Morgenausgabe Nr 565..„, A 2S4 47.Iahrgang Döcheatltch SLPs.. moaatllch D?. kn voraus zahlbar. Postbezug'>orl 15 Pfennig, jedes weitere Won l'.' Pfennig. Worte über 15 Buchstaben Vihlen für zwei Worte. Arbeitsmarfi Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 4 J Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt gcschast üindenstrab« 3. wochentäglich von 54/, bis 17 Ubr. Aentvalovga« der Soziatdemokeatischen Partei Neutfchtands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68 Lindenstr� 3 Kernsprechcr: Tönhof! ZS2— ZS7 Telcgramm-Adr: So�ialdemokrai Berlin. Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Postscheckkonto Berlin37b3K— Bankkontos Bank der Arbeiter. Angestellten uni Beamten, Lindenstr.Z.Dt.B. u.DlSc-Gis>,Depostt«nk.,JeruiaIemer Str.SS/Kb Heute wieder Michstag. Tagesordnung: Reichshaushalisgesetz für-1951. Reichsfinanzminister Dietrich wird heute nachmittag 3 Uhr dem Reichstag den Reichshaushalt für 1931 vorlegen. Er wird in semer Rede natürlich auch von der neuen Not- Verordnung sprechen, die den Relchshaushalt stark be- einllußt. Dann wird wohl programmäßig die Debatte auf Donnerstag vertagt werden, um den Fraktionen Gelegenheit zur Beratung zu geben. Am Ende der Debatte', die sicherlich mehrere Tage dauern wird, stehen entsäieidende Abstimmungen. Werden die Anträge der Opposition auf Aufhebung der Notverordnung und auf Erklärung des Mißtrauens gegen die Regierung abge- lehnt, so wird das Reich ohne politische Weihnachtskrise in das neue Jahr hinüberkommen. Aber ob es so kommt oder anders, ist noch ungewiß. Die Deutschnationalen haben schon, ebenso wie die Nationalsozialisten, die Aufhebung der neuen Notverordnung beantragt. Der Reichslandbund hat seine Unzufriedenheit mit ihr erklärt, weil er nie genug kriegen kann. Da er aber„Er- gänzungen" fordert, scheint er nicht gerade für Aufhebung zu sein. Die Nationalsozialisten— Spaß muß sein!— haben folgenden Antrag eingebracht: � � Um die verfassungsmäßigen Voraussetzungen für die Wirksam- leit des Reichskabinstts Brüning zu schassen und ihm die rechtmäßige Grundlage seiner Existenz endlich zu sichern, f-prtchtber Reichstag, indem er über alle sonstigen, aus die gegenwärtige Reichs- regierung bezugnehmenden Anträge, Erklärungen und Formeln zur Tagesordnung übergeht, dem Reichslabinett Dr. Brüning das Vertrauen aus. Dieser Kunstgriff ist nicht mebr neu. Er ist schon früher versucht worden und mißglückt. Damals bezeichnete ihn ein Zwischenrufer unter großer Heiterkeit als— einen„echt jüdischen Dreh". Ein Vertrauensantrag, der von der Opposition eingebracht wird, m der Absicht, seine Ablehnung und damit den Sturz der Regierung herbeizuführen, darf entweder, weil nicht ernst gemeint, gar nicht zur Abstimmung gebracht oder er muß ein st immig abgelehnt werden. Kein vernünftiger Mensch wird erwarten, daß die Ablehnung einer solchen Kasperliade irgendwelche politische Konsequenzen haben kann. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird über ihr weiteres Verhalten beschliehen. Daß sie keine Gemeinschaft haben kann mit den faschistischen Parlaments-Hanswürsten, versteht sich von selbst. Vorspiel im Haushalisousschuß. Der Ausschuß für den Reichshaushalt hat am Diens- tag die Abstimmungen zu der Notverordnung vom Juli 1936 porgsnommen. Nach einer Geschäftrordnnngsdebatte wurde zunächst festgestellt. daß nur Anträge über die Aufhebung der gesamten Noiverord- i.ung. nicht aber über einzeln« Teile zur Abstimmung gebracht werden können. Die weitere Streitfrage, ob im Haushalts- ausschuß Jnttlativgesetze«lnoebrachl und entschieden werden können, wurde von der Mehrheit entsprechend der oon den Sozial- demotraten vertretenen Auffassung bejaht. Die Angelegenheit soll den Geschäftsordnung-- ausschuß des Reichstags weiter beschäftigen. In den folgenden Abstimmunzen wurden die Anträge der Kommunisten, Nationalsozialisten und Deutschnationalen aus Auf- Hebung der Notverordnung abgelehnt, von den zahlreichen Einzelanträgen fand eine Entschließung der Nationalsozialisten eine Mehrheit, die sich gegen die Gemeindegctränkesteuer weichet. Mst großer Mehrheit wurden dann nur noch die Eni- schlleßungen der Sozialdemokratie zur Krankenoer- sicherung, Arbeitslosenoerstcherung, Reichsoersorgung und zur Bürgersteucr angenommen.. Der Inhalt dieser Entschließungen ent- spricht im weseutlichen den Verbesterungen zu diesen Gesetzen, die inzwischen durch die neue Notoerordnung vom 1. Dezember in Kraft getreten sind. Auch die Kommunisten stimmten den- sozialdemo- kratischen Entschließungen zu. Beachtet den Bannkreis' Der Polizeipräsident erläßt aus Anlaß der wieder beginnenden Reichstagsverhandlungen eine Mahnung, den Bannkreis zu beachten. Zeitungsüberfchristen. , Kreuz. Zeitung": Die Notverordnung in Kraft. 3m Hintergründe die Sozialdemokratie. „Deutsche Zeitung": Was die Notverordnung bringt. Dle Zugeständnisse an die SPD. „Welt am Abend": Das neue Hungerdiktat. Die Sozialdemokratie wird Brüning retten. Oberschlefien-Oebaiie. Ginn und Unsinn im AuSwartioen Ausschuß. Der Auswärtige Ausschuß nahm gestern nach längerer Debatte über die Vorgänge in Ostoberschlesien eine stilistisch vielleicht nicht ganz einwandfreie, aber polstisch vertretbare Entschließung an. die zunächst der Empörung über das verübte Unrecht Ausdruck gibt und dann fortfährt: Der Auswärtige Ausschuß sieht diese Vorgänge um so ernster an. als sie nur ein Glied in der langen Kette von Vorkommnissen sind, die klar ein auf die Bedrückung, Verdrängung und Vernichtung der Minderheit gerichtetes polnisches System erkennen lasten. Der Ausschuß hält den Beweis für er- bracht, daß eine solche offene Bedrückung nur m:t stillschweigender Billig'mg und Ermutigung seitens der polnischen Behörden möglich xoax. Er muß hierbei an die zahllosen B-schweiden an den Völker- bund-rat erinnern, zu denen die deutsch« Minderheit in Polnisch- vberschlesien Kauernd gezwungen gewesen ist. Er verweist ferner auf die früheren Maßnahmen der polnischen Regierung gegen den deutschen Grundbesitz in Polen und auf die dem Völker- bimdsrat vorliegende Agrarbefchwcrde der deutschen Minderheit. Zu allen diesen Tatsachen kommt jetzt der offensicktliche Zusammen- hang, der zwischen polnischen Behörden und dem bei den Terrorakten hm:vtsächllch beteiligten„Verband der schlestschen Aufftän- dischen" besteht. Der Auswärtige Au-'schuß erwartet von der Reichsregierung daß sie alle ihr zu Gebote stehenden Miltei benutzt um zu erreichen, daß Polen gezwungen wird, von diesem Kurse Zlbstand zu nehmen und der deutschen Minderheit den Genuß derjenigen Rechte zu gewährleisten, die ihr nach den Verträgen zustehen. Er erwartet ferner, daß die schuldigen polnischen Beamten bestrast werden, den geschädigten Minderheits- ungehörigen eine angemestene Entschädigung für hie erlittene Unbill verschafft und vor allem die Wiederholung solcher empörender Vor- gäng» für die Zukunft unmöglich gemacht wird. Hierauf leistete sich eine kunterbunte MehrheU aber noch einige unsinnige Beschlüsse. Sie nahm u. a. an: 1. eine nationalsozialistische Entschließung, worin die Reichs- regierung ersucht wird, die Ratljikat'vn des deutsch- polnischen Liquidationeabkommens nicht zu vollziehen und olle Verhandlungen mit Polen zum Abschluß eines Handelsvertrags oder sonstiger Abkommen unverzüg- lich abzubrechen: 2. eine deutschnationale Resolution gleicher Tendenz: 3. ein« Entschließung der Landvolkpartei, M der noch einmal dasselbe gesogt wird: 4. eine na.ionalsozialisllsch« Resolution, worin die Reichsregw- rung ersucht wird, aus Grund der vom Vertreter der deutschen Re- publik selbst jestgestsllten Weigerung der Mehrzahl der Teilnehm r des vorbereitenden Abrüstungsausschusses, ihren Abrüstungsver- pflichtungen nachzukommen, die deutsche Vertretung aus Genf sofort zurückzuberufen und nur einen Beobachter dort zu belasten. Bei der jetzigen Zusammensetzung des Auswärtigen Aus- schusses hängt es von den Kommunisten ab. ob die Anträge der sog.„nationalen Opposition" angenommen oder abgelehnt werden. Da die. Abrüstungs-Vorkonferenz sowiest vor dem Ende steht, Handelsvertrag und Liquidations- abkommen auch stocken, ihr Nichtzustandekommen aber den Deutschen mindestens ebenso schadet wie de:. Bolen, sind diese Ves'dl'"sis kindis<->er UnVg. Ge'�'n�-m ist die Regierung an sie nicht. Sie hat die Politik, die sie für richtia hält, vor dem Reichstagsplenum zu vertreten und mit ihr zu stehen oder zu fallen. Der Regierungspräsident in Oppeln hat angesichts der starken Beunruhigung in der Bevölkerung alle Versammlungen unter freiem Himmel, einschließlich Umzüge, bis auf weiteres verböte». Notleidende un» Notverordnung Sin sozialdemokratischer Erfolg. Von 8. �wkNäusor. Der Haushastsausschuß des Reichstages befand sich schon einige Wochen in der Beratung der ihm vom Plenum über- wiejenen Brüningschen Notverordnung vom 26. Jnll 1936, ohne daß die Oessentlichkeit an diesen Erörterungen ein be- sonderes Interesse genommen hätte. Erst als der 4. Abschnitt zur Beratung gelangte, der die Abbaubestimmungen zur Kranken- und Arbeitslosenversicherung enthält, wurde es inner- und außerhalb des Reichstages lebendig. Wird es der Sozialdemokratie gelingen, noch vor dem Wiederzusammentritt des Reichstagsplenums die heiß umstrittenen Bestimmungen um den Krankenschein, die Arzneigebühr und den Ausschluß der Jugendlichen unter 17 Iahren von der Aröeitsloseflunterstützung grundlegend zu ändern. oder bleibt es bei der von der Reichsregierung im Wahlkampf wiederholt abgegebenen bündigen Erklärung, daß an den Grundsätzen der Notverordnung nicht gerüttelt werden dürfe? Wird der seit dem 14. September von antiparlamentarischen Kräften bedrängte und in seiner Arbeit gestörte Reichstag durch den starken Willen der Sozialdemokratie zunächst im Ausschuß aktionsfal)ig gemacht werden'können und reicht ihre Kraft aus, inmitten einer stürmenden Sozialreaktion und in einer Periode des radikalen Soziolabbaues eine Schranke auf- zurichten und wiederum Ansäße für den ersten Wiederaufbäu geraubter sozialer Errungenschaften zu schaffen? Die politischen Schwierigkeiten wären auch Im Haushaltsausschuß turmhoch. Zwar konnte die Sozialdemokratie für jeden radikalen Antrag mit Nationalsozialisten und Kommunisten, wahrscheinlich auch mit dem„Arbeitersreund" Hugenberg eine formale Mehrheit haben, doch wäre eine solche Mehrheit immer mir negativ ge- blieben. In der Gesamtabstimmung über den 4. Abschnitt der Notoerordnung basten chn diese zweifelbaften Bundesgenossen generell aufgehoben: es wäre damit auch der für die Arbeits- losenversicherung geltende Beitrag, d. h. die elementarste Vor- aussetznng zur täglichen Auszahlung der Unterstützung ge- fallen. In der Krankenversicherung wären den Versicherten die neuen Mitbestimm"ngsrechte bei der Errichtung von weiteren Innnngs- und Betriebskrankenkassen, sowie andere soziale Fortschritte genommen worden. Vor allem batst eine allgemeine und mechanische A'übebung der ganzen Notrerordnungen oder eines ganzen Abschnittes in der Arzt- frage die seit der Iuliverordnung geschaffene M a ch t p o s i- tion der Krankenkassen gegenüber dem reaktionären Leipziger Aerzteverband wieder völlig preisgegeben werden müssen. In Mirkli-bkeit sind aber die Summen, wel-�e heute die Krankenkassen für Arztbonorare verausgaben müssen, zu einer unerträglichen Last für die vom Lohnabbau bedrobten Arbeiter und Angestellten geworden. Die Rü�revidierung der Arztbestimmungen bätte die Versicherten mit Millionen Mehr- last und neuen Beitragserhöhungen getroffen. Die Sozialdemokratie bat deshalb wie immer, wenn es sich um den sozialen Arbeits- schütz und um die tägliche Fürsorge der Kranken, Erwerbs- losen und sozialen Notleidenden handelt, keine rücksichtslose, sondern eine sozialvolitisch positiveingestellteOppo- f i t i q n gemacht. Politik treiben, helstt für eine Arbeiterpartei, auch wenn sie in der Opposition zur Regierung steht, bei ieder ibrer Handlungen täglich»nd stündlich an das Schicksal der Opfer der kapitalistischen Wirtschaft denken. Bei diestn Er- wäg'mgen war es unmöglich, das Experiment einer Mehrheitsbildung mit Kommunisten und Nationalsozialisten zu machen; es tei denn, daß die SPD. darauf verzichten wollte, irgendein Ergebnis für die Kranken und Erwerbslosen Z" erziestn. Solche Mehrheit?- beschlüsse hätten zwar für eine ZLoche Illusionen erweckt, ohne von der Regierung und vom Reichsrat iemals a"sgeführt zu werden. Auch mit einem wesentlichen Teil der Regierungs- Parteien konnte die notwendige Veränderung derKranken- und Arbeitslosenversicherung nicht beschlossen werden. Für die Deutsche V o l k s p a r t e i ist der Abbau der Arbeitslosen- Versicherung zum Brinzip geworden, bei anderen Regierungs- Parteien hätten soziale Verbesserungen durch uner'üllbare Kon- Zessionen an den Leipziger Aerzteverband erka"ft werden müssen. Wellte also die Sozialdemokra-ie ihr Versprechen wastrmochen, so hlieb nur d e r W e g, mit der ihr verfügbaren politischen Kraft den stärksten Parlamentär i- scheu Druck unmitstlbar auf die Reichsregierung auszu- üben, damit diese a"s eigener Jnisiative die der SPD. ge- , machten Zugeständnisse durch eine Gesetzesvorstae verwirklicht. In diesem Sinne waren die beiden Entschließungen der Sozialdemokratie vom 29. November an die Reichsregierung gerichtet. Wir hätten gewünscht, daß die Verbesserungen zu den beiden Sozialgesetzen in Gestalt von ordentlichen Gesetzen vorgelegt worden wären. Wem: die Regierung den Weg einer neuen Notverordnung gewäb!' hat. so waren die Widerstände bei den eigenen Regierunge parteien und dem Reichsrat mit maßgebend. Den formalen Die Bürgersteuer in neuer Form. Wesentliche Verbesserungen aus Betreiben der Sozialdemokratie. uiSOOOOOTO. 