Morgenausgabe Nr 559 A 281 47.I Pfennig. Worte über 13 Buchstaben zahlen für zwei Worte. Arbeitsmarkt <,eile 60 Pfennig. Familienanzeigsn Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- gefchäst Lindenstra�e 3. wochentäglich von 8j,3 bis 17 Uhr. Sentvalovga« der SoziaidemoKratifche« Partei Deutschtands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr 3 Fernsprecher: Dönbofs 293—297 Telegramm-Adr: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Berlaa G. m. b. H. Poftscheckkonlo: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamte�, Lind«nstr.3,Dt. B. u. Dlsc.-Ges., Deppsitenk., Jerusalemer Str. Ko/KK. Terror statt Versammlungsfreiheit? Nationalsozialistische Ausschreitungen an atten Ecken und Enden. Gestern haben sich an allen Ecken und Enden Deutschlands schwere Versammlungsstörungen und schwere Straßenzusam- menstöße ereignet. In die Verantwortung da�ür teilen sich gleichmäßig Nationalsozialisten und Kommunisten. Die Der- i'ammlungsfreihest leidet auf das schwerste unter dem Terror der Radauparteien. An vielen Orten hat sich herausgestellt, daß die Polizei zwar nachträglich einzelne der Schuldigen ver- haften kann, daß sie aber nicht in der Lage ist, terroristische Ueberfälle zu oerhindern. Besonders schwer war der orqanisierio llek'-�all, den die Nationalsozialisten auf eine sozialdemokratische Versammlung in Eutin unternommen haben. Die hnt sich selbst der Störenfriede erwehrt und hat sie in die Flucht ge- schlagen. Die Nationalsozialisten irren sehr, wenn sie glauben, daß die Arbeiterschaft lich von ihnen t�™risieren lallen werde! In Eutin ist aus Rache für das Mißlingen des national- sozialistischen Ueberfalls darauf am hellen Tage mitten auf der Straße ein Führer des Reichsbanners von einer jiorde von Nationalsoüalllten übcrWlen und schwer verletzt � e- gen derartige Akte des Einzelterrors vorzugehen, ist die Auf- gäbe der Staatsgewalt. Es besteht kein Zweifel, dah die natio- nalsozialiltische Partei v e r a u t w o r t l i ck ill, sowohl für den Versammlungsterror wie für den Einzelterror! Ein Noheiisakt in Eusin. Eutin, 28. November. Wie das„Hamburger Fremdenblatt" meldet, wurde am Frei- tagvormiltaa aus dem Markkplah der Kreisführer de» Reichs- banners, oldenburgischer Landlagsobgeordneter B r o s ch k o au» Eutin, von drei Nattonalsozlalislen niedergeschlagen. Er wurde schwer verleht. Daraufhin hat der Vorsitzende der Evtiner Ortsgruppe des Reichsbanners polizeilichen Schuh für Eulin erbeten. Ein Schulzpolizeikommando aus Schwartau wurde in Eulin stationiert. Außerdem sind aus der Umgebung Eutins die Gendarmerieposten in der Stadl zusammengezogen worden. Die drei Täter wurden verhaftet. Waffenfunde bei Lübecker Nat'onolsoz'aiisten. Lübeck, 28. November. Ein Trupp Nationalsozialisten, der sich nach Eutin begeben wollte, wurde gestern von der Lübecker Polizei angehalten und nach Wassen durchsucht. Sechs Mann waren bewaffnet. Ihre Personalien wurden sestzestellt. Die Polizei beschlagnahmte«inen Arowning, zwei Pistolen, einen Tesching und eine Fesselkette. Nazibanden schlagen Arbeiiermädchen. Koblenz, 28. November.(Eigenbericht.) Aus Anlaß einer Sollmamr-Bersammlung am Donnerstag- abend in der Koblenzer Stadthalle bewegte sich«in tausend- köpfiger Demonstrationszug durch die Stadt. Den Schluß bildete die Arbeiterjugend. Nazibanden über- fielen die Gruppe und schlugen insbesondere auf die Mädchen«in. Das Reichsbanner wurde eingesetzt und drängte die Banditen zurück. Der Zutritt zur Versammlung, in der sich Sollmann scharf gegen die Natimmlsozialisten aussprach und die massenhaft besucht war, wurde infolge des Zusammenstoßes den Nationalsozialisten verweigert. Die Kommunisten versuchten vor- gebens, die Versammlung zu stören. Schlägerei zwischen Hakenkreuz und Sowjeistern. Beukheu, 28. November. Gestern abend kam es hier zu einer Schlägerei zwischen Kam- m u n i st e n und Nationalsoziali st en. Slls ein Polizeibeamter einen Kommunisten festnahm, setzte man ihm heftigen Wider- stand entgegen, so daß er durch Signale Verstärkungen herbeirufen mußte, die die Ruhe wiederherstellten. Der Verhaftete wurde in das Polizeigeföngnis eingeliefert. Mehrere Beteiligte wurden unerheblich erletzt. Schwere Zusammenstöße in Essen. Essen, 28. November.(Eigenbericht.) In Essen kam«s am Donnerstagabend im Berlauf einer natwnal- sozialistischen Versammlung zwischen Anhängern der Kommunistischen Partei und Nationalsozialisten zu einer Schlägerei. Mehrere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Als die National- sozialsten nach Schluß der Versammlung abzogen, kam es nochmals zu Ausammenstößen, wobei sechs Personen durch Steinwürse oer- letzt wurden. In der Nacht wurde dann die Wohnung eines kommu- nistischen Funktionär» in der Kolonie Schederhof uvn National- sozialisten zweimal beschossen. Die Kommunisten provozieren. yanuover, 28. November.(Eigenbericht.) Die Kommunisten haben am Freitag m channooer schwere Zusammenstöße mit der Polizei provoziert. Am Vormittag veranstaltete die KPD. eine Erwerbsloseaver- sammlung, in der eine wüste Hetze gegen die Gewerkschaften und die Sozialdemokratie inszeniert wurde. Anschlichend durchzogen die Demonstrmlten stundenlang die Stadt. Vor dem Gewerkschafts- haus ertönten ununterbrochen Psui- und Schmähruf«. In den späten Nochmittagsstunden rottete sich ein« größere Menge vor dem Ar- beitsamt zusammen, hielt Autos an und traktiert« den Reviervor- fteher und sechs Polizeibcamte des benachbarten Polizeireviers, die durch gütliches Zureden Ordnung schassen wollten, mit Eisen- st a n g e n, P f a st« r st e i n e n und Dachziegeln. Nur dadurch, daß die Beamten ihre Revolver zogen, die jedoch nicht geladen waren, konnten sie sich freie Bahn schaffen. Die kommunistischen Rowdys liefen nach allen Seiten auseinander, kamen aber, als sie merkten, daß die Beamten nicht schössen, sofort wieder zurück. Als die Bereitschaft dann abrückte, kamen die Kommunisten immer wieder. Einige wurden später dabei erwischt, als sie von einem Gitter eiserne Stücke absägten. Es scheint sich um wohl vor» bereitete Aktionen der KPD. zu handeln, die mit aller Gewalt Zusammenstöße provozieren wollte. Man macht Außenpolitik! Hitler und Huqenberg Hugenberg und Hitler. Die Nationalsozialisten haben im Reichstag einen Antrag eingebracht, in dem sie verlangen, die Reichsregierung solle sich für das Redst der ehemaligen Baltitumer auf Sied- lungsland und Bürgerrecht in Lettland einsetzen. Begründet wird dieses Verlangen u. a. mit der Behauptung, der lettische Staat habe die Erfahrung machen müssen,„daß er ohne die Mitarbeit der seit Jahrhunderten im Lande ansässigen d e u t» schen Führerschicht nicht auskommen kann".— Die praktische Bedeutung dieses Antrags besteht einzig und allein darin, daß er die Stellung der deutschen Minderheit in Lett- land schädigt, indem er zu einer nationalistischen Hetze gegen sie das Stichwort gibt. In Wirklichkeit sind die Deutschen in Lettland viel zu vernünftig, um eine Führer- stelluug im Staate anzustreben: es genügt ihnen, wenn man sie zu gleichberechtigter Mitarbeit zuläßt. Hoffentlich wird man sie die Albernheit chrer nationalsozialistischen Beschützer nicht entgelten lassen. Wo Hitlers Tatendrang explodiert, kann Hugenberg nicht rasten. Der telegraphiert an den Reichskanzler, er solle von den Bersailler Vertragsgegnern die Anerkennung der deutschen Rüstungsfreihett verlangen, im Falle der Nichtanerkennung aber Deutfdstands Austritt aus dem Völkerbund vollziehen. Da kaum jemand geneigt sein wird, den Vertrag von Versailles im Punkt'aer Abrü�ung aufzubeben, würde die Verwirklichung des Hugenbergschcn Vorschlags weiter nichts bedeuten, als den Austritt aus dem Völkerbund mit einem„schönen Abgang". Ob man uns danach aus den Pflichten des Versailler Vertrags entlassen würde und ob die Aussichten auf die Revision des Doung-Plans dadurch verbessert würden, darüber äußert sich Hugenberg nicht. Das Ganze ist nichts als ein Sechstagerennen der natio» nalistischen Demagogie. Der lange Hitler voran, der kurze Hugenberg fauchend hinterdrein— und weit, weit hinten ein paar Volksparkeiler als komische Figuren. pilsudski iriit zurück. Wird er troh Krankheit Krieasminister?— Slawek wird Mniflerprästdent. Warschau, 2!. November. Nach eioem soeben von der polnischen Tclegrapheuagentur vcr- össenllichten Kommunique gab auf einer gestern obgehallenen ver- traulichen Sitzung des ZNlaijterrates Marschall p.lsudski einleitend die Erklärung ab. daß er sich gezwungen sehe, zusammen mit dem gesamten Kabinett die Demission ciuzureichen. Als einzigen Grund, der ihn zu diesem Entschluß zwinge, gab pilsudski seinen Gesundheitszustand an. pilsudski fügte hinzu, daß er von diesem seinem Entschluß dem Slaalspräsidenlen bereits Mitteilung gemacht habe. Der Staats- Präsident habe als künstigen Ministerpräsidenten der. Vorsitzenden des Regirrungsblocks und frühereu Miniflerprösidcnteo Walery 5 l c w c k bestimmt, pilsudski erklärte schlizßiich, daß er Slawek genügend Zeit für die Bildung des neuen Kabinetts lassen wolle und daß das Kabinett seine Demission daher erst dann einreichen werde, wenn da» Kabinett Slawek bereits gebildet sein wird. Neue Notverordnungen? Sanierung der Zinanzen mit Hilfe des Artikels 48. Die Wahrscheinlichkeit verstärkt sich, daß die Regierung ihr Programm für die Sanierung der Finanzen' mit Hilfe des Artikels 48 verwirklichen will. Man wird Herrn Brüning nicht den Vorwurf machen können, er habe sich nicht bemüht, die Bahn für eine parlamentarische Erledigung seiner Gesetzentwürfe freizumachen. Er hat viel- mehr in allen Besprechungen mit den Führern der hinter der Regierung stehenden Parteien, wie auch mit den Vertretern der Sozialdemokratie das Terrain zu klären gesucht. Aber die Meinungsverschiedenheiten, nicht etwa nur zwischen den Bürgerlichen und den Sozialdemokraten, sondern auch im Lager der Parteien selber, waren und sind so offenkundig, daß der Reichskanzler daran zu verzweifeln scheint, die Gesetzentwürfe bis Weihnachten durch das Plenum und den Ausschuß des Reichstages zu bringen. Diesen Termin aber glaubt er, mit Rücksicht auf die amerikanischen Reichs- anleihegeber und auch mit Rücksicht auf die privaten Kredit- bedürfnisse der deutschen Industrie und der deutschen Banken innehalten zu müssen. Trotzdem muß die Frage aufgeworfen werden, ob es nicht richtiger wäre, einen nach außen hin in die Erscheinung tretenden Versuch zur parlamentarischen Erledigung der Angelegenheit zu machen. Aus den Konferenzzimmern dringt immer nur wenig in die Oeffentlichkeit, und diese Oeffentlichkeit hat doch einen Anspruch darauf, zu erfahren, Velche Stellung die einzelnen Parteisn zu den einzelnen Gesetzen einnehmen, und welche Gruppen ihre Sonderinter- essen über die Notwendigkeit einer Sanierung der Finanzen stellen. Wenn sich in den Verhandlungen des Reichstags die Unmöglichkeit der Schaffung einer Mehrhest heraus- gestellt hätte, wäre noch immer Zeit gewesen, zu dem Artikel 48 zu greifen. Will Brüning den Parlamentarismus erhalten, wie er und seine Freunde es doch versichern, so begibt er sich auf einen gefährlichen Weg, wenn er den Not- Verordnungsartikel in Anwendung bringt, ohne die Unmög- lichkeit eines anderen Vorgehens vor aller Welt offenkundig gemacht zu haben. Die Sozialdemokratie vermag heute noä) nicht zu sagen, wie sie sich einer vollendeten Tatsache gegenüber verhalten würde. In den Finanzgesetzen ist mancherlei enthaiten, womit wir uns namentlich nach den Abänderungen, die sie durch den Reichsrat erfahren haben, einverstanden erklären könnten. und anderes, das auf unseren Widerspruch stößt. Unter nor- malen Verhältnissen wäre die Entscheidung leicht. Aber immer wieder stehen wir vor der Alternative, ob wir auf das Recht zur Aufhebung der Verordnung verzichten oder ob wir das Kabinett stürzen und damit dem National- sozialismus als Partei oder als Idee die Straße zur Macht öffnen wollen. Jedenfalls aber möchten wir schon heute mit allem Nach- druck erklären, daß wir uns unter keinen Umständen mit einer Anwendung des Artikels 48 zur Durchführung der- jenigen Gesetze einverstanden erklären können, die ver- fassungsändernden Charakter tragen. Es ist von einem Rechtsgutachten geredet worden, das die Ausdehnung der Notverordnung auch auf solche Gesetze bejahen soll. Ob es überhaupt existiert und wer sein Verfasser ist, wissen wir nicht. Aber Kabinett und Reichspräsident dürfen sich unter keinen Umständen durch eine solche Auslegung des Artikels 43 beeinflussen lassen. Sie würden damit die ganze Reichs- Verfassung vollständig illusorisch machen. Fast ebenso wahrscheinlich wie der Verzicht auf den ge- ordneten Gesetzgebungsweg bei dem Sanierungsprogramm ist heute der Rückgriff auf die Notverordnung zur Abänderung der Notverordnung vom Juli. Ueber die Abänderungs- wünsche zu den Bestimmungen, die damals nad) der Auflösung des Reichstags erlassen wurden, wird zur Zeit im Haushaltsausschuß des Reichstags diskutiert, nachdem die An- träge auf eine einfache Aufhebung der Verordnung inst der Unterstützung der Sozialdemokratie vom Reichstag abgelehnt worden sind. Auch hier treten starke Differenzen innerhalb der Parteien, die für eine Mehrheit in Frage kämen, an den Tag. Eine Abstimmung aber hat bislang nicht stattgefunden, und es wäre sicher auch in diesem Falle verfehtt, die Stellungnahme der verschiedenen Fraktionen i durch ein vorzeitiges Spielenlassen des Verordungspara- ! graphen zu vernebeln. Für die Arbeiterschaft handelt es sich ist' erster Linie um die Beseitigung oder zum mindesten die Abänderung derjenigen Bestimmungen, die sich aus die Krankenversicherung beziehen. Die Sozialdemokratie wird, wenn in den nächsten Tagen dieser Abschnitt aus die Tages- Agitationsanträge statt Hilfe. Das kommunistische Spiel mii den Erwerbslose«. Di« kommunistische Reichstagsfrattion hatte im Reichstag den Antrag eingebracht, den Erwerbslosen, Sozial- und Kleinrentnern sowie allen Fürsorgeberechtigten eine Winterbeihilfe von 40 Mark und für jeden llnterhaltsberechtigten 12 Mark zu zahlen. Sie hatte sich dabei nicht den Kopf zerbrochen darüber, woher die Mittel für dies« Auszahlungen kommen sollten. Infolge der Aufforderung de» Hauptausschusses des Reichstags hat die Re- gierung nunmehr eine Kostenberechnung gegeben, wonach die Unter. stützung der Arbeitslosen 77 680 000, diejenige der Krisenunter- stützuitgsempifänger 25 788 000 Mark ausmachen würde. Dazu kämen die Summen für Invaliden-, Unfall- und Angestelltenrentner mit 177 180 000 Mark, für Kleinrentner und Gleichgestellte mit 14 100 000 und für sonstige Fürsorgeberechtigte mit 50 Millionen, f» bah sich nach diese« Verechanngea eine runde Summe van 354 Millionen Mar» ergibt. Einerlei, ob dieser Betrag aus Heller und Pfennig stimmt, so wäre doch der aufzubringende Betrag auf alle Fälle derartig erheblich, daß nur derjenige ernsthaft dem Antrag gegenübersteht, der auch den Weg für die Mittelbeschaffung zeigen kann, da andern- falls die größten Gefahren für die Weiterzahlung von Unterstützung und Renten entstehen können. Dieser Gesichtspunkt ist bei der Begründung des Antrags am Freitag den kommunistischen Rednern im Haushalt sausschuh des Reichstags entgegengehalten worden. Frau Abg. Schroeder (Soz.) warf ferner die Frage auf,, ob durch solch- schematischen An- träge überhaupt ernsthaft geholfen werden könne. Schon bei der Beratung eines ähnlichen Antrags im Jahre 1928 hat sich die sozial- demokratische Reichstagsfraktton auf den Standpunkt gestellt, nicht einmalige kleine Beihilfen zu geben, sondern.zu versuchen, laufend die Renten usw. zu erhöhen. Das ist auch z. B. durch die Erhöhung der Invalidenrente erreicht worden. Heute kommt aber noch eine zweite Schwierigkeit hinzu. Die Gemeinden sind durch die ständig steigenden Wohlfohrtserwerbslosenziffern derart belastet, daß viele von ihnen nicht wissen, wie sie in den nächsten Zldo traten überhaupt die Wohlfahrtspflege in dem jetzigen Umfange ausrecht- erhalten sollen. Es ist deshalb ein ganz falsches Verfahren, heute einen Betrag von 300 bis 400 Millionen iiir eine einmalig« Unterstützung hinauszuwerfen � und nachher den Gemeinden und damit den Notleidenden nicht helfen zu können. Wir fordern, daß die Krisenualerstühung sowohl in ihrem Umfang wie in ihrer Dauer erheblich erweitert und den Ge- meiudeu durch Zuschüsse die Aufrechkerhaltuug der Wohlfahrt»- pflege ermöglicht wird. Wir glauben damit de» volle! dendev Schichte» viel besser und durchgreifender Helsa» zu kSuua». Der Kommunist Schröter glaubte danach wieder einmal mit Rußland renommieren zu können, worauf ihm von Frau Abg. Schroeder(Soz.) erwidert wurde, daß in Rußland die Arbeitslosenunterstützung abgebaut wird, obgleich dort gerade zahlreiche ungelernte Arbeiter, also die Zlermsten der Armen, arbeitslos find. Abg. Keil(Soz.) erklärt gegenüber den kommunistischen An- griffen, die Sozialdemokratie sei sich ihrer Berantwortung voll be- wüßt. Es sei aber von niemand gezeigt worden, wie der kommunistische Antrag durchgeführt wer- den könne. Mit der Annahme des Antrages durch ein« Reichs- tagsmehrheit fei den Notleidenden noch nicht im geringsten gedient, da keine Mehrheit für die Mittelbeschafsung bestehe und da die Regierung die Durchführung des Antrags ablehnt. Er frage die Kommunisten, ob sie bereit wären, mit den Nationalsozialisten eine Regierung zu bilden znr Durchführung des Aulrag». Zur Eulwertuog von Reichstagsbeschlüsieu und zur Untergrabung des porlameolarischeu Systems, die da, Ziel der Rallonalsoziallsten feie«, lasse sich die Sozialdemokratie nicht herbei. Darauf entspann sich eine heftige Debatte über Fragen der Spekulationssteuer und des Doung- Plans, in der ganz besonders die Nationalsozialisten den Hauptausschtih mit einer Agitationsoersammlung veruxchsellen. Der kommunistische Aillrag fand schließlich nur die Zustimmung der Kommunisten und Nationalsozialisten, während sich die Deutsch- nationalen aus agitatorischen Gründen der Stimme enthielten. Die Kommunisten haben alle Aufforderungen. Deckungsmöglich- ketten für ihren Antrag aufzuzeigen, unbeantwortet gelassen. Ahnen wie den Nationalsozialisten ist es nicht Ernst mit einer Hilfe für die Notleidenden. Die sozialdemokratische Reichslagssraktiou wird sich mit allen Mitteln dasür einsehen, durch Erweiterung der kriscufürsorge und Hilfsmaßnahmen für die Gemeinden die Wohlsahclspslege{fit Erwerbslose und ErwerbsunsShige auch in dem bevorstehenden so außerordenllich schweren Winter aufrechtzuerhalten. Gnadenfrist für Tardieu. Nur noch 14 Stimmen Mehrheit.