Morgenausgabe Nr 567_ � t -�-47.Iahrgang Wüchentüch 82 Pf� n»oaatNch Z,k0 M. im voraus zahlbor. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pfg.PostzeituuS' und 72 Pfg Postdestellgebuhren. Auslands« abonnemem 6.— M. pro Monat. Hc Der„Vorwärts- erscheim wochentäg« lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilagen„Volk und Zeit" und„Kinder-freund". Ferner „Frauenstimme"„Technit".„Blick in die Dücherwelt".„Iuaend-Borwärts"' und.Stadtbeilage-. Veettnev Sottsblati Oonnersiag 4. Dezember 19)0 Groß-Äerlin Nf. Auswäris is pf. Die einspaltig» Npnnareillezelle «..... Reichs« Reklame eile 80 Pfennig. mark.„Kleine Anzeigen' dos ettge- druckte Wort 22 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), icdes weitere Hort lL Pfennig. Stellenge uche dqs erste Wort!5 Pfennig, jedes weitere Wort Ist Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zejle 60 Pfennig. Familienanze'gen Zeile 40 Pfennig. 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Aufgestellte Mikrophone lassen fast befürchten, daß der Rundfunk ein Attentat auf seine Hörer vorhat, aber es ist nicht so schlimm, denn die zahlen- mäßig sachliche Rede wird nur auf Schallplatten aufgenom- men. Kaum fällt hie und da ein Zwischenruf. Die Rede kann nach allem, was über die finanz- pdlitischen Absichten der Regierung schon bekannt geworden ist, nicht viel Neues bringen. Finanzminister sind immer pessi- mistisch, wenn sie Steuern haben wollen, und optlmistisch, wenn sie Kredit brauchen. Die Steuern hat sich die Regierung schon per Verordnung selbst bewilligt— also spricht Herr Dietrich temperiert optimistisch und prägt den Satz:..Das Reich ist in keiner akuten Gefahr." Zum Schluß gibt es etwas Beifall nicht nur aus der Staatspartei, die heute einen glücklichen Tag hat, weil sie durch Hinzutritt des Bauernabgeordneten H i l l e b r a n d wieder fraktionsstark geworden ist, sondcni auch aus den übrigen dünnen Reihen der bürgerlichen Mitte. Heute um'2 Uhr mittag geht es wetter, und als erster Sozialdemokrat wird Keil sprechen. Abgestimmt wird voraussichtlich am Sonnabend. Dazu liegen st�t auch tommw nistische und deutschnationale Anträge aus Aufhebung der neuen Notverordnung und Erklärung des Mißtrauens vor. Daß. die Regieruiig dem Reichstag ein Ultimatum gestellt und Abstimmung spätestens am Sonnabend verlangt hat. ist nicht richtig. Von den bevorstehenden Partelerklärungen darf man diesmal die der W i r t s ch a f t s p a r t e i mit einiger Spannung erwarten. Die Wirtschaftspartei hat nämlich nach ihrer gestrigen Fraktionssitzung eine Kriegserklärung an die Reichs- regierung erlassen, well diese„eine immer stärkere A n l e h- nung an die Ideen der Sozialdemokratie" zeige, und des weiteren verlautbart: Im Verlauf der Sitzung berichtete Prosesior Dr. Bredt. der sich bereits von den Beamten seines früheren Ministeriums verabschiedet und an den entscheideilde» Sitzungen des Kabinetts zu den Fragen der Notverordnungen nicht mehr teilgenommen hat, über die Gründe seines Rücktritts als Reichs- justizminister. Im vollen Einvernehmen mit der Reichstagssrattio» hält Prosejsor Dr. Bredt an dem von ihm gesagten Entschlug fest. D!e Fraktion stellt mit Befremden fest, dag das Rücktrittegesuch des Reichejustizministers Dr. Bredt voip Reichskanzler immer nach nicht an den Reicheprasi- enten weitergeleitet ist. Prof. Dr. Bredt, der seit Monaten dem Kabinett lediglich als Iachininister angehört«, also in seinen Maßnahmen und Entschlüssen von der Partei unbeeinsluht war. erklärte, daß er die gesetzgeberischen Maßnahmen, welche jetzt als Notverordnung dem Reichetag zugeleitet worden sind, nicht mehr mit verantworten zu können glaubt. An diesen Behauptungen ist nur soviel wahr, daß Bredt an einem T e i l der Beratungen über die Notverordnung nicht teilgenommen hat, weil er in Marburg weilte. Er hat sich z. B. bis heute noch nicht von seinen Be- amten verabschiedet und was von den übrigen Be- Häuptlingen der obigen Berlantharung zu halfen ist, geht der folgenden amtlichen Mitteilung hervor, die unseres Wissens als Antwort auf die unwahre Darstellung der Wirtschaftspartei betrachtet werden muß und erst nach dem Erscheinen dieser Darstellung herausgegeben wurde. Sie lautet: Reichskanzler Dr. Brüning empfing am Dienetag den aus seinem Krankheitsurlaub vorübergehend nacki Berlin. zurückgekehrten Reichs- minister.der Justiz Dr. Brcdt. Der Reichsminister teilte dem Reichs. kanzler mit. daß er noch am Mittwoch erneut von Berlin abzureisen gedachte und verabredete mit dem Reichskanzler, ihn zunächst noch als beurlaubt zu betrachten. Die Entrüstung der Wirtschaftspartei. daß das Rück- trittsgefuch des Herrn Bredt„immer noch nicht an den Reichs- Präsidenten weitergeleitet" wurde, ilt also eitle Spiegel- f e ch t e r e i. Wenn das Gesuch bisher dem Reichspräsidenten noch nicht übermittelt wurde, so geschah das in Ueberein- stimm,, ng mit Herrn Bredt. Die sozialdemokratische Fraktion nabm nach Schluß der Plenarsitzung Berichte über die B e r b a n d l u n- gen mit der Regierung cntgeaxn. Eine Entscheidung fällte sie noch nicht. Es wurden die Gründe erörtert, die für oder gegen die Ablehnung der Anträge auf Aufhebung der Rotoerordnung sprechen. Eine Lektion für Frick. Das Reichsbanner schlägt Lokaltermin in Gera vor. llkagdeburg. 3. Dezember.(Eigenbericht.) Der Bundesvorstand des Reichsbanners Schwarz. Rot-Gold hat an de» Reichsinnenmlnister Dr. Wirth folgenden Pries gerichtet: „Sehr verehrter Herr Reichsminister! Aus Mitteilunzen, die der Herr Minister des Innern von Thüringen in der Presse veranlaßt hat, ist uns bekannt. geworden, daß er gegen unseren Ortsverein Gere de,, Vorwurf erhebt, am Buhtag dieses Lahres ein« nach dem Verfoiller Vertrag verbotene militärische Hebung veranstaltet zu haben. Der Herr Minister des Innern von Thüringen betrachtet den von ihm behaupteten Verstoß unseres Ortsve�eins Gera gegen den Bersailler Vertrag als so schwerwiegend, daß er, wi« er eben. falls purch die Presse mitteilen ließ, ein sofortiges Verbot des Orts- vereins Gera beantrag!«. Pte von uns inzwischen eingeholten Auskünste aller Art und Verlauf jener Bußtagsveranstaltung. die wach Ansicht des Herrn Ministers des Innern von Thüringen den Vestand des Versailler Vertrages so schwer gefährdete, haben bei uns wohlbeqründete Zweifel an per sachverständigen Urteilsfähigkeit des Herrn Ministers des Innern von Thüringen erweckt. Der gegenwärtige Herr RNnister de» klnuern von Thüringen hak zu unserem großen D.'daueru die kriegszeik von 1914 bis ISIS tu Reglerungsschreibstuben zu Pirmasens und München uer- bringen müssen uud damll eine selleo günstige Gclegenheil ver- paßt, sich wirklich grüudliche milllSrtsche Sachkeunlnisse zu vc-schaffeu. Di« Beteiligung an den hochorrrüterischen Unternehmungen Hitlers gegen die Regierungen Banerns und des Reiches im Jahre 1923 genügt nackz. unserer Ansicht nicht, um inllstärjsch sachverständig urteilen zu können um so weniger, als per gegenwärtige Minister des Innern von Thüringen nach feinen eigenen Angaben auch an der Vorbereitung des Hitler-Putsches nur politisch und in Regierunzs- stuben, nicht aber in Reih und Gl'ed der Hitler-Truppen tötig war. Der Herr Polizeidirektor von Gera, auf dessen Angaben der Herr Minister des Innen' von Thüringen sich beruft, mag aus seiner. Dienstzeit vor den, Kriege das eine und andere Signal und Kommando noch kennen, seine Vorstellungen vom Krieg müssen aber äußerst primitiv altväterlich sein, soust halle er das Geländespiel.�uchs und Gänse" nicht als moderne mstilä.ische Hebungen ansehen können. Das Verlangen eines Verbotes unseres Ortsvereins Gera wogen des Geländespiels gibt dem Versailler Vertrag bzw. dessen Be- stimmungen über die Gestaltung des deutschen Kriegswesens eine Auslegung, die weit über all« Forderungen hinausgeht, die je von der Seil« unserer ehemaligen Kriegsgegner gestsll! wurden. Bevor die deutsche Reichsrezierung der von dem Herrn Minister des Innern von Thüringen verlangten Auslegung zustimmt, bitten wir um Ueber» Prüfung des Tatbestandes und schlagen die Abhaltung eines Lokaltermins in Gera vor Unser Ortsverein Gero wird von uns angewiesen, die Bu h t a g s v e r a n st a l t u n g zu dem von dem Herrn Reichsminister des Innern z» bestimmenden Termin genau zu wiederholen. Der Herr Reichswehrministcr wird dem Herrn Reichsminister des Innern gern Sachverständige zur Verfügung stellen. Trotz mancher Bedenken werden wir auch keinen Einspruch erhebe», wenn der Hzerr Minister des Innern von Thurm. ge» zur Entlastung seines Gewissens seinerseits die Entsendung vpn Sachverständigen der Ententemäch, e veranlaßt. Sollte auch nur ein Sachverständiger zu der Ausfassung kommen daß unser Orts- verein Gera talsächlich«ine militärische Uebung abgehalten hat. iZarrn werden wir von uns aus die Auflösung des Orts- verein» durchführen, um einer Behörde die peinliche Auf- gäbe, Militärkontrollkommisston der Entente spielen zu müssen, zu ersparen.' In vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener gez. Horsinz." Der Spar-Gat. Reichsfinanzminister Dietrich begründet ihn. Der Reichstag ist am gestrigen Diensiagnachmittag wieder zu- zusammengetreten. Um Vorkommnisse wie beim Sessionsbeginn zu verhindern, war die Umgebung des Reichetagsgcbäudes im weiten Umkreis polizeilich abgesperrt worden. Die Sitzung war überaus stark besucht, auch auf den Tribünen. Das Haus hatte das bekannte Aussehen der große» Tage. Während stck» die Mitglieder noch begrüßten, erössncl« Präsi- dent Löbe ipn'.5 Uhr die Sitzung. Er teilt« einige Veränderungen in dem Mi g/iederhestand des Reichstags mit. ließ einige Juschrif- ten der Regierung und Anträge aus Genehmigung der Strasve so'- gung einiger Abgeordneten verlesen und gab.zur Geschästsordmmg dem Abg. Toraler(Komm.) das Wort, der die Zurückziehung der Polizei aus dem Haus« und aus seiner Umgebung beantragte. An Widerspruch aus dem Hause scheiterte jedgch da? Verlangen, den Zlntrag sosor, zu erledigen.— Es folgte die erste Beratung des Reichshaushalls für 1931. Neichsfinanzm'nister O'eirich: Wir bringen den Etat ungewöhnlich frühzeitig«in, damit wir aus dem Unsichcrheitszustand herauskommen, in welchen wir im laufenden Ctatsjahr geraten sind. Di« Ausgaben im ordentlichen E at sind um 1133 Millionen und im außerordentlichen um 272 M'l- lionen verringert. Diese Ersparnis war nur zu erreiche» durch die Maßnahmen der neuen Notoerordnung, vornehmlich durch die Kürzung der Gedä'tsr und die Weiter! iihrung eine- Teils der Chi- nahmen, die die Notverordnuna vom Sommer erschlossen ha!. Die Ucberweisunaen an Länder und Gemeinden sind schon iniol"? der SteueraueGUe sttrk g-kür-t. den Lönd-'m werden 100 Millionen a Konto ihrer Gebalt-ersparniile einbchal en. Zur Selb'«änd°s» i machnna der Arbeitslosmoeisi�crung wurden die Beströg« aus Pro», erhöht, was im nächste» SVhre e-ne E'nnabm« von 1716 Mill'-men bedeutet, bei der Sttisensürso-ge 400 Millionen und 20 Millionen Vcrwaltungsauswand, so daß im schlimmsten Fall 2136 Millionen zur Verfügung stehen. Das ist auch ungefähr der Aufwand in, laufenden Etatsjahr, zu dem das Reich in ständig höherem Maße bei. ragen mußte. Diese Reichs zuschösse erreichten mehr als 1100 Millionen. Darin liegt der Hauptgrund der ganzen Verwirrung des lausenden Zahre?. In, Etat sind nur 4?0 Millionen für die Kristnunterstützung ein- gesetzt, im übrigen ist die Selbständigkeit der Arbeitslosenveistche- ri!Ng durch erhöhte Bei rage garantiert. Das Auskommen an Steuern, Zöllen und sonstigen Abgaben ist um 1143 Millionen gegenüber dem Soll von 1930 deruntergcsetzt Obwohl die ver- stärkte B.'steuerung der hohen Einkommen die Ledigen- und die Tanticmesteuer aufrechterhalten wurden, gelang es nicht, de» Eiat damit zu balancieren. Es war notwendig, das noch verbleibende Defizit von 167 Millionen zu decken. Die Reichsregierung sucht jede Belastuna der P.oduklion zn vermeiden und notwendigerweise den Ausgleich b I den Steuern auf den enlbeh.ltcheu Genuß zu finden. Beim Branntwein hat die letzte Erhöhnna der Abgaben ledig- lich einen Ausfall gebracht: sine starke Mehrbelastuna des B'eres ist durch die Iuliocrordnung den Gemeinden gestattet worden. Es blieb also nur der Tabak. Aus ihm Hoden wir heute schon 1100 MMonön beraus. Wir sind nick» sicher, ab wir mi einem Monopol bald höhere Erträoe haben würden. G'gen ein Monopol f Bricht besonder», haß die Hunderttausende Menschen, die heute im Tabakgcwerbe und Tabakhandel beschäftigt sind, selbständige Exi- stenzen und Steuerträger darstellen, deren Vernich una schwer zu ertragen wäre, aber auch ganz erhebliche Steuerausfälle bringen würde. Die Lösung bedeutet«!n Komp-omiß. bei dem die Zigarre stärker als biche-, gleichzeitig aber auch die Zigarette neu bslnsiet wird. Die in Noi geratenden kleinen Fabrikant"», Angestellten und Arbeiter sollen unterstützt werden. Die Nntvero'-dnunq bestimmt, baß auch 1932 und 1933 die Aus. gaben 10 687 Millionen nicht überschreiten sollen, was auch bei der Die Ueberweifung der Notverordnung an den Hiusbatts- ausschuß dür'te sich als nnzweckruä'zig erweisen, weil sie be- reit» die mit der Sozialdemokratie verein- borten Verbesserungen in der Kronkenver- ficberung. in der Arbeitslosenversi-cherung und bei der Bsirgerabgabe cuthält Sollte der Rei�stog die Aufhebunq' der Ro'veror�nung ablebne*1, so wird die sozialdemokratische Fraktion für die notwendigen Verbesserungen bei den einzelnen Dorlagen' im Wege der Initiativgesetzgebunx kämpfen. Die Fraktion wird also in genau formulierten Anträgen diejenigen Forderungen stellen, die da- Interesse der arbeitenden Klasse bei der Lösung des Finonzproblems erfordert. Dem Reichs�.g wird, damit Gelegenbeit geboten, das auf dem Wege der ordentlichen Gesetzgebung zu tun, was nach Auffassung der Soziasdemo- kratts zum Schutze der sozialen Interessen der werktätigen Massen„nd zur Ueberwindung der Finanz- und Wirtschasts- krise geschehen muß. I Blutiger Zusammenstoß in Leipzig. Kommunisten und Polizei.— Acht Verletzte, ein Toier. Leipzig. 3. Dezember. Zu schweren Zusammeoflößea zwischen Kommunisten und Polizei, bei denen acht Personen verletzt wurden, kam es heule in den späten Zdachmlllagsstuvdea in der Leipziger Innenstadt bei einer Demonstration, zu der die Kommunistische Partei aus. gerufen hatte. Die Teilnehmer zweier Versammlungen trafen sich gegen ö Uhr aus dem Alotzplah in der Nähe des Reichsgerichts und wurden dort von einem Redner aufgefordert, in geschlossenem Zug zum Rathaus zu marschieren. Auf dem Wege dorthin traten den Demonstranten poNzeimannschaslen entgegen, die die Massen auseinander zu treiben suchten. Dabei kam es zu schweren Zusammenstößen. iu deren verlaus die Polizei von der Schuh- waffe Gebrauch machte. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten wurden neun Personen verletz«, ein verletzter ist gestorben. Die Demonstranten zerstreuten sich rasch. Die postzei ist bereits vor Z0 Uhr in ihre Quartiere abgerückt. Kommunistenblutiat in Hamburg. Sin Polizeibeamter erstochen, zwei schwer verletzt. Hamburg, 3. Dezember. Etwa Z50 Kommunisten, teilweise in roter Zllarlneunisorm, zogen heule abend durch den alten Steinweg. wo ihnen mehrere Ordnung» Polizisten entgegentraten, die mit Johlen und Beschimpfungen empfangen, zu Boden gerissen, geschlagen und getreten wurden. Inzwischen herbeigerusene Polizeiverstärkungen muhten von den Gummiknüppeln Gebrauch machen. In der Bähe des Srohneumarkles wurde mit Messern aus die Veamien eingestochen, wobei ein Polizeihauptmann einen Messerstich in den Leib, ein Revierkommissar Messerstiche in den Rücken und erhebliche Gcsichteverlehungeu erhielt, während ein Polizeiwachtmeister durch Messerstiche in die Halsschlagader getötet wurde. Die Kommunisten flüchteten schlichlich und entkamen bis auf zwei im Schuhe der Dunkelheit. Nationalsozialisten gegen die Polizei. Dresden, 3. Dezember. lEigenbericht.) lieber die nationalsozialistischen Roheitsakte nach der Braun« Versammlung wird weiter berichtet: Eine Abteilung des Jungbanners Baugen, die an der Braun» Versammlung in Dresden teilgenommen hatte, wurde auf dem Rückmarsch vor einem nationalsozialistischen Partetheim in Dresden- Neustadt von einem Trupp Nationalsozialisten überfallen. Es entwickelte sich eine Schlägerei, die zum Ein- greifen der Polizei führt«. Ein Reichsbannermann wurde in das nationalsozialistische Parteiheim hineingezogen und dort aus das schwerste mißhandelt, bi« er von der Polizei befreit wurde. Das Dresdener Pdlizeipräsidium meldet über den Zwischenfall: „Dem Führer der Polizeiabteilung wurde von einem Reichs- bannermann gemeldet, daß die Nationalsozialisten einen Angehön- gen des Reichsbanners in das Lokal hineingezogen hätten und ihn dort mißhandelten. Aus diese Mitteilung hin suchten sich Polizei- beamte Eingang in das SA.