1000 2JL unb über 500 000 3)1.2000 28. Di« Sieu«r- s ä tz e swd also bei den höheren Einkommen zum Teil mehr als verdoppelt und bei den Einlommengruppen von 20 OOO bis 25 000 M. sogar mehr als veroierfachl. Insbesondere sind bei den Einkommen zwischen 1200 und 8000 M. zwei Stufen einge- schoben worden. Noch wichtiger sind die Abänderungen, die die neue Notverord- nung bei den F r e i b e st i m m u n g« n der Bürgersteuer bringt. Nach der neuen Fassung sind nunmehr nur di« Personen steuerpflichtig. die auf eigene Rechnung leben. Steuerfrei sind also jetzt die Eltern, die von ihren Kindern unterhalten werden, die Kinder, die noch von der Unterstützung der Eltern leben, die Schwester, die dem Bruder die Wirtschaft führt usw. Bedenken gegen die Anwendung des Artikels 48, die ge- macht werden können, kann diesmal gegenübergestellt werden, daß die neue Verordnung zur Arbeitslosen- und Krankenversicherung inhaltlich mit das Ergebnis par- lamentarischer Kraftentfaltung der stärksten Reichstagspartei geworden ist. Die Ardeiterschaft wird auch Verständnis dafür haben, daß die Sozialdemokratie den sozialen Willen zu helfen über andere politische Erwägungen stellen mußte. Ja der Sraukenversicherung ist in den Aenderungen die Grenze innegehalten, bei der es gerade noch möglich sein wird, ohne neue Erhöhung der eben gesenkten Beiträge auszukommen. Konnten aber Kranken- schein- und Arzneigebühren nicht völlig aufgehoben werden, so mußten auf jeden Fall die durch Erwerbslosigkeit, Invalidi- rät, Berufsunfähigkeit, Berufsunfall oder Kriegsbeschädigung ganz oder teilweise Arbeitsunfähigen von diesen Gebühren befreit werden. Neben dieser Befreiung sozial notleidender Personenkreise galt es, auch bestimmte Krankheitsfälle vor allem bei der Uebertragungsgefahr von Tuberkulösen und Ge- schlechtskranken Ausnahmen zuzulassen. Für dringende Fälle, insbesondere bei Unfällen, oder wenn wegen der mit der Ab- holung des Scheines verbundenen Umstände der Arzt nicht mehr rechtzeitig helfen könnte, war die nachträgliche Beibrin- gung des Krankenscheins vorzusehen. Bon entscheidender Be- deutung ist schließlich die neue Bestimmung, daß bei längerer Erkrankung von mindestens zehn Tagen Arbeitsunfähigkeit die Arzneigebühr völlig aufgehoben werden konnte. Bei Versicherten, die während der Krankheit Arbeits- e n t g e l t erhalten, das nach der Iulioerordnung auf das Krankengeld anzurechnen ist, wurde vorgesehen, daß künftig der Beitrag zur Krankenoersicherung gesenkt wird und außerdeyi das Krankengeld»nach Ablauf der Gehalts- Zahlung erhöht werden kann. In Verbindung mit dieser Be- stimmung ist für die kaufmännischen und technischen Ange- stellten arbeitsrechtlich eine wichtige Aenderung des Handels- gesetzbuches, der Gewerbeordnung und des Bürgerlichen Ge- fetzbuches erreicht worden. Nach der neuen Bestimmung ist der Anspruch auf Gehalt im Krankheitsfall unabdingbar ge- macht worden. Das Hausgeld in der Krankenversicherung kann künftig auch bei Versicherten ohne Angehörige auf zwei Drittel des Krankengeldes erhöht werden. In den weiteren Bestim- mungen der neuen Notverordnung sind technische Berbesserun- gen enthalten, ferner die Gleichstellung der Grenzgebiete mit dem Inland, und die Gleichstellung der Crsatzkassen mit den Zwangskassen, soweit erstere bisher bevorzugt waren. 3n der Arbeitslosenversicherung hat die Sozialdemokratie das Schwergewicht darauf legen müssen, die nicht nur für die Jugendlichen selbst, sondern für die proletarischen Familien außerordentlich harte Ausschließung Jugendlicher unter 17 Iahren von der Arbeitslosenunterstützung wieder gut zu machen. Es ist gegen stärkste oolitlsche Widerstände gelungen, den Jugendlichen zwischen 16 und 17 Iahren den Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung wiederum zu sichern. Die materiell einschneidendste Maßnahme aus der Iuliverordnung war die Vorschrift, daß Versicherte, die vorher weniger als 62 Wochen in Beschäftigung gestanden hatten, nur noch gekürzte Unter« stützungssätze ausgezahlt erhalten. Auch hier ist eine für die Beteiligten wesentliche Erleichterung geschaffen worden, indem sich künftig diese Anwartschaft von 62 Wochen aus einen Zeit- räum von 2 Jahren erstrecken müssen. Schließlich konnte ein in der Praxis großer Uebelstano beseitigt werden. Nach dem Z 105 Abf. 3 der Notverordnung wurden der Ar- deitslosenunterstützung die tatsächlich entrichteten Beiträge zugrunde gelegt. In Hunderten von Fällen haben die Unternehmer, insbesondere bei der jetzigen schlechten Wirtschaftslage zwar den richtigen Beitrag vom Arbeiter oder Angestellten erhoben, wohl aber geringere Summen an die Reichsanstalt abgeführt. Den Schaden mußte der Versicherte tragen, der im Fall der Er- werbslosigkeit eine entsprechend geringere Unterstützung aus- gezahlt erhielt. Nach der jetzt getroffenen Neuregelung haben m diesen Fällen die Erwerbslosen Anspruch auf die volle Unterstützung. Eine weitere dringliche Forderung der Sozialdemokratie. die Ktägige Wartezeit in der Arbeitslosenversicherung für Erwerbslose ohne zuschlagberechtigte An- gehörige, ist unerfüllt geblieben. Um sie, wie die anderen teil- weise nicht voll durchgesetzten Vorschläge, gilt es, w« i t e r z u kämpfe n. Die Reichsregierung wird sich auch nicht im Zweifel darüber sein dürfen, daß mit der Aenderung der Not- Verordnung vom Juli überhaupt keine ausreichende soziale HUfe gegenüber dem Massenelend erreicht werden konnte. Neue brennende soziale Probleme sind zu löseck. Die Unterstützung der aus der Arbeitslosenversicherung Aus- gesteuerten muß durch Ausbau der Krisenfür- sorge eine ausreichende Regelung erfahren. D i« F i n a n z- notderGemeinden darf nicht zur völligen Verelendung der Wohlfahrtserwerbslosen führen, deren Zahl heute mit 700 000 nicht zu hoch geschätzt fein dürfte. Ebenso kann auch über den Sozialetat für 1931 noch nicht das letzte Wort gesprochen sein. Mögen sich alle Sozialisten in Deutschland bewußt sein. daß auch in den nächsten Wochen eine wirksame soziale Hilfe für die im tiefsten Elend befindlichen Massen gegen- über dem drohenden Faschismus unsere stärkste Waffe sein wird. Mehrheit gegen Seipel-pariei. Erste Sitzung Oes Tkationalrats. Wien, 2. Deznnber.(Eigenbericht.) Der neugewählt« Naiionalrat trat nachmittags �4 Uhr zu setner konstituierenden Sitzung zusammen. Di« Sozialdemokraten waren mit roten Nelken im Knopflach erschien«», die Grotzdeutschen mit Kornblumen. Di« acht Heimwehrleute marschierten in ihrer Untform ein. Uefacr die Besetzung des Präsidiums, für das der Sozkaldemo- krat Cldersch und der Christlichsoziol« Ramek kandidieren, ist in der Obmännerkonferenz bisher ein« Einigung nicht erzielt worden. Die Großdeutschen beantragten deshalb die Vertagung auf Donners- tag, di« gegen die Chrlstlichsoziolen mit d«n Gtimmcn der Sozialdemokraten und des Schober-Bkocks beschloffen wurde. Irohki sollt« in Oslo gesehen worden sein— große Sensation! Ader u war nur ei» Ulk verkleideter Studenten. Di« neu« Notverordnung des Reichspräsidenten enthält auch«ine Neuregelung der Bürger st euer. Allerdings bildet die Bürgersteuer auch in ihrer neuen Gestall«inen Fremdkörper im deutschen Steuersystem, aber die Aenderungen stellen trotzdem beachtenswerte Verbefferungen gegenüber dem bisherigen Zustand dar. In ihrer ursprünglichen Gestalt— nach der Notoerordnung vom 16. Juli— war die Bürgersteuer nichts weiter als eine rohe und brutale Kopfsteuer. Alle Walberechtigten sollten denselben Steuersatz von 6 Mark entrichten, ohne Rücksicht l darauf, wie hoch ihr Einkommen ist. Der Millionär sollte nicht mehr zahlen als der Arbeiter und nur für die Aermsten der Armen, die Einkommen unter 1200 Mark, war ein ermäßigter Steuersatz von 3 Mark vorgesehen. Jede andere Staffelung aber war ausdrücklich ausgeschlossen. Nachdem der Reichstag diese Notverordnung aufgehoben, die Regierung den Reichstag aufgelöst und der Reichspräsident sein« zweite Notverordnung erlassen hatte, erhielt die Bürger- steuer schon«in etwas anderes Gesicht. Mit Rücksicht auf di« An- griffe der Sozialdemokratie und auf die bevorstehenden Wahlen machte di« Regierung ein wichtiges Z u g e st ä n dn i s: Statt des Einheitssatzes von 6 Mark wurde eine Staffelung ein- geführt, obgleich besonders die Deutsche Volkspartei bis dahin jede Staffelung mit aller Entschiedenheit abgelehnt hatte. Aber diele Staffelung war völlig ungenügend. Der ungelernte Arbeiter mlk dem kümmerlichen Einkommen von 1200 Mark mußte ebenso 6 Mark Kopffteuer entrichten wie der hochbezahlte Angestellte mit. einem Gehalt von 8000 Mark. Bei einem Ein- kommen von z B 8100 Mark waren ebenso 12 Mark zu entrichten, wie bei einem Einkommen von 25 000 Mark. Bei den Riesen- einkommen bis zu 100 000 Mark betrug die Kopfsteuer n.m 100 Mark, bis zu 500 000 Mark nur 500 Mark und über 500 000 Mark nur 1000 Mark. Vor allem aber waren die F r e i b« st i m m u n g e n ein Hohn aus jede steuerliche Gerechtigkeit. Von der Bürgersteuer waren nur befreit diejenigen K ris e n u n t e r st ü tz t e n, die seit dem 10. September Krrsenunterstützung bezogen, und die Fürsorge- «mpfänger, die seit dem 10. Oktober von der Wohlfahrtspflege unter- stützt wurden. Wer also auch nur einen Tag später in dl« Krisen- Unterstützung oder in di« Wohlfahrtspflege gekommen war. wurde ohne Gnade der Steuerpflicht unterworfen, gleichgültig ob«r über- Haupt noch das Nötige zum Leben hatte oder nicht. Selbstverständlich sollte auch der Arbettslose zahlen. der noch das Glück hatte, von der Arbettslösenoersicherung unterstützt zu werden.": Zahlen sollten selbst auch all« diejenigen, di« überhaupt kein Einkommen haben, aber aus irgendeinem Grunde kein« öffentlich« Unterstützung beziehen Steuerpflichtig war also z. B. der' Jnvalidenr entner mv seinen 30 Mark Monat-rente. ebenso der U n f a l l r« n t n e r, der Rentner der Angestelltenversicherung und der Kriegsbeschädigte. Zahlen sollten ebenso die mittellosen Eltern, die von ihren Kindern unterhallen werden, zahlen sollte die Schwester, die von der Unterstützung ihres Bruders lebte. Zahlen sollten aber auch der in der Ausbildung de» griffen« Sohn oder die Tochrer. wenn sie über 20 Jahre alt sind. Und Zahlen sollten schließlich sogar die Soldaten. Obgleich sie kein Wahlrecht hoben, sollten sie doch«ine Steuer entrichten, deren Hauptzweck die Erziehung der Wahlberechtigten zur Ver- antwortlichkeit sein sollte! Gegenüber diesem Zustand bringt die neue Notverordnung wesentliche Verbesserungen. einmal bei der Staffelung und zweiten» bei den Frelbestimmungen. Nach der neuen Staffelung haben zu zahlen: Die Einkommen bis 1 200 M....... 3 M. von 1 200— 4 600...... 6, . 4 500— 6 000...... 9. . 6 000— 8 000...... 12, . 8 000—12 000...... 18. . 12 000-16 000...... 24, . 18 000— 20�00...... 30, . 20 000—25 000...... 50„ Die Einkommen bis zu 50 000 M. zahlen 75 3R., bis zu 75 000 M. 150 M� bis zu 100 000 M. 300 M.. bis zu 250 000 M. 500 38.. bis Raiionalfozialistifche Zinsknechifchast. Frick und Stanzen müssen wegen Wucher mindestens für drei Manaie ins Gefängnis. I. Abtrag Dr. Frlck und Genossen: Der Reichstag wolle be- schließen, die Reichsregierung aufzufordern, unverzüglich einen Gesetzentwurf vorzulegen, der nachstehend« Bestimmungen enthält: 1. Der höchst zulässige Zinssatz wird aus 6 Proz. sestgesetzt. Davon ist mindesten» 1 Proz. auf die Tilgung der Schuld zu ver- rechnen. Nach spätestens fünfzig Jahren gilt jede» Darlehen als getilgt, wer sich für ein Darlehen einen höheren Zinssah einschließlich aller Provisionen und Verwalkungskosien al» S proz. ver- sprechen läßt oder enlgegennimmk. wird wegen Wucher mit Gefängnis nicht unter drei plovaten bestrast. Berlin. 14. Oktober 1930. Dr. F r i ck und weitere 14 Unterschriften. II. Sitzung de» Aetchsrak» vom Z. Dezember 1SZ0. Die Reichsreglerung schlägt vor. di« Verzinsung der Aufw«r- tungshypothetcn, di« setzt 5 Proz. beträgt, ab 1. Januar 193? um 2H Proz zu erhöhen. Di« preußisch« Regierung ersucht, sich mit 2 Proz. Erhöhung zu begnügen, well di« Landwirtschaft Tii Proz. nicht tragen kann und weil ein so hoher Zinsfuß die Mieten verteuert, also mit der Preis- senkungsaktion der Reichsregierung nicht vereinbar ist. �„Was nützt es dem Mieter", fragt Staatssekretär Weismann,„wenn«r für Brot und Milch ein paar Pfennige weniger ausgibt, aber die Miete so gesteigert wird, daß sie seinen Lebensunterholl noch weiter verteuert?" von der Bürgersteuer frei sind serner auch alle Arbeitslosen. gleichgültig, ob sie Arbeitslosenunterstützung. Kriscnunterstützung oder Wohlfahrteunterstützung beziehen, gleichgültig auch, wie tong« sie schon arbeitslos sind. Es kommt nur daraus an, daß sie an den beiden Zahlungstagen, also am 10. Januar und am 10. März, von einer der drei Unteistützungseinrichtungen Unterstützung beziehen. Von der Bürgersteuer befreit werden ferner alle Sozial- rentneki deren gesamtes Einkommen 800 M. jährlich nicht über- schreitet. Damit wird die große Masse der Invalidenrentncr, der Knappschafts-. Angestellten- und Unfallrentner aus der Bürgersteuer herausgenommen. Frei sind weiter alle Rentenempfänger der öffent- lichen Fürsorge, besonders die Kleinrentner. Steuerfrei sind nunmehr auch alle die Kriegsbeschädigten, die Zusatzrente erhalten. Steuerfrei sind schließlich all« Personen,'die vom Wahlrecht ausgeschloffen sind oder für die das Wahlrecht ruht, also vor allem die Soldaten. Mit dieser Neuregelung sind die schlimmsten Härten beseitigt, die die Bürgersteuer bisher aufwies und zugleich wichtige Zugeständnisse an die sozialdemokralischen Forderungen Der Blutwabn. Ein Sohn des jetzt in Moskau aiigektagecn und alles Gewünschte eingestehenden Ing. Stijkin sagt sich in einem Brief, den di«„Prawdn" veröffentlicht, von seinem Dater lo» und soroert dessen Hinrichtung..., gemacht. Die Sozialdemokratie hat von Anfang die völlige Slufhebung der Bürger st euer verlangt und diese Forderung, in den Verhandlungen mit den anderen Parteien und mit der Regierung immer von neuem erhoben. Wenn sie schließlich Mit diesem Verlangen nicht durchgedrungen ist, so liegt das nicht an ihr, sondern einzig und allein an den Mehrheitsver- Hältnissen im Reichstag und nicht zuletzt an dem Widerstand des Reichsrat». Im Reichstag ist allerdings zusammen mit den Nationalsozialisten und Kommunisten ein« Mehr- heit für die Aufhebung der Bürgersteuer vorhanden. Wein mit dieser Mehrheit kann man nur einen Beschluß fassen, der auf dem Papier steht. Länder und Gemeinden wollen auf die Steuer- quell« nicht verzichten. Besonders der Reichsrat hall die Bürgersteuer al» Einnahmequelle für die Gemeinden für unentbehrlich und würde daher gegen jeden Beschluß des Reichstags, der die Bürgersteuer auf. hebt, ohne den Gemeinden dafür einen Ersatz zch beschaffen. Ein- spruch einlegen. Dieser Einspruch könnte dann vom Reichstag nur überwunden werden, wenn sich eine Zweidrittelmehrheit für d!« Aufhebung der�Bürgersteuer findet. Diese Zweidrittelmehr- heit ist aber auch zusammen mit allen radikalen Gruppen nicht vorhanden. Sollt« daher die Bürgersteuer mcht unverändert aufrechterhalten bleiben, so gab es nur die Möglichkell, sie jetzt zu verbessern und in Zukunft den Kampf um ihr« völlige Beseitigung mit mehr Aussicht auf Erfolg weller zu führen. Nredt bleibt— emstweilen! Dingeldey FraktionSvorsiHender. Der Reichskanzler hatte am Dienstagnachmittag eine Be- sprechung mit dem Reichsjustizminister Dr. Bredt über dessen Rücktritts gesuch. Der Ausgang der Besprechung war, daß das Rücktrittegesuch dem Reichspräsidenten noch nicht zur Entscheidung unterbreitet wird Dr Bredt wird zunächst seinen Dienst wieder aufnehmen. Eine Entscheidung über sein Rücktrittsgesuch dürft« vor» aussichtlich erst in etwa 14 Tagen fallen. • Die Reichstagsfraktion der Deutschen Dolkspart« wählle am Dienstag den Parteivorsitzenden Abg. Dingeldey durch Zuruf zum Fraktionsvorsitzinden. Zum Stellvertreter rtwrd« der Abg. Tauch bestimmt. Der Borschlag der Reichsregierung wird jedoch nach Erklärungen des Ministerialdirektors Schleg«kberg4r angenommen, der Zinssatz somit auf 7)4 Proz. erhöht. Für dl« IVi J5ro}. stimmen unter andern, die Frick-Regierung von Thüringen und die Franzcn- Regierung von Vraunschweig» Staatssekretär Weismann« Preußen: Ich weife auf die interessant« Tatsach« hin, daß di« Regierungen von Braunschweig und Thüringen ihre Vertreter instruiert haben, für«inen Zinssatz von 7�4 Proz. zu stimmen, obwohl die Nationalsozialisten im Reichstag beantragt Hoden, daß alle Leute, die«inen Zins über 5 Proz. nehmen, wegen Wucher bestraft werden sollen. Gesandter B od e n- Braunschwelg: Ich bitte den Vertreter von Preußen, die Entwicklung der Gründe, die ein« Regierung zur Instruktion ihre» Vertreter» geführt haben, der Regierung jelbst zu überlassen. Minister Dr. M ü n ze 1- Thüringen bemerkt, es sei bisher nicht üblich gewesen, daß ein Vertreter einer Regierung im Reich»rat an dem Verhalten einer anderen Regierung Kritik übe. Uebrtgeng be- rühre es eigenartig, an der Stellungnahme einer Regierung deshalb Kritik zu üben, weil ein« der in dieser Regierung vertretenen Par- teien einen gewissen Standpunkt eingenommen habe. Äaatssetretär Weltmann: Ein« Kritik an einer Regierung hat mit ferngelegen, ich habe lediglich«ine interessant« Tatjach« fest- stellen wollen. Staatssekretär Zweigert stellt sodann fest, daß die B«r- ordnung in der Fassung der Regierungsvorlage ange« nommen ist. Volkspartei- dingeldumdey! ,Oaß in Deutschland sich der Sozialismus auch im nationalen Gewände zeigt, ist die schwere Gefahr, der wir begegnen müssen.