Morgenausgabe Tir 569 Ä2Ö6 47. Jahrgang Wöchentlich 85$f* monatlich 3,60 TL im voraus zahlbar. Postoezug i22 M. einschließlich Kf. Auswärts is Z)f. Die einspaltige Nonpareillezefte SO Pfennig. Reklame eile ö.— Reichs» mark...ttletne Anzeigen� dos ettge- druckte Wort 25 Pfennig lzuläisig zwei fettgedruckte Worts). ledes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wart 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im�zaupt» gefchäst Lindenstraße 3. wochentaglich von SVa bis 17 Uhr. Aentvaloegan des Sozialdemokratische« Vavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68� Ändenstr. 3 ft-:nwr«chcr: Dönbos»-02—297 Telegramm-Zldr: Eo.ialdkMvk'a! Berlin. Vorwarts-Verlaa G. m. b. H. Postscheckkonto. Berlin 37536—Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Bcaniten, Ltndenstr.3,Tt.B.il.Dizc..Gcs.,Dcpositenr.,Jerusalemer Str.6S-ek. Tardieu gestürzt. Ctfolgrsichsr Vsrfloß der Linken im Genai/ Kommt poincare? Paris. 4. Dezember.(Eigenbericht.) Das Kabinett Tardieu. das seit cincr LLoche einen verzweifelten Ltamps nin seine Existenz führt, ist heute abend imSenatgestürzt worden. In der Absthmnung wurde die von der dcinotra- tischen Linken eingebrachte Tagesordnung, gegen dix Tardieu die Vertrauensfrage gestellt hatte, mit 147 gegen 139 Stimmen angenommen. Die Regierung ist danach mit 8 Stimmen in der Minder- hcit geblieben. Unmittelbar nach Berkündnng des Slbsthnmungs- rrgebniffcs hat sich Tardieu an der Spihe seiner Mitarbeiter ins Elhsec begeben, um dem Präsidenten der Republik seine Demission zu überreichen. >'» Rur selten ist in der bald sechzigiähngen Geschichte der französischen Republik eine Regierung im Senat gestürzt worden. Im allgemeinen behält sichdieaus dendircktcn Wahlen Heroörgegangene Deputiertenkammer die Beseitigung einer Regierung vor und es muh schon mit dem Ansehen eines Kabinetts sehr arg bestellt sein, wenn der sonst grundsätzlich regrerungssromme Senat sich dazu entschließt, eine Krise aus- zmösell. Das Ministeriun: Tardieu hatte seit dem Ausbruch des großen politischen F i n a n z s k a n d a l s um den Börsen- schieber Oustric jedes Prestige verloren. Von den zwei Dutzend Ministem und Unterstootssekretären. die Tardieu seinerzeit. ols er im Sommer 1ö29 die Nachfolgerschaft des erkranktei; PoittearS übernahm� um sich sammelte, sind mehrere arg köm- prömüticrt worden— man wußte einstweilen nur nicht, wie viel: der Justizminister P6ret und zwei Unterstaatssckretäre hatten nacheinander die Konsequenzen ziehen müssen, andere, darunter der Finanzminister Reynaud, standen„auf der Kippe". Da? war ein unmöglicher, unwürdiger Zustand Tardieu selbst, der in der Vergangenheit in manche dunkle, nicht vergessene Kolonialgeschichten verstrickt war, stand diesmal rein da. Roch vor wenigen Tagen Hat'e ihm L Die braven Leute haben eben erst einen großen Krach ' miteinander ausgemacht, wobei jeder dem anderen unver- blümt vorwarf, daß bei ihm Verdienen groß geschrieben werde und daß seit dem Anbruch ihrer Abgeordnetenherrtichkeit ihre Vermögenslage sich rapid nach oben entwickelt habe. In- zwischen haben die Herren das Kriegsbeil untereinander be- graben und spielen zur Abwechslung ein wenig Minister- stürzerei. Ihre Aufregung kommt immer aus dem gleichen Punkte. Als im Jahre 1924 der Landbund die Einrichtung eigener Brotfabriken plante, gerieten sie in helle Empörung, und jetzt hatten sie kaum das Wort Preisabbau gehört, so spielten sie die wilden Männer. Dazwischen liegt ihre gesamte Politik. reaktionär und borniert. Die Arbeiterjugend wollen sie mit Arbeitsdienstpflicht beglücken, von dem berüchtigten Stadtrat Busch nahmen sie Wahlgelder. und da sie einander kennen. verlangten sie vor der Wahl von 1928 in Hannover von ihren Kandidaten die Ausstellung eines Sichtwechsels über 20 000 M., der fällig werden sollte, wenn ein Gewähller sein Mandat nicht niederlege! Wir nehmen an. daß sie von Herrn Bredt keinen Sicht- Wechsel hatten, so daß sie ihn mit der schweren Artillerie eines Mißtrauensantrages vergewalligen mutzten. Politik? Aber keine Spur! Vor einem Jahre ergrimmte ein prominenter Hugenberg-Mann, der Dr. G� W. Schiele, über die Wirtschaftspartei. und schrieb ihr folgendes ins Stammbuch: .In der antiken Welt kannte man den Begriff der B a n a u s e n. Das Wort heißt eigentlich„Handwerker": es wurde aber zu einem Begriff für Engstirnigkeit und rein materialistisch« Ein- stellung gegenüber der vaterländischen Politik. Dieselbe Erscheinung taucht in unserer Zeit wieder auf. Die städtische W i r t s ch a f t s» partei ist eine buchstäbliche Partei der Danaussn. Das 1 engste, materiellste Veschästsinteresse soll porteidiideud sein. Dagegen Nationalpolitit. Kulturpolitik. Staatspolitik sind nur Handelsobsette." j Gegenüber der starken einheitlichen Weltanschauungspartei der Marxisten werden diese beiden Splitterparteien oder Banaasen, Parteien(Wirtschaftspartei und Landvolk) sich ausnehmen wie zwei alte Ne-g erweib er gegenüber einem Krokodil.� Das ist lieblos, aber es sitzt! Herr Schiele hat sie eine Banausenpariei genannt, Herr Dietrich einen Interessenten- hausen. Es scheint uns nur ein Jnteressentenhäuflein zu sein. Aber je kleiner das Häuflein, um so unverfrorener die Aus» Nutzung der Politik für das eigene Portemonnaie! Schwur gegen Sozialismus. Die Rationalsozialisten biedern sich bei der Industrie an- Die Ausführungen des nationalsozialistischen Fraktions- rebners Dr. F e d e r in der Donnerstagsitzung des Reichstags boten im allgemeinen nichts, was besonderer Beachtung wert §ewesen wäre. Aber ein Satz aus der Rede des Herrn eder verdient doch festgehalten und festgenagelt zu werden. Es ist der, in dem er sich gegen den Volksparteiler Dingel- d e y wandte und ihm den Rat gab, bevor er wieder über die Nationalsozialistische Partei spreche, sich deren Literatur anzusehen, denn„Sie haben gar keine Ursache, uns irgendwie sozialistische Tendenzen zu u n t e r st e l l e n". Die sozialdemokratische Fraktion hat über dieses schöne Bekenntnis mit lebhaftem Beifall quittiert, und Serr Feder, der zu spät erkannte, daß seinem Munde eine ummheit entflohen war, machte jetzt in seiner Verlegenheit eine Anleihe bei dem unseligen Reichskanzler Michaelis und sprach etwas von sozialistischen Tendenzen, wie die So- zialdemotratie sie auffasse. Aber diese nachträgliche Korrektur bedeutet gar nichts. Das Wort ist gesprochen: die Nationalsozialisten lehnen sozialistische Tendenzen ab. Was jedem Vernünftigen klar war, daß nämlich diese Partei mit ihren sozialistischen Phrasen und Anträgen nur Stimmenfang bei der Arbeiterschaft treiben will, ist jetzt durch einen ihrer Führer ausdrücklich bestätigt worden. Damit sind die zahl- reichen Reden und Artikel, in denen der Hitlerismus als eine Spielart, und zwar die nationale Spielart des Sozialis- mus hingestellt wurde, widerlegt und abgetan. Man kann sich höchstens noch darüber wundern, daß die Partei in ihrer Bezeichnung noch das Wort /.sozialistisch" beibehält. Die deutschen Nachäffer des italienischen Faschismus gehen eben genau denselben Weg, den dieser gegangen ist. Im Jahre 1919 verkündete Mussolini in Mailand vor seinen Kampfverbänden ein Programm, das an Radikalismus nicht ?u übertreffen war. Dort war von der Proklamation der kepublik, der Abschaffung des Senats, des Adels und der Wehrpflicht die Rede. Dort wurde die Unterdrückung von Banken und Börsen, die Auslieferung des Landes an die Arbeiter, die Syndikalisierung des Verkehrs und der öffent- lichen Dienste gefordert. Was dann der zur Macht gelangte Faschismus tat, war und ist das genaue Gegentell von den in seiner Frühzeit aufgestellten Richtlinien. Der einzige Unterschied zwischen Mussolini und den Hitlerianern ist der, daß diese einen wichtigen, ja in den Augen vieler den wich- tigsten Punkt ihres Programms in aller Oeffent- lichkeit preisgeben/ noch ehe sie zur Herrschaft gekommen sind. Den Arbeitern und den proletarisierten Angehörigen des Mittelstandes, die in ihrer Verblendung und in ihrer Ver- zwelflung bisher der Hakenkreuzfahne gefolgt sind, soll das Wort des Herrn Feder immer wieder in die Ohren gerufen werden. Sie werden dann hoffentlich die abgrundtiefe Heuche- lei erkennen, die erst kürzlich wieder in einer Berliner Rede des Abgeordneten Goebbels zum Ausdruck kam, als er der Sozialdemokratie vorwarf, sie habe den Nationalismus und den Sozialismus verraten! Hitler soupiert. Am Montagabend soupierte Hitler Im Hamburger National- c l u b mit den Spitzen der Hamburger Schiffahrtz- und Handels- kreise und entwickelte dabei sein Programm. Wievielmal e r dabei den Sozialismus aus dem Namen seiner Partei abgeschworen hat, ist nicht mitgeteilt worden. politische Kindereien. Die ehemaligen„Staatsparteller" als Außenpolltiker. Die Reichstagsgruppe der„Volksnationalen Reichsvereinigung", das hsitzt die Gruppe des Jungdeulfchen Ordens, hat in einem Schreiben an den Reichskanzler und den Reichsaußenminister«ine Reihe von Anträgen gestellt. Danach sollen u. a. die d i p I o m a t i- sch e n Beziehungen zu Polen sofort abgebrochen und der deutsche Gesandte in Warschau abberufen werden. Weiter soll die Reichsregierung sofort«ine Sondertagung des Völkerbundsrates fordern und erwägen, ob Deutschland noch länger im Völkerbund bleiben soll. Schließlich soll die Reichsregierung die Bildung von Freiwilligenformationen zum Schutz der Grenze gegen Polen zulassen und sie mit Propaganda, Geld und Waffen fördern. Zur Begründung wird angeführt, daß nach ihrer Ansicht nur ein Bruch, der diplomatischen Beziehungen zu Polen die Welt- Meinung auf die von Polen drohende Kriegsgefahr aufmerksam machen könne. Man sieht diesen„Forderungen" auf den ersten Blick an, daß es sich um politische Kindereien handelt, die, wenn man ihnen Folge leisten würde, zu schwersten außenpolitischen Kompli- kationen führen könnt«. Was an den Forderungen am inter- «ssantesten erscheint, ist die Tatsache, daß sie von Leuten erhoben werden, mit denen die alten demokratischen Parlamentarier kurz vor der Wahl zu einer..Staatspartei" sich verehelichten. Die Ehe hat zwar nicht lange gedauert, aber die Frage bleibt: Welches Augenmaß hatten die Dietrich und Koch-Weser. als sie diese Eh« eingingen?_ Gewissenlose Journalistik. Die Voulevardpresse macht in Bürgerkriegssensation. Der gestrige Tag und der gestrige Abend haben in Berlin keine nennenswerten Ruhestörungen gebracht. Trotzdem haben zwei Berliner Boulevardblätter den Eindruck zu verbreiten gesucht, daß in Berlin sehr schwere Zusammenstöße und Krawalle vorgekommen sind. Die N a ch t a u s g a b e des Herrn Hugenberg wetteifert darin mit dem Ullsteinschen Tempo. Den Sensationsjournalisten scheint es in Berlin zu ruhig zu sein, so daß sie künstlich«ine Bürgerkriegsstimmung hervorzurufen iuchen! Beschlagnahme der„Hamburger Volkszeitung". Wegen Ver- gehens gegen das Republikschutzgesetz wurde die Donnerstagausgabe der kommunistischen Hamburger Volkszeitung" beschlagnahmt. Das Putschnest bei Breslau. 521 Gistierte, vier einstweilen m Hast behalten.- Breslau. 4. Dezember.(Eigenbericht.) Die bei der pollzeiaktioa in ZSschkowlh verhafteten 321 Personen sind bis auf vier wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Segen alle wird die Staatsanwaltschaft ein verfahren ein- leiten. Die vier in Haft behaltenen sollen dem Richter vorgeführt werden. Unter ihnen befindet sich auch der Gutsbesitzer von Oelffea, der dle Razibande beherbergt hatte. Dieser Oelssea war schon beim Kapp.Pulsch beteiligt, wurde aber wie so viele andere amnestiert. Waffenfunde. An Waffen wurden von der Polizei in Iäschkowitz be- schlagnahmt 8 Militärgewehre und Karabiner, 2 Jagdgewehre, 3 Teschings, 21 Revolver und Pistolen, 77 Dolche und Seiten- gewehre, 36 Totschläger und Gummiknüppel, 83 Spaten, 386 Stück Gewehrpatronen, 3 Stielhandgranaten, 3 Uebungs- Handgranaten, 362 Stück Pistolen- und Revolvermunition sowie 2 Leuchtpistolen. Die etwa 1666 Stahlhelme, die vor- gefunden worden sind, waren sorgfältig gelagert. Die Spaten sind teilweise angeschärft bzw. zur Säge hergerichtet worden. Unter der Munition befanden sich auch sogenannte Dum-Dum- Geschosse. Die festgenommenen Nationalsozialisten werden sich voraussichtlich teils wegen Tragens verbotener Uniformen, Waffen* mißbrauch» und vor allem wegen Verstoßes gegen§ 127 des Reichs- strafgefetzbuches(Bildung eines bewaffneten Haufens) zu verantworten haben. Im Gegensatz zu den Behauptungen der Breslauer nationalsozialistischen Tageszeitung betont die Polizei. daß die Festgenommenen, bis auf zwei Stahlhelmer. sämtlich Angehörige der Nationalsozialistischen Partei seien und daß an der Uebung drei Sturmführer der Vreslauer 7. Standarte, die heimlich weiterbestehe, teilgenommen haben. Auch bei Kommunisten Waffen gefunden v Breslau, 4. Dezember. Auf Grund der Vorgänge in Iäschkowitz bei Breslau bringt bis Polizei den radikalen Organisationen erhöhte Aufmerksamkeit ent- gegen. Mittwochabend wurden anläßlich eines Umzuges des kommunistischen Kampfbundes fünf Personen fest- genommen, die sich im Besitz von Waffen befanden. Sie wursten ebenfalls der Staatsanwalt vorgeführt. Beschlagnahmt sind u. a. ein Gummiknüppel, ein Fleischermesser, ein Dolch, ein geladener Trommelrevolver, zwei Totschläger, zwei Schlagring« und einige Schraubenschlüssel. Rektorenkrach in München. Wüste profefforenhehe gegen die Reichsregierung. München, 4. Dezember.(Eigenbericht.) Bei der Antipolendemonstration der München« Studentenschaft, die am Donnerstag von der Universität und der Technischen Hochschule gemeinsam veranstaltet werden sollte, kam es infolg« des würdelosen Berhaltens der Hakenkreuzstudenten und gleichgesinnt« Professoren zu schweren Auseinandersetzungen und einem üblen Zerwürfnis zwischen den Rektoren der beiden Hochschulen, das nicht ohne Folge bleiben kann. Der rechtsradikale Studentenausschuß hatte alz Redner den Pro- fessor Graf du Moulin-Eckart bestimmt, der nicht mehr aktives Mitglied des Professorenkollegiums der Technischen Hoch- schule ist. sich ab« seit Iahren um die politische Radikalisierung der Studentenschaft mit Erfolg eifrig bemüht hat. Der.Rektor der Universität Professor Rehm befürchtete bei diesem Redner übertriebene Angriff« gegen die Reichsregierung und machte feinen Kollegen Dorstellungen, dies im Interesse einer«inigen Front gegen Polen zu unterlassen, Graf du Moulin-Eckart ließ sich aber nicht darauf«in, v«r> bat sich vielmehr die Einmischung, und. zog di« Zusage seiner Red« zurück, als der. Rektor auf Mäßigung b-stand.' Die Nazi- studenten, die davon«fahren hatten, revoltierten nun kurz vor der Kundgebung mit Flugblättern und einem Anschlag am schwarzen Brett, der neben scharf« Kritik an dem Vorgehen des Unioersttäts- rektors die Aufforderung enthielt, nunmehr in der Tech- nischen Hochschule zu demonstrieren. Der Tlnschlog ent- hielt ausdrücklich den Hinweis, daß der Rektor der Technischen Hoch- schule Professor Osanna dieses Vorgehe,, billige und es ausdrücklich wünsche. Tatsächlich verließ dann ein Teil der Stu- denten die Universität und zog zur Technischen Hochschule, wo vom Rektor der größte Hörsaal für die Demonstratton zur Verfügung gestellt war. Dort hielt dann Professor Graf du Moulin-Eckart unter dem johlenden Beifall der Studenten und in Anwesenheit des Rektors und zahlreicher Professoren seine ausfallende Rede gegen die Reichsregierung, die er als mitschuldig an den p v! n i- schen Uebergriffen in Oberschlesien bezeichnete.. Der Nazidirektor Osanna, der aus Südtirol stammt und in wei- teren Kreisen schon vor Iahren dadurch bekannt wurde, daß« einer wüsten Hetze gegen Stresemonn Vorschub leistet«, hält es also mit den Pflichten seines Amtes für vereinbar, die Anordnungen des Rektors der Universität demonstratio zu durchkreuzen und die Räum« seiner Hochschule einer. hetzerischen Kundgebung gegen die Reichs- regieruNg zur. Perfüjiustg zu stellen'. Es ist höchste Zeil, daß dem schamlosen Mißbrauch« der sogenannten, akadenüschen Freiheft end- lich mit allen Mitteln entgegengetreten wird. Hiiler, Hugenberg, Seldte. Hugenberg bietet einen neuen Reichetousfchvß an. Der Nationalsozialist Feder hat im Reichstag den Sozialis- mus abgeschworen. Er hat sich zum Privateigentum am u nb e weg- lichen Besitz bekannt. Das ist die These der Hugenberg-Gruppe, die den Klassenkampf des unbeweglichen Besitzes gegen den beweg« lichen Besitz verttitt. Die Hugenberg-Gruppe wirbt gleichzeitig aufs neue um die Hitleristen. Im Hugenbergfchen„Deutschen Schnelldienst" wird ein Artikel oerbreitet, in dem es heißt: „Die Stunde der nationalen Opposition ist gekommen. Gebildet wird sie durch die drei Gruppen der Nationalisten, des Stahlhelms und der Deutsch- nationalen Partei. Zwischen Nationalsozialisten und Deutschnattonalen bestehen mancherlei Meinungsverschiedenheiten und Programmunterschied«. In einer Frage, und zwar in der Hauptfrage, sind sie aber einig, nämlich In dem Streben, Deutsch- !and die außenpolitische Freiheit wiederzuerringen und es im Innern von der verhängnisvollen Herrschaft des marxistischen Sozialismus zu befreien. Der Stahlhelm will keine' Partei sein und keine Parteipolitik treiben. Er will nur eine Organisa- tion nationalgesinnter Männer sein, die ebenfalls die Wiest«. «langung der deutschen Freihett und einer deutschen Wehrmacht zur Aufrechterhaltung dieser Freiheit fordert. In dieser Haupt- frage können die drei Gruppen der nationalen Opposition mit- einander gehen. Sie müssen hi« auch miteinander gehen, weil kie sonst der zusammengefaßten Macht der sozialdemokratischen Parteiorganisation und der Machtmittel des preußischen Staates und der von Marxisten beherrschten Länder nicht gewachsen sind. Werden die drei in den Führern Hitler, Hugenberg und Seldte verkörperten Gruppen zu einer einheitlichen po- litischen Führung zusammengefaßt, dann bilden sie eine von glühendem Freiheitsdrang und nationalem Wisten beseelte Macht, gegen die auch der rote Terror und der preußische Polizei- kr-üppel machtlos ist." Man kann darin den Plan erblicken, den famosen Reichsausschuß wieder zu beleben— nur daß es diesmal nicht um«in Volks- begehren, sondern um mehr gehen soll! Todesopfer des Kommum'sienkrachs. (Sin Arbeiter einem Bauchschuß erlegen. Leipzig. 4. Dezember.(Eigenbericht.) Die Leipziger Kommunistenkrawall« vom Dienstagabend hoben inzwischen ein zweites Todesopfer gefordert. Im Krankenhaus St. Jacob ist der Dreher Cx>mbowsty an den Folgen eines Bauchschusses gestorben. Schwere Zusammenstöße in Plauen. Plauen, 4. Dezember Aus Anlaß eines Hungermarsches" der Kommunisien ist es am Mittwochabend auch in Plauen zu schweren Zusammen- stoßen gekommen. Etwa 6666 Demonstranten beschlossen nach den Reden der Agitatoren, nach dem Lokal„Prater" zu ziehen, wo die Nationalsozialisten ein« Versammlung abhielten. Um in den Saal zu gelangen, wurden verschiedene Fensterschechen eingeschlagen, eine Tür eingedrückt und mehrer« Rolläden hochgehoben. Di« von der Polizei gestellt« Saalwache mußte Verstärkung herbeiholen. Bei der daraus angeordneten Säuberung der Dobenaustraß« kam es zu schweren Zusammenstößen. Mehrer« Polizeibeamte wurden durch Steinwürfe verletzt, einer so schwer. daß er in bewußtlosem Zustände nach dem Kranken» haus gebracht werden mutzte Außerdem wurden eine Reih« un- bekeiligter Zioilisten verletzt. Di« Säuberung der Dobenaustraß« wurde aber schließlich doch durchgeführt. Die Zugänge zum Raihaus, wo eine Stadtoerordnetensitzung stattfand, waren polizeilich gesperrt, so daß keine Störungen vor- kamen. Zur Durchführung einer verstärkten individuellen Fürsorge wurden von den Stadtverordneten für Weihnachtsbeihilfen 100 006 Mark bereitgestelll. Das Opfer von Hamburg. Hamburg. 4. Dezember.' Der Senat hat angeordnet, daß am Beisetzungstage des am Mittwoch infolge der kommunistischen Unruhen ums Leben ge- kvmmenen Polizeiwachtmeisters Knies auf sämtlichen Polizeiwachen und auf dem Rathausmarkt die Flaggen auf Halbmast gesetzt werden. Bürgermeister Roß sprach Donnerstag morgen der Polizei und der Rathauswache, der Wachtmeister Knies angehört hätte, persönlich das Beileid des Senats aus. Krawall in Koblenz. Koblenz, 4. Dezember.(Eigenberichi.) - In W e i henturm bei Koblenz überfielen mehrer« K o m« m ü n i st e n einen Stahlhelmer und verletzten ihn schwer. Ferner kam es am Donnerstag vormittag vor dem Arbeitsamt in Weißeniurm zwischen Kommunisten und Stahlhelmern zu Zu- sammenstößen, die von der Polizei beendet wurden. Theater am Schiffbauerdamm. Katajew:«Quadratur des Kreises". Prächtig« Satire auf di« Soipjeteh«. Zwei Akte voll blühende» Humors. Famoses Spiel aller fünf Darsteller. Brausender Beifttl. oereinzell« Pfiff«.