Morgenausgabe Oonnersiag Wöch-nmch St!vs. V. W W W W W W mr �. Auswärts 1>f. t�vorau-z-hld� P°,tbtzug««m� W W W W W WWW W W �! einschließlich S0 Pfg.Postzeituag». und I H WD M) WD DD DI W D» // �W 72 Pfg Postbestellgebühren. Ausland-- MMzWr � WM SW>W DD WK M W?«W M DD MS/ I'ie einspaltige Nonpareillezrile obonnement S.— M pro Monat- W�W Ii DH WM DD aM BS DD-> Wl WD ÄL«0 Pfennig. Retlame�eile S,— Reichs. ▼�Wg I| BQ W �rn■ �M DI DD„Kleine Anzeigen' das ettgp. ._,.... �WD I DW W �W. Wi druttte Wort 2S Pfennig(zulässig zwei Der«Vorwärts erscheint wochentäg» �D I BH DD �Bl BB\ settoedruckte Worte), jedes weitere Wort Nch zweimal. Sonntag» und Montags �W I WM I �D �D 12 Pfennig. Stellengesuche das erste einmal, die Abendausgaben für Derun ��U�I // �D Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort und im Handel mit dem Titel.D« ��M�/' MWM> 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben Abend". Illustrierte Beilagen.Boll �W/ zählen für zwei Worte. Arbeitsmortt und Zeit" und. Kinderfreuno". Ferner � � Zeile S0 Pfennig. Familienanzeigen Zeile .Frauenstimme". �Technik",.Blick w � � a a ÄME' � t�S �Äa MM' 4l) Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt» bit*a*�ä%ü£rM' IPryiltlrv 3?Olw9Pl0ll srid'äft Jeutralorgan de« Sozialdemokratischen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönbofs 232—297 Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Recht, nicht Gewalt! Gegen Brunnenvergifter und Brandstifter diesseits und jenseits! Schon am 18. November ist die deutsche Reichsregierung an dieser Stelle aufgefordert worden, sich der unterdrückten und mißhandelten deutschen Minderheit in Ostoberschlesien anzunehmen. An jenem Tage war hier zu lesen: Wir erwarten die Unterstützung der gesamten deutschen Presse, wenn wir heute von der Reichsregierung fordern, daß sie die poli- tische Entrechtung der Deutschen in Ostoberschlesien vor dem Forirm des Völkerbund sratcs zur Sprache bringt. Dazu ist sie berechtigt und verpflichtet, denn die Entente hat seinerzeit der Abtretung deutschsprachiger Vollsteile an Polen nur unter der Bs- dingung eines besonderen Minoritötenschutzes zugestimmt. Dieser Schutz ist soeben gröblich verletzt worden. Ganz in der Richtung der von uns geforderten Aktipn scheint uns eine Interpellation des Zentrums zu liegen, die soeben von Herrn Ulitzka im Reichstag eingebracht worden ist. Sie lautet: „In den letzten Wochen hat die Hetze polnischer Kreise gegen die deutschen Minderheiten in Ostoberschlesien in erschreckendem Maße zugenommen und sich zu unerhörten Ter» rorakten gesteigert, ohne daß wirksame Gegenmaßnahmen der polnischen Regierung sichtbar geworden sind. Die Bedrängnis der bedrohten deutschen Minderheiten ist bis zum äußersten gestiegen und die Empörung über das Verhalten Potens gegen Deutsche, das eine schwere Vergewaltigung dvs Naturrechts und ein« Ver» letzung der durch Vertrage verbrieften Rechte in sich schließt, ist im deutschen Volke ungeheuer groß. Wir fragen die deutsche Reichsregierung an, was sie gegenüber den oben erwähnten Vorgängen unternommen hat bzw. noch zu tun gedenkt, um dem schwer oerletzten deutschen Volkstum Genugtuung zu verschaffen und der Vergewaltigung der deutschen Minderheit in Polen vorzubeugen. Man kann von dieser Zentrums-Jnterpellation sagen, daß sie in Ton und Inhalt das R i ch t i g e trifft. Der Schritt. den sie verlangt, kann nach der gegebenen völkerrechtlichen Situation eben nur ein Schritt beim Völkerbund sein. Wenn die deutsche Regierung die Sache der unterdrückten Deutschen Ostoberschlefiens vor dem Forum der Welt so nachdrücklich und wirksam wie nur möglich vertritt, wird sie dabei alle besonnenen und rechtliebenden Elemente des deutschen Volkes hinter sich haben. Mit Recht hebt die Interpellation auch hervor, daß die Erregung über die Vorgänge in Ostoberschlesien sehr groß ist. Um diese Erregung zu begreifen, müssen sich die Polen nur ihrer eigenen Vergangenheit erinnern. Das Un- recht, das ihnen in einem der drei Aufteilungsgebiete widerfuhr, haben sie in den anderen Gebieten mitempfunden — und so können eben auch die Deutschen diesseits der Grenze nicht gleichgüllig bleiben gegenüber dem, was den Deutschen jenseits der Grenze widerfährt. Ausgabe aller verantwortlicher Politiker ist es, dafür zu sorgen, daß in der berechtigten Erregung d i e Ver- n u n f t nicht untergeht. Schon machen sich in manchen Kreisen Anzeichen eines gemeingefährlichen Irr- s i n n s bemerkbar. Einige Zeitungen, denen die deutsche Wirtschaft offenbar noch viel zu gut geht, und die meinen, daß wir noch viel zu viel Kredit im Ausland haben, schwätzen von einem bevorstehenden Krieg! Akademische Helden- jünglinge werfen sich in die Brust und deklamieren von einem„Einsetzen des Heeres zur Verteidigung des Reiches". So der Deutsche Hochschulring, die Deutschnationale Stu- dentenschaft, der Nationalsozialistische Studentenbund, der Stahlhelm-Studentenring. Ein deutschnationales Blatt in Oppeln will deutsches Reichsgebiet„von asiatischen 5)orden befreien". Und die Nationalsozialisten bringen im Reichstag einen Antrag ein, ein besonderes 100 OOO-Mann-Heer„zur Abwehr polnischer Uebergriffe längs der deutsch-polnischen Grenze aufzustellen". Das alles ist Irrsinn und Ausnutzung von Irrsinn zu Parteizwecken. Die Mißhandlungen, die den Deutschen in Ostober- schlesien widerfuhren und die mittlerweile eingestellt worden sind, waren allerdings so schlimm, daß sie mit den schlimmsten Vorgängen in Südtirol verglichen werden können. Wir bekämpfen die Unterdrückung hier wie dort. Aber bei denen, die zu Mussolini wallfahrten, scheint uns die Entrüstung über P i l s u d s k i nicht ganz echt. Auch können wir uns nicht in gleichen Gefühlen mit jenen oereinigen, die nur dann ent- rüstet sind, wenn andere prügeln und Fenster einwerfen. Solche./»statische Horden"— die sich selber für urgermanisch Vorwäris-Verlaa G. m. b. H. Der Reichskanzler empfing am Mittwoch die sozialdemo- kratischen Abgeordneten Dr. B r e i t s ch e i d, Dr. H i l f e r» ding und Dr. Hertz zwecks Fortsetzung der am Montag begonnenen Besprechungen über die Abänderung der Not- Verordnung vom 26. Juli und des Finanzprogramms der Regierung. Die Besprechungen wurden noch nicht ab- geschlossen. Sie werden voraussichtlich am Donnerstag fortgesetzt und zu Ende geführt werdem Im Verlauf der bisher mit der Sozialdemokratie ge- führten Besprechungen ließ die Regierung den ernsten Willen zurDurchsetzungihresFinanzprogrammsauf parlamentarischem Wege erkennen. Der Vor st and der sozialdemokratischen ausgeben— trifft man leider auf deutschem Kulturboden allzu häufig. Wir halten es also für unsere Pflicht und Schuldigkeit, meilenweit von denen abzurücken und die- jenigen als Schädlinge zu brandmarken, die die ekel- erregenden Prügeleien in Ostoberschlesien zu einer mörderi- schen Prügelei im Weltmaßstab erweitern möchten. Diesem Treiben fehlt zwar die Kraft, den Weltfrieden Postscheckkonto: Berlin 37 536,— Bankkonto: Bank der A rbcitcr, A»gestellten und Beamten, 2lndenstr.Z,Dt.B.u.Dlsc,-Ges.,Deposit«lck.,Jerusalemer Str. 65/66. Reichstagsfraktion wird sich am Donnerstag mit der politisch, parlamentarischen Lage befassen. Das Reichskabinett berät. Oie Protestnote gegen die polnischen Terrorakte. Das Reichskabinett trat am Mittwoch abend um KS Uhr zu einer Sitzung zusammen, in der die deutsch« Rote au den Völker- bund wegen der Terrorakte gegen die deutsche Minderheit in Ober- schlesien besprochen wurde. Der Rote liegt das umfangreiche Materiol zugrunde, da» der deutsche Generalkonsul von Grünau der Reich»- regierung übermittelt hat. Auch über die Frage, ob eine außer- ordentliche Ratstagung verlangt werden soll, wurde beraten. Das Ergebnis liegt bei Redaktionsschluß noch nicht vor. ernstlich zu gefährden, aber es ist geeignet, die Sache des deutschen Volkes und insbesondere auch die Aktion Deutsch- lands beim Völkerbund aufs schwerste zu schädigen. Wer dem deutschen Volke ehrlich dienen will, der kann mit Brunnenvergiftern und Brandstiftern, auf welcher Seite der Grenze sie immer sich befinden mögen, nichts zu tun haben wollen. Besprechungen mit Brüning Noch nicht abgeschloffen.- Heute Fortsetzung. Oie Affäre Oberschlefien. Warschauer Weißwaschung. Warschau. 26 November. Das polnische Innenministerium hat der amtlichen polnischen Telegraphenagentur folgende Darstellung der letzten Ereignisi« in PoMisch-Oberschlestcn gegeben.(Unterstreichungen von uns gemacht. Red. d.„V.".) Die Behörden haben Riche und Wa hlsicherheit sowohl in der Dorwahlperiod� wie auch am Tage der Wahl zum Senat und zum schlesischen Sejm gewährleistet. Die Ruhe wurde nur in einigen Ortschaften wegen allzu lebhaspir Wahlagita- tion gestört. Am erheblichsten ist der ruhige Wahloerlauf durch herausforderndes Auftreten des schon seit einer Reche Polizeisunktwnär Schnapka im Augenblick, da er seiner Dienstpflicht >»ach kam, ermordet wurde. Ueberdies sind noch drei polnische Bürger deutscher Rationalität geschlagen und einige Lokale in Hohenbirken zerstört worden. Endlich ist der polnisch« Arbeiter Stellmach in Nowywjes getötet worden. Entgegen den tendenziös verbreiteten Nachrichten hat kein polnischer Bürger deutscher Nationalität das Leben verloren. Auch kam es mit Ausnahme der oben genannten Fälle zu keinen ernst- lichen, den Wahlverlauf störenden Zwischenfällen. In allen fest- gestellten Fällen einer Ruhestörung ist eine sofortige Untersuchung eingeleitet worden, sowohl gegenüber den Ruhestörern als auch gegenüber den Behörden, denen es obliegt, die Ruhe zu sichern. Bis zum gegenwärtigen Augenblick wurden im Zusammenhang mit »lesen Zwischenfällen schon mehrere Personen verhastet. Unab- hängig davon führen die Polizeibehörden in einigen geringfügigeren Vorfallen wie Einschlagen von Scheiben, Schlägereien bei Ver- saminlungen usw. Untersuchungen, um die Schuldigen zu entdecken und zu bestrafen. Bei dieser Gelegenheit kann die Feststellung nicht umgongen werden, daß die Aufgab« der Behörden durch einen verleumderischen Zeld- jug gewisser Organe der Auslandspresse planmäßig erschwert wird, die es sich augenscheinlich zum Ziel gesetzt haben, zwischen Deutschland und Polen ständig zu Hetzen und sogar die allerkleinsten Zwischenfälle zum vchaden des friedlichen Zusammenlebens der dortigen(ostoberschlesischen) Bevölkerung ins ungeheuerste zu ver- große rn. Gleichzeitig kann man nicht umhin, die Aufmerksamkeit auf die Tatsache zu lenken, daß die polnische Bevölkerung seit einer gewissen Zeit alarmiert ist durch d'e revisionistische Kampagne gewisser deutscher Faktoren sowie durch die Nachrichten über das Schicksal der polnischen Bevölkerung j c n- se i t s der Grenze, wo lctzlhiu U c b e r f ä l l e von Stoßtrupps auf die polnische Bevölkerung und Zerstörung von Schulen und Wohnungen stattgefunden haben. Die deutsche Sarftellung. Veulhen. 26. November. Die inzwischen angestellten Ermittlungen über die Vorgänge in Golassowttz haben folgendes Ergebnis gehabt: Am Sonnabend, dem 22. d. M.. zwischen 1 und 2 Uhr mittags, er- schien in Golassowitz das dem Sorauer Kasthausbesitzer Brych gehörige Lastauto mit etwa 2'ö teilweise unisor» rnicrtcn und b« wa sf n«t« n Aufständischen, die un- mittelbar nach ihrer Ankunfi den zufällig aus dem Pfarrhause her- austretenden Organisten Rigatke überfielen. Rigajk« flüchtete in das nahegelegene evangelische Gemeindehaus. Die Ausständischen folgten ihm dorthin nach, ergrijsen und mißhandelten ihn und verlangten die Herausgabe der deutschen Wahlzettel. Im Zusammenhang damit nahmen sie eine Durchsuchung der Räume des Gemeindehauses vor und drangen auch in das nächste Stockwerk ein, wo sich die deutsche Minderheitsschule befindet, in der gerade Unterricht abgehalten wurde. Infolge des Tumultes brach unter den Schulkindern eine Panik aus. Schließlich verließen die Aufständischen das Gebäude, nachdem sie dem Organisten Rigalke im Beisein der Lehrerin Fuchs gedroht hatten, daß sie zurückkommen und das ganze Gebäude in die Luft sprengen würden. Sie verteilten sich dann über das Dorf, wo sie ebenfalls noch vereinzelte Mißhandlungen vornahmen, beispielsweise den Landwirt Mlycch zwangen, mit erhobener Hand zu schwören, daß er bei den Wahlen für die Regierungspartei stimmen werde. Inzwischen hatte der evangelische Ortsgcistliche Harlfinger, der die Vorgänge im Gemeindehaus beobachtet hatte, zu wiederholten Malen versucht, die nur wenige hundert Meter entfernte Polizeiwache zu alarmieren, die sich jedoch nicht meldete. Dem Organisten Rigalke war es indes gelungen, die Wache zu erreichen, wo er die Vorfälle dem Polizeipostenkommandaitten zu Protokoll gab. Dieser war während der ganzen Ausschreitung auf der Wache gewesen, hatte jedoch weder sich zum Cinschreltcn br- wogen gefühlt, noch sich auf den telephonischen Anruf des Pfarrers gemeldet. Ein Teil der Gemeindemitolieber. darunter die Mehrheit der Gemeinderäte, hatten sich öald nach diesen Vorgängen zusammen- gesunden, um zu berat»,., was im Falle des von den Auf- ständischen angekündigten nochmaligen Angriffs auf das Gemeinde- haus zu unternehmen sei. lim Anschluß hieran begaben sie sich zu dem Gemeindevorsteher Dolecyk, um auch mit ihm eventuelle Sicherheiis- maßnahmen zu besprechen, Dolecyk. der selbst dem Aufständischen-Verbände angehört, verhielt sich indes völlig passiv. Der Ortsgeistliche Harlfinger hat an diesen Besprechungen nicht teilgenommen. Gegen S Uhr abends sind die Ausständischen nach Golassowitz zurückgekommen: gleich darauf wurden die Fensterscheiben im Gemeindehalis von allen Seite« eingefchkazeil. Die Bewohner des Dauses schlugen Marin, um chilfe zu erhallen, und der Küster begann die Kirchenglocken zu läuten. Der Ortsgeist' liche Harlfinger begab sich daraufhin zum Gemeindehause, um sich die Beschädigungen anzusehen und die aufgeregte Menge zu b«- ruhigen. Auch diesmal blieb die Ortspolizei un- sichtbar. Harlfinger begab sich deshalb ins Psarrhau« zurück, um die Polizeistation anzurufen, die aber wiederum nicht ant wartete. kurz nach l0 Uhr abends erschollen dann vom Semeindehause her neue Schreie und hllsernfe, die den Pastor, der sich bereits niedergelegt hatte, oeranlahlen, nach den Ursachen zu forschen. Was sich draußen in der Dunkelheit abgespielt hat. ist im einzelnen noch nicht aufgeklärt. Fest steht jedenfalls nach zahlreichen Zeugenaussagen, daß die Dorfbewohner nochmals von den Aufständischen überfallen worden sind und sich schließlich in ihrer Verzweiflung zur Wehr Mseht haben. Bei diesem Zusammenstoß wurde eine Person, die dann später als der P o l i ze i k o m m a nda n t Sznopka erkannt wurde, n i« d e r g e st o che n. Es ist in keiner Weis« erwiesen, daß«r das Opfer eines Deutschen geworden ist; es ist vielmehr angesichts der großen Dunkelheit und des wilden Tumults mindesten« ebenso wahrscheinlich, daß einer von den auswärtigen Angreifern ihn ge- lötet hat. Jedenfalls sind es die deutschen Dorfbewohner gewesen, die sich sofort mit allen Kräften um den Verwundeten bemüht haben, ihn ins Gemeindehaus schassten. dort sorgfältig verbanden und nach dem Arzte schickten. Bei den Ereignissen, die zu diesem bedauerlichen Vorfall führten, ist Pastor Harlfinger nicht zugegen gewesen. Galonder wehrt sich. Kaiiowih, 26. November. Der Präsident der gemischten Kommisston für Oberschlesicn übergibt der Presse folgende Mitteilung: „In der Presse ist ein an mich gerichteter offener Brief verschiedener deutscher Verbände veröffentlicht, in welchem ich zur Erfüllung meiner Pflicht ermahnt werde. Ich sehe mich nicht veranlaßt, daraus irgendetwas zu antworten. Die deutsche und die polnische Minderheit haben auf meinen Schutz stets zählen können. Im gleichen Schreiben werde ich ersucht, dahin zu wirken, daß Polnisch-Oberschlesien an Deutschland zurück- gegeben werde. Diese das Pflichtgefühl des Präsidenten der gemischten Konnnission verletzende Zumutung weise ich mit Entrüstung zurück. Die jetzige Grenze ist selbstverständlich« Grund- läge meiner Mission.� Wie die polnisch« Preste erfährt, hat Außenminister Z a l e s k i den Präsidenten C a l o n d e r eingeladen, nach Warschau zu kommen. ptlsudskis Platzhalter. Oer Terrorfieger geht in Ferien. Warschau. 26. November.(Gigeubericht.) Die Abgeordneten und Senatoren der Regierung»- Partei wählten Oberst Slawek» de» frühere» Minister- Präsidenten und einer der regste» Mitarbeiter Ptlsudskis. zum Fraktionsvorßtzenden wieder. Slawek soll nach dem beabsichtigten Rücktritt Pilsuhskio. der längere« Urlaub nehmen will, wieder Ministerpräsident werden. GS wurde ferner beschlossen, den frühere» Minisierpräst- deuten Switalski. de« eifrigste« Gegner einer demo« kratischen Parlamentsform unter de» Anhängern Pil- sudskis. zum Sejmmarschall und de» Wojewoden Raezjewicz wegen seiner Verdienste bei der Wahl in den Ostgebieten zum Senatsmarschall zu wählen.