- vingewey im zentralvorstand der»»l'-pwei. Otto Braun in Dresden. Nazis werfen Tränengas- und Stinkbomben. Tagung des partelausfchuffes. Gtellunguahme zu organisatorischen Fragen. Der Parteiausschuß trat am Dienstag zusammen, um zu organisatorischen Fragen Stellung zu nehmen. Der Parteivorfitzende Genosse Wels eröffnete die Tagung mit einem warmherzigen Nachruf auf A d o l p h H o f f m a n n. zu dessen Gedenken die Anwesenden sich von den Sitzen erhoben. Der Parteiausschuß beschäftigte sich dann nach einem ausführlichen Referat des Genossen Wels in längerer Debatte mit der jungsozialist.ischen Bewegung. Allgemein wurde darüber Klage geführt, daß die zungsozialistische Be- wegung in Bahnen geleitet wtrd. die der Partei nicht förder-. lich sind. Setne Ansicht faßte der Partetausschuh in folgendem Gutachten für den Parteivorstand zusammen: „Der Parteiausschuß billigt den Beschluß der Berliner Be- zirksleitung auf Auflösung der Berliner Ortsgruppe der Jung. sozialistischen Vereinigung. Da die jungsozialistische Bewegung in ihrer heutigen Form den Anforderungen einer gesteigerten Werbearbeit unter der jungen Parteigenossenschast nicht entspricht, wird der Parteivorstand ersucht, ein« Reorganisation dieser Bewegung vorzubereiten, die die Möglichkeit schafft, die Werbung?- und Schulungearbest der jungen Parteigenossen aus breiterer Grundlage durchzuführen und eine engere Verbindung zwischen dieser Arbeit und der allgemeinen Tätigkeit der Partei herzustellen. Dadurch soll der berechtigte Aktioitätsdrang der Jugend In einer der Gesamtbewcgung nützlichen Weise ausgewertet und die innere Geschlossenheit und Schlagkraft der' Partei gesteigert werden." Die Stellung der Partei zum Reichsbanner wurde ebenfalls eingehend besprochen und entsprechend der Stellung des Parteivorstandes einstimmig gebilligt. Sodann erstatteten die Genossen Hermann Müller» Franken, Dr. Hertz und A u f h ä u s e r eingehend Bericht über die Parlamentär isch-politische Situation. Mahnung an die Hochschulen. Giimmes Appels an d e Professoren. In der schon erwähnten Konferenz der Hochschulrektoren beim preußischen Minister für Volksbildung, Kunst und Wissenschaft be- tonte Minister Grimme in seiner Ansprache, er habe volles Ver- ständnis dafür, daß Jugend auch einmal über die Stränge schlage. Es wäre auch noch kein genügender Anlaß für eine derartige Aus- spräche, wenn nichts weiter vorläge als ein Hmübenvirken allgemein politischer und wirtschaftlicher. Beunruhigung in die Hochschulen hinein: derartig« Zusammenhänge seien selbstverständlich vorhanden und auch früher vorhanden gewesen. Man könnte volles Der- ständnis für die seelisch« Lage der Studierenden und ihre Vorbedingungen haben, wie der Ministerpräsident ihm noch kürzlich Ausdruck gegeben habe. Ausschreitungen, wie sie im Ansang dieses Semesters mehrfach vorgekommen feien, könnten aber keinesfalls geduldet und chr« Wiederholung müßte unbedingt verhindert werden. Der Minister fuhr fort: „Wenn Gruppen von Studenten Hochschullehrer um ihrer politischen und weltanschaulichen Gesinnung willen iiz der wüstesten Weise beschimpfen, wenn Männer, die ein ganzes lange» Gelehrtenleben mit ungebeugtem Mut der Idee geopfert haben, um ihrer Gesinnung willen befchimpst werden und der Gs. sahr ausgesetzt sind, tätlich angegriffen zu werden, wenn di« Antritts- Vorlesung eine» Professors um deswillen gestört wird, weil unter seinem Rektorat einem hochverdienten, von mir persönlich wie von wetten Kreisen politisch Andersdenkender verehrten Staatsmann der Ehrendoktor verliehen ist: wenn versucht wird, mit Gewalt Kund- gedungen der Staatstreu«, der Treue zur Re» publik, zu verhindern, wenn durch Zusammenrottungen und Bedrohungen aus Beschluß eines Senats Einfluß zu nehmen oersucht wird, dann muß bei allem Verständnis für die Seclenlag« der jungen Menschen die Hochschul« und die Regierung m�t Festigkeit eingreifen." Die akademisch« Freiheit setz«— so schloß der Mnister— eine ander« Idee voraus, ohne die sie nicht wäre:„Die Idee der Toleranz." Er rief dann die Rektoren zur Mitarbeit auf, um die Freiheit der Hochschulen und der wissenschaftlichen Atbeit zu wahren. Es müsse verhindert werden, daß die Achtung, die die Hochschulen in der Oeffentlichkeit genießen und ohne die keine öffentliche Institution und kein Privileg bestehen könne, verloren gehe. Polizei und Hochschulrecht» Der preußische Innenminister hat an di« Ober- und Regierungs- Präsidenten sowie den Polizeipräsidenten in Berlin nachstehenden Runderlaß gerichtet: „In den Universitäten verschiedener Städte ist es in den letzten Tagen zu«rheblichenAusschreitungen der Studie- renden gekommen. Die akademisch« Freiheit ist durch Terror und Gewalt zerstört worden. Bis zu den Türen des Senats hin haben sich ebenso wie vor den Universitäten beschämende Szenen abgespielt, die«in Tingreisen der Polizei zur Wiederherstellung der gestörten öffentlichen Ruhe und Ordnung erforderlich machten. gegenüber den im Anschluß hieran nicht nur von feiten der Studentenschaft in der Oeffentlichkeit geäußerten Zweifeln über die Rechtmäßigkeit des Vorgehens der Polizei auf dem„Boden der akade. wischen Freiheit" stelle ich-» bei voller Anerkennung der akademischen Obrigkeit in allen rein akademischen Fällen und Geschäften— mit Nachdruck fest, daß, wie überall, die Polizei zur Sicherung und Wiederherstellung'der öffentlichen Ruhe und Ordnung auch in den Gebäuden und Anlagen der Univer- sttättn oder Hechschulen berechtigt und verpflichtet ist. Die Befugnisse der allgemeinen Polizei gegenüber den Univer- sttäten, ihren Organen und ihren Besuchern sind weder in sachlicher noch örtlicher Beziehung irgendwie beschränkt. Die Polizei hat toher nicht nur aus Anfordern der Unioersilätsbehörden mit möglichster Beschleunigung mit den der gegebenen Lage eut- sprechenden Kräften einzugreifen, sie ist vielmehr darüber hinaus im Rahmen' ihrer allgemeinen Pflichten gehalten, vorbeugend all« Vorkehrungen zu treffen, um gegebenenfalls auch ohne Anforderung die Aufrschterhaltung der öffentlichen Ruh« und Ordnung in den Unioersttäten zu gewährleisten." vülowb Ednruruugetl. Auf Antrag des früheren Res«. runasrats-im Reichsamt des Innern. Rudolf Martin, war dem Ullstsin-Berlag in einer einstweiligen Verfügung untersagt worden. den zweiten Band der Memotren Bülows ohne Entfer- nuno der Martin betreffenden beleidigenden Stellen wester zu ver- äußern Der von dem Ulsstein-Verlag gegen die Verfügung er- bobene Einspruch ist nunmehr abgewiesen und das Brr- bot auf Antrag Martins auf zahlreiche von ihm benannte Sorti- memsbuchhandlunoen auegedehnt worden. Die Verletzung des ««bot» soll durch eine vom Berliner Landgericht I noch sestzu. ytaade Strafe geahndet werden». Dresden, 2. Dezember.(Eigenbericht.) Der preußische Ministcrprästdcnt Braun sprach am Dienstag- abend in zwei überfüllten Versammlungen in Dresden. Der größte Versammlungsraum im Zirkus und der mächtige Saal des Aus- stellungspalastes waren überfüllt. Rund 10000 Menschen waren dem Rufe der Sozialdemokratie und des Reichsbanners gefolgt. Wie vor«inigen Wochen in der Löbe-Versammlung hatten auch diesmal die Rationalsozialisten, und zwar in verstärktem Maß«, Tränen- gas- und Stinkbomben in den Zirkus gelegt, di«, als st« z«r- tretet, wurden, den ganzen Raum verpesteten. Wenn dadurch natürlich auch Unruhe entstand und der Aufenthalt im Zirkus qual- voll wurde, so erreichten doch die Gegner ihren Zweck nicht. Die Versammelten blieben zur Stell« uich hörten di« Aus- führungen des Genossen Braun in Ruhe und mst starkem Interesse an. Braun entwickelte, obwohl er sichtlich unter Beschwerden litt. ein klares BW der heutigen politischen Lage. Er zeigt« die Ursachen dee Anschwellens der nationalsozialistischen Bewegung auf. die in den Verhältnissen der Kriegs- und Rachkriegszest und in der heute aufs höchste gestiegenen wirtschaftlichen Rot liegen. Breit« Volks- massen machen zwar den Staat für diese Rot verantwortlich, ver- gessen aber, daß sie selbst der Staat seien Er brandmarkte die demagogischen Lügen der Nationalsozialisten hielt scharf« Ab- rechnung mst Hugenberg und setzte dem Sturm auf Preußen und dem Rufe nach einer Diktatur den angespannten Willen der Sozialdemokratie und des Reichsbanners entgegen, den republikanischen Staat auch in diesem schweren Notwinter gegen Hakenkreuz, Stahlhelm und Sowjetstern bis auf« äußerste zu ver» teidigen Das verstärkte Verantwortlichkestsgesühl in den breiten Massen der arbestenden Bevölkerung, das sich jetzt allerwärts zeige, werde die Sumpsblume des Nationalismus zerbrechen lassen. Dazu werde Preußen, das in langen Jahren ruhiger Entwicklung aus einem Hort der Reaktion ein Hort der Republik geworden sei, das seinige tun. Den großen Worten und dem leeren Programm der Gegner, der westverbreitcten Derzweiflungsstimmung würde d« m o- tratische Vernunft und st arte Disziplin entgegengesetzt werden. Beide Versammlungen zeichneten sich aus durch die in Dresden noch nie gesehene Größe des Aufmarsches. Die Massen ruhiger, geschulter und entschlossener Menschen haben gezeigt, daß die Dresdener Sozialdemokratie, heute mehr denn je. fest geschlossen. polstisch gereist und opferwillig, berest ist. mst allen Mitteln die deutsche Republik zu schützen. Krawall in Oarmstadi. Störung der Landtaasverhandlvngen. Darmstadt. L. Dezember.(Eigenbericht.) Anläßlich des Wiederzusammenirttis des Hessi» fche n Landtags am Dienstag hosten die Kommunisten und Nationalsozialisten eine mehrhundertköpsige Menge zum Zwecke einer Demonstration vor das Landtagsgebäude delegiert. Auch die Tribünen des Landtags waren durch radikal« Elemenle überfüllt. Trotz wiederholter Verwarnungen des Präsidenten störten diese die Verhandlungen des Landtags durch Zwischenruf« und Händeklatschen. Di« Störungen wurden schließlich so stark, daß di« Tribünen auf Anordnung des Präsidenten durch die Polizei geräumt wurden. Skandal über Skandal. Tordieus Kabinett in Nöten. Pari». 2. Dezember.(Eigenbericht.) Ministerpräsident Tardieu hat am Dienstag seinen Mehr- hestsparteien, auf deren Treue er augenscheinlich ein unbegrenztes Vertrauen setzt, in einem Kommunique mitteilen lassen, daß er nicht daran denk«, zu demissionieren; denn dies hieß« nichts anderes als kapstulieren. Inzwischen ist— wie es heißt— die Untersuchungskonimission im Oustric-Skandal zu veruichtendeu Icslstelluogen gekommen. Der Vorsitzende der Kommission, der reaktionäre Abgeordnete Marin, scheint auch keineswegs gesonnen zu sein, im Interesse der Regierung irgendwelche Dertuschungsmanöver vor- t zunehmen. So hat die Kommission beschlossen, di« Akten über di« Zulassung des ersten Oustric-Wertes an der Pariser Börse, der Aktien der Lunsffeidewerke Snia Discos«, sofort zu veröffentkichev. Zu allem Unglück für Tardieu kommt hinzu, daß der Unterstaats- fekretär für den technischen Unterricht L i l l a z am Dienstag wegen einer sehr dunklen Wechselfälschungsasfär« vom Unter. suchungsrichter vorgeladen wurde. Außerdem will man in parla- mentarischen Kreisen wissen, daß der Unterstaatssekretär im Ko- lonialministerium Delmont«benfall» im Oustric-Krach kom- prymsttiert sei.__ Cifletmachfolgcr für Adolph Hofs mann im Preußischen Land- tag ist die Aerztin Genossin Dr. Käthe Franken hol. Käthe-Oorsch-premiere. deutsches Künstler-Theater:„Zum Goldenen Anker". Liebesidyll in einer Marseiller Hafenkneip«. Der Jüngling hat die große Sehnsucht in die Fern«, und Fanny» Lieb« kann ihn nicht halten. Der Verfasser Marcel Pagnol bringt zuerst sehr hübsche Milieu- und Typenzeichnungen, läßt aber dann die Komödie rettungslos ins Rührselige abrutschen. Viele Tränen rollen ins Parkett. Denn die Fanny spielt die Dorsch. Endloser Beifall noch lange nach dem Fallen des eisernen Vorhangs für st«, Jakob Tiedtk« und den Regisseur Heinz Hilpert. v«r. Wieder ein mazedonischer Mord. Auf offener Straße der Hauptstadt. f � Sofia, 2. Dezember.(Eigenbericht.) Dieser Tag« wurden zwei mazedonische Terroristen wegen der Ermordung eines gegnerischen Journalisten zwar verurteilt, der mit» angeklagte Terrorchef Iwan Michailoff aber freigesprochen, da ihm die Anstiftung'nicht nachzuweisen sei. Das wirkte als Er- munterting zu weiterem Terror, wie sich heute gezeigt hat: Der mazedonische Schriftsteller uud Führer Raum Tomal- gewski wurde in Sofia auf der Straße ermordet. Tomalgewski, der Nachfolger des vor zwei Iahren ermordeten Generals Pro-. togorow, halte gegen die Terrorlsteugruppe um Iwan INlchallosf seil ZNovakea eine heftige Fehde geführt. Zwischen den beiden Mördern, die mit Karabinern bewaffnet waren, und dem Leibwächter des Ermordeten sowie den herbeigeeilten Po- lizisten entstand eine regelrechte Straßenschlacht, in deren Verlauf der Leibwächter schwer und einer der Mörder leicht ver- wandet wurden. Nach längerem Widerstand konnten die Meistäter überwältigt werden. Sie waren von dem Terroristenfuhrer Michailofs zu der Mordtat gedungen worden. An der Leiche Tomalgewskis brachen dessen Freund» und eine große Men- schenmenge in empörte Rufe gegen die Regierung L i a p t s ch e w au», die die Mordtaten der Michailoffisten unge- straft lasse. Carol und Cuza. Nasche Folge des Pogrom iflenempfonaS. Der rumänische König hat den wüsten Ptgromhetzer Enz», semes Zeichens Hochschullehrer, empfangen— um sich von ihm beraten zu lassen. Zwei Tage darauf gtngs schon los. In Braila tagt ein Studentenkongreh, an dem hauptsächlich extrem-nationa- listische Hochschüler teilnehmen. Am Montag nachmittag„besuchten" etwa 60 Mann die Nachbarstadt Galatz, wo sie unter Gejohle in die Stadt einzogen. Hier warfen sie die Auslägen der jüdischen Ge° lchäft« ein und demolierten die Kassen räume der Moldauer Bank. Jüdische Passanten wurden blutig g c- schlagen. D>« Polizei nahm«v« passive Haltung ein. Tägi. S u.S1!, Uhr. 3 Barl). 