— Demission bevorstehend? sxdnung gelangt, ebenso ipie zu dem Titel Lrbeitslosenoer. 'icherung ihre Anträge stellen. Dorbesprechungen, die über diese Materien stattgefunden haben, sind e r g e b- nislos geblieben, weil sich namentlich die Deutsche Volts- parte: auch bescheidenen Verbesserungen widersetzt. Indessen reicht auch das Resultat dieser Vorbesprechungen zu einer Urteilsbildung der öffentlichen Meinung nicht aus, und ebensowenig genügt es, im voraus festzustellen, daß Anträge auf Beseitigung des Kranken- und Arzneischeins, für die im Ausschuß und Plenum eine aus Sozialdemokraten, Kommu- nisten und Nationalsozialisten gebildete Mehrheit vorhanden märe, vom Reichsrat abgelehnt werden würde. Es müßte eben auch hier um der Sache selbst, wie um des Parlaments- nsmus willen die Entscheidung vor aller Oefsentlichkeit fallen. Es läßt sich verstehen, daß die Nerven der Regierungs- Mitglieder durch die ewigen Verhandlungen und Besprechun- gen zermürbt sind, und daß sie den Wunsch haben, den gordi- schen Knoten zu durchhauen. Aber indem man die Debatten im Reichstag verhindert oder ihnen ein vorzeitiges Ende de- reitst, schwächt man bewußt oder unbewußt das Ansehen und die Kraft der Volksvertretung noch über das Maß hinaus, das vielleicht durch die entsetzliche Wirtschastsnot und die aus ihr geborene unglückselige Parteikonstellation geboten ist. Krick beruft sich aus Versailles. Orr ist gegen das Reichsbanner— aber für eine national- sozialistische Parteitroppe. Herr Frick hat sich auf den Versailler Vertrag berufen, um beim Reichsinnenministerium ein Verbot der Geraer Ortegruppe des Reichsbanners durchzusetzen. Er hat öffent- lich die Behauptung aufgestellt, daß diese Reichsbannerorts- gruppe militärische Uebungen veranstaltet habe, also eine ver- botcne militärische Organisation darstelle. Das Reichsbanner Gera weist diese Vehaupiung auf das entschiedenste zurück. Es hätte dieser ausdrücklichen Zurück- Weisung nicht bedurft. Zedermann in Deutschland weiß, wer das Reichsbanner ist, und wer Herr Frick! Zu allem Ueberfluß erwidert die Presse des Herrn Frick, daß Herr Frick nur nach der Methode:„Wie du mir, so ich dir* zu verfahren versuche. Damit wird auf das Verbot des Stahlhelm im Rheinland abgezielt, und zugleich zu- gegeben, daß Frick nicht nach rechtlichen, sondern nach parteilichen Grundsätzen vorgeht. Herr Frick ist am gleichen Tage durch den Bericht- erstatter des S t a a t s g e r i ch t s h o f e s in der Thüringer Polizeifache vernommen worden. Ueber feine Aussage wird das Folgende berichtet: „Der Minister sagte u. a. aus, er habe nach seinem Amtsantritt angeordnet, daß ihm die wichtig st en Personalange- legenheiten zur persönlichen Entscheidung vor- behalten bleiben sollten. Er stehe aus dem Standpunkt, daß bei den Polizeibeamten zwecks Aufrechterhastung der Zuverlässigkeit de? Truppe auch auf ihr« deutsch« Gesinnung Wert zu legen sei und daß daher die sozialdemokratisch« Partei, Zugehörigkeit ein Boden sei, auf dem sich vielleicht persönliche Eigenschaften entwickelten, die mit den Aufgaben eines Polizei- beamtet: kaum vereinbar feien. Er denke dabei an extrem» paziiiistsche und klassenkämpferffche Bestrebungen. Deshalb, und weil er die thüringischen Verhältnisse nicht genug gekannt habe, habe er sich an Vertrauensleute gewwandt, besonders an den Abge- ordneten S a u ck e l, dem er die L i st e n der Bewerber zur Einholung vertraulicher näherer Auskünst« ausgehändigt habe. Das Wichtigste aber sei ihm stet» der Mann, seine Tüchtigkeit und seine sachliche Eignung gewesen. Auf die Parteizugehörigkeit Hobe er kein entscheidendes Gewicht gelegt.* Diese Aussage kommt einem vollen Geständnis gleich. Herr Frick hat nicht Wert auf die Treue zur Verfassung und Republik gelegt, sondern auf das Urteil seines national- sozialistischen Parteifreundes. Ueber seine Auslassungen über die Sozialdemokratie ist kein Wort weiter zu ver- lieren— der Hochverräter von 1923 kann in seiner Polizei- truppe selbstverständlich keine verfassungstreuen Republi- kaner gebrauchen! Der Staatskommissar. Weitere Städte folge««ach. Die Zakrastfehuag von Notverorduungssteven» durch Korn- rnissatc der Regierung ist weiterhin in folgende» Städten erfolg«: Frankfurt a. Breslau, Stettin. Dortmund und Magdeburg. Paris und Oberschlesien. Zurückhaltung selbst in der ZfrchtSpreffe. Paris, 28. November.(Eigenbericht.) Der deutsche Protest gegen den polnischen Wahl» terror in Oberschlesien wird von der Pariser Press« mit aus» fallender Zurückhaltung behandelt. Augenscheinlich legt man sich hier trotz aller Sympathie für den polnischen Bundesgenossen darüber Rechenschaft ab, daß diesmal das Recht unbestreitbar auf deutscher Seite ist. Selbst die Rechtspresse hat für die Zoüschenfälle nur ein verlegenes Schweigen übrig. Um so bemerkenswerter ist es. wenn der„T« m p s* als einziges Poriser Blatt den traurigen Mut gefunden hat, Deutschland zu be- schuldigen, es bausche die Zwischenfäll« auf, um sie zu politischer Propaganda mißbrauchen zu können. Wenn aus polnischer Seite Irrtümer begangen worden seien, schreibt da» Blatt weiter. so kämen sie doch noch lange nicht an jene Grausam« ketten heran, die einst das kaiserliche Deutschland gegenüber den Polen begangen habe. Mit diesen Grausamkeiten allein habe das deutsche Volk f ü r i m m e r(!?) das Recht verwirkt, sich als De- schütz« nationaler Minderheiten aufzuwerfen. Der schamlosen Entlastungsoffensive des„Tem.ps" gegenüber stellt die radikale„Republiqus* fest, daß gerade bei diesen ober- rchlesischen Zwischenfällen Frankreich als Verbündeter Po lsns die doppelte Pflicht habe, unparteiisch zu bleiben. Der Quai d'Orsay selbst dürste übrigens über die Vorgänge bei den Wahlen in Polen ausreichend unterrichtet sein. Vor wenigen Tagen ist«ine parlamentarisch« Delegation, bestehend aus de« Abgeordneten Palmade, Locquin und aus dem Generalsekretär de» Sozia- 'istischen©ewerkschaftsringes der EGT., Iouhaux, aus Polen zurückgekehrt. Die Dslegaiion hat den Wahlkampf an Ort und Stell« miterlebt und hat sich nicht gescheut, aus ihrem Abscheuüberdie Drutalität des Terrorsystems in Polen«in Hehl zu machen. • Baris, 28. November.(Eigeubertchl.) Da» Kabinett Tardieu. das sich fett Wochen verzmeü-lk bemüht, nicht i» Kampfe de» Ou st rl«»Skandals zu ver- sinken, hat am Freitag einen neue» schweren Schlag er- hallen. In der gleichen Stund«, in der die parlamentarische Unter- suchungskonrmission sich konstituiert«, um die Richtigkeit der von dem radikalen Parteiführer Daladier gemachten Angaben nachzuprüfen, daß neben dem zurückgetretenen Iuftizminister Päret noch andere Mitglieder der Regierung kompromittiert sind, haben die beiden Anlerstaaissekretäre Laukier und Falcoz ihre Dcwisslo« ein- gereicht. Die beiden Schuldigen sollen, wie amtlich milgeteist wird, durchaus normale und klare Beziehungen zu dem Bankier Ouftric unter- hasten haben. Da sie angeblich aber wünschten, sofort in der ersten Sitzung der Untersuchungskommission sich in aller Offenheit darüber zu äußern, hätten sie es vorgezogen, ihr Amt niederzulegen: Noch«inmat ist es Tardieu gelungen, von der Kammer ein knappes Vertrauensvotum zu erhalten. Di« kurz« Aus- spräche über die Demission der beiden Unterstaatssekretäre Lautier und Folcoz schloß mit einem Vertrauensvotum von 203 gegen 270 Stimmen für die Regierung. Die Regierungsmehrheit, die gestern bei einer Abstimmung über die Militärkredite noch 74 Stimmen I'etragen hatte, ist also heute schon auf14Stimm«n zusainmengeschrumpst. Der reaktionäre Abgeordnete F a b r y hatte dem Ministerpräsi- denten den Liebesdienst erwiesen, ihn über den neuen Zwischenfall im Oustric-Skandal zu interpellieren. In kurzer Rede antwortet« Tardieu. er habe sich gestern von der Justiz die Akten über die Affäre Oustric zur Einsicht geben lassen. Er habe daraus ersehen, daß die Beziehungen der soeben zurückgetretenen Unierstaatssekre« tär« zu dem verkrachten Bankier„durchaus normal zu sein schienen*. Man habe also nicht das Recht,„so lange nicht bewiesen sei*, die beiden ungerecht anzuschuldigen. Er habe übrigens, so fuhr Tardieu fort, die Führer der Opposition Läzn Blum und Daladier sofort von der Demission in Kenntnis gefetzt. Er habe also in voller Loyalität gehandelt.und glaube, jetzt von der kannner das gleiche fordern zu dürfen. Geheimnisse um das Kriegsmaterial. Nur ein Teil soll veröffentlicht werden. Genf, ZS. November.(Eigenbericht.) Die Vorbereitende Abrüslungskommissio» hat am Freitag in ihrem Bericht au den Rat einen deutschen Vorschlag aufgenommen, der Allgemeinen Konferenz als Material oioen veberdllck über die bestehenden tandrüslungen zu geben. Aus einen Veröffenkllchungszwang de» lagernden Kriegs- Materials tonnte man sich nicht einigen, doch soll da» in D i e n st befindliche llandkriegsmalerial veröffentlicht werden. Da» Sachoerstäiadigenkomit«« für Budget fragen, das die Vorschlag« für die budgetäre Begrenzung der Rüstungen ausarbeiten soll, ist aus Vertretern von elf Staaten zusammengesetzt: Deutsch- land(Ministerialrat Worbs vom Reichsfinanzministerium), Japan, Türkei, Schweden, Finnland, Frankreich, England, Belgien, Italien und Jugoslawien. Es tritt am 11. Dezember zusammen und soll bis zur Ratstagung im Januar die Grundlagen liefern für die Vergleichung der Rüstungsausgaben nach der verschiedenen Kaufkraft Zur größten llederraschung de» Hauses brachte der Abgeordnet« Landry von der Gruppe der radikalen Linken, der lmken Flügelgrupp« der RegierunsZmehrheit, ein« Entschließung ein, die die Erklärungen Tardieu» lediglich zur Kenntnis nimmt, ihm aber den Ausspruch des Vertrauens vere weigert. Entrüstet protestierte Tardieu und verlangte die Ablehnung dieses Antrages unter Stellung der Vertrauensfrage. Die Abstimmung erbrachte das oben er. wähnte Resuvat: 203 Stimmen für die Regierung, 279 dagegen. Di« Gruppe der radikalen Linken, die bisher in ihrer Mehr. heit für die Regierung zu stimmen pflegte, hat jetzt g« s ch l o s f«» gegen sie gestimmt. Auch unter iten treugebliebenen Abgeord, neten haben�zahlreiche nur deshalb noch einmal für Tardieu ge. stimmt, um ihm die Möglichkeit? zu geben, freiwillig' feine Demission einzureichen. Man ermattet, daß Tardieu diesen Schritt schon in den nächsten Tagen vollziehen wird, zumal noch weitere Mitglieder seines Kabinetts im Ousttic-Skandal kompromittiert sind. Der Bankier Oustric selbst ist heut« abend nach einer er» neuien Vernehmung durch den lintersuchungsrichter festgenom. men und ins Gefängnis abgefühtt worden. Aoch ein kleiner privatskandal. Paris, 28. November.(Eigenbericht.) Außer dem Oustrie-Skandal hat die französische Parla. mentschronik noch einen kleinen Prioatskandal zu ve» zeichnen. Die Staatsanwaltschaft von Paris hat ein Strafverfahren gegen den radikalen Abgeordneten Delabarre von Meaux wegen Betrugs und Wechskelfälschung«ingeleitet. Tela- barre hatte bei einem Poriser Hausbesitzer eine Anleihe von 200 000 Franken aufgenommen und hatte als Sicherheit drei Wechsel aus- gestellt. Diese Wechsel lauteten auf den Namen eines Landwirts Cardu, der sie aber bei der Präsentierung als gefälscht zurück- wies. Bei der ersten Vernehmung durch den Untersuchungsrichter beschränkt« sich der Abgeordneta auf die Erklärung, daß er in bestem Glauben gehandelt habe.' weigerte sich aber anzugeben, von wem er die Wechsel erhalten habe und wer seiner Ansicht nach als eventueller Fälscher in Frage kommen könne. des Geldes, für die Ausgaben von Ländern mit und ohne Rüstungs» industrie und für Maßstäb« zur Einschränkung der gesamten Aus. gaben für alle Rüstungszweck«. Sowjeirussische Inflation. Rnbtlnoten werden doppelt gedruckt. Der Hasttngton-r Korrespondent de»„Berliner Tageblatt" meldet seiner Zeitung: „Die amerikanischen Finanzautoritäten stehen vor einem Mysterium. Es find hier Sowjetrubelnoten im Umlauf, die den von den amtlichen Stellen der Sowjetunion ausgegebenen völlig identisch sind- Die Roten tragen dieselbe Seriennummer, dieselbe Einzel- mammer und dieselbe Jahreszahl. Die Echtheit der Roten ist unbezwelfelbar." Di« Sowjetrubclnoten werden also mit derselben Seriennummer. Einzelmammer und Jahreszahl zum winde st en doppelt gedruckt. Dienst am Kränzen. Zn Vraun schwelg sabotier« die Nazi» ihren eigenen Antrag auf Kürzung der Mastergehälter. »Seht nur, wie wir Nazis unferm eigenen Minister den Brotkorb höher hängend Mussolini befiehlt Lohnsenkung. 8 Prozent für die Arbeiter.— 8 bis ilO Prozent für die Angestellten. Eine �Vereinbarungs"- Komödie. Ro«, 29. Sivtttmhet. Die Vertreter der Arbeitgeber» und der Arbeituehmerverbände der Industrie habe» dem Regierungschef eine Vereinbarung zur Genehmigung unterbreitet, wonach ab 1. Dezember die Löhne der Arbeiter um acht Prozent und die Gehälter der Zndustrieangestellten um acht bis zehn Prozent herabgesebt werden. 4° Eine elende Komödie! Die Arbeitnehmerverbände, das sind die berüchtigten.Korporationen". sind keine Gewerkschaften zur Verteidigung der Interessen der Arbeiter, sondern staatliche.Körperschäften, die von der Re- gierung abhängig sind. Mussolini hat eine achtprozentige Senkung der ohnedies standalos niedrigen Lohne befohlen, sie wrrd jetzt in der vorgetäuschten Form einer freien„Vereinbarung" mit den Arbeitgebern beschlossen, die angeblich dem„Duce" zur nachträglichen Genehmigung unterbreitet wird. Dieses abgekartete Spiel wird niemanden in der Welt, und am allerwenigsten in Italien selbst, täuschen. Sand in die Augen. Rom. ZS. November 5n Versolg der Preissenkungsaktion hat der Kammerausschuß heute eine zwölfprozentige Herabsetzung der Zl b g e o r d- netendiäten beschlossen. Der Vorsitzende des faschistischen Jnduftriellenverbandes hat beschlossen, alle Aktiengesellschaften aufzufordern, die Tantiemen der Vorsitzenden und Verwaltungsräte um 25 Prozent zu kürzen. Die Leiter der industriellen Unternehmungen haben ihrerseits eine zwölfprozentige Kürzung ihrer Gehälter beschlossen. Ab 1. Dezember werden die Eintrittspreise der Theater und Kinos um 111 Prozent ermäßigt. Ztöns Zahre wegen„Gesinnung". Faschistische Verbannungs- und Gefängnisurteile. Rom, 28. November.(Eigenbericht.) Der frühere liberale Minister B e l o t t i, dessen Verhaftung türzlich großes Aussehen erregte, ist jetzt von der Promnziql- kommission in Mailand zu fünf Jahren Verbannung ver- urteilt worden. Als Grund wird in einer offiziösen Mitteilung anti- faschistische Tätigkeit angegeben. Sie soll darin bestanden haben, daß Belotti in einem Briefwechsel mit dem früheren Premierminister Bonomi, der eine liberale Zeitschrist gründen wollte, aber aus sreiein Fuß belassen wurde, rückhaltlos fein« antifaschistische Ge sinnung geäußert hat. Der Prozeß, der gegen Belotti erwartet wurde uich manchen Ausschluß über die innere Politik Italiens hätte geben können, ist durch die Verbannung vermieden worden. Die gleiche Mailänder Kommission hat jetzt auch den früheren Oberbürgermeister von Mailand, Professor Belloni.,.. auf sunt Jahr» in die Verbannung geschickt Dieser„Faschist der ersten Stund?" konnte in dem bekannten Mailänder Skandalprozeß nicht den Be- weis widerlegen, daß er sich mit vielen Millionen Bestechungsgeldern während seiner Amtszeit bereichert hat. Man ließ ihm nocki viele Monate seine Freiheit und sein Geld. Jetzt scheint er aber so unbequem geworden zu sein, daß man ihn in die Verbannung schickte. Aus der Gerichtschronik ist ferner mitzuteilen, daß unter vielen Prozessen, die das Sondertribunal gegen Mitglieder der verbotenen kommunistischen Partei durchführte, am Frestag zwei Mitglieder sehr bekannter römischer Familien zu je ISJahren Gefängnis verurteilt wurden. Die beiden jungen Doktoren Rossi-Dvria und Sereni hatten von der Pariser Zentralstelle der Kommunisten den Auftrag übernommen, in Neapel eine kommunistische Partei ins Leben zu rufen. Das soll ihnen zum Teil gelungen sein. Das Merk- würdige ist, daß beide an einem landwirtschaftlichen faschistischen Institut lehrten und Jahre hindurch Studiengelder von der faschistischen Partei bezogen. Auch ihre Auslandsreisen wurden auf diese Art finanziert und ermöglicht. Die Sache mii den Ha5enkreuzbri?e.,-- sckllaa. Neuer Kala».