(?rste Sejmsitzung voraussichtlich am S. Dezember. Oie flache an den Volksführern. Am Mittwoch ist noch ei« bisher in Haft gehaltener Abgeordneter gegen hohe Kaution freigelassen worden. Die bis jetzt aus dem Gefängnis entlassenen drei Abge- ordneten, darunter zwei Sozialisten, sind schwer krank. Dr. Liebermann, der»och in Haft ge- halten wird, liegt an einem Nierenleiden danieder. Schwer krank ist auch Korfant y. Ueberhaupt dürste keiner der Häftlinge noch bei voller Gesundheit sein. Aus diesem Grunde werden wettere Haftentlasinnsen erwartet. Bauern front gegen Oiktatur. Warschau, 26. November. Die Fraktionsoorsitzenden der Bauernparteien, Piast. der radikalen Bauernpartei und der Wyzwolenie verhandeln über die Grün- dung einer Fraktionsgemein schast. lieber die Grundsätze ist bereits eine Einigung erzielt. Die Frattionsgcmeinschast würde 49 Abgeordnete zählen. Folgen soll die Eilckerusung eines gemein- famen„Bauernkongresses* nach Warschau Ansang 1931. Es wird auch die Gründung einer großen Bauernzeitung geplant, deren Schriftleitung der früher« Sejmmarschall Rataj übernehmen soll. Oer Schwindel wird angefochten. Warschau, 26. November. Der Listeirbevollmächtigte der Natioimldemokraten in der Haupt- wahlkommission gab zu Protokoll, daß die Zuteilung der Maiwate nur provisorischen Charakter hoben kann mit Rücksicht auf die Wahlproteste, mit deren Prüfung das Oberste Gericht in Warschau sich zu befassen haben wird. England und der Wahlbetrug. London, 26. November.(Eigenbericht.) Im Unterhaus wurde der Außenminister Henderson von einem Arbesterabgeordneten wegen der Zwischenfälle bei den polni- schen Palamentswahlen interpelliert. Der Außenminister erwiderte, daß die Regierung am Msttwoch in den Besitz des Berichts ihres Warschauer Gesandten gelangt sei und ihn zur Zeit eingehend prüfe. Tödlicher Befihstreit. Sofia, 26. November. Um den Besitz einer Wiese lieferten sich die Bewohner zweier Dörfer der Umgebung von Plewna einen regelrechten Kampf. Die Polizei griff ein, um die Kämpfenden zu trennen; diese oereinten sich gegen die Beamten, die zu ihrer Verteidigung von der Schuh- waffe Gebrauch machen mußten. Ein Bauer wurde getötet. Zehn Personen wurden oerhaftet. Abrechnung mit den Nazis. Eine Auseinandersetzung im würtiembergischen Landtag. Skallgari, 26. November(Eigenbericht). Der württembergische Landtag verhandelle am Dienstag und Mittwoch über die Stellungnahme der württembergischen Regierung zum Saniern ngsprogramm der Reichsrgierung und über die damst im Zusammenhang stehenden allgemeinen Fragen der inneren und äußeren Politik des Reiches. Staatspräsident Bolz leiste zunächst mst, aus welchzn Gründen die württembergifche Regierung dem Sanierungsprogvamm tin Reichshaushalt zugestimmt hat. Don dem einzigen national- sozialistischen Abgeordneten Mergentaler wurde daraufhin be- antragt, der Regierung wegen ihrer Zustimmung die Mißbilligung des Landtages auszusprechen. In der ausgedehnten und teilweise sehr leidenschasllich ge- führten Aussprache vertrat Abgeordneter Keil den Standpunkt der sozialdemokratischen Fraktion. Er wies gegenüber der national. sozialistischen Partei nach, daß sie in den Ländern, deren Politik sie maßgebend beeinflusiea könne, wie Thüringen, Braunschweig und Sachsen, in der Praxis ganz anders handele, als nach ihrer demagogischen Agitation im Volke anzunehmen gewesen sei. Ebensowenig habe sie auch die ihr gebotene Gelegenheit im Reichs- tag benutzt, um den Doung-Plan durch Zustimmung zu dem Antrag auf Einstellung der deutschen Zahlungen zu„zerreißen*. Der Ab- geordnete Mergentaler unterstrich diese Feststellung durch einen mit stürmischer Heiterkeit vom ganzen Hause aufgenommenen Zwischenruf, daß die Zustimmung zu dem Antrag„völlig un- zweckmäßig* gewesen sei. Hierzu stellte der Redner des christ- lichen Volksdienstes fest, daß die Nazis in ihren Wahlverfamm- lungen jeden anderen, der eine solche sachliche Haltung gegenüber den Poung-Plan-Zahlungen einzunehmen gewagt hätte, mit dem Vorwurf der„nationalen Knochener«» et chnng�he� dacht hätten. Don dem Abgeordneten Keil wurde im wetteren Verlaus seiner Rede festgestellt. daß die Sozialdemokratie in bezog aus die Senkung der He- parakionslasken seit 1921 durch die Mittel der Vernunft wehr erreicht hätte, ats mit den Mitteln eines nattonalfozialiflifchen Wahnwitzes. wie er sich im Ruhrkampf betätigt hat und heut« von der Rechts- opposition wieder propagiert wird, je hätte erreicht werden können. Wer selbst das Gewaltsprinzip vertrete, habe kein moralisches Recht. Vorwürfe über seine Anwendung durch die Siegerstaaten zu erheben. Di« Durchführung eines finanziellen und wirtschaftlichen Sanierungsprogrnmms sei dringend nötig, aber es müßte noch viel gründlicher fein als das des Kabinetts Brüning, dem jetzt eine kapttalistifche Interessentengruppe noch der anderen davonlaufe. Die von der Reichsregierung verfolgt« Tendenz des Lohnabbaus werde die Wirtschaft nicht anregen, sondern lähmen, da sie zu einer Schmälerung der Kaufkraft führe und somit die Gefahr neuer Betriebsstillegungen nach sich ziehe. Keil schloß seine Ausführungen unter großein Beifall mit folgender Feststellung: allmählich muß jeder Unbefangene erkennen. daß die Ursache der Wirtschaftskrise, die unsere ganze staatliche Ordnung erschüttert, in dem kapitalistischen Wirtschaftssystem gelegen ist, das die von ihm selbst go- ichaffenen Widersprüche nicht mehr zu überwinden vermag und daher dieses System selbst einer grundsätzlichen Aenderung bedarf, deren Ziel sein muß, die menschliche Produktion nicht mehr auf dem Profit, sondern aus der Bedarfsdeckung der Menschen aufzubauen. Die Abstimmung über die vorliegenden Anträge wurde auf Donnerstag vertagt. Nevisionsdiskussion in Frankreich. Langsames Einlenken. pari», 26. November.(Eigenbericht.) Di« öffentliche Auseinandersetzung zwischen Reichsaußemninifter Dr. C u r t i u s und Ministerpräsident T a r d i e u hat, wenn es auch, praktisch für die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich nicht von Nutzen war, wenigstens das eine Ergebnis gehabt, daß in der Pariser Presse die Diskussion über das Problem der Revision der Verträge in Gang gekommen ist. Wenn diese Auseinandersetzung bei aller Sachlichkest, um die sich zumindest ein Teil der Blätter bemüht, bisher zwar nur«in negative Ergebnisse gezettigt hat, so ist es doch immerhin als«in Fortschritt anzusehen, daß ein Verlangen nach Revision nicht mehr. wie noch vor wenigen Wochen, mit dem entrüsteten HInwÄs auf die Heiligkett der Verträge abgetan wird. Innerhalb der Mehrhettsparteien Tardieus setzt sich ebenfalls die Einsicht immer mehr durch, daß Verträge nicht für die Ewigkeit geschloffen sind, und daß namentlich die Verträge des Jahres 1919 Ungerechtigkeiten enthalten, deren Korrektur im Interesse des Friedens selbst geboten erscheint. So erklärt am Mittwoch Abbe Bergey, der zwar zur Gruppe der wilden Ab» geordneten in der Kammer gehört, sonst aber stramm für Tardieu zu stimmen pflegt, k« einem Interview inder radikalen„Reputzligue*. daß auch der Versailler Vertrag den Gesetzen der menschlichen Unoollkommenheit nicht entgehe, und daß auch er, weil er zwischen Siegern und Besiegten abgeschloffen wurde, die Grenzen der strengen Gerechttgkett überschreite. So sei es ein bedauerlicher Irrtum, daß man aus Oe st erreich einen Wasserkops ohne Körper gemacht, und daß man U n g a r n 72 Praz. seines Staatsgebiets genommen habe. Ein« Gegenfrage nach dem polnischen Korridor beantwortet der Abbe ausweichend mit der Er- klärung, daß jeder Revisionsversuch zu unabsehbarenFolgen führen muffen. Das bedeute natürlich nicht, fügte er hinzu, daß man die Grenzen so lassen könne, wie sie heute lägen. Wenn man aber Erschütterungen oermeiden wolle, könne man die nötigen Grenz- berichtigungen nur mit der Zustimmung aller Beteiligten durch den Völkerbund vornehmen laffen. Außerdem muffe der Völkerbund für die strikte Einhaltung der Minder he itsverträge und noch mehr für die baldige Verwirklichung der europaischen Ein- hettsföderation sorgen. Da« neue Dreibundgespenst. Paris. 26. November.(Eigenbericht.) Der Besuch Litwinows in Rom, der nach gewi'ien faschistischen Meldungen angeblich die Bildung eines deutsch-ruffifch. italienischen Blockes vorbereiten sollt«, wird von der Pariser Rechts- preff« mit sichtlicher Wonne dazu benutzt, die seit Wochen in Erregung gehaltene öffentliche Meinung wiederum zu alar Mieren. Dagegen sehen die besonnenen Pariser polttifchen Kreise in der Propaganda um Lttwinows Besuch nur eines jener zahlreichen Einschüchterungsmanöoer der fajchisti schen Außen- Politik. Auch die Nachricht von einem eventuellen Besuch Lit- winows in Berlin wird hier nihig und zurückhallend kommentiert. Jedenfalls häll man es nicht für wahrscheinlich, daß Deutsch- land sich berettfinden könnte, bei dem faschistisch-bolfche- wistischen Bluff gegen die Westmächte mitzumachen, zumal es dabei nichts gewinnen, aber sehr viel verlieren könnte. Wie sie kneifen! Vekennennvi der Helden vom dritten Beich. Die vereidigten Kriegsdrückeberger Frick und Graf Re- v e n t l o w scheinen ihren nationalsozialfftffchen Reichstagstollegen Unterricht im Kneifen zu erteilen. Wenigstens macht man jetzt allenthalben die Erfahrung, daß nationalsozialistische Reichs- tagsabgeordnete, die sich als Angeklagte vor Gericht verantworten sollen, teils ohne jede, teils ohne ausreichende Entschuldigung im Hauptverhandlungstermin ausbleiben. Genannt seien nur die Namen Kaufmann, Goebbels und Münchmeyer. Am Sonnabend sollte sich Herr Koch, Königsberg, wegen hone- buchener Beschimpfungen des Genossen Grzesinski vor dem Gericht seines Wohnortes verantworten. Er ahmte das Beispiel seiner drei oorhergenannten Kollegen nach. Eine Entschuldigung auszusprechen hiell er nicht für nötig. Die tapferen Herren spekulieren offenbar darauf, daß der Reichstag ihren berühmten Antrag auf Einstellung von well über 100 Strafverfahren stattgeben wird. Wenn sie sich dabei nur nicht irren! Der Hauptgrund, aus dem die Parlamente bisher das P riol- leg der Immunität in wettgehendem Maß« geschützt haben, war der, daß ein Abgeordneter während der Sitzungsperiode nicht mit Strafverfahren behelligt werden soll, dainit er seine gesamte Zett der Mitarbeit an der Gesetzgebung widmen kann. Dieser Grund muß wegfallen, wenn ein Abgeordneter in der Parlaments- freien Zett die Erledigung von Strassachen in mutwilliger und unanständiger Weise vereitelt; ihn auch dann noch während der Parlamentstagung vor Berfolgungen zu be- wahren, scheint uns unmöglich zu sein, denn dann würde das Privi- leg der Immunität, das als Vorrecht des Parlaments gedacht ist, zum Privileg der einzelnen Abgeordneten werden, auf Grund besten sie nach Belieben pöbeln können. Di« nationalsozialistischen Helden werde» durch ihr feiges Kneifen nichts anderes zuwege bringen, als daß die Parlamente in Fällen, in denen sie die Verfolgung nationalsozialistischer Abgeordneter zulassen, dem Gericht sofort die Ermächtigung erteilen, den Angeklagten vorführen zu lassen, wenn er ohne Entschuldigung ausbleibt. Kranze« an der Arbeit. Oer Minister mit dem Strafverfahren baut ab. Braunschweig. 26. Rooember. Kullusminister Dr. Jranzen hat sieben sozialistische S ch u l- rate abgebaut, denen die Wahl blieb, mtt einer mäßigen Pension in den Ruhestand zu treten oder wieder Lehrer zu werden. Hinaus mit den Hakenkreuzlern! preußisches Disziplinargericht beschließt Dienstentlassung. Der preußische Oberförster Vütow in dem schlcsischen Kreis Sorau ist von dem zuständigen Disziplinargericht wegen seiner Zugehörigkeit zur Nationalsozialistischen Partei und seiner Teilnahme an einem Fackelzug dieser Partei zurDienstentlassungver- urteilt worden. Echt Wirischastspariei! Di« feindlichen Brüder schließen Burgfrieden. Die Leitung der Wirtschastspartei hat am Dienstag in später Abendstunde den Konflikt Drewitz-Colosser als beigelegt bezeichnen laste«. Dies« Behauptung entspricht nicht den Tatsachen. Di« Entscheidung ist von dem Parteiausschuß der Wirtschastspartei vielmehr aufgeschoben worden bis zum Partei- tag der genannten Organisation, der im April 1931 in Hannover stattfinden soll. Bis dahin hat man einen„Burgfrieden* ge- schloflen. Der Abgeordnet« Eolofler hat sein Amt im Barteivor- stand wieder übernommen und behält auch seinen Einfluß äuf das Parteiorgan. Di« Herren Drewitz und Colosser hatten gegeneinander sehr schwer« Vorwürfe erhoben, nicht nur in politischen, sondern auch in geschäftlichen Dingen. Daß sie nun wieder„burgfriedlich" nebeneinander im Parteworstand sitzen, P— echt Wirtschastspartei. Aufruhr der Wirtfchastspariei. ÜN5EQE PPEI5EI Mittelständler Deutschlands, wahret eure heiligsten Güter. Die Moskauer Geständnisse. Kontrollose Monopolberichte. K«mer der„Zuchthausstaaten', den die Bolschewiti so nennen, unterzieht die Drohtberichterstattung der Auslairdsberichterstattcr einer Zensur— nur die Depeschen der Moskauer Zeitung?- korrespondenten dürfen erst befördert werden, wenn sie den Er- laubnisvermerk der Zensur erholten haben. Aus diesem Grunde ist auch telephonische Berichterstattung ins Ausland so gut wie nerboten. Es besteht also keine Möglichkeit, jetzt schon zu kontrollieren, ob der durch WTB verbreitete Bericht der Sowjet-Agentur(Das?) über den Ramsin-Prozeh richtig ist und ob die angeklagten Professoren, Ingenieure usw. wirklich diese Geständnisse der Verschwörung mit fremden Regierungen mit der absichtlichen Schädigung der Sowjetwirtschast abgelegt haben. Ost es aber geschehen, so kann has Versprechen der Gnade im Falle reumütiger und agitatorisch verwendbarer, wenn auch falscher Geständnisse wohl«ine Erklärung dafür sein. Gewiß Sie meisten Europäer, die nicht z. V. den oemanischen Schicksalsglauben haben, stwchten den Tod. schon gar eine chinrichchttg. i»st der man ja in Sowjetrußland so rasch bei der chand ist; verspricht man solchen Todgeweihten das Leben, wenn sie Aufgetragenes hersagen, so kann man sie durch geeignete Behandlung schon dazu bringen..- E» ist ja auch möglich, dah die Gestandniste wirklich abgelegt worden und sogar, dah sie Wahrheit sgemätz sind—, aber es fehlt jene Freiheit der Berichterstattung, die allein die Sicherheit ihrer Wohrheitstreue schaffen kann! Weitere«-Geständnisse". Der recht lang«„Bericht� der Sowsetogentur laßt Ramsin u. a. weiter Verhandlungen mit den französischen Generalstab:-- obersten I o i nv il l c und Richard, dem englischen Vi/Jsers- Ingenieur Simon in Gegenwart eines unbekannten„Sir Philipp", der Gruppe D e t e r d i ng, dem englischen Oberst Lawrence u. v. a.„gestehen". Wiederholt wird ein Ingenieur Larischt- s ch e s f als Teilnehmer genannt! er ist schon längst e r s ch o s s e n I Di« englisch« Interventionslust soll seit dem Regierungswechsel er- heblich abgenommen haben— Kompliment für die Labour-Regic- rung! Aber Frankreich sei der chaupttreiber gewesen und die Soldaten Polens, Rumäniens und der baltischen Staaten sollten gegen Ruhland marschieren, während dort ein« inner« Erhebung losbräche.„Auf Grund von Auskünsten, die ich, Larischticheff und andere von Paltschinski und Mitgliedern des Handels- und Industrie- komitees erhalten hatten, bekamen wir den Eindruck, dah der MUkelpunkt der Znlervcnlio« P oincarö ist, der von B r i a n d aktiv unterstützl wird. Mitte 1929 kamen aus Frankreich dringlichere Weisungen, eine militärische Organisation zu schaffen und ein« Diversionstätigkeit zu entfalten, d. h. es erjolgte aUmähiich die Umwandlung der In- dustriepartei in eine Agentur des französischen Gencrolstabes. Der Beginn der Intervention wurde ursprünglich auf- 1928, später auf 1930 anberaumt. Das Jahr 1930 wurde von allen als dos schwierigste Jahr des Fünfjahrplans betrachtet; denn in diesem Jahr konnten die enormen Kapitaleinlagen in die Volkswirtschaft noch keine Resultate ergeben Die Arbeit, die die Industriepartci betrieb, um in der Wirt- schast der Sowjetunion eine Krise hervorzurufen, sollt« die wirU schafllichen Schwierigkeiten verstärken, sie katastrophal zuspitzen Durch die Krise sollte die W e h r f ä h i g k e l t des Landes verringert und in den Bevölterungsmasten weitgehende Unzufriedenheit er- regt werden. Die llitdustrieparkei und ausländische Kreise rechneleu mit großer Sicherheit aus Aufstände und Unruhen unter den Dauern und in der Roten Armee und auf die Möglichkeit, Arbeiterstreits zu provozieren. Da die Jndustrieport?! keine hinreichende Basis in den Massen haste, hoffton wir, eine Volksbewegung mit Hilf« der werktätigen Dauernpartei hervorzurufen. Das Jahr 1930 hasten wir auch deshalb ausersehen, weil bei den großen Aufwendungen für den Induslrieaufbau der Sowjetunion die Ausgaben für die Landes- Verteidigung gerade 1930 geringer waren als für die folgenden Jahre in Aussicht genommen war. Man hielt es ferner auch für möglich, im Jahre 1930 die diplomatische Vorbe- r« i t u n g jür die Intervention auszuführen." Paris dementiert. Paris. 26. November. Die Hovas-Ageistur veröffentlicht zu den Anschuldigungen gegen Briand und Poincar« im Moskauer Ramsin-Prozeß ein Dementi, in dem es heißt, daß die Anschuldigungen jeder Grundlag« entbehren. Der französische Botschafter in Moskau ist außerdem beauftragt worden, energische Schritte bei der Sowjetregieruirg zu tun, damit in Zukunft solche unhaltbaren Anschuldigungen unterbleiben. Meistersäger(Stalm. Soumo, 26. November. Der Haupttontrollausschuß der Partei hat 27 Kommunisten wegen Zugehörigkeit zur Rechtsopposition und Verfolgung einer gegen die Interessen der Partei gerichteten Politik aus der Partei ausgeschlossen; sie hatten die Einberufung des Partei- kongresses und den Rücktritt Stalins gefordert. Kommunistische Zellenarbeit. Wie sie in Sozialistische Arbeiterjugend einzudringen suchen. Es wird uns geschrieben: Die Kommunisten sind seit einiger Zeit an verschiedenen Orten des Reiches wieder sehr eifrig um die Sozialistische Arbeiterjugend bemüht. Ihr« besondere Spezialstät ist, die sogenannt« SAI.