623B Tägl. 1— 6 M.— NüChm. halbe Preise Ortfllrai 3 Fratellini, Disatanos Paul Klrklanu usw. Tlgl. 5 i. S's Sonnt. 2, 5 u. S' Alex. E 4 806S Vorstellung 50 Pf. bis I M. II. und III. Vorst. 1 bis 2 M. |Liliputaner-Revue Meiler und Wagner 4 Rastel Ii's usw. ROSE . T h« at e r Gr.irrAiikfnrrerStr.182 Bin.tUutM; Alu 3422 u. 3494 . TäPlich 8 IS Sonnabend 7 und 10.13 Sonntays i.30, Z4> u 9 Uhr |,.DerDlenerzwelerHerren"| von Hruu Rom n „Dl« schöne Calathee" mit Traute Boso „Erster Klasse*' all E<°(ir Kaniseh oad Kurt UlknUkl, Preise von 9j Pf bis S HJ. (Garderobe u. Programm je 45 Pf, aber kein Zwang) Theater für Kinder: »Peterchens Mondfahrt4 Mittwoch 6 Uhr. Bounabend 4« Uhr, Familien Nachmitiapc Jeden Montag 5.30 Uhr; l9Kukull4< Jeden Dienstag, Donnerstag und Fre tag 5» Uhr; „Familie Hannemann44 Preis« für Märchen- und Famlllan-Nf.chmitt-o«: Von 30 Pf. bis l.SO Mark. Garderobe und Programm je 1 0Pf., Kaffee m. Kuchen 25Pf. Kleines iheai. Täglich 8>i üb i br groll l;.l!;lilir(iilg! Max Adalbert in Der Mann, der schweigt Neues Theater am ZOO mmmm iflalnxioo. StpL 1554 Tägllcn M/i Uhr KU betritt dldi aar aas Liebe Bit EnmiStiinii als Gast. Mit woch und Sonnsbend 4 Uhr Sonntag 3 Uhr ttmidt Saojredti Fahrt in Härüisnliai metropoMiieaicr Heute Vb Uhr Lei ärpremlere Schön ist die Weit ISduulTrJliir. Gitta lliiiir, Uilheml. i.15 Cht- tfimbon or»Ulli Alex Bydc sod»Iii- 1» irnücal-laulos 4 Kairevs, Hsificr-Ki'ppe.Willi Sdwftin»>». | Sv. Th. Ith Admlraispälast SV.| CsdrddsfürsYin Beate oadSoaBa')eail3,i Uhr: [ HAILIAS Märchon- Revue i Fraa Holle. 7i Pf— 3.50M. »1 SASINÖ-THEATER Lofhrin4cr StraAe 57 tend letzt emea VolKsbUhnej Thntai am Bllowalat;.! » Uh' 1 31« Ifatrosen «on canaro Staatsoper 3m Pl.d RepuhliV 8 Uhr Zaus Helling >i«atlJdiill?r-Ti. 8 Uhr Nora Theater am «tni ntauerdamm m uh- Dieanadrator des Kreises Rose- Iheater Br.fronunnerStr.u: Tel. Alex 3422 u. 3494 i Uhr Pelerdiens Mondfahrt SIS Uhr, Der Diener zweierHeiren Die schöne Galatbce Erster Klasse leotsoies itiBäiEi • 8 Uhr Elisabeth von England vonFerd rrnckner BMie: Heinz Hllpwi Hammerspiele �■7 Üb. Neu einstudiert Oer Diener zuieier Herren von Carlo Coldonl Baaln Mai Beinbanit Die Komödie 8';. Uhr' Der Schwierige in Sgge von Fefmionsth«' iltgie: Mai Reinhanlt. Beaisches Künstler-Then. Särtiir.3937.(v.Ohr 8'/» Uhr: Zum ooläenea Anker ,«u Käme Comb Mitt., So, Stg. 4 Ch; EmilB dieCetEktive von M 0.50 an Renaissance- Iheater Stein platz 6780 tVa Uhr SocatgJJOfliaüiiPr.) VoroDtersodiuns von Max Alsberg und O E- Hesse Bamwsliriiillinen Thaalcr In dai SlrEseraannslt. Haute, Sh', Stj. B'.< Uh, Helo v Hen y Bernstein DeiitsdieillliitallailiilMtlia«1 Sonnctslae, 4. Oeiembee, obenhd 6'> Ultr. in bea Allan«• Jeflfdlen ((Beobre Saai), Behm- Ode Bohllc. lllmtrntuuBbaänhOf®c:uubbrunncn) Uersammiung aller im OIYIV.«rganiserten KolieTe.i. die aei der ceruner uerkehrs-ds. heschöttigt s nc. Tagesordnung. I. Der aUnaOarbeitf rftcetf und feine Lehren !. Au.farache. 8 B Irl /bsangelegenheiten und Berschte» dcnes Ohne Mitgliedsbuch und Dieukausweis fein äuttittl Da» Erscheinen aller Rollegen ifl Pflicht Mo OrfsTcrwaUnnR. [iieatcrd. Wesieo! Täglich Vi Scnsationeilef OperHfenerfoig i Viktoria und ihrHusar dliteSänger Kottbusset Sir. b F.d. Oberb. 6070 Tigt 6 V« U-»uch Sonntar und 3 Feierta-' 3'» Uhi J? Wei n-dils- fe |S| croBcs in f.eliioaaus "1* las. spiel IiiBk. 11-1.(bnft.tbi 0 er fierlin Neu! Neul sotSerdamn. Oerttciifdiie Lebemann Dako da« grobe Fealprogranun FPr die Leser; Outschein 1—4 Pers. Fautcuil 1�5 M Sessel 1.75 M— Sonstige P-eise: Rang 60, Parken 75 Pfg. Heute*v« Uh' Erstaufführung Sie Quadratur des Kreises Komödie v. Kataiew mit: Börler. Ltnja. Bat.- maim. lorre, Uagea, Marlini xnmisene uper 8>a Uh- Flamme von Hans MO'Ier mit Cbristl Storni Täglich 3"! Uh. sonrmum citan und ll.s 7 Zwer.6 Reichshalien-Theater SIlaBeadlidi[T] uaii jonalaa, aadrai. P7-! Stettiner Singer „Peptid vor Gertdik." bbI du aoden jroBa Programn! Nachm. balbe Preise! Dönhofi- Breul: Oa* grohe Var leiäp rogramm 1 Tank! pin üjmim Singspiel in vielen Bl.djrr I Cnin. Spira, Hansen, Lleshe. Wallbnrc, Arno. Janbnlm. Fanl BOrblger, lern Sehaeflers, Wlnhclstern. Solls. Drsni. Starb» C'sict(enbaucr. «rlglnal Tlralrr 44 aischcni Ansor, Original T roter Jadlrrlnnrn.Qnlnlett.{ Olnslh'Trlo ans Selilieicee. I Jaxs-Band UlrU u. Boys Gross« Ch Ar«. Ucr Zelt rnlsprceben.l sind, trots des 1 riesigen Andränge,.«EQ/,«r. Z die Bassen,.relso»n> M*** Ii mAulc*. Sonntag� BISna 1 Naehmltlag 4» UHr Ortglnmlbesetciuig B 1 1 1 i ge 4* reise. Piscalor-Bölme (Wallner- Theater) Alex. 4592-93. 8>/«� täglich"V. Mond von links Preise 0 50-1 00 M. mit Jeanette MacDonald, Lupine Lane und Liilian Roth Regie: Ernst Lubltsch Manuskr pt: Ernst Vajds und 6uy Bolton 645 9" ÄSl": 4S0 645 9U /fccbentagsi # Ufa-Palast am Zoo vorvsrk. bat Werths. m u. 12-2 im Theater Tel. Barl». 2771 . rlginalaulnahmon nur auf Claetrola Alles ohne Geld! Nu bdi TrUUUmg tieter« UH iuOge. Ulster. � Paitlo loppen. lettwäittiB,' . isttiwasfflB, HenenwJjttiB. mniirgn.� -eitdezea. sicppaato«. 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Der aufgesdiütletf Boden hat sich jetzt genügend gesenkt, so daß mit der Anlage des Grünstreifens in diesem Jahre begonnen werden konnte. Das eigentliche Kanalbett ist nur wenige Meter aufgeschüttet, die Einfassungsmauern sind erneuert worden und breite Treppen führen von der Straße in diese Grünanlagen. Einzelne Strecken der neuen eigenartigen Schmuckanlage sind sdion vollständig fertig,* so der Teil vor dem alten Berliner Gemerksdtaflshaus am Engelufer. An dem ehemaligen Engelbecken ist in diesem Jahre audi schon recht fleißig gearbeitet morden. Die Mitte des Beckens soll zu einer weiten II asenf lache ausgestaltet werden, um die herum Lauben gänge gezogen werden, die dem Großstädter audi an heißen Tagen einen adiattigen Ruheplatz bieten sollen. Der gesamte Grünstreifen, der dann das ganze Viertel durchschneiden wird, soll später eine einheillidic Bezeidwung und zwar C ar l- Legten- Promenade erhalten. Auch das siädtebaulidie Bild dieses Viertels hat sidi geändert. Neben dem roten Backsteinbau des allen organisierten Arbeitern gut bekannten Gewerkschaf tshauses wuchs unmittelbar am Engelbedcen ein neues Gemerksehafts- h aus in die Höhe. Der Verkehrsbund hat diesen Bau begonnen und jetzt wird er vom Gesamlverband zu Ende geführt. Das fünf Stock hohe Haus, ein Werk der Architekten Taut und Hoffmann, beherrscht das Straßenbild. Breite Bänder zwischen den einzelnen Stockwerken, die über die ganze Front laufen, betonen die Horizontale. Das obere Stockmerk ist etwas zurückgezogen; dadurch wird eine gute Lösung des Dachproblems erreicht. Das ganze Gebäude ist ein gesdilossener Block. In diesem neuen Gemerkschaf tshaus werden sämtlidie Büros der im Gesamtoerband zusammengeschlossenen Gewerkschaften untergebracht, außerdem eine kleine Hausdrudcerei und mehrere Sitzungssäle. Audi dieser neue Bau ist ein sichtbares Zeidien der Macht der Gewerkschaften, der Macht der organisatorisch zusammengeschlossenen Arbeiter sdiaft. Tragödie im poHierfcUer. Selbstmord und Gasexplosion. Im£aufe Potsdamer Strohe 46 ereignete sich gestern früh in der Kellerwohnung ds� Portiers öd), eine heftige Gasexplosion. Die herbeigerufene Feuerwehr fand den Portier tot , auf., wahrend seine. Frau mit�chwere» B r.a-ii'dve.rl«h lt.ng e n .«>» Äopf und an den Jhimdctt in» GUjaheth�Kranfenhaits gebracht werden inuhte.•.•:--? Sch. lebte mit seiner Frau in Unfrieden, und wiederholt soll der Mann Sclbstmordabsichten geäußert haben. Als Frau Sch. gestern die Wohnung verließ, um in der Stadt einige Besorgungen zu machen, benutzte der Mann ihre Abwesenheit, um sich d u r ch Gas zu vergiften. Er drehte in der Küche die Gashähn« auf, wo er sich dann auf ein Ruhebett niederlegte, um den Tod zu er- warten. Als Frau Sch. erst nach einigen Stunden heimkehrte und die dunkle Küche ahnungslos mit einem offenen Licht betrat, ent- zündeten sich die Gase unter heftiger Detonation. Durch Stichflammen gerieten die Kleider der Frau in Brand. Passanten eilten der Ungl>icklid)en, die, laut um chilfe rufend, auf d'e Straß« lief, zur chilfe und brachten sie ins Krankenhaus. Tüe Leiche des Selbstmörders wurde ins Schauhaus gebracht. Hier wurde festgestellt, daß der Tod durch die Einwirkung der Gas« lange vor der Explosion eingetreten sein muß. Banditen im Luxuszug. .-. Naububerfall im Eisenbahaabteil. Bukarest, Z. Dezember, sLigenbericht.s. A.n Dienstag wurde in dem Simplon-Expreß unmittelbar nach der Ueberfahrl des Zuges aus rumänisches Gebiet auf die Passagiere eines Einzelabteils erster Klasse von zwei maskierten Van- diten, die mit Revolvern bewaffnet waren, ein Uebersall verübt. Die Banditen raubten Juwelen und 200 000 Zll. Bargeld, konnten jedoch, nachdem der Zug durch Ziehen der Rotbremse zum Halten gebracht worden war. verhastet werden. Cs sind inter- nationale, in Ungarn gebürtige. Expreßzugdiebe. Der Simplon-Expreß ist ein teurer Luxuszug und meistens ziem- lich schwach besetzt. Er fährt von Paris über die Schweiz und Italien nach Südslawien und Rumänien. Tragischer Schülerselbfimord. Tagelang umhergeirrt!— In einer Villa erschossen. Das seltsame Verschwinden eines 14jährigen Schülers aus Zehlendorf hat mit dem Selbstmord des Jungen eine tragische Aufklärung gefunden. Am 29. November hatte sich der lljährige Sohn des Reichs- bahnrats Rosenöerg aus Zehlendorf aus der Wohnung seiner Eltern.entfernt und blieb-seit dem Tage verschwunden. Am ver- gangenen Montag hatte der Junge noch Verwandte in Köpenick, die von dem Streich nichts wußten, besucht/ Von da an ging jede Spur verloren. Wie sich weiter ergab, hatte der etwas phantastisch veranlagte Schüler«ine alte Pistole seines Vaters und etwas Munition mitgenommen. Da nicht angenommen wurde, und auch kein Grund zu der Befürchtung vorlag, daß stch der Junge ein Leid antun würde, hielt man mit einer Veröffentlickzung der Vermißten- anzeige zunächst noch zurück. Diese Hoffnung hat sich leider als trügerisch erwiesen, denn noch in den gestrigen späten Abend- stunden mußte den bangenden Eltern die Mitteilung von dem Selbstmord ihres Kindes gemacht werden. Der Junge hatte sich, ver- mutlich nach tagelangem Umherirren, einen Kopfschuß beigebracht. In einer Villa in der Iuttastrah« in Zehlendors bemerkten die Bewohner gegen 23 Uhr einen jungen Mann, der sich offenbar eingeschlichen hatte. Als sich der Eindringling entdeckt sah, flüchtete er. Die Bewohner glaubten, einem Einbrecher auf der Spur zu sein und benachrichtigten dos Ueberfallkommando. Die Beamten suchten das Gnindstück ab und dabei stellte es sich heraus, daß der Flüchtende in den Keller gelaufen war und sich dort einen Schutz beigebracht hatte. Das Ueberfallkommando sorgt« für die Ueberfühmng des Schwerverletzten in das Oscar-Helene-Heim, aber bereits auf dem Wege dorthin trat der Tod ein. Es konnte dann schnell ermittelt werden, daß es sich bei dem Toten uni den vermißten Sohn des Reichsbahnrats handelt. Die Seine weiier gestiegen! Lleberschwemmung im Austerlitz-Bahnhof. Paris, 2. Dezember. Die Seine ist im Dause der Rächt um weitere zehn Zentimeter gestiegen. An der Austerlihbrücke wurden b.08 Meter gemessen. Das Masser ist in die Keller des A u st e r l i h b o h n h o s s einge. drungen und wird zur Zeit ausgepumpt. Da der Wasserzufluß von der Marne und der Ois« nach- zulassen scheint, hofft man, daß der kritische Punkt überwunden und auch die Seine bald wieder auf ihren normalen Wasserstand zurückgehen wird. Berliner in Krankreich verunglückt. Ein denlsches Aulomobil, das bei m o n k p e l l l c r in d«r vergangenen Rächt in die Schranken eines schlecht beleuchteten Bahnübergangs hineinfuhr, wurde von dem im gleichen Augenblick durchfahrenden Zug erfaßt und eiwa 200 Meier weit geschleisi. Der Führer, der 4S Jahre alte Ewald Priebe ans Berlin- M i i m e r s- dorf wurde auf der Stelle gelötet. Sein Begleiter, dessen Per- iönlichkeit noch nicht feststeht, starb im Krankenhaus von Moni- pellier. Die beiden. Deutschen wollten sich nach Barcelona begeben. Wieder ein Eiseubahnattentat! Auf der Streck« Horn— Bedburg(Reichsbahvdirektioii Köln) fuhr ein Personenzug in der Nähe des Schrankenwärter- Postens 2 Zieverich, zwischen den Vahnhösen Zi e v e r i ch und Pfaffendorf, auf einen Hemmschuh auf und wurde zum Halten gebracht. Der Hemmschuh war von Unbefugten auf das Gleis gelegt worden. Für Ermittlung der Täter hat die Reichsbahndirektion Köln unter Ausschluß des Rechtsweges eine Belohnung b fe zu 500 M. ausgesetzt. Sein Blut wallte heiß und das ihre bedurfte nur des Anstoßes. Er legte den Kern zu einem neuen Leben in Marias Schoß. Bon dieser Stunde ab war sie gefügig und folgte ihm willig. Nach den Festtagen nahm er mit voller Kraft seine Tätigkeit wieder auf. Eine innere Stimme sagte ihm, daß er jetzt sich noch inehr abrackern müsse als früher. Er hatte eine Reihe von Plänen im Kopf, und wenn die sich verwirk- lichen sollten, so hieß es für ihn. Geld herbeizuschaffen. Mit jeder Mark, die er verdiente, peitschte er sich auf. Es wuchs seine Gier nach Besitztum und Macht. Um seine Frau kümmerte er sich außerhalb des Bettes nicht viel. Abends, um sieben, wenn die Gesellen Schluß gemacht hatten, kam sie zu ihm in die Werkstatt und brachte ihm das Abendbrot. Während er aß, plauderte er mit ihr über die Tagesereignisse, soweit er ihnen zu folgen vermochte.