- Oxr. Gastspiel der Com�die Francaise. " Komische Oper. Das auf vierzehn Tage berechnete Gastspiel der Comädie F r a n g a i s e begann mit dem M o l> e r e s ch e n„M i s a n t h r o- ?«n". Die Berliner bekundtten deutlich, daß sie sich an den fran- zö fischen. Künstlern freuen wollen. Aber die Zeiten sind schlecht, und schon am ersten Abend blieben die nicht für Diplomaten und festlich gekleidet« Ehrengäste reservierte» Plätze leider leer. M. H. Christus von Oberammergau. Dir Oberammergauer Christus.Darsteller Aoton Lang wurde vom A beiisgericht in Garmisch verurteilt, die vom ihm als Loziswiri eintalfierien, aber nicht abgeiührten Bedienungsgelder, insgesamt 2000 Marl, an fem per,s«ai zu zahle«. M „Gew stinkt net— i hob koa G a s m a s k e n nötig!" Wie Tardieu gestürzt wurde. Finanzskandal und Außenpolitik. Paris, 4. Dezember.(Eigenbericht.) Der Senat begann am Donnerstag vor vollem Haus die Jnterpellotionedebatte über die allgemeine Poli- tik der Regierung. Die Stimmung war aufs äußerste gespannt, denn selbst die klügsten Auguren waren sich nicht darüber einig geworden, ob die Regierung siegreich oder geschlagen aus der «chlacht hervorgehen würde. Die Regie'rungsanhäNger rechneten mit einer Mehrheit von einigen wenigen Stimmen, ähnlich wie im Sommer, wo das Kabinett mit drei Stimmen Mehrheit tas mtam. Die Opposition hoffte ebenso stark auf einen Sieg. Der Interpellant htry begann seine Rede mit einer kurzen Darstellung der außenpolitischen Lage. Er betonte, daß er iür die Raumuno des Rheinlandes gestimmt habe, be» dauerte ab«? sofort, daß diese Tat der sranzZsischen Regierung nicht die erwartete Rückwirkung in Deutschland gebracht, sondern im Gegenteil zu den Stahlhelmkundgebungen geführt habe. Hätte man aber, so fuhr Häry fort, nach dem Ausfall der Reichstagswahlen neue Zwangsmaßnahmen ergriffen, wie dies ge» wisse Kreise geraten hätten, dann hätte man die Lage nur v«r» fchlimmert. Htry verlangte, daß die französische Regierung ihr« Stellung in der Abrüstungsfrag« klar bekenne und protestierte gegen gewiss« Umtriebe im Kriegsministerium, die die Diederabschoffung der Einjährigendienstzeit verlangten. In «ine? eingehenden Kritik an der Finanzgebarung des Kabinetts Tardieu bezeichnete Hiry dessen Prosperitätspolitik als Lüge, das famose Fünfjahresprogramm als Trugbild und die Budgetpolitik als einen Leichtsinn. Schärfer kritisierte er die Haltung der Regie- rung gegenüber der schrankenlosen Spekulationswut gn der Börse und betonte, daß die Regierung im Oustric-Srach eine unleugbare Verantwortung auf sich geladen habe. Sie habe nicht die kleinen Sparer geschützt, sondern die großen Spekulanten begünstigt. Die Innenpolitik Tardieu? endlich sei nichts anderes als glatte W a h l p o l i t i k zur Vorbereitung der Kammenvahlen von 1932. Alls Präfekten, die nicht über ein genügend biegsames Rückgrat verfügten, seien ent- sernt worden. Hery schloß mit der Feststellung, daß die Regierung besser töte, sofort freiwillig von der Bühne abzutreten, als sich stückweise davonschwemmen zu lassen. Die Wählerschaft sei genau. Sie verlange klaren Tisch, wie es das Interesse der Republik und die Würde des parlamentarischen Systems erfordere. Tardieu begann feine Rede weit aueholend mit einer eingehenden Dar- stellung der Wirtschaftskrise, von der auch Frankreich nicht verschont geblieben sei. Aber dank de?„glänzenden Reformwertes" Pmncares stehe Frankreich viel günstiger da, als seine Nachbarn. Er brestete dann vor dem Oberhaus den ganzen Katalog all der wirtschaftlichen Mahnahmen aus, die die Regierung zur Hebung von Landwirtschaft, Industrie und Handel ergriffen habe. Dabei leistete er sich ein« ebenfalls nicht mißzu verstehende Verbeugung vor der Linken, indem er erklärte: Unsere Kolonialpolttik wird genau wie die Laienpolitik eine große Tat in der Geschichte der Republik bleiben. Wöhrend die Linke klatschte, protestiert« die Rechte entrüstet. Zum Oustric- Krach äußerte sich Tardieu mit unge- wohnlicher Zurückhaltung. Oustric sei ein sogenannter Börsenanimator gewesen, wie Michael in Deutschland und Löwenstein in Belgien. Solche Animatoren genössen geroßen Kredit, well ihnen jede Kultur fehle. So habe sich auch Ford an Oustric gewandt, um seine Börsenpapiere am Pariser Markt einführen zu. lassen. Er wundere sich, daß man ihn mit solcher Schärfe inter- pelliere, währetid.in London die Regierung nach dem Krach Haitry und in Washingron der Staatssekretär Mellon, nach den Zusammen- brüchen von über 1900 amerikanischen Banken in Ruhe gelassen! wurden. Dann ging Tardieu schnell ans sein« Innenpolitik über und schloß mit einem Satz über die Außenpolitik, Briand und er seien sich völlig einig darüber, daß Frontreich trotz der Enttäuschungen, die ihm die Ausschreitungen im Rheinland und der wahlerfolg Hitlers gebracht hätten, seine alle Politik fortsetzen müsse: den Sieg zu bewahren und dem Frieden zu dienen. Aber er habe die Pflicht, den Weg zu überwachen und die nötigen Vorsichtsmaßregeln zu gebrauchen. Weder in der M i n d e r h e i t« n s r a g e noch in der A b r ü st u n g sei seine Haltung zu kritisieren. Äe Europa- föderation müsse verwirklicht werden, wenn Europa nicht spätestens in zehn Jahren all« Zukunftshoffnungen verlieren wolle. Was die Revision der Verträge angehe, so brauch« er nicht zu wieder- holen, daß Herriot in Grcnoble sagte und Poincare in der Press« geschrieben hätte, nämlich, daß eine ewige Umänderung der Karle Europas unmöglich sei und nur durch einen nie endenden Prozeß erfolgen könnte. Der Relchsaußenministcr habe es für notwendig gehalten, auf feine letzte Kammcrrede zu antworten. Cr glaube aber nicht, daß dieser Redewechsel von Tribüne zu Tribüne ein Mittel sei, um die außenpolitischen Angelegenheiten der Völker zu behandeln. Er erinner« nur an das Wort Bismarcks:„Wenn die winlster reden, zerschlagen sie Fensterscheiben und das Volk muß zahlen." Er selbst habe nie Fensterscheiben zerschlagen. Wenn Curtius die Lebensnotwendigkeit des deutschen Volkes anfuhrt, so könne, jedes'Volk die fein« anführen. Im. Interesse des Welt- friedens müsse den Unterschriften unter den Verträgen mehr Kredit gegeben werden. Frankreich müsse auf einem Minimum von Rechten bestehen, auf deren Grundlage man die Versöhnung vollziehen könne. Nach kurzer Debatte schrill man zur Abstimmung. Die Not der Gemeinden. Konferenz sozioldemslraiischer Kommunalpolitiker. Auf Einladung der Kommunalpaluischen Zentralstelle der Sozialdemokratischen Partei traten unter dem Vorsitz des Reichstags- abgeordneten Genossen Stelling der Beirat und der R e i ch s a u s» fchußfürKommunalpolititzu einer Konferenz in Ber< lin zusammen. Die aktuellen Finanz- und Steuerfragen der Gemeinden und die durch die neuen Steuernotoerordnungen vom 1. Dezember 1930 ge- ichaffenen Aenderungen bildeten die Grundlage der eingehenden Bs- fprechung. die durch ein Referat des Frankfurter Stadttämmeres A s ch eingeleitet wurde. Die Konferenz ergab mit aller Deullichtell, daß die finanziellen Maßnahmen der Notverordnungen Aus- Wirkung der jahrelangen Hetze gegen die Kommunen sind. Die für die Städte und Gemeinden so notwendige finanzielle Entlastung dürfte kaum eintreten. Es desteht vielmehr die Gefahr, daß durch die finanzielle Einschnürung der Gemeinden die fort- schntlliche Kommunalarbeit unterbunden wird. Den sozialdemokrat:- schen Kommunalpolitikern liegt es nun ob, diese Gefahren und Ab- sichten der bürgerlichen Gegner illusorisch zu machen. Dabei müssen die Kommunen die ihnen zur Verfügung stehenden Steuerquellen, soweit sie sozial vertretbar sind, ausschöpfen, um so die Wohlsahtts- ieistungen und die Erhaltung der sozialen Einrichtungen sicherzu- stellen. Eine solche Politik zwingt zur äußersten Sparsamkeit. Bei 'den Etatberatungen werden daher die Gemeindevertreter ernsthaste Vorschläge für weitere Einsparungen im Interesse einer Gesundung der Kommunalpolitik und-Wirtschaft zu prüfen haben. Di« in der Konferenz vorgetragenen Vorschläge und praktischen Hilssmaß- nahmen werden den Organisationen schnellstens zugestellt, um so den t arteigenössischen Kommunalpolitikern im Lande recht bald zur Hand zu sein. Mit der Finanznot der Städte im engsten Zusammen- hang steht die T h e a t« r t r i s e. Soweit die Leistungen für die Wohlfahrts- und Sozialaufgaben nicht dadurch in Frage gestellt sind/sollen alle Mittel und Wege versucht werden, um der Bevölke- rung die Theater zu erhalten. Sparmaßnahmen(Abbau der hohen Stargagen usw.), Programmgestaltung(Volkstheater) und Preis- gestaltung sind Mittel, die den Besuch steigern, bzw. die Zuschüsse verringern können. Nach einem ausführlichen, sachlich wichtigen Reserate eines Spezialkenners beschäftigte sich die Konferenz mit den Ausgaden der öffentlichen Geldinstitu t.e. Ihnen gilt auch die.besondere Aufmerksamkeit der sozialdemokratischen Kam- Inunalpolitiker. Richtlinien für die Arbeit in diesen öffentlichen Instituten, die geeignet sind, die gemeinwirtschaftlichen Bestrebungen zu fördern und die Wege für eine praktische Kurs- und Zinsgeftoltung weisen, wurden beraten'. Ein bei. der Kommunalpolitischen Zentral- stelle bestehender Unterausschuß wird das Gebiet des öffentlichen Bank- und Sparkassenwesens bearbeiten, die Entwicklung des Geld- wssens verfolgen und die sozialdemokratischen Vertreter lausend informieren. Gegen die Angriffeaufdi« Kommunalwirtschaft. die von der Privatwirtschaft gerade jetzt bei der Finanznot der Städte in offener und versteckter Form in steigendem Maße geführt werden, nahm die Konferenz entschieden Stellung. Sie warnt alle -ommunen vor den Manövern und Angeboten der Privatwirtschaft, die setzt den günstigen Augenblick benutzen will, die rentablen und leistungsfähigen Kommunalbstriebe an sich zu reißen. In allen Alchen Fällen ist nicht nur größte Vorsicht geboten, sondern mit allen Mitteln danach zu trachten, den kommunalen Besitz. zu erhalten. Zur Beratung in diesen Fragen steht.die Kommunalpoiitische Zentralstelle den KvMmunalpolitilettt- stets zur Verfügung. In Oanz'g wie im Reich. Regierungsaustntt de? Soz'eldemokratie. Dauzig, 4. Dezember. Der stellvertretende Senatspräsident G e h l hat dem Präsidenten Dr. Sahm eine Erklärung der sozialdemokratischen nebenamtlichen Senatoren überreicht, durch die sie ihren Austritt aus der Re- giexung aussprechen. In der Erklärung heißt es u. a.: Durch das Ergebnis der Doltstagswcchl vom IS. November ist die Basis der derzeitigen Regierungskoalition zerstört worden, von der aus sie, gestützt auf eine Mehrheit im Volkstag, eine erfolgreiche Politik für Volt und Staat betreiben konnte und betrieben hat. Wenn die parlamentarischen Senatoren der Sozialdemokratie bis heute im Amt geblieben sind, so haben s!« dies aus dem Pflichtbewußtsein getan, die Arbeiten bis zur Bildung einer neuen Regierung weiterzuführen. Nachdem nunmehr rund drei Wochen seil der volkskagswahl verflossen sind, ohne daß di« Parteien eine andere Regierung zustandegebrachi haben. sehen sich die sozialdemokratischen Senatoren im Nebenamt nicht mehr in der Lage, ihr Amt weiterzuführen, besonders da wichtige gssstzgeberische Maßnahmen nach parlamentarischem Brauch eine Uebergangsregierung nicht lösen kann. Eine Abberufung der parlamentarischen Senatoren des Zentrums ist nicht wahrscheinlich, da ein« Regierung ohne das Zentrum schwer möglich ist. Die Nationalsozialisten, die am Sonn- tag mit den bürgerlichen Parteien über die Bildung einer Rechts- regierung verhandeln wollten, haben ihr« Entscheidung aber- mal« um einen Tag verschoben, da der Reichstagsabgeordnete Goering noch in Berlin jestgehallsn wird und erst am Sonntag in Danzig eintreffen kann. Frick iut Wunder. KPD. unter Hitler«Führung. Der„Völkische Beobachter" kann sich gar nicht fassen var Freud« darüber, daß im Auswärtigen Ausschuß des Reichstags die national- sozialistischen Anträge ans Abberufung Bernstorffs aus Genf und Abbruch aller deutsch.polnischen Wirtschaftsverhandlungen angenommen worden sind.„Der Auswärtige Ausschuß unrer nationalsozialistischer Führung" schreibt er in einer Rissenüberschrift, und im Text oersichert er, daß sich nun alles, alles gewendet hat: Wir Nationalsozialisten aber können vor aller Welt feststellen: Auf keinem Gebiet hat sich der Wahlsieg des 14. September trotz der Brüningschen Ouertreibsreien. bisher so sichtbar ausgewirkt wie in außenpolitischer Hinsicht. Dar Auswärtige Aus-. schuß unter der straffen Führung unsere» Dr. Frick hat schon w a h r�e Wunder in der Korrektur gewisser Ausfassungen bewirkt, die bisher in den Hirnen der Erfüllung»- und Schwäche- Politiker unverrückbar sixiert schienen. Die.Katastrophenpolitik". die man uns Nationalsozialisten immer vorwarf, hat sich als das Gegenteil erwiesen: Jetzt machen wir Schluß mit der Kata- strophenpolitit der letzten 10 Jahre! Es ist recht undankbar, wenn der.„Völkische Beobachter" hinzu- zusetzen vergißt, daß nur durch die tatkräftige Hilf« der Kommu- nisten die Annahm« der beiden Anträge und damit die besagten Wunder« der deutschen Außenpolitik bewirkt«ort»«« sind._ Mussolinis Terror. Die jüngste Berhafinngsserie. Rom. 4. Dezember.(Eigenbericht.) Die drei in Rom als„Geheimbündler" Verhafteten sind In- tellektuelle, von denen dar eine, namens Binctguerra, Schrift- steller und Uebersetzer des englischen Dichters Shelley ist. Der zweite Verhaftete ist der literarische Korrespondent der„EHIeago Daily Rews"-R e n d i. Die-verhafteie Frau ist die 63 jährige „Lm Westen nichts Neues." Die deutsche Premier« des nach Remarques bekanntem Kriegs- buch« in Amerika' gedrehten Filmes im Mpzartsaal hinterließ«inen tiefen Eindruck. /Nie ist der Krieg, nie siitd die Erlebnisse einer Schulklässe und einer Kompagnie so ergreifend und erschütternd geschildert worden.'Die„Musik" des Krieges ist vpm Tonfilm in voller Realität wiedergegeben.- Hervorragend sind die Haupttyp»» . der alten und jungen Soldaten charakterisiert. t>. Witwe des römischen Dichters D e b o s i s, eine gebürtige � Amerikanerin, die im Hospital liegt. Außerdem sollen/ im Zusammenhang mit der Entdeckung der GeheimbüNde noch Mitglieder der italienisch- amerikanischen Gesellschaft für Ku l t a r f ö r de r u n g gesucht werden, die flüchtig sind. Bassanesi bleibt ausgewiesen. Vera. 4. Dezember.(Eigercheincht.) Der schweizerische Nationalrat hat den Antrag der sozialistischen /Fraktion, den Ausweisungsbeschluß gegen Bassanesi, Tarchiani und Rosselli nochmals zu prüfen und möglichst aufzuheben,'mit 130 gegen 47 sozialdemokratische und eine bürgerliche Stimme abgelehnt. Die bürgerlichen Fraktionen erklärten, daß sie zwar die Ausweisung zum Teil nicht billigen, dem Antrag aber trotzdem nicht zustimmen könnten, weil nur der Bundesrat' für Ausweisungen zuständig sei. Die beiden Kommunisten stimmten gegen den Antrag! Der Nationalrat hat einstimmig die jahrliche Bundes- subvention von 60 000-Franken für den-Kanton Tessin zur Er«) Haltung seiner(italienischen) Kultur und Sprach« genehmigt., Keldzug gegen Oaszynfli. Aeschllldigungen finanzieller Art. Warschau, 4. Dszember. Erst vor kurzem hat der neu ernannte Präsident der höchsten Kontrollkammer, General Krzemienski, sein Amt angetreten und schon weiß ein Regierungsblatt zu berichten, daß diese Kontroll- kammer weitgehende Unrichtigkeiten in der Finanzwirtschast s des Sesmprasidiums aufgedeckt habe Zweifellos richtet sich diese Entdeckung in erster Linie gegen den. früheren Sejinmarschall Daszynski.'' Die neue Pilsudski-Regserung. besteht aus 14 Leuten, davon 9 Generalen und Obersten. Präsident ist Slawek Kriezsminister Pilsudsti, der Außenminister Zaleski be- kommt den Oberst Beck als„Stellvertreter�, Justizminister wird Staatsanwalt Michalowski, bisher Lestsr der Gefangenen- quälung in Brest-Litowsk. Sein Amtsoorgänger Ear, der die Unabfetzbarkest der Richter durch ein Dekret befestigt, und all« Tendenzjustiz gedeckt hat, soll Vize-Sejmmarschall werdent Gewerkschaftliches stehe 3. Beilage. Berantwartlich für Victor Schiff; W'rtlchaft: H. tUioselhkfer; Ecroerkschaftsbeweguna: 3. Stetoer; ffcuilleton: Dr. Z»l>« Schilowok!; Lokale» uni> Loast'.ges: griti Kalftädt; Anzeiaeu: Ti. Elockc; fämttich ko Barlia. "' b. L>.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buck druckerei Verlag: Vorwärte-Terlag G. in. und Verlagsanftalt Dai'l S nger u. Co.. Berlin SW 68, Aierzu 3 Beilagen und.Stadibcilag«'. Lindcnjtrabe S. l-elpkigoi- Str.(Verssna-Kdi.) stönigstrsös stosenttislsr Str. lllorltzplst? ffirsttag ss. Sonnahend, soweit(Vorrat Zusendung bei Be�e'lung von 5 M an Obsf, Gemüse u. alle leicht verderblichen Artikel sind vom Versand ausgeschlossen FrlscSses FlelscSa Kalbskamm..-Pfund 0.60 Kaibsbrus).... Hund 0.88 Kalbsnlecenbrafen 0.94 Kalbskeule 0.98 Kalbsschnitzel Pfund 2.00 Suppentieisdi..Huna 0.86 Rindeikamm und.Brust 0.90 Schmoif ieisch 1.10�. 1.24 Roastbeel-n» Knodi„ pta. 1.1 0 Gulasch........... 1,00 Gehackfes....Hund 0.65 FIscSiq Dorsch...... T�Sn Braischoücn.. 3 Piund v. an Grüne Heringe 3 C__ i_-U. Ohne Koot, qanre seeiscns Rjdie, Pfund v. an Schellfisch u. stoibars KabeisauÄte Fischfilet. Pfund von an Leb. Karpfen pw. v, an r.riSudivt Fettbücktinge pfd.v.an Flundern. Schellfisch Seelachs, Rotbars Clan Kieler Bücklinge C!an Kiel. SprOlten Kistchen LadlS in Stocken, Pfund v. an Bund A Pfd. v. an WaAW y.an Aaie 0.28 0.38 0.55 0.23 0.20 0.24 0.23 0.95 0.38 0.40 0.48 0.48 0.52 1.25 2.40 Liesen....... Pfund 0.83 Kahler nslid gesalzen, Pfund 1 ,04 Nammel•Yorderfl. 0.93 Schv/einerucken ptund 0.92 SchweineschInkenHd.0.94 Schweinekamm Pfund 0.94 Fr. Bratwurst ipeiÄ 1-16 Fr. Rinderzungen Ptd- 1.20 Nierentalg""�'�0.55 Gefroren Rinderkamm und'Brüst n 0 4 Piund W.ÖS Obst is. Gemüse Kochäpfel u-Kod,Ä30.45 Tafeiap!e5ÄrÄd0.95 lafe.äpfel aus der Krim A u. Kalifornien, Plund 0.45".�ö Kiste ca. 45 Pfd. brutto, von an 14.50 Mandarinen...Pfund Apfelsinen 0� 0.58 WainÜSSe..... Pfund Paranüsse-...- Pfund Sniyrna>Feigen Pfund Bananen goirodcna«, Pfd. Ananas ganze Früchter Pfund von an 0.32 0.78 0.46 0.70 0.28 0.50 0.69 We'h- u. Wirsingkohl 0.0 3 Möhren u. Zwiebeln 0.04 Blumenkohl KoPr». an 0.20 Kartoffeln.. 10 Pfund 0.20 Tauben Stade KZ», von an r Gänse und Hühner» voiTan 85 Pf. Enten von" an 82 Pß Brathühner Pfund fl ß5 von an■**** Hirschfleisch Pfund von an Kodi.'lolsch Blatt 38, 80 pi. Hasen gestreift u. ausgeworf. P'und � von an � Kaninchen ge�froüt u. auigoworf. Pfund Cj B( von an Pf# Rehbläiter Pfund OR von an%0 pt. Gebr. Kaffee eigene Rösterei Pfund von an T eCaMlsduingen 125 Gramm Ä x 1? von an■ �p3 Brot vorgeschrieb. Gewicht "s 20p(.40pf. K'&nsswven Vi Dose Sfangcniparget mifei 2.43 Stangenspargei � 2. S0 Apfelmus 0.58 extra 0.78 Pflaumen 0.60 f�'äi 0.7ö Preiselbeeren, jQ 0 on av_Kilo-Eimer■*■'»» v.VU Mirabe.len....... 0.95 Kaiit'orn. Frudihalat 1.83 Ananas» sdietaS�oa g.; 1-30 Bienenhonig,..., ,g Glas I Kilo' 4.4S Ko. I»*U KoaSstöre � Vierfrudtf-Marmslade...0.85 Oran gs, Airik., loSannisb, 1 15 Pflaumon........... C.95 Kirsch, Erdbeer, Himbaer 1.30 Wurstwareai Kise u, Fett Spinat 0,44 Karo ten 0.23 gerchnitt."!n Brech* u. Schnittbohnen 0.39 0.59 i.sorte 0.65 Ig. Erbsen 0.64 � 139 Haushalt-Gemüse.. 0.70 Gemiich;Gemüsem, e'''0.98 Delikat.- Gemüse"in' 1.85 PfiiferIingeDola0.78 1.35 Rosenkohl doU 0.53 0.05 Hausmacher-Süize 0.58 Dampf- ü. Rotwurst 0.93 FfeiSChWUiSt..■ Pfund 1.05 Landleber- u. Meftwunt 1 ,20 Kümmel- 1.40 Leberwurst Slnletwunt 1.50 Zervelat- u. Sölam! 1.55 Teewurst 1.69 grobe 1,70 Speck an 0.93 magar 1 ,30 Schinkenspeck'"l�nd 1.58 Gek.SchiRken9Ä,d 0.48 Königsfr., Rosenthaler Str., Morifzplatj: Wien. Würstchen p»r 0.1 6 Speckwurst... P'und 0.89 Bierwurst..... Pfund 1.35 Camembert 0.25 Harzerkäseod,SpKi�äfn 0.52 Emmenfhaler Art Port. 0.68 Tiefer Art ÄRÄd0.70 Tüsiter vollfetf.Pfd.von an 0.84 Dän. Schweizer Vtund 0.84 Limburger 0.55 0.99 Steinbuscher voiifeti.pid. 0.90 Holländer �mÄnd 0.99 Briekäse von?