-Heim zu verschaffen. Ein Beamter trat deshalb an die den Eingang des SA.-Heims sperrenden Nationalsozialisten mit der Aufforderung heran, den Eingang srei- zumachen. Daraufhin drängten die in der Tür stehenden SA.-Leuie mit Geschrei nach außen. Einer von ihnen hob di« Fäuste und bedrohte den betreffenden Polizeibeainten. Der Beamte wiederholte seine Aufforderung, den Eingang freizugeben, andernfalls vom Gummiknüppel Gebrauch gemacht werden müßie. Gleichwohl wurde' W i d e r st a n d g e l e i sfe t. worauf die Beamten unter Anwendung des Gmmniknüppels vorgingen. Ein National- sozialist bedrohte die Polizeibeamten u. a. mit erhobenem Stuhle. Nachdem• sich die. Beamten durchgesetzt hatten, erhob sich im Vor- räum ein blutüberströmter Reichsbanner mann vom Boden. Er wurde von den Polizeibeamtcn vor weiteren Schlägen geschützt und nach dem Ausgang gebracht. Zur endgültigen Klärung des Sachverhalts drangen dann weitere Polizeibeamt« in das SA.-Heim ein, in dem sich, ungefähr 50 Nationalsozialisten befanden. Diese nahmen fortgesetzt eine drohende Haltung gegen die Polizei ein, so daß, um weitere Erörterungen an Ort und Stelle überhaupt durchführen zu können, Verstärkungen herangeholt werden mußten. Die weiteren Feststellungen waren durch das Verhalten der Nationalsozialisten der Polizei gegenüber außerordentlich schwierig. Ein Nationalsozialist versuchte einen Polizeibeamten tat- lich anzugreifen. Der Vorgang wird vom Polizeipräsidium der Staatsanwallschaft zur weiteren Entschließung gemeldet werden." Wieder Kommunistenkrach. Polizei in der Tempelhofer Bezirksveriammlung. In der Bezirksoersammlung Tempelhof veranstalteten die Kom- munisten gestern Tumullszenen. Schließlich wurden die bestellten Schreier durch ein Uebcrfallkommandv von der Tribüne entfernt. Mehrere kommunistische Bezirtsoerordnete wurden von der Polizei aus dem Saale entfernt. '....--.J-:-V 5, u..:... Die beiden Generakdksektoren der Gereinigten Kiek» trlzitätswerke Westfalen, Krone und Fischer, find mit sofortiger Wirkung ihres AurteS enthoben worden. Sie sollen sich grobe Unregelmäßig- ketten haben zuschulden kommen lassen. Wir erfahren dazu, daß Krone und Fischer sich eigenmächtig vom GEW. zum Bau ihrer Billen 700000 bzw. 50VVVV Mark haben geben lassen, obwohl eine frühere Zusage nur ein Drittel dieser Beträge erreichte. Beide unterhielten ein laufendes Konto bei dem BEW.» bei dem sie mit je mehr als 300000 Mark in Vorschuß gingen» und �s wird vermutet, daß diese Darlehen für Spekulationszwecte aufgenommen wurden. Beide veranlaßten zum Schaden der GEW. Verlust- reiche Effektenspekulationen. kaufte««och im Jahre 1030, während der Konzern bereits unter großen kurzfristigen Schulden litt, Kuxe und sonstige Wertpapiere, für die jetzt sehr große Abschreibun- gen notwendig werden. Die Verluste aus diesen Manipulationen sollen nach einer Meldung 3 bis 4 Millionen Mark betragen. « Ende Juni dieses Jahres gelang dem deutschen Finanzkapital unter der Führung der Deutschen Bant und Disconto» Gesellschaft ein scharfer Schlag gegen die deutsche öffentliche Wirtschast. Die Bereinigten Elektrizitätswerke Westfalen wurden gelegentlich einer Kapitalerhöhung mit 50 Proz. ihres jetzigen 120-Milllonen-Kapllals privatisiert. Dabei leisteten die Generaldirektoren Krone und Fischer H i l f st e kl u n g. Generaldirektor Krone hat in der deutschen Elektrizitists- Wirtschaft zahlreiche Ehrenposten, wurde erst 1S2S technischer Ehren- doktor. Er gehört w>e Fischer, den bei den Spekulationen die Hauptschuld treffen soll, der Deutschen Voltspartei an. Not hat sie zu ihren Spekulationen nicht veranlaßt: ihre Bezüge dürften 100 000 Mark jährlich erheblich überschritten haben. Beide haben aber, besonders Fischer, stets gegen jede Kontrolle gearbeitet und besonders stark die P r i v a t i s i e r u n g s a b s i ch i e n des Bank- kapitals und der Rheinifch-Westfälifchen Elektrizitätsioerte, die von der Schwerindustrie beherrscht werden, gefördert. Die Sozial- an der Ruhr. demokratie stand den beiden Generaldirektoren deshalb schon immer mit großem Mißtrauen gegenüber. Die Frage der Verantwortlichkeit wird hier sehr nach- drücklich zu prüfen sein. Als die Privatisierungsaition durchgeführt wurde, lag ein Revisionsbericht einer amerikanischen Treuhand- gesellschait vor: aber möglicherweise war den Bankmächten der Privatisierungseifer der Eeneratdireltdren Krone und Fifcher so willkommen, daß man angesichts des lockenden Privatisierungszieles entweder die erforderlichen Untersuchungen umerließ oder die Unregelmäßigkeiten der Generaldirektoren als Schönheitsfehler in Kauf nahm. Der A u f f I ch t s r at s v o r f t tz e n d e. der volls- parteiliche Oberbürgermeister E i ch h o f f von Dortmund, dem gegen den scharfen Widerstand sozialdemokratischer Kommunaloertreter die persönlichen Anstellungsverhältntsse zur alleinigen Verantwortung übertragen waren, hat. in seiner Aufsichtsfunttion ebenfalls völlig oersagt. Das Äontroll- interesie der Banken brauchte auch nicht unbedingt im Vordergrunde zu stehen, da den von den Banken übernommenen Aktien eine Vor- zugsdioidende von 6 Vi Proz. ohnehin garantiert wurde. Die nächste Folge dieser Ereignisse scheint zu sein, daß sich das Schicksal der Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen, v y m RWE. aufgesogen zu werden, noch schneller erfüllt. Heut- bereits soll eine Aerwollungsratssitzung stattfinden, für die nun ein Uebernahmeangebol durch das fchwerindullri-lle Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk erwartet. Es scheint ein Interesse vor- Händen zu sein, diese Riesensusion. die das RWE. zur entscheidenden Clektromacht in Deutschland ausbaut, möglichst ohne öffent» lichen Eklat durchzuführen. Für die Kommunen und die Volks- Wirtschaft drohen aber ernste Gefahren. Die Kommunen dürften auf Jahre hinaus keine Gewinne aus ihrer Elektrowirtfchaft mehr haben— die Banks» erhallen trotzdem ihre Vörzugsdividende —, ihre Finanzverlegcnhciten dürften sich noch vergrößern._ Wenn dffs RWE. den VEW.-Konzern übernimmt, drohen Zechen- stillegungcn, weil das RWE. den Strom lieber aus Braun- lohten erzeugt. Damit würden wieder Tausende von Berg- leuten in dem ohnehin ernsten und stillegungsreichsten Gebiet Westfalens arbeitslos. Den preußischen Staat,.der gewisse Kontrollrechte auszuüben hat, trifft die schwere Verantwortung, für den Schutz der Kommunen und der Bergarbeiter sich einzusetzen. Außerdem ist eine gründliche Untersuchung zu fordern, um die Verantzvortlich- kellen festzustellen. Durchführung des Etats nicht überschritten werden soll. Diese Fassung hat ihren Grund darin, daß die Reichsreaierung einen Eingriff in die Rechte des Parlaments und vpr altem in sein Bvdgctrecht vermelden wollt« und tat- sächlich auch vermieden hat. Damit aber steigend« Einnahmen, falls sie in den nächsten Jahren «ich ergeben sollten, nicht ohne weiteres ausgegebm werden können, ist bestimmt, daß Mehrbe räge zur Verminderung des Anleihebs- darfs, zur Schvtdentilgung oder zur Steuersenkung� zu verwenden siitb. Auch Minderausgaben können nicht ohne welleres aufgehraucht werden. Die Länder und Gemeinden dürfen ebenso 1932'81 den Haushalt 1931 nicht überschreiten. Die Abstriche im Ordinarium des Arbeitsministeriums betragen bei der Arbeitslosenversicherung..... 267 Millionen Gehairskürzung........ 63. Kürzung der Ueberweisungen... 418. Knappfchafls- und Soziawersicherung bei der Zuweisung aus derLohnfteuer 119. Einzellilel.......... 286 Das hat gewaltige Schwierigkeiten gemacht und beträgt ins» gesamt nicht nur 1159 Millionen, sondern nur über eine halbe Milliarde mehr, weil sich bei verschiedenen Ausgabeposten eine Er» höhung nicht vermeiden läßt, lieber die Ersparnismöglichteilen herrscht in der öffentlichen Meinung eine ungeheure Verwirrung. 8 Milliarden, nämlich die Ueberweisungen an die Länder und Ge- meinden mit 3, die inneren und äußeren Kriegelasten mit 4, die Verzinsung und Tilgung der Reichsschulden mit nahezu 1 Milliarde stehen zwar im Etat, gehären aber nicht dem Reiche: an dem Rest von 2/i Milliarden sind die Abstricke gemacht worden, und darin ist noch fast 1 Milliarde für soziale Zwecke enthalten. Mit dem Inkrafttreten der Gehaltssentung wird die jetzige Reichsbilfe von 2Vä Proz. wegfallen, so daß die Beamten» schaft um:i'A Proz. neu verkürzt wird. Sie teilt dieses Schicksal mit den Arbeitern und Angestellten. Der Beamte verpflichtet sich lebenslänglich dem Staat, und er darf deswegen erwar.en, daß er unter normalen Verhältnissen von vornherein seine wirtschaftliche Lage zu übersehen vermag. Wir stehen aber noch mitten in den Auswirkungen des Welt- krieges und haben uns 1327 bei der Reuordnunn des Befal- dungewesens in der Leistringrsähigkeit Deutschlands getäuscht. Mt guten.Gründen ist deshalb damals bestimmt worden, daß die Geholtsbemessung widerruflich sei. Im Laufe des letzten Jahres hat sich die Eniwicklung,, die uns zu jenen Entscheidungen veranlaßt hat, in ihr völliges Gegenteil ver- dreht. Nur mit äußerster Anspannuug konnten die Berpflichtun- qen des Reiches in den vergangenen neun Monaten erfüllt werden. Der Lebenshaltungsindex ist vom November 1926 mit 152,3 Proz. des Vorkriegssatzes bis zum November 1930 auf 143, S oder um 5,8 Proz. gesunken. Gelingt es, diesen Stand zu halt n und die Lebenshaltung noch weiter zu verbilligen, so wird der Realbezug des Beamten schließlich doch erhallen bleiben. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß die Beamtenschaft besonderes Verständnis dafür ausbrinaen wird, daß das Reich in diesen kriscnzelten eher seine verpslichlungen ihnen und allen anderen gegenüber tatsächlich erfüllen muß, als daß das Gehalt nicht um einige Prozente gesenkt werden könnte. Diese Regelung läuft im übrigen am 1. Februar 1934 ab. Länder und Gemeinden siirt» verpflichtet worden, die gleichen Kürzungen bei chren Beamten vorzunehmen. Die ursprünglichen Bestimmun- gen, die di« Gemeinden zwingen wollten, günstigere Bezüge ihrer Beamten als der Reichsbeamten zu senken, sind weggeblieben, weil diese Vorschrift verfassungsändernd wäre. Wir wollen übrigens keineswegs die Gemeinden unter Kuratel stellen, sondern nur Mißstände' beseitigen. Ein Penfionskürzungsgesetz liegt dem Reichstag vor.' Die Senkung der R-alsteuern hängt mit dem Etat nicht direkt zusammen. Wesentlich ist, daß diese Steuern im Jahre 1931 nicht erhöht werden dürfen. Zukünftige Ersparnismöglichkeiten sind in erster Linie bei den Verwaltungsausgaben des Finanz- und des Arbeitsministeriums zu finden. Die Versorgungsämter werden beim Arbeitsministenum langsam abgebaut werden können: beim FinanzministertUm hängt ker Abbau von Verwaltungsstellen von der Steucrvereinfächuna od. Die wirkliche Durchführung des Etats 1931 bedingt zugleich die Durchführung eines Teils der Vereinfachungsmaßnahmen, vor allem die Freilassung der vermögen bis zu 20 000 Iii. von der Vermögenssteuer, die Freistellung der Gewcrbet eibenden und Landwirte mit llmsähen unter 5000 IN. von der Umsatzsteuer, und später die landwirtschaftliche Einheitsbesteuerung. Die Vereinfachungsmaßnahmen lassen von rund 1.5 Millionen Landwirten, die bisher auf die Einkommensteuerpflicht geprüft wurden, und von 869 000 steuerpflichtigen Landwirten noch 43 000 Steuerpflichtige übrig. Bei der Bermöoenssteuer bleibt nur noch die Hälfte der dazu Veranlagten, nänVich 800000, übrig, bei der- Umsatzsteuer von 4,4 Millionen Steuerpflichtigen nur 2,2 Millionen. Im äußersten Falle gehen bei dieser Vereinfachung 100 Millionen an Steuern verloren, die aber auf längere Sicht durch die Erspar» nisse der Verwaltung ausgeglichen werden. Die mit 10.3 Milliarden veranschlagten Einnahmen sind in den ersten sieben Monaten des laufenden B'chaetjahres mit 5.7 Mi!- liarden eingekommen. Der Sienerausfall ist mit 900 Millionen Mark, wovon 600 Millionen auf das Reich entfallen, richtig bo- rechnet gewesen. Allerdings fällt ab 1. Februar 1931 mit dem Ein- treten der Gehaltskürzung die Reichshilfe fort. Einschließlich der Betriebskredste bei der Reichsbahn war verfügbarer Sassenbcstand am 1. Dezember 400 Millionen Mark. Der Monat Dezember ist sowohl der schlechteste Steuermonat, als auch der Monat der größten Ausgaben. Obwohl am Ende des Monats noch die Auslofungsrechte ans der Anleiheablösungsschuld mit rund 200 Millionen zu zahlen sind, sind Kassenschwierigttiten nicht zu befürchten. Am Jahresende wird aus Krisen- und Ar- beitslosenfürsorge noch einmal eine stärkere Kassenanspannung er- folgen. Sämtliche Steuern sind ungeheuer angespannt und bringen zum Teil bei höheren Sätzen geringere Erträge. Der Etat ist so sparsam aufgestellt, daß weitere Ersparnisse nur mit der Verringerung der zu lösenden Aufgaben«inhergehen können. Der Etat ist ausgeglichen, und die Gefahrenmomente des letzten Kalender- tahres sind beseitigt, eine Tatsache von ungeheurer Bedeutung für den Kredit des Reiches. Alle Maßnahmen sind auf der ileberlegung aufgebaut, daß die . Arbeitslosigkeit in diesem Winter noch stark steigen wird. Die Privatwirtschaft ist stark verschuldet, und braucht Ruhe und stabile Kreditoerhältnisse. An der Schaffung dieser Verhältnisse können wir mitarbeiten trotz der Abhängigkeit unserer Wirtschaft vom Weltmarkt. Bei den sinkenden Rohstäffpreisen ist eine Besse- rung der Wirtschaftslage möglich, wenn Kapital beschafft werden kann. Dazu muß aber die wirtschaftliche Vertrauenskrise überwunden werden. Di«?' Regierung bat alles vermieden, was mit der Verfassung 'm Widerspruch stände, und die Notverordnungen entziehen dem Parlament die Entscheidung nicht. Zu den Rotverordnurg-n baden nns die Verhältnisse ge- zwangen, und es besteht die Frage, wer die Schuld daran trögt. Ich habe ovs Vertrauen.zu der Verantwortungsfraudigkeit der Mehrheit des Hauses, daß die Gefahren, die mit der Ablehnung des Etats die öffentliche und privat« Wirtschaft bedrohen, beseitigt werden.(Beifall der Regierungsparteien.) Die Besprechung wird auf heute. Donnerstag 12 iihr, vertagt. Einige Verträge mit anderen Staaten werden ohne Debatte erledigt. Abg. Dr. Frick tNatsoz.) verlangt, daß mit der Etatzberatung auch die zweite und dritte Lesung des Etats 1930 verbunden werde. da es unzulässig sei. den Etat 1931 zu beraten, bevor der Etat 1930 erledigt ist. Die Notverordnung vom Juli kann doch nicht di« parla- mentarische versassungsmäßige Erledigung des Haushalts ersetzen. Abg. Keil(Soz.): Der Präsident hat vorgeschlagen, mit der Beratung des Etats 1951 den Ausschußbericht über Sie Notverordnungen vom Juli 1930 zu verbinden, damit wird die Stellungnahme auch zum Etat 1930 herbeigeführt und dem Wunsch des Vorredners Rechnung getragen. Da Dr. Frick auf seinem Antrag beharrt, kommt es zur Abstimmung. Det Antrag wird gegen die D-utschnationalen. Nationalsozialisten und Kommunisten abgelehnt. ■ Aus der lxirttgen Tageoordiumg stehen außerdem Anträge. über Steuern und. Landwirtschaft, sowie au' Einstellung von Strqs- verfahren, und über die Zinsen aufgewerteter Hvpothelcn. Druckfehlcrberichllgung. Im Leitartikel unserer gestrigen Morgen- ausgäbe„Notleidende und Notverordnung" von S.Aufhäü ser befindet sich«in sinnenlfiellender Druckfehler. In dem letzten Absatz soll.es heißen:„Eine weitere dringliche Forderung der Sozialdemokratie, die vierzehntägige Wartezeit in der- Arbeitslosenversicherung jür Erwerbslose ohne zuschlagsberechtigte Angehörig« aufzuheben, ist unerfüllt geblieben." Das Wort„aufzuheben" ist versehentlich Herausgeblieben. Die Hakenkreuzminister. Kränzen gesteht. Altona, Z. Dezember.(Cigeirbericht.) In ein« Versammlung in Mona kündigte der braunschmeigische Naziminister Dr. Franz«» die restlas« Vernichtung der Sozialdemokratie an. Dazu würden allerdings parlamsn, tarische Mittel allein nicht ausreichen. Wettere Maßregelungen sozialdemokratisch ir Beamten in Braunschweig ständen betör. Abschließend streifte Franz»» auch seine Berliner Affäre. Er betonte, daß er als Nationalsozialist doch nicht einen National- sozialisten der Polizei hätte zuführen können. Er sei doch kein preußischer Kilfspolizeibeamter:„Z u e r st bin ich Nationalsozialist und dann erst Mini st«r. Und wenn die ganze Koalition gegen mich ist. so werde ich doch niemals einen National- sozialisten verraten.