BERLIN Sonnabend 22. November 1930 10 Pf. Nr. 548 B 273 42. Jahrgang Ersch ti»t tiglich soßerSonntagL Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts". BetUgSpreis beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, 3,eoM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 68, kindenstr. 3 fflbwasfa Anteigenpreis: Die einspaltige Nonpareilltteile so Pf., Reklamezeile s M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-Berlag G. m.b.H., Berlin Nr.S7SSS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 2S7 v-Zug stürzt in den Strom Die Anzahl der Opfer glücklicherweise gering Paris, 22, November. Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich kurz «ach Mitternacht zwischen A n c e n i s und Nantes un- weit des Bahnhofs Qudon. Der Schnellzug Paris— Saint« Nazaire, der die französische Hauptstadt gegen 1K Uhr verläßt, entgleiste, die Maschine, zwei Pack- wagen und ein Personenwagen stürzten in die Loire, die zur Zeit starkes Hochwasser führt. Von Nantes eilte sofort ein Hilfszug an die Unglücks- stelle. Bis zu den frühen Morgenstunden liegen noch keine genauen Einzelheiten vor, da die telephonischen Verbindungen zwischen der Unglücksstelle und Nantes unterbrochen sind. Man weiß jedoch, daß der Zug in voller Fahrt aus den Schienen sprang. Tie Lokomotive fuhr noch einige Meter neben den Gleise» l'-r, stürzte sodann um und rollte den Eisenbahndamm h... unter in die Loire, einen Personenwagen und zwei Packwagen zog sie hinter sich her. Sämtliche in den Fluß gefallenen Wage» sind vom Wasser, das in der jetzigen Zeit einen äußerst hohen Stand hat. vollkommen bedeckt. Die Rettuugs- arbeite«, die schon wegen der herrschende» Dunkelheit sehr schwer sind, werden besonders dadurch behindert, daß die Wagen einige Meter tief unter dem Wasserspiegel liegen. Man nimmt daher mit Bestimmtheit an, daß sämtliche Insasse« der ins Wasser gerollten Wagen ertrunken sind. Llrsache des Unglücks ist eine infolge der andauernden Regenfälle hervorgerufene Schien ensenkung. Ein A n g e st e l l t e r des Bahnhofs Oiedon, der diese Tatsache festgestellt hatte, eilte dem Schnellzug einige hundert Meter mit einer Lampe entgegen und inachte verzweifelte Anstrengungen, den Lokomotivführer durch Lichtsignale auf die drohende Gefahr aufmerksam zu machen. Der Unglückliche wurde jedoch vom Zuge erfaßt und zermalmt. Die Pariser Blätter sind sich darin einig, daß die Zahl der Toten und Verletzten erheblich sein soll. Lokomotivführer und Heizer befinden sich unter den Toten. In Nantes sind die ersten Opfer ein- getroffen. Die Rettungsarbeiten werden mit größter Eile fortgesetzt. -!° Entgegen den anfänglichen Besürchtungen hat das Eiseichahn- Unglück bei Nantes, wie jetzt seststeht, nur ein Todesopfer ge- fordert, und zwar ist der Lokomotivführer in die Loire gestürzt und ertrunken. Seine Leiche konnte noch nicht gefunden werden. Vier Schwerverletzte wurden ins Krankenhaus von Nantes ein- geliefert. Zehn Passagiere erlitten leichtere Verletzungen und tonnten nach Anlegung von Notverbänden ihre Reise fortsetzen. Weitere(Zisenbahnunfälle in Frankreich. Paris. 22. November. Außer dem schweren Eifenbahnunglück bei Nantes ereigneten sich gestern in Frankreich noch drei weitere Eisenbahnunfälle. Im Bahnhof von Longuyon stieß ein aus Nancy kommender Per- soncnzug mit einem Güterzug zusammen. Dabei wurden eine Frau getötet und drei Reisende schwerverletzt.— In der Nähe von Chartres entgleiste ein Schnellzug, von dem der Packwagen und ein Personenwagen eine 15 Meter hohe Böschung hinunter- stürzten. Drei Eiscnbahnbeamte und ein Reisender wurden schwer- verletzt.— Schließlich entgleiste noch bei M o r t a g n e im Departe- ment Orne ein Zug beim Passieren einer Brücke. Die beiden letzteren Unfälle sink» wie das Unglück bei Nantes durch Gleissenkungen ver- ursacht worden. !vaschisienpleiie nach Mussolinis Ende. Zündholztrust findet Ztaiien-Anleihe zu riskant. Paris, 22. November.(Eigenbericht.) Me das..Oeuvre" zu berichten weiß, hat sich Jtalieu in seiner Atnauznol an den schwedischen Zündholztrust um eine Anleihe gewandt Der Zündholzkrust wiederum hat durch die schwedische Regierung eine Enqucle unternehmen lassen, um auf die £cage eine Antwort zu bekommen, welchen Wert ein Abkommen mit der saschiflijchcn Regierung noch einem Sturz Mussolinis hoben könne. Zahlreiche führende persönlichkeiten der antifaschistischen Bewegung in Pari» find sondiert worden. Staatskommissar für Berlin Verfügung der neuen Sieuern bereits nächste Woche Die Finanzlage der Stadt Berlin hat sich durch die von Tag zu Tag anwachsenden Wohlfahrtslasten so verschlechtert, daß nach Ansicht der verantwortlichen Stellen die umgehende Schaffung neuer Einnahmequellen zwingende Notwendigkeit ist. Bekanntlich be- trägt das Defizit Berlins bereits über neunzig Mil- lionen. neue Einsparungen sind nicht mehr möglich, und selbst wenn ein größerer Betrag auf das neue Haushalts- jähr übernommen wird, bleiben rund 30 Millionen Mark durch neue Steuern zu decken. Es muß jetzt als sicher be- trachtet werden, daß die Staatsregiernng entschlossen ist. ei»en Staatskommissar mit der Festsetzung und Durchführung der notwendigen Stenern zu be» austragen. Wie wir erfahren, dürste die Ernennung des Kom- missars und damit die Verfügung der Steuer« schon im Anfang der nächsten Woche erfolgen. Die Regierung scheint der Ansicht zu sein, daß ein westeres Anwachse» des städtischen Defizits im Interesse der Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit der Stadt Berlin nicht mehr ver- antwortet werde« kann. Die Ernennung eines Staatskommissars ist sicher nicht dazu an- getan, den Kredit der Reichshauptstadt zu heben. Berlin erleidet einen neuen schweren Prcstigeverlust draußen im Lande. Schließlich darf aber auch nicht vergessen werden, daß ander« deutsche Städte der Reichshauptstadt auch in diesem Punkte bereits vorangehen mußten. Gänzlich abwegig ist es, wenn davon gesprochen wird, daß die Ernennung des Staatskommissars den Tod der Selb st Verwaltung bedeuten würde. Die Aufgabe des Be- auftragten der preußischen Regierung wird lediglich sein, den stark Ins Wanken geratenen Haushall in Ordnung zu bringen. Im übrigen werden selbstverfläodlich die Rechte des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung in keiner Weise angetastet werden! Welche Steuern der Staatskommissar anordnen wird und wer mit dieser wenig dankbaren Aufgabe beauftragt wird, ist noch völlig unbekannt. Ob eine Erhöhung der Grundoermügenssteuer und damit eine Erhöhung derMiete noch vermieden werden kann, muß als sehr zweifelhaft bezeichnet werden. In der Zeit des Vom Gericht zurück .Bewährungsfrist ham' se dir gegeben? Mensch, das heißt: daß du dir vor die nächste Keilerei bester mit Revolver und Schlagring bewehren maßt!" Preisabbaues wird also höchstwahrscheinlich die Berliner Be- völkerung mit einer neuen Mietsverteuerung um 4 Proz. ab 1. Januar überrascht werden. * Im Berliner Rundfunk wird heute abend um 18 Uhr 30 der Pressechef der Stadt Berlin, Landtagsabgeordneter Dr. Richard L o h m a n n, über„Staatsaufsicht und Selbstverwal- tung" sprechen. Der Redner wird die rechtlichen und sachlichen Voraussetzungen für das Eingreifen des Staates in die Selbstver- waltung bei außerordentlichen Situationen behandeln. Die unsozialen Steuern. Kampf um die Aenderung der Notverordnungen. In der Sonnabendsitzung des Ausschusses sür den Reichshaushalt wurden die Teile der Notverordnung bsiprocheu, die den Zuschlag zur Einkommensteuer für die Einkommen von mehr als 8000 Mark, den Zuschlag zur Einkoininensteuer der Ledigen, den Finanzausgleich und die Tabaksteuer betreffen. Der Zuschlag zur Einkommensteuer solcher Personen, die ein Einkommen von mehr als 8000 Mark versteuern, soll nach der Ver- ordnung 5 Prozent betragen. Abg. Dr. Hertz(Soz.) erklärte hierzu, daß die Sozialdemokratie nach wie vor einen z e h n p r o z e n t i g e n Zuschlag für richtiger holte. Es sei dagegen eingewandt worden, daß dadurch der Maximalsteuersatz auf 40 Prozent steige, und deswegen«ine erhöhte Kapitalflucht hervorrufen würde. Er könne den Einwand aber nicht als stichhaltig anerkennen. Es sei unzweifelhaft, daß die Kapitalflucht weniger beeinflußt werde durch die Sucht, Steuern zu hinterziehen, als aus Sorg« um die Siche- rung des Kapitals und die Währung. Die Ereignisse nach dem 14. September hätten diese Auffassung bestätigt. Es sei daher auch jetzt noch richtig, den Zuschlag statt aus 5 aus 10 Prozent zu erhöhen. Im einzelnen legte Dr. Hertz dann dar, daß ein Einkommen von z. D. 2600 Mark weil höher beiastel werde als ein Einkommen von über 8000 Mark. Der Zuschlag zur Einkommensteuer der Ledigen soll erhoben werden von Personen, die nicht verheiratet oder verwitwet oder geschieden sind, vorausgesetzt, daß aus ihrer Ehe Kinder nicht her- vorgegangen find. Auch gegen die Konstruktion dieser Steuer erhob Dr. Hertz schwere Bedenken. Sie verlasse die Grundsätze, auf denen dos ganze deutsche Steuersystem bisher aufgebaut worden sei und weiche ab von dem einzig richtigen Grundsatz der Leistungsfähigkeit. Die Leistungsfähigkeit, nicht der Per- sonenstand müsse maßgebend sein für die Erhebung von Steuer». Kaum eine Steuer habe so viel Erbitterung hervorgerufen wie diese und er glaube, daß die Regierung selbst bald dazu werde kommen müssen, die Steuer aufzuheben. 