BERLIN Dienstag 26.Rovembkr 1930 10 Pf. Ar. 552 B 275 47. Zahrgang Ailt«isto»rei<:Die eittsxaltlge Nonxareillejeilc so Pf.. ReNamezeilc S W. Ermäßigungen nach Tarif. P»stscheckk»otv: Vorwärtt-Verlag G. m. b.H., Berlin Nr. S7SSS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Erscheint täglich außer Sonntags. Zugleich Abendausgab« de«»Vorwärts'. BeMgSpreis beide Ausgaben ss Pf. pro Woche, 3,60 W. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SWS8,Lud«ufir.s irffchastspartei gegen Brüning Ursache: Die Wut über den Preisabbau Ter Neiehsausschun der Wirtschaftspartei ist gester« zusiMnmengetreten. zunächst um über innerparteiliche Fragen zu sprechen. Der Ärakehl Kolosscr-Trewitz ist noch nicht entschieden. Auf dieser Tagung ist jedoch die unverhullte Wut der Wirtschaftsparteiler über den Preisabbau hervorgetreten. Diese Wut richtet sich in erster Linie gegen die Neichsregierung. Schon gestern hörte man, das« die Wirtschaftspartei den Justizminister Dr. P r e d t ans der R�ielzsregierung abberufen wolle. Heute hat nun der Reichdausschuh der Wirtschaftspartei den Befchluh gefaht, die Regierung Brüning nicht mehr zu unter st üben. Eins ist jedoch völlig klar: die Begründung, die diesem Beschluß beigegeben wird, soll nur die wahre Ursache verberge»— das ist der Zorn der Wirtschasts- parteiler über den Preisabbau. «< Der Reichsavsschuh der Wirtschajtsparlei hat im Ei«»«' aehn»ea mit dem Heichosustizminister Prof. Dr. Sredt eiastiinmig folgenden Seschluß gefaht: «Bereif» am 26. September 19.30 hak der Reichsavofchuh l>«. schlösse», daß sich die wirtschaflspartei an keiner Regierung im Reiche beteiligt, aus welche die Sozialdemokratie unmlltel- bar oder mittelbar Einfluß ausübt. Die Ereignisse der letzten Zeit beweisen aber, daß die Reichsregierung Brüning ihre Politik in Anlehnung an die die Sozialdemokratie unter Preis, gäbe lebenswichtiger Znterefjen des deutschen Volkes und der deutschen Wirtschaft durchzuführen versucht. Räch Ansicht der Wirt- schastapartei können auf diesem Wege die großen tebcnsprobleme des deutschen Volke» in der Innen- und Außenpolitik nicht gelöst »verden. Infolgedessen lehnt die wirtschaftspartei die weitere Unterstützung des Kabinetts Brü- ning ab." Bredt tritt zurück. In den Mittagsstunden bsgab steh dar Borsitzende der Wirtschaftspartei, Abg. Drewitz, zum Reichskanzler, um ihm von dem Beschluß des Reichsausschusses Kennt- nis zu geben. Reichsjustizminister Dr. Bredt, der gegen- wärtig in Marburg weilt, und erkrankt ist, hat, wie wir höre», dem Reichskanzler bereits sein Rücktritts- g e s u ch übermittelt. Gegen polnischen Terror! Amtlicher deutscher Schritt in Genf. Der deutsche Generalkonsul in kattonüh v. Grünau ist heule früh in Berlin ciogelrofsen. Sein Bericht über den polnische« Terror gegen die Deutschen in Ostoberschlesien enthalt so umfangreiches und stichhaltiges Material, daß die Reichsreglerung nunmehr die Beschwerde nach Artikel 72 de» Genfer deutsch. polnischen Abkommens au den Völkerbund richten wird. Räch diesem Artikel 72. der dem Artikel 12 des Minderhellenschutz. Vertrages entspricht, erklärt sich Polen damit einverstanden, daß jede andere Macht, die den, Völkerbund angehört, die Aufmerksamkeit des Rates auf jede Verletzung des Minderheltenschuhes oder die Gefahr einer solchen Verletzung lenken und der Rat alle Maß- nahmen treffen und Weisungen geben kann, die nach Lage des Dalles zweckmäßig und wirksam erscheinen. 7H Prozent Lohnabbau. Gesamtverband lehnt ab. Bochum, 25. November.(Eigenbericht.) Der vom Schlichter gefällte Schiedsspruch für dos rheinisch- westfälische Transport- und Speditionsgewerbe, der einen 7�prozentig«n Lohnabbau vorsieht, ist von dem Gesamt- verband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betrieb« und des Per- janea- und Warenoeriehes abgelehnt worden. Litwinow Nachfolger Rykows Gr Witt aber lieber Außenminister bleiben Kowno, 25. November. 3n Moskau verlautet, daß Außentommissar L i t u» i n o w nach seiner Rückkehr zum Vorsitzenden des Rats der Volkskommissar« der Sowjetunion ernannt werden wird, weil Rykow nach Ablauf sein«? Urlaubs nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren dürfte. Litwinow soll j«doch nur dann diesen Posten übernehmen wollen, wenn er die Führung der Außenpolitik beibehält. Dies« Frage wird im Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion im Dezember entschieden werden. Liiwinow bei Grandi. Kaschifiisches Skaatsbankett zv Ehren des Kommunisten. Mailand. 25. November.(Eigenbericht.) Der fowjetrufsifche Volkskommissar des Aeußeren, Litwi. n o w, traf am Montagabend in M a il a n d ein, wo er mit dem italienischen Minister des Aeußeren, Grandi, eine Unterredung hatte. Amtlich wird über den Verlauf der Unterredung mitgeteilt, daß die„beiden Staatsmänner ihre Meinungen über die politischen und wirtschaftlichen Fragen austauschten, die die beiden Länder interessieren, und über die Entwicklung ihrer Beziehungen". . Nach Schluß der Unterredung gaben die Faschisten zu Ehren des Volschewisten ein großes Staatsbank ett, an dem sämtliche leitenden faschistischen Persönlichkeiten aus Mailand und Umgebung teilnahmen, und auf dem der Faschist Grandi den Bol- schewisten Litwinow als Freund Italiens feierte. Erschießen! Erschießen! Erschießen! Blutrausch der„Noten Fahne". Erschießen! Erschießen! Erschießen! Mit Riesenlettern schreit es die„Roie Fahne" über«ine ganze Seite. Erschossen werden müssen selbstverständlich die Angeklagten, deren Prozeß in Maskau am Dienstag beginnt. Hysterische Schreie aus dem Lesepublikum der„Roten Fahne" werden eifrig zusammengetragen. Besonders schön niimui es sich aus, wenn u. a. ein« Frau an die„Rote Fahne" schreibt:„Diese Horde könnte und möchte ich mit meinen eigenen Händen erwürgen." Ein angeblicher Metallarbeiter sormuliert:„K ö p s e ab!— Hut ab vor der GPU.!" Noch kürzer und richtiger würden wir die Formulierung flndeu:.„Köpfe ab vor der G P U. i" Diese Bluthetze zeigt, was das ganze Gerichtsverfahren in Wirklichkeit wert ist. Noch hat der Prozeß nicht begonnen, noch haben die Angeklagten nicht den Mund zu ihrer Verteidigung öffnen können, aber das Urteil der„Roten Fahne" steht schon fest:„Erschießen!" Man stell« sich vor, daß die russische Press« in dieser Tonart schon wochenlang nach Todesurteilen schreit, und man wird die ganze Gerichtsverhandlung als dos würdigen, was sie ist: als ein« Farce und als Ablenkungsmanöver von den wahren Ursachen, die den völligen Zusammenbruch des Fünfjahresplanes bereits im zweiten Jahr« hervor- gebracht haben. Festgenagelt werden muß auch, wie diese blutberauschtcn Freunde der Massenerschießungen, die ihr Todesurteil schon vor der Verhandlung fertig haben, in Deutschland Heuchlerisch alz„prin- zip Uli« Gegner derTodesstrofe" auftreten. Ltrteil im �eichsbahnprozeß. Die Länder siegen. In der Bersassungsstreitfrage des Deutschen Reiches gegen die Länder Baden-, Bayern, Sachsen und Württemberg wegen der Benennung von Mitgliedern zum Verwaltungs- Ausreden billigst „Wanderclique, Kalke' schießt auf eigene Leute." (»oebbel»„«»griff" zu« aharlott«»- Surger Nazi-Uederjall.) -nr- .,Nvr Gegner haben Schußverletzungen? Zainos, Lungens, — die hoben eben Selbstmord verüben wolleu!" rat der deutschen Reichsbahngesellschaft verkündete der Vorsitzende des deutschen Staatsgerichtshoses, Reich-gerichts- präsident Bumke, am Dienstagvorimttag kurz nach 10 Uhr folgendes Urteil: 1. Der Antrag des Reiches wird abgewiesen. 2. Auf Grund der zur Auslegung des Staatsvertrages über den Uebergang der Staatseisenbahn auf das Reich vom 30. April l920 abgegebenen Erklärung haben die Länder Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden das Recht, je«in Mitglied des Verwaltungsrate» in der deutscheu Reichsbahngesellschaft zu«vählen. Im Hochwasser-Bannkreis. Neuwied von allen Seilen bedroht. Reuwied, 25. November. Durch das sorlgesehie Steigen des Rheins wird die Lage in Neuwied immer bedrohlicher. VomRheinrücktda» Wasser in weiter- Straßenzüge vor. Der Rachenoerkehr ist in vollem Umfange und versorgt Tausende von Menschen, die auch auf Lausstelgen nicht mehr in ihre Wohnungen kommen können. Die Räumung der Geschäfte und Wohnhäuser, denen schrverec Schaden zugefügt wird, schreitet weiter fort. Ein Grauen bemächtigt sich dar Stadt, die nunmehr auch rückwärts von einem sich aus mehrere Kilometer ansdehnenden hochwassergürtet umfaßt wird, hier ist das Gebiet von der Einmündung der Wied in den Rhein bis zum Stadtteil Heddesdorf ein einziger großer See, aus dem gespenstisch die Baumkronen und die eingeschlossene» Häuser herausragen. Auch das Sportstadion liegt in feiner ganze» Ausdehnung tief im Wasser. In diesem Gebiet, dem sogenannten weidchen. liegen auch große Gärtnereien, deren viele Gewächshäuser bis zu den Dächern unter Wasser stehen. Die Hauptbahnlinie nach Köln führt mehrere Silometer lang durch überschwemmtes Gebiet. Die Provinzialstraße von Jahr bis Reuwied ist infolge Hochwassers gesperrt. Der neuerdings einsetzende Regen bringt neue Unruhe in die Bevölkerung. Das überall aus den Kanälen hervorkommende Wasser setz! unaufhörlich meliere Strabcatcilc unter Wasser. Auch der weinorl Leutersdorf steht zu einen« Drittel unter Wasser. Besondere Schäden haben die Winzer criillcu, die ihre» lvei» nicht»»he aat den Kellern bringen konnte» Und Hugenberg sprach. Weisheiten eines Parteiführers. Des Lebens Unverstand in Vchwvt zu genießen, ist Tugend und Begriff. das Kind immer Ruh« an dem Herze» der Mutter findet, p unser heimatgcborenes und heimatdurstiges Volk in der Rückkehr zur Ralur und frommen Einfachheit. Das ganze Volk ist durch den rcoaluticnierenden, iz, der menschlichen Geschichte nie dagewesenen Sprung von der Landwirtschaft zur Industrie, vom Pfluge zum Benzinmotor und zur Retorte, aus seinem Gleis« gerissen. Krieg und Marxismus find nur die Aolgen davon." „Sehl unsere Arbeitslosen! Könnten wir mit diesen müßig- gehenden und vom Reiche unterhaltenen Armeen von Armen nicht eine ganze neue Welt aufbauen? Ist es nicht nur der Wahnsinn unseres marxistischen Systems, das sie wider willen feiern und— nicht etwa von den mildherzigen Brosamen, sondern van knirschend gegebenen Kasscnbeiträgen der Arbeitsgcnossen leben läßt?" „Während mir unsere Krait in sozialistischen Experimenten ver- geudeten, ging Amerika den Weg, an dessen Ende der Arbeiter im Fnrd-Auto fährt. Aber auch Amerika wird in Aorm seiner Arbeitslosigkeit gerade heute auch von den Fluten fozialistifch-imperia- liftischer Weltzerrüttung erfaßt." �* Also, der Krieg kommt nur davon, daß wir die Bahnen der Natur und der frommen Einfachheit verlassen haben! Di« Arbeitslosigkeit kommt vom Marxismus! Dies ist»och verhältnismäßig klar. Aber daß Amerika, allen sazialistischen Experimenten aus dem' Wege gehend, dennoch in Farm der Arbeitslosigkeit der sozialistisch-imperialiftischen Weltzerrüttung verfiel, das treibt einem doch den kalten Schweiß auf die Stirne. Hugenberg war es, der diesen Quatsch in Bielefeld redete, der„Berliner Lokalan zeiger" bringt ihn spalfenlang. Das nennt man in Deutschland Politik! Das nennt nian in Deutschland einen Parteiführer! Weg mit der Konsumentenfeindlichkeii! Professor Bernhard auf der ZahreSiagunq der Warenhauser. Unter starker Beteiligung von Vertretern der Regierung imd der Wirtschost begann heute vormittag die Johrestagnng des Verbandes deutscher Waren- und Kaufhäuser. Professor Bernhard, das neue Präsidlalmitglisd des Verbandes, wies in seinem einleitenden Referat aus die außerordentlich starken Verschiebungen der wirtschaftlichen'Verhältnisse in den letzten Jahr- zehnten hin, die jetzt auf dem Höhepunkt der Krise besonders kraß zum Ausdruck gekonnnen feien. Wenn in früheren. Zeiten die Waren keine Käufer mehr fanden, also«ine Krise hereinbrach, dann senkten Produzenten und Händler ihre Preis« von s e l b st, um sich der Kaufkraft des Konsums an- zupassen.' Heute haben wir stattdessen die st ä r k st e n H e m- mungen bei einein freiwilligen Preisabbau und die ganze Aktion kommt erst durch die Forderungen der Regierung und den Aufruhr der Konfumenten in Gang. Man dürfe nie und nimmer vergessen� daß der Konsument der Endzweck «lles Wirtschaftens fei. Unter diesem Gesichtspunkt müssen auch die.Sondersteuern, mit denen neuerdings die Warenhäuser und alle Großbetriebe des Handels belastet seien, als konsunrfcind- lich bekämpft werden. Im Grunde fei doch diese Steuer nichts anderes als«ine Straf« dyfür,"daß die Großbetriebe des Handels den Konsumenten durch besonders rationelle Organisation billig belieferten............