BERLIN Mittag LSezember 1930 10 Pf. Nr. 562 B2ÖO 47. Jahrgang Erscheint täglich außer Sonntags. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bejugsprei- beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SWes, Lindensir. 3 fylbhüasfa AnzeigenpreiCDi« einspaltige NonpareillezcUc 80 Pf., Riklamejeilt S M. Ermäßigungen nach Tarif. Posische ckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bis 2S7 In„Severings Hochburg" Gozialdemokraien gewinnen drei Mandate- Zusammenbruch der Bürgerlichen zugunsten der Nationalsozialisten Bielefeld, 1. Dezember.(Eigenbericht.) 3a Bielefeld Stadt und Land wurde um Sonntag zum Sladtparlament und zum Krei slag gewählt. Die Wahlen waren wegen Eingemeindung notwendig geworden, durch die Bielefeld in die Zahl der Großstädte aufrückte. Das Gcsamtergeb- nis für Stadt und Cand fleht so aus: Tozlaldcmokratcn... 42 047 am 17. Ii. 29: 42 458 Dculfchuationate..... 6 461, 17.11.29: 9081 Deutsche Volksparlei... 6237. 17.11.29: 14220 Evangel. Volksdienft... 7301. 17.11.29: 6 052 Wlrifchaflsparlci.... 6782„ 17.11.29: 8648 Staatspartei...... 1 526„ 17.11.29: 3 816 Zentrum....... 3 796„ 17.11.29: 4 016 Kommunisten...... 5 447„ 17.11.29; 4 756 Nalionalfozialisten.... 22339.. 17. 11.29: 2 244 Bei der krtistagswahl hatten die Nationalsozialisten im 3iovcntber vorigen Jahres nicht kandidiert. Die INandate, die im Stadtparlament von 46 aus 50 erhöht, im Kreistag von 28 auf 25 gesenkt wurden, verteilen sich wie folgt: Stadtverordnetenversammlung: Tozialdcmokraten... 22 bisher 19 Deutsche Doltspartei... 3„ 9 Dcutfchnationale..... 2« 3 Evangelischer volksdienst.. 2. 2 Wirlschafispartei..... 4„ 5 Staatspartei...... 0„ 2 Zentrum........ 2. 2 Kommunisten...... 3„ 2 Nationalsozialisten.... 12. 2 Kreistag: Sozialdemolrntcn... 10 bisher 14 Deutsche Volkspartei... 2„ 3 Deutschnationale..... 3, 4 Evangelischer Volksdienst.. 3 2 Mrtfchaftspartei..... 1„ z Slaatspartei...... 0. 1 Zentrum........ 0„ 1 Kommunisten...... 1„ l Nationalsozialisten.... 5, 0 Die Sozialdemokratie hat in der Stadl von den vier neuen Mandaten drei gewonnen. Das gelang, trotzdem die wirlfchastskrise eine Niesenerwcrbslosigkeit hervorgebracht hat. vernichtend ist vor allem die Niederlage der Voltsparlei, die sich obendrein noch mit den Voltskonservativen und volksnalio- nalen zusammengeschlossen Halle. Sie verlor 6 Mandate von bisher 9 in der Stadl. Geschlagen sind auch die 2victschastspa:tei »nd die D e u t s ch n a t i o n a l e n. die schon bei der letzten Mahl zusammengehauen waren und seht noch ein weiteres Mandat ver- loten haben, vcachlenswcrt ist auch der Rückgang des an sich bedeutungslosen Zentrums, das gegenüber der Kommunalwahl des vorigeo 3ahrcs über 400 Stimmen und sein einzig«, Mandat im Kreistag verlor, während die Sozialdemokralen gegenüber dem November des vorigen Jahres 500 Stimmen ausholen kennten. Bei der Reichstagswahl war die Wahlbeteiligung erheb- lich größer. Die Verluste der Sozialdemokralle im vergleich zur Septembcrwahl 1930 beschränken sich auf die Differenz, die die jetzige schwächere Wahlbeteiligung hervorrief. Die Nationalsozialisten nahmen sämtlichen bürgerlichen Parteien die Stimmen und Mandate ab. di« sie seht al,„Gewinn' verbuchen. Alle bürgerlichen Parteien mit Einschluß der Nazis uud selbst- verständlich der Kommunisten waren, wie sie marktschreierisch verkündeten. ausgezogen, um die Hochburg Scverings' zu erobern. Welch« allgemeine politische Bedeutung diesem Wahlkamps von den Parteien beigelegt wurde, geht daraus hervor, daß in Bielefeld u. a. sprachen: Otto Braun. Olto Wels, Dietrich. HSpker-Aschsff, yugenberg. Hitler. Straßer. Thälmann. „Scverings Hochburg' ist nicht erobert! Mitten in einer Ricscnarbeitslosigkcil und einem schon wochenlang dauernden Metallarbeiter streik hat die Sozialdemokralle ihre Position behauptet und gezeigt, daß sie auch im Sturme unüber. »iudlich ist. g>olHifche Waffen Diese Revolver, Dolche und Schlaginstrumente wurden zehn Nationalsozialisten abgenommen, die wegen der Saalschlacht in Preetz(Holstein) vom Kieler Schnellrichter verurteilt wurden. Jetzt wird bekannt, daß eine Gruppe von 25 Dortmunder Nationalsozialisten, die nach höh- Wickede fahren wollte, von der Dort- wunder Polizei nach einer W a f f em- suche in Schutzhaft genommen wurde. In einem Bersteck ihres Last- wogekls waren 5 Schußwaffen mit 34 Schuß Munition, 5 g r o ß e Messer und ein kleines Messer, 2 Gummiknüppel, eine große Zange und«in großer Schraubenschlüssel gefunden worden. �-% 8*. Die Wahlen in Bremen. Bremen, 1. Dezember.(Eigenbericht.) Die Wahlen zum Bremer Senat verliefen bis auf einen Zwischenfall in der Nacht zum Sonntag ruhig. Die Wahlen hatten folgendes Ergebnis: ScnatZIv.l3.lt. 27. NeichZt.U.lUV Sozialdemokraten Deutschnatianale Zentrum... Kommunisten Deutsche Bolksp. Christlich-Soz.. Staatspartei.. Wirtschastspartci Nationalsozialist. Konsero. Bp... Hausbesitzer.. Das Ergebnis weist für alle Parteien Derluste auf. Nur die Nationalsozialisten machen eine Ausnahme. Durch ihren Gewinn ist es möglich geworden, daß die Rechtsparteien einschließlich der Splittergruppen jetzt eine Mehrheit bilden können. Bremerhaven, l. Dezember.(Eigenbericht.) Die Stadtoerordnetenwahlcn am Sonntag hatten folgende- Er- gobnis: Sozialdemokraten 3974(Reichstagswahl am 14. September 5847), Nationale Einheitsliste(Wirtschaftsp., Dnat.) 1820(2095), Staats- und Zenirumspartei 1121(404), Kommunisten 1349(1617) D. Vp. 1215(969), Nationalsozialisten I 622(2632), Nationalsozialisten II 2214. In Bremerhaven gab es zwei nationalsozialistische Listen, von denen die o p p o- sitionellc den Erfolg erfocht. kiel, 1 Dezember.(Eigenbericht.) In dem oldenburgischen Landesteil Lübeck- Eutin, der ungefähr 19 Städte und Gemeinden umfaßt, erfolgten am Sonntag die Wahlen zum Landesausschuß. Das Ergeb- nis ist: Sozialdemokraten 7 Mandate, Kommunisten 1 Man- dat. Bürgerliche Einheitsliste„Sparsame Wirtschaft' 2 Mandate, Nationalsozialisten 7 Mandate. Die bürgerlichen Parteien verloren insgesamt sechs Mandate und rund 65 Proz. ihrer bisherigen Stimmen, die Sozialdemokraten zwei Mandate. Die Nationolsozio- listen und Kommunisten waren in dem Landesausschuß bisher nicht vertreten. Gcmeindewahl in Wiener-Neustadt. Dauerkrise und ungeheure Arbeitslosigkeit, gegen die die sozial- demokratische Stadtverwaltung auch nur teilweise Abhilfe schaffen kann, haben in dem österreichischen Industriezentrum Wiener- Neustadt die Hitlerleute zwei Stadtvcrordnetenmandate auf Kosten der Sozialdemokratie gewinnen lassen. Die Sozialdemokraten behalten die Mehrheit mit 27 Mandaten gegen 18 bürgerliche, wovon 3(bisher 1) Nazis. Lloyddampfer brennt. Höchste Gefahr für Passagiere und Besahung.— Löschung erst nach sechs Stunden. New Jork, 1. Dezember. Der cloyddampfer„L ud w i g sh a s c n" ist. wie hier auf- gefangene Funksprüche besagen, aus der Höhe des Kap Mala im Golf von Panama in Brand gcralcu. Der Dampser ha» drahttose Hilferufe ausgesandt. Kap Mala liegt im Osleu der Azuera-Halbinsel>m Staate Panama an der Küste des Stillen Ozean. Der Brand aus dem Frachldampser„Ludwigshascn' ist nach sechsstündiger Arbeit gelöscht worden. Die Besatzung ist an Bord zurückgekehrt. Das Schiff hat feine Reife mit eigener Kraft fortgesetzt. Flugzeug tötet 4 Kinder. Folgenschwerer Absturz einer Uebonqsmaschine. Parts» I. Dezember. Nach einer Meldung aus Edmonton(Kanada) stürzte in Ehipowyan ein Flugzeug, das zu einem kurzen Uebungsflug aufgestiegen war. aus geringer Höhe ab und fiel Millen in eine Gruppe spielender Kinder. Vier Kinder wurden aus der Stelle gelötet und vier andere lebensgefährlich verletzt. Der Führer und der Begleiter der Maschine kamen ohne Verletzungen davon. Sanierung durch Art. 46! Tkeae Notverordnungen in Nachtsitzung beschlossen. Das Ncichskabinett hat am Eoimtag in einer Sitzung» die bis in die Morgenstunden des Montag hinein dauerte, beschtoffcn, die Abänderungen z n der Notverordnung vom 26. Juli und dos F i n a n z p r o g r a m m in einer neuen Not» Verordnung �u verkünden. Im Verlauf des heutigen Tages mird der Reichskanzler dem Reichspräsidenten über den Beschlutz des Kabinetts Bortrog halte». Die Vcrkündung der neuen Notverordnung dürfte am späten Nachmittag oder ain Dici»sto<� vormittag erfolgen. Die von der Regierung als verfassungsändernd betrachteten Gesetze sollen nicht aus dem Wege der Notverordnung i» Kraft gefetzt werden. Im Verlauf des heutigen Vormittags wird über den zur Durchsühning dieser Gesetze einzuschlagenden Weg noch mit den Ministerpräsidenten der Länder verhandelt werden. Oie Postkarte der �Tänzerin". Hakenkreuzlensche Bubenfireicho. Mit welch abenteuerlichen Mitteln gewisse, sich„deutsch" und . national" nennende Kreise die Verleumdung r c p u b l i k a n i- 'eher Beamter betreiben, kann an nachstehendem Fall erläutert werden, der in seiner Bösartigkeit über viel« aiidere Fälle hervorragt. Wenige Teige nach feiner Amtsübernahme bekam der Polizeipräsident in Berlin, Grzefinski, eine offene Postkarte, auf der eine an- gebliche Tänzerin den Polizeipräsidenten mit vertraulichen Anreden bedachte und ihrer Freude darüber Ausdruck gab, ihn bald in einem Tanzlokal in der Iriedrichftrotze wiedersehen zu käiincu. Die Karte mar anonym, die Handschrift offenkundig verstellt, der Schreiber naturlich völlig unbekannt. Bald darauf haben völkische Provinz- blätter begonnen, die Postkarte dieser angeblichen Tänzer!» zu publizieren und entsprechend kritische Bemerkungen gegen den Polizei- Präsidenten vorzubringen. Aus dem Wortlaut der Postkarte und dem Wortlaut der völkischen Verdächtigungen geht hervor, datz der anonyme Postkartenschreiber und der Verfasser der .entsprechenden Pressenotizen identisch sind, die Postkarte also zum Zwecke der Verleumdung durch die Presse geschrieben worden ist. Es handelt sich hierbei nicht nur um Vermutungen, sondern um bestimmte Kennzeichen, die sich aus Dotierung und orthographische Merkmale stützen. Man lzat also den Fall zu verzeichnen, daß irgendein Schmutzfink anonyme Unslätigkeiten auf offener Postkarte an«inen republikanischen Beamten schreibt, dann unter der Maske eines„nationalen Beamten" Veröffentlichungen vornimmt, und dazu nock» Beamte der Vricfverteilungsstclle des Polizei- Präsidiums Berlin in dep schweren Verdacht der Verletzung des Dienstgeheimnisses bringt. Bemerkenswert ist noch, daß die schmutzige Postkarte aus Berlin stammt, während die Bcrösfcntlichungen bislang nur in der völkischen Provinzpressc erschienen sind. Der saubere Bursche hat ofsenbar nicht den Mut gehabt, die Berliner Presse für dieses Bubenstück zu Interessieren. sic Vingeldey staii Scholz. - Oer neue Führer einer Bankerottpariei. Der Zentraloorstand der Deutschen Bolkspartci wählte am Sonntag den Rechtsanwalt Dingeldcy zum ersten Partei- Vorsitzenden. Der bisherige Parteiführer Dr. Scholz wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Sozialdemokratie und Reichswehr. Abwehr eines Derpestongsversuchs. Wir erhalten folgende Zuschrist: In Wiederholung früherer irreführender Berichte behauptet die „Berliner Börsenzeitung" neuerdings, daß ich in einem Vortrag in Berlin den folgenden Satz ausgesprochen hätte:„Man mutz die Ocffentlichtest daran gewöhnen, daß sie jeden Reichswehr- foldaten ansieht, als ob er die Pest hätte". Ich stelle fest, datz ich diesen Satz nicht gesprochen habe und datz es mir überhaupt nicht eingefallen ist, der Ehre der Rcichswchrsoldatcn zu nahe zu -treten. D e s s a u, 30. November. Aerhart Seger. Die Nadikal-Oemokraien. Von der �Vereinigung" zur Partei. Kassel, 1. Dezember. Die am Sonntag abgehaltene Vertreterversammlung der Reichs- Vereinigung der unabhängigen Demokraten beschloß nach längerer, lebhafter Aussprache die Umwandlung der Vcreini- gung in eine„R a d i k a l d e m o k r a t i s ch e Partei". Von den 72 Vertretern stimmten 46 für und 21 gegen die Parteigründung. Gegner der Gründung waren u. a. Professor Ouidde, der Gründer der Reichsvereinigung und Rechtsanwalt Dr. B r a u b a ch- Verlin. Da Professor Quidde aus persönlichen Gründen der fast einmürigen Aufforderung, den Vorsitz der neuen Partei zll übernehmen, nicht entsprechen wollte, wurde Rechtsanwalt Dr. B r a u b a ch- Berlin zum Parteivorsitzenden gewählt. In der einstimmig beschlossenen Kundgebuird ges Gründungsparteitages heißt es u. a., es lzabe in Deutschland noch keine wahre Demokratie gegeben, des- halb sei es unwahr, datz die Demokratie versagt habe. �heinreeder lehnen Schiedsspruch ab. Lohnabbau um 6,2 bis 7 proz ist ihnen zu gering. Duisburg, 1. Dezember. Der am 26. November gefällte Schiedsspruch im Lohnstrcil der Rheinschiffahrt, der eine Lohaherabsetzung ab ZS. November um 6,2 bis? Prozent vorsichk. ist von den Unternehmern, wie der Arbeilgeberverband für die Rheiaichiffahrt mitteilt, einmütig abgelehnt worden. Di« Unternehmer ertlären zur Begründung: Der Schi e dz- spruch bleibt in seinem Ausmaß weil hinter dem zurück, was die deutschen Reedereien als ersten Schritt zur Angleichuag der koukurrenzlShne für unbedingt ersorderNch hallen. Di« deutsch« Rheinschiffahrt versteht es nicht, daß trotz der Bereitwilligkeit des Schisfahrtspersonals, zu den von den Rcsdereien angobctsnen niedrigeren Löhnen weiter zu fahren, die Schlichtunzs« kammex diese wohlerwogene Maßnahme durch eine Halbierung der Lohnsenkung unwirksam machte. Die Krise im Kreml Woroschilow fällt Stalin in den Henkerarm Paris, I. Dezember.(Eigenbericht.) Das„JournaT veröffentlicht einen Bericht über die letzten Ereignisse in Moskau.'Den Namen des Berichterstatters nennt das Blatt nicht. Es erklärt lediglich, daß er seiner Stellung nach dm Ereignissen an gutem Platze habe folgen können. Die Gerüchte über eine umfassende Revolte gegen Stalin seien falsch. Die Masse der Bauern reagiere noch nicht, aber in den leitenden Kreisen im Kreml sei eine schwere Krise ausgebrochen. Niemand könne verheimlichen, daß der Atinsjohrcsplau Vantrott gemocht habe, und daß dieser Mißerfolg Stalins Autorität stark geschwächt habe. Bon allen Seiten drohten ihm Opposition. Höhere Beamte, Leiter der GPU., eine starke Gruppe im Rat der Volkskommissare und endlich Beamte in der Provinz und zahlreiche Jung- kommunistcn nerlongten gewisse freiheitliche Reformen. zum Teil sogar die Einführung eines rein parlamen- tarischen Systems. Die Verschwörer hallen beabsichtigt, auf dem Ansang Dezember in Moskau abzuhollenden Kongreß die Demission Stalins zu sordern. Stalin aber habe Wind von der Sache bekommen und Hab« Rykow zu einem Geständnis gezwungen. Sämtliche Verschwörer seien verhaftet worden und sollten e» schössen werden. Dagegen habe aber der Wehrkommissar Woroschilow interveniert. Er habe auf die d r o h« ck d e Unzufriedenheit in der Armee hingewiesen und auf zahlreiche lokale Aufstände in der Provinz: endlich habe er mit sei»er Demission und einem Marsch der roten Slrinee auf Moskau gedroht. Der beurlaubt« Vorsitzende des Rates der Volkskommissare der Sowjeluuion, R y k o w, der am 6. Dezember zurückkehren und die Leitung der Geschäfte übernehmen sollte, hat die Regierung ge- beten, daß sein Urlaub bis zum l. Februar 1931 verlängert werden möge. Vanderveldes Eindruck. Paris, 1. Dezember. Der belgische Sozialistenführer Emile Bandervelde ist von einer mehrmonatigen Reise durch Rußland imd Ostasien in Marseille eingetroffen." Er erklärt« Journalisten über seine Eindrücke, daß die" Existenzbedingungen in Sowjetrußland weder leicht noch angenehm seien: Erdrückende Steuern, niedrige llähue, schlechte Fabrikware in unzureichender Menge und zu hohen preisen. Vernichtung des Kleinhandels. Wenn man in Moskau umherwandere, gewinne man einen p e i n- lichen Eindruck. Beispielsweise stelle man fest, wie un- genügend die Organisation des Sowjetstaates sei. da die Bevölkerung gezwungen sei, vor den bald leeren Warenhäusern anzustehen. Fleischwarcn seien knapp. Es gebe weder Butter noch anderes Fett und auch keine Milch, außer für die Kinder. Er habe den Eindruck, daß westeuropäische Arbeiter ein Unterdrückungsregime, das leine Freiheit zulasse, das Privatleben einer ständigen Reglementierung unterwerfe und einen sehr unzureichenden Lebensstandard gewähre, keine 14 Tage ertragen würden. Berhastungen in Sowjet-Weißrußland. Moskau. 