2luch bei der Ledigensteuer werde der unbemitleltc Ledige prozentual höher besteuert als der bemittelte. In der Sitzung vom Dienstag soll der Abschnitt betreffend die Erschließung von Einnahmen sür die Gemeinden besprochen werden. Krankreich gegen Rüstungskontrolle. Ebenso Sowjetunion/ Nur Budgetbegrenznug angenommen Genf. 22. November.(Eigenbericht.) Die französisch-englische These der budgetären Begrenzung für olle Arten von Rüstungen hat sich in der Vorbereitenden 2lb- rüstungskommission auf der ganzen Linie durchgesetzt. Die Kam- Mission hat nunmehr auch die See- und Lustrüstungsfrage abgc- schloflen. Zuerst wurde die Unterteilung der Linienschiffe, die Ziffer» für die Größe der Kreuzer und die Gröbenbestimmung der Schiff« mit Flugzeugen laut Londoner Vertrag angenommen. Kein U-Bvot soll größer als 2000 Tonnen sein, keine ihrer Kanonen größer als 130 Millimeter Kaliber. Für die Luftstreitkräfte wurden die bisherigen Bestimmungen aufrecht erhalten, dagegen wurde die unkrschied- Lehe Begrenzung der verschiedenen Kategorien abgelehnt. Endlich faßte man alles zusammen in dem mit 13 Stimmen angenommenen französischen Antrag, wonach die Parteien übereinkommen, die Gesamtsumme ihrer jährlichen Ausgaben für ihr« Land-, See- nnd Luftstreitkräfte zu begrenzen und soviel als möglich herabzu- setzen. Die Ziffern werden in Tabellen ausgestellt und die Durch- .sllhrung wird nach den Gutachten der Budgetsachverständigen ge- regelt werden. Zu den chemischen Rüstungen hat England den An- trag gestellt, auch Tränengase zu verbieten und Deutschland hat einen allgemeinen Verbotsantrag eingebracht. Die Aussprache dari�rr wird auf die dritte Lesung verschoben. Bei der Behandlung der allgemeinen Durchführungsbestim- mungen wandte sich Frankreich gegen Englands Borschlag der Schaffung einer ständigen Kontrollkommission für die Durchführung der Abrüstung. Litwinow erklärte, daß Rußland , kein Interesse an diesen Kapiteln lMbe, die nur einen Wert gehabt hätten, wenn die Kommission eine wirkliche Abrüstung eingeleitet hätte. Rußland könne auch keine Organe des Völker- bundes zur Kontrolle anerkennen. Graf Bernstorff verzichtete für Deutschland auf die Teilnahme an einem Unter- komitee, das zur Beratung der Durchführungsbestimmungen gebildet wurde. Die Beratung der deutschen Anträge sür den Austausch van Mitteilungen über alle Rüstungen und die Vorbereitung der Allgemeinen Abrüstungskonferenz wurde auf die dritte Lesung des Konventionsentwurfes verschoben. Kein Kernspruch mit Moskau. Wetterflörungen vor Riga— Telegrammverkehr im Gange. Gegenüber den Behauptungen von einer Ermordung Stalins nnd militärischen Revolten wird aus Moskau kategorisch erklärt, daß es sich um böswillige Erfindungen handele. Der Telephonverkehr mit Moskau ist seit mehreren Tagen gestört. Äa aber der Berkehr auch schon mit Riga nicht möglich ist, handelt es sich nicht um politische, sondern um Wetter- slörungen. Der Telegrammocrkehr mit Moskau funktioniert. Beihlen in Berlin. Von Brüning und Eurüus empfangen. � Der ungarische Ministerpräsident Graf Bethlen traf heute vormittag in Berlin«in. Zum Empfang hatten sich am.Anhalter Bahnhos Reichskanzler Dr. Brüning, Reichsaußenminister Dr. E u r t i u s, die Staatssekretäre Dr. Pündcr und v. Bülow nnd andere Angehörige der Aemter eingefunden. Oer Tapferkeit besserer Teil. Gin„Verantwortlicher", der sich drückt. Köln, 22. November.(Eigenbricht.) Der früher« verantwortliche Redakteur der kommunisti» schon„Sozialistischen Republik", Peter Stahl, der bereits längere Freiheitsstrafen wegen Beleidigung durch die Presse zu ver- büßen hat, steht heute wieder einmal vor Gericht. Er erklärt« ober, daß er mit dein unter Anklage gestellten Artikel gor nichts zu tun habe. Er sei weder der Berfasser, noch sei«r in der Zeit vom August 1929 bis März 1939 überhaupt in der Redaktion gewesen. Agher könne er, obwohl er. für die Zeit als für den lokalem Teil verantwortlich gezeichnet habe, nicht zur Rechenschaft gezogen wer- den. Der Berfasser des Artikels fei der Schriftleiter P i n n e cf e. Koalitionssireii in Braunschweig. Die Steuern lockern Antimarxifienblock. Braunschweig. 22. November.(Eigenbericht.) Innerhalb der Braunschweiger Regicrungskoalition sind bereits ernste Differenzen ausgebrochen, weil die Nationalsozia- listen die Bürger st euer ablehnen. Sie verlangen gleichzeitig mit der Sozialdemokratie ein« besonder« Erwerbs- iosen-Winterbeihilfc, wofür sie eine Warenhaus- und Filiolsteuer als Deckung vorschlagen. Dagegen w«ndcn sich aber die bürgerlichen Koalitionspartcicn. Iricks Negersteuer gefallen. Im chaushaltsausschuß des Thüringischen Landtags wurde am Donnerstag die' in der Brüningfchen Not- Verordnung für die Gemeinden vorgesthene Bürger st euer mit den Stimmen der Kommunisten, der Sozialdemokraten und Nationalsozialisten abgelehnt. Frick erklärte als Minister, daß er den Gemeinden Ersatz für den Ausfall der Bürg«rsteuer nicht geben könne. Wenn die Steuer abgelehnt werde, dann fei die Angelegen- heit für ihn erledigt._ Straßen ohne Namen. Llnfug in der Wohnstadt Carl Regien. Die von über laufend ZNcofchen bewohnte Vohnstadk Earl fegten wartet feit vielen Monaten darauf, daß die Straßen endlich einmal Namen bekommen. 3n der Dezirksversammlung Prenzlauer Berg hat eine knappe Mehrheit der Kommunislea, Deutsch- nationalen und Nationalsozialisten die von der Sozialdemokratie ge- forderte Namensgebung abgelehnt. Zehl hat der Polizeipräsident das Wort. Bereits im Frühjahr, noch vor Fertigstellung des zweiten Bau- blocks, sind die Namen veröffentlicht worden. Die Straßen sollten die Namen verdien st voller verstorbener G e wer k- schaftssührer tragen« Die Wohnstadt Carl Legien liegt im Bezirk Prenzlauer Berg. Weil der angrenzende Bezirk Weißen see einige Straßen nach Städten Pommerns benannt hat, wurde die Entdeckung gemacht, daß deshalb die Straßennamen der Carl-Legien-Siedlrmg ebenfalls aus Pommern entlehnt werden. Der Unfug, daß die von weit über 1900 Einwohnern bewohnten Straßen zwischen der Prenzlauer Allee'und der Greifswalder Straße nur mit Mühe und Not aufzufinden sind, muß umgehend beseitigt werden!, Morgen: Zur Mieterversammlung. Alle Sozialdemokraten und ,.Dorwärts"-Leser der Wohnstadt Earl Legien werden dringend gebeten, zu der von anderer Seite zu morgen abend nach der Aula der Schinkel-Oberrealschule, Earmen- ' Syloa-Straße 25/26, sinberufenen Mieterversammlung um 18,'? Uhr vollzählig zu erscheinen und bei der Wahl der Mieteroertretung sür die Vorschlagsliste Wohnungsschuß zu stimme ru Mietvertrag mitbringen! Universität unter Terror Nekior und Senat kuschen vor Radaustudenten Königsberg, 22. November.(Eigenbericht.) In Königsberg inszenierte die sogenannte„Freie Studenten- schaft"«inen ungeheuren politischen Radau, der schließlich zu Zusammenstößen mit der Polizei führte und eine Debatte im Senat der Universität zur Folge hatte, die mit geradezu un- glaublichen Zugeständnissen des Lehrkörpers der Hochschule an die randalierenden Studenten endete. Die„Freie Studentenschaft" hatte zu einer Protest kund- g e b u n g gegen den Rektor oufgerusen, weil dieser die schwarz- weißroten Schleifen an Kränzen hatte entfernen lassen, die anläßlich der Langemark-Feier an der Unioersitäts-Gedenktasel niedergelegt worden warenr Die Demonstration sollte vor dem Universitätsgebäude stattfinden. Sie hatte kaum begonnen, als die Demonstranten sich in wüsten Beschimpfungen der staatlichen Organe und des Lehrkörpers der Universität er- gingen. Die Polizei erhielt deshalb Bejehl den Platz vor der Universität zu räumen. Unter heftigem Widerstand wurde die Masse schließlich abgedrängt. Die Polizeibeamten wurden wiederholt mit Eisklumpen und Schneebällen be- warfen. Am Nachmittag richtete die'„Freie Studentenschaft" an den Rektor und Senat eine Eingabe, in der gefordert wurde, daß die entfernte Kranzschleife wieder an der Gedenktafel nieder- gelegt werde und der Senat dem Rektor seine Miß- biltigung ausspreche, weil dieser ein Plakat, das zur Unterstützung des Danzigcr Wahlkampfcs aufforderte, verboten habe. Ferner solle der Senat das Vorgehen des Rektors bedauern, falls dieser die Polizei herbeigerufen habe. Schließlich wurde noch verlangt, daß sich die Schutzpolizei entschuldige, weil sie durch ihr Eingreifen„akademischen Boden verletzt" habe. Der akademische Senat trat bald nach dem Empfang der oben wiedergegeben«» Forderungen zu einer Sitzung