>. In der Industrie fei während der jetzigen schweren Krise die Erkenntnis gewachsen, welchen Rückhalt für die Produktion die Mafscnbestellungen der Großbetriebe des Handels bedeuten. Das Gleiche gilt aber auch für die Landwirtschost.£0 setzten allein im letzten Jahr vier Warenhauskonzerne 6 Millionen Pfund Mehl um. Der Umsatz von-drei Warenhauskonzernen ergab rund 2 Millionen Pfnnh Bütter, 4?» Millionen Dosen Konserven, 3>Z Millionen Pfund Fleisch und mehr als 1 Million Pfund Hülsenfrüchte. Zwei Waren- Hauskonzerne allein setzten im letzten Jahr 10% Millionen Stück Eier um. Nach Professor Bernhard ergriff Professor Brandt von der Ländwirtschaftlichen Hochschule in Berlin das Wort über die Frage einer Absatzsteigerung deutscher landwirtschastlkher Produkte durch die Warenhäuser. Handelsvertrag mit Ungarn. Bethlens Besuchergebnis. Graf Bethlen hat Berlin am Montag nach dreitägigem Besuch verlassen und ist nach Budapest zurückgekehrt. Im Verlauf der Besprechungen, die Bethlen mit dem Reichs- kanzlcr und anderen Ministern der Reichsregierung hatte, wurde, wie amtlich mitgeteilt wird,„die gesamt« politische Lage unter be- sonderer Berüeksichtigung der Deutschland und Ungarn gemeinsam betreffenden Fragen und Interessen erörtert". Die wichtigste Rolle in de» Unterhaltungen spielten wirtschaftliche Probleme. Man vereinbarte, End« Februar bzw. Anfang März 1931 die Ver- hondkungen zum Abschluß eines Handelsvertrages aufzunehmen. Don der Brücke erschlugen. Oos Einsturzunglück bei Lauchhommer. Lauchhammer, ZS. November. vas gestern kurz gemeldete Bauunglück in Kleinieipisch ist darauf zurückzuführen, daß ein Teil der kurz vor der Bollendung stehenden ZSS Meter langen Förderbrücke au, etwa 20 Meter höh« in den Tagbau stürzte. Dabei wurden, wie bereit, gemeldet, sieben Monteure tödlich oerlehl. Sieben erlitten schwere und 15 leichte Ber- lehungcn. Die Unlersuchung durch da, Bergamt und die zuständige Skaatsanwaltschast ist eingeleitet. »-___ Oer Achiprozent-Lohnabbau. In der westdeutschen Kohlenschiffahkt. Bochum, 25. Rovember. sEigenbericht.) Für die westdeutsche Sohlenschisfahrt wurde nach langen Ber Handlungen am Moniagabend folgender Schiedsspruch gesälll. Der zum 31. Okiober gekündigie Tarifvertrag wird wieder in krasl gesehl mit Wirkung vom 1. November 1SZ0, die Arbeitszeit erfährt leine Aenderung. Die GehalK- und Lohnsähe ermäßigen sich mit Wirkung vom 22. November 1930 um acht Prozent. Als Kündigungsfrist für den Tarif ist eine einmonatige Frist sestgefeht ,,nb kann erstmalig zum 31. Mär, 1931 erfolgen. Die Erklärungs- fri» läuft bi, zum?. Dezember. Die Arbeitnehmer werden den Schiedsspruch ablotzne». AchtLahre unschuldig im Zuchthaus Staatsanwali gegen das Gericht für Freisprechung Der sensationelle Fall, daß Skaaisanwoli und Bertcidiger »egen den Widerstand des Gerichtes gemeinschaftlich für die 4 endgültige Freisprechung von Angeklagten eintreten, die nachweislich acht Jahre unschuldig im Zuchthaus gesessen haben, beschäftigte das Oberste Landesgericht in München. Am 28. April 1922 wurde in der Nähe von Amberg«in R a u b m o r d v e r s u ch aus die Besitzerin eines alleinstehenden Gehöftes unternommen, und wenige Tage darauf wurden die Ar- beiter Josef Trepte und Johann Hcrrmann verhaftet. Wäh- rend Trepte leugnete, beschuldigte Herrmaim den anderen und sich selbst der Tat. Daraus legte auch Trepte ein Geständnis ab. Beide wurden zu IS bzw. 12 Jahren Zuchthaus verurteilt. Gleich nach Berkündung des Urteils crllärten sie aber, daß sie ein fal- sches Geständnis abgelegt hätten. Alle Wiederaufiwhme- anträge wurden mit der Begründung abgelehnt, daß die Ange- klagten ja selbst die Tat zugestanden hätten. Nach acht Jahren ge- lang es schließlich, die W i e d« r a u s na h m e des Verfahrens durchzusetzen. Am 3. Mai 1939 wurden beide Angeklagte auf An« ordnung der Staatsanwaltschafl aus dem Zuchthaus entlassen. Zwei andere, nämlich die Arbeiter Gumbmann und hirschmann, hatten sich im Trünke der Tat gerühmt und erklärt, daß sie den Raub- Mordversuch ausgeführt hätten, wofür Trepte und Herrmann nun unschuldig im Zuchthaus säßen. Sie wurden daraufhin verhostet und gaben bei der Kriminalpolizei und auch bei ihrer gerichtlichen Vernehmung zu, die wirNichen Täter zu sein. Sie schilderten alle Einzelheiten der Tat und der Oertlichkcit, so daß kein Zweiiel bc- stand, nunmehr die richtigen Täter gefaßt zu haben. Die Staats- anwaltschast unterstützte nunmehr den'Antrag des Verteidigers auf Wiederaufnahme des'Verfahrens für die Unschuldigen mit dem Ziel auf völlige Freisprechung und erhob?ln klage gegen die neuen Verhafteten. Dos Landgericht in Amberg lehiite aber trotz der vorliegenden Zugeständnisse die Erosfming des Haupt- Verfahrens gegen Gumdmann und Hirschmann ab, so daß nun aus die gemeinsame Beschwerde des Staatsanwaltes und Verteidigers das Oberste Landesgericht in München über die Eröfiming des Hauptversohrens zu entscheiden hat. Gefängnis beantragt Für die Mißhandlungen im Polizeirevier Im Prozeß wegen Mißhandlung Siiliccicr auf dem Polizeirevier beantragte der Staatsanwalt aus§ 340 skörperverlehung oder Duldung einer körpecverlchung durch Beamte im Dienst) gegen den polizeioberwachlmeistcr G erlner sechs Monate Gejängnis, gegen den Polizcihaupl- mann im Ruhestand Alsdorf acht Monate Gesöngnis und gegen den polizeioberstleutnanl M a d e r sieben Bionate Gefängnis. In seinem Plädoyer führte der Staatsanwalt aus� Gewiß war die Aufgabe schwer, sich zurückzudenken in die Gefchehrnssc vom 1. Mai 1929. Was geschah auf der Wache? Schon aus der Treppe wurden die Menschen, die nicht eine Bewegung des Widerstandes machten, bis zur Besinnungslosigkeit geprügelt. Auf allen Vieren mußte der eine auf der Treppe hinauiklettern. Schon auf dein Wege bis zur Akichtstube walteten die Beamten wahrhaft schmählich ihres Amtes. Auf der Wackststubc wurde wild auf Leute weiter geprügelt, auch wenn sie nur die empor- gehobenen Hände aus Ermüdung niedersinken ließen. Die Beweis- ausnahm« hat ergeben, daß der Angeklagte Gertner an diesen Mißhandlungen beteiligt war. Der Angeklagte Alsdorf ist den Mißhandlungen nicht mit der nötigen Energie entgegengetreten. Als er sah, daß aus seiner Wachtstube geschlagen wurde, hat er gesagt:„Nun ist es genug" und ist wieder gegangen. Nachher ist trotzdem weiter geschlagen worden. Er lieh seine Beamten Beamte sein und ließ sie weiter prügeln. Hierdurch ist der Tatbestand aus§ 340 begründet. Ebenso liegen die Dinge beim Poli-ewberstlcutnaiit M a d« r. Er hätte, nachdem die em- pörenöen Zustände sestgestellk waren, auf der Wachtstube bleib«» müssen und wirklich Ordnung schaffen. Er hat genau wie Haupt- wann Alsdorf diese Pflicht versäumt. Gewiß war es auf der an- deren Seite leichtsinnig, am 1. Mai, wo die Straßen Berlins brannten mit geschultertem Lnstgenrehr im Futteral nachts durch die Straßen zu gehen. Seit einer Woche ging es toll zu in Berlin. Die Beamten, durch andauernden Alarmdienst überanstrengt, waren :n hoher Erregung. Aber gerade int Zeichen der Erregung muß der Polizeitieamte sich in der Gewalt haben und darf sich nicht hinreißen lassen. Vor allem aber müssen die Führer ihre Unte-'- gcbcncn am Zügel habenz s i c dürfen nicht die geringste Gesetzwidrigkeit dulden. Deshalb ist die Handln ngswcizs der Offiziere schwerer zu beurteilen als die des Wachtmeisters. Der heutige Verhandlungstag begann mit einem Zwischenfall. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß in einem Berliner konimunistischen Blatt behauptet sei, ein Ehausseur des preußischen Innenminssters Severing sei an den Ausschreitungen beteiligt. Dos ist unwahr. Im Gegenteil, die Verhandlung I>it bswiesen, daß dieser Mensch niemals Chauffeur bei Severing war, sondern mir damit renommierte, es zu sei». Auf einen Einwand des Neben- klägcrs Dr. Leventhal erklärt<< der Vorsitzende, daß er sich des Urteils darüber, ob es sich um einen Hörfehler oder um eine bewußte Fälschung handelt, enthalten z» wollen. Die Plädoyers der Verteidiger. Nach langen, von der Sache weit abschweifenden Ausführungen des Vertreters der Nebenkläger solgten die Plädoyers der Ver- tcidigung. Beide beantragten die Freisprechung der Angeklagten, da die Beweisaufnahme eine Ueberführung nicht er- bracht hätte. Der Vertreter des Angeltagtc»(Bertner, dcr. dcm Polizeioberwa.chtme ister.»ont. Pexbanh Preußischem Polizeibeqmten gestellt ist, betonie, daßs niemand solck?