Morgenausgabe Rr. 557..„, A280 4?. Jahrgang Wöcheutllch 85«ovatüch S.S0 9L im vorau» zahlbar. Postbezug M. einschließlich 80 Pfg.Postzeiwng»- vub ?2 Pfg. Postbestellgebühren, iluslanb»- abonnement 6.— M. pro Monnt. De? �Dorwärt»� erscheint wochentäg- lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgaben für Verlin und im Handel mit dem Titel„Der Abends Illustrierte Beilagen„Volk und Zeit" und»Ainderfreund". Ferner „Frauenstimme" �Technik",.Blick in die Bücherwelt"..Iugend-Dorwärt»" und»Stadtbeiloge". Berliner Voltsvla« Jentvalorgan der«Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Kreitag 28. November 2980 Groß-Äerlin 1-s) pf. Auswärts IS pf. Die einspaltige Nonpareillezeile 50 Pfennig. Reklame eile 5,— Reich»- mark.„Kleine Anzeigen� dos ettge- druckte Wort 25 Pfennig lzulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Die Aussprache des Fraktionspor- standes ergab völlige Uebereinstimmung, daß die in den Besprechungen mit der Regierung gewünschten M- änderungen der Nowerordnung bezüglich der Bestimmungen für die K r a n k e n o e r s o r g u n g. die Arbeitslosen- Versicherung und die Kopfsteuer absolut notwendig seien. Die Haltung der Unterhändler wurde gebilligt. Die nächste Sitzung der sozialdemokratischen Reichstagsfroktion dürfte am Mittwoch, dem 3. Dezember, stattfinden. * In einem Teil der bürgerlichen Presse wird seit Tagen ein Feldzug mit dem Ziele geführt, die Reichsregierung zur Jnkroft. fetzung ihres Finanzprogramms durch eine Not- Verordnung mit dem Artikel 48 zu veranlassen und damit den Reichstag vor vollendete Tatsachen zu stellen. Die Propaganda für eine solche Haltung der Regierung geht von den- jenigcn Kreisen aus, die dem Parlamentarismus ablehnend gegen- überstehen und es als ihre Aufgabe betrachten, die polnischen und wirtschaftlichen Perhästnisf« weiterhin zu erschweren. Die Verhandlungen, die in den letzten zehn Tagen zwischen der Reichsregierung und den Parteien geführt- worden sind, dienten dem Zweck, die parlamentarische Erledigung des Finanz- Programms zu ermöglichen. Wenn es auch nicht sicher ist, ob das erreicht werden wird, und ob ein« Mehrheit für die Vorlage der Reichsregierung im Reichstag gefunden werden kann, so hat doch die Reichsregierung bisher keine Entscheidung nach der«inen oder der anderen Richtung hin ge- troffen- Sie beharrt zunächst lediglich darauf, daß noch vor Weihnachten diejenigen Gesetzentwürfe erledigt werden müssen, die der Ausgleichung des Reichshaushalts für 193l dienen. Das schließt allerdings nicht die Erledigung des Reichsetats für 1931 ein. Sie ist erst bis zum 31. März 1931 notwendig. Auch will die Re- gierung die Verabschiedung des Finanzausgleichs und der damit im Zusammenhang stehenden Steuervereinfachungsgesetze mir bis Ende März gesichert wissen. Die Verhandlungen zwischen der Sozialdemo- krati« und der Reichsregierung betrafen in erster Linie die Abänderungen der Notverordnung vom Juli. Da der Widerstand der Sozialdemokratie gegen die Notverordnung vor allen Dingen sich gegen den Krankenschein und den Arznei- schein, gegen die Verschlechterungen bei der Arbeitslosen- Versicherung und gegen die Kopfsteuer richtete, so stehen natürlich bei den Verhandlungen in erster Linie diese Fragen zur Diskussion. Daß die Verhandlungen nur langsam vorwärts- kommen und sich überaus schwirrig gestalten, ist bei den großen Gegensätzen, die gerade bei diesen Fragen zwischen der Sozialdemokratie und einigen an der Regierung beteiligten Parteien bestehen, nicht verwünderlich. Da die Verhandlungen noch nicht be- endet sind'—'sie werden am Freitag fortgesetzt— so läßt sich" in diesem Augenblick natürlich noch-nicht sagen, ob ihr Ergebnis ein genügendes Entgegenkommen an die Auffassungen der Sozial- demokratie darstellen.wird. Seit mehreren Tagen war im Rathaus bekannt, daß die Som- munisteu die gestrige Sladlocrordnetensihung benutzen würden, um wieder einmal üble Tumullszeuen herauszubeschwöreu. Der Lärm entwickelte sich programmäßig. Auf dem Reuen Markt war eine Erwerbslosendemovstration angesetzt, die Tribünen- besuch« im Rathaus besonders ausgesucht und genau instruiert und im Sitzungssaal ging der berüchtigte Radaumacher Lange zu veginn der Sitzung geschäftig von einem Fraktionsmitglied zum andern, um die letzten weisungeu auszugeben. Die erste Gelegenheit zum Lärmen ergab sich bei der Verlesung des vom Oberpräsi- denlen an Magistrat und Stadtverordnelenversammlung gerichteten Schreibens, in dem die Verusung der Staatskommissare mitgeteilt wird. Das Toben nahm danach seinen Fortgang vnd nahm schlleßlich solche Formen an. daß der sozialdemokratische Vorsteher haß, sich zur herbeirusung der Polizei gezwungen sah. E» mußte den Kommunisten klar gemacht werden, daß e» sich eine arbeitswillige Mehr- heil aus die Dauer nicht gesallen lassen kann, von einer skrupellose!« Minderheit zum Schaden der Stadt VerNa uud ihrer arbeitenden. Bevölkerung terrorisiert zu«verden. Als sich aus der Tribüne einige Leute berufen fühlten, lange Reden mit nicht wiederzugebenden Beschimpfungen der Stadtverordneten zu hallen und Sprechchöre zu..arbeiten"" ansingen, die von kommunistischen Stadtverordnelen dirigiert wurden, forderte der Vorsteher die Ruhestörer zum Verlassen der Tribüne auf. Da der lalle Lärm nicht ausHörle, mußte die Polizei erscheinen, um die Tribünen zu räumen. Die kommunistische Fraktion ausgeschlossen. Die Räumung der Tribünen war für die Kommunisten im Sitzungssaal der Anlaß zu unerhörten veschimpsungeu der übrigen Mitglieder des Hauses und des Vorstehers. Aus Mehrheitsbeschl"ß der Versammlung wurden mehrere Mitglieder von der Sitzung ausgeschlossen. Sie verließen sedoch den Saal nicht, so daß auch hier die Polizei eingreifen mußte. Die Schuhpolizeibeamten wurden von der kommunistischen Fraktion inst erhobenen Stühlen empfaugea. der Kommunist DröN erhob einen Sessel und schleuderte Kommunistenklamauk im Ztathans! Theater zur Verhehung und Verhöhnung der Arbeitslosen.- Polizei greift ein. ihn gegen den Pollzeiofslzler. Es blieb den Veamten daher nicht» andere» übrig, als einige der sich wie tollwütig gebärdenden Stadl- verordneten mit Gewalt hinauszubefördern. Räch dieser Säuberungsaktion konnte endlich ln die Erledigung der wichtigen Tagesordnungspunkte eingetreten werden. Hitlers Drohbriefe. Eine Drohung gegen Paul Löve und seine Antwort. München. 27. November.(Eigenbericht.) Unmittelbar vor einer Massenkundgebung der Augsburger Soziawemokratie erhielt der als Referent bestimmte Reichstags- Präsident L ö b e im Versammlungslokal von der Post einen Brief ausgehändigt, dessen Inhalt eine ungeschminkt« Mord- d r o h u n g war, dazu bestimmt, ihn in seinem Kamps gegen die Nazis einzuschüchtern. Der anonyme Brief beginnt mit Schmähungen auf die Sozial- demokratie und schließt mit den Worten: „Wir rvarnen Herrn Löbe vor großen Phrasen. Dann könnte es möglich sein, daß er in Augsburg nicht mehr sprechen wird. Wir sind gerüstet und schlagfertig in dem Wort und in der Tat. Deutsch- land erwache, Judo verrecke!"" Am Schluß seiner zweistüMgen Kampscsrede gegen die Nazis antwortete Löbe den Vrieffchreibern mit folgenden Worten: „Glaubt Herr Hitler, uns mit solchen Drohungen schrecken zu können? Die Leute, die seit Jahrzehnten an der Spitze der Arbeiter- bewegung stehen, die im alten Deutschland durch die Gefängnisse �geschleppt wurden, glauben Sie, daß diese Leute in der Stunde der Gefahr nicht an der Seite ihrer Freunde stehen? Ich werde nicht, wie Herr Hitler, in die Villa hanfstängel flüchten und werde auch nicht in die Schweiz gehen, wohin andere ihr Geld vorausgeschickt haben."" Stürmische Begeisterung der'überfüllten Masseiwersammlung dankte dem Redner. Aktivität! Die große Chance der Sozialdemokratie. Von.Antcm Erkelenz. Das Wort Gelegenheit." oll bedeuten, daß kluge Jede Schwierigkeit gibt eine stammt von Lloyd George. Es soll Führer mit einer klugen und treuen Gefolgschaft in schwiV ngcn Logen nie zu versagen brauche», sondern im Gegentell aus den Schwierigkeiten Heraus neue Besserungen und Entwicklungen schaffen können. Wenn irgendwo, dann trifft dieser Satz in der jetzigen Wirtschaftskrise, in der poli- tischen Krise zu für die deutsche Sozialdemokratie. Man soll gar nicht leugnen, daß die Wahlen der letzten Monate, und daß die ganze seelische Grundstimmung dieser Zeit für die Sozialdemokratie ungünstig sind. Nicht so ungünstig, wie es manchen erscheint. Aber doch reichlich ungünstig genug, um darüber nachzudenken, wie aus diesem zeitweiligen kleinen Rückschlag ein neuer Aufstieg entwickelt werden kann. Und zwar nicht bloß ein neuer Aufstieg für die Partei als Organisation, auch nicht nur für die parlamentarischen Vertretungen, iondern ein Aufstieg für die soziale Demokratie in Deutschland, eine Besserung für die Lage der Arbeitenden, eine Besserung für alle Bestrebungen. die auf geistige und materielle Freiheit gerichtet sind. Gewiß können Führer nicht alles machen, aber sie können sehr viel. Keine Partei hat angesichts des Rückschlages, angesichts des Wirrwarrs unserer Zeit so wenig Grund, den Kopf hängen zu lassen, wie die Sozialdemokratie. Muß man das näher begründen? Man mag die Arbeit und die Organisation der Sozialdemokratie in der Vorkriegs- zeit noch so. hoch schätzen— für Situationen, wie sie im Jahre 1918 eintraten, hatte die Partei sich nicht vorbereitet und konnte sie sich nicht vorbereiten. Sie war innerlich vor- bereitet darauf, eines Tages eine in Reichtum und Ueberfhuß lebende Gesellschaft zu beerben. Aber worauf sie sich am wenigsten vorbereiten konnte, das war der Bankrott- urrd Zusammenbruch in-Politik und Wirt- schaft.im Kriege und nach dem Kriege. Blickt man heute auf jene Zeit zurück, so muß inan sagen, daß im wesent- lichen unter der Führung der Sozialdemo- k r a t l e in diesen zwölf Iahren Ungeheures geleistet worden ist. Und alle diejenigen, die heute über die Un- zulänglichkeit oer Verhältnisse klagen, müßten eigentlich be- schämt anerkennen, daß sie nach dem verlorenen Weltkrieg dem deutschen Volke sehr viel weniger Zukunft zugetraut hätten, als es bisher schon wieder erreicht hat. Es besteht für die Sozialdemokratie kein Grund zu leugnen, daß sie bei dieser Aufbauarbeit wichtige Mitarbeiter gehabt hat, insbe- andere vom Zentrum und von der Demokratischen Partei. der ohne den geschlossenen Willen der sozialdemotratischen Massen hätte das, was in positiver oder negativer Hinsicht erreicht worden ist, nicht erreicht werden können. Man hat der Deutschen- Republik mit Recht vorgeworfen, daß sie in diesen zwölf Jahren nicht hart, nicht rücksichtslos genug gewesen ist. Aber wo sie hart war. wo sie rücksichtslos durchgegriffen hat, da hat es stets von der Sozialdemokratie aus geschehen müssen. Sie war auch am wenigsten vorbe- reitet auf die Uebernahme der Verwaltung. In der Geschichte der Sozialdemokratie wurden Politik und Par- lament oft überschätzt und die Bedeutung der Verwaltung unterschätzt. Das hat sich inzwischen korrigiert, vielleicht sogar schon zuviel korrigiert. Aber wenn wir heute eine wenigstens zum Teil republikanische Verwaltung haben, dann ist auch das im wefenllichen das Verdienst der Sozialdemokratie. So entscheidend wichtig es ist, daß man aus Berant- w o r t u n g s b e w u ß t s e i n und auch aus Machtbewußt- sein in die Regierung hineindrängt, ebenso entscheidend wichtig ist es, sich bewußt zu bleiben, daß man nicht dauernd in der Regierung sein darf, wenn man sich nicht völlig auf- reiben will. Die jetzige Zeit, in der die Sozialdemokratie der Reichsregierung ferner steht als sonst, in der sie nicht in erster Linie die Verantwortung zu übernehmen braucht, ist die geeignete Zeit, um die innere Auffrischung zu vollziehen, die jede Partei nötig hat, wenn sie länger in der Regierung war, die doppelt nötig ist in diesen Jahren. Denn diese zwölf Jahre nach dem Kriege zählen für den Ver- schleiß an politischen Kräften- eigentlich drei- oder fünffach. Was muß die Sozialdemokratie wn, um ihre geistigen und organisatorischen Kräfte neu zu verstärken, so daß sie bald wieder einen neuen Vorstoß für die Erweite- rung und Vertiefung der sozialen Demokratie machen kann? Für Parteien gilt derselbe Grundsatz, der für Staaten gilt: sie werden in der Regel erhalten durch die Kräfte, durch die sie entstanden und gebildet worden sind. Wer sich von seinem Mutterboden entfernt, verliert die natürlichen Kräfte, die ihn« daraus erwachsen. Darin liegt nicht zuletzt das Geheimnis des völligen Mißerfolges der Staytspartell Die Sozialdemo- I kratie ist entstanden und ist groß geworden aus der Frei- j h e i t s b e w e g u n g der deutschen Arbeiter- : s ch a f t. Das muß ihre feste, unverrückbare Grundlage auch 1 für die Zukunft bleiben. Das bedeutet nicht, daß sie in jedem emgetrfcn Mle jede? anzelnen(Gruppe alles zu Gefallen tun müsse. Aber es bebeutei werter wie bisher, haß der Kampf um die Erhaltung und den Ausbau der Freiheit der d e u t- scheu Arbeitnehmerschaft die wichtigste Kraftquelle für die Sozialdemokratie bleibt. Und sie mutz von dieser Kraft weiter leben selbst auf die Gefahr hin. daß dadurch ihre Entwicklung zu Macht und Einfluß langsamer vor sich geht, als es sonst vielleicht gehen könnte. Die zweite Kraft, aus der die große politische und wirt- schaftliche Arbeiterbewegung entstanden ist. war ihre enge Verbindung mit der deutschen Wissenschaft und dem deutschen Geistesleben. Wissenschast und Geistesleben sind im Jahre 1930 etwas anderes als im Jahre ISA), und man kann sicher nicht einfach da fortfahren, wo Marx und Engels in London begonnen haben. Das Entscheidende ist hier, daß die Partei von heute Wert darauf legt, diejenigen Kräfte an sich heranzuholen, die als die fortschrittlichsten und ziel- bewußtesten in Wissenschaft. Wirtschaft und Politik auftreten. Vielleicht ist die Erfüllung dieser Aufgabe der schwierigste Tell der inneren Auffrischung, die die republikanische Bewe- gung in Deutschland und mit ihr auch die Sozialdemokratie notwendig haben. So entscheidend wichtig es ist. daß die Sozialdemokratie immer die Partei der aufwärtsstrebenden Arbeiter bleibt, daß sie den Arbeitern ein irdisches Ziel zeigen muß, daß sie Idealismus und Kampfesfreude in ihnen wecken muß: ebenso wichtig ist es, sich bewußt zu sein, daß zum großen Heer der Arbeitnehmer auch die Millionen Angestellte, Be- a m t e usw. gehören, die heute noch nicht den Weg zur Sozialdemokratie gefunden haben. Die Sozialdemokratie muß, ob sie will oder nicht, dahin streben, eine selb- ständige Mehrheit im deutschen Reichsparlament zu erwerben. Ob das Ziel in den nächsten Jahren oder in den nächsten Jahrzehnten zu erreichen ist, ist zunächst nebensächlich. Um der Demokratie und um der sozialen Bewegung willen muß die Sozialdemokratie aus eigener Kraft die Mehrheit erringen. Denn nur wenn eine fortschrittliche Partei die Mehrheit hat, können wirtlich größere Fort- ichritte erreicht werden. Koalitionsregierungen, so unvermeidlich sie heute in Deutschland sind, sind insofern ein großes Uebel, weil sie keiner Partei ermöglichen, ihre Anhängerschaft auch nur in den wichtigsten Punkten zufrieden zu stellen. Eine Mehrheit für die Sozialdemokratie ist aber in Deutschland nur zu erwerben, wenn sie auch die große Masse der Angestellten und auch der geistig führenden Kreise des deutschen Voltes an sich heranziehen kann. Wir haben in dieser Richtung große Fortschritte gemacht, vielleicht mehr, als vielen Sozialdemo- traten selber bewußt ist. Aber bis dies Ziel als solches er- reicht wird, ist noch recht viel zu tun. Ich wüßte keine Partei in Deutschland, die auch nur annähernd solche Aufgaben zu erfüllen hat. wie sie hier der Sozialdemokratie zugewiesen werden. Die Wut der Zer- störung, die jetzt besonders in dem Hitlerismus zum Ausdruck "ommt, ist eine große Gelegenheit für die So- zialdemokratie, sich auf diese Aufgaben zu besinnen. Es ist eine große Gelegenheit für die Sozialdemokratie, eine Bewegung, die unter dem Banner eines sogenannten„Anti- Marxismus" kämpft, die ausgezogen ist, um die Sozialdemo- kratie zu zertrümmern, um diese Bewegung geistig zu über- winden und aus ihr neue große Erfolge für die fozialdemo- stratifche Pokitik zu schmieden. Die Roiverorönungssteuern. Die Stellungnahme der Sozialdemokratie. Nach Beendigung der Beratung über die Osthilfe führt« der Ausschuß für den Rsichshaushalt in seiner Donnerstagsitzung die Beratung des zweiten Abschnittes der Notverordnung fort, der von den neuen Gemeindesteuern handelt. Für die Sozialdemokratie erklärte Dr. Hertz, daß feine Frat- non die B i« r ft e u« r akzeptiere, weil er zur Deckung der Wohl- fahrt sausgaben erforderlich fei. Gegen die Gemeinde-. getränkest euer hätten feine Freunde indessen Bedenken. Wolle man diese Steuer, so müsse sie obligatorisch für alle Ge- meinden«ingeführt werden. Es liege, abgesehen oon allen steuer- lichen Gesichtspunkten, aber auch eine große Ungerechtigkeit darin, daß das Bier oersteuert werden müsse, nicht aber der Wein. Was die Bürgersteuer betreffe, so sei er überzeugt, die Verwal- tungstosten würden so hoch werden, daß nichts herausfpringe. Em Jahr praktischer Durchführung werde aus Freunden der Steuer Gegner machen. Die geplante Verbindung mit den Realsteuern werde daran nichts ändern. Sollten die Steuern aufrechterhalten werden, müßten jedenfalls zwei Aenderungen eintreten; 1. müßten bestimmte Personengruppen generell oon der Steuer befreit werden, oder es müßfe«ine unterste Einkommen- fteuergrenze festgesetzt werden mit der Maßgabe, daß oll« die- ienigen, die mit ihrem Einkommen unterhalb dieser Grenze bleiben, oon der Steuer befreit werden; 2. müßte auch eine andere v er- b«ss erte Staffelung«intreten. Bekanntlich sei ursprünglich der Plan der Regierung dahingegangen, eine Bürgersteuer ohne Staffelung durchzuführen. Das Hab« sich als unmöglich erwiesen. Aber auch die jetzige Staffelung fei unhaltbar, well sie die g«. ringeren Einkommen ungleich härter belasten als die höheren. Die Steuer fei auch grundsätzlich um deswillen als verkehrt zu be- zeichncn, weil sie«ine Abtehr vom Prinzip der Lei- stungsfähigkeit dorfalle, da» sonst im ganzen deutschen Steuersystem durchgeführt fei. Giaatskommiffare überall. Die Gemeindesteuern und die Notverordnung werden durchgeführt. Erfurt, 27. November. Auf Antrag des Magistrats hat der Regierungspräsident in Erfurt den Oberregierungsrat o. Loewenftein zum Staats- kommiffar ernannt. Der Kommissar hat an Stell« der Stadt» oerordnetenversammlung die Einführung der Bürger st euer kür da» Rechnungsjahr 1930 befchlosien. Hagen. 27. November. Der Regierungspräsident hat auf Grund der Notverordnung des Reichspräsidenten die Bier», Getränke- und. Bürger- it e u e r mit Wirkung vom 1. Dezember d. I. für Hagen eingeführt. Zum Staatskommissar für Hagen wurde Regierungsrat Fuchs-Arnsberg ernannt. Görlitz, 27. November. Im weiteren Periauf der Stadtverordnetensitzung lehnten die Stadtverordneten die Einführung der Bürgersteuer gegen 13 Stimmen ab. Es ist jedoch iftit Sicherheit zu erwarten, daß die Bürgersteuer durch den Regierungspräsidenten zwangsweise eingeführt wird. Verdammung des Kapitalismus. Eine leidenfchastliche Anklage. „Wir lebe» im Zellalter des Kapilalismu», der de» Pauperismus bewirkt hat. da» heißt die allgemeine Verarmung, unter bereu Druck die Katholiken genau so leiden wie die Soziallsten and Marxisten... Mr leben im Zeilaller des Egoismus und der Eni- ortuug. Diese allgemeine Entartung ist die Auswirkung des uu- morallscheu und unproduktiven Kapitalismus der einzelnen Aus- beuler und Spekulanten sowie der Organisierten in Vauken und Kartellen. Da, ganze Kapital ist die Frücht der produktiven Arbeit der Arbeiterhände und der Znlelligenz der Angestellten, und es ist, oustatt dem Fortschritt zu dieuen, zu der Hauptursache der ver- armuug und der Entartung geworden... Auf den ersten Seile« des Allen Testaments ist der Menschheit da» wahre wirlschastlichc Gesetz gegeben. Dort steht geschrieben- „Sei Herr und kein Sklave". Deshalb herrscht heule keine Ordnung, sondern ein Chaos. Wem dient die ganze menschliche Intelligenz? Dem Kapital allein. Das Kapital hat sich aller Errungenschaften des menschlichen Geistes bemächtigt: technischer Erfindungen, wissen- schasilicher Entdeckungen, neuer Arbeitsmethoden. Alles das, was dem wohl de» Menschen dienen sollte, ist zu seinem Verderben geworden... Der arme Mann befindet sich heute in der Gewalt der Ausbeuter, dl« es nicht anerkennen wollen, daß auch der Aermste das Recht auf Lebe», auf Brot, auf Kleidung und auf die Familie hat. Wer kann es heute den Armen sichern, daß ihre Kinder etwa« zu esse» haben, daß sie nichi genau so Hunger leiden werden,, wie die Armen heute leiden? wir leben in der Zeil der historischen wende, wie es sie seit der Zeit der Völkerwanderung, durch die die griechisch-römische Well zerschlagen nmrde, nicht gegeben hat. Damals entstand aus dem Meer des Blute» da» Christentum. Ostmals entstehen große Ereignisse aus blutigen Konflikten. Die Möglichkeit solcher Konflikte ist aber immer in einer menschlichen Gesellschaft vorhanden, die am höchflpuott der Zuspitzung ihrer Aniagoniemen angelangt ist... Unsere Zeit ist reis für die wellrevoluiion. wenn nicht die Regierenden und die Kapilalisten die Gesetze des Christentums annehmen, wird da» role Meer der Flamme die Welt verwüsten." * Wir entnehmen diese leidenschaftliche Anklage gegen den Kapitalismus einer Erklärung von Möns. Kordac, dem Erzbischof von Prag. Wir sehen in dieser Er- klärung ein menschliches Dokument von hohem Wert. Gewiß sind viele Anschauungen des Erzbischofs Kordac nicht die unfrigen. Wir haben andere Hoffnungen und sehen andere Wege als er. Wir fühlen uns aber mit ihm in seiner Menschenliebe und in seiner Leidenschaft einig. Ein großes Herz spricht aus seinen Worten. Man glaubt, die Sprache der alten Propheten zu hören. Hatten sich alle Politiker, die sich rühmen, christlich ge- sinnt zu sein, die Gesinnung von Möns. Kordac«i eigen gemacht, so wären auch viele der dringendsten politischen Auf» gaben unserer Zeit viel leichter zu lösen! Die Aeußsrungen von Möns. Kordac sind eine ver» nichtende Anklage gegen den Kapitalismus und g e gen die b ü rg c r l i ch e Po l i ii k._ Man ocrgleiche diese Stimme mit dem Verhallen des Backermeisters Drewitz und seiner. Parteifreunds, die bereit sind, den Staat den größten Gefahren auszusetzen, nur deshalb, weil das Brot für die armen Leute billiger wird. Und die Dirtschaftspartei steht natürlich fest auf dem Boden der„christsichen' An- schauungen. Die Kritik des Kapitalismus ist bei Möns. Kordac vor allem eine moralische Kritik. Er geißelt die Unmoral und die Unmenschlichkeit aller derjenigen, die ihre Gewinn- sucht über das Leben und das Glück der Menschen stellen, die zum Beispiel nach einer Bergbaukatastrophe mit Hunder- ten von Menschenopfern nichts Besseres zu tun haben, als zu prüfen, ob dieses furchtbare Unglück den Dividenden Abbruch tun wird. Die Ausführungen des Prager Erzbischofs haben aber auch deshalb einen großen Wert, weil in ihnen das starke Gefühl für den ungeheuren geschichtlichen Ernst unserier Zeit zum Ausdruck kommt. Er sieht die Gegen- sätzc der gegenwärtigen Gesellschaft sich bis zu ihrem Kulmi- Nationspunkt steigern, und er spricht von unserer Zeit als von der Zeit der großen historischen Wende. An einer von uns nicht zitierten Stelle(wir haben nur einen Auszug aus den längeren Ausführungen wiedergegeben) ist auch von der bolschewistischen Gefahr die Rede. Möns. Kordac sieht aber auch in dieser Gefahr weniger das Treiben einer dunklen Macht, als die Auswirkung der Gegensätze der kapitalistischen Gesellschaft, die sich jetzt auf das äußerste zuspitzen. Als Kasiandraruf klingen seine Worte: „Oftmals entstehen große Ereignisie aus blutigen Konflikten." Run fürchtet er, daß nicht die schöpferischen Kräfte das Antlitz der Welt umgestalten, sondern die Kräfte der Zerstörung die ganze Welt verwüsten werden. Und er sieht die schöpferischen Kräfte nicht, verzweifelnd appelliert er an das Gewissen der Regierenden und der Kapitalisten, be- schwört sie, den christlichen Gesetzen zu folgen und— noch an einer anderen Stelle— sich daran zu erinnern, daß das Wohl der Allgemeinheit das höchste Gesetz für den Staat ist. Letzten Endes ist es der tief st e Pessimismus, dem wir in den Aeußerungen von Möns. Kordac begegnen und den wir nicht zu teilen brauchen, weil wir in der so zialifti scheu Arbeiterbewegung gewaltige schöpferische Kräfte sehen, deren Sammlung und Stärkung unsere große historische Aufgabe ist. Deshalb sehen wir die soziale Revolution nicht im Sinne einer ver- heerenden Weltkatastrophe kommen, sondern als eine Periode der grundlegenden Umgestaltung der menschlichen Gesellschaft. Wir ziehen aus der Verdammung des Kapitalismus die Kon- sequcnzen, die der hohe katholische Geistliche nicht ziehen kann. Aus dieser Verdammung, sowie aus unserer Kenntnis wirt- schafllicher und politischer Zusammenhänge ergibt sich für uns die große historische Zielsetzung: der Sozialismus. Jetzt, da wir im schwierigen Kampf um die Demokratie stehen, das heißt um die politische Freiheit und um den Boden. auf dem die Freiheit der menschlichen Arbeit erkämpft werden muß, möchten wir, daß die Stimme des Proger Erzbischais von allen denjenigen gehört wird, die ihrer Lage nach zu uns gehören, die unter der schweren wirtschaftlichen und seelischen Rot in dieser Sesellschcht leiden, die aber durch den Mangel an politischem Bewußtsein und verschiedenen Hemmungen verhindert werden, uns in diesem. Kampf zur Hilfe zu kommen. Dann werden viele Opfer und Leiden er- spart bleiben und der Sieg wird unser sein! Kriegserklärungen in Thüringen. Großer Krach zwischen Landvolk und Hakenkreuzlern. Weimar, 27. November.