zusammen, die sich bis in die späten Abendstunden ausdehnte. Unter- dessen setzten die Studenten in und vor der Universität ihren Radau fort, bis der Senat seine Entscheidung bekannt gab. Hier ist das Machwerk: „Der Rektor hat die Polizei nicht gerufen. Er verständigte sich mit ihr lediglich mit dem Ziele» Ucbcrgrisfc zu verhindern. Sollten jedoch solche geschehen sein, so bedauern dies Rektor und Senat. Der Rektor durfte nach den geltenden Bestimmungen die Aufschrift auf dem Kranz nicht dulden. Nach der heutigen Aussprache hat der Senat ge- nehmigt, daß die Aufschrift ausnahmsweise zu- gelassen wird. Die akademische Behörde wird die Schleis« selbst wieder anbringen. Der Rektor war ebenso wie der Senat selbstverständlich der Ansicht, daß jeder Danziger Student nach Danzig fahren müsse, aber aus außenpolitischen Gründen hielt er die Form des vorgelegten Plakats nicht für angezeigt." Einer der Führer der randalierenden Studenten stellte nach der Bekanntgabe der Erklärung des Senats fest: ,.W a s wir erreichen wollten, haben wir erreicht! Die Hauptsache ist, daß wir unser« Kraft bewiesen haben." * Der preußische Kultusminister hat inzwischen den Rektor der Königsberger Universität zu einem mündlichen Bericht aufgefordert. Hakenkreuzenitäuschung in München. Das Ergebnis der Studentenwahlen. An den Studentenwahlen der Münchener Uni» versität, die am Donnerstag ohne Zwischenfall vor sich gingen. beteiligten sich rund T500 Studenten, was einer Wahlbeteiligung von 91,5 Proz. entspricht. Trotz des von den Nazis feit Wochen geübten Terrors, der seinen Höhepunkt in der blutigen Sprengung der sozialistischen Studentenversomnllung hatte, erlitten die Haken- kreuzler ein? schwere Enttäuschung. Bon 39 Vertretern erhielten sie im ganzen 19(im letzten Wintersemester 6), während sie nach eigenen Voraussagen mit der sicheren Erringung der obso- luten Mehrheit gerechnet hatten. Die waffentragenden Korporations- studenten erhielten 6(8), der Deutschnotio/iale Widerstandsblock 2 (2), die beiden katholischen Listen zusammen 7(8), die deutschvolks- parteiliche Finkenschoft 2(3), die demokratische Hochschulgruppe 2(2) und der sozialistische Studentenbund, der zum erstenmal mit einer eigenen Liste hervortrat, erhielt mit 337 Stimmen 1 Mandat(9). An der Technischen Hochschule in München ist das Wahlergebnis ungefähr dasselbe. Der Weiierumfchlag. Heute it4 Grad Wärme in Berlin. völlig unerwarlcl ist ein Wellerumschlog eingelrelen. der sür die vorgefchriilene Jahreszeit ganz außergewöhnlich hohe Temperaturen zur Folge hal. Noch am vergangenen Donnerstag lagen die Temperaturen, be- einslußt durch arktische Luftströme, sehr niedrig. In der Nacht zum Freitag setzte plötzlich bei reichen Niederschlägen ein erheblicher Temperaturanstieg ein:' Die Erwärmung steigerte sich»och und er- reichte heute mittag in Berlin«in Morrmum von+ 14 Grud. Aehn- lich liegen die Wettervcrhältnisse im Reich, die Temperaturen schwanken zwischen 11' und 15 Grad Wärme. Als Kuriofum sei erwähnt, daß Karlsruhe gestern bei heiterem Himmel sogar 17 Grad Wärme verzeichnete. In Ostpreußen hat sich der Wetterumschlaz besonders schlimm ausgewirkt. Am Donnerstag herrschten noch 14 Grad Kälte, heute hat die Quecksilbersäule fast die gleiche Höhe der Skala über dem Nullpunkt erreicht. Da in Ost- preußen reichlich Schnee gefallen ist, sind durch die rasch fortschreitend« Schmelze stellenweise katastrophale Berkehrsverhöltnisse entstanden. Die starke Erwärmung ist auf schr milde südwestliche Luftwaffen zurückzuführen, die nordwärts strömen und Mittel- sowie Westeuropa in erheblicher Breite überfluten. Zunächst ist mit einem Anhalten dieses Witterungschorakterz zu rechnen. Für Totensonntag lautet die Prognose noch besonders günstig: Sehr warm, bei ziemlich heiterem Himmel. Llrieil gegen Weißenberg. Redakteur preuß auf Kosten des Klägers freigesprochen. Im Beleidigungsprozeß des Propheten Weißenberg gegen den Schriftleiter der„Zeitschrift für Bolksaufklämng gegen Kurpfuscher- tum und Hcilmittelschwindel", Redakteur P r e u ß, verkündete Amts- gerichtsrat Rückert heute folgendes Urteil: Der Angeklagte P r e u ß wird auf Kosten des Privat- klägers Weißenberg freigesprochen. Krenzel unschuldig? Gutachten des Sachverständigen Dr. Marcuse. Im Frenzel-Prozeß wurde heule vormittag die Reihe der Gutachten fortgesetzt, und zwar erstattete der Sexualforscher. Sanilälsral Dr. Max Marcuse, sein Gutachten. in dessen Verlaus der Gelehrte zu der Ansicht kam, daß der Angeklagte Frenzes nicht die Merkmale eines Sexual- Verbrechers zeige. Sanitätsrat Marcus« hatte sich über die Frage zu äußern, ob nach sexualwissenschastlichen Gesichtspunkten die Aussage Gertrud Frenzeis glaubwürdig erscheine und ob überhaupt nach den wissenschaftlichen Erfahnmgen dem Angeklagten unter Berücksichtigung seiner Persönlichkeit die zur Anklage stehende Tat zuzutrauen sei. Dr. Marcuse betonte, daß die Angaben Gertruds unwahrscheinlich und für ihn unwahr seien, da ihre Schilderungen von den angeblichen Vorgängen und ihre Darstellungen mit den sexualwissenschastlichen und medi- zinischen Erfahrungen in Widerspruch ständen. Der Sach- oerständige betonte, daß er in dieser Auffassung auch durch die Gut- achten der Gynäkologen bestärkt würde. Nach seiner Auffassung müßten bei Gertrud Frenze! erotische Träume vorliegen. Die Frage, warum Gertrud ihren Bater in so schwerer Wesse bezichtigt haben könnte, beantwortete Dr. Marcuse dahin, daß sie wohl nach einer kleinen Lüge nicht wieder zurückoesunden habe und daß sie durch ihre Umgebung zur hartnäckigen Aufrecht- erhaltung ihrer Erzählungen bestärkt worden sei und bemitleidenswert erscheinen wollte. Ihr« Beharrlichkeit bezüglich der Be- schuldigungen erklärte der Sachverständige aus Wohrheitsfairatis- nms und haß gegen den Vater. Durch dos teilweise strenge Verhallen des Baters, durch dessen Ab- Wesenheit von der Familie und die familiären Mißverhältnisse Hobe sich Gertrud zum Psarrhouse hinge, zogen gefühlt und indem Pfarrer ihr Ideal gesehen. Die Grenze zwischen Lüge und Ge- träumtem sei bei Gertrud sehr unklar und unbestimmt. Bezüglich Hilde Frenze! vertrat der Sachverständige den Ständpunkt, daß sie unzwessethaft einmal gelogen haben müsse. Nach der Ansicht Dr. Marcuses. seien aber ihr« ersten Beschuldigungen nicht wähck— Den Angeklagten Krenzel selbst charakterisierte Dr. Marcuse derart, daß der Typ eines Sexuoloerbrechers ganz andere Merkmale zeige, als man sie bei dem Angeklagten festgestellt Hab«. Abschließend kam Dr. Marcuse zu folgeirden Feststellungen: l. Gegen die Nichtigkeit der Aussagen Gertruds liegen erhebliche sexualtechnische und sexualpsychologische Bedenken vor. Die Möglichkeit, daß sich die Begebenheiten so zugetragen haben, wie sie Gertrud schildert, halte ich für schlechthin ausgeschlossen. 2. Die gegenwärtigen Aussogen und Erklärungen der Hilde sind vom wissenschastlichcn Standpunkt aus nicht unglaubhaft. 3. Die sexuelle Persönlichkeit und die Umwälzfoktoren, die bei dem'Angeklagten die chm zur Last gelegten Handlungen zwanglos erklärbar und verständlich erscheinen lassen dürsten, sind meines Erachtens nicht gegeben. Die Derhandlung, bei der Staatsanwaltschaftsrat Stargard infolge seines Leidens durch Oberstaatsanwalt Dr. Tetzlaff ver- treten war, wurde sodann aus Montag vertagt, wo die beiden Sachverständigen Dr. P l a u t h und Dr. P l a c z e k ihre Gutachten erstatten werden. Am Dienstag wird voraussichtlich Staats- anwaltschaftsrat Dr. Stargard das Wort zur?lnklagercde nehmen. Ob das Urteil noch in der nächsten Woche gesollt werden kann, ist noch zweifelhast._ Angetrunken am Steuer! Auto auf dem Bürgerfieig.