� Sie sügte sich überraschend schnell in seine geschäftliche Art des Denkens, verlangte nicht mehr viel von ihm. stellte gar keine Ansprüche und war schon zufrieden, wenn er nicht allzu spät von der Arbeit kam, damit sie mit ihm das Bett teilen konnte. Das schien ihr und auch ihm zur Zeit der In- begriff alles Schönen in der Ehe: denn weiter kannten sie nichts. Höhere geistige Interessen, die sie hätten verbinden können, besaßen sie nicht. An beider Himmel strahlte nur eine Sonne: Geld, Geld, Geld! » Eines Tages kam Maria am Abend mcht in die Werkstätte. Ludwig wußte, warum. Er mochte die Werkstätte eine Stunde früher zu als ge- wohnlich und eilte im Lausschritt den kurzen Weg zu seiner Wohnung. Als er die Korridortür aufschloß, drang ihm Kinder- schreien entgegen. In der Stube sah er das Neugeborene neben Maria liegen. Flüchtig küßte er die Wöchnerin auf die Stirn und fragte:„Ist alles gut gegangen?" Statt ihrer antwortete die Schwiegermutter:„Schwer war es!" „Ist's ein Junge?" „Ein Mädchen!" sagte Maria matt. Da verlor er den Rest aufkeimender Freude und ging wortlos in die Kammer nebenan, um dort schriftliche Ar- Veiten zu erledigen. Während Maria erschöpft den wohltätigen Schlaf einer jungen Mutter schlief, saß Ludwig bis zum frühen Morgen über Rechnungen und Bestellscheinen, rechnete und rechnete, verglich und verglich, addierte seinen Umsatz vom letzten Jahr, dachte an sein ansehnliches Guthaben bei der Bant und fand, daß feine Mühe und seine rastlose Arbeit eigentlich viel mehr hätten abwerfen müssen. Aber jetzt, wo seine Familie Zu- wachs bekommen hatte, wollte er noch intensivere Arbeits- kraft einsetzen, um zu versuchen, seine Pläne zu verwirklichen: eine größere Werkstätte in einem geräumigen, modernen Fabrikgebäude. Etwa in der Frankfurter Allee. Dann vor allem mehr Maschinen und auch neuzeillichere. Denn das hatte er längst erkannt, daß eine Maschine, auch die kleinste, mehr leistete als zwei Gesellen zusammen-.. � Den Saal wollte er voller Leute stellen und dann Arbeit ranholen, Arbeit! Wenn er dann auf dem Posten war und durchhielt, ja, dann konnte er wohlhabend, wenn nicht sogar reich werden. Sein Bankkonto bewies ja, daß so etwas durchaus im Bereich der Möglichkell lag. Das war vorhanden, in Be- legen ausweisbar, nicht etwa nur äffender Traum. Also ran, die Summe verzehnfacht! seine Tochter, an die erst vor Stunden Er dachte geborene. Eigentlich war das kleine Menschenkind ein Strich durch seine Rechnung. Ein Junge wäre ihm lieber gewesen, wahr- haftig. Der Junge hätte dann später sein Nachfolger werden können. Der hätte es mal leichter gehabt als er. Er hätte den Knaben auf eine der neumodischen Gewerbeschulen ge- schickt, die jetzt überall eingerichtet wurden. Da konnte er was lernen und brauchte nicht derartige Schinderjahre durch- zumachen, wie sie ihm beschieden gewesen waren. Doch vor- läufig war der Junge noch gar nicht da. Wer weiß, ob der überhaupt kommen würde. Eine steile Sorgenfalte stellte sich in seine Stirn. Aber rasch glättete sie sich wieder. Vielleicht war ihm doch das Glück hold und Maria gebar ihm einen Sohn. Was aus der Tochter werden könnte, darüber zerbrach er sich jetzt nicht den Kopf. Da war in zwanzig Iahren noch Zeit dazu. Der neue Arbeitstag graute schon durch die Fenster, als er sich angekleidet auf sein Bett warf, um wenigstens einige Stunden zu ruhen. Ueberm Einschlafen mußte er an Hunds- kötter denken, dem er kürzlich von seinen Plänen gesprochen hatte. Der alte Patriarch hatte sich ehrlich über seine kühnen Absichten gefreut und hatte ihm seine volle Unterstützung zu- gesagt. Doch gleich darauf, noch während er die Brille putzte. waren ihm Bedenken gekommen, und er hatte Ludwig ge warnt, seine Pläne jetzt schon zu verwirklichen. „Warten Sie ein kleines Iährchen, Meister Eisermann. dann is sicher eene bessre Zeit!" hatte er gesagt. Roch ein Jahr Aufschub? Das paßte absolut nicht tu Ludwigs Programm. Aber warum hatte Hundskötter das gesagt? Irgendeinen Grund muß er doch dafür gehabt haben! Aber welchen? Diese Frage wühlte so in Ludwigs Kopf, daß er über- Haupt nicht zum Einschlafen kam. Schon eine Stunde später erhob er sich und lief in die Werkstätte. Doch auch da, im Kreischen der Sägen, fand er die Antwort auf die Hundsköttersche Warnung nicht. Das Rätsel sollte sich ihm schon noch lösen, erschrecklich genug. Aber erst später, wochenlang später. * Der Schlag kam für Ludwig ganz unerwartet. Als er ernes Sonnabends bei Hundskötter mit der Schlußabrechnung vorsprach, ließ sich der Alte nicht blicken. Rur Hundskötter junior faß allein in dem ver- waisten Büro. Er zahlte Ludwig nicht bar aus, sondern gab chm einen Scheck „Aber beeilen Sie sich, damit Sie noch rechtzeitig aus die Bank kommen!" sag�e er dabei. Das wunderte Ludwig. Ueberhaupt das ganze Gebaren. Wie kam die Firma Hundskötter, Galanteriewaren engros, zu Schecks? Sie setzte doch sonst ihren Stolz darein, alles in bar zu begleichen. Auf der Straße bestieg Ludwig die nächste Pferdebahn und fuhr nach seiner Bank.(Fortsetzung folgt.) Die entscheidende Frage. Ordnung der Reichsfinanzen— Vorbedingung für WirtschastSgesundung. vor dea Spandauer Sozialdemokralen sprach in einer : �erfülllen Mikgliederversammlung. die vom Kreisvorsihenden ..dolf G u l h geleitel wurde, Paul h e r h über den Kamps gegen Faschismus und wirlschaslskrije. Die Beendigung der Wirtschaftskrise und die Ueberwindung . er schweren Depression im deutschen Wirtschaftsleben ist im Augen- blick die große Aufgab«, die unter Einsetzung aller Kräfte gelöst werden muß. Vorbedingung für eine Besseruckg der wirtschastlichen Lage aber ist die Ordnung der öffentlichen Finanz- Wirtschaft. So lang« wir nicht mit aller Energie unsere Finanzen in Ordnung bringen, werden die ausländischen Kapitalisten nicht aushören, ihre in Deutschland investierten Milliarden zurück- zuziehen. Ohne Bereitstellung ausländischer Kredite aber ist ein- Ankurbelung der deutschen Wirtschaft nicht möglich. Nur auf der Basis einer geordneten Finanzwirtschaft kann aber auch der Kampf um die Ermäßigung der Reparationslasten geführt werden Das Notprogramm des Reichskanzlers, von dem die Regierung behauptet, daß von seiner Annahme der Kredit Deutschlands, also die Ueberwindung der Arbeitslosigkeit abhängt, hat keine Mehrheit im Reichstag, was soll nun geschehen? Da» isl die entscheidende Frage. Werde die alte Regierung gestürzt und komme eine neu« Regierung, die sich wieder auf die jetzigen Regierungsparteien stütze, so bleibe natürlich der Kurs der alte. Ein« solche Regierungsstürzerci habe deshalb keinen Sinn. Man würde eine M e h r h e i t s- regierung zu bilden suchen. Bei dem augenblicklichen Kräfte- Verhältnis im Reichstag würde die Regierungsmehrheit mit der Sozialdemokratie nicht gemacht werden können. Es würde also eine Rechlsregierung hjtler-hugenberg drohen i Käme dies« Re- gimina zustande, würde das die Auslieferung der Macht auch in Preußen an die Nazis bedeuten. Die Sozialdemokratie werde deshalb mit allen Mitteln die Bildung einer solchen Rechtsregierung zu oerhindern haben. Wir führen den Kampf gegen Faschismus und Diktatur, weil es die deutsche Arbeiterschaft vor neuer Knechtung und Unterdrückung zu schützen gilt. Arbeiterpolitik und Staatspolitik find im demo- kratischen Staat dasselbe. Das Interesse der Arbeiterklasse kann nur gewahrt werden in einem modernen demokratischen Gemeinwesen. Wer erkannt hat, daß Nationalsozialisten und Kommunisten mit aller Kraft auf die Diktatur hinzielen, die für die Arbeiterschaft keine Besserung, sondern nur ein« ungeheuerliche Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage bringen kann, wird den Kampf mit uns führen, treu zur Fahne halten und eifrig und gewissenhaft feine Pflicht als Sozialift tun. Die Ueberwindung der Wirtschaftskrise aber wird zu einem neuen Aufstieg der deutschen Arbeiterbewegung und der Sozial- demokratie führen. Die vier von der Tankstelle. Sin Taschenfeuerzeug als Revolver. Sin Raubüberfall, der in der Rächt zum Zg. Sep- tember auf die in der Thomasstrahe in Reukölln gelegene Tankstelle verübt worden war. fand vor dem Er- wetterten Schöffengericht Renkölln sein Rachspiel. Wegen Raubes hatten sich vier jung« Leute zu verantworten. Die Angeklagten, zum Teil schon vorbestraft, wurden aus der Unter- suchungshaft vorgeführt. Sie drangen in die Tankstelle ein und erbeuteten zwei Motorräder mit Beiwagen. Zwei von ihnen gingen auf den Hof der Tanlstelle. wo sie angeblich fünf Liter Venzin kaufen wollten. Um den 70jährigen Wächter in das Kontor zu locken, verlangten sie eine Quittung. Jetzt zog der eine einen Revolver, mit dem er den Greis in Schach hielt, während der andere das B«nzin in dem Räume ausgoß und droht«,„d i e ganze Bude in Brand zu setzen". Der Wächter, völlig eingeschüchtert, wagte keinerlei Widerstand, obwohl, wie sich später herausstellte, die„Waffe" lediglich«in Feuerzeug war, das die Form einer Pistole besaß. Die Räuber fuhren auf gestohlenen Motorrädern davon. Trotz der Schwere der Tat billigte das Gericht den Angeklagten mildernde U m st ä n d e zu, um sie vor d-m Zuchthaus zu bewahren. Sie erhielten zwei bis drei Jahre Gefängnis. Herabsetzung Oer Kokspreise. Achtung auf die Umlagen der Hauswirte. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit, daß in Derhand- lungcn zwischen dem preußischen Handelsministerium und der Berliner Koksver«inigung für westfälischen Schmelz- toks gegenüber dem Preise von 2,91 M. je Zentner eine 5?-rab. sctzung auf 2,78 M. frei Keller festgelegt worden ist. Der ent- sprechende Vorjahrspreis, mit dem zu vergleichen ist, habe 3,02 M. betragen. Di« Preise für die übrigen gehandelten Kokssorten sollen ebenfalls eine angemessene Herabsetzung erfahren. Die neuen Preise treten mit dem 3. D e z e m b« r i n K r o f t. Der westfälische Schmelzkoks Brech l, der in Frage kommt, wurde ab 1. Dezember von 3t.03 auf 28,30 M. je Tonne oder um etwa •9 Proz. ermäßigt. Die Berliner Kokspreisermäßigung beträgt gegen- über der gleichen Zeit des Vorjahres nur etwa 8 Pro,;. Es ist uns bekannt geworden, daß ab 20. Oktober dieses Jahres der Berliner Gaskoks von der Gaskoksvertriebs°C. m. b. H. lWirtschaftlich« Bereinigung Deutscher Gaswerke) gegenüber den Kokshändlern'um b Pfennig ermäßigt worden isb Man hat nichts davon gc- hört, baß diese Ermäßigung auch den Verbrauchern zugute kam. Hoffentlich wird diese Sonderermäßigung in der Preislist« der Ber- liner Koksoereinigung berücksichtigt. Es wird Sache der Konsumenten in den Dampf- b c i z u n g s h ä u s e r n sein, daß sie auf diese Berücksichtigung der PreiserkNäßigungen in den Koksr«chnungcn der Haus- wirte achten. Weihnachlsbitle der Gefangenen. D«r Direktor des S>raf- gefängnisses Plögensse schreibt uns: Zum Weihnachtsfest bitten auch in diesem Jahre die rund 700 Gefangenen in Plötzensee und deren Familien um«in« bescheidene Weihnacht-gabc. Ihnen zu helfen, rufen wir mitfühlende Herzen auf. uns mit Mitteln an Geld und Geldeswert, Kleidung, Heizmaterial und Lebensniiteln jegjlicher Art zu versehen. Wir verteilen all« Gaben ohne Ansehung des reli- giösen Bekenntnisses. Auf fernniündlichen Anruf Moabit, 9233/4, oder auf schriftliche Mitteilung, sind wir jederzeit gern bereit, etwaige Zuwendungen abholen zu lassen. Geldspenden bitten wir guf Postscheckkonto„Berlin 14 318" an die Strafanstaltskass« Plötzensee zu überweisen. Der sonderk Neue Näisel im Mordfall Matschke. Im Schauhaus wurde gestern die Leiche der ermordeten nfilllrenhändlerin Anno Matschte aus der Trcsckow- afie 27 obduziert. Der Befund ergab, daß der Tod durch Erwürgen eingetreten ist. Leichtere hauiverleßungcn lss Schädeldaches lasten serner daraus schließen, daß der Mörder aus sein Opfer auch eingeschlagen haben muß. Entgegen der ersten Annahme steht nun einwandfrei fest, daß an der Greisin ein Sittlichkeitsverbrcchen nicht verübt worden ist. Durch die Feststellung wird der Mord nur noch rätsel- hafter, denn auch von den Habseligkeiten der alten Frau ist nicht das Gering st e geraubt worden. Die Vermutungen über die Motive bewegen sich nach den verschiedensten Richtunzen. Der Annahm«, daß der Täter die Absicht gehabt habe, den G e l d b r i e f» träger im Laden bei der Auslieferung des kleinen Betrages von 1,75 Mark zu überfallen und zu berauben, steht die Tatsache gegen- über, daß der Inhalt der Ladenkasse und etwa 300 Mark Bargeld völlig unberührt geblieben sind. Die Mordkommisston hat in den letzten Tagen eine Reih« von Zeugen vernommen. Die größte Bedeutung ist der Aussage einer Frau beizumessen, die oni Freitagfrüh gegen 5 Uhr mit dem Mörder gesprochen zu haben scheint. Die Frau, deren Weg zu ihrer Arbeitsstelle durch die Tresckowstraße führt, wurde von einem jungen Mann angesprochen, der aus dein Flur des Hauses Nr. 27 herauskam. Unter anderem fragte er, ab Frau Matschke eme Zeitung bekomme. Als die Frau erwiderte, woher sie das wohl wissen sollte forschte der sonderbare Fremde weiter, ob st« ihm sagen könne, wann der Postbote zum erstenmal erscheine. Auch das verneinte die Frau und setzte ihren Weg fort. Sie hat noch gesehen, wie der Mann wieder ins nzus zurück- ging. Die Zeugin beschreibt ihn als etwa 25 bis 30 Jahre alt, 1,70 Meter groß, mit dunkelblondem zurückgekämmtem Haar und blassem Gesicht. Er trug einen dunklen Jackettanzug. Nach diesen Angaben ist kaum mehr daran zu zweifeln, daß es dieler Mann ist, den eine Freundin der Ermordeten, die am Freitagvormittag vor- sprach, im Laden antraf und der sich alz Bruder der Frau Matschke vorstellte. Protest der Gemeindebeamten. Gegen RechtloSmachung und Eonderbelaflung. Der Reichsbund der kommunalbeamlen und-Angestellten Deutschlands veranstaltete gestern im Zirkus Dusch in Gemeinschaft mit dem Zentral- verband der Beamten und Angestellten der preußischen pro- vinzmloerwoltungen eine sehr gut besuchte Kundgebung gegen die Rechtlosmachung und Sonderbelastung der Beamten und Angestellten in den deutschen Kommunalverwaltungcn und öffentlichen Körperschaften. Die Versammlung verwahrte sich gegen den Gcsetzentwurs der Reichsregierung über die Einschränkung des Personal- aufwandes in �«r öffentlichen Verwaltung. Die Redner. Ma- gistratsrat G u t s ch m> d t- Aerliü, BundesdireUor. Stadtrot a. D E h r m a n n, Bundessyndikus Rechtsanwalt Stacgineyr- München und der Vorsitzende des Deutsche» Beamtenbundes Flügel verlangten von der Reichsregierung die Zurücknahme des Entwurfs. Sie appellierten an den Reichstag, den Vorschlag der Regierung zurückzuweisen. Es handele sich um ein Sperrgesetz. das eine Sonderbelasumg gerade der Beamten und Ange- stellten in den�Koimmmen bedeute Gewiß sei die Beamten- und Angestelltenschaft der Kommunen und ösfcntlichen Körpcrjchastcn immer für einen vernünftigen Ausgleich in Ansehung der Notlage der Gesamtheit gewesen, aber es gehe nicht an, daß gerade diese Deamtenschicht ohne die notwendigen ausreichenden Rechtsgnrantien bliebe und so besonders stiefmütterlich behandelt werde. Die ver- antwortungsvolle staatstreue Arbeit dieser Beamten- und Ange- srelltenkreise mache es für die Verwaltung von Reich, Ländern und Kommunen zur unabweislichen Pflicht, sie vor einer Entrechtung zu schützen, deren Folgen auf die Verwaltung notgedrungen schädlich wirken mühten. In einer E n t s ch l i e ß u n g, die den zuständigen Stellen im Reich, vornehmlich dem Reichskanzler, dem Reichsminister des Innern und dem Reichsministcr der Finanzen sowie den Behörden in Ländern und Kommunen zugehen wird, fand die Meinung der Kommunalbeamten und Kommiinalangeftellten bei einstimmiger Annahme ihren Niederschlag. Kulturpolitik und Freidenkertum. Der Deutsche Frcidenkerverband hatte seine Funktionäre zu einer Aussprache eingeladen. In seinem Re- serat sprach Genosse Atax Sievcrs von den drohenden Gefahren, die der Gesamtarbeilerschaft auf dem Gebiete der Kulturpolitik in gegenwärtiger Situation erstehen. Der Redner zeichnete in großen Zügen und an Einzcldarstel- lungen aus, wie die Kirche immer mehr dazu übergehe, den Kampf osfen gegen den Sozialismus zu führen, den Bolschewismus nenn« man und die Arbeiterbewegung suche man zu treffen. In Bayern sei durch Verfügung der religiöse Unterricht bereits in den Fortbil- dungsschulcn obligatorisch eingeführt worden, dort verbiete man Versammlungen der Freidenker und erschwere die Kirchenaustritts- bewegung. In Braunschweig und Thüringen