BERLIN Sonnabend 2?. November 1930 10 Pf. Nr. 560 B 279 47. erfcheiuttäslich auderS»«»t«gs. Augleich Abeudallezabe de».Vorwärts". DekuzSprcis beide Ausgaben S-;Pf. oro Woche. S.60M. pro Monat. Rebaktion und Exredition-, BerlinSWSS.Lindenfir.Z „IbwasÄi" Ant eigen» reis: Die einspaltige Noirpareillejeile so Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m.b.H.. Berlin Nr.S7SZ«. Fernsprecher: Dönhoff 202 bis S?? Krauenmord in Berlin N H? jahrige Konfitürenhändlerin erdrosselt und beraubt aufgefunden Ein Supitalvcrbrechcn, das vermutlich sckion in den gestrigen spaten Abendstunde» verübt worden ist, ivurde heute vormittag im Hause T r c s k o w st r. 2? entdeckt. Die Stjährige Frau Anira Al a t s ch k e wurde dort in ihrer Schlafstube, die sich unmittelbar an Ihr Koositürcngeschäst augrenzt, erdrosselt ausgesunden. Zloch dem ersten Befund steht es auher Zweifel, dah an der betagten Frau ein Raubmord verübt worden ist. Die Ermordete betreibt in dem 5)ause schon seit vielen Jahren ihr jkonfitürengeschäft. Trotz ihres hohen Alters war die alte Frau, die ohne Anhang ist, noch von früh bis spät in ihren' Laden tätig. Regelmähig vor 8 Uhr öffnete Frau Matschkc ihr Geschäft, ganz gegen diese Gewohnheit blieben heute die Rolladen geschlossen. Als sich bis um 10 Uhr noch immer im Laden nichts regte, klopften Hausbewohner an das Hinterfenster. Als keine Antwort«rfolgts, schöpften die Leute Verdacht und benachrichtigten das Polizeirevier. Die Beamten öffneten gewaltsam die Eingangslür und fanden Frau ZNatschkc regungslos in ihrem Bell. Gleich der erste Anblick gab zu erkennen, daß an der Konfitürenhändlerin ein Verbrechen verübt worden war. Di« Hände waren mit einer Zuckerschnur gefesselt und das Gesicht war mit einem Lappen bedeckt. Ter Hals der Toten zeigte an verschiedenen Stellen Würgemale. Es bat den Anschein, daß Frau M. bereits iin Bett gelegen hat, als sie von dem unbekannten Täter, der offenbar mit den Gewohnheiten der alten Frau vertraut war, überrascht und erdrosselt worden ist. Es handelt sich zweifellos um einen Raubmord. Aach den lehken Feststellungen der Rlordkommission und nach dem ärztlichen Befunde Haudell es sich um einen Lustmord. Der Bolizelpräsidenl hat aus die Ermittlung und Ergreifung des Täters 1000 M. Belohnung ausgefehk. Oer neue Schlafbursche. Die Feststellungen der Mordkommission in der Treskowstr. 27 begaben, daß die ermordete 67 Jahre alte Konfitürenhändlerin Anna Matfchke ihr kleines Eckgeschäft schon seit vielen Jahren betreibt und in der ganzen Gegend bekannt ist. Die Behausung besteht außer dem Laden, in dem nur wenig und geringwertige Ware lagert, aus einem«infenstrigen zur Straße gelegenen Zimmer und einem senster- losen Alkoven hinter dem Verkaufsraum. Das kleine Zimmer hatte Frau Matfchke hin und wieder vermietet, in der letzten Zeit hatte es aber leer gestanden. Am Donnerstag erzählte Frau M. der Pfärtnerfrau, daß sie jetzt einen neuen Schlafburschen gefunden habe und hofje, einen ordentlichen Mieter gewonnen zu haben. Sie selbst schlief in dem Alkoven, in dem eine ziemliche Unordnung herrscht. Di« Tote lag zugedeckt und halb angezogen in ihrem Bett. Der Kopf vxir mehrfach von einem langen Handtuch vmschlungen, durch das Blutstropfen hindurchgefickcrt sind..Allem Anschein noch ist der Tod durch Ersticken eingetreten, doch muß hier erst die genau« ärztliche Untersuchung abgewartet werden, lieber die Persönlichkeit des neuen Mieters weiß man noch nichts. Gesehen hat ihn niemand, und das Bett in dem für ihn bestimmten Zimmer ist zwar ausgeschlagen, scheint aber nicht benutzt worden zu sein. Ob er überhaupt schon zugezogen war oder erst zum 1. Dezember erwartet wurde, steht nicht fest. Ob der noch unbekaimte Täter, für dessen Ermittlung eine B e- kohnung von 1000 M. ausgesetzt ist, es auf«inen Raub oder ein Siltllchkcitsverbrechen abgesehen hatte, können erst die weiteren Nachforschungen ergeben. Wickitig wäre die Feststellung, wer der neue Mieter war und ob er sich schon in der Behausung aufgehalten hat. Mitteilungen von Personen, die zur Aufklärung beitragen können, werden an die Mordkommission Zapfc-Rassow im Polizei- Präsidium erbeten. Amerika in Frost und Eis. Starke Kältewelle.— Bisher SO Tote. New Zork. 29. November. Der mitklerc Westen der Vereinigten Staaten Hot zur Zeit unter einer starken Kältewelle zu leiden, die bereits den Tod von SO"Personen herbeigeführt Hot. 3n vielen Bezirken des von der Kältewelle betroffenen Gebietes herrscht schwere Not. Zn den Dststaalen hat der Winter gleichfalls seinen Einzog gehalten. Die Stadt New York hatte gestern ungefähr $ Grad Kälte, was den kältesten 2S. November seil 30 Ähren »»•deutet. Schon wieder einer abgesägt. Stalin hat Oserski wegen seiner Zugehörigkeit zur Nechtsopposition vom Posten eines Mitgliedes bos Obersten Volkswirtschastsratcs enthoben. Zu seinem Nachfolger »«rde Zdtjchevawr ernannt. Fricks Knüppelgarden �eichsbannerauw in den Graben gestürzt s a b u r g,'2i>. November. lEigenbericht.j Am Freitag veranstaltete die Ltoburger Sozial- demokratie eine glänzend verlaufene Versammlung mit dem Neirhstagsabgeordneten Dr. Hocgner München alä Redner. Als die Versammlungsteilnehmer von Neustadt bei Roburg nach Schluß der Versammlung in sechs Last- autos zurückkehrten, wurden sie auf der Straße nach Neustadt, kurz hinter der Stadt, von National- sozialisten überfallen. Tie Führersitze der Autos wurden mit Steinen und Bierflaschen de- warfen. Der Führer deä letzten Lastwagens wurde am Kopfe erheblich verletzt und verlor die Herrschaft über den Wagen, der eine drei Meter tiefe Straßenböschung hinabfuhr. Der Wagen überstürzte sich zwei« mal und blieb kopfüber liegen. Wie durch ei« Wunder ist niemand tödlich verunglückt. Zwei Schwer- verletzte wurden durch herbeigeeilte Sanitäter in daä Landcäkraukcnhaus Koburg eingeliefert. Tie leichter Verletzten konnten die Fahrt nach Neustadt fortsetzen. Auf dem Wagen befanden sich etwa 40 Männer und Frauen. Tie Polizei nahm umfassende Ermittlungen vor und konnte in der vergangenen Nacht bereits drei bekannte und berüchtigte Nationalsozialisten, die mit im Verdacht der Täterschaft stehen, verhaften. Ter Arbeiter- schaft Koburgs hat sich eine ungeheure Erregung bemächtigt. „Militärische Ltebungen." Frick weiß nichts vom Stahlhelm. Di« sozialdemokratische„Ostthüringer Tribüne" stellt in ihrem Kommentar zu der Absicht Fricks, die Ortsgruppe Gera des Reichs- Am Schnürchen -M.- WlR, BRAUCHEN PRiMA OESTÄNDNISSE Nicht BUwosseN der- fAi BE-STF A»LECr.' ... gehe« bei Krylenko die Geständnisse der Angeklagten! banners aufzulösen, zunächst fest, daß Frick zweiietlos falsch unstr- richtet sei,„wenn er den Spaziergang des-Geraer Reichsbanners als eine militärische Uebung"' betrachte Das Reichsbanner werde jederzeit in der Lage sein, zu beweisen, daß es keine m i l i- tärische Hebung abgehalten habe und gar nicht daran denke, in derartige Spielereien zu versallen, die es gern dem Stahlhelm und der SA. der Nazi-Partei Überlasse. Wörtlich schreibt das Blalt dann weiter: „Es steht fest, daß der S t a h l h e l m. Ortsrupp« Gera. seit Jahr und Tag militärische Hebungen abhält. Wir haben darüber mehr als einmal berichtet, selbst Geheim- befehle der Stahlhelm leitung wurden von uns vcr- öffentlicht. Eine aufmerksame und gewissenhafte Po.!!.zei l)ötte reichlich Gelegenheit, sich noch der Seite mit Erfolg zu betätiaeu. Aber gegenüber dem Stahlhelm und den anderen nationalen Der- . bänden, die sich aus den Bürger- und Revanchekrieg vorbereiten, drückt man beide Augen zu." Wir geben diese Acußerung des Geraer Blattes wieder, damu das R e i ch s m i n! st e r i n m des Innern, Abteilung Berfassungs- wesen, Gelegenheit findet, dem Hakentreuz-Winister von Thüringen einige Fragen nach der Tätigkeit der Thüringer Polizei vor- zulegen. Wir erwarten au? diese offene Mitteilung auch bald einen offenen Bescheid. Frick läßt überwachen! Uniformierte Beamte in republikanischer Versammlung. Gera, 29. November.