* loa kollenirei. Möbel-Schraaer Berlin 31.. Kavanienolle« Kit», »ewäiirt bis 24'Monate Krebit bei lleinstcr Raten- »ahlung. Schlaf- »giimszeliinLi! !> mrerricm t Litt an« RZIimaschinen ftttl Berlitz School, Ha ushalt und Ee- Leip,ifterstrake>19. werbe. Zentrale:'Kursiirftendamm2ku. »immer, Mabaao»i.>Sl>chstestiakeZg. Ber»!?remde Sprachen. Birke. Eiche, ZSz.—: kaufsstellen: Lands» Zirkel:>2 Teilneb» SptifMimmet. Nutz- bergeiftratze 28, mer. monatlich 12 tbroße ffrankfurler- Mark, oierlellädrlich strabeZd.Warschauer- M Mark,»ahlbar in straße 2l. Rüdcrs- Raten. Eintritt>e- bäum. Eiche, 425,—: Serren»immer. 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November wurde durch das Alotorrettungsboot„Heinrich Stalling" der Rettungsstation Fedderwardersiel von dem Langlütjen- Sand(Wesermündung) gestrandeten Fischerboot 2 Menschen, am 10. November von dem Rettungsboot der Station Horumersiel an der Zademündung 5 Personen von dem aus Mellum gestrandeten ZNotorsischkutler„Diana" und am l4. November von der Ostsee- ftation Rossitlen 11 Personen des gestrandeten letlländischen Dampfers„Laimoas" durch den Raketenapparat der Station gerettet. ★ Wild braust der Novembersturm über See und Küste. Er fingt sein gewalliges Lied in den Hängen des Dünengürtels, preßt Strand- baser und Riedgros platt in den körnigen Sand, läßt mächtig die Erundsce über Sünden und Bänken wachsen und legt über den weißen Todesgürtel der Brandung einen dichten Schleier von Wosserstaub. Well hinein ins Land hinter den schützenden Deich dringt das Brüllen der Brandung. Das gibt Arbeit für die Retter in Seenot. Wehe dem Fischerfahrzeug, das Sturm und Strömung auf die Sände warf, das in den Bereich wildlaufender schwerer tIrundseen kam. HierhältkeinAnker. DieBrandungs- fee beginnt ihr vernichtendes Werk an Schiff und Menschen. Der Tod bereitet die Ernte vor.— Aber da sind sie, die ihre schwieligen Fischerfäuste, ihr Leben, in den Dienst des Ret- tungswerkes stellen. Immer ist die Rettungsmannschaft der Küsten- stationen bereit, hinauszugehen in Sturm und Brandung. Nicht klingender Lohn, nicht einmal besonder« Anerkennung winkt. Selbst- verständlich wie das Rettungswerk, bleibt auch seine Wertung. Nur zwischen den Zeilen der Berichte kann man lesen, was geleistet wurde und daß Männer ihr Leben immer und immer wieder ein- setzen in stiller Pflichterfüllung. Berichte über Nettungsfahrten. Der Bormann K. Jens von der Rettungsstation Neu selb an der Nordsee berichtet über die Bergung des deutschen Motor- sifcherfahrzeugs.Vili": „Um 12■ Uhr erhiell ich telephonisch die Nachricht, daß ein Fischerfahrzeug uillerhalb des Süderlochs an den Novder-Gründen in Seenot sei und Notsignal zeige. Ich lieh sofort das Rettungs- boot bemannen und fuhr mit 8 Mann Besatzung um 1214 Uhr von Station. Sobald ich freies Wasser hatte, setzten wir die Segel mit bei, es stand eine grob« See, unser Boot nahm Wasser, aber die Selbstentleerungsvorrichrungen konnten es überwältigen. Um 14 Uhr nxircn wir zur Unfallstelle, das Fahrzeug lag etwa 40 Meter vor den Hrfiiöjen' in der Brandung vor Anker, es arbeitete schwer und stnd�Motllr wo.rem unbrauchbar Mvvrde«» hatle scnttll bei ollsste�dem' Winb chnd Mwehe� /He» nichts frei- fowmen können und'ankernmiüssen. Ich'ließ die Segel vim'unserm Boot bergen und fuhr mit Motorkraft aus Rufnäh« an dos Wrack, an dessen pord war ein Mann, der völlig durchnäht und halb erstarrt am Pumpen war. um sein Schiff über Wasser zu halten. denn es.. ging um seiu Leben. Der Schiffbrüchig« bat uns, wir möchten doch auch sein Schiff bergen, er hatte nichts versichert. Z>a Sturm und See noch stärker wurden und auch schon Ebbe einsetzte, entschlossen wir uns kurz, einen Abschleppversuch zu machen. Es ging sowell alles gut, wir hallen in der schweren Grunds« bald Verbindung usw. Aber wie wir etwa 100 Meter das Fahrzeug von den Gründen frei hatten, brach der Schlepper. Ich wendete sofort wieder mit unserem Boot, um ans Wrack zu gelangen. Wie wir dwars S« liegen, gibts viel Wasser über. Unser Motor bleibt stehen und will nicht wieder anspringen. Durch tat- kräftiges Eingreifen der beiden Ersatzmonteure waren schnell trockene Reservekerzen eingeschaltet und der Motor lief wieder aufs beste. Fahren unter lee am Wrack, geben mittels einer Wurfleme unser Rettungstau über, sein Anker wird gelichtet, lasse nun unser Segel mit beisetzen, sind dann glücklich mit Mann und Wrack um 1614 Uhr auf Station, 17 Uhr Rettungsboot wieder seeklar im Schuppen: es hat sich in jeder Weise gut bewährt." Der Vormann Tiarks von der Rettungsstation Horumersiel berichtet am 10. November 1930: „Heute morgen%8 sah ich, daß aus Mellum-Rettungsbake die Flagg« gesetzt war. Die Rettungsbootsmannschaft wurde sofort alanniert. Wir segelten mll gerefften Segeln der Mellumplate zu und trafen dort gegen?L10 Uhr ein. Wir fanden dort den Segel- kutter„D i a n a" von hier, der am Sonnabend schon ausgefahren war, gestrandet vor, die Ankerketten waren gebrochen und der Kutter war in der Nacht aus die Plate geschlagen. Wir nahmen die aus 5 Mann bestehende Besatzung an Bord und segelten mit dicht gerefftem Segel über die Jade. Da Flutstrom lief, und wir dadurch. viel Abtrifft hatten, kamen wir bei Voßlapp-Leuchtturm nicht über die Jade. Wir kreuzten nun unter der Kante, weil daselbst nicht so viel Strom läuft, jadeabwärts und liefen gegen 4 Uhr in den Hafen. Unser Boot nahm ziemlich Wasser über, weil die See zienn lich grob stand. Gerettet sind Gebr. Mennen aus Horum, H. Gerkc» in St. Ioostes-Groden, H. Gruben von hier und B. Ehlers aus Rüstringen." In einer Novemberwoche wurden so von den Stationen 18 Per- sonen aus Seenot gerettet. Milch wieder teurer. Eine netie Preissenkung, die gerade eine Woche währie. Nachdem vor kaum 14 Tagen das Relchseraähruugs- Ministerium in langwierigen Verhandlungen mit den Vertretern des Nahrungsmittelhandels einige wenige Zugestand- niste, die preise zu senken, erreicht hotte, muh heute festgestellt werden, daß aus dem Lebensmittelmarkt die Preise für viele Nahrungsmittel steigende Tendenz zeigen. Die Milch, die in Berlin um 2 Pfennig gefallen war und 28 Pfennig kostet«, wird vom heutigen Sonnabend an wieder 30 Pfennig kosten. Der Derbaich des Berliner Milchhandels weist darauf hin, daß«r selbst keine neue Verteuerung der Ware vorgenommen habe, sondern daß die Produzenten, also die Landwirte, ihr« Verkaufspreis« von 17 auf 19 Pfennig he» aufgesetzt haben. Für Eier werden nickst nur in Berlin gegenwärtig Rekordpreise gezahlt. Wenn auch in jedem Winter ein« Preissteigerung für dieses wichtige Lebensmittel eingetreten ist, so haben doch in den voran- gegangenen Jahren die Preise niemals ein« solche Höhe erreicht wie jetzt. Für frische Trinkeier werden 24 bis 23 Pfennig gezahlt. Die billigeren Kisteneier, meist Auslandswarc, sind fast überhaupt nicht zu haben. Do frisch« Inlandeier im Sommer 13 bis 15 Pfen- nige kosteten, haben sich die Preise also jetzt nahezu um 100 Proz. erhöht. Ebenso verhüll es sich niit den Geflügelpreisen. Fast unmittel- bar nach der Senkung des Preises für Schweinefleisch und für See- fische zogen die Preis« für Geflügel leicht an. Im allgemeinen kosten Hühner in Berlin jetzt 5 bis 10 Pfennig pro Pfund mehr als noch vor einem Monat, und die geringere Ware, namentlich aber Ge- frierware, kommt fast überhaupt nicht auf den Markt. Di» Obstpreifochaben-ganz-erheblich-angezogen/ Der Obstlzandel behauptet,� daß- mcht"nur in-Deutschlanch'-sondern- auch in ganz Europa und sogar in Amerika- eine Mißernte. in Aepfeln und Birnen zu verzeichnen sei. Die geringen Vorräte, die noch vorhanden seien, würden von den Produzenten nur zu hohen Preisen abgegeben. Man darf nun gespannt sein, was dos Reichsernährungsministe- rium zu der skandalösen Erhöhung der Milchpreise sagt. Go verhindert man Preisabbau. Di« Siedlungsgesellschaft m.b.H.„Stadt und Land", Berlin W. 9, schreibt uns: Wir haben unseren Mietern billige Kohlen und billiges Brenn- holz dadurch verschafft, daß wir dem Kleinhandel sowohl den Trans- port erleichtert und verbilligt als auch durch die Zahlung unsererseits dos Risiko übernommen haben. Der Kleinhandel war einsichtig ge- nug, uns die gemachten Ersparnisse zugute kommen zu lassen, die wir dann wieder unseren Mietern durch billige Preise gutschrieben. Das aber paßte der Arbeitsgemeinschaft des Ber- liner Briketthandels nicht, die eine Klage gegen unsere liefernden Firmen einreichte. Folge: 500 Mk. Geldstrafe für das Verbrechen, den Preisabbau von der Rede in die Tat umgesetzt zu haben. Die Polizei will helfen. Der Polizeipräsident tellt mit« Um die Preis- senkungsoktion der Reichsregierung zu fördern, hat der Polizeipräsident angeordnet, daß ein höherer Beamter des Polizei- Präsidiums unter Freistellung von seinen bisherigen amtlichen Geschäften mit der besonderen Bearbeitung aller einschlägigen Fragen betraut wird. Als besondere Sachbearbeiter für alle Fragen der Preissenkung sind Oberregierungsrat Dr. Hey und Assessor Perger bestimmt worden. Oberregierungsrai Dr. Hey hat die Befugnis er halten, all« einschlägigen Fragen ohne Rücksicht auf Abteilungs- Zuständigkeiten selbständig zu bearbeiten. Zwiesprache im Radio. Vor dem Mikrophon der Deutschen Welle fand«in Zwiegespräch zwischen Frau Dr L ü d e r s und Dr Joachim Tiburtius, dem geschäftsführenden Vorstandsmitglied der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels und Mitglied des Reichswirtschaftsrats, über Lie-Fragc:„Senkung der Lebensmittelpreise" statt. Dr. Tiburtius erklärte, daß tnaycher Schaden auch durch das Fanfarenblasen'ätie gerschftt sef, wonach nun alles bMger werde Demgegenüber öfek aber auch Flaumacherei verwerflich. Vergleiche man 1929 mit 1930, so sei eine Verminderung'der Lebenshaltungskosten eingetreten. Das Vorurteil der Hausfrauen gehe dahin, daß doch nichts billiger ge- worden sei. Ein« wirkliche Preissenkung könne nur durch einen Abbau der Gesamtheit der Unkosten herbeigeführt werden. Niemals aber sei der Einzelhandel hierin für einen einseftigen Abbau der Löhn« eingetreten. Frau Dr. Lüders sagte, daß der Konsument in der Tat sehr wenig von der Preissenkung spüre. Vielleicht liege das aber auch daran, daß der Mensch von heute wenig mit dem Pfennig rechne. Besonders verstimmend seien die Unterschiede in den Stadtvierteln, wo die Hausfrauen Preisschwankungen bis zu IteEÄ 83]*** Bald war ein halbe Jahr um und der Spätsommer stand vor der Tür. Längst hatte Ludwig den Wechsel des Bierwirtes einge- löst und auch seinem Vater die dreihundert Mark zurück- gezahlt. Freilich ärgerten ihn die hundertfünfzig Mark Zinsen, die er dem Beizer hatte nachschmeißen müssen. Aber er verschmerzte sie, indem er an die ansehnliche Rücklage dachte, die er mit Hilfe des geliehenen Geldes hatte machen können. Sogar die Schulden beim Holzhändler waren abgedeckt. Seine kleine Meisterei stand jetzt auf soliden Füßen. Das merkte auch Maria, die alle seine Fortschritte mit wachsender Aufmerksamkeit verfolgt hatte, und jetzt alle Re- gister ihrer weiblichen Künste zog, um Ludwig zur baldigen Heirot zu bewegen. Doch er wollte noch nicht. „Warte noch ein halbes Jahr", sagte er,„bis ich bester fundiert bin. Heiraten kostet Geld und das Verheiratetsein ebenfalls. Meine Kaste kann so'nen Stoß heute noch nicht aushalten. Da muß sie erst kräftiger sein!" Maria ärgerte sich, daß ihr Lächeln anscheinend nicht mehr die alte Gewalt hatte. Sie schmollte, und als er eines Sonntags abends, der einzigen Zeit, wo er ausspannte, Liebe von ihr haben wollte, verweigerte sie sich Ihm Er hatte eine Heilandswut. Na, die Göhre sollte schon noch kusch werden, und wie zum Trotz stellte er etliche Tage später einen Gesellen an. der ihm von einem bekannten Metstsr empfohlen worden war. Landow, wie der Neue hieß, flott, fünfundzwanzigjährig. führte sich gut ein. Er verstand jedes seiner Worte, ohne daß Ludwig viele Erklärungen zu machen brauchte. Hand- werklich war er Ludwig überlegen. Er hatte eine Bomben- luhe. nichts konnte ibn in Aufregung bringen: dabei arbeitete rr aber wie ein Besessener. Bald schaffte Ludwig bedeutend mehr Arbeit heraus. Das Dickte sich auch finanziell aus und Ludwig war froh, endlich seinen langgehegten Wunsch, einen Gesellen zu halten, aus- geführt zu haben. Vater Eisermann wurde von da ab noch stolzer auf seinen Sohn. Jedem, mochte er's wissen oder nicht, erzählte er, daß sein Ludwig ein Patentkerl sei, ein Meister, wie ihn der Berliner Boden brauche. Hell, geweckt. Der würde es zu was bringen. Dank der unermüdlich bearbeiteten Reklametrommel des Alten wurde der Junge bald eine geachtete Persönlichkeit, nicht nur in der Gürtelstroße und im engeren Umkreis, son- dern auch in den benachbarten Vororten. Wo die Handwerksmeister seines Fachs, zu einem Glase Vier zusammenkamen, erzählten sie von Ludwigs raschem Austtieg, und als er gar kurze Zeit danach noch zwei Gesellen einstellte, kamen die kleineren Krauter aus dem Mundauf- reißen gar nicht mehr heraus. Was den Holzhändler anging, den vermöglichsten Mann im Viertel, so zog der, wenn er dem jungen Eisermann be- gegnete, nicht nur den Hut vor ihm, sondern machte auch eine schwungvolle Verbeugung. Er konnte sich das leisten: der Tischlermeister war in der letzten Zeit sein bester Kunde geworden. * Ludwigs Ruf wirkte sich aus. Bald brauchte er keinen Austrägen mehr nachzusteigen; man kam damit zu ihm ins Haus. Vor allein überschütteten ihn die Bauherren mit Arbeiten. In der Umgebung wuchsen die Miethäuser wie Pilze aus der Erde. Eine wahre Bauwut hatte alle Menschen erfaßt, die einige tausend Mark besaßen. Ganze Straßenzüge entstanden in den Vorstädten. Den Bauspekulanten blühte der Weizen wie noch nie. Auch Schwindelunternehmungen schössen hoch. Manche Handwerts- meister büßten dadurch Hab und Gut ein. Ludwig, als vorsichtiger Mensch, nahm nur solche Auf- träge an, wo er seines Geldes sicher war. Trotz seiner ver- hältnismäßig jungen Jahre war er doch nicht mehr der un- erfahrene Anfänger, der sich von der Größe eines Auftrags blenden ließ und darüber die sichere Kalkulationsgrundlage vergaß. Ein zweites Mal fiel er nicht auf einen Himmels- dach herein. Er war ein kühler überlegender Rechner geworden, der aus seiner Tätigkeit in der Werkstatt, noch mehr aber durch den Umgang mit Lieferanten und mit Meistern seines Faches, seine Erfahrungen schöpfte. Dadurch wuchs seine Sicherheit. Wirklich, er konnte sich sehen lassen. Es hatte schon seinen Grund, warum der Holzhändler, der reiche, den Buckel so krumm machte. Ludwig wurde eingebildet auf seinen Betrieb. Er nahm das schnelle Hochwachsen als ureigenstes Verdienst in Anspruch. Sein Kopf, seine Hände, seine Tüchtigkeit hatten das alles geschaffen. Wie stark die Umstände ihn begünstigten, daran dachte er nicht. Hätte ihm jemand gesagt:„Menschenskind, die Grund- lagen deines Erfolges hast du deinem Bater zu danken, der unter Einsatz seiner eigenen Existenz für dich eingesprungen ist, der sich für dich die Hacken abgelaufen hat!" so würde er darüber gelacht haben. Ludwig war noch sehr jung. Er sah in allem eben nur sich. Und dies, soviel steht fest, ist der hervorstechendste Charakterzug alles dessen, wasjung ist: sie sehen nur sich. Eines schönen Tages, Ludwig war eben von einem Bau heimgekommen und arbeitete in der Werkstatt, kam Himmels- dach, Schreibtische e-n xros. Der große stattliche Mann war elegant wie immer. An seinen wohlgepflegten Händen blitzten womöglich noch mehr Brillanten. Jovial trat er an Ludwig heran und gab ihm die Hand. „Guten Tag, Herr Eisermannl" Seine Stimme war süß Dieser Ton ärgerte Ludwig. Nicht wie Syrup kam er ihm vor, eher wie Fliegenleim. Na, soviel war sicher, er würde ihm nicht mehr draufgehen, er nicht! Kaum gab er Antwort. Himmelsbach schien seine saure Miene gar nicht zu sehen. Unbekümmert quatschte er darauf los: „Donnerwetter, Meister. Sie haben ja allerhand Arbeit, und den Bettieb voller Leute. Auch Maschinen, sieh mal einer an. Hätte ich gar nicht gedacht in so kurzer Zeit. Ja, wenn man fleißig ist.. Ludwig ärgerte sich über die Schmalzrederei. Grob fuhr er Himmelsbach an: „Natürlich, wenn ich Ihre Klamotten weiter gemacht hätte, säße ich heute nicht hier, sondern im Friedrichsberger Wassergraben bei den Pennbrüdern!" „Na, so schlimm, wie Sie da sprechen, ist es nicht, Meister Eisermann." „Das ist Tatsache, Herr Himmelsbach. Anderen, die dümmer waren als ich, wird es bei Ihnen wohl so ergangen sein!"(Fortsetzung folgt.). 100 und 200 Prozent bemerkten. Zudem fürchte dte chausfrou, daß Preissenkungen auf Kosten der Qualität gehen könnten. Zu wünschen sei eine übersichtliche vergleichend« Bekanntgab« der Preise von Woche zu Woche, bei der man di« unverständliche Indexängabe vermeide. Bewag senkt die Strompreise Ein neuer Kieingewerbe-Krasttarif. 