(Eigenbericht.) In Thüringen liegen sich La n d v o lk p a rt« i und Nazis wieder einmal heftig w den.Haaren. Finanzminister Baum(Landvolkpartei) hat kürzlich in einer Landbundversammiung in Rudolstadt eine Rede gehalten, m der er die Nationalsozialisten wegen ihrer Agitationsreden, die im strikte» Gegensatz zu ihren Taten stehen, scharf angriff. Dabei sollen auch Hitler und F r i ck schleckst weggekommen sein. Die National- s o z i a l i st e n setzten sich deshalb in der neuesten Nummer des in Weimar erscheinenden„Nationalsozialist" mit Baum auseinander. Sie warfen Baum vor, daß seine Rede eine einzige Hetze gegen den Nationalismus gewesen sei. Baum sei Finanzminister geworden, um in erster Linie die materiellen Interessen der hinter ihm stehenden Kreise wahrzunehmen. Wer nichts von Kultur versteh«, solle nickst über kulturelle Fragen reden. Und wer nicht weiter denken könne, als sein Misthaufen reiche, solle die Finger von der Politik lasten. Die Nationalsozialisten ließen sich die ihnen von Baum zuteil gc- wordene Behandlung nicht länger gefallen. Die neu« Krise hervor- gerufen zu haben, sei die alleinige Schuld des Finanzministers Baum, der sich zu schweren Beleidigungen des obersten Führers der Nationalsozialisten, Hitler, und des Ministers F r i ck habe hinreißen lassen. Auf diese Angriffe im„Nationalsozialist" hat die Landvolt- Partei der Presse folgende Erwiderung zugehen lassen: „Die Zeitung„Der Nationalsozialist" bringt in ihrer letzten Nummer«inen nach Form und Inhalt imerhörten Angriff gegen den Minister Baum megen seiner vor mehr al» 1009 Mitgliedern gehaltenen Red« in Rudolstadt. Herr Baum, der nicht als Minister. sondern al? Landvolkführer in fachlicher Weise, wenn auch deutlich und unmißverständlich einen Trennungsstrich zwischen der Landvolt- auffastung und dem zur Mode gewordenen Nationalsozialismus zog, darf die Gewißheit haben, daß das im Landbund organisiert« Land- volk nach wie vor in einmütiger Entfchlostenh�t hinter ihm steht. Die Landvolkpartei nimmt denWutausbrnchderNational- sozio listen ebenso wenig ernst wie ihr« leichtfertige Drohung. die Landoolkpartei so zu bekämpfen wie die Sozialdemokratie und ist bereit, den angebotenen Kampf aufzunehmen Sie ist überzeugt, daß dem Kampf, der aus die Zerstörung des Landbundes abzielt. nicht ausgewichen werden darf und ist des Erfolges gewiß. Die Landvoltpartei dankt Herrn Minister Baum namens der Thüringer Bauern für seine grundsätzliche Einstellung zum Nationalismus und billigt seine Ausführungen. denken, wenn unser armes Land sich darüber freut, daß Be. s u ch e r ihr Geld bei uns lassen, aber die Reich»d«utfch«n sind bei uns keine Fremden und dieser Reiseverkehr dient dem gemeinsamen deutschen Baterlaich. Reichstagspräsident tobe, der Vorsitzende des Oesterreichisch. deutschen Bolksbundes. wies daraufhin, wie die Jugend nicht mtl>r ihre freie Zeit in Tanzlokalen verbringt, fondern auch bei geringsten Mitteln und bescheidenster Ausrüstung hinauswandert, um die Heimat kennenzulernen, und wie viel« alte Leute das ganze Jahr sparen, um einmal wandern zu können. Dem Deutschtum zur Ehre, den Deutschen zur Erholung und zur Erbauung, dem Deutsch- tun, zur nationalen Festigung soll auch die neue Stell« dienen, indem sie nicht nur für Wien und die altösterreichischen Städte und Länder wirbt, sondern auch für das neugewonnene schön« Burgenland. Im Namen der in Berlin lebenden Oesterreicher sprach zun, Schluß Frau Dr. I a ck e r. Der Versammlung wohnten u. a. auch Reichsverkehrsmmister Guärard, hochgestellt« Vertreter der Reichs. bahn, der österreichischen Länderverwaltungen bei: sie war eine neu« Bekundung des einheitlichen Willens zur Wiedeevereini- g u n g._ Zum Bürgerblock bereit. Sckober— Seipel- Starhemberg zur Zusammenarbeit „prinzipiell geneigt-. Wien. L7. November.(Eigenbericht.) Eine amtliche Verlautbarung über die am Donnerstag zwischen den bürgerlichen Parteien geführten Verhandlungen zur N e u b i l- dung der Regierung besagt«, daß die Vertreter des Hei- matblockes ihre prinzipielle Geneigtheit aus- gesprochen haben, an der Regierungsbildung unter Führung der Ehristlich-Soziale» teilzunehmen, und daß auch die Vertreter des Schober-Blocks erklärt haben, sich unter Einbeziehung des Heimat. blocke» an der Regierungsbildung zu beteiligen. Heber Personal. {ragen sei noch nicht gesprochen worden. Notwendiger Trennungsstrich. Ausschlüsse aus der Sozialdemokratischeu parte». Der Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei hat den 'früheren Breslauer Parteifunktionär Walter Müller aus der Partei ausgeschlossen. Der Aussästuß wurde mit dem folgenden Schreiben begründet: „Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands schließt Sie hiermit mit sofortiger Wirkung au» der Sozialdemo- kratischen Partei Deutschlands aus. Di« Grundlagen für diesen Be- schluß bildet der§ ZL Abs. 8 des Organisationsstatuts der Partei, wonach ausgeschlossen wird, wer für ein« andere politische Partei, oder gegen die Sozialdemokratische Partei wirkt. Ihre ganze poli, tische Betätigung ist«in einzige» Berächtlichmachen, Herunterreißen und Bekämpfen der Sozialdemokratischen Partei sowie eine sort- . gesetzte Propaganda für die Kommunistische Partei. Da Sie selber den politischen Anstand nicht aufbringen. Ihrer kommunistischen Einstellung«ntsprechend unsere Partei zu verlassen, entfernt Sie der Parteivorstand hiermst als einen Parteischädling aus den Rechen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands? Ferner ist der frühere erste Bürgermeister von Bunzlau, Ulrich B u r m a n n, auf Beschluß des Vorstandes mit sofortiger Wirkung aus der Sozialdemokratischen Partei ausgeschlossen worden. Ausschlüsse in Lübeck. Lübeck, 27. November.(Eigenbericht.) Eine Mitgliederversammlung der Sozialdemo. kratischen Partei Lübecks beschloß mit 1664 gegen 7ö2 Stimmen, die langjährigen Mitglieder Dreger, Knapp und vom Hoff au» der Sozialdemokratie auszuschließen. Schon seit einiger Zeit werden in der bürgerlichen Presse Nach- richten über einen angeblichen Riesenstandal in der Lübecker Ortskrankenkass« verbreitet. Danach soll der Skandal von den sozialdemokratischen Vorstandsmitgliedern oerschuldet sein. Die Lübecker Sozialdemokratie hat schon nach den ersten Gerüchten einen Untersuchungsausschuß«ingesetzt, der am Mittwoch vor einer sehr stark besuchten Diitgliederversammlung Bericht er- stattete. Er stellt« auf Grund einer genauen Prüfung fest, daß die Geschäftsführung der Krankenkasse tatsächlich zu erheblichen Bedenken Anlaß gab bzw. gibt. Es trifft zwar nicht zu. daß die Verantwortung dafür allein auf die sozialdemokratischen Vorstandsmitglieder fällt. Am schwersten belastet erscheint vielmehr der Arbeitgebervertrete? Rey, Verleger der deutschnationalen.Lübecker Zeitung-, der seit Iahren keine Krankenkassenbeitrög« abführt«, obwohl er sechst im Vorstand saß.?ch«r auch gegenüber drei Ardeitnehmervertretern, Dreger, Knapp und vom Hofs, kam der Untersuchungsausschuß zu dem Er- � gebnis, daß sie ihre Posten nicht so auszesüsst hölien, wie man es von ihnen verlangen müsse. Wenn sie sich wach nicht straf» rechtlich oergangen hätten, so sei doch in d«r Frag» der Hgpo- thekengewährung ihre Geschäftsführung nicht zu billigen. vis sozialdemokratisch« Mügliedpipersammlunz war deshalb einmütig in der Verurteilung de» Verhaltens der drei Sozial- demokraten. Meinungsverschiedenheit bestand lediglich über die Frage, ob es nötig sei, da» Ausschlußverfahren zu eröffnen oder ob die Verfehlungen der drei mit dem befristeten Entzug der Fähigkeit. Parteiämter zu bekleiden, hinreichend gesühnt seien. Die Versamm- lung entschied für den Ausschluß. Neun Inder, die der Verschwörung gegen europäische Polizei- offiziere und der Herstellung von Explosivstoffen angeklagt waren. wurden in Kalkutta zu Gesängnisslralen zwischen zwei und zwanzig Jahren verurteilt,«»wie w einig«« Fällen zu Verbannung auf Sange Zeit.« Enttäuschung in Haus Ooorn. „Schade, Willy, ein Betrüger! Und etwas neue„ltrtrast" hätte Dir fo gut getan!" Genfer Entwurf— keine Abrüstung Scharfe deutsche Erklärung- Eecil gegen Bernstorff. Genf, 27. November.(Eigenbericht.) Der seit Wochen erwartete Zusammenstoß zwischen der- deutschen und französischen Delegation in der Vor- bereitenden Abrüstungskommission ist nicht so ausgefallen, wie es dem Wunsche der Rechtspresse beider Länder entsprochen hätte. Graf Bernstorff sprach zwar mit größter Schärfe über die mangelnde Gleichberechtigung in der Sicherheitsfrage, erwähnte aber die Rüstungen Frankreichs nicht direkt. Der Franzose M a s s i g l, begnügte sich daher mit einer spöttischen Bemerkung und die Kom- Mission nahm mit Mehrheit das Prinzip an, daß di« bereits erfolgte Abrüstund von der allgemeinen Abrüstung unberührt bleiben. Di« Frage, ob die bisherigen Bestimmungen de» Konvention.-" «ntwurfes für die Abrüstung ein« Erfüllung der Abrüswngsverpflich- tungen des Berfailler Dertrages bzw. des Artikel» S de» Völkerbunds- paktes und damit«in« vertraglich« G e g« n l« i st u n g für die ob- gerüsteten Staaten fein sollen, erhob sich bei der Veratung der Schlußbestimmungen des Entwurfes. In einem Artikel E- A- diese» Entwurfes ist gesagt, daß dies« Konvention die früheren vertraglichen Verpflichtungen bestimmter Parteien zur Abrüstung nicht be» rühre. England hatte den Artikel in der Form etwa» konzilianter, Frankreich dagegen noch deutlicher beantragt. Auf«ine Anregung des Präsidenten, diesen Artikel an ein Redattionskomite« zu verweisen, begann Graf Bernstorff den Angriff mit der Feststellung. daß dies keine technisch«, sondern die politischste Frag« der ganzen Konvention sei. Wolle man die Oessentlichkeit glauben lasten, daß dxs eine technische Frage sei, dann seh« cs so au», als habe die Kom- Mission Angst, diesen Artikel öffentlich zu diskutieren. Massigli- Frankreich erUärt« diesen Artikel für die wesentlichste Best im- mung, ohne die Frankreich keine Konvention unterzeichnen könne. Anschließend verlas Graf Bernstorff folgend« Erklärung: „Soweit der Artikel E- A- Bezug nimmt auf die Verträge von Washington und London, habe ich kein« Bemerkungen zu machen. Andererseits handelt es sich um die F r i« d e n s v e r t r ä g«. durch die man uns gegenüber gewisse wohlbekannt« Berpslich- tungen eingegangen ist. Schon im Jahr« 1927 habe ich bei diesem Artikel eine allgememe Reserve eingelegt. Inzwischen bin ich 1929 wegen der Unterdrückung unentbehrlicher Elemente in dem Ab- rüstungs-Konoentionsentwurf genötigt gewesen, mich in oller Form von dem Programm der Majorität der Kom- Mission loszusagen. Der Verlauf unserer diesmaligen To. gung bestärkt mich nur darin, wie berechtigt dies gewesen ist. Der jetzige Souventlonsentwurs hak mit Abrüstung, soweit e» sich»m die Lemdstreitkrüst« handelt, nicht mehr gemeinsam, als d-le lleberschrift. Gäbe unser« Kommission sich von diesem kläglichen Ende ihrer fünfjährigen Arbeit Rechenschaft, dann würde sich nicht auch noch durch den Artikel L. A. dieses jetzt entstehende S ch e i n w e r t den früheren Verträgen gegenüberstellen. Nimmt die Majorität den Artikel E. A. an, so werden dadurch frellich nur die Staaten be> troffen, di««inen solchen Äonventionsentwurf unterzeichnen wollen. Ich jedenfalls gehör« nicht zu ihnen. Im Gegenteil, ich werde die Gelegenheit des Artikel E. A. benutzen, um gegen den Konvev- tionsentwurf in seiner Totalität zu stimmen. Vielleicht gibt es Delegiert« in unserer Kommission, die in dem Glauben leben, man könne meiner Regierung eine» Vertrag zur Mitzeichnung anbieten, der, statt«ine wirkliche Abrüstung zu bringen, den Rüstungsstand der Welt zu Lande verschleiert oder gar seine �- Erhöhung gestattet und der für mich gleichzeitig eine Erneuerung der deutschen Unterschrift unter die Abrüstungsbestimmungen des Berfailler Der- träges bedeuten würde. Ich muß Sie bitten, einer solchen Illusion endgültig zu entsagen. Di« Voraussetzungen, unter denen die beut- sche Regierung den allgemeinen Abrüstungsvertrag als eht« vertragsmäßige Gegenleistung anerkennen kann, sind allgemein bekannt. Seit Jahr und Tag sind diese Boraussetzungen von den amtlichen Vertretern Deutschlands bei seder sich bietenden Gelegen- heit ausgesprochen worden. Unser Standpunkt ist, daß Deutschland «inen Abrüstung soertrag nur dann als solchen anerkennen kann, wenn er ein« gerechte, der Sicherheit aller Staaten Rechnung tragende Lösung, bringt. Deutschland wird die Abrüstungskonvention danach beurteilen, ob sie als Gegenleistung für die deutsche Abrüstung endlich den Grundsatz paritätischer Sicherheit verwirklicht. Der Entwurf, den Sie in den legten S Iahren ausgearbeitet haben tut das nicht." Lord C e c i l versuchte, di« angeblichen Abrüstungsbestimmungen des Entwurfes zu verteidigen, während M a r i n i s- Italien den Artikel E. A. an die allgemeine Konssrenz verwiesen haben wollte. Ma s s igl i- Frankreich verlangte dagegen, daß der Ar- tikel E. A. als Basis für die Beurteilung der ganzen Konvention doch in den Entwurf« i n g e s« tz t werde. Bernstorff gegenüber wolle er nicht noch einmal di« bekannten Gegenargumenle seiner Regierung wiederholen Er freue sich, von Deutschlands Vertreter eine Anerkennung des Sicherheitsgedankens gehört zu hoben. Mit 12 gegen 5 Stimmen lehnte di« Kommission die Per- Weisung des Artikels E. A. an die allgemein« Konferenz ab. Ohne Gegenstimmen nahmen dann 14 Staaten den Artikel in die Kon- vention auf. Eine Redaktionskommission soll die französischen und englischen Textvorschläg« memanderaribeiten. Oer Tote sollte Minister werden. Ramsin gesteht, mit einer Leiche verhandelt zu haben. Die Leitung dieser Pariser Emigrantenorgonisatian bestreitet in der Pariser Presse auf das entschiedenste, irgendwelche Beziehungen mit den Altgeklagten unterhalten zu haben. Da» frellich braucht für jene, die den.Amtlichen Dokumenten der Regierung eines großen Landes" voll vertrauen, nicht gerade überzeugend zu fein. Und die Sowjetregierung selbst hat es l e i ch t, sich aus das hartnäckige Leugnen abgefeimter Gcgenrevolutionäre herauszureden. Ihr ist aber ein schlimmeres Malheur passiert. Wie es im Ueberesser de» Fälschen» schon einmal vorkommen kann, haben auch die staatsanwattschaftlichen Geständnisproduzenten die Grenze überschritten, jensest» deren jede Glaubwürdigkeit aufhört. In dem Wortlaut der Anklageschrift heißt e?. daß der An» geklagte Ramsin angegeben habe, einen der Führer de» Industrie» und Handelsverbandes P. Rjabuschinskij.�wischen dem S. und 10. Oktober 1928 in Paris gesehen und sich mit ihm berat«»" zu haben., Indes ist der genannte Rjabuschinskij am IS. Iall 1914 in Eampbean gestorben und ans dem Friedhos in Satignvlle, bei- gesetzi worden. Ferner: di« Anklageschrift beschuldigt die Angeklagten, im Jahre 1927/28 den Plan entworfen zu haben, für den Fall des Gelingens des von chnen angeblich angestrebten Sturzes der Sowjetregierung den Posten des Finanzmimster, mit A. Wyfchnegradskij zu besetzen. Indes ist W�schnegrodskij bereit» am K Rai 1925 gestorben und ans dem Pöre-Lachaise-Frioichos beigesetzt.' So wett die Feststellungen der in Paris erscheinenden russischen demokratischen Zeitung. Für ein unabhängiges Gericht würden diese beiden Fälle ge- nügen, damit das ganze Verfahren der Untersuchungsbchörde und michin auch das ganze Material der Anklageschrift in Zweifel gezogen würde. Bon dem Moskauer Gericht wird man dos frellich nicht erwarten dürfen. Oer Geständnisapparat funktioniert. Moskau. 27. November. Während im Gsrichtssaal die Angeklagten ihre Geständnisse. die bereits der Anklageschrift zugrunde gelegen haben, ohne jede Einschränkung und ohne jeden Versuch einer Verteidigung her- sagen, obgleich diese Geständniss« sie dem Todesurteil ausliefern, sorgen die Kommunistische Partei und ihre gesamt« Press« dafür. daß im ganzen Sowjetstaat„ein einmütiges Bekenntnis" zu idieftm Staat.das brausende Echo" der Gerichtsverhandlung bildet. Aus allen Teilen der Sowjetunion lausen die„proletarischen Ant- warten" ein, di« stritte Durchführung der Parole„Fünfjahres. plan in vier Jahren" geloben, dem„blutigen Poincarä die Krallen stutzen wollen" und dergleichen. Di« Blätter überbieten sich in Karikaturen Poinearcs und führender russischer Emigranten. Die Beurteilung der Aussagen der Zlngeklagten ist eine ganz einheitliche, d. h. Geständnisse werden als Klarstellung ein?» u n ansechtbaren Tatbestandes aufgenommen und die Art, wie sie in der Voruntersuchung zustonöegekommen sein mögen, unterliegt in der Oessentlichkeit ebensowenig einer Kritik wie das reibungslos« Abrolle« des Betenntnisapparate» vor Gericht. Zurück hinter> Ein trauriges Dokument de Stuttgart, 27. November.(Eigenbericht.) Der württembergitche Wirtschaftsminister Dr. Maier kam am Donnerstag anläßlich der Beantwortung einer sozialdemokratischen Anfrage über die von der Regierung geplanten Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auch aus die schwere Benachteiligung Württembergs und der w-ürtteinbcrgischen Wirtschaft durch die jetzig« Regelung dar Arbeitslosenversicherung zu sprechen. Maier führt« u. a. aus: „Die durch das Reichsgesetz eingeführte Gefahrengem ei n- scho s t für das ganze Reich entzieht unserem Lande Jahr für Jahr erhebliche Geldbeträge. Bis Ende 1929 sind insgesamt 2 9 Millionen Mark an die Kasse der Reichsanstalt als U e b e r s ch u f s e vom Bezirk Württeiüierg abgeführt worden. Württemberg würde, wenn es in der Arbeitslosenversicherung auf sich selbst gestellt wäre, nach zuverlässiger Schätzung mit einem Beb tragssatz von 3,5 Pro,;, aufkommen. Monat für Monat führt gegen- wärtig Württenrberg etwa zwei Millionen Mark Ar- beitslosenversicherungsbeiträge zugunsten an- dererReichsgebieteandie Reichsanstalt ab. Dies ist für die w ü r t t e m b e r g i s ch e Wirtschaft, die frachtmäßig ungunstig gestellt ist und die Rohstoffe vielfach in anderen Reichsgebieten einkaufen muß, ein dauernder Ader- laß. Dieser wird dadurch oerschärft, daß die allmählich in die Milliarden gehenden allgemeinen Steuermittel des Reiches zur Finanzierung der Arbeitslosenversicherung auch von Württemberg mit aufgebracht werden müssen. Württem. berg wird dadurch um Millionen und aber Millionen benachteiligt. Roh geschätzt wird man sogen können, daß zurzeit die chälste der im Lande verbleibenden Reichssteuerüberweisungen auf diesem Wege wieder an das Reich bzw. an die Reichsanstalt zurückfließen. Schuld an diesen unhaltbaren Berhältnissen ist der ganze Aufbau i>«« Arbeitslosenverstcherungsgesetzes, das in den Zuschuß- gebieten notwendigerweise die Verantwortung verwischt, was unbemerkt und ungewollt zu einer ausge- fprochenen Subventionspolitik mit allen demoralisierenden Nachteilen geführt hat. Wenn man weiß, daß ein weniger stark industriell besiedeltes süddeutsches Nachbarland(Bayern) in derselben Zeit von der Kasse der Rcichsanstalt Zuschüsse von bald 290 Millionen Mark erhalten tonnt«, so tritt klar zutage, daß an dem ganzen System etwas nicht in Ordnung fein muß. Aehnlich liegen die Dinge bei der Landesversicherungs- an st alt Württembergs, die im vergangenen Jahre acht Mil- lionen Mark für andere Auschußanstalten des Reiches abliefern mußte. 