1. Dezember.(Tel.-Agentur der Sowsetunion.) In Weißrußland wurde eine kontcrrcvolulionäre Gruppe ver- hastet. Sie besteht aus den zurückgekehrten Emigranten Lastowski, Awikewitsch, Kraskowski und ihren, Führer� Smolitsch, die entgegen ihren Versicherungen das Vertrauen der Sowjetmacht mißbraucht und nach Weisui�en ausländischer, weiß- gardistischcr und faschistischer Organisationen ihre konterrevolutionär« Tätigkeit fortgesetzt haben. Die nützlichen Schädlinge gestehen immerzu. Moskau. 1. Dezember. Nach dem sawjetamtlrchen Bericht sagte der Angeklagte Textilingenieur Fedotoff aus, er sei, während er 1918— 1925 nn Sowjetdienst stand, ein loyaler Sowjetbürger gewesen. 192Z gehörte er der von der Sowjetregierung nach England entsandten Jngenieurkomisston an, deren Mitglieder sich von einer Gruppe eng- lischer Fabrikanten siir sowjetfeindliche Emigranten 290 000 Rubel und für die Ingenieure Verrechnungsgetder in Höhe von 50 000 Rubel ausbedangen."Seit 1927 gehöre er mit den Ingenieuren Kupnianofs und Noldc dem Schädlingszeillrum an, das sich später in das Zentralkomilee der Jndnstriepartei umwandelte. Aus den Aussagen Fedotoffs geht ferner die völlige Zersetzung im Lager der Weißgardisten hervor. Wie er nämlich angab, berichtet« Krestownikoff unter Berufung aus Konomaloff, die Gebrüder Kjabuschiiiski hätten die K a s s» der Weißgardisten und Wrangeis geleert, mdem sie die Weiße Arme? mit Stiefeln belieferten, deren Sohlen aus Pappe waren. Auf weitere Fragen des Staatsanwalts Krylenko gestand Fedotolf, daß er 3000, 4000»nd bei Abgabe der Bestellung 50 000 Rubel B e- stechungsgelder annahm, als er einer bestimnüen Firma bei Austraaseiteilung den Vorzug gab. S i t n i n bekundet zuerst, seine einzige Einnahme sei ein Gehalt von 550 Rubel im Monat gewesen." Nebeneinkünfte habe er nicht gehabt. Es stellt sich heraus, daß bei Sitnin 7500 Rubel I» Goldmünzen beschlagnahmt worden sind. Tiknin behauptet, diese Münzen habe er aus einer illegalen Börse mit als Besiechungsgelder crhalienen Mitteln erworben. Auf Antrag Krylcnlos wurde die in der Auslandspresse vermfent- lichte Erklärung des Präsidiums des Handels- und Jndustriskoimtees in Poris verlesen, worin diese Organisation eingaben der Anllage- schrift in Sachen der Jnduslriepartei anficht. Ramsin und die übrigen Angeklagten bestätigen jedoch die Tassache ihrer in dieser Erkiärnng bestrittenen verbrecherischen Beziehungen zu dein Handels- und Jndustriekomitee. Ramsin und alle übrigen Angc- klagten widerlegten die Behauptung de? Handele- und In- dustrickomitees, wonach alle Anklagen, die von den Angeklagten gegen dieses erhaben wurden, durch Foltern erpreßt worden feien, und erklärten: Was Folterungen anbelangt, jo sind die an- ivesenden Angeklagten und ihr Aussehen der beste Gegenbeweis. Romanow- Gespenster. Paris, 1. Dezember. „Großfürst" Kyrill von Rußland, der„Zar" eines Teils de? russischen Emigranten, nahm in Marly eine Parade der monar- chistischen russischen Jugendverbände ab. In der Begleitung des Großfürsten waren seine Gattin, der 13jährige„Thronfolger" Wladimir, der„Großfürst" Andreas und der deutsche Fürst von L e i n i n g« n, der mit einer Tochter Kyrills verheiratet ist. Unter dem Gesang der Zarenhymne defllierten mehrere hundert junge Russen vor Kyrill und seinem Sohn, neben denen die Zaren- und die Thronfolgerstandarte stand. Kummunistenverhastungen. . Paris, 1. Dezember. Fünf italienische Kommunisten wurden verhaftet und über die Grenze abgeschoben. Einer von ihnen, M a n z o n i, der in Luxemburg wohnte, war Verbindungsmann mit der internatio- nalcn Roten Hilf« in Berlin. Menotti soll Beziehungen zu Antifaschisten zugegeben haben, die vor einiger Zeit versucht hatten, in Sarthrouville einen des Verrats verdächtigen Lcndmann hinzurichten. Ferner wurden zwei Individuen über die Grenze abgeschoben, die vor drei Tagen, wie die Polizei bekannt gibt, mit passen der ecuadorische,: Gesandtschaft iu Berlin aus Moskau gekommen seien. Im Besitze dieser„lästigen Ausländer" waren bolschewistische Propagandaschriften und belastende Dokumente. * Die persische Regierung hat eine weitverzweigte russische Per- schwörung aufgedeckt und 500 bolschewistische Agenten verhasten lassen. 30 Verhaftungen wurden in Teheran und in Mesched, die übrigen in Tabris mü> in kaukasischen Provinzen vorgenommen. Eine große Anzahl der bolschewistischen Agitatoren war im Besitz amerikanischer Pässe. Im Auto ertrunken. Kraftwagen mit vier Insassen in den Fluß gestürzt. Lübeck, t. Dezember. Ein schweres Unglück crcigncie sich hier gestern nacht, das vier Menschenleben forderte. Ein mit vier jungen Leuten aus Segeberg besetzter geschlossener Personenkraftwagen fuhr unterhalb der Beckergrube in die Trave und ging sofort unter. Einer von den jungen Leuten tauchte noch einmal aus und konnte von der Feuerwehr geborgen werden, doch waren alle Wieder- belebungsversuche ersolglos. Erst nach längeren Bemühungen ge. lang es heute vormittag, die anderen drei Leichen zu bergen. BVG.-Hetze ist tot! Die falschen Anwürfe gegen den Personaldirektor. Ein Sladtverordnetenausschuß, der sich wiederholt mit den An- trägen verschiedener Fraktionen, in denen ausgefordert wurde, die Entlastungen bei der Berliner Perkehrs-Gesellschaft sofort rückgängig zu niachen, beschäftigte, wird nunmehr der Stadtoerordnetenoersamm- lung folgenden Beschluß empfehlen, der mit den Stimmen aller Parteien außer den Kommunisten gefaßt wurde: Nachdem der Zlussichlsral der Berliner Berkehrs-Gesellschasl und sein Ausschuß nicht haben feststellen können, daß bei den vorgc- nommenen Entlassungen partelpolltisch verfahren worden sei. sieht die Stadtverordnetenversammlung die hierüber geführten Be- schiverdcn und die Anträge alz erledigt am Die Stadtverordneten. Versammlung sieht e» als selbsiverständUch an. daß die Verwaltung i der Berliner Verkehro-Gesellschast bei Entlassungen rein sachlich und nicht parteipolitisch verfährt. --j- Frenzel-Ltrieil erst heute abend. Da das Potsdamer Gericht unter Vorsitz von Land- gerichtsdirektor Dr. H« l l w i g, ovwdhl Man den ganzen Sonn- tag über beraten hat, mit der Urteitsfindung noch nicht zu Ende gekommen ist, lzot man die Verkundung des Spruches, die auf Montag vormittag festgesetzt worden war, aus abends 9 Uhr verlegt. In Erwartung des Urteils, dem mit größter Spannung entgegengesehen wird, hatten sich heute früh vor dem Potsdamer Gericht zahlreiche Personen eingefunden, die sich rechtzeitig einen Platz im Zuhörerraum sichern wollten. Zu ihrer Enttäuschung er- fuhren sie, daß sich die Verkündung des Urteils verzögern würde. Wetter für Berlin. Ruhig und vorwiegend trübe, Temperaturen wenig verändert.— Für Deutschland. U eberall ziemlich trübe. Nirgends wesentliche Niederschläge, im Westen zeitweise aufheiternd. Konsummilch bleibt billiger. Die Konsumgenossenschast Berlin und Umgegeiü) crtlärt auf Ve- fragen, daß für die Mitglieder der Konsumgenossenschaft eine Preis- crhöhung für Milch nicht in Frage kommt. Auch weiterhin wird die Kortsumgenossenschast den in voriger Woche verbilligten Milch- preis beibehalten. Lebendig begraben. Verschütteter nach drei Tagen noch am Leben. Easlrop-Rauxel, t. Dezember. Aus der Zeche„Viktoria 1/11" war am Freitag morgen ein Strebeseiler zu Bruch gegangen, wobei zwei Bergleute ver» schüttet worden waren. Am Sonntag Ist es nun gelungen, mit einem der Verschütteten in Verbindung zu treten und ihm durch ein Rohr flüssige Speise zuzuführen. Cr ist unversehrt und guten Mutes. Die Aufräumungsarbeiten werden noch mehrere Tag« in Zlnspruch nehmen. Es besteht aber die begründete Hoffnung, daß sie zu einem glücklichen Ende geführt werden können. Leider kann nicht damit gerechnet werden, daß auch der zweite Verschüttete noch am Leben ist. Seinen siebzigsten Geburtstag feiert heute Paul Ide, Wrangelstraße 04. Dem alten Freund, der fest vierzig Jahreu treuer„Borwärts"-Leser ist, unseren herzlichsten Glückwunsch!, Ordnung gegen Anarchie Demokratie muß sich gegen Kaschemmengepflogenheiten wehren Zu deu beispiellosen Tumultszcneu in der letzten Sitzung des Sladlparlament» sendet uu» der Stadt- verordnete Genosse Simon kahenstein die sotgenden grundsätzlichen Aussührungen. -Der 27. November mit all seinen widerwärtigen Dorgängen in der Berliner Stadtoerordnetcnoersammlung war der Höhepunkt einer seit Jahren anwachsenden, böswillig geschürten Krankheit der Anarchie— und hoffentlich der Beginn einer Ge- sundnng. Zwei Menschenallcr hat die Sozialdemokratie mit dem Aufgebot ihrer ganzen Kraft für B o l k s r e ch t und parlamenta- l isches System gekämpft. Verfolgungen und Bsrleumdungen hat sie getrotzt und ist nie in ihren Grundsätzen wankend geworden. Als sie zur Macht kam. gehörte es zu ihren ersten Aufgaben, diese alten Forderungen zu erfüllen. Sie schuf die folgerichtige demokratische Verfassung, von der demokratischen Gemeinde aufsteigend zur Reichsrepublik. Nichts ist in diesem System matzgebend als der Wille des Volkes, wie er sich aus der Grundlage eines freien Vereinslebens und einer freien Presic in den Wahlen kundgibt. Die Volksvertretung ist die höchste Stelle. Bei ihrer Zusammen- sctzung und in Ihrer Arbeit, durch Verhältniswahl und parlamenta. rischcs Verfahren sind die Rechte der Minderheiten mit peinlicher vorgfalt gewahrt. Denn Demokratie schließt in sich den Schutz der Minderheit, ihre volle Heranziehung zu Mitarbeit und Kontroll«. Nicht aber bedeutet sie die Vergewaltigung der ZNehrhcil durch eine rücksichtslos auftrumpfende Minderheit. Vor allem dann nicht, wenn diese Minderheit nicht den ehrlichen Willen zu sachlicher Arbeit- zeigt, sondern durch Aufstellung unmöglicher, ja sinnloser Forderungen nur bedenkliche Agitationsvolitik treibt. Der Außenstehende, der nicht gewöhnt ist. in den Kreisen des Rowdy. l u m s z» verkehren, kann sich nicht vorstellen, welch ein Martyrium für anständige Menschen diese Verhandlungen Sitzung für Sitzung bedeutet haben: diese Summe wüstester Beschimpsung, gemeiner Verleumdung und frecher Verhöhnung. Nehmen wir als Beispiel den Fall, der in der letzten Stadt- rerordnetensitzung den Vorwand für das Rüpelstück abgab. Zur Be. ratung stand ein kommunistischer Antrag zur Erwerbstosenftage. Hier gibt es eine Reche kommunistischer Anträge, die insgesamt die Stadt verpflichten wollen, den Erwerbslosen zur gesetzlichen Bar- sicheriinzsleistung freie Miete, Verköstizung, Heizung, Licht, Fahr- gech und Geldunterstützung zu gewähren, d. h. die den Erwerbslosen jchlietzlich mehr geben würden als manchen Berufstätigen Dies aus Kosten der Stadt, die schon nicht weiß, woher sie chre Ivohlfahrts- ausgaben decken soll und bei den Kommunisten dabei am wenigsten ernste Hilfe findet. Jeder mutzte, daß diese Anträge nicht ernst gemeint, nur ein T h c a t e r s p i« l für urteilslose Zuhörer waren. Am besten die Antragsteller selbst, die von Rußland her wissen, wie schwer die Versorgung der Erwerbslosen und wie leicht(für die Gewalthaber des„Vaterlands des Proletariats") chre Ver- Weisung auf das Nichts ist. Alb ist es zumeist klar, daß die Stelluno dieser Anträge aussichtslos ist. Anders war es mst dem neuen An- irag der Gewährung einer WiMerbeihilfe, der jedenfalls im Aus- fchuß ernsthafte Erwägung gesunden hätte. Aerhandelt werden sollte er jedenfalls in dieser Sitzung und wäre nach der Geschäftseinteilung verhandelt worden, wenn nicht— die kommunistischen Antragsteller selbst die Verhandlung verhindert hätten! Man wollte wieder einmal krakeelen! Sie oerlangten, daß ihr Antrag an dfe erste Stelle gesetzt werde. Ob sie fürchteten, ihre Aufgebotenen auf der Tribüne nicht länger zusammenhalten zu können, ob sie nur wieder einmal zeigen wollten, daß ihr Wille— der Wille eines Viertels!— die Versammlung zwingen könne, wer weiß das? Wahrscheinlich rechneten sie auch mst der Ablehnung und wollten der Tribüne, wie schon einmal in ähnlichem Fall, zeigen, wie sie es verständen, die B:r- sammlmig zu sprengen. Denn gleich nach Ablehnung dieser Forderung setzte der Lärm ein, zunächst auf der Tribüne und in enger Verbindung mit der Äomödiantentruppe nn Saal.„Lärm" ist ein unzureichendes Wort für all das Geschrei, die Beschimpfungen und Drohungen, die auf die Versammlung herniederprasselten. Am meisten natürlich aus die verhaßten Sozialdemokraten und den Vorsteher, der ja aus ihren Reihen hervorgegangen ist. In te'mem Eisenbahnwagen, in keinem Wirtshaus würden die Anwesenden sich auch nur entfernt solch« Nichtsnutzigkeiten und Bübereien bieten lassen. Eine Volksvertretung aber, die arbeiten will, die auf Würde Anspruch erhebt, muß sich mit aller Energie dagegen zur Wehr setzen! Kaschemmen-«.Revolutionäre�! So kam es, wie es kommen mußte. Genosse Haß, der in seiner gütigen Klugheit wirklich verdiente, einer anständigen Versammlung vorzustehen, sah sich gezwungen, die schärfsten Mittel anzuwenden, die unsere unzulängliche GesckMftsordnung ihm in die Hand gibt. Ein unwürdiges Schauspiel entwickelte sich, das jedem Zuschauer mit Ekel in Erinnerung bleibt. Aber das kann und mutz jeder Ehrlich« mit gutem Gewissen feststellen: Die ganze Schuld lag auf der Seite dieser K a s ch e m m e n„r e v o l u ti o n ä r e". die alle Rechte der Voltsvertreter im ausgedehnten Maße in Anspruch nehmen und sich weigern, auch die Pflichten des Volksvertreters. nein des einfachsten Menschen zu erfüllen.