3n der Aufsichlsratssihung der Berliner S l S d t i- [che Elektrizitätswerke wurde nach eingehender Beratung der Beschluß gesaßt, einen klein- gewerbe-krasttarif einzuführen, wodurch sich für Biederspannungskrastabnehmer eine erhebliche Strom- Preisermäßigung ergibt. Die Preissenkung bewegt sich für die einzelnen Abnehmer je nach den Abnahmeverhält- nifsen zwischen S Prozent und 30 Prozent. Der Aufsichtsrat geht bei seiner Beschlußfassung von dem Ge> danken aus, in erster Linie den Strom für Kleingewerbe- treibend« zu verbilligen, damit diese in die Lage vor» seht werden, auf Grund der Senkung ihrer Produktionskosten ihr« eigenen Fabrikate zu verbilligen. Weiterhin wurde der bestehende Nachtstromspeichertarif umgestaltet. Beide Tarife werden auf Antrag der Abnehmer erstmalig für den nach der Januar- ablesung erfolgenden Stromverbrauch angewandt. Diese Beschlüsse wurden gefaßt, obwohl sich durch die Kohlen- Preissenkung und andere Wirtschaftsmaßnahmen bisher für die Bewag noch keine Verringerung ihrer Unkosten ergeben hat. Der für die Fragen der Strompreissenkung bestehende Ausschuß wird sofort prüfen, ob weitere Senkungen der Strompreise durch Verringerung der Ausgaben, insbesondere auch beim Strom- cinkauf, zu erzielen sind. Nedakieur wider Willen. So geht es bei Pen Berliner Kommunisten ,o. lOegcn Aufforderung zu Gewalttätigkelten war der kam- munistische Reichstagsabgeordnete Wilhelm Repschläger vor dem Schössengericht Berlin-Mitte angeklagt. Im November 1929 hatte die Kommunistisch« Partei zu den Stadtoerordnetenwahlen eine Flugschrift„Die rote Kommune' herausgegeben. Darin befand sich ein Artikel„Tod dem Fa- s ch i s m u s*. Dieser Artikel enthielt den Satz:„Die Kommunistische Partei hat die Parole ausgegeben:„Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft.' Der Angeklagte erklärte, daß er von Berus Zimmerer sei und noch n i e Redakteur gewesen wäre. Er habe mit dieser Flugschrift nichts zu tun gehabt. Sein Name als ver- antwortlicher Redakteur sei von Parteifreunden ohne sein W i s s e n benutzt worden. Er habe von dem Artikel erst Kenntnis erhalten, als im Reichstag der Antrag auf Aufhebung der Immunität gestellt wurde. Zwei Zeugen bestätigen diese An- gaben. Die Flugschrift sei von einer Kommission von Arbeitern zusammengestellt worden, von denen sich niemand bloßstellen wollte. Deshalb habe man den Namen Repschlägers daruntergesetzt, ohne ihn erst zu fragen. Auf Grund dieses Tatbestandes muhte das Gericht den Ange- klagten freisprechen. rno'.v.;•'-?.... Aaiionalsozialistische Studenten wollen Krieg. Die nationalistische„Allgemeine Studentenschaft' veranstaltete gestern mittag eine„Kundgebung gegen den pol- irischen Terror" auf dem Hegelplatz Himer der Berliner Uni- vcrsität. Es wurden Brandreden zum Krieg gegen Polen ge- schwungen, in denen man sich merkwürdigerweise auf die„heiligen Menschenrechte' berief. Eine Entschließung verlangt von der Reichsregicrung und dem Reichspräsidenten einen Appell an alle Kulturnationen gegen die Unterdrückung der deutschen Minderheit in Polen zu richten. Dieser Appell ist von der Reichsvegierung längst erhoben worden, ohne daß di« Studenten sie dazu auffordern muhten. Zu Zusammenstößen kam es bei der Kundgebung nicht. «-Hungerkünstler" Hai ausgehungert. In seiner Wohnung in Treptow, Defreggerstraße 20. beging Dr. Adolf Glücksmann, Hungerkünstler a. D., aus Not Selbst- mord durchBergiften. Ein armer Teufel, der den letzten Ausweg wählte. Vom Kommen und Gehen solch trauriger Existenzen erfährt die Oesfentlichkeit eigentlich selten oder nie, es sei denn, daß der Verzweifelt« schon vorher für sein Elend die Trommel ge- rührt hätte. Unter dem„Künstlernamen"„Ventego" hatte Glücks- mann seinerzeit sür kleines und kleinstes Entgelt öffentlich zeigen wollen, wie weit man den Hungerriemen zuschnallen kann: aber da man seinen Kollegen der gleichen Fakultät nachweisen konnte, daß sie sich trotzdem sattgegessen hatten, und weil diese„Kunst" über- Haupt allzusehr auf dem Boden der traurigen Wirklichkeit stand, so tonnte dieses Handwerk seinen Mann nicht ernähren. Später fristete Glücksmann als Rechtskonsulent und Schriftsteller sein Dasein. Dann starb ihm di« Frau, er hauste allein— bis ihm das Gift die Erlösung brachte. Granate explodiert im Alteisenwagen. In Z e h l e n d o r f, in der Riemeisterstraß«, ereignete sich gestern nachmittag ein seltsamer Unfall. Der Lljährige Produkten- Händler Albert Saß aus der Pfalzburger Straße SS hatte in einige» Privathaushalten Alteisen ausgekauft. Unter den, Alteisen befand sich auch eine Gewehrgranate. Als der Mann das Eisen auf seinen Wagen schütten wollte. explodiertedieCra- nate plötzlich und der Händler wurde schwer verletzt. Er fand im Zehlendorfer Hindonburgkrantenhaus Aufnahme. Es tonnte bisher noch nicht festgestellt werden, wer der Verkäufer der Granate p)chlende Warnuagszeichen„schule". Der Elternbeirat der XII. Volksschule B«rlin-T«m- , p e 1 h o f ersucht, an den Gefahrenstellen am Zähringer Korso und am A d o 1 s- S ch e i d t- P 1 a tz zum mindesten in den Stunden von'-�8 bi» 14 Uhr Verkehrsposten aufzustellen. Weiter- hin wird mit Nachdruck gefordert, daß mit Beschleunigung, wie an fast allen Schulen im übrigen Berlin, Schutzschilder mit der Ausschrift „S chw 1 e" angebracht werde«. Piellcicht ist dem Polizeipräsidium die starke Verkehrszunahm« im neue» Tempelhof nicht bekannt, die schon zu mehreren Unfällen geführt hat. Es ist kaum zu zweisein, daß dem Wunsche der besorgten Eltern sehr bald nachgekommen wird. Lleberraschung im Irenzel-Prozeß. Staatsanwalt beantragt, Strafe um vier Monate herabzusehen. Am Schluß der Anklagerede des Slaalsanwalts Dr. Slarzard, der mehrere Stunden lang unler Ausschluß der Presse plädierte, gab es Insosern eine lleberraschung. als er unter Berücksichtigung der Tatsache, daß der 8 176 StGB.(Gewaltanwendung) fallen- gelassen worden war. selbst für eine mildere Best rasung des Angeklagten Arenzel eintrat. Er beantragte nämlich, die Berufung des Angeklagten auf dessen kosten zu verwerfen mit der Maßgabe, daß die Strafe, die in der ersten Instanz 1 Jahr 6 Monate Zucht- Haus betragen Halle, um vier Monate reduziert werde. Rechtsanwalt Dr. Blumenhein ergriff dann das Wort zur Replik, um die Hauptargumente des Staatsanwalts bezüglich der Schuldfrage zu widerlegen, wobei er nochmals, gestützt auf die Gutachten der Sachverständigen Cramer, Sanitätsrat Leppmann und Dr. Marcus« auf die Unglaubwürdigkeit Gertruds hinwies und warnte, sich durch den Gesichtseindruck und Religiösität irgendwie täuschen zu lassen. Besonders machte er dem Staatsanwalt den Vorwurf, daß er die Aussage einer Zeugin W. falsch widergegeben habe. Hier hatte Dr. Stargard nämlich behauptet, daß Hildegard Frenze! der Zeugin gegenüber ihren Vater beschuldigt habe. Auf Antrag von Rechtsanwalt Dr. Blumenhein wurde nochmals in die Beweisaufnahme eingetreten und diese Zeugin er- neut vernommen, wobei sich ergab, daß sie die angeblichen Be- schuldigungen Frenze!» nicht von Hilde direkt, sondern lediglich von dritter Seite, also vom Hörensagen, erfahren habe. Die Verhand- lung wurde dann schließtich auf Sonnabend früh 10 Uhr oertagt, wo Rechtsanwalt Dr. Brandt replizieren und Staatsanwaltschafts- rat Dr. Stargard die Duplik halten wird Außerdem wird das Gericht das letzte Wort des Angeklagten Frenzel entgegennehmen. Das Urteil wird am Montag verkündet werden. Sirafanträge im Spriifchmuggelprozeß 9 Jahre Gefängnis und 2 MM. M. Geldstrafe beantragt. Der große Spritschmuggelprozeß. der seit fast zwei Wochen das Schöffengericht Berlin Wedding unter Vorsitz von Landgerichtsdirettor Böhmer beschäftigt, wird ein schnelleres End« finden, als es zuerst angenommen wurde. Wider Erwarten wurde bereits gestern die Beweisaufnahme geschlossen. Es handelt sich in diesem Prozeß bekanntlich um die Schmuggelfahrten des Motorbootes„I n g t" und des Kutters„Pelikan", die auf 14 verschiedenen Fahrten Sprit von der Ostsee aus nach Deutschland eingeschmuggelt hatten. Staats- anwaltschaftsrat Hcrf wies in längerer Ausführung die B c t e i l i- gung von 13 Angeklagten an diesen unlauteren Geschäften nach. Er beantragte gegen sie insgesamt ungefähr neun Jahre Gefängnis und zwei Millionen Mark Geld st rase wegen Vergehens gegen mehrere Paragraphen des Bereinszollgesetzes und der Reichsabgabenovdnung. Im einzelnen beantragte der Staatsanwalt, der die Freisprechung der übrigen drei Angeklagten forderte, gegen den Besitzer des Schisfes „Inge", Ingenieur Bauer, ein Jahr sechs Monate Gefängnis und 400 000 Vtark Geldstrafe, gegen die Brüder Kommerzienrat Karl und Otto Lindeman», die die Schmuggelfahrten finanziert hatten, eben- falls je ein Jahr sechs Monate Gefängnis uird je 200 000 Mark Geld- strafe. Gegen Zabel ein Jahr zwei Monate Gefängnis und 400 000 Mark Geldstrafe und gegen Rößler fünf Monate Gefängnis und 260000 Mark Geldstrafe, gegen die übrigen Angeklagten wurden Frecheitsstrafen von sechs Wochen bis zu acht Monaten Gefängnis und Geldstrafen von 30 000 bis zu 150 000 Mark beantragt. Der Staatsanwalt beantragte außerdem gegen dleBrüderLinde» mann je drei Jahre Ehrverlust und einen neuen Haftbefehl. Gegen diese beiden Angeklagten, di« vor längerer Zeit von dem Landgericht I wegen betrügerischer Kurstreiberei ihrer Brandenburgischen Holzindustrieaktten rechtskräftig zu hohen Strafen verurteilt worden sind, sollen Gesamtstrafen gebildet werden. Dem Sohn des Ingenieurs Bauer, der seinem Dater als löjährlger Schiffsjunge bei den Schmuggelfahrten geholfen hatte, soll für sein« Strafe von drei Monaten Gefängnis Bewährungsfrist zugebilligt werden. Reben diesen Anträgen forderte der Staatsanwalt außerdem die Einziehung des Motorbootes„Inge", des Autos der Brüder Linde- mann, das auch teilweise zum Transport von Sprit benutzt worden war, und des gesamten beschlagnahmten Sprit«, der in den Tanks der„Inge" und an verschiedenen Orten in Fäsiern gefunden worden war. Das Urteil wird in der nächste» Woche gesprochen werden. Straßenbahnunglück in Ostitalien. 4 Menschen getötet, 49 Verlebte. Macerala(Marken, Italien), 23. November. Der Triebwagen der elektrischen Straßenbahn Eamerlno— Castelraimondo entgleiste und stürzte um. Der Wagenführer kam ums Leben, drei Fahrgäste wurden verletzt. Ein hilsswagen, der herbeieilte, entgleiste an derselben Stelle. Drei Personen wurden gelötet, sechzehn verletzt. Macrala ist die Hauptstadt der gleichnamige» italienischen Pro- vinz am Adrwtischen Meer. Der deutsch klingende Name Marken (March«) stammt aus der Zeit der 5)ohenstaufen, also aus dem 12. und 13. Jahrhundert._ Rundfunk-Morgenfeier des Arbeiier-Kulturkartetts Am S ö n n t a g, d e m 3 0. November, 11 Uhr, veranstaltet das Arbeiter-Kulturtactell im Berliner Rundfunk eine Morgenfeier unter dem Titel Helden der Arbeit. Das Programm enthält: „Das ist der Arbeiter' von Kurt Kläber: Borfpriich, gesprochen von Albert Florath.„Gesang der Völker"(Kurt Eisner) von Albert Gnggenbühler: Lendvai-�hor, Mitglied des Arbeiter-Sönder-Bundes, Dirigent: Georg Oskar Schumann.„UnaezähO? Hände sind bereit" von Karl Bröger.„Der Tod im Schacht von Gerrit Engelke: zwei Dichtungen, gesprochen von Jtllbert Florath.„Unsterbliche Opfer". Trauermarsch von Hermann Scherchen: Lendvai-Chor.„Klirr, Sense, ksirr"(Bruno Schönlank) von Erwin Lendvai; Lendvai-Chor. „Werkgemcinschast" von Christoph Wieprecht: Dichtung, gesprochen von Albert Florath.„Lied der Kohlenhäuer" von Gerrit Engelke: �______ r.... c."... co__ r. x �: f-f.. cy-.t rx..„ s.. O-Ji. Clnfcnbunacn für Mtfc Rubrik sind «erli» S»«. Lindrusir-ß« S. parteinachnchten�M� fürGroß-Berlin st-t, au da, Brzirk.fekrrtarin« „ Hof, i Treppen recht». ,u richte». 7. Krci» Sharlottenburp und Spandau. Juristisch« Sprechstunde findet am Sonnabend, 29. November, von 17 bis 18 Ustc, im Jugendheim Sfnsinen. strafte i, statt. Seicgenheit zum«irchenauatriit!_ irrri n lältiiiitrTMrriiyr'riffliJ1 tiriiiiiuhuuuiUi' Sonne"_ WW Arbeit und die 21 rb elter hält Felix Stöffinger. Deutscher Gemeindebeamtentag. Am Sonntag wird in Berlin im Zirlus Busch«in bedeutsamer Arbeitnehmerkongreß zusammentreten. Di- Delegierten des Reichsbundes der deutschen Konimunalbeamteit und»angestellten, der insgesamt rund 200 000 Mitglieder umsaßt, werden zu dem Entwurf eines neuen Besoldungssperr- gesetzes der Reichsregierung Stellung nehmen. Bvn der Leitung des Roichsbundes wird die Begründung der Reichsregierung als unHalt- bar bezeichnet. Auf der Tagung sollen alle im Augenblick für die Beamtenschaft Im Mittelpunkt des Interesses stehenden Fragen ein- gehend behandelt werden. Wetleraussichten sür Berlin. Beständiges Wetter, Temperaturen im ganzen etwas niedriger, südöstliche Winde. Für Deutschland. Nirgends wesentliche Wetteroeränderung, im nordöstlichen Deutsch- land stellenweise leichter Nachtfrost. Der Offenbach-Zyklus bringt nun di« große Operette„D i e Schwätzerin von Saragossa". Wieder ist ein alter Text von dem Wiener Schriftsteller Karl Kraus entstaubt worden, und das Merk glänzt wie neu. Schon die Ouvertüre, wenn sie auch nicht mit dem Tempo des„Orpheus' aufwarten kann, ist von bezaubern- dem Leben. Zwei Themen stellen sich gegenüber, der Ausbau der fron.zösifchen Ouvertüre bleibt gewahrt, aber innerhalb des gegebenen Schemas entwickelt sich eine köstliche Füll« von Einfällen, umerftützt durch eine virtuose Technik der Instrumentation. Dann beginnt der erste Akt mit dem obligaten Chor, es folgen Ehansons, Arie und Duett. Niemals wird die einmal gsschafsene Form durchbrochen, doch diese Form ist von sprühendein Leben, von perlenden Melodien erfüllt. Pieles bleibt beste Spieloper, wie etwa das Duett und das Finale des ersten Altes. Der Text, spielerisch und durchaus nicht originell an sich, ist von Kraus mit Hinblick auf diese Musik bearbeitet worden, er stellt Typen heraus, bekannt aus den alten Komödien und Lustspielen, doch die Musik erwächst organisch aus den Vorgängen. Das Ganze ist ein quirlender Witz, eine lächelnde Unterhaltung, geschrieben von einem der einfallsreichsten und glän- zsndsten Köpfe, der dazu ein genialer Musiker war. Die Auf- führung der Berliner Funkstunde war ausgezeichnet.?. Leb. 1«.«reis zchlendoif»»d 12.«rei, Sie«»». Mor-I'n,»-»»tan. H'.i Ahr,>>era»sl»lt«n Partei und«rb-iterjuflcn» ein? zcie-stimd- in dem HInd-llburql'chtspieltb-atc? Lichterfclde, Sipdenburqdamw Z»-. Rit- »irkeude- Rezitationen. Lickithilder..Politifch« Repue-, Strelch-rckeftr- »»Z.»raft.Pertia, Zilm,«»sprachen p-r S«»»sie» Dr.«arf Schräder und Bruno Rehdarf,«arten zu tä Pf. bei de» Bezirksführer»»nb«» Saaleinpan, zu habe». heute. Sonnabend. 29. November: | M P ■ 63 [M H 13.«W. Die Bezlrk»f>threr werden verpflichtet,»fchtiaes Material.. 01* �« Nuüdaebung am Mpntaa aus dir„Vorv>avcn«r W Etr. 18. ad zuHalen, m 23.«bt. Heute, 20 Uhr, Im Moabit«- Schüftenhau«, Rordufer 28, i-1 -rofter Saal, geftveranstaltunit:„Die Iupend ehrt die Alten". Streich. W orchrfter der SAZ. Zahneneinmarlch. R«»»e der Znfleud. Anfchlteftend(?) zwanglose» Peisammenseia mit Tauz. »2. Abt. NeuISsin. Bezirk.«. ä« und«0. Um 30 Uhr findet im Lokal«änm. Wildenbruch. IM- W-s-rsirafte ein Bunter Abend:„«».Berliner Humor" statt. Alle Milsilieder sind herzlichst eingeladen und werden gebeten svm. vathisicrende Gaste einzuladen.„.,_.„. III.«bt. B»dn»d»rs. I9>.Z Uhr chunktionärpcrsammlung im Lokal Bant Set- man», Walterodorfcr S>r. lW>. Partelgenosien. bitte bestimmt kominen. Ortsvcrein Schul, endors.»reis Teliow. Oesfentliche Bersanimliing um 20 Uh- tm Lokal S. Graiiman», N«»schiil«»dorf. Bedner: Landiagsabaeordnetcr Genosse Krüger. Thema:„Kampf den sscindcn der Arbeiterklasse", chreie Aussprach«. Morgen, Sonnlag, Z0. November: «2. Abt. Reukäll». Gang durch die Stadion- und Bolfapartanlogen unter fflthrung des K-noss-n Stadtrat Schneider. Trekfpnnkt Eingang Eitln- meftstrafte um 10 Uhr....... 108. Abt. Köpenick. Die Besschtigun« der Dorotheenschuic findet Nicht heute. sondern am Sonntag, dem 7. Dezember, 11 Uhr. statt. Di« Genossinnen und Genossen beteilig«» sich restlos an der antifaschistischen Kundgebung. Treffpunkt 1t Uhr Alte Mrsteiiwaider Strafte. 109.«bt.?!«iedrich,hag«n. Wir beteiliaen UNS an der antifakchistlschen«reis. «Iindgcdung in Köpenick. Treffen ISVi Uhr Bahnhof fsriedrichohagen. III. Abt. Bahn-dorf. Kundgebung argen den sZcichisinus, Treffpiinki fttr Bohnsdorf in Köpenick, Köllnischer Plaft, 1SZH Uhr. Zlrbeilsgemeinschafl der kinderfreunde Groß-LerUn. «pel» Reutöll». Helserkrei». Wir beteiligen u»o alle a» dem Wockienend- kursus der EAI. in Brieielang, Kulturpolitischer»urfu« mit Minister Grimme. Treffen heut«, 20 Uhr, am Bahnhof Neukölln. Nachzügler inorgc», Sonntag. 7 Uhr Bahnhof Neukölln.— Gruppe Kritz Reute». Eanntag Restfalienfahrt. Treffpunkt 8 Uhr Buschkrug, 10 Pf. Ortserlippe Köpenick. Alle Ilingsalkcn und Rote» ssalkcn beteiligen üch an der öffentlichen Kundgebung am Sonntag um 1Z'4 Uhr pünktlich vor dem Jugendheim. Krei» Ehaalottcnburg. Iungkalkcn I und II. Wir treffen»na znr Tahrk am Sonntag um 8 Uhr am Wühclmplaft. Perpflegung und Z0 Pf. mitbringen. Bei Aegenivetter füllt die ssahrt aus. Dafür Bestchtignnq de» Naiurknnde. museums. Treffpunlt 10 Uhr Wilhelmplaft. 