2m neuen Jahre wird ihre Ablieferungsverpflichtung sich auf 12 Mil- lionen Mark erhöhen. Hier wird ganz offensichtlich, daß die günstige Lage nicht etwa in dem besseren Gesundheitszustand der Versicherten allein liegen kann, sondern daß die Ueberschüsse aus Grund einer strengeren Verwaltungsprajis in der Rentenzuteilung und besonders durch sparsamere Verwaltung erzielt werden. Württemberg will gewiß nicht allein Nutznießerin seiner besseren wirtschaftlichen Verhältnisse sein. Der heutige Zu st and ist sowohl für das Land wie für die beitragspflichtigen Arbeitgeber und Arbeitnehmer völlig untragbar, und wir hatten schon mehrfach Anlaß, die Reichsstellen bei den»er- schiedensten Anlässen darauf aufmerksam zu machen, daß diese beiden Fragen immer wieder za hochpolitischen werden, welche geeignet sind, dem Reichsgedanken in dem traditionell reich»- freudigen Württemberg auf die Dauer fühlbaren Abbruch getan. Au einer solchen Entwicklung kann auch das Reich kein Interesse haben.- Es muß in dieser Frage etwas geschehen. Das Reich muß Württemberg billigerweise in irgendeiner Form einen Ausgleich für diese unbezweifelbaren Mehrlei st ungen gewähren." Diese im Namen der Gesamtregierung vorgetrogene Erklärung >en Zollverein! * deutschen partitularismus. des württembergischen Wirtschaftsministers dürfte der Auftakt zu weiteren Auseinandersetzungen in der Sache mit der Reichsregierung sein. * Diese traurige Offenbarung eines bornierten Partikusa- rismus zeigt, wie weit zurück noch der Gedanke einer wirk- lichen Reichsreform ist. Das ganze Elend der Zeit der deutschen Zersplitterung vor der Gründung des Zollvereins wird wieder lebendig, wenn man dies Staatsdokument liest! Alles, was Deutschland in der Zeit seines industriellen Auf- stiegs und feit der Reichsgründung volkswirtschaftlich gelernt hat— es ist nicht in den Köpfen der Männer, die in Stutt- gart Regierung spielen. Diese heillosen Kleinstaatler haben nicht begriffen, daß ihre„besseren wirtschaftlichen Verhältnisse" vor die Hunde gehen, wenn sie nicht auch dazu beitragen, die Katastrophe in entscheidenden deutschen Wirtschaftsgebieten zu vermeiden. Sic können nicht begreifen, daß sie hilflos verloren wären, wenn sie aus der wirtschaftlichen Reichscinheit ausscheiden würden! Der sozialpolitische Partikularismus, den sie vertreten, ist ebenso schlimm wie der wirtschaftliche Partikularismus. Man müßte ganz von vorn beginnen, man müßte die württem- bergischen Staatsmänner in volkswirtschaftliche Anfänger- kollegs schicken! Mit solchen Staatsmännern Reichsrcform? Rein, nur gegen siel_____ Das �eichsbahn-Ltrieil. Verständigung mit den kkoaenden Ländern. Zu der verfassungsrechtlichen Streitsache zwischen dem Reich und den Ländern Bayern, Sachsen. Württeniberg und Baden wegen Benennung von Mitgliedern zum Verwaltungsrat der Reichsbahn wird vom Reichsverkehrsminister folgendes mitgeteilt: Dos Verfahren ist im Einvernehmen zwischen der Reichs- regierung und den beteiligten Länderregierungen durchgeführt worden, um eine endgültig« Klarstellung der Rechtsfrage herbei- zusührcn. Durch das Urteil des Staatsgerichtshofs entstehen für die Reichsrcgierung keine Schwierigkeiten, weil sie für Sachsen bis zur Entscheidung des Staatsgerichtshof einen S'g im Verwaltungsrat ofsengehallen und im Einvernehmen mit der bodifchen Regierung eine dieser Regierung genehme Per- sönlichkeit in den Verwaltungsrat bereits berufen hat. Außerdem ist zwischen dem Rcichsverlehrsminister und der bayerischen und württembergischen Regierung schon vor dem Erlaß des Urtells des Staatsgerichtshofs«ine vorläufige Einigung über die weitere Vertretung ihrer Länder im Reichsbohnverwoltungsrat er- zielt worden. Die Knedens-Ifabelpreise. Söderblom und Kellogq. Das Robel-Komitee des norwegischen Storchings hat soeben die Entscheidung über die Friedensnobelpreise getroffen. Den Friedens- preis für 1930 erhält der schwedische Erzbischos Nathan Söder- b l o m: der Friedenspreis vom Jahre 1929 wurde dem früheren amerilanischen Ayßcmninister Kellogg zuerteilt. Söderblom erhält den Friedenspreis dafür, daß es ihm gelungen ist, die protcstamischen Kirchen zu internationaler Genieinschastsarbeit zusammenzubringen— ein Jahrzehnt nach dem Weltkrieg: Kellogg für den vielfach nach ihm genannten Kriegs- Schtungsvertrag, der den Ausschluß des Krieges als Mittel nationaler Politik zum Dölkerrechtsgrundsatz gemacht hat. Ein Republikbekämpfer... ... der die Republik auszunutzen versteht. Der Disziplinarsenat bei dem Oberlanbesgericht in Köln hat vor einiger Zell den Justizobersetretär Kaiser in Traben- Trarbach zur Strafversetzung sowie einer Geldstrafe von 30 M. ver- urteilt. Kaiser war der Führer der Rattonalsozialisten in Traben- Trarbach und ein wütender Gegner der Republik. Er verstand jedoch lange Zell, auf alle mögliche Wesse fein« Taten zu bemänteln. Als er z. B. einmal dabei festgestellt wurde, wie er zusammen mtt an- deren Hakenkreuzlern in der Wirsschaft ein Lied mit dem Refrain: „Schwarz-Rot-Mist" sang, behauptete Kasser. daß er zwar das Lied. aber nicht den Refrain mitgesungen habe! Das Tollste leistete er sich bei der B« s r e i u n g s f« i e r der Stadt. Während diese unter größter Beteiligung der Bevölkerung stattfand, flammt« plötzlich aus der Burgruine ein aus Glühlampen hergestelltes großes Hakenkreuz mit der Unterschrift„Heil Hitler" auf. Die Folge war, daß drei Viertel der Teilnehmer die Feier unter Protest verließen. Ve- leuchtungskörper und elektrische Lellung nach der Burgruine hatte der Justizobcrsekrelär Kaiser von der Stadt besorgt, wobei er den Bürgermeister über den Zweck dieser Entnahme in erheblicher Weis« getäuscht hatte. Bei einer Partei, die sogar den Bruch des Ehrenwortes für ein zulässiges polllssches Kampfmittel hält, nicht weiter verwunderlich. Erstaunlicher ist, wie dieser wütende Bekämpfer der Republik es verstanden hat, diese finanziell auszunutzen. Kaiser, der von Haus aus Fuhrmann ist, war auf Grund einer Kriegsbeschädi- gung in den Justizdienst übernommen worden. Er bezieht außer seinem Gehalt als Obersekretär eine Kriegsbeschädigtenrente, ferner bezieht auch seine Frau eine Staatsrente, weil sie bei einer Aus- Weisung währeird der Besetzungszell angeblich Schaden erlitten hat. Doch nicht genug mit einem Slaatsgehalt und zwei Renten, hat sich Kaiser auch noch von der Stadt Traben-Trarbach zur Errichtung eines Wohnhauses ein verbilligtes Darlehn beschafft, für das die Stadt jährlich 240 Mk. Zinszuschuß leistet. Zum Dank hat Kaiser die Besreiungsseier der Stadt gröblich gestört! Man sieht hieraus, wie die gleichen Leute, die auf die„Juden- republik" schimpfen, diese in einer Weise auszunutzen verstehen, die sie selbst wahrscheinlich als„jüdisch" bezeichnen würden, die aber in Wirklichkeit«cht nationalsozialistisch ist! Reichsrat und Llrheberrechi. Verlängerung der Schutzfrist abgelebnt. Der Reichsrat beschäftigte sich mll einem Gesetzentwurf über die vorläufige Berlängerung der urheberrechtlichen Schutzfrist. Minssterialdirettor Dr. Poetzsch-Hesfter führte namens der Ausschüsse dazu aus, daß die Borlage sich zwar formell nur mit einer Verlängerung der am 31. Dezember 1930 ablaufenden Schutz- fristen um ein Jahr befasse, daß aber im Hintergrund« das große Problein stehe, ob Deutschland von der 30jährigen zur ölljährigen Schutzfrist übergehen soll«. Die Reichs- regierung habe zwar zu diesem Hauptproblem grundsätzlich nicht Stellung nehmen wollen, aber doch einige Gesichtspunkte für die Der- längerung aus 50 Jahre gellend gemacht. Bei der gegenwärtigeil Lage müsse jedoch jede vermeidbarc wirtfchasUiche Belastung des Publikums unterbleiben: die Berlängerung der Schutzfristen wenige Wochen vor ihrem Ablauf stellten aber einen schwer erträgliche» Eingriff in den bestehenden Rechtszustand dar. Der Reichsrat beschloh mit allen gegen die Stimme Thüringens die Vorlage a b z v l e h n e n. ' Die auf ber Tagesordnung stehende Beratung des Steuerver- einsachungsgesetzes war abgefegt worden, da die Ausschußberatungeil noch nicht abgeschlossen sind. Gewerkschaftliches siehe 3. Beilage. Verantwortlich Mr Politlt: vietoi StlUI-, Birttchatt:»«arllätt: Zln-eiaen: Et Slotft; fämtiidi in Berlin Lerlag: Borwärla.Brrlaa D. m t. H Berlin Enick: Borwäris-Bultdruckerel unt Lerlaasonstall Paul Singer u. So.. Berlin SW 68. Liatcngrat» 8 Hierzu 4 Beilagen und.Stadlbcilage". WERTHEIM Leipziger Str.(Vereand-Abt) Königstraße Roeenthaler Str. Illoritzplatz u. Scnnahend, setveit(Voiftat JßehenswBitiel Zusendung bei Bestellung von 5 M an Obst, Gemüse U. alle leicht verderblichen Artikel sind vom Versand ausgeschlossen Frisches Fleisch Suppenfleisch.■ rwno 0.88 Rlndeikamm und.Brut« 0.90 Schmorfleisch 1.10�1.24 Roastbeef mit itnodi.. pro. 1.10 Gehacktes u. Liesen 0.85 Gulasdi.. ptund 1.00 Hammel-Vorderf I. 0.98 Rückenfett oratfnrtlg, Pfd. 0.82 Sdiweinerücken Pfund 0,92 Schweineschinkenptd. 0.96 Schweinekamm p'>»<5», Pfd. von an 0.80 Walnüsse..... Pfund 0,48 Haselnüsse...Pfund 0.55 Rot* V/#l�!r«ln3kohl p,und 0.04 Möhren u. Zwiebeln 0.04 Schwarzwurzelnpfund 0.25 Rosenkohl... 2 p>und 0.45 Blumenkohl Kopf v. an 0.30 Kartoffeln.■ 10 Pfund 0.20 Konserven Dose Spinat 0.44 0.28 Brech* u. Schnittbohnen 0.39 0.50 usert. 0.65 Junge Erbsen..... 0.64 Junge Erbsen mwaifain 0.75 Kalserschofen..... 1.48 Haushalt-Gemüse 0.70 Delik.-Gemüse Konsum 0.98 Gemischt.Gemüse'ainl.35 Konfitüre Vierfnidit-Marinelade...0.85 Pflaumen........... 0.25 Vi Dost Stangenspargel mwai 2.43 Stangenspargei 2.70 Pflaumen 0.60 lu™ 0.76 Apfelmus 0.58 axtra 0.78 Mirabellen....... 0.95 Reinec'auden..... 0.90 Kalif. Pfirsiche 1.20 Celik.*Frischgurken j o« ca. Z-Klm-Oosa 1* Olsardinen port„ rnubd. 0.75 Norw. Heringe uomat. 0.56 In Elmars Orange. Aorlk„iohennisb. 1 15 Kirsch,«irdbeer, Himbeer 1.30 Käse ii. Fett Wurst waren Wien. Würstchen Paar 0.16 Hausmacher-Süize 0.58 Dampf- u. Rotwurst 0.98 Landieberwursi piuna 1.20 Mettwurst Äir�d 1.23 Kümmel."l49dTE'nd 1.45 Leberwurst u- Filotwimr 1.50 Zerveial* u. Salami 1.60 Teewurst 1.63 zrob. 1.75 Speck an 0.93 Tiagar 1.30 Jchlnkenspeck�J� 1.58 OckJchlnken�Ä; 0.48 Königstr., itasanthaier Str., Moritzplatj; Blut» u. Leberwursthaii 0.72 Speckwurst... Pwnd 0.83 Ramadou baibfatt, stock 0.22 Camembert ¥sä'I*'?0o� 0.25 Tilsiter Art ÄÄd 0.70 Tiisiter valllati, Pfd. von an 0.84 Dän. Schweizer p'w'd 0.84 Limburger 0.54 0.90 Stelnbuschervoiifatt�fd. 0.90 Edamer fcHÄ%nd 0.90 Brlekäse voiiiaH.. p«und 0.95 Schweizer�::!!".« 1.18 Margarine p« In- dustrie mit allen Kräiten auf einen Preisabbau hinwirkt. Es spracht jedem menschlichen Empfinden Hohn, daß durch«in« solch« Wirt« schaftspolitit zugunsten der Großagrarier aus den Minderbemittelten und s-lbst aus den Arbeitslosen ungeheure Profit« herausgeholt ein- beste grden. Nur wenn •jeur wen» eine Aenderung dieser Wirtfchgftspolitik eintritt, ein wirklicher Preisabbau möglich. Die Generalversammlung zert auch die Wiederzulasiung der zollfreien Einfuhr - Gefrierfleisches, um auch dadurch den fchliminste., ten der minderbemittelten und arbeitslosen Bevölkerung abzu- In, Frühjahr 1330 ist den Konsumvereinen ein« Sonder- , s a tz it e u e r von Vi Proz. des Umsatzes auferlegt worden, um en ihre preisrequlierende Tätigkeit zu erschweren und es damit , Kleinhandel zu ermöglichen, den Verbrauchern höhere Preise abzunehmen. Im Herbst 1330 hat die Regierung eine Aktion geleitet, weil der Kleinhandel zu hohe Preise verlangt. Die Preissenkungsaktion ist die W i e d e r b e s e i t i g u n g der u n g e rechten S o n d e r v e st e u e r u n g der Konsumvereine. Durch diese Wiederbeseitigung der Sondersteuer wird den Konsumvereinen. ihre preisfenkende Wirkung erleichtert." Nach Erstattung des Aufsichtsratsberichts durch das Aufsichts- ratsmitglied Schmidt erfolgte die Entlastung des Vorstandes und die Genehmigung der Bilanz gegen vereinzelte kommunistische Stim- men. Aus der Erübrigung des Geschäftsjahres wurden 50 000 Mark dem Reservefonds, 30 000 Mark dem Wohlfahrtsfonds und der Rest von 3180,23 Mark dem Spezialrefervefonds überwiesen. Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat wurden 297 Stim- men abgegeben; auf die Vorschlagsliste der Gruppe Genossenfchasts- aufbau entfielen 266 Stimmen, ein« von kommunistischer Seite ein- gereichte Vorschlagsliste erhielt nur 31 Stimmen. Gewählt wurden: Carl Michaelis, Karl Schmidt, Hermann Spliesgardt, Franz Hamann. Paul G r a h l, Elfe Becker und Friedrich Schulz«; als Erfatzperfonen wurden gewählt: Friedrich Schlegel, Paul Küster, Klara W o l l n y. Paul H e n s e, Carl Fritz, Wilhelm Dürr« und Marie Gebhardt. Sämtliche Gewählte gehören der Gruppe Genoffcnfchaftsaufbau an. Lina Morgenstern und ihr Werk. Ein« würdige Gedenkfeier zum 100. Geburtstage Lina Morgen- sterns veranstalteten die Berliner Hausfrau en-Verein« nn Bürgerfaal des Berliner Rathauses. Frau Dr. Marie Lüders als Festrednerin gab einen umfasienden Ueberblick über das Leben Lina Morgensterns, die, 18 jährig, als Tochter eines Breslauer Kauf- manns bereits den„Breslauer Pfeniügverein zur Unterstützung armer Schulkinder" gründete. In Berlin gründete sie in den 60er Iahren die„Berliner Volksküchen", eine Einrichtung, die trotz Spott und Abwehr der bürgerlichen Kreise viel Gutes gezeitigt hat. Die bewegenden Kräfte Lina Morgensterns gingen darauf hinaus, dü Frau des Mittelstandes in wirtschaftlicher und geistiger Beziehung zu erziehen, sie von der Familie zum Staatsgedankcn und von diesem rückwirkend zum Gemeinschaftsgefühl für das Ganze zu leiten.— Die zweite Rednerin, Frau Klara Mende, unterstrich das Wirken Lina Morgensterns für die öffentliche Wohlfahrt. Im Krieg 1870/71 war sie es, die den Vorschlag machte und ausführte, die durchreisenden Truppen aus den Bahnhöfen mit Nahrungs- Mitteln zu versorgen. Die fahrbaren Äaffeeküchen und Milchhäuschen auf den Berliner Straßen find ebenfalls ihr Werk.„Lina Morgenstern auf Rädern" nannte man die ersten Wagen, die sich in Berlin sehen ließen. 2luf allen Frauenkongressen und internationalen Veranstaltunzen wurde das Hilfswerk Lina Morgensterns, das sich bald auch auf die ersten Kindergärten aus- dehnte, anerkannt und gefeiert. Der„Verein für weibliche entlassene Strafgefangene" wor ihr« Gründung, das Heim in Marienfelde wurde später in eine Erziehungsanstalt für mittellose Waisen um- gewandelt. Von dem tiefen mütterlichen Sinn und ihrer umfassenden Liebe für all« Bedürftigen wußte Frau Charlotte Mühsam-Werther, die Lorsitzende der Zentrale der Hausfranen-Vereine, manches Beispiel zu erzählen. Das geistige und ideale Interesse mit dem sozialen Geschehen zu verbinden, war ihre Aufgabe. System in die ge- schmähte Hauswirtschaft zu bringen, den Frauen neben dem prakti- scheu Kochen, Rechnen und Wirtschaften auch volkswirtschaftliche und ernährungswirtschastlich« Kenntnisse zu vermitteln, daran hat Lina Morgenstern ihr ganzes Leben lang in Wort und Schrift gearbeitet. Die Rednerin erwähnte als amüsante Jeitglosse, wie am 21. No- vembcr 1873 in demselben Saal eine Frauenversammlung tagte und wie die Einberuferin Lina Morgenstern die Frage stellte:„Was vermögen die vereinigten Hausfrauen gegen die Verteuerung der Lebensmittel zu tun?" Die ersten Versuche der Lebensmittel- konlrolle und Untersuchung, Fleischbeschau, Lehrkurse für häusliche Kronkenpflege und viel anderes mehr sind bereits im Programm der großen Reformerin enthalten. Der gütige Mensch, das warme Herz, der klare Kopf haben einer künftigen Zeit vorgearbeitet. Arbeitszeit rmd Freizeit. Am Dienstag, dem 2. Dezember, 20 Ubr (8 Uhr abends), findet im stelilaale des Stadthauie» Wümersdorl, Kaiier- allce l-12, ein Vortrag von vr. pdil. Fritz K I a t t, Leiter deS Volls- bochichuIbeiwS in Prerow tOitlee), über:.Arbeitszeit und Freizeit" (Gestaltung deS Alltags- und Arbeitslebens) statte 'Was sagt ö er, Bär? Iwei Namen von gutem Mang, die durch die ß egpi ffe„Rauch und Brand" sogar Berührungspunkte miteinander haben und immer bereit sind-jeder auf seine Art- den Berlinern zu dienen: die beMeMe Feuerwehr und die vorir& ff liehe •tosettiJiuno Berlins meistgerauchte 4*8 Cigarette V- W SkM&aMfi(PfeUeMm! Damen-Kleider SERIE D Trikot, Charmeuse, Tweed, einfarbige Woll- oder Seidenkleider in vielen guten Modefarben Damen-Kleider Damen-Kleider SERIE 2 SERIE 3 Nachmittags» Kleider Abend- und Nach- S mittags- Kleider,' Woll-KIeider in ® riel Auiführungen aus Marocain, V e I o u t i n e und Cr§pe de chine Tanzkleider Damen-Mantel Damen-Mäntel Damen-Mäntel SERIE I Otromane, geTultert mit Pelzkragen, Möntel englischer Art, Velour- Mäntel ganz gefüttert, mit Pelzkragen, meist kleinere Größen-.�—• SERIE 2 Mäntel englischer Art. teils ganz auf Futter, Velourmäntel gefüttert mit Pelz, Tuch- u Somt- mäntel, Lodenmäntel t>it S'öße 52•.. SERIE 3 Reinwollene VeTöar- mäntel mit Pelzkragen u. Stulpen, Mäntel englischer Art, in vielen Formen und modernen Stoffartsn, maüt gefütt. KAR A m. V E R KAUFSBEGINN FREITAG 9 U H R r U-BAHNHOF HERMANNPLATZ OER KARSTADT- BAHN HOF | Jltia.hr, Licltlspiele usw.| 20 Uhr NORA. Ende nach 22%'« Uhr Tigl.6u.8l« Sonnt. 2,5u.8« Alex. 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Sonnabend 4 Uhr Sonntag 3 Uhr Rnedit Ruppredits Fahrt bs Mdnheilanl Frankfurter Allee 313-314 Von Freilag, den 28. 11., bis Montag, den 1. 12. Die grofjc Filmposse: „Mob Älter vüt Jakob Tiedike, Friiz Kam pers, Paul Heidctnann, Fritz Schulz, Trum van Alten, Josefine Oora, Elga Brink u. a, Theater am SdUlfhaoerdamm Täglich»>/. Uhr letzte Vorstellungen Die DrelgrosdieQoser vou Brecht und Well. Preise l�bislZ-M Mitt„ Somiii. p.Stg. ♦Uhr K'ndinontiliPiig Emil und die Detektive Deatsehes Kflnsller-Theal. Barbar. 3937. l'/.Uhr Ithti( lolfabnuists I Jim und Jiil Greta Mosbaim, Harald Pauisan. Auf der Bühne: DI FRAEN, die Musical-Excentricer. Beginn: Wodbeniags ab 6.30 Uhr Sonnabends ab 5 Uhr, Sonntags ab 3 Ubr Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 8V« Uhr: VorunlsrsDdiuog von Max Alsberg und O E. Hesse Rose-Theater Iir.FnuiiMiri858tr.i3z Tel. Alex 3422 u 3494 530 Uhr: Familie Hannemann 8.15 Uhn Der Diener zwelerHerrcn Die schöne Galathee Erster Klasse eifie>$anner Kottbusser Str. 6 P.S. Oberb. 6070 Tägl.»V.U., auch Sonntag Z>» Uhr DU tan. du ÜBBurs: „WirladiaäuiskapiiU" m mit Jz LotteWerl- U laa Meister Musik von lA?? Willi Roten. g dl Wiiu Xolio flll! und Siosvirt aKii lojett 11-2. ttenft-ab 6 pin. 'ufe�sien Singspiel in vielen Bildern. Cum. Sptrm. Ilnneen, Linah«, Wullbnc, Arno. Jaohnhn. Pul BSrblger, Leon, I SehacRcn, Winkelst«™, Rolle, Deoal, Stark. Gstet tenbauer. Original Tiroler WotsetaentAni_, Original Tiroler Zodlerlanen-Qafntett, Mneik-THo ans Sebllereee. I Jass-Band I Girl« o. Boj e, Grosse CtaAre. Oer Zelt entspreebend sind, trotx des ! riesigen Andränge». S% E 0'„ er- | die Hassenpreise nm A J /0 mSsstgt. Isonntag�■ Ikan Original besetsnng etamittag u%ßnw Billige Preise. metropoi-Theaier Täglich 8V. sowie Sonntag übt Sensationeller Operetten erfolg! Viktoria undihrHusar U 1. CEzeradcr Im TheitBr des Wetteos. MZMW Tt la UsInlspaleN SV. 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Reichsbankpräfident Dr. Luther führte aus, daß, wenn noch jemand an der Festigkeit der deutschen Währung ge- zweifelt hat. dann müßte ihn die gegenwärtige Krise, in der die Wirtschaft Rot leidet und Politisches in Gärung ist, die Reichsmark aber fest steht, eines Besieren belehrt haben. Die sieben Jahre alte Reichsmark hat die sieben wahrlich nicht fetten Jahre durch- gehalten und sie wird noch viele Male sieben Jahre durchhalten. Wenn in der gegenwärtigen Rot immer wieder Gedanken auf- tauchen, die unter Mißachtung jeder geschichtlichen Erfahrung neu- artiges Geld schaffen wollen, so wird dabei übersehen, daß die Zeche derartiger Experimente vom deutschen Bolk be- zahlt werden müßte. Gelänge die ungeheure Zdrästezusammenfasiung zu wirklich einer Regierungsgewalt im Reiche, gelänge die Ein sachkundiger Amerikaner, Ralph A. Pöring, von der Finanz- und Jnvestierungsabteilung im amerikanischen Wirtschasts- amt(Department of Commerce), veröffentlichte kürzlich in dem amtlichen Wirtschaftsorgan, den„Commerce Reports",«ine europäisch-amerikanische Zahlungsbilanz, deren Resultate wert sind, in Europa sehr beachtet zu werden. Sie bringen nämlich die große Ueberraschung, daß Amerikas Kapital- cxportbilanz gegenüber Europa passiv ist. Es sei zunächst darauf verwiesen, daß nicht nur die Amerikaner an Europa Kapital geliehen haben, sondern umgekehrt auch die Europäer an Amerika. Der Betrag wird aus nicht weniger als 3,3 5 Milliarden Dollar(über 15 Milliarden Mark) geschätzt. Es besteht allerdings ein wesentlicher Unterschied: während es die Amerikaner verstanden haben, durch ihre Kapitalausfuhr wichtige wirtschaftliche Schwerpunkte unter ihre Kontrolle zu bringen, haben umgekehrt mir in einigen wenigen Fällen die Europäer stärkeren Einfluß auf amerikanische Wirtschaftszweige genommen (z. B. Kunstseide) und haben im übrigen amerikanische Eisenbahn- und Industriewert« zu Spckulotionszwecken erworben, sowie auch kurzfristige Anlagen gemacht, die keinerlei Einflußnwglichkeiten zur Folge haben. Die Amerikaner hatten 1929 au, ihren Europainvestie- rungen«ine Zinsen- und Dividende»einnähme von 258 Millionen Dollar, während die Europäer aus ihren amerika- Nischen Werten etwa 198 Millionen Dollar Einnahme erzielten. Der amerikanische Zinsen- und Dividendenüberschuß betrug somit 80 Mit- lionen Dollar(rund% Milliarde Mark). Hierzu kamen aber noch' 207 Millionen Dollar Zinseinnahmen der Amerikaner aus den Kriegsschulden, ferner beiderseits Zinsgewinne aus kurzfristigen Aus- leihungcn. JnsgesaniterhieltenjcdenfallsdieAmeri- kau er an Zinsen und Dividenden 1929 rund 250 Millionen Dollar(über 1 Milliarde Mark) mehr als sie zu zahlen hatten. Anders aber steht es aber mit der Kapitaleinfuhr- und-aus- fuhrbilairz. Der amerikanische Kapitalexport nach Europa betrug 1928 ctiva 825 und 1929 etwa 450 Millionen Dollar. Berücksichtigt »'an aber den gleichzeitigen, oben erwähnten Kapitalabfluß aus Europa nach Amerika, so verringert sich die amerikanische N c t t o a u s f u h r auf 475 Millionen Dollar 1928 und 100 Mil- lionen Dollar 1929. Ein weiterer wichtiger Vorgang ist aber noch zu berücksichtigen: die Anleihen werden ja nicht nur verzinst, sondern Reichsreform, so würde durch die Einsetzung dieser verstärkten Kraft des Reiches Deutschlands Lage sehr erleichtert werden. Die Reparationen seien auf die Dauer nur erfüllbar, wenn Deutschland genügende Märkte habe, an die es ausführen könne. Ebenso werde der Poung-Plan nur dann durchführbar sein, wenn Deutschland langfristiges Auslandskapital zu billigen Sätzen erhalte. Erst wenn der Albdruck der kurz- fristigen Auslandsverschuldung weiche, könnten sich die Wirtschaft- luhen Kräfte entfalten. Auch die Kapitalhortung müsse überwunden werden. Es erscheine unvorstellbar,, daß die Tatsache der internationalen Goldaufwertung nicht Rück- Wirkungen aus die Höh« der Reparationen haben sollte. Ebenso müßte die Aufrechterhaltung der sozialen Lebensbedingungen des deutschen Volkes unter dem Poung-Plan beachtet werden. Was aus den Erörterungen über das sogenannte Moratorium oder die Revision auch werden möge, Deutschland werde seine privaten Schuldverpflichtungen ord- nungs mäßig und bei Fälligkeit erfüllen müssen. Man sollte darauf rechnen können, daß infolge wachsender Einsicht in die welt- wirtschaftlichen Gefahren der jetzigen Reparationsrcgelung das, was nicht bestehen bleiben könne, geändert werde. Nach Dr. Luther erklärte der Kanzler D r. Brüning vor den Industriellen die Grundzüge seine- Programme? und ihe Be- deutung nach außen und innen. Jahr für Jahr getilgt. Infolgedessen fließen laufend erhebliche Be- träge, die Amerika an Europa geliehen hat, wieder nach Amerika zurück. Hierdurch verändern sich die obengenannten Zahlen erheblich: Amerika führte 1928 nach Europa nach Abzug der Rückzahlungen nur 338 ZNIlllonen Dollar aus, während sich für 1929 sogar ein amerikanischer Kapitaleinsuhrüberschuß von etwa 22 TNil- lionen Dollar ergibt. Wir fasien zusammen: Während die Bereinigten Staaten ihre Rolle als Finanzierer europäischer Unternehmungen weiter spielten und groß« Anleihesummen ausgelegt wurden, floß erstens in Form von Aktienkäufen usw., in Form von Anleihetilgung usw. 1929 mehr Kapital aus Europa nach Amerika als umgekehrt, zweitens eenpsingen die Amerikaner— netto— rund 250 Millionen Dollar mehr Zinsen aus Europa als die Europäer aus Amerika. Die übrigen Posten der europäisch-amerikanifchen Zahlungsbilanz sind uneinheitlich: Der Worenhandel war für Amerika stark aktiv(Europa hatte 1929 für amerikanische Waren 1062 Millionen Dollar mehr zu zahlen als Amerika für europäische Waren), während andererfeiis Amerika durch die Europareisen zahlreicher Amerikaner, durch Frachtausgaben usw. stärkere Zahlungseinbußen hatten. Insgesamt erhöht sich jedoch durch diese Posten die Aktivität der amerikanisch-europäischen Zahlungsbilanz zugunsten der Vereinigten Staaten auf nicht weniger als 688 Millionen Dollar(etwa 2,9 Mil- liarden Mark), so daß die gesamte amerikanische Z a h l u n g s- bilanz stark aktiv bleibt. Die Frage, ob die Vereinigten Staaten ihre Funktion als kapital- exportierendes Land entsprechend ihrer sortlaufenden Bereicherung wesentlich ausfüllen, ist aber auf Grund dieser von zuständigen amerikanischen Finanzsachleuten errechneten Zahlen wenigstens für 1929 mit nein zu beantworten gewesen. 