) von 400 und die in Züllchow(Referent Apelt) von 350 Personen be- sucht.— Uecker münde. In einer von 120 Personen besuchten Versammlung referirte Knappe aus Stettin. — Stettin. Die Maifeier ist auf das imposanteste verlaufen. Die Vormittags-Versammlung(Referent Apelt) zählte 800 Theilnehmer. Die Avendversammlung(Referent Herbert), an die sich ein Konzert anschloß, hatte ungefähr 2500— 3000 Personen vereinigt. Die Versammlung stimmte der Resolution der Berliner Gewerkschaslskommission zu. Durch Arbeitsruhe feierten mit wenigen Ausnahmen die Arbeiter der hiesigen Nähmaschinen- Fabrik, zirka 1000. Auch verschiedene Tischlereien und einzelne Bauarbeiter ließen die Arbeit ruhen. Zu erwähnen ist noch, daß an dem Morgenspaziergang in den Wald 500 Genosse» theil- nahmen. Westpreußen. D a n z i g. Die Maifeier ist sehr gut ver- laufen, das kleine einzige Versammlungslokal war vollständig bei der am heurigen Abend statlgeiundenen Versammlung über- füllt. Gegen 1000 Personen mußten umkehren und bewegten sich in den an das Versammlungslokal grenzenden Straßen. Referent war Genosse H e r m a u n, S t o l p e. Lübeck. Die Versammlung am Morgen war von ca. 1000 Personen besucht; am Ausflug am Nachmittaa, der vom schönsten Weiler begünstigt war, nahmen 4—5000 Personen theil. Zwei Musikkapellen spielten auf dem Marsch, 29 Fahnen wurden im Zuge geführt. Alles verlief gut. Leider blieb die Feier nicht ohne unliebsames Nachspiel. Auf der Koch'schen Schiffs- werft sind 650 Arbeiter alker Branchen ausge« sperrt worden, weil sie an der Maifeier theil» genommen haben. Es versteht sich, daß kein klaffen- bewußter Arbeiter auf jener Werst Arbeit suchen wird, wo man einer politischen Marotte zu liebe hunderte von Arbeitern aufs Pflaster setzt. Provinz Sachsen. H a l l e a. S. In der Vormittags- Versammlung war so starker Andrang, daß alle Räume des Lokals Hofjäger, wo nach Sturz des Sozialistengesetzes der erste sozial» demokratische Kongreß tagte, derartig überfüllt waren, daß ganze Züge der Festtheilnehmer keinen Einlaß finden konnten. Die von K u n e r t vorgeschlagene und begründete Berliner Re- solution wurde mit einigen Modifikationen einstimmig angenommen. Begeisterung hochgehend; kein Zwischenfall. Der Abmarsch nach dem Tiezer Garten in Giebichenstein ging quer durch die Stadt. Polizei stellte sich dem schier endlosen Zuge, der sich in zwanglosen Gruppen vorwärts bewegte. nicht entgegen. Jedoch fehlte es nicht an diverse ganz überflüssige „Geheim"-Polizisten. Bemerkenswerth war es, daß die Halle'schen Tischler, die am 1. Mai ihren Lohnkampf eröffnet und als Sieger sofort wieder geschlossen hatten, in nahezu ge- schlossenen Kolonnen marschirlen. In Giebichenstein Konzert, Kinderspiele k. Alles, auch der imposante Zurückmarsch nach der Stadt, verlief in musterhafter Ordnung. Die Volks- Versammlung am Abend, die im„Prinz Karl" abgeballen wurde, war noch bei weitem stärker besucht als die am Morgen, so daß die riesigen Räumlichkeiten des Lokals sich ebenfalls als unzu- länglich erwiesen. Auch hier referirte Genosse K u n e r t. Während er in der ersten Versammlung die großen. idealen Forderungen des Mai-Weltfestes betonte, ver- wies er in der zweiten auf die praktischen Ziele und Errungenschaften des internationalen Arbeiterschutzes. Die Vormittags-Resolution wurde auch hier einstimmig an- genommen. Die Begeisterungswogen des schönen Maitages er- reichten in dieser Versammlung ihren Höhepunkt. Alles verlies gut, und es kann schließlich mit Genugthuung festgestellt werden. daß die Hallesche Bewegung an Breite und Tiefe gewonnen hat. Auch gegnerischersetts wird zugestanden, daß die diesjährige Maiseier des Saalkreises einen glänzendere» Verlauf hatte als irgend eine der früheren Zeit. Greiz. Imposante Maifeier in Greiz, Pohlitz. Hermanns- grün und Schönfeld, lieber 2000 Personen betheiligten sich. Hannover. Harburg a. d. Elbe. Die Vormittags- Versammlung war zum Brechen voll. Das Referat hatte Ei scher aus Hamburg. Viele Hafen» und Bauarbeiter. chneider, Schuhmacher und andere Arbeiter feierten. Aus der größten hiesigen Schiffswerft war Arbeitsruhe gewährt. Im Arbeiterviertel herrschte festliches Leben, viele Häuser tragen Flaggenschmuck. Nachmittags war gemütbliches Beisammensein im Freien bei Spielen und Konzertmnsik. Abends zwei gedrängt volle Versammlungen, über 3000 Personen. Thiel und Kauf- mann referirte». Die Mairesolution wurde einstimmig an- genommen. An die Versammlungen schloffen sich Festlichkeiten. Die ganze Feier verlief ohne jeden Mißton.— In Verden war die Abendoersammlung von 300 Personen besucht. Robert Krüger hielt den Vortrag. Es herrschte große Begeisterung für die Achtstundenbewegung. In Bremen und benachbarten Orten(Vegesack. A ch i n» u. f. w.) wurde ein Maiflugblatt in 35 000 Exemplare» verbreitet. Am Morgen des 1. Mai fand ein Ausflug statt, woran sich gegen 500 Genossen betheiligten. Eine Frühversamm- lung in S ch w a ch h a u f e n, stark besucht, schloß sich an; Re- ferenl W i l h. B e s ch i n g. Die zurücklehrenden Genossen be- wegte» sich demonstrativ durch einen Theil der Stadt. Am Abend große Versammlungen in Bremen? im Kasino sprach ® I o m l e aus Bielefeld vor 1000 Personen, in der Neustädter Tonhalle Dr. Diederich vor 1000 Personeu, in Dreyer's VolkZ- .Zarte» im Vorort Walle Fritz Eberl vor 700 Personen; «n Vorort Woltmershausen referirte H. R 0 h d e vor 200, in Hastedt Otto Kahl von 250. in Vegesack W. Desching vor 700 Personen. Ueberall wurde unter großer Begeisterung eine der Feier entsprechende Resolution angenommen. In der Meyer'schen Schuhfabrik, der Schmidl'schen Lederfabrik und einer Wagenfabrik ruhte die Arbeit vollständig. Zahlreiche Genossen feierten einzeln. Heute finden in Bremen in ven neun größten Lokalen Festlichkeiten statt; in Hastedt ein öffentlicher UMAllg, t Schleswig-Holstein. Die Vormittagsversammlung in Kiel war von 2000 Personen besucht. P f a n n k u ch aus Hamburg referirte. Die Resolution der Berliner Gewerkschaftskommission wurde einstimmig angenommen.— Elmshorn: morgens Theilnehmerzahl 250, nachmiltags 400. abends 1000 Personen. — Flensburg. ISvo Personen ließen die Arbeit ruhen und nahmen am Ausflug theil; die Feier am Abend war von 2000 Personen besucht. Alles ist sehr gut verlausen.— Ottensen. Vor 600 Personen sprach am Morgen Grün- wald aus Hamburg. Die Resolution der Berliner Gewerk- schaftskommissiön wurde einstimmig angenommen; ebenso eine andere, wonach der von Altona aus über die Modr'sche Margarine- sabrik verhängte Boykott unterstützt werden soll. Hamburg. Die Maifeier verlief unter lebhafter Be- theiligung. Die Vormittagsversammlungen sind bedeutend stärker besucht gewesen, als im vorigen Jahre. Die Versammlungen im Wahlkreis waren abends sehr gut besucht, ebenso im zweiten Wahlkreis. Tie Stimmung unter den Genossen war eine vor- zügliche. Das Wetter war schön, aber kalt. Die Genossen des zweiten Hamburger Wablkmses versammelten sich morgens um 8 Uhr auf dem Holstenplatz in der Stadt und marschirten, 2000 Mann stark, in geschlossenem Zug mit Musik und Fahnen (rothe Parteifahne und Fahne des Buchdruckervereins, der Zigarren- sortirer, der Lederarbeiter) nach Gevecke(Hoheluft). Durch Eintreffen von Fabrikpersonalen, die ebenfalls geschlossen anmarschirten, steigerte sich die ZahlderTheilnehmer an der Vormittagsfeier aufrund 3000. Die Festrede hielt Weinheber. Die Arbeitsruhe war ungleich gröber als im vorigen Jahre; verschiedene Gewerk- schaften hatten separate Feier» veranstaltet, die ebenfalls sehr stark besucht waren.— Vorort Barmbek: Versammlung morgens von 300— 600, die Versammlung am Abend von 5000 Personen besucht. Alles ist in bester Ordnung verlaufen.— In der Versammlung für den Distrikt Uhlenhorst waren ca. 1000 Personen anwesend. Mehr faßte der Saal nicht. Hunderte mußten, ohne Einlaß zu finden, wieder umkehren. Alles ist in würdiger, begeisterter, dem Ernst des Tages enl- sprechender Weise verlaufen. Oldenburg. In Delmenhorst war die Versammlung am Abend von 500 Personen besucht; an die Versammlung schloß sich ein gemüthliches Beisammensein. Die Hauptseier wird heute abgehalten. Rheinland. Zur Einleitung der Maifeier wurde in ganz Rheinland ein vom Rheinischen Agitalionskomitee heraus- gegebenes Flugblatt in einer Auflage von 250 000 Exem- plaren verbreitet.— In Elberfeld sowohl wie' in Barmen wurde der beabsichtigte Zug zum Festlokal polizeilicherseits verboten. Die drei Versammlungen in Elberfeld waren überfüllt und nahmen einen großartigen Verlauf. Die drei Versaminlungen in Barmen waren eben- falls gut besucht. In Mülheim am Rhein war die Bctheili- gung äußerst zahlreich und es herrschte große Begeisterung. Aus Solingen wird uns telegraphirt, daß dort und in Ohligs, Wald, Gräfrath und Leichlingen die Arbeitsruhe stärker als früher war; hier wurden nachmittags Ausflüge unter- nommen und abends fanden Versammlungen statt.— In Köln war die Vormiltagsversammlung doppelt so stark besucht als im vorigen Jahre. Der Versammlung am Abend wohnten 1000 Per- sonen bei. Die Begeisterung war lebhast und alles ist gut ver- laufen. Ueberwältigend war der Besuch der Festversammlung in Aachen, wo G r i m p e aus Elberfeld das Referat hatte: hier wurde die Versammlung wegen Ueberfüllung des Lokals aufgelö st. Die Meiscier wird heute, Sonntag, fortgefetzt. Westfalen. Dortmund. Der Ausflug morgens— nach Hombruch— hatte 350 Theilnehmer; die Festversammlung um 11 Uhr in dieser Kolonie war überfüllt. Ten Vortrag hielt Lehmann. Im Zuge wurde nach Dortmund zurückmarschirt, wo abends 4 Versammlungen stattfanden— leider in kleineren Lokalen, da die uns zur Verfügung stehenden Säle schon lange vorher besetzt waren. Bericht über den Verlauf der Versamm» lungen folgt noch.— Bielefeld. An der Maifeier nahmen 8000 Personen theil. Die Festrede wurde aus unbekannten Gründen verboten. Thüringen. Alten bürg. Die Volksversammlung am Morgen, wo M o h s aus Leipzig sprach, war über Erwarten zahlreich, von 600 Personen, darunter vielen Arbeiterinnen besucht. Das Hauptkontingent der Feiernden stellten die Hut- mamer. Nachdem der Referent �/e Stunde gesprochen und der Vorsitzende V o g e n i tz dem Verlangen des Ueberwachenden (Beckert, Chemnitzer Angedenkens), den Referenten gelegentlich seiner Ausiührungen über das Wahlrecht auf die Tagesordnung zu verweisen, nicht stattgegeben hatte, wurde die Versammlung aufgelöst. Nachmittags fanden Ausflüge in die Umgebung statt. Das abendliche Konzert, unter Mitwirkung des Arbeiter-Sänger- bundes, war von 1500 Personen besucht. Viele konnten wegen Mangels an Platz nicht in den Saal. Vier Man» Polizei nahmen theil, wobei Beckert ganz polizeilich anstrat. Eine Acht- stunden-Fabne, die ein Arbeiter herausgehängt hatte, würbe konfiszirl. In dem Konzert am Abend erschien auch Geh. Justiz- ralh Dölitzsch, ein alter 48er. Königreich Sachsen. Leipzig. An der Vormittagsfeier in Stötteritz nahmen gegen 10 000 Personen theil. Der Verlauf der Feier war imposant. In 14 Fabriken traten 300 Tischler in den Streik, weil ihnen die Freigabe des I. Mai verweigert worden war. Durch den Ausstand ist der Fabrikantenring ge- sprengt.— Pirna. Beim Ausflug früh 300. beim Konimers abends 1500 Theilnehmer. Glänzender Verlauf der Feier. — Zwickau. Aormiltags-Versammlung mit Fräßdorf (Dresden) als Referenten gut besucht, nachmittags freie Zusammen- lunft mehrerer hundert Geuossen, abends Konzert bei Anwesenheit von 800 Personen. Alles gut verlaufen.— Crimmitschau. Zwei Versammlungen, von 600 und 1000 Personen besucht. Referenten Seifert aus Zwickau und W i l h. Stolle aus Gesau. Resolutionen einstimmig angenommen.— Dresden wies eine Riesendemonftralio» auf. 5700 Genossen und Genossinneu nach niedrigster Schätzung waren in den Vormittagsversammlungen anwesend, überall eine freudige, gehobene Stimmung, die aus Haltung und Miene aller Versammlungsbesucher sprach— das war das Bild vom Vormittag. Weit höher stieg die Zahl der Demonstranten, je näher der Mittag ruckte. Viele Genossen hatten nicht zu den Versammlungen eilen können,— sie würden auch in den überfüllten Sälen keinen Play gesunden haben. Nun traten auch sie auf den Plan. Das war ein einziges fortgesetztes Fluthen nach Park Reisewitz, dem Ort, der den Treffpunkt der Genossen am Nach- mittag bilden sollte. Von allen Seiten strömte die Masse heran. Zu überwältigender Größe erwuchs die Demonstration am Abend. 6 Versammlungen wurden abgehalten. Ueberall war der Zudrang ein ganz außerordentlich starker; dicht gedrängt standen ost die Besucher. Wie am Vormittag, so gedachten auch am Abend fämmtliche Redner nicht nur der Forderung des Acht- stundentages, sondern vor allem auch der Vernichtung des Land- tagswahlrechls. Brausender Zuruf und Beifall erklang und donnerndes Echo fand der Ruf: Fort mit dem Klassengesetz i Hoch das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht! Hesse«. Die Maifeier in D a r m st a d t wurde unter sehr lebhafter Betheiligung in den großen Räumen des Schützenhauses abgehalten und verlief glänzend. Bayer». Würzdur g. Unter brausendem Beifall sprach Fülle über die Maifeier und den Arbeiterschutz. Es wurde eine Resolution angenommen, worin die Sozialdemokraten Würz- burgs den Arbeitern aller Länder ihren brüderlichen Gruß ent- bieten.— München. Sämmtliche acht Versammlungen demonstrativ zahlreich besucht. Großartiger Verlauf. Württemberg. Die diesjährige Maifeier zeichnete sich den früheren gegenüber dadurch vortheilhaft aus, das im allgemeinen die totale Ardeitsruhe in größerem Maßstabe durchgeführt und die meisten Feiern am I.Mai selbst abgehalten wurden. Ueberall da, wo organisirte Arbeiter sich befanden, sind Fest- lichkeiten veranstaltet worden. In Stuttgart fand vormittags eine große Versammlung statt. Landtags-Ab- geordneter Kloß referirte, und Tausende erhoben sich von ihren Plätzen als Zustimmung zur eingereichten Resolution. Mittags wurde der soeben aus der Kerkerhast zurückgekehrte Genosse Redakteur T a u f ch e r vom Hauptbahnhof abgeholt. Bei Eintreffen des Zuges erschollen aus Hunderten von Kehlen Hochrufe und in langem Zuge ging es dann in die Wohnung des Befreiten, wo der Gesangverein Lassallia ihn mit einem Ständchen empfing, während draußen die hundertstimmigen Hochrufe die Luft durchbrausten. Nachmittags war gemein- schaftlicher Ausflug und Abends fand die Hauptfeier im Zirkus- gebäude statt, wo T a u s ch e r die Festrede hielt.— In K a n n st a d t hielt Landtags-Abgeordneter Kloß abends die estrede.— In Degerloch vormittags Versammlung, abends est. Feuerbach, Gaisburg, Ulm. Göppingen, (nachmitttags grobe Volksversammlung, Referent Agster- Stuttgart; abends Hauptseier), Herdenheim(morgens 5 Uhr, Früdständchen des Gesangvereins vom Schloß- berg herao über die Stadt, vormittags Versammlung und abends Hauptfeier mit Festspiel), Heilbronn(gemein- schafllicher Abmarsch der Gewerkschaften vom Gewerkschaftsholel aus in das Festlokal), Tuttlingen, Backnang, Zuffenhausen, Möhringen u. a. O. wurde der I.Mai gefeiert. In verschiedenen Orten wird besonderer Verhältnisse wegen der Gedenktag erst an> Sonnabend und Sonntag begangen. Die Feier verlief überall sehr würdig und eindrucksvoll. Bade«. In Mannheim nahmen am Ausflug nachmit- tags nach dem Seckenheimer Schloß 400 Personen, in der Fest- Versammlung abends im Rheinpark 2500 Personen theil.— Freiburg i. B. Unter großer Begeisterung ging die Feier hier vor sich. Die Zahl der Theilnehmer betrug 300. Die Arbeits- ruhe war größer als im vorigen Jahre. Festredner war E ck- stein aus Zwickau i. S. *** Ueber die Maifeier in Oesterreich liegt unS folgende Privatdepesche vor: Die Maifeier war in ganz Oesterreich umfangreicher, groß- artiger als je. In Wien war die Betheiligung massenhafter, aber weniger erregt als im Vorjahr. Der Zug in den Prater ging in gewohnter Ordnung vor sich. Dort fand ein peinlicher Zwischenfall statt. Um das boykottirte Lokal von Swoboda zu räumen, drangen Arbeiter ein. Die Wirthin provozirte durch höhnende Reden die Menge, die draußen sich sammelte und meist nicht aus Genossen, sondern aus dem gewöhnlichen Praterpublikum bestand. Diese begannen Steine gegen die Fenster zu werfen. Die Polizei schritt mit blanker Waffe ein und wurde mit Steinen und Biergläsern beworfen. Nachdem viele Säbelhiebe ausgetheilt, viele Personen niedergeritten worden waren, versuchten Pernerstorfer, Adler und Schuhmeier vergebens die Polizei zu beruhigen, aber es gelang ihnen, einen große» Theil der Menge wegzuführen. Als nun aber Polizeiverstärkung eintraf, obgleich das schlimmste vorbei war und daS aufgebotene Militär, Uhlanen und bosnische Infanterie keinen Anlaß halten einzugreifen, begann die Polizei rücksichtslos einzuhauen und die Lokale von ganz unbetheiliglen Personen gewaltsam zu räumen. Die Polizei meldet 27 Berwundungen, darunter von 16 Po- lizisten, und 50 Verhaftungen. In Wirklichkeit ist die Zahl der Verwundungen weit zahlreicher. Der Zwischenfall ist politisch bedeutungslos und wurde durch das Eingreifen der übereifrigen Polizei aufgebauscht. Er umfaßte thalsächlich nicht einnml den zwanzigsten Theil des Festplatzes. Der Abmarsch am Abend und die Rückkehr in die Stadt verliefen in vollster Ruhe. Die Abendblätter vom 1. Mai und die Morgenblätter vom 2. Mai erschienen nicht wegen der vollständigen Arbeitsruhe der Schriftsetzer und Buchdrucker. 43 Versammlungen, 25 politische und 24 gewerkschaftliche, die sich eines ausgezeichneten Besuches erfreuten, fanden am Vormittage statt. In Ungarn verbot die Regierung alle Veranstaltungen zur Maifeier. Berichte aus Ungarn liegen noch nicht vor, blos aus Preßburg wird unterm 30. v. M. gemeldet: Da seitens der Behörden die Maifeier verboten wurde, beschlossen die Arbeiter, morgen Mittag nach der österreichischen Landes- grenze zu marschiren und eine große Versammlung abzuhalten. Die Maifeier in der Schweiz war stärker und eindrucks- voller als in den Vorjahren, wenn auch das Wetter außer- ordentlich ungünstig war. Es regnete den ganzen Tag. In fast allen Versammlungen wurde einstimmig die folgende Resolution angeiiommen: Die heutige Versammlung erklärt aus Anlaß des Arbeiter- Weltfeiertages: 1. Wir hallen unverbrüchlich fest an unserem Begehren»ach Einführung des gesetzlichen Slchtstunden- tages. 2. Wir verlangen die sofortige Revision des Fabrikgesetzes, das namentlich nach folgenden Richtungen hin verbessert werden soll:») Herabsetzung der Arbeits- zeit im Sinne der Forderung des Achtstundentages. Bis zur allgemeinen Durchführung desselben verlangen wir unter allen Umständen, daß der elfstündige Maximalarbeitstag überall aus zehn Stunden herabgesetzt werde, b) Ausdehnung des Ge- setzes auf alle Betriebe. 3. Wir sprechen den dringenden Wunsch ans, daß die Kranken- und Unfallversicherung so rasch wie möglich ein- und durchgeführt werbe unter Berücksichtigung der Postulate, welche die Arbeiterschaft seit Jahren vertritt und wie sie neuerdings von unserer Seite am 6. April dieses Jahres auf dem schweizerischen Brbeitertag in Winterthur näher formulirt worden sind? Wir sind berechtigt, zu verlangen: n) Daß das im Fabrikhaftpflichtgesetz Art. 6 aufgestellte Maximum entweder ganz beseitigt oder wesentlich erhöht und die aufgestellte Veijährungsfrist auf zwei Jahre verlängert werde, b) Daß dem Haflpflichtgefetz unbedingt alle Gewerbe, in denen mit Dampf, Wasser, Gas, Petroleum, Elektrizität oder anderen Motoren be- lriebene Maschinen zur Verwendung kommen, ohne Rücksicht auf die Arbeiterzahl, serner alle Bangewerbe, sowie alle Straßen- und Forstarbeitcn, im Dienste von Kan- tone», Gemeinden und Korporationen unterstellt werden. In Zürich sprachen am Vormittag Lang und ein italienischer Genosse, am Nachmittag Seidel, der am Abend noch bei den sozialistischen Abstinenten eine» besonderen Vortrag hielt. Im Kasino Außersihl führte am Abend der dramatische Klub des deutschen Vereins„Eintracht" Hauptmany's„W eber" auf.— In Winterthur wurden die beiden großen Maschinen- sabriken mit 3600 Arbeiten: zu Mittag gesperrt, da die große Mehrheit derselbe» sich unterschristlich für Ardeitsruhe er- klärte. Am Demonstrationszuge durch die Stadt, der von zwei Musikkapellen begleitet war, betheiligten sich 2000 Per- sonen. Die Festhalle, wo die Versammlung stattfand, war voll besetzt und wurde die Festrede des Genossen A l b i s s e r mit Be- geisterung aufgenomme». Die Resolution fand einstimmige Annahme. — In S t. G a l l e n redete» Greulich und Decurlius, in Chur Pfarrer Pfluger, in Aarau Fürholz.— Tie Tessiner Re- g i e r u n g hat auf den 1. Mai in der S t a a t s d r n ck e r e i den N e u n st u n d e n t a g eingeführt, was ein Bravo! verdient. Aus Jtalie« liegt die Meldung vor, daß m ven meisten Orten, so in Rom und Mailand keine Zeitungen erschienen. weil die Buchdrucker strenge Arbeitsruhe beachteten. Auch sonst wurde vielfach nicht gearbeitet, so in Turin die Baumwollen- arbeiter. Nach allen Berichten ist die Maiseier viel glänzender verlaufen als irgend je vorher. Aus Belgien wird gemeldet, daß in Brüssel der Demon- strationszug nach vielen Tausenden zählte; in Le Chatelet, wo viele Tausende feierten, kam es zu Konflikten mit der Polizei. Im ganzen Lande wurde der Weltseiertag der Arbeit festlich be- gangen.» Aus B e l g r a d(Serbien) wird uns telegraphirt:„Die Arbeiter Serbiens feiern den 1. Mai und senden den deutschen Klassengenossen brüderlichen Händedruck und die Ver- sicherung der Solidarität. Es lebe der 1. Mar! Hoch die inter- nationale Sozialdemokratie!" Aus Bulgarien telegraphiren uns die Genossen von Sofia: „Die manisesmenden Arbeiter Sofias senden der gesammten Arbeiterschaft aller Länder ihren brüderlichen Gruß. Hoch lebe die internationale Solidarität." NolikisiHe Aebevfltszk. Berlin, 2. Mai,. Der Reichstag erledigte am Frei tag die zweite Be- rathung des Börsengesetzes, das mit dem Verbot des Getreide- Terminhandels angenommen wurde. Da Zentrum und Nationalliberale lieber einmüthig den Agrariern nachgaben, als sich abermals spalten und die agrarische Opposition in ihren eigenen Lagern nähren wollten, so war die Mehrheit für das Verbot sehr bedeutend. Am Sonnab end bildete den ersten Gegenstand die Interpellation betr. die Konvertirung der Reichsanleihen. Der Regierungsvertreter, Gras Posadowsky, äußerte Bedenken, den Zinsfuß auf 3 pCt. herabzusetzen, da die Einzelstaaten vorangehen müßten und das Reich erst seit einem Jahre Geld zu 3 pCt. erhalte. In der Besprechung platzten die verschiedenen bürgerlichen Interessengruppen auseinander. Mehrere konservative Redner erklärten: Die Konvertirung soll der Landwirthschaft zu einer billigeren Produktion verhelfen. Der Zcntrumsmann RiNtelen aber erwiderte und der Antisemit Gräfe wieder- holte nachher: Die Konvertirung würde die Renten der Wittwen-, der Waisen-, der katholischen Stiftungen, der Hundertmark-Kapitalisten verkürzen und die Lebensversichc- rungen schädigen; außerdem würden für die Herabsetzung der Kapitalsrente jedenfalls dieSozialdemokraten stimmen und das müsse die Konservativen warnen. Er veranlagte damit Bebel zu einer sehr instruktiven Darlegung. Dieser zeigte, daß die Sozialdemokratie gegenwärtig nur das uothwendige Sinken des Zinsfußes durch Ueberflüssigwerden von Kapital, durch die Verminderung des Geldbed arfs infolge des Wechsel- und Checkverkehrs u. s. w. konstatiren kann und fragte, wo- durch denn die Kapitalisten ein Recht auf einen bestimmten Zinsfuß hätten, wieviele Wittwen ferner Renten bezögen und einer wieviel größeren Zahl das Reich seine indirekten Steuern auferlege. Das Interesse der Arbeiterklasse heische das Eintreten für die Konversion. Bebel's Rede fand links lebhaften Beifall. Für die Konversion sprach auch Barth: Der Staat mache mit dem Unterlassen der Konversion den Staatsgläubigern ein Geschenk. Nachdem noch Dr. Schädler seinen Frattionsgenossen Rintelen treffend widerlegt, Freiherr v. Langen(Antisemit) schon Gesagtes wiederholt und Galler namens der deutschen Volkspartei im Interesse der Steuer- zahler die Konversion befürwortet hatte, war das Interesse des Hauses erschöpft und dasselbe vertagte sich alsbald. Moutag: Rest von heute(zuerst Interpellation betreffend die Verhaftung B u e b's); zweite Berathung des Margarine- gesetzes.— Taö Herrenhaus hat am Sonnabend nach kaum zwei- stllnviger Beralhung das Lehrerbesoldungs-Gesetz auch in zweiler Lesung abgelehnr und damit endgillig aus der Welt geschafft. Um wenigstens noch eine Kommisstonsberatdung zu erinöghchen und der Vorlage ein ehrenvolles Begräbniß zu bereiten, hatte Graf von Z i e t e n- S ch>v e r i n den Antrag gestellt, dem s 1 des Gesetzes folgende Fassung zu geben:„Die Mittel zur Errichtung. Unterhaltung unv, Erweiterung der öffentlichen Volks- schulen werden von den Gemeinden, und im Falle des nachgewiesenen Unvermögens ergänzungsweise von, Staate aufgebracht. Die aus besonderen Rechtstiteln bernhenden Verpflichtungen Dritter bleiben bestehen. Der Staat gewährleistet demnach den Bolksschullehrern ein festes, den Lotalverhältnissen angemessenes Einkommen. Bis zum Erlasse eines allgemeinen Volksschulgesetzes dürfen den jetzt Schulunlerhaltungs- Verpflichteten für diese Zwecke neue Lasten nicht auferlegt werden, vielmehr sind die auf grund dieses Ge- setzes sich ergebenden Mehrauswendungen aus der Staatskasse zu leisten und jährlich durch den Slaalshaushalts-Etat zu bewilligen." Aber auch die Hoffnung, daß durch diesen Antrag eine Ver- ständigung zwischen dem Hause und der Regierung ermöglicht würde, sollte sich nicht erfüllen. Schon nach den ersten Reden konnte kein Zweifel mehr an dem Mißerfolg bestehen. Der Kultusminister Dr. Bosse versuchte es noch einmal mit einem Appell; er erinnerte an die umfangreichen Arbeiten der Regierung und des Abgeordnetenhauses und an die Verantwortung, die das Hans sich durch seine Abstimmung aus- erlege. Sein Kollege, der Finanzminister Dr. Miquel zeigte sich sehr resignrrt, er wußte, daß alles Reden nichts helfen und daß nicht einmal eine Kommissionsberathung zu stände kommen würde. Er begnügt« sich deshalb damit, seinem Bedauern über das Scheitern des Entwurfs Ausdruck zu geben und das Ab- geordnetenhans, das in dieser Frage eine entgegenkommende Haltung gezeigt hatte, zn lobe». Uebrigens verließen beide Minister noch vor Schluß der Debatte„wegen anderweitiger dringender Amtsgeschäfte" das Haus, ein Zeichen, daß auch der letzte Hoffnungsschimmer geschwunden war. In der Debatte wurden keine neuen Gesichtspunkte zu tage gefördert; sämmtliche Redner sprachen sich auch heute wieder gegen das Gesetz ans, das schließlich, ebenso wie ver Antrag Zielen, in allen Theilen abgelehnt wurde. Die nächste Sitzung findet voraus- sichtlich am 13. Mai statt.