80 Pf. ssahrgcld mitbrinaen. Note Falken Nord und Süd. Wir trrffen»n» zur Fahrt am Sonntag um 8 Uhr am Wilhelmplaft. Perpflegung und 80 Pf. mitbringen. Gruppe Friedrichshaiu. Nestsaiken. Die angcfeftle Fahrt nach Brieiclanq füllt an«. Dafür treffen stch alle Neftfaiicn am Sonntag UM 8 Uhr a» ihrem Sruppensammelplaft zur Fahrt nach dem Srunowaid. Kosten 20 Bf. Role Falken und Fungfalkcn treffen stch zur Schniftelfahrt tolgcndermaften: Jung» falkcn 7', o Uhr an den Sainmelpläfte», 8 Uhr Schlestfchcr Bahnhof: Rot« Falken 8 Uhr an den Eammelplüften, 8ZH Uhr am Echlestschen Bahnhof, kosten 20 Pf. Ende 17 Uhr. Grupve Pankow. Nestfalken! Fahrt am morgigen Sonntag nach Spandau. Treffpunkt Uhr Pank-w.Schönhauieit. Essen und Getränke mitbringe». Fahrgeld SO Pf. Wir treffen uns mit der Gruppe Tiergarten Putliftstrafte. 17Zz Uhr Heimkunft. Geburlslage. Jubiläen usw. 2l Abt. Unserem liebe« Genossen August Ehrhardt»» feiuOm»jährige» Parteiiubiläum die herzlichste« Gi< wünsch». 25. Abt. Unirrern Genossen Wiloetm Werner zum Parteilobilänrn die b«rz. lichsten Glückwünsche. Möge er noch lange Jahre in körperlicher nnd geistig« Frisch- Wr di, Partei wirken und iämpseu können. 89. Abt. Wilmercdors. Unser««»osse Ehrtstian Müller. Uhlaudstr. lZI, feiert heute seinen 70. Seburtitgg. Wir gratulieren ihm herzlichst und wünschen ihm«ach viele gesunde e-benrj-hr« zum Wehl- der Partei. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei« Organisation 1• Mnfer« langtährige Genossin Frieda Fhb«. Ufedomstr. 88. ist nach lanair Aranrheit verstorben. Ehr« ihrem Andenken. Einäscherung hrutr, 18fz Uhr, im Krematorium Gerlchtstraft«. Wir bitten uni rege Beteiligung, da 0 führt ab, es wirkt sehr milde, versuch es, und Du bist im Bilde Antfifciscliistfische Kundgebungen 2. Kreis Tiergarten./ 7. Kreis Charlottenburg. Am Montag, dfm 1. Dezember, 20 Uhr, im Tiergnrtenhof. am Bhf. Tiergarten. Referent: Siegfried AufhSuser, M.d.R. 16. Kreis Köpenick./ Am Sonntag, dem 30 November, nachmittags IS'/aUhr, auf dem Wilhelmplatx in Köpenick. Ansprache: Carl Litke, M.d.R./ Gemeinsamer Treffpunkt sum Umzug 14 Uhr Stadtpark Köpenick. FürsfenwalderStr. Treffpunkt für Friedriduhagen und Rahnsdorf: Bahnhof Friedrichshagen. Abmarsch 1Z'/« Uhr zum gemeinsamen Treffpunkt./ Treffpunkt für Bohnsdorf, Grünau und Schmödcwifz: Köpenick, Köllnischer Platz. 13 Va Uhr Abmarsch zum gemeinsamen Treffpunkt. SBrsciieixii in I*la$senf Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Mosncdunc-n wr dies« Ziudrsl nur«» d«s z-aodsetret«!» __ Ztofki©ät 88. Xindtnürofi« S SUcirf-otciKft« 18 Uhr Probe uicb Teifnabvc« an her Beran- ftcümra bcs fflcrbcbcjitls Webdin« im Moobiier SchUhenhaus, Plöfirnsr«, Nordufer 28. P-rhgendenIoufer«»« Mittwoch, isla Uhr. Porckür. II. heule, Sonnabend, 29. Ttooembn: Pal!«»: Beiichtiaunq des.Vorwärts". Treffpunkt 18 Uhr vor dem»Vor. wäris'.Kou«.— Kalles ch», Tor: 18H Uhr»Rote Ecke". Besuch der Erupp« Zlott- busser Tor.— Reutölln lt Treffpunkt üunt Wochenendkurfu» 17 Uhr Reuter. platc. Rachsllaier 17>4 und 20 Uhr Vahnhot Netckölln.—«entöl» IX: Treff- Punkt �um Wocheicendkursu» 18?« Uhr Selchower Straße.— Arnowatder M-d Ii: 18 Ubr ssunktionLrverfämmluna bei Grete Seitan. Grellftr. 17.— Aöpentckee Viertel: Morgen Treffpunkt mr Fahrt 8 Uhr Schlei! scher Bahnhof. Werbebeziri Prenzlauer Berg: Keim Danziger Straße, Baracken. Aussprache über:.Die politisch« Lage". Die Wanderleiterfahrt fällt hegen Beteiligung am sr.'Ech-Kursus aus. Morgen, v Uhr. ffunitionärschulunqotursus im Altersheim, «erbebezirk Wehding: Beteiligung an der Parteioeranftaftung her 28. Abteilung im Nloabiier Schühenhaus. Alle Gruppen nehmen mit W Fahnen teil. Der Badeabend fällt aus. Sämillche Genossen sind um W ISln Uhr im Schiitienhaus. H Werbe bezirk«eulölln: Wochendkursu« in Brieselang. Minister--l Grimme spricht. Treffpunkt des Werbebezirks IV.i und 30 Ubr Bahnhof ßlf Neukölln. Tonntaa 7 Uhr edendort. si? Werbebezirk Müggeliee: Antifaschistische Kundgebung mit der Parfe! K morgen, 14 Uhr. Eiadlpark Köpenick. Ecke Bahnhos. und Filrsienwolder K Straße. All« Gruppen nehmen goschlosien daran teil. Werbedezirk Krenzberg: Die Autoaqlwtionssahrt fällt aus. Werbabezirl Prenzlauer Berg: 11 Uhr wichliz« Borsthendenkonfepen, in den Baracken. Iglä Uhr Werbedezirksmiigliederveriammluna in den Baracken. Erich uindsiädt spricht über:..Unsere Aufgaben in her auaenblicklichen Situation". Werbebezirk Temprihof: Dvrstanbssitcung 18� Ubr in Tempelhof, S«!m Göhslraße. Ig'h Uhr edendort Mifgliederversammlung. Alle Genossen müssen erscheinen. Morgen, Sonnlag. Funktionärschulungskurse: Themen: Unsere Organisation/ werbebezirks- und Vlldungsarbeil. Werbebezirko Wrddina nah Reinickendorf: 10 Uhr Schulaula Gofenburger Eirasie 2. Referent: Erich Lindsiädt. Terbebczirl Prenzlauer Berg und Pankow! 9 Uhr Leim Danziger Sir. 62. Refereni: Edith Boumann. Werbedezirk Lichkentera: Eonnobead und Sonnfaa Jugendherberge RUders» dorf. Referent: Frih üist. Treffpunkt Sonnabend. 17 Ubr. Bahnhof Stralau- Rummelsburq. Smgang Sonniagsirahe. Nachgvqler A Uhr ebendort.!lnstru- menke mitdringen. * Werbe bezirk Pankow: 12>4 Uhr Antreten des Bezirks am Marktplaß. Fahnen und Transparente mitbringen. Erscheinen unbedingt« Pflicht. Werbedezirk Zrltowkanai: Werbefeier»nh Srerfhtnde. Sindenbnrgüchi. spiele, Lichierselde. Sinhenburgdamm 5>8a. Aus dem Programm: Streiätarchesier, Reziialion�Sprechchor, Lichtbilder, Film usw. Ansprache des Genossen Dr. Karl eginn lOlü Uhr. Eniriti 4ö Pf. Anschließend Auiopropvgondafahri. Ryilatiotv Schröder. B Vorkrage, Vereine undVersammlungen. G Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". Geschäfts stelle:»erlin s 14. Sebastlanstr 87-88. Lot 2. St Eauoorstand. Sonntag. 30. Rooember, 9 Uhr. sämtlich« Schiedsrichter Spariplah Rehberge.— Sonnabend, 2«. Rooember. Fried- richshaia. Kameradschaft Warfchan. Unser Kamerad Ernst Gehlsdorf ist plödlich verstorben. Di« Einäscherung findet am Sonnabend, dem 29. Rooember. 191, Uhr. im Krematorium Baumlchulenwea statt.— Sonntag. 3».«ooember. Kreis Osten. Der für Sonntag angefehle Ausmarsch findet erst am 7. Dezember statt. Kreis Westen. Abmarsch ISii Uhr vom Bahnbof Eharloilenburg(Stutt- garter Plah). Tiergarten. Kameradlchoft Moabii 12% Ubr Antreten Bahnbof Bellebiie. uameradschaft Westen I2?i Ubr bei Rickeri. Nachzügler IZlu Uhr Bah». los Ehorlottenburg. Eharlotteadicrg(Ortsverein). 18 Uhr zum Aufmarsch in Ehariottenburg, Bahnhof Eharlottenburq iStuitgarter Plahl. Spandau lOri«. verein). 12>,u Ubr Pflichtonireten Bahnhos Spandau-Mst. Splelleut« zur Stelle. Ohne Fahnen. Steglitz(Orisvereln). II'/, Ubr Antreten Düvpelplatz zum Kreis- aufmarsch in Ehariottenburg Ohne Fahnen. Nachzügler Illlß Uhr Stutigarier Platz. Bahnhof Eharloilenburg.— Montag. 1. Dezember. Tiergarten sOrts- verein). Antreten 19 Uhr Kl. Tiergarten zun: Saalschutz. Wedding. 20 Uhr Trrffpunit der 2. und 8. Äameradschasi in der Turnhalle eboienburger Sir. 2 in stivil. Fusammenstelluna der neuen Formaiionen.— Friedrichshai». Jung- hanner. Montag 1. Dezember. 19'4 Uhr. Iugeichversommlung im Fugendheim, Frankfurter Alle« 807, Feietrich-Eterl-Fimmee. All« imben zu erscheinen.— Scntpclhof lOrisoerein). Montag, 1. Dezember, 19?i Uhr. Albrechi- Ecke Ber- liner Straße. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag. 11 Uhr, Pappefallee 16. Borlrag des Serrn Dr. K. Sturm: Eoüers Ulenfpiegel„Das Freiihi-itsbuch der Flamen". Sarmonium: 3w«i niederländisch« Voltslieder. Säst« willkommen. Em Arsenal der Fertigkleidung. Alls Fahre zwelmaf blättert man den neuen Leineweberkataloa durch, und doch staunt Man immer wieder Uber die unendliche Mannigfaltigteit dessen, wa« ein modernes Spezialgeschäft so zwischen vier Mauern unter einem Dache zu bieten hat! Der Frack- und der tänze- risch beschwingt- Emoking-Serr kühren den modischen Aufmarsch de» Buches. 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S>/, Uhr. ß S Bart. 8286 Tägl.l— 6 M.— Naehm. halbe Preise. morsen letzter rag! RasteIH"�Jong.-rc-4"" Matray-Ballett, cÄe«°!: PLAZA Tägl. 5u.815 Sonnt. Z.Su.B« Alsx. E 4 8068 I. Vorstellung 80 Pf. bis 1 M. II. und III. Vorst. 1 bis• M. morgen letzter ragt Raubtferschstu Trubh*. SlogiDg Bables, Kohlbrandl und wettere 9 Attraktionen " � CASINO-TBEATEH 8V*U1" Lothringer Strafe 37. Nur noch bis 30. November Arm wie eine KirGhenmans und das erstklassige bunte Programm Am I. Dezember zum ersten Male; Der keufdie Lebemann Gutschein 1—4 Pers. Fauleuil 1,28 M., Sessel 1.75 M.— Sonstige Preise Rang 60, Parkett 78 Pfg. ROSE -Theater Qr. Frunkfurter StraBs 132 Blllottkssss: Alex 3422 0.349-1 Täglich 8.1 S Uhr (Sonnabends 7 u. lO's l i, Sonntag« 2», G*5 u. O UJn ,,Der Diener anreicr Herren' „Die mchOtte Gdalatliee*' ,,Er«tep Klaasc" Familien-Nacfamittage jPdrnMortas 5»Ü.; �Kuknll" Joden Dionstag, Donnerslg. und Freitag 5* Uhr: ,FamllicHanneman n'* ,nrciBe von 30 Pf. bis 1.50 M ilarderobe u. Progf. Je 10 Pf. Kaffee mit Kuchen. JBIer m. Salzstange je 25 Pf. Kinder haben Zutritt. Märchen für Kinder: jPcterchens Mondfahrt4 jeden Mittwoch 8 Uhr und joden Sonnabend 4« Uhr �Preise v. 30 PT. h'» 1.50 M) 19. und20 Dmacmbei _____:ker- mtilföhd Doppellose laet RM. Porto und uisto 30 ptq. mxtra 139974 Gowlnnound 2 Prämien im Gesamtwerte von RM. sooooo Höchstgowlnn auf ein Doppel* loa im Werte von RM. 70000 HöchBt gewinn auf«In Einsal* los im werte vor» RM. 3SOOO a Heuptgev/lnne»m Werte von Je RM. 8 Hauptgewinne im Werte von Je RM. 1SOOO u. s. w. u. w. mit mit 10 20 Lesen Losen 5 10 RM. RM. samtifcne Gewinne werden auf Wunsch rr.ltpo Proaten: eusgczaMi Lose zu haben bei den KrelaloitoTn der Arbeiter*- wo hlfÄhrt, bei der Buehhandlung Dletz, Vorwärta- Expedltion, LindenstraQo 3, bei Wertheim und in allen Geschäften der Konsumgenossenschaft. n.15 nur— Rsndien erlaom 24 Ttllerettes. Carr'a u. Betty OaaTonphanoiiian Linder usa. Ssnnsbssd u. Senntsg Js 2 Vorstellungen 4 und 8U Uhr. 4 Uhr kleine Pr. iheateri. d. Behrenstr. 53-54 Direktion: Ralph Arthur Roberte «>/t Uhr: erooe Woche in Bader.-Badon. Sonntag nachm. 3V2 Uhr kleine Pieise Arm wie eine Kirchenmaut mit Lade Endiscfa. VolHsbtlhne ThuterinBaiovpliti. 8 Uhr Die matrosen von canaro Staat!. SdiillBi-Iti. 8 Uhr Clavigo Dentsdies Ttieaiei 8 Uhr Elisabeth von England von Fem Bmckntr lull: H«ln Hiliwrl Kammerspieie e>,i Uhi Utzte Suffühiunjeii Die zErtlidien Verwandten von aoderldi Booedii Itlio: Onslaf CrDiiilgios. Die Komödie S'/I Uhr Der Schwierige «n Hn« na KKcainistliil. Sigie: M» Beiübinlt. Deutsches KüDstler-Thesl. Barbar. 3937. B'.Uh; Uldi 3 Aaltütrnjea I Jim und Jili üieta Mmtieiin. Harald Pautetn. Renaissance* lireater Slelnpiatz 6780 Ii,'. Uhr von Max Alsberg und O E. Hesse Theater am Sdillihauerdamm Täglich SV« Uhr letzteVorstellungen Die Dreigrosdieipr von Brecht uncfVell. Preise 1.- bis 12-M Sonnabend U-Sonntg. 4 Dbi Kindemorstsliung Emil und die Detektive Zentral-Theat. Letzte Woche Täglich 8>4 Uhr sowie SonmagSVi Eine Freundin so goldig wie Du Operette v. Melsel. Vorz. für Parkett 4| statt 4.- M. nur I m" Sonntags 8 Uhr Schneewl ichen gültig vom 2 7. bis 30. Kov. Ideal, d. Westeis «>.. Uhr Emil Jannings Geschäft ist Deschatt Lessing-Tiieat. M Uhr Sonnaband u. Sonntag nadim. 4 Ubr Ein tramn BegiaiMaiRiinbarCt Neues Theater l am Zoo/. Uhr Kurt Götz IN Hokuspokus Ab I. Dezember Heio v Henty Bernstein Einüeitsvcröana d.Eisenbahnar Oeutsdilands(onsurupp« ctmn Wir rcfilUrn die traurig« Pflichi, der Miigliedichait den am 24. d. M. durch Unfall erfolgten Tod»nferes Kollegen Willi Haseküster Tischler im RAW. Tempelhof, mit- zuieiien. Km Jahr« lg>8 wurde Kollege Hafe> fUster zum Borsitzenoen de« damgligen Arbeilerrat» bei der RBD. Berlin ge- wählt und war in den weiteren Jahren ditt Mai 1921 Borsißendee d!«-Iezirio- beteiedsrats daseiblr. AI« solcher war er siel« bemüht, die Interesjen der Koliegenjdiajt nach Krällen zu per- treten. Ehre seine« Andenken! D>« Beerdigung sind« am Mon- tag, dem l. Dezember. 15 Uhr, aus dem Städtiiche» Friedhof in Tempel» Hof, Germauianr. 69, statt. Rege Beteiligung erwartet I»e OrisTerwaliang. Komiscne Oper ev« Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Oilben metropoi-ltieater Täglich 8» Uhi Die Hin« des Union: „Wir lidin uns kapitt" mit LotieWerk- melster Musik von Willi Umo, Willi Rollo und Si�oirt ttrlidi lojisk. Ii- J. üeodk. Ii 4 ItrllnuTbiatei Dönh. 525, 626. Bis 3. Dezember geschlossen! MWW Th. Im Umlnligaltll 8';. Uhr Csardäsiurstln Somtag 2 foirt. 3 und Ä1/! Uhr iladim. dii ganze Vorst, zn hal;en Preisen Haute d. Mlttwodi3''o MärdieD-HeYua Frau Holl.- Praisa: 75PI.-3.50M. MILW«- Saittungi-.Babalt- u.RelkUniomarken gegen Nachahmung gesetzl xescti. cnlgt seil 4« loh als SpealolUSt Conrad HWler - SrH'rm-Klk'? ab Läger itfeiiniech-, stahl- iiBetantiauien jeder Alt. Angab, u Prosp. kostenl. Gelir.Adicnbadi6.ii.h.H..Wetd€nanS(eg Elsen- und Wellblechwerke— Postfach 389 Wie Andres gefunden wurde ä)er Originalberichl äm lt. Juli 1S97 faprtc Andrei d> fMltotou« lein«« lsreiballons ldlcr" unt> uerschwoni mit seinen Sefährten Strindbera u»i> ssraenlcl. uoer dem enngcn Eis des Polarmccrs. zz Jahre blieb d�e Welt im .nnewiffen. mann und wo der weiße Tod die drei Luftschiffer erreicht hatte. Eocbrn erscheint nun im Verlan ss. A. Brockhaus. Lciv/tin. der autorisierte Orininalbericht itbcr die Andrdcsckm Erpcditio» unter dem Titel S. A. AndrSe:..Dem Pol cntneacn". lMit 110 Bildern und 5 karten. Leine» 13 R.) Dieses Buch lichtet das Dundel über dem ironischen Seschick der drei Forscher Enthalt es doch das acsamte Material, dos der schwedische» RcnicrunnÄonrinission voroeleqen bat: vor allem die ernrciscnden Tanebücher der Berswrbenen. die Berichte der Aufnndunqscrpcditionen und die von Andrer selbst aufgenommenen Bilder, die troß gtljährigen Lagern« im Packe!« nach lange» Mühen rntwickelt werden konnten. Straff, nllchtern und bescheiden erzählen Andrde und seine tiamcrade» den unglücklichen Verlauf der Erpedition. Die herb-mÄnnlichen, ia kargen Worte sinil mehr als persönliches Ber». miichtnis. Nachstehend, mit Srnehmigung des Berlages, ein Probe. abschnitt aus dem Buche. lluf Wtö harrte meiner ein ungeahntes Erlebnis. Vor.dem, was ich dort sah, beuge ich mich in Demut. Vielleicht war ich wirtlich unwürdig. Aber welcher Mensch, den Schicksal oder Zufall zu einer odcn Insel führen, ist nicht un- würdig, dort die letzten Ueberreste großer Toten zu finden und sie in die cheimat zu geleiten? Mag uns Wissenschaft oder literarischer Vorwitz dazu treiben, das hellige Schweigen der Wüstenei zu stören. mögen wir im Dienst einer wissenschaftlichen Anstalt oder der Press« unseren Fund in Sicherheit bringen— keiner von uns war im Grunde würdig, Hand an diese gewecht« Stätte zu legen. Aus der steinigen Tundra mit den sandigen Rändern versiegter Schmelz- Wasserbecken überragte ein kleiner Felsrücken die Umgebung um 5 oder 6 Meter. Auf dem höchsten Punkt der Kuppe erhob sich«in Steinhaufen. Darin steckte eine Stange, die durch Bardunen ge- halten war. Der kleine Felsrücken liegt in westöstlicher Richtung, 200 Meter von der Wasserkant« und vielleicht ein Kilometer vom Gletscherrand entfernt. Ein Kilometer weiter südlich stürzt der Eisbruch des Gletschers schroff in die See. Wir kamen von Norden und blieben vor einem Eisschorf stehen, der die etwa 30 Schritt lange Strecke zwischen uns und dem Fels- absatz bedeckte. In der Nordslldrichtung mochte der Schorf 10 Schritt Krell sein. Es war verwittertes Eis mit Schmelzflecken, ein 5)arsch, der im Begriff war, abzutauen. Die äußersten Ränder waren mürbe wie aller gepreßter Schnee. Durch das Eis schimmerten verschieden« Gegenstände— und Knochenreste. An dem Ende des Eisfchorss, das dem Land zugekehrt war, standen zwei eingestürzt« Treibholzstapel. Der eine war gegen einen frei stehenden Block gelehnt, der andere gegen den Hang des Fels- rückens selbst. Am entgegengesetzten Ende des Schorfs war eine breite Mulde. Darin lagen vom Wasser abgeschliffenes Geröll und Sand. Gerade dort stand ein Schlitten, Kleider und Trümmer waren umhergestreut, genau so wie sie liegen bleiben, wenn das Eis ab- getaut ist und das Schnielzwasser sich verlaufen hat. Diese Dinge hier In der Wüstenei, diese toten Gegenstände, die doch«inst lebten oder dem Leben dienten, sie rückten uns den Gegensatz van Leben und Tlch in jähe Helle. Menschen mit warmem Blut in den Adern, die das Leben liebten, find hier über die Schwell« des Todes ge- schritten.' Hier haben sie gelebt, sind hier untergegangen. Wie starben sie? Das möchte ich wissen, davon möchte ich sprechen, mächt« die weißkalle Oede des Gletschers, die graue Stumpf- hell der Tundra.schildern und das farbige Bild des trotzigen, zähey- Kampfes mys, Leben herzaubern, den drei Menschen hier führten,�. -'�Zuerst-gber gilt es, mit der Gewissenhaftigkeit des Forschers ans Werk zu gehen. Hier war mir eine Verantwortung auf- gebürdet, unendlich viel schwerer als die des Tagschreibers, mit der ich ausgezogen war. Wir machten eine Aufnahme vom Fundplatz. Dann untersuchten wir alles! im einzelnen, aber nichts wurde