betätige sich die Nazi- regierung offensichtlich im Bunde mit der Kirche. In der Diskus- s i o n wandten sich einzelne Genossen gegen das Hineintragen eines Gegensatzes zwischen Freidenkertum und Partei. Es müßte ein Weg gefunden werden, beide Teile in gemeinsamer Arbeit zu ver- binden. In emer angenommenen Entschließung heißt es u. a.: „Die heutig« Versammlung sozialdemokratischer Funktionäre des Freidenkerverbandes fordert den Abbruch der Verhandlungen, die das Staatsmimstenum mit der evangelischen Kirche führt. Ebenso fordern wir mit aller Entschiedenheit, daß nun endlich die Anstellung der dissideittisch-n Lehrerschaft durchgeführt wird. Es ist ein schweres Unrecht, das diesen Lehrern wegen ihres weltanschaulichen Bekennt. nisses angetan wird. Die Berweigerung ihrer Anstellung steht auch im Widerspruch zum Geist und Wortlaut der Weimarer Reichs ver- fassung und bedeutet gleichzeitig eine feindselige Parteinahme gegen die Verwelllichung des Schulwesens." Der Orlsvereln ver In-Deddlnz de» velchsbanners Schwarz-Rot-Sold neranitallct am Sonntag, dem 7. Dezember, vormittag» 11 Uhr. in der Hochichulbrauerrt. Amrumer Ecke Sceiirahe ein BlaSorchellerionzert. aus- geführt von der Kapelle-de» Ortsvcreins unter Leitung de» Musikmeister» Kam. A. Habedank. we Fremde. - Eine wichtige Zeugin meldet sich. Die geheimnisvolle Postanweisung hat der Täter zweifellos unter Verwendung fingierter Namen an sich selbst auf» gegeben. Im Lauf« des heutigen Tages werden an den Anschlag- säulen photographische Reproduktionen der Postanweisung sowie Plakate mit einer Reihe von wichtigen Fragen erscheinen. Zwei freche Lleberfälle. Neuköllner Parteigenosse im Hausflur niedergeschlagen. In den gestrigen Abendstunden wurden in Reukölln und in der Röhe der öiedlung Thielallee zwei Raub- üoerfällz ausgrführt. Zn beiden Fällen gelang es den Tätern, zu entkommen. Bei dem Ueberfall in Neukölln ist das Opfer ein älterer Partei- genösse, der Kaufmann L ö w« n t h a l, der gegen 20 Uhr in seine in der Stuttgarter Str. 53 gelegenen Wohnung zurückkehrte. L. ist Grundstücksverwalter und besorgte zum Monatswechsel die Einziehung der Mieten. Im Hausflur trafen ihm plötzlich zwei Burschen entgegen, schlugen ihn nieder und raubten ihm die Akten- lasche. Der Ueberfallen» konnte noch um Hilf« rufen, so daß Passanten und Hausbewohner aufmerksam wurden. Ein junger Mann b-ob- achtete, wie die Verbrecher nach der Roseggerstraß« liefen, in ein.- dort stehend« Autodroschke sprangen und davonfuhren. Die Nummer des Wagens konnte festgestellt werden. Sonderbarerweise er- losch das Licht über dem Nummernschild, kurz nachdem sich die Taxe in Bewegung gesetzt hatte. Die Enttäuschung der Räuber wird groß gewesen sein, denn die Lcdertasche enthielt nur Akten, die für sie völlig wertlos sind. Löwenthal hat Kopf- und Gesichtsoerletzungen erlitten. Der zweite Raubüberfall wurde auf die Frau des Oberregie. rungsrats Dr. Zell er aus der Margarethenstraße in Lichterielde verübt. Frau Z. ging kurz nach 17 Uhr die Jhnesstraße entlang, die über freies Gelände führt. Hinterrücks wurde sie von einem etwa vierzig Jahre alten Manne angefallen, der sie am Halse würgte und die zu Tod« Erschrockene niederschlug. Dann entriß er der Frau die Handtasche, die 17 M. enthielt, und flüchtete. Neue Wege der Heilkunst. Nach den Plänen des bekannten Berliner Frauenarztes Dr. Heinz Zikel hat die„Asrzte-Gesellschaft" an den Ufern der.Havel bei Gatow ein vollkommen neuartiges Forschungsinstitut für Drüsen-Geschwul st krank« errichtet, das kürzlich feierlich eingeweiht wurde. Das Institut arbeitet noch einem neuen Heilver- fahren, dos verstümmelnde Eingriff« und Arzneigifte vermeiden will. Man will durch die„lebende Apotheke" heilen: Aus bc- sonderen Tier- und Blütenfarmen sollen lebende Heilkräfte von lebenden Organismen entnommen und für jeden Patienten besonders abgestimmt, auf die Kranken übertragen werden. Zu der Einweihung hatten sich neben Gelehrten, Diplomaten und hohen Beamten zahlreiche Aerzte eingefunden. Der Hauptredner des Abends, Dr. med. Hein; Z i kel. sprach über leme Heilineihodc, unterstützt durch Demonstrationen und mikroskopische riesenhaft wer- größert« Lichtbilder: Die Experimente' wurden von mehrere., A«rzt«n, die nach ihm sprachen, als neuer Weg der Hcilkunst begrüßt. Dr. Zikel hofft mit den frischlebenden Reizstoffen nicht nur Geistes- störungen, Nervenschwäche und Gcschlechisschwäche heilen, sondern auch schwierige Operationen ersparen zu können. Warnung vor der„Erwerbskofenhilfe". Das Landcs-Wohlfahrts- und Jugendamt erklärt:„Im Nord- wcsten Berlins besteht seit einiger Zeit ein Gewerbebetrieb unter der Bezeichnung„E r w e r b s l o s c n h i l f e". Diesxs Unternehme» vertreibt Scheuertücher im ambutunten Handel von Haus zu Haus durch Erwerbslose, die mit einem gedruckten Ausweis versehen sind, der an verschiedenen Stellen das Wort„Erwerbslosenhilsc" enthält. Wiederholte Anfragen veranlassen uns, ausdrücklich daraus hinzuweisen, daß der Gciverbebctrieb„Erwerbslosenhilse" weder mit den'Arbeitsämtern noch mit der städtischen Wohlfahrtspflege irgend etwas zu tun hat, sondern«in privates Erwerbsunternehmen ist." Antifaschistische Kundgebung in Köpenick. Auch eine Kundgebung in Köpenick gestaltete sich zu einen, großen Erfolg sür die Sozialdemokratie. AU« proletarischen Organisationen beteiligten sich an dieser Demonstration gegen de» Faschismus. Ein nicht endenwollcnder Zug bewegte sich durch alle Stadtteile des 16. Bezirks. Vom uniforinierten Reichsbanner geführt und beendet wurde der Zug überall jubelnd begrüßt. Immer größer wurde die Zahl der Demonstranten. Man hatte den Eindruck, daß jeder der Teilnehmer seine Abscheu vor dem Faschismus, seinen Protest gegen die finsterste Reaktion sichtbar bekunden wollte. Als Abschluß der von prächtigem Herbstwetter begünstigten Demon- stratjon kennzeichnet Genosse Litke in einer Ansprache auf dem Wilhelmplatz das Wesen dieser ipaulstarken Gesellschast. Nach dem Satze„An ihren Führern sollt ihr sie erkennen" beleuchtete er Aus- spräche und Taten der Naziführer. Es war dein Redner leicht zu beweisen, daß die Hakenkreuzler mit der sozialistische» Maske nur .Handlangerdienst« für den Kapitalismus leisten. Der Appell.zur ver- stärkten Aktivität in den eigenen Reihen fand begeisterten Widerhall. Wer den langen Zug sah, wer den geschlossenen Aufmarsch in Köpenick miterlebte, wird von neuem davon überzeugt sein, daß der Sozialismus durch keine der wütendsten nationalistischen Gewalt- Parolen niedergeschrten werden kann. Herr Goebbels kneift nach wie vor. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitt« stand«» gestern Nach- mittag drei Strafprozesse gegen den naftonaisozialiftischen Rcichstagsabgeordneten Dr. Joses Goebbels zur Verhandlung an. Beim Aufruf der drei Sachen ergab sich, daß Dr. Goebbels trotz rechtzeitig erfolgter Ladung auch diesmal wieder nicht vor Gericht erschienen war. Es lag auch von ihm keine Mitteilung vor. In dem ersten Prozeß handelt es sich um eine Beleidigung des Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß, in dem zweiten Prozeß mn die Beleidigung von zwei Polizeibsamten und bei der dritten Anklage um eine Ausreizung zum Klassenhoß. Auf Antrag von Staatsan» waltjchaftsrat Fischer beschloß das Gericht die Vertagung und behielt sich weitere Schritte vor, da wegen der Immunität geg«n» wältige Zwangsmaßnahmen nicht durchgeführt werden können. Verstaubier Zauber. '2*ad) Sic ü&crJiiKr�„G« h e i m r a t s v i e r t« I" haben ihre Geschichte. Noch vor 300 Jahren wohnten die Berliner Geheimräte im Berliner Zentrum, in der Fischer- und Klosterstraß«. Mit der Gründung der Friedrich st adt entstand«in n«ues„Berliner Gsheimratsviertel". die spätere Markgrafen st raße, die zu- erst Geheimrats st rohe hieß. In dieser Gegend erhielten nur Geheimräte Bauplätze, als besonderer Anreiz zur Ansiedlunz. So finden sich unter den Bauherren eine Reihe von Namen, die in der Alt-Berliner Stadtgeschicht« bekannt sind. Es waren u. a. Flottwell(Nr. 104). Lith(Nr. 9), Mylius(Nr. 10). choltzendors (Nr. 11), Schmidt(Nr. 12), Schmucker(Nr. 15), Lehmann(Nr. 16), Senning(Nr. 85), Schöning(Nr. 100), Braunsberg(Nr. 103), Gerbet(Nr. 106) und Trutzettel(Nr. 108). Das drittälteste Ge- heimralsoiertel entstand, als im Jahre 1841 infolge des Baues der Potsdamer und Anhaltischen Eisenbahn ein Durchbruch der Stadt- mauer zwischen Potsdamer und Höllisches Tor stattfand und das Viertel zwischen Kanal und Stadtmauer errichtet wurde. Dieses Eehcimratsoiertel umfaßte die Köthener, Bernburger und Dessauer Straße! ein Jahrzehnt später nannte man das Karree, welches durch Eichhorn-, Schelling- und Linkstraße gebildet wird, vornehmlich das Geheimratsviertel. Dann, zu Ansang der fünfziger Jahre, baute sich das Geheimratsviertel in den Straßen auf, die die Matt häikirch st raße umlagern, wie die Sigis- mundstraße usw. Vor etwa 60 Jahren begann die umfangreiche Bebauung der. Straßen, welche um den Magdeburger Platz liegen: dies wurde das neue Gehcimratsviertel.— Bor etwa 50 Jahren bildete der Lützowplatz den Mittelpunkt des Berliner Geheim- ratsoierlels, das von der Intelligenz bewohnt wurde, im Gegensatz zu den Kommerzienräten, die„auf Gummi fuhren" und am Rande des Tiergartens ihre Dillen ausgeschlagen hatten.— Neben dem „Geheimratsviertel" gab es noch vor 50 Jahren eine„Geheimrats- Kneipe". Es war die historische und gemülliche Weißbierstub« von Päpk«, in der hinter den moussierenden Rießling-Weißen über Berlins Wohl und Weh' beraten wurde.— die Geheimratsviertel sind von der Weltstadt ausgezehrt worden und niemand weint ihnen eine Träne nach. Die Derliaer Kommission sür Aawrdenkmalpsleg« veranstaltet am Freitag. dem ö. Dezember tSM,•■0 Uhr, im llädtischen VortragSsaal Neukölln, Bera- strahe 147, den 3. Lichlbildvoitrag über Ralurlchuh. Herr Torge spricht über.Die b eimiilhcn Orchideen'. Erwerbslose und sonstige Unter- slützungSemPfänger mit amtlichem Ausweis haben sreien Zutritt. W Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin Einse»duvyen fstr diese ftubrif mir an das ZogendsekrewRiM Äertw©23 68. lindwßröft« 3 Vorsitzcndenkonfcrcnz beste, pünktlich ISVi Uhr, im qrohen Sinunqsianl des Bezirksamt» fttctulwtfl, Horchstr. 11. Alle 1.»od 2. Borfibcud«» iomt« Zuaendbeirate muffen outmalen Umstiinben vertreten sein. Ohre Ausweis nnd Mitqlicvsbuch keinen Zutritt. Streicharchester Sroß-Berlin: Heute, lSl4 Uhr, Pflichtprob» Im Altersheim Danziger Str.«2. Das Erscheinen oller ist unbedingt ersorbcrlich. Seitbt wird Äandn. B.-D.'Sihung gemeinsam mit de» B.-B.-i. margmi, pünktlich 1» Uhr t!) im Bortragesaai. Sondernorftelluna der Volksbühne, 1. Januar, lä Uhr. chespielt wird „MisfHftnvi", cdlonfpiel von©coro Kaiser. CinzcHartcn zu 80 Pf. für Jugendliche von 14—18 Jahren find erhältlich. Slbieilungsmikgliederversammlungen, heule. 1914 Uhr. ©esuuhbruuncn, 3t. F.: Heim Gotendurger Str. 2.—©esnndbrnnnen ls: Heini Ehristianialtr. 38.— Humannplah: Schule Scherenberqstr. 7. nn- Peter». burger Viertel- Heim chbertijstr. 12.— Luiscnstabt! Heim Wassertorltr. 9.— Zlelchenbergcr Viertel- Heim Briher Str. 27—30,— ffriebrichshagen: Rathaus, Fricdrichstr. 87.— Mahlsdsrs- Heim Mrlanchthonstrahc. >t> galkplah 7l: Schule. Sonncnburgcr Str. 2: Iüngerenkursus.— Kohenlchän. Hausen: Schule Dingelstädter Strafie:„Tagespolitik.— Andreasplag- Heim Vrommpstr. 1:.Marxismus". 3. Teil.—?rankfnrter Viertel- Heim ssrank. luiter Allee 307:..Arbritsdienstpslicht und SAI."— Itottbuffcr Tai; Heim Mriher Str. 27—30: ssunktionärlihung.— Eharlattenburg-Slard: Besuch des Zahlalr-nt» der S2. Abt.— Westend(Aeltcre): Heim auf dem Sportplah Westend:„Einführung in den Marzismus". 1. Teil.— Lichtenbera.Blitte: Heim Scharnwcberftr.'20:..Di« politische Lage in Oesterreich".— Lichtenberg, SZorh- Heim©unterstr. 44: Literaturabend.— Lichtenderg-Rordwest: Besuch des..Max- Barthel-Abende", Iugendbühne.— Tempelh»?: Seim©öhstraKc:„Bücher". SS©. Reulölln l'Aeltcre): Heim Bcrgstr. 29. Eduard Bernstein spricht über „Borauischungcn des Soziatisnius". SS©. Reulölln l Jüngere): Aarl-Rarx.Hchulc. 18 Uhr Mitglicderver, sannnlung. Werbebezirk Mitte: Heim Nopcnicker Str. 125: Agitatlonogruppen. Zahlreiches Erscheinen ist notwendig. Borftandssihung fällt am Donnerstag aus. Werbebezirl Prenzlauer Berg- Heim Sonncnburgcr Str. 20: Kursus:„©e. schichte der Revolulionen".— Die„Rate Ratte" lagt um 20 Uhr Danzigcr Strahe 62, B. 7. Werbebezirl zlenkölln: Sprcäi- und Arbeitsstunde im Raum 18 der Baracken tbangho'erstrahc.— Der Sprechchar übt erst wieder am 10. Dezember.— Er, wribslai«©cnasffanen und©enaffenl Morgen, 14 Uhr, Zusammenkunft im Heim Bergstr. 29.___ Boriräge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14. E-bastianstr 37-38 So« 2. Tr Mittwoch, 3. Dezember, isriedrichshain. Sameradschafr Andreas: 19Vi Uhr Sihung der Schufo, und Jungba-Abtcilung bei Schmidt, Boigtstr. Eksch'Incn Pflicht. Treptow, Kameradschaft Treptow lZung, banncr): 20 Uhr Mitgliederversammlung im Heim Wild-nbruchstr..84. Reu- wahlsn. Rcinickrndors, Keuneradsälaft Wittenau:©eneralversammlung im Witte,:auer Bcrcinshauo. Oranienburger Str. 88— 89. Vortrag des Kamerad:» Bartfä> über„Die alte und neue Zeit". Bericht und Neuwahl des Vorstandes. — Donnerstag, 4. Dezember. Prenzlauer Berg: 20 Uhr Kameradsäiaftsver- iammlungzii. Kamcradi'ckgft Ballan bei Knhfitn, Iablonfkistr. 9. Kamerod. schaft Nvrdkap bei©oldschmidt, Etolpis仫 Str. 30.—(sreitaq, 5. Dezember. Kreuzbcrg. Zug l: 20 Uhr Versammlung bei Seehak, Willibald-AIezis-Str. 5. 1 , Vor' rag Kam. lauer:„Aktivität, das' Gebot der Stunde". Pankow, Kamerad- schalt Süd: 20 Uhr Kamcradschaftsvcrfammluna bei Kober, Berliner Str. 8V. Kameradlchast L-rmsdarl: 20 Uhr©eneralverfamoililng de! Kamerad Okrent, Bahnhof- Ecke Berliner Strohe. Vorstand«ine Stunde früher. Reichehunb der Kelegebeschäbigten, Keiegsteilnehmer und Kriegeehintee. bliebe»-«. Osten 8. Am Mittwocki, 3. Dezember. 20 Uhr, im Vcreinslokal, Schmidts©cselllchaftshaus, Zruchtstr. 30-, Lichtbildervortrag des Herrn Dr. Hausdort. Borsigwalde.. � v Kreie Arbeitrr'Esperanta.Dereinignng Berlin. Gruppe Osten: Jeden Donnerstna von 20—22 Uhr im Zugendistim Am Ostbahnhof 17, Zimmer 1, Gruppe und Kursus.—©rnpp« Reinickendors-vst: jeden Montag im Jugend. heim Lindauer Strahe von 20—22 Uhr Kursus.—©»nppe Zentrum: Jeden Freitag von 18lz— 21 Uh-!m Mctallarh-iter.Verbandshaiis. L-nienstr. 88—88. Portal 1, Gruppe i-nd.Kursus.— Achtung! Die Monalsvcrsammlung ist am 12. Dezember im Me'allardeiter.Berbandsbaus. E-lbsthilsebund der Körperbehinderten(Reichsbond Deutsche, Ken»»«»«. Landesverband Lerlin-Brandendurg.©eschäftsstelle: SO. 10, Schmitftr.«a. Es finden folgende Versammlungen statt: Ritte: 18. Dezember im Bereinsbaus „Südost", Mitfcrlkirch. Ecke Wusterhausen«? Stroh«. Beginn 20 Uhr.— Tier- garten: 45. Dezember im Kleinen©-scllschafldhaus. Etromstr. 2«. Beginn '20 Uhr.— Wcdding: 4. Dezember bei Bontke. Schul- Ecke Ehristtanmstrahe. Beginn 19)4 Uhr.