� Mit dieser Darstellung bekräftigt Franz«« im Gegensatz zu der Annahm« des LrauNschweiger Landgerichte die Zeugenaussagen der Berliner Polizeibeamten vollinhaltlich. Lnd Fr ick wird blamiert. Die von den Nationalsozialisten in Umlauf gesetzte Agitations- fabel, wonach der thüringisch« Innenminister Frick auf«inen Teilsein er Dienstbezüge zugunsten von Erwerbslosen v e r- zichtet haben soll, hat sich als völlig falsch erwiesen. Auf eine sozialdemokratische Anfrag« im Thüringischen Landtag teilte Finanzminister Baum mit, daß Frick dieselben Bezüge wie die anderen Minister für sich in Anspruch nimmt. Helden Antrag?ricku Seooffen: Wer mehr als S pro«. Zm en mm z t. wi d mit Gefängnis nicht unter 3 Mona.en bestrast. Die Waffen der Rreslauer(SA. 350 Mann verhastet und entwaffnet. Breslau, 3. Dezember. Der Polizeipräsident hatte aus Anlaß der Wnffenfunde und der Verhaftung von Nationalsozialisten In Jäschkowitz hente zu einer Pressebesprechung eingeladen, in der Erklärungen über das Vorgehen der Polizei abgegeben wurden. Danach hatte die Polizei davon Kenntnis erhalten. daß Breslau« Nationalsozialisten in der Strachalc(Oberroalb) eine Feldubung abhalten wollten. Die Uebung, zu der sich die SA.-Angchörigen aus Breslau einzeln hinaus begaben, um sich später außerhalb der Stadt zu Trupps zusammenzuschließen, wurde von Polizeibcamten beobachtet. An der Uebung beteiligten sich etwa 200 Mann. Es wurde mehr- mals geschossen, unter anderem stiegen auch Leuchtraketen auf. Zwischen 12 und 1 Uhr nachts traf dieser Trupp im Park in Lösch. kowitz ein. wo er von weiteren SA.- Leuten empfangen wurde. In den Sälen des Schlosses war für insgesamt 450 Personen Unterkunstsmöglichteit vorbereitet. festgenommen wurden von der Polizei 350 NakiooolsoziaNsten. Unter den beschlagnahmten Waffen befanden sich einige Karabiner, Browning» und Trommeireoow«, Leuchtpistolen, Spitzhacken und angeschliffene Spaten. Des weiteren wurden 1000 Stahlhelme in einem Naume gefunden. Bei einem der Festgenommenen fand die Krimiaalpolizei eine», unterschrieben«» Befahl, der zum Au-marjch mit unbekanntem Ziel in sestlmarschmäßiger Ausrüstung aufforderte. Rittergutspächt« von Oelffen erklärt zu der Angelegenheit, daß ihn vdr einigen Tagen ein junger Mann um die Aufnahme mehrerer hundert Nationalsozialisten gebeten hätte, weil in Breslau in d« Nacht zum Aliltwoch von Unk»„ein Putsch" geplant sei nud die Nazi« um ihr Leben fürchteten. Er habe schon öfters rechteradikalen Verbänden Unterkunft gewährt und hotte schon aus diesem Grunde das an ihn gerichtete Ansinnen nicht abgelehnt. Die Argumentation des Herrn Ritiergutspächters klingt wie ein Märchen au,„Tausend und eine Nacht". oder Zm Nelchsrat stimmten Braunschweig und Tbür ngen für Erhöhung oer Zinsen der Auf- wertungshypothelen aus pro,. FRAHZEN RR/ CK Verheißen durch der Helden Kraft Ward Brechung aus der»Zinsknechtschaft�! F&iNZ&H FR/ CK Doch in der Praxis, da erweist Als stärker sich ihr Händlergeist! Eine dumme Gowjet-Prsvokation. Englischer Protest in Moskau gegen eine Rundfunkrede. Kalckreuth gegen Schiele. Vevtfchnatioaaie verlangen einen llnterfuchvngsavsschvß über die Voggenstühung. Ei» Antrag der d«utschnational«n Neichstagsfraktian perlangt von der Rtzichsreglerung die umgehende Einsetzung ein«? Unter- iuchungsausschusies mit der Aufgab«, über die in der„Deutschen Tageszeitung" erhabenen Vorwürfe gegen die Durchführung der Noggenstützung Feststellungen zu treffen. Insbesondere sollen im Zusammenhang mit der Roggen- und Flockenstützung behauptete unredliche und Scheuiges chcifle vpn Privatpersonen, Reichsstellen und Beamten und die Fragen untersucht werden, ob die zur Roggen- stützung geschlossenen Verträge den Grundsätzen eines ordentlichen und ehrbaren Kaufmanns" entsprechen, ob mühelose Gewinne zum Schaden der deutschen Land Wirtschaft erzielt wurden und ob die „Roggen, und Flockenstüßung" der Reichsregierung sich günstig oder schädlich für die deutsch« Landwirtschaft ausgewirkt hat. Das ist Graf von Aqlckreuth«, de, neuen Landbund. Präsidenten, Geschoß gegen Schiele, den Führer des Landvolks. Der arm« Schiele wird bald als preußischer Marxist„entlarvt" sein. Außenminister Schober. Daugoin»si Heeres minister geblieben/ EnberAundeskonzlor Wien. Z. Dezember.(Eigenbericht.) Die Verhandlungen des Lande, Hauptmanns von Vorarlberg zur N.e ubildung der Negierung, die am Dienstag vereils als gescheitert galten, jedoch am INIllwoch aus den aus- drücklichen Wunsch de» Bundespräsidenten sortgeseht wurden, sind abends abgeschlossen worden. Der Schober-Llock beseht das Pizekonzleromt und da» Außenministerium mit Schober, das tznuriimmificrium mit HZ i n k l« r und da» Zustizministerium mit Schürf. Don den Christlich-Sozialen werden dem Ministerium außer Dr. E n d e r als Bundeskanzler angehören: D ä u g o i n, Czernak. helnl. Zuch und Thaler. Der christtich-soziale Abg. Dr. D r e x« l erklärte in einer Red«, daß auch in der Christlich- Sozialen Partei die Idee der Diktatur immermehrAnhang findet und man die Gültig- keij des Gelöbnistes der Lpg-ordneten auf die Verfassung bezweifeln Müsst. Er persönlich aber, so erklärt Drexel, bleibe mit keinem in der Partei, mit dem man oft diskutieren müsse, ob das Gelöbnis aus die Verfassung verbindlich sei. London. 3. Dezember.(Eigenbericht.) Dieser Tage Hai der Moskauer Sender eine an die englische Arbeiierschast gerichtete, in englischer Sprache gegebene und von Maxim Gorki versahie kommunistische Agitalionsrede verbreitet, in der die englische Arbeiter. schasl ausgesordert wird, das russische Beispiel nachzuahmen und die Sowjetdiktaiur in England zu errichten.(!>) Großer Prolest der englischen Presse und al» zweite Folge eine konservative Anfrage im Uaterhaus Da die Moskauer Rundsunkrede gegen das von Rußland mit Englaad vereinbarte Rundsuukabkommen verstößt, da« jede kommunistische Pro- paganda aueschließt, blieb dem Auheuminlster henderson natürlich nichts anderes übrig, als den euglifchen Botschafter in Moskau zu beaus.ragea, bei der russischen Regierung gegen die Der- lehung des Rundsuntabkommens Einspruch zu erheben. Die wir aus guter Quelle ersahrea, ist die Moskauer Rundfunkrede selbst dem russischen Botschafter in London auf dle Nerven gesellen, der durch diese iortgesetzteu Moskauer Dumm- Helte« seine ganze Arbeit gefährdet fleht. Der„D a i tch Herold" verwarnt die Moskauer Regierung ernsthast. Mit Auereden und faulen Redensarten sei es jetzt nicht mehr getan. Sie wären auch dem Ernst der Sache wenig zuträglich. Gute Beziehungen zwischen England und Rußland seien die Dar. bedlngungen für den europäischen Frieden. Wer diese guten Beziehungen zwischen den beiden Ländern stört, möge er In Rußland oder in England sitzen, sei ein Feind des Friedens und des eigenen Volkes. Reue Schlachiopfer für Sialin. Wieder zwei Prozessoren. Rom NO. z. Dezember. Ans Moskau wird gemeldet: Dle QGPU. hat den Professor an der Kriegsakademie Schnkiu verhasM. Schutin wird zur Last gelegt, daß er in der Sowjetunion Spionage zugunsten Frankreichs gelrieben habe. Ferner ist der russische Staatsangehörige Meyer verhastel worden, da er ebenfalls im Verdacht der Spionagetätigkeit steht.. Der Rat der Volkskommissare der Sowjeiunion Hai Pro- sessor Bogolepow von seinem Posten im Präsidium der staatlichen Giaskommisflou der Sowjetunion abberufen, da er De- Ziehungen zu der Organisation Ramsin gehabt haben fall. Vamsin in Paris ständig überwacht. Parts. 3. Dezember. Der„Marin" veröffentlicht«ine Erklärung Dr. Ramsins.. des Bruders des hauptangeklagten im Moskauer Industrie- prozeß, Professor Ramsin: Professor Ramsin sei in dienstlichen Angelegenheüen und auf Weisung von Moskau nach Paris ge- kommen, und. zwar gleichzeitig mit einigen anderen Fachleuten. He seien, wie da» üblich ist, von mehreren Mitgliedern der Russischen Kommunistischen Partei begleitet gewesen Einen oder zwei Tage nach dir Ankunft seines Bruders in Paris sei er selbst eben-' falls Nach Paris gekommen, um im Gesundheitsamt der Stadt Paris sich über Flltriennethoden zu unterrichten, und er Hab« b«i dieser Gelegenheit seinen Bruder sehen wollen. Er habe festgestellt, dqß' sein Bruder unter ständiger Bewachung der ihn be» gleitenden Kommuni st en gestanden habe. Jedesmal wenn er mit chm selbst ausging, fei er verpflichtet gewesen, seinen Be- aleitern zu sagen wohin er gehe, und daß et in Begleitung seines Bruder» fei. Da die Begleiter des Professors Ramsin nur sehr im- vollkommen französisch sprachen, hätten sie sich ständig des Professor» Ramsin als Dolmetscher bedient. Sein Bruder habe sich niemals mit Politik beschäftigt, und es sei völlig absurd, anzu- nehmen, daß er unter der Bewachung, unter der er gestanden habe, an irgendeiner Verhandlung nach Art derer, derentwegen er unter Anklage stehe, teilgenommen hätte. Siraßenbahnkatafirophe. Eine Straßenbahn in Leningrad vom Eisenbaßuzug überfahren.— 23 Tote. Leuingvab, 3. Tezember. An einer Eisenbahnüberfahrt ereignete sich hente ein Ansammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen und einem Eisenbahnzug. 28 Fahrgäste der Straßenbahn wurden getötet, IS verletzt. Bauernunruhen in Ltngarn. Massenzahlungsstreit der Pächter. Budapest, 3. Dezember.(Eigenbericht.) Aus dem ungarsschen Tiefland werden Bauernunruhen gemeldst. In Szegedin sind 15 000 Pächter in den Zahlung, streit getreten, indem sie die Zahlung der Pachtzinsen an die Guts- besitze? verweigerten. Gleichzeitig veranstalten arbeitslose Landarbeiter fast täglich vor dem Szegediner Rathaus Kund- gedungen._;_ Faschisten enidecken �Geheimbünde". Drei Verschwörungen gegen den Staat aufgedeckt. Rom, 3. Dezember.(Eigenberichl.) Zn Rom, in Oberitalien, in der Emllia und Romanig wurden. wie amilich miigeteili wird, von der Politischen Partei drei„ynti- faschistische Geheim bünde" entdeckt. Die Führer. darunter der Antifaschist Ricardo Bauer, wurden oerhaftet. Dazu ist zu bemerken, daß jede offene Aeußernng gegen da» saschistlsche Regime bereits als verbrechen betrachtet und demeutsprechead abgeurteilt wird, wer in Zialien ein Flugblatt verbreitet, gehört anter allen Umständen einem„G e h e i m b u n d" an. Die SpäiabendblZlier kommeniieren die Entdeckung der„Gc- hcimbunde" natürlich mit Befriedigung. Da» Blatt der faschistischen Arbeilersyndlkate sagt z. B., wenn e» auch menschlich sei, daß e» Unzufriedene gebe, so müsse der Faschismus doch mit Gewalt seinen Sieg verteidigen. Die mehr oder minder gut organisierten versuche he» Antifaschismus seien vergeblich. E» sei absurd zu denken, man könne wieder zurück. Die„Tribuaa" lobt das recht- zeltige Einschreiten der Politischen Polizei, ihre stille und überraschende Arbeit und stellt fest, daß sie niemals zu spät kommen würde. Der vor Wochen oerhafiei« bekannte Philosoph Professor R« n s i ist inzwischen aus der chaft entlassen worden. In einem Brief an die Polizei hat Rensi versprachen, sich künftig ausschließlich seiner Lehrt ätigkeü zu widmen. polizeiverstärkung nach vberschlesien.'In Anbetracht der auf die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse in Oberschlesien zurückzusührenden gespannten Lage ist die Schutzpolizei in Oppeln am Mittwoch verstärkt worden. P!« Verstärkung ist als vorbeugend« Maßnahme gegen eventuelle spontan austretende Ausschreitungen gegen die polnische Minderheit gedachi. Otto Nnschke, der bisherige Chefredakteur der Berliner„Volks- zeitung". der Ende November aus dem Verlag Masse ausgeschieden ist, ist von der Deutschen Siaaispartei als deren Reichs- gefchäfssührer ausersghen. Die bisherigen Angestellten der Reichsgefchästsstelle der Demokratischen Partei sollen inzwischen ihr« Kündigung erhalten haben. Kechs Monate Gefängnis für hamkeas. Im Kßnigsbergex Landoolkvro'eß wu--''« fiamkens wee-en for�efetzien Be-'ebcns gegen den ß 1 der Verordnung des Reichspräsidenten zur Wieder- nerstellung der ösfentlichen Sicherheit und Ordnung vom 15. September Ig?Ä. wegen fortgesetzter öffentlicher Beleidigung in einem Fall« und öffentlicher Beleidigung des Landwirtschastsministers Steiger in einem weiteren Falle zu sechs Monaten Gefängnis und zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt. Der polnische Sejm ist zum 9. Dezember nach Warschan ein- berufen woichen, ebenso zum selben Tag der oberschtzesischc Sejm nach Kattowitz.— Korfantys Blatt„Polonia" oerzeichnet das Gerücht, daß Wsjwode G r a z y n s t i nach WilNa oder Wvlhynien versetzt werden soll. Frangols Eoly. der unzählig« Millionen in der Parfümerie- Industrie verdient hat und Besitzer der faschislisch-nalisnalistischen Blätter„Figaro" und„Ami du Peuple" geworden ist, soll nunmehr auch das.führende Blatt der, französischen Reaktion„E ch n de Paris" erworben haben. Kartoffelhumbug. Wie man die Löhne, aber nicht die preise senkt. Der einzigartige Beschluß des Reichsarbeitsministers, die All- gemeinverbindlichkeit des Tarifvertrages im Berliner Kartoffelgroßhandel aufzuheben, verdient noch näher beleuchtet zu werden, weil er an einem geradezu klassischen Beispiel aufzeigt. wie der Reichsarbeitsminister das Rcgicnnnz'prazrimm der Lohn- und Preissenkung durchführt— oder vielmehr nicht durch- führt. Die Allgemeinverbiridlickleit tritt nach diesem Beschluß mit dem 15. Dezember außer Kraft. In der Begründung wird auf die angeblich hohen Löhne hingewiesen, die zur Verteuerung der Kartoffeln beitrügen. Die Aushilfskräfte erhielten 1,60 M. die Stimme, also 76 50 M. die Woche, während die st ä n- d i g e n Arbeiter 75 bis 85 M Wochenlohn hatten. Dazu ist zunächst folgendes zu bemerken: Diese Löhne werde» nur während der Monate Oktober und Novem- b e r gezahlt. Mit dem 30. Norembcr sind sie bereits außer Kraft getreten. Die Entscheidung des Reich-arbeitsministers bezieht stch also auf Löhne, die gar nicht mehr gezahlt werden. Aber bekommen die Aushilfskräfte 76,50 M. die Woche? Tat- sächlich werden die Gelegenheitsarbeiter nur stundenweise bezahlt und euigestellt. Iin Dun« schnitt arbeiten sie nicht mehr als 30 Stunden die Woche. Ihr Lohn beträgt also nicht 76.50 M., sondern im Durchschnitt etwa 30 mal l 60— 48 M je Woche. Dies tür eine außerordentlich fä�vcre und intensive Arbeit. Dann können sie wieder seiem, ohne jedoch Anspruch auf Arbeitslosen- Unterstützung zu haben. Fällt der Lohn der Arbeiter iin Kartvffelqroßhandel überhaupt ernsthaft bei den Preisen ins Gemicht? Es klingt märckenhaft, un- wahrschemlich, aber es ist eine Tatsache, daß während der zwei Monate der intensiven Kartaffelbelieferung insgesamt in ganz Berlin zur Versorgung der q'sam>««> da mt mit Arftelt«». Seilt«. 10V Berlawllnun» aller rart-iq aössischä» L-aarlen. ual> Ar im Sola!.�ckilcftsS� Setmat". Neue isilcbrlS ftr l.?ast«aordnunii.- ?crlraa der«veoosön Paula Äuraak ttdc«.. Itrtrre Ltcllauz ,u tra äraraiaKaai'Uuo. ia j-ct Watllladr spü-ec".- Zlu�socat«. D«richlcd:»c»: Lrschcuu» alt Pflicht. Soiupatüisisrdlt« löunt» mUaebrachr warb.'». ~: graltioasvorstaub. �reieGewerkkchasis-�uaenv Berlin «uj«. TorniftätOfl. um xaVj IM», taue» die Srunpeu: Növenul' Zuaerbbeim Grllraucr Str.». lZichtb'ldcxuortrau:'.Znteregautes aus � England".— Gcfurbbroni-fii! IugcndiicSm i ptt Schule,(?cit;nlutRct S'raS« 2. As mbetprechunq. Brcltsp'.rle.—<2 ii hatten: Orjooinjjclm Reichen, bcrger Str.«iß(««»ttm.chtl. veimbklvrrchung.— Seifaulbnf: Grllpvmcheim fcnjemtt®ctmamn(tt. 4— 6, Emaanfl EiHttratz�. ßclmMsrcrfiung.— Moabit: Iuäendlicil» Sichritt Str. IS— 49. Lc n.Srsvrcchuna. Schachabend.— Reu- Süchttntctfl:(tuaendlxim Euntetftc 44. Tartra«:»Warum lall Ilch itbtr oraani. ftcrenf"— Sitfterticia: Au«e«dhclm Saiiff- an her ScfteaflroRc. Bortraa: »Die Arbeit« ollatcit und idrc Ausmirluun".— Lauhsbcrac« Alatz: guatuhbt ui Dlrstelmercrllr. b. Seimlutprtchung. Bi-chkontrallr.— SchSrhaaser Tot: Zu, sainin'>-ru»'': joden Tonntr-taz im Zuzanbholm ckiockftr. 16 tgeuerwlirhau-). Htg»i>«lvrechi>ng. © /inaenstt'ntvve Per AnneKellt-n s«u't, ckonnrrelau. finden'olaende Boranstaltunuen ftatt: Baakow» Ricdorfch öicha»:»»: Iugendhoim Sörschstr. 14 igtoßc� 3 mm tri. Grupptnin tslitdcrucrsanimlune.— vgen, Zuatcbbtim der Schule ßiiouer Stragc 18. lüvKWUimitflliti.'CDetfaaimlun«.— Treptow: Zua-Ndlioim dtr Schul« SLildenbruch-ttr. 83 i.gnaerna von dcr Gratbltrah« in Trepiowl. Eruppen- milglicdcrvcrsaiumiung.—»arten für den Scinrich-Scine-Aberd am iZreiiaa. lZ. Dwmur, zum Preise von 4Z Pf., sind im Iraendtckrctariat und IN dt» Iuaendc.ruppcn erbälilich.—«arten für Ve Ina.ndvorftcllmra der Poifzhlliine ain 1. Januar, zum Preis« van 80 Pf-, sind in, Iuizendselrclarlat zu haben, � 1""J Perantwortlich fllt Politik: Pietor Schilf; Wirtschast: ß.«lino.elhrser: Gcwerkschaftsbeiveuuna: 3. Steiner: Keuiileion: Dr. 3oh» Schlkowel-I Lolaito und Saufligoa: gvii,«arstZh!; Anzeigen: To. Eloii«: sämtlich in Perl.u. Berlaa: Porwarie.Prrlai! ch.