— Als das Haus gesäubert war. als die ruhige Arbeit ihren Fort- gang nahm, fühlte man sich ordentlich fremd an der Stelle, die man bisher nur als Stätte niedriger Pöbeleien, armseliger Witze und Schimpfereien kennen gelernt hatte. Und nun ging die Arbeit von- statten. Eine große Reihe Vorlagen wurden erledigt. Darunter kommunistisch« Anträge, die zum Teil, einige sogar ein- stimmig, angenommen wurden. Nicht ober kamen infolge des ungeheuren Zeitverlustes, den die Lärmszenen und ihre Beseitigung erfordert hatten, die Anträge zur Verhandlung, die den Vor- wand zu dem ganzen Lärm geboten hatten. So arbeiten die Äommu- nisten für die Erwerbslosen! Wann endlich neue Geschäftsordnung? Nun aber gilt es, das Eisen zu schmieden und die Geschäfts- ordnung endlich so zu gestalten, daß sie wirklich ohne so langwierig« und widrige Umstände ein ernstes und würdiges Arbeiten gestattet. Nicht nur muß der Vorsteher die nötigen Vollmachten erhalten, muß die Dauer des Ausschlusses und seine Wirtungen nach dvn Vorbild des Reichstags wirksamer gestaltet werden.. Auch sonst sollte die Arbeitsfähigkeit gefördert, Mißbräuchen vor- gebeugt werden.. Grobe Lüge ist es natürlich, wenn fetzt die kommunistische Presse es so hinstellt, als sei der„Hauptmann mst 20 Mann" gegen Volksrechte eingesetzt worden: als sei der Zweck gewesen, durch .Hinauswurf dieser„Volksvertreter" die Verhandlung der Erwerbs- lofennot zu verhindern, ja die Mehrheitsverhältnisse zu beeinflussen. Nur der Schutz der Volksvertretung gegen rohe und hohnoolle Vergewaltigung— man muß das Lachen und Schmunzeln der Herren Kommunisten bei den entwürdigenden Szenen gesehen haben— um den Ernst ihres Gebarens zu würdigen! kvenn Polizei jemals ihre Ausgabe, Recht und Ordnung nach dem Willen der gewählten Obrlg- keil gegen bösartige Slörer zu schützen, erfüllt hat. dann war es in diesem Fall. Ueberhanpt: welch ein Sehauspiel, die Kosaken des bluttriefende» Bolschewikenzaren als Verteidiger der Volksrechte gegen Gewalt zu sehen! Alles Lüge wie ihr ganzes Treiben! Man darf auch nicht sagen, daß die Recht« der kommu- nistischenWählerin ihren Vertretern gekränkt seien. Niemals hat man es einem Vertreter der Partei verwehrt, ihre Meinungen und Forderungen zur Sprache zu bringen, fei es auch in einer oft recht ruppigen Art. So wcst aber geht das Recht selbst einer Mehr- hcst, geschweige das einer Minderhest nicht, den Rathouzsaal In eine Kaschemme zu verwandeln. Solange noch Ernst in der politischen Arbeit und Anstand im politischen Verhallen Gellung Hot, solange wallen wir uns wehren und im Notfall lieber ehrlich fallen als uns schimpflich unterwerfen. Aber das brauchen wir nicht zu fürchten. Krankheiten kommen und gehen. Der Höhepunkt dieses Diktatur- siebers— welche Sorte jammervollster Diktatoren!— wird auch überschritten werden. Don» wird die Zest kommen, die porla- mentarische Ordnung wieder so zu gestallen, wie sie für anständige Menschen gedacht ist. Bis dahin wollen wir uns dieser Pöbeleien nach Kräften im Interesse des arbeitenden Volkes erwehren! Theater/ Kunst/ Tanz Die Kunstmeffe Berliner Künstler. Alfred Döblins„Ehe". Llrausfühnrng der„Münchener Kammerspiele'. Alfred Döblin enttäuschte die Mehrhest derer, die vom an- erkannten Autor des Alexanderplatzromans eme dramatische Dich- tung erwarteten. Er gibt aus einer ehrlichen Wellanschauung heraus nichts mehr als Reportage in Bildern mst der zutreffenden lieber- schrift„Geld regiert die Well". Er stellt zur Jllustrierung von Elendszuständen im Proletariat wieder einmal den§ 218 zur Diskussion. Arbestslosigkell. Wohnungsnot, kurz alle Faktoren, die das Unglück der Ehe des vierten Standes verschärfen. Als Gegenbeispiel zeigt er die Ehe in der Bourgeoisie keineswegs typisch, vielmehr die oft geschilderte Rachkriegsehe mit allen Schikanen und Abfindungen, die das Geld ermöglicht. Durch den Projektionsapparat verdeutlicht, werden sämtliche Szenen von einem Sprecher beglestet, dem Verwaller von Prolog und Epilog, sowie im 1 und 3. Bild vom Chor der Bedrängten. Taraus ergibt sich wohl ein Probestück neuer Richtung mit starker Anlehnung an die Dreigroschenoper, aber ohne deren Wirkung zu er- zielen. Stärker noch als bei Brecht-Weill spiell das Musikalische in das Wort hinein, oft hinreißend suggestiv vom Komponisten Corel Rathaus bewerkstelligt. Abgesehen von Wiederholungen ganzer Szenen, die aus Stücken wie„Cyanlali" bekannt sind, verbleiben einige dichterisch konzipierte Gestalten des Berliner Milieus, etwa die 14jährige Eärtnerstochter. Die Spielleitung war vor«ine ungewohnt große Ausgabe gestellt, die durch Ollo Falckenberg und Julis G« l l u e r eine staunenswerte Lösung fand unter Anwendung sehr primitiver deko- ratioer Mistel. Hervorstechend die Leistungen des Sprechers, der proletarischen Eheleute und besonders echt das Proletarierkind. Döblin wurde mit seinen Spielleitern und Darstellern zum Schluß bejubett.__ A.W. Münchener Tänzer in Berlin. Matinee in der Volksbühne. Di« Münchener Kaminer-Tanz-Bühne zeigte ihre sehr eigenartige Kunst dem Berliner Publikum in einer Bolksbühnen-Matinee. „Tanzsolge 1Ö30" und„Barbarische Suile" nannten sich die Kam- Positionen. Beim ersten flüchtigen Eindruck fielen in der„Barbarische Suite" Tanzrhythmen primlliver Völker auf— seltsam verseinert, ins Tanzbühnenniähige umgebogen. Aber plötzlich fühlte sich der Zuschauer mitgerissen; er empfand die llnmittelbarkest dieses Tanzausdrucks, er begriff, daß diese Rhythmen nicht nacherlebt, sondern neu erlebt sind, daß dieser Tanz verfeinert wirken muß, weil eben nicht der Primllive, sondern der Kullurmensch ihn schuf. Ein Flöten- und Schlagzeugorchester begleitete die Tänze und fachte sie an zu immer neuen Variationen. Die monotone Melodieführung, die Fardigkeit in Klang und Rhythmus bei diesem Orchester erweckte Erinnerunzen an Tanzmusik asiatischer Völker. Aber in der Musik wie im Tanz bezwingt das eigene Kunstempftnden der Gruppe den fremden Einfluß völlig: auch die Musik wirkt unmistelbar empfunden. Das Orchester beglellete auch die„Tanzfolge 1930". Diese Tanz- folge schien mehr artistisch konstruiert, mehr Gedankenarbell als einheitlicher Tanzausdruck. Aber auch hier entzückte die wundervolle Gestattungssähigkest dieser Tänzerinnen, die besonders Hände, Anne und Füße zu vollendeter Beherrschung durchtrainiert haben, und die Geschlossenheit der tänzerischen Komposition. An der Spitze der Tänzerinnenschar steht Maja Lex, die auch die Tänze entwarf und einstudierte. Gunild Keetman ist die Schöpferin der musikalischen Beglestung. Der Beifall, den die Berliner Zuschauer den Darbietungen spendete, war groß.— Einstein fährt nach Amerika. Professor Einstein hst eine Reise nach Kalifornien angetreten, deren Ziel Pasadena ist. Sein Besuch gllt dem dortigen California Institute of Technology sowie dem unweit davon im Gebirg« gelegenen Mount� Willon-Observatoiy und einer Fühlungnahme mit den Gelehrten dieser Institute, deren Einladung zu einem Gedankenaustausch Professor Einstein Folge gibt. Die genannte Warte, die in 2000 Meter Höhe aus dem Mouist Wilson liegt, kann sich des größten Spiegelteleskops der Welt rühmen. In Pasadena wird Einstein auch mll Michelson von der Universität Chikago zusammenkommen, der seine Forschungen im besonderen der Relativitätstheorie widmet. Proteststreik der Dresdener kunstakademiker. Wie die Studie- renden der Staatlichen Akademie der bildenden Künste, Dresden. mitteilen, haben sie an den Sächsischen Landtag die Bitte gerichtet, daraus hinzuwirken, daß Prof. Wrba seines Lehramtes und der ehrenamtlichen Tätigkeit im Akademischen Rot sofort enthoben werde Den Grund zu diesem Vorgehen boten die moralischen Zu- stände, die im Atelier Wrba herrschten und zu einer Disziplinar- bestrasung geführt haben. Zum Zeichen ihres Protestes gegen Brrn. Wrba beschlossen die Studenten einen eintägigen Proteststreik. Auch forderten sie die sofortig« Wiederzulassung der entlassenen studieren- den Reinhold und Prussog. Zu der komischeu vprr beginnen vom t. Dezember an zu kleinen Vrei'en Me Nack>m>Itag«voistelllmgen für Kinder von.Schneewittchen.» Dieses MZichenipiel wird von»GlauerS LUiputaner-Truppe, also von wiritichen Zwergen, dargestellt. Jrlh Müller. partentirchen gibt in der Kesellsch-st st-r Deatlche« Zchristtum DIenSIag, 8 Uhr, einen heiteren Abend im FlilgverbandS-Hanfe, BlumeShoj 17. Zm Znslitut für Rfee-eskuude SM Dienstag. S llbr. KorvettenkapitZn Kurze einen Vornag: Vit den Ve'.lneffungSfchissen der ReichSmarin« in die Nord- und Ostsee(mit Lichtbildern). Eine Kunstmesse veranstaltet die Jurys reic in ihrem Haus« am Watz der Republik Nr. 4 bis zmn 23. Dezember. Zeit und Begriff besagen: hier sind ernsthafte Kunstwerke zu billigstem Preis« zu haben. Di« obere Grenze sst 300 Mark, sehr viele aber sind in entsprechendem Maßstab ungewöhnlich reduziert. Man traut feinen Augen nicht: Oelgemälde und große Aquarelle von Rerffer- scheid, Otto Herbig, Annot, H. Schwarz, Wetzel sind für 100 bis 300 Mark zu haben, kleinere Aquarelle und Zeich- nungen klettern bis zu 30 Mark herab: es ist«in echter Weihnachte- markt von erschwinglichen Kunstwerken. Es geht also wirklich! Vergibt man sich etwas, wenn man seine Preise mit 150 statt mit 1500 Mark beginnen läßt, und ist wirklich erst der angenehme Druck einer solchen„Kunstmesse" notwendig, um dem heutigen Stand der Geldbeutel entgegenzukommen? Dem Publikum aber kann nur geraten werden, hinzugehen, zu prüfen und zu«rwerben: diesmal gibt's hier wirklich keine Ueberforderung. Wenn ein paar Namen von jüngsten und von schon bekannteren Künstlern genannt werden. so bedeutet das nur«ine persönliche Geschmackswahl; es ist hier für jeden gesorgt. Am besten gefielen: Susann« Eisendieck mit reizenden „Gondelsahrten", L. F. Kellers anmutsvolle Terrakotten. Sand« tuhls lebendiger Halbakt, die Pseudoplastik des sehr begabten Theunert, Schröder-Wiborg tinteressanter Mehr-als- Dilettant), B a r c z y n s k i, der malerisch feinfühlige H. R o e s ch, ein ernsthaft anfstrebendes Talent, M. Pfahl, Aquarelle von K u t t n« r und Schmidt-Coroll, und F. Nußbaum. p. f. scb. Das Schiller- Theater wird frei. Die preußische Regierung hat bekanntlich das Charlottenburger Schillertheater bis zum 31. August 1932 gepachtet. Schon seit längerer Zeft war darüber kein Zweifel, daß der Staat dieses Pacht. Verhältnis nicht fortzusetzen gedenkt. Di« Schillertheater A.-G. ist davon benachrichtigt worden und hat es ihren Aktionären in der Generalversammlung am Sonnabend bekanntgezeben. Wie sich die Zukunft des Schillertheaters gestalten wird, ist vor- derhand noch nicht zu sagen. Eigentümerin des Theaters ist die Stadt Berlin. Vielleicht wird sie ihr Theater wieder an die Schiller, theater A.-G., die vor dem Staat Pächterin war, überlassen. Die V o l k s b ll h n e hat für das nächste Jahr noch einen Bertrag mit dem Schillertheater auf Lieferung von Vorstellungen. Ob und in welcher Weise dieser Vertrag fortgesetzt werden kann, hängt von der weiteren Gestaltung der Lage ab.' Herbstkonzert der Chöre„Oben'pree* in Treptow. Nachdem ich am Freitag bei einem führenden bürgerlichen Männerchor(mit der„goldenen Kette") ein fast unausstehlich lang- welliges Programm und ein« selbstzufriedene Interpretation ge- nassen hatte, lauschte ick) am Sonnabend mit wahrem Ver» gnügen im Realgymnasium von Treptow den Darbietungen eines Männerchors, der etwa ein Zwanzigstel der Mitglieder ienes Chors besitzt, und eines Gemischten Chors, der kaum über 50 Männer und Frauen umfaßt. Der Männerchor, der als solcher zuviel nach großem Ton strebt, leistet als Ensembleglied ganz ausgezeichnete Dienste. Nichts Eunuchenhaftes, die Tongebung gesund und satt» olles von einer vorbildlichen Deullichkeit— und doch immer be- scheiden im Hintergrund. Die Frauen zeigen dieselbe vornehme Kultur, dieselbe geistlg-musikalische Regsamkeit, stören nie durch grelle nick, hart« Töne. Nur die etwas flache MiUellage muß noch revidiert werden. Das Programm, das zunächst Mendelssohnsche und Schubertsche Chöre brachte, gipfelte in drei reizenden, machtig einschlagenden Volksliedern, in der Bearbeitung von Meister Sieg- sried Ochs. Der junge Dirigent W. König, der erst dreiviertel Jahr an der Spitze der Sänger steht, besitzt ausgezeichnete Quali- täten: Ein Musiker, der das Herz auf dem rechten Fleck hat, aus das feinste Maß hält, nie posiert und nur manchmal bei den lang- sameren Liedern allzusehr sich in Einzelheiten verliert. Ein künst- lerischer Charatterkapf. Der Solist Armin Liebermann, der Meister der Deli- katesse, sanq sich mit seinen Cello-Vorträgen wieder in alle Herzen ein. � H. M. Ein Mozart-Denkmal von Fritz Klimsch. Im Atelier vcm Pros. Klimsch. Schillerstrahc 21, steht das Modell eines Mozart-Dentmals, das der Künstler zu Ehren des 175. Geburtstages(Januar 1931) für Mozarts Vaterstadt Salzburg entworfen hat. Es ist kein Standbild: der Geist Mozarts chor Musik hat in jugendschlanken Mädchen und Jünglingen Gestall angenommen. Auf der Höhe des Steinblockes hebt sich der Genius lauschend empor; um den Sockel reichen sich die vier Verkörperungen sinfonischer Tonart die Hand. Wichtiger als symbolische Deutbarkeit ist die Musikalität des Aufbaus, der zarte und schwingend« Rhythmus der schlanken Geschöpfe, die in ihrer Gesamtheit wirklich etwas von Mozartischer Melodik und Inbrunst besitzen. Da» Wert gehört auf den SalZburger Marktplatz, an dem Mozarts Wohnhaus liegt; es ist für diesen reizenden Ort gedacht, und man möchte sehr wünsche». daß es musikliebenden Kreisen gelingt, die Ausführung in Stein zu finanzieren. lv S. Montag Nr. 562 1. Dezember 1930 47. Jahrgang Ein Toigesdiwiegener Friedrich Aug. Hasclwander Die Ueberschrift wird für die meisten eine Ueberraschung fein. Man weiß gemeinhin nichts von dem Ingenieur Fr. A. Hasel- wanden Aber es ist angebracht, dem Volke von diesem Manne und seinen sür unsere heutige Elektrotechnik und die Oelmotoren- industrio epochemachend gewordenen Ersindungen etwas zu sagen. Hoselwander lebt heute in semer Vaterstadt Offenburg i. B-. die in richtiger Wertschätzung seiner großen Arbeiten für unser« ganze industrielle Entwicklung eine Straße im Industriegebiet „Haselwandcrstroßc" benannt hat. Schon vorher, am 1». Mai 1920, hatte die Technische Hochschule Karlsruhe auf einstimmigen Antrag der clektrotechmsche» Abteilung ihren ehemaligen Studenten zum Ehrendoktor ernannt. Was ist Hosclwaudcrs Verdienst? Nichts Geringeres zunächst, als daß er der Erfinder des Drehstromsystems,' das ist des offen und geschloffen verketteten Dreiphofenstromsystems, durch das die großen elektrischen Fernleitungen, die Ueberlandzentralen heutiger Art, erst möglich geworden sind, ist, und zum anderen auch als erster den Weg gezeigt hat zur Verbesserung der Oelmotoren, Der- l'rennungskraftmaschincn, zur Vereinfachung, Verbilligung des sage- nannten Dieselmotors. Im Jahre 18S7, als Haselwander sein Drehstromsystem aus- arbeitete und alsbald auch im Betriebe vorführte, mußte man schon Techniker sein, um seinen Gedanken folgen zu können, das Kaiser- liche Patentamt selbst konnte seine erste Patentanmeldung H. 8147 11/21 vom 23. Juli 1888 nicht erfassen und wies sie am 19. März 1889 zurück„aus formalen Gründen"! Haselwander reichte alsbald seine Patentanmeldung am 28. Juni 1889 nochmals ein unter dem Aktenzeichen H, 9082 11/21, die durch den Patentanwalt Hasel- wandcrs � ohne dessen Zustimmung schließlich verpfuscht wurde, wie die Patentschrift Nr. SS 978 zeigt. Hasclwanders Erfindung war eine. Zufallserfindung und war es auch nicht. Zufallserfindung insofern, als Haselwander zu dem Gedanken angeregt wurde durch Betrachtung des Ankers einer selbst- gebauten kleinen Dynamomaschine mit offen verketteter �Schaltung von drei Spulen, der durch einen allzu wißbegierigen Besucher be- schädigt worden war. Zufallserfindung aber wiederum nicht, als haselwander darauf überlegend arbeitend, ein Problem sah, das er sich als Aufgabe stellte, deren Lösung dann suchte und Wissenschaft- lich folgerichtig denkend tatsächlich auch fand. Dies geschah Anfang Januar 1887. In rascher Folge wurden di« verschiedenen theoretischen Varianten der Erfindung entwickelt, neben dem offen und geschlossen verketteten Dreiphasenstrom auch der geschlossen verkettete Zweiphasenstrom, Zeichnungen, Schaltskizzen, Beschreibung mitgeteilt im April und Juni 1887 den Herren Baurat Uppenborn(München), Dx. O. May und Heinrich Voigt(Frank-, surt), wie von diesen in öffentlichen, S>sZUNgen undf Berichten he- stätsgt. Sommer 1887 wurde auch eine Maschine von' 2,8 Kilo- matt mit feststehendem Anker und umlaufendem Jnncnpolmognet (Urform der heutigen Drehstromgeneratoren!) entworfen und in der mechanischen Werkstätte L. Bilfingers(Offenburg, Badstraße) von Haselwander ausgeführt: dieser erste Drehstromerzeuger wurde am 12. Oktober 1887 in der Hutfabrik von A. Adrion(Wilhelmstrahe, Offenburg) unausprobiert— wohlbemerkt!