44 proz. für Kindl-Akiionäre. 24 proz. Dividende und Eondergeschenie in Aktien. Bei 3Vb Millionen Erwerbslosen gibt es noch genug Menschen in Deutschland, welche die Wirtschaftskrise nur vom Hörensagen her kennen. Daß die Vrauereiaktionäre hierzu das Haupt- konlingent stellen, überrascht bei den Bombendlvidenden, die auch in diese,« Zahre die Brauereien durchweg zahlen, keineswegs. Ave Rekorde w dieser Hinsicht schlägt aber die Berliner Klndl-Brauerei, die ihren Aktionären neben einer 2 4 p r o- zenkigen Dividende noch Sondergeschenke in Aktien macht. welche die Gesamtausbeute der Herren Aktionäre aus 44 Proz. erhöhen. Diese phantastischen Profite geben die richtige Umrahmung für das Jammergeschrei der Brauereien. Gtrompreissenkung im preußenirusi. Ein gutes Beispiel, das aber den Bedürftigen doch keine Strompreisersparnis bringt. Die Preußische Elektrizitäts A.-G.(Preag) kündigt eine Senkung der Strompreis« im Durchschnitt von 5 bis 10 Proz. an. Dazu teilt die Preag mit: Um bei der gegenwärtigen ungünstigen Wirtschaftslage eine finanzielle Erleichterung für die Stromabnehmer zu schaffen, wird die Preußenelektra bei den ihr nahestehenden Berteiiungsgesellschaften ihres Versorgungsgebietes für einen neue'» Tarif eintreten, der so ausgebaut ist, daß er den mittleren Strom- preis der versorgten Gebiet« weiterhin herabfegt. Bei Anwendung des geplanten Haushaltstarifes, der zum Beispiel für Koch- und Heizstrom einen Preis von 10 Pf. je Kilowattstunde vorsieht, wird sich für die Abnehmer im Mittel eine Senkimg des Strompreises um 5 bis 10 Proz. und unter Umständen darüber hinaus ergeben. Anschließend soll ein« entsprechend« Neuregelung der Strom- tarife füir landwirtschaftliche Betriebe, das Kleingewerbe und sonstige mittelständische Erwerbsgruppen, insbesondere auch die Einführung eines Sondertarifes für elektrisches Kochen und Heizen erfolgen. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, daß alle Lieferungs- vertrüge der Preag an industrielle Großverbraucher und Kommunen eine Kohlenklausel enthalten, die bei einer Senkung der Kohlenpreise automatisch eine Sttompreissenkung herbeiführt. Die Maßnahmen des Preußenelettrotrusts sind gut. Sie zielen aber in erster Linie auf eine Steigerung des Strom- Verbrauchs hin, die auch im Masienhaushatt aus die Dauer die besten Wirkungen haben muß. Leider lautet aber jetzt das Problem nicht, wie können wir mehr Strom billiger haben, sondern wie können wir die jetzige Strom Preisrechnung herab- setzen. Wir treten ja selbst für Staffeltarife für Koch- und Heiz-- ström ein. Auch der Preußenelekttottust, der bekanntlich das mittlere Westdeutschland zwischen der Nordsee und dem Main versorgt, wird also für die Strompreissentung an der jetzt brennenden Lampe sich bei seinen Untcrgesellschaften noch einsetzen müssen. Rechnen mit dem Pfennig- Ein preußenerlaß Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Hanbelsminister die Regierungs- Präsidenten und den Polizeipräsidenten von Berlin ersucht, die von der Reichs- und Staatsregierung an- gestrebt« Senkung des überhöhten Preisniveaus für ihren Bezirk zur Durchführung zu bringen. Dies« Stellen sind bekannllich be- reits mit der Bekämpfung unwirtschaftlicher Preisbindungen von örtlicher Auswirkung betraut und mit weitgehenden Befugnissen versehen. Es wird sich vornehmlich darum handeln, dafür Sorge zu tragen, daß jede in einer Wirtschaftsstufc vorgenommene Pfieis: fenkung durch alle Wirtschaftsstufen bis zum Konsumenten ausreichend zur Auswirkung gelangt, und daß diese Wirkung nicht an einer Stelle des Perarbeitungs- und Verleilungsprozesics unbe- rcchtigt ihr Ende findet. Insbesondere darf diese Wirkung nicht da- durch hintangehalten werden, daß infolge der völlig unberechtigten Abneigung gegen eine Pfennigrechnung ein« Abrundung des Preises nach oben zu einer durch fünf teilbaren Ziffer erfolgt. �undfunkdebaiten. „Arbeitslohn, Nationalisierung und Arbeitslosigkeit." Im Rahmen des Zyklus„Das Arbeitslosenproblem" disku- tierten gestern im Rundfunk Genosse Otto Schweitzer, Mit- glied des Reichswirtschaftsrates, und Dr. Helmut Poensgen über das Thema„Arbettslohn, Rationalisierung und Arbeitslosig- keit." Schweitzer führte u. a. aus, daß die Senkung der In- landspreise die erste Vorbedingung für eine Ueberwindung der deutschen Wirtschaftskrise sei. Dieses ist möglich, da die Ausfuhr im allgemeinen bedeutend gestiegen ist. Immer wieder treffe man auf die Ucberschätzung des Lohnes im Kalkül der In- duftrie. Die Arbeitslosigkeit war schon gestiegen, als die Wirtschasts- fiist noch nicht vorhanden war. Di« Rationalisierung trug also daran teilweis« die Schuld. Allerdings war die Rationalisierung Europäischer Kapitalexport. Die europäisch-amerikanische Kapitalbilanz war �929 für LtSA. passiv! für D«ltschla«t>«hw ÄfltoaiMgfelL Uber i« S«»kilog der Preis«, die das Ziel der Rationalisierung sein mußte, blieb aus. Deshalb könnt« keine genügende Steigerung der Kaufkraft auf dem Inlandsmarkt verzeichnet werden. Nicht die Rationalifle- rung, sondern die chochhaltung der Preise trotz Rationalisierung ist die innerwirtschaftliche Hauptursache der deutschen Wirtschafts- krife und uberhohen Arbeitslosigkeit. Gegenüber dieser Argumen- tation konnte Dr. Poensgen nichts anderes ins Feld führen als die Ueberfteigerung der Löhne. Bilanz im„Scheuerkonzern". Jahresbericht der Getreideindustrie- und Kommisft'ons-A.-G. Die Getreide- und Kommifsions-A.-G.(ehemals Scheuerkonzern). an der die Rentenbank-Kreditanstolt und die Preu- ßische Zentral-Genossenschastskasse moggebend be- teiligt sind und die für die Deutsche Getreidchandelsgesellfchaft auf den Eetreidcliörsen �>ic Roggen st ützung durchführt, hat für das am 30. Juni abgeschlossene Geschäftsjahr jetzt ihren Bericht vorgelegt. Die Tätigkeit der GIC. hat sich 1&29/30 durch ihre Roggenstützungsarbeit ganz außerordentlich stark ausgedehnt. Sie weist in ihrem Bericht auf den von den drei«inander folgenden reichen Wclternten ausgehenden starken Druck auf die Getreidepreis« hin und veröffentlicht auch eine instruktive Tabelle über di« Zoll- erhöhungsmaßnahmen, di« von Juni ISA) bis Oktober 1330 einander so schnell gefolgt sind. Diese Tabelle zeigt Steige- umgen des Roggenzolls von 5 auf 15 Mark je Doppelzentner, des Weizenzolls von 5 auf 25 Mark, des Gerstenzolls von 7 auf 20 Mark(bei Eosinroggcnoerwcndung gelten hier 6 Mark) und des Hafcrzolls von 5 auf 12 Mark. Im wesentlichen ist diese Reih« von Zollerhöhungen für die Politik charakteristisch, die Reichsernährungs- minister Schiele zirr Roggenstützung für notwendig geholten hat. Da in den letzten Tagen von großagrarischer Seite der Vor- w u r f erhoben wurde, die GIC. habe sich an der Roggenstützung in unerhörter Weise bereichert, ist der Hinweis interessant, daß die Ein- nahmen aus den Roggcngeschäften für die Deutsche Getreidehandels- pefeUschost von dem gesamten Brutto gewinn der GIC. noch nicht 15 Proz., das sind ungefähr 1,2 Millionen Mark, ausmachen. 'Die Bilanz der GIC. zeigt in der Erhöhung der Gläubiger fordeningen und Bankschulden von 32,4 auf 34.6 Millionen Mark und in der Erhöhung der ausstehenden Forderungen von 9,7 auf 53,1 Millionen(wovon 38,6 Millionen bei der Deutschen Getreide- Handelsgesellschaft) die starke Tendenz zur Geschiftserweiterung durch die Roggenstützmrg. Die Gesamteinnahmen haben sich gegen das Dorjahr von 2,78 auf 7,37 Millionen Mark erhöht, der Reingewinn beträgt 1,11 Millionen Mark gegenüber einem Perlust von 68! 006 Mark im Geschäftsjahr 1928/29.» Michefinanzen und Wirtfchastskrise. Steuerausfälle bleiben noch in den erwarteten Grenzen. Nach den Mitteilungen des Reichsfinanzministeriums sind im Monat Oktober an Reichssteuern insgesamt 1099 Mill. M. auf- gekommen. Diese oerteilen sich mit 771,8 Mill. M. aus Besitz- ilnd Bcrtehrssteuern und 327,2 Mill. M. aus Zölle und Ber brauch sab gaben. Im einzelnen stellten sich die Einkünfte aus der Einkommen- steuer im Ottober auf 244,2 Mill. M., bei der Köeperschaftsfteuer auf 84,6 RM�M. und bei der Umsatzsteuer auf 192,6 Mill. M. Das Auskommen' aus diesen Steuern läßt sich wegen der vierteljährlichen Borauszahlungen nicht mit dem Vormonat, sondern nur mit dem�Juli vergleichen. Gegenüber dem Juli 1930 sind aus der (Kmammcnsteuer 26,8 Mill. M. mehr«ingegangen, worin sich bereits die neuen Steuern, die Ledigensteuer und der Zuschlag zur Einkommensteuer für Einkommen von mehr als 8000 M. aus- ' wirken. Bei der Körperschaftssteuer ist im Oktober«in« Minder- einnähme von 11,2 Mill. M. gegenüber dem Juli festzustellen, was jedoch mit der Technik der Abrechnung zusammenhängt und keine wirtschaftlichen Ursachen hat. Die Einnahmen aus der Umsatzsteuer halten sich mit 192,6 Mill. M. auf dem Staude des Juli. Die Lohnsteuer brachte im Oktober mit 117,5 Mill. M. trotz der zunehmenden Arbeitslosigkeit gegenüber dem September noch eine Mehreinnahme von 3,5 Mill. M., da sich auch hier im Oktober die Ledigen st euer erst voll auswirkte. Im ganzen sind in den ersten sieben Monaten des laufen- den Rechnungsjahres von April bis Oktober 5679,7 Mill. M. auf- gekommen. Da das E i n n a h m e s o l l für das Finanzjahr 1930/31 auf 10 265,6 Mill. M. veranschlagt ist, würde dies für di« erfaßten sieben Monate einem Cinnahmesoll von 5988,3 Mill. M. entsprechen. Di« Mindereinnahmen des Reiches stellen sich also bisher aus 308,6 Mill. M. Bei der künftigen Entwicklung der Reichs- finanzen ist zu berücksichtigen, daß die neuen Steuern die Ei» nahmen bis zum Schluß des Finanzjahres noch günstig beeinflussen werden. Anderseits steht bis zum Schluß des Finanz- jahres nur noch«in Monat, der Januar, zur Verfügung, in dem Vorauszahlungen aus di« Einkommen-, Urnsatz- und Körper- jchastssteuer zu leisten sind. Zusammensasiend kann jedoch gesagt werden, daß die ersten sieben Monat« des Rechnungsjahres gegenüber dem Voranschlag bei den Einnahmen kein größeres M i n d« r« i n k o m m e n gebracht haben, als es in Anbetracht der wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Rechnung gestellt wurde Gummurust und Reifenpreise. Oer Aufsichtsrat von Continental-Gummi weicht ans. In der Aufsichtsratssitzung der Continental Gummiwerke A.- G. in Hannover teilte die Direktion mit, daß der Jnlandsumsatz bisher um 16 Proz. hinter dem Vorjahr zurück- geblieben sei, der Austandsabsatz sich dagegen gehalten habe. De. handelt worden. Das Komitee wird dem Agrarausschuß der Kon- fcrenz einen Bericht vorlegen. Hinsichtlich der praktischen Verwirk- lichung der Oststaatcnwünsche hat sich im Redaktionskomitee gezeigt, daß von den in Frage kommenden Industriestaaten nur Deutsch- land zu Verhandlungen bereit ist. Die anderen Staaten haben Einwendungen gemacht. Die Frist zur Hinterlegung der Ratifikationen des Zoll waffen still st an dsabkommens wurde auf den 25. Januar 1931 sestgesetzt._ Der Leschästiguugsgrad bei Karl Flohr. Versin. Die Karl F l o h r A.-G. in Berlin hat in Anbetracht der schwierigen Ber- hältnisse in der Berliner Metallindustrie das Geschäftssahr 1929/30 noch verhältnismäßig günstig abgeschlossen. Da di« Abschreibungen ziemlich hoch bemessen waren, wurde allerdings mir ein geringer Reingewinn von rund 33 000 Nt. ausgewiesen. Den Umsatz konnte das Unternehmen aber auf dem Stande des Bor- jahres halten. Auf der Generalversammlung teilt« der Borstand mit, daß der Auftragseingang im Laufe dieses Jahres ständig geringer geworden sei. Nach den kürzlich vorgenommenen Entlassungen kann jedoch die setzige Belegschaft mit den, vorhandenen Auftragsbestand einige Monat« beschäftigt werden. Allgemeine Wetterlage. 27 Nov. �930,abds. SwolkanlcF.O heilw.O hslbbedeckr �woik�.Obsdectit'RegenAGraupelfi 'SdmsN�TGiwatBcÖWiwteinc Am Dmmerstog tag Deutschend im Bereich eines Gebietes re- lutin tohen Druckes, das sich zroischcn �nxi Deprssionen gebildet bztte. von denen die eine aliends� über dem südlichen lltordmecr, die > nterc über Südfrankreich uiid Spanien log. Das Weiter hotte da- I er einen ruhigen Charakter, blieb aber meist wolkig. Leichte Nieder- scktäge kamen nur im äußersten Westen vor. Dabei blieb es über- all mild. In Mittel- und Ellddeutschland wurden mittags wieder über 12 Grad gemessen. Da der Luftchruck über dem größten Teil von Europa steigt, ist zu erwarten, daß das beständige Wetter in unscrm Bezirk fortdauert. * wetteraussichten für Berlin. Beständiges und mildes Wetter ebne Niederschläge, schwache Lustbewegung.—.'für Deutschland. Im Westen und Süden Neigung zu leichten Niederschlägen, sonst bestän- diges und größtenteils trockenes Wetter, überall mild. emscndungrn für diele Rubrik lind V« r I i» SÄ««. Lindenstrahe Z. parieinachn'chten�A�fürGroß-Berlin stet»«a da» BezirtTseteetarlal 2, Hol, 2 Treppen recht«, z» richte» Zum Notopfer für die erwerbslosen Mitglieder wurden vom Genossen M. B., Wilmersdorf. 1000 M. als Ablösung einer bzeburtstngsfcier gestiftet.— Gesammelt wurden von der Be- legschasl der jronsumgenossenschast Groß-Berlin und Umgegend als 1. illatc 500 M., Buchbinderei der Vorwärts-Drnckerei IV0 M.. der Pcwng,'Abt. Eichramit 77 M., B«- legschtst der BBG., Oberleitung Markusstr. 7, tö.bü M. und von der Betriebsfraktion Ii rcuzbcrg.Zö M— Allen Spendern hierdurch herzlichen Dank. J. 2l.: Alex Pagels. lvir machen unsere Genossinnen und Gesinnungsfreunde darauf «nsn erkfam, daß die Verlosung der Plahkarten zu unserer am Sonnabend. dem Zkovember. in der„Volksbühne"(Theater am Bülow- plaßs slattsindcnden �srauenseierslunde bereits ab 14,A Uhr (i'j Uhr) vor(ich geht, damit wir pünktlich um lS'ch Uhr(3'A Uhr) mit dem Programm beginnen können. Die Verlosung findet im Vorraum der„Volksbühne" stall. Das Jrauenjekretariat. 3. Mtcis Scbbina. Sonntag, 30. Rovcmber, 10 Ulir. Prsichtiann« der welt-- lichcn Senile in Orr iöotenbnrAer Straße(rotrr Steinbaut. Treffpunkt !Pi Uhr vor der Schule. Znteresfierte Eltern können teilnehmen. «. Nrri» Nreuzberq. Bildungsaussaiuft. Der Kursus ber(Seivolün Torhorst fiuört heutr. greitaa. an bekannter Stelle statt. 13.»reis Trrotew. Alle Genossinnen und Genossen nebmen aesckiloffen an der anttka'ösilstischcn Kundgebung des Kreises Köpenick aen Sonntag in Köpenick teil. 10. Krris Pankovc. Bitduugsauolchuß. Sonttabend. 20. Zlopentbcr, 101? Uhr. sinbet im Ittgendbcim Kifsingenstr. 13,? immer 2..der Abschluß des Kursus über:„Soziaiisrisdie Lebenssonncn" mit Lichtbilderportrag statt. Iutcr» efsiertc Genossen und alle Kursusteilnchmer sind dazu eingeladen. heule, Freitag, 28. November:. 27...".0. und 51. Abt.(Fmdenfrrzctblqnippe S.)»Schönhauser �cftfälc", Schönhauser Allee 129, lÖVi Uhr. MrLgUed erversammlung. Lichtbildervortrag: ..Äelnrick)?ille". Ausweis.- Mitgliedsbuch. :.3. Abt. Be�irküfiihrer. die bisher die arbeitslosen Genossen Tioch nicht angegeben haben, teilen dieselben sofort dem Kassierer mit. Morgen, Sonnabend, 2g. November: ■>8. Abi. Abrechnung um 18' i Uhr bei Keller, Tilrstenstr. 1. Chotlotler.f utg. 32. Abt- 20 Uhr lZuntliouörsitcung bei Vöde.— 84. Abt. 20 Uhr chunktiousirsißuug imgfiu'gendheim ci'harlDttcuhurg, Nosinenstr. 4. Der Vorstand trifft sich ücrii" um 10 Uhr pünktlich ebenda. 74b. Abt. Zehleudorl-Ssid. Buatcr Abend Im Gesellschnstohaus Bruno iv. Saristr. 13. Konzert, Tanz. Beginn 20 Uhr. fcj =f!--si-— i 131. 0!bt. ZÜeberschön Hausen. 20 Uhr Sißung des engeren Vorstandes mit allen Bezirksführern bei Kliud. Am nriedensplaß. Sonntag, 30. November: 83. Abi. Lichterfelde. 10'.. Uhr Hai die Sozialistische Arbciteriugend. Werbe- bezirk Telioa-konal, ihre steierstunde und Werbcseier i» den Hindrnburg- Lichtspiclen. Lichtrrleldr. Hindeuburgdamm 58o.„Mensciien am Sonntag/' Musik, Rezitation. Sprechchor. Lidtlbilder, szenische Darstellungen, ssilm: . Mensciien am Sonntag". Unier Mitw�kuna des Streichorchesters der SA?. s.roß-Lertin. Ansprachen: Karl Schröder. M. d. R.:„Arbeiterjugend und Sozialismus"'. Bruno Rehdorf, Stcgliß:..Arbeiteriugend und Treizeit- gestallung". In Anbetracht des sehr geringen Unkostenbcitrages von nur id Bs. ist es allen Genossinnen und Genossen sowie ssreunden ermöglicht. der Veranstaltung unserer Jugend beizuwohnen. 101. Abt. Treptow. Alle Mitglieder müsten sich am Sonntag, dem 30. 3!o-- vember, au der antifaschistischen Kundgebung in Könenict beteiligen. Tres!- Punkt entweder 13 Uhr Bahnhof Treptow zur Jährt mit den Linien 83 aber>87 bis Köpenick, Körnersclnile, oder IZÄ Uhr direkt Körnerschule. 103 Abt. Öberschöneveide. Alle Genossen nehmen an der autifofchiftifchen Kund- gtöung in Köpenick teil. Treffen 1314 Ilhr Köpenick, an der körnerschnle, Ecke Bahnhofstraße. Bezirksausschuß für Arbeiierwohlsahrt. . b � � üu 17.«res, Lichtenberg. Sonntag. 30. November. 11 Uhr. läuft in P-Z S bot Iugenbbithne Lichtenberg. Holteistraße, der große russische Meister, st? fiim:„Die Odutker"'. Ansprache dazu hält die Genossin Käthe Kern. � Eintritt erfolgt gegen Coupon eines Wohlfahrtsloses oder 30 Pf. Alle N .'J interessierten Genossinnen und Genosien sowie die Losinhaber werden S4 zu dieser Veranstaltung eingeladen. Arbeilsgemeiuschaft der Kindcrfreuude. st«,» Nenkoll». Helferkrei». Mr. beteilcgen uns alle, an dem Woche nend- hri'v* in Brieselang. sSrinlmcsKuwsnsü Treffen am Eanngbend um 20 Übe am«wgbrchochaf Ne-uSllln. Nachbltgler am coomtog um 6-4 Uchr Bahuhos ZieutLlb».■' � AnMifasciaisMiscflie Kundl�eb«siB2|en 2. Kreis Tiergarten./ 7. Kreis Chariotlenburg. Am Montag, dem 1. Derember. 20 Uhr, im Tiergartenhof, am Bhf. Tiergarten. Referent: Siegfried AuthSuser, M.d.R. 16. Kreis Köpenick, s Am Sonntag, dem 30, November. nachmittag» IS'/j Uhr, auf dem Wilhelmplatz in Köpenick. Ansprache: Carl Litke. M.d.R./ Gemeinsamer Treffpunkt zum Umzug HUhrSfadfpark Köpenick, FürsfenwalderStr. Treffpunkt für Frledridishagen und Rahnsdorf: Bahnhof Friedridishagen. Abmarsch IZ'/z Uhr zum gemeinsamen Treffpunkt./ Treffpunkt für Bohnsdorf, Grünau und Schmöckwitz: Köpenick, Köllnischer Platz. 131/, Uhr Abmarsch zum gemeinaamen Treffpunkt. ErsciaeiBii in Meissen? Gruppe Wrißensee. Unsere Lelsersißung findet am Sonntag um IS Uhr bei IZenfelau, Renubahnstr. 17». statt. Erscheinen aller Helfer und Obleute ist Pflicht. Im Rahmen der Buchwvche des Bezirksamts findet am Dienstag, dem 2. Dezember, eine„Offene Eingestünde" statt. Näheres im Heim. Alle Eltern beteiligen sich daran. Geburtstage. Iubliäen usw. 04. Abt. Neukölln. Unseren beiden Parteigenossen Alfred Eulenselb. Dreber. Neukölln, Steinmeßstr. ZZ, uub Roland»ops. Eckluhmacher, Neukölln, Oker- strafte 42, zu ihrem 2Ajährigcn Parteijubilänm die herzlichften Glückwünsche, verbunden mit dem Wnuschc, baß ihre Kraft der Partei noch lang« Jahre erholten bleibt. | Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 18. Abt. Unsere Genossin Drida Iber, Uscdomstr. ZZ, ist im Alter NIM 44 Iabren nach langem, schwerem Leiden verstorben. Ehre, ihrem Andenken. Einäscherung Sonnabend, 181b Uhr, im Krematorium Gerichtstraße, Um reg« Beteiligung wird gebeten, 20. Abt. Unser Genosse Bug ist plößlich verstorben, Ehre seinem Andenken, Beerdigung beute, 10 Uhr. auf dem Städtischen sfrirbhof in Marzahn, Ab- fahrt 8.4i Uhr vom Schlesischen Bahnhof. Wriezcncr Bahnsteig. Wir bitten um reg« Beteiligung. 33. Abt. Unser langjähriger Parteigenosse nnd Dunktionär, der Bezirks» flihrer Ernst Gehlsdorf, Dirschaurr Str, 0. ist im Alter vor: 44 Iahren am 26. November verstorben, Ehre seinem Andenken. Trauerfeier am Sonnabend, dem 20. Zlovember, 20 Uhr, im Krematorium Baumschulenmeg. Rege Beteili» gung wird erwartet. VorirZge, Vereine undVersammlnngen. K Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle! Berlin S 14. SebaManstr S7— 38. Hak 2. �r, Freitag, 28. November. Webding, 1. Kameradschaft. 