Erschetilt tS»li 4.« llßerG»«»tags. Zugleich Wendauegabe de«.VorwirU'. Betugtpreis beide AuSgabeu SS Pf. pro Woche. 3,60 M. pro Mvnar. Redaktion med Expedition-, Berli« SW«S. LindenKr. 3 10 Pf. Nr. 574 B 266 4?. Lahrgang Auieigeupret«: Die einspaltige Nonpareilleieile 80 Pf.. Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vonrärt«-Vcrlag G. m.b.H.. Berlin Nr.»7SS«. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Blutopfer für Stalin Künf Todesurteile im Moskauer Ramfin-prozeß verhängt Moskau. 8. Dezember. Im Prozeß gegen die Jndnstriepartei find fünf von de« aeht Angeklagte« zum Tode verurteilt worde«, darunter Ramsin«ud Laritschew. Obgleich Kryleuko keiwe Ausnahme gemacht hatte und alle dem„HSchsteu Ttraf- maß" verfallen sollte«, hat das Gericht in drei Fällen davon abgesehen, darunter Sitniu. Das Urteil ist „rechtskräftig". Die zwei Verteidiger(mehr hatte« sich nicht gefundenj haben Kalenin um Nachficht der Todes» strafe gebeten. Die Entscheidung Kaleuius steht«och aus. Oie Urteilsbegründung. Di« Urteilsbegründung sagt, daß das politisch« Der- brechen der DerschwSrergruppe« i n wa n d f r e i f« st g e stell t sei und daß die Angeklagten das Vertrauen der Sowjetregierung miß- hraucht hätten; ihr« Aussagen hätten dem Gericht erlaubt, alle Eutock- hellen der Verschwörung zu llären und sestzustellen. daß gewisse ausländische Kreis« an dem Sturz der Sowjetumon und an der Errichtung einer neuen Diktatur in Rußland interessiert gewesen seien. Bet der Verlesung der fünf Todesurteil« brach der Angeklagte Laritschew zusammen. Die Zuhörer stimmten die I n t« r n a t i o n a l« an und spendeten dem Gericht Beisall. «- Das ihnen vorausbestimmte Todesurteil Hot Ramsin und seine Kollegen getroffen. Sie werden dein Götzen Fünfjahresplon geschlachtet. Die städtische Bevölkerung in Rußland steht hungernd Schlang« vo/ den Lebensmitielläden. Die Sowjetdiktatur fürchtet, daß der Hunger Ausbrüche der Masienoerzweiflung hervorrufen könnt«. Sie hat die Massenwut auf„die Schädlinge� abgelenkt. Ramsin und seine Kollegen müsien bluten, damit die Ver- nichtungsinstinkte der gedrückten und kämpfenden Massen nicht Stalin und seine Kollegen bluten lassen. Die Masseninstinkte sind abgelenkt und zugleich hochgepeitscht worden. Das Tötet sie! rast durch Rußland. Erschießen, erschießen. erschießen! Die Regie des Blutwahns hat ihre Wellen bis noch Deutschland geschlagen. Der blutige Wahn soll die Köpfe gesangen nehmen, damit kein« politische Ileberlegung hineingeht. Die barbarische Staatsraison Stalins, die immer größere Aehnlichkest mit der Staatsraison eines Tartarcnkhans erhäll, er- fordert ein barbarisches Opfer. Das ist der Sinn dieses Urteils. Man hätte Ramsin sofort durch die GPU. erschießen lassen können. Das ist mehrfach so geschehen. Aber Stalin lag nicht so sehr am Tode Ramsins, als an der Mache um seinen Tod. Ihm genügte nicht die einfache ofsiziell« Mitteilung, daß Ramsin als Schädling erschossen worden sei— er brauchte das Theater des Prozesses. Nicht das Blut, sondern den Blutrausch! Daher die Maske des Gerichtsverfahrens, jener Apparat mit Hilfe von Rundfunk und Tonfilm, mit Massentund- gedungen und Preßgeheul nach Leichen. Der technische Apparat, der Diener höchster Kultur sein könnte, als Mittel zur Erzeugung eines Exzesses barbarischen Massenwahns! Ein Diktator hat blutigen Terror befohlen, um fein System zu retten und seine Schuld zu verdunkeln. Ramischwili ermordet! Gewaltsamer Tod in der Fremde. Am gestrigen Sonntag nach ulittng hat et» Georgier auf der Straße in Paris den ehemaligen Jnnenminister der demokratischen Republik Georgien. Roe Ramischwili. ermordet. Ramischwili stand im Mittelpunkt der georgische» Emigration und ist ei» alter Sozialdemokrat. Der gewaltsame Tod von Märderhand ereilte ihn im 47. Lebensjahr. Nicht zu verwechseln ist der Vrmordete mit dem gleichnamige«, aber viel ältere» I. Ramisch- wili. der einer der ersten Sozialisten in der altrnssische» Dnma war und dessen flammende Reden älteren Genofien gMch anderer Länder nach in Erinnerung find. Im Kampfe gegen die Faschisten Sozialdemokratische Massenkundgebungen gegen Stahlhelm und Hitler-Garden tivllbus. K. Dezember.