-Opposition zu kommunistischen Zellen in der So- zialistischsn'Arbeiterjugend auszubilden. Daß es sich hier um ein einheitliches Vorgehen der kommunistischen Jugend gegen die Sozia- listische Arbeiterjugend handelt, beweist ein vertrauliches Rund- schreiben, das die Bezirksleitung des Kommunistischen Iugendver- bandes Niederrhein an die Pollelter der Ortsgruppe ihres Bezirks am 1. Oktober verschickt hat. In diesem Rundschreiben wird zunächst auf die Ansang Oktober durchgeführte Reichswerbewoche der SAI. hingewiesen, und dann merdcn folgend« Anweisungen gegeben: „Die bestehenden Verbindungen zwischen uns und den oppositionellen SAI.lern müssen energisch ausgebaut werden. Die Frage der Einheitsfront von unten muß in den Bordergrund geschoben werden... In jeder Gruppe der SAI. werden öffcnt- lich« Veranstaltungen stattfinden, zu denen wir Diskussionsredner und starke Delegationen entsenden müssen." Als praktisch« Maßnahmen zur Organisierung der SAI.-Oppo- sition werden vorgeschlagen: 1. Zusammenfassung aller übergetretenen SAJ.-Mitglicder. Besondere Aufgaben stellen für dies« Genossen. 2. Regelmäßiger Vertrieb der Oppositionsrund- schreiben der SAI. Dies« Briefe erscheinen ab Oktober regeln, äßig monatlich. 3. All« übergetretenen SAJ.-Mttglieder müssen uns sofort monatlich mitgeteilt werden. In dem Rundschreiben heißt es zum Schluß: „An Material werden wir bzw. das ZK.(Zen- tralkomitee) herausgeben: 1. Eine Broschüre gegen die SAI. 2. Ein Flugblatt gegen die SAI.(zentral). 3. Ein Flug- blatt gegen die SAI(Bezirke). 4. SAJ.-Oppositions- Rundbrief. 5. Insormationsmaterial über die Lage in der SAI 6. Eine Jugendberlage. die als Flugblatt Verwendung findet." Dieses Rundschreiben ist eine vollindaliliche Bestätigung der Bermutung-en, daß die Kommunisten bei den verschiedenen Vor- gangen innerhalb der SAI. in der letzten Zeit ihre Hand im Spiel haben. Sie verweisen in diesem Rundschreiben selbst auf die bereits bestehenden Verbindungen zwischen der kommunistischen Jugend und der SAI.-Opposition, und dieses Rundschreiben schafft auch'die letzt« Klarheit darüber, daß der SAI.-Oppositionsrundbrief, der seit einiger Zeit wieder verbreitet wird, eine Angelegenhett der kommu- nistischen Iugendzenirale ist. Die sozialdemokratischen Jugend- und Parteiorganisationen werden also in Zukunft wissen, mtt wem sie es zu tun haben, wenn von einer SAI.-Opposition die Rede ist. Es sind dann nicht die berühmten unzufriedenen Arbeiter aus dem Betrieb, von denen die- Kommunisten immer reden, fandern es sind Beauftragte einer gegnerischen Organisation, die in dieser Zeit des Abwehrkampfes gegen den Faschismus nichts wichtigeres zu tun haben, als die sozialistische Arbeiterbewegung zu unterwühlen. (Sie stellen fich nicht! Die patenkreuzler fürchten sozialdemokratische Reden � Lessao, 28; Ravevb«.(EiZenbericht)- Im Dessau machte die Gsziäldemotrati» am Dienstag- ahend den Versuch, den Nationalsozialisten in deren Versammlung sachlich in Red« und Antwort entgegen- zutreten. Die Nazis hatten als Redner den Fememörder Heines und den Dessairer Noziführer Hauptmann L o e p« l aufgeboten. Noch ehe die Naziversammlung eröffnet wurde, hatten mehrere hundert Reichsbannerleute und sozialdemokratische Arbetter gegen Entrichtung de» Eintrittsgeldes in dem Versammlungslokal un- behelligt Platz genommen. Als dann der als Diskussionsredner in Aussicht genommene sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Se g er an der Kasse erschien, um Einlaß zu begehren, trat Ihm der Saalschutz der Nazis entgegen und verweigerte ihm de«Ein- tritt. Alle Hinweise auf die Oesfentlichkeit der Versammlung fruchteten nichts Die Nazis verkrochen sich hinter ihr H a u s r e ch t und hinter die Polizei, die sie zu Hilfe riefen. Die in dem Per- sammlungslokal anwesenden Republikaner zogen nach diesem Inter- mezzo mit den Nazis geschlossen zu einer Kundgebung aus den Kleinen Markt, wo Seger dann das Wort nahm. Als die Per- anftaltung zu Ende war, kam es zu einem Zwischenfall, den ein in Dessau übel beleumdeter Hakentreuzler.«in Fleischermeister Winzer, verursacht«. Dieser Mann ging wort- los gegen die aus einem Lokal kommenden Reichsbannerleute mit Handgreiflichketten vor und biß einem der Reichsbanner- leute eine Fingerkuppe ab. Der Hakenkreuzlcr erhielt so- fort eine große Tracht Prügel und wurde schließlich von der Polizei abgeführt. Die Feigheit der Hakentreuzler, sich ihren politischen Gegnern selbst in ihrer eigenen Versammlung nicht zu stellen, hat in Dessau allgemeine Perachtung hervorgerusen. Kohlenpreissenkung rechisungüliig? Vorwürfe gegen das Reichswirtfchafismmifierium.— Eni- fcheidvng am 12. Dezember. Wir haben vor einigen Tagen darauf hingewiesen, daß die WM 1. Dezember festgelegte Senkung der Steintohlenpreise deshalb uichl als legal angesehen werden kann, well sie nur vom. Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat einseitig, nicht aber von den im Kohlewirts chaftsgefetz dazu bestimmten Organen(Reichs- kohlenrat und Reichstöhlenverband) beschlossen worden ist. Wie wir hören, ist es in der gestrigen K o h I e n r a t S s i tz u n g darüber zu einer scharfen Debatte gekommen. Dem Reichswirt- schaftsministerium ist der Vorwurf gemacht worden, daß es letztlich"dafür vsrantworttich ist, daß die gesetzlichen Organe bei der Festlegung der Kohlenpreissenkung und in ihrer Stellungnahme zur Kohlenpceispolttik behindert worden sind. Die Frage ist nicht gleichgültig, denn einmal ist die Mitwirkung der gesetzlichen Organ« ein gesetzliches Recht und eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung, zum andern ergäbe sich die praktische Moglichkett, daß das Synditat auch später einseitig nach freiem Ermessen Aenderungen in den Kohlenpreisen vornehmen könnte. E» dürste«ine Einigung dahin erzielt worden sein, daß die autonom, d. h. vom Syndikat jetzt beschlossenen neuen Preise zunächst im Reichsanzeiger veröffentlicht werden, und daß die erforderliche Legalisierung entsprechend dem Kohlewirt- schastsgesetz in einer, wie wir hören, auf den 12. Dezember einzuberufenden Sitzung des großen Reichs- kohlenrats und des R« i ch s k oh l s n v erb a n d e s be- schlössen«erden soll. An dem effektiven Wrksamwerden der Preissenkuug et 1. Dezember soll fich dagegen nickst» ändern. Tkachverzollung von Tabakfabrikaten. Ein Erfolg sozialdemokratischer Kritik. Da in der neuen Tabaksteuervorlage nur eme Ermächtigung des Reichsftnanzministers, keine Verpflichtung vorgesehen ist, die bei Inkrafttreten des neuen Gesetzes vorhandenen Bestände nachzu» verzollen, scheint in dem Tabakgewerb« die Meinung verbreitet zu sein, daß das Reichsfinanzministerium von der Ermächtigung leinen Gebrauch machen würde: denn nur so läßt sich die überall beobachtete Herstellung auf Vorrat erklären. Wie wir von besonderer Seite erfahren, ist aber der Reichssinanzminister fest entschlossen. einenNachzollzuerheben, schon weil andern- falls die kapitalkräftigen Betriebe in unberechtigter Weife bevorzugt werden würden. Weg mit Vaugoin! Konstitvierung der sozialdemokratischen Fraktion. Wien. 26. November.(Eigenb«ich>t.) Die sozialdemokratisch« Fraktion des Nationalrats wählt« am Mittwoch den Wiener Bürgermeister Seitz zum ersten und Dr. Danneberg zum zweiten Dorsitzenden. Seitz berichtete«in- gehend über die politische Lage; eine längere Diskussion folgte. Di« Fraktion beschloß für den Fall, daß die Regierung Laugoin vor dem Zusammentritt des Nationolrates nicht zurücktritt, Heven Sturz durch die Einbringung eines Mißtrauensantrages anzu- streben. Die sozialdemokratische Fraktion ist bereit, mit jeder Regierung zusammenzuarbeiten, die alle de- mokratischen Kräfte des Landes zum Schutze der Verfassung und zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise und der ArbeUslaflgkeit zusammeasichk. Sie ist aber ebenso entschlossen, gegen jede Regierung den schärf st en Kampf w führen, deren Zusammensetzung oder Kurs den klaren Entscheidungen de? 9. November zuwiderläuft. Di« Fraktion beschloß ferner, in der ersten Sitzung des Natio- nalrats ein« Reihe Anträge einzubringen, darunter Inkraftsetzung der Zitters- und Inoattdenversicherung und finanzielle Sicherung der Arbeitslosenversicherung, was der Gegenstand eines Volks- begehrens ist. Als Präsident des Nationalrats wird die Sozial- demofratte den bisherigen zweiten Präsidenten E t d e r s ch vor- schlagen. Als stärkste Fraktion hat sie Anspruch auf die Präsidentschaft. Ehile bleibt im Völkerbund. Die chilenische Regierung dementiert die Gerücht« über ein bevorstehendes Aus- scheiden aus dem Völkerbund. Der Austritt sei bisher nicht einmal erörtert worden. Gleichzeiiig weist die chilenische Regierung aber darauf hin. daß ihr die Kosten für den Völker- bund und für ihre Genfer Delegation groß« Sorgen mache und die Austrittsbestrebungen gewisser Kreise fördere. Zan.Mayea'Znsel gehört Norwegen. Die lang umstrittene norwegische Oberhoheit über die Arktis-Insel Jan- Mayen ist nunmehr von der englischen Regierung, zugunsten Norwegens anerkannt worden. Die Anerkennung erfolgte in Form eines Kommuniques, das von beiden Regierungen im Auswärtigen Amt in London vereinbart wurde. Spirifisteu sind keine Hexen. Das englische Unterhaus hat in erster Lesung den von dem Arbeitersportler Kelly eingebrachten Gesetzeittwurf angenoimnen, wonach S p i r i t i st e n und M c- dien von der Strafverfolgung ausgenommen werden, der sie gegen- wärtlg auf Grund des aus dem Mittelalter stammenden Gesetz«? über die Hexerei unterliegen, wenn sie ihre psychische Kraft tat schlich ausübe» Die Reichsbahn provoziert. Dreieinhalb Millionen Arbeitslose- und Aeunstundentag. Jet den Verhandlungen am Mittwoch über die .-cscitignng der Ucberzeitarbeit und die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit im Reichs- bahnbetrieb lehnten die Vertreter der Sauptber- waltnng abermals jedes Entgegenkommen ab. Infolge dieser Einstellung sahen sich die Vertreter der Gclvert- schaften gezwungen, die Verhandlungen ergebnislos a b- zubrechen. Die Eisenbahnergewerkschaftcn haben unmittelbar nach dem Abbruch der Verhandlungen das Reichs- arbeitsmiuisterium ersucht einen Schlichter zu bestellen und damit das Schlichtungsverfahren cinzn- leiten. Die Haltung der Deutschen Reichsbahngesellschast ist nur durch zu erklären, daß bis jetzt in der Frage der Arbeitszeitverkürzung von der Regierung her sich keine Initiative zeigte: denn die Forderungen der Gewerkschaften belasten den Etat der Reichsbahn finanziell nicht im geringsten. Was die Eisenbahner verlangen, besteht lediglich darin, die Arbeit ohne wesentlichen Lohn- ausgleich auf mehr Schultern zu verteilen, um so das Heer der Arbeitslosen zu vermindern und die noch im Arbeits- Verhältnis stehenden Arbeiter der Reichsbahn vor weiteren Eni- lafsungcn zu schützen. Was die Eisenbahncrgewcrkschasten fordern, fordert die gesamte Oeffentlichkeit. Was die Eisenbahner verlangen, ist ohne besondere Schwierigkeiten durchzuführen. Werden die Schlichtungsoerhand- lungen nun endlich einer Forderung des gesunden M e n s ch c n v« rst a n d e s— zunächst einmal bei der Reichsbahn— Rechnung tragen? Oder sollen die Eisendahngcwoltigen in ihrem Trotz noch gestärkt werden? Man bedenke: Dreieinhalb Millionen Arbeitslose suche» ncr- gc blich Arbeit.' Sie belasten die Wirtschast doppelt. Einmal weil sie und ihre Familien irgendwie über Wasser gehalten werden müssen. Andererseits weil sie als Käufer auf dem Markt ausscl)«iden, denn die Unterstützung reicht nur zur Fristung des Lebens, bewahrt die Arbeitslosen nur davor, nicht an einem akuten Hungertod zu sterben. Nun besteht seit\(>U für die Eisenbahner der N c u n st u n d e n- tag, für einen Teil seit 1927 der 8si!-'2tunden-Tag. Grundsatz- lich ist für die Eisenbahner, deren Arbeitsverhältnis durch Tarif- vertrag geregelt ist, der A ch t st u n d e n t a g a n e r k a n n t. Die Eisenbahnergewerkschaften schlagen nun vor, für dies« Arbeiter den grundsätzlichen in cincii tatsächlichen Achtstundentag um- zuwandeln, ohne eine Acndcrung der Lohnordnung vorzunehmen. Bescheidener kann nian wirklich nicht sein! Die Hauptverwaltung der Reichsbahn aber l e h n t a l l e s a b. Die Belastung der Wirtschaft ist ihr schnuppe. Das weiß man längst. Das Los der Arbeitslosen läßt sie eiskalt. Die Heroen Direktoren und Derwallungsratsinitglicder wissen sich ge- schützt vor der Gefahr, stempeln gehen zu müssen. Also sollen die Esscnbahncr weiter neun Stunden schuften, während heut« schon dreieinhalb, morgen vier Millionen vergeblich auf Arbeit hoffen. Dieses Verhalten eines reichseigenen Unternehmens ist eine Herausforderung der gesamten Oeffentlichkeit. Wir werden ja sehen, ob der vom Reichsarbeitsminister ernannt« und instruierte Schlichter diesen Skandal noch sanktioniert. 300000 englische Bergarbeiter ausgesperrt. Llnternehmer wollen sich an Arbeiterregierung rächen. London. 26. November.(Eigenbericht). Die Krise im englischen Kohlenbergbau hat sich derart zugespitzt, daß kaum noch eine Eiingungsmöglichkeit besteht. Während in verschiedenen Distrikten eine Verständigung zwischen Unternehmern und Arbeitern erreicht wurde, haben die Bergwerksbesitzer von Südwales, Schottland und Bristol die Schließung ihrer Gruben und damit die Aussperrung der �Bergarbeiter für den kommenden Montag angezeigt. Diese Maßnahme ist ein T e r r ar a k t gegen die Bergarbeiter und zugleich zogen die A r b e i t e r r e g i e r u n g gerichtet. Nach vielen Kämpfen und unendlichen Mühen sowohl im Unterhaus wie im Oberhaus hat die Arbeiterregierung die Inkraftsetzung de« neuen Bergwerksgesetzes zum 1. Dezember ankündigen können. Das Gesetz sieht u. a. einen Schlichtungsausschuß für alle Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern vor, den so, genannten Zlationalrat. Am 1. Dezember hätte dieser Rat zugleich mit dem Gesetz in Funktion zu treten. Die Grubenbarone weigern sich jedoch, die ihnen für diesen Ausschuß zustehenden Mitglieder zu ernennen, so daß die Ar- beiterregierung aus eigenem Ermessen einige Bergwerksbesitzer delegieren muß. Demgegenüber erklärten die Bergwecksbefitzer, daß sie die Enticheidung dieses Rates nicht anerkennen.. Äußer- dem widersetzen sie sich der durch Gesetz am 1. Dezeniber eintretenden Herabsetzung der A r b e i t s z e i t von 8 auf TA Stunden. Da aber die Grubenbarone gegen ein von beiden Parlamenten beschlossenes Gesetz machtlos sind, haben sie als Antwort auf die Verringerung der Arbeitszeit eine weit über das Maß hinausgehende Loh�n Verkürzung angekündigt, die teilweise bis zu 17 Schilling pro Woche gehen soll. Dem widersetzten sich die Bergarbeiter und ihre Gewerkschaften, die unter keinen Um- ständen in eine Lohnverminderung einwilligen wollen und können. Die Antwort ist die für Montag bekanntgegeben« Aussperrung, die rund 399 999 Bergarbeiter brotlos machen'wird. In Nordwales sind noch Verhandlungen im Gange.' Es muß jedoch auch mit der Aussperrung der Arbeiter in diesem Distrikt gerechnet werden. Llm den Meiattarbeiierlohn in Thüringen Die Parteiverhandlungen gescheitert. E r s ii r l. 26. November. Die am Dienstag geführten Verhandlungen über den Tarif in der Thüringer ZNetallindustrie sind gescheitert. Die Unternehmer forderten einen Abbau des Tariflohns und des Akkord- Verdienstes um 15 Proz., während die Arbeiter auf ihrem Der- langen nach einer Lohnerhöhung um 5 Pf. für die Stunde beharrteu. Beide Tarisparteien werden den Schlichter anrufen. Neue Verhandlungen sind auf den 2. Dezember angesetzt. Deutsche Arbeitskräfte in Krankreich. Die Äedingunaen ihrer Zulassung. Amtlich wird mitgeteilt:„Jwischen Deutschland und Frankreich besteht eine Vereinbarung vom Jahre 1928. durch die jährlich 299 deutsch« G a st a r b ei t n e h m e r äi französischen und umgekehrt 399 französische Gostarbcitnehmer in deutschen Arbestestellen zur beruslichen und sprachlichen Fortbildung zugelassen wer!:«n können. Ucber die Ausgaben jer deutschen Zulassirngsstellen (tjir das Hotel- und Gastwirtsgswerbe: Arbeitsamt Vaden-Baden, für olle übrigen Berufe: Arbeitsamt Köln) besteht bei den Bewerbern vielfach noch Unklarheit. Die Bewerber müssen selbst einen sran- zöfischen Arbeitgeber benennen können, der sie einstellen will; sie dürfen auch das 39. Lebensjahr nicht überschritten haben. Für das laufende Kalenderjahr ist das Zulassungskontingcnt von deutscher Teste bereits vollständig in Anspruch genommen worden, so daß gegenwärtig keine Zulassungen mehr erfolgen können: es ist daher zur Zeit- zwecklos, Anträge an die deutschen Zulassungsstellen zu richten." Es handelt sich dabei, wie wir ausdrücklich feststellen wollen, um sogenannte„Gastarbestnehmcr" aus Gegenseitigkeit. Daneben kann selbstverständlich— dies wurde uns ausdrücklich vom Leiter de, französischen Reichsarbestsamts versichert— jeder sranzösischs Unternehmer deutsche Arbester unter denselben