« MißhandstiNgen inehr' ver- abscheuc. als gerade die Orgonijation'der PoliMeeinten, ustd täß deshalb einem Beamten, der solche zum Himmel stinkenden Taten begangen habe, vom Derband niemals Rechtsschutz gewährt würde. Teddy ist krank. Aber nur in Berlin— in Bremen ist er gesund. Die KPD. hat in Berlin einen Kongreß werktätiger Frauen abgehalten. Der Kongreß wurde im Namen der Zentrale begrüßt von Heinz Neumann. Schcinwerferlicht,„stürmischer, mimitcn- langer Beifall" nach dem Bericht der„Roten Fahne". Beides, das Scheinwerferlicht wie der minutenlange Beifall stehen und dem kommunistischen Hofzercmoniell. nur Teddy Thälmann zu. Wo war Teddy? Teddy war krank. Es wurde ein Brief verlesen, in dem er mitteilt, daß er durch eine Erkrankung verhindert sei, den Kongreß zu begrüßen. Also meldete die„Rote Fahne" auf der ersten Seite. Die erstaunten Leser der„Roten Fahne" �wurden jedoch nach der Kenntnisnahme des Bulletins vom Krankenbett Teddys auf der ersten Seite des Blattes auf der zweiten �eite derselben Ausgabe plötzlich von der Schlagzeile überfallen:„Thälmann bei den Bremer Arbeitern, der Führer des deutschen Proletariats zeigt den Weg der Befreiung." Während Heinz Neumann an der Stelle von Teddy im Sportpalast einen Sprechchor diri- gierte, erscheint Thälmann auf der zweiten Seite als einfacher Wahl- redner in einer Bremer Volksoorsamnrlung. Verschwunden ist das Krankenbett. Hat Thälmann den Reichskongreß der werktätigen Frauen für nicht so wichtig gehalten oder hält sich Heinz Neumann für wichtiger als Thälmann? Und für wie dumm muß die„Rote Fahne" ihre Leser halten? Oie Arbeiiszeit im Ruhrbergbau. Dachverhandlungen gescheitert! Aeber die von den Unternehmern beantragte B e r b i n d l i ch- leilserklärung des kürzlich ergangenen Ruhrschieds- j p r u ch e s, der bekanntlich eine Beibehaltung der ver- längerien Arbeitszeit bis September nächsten Zahres vorsieht, wurde heute morgen im Reiäzsarbeitsministerium verhandelt. Die Bergarbeiterverlreler machten dos Winislerium daraus aufmerksam, daß dieser Schiedssvruch einen großen Teil der Utöglich- keilen zur Srisenüberwindung im Bergbau verbaue. Die wirtschast- lichen Boraussehungen zur Beendigung der seit 1973 bestehenden einstündigen IN ehrarbeit, nämlich die Erreichung der Friedensleistung, sind vollauf erfüllt. Damals wurde den Bergarbeitern das Berspreche» gegeben, daß die Wehrarbeil nur vorübergehenden Charakter tragen solle. Dieses Bersprechen darf nicht gebrochen werden. Die Unternehmervertreter behorrten indesien aus ihrem ablehnenden Standpunkt und lehnten noch einmal die vom Schlichler und ven den Bergarbeitern angeregte Nachprüfung der Selbslkostenlage rn'.schicden a b. Sic mußten dabei oller- ding, zugeben, daß das Anshörcn der Wehrarbeit mindesten» den Wegfall der Feierschichten bringen und eine weilere Anhäufung der Halden bestände entbehrlich machen würde. Da'Feierschichten und haldenbestönde kostenverteucrnd wirken, ist die Beendigung der Mehrarbeit unter diesem Gesicht»- winket durchaus zu befürworten. Eine Annäherung der päricicn konnte nicht erzielt werden. Die Entscheidung liegt jetzt beim Reichsarbeits- m i n i st e r. der sich darüber schlüssig zu machen hat. ob er durch«ine Berbindlichkeilscrklärung diese, Schiedsspruches olle Hoffnungen, die sich an eine Arbeit»zeitverkürzung als eines der Mittel zur Ab- wendung weiterer S r i s e n g e s a h r e n knüpfen, zerschlagen will._ Eaffran gesteht Mordversuch? Oer Monteur, dessen deiche verbrannt werden sollte. Königsberg i. pr., 25. November." Aus Grund der Anzeige des Betrieb-monteurs Paul Fried- r i s z i k. daß aus ihn im Zuli ein Mordanschlag verübt worden sei und er als Täter S a s s r a n nnd Genossen vermutete. Hot der Untersuchungsrichter in Bartenslein die Angeschuldigten zu dem Mordversuch vernommen. Dabei haben Sasfran und seine Sek«. tärin Ella Augustin ein volles Geständnis abgelegt, und Söst- ran hat von sich aus noch einen anderen Mordversuch zugegeben. Die drei Angeschuldigten Sasfran, Ella Augnstin und Kipnick sind im Juli ausgegangen, sich eine Leiche zu verschasstm. die sie zusammen mit dem kleinen Dixi-Wagen des Sasfran verbrennen wollten, um dadurch den Tod des Sassron vorzuiäusche». Sasfran snhr daher an einem Nachmittag im Juli mit seinem Dixi-Wagen in den Süden der Provinz, wo er sich mit Kipnick und Ella Äugusti», die mit dem Adlerwagen des Sasfran nachgekommen waren, traf. Sie versteckten den Dixi-Wagen im Walde und fuhren im Raum« von Lätzen und Sensburg kreuz und quer herum, um einen Mann zu finden, der etwa die Stalur des Sasfran hotte, um ihn dann zu ermorden. In der Nähe von Sen-burg trafen sie den Monteur Friedriszik. Kipnick hielt den Wagen an und fragte den Monteur nach d.'m Wege. Sodann forderte er ihn auf, mitzufahren. Der Monteur ! nahm neben Sasfran, der den Wagen führte, Platz, plötzlich schlug Kipuick, der hinten im Wagen saß, mit einem Lederknüppel, in den eine Bleikugel eingeslochten war, den Wann über den Kopf. Dem j Ilebersallenen gelang es, aus dem Wagen zu springen. Kipmck , sprang ihm nach, hielt ihn fest und schlug weiter auf ihn ein. Ta | der Mann aber laut um Hilfe schrie, ließ Kipnick von ihm ab, sprang in den Wagen zurück und fuhr in schnellster Fahrt daro.i. Slraßentämpse in Peru. In den letzten Straßen kämpfen in Lima wurden l8 Personen schwer verletzt. Oie Zusammenstöße wurden durch die.Schwierigkeiten der letzten Wochen verursacht, die in Fälae der Grukonunruhen in einen Kabinettwechlel gipfelkn. Die jüngeren M litärelemente sind mit der allzu omerikafrenndlichrn veruanischen Reaierungspolitik unter dem Präsidenten Zaitchez Cerra unzufrieden. Boelih als Schützer der Kultur. Oer nationalliberale Parteirest für Bildungsprivileg und gegen �eichsverfasiung. „Nationalliberale Korrespondenz" bringt einen Artikel de-, früheren preußischen Kultusministers Boelig mit der aufregenden üeberschnft„Gefährliche Experimente im preußischen Kultusmini st eriu m". Nach den vielen Alannartikel», .die sich in den letzten Wochen mit wirklichen oder angeblichen Plänen des preußischen Kultusministers, des Genossen Grimme, bc- schästigcn, macht die Person des Zlrtikelschreibers und der Inhalt seiner Ausführungen eine'.Beschäftigung mit dieser„kulturpolitischen" Auslassung nötig. Worum geht es der Sache nach? Man dis- lutiert allgemein in der Oeffentlichkeit über die Frage, ob ein neuntes Volksschuljahr eingefichrt werden soll. Man erinnert sich, daß diese Frage einer der Punkte war, der in dem Programm der preußischen Regierung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit aufgeführt war. Die An- regung dazu geht bekanntlich von dem preußischen Handels- minister aus, die Maßnahme war als eine volkswirtschaftliche gedacht. Man weiß aus einer Mitteilung des Amtlichen Pressedienstes, die wir wiedergegeben haben, daß die Frage, ob und in welchen Formen ein neuntes Bolksfchuljahr möglich ist, zur Zeit geprüft und verhandelt wird. Man weiß ferner, und zwar schon längere Zeit vor dein Bekanntwerden dieser Anregung, daß das preußische F i n a n z m i n i st e r i u m im Rohmen seines Spar- Programms auch zur Erörterung gestellt hat, ob man nicht die neun- jährige höhere Schule in eine achtjährige umwandeln kann-, das war Ende Juli, und man erfährt jetzt, daß der preußische Kultusminister auf diese Anregung des Finanzministers hin Auf- trag zu einer Denkschrift über die ganze Frage gegeben Hot, um eine Unterlage süx Verhandlungen mit dem Finanzministerium zu haben. Man weiß schließlich, daß im Rohmen der Erörterungen über das Berechtigungswcsen die Frage einer Abschaffung der Reifeprüfung und anderweitige Regelung des Zugangs zur Hochschule öffentlich erörtert wird, und das in besonderem Maß von Per- 'sönlichkcitcn, die nicht gerade in deni Verdacht sozialistischer Gesinnung stehen. Man sollte denken, das ist ein klarer, nicht sehr komplizierter Sachverhalt, und es gehört eigentliä) schon ein« ziem liche Anstrengung dazu, ollen diesen Ueberlcgungen und Arbeiten, die aus den verschiedensten Wurzeln und Motiven entspringen, eine einheitliche, planmäßige,„seltsame", b ö s a r t i ge„Schul- res o r m" des sozialdemokratischen Kultusministers zu machen. Die„DAZ." hat das neulich versucht und unter der llebcrschrist „Kindergärten und kein Abitur" von„umwälzenden Plänen Grimmes." berichtet, und es bedurfte erst einer amtlichen Auf- klorung, um die Vorstellung in naiven Gemütern zu zerstreuen, als stehe eine radikale, rüSsichtslosc Umwälzung imseres gesamten Schulwesens bevor. Jetzt aber sieht man aus dem Boclitzschcn Artikel, der nach dieser amtlichen Aufklärung geschrieben ist, daß es sich doch um mehr handelt als ein bloßes Mißverstehen, daß alle diese schwebenden Probleme herhalten müssen, um den sozialistischen Kultusminister zu verdächtigen. Die Kleinigkeit, daß keiner dieser Pläne von eben diesem Kultusminister ausgeht, wird einer er- staunten Leserschaft schamhaft verschwiegen. Wahrlich, es gehört für den. Genossen Grimme die ganze„Staotsgesinnung" dazu, die das Bürgertum in Erbpacht su besitzen behauptet, die zu beweisen aber es uns Sozialdemokraten überlaßt, um unbeirrt von solchen Per- dachtigungen das zu tun, was dos Wohl der Gesamtheit in diesen Notzeiten, erfordert. Was macht Herr Boelitz aus diesem Tatbestand?—„Gefährliche Experimente" ahnt er nicht nur, sondern er weiß sie von„gur unterrichteter Seite". Die höhere Schule soll ein Jahr verlieren, die Volksschule um ein Jahr verlängert werden, die Schulpflicht soll auf das siebente Jahr heraufgesetzt werden, und zwar zu dem Zwecke, die Verkürzung der höheren Schule plausibel zu mache». Der staatliche Kindergarten soll kommen. Das ist zwar dementiert, aber Herr Boelitz meint, er käme doch, und zwar zwangsläufig, und damit käme ein Stückchen Sowjctriißland zu uns und ei» Cndchen Programm der radikalen Schulreformer. And er setzt sich dann auseinander mit den Refonnplönen, die Kultusminister Grimme zum ersten Male in seiner bekannten Etats- rede enthüllt habe.... In der Tot„gefährlich« Experimente", aber nicht des sozialifti- sehen Kultusministers, sondern sehr viel eher ein gefährliches Experiment seines gewesenen Kollegen, seilt«„kulturpolitische" Aus- fassung in dieser Weise zu„enthüllen". Herr Boelitz sagt ganz offen, mit wirklich dankenswerter Offenheit, daß es ihin um mehr geht, als um den einzelnen Plan, daß dahinter steht— und darum der Alarm— die ganze grundsätzliche kniwrpolitische Haltung des sozialistischen Ministers. Er sucht hinter Rachrichteu, Gerüchten, Plänen nach der Grundeinstellung dieses Ministers, wie sie Genosse Grimme in seiner Pragrammrede im Landtag klar bekanntgegeben hat. Man sollte meinen, daß die beiden großen Ziele der Aufhebung de, Bildungsprivilegs und der Bekämpfung des Verechtigungswefens. wie sie Grimm« damals als die erste» und wichtigsten hingestellt hat, im Grund« Ziele sind, die jeder bejaht, der im heutigen Volksstoat auf der Grundlage der Weimarer Verfassung an kultur- politischen Dingen arbeitet, daß verschieden« Meinungen nur K«- s- ehyn können.über die Wege, die zu gehen sind, über Zeitpunkt, über Tempo und dergleichen. Falsch gedacht! Herr Boelitz wendet sich ganz entschieden gegen diese Ziele. Daß mit ihrer Verfolgung nur ein Versprechen der Rcichsvcrfassung eingelöst werden würde, die in Artikel 146 den Ausstieg als von der wirt- schaftlichen und gesellschaftlichen Stellung der Eltern unabhängig erklärt, kümmert ihn. der jahrelang an der Spitze des preußischen Kulwsministeriums gestanden hat, ganz und gar nicht. Die Be- scitigung des Bildungsprivilegs nennt er ein G r i m m« s ch e s Ziel! Daß Genosse Grimme es als das erste Ziel der Unterrichts- nerwoltung hingestellt Hot, bringt Boelitz in bezeichnenden An- iiihrungszeichen. Die seelisch«'Not nichtbesitzender Schichten, das Gefühl der Ausweglosigkeit, von dem Grimme damals gesprochen hatte, besteht nicht. Herr Beelitz sogt es, und er muß es ja wissen... „Es sei denn, daß es durch Agitation erzeugt wird", sagt Boelitz! I Ein„Suggestivwort"— das ist alles, was nach Herrn Boelitz von der großen ersten Frage des Bildungsprivilegs übrig bleib«, wenn man die böse sozialdemokratische Agitation abzieht... Man muß doch cinnial ganz ernsthaft sagen, daß der kultur- politisch interessierten Oessentlichkeit, und zwar doch wohl nicht mir her sozialistischen, hiermit allerlei zugemutet wird. Wir hoben das größte Interesse daran, daß allgemein bekannt wird, wie liberalc K»hlULT Parteirestes, der das Erbe der Rationalliberalen zu verwalten hat, heute wirklich aussieht. Auch Herr Boelitz sollte wissen, denn er ist ja„Fachmann", daß die Frage, ob die höhere Schule acht oder neun Jahre umfassen soll, ein« seit vielen Jahren allgeinein erörterte Frage ist, daß das ganze Ausland nicht mehr als acht Jahre Schule hat, daß die Frage ernster Prüfung wert ist. Und die„staatlichen Kindergärten"? „Zwougseinführung"— wie Herr Boelitz das nennt, also doch offenbar die Vorstellung, daß die Kinder nun gewaltsam de» Müttern entrissen werden, uin tu ei» neues staatliches Institut geschleppt zu werde». Weiß Herr Boelitz denn wirklich nicht, daß hierzu«in Gesetz nötig wäre? Glaubt er wirklich, daß mau ernstlich erwägt, bolschewistischen Zwang einzuführen? flitd wenn! er das nicht glaubt, worum fetzt er das seinen Lesern vor? Aus einem einzigen Grund«: um den sozialistischen Kultusminister zu verdächtigen. Denn das ist ja dos einzige wahr« Motiv aller der Alarmrufe, die man seit Wachen in der Presse liest, und zu deren Wortführer sich jetzt auch der frühere preußische Kultusminister macht. Man weiß in diesen Kreisen sehr gut, daß auch diejenigen Umgestaltungen unseres Schulwesens, die wir nach unseren Anschauungen für sehr notwendig hielten, gegenwärtig nicht durchgeführt, nicht einmal geplant werden können, da alle Gegebenheiten, nicht zuletzt die öffentliche Finanzlage, derartige Pläne von vornherein rni- möglich machen. Womit wir nicht sagen wollen, daß nicht doch der Genosse Grimme einer Reihe von auch jetzt möglichen Maßnahmen treffe» salll«, und zwar bald und energisch, auf die Gefahr hin, daß Herr Baelitz neuen Lärm schlägt, um glauben zu machen, man müsse die Kultur vor den Sözialdemokraten schützen.