(Eigenbericht.) Di« Arbeiterschaft von Kottbus und Umgebung hatte am grstrigen Tage zu einer Kundgebung aufgerufen, die von 8000 Per- fönen besucht war. Der Zweck der Kundgebung war, zu demon- strieren gegen die Stahlhelmfaschisten, die ebenfalls zum gestrigen Tage zu einer großen Bevanstaltung nach Kottbus aus dem Gau Brandenburg ihr« Anhänger zusammengerufen hotten. Herr Seldte war selbst erschienen Dem Ruf des Stahlhelms waren aber nur 1700 Leute gefolgt. Die Arbeiterschaft und das Reichsbanner von Kottbus marschiert« auf dem großen Schillerplatz aus und zu der vieltausendköpfigen Meng« sprach der Borsitzende der sozialdemokratischen Reichstagssraktion Rudolf Brcitscheid. Cr rief die Arbeiterschaft auf, zu zeigen, daß sie die Vertreter der Dolksrechte und der Volksfreiheit fei. Sie• wäre versammelt, um für diese Rechte, die sie besitze, einzustehen und zu kämpfen. Nicht wir sind es, sagte er wester, die Gewalt predigen, wir wollen die Entwicklung der politischen Dinge aus ruhiger, friedlicher Basis, aber wir sagen uns auch am heutigen Tage: Wen« uns die Gewalt aufgezwungen werde» sollte, dann werden wir uns unserer Haut zu wehreu wissen und es nicht ruhig mitansehen, wen» etwa eines Tages die liäpfe rolle« sollen. (Stürmische Zustimmung.) Unsere Parole ist, nicht Köpfe rollen lassen, sondern Köpfe aufklären!(Begeisterter Beifall.» Was haben wir schon von dem Kopf eines Hitler, was haben wir schon von den Köpfen eines Hugenberg, Seldte und wie sie alle heißen mögen! Dann zeichnete der Redner die augenblickliche Lage, besprach die Haltung des Stahlhelms zu Italien, und unter stürmischen Pfui- rufen der Menge riß er den Stahlhelmern die Maske vom Gesicht. Cr faßt« feine Ausführungen zusammen, indem er sagte: Jetzt gilt Oer Streiter AM» ßoebbek Ä>so sprach Hugenberq:„Ziehe aus, mein Sohn Goebbels, und schlage mit der Schärfe deiner Stinkwaffen alle Kon- turrevz meiner p. p. patriotischen Ltsa-Kriegsfilme!* es wester zu arbellen und weiter zu kämpfen. Das ist unsere Pflicht, und wir im Reichstag stehen vor derselben Aufgabe. Wir müsien versuchen zu verhindern, daß der Faschismus im Staate an die Macht gelangt. Wir billigen nicht eine Polstik, die den Grundsatz der Demokratie mst Füßen tritt. Wir wollen nicht einmal von unseren Kindern zur Verantwortung dafür gezogen werden, daß wir dem National- soziakismus den Weg zur Macht geebnet haben. Das ist das Ziel und der Sinn unserer Politik.(Stürmischer Beisall.) Arbeiierkundgebung in Stuttgart. Nieder mit den Kapitalknechten vom Hakenkreuz? Stuttgart, 8. Dezember.(Eigenbericht.) Da die Nationalsozialisten für Sonntag in Stuttgart eine HItlerparad« zusammenberufen hatten, die von National- sozialssten aus ganz Württemberg beschickt werden sollte, hatte die Sozialdemokratische Partei gemeinsam mit dem All- gemeinen Deutschen Gewerkschastsbund, dem Reichsbanner und der Sozialistischen Arbeiterjugend zu einer gewaltigen Demon» st ratio« der Arbeiterschaft gegen den Faschismus auf- gerufen. Die sozialdemokratische Massenkundgebung war von imposanter Größe. Unendlich lang war der Aufmarsch der Arbeiterorganisatio. nen. Aus dem Stuttgarter Marktplatz hielt der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Schuhmacher eine flammende Rede gegen die Unternehmerknechte um Hitler, gegen die Feind« der Demokral!« und des arbeitenden Bolkes. Gegenüber der Kundgebung der Arbeiterschaft verblaßte der Eindruck der Hitlerparade vollständig. Es dämmert in pommem. Sozialdemokratischer Erfolg bei den Kreistagswahlen, ktöslin. 