— in Betrieb genommen; er lief von Anfang an richtig; Umlaufzahl, Spannung klappte wie berechnet, obwohl es damals noch keine Lehrbücher und Pro- fesforen für Drehstrom gab! Diese Maschin« war später in der Elektrischen Ausstellung in Frankfurt a. M. 1891 ausgestellt im Gange und steht heute, im ursprünglichen Zustande und noch betriebsfähig, im Ehrensaal des Deutschen Museums zu München. Große, umwälzende Erfindungen liegen oftmals in der Luft, wie man sagt; das Ringen um«ine Lösung einer praktisch brauchbaren Energi«übertragung, als mit Gleich- oder einfachem Wechselstrom oder mit Druckluft, beschäftigte manche Köpfe in der ganzen Welt. Das Ergebnis war natürlich verschieden, je nach dem Orte, wo der Hebel angesetzt wurde, je nach dem„Sprungbrett", je nach dem Ge- burtsort« möchte ich sagen, der Idee. Es war unvollkommen, halb- fertig gewissermaßen, wie bei dem unverketteten Zweiphasenstrom- system des Ualienischen Professors Ferrari(18. März 1888), Bradley (amerikanische Patentanmeldung 9. Mai 1887), Tesla(Anmeldung 1. Mai 1888), Zipernowjki-Dcri(26. August 1888). Das vollkom- mencre(offen oder geschlossen) verkettete Dreiphascnstromsystem, das heute allgemein übliche DrehftrWsyst-cm, wurde unabhängig von anderen, zuerst van Fritz Haselwander erfunden,, tarsächlich aus- geführt und im öffemlichen Betriebe benutzt. Hasclwanders System setzte sich durch, selbst die Bauart seiner ersten Maschine für Dreh- stromerzeugung wurde typisch. Wir all«, die wir die Segnungen der elektrischen Großkraft- anlagen und Ueberlandzentralen genießen, Hadem den Dorteil der Ersindung des Drehstromsystems, ohne daß man sich das weiter überlegt. Und ganz ährlich ist es auf einem anderen Gebiete, dem der Oelmotoren. Die Meinung, daß der sogenannte„Dieselmotor", der einen Hochdruckluftverdichter zur Erzeugung der Einstäubeluft von über 50 Atmosphären nebst Preßtnsthehältern, Leitungen, Meß- apparatcn benötigte, was alles die Dieselmaschine„verteuerte, komplizierte und als Kleinmotor undiskutabel machte"(vgl. Thiemann: „Fahrzeug-Dieselmotoren", 1929), einer Verbesserung bedürfe, war ziemlich verbreitet. Haselwander, der schon nach seinen Patenten 101 453, 111079 u. a. Verfahren und Bauart eines wesentlich ein- fächeren Oelmotors ohne Kompressor angegeben und ihn auch gebaut hatte mit deni gutachtlich festgestellten Ergebnis, daß der Brennstoffverbrauch noch unter dem des teuereren Dieselmotors lag(Zeiffchrift d. V. D. I. I. 1906. S. 1790 und 1907, S. 393) machte in seinem Patent Nr. 136 940„einen für die Folg« auß«rordenllich fruchtbaren Vorschlag, d«n man kurz so beschreiben kann; Das Hereinschleudern der Hauptbrennstoffmenge in den Brennraum durch Entzündung eines Hilfsgemifches in«iner„Vorkammer", wohci das Hilfcgemffch gebildet wird durch Teilung der eingeführte» Brennstosfmenge." (Thiemann, a. a. O.). Diese Verwendung von Verbrennungsgasen, die in einfachster, billigster, sicherster Weise durch d«n Arbeitspor- gang im Zylinder des Oelizwtors ohne andere verwickelte Vorrich- tungen«rzeupt wurden, veröffentlichte Haselwander zuerst in seinem Patent 132977.„Im genannten Patent findet sich zum ersten Mal« der für die Weiberrotwicklung der Vorkammermajchinc so fruchtbare Gedanke, dos Treiböl durch Vcrbrennungsgafe in den Zylinder ein- Revolution im Gerüstbau Seit einiger Zeit kann man bei Geschäftshausbautcn vereinzelt eine neue Gerüstform beobachten, die sich von den herkömmlichen Holzgerüsten wcstnllich unterscheidet, das S t a h l r o h r g e r ü st. Durch die Eigenart des G«rüstmaterials werden eine Reihe wesent- licher Vorteil« erzielt, die uns veranlassen, kurz auf diese Neuerung hinzuweisen. Der Aufbau des G«rüsts, das man u. a. kürzlich bei Bau- arbeiten an einem Geschäftshaus in der Leipziger Straße zu Berlin sah, macht einen gefälligen, leichten und übersichtlichen Eindruck. Die wenig mehr als armdicken Stahlrohre, die an den Kreuzungs- stellen miteinander verbunden werden, ermöglichen ein schnelles und sicheres Auf- und Abbauen der Gerüste. Trotzdem sind sie aber bei weitem unsallsichcrer als Holzgcrüsts, da jede Beschädigung der einzeln«» Teile schneller und sicherer als beim Holz festgestellt werden kann, weil die Verbindungen fester und zuverlässiger her- gestellt werden können und weil die Arbeitsställe übersichllicher ist. Besonders bei Renooierungsarbeiten, bei denen der Geschäftsbetrieb nicht gestört werden soll, wird das neue Gerüst viel Verwendung finden: bei Bauarbeiten in belebten Straßen ist«s fast uncntbohr- lich; und vor allem im Interesse der Sicherheit der Bauarbeiter sollte man dieser Neuerung recht bald weiteste Verbreitung im gesamten Bauwesen wünschen. 14. L. Ein Krcuzungspunkl des Stahlgerüstes Leicht und sicher steht das Gerüst zuspritzen."(Hausfelder, Die komprrsforlose Dieselmaschine. 1928.) „... sind die Haselwanderschen Patente ausgesprochene EiMhungs- gedankcn von höchster Bedeutung für die Weiterentwicklung der modernen Vorkammermaschine."(Hausfelder o. a. O.) Ferner z. B. schrieb ein bekannter Fachmann in seiner Kritik der verschiedenen Oelmotorenpatente in der Zeitschrift„Der Oelmotor", Jahrgang 1913 bis 1914 betr. das Patent 136 940 Hafelwanders:„Auch in bezug auf die vorliegende Brenchtoff-Einstäube-Methode ist Hasel- wauder— wie schon der weitgehende Echutzumfang des Haupt- anfpruches des vorliegenden Patentes beweist— als Pwniererfinder anzusehen." In demselben Werke ist ferner angegeben zum Hasel- wandcr-Patent Nr. 111079:.Haselwander ist demnach als der Er- finder der heute im Dieselmotorenbau eine Rolle spielenden„offenen Düse" anzusehen, wodurch er sich zweifellos ein großes Verdienst erworben hat. Dos Patent ist im Jahre 1911 abgelaufen, und es ist verwunderlich, daß Haselwander seine vielen Nachahmer nicht tributpflichtig gemacht hat."(Wurde hintertrieben von der Motor- fabrik Rastatt!) Der erste Haselwandcr-Oelmotor ist seinerzeit ohne Aenderung in der ursprünglichen Bauart auf dem Versuchsstande nach dem ersten Anlasse» sofort ordnungsmäßig gelaufen ohne teure und zeitraubende Vorverstiche, wie z. B. der Dieselmotor(vgl.„Der Dieselmythus", I. Lüders, 1913:„Dieselmotoren", A. Riedlcr, 1914, u. a.), gleichwie der erste Drehstromerzeuger Hafelwanders. Gewiß ein Beweis für die Begabung und das Studium Hafelwanders. Unter den ganz großen Erfindern und Technikern wird Hasel- wander stets in vorderster Linie stehen, wie wenig die Zeitgenossen von dem bescheidenen Manne wissen, wie wenige ihn persönlich kennen, wie viele ihn aus Dummheit oder Bosheit noch heute in seiner Heimat und anderwärts angeifern oder-- totschweigen. Geboren in Offenburg als Sohn eines badischen Eisenbahn- inspektors war Haselwander schon als Schüler des Offenburger Gymnasiums für technische Fragen interessiert. Er studierte an der Technischen Hochschule Karlsruhe Physik, Mathematik, Chemie, dann an der Universität Straßburg und München; die eigentlichen Inge- nieurfächer lernte er aus Lehrbüchern und Zeitschriften. Mit welchem Erfolge, beweisen sein« epochemachenden Erfindungen und Konstruk- tionen auf ganz verschiedenen Gebieten. Einen entsprechenden Lohn hat Haselwander freilich leider nickst erzielt:'das sind wahrlich sehr billig denkende oder gehässig« Men- sehen, die hieraus auf einen Unwert der Arbellen Hafelwanders zu schließen suchen. Hätte er— sagen wir— andere Leute zur ehr- lichen Verwertung gehabt, nicht zur Ausbeutung und schamioseu Verletzung der Verträge, auch nicht seine papierne Verwandtschaft, dann stünde alles wohl anders! Man darf sich gar nicht daran erinnern, daß der Strellwert der Drehstromerfindung vom Reichs- gericht auf— 30 Millionen Mark festgesetzt wo--!. Hasellncnder wurde, wie so manch« andere, das Opfer unserer kapllalfftffchen Wirtschaft und Gesetzgebung und eines gewissen, von Industrie- und Vankmagnaten ausgehallenen Klüngels, der jeden, der nicht bis zum Weißbluten gefügig ist oder nicht mächtige„Kon- nexionen" hinter sich hat, mindestens totzuschweigen juchi. Wir schließen nüt«rnem Urteil von Dr. h. c. Voigt in seinem Buche„Nachdenkliches und H«steres aus den ersten Jahrzehnten der Elektrotechnik":.Haselwander muß die Ehr« zuerkannt werden, der erst« Erfinder des Drehstroms zu sein. Hier hält« der Gcschicht- schreibcr der Elektrotechnik sehr viel nachzuholen." Wir wünschen dem Erfinder, daß sich die vielen und schweren Enttäuschungen, die ihm sein arbeitsreiches Erfindcrleben gebracht, in feinen hohen Lebenstogen einigermaßen vermindern nrögen. Wozu freillch noch etwas mehr nötig wäre, als nur Glückwünsche seiner Freunde: Daß diejenigen, die gegen ihn gestanden, nicht weiter in falschen Behauptungen sich ergehen, die nun doch einmal vor der Geschichte nicht bestehen können. Es bleibe die Ehre, wenn auch alles andere dahingegangen! Das.Auge des Do X Nächst der Motorenanlage ist der Funkpeiler einer der wich- tigsten Apparate an Bord des Großflugschiffes Do X. Gleicht die Mafchinenanlage dem Herze» des Flugzeugs, so ist der Funk- p c i l c r als dessen 2l u g e zu bezeichnen. Alxr weit leiftungs- fähiger als das menschliche Auge vermag der Funkpeilör durch den dicksten Nebel hindurch zu suhlen und bildlich gesprochen noch Hunderte von Kilometern hinter dem Horizont zu sehen. Der Flugzeugführer kann durch Funkpeilung auch bei unsichtigem Wetter jederzeit den Standort der Maschine feststellen und die Richtigkeit des eingeschlagenen Kurses prüfen, er kann die An- steuerung eines bestimmten Zieles mit großer Geschwindigkeit be; Nacht und Nebel mit derselben Leichtigkeit durchführen wie am hellen Tage. Ohne Funkpeiler könnt« er selbst am Kompaß schwer schätzen, wohin die Fahrt geht, denn auf der Flugmaschme wird der Wind selbst nicht ciiipfunden, die Maschine wird vom Winde abgetrieben. Die Durchführbarkeit der Langstreckcnflüge über See wird also durch den Funkpeiler außerordentlich gesteigert, weil nian nicht mehr„blind" über die Wasserwüste fliegt. Daß der Do X eine moderne Funkpeilanlage erhalten hat, war scmit selbstverständlich. Die Anlage ist aber deshalb besonders inte:- essant, weil infolge der Eigenart des Riesenflugzeugs besondere Maßnahmen für den Einbau getroffen werden mußten. Der Do X besitzt 12 Benzinmotors a 600 PS, jeder zu 12 Zylinder, also insgesamt 144 Zylinder mit je zwei Zündkerzen, das ergibt bei der hohen Umdrehungszahl der Propeller insgesanit mehrere Tausend Funkcnübergänge i» der Sekunde für die Zündungen. Jeder, der mit Rundstinkempfang zu tun hat, würde nun glauben, dieses Funkgcprassel müßte den Empfang in dem hockzempfindlichen Pcilcr überhaupt unmöglich machen. Dos ist aber nicht der Fall.* Durch ssrgsällige Abschirmung der Zünd- lcüüngen und andere Vorkehrungen wirken sich die Störungen aus den im vordersten Teil des Schiffes untergebrachten richtungs- empfindlichen Peilrahmen nur noch sehr wenig aus. so daß die Empfindlichkeit und Genauigkeit des Peilempiangs praktisch nicht beeinträchtigt wird. kunk-Sonderdiemte Aus dem Geschäftsbericht der Reichspost geht lzcrvor, daß die Zahl der Teilnehmer am sogenannten Wirtschaftofunk von 915 aus 870 zurückgegangen ist. Der Rückgang beträgt hier 7,9 Proz. Drei Pressebüros bedienen sich des Rundfunks für die Verbreitung ihrer Nachrichten.(Sozialdemokratischer Pressedienst, WTB. und TU.) Auf liefe Nachrichten waren im Jahre 1929 im ganzen 729 Teil- nehmer� abonniert. Ihre Zahl ist auf 771 im Jahre 1930 gestiegen. Eine-Stelle, der sogenannte Jrcne-Dienst, sendet Sportnachrichten. die von zehv Teilnehmer» abonniert stich. Dieser Dienst wurde am 6. Juni 1929 ausgenommen. Am 5)ochseesunk nahmen 1929 340 Schiffe, 1930 401' Schiffe teil. älelVoge Montag, 1. Dezember 1930 SkrASM StäJaaUaßtm*o*eäsC �oeifie Stiegt W Was dm alten Geheimrat bewogen haben mochte, sich ins 20. Jahrhundert und auf den Kurfürstendamni zu begeben, mag un> erörtert bleiben. Fest steht: Er tat es. Unnütz, zu bemerken, dag die technischen Neuerungen, die Autos, die Straßenbahnen, die kreisenden Flugzeuge den Olnmpier seelisch nicht zu erschüttern»er- mochten. Er betrachtete sie als Kuriositäten und sann darüber nach, wie zu seiner Zeit die erste Montgolfiere ausgestiegen und in Eng- land— das war kurz vor seinem Tode—«ine durch Tampskraft betriebene Bahn auf Schienen gelausen war. Was«r hier erlebte, konnte weder beunruhigen, noch erschüttern: es hatte aus solchen Anfängen entstehen müssen. Ihn interessierte nur das eine, was zu allen Zeiten allein des Interesses wert gewesen war: der Mensch. Und diese Menschen, die ihn umwimmeltcn, gefielen dem Geheimrot Goethe nicht. Sie waren ohne Besinnlichkeit, es fehlte ihnen ims Zlus- geglichene. Ein Spiclwarenhändlcr ließ vor Goethes Füßen mechanisch bewegte Puppen auf dem Pflaster stolzieren. Die Blech- siguren stolperten mit steifen Beinen und drohten jeden Augenblick umzupurzeln.„So sind die Menschen hier auch", dachte Goethe, „als ob ihnen der Schwerpunkt fehlt." Die Gesichter wiesen einen erstarrten, künstlich gestrafften Zug auf. Schmallinige Profile bemühten sich mutig auszusehen, ober es lag Angst und Grausen dahinter. Die Gebärden der Menschen — und dos galt, je feiner ihr Aeuheres war— erschienen sehr ge- zügelt. Aber Goethe konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, als seien die Gelenke künstlich mit Droht versteift, weil sonst die Glieder einen Zappeltanz begonnen hätten. Die Lippen lächelten sicges- bewußt, aber schon zuckten die Finger mit Selbstmörderentschluß nach dem Revolver in der Gesäßtasche. Besonders auffallend erschien Goethe ein Trupp junger Leute, der sich zienüich rücksichtslos vor ihm den Weg durch die Passanten bahnte. Nach ihrer übereinstimmenden Kleidung hatte der alte Gcheimrat sie zunächst für Soldaten gehalten: aber da- gegen sprach«in« gewisse Zuchtlosigkeit und Buntheit des Aufzuges. Eher hätten es Landsknechte aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges sein können: dazu paßte auch am ehesten der verwegene und mitleidlose Ausdruck der Gesichter. Dennoch schien gerade das bessere Publikum diesen Gestalten besonder« Sympathie zu zollen. Wahlgenährte Männer machten gönnerhafte Gesichter und riefen den Vorbeiziehenden mit erhobener chand Grußformeln zu: elegante Fräulein drehten ohne Scham und Sitte ihre chälse. Im Kielwasser dieses Trupps kam Goethe ziemlich rasch vorwärts. Seine straffe Hallung, einst von den Weimarern belächelt, erschien hier salopp. Gerade durchflog Goethe ein Gedanke darüber, wie in dem Schritt der Menschen sich der Zeitgeist— überkam ihn doch dies widrige, oft bekämpfte Wort!— widerspiegele, als vor ihm etwas Seltsames geschah: die Schreitenden waren aus einen kleinen Mann mit schwarzem Bart gestoßen. Einer trieb diesen Mann mit jähem Faustschlag den Hut über die Ohren. Der klein« Mann rief etwas, da fielen sofort sieben oder acht über ihn her, warfen ihn zu Boden und stießen ihn mit ihren Absäßen. Das Publikum sah belustigt zu, teils strebtc es möglichst rasch, aus dem Umkreis der Schlägerei fortzukommen. Die olympisch« Ruhe Goethes ist bekamit, aber diese Rulze war nicht Glcichgülligkeit. Der Mensch Goethe war der Empörung zu- gänglich und hier empörte er sich.