«. b. S.. Perlin..Druck: Porwarts-Lu:' druckerei und Pcrlagsauftalt Paul£ naer u. Co. Setiin Sffl 68, Lindenftraee 3. Sierz» 2 Beilagen und.Zrauenftimmr'. 1 8el!li8 SlMWlls ZedlsSkr »lIIllI»»!II»!>I!>II>iI»iiiilI!»I>IIIII»II!l>IIIIII»!»IIIIII!IlI>li!»I>II»I»IlIIIIIIIIIIIIIlIlIIlilll kür unsere(»esclisiikivocke �er unsere lleuiägeri Angebote besichtigt, wird begeistert sein von der unfaßbaren Billigkeit so hochwertiger Qualitätswaren.— Es sind typische Beispiele für BsflielsLeisdiaien io der WeilusMeil Donnerstag, Freitag, Sonnabend Ein Gelegenheitskauf ersten Ranges! Reinseidene MkreiMSM»«!! �Binder und Schleifen) w vorzügl. Qualität und Hocfainodemen Muttern Ectjückendes jnjesdlichet Nadiniittads- il aus reinseidenem Georgette, prächtiger Kragen-Gamitur. m. 8-{ach. Volants, in der«lodern, lang. Linie, mit reinseid. Crfipe- de-Cbine-Un- terkleld, in viel. 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Die Sachverständigen-Gutachten im Grosz-Prozctj. 3m weiteren verlaus des Prozesses gegen den Kunstmaler George Grosz äußerte sich der AngeNagle auf Befragen von Landgerichtsdirektor Siegert über feine Einstellung zur Religion: Ich bin im Grunde ein religiöser Mensch, bin bis zu diesem Prozeß in der Kirche gewesen und erst nach dem ersten Urteil ausgetreten. Ich«mzzfinde in der Religion ein wunderbares Mythos. Vors.: Und wie stehen Sie zum Dogma. erkennen Sie die Glaubenssätze der Kirche an? A n g e k l.: Ich glaub« ja. Vor s.: Warum sind Sie dann ausgetreten? A n g e k l.: Die Kirche hat mich nicht in Schutz genommen. Ich stand in dein Prozeß schutzlos da. Ich habe die Kirche nicht an- gegriffen, und doch hat man mich angeklagt und verurteilt. Es wird dann mit dem Angeklagten die Kunstmapp« durch- gesprochen. Das erste inkriminierte Bild hat die Unterschrift:„Seid Untertan eurer-Obrigkeir und zeigt neben zwei Vertretern des Militärs einen Richter mit der Poragrapheaknute und einen Priester, der auf d e r N a s e das Kreuz balanciert. Vors.: Was haben Sie sich bei dem Priester gedacht? A n g e k l.: 3ch habe gewiffe kriegshetzerische Vertreter der Kirche tressea wollen. die den Militarismus unterstützen. Vors.: Wie sind Sie dazu ge- kommen, diese Bilder herzustellen? Angekl.: Es sollte das ein Untermalen der Humorvollen Darstellung des Schweif sein. Auf der Bühne hat niemand daran Anstoß genommen. Ein Künstler will doch seine Produkte auch zur Geltung bringen. Vors.: Dabei wollten Sie doch auch Geschäfte machen? Angekl.: Ach, diese Sachen bringen nichts ein als nur Scherereien, selbst wenn etwas daraus erlöst wird. 5)interhcr kommt die Geldstrafe und dann ist alles weg.(Stürmische Heiterkeit.) Die Verhandlung wandt« sich dann der zur 2lnllage stehenden Abbildung, des Christusbildes mit der Gasmaske zu. George Grosz gab dazu die Erklärung ob, daß nach seiner Meinung die Kriegshetzer selbst«inen Christus, wenn er heut« unter den Menschen leben und Nächstenliebe predigen würde, in Soldaten- kleidung stecken und ihm zurufen würden:„Maul halten und weiter dienen.' In dieser Auffassung habe er das Bild gemalt. Vors.: Haben Sie denn nie daran gedacht, daß ein gläubiger Christ sich durch diese Zeichnung verletzt und abgestoßen fühlen könnte, daß ein einfacher Mensch aus d«m Volke, dem ihre Absicht nicht er- klärt wird, sie absolut mißverstehen kann? Angekl.: Nein. Nach meiner Meinung versteht das jeder Mensch und gerade ich bin einer der wenigen Zeichner, denen immer wieder von einfachen Leuten gesagt wird, wie«indrucksvoll die Zeichnungen gerade in ihren Kreisen wirken. Vors.: Es ist Ihnen als religiöser Mensch doch bewußt, daß das dargestellte Symbol für viele Menschen das Höchste bedeutet. Jede Karikatur und jede satirische Darstellung, ja selbst jede Veränderung des Christusbilde-, ganz gleich nielcher Tendenz. ist ihnen nicht recht und verletzt sie sogar häusig. Das ist aüch die . Auffassung des Reichsgerichts. Angekl.: Die alten Meister habe« Christus in all feinen Leiden viel schärfer und stärker dargestellt. Nach dem Standpunkt des Reichsgerichts hätten alle diese anerkannten Künstler wegen Gotteslästerung oerurteilt werden müssen. Ich muß mich entschieden dagegen verwahren, daß ich Christus verhöhne, wenn ich ihn mit einer Gasmaske darstelle. Ich zeige eben nur die furchtbare Brutalität einer Zeit, die zu solchen Taten fähig wäre. Im übrigen habe ich das Bild mit einfacher Selbstverständlichkeit gezeichnet und nie als irgendein« falsche Auslegung gedacht. Als erster Sachverständiger wurde Reichskunstwart Dr. R e d s l o b vernommen: George Grosz sei ein Künstler von großem Wert, der in den Museen, Kunstkabinetten und graphischen Inststuten der ganzen Welt vertreten sei. Er habe sich aus seiner Zest heraus einen eigenen Stil gebildet, der nicht aus Nach- ahmung beruhe und durchaus schöpferisch sei. Die jüngere Generation, auch wenn sie sich gegnerisch verhalte, habe für die Art seines Schaffens im Gegensatz zu der ästeren Generation Verständnis. George Grosz sei ein typisch deutscher Graphiker, der sein Gewissen sprechen lasse. Er sei ein innerlich frommer Mensch und wolle, daß die Menschen bester seien, als er sie sieht, sei ein eifernder Künstler, ein Moralist, ein Mensch, der die Well anklage. Damit müsse er sich in gewiste Gegensätze zu seiner Zeit setzen. Die Welt werde schärfer angesehen, seitdem es einen Georg« Grosz gäbe. Er wende sich in seiner Künstmappe gegen den Mißbrauch der ge- heiligten Einrichtungen des Staats und der Kirche zugunsten des Krieges. Es sei zuzugeben, daß die Art der Zeichnungen be- fremdend erscheine. In seiner Darstellung erblicke man aber die Reuerlebung des vpfertodes Christi durch den Krieg, nicht eine rohe Beschimpfung der christlichen Kirche. Es seien erlaubte künstlerische Mittel zur Aufrüttelung. Im Wesen des einfachen Menschen liege es, die Dinge im Herzen zu sehen, er sei einer religiösen Aufrüttelung«her zugänglich als der komplizierte Mensch. Grosz sei das künstlerische Gewissen von heute genannt worden, so betonte Rcdslob. Der zweite Sachverständige, der vernommen wurde,� war der greise Strafrechtslehrer, Eehcimvat Professor Dr. Kahl. M. d. R. Einleitend erklärte er, daß er in dieser Frage bewußt im Gegensatz zu allen Rcichsgerichtsentscheidungen steh«. Er müsse an der inneren Ueberzeugung festhalten, daß das Schutzobjekt des§ 166 nicht das religiöse Cinpsinden und Gefühl darstelle. Das fei schon nach dem Wortlaut dieses Paragraphen unmöglich. Es ist zu prüfen, ob im Einzelfall die angewandten Mistel nach ihrer objektiven Bedeutung die beschützten Einrichtungen der Kirche gründlich beschimpfen. Die Gefühlsverletzung ist nicht gleichgültig. Di« Ausrechterhallung der Religionsgesühle ist«ine Staateizotwendig- lest. Die Frag«, ob jemand sich strafbar geniicht hat, hängt davon ab, ob die angewandten Mistel objektiv die Kirche beschimpfen. An sich sind zweifellos Gasmasken und Soldatenstiefel kein« beschimpfen- den Mistel. Es fragt sich nur, ob ihve Verwendung bei bestimmten Personen, wie hier ihre Anwendung auf den Erlöser oin Kreuz, beschimpfend sein könnte. Vors.: Würden Sie persönlich eine roh« Beschimpfung annehmen? Prossssor Dr. Kahl: Für die Entschei- drntg des Gerichts hat die Meinung eines einzelnen, auch die eines Sachverständigen, keine Bedeutung Mich persönlich hat das Bild außerordentlich peinlich berührt. Woran ich Anstoß genommen Hobe, ist die ungeheure Einseitigkeit und die dadurch hervorgetretene Unge» rechtjAkefit, mit der der Gedanke zum Ausdruck gebracht worden ist, daß-der Krieg unter allen Umständen ein schimpfliches Handwerk ist. Ich bin weiß Göll des Glaubens und der Hoffnung auf den Völker- frieden. Kann es denn nicht auch einen gerechten Krieg zur Ver- teidigung des Vaterlandes geben? Soll es ausgeschlossen sein, daß die Kirche zum Kampf für das Vaterland ausruft? Das ist es, was mich an diesem Bilde stört. Sodann wurden die kirchenverlreler alz Sachverständige a vernommen, deren Gutachten über das Christusbild die Straf- kammer angefordert hatte. Pfarrer Dr. Schreiner vom eoange- tischen Oberkirchenrat bezeichnete das Christusblld als eine Willens- äußerung, durch die einem religiösen Menschen etwas Hohes ver- ächtlich gemacht werde. Das Kreuz sei für jeden Christen die Grundoffenbarung Gottes, und wer es verächtlich mache, beschimpf« damst die kirchliche Gemeinschaft. Die Roheit der Form der Dar- stellung greife jedenfalls nach dem Heiligsten, was es für einen Christen gebe. Es gehe nicht an, Friedensworte aus dem Evange- lium herauszureißen, und alles ander« als unreligiös zu bezeichnen, denn das Evangelium sei eine Synthese von Friedeaswerken vnd kriegerischem Gehalt. Aus dem beanstandeten Bild sei Christus offenbar nicht eine leidende Gestalt, sondern ein Verkünder. so daß der Sinn des Bildes bedeute: Auch Christus hetzt zum Kkiegel Wenn jedoch der Künstler mit Bestimmtheit behauptet, sich nur einer anderen, reineren Absicht be- wüßt gewesen zu sein, so müsse man ihm das glauben. Als Vertreter des bischöflichen Episkopüs sprach der Theologie- Professor Wagner von der Universität Breslau. Vom Stand- punkt der katholischen Kirche aus wirke das Bild wie eine Ver- höhnung Christi und sei für jeden unbefangenen Beschauer schwer anstößig. Es gehöre eine große Ehrfurchtslosigkeit des darstellenden Künstlers dazu, den Heiland in dieser Art abzubilden, so daß dos religiöse Gefühl jedes Menschen aufs tiefst« verletzt werde. Zum Schluß der Beweisaufnahme wurden die von der Verteidi- gung geladenen Sachverständigen vernommen. Der Schriftsteller Graf Keßler, Dr. Alb recht von der Ouäkergemeinde, der katholische Schriftsteller Walter Dirks und der Pfarrer B l e y e r begründeten in mehrstündigen Ausführungen ihre Meinung über das Christus-Bild, die absolut von der Meinung der offiziellen Kirchen- Vertreter abwich. Alle schlössen sich der Auffastung des Zeichners Grosz an und konnten in der Darstellung keine Beschimpfung eines religiösen Symbols erblicken. Am das große Bebel. Krieg" abzuschaffen, müßte mit scharf«« Massen gekämpft werden. Daher sei«s durchaus verständlich, wenn der Künstler das Symbol des leidenden Christus darstell«, um die furchtbaren Folgen der Kriegshetze eindringlich anzuprangern. Das Urteil dürfte am heutigen Donnerstognachmittag zu er- warten sein._ Ein wilder Herrenfahrer. Drei Monate Gefängnis für Stadtrat Benecke. Di« Derkehrsstrafkammer des Landgerichts I beschäftigte sich nochinals in der Berufungsinstanz mit dem Verkehrsunfall, den der Stadtrat Wilhelm B e n e ck e, der stellvertretende zur Zeit be- urlaubt« Bürgermeister des 10. Bezirks Zehlendorf, am 2b. November vorigen Jahres mit seinem Wagen in der Martin-Luther-Straße Ecke Neue Winterfeldtsträße mit Wer anderen Kraftdroschke gehabt hatte - Bei. diesem Unsall. waren.zwei Frauen, die sich als Fahrgäste in der Kraftdroschke befanden, herausgeschleudert ward«!. Eiuc Frau war an den Folgen des Unfalls gestorben. Stadtrat Benecke war wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung vom Berkehrsgericht Mitte zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden, während der Kraft- drofchkenführer Misseid 100 M. Geldstrafe erhalten hatte. Das Schöffengericht hatte Benecke die Hauptschuld zugemessen. Er hatte sich das Vorfahrtsrecht erzwungen und einen«zu kurzen unvorschriftsmäßigen Bogen über die Straßenkreuzung geinacht. Gegen dieses Urteil hatten Rechtsanwalt Dr. Sack für Stadtrot Benecke und Rechtsanwalt Dr. Georg Hirschfeld für den Kraft- drofchkenführer Berufung eingelegt. Nach mehrmalrger eingeheirder Beweisaufnahme durch zahlreich« Zeugen und Sachverständige kam die Strafkammer zur Verwerfung der Berufung beider Angeklagten auf deren Kosten. Ifeää? 27] 27] Am Schalter nahm ihm der Kassierer den Scheck ab, warf einen flüchtigen Blick darauf und sagte:„Hundslötter ist in Zahlungsschwierigkeiten. Ich weiß nicht, ob wir noch auszahlen könnenl" Damit verschwand er hinter der braunen Tür. die zum Allerheiligsten führte. Ludwig durchfuhr ein Schreck. Hundslötter in Zahlungsschwierigkeiten? Wenn er das Geld nicht ausgezahlt kriegte, was dann? Sein ganzes Ver- mögen, die großen monatelangen Lieferungen an Hundslötter steckten in diesem Scheck. Aha! Jetzt ging Ludwig ein Licht auf. Darum also war beute der Alte nicht wie sonst im Büro gewesen! Ludwig stand wie aus Kohlen. Neroös klopften seine Finger die eichengetäfelte Schalterwand. Ein Meister trat ein, der ihn gut kannte. „Nanu, was ist mit Ihnen los. Eisermann, Sie sind ja käsebleich?' „Wahrscheinlich ist Hundskötter pleite!' Auch der Neuangekommene erschrak für einen Moment. Dann schimpfte er Ludwig aus. „Wie konnten Sie auch so'n blindes Vertrauen zu Hunds- kötter haben. Ich für mein Teil traue keinem übern Weg. Meiner kleinsten Lieferung läuft per Post die Rechnung hinterher!' Die braune Tür öffnete sich. Der Kassierer erschien im Schalterrahmen. „Bodaure sehr, wir können nicht mebr zahlen. Eben er- hielten wir die Nachricht, daß die Firma Hundskötter in Kon- turs geraten ist!' Der Kassierer gab Ludwig den Scheck zurück und wandte sich einem andern Kunden zu. Ludwig ging. Er war so erregt, daß er nicht einmal seinem Hcmdwerkskollegen Adieu sagte. Atemlos kam er bei Hundskötter an und fand den Alten vor. Wütend warf er den Scheck auf den Tisch und rief:„Hier der verdammte Wisch! Nicht zahlbar! Warum betrügen Sie mich?' Der Alte vergaß ganz, seine Brille zu Ende zu putzen. Er machte sich auch gar nicht die Mühe, das von Ludwig weggeworfene Papier zur Hand zu nehmen, sondern deutete auf den nächsten Stuhl und sagte:„Setzen Se sich. Herr Eiser- mann. Wir wollen nich streiten, wir wollen nich schreien, wir wollen in Frieden auseinanderjehen!' Ludwig setzte sich tatsächlich. Aber er tat es ganz mechanisch. Er hörte auch, daß Hundskötter sprach, leise, eindring- lich: es klang wie der Fall schwerer Tropfen in ein Becken von Metall. Aber er verstand nur zur Hälfte, was Hunds- kötter sprach. Daß es ihm außerordentlich leid täte, daß alles so ge- kommen sei.— Daß er zwar ein alter, erfahrener Kaufmann sei, daß er aber etwas derart Fürchterliches wie die derzeitige Wirtschaftskrise noch nicht erlebt habe.— Daß große Häuser stürzten in der ganzen Welt, und daß auch sein Haus in Ge- fahr stünde, von einem solchen Sturz gänzlich mitgerissen zu werden.— Daß er zwar eine Viertclmillion Mark Außen- stände habe, daß er aber für den Augenblick nichts herein- bekommen könne.— Daß feine beiden Hauptkunden, einer in Kopenhagen und einer in Buenos Aires, insolvent ge- worden seien, und daß nirgendwo, weder im In-, noch im Auslande zur Zeit Geld flüssig und als Darlehn aufnebmbar sei.— Daß er sich aber an dem Zusammenbruch verantwort- lich fühle, weil er mehr Aufträge ausgegeben habe, als er eigentlich in so schweren Zeiten hätte tun dürfen.— Daß er alles daran setzen werde, seine Lieferanten auf Heller und Pfennig zu bezahlen: besonders aber ihn, Ludwig Eifer- mann.