8. Dezember.(Eigenbericht.) Am Sonntag fanden im Kreise Köslin(Hinterpomern) die Kreistagswahlen statt, bei denen neben den Deutschnatio- n a l e n auch die Nationalsoziali st en einen Rückgang an Stimmen gegenüber der letzten Reichstagswahl zu ver- zeichnen hatten. Die Kommunisten verloren ebenfalls an Stimmen, während die Sozialdemokraten ihren Bestand behaupten konnten. Es erhielten Stimmen: Reichstagswahl H.Sepl Sozialdemokralen....... 3105 3131 Deutschnattonale....... 3778 5094 Nationalsozialisten...... 4249 4681 Pommersche Bauern...... 511— Staatspartei........ 300 434 Kommunisten........ 239 326 Pommerscher Landbund.... 465 134 Besonders empfindlich ist der Verlust für die Deutichnstionolcn, die im allen Kreistag mst 11 Sitzen die Mehrhest hatten, während sie jetzt mst nur 6 Mandaten in den Kreistag einziehen. Schiffskatastrophe in China. Man befürchtet ZOO Todesopfer. London. 8. Dezember. Noch Meldungen aus Hankau hat sich auf dem Bangtsekiang eine schwer« Dampferkatastrophe ereignet. Der Flußbampfer„S i e« t fa»" ist unter- gegangen. Man befürchtet, daß 30 0 Personen den Tob in be» Wellen gefunden haben, lieber die Ursache» der Katastrophe ist«och nichts bekannt. Oingeldey hält eine Gcholzrede Angst vor links und(Sehnsucht nach rechts. Der neue Führer der Volkspartei, Herr Dingeldey, ver- iuchte gestern in Magdeburg zu der vernünftigen Abstimmung seiner Fraktion im Reichstag einen Ausgleich zu schaffen, indem er eine unvernünftige Rede hielt. Cr verlangte„Einspannung auch bpr nationalsozialistischen Kräfte in den positiven Aufbauprozeß, polemi- sicrte gegen Wirth, Braun und S e o e r i n z, weil sie die Nazis zu schlecht behandelten und forderte eine Stärkung der Gewalt des Reichspräsidenten und Schaffung eines Oberhauses. Er ging dann auf die Außenpolitik über und verlangte, daß die deutsche Regierung bei de» bevorstehenden Verhandlungen in Genf die Frage der oft- lichen G r c n z r e v i s i o n in den Vordergrund rücke. Herr Dingeldey scheint nicht bemerkt zu haben, daß der Reichs- Präsident heute mehr Macht besitzt, als sie jemals der Deutsche Kaiser besejsen hat. Genügt ihm das immer noch nicht? Auch die Entwicklung des Reichsrats zu einer ersten Kammer scheint ihm entgangen zu sein. Will er noch«ine dritte, und wie soll sie aus- sehen? lieber die Frage Minderheitenschutz— Grenzrevision hätte sich Sierr Dingeldey aber auf olle Fälle vor feiner Red« bei Herrn C» r tt n s informieren sollen. Cr hätte dann erfahren, daß es tein besseres Mittel gibt, die Stellung der Deutschen in Polen zu schädigen, als das laute Rufen nach einer Grenzrevision. Denn je größer die Sorge der Polen wird, ihnen könnte ein Teil ihres Gebiets entrissen werden, desto mehr werden sich die Gegensätze ver- schärfen und werden die Deutschen in Polen als die Schwächeren darunter zu leiden haben. Wollte vollends die deutsche Regierung ln Genf ihre berechtigten Beschwerden über die Verletzung bestehen- der Verträge mit der Forderung nach einer Vertragsänderung ver- toppclii, so würde sie dainit eine aussichtsvolle Sache zu einer aus- sichts l o f en verwandeln. Herr Dingeldey wünscht im Reich eine Entwicklung wie in Thüringen und in Braunschweig. Aber eine parlamentarische Rechtsmehrheit ist ohne das Zentrum nicht zu haben. Ein Sturz der Regierung Brüning würde eine Entwicklung zur Folge haben, auf die Herr Dingeldey mit feiner kleinen Partei wahrscheinlich den allergeringsten Einfluß haben würde. Darum hält man sich von der allergrößten Dummheit noch zurück. Aber— wie lange noch? Bisher 20 Tote bei Lüttich Llntersuchung über die Todesgase nicht abgeschloffen Oer Rechtsblock sammelt sich. Oqs Trio Hitler-Hugenberg-Eeldte stellt sich wieder vor. Am Sonntag sprach Hitler in Stuttgart:„Unser Kampf gilt vor allem dem Pazifismus, dein Internationalismus und der Demokratie. Demokratie ist das System der Dumm- heit, Feigheit, Schwachheit und Halbheit." Herr Seldte verkündete in Kottbus, der Stahlhelm w«rde gemeinsam mit Hitler und Hugenberg kämpfen. Der Alldeutsche Verband fordert sofortige Auf- r ü st ii n g und Austritt aus dem Völkerbund. Schacht für Hitler.. München, 8. Dezember.