Bedingungen an- werben, unter denen er ausländische Arbeiter anderer Nationalität anwerben kann: er muß die Genehmigung des französischen Arbeits- a:nts haben. Diese wird immer dann erteilt, wenn entsprechende einheimische Arbeitskräfte nicht zur Verfügung stehen. Eine v o r- h e r i g e Einreise, in der Hoffnung dann Arbeit und die Ge- nehmigung des Arbeitsamts zu finden, ist so gut wie zwecklos. In solchen Fällen oersagt das Arbeitsamt die Genehmigung. Außer dieser allgemeinen Zulassung deutscher Arbestskröfte besteht auch ein besonderes Abkommen über die sogenannten Grenzgeher für die französischen Grenzdepartements. Auch hier besteht keine Begrenzung der Zahl der deutschen Arbestskräste. Dieses Abkommen hat aber für die anderen Departements keine Geltung. Es gilt nur für die Departements Moselle, Haut-Rhin und Bas-Rhin. Wen die KpO. als Keind erklärt. Gewerkschaftlicher Anschauungsunterricht. In der Generalversammlung der Berliner Ortsverwoltung des Deutschen Metallarbeiteroerbandes hat der bisherige Führer der kommimistischen Opposition im Verband«, Richard H i l l m e r, seinen Austrill aus der KPD. erklärt, weil sie den Metallstreik miß- braucht«, um einen eigenen Laden aufzumachen und die Metall- arbeiterorganisatian zu spalten. Nachdem der KPD. bekannt war, dos Hillmer seinen Austritt ei klärt hat, weil dies« Partei selbst vor dem Verbrechen der Ge- werlschaftsspaltung nicht zurückschreckt, erklärt die KPD. hinterher, daß st« Hillmer ausgeschlossen habe. Dl« Notiz in der „Roten Fahne" ist überschrieben:»Zum Feind übergegangen." Nicht nur jeder Metallarbeiter, jeder freigewertschaft. lich orgattisierteArheitex, jede Arbeiterin, weiß nunmehr bestimmt, haß die Kommunistische Partei samt ihrer„Opposition" in den Gewerkschaften her schlimmste Feind der freien G e w c r k s ch o f t e n ist. Aus dieser Erkenntnis muß jeder einzelne organisierte Arbeiter die Konseqnenzen ziehen, diese Partei, die ofsenkuiüig die Gewcrkschostszerstörung betreibt, auf Schritt und Tritt zu bekämpfen. Taufend Klagen gegen die Reichsanstaii lleberstunden gelorvert unter Drohung der Enktassung. Am Dienstag fand eine stark besuchte Angestelltenoersamm- lung aller freigowerkschaftlich organisierten Angestellten der Der- liner Arbeitsämter in dcn Sophiensölen statt. Schon der Titel des Referats„Tausend Arbcitsgerichtsklagen gegen die Reichsanstall" ließ manches ahnen. Aber die Aus- führungen des ZdA-Dertreters Zeitz über die scharfmacherische Personalpolitik der Reichsanstoll brachte selbst dieser Versammlung, d. h. also den Opfern dieser Personalpolitit noch verschiedenes neues Material. Es fielen harte Worte gegen die Leitung der Reichsanstalt. aber auch gegen die leitenden Personen in den einzelnen Arbeits- ämtern, die den Anordnungen der Reichsanstalt nicht den zu vor- langenden Widerstand entgegensetzten. Lediglich der e h r e n a m t- l i ch e Vorsitzende des Arbeitsamts Nordost, Z i s k a, hätte den Erwartungen der Arbester, und Angestelllenschaft voll und ganz entsprochen, weshalb er auch gemaßregest worden ist und somit der gemeinsamen Hetz« von rechts und links zum Opfer fiel. Auf der Versammlung wurde dann noch bekanistgegeben, daß einzelne Verwallungen der Reichsanstoll auch jetzt noch, angesichts der ungeheuren Arbestsloflgkest während der winterlichen An- drangszest lieberstunden onordacol Einzeln« Verwaltungen gehen sogar soweit, die Angestellten mit fristloser Enklassung zu bedrohen, die jegliche lleberstundcnarbeit ablehnen. Die Versammlung faßt« einstimmig den Beschluß, jede Ueberarbcit abzulehnen und unterstützt« die Forderung der freien Gewerkschosten, ein« Verkürzung der Arbeits- zeit herbeizuführen, damit arbeitslose Kollegen wenigstens teil- weise wieder in den Produktionsprozeß einbezogen werden können. Aufgeblasenheit. O«r Druck der RGO., die sich drückt. Am Freitag brachte die„Rote Fahne" eine Notiz, in der bc- hauptct wurde, daß der gemeinsame Betriebsrat der Warenhäuser Hermann Tietz unter dem Druck der NGO. zurück- getreten sei. Tatsache ist, daß die beiden kommunistischen Angestelltenrats- Mitglieder, die bei der vorigen Wahl auf der RGO.-Liste durch- gekommen waren, naeheinander aus der Firma ausgeschieden sind. Der zuletzt Ausgeschiedene vollbrachte noch die„revolutionäre" Tat, für sich eine Abfindungssumme von 1S99 M. von der Firma zu erwirken, dann drückte er sich. Durch seinen Austrist hatte der Angestelltcnrat nicht mehr die gesetzlich vorgeschriebene Zahl von Mitgliedern, so daß er neu gewählt werden mußte. Der Arbeiterraj ist aus Wunsch der restlichen Angestelltenrotsmitglieder gleichfalls zurück- getreten, um dadurch eine einheitliche Wahl und einen gleichen Ablaufstermin der Amtsperiade der beiden Gruppe nräte zu ermöglichen. llm bei der diesjährigen BetriebsrvtswM endlich«ich Srnfluh auf den Arbeiterrot zu gewinnen, hatte die RTO. zu Montag abend nach den Sophiensälen eine öfseniliche Belegschaftsversamw» lung des gesamten Tictz-Konzerns einberufen. Bon den mehr als 19999 Arbestern und Angestellten der Warenhäuser von Tietz waren insgesamt 99 Personen, darunter auch ein Teil nicht geladener„Gäste" erschienen. Nach einem Referat des kommunistischen Reichstagsabgeordneten Torgler, schritt man zur Aufstellung der„roten" Kandidatenliste. Mit Mühe und Not bekam man schließlich ein knappes halbes Dutzend Kandidaten für die beiden Listen zum Arbeiter- und?lngestelltenrat zusammen. Die Arbeiter und Angestellten der Warenhäuser Hermann Tietz werden am 9. Dezember diese„Willenskundgebung" der NGO., die nur die Parolen der KPD. auszuführen hat. nicht beachten, sondern ihre Stimmen den sreigewerkschastlichen Kon- didaten zum Arbeiter- und Angestelltenrat geben. Zimmerer gegen Spalter. Kommunistische Dlamaae in poisdam und RowaweS. Nachdem es dcn Kommunisten mit einigem Erfolg gelungen war, die Berliner Zimmerer zu spalten, versuchen sie jetzt .ihre Spaltungsarbeit in den um Berlin liegenden Zahlstellen des Zentraloerbandes der Zimmerer fortzusetzen. R e p f chl ä g e r wurde als„Kanone" nach Nowawes geHoll, um die Gründung eines Ab- legers des kommunistischen Splitterverbandes der Berliner Zun- merer vorzunehmen. In der am Bußtag von der„Opposition" einberufenen Versammlung waren die Potsdamer und Nowaweser Zim- merer überaus zahlreich erschienen und gaben dem Berufsspalter eine Antwort, die ihm die Lust nehmen wird, ein zwestes Mal sich in chrem Gebiet zu zeigen. Da eine paritätische Besetzung des Büros verweigert wurde, verließen die Anhänger des Jen tralverbandes die Versammlung und ließen Repschläger mst fünf Getreuen allein. In einem anderen Versammlungsraum wurde dann eine über- süllle Versammlung des Zentralocrbandes der Zinunerer abgehallen, in der Frach. dar Borsitzenüe der Berliner Zahlstelle, die ver- brechcrische Spaltungsarbest der Kommunisten geißelte. Einmütig kam in dieser Versammlung zum Ausdruck, daß die Geschlossenheit der freigewerkschaftlich organisierten Zimmerer gewahrt und jede Ouertreibcrei der Kommunisten im Keime erstickt werden m»ß. Abwehrstreik in der Berliner Lederindustrie. Die Arbeiter der Lederfabrik Blankenburg A-G.. Gebn S t e i n l« i n A.- G., Thaerstr. 29, sowie derFeinlederfabrik E. F r i tz. Köpenicker Str. 152, stehen mich wie vor im Abwehrstrei! wegen Lohnabbau. Die Firmen, hauptsächlich die Lederfabrik Blankenburg, versuchen unter allen möglichen Versprechungen und Manipulationen betriebsfremde Arbeiter und Arbestermnen heranzuziehen, indem sie Ihnen einen höheren Lohn bieten als sie zahlen wollen. Wir warnen die gesamte Arbesterschost vor Arbeitsaufnahme in den genannten Betrieben und rechnen in unserem Abwehrkampf auf die Solidarität der gesamten Arbeiterschaft. Deutscher Ledcrarb esterverband, Ortsoerein Berlin. Zubilarfeier der Buchbinder. Am Sow'ähänd veronställat« die Ortsverwaltung Berlin des Buchbiitdervetbandes im Ssalhsu Friedrichshain zu Ehren der Mit- glieder, die 25 Jahre und länger der Organisation angehören,«ine Jubilarseier, die einen würdigen Verlauf nahm. Der Berliner Bevollmächtigte I m h o f begrüßte insbesondere die Jubilar« im Austrag« der Ortsverwaltung. Trotz der schweren Zest müsse das Band der Solidarität immer fester die gesamt« Mitgliedschaft umschließen. Daraus hielt der zweite Vorsitzende Drehwald die Festrede. Seit der letzten Iubilarfeier im Jahre 1928 war es wiederum 338 Mitgliedern oergönnt, das Verbandsjubelfest zu b«>- gehen. Zu den diesiährigen Iubilaren zählen 139 weibliche und 298 männliche Mitglieder. Die Berliner Organisation hat jetzt einschließlich der früheren insgesamt 1094 Zubilore in ihren Reihen, die mindestens 25 Jahre der Organisation die Treue gewahrt und unermüdlich an den Kämpfen des Verbandes um eine lichtvollere Zukunft teilgenommen haben Umrahmt wurde die Feier durch musikalische Darbietungen des neuen Tonkünstlerorchesters und stimmungsvolle Gesangsoorträge des Berliner Sängerchors. Artistische Vorführungen beschlossen das wohl- gelungene Programm. Weihnachtsunterstühung der Meiallarbeiter. Die Generalversammlung der Ortsverwallung Berlin des Deutschen M e ta lla r b e it er- V e rh a n de s hat einstimmig beschlossen, für die erwerbslosen, die ausgesteuerten und die kranken Verbandsmitglieder eine Sammlung einzuleiten. Deren Ertrag soll aus Mitteln der Lokalkasse in Höhe von 259 999 bis 399 999 Mark ergänzt werden, um zu Weihnachten jedem Mitglied, das für bisse Extxraunterstützung in Frage kommt, 7 bis 15 Mark cniszu- zahlen, je noch der Dauer der Mstgliedschaft. ,�reie Gewerkschasts-IuaendBerlin s«ut«, DonnerÄaz, ISZz tll>r, taa«n die(Baivven: ttdpenid: Iugend- Iicirn ffirllnauct ctr. 5. Gcs-IIschaftsspble.— Sesmldbnmoc»! Jugend- Vlm ä"otc schul«, iZotendurger otr. 2. Meine Walze.— Südsstca: Gruppe»»heim Reichenberger str SS iffeuerwchrbaus). Erlebniffe aus dem Alltag.— Tempelhos: Eruppenkieim. Lnzeum Gmuaniastr. 4— 5. Vortrag: ..Erlebnlfle eines Polizeideam'en'2— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18/19. Vortrag:»Die ssGI. und ander« Jugendbewegungen".— Sten-Lichtenbeeg: Augendheim Sunterstr.«4. Lieder, und Tanzabend.— Lichtende Iugendhtim Sauffstrahe, an der Lessinastrahe. Baden im Kubertusbad.— Kchonhanser Tor: Jugendheim Ticilst:. 18(Zeuerwehrhaus). Unsere Midcls gestalten den Abend aus.— Landsberoer Plag: Jugendheim DieN-Imeperstr. s. Vortrag:.Berliner Lonununaldrtricdc"— Zugerdgruppc des Gcsawtoerbante,: Gewerkschaitshaus, Engalm'er 24— 2->. Lickllbildirvortrao:.Schisfbruch und Bergung".— Jugend- grnpp« de, Belleidurgearbeiteioerdaud«». Jugendheim Ekbastianstr. 37— Z«. Sutheit veranstaltet einen Bunten Abend. @�u<'env<'ruvve oes�enkroiverKHivM! der Anaefteilten Heute, Tontterstag. finden falgendc Beranstaliungen statt: Pantow- RiederschZuhanseu: Jugendheim SSrschstr. 14 lgrohe» Zimmert. Lieder- abcnd.— Osten: Jugendheim der Schul« Litauer Str. 18. Aktueller Abend.— Treptow: Jugendheim der Schule Wildenbruchstr. iß(Zugang von der Eroeh» strafte in Treptowt. Bortrog:„Wichtiges aus der Anoestelltenversicherung". Referent: Nurt llranse.— Oeute sind«- um 20 Uhr im grasten Saal des Ber- bandshailles. Kcdcmonitstr. Ii. die allgemeine Zugendmitgliederversammlung statt.— ltarten Hlr die Zugendvoritellung der SJoTls üfine am 1. Januar zum Preise von 80 Bf. sind im Zugendsekreiariat zu baden. Lerantwortlich'üt Politik: Victor Schis!: iSirtlchaf!: s. LltnqelliSIcrz Gevarkschaflsbewegung- Z. S»l»rr: Feuilleton: Sc. Job» Sckstowski: Lokale» und-Soniiiaes Frig Karhädt: Anzeiaen: Tb Glocke: sämtlich IN Beeliv. Verlag: Borwaris-Berlag E. m b. s Berlin Truek: Borwärts-Bnchdrnckcrel und Lerlaasanfialt Paul Singer u Sa. Berlin SB 68 Lindenstraste&. _ Sierzu 2 Beilage»._ TMetlrt-ttreftstlttarrflioillotY P">»«ri>ger»om!S Rooemder 1930 sind: >7«aza->7msaiiesa7iei0en.»„net B-rneckcr.daver S'rcftf«: Kodrintawski. Berlin-Reulilla. Boddiuftr. ir, Ulrich Wtstphal, BeriüvZrirdrtdaseld� Saliftr. 26; 38. Wagner, gt-owftr. 36 7lr. 555* 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag. 27. November 1930 Sehmindei im Schiaß. Wie Wilhelm auf den Urk raftschwindel des Herrn Schappeller hereinfiel. Dieser Tage lief bei der Schakullenverwattung des früheren Kaisers in Verlin ein Schreiben der österreichischen Slrafbehörden ein, in dem um Auskunft gebeten wurde, ob die 4 6 5 00 0 Mark, die das Haus Doorn einem gewissen Karl S ch a p e l l e r zur ver- iügung gestellt hatte, durch die Schatullenverwaltung ausgezahlt worden feien. Der Verwalter antwortete, dah dieser Vetrag bei ihm nicht verbucht sei. Man gehl wohl kaum fehl in der Annahme. daß die Summe von Doorn aus direkt an Herrn Schappeller gezahlt worden ist. Herr Schappeller war, bevor er seinen eigentlichen Beruf und seine Berufung erkannte, ein simpler österreichischer Postmeister. Seine Laufbahn zu Ruhm und Glück begann damit, daß er im Jahre 1919 für geistesgestört erklärt wurde und in Zwangspension kam. Was er in den nun folgenden Jahren trieb, wird sich wohl nie ein- wandfrci herausstellen. Jedenfalls trat er vor vier Jahren als vermögender Mann auf, der die Ruine des Schlosses Aurolz- münsterimJnn— nicht weit von Gallspach— kauft« und um- fangreiche Renovierungen ausführen ließ. Wer ihm das Geld vor- gestreckt hotte, ist heut« noch nicht erwiesen. Bald begann ein ge- heimnisvolles Treiben auf Schloß Aurolzmünster: T'chniker zogen ein, Maschinen wurden angeschafft, Laboratorien eingerichtet. Und ein Geraune und Gemunkel durchzog die Gegend: Falsch- münzer? Giftgaschemiker? Bis Herr Schapeller eines Tages ein Büchlein erscheinen ließ:„Raumkraft, ihre Erschließung und Aus- wertung durch Karl Schappeller". Jetzt wußte man allerdings genug. Die„Geheim-Broschüre*, wie das Heft genannt wurde, war ein törichtes Gefasel über technische und physikalisch-chemische Ding«, die in einem Brei von philosophischem Geschwätz angerührt waren. Die Weisheit Schappeller? war ein merkwürdiges Gemisch von Dumheit, Frechheit, Ignoranz und Phantasie. Herr Schap- peller überschüttete den gläubigen Laien mit phantastischen Pro- jekten: er wollte eine Art„konstanten Blitz" zwischen Himmel und Erde als Urkraft-Cnergiequelle erzeugen; er wollte die ganze Welt umgestalten und sämtliche politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Probleme im Handumdrehen lösen, die Welt in ein Schlaraffenland verwandeln und selbst zum zweiten Heiland avancieren... Es dauerte eine ganz« Zelt, bis man dos Schloß Aurolzmünster und seinen merkwürdigen Bewohner etwas kritffcher betrachtete. Gerücht« tauchten auf: die ilrkraft ist ein Bluff— Schappeller wird feine Schulden nicht bezahlen— Schappeller wird plötzlich aus- rücken—. Nein, der Exkaiser hat ihm eine Million zugesagt— Industrielle kaufen die Urkraft auf... Noch hing in den Musikalien- lüden der umliegenden Ortschaften der„Schappcller-Triumphmarsch", komponiert von einem musikalischen Gläubigen, und noch konnte Schappeller den um Bezahlung drängenden Lieseranten frech er- klären:„Ihr müßt an mich glauben!" Bis einer, der Architekt des Schloßumbaues, nicht mehr an ihn glaubte, sein« Forderung der nächsten Sparkasse zedierte und trotz entrüsteten Protestes der ganzen Bevölkerung den Wechsel des Herrn Schappeller„platzen" ließ. Der Schwindel im Schloß war zu Ende. Nun verschwand der Glaube an den Urkrasterfittder aus den herzen wie Schnee an der Sonne; die B a u c r n, die ihm ihre Sparpfennige geliehen hatten, hätten ihm am liebsten den Schädel eingeschlagen, die Geschäftsleute, die das Inventar geliefert hatten, ver- loren insgesamt 250 000 Schilling, hundert Handwerker und Arbeiter warteten aus Lohn, die Techniker auf ihr Gehalt, die Maschinenlieferanten auf Bezahlung. Schappeller selbst redete noch große Töne:„Wir haben mit Kaiser Wilhelm ver- handelt. Eine Million war uns zugesagt. Aber Herr Präsident Nitz, der kaiserliche Schatullenverwalter, hielt es für gut. uns nicht alles auf eimnal auszubezahlen— und nun haben wir verzichtet! Das möchte ich feststellen: wir haben Wilhelm II. fallen lassen! Nicht er uns! Wir wollten ihn nicht mit der Urkraft auf den Thron bringen. Das liegt uns fern; er hätte nur Gelegenheit gehabt, durch Unterstützung unserer Idee gutzumachen, was er vorher schlecht gemacht hat." Damals hielt man die Worte Schappellers für einen unwahr- scheinlichen Schwindel, wie es ja die ganze Urkraft war. Und nun hat sich doch allem Anschein nach in der Gerichtsvoruntersuchung herausgestellt, daß Schappellers Eröffnungen über seine Geldquellen durchaus zutrafen. Bielleicht ist sogar etwas Wahres an einer anderen Behauptung des großen Scharlatans: daß Frau Hermine aus Doorn ihren Besuch zugesagt hatte. Es wurde nichts aus dieser allerhöchsten Visite; eines Nachts verschjvand Herr Schappeller fang- und klanglos aus seinem Schloß samt Urkraft und Wellerlösung. Was zurückblieb war eine Ruine voller unbrauchbar gewordener Maschinen, ein Haufen Gläubiger und ein Katzenjammer im Hause Doorn. Kleinwohnung für 29 Mar? Mieie. Die Architekten Vrüder Luckhardt und Anker veranstalten zur Zell eine Ausstellung im Archileklenhaus in der Wilhelmstraße 92/93, wo unter anderen städtcbau- lichev Arbeiten und Entwürfen der Firma.auch eine kleinst- wohnung gezeitzt' wird, die-Kur'29 Mark Miete pro Monat - kostet. Die Wohnung ist vollständig aufgebaut und möbliert, so daß man sie in allen Einzelheiten genau übersehen kann. Die aus- stellenden Architekten bauen, wie ihre Dahlemer Versuchsbauten von Einfamilienhäusern und Hochhäusern an anderen Stellen be- weisen, unter Verwendung von Glas, Beton und Stahl in dem neuen Skelcllbauoerfahren, das eine bessere Raumaufteilung und Ausnutzungsmöglichkeit der Wolinfläche verbürgt. Auch bei dem neuen Mietshaustyp, der durch technische Vereinfachungen im Serienbau verbilligt wird, ist mit allen Vorurteilen gründlich auf- geräumt worden. Die hier gezeigten Wohnungen sind ein Muster fiir gute Belichtung und Lüftung. Zur Verbilligung fällt natürlich das Bad hinweg, an feine Stelle tritt die Dusch« in ehWn extra vorgesehnen Rundteil. Dafür ist ein glasüberdeckter Balkon vor- Händen. Da auf der verhältnismäßig kleinen Grundfläche der Wohnung— 35 Quadratmeter ohne Balkonkorridor, zwei Zimmer und Toilette untergebracht find, ist alles bis auf jede Kleinigkeit genau- hexMnet,-. Dg».i.chöye gxoße Wohnziymier.. cnchäll ein« Kochnsscht sfvtt Küche/ di«.