— Daß er diese Absicht sedoch augenblicklich nicht ver- wirklichen könne und daß er daher um Verständnis, Aufschub und Schonung bäte. L"dwig war dem Weinen nahe. „Hundskötter", sagte er,„ich hätte auf Sie Berge ge- baut. Und nun ist alles futsch. Trotz meines Fleißes bin ich ruiniert. Kein Pfennig im Hause. Ich kann meinen Gesellen nicht einmal den Lohn auszahlen!' Hundskötter wiegte den gewaltigen, pockennarbigen Schädel:„Wissen Se, Meester, die sollen nich darunter leiden, die nich. Ein paar Hundert kann ick schon noch locker machen. Die Arbeiter dürfen wir nich sitzen lassen, unter keenen Uni- ständen nich. Die müssen ihr Jeld haben!" Er schlurfte hinaus und kam nach einer Weile mit fünf- hundert Mark wieder. „Hier, Meester, nehmen Se det for Ihre Leite. Det is alles, wat ick forn Augenblick tun kann!" „Und ich?" fragte Ludwig gedehnt. „Geduldigen Se Ihnen, Meester. Zwce Wochen wird et dauern, denk ick, denn werd lck saniert sin. Denn sollen Se Ihr Jeld ooch kriegen!" Der Patriarch steckte seine dicke Brille in das zerschlissene Futteral. Das war für Ludwig das Signal zu Aufbruch. Er spürte, hier war für den Augenblick nichts mehr zu machen. „Abwarten und Tee trinken!" dachte er beim Heimfahren. Im geheimen war doch noch die Hoffnung in ihm wach,� fein Geld von Hundskötter zu erhalten. Der Mann u7ar in seinen Augen nicht schlecht, mochten die andern Meister noch so gehässig von ihm sprechen. * Mochten Hundskötters Zahlungsschwierigkeiten auch nur vorübergebender Natur sein, so zogen sie doch für seinen Be- trieb für den Augenblick einschneidende Veränderungen nach sich. Ludwig inachte sich das sofort klar. Zwei Gesellen mußten auf der Stelle ausscheiden, wenn für Hundskötter nicht mehr geliefert wurde. Wen nun von den vieren sollte er entlassen? Sandow kam nicht in Betracht, der war ihm unentbehrlich geworden. Aber es war dennoch schwer, unter den drei andern zu wählen. Mißmutig lies er in eine Kneipe, um sich Mut anzu- trinken. Bei der fechten Molle war er sich klar, daß er die beiden zuletzt eingestellten Gesellen entlassen wolle. Mit kübnen Schritten, aber merklich schwankend, stieg er in die Werkstätte. Mit einer Handbewegung winkte er die Gesellen an seine Bank heran. Sie schalteten sofort die Ma- schinen aus und kamen. „Leute... Leute...' stammelte er. Es fiel ibm wirklich schwer, auszusprechen, was er auf dem Herzen hatte. Er machte eine Pause, während sie ibn erwartungsvoll ansahen, begierig darauf, wohin er das Schiff seiner Rede steuern würde. (Fortsetzung folgt.) Hungerstreik aus Verzweiflung Irenzel verweigert jede Nahrung. Der Vornimer Amksvorsteher 5 r e n j e l hat seit seiner Einlieserung in das Potsdamer Gesöngnis noch keine 71 af)- r u n g zu sich genommen, so daß auf Anordnung Land- gerichtsdireklors Sausmann am gestrigen Miltwochnachmitlag Äledizinalrat Dr. Seißler sich zu dem verurteilten begab und ihn untersuchte. Zrenzcl steht unter der Einwirkung einer schweren Psy- 6? o s e und weigert sich nicht nur, das Gefängnisessen zu berühren, sondern auch Nahrung zu sich zu nehmen, die ihm von befreun- deter Seite zur Verfügung gestellt wanden ist. Da Frenze! durch die Aufregungen des Prozesses und seine Verurteilung körper- l i ch o o l l k o m m c u zusammengebrochen ist. haben die Verteidiger den Antrag gestellt, daß Frenze! durch seine Sekretärin, Frau Bell, täglich Essen geliefert werden kann. Vorläufig weigert sich der Verurteilte jedoch, auch von dieser Vergünstigung Gebrauch zu machen, um so mehr, als er erfahren hat, daß das Kammer- gericht die Frage seiner Haftentlassung auf Monate z u r ü ck st e l l c n will. Präsident Klee von» ,4. Strafsenat des Kammergerichts hat nämlich der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, daß eine Prüfung der Hastbeschwcrde erst dann vorgenommen werden konnte, wenn die schriftliche Urteilsbegründung durch llandgerichtsdirektor Dr. Hcllwig. die immerhin zwei bis drei Monate dauern wird, sowie der richterliche Verhandlungsbericht vorgelegt werden könne. Diese Mahnahme wird von der Ver- tcidigui»g als unverständlich bezeichnet, da das Kammergericht schon vor dem ersten Prozeß ohne Kenntnis der Acten Frenze! gegen Stellung einer Kaution auf freien Fuß gesetzt hatte und da'per Verurteilte seither sich zu jeder Verhandlung oder Vernehmung freiwillig eingefunden hatte, ohne jemals den Versuch einer Flucht zu machen. Die Verteidiger werden sich voraussichtlich am heutigen Donnerstag zum Justiz mini st er begeben und um eine Nach- Prüfung der Rechtslage durch den Minister selbst bitten; sie sind unzweifelhaft mit Recht der Ansicht, daß Frenze!, wenn er weiter in Haft bleiben sollte, vollständig zusammenbrechen würde und daß die Inhaftierung eine unnötige Härte bedeute, da der körperlich und seelisch kranke Mann an keine Flucht denke, zumal er durch die Kosten der beiden Prozesse ruiniert sei und über keinerlei Mittel mehr verfüge. Es kann wohl kaum noch ein Zweifel dar- über bestehen, daß Frenze! ein schwerkranker Mann ist, und ein solcher gehört nicht in eine Gefängniszelle, sondern in ein Kranken- haus. polnische Verbrecherbande verhaftet. In Köln sollte offenbar„ein großes Ding gedreht" werden. Im Laufe des gestrigen Tages sind durch Beamte des Ein- bruchsdezernats vier Polen festgenommen worden, die im Verdacht stehen, in letzter Zeit mehrere große Geschäfts- und Woh- nungseinbrüche oerübt zu haben. Die Bande ist„schwarz" über die Grenze gekommen. Die Polizei oermutet, daß die Fest- genommenen zu einer Verbrechcrorganisation gehören, die über ganz Deutschland verzweigt ist. Einer der Verbrecher ver- suchte nämlich bei seiner Verhaftung einen Brief zu ver- schlucken, der folgenden Inhalt hatte:.Lieber Bolschiwik! Sende dir ein paar Zeilen und ein paar Jungs. Die Jungs sind gut und dg mußt Arbeit mit der„Knarre"(«ine Schußwasfe.!) für sie haben. Ist die Arbeit gut, komm«. ich auch.. Die ÄinM därsst du. nicht sehen lasten und darfst sie ig. keine Kneipe führen. Gib mir lhachbicht, ich komme selbst!" Unterzeichnet war dieses vielsagende Schreiben, das an einen gewissen Treichmann in Köln am Rhein gerichtet war, mit„F. B. 8 4 2 aus Berlin". Eine? der Ver- hafteten soll übrigens von der Lembcrger Polizei wegen eines Frauenmordes gesucht werden. Elfjähriger erschießt den Kreund. Immer wieder die Waffe des Vaters. Gotha. 3. Dezember. In dem Dorf Gräfentonna war der elf Jahre alte Sohn der Eheleute Cramer von seiner nach Gotha fahrenden Mutter allein in der Wohnung zurückgelassen worden. Um sich die Zeit zu ver- treiben, holte der Knabe den sechsjährigen Nachbarssohn Weida zum Spielen in die elterliche Wohnung. Eramer fand dabei den geladenen Revolver seines Vaters und zielte mit der Waffe auf den Spielgefährten. Dabei ging ein Schuß los und traf den kleinen Weida über dem Auge in die Stirn. Der Getroffene war sofort tot, Polizei um den Reichstag. Für die gestrige Reichstagssitzung hatte die Berliner Schutz- polizei umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen gefroffen, um Aktionen radaulustiger Elemente zu verhindern. In dem Ge° biet der Bannmeile waren starke Postenketten ausgestellt, und die Straßen rund um den Reichstag waren vollstäi»dig abgesperrt. Schon vom Brandenburger Tor ab wurde der gesamt« Passanten- verkehr umgeleitet. Auch der Tiergarten war zu einem Teil gesperrt. Die Anfahrt der Abgeordneten vollzog sich ohne Stö- rungen. In den Nebenstraßen des Potsdamer' Platzes konnten kleinere Ansammlungen leicht zerstreut werden. Strtdente» gegen Polenterror. Am Mittwochmittag um 12 Uhr veranstalteten Rektor, Senat und Studentenschast der Technischen Hochschule Berlin- Eharlottenburg eine große Protestkundgebung gegen den polnischen Terror, der an den deutschen Minderheiten verübt wird. Der Rektor Prof. Kraenker verlas tm Lichthof der Technischen Hochschule eine Rede, die die Akademiker aller Länder aufrusk, sich gegen die lultur- widrigen Grausamkeiten des polnischen Terrorregimes zu wenden. Die deutsche Regierung und der Reichspräsident wurden aufgefordert, alle politischen Mittel und Kräfte zugunsten der deutschen Minder- hell einzusetzen. Der brausende Beifall vor allem der rechts- gerichteten Studentenverbindungen berührte merk- würdig angesichts der Propaganda der Rechtsradikalen für die gleichen terroristischen' Methoden gegen reichsdeutsch«: Volksgenossen. �irkus-VarietL Busch. In den großen Kuppelbau dez Z j r t u s Busch.ist der Z i r- k u s S t r a ß b u r g e r zu einem Gastspiel eingezogen. Mit diesem Engagement spielt Frau Busch einen hohen Trumpf aus. denn der Gastzirkus verfügt über großartiges Tiermaterial, und die Pferde- dreffuren zu sehen, vorgeführt von Direktor Karl Straßburger und Hanz Straßburger, ist erlesener Genuß. Acht bildschöne ostpreuhisch« Falben sollen besonders erwähnt werden. Staunen erweckt auch die vollendete Dressur nwchtigcr Elefanten. Dazu tpnnnt ein Aarietöprograwm vgn seltener Vielseitigkeit und ausgezeichneter Klasse. Allen voran der unübertreffliche Reckakt der vier schotte schen Finlays. Hofsentlicht sieht man sie noch auf einem unserer Varietäs. Upsere Turner werden staunen, wenn sie das sehen. Nicht minder wertvoll sind die unter der Zirkuskuppel wild und tollkühn herumfliegenden fünf R u d e n k o s. In N'o u n g Atlas kehrt der viel zu früh dahingegangene Breitbart wieder: die Leistung dieses Kraftathleten ist prachtvoll. Der mexikanische Drahtseilakt der Brüder Mijares ist in seiner Kühnheit ebenso atemraubend wie der der fünf Rudenkos. Im Zirkus aber möchte man in dieser tristen Zeit etwas mehr Humor habe». Die Clowns Carlo und Fredano find gut, aber bessere wären uns noch lieber.— Die geschätzten Besucher der 30- und öO-Pfennig-Plätze mögen bedenken, daß ein Zirkusoariete von hoher Klasse kein Sechs- taaerummel ist und daß die übrigen Zuschauer auf ihre geschmack- lose Gratismitwirkung herzlich gern verzichten. Oekksnffleke SCundsebiing > am M o n i a �, dem 8. Dezember 1930, 20 Uhr, Im Saaibau Fricdrichshaln, Am Friedriduhain Tagesordnung: Unser Kampf gegen den Faschismus Referent: ReichsiagsprSsident Paul Löbe M 8 n n e r und Frauen, erscheint in Massen, zeigt, dab ihr gewilli seid, mit der Sozialdemokratie gegen den Faschismus zu kämpfen. SPD. V. Kreis Friedrldishain. Wildgewordener Student. Verübt Racheakt auf das bolländische Konsulat. Dortmund, 3. Dezember. Miitwochmiliag drang der 2Sjährige Student W intelmann aus Dortmund gewaltsam in das holländische Konsulat ein, .zertrümmerte die Scheibe der Korridortür und ergriff darauf die Flucht. Auf den ihn verfolgenden Konsulatsboten gab er einen Revolverschuß ab. Bei seiner Festnahme durch das Heber- iallkommando setzte sich Wjnkelmann so heftig zur Wehr, daß die Beamten von ihren Schlagwaffen Gebrauch machen mußten, wobei er erheblich verletzt wurde. Es handelt sich offensichtlich um einen Racheakt. Winkelmann hatte sich vor einiger Zeit in Holland aufgehalten, war jedoch wegen Gefährdung der Sicher- heit ausgewiesen worden; auch hatte man ihm seinen Revolver abgenommen. Bereits vor einigen Tagen war Winkelmann auf dem Konsulat erschienen und hatte die Zurückgabe der Waffe ver- langt, die ihm jedoch nicht ausgehändigt wurde. Deutscher Dampfer gestrandet. Das Schicksal der Bemannung ungewiß. Hongkong. 3. Dezember. Das deutsche Motorschiff„Hedwig" ist zwischen der chinesischen Küste und den Philippinen auf da- als gefährlich be- kannte Pratav-Riff aufgelaufen. Auf die Hilfefignal« des Motor- fchiffes ist der englische Zerstörer„Siormcloud" von Hongkong ausgelaufen und bereits an der Unglücksstelle eingetroffen. Der äußerst schwere Seegang verhinderte jedoch bisher alle Versuche, die aus 14 Mann bestehende Bösatzung des deutschen Schiffes zu übernehmen. Der Zerstörer hält sich in der Nähe der„Hedwig" aus, um beini. Nachlassen, de- Sturmes gmci, Rettungsversuch zu unternehmen.-An eine. Rettung des Schiffes selbst ist jedoch nicht .zu denken.'Die Mannschaft dxr„Hedwig" befindet sich noch an Bord.__ Der Kopf im Tunnel. Rätselhafter Leichenfund auf der Tauernbahn. £ Wien, 3. Dezember. Im Zwenbergtunnel auf der Tauernbahn fanden Qbecbauarbeiter nach der Durchfahrt eines Schnellzuges ein Paket mit dem Kopf eines blondhaarigen kleinen Kindes. Im Haupt- tunnel des Semmering wurde bald darauf die Leiche eines etwa dreijährigen Kindes ohne Kops gesunden. Die Leiche war in «inen grauen Damenmantel und in Packpapier eingewickelt. Man bringt die beiden Funde miteinander in Verbindung. Das Parkeiorchio. Lindenstraße 3, 2. Hof IV., veranstaltet in seinen Räumen am Sonntag, dem 7. Dezember,«ine«ander- a u s st e l l n n g, zu deren Besichtigung die Partechenafsinnen und -genossen Berlins und Umgegend freimdlichft eingeladen find. Zur Besichtigung werden ausgestellt die Büsten von Bebel, Marx, Kautsky, ferner die Totenmasken von P. Axelrod, Bebel, H a a f e. L a f f a l l e und M a r t o w. Handschriften von Marx, Engels, Lassalle, bedeutende Zeitschristen und Zeitungen ans der Früh.zeit des Sozialismus. Die Führungen finden statt um 10, 11 und 12 Uhr. Sprechchor für Drolclcrische Feierstunden. Uebungsstunde heute, Donnerstag, IlHe Uhr, im Gesangssaal der Sophienschule, Wem- ineisterstrahe 16/17. Dem Musikfreund wurde die Wahl zwischen den beiden Abend- Veranstaltungen fchtoer. In Berlin spielte Selmar Meirowitz mit deni Funkorckester Nassijihe Walzer und andere Tänze; dann brachte das Üuorneri-Quartett Werke von Schumann und Beethoven zu Gehör. Der Deutschlandfender übernahm zur gleichen Zeit aus München Verdis Oper„Ein M a s t e n b a l l". Aufführung und Uebcrtrogung vermittelten dem Hörer einen ungetrübten Genuß der esfektvollen Musik. Allen Freunden von Klaviermusik dürsten Professor Leonid Kreutzers Erläuterungen zu Beet. bovens„M o n df ch c i n so na te" willkommen gewesen sein. Prof. Kreutzer gab einfach und ohne musikwissenschaftliches Theoreli- sieren eine Darstellung des Slusdruckswertes der musitalischen Formulierungen und zeichnete die Grundlinien des Werkes nach, das von einem jungen Pianisten noch feinen Anweisungen gespiett wurde.— Das Programm der Aktuellen Abteilung führte am Nachmittag in das Äaiser-Wilhelm-Jnftstut für Anthropologie und Erblehre. Walter Stölcing vermittelte den Bericht von dieser wisjenschasttichen Forschnngsstätte. in der die Entwicklung vom Keim zum fettigen Geschöpf und die Entwicklung von Gene- raiion zu Generation untersucht wird mst deyc Zieh der Entwicklung der Menschheit zu dienen. Gelingt«S, Keimschäden zu erforsche» und auszuschalten, die Fortpflanzung sinnvoll, zugunsten des wert- vollen Menschenmaterials, aber mit Ilnterdrückung des Wertlosen, zu fördern, so wäre ein wesentlicher Sdirilt in eine bessere Zukunft getan. Di« Hörer bekamen von dieser Uedert'.agung wenigstens eine Ahnung, welche ungeheuren praitischen Mogluhkeiten dieses Gebiet der Wissenschaft- birgt.. Des.- kinsendungen für diese Rubrik find v e r i>» SB 68, Liudeusirntze 3. parteinachnchten für Groß-Aerlin stet» an da»?ezirk»seketcrs<>« 2. Hos, 2 Treopen recht», zu richte». Tie Harten zum st. November sind trotz bereits er- folgter öffentlicher Mahnung von den Abteilungen 68, III. 116, 122, 133, 138 und 146 noch immer nicht ab- gerechnet.— Die Abteilungen werden dringend ersucht, hier Wandel zu schaffe». Zum Notopfer für die Erwerbslosen wurden von d:'r Be- triebsfraktion des Bezirksamts Prenzlauer Berg 741,43 Mt. aits Liften gesammelt und an die 25. Abteilung abgeführt.— Allen Spendern hierdurch herzlichen Dank. I.A.: AlexPogels. -i- Eiulafikarteu zur Trauerfrirr für den verstorbenen Genofien Adolph Hoftmaun a-n Sonnabend, 6. Dezember, sind ab beute, Donnergtaa, 4. Dezember, im B«zirI»s«Iretari»t, Zimmer 5, zu haben. -b t.«reis Mitte,«bteilunaau I bi» Ii«arten zur Trauerfeicr für den vcr. siarbencn Genossen Adoipl, Hoffm-nn find von den Abteilungolritern ab. -tnholen.... 6. Krei,«reuzb-r«. ssreüaq. 5. De, einher, l» Uhr, Lidung des«rcisvor. stände» mit Abt»ilunci»leitern bei«riiaer, Srimmstz. I. 16.«rei» Zehleubors. flosteniase Sprechstunde in allen Wobliahrtsanari-aen. heilen beim Genossen Bernhard Zander, Zehlendorf. Sven-Hedin-Str. 7t, an jedem Donnerslaa von 17—16 lihe. II. strei» Schöneberg. Loranzeige! Die für Mautag, 8. Dezember, vorge- sehe»««rriimitoliederpersammlvu« sindct am Dieuatag, 6. Dezember, im Restaurant Plcadilli, Sber-str. 80, statt. Ohne Mitglied- buch keiniu Cittttitt* Heute, Donnerstag. 4 Dezember. II.«bi. DI- Bezirksfiihrer haben bis geeila«. b. Dezember, die Lifte» für das Notöpfc: beim«asiierer abzurechnen. 29.«bl. Heute, 20 Uhr, ssrnttionärsibung bei»urg, Prenzlauer Allee 1S6. 90. Abt.«eutölln. Anssprachcadend der jungen Parteimitglieder um 20 Uhr bei Läffier, Wrichsri. Ecke Ossastrasse. S.hcma:..Junge«rast in die Pariert «Aufgaben der jungen Generation in der heuitgcn Zeit). Referent Genosse Bruno«rügcr. Funktionärfitzungen morgen. Freitag. 5. Dezember, in nachsiehenden Lokalen: 3. Abi. 19Vi Uhr IZunktionöisihung im Saal S des Gemertschastshauses. -i. Abt. 20 Uhr[ZunlUoaätntluiw bei Lehmann,«artclstr. 7. 5.«dt. 20 Uhr ssunluovmrkanfer-nz bei Dobrahlaw, Swinemllnder Str. N. 7. Abt. 10 U, Uhr SZunttionärfisimia bei Bärtvalbc, Schiegrlstr. 8. 17. Abt. 1»>,., Uhr ssunMonarkonferenz bei Döse, Nardhafen 6. 20. Abt. ISZv Uhr ssunktianärkonferenz im bekannten Lokal. .10. Abt. in Uhr Üunkiionärkanserenz bei Eeiffert. Pappelallee«.>. 38. Abt. 1« Uhr ssuiiitionartons-renz bei Bartusch, isrleden'tr. 88. Die Be. zirk-fllbeer bringen die«eitrLge der Erwcrbslasen.Sammelllsten unbc. Schöneberg.'"'??. Abt. 20 Uhr bei Jürgen-, Barbarossastr. So, ffuitlflonüreer. fammiimg. Die VarstandsmitgMder treffe»(ich bereits um 19 Uhr eben. dort.— 79. Abt. 20 Uhr ssunttionärfistung bei Grunow, Geslerstr. 18.— 80, Abt. 20 Uhr bei Gürlich. B-gasstr. 1, ssunltianärsittung, «1. Abt. Friedenau. 20 Uhr ssunktianarNhung bei»labe, Sandi-rnfir. 00—«1. 85. Abt. Tcmpelhaf. 20 Uhr-Zunktionürvcrsammlung bei Vommerening. Ber- iiner Str. IVO._..._ Reukölln. 89. Abt. 19 Uhr Varstandssihun». 19',» Uhr Irunfttenatfiftuna der Grammc-k, Sandcrstr. 10.— 90. Abt. 19'-, Uhr sZunktionÄrversammlung bei Echadeikaw.Weichieistr. S.— 91. Abt. 19'., Uhr ssunktlanäriiizung bez Balewski, Mahlower Ecke Weifestrahe. Arb-it-rwohrkahrtsmark-n abrechnen. —«2. Abt. Wichtig« sZunktionärversammlung 20 Uhr bei Wulff,«aifer. griebrilthStr. 178. Da: Abieilungsvorstanb trifft fich UN, 19 Uhr bei Simon. Berihcl-dorfer Str. 9.