� Das Volkskundemuseum in Gefahr Schafft Raum für die Sammlungen deutscher Volkskunst! Es ist hohe Zeit geworden, für die Unterbringung des Museums für Volkskunde zu sorgen. An dieser Stelle ist schon einmal mit Nachdruck auf die unerträglichen Zustände dieses proletarischen" Stiefkindes der' Berliner Museen hingemiesen worden. Wer den Besuch in der Klostcrstraße(direkt am Untergrundbahnhas) riskiert, kann es bestätigen: unmögliche Raumzustände, Finsternis, ein Aufeinanderhäufen des cnggepreßten Besitzes, daß kostbares Volks- gut durch Schimmel, Mottenfraß, Licht- und Luftmangel elend zu- gründe g«ht. Unsere Jugend lernt endlich Volkskunde: ihr ein- ziges unersetzliches Anschauungsmaterial kann ihr nicht vorgeführt werden: in den nachtdunklen Gängen drängen sich die Klassen vor verschlossencn Schränken, manchmal bringen sie sich Blendlaternen mit: ober da ist alles Bemühen vergeblich! Man glaube ja nicht, daß es sich hier um ein Raritütenkobinett für Rassenschützler und Rationalisten handle. Im Gegenteil: dies« Volkskunst ist nicht nur von höchstem Kunstwert, ein Liebjings- Objekt unserer Künstler»itd Kunstfreiinde, sie hat auch enormen volkserzieherischen Wert. Richtig und in würdig«» Räumen aufgestellt, werden diese Schätz« so volkstümlich werden wie kein an- deres Museum. Hier hat das Bolk selbst gesprochen, seine Liebe, seinen Bedarf, seine Lebensfreude prachtvoll und vital gebildet. Nicht ins Pegamonmnseum gehört der Arbeiter, gehört unsere Jugend: das ist fremdartiger verschollener Bildungsbegriff fürs Gehirn— unsere eigene Volkskunst sollte Gegenstand der Anschauung, der be» trachtenden Liebe werden. Ja, für die eigentliche Kunstwifsenschäft muß Volkskunde die wahre Grundlage werden, weil alle wahrhaft große Kunst von dieser Basis aufgestiegen ist und schließlich sich wieder in ihre Einfachheit zurückverwondelt. Es wird Zeit, an dieses Aschenbrödel zu denken, dem sogar jeder staatliche Ankaufsfonds fehlt; aber der Raum dafür muß endlich einmal geschaffen werden: es geht nicht an, daß wegen eines winzigen Bruchteils des Museumsetots unschätzbare Werte zugrunde gehen. Der nächste Plan sah ein« llebersiedlung ins Jagdschloß Grunewald vor. Ausgezeichnet! Man mache die notwendigen Kalkulationen und ziehe auch gleich dos neue Projekt ein, dos uns nach günstiger erscheint: das Schloß B c l l e v u e. Zentrale Loge, bessere Räumlichkeit und größte Billigkeit der Herrichrung spreckien gewichtig für dieses. Besteht eine andere Verwendungsmöglichkeit? Erhebt eine Staotsstell« darauf Anspruch, nachdem Schloß Bellevue sich als ungeeignet für Kunstausstellungen erwiesen hat? Das muß jetzt einmal klipp und klar festgestellt und dann end- lich der dringliche Raum für das Volkskundemuseum geschaffen werden. Paul Ferd. Schmidt. Oeutsch-Spanische Gesellschaft. Ansprache des Mchifiers Curtius. Im Plenarsaal des Reichstags fand eine Eröffnungsfeier für die»eugcgründete Deutsch-Spanische Gesellschaft statt. Umrahint von Darbietungen der staatlichen Hochschule für Musik wurden Be- grllßungsanspiachen gehalten. Die Ansprachen crössnetc Reichsminister Dr. C u r t i u s. In der heute ins Leben tretenden Deuisch-Spanischen Gesellschaft, führte er aus, soll die Pflege der kulturellen Beziehungen zwischen Deutsch- land und Spanien neuen Antrieb erhalten und in neuer Form breiter unterbaut werdeu. Eine lange Reihe berühmter Namen aus den nianvigsattigst«» Gebieten inensdsticher'Betätigdng ist wechselseitig in die Geschichte beider Nationen eingegangen. Gebe- und oirfnahmefreudig ist man durch die Jahrhunderte geblieben und die enge kulturelle Verbundenheit findet Ihren schönsten Beweis darin, daß beiden Völkern auch in bewegter Zeit das kostbare Gut dauernder Freundschaft erhalten bleiben konnte.. Eine ehrwürdige Tradition liegt also dem Austausch zugrunde, der zwischen Deutsch- land und Spanien in letzter Zeit nod) reger als früher eingesetzt hat. Deutsche Kunst und Literatur haben in Spanien ebenso Eingang und Würdigung gefunden, wie das Verständnis für spänische Meisterwerke» bei uns in immer weitere Kreise dringt. Die Anwesen- heit des spanischen Botschafters darf der Gesellschaft eine Gewähr dafür sein, daß ihre Ziele auch in Spanien den für das Gelingen ihrer Pläne notwendigen Widerhall finden»werden. Die deutsche Zeitungssprache. Zouknolistenvorträge im Deutschen Sprachverein. Zcitungsfachleutc waren von dem Berliner Zweig des Deut- schen Sprachvereins eingeladen worden, vor Mitgliedern und Gasten Über„Die deutsche Z e i t u n g s s p r a ch e" zu reden. Nach dem Beifall zu urteilen, bestanden alle drei ihre Prüfung vor der strengen Kritik der Sprochhüter. Dabei hatte sich weder Dr. I. A. Vondy nod) Dr. Paul Fechter oder Professor Dr. Dovifat als Fremdwartfrcsser gezeigt; ihre Vorträge wandte» sich nicht gegen das Fremdwort, sondern gegen den Frcmdwortschwulst und den Fremdwortunsinn. Darüber waren sich natürlich alle Redner einig, daß nidst unklar in Fremdwörtern gesagt werden soll, was sich klar auf Deutsch ausdrücken laßt. Dr. Bandy, der über„Die Sprache in der politi- schen Zeitungsarbeit" sprach, forderte von den Journalisten einsad?«» Ausdruck und klare Stellungnahme. Dem guten Zeitungsdeutsch stellte er den versthad?teltcn, unklaren„offiziösen Stil" gegenüber, der im Nadzsatz zurücknimmt, was im Vordersatz ausgedrückt wurde. Dr. Fechter betaute, daß die Z«itnngssprad)e immer eine schnelle Spradie sei. Schnitzer im Wartgebrauch und in der Satzbildung sind deshalb nie völlig zu»ermeiden. Wichtig ist, daß die Zeitungsspradie lebendig und anschaulich ist, and) wenn sie schwierige Fragen der Ktilturpolitik dehandelt. Die Zeltung wird in der Bahn, in kurzen Ruhepausen gelesen. Sie muß deshalb einfach zum Leser sprechen und darf ihm nicht gelehrte Auseinander- setzlingen vorlegen, die ein mühevolles Durcharbeiten fordern. Ebenso wie Dr. Fechter vertrat Prof. Dr. Dovisat die An- ficht, daß die Schreibmaschine viel zur Besserung unseres Zeitungs- deutsch beigetragen habe, weil der Journalist, der seine Aussätze in die Maschine diktiert, schwerfällige, popierne Sätze sofort heraus- hört und ausmerzen kann. Prof. Dovisat bekämpfte die abfällige Kritik, die der Ausdruck„Zeitungsdeutsch" heute allgemein darstellt. Die Zeitung nimmt die Dinge des T„Bölkisdien Beobachter" über keine Zuwendungen von„jüdisch-kapitalistischen Kreisen" verfüge und auf die„proletarische Solidarität" angewiesen sei. Wenn man die Schwäche der hinter der Opposition stehenden Kräfte erwägt, so beantwortet sich die Frage, ob derartige Gründungen aus der leeren Hand gegenüber Künstlern und Bühnen, arbeitern, Autoren und Angestellten zu verontwortzn sind, von selbst. Kritiker großbürgerlicher Zeitungen, wie Jhering, Nürnberg und Herr Kerr, ergötzten die Revolutionäre durch Anschreiben, die mit � wenig Auswand an Geist auf den„verbonzten Bülowplotz" schalten. Der würdige erst« Teil der Kundgebung war dem Andenken des Komponisten Mcisel gewidmet. Konzert des Kriednch-Hegar-Chors. Hochschule. Seit den tl- Jahren, wo ich den Friedrich-Hegor-Chor unter Dr. Sebastian Strelitzer zum erstenmal hörte, hat diese große, prachtvolle Sängerschar enorme Fortschritt« gemacht. Zwar Hot Dr. Strelitzer bei den„Klassikern" immer noch zuviel Neigung zum knolligen Aufeinanderplatzen der energischen und meid)«» Re. gister. Das erinnert trotz seiner Jugend etwas an die übertybl'eit Manieren von Anno dazumal. Auch dürste die Sorgfalt für Ton. reinheit und die Tonbildung der Tenöre noch gesteigert werden. Aber er ist ein Volksmusiker von hoher Intentionen, hat Stilgcsühl und ist ein Meister im Herausarbeiten der textlichen Unterloge und der musikalisch-poetischen Stimmungen. Ganz ausgezeichnet liegt Strelitzer alles Moderne. Das wunderbar mystische Brucknersche „Um Mitternacht" litt leider stark unter der unzulänglichen Hohe der Solistin. Ein« Musterleistuna, die nicht am wenigsten ob der genievollen Bearbeitung durch H. T.H i e s s e n mit Recht de eapo verlangt wurde, war der heißblütige, dramatische„Flüchtling" des Russen G a r te f e l d. Auch Kl. Prings-heims„Arbeiterlied" wirkte trotz des sehlenden Schlagzeugs wieder elementar. Außer der talentierten Organistin Traute Wagner erfreute der ph'l- harmonische Konzertmeister W i l f r ie d H a n k e die zahlreichen Zu- Hörer durch seine vollendeten, hinreißenden Vorträge. 14. M. Die„Schausplelerhilse" veransjaltet zum Beste» enuerbsloscr Schauspieler beule. W Uhr, im schubect-Saal, Bülowslr. 104(am Nollendotlplatz), eine. HroSwitba'.lV00-Jahr-Feier. Tflai Terpi,, der frühere Leiter deS Balletts der Berliner Staatsoper, wurde als Ballettmeister an die S ea l a in Mailand berufen. Er beginnt seine neue Tätigkeit am 1. Dezember. Städtische Oper. f»»> Kicpura Hot«inen Teil seine» Honorars bei den Gastspielen an der Städtischen Over der Jistendanz zu WohIfahrtS- zwecken zur Verfügung gestellt. Der verein Berliner Künstler ciwaib'dp:- Grundstück Tierzarienslr. in am Kemperplatz, mn dort fern neues Heim«mzurichten. Der Schuß aus der Kanone we wahre Groieske aus Göwjeirußland.— Die Kolgen des roien Militarismus Das SpnchWort helßt: mit Kanonen auf Spatzen schießen. In �owjetrußland schössen Jungtommuniston ans einer Kanone auf ihren roten Direktor. Im 13..Jahrs des Bestehens der Sowjet- republik. „Ein ganj außergewöhnlicher und in der Geridstspraxis ciiyig dastehend« Fall. Wollt« man ihn erzählen, n«n liefe Gefahr, bei dem Zuhörer ein ungläubiges Lächeln hervorzurufen. Wie, aus einer Kanone? Aus einer richtigen Kanone? Ein Attentat auf den technischen Direktor? Die Botschaft hör' ich schon, aSein mir fehlt der Glaube. Und doch war es Tatsache." Also stand zu lesen im Organ des Volkskommissariats für Justiz- wesen(Nr. 20) und ungefähr wie folgt hieß es in der Anklageschrift. Die Vorstellung im Klub.