— Prenzlauer Berg- 4. Dezember bei Wlllner, Panbow. Berliner Str. 32. Beginn lg>>) Uhr.— streu, berg: 0. Dezember..Sportklause", Schönleinstr. 0. Beginn 20 Uhr.— Spandau: 27. Dezember im Polizcigebäude. Zimmer 14. Eingang Am Wald 2. Beginn lSVg Uhr.— Nenlölln:« Dezember bei Damm. Hcrhbcrgstr. 22. Beginn» 20 Uhr.— Treptow-Köpenick: 11. Dezember bei Streubcl, Bgumschulenwcg. Baumschulen» Ecke Scheidlerstrahe. Beginn 20 Uhr.— Lichtenberg: 30. Dezember, Zungstr. 10. Beginn 20 Uhr. i angkello» üngliet, vebN'inii tllud: Kinvoeti, 20 llpr. /gdntirriednus LUInv- LtrnSe>04. Quttmnnnsasl: Mr. I Bulman Smith. M A:„The Colour Problem". kinfendungen für diese Rubrik sind ? e r I i»<533«8. Lindenstrahe 3. parteinachnchten ffSsk für Groß-Berlin stet, an da, Bezirkssekretarial 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten 3. Kreis Webding. Heute, Mittwoch, 3. Dezember, 19!) Uhr, bei Neuhner. Scestr. 02, Sitzung der Abteilung-mieic-vertreter und aller interessierten Parteigenossen. Bortrag des Genossen Laiidgerichtsdirektor Ernst Rüben. < Nickst Abteilungsvertreter.) 11. Kreis Lchöneberg. Mittwoch, 3. Dezcntber. 20 Uhr, bei Will, Martin- Luther-Str.«9, Zusammenkunft der SPD.-Sportler. Alle Parteigenossen, die einer Sportorganisation angehören, müssen an der Sitzung teilnehmen. 17. Kreis Lichtenberg. Biltungsausfchuh: Donnerstag. 4. Dezember. l»1ö Uhr. Kursus„Kultur und Sittenqcfchichtc des Proletariats" mit Lichtbildern im Raihaus, Möllendorfftrahe, Sitzungssaal, Zimmer 28. Leiter Dr. Henniose». 18. Kreis Weihenle«. Zm Rahmen der Iuaenbbnchwoibe findet Donnerstag, 4. Dezembce, 20 Uhr, in der Anla des Realaymnassum» Woelckpramenade. e>ne„Stunde der Jugend" statt, Festvortrag Genossin Adele Schreibrr. Wir erwarten reg« Beteiligung. heute, Mittwoch, Z. Dezember. 88. Abt. Eharlottenburg. 20 Uhr im Berliner stindl, Würzburger Str. 17. Vorstands- und lsunktionärntzung. Abrechnung der Eammellistrn. 84. Abt. Lankwitz. Die isunktionärversainmluna findet nicht heute, Mittwoch, sondern morgen, Donnerstag. 20 Uhr, de! Lehmann, Kaiser-Wilheliil. S rahe 29—31. statt. Um 18 Uhr Borstandssitiuna ebenda. 140. Abt. sEozialb-mokratische ltraktion Reicksdruckerei). Mittwa». 3. Dezember. 1« Uhr, Im Lokal Spitt-lmarkt.steller. Beuthstr. 49 20, wichtige Arak- tion-fitzung. Nur Parteimitglieder haben Zutritt.— De« Fraktian». vorstand. Morgen, Donnerstag, 4. Dezember. 1. Abt. 19'� Uhr bei Spiegel, Ackerstr. I. ssunktionürfftzung. 4. Abt. Igst) Uhr?sunkiü>närsitzvna bei Brandis, Stralauer Str. 10. 5. und 26. Abt. Konsumgenossenschastsmitglieder: 20 Uhr findrt im Rosen, ihaler Hof, Rosentbaler Str. 11—12, ein« Versammlung aller Parteimit- «lieber statt, die ihre Waren In der 182. Aboabestclle, Aste Schönhauser Strahe, lausen.— Die Bezirksführer rechnen die Sammellisten im Lause dieser Woche ab. 27. Abt. iBIi Ubr ffiiitfttenärssfcun'a bei Zeuae. Milastr. 8. 33. Abt. Igi/, Uhr Kunktionärsitzuna bei Loiack. Bemnestr. 8. Vorher Ab- rcchnung der Sammellisten und Abgabe der Adressen der Arbeitslosen und der Statistikiarten. 30. Abt. i9Vj Uhr ssunktionärsttzung bei Busch. Tilstter Str. 27. 99. Adt. Brig. Buckow. 19'„ Uhr ssunktionärsttzuug im Sitzungsvau» Hanne- mannstr. 40. 147.«dt. Lichtenberg. 19'.4 Uhr ssunttionärsitzuna bei Klose. Di« Funktionäre der Grupve Klinaenberg sind ebenfalls eingeladen. 143.>dt. Waidmannslust. 1914 Uhr Sitzung des Vorstand«» und der Bezirks, sichrer beim Genossen Lehman». stalonie Alvcp berge. Zahlabend 20 Uhr bei Klemmer lAIr>cnschli>hchen). Refc- rent Wilh. Falkner. Thema:„Rationalisieruna und Arbeitcrsckmki". Bezirksausschuß für Arbeikerwohlfahrt. W g. für Woblfahrtspflegc. Der Kursus über �Psy«!hl>roaie" � P findet ab Treitac,, 5. Dezember, reqelmäftia im Copbien-Lmeum, Wein-(i1 g meisterst?. 10-17, statt. Vom 13. Dezember ad bis v. Januar sind m M sserlen. b M_____ 1 . Äwl$ Mitte. Donnerstaa, 4. Dezember. 19�.2 Uhr, im Sißvnaszimmer ve» Bezirksamt» Mitte, Klosterstrake. Lchulunaski'rsus. Die Heno�stn Gocksch spricht über„Berufsberatung". Es wird um vollzähliges und vünktllcheh Er- scheinen gebeten. 7. Kreis Ebarlottenburg. Freitag, 5. Dezember. 19�2 Uhr. Menbesprechung rm Rathaus, Zimmer 1.— Teilabrechnunaen der Lose werden bei der Genossin Eeigewasser an dem 5aae entqeaenqenommen. � 13.«reis Temvelhof, Marirndorf. Marienfelbe, Lichten«b«. �reitaa. » �zember. 191.� Uhr, Kursus Her Arbeiterwohttahrt im Sitzungszimmer I. > empelho�. Dortttr. 42.„Die sozialen Aufgaben der Stadt Berlin." Referent Genosse Ostrowski. Alle Genossen und Genossinnen sind herzlich eingeladen. besonders die Woblfahrtspfleaer und-norsteher. , r Neukölln. Freitag. 5. Dezember. 19% Uhr, Kursus Arheiterwobl- fahrt:..Soziale Gerichtshllfe", Sitzungssaal des Rathauses Berliner Straße. Nefereniin Genossin Dodenhaaen. 17. Kreis LitHenbera. Alle nicht zu verkausi:nden Zofe sirtd bis spätestens nrettag, 5. Dezember, beim Genossen Stein zurückzureichen Später können keine mehr zurückgenommen wevden. Arbeitsgemeinschask der kinderfreunde. Sonnabend Nachtfahrt aller Helfer nach Tiefenfee. Treffpunkt WVi Ubr am Echlesischen Bahnhof. Kosten etwa 1,40 M. Kreis Neukölln: Bildungeableute aller Gruppen kommen heufe, Mittwoch, �- 3— ssd. des�Helferschulungskursus. Die HcTstst von Trep�u» und Reukölln müssen rrfchrinen.' �-Singetreis: Wir kommen wieder heute, Mittwoch, ad 17 Uhr in der Sckiule Donaustrasie zu. samnien. Kreis SchSneberq: Elternvcrfammluna am Mittwoch, 3. Dezember, im Rat- baus Schäneberg. Rudolf-Wilde-Vlatz. Limmer 143. Beginn 8 Uhr. Genossin Dr. Ulcrander spricht über„Gcsundheitserziehuna des Kindes". Gruppe Pankow: Heute. Mittwoch. 3. Dezember. 17'/, und 20 Uhr, Zelt. lagerabend in der Aula der 2. Schule, Grunowstrasie. Erwachsene 30 Pf., SrV/ Noten �alGu und Iungfalken sind zur Vorbcrcitung um Uhr da. Geburkskage. Jubiläen usw. 21. Abt. Unserem©e nassen Richard LLbke, Licbenmglbcr Str. 8, und seiner lieben Gattin zur Silberhochzait die berzlichste» Glückwünsche. 190. Abt. Zobannislhal. Unserer lrebe», bewäbrtcn©enosfta Amalie Modus zum 88.©ebnrtstage die herzlichiten Glückwünsche. Möge e» ihr vergönn« sei», noch recht lange in alter Frisch« und Gesundheit in den vorder. strn Seihen de« klaflenbennissten Preletnrint« ,n kämpfen und dessen enh. gültigen Sieg ,« erleben. Dieses wünschen die Eenolfinnen und©cuaiscn der 108. Abt. Johannisthal. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 85. Abt. Tcinpelhss. Am Sonntag, 30. November, verschied unser Genosse Seile. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerotag. 4. De- zcmbcr, 18 Uhr, aus dem Seilig-streuzsssriedhof in Pkariendorf, Eiscnacher Strahe 02. statt. Das Reichsbanner wird um Betciliguna gebeten. 89. Abt. Reulölln. Am 30. November ist unser Genosse Alfred Schaer verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Traucrfeicr findet Donnerstag, 18 Uhr, im Krematorium Baumschulenwrg statt. Um rvge Beteiligung wird gebeten. Bruno Franks Koniödic„Stur IN i NI Wasserglas" hat bereits den Bühnenerfolg hinter sich. Jetzt erlebte man sie auch als Hörspiel, aus Köln, vom Deutschlätidfender übernommen. Das Stück war wirksam für die akustische Sendung hergerichtet. Die Komödie macht es der Funkregie leicht; die Personen sind in den Dialogen anschaulich charakterisiert, so daß mit einer glücklichen Rollenbesetzung die Wirkung schon fast gesichert war. Leider schwächte der dritte Akt die amüsante Wirkung des Spiels etwas ab; die Komik einer Gerichtsszen« darf sich natürlich im sichtbaren Bild breiter ent- falten als im akustischen. Durch stärkeres Ausammenstreichen hätte man«ine einheitlichere Wirkung leicht erzielen können.— Alfred Braun interviewte den Berliner Polizeipräsidenten Grzesinski. Fragen über Polizeimaßnahmen, die für die Berliner Bevölkerung aktuell sind, wurden in klarer und— wenn der Gegenstand es zu- ließ— sogar in amüsanter Form erörtert. Es wäre gut, wenn häufiger durch ähnlich« Diskussionen dem Publikum Ausschluß über amtliche Tätigkeit gegeben würde. Alsred Braun verstand es, das Interview auf die brennendsten Zeitfragen zu lenken: auch der Preisabbau wurde eingehend erörtert. Alfons G o l d s ch m i d t sprach über„Das Todesproblem in Meriko". Er gab«ine etwas literarisch« Abhandlung, und man hatte das Gefühl, daß es dem Redner mehr auf die wohlliingende Formulierung als ans Schilde- rung von Tatsachen ankam. Wer die Mexikoberichte von T r a v e n kennt, wird die anschauliche Klarheit dieser Schilderung vergeblich in dem Bericht von Goldschmidt gesucht haben. Des. Aus der Partei. Der britische Arbeiterobgeordnete Baker ist. nur 55 Jahre alt, gestorben. Er war viele Jahre Angestellter der Postbeamten- gewerkschast und ini ersten Kabinett Macdonatd Unterstaatssekretär der Post. Im Unterhaus vertrat«r Ost-Bristol. Allgemeine Wetterlage. Dw>ii Rickarck Scharf geb.>?. März 1881, am 30. So», an ©ehirnhauientzllndung gestorben ist. Die Einäscherung findet Donners- tag, den 4. Dezember, 12 Uhr, im Krematortum Gerichlstraße statt Am 27.Rovember starb unser Kollege. der Gürtler Karl Nltschke geb. 22. November 1886. Die Beerdigung findet Donners- tag, den 4. Dezember, 18'- 2 Uhr, von der Leidreithalle deö Neutiillner ffic- meindk-Ktrchhofes, Mariendorfrr Weg ans statt Rege Beteiligung wird erwartet Ehre ihrem Andenken: vi« OrtsverwaUunx, Den Mitgliedern zur Kennini«, datz unsere Kollegin, die Buchbinderei- Verlmlid der Buchbinder nnd Paplerverarbeiier Deufsdilands Ortsverwallung Berlin Olitgl Kost atbcUcrln Gertrud Andres Fidicinstratz« 22, verstorben Ist. Ehre ihrem Andeukenl Die Eiitäsdierung findet Mittwoch, de» 3. Dezember. 11 Uhr, im Uroma. torium Baumschulenweg statt Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. 01« Ortnrerwaltang Bekleidung fertig und nach MaS für Damen und Herren bis S Monatsraten Scüerzer&BPOl! ÄS?. Quflav Junghans: Sin Sahir ifl i Wir waren alle hinausgefahren zu August. August hatte sich das klein« Haus an der Hasel gekauft, weil er hoffte, fein« Freunde würden eine lebhaft« Scheu vor dem weiten Weg dahinaus empfinden. Seine Freunde empfanden diese lebhafte Scheu auch. Aber nur, wenn sie einmal da waren, vor dem Rückweg. Wir waren also alle hinausgefahren zu August. Das muß erwähnt werden, well wir einige Schritte vor Augusts Behausung dieses schrecklich« und rätselhafte Erlebnis hotten, das den Anlaß zu diesem Tatsachenbericht gab. Unser Blick fiel zufällig in den Garten einer Villa. Und in diesem Garten sahen wir einen elegant angezogenen Jungen von etwa 14 bis 15 Jahren ausgelassen mit einem Schäferhund herum- tollen. Er sprang mit dem Schäferhund durch einen Reifen, schlug Purzelbäume und vollführte alle möglichen anderen kindlichen Spiele. Plötzlich aber— und nun kommt das Rätselhafte— wandte der Junge uns fein Gesicht zu und wir entdeckten zu unserem grenzen- losen Erstaunen und mit einem leisen Schauer, daß er ein altes ehr- würdiges, runzeliges Antlitz hatte, einen graumelierten Schnurr- und Vollbart trug und in seinen Augen und um seinen Mund den Aus- druck kummervoller Lebenserfahrung und abgeklärten Alters hatte. Wir hätten noch stundenlang in tiefer Versunkenheit dieses schreckliche Wesen angestarrt, wenn es uns nicht eine Grimasse geschnitten, die Zunge herausgestreckt und sich mit dem Finger an die Stirn getippt hätte. Hierauf strich es sich wohlgefällig und sichtlich zufrieden den Dollbart und schlug wieder Purzelbäume mit dem Schäferhund. Grübelnd und debattierend strebten wir Augusts Behausung zu. August empfing uns mit einem ernsten Gesicht. Er macht immer ein ernstes Gesicht, wenn wir ihn besuchen. Er gehört zu jenen gut- wütigen, aber etwas schwerfälligen Naturen, die sich nur sehr langsam auf«ine plötzlich veränderte Situation umstellen können. „Guten Tag, August," sagte Max,„sag mal, was wohnen denn hier draußen für verrückte Leute?" „Ganz verschieden, mein Junge," erläuterte August,„die ver- rücktest«», beispielshalber, glauben, sie wären hier draußen in die Einsamkeit gezogen." „In der Tat, oollkonimen verrückt!", stimmte Max zu,„aber ich meinte jetzt etwas anderes." Und er erzählte ihm die Sache mit dem rätselhaften, scheinbar etwas blödsinnigen alten Mann in Jungens- Leidern. August schwieg lange, als er die Geschichte vernommen hatte: Kann nickte er einige Mal« und sagt« mit einem tiefen Ernst in der Stimme: „Ja— seht ihr, dieser alte Mann ist das letzte Opfer der schreck- lichen Tragödie, die ich damals aus nächster Nähe miterlebt«. Ich habe sie euch noch nicht erzählt, weil... ach, die Erinnerung, die Erinnerung!", unterbrach er sich und blickte erschüttert aus dem Fenster. Er seufzte tief und sprach dann in gedämpftem Tone und mit leiser Trauer weiter: „Als ich vor einigen Jahren in Kopenhagen den unzerreißbaren Hosenträger„Freundschaftsbande" einführte, wohnt« ich in einer Pension, in der sich auch gleichzeitig ein indischer Fakir aushielt, der in Sondbergs Variete auftrat. Brahatvatspat Malur hieß er und er schenkt« mir hin und wieder Freikarten. Es war wirklich ein echter Inder— ich Hab« seinen Paß gesehen—, und er war schon vor Jahren aus Kalkutta nach Deutschland gekommen, um bei Gustav Meyrink und Schrenk-Notzing die Fakirerci zu erlernen. Nun gab er eins seiner ersten Auslandsgastspiele in Kopenhagen in Sondbergs Variete. Und hier war es, wo die Liebe in fein Herz einzog. Eigent- lich waren es zwei Lieben, die in sein Herz einzogen. Eine sehr unglückliche Liebe zu Anne Sondberg, der Barietäbesitzerstochter, und eine sehr glückliche Liebe zu altem dänischen Korn. Ich denke mir, daß diese beiden großen und schönen Leidenschaften den liebens- werten Menschen völlig aufgerieben hatten, denn eines Tages wurde er lütlltü. Jawohl. Es ist mir schrecklich, darüber zu reden, aber er bekam einen Klaps. Wurde vollkommen verrückt."