(Eigenbericht.) Der friihere Reichsbankpräsident Dr. Schacht, der nach seiner Rückkehr aus Amerika!>n Lande herumreist und sich sozusagen als Kandidat tür die Reichspräfidentfchaft empfiehlt, redete am Sonntag vor dem Wirtschaftsbeirat der Bayerischen Votkspartei offen einer Hugenberg-Hitler-Regierung das Wort. Die Aeuhe- rungen bürgerlicher Politiker, daß„gegen die Sozialdemokratie ein« Regierung unmöglich ist", will Schacht nicht wahrhadcn. Blutiger Sonntag. Nene Opfer der Naudauparteien. Bernau 14 Verletz!«. Hakenkreuzler und Kommunisten, die von Berlin noch Bernau gekommen waren, schlugen sich am Sonn- abend und Sonntag. Bonn 7 Verletzte. Kommunisten beschossen einen Auf- marsch der Nationalsozialisten. Die Verletzten haben sämtlich Kopfschüsse. Hameln 43 Vorletzte. Hakenkreuzbuben übersielen eine Rcichsbannerversammlung, die sich zur Wehr setzte. Meineidsprozeß gegen prafidialrai. Sitzungssaal des Landtags als Gerichtshos./ Detmold. 8. Dezember. Unter großem Andrang des Publikums begann heute vormittag der M e i n e i d s p r o z e ß gegen den Präsidialrat Heise. Es handelt sich um den dramatischen Zwischenfall in dem großen Landcsstrafanstoltsprozeß vom Februar dieses Jahres, in dem Heise voni Oberstaatsanwalt einer falschen Zeugenaussage über- führt wurde. Lteberfatl auf eine Greisin. Achtzigjährige unter Drohungen beravht. Das Opfer eines Raubübersalles wurde in der Rachl zum Sonntag die SO 3ahfe alte Witwe Henriette Schmidt, die im Z. Stock des Onergebäudes in der V o l t a st r a ß e lg wohnt. Bei der alten Frau erschien am Sonnabendnachmittag ein junger Mann, der, wie er angab, im Austrage des Hauswirtes«inen M i« t r e st b c t r a g in Höhe von 20 Mari kassteren wollte. Er erhielt das Geld auch und entfernte sich. Gegen 8 Uhr legte sich Frau Schmidt zu Bett, nachdem sie die Wohnungstür abgeschlossen hntle. Etwa zwei Stunden später erwachte sie{xioon, daß ihr ein Licht- schein ins Gesicht siel. An ihrem Bette stand ein Mann, der die Frau aiissorderic. sich ganz ruhig zu verhalten. In der Hand hat!« er eine Schere, init der er, wie er ankündigte, die alte Frau erstochen würde, wenn sie Lärm schlage. Er durchwühlte dann alle Be- Hältnisse, sand,7v Mark und steckte sie ein. Der erschrockenen Greisin drückte er die Betten aus das Gesicht, verschwand aus dem Zimmer und schloß die Stubentür von außen ab, so daß Frau Schmidt nicht gleich Hilfe herbeirufen konnte. Wie sie angibt, war der Räuber derselbe junge Mann, der schon am Nachmittag vorgesprochen hatte. Brüssel. S. Dezember. Die rastelhasten Todesfälle bei Lüttich haben sich in der Rächt zum Sonntag vermehrt. Zu 3 e m eppc find noch drei Per- soaeu gestorben, so daß die Gesamtzahl der Toten bis jetzt 70 beträgt. Roch über 100 Personen liegen mit schweren Atem- beschwerdca und Herzbeklemmungen in den Krankenhäusern, so daß man besürchiet, daß sich die Zahl der Opfer»och erhöhen wird. Die Königin besuchte am Sonnlag die von dem Unglück betroffenen Orte. Die Untersuchungen über die Zusammensetzung des todbringenden Nebels sind noch nicht abgeschlossen. Die Abflüsse der Hüttenösen werden aus Salpeter- oder Clorgase unier- sucht. Die Bevölkerung Ist fest davon überzeugt, daß es sich um Giftnebel gehandelt hat. Die Blätter erinnern daran, daß die Gegend von Lültich bereits in den Jahren 1902 und 1911 von solchen rätselhaften Nebeln heimgesucht wurde, die ebenfalls Todes- apf«r forderten. Damals habe der Nebel mikroskopisch kleine Staub törnchen von verschiedenartiger Zusammensetzung enthalten, die die Atmungsorgane verstopstcn und in verschiedenen Fällen Lähmungs- crscheinungen und den Tod herbeigeführt hakten. Nebelerkranlungen auch in London? London, e. Dezember. Eine Versammlung von Mitgliedern der Oddsellows- Loge, die in einem Hotel in Shoeburyneß stattfand, ist plötzlich von einer geheimnisvollen Krankheil befallen worden Die Logenversammlong fand hialer verschlosseuen Türen und bei vcrschlosienen Fenstern statt. 