(Eigenbericht.) Die provokatorische Berbotsandrohung des thüringischen Innen- Ministers Frick gegen das Geraer Reichsbanner hat am Freitag die gesamte organisierte Arbeiterschaft Geras zu einem eindrucksvollen Prot« st in einer gewaltigen Massenversammlung zusammengerufen. Diese Versammlung, die schon lange vor Beginn über- füllt war, wurde zu einer entschiedenen Aktion gegen die reaktio- närcn Umtriebe der Natioiialsozialrsten in Thüringen. Bezeichnend für das Gewaltregiment Dr. Fricks war, daß die republikanische Kundgebung zum erstenmal nach der Revolution von uniformierte» Polizeibeamten und einer Anzahl Kriminalbeamter im Austrage de» nationalsozialistischen polizeidireklor» Kehrt überwacht wurde. Als vor Beginn der Versammlung diese Tatsache von dem Vorsitzen- den bekanntgegeben wurde, machte sich unter den Versammelten «ine begreisliche Empörung geltend, die in lauten Zwischenrufen ihren Ausdruck fand. Als erster Redner betrat der Gauführer des Reichsbanners Dr. Dietzel- Weimar die Tribüne. Es wies«s auf das entschiedenste zurück, daß man das„Fuchs- und Jägerspiel", wie es bei dem Geraer Reichsbanner seit Jahren am Bußtag üblich sei, mit einer.militärischen Uebung" verwechsle. Zu militärischen Uebungen gehörten Waffen, aber viele Rcichsbannerleut« hätten nicht einmal Spazierstöcke bei sich getrogen.— Petrich- Gera ging apf die faschistisch« Gefahr ein und charaklersierte das ver- brechersche Treiben der Nationalsozialisten. Am Schlüsse der Kundgebung wurde unter stürmischem Beifall eine Entschließung angenommen, in der das Geroer Reichsbanner und die übrigen Versammelten schärfsten Protest genen den Plan Fricks erhebt, die Ortsgruppe Gera des Reichsbanners aufzulösen. In der Entschließung heißt es weiter, daß sich die Ortsgruppe des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold streng zur republitani- schen Reichsoerfassung bekennt und daß sie vom Reichs- Innenminister erwartet, daß er der Denunziation Fricks r Folg« leistet. �stadauhorde verurteilt. Aktionffplan zu? Niederknöppelvng der Bepublitoncr. Kiel. 29. November.(Eigenbericht.) Das Kieler Schöffengericht verurtelll« am Freitagabend im Schnellverfahren eine aus zehn Personen bestehende nationalsozialistische SA--Ablellvng. Von den zehn Leuten, die sämtlich an der Saalschlachl in preetz bc- fdßflt gewesen sind, wurden achk zn je drei Movaken Sc- Stinkbomben Kaschischsn stürmen eine rev Paris, 29. November.(Eigenbericht.) Die franzosische Liga für Menschenrechte hatte für Freitagabend ein« öffentliche Volksversammlung zur Diskussion über das Thema „Deutschland und die Revision der Verträge" einberufen. Die Ab� geordneten Cot und Grumbach sollten in der Versammlung das Wort ergreifen. Der Saal war aber schon lange vor der Er- öffming der Sitzung von starken Abteilungen von Radautruppcn der Action Frangaise und der„patriotischen Jugend" besetzt worden. Als der Vorsitzende der Liga, Viktor Bäsch, die Versammlung eröffnete, stürmten die patriotischen Radaimiacher aus ein Signal hin geschlossen auf den Vorstandstisch los. Bäsch wurde schwer mltz« handelt und mutzte mit mehreren Verletzungen nach Hause transportiert werden. Andere Abteilungen der patriotischen Jugend gingen mit Knüppeln und Stöcken gegen friedliche Dersammlungs- teilnehmer vor und drängten sie aus der Tür hinaus. Von der Galerie regnete es unaufhörlich Stinkbomben in den Saal herab, bis die Luft vollkommen verpestet war. Die Polizei traf zu spät am Schauplatz ein und konnte nur noch zwei Verhaftungen vornehmen. Ältim für die Grenzrevision. Paris, 29. November.(Eigenbericht.) Der sozialistische Parteiführer Leon Blum untersucht im„Popn- lairc" die Frage, was die sozialistische Internationale für die Rem« sion der Friedensverträge unternehmen könnte. Im Gegensatz zu gewissen Parteimitgliedern vom linken Flügel, wie Zyromski und Deat, die, wie Leon Blum erklärt, bereits den Abschluß regcl- rechter bindender Verträge zwischen den sozialistischen Bruder- Parteien fordern, für den Fall, daß sie einmal gleichzeitig in der Regierung sein sollten, gibt Leon Blum der Ansicht Ausdruck, daß auch in Paris der Augenblick noch nicht gekommen sei, in dem die Sozia- listische Arbeitcrinternationalc ihren Friedenskongreß von Versailles abhalten und die neue Karte eines gerechten Europa aufstellen könne. Man würde die Durchschlagskraft der svzialistischen Internationale kompromittieren, wenn man sie zu früh in den Kampf einsetze. Viel gefährlicher aber als ein verfrühter Revisionsoersuch,(0 schließt Leon Blum seinen Artikel, sei die gegenteilige rein negative Einstellung. Wenn man jeden friedlichen Rcvisionsvcrsuch mit einem starren Veto eventuell sogar unter der Drohung mst einen' neuen Krieg verhindern wolle, schließe man Europa„in einen Dampfkessel ein, der unter steigenden inneren Atm asphören früher oder später explodieren muß". USA. und der Weligerichshos. Hoover betreibt den Beitritt. woshingtoa. 29. November.(Eigenbericht.) Präsident Hoooer beschloß überraschend die Uebermittlung des Benrittsprotokolls Zlmerikas zum Haager Wellgerichtshof an den am Montag zusammentretenden Bundesseaat zwecks Ratifika- t i o n. Der Entschluß wurde gegen den Rotschlag der Senats- führer gefaßt, die den Präsidenten vor der starken Gegnerschaft im Bundessenat und der durch longhingezogene Debatten eventuell notwendig werdenden Einberufung einer Frühfahrs-Sondersession des neugewähllen Bundeskongreffes warnten. Die Memungen im Bundessenot und Bundeskomitee auswärtiger Angelegenheiten über die Zweckmäßigkeit des Beitritts sind g e t e i l t. Hoover wurde wohl von der Erwägung geleitet, daß der kommende Lundeskongreß noch regierungsfeindlicher als der gegenwärtige sein werde und eine spätere Erledigung daher aussichtslos fei. fängniz verurteilt: ein Angeklagter erhielt vier Atonale, einer wurde freigesprochen. Die zweifellos auf elocn vorbereiteten Aktionsplan zurück- zuführenden U e b e r f ä l l e der Ztalionalsozialiften au den ver- fch'cdcnslen Orten Schleswig-Holsteins— auch in hademarfchcu haben die Nationalsozialisten bei einem Ueberfall mehrere Ver- fammlungsbesuchcr niedergeschlagen— haben in der Bevölkerung eine außerordenllichc Unruhe hervorgerufen. Dort. wo die Nstiooalsozialisten sich stark suhlen, wie an einzelnen Küsten- mfjn, hoben sie gedroht, jeden ihnen zu Gesicht kommenden R»ichsbannermann niederzuschlagen. Die Folge ist, daß an der Oslküste Flugblottverteiler für die am kommenden Sonntag stattfindenden candesausschuhwahlen nur in geschlossenen T»up,p, die Ortschaften aussuchen können. Oer Brief. Senatelpräsident Grühncr gegen