«»..Pfund 0.95 Schweizer 1.18 Margarine Pfund 0.40 0.52 Molkereibutter Pfund 1.36 Tafelbutter pfuno 1.44 1.54 Dän. Butter p«*- 1.63 1.64 Welsa Preis» für i riasdie, onne Glar 1929 Wöllste nar...... 0.75 1929 B rgzobsrnsr Leiten 0.8} 1929 Dürkheimor roi. Tisdiw. C.30 1928 Liobfraum'.ich bl. Kaos. 1,30 1928 Bruttig. Rathaussterg spritziger Mosel 1-30 Empfehlenswerle NalurgewSdii»; 1923 Cleiszoüer Neuberq Museale er 13} 1927 Rupperfsbfi. Graben Wachstum Deutsch 1-70 1928 Lieseror Niederberg Wach/'um bchuma'.n leW 1928 RQdaih. Biseho sbsrg Ksrirrand Winiervereln 2.20 1925 Chat. La Tour-Sardit 1.60 1926 Säule: nes...... 2.00 Wein vom Faz zu billigen Preisen Kolonialwaren Olympia-Mehl*.» Wfund-Bajtel f.«, 1.J0 1»W Rauhreif Mshl�üÄ' 1?60 Auszugmehi p«jo?».» 0.26 Kartoffelmehl-.piund 0.16 Sultaninen p,unc.», ,.4» 0.34 Rosinen... Pfund ojs 0.43 Korinthen.. Pfund oji 0.42 Mandeln Pfund 1.2», im 1 ,40 Orangeat 0.92 Zitronat 1.20 Mohn � 0.42«Ü 0.52 Makkaroni Brudi,Pfd.oji 0.44 Eier-Schnitfnud. Pf«!'4 0.48 Gem. Backobst 0.45 Kalif. Aprikosen 4'�0�2 Butter u. Käse Obst u. Gemüse Frisches FleischpM Koioniaiwaren Pfd. Preise nur Freilag und Sonnabend ♦ Ole Zusendung von Lebensmitteln erfolgt nur bei Bestellung von 5,00 Mark an i ♦ Verkauf sowolt Vorrat! ♦ Mengenabgabo vorbehalten Wurstwaren SÖ1Z8........ pta. 9.68 Rs!- und leneruiursl m o.ss dissüd! metiuiurst.a 0.7« fleisGftwursi....mO.ao landleDBPuiupgt...pta o.ss Bpes auep....ptd. i a aa Bpuhpolnischs. � � AjA fPlillSiMSUZö volllett. Stall. 0,1 0 in dp. RwineiRSie» stck. 0.20 omadour voinen,, stck. 0.20 BPlG-ECRBn voiitett. 2 stck. 0,25 06lthaieS-!!SSG 2 Stck. 0.25 LlSNOKllRSSS voiitett. Pid. 0.78 TIISltBP volllett.... Hd. 0.84 ieplidse voiiiett... pid. 0.88 sriehdse voi fett... pw. 0,95 Eayp. sc!)tti8lzePvoiiiett,pid.i.i8 idapgapine.. 1 ptd.-p«kei 0.40 Paimfett... i-PM-Pskei 0,44 moiHareibuner... 1.36 faieiDuiiep. pid. ,�4 1.44 oaßissbe Butter.. pid. i.eo Konserveni<>o.03 IKÖhren..ewascheo. Dsuerztulelieln. seüerie... nibrH. ROhchen. Gronhohl.... Kap, ollem 0.04 0.05 ..: o.os ... 0.08 ... 0.10 10 Pia 0,20 Bauch und Blalk 0.88 Schinken....0.94 Kamm u.Schuffto.B.1.08 Kotelett....»1.10 RÜCkenfett bratlertig. 0.78 Smyrnateigen... pm. 0.2s lüandarlnen...... 0.32 «mepiH.lalelsplel..ptd.0.3» Zitronen..... otzd. 0.38 Haselnüsse...... 0.48 mainüsse...... 0.4s fpdni'ßHepne..... 0.60 .. a pm. 0.65 Weine und Spltltuosen lappasone.... ur.1.00 Samos..... ur 1.10 maiaga....ur i.is 1925 Saufernes. m»',zPt.i.6s i926 B8au|aiais 1�1.50 Liesen...... 0.78 Kalbskamm...0.78 Bug u. Brust... 0.88 Keule...... 0.98 KaOler......dl. 04 Hammelkeule 1.24 Schmorfleisch 1.24 Suppenfleisch.d 0.88 Goulascn..... 1.08 ElSbein mit SnUze.. 0.74 Schweinelungen 0.56 Rinderbacken. 0.58 Schweinekopf o. b.0.40 Schweineleber b 1.08 Kammelkeule � 0.88 Dän.SchW Kopf in.B.0.44 Schwemenleren 0.84 uieizenmebi... Auszugmehi.... Rallforn. Pflaumen. Mahn, blau.... Rorinfhen..... Rosinen...... Kaiilorn. Bachobst Kohosrasnel.... Kallicrn. Birnen.. Kaülorn. Aprlhosen Orangeat..... Cifronat...... Auszugmehi�.sPid.-Bcu.d.ss Mandeln«00....... 1.40 Kaifee sebraimt.Pfund ue 1.39 0.24 0.26 0.35 0.42 0.42 0.44 0.45 0.48 .0.60 0.65 1.10 1.20 Räucherwaren reftbOcHiinge.. �0.40 Scharben Rofbars 0, Seelachs sprofien..... SCeea! absecosen,, Pfd. 0.48 . Pid. 0.48 .Pfd 0.58 �pid. 0.74 Pfd.' Pfd. oampluiurst...ptd. Jagduiurs!....pfd.i.is Harle KnahlaDChä'urst pm. 1.1 s IfleflUlUPSl Brauns chw�rt�Ptd.l.20 Ii. Lsberi'ursf...pid.1.30 PlOCÜWUfSt..... Ptd 1.35 sa'aTi ßd.cerueist.p«, i.ss schinReflspecR.. p�i�s Flarmeiaclen'.mm« oernischfe merrneiede 0.68 -"lieumemnus.... o.ss PHaumen RonlitOpe.. o.ss Erdhecp- od. KiPschRonl. 1.30 ApriHosen-Konlitore 1.1s Frisch« Suppenhühner nm 17. Juli 1920, „bei der Benutzung der zahllosen, auf dem Kleingarlengelände stehenden Lauben zu Wohnzwecken das weiteste Entgegenkommen zu beweisen. Geschieht das, so kann die Errichtung verbesserter Wohnlauben als ein gutes Mittel zur Linderung der Wohnungsnot angesehen werden.. Diese Verordnung sollte bis Ende 1924 Gülligkell haben, erlosch dann aber, da sie vom Wohlsahrtsministerium nicht erneuert wurde. Dann brachte im Jahre 1925 der Magistrat die neue Bauordnung für Berlin heraus, in der festgelegt wurde, daß Wohnlauben nur in der Zeit vom 15. April bis zum 15>. Oktober bewohnt werden dürfen: neben verschärften bautechnischen Bestimmungen und dem Nachweis einer festen Stadtwohnung beim Bezug der Wohnlaube. Jetzt kamen aber andere Teile der Stadtverwaltung und komplizierten die Sache. So sahen sich seinerzeit die Wohnungs- ämter Berlins außerstande, den Wohnungsbedarf zu decken und gaben vielfach Kleingärtnern Bantostenzuschüsie zur Errichtung von Wohnlauben. Dafür mußten die Empfänger derartiger öffentlicher Gelder für zehn Iahte auf jeden w ohoungsanspruch in Berlin verzichten. Darüber hinaus wurden in verschiedenen Fällen den Bewohnern von Wohnlauben ihre Stadtwohnungen b e s ch l a g- nahmt, weil sie dies« über drei Monate lang nicht mehr bewohnt hatten. Es sind auch Fälle bekannt geworden, in denen Wohlfahrts- ämter Bedürftigen Gelder für die Errichtung von Wohnlauben gegeben haben. Hinzu kommt die Genehmigung der Baupolizei, die sich jedoch, wie wir schon sagten, nur auf die bautechnischc Seite bezieht, aber die Wohnlaubenbesitzer in einer vermeintlichen Sicherheit wiegte und zu guter Letzt nehmen ja die Polizei- r e v i e r e der Außenbezirke auch noch die Anmeldungen der Wohn- laubenbesitzer entgegen. Das alles betrachten die Dauerlauben- bewohnet als ein großes Plus gegenüber ihrem Vorstoß gegen die Bauordnung, bleiben das ganze Jahr draußen und denken im stillen, wir wollen einmal die Behörde sehen, die es wagen sollte, uns Zehntausende von Familien zu exmittieren und ins Obdach- l o s e n a s y l zu schasse». Die soziale Äedeuiung. Das Reichsgericht hat sich in einem Sondersalle gegen die Wohnlaubenbesitzer ausgesprochen, aber gleichzeitig erklärt,„daß das Gericht nicht in der Lage ist, eine Maßnahme der Verwaltungsbehörde nachzuprüfen.. Es handelt sich hier nämlich um die Herausschneidung von 37 Wohnlauben aus einem Zwangs» verpachteten Gelände, das der Firma B o r f i g gehörte. Hier lag eine sogenannte E r in e s s e n s s a ch e des Magistrats vor, bei der der Magistrat einmal durch entsprechende Verfügungen des Ober- Präsidenten gedeckt ist und zum anderen Ermessenssochen der Nachprüfung durch die ordentlichen Gerichte entzogen sind. Der Pro- vinzialverband Berlin e. V. im Reichsverband de? Kleinzarten- oereine Deutschlands hatte alles getan, was in seinen Kräften stand. um die Wohnlaubenbesitzer zu schützen, er hat noch auf den 8 2 des Wohnungsmangelgesetzes oerwiesen, wonach Gebäude nicht ohne Zustimmung der Gemeindebehörde(des Wohnungsamtes) abgerissen werden dürfen. Auch diesen Einwand hat das Reichsgericht ledoch verworfen. Run hat das Wohnlanbenproblem neben der ungünstigen rechtlichen Seite aber auch noch eine große sozial« Bedeutung. Wenn die Baupolizei jetzt rigoros gegen die Wohnlaubenbesitzer vorgeht, dann werden zwangsläufig einige zehntausend Familien kurzerhand obdachlos gemacht. Das wäre in einem Notwintc'', zur Zeit einer der schwersten Wirtschaftskrisen einfach untragbar. Schon einmal in früherer Zell hat die Berliner Stadt» verordnetenvcrsammlung«instimmig einen Gnaden- a k t für die Wohnlaubenbesitzer beschlossen und den Oberbürger- meister, als den Ehef der Baupolizei, ersucht, bei dieser Behörde darauf hinzuwirken, daß sie von Strasbesehlen gegen die Wohn- laubenbesitzer absieht. Auch in diesem Winter muß eine menschliche Regelung der.Wohnlaubenfrage erreicht iverden? Die Lauben- bewohnet würden wohl alle gern in einer schönen Neubauwohnung wohnen, wenn sie nur die Miete bezahlen könnten! Schulen unier Sparzwang. Klassen werden zusammengelegt.— Kein Stenographie- Unterricht mehr! Der Vlagiskrat hat in seiner letzten Sitzung über die im Schulwesen einzuführenden Sparmaßnahmen beraten und folgende Beschlüsse gefaßt: Auf dem Gebiet« des höheren Schulwesens sollen, ebenso wie bei den Bolksschulen, schwache Klaffen der Oberstufe zu- sammengetegt werden. Die Zahl der Sexten soll um fünf.pg Klassen gegenüber dem Vorjahr vermindert, und die Besetzung freier Studiendirektoren- und Stüdienratsstellen im Einvernehmen mit den Bezirksbürgermetstern bis zum 1. April 1931 gesperrt werden. Neben der Zusammenlegung schwacher Klassen der oberen Jahrgänge an den Volksschulen soll bei der Zlufsichtsbehörde sofort der Fort- fast von zwei lehrplanmäßigen Wochenstunden an den vier oberen Jahrgängen beantragt werden. Außerdem soll der K u r z s ch r i s t- Unterricht für das nächste Schuljahr fortfallen. Kommunisten und Ttazis. Sin unruhiger Abend für die Berliner Schupo. Im Anschluß an eine kommunistische Erwerb-losenkundgebung im Zirkus Busch versuchten mehrere hundert abmarschierende Kom- munisten die Bannmeile zu durchbrechen, konnten aber von der Polizei zunächst nach dem Norden abgedrängt werden. Mehrere Demonstrationszüge marschierten dann nach dem B ü l o w p l a tz und 'päter weiter nach der L i n i e n st r a ß e. Die Polizei mußte mehr- ach Demonstrationszüge, die auf mehrnwlige Aufforderung d«s Absingen verbotener Lieder nicht einstellten, auflösen. Dabei kam es am B ü l o w p l a tz, in der Linien st raße und später am Pappelplatz zu Zusammenstößen. Die Demonstranten eröffneten ein Steinbombardement auf die Polizeibeamten und versuchten ein- zclne Patrouillen anzugreifen. Am Bülow- und später auch am Pappelplatz mußte die Schutzpolizei zur Schußwasse greifen, gab aber nur Schreckschüsse ab. Ein kleiner Trupp Kommunisten ver- suchte von der Weidendammbrücke in die Friedrichstraßc oorzu- dringen, wurde aber von der Polizei daran gehindert. Auch in der Umgebung des Rathauses mußten mehrfach Ansammlungen zerstreut werden. '* In der Potsdamer Straße kam es am Abend in der Nähe des Sportpalastes, in dem eine Goebbelsschc Hetzversamm- l u n g stattjand, zu P ö b c l c i c n von Nazis gegen jüdisch aus- sehende Passanten. Es wurden Handzettel vertcitl, auf denen ano- nyme Drahtzieher, deren politische Heimat allerdings sehr leicht zu erraten ist, die Parole ausgaben, zum Nollendorfplatz zu ziehen und die Premiere des von den Nationalsozialisten wütend befehdeten Kricgssilms„Im Westen nichts Neues" im Mozarljaal zu sprengen. 36 Opfer eines Erdbebens. Bombay. 4. Dezember.(Eigenbericht.) Durch ein E r d b e b e n in der Provinz Burma, etwa 150 Pleiten nördlich von Rongoon. wurden am Donnerstag ZV Personen getötet und etwa 120 verletzt. Der Sachschaden an zerstörten Häusern, Brücken und Eisenbahnen ist beträchtlich. Feuer im Haufe der Kroll-Oper. Gestern abend brach im Büro der Volksbühne, das sich im Anbau der Kroll-Oper Am Platz der Republik befindet, gegen 21 Uhr Fruer aus. Glücklicherweise wurde der Brand von der Sicherheitswache bemerkt und die Theaterseuerwehr konnte die Flammen, die bereits auf Regole und Büromöbel übergegriffen halten, schnell e r st i ck e n. Die Entstehungsursache ist noch un» geklärt. Liter Milch wieder 28 Pf. Auf Grund der gestrigen Berliner Notierung wird der Milch» preis vom kommenden Sonnabend ab wieder, wie bereits vor 14 Togen, 28 Pf. pro Liter betragen, nachdem er in der letzten Woche zur allgemeinen Uebmaschung auf 30 Pf. heraufgesetzt morden war. Der Grundpreis des Erzeugers beträgt wieder 17 Pf., wozu dann die verschiedenen Qualitäts- und Behandlungs. zuschlüge sowie die Handelsspanne treten. Kurz-Opem u. Kurz-Operetten: Neu:„Die CserdasfCirstin" als Knrz-Operette auf 4 doppdscit. Platten Best.-Nr.•95397-400 Außerd. auf 5 Platten:„BoUme«-„Carmen** „Die Fledermaus'*(ala Kurz-Operettc) Auf 4 Platten:„Hänscl und aretel'1- „Lohengrln"-„Der Freischütz"-„Der Troubadour"-„Zar und Zimmermann" „Der Barbier von Sevilla"-„Die lustigen Weiber von Wlcdsor" „Der Bettels tudent"(als Kun-Operette) Auf 3 Platten:„Wilhelm TcU"(�I* Kurzdrama) DIE STIMME SEINES HERRN Tschaikowsky •p.«?„CAPRICCIO ITALIEN«" Dirigent; Alois Melichar 1 Drei Plattensciten partiturgetreu RücktCTte:„Eugen Onegln", Polonaise **r V' V, t*'.i-V Heinrich Schiusnus Strömt herbei, ihr Völkerscharen Ich weiß nicht, was soll es bedeuten Best.-Nr. 90169 PlattenpreiaRM.4,- Franz Völker Leb* wohl, schwarz- braunen Mägdelein Alle Tage ist kein Sonntag Best.-Nr. 23637, Plattenp reu 3,50 Best.-Nr.*27221/23 Plattcnpreis 5,— GRAMMOPHON-SPEZ3ALHAUS G.M.B.H. and tn aUco anseren otflzieUen VerkaufssteDen AugUSt Batzem Rhein. Velksalngee Am nraeclerschönea Rhein, Walzerlied Ja. wo kann*« denn«cbönerseln, Manchlirf Bot-Nr. 23 1U Piauenpteu RM. J.50 Grlnzlnger Schrammel-Trio Lustig u. fidel, Heurigen-Marsch Alm G'stanzeln Potpourri Bcst,-Nr. 23477, Plattenprei« 3.50 Zwei Weiterfofge auf einer Platte Zwei Herzen Im 8;«Takt, Tonfilm- Walzerlied In Paris, In Paris, sind die Mädels so sQQ (Sous les toits de Paris), Boston aus dem TTonfilm ,, Unter den Dächern von Paria" Best.-Nr. 23644 Piattcnprtis RM. 3,50 Juan(Jossas Tango-Kapall« Refralngeaang: L. MONOSSON Oh, Fräulein Grete, Tango Ein bißchen Puder, ein Lißchtn Schminke, Tango Bcst.-Nr. 23633 Plattenprds RM. 3,50 Paul Godwin Tanz Orcheater „DleW�Jjer(3 Beat-Nr. 2362 er Welf.Potp.T. Robrecht 21 Plattenpreia RM. 3,50 und»amtllcha Tanz- und Tonfilm-Schlager Friedrichstr.189, Kurfürstendamm 24, Steglitz, SchloBstr.25 DEUTSCHE GRAMMOPHON AKTIENGESELLSCHAFT Berlins Stromtarif. Die Preispolitik der Bewag.--- Interessen der Stade und der Verbraucher.** Kommt Tarifsenkung für alte? Die Arage der herabsehung oder sozialeren Siasselung des zur Zeil besiehenden Bewag-Tariss fleh! im ZNitle!» punkt des öffenilichen Interesses. Zluch im.vorwärtsist hierzu schon einiges gesagt worden. Wir freuen uns, nachstehend die Darlegungen eines besonders guten Sachkenner». der an allen bisherigen Besprechungen teilgenommen und wertvolle eigene Vorschläge gemacht hat, verössenllichcn zu können. Seit dreiviertel Iahren hat der Aufsichtsrat der Berliner Städtischen Elektrizitätswerk«(Bewag) sehr ein- gehende Beratungen gepflogen, um unter Wahrung der Interessen ihrer Abnehmer als auch der Stadt sowie ihrer«igencn Wirtschaft- lichkeil andere Tarifformen zu finden. Für die Kleingewerbekrast- nbnehmer ist dies in der Weise gelungen, daß sie durch Beschluß des Aussichtsrats aus dem allgemeinen Grundgebührentarif für Nieder- spannungsabnehmer herausgenommen wurden und mit Wirkung vom l. Januar 1931 nach«inem besonderen Staffeltarif verbilligten Kraftstrom entnehmen können. Allgemeines über die(Kiromtarife. Es muß streng unterschieden werden zwischen Abnehmern von hochgespanntem und solchem von niedergespanMem Strom,.hoch- gespannter Strom ist ein Rohprodukt in der Regel mit einer Span- nung van 39 999 bzw. 6999 Bolt. hochspannungsabneh- m e r sind in erster Linie größere und ganz große Jndustriounterneh- mungen, die Reichsbahn, Straßenbahn, hoch- und IlMergrundbahn, die den als Rohprodukt bezogenen Strom in eigenen Anlagen auf di« Gebrauchssponnung umformen. Die Hochspannungsabnehmer beziehen fast 79 Proz. des gesamten in eigenen Kraftwerken der Be- wag erzeugten und des von den reichseigencn Elektrowerken ge- lieferten und nach Abzug des Eigenverbrauchs und der Verluste verkauften Stroms. Im Jahre 1929 wurden in Millionen Silowo'Iliiinden den Kraftwerken der Bewag erzeugt. 11'3,2 von den Eleklrowerken bezogen... 399,1 aus anderen Quellen....... 30,2 insgesamt erzeugt und bezogen wurden 1547,5 hiervon sind abzusetzen: der Eigenverbrauch der Kraftwerke, die AerlusteJjeinr Strombczug sowie der sonstige Selbstverbrauch der Bewag mit 95,5 ins-Leitungsneß abgegeben wurden somit 1452,9 verkauft wurden....... 1324,0 die Verluste betrugen daher..... 128,0 3,61' q Der Hochspannungsstrom wird verkamt nach«in ein besonderen Abkommen, der Strompreis seht sich zusammen aus cin«in Lei- stungspreis, der nach dem Anschlußwcrt(Kilowatt= kW) und «inem Arbeitspreis, der je nach der in einem Jahr entnommenen Zahl der Kilowattstunden(kWh Tagesstrom) gestaffelt ist. Außer- dem sind mit Großabnehmern Sondervcrträge abgeschlossen, in die eine Kohlenklausel eingeschlossen ist. Der erzielte Durchschnittspreis für hochgespannten St/om beträgt etwa 6 jjf. pro Kilowattstunde. An eine Senkung dieser Preise ist nicht gedacht. Die Zahl der Hochspannungsabnehmer beträgt jetzt 699. Der niedergespanute Strom, von dem man im allgemeinen spricht, ist ein in den Abspann- und Umsormwerken der Bewag her- gerichtetes Fertigprodukt. Die Zahl der Riederspannungsabnehmer beträgt 920 000. An der Gesamtzahl der verkauften Kilowattstunden sind sie mit etwa 39 Proz. beteiligt. Anfangs 60 Pf. für eine Kilowattstunde. Der erste Kilowattstundcntarif wurde im Jahre 1896 eingeführt. Durä, ihn wurde d«r Preis für eine Kilowattstunde Licht auf 60 Bs., für krast aus 15 Pf. festgesetzt, wozu ein« Zählermiete trat. Nach mannigfachen Aenderungen betrug der allgemeine Lichtstrom- preis iin Jahr« 1915(Bildung der Städtischen Elektrizitätswerke, StEW,) 49 pf. pro Kilowattstunde, für Treppen- und Hausnummern- beleuchtung Z0 Pf. für ReNamebeleuchtung ab 21 Uhr 16 Pf., für Nachtstrom(22—7 Uhr) bei Gewährleistung eines jährlichen Per- brauch? in höh« von mindestens 599 M. 16 Pf. pro Kilowattstunde. Der Kraftftrompreis blieb in der bisherigen höhe von 16 Pf. be- stehen. Eine wesentliche Aenderung brachte das Jahr 1916. Es wurde von jedem Abnehmer, der nach den Normaltarifen beliefert wurde, eine jährliche Mindestabnahme von 199 Kilowattstunden oerlangt. Der preis für Lichlstrom wurde für den Verbrauch über 15 609 Kilowattstunden aus Z5 ps., über 30 000 auf 30 Pf. heravgesehl. Betriebskraft und Strom für gewerbliche Zwecke wurden zu dem bisherigen Tarif weiter geliefert. Die Tarife für di« Beleuchtung von Räumen, die den allgemeinen Zwecken des Hauses und der Mieter dienen(39 Pf. pro Kilowattstunde) sowie für Reklame- beleuchtung blieben bestehen. Für kleinere Anlagen bis zu einem Anschlußwert von 299 Watt wurde ein Pauschaltarif geschaffen, /�rdsitsiv Angestellte ............ Ml I IUI III■l— aBHEBaaM— M— stärkt die Aktivität der Massen! // Werbt für den VORWÄRTS // gleichfalls der erste Einheitstarif für Wohnungen und werkställen, nach welchem ohne Rücksicht auf den Stromverbrauch und den Per- wendungszweck des Stromes die Kilowat-ftunde zu 16 pf. ge- liefert wurde. Außerdem wurde bei diesem Tarif eine monatliche Gebühr von 3 ps. je Quadratmeter Bodensläche derechnet. Für jeden Zähler wurde eine Gebühr von.50 pf. bi» 5 ZN.. je nach der Größe, erhoben. Bctriebskrast und Strom für gewerbliche Zwecke wurden zu dem bisherigen Tarif weiter geliefert(16 Pf. pro Kilowattstunde). Di« Mindestentnahme wurde auf 399 Kilo- Wattstunden pro Jahr festgesetzt. Von Oktober 1922 wurde, bedingt durch das schnelle Fortschreiten der Inflation, eine getreunte Berechnung von Licht- und Kraft- ström nicht mehr vorgenommen, der Strom wurde vielinehr Zu festen Preisen ohne Berücksichtigung dos Verwendungszweckes ver- kauft und kostete Ende 1923 420 Milliarden Mark je Kilowattstunde. Bach der Marksiabilificrung wurde der preis der Kilowattstunde auf 42 pf. einheitlich für Licht- und Kraftstrom festgesehl. Natur- gemäß ließen sich diese hohen Preise, insbesondere für Kraststrom, auf die Dauer mcht halten, so daß die im Dezember 1923 gegründete Bewag sich gezwungen sah, einen neuen Tarif zu schaffen. Oer augenblickliche Grundgetührentarif. Am 1. April 1924 wurde als neues Tarissyslem der Grund- gebührentaris eingeführt, der mit einer Reihe von Veränderungen noch heute in Kraft ist. Die Grundgebühr ist folgendermaßen unterteilt: Es sind zu zahlen bei einem Auschlußwert bis 229 Watt 89 Pf., bis 449 Watt 1,69 M., bis 669 Watt 2,49 M.. bis 1199 Watt 3,99 M., bis 1329 Watt 4,69 M. usw. bis 285 459 Watt 999,19 M. pro Monat(Tarif 1). Im Oktober 1924 wurde di« Arbeitsgebllhr von 18 Pf. auf 16 Pf. pro Kilowattstunde herabgesetzt. Im Laufe des ersten Jahres nach Einführung des GrunL- gebührentarifs stellte es sich heraus, daß für die Abnehmergruppen, die eine Anlage mit hohem Auschlußwert(Zählermeßbereich) und einer verhältnismäßig geringen Benutzungsdauer haben, ein hoher Durchschnittspreis pro verbrauchte Kilowattstunde herauskam: dafür wurde ein Tarif II eingeführt, der einen Festpreis von 40 ps. pro Kilowattstunde ohne besondere Grundgebühr vorsieht, hierzu gehören u. a. Fahrstühle und Lasthebevorrichtuugen, Prüffelder für elektrische Apparate, Laboratorien für wissenschaf.liche Forschungen, �ilmaufnahmeapparate sowie gewerblichen Zwecken dienende Lichi- pausapparate und landwirtschaftliche und gewerbliche Anlagen jeder Art mit hohem Anschlußwert und kurzer Benutzungsdauer. Außerdem besteht für die Ladung von Speicherapparaten(heiß- wasserspeicher, Akkumulatoren) der Tarif III, nach dein der Haupt- sächlich zur Nachtzeit entnommene Strom mit 8 Pf. pro Kilowatt- stunde berechnet wird. Mit Wirkung von der Zählerstandsausnahme im Januar 1930 wurde der Arbeitspreis des Tarifs I aus 20 pf. pro Kilowallstunde und der Strompreis des Tarifs III auf 50 ps. pro Kilowattstunde hinaufgesetzt, eine Maßnahme, die nicht durch den Status der Werke begründet war, sondern durch Erlaß des Oberpräsidenten vom 29. Dezember 1929 als Garantie zur Heber- brückung der damaligen Schwierigkeiten der Kämmereikasse verfügt wurde. Der Durchschnittspreis pro entnommener kilowattstund-! war nach dem Grundgebührentarif I im Jahre 1929 23,7 pf. und ist durch die letzte Erhöhung aus 27,2 pf. gestiegen. Trotz Veibilligung steigende Abgaben. Die vorstehende Schilderung der Strompreisentwicklung zeigt also, daß— abgesehen von der letzten Erhöhung— mit wachsendem Konsum eine Verbilligung des Strombezugs eingetreten ist. Neben dieser günstigen Preisentwicklung ist die Abgabe der Werke an die Kämmereikasse seit 1925 ständig gestiegen. Es wurden abgeliefert: 1925 1926 1927 1928 1929 13,463 17,918 29,163 23.495 26,297 Millionen Mark Für 1930 wird einschließlich der Sonderabgabe zum Ueber- brückungekredit ein Betrag von 43,407 Millionen Mark erwartet. Der Aufsichtsrat der Bewag hat sich in mehreren Sitzungen mit einer eventuellen Senkung der Preise befaßt, konnte sich jedoch angesichts der Tw fache, daß Magistrat und Stadtverordneten- Versammlung im Hinblick auf die höhe der Wohlfahr.sausgaben, die im Rechnungsjahre 1939 den Betrag von 399 Millionen Mark erreichen werden, vorerst nur zu einer Senkung des Tarifs für kleingewerbekrast verstehen. Diese Senkung bedeutet bei einer durchschnittlichen Verbilligung von 2 Pf. pro Kilowattstunde und einem Gesamtoerbrauch von etwa 75 Millionen Kilowaltstundcn pro Jahr bei dieser Gruppe eine Mindereinnahme von etwa 1,5 Millionen Mark. Die Verbilligung war notwendig, um der sich gerade im Kleingewerbe ausbreitenden Konkurrenz des Oeldieselmotors und der damit zusammenhängenden Abwanderung im Bezug stöd- tischen Stromes zu begegnen. lieber die Möglichkeit einer Verbilligung auch des hausvcr brauchs wird noch verhandelt werden, doch wollen wir vor über triebenen Erwartungen warnen, da' eine Verbilligung auch fii'b um einen Pfennig pro Kilowattstunde einen Einnahmeaussall von 3 Millionen Mark bedeuten würde, der bei der durch die Wöhr fahl-tsausgabcn angespannten Finanzlage der Stadt tanm r". andere Weise hereingebracht werden könnte. Bau! Robiusvn Kinder in Gefahr! 