2lls der Vorsitzende sich zu cioer Rede erheben wollte, brach er plötzlich zusammen. Aehnlich erging es den meisten übrigen Mitgliedern, von den 32 Anwesenden er- > litten 2 8 Schwindelansälle. Es gelang jedoch, alle wieder zum Bewußtsein zu bringen. Angesichts der geheimnisvollen Gistnebclkataflraphc in Belgien erregt der Vorfall, der glücklicher. weise keine Todesopfer gefordert hat. in London großes Aufsehe«. Eine Erklärung dürste vielleicht darin zu suchen sein, daß zur Er- wärmung des Versammlungsraumes Gasösen aufgestellt waren, die möglicherweise schadhast waren. Paris, 8. Dezember. Das Mitglied des Posteur-Instititts, A. Tillat, gab einem Mitarbeiter des„Matin" Erklärungen über die mögliche Ursache des Massensterbens im Maastal« ab. Es sei unwahrscheinlich, daß ein noch so dichter und kalter Nebel durch Einatmen ein solches Massen» sterben verursachen könne. Viel wahrscheinlicher sei es, daß es sich um einen Nebel handele, der Giftstoffe enthalten habe. Di« Gegenwart von Ammoniak in beträchtlichen Mengen be- günstige die Bitdung dichten Nebels außerordentlich. In diesem Zustand hätten die Nebelteilchen die Eigenschaft, nicht vollständig von der Schleimhaut absorbiert zu werden, wenn man sie einatme, indem sie sich unmittelbar in den Lungenteilchen festsetzen. Außer- gewöhnlich« Umstände seien nötig gewesen, um eine derartige Wirkung zu erzielen. Die Hölle von Brest-Litowsk Enthütlung sofort konfisziert Geheimrat Dr. Felix Porsch ist in der Stacht zum Montag ge- starben. Porsch war fast 50 Jahre Parlamentarier und annähernd 20 Jahre VorMender der preußischen Landtag?sraki-«n des Zcirtruins. Warschau, 8. Dezember.(Eigrnbericht.) Bisher haben die gesetzwidrig nerhasteten und in der Festung Brest-Litowst als Militärströflii�e ahne Charge behandelten Oppositionsführer, die gegen Kaution freigelassen worden sind, gc- schwiegen. Nun aber hat der frühere Senator Ttndreas Strug. ein sehr bekannter und angesehener Schriftsteller, im„Robotnik" das Wort ergriffen. Das Blatt ist, wie üblich, konfisziert worden, jedoch sind mehrere taufend Exemplare trotzdem im Umlauf. Strug berichtet: Alle Gefangenen worden zwei Wonate lang systematisch ausgehungert. Man gab ihnen nur ausgesucht abstoßende kost, die� ungenießbar war. und auch davon nur ganz wenig: Brot nicht einmal den dritten Teil einer Soldatenration. Viele von den Gefangenen kauten vor Hunger da» Stroh ihrer Matratzen. Erst die letzten vierzehn Tag« erhielten sie normale Sotdaienkost. Fast all? wurden gefoltertundge schlagen, die meisten mehrmals. Ein Teil wurde wiederhost gemartert. viele wurden vollständig enlkleidel, mit dem Gesicht zur Wand gestellt und warteten so aus die tödlichen Schüsse. Schließsich siel ein Schutz, und«in« Revolverkugel schlug in die Mauer neben ihrem Kopf... Alle wurden beschimpft und ins Gesicht geschlagen. Sie lebten in einem Zustand der Erniedrigung und Beleidigung, der schlimmsten Entbehrung. Strug macht Offiziere, die abwechselt) den Fronvogt machten, ferner den damaligen Iustiznnnister Cor und seinen Nachfolger M i ch a l o w s k i, der diese Behaiidlung leitete, verantwort- sich und verlangt chre Bestrafung zur Wiederherstellung der Ehre de» polnischen Staates. Der Hauptbeschuldigte, der Gesängniskommondant Oberst Kostet- Biernackt, hat sich unter fotscheni Namen zur Er- holung kns Ausland begeben. Wieder Nazi-Klamauk Abendskandal auf dem Rollendorfplah Die Rattonalsozialistea hatten sich den gestrigen