Staatssekretär Abegg. Heute vormittag wurde in Moabit vor der Privatklageabteilung des Amtsgerichts Mitte unter dem Einzelrichter Amts- gericht-rat B u e s«ine Prioatklbgesache des Senatspräsidcnten am Oberverwaltungsgericht, G r ü tz n« r. gegen den Staatssekretär im preußischen Innenministerium, Dr. Abegg, verhandelt. Grützner hatte am 3. Februar 1930 an den preußischen Mi- Nisterpräsidenten Dr. Braun einen Brief gerichtet, in dem er sich mit den Prioatangelcncnheiton des damaligen preußischen Ministers des Innern, Grzesinski, befaßte. Minister Grzesinsk reichte mehr al» drei Wochen später, am 2ö. Februar, sein Abschiedsge« such ein. Als er sich am 1. März von den Beamten seines Mini- fteriums vcrabschiedelc, sagte Staatssekretär Abegg in seiner An- jprache an den scheidenden Minister u. a.:„Für die V e r l e u in- der und niederen Gesellen, deren vergiftete Angriffe Ihren Entschluß reisen ließen, haben wir alle ohne jede Ausnahme nur das Gefühl empörter Verachtung." Diese Aeuherung, die den Gefühlen der Gesamibeanitensckiaft entsprach, bezog G r ü tz n e r auf sich. Er bedrängte den Nach- folger Grzesinskis, Dr. W a« n t i g, mit Briefen und Eingaben, um Staatssekretär Abegg zu einer Erklärung zu oeranlassen, daß sich der Passus der Rede von„Verleumden' und niederen Gesellen" nicht auf ihn bezöge. Waentig hat ein derartiges Eingreifen jedes- mal aus dienstlichen Gründen abgelehnt. Darauf erhob Grützner die Privatbelcidigungskloge. Er lud eins Reihe von Beamten, darunter den preußischen Ministerpräst- denten Dr. Braun, den Polizeipräsidenten Grzesinski, den General- staatsanwalt Dr. Wilde, den Polizeipräsidenten i. R. Zörgiebel und mehrere Ministerialräte des preußischen Innenministeriums als Zeugen. Diese Zeugen haben der Ladung nicht Folge ge- leistet, da ihnen die 2l u s f a g e e r l a u b n i s für inner- dienstliche Angelegenheiten nicht erteilt worden ist. Auch Staatssekretär Abegg war wegen dringender dienstlicher Behinderunn nicht erschienen. Er wurde jedoch durch Rechtsanwalt Landsberg vertreten. Landsbcrg betonte, daß Grützner bei feiner Klageerhebung von ganz falschen Voraussetzungen ausgeht. Sein Brief an Dr. Braun sei bei der Frage des Abschiedsgesuchs des Ministers Grzesinski nebensächlich gewesen und Dr. Abegg habe bei seiner Rede, bei der Flut der gemeinen Verleumdungen gegen Grzesinski kaum daran gedacht, sich auf Senatspräsident Grützner speziell zu beziehen. Dagegen behauptet Grützner, daß in der Beamtenschaft diese Worte aus der durch den Amtlichen Preußischen Pressedienst verbreiteten Rede auf ihn gedeutet worden seien. Als Zeugen hierjür hat«r". a. den wiederholt charakterisierten Landrat Söhnt« sein Herz gehört seinem Sohn, für den er alles spart, damit er einmal glänzend im Leben dastehe. Und nun muß er, da sein Sohn im Abiwrientenexamen steht und der Alle die Prüfungs- kommission durch ein feudales Essen und eine groß« Stiftung zu bestechen gedenkt, erfahren, daß dieser Sohn gar nicht als sein Sohn gilt, sondern als Sproß des gehaßten Barons. Alles bricht in ihm zusammen, er will seine Frau erschlagen, die ruhig alles ein- gesteht, und den Sohn aus seinem Herzen reißen und Rache an allen nehmen. Aber als er erfährt, daß der Sohn sich für ihn geschlagen hat, da schmilzt alle Bitternis hinweg, und er empsängt ihn, der siegreich aus dem Examen zurückkehrt, mit offenen Armen. Rittner hat noch ganz die naturalistische Technik, Wahrhell und Wirtlichkell sind noch immer seine Parolen, er zeichnet Zug für Zug und häuft Einzelheit auf Cinzelhell. Noch immer hat er sein alles Temperament, mit dem er manchmal beängstigend darauf- losfährt. In seinem Mienenspiel wird die ganze Skala von der stärksten Leidenschaft bis zum feinsten Humor lebendig. Wenn auch die Stimme noch nicht ganz den Bedürfnissen des Tonfilms an- gepaßt ist, so haben wir doch die Gewißheit, daß der Film hier eine große Eroberung, wenn auch außer Reihe und Glied, gemacht hat. Herb und mit dem Mut zur Tat charakterisiert Franziska Kinz, seine Frau. Martin Herzberg ist ganz der frische, fröhliche Jung«, der seines Allen gewiß ist. Sein weibliches Gegenstück ist Elfriede B o r o d i n.' Einige Nebenfiguren streifen die Karikatur. Famos ist Gustav N i ck e l t als Dompropst. S j ö st r ö m zeigt seine schwedische Eigenart wesentlich nur im Stimmungsmäßigen der Landschaft und im Milieu. D. überhaupt nicht in Frage. Er müßte sein Or�an ganz anders in der Gewalt haben. Doch ist eine tröstende Tatsache festzustellen, Harry Piel singt wenigstens nicht. Als Tonfilmregisseur versagt er vollends und nur die Rasereien mit Motorrad und Automobil (also seine alte bekannte Arbeit), die macht ihm so leicht keiner nach. Die Photographie ist störend unterschiedlich. Die Landschafis- aufnahmen sind hervorragend: man kann sich kaum satt sehen an den Reizen südländischer Gestade. Hingegen sind die Personenauf- nahmen oft herzlich schlecht. Der Film, der das vergröberte Sehen lehrte, hat ein eigenartiges Schönheitsideal zurechtgestutzt. Alles Natürliche ist heute aus dem Frauengesicht oerbannt. Es wird künstliche Aufmachung zur Schau getragen, ganz gleich, ob es sich um weg- rasierte und wieder nachgezogene Augenbrauen oder um angeklebte Wimpern handelt. Bei Zuschauern, die das Zurechtmalen lieben, gellen sicher Valery B o o t h b y und Oliva Fried für Schön- hellen, schauspielerisches Können ist bei den Damen nicht zu«nt- decken. e. h. Hellsehen oder Varieie? Schaustellung im Äachsaal. Max Möcke, ein in Okkaltistenkreffen unbekannter Hellseher, stellte sich dem Berliner Publikum im Bachsaal vor. Zum ersten Tell der Veranstaltung, in der Möcke über sich selber, sein Hellsehen und seine Hcllsehtheorien redete, ist wenig zu sagen. Die sachlichen Behauptungen sollten durch Experimente erst begründet werden, Äs« Wrack vor der tlbemündung In dem schweren Orkan am Sonntag, der so stark in der Nord- see wütete wie seit etwa 2ss Jahren nicht, strandete der Harn- lnirgcr Dampfer„Louise Leonhardt" auf dem Groß-Bagclsand, wobei die gesamte 31 Mann starke-Besatzung den Tod in den Wellen fand. Jetzt ragt nur noch ein Wrack aus den Fluten über der Sandbank hervor. das übrige war ziemlich reklametüchtiges Gerede, untermischt mit mit faustdicken Schmeicheleien für das Publikum. Nach einer ermüdenden Stunde begannen die Experimente. Möcke versucht, aus Gegenständen, die ihm zugereicht werden, Schick- sale mitzuteilen, den Inhalt geschlossener Briefe zu erraten»n!) einiges über ihre Absender auszusagen usw. Neben sehr deuttichen Fehlschlägen steht unzweifelliaft Richtiges. Die Mehrzahl des Publi- kums klatschte begeistert. Wer ober solchen Hellsehsitzungen oft bei- gewohnt hat, weiß, daß derartige Experimente durchaus nicht uu- bedingt hellseherische, sondern oft ganz andere Fähigkeiten beweisem Ich habe schon viele Hellseher experimentieren sehen. Bisher noch keinen, der in Wahrheit„hell'ssah; die ehrlichsten unter ihnen lösten ihre Aufgabe mit Hilfe von besonders scharf entwickelter Menschen- kenntnis und Beobachtungsgabe, die übrigen durch geschickte Frage- stellung, artistische Fähigkeiten oder auch durch einfachen Betrug. Es wäre jedoch billig und ungerecht, Max Möcke ohne weiteres einer dieser Gruppen einzureihen; dieser Abend im Rampeiüicht bot überhaupt keine