135 Derliner Lungen und Mädel Opfer des Bertchkek In der Zeit von Ansang Januar bis Ende September 19ll9 verunglückten im Verkehrsgetriebe der Großstadt 695 Kinder, iväh- rcnd in der gleichen Zeit dieses Jahres insgesamt 735 Kinder Unfälle im Straßenverkehr erlitten: gegenüber dem Vorjahre bcliej sich somit die S t e i g c r u n g der Kinderunfälle aus 5,8 proz. Im Gegensatz zu dieser verhältnismäßig geringen Steigerung der Unfälle nahm jedoch die Zahl der Todesopfer im Jahre 1939 rapide zu. Während im Jahre 1929 in den ersten 9 Monaten nur 39 Kinder(21 Knaben, 9 Mädchen) tödlich verletzt wurden, steigerte sich diese Zahl in den ersten 9 Monaten 1939 auf 46 blinder (33 Knalien, 13 Mädchen). Das bedeulcl eine Zunahme der tödlich verunglückten Kinder um nicht weniger als 53,3 Proz. von diesen 46 Kindern standen 28 oder 69,9 Proz. im schulpflichtigen Zllter von 6— 14 Jahren, während die übrigen 18 noch nicht 6 Jahre alt waren. Außerdem erlitten 689 Kinder durch Verkehrsunfälle mehr oder minder schwer« Verletzungen, die teilweise zu dauernden: Siechtum, sonstiger schwerer Schädigung der Gesundheit oder des Verlustes einzelner Gliedmaßen führten. Wie die Mehrzah' der tödlich verunglückten Kinder gingen auch die meisten der jugcnd- lichen Verletzten, 462 oder 67,1 Proz., zur Zeit ihres Unfall � bereits zur Schule, während die übrigen 227 noch nicht schulpflichtig waren. WLITENN SEHR BELIEBTE LOES E R«> WOLFF-MARK E Ni BRENNUS 10 PF. ICH SCHLAGE ALLES 15 PF. DONNA LUCIA SO PF. Zur g«(8llig«n b««ond»r»n B««etifung! Die gewallige Erhöhung von Tabakzoli und Tabaksteuer verursacht eine Preiserhöhung bei Zigarren und Zigarillos bis zu 50 Prozent. Nutzen Sie daher die Weihnachtszeit, sich noch vortellhafl und reichlich einzudecken. ALLEN FREUNDEN ERLESENER ZIGARREN wollen wir■wieder eine besondere Weihnachtsfreude bereiten. 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Kommunisten und Deutsch- nationale forderten Ermäßigung der Tarife der städtischen Bahnen auf IS und 10 Pf. Der alte Spruch von den Riesengehältern und den politischen Entlassungen wurde in aller Breite heruntergeleiert. Unser Genosse B u ch m a n n wies in einer eindrucksvollen Rede zunächst darauf hin, daß über Tarifsenkungen und Einrichtung von Streckentarifen bereits in der BVG. verhandelt werde. Für die vorgenommenen Entlassungen kann niemand die Direktion der BVG. verantwortlich machen. Für Arbeiter, die noch Solidaritäts- bewußtsein haben, ist es selbstverständlich, daß sie, um Entlassungen zu vermeiden, lieber Kurzarbeit verrichten. Die KPD. habe hier, wie überall, eine unsaubere Rolle gespielt. Aber wenn es ernst wird, dann steht selbst das kommunistische Betriebsratsmitglied der BVG., der Bezirksverodnete W e y l a n d, nicht zu den Parolen der RGO. Der Initiative der Sozialdemokratie ist es zu danken, daß die hohen Direktionsgehälter in der BVG. wesentlich abgebaut worden sind. Aber auch hier hat die KPD., die sich einen bürgerlichen Frankfurter Stadtrat nach Rußland mit einem Jahres- gehalt von ISO 000 M. verschrieben hat, kein Recht zur Kritik. Der deutschnationale Stadtverordnete Steiniger hat das loyale Vor- gehen der BVG anerkannt. Auch die Wirtschaftspartei habe hier keine Veranlassung zu schreien, solang« einer ihrer maßgebenden Bezirksoerordneten als Pfandleihbesitzer mit ganz anderen Zinsen und Gewinnen rechnet, als es jemals öffentliche Betriebe hm dürfen. Nach Erledigung dieser Aussprache bat der Bürgermeister, Genosse M i e l i tz, doch vorweg zwei Vorlagen zu behandeln, die dringende Arbeiten, wie den Ausbau der 18. und 25. Schule und die Schaf- siing einer Säuglings- und Kinderkrippe betreffen. Wenn die Anforderungen auch nur bescheiden sind, so könnten doch eine Anzahl von Arbeitslosen beschäftigt werden. Die Kommunisten lehnten jedoch die Lille des Bezirksamtes rundweg ab. Genosse Mielih stellle darauf fest, daß hier, wo die Gelegenheit gegeben ist, den Arbeltslosen durch die Tat zu Helsen, die Kommunisten die Ve- rolung von Agitalionsanlrägen vorziehen. Daraufhin nahm die Begirksverfannnkung zu Schulangelegenheiten Stellung. Nach der üblichen kommunistischen„Anklagerede" gegen den sozial- demokratischen Magistrat kennzeichnete Genosse Mardus das heuchlerische Treiben der Kommunisten. Zu unzähligen Malen hat die sozialdemokratische Fraktion es abgelehnt, für Sünden des alten Äommunalfreffinns haftbar gemocht zu werden. Das Bezirksamt tue alles, um nach Kräften eme Besserung der Schulverhältnisse zu erreichen. Eine ganze Reihe von Schulen sind bereits modernisiert und gründlich ausgebessert. Würden die Kommunisten mitarbeiten und die erforderlichen Mittel bewilligen, so könnte noch vieles mehr geschehen. Man habe aber den Eindruck, daß die KPD. sich sast nur um- die Schulen bekümmere, wo persönliche Jnter- essen eines kommunistischen Bezirksverordneten b e st e h e n. Dieser Fall stehe jedoch nicht vereinzelt da. Bezeichnend sei, daß der kommunistische Bezirksverordnete K u r z m a n n, der sich zurzeit in Rußland befindet, seine Familie in bitterster Rot zurückgelassen hat, so daß diese Wohlfahrtsunterstützung beantragen mußte. Er bitte das Bezirksamt, zu erklären, ob diese Dinge aus Wahrheit beruhen. Den Kommunisten war dies« Anklagerede äußerst unangenehm, der Lärm, den sie veranstalteten, steigerte sich noch, als dann Genosse Stadtrat K l o d t das Wort nahm, um zu crklaben,' daß die Ausführungen des Bezirksoerordneten Mardus zutreffeiv Di« Frmi Kurzmann fei bei ihm erschienen und habe um Unterstützung gebeten. Er hat sie darauf hingewiesen, daß es doch nicht angängig sei, die Familie aus öffentlichen Mitteln zu unter- stützen, wenn der Mann im Auftrage der KPD. nach Rußland fahre. Es sei doch anzunehmen, daß die Hilfsorganisationen der KPD., die Note Hilfe, die IAH. oder die Partei die moralische Pflicht der Unterstützung ausüben. Die Frau erklärte jedoch, daß sie nicht nur von den hilfsorganisalionen, sondern auch von der Kommunistischen Partei vollständig im Stich gelassen worden sei. Bittere Rot treibe sie daher zum wohlsahrlsamt. Bei der Abgabe dieser Erklärung schimpften und tobten die Kommunisten. Dem Lorsitzenden, Ge- nassen P o h l i n g, blieb nichts weiter übrig, als die Versammlung vorzeitig zu schließen. Oahlemer Oorfaue wird umgestaltet. ilO. Bezirk— Zehlendorf. Die Tagesordnung der letzten Zehlendorfer Bezirksoersammlung war kurz und enthielt nichts von allgemeinem Jiueresie, mit Aus- nähme der Vorlage des Bezirksamtes betreffs Bewilligung von 2000 Mark aus Vorbehaltsmitkeln des Bezirks für ein Preisous- schreiben zur Gewinnung von Schaubildern über die Umgestaltung der Dorfaue in Dahlem(altes Gutshaus, alte Kirche). Die Kirchengemeinde und die Vereinigung der Dohlemer Grundbesitzer wollten weitere 3000 Mark für dies Preisausschreiben stiften. Die sozialdemokratische Fraktion lehnte es ab, in der heutigen Zeit schwerster Geldknappheit für ein Projekt, das auch von den Beamten der Stadt selbst kostenlos bearbeitet werden kann, be- sondere Mittel zu bewilligen Die Fraktion gab der Meinung Aus- druck, daß die in Frage kommenden städtischen Baurät« es sicherlich mit Freude �egrüßen würden, das Projekt bearbeiten zu können. Auf diesen Standpunkt stellte sich nur noch der Nationalsozialist: das reichte aber nicht aus, um die Annahme der Vorlage zu vcr- hindern, für die Deutschnationale, Volkspartei und der Demokrat stimmten._ Neuischnaiionale und Wafferwerke. 12. Bezirk— Steglch. Obwohl die letzte Steglitzer Bezirksoersammlung am Mittwoch vor acht Togen stattsinden sollte, wurde sie auf den Freitag verlegt, weil man ein neues Gemeindehaus errichtet hatte und die Ein- weihungsfeierlichkeiten am vergangenen Mittwoch stattfanden. Die Versammlung fand also am Freitag statt mit' dem Erfolg, daß bei den„großen politischen Debatten" die Tagesordnung nicht zu Ende geführt werden konnte. Nicht um Gemeinde- bzw. Bezirksangelegen- hellen wird in den Bezirksparlamenten geredet, sondern die großen Pollliker wollen für ihre drei Tribünenbesucher große„politische" Reden halten. In diesem Redefluß passiert es, daß die Nazis nicht einmal für ihre eigenen Anträge stimmten, aber das kommt ja auch bei anderen politischen Stammtischen vor. Zu bewundern ist immer wieder, wie der volksparteiliche Bezirksvorsitzende, der Stadtverord- uete Schwarz, die«ozialdemokraten beschimpfen und beleidigen läßt. Daß sich die Nazis seiner besonderen Gunst erfreuen, sei der Ordnung halber registriert. Daß der Kommunist dem Mittelstand und den Gewerbetreibenden den S t e u e r st r e i k empfiehlt, erwirkte selbst bei der Wirtschaftspartei große Heiterkeit. Die Sozial- demokraten hallen wegen der Unterschlagungen, durch die der Ingenieur Möllerte die Gemeinde bzw. die Brennstoffgesellschaft um mehrere zehntausend Mark betrogen hat, einen Antrag gestellt, nachdem eine Untersuchung einzusetzen sei, in der die Kontrollmah- nahmen der Bczirkskasse des Bezirksamtes über Zahlung von Rech- nungen von 1S22 bis 1920 geprüft werden sollen. Gegen diesen An- trag stimmten neben den Deutschnationalen die Deutsche Volkspartei und die Mehrheit des Hauses. Ferner wurde einem sozialdemokra- tischen Antrag zugestimmt, der für die Autobuslinie ii den Straßenbahntarif fordert. Die Versammlung fordert« außerdem bei den Verkehrssragen«ine bessere Verkehrsregelung der Bewohner von Lankwitz. Interessant ist noch, daß die Deutschnationalen einen Dringlichkeitsantrag gestellt hatten, die hohen Sätze der Charlotten. burger Wasser- und Zndustriewerke herabzusehen, eine mündlich« Bs- gründung wurde leider nicht gegeben! Das verdient besonders fest- genagelt zu werden, liegen doch die Preise, die das Eharlottenburger Wasserwerk von seinen. Abnehmern und damit vielen Steglitzern fordert, wesentlich höher alsS die, die dke' verruchten von" der Sozial- demokralle stark beeinflußten öffentlichen Betriebe verlangen. Verhöhnung der Arbeitslosen. 14. Bezirk— Neukölln. Die Neuköllner Bozirksversammlung konnte einmal in voller Ruhe tagen und einen großen Teil der vorliegenden Anträge behandeln. Alle Antröge, die sich mit der Rot der Erwerbslosen be- faßten, wurden zuerst erledigt. Der sozialdemokratische Bezirks- verordnete Polenske betonte, daß die Kommunisten hmrch One systematische Spallirngsarbeit die Arbeiterschaft in verbrecherischer Weise geschwächt hätten. Wäre die Arbeiterschaft einig, könnte sie ganz andere Forderungen erheben. Heut« muß die Arbeiter- schast ihre ganze Kraft einsetzen, um die geringen sozialen Fort- scyritre zu verteidigen und den Faschismus abzuwehren. 3n den Ländern, in denen die Kommunisten die Arbeiterschaft in hoffnungslose Experimente hetzen konnten, hol der Faschismus gesiegt. Mit Recht stellte Bezirksverovdnetcr Polenske fest, daß die Anträge der Kommunisten geradezu eine P e h ö h n u n g der Erwerbslosen dar- stellen. Di« Sozialdemokratie hat in allen Parlamenten ihre ganze Kraft eingesetzt, um die Not der Erwerbslosen zu lindern. Im Austrage der Fraktion beantragte Polenske, die Richtsätze der Crwerbslosenchilfe zukünftig als Mindestsätze zu betrachten. Dieser Antrag wurde angenommen, die kommunistischen Agitations- antrüge aber abgelehnt. Ein weiterer sozialdemokratischer Antrag, der ein Arbeitsbeschasfungsprogramm des Magistrats verlangt. wurde gleichfalls angenommen. Ferner wurde ein sozialdsmo- kratischer Aillrag angenommen, den ambulanten Kranken gegen Er- stallung der Kosten Diätkost zu verabfolgen. Arbeilssihung des Bezirksparlamenis. -16. Bezirk- Köpenick. Der Wortschwall der kommunistischen Vielredner nahm einen großen Teil der fünfstündigen Sitzung in Anspruch. Unsere Genossin I a ck o w s k i begegnete den rüpelhaften Anwürfen des Deuffchnatio- nalen Klapper(Sportlehrer im Bezirk Friedrichshain) durch die treffende Bemerkung:„Wer Sie zum Lehrer gemacht hat, kann es vor Gott und aller Welt nicht verantworten." Al praktische Ergeb- niss« der Sitzung sind allein die Annahme der sozialdemokratischen An- träge anzusprechen, die, in Erkennung der Bedeutung der Siedler- fragen, einmal„das Bezirksamt ersuchen, im 16. Bezirk Pflaster- kassenverträge umgehend abzuschließen", zum anderen,„daß für die Autobuslinie 36 die Umsteigeberechtigung in der Werse Gellung bekommt, daß eine dazwischen liegende Eisenbahnfahrt keine außerhalb des Tarifs liegende Fahrtunterbrechung bedeutet, und daß die Fahr- zeuge wieder mit zwei Mann Personal besetzt werde». Ferner sollen an den Endhaltepurrtten Wartehallen zur Aulstellung g«- langen." Beide Anträge wurden vom Genossen Mohr begründet, Genosse Röhl brachte einen Antrag ein, der das Bezirksamt auf- fordert, den Verbindungsweg vom Bahnhof Rahnsdorf Aur Haupt- straße usw. in Ordnung zu bringen. Für die Anträge au? Befreiung vom«chulgeld und Bewilligung von Wirffchastsbeihilfen für Schüler der höheren Schulen wurden vom Bezirksamt besondere Maßnahmen gefordert. Der Wohlsahrtskommission sollen die Unterlagen so recht- zeitig zugehen, daß genügend Zeit bleibt, um die Fälle ordnungs- mäßig nachprüfen zu können. Hierzu sprach Genosse K ü st e r. Ein weuerer Antrag, der sich auf Anbringung von Warnungs- tafeln anläßlich eines tätlichen Autounfalls in der Nähe einer Volksschule bezog, und von der Genossin I a ck o w s k i begründet worden war, wurde gleichfalls angenommen. Karl Marx und die Gegenwart. Am kommenden Sonnabend, ISIs Uhr,� findet im Plenarsaal des ehemaligen iherrsnhaufes, Leipziger Str. 3, eine Veranstaltung der Freien Sozialistischen Hoch- schule statt. Genosse Prof. Ernst van Aster- Gießen spricht über das Thema„Karl Marx u n d d i e Gegenwart. Karten zum Preise von 50 Ps.(einschließlich Garderobe) sind an den bekannten Stellen und an der Zlbendkasse zu haben. /x X X- JZum Schtifs? üof Jfnsfechang und bei Crkßtiangsgejah* ?örm Ds. 0.56 Gemischtes Gemüse>/, Ds. 0.79 Spargelabschnitte,.»/i Ds. 1.30 Stg.-Spargel SO/öOer'�Ds. 2.10 Pflaumen o.Stein---- V, Ds. 0.76 Stachelbeeren...... Vi Ds. 0.88 Mirabellen.......... V, Ds. 0.95 Schattenrnorell.m.St.V, Ds. 1.00 Reineclauden...... Vi Ds. 1.00 Kalif. Pfirsiche natur..Vi Ds. 1.30 Aprik.-Marm.ca.2Pfd.-EHn. 1.00 Pflaum.-Marm.ca.2Pfd.Eim. 1.00 Himb.-Konfit. ca 2 Pfd.-Eim. 1.45 | Anan.-Konfit. ca. 2 Pfd.-Eim. 1.45 W U R ST WA REN ölsardinen.......... 2 Ds 0.85 Span. Sprotten LOel 2 Ds. 0.85 Makrelenfilet...... Clubds. 0.65 Fetthering, in Tomat. Ds. 075, 0.55 Japanischer Krebs... Ds. 2.25 div. Fischmarinaden Ltr. Ds. 0.85 Ochsenfleisch i. eig.SaftDs, 1.10 Würstchen...... 5 Paar Ds. 0.88 Italienischer Salat V, Pfd. 0.55 Fettbücklinge----- an Pfd. 0.40 KielerSprotten ca.1 Pfd Kst. 0.62 Räucheraale Bd. 0.28 Pfd 2.40 Schellfisch m. K., im Gz. Pfd. 0.20 Seelachs o. K., im Gz... Pfd. 0.20 Rotbars o.k........... Pfd. 0.20 Fischfilet.............. Pfd. 0.42 Grüne Heringe____ 3 Pfd. 0.65 Lebende Plätzen____ Pfd. 0.40 Leb. Karpfen....... an Pfd. 0.95 Mecklenb. Landbrot#> eo. 31/, Pfund«chwsr... Mi. J L*lchtv«rd*rbllastsrat appelliert an die Neaierung. Der vom Reichswirtschaftsrat eingesetzte Arb«steausschuß zur Prüfung der Preisbindungen in der Eisenindustrie ist einstimmig zu folgendem Beschluß gelangt: Der Ausschuß stellt fest, daß die gegenwärtigen h o h c n E i s e n- prgise des Inlandes gegenüber den niedrigen Weltmarit- preisen für die gesamte deutsche Wirtschaft untragbar sind. Trotz der Schwierigkeiten der Eisenindustrie hält der Ausschuß eine starke Senkung der Eisenpreise in Deutschland für notwendig und ersucht die Re i chs r e g i e r u n g. auf Beschleunigung dieser Preissetikung hinzuwirkeir. Die dringend erforderliche Senkung der Produktionskosten der deutschen Wirtschast ist nur möglich, wenn in erster Linie die wichtigsten Rohstoffindustrien ihre Preise herab- setzen. Die Senkung der Eisenpreis« ist um so dringender erforder- lich, als ihre Höhe für die konjunkturelle Entwicklung und die Entlastung des Arbeitsmarktes eine Schlüsselstellung ein- nimmt, die bannt in Erscheinung tritt, daß allein die eisenverarbei- tende Industrie in Deutschland fünfmal soviel Arbeits- k r ä s t e beschäftigt als die Eisenindustrie selbst. Krise bessert Versicherungskoniunktur« Bei der Allianz und Stuttgarter Lebensver- sicherungsbank sind im November in der großen Lebens- nerflchcrung 4900 Versicherungen über 42 Millionen Mark Versicherungssumme beantragt worden, in der Spar, und Ber- sorzungsvcrjicherung mit monatlicher Beitragszahlung 9300 Versicherungen mit einer Versicherungssumme von 12 Millionen. Der Antragszugang im November stellt sich demnach auk insgesamt 14 400 Versicherungen mit einer Gesamtsumme von 54 Millionen. Im Oktober und im September stellten sich die Versicherung«- abschlüsse bei dem Unternehmen nur auf 48 bzw 43 Millionen Mark. Di« zunehmende Verschärfung der Wirtschaftekrise mit ber Massenbedrohung von Existenzen hat also den Dersorgungsgedanken in der. Bevölkerung sehr gefördert..— Seit Jahresanfang stellt sich die Gesamtverficherungssumme bei der genannten Ve"- sicheriwg auf äbet 406 Millionen War!. wax 3)oriu:„ZBooicheii fahren!" Die Nacht träumen vir schon von der großen Ssereise, von 1,1t Flußreise; morgen wollen wir Boolchen fahren, wsnn's nur gut Wetter wirdl Der Sonntag ist da! Sprung raus aus den Federn, ans Fenster; der Himmel: Na? Nö.'s regnet nich. Und die Sonne? Nö, die is nich da. Der Himmel steht wie lauter Perlmutter aus: bunt in Crom! Na, denn man los! Adjes, Mutter! Wiedersehn! Die Stadt, sie gähnt noch: die Stadt, sie schläft heute aus. Sonntag! Aber die Jugend hat auch am Sonntag keine Zeit zum Schlafen. Der Sonntag: da muffen wir was Großes erleben. Und wir sind schon am Fluß. Braun ist der Fluß, wie Milch- ichokolade— von dem vielen Regen—; Ackererde ist mit tausend Bächlein in den Fluß geschwemmt. Horche: in den Pappelbäumen spielt der Wind— Klampfe! Wie's klingt, wie schscn, so silbern. Hot! Da wirbelt schon'ne ganz« Partie quittengelber Pappelblätter mit dem Winde davon. Herr Bootsverleiher, was kost't das die Stunde?