Sonatagabend für ganz besonders laute und langanhaltende Denionstralioneu gegen den Film.,3m Westen nichts Neues" ausgesucht. Schon von 7 Ahr ab war der Rolleadorsplah belagert von einer randa. lierendm Menge junger Burschen notionalsozlaliflischer Eanleur. Etwa zehn Festgenommene wurden dem Palizeipräsi- dium zugeführt, wo die westere Untersuchung stattfindet. Di« durch nichts zu rechtfertigenden nationalsozialistischen Kra- walle nehmen die Polizeibeawte» über Gebühr in Anspruch. So wurde uns oersichert, daß die Bereitschaft, die auch die vielen nationalsozialistische», und kommunistischen Versammlungen im Nichts Neues... Ein paar Leute mit Prothesen Sind zwar selbst dabei gewesen, Doch was sie im Krieg erlebt, Ist den anderen längst entschwebt. „Läuse, Hunger, Kugeln, Nässe, Gistgas..."— Haut ihm in die Fresse! Wer so spricht, war nicht dabei. Nieder die Verraterei! Wer daheim blieb, klug und wendig, Der allein ist sachverständig. Kundige Reminiszenz Bringt nur Frick aus Pirmasens. Httler-Iungens, die die Windel Ratz gemacht als Wickelkindel, Die bei Kriegsausbruch drei Jahr, Wissen, wie es wirklich war. Goebbels weiß es, der am Stuhle Festgeschnallt sich in der Schule, Daß er von der ,.Klassen"sront Niemals hat ins Feld getonnt. Ja, nichts Neues ist im Westen, Wenn sie uns die Luft verpesten. Dieser ganze Dschingdara, Deucht mich, war schpn einmal da. Fabrikant, Etappenkrieger, Unser Heer der Stammtischsieger Hat schon einmal so getobt Und den schönen Krieg gelobt. Wie sie setzt mit Heldenmythen Gegen die Erinnerung wüten, Wissen sie: die„große Zeit" Wächst nur aus Lergeßlichkeit! Jönailiau. Sportpalast zu beobachten hat, seit sieben Tagen ohne jede Pause im Dien st steht. Eine knappe Nachtruhe, ein bitzchen Essen und Trinken aus der Wache und schon müssen die Beamten wieder in den Dienst. Dabei müssen sie gegen jedermann zuvorkommend sein, ruhig und objcktio ihren Dienst versehen und dürfen nicht nervös werden. Der Film wird morgen den Mitgliedern der Oberprüf- stell« oorgesühvt, die am DonnerÄogvormsttag über die Derbvts- anträge entscheiden sollen. Oer Remarque-Kilm im Ausland. wurde einstimmig wiedergewählt. Kunsttänze und Amüstertänze Abstrakte Rhythmen. Seit Helga Normann ihren persönlichen Stil gefunden hat, arbeitet sie unermüdlich an dessen Verseincrung, Vertiefung, Veredlung. Jedes Jahr bringt ein neues Programm mit reiferen und reicheren Werken. Der Tanzabend ün B a ch s a a l gipfelte in der musiklosen Komposition„Traumwege". Ein Menschenleben in ab- strakte» Rhythmen. Aus komplizierter, verwickelter, fast chaotischer Ballung sich entfaltend zu immer klareren, einfacheren, reineren Formen. Auf der Höh« mächtiges Aufwärtsstreben, Zielsuchen. Dann, abklingend, leises Ermatten, Verblühen, Ruhe. Ein ganz großes Werk, das zu den klassischen Schöpfungen des modernen Tanzes zählt. Sehr schön auch der gliederwirbelnde Elan des Einleitungstonzes(„Eon flancio"): die biendende Technik der raschen Wendesprünge in„Corgitta": das wiederholte ergreifende Niedersinken und Zusammenbrechen im neu durchgearbeiteten„Aus der Bah» gerisien". Bezeichnend ist. daß da, wo bei der Komposition ofsenbar mehr der Verstand als das Gefühl mitgewirkt hat. sich leicht pantomimische Elemente in den abstraiien Stil eindrängen(„Fern- her"). Gelegentlich« Ballettanklänge stören nicht, da sie klug und ge- schmackvoll nur als choreographische Motive benutzt werden und Anlaß zu neuen eigenartigen Bcwegungsformen geben, zum Beispiel in der„Russischen Bagatelle" mit ihrem wundervoll leicht fließenden Flattern, Fliegen und Schwimmen durch die Lust. Helga Normann ist eine der wenigen Tänzerinnen, die den modernen Stil ganz rein und streng erhalten und unter Verzicht auf alle wohlfeilen Efiekte allein mit den vornehmsten Mitteln zu wirken verstehen. J. S. Nächtlicher Tanz in der Komödie. Ella I l