Möglichkeit, ihn zu beurtellen; die von ihm behaupteten Fähigkellen lassen sich danach weder bejahen noch verneinen, Die Möglichkeit, daß sich von Gehirn zu Gehirn eine Ver- bindung wie zwischen Radiosender und-empfänger entwickeln läßt, ist durchaus nicht auszuschließen: also die Möglichkeit einer reinen Telepathie, mit Hilfe derer sich dann ja die erstaunlichsten Cxperi- mente ausführen ließem Daß die Entdeckung solcher Möglichkell eine außerordentlich große wissenschaftlich« Bedeutung hätte, steht außer Frage. Möcke wird es aber anders als durch solche Schau- ftellunaen auf dem Podium beweisen müssen, ob er imstande ist, Tubintungen herzustcllell, die bis ii-s Unterbewußtsein reichem 1«. Arbetterchor-Konzerie. Esalbau Friednchshaill. Zu einem Konzert haben sich der Männerchor„Friedricheham" und der Ellernchor der welllichen Schule Danziger S-raße mit der Neuköllner Musikvereinigung 1912 zusammengetan. Die chortschen Leistungen vereinigen sich zu einem recht erfreulichen Gesamtbild. Und gewiß ist auch anzuerkennen, wie dieses Orchester unter der kundigen Führung seines Dirigenten Walter Judcrsleben auch in großen Aufgaben, etwa wie Beethovens Egmoitt-Ouver- iure, besteht. Freilich wird an solchem Abend wohl nicht mtt hoch- sten Ansprüchen der Hörer gerechnet. Zum Schluß des allzu reich- Halligen Programms, das in seinem dritten Teil mtt neueren Ten- denzliedern der Stimmung der Zett Rechnung trägt, verbinden sich die Stimmen des Männerchors(Chormeister Karl Härtung) und des gemischten Chors(Thormeister Paul Weihrauch) mit den Jnstrumen- ten des Orchesters zu einer eindrucksvollen Wiedergabe von Fried- rich Stichers„Heiige Freiheit" in der geschickten Bearbeitung von Wilhelm Knöchel. Der Berliner Lendvai-Chor, dem wir die künstlerisch be- deutsame Tat eines großen Lenvai-Abends in der P h i l h a r m o- n i e danken, hat für sein„Bolkslümliches Konzert" im Saalbau Friedrichshain ein weniger anspruchsvolles Programm aufgestellt: allere Lieder und Volkslieder. Auch in der Bewältigung befchei- denerer Aufgaben zeigt sich die hohe Kullur, die dieser Chor unter der Führung G. O. Schumanns erreicht. Mtt den Ehorvor- trägen wechseln instrumentale Darbietungen des D e u t s ch e u Arbeiter- Mandolincnbundes, die mtt Recht herzlichen Beifall auslösen. X.?. Ein Rechenschaftsbericht össReichskunftwarts. Rcdslod spricht über:„Staatliche Feiern". Im großen Sitzungssaal der Akademie am Pariser Platz sprach Reichskunstwart Dr. Redslob über„Staatliche Feiern". Es handelt sich hierbei natürlich um die Frage: wie weit kann sich der Staat bei seinen Feiern der Kunst bedienen und wie weit kann die Kunst seinen Absichten folgen, ohne Einbußen zu erleiden? Das scheinbar Problematische dieser Wechselwirkunz löst sich bei näherem Zusehen in die harmonische Feststellung auf, daß der Staat heute, als Demokratie, die geistige Ucberlegenheit der Kunst anerkennt und sich hier ihrer Führung willig überläßt. Wir haben das ja bei den verschiedensten Gelegenheiten des letzten Jahr- zehnts erlebt: bei vorwiegend tragischen Gelegenheiten, Totenfeiern für unsere Großen: Nothenau, Eberi, Stresomann und bei der Rheinlandbefreiungsseier, bei der sich Kunst und spomancr Enthusxis- mus so wundervoll oermähllen. Redslob machte sich seine Aufgabe jedoch nicht so leicht, de stellte fast so etwas wie eine Theorie auf, entsprechend der unselig zwiespältig deutschen Geschichte, einer antithetischen Wechselwirkung von staatlicher Osfizialität und Volksfest, die im 19. Jahrhundert in ständigem Krieg mtteinander lagen. Noch im 18. Jahrhundert diente die Kunst— vor allem Dichtung und Musik— den anerkannten Gewalten, man denke an die„Gelegenheitsarbeiten" Goethes oder Mozarts für ihre Fürsten und Hoffestlichkeiten. Nach 1800 trat die Well feindlich auseinander in den Obrigkeitsstaai, dessen Feiern den Typus der Parade für die großen Herren(mtt dem Voll als Zaun- gaste) annahmen, und in das notwendigerweise opponierende Volt,• dessen Feste immer einen revolutionären) einen geistigen Sinn hatten,"" vom Wartburgfest 1817 bis zur großen Schillsrfeier 18S9. Gegenpol™ bildeten die süddeutschen Vollsfeste, wie die Münchener Oktober-' wiese, bei der die Fürstlichkeiten als zuschauende Gäste erschienen — eine für Berlin unmögliche Vorstellung. Heute gilt es, den üblen Geist der Parade auszumerzen(der sich immer noch im kritiklosen Empfang exotischer Fürstlichkeiten bemerkbar macht) und die Ver- -bindung von Volksfest und Staatsfeier herzustellen. Wir sind auf dem besten Wege dazu, nicht zuletzt durch die liebevolle Arbeit des Reichskunstwart? selber, dessen Tätigkeit hier sich am wohltätigsten bemerkbar macht. Er hat soeben auch eine Publikation ermöglicht, die eine Sammlung deutscher Festdichtungen und Unterlagen zu musikalischer Komposition aus klassischen und vor allem modernen Dichtern herausbringt, das schönste Geschenk, das Redslob dem deut- scheu Volk zu Weihnachten 1930 beschert. ?aul Ferck. Sclirnitlt. Dr. Ehajes Honorarprofessor. Der preußische Minis-" für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat Prof. Dr. Chaj!! zum Honorarprofessor in der Fakultät für Allgemein« Wissenschaften der Technischen Hochschule Berlin ernannt. Slädlische Oper. Die am 2. Dezember, vormittags lOVi Uhr. stattfindende Generalprobe zu Humperdlncks„Hansel und Grete!" und dem pantomimischen Tanzspiel„D i e P u p p e n s« o" wird von der Städtischen Oper wiederum den Erwerbslosen zugängig gemacht werden. Meldungen sind an die zuständigen Organisationen zu richten. Der Kunstpavillon der Ausstellung in Sevilla ist völlig zu- sammengestürzt. Es ist vorher noch rechtzettig gelungen, Kunst- gegenstände im Werte von über 30 Millionen zu bergen. hau» Weit» uuli Gruppe geben am».Dezember im Bach- S»al ihren ersten diesjährigen Tanzabend. Drei Typhussrkrankungen. Zwei Kranke in der Genesung.- Kein Anlaß zu Besorgnissen Aus zwei Häusern der Brunnenstraß« waren drei Fälle von Typhuserkrankungen gemeldet, die aber nach Mitteilung von zuständiger Seite keinerlei Anlaß zu irgendwelchen Besorgnissen geben. Di« Erkrankungen liegen bereits einige Zeit zurück und ein ILjähriger junger Mann, sowie ein 7 l- jähriger Junge, die in der B r u n n e n st r a ß e K/7 wohnen, sind auf dem Wege der Genesung. Lediglich ein neunjähriges Mädchen aus der B r u n n e nst r o ß e 195 liegt an typhusartigen Krank- heitserscheinungen noch danieder. Aber auch in diesem Falle besteht keinerlei Gefahr, da vom Kreisarzt alle Maßnahmen ergriffen worden sind, um ein Weitergreifen der Krankheit zu verhindern. Inzwischen ist von den Gesundheitsbehördcn eins eingehende Unter- suchung über den Ausgang der Krankheit eingeleitet worde-n. Zu- nächst glaubt« man. daß der Bazillenherd in einer M i l ch h a n b- l u n g. die sich im Hause Brunnenstraße 6/7 befindet, zu suchen sei. Die Untersuchung ist jedoch völlig negativ verlaufen. Auch die weiteren Ermittlungen, die bei dan Milchlieferanten vor genommen wurden, die in der näheren Umgebung Berlins ihre Molkereien haben, sind mit dem gleichen negativen Resultat verlaufen. Zum Schluß wird von zuständiger Seit« noch einmal betont, daß es sich bei den Typhuserkrankungen um Fälle handelt, w!