„Büberei!" rief er und riß einen der Landsknechte zurück, der gerade seinen Stieselobsag in die blutende Mundösfnung des Liegenden stieß. Der Angefaßte fuhr herum, Goethe spürte einen Tlgeratem, blutunterlaufene Augen starrten ihn an. „So ein dämlicher Opapa, will hier dreinreden!— Bist wohl auch ein Mauschel, du Jtzig, hä?" ..Ich bin Christ, und gerade deswegen...", wollte Goethe protestieren. Da fing er einen fürchterlichen Schlag ins Gesicht. Ein feingeklcidcter Herr sagte„Bravo!",«in paar junge Mädchen kicherten und bekamen blanke Augen. Goethe fühlle sich sehr schwach und taumelte an ein Gitter. Als seine Ge- danken sich sammelten, stand ein Mann mit Tschako und um- geschnalltem Revolver vor ihm. der in einem Notizbuch alles Wichtige über den Vorfall vermerkte. Die weiteren Schicksale Goethes am Kurfürstendamm sind unbekannt. Wahrscheinlich hat der Olympier es vorgezogen, nach diesen Erfahrungen Berlin zu verlassen. Der Chronist vermag nur noch zu melden, was die Zeitungen am Nachmittag des gleichen Tages zu berichten wußten. Hier stehe es: Die„Nachtausgabe": (Äoethe verdientermaßen geohrfeigt. Ohne jedes Gefülzl dafür, daß er in unser Zeitalter nicht gehört, erlaubte sich gestern der sattsam bekannte Literat Goethe, am Kur- fürstcndamm zu spazieren. Weil Herr Goethe unter dem„fluch- beladenen alten System" die Gnade genossen hat. trotz bürgerlicher Herkunft(immer wieder muß dies betont werden) am Hofe eines deutschen Fürsten verkehren zu dürfen, glaubte er sich als Sitten- richker der heutigen Zeil aufspielen zu können. Gottlob, unsere heutige Iugeistz ist frei von der Rührseligkäit cirtes Werther und ähnlicher sittenverderbendcr Schündroman«. Unsere heutige Jugend ist hapt, sie empfindet ein natürliches Bedürfnis noch Ordnung. Mit Wertherschcr Dekadenz und Literaten schlam- per ei darf man ihr nicht kommen. Herr Goethe wird sich den Denkzettel, den ihm die Faust eines deutschen Iungmannen ertellte, für alle Zeiten merken. Wir freuen uns dieser Jugend, gibt sie uns doch die Gewähr usw. usw.. Der„Angriss": Aemerichtrr verboxt Zudenliteratcn. Ae jiddischer Hiteraturschmock aus Frankfurt— ausgerechnet aus Frankfurt!—, Herr PZotff, gdn. Goethe, bewegt seine kru innren Beine aüf dem Kurfürstcndamm, um e bißchen Pytschuli- luft zu atmen. Gehen ein paar ranke Hitlerjungens vorbei, lächeln, als sie unser krummbeiniges Wölffche vorbeiwatscheln sehen. Wolfs- leben aber schüttelt wehklagend seine schwarzrotgöldenen Pajes und macht a grautzes Geseires. Aber unser Volk ist hellhörig gewordcn! Es steht der K l a p p m e tz dabei, der diente einst in Ksiitrin beim Oberleutnant Schulz und ist nicht gewohnt, viel Federlesens zu machen. Als das Iüdchen sein Händchen erhebt, um„ä Patsch" auszuteilen, da mißt«appmetz seelenruhig Mit der Faust die &iH/ von flenathan Distanz von seiner Schulter bis zu dem LUeratenmäulchcn ab. Waih- geschrien! Wölffchen, alias Goethe, kann sich selbst zitieren:„Dem Wurme gleich ich, der den Staub durchwühlt." Reiter war's! Ein Bravo unsenn forschen Klappmetz! „8- U h r- A b e n d b l a t t": Treibt mehr Sport.— Goethe schwer blamiert. In eine recht peinliche Situation geriet der in manchen Lite- ratenkreisen geschützte Dichter Goethe, über dessen Beziehungen zu einer gewissen Frau von Stein wir vor zwei Jahren in einer Fortsctzung-serie(„Dichter in Ilnterhoscn"ss ausführlich berichtet hoben. Herr Goethe kann es anscheinend nicht verschmerzen, daß die heutige literarische Jugend ihm über den Kopf gewachsen ist und daß seine sogenannten Dramen mit der dramatisierten Zcitreportage unserer Tage keinerlei Vergleich ausholten. Schwer gereizt, lieh sich Herr Goethe, wie uns berichtet wird, vor dem Romomschen Cafä mit einer jüngeren Kraft in Streitigkeilen ein, die für Herrn Goethe recht wenig glimpflich abliefen. Offenbar ist der Meister auch sportlich nicht auf der Höhe. In unserem Sportteil haben wir immer darauf hingewiesen, daß ein gesunder Geist heutzutage nur noch berechtigt ist, sofern er sich einen rckord- gestählten Körper als Behausung wählt, wobei der Geist eigeMlich überflüssig ist. Jedenfalls beweist uns die für Herrn Goethe so blamabel ausgelaufene Angelegenheit, daß heutzutage „d i e" und nicht„d e r" Faust Trumpf ist. Dem Züchtiger des auf- geblasenen Goethe, einem oltvcrdicnten Feldwebel Klappmetz, haben wir das blaue Band der Höflichkeit verliehen. „Welt am Abend": Proletaricrfauft züchtigt Bourgeoichliebling. Auch das war«in Stück Klassenkampf, was wir heut« am Kurfürstendamm erlebten. Ein vorläufig irregeleiteter Pro!«- tarier, der sich einstweilen noch durch die Tiraden der Nazis verblenden läßt, der aber in feinen Handlungen bereits den Geist cnt- schlossener Klassenkämpfer vom Schlage der H ö l z und M a r g i e s zeigt, er hat die völlige Nichtigkeit einer aufgeblasenen Diclsternull enttarvt. An der Faust dieses Proleten ist dos sogenannte„Genie" des berüchtigten Goethe wie eine Seifenblase zerplatzt. Mögen erschlaffte Bourgeoisweibchen, wollüstig auf dem Diwan hingegossen, noch die Erzeugnisse dieses sadcn Modeschriftstellers durchblättern, um ihre erstorbenen Sinne aufzukitzeln, der Proletarier speit diese Kost mit Ekel aus und schlägt diesen Spaßmacher einer unter- gehenden Gefellschaft ins Gesicht, wie es unser P i s c a t o r gegen- über feinen Krittkern auch tut. Die Hilf- und Wehrlofigkeit des Sozialfaschiften Goethe, gemessen an dieser Proletarierfaust, zeigt das Ende der bürgerlichen Literatur. Fort mit einer j o- genannten Volksbühne, in der nach derartiges aufgeführt wird. Ein« schlagkräftige Kunst, wie sie sich in dieser Proletarier- sauft ankündigt, wird ein künftiges Sowjetdeulfchland beglücken. Bis dahin bleibt es bei der Losung:„Schlagt Goethe, wo ihr ihn trefft!" ?. 8. Protestkundgebungen gegen Goethe erließen ferner der „Bund der literarischen Freunde Sowjetrußlands"(van Becher alphobettsch bis Zurmühlen), das Kollektiv der Piseator- Bühne, die Vereinigung nationalgechnnter Barden(Vorsitzender Josef Buch- Horn, Schriftführer Arnolt Bronnen), sowie olle maßgeblichen literarischen und intellektuellen Kreise. Alfred Döblin bemerkte in einem Interview mit dem Redakteur des„Berliner Tageblatts", daß der Vorfall ihn köstlich amüsiert und er Tränen gelocht Hobe. Die vereinzelten Sympathiekundgebungen für Goethe verdienen keine Beachtung. Thomas Mann, der einen Vortrag über Goethes geistige B-deuwng für die Gegenwart zu halten suchte, wurde nach wenigen Sätzen niedergebrüllt. (Hüdkmaxbdk%ux Huste (Xus HCeinasiens(faetgen$um Scftiear§en IHecx Nach vieltägigem Aufenthalt werden wir' jetzt unseren Heimat- lich gewordenen Platz am Fuße des Katfchgar Dag verla fseu. Die letzten zwei Tage hatten der Ruhe und der Sammtung der Ergebnisse gegolten. Ein paar kleinere Gipfel mußten noch er- stiegen werden, um unsere Aufzeichnungen über das Gebiet von Heinshiftan zu vervollständigen. Dabei hatte uns einmal, als wir uns verspäteten, das alltägliche niedergehende Gewitter überrascht. Dicke, schwarze Wolken quollen plötzlich von der armenischen Seit« des Gebirges her in die Höhe, und«lje wir uns einen günstigen Schutz suchen konnten, standen wir mitten in einem prasselnden 5? a g e l st u r in. Da es sich nur um einen kleinen Ab- stecher vom Lager handelte, hatten wir kein Zelt mitgenommen und uns auch sonst wegen der brennenden Sonnenstrahlen nur leicht sommerlich angezogen. Nun aber mußten wir auf dem gleichen Breitegrad wie Marokko Ende August einen Schneesturm erleben, wie er selbst in unseren Alpen zu dieser Jahreszeit und in dieser Höhenloge selten ist. Wir befanden uns nur etwas über 3000 Meter Höhe und doch deckte die Felsplatten, die noch vor wenigen Minuten wie ein Ofen geglüht hatten, in kurzer Zeit eine durchgehende Schneefläche. Das war unser letzter Ausflug in die Berg«. Dann kam der Aufbruch. Schon fangen die Treiber die frei in der Gegend grasenden Pferde ein. Die Schutzgräben um die Zeltwändc gegen Wind und Regen werden wieder zugeworfen. Zeltteile, Kochgeräte und ander« Ausrüsttingsxegenstände müssen sorgsam verpackt werden. In weniger als einer Stunde sind wir marschbereit. Doch diese Geschäftigkeit machte aus die Treiber nicht den geringsten Eindruck. Zwei von ihnen waren schon vor etlichen Tagen aufgebrochen, uin im nächsten Dorf Verwandte, Bekannte, Freundinnen oder weiß der Teufel wen zu besuchen. Aber auch die restlichen Drei machten keinerlei Anstalten, etwa durch verstärktes Tempo das Fehlen ihrer beiden Kameraden wett- . zumachen. Im Gegenteil, in echt orientalischer Gemütlichkeit ver- zehrten sie erst mal die übrig gebliebenen Reste des Hammels, Kopf und Füße, die sie einfach die Nacht über im offenen Holzfeucr liegen gelassen hatten. Es schien für sie eine besondere Delikatesse zu sein, denn sie nagten die Knochen bis zum letzten Rest ab und kochten sich dann noch einen Tee dazu. Als sie ober auch dann noch keine Neigung zeigtet,. aufzubrechen, sondern sich ihre langen Zigaretten drehten und sich zu einer ausgedehnten lintorhalttmg äuf ihren Decken niederließen, ivährend wir marsch bereit h-rumstanden und warten muhten, ließ linier Leiter durch Hassan, den llebersetzer, ein echt türkisches Donner- m e t t e r dazwüchensahren. Nun ging es. In zehn Minuten waren die Lasten aufgeschnallt und der Zug setzte sich langsaick und traurig in Bewegung. ' Langsam deshalb, weil die Treiber verärgert waren und die Pferde trotz der nun viel leichteren Lasten nicht in eine schnellere Gongart zu bringen mazen und traurig, weil wir die Berge, das . harke, cinsanw, aber großartig« Loger am See verlassen mutzten. Wirklich bei der Sache war wir der junge Ueborsetzcr Hassan, der länge Zeit in Söwjetrußland gelebt hotte und trotz seiner konununtstifchen llehcrzeugung hiitausgejagt wurde, weil sein Vater ein Türke ist. Er ist süt alles interessiert, schläft mit uns im Zelt, prahlt etwas mst feinen Fähigkeiten und Kenntnissen und»ersucht. üns schließlich sogar zum Kommunismus zu bekehren. An diesem Beispiel eines jungen, unverdorbenen Menschen zeigte sich, welche Ägitationskraft die fowjetrussische Industrie auf ihre naivtn Bergvölker hoben muh. Aber zugleich birgt sie die Gefahrder bitteren Enttäuschung, wenn die Qual und Not der Städte und Fabriken bekannt wird, in sich: denn auch unser 5?afsän fügte hinzu, daß er ja eizenllich hier eine viel größere Freiheit und«in besseres Leben habe.„Aber noch nicht einmal ein Kino haben sie in Rize", jammert« er. Und das- ist der Zentralpunkt. Kemoi Pascha nimmt seinen Natu?« Völkern die alten Ideologien, ohne ihnen etwas Neues dafür zif' bietet,. Die Russen ober bringen ihnen Schule, Kino und lom-�' munistische Zukunftsmusik. Darüber vergessen sie sogar manchmal/" an die Alltagsnöte, an den 5?ungcr, an das schwarze Kleie- brot zu denken, während in Kemol Paschas Reich das schönste Weißbrot aus russischem Exportweizen gegessen wird. Unser letzter, schmaler Brotvorrat war allerdings auch nicht nur am Aussterben, sondern dazu vollständig verschimmell. Sehn- süchtig erwarteten wir deshalb jetzt den ersten Bazor, um uns an den so sehr entbehrten Früchten zu laben. Noch umgibt uns die wilde Landschaft der Berge Lasistans: sieben kleine Seen liegen in einem Hochtal übereinander, darüber ragen die ausgezackten, scharfen Grate eines Gebirgszuges und kleine S ch n e e f l« ck e n in den Rinnen künden noch von dem kürzlichen Unweiter. Auf der ersten größeren Almsiedlung, eigentlich sind es nur lose übereinander geschichtete Steinhaufen, wird das er st e Nachtlager aufgeschlagen. Die Leute sind auffallend zutraulich, weil die ausgerissenen Treiber schon von unserem Kommen erzählt hatten. Deshalb bekommen wir endlich wieder frische Milch und Käse, aber Brot haben die Leute selber keines. Erst am nächsten Tage kommen wir, immer weiter talabwaris marschierend, an Zwei großen Dörfern mit ausgedehnten Feldern vorbei. Es muß eine ziemlich wohlhabende Gegend fei», denn groß und fest gebaut sind die Häuser, zülst reiche Läden und Mühlenanlagen lassen auf eine rege Geschäftigkeit schließen. Auch der lebhafte Verkehr auf dem schmalen Pfad war uns schon aufgefallen. Immer wieder tauchten lange Reihen von last- tragenden Frauen auf und gelegentlich auch ein Pferde- transpori. Die Erklärung dafür erhielten wir durch die Angaben im Dorfe, daß über den Demir Dag von hier aus ein durch- gehender Weg bis an bis»Kllfte des Schwarzen Meeres besteht. Dadurch waren wir wenigstens der Sorge für unsere Pferde enthoben und konnten selbst vorweg oder hinterher laufen, ohne immer an den gemächlichen Trott gebunden zu sein, Dies« Möglichkeit mar uns um so lieber, als jetzt wieder«ine entsetzliche Gütthitze niederprallte. Bon dem eisigen Sturmwind der Höhen mar nichts mehr zu spüren. Immer näher rücken die dicken, milchigen Nebel aus der Tiefe. ÄDn l)abcn uns einzelne, losgerissene Fetzen wieder erreicht, während wir keuchend die Serpentinen zum Demir-Dag-Paß aufsteigen. Oben über- raschle uns noch einmal die Fernsicht auf die wilden Bergs Hemshistans und der daraus hervorragende Kalschgar Dag. Auf der anderen Seite scheu wir schon wieder tief unten blau- g r ü n c W ä l d c r. Es lst der endgillttge Abschied. Die nächsten Warschtage bringen uns in diesellien ewigen Nebelreglönen und ziemlich starker Regen drückt hie Stimmung noch mehr. Jede Heimhütte, in der es Tee und Milch gibt, ist ein willkoinmener Platz zum Trocknen unh Zsuffxischen. �as letzte Htück bringt uns wieder qus denselben Weg wie befm Hermajrsch. Ulmähttch kpmmen wir in niedrigen K r ü p p« l w a l d. Dom Wind, Ngbel und Regen niedergedrückte Hirten und Tannen gebe» auch der Lands chatt etwas unsagbar Trauriges, bis die ganze Ueppigkest der niedrigen Zonen Mit ihrer subtropischen Vegetation erreicht ist. So sind wir froh, als wir wieder im Asferostal angelangt sind und im Hau(Rithshous) des großen Dorfes Ambarlyk ein allgemeiner Rühetag eingeschaltet wird, Karl Moeller. Seiplist sendet Beavbciitingcit stall Cvigiaalc SSeartvcitungcn! Das ist die Mode der Zeit. Erfolgreiche Dramen rcerdcn in Romane verwandelt, Romane für di« Bühne ausgewertet, und der Tonfilm sucht seine Texte in dem verstaubten Hausrat der«chwanktitcraturl Äonjuntturvcrftändnis. Gleichzeitig aber auch das Bekenntnis zu einem geistigen Bankrott oder wenigstens zu einem Traditionalismus, der sich scheut, neue Wege zu gehen und nene Werte zu entdecken. Bearbeitungen! Das gute, leichte Geschäft, bei dem die Risikoprämie nicht ins Gewicht fällt! Warum also soll der Rundfunk sich in Unkosten stürzen! Zurück zu den bekannten Stoffen, zurück zu den klingenden Namen! Zwei Bearbeitungen standen auf dem Programm der letzten Woche. Otto K a tz versuchte sich an Hermann Bangs Novelle „Die vier Teufel", und Friedrich B u r f ch c l l fand „Die Leute von S e l d w y l a" des Schweizer Dichters Gottfried ttellcr für«in Rundfunkcxperiment geeignet. Die Sendung voit Bühnendramen scheint an Beliebtheit verloren zu haben, aber statt Sendcspiele, Hördichtungen, entstanden aus eigener Phantasie, auf- zuführen, bringt man Bearbeitungen, Das Dezemberprogramm steht ebenfalls eine dieser Bearbeitungen vor. Diesmal sollen Dickens' „Pickwickier" serviert werden. Allerdings sind auch drei Urauf- führungen angekündigt: man muh abwarten, ob sie ihre Inszenie- rung erleben. Bearbeitungen sind nicht von vornherein abzulehnen, es kommt nur darauf an, was bearbeitet wird. Die Literatur bietet eine Reihe von Dramen, Romanen und Novellen, die nichts weiter als ungeformtcr Rohstoff sind, interessante Entwürfe, Aufrisse, Dis- kufsionen, Erlebnisse mit dramatische» Spannungen, die ihre eitd- sniltige Form nicht gesunden haben, weil sie einem Routinier und .keinem Künstler in die Hände fielen. Shakespeare bleibt das grohe Beispiel des genialen Bearbeiters, der diesen teilweise gc° formten Stoff ergriff und aus ihn' ein Kunstwerk machte, und Ernst L Ii b i t s ch schuf aus dem Alt-Heidelbcrg-Äitfch einen Film .von größten künstlerischen Qualstäten. Anders liegen die Dinge in den vorliegenden Fällen. Was find Bangs„Bier Teufel" in stofflicher Beziehung anderes als sensationsgetränkte Kolportage, aber das kolportagehaftc Element wird durch die sprachkünftlerifchc Form überwunden,«s wird über- wunden durch Aufbau und Anordnung, durch psychologische Aus- deutuug der Mensch«», und das Ganze ist in die Forin der Erzählung gebracht. Das bleibt entscheidend. Löst man diese Form auf, zerstört man den sprachlichen Fluh der Schilderung, setzt mau sogar einige Szenen aus eigener Jmüotioe hin, zu, so lammt man wiederum Zum sensationellen Kitsch, dessen Sensation jedoch durch allzu häufigen Gebrauch abgenutzt erscheint. Otto Katz erkennt, daß das Zirtus- wstieu über akustische Reize verfügt, und betont sie darum. Das Nebenbei überwuchert. Ilgberfchncidungen der Töne und Geräusche erfrquen den Regisseur, der bei dieser Hebung sein« Geschicklichkeit demonstrieren darf, aber sie haben innerhalb eines dialogisierten Hörspiels niemals einen Selbstzweck zu erfüllen, sie sind allein An- dcutungen eines Milieus Damit soll allerdings nicht gesagt sein, daß diese Töne und Geräusch« innerhalb eines anders gestaltsten Rahmens ausbauende Bestandteile einer G c r ä u sch s i n f o n i e iverden können.