�ahex. poBMdig�de.nv ZWkck genügt, denn sie besitzt Gasherd, Speifejchrank, Abwoschtifch uud eingebauten Schrank. Für Dusche und warmes Wasser zum Abwaschen dient ein Gasdurchlauferhitzer. Auch in der zweiten großen Stube sind die Schränke eingebaut, so daß eine verhältnismäßig große Be- nutzungsfläche trotzdem in dieser kleinen Wohnung vorhanden ist. Bei dem genannten Preis fallen natürlich der Balkon und die ein- gebauten Schränke fort. Mit d«m Balkon kostet die Wohnung 31,50 Mark; mit Balkon und eingebauten Schränken 33,50 Mark, welcher Preis ebenfalls noch längst nicht die Mieten erreicht, die man beispielsweise für eine i Z�-Zimmer-Wohnung in Berlin bezahlt. Die Wohnungen haben weiter den Vorteil, daß man sie unter ge- gebenen Umständen durch hinwegnehmen von Zwischen- wänden der anschließenden Wohnungen noch um zwei Kammern oder ein Zimmer vergrößern kann, man kann also gewisser- maßen in diese Wohnung hineinwachsen. Interessant ist auch die Möblierung, die aus geschmackvollen Aufbaumöbeln besteht. Die ganze Wohnungseinrichtung übersteigt nicht den Preis von 750 Mark. Nach einem vorliegenden festen Angebot für Hasel- Horst würden sofort mehrere hundert dieser so dringend gebrauchten Wohnungen in Angriff genommen werden können, wenn nicht— die Wohnungsfürsorge das Bauen dieser billigen Wohnungen untersagen würde. Kurisches Haff in Not. Das Hochwasser schließt den Verkehr ab. Tilsit, 26. November. Das kurische Haff wurde in den letzten Tagen von einem orkanartigen Sturm heimgesucht, dem insgesamt elf Fischer zum Opfer sielen. Ein in den letzten Tagen verunglückter Fischer ist seinen Verletzungen er legen, weil es uu möglich war. eiueu Arzt herbeizurufen. Infolge Hochwassers wird die Lage der Vewohuer am Haff immer verzweifelter. Vefonders traurig sehen die Verhältnisse in llnse aus. Wege, wiesen und Deiche bilden eine endlose Wasserfläche, die jeglichen Verkehr mit der Außenwell unter- bindet. Seit mehreren Tagen ist der Postverkehr mit Inse ein- gestellt. Schwerkranke müssen in Veiten und Pelze gepackt unter Lebensgesahr zum nächsten Arzt geschafft werden: Tote können nicht beerdigt werden. Das Wasser steht noch meterhoch in den teilweise verlassenen Wohnungen; die Gemüse- Vorräte sind größtenteils durch das Hochwasser oder den plötzlich ein- gettelenen Frost vernichtet. Die Deiche, welche in diesem herbst erhöht wurden, sind teilweise sortgeschwemmt worden. Es wird dringende Hilfe verlangt. Eisenbahnunglück in Italien. 7 Tote und 11 Verletzte an der Adriatüste. Mailand, 26. November. Auf der au der Adriatüste enlangsührenden elektrischen Nebenbahnfirecke Amendoka— Porto— San Giorgio hat sich heute vormittag ein schwere» Eisenbahnunglück zugetragen. Der nach der Küste fahrende Frühzug entgleiste in einer Kurve, wobei sämtliche wogen aus einer höhe von 30 Metern aus einige Häuser herabstürzten und zertrümmert wurden. Noch der ersten Meldung gab es 7 Tote und II verletzte. Man befürchtet jedoch, daß die Zahl der Toten bedenlend höher ist. Nähere Einzelheiten fehlen noch. Die Plädoyers im Krenzel-Prozeß. Verteidiger beantragen Freisprechung. Wiederum unter Ausschluß von yeffentlichkest und Presse begannen gestern im Fre» z el-Pr ö Z e ß die Plädoyers. Rechtsanwalt Dr. Brandt betonte Mit Nachdruck, daß er von der Unschuld des Angeklagten schon von Anfang an überzeugt ge- wefen sei. Er Halle die beiden Töchter Frenzels, Hilde ebenso wie Gertrud, nicht für einwandfreie Zeuginnen. Beide ließen sich von Gefühlen leiten, die ihre Wahrheitsliebe beeinträchtigten. Cr beantrage Freisprechung. Auch Rechtsanwalt Dr. B l u m c n h e i n kam unter besonderer Würdigung der Sachverständigengutachten zu dem gleichen Antrag. Am Freitagvormittag wird der Vertreter der Anklage, Staats- anwalffchaftsrat Dr. Stargard, sich für die Zurückweisung der Berufung einsetzen. Das Urteil ist am Sonnabend oder Montag zu erwarten. Jawohl, das war die Hauptsache: der Auftrag wurde effettuiert. Aber wie? Die Arbeit war sehr einfach, weit einfacher als bei den Himmelsbachfchen Schreibtischen. Doch ohne einen Drechsler und ohne Wertstattmaschinen war sie nicht zu schassen. Werkstattmaschinen kosten Geld. Wo sollte er dieses Geld hernehmen? Allerlei Möglichkeiten erwog er, ausführbare und un- ausführbare.. Er verstieg sich zu den tollsten Projekten. Nur Geld! hämmerte es in seinem Schädel. Nur Geld! war die Losung. Jetzt erst begriff er, warum sein Vater soviel Wert aus Sprichwörter und Redensarten legte, die vom Gelde han- delten. Wie er sie als höchste Lebensweisheit immer und immer wieder im Munde führte, bemüht, sie als Richtsätze seinem Sohne einzuhämmern! Wie sagte er doch, wenn die Rede darauf kam? „Für Geld hopsen die Hunde, Ludwig! Wer Geld Hot, für den ist alles billig. Der Hut, den das Geld auf hat, ist immer mode. Wo Geld ist, ist der Teufel; aber wo keins ist, da ist der Teufel zweimal! Gut Geld, gute Musik. Wer mit Geld schießt, trifft nie daneben." Ja, Vater Eisermann hatte mit seinen Leibsprüchen recht. Tatsächlich, Geld bewegte alles in der Welt! Wenn es keins gäbe, man müßte es erfinden! Die Frage war nur, wie beschaffte man sich diesen köst- lichen Stoff? Wieder erinnerte sich Ludwig des Ausspruchs seiner Ar- beitskollegen in der Fabrik:„Meister werden wollen, das ist nicht schwer; aber Meister bleiben, da liegt der Hund be- graben!" Nie hatte er Wahrheit und Wucht dieses Spruches schmerzlicher empsunden als jetzt, bei der Heimfahrt aus der Moritzstraße, Ludwig hatte sich alles bis ins kleinste überlegt. Er brauchte, um sich die notwendige Einrichtung zu schaffen, tausend Mark, volle tausend Mark. Vater Eisermann fiel schier vom Schusterschemel, als er die Summe nennen hörte. „Ich brauch es für Maschinen, Vater!" Der Alle opponierte. Doch als er den Auftragszettel gelesen hatte, begriff er seinen Jungen. Bedächtig kratzte er sich seinen lichten Schädel. „Mutter!" rief er dann in die Küche,„wieviel haben wir noch auf der Friedrichsfelder Stadtbank?" „Dreihundert Mark, Vater, du weißt, es ist unser ganzes Kapital für den Notfall." „Ich werde selbstverständlich euch die gleichen Zinsen zahlen, die der Bankverein gibt!" animierte Ludwig. „Dreihundert Mark sind wenig. Aber vielleicht kann man irgendwo die restlichen siebenhundert borgen." „Von wem denn?" fragte zweifelnd die Mutter. „Der Gastwirt wird uns schon borgen!" sagte Vater Eisermann überzeugt. Die Stiefmutter wiegte bedenklich den Kopf. „Na ja, auf alle Fälle muß es versucht werden!" meinte Ludwig. Seine paar Worte gaben den Ausschlag. „Gehen wir mal hinüber!" sagte der Schuhmacher- meister. * Es ging nicht so leicht mit dem Geldpumpen, wie es sich Vater Eisermann gedacht hatte. Der alte, kränkliche Gastwirt war zäh wie Hosenleder. Drei Stunden dauerte es, bis ihn der Schuster halbwegs weichgeklopft hatte. Gewiß, er wollte die siebenhundert Mark hergeben, aber nur gegen einen außerordentlich hohen Zinssatz und gegen Sicherheiten. „Wozu Sicherhetten?" fragte Vater Eisermann.„Bin ich dir als Bürge nicht gut genug?" Der Gastwirt lachte ihm frech ins Gesicht:„Was hast du denn, wenn's hart auf hart kommt? Ein paar Leisten und so'n Bruchzeug!" Bei dieser Antwort juckte es den Alten ganz beträchtlich in den Zuschlagmuskeln der rechten Hand. Aber seines Sohnes wegen, dessen Zukunft auf dem Spiele stand, be- zwang sich der Schuhmachermeister. Und da die Muskelbe- wegung im rechten Arm doch irgendwie nutzbar gemacht werden konnte, unterschrieb er seufzend auf dem Billard im Nebenzimmer einen Sechsmonatswechsel, lautend auf acht- hundertund fünfzig Mark. Die Füße zitterten ihm, als er seinen Schnörkel fertig hatte. Er wußte, daß dieses quergeschriebene Papier unter Umständen sein Todesurteil sein konnte. In einem halben Jahre mußte er eingelöst fein oder es ging um Kopf und Kragen. Aber Vater Eisermann war in solch einem derart fort- geschrittenen Zustand, daß er für seinen Ludwig auf die Guillotine gegangen wäre, wenn es der Geldgeber zur Be- dingung gemacht hätte. Nachher, auf dem Nachhausewege stieß er seinen Jungen ein paarmal zärtlich in die Seite. War das nun die Wirkung der acht hinuntergeschütteten großen Mollen? Oder war es der erste sichbare Ausdruck seiner bisher im hintersten Winkel versteckten Vaterliebe? Ludwig hatte keine Zeit, das zu entscheiden. Ihn trieb schon wieder die Besessenheit des werdenden Werks. In seinem Gehirn sausten Maschmen. In seinem Ge- Hirn marschierten Zahlen. In seinem Gehirn rannte die Zeit sich selber voraus. In seinem Gehirn sammelten sich Berge von Geld. In seinem Gehirn war Mobilmachung des Profits. In den nächsten Tagen raste Ludwig in glücklichster Laune umher. Er kaufte sich sämtliche Zeitungen, deren er habhaft werden konnte, und studierte die Jnseratenseiten. Nur zwei Rubriken interessierten ihn: Verkäufe und Konkurse. Nirgendwo kamen die Schwankungen des Wirtschafts- barometers so deutlich zum Ausdruck wie in diesen söge- nannten.Kleinen Anzeigen". Sinnfällig zeigten sie die Fieberkurve des kranken zuckenden Wirtschaftskörpcrs. Irgendwo verkauften kleine Krauter, die sich nicht mehr halten konnten, ihre Werkzeuge um billiges Geld. Irgendwo saß einem Holzhändler das Messer an der Kehle und, um sich Lust zu machen, verschleuderte er sein Material für einen Spottpreis. Irgendwo stöhnte ein Kleinunternehmer, dem die Gläubigerwanzen das letzte Blut aussaugten. Er konnte das Ungeziefer nur abschütteln, wenn er seine Halbfabrikate im Wege des Notverkaufs schleunigst zu Bargeld verwandelte. (Fortsetzung folgt.) j Heim in der Sonne. Oie Siedlung der Alten in der Schönholzer Heide. � An der Grenze zwischen Pankow und Nieder- schönhausen, wo Parkanlagen und die Reste der einstigen Schönholzer Heide zusammenstoben, hat die Stadt verlin eine kleine Kolonie errichtet, eine Siedlung der Alten. Kleine gelbe Häuschen, die noch bei trübstem Wetter wie sonneirbeschienen leuchten, liegen Zwischen Kiefern und Rasenstreifen. ?.m Sommer zogen die ersten Bewohner ein: jetzt sind alle Räume besetzt. Aber noch vier weitere Häuschen sollen hier erstehen, noch 80 Plätze für einzelne alte Leute und für Ehepaare sollen geschaffen werden: noch 80 alte Leben sollen hier den Sorgen und Kümmer- nisten ihres Alltags entrückt werden. Zweihundert Wohnungen sind in diesem„Altersheim der Stadt Berlin" vorgesehen, Stube und Küche, mit allen Bequemlichkeiten eingerichtet. Freundlich und durchsonnt sind die Räume, freundlich und durchsonnt soll hier das Leben der Alten werden. Und die E i n w e i hu n g s f« i e r, die alle Bewohner in dem soeben fertiggestellten Festsaal vereftttc, bewies, daß alle hier ihr Lächeln wiedergefunden haben, daß alle sich der kleinen, hellen Sicherheit freuen, in der ihr Leben zur Ruhe kam. Die Feier, zu der auch Bürgermeister Schal tz erschienen war, wurde durch Gesangsvorträge, Rezitationen, Geige- und Orgelspiel verschönt: olle Künstler hatten sich unentgeltlich in den Dienst der guten Sache gestellt. Im Anschluß an die Feier besichtigten die Gäste das Helm. Am Nachmittag vereinte eine gemeinsame Kaffeetafel in dem festlich geschmückten Saal die alten Leute, die in sichtlich vergnügtester Stimmung bis zum Ab>end hier zusammenblieben. „Geben Sie mir meinen Sohn wieder" Sin Zwischenfall Gontard-Dullerjahn. Dieser Tage kam es nach der T r a u u n g der Tochter des Groß- industriellen von Gontard mit einem sächsischen Industriellen zu einem ergreifenden Zwischenfall auf offener Straße. Als der Zug der Hochzeitsgäste die Matthäikirche verließ, stürzte sich eine weißhaarige Frau dem Vater der Braut in den Weg und schrie ihm entgegen:.Geben Sie mir meinen Sohn wieder, Herr von Gontard, für fünfzehn Jahre haben Sie ihn unschuldig ins Zuchthaus sperren lasse», acht Jahre haben Sie mir meinen Ernährer schon genommen, endlich müssen Sie Gott die Ehre geben und die Wahrheit sagen." Die alte Frau war die Mutter des früheren Lagerverwalters Bullerjahn. Der Fall Bullerjahn ist von uns wiederholt behandelt worden: Der Lagervcrwalter Bullerjahn war feit dem Jahre 1922 in Host und wurde aus Grund einer Aussage des Direktors der Berlin- Karlsruher Industriewerke, von Gontard, vom Reichsgericht wegen LandesverratszufünfzehnIahrenZuchthausver- urteilt. Diese Aussage war durch Gontard nicht vor Gericht unter Eid erstattet, sondern bildete nur einen Teil der beeideten Aussage eines anderen Zeugen. Bald kamen Zweifel an der Schuld des Ber- urteilten auf,- aber alle Bemühungen, ein Wiederaufnahmeverfahren zu erreichen, blieben bisher ergebnislos. Bullerjahn, der im Moabiter Gefängnis untergebracht ist, betreibt die Wiederheerstellung seiner Ehre und Freiheit niit allen Mitteln. Der. Zwischensall findet noch dadurch eine besonders häßliche Be- leuchtung, daß die Hochzeit der jungen Gontard mit einem Luxus be- gangen wurde, der dein Elend der breiten Volksmassen und dem Ernst der Zeit geradezu Hohn spricht. Die Frau mit den Ringen. Was alles geglaubt und- bezablt wird. Seit mehr als drei Jahren läuft in Berlin eme Frau umher, die einen einträglichen Schwindel mit angeblich bestellten.Ber- lobungsringen" betreibt. 'Auf irgendeine Weise erkundet diese geschäftstüchtig« Frau die Wohnung lediger Männer. In Abwesenheit des Mieters erscheint sie bei de» Vermieterinnen und erzählt, daß sie von einem Juwelier komme, um die bestellten beiden Verlobungsringe abzugeben. Di« Wirtin, die meist von der Verlobung ihres „möblierten Herrn" keine Ahnung hat, fragt nach Einzelheiten und die Schwindlerin erzählt ein beliebiges Märchen, das auch fast immer geglaubt wird. Für die Ringe verlangt sie 50 bis 80 Mark, manchmal auch wehr. Wenn die Wirtin bei der Rückkunft des Mieters diesen mit sanften Borwürfen empfängt, daß er gar so geheimnisvoll getan habe, kommt der Schwindel ans Licht. Natür- lich sind die„echt goldenen" Ringe wertloser Plunder. In Berlin allein sind in den letzten drei Iahren 100 Fäll« bekannt geworden, in denen die Frau mit den Verlobungsringen Er. folg gehabt hat. Sie scheint aber auch Abstecher in die Provinz zu machen, denn derselbe Trick wurde in Hirschberg, in Gör» litz, Dresden, Weimar und Jena angewandt. Vielleicht spiegelt die Betrügerin auf ihrer Arbeitsstelle«ine notwendige Reise vor oder benutzt ihre Urlaubszeit zu„Nebeneinnahmen". Die Frau ist etwa 35— 45 Jahre alt, hat dunkelblondes haar, etwas ver- grämtes Gesicht und Im Oberkiefer einen Goldzahn. Si« war immer einfach gekleidet. Mitteilungen, die geeignet sind, ihrem Treiben ein Ende zu machen, erbittet die Dienststelle v 4 im Polizei. Präsidium. »Oer Fall des Generalstabschefs Dstedl.� Zur Vorgeschichte des Weltkrieges gehört auch der Fall des unglückseligen Obersten Redl, der als einer der mächtigsten Männer im k. und k. österreichisch-ungarischen General- st a b, im Mai 1913 als gemeiner Spion entlarvt wurde. Um einen Skandal zu vermeiden, wurde die Affäre von der Heeresleitung vertuscht und der Oberst gezwungen, seinem Leben ein Ende zu machen. Die Verhinderung einer eingehenden Unter. suchuirg hat später im Weltkriege Tausenden von Soldaten da» Leben gekostet. Das tragisch« Geschick des Obersten, der als homosexueller von einem russischen Militärattache erpreßt murb», hat Egon Erwin Kisch in einer Tragikomödie zu gestalten versucht. Eine schauspielerisch hervorragende Darstellung führte das Werk im Kabarett der Komiker zu eino»i starke» Erfolg. Kurt R o b i t s ch e k hatte als Regisseur, vielleicht un. gewollt, die Tragik des Menschen Redl in den Mittelpunkt gerückt. Dadurch trat die Anklage gegen die verbrecherischen Drahtzieher des Dölkermordens ein«enig in den Hintergrund. Dem gc- trieben«», gehxtzten Menschen, der unter der Maske des mächtigen Obersten Redl die Todesangst des vom Schicksal Geschlagenen ver. birgt, gab in einer sehr guten Leistung Wolfgang Heinz. Sympathisch Heinrich S ch n i tz l« r als junger Leutnant, um de» das Mädchen, von Cäcilie L v o z k y als die ihr Recht fordernde Frau gestaltet, den Kampf mit dem mächtigen Oberst wogt. Ernst Raden spielt den hötzendorss, seh» gut Harry Hardt als Oberst Gegen Mensurenunfug. polizeirazzia aus dem Paukboden.— 310 Siudenten festgestellt. 