« sie oll- jährlich in den verschiedenen Stadtteilen zu verzeichnen sind. Der Ar errat wird türkisch. Die persische Regierung hat zugo- stimmt, den Berg Ararat an di« Türkei abzutreten, wofür die Türkei euren anderen Gebielsrell au Persien abtreten, wird. Protest der Eisenbahner Gegen die Anmaßung der Lndufiriellen ..r Vorstand ö« Rcichsverbandes der Deutschen o u st r i e hält sich für berechtigt, in einer Entschließung, die er m, 27.■HoDcmbcr der Presse übermittelt hat, einen Abbau der Gehälter und Löhne bei der Reichsbahn zu fordern und die dadurch fredverdenden Summen für sich zu bcansvnichcn. Der Reichsoerband der deutschen Industrie ist unseres Erachtens nicht in der Lage, in diesen Fragen ein sachverständiges und objek- tioes Urteil abzugeben. Der Vorstand der Eisenbahner Deutschlands legt deshalb gegen diesen Vorgang entschieden Protest ein. Er wird allen Versuchen- der Industrie, sich In die Lohn- und Ge- hultsoerhältnisse bei der Reick)- bahn einzumischen, den ent- schloff cnen Widerstand des Eifenbahnpersonols entgegen- stßen. Der Reichsverbond der Deutschen Industrie versucht mit dieser Entschließung lediglich eine Beeinflussung von Reichs- bahn, Regierung und Ocffcntlichleit, um das Lnter- est« derselben von der eigenen Unfähigkeit abzulenken und sich auf Losten der Lebensbedingungen der Eisenbahner zu bereichern. Es ist allgemein bekannt, daß die Deutsche Reichsbahngesellschaft schon unter den hohen Reparationslasten und durch die zunehmende Autotonkurrenz, oft aber auch durch Sondertarife, die der Industrie zugute kommen, stark belastet ist. Diese Lasten wirken sich allein schon in unerhörter Weise auf das Personal der Reichsbahn aus, während die dem Reichsoerband der Deutschen Industrie nahestehenden Unternehmen allein den Profit aus diesen Erscheinungen ziehen. Die Eisen- bahne r sind unter keinen Umständen gewillt, sich ihre spärlichen Einkommen kürzen zu lassen, um den Großindustriellen noch größere Gewinne zuzuschanzen. Es kann heute schon ausgesprochen werden: Sollte sich die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn- gesellschaft den Standpunkt des Rcichsverbandes der Deutschen Industrie zu eigen machen, dann würden sie den o r g a n is i c r t e n Wider st and der Eisenbahner in ungeahnter Größe vorfinden. Die Arbeiterregierung greist ein Einigung oder Enischeidungskampf im englischen Bergbau London.?S. November.(Eigenbericht.) Sollte es der Arbcilerrogiernng„»cht in letzter Stande gelingen, die englischen Grubenbejitzer zu bewegen, die jür ZUontag angekündigte Aussperrung der Grubenarbeiter in Schottland und Wales zurückzunehmen, so steht England vor einxm Wirlschaftskanips, von dein nur der Ansang gewiß ist, ober nicht das Ende. Nach dem am 1. Dezember in Kraft tretenden neuen Bergwerks- gssetz vermindert sich die Arbeitszeit im Bergbau van 8 auf 7Zb Stunden im Tag. Angesichts der 3(i 0 0 0 0 arbeitslosen Bergarbeiter müßte diefc Arbeitszeitverkürzung von jedem einsichtigen Bolkswirtschastkr begrüßt werden. Die englischen Grubenbesitzer sehen jedoch nur sich und ihre engsten Privatinteressen und hoben eine Lohnkonfiszierung ange- kündigt, die über das Maß der Arbeitsvcrminderung hinausgeht. In einzelnen kleinen Bergarbeiterdi strikten haben darauf die Arbeiter ein Uebcreinkomme n mit ihren Arbeit- gcbern getroffen, das zivar keine Lohnkürzung vorsteht, ober ein« derartige Auslegung des 7'/s-Stund«ntages, die in Wirklich- keit die Vorteils des Gesetzes beseitigt und den verschleierten R ch t st u n d c n t a g wieder einführt. Inden großen Bezirken Wales und Schottland haben jedoch die Bergarbeiter eine solche Vereinbarung zurückgewiesen. Sie bestehen auf den gesetzlich gewährleisteten 7'.'-Stundentag und find in?riner Weife geneigt/ sich Kafvr thke Löhne' kürzen Zti'lasten. xv. Nachdem die Verhandlungen am Freitag untcb Führung der Bergarbeltergewerkschaften bis spät in die Nacht gescheitert sind, hat die Regierung die Initiative ergriffen. Der Bergbzuminister und verschiedene andere Mitglieder des Kabinetts verhandeln zur Zeit sowohl mit den Berg- arbyrtern wie mit den Grubenbesitzern. Die Bergarbeiter haben jedoch bereits sämtliche Organisationen in England telezraphifch angewiesen, sich bereit zu halten, daß sämtliche englischen Bergarbeiter in den Streik treten sollen. falls ihre 300 000 Kollegen in Schottland und Wales am Montag ausgesperrt werden. Da ein solcher Riesenkompf zwischen Arbeitgebern und Arbeit- nehmern sich nicht nur auf die Bergarbeiter beschränken könnte, und da er unabsehbare politische Aolgcn haben müsse, so bemühen sich außer der Regierung auch die Führer der Bergarbeiter noch in letzter Stund«,«ine Derständigung mit den Unternehmern zu erzielen. s- In De u ts ch lo n d Hot die Regierung es leichter. Sic schlägt sich auf dt« Seite des Zechenkopitals, dos den Ruhrberg- orbeitern noch immer den ihnen rechtlich zustelzenden Sieben- stundentag vorenthält, und läßt einen Schiedsspruch fällen zugunsten des Unternehmertums und diesen Schiedsspruch für verbindlich erklären. Sie hindert dos Unternehmertum trotz der großen Arbeits- losigteit nicht an weite ren Stillegungen, weiteren Brotlos machungen von Bergarbeitern und weiteren Feierschichten für die Beschäftigten. Die„marxistische" Arbeit« rregierung in England kann sich eine derartige Rücksichtnahme auf das rückfichtslofe Unternehmertum nicht leisten, dos ihr deshalb den schwersten Kampf ansagt, ohne nach der Wirtschaft zu fragen. i. N-fla-». Z. Sit-5-r«rsW.«it P-aw-r»«.*■®«< SB&lfilrt. 6.(SannfeTt. 7. Rigole5w. 8. Wi�nsn. StQaUich-s LkfaAsp:«lH«w. 80. Vrinz iTriftrirf) T** Stastbats. 1�. T.(je* schichte Gottfriedens von Berlichin�sn mit eisernen Hanv SäS» bm, bet lüqt.:i WNbelm Teil. 4. Minna von Sarnhel«. 5. Nathan ttz Werfe. 6., S. Dsc blaue Boll., SchUler.Tbeater: 30. Der Traum ein Leben. 1., K., 4., S., 7. Nora- 2-. V., S. Nacht überm Krems. Thcaier mit festem Spielplan: Deutsches Tbeai»: LlisabiUb"an Englanb.— S« D« Sch-oieri«».— Theater nl der Streicm«>?.str«h<: Ab I. Wie es riub«efSllt.— N»mS>n«»h«>«! Das.nto S.— Sr»h?s Schau spielhan«: Inr Iveiz«« RitsN.— Lrfnug-Thra�r: iiin Lommcrnachtslrnum.— Ziruaiflaucr-Theat«»! Borundersuchun-,.— Srnteal- Theater: Eine fftrunbin so goibia wie Du.— Theater i» dar Behreustr. öz-of: S-oscWach« in Bodcn.Baben.— zertroxal.Theatri: l.. 2.»einarr:eit°r.—»asino. Theater: Der kausä* Sehe. manu— Dieuawq. S» i l r« r. T h- a t« r:«acht überm Srernl.- Deutsches A II nstler- Theater:.Zum«oldeuen Anker.— AWtwach: Stäöriside Oper: Häusel und Gretes. Die Puppeusee.— Theater am Schifshauerdamm: Tie Quadratur de, Sreues.— Metrapol. Theater: Schöu ist die West.— Saauaden». Schauspielhaus: Ter biaue Boll. Sonaabcnd, 29. November. Oer Zechenverband geht aufs Ganze. Verl tu. 16.00 Tinze aus aller Welt.. .«w a..__.. 4.27.30 jUaUterialrat. Man«. OoaUr: Zell». Jahre PreuSisalte Veaassonr. ?toch der neuen ArbeUeizeitverlongerung— Lohnkürzung. T 16.00 weiche Fehler masren b-i ADwendom v»u Li»vior-e-hutu»itre!p vtr. mieden werden?(Eiperimentalx-ortraa von Dr. Conrad.) 18.30 Das PuckDortrSt. Thomas Mann.(Sprecher: Hermami Kasack.> i8.5ä Q. P. Händel.(Maria von Basliides, Alt. Plüsei: Bruno Sci Barthel: Arbeiterscele. bi üröger: Lied der Arbeit: c) Engelke; Der Tod im Schacht(gesprocuen von A. Flora Iii). 4. H. Scherchen; Unsterbliche Opfer. Trauermarsch (Lendvai-Chor). 