— 85. Abt. 20 Uhr wichtige SUumg des Bor. stände» mit allen ftunktianiircn,«omniilstonen und Bctrieb-verlraucus- l-ut.n bei Pflanz, Prinz.jbandi-rh.Str. 78. Mitglicdadüchcr mitbringen. Materialausgabe.— 90. Abt. 19>; Uhr sssunitionärtihung bei Lohann. Wipperftr. 18—1«.— 97. Abt. gunktioniirsituing um 19 Uhr bei Rohr. Licht-nb-rg. 118. Abt. 19V, Uhr ssunktionärkonfcrc», bei Mo» Ludwig. Prinzen. all« 13. Wichtige Tagesordnung. Gruppen» und»tragen, ithrer müssen erscheinen. Berteilung de» Parteinotopfers.— 119. Abt. 20 Uhr Kuul» lionärfihung in bekannter Stelle...... 120. Abt. ssriebiich-felde. 20 Uhr Zunktionärsshuna b-i Schwarz, Caprwt» 121- W. So-lahorst. 19'» Uhr ssnoktionarssgung bei König. Di« B-zirkÄcifec iniliscn die acwünschtcn Adressen mitbringen. 124.«dt. Mohlod-rf. Tunktionäriihung 2-1 Uhr im Lokal„Rordssern", HOiunver Strosse 49, Wichtig« Togcoordnung. � 134». Abt. Kahl-bo-i,Sud. io Uhr bei Drober. Uhlandstr. 15.?mcktu>nSr- .. Ü�UNfl.... 128.480. Abt. Pankow. 20 Uhr ssunktiduarühung im Türfifchen Zelt. Wichtig« VorNairdsssOuNg um 18? e Uhr dortsclbst. Arauenveransialtungeu. B. Abt. Zlriiag, 8. Dezember, pünktlich 20 Ubr, bei«fifeler, Golbover Strasse 9. Neuwahl der ssrauenleitnng. Alle Kreiavcrireterinnen de« R. Abt. müssen anwesend sein. Mitgliedsbücher find vorzuzeigen. 117. Abt. Lichtenberg. Sonnabend. 8. Dezember, IS'i Uhr, bei Brumm. Türe. ichmidtftr. 49,„Bunter Abend". Bortragende Griedel Hall. 18». Abt. ReiuiAendors Oft. Heute,?onner»taq. 4. Dezember, 20 Uhr, in der Lindauer Straße. Diskulierab-nd. Anschließend Helferiirnenfißung. die Dannerstag. 11. Dezember, ausfalle» muß. 180a. Abt. Tegel. Freie Scholle: Heule, Donnerstag. 4. Dezember. 20 Uhr. u» Jugendheim Hermsdorfcr Straße. Hygiene ill der Familie. Referent Dr. Friedebcrger. Bezirksausschuh für Arbeiierwohlfahrl. © SreisleUuugen.«eihuachiolotterie! Lose können nur bia zum s-.s 10. Dezember zurückgegeben werden, da mir sonst nicht mehr die Mag- i i lichieit her Unterbringung haben. Die nach diesem Termin nicht zurück- c s gegebenen Lose müssen in Rechnung gestellt werden. Schlußabrechnung,- ist vor der Ziehung am 19. Dezember vorzunehmen. 13. Kreis Tempelhof. Mariendorf, Marienfelde, Licht-nrab«. Es wird bringend gebeten, die Lose, soweit fic verkauft sind, abzurechnen. 19. Krei» Pankov:. Die Lose find umgehend bei der Keeialeitung, dem Genossen Krüger, Pankow. Pestalozzistr. 4, abzurechnen. Nicht verkaufbare Lose find sofort zurllckzngcbe». Blikglieder der freien Schulgemeinde. Di« Kundgebung zvm Schuhe diissdentischer Lehre« fiuhei Doaaeraiag, 11. Dezember, 29 Uhr, in den Kammersalen, Teltower Sir. 1-4 fnahe Hallesche» Tor» statt. Handzettel, bi« ber Leitung beigelegt«erden sollen, stob den Bor- fitzenden zugegangen. Arbeitsgemeinschaft der Kindcrfreunde. Krei» Reukölln. Helferirei«: Heute, Donnerstag, um 20 Uhr, in der Barack« Ganghoferstraße, 3. Abend des Helferkursus. Die Helfer von Treptow und Neukölln müssen erscheinen.— Gruppe Sturmfalk«! Slternvrriammlung heute, Donnerstag, um 20 Uhr. in der Karl-Marz-Schule. Alle Eltern müsse» er- scheinen. Geburtstage. Jubiläen usw. 7. Abt. Unserem lieben Genossen Fr«», Eichler, Ehnvssrrftr. 17, zn frioem 70. Geburtatag« die kerzlichsten Gliicknmnlche. 19. Abt. Unserem Genossen Rudolf Stiel»», Eulerstr. 28,»pm 08. Geburtstage die herzlichsten Sl-chwünsch«. Wir hofsen. ihn»,ch recht lang« in unserer Mitte zu sehen. 80. Abt. Unjcrer li-ben Genosfin Marth» Schröter zu ihrem 00. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. 84. Abt. Eharlottenburg. Unser alter Genosse Mar Kiep,«in bewührtee Kämpfer nnter dem S»zi»l>sten«esetz, feiert« dieier Tose seine» 70. Geburtstag in»oller körperlicher und geistige« Frische. Wir wünschen ihm«inen recht srohe» Lebenanbend. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation � 4. Abt. Unerwartet rnlriß de« Tod unseren alten Kämpfer Adolph S» s s m a»» aas unseren Reihen. Mehr al» 80 Jahr«,»ach nnter dem Sozialiftengcsetz, trotz aller Gcsahrrn, letzte er sein««an»« Kraft für die Be- ftetuna ber Atbciterllasse ein. Sein Wirken sür den Sozialismus I«ll uns ein Wegweiser in unserem Kamps- sei». Wir uxtden seine, in Ehren gedenken. Die Einäschernng findet am Sonuabend, 0. Dezember, 10 Uhr, im Krematorium «erichtftraßc statt. Zahlreich« Beteiligung wird erwartet... Die Abteilung,- leitung. 84.«bt. Eharlottenburg. Zur Einäscherung des Genössest A. S a f f m- n n trefir» sich die Mitglieder mit Banner Sonnabend Ii', Uhr Haltestelle Nettel- beckvloß, an der Eeriössflraße. 180. Abt. Reiuickeudort-Oft. Am Montag, 1. Dezember. 21 Uhr. verstarb unser lanoiähviger Genosse Sermann Bütow. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am fireilag..8. Dezember. Illth Ubr, auf dem Friedhof in der Parfusstraße ftait. Um rege Beteiligung her Genossen und Genossinnen wird gebeten. H führt ah, es wirkt sehr milde, versuch es, und wWW? Du bist im Bilde zu wählen weiß. Diesen Grundsatzhaben wir unsseitGründung unseres Unternehmens zum Prinzip gemacht. Nicht durch Biuff sollte das Publikum beeinflußt und gewonnen werden— sondern durch Schaffung einer Organisation, die den verteuernde n Zwischenhan de I vo 1 1 s tä n d i g ausschließt. Dies haben wir dadurch erreicht, daß wir die Herstellung unserer SOZI AL von der Tabakpftanze bis zum Fertigproduktin unsrer Hand vereinigten. Denn nur so ist es möglich, dem Käufer den 100 0/0 igen Wert seinesGeldesan Waren zugeben. MAKEDON SozlaWsche Arbeiterjugend Groß- Berlin awseadun-ini für dies« Jtubril nitr a ftatf JugenWelretotat Leelw GW 68. VnDmlhaü J ».-S.-BtSnn« Rtmclnfam»it den beult, viinNNK 19(!) Übt, im Sothagsfaal ba V-V. Bo.nbciDoeftennn« de»„«olf.WtK*, J, S«nu«t, 15 Mr.©efuiclt wird „MMftvpl. Echauspitl»oiTGtoru Kaiser. CinseKattcn ,u SO Pf. fUt Iuacnd. i'chr s»it H-Jg Jahren sind erhältlich. Ülbkeilungsmikgliederversammlungen, heute. IS'i Uhr. Norden: Heim Lortzina. Ecke Eraunstrahe.—»-n.moldcr Pln» U: Seim Nasttrdurqer Str. I«.— Lckönhouser Vorstadt: Schul» Sanncndurqer Str. 20. —«attdufler Tor: Heim Brider Str. 27—30.— Stilnrest: Heim Lind-nstr. 4.— Stetntckendors.West: Heim Seidelstrahe.— Tegel: Heim Bahnhosstr. 15. » ssallplad I: Schule Sannenburger Str. 20:„Politische Parteien�.— Nordosten II: Heim Danüiger Str. 62. B. Z rechts: Arbeitsdienstpflicht, und SAsl."— Hasenheide: Heim Wassertorstr. � isunltionärschulungslursus.— Hallescheo Tor: Heim Porckstr. 11: Arbeitsgemeinschaft.— KSprutckcr Viertel: Schule Wrangelstr. 123: Hebung des Sprechchors.-- Schöncberg III: Heim Sauptstr. 15:„Vroletarischo oder bürgerliche Jugend?"— Westend, 31. Sf.: Heim auf dem Srortplah Westend:„Weihnacksten und seine Bedeutung für das Proletariat'!. Zohanntsthal: Nathaus: lhunltionilrsthung. SS9 KOstrin, Landsberger Straße 4 und Berliner Straße 19 Brandenburg(Havel), Hauptstraße 38 Oranienburg, Berliner Str. 1 I Angermönde, Berliner Str.»z Neueröffnung; Berlin, Gotzkowskystr. 3t Genieincleeetränkcstcücr wird nicht erhoben! BERLIN: N, Brunnenstraße 42 N, Müllerstraße 144 N, Chausseestraße 76 O, Koppcnstraße 86 N, Prenzlauer Allee jp O, Petersburger Str. 60 SO, Grünauer Str. ij SD, Köpenicker Str. 221 W,Martin-Luther-Str.86 KtHWEMaElfiEKl linWoitllPi. FitlgidraAte! Wort» Pf. (lolössig Z fitstedraddo Werte).— Sfolleiguedit du I. Wort(fettjRlnill) 1 5 PI. jeh! weiten Wort IÖ Pf. Wirte nlt mckr ils IS Igduiiten utile: Kr zwei Worte. ZantpM.»olcko f§r Sil nldiit« önnrair bostinal sind, aZue: bis spätistecs ü/j ülir n-öunittiä! in dor Kiopt-Eipedltiira des Vorwärts. Liodenslnlo J, abgegobon wsrden. Dieselbe islw-d»:lop«znorzins a'/j Ubr bis ootm. 5 Uhr unsnterbnd»: geöffnet. Wenig getragene Kavaliergarderobe von Rillionären, Aerzten, Anwälten. Fabelhaft billige Preise. 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Gerichte strasie 21, Ottostrasie 18, Mosistrasie l«, Potsdamerstrasie 103, Belle-Allianee- Straße 78, Skalider- strasie S9. Reichen. bergerstrag« 1KS. Ur. banstrasie 112, Kam- mandantenftra«, 4«. Charlottenburg: Kontstraße 57, Span- dauerstr. 3. Lichten. berg: Marktstr. 7. Hohenschönhausen: V«rlliterflr.71. Reu- kölln: Berlinerstraße 84,Ste>nmeßstraße37, Hobrechtftraße 23. Oberschöueweide: Wilhelmlnenhof. straße 14«. Nieder, schöneweide: Hassel. "rie- rie- ei- werderftraße 9. drid>shagen: dridistraße 44. ßensce: Berliner Allee 38. Pankow: Verlinerstraße 13, Zieinickendorf: Pro- vinzftraße'lNd. Tem'. pelhof: Berliner. üraße 78. Tegel: Verlinerstraße 88. Spanbau:' Pots damerstraße 10. Mobelkäufer merl« Kredit und bar Robelbazar. große Auswohl, kleine Prelsel Beispielsweile! Schlafziinmer 455.— Sveilezimmeröl?,—. Hirrenzimmer3S»,— Spiegelschränke ll8,—. Dielengarni. tur 38.—, Anrichte. lüche, 93,—. Messtng. bettstelle. Klei. deeschränke 48.—. Chaiselongues 28.—. 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VolHsMUine Theater an BObwplat:. 8 Uhr itaatUdullei-Ib. 8 Uhr Nora Titester sm scitürbauerdamm 8'., Uhr Dleauadratur des Kreises Rose-lheater 530 Uhr; Familie Hannemann 8 15 Uhr: Der Diener wef erHerren Die schöne Galathee Erster Klasse metroporltieater Täglich 8'.. Uhr- Schon ist die meit Operette von Lehär Richard Tauber. Gitta llper. SihDtzeudcrf. Mim meater; 8 Uhr Elisabeth von England voir.rerfl Bcoctmsr: Regie: Beim Werl' Kammerspiele Uhr Der Diener zweier Herren von Carlo Goldoni Regie; Max Reinhardt Öle Komödie S'.'i Uhr Der Schwierige vod Kogo von Hofnannsthi'. Regie; Max Reinhardt. Samowsky- Bohnen Tltcoler In ist Stresemannstr. Rente. Freitag i'fi 1 u Soniitag nathra. 4 ü'ar Sturm im Wasserglas Sonnab.. Ztg. 8'. Uhr; uns es euch getaut Komödienhaus 8'« Uhr u. Sonntags Uhr Konto X i$e&4etz Singspiel in vielen Bildern. Cant. Splra. Hansen, Moshe. Wallbnrc, Arno. Janhnhn, Panl HO t biger, Lenr. I Sehaeflers, Winkelstern. Bolls, Oeonl, Stark■ Stettenbauer. Original Tiroler Wat selten. An»er, Original Tiroler Jodlerlnnen-Qalnlett, I J Hnsib-Trlo ans Schllersee. 1 Jas*- Band i«Irls n. Boys i«rosse Cbörc. Der Zelt enisprecliend sind, trotz dos I riesigen Andranges. A e 0' er- (die Kassen preise um /0 mässigt. ISonntagA P 1 1*. m Orlglnalbesetznng | Naetamittag<3«#3Br Billige t reise. ROSE .Theater Gr.rrankfarterstr.1a2 Blllettkasse: Alu 3422 u. 3494 Täglich 8 15 Sonnabend 7 und 10.15 Sonntags 2.30, 5.45 u. 9 Uhr („DerDienerzweierHerren" von Haas Rose Reichshailen-Theater lllebendlidi[»] und Sonntag, nadirn. H7"! stettiner senger Pepita vor GerlduiM und das andere große Programm! Nachm. halbe Preise! Oönhoft. Brettl: Das groche Varleicprogramm I Tanz I „Die schöne Galathee" mit Tränte Rosa „Erster Klasse" mit Edgar Kaniscb päd Kort Miknlski. Preise von so Pf bis 3 M. (Garderobe u. Programm je 25 Pf, aber kein Zwang.) Theater für Kinder: ,Peterchent Mondfahrt' Ulttvixk 5 Uhr. SoDubeod 4« Cbr, Familien Nachmittage Jeden Montag 530 Uhr: „Kukuli" Jeden Dienstag, Donnerstag und Freilag 5» Uhr: „Familie Hannemann" Preise lür Märchen- und Fsmllien-Nuhmlttegs: Tob 30 Pf. bis 1 50 Mark. Oardcrobe und Programm Je 1 0Pf., Kaffee m. Kuchen 25P(, Komische oper 8>ie Uhr Eriffnungsvorctellnng CdciZe Sorel mit d. Ensemble t. d. Co- mddie Francaise in „Lemisanthrope" vor Molidre Deutsebes Kßnstler-Theai. 5arhaf.3937. 8'-. Uhr 8V« Uhr: Zum goldenen Anker mil Käme üorsffi Mift., So., Stg. 4 Ohr Enilu die Detektive von M 030 an Renaissance- llieater Stein platz 6780 b»/* Uhr Socntg.3J0(balbiPi.) llorontersudiDiis von Max Alsberg und O E. Hesse Theater am Sdütihauerdamm heule 8'/: Uhr Erstauffüh run g Die Quadratur des Kreises Komödie v. Katajew mit; Börder. lenja, Roh- mann, lorre, Linoen, Piscalor-BQhne (Wallner- Theater) Alex. 4592-93. 8>.'« Täglich«V. Mond von links Preise 0 50-tf00 M. Ibeatsni. Westeos Täglich SV« Sensationeller Operettenerfolg. Viktoria undlhrHusar lustspietnaus Kurt Götz Täglich 8'., Uhi Heio V Hemy Bernstein Kleines Theat. Täglich S'b Uhi UorgroScLostspielerFolg! Max Adalbert in Oer mann, der schweig! Neues Theater —■ am Zoo'" UmBahniLZoo. Stpl. 6554 Täglich SV« Uhr idibetrllüdldi nur ans Uebe mit Enm) Sturm als Gast. Mit woch und Sonnabend 4 Uhr Sonntag 3 Uhr Roiitit Ruopredih Fahrt ius Uätduolaul Elilesanger Kottbusser Sit. b F.8. Oberb. 6070 Tägl. 81;« u.. auch Sonntag und 3 Feiertag 3'is Uhi J? Wei nadils- BbS Grones filf Weinnaoiis- res, spiel Tarnt! 1-2. Umdk.abB > B.er URANIA Morgen, Frtita9,i5.Du. abends SV» Uhr im LangenM-Viidiow- Bans, Luiseostr. 58-59 Pral. Dr. WilbtlB C. lamlü '.Seltsame Bluderstuhau ig öer tiatuT Vorttag mit Film- und Lichtbildern Am Montag, dem 1. Dezember, verstarb nach kurzem Krankenlager unser treuar Vorkämpfer, der Genosso Adolph Hoffmann Mit ihm verliert der Kreis Mitte einen seiner treuesten Freunde, einen der rastlosesten Kämpfer für unsere Ziele, der auf jedem Posten, auf den ihn das Vertrauen seiner Genossen berief, in vorbildlicher Weise seinen Mann stand. Er war jederzeit ein leuchtendes Vorbild für alle seine Genossen und Mitstreiter. Sein Andenken wird doshalb im 1. Kreise unvergessen bleiben. Der Krcisvorsfand des 1. Kreises Die Tranerfeier findet am Sonnabend, dem 8. Dezember, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium Gericht- Straße statt. Eintritt nur mit Karten gestattet. iDittnngs-.Raball' j Rekiame.uarker, gegen Nachahmung gesetzt gesch. fertigt seit«sjah, als Spezialität Conrad Müller Leipriz- Schkeudi- Heute morgen entschlief sanft nach kurzem Leiden mein liebe: Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Hermann Bütow im 66. Lebensjahre. tiefer Trauer Haida B&iow geb. Kuppler, nebst Kinder. Beriin-Reinickendorf-Ost, d. 2. Dezember 1930. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 5. Dezember, nachm. 2l, Uhr. von der Kapelle des Golgatha-Friedhofes, Bln. N., Barfusstr., aus statt. UMMMilMMW Oonnerstng, 4. Ocieuber. abends S Uhr. in den ANnnkl.Zestfdlen (Grafzer Saal), vehrn- Ede vadflr. (Uniergrunddahnbet(Seiunddrunnen) gefssmmtllng SUSP tm CMC. opgsnis'erlen tiotisgen. ms vsi der Psrlinsp veFketiTS-kki. vsscPSMgl s.mt T a g e s 6 r d nu ng: >. DorMelallarbelterstreik und seine Lehren S. Aueforsche. Z BittledsangeiegenheUen und Berschie- dene». Ohne Mitgliedsbuch und Dienstauswcl- kein Zutritt i Das Erscheinen aller Rollegen ist Pflicht uerwaltungsmltglledert Am Freitag, dem 5. Dezember, keine Sitzung der Mittleren Verwaltung. Die Orlsverwallnog. KerreoKielderla&rlit Gegründel 1 895 gibt AnzUsre, rister, Paletots usw. ab, soweit nient am Läget Extra- anfertigun' ohne Preizauischlag Bitte tlberzengeu Sie sich: j.Cßper,Kaiser-uiiE[;e;iit-str.2ucht S:ti!»it Ber i i-ihive i. Ctinotteebir;. KiohtralU 99 JmWestennichtsReues VON ERICH MARIA IN DEUTSCHER SPRACHE REMARQUE EIN TONFILM REGIE: LEWIS MILESTONE* UNIVERSAL PICTURES CORPORATION, VERLEIH: DEUTSCHE UNIVERSAL* VORVERKAUF AB MONTAG 12 UHR URAUFFUHRUNGHEUTE B30!!00 MOZARTSAAL Jlr. 561- 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Oonnersiag. 4. Dezember 4930 w.diimbaum: SmJßebeu in tiappen 1912. Joseph Jablonski war ein Mann in den besten Jahren, als er 1912 nach Berlin kam. Schlesien feine chcimat. Der Schwager hatte ihm Arbeit verschafft.(Ein Katholik zog den anderen nach sich. Der Personalchef war gleicher Konfession!) Die Papiere be. fanden sich in bester Ordnung:.. ist arbeitsam, bescheiden, willig.. Jablonski war ein großer, starker Mann, hatte„aktiv" gedient. Daheim über dem Sofa paradierte sein Bild auf dem Ehrenplast: Joseph als Musketier mit dicker Schießschnnr über gewölbter Brust, oufgezwirbeltem Schnurrbart, forschem Blick— alles in achtfacher Vergrößerung. Der neue Mann wurde einfacher Maschinenarbeiter. Bon Beruf war er Bäcker: nach seiner.Militärzeit hatte er als Arbeiter sich sein Brot oerdient. Der Verdienst war gering(24 Mark die Woche!), immerhin höher als in Kattowitz. Mit llsberstunden brachte er meist 28 bis 3v Mark heim. Seine Frau Franziska hängte den Brotkorb hoch, kimuferte, jammerte über die hohe Miete, führte ein unerbittlich strenges Regiment— die kleine Erika hatte nichts zu lachen!— und trug jede Woche 8 Mark auf die Kreissparkasic. Den Schnaps hatte sie ihrem Mann schnell abgewöhnt. Joseph Jablonski stellte sich mit Einrichter und Meister gut: Er trat dem Werkoerein ohne Widerrede bei, 191«. „Freudiges Ereignis" bei Jablonskis: Ein Sohn ist geboren. Der Vater geht gebläht vor Stolz.„Strammer Junge!" Das Ultimatum Oesterreichs an Serbien läuft ab. Der deutsche Kaiser steht dahinter. Das alte Soldatenauge sunkell:„Wir werden sie dreschen!" Das Unwetter geht los. Die Krieg sfurie rast. Die Presse überschlägt sich.