— Vom Zeuguißzwang. Genosse Wiertelarz wurde am Mittwoch morgen in der Disziplinar-Untersnchungssache gegen „einen unbekannten städtischen Beamten" abermals vernommen. Wiertelarz legte diesmal Zeugnis ab und erklärte, daß er weder den Verfasser der betreffenden Notiz kenne, noch den eventuellen Gewährsmann angeben könne.— Professor Geffckeu ist in München in der Nacht vom Frei- tag in seiner Wohnung in der Seitzstr. 3 infolge eines Zimmer- brandes. welcher durch die Explosion einer Petroleumlampe her- vorgerufen worden war, e r st i ck t. Professor Geffcken hat vielfach sich als politischer Schriftsteller bethäligt. Ader dieser Thätigkeit halber würde er kaum ein dauerndes Andenke» sich errungen haben, wenn er nicht als Freund des verstorbenen Kaisers Friedrich sich den Haß des Fürsten Bismarck zugezogen hätte und dann nach dem Tode des Kaisers wegen Veröffentlichung von dessen Tagebüchern in Untersuchungshast gezogen und 39 Tage in Moabit eingekerkert wäre, bis die Ablehnung der Anklage durch den Slrassenat des Reichsgerichts seine Freilassung erforderlich machte. Geffcken war nicht liberal, sondern konservativ und kirchlich orthodox. Daß er trotzdem von dem Kaiser Friedrich mit der Abfassung seiner Erlaffe zur Thronbesteigung im März !888 beKraut werden tonnte, zeigt, wie wenig Grund die Fortschrittspartei gehabt hat, auf Kaiser Friedrich zu bauen. Das hat sie aber nicht abgehalten, sowohl jene Erlasse als Ausfluß einer liberalen Gesinnung zu verherrlichen, als auch einen ausgesprochenen Kaiser Friedrich-Kullus zu treiben, um den so früh verstorbenen Monarcken zu einem preußischen Josef II. umzudichten. Als Kronprinz hatte Kaiser Friedrich 1673 Professor Geffckcn sein Tagebuch zur Leklüre gegeben. Dieser hatte sich daraus ohne Borwissen des Kronprinzen Abschristen gemacht. Nach dem Tode Kaiser Friedrichs wurden Milte September 1888 Anszüge aus diesem Tagebuch in der„Rundschau" veröffentlicht über die Zeit während des Krieges von Juli 187V bis März 1871. Fürst Bismarck veranlaßte die strafrechtliche Verfolgung der Veröffent- lichung dieses Tagebuches wegen angeblicher Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen und Nachrichten. deren Geheimhaltung für das Wohl des Deutschen Reiches erforderlich sei. In den alsbald veröffentlichten Antrag an den Kaiser zur Ge- nehmigung der strafrechtlichen Verfolgung bezweifelte Fürst Bismarck auch die Echtheit des Auszuges- Ein Vergleich mit den im Hausarchiv niedergelegten Tagebüchern ergab aber, daß die Veröffentlichung mit einem vom Kaiser Friedrich 1372 nieder- geschriebenen Original übereinstimmte. So bilden diese Ver- öffenlichungen einen recht werlhvollen Kommentar zur Zeit» geschichte, die Bismarck's und seiner Freunde Zorn besonders deshalb erregte, weil durch sie die Legende von den be- sonderen Verdiensten Kaiser Wilhelm's I. und des Fürsten Bismarck um die Reichsgründung arg beschädigt wurde. In echt bismärckischer Weise hat sich dann der damalige Reichskanzler an dem unvorsichtigen Professor gerächt.— Prozent-Patriotismus. Unsere deutschen Chauvinisten sind allesammt Anbeter des goldenen Kalbes und als solche begrüßen sie lebhaft das neue französische Mi- n i st e r i u m, das für das Ausbeutungsrecht des Geldsacks eintreten will. Daß das neue französische Ministerium sich ostentativ den Russen, also dem gefährlichsten„Landes- feind" an den Hals geworfen hat, nachdem das vorige Mitlisterium sich von ihnen loszumachen versucht hatte— das hindert unsere Herren Chauvinisten nicht, Herrn Meline ihre Sympathien zu schenken.— Der Haß dieser Herren gegen die Arbeiterklasse und gegen eine gesunde Fortentwickelung ist größer als ihre Liebe zum Vaterland, und ihrer reaktionären Wuth opfern sie leichten und freudigen Herzens die Interessen des Vater- lands. Und„die Moral der Geschichte"? Den Herren Patrioten ist es sehr ernst mit der Reaktion und mit dem Gcldsack, aber das Vaterland ist ihnen„schnuppe". Der Patriotismus ist nur für die„Dummen", die sich mit goldenen Nixchen und silbernen Neckchen sangen lassen.— Frankreich. Die Kammersitzung des vorigen Donnerstag, über die wir bereits telegraphisch berichteten, hat dem Ministerium Meline eine Majorität gegeben. Nachdem eine Wiederholung der am 23. April angenom- menen Tagesordnung mit 279 gegen 251 Stim- men abgelehnt worden war, wurde eine vom Ministerium gebilligte Tagesordnung mit 299 gegen 256 Stimmen angenommen. Die Sitzung war theilweise sehr erregt und dramatisch. Goblet und Bourgeois griffen das Ministerium und die Gegner der Revision heftig an, konnten jedoch nicht verhindern, daß die schwankenden Ele- mente sich auf feiten des neuen Ministeriums stellten. Etwa 20 Mitglieder, die acht Tage vorher für Bourgeois gestimmt hatten, stimmten jetzt für Meline. Trotzdem konnte die ministerielle Majorität nur mit Hilfe der monarchistischen Stimmen zusammengebracht werden. Das wird natürlich von den Radikalen ausgebeutet. Der monarchistische„Gaulois" schreibt dagegen, wie Bourgeois nur mit Hilfe der Sozialisten, so könne Meline nur mit Hilfe der Monarchisten regieren. Die Lage sei also die. daß die Republikaner, wie eine formlose Masse zwischen der Monarchie und der Kommune hin und hergeworfen, ledig- lich eine Regierung von durchschnittlich halbjähriger Dauer bilden können. Ein Telegramm vom Abend des 30. April besagt: Die sozialistischen und radikalen Deputirlen, welche heute gegen das Ministerium Meline stimmten, beschlossen, im Lande einen regen Feldzug gegen den Senat und zu gunsten des all- gemeinen Stimmrechts zu organisiren und schritten sofort zur Bildung eines leitenden Ausschusses, welcher Berathungen und Versammlungen an allen Punkten des Landes veranstalten und ein Manifest ausarbeiten soll, welches an fämmtliche Gemeinden zum öffentlichen Anschlag vertheilt wird. Der leitende Ausschuß wird morgen in der Deputirtenkammer zusammentreten und ist wie folgt zusammengesetzt: Vorsitzender ist Bourgeois, Mitglieder sind Doumer, Lockroy, Mesureur, Goblet, PeUetan, Dujardin- Beaumetz, Alphonse Humbert, Ricard(Deputirtcr für CSte-d'or), Jsambert, Codet, Le Hvrissö, Castelin und Denis sowie noch vier Senatoren, welche der demokratischen Linken angehören. Obwohl die sozialistischen Deputirlen der Versammlung beiwohnten, so erklärten sie doch, an dem leitenden Ausschuß nicht theilnehmen zu wollen, sondern gesondert vorzugehen. Nach einem Telegramm vom 1. Mai hat daS von den radikalen Deputirten gewählte leitende Komitee ein Manifest ausgearbeitet, in welchem gegen die Regierung protestirt wird, die das allgemeine Stimmrecht dem beschränkten Stimmrecht unterzuordnen versuche; das Manifest desagt weiter, nunmehr sei der Kampf zwischen der Partei des Widerstandes und der Partei des Fortschrittes und der Reformen eröffnet; die Mitglieder des Parlamentes, welche der Sache des Volkes treu geblieben seien, hätten die Nothwendigkeit eingesehen, sich zu vereinigen, um gegen die verbündeten Reaktionsbestrebungen zu kämpfen, und sie würden bis zum äußersten das allgemeine Stimmrecht ver- theidigen. Die sozialistischen Deputirten haben sich zwar an der gemeinsamen Sitzung mit den Radikalen betheiligt und sind auch bereit zu gemeinsamem Handeln, sie mußten aber natürlich aus ihrer Partei-Selbstständigkeit bestehen und haben am 1. Mai einen Aufruf an das Volk erlassen. Derselbe lantet in den Hauptpunkten: „Testern hat der Verrath einiger abtrünniger Deputirten das Land der Reaktion preisgegeben. Das ganze republikanische E rankreich wird ebenso die Reaktionäre des Senats wie die erräther der Kammer brandmarken. Das Ministerium Meline wurde nur durch die Stimmen der Abgeordnete» der Rechten gerettet. Uns kann diese neue Koalition nicht beirren. Nachdem wir alle bisherigen Reaktions- Ministerien bekämpft, stützten wir ein Kabinet, welches dem Volke die Hoffnung des legalen Fortschritts eröffnete. Wir sind entschloffen, zur friedlichen Lösung des großen sozialen Problems alles zu ver- suchen und fordern Euch auf, mit uns die Republik und das all- gemeine Stimmrecht zu vertheidigen, die beide bedroht sind. Krieg dem Senat und Schmach über die Verräther Z Hoch die sozialistische Republik!"— Die Kammer hat sich bis zum 23. Mai vertagt und so dem neuen Ministerium eine Galgenfrist von vier Wochen geschenkt. Das Interesse konzentrirt sich jetzt auf die Wahlen des morgigen TageS, in welchen alle Parteien all' ihre Kräfte entfalten werden. Vom Ausgang dieser Wahlen hängt die nächste Zukunft Frankreichs ab. Bemerkt sei nur noch, daß die Reaktionäre die Revisions- bewegung durch das Schlagwort:„Neu-Boulangismus" in Verruf zu bringen suchen. Nun, unsere Leser erinnern sich dessen, was unser lZlallus-Korrespondent über die Gründe ge- sagt hat, warum der Boulangismus für einige Zeit eine Macht werden konnte. Die damals von einem Schwindler im Interesse der reaktionären Parteien mißbrauchten Kräfte werden im Dienste ehrlicher Reform unwiderstehlich sein.— Auf den Schah von Persien wurde am 1. Mai ein Attentat verübt. Der Schah erhielt eine Schußwunde, der er alsbald erlegen ist. Es war 2 Uhr nachmittags, als der Mörder, ein Fanatiker, auf den Schah einen Pistolenschuß abgab, der Naßred-din in der Herzgegend traf. Der Schah wurde zu Wagen nach dem Palast gebracht und starb dort um 4 Uhr nachmittags. Der Mörder des Schah gehört, nach einer Meldung aus Wolff'scher Quelle, zu der bekannten persischen Verbrechervereinigung der Babi, einer religiösen Sekte, welche schon vier Mal ein Attentat aus das Leben des Schah versucht hat. Der Mörder wurde sofort verhaltet. Zum Nachfolger des Schah wurde der Valiahd Mnsasser ed-din Mirza proklamirt. Derselbe ist seit 1858 von Rußland und England als Thronfolger anerkannt worden.— Im Lande herrscht überall Ruhe. Der persische Gesandte theilte dem Pariser Korrespondenten der„Franks. Zeitung" mit, daß die Babis eine seit 40 Jahren bestehende Sekte sind, die sich vom Islam los- gelöst und religiöse und politische Ziele verfolgen, namenilich die Verdrängung der herrschenden Dynastie. Die persische Re- gierung sei seit langem bestrebt, die Sekte auszurotten. Abdul Afim. wo der Schah getödtet wurde, ist ein heiliger Ort. an dem ein Nach- komme des Propheten beerdigt ist. Die Bewohner von Teheran pflegen dorthin zu wallfahren. Der Schah selbst ist. gleich anderen gläubigen Muselmännern, oft dorthin gepilgert. So auch am Freitag, welcher ein heiliger Tag der Muselmänner ist. Der Schah lag an diesem Tage den religiösen Zeremonien ob, besonders weil der Jahrestag seines Regierungsantritts, der 6. Mai, bevorstand. Anläßlich der Pariser Weltausstellung wollte der Schah wieder nach Europa kommen. Er wird ent- weder in Abdul Afim oder in Khum beerdigt werden, wo sich die Gräber der persischen Könige befinden. Der Thronfolger Musaffer ed-din Mirza befindet sich gegenwärtig in Taebris. Er ist der älteste Sohn des Schah und der europäischen Zivilisation sehr geneigt. Unruhen sind bei der Thronfolge nicht zu erwarten. Den„Times" wird aus Teheran von gestern gemeldet, dort herrsche ziemliche Beunruhigung. Eine Zeit lang hätte es viele Unzufriedene gegeben wegen der Theuerung der Lebensmittel, welche zum theil durch die übermäßige Ausgabe von Kupfermünzen veranlaßt worden sei. Naßred-din war ein orientalischer Despot mit dünnem europäischen Firniß, den er sich aus seinen drei Reisen in Europa angeeignet hat. Unter seiner Herrschaft machte die Kultur, wenn man von der Einrichtung des Postwesens ab- sieht, fast gar keine Fortschritte. Seine auswärtige Politik schwankte zwischen russischen und englischen Sympathien. Fn wenigen Tagen hätte er sein fünfzigjähriges Regierungs- jnbiläum gefeiert.— * ♦* Deutsches Reich. — Der Bundesrath hat in seiner am 30. April abgehaltenen Plenarsitzung den Gesetzentwurf ivegen Abänderung des Gesetzes über die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres vom 3. August 1333, den Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Wehrpflicht in den Schutzgebieten, sowie den Gesetzentwurf wegen Abänderung des Gesetzes über die kaiserliche Schutz- truppe für Ostafrika vom 22. März 1891 und des Gesetzes über die kaiserlichen Schutztruppe» für Südwestafrika und Kamerun vom 9. Juni 1895 den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Der Vorlage, betreffend die zollamtlich« Prüfung der Mühlenfabrikate, und der Vorlage, betreffend die Auslegung des§ 53 des Kranken- versicherungsgesetzes wurde die Zustimmung ertheilt. Außerdem wurde über eine größere Anzahl von Eingaben Beschluß gesaßt.— — Noch ein erledigtes Reichstags-Mandat. Die„Berl. Corr." meldet: Der Landrath von Holleuffer-Löwen- berg wurde zum Geh. Regierungsrath und vortragende» Rath im Ministerium des Innern ernannt. Herr v. Hollenffer ist mit 5051 konservativen gegen 4486 Stimmen der freisinnigen Volkspartei und 73 sozialdemokratischen Stimmen gewählt.— — Zur Handhabung des§ 120o der Gewerbe- Ordnung schreibt die„Verl. Corr.": „In einigen Zeitungen wird bei Besprechung der Reichstags- Verhandlungen über die Einführung des M a x i m a l a r b e i t s- tages im Bäckergewerbe dem Handelsminifter Freiherrn v. Berlepsch vorgeworfen, daß sich in seinen Ausführungen folgender Widerspruch finde: Einerseits sei von ihm die Ansicht vertreten, daß der Bundesrath bei Erlaß der Bestimmungen über den Betrieb von Bäckereien und Konditoreien zweifel- los innerhalb seiner Zuständigkeit gehandelt habe; andererseits habe er die Beschränkung der Arbeitszeit der H a n d l u n g s- g e h i l f e n im Wege einer Bnndeeralhs- Verordnung für u»zu- lässig erklärt, vielmehr für diesen Fall ein gesetzgeberisches Vor- gehe» in Aussicht gestellt, obgleich es sich doch sowohl im Bäcker- gewerbe, als auch im Handelsgewerbe um die Beschränkung über- mäßiger, die Gesundheit schädigender Arveitszeiten, also um völlig gleichartige Maßregeln handle. Diese Kritik der Ausführungen des Handelsministers beruht auf Unkenntniß der gesetzlichen Be- stimmungen. Die Vorschriften des Bundesralhs über die Arbeitszeit in Bäckereien und Konditoreien gründen sich auf den§ 120 e, Absatz 3, der Gewerbe-Ordnung. der dem Bnndesralh die Befugniß verleiht, für solche Gewerbe, in denen durch übermäßige Dauer der täglichen Arbeitszeit die Gesundheit der Arbeiter gefährdet wird, Dauer, Beginn und Ende der zulässigen täglichen Arbeits- zeit und der zu gewährenden Pausen vorzuschreiben. Dieser § 120 e findet aber laut Z 154 der Gewerbe- Ordnung aus Ge- Hilfen und Lehrlinge in Handelsgeschäften keine Anwendung. Will man also die Arbeitszeil der Handlungsgehilfen und-Lehr- linge beschränken, so kann dies nicht, wie im Bäckergewerbe, durch Bestimmungen des Bundesraths geschehen, sondern nur im Wege der Gesetzgebung. d. h. mit Zustimmung des Reichs- tages."— — DieReichstagsdebatten beim Marineetat, bei welchen Bebel die mangelhaften Rettungsvor- k e h r u n g e n an Bord der Passagierschiffe beleuchtete, haben auf die größeren Rhedereien doch eingewirkt. Der Bremer „Lloyd" hat sich, wie das„Hamburger Echo" mitlheilt, bereits veranlaßt gesehen, einen Inspektor auziisteUen, welcher speziell sein All gen merk auf das Siettungs- wesen zu richten hat. Es sollen nur Matrosen ge- mustert werden, die im Rudern ausgebildet sind. In gleicher Weise will auch die Hamdurg-Amerika-Linie verfahren. Sie hat den bisherigen Korvettenkapitän Seweloh als Inspektor angestellt und ihm die Verwaltung und Beaufsichtigung des Retiungsmaterials der Dampfer, als Boote, Rettungsgürtel ec. übertragen. Der neue Inspektor hat ans dem Heuerbureau der Hamdurg-Amerika-Linie am Steinhöft durch Plakat bekannt gegeben, daß bei der Anmusterung von Matrosen nur solche Leute angenommen werden, die im Rudern ausgebildet sind und sich eventuell einer Prob« unterziehen. ES scheint danach, dai die sozialdemokratische Kritik doch gefruchtet hat.— Erfurt. Der ehemalige liberale ReichstagS-Abgeordnete W i s s e r wurde wegen angeblicher Verleitung zum Mein- eide verhaftet. Nach der„Saale-Ztg." liegt dieser Ver- Haftung folgendes zu gründe: Am Charsreitag des Jahres 1395 mißhandelte Wisser auf der Dorfstraße den Landwirth Oehler mittels eines Stockes und verletzte den Oehler bedenk- lich am Kopfe. Vom Schöffengerichte in Erfurt war Wisser wegen Bedrohung mit Begehung eines Verbrechens und Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges unter Annahme mildernder Umstände zu einer Gesammtgeldstrafe in Höhe von 115 M. verurtheilt worden. Wisser machte vom Rechts- mittel der Berufung Gebrauch, aber die Strafkammer des Land- gerichts Erfurt hielt am 2. März d. I. das erstrichterliche Urtheil im vollen Umfange aufrecht. In dieser Strafprozebsache waren unter anderem auch zivei frühere Knechte Wisser's eidlich vernommen worden. Deren Zeugniß soll wissentlich falsch abgegeben sein, und Wisser wird zur Last gelegt. sie zur Abgabe des falschen Zeugnisses v e r l e i t e t zu haben. Auch die Knechte wurden in Untersuchungshaft genommen.— Karlsruhe i. B.» 1. Mai.(Privatdepesche des„Vorwärts". Der zwölfte sozialdemokratische Stadtverordnete wurde mit 700 Stimmen Majorität gewählt.— — Für Südwest-Afrika ist eine Verstärkung der Schutztruppe von 400 Mann angeordnet, die schon Ende Mai von Hamburg abgehen sollen. Das wäre die stärkste Truppe weißer Mannschaften, die bisher nach Südwest-Afrika und über- Haupt nach den Kolonien abgesandt worden ist. Da der Landes« Hauptmann Major Leutwein selbst eine Verstärkung der Schutz« truppe in dieser Höhe erbeten hat. so muß sich die Befürchtung, daß der Aufstand der Khauashottentotten aus die Herrros und Wilboois übergreife, bewahrheitet haben. Dann hat Deutschland wieder einmal einen sehr bösartigen Kolonial- krieg, denn der Negerstamm der Herero ist vortrefflich durch die Zufuhren portugiesischer und englischer Händler mit modernen Feuerwaffen bewaffnet.— Frankreich. — Finanzminister Cochery kündigte an, daß er eine Vorlage, betreffend die Reform der direkten Steuern vorbereite. Belgien. Brüssel, 30. April. In der Kammer theilte der S o z i a l i st M a r v i ll e das neue Grubenunglück infolge einer Wetter- explosiv» in der Liplygrube mit, welches gestern Abend sieben Opfer gefordert hat. Marville forderte eine genau« Untersuchung. Der Minister möge baldigst ein Gesetz betr. die Inspektion der Gruben, realisire». Der Minister legte sofort einen diesbezüglichen Gesetzentwurf auf den Tisch des Hauses nieder.— Großbritannien. Die Fortschritte des Sozialismus in Groß- b r i t a n n i e n werden durch die jüngste Ersatzwahl in Nord» Aberdeen(Schottland) ziffernmäßig zur Anschauung gebracht. Bei der Generalwahl im vorigen Jahre brachte der Kandidat der unabhängigen Arbeiterpartei es nur zu 603 Stimmen gegenüber dem liberalenKandidaten mit 4156 Stimmen. Bei der gestrigen Ersatz- wähl bekam der Arbeiterkandidat Tom Mann 2479 Stimmen— was eine vervierfachung der Stimmenzahl bedeutet, während der liberale Kandidat blos 2909 Stimmen auf sich ver- enngte. also bloß mit geringer Majorität siegte. Diese Wahl ist die beste Antwort auf das Geschwafel vom„Rückgang der Sozialdemokratie", den die letzte Generalwahl für das britische Reich festgestellt haben sollte.— Amerika. Havannah, 1. Mai. Gomez dringt gegen Villaclara vor; die Aufständischen haben 4 Dörfer verbrannt. General W e y l e r glaubt, daß zwei Jahre zur Unterdrückung des Aufftandes nöthig sind.— Verfanttttlungen. Die in den Metallknopf-Fabriken beschäftigten Arbeiter waren am Donnerstag in der„Urania", Wrangelstraße, in statt- licher Anzahl versammelt. Besonders eingeladen waren die Arbeiter der Firmen von Fries, Marold, Buschbeck. Stern und Hübner behufs Aussprache über die Miß- stände in diesen Fabriken. Der Referent, Faber. er- örterte eingehend die Arbeitsverhältnisse dieses Industriezweiges. In keiner Industrie verständen die Unternehmer es so wie in den Knopffabriken, die weibliche Arbeitskraft auszubeuten. Dies- bezügliche Klagen und Beschwerden der Arbeiterinnen mehren sich von Tag zu Tag. Die in der G-werbenovelle vorgesehenen Schutz- bestimmungen würden von den Fabrikanten meist nicht respektirt. So befinden sich noch immer die schmalen Gänge in unmiltel- barer Nähe der Balanciers, wodurch leicht Unglücksfälle herbeigeführt werden können. Ebenso fehle es an den vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen. Redner schildert nun die gesundheitsschädlichen Einflüsse der durch Säuren, Brennen und Löthen und Ausglühe» entstehenden Dämpfe und Gase. Einebedauerliche Thatsachesei es, daß von vielen Arbeiterinnen noch abends nach Feierabend Arbeit nach Hause mitgenommen werde. Die Klosets, Ankleideräume und Wasch- einrichtungen müsse man als ungenügend bezeichnen. Bei Marold stehen den 30 Arbeiterinnen im oberen Saal einige Eimer zur Benutzung. Auf Beschwerde wurde geantwortet: „Wir sind hier nicht im Augusta-Bad." Hohe Strafgelder, über deren Verbleib niemand im klaren ist, andauernde willkürliche Lohnabzüge, Herabdrückung der Akkorpreise lassen es rathsam erscheinen, einen festen Lohntarif mit diesen Unternehmern zu vereinbaren. Aednlich wie in der Konfektionsbranche habe sich auch hier ein Zwischenmeister-System herausgebildet, welches der Anlaß zu noch größerer Ausbeutung jugendlicher Heim- arbeiter sei. In der Debatte versuchte der Fabrikant Herr Marold die Behauptungen des Referenten zu entkräften, mußte«8 aber stillschweigend über sich ergehen lassen, als«ine ganze Reihe von dort beschäftigt und beschäftigt gewesenen Arbeitern diese Angaben bestätigten und noch ergänzten. Ein anwesender Buchhalter der Firma Fries versuchte gleich- falls die Einrichtungen im Betriebe seines Chefs als die besten zu rechtfertigen, stößt jedoch auf den Widerspruch der Versammlung. Nach einer ausgedehnten Debatte über die ein- zelnen Fabrikmißstände sprechen sich die meisten Redner für die 9 stündige Arbeitszeit aus. FolgendeResolution wurde einstimmig an- genommen:„Die Versammlung beauftragt die Agitationskommission des deutschen Metallarbeiter-Verbandes. mit den Knopssabrikanten Rücksprache über die Einführung der neunstündigen Arbeilszeit zu nehmen und in einer nächsten Versammlung Bericht zu er- statten." Depositen und letzte Llstheichken. Stuttgart, 2. Mai.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Die Differenzen im Baugewerbe sind beendet. Die Versamm- lungen der Unternehmer und der Arbeiter erklärten sich mit dem Schiedsspruch des Einigungsamts einverstanden. Am Montag wird die Arbeit wieder aufgenommen. London, 2. Mai.(W. T. B.) Bei der heute wieder auf- genommene» Verhandlung in Sachen der Auslieferung von Cornelius Herz erklärte der Richler nach Beendigung der beider- seiligen Plädoyers, er könne die Auslieferung von Herz nicht bewilligen. Das bezügliche Ansuchen der französischen Regierung ist somit abgewiesen. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey, Berlin. Für den Jnseralentheil veranlworllich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Wiax Babing in Berlin. Hierzu 4 Beilagen. er 1. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 103. Reichstag. die . Sonntag, den 3. Mai 1896. 13. Jahrg. Abg. Lenzmann beantragt, die Vorschriften nur auf, bes trügerische, auf Täuschungen berechnete" Mittheilungen ans zuwenden und im Absah 2 vor Bortheile" einzuschieben das Wort unverhältnißmäßige". " Nach kurzer Debatte wird§ 72 a unverändert angenommen, ebenso ohne Debatte der Rest des Gesetzes und folgende, von der Kommission vorgeschlagenen Refolutionen: 2. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, veranlassen zu wollen, daß in den statistischen Jahrbüchern für das Deutsche Reich alljährlich Mittheilungen über die an den einzelnen dents ichen Börsen zur Einführung gelangten Werthpapiere mit Bes zeichnung der Einführungsfirma, des Einführungskurses sowie des Betrages und der Art dieser Werthpapiere zur Beröffent lichung gelangen. Schluß 51/2 Uhr. Zustand herbei, den Sie nicht wünschen, ein vollkommen abnormes den Einwand des Differenzspiels(§ 66), über das Kommissions. Auf- und Abschwanken. Sie werden dann nicht mehr viele geschäft(§§ 67-71) werden ohne jegliche Debatte angenommen. 81. Sigung vom 1. Mai 1896. 2 Uhr. tleine Schwankungen, sondern wenige und folossal große Unter die Strafbestimmungen hat die Kommission einen Am Tische des Bundesraths: v. Bötticher, v. Berlepsch. Schwankungen haben, dann werden wir das haben, was wir jetzt auf§ 72a neu aufgenommen, welcher lautet: Wer für Mittheilungen Die zweite Berathung des Börsengefeges wird fort die Dauer niemals haben können: die großen Korners, in der Presse, durch welche auf den Börsenpreis eins gefeßt mit§ 47, betr. den Terminhandel, und dem hierzu ge- die großen Getreideschwänze, die Monopolvereinigungen von gewirkt werden soll, Vortheile gewährt oder verspricht oder ftellten Antrage Fuchs- Schwarze, betr. das Verbot des Termin- einigen großen Händlern, die den Preis nach Belieben diktiren. fich gewähren oder versprechen läßt, welche in auffälligem Mißhandels. Wenn das Termingeschäft verboten wird, so wird der Handel verhältniß zu der Leistung stehen, wird mit Gefängniß bis zu Abg. Schoenlank( Soz.): Unsere Wähler müssen wissen, sich anderweitig helfen. Gehen Sie doch nach Amerita! einem Jahre und zugleich mit Geldstrafe bis zu 5000 m. bes wie wir uns hierzu verhalten. Das Termingeschäft ist ein( Seiterkeit rechts.) Trotzdem dort die Trusts verboten find, haben straft. Die gleiche Strafe trifft denjenigen, der sich für die Werkzeug der Spekulation, die vermittelst einer Wahrscheinlichkeits- die Yankees Mittel und Wege gefunden, die Gesetze zu umgehen. Unterlassung von Mittheilungen der bezeichneten Art Vortheile schätzung der zukünftigen Marktverhältnisse die Waarenzufuhr Sie arbeiten mit solchen Maßregeln nur für uns! Wir wollen gewähren oder versprechen läßt. Der Versuch ist strafbar. Sind der Zeit nach so zweckmäßig wie möglich vertheilen will. Das dem Junkerthum nicht helfen durch feudale rückständige Ein- mildernde Umstände vorhanden, so tann ausschließlich auf die Termingeschäft sieht in erster Reihe natürlich auf die Produkte, richtungen.