3n den„Tily-Festsalen" in der Dresdener Straße 42/4Z hatten sich gestern über Z00 Studenten der verschiedensten Berliner söge. nannten„schlagenden Verbindungen" eingesunden, um im Lause des Tages eine Reihe von„Lestimmungs- und Säbclmenfuren" auszutragen. Diesem verbotenen Stelldichein wurde durch die Polizei ein unerwartetes Ende bereitet. � Di« Polizei war von dritter Seit« auf die Mensuren aufmerksam gemacht worden. Gegen 12.30 Uhr setzte die polizeiliche Aktion ein. Kriminalbeamte sowie Schupobeamte besetzten die Ein- und Aus- gänge der„City-Festsäle" und drangen überraschend in das Lokal ein. hier bot sich den Beamten das Bild eines regelrechten Pauk- bodens: zu gleicher Zeit wurde an mehreren Stellen gefochten. Insgesamt wurden über 300 Studenten angetroffen. von denen natürlich der weitaus größte Teil als Zuschauer fungierten. Alle Anwesenden wurden festgestellt: 272 Personen, die sich an Ort und Stelle genügend legitimieren konnten, wurden gleich wieder entlassen. 38 weitere Studenten dagegen, die nicht im Besitz von Ausweisen waren, mußten zur Freud« der inzwischen vor dem Lokal angesammelten Reugierigenschar den Weg nach dem nächsten Polizeirevier antreten, wo die weiteren Maßnahmen erfolgten. Erst gegen 14 Uhr war die Großrazzia beendet. Drei Studenten, die man direkt bei der Mensur überrascht hatte, werden sich wegen Beteiligung an der verbotenen Mensur, die bekanntlich nach dem Strafgesetzbuch einen Zweikamps niit tödlichen Wasfen darstellt, zu verantworten haben. Bon der Polizei ist ferner viel Paukmaterial, Schläger. Säbel, Schutzbekleidungen usw., beschlagnahmt worden. -!- Di« Behörden haben sich wiederholt mit diesem Unfug befaßt: es scheint aber, daß die Mensuren-Schlächterei in keiner Weise abgeebbt ist. Davon zeugen immer wieder di« frisch zer- hockten und oerpslasterten Gesichter der täglich an der Berliner Uni- versität und den Hochschulen ein« und ausgehenden Studenten. Man' geht kaum zu weit, wenn man behauptet, daß beinahe täglich in Berlin Mensuren ausgetragen werden. Bei regelmäßigen Kontrollen sollte sich dieser Unfug bedeutend eindämmen lassen. Ltm den Ltniversitäts-Ordnungsöienst. Das Presseamt des Deutschen Studcntenoerbandes teilt zu den Verhandlungen des Rektors der Berliner Universität mit den Führern der Studentengruppen folgendes mit: Die ErNärung des Rektors hat in einem Teil der Presse zu völlig unrichtigen Kommentaren Anlaß gegeben. Es ist festzustellen, daß die Verhandlungen über die Einrichtung eines studentischen Ordnungsdienstes gescheitert sind. Die Mitgliedsgrnppe» des Deutschen Studentenverbandes haben bei den Verhandlungen den Vorschlag auf paritätische Zusammensetzung des Ordnungsdienstes gemacht, den auch der Rektor als ideale Lösung bezeichnete. Die Ver- treter der rechtsgerichteten Studentengruppe n haben jedoch diesen Vorschlag ebenso wie einen anderen, der auf eine Zu- sammensetzung von ein Drittel Waffenringstudenten, ein Drittel katholischen und ein Drittel freiheitlichen Studenten hinausging, a b- gelehnt, so daß der Rektor die Verhandlungen abbrechen mußte. Weiterhin muh vor allem auf folgendes hingewiesen werden: Sicher- lich hätten die Vorfälle an der Universität Berlin bei Vorhandensein einer staatlich anerkannten Selbstverwaltung leichter vermieden werden können bzw. eine der akademischen Würde entsprechende Bei- legung gesunden. Wenn jedoch jetzt aus den Kreijen der Nationalist!- schen Siudenten auf die Notwendigkeit einer staatlich anerkannten Studentenschaft hingewiesen wird, so ist demgegenüber festzustellen. daß von diesen Kreisen die staatliche Anerkennung im November 1927 durch ihre intransigente völkische Haltung selbst ausgegeben worden ist. Der Deutsche Studentenverband ist heute wie schon in der ganzen Zeit seit 1927 bereit, führend an der Er- Neuerung d-er Stüde ntenselb st Verwaltung niit» zuarbeiten. Voraussetzung für ein fruchtbares Arbeiten in der Selbstverwaltung ist die staatlich« Anerkennung, die aber von der Studentenschaft nur beansprucht werden kann, wenn sie ihre positive Stellung zur Republik dadurch beweist, daß sie das seinerzeit ob- gelehnte Stndentenrecht der preußischen Staatsregierung, das allein eine sachliche unpolitische Durchführung der Selbstverwaltung garan- tiert, jetzt anerkennt. Staatsanwalt gegen Freispruch der Polizeioffiziere. Ein Mittagsblatt meldete gestern, daß der Staatsanwaltschafts- rat Fischer gegen den Freispruch des Polizeihauptmanns Als- darf und des Polizeioberstleutnants Mader im Prozeß wegen Mißhandlungen auf dem Polizeirevier 82 Berufung eingelegt habe. Dies eilt der Wirklichkeit voraus: Wie wir zuverlässig er- fahren, b e a b s i ch t i g t die Staatsanwaltschaft, Berufung einzulegen. Die gleiche Absicht hat auch die Verteidigung des zu vier Monaten Gefängnis oerurteilten Polizeihauptwachtmeisters Gertner. Der Fall würde dann vor der Strafkammer erneut ausgerollt werden. Versicherungsmord um 1000 M. Oie Schwiegermutter versichert und dann umgebracht. E s f e u. 26. November. Augenblicklich steht vor dem Essener Schwurgericht der Glad- becker Gustav Paim. der sich wegen Morde» an seiner zutüostigen Schwiegermutter zu verantworten hat. Gustav Paim, ein schmaler, nervöser Mann mtt angegrautem haar, stand schon lange nicht in bestem Ruf. Er war ursprünglich Bergmann, dann wurde er Martenkontrolleur und schließlich Be- richterstatter und Spitzel eines berüchtigten Sensationsblattes. Zu- letzt war er arbeitslos und wurde von seiner Verlobten ausgehalten. Zwischendurch machte er dunkle Geschäfte als Rechtskonsulent in Scheidungssachen. Den erforderlichen Ehebruch pflegt« er gegen gut« Bezahlung selbst mit den in Frage kommenden Ehefrauen cwszu- sähen. In der Verhandlung behauptet Paim, am Mordtag mit seiner künftigen Schwiegermutter Streit gehabt zu haben, in dessen Verlauf sie eine sehr gemeine Bemerkung gemacht habe. Er wäre dadurch in eine sinnlose Wut gekommen, hätte einen herum- liegenden Hammer ergriffen und der Frau vier tödliche Schläge auf den Kopf versetzt. Die Beweisaufnahme ergibt je- doch ein völlig anderes Bild. Nach der Tot wurde nämlich ein« Versicherungspolice entdeckt, die von Agnes Kleine- Lasthaus unterschrieben war, jedoch auf den Namen der Ermordeten lautete. Im Sterbefalle der Frau Lasthaus sollten ihrer Tochter Agnes danach tausend Mark ausgezahlt werden. Es steht jedoch fest, daß die Ermordete nie das geringste vmi dieser Versicherung gewußt hat. Man will nun Paim beweisen, daß er die furchtbare Tat aus Ueberlegung begangen hat, um das Geld zu erhalten und dann Agnes heiraten zu können. Am Schluß der heutigen Verhandlung wurde die Tochter der Ermordeten vorgerufen und gefragt, ob sie sich mit dem Angeklagten noch verlobt fühle. Sie antwortet« auf diese Frage mit einem lauten„Ja". Ihre Aussage wird sie am zweiten Berhandlungstag machen._ Schüsse auf die Braut. Bor wenigen Tagen hat stch in der Schwerinstraße 15, wie erst jetzt bekannt wird, eine Eifersuchtstragödie ot>- gespielt, die fast mit dem Tode einer Zljährigen Frau geendet hätte. Der LSjährige Prioatchauffeur Kurt M. war mit seiner Braut Käte S. in Streit geraten und ließ sich hinreißen, mehrere Schüsse auf di« Unglückliche abzugeben. Eine Kugel traf das Genick und trat an der linken Wange wieder heraus. In dem Glauben, daß er feine Braut getötet Hobe, verließ der Täler fluchtartig die Wohnung und schloß hinter sich ab, um eine Eni- deckung der Tat möglichst� lange hinauszuzögern. Nachdem die Schweroerletzt« fast 24 Stunden bewußtlos gelegen hatte, kam sie wieder zu sich und rief, von Schmerzen und Durst gepeinigt, um Hilfe. Nachbarn nahmen sich der Frau an und be- nachrichtigten gleichzeitig das Polizeirevier. Die Verletzte wurde in das Elisabethkrankenhaus gebracht, wo sie den Aerzten den wahren Tat be st and zunächst zu oerheimlichen suchte. Als sich die Geschwulst gelegt hatte, erkannte man jedoch den Schußkanal, und aus die Borhaltungen gab die Frau zu, daß ihr Bräutigam auf sie geschossen habe. Der Täter ist am Mittwoch abend, als er von einer längeren Fahrt zurückkehrte, festgenommen worden. Umanitzky, etwas daneben Oskar Sima als Erzherzog Salvator. Das Publikum war ergriffen, entzündet. Der„Fall Redl" gehört In den Abendspielplan._ Keine Hilfe? Notschreie aus Kellerlöchern.— Sollen wir verkommen? Die Kellerbewohner des Hauses Ackerstraße 81, deren trauriges Los wir vor einigen Tagen schilderten, haben gar viele Leidens- geführten und immer, wenn die Tragik dieser.Höhlenbewohner" wieder einmal öffentlich zur Sprache gekommen ist, hoffen oll diese Bedauernswerten auf Hilfe. Und es mutz ihnen Hilfe werden in ihren stickigen Gefängnistcnl Alle gehören sie der Klasse jener Allerärmsten an, die auf der untersten Sprosse der Elendsleiter angelangt sind: arbeitslos, ausgesteuert, Wohlfahrtsempfänger mit Frau und Kindersegen. Verzagt, verbittert bis zum äußersten hocken sie in ihren muffigen Kellerlöchern, abgesperrt von Lust und Licht, körperlich und seelisch der Verelendung rettungslos preis- gegeben. Dabei fehlt es meist an der allerprimitivsten Hygiene. Da bewohnt beispielsweise im Hause lik« u k ö l l n, S ch i n k e. strahe 11, ein Ehepaar mit einem vier Wochen alten Kinde ein solches„Kell-rappartement", und die Leute find gezwungen, ihre Notdurft im Zimmer zu verrichten und den Hof, auf den chr« Fenster munden, als Ausguß zu benutzen. Aber dabei müssen wir ja noch heilsroh sein, daß wir hier wohnen können, sonst bleibt uns ja höchstens noch die„Palme", meint der Mann, und angstvoll sind die Augen der Mutter auf das Kleine gerichtet, dos so jämmer- lich quäkt und schon so trostlos in die so„schöne" Welt blickt... Kirchenoustritt. Dir Freireligiöse Gemeinde Berlin, Pappelallce lS, Hot am Freitag, dem 28. November, abends von 8— 8 Uhr, einen Kirchenauscritlsabend. Gegen Vorzeigung einer Legitimation und einer Gebühr von 2 Mark tonn dort der Kirchen- austritt notariell vollzogen werden. 223 Grdbebenopfer in Lapan. Tokio. SS. November. Die Zahl der Todesopfer des Erdbebens wird amt» lich mit 2SS angegeben. Zahlreiche Häuser sind zerstört oder beschädigt. Protestveranftaltung der Berliner Mieterschaft. Auf Veranlassung des Gaues Berlin im Bunde Deutscher Mieteroereine e. V.(Sitz Dresden) und des Neubaumieter- bundes Groh-Berlin e. V. findet am Sonntag, dem 3 0. No- o e m b e r. vormittags loZö Uhr, im großen Saal des Lehrer- vereinshauses(Alexandcrplatz), eine groß« öffentliche Proteswer- samnilunq der Berliner Alt- und Noubaumieter statt. Geaenstand der Veranstaltung bildet die Forderung nach Senkung der Mieten und die geplante Wohnungspolitit der Reichsregierung. Es sprechen u. a. Bundesvorsitzender Hermann, Dresden, Stadtrat Kugler, Kiel, Borsitzender des Norddeutschen Mieterverbandes und Vertreter- der Parteien, Gewerkschaften usw. Todessprung aus dem. vierten Stock. Gestern nachmittag stürzte sich die LSjährige Friederike R e t t i g aus dem Fenster ihrer im vierten Stockwerk des Hauses Lothringer Straße 34/36 gelegenen Wohnung auf die Straße hinab. Mit schweren Verletzungen wurde di« Lebens- müde ins Krankenhaus am Friedrichshai« gebracht, wo sie bald nach ihrer Einlieferung starb. «utorenabeud in ber Städtischen Zogendbäha« Lichtenberg. Am Mitt. woch. dem 3. Dezember, lallen die üblichen Kinovorstellungen in ber Ltädtiichen Iugendbilhnc Lichtenberg. Holteistr. 7/9. aus. Dafür liest der Arbeitcrdichlcr Max Barthel aus eigenen Aertcn. Die gesangliche Umrahmung der Beranstaltung bat daS EbcrI-Manz-Ouartett übernommen, am Flügel Musitdircllor Knöchel. Zur Einführung in die Dichtung werden unter anderem im Film Hamburger Hasenbilder gezeigt, die von dem Leiter der(tugendbühne, Stadtamtmann Griebe, aufgenommen worden sind. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr. i Allgemeine Wetterlage. 26.Nov.4930,abds.� ® wolkwIo&O heirtr,lkt. Die Temperaturen betrugen mittags überall mehr als 6 usrod, in Mittel- und Süddeutschlond mehr als 11 Goad. In Baden wurden beinahe sogar 20 Grad Wärme erreicht. Besonders mild war es auch in den höheren Lagen der mitteldeutschen'Gebirge. Wasierknppe. Kahler Asten und Feldberg im Taunus meldeten mittags 7 Grad, der Jnselberg 6 Grad und der Bracken 5 Grad Anrme. Stärkere Niederschläge kamen nur im Nordwesten des Reiches vor. Die Wetterlage wird zur Zeit durch ein Tief über der nördlichen Nordsee und einem Hoch über Südosteurapa bestimmt. Da dos Tief keine nennenswerte Energie mehr besitzt und außerdem die vorsichgehendcn Druckänderungen sehr langsam erfolgen, wird sich an dem bestehenden Witterungscharakter wenig ändern. -» Wetter für Berlin: Ziemlich mild und meist wolkig ohne nennenswerte Niederschläge, südliche Wind«.— Für Deutschland: Allgemein stark wolkiges Wetter, stellenweise noch etwas Regen. Temperaturen wenig verändert. rinkenduilgen kör diese Rubrik sind v« r l t» SB«8, Liudeuftraße 3. parieinachrichten ISl für Groß-Berlin stets an das Bezirkssekretarwi i. Hos, 2 Trennen rechts, zu richten Achtung, Kassierer? Wie schon im Zirkular mitgeteilt, hat die Abrechnung der vintrittokarten zum S. November spätestens bis zum 28. November zu erfolgen.— Ein Teil der Kassierer scheint diesen allerletzten Tcrmm erst abwarten zu wollen.— Diese werden hierdurch um sofortige Abrechnung ersucht. I. A.: A l e x P a g e ls. * 14. Treis ReuI-IIir. Arbeit« rwohlsadrt. Der Kursus fällt am Sieifaa toenrn !>ct äffentUchen Kundseduna in der»Reuen Seil" aus. Nächster Kursus- abend ftreitan, 5. Dezember. 17. Kreis Lichtenberg. Kildunasausschust. Donneestan. 27. November, iWi Uhr, Kursus:..Kultur- und Sittenflefchidste des Peoletoriats". Leiter: Dr. He». »iglen. Noihaus Mällendonssteane, Lisningssaal. ilimmer 2S. 2i>. Krei» Reinilkendors. ssreita«, 2«. November, IS Uhr, im kleinen Cisiunqs- s«al des Nolhauses Wittenau Sistnnq des Kreisvorstandes mit den Ab- teilungsleliern. heute. Donnerstag, 27. November: so. Abt. Neukölln. 20 Uhr im Lokal Lihaner, Treptower Etr. so. Aussprache. abend, veranstaltet vom Arbeitskreis junaer Parteisenossen. Taaesordnuns: „Mehvwert und Profitraie". Referent: Emil Barth. Ausbau des Ordner. dienftes. Alle interessierien Genvsstnnen und Genossen und bisherigeif Ordner stnd ebenfalls einseladen. Morgen, Freitag, 28. November: Lichtenberg. 117, Abt. svreitnn, von 19 bis 20 Uhr, bei Klose, müssen die Arbeiterwohlfahrlslofe restlos abseeechnet werden. Auf die Liften des Erwerbsiosenopfers müsse» AioniozaHimiscn qeleistet werbt». Die «ruppensllhrer müssen bis sTteitaq die Namen der erwerbslose» Genossen anseben.— Iis. Abt. ffreitas, 28. November, 19'4 Uhr, austerordentliche stunktionilrkonferen, bei Böckel, Sophien- Ecke ssriedrichstraste. Die lsunk- tionäre warben flebeten, die Mitsliedsbllcher der zu untersttistenden«de- Nossen mitzubringen. Frauenveranstaltung. 141. Abt. Rosrnthal. Heute, Donnerstag. 27. November, 20 Uhr. bei Sofsman». Edelweiststr. S, Borirog:„Tranen und Taschismus". Ref.: Max Brlnister. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. S. Kreis Wedding. Es stnd unbedingt Akontozahlungen zu leisten. unterzubringende Lote stnd zurückzugeben. Nicht Stamtasdimg! Am Freitag, dem 28. November 1930 191/, Uir, im g rosten Soale der»Neuen Welt', Hasenheide Refchstagsabgeordneter Genosse Karl Lifke spricht Ober Wider den Faschismus Genossinnen und Genossen! Sorgt für Massenbesuch! Niemand darf fehlen) Die Veranstaltung wird umrahmt von Darbietungen des Reichsbanner. Orchesters Neukölln SPD. Neuköiln«BrllZi Kreuzberg und Tempel- hef. Der Kreisvorstand 7. Kreis Eharlottendurg. Alle bisher verkauiten Lose, sowie die, für die Absatz nicht mehr erwartet wird, stnd Lonniaa. 00. November, bei der Se- nosstn Eeigewasser, Cuarezstr. 11, Seitenflügel IN, abzurechnen. Arbeitsgemeinschaft der Kindersreunde. Kreis Neuköll». Helserkreis. Wir beteiligen uns an dein Wochenendlursns am kommenden«Sonnabend und Sonntag in Brieselang. Treffpunkt Sonnabend, 1914 Uhr, Bahnhof Neukölln.— Gruppe Birke. Unsere Elternversammlunq findet diesmal schon heute. Donnerstag. 20 Uhr, in tre Lesiingfdüile statt. Tagesordnung: I. Teilung der Gruppe. 2. Verschiedenes. Geburtstage, Jubiläen usw. f. Abt. Unserem treuen Genossen Ott» Rudolph zu seinem Oft. Geburtstage unser« herzlichsten Glückwünsche.«Senossc Rudolph ist schon seit der Vorkriegs. zeit Funktionär und noch heute Mitglied des Abteilungsvorstandes. lftl. Abt. Trevtow. Am ffreitn«, dem 28. November begeht unsere treve Geuosstn Pauliue Graupe. Heidelberger Str. 80—81. ihren 80. Geburtstag. Die »euoistuueu unserer Abteilung begrüßen fte ,» diesem Tage aus das herzlichste uud wünsche« Ihr sür ihre» ferneren Lebensabend»nr das allerbeste. Sterbetafel der Groß« Berliner Partei- Organisation 3b. Alt. Unser Genosse Hugo«Soldacker ist verstorben. Ehre seinem An- denken. Einäscherung ffreitag. 28. November, IS Uhr, im Krematorium Baum. schulenrveg. Wir bitten um reibt rege Beteiligung. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geich äitsstellF: Berlin S. 14. EedaNianstr. 87-38. Hol 2. Sc ffeeltag, 28. Nooember. Wedding. 1. Kamera bschaft. 20 Uhr in der Turnhalle Pulbusser Str. 3. in Zivil, Zusammenstellung der neuen Formationen. Neukölln-Britz. l8«/z Uhr Pflichtantreien zum Soolschnst in der „Neuem Well", Hasenheide. Die für den I. und 2. Zug der 1. Kameradschaft angesetzte Zugversammlung fällt aus. W Arbeiter-Samariter-Bund e. V.. Kolonne Verlin. Geschäftsstelle: N. 24, Gr. Hamburger Str. 2». Tel.: v 1 Norden 8340. Am Donnerstag, dem 4. Dezember. 