„Die vier Teufel" sind jedoch auf Dialog gestellt, und hier liegt ein neues Problem. Es soll von den künstlerischen Unterschieden zwischen Drama und Hörspiel abgesehen werden. Ueber olle spezifischen Unter- schiede hstwus haben beide Gattungen jedoch ein verbindendes fomerlt: Die Menschen charall«risieren sich durch den Dialog. In 0 m a n und Novelle dagegen tritt an Stelle dieser direkten ''Mzaraktcristik die Schilderung, oder sie kann wenigstens treten. Dadurch erhält der epische Dialog eine ganz andere Färbung. Er gibt nur bestimmte Höhepunkte der Handlung, bestimmte Höhepunkte des Gefühls, der gedanklichen Auseinandersetznng oder der zwischen. menschlichen Spannung. Cr ruht eingebettet in der erzählenden Schilderung, wird von ihr getragen oder unterniaU. Reiht man diesen Dialog, aus seiner Umrahmung, so treten Schwächen hervor, die samt nickst gemertt werden, denn der Rhythmus schlägt in der dramatischen Dichtung anders als in der erzählenden. Bang ist nun ein Meister des andeutenden Dialogs. In den„vier Teufeln", im„Michael", den„hoffnungs- losen Geschlechtern" oder den„Vaterlandslosen" bedeutet der Dialog gewissermaßen eine Ttretta, einen Gipfel, er erhält die Farbe von der einrahmenden Schilderung. Dies übersieht Otto Katz und ocr- gröbert.zarte Fäden. Außerdem parfümiert er die Unterhaltung unangenehm mondän. Versagt Katz in allen Einzelheiten, so geben B u r s ch c l l und sein Regisseur Koppen in der SeUnvyla Sendung hübsche, künstlerische Details, doch die Sendung ist ebenfalls auf das Konto „Verlorene Lirbesmüh" zu buchen, denn hier werden Novellen zu erner Einheit montiert, die diese Montage nicht vertragen. Bor einiger Zeit veranstaltete Koppen eine Sendung „Balzacs Panoptikum". Ein paar Hauptfiguren traten aus dem reichen Werk des französischen Erzählers in charakteristi- scheu Szenen vor den Hörer. Balzacs Vitalität, sein erfinderischer Reichtum vertragen diese Isolierung«her als die Dichtungen Gottfried Kellers. Balzac gibt wohl die großen Zusammenhänge einer Epoche, doch er fügt andererseits auch Mosaik au Mosaik, und ein solches Mosaik kann aus seinem Gefüge gelöst werden. Bei Keller jedoch entscheidet der Ton der Erzählung. Hier ist alles von Anfang bis zu Ende«ine geschlossene Einheit, der Humor liegt in der Wcltbstrachtung, in dem weisen und lächelnden Spielen mit den Menschen und Dingen, ik'de Aendcrung der Form zerstörl das Ganze und gibt von ihm eine falsche Vorstellung. Müssen es durchaus Bearbeitungen sein, will man der Mode des Tages huldigen, dann soll man Werke aussuchen, die eine Bearbeitung vertragen und die nicht dadurch in ihrem künstlerischen Gehalt geschädigt werden. I'. Seh. Fvau,€he,'Meichi � Unsere heutige Gesetzgebung beschränkt die oerheiratetc Frau im Lergleich zu der ledigen oder verwitweten Frau auher- ordentlich. Es ist daher für jede Frau notwendig zu wissen, welchen gesetzlichen Bestimmungen sie durch Eingehung der Ehe unterworfen wird. Nach§ 1334 des Bürgerlichen Gesetzbuches steht dem Mann in allen das eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten die alleinige Entscheidung zu. Deshalb ist nach unserem geltenden Recht bei Streitigkeiten der Wille des Mannes allein aus- ichlaggebend. Der Mann bestimmt insbesondere Wohnort und Wohnung, und die Frau muh ihm folgen; es sei denn, daß sein Verlangen sich als Mißbrauch seines Rechts darstelle. Ganz besonders einschneidend sind die Bestimmungen über das eheliche Güterrecht. Dis Frau kann über das, was sie dem Mann in die Ehe mirbringt, nicht mehr selbständig verfügen, sie bedarf dazu der Genehmigung des Mannes, der auch berechtigt Ist. das eingebrachte Gut in Besitz zu nehmen. Ihm steht auch die Verwaltung und die Nutznießung an dem Eingebrachten zu. ja. er hat sogar das Rocht, ohne Zustimmung der Frau eigenmächtig darickier zu verfügen. Er darf auch Sachen aus dem Eingebrachten veräußern oder für sich verbrauchen; nur muh er nach B e e n d i- gung der Verwaltung der Frau den Wert, der von ihm entnommenen Sachen ersetzen. Eine Beendung der Ber- wastung tritt ein, wenn über das Vermögen des Mannes der Kon- kurs eröffnet ist oder weim die Ehe rechtskräftig geschieden ist. Andercrseus hat der Mann die Pflicht, das eingebrachte Gut ordnungsmäßig zu verwalten und der Frau auf Verlangen über den Stand der Verwaltung Auskunft zu geben. Dem ein- gebrachten Gut steht das Lorbchaltsgnt der Frau gegen- über, aus das sich die Verwaltung und Nutznießung des Ehemannes nicht erstreckt. Zum Vorbehaltsgut gehören olle ausschließlich zum persönlichen Gebrauch der Frau bestimmten Sachen, insbesondere Kleidungsstücke, Schmucksachen und Arbeitsgeräte, außerdem das, was die Frau durch ihre Arbeit oder durch den selbständigen Bo- trieb eines Erwerbsgeschäftes erwirbt. Hier hat also die Frau das alleinige Bersügungsrccht. Wenn sie das Versügungsrecht auch über ihr eingebrachtes Gut behalten will, so muß sie vor Eingehung der Ehe mit dem Mann einen Ehevertrag schließen, in dem ihr eingebrachtes Gut zum Lorbehaltsgut erklärt wird. Ein solcher Ehcvertrag muß bei gleichzeitiger Anwesenheit beider Teile vor einem Notar oder vor Gericht geschlossen werden und muß, damit er auch Dritten gegenüber wirksam ist, in das Güterrechts-Register des Amtsgerichts eingetragen werden, in dessen Bezirk der Ehemann seinen Wohnsitz hak. Wenn der Mann sekne» Wohnsitz irach der Eintragung verlegt, so muß di- Eintragung in das Register des sodann zuständigen Amtsgerichts wiederholt werden. Wird kein Ehevertrag geschloffen und gelten die gesetzlichen Bestimmungen, so haftet das eingebrachte Gut der Frau aber keinesfalls für Schulden des Mannes. Aus einen, Urteil gegen den Mann dürfen zun, Beispiel die von der Frau eingebrachten Möbel nicht gepfändet werden. Geschieht dies den- noch, so muß die Frau- den pfändenden Gläubiger durch ein- geschriebenen Brief— von den, sie zweckmäßig«ine Abschrift zu- rückbehält— oufiordern, das Pfandstück sreizngeben, indem sie gleichzestig durch eidesstattliche Versicherung und Hinweis auf die in ihren Händen befindlichen Rechnungen, ihr Eigentum glaubhaft macht und eine Frist von etwa 3 bis 3 Tagen.zur Freigabe ansetzt. Ist die Frist abgelaufen, ohne daß die Freigabe erfolgt ist, so kann die Frau vor dem Amtsgericht auf Freigabe klagen. Wenn ihre Angaben auf Wahrheit beruhen, entstehen ihr durch die Klage keinerlei Kosten, dem, diese werden zugleich mit der Verurteilung zur Freigabe des Pfandstücks dem pfändenden Gläubiger des Ehe- mannes auferlegt. '}g3sdäk ffi.lllujiH:„Der lllaun ohne Sigenfchafien." Das Oesterreich der Vorkriegszeit ist die Kulisse, vor der diese Menschen ihre Komödien aufführen. Es sind also Menschen einer lurz vergangenen Zeit, aber gestaltet nvu einem modernen Geist, der es sich nicht bei Eindrücken und leidenschastlichen Schreien genug sein läßt, sondern der hinter diese dekorative Front leuchtet und den Mechanismus des feejifche:, Erlebens erklären möchte, nämlich den Mechanismus des wirklichen, ursprünglichen Erlebens, dos in begriffliche Schranken eingeengt ist. Die Essenz dieses großen Romans„Der Mann o h n e Eigenschaften", dessen erster Teil jetzt im Ernst Rowohlt Per- lag erschienen ist, liegt in den, Bruch zwischen Denken und Leben. Der„Held" Ulrich ist einer der letzten und nach Erkenntnis tollsten in der Reihe tastender und gebrochener Denker, aber sein Schöpfer Robert M u s i l will ihn und feine Leidensgefährten nicht bc- danern, er will an ihnen das in Schlagwvrtei, cingew'ckcltc Problem des Erlebens und Handelns demonstrieren. Musil Int es on dela- denken Vertretern einer dekadenten Kultur. Das Leben folgt anderen Gesetzen als das theoretisieraade Denlcn. Sieht Feucht- wanger im„Erfolg" de» Bruch zwischen offizieller und wirklicher politischer Macht, so stößt Musil hindurch durch die politische, wirk- schastiichc, kulturelle nick» soziale Fassade und gestaltet den Unterschied zwischen geredetem, gedachtem und wirtlichem Leben. Wo liegt das wirkliche Leben? Diese Frage wird gestellt, in immer neuen Varianten umspielt, doch nicht gelöst. Musil, gar nicht von den, Wunsch besessen, die Ornamente der äußeren Erschct- nung nachzubilden, formt vielmehr die Gedankengänge seiner Menschen. Die Geschehnisse sind im Grunde imr die Auslöser der Gedonkcnkctten. Musil schildert sie mit der Geste des Skeptikers. des Ironikers, der sich über seine Geschöpfe lustig wacht, und geht von hiD ans weiter zur Einordnung allgemeiner Fragen, denen er letzte sprachliche Geschliffenheit geben mochte Ein Skeptiker betrachtet das Spiel der Menschen, ihre Be- triebiamleit, di- sie um nichts entwickeln. Zum siebzigsten Regie- rungsjubiläiui, des Kaisers Franz Joseph soll eine große Feier statt- finden niemand weiß jedoch, worin sie bestehen wird. Die Idee genügt, um wichtigtuerische Keschästigkeit zu enthalten und allerlei Ehrgeize hervorzuzaubern. Die Menschen sind glücklich, sich an Phrasen zu berauschen, patriotische und ethiiche Masken umzubinden und ihre Geschäftigkeit irgendwie zu dirigieren. Bei dieser Gelegen heit taucht in der Gesellschaft der Großindustrielle Dr. Paul Arn- heim aus. In seiner geistigen Haltung on Waiter Ratheiwu er- innernd, mit dein Kulturfctischismus des Gra'en Keyfrrling behaftet. löst er alle Rätsel durch schön geschwungene Reden, an die er auch glaubt. Tradition, Bmikroit,. Vcrtroltelung und Auflösung einer herrschende!, Klasse, doch nicht von außen gesehen, sondern gestaltet in den sinnlosen Kapriolen ihres Geistes, der entwurzelt worden ist und seine Inhalte verloren hat. Ein Zeitbild, das die geistigen Grenzen itizziert und glcichzeilig ein Bild der Welt, wie sie sich in diesen Gehirnen spiegelt. Ein Aesthct, ein kontemplativer Mensch hat d-n Roman geschrieben, ihm eine Form gegeben, die in der geistreichen, witzigen Zuspitzung gipfelt, in der ironischen Unter- mrilunz der Borgänge. Vltreck.�rns. WAS DER TAG BRINGT «iMlMsllUlMMllMUIMZllMMlUiUlilN.'IIIliUNMlMllMNIlMMU!::!'! Die Hprrgottspitler von Oberammergau Früher waren sie Herrgottschnitzcr; saßen in ihr«. Niederen Stuben irnd bastelte» aus dem Holz ihrer Bergfichten Kruzifixe und Madonnen; hinter ihnen stand die Not, die sie da, zu- trieb, denn das Ackern mrd Weiden trug nicht genug auf dem mageren Boden. Und alle fünf Iahte spielten sie, alter Ueberliesernng getreu, ein simples, derb«» Passionsspiel, schlecht und recht; die Bauern der um- liegenden Dörfer kamen zuweilen und sahen fröhlich zu. So wove» sie; und waren, im ganzen, wohl glücklich. Heute sind sie Herrgottspieler. Stasi der Bauern aus dem Nach. bardorf kommen Autos aus Amerika und allen anderen Erdteilen; I-des bringt Tausende von Dollars ins Dorf. Ein Festspicthous für Tausende wurde gebaut, es kostete Millionen— was machts? Geackert rmb geweidet wird nicht mehr— wer braucht's? Ge schnitzt wird nebenbei, lieblos und schleckst— die Amerikaner kauscn's doch. Aus jedem Bauernhaus ward eine Pension, wem, nicht ein Hotel, aus jedem Bauerngeschlecht eine Schauspielerdynaftie. Die binreisen, nehmen das in Kauf, schließen beide Augen, sehen schlichte Bauern, die ihnen religiös« Erbauung bringen. Es wäre gar nichts dagegen zu sagen, wenn niemand dabei Schaden nähme. Aber nun ist das so, daß vor dem Garmisch er Gericht zur Zeit 14» Prozesse schweben gegen die Herrgottspieler, an- gestrengt von ihren Angestellten, denen die Trinkgelder und Bc. dieirungsgeldcr nicht ausgezahlt worden sind. Diese Gelder waren den amerikanischen R-isegesellschaften, die in Pauschalen zahlten, ciTgerechnet worden; sie wurden nie an dos Personal abgeführt. Einer der ersten, die verurteilt wurden, war— der Darsteller des Christus, An ton Lang. Er hat es nicht einmal für nötig de- funde», sei,,«,, Leuten die Ueberstundei, zu zahlen; notwendiger war ihm, sich ein prunkvolles Badezimmer mit religiösen Symbolen aus- schmücken zu lassen, das von reichen Amerikanerinnen gegen Ein- trittsgeid erschauernd betrachtet wird. Jetzt hat er, in maßloser Wut über das Urteil, sein gesamtes Personal entlassen. Geschädigt jedoch ist weniger Herr Lang, der Christus, und die anderen Heiligen. Geschädigt sind die Angestellte», denen das er- llagte Geld nicht ausgezahsi werden kann, weil es verbraucht ist. Man hat im Geschäftsleben für dergleichen«ine Bezeichnung, die nicht schön klingt. Aber freilich handelt es sich in Oberammergau nicht um geschästlich«, sondern um künstlerische und religiöse Belange. Und in solchen Dingen vergißt man gern, daß der Ehristus, der einst gewisse Leute aus dem Tempel peitschte, vor dem Festspielhaus in Oberammergau und vor dem mosaikgeschmückten Badezimmer seines Darstellers nicht haltgemacht hätte... Das Pech der Schönheitsköniginnen Nach immer ist es der Wunschtraum von Zehntausenden: Schönheitskönigin zu sein. Noch immer melden sich Tausende. Noch immer kommen Hunderte in die engere Wahl. Au, allen Ständen iommen sie; dos Proletäricsi macht mit bei diesem bürgerlichen Hotuspolus. schnsuchi er stillt, das„gutbürgerliche" Mädchen„läßt zsich herab"— sie alle gehen den Weg. der, wie man sie glauben -macht, wie sie glauben wollen und mästen, der allernächste zum Glück ist. Und trotzdem: ist«s denn damit eigentlich so west her? Da war die ungarische Schöuhesiskönigin, Fräulein Simon, die nachher glaube ich. auch Fräulein Europa wurde: als der erste Rausch vorüber war, hau« die Schönheitskönigin ihr gesanä-c- väterliches Vermögen zugebuttert— Königinsein ohne Untertanen. die zahlen müssen, ist ein kostspieliger Berus! Fräulein Simon hat resigniert und schleunigst den Hafen einer bescheidenen Ehe aus- gesucht, wohin di« Wellenschläge der so schönen wie»euren„großen Welt" nur stark abgemi'dert und sanft plätschernd geraten.