( Lachen rechts.) Für uns kommt das Interesse Geldstrafe erkannt werden. die mit ihrer Erzeugung an natürliche Friften gebunden sind und der Arbeiterschaft und der Konsumenten allein in betracht. mit ihrer Menge von unberechenbaren Naturfaftoren abhängen, also( Beifall links.) Rohstoffe, Nahrungsmittel u. dergl. Der Besteller einer Termin- Abg. Bachem( 3.): Wir wollen rückständige Einrichtungen waare will jede günstige Gelegenheit benutzen, um seine Waare nicht konserviren, sondern beseitigen. Die Landwirthschaft vers abzusehen. Der Käufer braucht gar nicht die Absicht zu haben, langt mit großem Nachdruck die Beseitigung des Terminhandels. diese Waare abzunehmen, aber er hat das Interesse und die Auf- Der Terminhandel ermäßigt die Preise, wenn sie ohnehin gabe, die Waare an einen anderen Abnehmer zu liefern. Schließ- niedrig sind, und erhöht fie spekulativ, wenn sie ohnehin hoch sind. lich wird die Terminwaare nach den Märkten des Binnenlandes Wir haben den Muth, für den Antrag unserer Freunde Fuchs 1. Den Herrn Reichstanzler zu ersuchen, mit denjenigen gelenkt, wo der höhere Preis den stärkeren Bedarf anzeigt. Die und Schwarze einzutreten.( Beifall rechts und im Zentrum.) Staaten, in denen ein börsenmäßiger Terminbandel in Kammzug Waare wird, wie einmal Beris gesagt hat, von zahlreichen, rasch. Unterstaatssekretär im Reichsamt des Innern Rothe: Ich und anderen Halbfabrikaten der Tertilindustrie besteht, wegen wechselnden Räufern so lange in der Schwebe gehalten, bis ihre glaube, daß die Freunde des Antrages zu sehr ausgehen von den Untersagung dieses Handels in Verhandlungen zu treten und Besitzer die beste Stelle für die Abnahme der Waare gefunden Auswüchsen des Terminhandels, zu sehr übersehen, was berechtigt über das Ergebniß derselben dem Reichstag Mittheilung zu baben. Die effektiven Waarenvorräthe werden, wenn die an ihm ist, und übersehen, daß die Vorlage gerade dazu bestimmt machen. Terminpreise hoch sind, zurückgehalten; so sorgt die Speku ist, den Auswüchsen entgegenzutreten. Ich bin in der lation indirekt dafür, daß an bestimmten Stellen Vor- Lage, vom agrarischen Standpunkte aus die Vorlage zu vertreten. räthe aufgehäuft werden, wenn der zukünftige Bedarf Meine Herren, ich erkläre mir die Bewegung gegen das es verlangt. Umgekehrt werden die Zufuhren von außen ab- Termingeschäft so: die Preise sind schlecht; ein Baiffespetulant geschreckt, die heimischen Waarenbesitzer werden auf den Markt ist in flagranti ertappt, dem es gelungen ist, die Preise zu gedrängt. Beris sagt, die Terminpreise seien Warnungszeichen drücken- also drückt das Termingeschäft die Preise, also ist die und Alarmsignale für die Gegenwart. Die Termingeschäfte für Nothlage der Landwirthschaft verschuldet durch das TerminGetreide werden vom Herbst auf den Frühlingstermin gemacht geschäft. Wenn der Schluß in seiner Allgemeinheit wirklich nach dem Ernte- Ergebniß aller Länder oder im Frühling nach richtig wäre wie erklärt es sich dann, daß das Getreide im 82. Sigung vom 2. Mai 1896. 1 hr. den Ernteschäzungen. Dadurch, daß eine ganze Reihe von Spe- Verhältniß zu früheren Perioden doch immer noch nicht so tief tulationen nebeneinander operiren, forrigiren sich die verschiedenen gefunten ist wie andere Waaren, die nicht im Termin ge Am Tische des Bundesraths: v. Bötticher, Graf Schäßungen und das Durchschnittsergebniß deckt sich mit den handelt werden, z. B. Reis, Tabak, Wolle, verschiedene Posadowsky. Voraussetzungen. Das Termingeschäft ist nothwendig, weil Metalle? und wie erklärt es sich, daß in terminreinen Ländern Das Mandat des Abg. v. Hol leuffer ist durch Ernennung dadurch die Waarenzufuhr örtlich und zeitlich so vertheilt wird, die Lage der Landwirthschaft nicht besser ist als bei uns? desselben zum vortragenden Rath im Ministerium des Innern daß an keinem Orte und zu feiner Zeit ein empfindlicher Weil die Konjunktur sich in absteigender Linie befindet, geht die erledigt. Ueberfluß oder ein schädlicher Mangel an Waaren herrscht; Börse in die baisse, und nicht gehen die Preise herunter, weil Auf der Tagesordnung steht zunächst die Interpellation Es die Börse in baisse macht; die Börse würde natürlich sofort der Abgg. Meyer- Danzig( Rp.) und Genossen: verhindert dadurch schädliche Preisschwantungen. ist ein nothwendiges Ergebniß der modernen fapitalistischen à la hausse gehen, wenn sie einen Gewinn dabei fände. Beabsichtigen die verbündeten Regierungen demnächst mit Produktion, weil der Handel eine bestimmte Qualität der Meine Herren, die Vorlage schlägt eine Reihe von ein- Konvertirung der 4- und 31/2 prozentigen Reichsanleihen in 3 proLieferung, einen bestimmten Erfüllungsort, bestimmte Vorschriften schneidenden Maßregeln vor, um die allfeitig beklagten und zu- jzentige vorzugehen?" bezüglich der Prüfung und Abgabe der Waaren verlangt; der gegebenen Mißstände im Terminhandel zu beseitigen. Ihre Rom- Der Staatssekretär im Reichsschazamt Graf Posadowsky Terminhandel ist nothwendig als eine Versicherung gegen das mission hat diese Bestimmungen bedeutend verschärft. Ich erklärt sich zur sofortigen Beantwortung der Interpellation bereit. Risiko, gegen die künstlichen Preisschwankungen. Er ist eine glaube, es wäre gerathen, es zunächst damit zu versuchen; hilft Abg. Meyer Danzig( Rp.): Der Kurs der 3 prozentigen nothwendige Entwickelungsstufe der modernen Wirthschaft über- es doch nicht, dann bleibt der Bundesrath immer noch übrig, Konsols ist gestiegen, der Zinsfuß ist niedriger geworden, die haupt, um das Getreide in der That zu einer wirklich vertretbaren, und über der Börse wird das Damoklesschwert des§ 46 Frucht ist gereift, aber sie ist nicht gepflückt. Im April 1895 fungiblen Sache zu machen und die Organisation des Handels schweben. standen die 4 prozentigen Konsols 106, die 31/2 prozentigen 105, die immer mehr nachzubilden der Organisation des Geld und Abg. Graf Kanit( t.): Seit Jahr und Tag hat der Reichstag breiprozentigen 98,7. Am 8. Oftober standen sie 104, 103,9 und Kreditwesens. Er soll sowohl unerhörten Preis- vor feiner fo wichtigen Frage gestanden. Ich bin mir des 100,1. Die Pfandbriefe der westpreußischen Landschaft wurden treibereien wie die zu großen Preissenkungen verhindern Ernstes der Sache wohl bewußt. Es handelt sich nicht blos um im August 1895 auf 3 pet. tonvertirt und standen im Oktober und burch internationale Arbitrage die Preise der kommerzielle Fragen, sondern auch um die Voltsernährung. Herr 1895 fiber 97. Die Stabilirung des Zinsfußes auf 3 pet. ist Daher ist der Terminhandel auch Schoenlant sprach von der Vertheuerung des Brotes auf Kosten eine Thatsache und Damit ist die Voraussetzung vors Weltmarktpläge nivelliren. ein sozialer Vortheil. Die Gegner fordern das Verbot, der großen Massen. Die Massen der ländlichen Bevölkerung banden für die Konvertirung, welche nothwendig ist im weil fie eine Preissteigerung des noth find dabei auch betheiligt. Die Verbilligung des Getreides tommt Intereffe der Steuerzahler und der produzirenden Stände. wendigsten Lebensmittels, des Brotes, wollen. nicht den Konsumenten zu gute, die Vortheile bleiben an anderen Ausführbar ist die Konvertirung ohne Zuhilfenahme der Börse. ( Sehr richtig! links.) Das Verbot des Terminhandels ist einfach Stellen hängen. Die Regierung brauchte den Inhabern der 32 prozentigen eine Prämie auf den Brotwucher.( Sehr richtig! links.) Wir Herr Horowitz sagte aus: Jch bin in meiner Jugend in Papiere nur anzubieten, daß sie noch 5 Jahre im Genusse dieser find gegen dieses Werbot, gegen den Antrag Ranib, gegen die der Lage gewesen, den Kriegstänzen der Wilden beizuwohnen; Rente bleiben sollen, wenn sie sich freiwillig zur Konvertirung Lebensmittelzölle, gegen die Doppelwährung, weil wir die Aus- aber so etwas, wie in dem Kündigungszimmer der Berliner entschließen. powerung der Maffen nicht weiter wollen. Sie( rechts) Börse habe ich niemals gehört.( Große Heiterfeit.) Zu den Staatssekretär Graf Posadowsky: Jch bedauere, eine so wollen doch nur die Lebensmittelpreise in die Nachtheilen des Terminhandels kommt die Verleitung des flare und unumwundene Antwort, wie die Frage gestellt ist, Höhe schnellen, wir wollen billiges Brot für Publikums und ganz unbetheiligter Personen zu diesem Geschäft; nicht geben zu können. Die Einzelstaaten haben die Masse. Warum warnen die Agrarier, die so lebhaft für Herr Barth tennt wahrscheinlich die zahlreichen Geschäfte: die viel größeres finanzielles Interesse an der Konventirung dieses Verbot eintreten, vor der bösartigen Ausbeutung Noch- Geschäfte, die Zweimal- Noch- Geschäfte und die Stellagen. als das Reich. Wenn ich die Frage bejahen wollte, müßte ein der Differenz? Ja, wovon leben denn die Agrarier? In diesen Geschäften Unbetheiligter liegt fein wirthschaftlicher einstimmiger Beschluß der verbündeten Regierungen vorliegen. Davon, daß sie von Staats wegen die Erlaubniß haben, Nußen. Ein Sachverständiger sagte: Die Spielbank hat man ge- Es tann bei der Stellung, die der Staat gegenüber seinen die Differenz zwischen Getreidezöllen und Weltmarktpreis in ihre schlossen, aber den Terminhandel zugelassen; den hätte man Gläubigern hat, und die doch eine wesentlich andere ist als die Tasche zu stecken. Das ist auch ein sehr reelles Differenzgeschäft. lieber verbieten sollen; denn an der Spielbank bekommt man eines Brivatschuldners gegenüber einem Privatgläubiger, nicht Die ganze Liebesgaben und Indirektesteuerpolitik ist nichts als nach Verlust des Geldes wenigstens noch Reisegeld. Alle feine Aufgabe sein, jede Gelegenheit beim Schopfe zu fassen, haben fein wirthschaftliches Interesse Interesse an um an um einzugreifen. Bietet ein Staat seinen Gläubigern ein Mittel, durch Steigerung der nothwendigen Lebensmittel Interessenten Wir haben nur niedriger verzinste Papiere an, dann darf er nicht auf bedürfniffe die Herren Großgrundbesitzer zu bereichern.( Buruf dem Fortbestande des Terminhandels. rechts: Schlagworte!) Das sind Schlagworte, die aber den Vortheile und Nachtheile gegen einander abzuwägen. Bereits bei eine so turze Entwickelung zurückblicken, sondern man Thatsachen entsprechen. Das Junkerthum ist stets der Schürzen der ersten Lefung habe ich erklärt, eine beträchtliche Preis- muß sich fragen: Zu welchem durchschnittlichen Zinsfuß hat der ftipendiat der bürgerlichen Gesellschaft gewesen. Wir haben in steigerung infolge der Aufhebung des Terminhandels werde Staat seine Anleihen bisher thatsächlich verzinst? Hier ergiebt diesem Kampfe hier nicht etwa eine besondere Vorliebe für die nicht eintreten, weil sonst die Arbitrage sofort entgegenarbeiten sich, daß die 3/ 2prozentige Reichsanleihe 1894/95 von der Reichs. finanzverwaltung durchschnittlich zu 102, realisirt worden ist, bürgerlichen Opponenten der Agrarier zu zeigen, auch dieser würde. Rampf spielt sich zwischen zwei großen Interessentengruppen ab, Abg. v. Bennigsen( natl.): Eine große Mehrheit für das und daß daher die Verzinsung 1894/95 fich auf fast 31½ pCt. Berbot des Terminhandels ist vorhanden. Für meine Freunde gestellt hat. Die 3prozentige Reichsanleihe aber ist 1894/95 zu den Agrariern und dem mobilen Kapital. Der Streit der bürgerlichen Gruppen um das Termingeschäft tann ich nur erklären, daß wir uns einstimmig entschlossen etwas über 871/2 realisirt worden und erst 1895/96 ist es gelungen, ist einfacher Hader um den Extraprofit, den die haben, für das Verbot des Terminhandels zu stimmen. Herr die 3prozentige mit 991/8 zu realisiren( Hört! hört!), und erst fapitalistische Waarenzirkulation auf dem Getreidemarkt bildet. Schoenlant sprach von einem Kornwucher, von einer Vertheuerung in diesem Jahre war eine Realisirung mit rund 3 pet. möglich. ( Sehr richtig! links.) Solche Versuche, unter der Firma, den des Brotes der arbeitenden Klassen. Man sollte danach glauben. Daraus folgt, daß in der That erst ein Jahr verflossen ist, seitFleinen Leuten, den Bauern, dem Mittelstande zu helfen, die daß in diesem Augenblick die Lage der arbeitenden Klassen eine dem das Reich wirklich 3 prozentiges Geld aufnehmen konnte. Taschen der Großgrundbesizer zu füllen, wird von uns mit schlechte wäre; so liegt die Sache aber nicht. Ich für meine Ob dieser Zeitraum genügt für einen Staat, um sofort eine KonEnergie zurückgewiesen. Person würde gern wünschen, daß die Arbeitslöhne noch höher version vorzunehmen, erscheint mir außerordentlich zweifelhaft. Die geftrige Rede des Ministers v. Berlepsch macht, wenn ständen, wie sie jetzt stehen, aber im ganzen find die Löhne der Der Vorredner hat es so dargestellt, als ob der Staat, nachdem man es versteht zwischen den Zeilen zu lesen, den Eindruck einer Arbeiter in den letzten Jahren nicht herunter, sondern in die die Landschaften fonvertirt haben, die moralische Verpflichtung Kapitulation vor den Agrariern.( Sehr richtig! links.) Sie klingt Höhe gegangen. Zweifellos glauben die Landwirthe, nicht hätte, auch zu konvertiren. Reich und Staat haben aber ihre so, als wenn er sagen wollte, machen Sie das Termin- bloß diejenigen, die zu dem Antrag Kanig stehen, daß der eigenen Interessen. Ich habe im Namen des Reichskanzlers die geschäft nicht durch das Gefeß todt, wir werden es schon Börsen- Terminhandel nachtheilige Folgen für die Landwirthschaft positive Erklärung abzugeben, daß er unter feinen Umständen auf dem Verwaltungswege abmurtsen. Das zeigt, wie hat. Diese Kreise werden ihre eigenen Verhältnisse beurtheilen mit einer Konvertirungsvorlage an den Bundesrath herantreten bedenklich es ist, den Bundesrath zu sehr und zu reichlich mit tönnen, und wenn sie die Gefahren, welche mit dem Verbot des wird ohne vollkommene Uebereinstimmung in betreff eines gleichdiskretionären Vollmachten auszustatten. Heute ist vielleicht noch Terminhandels etwa verknüpft sein könnten, auf sich nehmen zeitigen Vorgehens in den hauptsächlichsten Einzelstaaten und ein Ministerium am Ruder, das gerade nicht sofort das Verbot wollen, und troßdem größere Vortheile erwarten, so wird man kann aus diesem Gesichtspunkt heraus auch ferner erklären, daß ein des Termingeschäfts dekretirt, aber in unfern Tagen, wo die ihnen zunächst glauben müffen, daß sie im ganzen in der Lage eine entsprechende Borlage in dieser Session nicht Minister welten wie die Blumen auf dem Felde, wo der Lucanus find, die Verhältnisse richtig zu beurtheilen. Der größte Theil gehen wird. die Minister so rasch antritt, in der Zeit der Flügeladjutanten- der Getreide- Termingeschäfte in Berlin find reine Spielgeschäfte. Auf Antrag des Abg. Rintelen( 3.) tritt das Haus in die politik, wiffen wir ja gar nicht, ob die Minister nicht schon Besprechung der Interpellation ein. Abg. Rintelen bestreitet, daß eine Uebereinstimmung des morgen ihre Entlaffung haben. Da kann leicht ein Ministerium mit einem Federstrich ausführen, was die Herren( rechts) Reichstages für die Konvertirung vorhanden sei. wünschen. allgemeinen wirthschaftlichen Nothstande könne jetzt nicht mehr die Rede sein, ebensowenig davon, daß der Zinsfuß sich schon Auch die bürgerlichen Parteien haben eine eigene Schwenkung gemacht. Die nationalliberale Partei, die man sonst für die auf 3 pet. ftabilifirt babe. Es fomme nicht auf die Intereffen Bertreterin des mobilen Großtapitals hält, hat in ihren Reihen einzelner Kreise an, sondern auf die Intereffen des Ganzen; es eine sehr starke agrarische Bewegung.( Sehr richtig! rechts.) Abg. Singer( Soz.): Wir stimmen einstimmig gegen den würde die Ermäßigung des Zinsfußes nur ein Brocken sein, der Man sieht, wie die leichte Kavallerie des Herrn v. Plöh die Antrag. Ich bedauere, daß Herr v. Plöß mir nicht antworten der Landwirthschaft vorgeworfen wird. Nationalliberalen an ihre Roßschweife gebunden hat und hinter fann. Ich hätte sonst auf seine Antwort ebenfalls eine Ant- die Verschuldungsgrenze hinaufgeben, bis die Zinsenlast fich herschleift( Große anhaltende Heiterkeit), auf Gnade und wort, und behalte mir diese meine Antwort ebenfalls vor. dieselbe sein Ungnade ergeben dem Bunde der Landwirthe; fie find( Seiterkeit.) Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. v. Plötz( zur Geschäftsordnung): Jch hatte mich heute zuerst zum Wort gemeldet, um Herrn Singer zu antworten. Ich bin durch den Schluß leider daran verhindert und behalte mir meine Antwort für später vor. Abg. Graf Arnim( Rp.): Meine Freunde werden für den Antrag stimmen. ein Denn es würde würde wie früher.( Widerspruch rechts.) Die Ersparniß an Zinsen würde fünf Millionen Mart nichts als die Kulis des Bundes der Landwirthe.( Heiterkeit) Abg. Graf v. Bernstorff- Uelzen( Welfe): Wir treten für betragen; aber die Herren wollen die Zuckerprämien haben, die machen vielmehr aus, und Sie( rechts) nehmen keinen Anstand, Auch im Zentrum haben wir einige Wandlungen gesehen. Viel- den Antrag ein. leicht ist es von Einfluß gewesen, daß in Schlesien ein Nothschrei Abg. v. Plök( t.): Als ich meine Bemerkung machte, wurde diese Belastung dem Volte aufzuerlegen. Preußens Schulden der katholischen Agrarier erschollen ist, ebenso wie die Agitation mir zugerufen, ich hätte selbst für den Schluß gestimmt. Das ist find hauptsächlich Eisenbahnschulden, und die Eisenbahnen ver der katholischen Agrarier im Rheinland unter Führung des Herrn unwahr, ich verbitte mir dergleichen.( Ruf lints: Ihre Freunde zainfen fich mit 7 pet., das heißt der preußische Staat erhält mehr Zinsen als er bezahlt; er braucht die Steuerzahler v. Loë. Prof. Conrad weist auf grund sorgfältiger statistischer haben dafür gestimmt!) Untersuchungen und unter Beibringung von graphischen Dar Der Antrag Fuchs- Schwarze, d. h. das Verbot des Termin- nicht in Anspruch zu nehmen. Er hat die Eisenbahnen ihren es ist moralisch nicht stellungen, die von schlagender Beweiskraft sind, darauf hin, daß handels, wird mit 200 gegen 39 Stimmen angenommen. früheren Besizern abgekauft, und nachträglich den von ihm ge= die Feststellung des Getreidepreises eine rein Dagegen stimmten nur die Sozialdemokraten, die berechtigt, daß er durch Ermäßigung der Rente herunter internationale Thätigkeit ist, und nicht etwa von deutsche und die freisinnige Boltspartei und die freisinnige Ver- zahlten Preis ein paar Berliner oder deutschen Spekulanten abhängt. einigung. Die Berkündigung des Ergebnisses der Abstimmung brüdt.( Widerspruch rechts und bei den Sozialdemokraten.) In dem Augenblick, wo Sie den Terminhandel beseitigen, wird von den Antisemiten mit Händeklatschen begrüßt. Das Kapital fucht höher verzinsliche Anlagen, das zeigt die nehmen Sie das Sicherheitsventil fort und führen gerade den l Die Bestimmungen über das Börsenregister(§§ 51-65), über Ueberzeichnung der chinesischen Anleihe. Die 5 vet. Rinsen nun firtbeu dazu angereizt, daS zeigt. Ja? das Bedürfniß eher«ikie Erhöhung als eine Verminderung des Zinsfußes verlangt. Di« Land- ivirlhe betreiben die Entwerthung des Kapitals; damit arbeiten sie aber den Sozialisten in die Hände. Kleine Kapitalansammlungen sind in allen Ständen vorhanden, bis auf den Proletarier, welcher leinen Pfennig besitzt. Alle diese Kreise haben an den Zinsen ein großes Interesse; dazugehören besonders auch die Stiftungen, welche für die Erwerbslosen und Armen sorgen. Die Nothlage dieser Armen würde gesteigert werden, wenn die milden Stiftungen ihnen die Hilfe theilweise versagen müßten. Weil die Konverlirung von größtem sozialen Interesse ist für die wirthschaftlich Schwachen, so kann nur mit der größten Vorsicht vorgegangen werden.(Beifall rechts.) Abg. Graf Udo Stolbcrg(l.): Ich spreche nicht im Namen aller meiner Freunde. Die Konverlirung hat eine finanzpolitische Seite, aber diese ist für mich nicht die Hauptsache, und eine wirthschaftliche Seite, und da kommt die Nothlage der Land- wirthschaft in erster Linie in betracht. Da die großen Mittel nicht zu haben sind, so muß ein kombrnirtes System kleiner Mittel angewendet werden; mit einem solchen Mittel haben wir uns gestern beschäftigt und werden uns in den nächsten Wochen noch weiter beschäftigen. Zu der Verbilligung der Produktionskosten gehört die Verbilligung des Zinses, die Landschaften sind, da der Staat nicht vor- ging, ihrerseits mit der Konverlirung vorgegangen, zuerst mit gutem Erfolg, aber bald gerieth die Konvertirung ins Stocken. Man wartet auf das Vorgehen von Reich und Staat, damit die Landschaften weiter konvertiren können. Für Ostpreußen allein handelt es sich um eine Summe von 283 Millionen Mark »'/-prozentiger Pfandbriefe, also eine Zinsersparniß von I'/« Millionen Mark, woran der kleine Grundbesitz zu 4/5 betheiligt ist. Das ist nicht ein bloßer Brocken, der der Landwirthschaft hingeworfen wird; es handelt sich schließlich um ein großes Mittel für den Osten. Das Parlament übernimmt eine Verantwortung, wenn es solche Fragen anregt. Aber was bleibt uns übrig, da das Reich und Preußen nicht vorgehen wollen, als diese Frage in mahnende Erinnerung zu bringen?(Beifall rechts.) Abg. Friedberg(natl.): Wir fürchten, daß die Konvertirung Verschiedungen hervorbringen wird, daß namentlich die Mittel- klaffen, die wir in ihren Einkommensverhältnissen erhalten wollen. davon betroffen werden. Aber eine Konvertirung müssen wir doch ins Auge fassen, wenn der Zinsfuß sich dauernd auf einem niedrigen Niveau hält, oder wenn die Regierung hohe Anforderungen an die Steuerzahler stellt. Seit einem Jahre ist der Zinsfuß dauernd«in niedriger gewesen. Abg. Bebel:(Soz.): Sozialistische Ideen kommen hier gar nicht in Frage, sondern es handelt sich nur um die Frage, ob die Entwickelung des gegenwärtigen Kapitalismus eine Ermäßigung des Zinsfußes nothwendig macht. Für die Nothwendigkeit der Ermäßigung des Zinsfußes ist schon seit Jahren der frühere Reichskanzleramts-Präsident Delbrück. der schon längst die Frage im Sinne der Interpellanten gelöst hätte, denn es handelt sich nur um eine Frage des guten Willens. Es sind nur gewisse maßgebende Persönlichkeilen und Institute, die sich, weil sie ge- schädigt werden würden, der Maßregel widersetzen. Es handelt sich um 8 Millionen Mark Ersparnisse für die Steuerzahler im Reich und um 36 Millionen in Preußen; diese Gelder können sehr gut gebraucht werden zur Verbesserung der Lage der Schul- kehrer und der Richter. Die andern Staaten sind dem Deutschen Reiche vorangegangen und es ist eine Anstandspflicht gegenüber den Steuerzahlern, zu folgen. DaS Kapital konzentrirt sich immer mehr und zwar in den fänden der Reichen, die also von den hohen Zinsen den meisten ortheil haben. Das Sinken des Zinsfußes ist eine Folge der großen Ansammlung von Reservefonds für die Invaliden- und Krankenversicherung und des Ersatzes des Verkehrs in baarcm Gelbe durch den Giro- und Checkverkehr. Sachliche Gründe gegen die Konvertirung liegen nicht vor, sondern nur der Einfluß einiger reicher und einflußreicher Leute und einiger Institute. Aber maßgebend ist in ersterLinie das Jnter- esse der Steuerzahler und deshalb treten wir für die Konvertirung ein. Abg. Barth(frs. Vg.): Der Zustand des billigeren Zins- fußes ist nunmehr eine Thalsache und man kann es den Steuer- ? ahlern nicht länger mehr zumuthen, die Lasten des höheren Zins- ußes zu tragen, den Gläubigern des Staates eine Liebesgabe zu gewähren. Die Steuerzahler in ihrer Gesammtheit sind weniger leistungsfähig als die Gläubiger des Deutschen Reiches. Nur ein Bedenken besteht bezüglich der Konvertirung: Was geschieht mit den ersparten Summen? Wenn sie verwendet werden sollen zu allerlei agrarischen Zwecken, dann überlasse ich das Geld lieber den Gläubigern. Wenn sie zur Erleichterung der Steuerzahler verwendet werden sollen, dann bin ich für die Konvertirung. Ich möchte deshalb den verbündeten Regierungen, wenn sie mit einer Vorlage kommen, schon heute den Rath geben, zugleich mit derselbe» über die Verwendung der Summen uns Ausklärung zu geben; denn das wird das enscheidende sein. Abg. Gamp(Rp.): Eine Entscheidung kann heute nicht ge- troffen werden, aber die Gründe können doch abgewogen werden gegen einander, und die Gründe sprechen sür die Konvertirung. Wenn die Konvertirung beabsichtigt wird, dann müssen die Re- gierungen natürlich dasür sorgen, daß nicht gleichzeitig fremde Anleihen emittirt werden. Die kleinsten Kapitalisten haben ihre Anlagen nicht in Staalspapieren, sondern bei der Sparkasse. wo sie überhaupt nur 3 pCt. haben. Wie kann man den Groß- kapitalisten einen höheren Prozentsatz bewilligen? Durch die Konvertirung wird die Verkäuflichkeit der Landgüter gesteigert. Gerade heute, wo hunderte und tausende von Landgütern zum Verkauf stehen, müßte man�den Zinsfuß deS mobilen Kapitals herabdrücken. Staatssekrektär Graf PosadowSky: Der Abgeordnete Bebel hat gesagt, man müßte glauben, daß es doch richtig wäre, was allgemein erzählt würde, daß deutsch« Fürstenhäuser ihre großen Vermögen in 4proze»tigen Papieren angelegt hätten und daß dieser Umstand maßgebend wäre für die Entschließung der Reichsregierung. Ich bedauere aufrichtig, daß der Abg. Bebel in den bisherigen sachlichen Ton der Debatte ein solches Motiv hineingebracht hat. Ich kann ihm versichern, daß von keiner Seite auf die maßgebenden Instanzen auch nur der Schein einer Andeutung in dieser Richtung hingewirkt hat, und ich bestreite ihm, daß irgend ein deutscher Fürst oder die Verwaltung eines deutschen Fürstenhauses versuchen würde, in dieser Beziehung aus eigen- nützigen Interessen auf ein« derartige wichtige Entscheidung einer Instanz einzuwirken. Damit halt« ich die Sache ein für alle Mal für abgetdan. Den Einwand, daß bei einer Kon- vertirung unser Geld nicht ins Ausland gehen würde, kann ich als korrekt nicht anerkennen. Die Frage der Verwendung der Ersparnisse hat mir noch nicht die geringsten Kopfschmerzen ge- macht. Wenn es dazu käme, würden wir sehr leicht eine Verwendung habe». Abg. Gräfe(Reform-P.): Von der Konvertirung würde der Grundbesitz einen Vortheil haben, aber die schwere Roth- läge in Stadt und Land kann uns nicht zur Konvertirung ver- anlassen, weil der kleine Bauer auch fernerhin noch 4 pCt. für seine Hypotheken wird zahlen müssen. Die kleinen Kapitalisten würden geschädigt und das deutsche Geld würde i»S Ausland gehen. Nach der Konvertirung würden die Sparkassen auch nicht m-kr 3 pCt. geben können und dadurch würden die kleinsten L�uie Schaden haben. Wir werden daher einer Konvertirung niemals zustimmen. Abg. Tchädlcr(Z.) erklärt, daß Abg. Rintelen nicht im Namen der Partei gesprochen habe; er und ein Theil seiner Landsleute sind nichr mit ihm einverstanden, sie halten unter der Bedingn'Z eines vorsichtigen Vorgehens eine Konvertirung für nothwendig. Gegenüber best Stiftungen und den Wittiben, die geschädigt werden, vergesse ich nicht die armen Steuerzahler, deren Zahl größer ist. Ueber die Verwendung der Mittel werden wir uns verständigen, ohne daß neue Bataillone errichtet werden. Abg. V. Langen(k.) spricht im Namen der Konservativen, welche im gegenwärtigen Zeilpunkt eine Konvertirung nicht für richtig halten. Abg. Galler(südd. Bp.) erklärt, daß seine Freunde der Konvertirnug sympathisch gegenüberstehen. Abg. Pauli(Rp.) erklärt namens eines Theiles seiner Freunde, daß diese auf dem Standpunkt des Abg. v. Langen stehen; die Mehrheit der Fraktion wünsche der Regierung freie Hand zu lassen. Nachdem Abg. Meyer-Danzig den Einwendungen gegen seine Ausführungen widersprochen hatte, wurde die Besprechung geschlossen. Schluß öV« Uhr. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr.(Jnter- pellation, betreffend die Verhaftung des Abg. B u e b z zweite Be- rathuug des M a r g a r i n e g e f e tz e s.) PÄttfsmetiksrifitzeS. Nach den am Freitag im Scniorenkonvent getroffenen Vereinbarungen wird der Reichstag bis zum Donnerstag vor Pfingsten tagen, um zunächst die»och rückständigen zweiten Berathungen— Margarine- und Zucker- Gesetzentwürfe— vor- zunehmen, und daran anschließend das vorliegende Material: Margarine, Zucker. Gewerbe- Ordnung, Börsenreform, Nn- lauterer Wettbewerb. sowie die noch in Aussicht stehen- den Vorlagen: Wehrpflicht in den Schutzgebieten und über die Schutztruppe in den Kolonien in dritter Lesung zu ver- abschieden. An die Berathung der Justiznovelle im Plenum ist vor Pfingsten nicht zu denken, ebenso wenig ist eS möglich, die Berathung über das Bürgerliche Gesetzbuch weiter als bis zum Abschluß der ersten Lesung in der Kommission zu bringen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Reichstag nach Aufarbeitung der oben bezeichneten sogenannten Agrar- und Mittelftandsgesetze — also vor oder kurz nach Pfingsten bis zum Herbst verlagt werden, damit die Kommissionsarbeiten für die Justiznovelle und das bürgerliche Gesetzbuch nicht infolge der Schließung der Reichstagssession noch einmal vorgenommen werden müssen.— Ueber die Ansicht der Regierung bezüglich einer etwaigen bis zum Herbst dauernden Vertagung konnten noch keine Mit- theilungen gemacht werden.— Die Kommission zur Vorberathnng des Antrags auf Regelung des Vereins- und Versammlungsrechts war nochmals zusammengetreten. Das Zentrum stellte den Antrag, noch eine dritte Lesung vorzunehmen, blieb jedoch mit diesem Vorschlage in der Minderheit. Schließlich wurde der Entwurf in der Gesammtabstimmung gegen die sozialdemokratischen Stimmen angenommen. Den Schluß bildete die Feststellung des vom Abg. Bassermann bearbeiteten Berichts. Lokslles» Zur Illustration der Zustände in Heilstätten für Unfall- verletzte ist ein Brief von Interesse, welcher von einem in Neu- Rahnsdorf untergebrachten Kranken herrührt und in der am Frei- tag voriger Woche staltgehabten Versammlung von Krankenkassen- Vorständen zur Verlesung gebracht wurde. Derselbe lautet: Neu-Rahnsdorf, den 18. Februar 1896. Lieber Freund! Nun ist es wohl Zeit, daß ich etwas von mir hören lasse. wie eS nur hier in der Heilanstalt geht. An Besserung ist gar noch nicht zu denken. Mein Zustand hat sich weit verschlimmert. den» die Behandlung ist eine sehr schlechte. Di« ganze Behand- lung kann mir gar nichts nützen. Hätte ich weiter fortgefahren, mich in der königl. Klinik behandeln zu lassen, wäre ich schon weiter, denn die Behandlung ist dort eine ganz andere wie hier und nur mit Tag und Nacht zu vergleichen. Aber was wollte ich machen; ich bin ja gezwungen worden, hierher zu komme». Hätte ich das gewußt, was ich heute hier erfahren habe, hätte mich niemand hierher gebracht, denn es ist keine Heilanstalt, sondern meiner Meinung nach ein« Strafanstalt. Lieber Freund, nun muß ich Dir auch meine Lagerstätte be- schreiben. Wir haben eiserne Bettstellen, die sind ja ganz schön. aber die Beschaffenheit, wo der Patient liegt, in der Meinung. seine kranken Glieder auszuruhen, ist ganz das Gegentheil. Wir haben eine Matratze mit Wurzeln gefüllt, man liegt wie aus einem Brett darauf und kann garnicht schlafen. Ich hatte den Doktor schon gebeten, mir ein Federkissen zu liefern, habe aber bis jetzt noch keins erhalten und muß mich in mein Schicksal fügen, bis meine Erlösungsstunde kommen wird. Bis jetzt kann ich noch garnichts beginnen, da ich schon die dritte Woche in Gyps- verband liege. Wir sind bis vorige Woche drei liegende Patienten gewesen. Wir müssen unsere Noihdurft im Bett verrichten und haben nur ein einziges Steckbecken, was von einem zum andern wandert, was einem förmlich anekelt. Ebenso ist es mit dem Uringlas. Wir haben auch schon um«in zweites GlaS an- getragen, haben aber bis heute noch keins. Am Tage laß ich mir dies vom Kollegen reichen, aber in der Nackt muß ich mich mit den Fensterschubkasten begnügen, um da meine Nothdurit zu verrichten. Mit einem Wort gesagt, es ist eine ganz polnische Wirthschaft. Nun muß ich Dir auch die Kost beschreiben; die- selbe ist eine sehr schlechte. Frühmorgens giebt es bitteren Kaffee, wenn man den Geruch bekommt, dann vergeht einem schon der Appetit. Zum Frühstück bekonimt man eine Stulle, die die Butter etwas gesehen hat, sehr oft giebt es vertrocknete Stullen vom anderen Tage, die zurückgeblieben sind und die man nickt genießen kann. Zum Mittagbrot ist auch nicht viel los. Fleisch bekommt man, was man sich erst müßte vorkauen lassen, um es genießen zu könne». Fleischbrühe bekommt man garnicht zn sehen, Kartoffeln haben wir ganze 14 Tage be- kommen, die garnicht zu genießen waren und«inen abscheulichen Geruch von sich gaben. Mit einem Wort gesagt, wenn man nicht von zu Hause etwas bekommen würde, was sich die Familie vom Munde abdarben muß, dann kommt man ganz auf den Hund. Aber da ist man noch nicht sicher, etwas aufzubewahren vor Mäusen, die einem alles vollmachen und anknabbern. Lieber Freund, die Mahlzeilen sind zu zähle», die man mit Appetit essen kann. Auch mit dem Bier ist es so, den ganzen Tag bekommt man eine Flasche, damit soll man sich seinen Durst löschen. Zum zweiten Frühstück und auch zum Abendbrot giebt es schwarzen Kaffee, wo der Grund mit heißem Wasser ausgebrüht wird und nicht zu genießen ist. Sobald ich von meinem Gypsverband erlöst bin, werde ich Anstalten treffen um sofortige Entlassung. Lieber Freund, ich bedauere einen jeden, der mit einem Unglück behaftet ist und hier nach Rahns- dorf kommt; eine andere Geißel kann er sich nicht wünschen, als hier nach Rahnsdorf zn kommen. Lieber Freund, ich bitte den Brief in einer Versammlung unserer Kasse vorzulegen. vielleicht würde es doch etwas Besserung schassen, wenn das mehr unter dem Pnblikum bekannt wird. Hoffentlich wird von kompetenter Seite aus Anlaß dieser Beschwerden eine eingehende Untersuchung vorgenommen. (Siehe auch 2. Beilage.) Theeitcr. Dheater-Wochenchronik. Opernhau«: Sonntag. 8.: Robert der Teufel. Ansang 7 Uhr. Montag. 4.: Der fliegende tolländer. Dienstag, B.: Carmen. Mittwoch, 6.; Hansel und retel. Phantasien im Bremer Ratbskeller. Donnerstag, 7.: Tannhäuser. Ansang 7 Uhr. Freitag, g.: Auf Anordnung deS Kaisers: Festvorstellnng. Anfang 8 Uhr. Sonn- abend, 9.: Mignon. Sonntag, 16.: Kaisermarfch. Lohengrin. Anfang 7 Uhr. Montag, 11.: Der Barbier von Sevilla. Di« Pupßtttfee.— Schauspielhaus: Sonntag, 8.: Zum 1. Mal Ein Staatsstreich. Kroll's Theater. Uriel Acvsta. Anfang 7�2 Uhr. Montag, 4.: Der Sturm. Dienstag, S.: Tie Nibelungen: 1. Abend: Der gehörnte Siegfried. Siegfried's Tod. Mittwoch, s.: Die Nibelungen: II. Abend: Kriemhild's Rache. Donnerstag, 7.: Ein Staatsstreich. Freitag, 8.: Narziß. Sonnabend, 9.: Ein Staats- streich. Sonntag, tv.: Festspiel: Das rothe Kreuz. Hierauf: 1812. Montag, 11.: Die Räuber. Herr Weyrantber a. G.— Das Deutsche Theater bringt für diese Woche folgenden Spielplan: Am Sonntag Abend Liebelei mit Frau Sorma und Zu Hause, Montag: Don Carlos mit Herrn Kainz, Dienstag: Nora mit Frau Sorma, Mittwoch: Hamlet mit Herrn Kainz. Donnerstag: Die Weber, Freitag: Jugend, Sonnabend: Der Meister von Palmyra und Sonntag Abend Liebelei mit Frau Sorma nebst dem Zerbrochenen Krug. Als Nachmittagsvorstellung ist für nächstfolgenden Sonn- tag Jugend angesetzt; die heulige Sonntaqs-Nachmittags-Vor- stelliing fällt zu gunsten der von den Mitgliedern des Deutschen Theaters für Ludwig Menzel veranstaltete» Matinee ans. Der Beginn der Vorstellungen im Deutschen Tdealer ist für die Dauer der Sommermonate von heute ab auf 8 Uhr fest- gesetzt.— Im Lessing-Theater wird die Operette Waldmeister von Johann Strauß mit Frau Julie Kopaczy- Karczag als Gast und Eduard Sleinberger in der Rolle des Professors Erasmus Friedrich Müller an sämmtlichen Spiel- abenden der nächsten Woche zur Aufführung gelangen. Ter Spielplan des Neuen Theaters wird in dieser Woche aus- schließlich Tata-Toto sein; die Vorstellungen fangen von morgen ab sämmtlich um 3 Uhr abends an.— Im Sckiller-Tbeater wird heule. Sonnlag, Der Widerspenstigen Zähmung mit Fräulein Pauly und Herrn Patry in den Hauptrollen gegeben. Den nächsten Wochenspielplan beherrscht„Antigone* mit Frau Klara Meyer als Gast.— Im Theater Unter den Linde» geht heute Dellingers Operette Die Chansonnette in Szene. Im Laufe der nächsten Woche folgt Zeller'S Vogelhändler. Die Probe» znr Sullivan- schen Operette Der Grobherzog, deren erste Aufführung für Mitte des Monats geplant ist, sind im Gange.— Das Zentral- Theater bringt heute das letzte Gastspiel des Herrn Dreher und seiner Gesellschaft.— Im Bellealliance-Theater findet heute Nachmittag als Volksvorstellung unler Regie von Herrn Julius Türk eine Aufführung von Sckiller's Maria Stuart statt; abends folgt das Ausstatlungs- stück Die Reise um die Erde in achtzig Tagen. Nathan, der Weise geht beute im Ratio nal-Tbeater zu bedeutend herabgesetzte» Preisen in Szene; als Gäste wirken Frl. Clara Leno vom Berliner Theater und die Herren Ernst Eppstein und Marcel Elwin vom Sradtlheater zu Göltingen mit. Morgen gelangt Der Glöckner von Notre-Dame zur Aufführung.— Die vom Verein Probebühne vorbeieitete Aufführung der Beiden Doktoren und der dreiaktigen Tragi« komödie Di« Faxenmacher muh, wie uns vom Vorstand mit- getheilt wird, auf Sonntag, den 16. Mai verschoben werden. da der Autor des letztgenannten Stückes. Herr Regisseur Karl Werkmeister, in dieser Woche durch die Vorbereitungen zur Eröffnung des Theaters Alt-Berlin, dessen Mitglied er ist, zu sehr in Anspruch genommen war, um sich der Juszenirung seines Werkes in ausreichendem Maße zu widmen. Vevnnfitztes. König Otto von Bayern. Der 48. Geburtstag deS Königs Otto von Bayern wurde am 27. April in München in üblicher Weise durch Gottesdienst des Hofes, des Militärs und der oberen Volksschulllassen, soivie durch Beflaggen der öffent- lichen Gebäude begangen. Die„Münch. St. N." schreiben: Die große Menge spricht nicht mehr vom König, für sie ist er so gut wie todt. Sein Befinden isi äußerlich unverändert. Er ist mager, scheinbar unempfindlich gegen das, was um ihn vorgeht. Bald starrt er unbeweglich vor sich hin, bald tob er heftig auf, dann wieder steht er an der Mauer und murmelt in diese hinein. Die früheren Heftigkeiten gegen die Dienerschaft haben nachgelassen. Daß er nicht vollständig apathisch gegen seine Umgebung ist, sondern auch Wahrnehmungen macht, gehlaus mancherlei dann und wann bemerkbaren Anzeichen hervor. Die Aufnahme der Nahrung ist sehr unregelmäßig. Längerer Ver- Weigerung folgt heftiges Verlangen nach Speisen. Die Assimili- rung der Nahrungsiverthe ist ganz korrekt, doch ist die Ver- dauung nicht in allen Theilen normal. Das körperliche Befinden ist derart, daß«ine lange Lebensdauer wahrscheinlich ist. In- dessen ist nicht gewiß, ob nicht durch die Umbildung der Gehirnmaterie einmal ein Blutgefäß angegriffen wird; in welchem Falle eine plötzliche Katastrophe äußerlich unvermittelt eintritt. Um den König ist ein kleiner Hofdienst eingerichtet, der Austrag bat, alle Foruialitäten streng zu beobachten. Der Kranke scheint hierfür nicht ganz ohne jede Empfindung zu sein. In der Nähe des Bahnhofs Lüttich stieß am I. Mai ein Güterzug mit einem aus Flemalle kommenden Personenzuge zu- sammen. 4 Personen wurden nur leicht verletzt. Ein fürchterliches Unglück ist dem BombayerSchnell. z u g e am Montag an einem Punkte südlich von Ghaziabad zu- gestoßen. Eine K»ste mit Feuerwerkskörpern explodirle in einem Wagen dritter Klasse, wodurch Wände und Fußboden zer- schmettert und dje Fahrgäste aufs Geleise geschleudert wurden. Der Wagen wie das Poftabtheil geriethen in Brand. Die eingeborene» Fahrgäste, von Schrecken ergrissen, sprangen mit brennenden Gewändern aus dem Zug«, während dieser mit voller Dampfkraft fuhr; drei Personen wurden getödtet, elf schwerverletzt, mehrere sind mnthmaßlich verbrannt, da verkohlte Gebeine im Wagen gesunden wurden. Briefkasten der RedaKkion. A. St., Stralauerbrücke. Die Angelegenheit eignet sich besser zur Besprechung im Fachblatt. Ueberdies nehmen ivir der- artige Miltheilungen nur auf, wenn die Organisation sich für deren Richtigkeit verbürgt. R. M. 40. Daß Sie mit Ihrem Anspruch durchkommen werden, isi sehr zweifelhaft. Jndeh können Sie den Versuch einer Klage beim Gewerbegericht machen.— A. B. 100. l. Ja. 2. Nein. 3. Nein. 4. Ja, durch anf dem Amtsgericht vor der Heirath zu schließende» Verlrag.— P. M. 1. Ja. 2. Rem. WittermigSüberficht vom 2. Mai 1896. Wetter-Prognose für Sonntag, den 3. Mai 1896. Ein wenig kühlnes, zeitweise beileres, vielfach ivolkiges Wetter mit leichten Regensällen und mäßigen nördlichen Wuide». Berliner Wetterdureau. Für den Inhalt der Juserate übernimmt die Redaktion dem Bublikum gegenüber feinerlei Verantwortung 12 Theater. Sonntag, den 8. Mai. Volks Vorstellung im Belle- Alliances Theater, nachmittags 1/3 Uhr: Maria Stuart. Opernhans. Robert der Teufel. Montag: Der fliegende Holländer. 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Prospekte der heutigen Hummer unseres Knaben- Stoff- und Größtes Teppichhaus Berlins und Bedingungen liegen zu jeder Zeit Blattes die Gewinnliften vom Wasch- Anzüge fehr billig. Hoffmann, Beteranenftr. 14. aus bei Gustav Bentler, Prinz Eugen- Freitag und Sonnabend straße 21, H. 1 Tr. 49402 preußischen Lotterie bei. Berantwortlicher Redakteur: Auguft Jacobey, Berlin. Für den Inferatentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Berlag von Mag Bading in Berlin. der 2. Beilage zum ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 103. Lokales. ( Siehe auch 1. Beilage.) Aus der Lokalliste für Friedrichshagen ist Schmidt, Waldfater, Köpniderstr. 36, zu streich e n. Nachzutragen ist hingegen Berndt, Seeschloß, Seeftr. 57-58. Sonntag, den 3. Mai 1896. 13. Jahrg. Der Amtsvorsteher von Treptow erläßt folgende Bezahl vorhanden sind oder ein besonders starter Verkehr die Vor kanntmachung betreffend die Sonntagsruhe in der nahme der Fahrkartenprüfung während des fahrplanmäßigen Gewerbe. Ausstellung. Während der Dauer der Aufenthaltes der Züge auf den Stationen verhindert, sollen als Gewerbe- Ausstellung hinsichtlich der Sonntagsruhe gelten folgende bald Einrichtungen getroffen werden, die eine ausreichende Fahrs besondere Bestimmungen: A. Der Waarenverkauf im stehenden fartenprüfung auch ohne Betreten der Trittbretter sichern. und im Hausirgewerbe ist im ganzen Amtsbezirk Treptow sowohl Einen kleinen Krach scheint es im fortschrittlichen Verein Im Krankenhause am Friedrichshain wurden 1894/95 wie von mittags 12 Uhr bis zum Schluffe der Ausstellung ge- wird, haben mehrere Vorstandsmitglieder bei der letzten Neuwahl in den für die gewöhnlichen Sonntage sonst freigegebenen Stunden, Waldeck gegeben zu haben. Wie der Volks- 3tg." geschrieben 10 784 Rrante behandelt, wovon 590 aus 1893/94 übernommen stattet. B. Alle sonstigen Gewerbe, deren Betrieb im übrigen an wurden. Ein Recht auf Aufnahme" hatten nur 3074 auf Sonntagen verboten oder nur beschränkt gestattet ist, insbesondere auf eine Wiederwahl verzichtet, weil die Unterwerfung sans die und fabrikmäßigen Betriebe, der gesammte Beals einen vollen Monatsvorschuß für Kinder 45, für Ertrieb der großen Maschinenhalle, der Friseurgeschäfte, der Bade- mirt worden sei. Auch der Stadtverordnete Perls hat sich in wachsene 60 m2. oder gar nichts zahlten und unter Umgebung anstalten u. f. w. find Sonntage von 12 Uhr mittags ab bis zum den Schmollwinkel gestellt. der Armenkommissionen ihre Aufnahme direkt nachsuchten), Schluffe der Ausstellung gestattet, jedoch nur soweit sie innerhalb Ausgedrückten Zweifeln gegenüber erklärt sich die Direktion fowie 1101 von Armenkommissionen, 263 vom Obdach, 245 der Ausstellung stattfinden und zur direkten Besichtigung oder des Passage- Panoptikums bereit, jedem und zu jeder Zeit den von der Polizei, 190 vom Waisenhaus, von Hoſpitälern u. s. w. Benutzung durch das Publikum bestimmt sind. Während der Nachweis zu führen, daß die Haremsfrauen im Panoptikum, Ueberwiesene, zusammen 4873 Personen( 48 Prozent). Bei Haupt- Gottesdienststunden von 10 bis 12 Uhr vormittags müffen deren Arme und Kinn mit Koransprüchen tätowirt sind, wirklich 3445 Mitgliedern von Kassen und Berufsgenossenschaften, im ganzen Amtsbezirke alle Betriebe ruhen, auch ist jede mit einem bisher in Europa noch nicht gesehenen und unter großen 485 Dienstboten des Abonnementsvereins Berliner Dienſt Geräusch verbundene oder sonstwie störende Arbeit, insbesondere Mühen und Opfern zur Schaustellung gewonnenen arabischen herrschaften, 250 Vorschußzahlern und 478 auswärtigen Kranken, auch das Fahren von Bäcker-, Schlächter-, Milch- und Bierwagen Harem angehören. ausammen 5321 Personen( 52 pCt.)" lag für die Krankenhaus- verboten. Ausgenommen sind nur: 1. der Betrieb der Refsel leitung( sagt der neueste Verwaltungsbericht) abgesehen von den In der neuen Urania in der Taubenstr. 48/49 wird die und Maschinen innerhalb der Ausstellung, soweit unabweisbar schweren Fällen höchstens eine moralische Ver- dienen: a) zur Erzeugung von Licht, b) zur Erzeugung ganze Woche hindurch das wissenschaftliche Ausstattungsstück pflichtung zur Aufnahme vor". Um das zu verstehen, hat man von Transportkraft, c) zur Wasserversorgung, d) für die Kühl- naturkundlichen Sammlungen find von 10 Uhr morgens an geDurch den Gotthard" aufgeführt. Die Gyperimentirfäle und u beachten, baß die Unterhaltung von Krankenhäusern ein maschinen zur Konservirung von Lebensmitteln, e) für die Theil der öffentlichen Armenpflege ist. Daher dürfen die Kanalisationswerke, f) die Fontainen. 2, alle Personentransport- öffnet. In dem alten Institut spricht am Sonntag Herr jenigen, für die der Vorschuß voll gezahlt wird, die Aufnahme gewerbe innert alb und außerhalb der Ausstellung; insbesondere über die Entstehung der Gebirge, am Dienstag zum ersten Male . Mitt über die Sonne, am Montag Herr Dr. Schwähr doch nur als eine besondere Gnade ansehen und können in der Ausstellung: die elektrische Bahn, die Siufenbahn, die über die Entstehung der Gebirge, am Dienstag zum ersten Male bei plazmangel abgewiesen werden, während die anderen, die, Nordpolbahn, der Aufzug zum Wasserthurm und zum Aussichts: Herr Franz Goerke über Bornholm, am Mittwoch Herr thne gerade gänzlich mittellos zu sein, 60 M. nicht sofort hinlegen thurm im Vergnügungspark, die Zillerthalbahn. 3. Das große B. Spies über Photographie mit unsichtbaren Strahlen, am Donnerstag Herr Dr. Naß über moderne Gasbeleuchtung". Ant tönnen, sich als Softgänger der Armenverwaltung Fernrohr. 4. Die Apotheken. 5. Die Schank- und Gastwirth- Donnerstag Herr Dr. Naß über moderne Gasbeleuchtung". Ant sitetrachten haben. Abgewiesen, theils wegen Plazmangel( wie schaften. Freitag wird Herr Direktor Dr. Meyer seinen Vortrag Durch viele aus diesem Grunde, wird nicht gesagt), theils weil Auf- Sonntagen beschäftigten Angestellten muß, soweit nicht andere Sonnabend Herr Dr. Müller Ueber Schußfärbungen" reden. 6. Die Arbeit an der Untergrundbahn. Allen an den Yollowstone Park bis zum großen Ozean" halten und an nahmebedürftigkeit nicht vorlag, wurden zusammen 1968 Aus besondere Vorschriften für dieselben schon vorhanden sind, in nahmefuchende, doch wurden 433 wenigstens verbunden. Es jeder Woche an einem Wochentage von 1 Uhr nachmittags ab schon in den ersten 6 Tagen, 124 sogar schon in den ersten biennes Zeit gegeben werden. Buwiderhandlungen werden nach farben 512 Personen, 131/2 pCt. der Behandelten, davon 691 Freizeit und an jedem dritten Sonntage zum Besuch des Gottes: den Strafbestimmungen der Gewerbe- Ordnung bestraft. 24 Stunden, " Diese Experimental- und Projektionsvorträge werden übrigens erfahren soll, um es zu der umfangreicheren, wissenschaftlichen in nächster Zeit eine mehrmonatliche Unterbrechung erleiden, da das alte Institut in der Invalidenstraße bauliche Umänderungen Thätigkeit, der es später dienen wird, vorzubereiten. " Fritz Friedmann wird, wenn einer Meldung der Staatsb.. 3tg." zu trauen ist, demnächst ausgeliefert werden. Unter dem Namen Warners Safe Cure wird eine Ueber die gemeinsame Elementarschule wurde vor Der Lehrer im Intelligenzstaat". Die Frage, wie viel einigen Tagen der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur" in einer wieder nur schwach besuchten Versammlung noch einmal Holz, Kohlen und Kartoffeln ein Lehrer haben darf, unterlag verhandelt. Hauptsächlich wurde die Frage erörtert, ob denn die dieser Tage der Beurtheilung der Gemeindevertretung in Bolksschulen überhaupt so beschaffen sind, daß wohlhabende Friedrichshagen. Ein Lehrer, der von Kirchhofen nach FriedrichsEltern ihnen ihre Kinder anvertrauen dürfen. Die Besorgniß, bagen berufen worden, hatte 75 M. für den Umzug erhalten, braune Flüssigkeit in flachen Flaschen von etwa 500 Gramm daß die Kinder an ihrer Sittlichkeit Schaden erleiden könnten, liquidirte aber noch 15 M. für eine Fuhre von 36 3tr., bestehend Inhalt gegen Nierenleiden und Wagenbeschwerden angepriesen Die Gemeindevertretung und für den Preis von 4 M. verkauft. Die amtlich veranlaßte wurde als unbegründet bezeichnet; sonst aber wurde auch dies: aus Holz, Kohlen und Kartoffeln. mal über die Volksschulen, im besonderen über die der Stadt lehnte aber der Freis. 