— Cin Arbeiter schwer verletzt Durch einen aagetrunkeveu herrenfahrcr wurde heute früh ein schwerer Verkehrsunfall verursacht, bei dem ein Passant schwer verletzt wurde. Kurz vor 7 Uhr fuhr«in Privatauto in schneller Fahrt den Südwcstkorso hinauf. An der Ecke der Geisenheimer Straße geriet der Wagen, dessen.Führer, wie später festgestell wurde, angetrunken war, auf den Bürgerstcig. Ein Passant, dei 4öjährige Arbeiter Otto Mündt aus der Grenadier st r a ß e 3 9, wurde von dein Auto erfaßt und überfahren. Mit schweren Besetzungen wurde M. in da� Wilmersdorfer Krankenhaus in der Achenbachslraße gebracht. Der rücksichtslos« Autofahrer� fuhr, ohne sich um den Verunglückt«« zu kümmern, weiter und ver- suchte sich seiner Feststellung durch die Flucht zu entziehen. Einige Straßen weiter ereilte ihn aber sein Geschick. Er stieß mit einem La st fahr zeug zusammen: dabei wurde sein Wagen so erheblich beschädigt, daß er halten mußte und festgenommen werden konnte. Der Mörder Baligands irrsinnig. Die mit der Untersuchung des Geisteszustandes des Mörders des deutschen Gesandten von Baligand, des deutschen Staatsangehörigen Franz Wiechorowsky, betrauten Aerzt« haben in ihrem Gutachten den Mörder als einen unter Verfolgungswahn leidenden Irrsinnigen bezeichne!. Der vom portugiesischen Justizministerium ernannte Richter sprach die Meinung aus. daß der Mörder in einer Irrenanstalt untergebracht werden müsse. Zusammenstoß zwischen Nazis und Kommunisten. Freitagabend gecieien in Düsseldorf drei Nationolsozialisten mit drei Kcumnu- nisten in«inen Woriwechsel. Plötzliäi siel cin Schuß, der einen Nationalsozialisten tödlich traf. Nach Zeugenaussagen soll einer der Kommunssten den Schutz abgegeben haben, die"die Flucht ergriffen und unerkannt enttomea. TSAbgeordnete: 302 Aufsichtsräte Volksvertreter im Widerstreit mit den Gtaatsinteressen In der Freitagsitzung des HaushaltsausschusseS des Reichstags wnrde bei der Diskussion über die Besteuerung der AufiichtSräte das gesamte Pro- blcm der Beteiligung an den Aufsichtsräten be> sprurhen. Bereits im Jahre 1927 hatte die sozialdemokratische Reichstags- fraktwn den Antrag gestellt, eine Liste der Abgeordneten zur öffentlichen Kenntnis zu bringen die Posten als A u f f i ch t s- r ö l e von Wirtfchoftsunternehwungcn inne hatten. Der Einfluß des privaten Kapitals auf einzelne parlamentarisch« Gruppen Hot sich seit dieser Zeit noch erhöht. Ilm endlich Klarheit über die Bc- Ziehungen aller Mitglieder des Reichstags zu den kapitalistischen Großunternehmungen zu schassen, hat die sozialdemokratische Reichs- tagsfraktion den von uns schon veröffentlichten Antrag eingebracht, der beim Präsidenten des Reichstags eine Liste der Aufsichts- rats Mitglieder geführt wissen will. Das„chandbuch der Direktoren und Auf- j i ch t s r ö t e" gibt schon ein recht anschauliches Bild von der Ver- knüpjun� parlamentarischer Interessen mit dem Interesse des Privat- kapitals. Nach diesem Handbuch, Ausgabe 1939, haben van den 577 Abgeordneten des Reichstags 76 Albgeordnet« sitze in Aufsicht s- rätcn. Die Gesamtzahl der Aussichtsratsposten beträgt 307. Sie verteilen sich folgendermaßen auf die einzelnen Parteien: Bon den kl Mitgliedern der Deutschnationolen Bolkspartei haben 9 Mitglieder insgesamt 78 Aufsichtsratssitze. Bon diesen 18 Sitzen sind 4 Posten in öffentlichen Unternehmungen. Bon den 30 Mitgliedern der Fraktion der Deutschen Bolkspartei haben 19 Mitglieder 67 Aussichtsratssitze. Bon diesen 67 Sitzen sind 2 Posten in öffentlichen oder Porteiunternehmungen. In der Wirts chastsparlei haben von 23 Mitgliedern 4 Mstglieder 11 Aufsichtsratssitz«, 4 davon sind Posten in ösfenllichen Unter- nehmungen. 3 von den 21 Mitgliedern der Fraktion des Deutschen Landvolks hoben insgesamt 9 Zlussichtsralssitze, 3 davon sind Posten in öffent- lichen Unternehmungen. Bon den 19 Mitgliedern der Fraktion der Bayerischen Volks- parte! haben 6 Mitglieder 13 Aufsichtsralssitze. Von den 68 Mitgliedern der Zentrumsfroktion haben 18 Mi'- glieder 65 Zlufsichtsratssitze. Den Rekord schlägt die Deutsche Staatspartei. Von ihren 14 Mitgliedern haben 5 Mitglieder 197 Aufsichtsratspostcn. Davon ist 1 Posten in einem öffentlichen Unternehmen. 19 von 143 Mitgliedern der sozialdemokratischen Fraktion haben insgesamt 33 Aufsichtsratssitze. Alle 33 sind Sitze in öffentliche» oder Parteiunlcrnchmungen. Da die Zahl der öffentlichen Unter- nehmungen in den letzten Jahren zugenommen hat, und das Par- lament in ollen diesen UnternehmungeiBvertreten ist, ist diese Zahl nicht einmal besonders hoch zu nennen. Mitglieder der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion gehören also privatkapitalistischen Unternehmungen in keinem Falle an. Ihre Aufsichtsrotsmandate sind in allen Fällen das Ergebnis ihrer parlamentarischen oder parteipolitischen Tätig- teit. Materielle vorteile sind für den einzelnen damit nicht verbunden. Gliedert man die Abgeordneten nach der Zahl der auf sie ent- fallenden Aussichtsrotsposten, so erhält man das Ergebnis, daß 14 Abgeordnete 3 bis 5 Aufsichtsrotsposten, 12 Abgeordnet« 6 bis 19 Aufsichtsratsposten und 5 Abgeordnete über 10 Aufsichtsrotsposten innehaben, von diesen der Abgeordnete der Deutschen Staats- parte! Fischer-Köln 51, der neue Abgeordnete der Deutschen Staatsparlei, der Domänenpächter August Weber 34, der Ab« geordnete der Deutschen Staat»partcl und ehemalig« Finanzminister Rein hold 29, der neue Abgeordnet« der Deutschen Bolkspartei und Veronstoller nationalsozialistischer Frühstücke Dr.,v. Stauß 42 Posten. Gerade die letzte» vier Beispiele zeigen deutlich, daß bei eiuer Häufung von Aufsichtsratspostcn leicht in, SSiderstreit des StaatSinteresseS mit dem privat- kapitalistische« Sonderinteresse daS Privatinteresse den Sieg davontragen kann. Textilarbeiterlöhne bedroht Die Rordofideutschen kündigten Tarife Der Rordo st deutsche Textilarbcitgeber-Ber- band in Berlin hat am 18. November die folgenden Lnhntarif- abkommen seiner Ortsgruppen dem Deutschen Textilarbeiter-Berband gekündigt: Berlin, Nowawes, Fürstenwalde/Spree, Zernsdorf (Kreis Teltow), Bernau' bei Berlin. Schwicbus-Züllichau-Günters- borg, Neudamm, Londsberg/Worthc, Malchow>> ittüh», Berlin: Anzeigen: Tb. Glocke, Berlin. Berlag: Vorwärts Verlast ib. m. b. 6.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerci und Berlaasanlialt Baul Sinnet& To. Berlin S3B 68, LindenNrobi 8. Sietju l Beiloste. II Sonntag, 123. November naenmittags 4 Uhr Herrenkleiderfabrik Bar. tn C 2, Spanaane Str. T. pari., n itr Kaiar-Wiihii�straa« Verftanl unicr Aitssfflaltonli tf. Zvislhenhaadnls linkt an dn Konsimnntn Winterm&ntci, schwere Ware§».— M.. ' blaue Kamiagarn-ADzOae, rein Kamm- • garn 48.— M., Anröflc und M*nlel Dada Maßangabe aus reinwollenen haltcaren Stoffen 7i.— M ür. gtuti.aäer, Jünglings- u. Knabenbekleidung gleichfalls zu Engios-Preisen. Onverbindlicher Lagerbesuch erbeten. ■ o« gnie Kapifan» J llanlaSaKiiÄS C. Köcker. Berlin lunnenlitrgerSticBsZS. KOnlgs. 3881 !-ra zur Kiele »V50,Ansbacherg>r Berfinar Fahnenffabrik Fischer ACo..Waiistr.84 II Z. luäclurBck». A 8 Merkur 4380-82 »fellen-Angebofe Z kltndecünVorw&rfs jj taes eBcadiltmg s Die einzige Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige ist die Kranken- anti StferbeKasse für«las Deuisdhe Reicb em JsaisiTC N««» atotf rraancC«« i(■.SdadcsB'fi-ctcSäSs* Ea-scndsSasasae) hm fin« Jculhrds CSI34 alejS.TÜBncSea die Versicherungspflichtigen und Nichtversicherungspflichtigen ausreichenden Kranken Versicherungsschutz bietet Be'rlfln M24, Oranienburger Sir- o? und 300 Verwaltungsstellen im Reich Aeilogc Sonnabend, 22. November 1930 SrHUmtO ShaJUuiXOaßp Jttf Vb+vHxsl* Dem Andenken einer braven Frau Zum 20. Todestage Julie Bebels/ von Luise Kautsky Ende November jährk es sich zum zwanzigsten Male, daß Julie Bebel die Augen für immer schloß. Der hier folgende Aufsatz soll sie der Nachwelt ins Gedächtnis rufen. Julie Bebel besaß Eigenschasten, die aus ihr mehr machten, als nur die stets liebevolle, hingebende und opferwillige Gattin. Vor allen, befaß sie Verständnis für die hohe Aufgabe und für die idealen Ziele, in deren Dienst ihr Mann sein Leben gestellt hotte. Nie hat Bebel unter den Klagen zu leiden gehabt, mit denen so manche Frauen unseren kämpfenden Genossen das Zuhause ver» aällen, wenn sie nicht einsehen wollen, daß Partei und Politik eben den ganzen Mann'erfordern, soll er auf seinem Posten etwas Tuch- tiges leisten. Bis ins Aller hat sie sich jene sonnige Heiterkell bewahrt, die ihr in der Jugend eigen war und die wohl auch den vierundzwanzigjährigen Bebel bezaubert und zu ihr hingezogen hat. Im Leipziger Arbeitergefangverein hatte er die junge, fröhliche Putzmacherin kennengelernt. Bebel erzahlt, daß er, wie alle, die nicht singen können, dort ersten Baß gesungen habe. Julie aber konnte singen, denn Musik war und blieb ihre Leidenschaft. Für sie gab es nichts Höheres als Konzerte oder Oper und oft erzählte sie mir, daß sie auch in schlimmen Tagen ihren letzten Groschen gegeben habe, um berühnlle Sänger oder Sängerinnen zu hören. Zwei Jahre nnchte das Brautpaar warten, ehe es den eigenen Hausstand gründen konnte. Im Jahre 1866 heirateten sie und im Januar 1869 wurde dem jungen Paar sein erstesund einziges Kind geboren, das zu einer Quelle des Glückes und des Trostes für Julie Bebel werden sollte, in den vielen einsamen und schweren Stunden, die das Schicksal für sie noch bereithiell. Di« ersten Ehesichre hatten einen harten Kampf um«ine kümmerliche Existenz bedeutet. Um heiraten und sich als selbständiger Drechslermeister etablieren zu können, hatte Bebel Schulden machen müssen, eine Handlung, die seinen, ordnungs- liebenden Charakter sehr zuwiderlief. Das Elend der Kleinmeisterei lernte das Ehepaar gründlich kennen, um so mehr, als der junge Meister durch sein« polittsche Tätigkeit der Berufsarbeit dauernd entzogen wurde. War er doch schon im Februar 1867 in den Reichstag gewähll worden. Erst die noch dem Krieg von 1870/71 einsetzende wirtschaftliche Prosperität macht« der ärgsten finanziellen Misere ein vorläufiges Ende. Dafür aber stellten sich andere