„Hier werden noch Kriegserklärungen entgegen- genommen!" Jablonski lächelt wie über einen guten Witz. Er ist in gehobener Stimmung:„Ja, ja, du kleiner Schreihals, der Kaiser braucht Soldaten!" Am liebsten würde er mit dem Menschlcin schon exerzieren. Extraausgaben künden den Einfall in Belgien, von Siegen, vom Vormarsch. Erwachsene Menschen freuen sich wie Kinder, jubeln und schreien— derweilen der Tod schon tief im Menschen- blute ivatet. Joseph Jablonski kann kaum die Zeit erwarten. Mitte September holt man auch ihn. Ende des Monats kommen erste Karten und Briese schon von„draußen", Sieges- Zuversicht spricht aus ihnen:„Weihnachten bin ich wieder bei euch!" Weihnachten ist da, an Kriegsende nicht zu denken. Die Heere suchen Schutz in der Erde, wühlen sich diesseits und jenseits wie die Maulwürfe ein. Joseph Jablonski ist dennoch nicht klein zu kriegen, seit Oktober Gefreiter. Anfang Dezember baumelt das EK, II an seiner Brust, Unteroftizierstresten säumen den Rock- kragen. Die Frau trägt das Bildchen ständig mit sich herum. Es wird Frühling, Sommer, Herbst und abermals Winter. lind Briefe flattern hinaus und kommen herein. Der größere Teil der Uvteroffizierslöhnung wandert in die Heimat. Es reicht dennoch nicht. Die Frau übernimmt die Reinigung des großen Eckhauses. Der kleine Willi hat längst laufen gelernt: doch kennt er seinen Vater nicht. Dezember 1918: Die Frau ist in taufend Aengsten. Seit drei Wochen keine Nachricht. Keine Antwort von der Kompagnie auf ihren letzten Brief. Endlich— eine Woche vor Weihnachten— die Mitteilung aus dem Klosterlazarett in Köln: Der Mann lebt, ist verwundet. schreibt selbst etwas von„Heimatschuß", Franziska dankt ihrem Gott: jeden Morgen hat sie in der Frühmesse vor ihm aus den Knien gelegen. 1916. Die frommen Wärter schleichen allmorgendlich in die Kirche. Joseph Jablonski liegt mit hochgebundenem Bein in weichem Bett. Es ist noch gut gegangen. Mehr als einmal hat er sich das gesagt. Das E. K. I. bringt man ihm ans Lager.«Zu den Tresien kommen die.Knöpse.„Feldwebel Jablonski!" Wie schön das klingt. Das hätte er sich in Neuruppin nie träumen lassen. Aufmerksam studiert er in langen Stunden die Heeresberichte, sucht nach Mitteilungen über„seine" Truppe, kennt Hunderte der Orte an der Westfront, hält den Leidensgenossen strategische Borträge. 2m April 1917 wird er zur Garnison entlassen, verbringt Ostern den ersten Urlaub daheim. Die Kinder fürchten sich vor ihm: er ist ihnen fremd. Gestaut« Triebe entladen sich eruptiv. Wieder in Garnison bildet der Feldwebel Jablonski„Leute" aus. Daneben wird er von alten„Reserveonkcls" theoretisch instruiert. Doch ist er darüber erhaben. Das E. K. I. schaukelt zu gewichtig an seinem Waffenrock. Indes: Der alte Hauptmann ist mit„seinem" Feldwebel sehr zufrieden. Jablonski fühlt sich wie ein Fisch im Wasser,„bimst" und„schleift" die„Kerle",„daß ihnen der Schweiß durch die Arschbacken rennt". O ja: Die alte preu- ßische Schimpfkollektion hat er wohl beisammen. Alle vier Wochen nimmt sich der Herr Feldwebel Urlaub. In vier Stunden ist er in Berlin. Franziska ist zufrieden. UeberdieF kommt jede Woche mindestens ein dickes Paket mit allerlei delikaten Lebensmitteln. Kein Bauernjunge kehrt vom Urlaub zurück, ohne daß er„für den Herrn Feldwebel" eine klein« Aufmerksamkeit bc- reithält. Bestechung? Nein! Jablonski zwäng niemand: die „Scheißkerle" brachten es za von selbst. Ende des Jahres aber hieß es auch bei Jablonski wieder: Kv.l Am dritten Weihnachtsfeiertag ging es abermals an die Westfront — mitten hinein in den„Schlamassel". Die Frühjahrsoffensioe nahm seine Kompagnie sehr mit. Es kommt Befehl von hinten:„Der Feldwebel führt die 3. Kompagnie!" Trommel» und Sperrfeuer machten die Menschen mürbe. Opfer fielen über Opfer. Ein jeder klammerte sich an den Funken Leben. Hoffnungslosigkeit, grenzenlose Müdigkeit, Friedenssehnsucht wuchsen ins Gigantische. Jablonski flucht« und schimpfte aus Innerstem kräftig mit. Alle Gradunterschiede waren ausgewischt Nur Frieden! Der Feldwebel war ein fanatischer Verfechter des Derftändigung? friedens:„Die Großköppe sollen sich ihre Erzbecken und Flottenstützpunkte selber holen!" 1916. Jablonski sitzt im Saldatenrat und spielt die erst« Geige. Be- sonders haben es ihm die Offiziere angetan. Am liebsten hätte er sie alle erschossen. Empörung flammt ans. als eines Tages die Auflösung der Soldatenräte angeordnet wird.„Kameraden! Di« Hüter der Rc- »olittion sollen beseitigt werden! Demonstriert, kämpft— wenn es fern muh mit den Waffen!" Jablonski ist«ttschlasseu. Die Same- raden aber sind anderen Sinnes. Heimweh wühlt zu lange in ihnen, als daß sie des Waffenrocks nicht längst überdrüssig geworden wären. Jablonski steht wieder an der Maschine. Die Arbeit wird müh- sam gestreckt. Zum. Reden bleibt noch viel Zeit Joseph ist ein anderer geworden: Er ist �radikal! Seine Eewerlschaft ist ihm nicht revolutionär genuz, die USPD. viel zu schlapp. Fanatismus quirlt in seinem Hirn. Die Mehrheitssozialistcn verhöhnt er voll geifern- den Hasses. Längst hat er sich die Parolen des Spartakusbundes vom..Weitertreiben der Revolution" zu eigen gemacht. Im Bunde der Kriegsbeschädigten gibt er den Ton an. Jablonfü hat reden gelernt! 1920. Die Not schleicht durch die Lande. Der teuflische Hunger wühlt in den Eiitgeweiden. Ganz Deutschland hamstert— Jablonski nicht ausgeschlossen. Die Rationen stehen nur noch auf dem Papier. „Bezichungen" werden ausgenützt. Er erinnert sich seiner Garnison- zeit. Sonnabends und Sonntags klappert er die in der Nähe woh- nenden Bauern ab. Jablonski hat den Bauch voll Zorn, wenn die Kerle so dämlich und listig grinsen. Er weiß schon, was sie von „ihrem Feldwebel" denken. Aber er schluckt die aufquellenden Worte unausgesprochen bitter hinunter.„Nur was zu fressen!" denkt er, „was die denken— ist mir wurscht!" Eines Morgens im Frühjahr erwacht Berlin in jähem Ent- setzen: Die Soldateska rebelliert, putscht! Kapp regiert! Jablonskis Radikalität überschlägt sich. Der Generalstreik ist ihm nicht genug. Bewaffnete 2Ibwchr— seine Losung. Der„Soldat" ist wieder.mach: Er entwickelt phantastische Ausmarschpläne. Hitzköpfe hängen sich an seine Rockschöße. Freunde von gestern werden wegen ihrer Mahnung zur Disziplin und Besonnenheit oerspottet uftd angcspien. Vor seinen Augen verzerren sich die Dinge. Er blickt wie durch einen Hohlspiegel. 1922. Inflation. Immer gewichtiger werden die Zahlen: aber es steckt dennoch nichts dahinter! Menschen schassen um ein Brot den Tag.- Schmalz und Butter und Speck gibt's als„Zusatz"-Lohn m den großen Werken. Eigene Lebensmittelauskäufer werden zu be- .deutenden Betriebsfaktoren. Jablonskis Ersparnisse zerfließen wie Schnee vor der. Frühlings- sonne. Franziska weimert. Di« Kinder werden immer elender. Für die letzten Mark erwerben sie sich eine Laube. Es beseelt sie das beruhigende Gefühl, eine rettende Planke erwischt zu haben. Die beiden mühen sich ehrlich, die Frucht dem sandigen Waldbodcn ab- zuringen. Der Ertrag ist kümmerlich: gleichwohl mehr als nichts. Joseph Jablonski hat längst den Glauben an die Gewerkschaft verloren. Ebenso wenig Vertrauen hat er zum Parlament. Nur die „direkte Aktion" der Syndikalisten imponiert ihm. Auch zahlt man nicht so hohe Beiträg« an die„Bonzen"! Um Politik bekümmert er sich fortan nur noch wenig. An der Stadtoerordnetenwahl beteiligt« er sich nicht. Dafür betätigte er sich um so eifriger im neugebildeten„Berein der Heimattreuen Ober- schlester". Auf die„verdammten Pollacken" schimpft er weidlich. Es koimnt so etwas wie eine„national« Renaissance" über ihn. Auch Direktor Krause erfährt davon. Die Anerkennung bleibt nicht aus: Joseph Jablonski rückt zum Vorarbeiter auf! 192«. Jablonski hat mtitmehr auch den Syndikalisten den Rücken gekehrt. Wellfremde Begriffsspielcrei behagte ihm auf die Dauer nicht. Die Genossen hatten ihm Vorhaltungen über seine An- ireiberdienste gemacht. Der Meisterposten war ihm reafer. Er „pfiff auf ihre verbogene Romantik"! Seine ganze Energie qalt nur noch dem Werk. Einmal in der Woche ging er zum Kegeln. Fast alle Meister kamen da zusammen: zuweilen kam auch der Herr Betriebsleiter „auf ein Stündchen" mit heran. Dann dauerte die„Nachsttzung" gewöhnlich bis um drei Uhr morgens. Jablonski wurde ein bißchen dicklich mit der Zeit. Er gab seiner Frau nicht mehr viel nach. Man merkte es ihnen an: die Zeiten waren besser geworden. Erika hatte nun doch noch die Kommunion erhalten. Die Mutter war schon die ganzen Jahre dafür. Wilhelm kam jetzt auch auf die höhere Schule. Der Junge hatte die Aufnahmeprüfung gerade noch bestandert. Aber der Bursche sollte es auf olle Fälle „mal leichter haben".< Das Feld hatten sie wieder �aufgegeben, seit-Joseph Meister geworden.„Das schickte sich nicht!" Der Mann war damit ein- verstanden. 1926. Sonderliche Aufregungen gab es bei Jablonskis seit Jahren nicht mehr. Auskömmliches Einkommen gewährte ihnen ein solides Leben. Sie hatten sich in der neuen 2f4-Zimmer-Wohnung richtig- gehend„bürgerlich" eingerichtet. Büfett und eichener Schreibtisch fehlten nicht. Erika mar in. der Stadt bei einem Zahnarzt als„Assistentin" beschäfttgt. Das Mädchen wurde von der Mutter verhätschelt, war die„feine" Tochter. Frau Jablonski aber war außer sich, als das sechzehnjährige„Ding" an einem Rcgenabend ihren„Freund" mit nach oben brachte. Noch dazu einen Schlosser! Dennach vermochte sie die Tochter nicht davon abzubringen. Ein Jahr darauf war das„Täubchen" auf und davon; der Zahnarzt mit ihr. Nach acht Tagen stellte sich Erika verstohlen und verschämt wieder ein. Aber auch der Junge bereitete den Eltern ständigen Kummer. Mit dem Lernen wollte es gar nicht klappen. Was sollte man tun? Man ließ die Dinge laufen! Ueberdies hatte der Vater wenig Muße, sich um den„Klein- kram zu Hause" zu kümmern. Der Werksportverein absorbierte alle seine Kräfte. S.olz schwellte seine Brust, wenn man allenttzalben den Herrn Vorsitzenden zu Rate zog. Wahrhaftig: kein Mensch merkte ihm den Provinzler und ehedem simplen Bäckergesellen an. Tief in Dunkel und Vergessen ruhte die Vergangenheit. 1928. Wahlsonntag. Wahlautos der Kommunisten und der SPD. fahren schon seit dem frühen Vormittag durch die Straßen der Stadt. Jablonski geht sicher seinen Weg. Ihm können die„Röten" nicht imponieren. Seit langen Jahren geht er das erstemal wieder zur Wahlurne. Er denkt: den„Brüdern" werden wtr's schon Izeimzahlen!— und gibt seinen Stimmzettel für die Liste der Deutschnationalen ab. „Großer Sieg!" kündet in den folgenden Tagen das Hugen- berg-Blatt. Trotz allem aber wird Joseph seines Lebens nicht recht froh. Die Umstellung des gesamten Betriebes macht rasende Fortschritte. Bald tritt das laufende Band in Funktion. Der„Besen"— so wird allgemein der neue Direktor und Re- Organisator von den Arbeitern genannt— kehrt gründlich! Hunderte„überalterte" Arbeiter fliegen auf die Straße. Leute, die seit zwanzig Jahren und mehr im Werk beschäftigt waren, bleiben nicht verschont. Auch mit den Meistern wird keine Ausnahmt gemacht. Der neue Betriebsleiter zuckt nur die Achseln: die Kon- kurrenz überholt uns! Direktor Hormann ist zynischer: die Fabrik ist doch kein Altersheim! Mit der„Lebensstellung" ist es aus. Jablonski hat nichts unversucht gelassen: es blieb bei der Kündi- gung! Fast hätte er geweint beim Verlassen des Werkes. Bitter- nis stieg in ihm hoch. Zahllose Wege machte er in den kommenden Monale» ver- gebens. Auf alle seine Bewerbungsschreiben kamen Briefe mit irgendeinem vervielfältigten stereotypen Text als Antwort zurück— sofern man es überhaupt der Mühe für wert hielt, zu schreiben. Oft muhte er erst persönlich nachfragen. Aber die mündlichen Be- scheide waren ebenso aalglatt, nichtssagend und letzten.Endes negativ. Die„guten, alten Bekannten" fanden höchstens ein wort- reiches Bedauern, mit dem schließlich auch nichts zu beginnen war. Joseph Jablonski lernte das Fluchen wieder. 1930. Die Arbeitslosigkeit ist ins Beängstigende gestiegen. Da? Kabinett Brüning hat die große Koalition abgelöst. Sozialver- stcherung und Besitzsteuern werden abgebaut, Zölle ins Phantastische erhöht: die Kartelle halten die Preise.„Starke Männer" sind am Werke. Der Diktaturgedanke gewinnt an Boden. Die Nazis wühlen und schüren, versprechen das Blaue vom Himmel und hatten hyperradikale Reden. Tausend Lösungen für alle Nöte steigen aus wie schillernde Seifenblasen. Ihre Sturmkolonnen schreiten her- ausfordernd durch die Straßen, prügeln„Fremdstämmige", sprengen Versammlungen. Joseph Jablonski berauscht sich an ihren Phrasen. Ihn, ge- fällt die Entschiedenheit der Sprache und die militärische Ent- schlossenhell der SA.-Truppen. Ihre Führer und Versammlungs- redner wettern gegen Kovng-Plan und Kapitalsverschiebung. Das begeistert Jablonski. Er meint: Dann bleibt das Geld im Land und es gibt wieder Arbeit! Nur„durchgreifen" muß man! Er hofft auf den„großen Mann", der nur der Diktator fein kann. Solcher Art sind seine Gedanken, als er am 14. September den Nationalsozialisten seine Stimme gibt.\ Seither sind Wochen darüber hin. Daheim höhnt ihn sein Weib:„Du Waschlappen! Wann kommt denn nun das dritte Reich? Geh, schasse Brot!" Joseph Jablonski schweigt. Was soll er dar- auf erwidern? Allwöckzentlich holt er sich seine karge Unterstützung vam Wohl- sahrtsamt und allmonallich seinen Mietzuschuß. Mehr als zwei Jahre— mit kurzen Unterbrechungen— ohne Arbeit: das ist zum Verzweifeln! Aber Lamentieren bringt kem Brot— sagt sich die Fraii. Söst Ansang November ist sie bei Ullstein als Zeitungsousträgerin.ätia. Joseph hilft ihr getreulich. Das Studium des täglichen Freiexemplars ist nicht ohne Wirkung: Aus dem Nazi-Paulus entwickell sich allmählich irgendein .-Saultis". Bleibt nun die Frage: Wohin des Wegs?... Allerlei Prägen und Antworien Warum sind die Blätter grün? Di« Bäume haben grünes Laich, weil der Himmel blau ist. Das Blatt kamt nicht alle Strahlen des Sonnenlichts gleich gut verwenden. Die größte chemische Wirkung haben die Farben, die zur Farbe des Blattgrüns„kmnplemcntär" sind. Alle Farben, die mit einer anderen Farbe gemischt, weißes Licht ergeben, nennt man Kontplementör- oder Ergänzungsfarben. Nun können die Pflanzen natürlich nicht das Himmelslicht ändern, sondern sie müssen sich ihm anpassen. Das tun sie, indem sie ihre Blätter grün färben. Die gelben und roten Strahlen sind in dem Licht, das die Pflanze verwenden muß, reichlicher vorhanden. Da die Pflanze also vor- wiegend mit rotem und gelbem Licht arbeitet, ist sie grün. Meviel Tropfen cnlhätt ein Liier Wasser? Ein Gramm Wasser eitthätt ungefähr 15 bis 20 Tropfen. Demnach entHallen 1009 Gramm Wasser(1. Liter) 15000 bis 20 000 Tropfen. Ein Chemiker hat sie aber genauer gezählt und ist auf 20«00 Tropfen gekommen. 'Welches ist der Unkerfchled zwischen einem Wald und einem Aorst? Unter Wald versteht man eine größere, im Naturzustand belassen« Fläche, die von Bäumen Und Pflanzen bewachsen ist. Im Gegensatz dazu ist der Forst«in festbegrenzter Wirtjchaftswald, der nach beftimntten Gesetzen erhallen und genützt wird. Daraus geht hervor, daß wir in Deutschland eigentlich keine Wälder mehr haben, sondern nur noch Forste. Wie alt kann ein Pferd werden? Durchschnittlich erreichen die Pferde ein Aller von 40 Jahren. Es find aher auch Fälle bekannt, wo dieses Aller beträchtlich über- schritten wurde bis auf 50 und 60 Jahre. Gewöhnlich Handell es sich dabei um Pferde, die das Gnadenbrot erhielten. In Warring- ton in England soll ein Pferd mit 32 Jahren noch arbeitsfähig gewesen sein. Wann wurde der Blutkreislauf des Menschen entdeckt? Der Blutkretslauf des Menschen winde im Jahre 1628 von William Härvev entdeckt. Die verkehrsreichste deutsche Bandstraße. Li« Eanujtcutöt Straße zwischen Stuttgart und Cannstatt weift nach den Ergebnissen der letzten Verlehrjzählung voy allen Landstraßen den stärksten Verkehr auf. Sie wird, nach der„Berkehrsteebnik", im Durchschnitt täglich von etwa 2600 Fahrzeugen mit einer Belastung von IS 000 Tonnen befahren. Da der Straßenzug mit einer Breite von nur 7 Metern diesem Verkehr Nicht mehr gewachsen ist, soll er jetzt auf 12 Meter verbreitert werden. Aus der Rordseciusel Lorkum befindet sich ein Gartenzaun cus Walfijchk nschen. deren Ursprung noch in die Zell zurückgeht, wo in der Nordsee Walsischjazdon veranstaltet welchen konnten. Reallöhne und Knsenheilung. Löhne und preise im Konjunkturablauf.—„politischer Lohnüberbau?" Unsere Ausführungen über die Entwicklung der Reallöhne wäh- rend der Depression haben in der„DAZ.