3tg." zufolge die Bablung dieser 15 M. chemische Untersuchung und die Angaben eines Berliner ApoBerlin, wieder nicht viel Schmeichelhaftes gesagt. Schließ ab, indem sie diese Sachen in solchem Maße nicht als zum thefers, welcher das Mittel führt, haben, wie der Polizei- Präsident bekannt giebt, ergeben, daß das Mittel im wesentlichen aus lich wurde die Befürchtung geäußert, die Verhandlungen Haushalt des Lehrers gehörig betrachtete". mit ihren scharfen Angriffen auf die Berliner Gemeindeschulen Von einer zur Gewerbe- Ausstellung fahrenden Equi- amerikanischen Wintergrün hergestellt wird. fönnten bei einem Theile der Zuhörer die Neigung, ihre Kinder page wurde am Freitag eine etwa 30 jahrige Frau in der Selbstmord einer Vierzehnjährigen. Im Spreekanal in diese Schulen zu schicken, noch verringert haben statt fie, wie Schlesischen Straße überfahren. Die Verunglückte wurde schwer wurde vor etwa fünf Tagen die Leiche eines 14 jährigen Mädchens man gewünscht hatte, zu steigern. Auf die Frage, was zu ge- verlegt in ein Krankenhaus gebracht. Ein weiteres aufgefunden, welche jetzt als die Tochter des in der Frankfurterschehen habe, um die gerügten Mißnände zu beseitigen, ant- Opfer des Ausstellungsverkehrs am Freitag wurde die straße wohnenden Handelsmannes K. refognoszirt worden ist. wortete Lehrer Tews kurz und bündig: Schicken Sie alle hier zehnjährige Marie Scheller. Die Kleine spielte auf Der Vater hatte dem Kinde, das ihm viele Sorge machte, mit Ihre Kinder in die Gemeindeschule, dann wird's besser werden; dem Fahrdamm in der Grünauerstraße und wurde dabei von der Unterbringung in einer Zwangserziehungs- Anstalt gedroht. nur, wenn anch die Bemittelten die Mängel der Schulen an dem Fuhrwerk des Möbelfabrikanten Zeiner überfahren und Das Mädchen floh darauf und muß sich nach einigen Tagen ins ihren eigenen Kindern erfahren, ist auf Besserung zu hoffen. innerlich schwer verletzt; sie wurde erst nach der Sanitätswache Wasser gestürzt haben. Gegenüber dem in unserer Notiz über die vorige Ver- am Görliger Bahnhof und dann nach dem Krankenhause übersammlung ausgesprochenen Zweifel an der Möglichkeit der führt. zehnjähriger Mit einem Revolver brachte sich am Freitag der EisenBeibi bungeet agter, aber armer Stimber bemerkte Sery awer stimber überfahren worden und zwar in der Forſterſtraße berberischer abicht eine nicht lebensgefährliche Schupwimbe bet Schußwunde bei. Heinz Krieger, daß die und Ausbildung ein achtjähriger Rottbuser Ufer ein Sache des Staates sein müsse. Das heute übliche Verfahren, Knabe; beide durch Arbeitswagen. Die Verlegungen erwiesen Er wurde in die Charitee gebracht. Die That soll aus Liebesbefähigten Gemeindeschulkindern Freistellen auf höheren Schulen sich jedoch als nicht gefährlich und konnten beide Kinder nach gram begangen sein. zu geben, wurde von einer Lehrerin durch einige Fälle beleuchtet, Anlegung eines Nothverbandes nach der elterlichen Wohnung Durch einen elektrischen Schlag ist Donnerstag Noch welche zeigen, daß die Nothwendigkeit, die Kinder bald etwas gebracht werden. Durch Ueberfahren getödtet wurde am mittag der Schlosser August Bertling schwer verunglückt. Bestverdienen zu lassen, sie also schließlich doch noch vor der Zeit Freitag der 26 Jahre alte Kaufmann May Rabe in der ling war in der Fabrik von Siemens u. Halske in der Franklinaus der Schule zu nehmen, den Werth der Freistellen sehr ver- Levezomstraße in der Nähe der Hansabrücke. Rabe übte fich straße 27/29 zu Charlottenburg beschäftigt und erhielt dort in mindert. Ein Rektor habe übrigens deshalb dem Lehrerfollegium dort im Radfahren und gerieth unter die Räder eines mit Schutt der Versuchsabtheilung einen elektrischen Schlag, der ihn beseiner Schule empfohlen, die befähigten armen Kinder mög- schwer beladenen Arbeitswagens, der ihm begegnete. Dessen Räder wußtlos machte und zu Boden streckte. Der Verunglückte wurde lichst zurückzuhalten! Ob Herr Krieger diese Klippe da gingen ihm über Kopf und Bruft und verlegten ihn so schwer, in das städtische Krankenhaus zu Moabit gebracht und war durch beseitigen will, daß er- wie billig die Kosten des daß er auf der Stelle verstarb. Die„ Köln. Volksztg." machte gestern Abend noch am Leben. Wie der Unfall sich zugetragen Lebensunterhaltes zu den Ausbildungskosten rechnet und gleich vor kurzem darauf aufmerksam, daß troy aller polizeilichen Ver- hat, darüber hat man ihn noch nicht genauer vernehmen können. falls dem Staate auferlegt, blieb unklar. tehrsreglements in keiner anderen Stadt so viele Menschen überfahren werden, als in Berlin. Worin liegt der Grund? Hofhistoriograph Heinrich v. Treitschke ist gestern unter zahlreicher Betheiligung von Regierungsbeamten auf dem Matthäilirchhofe beerdigt worden. Die Prüfung der Fahrkarten von den Trittbrettern Gerichts- Beitung. der fahrenden Züge aus ist für die Staatsbahnen neuerdings Unser Parteigenosse Frizz Kaspar aus Steglitz stand Eine internationale Mode- Ausstellung soll vom 12. bis ganz allgemein verboten worden. Wo auf einzelnen am 30. April vor der 12. Abtheilung des Amtsgerichts II. An27. September im Meßpalaft, Alexandrinenstraße 110, statt- e benbahnstrecken( auf denen die Bahnsteigsperre nicht geflagt war derselbe wegen Beleidigung des Gendarmen Borch finden. eingeführt ist) Durchgangswagen noch nicht in genügender An- zu Steglitz. Kaspar sollte den Beamten am 22. März in einer Sonntagsplandevei. menten aus. Wir aber kommen zu Hauf, wir Zauberer Wonarchen blieb stumm. Das war ein Schmerz für Kühnemann von Berlin. Schnelligkeit ist keine Hererei; und mit der be- und Felisch; das war ein bitterer Schmerz auch für Goldberger, rühmten„ affenartigen Geschwindigkeit" errichten wir, aus Stuck den geheimen Kommerzienrath. Nun müssen sie sich vorerst an und Pappe natürlich, Kunstwerke von so eminenter Bedeutung, die brausenden, dithyrambischen Jubelgefänge in der Presse halten. daß die Sophienmoschee und zugleich der gigantische Tom von Sie find so willfährig, so diensteifrig, diefe Zeitungsfedern. St. Peter so ungefähr zum Vergleich herangezogen werden mit wie mannhafter Ueberzeugung traten fie schon vorher tönnen. dafür ein, daß die Berliner Ausstellung, eine ehrenhafte Ausund man Offen muß ich es eingestehen: Es kommt mir vor, als sei ich feit ein paar Tagen um gute zwei Zoll gewachsen. Es ist auch kein Wunder, wenn man überall so feiertäglich behandelt wird. Man steigt in seiner höchsteigenen Achtung. Trete ich vor den Spiegel, was sonst gewiß nicht allzuhäufig vorkommt, Es wäre wohlfeil, die große Schau in Treptow in Bausch nahme vor allen anderen, pünktlich zur Eröffnung fix und so verbeuge ich mich doppelt ehrfurchtsvoll vor meinem Abbild. und Bogen zu verdammen. Eine Welt des Echeins, der fertig sein werde, und nun sie nicht fertig geworden, genan Das macht: Jch fühle mich. Ich fühle meine Würde als Be- dekorativen Kouliffe ist da aufgebaut, die in Einzelheiten reiz- wie die anderen auch, schweigt man dennoch bescheiden und still. wohner der Reich hauptstadt. Warum sollte ich denn nicht? volle Aus- und Umblicke gewährt. Es wird auch anderswo mit Man hat in glühend leidenschaftlicher Beredsamkeit die BeWenn ich kein Mustermensch geworden bin in des Wortes edelfter Wasser gekocht und überall, wo Riefenausstellungen veranstaltet völkerung von Berlin zum Fähnchen schwenken und Hurrahrufen es eine Bedeutung, so ist bloße Niederträchtigkeit von wurden, hat das das dekorative Kunststück, Blendwerk aufgefordert und man mußte die Enttäuschung erleben, meiner Seite. unechtem Materiale, die An Berlin liegt es nicht. Denn ohne Ueber- aus des „ Kultur Stucks", daß das undankbare Volt den 1. Mai nach seinem Gefallen hebung gesprochen, was sind wir für wunderbare Menschen! Voraus vor dem Hauptzweck der eigentlichen Ausstellung über feierte und durchaus nicht die Gafien mit Jubelgefängen und Stud" doch der gesetzt, daß die papierene Zeitungswelt recht hat, die uns der wogen. Ift feine überhäufige Ovationen für seine Wohlthäter erfüllen wollte, und aller Liebe malen über den Schellentönig lobt. Kaum eine Tugend giebt Anwendung geradezu ein hervorstechendes Merkmal für die Müh', wie wird sie gelohnt! es, die wir nicht befäßen. Ich bin nun einmal zeitungsgläubig Kultur unserer Tage im allgemeinen. Künstlerische Ohnmacht, Keine Fleißprämie giebt es, eher seht es Schelte. Als dieser und ließe mir es nicht im Traume beifallen, einem hohen Chef Mangel an ursprünglicher Schaffenskraft, Massenarmuth und Tage die Männer der Feder zur Beleuchtungsprobe" nach Kairo redakteur irgend eines angesehenen Zeitungsblattes" zu wider- Nüchternheit, wie sie in den Wiethskasernen heimisch find, sie wollten friedlich bei Trant und Speise saß. sprechen. werden mit dem hilfreichen, allzeit willkommenen Stuck über- da gedachte man in vielen schönen Reden all der Wohlthäter, die Wir sind vom Arbeitsfieber wie besessen; jeder einzelne fleidet. Eine Gesellschaft, die auf schwankenden Boden steht, will das Riefenunternehmen im Park zu Treptow gefördert hatten. von uns, auch die sattesten Kommerzienräthe und Koupon vor dem Häßlichen, das sie umgiebt, die Augen verschließen. Das Auch der Presse gedachte man, doch nicht gerade in aller schönster schneider. Wenn wir einmal einen Tag blau machen und auf graue Glend wird mit unechtem Buzz verziert und über- Rede. Sie hatten sonst schon duhende von Beleuchtungsproben der Bärenhaut liegen, da schüttelt und rüttelt uns das besagte laden. Das ist der Zauber, der für unsere Gesellschaft aus beigewohnt und es ging immer in sänftiglicher Eintracht. Man Fieber. Wir sind unglücklich, wir fahren auf im Zorn und dem Stuck erblüht. Ich war am vergangenen Sonntag umschmeichelte die vielumworbenen Männer und alles war gut. Grollen, wie Percy, der Heißsporn bei Shakespeare, wenn er draußen in der Ausstellung. Rüftig wurde geschaffen. Da Aber diesmal stand der Stadtverordneten- Vorsteher Dr. Langerfeine Arbeit gethan. Unsere Bürgerschaft hat den freiesten plößlich sah man, wie in dem Kuppelraum der Ausstellung hans auf und die verdußten Männer der Feder mußten manche Männerftolz, ein hohes Selbstbewußtsein, mit Bescheidenheit ge- einer der Arbeiter eine bauchige Säule erhob und sie auf ihrem bittere Wahrheit schlucken. Einzelne von ihnen hatten sich nachher paart. Und so fönnte ich, wollte ich die Jubelhymnen dieser Standplak aufrichtete. Mit weißgetünchtem Linnen war sie entrüftet und über den Sermon des Herrn Langerhans Klage Zage abschreiben, noch mancherlei Herzerhebendes erzählen. umkleidet, ein Ruck und das Säulengestell stand aufrecht da. geführt. Wie durfte sich der Mann auch erdreisten, frei seine Besäßen wir dieses vollgerüttelte Maß von Biederfeit, Bra- Es war komisch, dies Verkleidungswunder, wenn einer so sah, Meinung zu sagen, daß nicht alle Elemente der Presse ihm vour, Geist und ausdauerndem Schaffen nicht, wie hätten wir wie es sich vor seinen Augen vollzog. Darum sollten die Herr sonderlich imponiren? Das muß der Zunft in die Seele schneiden. sonst aus ganz eigenem Verdienst und eigenem Recht die unerhörten, schaften, die unter dem Kommando der Goldberger und Kühne- Erst im Biereifer rennen und jagen; verklärende, verhimmelnde nie jemals zuvor gesehenen Weltwunder draußen in Treptow auf mann und Felisch in der papiernen Welt, die ihnen zur Ver- Berichte schreiben; Posaunenstöße in alle Windrichtungen zu erstehen lassen können; als die Maiensonne strablend aufgegangen war fügung steht, Reklame donnern, sich hüten, durch groteske Ueber- senden; willfährig, wie ein wohldressirter Pudel auf jeden Wink der großen Herren der Ausstellung aufzupaffen; unterund frohlockend über die blizzblanke Aluminiumfugel des Industrie- treibung in lächerliche Geschmacklosigkeit zu verfallen. gebäudes tänzelte, da war es, als sähe man Millionen von Vielleicht ist ihr überhiziger Eifer zur Zeit eine füße thänig aufzuwarten und trotz alledem dennoch mit ungnädigem Brillanten flimmern und glisern; und ein Bild von über- Linderung für den Schmerz, der den leitenden Kräften der Ge- Stirnrunzeln begrüßt zu werden: Ich kann mir vorstellen, wältigender Schönheit offenbarte sich, zugleich war der Glanz sammtausstellung widerfuhr. Als die Ausstellung am Freitag das trifft bart. Allein, ich meine, wer jahraus, jahrein in der Softenmoschee zu Konstantinopel und der der Arkaden von offiziell eröffnet wurde, wie hingen da die Herren an den Lippen Pudelkünften sich übt, der muß dessen gewärtig sein, daß die St. Peter in Rom erreicht. Zu so erhabener Poesie verstieg sich des Monarchen. Ihre langen Ansprachen troffen über Hand, die sonst streichelt, in unwirscher Laune einmal gegen ihn eine Zeitungstante in ihrer feiertäglichen Schilderung. Soll uns von Ergebenheit. Aber der Mund des Monarchen blieb stumm. ausschlägt. Tragisch ist der Zwischenfall nicht zu nehmen, der Das sind aber gute, da nicht das Herz freudiger bewegt schlagen? Da mühen sich Festrede um Festrede ging vorüber, gespannt lauschte man, ob eine oder der andere fühlte sich verlegt. Geschlechter in Jahrzehnten an Wunderwerken der Kunst. Der keine Erwiderung folgen werde. Wie hätte man aufgejauchzt, herzensgute Menschen. Sie werden sich beruhigen und weiter ganze Charakter der Zeit prägt sich in den steinernen Monus wie in seliger Verzückung geschwelgt; aber der Mund des aufwarten, unterthänig aufwarten. Alpha. ihm übel öffentlichen Versammlung durch die Worte, ba tam die Pickel- angestellt. Ende 1892 nahm er seinen Abschied. Er scheint verwendet. Nach einigen internen Angelegenheiten erfolgte sodann haube des Gesetzes, und der Beamte hat sich gemein benommen" von der Annahme durchdrungen zu sein, daß seine der Schluß der Versammlung. beleidigt haben. Der Angeklagte bestritt, die Aeußerungen in Borgesetzten gesinnt waren und feiner BeDie Musikinstrumenten- Arbeiter Berlins versammelten diefem Sinne gethan zu haben, und ivies darauf hin, daß diese förderung Hindernisse in den Weg gelegt haben, weil Worte aus dem Zusammenhange geriffen feien und daß er er sich bemüht hatte, einige Mißstände und Unregelmäßigkeiten, die Koppenstraße, um den Bericht über den jetzigen Stand des Streits sich am Donnerstag Nachmittag im großen Saale bei Keller, nach Lage der Sache gar keine Beleidigung habe aus ihm in der Verwaltung aufgefallen feien, aufzudecken. Bald nach entgegen zu nehmen. Kleinlein besprach die Situation der stoßen können. Für die Handlungsweise des Gendarmen seinem Ausscheiden aus dem Dienste hat der Angeklagte an den entgegen zu nehmen. Kleinlein besprach die Situation der Arbeiter und der Unternehmer. Die Lage sei insofern geändert, Borch, welche er in mildester Form kritisirt habe, trete er durch damaligen Kriegsminister v. Kaltenborn und an das General- als noch über 200 der intelligentesten( wie sich der Fabrikant in der Zeugen den Wahrheitsbeweis an. Er beantragte Bertagung und kommando des 1. Armeekorps ein Schreiben gerichtet, worin er Instrumentenbau- Zeitung" ausdrückte) und bestgestellten Arbeiter Ladung der von ihm in der amtlichen Bernehmung vorgeschlagenen auf die angeblichen Mißstände hinwies. Er behauptete, daß der Hochburg des Patriotismus", der Fabrik des Kommerzienraths Zeugen. Der Staatsanwalt hielt in feiner Rede eine Verhöhnung eine Revision der Kohlenbestände der Garnison- Verwaltung zu Bechstein, sich mit den streifenden Musikinstrumenten- Arbeitern des Gendarmen Borch für vorliegend und beantragte, da die Königsberg einen Fehlbetrag ergeben würde, der darauf solidarisch erklärten und die Arbeit niederlegten. Letzteres wurde inkriminirte Aeußerung in einer sozialdemokratischen, der Umsturz- zurückzuführen sei, daß eines der Vorstandsmitglieder, der von allen Seiten mit einem kräftigen anhaltenden Bravo begrüßt. partei dienenden Versammlung gefchehen sei, eine Geldstrafe von Geheime Kriegsrath Merlicke von den militärfiskalischen Gegenwärtig sind 86 Firmen vom Streit betroffen. Bewilligt 100 M. Der Gerichtshof glaubte in dem Worte Pickelhaube" Rohlen zu seinem Privatbedarf entnehme. Derfelbe betreibe haben 21 Firmen. Beschlossen wurde einstimmig folgendes: dennoch eine Beleidigung zu finden und auf 50 M. Geldstrafe ferner Durchstechereien mit seinem Untergebenen und Freunde, 1. die Arbeiter der Klavierbranche verpflichten sich, nicht früher und Publikationsbefugniß erkennen zu müssen. dem Intendantur- Registrator Lück, welcher ihm aus der ihm Vom Musstand der Zimmerer auf der Gewerbe- And- ihre Klaviatur und Mechaniken aus solchen Fabriken beziehen, Vom Ausstand der Zimmerer auf der Gewerbe- Ans- anvertrauten Kaffe Borschüsse geben müsse. Bei der vierten Ab- die Arbeit aufzunehmen, bis ihre Fabritanten nachweisen, daß sie stellung. In demselben Augenblicke, in welchem die Berliner theilung werde ber Dienst in höchst lässiger Weise gehandhabt, wo unsere Forderungen voll und ganz bewilligt sind; 2. verpflichten sich die Klaviatur- und Mechanikarbeiter, erst dann Gewerbe- Ausstellung eröffnet wurde- in der Zeit von 114-12 Uhr in den Fächern, welche Alten enthalten sollten, würden wo unsere Forderungen voll und ganz bewilligt find; 2. verwurde am Freitag vor der Straffammer am Landgericht II. über Spirituosen verborgen, die Beamten fäßen während der Dienst- die Arbeit aufzunehmen, wenn ihre Fabrikanten nachweisen, daß zeit oft stundenlang in einer benachbarten Kneipe und spielten sie nur dahin liefern, wo die Forderungen der Klavierarbeiter den ersten Streit verhandelt, welcher bei den Bauten der Aus- Stat u. f. w. Der Verfasser stellte am Schlusse seiner Anzeigen bewilligt sind. Weiter wurde beschlossen: Wir erklären uns mit ftellung stattgefunden hat. Im Juni v. J. streitten auf dem Ausstellungsgelände die Zimmerer. Sie verlangten 55, statt wie anheim, ihn wegen Beanitenbeleidigung zur Verantwortung zu den Arbeitslosen der Musikbranche solidarisch. Sie erhalten ziehen, damit er Gelegenheit finde, seine Behauptungen biefelbe Unterstützung wie die Streifenden, wenn sie nachweisen, bisher 50 Pf. pro Stunde. Von den Zimmerern der Firma beweisen. E3 wurde eine umfangreiche militärPumplun u. Co. war der Zimmerer Göde als Platdeputirter u daß sie eine Woche vor dem Tage des allgemeinen Ausstandes, gegen die bezichtigten Beamten Montag, den 27. April, arbeitslos waren. Die Versammlung erwählt worden, welcher während der Frühstückspause eine An- gerichtliche Untersuchung eingeleitet, die aber kein positives Ergebniß rede an die Genoffen vom Bau hielt und dabei geäußert baben hatte. Darauf wurde der Spieß umgedreht und gegen Bock arbeitenden Kollegen verpflichtet werden, pro Tag 50 Pf. an die stimmte noch dem Beschluß der Lohnkommission zu, wonach die solle: Wer nicht mitthut, wird verhauen!" Er ist dafür vom Schöffengericht zu einer Woche Gefängniß verurtheilt worden. obige Anklage erhoben. Derselbe blieb im Termine dabei, daß Streittaſſe zu zahlen. Das Gericht hatte in der Aeußerung den Thatbestand der ver: Gericht hatte ihn den angetretenen Wahrheitsbeweis zu Ende er feine Behauptungen in allen Punkten aufrecht halte. Das Rigdorf! Am Donnerstag beschäftigte sich eine öffentliche fuchten Nöthigung gefunden. Auf die Berufung des Angeklagten führen lassen; bereits zweimal ist der Termin vertagt worden, Versammlung der Maurer mit dem Stand der Lohnbewegung. fand gestern vor der Straffammer eine erneute umfangreiche weil der Angeklagte stets auf neue Zeugen sich berief. Die Nach einem eingehenden Bericht über die gegenwärtige Situation, Beweisaufnahme statt, doch tam die Sache nicht zum Abschluß, weil der Gerichtshof auf Antrag des Vertheidigers Rechtsanwalts gestrige umfangreiche Beweisaufnahme führte Unregelmäßig- dem eine längere Diskussion folgte, gelangte nachstehende Resofeiten zu tage, welche bei der Militärverwaltung in lution zur Annahme. Die Versammlung beschließt, an den bisHerzfeld die Ladung neuer Entlastungszeugen beschloß und die Königsberg vorgekommen waren, nach Ansicht des Staats- herigen Forderungen festzuhalten. Die Banten derjenigen UnterVerhandlung vertagte. anwalts sei der Angeklagte aber feineswegs berechtigt, derartige nehmer, die nur theilweise bewilligen oder nur auf einzelnen Die Angelegenheit Zinne ist am 1. Mai vor dem Reichs Vorwürfe in beleidigender Form gegen die ge- Bauten Zugeständnisse machen, werden gesperrt. gericht zum Abschluß gekommen. Zinne war, wie erinnerlich, sammten Beamten der vierten Abtheilung zu erheben, wie er wegen Vergehens gegen die§§ 111 und 112 des Strafgesetzbuchs es gethan. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten angeklagt worden, weil er auf einer Vereinsfestlichkeit an die eine Gefängnißstrafe von 3 Monaten. Der Vertheidiger, Rechte zum Militärdienst eingezogenen jungen Leute eine Anrede sozial- anwalt Buta, führte aus, daß der Angeklagte in Wahrung demokratischen Juhalts gerichtet hatte. In der ersten Verhand- berechtigter Interessen gehandelt habe und höchstens in der Form Iung war Binne freigesprochen worden; das Reichsgericht hob über die zulässigen Grenzen hinausgegangen sei. Er plädirte das Urtheil auf und darauf wurde Binne zu 6 Monaten Ge- für Freisprechung. Der Gerichtshof hielt zwar Die Herren Moosdorf und Hochhäusler schicken uns fängniß verurtheilt. Die vom Verurtheilten eingelegte Revision für erwiesen, daß die von dem Angeklagten abermals eine Berichtigung folgenden Inhalts zu: In Nr. 99 ist nunmehr vom Reichsgericht verworfen worden. gerügten Mißstände vorgekommen seien, unAbermals fam vor dem Reichsgericht ein Fall von bedingt habe derselbe auch in Wahrnehmung berechtigter Interessen Ihres Blattes finden wir unter unserer Berichtigung eine ErPrügelpädagogit zur Verhandlung. Vom Landgerichte gehandelt; immerhin sei er aber weit über das erlaubte Maß widerung vom Vorstand des Berliner Metallarbeiter- Berbandes. Breslau ist am 3. März der Lehrer Konrad Märtin 3 hinausgegangen und habe Beamten in seine Beleidigungen hinein: Da letztere zum theil nicht der Wahrheit entspricht, ersuchen wir Der Angeklagte sei des- Sie um Aufnahme folgender Berichtigung: 3wei Klempner wegen Rörperverlegung im Amte zu Strafe verurtheilt worden, gezogen, die dieselben nicht verdienten. weil er einen schwächlichen Knaben etwa sechszehnmal gewegen zu bestrafen gewesen, doch sei von einer Freiheitsstrafe baben die Arbeit überhaupt nicht niedergelegt und ein dritter schlagen hat, sodaß derselbe eine Anzahl Striemen mit nach Abstand genommen und nur auf eine Geldstrafe erkannt worden, hat dieselbe eine Woche nach der Niederlegung wieder aufHause brachte. In der am 1. Mai stattgefundenen Ber- die aber wegen der Schwere der Beleidigungen auf 300 M. be genommen. In Nr. 98 befindet sich die Angabe, daß neue Klempner nur handlung vor dem Reichsgericht beantragte zwar der Reichs- messen worden sei. 15 M., höchstens 18 M., auf den Artikel( Wellenbad Schaufeln) anwalt die Verwerfung der Revision des Angeklagten, da aus verdienen. Dies ist vollständig unwahr. dem Urtheile hervorgehe, daß er das gewöhnliche Maß der Züchtigung erheblich überschritten habe. Das Reichsgericht hob aber das Urtheil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück, weil nicht genügend geprüft sei, welches die Grenzen der erlaubten Büchtigung seien und ob der Angeklagte diese Grenzen überschritten habe!! Versammlungen. Steglit. Am 29. April tagte hier eine gut besuchte Vers sammlung der Maurer, die nach dem Bericht der Lohnkommission beschloß, die Kommission nochmals zu beauftragen, mit der Baugewerksinnung in Verhandlung zu treten. Sollte kein günstiger Bescheid erfolgen, so ist am Montag, den 4. Mai, die Arbeit auf denjenigen Stellen, wo nicht bewilligt ist, niederzulegen. Arbeiter- Bildungsschule. Sonntag und Montag fein Unterricht. Die geferäume find von 10-12 Uhr vormittags resp. von 8 Uhr abends an geöffnet. Arbeiter Sängerbund Berlins und Umgegend. Borsigender Ad. Neumann, Pasewalterstraße 3. Alle Aenderungen im Vereinstalender find zu richten an Fried. Kortum, Manteuffelfir. 49, D. 2 Tr. Arbeiter Raucherbund Berlins und Umgegend. Aenderungen im Vereinstalender sind zu richten an Otto Schulz, Rottbuser Damm 72. Bahlstelle 1 bet Feindt, Weinfir. 11; Bahlstelle 2 bei Gründel, Brunnenstr. 188. Verein deutscher Schuhmacher. Montag, den 4. Mai, abends 8 Uhr, Schöneberg. Arbeiter- Bildungsverein. Montag: Vereinsversammlung bei Obft, Grunewaldstr. 110. Gäſte haben Zutritt. Verein der Buchdrucker und Schriftgießer für Riedorf- Brik. Seute, Sonntag, vormittags 11% Uhr, in den Vittoriafälen( Rigdorf), Ber fammlung. Große Ertra- Borstellung. Programm 30 Pf. Anfang 7 Uhr. and Borträge iskutirklub Mo Bühnenverband Preziosa. Heute in Joel's Festfälen( großer Gaal): Privat- Theatervererin Crescendo, Linienftr. 73, ab. 6 Uhr: Sigung. Lese- und Morgenröthe. Montag, den 4. Mai, bet Trittelwig, Faldensteinitr. 7: Stzung. Vortrag des Genoffen Wagner. Kosmos, Verein für volksthümliche Wissenschaft. Montag, den 4. Mai, Frauencharafter.". Gäste willkommen. Sozialdemokratischer Agitationsverein für den Reichstags- Wahlkreis Stralsund- Franzburg- Rügen. Heute, vormittags 10 Uhr, bei inte, Jüdenftr. 36: Sizung. Gäste willkommen. abends 8½ Uhr bet Senfel, Brunnenstraße 173: Distuffion über:" Nora, ein in welcher der Vertrauensmann Scholz einen beifällig aufDie Bäcker hielten am 28. April eine Verfammlung ab, genommenen Vortrag über das Thema:" Was haben wir zu thun, um den Marimal- Arbeitstag inne zu halten?" sprach. Redner fritisirte treffend das Verhalten der verschiedenen AbEine Klage auf Entziehung des Prüfungsscheines einer geordneten, als im Jahre 1892 zum ersten Mal das Arbeiterschutz: 62 jährigen Hebeamme wurde seitens des flagenden Polizei Gesetz zur Besprechung fam. Damals erklärten sich sämmtliche präsidenten von Frankfurt a. M. damit begründet, daß die Seb Parteien für eine Beschränkung der Arbeitszeit in Betrieben, wo schärfe der Beklagten abgenommen habe und daß diese aus besonders gesundheitsschädliche Verhältnisse obwalten. Nun Mangel an Verständniß bei einer Nachprüfung nicht im stande mehr, nachdem der Bundesrath für den Bäckereibetrieb gewesen sei, die Grade des Thermometers richtig abzulesen. Auch die Arbeitszeit festgesetzt hat, wenden sich verschiedene Privat- Theatergesellschaft Freundschaftskreis. Heute, nachmittags wurde auf das Alter der Frau bezug genommen, welches eine Abgeordnete einflußreicher Parteien dagegen, und plä- 4 Uhr, bei Zimmermann, Badfir. 