Schick- falsschläge ein. Schon 1869 hatte Bebel zum erstenmal wegen Verbreitung stoatsgesährlicher Lehren., auf drei Wochen ins Gefängnis gemußt. Man muß sich vorstellen, wie dieses Ereignis auf das Gemüt des harmlosen jungen Weibes gewirkt haben mag. Diesem ersten Schrecken sollte jedoch bald ein viel heftigerer solgeu. Die Zeit der Gefängnisstrafen Die Haltung Bebels und Wilhelm Liebknechts während des deutsch- französischen Krieges, vor allem die Tatsache, daß sich die Beiden bei den Abstimmungen über die Bewilligung der Kriegskredlle der Stimme enthielten, hatte den ganzen Furor teutonicus gegen sie entflammt. Bebel schildert in seinen Lebens- erinnerungen die Szene in, deutschen Reichstag, als er zu der Forderung weiterer Geldbewilligungen das Wort nahm: „Meine Rede war nicht lang, aber sie erweckte cim:n Sturm, wie ich ihn seitdem nie wieder mit einer Rede hervorrief... Es regnete Unterbrechungen... und als ich dann auf die traurige Rolle hin- wies, die die deutsche Ka p i ta l i st e n k la ss e bei der ersten Kriegsanleihe gespielt hatte und wie ganz anders die fran- zösische Bourgeoisie sich dagegen im gleichen Fall benommen habe, brach vollends der Sturm los. Ein großer Teil des Hauses hatte einen förmlichen Tobsuchtsanfall; man überschüttete uns mit Schimpfworten der gröbsten Art, Dutzende von Mitgliedern drangen mit erhobenen Fäusten auf uns ein und drohten uns hinauszuwerfen. Viele Minuten lang konnte ich nicht zum Worte kommen.. Der Lohn für diese Missetaten ließ nicht lange auf sich warten. Am 11. Dezember 1870 war der Reichstag geschlossen worden, am 15. Dezember hatten Bebel und Liebknecht in Leipzig in einer Massenversammlung Bericht über die Verhandlungen des Reichs- tages erstattet, am 16. Dezember erließ Bebel eine Erklärung im Leipziger„Volksstaat", in der er sich gegen die Denunziationen wehrte, durch die er und Liebknecht des Landesverrates zu- gunsten Frankreichs bezichtigt wurden. Am 17. Dezember stürzte Julie Bebel kreidebleich zu ihrem in seiner Werkstatt arbeitenden Mann: ein Polizeibeamter sei in der Wohnung erschienen, der Bebel zu sprechen wünsche. Dieser wußte sofort, was das zu bedeuten habe. Er hatte seine Vorbereitungen getroffen und reinen Tisch gemacht, so daß der Beamte bei der nun folgenden Haussuchung nichts irgendwie Belastendes vorfand. Trotzdem ivurde Bebel verhaftet und abgeführt. Hundertundzwei Tage dauerte die quälende Untersuchungshaft, während der Julie ihren Mann nur allwöchentlich einmal im Beisein des Unterfuchungs- richters sprechen durste. Am 3. März war er,„der Hochverräter", trotzdem er nicht selbst anwesend sein konnte, in seinem Wahlkreis Glauchau-Meerane- Bodenstein, dieses Mal als einziger Sozialdemokrat. wieder in den Reichstag gewählt worden, der am 23. März eröffnet wurde. Da Bebel erst an, 28. März 1871 aus der Unter- suchungshaft entlassen wurde, konnte er nur einige Tage zu Haufe verbringen und schon am 2. April sehen wir ihn wieder in Berlin, wo er bis Ende Mai ausharren und dem Kreuzfeuer der Gegner standhalten mußte, mochte es ihn auch noch so sehr zu Weib und Kind ziehen und mochte sein Geschäft auch noch so dringend seiner Anwesenheit bedürsen. Dort hatte sich zwar Frau Julie als tüchtige Platzhatterin erwiesen, aber die nun schon so lange währende Trennung von ihrem Mann bedeutete doch eine harte Belaftungs- probe für sie. Es sollte aber noch viel schlimmer kommen. Für den 11. März 1872 war der Boginn der Schwurgerichts- sestion anberaumt, in der den drei„Hochverrätern", August Bebel, Wilhelm Liebknecht und Adolf H c p n e r, dem damaligen zweiten Redakteur des Leipziger„Volksfiaat". der Prozeß geinacht wurde. Hepner wurde freigesprochen. Bebel und Liebknecht jedoch wurden der Borbereitung zum Hochverrat schuldig befunden und z« zwei Jahren Festungshast verurteilt: zwei Monate wurden ihnen für die Untersuchungshast angeiechnet. Damals hat Julie Bebel bitterlich geweint und hat es nicht fassen können, wie ihr Mann so frivol sein konnte, zu erklären,„ine Ver- urteilten würden mit ihren Anwälten und ihren Frauen den, Urteil zum Trotz in Auerbachs Keller eine Flasche Wein trinken gehen". „Wer", schreibt Bebel,„sie war tapfer und ging mit." Tapfer war Juke Bebel, dos hat sie in diesen schlinmun, Zeiten bewiesen und allgemach hat sie sich in diesem Kampf mit ungleichen Waffen, den ihr Mann führte, zu seiner tüchtigen Schildträgerin entwickelt. Ehe Bebel die Festung Hubertnsburg bezog, die er später mit der auf dem Königftein vertauschte, wurden ihn, noch wegen Majestätsbeleidigung neun Monate Gefängnis aufgebrummt. Sein Rechtsanwalt Frey tag, dem das Ehepaar Bebel zeit- lebens große Anhänglichkeit und Dankbarkeit bewahrte, setzt« bei der sächsischen Regierung durch, daß Bebel, nachdem er die Festungs- hast am 14. Mai 1874 absolviert hatte, sechs Wochen pausieren durfte, ehe er seine neunmonatige Gesängnisstrafe in Zwickau antrat. Das waren Festtage für Frcrn Julie ,md sie konnte wieder Kräfte sammeln für die neuen Schicksalsschläge, die ihr bevorstanden. Und sie stellten sich nur allzubald ein. Kaum zwei Jahre später wurde Bebel wegen Bismarck-Beleidigung und ver- schiedener anderer in seinen Broschüren begangener Sünden wieder zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, die er teils in Plötzensee bei Berlin absolvierte, teils auf seine Bitte in Leipzig absitzen.durfte", wo er wenigstens feine Familie nahe wußte. Sein mm achtjähriges Töchterchcn muhte zum viertenmal Weihnachten ohne den Vater feiern. Ende Mai 1878 wurde ihr Mann ihr endlich zurückgegeben. Unter dem Soaalisfengesefzü Inzwischen aber hatten sich aufs neue dräuende Wetterwolken über der Parte, und ihren Führern zusammengezogen. Di« Schüsse, die Hödel und Nobiling gegen den alten Kaiser Wilhelm abfeuerten, wollte Bismarck als willkommenen Anlaß benutzen, um der verhaßten Sozialdemokratie den Todesstreich zu versetzen. Dos sollt« geschehen durch das an, 21. Oktober 1878 in Kraft tretende Aus- nahmegesetz gegen die Sozialdemokratische Partei— das sogenannt« Sozialistengesetz. „Bismarck mißbrauchte seinen ganzen gewatiigen Einfluß, um die Bevölkerung zum fanatischsten Haß gegen die Sozialdemokratie aufzupeitschen." Das gelang ihm mir zu gut in der damals herrschen- den Atmosphäre.„Die Partei hieß im gegnerischen Lager nur mehr die Partei der Meuchelmörder, der Allesruinierer, die der Mass« den Glauben an Gott, Königtum, Familie, Ehe und Eigentum raube." Dem Unternehmertum kam diese Hetze gerade recht.„Tausende und aber lausende von Arbeitern, die als Sozialdemokraten bekaimt warei,, flogen auf die Straße, es entstand eine Sintflut von Denunziationen, wegen wirklicher und angeblicher Majeftäts- bcleidigungen, und' da sich der Richter auch«in förmlicher Der- folgungsparoxysmus bemächtigt hatte, so wurden Strafen von ein, zwei, drei bis zu fünf Jahren Gefängnis— der Maximalstrafe verhängt. In zwei Monaten wurden fünshunderteinuiüözwanzig Per- sonest zu rund achthundcrtzwöls Iahren Gefängnis verurteilt." WasdadieFrauenderFührerzu erdulden hatten, kann man sich vorstellen. Geschmäht und angepöbelt, wohin sie kam, trug Julie Bebel dennoch immer den Kopf hoch und ließ den Mut nicht sinken. Im Gegenteil, durch ihre Festigkeit wurde sie in diesen schweren Zeiten Helferin und Äütz« für manche, die vom Sturm noch ärger mitgenommen wurden, als sie selbst. Das schlimmste für die Grauen waren damals die Aus Messungen der Genossen. Durch sie wurden in jenen Jahren ungezählte Existenzen zugrunde ge- richtet. So wurden aus der Stadt Leipzig Bebel, Liebknecht und noch etwa dreißig Genossen ausgewiesen, als über Leipzig in, Sommer 1881 der kleine Belagerungszustand ver- hängt wurde. Bebel und Liebknecht zogen nach Borsdorf, einem kleinen Rest unweit von Leipzig. Frau Julis trat an die Spitze der mit ihr zurückgebliebenen Frauen, die für die mittellosen, ausgewiesenen Parteigenossen Geld sammelten. Trotz der Hindernisse, die ihr die Polizei dabei in den Weg legte, sührte sie ihr Borhaben tapfer durch. Ueberhaupt hatte sie in jenen Tagen der neuerlichen Trennung von ihrem Mann viel durchzumachen, denn die Behörden sparten nicht mit Haussuchungen und Schikanen aller Art'. Besonders als Bebel nun auch noch in den Sächsischen Landtag gewählt wurde, ließen sie ihren ohnmächtigen Zorn darüber an Frau Julie aus. Das Jahr 1882 brachte neue Verurteilungen für Bebel, für dessen durch die rastlos« politisch« Tätigkeit überanstrengten Körper diese Gefängnisaufenthalte trotz mancher Härten beinahe schon zu „Ferienkuren" wurden. Am 1. November 1882 mußte er in Leipzig wiader eine vier Monate währende Haft antreten, nach- dem dieses Jahr in bezug auf Prozesse ein besonders gesegnetes gewesen war. Doch olle diese mit boshaften Quälereien verbundenen Verurteilungen vermochten weder Bebels noch Frau Julies Zuver- ficht zu erschüttern. Diese Frau war nicht nur bei ihrem Mann m