berührt oder gar von der Stell« gerückt. Weit von dem Felsen entfernt, auf dem die Warte stand, ent- deckte ich auf dem Eisschorf ein menschliches Rückgrat mit Becken und einem Schenkelknochen, gleich daneben ein Schullerblatt. Etwas iinterheckb lag ein ganzes Bein, Ober- und Unterschenkel mit dem Fuß daran. Dann fanden wir einen Oberarmknochen, um den noch die Fetzen eines gestreiften Hemdes hingen. Wir waren schon einige Stunden am Platz, da sah ich neben einem eingefrorenen Stück Treibholz einen Schädel aus dem Eis schimmern. Zuerst sammellen wir alle lose auf dem Boden liegenden Gegen- stälide auf. Ich legte ein Verzeichnis dieser Dinge an, und es schien mir, als lasse sich ein bestimmter Anlageplan erkennen. An dem End« des Eisschorfes, der nach der See zu lag, schien mir«ine Art Stapelplatz gewesen zu sein. Dort stand der Schlitten. An der Nordseii« des Felsens, ungefähr dort, wo wir das. Rückgrat und Becken gefunden hatten, mußte wohl die Wohnstätte gewesen sein. Jetzt ersb machten wir uns daran, die Gegenstände loszuhacken und vorsichtig das Eis ringsum abzupicken. Ich fing an zu bc- greifen, daß die kurzgefaßten Berichte der Unterfuchungskomniission und die Vermutungen, die von der Presse oerbreitet wurden, ganz falsch« Vorstellungen davon erweckt hatten, was eigentlich bisher ent- deckt war oder noch entdeckt werden könnt«. Als wir aber am ersten Tag die einzelnen Teil« eines fast vollständigen menschlichen Skeletts gefunden hatten, war ich doch davon überzeugt, wir würden keine welleren menschlichen Ueberreste mehr finden. Am �nächsten Tage aber geschah etwas, wodurch ich wieder nachdenklich wurde. Wir stießen mit dem Brecheisen durch das Eis aufs Gestein. Dort unten lag«in Gegenstand, den wir für die vom Schmelzwasser zerstörten Reste eines Renntierfelles hiellen. Da machte mich der Klang, mit dem das Brecheisen aufstieß, stutzig. Ich unterbrach die Arbeit, legte mich flach auf den Boden und räumte mit den Händen Eis- niatsch imd Schmelzwasser beiseite. Ein neuer Fund war gemacht. Der ganze zweit« Tag unseres Aufenthalts auf Vitö ging darüber hin, ihn bloßzulegen. Es war der Oberkörper und Schädel eines Menschen. Er lag auf der linken Selle, der linke Arm gekrümmt, als habe die Hand unterm Haupt gelegen. Der Tote lag unmittelbar auf dem Erdboden, war aber ganz mll Eis bedeckt. Mir schien es, als habe er unberührt tief unter dem Eis gelegen, feit der Tod über ihn kam. Der Kopf lag fest- gefroren in einer schalenartigen Vertiefung des Felsens. Es war sehr schwer, Oberkörper und Kopf loszueisen, ohne etwas zu be- schädigen. Ich mußte den Dolch in den engen Zwischenraum zwischen Schädel und Fels stemmen und so den Schädel ablösen. Es gelang uns, den Fund so zu bergen, daß der Kopf am Rumpf blieb. So legten wir die Leiche in einen Korb, trugen sie zum Boot und über- führten sie an Bord der„Isbiörn' Wir ließen einen Sarg machen. Als wir die Leiche hinein- betteten, lehnten wir den Kopf gegen das Kopfbrett des Sarges. Trotzdem brach der Schädel nach einiger Zeit ab. Am ersten Tag unseres Aufenthalts, dem 8. September, hatten wir den Schlitten, ein großes Bündel Ballonseid« oder Persenning mit Kleidern, zwei paar Schneereifen, einen Sextänten, einen Arznei- .kästen, einen Segeltuchsack mit geologischen Proben in Kupferbüchsen und messingnen Filmbüchlen, zwei Patronenschachleln, eine Kists Streichhölzer, Ruder und Splitter vom Sezelluchboot, Fraenkels Kalender und drei Protokollbüch.'?, Strindbergs Logbuch und viele andere Gegenstände geborgen. Dinge, die wir erst an Bord genauer untersuchen konnten. Endlich waren schon am ersten Tag« die Teile eines Skeletts gefunden worden. Am zweiten Tag fanden wir außer dem Oberkörper und Schädel des Toten eine Blechdose mit Lebensmitteln, die unberührt waren, einige kleiner«, noch fest verschlossene Blechbüchsen, dos Wettertage- buch, Strindbergs Notizkalender, einige andere Urkunden von ge- ringerer Bedeutung und sonst noch verschiedene Gegenstände. Am Abend des zweiten Tages hatten wir den Grundriß der Wohnstätte bloßgelegt. Vielleicht war es keine Hütte, sondern ein Zelt, dessen Gerüst aus Treibholzstllcken und dem Rippenknochen eines Walfisches bestand. Die Wohnhütts muß sich an den Nordhang des Felsens angelehnt haben. Die Bodenfläch« war im Süden durch den Felsen, im Westen durch dm Walfischknochen, an den beiden anderen Seiten durch Treibholzstücke begrenzt. Als wir am Sonn- abend, dem 6. September, abends den Lagerplatz verließen und an Bord zurückkehrten, schien uns alles geborgen zu sein. Der dritte Tag, Sonntag, der 7. September, begann mit schlechtem Wetter, jähe Windstöße fegten daher, von Zell zu Zeit kamen Nebel- schwaden, Regen und Schnee lösten einander ab. Wir gingen an Land, um noch einige Messungen vorzunehmen. Wir hatten uns drei Stunden long im Umkreis des Lagers aufgehallen, da hißte die „Isbjörn" das Warnungszeichen. Sie lag einige Kilometer vor der Küste im Treibeis. Der Nordwind drohte das Schiff im Treibeis einzuschließen. Das war um so gefährlicher, als unser« Maschin« nicht in Ordnung war. Ehe wir die Insel für immer verließen, ging ich noch einmal über den Lagerplatz und fand an dem Ende des Eisschorfs, der nach dem Meer zu lag, dort, wo der Stapelplatz gewesen sein mußte, «in paar vollkommen gebrauchsfähige Schneereifen, die offenbar erst seit heute aus dem Schnee ragten. Das'war unser letzter Fund. Ich beeilte mich, an Bord zu kommen, und wir dampften heim. Ton den Wuranellen sur Schokolade Wie sich die amerikanische Autoindustrie langsam nach neuen Fabrikaten unisieht, weil die Umstellung nur noch«in« Frage von«in oder zwei Iahren sein kann, so blickt auch die Radioinduftrie mehr oder minder verlegen nach allen Seiten um sich: was könnten wir demnächst machen? Diese Frage hat Philips als erster Großunternehmer energisch angepackt und radikal gelöst. Philips in Eindhoven Hot bisher Glühlampen und Radioapparate gemacht— jetzt wird van Houtens Schokoladcfobrik angegliedert und unter dem Atarkentllel Philips- Van Hauten wird die Well mit einer neuen Schokolade beschenkt. Das Reue daran ist gar nicht so ohne... es ist bestrahlte Schoko- lade. Gegen Nervenkrankheiten, Rachitis usw. Das ist wirlichast- lich. technisch und psychologisch ein beachtliches„Zeichen der Zeit". 3)ie Sniflehung der Osteane Im Rahmen der öffentlichen Vorträge des Instituts für Meereskunde sprach Prof. Axel Born über„Die Entstehung der Ozeane". Zwei Probleme wurden behandell: Di« Frage nach der Hev- kunst des Wassers der Meere und das Problem der heutigen Gestatt � der Ozeane. Hinsichtlich der Frage nach der Herkunst des Wassers wird zunächst festgestellt, daß dieser Zustand einer etwa siebzigprozentigen Wasserbedeckung der Erdoberfläche im Vergleich mll anderen kosmischen Körpern ein vorübergehendes Stadium darstellt. Das Wasser der Erdoberfläche bildet neben anderen Stoffen ein konden- siertes Enlgasungsprodukt des heißen sich abkühlenden Erdinncrn. Dieser Vorgang der Vermehrung des Wasserbestandes vollzieht sich heute noch. Eine weitere, wenn auch gänzlich unkontrollierbare Zufuhr von Wasser erhält die Erdoberfläche durch kosmisches Wasser in Form von Eismeteoriten. V e r l u st e des Wasserbestandes sind zur Zell nur vorüber- gehend zu buchen, so durch Bildung großer Eiskappen in den Eis- zeiten und durch Wasserverbrauch bei der Verwitterung der Ge- steine: doch sind diese Vorgänge vorübergehenden Charakters, die verbrauchten Wassermengen werden wieder zurückgegeben. Aller- dings darf man wohl annehmen, daß in einer sehr fernen Zukunft nach völliger Erkallung der Erde die dann nicht mehr umkehrbaren Verwitterungsoorgänge die gesamte Gas» und Wasserhülle der Erde resorbieren, daß ein Zustand einttitt, wie er heute bereits auf dcui Mond vorliegt. Im Mittelpunkt des zweiten Problems steht heute die Wegenersche Hypothese der Kontinentaloerschiebungen, die besagt, daß in geologischer Vergangenheit ein einziger großer Kontinent existiert habe, den man rekonstruieren kann, indem man Nordamerika an Europa, Südamerika an Afrika von Westen heranschiebt. Vorderindien. Australien und die Antarktis grup- pieren sich um Ost- und Südafrika. Dieser Zustand eines Einheits- kontinentes wurde mit Beginn der Tertiärzeit dadurch beendet, daß einzelne Schollen in verschiedenen Richtungen auseinander schwammen. Für diese Hypothese sprechen viele Umstände, wie zum Beispiel die Parallelität der Kontinentalränder des Atlantischen Ozeans, aber auch die Uebereinstimmung des geologischen Baus am Ost- und Westrand des AUanttk. Auch finden durch die Annohme eines ein- zigen ehemaligen Riesenkontinentes viele tiergeographische Probleme eine plausible Erklärung. Desgleichen bietet die Verschiebungs- Hypothese für die so weit verbreiteten Anzeichen einer karbonisch- permischen Bereifung der Südhemisphär« eine Lösung. Andererseits bestehen gegen die Berschiebungshypothese große Bedenken, die auf geologischem und geophysikalischem Gebiet liegen. Der geologische Bau spricht in vielen Fällen gegen die von Wegener angenommene Verschiebung und keine der bekannten Kräfte vermag die sehr verschiedenartigen Verschicbungen zu erklären. Der Kampf um die geniale Idee Wegeners ist noch nicht beendet. Wir wissen nicht, ist Aufspaltimg des� Riesenkontinentes und Auseinanderschwimmen der kontinentalen«schollen der Gang der Entwicklung gewesen, oder sind die großen Ozeane permanente seit geologisch langen Zeiten bestehende Züge im Relief der. Erd-. obersläche. . JOCr*..' ai-Sci av?;' Brich M. Die Nacht beginnt, der Lärm der südlichen Stadt verebbt. Die Malerin Hollmann schreibt einen Brief an ihren Kunsthändler in München, sie blickt dabei, verweilend, auf die ungerahmten Bilder und Skizzen an der getünchten Wand. Da tritt der Gecko in die Erscheinung: hinter dem bunten Vor- hang, der in. der Ecke die karge Garderobe gegen den Staub schützt, kommt er ruckartig hervor und blickt in den Raum. Obwohl die Hollmann zu den furchtlosesten Frauen dieser Erde gehört, ist ihr die Anwesenheit gerade dieses Gastes ein wenig un- angenehm. Sie liebt die Eidechsen, die sonncnsüchtigen, smaragd- grünen, mit den schwarzen Punkten, den klugen Augen, der weißen vibrierenden Kehle. Sie ist überzeugt, daß diese Tiere musikalisch sind, es gelang ihr schon oft, sie mit zärtlichen Tönen zu bannen. Es glückte ihr auch, sie zu füttern: ausgespießte Früchte zerrten sie von kurzen Stöcken herab, gierig, wachsani, ohne Scheu. Aber ein Gecko! Auch er gehört zu den Echsen, doch er ist bleich wie ein Leichnam, unklug und ängstlich, ein Albino. Em fahler, unheimlicher Jäger der Nacht. Martha Hollmann sieht ihn reglos hängen, die kugligen Saug- zehen gespreizt, mit scheuen, hervorquellenden Augen, schuppig der Schwanz und der stäche Leib— ein blutloses, plattgedrücktes Kro- kodil eu miniature. Sie sucht ihn durch das offene Fensler zu treiben, doch er rennt über Wände und Decken, bis sie, ermüdet von fruchtloser Jagd, ihr Schreibzeug zusammenrasft und sich schlafen legt. Aber sie bleibt wach, weil das Gefühl, er könne auf ihr Bett, vielleicht aus ihr Gesicht fallen, sie mit unangenehmen Schauern be- drängt. Sie hört nach kurzer Zeit,«in Rascheln aus den Steinfliesen und weiß, daß nun die alten Mitinhaber des Hauses aus den Ritzen der Mauern heranmarschieren, die Schaben, die sich aus jedes Brot- krümchen stürzen. Als sie diese Wohnung bezogen hatte, geschah es einmal, daß sie des Nachts mit nackten Füßen das Bett verließ, um sich ein Glas Wasser zu holen. Es krachte unter ihren Sohlen, sie sprang zum Kontakt wie nach einem Tarantelstich, und nun zerftoben die schwarzen Gesellen nach allen Sellen. Kein Mlltel vermochte sie aus dem alten Gemäuer zu vertreiben. Nach diesem Erlebnis ver- läßt die Hollmann ihr Lager nicht mehr, ohne direkt in die Pantoffel zu schlüpfen, und eine Taschenlampe liegt immer griffbereit. Ach ja, denkt sie nun, der Süden ist schön, die Sehnsucht aller Nordländer. Aber wer unter den flüchtigen Reisenden kennt ihn genauer, wenn der Weg sie von einem gepflegten Hotelzimmer ins andere führt: wenn sie,' über den Autorand hinweg, die morschen Fassaden dieser gelben Häufer betrachten, ohne daß der Gedanke sie auch nur von ferne befällt, jemals in ihnen zu wohnen? Nun mischt sich ein fremder Ton in das gewohnt« nächttich« Ge- triebe auf den steinernen Fliesen, es rafchell nicht nur, es knistert und knirscht, als würden dünne Knochen zermahlen. Sie horcht reg- los in die Dunkelheit hinein, ohne eine Erklärung für die neuen Geräusche zu finden. Stunde um Stunde vergeht, und obwohl, wie gesagt, Martha Hollmann zu den furchtlosesten Frauen der Erde gehört, vermag sie es nicht zu ändern, daß ihr einige Schauer über den Rücken rieseln. Endlich läßt sie den Strahl der Taschenlampe aufzucken und sieht den Gecko phlegmatisch auf der Erde sitzen, während eine Schabe gerade in seinem gefräßigen Maule oerschwindet. Blendet ihn dos Licht, weil er gar nicht daran denkt, zu verschwinden? Doch nun bemerkt sie, daß er rund geworden ist, rund von einem stundenlangen ungestörten Mahl, er muh zwei Dutzend Schaben verschlungen haben, Die Hollmann spürt ein leichtes Gruseln, aber sie lächelt beherzt und nimmt sich vor, den Gecko als Kammerjäger anzustellen. Sie braucht nun kaum zu befürchten, daß er Kletterpartien an die Deck- unternehmen und ihr auf den Kopf fallen wird. Dazu ist er zu schwer geworden. Sie knipst die Lampe aus und schläft beruhigt ein. Aber jetzt beginnt«in Traum sie zu bedrängen, sie sieht tausend vollgesressene Geckos mit ihren fahlen runden Leibern gegen ihr Bett kriechen, sie klettern schwerfällig an den Pfosten empor, wandern über die leichte Decke, so daß sie ihre saugenden Zehen auf sich fühlt, sie drängen in Kolonnen nach ihrem Halse, und nun schnappt ein hartes Maul nach ihrem Kinn. Die Malerin erwacht, sie reißt entsetzt die Augen auf. aber schon scheint die aufgehende Sonne durch die quergestellten Stäbe der Persicnnen. Sie steht vorsichtig auf, doch nirgends ist ein lebendiges Wesen zu erblicken. Und wo blieb der Kammerjäger, der forsche Schabenvertilger? Sie ist im Zweifel, ob sie ihn, nach diesem bedrückenden Traume, in der Tat noch fest engagieren soll, aber als sie ihn nach kurzem Suchen, fett an der Mauer klebend, hinter ihrem bunten Vorhang entdeckt, beschließt sie, ihn lieber mit aller Energie zu verjagen. Der Gecko ist. als er die menschliche Gesahr bemerkt, lebendiger als man vermutet, er rennt mit ruckartigen Bewegungen geschickt von einer Ecke in die andere. Er entweicht ohne Müh« dem Palmenbesen, den die Malerin, in wachsendem Ungestüm, gegen ihn zückt. Sie ist Tierfreundin genug, um auch rücksichtsvoll gegen Lebewesen zu sein, die ihren persönlichen Sympathien sernstchen, sie möchte dem Gecko nicht w-hc tun. denn auch seine Gestalt ist vom Schöpfer der Welten bestimmt, und so hat er e« leicht, dem bedrohlichen Besen immer von neuem zu entweichen. Schließlich gerät die Malerin, von steigendem Tagesgestirn all- mählich stärker angeglüht, in eine solide Wut, sie holt einen halb- gefüllten Eimer, um den Gecko energisch in das Wasser hineinzusegeii. Sie stößt heftiger zu, als sie es wollte, sein Schwanz bricht ab und fällt zu Boden, wo er sich wie ein lebendiger Wurm entsetzlich windet, während der um ein Drittel verkürzte Gecko sich weiterhin der Verfolgung entzieht. Und nun befällt die Malerin zwar nicht die Furcht, doch ein ge- wisser Widerwille, ja ein Ekel gegen die ganz« Erscheinung, die ihr die Ruhe raubte, sie drückt den Besen fest gegen den gedunsenen Körper, so daß er zu Boden fällt. Im nächsten Augenblick wird er mit einem Karton aufgehoben. im Eimer ertränkt und in den Ausguß geschüttet... Martha Hollmann atmet tief und seufzt erlöst. Sie legt sich noch einmal ins Bett und verfällt sofort in einen traumlosen Schlaf — nicht ohne den festen Entschluß, nie wieder auch nur in Gedanken einen Gecko als Kammerjäger anzustellen; sondern, wie bisher, die Ruhe der Nacht allein mit den raschelnden Schaben zu teilen. Berantozartllill filr Politik: nietet Schiff; Wirtschaft; 9. ftlingrUiSfrT; lSe».»trschoftsbewigung: Z. Steiner; Feuilleton: Dr. Zahn Schitoaski; Lokale» und TonOiaes Fei» Narstadt: Aneeiaen: Tb. Slocke: sämtlich in Berlin. Lerlaa: Borwärto-Berlag E. m b. 6.. Berlin Druck: Borwärto-Buchdrulkeret uNd Berlaa»ansialt Paul Singer n. Ca., Berlin S9B. 68, Linbenstraße l ftieqs 1 Bctlaten. 7tr. 559* 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 29. November-1930 -ZlMMarden Gesamtverschuldung 9 bis 11 Mlliardsn Forderungen.