— Vier Mann seid ihr, das kost't die Stunde'ne Mark.— Hoo, das können wir nich ausgeben: wir wollen doch den ganzen Tag fahren, und dann sind wir man Lchrjungens.— Sooo? Ihr lernt noch: na, gebt mir die Stunde fünfzig Pfennig. Daß mir aber nix am Boot passiert. Vorsicht!— Iawolle, wir sünd ümmer vorsichtig.— Was für'n Boot wollt ihr denn?— Den„Wotan", die„Najade", die „Königin", die--. Da: die„Nixe", die weiße, die schlanke, die wollen wir.— Und was laßt ihr mir hier zum Pfand, Jungens?— Unseren guten Namen: Robert, Emil, Adi und Jupp.— Gut, stoß ab! An die Riemen! Jetzt fahren wir, auf der„Nixe", am braunen Fluß. Adjes, ihr gelben Pappelbäume. Adjes, liebe Stadt! Deine Jugend fährt auf Entdeckungsreise! Da ist nichts Scheeneres auf der Welt als Bootchen fahren! Unter der Brücke geht es hindurch. Hoil Der Wind wirft Straßenstaub auf die„Nixe". Droben über die Brücke saust'ne Elektrische hin. Junge, wie's poltert, wenn die Brücke nun durchbräche? Uns alles auf den Kopp? Och was, das bricht nicht: eher bricht der Regenbogen: die Himmelsbrücke. Stahlbrücken holten besser als die Himmelsbogen. Die Stadt rutscht langsam an der„Nixe" vorbei; jetzt sind wir bei der Industrie: Drüben qualmt und flammt das Hüttenwerk; dig Hochösen kennen keinen Sonntag, auch die Kokereien nicht: schwarz räuchern die dreißig stämmigen Schlote: schwarze Fahnen am Sonntag! Aber schweigsam ist heute die Zementquetsche, und das Walzwerk walzt nicht: es liegt wie tot. Doch in den Zechen- türmen flitzen die Seilräder. Die Eisenbahnbrücke— mennigrot angestrichen—. schwere Kohlenzüge donnern hinüber: Gewitter am Sonntag— und da blitzt der Expreßzug vorüber: Essen— Berlin— Warschau. Der Fluß, der Fluß— wie schön, wie schön! Der Fluß ist nun ganz frei: nichr mehr belastet von den schweren Industrie- anlagen. Der Fluß wird einsam: links und rechts rauscht das grau- grüne Schilf, schau doch mal: die Federbüsche am Schilf, braun- silbern, wie sie sich rüberlehnen, wenn der Wind mit der Hand drüberhin streicht: so sanft, so liebend— gerad als wenn Mutter uns abends im Bett Gute Nacht sagt. Borne glitzert der Fluß wie blankes Zinngeschirr— dort: wo der Wind Fächer ins Wasser wirft. Ho, Junge— die Sonne kommt durch-- sie is schon wieder weg— da droben: am kleinen blauen Fenster, da hat se eben'rausgeguckt— die lustige liebe Sonn«, sie is wie Tante Rosa — die immer was Süßes zum Knabbern mitbringt— wenn se mal auf Besuch kommt. Weiter und weiter die Reise— Jungensr legt euch feste in die Riemen-- die„Nixe" muß jagen wie so'n Motorboot— brecht ober die Riemen nicht ab: sie sind man dünn«, wohl mehr für Mädchenarme berechnet— die„Nixe" ist nur«in zartes kleines Ding! Du, so hört doch: Jungens, vorne is Musik— da, wo die Baumgruppe—'n Wirtshaus?'n Tanzhaus? Oder was? Wart a mal— was spieln se denn? Au, das sind Nazis—„Treu weht die Fahne schwarzweißrouge"—'n Klubhaus is das,'n Ruderhaus — da steht's ja druff, in goldenen großen Buchstaben:„Maxine- verein!" Und lauter Jungsns in weißen Matrosenkleidern un Mächens in weißblauen Blusen— ein Kommando: Stillgestanden! Kerle, Kerle: guck doch mal, die spieln Soldat— joi, der mit dem Monokel: der kommandiert, das is'n Offizier—. Di« da werden wieder zu Soldaten gedrillt— daß die sich dazu hergeben— denen müßten wir mal das Buch von der Marine schicken—'s is in der Göwexkschaflsbibliothek:„Des Kaisers Kulis!" Wester— hol di nich opp-- die„Nixe" sauft wie ein Pfeil bei den Marineoereinlern vorbei. Die Ruder knarren und quietschen, die Bugwelle rauscht— und brennende Schweißperlen rutschen den JungeNs schon über die roten Stirnen. Der Fluß Hot'ne Krüm- mung gemacht— er wirst Wirbel— wenn das Boot hindurch- saust: dann schaukelt es— von den Wirbelkrästen geschüttelt. Da: fein— da is'ne Mühle— sie klappert— hinten, am Mühlgraben, ei— so guck doch: das große schwarzgrüne Mühlrad— weißschäumend wirft es Wasser herum. Apfelbäume bei der Mühle: spar, schar: der Rabe! Grlengebüsch— noch schwarzgrün voller Blätter— da wird's Ufer wieder frei— hoho:'n Angler. Is woll'n Engländer? Hat 'ne graue Papschmlltz auf— Good morning, Mister Fishing.— Hool dat Mul: gibt er zurück.— Guten Fang.— Och, se beißen nich, sagt der Angler—'s wird schon zu kalt. Friert eure„Nixe" nich? Und gute Reise. Weiter. Mer is baimig heiß. Weißte was— mer baden? Hast mal die Hand ins Wasser. Och, kalt is's grad nich. Aber keine Badehosen? Schad't nix: Adam hatte auch keine. Un Eva auch nich. Dann können wir das auch— so nackig ins Wasser. Aber wo? Da vorne— hinterm Weidenbusch— hei: gerad rauscht es auf: zwei, drei, sechs, acht— Hals lang vorneweg, braunschwarz: quackquackquackquack— sooo: Enten: Wi-Wa-Wildenten! Jetzt, wenn mer'ne Flinte hätten— da- gäb'nen Braten. Plums: der Jupp springt zuerst ins Wasser--. Is's kalt, Jupp? Nööö— aber er klappert mit den Zähnen. Rodert geht ganz vorsichtig in den Fluß— er häll sich mn überhängenden Weidengezweig— nur bis an den Bauch geht er ins Wasser— ich Hab's doch auf der Lunge, sagt er. Adi aber häll nur die Füße ins Wasser— Adi hat'ne Veranlagung zum Bruch. Doch der Emil—'nen kleinen Anlauf— und dann kopfüber von der Ufer- höhe hinab: plumps:«in fetter Brocken— überschlägt sich, das Wasser spritzt wie Granatsplitter— wo is er, der Taucher? Da kommt er wieder hoch— Haan: wie kaaalt, wie kaaalt! Ja, Jun- gens—'s is Herbst. Kommt wieder'raus aus dem Wasser— kleidet euch hinter den Weidenbüschen wieder an— und dann weiter: die Reise— laßt die„Nixe" flitzen. Ja,'s ging lustig weiter: ritscheplatsche die Rüder— sisasause der Wind. Haha: da:'n Restaurant. Der Magen sag!: Knurr- knurr.„Nixe" hat. Alles aussteigen.— Ooober! Was haben Se? — Die Speisekarte: Zwei Mark fünstig— drei Mark fünfzig— Menü vier Mark—- Himbeerlimonade eins zwanzig— Schweizerkäse mit Butter eine Mark fünfzig-- da, such du dir mal was aus? Ober, adjes, wir kommen nachher mal wieder.— Der Ober schimpft: Lausejungens, sagt er—. Wirf ihm nen Stuhl um— das is für die Lauseju—— lauf: lauf, was de lausen kannst! Im Bauernhaus ging's besser. Will mal kieken, sagte die dicke blaurote Bäuerin— und für'n Zweimarkstück brachte se'n Laib Brot,'n Brocken Speck: so groß wie'ne Bibel, vier Zwiebeln, Salz -- und die Tochter, rote Wangen hatte se. di« brachte noch'nen irdenen Topf voll süßer Milch. Laßt«s euch schmecken!— Und es schmeckte, und ine Bäuerin lachte, sie hielt sich vor Lachen den blauen Schürzenbauch— ju: Junzens, wab habt'r Hurner!— Robert: nimm mal die Blase'raus: spiel mal eins.— Und er spielte, unser Rabbi: Lustige Lieder auf der Mundharmonika— und Annakachrin konnte tanzen, sie wird vierzehn, sagte sie— die Tochter mit den roten Wangen. Mutter Bäuerin spendiert« noch Kaffee— mit Streuselkuchen: das is für das Konzert, saate Mutter. Und Emil schenkte der Mutter Bäuerin sein selbstgemachtes Nickel- feuerzcug: das is für die Hastfreundschast,' sagte Emil.— Und dann an Bord, di«„Nixe" fährt heim— am User winkt Annakathrin: Adjüs. op Wäddersehn!— Du, es regnet! Mfrea mein; WeUpveu�ifche JCandlchafl Kleines Vorwort Manche Menschen sagen: Tiere sind treuer als wir. Ich habe mit Menschen und Tieren wenig Erfahrungen. Ich bin ein einsamer Mensch. Aber Landschaften leben mit mir. Wie Seelen. Also bin ich kein einsamer Mensch. Ja, mit Landschaften habe ich viele Er- sahrungen. Langsam im Laufe der Jahre befahre ich und erfahre ich sie. Es fügt der Zufall, wenn es einen solchen gibt und nicht alles mst uns geschieht wie mit den Sternen nach Gesetzen der Ewigkeit, daß ich eine Gegend in der westpreußischen Ebene in allen Jahreszeiten wiedergesehen habe. Das ist es nämlich: man muß etwas wiedersehen, um klarer zu sehen. Ich sehe natürlich die Land- schaff meines täglichen Spazierweges öfter. Zu oft, um noch klar zu sehen, um noch die Musik der Ding« herauszufühlen. Das Wieder- sehen, fern von Rausch und Sehnsucht, halten nur Wesen und Dinge aus, die man wirtlich und allezeit liebt.. Zm Herbst Der Herbst ist der Freund der Ebene. Bäume fern am Horizont tauchen in der stahlklaren Lust auf, Pilger vor dem Himinelsrande, die ich sonst nie gesehen. Das Ordensschloß schwebt Mst blitzenden Türmen und Firsten über der Stadt Der Donsker des Schlosses ist wie ein Schiffstiel. Die ganze klein« Stadt schwimmt auf einem kühlen sanften Sonnenmeer, das in den flachen Wiesen rings schwillt und quillt. Es ist so stille ringsum im geklärten und geglätteten Land, und die Landschaft wogt wirklich wie die sich wölbende weite See, daß die Kugelgestalt der Erde den Füßen und den die Ferne ertastenden Händen fühlbar wird. Wir schweben um die Sonne. Sie flammt im Zenith. Buchen und Eichen, zusammengescharrt in kleinem Hain, atmen m einem Wind, der wie ein ganz leises Märchen flüstert. Rot, gold, grün, braun, ja selbst silberweiß— so zittern di« Blätter. Im Hain. An den Alleen. Mitten aus der Wiese der Baum des Hirten. Dt« Schafherde döst. Fast erstarrt. Nicht mehr sich tummelnd. Zwei braune Pferd« dort. Ebenso sinnend. Tiere des Herbstes. In der Ferne aber brest und strahlend: der Strom. Langsam sich oorwärtstragend. Seine flachen, in ihn hineinsinkenden Ufer find wie die Hirgabe der Landschaft an ihn. Die Ruhe und die Bersuntenhest des Ostens schwebt über seinem gemächlichen Dohmwandeln. Er. spiegelt fast immer nur den Himmel, dann und wann eine Reihe von Weidenbäumen, einmal auch ein abseitiges Haus. Die sumpfigen Ufer halten fern von ihm den Lärm der West. Schiffe kommen hier gefahren, als wären sie mst nichts als Glück geladen, mit einem Glück, von dem die Welt nicht mehr spricht: mit ungehctzter, stummer Einsamkeit. Im Winter Der Fluß ist verschwunden. Unbeachtete Strauch« und Bäumchen beherrschen mit den Bäumen des Hains und der Alleen, schwarzen Rittern gleich, di« weißverschncite Flur. Dunst an den Hiimnelsrändern, Dunst im niedrig herabgedrückten Himmel. Stadt und Schloß verschwimmen in das Wolkengrau mit weißen Türen Und Dächern. Sie scheinen herabzuhängen in das weiße, weiße und immer wieder weiße Land. Keine Straßen in der Ferne. Rauch- säulen schweben gespensterhaft über den Schloten. Schlitten mit vermummten Gestalten darauf. Die Pferde zotteln in einem starren Trott. Ihre Augen sind erloschen. Der Kutscher häll di« Peitsche, deren Strang oereist ist, starr wie auf dem Bilde einer Teterne nuxica. Der Schnee baut sich Hügel, Schluchten und Ebenen in tausendfacher Gestalt, auf jeder Wiese, auf jedem Weg. Lebt nur der Wind in diesen Gebirgen und Tälern? In der Dämmerung trifft durch zerbrochene Wolken ein müder Abendschein den Schnee. Lila, grüne, blaue Länder bilden sich in der weißen gewellten Fläche. Es blitzt darin an allen Ecken und Enden. Der Schnee wird lebendig. Er hat in seiner Buntheit etwas Lockendes, fast Südliches. Man glaubt ihm sein« Kälte und Traurigkeit nichtt Es wäre schön, in einem solchen Schnee sich schlafen zu legen. Da ver- schwebt das letzte Licht. Und ein Stern wird wach. Scharf g«- schliffen. Unserne Tiefe öffnend im erdnahen WoUenloch. In der Stadt hüpfen die Ltchter auf in den Fenstern, hier, da, dort. Es gibt also noch Menschen. Nicht nur Schnee. Und einsame Bäume. Und jenen fernen, fernen Stern. Fern wie Gott. Im Frühling Gott selbst schmückt sich. Auch hier. Die Stunde der Blumen ist angebrochen. Si« werden wach an allen Endest. Auf dem Eisenbahndamm klettern sie empor. Zwischen den Schienen hocken sie. Und purzeln in den Flstß. Kinder und Schafe, Hühner und Spatzen, sie fügen sich alle erblühend in die Blumenslut. Auch wir stehen plötzlich still, und Urzeumärchen unseres Blutes werden dunkle Gmpi&heU: als wir auch noch verwurzett waren im Erdboden und ein Leben lang an einer Stelle ragend die Jahreszeiten tief- innerst erlebten... Wieder einmal jung ist das Grün der Bäume. So jung wie noch nie! Denn wir sind älter geworden. Als wir Kinder waren, sind diese Frühlingsbäume unsere Brüder gewesen— nun fast unser« Enkel schon...so jung ist dieses Grün— geblieben. Ja,»er nicht ichbewußt weiß, daß er lebt, stirbt auch nicht. Jmmse wirb irgendwo, irgendwie Frühling. So grün wie hier. Nur das Ich hat nach kurzem Frühling und Sommer«inen langen Herbst und dann—? Aber die Lerche ist emporgeschossen. Bor einer stillen leichten Wolke, die weiß wie eine schöne Madchenseele ist, zittert der schwarze singende Punkt: die lachendste Note Gottes. Auch Schloß und Stadt sind lachend erwacht. Herzlich sich öffnende Fenster, zärtliche Gärten, Tanz, der Wetterfahnen, ja, selbst der fahr-- tausendalle Wetterhahn auf dem würdigen wackeren Ordensschloß- türm tanzt. Di« Häuser schütten die Menschen aus. Beremzelte Bäume und Blumen in der Stadt weifen den Weg hinaus zur Blütenfüll« vor den Toren. Man lernt wieder lächeln und atmen. Die Wege sind weich. Der große Strom läßt sein« Wellen springen. Und Schifflein kommen gefahren. Mit Gesang über die Wiesen hin. Herdenglocken klingen. Kinderreigen gehen. Und da? Wiegen der Blumen wiegt sich ins Blut. Immer noch di« Lerche in sttbelnder Unermüdlichkeit. Man kann die Knospen springen sehen. Die weiße Wolke dehnt sich über den ganzen Himmel hin wie das helle Lachen junger glückseliger Menschen, eine Freude ns ahne! Der Strom läßt sie in seinem Spiegel flattern. War Winter? Wer wettz das noch? Volkslieder warten auf den Wanderer. Iugendträume. Und immer noch die Lerche. Im Sommer Heiß und eng ward es in der Ebene. Wind nur so sacht, daß kaum«in Gekräusel sichtbar ist, über dem Strom. Der sehr müde ist. Und dünn dahinfließt. Steine und Algen auf seinem Grund zeigt. Man bangt, daß er oersiegt. Wie müde sind die Biumen geworden. Die Bäume mit dichtem Grün behangen und letzten Blüten, aber erstarrt. Stadt und Schloß kleben schlaff wie gedörrt am Boden. Alles erscheint plattgedrückt im wolkenlosen dreimalhohen graublau sonnenglutigen Himmel. Vogel dort, warum singst du nicht? Ich werfe einen Stein nach ihm. Er fliegt auf. Die Fische selbst stehen manchmal im Wasser still. Dunstoersangen die Ränder der Ebene. Gefangene des Sommers hocken die Schafe auf de» Wiesen, reiben di« Pferde ihre Nasen am Gatter. Goldene Mecrc der Zlehreiffelder. Wie in einem Starrtrampfsieber reifend. Der Eisenbahnzug trägt sich in staubiger Glut nach der Stadt. Nur wenige Menschen fahren vorbei. Keiner lächelt. Ein Kind winkt. Ich winke nicht zurück. Wozu? Alles wartet auf den Abend. Der Abend naht. Schneller die Wellen im Strom. Fröhlicher als im Mittag nun die Glocken vom Ordensschloßdom. Mit den Abendglocken träufelt Stühle ins Gras. Das wieder weich wird, aus starrer Seide zu gütigem Samt. Winde wandeln. Winde wandeln frisch und feucht über die vergilbte Landschaft, über die angewelkte Haut. Alles saugt gierig Kühle in sich. Di« Erlösung öffnei die Kehle des Sprossers. Er singt. Nun fangen die Schafe an zu fressen. Der Bauer geht das Aehrenfeld entlang. Er streichelt das sich wiegende Korn. Alles Gold der Welt scheint in ihm die Abend- sonne zu sammein. Die Entfaltung der Dinge aus der gedörrten Gedrücktheit in ein taufeuchtes Atmen hinein richtet die gestorbene Welt wieder auf. Schwarze Wolken nahen. Schon zucken Blitze darin. Schon Donner. Näher. Tropfen. Dicke silberne Tropfen. Noch zu Staub werdend auf der Straße. Jetzt nicht mehr. Blitz, Donner! Blitz. Donner! Der Strom wogt. Die Wissen werden wachgepeitscht vom Sturm. Die Aehrenfelder entlang sausen rebellisch« Jauchzer der wilden Lüste. Zusammengedrängt die Schafherde unter dem Hirtenbaum. Ich werfe die Kleider fort und bade mich in dem erlösenden Gewitter. Bald vorbei. Und nun Friede der Nacht. Fernhin ziehen die Wolken ab. Wetterleuchten über den Dächern. Die blitzen wieder. Von den Bäumen tropft es. als schlüge der Pulsschlog der Ewigkeit. Alle wie Lienen schwärmende Sternbilder des Sommers über der Eben«. Die Sichel des Mondes hott aus zur Mahd der Träume. Und abertausend fallen der Erde und mir in den Schoß. Auf daß Liebe in der Well sei und bleibe. Der Strom zieht in die heile Ahnung des Nordlichtes, das den Himmelsrand in einem grüngelben DäMMer häll. Mit ihm entflieht meine ganze Seele, bis sie cm den Ufern des Ewigen meteorenhast zersprüht. Die Anfänge der Holzschneidekunst. Der früheste Holzschnitt. von dem un» Abdrucke erhalten sind, stanunt aus dem Anfang des 1Z. Jahrunderts. Der Holzschnitt wurde seit jener Zeit recht eigenllich Volkskunst. Er gab dem aussteigenden Bürgerstand Bilder, zunächst meist zu religiösen Stoffen. Mehr und mehr wurde er dann auch von berufsmäßigen Holzschneidern hergestellt, während zunächst allein die Klöster die künstlerische Arbeit geleistet hatten. Vorbereitet wurde der Bikdholzschnitt wahrscheinlich durch mehr technisch hergestellte Stempel für die Vornehmen, die Spielkarten, Monogramme, Wappen und Aehnliches für den Druck in Holz schneiden ließen. Di« Kirche förderte den Druck durch Holzschnitt für relegiöse Bilder, da diese ein ihr willkommenes Anschauungsmaterial für das Volk lieferten. Besonders beliebt waren auch religiöse Neujahrswünsche. Weiter klebte man Holzschnitte in die Innenseite des Deckels der Handschriften, und dadurch wurde uns eine Anzahl von ihnen erhalten. Zunächst wurden die Holzschnitte mit der Hand koloriert. Erfinder des Forbenholz- lchnittes war im Beginn des 16. Jahrhunderts Hans Burkmaier. der als erster mit mehreren Platten druckte. Der große Dürer pflegte nicht selbst in Holz zu schneiden, wie viele andere Künstter es taten. Er hatte einen Holzschneider angelernt, dessen Arbeit er dann sorgfältig überwachte. Neues Versahren für dag Abheben von Fingerabdrucken. De? Kriminalist Major Joyce hat ein neues Verfahren für die Siche- rung von Fingerabdrücken erfunden uird patentieren lassen, das dem Erkennungsdienste sicher wertvolle Dienste leisten wird. Bisher ließen sich die am Tatorte hinterlassen«» Fingerabdrücke nur auswerten, indem man sie photographierte. Befanden sich min die Fingerabdrücke an unebenen Flächen, z. 35. gewölbten oder hervorstehenden Ecken, so erhiell man unter Umstanden ein ziemlich ver- zerrtes Bild, das die Identifizierung erschwerte. Das Verfahren des Majors Joyce besteht nun darin, daß der Fingerabdruck mit Aluminiumbronze bestaubt und ein« Art Heftpflaster daraus gedrückt wird. Bei seiner Ablösung nimmt das Heftpflaster den Abdruck in allen feinen Einzelheiten auf. Da das Pflaster schmiegsam ist. so können die Fingerabdrücke auch von unebenen Flächen abgenommen werhen, eine Photographie des übertragenen Abdruckes gibt ihn ohne Verzerrung wieder. verbreiluup des Rundiunks. In Deutschland kommt durch» schnittlich auf 22 Einwohner ein Rundfunkapparat, in Oesterreich auf 26 Einwohner, in den Vereinigten Staaten auf 11 und in Däne« mark auf 18 Einwohner. Dänemark hat verhällnismäßig di« meisten Radioapparate. In der Schweiz kommt erst auf 55 Einwohner ein Apparat, in Holland und in der Tschechei auf 57, in Argentinien auf 61. Wenig verbreitet ist der Rundfunk in den folgenden Ländern. In Polen, wo auf 113 Einwohner ein Gerät kommt, in Japan(1L8), Brasilien(204), Rußland(200), Italien(760). In Rumänien gar kommt erst auf 1200 Einwohner ein Rundfunkgerät. Wieviel Deutsche gibt es auf de? Welt? Di« Bevölkerungszahl des Deutschen Reiches beträgt 62 Millionen, dazu kommen im übri- gen Europa 21 Millionen Deutsche, in Nordamerika 15 Millionen. in Südamerika 3 und auf den übrigen Teilen des Erdballes ungefähr 1 Million. Es ergibt sich also als Gesamtzahl der Deut- schen auf der ganzen Well: 102 Millionen. In den Bereinigten Staaten stammen nicht weniger als 35 Millionen Menschen im zweiten und dritten Glied« von Deutschen ab. Nazis blamieren sich. „Hitler frühstückt Loch mit den Bankgewaltigen!" In der Bezirksversammlimg Kreuzberg sitzen neben SO Se- zialdemokraten, 16 Komnmnisten, 12 Mittel parteilern und 12 Deutsch- nationalen auch 3 Ratwnalsozialisten. Einer von ihnen umrde im September in den Reichstag gewählt und schwänzt seit dieser Zeit die Bezirksversannnlungen, trotzdem der Reichstag nicht tagt, so daß nur zwei Mann übrig bleiben. Auch diese beiden scheinen sich ent- zweit zu haben, denn sie konnten sich in der Bezirüsversammlung am Mittwoch nicht darüber«inigen, wer den von ihnen beantragten Protest gegen die Erfüllung-politik begründen sollte. Der Kom- munist GriinbeS kam ihnen zu chilfe und entwickelte das sattsam bekannte KPD.