die Schule gegangen, und hatte im steten Umgang mit ihm den Enthusiasmus für den Sozialismus und den Glauben an seinen Sieg eingesogen, nein, sie hatte das richtige proletarische Empsinden schon in die Eh« mitgebracht, urd der schnelle Aufstieg ihres Mannes auf der sozialen Stufenleiter hatte daran kein Iota geändert. Und als allen Verfolgungen zum Trotz die deutsche Sozial- demokratie in den zwölf Jahren des Sozialistengesetzes an Stimmen von Wahl zu Wahl zunahm, so daß sie am 19. Februar 1890 einundeine halbe Million Wähler zählte, da' ward dieser felsen- fest« Glaube belohnt, da trimnphierten die bisher Verachteten und Geächteten über ihr« Verfolger. Tatsächlich hatte schon die Wahl vom 27. Oktober 1881 gezeigt, daß die Wucht des Sozialistengesetzes gebrochen war, denn mit dreizehn Vertretern war damals die unbesiegbare Sozialdemokratie in den Reichstag eingezogen. Zwar war Bebel nicht darunter— et war mit etwa zweihundert Stimmen in der Minderheit geblieben— aber da er im Sächsischen Landtag gewählt war, so ward die Kontinuität seiner parlamentarischen Tätigkeit durch diese Nieder- läge nicht unterbrochen. In, Juni 1883 kam er dann als Vertreter Hamburgs wieder in den Reichstag, in dem er bis zu seinem Tode, im Jahre 1913, ständig seinen Sitz behielt. Uebersiedlung nach Berlin 1890 fällt das Sozialistengesetz, und von da m, beginnt heller Sonnenschein, die Schatten aus Juli« Bebels Leben zu verdrängen. Die Ueberficdlung der Familie nach Berlin leitet eine Periode des von nun ab ungestörten Zusammenlebens ein, das nur von Bebels Agitations- oder Kongreßreisen unterbrochen wird. Bebels Stellung, schon vorher eine hochongesehene, nicht nur bei' den Parteigenossen, sondern auch in allen linksgerichteten fortschritt. lichen Kreisen, machten sein Haus zu einen, vielbesuchten Mittelpunkt, in dem Männer von Namen, Polttiker und Schriftsteller aus der ganzen Welt sich«infanden. Doch brachte dieser Umstand Frau Julie jetzt ebensowenig aus dem Gleichgewicht, wle früher die ärgste Not und die schlimmsten Verfolgungen. Mit der- selben unerschütterlichen Gemütsruhe und der gleichen unversieglichen Heiterkett wurde sie den neuen Anforderungen gerecht, die die über- ragende Bedeutung ihres Mannes an sie stellten. Ihr inneres Gleichgewicht wurde durch die Ehrungen, die nun im reichen Maße neben dein Mann« auch ihr zuteil wurden, nicht gestört. Sie blieb stets die e i n f a ch e Frau, die nie mehr scheinen wollt«, als sie war, und die sich vollkommen glücklich fühlte an der Stell«, an der sie stand. Sie ,»ar die pflichttreuestc Gattin und Mutter und eine tüchtige, verständige Hausfrau, von einer Gasttichkeit, die dos Haus Bebel mit freundlichem, wärmendem Glanz erfüllte. Uni dabei ging sie in diesem Beruf nicht auf, sondern verfolgte eifrig alle Vorgänge in der Partei, versuchte ihrem Mann, so wie früher in, Geschäft, auch jetzt nach Kräften in der Erledigung seiner Korrespondenz zu helfen, die allgemach ins riesenhafte anwuchs. Mit Takt und Herzensgüie prüfte sie die unzähligen Anliegen, die täglich bei ihm vorgebracht wurden, war er doch in den Augen» vieler der Erlöser und Retter ausallenRöten. Und groß sst die Zahl derer, die sie an seinerftatt beriet und tröstete und denen sie half, soweit es ihre Mittel erlaubten. Und das geschah nicht nur auf materiellem Gebiet, nein, diese schlichte Frau vermochte sich auch m schwere, seelische Konflikte einzufühlen und bewies m solchen Fällen oft«ine ganz moderne Denkungsweise, die sich frei von jeder kleinlichen Spießbürger« hielt. War dies« Sinnesart ohne Zweifel einerseits ein« Flucht der Lehren, die sie aus dem berühmten Buch ihres Mannes über„Die Frau und der Sozialismus" und aus dem Zusammenleben mit ihm gezogen hatte, so war Julie doch anderer- seits eine so selbständige Natur, daß sie sich unbeeinflußt und unabhängig ihre Meinung zu bilden wußte. Bebel hielt ungemein viel auf die Ansichten seiner Frau und erkannte ihre Ebenbürtigkeit mit freudigem Stolze an. Oft sagte er zu uns, es bedeute noch lange nichts, wenn ihn seine Genossen lobten, oder wenn ihm sogar seine Gegner widerwillig Anerkennung zollten, sein strengster Richter sitze zu Haufe und der passe höllisch auf, daß ihm kein Lapsus passiere. Und oft, wenn er ganz vergnügt aus dem Reichstag nach Hause käme und sich einbilde, er habe dort seine Sache ganz besonders gut gemacht, sei ihm zu seinem Er» staunen von seiner Julie gründlich der Kopf gewaschen worden, die au seiner Rede das und jenes und mancherlei auszusetzen hatte. Diese Selbständigkeit des Urteils verlieh ihr auch bei all ihrer Be- scheidenheit eine Sicherheit des Auftretens und ein« ruhige Würde. Wir alle, die wir das Glück jahrelangen, nahen, freundschaft- lichen Verkehrs mit Julie Bebel genießen durften, brachten ihr darum nicht nur herzliche Zuneigung, sondern auch ehrlichen Respekt entgegen. Und hierzu gesellte sich das Gefühl der Dankbarkeit dafür, daß sie es war, die ihrem von uns allen geliebten und verehrten Mann stets eine behagliche Umwelt, ein glückliches Heim bereitet hatte, wo der Gehetzte von den Mühen und Plagen seiner ermüdenden Tätigkeit ausruhen, wo er die not- wendige Kraft für feine Arbeit wiederfinden konnte, und«o er stets Verständins für seine Sorgen,«in offenes Ohr für feine Klagen, ein treues Herz für Leid und Schmerzen fand. So bleibt uns die Gestalt Julie Bebels auf immer in Er- iimerung, in all ihrer Schlichtheit«in Wesen voll innerer Harmonie� und darum harmonisch wirkend auf alle, die sie kannten und kebten. Sport am Wodienende Um weiteren Kreisen der arbeitenden Bevölkerung seinen heute abend um 18 und 20 Uhr im Saalbau Bergstraße 147 stattfindenden Wintersportfilmabend bekanntzugeben, hatte der..Arbeitersportoerein Neukölln* an den Anschlagsäulen Plakate anbringen lassen. Wie von Mitgliedern des Vereins gestern abend festgestellt werden konnte, waren fast alle Plakate von den Säulen abgerissen oder sonst unkenntlich gemacht. Mit Recht suchen die Vereinsmitglieder die Täter in den Kreisen kommunisti- scher Parteigänger, die dem stark aufblühenden Verein dos Gelingen des Filmabends mißgönnen. Der ASV.-Neukölln setzt sich zum nicht geringen Teil aus Arbeitersportlern zusanmien, die des parte«- kommunistischen Treibens müde waren und sich zu einem bundes- treuen, wirklichen Sport treibenden Verein zusammenschlössen. hoffentlich gelingt es, die Täter zu ermitteln und zur Anzeige zu bringen. Geschädigt ist nicht nur der Verein, der vielleicht noch seine Einbuße durch den Hinweis auf den Film im„Abend* wett- machen kann, sondern auch die Anschlaglsäulengesellschaft, die be- kanntlich die Täter wegen Sachbeschädigung belangen kann. Der Filmabend des Kartells für Arbeitersport und Körperpflege in Charlotlenburg findet heute um 19 Uhr im Wohlfahrtssaol der Spar- und Baugenossenschaft Königin-Elisabeth-Straße 6 statt. Hier werden der Film vom Reichsarbeitensporttag in Berlin und ein Film pazifistischer Tendenz„Giftgas über Berlin* gezeigt. Für beide Vcranstaltui«gen ist zahlreiche Beteiligung der Bevölkerung erwünscht. Elternabend in Tegel. Anläßlich des elfjährigen Bestehens der Kinderabteilung der Freien Sportvereinigung Tegel 1899, die Mit- olied des Arbeiter-Turn- und Sportbundes und des Arbeiter- Athletenbundes ist, gibt der Verein morgen, Sonntag. 17>- Uhr, einen Elternabend, auf dem turnerische und gym- nnstische Vorführungen in bunter Reihenfolge wechseln werden. Der Gesangverein„Freiheitsklöngc* und die Kinder Mandolinen- gruppe werden mitwirken. Eintritt 30 Pf., Sozialrentner und Er- »erbslose haben freien Eintritt. Waldlauf der freien Ruderer und Kmmfahrer. Durch die Wuhl- heide geht der morgen, Sonntag, ll Uhr, stattfindende Wald- lauf der Ruderer und Kanufahrer im ersten Kreise des ATSB. Start und Ziel ist das Bootshaus der Freien Rudervereinigung 1913 in Oberfchöneweidc, Straße 3— 1. Der Turn- und Sportverein Eiche-Köpenick veranstaltet im Stadttheater Köpenick am Sonntag wn 18 Uhr einen Kunst- abend, an dem alle Abteilungen des Vereins mitwirken. Ein gutes Orchester sorgt für den musikalischen Teil. Eintritt 1 Mark, für Erwcrbslose und Jugendliche 50 Pf. * waldlaus des Deutschen Wasierspori-Derbande» in Grünau. Morgen, Sonntag, 10 Uhr, trägt der republikanische Deutsche Wassersportvcrband in Grünau vom Restaurant Sander feinen diesjährigen Waldlauf aus. Die Ausschreibung hat in allen Kreisen der Wassersporttreibcndcn großen Widerhall gefimden, so daß das Meldeergebnis von 120 Teilnehmern zustande kam. In «nchreren Klassen für Senioren, Jugend und alte Herren werden sich scharfe Kampfe zwischen den Ruderern, Seglern und Paddlern ent- ivickeln. Anschließend findet ein Handballspiel auf dem Platze des Grünauer Ballspietklubs zwischen der SVH. und Triton statt. In Mariendorf gelangt mit dem Hindendurg-Pokal im Worte von 0000 Mark eine über. 2800 Meter führende Zuchtprüfung für die