— Nicht so ihr« französische Kollegin für 1329, Madenroiselle Brillant. Als diese brillante Dame merkte, daß ihre Rechnung nicht aufging, luiimuiieuüuiiiimuünml!« daß zwischen dem, was sie sich und was man ihr versprochen hatte» einerseits,' und dem, was tatsächlich eintraf, andererseits ein beträchtlicher Unterschied bestand, da verklagte sie den Präsidenten des Aus- fchustes, der sie gewählt hatte, aus Erstosiung eben dieses Unter- schiedes, den sie auf 45 000 Franken bezifferte. Und als Haupwcr- lust führt« sie an, daß sie während der drei Monate, di« sie sozu- sagen hauptamtlich Schönheitskönigin gewesen war, nicht— Manne- quin sein konnte, welchem Beruf sie bis dahin obgelegen hatte. Und das Gericht entschied zu ihren Gunsten—' 10 00») Franken wurden ihr zugebilligt, vermutlich weder für st« noch für den armen Pro? sidenten, Herrn D u va l, ein Pappenstiel. Und was für den letzten das furchtbarste ist: die Schönheitskönigin für 1öZ0, Fräulein T a- p o n n i c r, hat sich, crnrutigt durch den Erfolg ihrer Kollegin, auch schon gemeldet. Was Herr Dnval min tut, weiß niemand; vermnt- lich dankt er seinem Schöpfer, daß es noch nicht allzu lange Schön- heitsköniginnen gibt, die ihn verklagen können, und wird umgehend überzeugter Schönheitsrepublikaner.— Was aber das männliche Geschlecht anbetrifft, das vermutlich in einer Schönheitsköwgin die erstrebenswerte Blume höchster und zartester Weiblichkeit zu sehen geneigt ist: es fei gewarnt und auf das Beispiel der Schönhests- kanigiu von Mexiko,' der Scnorita de Linda, verwiesen. Seno- rita de Linda nämlich hat soeben ihren Bräutigam und ihr Kind angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Wer hat Lust, sie heim- zuführen?— Die klügste Schönheitskönigin jedenfalls, die sich nicht unliebsam enttäuschen lasten will, scheint unser Fräulein Deutschland 1331 zu sein. Sie hat«inen Tango komponiert mit dem Text„Jede Frau ist schön" und verkauft ihn höchstselbst in einem hiesigen Warenhaus. Das tröstet erstens die Frauen, die nicht ebenfalls Königin werden konnten, und zweitens die Mämier, die keine Königin zur Frau kriegen konnten, und bringt drittens mos «in— wenns auch nicht wahr sein sollte! Herr Braunmüller und der Teufel Dr. pliil. Hans Ludwig Braunmüller nannte sich der Mami, dem es, nach seinen eigenen Andeuiungcn, dank mühevoller und langwieriger Forfchungen gelungen mar, den Teufel zu bc- .schwören Man sollte meinen, daß in der bigotten Gegend von K u f st« i n in Tirol, wo dieser„Psychvastrologe" austauchte, der- artige höllisch« Skziehungen genügt hätten, um Herrn Dr. Braun- milllcr als einen Ausgestoßenen unter den Frommen erscheinen zu lassen; auch sollie man annehmen, daß man den Umgang mit ihm ängstlich mied— allein dem war nicht so. Nämlich der Göll, zu dem man betet, hat sich verschiedentlich ganz energisch gegen den Dienst am Mammon, gegen das Hängen an den Schätzen, welche die Motten und der Rost fressen, gegen den Reichtum auf Kosten anderer überhaupt ausgesprochen— die Gutsbesitzer um Kufftein herum Härtens nicht gerne, denn ihr Herz war von der höchst irdischen Liebe zum Eetde nicht ganz frei; um so lieber aber lauschten sie Herrn JBraiirrmüller, der ihnen versicherte, daß der Teufel in solchen Dingen ganz anders denke,' ja, daß er denen, die ihm dienen. sogar fünssaches Geld bringe! Und also erschienen sie haufenweijs um M.tternacht, zur Geist erstund«, au dem Ort. dahin Herr Braun- müller sie bestellt halle, sie brachten ihr ganzc� Barvermdgen mit, w ie Herr Braunmüllcr es ihnen geheißen hatre; si« erschau orten bei dem sinnlosen Abrakadabra, das Herr Braunmüller ihnen vorführte. st- gaben das Ehrenwort, niemandem etwas zu oerraten, das Herr Braunnälller ihnen abgefordert hall«— und sie warteten geduldig auf das Geld, mit dem Herr Braunmüller ihnen durchbrannte____ Sie warten noch heute, beim Herr Braunmüller wurde anderswo und anderweit verhaftet; er war nicht Doktor der Philosophie und nicht Psychoastrologe, sondern ungelernter Arbeiter; er hatte keine nähere Bekanntschait mit dem Teufel, wohl aber ein« sehr aus- giebige mit dem Zuchthaus gemach:, und an SLeiuitiiiifcn besaß er nur eine: die allerdings sehr genaue Kenntnis von der Dummheit. der Habgier und der Leichtgläubigkeit des bigotten Menschen. Arbdter-Scricnspielc Fußball: Wei�cnse-Ludcen walde U 1: 1 Herrlich«- Fußballwctter begleitete die am gestrigen Sonntag im Kampf stehenden Mannschaften. In der Kreisklasse gab es in Wcigcnsce ein vollkommen ausgeglichenes Spiel zwischen Weißen- jce und Luckenwalde II. Halbzeit und Endresultat lauteten I: 1. Dadurch sind beide Mannschaften noch weiter vom Tabellenersten Luckenwalde I abgerückt.— Der 3. Bezirk veranstaltete«in Aus- wähl spiel zwischen einer Mannschaft der Berliner Vereine und einer Prooinzmannschaft. Die Berliner konnten erst im Endspurt die bis zur Pause mit 2: 1 in Führung liegenden Provinzler schlagen. Weitere Resultate: Kogel gegen Strausberg 1; 2. Union 28 gegen Hoppegarten 3:1. Vorwärts-Wedding gegen Saxonia 2: 2. Eintracht gegen Pankow 4: 4. Weißensee 2 gegen Minerva 2 4:3. Vorwärts 2 gegen Saxonia 2 4:4. Lücken- wald« V gegen Luckenwalde III 2:2. Luckenwalde I(Bezirksmann- schaft) gegen Friedenau 1: 0. Luckenwalde I gegen Wolters- darf 3:0.— Jugendmannschaften: Britz 88 gegen Vor- wärts 1:5. Minerva gegen Luckenwalde II 1:2. Lichtenberg II gegen Lichtenberg 15:0. * Welchen Werk das Eucheitsgefasel der k o m m u n i st i s ch e n S portler in der Praxis hat, zeigt ein Vorfall, der sich am Sonn- tag nachmittag auf dem Normannensportplatz in Lichtenberg er- eignete. Hier spielten die Jugcichmannschaften des bundes- treuen Fußballvereins Lichtenberg 1. Abteilung gegen 2. Abtoi- lung. Zehn Minuten vor Schluß des Spiels stürmten Mit- g l i e d« r des kommunistischen Arbcitcrsportocreins Lichtenberg den Platz und vertrieben unsere Jugendlichen aus dem Spielfeld. Der Platzwächtcr war dieser Horde wlldgewordener Auchsporller gegenüber machtlos. Um es nicht zu Tätlichkeiten fomincn zu losten, verließen unsere Bundesmitglieder den Platz. Ein schöner Beweis für die Wiederherstellung der Einheit im Arbeitersport.— Bei Ab. bruch des Spiels stand das Resultat 5:0(3:0) für Lichtenberg II. HandbaM: Köpenick schlägt Osten 5; 4 FTGB Osten weilte in Köpenick und verlor mit 5:4(3: 3). Köpenick hatte Anwurf, der aber von Osten sofort zerstört wurde. Osten tonnte bald in Führung gehen und schnell das Resultat auf zwei Tore bringen: doch Köpenick zog bald den Ausgleich. In kurzer Zeit folgten abwechselnd die Tore, bis das Resultat 4: 4 stand. Köpenick hatte dann zehn Minuten vor S6/luh das Glück, das Siegestor freistehend zu schießen. Den bisherigen Spielen nach hätte Osten dieses Spiel gewinnen wüsten. Bei Köpenick konnte die linke Seite des Sturmes gefallen, wo die Spieler ein genaues Zusammcnspiel zeigten. Die genauen Vorlagen von Halb- links nutzte Linksaußen gut aus und brachte den Ball schneller vor, jedoch kamen wenig Torschüsse zustande, denn der recht« Verteidiger von Osten war aus der Hut. Befremdend wirkte die Trägheit, die bei beiden Mannschaften zum Schluß eintrat. Köpenick(2. Männermannschaft) und Erkner 1 trennten sich unentschieden, 6: 6, während Erkner zur Paus« mit 4: 3 führte. In der zweiten Halbzeit war dos Spiel ausgeglichen. Erst nach der Pause wurde Erkner überlegen, was sich dann zum Schluß des Spieles bei Köpenick bemerkbar machte.— FTGB.-Stralau gegen Osten II 8x2(5:1). Die Hockeyspiele. In einem interessanten und abwechslungsreichen Spiel siegte die Freie Turnerschaft Groß. Verlin Ostring 1 über Mariendorf 1: 3:0. '.'lniänglütz sah es einige Male so aus, als sollte Martendorf die Führung übernehmen, aber sie schafften es nicht. Es fehlte zu sehr am Torschluß. Ostring kam nach und nach auf uni» erzielte den einzigsten Treffer bis zur Pause. Mariendorfs Spielweif« zerfetzte sich mehr und mehr. Auch nach der Pause drückten die Leute Ost- rings 1 weiter. Ihr linker Sturmflügcl verdarb viel gute Gelegen- Heiken durch Abseits. Das bisherige Tempo wirkt« sich besonders bei den jungen Marieirdorsern aus, zweimal erzielte Ostring noch je ein Tor. Mit 3: 0 gewannen die Lichtend erger verdient und stets sicher. Bei den unteren Mannschaften erzielten Ostring 3 gegen Marien- darf 2 6: 2: Tennis Rot 1 gegen FTGB. Neukölln 14:1(Halli- zeit 2: 1). Die Neuköllner zeigten größeren Widerstand als man erwartet hotte, konnten sie doch bis zur Pause die knappe Führung vor Tennis Rot 1 hallen. Noch dem Wechsel setzte sich aber doch die größere Beständigkeit und Erfahrung von Tennis Rot durch. Mit zwei weiteren Toren für Tennis trennten sich beide Mannschaften nach einem guten und schnellen Spiel— Tennis Rot 2 gegen FTGB. Pankow 2 0:1. Im Frauenfpiel siegte Ostring 1 gegen Pankow 2 6:0(3:0 Halbzeit). �.rdeiter�ssserdall Union- Schönederg 4:4— Freiheit— Sicmensstad Jugend 5: Z Union trat am Sonnabend nicht, wie angekündigt, mit der ersten Garnitur an. Die Vertretung entledigte sich ihrer Aufgabe zufriedenstellend. Das 4:4- Resultat entsprach dem Verlauf des Spieles. Schöneberg erzielt« durch schwache Abwehrarbeit des Uaion-Torhüters iot erste Tor. Seffews ZufammenfpW brachte den Umpn-Leuten dann den verdienten Ausgleich. Bis zur Paus« verstand es Schöneberg, durch bessere Schußentschlostenhsit weller« drei Tore für sich zu buchen. Di« zweite Spielhälfte ergab ein verändertes Bild. Union fand sich zu einheitlichen Aktionen und diktierte das Spiel. Begünstigt durch ein unzureichendes Zu- sammenspiel Schönebergs drängten ste ständig und vermochten noch drei Tore aufzuholen. Schöneberg Hut in diesem Spiel nicht die Erwartungen erfüllt. Für die.V-Klaste reichen die gezeigten Leistungen nicht aus. Am Sonntag: Zu guten Hoffnungen berechtigten die beim Jugenspiel des Sonntags gezeigten Leistungen. Zu Anfang des Spiels sah es stark nach einem Sieg der Siemensstädter aus, die mit zwei Toren die Führung übernahmen: doch erwiesen sich die Freiheit-Jungcns überraschend als bester eingespielle Mannschaft, die durch ein besonders in der zweiten Halbzeit einheitliches Spiel erfolgreich blieben. Unnötig war die Härte, mit der hier um den Sieg gestritten wurde. �Viei»— Verlm Der große Städteschwimmkampf der Arbeitersdiwimmer Nach dem ersten Städteschwimmkampf Berlin— Wien, den die Arbeiterschwimmer der beiden Hauptstädte im würz dieses Jahres im Berliner Lunabad austrugen, verpflichlelen sich die wiener die Berliner zu einem Rückkampf in Wien. Am Sonnabend und Sonnlag fand er stall. Ergebnis: 30: 33 Punkte für Wien. Am Sonnabend und Sonntag weille die Ellle der Berliner Arbeiterschwimmer in der österreichischen Hauptstadt Wien. Die Kämpfe nalzmen am Sonnabend ihren Anfang, und nach einer kurzen Ansprache des Borsitzendcn der Wiener Vereine wurde die Schwimmbahn für den Slädlewellkampj Wien— Berlin freigegeben. Zunächst sah es so aus, als ob die Berliner aus dem Kampf siegreich hervorgehen würden: denn als der Schlußpfiff das Ende der Sonnabendveranftaltung verkündete, war der Stand des Städte- wettkampfes 18: 14 für Berlin. Der gestrige Sonntag brachte dann aber die große lleberraschung. Wiens Arbeiterschwimmcr. die in einigen Konkurrenzen ihren Berliner Gästen stark überlegen waren, beendeten das Turnier mit 30: 33 Punkten für sich erfolgreich. Die Sonnabendoeranstaltung begann mll einer Männerlagenstaffel über 3 X 100 Meter. Mit 8 Meter Borsprung konnte der Berliner Säflußman» durchs Ziel gehen. Einen noch überlegeneren Sieg errangen die Berliner Frauen in der 3 X 100- Meter-Lagenstaffei Mll fast einer Bahniänge Vorsprung konnte hier die Freistilschwimmerin anschlagen. Hart imistritlen war das Kunstspringen. Bei den Pslichtfprüngen holten sich die Berliner einen kleinen Vorsprung. Im Gesamtresultat log Berlin, da bei den Kürsprüngen wieder einige Punkte verloren gingen, mir noch knapp in Front. Mit 141 Punkten blieb Verlin iwr Wien mll 140% Punkten siegreich. Die 4 X 100-Metcr-Brusfftaffel für Mältner wurde von Wien gewonnen. Der Sonntag wurde in der festlich geschmückten Schwimmhalle mit einer überaus eindrucksvollen Ansprache von Dr. Julius Deutsch eingeleitet, der die Berliner Gäste herzlich begrüßte und auf die Verbundenheit der Arbeitersporllcr der beiden Städte hin- wies. Das Sonntagsprogramni, das bedeutend reichhaltiger war, wurde in flotter Folge abgewickell. Besonderes Interesse bean- spruchten die W a f s e r b a l l s p i c l e. Hier zeigte sich die große Ueberlegenheit der Wiener Schwimmer. Bis zur Halbzeit mußte der Berliner Tormann den Ball viermal passieren lassen. In der zweiten Spiechälfte, die auch durch Rundfunk über den Wiener Sender übertragen wurde, hallen die Berliner, die bis dahin ohne jede Chance waren, etwas mehr vom Spiel. Während es den Berlinern gelang, in der zweiten SpielHälste fünf Tore zu schießen, waren die Einheimischen noch siebenmal erfolgreich Als letzte Konkurreirz war die 3 X 100-Meter-Fraucw-Brusfftaffel angesetzt. Auch diese Begegnung gestalteten die Wiener zu einem überlegenen Siege. 39: 33 hieß letzten Endes das Resultat. Es fft das gleiche Endergebnis, das die Berliner beim ersten Städtekampf im Lunabad erzielen konnten. Ztesultat«: Lageostafett« kör Maonkr, S mal 100 Mrtcr: 1. Berlin 0:45,4; 2. Wien 3:50,6.— ffr.ancnUwcnftafdtf. 3 mal 100 Meter: 1. Berlin 4:45,3: 2. Wien. 5:14,4. Bruststalett« Huf Männer. 4 mal 100 Meter: 1. Wien 5:35,8; 2. Berlin 5:43.2.-- Srawlsrafctle für Männer. 10 mal Meter: I. Wien 7:13,3: 2. Berlin 7:26.— Crcnrlitofettc für MLnner. 4 mal 200 Meter: 1. Wien 10:10,6; 2. Berlin 10:43.— iZrauenbruststafetlc. 3 mal 100 Meter: U Wien 5:04.4: 2. Berlin 5:09,2. Schwimmfest in Spandau Berlins Elite fehlte Die Freien Schwimmer Spandau hallen am gestrigen Sonntag in ihrer traditionellen Kampfstätte In der Radelandstrahe zu einem bundesosfenen Schwimmsest 20 Derein« aus »ah und fern als Gäste geladen. Hamburg war mit einigen guten Schwimmern vertreten. Die Resultat« gaben leider kein klares Bild von dem Stärkeverhältnis der Berliner zu den Provinzvercme«. denn es muß berücksichtigt werden, daß die besten Berliner Arbeiter-, schwimmer in Wien weilten, um dort zu gleicher Zeit die Berliner Farben zu vertreten. Di« Eröffmmgscrawlstasette über 6 mal 50 Meter wurde i» zwei Läufen ausgetragen. Hellas siegt mit 3:11,2 knapp vor Ne» kölln. Als Dritter ging Lichtenberg durch Ziel. Sämlliche Kon- kurrenzen wiesen eine so starke Besetzung auf, daß teilweise drei. ja sogar vier Läufe angesetzt werden mußten. Zum erstenmal zeigtcv sich gestern auch die Spandauer Frauen unter Leitung von Aenne Wolter in einem Neunersrauenreigen. Storker Beifall quittiert« für die schönen Leistungen. Das Springen wurde eine sicher« Angelegenheit des Berliners Krabel. Im Wasserballspiel siegte Spandau über Hamburg mit 8:6(3: 3) Toren. Die Hamburger Gäste spielten mit viel Pech, der Erfolg Spandaus war nicht ganz verdient. Das Jugendwasserballspiel beendete Weißensee über Spandau mll 5: 2 Toren(2: 2) erfolgreich. Eraebniss«: EeäffiiungscrowIsiafKte, 6 mal 50 Mcice, für Männer: I. Hellas 32112!: 2. NcukSlln 3:12.— ssraucnbrnstschwimmcn, 100 Meter. blasseeivRatlicnoir> 1:48,8.— Männer- seiteschwi mrnen, 100 Meter: 1. Dessuia-Hellao 1:132: 2. Somvc.Lichtenbcra 1:21. — Männerben stschwlnunen, 100 Meter. Klasse O: 1. Sindbenhagen-Wiitenbevze 1:33,2; 2. Passor>,e-Re>itälln 1:34,8.— Mannerbrnstschwmnncn, 100 Meter, Klasse V: 1. Ocstcrreick-Hellas 1:25,2: 2. Erinabausen-Union 1:27,8.