20 llbr Turnhalle Putbusser Str. Z in Fivil. Zusammenstellung der neuen For. mattonen. Nenkölla»Driß. IZlh Uhr Pflichtanfretcn zum Saalschuß in her „Neuen Welt", Laseuheide. Die filr den 1. und 2. Fug der 1. Kcuneradscklait ongeseßtc Fugvcrsammlung fällt ans.— Sonnabend, 29. November. Tempelhos lOrtsvcrein). Erweitcr!« Barstaudssißniig in der.Linde", Werderstraße. Schöne. weide.Zohnnnistha!. 23 Uhr Mitgliederversammlung in der Britckeuklause. Brückenstraße Ecke Svreestraße. Lichtbildcrvortvaz des Kameraden I e p NI e i f e l. Erscheinen Pflichl. Bernan, Ladrbnrg. Börnicke. l8?l Uhr bei Modisch. Abmarsch pünktlich 19 Uhr. Bundrskleidung.— Sonntag. •30. November. Kreis Westen. lZls Uhr Abmarsch vom Babnhof Eharlottenburg lStuttgarter Plaß). Eharlottenburg(Ortsvcreinl. IS Uhr Bahnhof Echarlotten» bürg, Stitttgarter Plaß, zum?Iufinarsch in Charlotenburg. Wilmersbori lOrts. verein). 1W« Uhr Antreten altes Nathans. Wilmersdorf, zum Kreisaufmarfch in Charlotkenburg, Nachzügler 131» Uhr Stuttgarter Plaß, Bahnhof Eharlottei:. bnrg, Schöneberg.F'.iedenau. Kamera dfäiaften Rubens und Friedenau Antreten 13% Uhr Bahnhof Wilmersdonf-Friedenau, kanteradschaften Nollendors, Insel nnd Rathaus 12% Uhr Bahnhof Ebcrsftrgße. Nachzügler 131,8 Uhr Bahnhof Eharlottenburg. Stegliß lOrtsverein), 1218 Uhr Antreten Düvvelplaß zum kreis» aufmarsch iu Ebarlot'enburg ohne Föhnen. Nachzügler 13'-, Uhr Bahnhof Ehae» lottenburg, Neukölln. Beiß. Landagitatio» in Welchow. Pflichtantreten für nicht gediente Kameraden 10 Uhr Krankenhaus Neukölln. Alle übrige» Kameraden 1214 Uhr Bahnhof Hermannstraße, Treptow lOrtsverein). Der für Sonntag angefeß'e Ausmarsch findet nicht statt. Dafür Antreten 13% Uhr Köpenick. Körnerschnle, zur antifaschistischen«nndgedung. Pflickiweranstaltung. Köpenick lOrtsverein), 13% Uhr Antreten mit Tambourkorps und Fahnen Friedrich*. Hagener Straße zum Schuß des antifafchtskischen Aufmarsches, Kameradschaft Friedrichshagen trifft sich um 13% Uhr am Bahnhof Friedrichshagan. Bohns» dorfäStiinau 13% Uhr Bahnhof Grünau. Der angefcßte Aufmarsch am Bor. mittag fällt aus. Krci, Vlll, Bezirk Bernau. 10 Uhr Bezirkssißung mit den Funktionären im Gaubiira, Berlin, Sebasiiansir. 37—38. Bernau lOrtsverein). 8,47 Uhr Abfahrt des Vorstandes und der Führer zur Bezirkssißung.— Fried- richshain. Kameradschaft Warschan. Freitag, 28, November, 20 Uhr. Kamerad- schaftsversaminlung bei Sahn. Simon-Dach-Str. 9. Wichtig« Tagesordnung. Neue Einteilung. Unser Kamerad Ernst Ichlsdorf ist plößlich verstorben. Die Einäscherung findet am Sonnabend, dem 29, November, WVß Übt, im Arema- torium Baumschulenweg statt,— Bohnodoef-Grünan. Iungbanner, Freitag. 28, November, 20 Uhr, Versammlung im Jugendheim Wachtelstraße. Typographische» Orchester. Dirigent Erich Gutzeit. Urbungsstunden jeden Freitag von 201« bis 2214 Uhr im„IbeaUafino", Neukölln, Weichtelstr. 8. Bläser und Streicher willkommen, Reich-tartell Republik. Sportolaß Friedrichsfelbr. Infolg« t>«s Unwetter» am Sonntag, dem 23. November, ist zur Behebung der Sturmschäden am Sonn- abend, dem 29, November, ab 13 Uhr, und Sonntag, dem 30, November, ab 9 Uhr, Arbeitsdienst, Für alle freien Kameraden Erscheinen Pflicht,— Köpenick lOrtsverein). Somtfag, 30. Zlovember, ob 91») Uhr nllebungsschießen im „Wilhelmshast'. Nähe Bahnhof Hirsäigarten. Liga für Mntterfchuß. Freitag, 28. Navemher, 20 Uhr. Trmpelhaf, Birken. Wäldchen, Manteuffelstraßc, Lichtbildervartrag:„Menschwerdung", Deutscher Frewdsprachler.Pnnd e. B. Jeden Sonntag, Englischer Konner- sationsdlub Eharlottenburg tagt Dienstags, 20 Uhr, in der Konditorei Wolter. Bismarckstr. 114(Knie). Gäste willkommen. Am 25, November entschlief nach lurzem Leiden mein lieber Herzens» guter Mann und Vater, der Tischler lEmst Gehlsdorf im 43. Lebensjahr. In tiefer Trauer Alma Gelilsdorf, geb. Stiel er und Sohn Heinzdien. Einiifiberung: Sonnabenb. den 29 November.20Uhr, imKrematarwm Banmfchuienweg. M\iM litetallarbeiter-fertiaDii Venealtungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Dreherin k�rie«Ia Ihde geh>9 Fediuar I8S61 am 25. Na- mm der gestorben ist. Die Einäscherung findet am Sonn. abend, dem 29, Nooember. IS>/. Uhr, IM Krematorium Gerichtstraße statt, Am 25. November starb unser Kollege, der Einrichter Franz Wlllun geb. 28. Oktober 1874. an Herzschlag. Die Einäscherung findet am Sonn- abend, dem 29. November, 19 Uhr, im Krematorium Baumschülenweg statt Am 26, November starb unser Kollege, der Meister Otto Casper geb. 19. Dezember 1884. Die Einäscherung findet am Sann- abend, dem 29. November. WUe Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. ■Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die OrtsvcrwaKung. j�'eue Großsender verändern grundlegend Radio-Empfang Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Einäscherung meiner iirden Schwester und Schwägerin Anna Schäfer, geb. Voigt sogen wir allen Freunden und Be» 8 kannten, sowie den Beamten. Ange- stellten und Arbeitern des Bezirls» amts Prenzlauer Berg, den Ge- nosstnnen und Genossen der>4.?Ib- leilmtg der SPD. und Herrn«ahi vom Polks-Feuerbeltattungsverei» Gr.-Berltn unseren herzlichsten Dank. Altred Voigt und streu TZLKPVNKEN J» nett ScisfcäannadMtr .Empfänger und Unttspredttr In Einem' ■■ RM 168.- WMWMMMW lltontag, den 1. Dezember, abds. 7 Ahr. im«venierkichassshau». Engeluser 24 25«Brofzcr Sani) erancüen- Versammlung d.Werkzeugmasher.Werk- xeughärter.Scharf schleif er Tagesordnung: I. Dortrag des Kollegen A. Brande». 2. Diskussion 3 Branchenangelegenheiten. Ohne Mitglledsbuch t e> n Iutritt. Um pünktliches Erscheinen wird dringend er.ucht._ ßemung, Betrieüsrätei Die Beiriedsrcite• Ieitjchttti Nr. 28 ist crsäitenen und kann gegen Porzeignng der L> giUmationstarie des Betriebsrats-Ob- vtannes tn unserem Büro, Itmmer 5, täglich bis 4 Uhr, Freitags bis 7 Uht entgegengenommen werden. Die Oilsvcrwalhmg. l>°: ßiic Kapiiin- B I tiauiuuun gatreD�escb.«rhälti. 1 C. Röcker, Berlin I umteghnnr Stiafta 22. Kflnlflsi. S8B1 eue RJesen-Rnncffunksender sind eröffnet und überstrahlen die Gebiete der einzelnen Ortssender. Nur noch mit der nötigen Trennschärfe sichert Ihnen ein Z- Röhren- Apparat störungslosen Radio-Empfang. Der neue Selektionswähler. Mit dem neuen Selektionswähler von Telefunken wird bei einfachster Handhabung, nicht nur für den Orts- Empfang ein selbst benachbarter Großsender vollkommen ausgeschieden, sondern auch für den Fera-Empfang die erforderliche Trennschärfe gesichert. TELEFUNKEN SS ne# Telefunken Imitspredier ARCOPHON 4 s, die j Röhren-An'.agefürAn.iprud'epolle Die Telefunken I-Röhrcn- Geräte, Telefunken ta und Telefunken S3 sind mit dem neuen Selektionswähler ausgerüstet. Im Telefunken ta „Empfänger und LauUpretfur In Einem' sind außerdem die neuen Telefunken- Stäbe eingebaut. Die besonderen elektrischen Eigenschaften dieser Stäbe gestatten eine erhebliche Vereinfachung und Verbilligung der Konstruktion. Das geschmadcvolle Gehäuse hat dieser Radio-Einheit den Beinamen„der schöne Empfänger' eingetragen. Telefunken ta, betriebsfertig ausgerüstet, RM 1 C8.- Telefunken 33— das 3- Röhren- Empfangsgerät für Anspruchsvolle— gibt für Fem- Empfang größere Reichweite. Das Gehäuse ist aus hochwertigem Isolier- matcrial hergestellt: technische Vollendung in geschmackvollster Form. Telefunken 33, einschließlich Röhren, RM 165.- Dazu ARCOPHON 4 z. der preiswerteTelefunken- Lautsprecher mit der Falzmembran RM 82-. Beide Geräte können mit Schirmgitter-Gndtöfare ausgerüstet werden. TELEFUNKEN DIE DEUTSCHE WELTMARKE V Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verliv dlnsendrinoen für Mefe Jtubrir nur an das Juaenbttirelartat. Serital®3B 65, �wdmstrair 3 etr«ichurchest«r S»ß.B«lin: Heute, Uhr, Probe und Teilnahm« an der Veranstaltung des Iugendaniie» Weistcnsee, Luteum, Pistoriusftr. IZl. Moraen, lS Uhr, Probe und Teilnahine an der Bcranstaltuna des Werbebeziris Waddin« tnr Moabiter Echstdenhau», Plöhensee. Nordufer 28. Sondervorstclluna der Bolksbühnc am 1. Januar um IS Uhr. Gespielt wird „Mifüsslvpi", Tchaufpiel oon Georg Kaiser. Einzclkartrn zu SO Pf. für Jugend- lich« sind-rhiiltlicki. Borsitz-ndenlouferen, am Mttwoch. dem Z. Dezember, IS� Uhr. pstnktlich im großen Sitzungssaal des Bezirlsanrtes Kreuzberg, Jorckstr, U. Alle Gruppen mllssen destimnit durch den l. und 2. Vorsitzenden, sowie durch den Iugcnddcirat. vertreten sein. Heute, Jreitag. 28. November. 19�! Uhr: Gewerkschaftrhaus: Heim Kiivenicker Str. kill. Mitqliederversammlung.— Ksillnifcher Park: Heim Waisenstr. 18.„Arbeitsbienstpflicht und<5AI."— Oranienburger Tor: Heim Tieckstr. 18. Mitgliederversammlung.— Rosenthaler Vorstadi: Schule Glisabetlikirchstr. l».„Erste Silse."— Zentrum! Leim Lands- berger Str. SV. Dagespolitii.— Hansa: Heim Bochrnner Etr. Sb. Tagespolitik. — Moabit l: Schul« Waldenferstr. A. Tagespolitik.— Moabit II: Heim Lehrter Str. 18—19. Lieder zur Laute.— Moabit lll: Heim Lehrter Str. 18/19. Tastespolitik.— Aruimplatz: Schule Sonnenburger Str. 20.„Arbeiterschaft und Relchsrvehr."— Aruswaldcr Platz l: Seim Rastenbnrger Etr. 18.„Alter und moderner Baustil."— Balkon: Schule Mandelstratze. Heimabend.— Zsalk- platz II: Schule Sonnenburger Str. 20,„Der Jugendliche vor dem Strafrichter." — Helmholtzplatz: Heim Danziger Str.«2,». 2.„Unsere Zugendschutzforde. rungen."— Hohenschdnhausen: Heim ssreienwalder Str. 8.„Einfsthrung in den Marxismus."— Nordosten I: Seim Danziger Etr. 82. B. 3. Loscmann- Abend.— ffltitzens«: Heim Parkstr. 88.„Kampf dem Alkohol."— Dörther Platz: Schule Kastanienall«« 82.„Arbeiterjugend und Republik."— Andreas- platz: Heim Brommvstr. 1.„Unser« Stellung zur Wehrfrage."— Baltcnplatz: Helm Tilsiter Etr. 4—3. Zeitungsabend.— Stralauer Viertel: Heim Gotzler. stratze 61.„Einführung in das Schachspiel", II. Teil.— Warschauer Viertel OekksnUicke Kundgebung! Heute, Freitag, 28. November 1930 19Va Uhr, im groben Saale der„Neuen Welt*. Hasenheide Reichifagsabgeordnefer Genosse Karl Liike spricht über Wider den Faschismus Genossinnen und Genossen! Sorgt für Massenbesuch I Niemand darf fehlen! Die Veranstaltung wird umrahmt »on Darbietungen des Reichsbanner- Orchesters Neukölln SPD. Neukölln>Brits, Kreuzberg und Tempel- hoff. Der Kreisvorslanci fAeltore): Heim Litauer Str. 18.»Proletarische Literatur."— Warschauer Viertel: Heim Litauer Str. 18.„8 218."— Hallesches Tor: I8>ö Uhr Sprechchorprobe. Anschließend Zunktwnärversannnlung.— Schöneberg I: Heim Hauptstr. 13.„Die ssrau im Beruf."— Steglitz sR.-T.j: Heim stlemmingstr. 14b, Zimmer 23.„Sexuelle ssragen."— Lichterselde: Heim L.-W.. Albrechtstr. 14s. ..islegeljahre."— Mariendors I: Leim Dorfstr. 7.„Die Sozialdemokratie in Oesterreich."— Mariendorf II: Siedlung Daheim.„Aktuelle Tragen des Sozia- lismus."— Tempel!, es: Treffpunkt zum Baden 1914 Uhr Bahnhof Tempelhof. — NeukZIn I: Treffpunkt zur Kundgebung 19 Uhr Reuterplatz. Morgen Treff- Punkt zum Wochenendkursus 13 Uhr ebendort. Nachzügler UM Uhr und 20 Uhr Bahnhöf Neukölln.— Reukölln IX: Treffpunkt zur Kundgebung 18% Uhr Bahnhof Sermannstraße.— Reulölln XI: Treffpunkt zur Kundgebung 19 Uhr Selchower Straße. Morgen Treffpunkt zum Wochenendkursus 18% Uhr ebendort. — Köpenick l: Heim Erstnauer Str. 3.„Der sozialistisch» Staat."— Baum- schulenweg: Heim Ernststr. 8. Tagespolitik.— Schöneweid«: Heim Berliner Straß- 8t. Tagespolitik.— Treptow: Heim Eisenstr. 3,„Englische Arbeiter- bewegung."— Friedrichsfeld«: Lichtenderg, Gunterstr. 44.„Sexuelle Tragen." — Ren- Lichtenberg: Heim Hauffstratze. Lack Sembon.'— Ltchte»brra.N»�. Heim Gunterstr. 44.„Arbeitsbienstpflicht."— Lichtenberg-Rarbwest: H-rm Dosse- ftraße 22.„Sexuelle Fragen."— Buchhalz: Schule Berliner Str. 19.„Kamerad- schaftsehe"— Pankow I und II: S-im Görschstr. 14.„Warum Freidenker. bewegung?"— Ponlomn Eharlotlen. bürg. Rostnenstr 4, pünktlich 20 Uhr. Erscheinen aller Denossen ist Pflicht. Gruppenabende fallen au». Vortrag des Genossen Lindstädt Wer:„Die politische Erziehung der jungen Generation"..,. W-'bebezirl Nenkölla: Wir beteiligen uns geichlosien an der Kundgebung in der Neuen Welt. W-rbeb-zirkstr-ffpuntt 19% Uhr om Saurteingang. Fahnen uritbringen. T-mbourlavell« muß vollzählig antreten,«rbertsgemeinschns» Lartoch und sämtliche Gruppenveranstaltungen fallen aus. Morgen Wochen. endkursus in Brieselang. Minister Grimm« spricht. Treffpunkt des Werbe- bezirks 17% Uhr Bahnhof Neukölln. 2. Gruppe um 2V Uhr. Ztachzllgler am Sonn- tag um 7 Uhr ebendort.,.. Werbe bezirk Reinickendorf: W-rbebezirksmitgli-deroersammlung im Volks- Haus. Reinickendorf. Scharnweberstraße, pünktlich 20 Uhr. Mitgliedsbuch mit- bringe». Wichtige Tagesordnung. SSG. Pankow: Werbeabend:.Die Schule funkt". Leim Kissingen. � W strafte 48. Beginn 20 Uhr. Freunde und Gönner der SSG. sind herzlich cH willbommen. Werbebezirk Preu, lauer Berg: Morgen Aussprache Wer:„Die politische Lage". Danziger Straße, Barocken. Werbebezirk Lichtenberg: Morgen Treffpunkt zum Funktionärfchulungs- kursuz 17 und 20 Uhr Bahnhof Stralau-Rummelsburg. Eingang Sonntag- strafte. Instrumente mitbringen. Forb«0» der«®\x/ o f e 'V�«® r.»i—ehse�®® ...Tü«®«** »" j ueZ®�«n •n un6 o®, u0\s- rn,■»« f 0�*eT kons«- k 101 �>1.49 oäe; '«itt 9yier* Linoleum, Szillat, Koloniestr. 9. Zffwanbecken 6,—. Wandbehänge 4,—, Pappelallee 12. OaWlnMS»b'unäe." 1 e: h e r'•"iocq"0'"1 1 fttelne Anzeiaan� wirkungsvoll und billig- Uberschrlftswort 75 Pf.. Textwort 12 Pf./ Wied«rholun gsrebot t; 10 mol SS, 20 mal oder lOOO Worte Abschluß 1 0W. 20O0 Worte 15*, 4000 Worte 20* Stellengesuche: Uberschriftswort 15 Pf.. Textwort IQ Pf. Annohme durch den Vertag, lindenstr. 3 Ct« bis 5 Uhr), und sbmH.che Vorwbrts f.holen u. Ausgobestellen uerKSuis ] Gasofen. Askania, lä-flam- mig, verkauft billig Korn, Tempelbof. Attilastr. 188. D Puppeuwagen, fast neu, mobern, 10.—. Rühle. Schul- strafte 56. ffi Kieidungsttaciis. wasche usw. 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Beilage des Vorwärts Freitag, 25. November 1930 Früher Armenunterstützung... Soziale Kämpfe in Vergangenheit und Gegenwart. Die Sinnlosigkeit der privatkapitalistischen Marktwirtschast hat in der Vorkriegszeit ebensolche Krisen oerursacht wie wir zur Zeit«in« erleben, oerstärki durch die Folgen des Weltkrieges und übersteigert durch den Rationalisierungswahn der Unternehmer. Ein g«- waltiger Unterschied besteht aber zwischen damals und heute! In jener Zeit kümmerte sich außerhalb der sreien Gewerkschaften niemand um das Elend der Arbeitslosen und um ihr Schicksal auf der Schattenseite der kapitalistischen Gesellschaft. Der Arbeitslos« ver- fiel, wenn er es nicht vorzog, zähneknirschend als Lohndrücker irgendein« Beschäftigung anzunehmen, der Armenpflege. Nach einem Reichsgesetz vom 15. März 1909 war Armenunterstühung mit dem Verlust aller öffentlichen Rechte verbunden. Schon drei Mark Armenunterstützung bedeuteten Verlust des Wahlrechte, in Reich, Land und Kommunet Nach dem Kriege wurde die Armenunterstützung in Wohl- fahrtspslege umgewandelt. In ganz Deutschland wurden vor dem Kriege für Armenuntcrstützung jährlich etwa ein- hundert Millionen Mark ausgegeben. Etwa den gleichen Betrag zahlte 1929 an Wohlfahrtsunterstützungen allein die Stadt Berlin! Man darf nicht annahmen, daß in der Vorkriegszeit die Arbeit»- kosigkeit weniger heftig auftrat als heut«. JmSomm«r(!)1S1Z waren In Deutschland etwa 2l>ProzentaIler Bauarbeiter erwerbslos! Rund 12,5 Proz. der Frifeurgehiifen, 25,1 Prnz. der Hutarbeiter wurden in Deutschland als Arbeitslose gezählt. Genau 35,6 Proz. aller deutschen Fabrikarbeiter waren im Juni 1913 voll arbeftslos! Im Jahre 1913 waren in Berlin 42 Proz. aller Buchdrucker kürzer« oder längere Zeit arbeitslos. Di« einzig« Hilf« war damals für den Arbeitslosen die Unterstützung, die er von seiner Gewerkschaft erhielt. Die freien Gewerkschaften zahlte« an Arbeitslosenunterstützung: oui der Reise (aus Wanderschaft) 190? 461 000 M. 1905 713 000. 191» 1016 000, 1912 1 179 000. am Ort« 501 000 M. 1 991 000. 6 075 000. 7 441000. zusammen 1 162 000 M. 2 704 000. 7 091 000„ 8 590 000. Nach dem Kriege«st unter Führung der Sozialderno-tratie trotz Zusammenbruch und Inflation, trotz Schuldenlasten und gegen all« reaktionären Widerstände, von der ersten Demobilmachungsverord- nung an systematisch die Arbeitslosenversicherung ausgebaut, aus- gestaltet und bis heute gehalten worden. Die Ausgaben an Unterstützung der tkriverbsloseu betragen jetzt jährlich einschließlich der Ausgaben für die produktiv« Erwerbs- iosenfürforge(Arbeitsbeschassung) in Reich, Ländern und Kon;- muncu drei Milliarden Mark! Di« Hälfte davon wird durch Beiträge der Arbeiter, Angestellten und Unternehmer aufgebracht, das andere sind Zuschüsse des Reichs, der Länder und Geineinden. Der Kampf in der Finanz- Politik geht auch um die Beschaffung dieser Mittel. Das Kabinett Müller stürzte, weil es sich gegen der Abbauwillen der bürgerlichen Front wehrt«. An feine Stelle trat das Kabinett Brüning. Dieft Regierung sieht feit dem 14. September anders aus als vorher— das ist die politische Situation von heute. Vorher ivußte man, wer sie ablösen konnte, heute folgen ihr Diktatoren aus dem Fuß«! Der deuksche Arbeiter nnd Angestellte hat viel zu verliere«. wenn die Reaktion siegt. Luch der Mittelstand, vom Hauswirt bis zum Döckermekster nnd Schlächter, lebt heute von der Arbeitslosenversicherung, der größte Teil aller sozialen Unterstützungen fließt in seine Taschen. Die sozial« Position der Beamten würde zugleich mit derjenigen des Proletariats zusannnenbrechen. was«vollen die Rotionalsozialisieu.«txis bieten die Kommunisten den Arbeitslosen? Nichts als leere Worte, das Paradies eines „Dritten Reiches" und die Herrlichkeit des russischen Füirfjahres- planes, nach dem Menschen oerschickt und geliefert werden, w-ie Zement oder Maschinen. Wir Sozialdemokraten dagegen wollen den Arbeitslosen die Arbeitsloscnversicherung erhallen, wir verlangen Ordnung in den Finanzen als Voraussetzung für die Existenz der Arbeitslosenversicherung. Auch der Tag wird kommen, wo sich die Zeiten wieder ändern, ,jetz« ober gill es, mit Klugheit Erworbenes zu verteidigen'. Dunnnhell und Reaktion haben die Einheitsfront gegen die Sozialdemokratie gebildet. Die bürgerlichen Parteien, nrii Ausnahme des Zentrums, werben von den Nationalsozialisten«nrfgesresien. Wir habe« Sturm über der Arbeitslosenversicherung! Kurt Heinig. Oer OMV. soll tot gelogen werden. Für den kommunistischen Laden werden Dumme gesucht. Der Deutsche Metallarbeiterverband ist aus den« letzten Streit in Verlm geschlossen hervorgegangen.. Di« lächer- lichen Versuche der RGO. mit ihrem neu gegründeten,„roten" S ander- verband der freigewerkschasllichen Organisation irgendwie Zlbbruch zu tun, sind glatt gescheitert. Die.Mote Fahne", die an dein Aufschwung dieses obskuren Vcrbäirdchens selbst nicht recht gtaubt, muß jedoch tagtäglich' eifrig lügen, um die Ortsuermaltung des DMV. tot zu machen. Am 26. November berichtet sie unter der lleberschrift:„Ein Schuft, der über DMV.-Mitgliederzahlen berichtet" von der Generalversammlung. Sie zitiert Ausführungen des Ge- Nossen Uri ch. der gesagt haben soll: Der Schuft, der behauptet hat. daß wir 32 000 Rlitgdeder verloren haben, soll hier aufstehen und seine Behauptung wiederholen, und bemerkt dazu in vorsichtiger Weise:„Der Schuft zog es aber vor, zu schweigen." Wer lesen kam«, sieht, daß die lleberschrift des Artikels in der.Molen Fahne" im Widerspruch steht zu der Behauptung des Artikels. Die Mitgliederzahlen des DMV.. Berlin,«Verden im Jahrbuch und in den sonftigen Publikationen des Verbandes der breitesten Oeffenttichkelt unterbreitet und wer lesen will und ka>«n, darf sie dort nachlesen. Wenn über den Streik die endgüllige Zlbrechnung erfolgen wird, wird die„Rote Fahne" sehen, «vieviel hundertlausende von Mark an Unterstützungen der vwv. seinen Mitglieder«« gezahlt hat und«vieviel Unterstützte vorhanden waren. Möge sie diese Ziffern dann mit den Aisfern der RGO. vergleichen. Das Refullat wird ihre Lügen über den Haufen werfen. Bon der gleichen Generalversammlung berichtet das Moskau- blatt, daß Eckert durch allerhand Manipulationen den Kamps der Beutschlosser verhindern wolle. Auch diese Behauplung ist u n- sinnig. Sowohl für«ine Abivehrbewegung wie für einen An- grisfsstreik nwß eine gesonderte Sanktion gemäß den Verbands- be'chlüssen eingeholt werden. Da dies versäumt worden war, ent- standen notwendigerweise Unklarheiten. Sie sind beseitigt worden. Von einer Verhinderung des Kampfes der Bau- s ch lo ss« r unter diesen Umständen zu sprechen ist kindisch und kann nur erklärt werden aus der völligen Unkenntnis der elementarsten gciverkfchaftlichen Funktionen in der Redaktion der„Noten Fahne", deren jung« und all« Leute von Lohnbewegungen nicht das geringste verstehe««. Dieser Schwindel genügt aber noch nicht. Trotzdem der„Vorwärts" eine Berichtigung des Genossen Hellwig über seine Red« in der 11. Abteilung gebracht hat, wiederholl die„Rote Fahne" am 27. No- ventbcr ihre Lugen: Während sie Hellwig noch den phantastischen Schwindel von 28 000 Mitgliedern der Berliner Organisalicn in den Mund legte, läßt sie jetzt den Genossen Litke von 22 000 organisierlen Metallarbeitern reden. Das ist derartig grotesk, daß ein Versuch der Widerlegung sich erübrigt. Eine einfache Ueberlegung müsse diesen Revolutionären sagen, daß ein« Organisation von nur 22 000 organisierten Mit» gliedern in einem derartigen Kamps, wie es der letzte Streik mar, bereits am ersten Tage zusammengebrochen wäre. Die„Rote Fahne" lügt serner zum wiederholten Male, daß die Zluslagc der Berliner Wochen beilag« der Berliner Orts- Verwaltung zur„Metallarbeiter-Jeitung" um 25 000 Exemplare verringert sei. Auch hier hanbcll es sich um ein« aus den Fingern ge- sagene Unwahrheit. Die Wochenbetiage erscheint seit langen Monaten tu völlig unveränderter Auslage und niemand hat daran gedacht, diese Auflagc nur um ein Exemplar zu vermindern.'