— Die Granatsplitter im Oirektorzimmer. Zwischen 10 und II Uhr abends, am 3. Mai 1030, erfolgte auf cem Gelände der Ismailowfchcn Textilfabrik, die den Namen des ersten Borsitzenden des Allrussischen Vollzugsrates, Swerdlow, führt, eine starke Detonation. Die Arbeiter, die mit ihren Familien bei einer Aufführung im Fabrikklub waren, stürmten in höchster Panik zum Ausgang:„Explosion! Feuer!" Fabrikkoinmandant und Polizei fanden aber niegonds eine Spur des Feuers. Sie stellten zu ihrer größten Bestürzung etwas ganz anderes fest: Die Fenster in der Wohnung des technischen Fabrildirektors, Krylow, etwa 40 Meter vom Klub entfernt, waren in tausend Splitter gegangen; der Eckpfeiler der Veranda zerschossen. In dem Pfeiler, in der Verandadecke und auf dem Fußboden des Krylowschen Schlafzimmers fand man etwa 40 Granatsplitte» von 20 bis 00 Gramm Gewicht. Es wäre ein Volltreffer in das Schlafzimmer des Direktors gewesen, wenn nicht der Eckpfeiler dagewesen wäre. So waren aber Krylow und sein Stellvertreter mit dem Schrecken davongekommen. Woher kam der Schuß? Etwa 14 Meter entfernt vom Haufe des Direktors stieß man im Gebüsch auf eine Kanone— die Mündung auf die Terrasse des Hauses gerichtet. Neben der Kanone ein Papierpfropfen, verfertigt aus Aufrufen des Zentralkomitees der Textilarbeiter: lieber die internationale Lage, die Arbeitsdisziplin, über die individuelle Leitung in der Fabrik usw. Der Schuß galt dem Direktor: man wollte ihm ans Leben. Die herrenlose Kanone.— Alexejew an den Generalissimus. Ungeheure Erregung bemächtigte sich der Belegschaft. Ja, wenn es ein Revolver gewesen wäre, eine Flinte oder auch eine blanke Waffe: wenn der Mörder seinen Feind zu erwürgen, zu ertränken oder ihn sonst in irgendeiner Weise ins Jenseits zu befördern versucht hätte— das hätte man noch»erstehen können. Aber mit einer Kanone zu schießen, dazu noch auf eine Sowjetsabrik— kaum glaubhaft! Die Kanone gehörte zur Fabrik. Ein Militärzirkel junger Arbeiter hatte sie zu Uebungszwecken erhalten. An besonders feier- lichen Tagen wurde daraus Salut geschossen. Sie lag gewissermaßen als herrenloses Gut herum. Nun weigerte ssch jeder, die Verant- wortung für sie zm übernehmen. Jeder wälzte die Schuld aus den andern. Wer aber war der Uebeltäter? Der Verdacht fiel auf den Jungkommunisten Alexe- j e w. Er war Ende 1929 wegen wiederholten Verstoßes gegen die Zlrbeitsdifziplin aus der Fabrik entlassen.„Das geht Krylow nicht so durch: ich mache chm den Garaus!"— hatte er gedroht.' Alexejew wurde verhaftet: muhte aber entlassen werden. Es fanden sich Dutzende von Zeugen, die bestätigten, daß er sich während des Schusses im Saale aufgehalten hatte: mehr noch, er hatte als richtiggehender Iungkommunsst ssch in geradezu mustergülliger Weife des zum Tode erschrockenen Publikums angenommen. Er konnte es also nicht gewesen sein. In seiner gerechten Empörung über das ihm widerfahrene Unrecht der schändlichen Verdächtigung richtete er sogar ein Schreiben an den Führer der russischen Roten Armee Woryschilow, mit der Bitte, sich doch schützend vor chn zu stellen— den angehenden Rotarmisten, der bereit sei, für die Sowjetgewalt sein Leben in die Chance zu schlagen... Die Untersuchung war in eine Sackgasse geraten. Irgendeine neue Spur gab es nicht. Die Belegschaft murrte. Machte sich über die Untersuchungsorgane lustig. Der technische Direktor kündigte: er fürchtete für sein Leben. Weshalb auch dieses Attentat? Wenn er auf Arbeitsdisziplin hielt, um die Produktivität des Betriebes, um die Qualität der Fabrikerzeugnisse besorgt war, so konnte man chm doch daraus wahrlich keinen Vorwurf machen. Die Fabrik stand an einer der ersten Stellen. Oer verräterische Zettel.— Jungkommunist als Attentäter. Da nahm ein junger Untersuchungsrichter die Sache in die Hand. Er begann von Anfang. Alz erstes suchte er noch einmal die Stelle ab, an der die Kanone gestanden. Das Ergebnis ebenso verblüffend wie aufschlußreich! Man fand einen Zettel:„Ick), Saitschikow Wassili verpflichte mich gegenüber Alexejew, Pjotr Jwanowitsch, den Plan auszuführen. W. Saitschikow." Wassili Saitschikow legte ein umfassendes Geständnis ab: geistige Urheber des Kanonenschusses waren niemand anderes als Alexejew, Pjotr Jwanowitsch. Der techmsche Direktor Krylow sollte an ihn glauben! Also gewann er sich fünf Arbeiter, die wie er wegen Verstoßes gegen die Arbeitsdisziplin aus der Fabrik entlassen worden waren. Der Plan ward bis aufs kleinste ausgetistell, der Schuß sollte nicht unmittelbar abgefeuert werden, sondern mit Hilfe einer Zündschnur. So hatte man Zeit, den Klub zu erreichen: so konnte man nach dem Schuß an der Beruhigung des Publikums teilnehmen. Man war sicher, nicht in Verdacht zu I geraten. Die Rechnung hatte gestimmt. Ms auf den«wen NestiüS Fehler: den verloren gegangenen Zettel. Die Gerichtsverhandlung gestaltete sich kurz und schmerzlos. „Alle sechs Mitglieder der Bande," sagt der Bericht,„darunter zwei Mitglieder der Kommunistischen Partei und zwei Iunzkowmu- nisten, erhielten die verdiente Strafe. Das Gericht ergriff nicht nur die Maßnahmen des sozialen Schutzes gegen die Verbrecher, es hatte somit auch im Kampfe.für den sozialistischen Aufbau einen wertvollen Dienst geleistet." Hatten die„Verbrecher" mit der Kanone auf den roten Direktor geschossen, so das Gericht>nit dem schwersten Geschütz der Todes« strafe auf„Spatzen". V-rantwortl. kür die Redaktion: granz Nlüh«, Berlin: Bnzeigen: Th. Sloit«, Berlin. V-rla-i: BorwSrtz Verlag G. w. b. S.. Berlin. Druck: BorwSrt, Buch» druckerei und Berlagoanstalt Baul Einger& Co.. Berlin 63B 68, Lindenktraii« 8. vicr�u l Beilage. ■f&Cfy v. i__ 10. ofa Dezember � Schaufenster- Preise beachi-en "O Kassa-Rabaff 5� i**-f- mod. Beleuchtung O.*2? ffirrjFc/fcn/er Str. gegenüber //oWM Tuch-Peters Berlin. Potsdamer ött 104,(Sing, aur- fiicftcnftcajje Reit« Mr Anzüge. Mitnlel. Aostümc. Auf alle Stoffe 10 Prozent Preisabliou. znr Miete WSO.Ansbacberstr.l D" gute uapllfin- 'Sünden meisten Zi- laClUIUllJlUil garrengescli. ethaill. C. Hücker. Berlin Udilaoiieraer StraSc 22. R6 slgsi. 3861 Beifsnjeniedern alle Orlen Beunaiiiearen billig und dauerhaft bei Ed. Hoffmeister, SO 36, Wiener SiraBe 20 seit�SO Jahren am Görlitzer Bahnhof PROGRAMM (ür die Zeit vom 25. bis 27. November KINO-TAFEL PROGRAM M für die Zeit vom 25. bis 27. November Potsdamer Strafe 35 W S, 7, 9 Uhr Stg ab 3 Uhr Ein Walzer im Scblatcoape mit Loci« Eaglisdh, Fritz Sdsalz.— Flick and Flockte aaf hoher See Kant-Lichfspiclc Kamstr 54.(an der Wilmersdorf er Str.) W. 5. 7, 9.05 Uhr Stg ab 6 Uhr Tonfilm: Da* alte Ued mit 141 Oagover, Lien Derer« Beiprogramm Lichtspiele Südwest Bificherstr. 13 W. 3. So. ab 3 U. Die Welt In Flammen mit Richard Barlhclmek Beiprogramm.— Fox-Tonwodhe Rhcinstrafje 14 welche W. ab 5.15 Uhr Stg. ab 3.15 Uhr Stnd. dicm. Helena Wlllffler mit Crast Stahl-Hocbbaor.— William Falrbankspder König d. Sensationen Odeon« Potsdamer Str. 75 W. 5, 7. 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Kriminal-Tonfilm:„Der Greiter* mit Charlotte Sosa.— Micky Haut im Tiervarlctö Turmstrafje 12 Liebling der Gölter mit Renate Mttllerp Olga Tscbechowa, Marcel Wittrisda, Trans v«n Alten Alexanderstr. 39-40 (Pataage) Den ganzen lag geöffnet! Der Sohn der welken Berge mit Renate Müller.— Flick und Flockte in der Schweiz.— Jugendl. Zutritt j Westen j Primus-Palast Jis&�bs'is Potsdamer Str. 19 Ecke Margarctenstr. Der große Lustspiel-Erfolg: Drei Tage Mltlelarre«! mit Lade EnglUcfa, Fritz SchaU. Max Adalbert. Ida Wü.t, Paal HSrblger, Henry Bender atW Franziskaner GeorgenstraBe(Ecke FriedrichstraBe) 11. 3. 5. 8, II Uhr S Gro�filme Die Nacht der ErkenntnU mit Friix Korlner(Film mit Einleitungsvortrag) 13. 3, s, 9 Uhr' Ein Madel mit Temperament mit Maria Pandlcr 1. 4, 7, 10 Uhr Phantome de» Glück»(Der Mann in Fesseln)— Tön. Beiprogramm Schlüter-Theater Schlllterstr. 17 W. 5, 7, 9 Uhr Stg. 3 Uhr: Jugend-Vorstellung Tonfilm: Die vom Rommel platz mit Anny Ondra— Tonwodhe Atrium Beba-Palnri � wMJlfr5" Sonnabends u. Sonntags 5, 7, 9,15 Uhr Kaiserallee, Ecke Berliner StraBe Tonfilm-Uraufführung: Susanne macht Ordnung mit Tran* ▼. Allen, Franz Lederer, Max Ehrlich, Alberl Panlig Bühne: Die Comedian Harmonists. Titania Schönebg. HauptstraBe 49 lOOproz Tonlustspici: Laubenkolonie mit FrlU Kampers, H. Plcha, Camilla Spira— Beiprogramm Täglich 3. 5. 7. 9 Uhr Die Kamera Unter den Linden 14 Der Patriot mit E. Jannin�s Oswald* das Tridcfilmwooder Orgelsolo • Moabit» Artushof-Lichtspiele Perleberger StraBe 29 Film- und Bübnenschan Wochent ab SV», Sonnt ab s Uhr Delikatessen mit Harry Liedtke, E. Verehr«— Grote BO hnenscfaan FUm-Paiast Kammersäle Teltower Str. I W. 5. 7. 9, Stg. ab 3 Uhr lOOproz. Kriminal tontüm: Der Gretfcr mit H. Albcr» Grobes Beiprogramm Primus-Palast. Am Hcrmannpiatz, Urbans tr. 72/76 Wochent 6.45, 9. Sonnt ab 3,5, 7,9 U. Flachsmann als Erzieher mit Alfred Braun, Charlotte Ander, Paöl Henkels Auf der Bühne: Anf Liebeswellen Revue mit Jazzorchester Beiprogramm Fok* tönende Wochenschau Alhambra Hauptsft. 30 lOOprozent Tonfilm; Dolly macht Karriere mit Dolly Haas, Alfred Abel— Beiprogramm > Frledonou M Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W. 7.9. Sbd., 5, Stg 3 Uhr Tonfilm: Die blonde Nachtigall mit Else Esther, A. Hell— Beiprogramm » Sfam»■ Titania-PalasUtÄm Steglitz. SchloBstr.5. Ecke Gutsmuthsstr OroBer Tonfilm: Brand In der Oper mit Gnslay Fröhlich, G. Gründgens, Alexa Engström, JarmiUaNovotna Tonbeiprogramm j goMendorF-Mltto U Wochentags 6 30. 9 Uhr "C" Sonntags 5, 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 50 Ith lebe für dich m. Wllh. Dielerle Soldaten leben, das heibt lustig sein mit Laura la Plante Tonwoche � MartendorB VI z» f i Marlendorler Wochentg. 1 ia-A.1 Lichtspiele ab 7 Uhr ChausseestraBe 305 Bübnenschan Tonfilm: Flachsmann als Erzieher mit Alfred Braun— Beiprogramm Tivoli Berliner Str. 97 Beg. 5, 7, 9, Stg. ab 3 Uhr: Jug.-Vorst lOOproz. Tonfilm: Leutnant warst du einst bei den Hasaren mit Mady Christians,— Betprog! Stidwnetnn Th. am Moritzplatz Beg: Wtg. 5, 7. 9 Uhr Stg. ab 4 Uhr Großtonfilm; Zwei Wellen Regie; E. A. Dopont Gnies Beiprogramm Mercedes- Palast Hermannstraße, Ecke JägerstraBe Anfang; Wchtgs. 6.45, 9. Stgs. 3, 5. 7. 9 U. Pal und Patachon als Kunst schützen Beiprogramm Bübnenschan Jugendliche haben Zutritt Grones Mcrccdcs-Or ehester Kukuk Wochent. 6,45, 9 U. Sonntags 3, 5, 7. 9 U. Kottbusser Damm 92 lOOproz. Tonfilm! Die Llndenwlrün mit Küthe Dorsch, Hans H. Bollmann, Ida Wüst Beiprogramm Pwe>mlai AW Wochent 600. 9 U. JDXCCISlOr sonnt 3. 5. 7. 9 U. Kaiser-Friedrich-StraBe 191 lOOproz. Tonfilm: Liebling der Götter mit Emil Jonnings Beiprogramm Stern, Hermanns traße 49 Wochentags 630,9, Sonntags 3, 5,7, 9 U. Tonfilm: Liebling der Götter m. Emii Jannings, Olga Tichechowa.— Beipr, Filmeck Skalitzer Straße, am Gorlitzer Bahnhof Beginn Wochentags: 6.30 und 9 Uhr Sonntags: 3, 5, 7, 9 Uhr Verlängert! Tonfilm: Flachsmann als Erzieher mit Alfred Braun Beiprogramm Luisen-Theater Reichenbeiger Str. 34 Anf. W: 6 30 u. 9 U- Stg. 3, 5, 7. 9 U- Tonfilm: Bockbierfest mit Ida Wüst, H. A. ▼. Schlettow Bübnenschan Stella-Palast Köpenicker StraBe 11—14 Wo chtgs. 6.30, 9 U. Sonnt 3, 5, 7, 9 U. Verlängert! Der große Ufa-Tontüm: Liebling der Götter mit Emil lenntngs, Olga Tschechowa Das gute Beiprogramm Aasgew Sb lie Bübnenschan Viktoria-Liditbild-Th. Frankfurter Allee 48 Jugendl Zutritt Woch. 5, 7. ca 645, Stg. 3, 5. 