b a k hotte ihrer Tanzvorstellung eine sehr feierliche Ausmachung gegeben: st« veranstaltete sie in der„Ä o m ö d i e" als Nachtaufführung. Die Beleuchtungstechnik, di« in dem Theater natür» lich vollkommener ist als in irgend einem Vortragssaal, wurde nach Möglichtelt auszenutzt, die Tanzbilder in stimmungsvolle Färbung zu tauchen. Die gut gewachsene hübsche Tänzerin zeigte sich in gefälligen, bei einzelnen Darbietungen sogar in künstlerisch jchönsn Kostümen: doch selbst diese betonten das Streben nach„Niedlichkeit" — ein Streben, das den gesamten Tanz Fräulein Ilbaks nicht nur bestimmt, sondern überhaupt schuf. Sie ist das Tanzgirl, das seinen Solistinnenehrgeiz befriedigen kann. Ihre Tanze, sobald sie ernst» hast sein sollen, sind in kitschig« Aleinmädchen�Sentimentalität ge- taucht. Unber andere Gefühle verfügt diese Tänzerin nicht. Deshalb bleibt auch die Formel ihrer Geste im Grunde immer dieselbe. Em „Marsch", der seinem rhythmischen und musikalischen Charakter nach tänzerischen Posen nicht widersprach, log ihr verhällnismäßig gut, am besten jedoch rein Bewegungstcchnisches. dem sie allerdings— gestützt auf die Musik von Granados— den anspruchsvollen Titel „Spanisches Motiv" gab. Ein künstlerischer Tanz wurde nicht dar» aus, denn der Mangel an Ausdruck, die völlige Unsähigkeit, tänze- rische Formen zu erfinden, trat auch hier zutage. Innere Erlebnisfähigkeit kann man nicht vortäusckzen. Ter ernst zu nehmende modern« Tanz stellt an die ihn ausübenden Künstler sehr große Ansprüche. Ella Ilbak mit ihrem gut trainierten Körper sollte sich das Variete als Wirkungsstätte suchen. 8— r. „Der blaue Boll." Staatliches Schautpielbauet. Die Dämmerung eines späten regnerischen Nachmittags, an dem einer auszieht, in den schweren schleppenden Seemannssticseln der Wasserkante, um die Wahrheit zu finden. Er sucht sie mit einer kleinen bleichen Laterne, di« den Nebel kaum durchdringen kann, und geht große Irrwege dabei. Aber zwischendurch schickt Gott einen klaren kühlen Windstoß vom Himmel, der den Nebel wegfegt wie Papier, und dann liegt das Land da, die Erde duftet, die Speicher find voll Korn, dos Vieh brüllt und erkennt die Menschen, die ihm entgegenkommen: den Guisbesitzer Boll vo» drüben, die junge Dörsterin Grete, die sie Hcxc nennen, den hinkenden Wirt, der eben noch den Teufel gespielt hat, und ejnen Herrn, den niemand kennt, der aber— so flüstern sie im Dorf— wohl niemand anders fein kann als der Herrgott selbst. Die Kunst Ernst Barlachs ist von gestern und von morgen. Die letzten Dinge sind vielleicht klar und einfach, aber wir können sie nicht formen. Und wer heute klar und einfach formt(das heißt Sachlichkeit der Kunst), wird die letzten Dinge nicht siressen können. Das Leben i>t lo stark im„Blauen B o l l". daß es sich mit dem i Tod verbrüdern köutue, um immer noch lebendig zu sei». Und es veUttüdcrt mit den Dingen, lüe hinter ihm stehen, und die uns anfechten, wenn wir eines Tages den Kopf heben, und aus dem festen Gesäge des gewohnten Dasein» hinausblicken, müde vom Gleichschritt der selbstgebauten Tretmühle, mit einer leichten Neu- gierde zu erfahren, wer wir denn eigentlich seien. Man kann hier kaum eindringlich genug loben: so ist es vielleicht am besten, wenn man die Stimmung gibt, die vom Werk herüberweht, denn man müßte ein Dichter sein wie Barlach und subtilste Dinge in derbstes Leben umsetzen können, ohne Verlust— wie er. Ein Gutsbesitzer, stark, stiernackig, vital, üb«rjd)reitct den Höhepunkt seines Lebens.