- 2S bis 27 MNiarden Schulden. Im neuesten Heft von„Wirtschaft und Stattstif* findet sich eine instruktiv« Ueberstcht„Deutschland in de? internationalen .Kapitalverflechtung�, in der die Höhe der deutschen Schuldenlast rnd der Umfang der deutschen Kapitalanlogen im Ausland zahlen- mäßig entwickelt und gegenübergestellt find. Wir geben im folgen- den die Haupttobelle wieder: Deutsches Auslands vermögen und ausländisches Vermögen in Dcukschland Ende September 1330 sin Milliarden HL). Hent« hat Deutschland— das ist dos Gesamtergebnis der erwähnten Untersuchung— im Ausland kurz- und langfristige Anlagen von 8,8 bis 10,8 Milliarden Mark, während seine Schul- den ans Ausland 26,1 bis 27,1 Milliarden Mark betragen. Ver- glichen mit der Vorkriegszeit und unter Berücksichtigung der Geld- entwertung ist also der Bestand deutscher Auslandsanlagen auf ein Viertel zusammengeschrumpft, während fich der Verschuldungsstand erwas mehr als verdoppelt hat. Für heut« ergibt die Au frech- nung der beiden Gegenposten eine Verschuldung von l6L bis 17, Z Millwrden Mark zu Deutschlands Lasten. Die kurzfristig« Verschuldung der deutschen Banken betrug Ende 1926 erst Uli Milliarden, Ende 1929 bereits 8.6 Milliarden Mark. Einschließlich sonstiger kurzfristiger Verbind- lichkeiten ergibt sich eine Gesamlsumme von 10,8 bis 11,8 Milliar- den. Di« langfristigen Anleihen Deutschlands beschränk- ten sich Ende 1924 in der Hauptsache aus die Dawes-Anleihe des Reichs und betrugen 982 Millionen Mark. Ende September des Jahres 1930 hat der Bestand langftistiger Auslandsanleihen den hohen Betrag von 9,3 Milliarden Mark erreicht. Eine dritte Form der Verschuldung neben den lang- und kurzfristigen Anleihen ist die direkte Beteiligung an deutschen Gesellschaften und das aus- ländische Eigentum an Unternehmungen und Grundstücken. Die ausländischen Kapitalanlagen in Grund- üücken werden auf 2, die Anlagen in Form von Tochtergesellschaften und Kapitalbeteiligungen auf 4 Milliarden Mark geschätzt. Addiert man die verschiedenen Derschuldungszifsern, so kommt man zu der oben erwähnten Ziffer von 26,1 bis 27,1 Mil- liarden Mark, der die genannten 8,8—10,8 Milliarden deutschen Forderungen gegenüberstehen. Das Ausland hat diese Anlagen nicht aus Lieb« zu Deutschland gemacht, sondern um aus ihnen Gewinn zu ziehen. Dieser Gewinn fließt bei den An- leihen in Form von Zinsen, bei den Kapitalbeteiligungen in Form von Dividenden, bei den Grundstücken in der Hauptsache in Form von Mietüberschüssen und Pachtzinsen laufend ins Ausland. Rxch- net man grob mit einem durchschnittlichen Verzinsungssatz von 6 Proz. bei Schulden und Forderungen, so beträgt die Netto- Z i n s l a st, die Deutschland zur Zeit jährlich ans Ausland zu zahlen hat, rund eine Milliarde Mark. Fehlerhafte Verschuldung. Fragt man sich angesichts dieser großen Verpflichtungen, ob es unbedingt notwendig war, sich in diesem Umfang zmu Schuldner des Auslands zu machen, so muß wenigstens hinsichtlich mancher lang- fristigen Industrieverschukdung mit Nein geantwortet werden. Es ist heute kein Geheimnis mehr, daß für Rationalisierungs- zwecke vielfach zu große Kapitalien in neuen Betriebsanlagen und Maschinen angelegt worden sind, die in ihrem jetzigen gewalti- gen Umfang in absehbarer Zeit nicht voll ausgenutzt werden können. Die Gegenseite dieser Ueberrationalisierung durch Ueberkapitalisierung, bei der noch die unbedingt not- wendige Preissenkung Unterlasten wurde, ist das jetzige Feiern von Arbeite rmillionen. Hierzu kommt als Zweites die Kapitalflucht. Alle jene verantwortungslosen Schichten, die ihre Erspanriste und ihr V«r- mögen aus Angst oder Steuerfurcht ins Ausland schaffen, entziehen der Volkswirtschaft die Mittel, deren sie bedarf. Die Kapitalflucht vergrößert den Zwang, auch normalen Kapitalbedarf bei auslän- dischen Kapitalisten zu decken. Die in„Wirtschaft und Statistik* veröffentlichte Untersuchung errechnet die Höhe der deutschen Kapital- anlagen nn Ausland auf 8,8 bis 10,8 Milliarden Mark, wovon 4,8 bis 5,8 Milliarden kurzfristig« und 4 bis 5 Milliarden Mark langfristige Anlagen sind. Natürlich sind diese Sumnien nicht mit .Kapitalflucht* identisch. Es läßt sich auch kaum ermitteln, welcher Teil dieser Summe wirklich produktiven Zwecken und welcher für Zwecke der Steuerhinterziehung und der eigentlichen Kapitalflucht gedient hat. Die in der privaten Verschuldung entspringenden deutschen Zinsen- und Dividendenzahlungen an das Ausland haben die Ten- den; zu wachsen. Es ist bei diesem Stand der Dinge einseitig, lediglich über die Höhe der Reparationszahlungen zu klagen und von den drückenden, teilweise fehlerhast«ingegangenen privaten Ver- schuldungen zu schweigen. Die Tatsache, daß die deutschen Kapita- listen für die Höhe der privaten Derschuldungen in doppelter Forni verantwortlich sind, teils in Form zu hoher und teilweise fehler- hafter Investierung, teils in Form der deutschen Kapitalflucht, sei allen jenen Kreisen, die sich nur auf Proteste gegen die Reporations- Zahlungen beschränken, zum angelegentlichen Studium«mpfohlen. Ltmgruppierung bei Burbach. Kapitalherabsehung von 125 auf 20 Millionen. Di« Ausstchtsrat« t*« Burbach. Konzerns hob«n am 27. und 28. Nooember in Magdeburg wichtig« Befchlüsie zur Um- siellung de« Konzerns gesaßt. Nach den durchgeführten Verschmelzungen und der Kapital- erhöhung um 91 auf 125 Millionen im letzten Jahr ergab sich bei dem Burbach-Konzern folgende Gliederung: Die Hauptbetriebs- gefellschoft. die B u rba ch- Ka l i w« r k e AG., besaß ein Kapital * von 125 Millionen Mark, von dem sich 62,5 Millionen, also genau die Hälfte, in den Händen der Gewerkschaft B Urbach be- fanden. Von den 5000 Kuxen der Gewerkschaft Burbach waren wiederum 4000 im Besitz derHauptoerwaltung des Burbach- Konzerns G.m.b.H. Die qualifiziert« Mehrheit der Anteile dieser Gesellschaft ruhte andererseits wieder bei der Burbach- Kali- werte AG., womit der Kreis innerhalb des Konzerns ge- schloffen war. Mit dieser äußerst komplizierten Verschachtelung war bezweckt, die Besitzmehrheit des Burbach-Konzerns im Hinblick auf die Machtpolitik der Wintershall-Rosterg-Gruppe fest zu verankern. Dieser verzwickte Konzernaufbau war also im Grunde nur als ein« Sicherheitskette gegen die Machtkämpfe im Kalibergbau gedacht. Es ergab sich bei dieser Lag« jedoch da, Kuriosum, daß die sij« werkschaft Bürbach das Riesenpaket von 62.5 Millionen Aktien gar nicht bezahlen konnte, so daß dies« in der letzten Bilanz der Burbach-Kaliwerk« AG. mit 106 Millionen Mark Schulden belastet war. Da das vor der gesetzmäßigen Verabschiedung stehende neue deutsch« Aktienrecht scharf« Bestimmungen in der Frage der Bolleinzahlung von Aktien vorsieht, hat die Verwaltung von Burbach unter dem Druck der A k t i« n r e ch t s r« f o r m jetzt bereits eine Bereinigung dieser Berhältniss« beschlosien. Di« Maßnahmen der Verwaltung sehen vor, daß die bei der Gewerkschaft Burbach liegenden 62,5 Millionen Aktien an die Burbach-Kaliwerke AG. zu- rückgegeben werden, die dafür die 106 Millionen Mark Schulden der Gewerkschaft streicht. Bon diesen 62,5 Millionen Aktien werden 55 Millionen im Wege der Einziehung vernichtet, so daß das künftige Kapital der Burbach-Kaliwerke AG. 70 Millionen ausmacht. Die durch diese Transaktion entstehende bilanzmäßige Differenz wird mit Hilf« stiller und offener Reserven sowie des Gewinnvortrages van 1929 ausgeglichen. Der gesetzliche Reservefonds bleibt in der bisherigen Höhe von 12,8 Millionen erhalten. Wie der Leiter des Burbach-Konzerns. Generaldirektor Karte, noch ausführte, bleibt die Mehrheit von Burbach auch nach dieser Umstellung fest verankert. Der Gewinn im laufenden Jahr hielt sich auf der Höhe von 1929, so daß wieder die gleiche Dividende von 12 Prozent für 1930 zur Ausgabe gelangt. polnische Zollerhöhungen gegen Oeutschlanö. Di« polnisch« Regierung hat für über 70 Zvllposttionen die (f j» fu h rzöll e ganz wesentlich erhöht. Betroffen werden u. a. Elektro, und Jnstallation-materiat, Kali, Röhren, che- misch« Produkte, Dampslokvmo'oll«. Müllereimaschinen, Fahrradierle, Stromerzeugungsanlogen. Transformatoren. Elektromagnet« usw., als« Dwg� die in der Hauptfach« von D«utfchta»d«in- geführt werden. Ein der Regierung nahestehendes Warschauer Blatt hat erklärt, daß die Zollerhöhungen das Ziel verfolgen. „ein gewisse» zollpolltisch«, Gleichgewicht Deutschland gegenüber herzustellen*. Ob man dies« wirtschastsichen Maßnahmen der polnischen Regierung alz Druck- maßnahm« wegen der von Deutschland erhobenen Vorstellun- gen beim Völkerbund ansehen muß? Der Gedanke liegt sehr nahe. Ruhrgas AG. ist bescheiden geworden. Sie hat keine Bauprojekte mehr, weil offenbar das Geld fehlt .Vier Jahre lang hat die Ruhrgas A.-G. für den Sieg des Ge- dankens der Zechenfernversorgung in Deutfäsiand gekämpft. Alle paar Monate wurde die Oeffentlichkeit mit Siegesnachrichten überrascht. Kürzlich mußte in einer Versammlung der an der Ruhr- gas A.-G. beteiligten Zechenbcsitzer zugegeben werden, daß das ganze Unternehmen doch eine große Enttäuschung war. Jetzt meldet die„Frankfurter Zeitung* aus Esten, daß die Ruhrgas A.-G. schon im Oktober eine Einschränkung ihrer Bauabtci- tu ng vorgenommen habe, und daß in absehbarer Zeit noch eine weiter« Einschränkung erfolgen werde. Hinzugefügt wird, daß größere Bauprojekte für die nächste Zeit nicht mehr bestehen. Es scheint also faktisch auch mit dem Exponsionswillen der Ruhrgas A.-G. zu Ende zu sein, nachdem die bisherigen„Er- folge* offenbar alles weniger als ein Geschäft waren. Die beteiligten Zechenbesitzer haben anscheinend die Lust verloren, noch weiterhin Kapital in die Unternehmung zu stecken und gutes Geld schlechtem Geld« nachzuwerfen. Diesen Ausgang haben wir lange vorausgesagt, und wir erleben heute die Genugtuung, daß unser Kampf gegen die Zechenferngasversorgung über da? engere Kohlengebiet an Ruhr und Rhein binaus nicht umsonst gewesen ist. Horch-Werte müssen sanieren. Zusammenarbeit mit der NAG? Di« schon Anfang des Jahres fahr gespannte Lage bei den H o r ch- W« r k e n in Zwickau hat sich durch die anhaltende Krise in der Automobilindustrie so verschärft, daß das Unternehmen jetzt eine gründliche Sanierung vornehmen muß. Wie die Verwaltung selbst mitteilt, wird in der kommenden Woche eine Auf- sichtsratssttzuiig stattfinden und über die Sanierungsaktion Beschluß fassen. Eine Zusammenlegung des jetzigen Aktienkapitals von fünf Millionen sowie die Wiedererhöhung des Kapitals zur Beschaffung neuer Mittel ist als sicher anzunehmen. Die Sanierung hat sich als notwendig erwiesen, weil die Schulden schon in der Bilanz für 1929 auf 17 Millionen angestiegen waren, alfo rund die Hälft« des gesamten Umsatzes erreicht hatten Dieses ungesunde Verhältnis wird sich im laufenden Jahre infolge der Absatzschwierig- leiten noch erheblich oerschlochtern. Zugleich mit dieser Sanierung sind Gerüchte im Umlauf, wonach ein Betriebsabkommen zwischen den Horch-Werkcn und der NAG. in Oberschön« weide bevorstünde. Jedoch sind hierüber weder von der«inen noch von der anderen Seit« Beschlüsse gefaßt worden und die gesamt« Frag« einer künftigen Zusammenarbeit befindet sich erst im Stadium der Dorveihondluage». Weg mit der Eisensteuer! Wann werden die monopolistischen Inlandspreise den Welt- Marktpreisen angepaßt? Das ausländische Eisen dringt in Deutschland immer mehr var. Das Ausland bietet an: Preis für Deuticker Diffrrenzrwilchrn Auslands. anslntiMich-in malerial � tt. dentfchcm Preis M. M. 3>t Träger....... 125,— 192,50 67,50 UEisen...... 130,— 195.- 65,— Winkeleisen, rundkantig. 140,— 195,— 55— dito scharfkantig.. 148,— 195,— 47,— Bandeisen...... 148,— 237,50£3.50 Flacheisen...... 137,50 195,— 57.50 Mitlelbleche..... 155,—£30,— 75.- Grobbleche..... 150,— 230,— 60.— Di« ausländischen Preis« sind Effektivpreife frei Berlin ohne jeglichen Zuschlag. Berücksichtigt werden müßie für den Handel bei Abgabe an den Kleinverbraucher noch ein Zu» schlag von 10 Proz. Die deutschen Preise sind Berliner Lager- preise und stellen Grundpreise dar, zu denen bei Bandeisen, Grob- und Mittelblechen, U- und T-Eisen Ueberprcise nach besonderen Listen hinzukommen. Die Ueberpreise haben«in erhebliches Ansin rz und haben bei den deutschen Verbrauchern schon oft Anlaß zu Be- anstandungen gegeben. In den ausländischen Preisen ist bereits ein Zollschutz von 25 Mark pro Tonn« inbegriffen. Die Preisdifferenzen find toll. Es ist unverständlich, daß die deutschen Preise immer noch so übermäßig hoch gehalten werden. Man kann es keinem Neucisen- Verbraucher mehr zumuten, bei derartigen enormen Preisdifferenzen deutsches Eisen zu verarbeiten. Er ruiniert sich ja selbst bei so absolut unkaufmännischem Verhalten. Rotwendig ist die Anpassung an das Weltpreisniveau. Dazu ist eine Preissenkung von mindestens 15 Proz. bei den Listenpreisen notwendig.?l>ich die Ueberpreise müssen abgebaut werden. Wann endlich wird auch die Regierung die wichtigste Aufgab« erkennen, die sie jetzt zu lösen hat? Bauernschaft gegen Schiele-poliiik. Eine Entschließung der Seutschen Bauernschast. Die Deutsch« Bauernschaft faßte in ihrer Sitzung vom 27. Ro- vember«in« Entschließung, in der es heißt: „Die Ursachen des Mißerfolges der amtlichen Agrarpolitik liegen darin, daß ihre Führung sich im wesentlichen darin erschöpft, die Auswirkungen der niedrigen Getrcidcweltmarktpreije von dem deutschen Getreidebau abzuwenden. Bei oller Anerkennung der Notwendigkeit ausreichender Gctreidepreise auch für die Banern- wirtschaft muß festgestellt werden, daß der Kernpunkt für die Unrentabikität in der Landwirtschaft, die Hebung und Förderung der' Veredelungsproduktion, fast völlig übergangen wird. Auch die jetzt bekannt gewordenen Absichten des Reichsernährung-- Ministers in bezug auf die weitere Erhöhung der Futtermittel- zölle, die die Erzeugung von tierischen Produiten verteuert, sowie die Zuckerrübenbaiikontingenticrung, die sich..ein- stitig gegen den bäuerlichen Zuckerrübenanbau richtet, zeigen dem deutschen Bauerntum, daß von der heutigen Agrorpolitit die er- wähnte Besserung nicht zu erwarten ist.* Günftiger Außenhandel für Schuhe. Im Oktober 2,51 Millionen Ausfuhrüberschuß Der Außenhandel der deutschen Schuhindustrie hat sich auch im Oktober im Hinblick auf die schwere internationale Wirtschaftskrise sehr gut behauptet. Die Einfuhr belief sich im Berichtsmonat auf rund 53 460 gegen 43 960 Paar im vorhergehenden Mo- nat. Im Vergleich mit dem Oktober 1929 ist die Einfuhr u m 50,5 Prozent gesunken. Die Ausfuhr von Lederschuhen betrug im Oktober 350 602 gegenüber 355 722 Paar in dem ent- sprechenden Monat des Vorjahres. Der Ausfuhrrückgang van 1,5 Prozent muß in Slnbetracht der Krisenwirkinig als äußerst gering bezeichnet werden. Im Vergleich mit anderen Ländern zeigt er, daß die Konkurvenzfähigkeit der deutschen Schuhfabriken sich«her noch verstärkt hat. Der Wert der Lederschuhcinfuhr stellt« sich im Oktober auf 773 000 Mark, dagegen der Ausfuhrwert auf 3,58 Millionen Mark. Es ergibt sich smmt im Berichtsmonat ein Ausfuhrüberschuß von 2,81 Millionen Mark und 297 203 Paar. Fleischverbrauch sinkt weiter. In der Zeit vom Januar bis September 1930 ist nach den Fest- stellungen des Statistischen Reich-amts der deutsche Fleischverbrauch — ohne Hausschlachtungen— auf 21,5 Millionen Doppelzentner gegen 22,1 Millionen Doppelzentner m der gleichen Zeit des Vor- jahres weiter gesunken. Für die letzten drei Jahre ergibt sich dam:t für die Zeit vom Januar bis September ein ständiger Rück- gang' des Fleischoerbrauchs von 34,9 auf 34, 6 und schließlich ans 33,5 Kilogramm je Kopf der Bs- v ö l k e r u n g. Dieser Rückgang spricht Bände für die seit 1928 eingetretene Verarmung der großen Massen. Der Rückgang pro Kopf der Bevölkerung wirkt sich nämlich im Haushalt der breiten Massen viel stärker aus, da natürlich bei den in gesicherten Verhölfnisien Lebenden kaum eine Einschränkung des Fletsch- Verbrauchs eingetreten ist. Deutsch-sranzösische Zollunion. Der ehemalige französische Arbeitsminister Le Troquer spricht als Gast der deutsch- französischen Gesellschaft am 4. Dezember, abends 5 llhr, bei Kroll Über„L'union douanicrc{ranco-allernandc* f Deutsch-französische Zollunion). Karten durch dft Deutsch-Französische Gesellschaft, Hoberlandstr. 