5. F. StöSlnger: Ansprache..Die Arbeit und die Arbeitef. 6. Bruno Schöulank: Klirr. Sense klirr(Erwin Undvai)(L.endval-i.ho:). 7. V. tcprecht: Werkgemeinschait(gesprochen von A. norathi. 8. Cngeitic. Lied dor Ko'.ilenhäner(Sprechchor für Proletarische Feierstnnden. Leitung: A. Dorath). 9. Thieme: Unser die Sonne(Sprechchor). 10. Lendvai: Unser die Sonne(Lendvai-Chor). 11.45 Prof. Birnbaum: Das Weltbild des Arztes. 12.45 Märciicnmusik. 14.00 Rütt-Arena: Meisterscliaft der Zeitniusfahrcr. 14.45 Märchen and Kindcrlicdcr.(Sprecher: Lisa Tcimr. bopran: Kaias F ritsch). 15.30 Zithcrorchcstcr-Könzcrt. 16.05„1000 Pro/. 1annm.?s" von Mnukepaukc. 16.30 BUsorcbester-Kon�crt.., 1S.00 Rundfunkvcrsuthsstelle der Staatlichen HocUschale lur Mnsik: elektrische Musik:(Vor!|hrunscn des Tr'autonihmsi. einleitende Worte: Dr.-Inc. Friedrich Trautvcin. Mit-v.: P�nl Hindemllb. Oskar Saia. Rudolf Schmidt. 15.45 Oskar Wilde. A'45 den Werken: Rene« Kürschner. lo.?o Violinvortrige von SuK, Bloch, Sarasatc(Ibolyka Zilrer. rlügel: BurscO- 19.50 Sportnachrichten. 30.00 Orcbc$terkoh2;crt. 32.15 Wetter-, Ta�Vsnächrlcljte'i ond Sport Anschließend bis 0.30 Taiizinusik. KönicsvusterbaascR. 7.00 Mambursr: M|fcoko(izert 11.45 Aus dem Wocbcnprogramm der Staatsopcr Berlin(Schallpla�en'. 12.10 Plenarsaal d« ehemaligen Herrenhauses: laxvnz des Reichsverbandes Deutscher Rundiunkteiinchnicr. 14.15 Flisabcib Peichcnbacb: Auch das Kind bat ein Anrecht auf Takt- 18.00 Hermannrl�ns-Fcicr. 15.45 Albert Schleifer lie�t eigene Dichti�nffcn. 10.10 Karl Hoffer-Rcichenau: Menschen- und Tierparadics inj Herzen Afrikas. 19.35 Novelle von Ina Seidel. CErztzhU son Oer da von Bremen.) Aersnfwortl. für die Redoktisn: Franz SUih«, Berlin; Anzeigen: Th. Berlin. Verlost: Vorwärts Verlaq G. m. d. s.. Berlin. Druck: Larwärts Buch« drutferei und BerlastsonssaH Beul Sinae?& Co. Berlin 63 68. Linde nssretze 5. Sier;a I De i ls ste. plaza-preisausschreiben. Fallrnftrinstr Rj S. S. tzenfott.- fiihaurz Sic. 1?>!; 4 C.Bfihf, Bnut Sing-r.�tt 80. föeilage Sonnabend, 29. November 1930 SprNbimd StuilatACa&e*uy*u>dr& €>. Weuhaus: ftlalev Mein Desuch kommt dem jungen Moler nicht gerade ungelegen. In der ihm eigenen, etwas spöttelnden Art erklärt er sich bereit. mir einig« wichtige Fragen zu beantworten: dann ober nimmt sein Gesicht den gespannten und bewegten Ausdruck des mit Ueberkcgung schaffenden Kunstlers an. „Sic wollen wissen, was ich jetzt arbeite?" Er schweigt einen Augenblick.„Während ich in der Zeit des Expressionismus und K o n jt r u k t i v i s in u s slächig plakatartig das Bild formu- licrtc, bin ich seit«inem Jahr mir der Körperlichkeit und der malerischen G e st a l t u n g der Fläche beschäftigt. Ich male Landschaften und Porträts. Nicht nur der Inhalt soll neu sein, sondern auch das Wie der Ausführung, die malerischen Aus- drucksmittcl. Auf dem Wege der Expressionisten und Konstrukii- visten geht es nicht weiter: beide haben kein Handwerk oder sie r-~ y 5- werdummen es—, sie wollen nur Geist. Wir haben heute keine Richtung—, das soll sagen: wir müssen Jahrzehnte arbeiten, genau wie die Impressionisten 30 bis 40 Jahre kämpsen mutzten, bis sie da waren. � Die Kunst mutz für das Volk da fein und nicht für den Künstler und Kunstwissenden allein! Ich male jetzt alles, um mir einen Weg zu schaffen. Der Ausspruch: .„«achsichkeit ist kcimr'Kunst und hat keinen'Kunstwerk'." kann wir von" einem Manne stammen, f-'ver- hie. Kunst, einer Zeit nicht versteht.".-»f:........». Auf meine Frage nach den bekanntesten Arbeiten des Malers aus der letzten Zeit erhalte ich zur Antwort:„Dos weitz ich nicht zu sagen, das können mir die anderen Menschen, die meine Bilder leiden mögen; denn ich selbst sehe in meinen Bildern weniger eine schöne Brauchbarkeit als das Ergebnis meiner Kraft und meiner Schwäche—, es liegt mir daran, durch die Arbeit mich selbst kennenzulernen." „Zieht es Sie nicht nach Berlin?" Thoms sieht mich prüfend an.„N ein!" sagt er eindringlich, „ich bin in Hannover geblieben, weil ich in Berlin nicht so unbekümmert malen könnte..." Das, was er noch hinzufügen wollte, verschweigt er halt- näckig: nachdenklich tritt er ans Fenster und blickt über die Dächer der aneinandcrgcdrängtcn Arbeiterhäuser. „Wie stellen Tie sich denn zum Problem des freien künstlerischen Schaffens in der heutigen, sozial so bewegten Zeit?" „Ich denke nicht, wie manche andere, hoff- „ungslos, wohl ist es schwer für den Ausübenden, weil er allein steht und nur mit sich zu tun hat: wer nicht anders kann, wer malen mutz, bleibt . auch m diesen schweren Tagen auf dem schaukeln- den Floß. Die übrigen gehen in die Reklame oder werden was anderes. So, denke ich, werden wir für die Zukunft nur mit Berufenen zu tun haben, mit Schaffenden, die es ernst meinen. Wir dürfen hoffen— trotz der Pessimisten und ihrer Parole:„die deutsche Kunst sei tat"— jetzt erst wieder«ine Kunst zu bckomnien. Aber wir müssen um sie ringen. Auch der Bauin entsteht nur langsam wie alles Große. Ich wiederhole: erst dann, wenn die Kunst wieder Eigentum eines Volkes ist, wird auch die Kunst Eharak- ler erhalten! Der Künstler mutz gestalten, was von Grund auf in die Zeit gehört, in diese Welt." Ein klarer, blauer Himmel wölbt sich über dem schrägen Dachienster: im hellen Licht steht Thoms vor mir. aufrecht und stark wie sein Denken und Händeln— sein Können. Er ist wie sein Werk, -er und seine Bilder sind eins: klar und bestimmt. Eine eigenartige Erscheinung tritt uns in dem vtaler Ernst Thoms entgegen, Lutzerlich. jung wie t sich selbst malt, die strenge Symbolik seiner ge- -chäifencn Werke: harter Kopf mit den Zeichen einer guten, im nord- westlichen Deutschland ansässigen Rasse, die auch in seiner Sprache, seinen Bewegungen Ausdruck finden und von einer Arbeitsintensität zeugen, wie sie in seinen vollendet gemalten Bildern Bestätigung erhält. Maler Thoms. kann und wird seine Jugend ni« verleugnen. Er ist ein Kind d e s B o l k e s, das schon früh die Härten eines wirklichen Daseins kennen lernt, das gleich mit beiden Fützen auf .den Boden unverfälschter Tatsachen gestellt wird und mit natur» gemäßer Schärfe zu beobachten beginnt. Der kleine Thoms fällt schon in den ersten Schuljahren durch seil« sonderbaren Zeich- nuugen aus: alles nur erreichbare unbeschriebene Papier wird zum Verräter der lebendigen und. begabten Limde'rlhand, die in geduldi- gern Eiser olles Wahrnehmbare festzuhalten mrjucht. Aber nie- n-:nd ist da. der fein Talent ausbilden läßt, und nach der Schul- enllasfung rst er gezwungen, in eine praktische Lehr« einzu- treten: Thoms wählt selbst den Maler- und Anstreicher- beruf, in dem er bald als Gegenleistung für sein Talent die vollständige Beherrschung der Matcrialtcchnik gewinnt. Roch ist Thoms nicht vollerwachfen, kommt überraschend der Krieg. Mit oll den anderen jungen Leuten zieht er sofort hin- aus: nur halbausgcbildet gerät er schon mit den ersten in die großen, blutigen Änfangsschlachtcn, die ihn nicht zur Besinnung kommen lassen. Das Glück, so könnte man behaupten, wirst ihn in einen Frontabschnitt, der zum Gegner die ersten eingesetzten englischen Militärtruppen hat, von denen er bei einem Sturm- angriff zum Gefangenen gemacht wird. Thoms kommt nach England. Im Gesangencnlagcr zeigt sich bald bei ihm die Fertigkeit einer leichten