-Programm über die„nationale und soziale Be- freiung". Nun trat die nationalsozialistisch« Konkurrenz auf den Plan: der Bezirksverordnete Derks(Rsoz.) propagierte die Cnt- eignung der Bank- und Börsengewinn«, was ein homerisches<3e- lächter und Zwischenrufe wie:„Hitler frühstückt mit Bantgewaltigen" auslöste. Auf Antrag der Volkspartei ging die Versammlung mit großer Mehrheit über den Naziprotest zur Tagesordnung über. Eine weitere wohlverdiente Abfuhr holten sich die Nazis bei Behandlung einer Anfrage, in der sie unserem seit über 7 Jahren als Wohlsahrtsvorsteher tätigen und in seinem Wirkungskreise wegen seiner absoluten Sachlichkeit in allen Parteilagern hochgeachteten Genosien Erich A p p u hn vorwarfen, er mache die Gewährung von Wohlfahrteunterstützung abhängig von der politischen Einstellung der Antragsteller. Ganz abgesehen davon, daß in den Wohlfahrtskom- Missionen nie der Vorsteher allein entscheiden kann, da sie bekannt- lich aus 20 verschiedenen Parteien bzw. privaten Wohlsahrtsorgani- sationen angehörenden ehrenamtlich tätigen Männern und Frauen bestehen, konnte Derks(Nsoz.) auch nicht einen einzigen Fall nennen, in dem Genosse Appuhn unkorrekt verfahren ist. Vom Bürgermeister Dr. Herz erhielt Derks daher eine gehörige Abfuhr. Wenn das üblich werden solle, daß ein Ehrenbeamter in der Oeffentlichkeit ohne den Schatten eines Beweises beleidigt wird, dann werde sich bald unter den Bürgern niemand finden, der diese mühevolle Arbeit übernimmt. Immer wieder aufgefordert, nun endlich einen Fall zu nennen, in dem Genosse Appuhn nicht korrekt gel>andell habe, stammelte Derks nur, daß er die Beweise cm anderer Stelle bringen werde. Es tauchte die Frage auf, ob der städtische Beamte und deutschnationale Bezirksoerorimete Wölk noch einmal durch seine Unterschrift die Beratung einer so unbegründeten Verdächtigung ermöglichen wird wie in diesem Falle. Den Ruhm, mit dem sich die Nazis bedeckt hatten, gönnten ihnen die Kozis nicht. Sie fragten an, warum dem kommunistischen Schwimmverein„Vorwärts", dem in der vorigen Badesaison im Stadtbad Kreuzberg 2 Badeabende in der Woche eingeräumt waren, aus Anlaß der im Sommer erfolgten Spaltung des Bereins, bei der fast die Hälfte der Mitglieder zum Bund zurückkehrten, ein Bade- abend entzogen und dem neugegründeten Schwimmoerem„Möwe" zugeteilt wurde. Ihnen wurde die schriftliche Antwort zuteil, daß die zuständige Deputation diese Angelegenheit in ihrer Sitzung am 2. Oktober 19Z0 behandelte und einstimmig— also auch mit Ein- schluß der kommunistischen Vertreter— gebilligt habe. Die Kom- munisten waren so betreten, daß sie zwar die Besprechung ihrer Anfrage beantragten, aber dann die Wortmeldung verpaßten. Zum Schluß wurde nach Beratung eines Antrages auf Gewährung von Winterdeihilfen an Erwerbslose die Weitergabe an den Magistrat einstimmig beschlossen Hitler macht(Ktudentenpolitik. Llad will zu neuem Krieg sammeln. Di« nach ihrer Auflösung durch den preußischen Kultusminister als nationalistischer Privatverein weiterlebende„Allgemeine Studentenschast" Berlin veranstaltet in den nächsten Tagen wieder einmal die„Wahl"-Komödie für«ine sogenannte„Studenten- Vertretung". Die Nazistudenten ließen am Donnerstagabend in der bleuen Welt" zu dieser Wahl„ihren" Adolf Hitler reden. i Weder redxie Adolf Hitler über die Studentenwahl, noch bestand ' das Publikum lediglich aus Studenten. Hitler sprach geschlagene ; zwei Stunden mit donnernder Stimme vom Kampf derRasjen, Untergang der Nationen und Wiederaufstieg, Klassenkampf und Standesdünkel. Nur eins an Hitlers Ausführungen war bemerkens- wert: Er stellte fest, daß der Weltkrieg uns die wert- vollsten Menschenkräfte geraubt habe. Folglich: machen wir keinen neuen Krieg?— nein, wir werden„von der übrig- gebliebenen Ausschußware regiert", und die noch vorhandenen .Soften" müssen wiederum zum neuen„Befreiungskrieg gesammelt werden.„Denn"— so erklärte Adolf stolz—„an Berhandlungs» tische setzen wir uns nicht!" Sein 2SjShriges Geschäfksjublläum und zugleich seine silberne Hochzeit konnte unser langjähriger Abonnent Carl Bethge aus der Großen Frankfurter Straße feiern. Vorträge, Vereitie undVersammlungen« # Reichsbanner„Schwarz Rot Gold". TekibiHtzaHI»! Berlin E 14. Eedaltianltr 87—88. Sek 2. Sr Kameradschaft Banmschnlenw-a: 20 Uhr Versammlnn» bei Streubel, Baumschulen- Ecke Echciblerstraße. Vortran Kamerad Dr. Muhle. Weihensee lOrtsnerein): 20 Uhr Mitgliederuersammlun« Berliner Los. Vor- trän Kamerad Breuer. Funktionäre IS Uhr. Pankow sKameradschaft Süd): Jnivlae der am 10. Dezember stattfindenden Generalversammluna fällt die heutige Kamcradschoitsslhung aus. Bohnedorf-Srünan lIungbanner): 20 Uhr Jugendheim Bohnsdorf. Wachtelstrahe, iechnischer Abend.— Sonnabend, «i. Dezember. Kameradschast Treptow: 20 Uhr Versammlung bei Kam. Man,,. Kiefholgstr. 21. Neuwahl aller Funktionäre. Funktionäre I Stunde früher dort.— Sonntag, 7. Drjember. Kreutberg Wrtzverein): 14 Uhr Pflichtantreten mit Tambourkorps und Fahnen Bahnhof Lermannftrahe. Neukölln. Brig tOrte- verein): Pflich'antreten 14 Uhr NIngbahnhof Neukölln, Hinterer Ausgang. Treptow(Ortsversin): Für Kundgebung in Neukölln fahren die Kameradchafte» wie folgt: Adlershof 18.18 Uhr, Schöneweide 13.28 Uhr und Baumfchulcnweg 18.27 Uhr bis Lermannstrahe. Dort treffen mit Treptow. Fahnen und Tam- bourkorps zur Stelle. Waffersportabtcilung, zun Tegel: 16 Uhr Mongtsver. fammlung im Bootshaus mit anschließendem geselligen Beisammensein. Fug Oberspree: 14 Uhr Kugschung im Bootshaus. 17 Uhr gemütliches Beisaimnen. sein. Gäste willkommen._ Reichskartell„Republik'. Kreis Weste«: Sonntag. 7. Dezember, Schiesten von 10 Uhr ab in Zehlendorf, Schilpen Haus. Es beteiligt sich der gesamte Kreis. Typographisches Orchester. Dirigent: Erich Gutzeit. Uebungsstunden ieden Freitag, 20Vz— 22% Uhr, im Itealkaiino, Neukölln, Weichselstr. 8. Bläser und Streicher willkommen. Ncichsbuud der KricgsScschäbigfen. Zrlegsteklnehmer und Kriegechinter- blicbcnen, Ortsgruppe Berlin SW. 16. 20 Uhr Monatspersammlung im Nestau- rant Pfaucn-Palast. Bellc-Alliance-Str. 22. Arbel tsgemeiuschaft der Bereinigungen ehemaliger kriegsgckangener Deutschland»,«. B., Ortsgruppe Berlin-Often. Bersammlun« Sonnabend. 6. Dezember, 20 Uhr, Lokal Lubotta. Zorndorfer Str. 68, Ecke Richthotenftraste. Freunde der Friedensbewegung sowie ehemalig« Kriegsgefangene herzlich will- kommen. ..stn--Ilzh conversstlonst ciud kaunäeck IZ78.-- Meetings every Fridav 8 p. m Calä König. Leipziger Straße 117/118 Short Speeches and jovial evenlng. Guesis, Ladies& aentlernen, are weicome. Uraufführung eines Hörspiels von Ernst Toller„Berlin, letzt« Ausgabe". Regie Alfred Braun. Gute Besetzung. Eine Zeitungsausgabe wird lebendig: Die Bölker rüsten auf, Unheil brodelt an allen Ecken der Welt, Sensationen knallen dazwischen. Wenn die Menschen den Inhalt ihrer Zeitung so erleben würden, wäre manches besser. Was denkt die berühmt« amerikanische Film- ichauspielerin von Berlin? Ein Hexensabbath von Katastrophen um- brodelt diese sensationelle Frage, aus die sich so viele Leser stürzen, besonders, wenn noch das neueste Porträt des Filmstars sie illustriert. Der Gehalt dieses Hörspiels ist leider stärker gedanklich erfaßt als anschaulich gestaltet. Auf den naiven Hörer mußte die Auffuhrung als ein wirres Durcheinander wirken. Der Sinn verwischte sich für ihn im Ehaos der Ereignisse. Die bewußte Steigerung fehlte dem Werk. Schade, daß Toller statt eines Zeitporträts nur«ine flüchtig angedeutete Skizze davon gab. Trotzdem hatte das Werk einige künstlerische Höhepunkte. Ganz stark war eine Szene: der Selbst- mord des Arbeitslosen. Hier gelang es Paul Graetz und feiner Partnerin, aus Andeutungen, die Toller gegeben hatte, erschütternd menschliches Schicksal nachzuformen. Und in eineni Bild bewies sich. Toller wahrhzst als Dichter, in der Gerichts- Verhandlung gegen den Heiratsschwindler, aus der die grenzenlose Einsamkeit einer alternden Frau aufstieg.— Eine Diskussion am Nachmittag zwischen Or. ineä. et phil. Alexander Herzberg und Or. pbil. Kuno Mittenzweig erörterte die Psychoanalyse. Dos Gebiet der Forschungen und Theorien des Wiener Gelehrten Freud wurde hier kritisch dem Hörer nahe gebracht. Manche Mißverständnisse wurden aufgeklärt, manch« Ueberschätzung und Uebersteigerung der Psychoanalyse gekennzeichnet— aber nicht von zwei Gegnern. (ondern nur von zwei Wissenschaftlern, die Sinn und Unsinn, über- pitzt« Theorie und erprobte Tatsachen gegeneinander abwogen. Eine ehr nützliche halbe Stunde. Tes. Allgemeine Wetterlage. 4: Dez. 4930, abds. Owslkenlos.O heiler. halb bedeckt ;avwikig,Obedeckt*RegeaAGraupeln ineesNebelTGevrthecsS/Windstini Das mitteleuropäische Hochdruckgebiet hat sich weiter nach Süden bewegt. Seine Intensität hat sich dabei noch vermindert. Das Wetter war im ganzen Reiche weiterhin ruhig. Im mittleren Teile Deutschlands herrschte zeitweise dicker Nebel. Infolgedessen konnten hier die Temperaturen nicht steigen. Stellenweis« wurde selbst in den Mittagsstunden der Gefrierpunkt nicht überschritten. Am Donnerstagabend lag die Temperatur nur am Rhein über Null. Das Hoch scheint seinen Abbau nicht mehr so schnell fortzusetzen. Das Wetter dürste also auch weiter beständig bleiben. 4- welker für Verlin: Weiterhin beständig, aber vielfach neblig. Temperatur nahe bei Null.— Für Deutschland: Im Nordosten etwas milder, im übrigen Reiche keine wesentliche Aenderung des herrschen- den Wetters. .»fl unübertroffen bei Rheuma s Gicht Kopfschmerzen I Ischias, Hexenschub a Erkältungskrankheiten.! Entfernt d.Harnsäure!6000Ärzte-GutacbtenJ 1 | Vollkommen unschädlich. Frag. Sie Ihr. Arzt,| Nach CS jährigem, schwerem Leiden enitchttei'(mit am 1. Dezember. abend» U Uhr, mein lieber Mann, der Täpter Hans Sorg im SS Lebensjahr. Um üilles Beileid bittet Frau Anna Sorg Die Einäscherung findet am Sonn- abend, dem 6. Dezember, mittag» I Uhr. im Krematorium Gericht- ftroß« statt. KMIlÜMbri» GegrÖn det 1895 gibt Ansttge» Ulftter, Paletot« usw. ab, soweit nicht am Lager Extra- anfertigune ohne Prelsaufochlag. Bitte überzeugen Sie sich! J.coper, Kaiser-uiüiieim-str.aa DirWein Mein Kautabak schmeckt mir doch am besten! » Zum WeilmadUsfesl verkamt oroBelreurlofi'Fa&rik üirekt an Private tagenlsse Traorlnge Gas. geschütm I Ring 333 gestempelt nur S bis 8 Mk. 1 585. leicht S.SO_ 1" 585. mittel 12.—, 585 schwer 14.80 000. leifht 16.80 900_ mittel 21.80 900_ schwer 28.—_ Handziselierte Trauringe erstklassige Auslührung enorm biilig a. Aröllerlestrafie 30 Panaosi SU. 13 HoriäBB fiese•___ ••. 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Stjl. 6554 Täglich 8>/« Uhr ich betrtLftdldi nnr ans Uebe mit EnraijStarni als Cßt. Mft.woeh und SonnaberM 4 Wfir Sormtaj 3 Uiff Snedit RpcprrWt Fabrt iE lärdUBiiil ß1* Uhr.~ Zen«um 2819.— Rauchen erlaubt. ALEX HYDE und selna 12 Musical-Ladies a Karrens, caiaüni, 2 ündgreens osut. Sonnab. u. Sonntags J« 2 Vorstallungen 4 Uhr und 8.15.— 4 Uhr kleine Preise Das fuhrende Variete ganstiwslff-Stes Tliealcr In dei Streicmannsii. Heuie•V» Uhr u. Sonntag 4 Uhr Sinrni im Wasserglas Saiinab. 61z. B'�Iiar; wie es eueti eetaitt Komtfcdenhaue Fägfich Uh» u. Sonstig catiini. 4 üh; Konto X RietropoMiteeier Täglich 8'/. Uhr Schön isi die weit Operette von Lehär BidianlTaubtr.GilfilJpar, _ SdiStiKdwf._ Kleines Tbeat. Fägl ich 8V, üh. SergmlaUistninlerfolgl Max Adalbert in DerlKiann.dflr schwelgt mmm Ikla UalnliEalut 8'/« Uhr csänrasiM Sinnlag 2 Tont. 3»f»>,. Wir Itdua.«i ganze Vorst, n hal er. Preisen Saiaali. u. Mitlw. 3li Mwha-flmt Frau Holle Prtiss: 75PL-3iflH. mmm Singspiel in vielen Bf.dirn. i Com. Bpira, Banaen. Llrslip. Wnllbetr*. Arno. Janknhn. Panl IIb, biger. Lena. Sebaeflcn, Winhelstrrn. Holla, Dreul,' Sterh.Cstcticiilinuor, Orfglnal Tiroler Watselicutfincr. Original Tirofcr Jodlerfnnen.Qulntett, j nniih'Trfo ans Schlloisce. [ Jarx-Uand i tilrf« n. Bora' CEroese Ctiöro. Urr Zeit rntsj. rechend e nd. trotz des riesigen Andranges. 25®/o er" | dl« Itassenprelso uns | So SnnntagO■|„ Origlnalbesetsong Naehmltlag.sS Will Billig« frei SO. .Theater Gr. Frank CnrlerS tr. 183 Bllteltkzste: Alu 3422 u. 34*4 TgsUMi 8 IS Sonnabend 7 und 10.15 • Sonntags 2.30, 5.4> u. 9 Uhr |„Der Diener zwelerHerren" von Hans Ro,c „Die sch5ne Galathee" mit Trsnls Boss „Erster Klasse'* mit Eifg.r Ksni.sh und Kurl Mikalski. Preise von*o Ff Ws 3 ,M. (Garderobe u. Programm je 25 Pf, aber kein Zwang.) Theater für Kinder: .Pcterchcns Mondfahrt* III uv fleh t thr. 8o»tba4 41 Chr. Familien Nachmittage Jeden Montag SJ0 Uhr: „Kukuli" Jedes Dienstag, Donnerstag und Freitag 5* Uhr: „Familie Hannemana" Prelle(Or Mhrchsn- und Famillen-Nuhmlttoge: Von 80 Pf. hifl 1.50 Merk. Gsrderobe end Programm Ja 1 0Pf., KaSee m. Kuchen 25Pf. TUeateram Sdunuaoerdamin raglich 8>/. Uht Die Quadratur des Kreises Komödie v. Katajew mit: Pili», Leu ja, Rot- nain. Um. Uitgta, Plscaior-BOtine (Wallner• Theater) Ale*. 459J.9d. 81', rigiieh kt/,' Hand von links Praae o-mmAom. Oeuisches Xllnsiler-Tbeai. Zifdif.ZSZ?. D; ilitr 8>/» Uhn Zum goldenen Anker alt KfiiDe uarüh Kitt. So. Stg. 4 C!i? Enils lüsOftEküve von M 0.50 an Renaissance- Iheater Steinpiata 678» ö',< Uhr SE!iitg.3Jfl(lH!tHiPr.) IforDDtersydiDng von Max Alsberg und O E. Hesse LUStSPiBihaUS Kurt Gütz Täglich 8-/t Ulli Meto v Hen y Bernslein Rose- Theater Gr.Fnuiklnrt8rstr.i32 Tel. Alex 3422 u 349t 5-50 Uhr Familie Hannemann 816 Uhr: Der D'ener zwcierHerren Die schöne Galaihee Erster Klasse £llie>SänQer Kottbusser Str. F. 8. Oberb. 6070 Tägl.«',iU.. auch Sonntag und 3 Feiertag 8-, Uh, Wei i'.diir gbikio B.er Berüo firollnt reliDaü,'»- tSSlSBlOl ItjSt. 11-2. tttnft. ti f Ksmiscna oper 8-b Uhr O ast spiel Cäcl e Sorel mit d Ensemble v. d. CO- medlr Francais: in „i'fluentüpiepe" von Augler Mi l Westens Täglich S'.'t SensatioDfrllcr Oper efl ea ei feig I Viktoria und ihr Husar Andressstr. 23»cFialz Brunmenstr 95 Betts« els+i- 67 Pot3dom«pstr 52 MeuKöllr» Berg st r 125 Soarxbu Oarktmjtr. 24 KjcWiCnpetlde Brticitegti 6 MmmmsmaaBmaaasea LICHT 0!» SeiiansurGroigMit Berlin: Die lunrende uariete- umt fiiiubiir« Direkiion: Luis Gutman Bei lin- Getundbron nen Lichtburg-Orchesler Franca Fcdc I Von Freitag, 5. Dezember blz Oonnettiag, Ii. Dezember Varletd-T eil hnteHdm IMifkl WILLY ROSEN Berlins ktli«btes:er Scfilager-Raapanist singt aa Flöge! ttios osassten SAUg:. rred and Vuiot -ie her rc münden EnenfTik-TSazer. King- Sisiers and Comoedian, die kräiintzn Akrobaten, Poleys, Instige Marlnettü. U e r g i o B e Tonfilm LIL D AGOVCR Das alte Lied dB lin ürjet• In Sp bIStcü Iii Käst» PmI Urtiji, w. Brstot Wochentags: 4. S'v. 8-, Uhr Sonntags: 3, 5V», 8-/, Uhr Eintrittspreise; RM I,— s 1�0 1�0 (Logen 2,—)— Vorverkauf ab 12 Uh: ununter, rochen für 7 Tage im voraus ivelb«a»tSbttisl W«!Hn»Alen Ist per dir Tllr, bc« Fest der Liebe und Freud» Wer Hilft mil. daß unseren SeMnzenen und deren atmen diltedediirltigen AngeHörigeu ein: Weih. naditölrende bereitet werd.'l Biete ai.ue» nicht. p>te brückend und bttter die Not bei diesen ist. Für sie m Schien wir edte Menscheicheigen erp>Srm«n Damit mich ste auf ein« NiO- Freud« hoffen dbr en und in den Tagen de- seligen und irSH« Uchen Ftstzeil nicht ohne Liebe dleil«n. bitten wir d e lleben Leser dieser Zeitung herzlich um(Laben de: Liebe. Gel»!«:. Pfarrer am Frauengtsangnis in Berlin AS«. B-rnimstr 10 und am verichtggrlSngni» ,u Beiim-Lichtenberg. ilipgdalntenfUsSi Ii Genehmigt emt dem Herrn BoitjriprSf. b. 18 tt W. Nr. 569* 42. Jahrgang 3. Beilage des Vorwärts Kreitag, 5. Oezember 4930 Sie schwören ihren„Sozialismus" ab! Reichsiagsabgeordneier Zeder(Nat.-Soz.) entlarvt im Reichstag Adolf Hitler. In der fortgesetzt«» Debatte der gestrigen Reichstagssitzung sagte Abg. Feder(Nat.-Soz.) u. a.: Die sogenannte Saniening unserer Finanzen ist ein Verbrechen und ein Betrug am deutschen Volke. Denn unsere Gläubiger wären recht dumm, ihre Ansprüche aufzugeben, wenn unsere Finanzen in Ordnung gebracht sind. Der mit großen Hoffnungen angefangenen Ersüllungspolitik folgte immer das bittere Ende lZurus links: Und Hitlers Erfüllungspolitik?) Wir stehen grundsätzlich auf dem Boden des Privateigentums(Heiter- keit links), allerdings nicht zu dem schrankenlosen Privateigentums- begriff des Liberalismus. Was wir sozialisieren wollen," ist das Geld- und Verkehrswesen, das durch den Dawes- und den Poung- Plan entstaatlicht wurde. Dann erübrigt sich die Sozialisierung der Produktionsmittel, in deren Bereich die freie Initiative und die Selbstoerontwortung der freien Persönlichkeit für den Ertrag aus- schlaggebend sind. Die Betriebssormcn Klein-, Mittel- und Groß- betrieb brauchen nicht wesentlich geändert zu werden. Nur die Mammutbetriebe mit beamtenmäßiger Verwaltung müssen ver- schwinden. wir erkennen auch die gesellschaskliche Bedeutung der Bankiers an, die nicht beseitigt werden sollen, wir sind nicht für die Beseitigung des Gewinnertroges. (Zuruf links: Also für den Profit!) aber gegen die Zinsknechtschaft. Das Zentrum müßte uns nach den Zinsverboten des Kirchenrechts, die nur durch die moderne Scholastik beseitigt wurden, eigentlich hilfreich zur Seite stehen. Die Kapitalfluchtschieber muß man aufhängen.(Zuruf der Komm.: Wollen Sie Ihr Bankkonto wieder abheben?—(Widerspruch bei den Natsoz.) Die Brechung der Zins- kncchtschaft gegenüber dem Ausland ist kein« Geld- und Kredit- frage, sondern eine Machtsrage, die von dieser ohnmächtigen Regie- rung nicht gelöst werden kann. Herr Abg. Dingeldey, we nn Sie sich in Ihrer Fraktionssitzung wieder mit uns befassen, dann lesen Sie gefälligst unsere Literatur, Tie haben gar keinen Grund, uns sozialistische Tendenzen unter- zuschieben. (Große.Heiterkeit links.) Wir sind auch eine religiöse Bewegung. Das sollte sich das Zentrum merken, ehe ihm Millionen davon laufen. Es sollte mit uns unser Schulgebet mitbeten.(Der Redner trögt eins der Frickschen Schulgebete vor.— Lärm links.) Deutschland erwache!(Beifall der Ratsoz.) �eichsfinanzminister wirbt um die Gunst der Nazis. Reichsfinanzminister Dr. Dietrich: Die kleinen Betriebe werden nicht durch Behördenmaßnahmen gerettet. Der Zins kann nicht durch Verordnungen gesenkt werden. Die tatsächlich zu hohe Zinsspanne kann nur vermindert werden durch die Sanierung unserer Finanzen. Dazu ist es notwendig, den von der Regierung vorgelegten Sparetat durchzubringen. Unsere schwerste Sorge ist daneben die Gemeinden in den Stand zu setzen, die wachsenden Wohlsahrtslasten zu tragen. Das Reich hat kein« kurzfristigen Kredite im Ausland, die jeden Tag gekündigt werden können, wohl aber die deutsche Wirtschaft. Wir müsien, um die Kündiguno dieser Kredite zu verhindern, unsere Kreditfähigkeit er- hatten. Ich verwahre mich auf's entschiedenst« gegen den Vorwurf des Hochoerrats gegen die bisherigen deutschen Regierungen, die oll», ehrlich um die Beseitigung der traurigen Kriegsfvlgen gekämpft haben, die auch Abg. Feder als Ursache unseres Elends anerkannt hat. Riemand in Deutschland hat unsere Kriegsschuld anerkannt. selbst habe deswegen den Bersailler vertrag in Weimar abgelehnt. (Göbbels: Gegen Sie erheben wir ja keinen Vorwurf, aber Hermann Müller hat in Versailles unterschrieben!) Wir haben auch kein anderes Ziel, als die Wiederherstellung der deutschen Ehre und Freiheit.(Beifall in der Mitte und links.) Abg. Stöcker(Komm.) wirft den Nationalsozialisten Arbeiter- mord vor.(Abg. Goebbels: Ihr seid die Mörder!— Ordnungsruf, Gebrüll und Auszug der Nazis). Stöcker empfiehlt seine Partei auch als die der nationalen Befreiung und protestiert gegen die Verletzung der Demokratie durch das Regieren mit dem Artikel 48. Im Reichsverband der Industrie und im Reichsrat, den Sie zur ersten Kammer machen wollen, hat Brüning seine Politik verteidigt, hier herzukommen, hält er nicht für nötig und zeigt damit, daß sich die Regierung Brüning einen Dreck darum kümmert, ob ihr der Reichstag die Verordnunaen ablehnt oder Mißtrauen ausspricht. Ebenso diktiert wird in den Gemeinden durch die Staatskommissare. Die Reichswehr bereitet sich vor auf den Ausnahmezustand! offene Militärdiktatur unter Teilnahme der Nationalsozialisten ist die Zu- kunft, aber nicht Demokratie. Schuld c n dieser Entwicklung ist die Sozialdemokratie mit ihrer Politik des angeblich kleineren Uebels, die die Kraft der Arbeiterklasse geschwächt hat. Otto Braun hat die Artikel-48-Politit oerechtfertigt und zur faschistischen Diktatur auf- gereizt, bei der Seoerinq ebenso wie Frick der Reichsregierung Helsen.