7, 8.45 U. lOOproz. Tonfilm; Der nnsierbllche Lump mit L. Haid, G. Frölich Beiprogramm Urania TonBIm Varlelt W. 6 45, Stg 5 U. WrangelstraBc II(an d. Köpenicker Str.) Der Frosch mit der Maske Ratten der Grt>b*ta«U— Variete Sternwarte— Treptow Dienst, 25., 8 Uhr; Milchstraße und Nchelwelten Vortrag mit Lichtbildern Dir Dr. Archen hold 26, 8 Uhr: Anf tropischen Fener bergen Vortrag mit Lichtbildern Prof. Dr. Georg Wegener Donnerst, 26, 8 Uhr: Mlltelbolzers Atrikating 1950- Die leichlalhlet. Wetiktmpfe Deutschland— Japan Nordosten «Ely WLS. ■ässm*- Tön. Wochenschau SlUm Prenzlauer Allee 56 5.15,7,9.15, S. 3.15,5, 7.15, 9 15 Uhr Tonposse; Pension Schöller mit Iskob Tledtke Grobe Bübnenschan_ Flora-Lichtsp. Tägl. 6 30, 9, Sonnab. ab 5, Stg ab 3 U. Tonopperette; Die CsIkosbaroneE mit Greil Theimer, Ernst Verebes Der blaue Expreß Originalmusik von Edmund Meise] t Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Beginn der ersten Vorstellungen: Wochentg. 630, Sbd. 5, Stg 3 Uhr Das große lOOproz. Tonlustspiel: Pension Schüller mit Jakob Tledtke, Fritz Kampers Auf der Bühne: J. Fracn, Musical Exentrics Luna-FUmpalast stg.3u: Gr. Frankfurter, Str. 121 Farben-Ton-Revuefilm s Der Jazzkönig mit Paul Whlteman Schwarzer Adler Xiim w Woch. S. 7. 8.45. Stg. 3. 5, 7. 8.45 U. lOOproz. Ton- und Sprechfilm; Mach' mir die Well mm Paradies! Mleky Maos im Urwald Comenius-Lichtspielc Memeler Straße 67 W. 5, 7, 9, S ab 5 U Eros In Ketten mit Maly Oelschait, Anita Denis Ch. ChapUn betratet Concordia-Palast An dreasstr. 64 W. ab 5 U, Stg. ab 3 U. lOOproz. Tonfilm: Das alte Lied mit LH Oagover Sens.-Film: Don Manuel, der Bandit ailiAmhi*A Woch. ab 6 30 Uhr. Ainamora Sonnt ab 4 Uhr Koppenstraße 29 Tonfilm; Der Jazzstogcrm. AI Jolson Der Doppelgänger Bübnenschan H Nou-Licht entsorg Kosmos-Lichtspiele LückstraBe 70 W 5, 7, 9 ü., Stgs. 5, 7. 9 U lOOproz Tonposse: Wien, dn Sladl der Lieder mit CbarL Ander und die große Komikerbesetzung > Frieditemtolcte H Kino Busch sfÄISühf Alt-Friedrichsfelde 3 Beiprogramm Moral am Mitternacht mit C. Horn Mödel ans U. S. A. mit Anny Ondra > Wi eiDensee Schloßpark Film. Bühne Berliner Alice 206— 210 Beiprogramm Tonfilm; Zeppelin 1044 letzte Fabel (Kapitän Halss Liebe) Bühne ■ Worston« aihürnfkrA MOllerstraBe 136, /VinaiTlDra Ecke Seestraße lOOproz. Tonoperette: Die Lindenwirtin mit Küthe Dorsch Beiprogramm, Pharus-Lichlspiele Müllerstr.142 W.5.7.9U lOOproz. Tonfilm: Liebling der Götter mit Emil Jannings, Olga Tcbechowa,- Gr. Beiprogramm Marga-Licfatspiele Schulstraße 29 Wolga-Wolga, Das Heldenlied vom Wolgapiraten Stenka Rasin(12 A.) Hönde hoch I mit Tom Tylar Beiprogramm Prater-Licfatspiel-Palast Kastanienallec 7-8 W. ab 3. Stgs. 3l/3 U. Der Wider spcmB gen ZÖhmung mit Doagla* Fairbanks, Mary Pldrford Leoniines Ehemänner.— Kühnens U. Tonfilminstspiel: Zweimal Hochzeit Kabarett-Revue: Tempo der Zeit Colosseum Schönhauser Allee 123 lOOproz. Tonfilm: Dolly macht Karriere m. Dolly Haas, Alfred Abel Tonbeiprogramm.— Bübnenschan ■ P«ni»ow« Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 6.30, 9, Stg. 4, 6-30, 9 100 proz. Tonoperette: Die Linden« wlrtln mit Käthe Dorsch Beipr.- Bühne: Meistarfonglenr Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 W. 6J0, 9 U., Stg. ab 4 u, lOOproz. Tonfilm: Der große Henny-Porten-Sprechfilm: Skandal am Eva.— Beiprogramm Film-Palast Ätohlnscn Blankenburger Str. 4 So. 21/3 Jgd.-V. Wochig. 6.30, 9 U., So. 4.30, 6.45, 9 U; Tonfilm: Liebling der Götter mit Emil Jannings, Renate Müller Filmpalast Tegel Ähf Stgs. 2 U Jgd.-VorsL W. 6, Stg. 4h- U- Lust. Tonfilmposse; Laubenkolonie mit Kampers, Plcha, Spira Beiprogramm „Kosmos" Filmböhne HauptstraBe 6 Beg. 6 Ubr, 8.30 Uhr lOOproz Tonoperettc; Die drei von der Tankstelle mit LUlan Harvey, Willy Fritsch- Beiprogramm Umon-Thcatcr Hauptstr.3 Stg. 2 Jgd.-V. W 6, 8'/3, Stg. iVi. 6*8. WU U Die Peitsche des Gesetzes, Sensation. Der 15. Geschworene, Kriminalfilm g Mennlgsdorf��k Filmpalast Sta. 4?Ä»*a Berliner Straße 59 Stg. 2u Jug.-VorsL Das grobe ZweL-Schlagcr Pryigrsawrif HrrjUmtf SttaLmifaße Jti[ofi&£tC Wie die Eheberatung hilft Einige Fälle aus der Praxis Seilage Dienstage 25. November 1930 Notverordnung und Geschlechtskrankheiten Von Stadiarzi Dr. med. Drucker Zwei groß« Fortschritte hat das Reichsgesctz zur Bctäinpfung der Geschlechtskrankheiten vom 18. Februar 1927 gebracht: die Aufhebung der polizeilichen Kontrolle der Prosti- tuierten und die Sicherstcllung der Behandlung für alle unbemittelten Geschlecht-kranken. An die Stelle der Reglementierung, die zuletzt nur einen kleinen Teil der Ansteckungs- quellen erfaßte und diesen Bruchteil auch nur unzureichend zu vcr- stopfen vermochte, ist die planmäßige II eberwach ung durch die Gesundhcitsbchörde getreten. Sie erstreckt sich auf all« Personen, die einer Weitervcrbreitung ihrer Geschlechtskrankheit dringend verdächtig find. Es ist das Verdienst der Sozialdemokratie, dasür gesorgt zu haben, daß die Behandlung nicht an der Annut des Kranken scheitert. Die Reiäzstagsfraktion hat in das Gesetz die Bestimmung hineingebracht, daß die ärztliche Versorgung a u f öffentliche Kosten erfolgen muß, wenn Minderbemittelte keinen Anspruch auf anderweitige ärztliche Behandlung haben, oder wenn Versicherte wirtschaftliche Nachteile, wie Entlassung aus dem Dienst- oder Arbeitsverhältnis befürchten, falls sie ihre Krankentasse in Anspruch nehmen. Danach haben die Gemeinden die notwendigen Maßnahmen zur unentgeltlichen Behandlung dieser Geschlechtskranken getroffen. Es geschah im sozialen Geist und ohne Engherzigkeit, wo die Vertreter der Arbeiterschaft ent- scheidenden Einfluß ausüben konnten. So hat die Stadt Berlin eine Reihe von öffentlichen Behandlungsstellen geschaffen, in denen tüchtige Fachärzte ausgezeichnete Arbeit leisten. Di« Geschlechtskrankheiten haben in den letzten Jahren nicht zugenommen. Man hätte wohl ein Anschwellen erwarten dürfen, denn die Geschlechtsvcrhältnisse breitester Schichten sind in der Gegenwart fast so locker und unbeständig wie während des Krieges. Wenn dennoch die Auswirkungen des regellosen Verkehrs sich nicht wie früher bemerkbar machen, hat gewiß auch das neue Gesetz dazu beigetragen. Nun wird der Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten wieder aufs st ä r k st e g e h e in m t. Die Notverordnung aus dem Juli dieses Jahres droht den Nutzen des Gesetzes vom Februar 1927 aufzuheben. Ist damals die Behandlung erleichtert worden, so wird sie jetzt außerordentlich erschwert.'.Man vergegenwärtige sich die Tatsachen, vom denen olle Bestrebungen zur Ein- dämmung der Geschlechtskrankheiten ausgehen müssen: 1. Je früher dfcse Krankheiten behandelt werden, um so schneller können sie beseitigt werden und um so kürzer ist das ansteckende Stadium. 2. Die ersten Krankheitserscheinungen sind unbedeutend, erschrecken nicht, können für harmlos gehalten werde». Das ist gerade der Grund, warum viele die Behandlung aufschieben und den günstig- sten Zeitunkt für eine erfolgreiche Kur verpassen. D i e N.o t- Verordnung begünstigt dieses verhängnisvolle Zögern. Das schlecht entlohnte oder gor auf Arbertskosemmtsr- stützung angewiesene Kossenmitgiied, das SO P f: für den- KräNkcnfchein zahlen muß, wird schwerlich in den ersten Slundcn nach dem Aüsjauchcn leichter Beschwerden zum Arzt laufen, sondern jetzt erst recht in dem bekannten Optimismus einen Tag, zwei Tage und länger warten, ob es nicht von selbst besser wird. Und so mancher, der sich nach langem chin und Her einen Krankenschein gekauft hat, wird nachher im Besitz eines Rezeptes von neuem überlegen, ob er sich die Medizin besorgen soll, denn er muß zu den Kosten der Verordnung noch einmal 29 Pf. bei- steuern� Angehörige müssen sogar die Hälfte der Kosten tragen! Bei?cr Behandlung der Geschlechtskrankheiten spielen Medika- mente eine groß« Roll«. Die Art wie die Konzeiitrotio» der Arznei ändern sich mehrfach, nicht selten muß der Arzt«ine lange Reihe von Monaten hindurch immer neue Verordnungen ausschreiben. Und jedesmal hat der Versicherte einen Zuschuß zu leisten? Es ist mit absoluter Sicherheit vorauszusagen, daß nun häufiger als bis- her die Kur spät begonnen und früh unterbrochen werden wird. Das bedeutet: Verlängerung der Krankheitsdauer, Erschwerung der Heilung, Vergrößerung der An- steckungsgcfahr. Es liegt gewiß im Interesse der Gesellschaft, daß jedem Geschlechtskranken, wie«s§ 2 des Gesetzes tut, die Pflicht auferlegt wird, sich sachgemäß behandeln zu lassen.'Aber dann darf der Staat die Erfüllung der Pflicht nicht mit eincin empfindlichen Geld- opfer verbinden. Die Notverordnung, die Notstände beseitigen soll, wird g e- sundheitliche Notstände in gewaltigem Ausmotz herauf- beschwören. Das scheint auch dem Reichsarbeitsininister zum Bewußtsein gekommen zu sein. Daher hat er nachträglich den Versuch unternommen, die drohenden Folgen abzuschwächen. Es wurde von ihm verfügt, daß die Gebühr für den Krankenschein und die Rszeptverordnung.im Fall echter augenblicklicher Not" gestundet und bei Uneinbringlichkcit niedergeschlqgcn werden kann. Dieses bewegliche Verfahren läßt sich gewiß im einzelnen Fall durchführen, aber wenn ein großer Teil der Versicherten den Antrag auf Stundung oder Befreiung stellt— und er hat dazu ein gutes Recht—, dann entstehen für die Kassenvcrwaltung er- hebliche Schwierigkeit««. Vermutlich hat deswegen der Verband der Berliner Krankenkassen beschlossen, an der Erhebung der Gc- bichr in jedem Falle sestzuhalten. Wenn aber Gefahr im Verzug ist? Soll der Paiient auf die notwendige Behandlung nur darum verzichten, weil kein Kranken- schein zur Stelle ist? Minister Stegerwald antwortet darauf in seinem Erlaß vom 8. Oktober, daß in dringenden Fällen die Krankenhilfe begonnen und der Krankenschein nachher geholt werden kann, und er setzt hinzu:„Als dringender Fall tonn es gelten, wenn die Beratungsstelle einem Geschlechtskranken be- scheinigt, daß er der Behandlung bedürsc." Der Patient soll also zuerst zur Beratungsstelle gehen, sich dort nach all«» Regeln unter- suchen lassen, eine Dringlichkeitsbescheinigung erbitten, dann den Kassenarzt in Anspruch nehmen, sich dort wieder untersuchen lassen, sich darauf in die Apotheke begeben und den Zuschuß zum Medika- ment leisten. Hat der Kassenarzt die Arznei auf einem Privat- rezept oerschrieben, weil di« Kasienzugehärigleit des Patienten nicht außer Zweifel stand, so muß die Verordnung sogar vollständig be- zahlt werden. Ein System, das soviel Einsicht, soviel Geduld, Energie und— Geld beim Patienten vorausgesetzt, ist schlecht. Es gibt nur eine Lösung: Geschlechtskranke müssen von der Gebühr für Krankenschein und Medikament gru nd sä tz- lich befreit werden. Allerdings soll man ihnen allein kein Monopol«inräumen. Das wäre weder zweckmäßig noch begründet. Es ist unser« erste Sprechstunde. Wir warten, der Arzt und ich, — vürd jemand kommen, um sich Rat zu holen? Es klopft an die Tür, nicht ganz leise, nicht sehr laut, dann wird sie rasch gc- öffnet. Eine ältere Frau steht da. sie setzt sich, sie berichtet: Sie ist nicht für sich gekommen. Sie will sich beraten lassen für ihre Tochter.. Die will heiraten, ist nicht allzu kräftig,—„und der Mann ist so hitzig"—, sie wird gewiß alle Jahr ein Kind haben, wenn sie einmal seine Frau ist, meint die Mutter. Da dürfe sie doch die Tochter dem nicht aussetzen. Di« Frau weiß anscheinend nichts davon, daß man, auch wenn man verheiratet ist, dem vorbeugen kann, daß das auf ganz un- gefährliche Weise, die meist eine Sicherung gibt, geschehen kann Sie ist höchst überrascht, als der Arzt ihr das auseinandersetzt.