Verständigung niit den Briten, die in ihrer Sprache verwandte Anklänge an den heimatlichen Dialökt auf- weisen. Die Engländer behandeln ihn nicht schlecht, aber die Un- tätigkeit wird ihm zur Qual; so meldet er sich mit den Arbeits- willigen zum Abschub in die bekannten Kohlenzentren des Landes, sieht und erlebt viel Neues, Interessantes, Einprägsames, befreundet sich mit Arbeitern verschiedener Betriebe, die ihm gern und willig Auskunst geben, und benutzt seine freie Zeit zu seiner Weiterbildung im Z c i ch n e n und. M a l e n. Für das erste Geld kaust er sich Papier und Farben: unermüdlich ist sein Fleiß, und mit seinem zähen, geduldigen Eifer konterfeit er all« und alles in der fremden Umgebung. Seine hartumgrenzten klaren Bilder, die nichts, was im Rohmen des Erfatzbaren zugehörig ist, weglassen, erregen Aufmerksamkeit. Seine Lcidgcnosscn in den Bc- trieben, auch die alten englischen Soldaten und Ossizier« betrachten ihn nun mit anderen Augen: ein Reserveoffizier läßt sich von ihm porträtieren und bekundet großes Gefallen an dem fertiggestellten Werk. Schnell spricht sich das rund: der deutsche Maler in englischer Gefangenschaft hat kaum noch hinreichend Zeit, die vielen Aufträge zu erledigen. In Thoms reift nun der Entschluß, mit' unerschütterlicher Energie alles daran zu wenden, um über Hand- merkliches Können hinaus zu einem feiner Eigenart ent« sprechenden selbständigen k ü n st l e r i s ch e n Schaffen zn gelangen. Nach seiner Heimkehr besucht er zu seiner Fortbildung die nach Kriegsende stürinisch bewegte Kunst gewerbeschul« in Hanno oer; nahegelegen in der 2lltstadt, mitten im Neben- einander von alt und neu, im fünften Stock eines unheimlichen alten Fachwerkhauses, macht Thoms«ine alte Rumpelkammer aus- findig, die unter seinen geschickten, belebenden Händen zu einem wohnlichen� hellen Maleratelier-' Es währt nicht lange und das neue Atelier sieht und hört zwischen seinen Wänden die merkwürdigsten Dinge; werdende und bereits bekonnte Persönlichkeiten aus der Kunsiwclt treffen sich hier, und im dichten Tabakrauch, beim heißen Tee, werden die seltsamsten Streitfragen temperamentvoll und gründlich debattiert. Aber nicht jeder kann bei Thoms Gast fein; vor allem, wenn er tief in der Arbeit steckt, bleibt die Ateliertür geschlossen: die Ge- danken an das zu schassende Werk machen ihn wortkarg, menschen- scheu und zurückhaltend. Nur seine besten Freunde kennen ihn als einen lebendig und spannend vortragenden Erzähler, der oft un- wahrscheinlich klingende Erlebnisse als Veranlassung für das Wer- Gesicht oder die Darstellnung eines lebenden Wesens—, immer erhalten sie Geltung durch die absolute Gestaltung ihrer natürlichen Lebendigkeit in der Form abgeleitet aus innersten Gesetzen. In der Reibe junger Künstler seiner Generation fällen die wiederholt ausgestellten Werke von Thoms durch ihre Originalität besonders auf; manche seiner besten Arbeiten befinden sich bereits "'W%• «-r m Au» den£Kuusl*unnitunff 10.15 Uhr. Kamps— unser Weg. Frohsinn— unser Zielt Die große Bühnenschau, sechzehn bunte Bilder aus dem Arbeitersport, der FTGV.-Neukölln-Britz und Süden beginnt am Sonntag ün großen Saal der„Neuen Well", Hasenheide, um 16 Uhr. Einlaß bereits ab 15 Uhr. Eintrittspreise für Kinder 20 Pf., für jugendliche Bundes- angchörige 60 Pf., für Erwachsene l M. Erwerbslose SPD.- und Gewerkschaftsmitglieder erhalten gegen Vorzeigung des Ausweises Karten für 60 Pf. nur am Tage der Bcranstaliuog an der Kaffe. 1! Die Eröffnung der Eislaufzeit erfolgt in gewohnter Weife im Sportpalast am Sonnabend und Sonntag mit dem populären Kampfspiel, dem Eishockey. Berliner Schlittfchuh-Elub und Wiener Eislaufverein sind die Gegner, die sich Im Hin- und Rückspiel gegen- überstehen werden. Keglerricgenkampf. Die Scheren- und Afphaltricgen des Freien Keglcrbundes(Gau Berlin) und des Berliner Spartkeglerbundes treffen am kommenden Sonntag in der Sporthalle Sudeiidc zu dam vereinbarten Kampf zusammen. Durch Ausfcherdungskämpfe sind die Besten jeder Bauart ermittelt. Beginn der Kämpf« 14 Uhr. Beginn der Mariendorscr Wintcrsaijon. Wie im Galoppsport, so ist auch im Trabers port das Jahresprogromm mit seinen großen Entscheidungen beendet und in Mariendorf setzt die Winter- kampagn« ein, die an allen Sonntogen mit interessantem Nützlich- keitssport aufwartet. Die aus neun Nummern bestehende Vcr- anftaltung, morgen, Sonntag, zeichnet sich durch starke Felder auf der ganzen Linie aus. Di« Rennen beginnen bereits um 13'» Uhr. pteiswtf« Winters porlreifcn nach Tirol. Die Zdeichsbauncr- Wintexsportabtetlung neransiattet auch in diesem Jahr wieder für An- länger und Fort geschrittene zwei Wintersportreisen nach Tirol (Ziilertaler Alpen, Gschöhwandhütte, Donnnikushütte 2000 Meter) vom 20. Dezember bis 7. Januar zum Preise von 130 Mark bis 14Z Mark, einschließlich Reife, Zimmer. Verpflegung, Skilehrcr und Bergführer, außerdem eine Weihnachtsstiiahrc oam 24. bis 28. Dezember in den Harz zum Preise von SO Mark, einschließlich Reis«, Zimmer, Verpflegung und Skilehrer. Anfragen und Meldungen bei der Geschäftsstelle James Breslauer, Markgrafenftr. 22, Telephon: Alexander 7870. Erwetlerung der JfHA.-Skulohilst'. 9£m 22. November wurde die von der AHA. Autohilfe G. m. b. H., Berlin W. 8, Wilhelm- ftraße 46 mit ihren Sicherungsanlagen ausgebaute Autao erkchrs- ftraße zwischen Berlin und Hamburg, über Äyritz— Berleberg— Grab ow— lludwigslust— Boizenburg— Laucnburg— Geesthacht— Bergc- dorf laufend dem Verkehr übergeben. Der Republikanische Akokorradklub Berlin hat Mittwoch, 3. De- zcmber, 20 Uhr, seinen Klubabend im Restaurant„Zum Falken- stein", Falkcnstcinstraße 49. Gäste herzlich willkommen! Arbeitcrsportler. kaust Wohlfahrtslofel In einem Aufruf fordert der Borstand des Arbeitcr-Tiirn- und Sportbundes die Mit- glieder auf, die ihr Weihnachten anfgelegtc Lotterie der Arbeiter- wohlfohrt totkräftig durch den Kcucf von Losen zu unterstützen. z>erlv»z!r?. Ztarietltliwrq Nwrtaz. 1. Dezember, 2» Ubr, im Lo?kz:->au». Reinickonjorf-Dest. Scharn-vcbcr.ctr. Ii.'/ .qartellbezirl Sckei'.clierg.ZrieSenau. Mittwoch, Z- Dezember, A Mit.»P?.- SportlersiSuns bei Bill, Rartin-Lucher-c-tit. 69. Seide Mitaliedsbllch« mit- bringen. S-t-tel m«rSeHttfparf nafc Utpafftm, SBori«, I. Deze-mber. 20 Uhr. Kartellsitomz..gm Sanfte", llfetftn. 13. Touriftensereiil.Die SintnrfKnnlu".«64, iSren»(Mier,«er«. Sojertoft. 30. Noocmbcr. Sabrt nach Kaitledori— Alt-Lallftsbera und weiter. Ereklvwut L Zl>>r Bahnftof Alexandernlaft. Sezirlstartell 5>cve»ick. Morgen. Somrtaz. rat Eiirverneftmen Oltt der Partei, rrmrnftra'ieii.-t0 Meterl nom 20. Dezember bi» 4. Januar«im Preise non IM biL 145 M., einschließlich Steife, Zimmer. Bervfieliuua. Sii- lclirer und BcrjiKbrer. außerdem eine Weihnachtdskilsabrt vmu 21. vi» 23. De- ?c!nb«r in den Karl sum Preise non 59 M., einschließlich Reise» Zimmer, Der- nfsegunit und Stilelirer. Änfraaen»nd Meldunpen bei der Eeschöftsiielle, James Breslaucr. Martoeakenstr. 22, Telepkwn: Mexander 7870. trireiiernnq ft. c AH?l..Zl»tohiife. Am 22. November wurde die von beb AftA.-Autoiiilfs E. un». S., Berlin W. 8, Wilhelmslr. 4S, mit ihren Sicherung»- anlaain ansaebaule Autoneriehrsüraße»wischen Berlin und Lambura, über Nx'ttz—Pc-tederg-.chradew-Ludwiaslnst— DotjcnbuTF— Bauenbura— Geesthacht� Botatisorf lautend, drm Aerkehr überoeben. .Tom Thrmb Soll" in Berlin. Das khemalige Ca-« Cor'» in der Karden- derMraße am Zoo öffnet Donnerstaa. 