(Kommunisten behaupten in Zwischenrufen, daß vor einer Stunde wieder auf dem Bülowplatz die Polizei geschosien habe.) Die Ralionalsozialislen haben unter 107 Abgeordneten nur 17 Arbeiter, die sind eine kapitalistische, arbeiterfeindliche Parle!. ihre Beherrscher sind Sirdorff. Skauß usw. Wir werden die Erben des Faschismus fein, der den Ausweg aus dieser Katastrophe nicht zeigen kann. Die sozialdemokratischen Arbeiter und den notleidenden Mittelstand rufen wir zu uns und für Sowjet-Deutschland.(Händeklatschen der Komm.) Abg. Ecsiing(Z.) beklagt die Austragung politischer Meinungs- Verschiedenheiten durch Gewalt und Mordwaffen. Die National- sozialisten haben landesverräterische Beziehungen zu den italie- Nischen Faschisten.(Abg. S t ö h r: Keiner meiner Parteigenossen war in Rom!) Jedenfalls stellen Sie die Methoden Mussolinis als Beispiel hin. Zlalien ist trotz der Diktatur in erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und muß auch die Beamlengehäller kürzen. Die Parteigegensätze müßten angesichts der Not und der großen finanziellen Ausgaben verschwinden. Durch ein Tabakmonopol würden die Reichseinnochmen nur sinken. Mit Recht wendet sich die Arbeiterschaft gegen die Kürzung am Sozialetat. Der Opferwill« der Arbeiterschaft zugunsten der Erwerbslosen ist ein leuchtendes Beispiel christlicher«olidarität. Andere Schichten, die immer von Volks- gsmeinjchaft reden und nichts dazu tun, sollten sich das zum Beispiel nehmen. Der sogenannte Kamps gegen den Marxismus ist meist nur eia Aushängeschild der Sozialreaktion. (Sehr richtig! in der Mitte und links.) In der Hugenberg-Partei gibt es viel mehr praktische Marxisten als in der Sozialdemokratie. Mit dem Ausruf zum Kampf gegen den Marxismus wird man unsere Partei nicht beeinflussen können. Der Arbeiterschutz muß ausgebaut werden. Nicht nur die Beamten, sondern das ganze Volk außer einer dünnen Oberschicht bringt Opfer. An Kulturausgaben soll nach Möglichkeit nichts gestrichen werden. wo bleibt die Preissenkung bei der öffentlichen Verwaltung? Herr Reichsfinanzminister? In den Ministerien müssen insbesondere höhere Beamte abgebaut werden, wie Abg. Dietrich vor drei Jahren es selbst gefordert hat.(Heiterkeit.) An der Uebersetzung des Beamtenapparats sind nicht die Beamten, sondern die Parlamente mit ihrer Gejetzgebungsmethode schuld. Es müssen nur wenige aber gut bezahlte Beamte da sein.(Beifall beim Zentrum.) Abg. Dr. Bang(Dnat.): Die jetzige Regierung regiert nicht auf Grund des Vertrauens des Reichstags. Das Vorschieben des Reichsrats entspricht ebensowenig dem Sinn der Verfassung. Die Regierung verwechselt sich selbst mit dem Staat und entwertet den Artikel 48, der nur als Instrument für die höchste Not des Staates geschassen ist. Auch das Notvcrordnungsrecht kann nur innerhalb der Verfassung gebraucht werden, sonst könnte inan ja mit dem Artikel 48 die Verfassung aufheben. Di« Regierung hält sich für unabkömmlich. Da die deutsche Ausfuhr seit IVi. Jähren stark gestiegen ist, kann die Krise nur durch die Verschlechterung des inneren Marktes entstanden sein: es ist eine Hungeraussuhr, während die Tribut- und die ganze Wirtschaftspolitik die Kaufkraft des Volkes vernichten. Der B.eichssinanzministcr scheint eine Art Regierungsmimose spielen zu wollen, er ist empfindlich wie eine zarte Zungsrau. Ueberbrückungsfredite sind nur der Brückenschlag von einem Defizit zum anderen. Heme. hat man der Prfvqiwirtschaft die Mittel«u- eignet, um sie ihr dann als Darlehen zu geben ünd sie durch die Zinszahlung kaputt zu machen. Stegerwald hat den Vertrauens- verlust infolge dieser Politik bestätigt und gesagt, man dürfe nicht Sozialpolitik, machen ohne Rücksicht auf die Finanz- und Wirtschasts- Politik. Sehr gut— aber wenn wir das sagten, waren wir„Sozial- reaktionäre".!9ZS hat Minister H tl fe rdin g in: Haushalts- o.usschuß mit Recht erklärt, er könne sllr die Reichssinanzen die Verantwortung nicht mehr Ubernehmen, wenn nicht sofort eine Re- form der Sozialpolitik gemacht werde. Seine Partei hat ihn im Stich gelassen, denn sie hatte nicht den Mut dazu. Wir müssen uns zu dem Grundsah armer Völker bekennen, daß sich die Ausgaben nach den Einnahmen richten müssen. Seit 1928 ist an Personal und Gehältern gespart worden, ober unser« Gesamtlast beträgt doch 2S bis 27 Milliarden. Ohne Poung-Last haben wir 29 Milliarden öffentliche Schulden. Die Neubeloftung in diesem Jahr beträgt nach einer Rede Stegerwalds an Steuern usw. 3669 Millionen. So kann nicht weiter gewirtschastet'werden. Zu der Boung-Last kommt als Fehlerquelle die Uebersetzung des Für- sorgsetats und die marxistische Zwangsbewirlschastung der Arbeit. Wir fürchten, daß nicht der Reichssinanzminister, sondern wir Recht behalten mit der Beurteilung des künftigen Einnahmeaussalls, den er jetzt um 199 Proz. geringer schätzt als im Juli d. I.(Rufe rechts fragen nach dem Finänzminister. Das Kabinett scheint zu beraten, da nur Reichswehrminister Groener am Regierungstisch sitzt.) Zum Schluß ruft der Redner zum Kamps gegen den Marxismus auf, erklärt sich auf Fragen, was er darunter verstehe, zur Abhaltung eines Privatkollegs bereit und gibt seinem Aerger darüber Ausdruck, daß die Sozialdemokratie für die Artikel-48- Verordnung nicht verantwortlich ist. Abg. Dr. Cremer(D. Dp.): Wenn die Regierung so rasche Ge- nehinigung der neuen Notverordnung oerlangt, so müßte sie Gelegen- heit zu ausführlicher Auseinandersetzung mit ihren Plänen geben. Man kann einen Clal nicht durch einfache Kenntnisnahme oder Genehmigung einer unveränderlichen Rotverordnuug erledigen. Wir haben besonders bei den Steuern Verbesierungswllnsche. Ge° spart könnte noch werden durch Zusammenlegung von Oherpost- direktionen, Landesfinanzämtern, Verjorgungs- und Arbeitsämter». Bei der Arbeitslosenversicherung müssen Ausgaben und Einnahmen endgültig in festes Verhällnis gebracht werden. In den Juli- Verordnungen find die von uns bekämpften sozialistischen Grund- sätze nicht enthalten, darum haben wir sie trotz mancher Fehler verteidigt. Aber die neue Verordnung hat die Gemeindegetränkesteuer nicht beseitigt, die Bürgersteuer ist stark gestaffelt worden: wir sind grundsätzlich für gleiche Sätze der Bürgersteuer für alle Gemeindemitglieder, höchstens ganz geringe Staffelung. Trotz dieser Beanstandungen kann auch die neue Notverordnung nicht als von �marxistischen Wünschen beeinflußt angesehen werden. Wie Hot die Sozialdemokratie von Juli bis Dezember umlenken müsienl Sie wird nicht behaupten können, daß ihre Wünsche berücksichtigt wurden. Die Erhöhung der Zigarekkenstener mnß abgelehnt werden, sie macht 29 009 Zigarettenarbeiter brotlos, weil die Zigarcklen zu teuer werden und keinen Absatz mehr finden. Ob die Agrarhilssmaßnahmen der Landwirtschaft wirklich nützen und anderen Teilen nicht schaden, ist sehr zweiseihast. Die Landwirtschaft muß endgültig selbständig lebensfähig werden. Die Möglichkeit zum Abschluß von Handelsverträgen darf durch die Agrarhilssmaßnahmen nicht zerstört werden. Abg. Dr. Gereke(Landvolt) polemisiert gegen die deutsch- nationalen Angriffe aus Minister Schiele. Falsch war, die Rechte nicht an die Verantwortlichkeit zu binden und sie dadurch in eine Opposition zu treiben, die besonders angesichts der Verhältnisse in Preußen nur zu sehr verständlich ist. Bedenken haben wir gegen die Außenpolitik Eurtius' und wider das Vorgehen Wirths gegen die national« Regierung Thüringens. Wir lehnen das Programm der Rakionalsozialisten ab, bedauern aber desto mehr die Maßnahmen Preußens und die Haltung des Zentrums gegen die Rationalsozialisten, was nur Propaganda für sie macht. Auch die Finanzpolitik Dietrichs gegen die Länder usw. halten wir für schädlich. An der Sparwirtschast der Kreise könnte sich das Reich «in Beispiel nehmen. Der„Vorwärts" hat erklärt, daß in der neuen Verordnung sozialdemokratische Wünsche �berücksichtigt sind. Der Lastkrastwagenoerkehr muß durch höhere Steuern zu den Straßen- baukasten mehr beitragen. Wir müssen die Notverordnung trotz mancher Vorteile für die Landwirlschaft aus vielen Gründen ab- lehnen. Wir fordern den Reichskanzler auf, zu unserer alten gemeinsamen Linie zurückzukehren, indem er sich von der Sozial- demokratie abwendet. Abg. Adolph(Volksnat.) spricht gegen Wiederholung von Partei- Programmen und Parteiwünschen, fordert Beranlwortungswillen und erklärt sich gegen die Beamtensteuer. Da ihn die Nazis lärmend unterbrechen, mahnt Präsident Löhe sie mit den Warten:„Meine Herren, es war' doch bis jetzt so friedlich!" zur Ruhe....... Die. Weiterberatung wird aus heute, 19 Uhr, vertagt. Abg. Dr. Reubauer(Komm.) nimmt in persönlicher Bemerkung «inen Zuruf zurück, mit dem er während der Rede Keils irrtümlicher- weis« den �Sozialdemokraten vorgeworfen hatte, im Haus halt saus- schuh Abänderungsanträge zur Kopfsteuer nicht gestellt zu haben. Keder will sich dementieren. Abg. Feder(Ratsoz.) will das Eingeständnis in seiner Rede, daß die Nazis sozialistische Ideen nicht vertreten, durch Verlesung des unkorrigierten Stenogramms ungeschehen machen. Danach habe er zum Abg. Dingeldey gesagt: ... Sie haben ggx keine Ursache, uns sozialistische Tendenzen zu unterschieben(stürmische Hört-hört-Ruse der Soz. und Komm.), so wie Sie das verstehen.(Große Heiterkeit links.— Zuruf« der Komm.:„Nur keine jüdischen Kommentare!) Für die sozialistischen Tendenzen von Ihnen(nach links) bedankt sich das deutsche Volk.(Anhaltende große Heiterkeit links und in der Mitte.) Ihr„Sozialismus" ist nur bolschewistische Zer- störung. Sie wissen genau, was wir unter dem Ausdruck Sozialismus oerstehen.(Dauernde Heiterkeit links und in der Mitte.) Das Gesetz über die Verzinsung aufgewerteter Hypotheken wird angenommen. Auf der heutigen Tagesordnung stehen außer der Etntsdebatte Anträge auf Einstellung von Strafverfahren, das Diätenabzugsgesetz, der christlichsoziale Antrag gegen früheren Laden- schluß am Weihnachtsabend und«in Antrag auf Ver- längerung der Schutzfrist für literarisch« Werke. Schluß 19 Uhr. DttkÄIelteklinmin weiß, vie und wo sie kauft in diesen ZeIten;Auf MBuhlunft zu den einzigdastehenden Zahlungsbedin- gungen-dem Einkommen angepasst-im III im vxvm Sr.rTuUinerSlr.16i Ecke Kr»»t»«r*6«. »» etrwbercer Pl»«i 1 di Sti den: loflbouer Daais 72 1 Ecke Lenaustralie, Nähe Hermannolatz Unsere Artikel t Damen- Konfektion Herren-Konfektion Kinder-Konfektion Pelzmäntel Gardinen, Teppiche, Läuferstoffe, Baumwollwaren, Tisch- und Leibwäsche, fertige Bettwäsche, Inlette, Oberhemden, Trikotag., Woil- u. Strickwaren, Bettfedern, fertige Betten SCHUHWAREN in Bicscnauswah! für Damen, Herren und Kinder NOBEL Rieten auawahl in Schlafzimmern HowS. Speise- und Herrenzimmer In Eich« attd Nusbaum Küchen natnrUsiert u. weiß lackiert Samtl. Klein- und Einzelmöbel Polsterwaren, Metallbetten Korbmöbel Sonata;, d. 14. n. 21. Dfrember bleiben UNsara Gaathifts T»n 3-7 Uhr teeffnet Mehr Unternehmer— mehr Unfälle Kolgen der Kariellwirtschast und der Nationalisierung. Alljährlich erscheinen im Verlag von Reiinar Mobbing zu Berlin jic Jahresberichte der gewerblichen Berufsgenossenschaften über Unfallverhütung, die ein über KlKZ Seiten starkes Sonder- „Heft" zum Reichsarbeitsblott füllen. Diese Zusammenstellungen der Verlustlisten vom Schlachtfelde der Arbeit, von denen jetzt die für das Jahr 1929 vorliegen, erscheinen auf den ersten Blick als langweilige Aneinanderreihungen von trockenen Zahlen, die mit einem nüchternen Text umkleidet sind. Und doch sind diese nüchternen Zahlen und Textzeilen sehr auf- schlußreich, denn sie illustrieren das Berufsleben des Arbeiters, noch mehr seine B c r u f s g e f a h r c n mit so erschreckender Deutlichkeit, wie es kein sozialer Roman, keine noch so lebenswahre soziale Berufsschule vermag. 63 gewerbliche Berufsgenossenschaften berichten über ihre Tätig- tat im Jahre 1929. Eine Genossenschaft, die Straßen- und Klein- bahnberufsgcnossenschaft, muß bei der folgenden kritischen Betrachtung ausgeschaltet werden, weil sie hinsichtlich der Versicherten ihren Vergleichsmodus geändert hat und demzufolge keine Vergleichsmög- lichkeit mit dem Jahre 1928 besteht. Den übrigbleibenden LI Berufsgenossenschaften unterstanden im porigen Jahre 947 716 Betriebe mit 19 847 295 Versicherten. 1928 unterstanden ihnen 939 689 Betriebe mit 19 978 696 Versicherten. Die Zahl der Betriebe ist demnach um 70ZS oder fast Z Pro;. lzcsiicgen, die der versicherten aber um 131 401 oder 1,2 Proz. gefallen. Diese Zahlen sind geradezu sensationell, trotz der Wirtschasts- trjse Zunahme der Betriebe. Der Unternehmer wird von der Krise also kaum berührt. Ihm geht es sehr gut. Die ganze Krise wird abgewälzt auf die Arbeiter, deren beschäftigt« Zahl, trotz des Zuwachses durch die Schulentlassenen, noch um 131 909 zurückging. Man glaube nicht, daß es sich hier um Jndustriegruppcn von ausgesprochenen Kleinbetrieben handelt. Die Zunahme der Betriebe bei gleichzeitiger Abnahme der Belegschaften erstreckt sich auch auf die Großindustrie. So ist, um nur einige Beispiele anzu- führen, die Zahl der Betriebe gestiegen: bei der Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Elektrotechnik um 1368 bei gleich- zeitiger Verminderung, der Dersichertenzahl um 19 449 Personen: bei der Süddeuts chen Eisen- und Stahlberufsgenossen- schaft um 469 Betriebe bei einer Versichertenabnahme um 29142: bei der Maschinenbau, und Kleineisenindustrie-BG. um 176 Betriebe bei einer Abnahme der Versicherten um 13 747: liei der Nordöstlichen Eisen- und S t a h l b e r u f s g«- nossen schaft um 211 Betriebe bei einer Verringung der Zahl der Versicherten um 3956: bei der Schl« fischen Eisen- und Sta hlb e r u f s g e n o s se n s cha f t um 116 Betriebe und einem Sinken der Versichertenzahl um 6294 usw. An dieser Gegenüber- stellung zeigt sich auch, daß sich die deutsche Arbeiterschaft mit Recht , gegen die falsche Rationalisierung der Unternehmer wendet. 932 606 Unfälle. Die Zahl der gemeldeten Unfälle weist gegenüber 1928 nur eine gering« Schwankung auf. 1929 wurden bei den 64 Berufs- genossenschaften 932 696 Unfälle gemeldet, das sind 542 Unfälle weniger als 1928. Hierbei ist also zu beachten, daß die Unfall- Meldungen nicht in dem gleichen Verhältnis zurückgegangen sind wie die Zahl der V e r s i ch e r t e n. Die Unfallmeldungen gingen nur um 9,96 Proz. zurück, die Zahl der Versicherten jedoch u m 1,2 Pro z. Die Unfallmeldungen haben also seit 1928 relativ z u g e n o m m e n. Auch an diesem Vergleich zeigt sich der enge Zusammenhang zwischen dem infolg« der Rationalisierung gesteigerten Arbeitstempo und der Unfallhäufigkeit. Daß die Zahl der entschädigten Unfälle um 353 oder 9,6 Proz. auf 69 435 gestiegen ist, will nicht viel besagen. Diese Tatsache beweist höchstens, daß die Tätigkeit der'Arbeitersekretärc 1929 ein wenig erfolgreicher war als in den Vorjahren. Das M i ß- vcrhältnis zwischen den gemeldeten und entschädigten U>, fällen bleibt trotzdem bestehe». Beachtlich ist der Rückgang der Zahl der tödlichen Unfälle von 4446 im Jahr 1928 auf 4264 im Berichtsjahr, mithin um 182 oder rund 4,3 Proz. Obwohl in dieser Zahl nicht alle vorge- kommenen tödlichen Unfälle zum Ausdruck kommen, weil einzelne Berufsgenossenschaften nur die Zahl der entschädigten töd- l-chen Unfälle angeben, ist doch nicht anzunehmen, daß infolg« dieser uneinheitlichen Erhebung zufällig«in derartiges Zerrbild zustande kommt, das die tatsächliche Entwicklung auf den Kopf stellt. Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese erfreuliche Entwicklung auf die verstärkte Aufklärung über die Unfallgefahren zurück- zuführen ist, die im vorigen Jahr besonders nachdrücklich während und nach der Berufsunfalloerhütungewoche betrieben wurde. Kein Mensch wird sich der Illusion hingeben, daß es jemals gelingen wird, die Unfallgefahren gänzlich zu beseitigen. Gelingen nmß es aber, durch unermüdliche Aufklärungsarbeit, aber auch durch eine Minderung des Hchtempos bei der Arbeit, die Unfallgefahren noch mehr einzudämmen. Das grenzenlose Elend und Herzeleid ist gar nicht auszudenken, das sich allein hinter den. statistischen Angaben dieser 64 Berufsgenossen- schaften verbirgt: Mehr als 3199 Arbeiter erleiden arbeitstäglich«inen Unfall: über 299 von ihnen werden täglich durch Maschinen, Steinschläge, fehlgegangene Sprengschüssc, den elektrischen Strom usw. zu Krüppeln gemacht: etwa 15 Arbeiter und Arbeiterinnen verbluten täglich allein bei diesen i 64 Berufsgenossenschaften auf dem Felde der Arbeit und sind nicht! mehr der Haupt- oder Miternährcr ihrer Frauen, Kinder, Eltern oder Geschwister. I Die Welt horcht entsetzt auf, wenn die Tagespresse ein schwere» Gruben- oder Schiffsunglück meldst. Die Landesflaggcn gehen dann auf Halbmast und ehrliche Trauer erfüllt die gesamte Bevölkerung, Unbemerkt von der Oefsentlichkeit stellt aber der Unfallteufel täglich taufenden schaffenden Menschen in den Fabriken, den Steinbrüchen, auf den Baugerüsten ein Bein. Man sollte auch bei den Berufsgenossenschaften endlich einmal mehr psychologisches als technisches Verständnis für die Unfall- Ursachen zeigen und nicht, wie es in vielen Berichten aufsällig betont wird, fast alle Schuld der„Fahrlässigkeit" und„Unachtsamkeit" der Arbeiter beimessen. Wenn auch bei vielen Arbeitern allmählich eine gewisse Abstumpfung gegenüber den Berufsgefahrcn eintritt. so hat doch fast jeder Arbeiter für sich selbst und sein« Familie sov'.el Verantwortungsgefühl, daß er diesen Gefahren nicht gleichgültig gegenübersteht. Der trcueste Verbündete des Unfallteufels ist viel- mehr der Zwang zum Verdienen. Zum Schluß noch eine Frage an die Herausgeber der Jahres- berichte der Berufsgenosfeuschaften, die anläßlich der Besprechung dieser Perichte schon mehrmals, aber bisher leider erfolglos ge- stellt worden ist: Wann kommt darin endlich eine Gesamt- Zusammenstellung der Zahl der Betriebe, Versicherten, ge- meldeten, entschädigten und tödlichen Unfälle, die einem die mühselige Addition dieser einzelnen Posten erspart? Otto Lelnnälcr. Giurmzeichen im Einzelhandel. Die Funktionäre des Zentralverbandes der Angestellten nahmen gestern abend in einer überfüllten Versammlung zu der Gehalts- k ü n d i g u n g im Groß-Berliner Einzelhandel Stellung. Die Aus- führungen zahlreicher Kollegen ließen das ungeheure Maß der Er- regung der Angestellten erkennen. Die Stimmung in den Betrieben steigt aus Sturm. Wiederholt wurde auch von den besonnensten Funktionären zum Ausdruck gebracht, daß sie jede Verantwortung für die unausbleib- liche Erschütterung in den Betrieben ablehnen. Die Gründe der Unternehmer wurden heftig und entschieden zurückgewiesen. Die Zlngestellten erklären mit Recht, daß die Unternehmer durch Eni- lassungen, falsche Eingruppierungcn, tariftvidrige Umgruppierungen und andere rigorose Maßnahmen«ine überaus starke'Senkung der Gehälter und damit ihres Pcrsonalunkostenctats herbeigeführt haben. Die jetzigen Gehälter der Einzelhandelsangestellten, von denen etwa 80 bis 90 Proz. nach Gruppe I bezahlk werden, betragen für männliche Angestellte im 16. Lebensjahr— 100 ZU.— und steigen bis zu 205 M. im 27. Zahre. weibliche Angestellte er- halten sogar nur 88 2N. bis zu 175 ZU. Die Bezahlung ist also so unzureichend, daß weitere Kürzungen die schlimmsten Folgen zeitigen müssen. Die Unternehmer haben andere, bessere Möglichkeiten zur Senkung ihrer Unkosten. Die Funktionär« beauftragten den ZdA erneut, auf das dringendste beim Arbeitgeberverband um unoerzüg- liche Anberaumung eines Verhandlungstermins vorstellig zu werden. Die Angestellten erwarten unbedingt in den nächsten Tagen befriedigende Berichte über erfolgte Verhandlungen, andernfalls vsmeA-tZsitfeS mriB« WollrtcH. m.echt amerik. Obofesumkr., ganz gefütiert 39 00 Daftsen-HßEilel aus reinw. Velour, lang, m. größ.Biberettekrag.,gz gef. Dameti-Kield aus Wollcrepe mit aparter Kragen- und Knopfgarnitur r& 75 Baillsleid a. kunsts.Marocaine, in viel. Farben, geschmackv. Ausf. 21 50 fiorgeisrOdfe in vielen Farben.- z 75 Herren-Sakkoanzuo zweireihig, verschiedene Farben, strapazierfähig. 40 00 Herren-Ulsler verschiedene Farben.. 50 00 Herren-Paletol mit Samtkragen.... SO60 OSseritemden weiß Batist..... I 75 ooememden farbig...... §elgi$]bind€r moderne Muster. 0 95 Damcis-Cadienez Kunstseide, weiß,,.., t 95 üerreit-Cadienez*>75 farbig.......... ggf Damen-Sdiirm£f75 bunt Halbseide..... Herren-Sdiirni pr. Halbseide..... 0 90 Normalltemden für Herren....... 