20 Uhr. findet in der 1. Ge. meindoschule. Lindauer Straße(Aula), ein Lichtbildervortrag statt: ,.�it die moderne Ernähruna schuld an der Entstehung von Krebskrankheiten". Bortragender: Herr vr. mmi. Hausdorf. Eintritt srri. Briefkasten der Redaktion. E. 6. Nein.— Freidenker 1474. Rur Austritt serklarung ist die Einwilligung Ihrer Frau erforderlich. Wen» das Kind bereits 12 Jahre alt ist. so Ist auch fein« Eiirwilligung erforderlich.— B. 88. Nein. Sie müssen sich an das zu» ständige Bersichernngsamt wenden. Dieses werden Sie bei der Bezirkgadteiliing Wilmersdorf(Stadthaus) ersahren.— A. T. 100. Wenden Sic sich zunächst an das Polizeirevier. Sollte dieses ein Einschreiten ablehnen, so müssen Sie den Klageweg beschreite». Suständi« ist das Amtsgericht. Bielleicht fetzen Sic(ich auch mit dem Hauswirt in Verbindung. Nationaiitäjen worden auf der politischen Börse'verschieden be- wertet. Es gibt klein« und große, angesehene und verachtete, aber ein Mensch mutz einer Nationalität angehören und sei es auch die winzigste oder anrüchigste. Der Paß entscheidet. Ohne ihn gerät der Mensch hilflos in das Räderwerk der Staatsmaschinerie, er ist cin störendes Etwas, das beseitigt werden muh, er schwebt frei im Raum. Heber die Tragik der ausgestohenen Staatenlosen spricht Kurt G r o ß m a n n mit dem Bemühen, ein umfassendes Bild �von dieser Menschen kateAone zu geben. Eine Fülle von Details, eine Sammlung von Einzelfällen, von wirklichen Geschehnissen beleuchten das Problem. Hervorgehoben wird Preußen, das sich ernstlich bemüht, in modernem und humanem Geist die Frage der Staatenlosen zu lösen. Sehr nett die Abendveranstaltung. Otto Kernibach spielt mit seinem Orchester alte Tanzmusik. Nun, so alt ist die Musik nicht. Walzer ertönen, die am Ansang des Jahrhunderts jugend- liehen Glanz ausstrahlten uild noch heute durch ihren Melodien- geholt gefangen nehmen. Jedenfalls kann man feststellen, daß die Erfindungsgabe moderner Tanzkomposition, gemessen an dieser alte» soliden Ware, bedenklich eingeschrumpft ist. Aus Gottfried Kellers Novelle„Die Leute von Seldvyla" stellt Friedrich Burfchell ein« Funkmontag« zusamm«n. Die einzelnen Figuren werden aus den Novellen herausgenommen und erzählen ihr sonderbares Leben. Es wird der Persuch zu einer dramatischen Gestaltung gemacht. Die Veranstaltung, die Etleff Köppen leitet, ist ähnlich wie das„Balzac- Panoptikum", aber Keller ist kein dramatischer Gestalter wie Balzac. F. Sch. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin Sinsendunaen für dies« Bude» nne an da« Zuaendleteetattal tttestu«W 68. Xsttbenffrafie J- >.-Sitzung mit WL. heute. 20 Uhr, im Bortragssaal, Lindcnstr. 3. Condeeoorstelluna der Bolksdühne am 1. Januar, 18 Uhr. Gespielt wird: Mississippi", Schauspiel von Georg Kaiser. Karlen zu 80 Pf. sind für Jugend- liche von 14 bis 18 Jahren erhältjich. Inugbuchdrucker: Heute, 17«, 4 Uhr, Zusammenkunft im Heim Lindenstr. 4, vorn 1 Treppe. Streickorchefter Groß-Berliu: Morgen, 18«,z Uhr, Probe und Teilnahme an der Veranstaltung des Jugendamtes Weißensee, Weißensee. Pistortusste. 131. Vorsitzendenkouserenz Mittwoch. 3. Dezember. 10') Uhr, im großen Sitzungssaal des Bezirksamts Kreuzberg, Porckstt. U. Alle Gruppen müssen unbedingt vertreten sein. heule. Donnerstag, 27. November, WA Uhr: Arnswalder Platz II: Heim Rastenburger Str. 18. Tagespolitücki« Ereignisse. — Falkplatz I! Schule Sonnenburger Str. 20.„Kreuz und quer durch die Mark". — Nordosten II: uöeim Danziger Str. 62. B. 3...Bursche und Mädel in der Gemeinschaft."— Schönhauser Vorstadt: Schule Sonnenburger Elr. 20. Humo. ristisches Allerlei.�- Hallesches Tor: Heim Porckstr. II...Karl Marx und seine Lehre."— Hasenheide: Heim ffiosset'otftr. 9. Funklionärschuluugskursus.— Kottbnsser Tor: Heim Britzer Str. 27—80. Tagespolitik.— Südwest: Heim Lindenstr. 4.»Unser Iugendschutzvrogramm."— Westend: Heim<»uf dem Sport. Platz Westend. Lichtbilder:..Indien".— Zehlkndors.Dahlem: Zehlcndorf, Waid- schule, Schlieitenstraße.„SAI. und Berufsschule."— Reinickendoiss.West: Heim Seidclstraße.„Die Frau im Bürgerlichen Gesetz." Referentin: Hertha Eotthels. — Tegel: Heim Bahnhofstr. 18...Freikörperkultur."— Wittenau: Heim Rosen. thaler Str. 18...Fahrtenromantik." LSG. Westen: Heim Rosinenstr. 4. 17 Uhr Vortrag:„Heidelberger Pro. gramm". II. Teil. SS®. Lichtenberg: Heim Scharnweberstr. 29..Schülerzeitschriften." Werbebezirk Gedding: Generalprobe für die Parteineranstaitung om 29. November. Spreäzchor und Rrnueteilnehmer müssen unbedingt erscheinen. Helfer werdrn edetfalls gesucht. Treffpunkt 18'.st Uhr Müller» Elke Seestroße, zum Mnabiter Schützenhaus. Werbebezirk Reukölln: Arbeitsgemeinschaft über:..Geopolitik". Karl-Rarx» Schule. Ausgabe der Filmkarten zwischen 18 und 19 Uhr im Parteibüro. Werbebezirk Lichtenberg: Die Abteilungen müssen unbedingt die Teilnehmer. mekdckarten sowie den Kursusbeirag von 1,80 M. zum Funktionärkursus am «Sonntag in Rüdersdorf beim Genossen Wiechert abliefern. T-i SSG. Pankow: Morgen im Heim, Kissingenllr. 48, Werbeabend: f" B„Die Schule funkt". Beginn 20 Uhr. Freunde und Gönner der«SSG. st" ö sind herzlich willkommen. W Berhebeziri Westen: Werbebczirksmitgliederversammlung morgen. N Freitag, 20 Uhr. im Heim Rosinenstr. 4(Chariottrnburg). Erscheincn M oller Genossen ist Pflicht. Werdebezirk Tiergarten: Morgen Beginn der' Ariteren.Ardcitsgcmeinschost im Seim Lehrter Str. 18—19, 19 Uhr. Thema:„Die Entwicklung der Arbrilcr. bewegnng seit drm Kriege". Oer Werdegang der Seide. Im Ausstellungsraum dcr Firma Michels, Leipziger Straß«, gibt«s in diesen Tagen die Entwicklung der reinen Seide, angefang«» von dcr Seidenraupe bis zum fix und fertigen Mode- stoff, zu sehen. In Kojen wird der ebenso sehenswerte wie kom- pllzierte Entwicklungsgang gezeigt. Die Maulmeerplantagen mit ihren äußerst eßlustigen Pensionären, den Ranpe», die sich noch viermaligem häntungsprozeh in den Kokon einspinnen! nachher das Sortieren der Seide in Flocken(Abfall) und Hafpelseide, die Reini- gung mittelst rotierender Bürsten in heißem Wasser, schließlich, na«!) nochmaliger Entbastung(Reinigung) das Glätten und Sortieren im Knüpfraum und dann die Arbeit- am Webstuhl. In Italien wird die Raupenzucht vom Bauer als Kleinzucht neben seiner Landwirt- sichaft beirieben und die gewonnenen Kokons werden dann aus die großen Seidemnärkte in Mailand, Turin, Breseia usw. gebracht, wo sie die chändler� aufkaufen. Ein einziger Kokon liefert einen 3000 Meter langen Seidcnfaden, vo» dem allerdings nur etwa 000 Meter oerwendet werden können. Der außerordentlichen Feinheit des Fadens wegen muß der Faden von 4 bis 5 Kokons zu einem Faden versponnen werden.___ Mit dem Marchenonkek sprecaufmärts nimmt das.Winker« m ä r che n" seinen Weg, oollbeladen mit großer Fracht kleiner Leute. Da sitzen Hunderte kleiner Siepkes und lauschen den Erzählungen des Märchenonkels. Der hat, als fortschrittlicher Geist, abweichend von der Tradition des„Es war einmal", ein Stück launiger Gegen- wart abkonterseit und erzählt seinen kleinen Zuhörern die lustig« Geschichte, wie de,- kleine Billle ins Warenhaus Karstadt geht, um für Mutter Kartoffeln zu taufen und wie er da. nach der Art kleiner Leute zuletzt an seinen Auslrag. und zu allererst an sein eigenes Vergnügen denkt. Da passieren ihm nun allerliand grusekioe Geschichten von starren Männergestalten aus der Konfektionsabteilung, von geisterhaslen Tuchern, die sonst harmlos über den Vcrkailfs- tischen lagern, jetzt aber zu gespenstislh wehenden Fahnen werden, um den kleinen Ausreißer zu erschrecken. Das Äarstadt-Haus ist Gastgeberin der fröhlichen Dampferfahrt. Im„Blumengarten"'N Niedeoschäneweide gibt es dann noch eine modern frisierte Rot- käppchen-Vorstellung, und abends zieht die kleine Gesellschaft fröhlich wieder heimwärts. Die Märchenfahrten finden täglich von der Iannowitzbrücke aus statt, und die ganze Tour kostet einschließlich Kafsee und Kuchen 75 Pf. Im Dezembce-Progtamm der„Plaza" trägt die Direktion der Weihnachts- stimmung insofern Rechnung, als sie die berühmteste Liliput-Truppe. Lchaefrrs Liliputaner-Revue In einem auch an sonstiaen Neuheiten überreichen Programm engagiert hat. Die Truppe besteht aus 30 kleinen Damen und Herren. Die entzückende Dressurszene„Hunde als Maurer" von Leonard Sauiirr wird sehr viel Freude erwecken. Vorweihnachtsmarkt im Schönebeeaee Rothau«. Der Petrin Echönebergrr Hausfrauen veranstaltet in den schöne» ffestsäle» des neuen Rathauses eine Ausstellung, deren feierliche Eröffnung heute stattfand. Besondere Beachtung sindrt der Ausstellungsstand der Firma A. Hefter. Die Firma, die in Schöne. berg sechs Filialgeschäfte unterhält, zeigt ihre bekannten QuaUtätsfleisihwaren und Küchenrrzeuantsse, Insbesondere ihre nach eigenem Stiftern vorbereiteten küchenfertigen Fleischgerichte, die In anschaulicher Weise die Vorteil« dieses Fleischverkaufssristems durch Zeil-, Arbeits» uird illdaterialersparnis dartun. 0ö5 MS die Qefcfjenke, die Sie brauchen! Beachten Sie die seltenen Gelegenheiten! die wir heute anzeigen. Versäumen Sie nicht, rechtzeitig diese fabelhaft billigen SHT Gelegenheitskäufe"W auszunutzen! 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A.-V. 20 Uhr Fflrsfl�or Ende n. 23 Uhr DonnersU27.n staut, oper Bismarckstr. Turnus II 19 Uhr Die Waikfire Ende g. 23 Uhr Staats-Oper Am PUh Am sijuWik. 20 Uhr 3. SiDf.-RDiizsrt Kapelle dsiStaatsoper Ltg. OttoKluiipeier Solist Paul Hiademitti Ende 22 Uhr Schaosph. darmenmarkt), Staat!. (am Gmlarmtimai 76. A.-V. 20 Uhr Bürger Schippet Endeg. 22'/c Uhr Staati.StliillBr-Tlieatfir.CiailtlHi, 20 Uhr..... NOR A.: Ende nach 22-/. Uhr ifrüia t.ipniir— Rsodien eriinm 24 Tlllarattes. Carr-s u. Batty Tftgl. 5 u.S'f- Uhr. U S Burh. 8236 Tagl.l— 6 M.'— Nachm. halbe Preise. Rastelli"Der,«nae&<'Uer Matray-Baüett, PItAZa Tfigl.» u. e» Soul 2. sn. 8U Alex. E 4, 8066 I. Vorstellung 60 Pt. die I«. II. und III. Vorst, l hls 2 M. 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Jim und Jill Grete Mnibeim. Harald Paulun. Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 8V. Uhr von Max Alsberg und O E. Hesse Theater am Sdilfibauerdamm Täglich SV. Uhr letzte Vorstellungen Die von Brecht und Weit Preise I�b!sl2-M HitUnnnb.ii.Slg. 4 Ohr Kindervnrstellimg Emil und die Deieklive gMsWl Dönh. 625, 626. Täglich«V. Uhr Sektion Rahnstetten ROSE -Theater Gr. Frankfurter Straß« 132 B i I Uttk a—« Alex 3422 u.3494 Täglldb S.15 Uhr (Sonnabends 7 u. lO« Uhr. Sonntags 2», S« u. 9 Uhr) »»Der Diener zweier Herren'' »»Die schöne Galafhce" Erster Klasse44 Familien-Nachmittage JoüenMoBt« 5»U.:„Kuknli44 Jeden Dienstag, Donncrstg. und Freitag 5» Uhr: Familie Hannemann 44 Preise ron 30 Pf. bis 1.50 M. (Garderobe u. Progr. je 10 Pf. Kaffee mit Kuchen. Bier m. Salzatange je 25 Pf. Kinder haben Zutritt. Märchen für Kinder: jPeterchcns Mondfahrt* jeden Mittwoch 5 Uhr und ieden Sonnabend 4« Uhr 'Pref�c v. 30 Pf. bis 1.50 M). Zentral-Theat. Täglich 8V» Uhr Letzte Woche sowie Sonntag SV. Eine Freundin so goldig wie Du Operette v. Meisel. Ion. füi Paikatt«U statt i- H. aar 3■' Sonntags 3 Uhr Schneewl tchen g0ltignm27.bjs30.lbY. Samowsky-SOboen Tbnter la dtr StreumaBostr. Heute SV« Uhr wie es eueü getaut mit Elisabith Bergner Komödienhaus Heute sv* Uhr Die tremde Frau mitBosa Valelti Rose-Theater 6r.Fraol(tviierSlr.i32 Tel. Alex 3422 u. 3494 5.30 Uhr: Familie Hannemann 8.15 Uhr: Der Diener zweierHerren Die schöne Galathee Erster Klasse DeDtsiMtallaiMtei-VetW Verwaltungsmitglieder! Am FreLta-, dem 28. November, abends 7 Uhr, Sitzung der Mittleren Verwaltung. Achtung l Bau- und Geldschrankschlossert Oonnecstog. ben 21. Ttooembcr, aadtm. 5!Xhr, Im Cotol„mäcdjcu- beunttea II. am Zrievrlchshatn: FunKtiondrsttzung aller Bau- und seidschranKschiosser besgtetchea Im Lokal„MSrihen- braaaoa-, am Zrtebrichshata, am 7 Ahr: Oranelien-ueiiuersammiung Milgtledsduch legitimleN W!z etsuchnt olle Kollegin, bet Sichtigkeit halber an dielen Veranlialningen teilzunehmen. Die DtAvervoltaag. Am Sonntag, dem 16. Hovember 1930, entschlief nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann und guter Vater Ridiard Gaudin im 47. Lebensjahre. Die Trauerfeier hat am 21 d. M. im Krematorium Baumschuienweg stattgefunden, und spreche ich allen Freunden und Bekannten sowie den Genossen der SPD.(35. Abteilung), den Kollegen des Metallarbeiter-Verbandes dem Arbeiter-Radiobund (Ortsgruppe Lichtenberg), der Belegschaft der Markthalien und den Kollegen der Hauptwerkstatt des Stadtfuhrparks für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme meinen aufrichtigsten Dank aus Marie Gaudin geb. Dielz and Todtier Käthe. Die Beisetzung der Asche Endet am 29 d. HL, 3Vi Uhr, auf dem Friedhof Lichtenberg, Rudolf- Reusch-Straße, statt URANIA Freitag. deaZH.Horanbei abends 8Vi Uhr im laogenbedi-Tiidiaw- Haas. Luiseastr. 58-59 Br. Surt Jacobsohg gad Dr. Vicfgr Ggäbiinir Jie üäDtgen- Bioemata- graphie im Dienste Ger Heilkunde'. Vortrag mit Film- und Lichtbildern Danksagung. Für die vielen Beweise innigster Teilnahme bei der Einäscherang meines unvergeßlichen Mannes Heinrich Schmidt sage ich allen Freunden. Verwandten und Bekannten, Genossen und Genossinnen, dem Reichsbanner Lichtenberg und den Kollegen der Ortskrankenkasse Berlin-Lichtenberg meinen herzlichsten Dank. Herzlichen Dank auch dem Sprecher sowie dem Genossen Heßberg für ihre trostreichen Worte. Die tieftrauernde Witwe Marie Sdunidi BerliD-KaaUdorf, Ferdinandstr. 18. DeDtidier NetallartieitrVeM Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Wifgllebern zur Ziachtncht, daß unser Aollege, der Rohrleger Bruno Seifert geb. 7. September 1896, am 28 November gestorben ist. Die Beerdigung findet Donnerstag den 27. Nooemder, 14 V, Uhr, aut dem Waldfriedhöf Oberschoneweide stall Rege Beteiligung wird erwartet Nachruf 2lm 19. Nooemder starb anser Aollege, der Etangenzieher Alfred Lüdicke geb. 19. Oktober 1886 durch linsall. Die Einäscherung hat bereit» stall- geiunden. Am 18 November starb unser Aollege, der gtseleur Richard Horte geb. 18 Februar 1868 Die Einäscherung hat bereits stattgefunden. Ehre ihrem An b« nie»! vio OrtsTerwaltonK, mec/tten Singspiel in vielen Bildern. Con«.»ptra, Humd, I.leske, TVallbartr. Arno, Jonkahfl, Pont BOrbtgrr, äono. Sehufloro, W Intelstern, Kollo, Demi, Stork. Gotet lenlutner. Ortgtnul Tiroler 44 otoefarntanser, Original Tiroler Jodlerlnnen-ttninlott,{ Knoih-Trlo aua Seblteroeo. I Ja**- Band, Glrto n. Boys I Gross« Cta&r«. Oer Zelt entspreehsnd sind, trot* des | riesigen Andränge*. M E 0 /- er 460 /O I die Hassen preise am 1 mAssigt* Senntay� fl IK�m Orlgioalbasetzanr ffaehmitt&g-«W UTlV Billig:« Preise. CASINO-THEATER Lothringer Strohe 37._ Nur noch bis 30, November Komische Oper 8>b Uhr Das NSdel Arm wie eine Kirchenmaus Iop" und. das erstklftssige burtte Progfarpm|~ ■ Am 1.. bczejTiber zufn" erstcir Maie; Der keiudie Lebemann Gutschein 1—4 Fers. 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Dann beschien dos stille, geisterhaft« Licht der Raketen minutenlang das verwüstete Feld: langsam schrvebte der leuchtend« Kern nieder, bis er— nicht ohne einen kleinen Luftsprung— gewissermaßen in die Finsternis hineinschlüpfte und die Stätte des Todes und der Teufel dem Sternenflimmer überließ. Der Soldat fiebert« und glich— abgemagert und verdreckt wie er war— mehr einem verkommenen Gespenst als einem mensch- lichen Wesen. Er lag auf einer nassen Zeltbahn, schaute zum Himmel auf und dachte bekümmerten Herzens über sein junges, verpfuschtes Leben nach. Uebereins glaubte er Stimmen zu hören. Apathisch rollt« er sich auf die Seit« und kroch auf allen Vieren zum Rand des glitschigen Erdtrichters: er lugte in das Meer von Finsternis hinaus und lauschte. Der Wind, der einmal aus dieser und einmal aus jener Richtung wehte, trug ihm die Stimmen eimger englischen Soldaten zu, die sich ganz ungeniert unterhielten. Sie erzählten sich anscheinend gegenseitig ihre Urlaubserlebnisse in der Heimat, dem» der Soldat hörte ganz deutlich die Worte: tbestre— breakfast— girl... „Theater— Frühstück— Mädchen...,* wiederholt« der Soldat nachdenklich und so leise, daß es nur ein Flüstern war. Die aufgeschnappten Worte stimmten ihn noch trauriger, als er ohnehin schon war. und er wünschte sich roe't weg aus seinem glitschigen Wasserloch dicht vor dem englischen Drahtverhau., Was wohl Claire jetzt tun mag? dachte er. Ob sie schlief? Oder einen Brief an ihn schrieb? Vielleicht v>ar der Kleine krank, konnte man wissen... im Herbst ist mit Kindern immer etwas los, Fieber, Masern, Scharlach, Keuchhusten und so. Wenn er nur gestmd bleiben wollte... Indem er solchen Gedanken nachhing, hörte der Soldat«in Ge- räusch hinter seinen» Rücken, er drehte den Kopf und sah etwas, das ihm den Schreck in alle Glieder jagte. Es mar aber weniger Angst vor dem, was er da erblickte, als das Grauen vor sich selbst. Denn niemals, so alt er auch geworden»vor, hatte er eine„Erscheinung" gesehen. Er kannte wohl solche Augenblicke, in denen er sich nicht »»ehr klar darüber wurde, ob er denn schon vollends verrückt»var, oder ob er noch immer nur erst am Rande des Wahnsinns hinlebt«. Aber Amvandlungen solcher Art hatte jeder, der einen Monat im Graben lag und Trommelfeuer und Sturmangriff erlebte. Dies war aber etivas ganz anderes, es nxir ein Gesicht, denn alles stand greifbar nahe vor ihm. Die beiden weißen Letten, der rund«, niedrige Tisch, die groß« blaue Vase darauf, das Nachttisch- chen mit der kleinen Lainpc und den Bücher»», in denen er las, wenn 'er iricht einschlafen konnte... Der Soldat strich sich mit den fieberheißen Händen über di« Augen, über die hohlen Wangen und da» Kinn, er hatte das Gefühl, als sei sein Gesicht nicht größer als ein Ei, ui»d als er wieder auf- schaute, stand alles noch ebenso vor ihm, wie er es kannte. Er hörte sogar den fmistgroßen Nickelwecker ticken und das Geräusch der vielen Regentropfen, die gegen das Fenster trafen. Der Kleine lag in seinem Bettchen und schlief. Flack beugte sich über ihn, lächelt« beruhigt und ging dann auf Zehenspitzen zum Nachttischchen, streckte die Hand nach dem Band mit den Briefen des jungen Goethe aus, als er draußen Schritte hörte. Schnell trat er hinter die Gardine. 