- Wir können verstehen, daß die schmerzliche Enttäuschung über die fehlgeschlagene kommunistische Spaltungsoklion den Machern peinlich ist. Doch haben wir nicht den Ehrgeiz, jede einzelne„re- volutionäre" Lüge zu berichtigen. Eines Tages werden die Potcni- kinschcn Dörfer wie Kartenhäuser zusammenfallen. Ende des Nauschlosserstreiks. Die Haltung der Verhandlungskommission gebilliat. Mit dem Schiedsspruch im Berliner Bausäilosserkonflikt, der im gestrigen.Abend" bereits mitgeteill wurde, beschästigte sich Donnerstagabeird in den Prochtsälen am Märchenbrunn«» ei««« stark überfüllt« B r e n ch e n v e l s a m m l ü n g der Bau- und Geld- schrankschlosser. Obwohl die KPD. ihr« Betrieszellung von Ade- Ar«che im vor dem Saaleingang verteilen ließ, kam die RGO. in dieser Verfamiung nicht aus ihre Rechnung. In voller Ruhe konnte d«t Branchenleiter Becker den Ver- lauf der Verhandlungen vor dem Schlichter schlldern. Er zeigte die Gefahren auf, die der Branche drohten, wenn die Unterhändler ihre Zustimmung zu dem Schiodssruch nicht gegeben hätten, der den Schiedsspruch dos Gewerberats Körner nicht unwesentlich verbessert. In den untersten Gruppen beträgt der Lohnabbau 1 bis 1)4 Prozent. Bei den hochqualifizierten F a ch a r- b e i t e r n, wo der Lohnabbau bis zu 3 Prozent beträgt, be- steht die begründe!« Aussicht, daß durch das persönliche Rückgrat dieser Arbeiter in den Betrieben die in dem Schiedsspruch fest- gesetzte Lohnsenkung nicht oder wenigstens nicht in dem vorgc- nommenem'Umfange eintritt. Auch die Verbesserung sei nicht von der Hand zu. weisen, daß der Lohn nicht allein um weitere 3 Proz. sinkt bei einem Fallen der Reichsmdexziffer der Lebenshaltungskosten unter 140 Punkte sondern daß er um diese 3 Proz. sich auch wieder erhöhen muß. wenn die Reichsindexzifser auf den jetzigen Stand von 145,4 Punkten wieder steigt. Vor allem aber ist die Möglichkeit des Abbaues der übertariflichen Löhne bis auf die nack-en Tariflöhne verhindert worden, sowie der Äbba» der Löhne der niedrigst' bfcKihlten Arbeiter und Arbeiterinnen. Die Nichtzüstimmung der Verhandkungskömmission zu d-m Schiedssruch hätte bestimtrit zur Folge gehabt, daß vom Schlich- tuugsausschuß schnellstens ein neuer, vielleicht noch schlechterer Schiedsspruch als der erst« gefällt worden wäre, der dann wahr- schcinlich für verbindlich erklärt würde. Die Verhandlungskoin- Mission ist mit dem Verhandlungsergebnis nicht zufrieden: sie kann aber ihre Entscheidung vor ihrem Gewissen verantworten und glaubt sie auch allen Branchenangehörigen gegenüber oerantworten zu können. Die kommunistischen Diskussionsredner, die das Wciterftreiken unter der Führung der RGO. propagierten, fanden nur geringen Anklang. Die Versammlung billigte mit erdrücken- der Mehrheit das Verhalten der Verhandln ngs- k o m in i s s i o n. Die Arbeit mirij entweder heute früh zum üblichen Arbeitsbeginn oder nach dem Schluß von Betriebsversammlungen und Verhandlungen der Betriebssunktionäre mit den Firmenleitungri, wieder aufgenommen. makeoon g m. b. m. main2a.sk. KONZERNFREI Die Qualitätserzeugnisse der Zigarettenfabrik MAKEDON tragen dazu bei, den Ruf rheinischer Produkte noch mehr zu verbreiten. Die hohe Qualität der MAKEDON-Zigaretten wurde erreicht durch: MODERNSTE BETRIEBS ANLAGEN UND GROSSE VORRÄTE EDELSTER TABAKE aus älteren Jahrgängen, die durch eigene Organisation schon von der Aussaat des Tabaksamens an aufs sorgfältigste behandelt und für die Zigarettenherstellung vorbereitet werden. Darum erhält der SOZI AL-Raucher, ohne jeden Zwischenhandel, 1000/o des Kaufpreises an Waren. ~ 7: Fabrikniederlage: Makedon G.m.b.H. Generalvertretung: Carl Sudel, Berlin NW 6, Luisenstr. 30, Tel. D 2, Weidendamm 3354 Wie die Preissenkung aussieht. Lleb erhöhte deutsche Kleinhandelspreise. Ite mit so v-Ä Tamtam seit Monaten eingesetzte Pmssenkungs- «jftiö« hat. insbesondere für die breiten Massen der deutschen Ben ölte- runz. bisher nur iwm bittere Enttäuschung gebracht. Denn gerade diejenigen Waren, die zu den unentbehrlichsten Konsmnartiteln des täglichen Bedarfs gehören und wofür die werktätige Bevölkerung am meisten ausgaben mutz, sind, wie dies aus unserer Graphit deutlich hervorgeht,«m Preise verhältnismäßig noch viel zu hoch und geben — Kartoffeln ausgenommen— nur unwesentlich nach. Steinkohlen und Briketts sind im Oktober d. I. im Preise sogar nicht unbedeutend gestiegen, so daß die amtlich- durchgeführt«. von den Äohleninteressenten so heftig umstrittene Preissenkung bei Steinkohlen effektiv nur'4,1 Proz. und bei Briketts lediglich 3,7 Proz. nnrnrnrnTtii uiiiiiiiiiiiiviiiiiiiiiiiiiinviiiii Pe t-p ol e um L i rt s ej-i E i e i» Briketts Speise-bokTienl"1"1"111111"1"11 S t e i nk o"Kl en VT eixenklem�eVäcTi W e i xenracKl E r"b 5 e n ü r a upcn R. o§§ e nkr o Ve: i e n x e s s■■■■■«■»■i 36. 4 Ro��enmeKl l'llllHllllllllllllV�1;/ 198.5 197.1 irmiN9Z.» llililliiliilliiiiiliniliiilinii »»172., 163.1 ■ 167.1 175. S «M, ■ 157. S 15W.-, 159.3 151., 197., IMZ199., ■■19?. fc 13»., 137., 137. b 137.» 137. t z PL e x s B u t t e r kT i 1 c"K Z. u c k e r 1 3 o. t 1913=100 , 131., 1»».» ll[MIIIIIIIIIUTn15l6.» -■ ri5L9.» flll.l c,• tt hiiiiiiiiiii117.3 S elxve xn e s ckmalxiüiifi 15.5 September 19�0 iia*S mm mDiw.,| oktolcr 1930 K a r t 0 f f ein ifflioe {Ermäßigung ausmacht. Von einer Ermäßigung des an und für sich exorbitanten Preises für Eier hört man überhaupt nichts. Im Durch- schnitt sind die Preise der in der Graphik angeführten Artikel des täglichen Bedarfs, gemessen an den entsprechenden Dorkriegs- preisen, von 146lK auf 145,3, also um ganze 0,9 Proz. zurückgegangen; Erfolgt die Preissenkung auch weiterhin nur m dem bisherigen geringen Umfange, trotz der grotzen Arbeitslosigkeit, trotz Feier- schichten und Kurzarbeit und trotz dem starken Lohnabbau, dann wird die Verelendung der Masse des Volkes noch weit größer und die Ge- iundung der deutschen Wirtschaft infolge der gelähmten Kaufkraft verhindert. �Oie notleidende Wirischa?.� rohnabbao bei Jieichsbahn und �eichspost gefordert. Där Vorstand des Reichs Verbandes der Deutschen I n ö ust r i« nahm am Donnerstag folgend« Entschließung an: „Nachdem durch den sechsprozentigen Abb«» der 192? fest- gesehten Deamlengehälter bei der Deutschen Reichsbahn rund 84 Millionen Mark, bei der Deutschen Rclchspost rund 62 Millionen Mark für Tarisermäßiguuge« verfügbar werden, wird eine An- passung der Arbeitslöhne bei beiden Aerkehr». an st alten unabweisbar, um die gleiche Grundlage wie bis- her festzustellen. Hierdurch«erde» bei der Deutsche« Reichsbahn weitere rund 107 Millionen Mark, bei der Deutschen Retchspost 24 Milliooeu Mark, atso insgesamt rund tSl Millionen Mark bzw. 84 Millionen Mark oersügbar. Der Reichsverband der Deutschen Industrie fordert, daß diese Ersparungea auf de« Wege von Tarisermäßtgungen der nokleldendea Wirtschaft wieder zugesöhrt werden. Die larisermäßigungen müssen vor dem nm 31. März 1931 erfolgenden Ablauf der Tarifverträge im Wege der Vorleistung spätestens bis zum l. Februar 1931 erfolgen.'" Ein« einfache Sache! Den Industriellen, die.hie not- leidende Wirtschaft" verkörpern, genügt bei weitem nicht die Lohnperschlechterung der in ihren Betrieben beschäftigten Ar- beiter, sie fordern für sich zugleich den Gewinn aus de» Taschen der Eisenbahner und der Reichspost- arbeiter durch Kürzung selbst der ollerniedrigsten Löhn«. Die Herren entschließen sich, der Reichsbahn und der Rcichspost zu diktieren, daß sie die Löhne abzubauen haben und in welcher Höh« und reklamieren außer den 140 Millionen„Ersparungen" an Beamtengehältern auch die von ihnen befohlenen Ersparungen an Arbeiterlöhnen der Reichsverkehrsbetrieb« jür sich. Sie fordern Vorleistungen und bestimmen die Fristen. Wir raten diesen„Notleidenden", das Spiel nicht z» weit zu treiben!_ Wieder berufsübliche Arbeitslosigkeit. Neuer Abbau der Arbeitslosenversicherung. In den Kreisen der Rcichsanftolt.für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung trügt man sich mit dem Gedanken, in diesem Jahre die berufsüblichen Arbeitslosen wiedermn durch ein« ge- sonderte Saisonarbelterunterstützung in ihren Be- zügen herabzugruppiercn. Man will genau wie in den vergangenen Jahren die Arbeitslosen aus Berufen und Gewerben, in denen eine regelmäßig wiederkehrende Arbeitslosigkeit berufsüb- lich ist. dos heißt vor allem die Arbeitnehmer in de r B a u- industri«, in der Landwirtschaft, in der Flößerei und Binnen- schiffahrt und in der Industrie der Steine und Erden um durch- schnittlich 1 bis 2 Lohnklassen in der Arbeitslosenversicherung herab- setzen. Gegen diese geplante Verordnung muß Sturm gelaufen werden. Schon die Notverordnung der Brüning-Regiening vom 20. Juli 1930 hat die Arbeitslosenversicherung gerade für diese Berufe bc- reits verschlechtert. Das Arbeitslofenoersicherungsgesetz wurde dahin abgeändert, daß in den Lohnklasfen 7 bis 11 nur dann die Lohnfwfenfätze gezahlt werden, wenn der Arbeitslose innerhalb 18 Monaten mindestens 52 Wochen versicherungspflichtige Beschäfti- gung nachweisen kann, ohne daß die Beschäftigung durch Unter- stützungsbezug unterbrochen wurde. Kann er diesen Nachweis nicht führen, so erhält er seht schon um 1 bl» 2 Stufen geringere Arbeits- losenuuterslützung. Davon sind natürlich all« Außenberufe betroffen, denn es ist das Wesen der saisonüblichen Arbeitslosigkeit, daß der betreffende Arbeitnehmer zu einer bestimmten Zeit des Jahres aussetzen muß. Und das war ja wohl auch der Zweck der Notverordnung, daß man diejenigen Arbeitslosen, die ständig wieder arbeitslos Verden, weztn des allzu grotzen Ristkos im Unterstützung s- bezug herabsetzen wollte. Der Dater des Gedankens ist und war die Deutsche Bollspartei, die am lautesten im Reichstag hierfür ein- trat und immer mit dem Argument arbeitete, daß ja auch in Friedenszeiten die Saisonberuf« im Winter aus- setzen mußten und es auch da keine Arbeitslosenunter- stützung gab. Es gab zwar kerne Arbeitslosenunterstützung, allein schon 1913 hat der Deutsche Städtetag im Reichstag einen Antrag gestellt, ge- rode diese Berufe staatlich zu versichern, weil sie sonst jeden Winter den Etat der Städte zu stark belasteten. Der Antrag wurde«m dem damaligen Staatssekretär Dr. D e l b r u ck am 15. Dezember 1913 im Reichstag mit den Worten abgetan:„Die Zeit für die Einführung einer Sozialversicherung in diejer Beziehung ist nach nicht reif." Heute haben wir die Sozialversicherung und jetzt will�m an gerade die Berus«, deren Bedürftigkeit der Deutsche Städte- tag schon in Vorkriegszeiten besonders einsah, nach Möglichkeit von dem Genuß der Versicherung ausschließen. Wenn wieder eine Verordnung über berufsübliche Arbeitslostg- keit nach dem bisherigen Schema herauskommen sollt«, so wurden dies« Arbeitslosen wckit nur durch die Rotverordnung, sondern nun noch ein zweites Mol in ihren llnkerstüßungssähen herabgebrückt werden. Em praktisches Beispiel: Ein Maurer, der über 60 Mark während 20 Wochen verdient hat, bekommt nach der lllotverordnung statt 22,05 Mark die Woche nur 17,8SMarr. Wird d!« Saison- ilnterstütziingsoerordnung vom vorigen Jahr wieder in Kraft gesetzt, dann wurde dieser Bauarbeiter nun noch einmal zwei Lohnstufen verlieren und nur noch 14,03 Mark wöchentlich an Unter- stützung erhalten. Ein unmöglicher Zustand. Hoffentlich gelingt es den Gewerk- fchaften, dieses neuerliche Attentat auf die Unterstützung zu ver- hindern.____ Weihnachisfreuden der Metallarbeiier. Die Nordwesiiichen bescheren ihnen Ferien. Bochum, 27. November.(Eigenbericht.) In der Metallindustrie Nordwest, insbesondere de, einzelnen Werken der Vereinigten Stahlwerk«, ist mit kurzen Stillegungen- in der Weihnachtswochc zu rechnen. Di« vorsorglichen Kündigungsanträge für die Friedrich-Wilhelm-Hütte in Mühlheim und den Schalker Derein in Gelsenkirchen(3200 Mann Belegschaft) sollen nach Mitteilungen aus Gewertschaftstreisen nicht, wie befürchtet, die Stillegung des Werkes auf einen Monat nach sich ziehen, sondern auf die Zeit um Weih- nachten beschränkt bleiben._ Ltm den sächsischen MetaNschiedsspruch. Die Nachverhandlungen über den Schiedsspruch für die sächsische Metollindustrie am Donnerstag im Reichs- arbeitsministerium sind ergebnislos verlaufen. Der Schieds- spruch sieht ein« Neuregelung des Manteltorifs vor und ist i» seinen wesentlichen Punkten, vor allem in der Arbeilszeitftage, absolut unbefriedigend. Di« Arbeiter haben ihn daher abgelehnt. Die Ar- beitgeber haben Verbindlichkeitserklärung beantragt. Die Entschei- dung liegt jetzt beim Reichsarbeitsminister. P5 Lcrdaud tun R-lu. Seutc. ISVi Uhr. im SrweicksäxrftsIiaoZ, Sngcl- W ijf-c M— 25, coöI 4, Mitglikderverfammlunsi. Segrmsärtiq« Aufgaben r-i Ö der Ardciterllass-. Referent: Reichstagsahgeordneter Nünstler-Serlin. � K Sistufilon. Geschäftlich« Mittcilimsen. K foß�reie Gewerkschafts Otoaend Verlin cheute, ffreitaz,\Wi Xlhr, tagen folgend« Gründen: Rordr-ag: Jugend. heim. Schul« Gonnenburger Str. 50, Luftig«, Monatsende.— fitr- rr-anndlag: Grudvenheim Sanh«rsir. 11, Eck« chohrechtstrake. Bortraa: „Un/ert ffiuerwehrch— Süden, Südmesrcn: Grudvenh«im Waffrrto�tr. 9, b. pt. OtrfuffianMhenb:.Warum fall ich mich organiiUreni"— Sharlottenburg: Iu» »enhheim Sdreestr, Sft. Ha-Mü, liest. au»:„?nt Westen nicht, Heues".— .-edVelinxlag: Zugendheitn Turin«? Eck« Secftrahe sE-ngona Turiner Strafte:. Berliner Kumor uro BollRvihe.— 9ldl«r,bof: Sruddenheinr Ahlarshof. Bis- marckstr. X.ause, sufammen, Leiter: Dr. Paeh und Miller vom Ardeiter-Lichtdild-Bund.— Heut« um 30 Uhr findet der erste Abend des Wanderfübrerlurfus in unserem Berbandshause, Hede- mannstr. 13, statt.— Karten für di« Iug»ndvorst«llung der Bollsbühnc am 1. Januar zum Preise von SO Pf. find im Zugendfekretariat zu haben. BESSER ESSEN• WENIGER DAFÜR AUSGEBEN DURC«H K A R S T A D T- L E B E N S M I T T E L i H BESSER ESSEN• WENIGER DAFÜR AUSGEBEN DURCH KARSTADT- LEBENSMITTEL „Ist das nur ein Gesangverein?" Lustiges aus der Geschichte des Kreises Kreuzberg.— Verein„Ohne Sorge sucht eine Bleibe. Beute wollen mir aus der CesdiiMe des Kreises Kreuz- ber£ der Sozialdemokratie erzählen- Hier mar die Belle- Alliance-Straßein ihrer mächtigen Breite die Aufmarsdi- slraße zu den. pomphaften Paraden, die auf dem Tempelhof er Felde von Wilhelm veranstaltet wurden. Die Hasenheide mar damals bereits von großen Gartenlokalen besetzt, aber hinter den Gärten standen noch keine Häuser. Um den Urb an- hafen lagerten sidi große Holz- und Kohlenstapelplätze; Holz- vnd Rummelplätze befanden sich auch hinter den Zäunen auf der rechten Seite der Gneisenaustraße in der Richtung nach Neukölln- Während der Bezirk am Kotlbusser Tor jenseits des Spreeufers, der 3. Wahlkreis, immer mehr entvölkert murde, weil an Stelle der Hinterhäuser Fabriken traten, wuchs der zweite Wahlkreis rapide an, denn hier entstanden ganz neue Prolelarierviertel. So entstand eine gewisse Rivalität Mischen den benach- barten Kreisen: jeder Kreis wollte selbstverständlich am glänzendsten in der Kerliner Be�irksorganisation'dastehen. August Pohl, wohl der populärst« Parteigenosse im Süden Berlins, als rastlos arbeiten- der Funktionär der Partei noch heute bei jung imd alt beliebt, war lange Jahre Vorsitzender des 3. Wahlkreises. Er erzählt gern aus jener bewegten Zeit. Da gab es einen Dr. Friedeberg, der ein« Zeitlang den ganzen Wahlkreis mit seinen anarcho-sozialistischen ?deen in arge Verwirrung brachte. Ein Parteigericht schloß schließ- lich den verschwommenen Schwätzer aus. Die arme pickelhauben-polizei. Am 6. März 1910, einem herrlichen Sonntag, war beschlossen worden, zu einer Dahldemonstration im Treptower Park auszurufen, um für die Beseitigung des Dreiklassenwahlrechts zu demonstrieren. Am Abend vorher wurde im Zentralpprstand zwischen den Bezirtsführern noch alles geregelt. Ran wollt« gerade aus» einandergehen, als August Bebel erschien und mit dem Vorschlag herausplatzte, mal zur Abwechslung im— Berliner Tiergarten zu demonstrieren. Und das geschah dann auch. Vormittags um 10� Uhr formierten sich die Züge de? einzelnen Abteilung«», di« Bezirksführer traten an die Spitze. Man hielt auf gute Ordnung in der Marschkolonne, um zu verhindern, daß S p i tz e l das Polizei« vräsidium benachrichtigten. Gelbst die Unterführer wußten nichts von dem Streich, und die Genosies im Zug wunderten sich nur. auf welch sonderbaren Umwegen man diesmal den Treptower Part zu erreichen verfuchle. Angenagelt an den buchstobeastarren Pars- graph«n der Pflicht ließ am Potsdamer Platz die Polizei die Züg« marschieren, ebenso ungehindert kam man durch das Brandenburger Tor; es war den Schutzleuten kein Befehl geworden, die Demon» ftration aufzuhalten. 2m Treptower Park freilich wimmelt« es von Berittenen, von Kriminalbeamten und Schutzleuten, die teuflisch fluchten, daß sie nur eine kleine Gruppe von etwa 100 Menschen, die sich aus Neugierigen zusammensetzte, zu bewachen hatten. Kennst du noch die»alte Linde'' und die»Lehmkute'? August Pohl erzählt auch von dem alten Parteilokal„Zur alt«u Linde" am Kottbusser Tor. Es wurde 1887 durch einen Neubau ersetzt, der aber auch wieder durch den Bau der H o ch b a h n vom Erdboden verschwunden ist. In dem neuen Haus waren eben- falls da« Restaurant und das Zigarrengeschäft von Gottfried Schulz nebenan Treffpunkt der Genossen: der offizielle Verkehr der Genossen war das Lokal„Teufe l*. An alten Parteilokalen verdient noch die„L e h m k u t e" am Tempelhofer Feld genannt zu werden, di« ganz versteckt lag und in deren Saal viel« Geheim- Versammlungen während des Sozialistengesetzes getagt haben. Die Bockbrauerei war der Schauplatz hervorragender Wahl- kämpfe. Richard Fischer hat hier manchen Triumph über seine Gegner davongetragen. Oer elegante junge Mann mit den Klugblättern. Heinrich K S n i g s weiß von dem Fleiß der Mitglieder zu be- richten, die oft nach dem Berliner W« st e n abkommandiert wurden, um Wahlhilfe zu leisten, da es dort an Arbeitergenossen mangelte, die Flugblätter austrugen. Wenn die Herren Portiers in den vor- nehmen Wohnbezirken die Häuser für den Flugblattverteiler nicht öffneten, mußte Georg Bernhard als eleganter junger Mann heran, vor dessen Zylinder der Portier einen tiefen Bückling machte. Stichard Stfcher Vnfer tapferer Torkämpfer für Arbefterredif und 3>emokraiie Genosse Julius Meyer, der langjährige Vorsitzende und Be- gründer des Arbeiter-Sängerbundes, erzählt von den Nöten, die die Genossen wegen des Fehlens von Parteilokalen aus» zustehen hatten. Sie waren eine„junge Gruppe": Meyer, Glocke, Wiedemann, Wildberger und Fritz K u n e r t. die eine„Bleibe" suchten. Julius wußte einen Gesangverein, wo man junge, sangesfreudige Kehlen brauchte. Sie traten einzeln dem Derein bei, und bald merkten die Alten, wes Geistes Kinder die Neuen waren. Bis man die Alten ausgeräuchert hatte und man eine neu« Zahlstelle für den Bezirk besaß. Bald war der neue Verein „Ohne Sorge" durch eine Planschneese verpfiffen, worunter man den Spitzel bezeichnete, der sich cingejchlichen hatte. Aus der„Alten Iakobstraße" wußte man weiterwandern, man zog nach der Insel- straße, der Krautstraße, dann nach der Blumenstraße, die Genossen mit dem Vereinsschrank aus dem Rücken und den Aktenutensilien. immer stürmisch begrüßt von dem neuen Wirt, ober dann nach einigen Wochen wieder rausgesetzt! Heute ist der Bezirk Kreuzberg gefestigter Besitz der Berliner Sozialdemokratie. Eines anderen Kämpfers aus diesen, Kreis fei noch in Ehren gedacht, des alten Genossen Gottfried Schulz, der lange Jahre die Sozialdemokratie im Stadtparlament ver- treten hat und der noch heute, über Syjähria, freudigen Anteil an der Arbeit feines Bezirks nimmt. Opfer der Arbeit mahnen! Forderungen an die Reichsregierung.- Für Republik und Demokratie. In einer Sitzung der verbandslnstaazen unter Hinzuziehung der Gauleiter des Zeatralverbaudes der Arbeikslnvaliden und Wltwea Deutschlands wurde zu den Problemen Stellung genommen, die in der Potitit jetzt eine so wesentliche Rolle spielen und die die Arbeitsinvaliden insbesondere berühren. In völliger Einmütigkeit und Geschlossenheit stellte sich die Konferenz auf den Boden der bisherigen Berbandspolitik. Die Be» richte aus dem Lande gaben Kenntnis von dem außerordentlich lebendigen Geiste und von dem festen Willen der Mitgliedschaft, im Kampfe um die Erhaltung der sozialen Versicherungsleistungen alle Kräfte einzusetzen. Aber auch darüber wurde berichtet, daß die Mitgliedschaft es ablehnt, die soziale Bersicherung zum Tnmmel- platz der Parteiagitation zu machen, und die Not der Arbeits» invaliden dazu auszunutzen, sie zum Kampf gegen die Republik aufzuputschen. Di« Aussprache ließ keinen Zweifel darüber auskommen, daß der Verband sich restlos zum Schutze der Republik zur Ver- fügung stellt, da nur die heutige Staatsform die Grundlage zum erfolgreichen Kampf der Arbeitsinvaliden für den Ausbau der So- zialversicherung bietet. Nach einem umfassenden sozialpolitischen Referat des Verbandsvorsitzenden, Reichstagsabgeordneten August Karsten, wurde ein« Entschließung einstimmig ange- nvnrmen. in der es heißt: „Der sozialen Versicherung drohen überall Gefahren. Der real- tionüre Kurs der jetzigen Regierung hat bereits zum Abbau der Leistungen aus der Kranken- und der Arbeitslosenversicherung geführt und die Zuschüsse des Reiches zur Invalidenversicherung er- heblich geschmälert. Aus dem Lager der Unternehmer wird in ver- stärttem Maß« weiterer Leistungsabbau gefordert, um der„Wirt- schaft" eine Erleichterung der sozialen Lasten zu verschaffe». Di« starke Arbeitslosigkeit hat außerdem die finanzielle Lag« der Ver- sicherungen sehr stark verschlechtert. Insbesondere tritt das bei der Invaliden- und bei der Knappschaftsversicherung zutage. Durch den starken Zuwachs, den die Parteien im Reichstag« bei der letzten Wahl«rzklt haben, die in starker Gegnerschaft zum republikani- schen Staat stehen, während die Möglichkeiten Durchführung einer vernünftigen Sozialpolitik weiter sehr erschwert. Don der Reich»- reglerung und dem Reichslage erwarten wir insbesondere, daß sie unverzüglich Maßnahmen ergreifen, die dem drohende» finanziellen verfall der Zavalideuversichernng Einhalt gebieten. Die wichtigst« Maßnahme besteht in dem sofort vorzunehmenden Aufbau neuer Veitragsklassen. Darüber hinaus muß das Reich die bisher ge- leisteten Zuschüsse zur Versicherung wesentlich«höhen. Ein Abbau der sozialen Leistungen würde angesichts der schon vorhandenen großen Not in den Kreisen der Sozialhilssbedürftigen einer Pro- v o t a t i o n der gesamten Rentenempfänger gleichkommen und den heftigsten Widerstand aus unseren Reihen im Gefolg« Hadem Ferner fordern wir von der Regierung, daß sie den vor zwei Jahren vom Reichstage gefaßten Beschluß über die Vorlegung eines Gesetz- entwürfe? zur Neuberechnung und Erhöhung der Unfallrenten un- verzüglich durchführt, damit dem großen Unrecht, das in der Unter- bewertung der Renten liegt, endlich ein Ende gemacht wird." SefSliigse Herren- Halbschuh, schwer* Rindbox- q�c Herr«n-LeckschuheO für den Weihnachts-Einkauf Zu Sonderpreisen: Für den Gatten Für Sie selbst Für die Kinder tzroun« und echwonpe Boxkolf. 