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Dezember 1930 sänd unsere Warenhäuser in der vorgesehenen Frist geöffnet! S., OranienstraQe 164-65 Charlottenburg, Rosinenstraße 4 N., Reinickendorfer Straße 21 O., Frankfurter Allee 60 N„ Brunnenstraße 188-90(Speziaihaus für Herrenbekleidung) sofort P r o t e st a k t i o n c n durchgeführt werden sollen. Die große Empörung der Einzelhandelsangestellten ist berechtigt. Es gibt keinen Wirtschaftszweig von der Bedeutung des Einzelhandels, der seinen Arbeitnehmern trotz günstiger Kalkulationen und Handelsspannen so miserable Arbeitsbedingungen aufzwingt, wie der Einzelhandel. Eine baldige Beendigung des Konflikts liegt auch durchaus im Interesse der Einzelhändler selbst. Außer den von der Kündigung des Gehallsabkommens betroffenen 50 000 Angestellten sind auch die Löhne für etwa 20 000 Arbeiter zum gleichen Termin gekündigt. Es stehen also 70 000 Arbeitnehmer und deren Familienangehörige, insgesamt etwa 200 000 Berbraucher, vor der Tatsache, ihre Aus- gaben auf das äußerste einzuschränken, um für den bevorstehenden Machtkampf gerüstet zu sein. Der Einzelhandel sägt sich selbst den Ast ab, auf dem er sitzt. Aus einzelnen Betrieben wird gemeldet, daß bereits das kaufende Publikum die Dinge mit Aufmerksamkeit verfolgt, und Aeußerungen lassen erkennen, daß die Sympathie der Oessentlichkeit ganz aus seilen der bedrohten Angestellten ist. Andere Mitteilungen besagen, daß auch die radilalen Parteien diesen Agitationsstoff und die Betätigungsmöglichkeit, die ihnen die Arbeitgeber des Einzel- Handels bieten, nicht mnausgenützt lassen wollen. In«inigen Bc- trieben solle» bereits wieder die aus anderen Anlässen bekannten Sprechchöre in Erscheinung getreten sein. All diese Erscheinungen lassen also mit aller Deutlichkeit erkennen, daß die Einzelhändler sich in ihrem eigenen Interesse entschließen müssen, unverzüglich mit den Gewerkschaften in Verhandlungen zu treten, damit ernste Kämpfe und deren in ihrer Tragweite kaum zu übersehenden Folgen vermieden werden. Die Einjzelhandelsangestellten sind entschlossen, daran darf es nach dem Verlauf der gestrigen Funktionärversammlung des ZdA. keinen Zweifel geben, eine weitere nicht mehr tragbare Verschlechte- rung der Lebenshaltung mit allen Mitteln abzuwehren. werden. Die Stundenlöhne der» A.nllchen Fach- und Hilfsarbeiter über 21 Jahre bleiben unveränöer!. Die übrigen Stundenlöhne werde» u in s Proz. gefenlt. Für einzeln« Sondergruppen sind abweichende Regelungen vorgesehen. Der neue Reichslohniarif läuft unkündbar bis zum 31. Oktober 1931: von diesem Zeitpunkt ab kann er mit einmonatiger Frist gekündigt werden. Gegen kommunistische Verdächtigung. Erklärung des Genossen Ortmann. Kürzlich wurde in einer Versammlung der Müll- kut scher in Moabit von dem Kommunisten Schramm, der wegen verbandsschädigenden Verhaltens vor längerer Zeit aus dem Gesaniwerband ausgeschlossen worden ist, die Behauptung aufgestellt, der Bevollmächtigte des Gcsamtverbandes, Genosse Ort- mann, habe tn dem ersten Schiedsgericht im Berliner Metall- kanfkkt für den Lohnabbauschiedsspruch des San- derschlichters Dr. Volkers gestimmt und damit„V« r- rat an den Metallarbeitern" geübt. Dieser Behauptung wurde sofort in der Bersammllung von einem Vertreter des Ge- samtverbandes widersprochen. Der Genosse Ort ma nn, der von dieseni Vorgang unterrichtet wurde, erklärte den K o m m u n i st e n Schramm vor aller Oessentlichkeit als einen Lügner und Verleumder, um ihm dadurch Gelegenheit zu geben, für seine Behauptung den Wahrheitsbeweis anzutreten. Löhne um 5 Prozent gesenkt. In der Woll« und Haarhutindustrie. Im Tarrsstreit in der deutschen Woll» und Haarhutindustrte hatten sich die Tarifparteie» einem von dem Schlichter zu fällenden Schiedsspruch unterworfen. Dieser hat mmmehr«inen endgültigen und bindenden Schiedsspru-ch gefällt, nach dem die bisher geltenden Akkordsätze um 5 Proz. gesenkt Die Gtreiklage in der Lederindustrie. Seit drei Wochen wehren sich die Berliner Lederarbeiter gegen den durch nichts gerechtfertigten Lohnabbau von sechs Pro- z e n t, den die Lederfabrikanten ihnen aufzwingen-wollen. Die Fabrikanten behaupten in einer Notiz, die sie der Presse zugeleitet haben, daß der Lederarbeiterocrband sich gegen jeden Perständigungs- versuch ablehneich verhalte. Dazu erfahren wir, daß der Lederarbeiterverbaich der Ver- einigung der Lederfabrikanten schriftlich mitgeteilt hat, er stehe jeder- zeit zu Verhandlungen zur Verfügung. Voraussetzung ist aller- Vings, daß die Lederfabrikanten ihre Lohnabbaupläne ausgeben. Giettiner Meiallschiedsspruch verbindlich. S< e l t i n. 4. Dezember. Da die Verhandlungen zwischen dem Deutschen Metallarbeiter- Verband und der Vereinigung der Eisenindustriellen Stettins zu keinem Ergebnis führten, hat der Schlichter für Pommern die Schiedesprüchc des Schlichtungsausschusses in Stettin vom l?. November lSZO zum Lohn- und Manleltarif, die eine Lohnsenkung von ungefähr b Proz. vorsehen, mit Wirkung vom 15. De- zcmber 1930 mit der Maßgabe für verbindlich erklärt. Die abgelaufenen Tarisoerträge gellen bis zum 14. Dezember. 3n de» Zeitlohnbelrieben werden die Leistungszulagen der gelernten Arbeiter vom 20. bis 24. Lebensjahre und über 24 Jahren und der ungelernten Arbeiter von 20 bis 24 Jahre» und über 24 Jahren um je einen Pfennig hinaufgeseht werden. Englische Bergarbeiter gegen(Streik. Austragung des ArteitSzeitkonstMs aufgeschoben. London, 4. Dezember.(Eigenbericht.) Die große Delegiertenkonferenz des englischen B e r g- arbeiterverbandes lehnte am Donnerstag den schottischen Antrag auf einen allgemeinen Bergarbeiter st reik mit. 230 000 gegen 209 000 E t i m m e n ab. Die Vertreter von 100 000 Orgoni- sierten, darunter S ü d w a l e s, enthielten sich der Stimme. Dieses Ergebnis ist die Folge der Verhandlungen zwischen der Regierung und den Vorständen des Bergarbeiterverbandes. M a c d o na l d und S h i n w e l l waren es besonders, die sich in der Nacht zun« Donnerstag in stundenlangen Besprechungen für «inen zeitweiligen Ausgleich eingesetzt hatten, indem sie nicht nur auf die wirtschaftlichen Folgen eines allgemeinen Berg- arbsiterstreiks aufmerksam machte, sondern auch auf die unüberseh- baren politischen Konsequenzen. Zum Schluß einigte sich der Vorstand mit der Regierung dahin. daß die Bergarbeiter für die nach st en drei Monat« ohne Lohnkürzung einwilligen sollen, den 7s--Slundcntag in eine 4Ssiündige Arbeitswoche zu ver- wandeln. Dadurch soll gleichzeitig den Grubenbesitzern die Möglichkeit gegeben werden, die Grubenarbeit gemäß den Lorschlägen des neuen Gesetzes fo zu reorganisieren, daß den Bergwerksbesitzern die Ausrede des durch den 7�-Stundentag erwachsenden wirtjchotslichen Schodens genommen wirb. Es war am Donnerstag vor allem der Bergarbeitersührer Cook, der die Delegierten beschwor, den Vorschlag der Regierung anzunehmen und in ein Kompromiß einzuwilligen, um so mehr, da das neue Gesetz für den 1. Juli 1932 den Siebenswndcn- tag vorschreibt. Nach langer und heftiger Debatte wurde dann der schottische Antrag abgelehnt. Acht Tage vorher hatte sich aber die Konferenz gegen die 4S-Stunden-Woche ausgesprochen. Sie hat am Donners- tag diesen Beschluß nicht aufgehoben und diese Frage zunächst zur nochmaligen Prüfung den einzelnen Distrikten überwiesen. Eine neue Delegiertenkonferenz wird am kommen- den Donnerstag die Entscheidung dieser Distrikt« entgegennehmen und danach neu beschließen. Durch die Ablehnung des allgemeinen Ausstaiides ist auch der schottische Streik den Schottländer» selbst überlassen, und es kann damit gerechnet werden, daß sie sich der einem allgemeinen Streik abholden Mehrheit der englischen Berg- arbeiter fügen und die Verhandlungen mit den Bergwerksbesitzern aufnehmen werden. Achtung Bauarbeiter! Die Firma Simon u. W i t t k e. Bau- stelle Unter den Linden 03, Baufirma Schlöter-Dort- in und, ist für Rabitz s panner und Rabitzputzer wegen Nichteinhaltung des Tarifvertrages für stuckgewerbliche Arbeiten ge s p« r r t. Baugewerkschaft Berlin, Fachgruppe Stuck- und Gipsbou. 2PD.-Buchdrucker! Auf folqend« B�irtsfraktionssttuluaen wird llirrdurch besondere hingewiesen: 1. Beglrl: Montag, 8. Dezember, ein« Stunde vor der Bezirisorrsammlung im Versammlungslokal: Z. Bezirk: Sonntag, 7. Dezcinder, W/i Uhr, bei Julius Sachs«, Lindower Straße gegenüber Bahnhof Wedding): 8. Bezirk: Sonntag. 7. Dezember, g Uhr, bei itlu«, Dairziger Str. 7t: K, Bezirk: Sonntag, 7. Dezember, 70 Uhr. Schultheiß.Brauerei(Tivoli), Krcuzbcrg, Lichtcrfelder Straße 71—17; 8. Bezirk: Sonntag, 7. Dezember, 10 Uhr, bei Bußki, Hermannstr. 7b: 10. Bezirk: Montag, 8. Dezember,«ine Stund« oor der Bezirks»««» sammlung im Versammlungslokal. Der wichtigen Tagesordnung w«q«n sind oll- Kollegen zur Teilnahme vervflichtet. Der Zraktiousvorfwud. SPD.-Eisenbahner! Heute, Freitag, 19', 4 Uhr, iu Dräsel» Testsälrn, Kolzmarktstr. 72, Bersamw- lung aller iw EiuheiUverband organisierten Parteigenossen. Stell nuguahm« zur gegenwärtige» politischen Situation. Partcignqcleqeuheite». Pünktliche« Erscheinen und rege Propaganda Pflicht, Der W«rbea»»sch»ß. jE�reie Gewerkschafts-Luaend Berlin Heute, ffreiwg. IStö Uhr, tagen die Gruppen: Ro-dring: Jugendheim Schule Sonnenbmger Str. 20. Bortrag:„Die revolntwnär««»• werlschaftsoppoßtion".— Hermanmplaß: Drupvenhelm Sander skr. 11. Eck« Hobrechtftraße. Heimbesprechung: Kabarett auf Schollplatten,".— Süd«»: Gruppenheim Wassertorstr. 9, vorn parterre. Ausspracheabend.— tzeppeli». plah: Jugendheim Turiner Ecke Seestraß»(Eingang Turiner Straße). Seim- besprechung. Anschließend Volkstanzabend.— Adlershos: Grnvmnheim Adlcrshof, Bismarckstr 1. Seimbesprechun«.— Achtung! Die nächste Juacitd Vorstellung der Volksbühne findet am 1. Zannar 1901 um 15 Uhr im Theater am Bülowplaß statt. Zur Aufführung gelangt„Mississippi" von Georg Kaiser. Karten zum Preise von 80 Pf. sind in den Iugendgruppen und in der Jugend- zentrale zu haben. .�uoendcruppe öes Zentralverbandeö der Angestellte» KSpanick: Köpenick), Heute, ffreitag, finden folgende Veranstaltungen statt: W. Jugendheim Dahlwiher Str. 15(Gasanfwlt am Bahnhof Kävenick Gruppenmitgliedervcrsainmlung.— Südwest: Jugendheim Horckstr. 11(!. Hos. Ouergebiwde 1 Treppe, Zimmer 5). Gruppenmitgliedersersammlung.— Norden: Jugendheim Lordingstr, 19, Wir besuche» die Versaurwluug des Werbebezicks.— Heute kommt die ffow.Ardeitsaemeinschaft um 20 Uhr im Jugendwarteraum unseres Verbandshaufes zusammen. Leiter: Dr. Vaeß von: Az:deiter.LichtbiIH.Bund,— karten für den Heinrich. Hein«. Abend am!Zrei- tag, 19. Dezember, zum Preise von 40 Pf., sind im Iugendsekretariat und in den Iugendgruppen erhältlich.— Karten für die Iugendvorstelliing der Polle buhne am 1. Januar ISZ1, zum Preifc von 80 Pf., sind im Iugendsekretariat zu haben._ Tegel. Schlieperslr. 40; Heinz Kubersti, Manteuffclstr 24; L. Csollack, Landwehrftr 40z- Bei dieser Kraftnahrung gedeihen sie doppelt..! Junge, lebhafte Menschen verbrauchen unaufhörlich wichtige Kräfte. Zu ihrem Aufbau ist fettreiche Nahrung ganz unerläßlich. Wärme und Kraft, Lebensmut und Freude gibt Rama Margarine bei jedem Essen. 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SchSneberg. 2g Uhr srunitionärnttnng bei Natho, Print-Georg» Straße lv. ZI. Abt. Friedenau. A> Uhr lsnnktionärversammluna bei stlab«, Landjern- straße KS—«1. Die P!,irksW>rer werden ersucht, die Adressen der arheits- losen Genossen mitzubringen. 88. Abt. Lichtenrade. Porstandsübung bei Rohrmann. SZ. Abt. Renlclln. 20 Uhr lsvnltionhrversammlung im Lokal Schulz, Richard- plag Ecke Zohann-Snü-Straße. iZS. Abt. Reiniltcndarf.Ost. Achtnngl Die Einnsch«r»ng unsere»«erstorbenen Genossen»ermann Bütaw findet heute nicht um tä>� Uhr, sondern bcccit» um liu. Uhr ans dem IZriedhos in der Barsusftraßc statt. ZNorgen, Sonnabend. K. Dezember. Iii. Abt. Die Ifuuitioiiärkonserenz findet nicht Montag, 8., sauber» marge», Sonnabend, pünktlich lg Uhr, bei stinzel, Uscdomstr. 22, statt. 23. Abt. 20 Uhr sZunktionürversaminlung an bekanntrm Ort. !2. Abt. 20>? Uhr wichtige ssunttionSrsihung bei«romphardt, Paul-Singer- Straße 19. Die(Senvssen. die die Adressen der erwerbslos.» Parteimitglieder noch nicht miigeteilt haben, werden qcbcten, die Listen mitzubringen. Z7. Abt. lv llhr octciligcn sich alle Parteimitglieder, soweit arbeitsfrei, an der Totenfeier für den Genossen Adolph»offniann, Gerichtstraßc, Ab 17 llhr sslugblattverbreitnng bei Raschle und Regener. Um 20 Uhr Ad» leilungsfunktionärsißuna bei Raschle. llZ. Abt. Lichtenberg, 10 Uhr Sißung des Vorstandes, der Gruppenleiter und flassicm bei Seifert. Frauenveranstalkungen. <8. Abt. Sonntag, 7, Dezember, Besichtigung de» Reichstages unter Mhrunq der Genossin Bohni-Schuch, M. d. R. Treffpunkt 10V» Ubr vor dem Pönal 2. 42. Abt. Wir beteiligen uns am Sonntag, 7. Dezember, an der Besichtigung des Reichstages unter Führung der Genossin Bohm-Schuch, M. d. R. Treffpunkt lO'/h ilhr vor dem Portal 2./ Bezirksausschuh für Zlrbeikerwohlfahrk. >11, Oelfeiifüdie fiundäebiutäeii 5. Kreis Friedrichshain: Am Montag, dem 8. Dezember, 20 Uhr, im Sa Ibau Friedrichshain, Am Friedrichshain. R ferent: Reichslagspräsident Paul Löhe. 3. Kreis Wedding: Am Dienstag, dem 9. Dezember, ig1/« Uhr, im großen Saal der Germaniasäle, Chaussee- straßp 110.— Referent: Ernst Heitmann, M. d. R. Tagesordnung: Unser Kampf gegen den Faschismus Männer und Frauen, ersdieint In Massen, zeigt, daß ihr gewillt seid, mit der Sozialdemokratie gegen den Faschismus zu kämpfen. Geburtslage. Jubiläen usw. 113. Abt. Lichtenberg. Unserem werten Genossen Wilhelm Zuug- n i S e l. Weserstr. I«, zum 7g, Geburtslage hie herzlichste» Sliutwuuscke. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei» Organisation g. Abt. Am 1. Dezember verstarb unser assbewShrter Genosse Hans Sorg, Steplmnstr. öS. Ehre seinem Andenken! Troß seines körperlichen Leidens war er immer für die Partei tätig. Di« Einäscherungsfeier findet am Sonnabend, IZ Uhr, in der Eerichtstraß« statt. Wir erwarten restlose Be- teiligung. »7. Abt. Neukölln. Am 7. Dezember verstarb unser kaitgiähriger Genosse Otto ss e I s ch, Hermannsir. Ol. Ehre seinem Andenken! Beerdigung ssrei- lag, 3. Dezember. 1501 llhr, auf dem Icrusalemer sZriedhof, Hermannstraßc. Um rege Beteiligung wird gebctrn. 1 Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Gnsendunaen für diese??nbrit nur« das IuaendWretertM. Berlin SW Ä8. Clndcnirrafie 3 ß! Z. jtrei» Wedding, ssreiwg, ö. Dezember, Ig llhr, in den Atlantic- W Sälen. Behmstraße, am Bahnhof Gesundbrunnen, großc ssilmvor- W stellung. Es läuft der fsilm„Die Minderjährigen" mit einer Ansprache W i! des Genossen Stadtrat stulifch. Eintritt gegen Adschnltt eines Arbeiter- f I wohi'ahrtslofcs oder 30 Pf. Jugendlich« Ixiicii keinen Rutritt. Alle W J Genossinnen und Genossen sowie Inhaber eines Loses sind dazu ein- ßZ geladen. V. Irrci« Wilmersdorf. Dienstag, s. Dezember. 20 Uhr. im ssreiherr- W vom-Stein-Lnzeum, Weimarische Elte Mainzer Straße, ssilmvorstellungi ssl l3i l„Miiüer Krauses Jährt ins Glück". Ansprache der Genossin Minna l'1 Todenhagen:„Was lehrt uns Mutter Krause?" Eintritt gegen Abschnitt f ■ eines.Arbeiterwohlfahrtsloses oder 30 Pf. Alle Genossinnen und Ge»- ü iii nassen sowie Interessierte sind dazu eingeladen. ll. Nrei» Reuiclln. Montag. 8. Dezember, 20 Uhr, im städtischen it ! Z Lichtspielhaus, Bergstraste, sfilmoorstellung:„Der Immenhof". Referat W lii der Genossin Paula Kurgaß über„ssürsorgeerziehung". Eintritt gegen ssü '' Eouvon eines Arbeiterwohlfahrtsloses oder 30 Pf. Alle Genossinnen W H und Genossen sowie Inhaber eines Loses sind dazu eingeladen. iOEZJ.''! 1: i!4-'-tTtJrl I I I I I I I l-fn �!-z■.: 137. Abt. Reiinckendors-West. Die Arbeiterwohlfahrt kommt am lsreitag. 3. Dezember, um 19 Uhr, im Bolkshaus zusammen. Rückgabe von Losen und Akontamhlungen müssen bis Dienstag, g. Dezember, bei der Genossin Dittmer crsoloen. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Groß-Lerlin. Heute, ssreitag. 20 Uhr, Helferversammlunq in der Aula der Volksschule Reukölln, liaiser-Friedrich-Str. 4 sHermannplaß). Referent Senossr Dr. Kurt Läwcnstein spricht über„Die politische Lage und Kindcrfrcundc". Sonder vorftelluag der.Volksbühne" 1. Januar, 15 Uhr. Gespielt wird ..Mississippi", Schauspiel von Georg Kaiser. Einzelkarten zu 80 Pf. für Jugend- iiche von 14—18 Iahren sind erhältlich. ZNitgliederversammlungen heule, 19� Uhr: Rosenthaler Porstadt: Schule Elisabethkirchstr. 19.— Hania: Seim Bochumer Straße 8b.- Moabit I: Schule Waldenscrstr. 30.— Moabit II: Heim Lehrter Straße 18—10.— Humannplah: Schule Sonneudurgcr Str. 20.— Andreae- plah: Srim Brommnstr. 1.— Balteuplah: Hrim Tilüter Str. 4—5.— ssranl. furter Viertel: Heim ssrantfurter Allee 307.— Zriodrichahai»! Heim Dieftel- mevcrstr.»- V.- Stralauer Viertel: Heim Eoßlerstr. vi.— Warschauer Viertel: Heim Litauer Str. 18.— Warschauer Viertel, R. U.: Heim Li'aucr Straße 18.— Schöncbera l: Helm Haup'str. lö.— Eharlottendnrg: Heim Rosinensir. 4.— Eharlottenburg-Süd: Heim Gocrhcsir. ll.— Lankwih: Sc» meindefchille Schulstraße.— Stcosih: Leim Albrrchtstr. 47.— Mariendors, R. 1?.: Heim Dorfstr. 7.— Mariendors II: Daheim 1391120.— Köpenick II: Heim Dahlwißer Str. 13.— Vaumschnlcnwcg: Heim Ernststr. lö.— Johannis» ibal: Heim Raihgns.— Lichtenl».'rg-Mrtte: Heim Scharnwebcrstr. 29.— Lichtenberg-Rord: Heim Gunterstr 44.— ssriedrichsieldc: Heim Guntcrstr. 44. -!- Arkonaplah: Schule Elisabethkirchstr. 19:„SAI. und Sport".— Gnnerk- schaitshaus: Heim Köpenickrr Str. OL:„Tagcspolitil".— Köllnilcher Park: Hrim Waisenstr.>8:..Togczpoliiik".— Oranienburger Tai: Heim Ticckstr. 18: Iack-London-Abend.— Rcntrum: Heim Landsberger Str. 30:„Die!7rau im Beruf". Moabit III: Heim Lehrter Str. 18—10:„Warum ist das Prolciariat gegen Militär?"— Bruswalder Plaß I: Heim Raitenburger Str. lö:„Jude und 9>ationalsozlalisinus".— Balkan: Schule Mandclstr. 2:„Hcimwehr und Schußbund".— Taltplaß N: Schule Sonnendurger Str. 20:„Die sozialistische Gedankenwelt".- Kelwholßplaß: Heim Danziger Str. 62, B. 2:„Arbeitsdienst- Pflicht und SAI."— Rordostc» I: Heim Danziqer Str 62. B. 3:„Arbeiter- klassc und Mctallkonfiikt".- Wörther Blaß: Schule Kasianienallee 82:„Unsere städtischen Erziehungsheime".— Köpenicker Viertel: Schule Wrangelstr. 128: Iunktiongrsißung.— Pctersburger Viertel: Heim Eberipftr. 12:„lsreir Ge. werischast". Schöncberg IV: Heim Hauptstr. 13:„Was ist Sozialismus?"— Schöaebcrg 3ü Heim Hauptstr. lö: Schallplatten durch alle Welt.— Lichterfelde: Heim Lichterselde-West. Albrcchlsir. 14».— Reuköll» l: Heim Sander. Ecke Hobrcchtstraße: Arbeitsgemeinschaft.— Reukölln ll: Heim Steinmeßstr. Ol: Arbeitsgemeinschaft.— Reutöll» IV, R. jf.: Heim Schierkestr. 44:„Wir unh das Weihnachtsfcst".— Reulölln VU; Karl-Marr-Schul«: Presseabend.— Köpenick l: Heim Grünauer Str. 3:„Das wahre Gesicht Rußlands".— Treptow: Heim Elsenstr. 3:„SAI. und Zungbanner".— Karl»h»rft: Heim Treskow- alles 44:„Tondichwng'.— Licht enberg-Zlordwest: Heint Doffeftr. 58; Referate.— Hcrmzdors: Heim Roonstraß«:„Unser Beruss.— Reinickendori-Oft: Heim Lindauer Straße fVarackeu):„Tagespolitik".— Buchholz: Schule Berliner Str. 10:„Das Arbeitsrecht des jungen Arbeiters'.— WUmersdorf lArltcte): Heim Wilhelmsane 128:„Arbeitsdicnstpflicht und SAI." Wcrbebezirl Wcdding: W..B..MitaliederversammlUlla im Seim Willdenow- straßr 3. Genosse Iran, Klllhs spricht über„Die politische Lage". Werbebezirk Reulölln: Die Arbeitsgemeinschaft mit der Seuolstn Sarwch tagt im Heim Bcrastr. 29. � � � �. Teilnehmer der sserienfahrt Dänemark: Die Jährt am e-onnabend nach dem Uedersee fällt ans. ; Werbebezirk Tiergarten: Wrrbebczirlsmitaliedcrverlammlung fällt aus. Neuer Termin wird Montag in de» Gruppen bekanntgegeben. Werbebezirk Müggelsc«: Morgen, Sonnabend, Besichtigung der Torwarts- Druckerei und des Pailriarchlvs. Treffpunkt pünktlich 18 llhr Vorwärts- Gebäude, 4. Hof. Die Ss-rdasfürstin ist soeben bei der Deutschen Dvammophon-Aktiengesell- schaft als Kurzopcrette auf vier doppelseitige» Platten erschienen. Eine aus- gezeichnete kleine Plattenseri«, mit der sich ein reizender Heimabend arran- giereil läßt. Hervorragende Künstler sind Mitwirkende. Bei dieser Gelegen- heit sei auch noch auf die von„Grainmopbon" herausgebrachten vielen anderen Kurzopern tTroubadour. Lohengrin, Boheme, Earmen usw 1 Mld Surzgperettcn I Nieder maus. Beltelstudeiiti hinqcwiesen. Jede dieser Kurzopern wird auf 4 ins 5 Platten in einem geschmackvollen Album mit einem vpezialiextbuch geliefert. A'MEWfER. 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