� eine um Sachlichkeit mehr als sonst bemühte Kritik gefunden, so daß es uns nützlich erscheint, uns im Interesse der weiteren Klärung des Problems mit den vorgebrachten Argumenten auseinanderzusetzen. Der Verfaffer des Artikels„Lohn in der Krije" glaubt uns vorhalten zu müssen, daß bei uns in den letzten Jahren die Lohnenlwicklnng„politisch und amtlich" namentlich durch die Schlichtung beeinflußt wurde, und daß sich dadurch die Gesetzmäßigkeit der Lohnentwick- lung während der Depresswn ändern muß. Früher sanken bei Abstieg der Konjunktur„die Preise rascher als die Löhne, so daß tatsächlich in diesem Stadiiun die Befestigung des Reallohnes er- reicht werden tonnte". Das geschah aber, nachdem die Preise wäh- rend des Konjunkturoufschwunges st S r k e r als die Löhne gestiegen waren. Jetzt stiegen— nach der Meinung des Berfassers in- folge der Schlichtung— die Löhne während des Auf- schwunges stärker als die Preise, und sie seien l ä n g e r als die Preise gestiegen, so daß bei uns 1928 ein„politischer Lohnuberbau" entstanden ist. Infolge dieser Entwicklung sei bei uiw auch während de» Konjunkturaufschwunges„die Spanne zwischen Selbstkosten und Erlösen so knapp wie nur möglich" gewesen, so daß jetzt, vom Stand- punkt den Rentabilität der Unternehmungen gesehen, kein Raum für die Befestigung des Reallohnes vorhanden sei. Dementsprechend empfiehlt der Verfasser auch, Vergleiche der Lohn- und Preisentwicklung bei uns im Jahre 1927/28 mit der Cntwick- lung in vergangenen Konjunkturen und im Auslande anzustellen. Den Kern dieser Beweisführung stellt die Vorstellung dar, daß während des Aufschwunges die Spanne zwischen Selbstkosten und Erlösen ausschließlich oder mindestens gang entscheidend durch das Verhältnis zwischen der Entwicklung der Löhne und der Preis« bestimmt wird; die Entwicklung in der Depression stelle einiger- maßen das Verhältnis zwischen den Löhnen und den Preisen wieder her, wie es vordem Aufschwung war. Ist diese Vorstellung richtig, so ist auch die weitere Beweisführung des Verfassers logisch einwandfrei. Dann muß während der Depression nicht der Real- lohn befestigt, sondern der„Lohnüberbau" beseitigt werden. Es sei auch wirtschaftlich unmöglich und kann nur politisch be- dingt sein, daß die Löhne in der Zeit des Konjunkturaufstiegs stärker als die Preise steigen. Wir habSn uns also erstens mit der theoretischen These zu befasien und zweitens zu prüfen, ob auch in einem Lande, in welchem es keinen politischen Lohn gibt, eine stärkere Erhöhung der Löhne als der Preise in der Zeit des Aufstiegs tatsächlich statt- findet. Unser Kritiker geht davon aus, daß die Spanne zwischen Selbst- kosten und Erlösen völlig durch das Verhältnis zwischen den Löhnen und Warenpreisen bestimmt wird. Alle übrigen Produk- lionskosten läßt er wahrscheinlich deshalb beiseite, weil er annimmt, daß sie sich während einer Konjunktur entsprechend der allgen, einen Preissteigerung erhöhen. Auch dann, wenn diese Annahme als richtig unierstellt würde, übersieht er vollkommen, daß erstens infolge der besseren Beschäftigung die Produktionskosten Verhältnis- mäßig gesenkt werden, und zweitens, daß sich der Aufftieg bei gestiegener Produktivität der Arbeit zu vollziehen pflegt. Er ver- gißt das, was man in der letzten Zeit als Rationalifie» r u n g bezeichnet. Es handelt sich aber nicht bloß um die Entwicklung der letzten Zeit, als die Rationalisierung besonders kraß m Erscheinung trat, sondern um einen notwendigen Zug der kapitalistischen Entwicklung. Der ganze Sinn des technischen und organisatorischen Fortschritts besteht doch darin, daß die Produktivität der Arbeit erhöht wird. Infolgedessen ist es möglich, daß die Spanne zwischen den Selbstkosten und Erlösen erhalten bleibt oder sogar sich erweitert, wenn auch die Löhne nicht nur absolut, sondern auch im Vergleich zu der Entwicklung der Preise steigen. Wäre dagegen die These unseres Kritikers richtig, so wäre z. L. die amerikanische Wirtschaft schon längst zugrunde ge- gangen. Nach den enormen Schwankungen während des Krieges und in den ersten Nachkriegsjahren haben sich die Preis e in den USA. seit 1928 etwa auf dem Niveau 159 im Vergleich zu 199 unmittelbar vor dem Kriege einigermaßen stabilisiert, während die Löhne weit über 290 gestiegen sind! Das Verhältnis zwischen den Löhnen und Preisen hat sich also außerordentlich stark zugunsten der Löhne verschoben: zugleich hat sich aber auch die Produktivität der Arbeit außerordentlich stark erhöht. Die Folg« war nicht der Ruin der amerikanischen Wirtschaft, wie das nach der Theorie unseres Kritikers eigentlich sein mühte, son- dern eine langjährige Periode beispielloser Prosperität. Was�nun die Tatsachenprüsung anbelangt, so werden wir wohl init unserem Kritiker darüber einig sein, daß die st a t i st i s ch e n Bergleiche aus diesem Gebiete nicht einwandfrei zu führen sind. Für Deutschland haben wir nur die Statistik der Tariflöhne, die eine genaue Vorstellung weder von den Lohnverdiensten noch von den Lohnkosten gibt, während in Amerika sü-r«inen wesent- lichen Teil der Industrie die Stundcnverdienste erfaßt werden, wie sie sich aus den Lohnsummen und der Gesamtzahl der faktisch ge- arbeiteten Stunden ergeben. Es steht fest, daß die Slundenverdienste bei uns im Lause des lehlen Iahres wesentlich gesunken sind. Da» findet aber bis jetzt in der Statistik der Tariflöhne keinen merkbaren Ausdruck. Es war, nebenbei bemerkt, keine unnatürliche Erscheinung, son- dern vielmehr eine eigentliche Auswirkung des Aufschwunges von 1927, wem, die Tariflöhne bei der Erneuerung der Tarifverträge im Frühjahr 1928 erhöht wurden. Wir sind aber bereit, die Kon- Zession an unseren Kritiker zu machen, seine Schilderung der B e- w e g u n g der Löhne in Deutschland als richtig zu unterstellen. Um so durchschlagender wird unser Beweis sein, daß diese Entwicklung gar nicht so anormal ist, wie sie vom./OAZ."-Verfasser dar- gestellt wird. Zwei Erscheinungen werden von ihm festgestellt und auf das Konto der verhängnisvollen Schlichtung gebucht: erstens seien bei uns die Löhne in der Zeit des Aufstiegs stärker als die Preise ge- stiegen, zweitens dauerte die Steigerung der Löhne längere Zeit als die der Preise. Zum zweiten Punkt haben wir das Material schon in früheren Aufsätzen gebracht: sogar nach dem Ausbruch der furchtbaren Krise von 1929 mit ihrem riesigen Preissturz stiegen in Amerika die Löhne noch etwa ein halbes Jahr weller. Es han- delt sich dabei natürlich nicht um eine allgemeine Erscheiming, son- dern eher um die Auswirkung verschiedener sich durchkreuzender Entwicklungen in einem Durchschnitt aller Löhne. Die Steigerung der Löhne nach Eintritt des konjunkturellen Rückschlages läßt sich auch in allen anderen Fällen, die zu untersuchen für uns möglich war, feststellen. Neue Beweise! Wir wollen jetzt m ö g l i ch st genau die Entwicklung für einen Fall feststellen, der nicht als in irgendwelcher Hinsicht anormal betrachtet werden darf, was man gegen den Aufschwung der amerikanischen Konjunktur von 1922/23 einwenden könnte. Wir nehmen den amerikanischen Ausstieg von I924b!s 1927 und nehmen, um nach Möglichkeit den Einfluß der agrarischen Preise mit chrer besonderen Entwicklung auszuschalten, die Entwicklung der Preise für die nichtagrarischen Waren zur Grundlage für unsere Betrachtung. Diese Preise sind während dieser Aufstiegsperiode von 138 im Oktober 1924 auf 166 im November 1923 gestiegen, also um 3 Proz., und gingen dann dauernd zurück bis 139 im Mai 1927. Die Löhne waren zunächst gar nicht oder nur sehr unwesentlich gestiegen. Dann stiegen sie von 228 in den letzten Monaten 1923 auf 233 im Mai 1927(nach der Statistik der Untersuchungsstelle der Unternehmerorganisationcn„National Industrial Conference Board"). Also war die Steigerung der Löhne ziemlich gering, nämlich nur etwa 2lA Proz. Die Preise standen aber im Mai 1927 um 3 Proz. tiefer als im Oktober 1924! So war das Ergeb- nis der Entwicklung vor dem Abschluß einer Periode eines starten Aufstiegs. Nach einem Rückschlag in den letzten Monaten 1927 und in den ersten Monaten 1928 kam ein neuer gewaltiger Auf- st i e g zustande, der in der gegenwärtigen Krise gipfelte. Für die Preis« läßt sich in dieser Zeit keine einheitliche Entwicklung feststellen, wie das aus der nachfolgenden Zusammenstellung erficht-. lich ist. Index der amerlkanischen Großhandelspreise für Fertigwaren (1926 � 100). 1928 1929 Januar......... 93,9 96,5 Februar. 94.8 93,9 März.......... 94,8 96,5 April.......... 93,9 96,9 Mai.......... 97,1 96,4 Juni.......... 96.7 96.7 Juli.......... 97.8 97,8 August......... 99,1 97 3 «veplember........ 100,5 97,0 Oktober......... 98.3 95,8 November........ 97,2 94,2 Dezember........ 96,4 93,9 In der eigentlichen Aufstiegszeit seit Juni 1928 bis Juni 1929 sind die Preise zwar vorübergehend stark nach oben gegangen, haben dann aber wieder nachgelassen und bewegten sich etwa um 96 bis 97 herum. Dagegen sind die Löhne von 232 im Januar 1928 auf 238 im Mai 1929. also um etwa 3 Proz.. gestiegen. Nach dein Index der obengenannten Uniersuchungsstelle sind auch die realen Stundenverdienste, und zwar sogar viel stärker gestiegen, nämlich von 142 aus 149, also um 3 Proz. Die ganze Entwicklung der amerikanischen Konjunktur seit 1922 widerspricht also der Aussassung, die In dem Artikel der„DAZ." vertreten wird: die Löhne stiegen in der Zeit des Aufstiegs mehr als einmal stärker als die Preise, ihre Steigerung dauerte längere Zeit als die der preise, und die Tendenz zur Erweiterung der Spanne zwischen den Löhnen und den Preisen zugunsten der preis« laßt sich in keinem einzigen Falle des Ausstiegs seststellen. Das alles in einem Lande, in welchem es kein amtliches Schlichtungswesen und keinen politischen Lohn gibt. Wir wissen sehr wohl, daß alle diese Erscheinungen noch einer genauen Prüfung und einer tieferen theoretischen Aufklärung be- dürfen. Es scheint uns aber festzustehen, daß sich unser Kri- tiker in d er„DAZ." auf den falschen Weg begeben hat. Deshalb kann seine Kritik uns nicht veranlassen, nur ein Wort von dem, was wir über die Bedeutung der Steigerung der Reallöhne für die Erholung nach der Krise gesagt haben, zurück- zunehmen. Ueber diese grundlegende Frage gibt uns die Kritik, mit der wir ims hier befaßt haben, überhaupt gar keinen Auf- schluß. Wir bestreiten gar nicht, daß die Erweiterung der Spanne zwischen den Selbstkosten und Erlösen von Bedeutung für die Be- lebung der Konjunktur ist. Wir behaupte» aber, daß erstens diese Spanne nicht unbedingt durch den Lohnabbau erweitert werden muß, und zweitens, daß sie sich nur dann auswirken kann, wenn dafür durch die Steigerung der realen Kaufkraft die unerläßliche Grundlage der größeren Ausnahmefähigkeit des Marktes geschaffen wird. G- D. Herr Oingeldey und wir. OaS Programm der Deutschen Bolkspartei. Der neu« Vorsitzende der Deutschen Volkzpartei, Herr Din- g« l d e y, hat in seiner programmatischen Red« u. a. folgenden Satz geprägt(übereinstimmend nach„DAZ." und„Köln. Zeitung"): „Ich bin der festen Ueberzeugung, auch die Führer der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie haben heute erkannt, daß das deutsch« Volk und die deutsche Arbeiter- fchaft nicht gemtet werden können, wenn nicht der Lebensstandard des deutschen Volkes so weil herabgedrückl wird, daß der Anschluß an den Weltmarkt wieder hergeslelll wird." Diese Behauptung ist in allen ihren Tellen völlig un- richtig. Die Führer der Gewerkschaften und der Sozialdemokrati« haben, schon längst das Gegenteil dessen, was Herr Dingeldey be- hauptet,„erkannt". Sie haben immer gegen alle Versuche, das deutsche Volk durch ein« Hungerkur zu„retten", gekämpft, und haben das nicht nur aus sozialen, sondern auch aus wirtschafllichen Gründen getan. Was versteht eigentlich Herr Dingeldey unter dem„An- schluß an den Wettmarkt", der Deutschland angeblich fchll? Ist ihm inrmer noch nicht bekannt, daß Deutschland in den letzten Jahren seinen Anteil am Welthandel ständig vergrößert hat? Auch jetzt während der Krise behält die deutsche Aussuhr ihren Platz im Welthandel in viel stärkerem Maße als die Länder, die mit Deutschland in dieser Beziehung vergleichbar sind. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres ist die englische Ausfuhr im Vergleich mit dem gleichen Abschnitt des vorigen Jahres u m 19,7 Proz. zurückgegangen, die französische Ausfuhr ist in der gleichen Zeit um 12,6 Proz. und die amerikanische in den ersten neun Monaten sogarum23Proz. zurückgegangen. In Deutsch- land war der Ausfuhxrückgang b«i weitem nicht so stark: betrug nämlich in den ersten zehn Monaten nur 9,3 Proz.I Welch« Länder haben denn nach Herr» Dingeldey„Anschluß an den Welt- markt", wenn Deutschland keinen hat? Die d e u t sch e Ausfuhr ist setzt schon größer als die englische und bleibt nur hinter der amerikanischen zurück, wäh- rend noch 1923 die englische Ausfuhr um rund 20 Proz. größer als die deutsche war. In der Nachkriegszeit war die französische Ausfuhr bis 1923 größer als die deutsche. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres war die deutsche Ausfuhr fast um 50 Proz. größer als die französische! Wird Deutschland unter solchen Um- ständen durch die weitere Herabsetzung des Lebensstandards seiner Bevölkerung seine Ausfuhr zu steigern versuchen, so ist zu befürchten, daß alle übrigen Industrieländer zu den schärfsten han- delspolitifchen Abwehrmitteln greifen. An der Stellung der Führer der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie zu diesem Programm kann kein Zweifel bestehen: ihm'gilt ihr schärfster Kampf, und zwar g«rade im Interesse der Aufrechterhaltung des Anschlusses an den Weltmarkt, die Herr Dingeldey gefährdet!__ Frachiermäßigung für Kartoffeln. Wie wir erfahren, hat die Hauptverwaltung der Reichsbahn be- schloffen, die Frachtraten für Kartoffeln in Wagenladun- gen um 10 Proz. zu ermäßigen. Billigere Oüngemiitelpreise. Eine Enischließunq des Reichswirtfchastsrates. Der wirtschaftspotttische Ausschuß des Reichswirtschafts, r a t e s hat eiiüttmmig eine Entschließung gefaßt, wonach«ine erneute Prüfung für den Preisabbau bei Düngemitteln geboten erscheint. Diese Nachprüfung der Düngern illelpreise wurde Ende Juni bei Ablauf des Düngejahres und für Srickstoff im Sep» t» m b e r bei Ablauf der internationalen Syndikatsbindungen zu erfolgen haben. Dagegen wird der Regierung empfohlen, in der Frage der Preispolitik für Thomasmehl setzt beretts auf die Produzemen einzuwirken. Diese sollen, wie die übrigen Industrien für Düngemittel ihre Preise auf eine längere Periode staffeln, um den Anreiz für möglichst gleichmäßige Abnahme zu steigern. Ferner ist der Ausschuß der Ansicht, daß auch die letzten Beschränkungen für den Bezug ausländischen Thomasmehls in Fortfall kommen, damit sich der Wettbewerb mehr als bisher auswirken kann. Künstige Probleme der Wohnungswirifchast. «Stellungnahme des Berems für WohnungSreform. Der Deutsche Verein für Wohnungsreform in Berlin, in dem die wichtigsten auf dem Gebiete des Wohnungs- wesens tätigen Organisationen vertreten sind, hat in seiner letzten Verwaltungsratssigung zu dem Wohnungswirtschaftsprogramm der Regierung Stellung genommen. Nach der EMschließung des Berwallungsrates sollen ö f f e n t» liche Mittel nur da eingesetzt werden, wo wirklich dringen- der Bedarf in Stadt und Land vorhanden ist. Die Be- i ch r ä n k u y g der ösfeMlichen Bautätigkeit sei nur dann tragbar, wenn eine Jahresleistung von mindestens 213 000 Wohnungen so lange gesichert bleibt, bis der Bedarf an Wohnungen sinkt. Eine Lockerung der Zwangswirtschaft wird nur in dem Fall befürwortet, wenn Mieten und Kündigungsrecht solange gesetzlich geregelt bleiben, bis Angebot und Nachfrage auf dem Wohnungs- markt sich decken. Eine Senkung der Baukosten durch ver- schlechterte Bauweise und Vernachlässigung der Hygiene sei ab- zu lehn« m Das Ziel der Mietfenkung ließe sich aus die Dauer nur durch ausreichende öfseMliche Baudarlshen und durch Senkung der Zinsen und Baukosten erreichen. Roggeneinfuhr nach Estland verboten. Das estländifche Win- Ichaftsministerium hat im Zusammenhang mit der Einführung des staatlicben Roggen Monopols jetzt die Einsuhr von ausländischem Roggen vollkommen verboten. Die estlöndiiche Regie- runq bot zunächst 5 Millionen Kronen für den Aufkauf von inlan- dischem Roggen bestimmt. Verjährung von Auswertungsansprüchen. Arbeitnehmer. die seinerzeit nns Grund des Gesetzes vom 26. Juli 1918 über das Branntweinmonopol eine Entschädigung erhalten haben. müssen ihre Aufwertungsaniprüche auf Grund des Gei ftes vom 28. Dezember 1929 bis spätestens 29. Dezember 1S30 bei der Reichsmonopolverwaltung in Berlin. Schellingitraße 12/13 zur Anmeldung gebracht haben, da später eingehende Aitträge nicht mchr berücksichtigt werden. v. '• ■g X A-FM- -'. V.'v»' 7/. 7 7