58, 1 Tr.: Sigung. Abnahme der erforderlichen Behendigkeit bewirkt haben soll. Der diren für die uneingeschränkte Ausbeutung der Arbeiter in Kläger wurde sowohl vom Bezirksausschuß wie auch vom Ober- diesen Betrieben. Nach längeren Ausführungen kommt Redner verwaltungsgericht abgewiesen. Der Senatspräsident Rommel zu dem Schluß, daß nach den neuesten Ereignissen im Reichstage führte zur Begründung aus, das gegen die Hebeamme vor die Arbeiter auf fozialpolitischem Gebiete nicht viel zu hoffen haben gebrachte Argument genüge nicht, die Entziehung des Prüfungs- und empfahl er deshalb den Bäckergesellen, sich fest der Organisation scheines zu rechtfertigen. Die Verminderung der Eehschärfe lasse anzuschließen. Nach einer dem Referat zustimmenden Diskussion gefich durch eine schärfere Brille wieder ausgleichen; daß dies nicht langte folgende Resolution zur Annahme: Die Versammlung protestirt möglich wäre, sei vom Kläger nicht einmal behauptet, geschweige ganz entschieden gegen die von mehreren Reichstags- Abgeordneten denn unter Beweis gestellt worden. Und wenn die Frau gegen- ausgesprochene Absicht, den Bäckergesellen die geringen Vortheile wärtig die Grade des Thermometers nicht unterscheiden könne, des Maximal- Arbeitstages vorzuenthalten. Die Bersammlung dann sei nicht ausgeschlossen, daß sie dies auf Unterweisung hin fordert den Bundesrath auf, fest auf dem Standpunkt, welchen derBriefkasten der Redaktion. Lernen werde. Sollte sie dann später dazu auch noch nicht im selbe eingenommen hat, zu verharren. Sollte jedoch wider Erwarten wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre( awet Buchstaben oder eine Bahl) Stande sein, so wäre ein neues Vorgehen gegen die Beklagte in der Bundesrath dem Druck der Abgeordneten nachgeben, so verpflichten anzugeben, unter der die Antwort ertheilt werden foll. Erwägung zu ziehen. sich die Berliner Bäckergesellen, den Maximal- Arbeitstag aus Die juristische Sprechstunde findet am Montag, eigener Kraft zu erringen und fordern deshalb die Berufsgenossen Dienstag, Freitag und Sonnabend, abends von auf, den am Ort bestehenden Organisationen beizutreten," 6-7 Uhr statt. Unter Gewerkschaftlichem wurde mitgetheilt, daß der Bäckermeister H. Schmidt, Breslauerstraße. Da der Ausstand schon von Below, Teltowerstraße, seine drei Gefellen entlassen habe, weil uns erwähnt war, schien uns die Veröffentlichung überflüssig; die betreffenden am Nachmittag zur Versammlung gehen wollten. wie Sie aus heutiger Nummer ersehen, tamen wir Ihrem Wunsche Ein anderer Redner schilderte, wie in einer von ihm namhaft aber nachträglich noch nach. gemachten Bäckerei die Ratten herumspazieren. Als sich seiner- Otto Renthaler. Die Aufnahme Ihrer Zuschrift war wegen zeit in der Bierbärme eine erfäufte, wurde dieses ekelhafte Raummangels noch nicht möglich. Auch jest müssen Sie sich noch Material nicht einmal vernichtet, sondern trotzdem zum Backen etwas gedulden. Das moderne Beleidigungs- Strafverfahren. Schwere Beschuldigungen, welche der frühere Intendantur- Assistent Karl Bock gegen seine vormaligen Borgesetzten erhoben hatte, haben ihm eine Anklage wegen Beleidigung zugezogen, welche gestern vor der zweiten Straftammer des Landgerichts I gegen ihn verhandelt wurde. Der Angeschuldigte wurde nach Beendigung des legten Feldzuges als Sergeant aus dem Heere entlassen und auf grund seines Militär- Versorgungsscheins bei der 4. Abtheilung ber Intendantur des 1. Armeekorps in Königsberg als Assistent Genre dekorativer Ver Kunst und Wissenschaft. gesammten Ausstellung ihr besonderes Gepräge gegeben. Diesmal theater selbst ist im Wesen dem haben sie weitaus nicht diefelben Auftrengungen gemacht, und kleidung treu, die das Um und Auf der Koulissenwelt da Große internationale Kunstausstellung. Wenn es nach was von ihnen gilt, das gilt ähnlich auch von der Gruppe der draußen ausmacht, wenn man von der eigentlichen Gewerbeder Häufigkeit der Jubiläen ginge, die Berliner Kunst lebte heute in Paris gebildeten Amerikaner. Aber es scheint ein regel schau absieht. Der Zuschauerrum ist amphitheatralisch geim goldenen Zeitalter. Wieder giebt es ein Gedenkfest. Heute rechter Zusammenhalt zwischen Paris und Berlin sich zu bilden, zimmert und faßt 1800 Personen. Architekt Sehring hat das vor 200 Jahren wurde die fönigliche Akademie der Künfte ge- fo weit es die tünstlerischen Kräfte betrifft. Ganz Theater gebaut, seine Leiter sind die Direktoren des fünftigen gründet; und zum Gedächtniß hieran wurde eine große inter- hervorragenden Antheil an der Ausstellung haben die Theaters im Westen, die Herren Blumenreich und Witte- Wild. nationale Jubiläumsausstellung veranstaltet, die dritte seit zehn Spanier, unter ihnen José Benliure und der kraftvoll Man gab am ersten Abend zwei Schaustücke aus Alt- Berlin, Jahren. Am Sonntag wird sie im Ausstellungspalast zu Moabit naturalistische Columbano. Sehr sorgsam im einzelnen sind die ein tragikomisches,„ Die schwere Noth" von Wolzogen, in deni eröffnet. Mitgliedern der Presse ist der Zutritt bereits gestattet Standinavier verfahren; der fein empfindende Däne Kroyer, der noch wenig fachliterarisches Wollen und künstlerische Empfindung worden. So viel sich bei flüchtiger Vorbesichtigung erkennen Schwede Liljefors mit köftlichen Beobachtungen aus dem Thier- durchbricht; und ein lustiges Spiel,„ Das Ringelstechen" läßt, ist die diesjährige Ausstellung noch umfangreicher, leben, und der keck zugreifende Norweger find trefflich vertreten. von einem Ungenannten, das in der Form eines Huldigungsals die vorhergegangenen Jubiläumsausstellungen waren. Italien sowie England machten sich die Auslese im allgemeinen turniers für den brandenburg'schen Fürsten Johann Georg Mehr ala 3000 Arbeiten find aufgenommen. Diese bequemer. Die Niederländer bringen neben Werken ihrer an- dem Rahmen der Zirkusschauspiele sich einfügt. Gewaltsames Massenhaftigkeit ist erschreckend. In München, in Paris, in erkannten Meister auch einzelne exzentrische Erscheinungen, wie Treiben entfaltet sich auf dem Moltenmarkt im Jahre 1348. London hat man einsehen gelernt, daß bei solchem Riefen- das phantastische Bild von Leempols, das im Vorjahre in Berlin ist in schweren Nöthen. Keiner weiß heute, wer morgen aufgebot das Kunstinteresse leide, daß die Einrichtung der Jahres- München eine gewisse Sensation erregte. Es wird sich noch Herr sein wird im Lande. Drunter und drüber geht es; selbst ausstellungen dadurch in Mißkredit gerathe. Jedem Kunst- Gelegenheit finden, im besonderen auf die massige Ausstellung die Volksspäße sind wild und wüst. Im abergläubischen Wahnempfänglichen find die Riefenbazare, die naturgemäß einen zurückzukommen. wit mezzeln die Bürger die Juden als Brunnenvergifter und Ueberschuß an Marktwaare aufweisen, ein Greuel. Man war Das Theater Alt- Berlin in Treptow ist nun mit der Kindesräuber nieder, ein einzig Ueberlebender, in seiner Person darum im Münchener Glaspalast und ganz besonders im Hause Gewerbe- Ausstellung zugleich eröffnet. Am Donnerstag Abend die Jüdenschaft von ganz Berlin", nur ist noch vorhanden. Von der Sezession in der Prinz- Regentenstraße zu München in den wurde vor geladenem Publikum die Hauptprobe abgehalten. Noch Gautlern und Landfahrern läßt sich das Volk narren; ein letzten Jahren auf eine strengere Auswahl bedacht. In Berlin sind die Maschinerien nicht alle im stande; im letzten Moment Schurke, der in der Nähe der Machthaber sitzt, darf bleibt man bei dem Prinzip der Riesenbazare. mußte die Aufführung von Bleibtreu's Wendentaufe" verschoben auf offener Straße Mord und Todtschlag begehen. In diesem Jahre trägt die gesammte Ausstellung wirklich werden, weil die nothwendigen Beleuchtungseffekte nicht durch Der Ritter Habel erdolcht den Junker Wildenbruch, weil internationalen Charakter und übersichtlicher als sonst sind zuführen waren. Trotzdem läßt sich über den Charakter des der die Ehre einer geliebten Frau schüßen will. Aus die Kunstwerke nach ihrem Ursprung ihrem Ursprung geordnet. Berlin Gesammtunternehmens schon recht wohl urtheilen. Nicht auf dieser Blutthat entsprießen neue Greuel. Zum Schluß stürzt nimmt aus Anlaß des Jubelfestes eine Sonderstellung für literar- künstlerischen oder schauspielerischen Werth kommt es den das brennende Rathhaus zusammen und dem Bürgermeister von sich in Anspruch. Kunst- und lokalgeschichtliche Gemälde aus Unternehmern an, sondern auf prunkvolle Massenentfaltung, auf Berlin erscheint das wie ein Sinnbild vom Zusammenbruch der vergangenen Jahrzehnten, Fürstenportraits und Repräsentations- dekorative Schauftücke in altberlinischer Verkleidung. Mit einem alten, wüsten, gewaltthätigen Zeit. Was dann werden soll? stücke, wie die Anton v. Werner's sind aufgenommen worden. Wort: das Ausstattungsstück mit möglichst reichen Gruppen Der Autor giebt die Antwort nicht. Er deutet nur von ferne Die ältere Schule Berlins dürfte in einer Schilderung aus dem bildern wird auf dem Grund lokal- oder kulturgeschichtlicher auf die Sendung der ersten Hohenzollern hin, die in das verGhetto von Ludwig Knaus, die jüngere in einer rein malerisch Reminiszenzen gepflegt werden. So weit es thunlich, soll Ber- rottete Gemeinwesen Ordnung bringen werden. Geschickter werthvollen Phantasie von Leopold v. Hofmann besonders linische Bürgertüchtigkeit und dynastischer Ruhm gepriesen und anregender erwies sich Wolzogen in den bunten, charakteristische Beispiele gesandt haben. Deutschlands größte werden. lärmerfüüten Massenszenen, als in den tragischen Liebesmotiven, Kunststadt München hat sich diesmal nicht mit vollem Herzen an Als neulich„ Der Junge von Hennersdorf", ein preußisches die er in seine altberlinischen Szenen verwob; und das Publikum Berlins Ausstellung betheiligt. Doch ist Lenbach mit seiner Hurrahdrama von Wildenbruch, im Lessingtheater aufgeführt war ihm hierfür auch weit dankbarer. Von den einzelnen SchauSchlangentönigin, die im Vorjahre in München zu sehen war, und wurde, konnte man befürchten, daß berlinisch- byzantinische spielern ist nichts Gutes zu berichten. Die bewegten, die lärmenden Friz Uhde mit einem älteren Gemälde erschienen. Erfreulich Ruhmrednereien sich allzu selbstgefällig breit machen werde. Der Wassenaustritte sind indessen die Haupfache; und sie waren mit ist es, daß die Pariser, die im Vorjahre zum ersten Male torpo: Junge von Hennersdorf war nämlich ursprünglich für das bühnenkundiger Energie arrangirt. Nicht so gut glückte es mit rativ in Berlin aufgetreten waren, wiederum gemeinschaftlich bei Ausstellungstheater bestimmt. Es tam aber, wenigstens am dem Ringelstechen. Derlei Vorführungen sieht man bei Renz uns ausgestellt haben. Im Vorjahre haben sie allerdings der ersten Abend, nicht so schlimm. Das Ausstellungs- oder Busch ungleich besser. Schuhwaarenhaus Carl Stiller Gegründet 1867. Streng reelle Herren- Zugstiefel Jerusalemerstrasse 40, am Dönhoffplatz. Gegründet 1867. Schuhwaaren zu billigen Preisen. Seltener Gelegenheitskauf, für den praktischen Straßengebrauch in nur guten Oberlebersorten und beftem Bodenmaterial. Verschiedenste Ausführungen zu Mk. 5,50, 7,00, 8,00, 9,50, 10,50, 12,00, 13. Herren- Halbschuhe für den praktischen Straßenbedarf zum Schnüren und mit Gummizügen in den besten Oberlederqualitäten und allen Formen zu Mk. 4,00, 5,00, 6,00, 7,00, 8,00, 9,00, 10,00. Lawn- Tennis- Schuhe, Turn- Schuhe, Strand- Schuhe. Ich zahle keine unerreichte Billigkeit. Damen- Schnür- Schuhe, haltbares, weiches Oberleder mit imitirten Biertäppchen, schwarz martirten Randsohlen und Lederabsäzen, angenehm leicht und elegant, 4 Mark 50 Pf. 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Früher verkaufte ich der Geschmack desselben feiner Schwere und Schärfe wegen dieselbe um 20 pCt. theurer, obgleich die jetzige im Geschmad Augen und Gaumen belästigt. Nichts von alldem hat diese die ehemalige weitaus überragt. pr. 100 Std. Mk. 5,25. Cigarre; abweichend von der echten Manilla ist sie von der außerordentlichsten Weichheit im Geschmack, der besten Zuver Marke Caesar Regalia, ca. 13 cm Ig., 5 cm Umfg. Eine lässigkeit im Brande und von köstlichem Aroma.- Insbesondere Brasil- Cigarre, worin fich milde Würze und feinstes Aroma paart. ist diese Cigarre auch Statspielern zu empfehlen, da sie erstlich Diesen Tabat habe ich nicht weiter zu empfehlen nöthig.( Ge- Marke Calderon, Savana, Handarb.( Metzsche Presse). Decke Ha sehr sparsam und von außerordentlich zuverlässigem Brande ist.. wicht pr. 1000 Stc. ca. 20 Pfd.) Trotz der koloffalen Größe vana- Blätter- Auslese, feinste La Cruz des Almas- u. Havana- Einl., ( in Papier verpackt) pr. 100 Std. 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Lesern, welche Nichtconvenirendes nehme fich auf diese Zeitung beziehen, versende von 15 Mark an franco auf meine Kosten. im Originalzustand zurück, jedoch tritt letterer Fall deshalb nicht ein, weil jeder Nachbar, welcher der Stiefel ansichtig wird, dieselben auch mit gutem Nutzen dankbar behält. Das Maß bitte durch Versenken eines genau passenden Stabes in den getragenen Stiefel festzustellen und in Centimetern anzugeben und ob Spanne hoch oder niedrig. Für Gummischuhe, obgleich zu den besten Fabrikaten gehörend, übernehme keine Garantie. Prima Kalbleder- Besatz- Zugstiefel mit zartem Kalb- Glacé- Ginfat, aufgesetter, durchlochter Quertappe, tadellose Handarbeit, in verschiedenen Formen Mk. 9,50. Karlsbader Kalbleder- Zugstiefel mit zwischengelegter Doppelsohle, vornehmste Façon- Handarbeit. Rühmlichst bekanntes Fabrikat Mk. 11,25. Lederpantoffel mit Absatzfleck, durchgenähter Ledersohle Mk. 2,40. Cord- Pantoffeln mit Filzsohle Mk. 0,50. 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Der ungeheure Staub, der schlechte Geruch und die Hize in den Wagen bringe selbst die wenigst empfindlichen Leute der Ohnmacht nahe. Es sei daher erforderlich, daß besonders während des Sommers mehr Leute eingestellt würden und nicht, wie es bereits geschehen sei, noch welche entlassen werden. Den Vorwurf, daß sie nur wegen des 1. Mai feiern wollen, erklärten die Streikenden als ungerechtfertigt. Da der Direktor der Wirthschafts Genossenschaft die gestellten Forderungen nicht bewilligte, ließen die Arbeiter die 23 bereits an gespannten Wagen stehen und verließen den Hof. Die Direk tion sucht nun Ersatz durch den Freund'schen Nachweis für ArbeitsDie Müllabfuhr ist eine so häßliche Arbeit, daß sie kaum jemand thut, den nicht die größte Noth dazu treibt. Selbst verständlich sollte es daher sein, den bedauernswerthen Leuten, die sie verrichten, jede mögliche Erleichterung zu gewähren. Daß dies nicht nur nicht geschieht, sondern die Arbeiter erst noch streifen müssen, um eine Erleichterung ihres Looses zu erreichen, zeigt das foalirte Hausagrarierthum Berlins wieder einmal in feiner ganzen Selbstfucht. = Sonntag, den 3. Mai 1896. Ueber den 13. Jahrg. dem Beschluß der gewählten Baudeputirten nachzukommen. Die Für die streikenden Metallschläger Dresdens und Lohnkommission der Puzzer Berlins und Umgegend. Groß- Schönaus sind an freiwilligen Beiträgen eingegangen von Ueber den Berliner Tabakarbeiter- Streik ist mitzutheilen, Hermann Altmann in Lieferfuth 18,85 M. und von Paul daß bis jetzt 167 Firmen mit 462 Arbeitern und 489 Arbeiterinnen Schalling in Breslau 9,55 M., was das Streitkomitee durch sämmtliche Forderungen bewilligt haben; von großen Firmen be- Bruno Bfühner in Dresden hiermit quittiren läßt. finden sich darunter auch die von Wienert und von Doussin. In Pirna i. S. haben die Seher der freisinnigen Tages: 29 Firmen haben noch nicht nachgegeben; die Zahl der Streifenden po ft" wegen Lohnherabsetzung die Arbeit niedergelegt. beträgt nur noch 169. Die Arbeiterschaft Berlins wird gebeten, Die Wollendrucker von Greiz und Umgegend sind in ihren Bedarf bei den Firmen zu decken, die die Forderungen be eine Lohnbewegung eingetreten. Sie verlangen Anerkennung willigt haben.( Siehe Annonce.) Die Lohnkommission. eines von ihnen ausgearbeiteten Lohntarifs, der für alle Fabriken Die Scheibentöpfer Berlins, die Arbeiter, die in Berlin, Giltigkeit erlangen soll. Die Löhne sind jezt in den einzelnen Charlottenburg, Weißensee 2c. Blumentöpfe fabriziren, befinden Fabriken verschiedene und differiren unter einander bis zu 90 pCt. sich mit den Unternehmern in Lohnstreitigkeiten. Es handelt Die niedrigsten Löhne für gewisse Artikel zahlt die Firma sich in der Hauptsache nur um die Erlangung eines einheitlichen Treuter u. Golle. Die Arbeiterpreffe, hauptsächlich die Lohntarifes. Bisher bezahlten die Unternehmer jeder wie er österreichische, wird um Abdruck gebeten. Anfragen sind wollte. Diese Differenzen in der Lohnzahlung brachten auch zu richten an Franz Feustel in Greiz i. V., Isabellenruhe. Lohnabzüge hervor. Darum wird ein einheitlicher Lohntarif verlangt. Die Firma Krüger in der Schönhauser Allee 48 zahlte schinen- Ausputzer der Schuhfa brit von Albert ReifenAus Mainz wird uns geschrieben: Die Zwicker und Mabisher, obwohl sie die meisten Arbeiter dieser Branche hierorts schinen- Ausputer der Schuhfabrik von Albert Reifenbeschäftigt, stets den geringsten Lohn und sucht, um das weiter berg, 24 an der Zahl, haben die Arbeit eingestellt, nachdem thun zu können, in der„ Keramischen Rundschau" Dreher und und jede weitere Verhandlung abgelehnt hatte. Die Forderungen der Fabrikant die an ihn gestellten Forderungen nicht bewilligt einen Brenner und Einleger. Hoffentlich findet sich niemand, drehen sich vornehmlich um die Verpflichtung des Fabrikanten, der Luft verspürt, zu den bisher dort gezahlten Löhnen zu arbeiten. Während sich andere Unternehmer zu dem für genügende Beschäftigung seiner Affordarbeiter zu sorgen und ihnen vorgelegten gleichmäßigen Tarif durchaus nicht ablehnendum Aufrechterhaltung des Lohntarifs, wie er 1890 nach Beilegung verhalten, glaubte fich Herr Krüger, um nicht nachgeben zu müssen, und Maingaues und dem Ausschuß der Schuhmacher notariell des großen Streiks zwischen dem Fabrikantenring des Rheinnoch weiter vorsehen zu sollen, indem er sich Blumentöpfe aus Hohenleipisch schicken ließ, um seine Kunden befriedigen zu können. vereinbart worden ist. Diese selbstverständlichen Forderungen Achtung, Metallarbeiter! Anläßlich der Malfeter find in Alle Freunde und Genossen bitten wir, die Scheibentöpfer auf weigert sich der Fabrikant anzuerkennen. Er hat auch die Vermittelung des Vorsitzenden des Gewerbegerichts, des Herrn Berlin entlassen worden: Bei Schäffer u. Dehlmann, vorstehende Mittheilung aufmerksam zu machen. Chauffeeftr., 110 Mann. Kramme, Gitschinerstr.76, 11 Former. weiteren Verlauf dieser Lohnbewegung werden wir speziell be- Rechnungsraths Amend abgelehnt. Zuzug ist fernzuhalten. Die Stepperinnen bei der Mainzer Schuhwaarenfirma Denn u. Langwühler, Reichenbergerstr., 6 Mann. Kube, richten. Der Vorstand des Allgemeinen Vereins der Töpfer und Rosenbusch u. Co. erreichten durch ihren einmüthigen ZuElisabeth- Ufer 30, 16 Mann. Bis zum Dienstag, den 5. Mai, Berufsgenossen Deutschlands. J. A.: F. Kaulich. sammenhalt folgende Vortheile: 1. Der Fabrikant ist verpflichtet, ausgesperrt wurden aus gleicher Ursache bei Frister, Die Schmiede Berlins werden von der hiesigen Orts- für vollständige Beschäftigung seiner Arbeiterinnen zu sorgen, Lindenstr. 23, 120 Mann. Schlüter, Brandenburgstraße 19, verwaltung Ost der Vereinigung aller in der Schmiederei be- andernfalls ist die Arbeitszeit entsprechend zu verkürzen; weiter 9 Former. Heinze, Wasserthorstraße Nr. 8, 10 Mann. schäftigten Personen ersucht, den Zuzug nach Leipzig zu ist die Arbeit regelmäßig zu vertheilen. 2. Wöchentliche LohnThielicke, Wasserthorstraße 62, 14 Mann. Heinze, vermeiden, da dort die Schmiede im Streit stehen. zahlung. 3. Abschaffung des bisherigen Vrauches, daß die Brandenburgstraße Nr. 75, 14 Mann. Nürnberg, In Vernan dauert der Streit in der Schuhfabrik von Stepperinnen die Benutzung der Maschinen bezahlen mußten. Prinzenstr. 25, 12 Mann. Kraay, Gitschinerstr. 81, 13 Mann. Oppenheim u. Meier und in den Schäftefabriken 4. Lieferung sämmtlicher Materialien, wie Seide, Garn u. s. w., Stabenow, Gräfestr. 9, 10 Mann. Christ, Wrangel- von May Meier und Loges u. Wernede unverändert straße 111, 15 Mann. Wir bitten die Kollegenschaft um soli- fort. Zuzug ist fernzuhalten. Geldsendungen und zuschriften darisches Verhalten. Der Vorstand des Berliner sind zu richten an A. Schneider in Bernau, Wallstraße 2. Metallarbeiter Verbandes. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Der Korbmacherstreik in Hamburg ist für beendet er Aus Stuttgart. Um eine Einigung zwischen den Unter flärt. Eine Anzahl Arbeiter sind noch zu unterstüßen. nehmeru und Arbeiternt des Baugewerbes herbeizuführen, Bergarbeiterstreiks. Aus Siegen wird der Rh.- Westf. waren auf Donnerstag je acht Vertreter beider Theile nach dem Beitung" berichtet: Am Montag Morgen fuhren mehrere hundert Rathhause berufen; der Zusammenkunft wohnten noch bei: OberMann der Grube Grimberg" bei Siegen nicht ein, da ihre bürgermeister Rümelin, Gewerberichter Dr. Hartenstein An die Mechaniker und Berufsgenossen Berlins und Forderungen, kürzere Schichten, Lohnerhöhung und Trockenlegung und dessen Stellvertreter Rechtsanwalt Stockmayer. Nach Umgegend. Kameraden! Seit acht Tagen befindet sich unsere einer größeren Strecke der 7. Sohle, von der Bechenverwaltung fünfftündiger Verhandlung unter Vorsitz des Herrn Rümelin kam Branche im Lohnkampfe. Es handelt sich um die vollständige abgelehnt wurden. Die Scheidejungen der Zeche Gilberg" bei eine Einigung auf grund folgender Bedingungen zu stande: Durchführung des Tarifs für 1896. Obgleich dieser Tarif in ver- Elberfeld wurden am letzten Sonnabend ausständig; sie wollen 1. Zehnstündige Arbeitszeit; 2. für Maurer, Zimmerer und schiedenen größeren Werkstätten bewilligt wurde, ist der Umfang des die Arbeit nicht eher aufnehmen, als bis der Grubenverwalter Bauschreiner vom 20. Jahre an ein Minimal Stundenlohn Etreits doch größer geworden, als vorauszusehen war. Wir eine Lohnerhöhung zugefagt hat. Aus Oberscheld wird dem- von 30 Pf., für ältere Leute tritt ein Lohnausschlag von machen Euch auf den Beschluß der letzten öffentlichen Versammfelben Blatt mitgetheilt, daß auf den Eisensteingruben Königszug 8 pt. auf den vor dem 15. März bezahlten Lohn lung aufmerksam, wonach jeder Kollege, so lange der Streit dauert, und Prinzkessel feit Montag Morgen etwa 300 Bergleute aus wöchentlich 50 Pf. zu zahlen hat. Die Kollegen in denjenigen ständig sind. Werkstätten, wo der Tarif bewilligt ist, haben wöchentlich 1 M. Erfolglos beendet ist nach dreiwöchiger Dauer der Streit an den Streiffonds zu zahlen. Listen und Streifmarken sind der Arbeiter der Bielefelder Nähmaschinen Fabrit bei Schönemann, Skalizerstr. 7, zu haben; auch kann dort vorm. Dürkopp u. Ko. Nachdem mehrere hundert Ausabgerechnet werden. Morgen Abend 7 Uhr findet bei Martens, ständige wieder an ihre Pläge zurückgekehrt waren, beschlossen Friedrichstr. 236, eine öffentliche Versammlung statt. 3ahlreiche die ihrer Sache treugebliebenen Arbeiter zirfa 1400 den Betheiligung der Kollegenschaft an der Versammlung, sowie Be- Rampf aufzugeben. Die Direktion der Fabrit hat der Lohnfundung des Solidaritätsgefühls in moralischer wie finanzieller fommission die Zusage gemacht, daß nach und nach alle am Streit Hinsicht erwartet der Vertrauensmann. betheiligt geweſenen Arbeiter wieder eingestellt werden sollen. Achtung, Vergolder! In der Rahmen Werkstatt von Paul Ullrich ist ein Kollege wegen der Maifeier gemaßregelt worden, trotzdem ihm von seiten des Arbeitgebers der Tag vorher freigegeben war. Wir ersuchen die Kollegen, dies zu beachten! Die Ortsverwaltung. J. A.: Ferdinand Ewald. " Arbeiter Forsts geliefert. Sie brachten für die Rottbuser Einen glänzenden Beweis von Solidarität haben die Textilarbeiter die bedeutende Summe von 9312,55 M. auf. zum Selbstkostenpreis. 5. Abschaffung der Hausarbeit, beziehentlich derartige Regelung der Löhne der Stückarbeiterinnen, daß diese durch ihre Arbeit in der Fabrik soviel verdienen, als zum Lebensunterhalt nothwendig ist. 9 ein; Steinhauergesellen erhalten einen Minimal- Stundenlohn von 35 Pf.; 3. für Ueberstunden werden 25 pCt., für Nachiarbeit 50 pCt., für Sonntagsarbeit 100 pet. Buschlag gezahlt. Als Nachtarbeit gilt die Zeit von 8 Uhr abends bis 5 Uhr morgens. Die Lohnauszahlung muß spätestens eine halbe Stunde 4. 14 tägige Lohnzahlung mit wöchentlicher Abschlagszahlung. nach Schluß der Arbeitszeit beendet sein. 5. Die Lohnzahlung geschieht am Freitag, die Lohnliste wird am Mittwoch Abend geschlossen. 6. Abschaffung der Akkordarbeit für Maurer, Zimmerer und Bauschreiner, mit Ausnahme der Anschläger und Barketbodenleger, Abschaffung der sogenanten blinden Akkorde" bei Steinhauern. Maßregelungen haben zu unterbleiben. = Achtung, Puter! Wegen der Maifeier wurden in Berlin auf dem Bau Petersburgerftr. 85( Unternehmer Richter) zwei Kollegen gemaßregelt, ebensoviele auf dem Bau Reichspost, Dieser Schiedsspruch ist zwar noch der Gesammtheit der Mauer- und Leipzigerstraßen- Ecke. Auf dem Bau Uhlandstr. 194 beiden Parteien zu unterbreiten, doch ist sicher, daß beide Theile ( Unternehmer Label) durften sämmtliche Buzer zur Strafe am Eine Geschichte der deutschen Schiffszimmerer ist auf sich dem Spruch jügen werden. Sonnabend nicht arbeiten. Es ist Pflicht der Kollegen, die Beschluß der Generalversammlung der Allgemeinen deutschen Der Londoner Bauarbeiter Streik hat begonnen. Gemaßregelten wieder in Arbeit zu bringen. Weitere Maß Vorstandsmitglied dieser Organisation, geschrieben worden. Das Bureaus, gegen 7000 Mann die Arbeit nieder. Die" Franks. von Heinrich Groß, Bereits am 29. April legten, nach Angabe des Wolff'schen regelungen wegen der Maifeier sind der Kommission bis jetzt nicht Werk kann sowohl vom Verleger J. H. W. Dieß in Stuttgart, 3tg." berichtet über die Ursache des Ausstandes folgendes nähere: gemeldet. Kollegen, nach Beschluß der Baudeputirten- Versammlung vom 30. April soll vom Montag, den 4. Mai, über die Arbeit wie auch vom Vorstand der Allgemeinen Deutschen Schiffs Die betreffenden Gewerkvereine beschweren sich darüber, daß es sämmtlicher Buzmeister, welche den Bau- Unternehmern Rüstzeug zimmerer- Genossenschaft( durch W. Sohms, Hamburg, St. Georg, bei ihnen seit 1894 feine Arbeitsordnung giebt und alles der liefern, die Sperre verhängt werden. In betracht kommen in Neue Brennerfir. 19) gegen Einsendung von 2 M. für ein ge- Willkür der Unternehmer überlassen sei. Damals kündigten die erster Linie der Bugmeister Scharf- Berlin und Langnick und bundenes oder 1,25 M. für ein broschirtes Exemplar bezogen letteren den Gewerkvereinen das bisherige Abkommen. Die Metzker- Friedenau. Die Kollegen, welche dort die Arbeit nieder- werden. Bei Einzelbezug sind noch 20 Pf. Porto beizufügen. Vereine haben dem Zentralverband der Bauunternehmer eine legen, haben sich im Bureau Grenadierstr. 