2(Cornelius 0503). hypokhekengiäubigcr, die ihre Vorkriegshypotheken nach dem Aufwertungsgesetz noch nicht im Grundbuch auf Goldmark haben umschreiben lassen, machen wir darauf aufmerksam, daß nach dem 31. März 1931 im Grundbuch keine Umschreibung aus G o l d m a r k mehr eingetragen wird. Viele Gläubiger sind der Meinung, wenn sie von dem Eiacntü.ner die Zinsen nach dem Goldmartvelrag erhalten, die Umschreibung für sie über- flüssig sei, weil der Eigentün»er ja die Zinsen nach dem Goldmark. betrag« zahlt. Dem ist n i ch t so. Die Aufwertung muß im Grund- buch«ingetragen sein, da sonst die Papiermarkhypotheken nach den, 31. Mörz 1981 gelöscht werden. Der Befehl von Moskau. Wie die deutschen Arbeiter darauf antworten. Die kommunistische Presse verkündet seit mehr als einem Monat tagtäglich, daß die NGO. die Berliner Metallarbeiter führt, daß die Metallaicheiter zu Tausenden und Zchntausenden dem kommunistischen Splitterorganisatiönchen zuströmen. Wenn man die Behauptungen vom Ikbertritt einer ganzen Ve» legschast, von dem Zuströmen von Tausenden usw. nicht berück- sichtigt, so sind allein in der„Roten Fahne" genau S5S2 Aufnahmen oder Uebertritte seit Abschluß des Streiks mitgeteilt worden. Be- rücksichtigt man, daß nach den Angaben desselben Blattes der ganze Metallarbeiterstreit unter Führung der sogenannten RGO. vor sich gegangen ist, und setzt man für die pauschalen Behauptungen, die angesichts der Angahl der Berliner Metallarbeiter bescheiden« Ziffer von 20 000 ein, berücksichtigt man weiter, daß nach den Behauptungen der„Roten Fahne" die kommunistischen Organisationen der Dreher und der Rohrleger gleichfalls mehrere tausend Mit- glieder gehabt hatten, dann müßte man annehmen, daß in dieser kommunistischen Organisation heute mindestens 40 000 Metallarbeiter organisiert sind. Da nun nach den Behauptungen desselben Blattes der Deutesche Metallarbeiter-Berbond in Berlin nur noch knapp 20 000 Mitglieder hat und die Unorganisierten angeblich ja viel lieber streiken und viel revolutionärer sind als die Organisierten, so ist wohl die Frage am Platze, aus was denn der angebliche Einheilst) erband der Berliner Bletallarbelter warkel, um den revolutionären Generalstreik aller Metallarbeiter Berlins und der näheren und weiteren Umgebung zu erklären. Oder ist auch hier schon wieder„Verrat" im Spiele? Man könnte geneigt sein, dies anzunehmen, wenn man sich die Tatsachen der letzten Wochen vor Augen hält. Am Mittwoch, dem 29. Oktober, wurde die bekannte Vereinbarung im Reichsarbeitsministerium ge- troffen, wonach die Arbeit wieder aufgenommen wird,«in neuer verbindlicher Schiedsspruch gefällt werden sollte. Am Donnerstag verkündete die„Rote Fahne":„Der Metallstreik geht weiter. Siemens streikt weiter... Die zentrale Streikleitung der RGO. Siemens fordert alle Kollegen auf, einmütig, wie sie in den Kampf getreten sind, im Kampf zu verharren." Die Druckerschwärze, mit der diese Behauptungen gedruckt wurden, war noch nicht trocken, als die sogenannte zentrale Streikleitung der RGO.-Siemens, an der Spitze der kommunistische Reichstagsabgeordnete Kohimann, wieder im Betrieb war. Diese Helden hätten sich schön ins Fäustchen gelacht, wenn die Siemens-Bclegschast auf ihren Schwindel hineingefallen wäre. Am Donnerstag, dem 30. Oktober, beschloß die Mehrheit der Streikenden, die Arbeit wieder aufzunehmen. Am Freitag, dem 31. Oktober, verkündete die„Rote Fahne":„Die Antwort der Be- triebe. Ueberwältigende Mehrheiten in zahlreichen Betrieben für Weiterstreiken unter Führung der RGO." Gleichzeitig wird der„historische Beschluß" der Gründung des „Roten Arbeiter-Verbandes" in ganz großer Aufmachung verkündet. So geht es seitenlang weiter. Noch am 4. November erschien als Beilage der„Roten Fahne" die„Streikzeitung der Metallarbeiter", für die verantwortlich zeichnete die„Zentrale Streikleitung der RGO."» also niemand. Am 5. November verkündet das Blatt der russischen Botschaft, daß 1600 Delegierte aus allen Berliner Metallbetrieben einstimmig und begeistert den Beschluß gefaßt hätten, den kommunistischen Metallarbeiter-Verband zu gründen und ihm beizutreten. Dann strömen nur so die Tausende und Zehnkausende Illetall- arbeiler in diesen„Verband". Eine große„Streikwelle" löst die andere ab. An einem Tage werden 1300 Aufnahmen, an einem anderen 1226 oerzeichnet, so daß man sich schließlich fragt, ob es denn noch Metall- arbeiter in Berlin geben kann, die diesem Verband beitreten, da doch längst alle Mitglied sein müssen. Es kam der zweite Schiedsspruch, Aufruf folgte auf Aufruf der RGO., Kämpf«. Streiks und General- streik? wurden angekündigt. Das alles vollzog sich auf dem geduldigen Papier, auf dem die „Rote Fahne" gedruckt wird. In der Wirklichkeit passierte gar nichts. Passiert war nur folgendes: In Moskau hatte der 5. Kongreß der sogenannten Roten Gewerkschafts-Internationale einen Beschluß gefaßt, in dem es heißt: „Die RGI.-Anhänger tn Deutschland müssen in Anbetracht der immer weiter betriebenen frechen Spaltungspraxis der reformistischen Führer und in Anbetracht der wachsenden Gegensätze zwischen ihnen und den breiten Arbcllermassen jetzt schon konsequent und unermüdlich auf die Organisation und Eni- Wicklung einer revolutionären Gewerkschaftsbewe- g u n g zwecks besserer und erfolgreicherer Vorbereitung und Führung der Klassenkämpfe des Proletariats hinarbeiten." Dieses war beschlossen im September und ist nochmals am 4. November in der„Roten Fahne" in Fettdruck in Erinnerung gebracht worden. Mit anderen Worten: die von Moskau bezahlten kommunistischen Lakaien haben einen Befehl ausgeführt. Sie haben ein« kommunistische Organisation aufgezogen, und sie ver- suchen, das gleiche in allen anderen Berufen in Berlin und im Reich zu tun. Das alles haben wir schon einmal erlebt. Im Frühjahr 1924 wurde dasselbe Spaltungsmanöver auf Befehl von Moskau durch- geführt. Es ist kläglich gescheitert. Aber wenn es damals der KPD. gelang, Hunderttausende aus den freien Gewerkschaften herauszulocken, ohne sie an sich fesseln zu können, so hat diesmal die KPD. nicht einmal vermocht, Hunderte aus dein Metallarbeiter- verband herauszuziehen. Alle ihre Behauptungen von den Taufen- den und Zehntausenden, die ihr zuströmen, sind aufgelegter Schwindel. Der Deutsche Metallarbeiterverband hat iirfolge des Streiks nicht nur keine Mitglieder verloren, sondern nochnahezu 2000 gewonnen. Die sogenannten RGO.-Leute haben während des Streiks nichts zu sagen gcchabt. Sie sind teilweise in die Betriebe hinein- gelaufen, ehe noch der Beschluß gesaßt war, die Arbeit wieder aufzunehmen. Sie haben keinen Finger krumm gemacht, um den Lohnabbau abzuwehren. Sicher ist nur, daß die KPD. den Befehl hat, die Gewerkschaften zu spalten. Ebenso sicher ist aber auch, daß die organisierten Arbeiter sich nicht spalten lassen. Vor dem Kohlenkampf in England. Um Lohn und Arbeiiszeii. London, 28. November.(Eigenbericht.) Zm englischen Bergbau droht ein schwerer Kampf. Die Bergarbeiter in Südwales haben den Streit angekündigt, fall» die Grubenbesitzer die Arbeitszeitoerkürzung zu einer Lohnkürzung mißbrauchen wollen, während die Unternehmer mit Aussper- r u n g drohen, falls die Arbeiter sich die Lohnkürzung nicht gefallen lassen. Mit diesem Streit Hot sich gestern, Doncrstag, das„National Coal Board" befaßt. Es kam um Mitternacht zu der e i n st i m- m i g c» Entscheidung, daß in Südwalcs kein« Lohn- k ü r z u n g vorgenommen werden soll. Der Bergarbeiterführer Cook erklärte, er hoffe, daß es zu keiner Arbeitseinstellung kommen werde. Das National Coal Board wird seine Ancmpfehlun- gen den Arbeitern und den Grubenbesitzern übermitteln und viel- leicht außerdem noch der Regierung Vorschläge machen. Di« Grubenbesitzer von Südwales erkennen dos Nationale In- dustrieamt nicht an und damit wohl auch nicht dies« Entscheidung. Sic sind jetzt aber mit ihrcni Aussperrungsplan von vornherein ins Unrecht gesetzt. 300 000 Bergarbeiter kommen dabei in Frage. Die Regierung ist mit allen Kräften bemüht, die für Man- tag angedrohte Aussperrung zu verhindern, die in allen Kreisen unter den gegebenen wirtschaftlichen Verhältnissen alz ein Unglück betrachtet würde. Das Verlangen der Grubenbesitzer aiu.die Regierung, das Inkrafttreten des neuen Bergwerksgesetzcs und damit die Verkürzung der Arbeitszeit auf 714 Stunden hinauszuschieben, ist vom. Berg- bauminister abgelehnt worden. In dem neuen Gesetz ist die Wiedereinführung des s i e b« n st Ü n d i g en Arbeitstages, der den streikenden Berg- arbeitern 1926 von der konservativen Regierung geraubt worden war, vorgesehen. Di« Labourregierung hat bei der Beratung des sohlen- gesetzes im Parlament mehrfach darauf hingewiesen, daß diese Ver- kürzung der Arbeitszeit keinesfalls zu entsprechenden Lohnkürzungen führen dürfe. Sic hat alle Einwände der Unternehmer, die die Lohnkürzung auch im Gesetz verankert wissen wollten, damit zurückgewiesen, daß die englische Bergbau- industrie seit dem großen Streik vier Jahr« lang Zeit ge- habt habe, ihre Betriebe durchzurationalisieren und den modernen deutschen und amerikanischen Zechen anzupassen. Trotzdem versuchen jetzt die Unternehmer in Südwales und in Nordschottland mit der Verkürzung der Arbeitszeit einen Lohn- a b b a u z u e r z w i n g e n, der dio schon 1926 durch den verlorenen Streik stark gedrosselten Bergarbciterlöhne um weitere 6 bis 10 Proz. kürzen würde. Daß dieser Versuch der Bergwerks- besitzer in diesen beiden wichtigsten Zcchendistrikten Großbritanmeus eine Gewaltprob« ist, gehl daraus hervor, daß in anderen Kohlendistrikten Englands, so in Eumberland und Nordwales, die Unternehmer mit den dortigen Gewerkschaften übercingekommen sind, eine durchschnittliche 90stündigc Doppelwoche bei den jetzt bestehenden Lohnsätzen eiiizuführen. Die Anmaßung der Südwaliser Zechcicherren wird von den Belegschaften mit um so größerem Recht zurückgewiesen, als die Bergwerke in Südwales zu den günstigst gelegenen, und p r o s i t r e i ch st c n Unternehmungen der englischen Kohlenwirtschaft zählen. Bei einem Teil dieser Bergwerke fallen unter anderm Transportkosten überhaupt nicht ins Gewicht, da die Kohlen sozusagen direkt von d e n H a l d e n in die Schisse rollen. Wenn trotz der hohen Qualität der dort geförderten Kohle und der außerordentlichen günstigen Lage I der Zechen viele Werke unrentabel arbeiten, so jällt dies einzig und allein auf die Unternehmer zurück, deren Politik in den letzten sllns Jahren trotz wachsender Mehrleistung der Beleg- schast einzig und allein auf Lohndruck und Schichtver- längerung eingestellt war. Einer durchgreifenden Rationali- sicrung der Zechen und der ganzen Kohlenwirtschastsorganisation waren aber die Zechenherren so lang« ausgewichen, bis die L a b o u r- regierung sie durch ihre politischen Maßnahliieil dazu zwang. Es bedarf keiner weiteren Erörterung, daß der drohend« Arbeits- kämpf für die ganze englische Wirtschast verheerende Folgen haben würde. Die Krise drückt in England womöglich noch schärfer auf das allgemeine Lebensniveau der Bevölkerung als in Deutschland. Die 2,3 Millionen Vollarbeitslosen entsprechen bei der geringeren Bevölkerungszahl des Landes 314 Mit- lioncn Erwerbslose» in Deutschland. Die Kurzarbeit bei den noch im Betrieb befindliche» Arbeiteril hat drüben einen noch weit größeren Umfang erreicht als bei uns. Wenn auch die übrige Industrie bei den riesigen Haldcubestäiiden den Streik in den ersten Wochen überhaupt nicht sühlen würde, so müßten doch auf der anderen Seite die Verluste durch Lohn- und Produkt tionsausfall um so fühlbarer in die Erscheinung treten. Llnd nun der Lohnabbau! Zechenverband kündigt Lohn- und Gehaitstarif. Essen, 28. November. Wie wir erfahren, hat der Zechenverband die bestehen- den Lohn- und Gehaltstarisc für den Bereich des rheinisch- westfälischen Steinkohlenreviers zum 3l. Tezcmber g c- kündigt. * Das war zu erwarten. Die Meldung ist nur zurückgehalten worden, bis Herr Stcgcrwald den Schiedsspruch verbindiicl> erklärt hatte, der. die Ruhrbergarbeiter trotz katastrophaler Arbeite losigkeit zur Leistung von sogenannter„Mehrarbeit" verurteilt. '-o sorgt Herr Stcgerwald für die Beseitigung der Arbeitslostgke.t Und so arbeitet Herr Stegeiwald Hand in Hand mit de» Zechen besitzer», wie er Hand in Hand gearbeitet hat mit den Schwee industriellen und den Berliner MetallindustrieUcn. Die Arbeiterschaft muß ihre Lage erkennen. Was sie jetzt erlebt, das ist die Folge der Wahl von 107 Nationalfozla- listen und 77 Kommuni st cn. Letzt erst recht! Die Angestellten wollen sich nicht unterkriegen lassen. Zur eingehenden Besprechung der aktuellen Tagesfragen hatte die Ortsgruppe Berlin des Zentralverbandes der Angestellten ihre Funktionäre am 27. November im Plenarsitzungssaal des Bor- läufigen Reichswirtschastsrats oersammelt. Wie groß das Interesse an der Erörterung dieser wichtigen Tagessragen ist, bewies die überfüllte Veranstaltung. Der 1. Bevollmächtigte, Genosse Gottfurcht, sprach in einem groß angelegten Referat insbeson- dcre über die Probleme der Kurzarbeit. Er oerwies auf die Rechtsgutachten von Sinzheimer und Flatow, die beide überein- stimmend zu Schlußfolgerungen kommen, die für die Auffassung der freien Gewerkschaften sprechen. Ziel der Organisationen muß sein, das Realeinkommen der Angestellten unverkürzt zu er- halten. Dieses zu erreichen, wird immer abhängig sein vom Macht- einsaß der Organisationen selbst. Sinn und Ergebnis jeder Kurz- arbeit kann nur sein: Unterbringung Arbeitsloser in den Betrieben und Steigerung der Kaufkraft der arbeitenden Menschen. Durch die Notverordnung ergeben sich Auswirkungen auf die Tarifverträge. Vor allem nniß bei allen tarisoertrag- lichen Vereinbarungen darauf gesehen werden, daß dem Angestellten während der Zeit seiner Krankheit sein volles Gehalt verbleibt. Verwerflich ist das Vorgehen der Kommunistischen Partei, die in dieser schwierigen Situation die Front der Organisierten sprengt, indem sie besondere„oppositionelle" Gewerkschaften auf- zieht. An dem Beispiel des„roten" Metallarbeiterverbandes ist jedoch erkenntlich, daß sie mit der Bildung eigener Gewerkschaften wenig Glück haben dürfte. Die politischen Spannungen in Verbindung mit der Wirtschafts- krise erfordern von den sreigewerkschaftlichen Organisationen Klar- heit, kühles Denken und Ueberzeligungstreue. Trotz aller Reaktion wollen wir uns unseren gesunden Optimismus erhalten. Wir wer- den sicher die Schwierigkeiten überwinden. Vor alleni gilt es, die Arbeitslosenversicherung zu erhalten, weil mit ihr das Gebäude der deutschen Sozialpolitik steht oder tällt. In einer ausgiebigen Diskussion nahmen verschiedene Redner Stellung.zu den vom Genossen Gottfurcht behandelten Fragen. Allseitig wurde zum Ausdruck gebracht, daß es gerade jetzt gilt, zusammenzustehen und für die gewerkschaftliche Organisation zu werben. Berussübliche Arbeiislosigkeit. Keine Verschlechterung geplant. Der Termin für den Beginn der b e r u f S Ü b l i ch e n A r- beitslosigkeit wird, wie wir erfahren, in den nächsten Tagen festgelegt werden. Im Vorjahr wurde er bereits Mitte November angeordnet und auf den 9. Dezember anberaumt. Dieses Jahr ist die Festlegung des Termins infolge des verhältnismäßig milden Wetters nicht so dringlich. Mit der Anordnung des Termins für den Beginn der be- rufsüblichcn Arbeitslosizkeit sind, wie gegenüber irrtümlichen Meldungen betont werden muß, keineswegs irgendwelche Ver- änderungen in der Unter st ützung der Saisonarbeiter verbunden. Diese ist auf Grund des Gesetzes vom 29. Oktober 1929 festgelegt und bedeutet gegenüber dem früheren Zustand eine er- hebliche Verbesserung. Bergarbeiierlöhne in Oberschlesien. � Mft dieser Ueberschrift brachten wir am 7..November eine Eni- scheidung des Reichsarbeitsgerichts zugunsten der auf Zahlung von Tariflohn klagenden Bergarbeiter. Hierzu erhalten wir vom Ar- beitgeberoerband der Oberschlesischen Montan- i n d u st r i e eine Art Richtigstellung. „1. Es handelt sich nicht um einen Arbeiter der Karsten-Zentrumgrube, sondern um einen Arbeitnehmer einer Untcrneh in erfirm a. 2. Es handelt sich um Arbetten über Tage. 3. Der Tarif für den oberschlesischen Steinkohlenbergbau kam nicht in Frage. Da ein Tarif für die fraglichen Arbetten nicht besteht, hat das Gericht den Bergarbettertarif nur als Maßstab für eine „angemessene" Entlohnung zum Anhalt genoinmen. 4. Eine zehnstündige Arbeitszeit besteht im ober-» schlesischcn Steinkohlenbergbau außer bei Arbeitsbereitschaf t(!) weder über noch unter Tage." Die Tatsache, daß der klagende Bergbauindustriearbeiter, ob er nun direkt im Dienste der Karsten-Zentnimsgrube tätig war oder bei einer Unternehmcrfirma, die mif dieser Grube Arbeiter be- schästigt, bei zehnstündiger Arbcilszeil täglich drei Mark Lohn be- kam, wird nicht destritten. Diesem Zustand mußten erst Landcsarbritsgericht und Reichs- arbcitsgcricht ein Ende machen. EnglifcheEifenbahnergegenLohnaöbau London, 28. November.(Eigenbericht.) Ilm den englischen Eisenbahnern die beantragte Lohnkürzung schinackhaft zu machen, haben die 69 Direktoren der vier englischen Eisenbahngescilschnften in eine 2Sprozenttge Gehalts- kürzung«ingewilligt. Allerdings empfangen diese Direktoren jahrlich nicht weniger als IIS Millionen Gchaltl Verhungern iverden die 69 also trotz der 2?prozcntigen Einkopimensverininde- rung nicht. Dagegen werden die Eisenbahner und Angestellten von einen, durchschnittlich zehnprozentigen Lohnabzug, wie er beantragt ist. so stark betroffen, daß sie durch ihr« Gewerkschaften am Freitag nochmals erklären ließen, unter keinen tirnftänden in die Lohnverminderung einwilligen zu tönnen. Die Lohnabbaukampagne. Magdeburg. 28. November. Der Verband Mitteldeutscher Metallindustrieller, Magdeburg, hat de» am Tarif beteiligten Gewerkschaften das Lohnabkom- ni e„ zum 31. Dezember 1930 gekündigt. <«. Malchin«»setz«! Sonntap. 80 Zlovemicr. 10 Ubr. KammerlSIe. -t a S U.ln önner�ersammlun«. SieHnnamüim« jut Neeiwihl uim. Jeder Vcrtrauensmonn soll erscheinen. Der B-rsw-d de,«D!«. iffreie Gewerkschafts-Luaeni> Berlin ' Sf;'""3' epvc jchotmitalictzet! Sonniaa. 0 lll)t. Treffen Zur Tolirt nach e-crimu am?as„chof Gesundbrunnen tBullenMinfel)- Achtuua, ... ssanderleiterl Montan. I. Tezemder. Ubr. im Caal III de) Ge. «flWm S0'tro0:.Erdncschichtliche Beabachtuno-n". 'arupve vesZenlralverbandes der Anaesteltte.o Sounabend finden fofoenl* Beranstaltunqen statt: Acute. 20 Uhr, ÄAVtTch' und Elternabend in der Aula dcr Aeinrich-Schlie� 49, unter dem Motto:„Eltern, welchc GrselKcha't an-J-fl lüC C�e statt. Starten sind noch am Einganq.�u babcn zum Preise von 20 Pfennig«