4. Deicmher. als �Mput-Golt am Js?" seine verjüngten Räume diesem modernsten Sport. Die Einrichtungen enr- fprcckien au's genaueste den sportlichen Regeln, wie fie für Original Tom Zhumv Golf in USA. von den maßgebenden SpiftenverbSnden festgelegt sind. Wie&ie wmtdm VieCgesiaCtig bind die(XtSeiieupeiiatteH mit der Darstellung der Entwtcklun«, der Arbeiterrad- fohrer- und Schweralhleteuorgqiuisationeu schließen wir die Artikelserien„Dom werden des Arbeitersportes" und„wie sie wurden". Vom VeloTipckles zum Motorrad Auch nach dem Fall des Sozialistengesetzes war die Land- a g i t a tl o n für die Partei und andere Organisationen noch gefährlich. Die Gendarmen waren zu Fuß und zu Pferde hinter den Sozis her. Den Bauern hatte man Schauer- märchcn erzählt: die Sozis wollten ihnen den Grund und Boden wegnehmen! Da haben die flinken Arbeiter-Radfahrer als„rote Kavallerie" gute Dienste bei der Agitoiion geleistet. 1893 erschien w Fürth, dann im Berliner„B o r w ä r t ein Aufruf zur Gründung eines„Bundes sozialdemokratischer Radfahrer". Im Oktober gleichen Jahres fand in Leipzig eine Konferenz statt, die eine Zlgitotiaiiskommissien vstihlte. Aber che der Bund uoch gegründet werden konnte, wurde er schon auf Grund des Vereins- aefehes aufgelvsi. 1S9S erfolgte dann die Gründung des Arbeiter-Radfahrerbundes in Offenbach mit 18 Orts- grnppen und 400 Mitgliedern. 1912 wurde der Sitz des Bundes von Dresden endgültig nach O f f e n b a ch im Hessischen verlegt, wo er heute noch ist. Der �Hauptgrund war die PolitischerNärung. Anfang der neunziger Jahre dominierte noch das Beloei- p e d« s(Hochrad). Es gab in Berlin viel« bürgerliche Belocipedistcn- klubs, bis sich 1893 die ersten Arbeiter-Radfahrcrvcreine bildeten. Ilm diese Zeit kam auch das heute noch gebräuchliche Niederrad auf. 1904 kam es im Bund zur ersten Spaltung, weil der Buildes- tog in Erfurt die straffe Zentralisation in Ortsgruppen beschlossen hatten In Berlin gründeten 600 Mitglieder den Arbeiter- Radsahrerbund„Freiheit", der sich auch auf das Reich aus- breitete. Bon diesem Bund sind jetzt nur noch einige Splitter in Süddeutschland übrig. 1924 begomxn die fiommu nisten mit der Zellenbildung und zersetzten die Organisation, so daß der Bundestag 1928 in Hamburg zum Ausschluß übergehen mußte. Nach'Ausscheiden der Moskauer wurde Berlin zu einer gemeinsamen Ortsgruppe mit 10 Abteilungen und 1800 Mitgliedern zusammengeschlossen. Berlin hat ein- eigene Abteilung für Krajtsechrer und eine Rennsahrerabteilung. Es werden Bahnrennen bis 50 Kilometer und Straßen-Langstreckcn gefahren. Der Rennsport hat sich ebenso wie das Kunst- und Mannschaftsfahren, Radball und Radpolo gut entwickelt. Ein Haupttätigkeitsgebiet des Bundes ist aber das Versicherungswesen. Es gibt acht llnterstützungszweige, die die Mitglieder bei Raddiebsiahl, Unfall. Stcrbefall. Haftpflicht, Rechtsschutz usw. versichern. In seinem eigene»» Interesse mühte eigentlich jeder Radfahrer Mitglied des„Arbciler-Rad- und kraftfahrerbundes Solidarität" fein, der zur Zeit als zweitgrößte Arbeiter-Sportorganifa. tion»n 12000 Orten 330 000 Mitglieder umfaßt. In Offenbach ist das Fahrradhaus„Frisch auf", das 22 Filialen und 1000 Berkaufsstellen unterhält. Di« Berliner Filiale befindet sich Oranienburger Straße 65. Die Schwerathletik In den achtziger Jahren trainierten sung« Arbeiter das Gewichte- heben, das Ringen und die Artistik in der Hasenhcide, nahe Kellers „Hofjäger"(damals uxrr hier noch Wald). 1886 und 1888 wurden die ersten Vereine,„Germania" un6 Krastturnverein ,/>off- nung", gegründet. 1896 schlössen fich eine Anzahl Derein» zum „Artist'enverband" zusammen, der bis 1905 die nwßgebliche Organisation für Berlin und das Reich war. 1905 entstand aus diesem Verband der bürgerliche Krastsportverband uud der Arbciter- Athletenbund. der fünf Berliner Vereine zählte: der Hauptgründcr des letzteren Verbandes war Franz Keller. Auf der 1. Bundes- konferenz im Dezember 1906 waren auch Stettin, Magdeburg, Leipzig usw. vertreten, so daß nun der Bund auf das Reich ausgedehnt wurde und den Namen„A r b e ite r- A t h l« t e n b u n i> Deutschlands" erhielt. 1910 wurde der Sitz des Bundes nach Mogdeburg-Ottcrsleben verlegt. Die Berliner wurden vom Behördentampf nicht wesentlich betroffen, desto mehr später ober von der kommunistischen Zellenbildung. Auch hier bestand der Beschluß, daß nur Mit- glieder der KPD. und NSP. Vorstandsämter bekleiden dürfen. Weder der Bund noch die sozialdemokratischen Mitglieder gingen dagegen vor. so daß die Kommuniston das Heft vollständig in der Hand hatten. Als 1928 die Spaltung des Berliner Kartells erfolgte, zeigten sich die Folgen. Es blieben nur fünf Vereins im Bund, die neu aufbauen wühlen, erfrenllchccweise mit gutem Erfolg: es gebt ständig vorwärts. Die zur„Opposition" übergetretenen Berein« stehen jetzt vor einer schweren Krise, da die.Lntevcsiengemeinsckioft zur Wiederherstellung der Einheit im Arbeitersport"(lies KPD.) sämtliche Gerötschasteu, Matten usw. annektieren will. Das dürit« manchem die Augen öffnen,»vohin der Weg geht. Die Arbeiterathleten haben«inen vielseitigen Uebungsbetricb. Da ist zunächst Schwerathletik: Boxen, Gewichtheben und Ringen. Von diesen Uebungzarten gehen die Serien, und Weit- kämpfe bis zur Bundesnunsierschaft. Als Ergänzuugssports kommen in Betracht: Tauziehen, Bomben-Ionglieren, Artistik(in jedem Jahre ein Reichs-Artisten-Wetfftreit), Ringerfreiübuitzzev. ferner Leichtathletik und Handball. Ein clgeues Bundeshaus mit Bundexschule ist in Gtoh-Otlerslebeu bei Magdeburg, im» Lehrkuri« für alle Sparten durchgeführt werden. 19 Kreis« mit 89 Bezirken, 1206 Vereine mi» 65 000 Mitgliedern geben Zeugnis von der Werbe- kraft des Bundes.>>>>»- Die dosen Berliner Die Berliner stehen überall im Ruf. ein besonders großes und lautes Sprechorgan zu haben. Das soll oft unangenehm aufgefallen sein. Man hat nach der Ursache geforscht. Dabei stellte sich heraus. daß viele der.Lautsprecher" von„utevhalb" zugewandert waren. Berlin ist also, lvenigstens zum Teil, schuldlos. Wir Berlmer können sogar stolz sein: Fast der gesamte Arbeitersport hat in Berlin seinen Multerboden! Weiter: Berlin hat wichtige Funktionäre für die Reichsorgonisationen gestellt. Da»st z. B. Wildung als Geschäfts- führer und Buck als Sekretär der Zentralkommiffion für Arbeiter- sport und Körperpflege, der Dachorganisation der deutschen Arbeiter- Sportoerbänd«, Kreuzburg und Koppisch als Redakteure, Hilda Surfer alz Frauenleiterin im Arbeiter- Turin und Sportbund, die all« durch die Berliner Schul« gegangen sind. Und nicht zu vergessen ist, daß die großen Berliner Zcntralvereine zumeist vorbildlich für das Reich waren. Da ist es wenig erfreulich, daß zur Zeit der Zentralgedank« gefährdet ist. Sogar von leitender Berlmer Steve werden die kleineren Bereine als Ideal propagiert. Früher namcke man das„Vereinsmeierei". Wir»nöchten hoffen, daß die fvllei» Berliner aus dieser Sackgasse recht bald einen Ausweg finden! Fritz Stühm. Tügl. 5 u.S'l, Uhr. 8 5 81(11.11256 Tägl.l— 6 M.— Nachm. halbe Preise. mersien leuter Tag! 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