best« Jnländerklasse zur Entscheidung. Schwerathletik Berufs- und Amateurringkämpfe Nach einer längeren Pause veranstaltete gestern im Krieger- vereinshaus der Internationale Ringeroerband einen gelungenen Kampfabend. Die ausgezeichnete Besetzung der fünf Kämpfe hatte eine recht stattliche Zuschauerschar herbeigelockt. Zwei schnelle und technisch gut ebenbürtige Gegner stairden im ersten Treffen auf der Matte: G r ü n b e r g(Lettland) und Brückner(Breslau). Nach einem überaus fesielnden, pausen- losen Stand- und Bodenkampf gab in der 18. Minute die größere Routine des Letten den Ausschlag: der Breslauer erlag einer blitz- schnellen Parade auf einen Untergriff von der Seit«. Der technisch ausgezeichnete Neger Thomson vermochte mit dem starken urwüchsigen Hamburger Schulz, der nicht völlig befriedigte, innerhalb von 25 Minuten keine Entscheidung herbei- zuführen, das Treffen endete als einziges des Abends unentschieden. In guter Forin startete Europameister Lcskino witsch. Nach- dem er den Berliner L u p p a einige Male an den Rand einer Niederlage gebracht hatte, bezwang er diesen in der 19. Minute durch einen Untergriff. Prächtige Kampfmomente gab es im Ringen der Mittetgewichtc Gottfr. Grüneisen(Schweiz) und Pohl- fuß(Berlin). Nur die größere Raffinefle des Weltmeisters konnte den gewandten' Berliirer in der 10. Minute cnffcheideird besiegen. Der in Berlin erstmalig startende Pole R z i t k y rang im Schluß- treffen gegen Schach sä? neider(Berlin): der schnelle Pale mußte nach 19 Minuten völlig offenen Ringens von Schachschneidsr durch einen überraschcird schnell gefaßten Untergriff von hinten mit Halbnelson eine Niederlage hinnehmen. Das finanzielle Ergebnis des Abends wurde den Hinterbliebenen der bei den B c r g w e r k s u ng l ü ck e n in Alsdorf und Maybach Verunglückten zur Verfügung gestellt. SeiienlräinpLe der Arbeiterathleten In Lichtmborg-Friedrichsfeldo starteten gestern die beiden .�.-Mannschaften der bundestreuen Arbeiter-Athleten- vereine„Lichtcnberg-Fricdrichsfelde 04* und„Sparta 90* in dem fälligen Kampf um die Kreismcisterfchaft. Das Mann- fchaftstreffen gewann Lichtenberg-Friedrichsfcld« 04 mit dem un- erwartet hohen Punktplus von 21: 7; in der vorigen Serie er- zielten beide Mannschaften(14: 14) ein Unentschieden. Im Bantamgewicht gingen die Punkte kampflos an Lichten- berg-Friedrichsfelde 04, da der Sparta-Ringer mit Uebergewicht an- trat. Im Federgewichtstressen siegte nach«vcchseloollem Kampf in der ersten Runde W. Binder in 0,37 Minuten durch Hüftschwung. Die zweite Runde endete offen. Di« völlig gleichwertigen Leicht- gewichte Hüffner(Sparta) und Burghordt(Lichtenberg-Friedrichs- felde 04) errcickten in beiden Gängen ein Unentschieden. Einen technisch vollendeten Kampf zeigten P. Binder und P. Wittkamm (Sparta). Binder erzielte in beiden Runden Erfolg«, siegte erst- malig in 9,20 Minuten und war im Schlußringcn nach 2,55 Minuten nochmals erfolgreich. Technisch gut rangen Walloschet(Lichten- berg-Friedrichsfelde 04) und A. Wittkamm(Sparta). Die erste Be- gegnung brachte kein Ergebnis, in der zweiten Runde war dann der Lichteribergsr in der 0. Minute erfolgreich Di« Schwersten: Krecklow(Lichtenberg-Friedrichsfelde 04) und Wolter(Sparta) lieferten ein hochwertiges Treffen, das erstmalig mit dem schncll-'n Sieg von Krecklow endete. In der Wiederholungsrunde vermochte der Spartaner das Treffen offen zu halten. Die Punkte im Fliegen- gewicht wurden geteilt. Autos mit Propeller Bin Vortrag im Deutschen Auto-Club lieber Automobile mit Propellerantrieb sprach auf einem Vortragsabend des republikanischen Deutschen Auto- Clubs Dr.-Jng. S t e i n i tz. Die Einfachheit der Motorcnanlage— nur eben Motor und Propeller—, das Fehlen ckller teuren Ueb«rtragungsorgane, große Tieflagc des Wagens bei leichtester Bauart, hoch« Geschwindigkeit bei geringer Motorenstärke, geringer Gunnnioerscheiß, weil kein Reibungsantrieb durch Räder, der ganze Wagen wesentlich billiger herzustellen als normale Autos: das sind nach Steinitz die Anreiz- Momente, die die Erfinder und Konstrukteure immer wieder vcr- anlaßten, sich mit dem Problem des propellcrg«triebcnen Automobils zu beschäftigen. Versuche sind genug gemacht worden. Die Staub- aufwirbelung durch den hinterliegenden Propeller beseitigte man durch seine Änordnung aus dem Wagendach: zu hoch wird der Wagen dadurch nicht. Zu niedrig« Durchfahrten passiert man mit quer- gestelltem Propeller und„nxlgcnschiebenderweise"— vielleicht auch mit einem einfachen Rädcrhilfsarürieb, der auch beim Anfahren zu benutzen wäre, um starke Windwirkung durch den Propeller zu ver- meiden. Ueberhaupr soll die Windbelöstigung«tlva in der Stadt kaum nennenswert sein. Was noch für den Propcllerantrieb spricht, ist die hohe Unabhängigkeit vom nassen Zustand der Straße: rutschende Antriebsräder gibt es nicht(wohl aber ruffchende Räder beim Bremsen und in den Kurven!— ifteb.). Dr. Steinitz, der zu den Pionieren des Prop«llerantri«bs gehört, war freimütig genug, einzugestehen, daß Propellerautos bei um 10 Prozent ansteigenden Straßen unfahrbar sind, weil die Kraft- steigcrung durch die Untersetzung zwischen Motoren- und Radachs« fehlt. Das fft der Stein des Anstoßes, über den das Pcopcllerauto nicht hinüberkommt! Der Hilfsantrieb soll dann helfen, er kompliziert ober selbstverständlich den ganzen Apparat. Daher wird man, selbst bei der Herstellung einigermaßen gebrauchsfähiger Wagen, ihre Beschränkung auf Sportzwccke und militärische Ausnutzung in Wüftengegcnden schon fetzt voraussagen dürfen. Dr. M i s ch l« r konnte als Housherk in den schönen Klub- räumen viele mtereffierte Gäste begrüßen. Exeuropameistcr im Spidiernring Im Ständigen Ring gab gestern abend der frühere Welter- gewichts-Europameister der Amateure, Julius B esselmann- Köln, sein Debüt als Professional. Sein Gegner«vor der den Be- suchern des Spichernringes bestens bekannte Hamburger Kracht. Anfangs sah es nach einem schnellen entscheidenden Siege des Exeuropameisters aus, denn Kracht mußte bereits in der ersten Runde auf einen schweren Rechten zu Boden. Der Hamburger hielt jedoch über die ganze Distanz tapfer stand, obwohl er noch wiederholt die Bretter aussuchen mußte, und gab sich nur nach Punkten geschlagen. Ein bcxerisch hochwertiges Treffen lieferten sich der jetzt wieder sehr aktive Berliner Harry Stein und B o u r ge t- Frankreich. Nach ziemlich ausgeglichenen Leistungen gelang es Stein, seinen Gegner in der vierten Runde zweimal nach unten zu schicken. In der nächsten Runde gab Bourgct nach weiteren Niederschlägen den für ihn aussichtslosen Kampf auf. Einen schnellen Sieg errang Fritz Schlegel über den Debütanten Walter S t o b b e. Schon in der ersten Runde wurde Stobbc, der auf einen Leberhaken zu- sammcnsackte, ausgezählt.', Praiß-Köln buchte einen klaren Punktsieg über Walter Peter-Berlht. während der Belgier Ehotteau gegen Erwin Zinndorf-Wiesbaden nach Schluß der fünften Runde die Waffen streckte._ Rheindampfer als Arbeitcrsporthcim Di« Freien Wossersohrcr Düsicldors im Arbeiter-Turn und Sportbund haben den Rheindampfer„Niederivaid* erworben. Das Schiff ist 70 Meter lang, besitzt n. a. zwei sehr schöne Salons, zwei Sonnendecks und««ach Abbau der Maschinen einen 40 Meter langen Jnnemaum. Wieder«in neuer und oazu einzigartiger Stützpunkt des Zlrbeitersports auf dem Rhein. Kleiner Sport von überall Die Pholoausslellung des Touristcnvereius.Die Naturfreunde*. Berlin N. 24, Johannisstr. 15(Laden), erfreute sich bisher eines so regen Besuches, daß sich der Verein genötigt sieht, die Ausstellung bis 30. November zu verlängern. Die Ausstellung ist geöffnet bei freiem Eintritt von 10 bis 20 Uhr. Arbeiter-Fußball. Das Spiel Lichtenberg l gegen Oberspree am Sonntag kann besonderer Umstände halber nicht stattfinden. Ziu-Zitsu-Kunst beim Sportklub Einigkeil 26. Der Klub beginnt jetzt einen neuen Jiu-Jitsu-Kursus in der Turnhalle Markus- straße 49. Uebungsstunden Montags und Donnerstags, 1914 Uhr. All« sozialistischen"freien Gewerkschaftler sind zu diesem Kmfus eingeladen. Tag der Schwergewichte im Sportpalast. Der nächste Boxabend, den Exmeister Hans BreUenfträtcr am 5. Dezember im Berliner Sportpalast veranstaltet, wird in erster Linie den schweren Leuten vorbehalten sein. Der Kölner Hein Müller und Halbschwergewichts- m«ist«r Ernst Pistulla-Berlin sollen mit erstklassigen..Jnternatio- nallcn* gepaart werden. Weiterhin wurde der Duisburger Rudi Wagener zu einem Kampf mit dem Berliner Egon Stief verpslichtet. Ein Tenniskamps Berlin— Mitteldeutschland Her Professionals findet am kommenden SonMag, 23. November, in der Berliner Halle am Kaiserdamm statt. Für Berlin werden Najuch, Nüßlein, Gebr. Bartelt, Petri, Erber,' Weidenbach, Dickhoff und Sacalda spielen. Campbell rekordelt in Argentinien. Den neuesten Berichten aus London zufolge wird der englische Automobilrennfahrer Campbell seine Geschwindigkeitsweltrekordversuche im nächste» Frühjahr nicht auf der bekannten Rennstrecke am Strande von Daytona Beach in Florida unternehmen, sondern in Südomerita. Es gib: dort in der Nähe der argentinischen Stadt Cordoba große, ausgc- trocknete Salzseen, deren Bodenbeschaffenheit noch günstiger für derartige. Unternehmungen sein soll als der meilenweit ebene Strand der Küste Floridas. Für die gleiche Zeit kündigt auch der englische Rennfahrer Kaye Don seil«« Motorbootwcltrekordversuche an, die er mit dem Rennboot„Miß England II*, mit dem Major Searav« tödlich verunglückte, auf dem La Plata-Strom bei Buenos?lir«s unternehmen will._ ?Tlen. 12. Bezirt»fartell für Arbeitersport vnd Äöeperpfloflf,&tcqi»fc, ganfwtfc, Lichterselde. Am Totensonntag Soalfportfest in den Lichterselder Westfalen. ZchlenHorfer Str. 5, 18 Uhr. Funktionäre treffen sich VT� Uhr an gleicher Stelle. Theater der Woche. Vom 23. November bis 1, Dezember. Volksbühne. Oteaitt am BiiUxovl-l,! 