33 zu melden. E3 Die Bauunternehmer Erfurts haben es abgelehnt, über Abschrift der Arbeitsordnung, wie sie sie wünschen, zugestellt. wird ersucht, bei genannten Herren keine Arbeit zu nehmen und den Maurerstreik das Einigungsamt entscheiden zu lassen. Die Meister haben bisher nichts weiter gethan, als den Empfang Arbeiter brechen die Erdrinde auf, auf einem Schmiede- noch nicht besetzt. Auch die Zahl der Besucher war nicht herde züngelt die Flamme, ein Adler freift in den besonders groß. Die Mädchen, welche gegen eine Mart Wolken und an das Ungeheuer erinnert, das auf dem Knackfuß'schen Bilde Kellnerinnen und Kellner in den größeren Wirthschaften, die ein Ungethüm ist zu sehen, das start die Eintrittskarten ausfolgten, die Kontrollbeamten, die heranpfaucht. Was es bedeuten soll, weiß ich nicht. Vielleicht jungen Burschen, die mit Festzeitungen und Katalogen haufirten, den Umsturz, vielleicht die Verkörperung des Streits; etwas wird die Verkäuferinnen von Blumen, Zuckerplätzchen, Schnäpfen und es schon sein sollen. Zum Haupttheil des Ausstellungsraumes allerlei Tand stecken alle in Gewändern, wie man sie vor steigt man einige Stufen hinab. Die der Bekleidungsindustrie 250 Jahren getragen. Es war Freitags, besonders gegen Abend, zugewiesenen Raume sind vollständig besetzt. Eine die legten noch etwas zu kalt, um sich längere Zeit in Alt- Berlin aufhundert Jahre umfassende Trachtenaustellung wirkt recht zuhalten. Und so fielen denn auch die beiden Umzüge, die erheiternd. Anno 1796 waren die Frauenmuffe so groß wie aus- man um drei und acht Uhr veranstaltete, nicht besonders gewachsene Tyroler Dachsranzen. imponirend aus. Die Berliner Gewerbe- Ausstellung am Tage der Eröffnung. Spizenstreifen herstellt. 13 am Nachmittag das zwei Mark zahlende Publikum zu gelassen wurde, hatten die Herrschaften die Ausstellung bereits verlassen, zurückgeblieben waren nur diejenigen, die bei der Eröffnung das Bolt" dargestellt hatten, die Aussteller und ihre Vertreter, und die Macher und Leiter des Ganzen. Die einen führten ihre Frauen und ihre Fräcke, die oft nur taum noch zur Noth die Schmerbäuche umspannten, spazieren, die In der Abtheilung für Metallindustrie wird eine Goldarbeiter- In vielen Wirthschaften der Ausstellung bedienen nur anderen harrten des Festessens, bei dem die Sektflaschen Werkstätte vorgeführt; die Gehilfen hämmern und sticheln und Kellnerinnen und alle sind im Kostüme. Die einen tragen die knallten und das sich bis in die Nacht hineinzog, während faffen, und selbst die Polierfrau ist nicht vergeffen. Die ausge- grünen, großen Hüte der Zillerthaler, andere die verschnürten, mit die Militärkapellen paukten und an den Gestaden des stellten, diamantenübersäten Geschmeide blenden das Auge. Silberstücken und silbernen Ketten behangenen Leibchen der Alt,, neuen Sees" tausende von farbigen Lämpchen erglühten. Leid Welcher Abstand zwischen diesen protfrohen Dingern und dem bayerin, das goldene mit Spigen überdeckte Häuptchen that mir ein Stadtvater. Er segelte schon um drei Uhr heim- Klöppelsack, der in einem andern Raum zu sehen ist, der Holländerin ift zu sehen, und das baumelude wärts, und Frau und Tochter mußten ihm helfend beispringen, und an dem ein Mädchen mit Nadeln und Klöppelhölzchen einen Bottelhaar der Friesin. Am mundfertigsten und resolutesten sind so sehr drückte ihn des Tages Last. die Altbayerinnen. Sie sind auch echt, was ich nicht von jeder Das allgemeine Bild der Ausstellung hat sich seit acht Tagen Das Gebäude für Produkte der Chemie u. f. w. ift so gut Sängerin behaupten möchte, die im Treptower Park sich als vollständig geändert. Verschwunden sind die Gerüste und herum- wie besetzt. Dem Eintretenden fährt sofort jener scharfe Geruch Italienerin giebt. liegenden Balken, die Wege sind beschottert und mit Sand be in die Nase, den jeder von den Apotheken und Drogenhand- Von einem Gedränge war innerhalb der Ausstellung nicht streut, die gärtnerische Ausschmückung ist vollendet. Es muß lungen her kennt. Die für Nahrungs- und Genußmittel be- das Geringste zu bemerken, wenn man von dem Gewühl, das barbarisch gearbeitet worden sein in den lezten Tagen! Hätte stimmten Räume find angefüllt mit Weinen, Bieren und um die bayerische Bratwurstbrateret, wo alle daumenlang das man ein annähernd gleiches Tempo auch schon früher eingehalten, Schnäpfen, mit Würsten und Delikatessen, auch einige Berliner Kraut ausging, abfieht. Die Aussteller, ihre Frauen und Ver. dann wäre nie die Frage aufgetaucht, ob die Ausstellung auch Bierwagen sind zu sehen. treter mitgerechnet, dürften einige zwanzig tausend Besucher sich zum 1. Mai fertig sein würde. Freilich hätte man dann auch In der Fischerei- Ausstellung fehlt noch manches. In der nach und nach eingestellt haben. Außerhalb des Zaunes waren von allem Anfang an höhere Löhne zahlen müssen; aber in diesen Abtheilung für Sport und Jagdwesen sind mir aufgefallen: Ein allerdings alle Wege und Stege schwarz von Menschen. Apfel beißt der Unternehmer ja nur dann, wenn das„ Muß" vor als Sonntagsjäger gekleideter Reinecke, eine Fuchsiamilie vor Sehr stark war die Musik vertreten. Alle hundert der Thüre steht. dem Bau spielend, und ein aus tausenden von Geweihstücken, Schrittt fam man in den Klangbereich einer anderen Fertig ist darum die ganze Ausstellung noch lange nicht, Grandeln, Fängen und Hauern zusammengesetzter Kronleuchter. Kapelle und batte so das Vergnügen, die Ouvertüre und es werden wohl noch Wochen vergehen, bis sich für einen Auch das Alpenpanorama wird vielen gefallen. Auf der benach- zu„ Tannhäuser" und das Lied der Schmiede aus dem„ ZigeunerFremden der Besuch auch wirklich lohnt. Noch liegen hinter den barten„ nassen" Wiese, auf der eine Schantstätte neben der andern baron" zu gleicher Zeit zu hören. Was für Gedudel, Gepfeif' meisten Gebäuden, alte Riften, alte Fässer, Papier- fich erhebt, sieht es noch ziemlich fraus aus. In dem luftigen und Getrommel wird das erst später werden! feßen, Stroh und Holzwolle in ganzen Haufen herum, und Bau, in dem Herr Abraham seine„ Boltsmassen- Ernährung" Gegen viertausend Aussteller werden auf der Ausstellung hunderte von Ausstellungsschränken sind noch nicht eingeräumt. aufgethan hat, standen und lagen noch nach fünf vertreten sein. Ob sie aber mit Recht den Namen Berliner Und auch die Gerüste werden wieder erscheinen, und die Balken, Uhr die beim Mittagessen gebrauchten Teller und Taffen Gewerbe- Ausstellung führt, ist mir zweifelhaft Eine Unund die schweren Frachtfuhrwerke. mit den Ueberresten in einem Haufen beisammen, und in einem menge Ausstellungsobjekte haben mit Berlin nicht das geringste Tritt man durch den Haupteingang in das Industriegebäude, benachbarten Raume konnte man in einem Kasten eine ganze zu thun, von anderen wieder weiß kein Mensch, in welcher Berso sieht man sich einer von Löwen getragenen Springuellschaale Sammlung von todten Seefischen der verschiedensten Arten sehen. bindung sie mit einem Gewerbe ständen. Aber für das Vergegenüber, die unter einer kleinen Kuppel Platz gefunden hat. Alt- Berlin ist, wie vorauszusehen war, vollständig fertig gnügen ist gesorgt. Wenn nichts anderes, so wird es wenigstens Menige Schritte führen unter die große Hauptkuppel. Der geworden. Am Freitag waren eine ganze Reihe von Buden eine schöne, noch nie dagewesene Vogelwiese geben. Eindruck ist nicht übel. Weniger günstig wirkt die Kuppelmalerei. und Verkaufsständen wohl infolge der ungeheueren Playmiethen 19 bestätigt. Man erwartet, daß 60 000 Arbeiter sich dem Ausstand| furterstr. 44, 7,05. Buchbinderei Beuthstr. 4, Bothoff u. Comp., 18,55. O. D. Amerikanische Auktion der Damenkonfektions- Arbeiter beim Bergnügen 6.50. W. G.<-, 50. Turnverein Fichte 3. Männerabtheilung Bertin 4,40. Verein zur Wahrung der Intereffen der Gaft- und Schankwirthe Berlins und anschließen werden. Von Mitgliedern der Offenbacher Frauenfasse B. B. IV und Stammgäste bet umgegend 800,- Spar- und Kreditverein" Einigkeit" 30,-. Porzelanmaler Wiedemann 5,25. An Bausch's Geburtstag, gesammelt durch Götte, 4,70. Ge: Berlins 26,-. Gefangverein Kreuzberger Harmonie, II Rate 50,-. MöbelVerein der Mineralfangverein Allegro, Ganges- Echo und der Musikverein Vorwärts, 1. Rate, tischlerei von Saltermann, Mariannenplag 13 10, 180, Tischlerei von Pooch u. Echacht 14,35. Grabständchen vom Genossen wasser- Arbeiter 10,-. Personal der Buchdruckerei von Albert Damte 7,05. Richter, Gefangverein Stedesfreiheit I, 9,-. Buchdruckerei von Rosenbaum Arbeiter- Gesangverein Echo I, Pantom 10,-. Matinee Sanssouci, Gesangu. Hart, 2. Rate, 5,75. Buchdruckerei von Hempel u. Comp. 25,40. Buch- verein Allegro"," Sanges- Echo", Musikverein„ Vorwärts", II. Rate 90,-. druckerei Seidel u. Comp., Neue Friedrichstr. 48, 8,15. Tischlerwerkstatt von Echneidermeitstatt von Fänite( Arbeiter und Arbeiterinnen) 8,60. Obere Gebrüder Enzhols 4,-. Buchdruckerei von Julius Babite, 6. Rate, 3,70. Werffiatt von Boß, Dieffenbachstr. 33( Bierprozente mit Budiker) VII. Rate Matinee vom 1. März 1896: Musikverein, Mufitfreunde Nirdorf, 11,25. 3,20. Bezahlter blauer Montag 2,50. Block'sche Schneiderwerkstatt, Holz5. Pingel-, 50. Steinindustrie- Arbeiter Berlins 50, Tischlerwerffatt Mauerstr. 48, 2. Rate, 5,50, faligerftr. 104, 3. Quergebäude marfiftraße 10, Arbeiter der Schuhfabrit von Fürstenheim 3 und 4 Treppen, 7,90. Bantoffelfabrit von Echliewe, Tiedstraße, 2. Rate, A. E. 6. Lagerhoff, 14,75. 7,50. Gefelliger Verein im Norden 10,- Gefangverein Harmonie, Tempel- u. Ko., II. Rate 20,-. Tertilarbeiter Thurn b. Tepliz( Desterreich) 1,70. hof, 6,-. Obere Werthait Boß. Dieffenbachfir. 88, Bierprozente mit Buditer, Hennigsdorf II. Rate d. Schallert 22,60. Gefammelt auf einer Hochzeit in 6. Rate, 4,50, Rothe Hochzeit 20./4. Märkischer Sof, 7,05. Generalversamm: Düsseldorf 7,10. Arbeiter Gesangverein unverzagt II Moabit" 10,-. NeuenTung 3, Arbeiter- Bildungsverein in Friedrichshagen 20,-. Typographia, dorfer Handwerkerverein 5,10. Bom Griebel bei Nante L., Wiesenstraße 1,-. vom 7. Stiftungsfeft des Deutſchen Tapezirervereins 20,- Nanfen, 3. Rate, Gefangverein„ Ginigfeit", Barmen, d. G. 10, Ueberfchuß einer Kranzspende Ben einer Bierfigung und gefammelt von A. G., 2. Rate, 10,05. in Köpenick 11,10. Von den Genossen Dortmunds, II, Rate 20,-. K. A. B. Buchdruckerei von Mittler 2. 49 Tottenham Street, London 101,02. 8wet rothe Schuhmacher aus der In der Nacht 18./19. gesammelt von K. 4,10. u. Sohn 19,50. Buch- u. Steinbruckerei von H. S. Hermann, 2, Rate, 41,75. Paulfiraße 2,-. Bereinigung der Maler, Filiale Raffel 10,- Schleifer d. Personal der Buchdruckerei Julius Sitten Att. Gef. vormals J. Mehlich 9,70. Tischleret von Kaiser, Liebenwalder. Bon den Buzern Berlins 150, felb 43,50. Zweigverein der Färber und Defateure in Köpenick 50,-. Ge- ftraße 4 6,-. Holzarbeiter Verband, Filiale Steglig 20,-. müthlicher Lehmann 2,-. Holzarbeiterverband Berlin, Bezirk Moabit 7,55. Tischler der Berliner Modellfabrit", II. Rate 13,50. Bräger der Firma von Albrecht u. Meister 3,70. Berein Bratpfanne", Amerikanische Auftion 11,06. Bersonal der Bolts- Zeitung" 13,95. Tischlerwerkstatt Dresdenerstr. 2 4,-. Tischlerwerkstatt F. A. Treue, Wienerstr. 44 6,60. Ueberschuß der öffentlichen Fabrit von Gebr. Krüger u. No, Röpenick 30,15. Tritoma Uvaria, Bon den Arbeitern der Gießerei, Allgemeine, AckerDrechslerversammlung 11,7E. Gefangverein, Frisch auf" Friedrichsberg" 1,81. Dornfede 1,-. Rauchflub Weiße Asche 3,- Gesangverein Deutscher Straße 13,25. .. 3. 10,-. Männerfang" 20,-. Orientalischer Rauchtlub, Spar- und Kreditverein Aus Herstal bei Lüttich wird der Köln. 3tg." zum Ausstand in der Waffenfabrit gemeldet: Da die Verwaltung der Landeswaffenfabrik jedes Schiedsgericht entschieden abgelehnt hat, beschlossen die Arbeitergruppen, die Arbeit wieder aufzunehmen, wenn die Verwaltung zur Ernennung eines Fabrikausschusses zur Berathung der vorliegenden und etwaiger zu fünftiger Streitfragen bereit fei. Die Arbeiter der Patronen fabrik erklärten sich unter der gleichen Bedingung zur Wieder: aufnahme der Arbeit bereit. Boraussichtlich wird die Landesfabrik in wenigen Tagen wieder in vollem Betriebe sein. Für die Textilarbeiter in Kottbus gingen folgende Beis träge bei der Berliner Gewerkschaftskommission ein: Filzschuharbeiter Neue Königftr. 39, 2. Rate, 4,50. Buchbruckerei National- Zeitung", 2. Rate, 18,25. Buchdrucker vom Hausvoigteiplag, 5. Rate, 2,10. Belle- Alliancestr. 84, Tischlerei, 6,95. Musikverein„ Hoffnung: Cft" 10,-. Metallgießerei Brandenburgfir, 75 6,20, Stammtisch Aug. Barthel, Herrmannplay Rig dorf, 4. Rate, 3,-. Buchdruckeret Otto v. Holten, 2. Rate, 14,-. Tischlerei von Kraft, Brandenburgfir. 24, 9,20. Werthatt Jacob, Ritterstr. 86, 6,50. Echuhmacherwertstatt von Beyer, Jägerstr. 14, 4, Mechanische Schubfabrit von Mertel, Neue Königstraße, 3. Rate, 6,10. Piano: forre- Fabrit von Quandt 20,15. Tischlerei von E. Schmidt, Ratiborstraße, mit Bierprozenten, 7, Epiegelrahmenfabrik Röllig u. Hirsch, Gr. Frant: 6, Geschäftshaus S. Heine, Chausseestr. 14. Berlin N., Chausseestr. 14. 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Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Kassirers und der Revisoren. 3. Antrag des Vorstandes. 4. Anträge der Mitglieder. 5. Wahl des Vorstandes und der Revisoren. 6. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Das Erscheinen aller erwartet Der Vorstand. Achtung! Schrifthauer Berlins! Folgende Geschäfte haben den Tarif noch unterschrieben: Jäckel, Weißensee und Hornberg u. Seemann, Friedrichstraße. Bewilligt haben bis jetzt 32 Geschäfte. Die Tariffommission. 173/18 Verband aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend, Montag, den 4. Mai 1896, abends 8 Uhr, in Cohn's Festsälen, Beuthstr. 22: Branchen- Derlammlung der Former und Giesserei- Arbeiter. Tages Ordnung: 1. Was gedenken wir gegen diejenigen Unternehmer zu thun, welche ihre Arbeiter bis zum 5. Mai ausgesperrt haben. 2. Verbands- Angelegenheiten und Verschiedenes. Kollegen, es ist Ehrenpflicht, daß jeder hier am Blaze sei. Erscheint Mann für Mann in dieser Versammlung. Die nichtorganisirten Kollegen sind als Gäste willkommen. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. E Der Vorstand. 278/12 Achtung! Lackirer. Achtung! Dienstag, den 5. Mai, abends 8 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstraße 270: 125/13 Filial- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Vortrag: Wer ist der größte Feind der modernen Arbeiterbewegung? Ref.: Kollege Fricke- Dresden. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen. Der Vorstand. Verband aller im Handels- u. Transportgew. besch. Hilfsarbeiter. Dienstag, den 5. Mai 1896, abends 8 Uhr: Mitglieder- Derlammlung bei Bolt( Feuerstein), Alte Jakobstr. 75. Tages Ordnung: 1. Vortrag. 2. Distuffion. 3. Verbands- Angelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht. Achtung! Gärtner. 109/12 Der Vorstand. Achtung! Mittwoch, den 6. Mai, abends pünktlich 812 Uhr, im Lokal Englischer Garten, Alexanderstr. 27 c: Feste Preise Grant entase für die Beamten Große öffentl. Versammlung. In dieser Woche kommen zum Verkauf: Gin großer Bosten vein wollene der Ortskrankenkassen zu Berlin Kleiderstoffe Meter 55 Pf., 75 Pf., 1 M. Seiden- Plüsch in allen Farben 90 Pf. Eine Partie reinwollene Mousseline Meter 42 Pf. Eine Partie Waschstoffe für Kleider, Meter 27 Pf. Ein Posten Hausmacherleinen Meter 28 Pf. Ein Posten Corsetts 60 Pf., 75 Pf., 19., 1,25 W., 1,40 W. Ein Posten echt schwarze Strümpfe 7 Pf., 10 Pf., 13 Pf., 15 Pf., 18 Pf. Veilchen 3 Pf., Rosen 3 Pf. Sonnen- und Regenschirme enorm billig. Deutsche Schuh- Fabrik Erfurt liefert Schuhwaaren en gros& en detail in eleganter und solider Ausführung. MACHT HT STARK GESCH ( G.$. 108). Außerordentliche Generalversammlung Mittwoch, den 18. Mai 1896, abends 8 Uhr, Stralauerstr. 57 bei Miegel ( Alt- Berlin). Tages Ordnung: 1. Abänderung refp. Revidirung des Statuts sowie Beschlußfaffung darüber. 2. Verschiedenes. 1279b Der Vorstand. Arbeiter Raucherbund Berlins und Umgegend. 12766 Die Delegirtenversammlung findet am 11. Mai, abends punkt 1/29 Uhr, bei Wilke, Andreasstr. 26, statt. Um 8 Uhr beginnt die Abrechnung der Matinee und Urania Billets vom 19. und 26. April. Der Vorstand. VII. M. 238/95. VII. 2194. Arbeiter Berlins! Bekanntmachung. Die Fabrikate der ausgesperrten Schuhmacher in Erfurt werden jeht, außer in den bekannten Verkaufsstellen, in den eigenen Niederlagen Bellealliancestr.98/ 99 EINIGKEIT GESETZL SCHUHEARRIK ERFU EUTSCHE und Rosenthalerstr. 63| 64 verkauft. Jeder Käufer, der einen Versuch macht, wird mit dem gelieferten Fabrikat, daß jeder Konkurrenz die Spitze bietet, in Preis und Qualität zufriedengestellt. Unser Geschäftsgrundsak it: Geringer Verdienst, rascher Umfah. Jedem unserer Freunde kann die Waare bestens empfohlen werden. Damenstiefel von M. 3,50, Herrenstiefel von M. 5,75, 4321L* in nur reeller Ausführung. In der Bellealliance- Straße bitte genau auf Nummer 98 zu achten. Für die Geschäftsleitung: Wilh. 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Unfere soziale und rechtliche Stellung und unser Vereinsleben. Ref.: Kollege Holm- Hamburg. 2. Stellungnahme zur Lohnbewegung für das nächste Jahr. 1256b Alle Kollegen werden hierzu eingeladen. J. A.: P. Abromeit, Blücherstr. 14. Achtung Stuckateure! 289/ Kollegen! Indem wir an den Beschluß der Versammlung vom 19. April cr. erinnern, bringen wir diejenigen Firmen hiermit zur allgemeinen Kenntniß, von denen wir bis heute die Unterschrift zur Anerkennung unseres Tarifs noch nicht in Händen haben. Es sind folgende Firmen: Albert& König, Schöneberg, Golgstr. 29. Beyer, Frankfurter Allee 7. Beyrich, Rottbuser Ufer 58. Schuchard( früher Berger), Dombau. Bissing, Wilhemftr. 51. Bruchmüller, Neue Hochstr. 37. Drösse, Scharnhorststr. 36. Drösse, Dieffenbachstr. 37. Gerspacher, Yorfstr. 10. Giesecke, Kurfürstenstraße 126. Gillis, Blücherstr. 12. George& Werner, Ritterstr. 49. Gebr. John, Dalldorf. Koch, Rottbuser Ufer 43. Meuche, Wildenowstr. 5. Müller, Lübbenerstr. 9. Müller, Mariendorf, Bergftr. 2. Neumann, Friedrichsberg.. Lange, Rigdorf. Knesebeckstr. 5. Muth, Wilmersdorf, Uhlandstr. 14. Lehr, Wilhelmstr. 135. Rosenzweig& Lembke, Banten. Romanowsky, Lichterfelde. Schulz, Swinemünderstr. 34, Schulz, Rüdersdorferstr. 56. Schröder& Co., Rigdorf, Berlinerstr. 68. Wenzel, Abalbertstr. 40. Wenzel, leiftftr. 40. Thiele, Friedenau. Hauer, Lintstr. 29. Hauer, Dorotheenftr. 46. Herold, Rüdersdorferstr. 6. Hennig, Adlershof. Von vorstehenden Firmen kommt ein ansehnlicher Prozentsaz garnicht in Betracht oder fällt unter jene Rubrik der Euch bekannten. Mit kollegialischem Gruß Die Lohnkommission. Achtung! Gewerkschaften! Achtung! Neu erschienene Broschüre: E Die Zukunft der deutschen Gewerkschaften" und ihre nächste Aufgabe. Mit einem Auhang: Die Thätigkeit der Vertrauensleute in der Organisation Nach einer Rede von Friedr. Hofmann. Preis 15 Pf. Selbstverlag des Verfassers. Preis 15 Pf. Berlin C., Fischerstraße 22. Bu haben in allen Parteibndhhandlungen und Speditionen. Brauerei- Ausschank Stralau. Heute Sonntag zur Gröffnung der Saison: 50322* ſchließend mit den Worten„ zeigt bod Grosses Concert und Spezialitäten- Vorstellung obiger Exemplaren nach Maßgabe des Abs. 2 § 41 Str.-G.-B., einschließlich der zur Herstellung bestimmten Formen und Platten unbrauchbar zu machen. Steckbrief" ist in allen Das Urtheil hat die Rechtstraft be schritten. Hannover den 29. April 1896. Der Erste Staatsanwalt. Achtung! Achtung! Gesangverein ( gemischter Chor) fönnen Herren und Damen noch beitreten. Uebungsstunde jeden Diens tag 9 Uhr im Vereinslokal Naunynstraße 37 bei Jablonsky. 12506 Am 1. Mai abends in der„ Neuen Welt" schwarzes Portemonnaie mit Juhalt verloren. Der ehrliche Finder wolle dies gegen gute Belohnung ab. geben in der Exped. d. Bl. 1254b von 60 nen engagirten Kunstkräften. Im elektrisch beleuchteten Saale: Großer Ball. 2 Min. entfernt von d. neuen Uebergangsbrücke vom Bahnh. Treptow nach Stralau. Zweites Geschäft: Mufenhalle, Friedrichstr. 112 b. Einzig in feiner Art, größte Sehenswürdigkeit Berlins. Vorzügliche Küche. Helles, Münchener und Lichtenhainer. Es ladet ergebenst ein F. Kalbhenn. Am Montag, den 11. Mai, abends 9 Uhr, findet im großen Saale des Berliner Handwerkervereins, Sophienstr. 15, zu Feier des 25 25 jährigen Bestehens der Berliner Schneider- Akademie von Rudolf Maurer W. Friedrich- Straße Nr. 65 a 25 ein Fest- Commers statt, zu welchem alle ehemaligen Schüler geladen find. Der Fell- Aussiju. Unentgeltliche Eintrittskarten können in diademie abgeholt werden. Zentralverein der Bildhauer. Achtung! Maurer. Achtung! Dienstag, 5. Mai, abends 8½ Uhr, Annen- Straße 16: Sonntag, Vormittag 10 Uhr pünktlich, in Feen- Palast, Burg- u. Wolfgangstr.- Ede: Gr. öffentl. Maurer- Versammlung. Versammlung. Tagesordnung: Holzbildhauer- und Modelleur-Angelegenheiten. Hierzu ersuchen wir um besonders zahlreichen Besuch der Kollegen beider Branchen! Der Vorstand. Mechaniker u. Berufsg! Morgen, Montag, den 4. Mai 1896, abends 7 Uhr, im Lokale des Herrn Martens, Friedrichstr. 236: Gr. öffentl. Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Der Stand des Streiks. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Hierzu sind die Kollegen derjenigen Werkstätten besonders eingeladen, die noch teine Stellung zur Lohnbewegung genommen haben. Listen und Marken sind im Streifbureau, Staligerstr. 7, zu haben. Kollegen! Gedenket der Streifenden und betheiligt Euch reger an den Sammlungen. Der Vertrauensmann der Mechaniker. Tagesordnung: 1. Unser Streik und unsere Taktik für die Zukunft. 2. Diskussion. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet und ist es besonders der arbeitenden Kollegen Pflicht zu erscheinen. Die Lohnkommission der Maurer Berlins und Umgegend. 113 19 Buchbinder u. verw. Berufsgenossen. Dienstag, den 5. Mai 1896, abends pünktlich 8½ Uhr: Große öffentliche Versammlung sämmtlicher in Buchbindereien, Album-, Karton-, Kontobuch-, Leder- u. Galanteriew.- n. Luruspapier- Fabriken beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen im Lokale von 2. Keller( großer Saal), Koppenstraße Nr. 29. Tages- Ordnung: 1. Was haben wir zu thun, um eine kürzere Arbeitszeit und höhere Löhne zu erreichen? Fachverein der Bilderrahmenmacher Berlins Referent: Berbands- Borsigender A. Dietrich aus Stuffgark. 2. Diskussion. 3. Bericht des und Umgegend. Montag, den 4. Mai, abends 8 Uhr: Vereins- Versammlung bei Stramm, Ritterstr. 123. Erscheinen unbedingt nothwendig. 44 Der Vorstand. Delegirten von der Gewerkschafts- Kommission Kollegen B. Jost. Um zahlreiches Erscheinen sämmtlicher Branchen- Angehörigen ersucht Der Einberufer. Arbeitervertreter- Tele- und Diskutierklub„ Morgenröthe". Berband der in Holzbearbeitungs- Fabriken Verein, Berlin. und auf Holzpläßen beschäftigten Arbeiter Deutschlands, Filiale Berlin I. Mitglieder- Versammlung am Montag, den 4. Mai, abends 8½ Uhr, bei Wilke, Andreasstr. 26. Tages Ordnung: 82/20 1. Vortrag. 2. Difussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Gewerkschaftliches. Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. ( Zahlstelle Berlin.) Montag, den 4. Mai 1896, abends 7, Uhr, in Mörschel's Salon: Versammlung am Dienstag, den 5. Mai 1896, abends 81/2 Uhr, bei Röllig, Neue Friedrichstr. 44. Tages Ordnung: Montag, den 4. Mai, präzise 9 Uhr, im Lokal des Cen fjen Trittelwitz, Falkensteinstr. 7 Versammlung Zages Ordnung: = 101/1 Vortrag des Gen. Wagner. Diskussion. Vereinsangelegenheiten. Gäfte willkommen. Es ist Pflicht der Mitglieder pünktlich zu erscheinen. Ethische Gesellschaft. Sonntag, den 3. Mai 1896, abends 7 Uhr: Versammlung. 1. Besprechung über die zu errichten- im 2otale des Herrn Hoffmann, Alexanderstraße 27c( großer Saal): den Auskunftsstellen in Unfall, Invaliditäts- und Alters- VersicherungsSachen. 2. Verschiedenes. 53/12 Gäste willkommen. Diskussion. Der Vorstand. 57,3 Vortrag des Genossen Ad. Hoffmann über: Kultur und Humanität. Nachdem: Geselliges Beisammensein und Tanz für Mitglieder NB. Die Herren Mitglieder werden und eingeführte Gäste. Neue Mitglieder werden aufgenommen. ersucht, den etwaigen Wohnungswechsel dem Vereinskassirer anzugeben. Große Versammlung Bezirks- Versammlung Zentral- Kranken- und Sterbe- des deutschen Schneider- und Schneiderinnen- Verbandes der Rosenthaler u. Schönhauser Vorstadt. Tages- Ordnung: 277/18 Die Schule, wie sie ist und wie sie sein soll. Referent: Mehner. Diskussion. Werkstatt- Angelegenheiten. Verschiedenes. Zu dieser Versammlung sind die Kollegen von Koßin, Wollinerstr. 27, besonders eingeladen. Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Achtung, Mechaniker! In nachstehenden Werkstätten befinden sich die Kollegen im Ausstand: Kaiser& Schmidt, Johannisstraße; Mix& Genest, Bülowftr. 67; Gould& Cie, Reinickendorferstr. 64a; Weinert, Admiralstr. 18d; Krause, Marienstr. 28. Buzug ist fernzuhalten! Bewilligt haben weiter die Firmen: Dr. Meyer, Holzmarktstraße, und Dünhölter& Schölzel, Neue Jakobstraße. Das Streik Bureau befindet sich bei Schönemann, Staligerstr. 7. Marken und Listen sind daselbst zu haben. Heute, Sonntag, den 3. Mai, nachmittags 4 Uhr: 281/19 Kasse der Tischler Eing. Hilfskaffe Nr. 3, Hamburg, Oertl. Verwaltung Berlin G. Montag, den 4. Mai 1896, abends 81/2 Uhr: ( Filiale Berlin) am Dienstag, den 5. Mai 1896, Abends 8½ Uhr, im Feuerstein's Parterre- Saale, Alte Jakobstr. 75. Zages Ordnung: Mitglieder Versammlung Holzhäuser- lensburg, Vorsitzender des Verbandes. 2. Abrechnung im Freischük, Fruchtstr. 36 a. Tagesordnung: 1. Raffenbericht vom 1. Quartal. 2. Vortrag des Herrn Dr.. Scheyer. 3. Gehaltsregelung für das nächste Jahr. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. 184/20 Die Ortsverwaltung. Die Sprechstunden finden an diesem Abend nicht statt. Die Damen der Mitglieder werden hierdurch freundlichst eingeladen. Samariter- Kurjus der Arbeiter u. Arbeiterinnen. Montag, den 11. Mai, abends 8/2 Uhr, bei Cohn, Beuthstraße 20: Eröffnung Große öffentliche Versammlung des Sommer- Burſus. aller in Einleitender Vortrag der Herren Dr. Kolonialwaaren- Geschäften, Zigarren- Handlungen, Christeller und Friedeberg über Zwecke und Ziele des Samariter Kursus, sowie über die Spielausflüge desselben u. f. w. sowie sämmtlicher in der Lebensmittel- und Kurzwaaren- Branche beschäftigten Handlungsgehilfen und Gehilfinnen 90/16 in Cohn's Festsälen, Beuthstr. 20/22. Tagesordnung: Der gesetzliche Achtuhr- Ladenschluß. Referent: Kaufmann August Hitze. Freie Aussprache. Die Freie Vereinigung der Kanflente. Achtung! Achtung: Töpfer! tung: Zutritt hat jedermann. 