„So etwas gibt es?" fragt sie erstaunt. Ja, dann kann die Tochter ja ruhig heiraten, denn sie hat den Mann doch ticb, und er>st ja auch sonst ein guter Mann, und i n Kind kann sie immer be- kommen", meint die Mutter.. Ü Die zwei haben geheiratet, nach 9 Monaten ist das«ine Kind aekonnnen, die Mutter war neulich da und sägte, die Tochter wisse nun selbst Bescheid, und man werde mit dem zweiten warten, bis die junge Mutter wieder ganz kräftig sei. Aber ein ayderes Mol. Das ist etwas Eigenartiges, etwas, bei dem unser ganzes Mitleid rege wird und doch auch nachher eine Freude. Da sticht uns ein Jüngling auf. Es ist ihm nicht ganz leicht geworden, zu kommen, denn gehen kann er nicht wie andere Leute. Er. hat einen großen und starken Oberkörper, aber die unteren Gliedmaßen eines dreijährigen Kindes, denn er hat, als er drei Jahre alt war,«ine Kinderlähmung gehabt, da ist der Ober- lörper weiter gewachsen, aber die Beine haben nicht mit- gemacht. Im Zimmer bewegt er sich nun fort, auf dem Boden sitzend, mit den Händen rudernd, draußen mit einem Selbstfahrer. Aber er ist ein tapferer Kerl, er hat ein Handwerk gelernt, schneidern, und ist der beste Gesell« bei semem Meister.- Und nun hat ihn ein Mädel liebgewonnen, wirküch und wahrhastig sehr lieb, trotz seines Gebrechens, und sie will ihn heiraten. Aber er macht sich Sorgen, denn er ist gewissenhaft. Darf so ein«r wie er heiraten? Der Arzt- zieht sich mit ihm zurück. Dann kommen sie wieder. Ich sehe an dem glücklichen Gesicht des jungen Mannes, daß seine Besorgnisse z e r st r« u t worden sind. Vor wenig Wochen hat er mir geschrieben, daß er jetzt gc- heiratet hat, daß er so glücklich ist und so dankbar. Er lebt in einem kleineren Ort in der Nähe. Ich Hab« gehört, daß das ganze Dorf sich mit ihm gefreut hat, daß sie zusammen ihm eine Hochze:t ausgerichtet haben, wie noch keine zuvor im Dorf war „____.................*....Ii-.—.___ �i.. Nicht immer ist man so zufrieden. La ist«u« Frau. Li« liebt den Mann/ aber der hat eine alUbUk«. von der_.will er nicht lassen. Sie hat Kinder. Wenn sie sich scheide» läßt, dann muß sie die allein betreuen, dafür fühlt sie sich nicht stark genug, aber so, zwischen den Eltern, zwischen denen doch auch Unfrieden ist, ist es auch nicht das Rechte für die Kinder. Was soll man als das Beste raten? Ich habe mit dem Manne gesprochen. Er sagt, er wird wieder zu seiner Frau zurückkommen: aber nach einiger Zeit kommt die Frau wieder, es ist wieder die alte Geschichte. Eine Das Wohl der Gesamtheit verlangt gebieterisch, daß jeder Der- sicherte, der an einer ansteckenden Krankheit leidet, mag c- Syphilis oder Tuberkulose. Ruhr od«r Diphtherie sein, ärztliche 5zilfc und Arznei erhält, o h.n« daß er einen Sonderbcitrag zu entrichten hat. Wenn die Vorschrift über die Krankenscheingebühr und die Beteiligung an den Heilinittelkosten nicht bald gänzlich verschwindet, dann muß sie mindestens für alle ansteckenden Kranken außer Kraft gesetzt werden. Hier st«ht nicht nur die Gesundheit des einzelnen, sondern die der Ge- nieinschaft auf dem Spiel. Bis dahin müssen die Gemeinden das schlimmste Unheil abwenden. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Geschlechts- kranke, die ihre Kasse nicht in Anspruch nehmen können, weil ihnen tatsächlich die Mittel für Krankenschein und Arznei fehlen, wie Minderbemittelte in den städtischen Einrichtungen aus ö f s e n t- liche Kosten zu behandeln. Gewiß werden jetzt schon die Städte von ihren sozialen Pflichten fast erdrückt: sie haben daher keine Veranlassung, die Bersicherungsträger zu entlasten. Aber es be- deutet wahrhaftig keine Ersparnis, wenn mittellose Geschlechtskranke von den städtischen Beratungs- und Behandlungsstellcn abgewiesen werden, weil sie nach den Buchstaben des Gesetzes zur Kranken- lasse gehören. Sie können in Wirklichkeit deren Leistungen doch nicht in Anspruch nehmen, sie sind hilfsbedürftig, und Hilst ihnen jetzt nicht die Stadt, dann muß sie es später unter Aufwendung viel größerer Mittel doch tun, wenn das Leiden fortgeschritten ist, Krankenhausbehandlung und Arbeitsunfähigkeit verursacht, oder wenn andere, auä) Nichtv«rsicherte von dem unzulänglich BeHandel- ten angesteckt worden sind. Sowohl vom sozialen, wie vom finan- ziellen Standpunkt fällt hier der Gemeinde«ine unabweisbare Aufgabe zu._ Webe�not und kein Ende Das Elend der Textilarbeiter, dessen schon Goethe gedenkt, das in den vierziger Jahren feinen grausigen, von großen Dichtern verewigten Höhepunkt erreichte, l«bt h«ute, in der Zeit des ratio- nalisicrendcn Hochkapitalismus, noch immer, wenig gemildert, weiter. Was ab«r den Opfern der Ausbeutung in vergangenen Zeiten ver- sagt war: ihre Leiden in Worte zu fassen, das ist heute zahlreichen Angehörigen des Proletariats gegeben. So zeigt sich, neben manchen sozialen Errungenschaften, vornehmlich ein kultureller Aufstieg, Aus- druck erhöhter Schulbildung und vor all«m«ine Frucht der Arbeiter- beoxgung. Der Textilarbeiter- Verband, der schon so manchen wichtigen Beitrag zur. Erkenntnis des proletarischen und vornehmlich-des Arbeiterinnenschicksals geliefert hat. gibt in den 129 Briefen, die er in einem Buch zusammengefaßt verösfenilicht (Mein Arbeitstag— mein Wochenende. 150 Berichte von Textilarbeiterinnen, gesammelt und herausgegeben vom Ar- Scheidung wäre doch das Richtige, um dem unerträgliche« häuslichen Elend ein Ende zu machen. Aber, so sagt die Frau, d«r Mann sei ja Beamter, und wenn sie geschieden ist und er sich wieder verheiratet, dann hat sie, wenn er stirbt, keinen Anspruch auf di« Pensum, dann bekommt die die zwefte Frau. Und sie selbst ist doch arm und braucht einmal die Pension. So schleppen die zwei ihr Elend weiter und die Kinder wachsen dazwischen auf. -i- Ein zorniger junger Arbeiter aus einem Dorfe kommt. Er hat eine Braut gehabt. Die erwartet ein Kind von ihm. Sie ist in Stellung in der Stadt. Sie wollten heiraten, aber dos Mädchen will ihn jetzt nicht mehr, so schreit er wütend. seit sie bei einer Tanzem einen bösen Streit gehabt Hadem Und c r läßt sich nicht so blamieren, daß er ein uneheliches Kind hat und dann auch noch Alimente zahlen muß. Wir denken uns. das Mädchen muß einen Grund haben, denn einen anderen Kerl hat sie nicht, sagt er, und er selbst hat auch sein sicher«? Brot. Er will, ich soll mit dem Mädchen sprechen, daß sie ihn nimmt. Ich habe das Mädchen aufgesucht. Ich finde ein sehr sym- pathisches Mädchen, die im Beginn der zwanziger Jahre steht. Sie fagt mir, der Mann habe sich unerhört roh ihr gegenüber benommen.„Das kann keine gute Ehe werden. niemals", sagt sie,„und ich habe«ine Schwester, die unglücklich verheiratet ist, ich weiß, was das bedeutet. Ich bin stark genug, mein Kind allein ordentlich groß zu machen." Das Mädchen ficht gut und klug aus, spricht wie jemand, der sich feiner Verantwortung voll bewußt ist. Zu dieser Heirat kann man wirNich nicht zureden, doch wird sie die Sache noch einmal mit ihren Eltern durchsprechen. Dann höre ich, daß die gern das Kind zu sich nehmen wollen, daß sie selbst ihre Stelle weiter behält nach der Entbindung, sie hat dem Manne endgültig nein ge- sagt, er wird nun doch die Alimente zahlen müssen. * Zwei nicht ganz junge Eheleute komnien. Sie könn«n sich nicht einigen, wir sollen schlichten und raten. Eine eben erwachsene Tochter, mit der die Mutter nicht fertig wird.„Es ist doch ein Arbeiterhaushalt! Da ist das Mädel dazu da, daß sie mir hilft!" Aber das Mädel hat andere Wünsche, möchte etwas lernen, möchte von Haus fort, aus der Wohnungsenge heraus. Wir sehen bald, daß beide Eltern sehr erregbare Menschen sind, an der Grenze des Pathologisch«!, die Mutter, auch die erwähnte Tochter scheint belastet. Jedenfalls wird fi« bei dieser err«gtcn Mutter nicht zu einem gesunden Ausgleich kommen in diesen schwierigen Entwicklungsjahren. Wir sehen uns auch die Tochter an. dann raten' wir und Helfen, daß sie rn« i n e m H eim unentgeltlich Aufnahme findet, in dem sie eine Berufs» ausbikdüiig für einen praktischen Beruf erhält, sie ist jetzt seit einem Jahr dort. Auch dort geht es nicht ganz ohne Schwierigkeiten ob, aber man sieht von Tag zu Tag Fortschritte, und das Mädchen«ird «in tüchtiger Mensch werden. Die Eltern vertragen sich seitdem. Auch die Mutter hat begriffen, daß man mit jungen Menschen in den Entwicklungsjahren verständnisvoll umg«hen muh und möglichst ruhig. Bei der zweiten Tochter wird sie es wohl besser machen. Menschenschickfale in Freud' und Leid! Henni Lehmaiw. beiterinnensekretariat des Deutschen Textilarbeiter-Verbandcs. Berlin, Verlag Textilpraxis. 2Zl Seiten), tiefe Einblicke in das Leben der Fabrikarbeiterin. Von der früher alles beherrschenden Hausindustrie ist hier nicht mehr die Rede. So mannigfach auch diese Briefe, die'sich an das modische Schlagwort vom Wochenende anlehnen, nach Ort, Arbeitsart und persönlichen Umständen sind, so übereinstimmend ist doch un großen das Gesamtbild: das alte Lied, das alte Leid von überlang««, noch lange nicht überall achtstündiger, dabei heut« Vielau strengen- derer Arbeit und von unzulänglichem Verdienst. Gibt es bei den ledigen Mädchen noch manchmal ein versöhnendes Bild, in dem die Kulturarbeit der Organisationen und das neu« Gemeinschaftsleben des Jungproletariats zum Ausdruck kommt, so wird eo dunkler in der Ehe und zumeist trostlos bei kinderreichen oder irgendwie leidenden Müttern. In unbegrenzter,'oft bis weit über 12 Stunden ansteigender Arbeitszeit lastet das Doppeljoch von Lohnarbeit und häuslicher Arbeit. Wie ein Hohn auf das„Wochen- ende" klingt das immer wiederkehrende Lied von der große n Wäsche, di« den Sonnabend und Sonntag ausfüllt. Welche Erleichterung wäre hier schon esne modern« Zentralwäscherei an jedem Ort! Die Errungenfchasten der republikanischen Sozialpolitik: geregelte Fabrikzeit, Betriebsräte, oerbesserte Sozialgesetzgebung, die Leistungen der gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Selbst- Hilfe kommen wohl zur Geltung. Aber das alles gibt doch nur einig« freundlichere Töne dem alten, ewig grau getönten Bild des Prolctarierdafeins, aus d«m sich der Ruf nach einer besseren, nicht nur"' im Betriebsintcresse zweckmäßiger gestalteten und gerechteren Gesellschaftsordnung immer neu ergibt. Manches Stück Besserung ließe sich freilich schon heute durch zweckvolle Gemeinde- und Selbst- Hilfeeinrichtungen schaffen. Wieviel wäre es schon wert, wenn lvcnigftens in der klassenbewußten Arbeiterschaft das vielgebrauchte Wort von der Gleichberechtigung der Frau mehr zur Wahrheit würde. Wenn die alte Forderung vom gleichen Lohn für gleich« Arbeit verwirklicht würde. Wenn die m ä n n- l i ch e n Familienmitglieder nicht so felbstoorständlich den ebenso von der Erwerbsarbeit verbrauchten weiblichen noch die ganze Last der Haushaltsgeschästs aufbürdeten. Da und dort ist hier schon inanchcs besser geworden, aber eben nur da und dort! Dabei dürfen