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Es wurde mitgetcill, dah die Liste der KPD. tür die unbesoldeten Stadträte vom OberpiLsi�enten nicht bestätigt ist. Die Neuwahl wurde einem Vorbereitenden Ausschuß über- wiesen. Die einen bestimmten Teil der Oefsentlichkeit seit einiger Zeit beschäftigenden Mieterangelegenheiten dos Ledigenheims wurden zur Klärung und Erledigung einem Ausschuß überwiesen. Eine Reihe von Vorlagen wurde ohne Debatte zur Kenntnis genommen. Dein Beschluß einer früheren Versammlung auf Einführung der-tll-Stunden-Woch« und Aus- Zahlung einer Wirtschaftsbeihilfe von 5l> M. an die Wohlfahrts- arbeiter ist der zentrale Magistrat nicht beigetre en, weil die Mittel fehlen, Einzelanträge sollen aber bei vorliegender Bedürftig- keit berücksichtigt werden. Ein Antraa über die Turn- hallenmieten führte zu einer sehr scharfen Auseinandersetzung wischen den Kommunisten und Sozialdemokraten und zu eine■■ vorzeitigen Schluß der Versammlung. WestenderVahnbrücke lebensgefährlich. 2. Bezirk- Ebarlottenborg. Die letzte Bezirksverordnetenversannnlung stand wieder im Zeichen der Sumpfbauten in der ch e b b« l st r a ß e. Der Aus- fchuß. dem die Sache zugewiesen war. hatte festgestellt,.chaß die Grundierung der Häuser nach eingehender Beratung und Empfeh- lung von Bausachverständigen vorgenommen ist, und daß das Bezirksamt die 342 500 M. zur Erhaltung des Wohnraums auch im Interesse der nebenliegenden Häuser verausgabt hat. Eine un« gerechtfertigte unterschiedliche Behandlung der einzelnen Grundstücks- eigentümer hat nicht stallgefundem" Der Ausschuß empfahl, das Bezirksamt zu ersuchen, im Einvernehmen mit dem Magistrat zu pnJfen, ob die Sanierungsarbeiten fortgesetzt oder eingestellt werden müssen. Dies wurde mit großer Mehrheit anaenommen. Borher hatten die Nazi- und KPD.-Redner eine Menge Ding« vor- gebracht, di« dem Ausschuß nicht vorgelegen hatten und natürlich nicht geprüft werden tonnten. Genosse Stadtrat H o r l i tz gab die erforderlichen Aufklärungen, soweit es bei dem Ueberrumpcluntzs- verfahren möglich war, unter scharfer Zurückweisung geheimnis- voller Andeutungen und antisemitischer Pöbeleien. Den Stand- punkt der sozialdemokratischen Fraktion vertrat Genosse Katzen- stein. Er stellte eine Reihe Widersprüche der Ansragesteller fest und betonte, daß unser einziges Interesse in dieser Frage Schutz der Menschen, Erhaltung des Wohnraumes, finanzielle und mora- lisch« Sauberkeit ist. Einstimmig wurde rascheste Beseitigung des lebensgefährlichen Zustandes der Eisenbahn brücke am Bahnhos Westend gefordert. Ein Antrag auf Wieder- eröffnung der im Frühjahr geschlosienen Männerabteilung des städtischen Obdachlosenasyls wurde von den Sozialdemo- traten warm unterstützt, leider jedoch mit Strinmengleichyeit ab- gelehnt. Widerliche �adauszenen. il. Bezirk— Lichtenberg. In der Bezirksversammlung Lichtenberg am letzten Mittwoch kenn es zu Tumulten, die eine beispielslose Terrorisierung der Ber- sammlung durch die kommunistischen Bezirksverordnetcn darstellen. Grund dazu bot den Kommunisten ihr Antrag wegen Uebernahme der Kosten für die Benutzung städtischer Einrichtungen durch das Arbeiter-Sport- und Kulturkartell. Von langer Hand hatten st« zur Unterstützung dieser Forderung einen Demonstrationszug vor- bereitet, und während dieler Zug sich vor dein Rathaus sammelie, ergingen die würdigen Vertreter einer kommunistischen V?zirls- verordnetensraktion sich in wüsten Beschimpfungen gegen die Sozial- dcmokratie. Als Genosse G r 0 n w a l d ihnen aber unter Hinweis auf die geschichtliche Entwicklung der Arbeiterspor bewegung die Haltlosigkeit aller Anwürfe vor Augen führt« und weiter mitteilt«, daß die Ijeut» zwar noch den kommunistischen Organisationen an- aehörenden Sportler doch sebon rveder zur Einürbi kommen vn'' in die buudestreuen Vereine zurückkehren werd' en, ein anderer Teil leider aber auch in die- bürgerlichen Vereine abwandern wird, da erreichte die Errrgung bei den Kommunisten den Hichepunki und drohte fast zu Tätlichkeiten auszuarten. Mit kräftiger Unterstützung der Tribun« schlugen sie einen Höllenlärm, so daß der Vor- sicher gezwungen ivar, die Versammlung vorübergehend zu vertagen. Nach der Wiedereröffnung sah sich der Vorsteher. Genosse Tempel, oeranlaßt, die Tribünen räumen zu lassen. Das slegelhaste Verhalten des jüngsten Bezirksverordneten, des aus dem Schuldienst entkernten Junglehrers Bcyes, führte schließlich zu vorzeitigem Schluß der Sitzung. Angewidert von den unwürdigen Szenen verließen die De- zirksverördneten den Saal. Damit hotte aber das beschämende Schauspiel noch nicht sein Ende erreicht. Aus den geössneten Fenstern hinaus hielten die Kommunisten wüste Hetzreden zu den unten auf der Straße versammelten halbwüchsigen Burschen. Das gering« sachliche Ergebnis dieser Versammlung war die Zu- stimmung zu den Petitionen wegen Schasfuna einer Omnibus- Verbindung als Zubringerlinie für den Ortsteil Biesdors-Süd und wegen Pflasterung der Caprioiallee im Ortsteil Friedrichssejde. Mehr Wissen der jungen Generation! Bor den Mitgliedern des Kreises Wedding der Berliner Sozial- demolratie referierte Genosse Kurt H e i n i g über die Stellung der Jungwählerschaft zur heutigen Zeit. Es sei Pflicht der Partei, sich der jungen Generatton, dl« im Jahre 193S beinahe die Hälfte der Wählerschaft Deutschlands stellen wird, in einem weit stärkeren Maße als bisher anzunehmen. Die Unternehmer machen heute in Elendspsychos«, ftistematifch wird der Oesscullichkeit der Blick getrübt. Wenn wir auch gegenwärtig 3 Millionen Ermerbslvse in Deutschland haben, so ist doch zu bedenken, daß dem 31 Millionen Erwerbstätige gegenüberstehen. Ferner darf nicht oergesien werden, daß die Arbeitslosigkeit nicht auf Deutschland allein beschränkt, sondern auf alle Länder der Welt ausgedehnt ist, auch auf die Siegerstaaten. So hat England bei seinen 40 Millionen Ein» wohnern seit Jahren em ständiges Arbeitslosenheer von 2 Millionen. In Amerika, das über seinen Erwerbslosenbestand keine ossizielle Statisttk sühit, wird das Heer der Feiernden auf 9 Millionen geschätzt: wie dies« ihr Leben fristen, wissen wir nicht, da es dort keine Arbeitslosenunterstützung gibt. Rußland hat ja bekannt- lich seine Arbeitslosigkeit abgeschafft, indem e» einfach di« Unter. stützungsstellen schloß. Dit Ursachen der 70elk-rbettslostgke« Negea im Kriege selbst. Die Abschürunq der Grenzen brachte es mit sich, daß die bisherigen Nurimporteure zur Eigenproduktion übergingen und sich eigens Industrien schufen. Bei Beendigung des Krieges hatten wir daher in der ganzen Wett doppelt soviel Produktionswertstötten als vor Ausbruch desselben. Die Industrien aller Länder gingen zur Rationalisierung über, auch Deutschland wurde, wenn auch erst später, von dieser Welle erfaßt. Dann trat das ein, was andere Länder bereits früher zu spüren bekommen hatten. Ueber allen Rationalisterungsmahnahrnen und der daraus resultierenden Ueber» Produktion hatte man den Menschen als Verbraucher vergessen. welchem die inzwischen eingetretene Erwerbslosigkeit keine Nutz- niehung an den erzeugten Gütern gestattete. Daraus ergibt sich die zwingend« Tatsache, daß nur eine Hebung der Kauskrast der Massen zur Stabilisierung der Wirtschaft beitragen kann. Kinderland in jede Kinderhand. Alljährlich kommen«ine Anzahl von Kalender für Kinder und Erwachsene aus den Büchermarkt. Unter den Jahrbüchern für Kinder nimmt der„ft i n d e r l a n d*. Kalender einen besonderen Platz ein. Der Herausgeber ist die Reichsarbeilsgemeinfchaft der Kinderjreunde Deutschlands. Dieser Name hat Klang und ist Bürg- schaft. Das wird wieder im eben erschienenen„Kinderland 19 31" bestätigt. Kinder und ihr« Freund« haben sich bemüht, ein feines Buch für die Arbesterkinderwett zu schaffen. Es kann mit Recht gesagt werden, daß dies gelungen ist. Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis beweist das: Das Kalendarium mit hübschen Sportbiidcrn. 10 Bilder mit kurzer Inhaltsangabe von guten Filmen, eine Seile guter Bücher und ähnliche Wink« sind sicher jeden, willkommen. Fröhlichkeit und Uebermut kommen nicht zu kurz. Tommy hat Zahnweh-, Zimpino: Fritz erzähll in der Gruppe: Fritzens Zukuufts- träum: Wie wir mtt der Flut abgingen: Wir wollen einen Zirkus bauen: Spaß muß fein usw. sorgen dafür. Dazu kommen noch eine große Anzahl Illustrationen, 8 ganzseitige farbig« Bilder, so daß schon diese Auswahl aus dem InHall genügen dürfte, für dies« Buch zu werbeir. Die Arbeiterkinder bekommen mit diesem Jahr- buch einen richtigen Freund mehr und das ist gerade heul« gut so. Wer es also mit den Kindern ehrlich und gut meint, für den gilt auch di« Parole der Herausgeber: Kinderlaud tn jede Kinderhand. „Warum Kampf dem Alkohol?" Der Deutsche A r b e i t e r- A b st i n e nt enb u nd vev. anstaltet in seiner Gaststätte, Skalitzer Straß« 6, ein« alkohol» gegnerische Ausstellung unter dem Motto„Warum Kampf dem Alkohol?" Die Ausstellung, die am Frettag, dem 28. November, abends 7 Uhr, eröffnet wird, ist bei freiem Eintritt tägtich abends von 7 bis 10 Uhr zu besichtigen Es finden nn Rahme» der Ausstellung folgende Sonderveranstaltungen statt: Freitag. 28. November, abends 8 Uhr: Vortrag des Stadtarztes Dr. Drucker „Warum Kampf dem Alkohol?": Dienstag, 2. Dezember, abends 8 Uhr, spricht Dr. I. Meyer über„Bürgerliche oder proletarische Kultur". Die Ausstellung ist zu erreichen vom Hochdahnhof Kott- busser Tor in 2 Minuten, ferner mtt den Straßenbahnlinien: 2. 3. 27. 29. 47, 48. 148, 98. 12. 89. 154 und mtt den Autobussen 11 und 30. Der drvlsche Richter. Im Rabmen de« TX wisienschastliche» CPuB- nbendS der.Deutschen Liga sllr Menschenrechte' Ivricht am Montag, dem l. Dezember, über da« Tbema»Der deutsche Richler' im ReichSwirttchaftSrat tWirtschaftSpolililcher Saall. Beüevuestr. tS, abend« 8l/j Uhr, Rechl»anwalt Dr. Martin B e r a d t. Dr. Beradl ist der ver» s-sscr des gleichnamigen Buche«.Der deutsche Richter". Säfte gegen Zahlung de« Unkoftenbeitrage« willkommen I Preise nur Freifdg und Sonnabend. Fleisch und. leichf verderbliche Waren vom Versand aus- geschlossen. Verkauf soweit VorratMenqenabgdbe vorbehdlteo. bielusendunq von Lebensmitteln erfolglbei ßesfellümjen von S.OO Mk.dn. 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Pfd. 0,60 Walnüsse.................. ptd. 0,48 Haselnüsse............... ptd. 0,55 Bayerische Rettiche..staek 0,10 Zitronen.............. nn«i0.38 | Aptelsmen......» ptd. 0,95 Mandarinen.............. ptd. 0,28 Ananas................... pid. 0.80 Spinal oder Grünkohl pid. 0,10 Rosenkohl........... 2 ptd. 0.45 Ro!-.Wei{s-. Wirsingkohle d.C.0a Role Rüben............ 3 pid. 0,20 Sellerie................. 3 pfd.0,20 Märkische Rübchen...3 ptd. 0,25 Schwarzwurzeln....... Pfd.0,25 Konserven � � Stangenspargel nkratHk... 2,60 Stangensparget mituistuk. 2,40 Stangenspargel eo/oo....... 2.15 Junge Erbsen Mhrf«i>>....... 1,35 Junge Erbsen mitteuwa...... 0,75 Qemüseerbsen.............. 0,55 Gem. Gemüse tetn........... 1,35 Leipziger Allerlei........... 0,78 Konsumgemüse au fttnok- netmi Erbsen mit Ksrotten....... 0,48 | Karotten poschnitten...0j28 Sellerie w e-beid»............ 0,98 Apfelmus................„...,0,58 Erdbeeren.................. 1.35 Birnen halb« Pmeht............ 1,20 Heidelbeeren................ 0,95 Sauerkirschenohnastaia..... 1,20 Rote Rüben.................. 0,60 Singapore-Änanas......... 0,98 Kolonialwaren Bruchreis.............. m 0,18 Moulmain-Rels...... ptd. 0,28 Blue-Rose-Reis...... Ptd. 0,54 Eierbandnudeln....ptd. 0,48 Bruchmakkaronl...Pfd. 0,46 Eierhörnchen........ prd. 0,55 Erbsen................... Pfd. 0,19 Erbsen poliert........... Pfd. 0,30 Linsen............. pm. 0,18 0,24 Kalif. Backobst...... pfd.0,45 Ringäpfel getrocknet... Pid. 0,70 Pflaumen getrooknet...Pfc 1929er Braunejerger Rhsllng,( lx n' vorzOql. rassiger Mosel|(b.25P!.l,Z5) 1977er Wjnfrt-her Sonnenseile., j 10 PI. 14.00 Conevlner, Ällasch, Cura�ao. 1 2-Lr.-H. 3,25 Bresjaue» Gelreide-Korn...1i3rl.1,95.l|1PI.3.7b Kanlo owlcz-Einhelfs-Ll �öre'?FI.3,30,'ijpl.5J5 BOWLEN.ORlIMtNl � i-» 10 PI. Treiser Caslel. 2 PI. I rus.| j ill W.K. Gold, Pruch schaumw.,( 1 Dose Ananas In Sehe! ien| ohne Flaschen Speil.1-Ap|elwein...... Ltr 0,48, IDLtr.�LC) Ro'.süss. Johcnnlsbcerwelr�llr.P.Ta, 5llr.3.50 Oder, süsser Ao'elwe n---- 1 Ir. 0,75, 5 Ür. 3,50 Rhelnpfälzer Weisswein, ruf Bowle u. kleiner Tischwein. Llr.0,85, 5Ltr.4,00 ÜnTrE �PEZIALITäI m s�r\ Liier Oeulscher Weinbrand*** /| l|f 1 lose abgelagerte Quallläf,1/! PI. 4,83 FRISCHES FLEISCH Sdiwelnebaudi«. Beilage. Pfd. 0,90 Schwei nesdiinken oder -Schulterblatt.......... Pfd. 0,96 Schweinekamm oder S Pfd.«chwer, e-nz odereetcllt............. PM. 1,00 Kalbsroulade gerollt, Pfd.»on 1,48 Kalbsschnitzel....... Pfd. von 2,00 Kalbskotelett........ pm. tod 1,48 Hammel vorderfielsch Pid,». 0,98 Suppensleisch........ Pfd. tod 0,88 Gulasch gemisoht......... Pfd. 1,08 Schmorfleisch Keule, ohne Knoobca... Pfd. tos 1,24 Rinderbacken ohneKnock.,Ptd. 0,58 Roastbeef Oh. Knochen, Pfd. von 1,58 Rinderlungen............ pm. 0�4 Rinderherzen............ pm. 0,64 Rinderleber.............. Pfd. 1,08 Rinderzungen w. Sohlend. Pfd. 0,94 Euter.....................Pfd. o,32 Schweineköpfe mit Becke PM. 0,44 Schweinenieren......... Pid. 0,84 GEFRIERFLEISCH Suppenfleisch........ Pfd. von 0,68 Gulasch ohne Knochen....... PM.0,98 Schmorfleisch Ohne Knoeh, Pfd. 1,20 HammeIvorderflcl$di..PM. 0,64 Hammelrücken.......... Pfd. 0,74 Hammelkeulen........... Pid. 0,98 Eimer ca. 2 Pfand Blmer u. 2 Pfund KONFITÜRE PHaumen.................. 0,95| Erdbeer.................... 1,30 Aprikosen.................. 1,15 Kirsch........................ 1,30 Johannisbeer............ 1,15! Himbeer.................... 1,30 7!r. S57» 47. Jahrgang Kreitag, 2S. November-1SZ0 Ein Sachverständiger für Mieterfragen. Von der Hauszinssteuer befreit weil ohne Einkommen. Der kommunistische Landtagsabgeordnete Oberdörster, der von seinen Parteifreunden in der Wohnstadt Carl Legien zu einer ganzlich„unpolitischen" Mieterversammlung als Referent eingeschmuggelt wurde, jedoch unoerrichteter Dinge von dannen ziehen mühte, scheint in Mieterfragen besonders sachverständig zu sein. Der Mann, der in der Gotlandstraße eine kleine Wohnung hat, die er gar noch mit einem anderen komnmnistischen Londtagsabgeord- neten teilt oder geteilt hat, ließ sich von der Zahlung der Hauszins st euer befreien, weil er kein Einkommen hat. Der arme Mann bezieht nur seine Diäten als Landtags- abgeordneter, die jegt, nach der Kürzung um 20 Proz., nur noch 6 00 M. monatlich betragen. In seiner Nachbarschaft wohnen manche Mieter, die tatsächlich ohne Einkommen sind, denen jedoch die Hauszinssteuer nicht erlassen werden kann, weil der bei ihnen wohnende Sohn oder die Tochter erwerbstätig ist. Der Herr Landtagsabgeordnete Oberdörster kann aus Grund seiner persönlichen Erfahrung den Mietern das Rezept geben, wie man sich von der Zahlung der Hauszinssteuer befreien und so seine Miete wesentlich verbilligen kann. Allerdings kann nicht jeder Mieter mit gleichem Erfolg von diesem Rezept Gebrauch machen. Hundert Füchse sehen dich an! Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft sDLG.) wird am kommenden Sonnabend, dem 29. November, in der Aus- stellungshalle III am Kaiferdamm eine leider mir auf drei Tage berechnete Erste allgemeine Deutsche Edelpelztier- ausstellung eröffnen, die, wie man bei einer Vorbesichtigung feststellen konnte, eine Fülle des herrlichsten lebenden Matertals zeigen wird. Im Zoo kann man ein paar Füchse sehen, auf dieser Ausstellung sieht man etwa 100 lebend« Silber schwänz-, Kreuz-, Blau- und Weißfüchse, wie inan anderweitig in Shitfichen Massen Kaninchen zu seihen bekommt. Bon Stand zu Stand wandert nian und wird immer wieder von denselben herrlichen, klaren, un- crbittlichen Raubtieraugen angesehen, die nicht auf Sekundenlänge von dem Menschen lassen und jede Bewegung oerfolgen. Gefangene Tiere. Wie im Zoo fühlt der Tierfreund auch hier mit der Kreatur, die fortgeführt aus der herrlichen Freiheit der Wälder sich hier in engem Käfig ducken muß. Und es sind doch sehr stolze und sehr kostbare Exemplare darunter. Jedes hat seinen ausführlichen Stamm- bäum, jedes im inneren Ohrlappen seine Tätowierung, an der es erkannt wird. Daneben sieht man dann viele Nerze, sehr scheue Tiere, die bei Annäherung schleunigst in ihr angebautes Hüttchen entweichen und erregt und ärgerlich fiepen. Eines dieser kleinen braunen Tierlein hat den vornehmen Zuchtnamen Franz von Hom- bürg. Dann gibt es Waschbären, Skunks, Biberratten(Nutria) und amerikanisches Opossum, alles lebende Tiere. Einen interessanten Einblick in diesen noch recht jungen deutschen Zucht- und Erwerbszweig vermittelte ein Bortrag des Leiters der Ausstellung Professor Dr. H e n s e l er-.München. Gegen Ende de» vorige« Jahrhunderts konnte festgestellt werden, daß die für vn- erfchöpflich gehallenen Tierbestände itr Sibirien und Kanada in erschreckender Weise zurückgingen. Blau-, Weiß- und Silber- füchse standen offenbar auf dem Aussterbeetat. In dieser Notlage versuchten kanadische Farmer um 1890 herum die Aufzucht der einst freien Tiere. Noch unendlichen Mühen gelang es.. Bald folgte auch Norwegen. In jener Zeit bemächtigte- sich wilde Spekulation des neuen Gebietes, und es wurden für Pelze bis zu 2400 Dollar (lOBM Mark) für Zuchtpaare sogar 34 000 Dollar(142 000 Mark), also ganz unsinnige Preise, gezahlt. Diese wilden Zustände sind vorüber. 1921 wurde im Kleinen Walsertal bei Oberstdorf in Bor- arlberg die erst« Edelpelztierzucht in Deutschland angelegt. Wer Füchse züchten will, muß auch heute noch 3000 Mark und mehr für das Paar anlegen. Abgesehen davon, daß Kapital dazu gehört, be- darf es aber auch großer Liebe und großen Verständnisses für das Tier und seine Eigenart, das ja immerhin Raubtier und noch keineswegs Haustier ist. Während Kanada etwa 4000 Züchter mit 60 000 Füchsen hat, gibt es in Deutschland annähernd 300 Züchter mit 12000 Silberfüchsen. Die DLG. hat zunächst die Entwicklung der deutschen Edelpelztierzucht abwartend beobachtet und. als sich die Verhällnisse vor fünf Jahren klärten, die geeigneten Schritte zu ihrer Einordnung in die von ihr kontrollierten landwirtschaftlichen Produktionsgebiete getan, so daß das Aus- stellungswesen mit strenger Veterinärkontrolle, Vorprüfung und end- gültiger Prämiierung sicher und zuverlässig sich abwickelt. In dem Bortrag„Außenseiter der Gesellschaft" will Rechtsanwalt Dr. Herbert Fuchs gewissermaßen dem Hörer«in Herbarium des Verbrechertums anbieten. Sein Wunsch geht darauf hin, eine bestimmte Typologie des Verbrechers zu schaffen, jeder Gattung auch die geistige Spißmarke auszukleben und sie, mit diesem Zettelchen versehen, in einem vorbildlich aus- geräumten und schematischen Aktenschrank zu verwahren. Die Er- klärungen klingen allerdings bekannt, aber am Schluß kommt die Erkenntnis: Verbrechen würden sich vermindern, wenn die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse endlich einmal eine Aenderung er- fahren würden. Besser könnte diese These an ein paar Beispielen genau ausgeführt werden. Offen gesagt, Vorträge dieser Art be- Vorzügen zu häufig Gemeinplätze.— Gut ist diesmal die Disposition der Musik. Das Prisca- Konzert spielt Mozart und Brahms nicht mit letzter künstlerischer Vollendung, aber mit technisch ein- wandfreiem Können. Der Brandenburgisch« Volkschor „Vorwärts" verfügt über schön« Stimmen. Man hatte seine Freude an seinen Darbietungen.— Aus dem Adlon wird eine an- ständig« Unterhaltungsmusik übertragen und am Abend endlich ein im besten Sinne populäres Orchesterkonzert unter Leitung Bruno Seidler-Winklers. Warum finden übrigens so selten Konzerte mit Sängern als Solisten statt? Scheut man sich vor der menschlichen Stimme im orchestralen Rahmen? Fürchtet man«ine künstlerische Form zu zerstören, die überhaupt nicht vorhanden ist? Bestimmt hinterläßt dieser Abend, besonder» dank. Domgraf-Faßbender» schönem, geschmeidige»: Variic® pYgeW�e, Eindrücke...F. Sech. Kasperle lebt noch. Der„Berein der Künstlerinnen" veranstallete im Rahmen seiner Ausstellung„Das Kind" einen Kindernochmittag. Den Höhepunkt der Beranstaltung bildeten Kasperletheater-Vorführungen. Die Kinder jubelten dem allen, ewig jungen K a s p e r l zu. Die Stücke, die gespielt wurden, waren naiv und anspruchslos uich außerordent- lich unmoralisch: eine böse Hexe entführte den Ellern die Kinder und quälte sie mit Rechenaufgaben, bis der brav« Kafperl die Hexe zur Strafe totschlug: ein Pfarrer entwickelte verabscheuenswerten Geiz, und wieder trat Kafperl als Rächer auf und bewies diesmal, daß er selbst den Gauner noch begaunern kann. Die kleinen Zu- schauer nahmen übrigens für das Rechnen Partei und erklärten es durch eifrige Zurufe für lebensnotwendig: und auch sonst zeigten die Zwffchenbemerkungen, die Märchenproblemen mit modernster Technik zu Leibe gehen wollten, daß eine sehr aufgeklärte Großstadt- jugend das Publikum bildete. Trotzdem amüsierte sie sich groß- artig. Denn von diesem Theater, von diesen bilderbuch-bunlen, wundervoll charakteristischen Puppen ging lebendigste Heiterkeit aus, well nicht für Kinder, sondern wirklich mit den Kindsrn ge- spielt wurde, und die Logik ihrer kindlichen Well die Borgänge auf der kleinen Vühne beherrschte. Wenn Geste und Sprache"dem Kind beweisen, daß der eine gut und der andere schlecht ist, so läßt es sich durch eine einzelne Handlung nicht vom Gegenteil überzeugen. Und die Kinder wissen heute, wie sie es immer wußten: wer lachen kann, ist ein guter Kerl. Und Kafperl kann lachen. Schule deS Friedens in Berlin. Am Sonntag trat die neugegründete Iungsüdische Friedens- gemeinschast mit einer Kundgebung erstmalig an die Oeffentlichkeit. Im Mittelpunkt der Beranstaltung in der schönen neuen Synagoge in der Prinzregentenstraße, die für derartige Zwecke besonders gut geeignet ist, stand ein feinsinniges Referat von Dr. B a e ck über „Pazifismus". Friede bedeute nicht nur„kein Krieg", der Inhalt des Friedens müsse Gerechtigkeit sein. Die Iungsüdische Friedensgemeinschaft hat jetzt«ine„Schule des Friedens" eröffnet. Namhafte Pazifisten haben ihr Mitarbeit an der Schule, die Aufklärungsarbeit besonders unter der Jugend leisten möchte, bereits zugesagt. 