— ff tauen- craslschwimmen. 50 Meter,»lasse B; X. AlSwebe-Nreuxber!» 40.4: t. St. AI?» webe-Nreuicheia 45.— Aiänncrcrawlschwinnnen. 100 Meter. Klasse C; 1. Gern aross.Cbarlottenbura 1:17.4: 2. Löhnert-Neukölln 1:20,3.— Männereraznl- schioiimnen. 100 Meter. Klasse B; 1. Kutschlau-Tbarlattentmea 1:12,4; 2. fftanf- NeuiiAn 1:14,4.— Mönnetcrawlschnnmmen. 100 Meter. St lasse A: 1. Lconbarf. Sambutfl, 1:9,7; 2. Srippenfce-Steushct« 1:12,8,— Knabcnccarolidjpjlmn»". .50 Meter: 1. Lainbcck, Spandau 37; 2. MMer-Lichtenibera 372.— Iuaei»bp: d-- M / M<• W|-W M- � /L....... /'.-.>v PERFEKT ZICARETTJNf ASRIK MAKEOON G.M.B.H. WAIVT.'TH. KONZERNFREI Fabrikniadorlage: Makedon G.m.b.H. Generalvertretung: Carl Sudel, Berlin NW 6, Luisenstr. 30, Tel. 0 2, Weidendamm 3354 bilÄmiißig äußerst wirksamen Gymnastikübungen großen lAirg' wurden- begeistert aufgenommen. Di« Sprechorauffiihrung im Schlußbild war zu wenig geübl und auch die Bewegungen der Sprecher unharmonisch. Eine„Premiere" Der Beginn der Berliner Eishockey-Saison Der Beginn der Eishockeysatson im Sportpalast bedeutete ein« mehr als schwache Premiere. Ein so dürftiges Programm hat man bischer den Zuschauern wohl noch nicht zu bieten gewagt. Auch die Eishockeyspieler zeigten nichts Ucberragendes, so daß man mit recht geteilten Gefühlen den Eispalast verließ. Am Sonnabend füllt« ein erwartungsfreudiges Publikum den Sportpalast fast ganz. Mit großer Verspätung betraten die alten Eishockeyrivalen, der Berliner S ch l i t t s ch u h- K l u b und der Wiener E i s l a u f- V e r e i n, die blanke Fläche. In allen drei Spielabschnitten merkte man beiden Mannschaften an, daß sie ein sehr dürftiges Training hinter sich haben, denn das Kombinationsspiel ließ auf beiden Seiten zu wünschen übrig. Am besten operierten noch die Hintermannschaften. Im ersten Drittel kam Wien durch G ö b e l zum Fllhningstresscr, dagegen blieben alle Bemühungen des BSE. zunächst ohne Erfolg. Auf eine gut- Vorlage von Iacnccke gelang es dann nach der Pause R. Ball, den Ausgleich zu erzielen. Troß ausopfernder Arbeit von Lincke im Berliner Tor kam Oesterreichs Meister im letzten Drittel durch T a tz c r abermals in Führung, er konnte aber nicht verhindern, daß die Berliner unter den Anfcucrungsrufcn ihrer Landslcute kurz vor Schluß durch Ja en ecke wiederum gleichzogen. So endetc das Spiel, das zeitweilig im Zeichen verhältnismäßig guter Einzelleistungcn stand, 2:2 unentschieden. Da; Rückspiel am Sonntag gestaltete der Berliner Schlittschuh-Elub gegen den Wiener Eislauf-Verein zu einem ?:0- Siege(0:0, 1:0, 1:0). Der BSC. war besonders im zweiten Spieldrittcl den Wiener Gästen um eine ganze Klasse überlegen. Der erste Teil verlief torlos, das zweite Spieldrittel brachte den> BSC. den ersten Torerfolg. Ball, Brück und I a e n e ck e stießen mit Elan durch und eine Borlage von Brück lannte Iaenecke sicher einsenden. Später kombinierten die Berliner wiederholt recht gut und im letzten Dritt«! konnte Rudi Ball Berlins Führung auf 2:0 erhöhe». An diesem Resultat änderte sich bis zum Schlußpfiff nichts mehr. Den Schluß der Veranstaltung bildete ein öO-Rnnden-Mannschaftslausen nach Sechslageart. Im Spichernring Ein merkwürdiger Afrikaner Der gestrige K a m p f a b e n d im S p i ch e r n r i n g fing recht vielversprechend an, als der Hirfchberger Kühn mil Hermann N ö r t e m a n n- Berlin in slottem Tempo über die sechs Runden ging. In der vierten Runde wackelt« Rörtemann zivar ein- mal bedenklich, sein Gegner hatte aber nicht mehr die 51raft, ihn vollends auszuknocken. Zum Schluß lag Rörtemann wieder klar in Front, er konnte seine Punktniederlage jedoch nicht mehr verhindern. Der Sieg Kühns war zwar sehr knapp, aber verdient. Der zweite Kampf brachte die Lungen der Zuschauer etwas in Schwung. Was nämlich der mit allen Mitteln der Reklame an- gepriesene Südafrikaner Cavemann S p e« s zeigte, hatte mit Boxen nichts mehr zu tun. Cr war das, n«s man so im Berliner Jargon mit„Flasche" bezeichnet. Ab«r auch sein B-rliner Gegner Simon trat so unfertig in den Ring, daß es ihn nicht einnral ge- lang— rvas spätestens in der zweite Runde hätte geschehen müssen—, den Ilcbcrscer zu Baden zu schicken, um dieser Boxkomödi« ein Ende zu bereiten. Der Kampf ging unter zeitweilig, ohrenbetäubendem Gebrüll und Pfeifen bis zur sechsten Runde, dann endlich entschloß sich Ringrichter Griese kurzerhand, wegen Ilnsähigkeit beider Boxer ohne Entscheidung abzubrechen. Diesen Miniatur- boxskairdal sollte sich der Veranstalter als Warnung dienen lassen, es könnte ihm sonst passieren, daß es beim nächsten Mal ei» Teil der Loxgemeinde vorzieht, zu Hause zu bleiben. Einen Borkampf großen Formats lieferte dagegen Konrad Sie in- München dem Berliner Erwin Volkmar in der 2lus- scheidung zur deutschen Weliergewichtsmeisterschast. Die Zuschauer bekamen ein technisch hochwertiges Tressen zu sehen, in dem vor Prei-Iriiacr vom-o. November WM sind: ptaza. �reisausslyreiven. i-aimdom. vcfringur, n-, W. Gorunarr. Bocckhlv! v; H. Cchlrnlrr, Schlieuiannftr t>>; Ä. Slioier,«ilchwaldo, Radelandftr. 137. allem der Münch« mr durch fem vielseitiges Können ungemein gefiel. Selbst der in Hochform boxende Volkmar konnte sich der raffinierten Boxkunst von Stein nicht erwehren. Stein siegte hoch nach Punkten. In den Rahmenkämpfcn gab es zwei Fehlentscheidungen. Der Miinchencr Albert L c i d m a n n bewies gegen Walter Funke- Berlin weitere erhebliche Fortichritte. Diesmal konnte der gut i» Schwung befindliche Funke mit seiner großen Ringpraris nicht viel ausrichten, er mußte vielmehr dem beidhändig wirksam schlagenden Bayern klare Vorteile überlassen, trotzdem lautete das Urteil„Un- entschieden"._ Partei besucht den„Sturmvoger'. Daß sich große Teile der Arbeiterschaft stark für die Fliegerei interessieren, bewies der zahlreiche Besuch, den der„Sturm- vogel" am Sonntagmittag von der 32. Abteilung unserer Partei erhielt. Endlich einmal ging der Wunsch vieler Parteigenossen in Erfüllung, sich ein Flugzeug ganz aus der Nähe ansehen zu können. Der Borsitzende der„Sturmoogel"-Gruppc Friedrichshain. Ingenieur H. Erbrecht, schilderte den Besuchern in großen Zügen den Ent- wicklungsgang des ganzen Flugverbondes und weihte die Besucher in die Geheimnisse des Fliegens ein. Er zeigte ihnen die Hand- babung der Steuerung, erklärte ihnen die verschiedenen Flugzeug- baunmster, kurz: jeder Besucher machte schnell einen kleinen Flieger- kursus mit und wird den Dingen der Lustfthrt nun nickn mehr ganz fremd gegenüberstehen, sondern begriffen haben, wie wichtig es fft, daß sich die Werktätigen eine Organisation geschaffen haben, die ver- hindern soll, daß Die deutsche Fliegerei das Reservat für politisch reaktionäre Kreise bleibt. Hoffentlich nehmen auch noch andere Bc- zirke an den Führungen teil, die der„Sturmvogel" in den Winter- monaten für alle Organisationen der Werktätigen veranstaltet. Camera besiegt Paolino. der italienische Boxrie' In Barcelona besiegte am Sonntag öxriese Carnera den Spanier Paolino vor 90 000 Zuschauern.' Paolino war mit 190 Pfund 54 Pfund leichter als sein Gegner. „Tom Thumb Gols" in Berlin. Das ehemalige Cafe Corso in der Hardenbergstraße am Zoo öffnet Donnerstag, 4. Dezember, als„Liliput-Golf am Zoo" feine verjüngten Räume diesem madern- sten Sport. Die Einrichtungen eicksprechen aufs genaueste den sportlichen Regeln, wie'sie für Original Tom Thumb Golf in U-oA. von den maßgebenden Spitzcnvcrbönden festgelegt sind. Moutse. 1. Dezember. Berlin. 16.05 Dr. 0. Häuser: Zur Psychologie der ältesten Kunst. 16.30 Lieder von Schubert und Gries(Charlotte Schultzc, Mezzosopran. Flügel; Börger). Anschließend: 1. Mozart aus dem Divertissement. 2. Beethoven: Menuett G-Dur (bearbeitet von Baß). 3. Schubert: Impromptu B-Dur.(Prof. Roderich. Baß. Flügel.) 17.30 Theodor Kappstein: Persönlicher Röckblick auf die letzten Jahrzehnte. 17.50 Vom Tonfilm zum Dreiklang. 18.10 Kurze Biicherstundc. Litcraiyrgeschichtc. Mikrophon: Dr. Schuster. 18.20 Heilfron: Rechtsfragen des Tages. 18.40 Käthehen und die Primaner. Novelle von Georg Engel(Sprecher: der Autor) 19.10 Lud Gluskin spielt(Refraingesang: Austin Egen). 20.30 Rückblick auf Platten(November). 21.00 Tages- und Sportnachrichteu. 21.10 Beethoven: Konzeit Kr. 5 für Klavier und Orchester, Es-Dur, op. 73. (Eugen d'AIbcrt, Flügel.) Anschließend: 2. Sinfonie von P. Tschaikowsky.(Funkorchcster. Dir.: Bruuo Seidler-Winkler.) 22.15 Wetter-, Tagesnachrichten, Sport. Anschließend bis 24; UnterhaUungsmusik. Königs Wusterhausen. 16.00 Schulrat Wolff und Rektor Schultzc:„Die Zeitung im Redienunternchl". 17.30 Dr. Fred Hamcl: Chor-Modettc und Sologesang. 18.00 Dr. Langstein: Wie schützen wir unsere Kinder vor Erkrankungen? 18.25 Saitschick: Goethes Faust. 19.00 Englisch für Anfänger. 19.30 Prof. Dr. Schlicht: Geologie und Bodenkunde im Dienste der Landwirtschaft. 20.00 Prof. Dr. Weniger; Jugend von heute. 21.00 Von Belgrad: Konzert des Akademischen Gesangvereins„Obilic". Dir.: Lovro Matacic. I. Mokranatz: XV. Rukovet,„Lieder aus Ohrid44. 2. M. Miloicvic: Gelse und Fliege. 3. Lajovftz: Regen. Anschließend: Aus der Belgrader Oper: II. Akt aus„Zulumcar(Tyrann�, Musikdrama in drei Akten von Pctar J. Krstlc. Dir. Brezovsek. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Zn England vorläufige Einigung. Statt?V--Siunden-Schicht 90-stündige Ooppelwoche. eondon, l. Dezember. sEigenbericht.) In allen englischen Sohlendistrikten mil Ausnahme voa Schottland sind zwischen den Grubenbesitzern und den Berg- arbeilern vorläufige Abkommen zustande gekommen, so dos; eine Arbeilsein slellung heule, Montag, ver-, mieden wird. In Schottland dagegen hol es die Bergarbeiter. gewerkschafi abgelehnt, die Berteilung des 7'--Siunden- Tages auf die S0-Slundcn. Doppclwoche anzunehmen, so daß die 9 2 0 00 Bergarbeiter in Schottland heule nicht in die Gruben fahren werden. Der Beschluß der schottischen Gewerkschaft ist gefaßt worden, bevor der Beschluß der Gewerkschast von Süd-Wales bekannt wurde. Mau hofft, daß die Einigung in Süd-Wales noch einen Einfluß auf die Haltung der Gerocrlfchait in Schottland ausüben wird. Die vorläusigen Abkommen sind zustande gekommen auf Grund des Prinzips der 9 ll- S t u n d en-Dop pclwoche ohne Lohn- fürjungen. In Süd-Wales wird in den nächsten 44 Tagen i nur 1 1 Tage gearbeitet zu je 8 Stunden. Aus diese Weise ist Zeit gewönnen worden, um ein« endgültige Regelung zu verabreden. Die nächste Sitzung der Landcsgcwerkschast der cngliichen Berg- arbeiter findet am Donnerstag statt. Man erwartet, daß die Kon- fcrenz auf ihren Bcsckiluß vom letzten Freitag zurückkommt und die üL-Stnnden-Doppelwoche annehmen wird, Swrausgesetzt, baß. Lohnkürzungen damit verbunden sind. Oer Streik in Schottland. Die 92090 Bergarbeiter der schottischen Gruben traten Sonniaz nacht und heute früh in den Streik. Es besteht jedoch begründete Aussicht, daß sie bereits heute abend und morgen früh die Arbeit einstweilen wieder aufnehmen. Heute vormittag ist in Glasgow eine neue Konferenz zwischen den Vertretern der Bergarbeiter und der Grubenbesitzer zusammengetreten. Cook erklärte, daß es keinen allgemeinen Bergarbeiterousstand in England geben kann, bevor die Bergleute in jedem einzelnen Koblenbezirk abgestimmt haben, und er gab der iieberzcugung Aus- druck, daß es gelingen werde, den Frieden in der Bcrzwcrksindustrie zu erhalten._ Bezahlie gelbe Gubjekie. Der Acrgbauiiche Verein hält Gelbe aus. Das Amtsgericht in Bochum wurde kürzlich zum Prange? iür den Bergbaulichen Berein. Die Lezirksleitsr der gelben Ge- iverkschast„Der deutsche'Arbeiter", R a g u s ch a k in Esten»nd Aloe in Gelseniirchen, klagten gegen die Funktionäre des Bergbau- . industriearbciterverbandes Taub« und Z e i t l e r wegen Bc- leidigung. Die beiden sreigewerkschaftlichen Funklionäre hatten in einer Versammlung gegenüber dem Vorwurf der gelben Bezirksleiter, die freien Gewerkschaften seien korrumpiert und arbeiteten nur gegen hohe Spesen und Gehälter, geantworter, Baguschak und Aloe seien bezahlte gelbe Subjekte. Die Beklagten erklärten, den Wahrheitsbeweis für ihre Beschuldigungen anzutreten und ließen den Barsitzeirden der gelben Gewerkschast, Quint, und den Syndikus des Z�chcnver- bondes, Holt höfer, laden. Daraushin zogen die Kläger in letzter Minute plötzlich ihre Klage zurück. Damit war ein- deurig bewiesen, daß„De r deutsche Arbeiter" ein gelber B e r b a n d ist und vom Bergbaulichen Verein gegründet und unter- stützt wurde. Verai-.tworll. wr die Äcdaktion: Aranz»liih», Berlin! Anzeigen: Th. Sloiie. Berlin. Verlag! Borwäris Verlag G. m. b. S., Berlin. Druck: BorwärtZ Buch- briickem mU) Verla gsauswlt Paul Singer 5: Co.. Berlin SW 58. Linbenltrabe Z. Hier,« l Beilage. Immer weiß« Zähne.„Ich mSchte Ihnen mltleilen, daß wir schon über lS Jahre die Zahnpaste Chlorodont benutzen. Noch nie hat sie uns enUSujchll Wir hatten immer weist« Zähne und einen angenehmen Eeschmack im Munde, umjomchr, da wir schon längere Zeit das Chlorodonr- Mundwasser be> nutzen. Auch benutzt die ganze Familie nur Chiorodont» Zahnbürsten." gez. iL Chudoba, Fr.... Mau verlange nur die echte Chwrodont-Zahnpaste, Tube 60 Pf. und 1 Ml., und weise jeden Ersatz dasiir zurück. Barlriea-vr.: Montag, l. 12 Staats-Oper Unter ck. Linden 92. A.-V. 20 Uhr Ein Utnliall tnde g. 23 Uhr Montag, 1. 12. Siädt. oper Uismarckstr. CeJchl.Vorstllg. 2o Uhr Die EntföliniDji aDHeroieraii K«tn Kartenwerk. Staats-Oper ta PUli(er Prjobii. V.-B. 20 Uhr DerBailiiefioD Sevilla Heile» tl. kirtisHilai Ende 22'.•» Uhr Staat!. Sdiaosati. Un uttdirrasmarkl). 15, R.-S. 20 Uhr Codidite fcflfiie- denmltrlMiiigeo Bit dir tisttim Hanl Ende g.231/« Uhr M.WN-HMsMIU 20 Uhr: Zaxa 25. Male NORA. Ende nach 22". 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Deulsehes lansiler-Theal. Idch-r.zm. 8''- Wir Uhti Auhibgii I Jim und iili Grete Bosheim, Hiralc Panlsan. Morgen Vi Uhr: Zum 1..Mal Zum ooldeoen Anher nh Kilhe Uorsrti Renaissance- Theater Stcinplatz 6780. «Vi Uhr; fsruLisrilldiW von Max Alsberg und O. E. Hesse Wiitlfli» D6nh.525.625. Bis 3. Dezember geschlossen! W-WW Zentral-Theat. Letzte Woche Täglich S1« Uhr| Eine Freundin so goldig wie Du| Operette r. Meisei. Inn.(Gr Parlutl 4 slntt 4.- M. nstr I■* ! Kleines Thear. Fägl ich»>Z> Cht Dar grate Inlspidcrtolg! 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Feiertag 3' 4 Uhr 9 Weiiaadilr Ijrb glatksD User Btrlin 6rp»es M n Wsinnaans �7� iw.splel Tiink. 11-2. liuli. iH iiestErd. Westeos Täglich 8'- StmsalienelleT OpcreKenerlolgl Viktoria undihrHusar Msbelliiufee merke Bteb't »nd bar M-b-ldamr. qwne inamok!, Hei»« Preiic: > BtilnicUnxiie: ISihlofiiitimer 435,—. ÄpeiiesimmerZlr___ ixtfmAtmmecüSS,— Epiegelfchränle IIS,—, Dielengarni. tut SS.—. Anrichte» küche. 09,—. Mesfig g. dettslelle 6Ü.—. Blei. derfchranke 43.—, Ldaiselnngues'JH.—, Weialllieüsielle IS,—, Auf.'cgemariat!! 18.—. conftine iSi'i. ib'-l aufiemtifer.« l Preise. Seitjohlnna aufschlagfrti. Ko. chenraten, Mziiats. raten. Kaslarabalt . bre gedN Brozenr auch auf Zlnrahlun. qen. Bredite dm Swei?nhr« Mötzi- Ctt.Zins. Ratain« ernnkn Sauvlie- ifdifift: Stcalitz. Hchlntzyratze iOT; 2 ((Ocfdiäif: ZlerckNln l&ermflnnolck 7: 3 iteeÜDäfl: Bc»«. (-XBiditcc-ötTaSt 9j, UnleraruitbMhn: 4. kbefchäflt BoitbufT-r Ic.Ttfde 28.«egen. 'ildit ClittfSnact.• iZSionni— Rlägel. sRiefeulager. 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