wir nie vergessen, daß diese großenteils schrift- gewandt««, oft mannigfach« Funktionen in der Bewegung bekleiden- de« Arbeiterinnen sicher nicht di« allerärmsten sind. Eher stehen sie auf einer oberen Sprosse der Proletarierlett«r. Wir müssen uns das Spinner- und Weberelend im Durchschnitt noch schlimmer denken. So gibt die Sammlung, die b«i allem Trüben doch auch«in hohes Lied auf den Segen der Organisation ist, viel zu denken. Wer Leb?» und Leiden der proletarischen Frau kennen will, muß das Buch I-'i'»!. Simon Katrenstem. Was geschieht im Arbeitersport? Gewesenes und Kommendes Rennfahrers Wintertraining 2>ie bundcstreucn Rennfahrer des Arbeiter-Rad- inid Kroftfvhrer�Bundcs S olidarität haben«ine in sportlicher Be- Ziehung höchst erfolgreiche Saison hinter sich: Zwölf Straßenrennen und elf Bahnrennen gaben den Mitgliedern die erwünschte Gelegen- hcch ihre Kräfte im friedlichen Wettkampf zn nicssen, und aüch bei den großen Arbeitersportfestcn bildeten die Radrennen der Bundes- . treuen Ken Mittelpunkt aller Veronftaltungen. Mit dem Einzug des Winters verschwinden die Männer der Pedale von den Chausseen und Rennbahnen: jetzt setzt das Winter- troining ein, das in den Hallen abgehalten wird. Ausgehend von den Grundgedanken, das nicht allein die Beine, sondern auch Haut, Herz und Lunge für die Erfordernisse des Radrennsports gekräftigt «erden müssen, hat jetzt die Rennfahrerabtciluiig Bcrlin-Mitte Bäke- abende und Hallcntraining eingerichtet. Jeden Montag, 20 Uhr, ist für die Mitglieder Bodeabend in der Badeanstalt Gartenstraße, wo auch kostenlos SchwiNimunterricht erteilt wird. Neue Mitglieder «erden dort ausgenommen. Jeden Donnerstag, WA Uhr, findet das Hollentrainiug statt in der Turnhalle Käpenicker Str. 12ö, wo auf Trainingsapparatcn die Rennfahrer ihre Ausbildung erhalten. Alle Trainingsabendc stehen unter sachverständiger Leitung. Die Beiträge m Solidarität sind so niedrig geholten, daß sie den geringen Einkommen der Arbeiterschaft angepaßt sind: so beträgt der Viertel- jahrcsbeitrag für Jugendliche bis 18 Jahre 75 Pf., über 18 Jahre 3,20 M. Es ist somit allen Freunde» des Radrcnnsports und allen Rennfahrern, insbesanders den Anfängern, die gern Radrennen fahren wollen, dwr beste Gelegenheit geboten zur Zlusübung des Radrennsports. hehrstunde im 4. Bezirk Erfreulicherweise war die Lehrstunde, die für die Kinder- leiter der Südgruppc im 1. Kreis des Arbeiter-Turn- und Sport- bundes in Jüterbog stattfand, gut besucht. Dietzel, Kuhle und Kühn-Luckenwalde brachten neue Anregungen für das Kinderturnen in ollen seinen Arten. Eine» weiten Raum nghni die Gymnastik mit und ohne Musik ein, und das Kapitel„Aufbau von Festgruppen" gab allen Gelegenheit, leicht ausführbare Festübungcn selbst zu- sammenzustellen. Singspiele, reizend und drollig, beendeten den praktischen Teil der Lchrswndc. In der Rachmittogssitzung rescrierte Lehrer Kühn-Luckenwalde über Turnen mit Kindern. Der Referent gliederte das Lebensalter des Kindes in verschiedene Zeitabschnitte der Schulzeit. Das Leit- motiv des Kinderleitcrs soll immer sein: Jeden Uebungsstoff in leicht faßlicher Forni bringen, keine schwierigen Hebungen, aber dafür flottes, lebhaftes lieben, so daß Freude und Leben alle Teilnehmer beherrscht. Nach verschiedenen Mitteilungen geschäftlicher Art wurden noch | folgende Termine für die Kinderleiter l>ekaiintgegebcn: 3. bis 4 Januar 1031 Lchrstundc der Nord- und Ostgruppe in Zossen lMeldungen bis 5. Dezember an Otto Schiftou, Berlin-Britz. Rungiusstr. 32); 14. bis 13. Februar 1031 Bezirkslehrstunde in Luckenwalde: 1. März Krcislehrstunde in Berlin. Auf den Welt- k.indertag am 10. Juli 1031 als Auftakt zur Olympiade wurde besonders hingewiesen. Als Gruppcnkinderlciter der Südgruppe ist auch im nächsten Jahre Oskar Dietzel, Luckcmvalde,. Franz- Schubert- Straße t. tätig. At bciicr'Sdiadispiclcr! Der Aniängcrkursus für die Arbeiterjugend des Berliner Ostens Hot begonnen und wird jeden Montag, 20 Uhr, im Jugendheim, Ebertystraße 12, fortgesetzt. Die Abteilung Neukölln der „Freien Strbeiter-Schachvereinigung Groß-Bcrlin" verlegt ihren Cpielabcnd van Donnerstag auf Freitag. Nächster Spielabend, Freitag, 28. November, bei Grimm, Boddinstraße 10. Um auch den Anhängern des Schachspiels, die werktags vorhindert sind, Gelegen- heit zun> Spiel zu geben, führen die Abteilungen Treptow und O st c n jeden Sonntags ab 10 Uhr vormittags den freien Schach- verkehr ein: Treptow bei Dähling. Elsenstraßc 100, Ecke Kiefholz- straße: Osten bei Neuyiann, Gubener Straße 13. Gäste und Teil- nehmer überall willkommen. Kampf— unser �Veg, Frohsinn— unser Ziel! Unter diesen, Motto findet die diesjährige Hsrbstfeier der FTGB.- B c z i r k e Neukölln-Britz und Süden am Sonntag, 30. November, im großen Saal der Neuen Welt, Hasen- Heide statt. Ein« große Bühnenschau in 10 bunten Bildern wird alle Gebiete der Arbeitertnrn- und Sportbewegung streifen. Alle Vorführungen werden musikalisch' umrahmt von einer ausgezeich- neten Kapelle. Beginn der Veranstaltung 10 Uhr, Einlaß 15 Uhr. Eintrittskarten für Kinder 20 Pf.. Jugendliche 00 Pf, Erwachsene 1 M., erhältlich in der FTGB.-Geschästsstelle, Lichtenbergcr Straße 3, Bundesfiliale, Königsberger Straße 0: in den Vorwärts j Expeditionen im Süden und Neukölln-Britz: ferner an den stän- � digen Uebungsobendcn:' Gncisenaustraße 7(Dienstag): Böckh- l straße 17/20(Dienstag, Mittwoch, Donnerstag. Freitag): Neukölln: Kaiscr-Fricdrich-Strahc 4(Dienstag): Berliner Straße 10(Donnerstag): Lessingstraße 38(Dienstag, Mittwoch. Freitag): Donau- straße 120(Donnerstag): in Britz: Chausseeftraßc 137(Mittwocy, Donnerstag), Huseiscnhallc, Fritz-Rcuter-Ring(Dienstag). Oesterreichs neue Deister im Heben und Ringen Bei dem derzeitigen großartigen Können der österreichischen 'ArbeiteratHleten bestand kein Zweifel, dos auch diesmal wieder bei den Kämpfen um die österreichischen Verbandsnieister- s ch a s t e n einigen alten Rekorden der Garaus gemacht würde. Und der Erfolg: Acht neue Bestleistungen, ein Bundesrekord und sieben internationale Rekorde wurden erzielt, die er- neut die groß« internationale Klasse der Vakö-Athleten beweisen. Lai�iesmcister im Stemmen wurde im Bantamgewicht: Stöckl (Gcwwerk) mit 200 Kilo: Federgewicht: Oswald(Heros) 282,30 Kilo; Leichtgewicht: Wnstinger(Stammersdorf) 201,30 Kilo: Mittel-. X- Gewicht: Hallcr(Wien-West) 339 Kilo: Mittel-k!-Gewicht: Schuster (Wien-West) 327,3 Kilo; Schwergewicht: Leppelk(Wien-West) 340 Kilo. Internationale Höchstleistungen stellten auf im Federgewicht: Julius Lejolle(Wieland-Flörl), rechts Reißen. 32,50 Kilo(alier Rekord 50 Kilo): Federgewicht: Walter Struharik (Gaswirt 8), beidarmig Reißen, 87,50(85), frei Stoßen, 117,50(109); Mittel-.X-Gewicht: Fritz Halalwstr. j:..Koran, Talmud. Bibel'.— Ad!. Sumbaldthain! L-Müstrdnir. 1:„Praletarischc■JBcItaiiW.ouuiia".— Ab'. Eildost. Iuaondciruupc: Wranaelstr. 128:..Arbeiter-Turn- und-Svortbeweaunq'. — Naturkundliche Abt.! Johannisstr. iö:..Pil«i>ifnahmen".— 2». November. JO Uhr. 3u(\cr.dqrui)Pc Osten' Tranlsurier Alle« 307:„Sermlle Traarn".—~d onrmctnfchoft Abi. Mitte: Johannisstr. tö.— Tonne, s-on. 27 November. 20 Uhr. Abt. Lichtender«:»unterste. 44: MltlZlidderversaw.n- Inm.— Ab! Lichtenrade: 19'.. Uhr bei Tehlam. Bahnhof. Ecke»olhstrav: „EnihiMte»cWjichlsIüflcii"(Tr.-ffi. Mener).— T°'°aemeinschaft Abt Nord:n: Bant- Ecke Wiesens,«che:..Die Bdotopiaite" iStreiüiinel.— Streichorchesttr: Bei Weihenberaer. greiliarathftr 9. vorn I Tr. rechts, 19—21 Uhr.— Mando linenorchestcr: Johannisstr. lä. 19—21 Uhr.— Abt. Prenzlauer Ber«: B-nziqe- ertaste f.2, Baracke II:„»eoioqie"«Mener).— Lüdwest: Borckstr. 11:,„Lonne:- taqe im Sochstebirae"«Lichtbiider).— Abt. Neuliilln: Berastr. 29: Se, lerer Abend' Spirster".- Abt. Tieraorten: Lehrter Str. 18—19:»elchäfttiches.— Ab! Spandau: Lindenufrr>.— Abt.«eistensee: Pistariusstr. 24. SS®»., Srritörperlultnrbezirl. Tienstaa. 23. Nouember. 19>„ Uhr.«eil». alrend der Iuhendaruvve Moabit.' Watdcnserslr. 21. Mittwach. 20 Uhr. Nack. badeabend im Siodtbad Ererjchtst.aste. Rnder. und Kanuverein 4924. e.». Bereinssistuna Mittwoch. 28. Noven:. ber. 1944 Uhr. im Sporthaus. Dircksenstr. l. Mitaliedrr werden anfamomm-n. Jeden Mittwoch Badeabend im Stadtbad Mitte,«Sartcnstraste. l9!o Uhr. Säfte willtammen. 1., ASS., seockeyabteiluna. Sibunq Mittwoch. 2«. November, 2» Uhe. bei Iuschtat. Sollet. Else öohenlohestrastc.»äste willlommen. Ein Zahr als Auslauschlehrer in ParlS. Im Rahnlen der Der- austallungen der Jugcudarbeitsgemeinschast für Menschenreche spricht am Donncrslag, den 27. November. 1914 Uhr, in den Räumen der Deutschen Liga für Menschenrechte. Monbijouplatz Ii». Eingang 1, 3 Tr.. Studienrat Dr. Mar Krüger über seine<•:- Aüstauschlehrcr in Paris«mpfaugenen Eindrücke. Jugendüche a/s Gäste willkommen. Bronnens Schauspiel„Reparolionen" war von den Bizrnowiski- Bühnen zur Ausführung angenommen. Jetzt weigern sich die Bühnen, das Stück zu geben, weil Bronnen durch seine neuesten Vcräfsentlichnnqen und durch sein Austreten bei Thomos Manns Ansprache im Bcethovensaal seine Vortragsfähigkett entwertet habe. Wetter für Berlin: Wechselnd wolkig ohne erhebliche Nieder- schlüge, leichte Temperoturrückgänge.— Für Deutschland: Uebercll etwas'Abkühlung, im Nordosten mäßige Niederschläge, im übrigen Reiche leichte Besserung. pr. Cello Horn. Dienstag, 25. November. Berlin. 16.05 1. Chopin: Ballade F-Dur.— 2. Chopi/i-Liszt: Chrfnt-Polonais.— 3. Weiß, a) Walser, b) Interinczzo, op. 1.— Liszt; Rhapsodie Nr. 14. (Prof. Josef Weiß, Flügel.) 16.30 Entwicklung des Hockey-Sports.(Bruno Boche.) 17.00 Taur-Te�-Musik. 18.00 Bücherstande.„Bücher zur JusendbcwcEun«.'* Am Mikrophon: H. Grundcl. 18.30 Waldemar von Bauszncrn. Quintett für Violine. Klarinette. Horn. und KJavicr.(v. Szpanowski, Violine. Schräder, Klarinette. Seide, Berber, Cello und der Komponist, Flügel.) 19.00 Heiteres udd Nachdenkliches aus Oesterreich.(Käthe von Outtminn.) 19.30 Unterhaltungsmusik. 20.30-Wovon man spricht. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Anton Bruckner. Sinfonie Nr, S. C-Moll.(Funkorchcstcr. Dir.: Gcneral- . niuSikdircktor Prof, Fran� Schalk.) 22.15 Dr. Räuscher: Politische Zeitungsschau. Anschlicßcnd: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Konigswustcrhausen. 16.00 Ministerialrat Richert: Die neue"Schutordnung. 16.30 Leipzig: Konzert. 17.30 Mersmann: Neue Musik. 18.00 Dr. Schuck; Das Kolonialmandat. 18.30 Dr. Hellpach: Jenseitsglaube und Diesseitsethik. 19.00 Müller-Jabusch:v Weltpolitische Stunde. 19.25 Ministerialdirigent Dr. Haentzschel und Dr. Ai Richhardt: Grenzen der pol. Betätigung des Beamten.. 20.00 Köln: Gespenster überall... Bin Traktat für Kleingläubige. abend R. Rieth.) D«s schönste Deihnachtsgeschenf ist ein Piano. Beim Kauf eines Pianos kommt die s?irma Philipp Link. Brunnenstr. Berlin N.. in Befrackt, deren Pianos in ciocncr Fabrik unter Leitung des Herrn Philipp Link. früheren lau ajährigen Techniker bei C. Beckstein, heraestcll» werd'n. Gas die Linkschon Pianos besonders aus�eicknet. ist die sorafältiaste PerarbeituNF und aroße Tonfülle. Tie Fabrikate der Tirma Link sind von 850,-- bis 1300,- erhältuck.\ Plaza-Preisausschreiben. rSÄ Ötcalouec Pia» 3� H. �ewiig, güouer ctach« gnjyijnff,«appw»«»: s& (Vortrags-