1vohllSNgkett»k»»zert der Schupo. Der Frauenhilfsverew bei der Staatlichen Polizeiverwaltung Berlin veranstaltet Dien§- taa. 2. Dezember, um 20 Uhr, Im Berliner KonzerlhauZ Clou als Wohl- tätigleitskonzcrt einen Overetten- und Volksliederabend, auSqeiübrt vom Shmphonieorchester der Schutzvolizei Berlin unter Mitwirkung des qc- mischten ChorS der Schutzpolizei Berlin und der Gesanqsvereinigung der Kriminal abteilung. Eintrittspreis 75 Pi. im Vorverkauf. 1 M. an der Abendkasse. Karten zum VorverkausspreiS bei Bote& Bock, sowie an den Theaterkassen der Warenhäuser Karstadt, Tictz und Wertheim. Di««nsstrlluna der Photoarup?« de, Touristeuuercin»»Die Raturfrourde" wird endziUtig am ZV. Rooember b. I. beendet. Geöffnet ist dieselbe von U> bis 2» llbr bei freiem Eintritt. Wir weifen qleichzeiti« auf den Bortraq am 1. Dezember 1930 in der Iohanni-ftr. In. 20 Uhr, bin. Thema: Ausnabmen bei künstlichem Licht. Der Vortrag wird von Lerrn R. Kuttroff iAsfa» Vbatofchule) gehalicu. Da, beste geichen. E» ist das beste Seichen Rir«tu Kabrikat, weml es(ich seit über 108 Zahren der größten Beliebtheit erfreut und all« Stürm« de« Seit überdauert Hai. Seit 15E2, also durch vier Gencrationeu, tragen Kundert. taufend, in oller Welt die führende deutsch« Kerrenhutmark«„Wille*. A'HEFTER SEIT» JAHREN Hefters billige Oyalitatsfleischwaren la Rlndsronladen....... 1.50 p. Pfd. laOdisenspldiliralen o. Kn.... 1.00.. Ansnahnie Kalbllelsdi von an 1.10.. Sdiinken 1.6.......... 0.08.. Sdiwetnehamm........ 1.20.. SibDUerblaii gerollt..... 1.35.. ■ adlcr InbeKannterHeflerqualuaivonan 1.10.. Habier Saudi......... 0.90.. RQdfenlett. bratfertig..... 0.00.. Gepöbetfe Spitzbeine. nur 0.25.. 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Jedermann weiß, daß man unter Gerechtigkeit auch die zweck- mäßige Einrichtung der Polizei versteht, den ganzen komplizierten Polizeiapparat und darüber hinaus, von Stufe zu Stufe, die Gerichte, den Kerker, Galgen und ähnliches. Unter der eigentlichen Gerechtigkeit versteht man jenen be- stimmten Begriff, der schlimmstenfalls in der trockenen Zeitung-- notiz endet, daß der Gerechtigkeit Genüge geleistet wurde. Herr Wackarsch denkt gern über die Dinge nach, und zum Schluß spricht er stets mit heiterem Antlitz seine lleberzeugung aus, die er mit der Erzählung folgender Begebenheit begründet: Bar�Jahren besah er ein Schnittwarengeschäst in einer ver- steckten Seitengasse, in die sich selten ein Schutzmann verirrte. Zu jener Zeit mehrten sich in unheimlicher Weise nächtliche Einbruchs. diebstäh/e und es verstrich kein Tag, ohne daß ein Laden von frecher Hand geplündert worden wäre. Als sich dies« Vorfälle in einer Weise häuften, daß die Direktion zwecks Vermerks der Beschwerden eine besondere Hilfskraft anzustellen genötigt gewesen wäre, ent- schloß sich das Präsidium zu einer scharfsinnigen Vorkehrung. Die Schutzleute sollten des Nachts sorgsältig auf die Diebe aufpassen. Diese einfache und zweckmäßige Vorkehrung wurde von durch- schlagendem Erfolg gekrönt. Eines Tages nämlich arbeitete Herr Wackarsch bis Mitternacht in seinem Geschäft an der Inventur und verließ dann den Laden mit einem Paket Canevas, den er srühmorgens einem Fuhrmann übergeben sollte. Selbstverständlich wurde er auf der Straße beim Verlassen seines Ladens, den er sorgfältig versperrte, von zwei Schutzleuten ergriffen, die ruhig wor dem Laden gewartet hatten, bis sich der Mann, der dort des Nachts Licht brannte, entfernen würde. Ais er ihnen sagte, daß er der Eigentümer des Geschäfts sei, brachen sie ob dieser ungeschickten. Ausrede in Lachen aus und schleppten ihn zum nächsten Polizeikommissariat. Der Polizei- kommissar lachte ebenfalls über seine Ungeschicklichkeit und erklärte, Wackarsch sei wohl kein geschulter Dieb. Dam, trat ein Polizei. beamter ein, der boshaft sagte:»Sie haben Inventur gemacht: das macht man überall, wenn man etwas stehlen will!" ..Aber ich habe wirklich Inventur gemacht", verteidigte sich Herr Wackarsch ängstlich. „Deshalb werden Sie auch sitzen", sagten di« Polizisten im informierenden Ton. Und weil die Verordnung bestand, Diebe zwecks Messens, Photagraphierens und daktyloskopischer Studien sofort auf die Polizeidirektion zu bringen, befestigte man die rechte Hand des Herrn Wackarsch mickels einer Kette an die linke eines anderen Gauners, so titulierte man ihn, und jagte beide zur Polizei- direktiow „Gestehe dort nichts e>u", riet ihm der andere. „Werde mich hüten", sagte Herr Wackarsch kleinmütig. Dieser Ausspruch wurde später als erschwerender Umstand belrachtet. 'ß11 photographicrte, brach er in Tränen' aus. Man mußte ihn etwa dreimal aufnehinen.. Die Maße feines Schädels� ergaben eine auffallende'verbrecherische Mßbildung/ was an'Händ von Tabellen der Theorie Lombrosos festgestellt wurde. Die Wölbung und Form der Nase ergab der zweiten Tabelle nach eine vollständige Degeneration, Idiotie und Perversität. Die Finger- abdrücke stimmten mit den Abdrücken des Raubmörders König aus Mannheim überein.(Bei dessen Namen befand sich ein schwarzes Kreuz, da er vor fünf Jahren durch die Hand des Scharfrichters den Tod erlitten hatte.) Ferner stimmten sie mit den Abdrücken des bekannten internationalen Betrügers Rubinstein, des Taschen- diebes Futera, des Räubers Zalinsly, der Betrügerin Semerad und der Giftmischerin und Kindesmörderin Zinek überein. Als man ihm das vorlas, verfiel er in einen neuerlichen Weinkrampf, denn er hatte gehört, daß Abdrücke einander nicht ähnlich sind, und be- gann zu schreien, er sei weder Semerad noch Zinek. „Das steht noch nicht fest", sagte man ihm, und er bekam einen Anfall, der dem Tanz des heiligen Veit glich. Am Morgen schaffte man ihn ins Gefängnisspital, denn der alte Simulant er- krankte an Gehirnhautentzündung. Im Krankenhaus schwebte er zwei Tage lang zwischen Leben und Tod. Inzwischen meldet« seine Haushälterin auf der Polizei das geheimnisvolle Verschwinden des Herrn Wackarsch. Man legte ihr eine jener Photographien vor, auf denen er unter Tränen auf den Photographen schaute. „Das ist er nicht", erklärte die Haushälterin, was zu Protokoll gegeben und von ihr unterschrieben wurde. Den Lumpen im Krankenhaus wollte sie nicht einmal seljen. Inzwischen erholte sich Herr Wackarsch so weit, daß ihm der zu ihm entsandte Untersuchungsrichter zwei Fragen vorlegen konnte: „Wo haben Sie di« Leiche des 5)errn Wackarsch, den Sie ei> mordet haben, versteckt?" „Ich erinnere mich an nichts. Euer Gnaden!" „Wie heißen Sie?" fuhr der Untersuchungsrichter fort.„Ich weiß nicht. Man sagt, daß ich nicht der Wackarsch bin." „Der sind Sie auch nicht", sagte der Untersuchungsrichter. „Nun, wieviel Geld haben Sie in der Kasse gefunden?" „Beiläufig dreißig Gulden", antwortete der Rekonvaleszent. Der Untersuchungsrichter ging. Diese Angabe stimmte voll- kommen mit der bei dem Beschuldigten am Tag« des Verbrechens gefundenen Summe überein. Inzwischen verfolgte die Oeffcntlich- keit mit Interesse die täglichen Berichte über den geheimnisvollen Mord des Mannes, der ihr bis zu dem verhängnisvollen Tage nichts bedeutet hatte und dessen Name jetzt überall bekannt war, wohin die Zeitungen kamen. Seltsam war, daß der Beschuldigte dem Untersuchungsrichter in lichten Augenblicken ganz genaue Einzelheiten aus dem Leben des verschwundenen Kaufmanns er- zählt«, woraus zweifellos hervorging, daß er den Verschwundenen gur gekannt haben mußte. Schließlich genas er so weit, daß er mit seiner Haushälterin konfrontiert werden konnte. Sie erklär!«, sie habe diesen Mann bereits irgendwo gesehen, und zwar als er vor dem Laden des Verschwundenen stand. Eine Reihe weiterer Zeugen wurde verhört, die«bensalls einstimmig erklärten, dieses ausgemergelte, ergraute Individuum erinnere sie an«inen Menschen, der zuweilen vor dem Laden des verschwundenen Wackarsch gestanden sei. In lichten Augenblicken des Beschuldigten bemerkt« de? Unter- suchungsrichter, daß jener zu dem in der Geschichte der Kriminalistik vielleicht einzig dastehenden System des Simulieren? zurückkehrte, nämlich zu der Behauptung, er sei selbst der Verschwundene und Ermordete. Um ihn zu verwirren, ließ er ihn niederschreiben:„Ich bin Iosef Wackarsch aus der Longegaffe."©eitle Schrift wurde mit den Aufzeichnungen des Verschwundenen in seinen Geschäftsbüchern verglichen, und di« Gerichtssachverständigen erklärten, seine Schrift sei vollkommen verschieden von der des Kaufmanns Wackarsch. Sie weis« weder in den Schristzügen, noch in der Lage der Buchstaben di« geringste Aehnlichkeit aus und lasse auf einen Alkoholiker schließen. Der Beschuldigte wurde geistig immer stumpfer und der Untersuchungsrichter bemerkte hocherfreut, daß er sich zu seinem Verbrechen zu bekennen begann. Schließlich konnte er eines Tages mit der größten Genugtuung zu Protokoll bringen, daß der Ver- hörte auf die Frage:„Wem gehört der Anzug, den Sie bei Ihrer Verhaftung am Leibe trugen?", erwiderte:„Herrn Josef Wackarsch." Daß«r in diesem Falle die Wahrheit sprach, bestätigte die Haushälterin, die Wackarsch in diesem Anzug in und aus dem Laden gehen gesehen hatte. Eines Tages gestand der Beschuldigte, daß Herr Wackarsch in Ungarn einen Bruder habe, der in der Nähe von Nitra bei der Forstoerwaltung beschäftigt sei. „Nehmen Sie zur Kenntnis", sagte der Richter bcdeutungs- voll,„daß wir ihn telegraphisch herbeirufen und mit Ihnen kon- frontieren werden." „Machen Sie mit mir, was Sie wollen", sagt« der Beschuldigte mit stumpfer Resignation.„Wir haben einander zwanzig Jahre lang nicht gesehen." Drei Tage später stand der Beschuldigte dem Bruder des Ver- mißten Angesicht in Angesicht gegenüber, dieser blickte ihn fünf Minuten lang oerwundert an und rief dann, indem er ihn um- armte:„Josef, so muß ich dich wiederfinden!" Und der Veschuldig.c lächelte traurig, zuckte die Achseln und sagte resigniert:„O nein, ich bin nicht mehr Ihr Bruder. Ich bin nicht mehr der Wackarsch." Der Bruder jedoch beschwor, daß der Beschuldigte Josef Wackarsch sei. Die Gerichtsärzte äußerten in chrem Gutachten, Wackarsch sei geistig nicht völlig notmal, und durch sorgfältige Untersuchung wurde sestgestcllt, daß«r eben doch nur der Josef Wackarsch sei, der in der verhängnisvollen Nacht seinen Laden ver- lassen hatte und sich nun seit Monaten in Untersuchungshaft befand. Die Haushälterin sowie die anderen Zeugen begriffen allmählich, daß es sich um ein kleines Mißverständnis handle, das im Interesse der Gerechtigkeit geschehen war. Und einer nach dem andern versicherte unter Cid, daß der Beschuldigte denn doch nur der aus geheimnisvolle Weife verschwunden« Kaufmann sei. Damit war die Untersuchung wegen des Verbrechens des Mordes, den er an sich selbst verübt haben sollte, beendet, und es erübrigte sich nur, die Untersuchung wegen Diebstahls bezüglich des bei ihm gefundenen Pakets fortzusetzen. Auch dieses Verfahren wurde jedoch wegen mangelnder Deweise eingestellt. Es dauerte jedoch zwei Jahre, bevor der Psychiater Herrn Wackarsch im Sanatorium von der Ver- mutung abbrachte, daß er nicht Herr Wackarsch sei und seinen ent- wendeten Leichnam irgendwo verborgen halte. Und erst als man ihn nach zwei Iahren geheilt entließ, begriff Herr Wackarsch, daß die Gerechtigkeit trotz aller Hindernisse gesiegt hatte, und dies« Wahrheit pflegt er überall, wohin er kommt, und jedem, mit dem er spricht, feierlich zu verkünden. lBerochiiztc Ucb-rsetnma aus dcm Tschechischen von Grete Reiner.) Eine deutsche Lupus-heilstäl!«. Die Verbreitung des Lupus, dieser furchtbaren Hautkranklieit, ist in Deutschland größer, als man bisher annahm. Wie in der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift" mitgeteilt wird, gibt es allein in der Provinz Westfalen ZlXK) Lupus- kranke, und die Gesamtzahl wird für Deutschland aus üKXXXl geschätzt. Zur Bekämpfung de�Kran?hejt-''sst�tz! in Müncheberg eine besondere Lupusheilstätte eingeweiht worden. Äss£and der Erdbeben Aus der Büchse der Pandora hat Japan ein furchtbare? Geschenk erhalten: den Reichtum an Erdbeben. Ceti den ältesten Zeiten wird das Reich der ausgehenden Sonn« von größeren und kleineren Katastrophen heimgesucht: man hat aus der Erfahrung von etwa löA) Jahren eine Periodizität von drei bis fünf Jahren errechnet. Im letzten Jahrzehnt hat sich sogar alle zwei Jahre eine Katallrophe größten oder größeren Ausniahes ereignet: nämlich 19N, 1025 und 1927. Muß man sich nicht wundern, daß der Japaner immer wieder Vertrauen aufbringt, um auf den Trümmern neue Siedlungen er- stehen zu lassen? Gerade die schönsten, von der Natur am ver- schwenderischsten bedachten Erdstriche werden ja am meisten von Erdbeben heimgesucht, und die bedrohteste» Gebiete haben von jeher die Menschen immer wieder angezogen. Wie die Anwohner des Vesuv immer wieder auf dem gefährlichen Boden ihrer Heünat Fuß fassen, so kehren auch die Japaner stets an die verwüsteten Stätten zurück. Ueberdies bleibt ihnen keine andere Wahl. Die dicht- bevölkerten Inseln bieten nicht genug Raum. Japan leidet mehr unter Erderschütterungen als irgendein anderes Land. Ein Blick auf die Karte fördert das Verständnis für diese Erscheinung. Die japanischen Inseln sind die am reichsten ge- gliederten und zerklüftetsten Gebiete der Erde. Wer das Kartenbild des Inselreichs ungefähr vor Augen hat. stellt sich wohl vier große Inseln vor, ist sich aber meist nicht klar darüber, daß der gesamte japanische Archipel aus 3829 großen und kleinen Inseln besteht, von denen allerdings viele nur unbewohnte Klippen sind. Mächtige Ge- birge ziehen sich, in der Hauptrichtung der Inseln, von Südwesten nach Nordosten. Oestlich von Japan dagegen senkt sich der Pazifik in einer gewaltigen Rinne zu größten Meerestiefen, so daß inner- halb eines verhältnismäßig eng benachbarten Teiles der Erde Höhenunterschiede bis zu 12 009 Metern joorkornmen. Das ungeheure Gewicht der Schichten über und zur Seite dieses Bruchs der festen Erd- krnste übt einen so starken Druck aus, daß sich in diesem Bereich eher als anderwärts Lageveränderungen, Hebungen und Sen- klingen ergeben müssen, die ja eine Folge des sortdauernden Prozesses der Erkaltung und Schrumpfung innerhalb der Erdrinde find. Quer durch Hondo verläuft von Nordwesten nach Südosten ein von gewaltigen früheren Erschütterungen herrührender Grobenbruch, der die sichtbare Folge großer Verwerfungen im Erdinnern ist. Die potentielle Energie, die in der Erdrinde aufgespeichert ist, setzt sich, durch diese geologischen Vorbedingungen begünstigt, in kinetische Energie um. Sie bildet die Energiequelle des Erdbebens, die unglaubliche, bis zu einigen tausend Billionen Pferdskräsie gehende Arbeitsleistungen vollbringt. Wenn plötzlich Aenderungen in der Gleichgewichtslage der riesigen Schollen eintreten, aus denen die Erdoberfläche aufgebaut ist, wenn also ein Erdbeben entsteht, so werden die In Bewegung geratenen Schollen nur selten wieder in ihre Gleichgewichtslage zurückkehren. Dann sind weitere Brüche erforderlich, die zun, Teil gewiß nur unbedeutende unterirdische Umschichtungen hervorrufen werden. Solche Bruche erzeugen auch nur geringe Erschütterungen der Erdoberfläche, eben jene leichten Beben, wie sie gerade in Japan so häusig sind. Wahrscheinlich lösen sich durch die Gcsamcheit dieser kleinen Beben die unterirdischen Spannungen aus, so daß die Gleichgewichtslage wieder hergestellt wird, ohne daß eine große, an der Erdoberfläche katastrophal wirkende Umlagerung erfolgt. Im allgemeinen wird daher ein großes Erdbeben um so weniger zu befürchten sein, je häufiger die kleinen Erschütterungen aufeinander folgen.'Aber in Japan schneiden sich die verschiedenartigsten tettonischen Erscheinungen, und man wird aus diesem ewig unruhigen Boden niemals zweiselslrü vörherfagen. können,)wauu cme. geMrlich'e Umlagetung ittirct�fd der Erdkrüsis bevorsteht. der wnienrdifchen Sclmisjefiung Die von Frankreich betriebenen Ansammlungen von Gold haben die Weltwirtschaft stark beeinflußt und so wird die Aufmerk- samkeit von neuem aus den ungeheuren Schatz gerichtet, der von der Bank von Frankreich zusammengebracht worden ist und der nur noch von den Goldreserven der Bundesbank der Vereinigten Staaten übertroffen wird. Nach den neuesten Ausweisen lagern in den Gewölben der französischen Bankinstitute fast 8% Milliarden Mark. Nur wenigen Außenstehenden ist bisher der Zugang zu der unterirdischen Festung gestattet worden, in der der größte Teil diesss Goldes verwahrt wird. Der englische Berichterstatter Harold G. Cardozo hat aber dieses Vorrecht erhalten und gibt ein« an- schauliche Schilderung von den Borsichtsmaßregeln, die zum Schutz gegen jede Gefahr getroffen wurden. „Ich konnte mein« Hand auf Taujende jener langgestreckten gelben Ziegel legen, die die französischen und amerikanischen Gold- darren bilden, und auch die runderen Blöcke, aus denen das britische Gold besteht. In dem strahlend hellen Licht, das diese ungeheure unterirdische Burg beleuchtet, glänzen di« in den großen Stahl- fächern aufgehäuften Goldmassen hinter den einfachen Drahtnetzen, über denen eine Karte mit einem Datum und einer Zahl die Menge des verstauten Reichtums anzeigt. Es waren gerade 27 Milliarden Franken in Gold, mehr als die Hälfte der Gesamtreserve. Das übrige wird in anderen Gewölben verwahrt, nicht nur in Paris, sondern überall in Frankreich. Die Geschosse der Dicken Berta, die Bomben der Zeppeline und die mannigfachen Angriffe aus Paris während des Krieges legten den Direktoren der Bank ernstlich nahe, im Frieden ein Gewahrsam zu schaffen, das nicht nur gegen die geschicktesten Einbrecher gesichert ist, sondern auch den furchtoarsten Bombardements des modernen Krieges und sogar den Gefahren einer Revolution standhält. Die Architekten und Ingenieure unter- suchten di« Tiefen unter den Fundamenten des Bankgebäudcs und stellten fest, daß es dort ein Gebiet aus festem Felsen gab. Vier Schächte wurden angelegt, und in einer Tiefe von IQü Meter fand man, daß diese Felsschicht von Wasser umgeben war. Di« Schächte wurden bis zu einer Tiefe von 28 Meter heruntergeführt, und dann wurden unterirdische Gänge nach jeder Richtung hin angelegt. Ueberall s-nd man Fels, gebadet in Wasser, und so� ergaben sich die günstigsten Bedingungen für die Anlage der Schatzkammer. Drei Jahre hindurch war«n Arbeiter Tag und Nacht tätig, um mit ihren Bohrmaschinen aus dem Felsen eine riesige untsrirdische Kammer von 19999 Quadratmeter herauszuschneiden. Ais das Gewölbe ausgehöhlt war, wurde das Dach durch mächtige runde Betonpfeiler gestützt, von denen rm ganzen nicht weniger als 739 errichtet wurden. Die Ntouern wurden aus über 5 Meter dickem Beton erbaut, mit einer wasserdichten Schicht von Asphall in der Mitte, um jedes Eindringen von Flüssigkeit zu verhindern. So ent- stand das größte S i che r heit s g e w 3 lb e der Welt. Einzigartig wie diese Anlage sind auch die Borrichtungen, die diese Burg des Reichtums gegen Eindringlinge schützen. Von einem der höchsten Beamten der Bank geleitet, gefolgt von einer Schar von anderen Beamten, di« die Schlüssel trugen und den Mechanis- mus zur Oesfnung in Bewegung setzen sollten, fuhr ich in«inen Schacht hinab, der durch«ine Mauer von mehr als 6 Meter dickem Beton und Stahl geschützt ist. Die erst« Tür erscheint zunächst wie eine weißgestrichene Stahlschicht, die sich in nichts von der Mauer unterscheidet. Aber darin befinden sich einige Nein« rundeJLöcher, die die Sicherheitsschlösser bilden. Ueberaus komplizierte Schlüssel öffnen das ungeheure Stahlstück, das von zwei Männern zurück- geschoben wird. Die Tür ist 65 Zentimeter dick, besteht ganz aus Stahl und ist gegen jedes bekannte Einbruchswerkzeug gesicherl. Wenn die Schlüssel einmal verloren gingen, dann würden Arbeiter, die ohne jedes Hemmnis Tag und Nacht am Werk« sind, zwei Monate brauchen, um sie aufzubrechen. Hinter der Tür zeigt sich ein Durchgang von wenigen Metern, und dann steht man vor einer leicht gerundeten Mauer aus reinem Stahl und Beton, die 6 Meter dick ist und in der man keine Tür erblickt; sie ist ein Teil der Ober- fläch« eines mächtigen Betonzylinders, der mit dicken Stahlplattcn belegt ist. Rur wer die Geheimvorrichiungen kennt und die rich- Ilgen Schlüssel besitzt, vermag diesen Zylinder auf seiner Achse um ein Kreisviertel zu bewegen, so daß sich eine neue Oesfnung zeigt. 14 Tonnen Stahl und Beton müssen dabei beiseite geschoben wer- den. Dann erst kommt man in den Schacht, durch den man im Aufzug oder auf einer Treppe zu den eigentlichen Schatzgcwölben gelangt. Längst ist nichts mehr von dem Lärni der Großstadt zu vernehmen, sondern in diesen Tiefen herrscht Stille, die nur durch das rhythmische Surren der verborgenen Maschinen unterbrochen wird. Diese Schatzgewölbe mit ihren langen Reihen von Pfeilern und ihren Myriaden elettrlscher Lichter machen den Eindruck der Krypta einer modernen Kathedrale, einer Kathedrale des Geldes." Klingt das nicht wie ein Märchen aus Gullivers Welt? Qlühlampen von 3 Will. Wersten Die Glühlampen, die wir gewöhnlich zu sehen bekommen, haben 15 bis 199 Watt, höchstens einmal 299 und in sellenften Fällen 599 Watt. Jetzt ist aber auch, wie Dr A. Salmony in der Frank- surtcr Wochenschrist„Die Umschau" mitteilt, eine Glühlampe von 19 999 Watt in den Handel gebracht worden, deren Lichtstärke bei Verwendung eines geeigneten Scheinwerfers bis 3 Millionen Kerzen beträgt. Diese„Ueber-Glühlampe" ersetzt mehr und mehr im Filmatelier die früher ausschließlich verwendeten Bogenlampen, denn die Farbe ihres Lichts ist für Aufnahmen beim panchromatischen Film vorteilhaster. 19 999 Watt entsprechen einer Leistung von 14 Pferdestärken, wobei zu beachten ist, daß eine technische Pferde- stärke größer ist als die durchschnittliche Dauerleistung eines Pferdes. 14 kräftige Arbeitspferd« müßten sich also sehr anstrengen, um diese Leistung kurze Zell hervorzubringen. Die Höhe der Lampe beträgt 89 Zentimeter, der Durchmesser des Kolbens rund 39 Zentimeter. Die Lampe sst also ein Riese gegen den Zwerg, den eine normale 69-Watt-Lampe darstM. Wer sie bildet noch nicht einmal die oberste Grenze, denn man hat sogar Glühlampen von 29 999 und 59 999 Watt konstruiert. Die letztere entspricht einer Leistung von 68 DL., und dieser Gigant des Glühlampengeschlechtes hat ein Gewicht von über 7 Kilogramm, ist aber in der Größe von der 19 999-Watt-Lampe nicht sehr verschieden. Die ausstrahlende Hitze dieser 59 999-Watt-Lampe ist so groß, daß man sich ihr höchstens bis zu 2 Meter nähern kann: de? von ihr oerbraucht« Strom kostet die Stunde 12 Mark.