3)er Kod Claire trat herein,— seine Claire. Das Herz blieb ihm einen Augenblick lang stehen, denn ein schwarzhaariger Mann folgt« ihr auf dem Fuße. Flack kannte den Mann»richt, war ihm nie begegnet, er wußte aber sofort, daß er Claires Geliebter»var. Sein hübsches, ein rvenig gedunsenes Geficht strahlte: der Mensch gehörte zu jenem dunklen Typus, den Flack als widerlich zu bezeichnen pflegt, weil er ihm immer gefährlich rivalisch vorgekommen»var. Der Mann schloß die Tür behutsam hinter sich ab und als er das getan hatte, griss er nach der Frau und zog sie mit leidenschaftlicher Gebärde an sich... In diesem Augenblick lachte jernand. Das F«nster, vor dem der Soldat stand, verschwand, ebenso der durchsichtig« Vorhang, der ihn verbarg. Das ganze Phantom löste sich auf in Nichts, und nur das glitschige Erdloch, die Finsternis und das Gelächter blieben. Di« Soldaten im englischen Graben lachten, der Soldat hörte es und knirscht«:„Sie lachen mich aus..." Sein Kopf drohte fast zu platzen, so wüteird»vor er darüber, mrd auch als es ihm klar wurde, daß sie ja nichts von dem bemerkt haben konnten von dem. dessen er eben Zeuge geworden war, hört« sein Zorn nicht auf. Er versucht« das Lachen zu ignorieren, denn er wollte die Vision zurück- rufen, wollt« mehr sehen und sich von dem Schinerzlichen ganz ver- giften lassen. Aber es störte ihn das gräßlich« Gelächter d«r englischen Soldaten, und selbst als er sich die Finger in die Ohren fchvaubte, hörte er es noch, und das Bild aus der anderen Welt kehrte nicht wieder. Eine ohnmächtige Wut packte den Soldaten, er vergaß alle Vor- sicht, richtet« sich auf und rief mit einer vor Erregung ganz lächer- lich klingenden Stimm«:„Ruhe da! Ruhe bitte ich mir aus!" Einen Augenblick lang wurde es denn auch wirklich still. Dann riefen die unstchtbaren Männer im Graben hinter dem Drahtverhau dem zomigen Soldaten ein paar scherzhafte Worte zu, ob er über- geschnappt sei? Er soll« gefälligst den Mund halt«n oder in seinen Graben zurückkriechen und an der Matratze horchen,»venn es da überhaupt noch so etwas gab wie Matratzen. Und dann lachten sie über ihn, der im Dunkeln faß wie im Bauch eines Walfisches. Der Soldat verstand jedes Wort, obwohl sie englisch sprachen. Er verlor den Rost von Selbstbeherrschung, kroch zitternd vor Wut über den Rand des Trichters hinaus. Kniend, init aufgestemmten Armen hockte er im Schlamm ui»d versuchte das Meer von Dunkelheit zu durchdringen, indein er seine Augen zusasinnenkniff. Er sah nichts, aber er hörte sie dafür um so lauter lachen. „Ruhe da! Still! Hier gibts nichts zu lachen!" schrie er. Er weinte fast, und es klang alles airdere als komisch. Im deutschen Graben krachte eine Leuchtpistole, gleich darauf schwebte das stille geisterhaft« Weißlicht auf das Feld nieder. Der Soldat hockt« wie ein Hund vor dem englischen Drahtverhau und drehte aufgeregt suchend den Kopf nach rechts und nach links. Und als er«inen der Lacher zu sehen glaubte, hob er seinen Revolver und feuerte wie verrückt auf den Mann, der nichts anderes war als ein Stahlhelm auf dem Kolben eines Karabiners. Er hätte nicht schießen sollen, denn gerade als die Leuchtkugel erlosch, zerriß ei» feuriger Blitz und ein Krachen die Luft. Der kniende Soldat flog hoch»vie eine erschreckte Katze, er fiel kopfüber in seinen Trichter und blieb regungslos in der platschenden Pjütz« liegen. Der Kugelschwarm eines deutschen Maschinengcivehrs pfiff über seinen Leichnam weg. Raketen stiegen und brannten ob und die Geschütze auf beiden Seiten nahmen ihre Arbeit von. neuem.auf... S>as Qemeinfchaftshaus ton lehn lehn „Wissen Sie", sagte unser Generaldirektor,„»vir lassen für unsere Angestellten gemeinsam Häuser bauen. Darm sind wir alle zusannnen." „Dos wird sein", benrerkte der Sekretär.„Ich stelle es mir knorke vor." Halten»vir uns nicht bei den Vorbereitungen auf. Die Sache klappte. Es gab hübsche, nette Häuschen, mit allen Schikanen der Neuzeit bis zum eingebauten Lautsprecher, der unsichtbar irgendwo in Erhörung trat, sobaid jemand auf«in schroarzes Knöpfchen drückte. Möbelwagen kamen schockweise angefahren: es»var eine wilde verroegene Jagd von Möbelträgern und den Betrieb nur störenden gewöhnlichen Menschen. Schon an» Abend des dritten Tages saßen alle in ihren Wohimngen. Nun konnte das angenehme Zusammen- leben beginiren. Es wurde auch ganz r»ett. Frau Direktor Reuinann fuhr gleich am anderen Morgen ihre Kinder an: „Daß ihr mir nicht mit den Jungen von Rahnsdorfs spielt, untersteht euch." „Ach Mutti— das ist so ein netter Bub." „Ja, Erichn»aus, dessen Dater ist aber doch nur gewöhnlicher Angestellter in der siebenten Gehaltsstufe. Bleibt bei euresgleichen. Das ist kein Umgang." „Wir dürfen nicht mit dir. spielen— wir sind Direktors", schrien die Kinder am anderen Tag auf den Hof. „O Gott— o Gott— Drohnkes haben ja»vahrhastig ein Telephon, zu»vas die das bloß brauchen?" klöhnten Winklers „Die aufgetakelte Frau Drohnke wird ihre Liebhaber be- stellen wollen, die dunmie Pute mit ihrem Wosserstoffoxydhaar- wuschel." „Warum grüßt eigentlich Willmanns Tochter nicht, li>enn sie an eirsen vovbsigeht. Die hat's nötig, die Aufgeblasene zu mar- kieren." „Hach— die geht ja mit einen» vom Theater, sowas wie Hilfs- regisseur soll er sein." „Na— wenn schon; sie macht ein Gesicht, als»venn sie mal Frau Heldentenor wird init fiinfzigtauscnd Einm Einkommen." „Haben Sie die Frau Hufeland schon gesehen? Kinder— jetzt hat die schon in kurzer Zeit den dritten neuen Hut." „Ja, warum denn in cht? Ihr Mann ist doch Reisender, der verdient an seinen Spesen soviel, daß er sowas machen kann. Unsere Männer sitzen daheim, und die anderen ziehen das Geld ein." „Ja und haben Sie gesehen, der Hufeland geht meistens erst nach neun fort— mein Mann muß um Halbacht im Büro sein." Daß Hufeland regelnräßig erst spät nachts von der Tour kam, das sahen die Frauen freilich nicht. Das Gemeinschaftswohl«:»» wurde so zu einer netten gegen- seitigen Qual. Die Männer in» Büro focht das zwar»richt an, aber sie kamen auch nicht ganz unberührt davon. In der Familie wurden die Dinge doch besprochei», etivas Meltau blieb inrmer zurück. Ab und zu tan» es zun» Krach. Einmal wurde es sr>gar schlimm. Frau Billing war schuld. Sie hatte in Erfahrung gebracht, daß Feuerbach�„anschreiben" lassen. Mit einem Büchlein kaufte» di« Kinder ein, und gezahlt wurde auf Stottern. „Ich tat' mich zu Tod schämen,»venn»ich pumpen müßte", geiferte sie zu Frau Rollhagen,„wenn ich kein Geld hob«, eß ich Alba statt Butter." „Die kann doch nicht haiishalten, sehn Sie doch den Mann und die Kinder an— wie von der Stange abgehängt..." Da; gab Krach im Büro, nnül dies«»eckische Unterhaltung bekannt wurde: es hätte nicht viel gefehlt, wäre«ine solenne Prügelei losgegangen. Also kam. was kommen mußte, das Gcincinschaftswohnen unirde zu einer Qual für die»»eisten. Kein Räuspern, kein Spucken blieb ohne Kommentar. Einer nach dem anderen zog es vor, wieder„fremd" zu gehen, um feine Ruhe zu bekommen. 250 üahre berliner IVeißbier Ein findiger Berliner iZokalpatriot hat in einem verstaubten Archiv die„Mühlen- und Branordnung vom November 1680"«nt- deckt und stellt die„Berliner Weiße" im Glanz Ihrer nunwehr urkundlich verbürgten 250 Jahre vor. Mit dem Weißbierunssatz freilich staird es schon vor dem Kriege recht schlecht. Seit der Jahr- hundertwende ging er in, wer»»ehr zurück. Mit den, Wachsen Berlins und dein Aussterben der echten Spreeathener verschwand allmählich auch das gemütliche Alt-Berlin mit seinen lauschigen Winkeln und verräucherten Weißbierstnben. In der Innenstadt ging so»nancher Stammtisch mit der um'ernieidlichen Urne für den Schnupftabak und dein abgegriffenen Trudelbecher zum „Rundenausknobeln" den Weg alles Vergänglichen. Roch in den neunziger Jahren galt selbst in vornelzmen Kreisen die„kühle Bloride"— ob ihrer Kellertemperatur wurde die„Weiße" auch so genannt— als wahrer Geii»»b Das Berliner„Bayerische Bier" dagegen galt in jener Zeit nichts. Die.Polizei hatte in den ssebzigcr Iahren wiederholt gegen Berliner Brauer energssch einschreiten »niissen, da sie das„Bayerische" des Profits halber aus verdorbenem Hopfen und schlechtem Malz herzustellen pflegten. Kein Wunder also, daß in einer, kleine», ganz versteckt daliegen- den Weißhierstube in der Markgrafenstrahe die Kammergerichts- röte des nahen alten Kammergerichts ihren Stamintifch hatten. Ein Büfett, ein im Halbdunkeln stehender Stammtisch und zrvei kleine Tische am Ladenfensier, dazu die nötigen Stühle— mehr Inventar besaß diese„Geheimratskneipe" nicht. Unbekannte, die sich dorthin verirrt hatten, wurden von den» nvr mit Juristen verkehrenden Wirt so höflich an die Fenstertische verwiesen, daß sie nicht mehr wiederkamen. Diese„Säuglinge" fanden aber noch genug andere „Eeheimratskncipen". Auf ein« geiviffe Reklaine verstand sich näm- lich der Altberliner Weißbierwirt vorzüglich. Wenn es auch nur ein Kanzleirat»var, der bei ihn»»»erkehrte— für den Wirt»var fein verräucherter, fandbestrenter Ausschank sogleich ein«„Geheim- ratzkneipe". Da dos aus sieben Achteln Weizenmalz niid einem Achtel Gerstennialz hergestellte, ganz schwach gedarrie Weißbier iiur geringe Dauerhaftigkeit besitzt, wurde es früher in bauchigen Stein- gutkrnken so dicht wie möglich verschlossen gehalten. Der Korken wurde sogar init einer„Strippe", einein starken Bindfaden, fest uni- wickelt, damit auch nicht ein Deut des Kohlensäureinhalt» verloren- gehen konirte. Roch heute ist das Oefsnen einer miidernen Weiß- bierflasche ein Kunststück, so spritzig wie Champagner zeigt sich die alte..Weiße". Die Spreeathencr hatten daher für ihr goldklarec, hochschäiimiges Vier auch den schönen Namen..Wilder Cham- pagner" erfunden. Früher wurde die„Weiße" aus einem fußlofen, niedrigen und runden Glas getrunken, das am Stammtisch von Mund zu Mund ging. Während heute, vor allem an heißen Sommertagen, eine„Weiße mit Schuß"(Himbeersaft) ein begehrter Gem»ß ist, für den di« Frauen viel übrig Izaben, nahmen die Zecher von einst vorher noch gern eine„Strippe". Darunter verstanden sie einen Kümmel. 30er Meld Ifl der Menleurer Ton Siefan Ssende Hunderttausende Exemplare bezeichnen den Erfolg. Edgar W a l l a c e lst der Gefeierte. Der meist gelesene Schriftsteller der Welt. Sogar H. G. Wells ist durch ihn»n den Hintergrund gedrängt worden. Und hätte er nicht geschrieben, es käme ein anderer. Und es kamen auch etliche. Der Abenteurerroman scheint ewig zu sein, ist lebendiges Bedürfnis. Warum aber? Rsbcn der Hobelbant Tag für Tag das seelenzerschmetternd« Schuften. In den rationalisierten Fabriken durch Wochen, durch Monate dieselbe Bewegung. In Aemtern die Rubrik, die Schablone. Im Geschäft das stereotype Lächeln. Die arbeitenden Millionen rverden durch das gespannte Tempo, durch die Eintönigkeit zermürbt, ihr Interesse verfällt, versault, sie sind ermüdet, werden gleichgültig. Sie wollen sich von der Tretmühle befreien, möchten sich erfrischen, wollen leben, sich freue»». Di« müde Masse braucht Erregung, Spannung, befreite Phantasie. Abenteuer, das frische, stets überraschende Reue: den Kriminalroman. Ist er denn Kunst? Nicht iinmer und nicht allein. Kunstgenuß wird durch den Aus- druck, durch das hohe Soziale der Demonstration verliehen, im Wege des Ausdruckes der ethischen Werte durchsiebt durch die Gefühle. Das heißt: Wiedererkennen und Wunscherfüllung. Und die Kriminal- iiteratur? Sie ist unwahr, unwahrscheinlich, unmöglich. Und doch ist sie der eintönigen Einförmigkeit der rationalisierten Arbeit ver- schieden. Sie überrascht immer wieder. Und es soll einmal offen ausgesprochen werden,— sie ist stets Wunschersüllung. Sogar hauptsächlich ist sie diese. Unser Schicksal ist»n- befriedigend, die Arbeit verzehrt, der Kummer zermürbt, der Haß lodert, der Neid ätzt, die Verachtung quält. Andere besitzen alles und die Masse», die Schöpser oller Wert« werden in der Sorge- mühte der monotonen Einförmigkeit ewig gemahlen. Sie knien auf den Kieselsteinen der Bitterkeit, sie vergöttern die Macht, das Geld, weil diese ihre alleinige Hoffnung geworden sind. Sie mälzen sich an» Boden vor dein Geld«, im Kot und doch lodert in den Tiefen des Herzens stetig der Haß. Die Helden von Wallacc und Co. verhöhnen die gesellschaftliche Ordnung statt ihrer. Sie sind»nutig* kühn, gewandt und die Masse kann durch sie die Schranken des unbefriedigenden Gesetzes mit Begeisterung stürzen. Nicht die in der Tief« der Seele vergrabene asoziale Anlag« des Menschen»virkt hier,— eine solche Anlage existiert nicht,— auch der atavistische Wahn des Blutes erhebt hier die Stimme nicht. — nein,— aus der regen Entzückung der Millionen Leser der Kriminalliteratur schallt vielinehr die gcscllschaffformende Kraft der Sozialität enrpor. Bor dreißig Jahren siegte»n den Kriminal- roinancn die Ordnung. Der Meisterdetektio: Sherlock Holmes und seine� Doppelgänger waren genial, sie wurden gefeiert. Es war die Zeit des Aufbaues, die nach oben schwingende Etappe in der Ent- wicklung der Klasseiigesellschast. Die Masse vertraute dem Staat, de»«wigen Wahrheiten der bürgerlichen Ordnung. Heute aber sind die Helden der Kriminalromane di« Abenteurer geworden. Die Verkörperung der Ordnung, der Detektiv ist fast immer ein harmloses Bürschleii», oder Damche»», das heiratet oder liebt. Dem Verbrecher kommen sie immer auf die Spur, aber nie weil sie genial wären. Glück haben sie in der Berfolgung. Heute sind die massiven Wände erschüttert, dos moderne Gebäude drückt mit mehrfachem Gewicht auf das persönlich« Schicksal, das gemein- sain« Los. Der Arbeitend« will jedoch leben. In den Abenteuern, im geschickten Mörder, im schlauen, die Herrschaften demütigenden, großherzigen Verbrecher, der mit unbeztDinglicher Macht sich über das Gesetz hinwegsetzt. Die Masse siegt mit ihm, freut sich an ihm. Die Ordnung der Gesellschaft ist unbefriedigend,— und solang« sie es bleibt— wird der Held der Abenteurer sein. IVenn die 3)ämme brechen... Di« Trockenlegung der Zuidersee in Holland geschieht iticht etwa durch Anfülluirg der 2009 Quadratkilometer Meerboden— sonder» durch bloßes Auspumpen des Meeruxissers aus den Poldern. Die Polder sii»d durch Deiche gegen das Meer zu abgeschlossen. Mitten durch die Polder gehen Kanäle, die durch Schlnisen erreicht werde». Bei einer durchschnittlichen Meerestiefe von i»ur 3 Meter sind 6 Milliarden Kubikmeter Wasser auszupumpen, was rund 40 Millionen Kilowattstunden Energie erfordert. Wenn nun ein Damm bricht— zwei Dämme brechen? Dann retten sich die Bewohner der künftigen Zuider-Orte auf bestimmte Punkte mitten im Polder, wo Festungen geschaffen»verden, die bis 4 Meter über Hochwasser liegen. Sie sind kleine Rechtecke, 100 mal 200 Meter messend. Dort sind die elektrischen Pump- stationen eingebaut, die stets zu zweit angeordnet, je 4 Kubikmeter pro Sekunde aus den» Polder ins Meer leite»». Alle Wohrchäuser der neuen Polder erhalten Alarmsignal-Einrichtungen. Dernmtlich wird der erste Polder, der die Insel Wieringen mit dem Festland vereint, schon 1932 zur Besiedelung frei gegeben. Holland hat 7.8 Millionen Einwohner auf 34 000 Quadratkilometer Fläche, es kommt mit seiner Bevölkerungsdichte gleich noch Belgien, hat alsa den Landzuwachs von fast 2000 Quadratkilometer sehr nötig.(Wobei freilich zu beachten ist, daß sowohl Holland wie Belgien riesige Kolonien haben...). Da die Städte immer mehr Raum be- Ansprüchen, ebenso die Straßen und Bahnen, so ist der Zuwachs von 2000 Quadratkilometer Land, das zu 85 Proz. Garten wird, sehr willkommen. � Menschlicher Voraussicht nach werden die Dämme den stärksten Sturmfluten standhalten und ihrer zu erwartenden Bevölkerung von etwa einer Million Menschen genügend Schutz bieten. Aber auch wenn di« Dä»nmc einmal reißen sollten, ist Borsorge für die Rettung aller Bewohner getroffen. Die Rettungsfestungen(Wurten heißt der deutsche Ausdruck für diese festen Äuffchüttungen) sind durch starke Dämme und Aufschüttung bis zu 2 Meter über dem höchsten beobachteten Sturnrflut-Hochivasser Z»» künstlichen Rett»mgs- inseln gemacht.