23., 24., 27., 28., 1. Mifgssippi. 25., 26., 28., 30. Di- Matrosen oon Cattaro. 23. IV.i Uhr. III.«on»crt: Sancmann.Qnort-tt. ZO. 11 Vj Uhr. III. Tanjmatinec: MUnchencr Kammer-Tanzhichn«. Staatslheater. Oprr Unter den Linden: 2Z. Götterdämmernna. 24. Der Liebestrank. 23. Aida. 26. Der Könj». Zierpuppen. 27. Mrst Iaor. 28. Mittags-Sinfoniekon�rrt, abends dasselbe. 29.'Madame Butterflp.' 30. Maroarete. l. Ein Maskenball. Oper am Platz der Republik: 23. �idelio. AI. Hoffmanns Erzählungen. 23. und 1. Der Barbier von Sevilla. 26. Rigoletto. 27. Sinftzniekon�ert. 28. Der Freischütz. 29. und 30. Dan Giovanni. Städtische Oper Charlottenburg: 23. Simone Boceanegra. 24. Die?.auber- flöte. 23. und 29. Armer Eolumbus. 26. Turandot. 27. Die Walküre. 28. Die Hochzeit des Figaro. 3b. Troubadour. 1. Die Entführung aus dem Serail. Staatstheater: 23.. 24., 28. und l. Götz von Berlicksingen. 23. Ein besserer Herr. 26. und 30. Prinz �riedriä) von Homburg. 27. Bürger Schippe!. 29. Nathan der Weise. Schiller.Thcater: 23. und 29. Elavigo. 24.. 23., 27., 26. und 1. Nora. 26. und 30. Der Traum, ein Leben. Theater mit festem Spielplan: D-utschc» Th-atcr: Slisabcth von England.—«amme-wiel«: Di- Z<>-Uick>-n V-nwandten.— Di- Aamödic: Der Echwi-rig-.—(Sroftca Tchavlpirlha»»: Im weiß-n Siöss'l.— Th-ater de» W-st-ns:©cfdsiöft ist GcfchSfl.— L-llina.Tbca!-': Ein Sannn-rnachlstrauin.— DeiUsch«, SLnfil-rth-at-r: Jim und Zill. 23. gc. schlass-n- Porst-Nung.— R-naissance-TH-ntcr: Varuntersuchung.— Si-llan. Theater. Satfürftcniwmnt 193: Duirf. 29. 23% Uhr. Nachtnarstcllung. Quick.— Metraual-Theat-r: Bittoria und ihr Lasar.— Di- TribSa-: Stieun-. 23. or- schlössen.— Rase-Theatrr: Ad 24. Der Diener rweicr K-rrcn. Di- schön- Galathee. Erster kllassr.— Berlmer Sfceatct: 23. aeschlasssn. Ab 24. Ein Walzer- träum.— Wiutcrgartrn, Plaza, Skala: Intcrnatianalcs Variete.— Zlriche. hallrn.Thcakcr: Sfcttinct Sänget.— Theater am Aattlnrsse, Tar: Elitc�sänqrr. Thealer mit wechselndem Spielplan: Theater am Schissbaucrdamm: Die Dreigrvscheuover. 23. Wir sind Käme- raden.— Theater in der Dtrcscmaunstrahe: Sturm im Wasserglas. 33. Wie r» euch gefällt.— stamötrienheu»: Da» Santo S. 33. Die fremde ffran.— Somit che Oper: Das Mädel am Steuer. 23. Sraniheit der Jugend.— Luftwielhaus: iöakuspatus. 23. Iohannisfeucr.— zentral- Theater: Eine Freundin so goldig wie Du. 23. Das Tageduch einer Verlorenen.— Theater in der Behren- straße 53-54: Große Woche in Baden Baden. 23. Die Siebzehnjährigen.— Reue, Theater am Zaa: 23. Issamme. 24. Geld wie Den. 25.. 23.. 27. und 23. Ich detrilg' Dich nur aus Liehe...— Wallner. Theater: 23 u. 24. Jeden Tag Bier. 25. bis 27. Die Tat. 23. bis 30. Der Moni» non Links.— Eafino. Theater: Arm wie«ine Sirchcnmous. 23. Dos verlarenc Paradies.— Theater in der Slastnstraft«: 23. bis 25. Grabmal des unibekannten Soldaten. 23. bis 30. Liehe. 1. Der Schweineprieftcr.— Echlohpark-Zheatcr Steglitz: 23. bis ZK. Satharina Snie. 26. bis 30. Der müht Theodor. Nachnnlkagsveranfkaltungen: Theater am Schifsbauerdamm: 2Z., 26., 2S.. ZO. Emil uni» die Detecktiue.— Die flamäbic: 29., 30. Der Diener zweier berren.— Theatee in der Stresemann- straste: 30. Sturm im Wasserglas.— Somiidienhaus: ZO. Das Sonto X.— Geatz«, Tchauspielhan«: 30. Zm weihen Rassy.— Theater he» Westen»: 30. 15 Uhr. Peterche»» Mandfahrt. 17 Uhr. Schwarzwoldmähel.— Lesfing. Theater: 29., 30. Ein Sammernachtstramn.— Sarnifchc Oper: ZO. Das Mädel om Steuer.— Dentsches Sünstlertheatcr:.30. Jim nni> Zill.— Renaissance. Theater: 30. Voruntersuchung.— RclloX'Theater, Surfjjrstcndamm 1»3; 23., 30. Quick.— zentral-Theater: 23. IS Uhr. und 30. 15 Uhr. Schneewittchen und die sseben Zwerge. 30. 17Vi Uhr. Eine Trcunhin so goldig wie Du.— Reue» Theater om Zoo: 23., 26. Snrcht Rupgrcchts Safitt ins Märchenlanh.— Die Triiiixe: 80. Etienne.— Rose-Theatcr: 24. ftukuli. 25., 27., 23. Fanrilie Hanncmann. 26., 29. Pcterchens Mondfahrt. 30. I4>/2 und 176i Uhr. Der Diener.Weier Herren. Die schöne Galathee. Erster Slgsse.— Theater in der Slafterstrafte: 23. 17 Uhr. Hänsel und Gretes. 26. bis 29. Schneewittchen. ZO. 15 Uhr. Rot- kävuchcn. 17 Uhr. Hansel und Gretes.— Schlatzpart-Theater Steglitz: 29., 30. Pcterchens Mondsohrt.— Berliner Theater: 2». Vom König Snaggerich. der keine Eierkuchen docken konnte...— Wintergarten: 23., 29.. 30. Inter. »otianales Varict«.— Plaza, Skala: Internotianales Boriet«.— Reich» Halen. Theater: 23., 30. Steltiner Sänger.— Theater am Satthnsser Tar: 23., 30. Elitc�iinger. Erstaufführungen der Woche: Dienstag. Ncurs Theater am Zoo: Ich kietrilg' Dich nur an» Liebe.— Mittwach. Schlohpark-Theater Steglitz: Der mtide Theodor.— Freitag. Wallner, Theater: Der Mond non links. Soonabend, 22. November.( B e r 1 1 r. r 16.05 Unterhaltungsmusik. 17.30 Die Erzählung der Woche.(Sprecher: Arnold Zwelr.) 18.00 Mit welchen Mitteln unterdrückt man Störungen?(Cxperimeutilvortrae von Dr. Fr. Conrad.) 18.30 1. Scarlatti-Saucr: a) Sonate F-Dur; b) Sonate D-Dur. 2. Grttr: Ballade G-Moll, op. 24.(Majda Kausck-Rusy, Flügel.) 18.50 Dr. Colin RoB: Quer durch Australien. 19.15 Schubert. Aus„Die Winterreise4'(Oskar Jölli, Bariton; Flöget; Seldicr- Wlnider). 19.40 Programm der Aktuellen Abteilung. 20.00 Conradin Kreutzer.(Dr. Anneliese Landau. Vortrag, Mar*« Moris- Schlcmüllcr, Sopran; Funk-Chor; Funk Orchester, Dir. M. Aibrccht.) 21.15 Tages- und Sportnachrichten. 2J.25..Bclcanto.44 Dirigent: Bürger. Mitw.: Kätc Heidersbach. Joseph Schmidt, Funkorchester. 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend bis 24.00 Unterhaltungsmusik. Königswusterbansea. 16.00 Dr. Hans Flesch und Heinz Monzel: Das Schallplattenarchiv als Quelle für den staatsbürgerlichen und lebenskundHchen Unterricht. 16.30 Hamburg: Konzert. 17,30 Rolf Müller: Die astronomischen Kultstätten der Inka. 18.00 Französisch für Fortgeschrittene. 18.25 Saitschick: Goethes Faust. 19.00 Dr. O. E. Hesse: Der Angestellte in der� Literatur. 19.20 Staatliche Akademie für Kirchen- und Schulmusik:„Zum Totenfest". Einführung: pr. Marie Louise Hiller. Mitv.: Dr. H. Christians. Dr. H. Michaelis, Karl Gracf: Orgel: W. Auler. 20.00 Hamburg: Uebcrn großen Teich. Sonntag, 23. November. Berlin. 7.00 Eunkgymnastik>v 8.00 R. Michaelis: Ein Gang über Berliner Friedhofe. 8.50 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage./. 11.30 Bach-Kantate. 12.00 Breslau: Konzert. 14.00„Die Gattin des Todes."(Sprecher: Berta Großbarth.) 14.30 Orgclvorträge. Max Reger.(Auf der Welte-Reproduktionsorgcl aus dem Antiquitätenhaus A. Wertheim: Der Komponist.) 15.00 Suite A-Moll, op. 103a. von Max Reger.(H. Ncumann, Violine. Flügel: J. Bürger.) 15.30 Schubert-Schumann. Lieder.(Willy Hczel. Baß. Flügel: J. Bürger.) 16.00 Reichskunstwart Dr. Redslob: Das Vermächtnis Gefallener. 16.30 Verstorbene Künstler.(Schallplatten.) 17.30 Robert Musil liest eigene Dichtungen. 18.00 Hof- und Probsteikirche, Dresden: Musikalische Abendfeier. 19.00„Kränze einem Kinde gewunden", eine Sprechkantate von Hans Franck. (Sprecher: Anna Höilering. H. S. Kronberg. Orgel; Ben Geysei.) 20.00 Gedenkstünde für die Gefallenen. Mitw.: Gertrud Cysoldt, Funkorchester. Dir.: Bruno Scidlcr-Winkler. Gedenkrede: Frhr. von Lcrsncr, Potsdam. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10„Stabat mater", von Joseph Haydn. Für Soloquartett, Chor, Orchester und Orgel. 32.30 Wetter-, Tages-, Sportnacluichtcn. 22.50 1. Mozart: Streichquartett(K.-V. 387L— 2. Beethoven: Streichquartett. A-Dur, op. 18, Nr. 5.(Havcmann-Quartett.) Königs Wusterhausen. 11.00 Dr. phil. Marx; Vater nnd Sohn. 12.00 Breslau: Konzert. 18.00 Kurt Geucke: Ewige Wiederkunft im Spiegel der Geistesgeschichte. 18.45 Stille Stunde: Durchsichtiges Antlitz. 16.30 Arno Nadel liest eine eigene Novelle. 20.1X1 Königsberg: Em deutsches Requiem. 21.15 Stuttgart: Verdi: Ouartctt in E-Moll und Biblische Gestatten In der DichKing. 22.00 Wetter, Tagesnachrichten. Sport.