— August seufzte. Dann fuhr er fort: „Tiefbedauerlicherweise brach es mitten in der Abendvorstellung aus. Er machte da eine Art Zauberlunststück, nicht wahr, oder sowas ähnliches, von dem chr sicherlich alle schon gehört habt. Die Sache mit der Bohne, wißt ihr. Er steckte eine Bohne in einen Bliunen- topf, schüttete Erde darüber und starrte dann in einer Art von Ver- zückung solange daraus, bis die Bohne zu keimen begann, eine Ranks «mportrieb, die dann wuchs, immer höher wuchs, Blüten und Frücht« «msstzte und so weiter, nicht wahr. Schließlich ging dann die Ge- schichte umgekehrt vor sich, die Ranke wurde kleiner, immer kleiner, verschwand wieder im Blumentopf und zum Schluß nahm er die Bohne so, wie sie gewesen war, wieder aus dem Blumentopf heraus. Das Kunststück fand viel Anklang." August lächelte wehmütig in der Erinnerung,„einige Laubengartenbesitzer hatten sogar ein Abonnement genommen. Aber in dieser Abendvorstellung, in der sich sein Geist plötzlich mnnachtet«, lieh er einfach die hochgewachsene Ranke stehen, zog eine Flasche Korn aus der Tasche, trank sie aus und kümmert« sich um die ganze Angelegenheit nicht mehr. Und als der Direktor Sondberg auf Beendigung seiner Nummer drängte, sagte BraHaoatspat Malur ein hartes Wort zu ihm, das«r aus der indischen Uebersetzung des„Götz von Berlichingen" genommen hatte und verschwand in seiner Garde- robe. Die nächste Nummer dieses Programms brachte Liliputaner- Vorführungen. Oh, wie soll ich euch die furchtbare Panik schildern, die ausbrach, als der Fakir mitten in dem Liliputanerakt.aus die Bühne trat, die Liliputaner in einem Anfall von Verzückung der Reih« nach anstarrte und nicht eher davon abließ, als bis die ganze Truppe zur Normalgröße emporgewachsen war! Die nunmehr kräftig entwickelten Gestalten der bedauernswerten Liliputaner stürzten sich auf den unglücklichen Fakir und verprügelten ihn in brutalster Weise, da sie sich innerhalb zweier Minuten brotlos ge- macht sahen. Darauf warf der empörte Direktor BraHaoatspat Malur mit einem Fußtritt hinaus und erst spät abends kam der Inder in einem zu Herzen gehenden, liederlichen Zustand in die Pension. Am anderen Morgen machte ihm unser« Pensionswirtin heftige Vorwürfe. Sie hielt dabei, was sie nicht hätte tun sollen, ihr kleines Schoßhündchen Fifi auf dem Arm. Ein, ach!, so unglücklicher Zufall wollte es, daß währenddessen der traumverlorene Bück BraHaoatspat Malurs auf dieses Hündchen fiel. Frau Mariusen bemerkt« zunächst noch nichts. Das Schicksal verbarg dieser vortrefflichen Frau noch, was ihr bevorstand. Ihre Augen waren während ihrer eindring- lichen Reden in mütterlichem Zorn auf den Inder gerichtet. Sie kam jedoch allmählich in Schweiß und begann etwas asthmatisch zu sprechen, wie ein Mensch, der beim Reden eine körperliche Anstren- gung zu leisten hat. Das arme Geschöpf sah in ihrer liebenden Sorge nicht, daß ihr treues Hündchen Fisi, während sie sprach, aus ihrem Arm unaufhörlich an Gewicht und Alter zunahm, bis es die Größe einer Riesendogge erreicht hatte. Aber dann-- 1 Ach, noch gellen mir die schrecklichen Schreie und Wehklagen der vorbildlichen Frau und Pensionsmutter in den Ohren, die sie ausstieß, als ihr Liebling, als hochbetagter und unförmlicher Riefenhund, nach einigen Minuten fein Leben zu ihren Füßen aushauchte. Eine sanfte Ohnmacht nahin sie in ihrem Arm«. BraHaoatspat Malur jedoch sank nach hinten über und begann mit offenem Mundo laut zu schnarchen. Oh, meine Freunde, nennt es nicht herzlos von mir, wenn ich ausrufe: Wäre er doch nie wieder erwacht! Denn was nun folgt, war ja noch weit, weit schlimmerl"— August blickte mit einem Gesichtsausdruck, der einen aufheulen lassen konnte, vor sich hin und fuhr dann fort: „Am nächsten Tag hatte Frau Markusen m einer anmutig ge- formten Schüssel Bohnen eingeweicht und in ihre stets saubere Küche gestellt. BraHaoatspat Malur fand diese Schüssel in der Küche und starrte melancholisch hinein. Als kurz darauf Frau Markusen ihr: Küche betrat, rauscht« ihr wie ein Urwald die hemmungslose Vege- tation der Bohnenranken entgegen. Dumpfe Gebetoersc murmelnd ging der Inder an ihr vorbei auf sein Zimmer. Wer konnte es Herrn Markusen, dem vortrefflichen Manne und Gatten unserer Pensionswirtin, der dem gefahrvollen Beruf eines Rentiers mit Fleiß und Selbstaufopserung nachging— ich sage, wer konnte es ihm verübeln, daß«r in des Fakirs Zimmer drang, um dem Inder das Unerhörte seines Benehmens vor Augen zu rücken? —„Herr Bratsvats oder wie Sie heißen," sagt« er,„entweder die Schweinerei hört auf oder Sie verlassen unser Lzaus!"— BraHaoatspat Malur sah ihm verständnislos in die Augen. Ja, ja— sah ihm in die Augen...! Und fünf Minuten später wankte Herr Markusen als gebrochener und in seinen Lebenshosfnungen getäuschter Greis aus dem Zimmer, das er als blühender Mann in den besten Jahren betreten hatte. Nun gab es kein Halten mehr. In der Pension setzte eine allge- meine Flucht vor dem Inder ein. Man sah in ihm einen bösen Geist, einen Jfriten, ein Ungeheuer, das unheilbringend und unüberwindlich einherwandelte. Die Pensionsgäste schlössen sich in ihr« Zimmer ein. Sahen lieber dem qualvollen Tod des Berhungerns und Ver- durstons ins Auge, als dem Fakir! Still und düster ward es in dem sonst so anheimelnden Hause. Die Passanten und Anwohner unserer Straße ahnten vorläufig noch nichts van der Gefahr. Aber bald häuften sich auch dort die unglücklichen Opfer des übergeschnappten Fakirs. Die Polizeipotrouille, die ihn verhaften sollte, eine Reih« prachtvoller kräftiger Burschen in ihrer schmucken Umsorm, wurde von dem Inder angeschaut und glich, als sie hochbetagt und pcnsions- l'z, JierbH in 9£eidelberg Sehr zart und lieblich ist Heidelberg im Frühling— zur Zeit der Baumblüte. Schneeweiß und rosa schimmern die Berghänge. Besonders hell leuchten die Farben auf dem dunklen Boden, denn das Gras beginnt erst hervorzusprießen, die Bäume stehen noch schwarz und ohne Ldub. Aber— es ist vielleicht etwas zu lieblich. Das Bild ist zu eintönig, es wirkt käst übertrieben— die zart geschwungenen Hllgelliwen, die zarten Frühlingsfarben, der still dahin- fließende Fluß, die KyntA�stch M die Hügel anschtniegenhe,, Häuser. Vielleicht ist es auch„ein.gewisses. Vorurteil: zu viel.ist die Lieblich- feit, die Romaittik Heidelbergs besungen und verkitscht worden. Aber jetzt im Herbst— da finde ich Heidelberg am schönsten. Am liebsten möchte ich die ganzen Tage durch den Wald, Hügel aus, Hügel ab, streifen und den unermeßlichen Farbenreichtum in mich einsaugen und immer wieder vor einer neuen Nuance, einer neuen Farbenzusammenstellung staunend stehMi bleiben. Ich steig« langsam einen Waldweg hinan, unter den Füßen rascheln die toten, braunen Blätter. Gelb und rot leuchten dazwischen die erst vor kurzem abgefallenen. Immer neue sinken lang- sam, schwankend, kreisend zu Boden. Aber viel«, sehr viele haben ihre Heimat, ihren Baum noch nicht verlassen. Es ist ein Weit- kämpf der Farben, jeder Baum sucht den anderen zu übertreffen. Eine jung« Birke schimmert hellgelb, der Ahorn, die Buche funkeln rot, orange, bräunlich, gelb,.—.und all diese Farben in den ver- schicdensten Abstufungen, Abtönungen! Und dazwischen stehen im dunklen Grün die Tannen, die Kiesern und heben die Buntheit noch mehr hervor. Um wieviel reicher, vielfältiger aber werden die Farben noch in den schrägen Strahlen der Herhstsonn«! Das Gelb wird zu Gold! Das gedämpft« Rot flammt auf! Es ist ein Funkeln, Strahlen, Glitzern, Leuchten, daß man ganz trunken wird. Man weiß nicht, wohin man schauen soll, am liebsten möchte man gleich- zeitig überall hinsehen können. Und oben auf den 5)ügeln, da ist man dieser Herrlichkeit nach näher als in der Ebene, man steckt mitten drin. Unter dir siehst du die Farben gedämpft im Schatten, über dir vergoldet von der Sonne, sich abhebend vom klaren blauen Herbst- Himmel. Und an den Bäumen um dich herum bewunderst du die Form, die wechselnden Farbtöne der einzelnen Blätter. Und während man so den Waldweg, oben auf den Hügeln entlang geht, sieht man plötzlich zwischen den Bäumen auf die Staft herunter. Nie finde ich sie schöner als jetzt! Di« übermäßig« Zart- heit, die Romantik ihrer Lage, der Hügelketten sst gedämpft durch die herben Herbstfarben. Glatt und metallisch-dunkel ist der Fluh, und dunkelrot die Abhänge gegenüber. Aus der Ferne kann man die Vielfältigkeit der Farben nicht erkennen. Duntelrot, bräunlich- rot erscheinen sie im Schatten, in der Dämmerung, heller, leuchtender in der Sonne. Ich gehe tiefer in den Wald hinein. Da raschelt es neben mir im dürren Laub und in raschen, abgehackten Sprüngen jagt ein Eichhörnchen den Stamm hinauf. Wie gut hat das rote Eichhörnchen es jetzt! Seine Feinde können es im bunten Laub kaum erkennen. Und zu hungern braucht es jetzt wirtlich nicht! Der Waldboden ist besät mit runden, aufgeplatzten, stachligen Kugeln— der äußeren Schale der Bucheckern. Wie kleine Igel sehen sie aus Allmählich geht es abwärts. Ich sehe schon die e?sten Häuser in der Fern«, sie sehen so blitzblank sauber, so gewaschen aus im klaren Licht der Morgensonne. Noch einmal atme ich den feuchten, herben Erdgeruck), den Geruch der modernden Blätter ein. Dann lause ich die steile Straße ber- unter zur Stadt. Zwischendurch schau« ich immer wieder nach oben. Das ist das Schöne an Heidelberg— wo man auch ist, von überall sieht man zwischen den Häusern ein Stückchen Wald, ein Stückchen roten Herbstwald. Und noch etwas ist es, glaub« ich, was den Herbst so besonders schön erscheinen läßt. Man denkt schon an den Winter, an graue, sonnenlos« Tage und jeder Tag, an dem die Sonne scheint, an dem man durch den Wald.streifen kann, erscheint als Geschenk, als unerwartetes Geschenk. Und man genießt jetzt doppelt, was einem im Sommer so selbstverständlich erscheint! berechtigt wieder aus dem Haufe schlich, der Abordnung eine-» Veteranenvereins— kaum fähig, die eigen« Uniform zu tragen. Ach. meine Freunde, und nie werde ich den Anblick vergessen, den einige spielende Knaben boten, die der Fakir auf seinen Spaziergängen durch seinen Blick zur Frühreife gebracht hatte. Kann es ergreifen- der« Szenen geben, als dies«: Geschöpfe mit dem Gesicht und der Gestall bärtiger und im Dienst am Volk« ergrauter Rechmmgsräte oder mit dem ehrfurchtgebietenden abgeklärten Ausdruck hoher Akademiemitglieder, die in Matrosenblusen, kurzen Hosen und Wadenstrümpfen steckten und Indianer und Trapper spielten oder mit Kreide„emihl is dos" an die Hauswänd« malten? Und ich schäme mich der Tränen nicht, die mir über die Wangen Uesen, als ich sah, wie ein würdiger und sympathischer Herr, mit dem klugen und feinsinnigen Gesickt eines Musikprofessors, noch in Kniehosen und Schillerkragen steckend, unter kindischem Gelächter einen Roßapfel in ein offenes Parterrefenster warf!— Seht ihr— und den einen dieser Knaben, einst das Glück und die erhoffte später« Stütze seiner Eltern, habt ihr vorhin in jener Nachbarvilla gesehen. Sein« Eltern brachten ihn in der Meinung her, der Klimawechsel möge vielleicht günstig auf ihn einwirken..." „Sage mir. August," unterbrach hier Emil, sich den Schwelst von der Stirn wischend,„und wie endete die Geschichte mit dem Fakir?" „Das Ende," fuhr August mit vibrierender Stimme fort,„hatte bei oller Wehmut etwas tief Versöhnendes und Erlöstndes und bracht« dem Unglücklichen die langersehnte Ruh«. Als die Taten des Inders ihren Höhepunkt erreicht hatten und fremd« Gäste Kopsn- Hägens äußerten, dieses Stadtviertel müsse ein ungeheuer gesundes Klima haben, da dort fast nur alte Leute h-rumliefen, faßt« ich einen Plan, der die Rettung brachte. Ich trug einen mannshohen Spiegel, mit der Front nach außen, vor mir her und betrat das Zimmer Brahavatspat Malurs. Er saß im Sessel und ich stellte mich vor ihn hin, so daß er sich selbst im Spiegel sehen mußte. Eine Weile blieb ich so stehen— es war sehr anstrengend! Dann ging ich hin und drückte dem Inder, der binnen einer Viertelstunde in voller Rüstigkeit das hohe und seltene Aller von 125 Jahren erreicht hatte, die Augen zu.. Als August die Geschichte beendet hatte, schwiegen wir lange und ergriffen. Dann sagte Max: „Wir haben keinen Rum mehr. Er ist all« geworden." „Ick werde ins Dorf gehen und welchen holen." erbot sich Emil. Emil ging. Als er wiederkam, stellte er zwei Rumflaschen auf den Tisch. Dann sagte er: „Ich bin noch einmal an der bewußten Villa vorbeigegangen. Das Hausmädchen stand gerade vor der Tür und so konnte ich es fragen.— Di« Villa, sagt« es. gehört dem Filmschauspieler Hwrry Piesunga und der rätselhafte Junge ist sein Sohn, der sich mit seines Dalers Schminkrequisiten geschminkt und Bärte angeklebt hat..." Sagte Emil. Dann erschlug er August mit einer Rumslasche. Äu,. Die Srau im neuen Kanm Ton der S)unc&n bis aur Shoronel Im Sotimen eines SeenaJimitteas im Saifctbfif, den„Sie«r stalte nd« ffrau* Derart ftoUeie, sprach Frau D-rtde Trump» iilKr die Eni. wirNun« des Tan, es und die Stellung, welche die Frau di» deute zu und in dieser Kunst einnimmt. Bis zum Anfang des lg. Jahrhunderts spielte die Frau beim Tanz lediglich eine untergeordnet« Rolle, soweit sie überhaupt auf der Bühne zugelassen wurde. Auch als sie durch die Tagllonr unVermittlungsoorschläg« über ein zeit- weiliges Kompromiß wurden abgelehnt. In der am Donnerstag in London zusammentretenden großen Delegiertenkonferenz des eng- tischen Bergarbeiterverbandes werden die Vertrauensmänner Schott- lands den Antrag aus«inen allgemeinen Bergarbeiter- st r e i k stellen. Die Lage ist einstweilen völlig ungeklärt. wohin führk die kapikalistische Wirtschaft? Dicscz Thema drhandclt ein Slchihildernortraa, den Nolleae De. Otts Ehr, lich-Wien heul«, Mittwoch,.1. D«,embee. 1» Uhe, in de»»«em.ania-Pracht, ioleN, Ehanffeestr. 110, oor Miigliedern der OrtoverwaUuna Berlin de» Sniidr- der technische» Angestellten und Beamtea hält. Durch Mitglieder«ingolährir Däst« sind«illlomine». Die Wichtigleit des Vortraqsthemas sollte alle O-B.» Riiglicder zum Besuch dieser Beranftaltung»eranlasse». Butah-v.-B. Berlin. Freie Gewerkfchafts-Jugend Berlin Leute, Mittwoch, um 10'- Nhr, tagen die Kruppen: Baumschnlenwrg: Jugendheim er» Wir. 16. Leimdcsprcchui.g.— Z>e»iölu: Kruppe»!»:'»! Bcrg'ir. ich. Hos, veimdcsprrchiing. Wir losen Spukgeschichten,— Snd nKsion: Etädt. Aug:ndl?eiin Borrtftc. 11, gabrilgcdäiidr Leimdcsprechung, sstughase»! Jugendheim Reuldlln, ZZlughasenstr. 66. Leimbesprechunq, Wetßcnsee: Jugendheim Partstr. 36. Hcimbesprcchung.— Zlordring: Iuneud. � heim Eonnenburgrr Sit. 20. Lrimbcsprechung,— Tchünrberg: Iugendhrim Hauptstr 16. Heimbrsprechung. Brrttspiclahcnt.— Humboldt: Jugendheim li-raun- Eckc Lortzlngstrgßr. Heimbesprcchung. 0.�ucendaruppe oes�cnlralvei'tondes i>er Anaestcllten Heute, Mittwoch, finden folgende Beranswltungen statt:«csunddrnnnen: Jugendheim Willdeuowstr. 5. Sruppenmitglicdcrversammlung. Rcinickendors: Jugendheim Lindauer Str. 2 tBarache», Mltgliedernersammlung. — Eharlottenburg: Jugendheim Z'osinenstr. 1. Wir besuchen die Lersammlnng des Wcrdobezirtz.— Schöneberg! Jugendheim Hauplstr. 13 tHorgebllud.'. Dachsen,»immer), chruppenmilglicdcruersammlung.— Schiinhanler Barstadl: singendheim der Schule pastamtnollee 81. Eruppenmitgiiederversammluna. Odersproe: Riederschiineweide. Berliner Str. ZI lSchuie). Borlrag:.Warum wir wandern�, Aef-rent Kurt Meyer.— Rordast: Jugendheim Dauiiac: Straße 62 sBaraac Z). Gruppenmitglicderversammlung.— Stralau: Iuaeui' heim der Schule Gohlerstr. 61, Vortrag:„Stellungslos— mos dann?" Reser'nl Kurt Krause,— Neukölln: Jugendheim Böhmisch« Sir. 1-4, Ecke Kanner Straße. Wir besuchen die Versammlung des WerdcbsÄrls.— Südost: singend- heim Wrangelstr, 128.«sruppenmiigliederpersammlung,— Spandau! Jugend. heim Lindenufer 1. Wir drsuchen dir Versammlung des Werbedezirks.— Potsdam-Rowawes: Zugendherberq« Nowawes, Vricsterstraße, lbruppenmlt- glicdcrversammlung.- Karten für den Heinrich.Hcine.Zlbend am ssreitag. 19. Dezember, zum Preis« von 40 Pf.. Und im Jugend'efretariat und in den Jnqrndgruppen erhältlich.— Karten für die Iuaendvorstellun, der Bolksblttme am 1. �amiar, zum Preise von 86 Pk.. tind im Iugendsekrctariat zu haben.