55/8 1. Die gegenwärtigen Aufgaben unserer Organisation. Referent: Kollege vom 1. Quartal 1896. 162/18 Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ist Pflicht. Gäste sind willkommen. Verein deutscher Schuhmacher. Versammlungen: Montag, den 4. Mai, abends 8½½2 Uhr. Zahlstelle I bei Feind, Weinstr. 11: Vortrag. Bahlstelle II bei Gründel, Brunnenstr. 188: Vortrag. Um zahlreiche Betheiligung bitten 168/12 Die Bevollmächtigten. Gr.öffentl Schuhmacher- Versammlung am Montag, den 4. Mai, vormittags 9½ Uhr in Cohn's Festsälen( großer Saal), Beuthstr. 20| 22. 170/3 = Zages Ordnung: Der gegenwärtige Stand unserer Lohnbewegung. Die Agitationskommission. Achtung! Bauarbeiter! Achtung! Der Vorstand. Dienstag, den 5. Mai 1896, abends 8 Uhr, in Köhler's Salon, Möckern und Teltowerstraßen- Ecke: Zentralfranken- u. Sterbefaße Große öffentliche Bersammlung. der Tischler u. Verwaltung Berlin F. Heute, Sonntag, den 3. Mai, vorm. 101/2 Uhr, bei Herrn Hübner, Swinemünderstr. 35, Dienstag, den 5. Mai, abends 6 Uhr, im Lokale des Sen. Bäuis. Mitglieder- Versammlung. ersucht Neue Friedrichstr. 44: Vertrauensmänner- Sigung. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen von sämmtlichen Bauten 193/15 Die Kommission. Maler! Tagesordnung: 1. Abrechnung vom ersten Quartal. 2. Verschiedene Kaffenangelegenheiten. 183/7 Die Ortsverwaltung. Zentralfranken- u. Sterbekasse der Tischler u. ( Verwaltung Berlin E.) Montag, der 11. Mai 1896, abends Tages- Ordnung: 30/11 1. Vortrag des Kollegen Krens- Hamburg. 2. Diskussion. 3. Unsere Lohnbewegung. Die Lohnkommission der Maurer wird hierzu besonders eingeladen. Um zahlreiches Erscheinen der Kollegen hauptsächlich von W. u. S. W. wird gebeten. Zur Deckung der Unkosten Zellersammlung. Die Lohnkommission. Musikinstrumenten- Arbeiter. Sonntag, den 3. Mai 1896, vormittags 9% Uhr, in Joël's Saal, Andreastraße 21: Oeffentliche Versammlung. Uhr, im Lokal des Herrn Neuschlüsse gefaßt werden sollen, ist es Pflicht eines jeden Kollegen zu Hauptsächlich für alle arbeitenden Kollegen; da wichtige Bemann, Pasewalkerstr. 3, Vereinigung der Maler, Fil. Berlin 1.8 Dienstag, den 5. Mai, abends 81, Uhr: Mitglieder- Versammlung in folgenden drei Zahlstellen: H. Stramm, Ritterstr. 123( für Süden und Süd- Ost). J. Wiedemann, Blumenstr. 38( für Osten und Friedrichsberg). H. Paulsch, Rulmstr. 37( für Westen, Süd- Westen u. Schöneberg). Tagesordnung: Vortrag. Diskussion. Referenten: P. Leinert, Hannover. J. Tobler, Hamburg. A. Lehrich, München. 125/12 Die Bevollmächtigten. Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag des Zahnarztes Herrn Dr. Liffack. 2. Abrechnung vom ersten Quartal 1896. 3. Rassenangelegen heiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Zahlreiches Erscheinen ist erwünscht. erscheinen. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Die Lohnkommission. 144/20 Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend. 182/9 Sonntag, den 10. Mai, vormittags präzise 10 Uhr, im Saale dez Die Ortsverwaltung. Am 1. Mai im Saale der UnionsBrauerei ein Portemonnaie mit Brauerei Friedrichshain: Uebungsstunde. Geübt werden folgende Lieder: 1. Saat und Ernte; 2. Frühlings: 5/19 Zahnärztliche Klinik Wedding, Müllerstr. 1. Babnziehen unentgeltl. Geld, 2 Lotterielooſen und 2 Pfand- ruf; 3. Liedesluft. Lachgas, schmerzlos scheinen verloren. Abzugeben gegen 2,50 M., Plomben 1 M., künkl. Zähne, bestes Material, 2.[ 4896L* Belohnung bei Müller, Yorkstr. 43. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. NB. Im Nebensaale Ausgabe eines neuen Bundesliedes. D. 0. Verantwortlicher Redakteur: Auguft Jacobey, Berlin. Für den Inferatentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. 4. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 103. Arbeiter und Fabrikinspektion in Baden. = Sonntag, den 3. Mai 1896. 13. Jahrg. Die dritte Art besonders geschütter Personen besteht aus doch jedes selbständige Denten aufgeben, wenn wir angesichts den arbeitenden Frauen. Daffelbe Bild!„ Die schärferen solcher amtlichen Feststellungen nicht doppelt eifrig gegen das Bestimmungen der Arbeiterschutzvorschriften vom 1. Juni 1891 ganze gegenwärtige Herrschaftssystem weiter arbeiten wollten. haben die Arbeitgeber an der ausgedehnteren Verwendung Selbst mit der Sozialreform ist es unter diesem Eystem nichts. der weiblichen Arbeitskraft nicht gehindert." So faßt der oft = Soziale Uebersicht. Krankenkassenwesen. Der Kranken- und Sterbekasse der Hamburger Schuhmacher und sonstigen gewerblichen Arbeiter ( E. H.) in Hamburg ist vom Reichskanzleramt von neuem die Bescheinigung ertheilt worden, daß sie, vorbehaltlich der Höhe des Krankengeldes, den Anforderungen des§ 75 des Krankenversicherungs- Gesetzes genügt." III. Arbeiter und Arbeiterschuh. Da Baden alljährlich die beste Fabrikinspektions- und Arbeiter- sich auch hier die badische Fabrikinspektion zusammen. statistik im Jahresbericht seines Aufsichtsbeamten veröffentlicht, eine Leider umgeht sie aber wieder die Nebeneinanderstellung weit bessere und eingehendere, als Sachsen, so lassen sich die Ver- der Zahlen männlicher und weiblicher erwachsener schiebungen in den Arbeitsgruppen bei den einzelnen Industrien ziem- Arbeiter in den einzelnen Branchen, die doch erst den Im Oberbergamtsbezirk Dortmund gab es im Delich genau verfolgen. Die Zahl der beschäftigten Kinder ist weiter richtigen Begriff vom Vordringen der Frauenarbeit giebt. Die zember 1893 unter 158 368 im Bergbau thätigen Personen gefunken von 160 auf 150, und speziell in den Steinbrüchen und an anderer Stelle gegebene prozentuale Berechnung aber wirst 23 410 14,68 pCt. Arbeiter nicht deutscher Zunge. 23 fremde bei der Verfertigung grober Schießwaaren, wo voriges Jahr ein jugendliche und erwachsene Arbeiterinnen beim Vergleich mit der Sprachen, sogar türkisch, waren vertreten. Die meisten fremden Steigen der beschäftigten Kinder von 8 auf 24 festzustellen war, Verwendung der Männer zusammen. Will das badische statistische Arbeiter waren Polen( 11,33 pCt.). Die Zahl der einheimischen haben die Winke der Arbeiterpresse offenbar dazu geholfen, die Landesbureau nicht einmal die getrennte Uebersicht anfertigen? Bergleute, d. h. die Nachkommen eingesessener Bergleute, Kinderarbeit zu beschränken. Dafür haben aber einzelne andere Immerhin ist auch die unvollkommene Tabelle schon lehrreich nimmt fortgesetzt ab. Durch die Einwanderung aus dem Osten Branchen ihre Kinderarbeit vermehrt, so die Holzindustrie, und der sich aus ihr ergebende Schluß doch erheblicher", als die erklärt es sich, daß die Zahl der Analphabeten unter den Bergdie Bekleidung und Reinigung, die Textil Industrie, Fabritinspektion zugeben will. Im Bergbau und Hüttenwesen leuten die hohe Ziffer von 21/2 pCt. aufwies. namentlich aber das schwere Baugewerbe, das jetzt 16 Kinder macht die weibliche Arbeiterschaft gegen die männliche im Vergleich gegen 8 im Vorjahre beschäftigt, und ein Zweig der Heiz- und mit dem Vorjahre 7,6 gegen 6,9 pCt. aus, in der chemischen Leuchtstofffabritation, allen Anzeichen nach die Paraffinkerzen- Industrie 28,11 pet. gegen 26,1 pct. im Vorjahre, bei der Her fabrikation, führte sogar die bis dahin bei ihr noch gar nicht stellung von Nahrungs- und Genußmitteln 54,10 pCt. gegen 53,3, vorhandene Kinderarbeit nun ein! Hier sieht man, wie zäh das bei der Bekleidung und Reinigung 54,10 gegen 50,2, bei den poly: Kapital an der Ausnutzung billiger Arbeitskräfte ohne graphischen Gewerben 15,08 gegen 12,2. Go treibt der Kapitalismus Rücksicht auf jede Menschlichkeit hält. Unter den Schutzgesetzen unter den deutschen Schußgefeßen" die Frauen in die Fabriken von 1891, welche die Kinderarbeit eigentlich ganz beseitigen und verjagt die Männer aus ihnen. Und unter den Kapitalisten Ueber die Ursachen der Armuth und ihrer Versollten, wird dieselbe vermehrt, ja sogar neu eingeführt, und selbst selbst ziehen dann wieder die rücksichtslosesten und brutalsten den mehrung hat die zürcherische Regierung im Jahre 1893 die die badische Fabrikinspektion ist ohumächtig dagegen! Ohnmächtig Hauptgewinn. Während nämlich die Zahl der überhaupt für Armenbehörden befragt und im Bericht für 1894 werden eine auch dagegen, daß direkt gegen das Gesez schulpflichtige Kinder Frauen bewilligten Ueberstunden im Reihe von Antworten mitgetheilt. Es werden da als Ursachen ganzen Lande Vo in Bürstenfabriken und Ziegeleien beschäftigt werden, daß nach 147 999 Vorjahre auf 146 338 fant, ließ sich die angeführt: niedrige Arbeitslöhne, hohe Wohnungs- und Lebensden berüchtigten Pforzheimer Bijouteriefabriken auch die dortigen Pforzheimer Bijouteriefabrikation gegen das Vorjahr 7822 Ueberlichkeit, Krankheit und Tod der Erwerbenden oder ihrer Angemittelpreise, große Kinderzahl, Arbeitslosigkeit, Alter und Gebrech= Etuifabriken von der Verwaltungsbehörde erlaubt erhalten, die Vor- stunden mehr bewilligen, nicht weniger als 66 680 im ganzen, hörigen 2c.; andererseits: Arbeitsscheu, lüderlicher oder unfittund Nachmittagspausen für Kinder wegfallen zu lassen und also beinahe die Hälfte aller Ueberstunden überhaupt. Die Scham da beklagt sich das Kapital über die ,, Lasten", die es im Interesse dieser Herren ist eben an den bekannten Ort geflohen, und die licher Lebenswandel, Alkoholismus, Wißwirthschaft, Leichtsinu zc. der Sozialreform trägt! Bei den jugendlichen Arbeitern von 14-16 Jahren die- Bezüglich der Bijouterie- Fabrikation findet eine materielle Prüfung Berichterstatter der am" heinfall gelegenen Gemeinde Dachsen, Verwaltungsbehörden stehen der ganzen Sache rathlos gegenüber. Auf die sozialpolitische Höhe des Onkels Bräfig, nach dem die Armuth von der großen Poverthe" herkommt, schwingt sich der felbe Erscheinung. Die feit 1892 zu beobachtende Steigerung der im Hinblick auf die behaupteten(!) besonderen Bedürfnisse indem er im Lapidarstil schreibt:" Der Grund der Vermehrung Kopfzahl dauert fort, dies Mal ist die Höhe von 11 683 erreicht, und dieses Industriezweiges, auf die große Zahl darunter befinden sich nicht weniger als 5832 Mädchen. Die nur für wenige Tage erbetenen Bewilligungen und auf die der Armuth liegt nach unserer Ansicht in der immer größeren Hauptschuldigen an dieser Stelle sind die Textilindustrie, die Schwierigkeit des Einblicks in die vorgetragenen Verhältnisse Verbreitung der sozialistischen Ideen..." Beihre jugendliche Arbeiterzahl von 2322 auf 2528 erhöhte, und seitens der Behörden nicht statt." Damit ist offen ein besonderes kanntlich ist das Gegentheil richtig. die Metallverarbeitung, deren junge Leute von 1270 auf 1575 Ausbeutungsprivileg für einen Industriezweig zugestanden; Zur Unfallversicherung in Dänemark. In der letzten fliegen. Metallverarbeitung" heißt in Baden die Pforzheimer zweierlei Recht" also auch auf diesem Gebiete. Uns fann es Session des dänischen Reichstages waren zwei Vorlagen für ErBijouterie Fabrikation, und thatsächlich trägt diese so gut recht sein! Und dabei stellt die Fabritinspektion grundsäglich richtung einer Unfallversicherung, die eine von unseren Parteiwie allein den Antheil an jungem Menschenfleisch, der auf fest, daß der wirkliche Grund für die Inanspruchnahme von genossen, die andere vom Führer der Berg'schen Gruppe dem Altar des Profits geopfert wurde. Die Zahl ihrer jungen Leberarbeit in dem Mangel von Arbeiterinnen liegt", d. h. daß Christensen- Stadil, eingebracht worden. Leute stieg von 964 im Jahre 1894 auf 1219 im Jahre 1895 die Unternehmer feine neuen Arbeiter troh reichlicher Arbeits- wurden einem Ausschusse überwiesen, der jetzt sein Gutachten was die Herren Fabrikanten aber natürlich nicht abhält, im Land- gelegenheit einstellen wollen, sondern mit hoher behördlicher Er- veröffentlicht hat. Die sozialdemokratische Vorlage, die eine tage über Bedrückung durch den Arbeiterschutz zu jammern. laubniß die einmal in ihren Händen befindlichen Opfer des jährliche Pension bis zu 1000 kronen jeder Person, die zu Agrarier in Preußen und Schlotjunker in Baden gleiche Brüder, modernen Lohnsystems wie die Zitronen auspressen. Die Folgen Schaden kommt und nicht über eine sichere Einnahme von gleiche Rappen! Dabei sind einzelne Beschäftigungsarten der einer solchen Entwickelung stizzirt die badische Aussicht ganz 2000 Kronen jährlich verfügt, zu gewähren vorschlägt, ist vom jungen Leute so ungesund, z. B. an den Polierscheiben in Ver- richtig mit den Worten:" In den meisten Fällen wird über- Ausschuß mit 13 gegen 2 Stimmen verworfen worden. Die nickelungsanstalten, daß die Inspektion für gänzliches Verbot haupt der Vortheil, der der Industrie durch eine solche Ueber- Mehrzahl des Ausschusses hat sich der Berg'schen Vorlage an plädirt. Dazu recht herzhafte Lehrlingszüchterei in Schlossereien arbeit entsteht, weit kleiner sein, als der hierdurch der Gesundheit geschlossen, die den Arbeitern bei Unglücksfällen eine Unterund Buchdruckereien mit der offenen Begründung, daß die der Arbeiterinnen zugefügte Nachtheil." Ganz sicher. Sinte- füßung bis zur Dauer von 13 Wochen gewähren will. Bei Gefellenlöhne, unersd winglich" seien, und als Fazit des Ganzen malen aber einstweilen noch der Kapitalist kommandirt, wird vollständiger Invalidität soll der gesammte Arbeitslohn von das herrliche Zeugniß, das die badische Fabritinspektion dem eben fortgewurstelt... 6 Jahren, jedoch in keinem Falle über 4800 Kronen, bezahlt deutschen Arbeiterschutz" ausstellt: daß die gesetzlichen Be- Wenn es danach einer verhältnißmäßig so energischen Fabrik- werden. In Todesfällen soll der Wittwe oder den minderschränkungen tein Hinderniß für die Verwendung der jugend- inspektion, wie der badischen, nicht gelingt, den mageren deutschen jährigen Kindern der Arbeitslohn von 4 Jahren bis zu 3200 lichen Arbeitskraft bilden" Welchen gewaltigen Ruck nach Arbeiterschutz auch nur einigermaßen praktisch für die Pro- Kronen, ausgehändigt werden. Außerdem erhält der verunglückte vorwärts müssen also erst die Schulgesetzgebung, das Fort- letarier zu verwirklichen, so kann man sich denken, wie es in Arbeiter nach der dreizehnten Woche während vierzehn Wochen bildungswesen und der Arbeiterschuh in Deutschland noch anderen deutschen Bezirken aussieht. Und ein solches System einen täglichen Zuschuß, dessen Größe von den Unternehmern und erhalten, wenn einmal nur von menschlichen Zuständen die Rede verlangt Respekt von der Arbeiterbewegung für seine ganz Arbeitern gemeinsam festgesetzt wird. sein soll! ungenügenden sozialreformatorischen Leistungen? Wir müßten Elektrische und Lichtwellen. welche die davor befindliche Strecke in gerader Richtung weithin erleuchten, und die Zerstreuung des Lichtes nach den Seiten verWir haben in einem früheren Artikel( Nr. 46) das eigent- hindern. Ein hübscher Versuch, der das Verhalten der Lichtliche Wesen einer Wellenbewegung und den Begriff des Strahles und Wärmeftrahlen in Hohlspiegeln deutlich macht, ist auch der bei einer solchen erläutert und erwähnt, daß die Fortpflanzung folgende: Man stellt zwei Hohlspiegel einander gegenüber des Lichtes auf der Welleitbewegung eines überall im Weltall und in dem Brennpunkt des einen ein Licht auf; die von ihm nach dem unterscheidenden Merkmal der einzelnen Lichtarten zu verbreiteten Agens( Wirksamen), des sogen. Lichtäthers beruht. ausgehenden Strahlen werden von dem Spiegel einander parallel fuchen. Es hat sich gezeigt, daß dies die Wellenlänge ist, also Wir wollen heute einen Blick auf die Beziehungen zwischen reflektirt und treffen so den gegenüberstehenden Spiegel, der sie der Abstand der Theilchen, welche sich in gleichem Elektrizität und Licht werfen, und auf die Erscheinungen, durch wieder in seinem Brennpunkt vereinigt. In diesem ist also ein Schwingungszustand befinden. Die Länge der Lichtwellen welche dargethan wird, daß auch elektrische Vorgänge denselben Bild des weiter vorn befindlichen Lichtes zu sehen, und auch die beträgt nur einige Zehntausendftel eines Millimeters; aber Gefeßen in ihrer Ausbreitung und Fortpflanzung unterliegen, wie Wärmewirkung wird hier wieder durch die Vereinigung der selbst bei diesen unfaßbar fleinen Größen ergeben sich noch leuchtende. Strahlen eine große; hält man z. B. einen leicht entzündlichen deutliche Unterschiede, indem die rothen Wellen fast doppelt so Zu diesem Zweck betrachten wir zunächst die grundlegenden Körper, wie Schießbaumwolle, in die Flamme des Bildes, so wird lang sind als die violetten. Diese Untersuchungen zeigten zu Eigenschaften des Lichtes. Kommt ein helles Strahlenbündel, sie sich ebenso entzünden, als wenn sie in die wirkliche Flamme gleich, daß das Auge nicht ein geeigneter Apparat ist, um alle also kurz ausgedrückt, ein Lichtstrahl, an die Grenzfläche zweier gehalten wäre. Wellenbewegungen des Aethers wahrzunehmen; man fand, daß Medien( Substanzen), z. B. an die Grenze von Luft und Einen ganz analogen Versuch stellte Herz für die Elektri- das Spektrum sich noch nach beiden Seiten über den sichtbaren Wasser, so bringt ein Theil des Strahlenbündels in zität an, dessen Gelingen bewies, daß die Strahlen elektrischer Theil hinaus ausdehnt, daß es noch ultrarothe und ultraviolette die zweite Substanz ein, wobei es von seinem gerad Kraft in derselben Weise reflektirt werden, wie die Lichtstrahlen. Sirahlen giebt, von welchen sich die ersten durch ihre erwärmende, Iinigen Wege Wege in gefegmäßiger Weise abgelenkt, ge- 3wei Zinkplatten wurden wie zwei Hohlspiegel gekrümmt, und die letzteren durch ihre chemische Wirkung verrathen. wird, während ein anderer Theil unter einander gegenüber aufgestellt. In dem Brennpunkt des einen Es kam also darauf an, auch die Länge der elektrischen demselben Winkel, unter welchem er auf die Grenz wurden elektrische Funken erzeugt; man kann das leicht erreichen, Wellen zu messen und mit denjenigen der Lichtwellen zu verfläche auffiel, in das erste Medium zurückkehrt, reflettirt wenn man zwei Metallstückchen entgegengesezt elektrisch macht gleichen. Von der Art, in welcher dieses geschieht, kann man wird. Von der Brechung des Lichtes kann man sich leicht über- und nahe aneinander bringt. Die Luft bietet den entgegen- sich vielleicht in folgender Weise eine ungefähre Vorstellung zeugen; hält man z. B. einen Stab ins Wasser, so erscheint er gesetzten Elektrizitäten, welche fich auszugleichen streben, ein Hinder- bilden: Hat man eine verschlossene Glasröhre, in welche an der an der Berührungsfläche von Luft und Wasser gebrochen. Läßt niß dar; sind die Körper start genug elektrisch, so wird dieses einen Seite ein massiver Glasstab hineinragt, und inan weißes Licht auf ein Glasprisma fallen, so wird es bei der Hinderniß überwunden, und die Elektrizitäten durchbrechen die Luft bringt man diesen durch Reiben mit einem nassen Brechung, die es erleidet, zugleich in seine farbigen Bestand in der Form eines Funkens. Um solche Funken dauernd herzustellen, Tuch in seiner Längsrichtung Zum Tönen, Tönen, so werden theile zerlegt; es entsteht ein Spektrum, in welchem roth am sind besondere Apparate, sogenannte Induktorien konstruirt, bei die an feinem Ende stattfindenden Schwingungen sich wenigsten, gelb und grün etwas mehr, blau und violett am weichen zwei metallische Spigen oder Kügelchen einander gegen der Luft in der Röhre mittheilen; in dieser entsteht also eine meisten abgelenkt erscheinen. überstehen, zwischen denen, so lange der Apparat im Gange Wellenbewegung, welche nach dem Ende der Röhre fortschreitet Auf der Reflexion des Lichtes beruhen sämmtliche Spiegel- ist, fortwährend elektrische Funken überspringen. Bringt und dort reflektirt wird. Reibt man den Glasstab weiter, so bilder; in dem von einer ebenen Wasserfläche zurückgeworfenen Lichte man nun in den Brennpunkt des gegenüberstehenden Zink- werden immer neue Luftwellen nach dem Ende der Röhre geerscheinen die angrenzenden Gegenstände, die Ufer, die Bäume, die am spiegels auch zwei sich gegenüberstehende metallische Spitzen schickt, welche mit den dort reflektirten und zurückkehrenden zuHimmel stehende Eonne gespiegelt. Ebenso spiegeln auch ge- an, so gehen auch zwischen diesen elektrische Funken sammentreffen. Durch das Zusammenwirken zweier entgegentrümmte Flächen; nur zeigen da die Spiegelbilder oft gegen die über, so lange dies im Brennpunkt des ersten Spiegels geichieht. gesetzt fortschreitenden Wellenbewegungen entsteht ein eigenthüm Gegenstände eigenthümliche Verzerrungen, wie man häufig an Von hier gehen also Strahlen elektrischer Kraft aus, die von dem licher Schwingungszustand, die sog. stehenden Wellen; in spiegelnden Kugeln, welche in Gärten oder Schaufenstern auf Spiegel sämmtlich parallel nach dem zweiten reflektirt werden, einigen Punkten nämlich wirken die Schwingungen einander entgegen, gestellt sind, sehen kann. Ist die spiegelnde Kugelfläche nicht welcher sie wieder in seinem Brennpunkte sammelt. Freilich ist in anderen verstärken sie sich. Die ersteren bleiben daher in erhaben, sondern hohl, so liegen die Bilder der davor befind- die Wirkung bei der beschriebenen Anordnung außerordentlich Ruhe, fie bilden die Schwingungsknoten, die letzteren lichen Gegenstände im allgemeinen vor dem Spiegel, flein und schwer zu beobachten; doch kann man sie in ver- find in heftigster Bewegung, sie heißen Schwingungsbauche. an derselben Seite, wie die Gegenstände; ist der schiedener Weise deutlich sichtbar machen. Man bringt z. B. Befindet sich in der Röhre leichter Staub, so wird er von den Gegenstand aber fern, so daß die von ihm ausgehenden eine Geißler'sche Röhre, d. i. eine Röhre, welche verdünnte Luft Bäuchen bei der heftigen Bewegung der Luft fortgewirbelt und Strahlen fast parallel auf den Spiegel treffen, so werden sie in enthält, in den Brennpunkt des zweiten Spiegels. In das Innere sammelt sich an den Knoten an, wo er liegen bleibt; dadurch einem bestimmten Punkte vor ihm, dem sogenannten Brennpunkt dieser Röhre führen an zwei gegenüberliegenden Stellen die Enden tann man den Abstand je zweier Knoten, welcher eine halbe vereinigt. So entwirft ein Hohlspiegel in seinem Brennpunkt einer galvanischen Batterie, die einen elektrischen Strom liefert; Wellenlänge beträgt, bestimmen und so die Längen der betreffenden ein helles Sonnenbild, worin er nicht nur das Licht, sondern doch ist derselbe nicht start genug, um die Entladung durch die Luftwellen messen. auch die Wärme der Sonne vereinigt. Man erzählt, daß im verdünnte Luftstrecke der Röhre hindurch zu unterhalten; kommen In ähnlicher Weise ist es auch bei den elektrischen Wellen Jahre 212 vor Christi Geburt, als die Römer die Stadt jedoch die durch die Reflexion im Brennpunkt des Spiegels ge- geschehen. Die Schwingungen, welche von einer elektrischen Syracus auf Sizilien belagerten, die Vertheidiger unter der sammelten Kräfte hinzu, so reichen sie aus, die Entladung Funkenstrecke ausgehen, werden an einer einige Meter entfernt Leitung des berühmten Mathematikers Archimedes große Hohl durch die Luststrecke hindurch gehen zu lassen, wobei die Röhre aufgestellten Mittelwand reflektirt, so daß durch Zusammenspiegel gebaut und so aufgestellt hatten, daß der Brennpunkt auf die in schönem hellem Licht leuchtet. Bringt man zwischen beide wirken der zurückgeworfenen mit den ankommenden stehende feindlichen Schiffe fiel; bei bellem Sonnenschein wären hier die Spiegel einen Metallschirm, welcher die elektrischen Strahlen Wellen entstehen. In bestimmten Abständen von der Wand Strahlen der Sonne vereinigt worden und hätten die römischen nicht durchläßt, so bleibt die Geißler'sche Röhre dunkel; dagegen findet man dann stärkere elektrische Wirkungen, in anderen gar Schiffe in Brand gesteckt. Freilich ist dies nur ein Märchen, leuchtet sie sofort wieder auf, wenn der Schirm, welcher die teine; so findet man also die Stellen, an welchen die Bäuche und welches die Bedeutung des Archimedes in übertriebener Weise Strahlen abhält, wieder entfernt wird. Bringt man einen für die Knoten der elektrischen Schwingungen liegen, und kann auf hervorheben soll; denn so große Spiegel, wie zu diesem Zwecke die elektrischen Strahlen durchlässigen Körper, z. B. ein Asphalt diese Weise die Länge ihrer Wellen bestimmen. Sie betrugen bei nöthig wären, tönnen wir heute nicht herstellen, geschweige war prisma zwischen beide Spiegel, so werden die elektrischen Strahlen, den Versuchen von Herz mehrere Meter. Später sind noch andere man vor 2000 Jahren dazu im stande. Aber das Märchen zeigt, genau wie die Lichtstrahlen durch ein Glasprisma, von ihrem dargestellt, deren Längen bis auf einige Zentimeter herabgehen. daß seine Erzähler, die alten Griechen und Römer, ein flares Wege abgelenkt; man erkennt dies daran, daß die Geißler'sche Auch die kürzesten sind somit noch viele Tausende mal länger, als Bild von der Wirkung der Hohlspiegel hatten. Röhre dunkel bleibt und erst wieder aufleuchtet, wenn man den die Lichtwellen, von denen sie sich im übrigen in keiner Weise weiten Spiegel nebst der Röhre um eine gewisse Strecke seitlich unterscheiden. Unser Auge ist nur nicht eingerichtet, sie als Licht verschiebt. zu empfinden, und deswegen haben wir von ihrer Gristenz erst viel später Kunde erhalten, als von derjenigen der viel kürzeren Wellen, welche die Lichtempfindung in uns hervorrufen. brochen also Steht umgekehrt im Brennpunkt des Spiegels ein Licht, so werden dessen Strahlen von der spiegelnden Fläche einander parallel reflektirt; aus diesem Grunde stellt man z. B. hinter den Lampen der Lokomotiven und Pferdebahnen Hohlspiegel auf, Durch solche in zahlreicher Weise abgeänderte Versuche hat sich gezeigt, daß die elektrischen Wellen völlig denselben Gesezen, wie die Lichtwellen folgen. Wir müssen sie daher, ebenso wie diese, den Schwingungen des Aethers zuschreiben. Nun sind aber doch elektrische Schwingungen von denen des Lichts für unser Empfinden verschieden. Wie unterscheiden sie sich also thatsächlich von einander? Um diese Frage zu beantworten, brauchen wir nur Bt. 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