„Der blaue Boll", dem nichts zu teuer, nichts zu schwer war, bisher. Und jetzt gerät er in das Labyrint seiner eigenen geheimsten Blutbahnen, die gespenstisch mit dem Herzschlag von ein paar Menschen zusammenhängen, die er kaum kennt. Eine letzte Liebestollheit des Fleisches, wandelt sich in«inen Weg der Erlöstmg aus Schmach und unwürdiger Enge. Heinrich George ist für diese Rolle geboren, oder dies« Roll« für ihn. Man kann sich keine bessere Besetzung denken Margarete M elzer erwirbt sich in der Rolle der.F)exe' den Titel«iner großen Künstlerin. Jürgen Fehling, der Regisseur, gibt den „Herrgott" mit viel Orlginalität, und in diesem Stück war auch sonst kein Darsteller, der nicht das Maximum feiner Leistung hergegeben hätte. Berkachs Werk rd-lte feine Interpreten. Sofern Bühnenbildkunst ein Ten der Inszenierung ist, hat Nobelste Schauspielerkunst Frankreichs. Dumas Oer Lungere:„Demi-Monde". Um Mitternacht war es zu Ende. Eine französische Dawe neben mir entrüstete sich:„Welch«in niederträdstiges Stück!" In, das stimmte. Dumas war von zwei Menschenalieru ganz unbarmherzig. Die Frau, das berühmte und verhätschelte Liebeswesen der franzosischen Dramatik, wurde plötzlich zur Angeklagten. Jedes Milleid wurde ihr versagt. Ihr wurde nicht verziehen, wie Balzac ihr ver- zieh, weil jedes weibliche Wesen eine Verwandte der Gottesmutter sei. lliein, in die verachtete Halbwest wurde sie hineingestoßen, wenn sie sid) aus der Portierloge in die Palastgemächer der Gesellschajt ein- schleichen wollte, die mit ihr zu Bett ging. Abgelehnt wurde die Ehe- schleicherei der tapferen Halbweltdame von dem jüngeren Dumas, and er wurde zu jeiner Zeit als ein patriotischer Tugendbold gefeiert. Darüber hinaus war er ein entzückender Theatermann. Herrlich verstand er das Bühnenhandwerk. Wo existiert heute nach ein deutsches Bürgerschauspiel, das nach 60 bis 70 Jahren erträglich wäre? Bei Dumas wirkt noch heule ssde Szene als Extrakt der hellsichtigsten Theaterlogik. Was für ein prächtiger Regisseur er war! Eine Anekdote beleg« es: er wohnte auf dem Lande. Bei einem Theaterabend haste er sich verspätet. Der Schauspieler Me- lingue bot ihm Gastfreundschaft in Paris an Man ging schlafen. Mitten in der Nacht hörte Melinguc in der Wohnung Ricsenlärin. Aus dem Zimmer des Gastes Dumas spektakelte es. Erschreckt eilte Melingu« herbei. Da sah er. daß Dumas in seinem Gastzimmer die Möbel umstellte, bevor er sich zu Bette begab. Das war echt Dumas. Der Dramatiker mußte stets Regie machen, wohin er auch kam: mit Möbeln, mit Menschen, mit Schicksalsmachten, mit Moral» Prinzipien. Darum ist er heute noch ein so wirksamer Dramatiker. Daß er den Frauen das Wahlrecht über ihr Lebensschicksal oer- weigerte, ist nicht verwunderlich. Die Franzosen geben auch heute iwch den Frauen keinerlei Wahlrecht. Clemenceou wurde gefragt, warum er diese Reaktion nicht abschaffe.„Was," schrie er..chen Frauen das Wahlrecht geben? Es ist schon traurig genug, daß man es den Männern nicht wegnehmen kann!" _ Diese Herrin der Halbwelt paßt vortrefflich zur Kunst der Madam« S o r e l. Außerordentlich beherrscht sie das Register ihrer Kunst. Ein Ton für den Sdzmerz, ein anderer für den Hohn, ein dritter für den Aufruhr ein vierter für die Zärtlichkeit. Meisterlich wird das alles vorgebracht. Aus diese Künstlerin trifft das Paradox über den Schauspieler zu. das Diderot einstmals so genial auflösts. Kalt, blütig eignet sie sich alle technische» Talente zur BewSUizung des Seelenousdrucks an, und hieraus wurde diese Künstlichkeit zu ihrer Zwesten Natur. Nichts Besseres und nichts Lobenswerteres läßt sich über sie sagen.~ Herr L e Bargy bemeistert die gleiche Virtuosität. Er spielt wundervoll mit seinem Talent. Alles scheint Leben, obwohl alles nur vollendete Kunst ist. Seine Virtuosität wirft sich auf die Intelli- genz, die Virtuosität der Madame Sarel auf die Leidenschaft. Da wir heute die Klugheit höher schätzen als das hitzige Gefühl, ge- langen wir zu dem Schlüsse, der allerdings ein Trugschluß ist, daß Lc Bargy der leichtere Charokteristiker, also der behendere Komödiant ist. Beide, der Herr und die Dam«, auf der Bühne das Paar, das sich mit den zündenden Repliken herauszusorder» hat. repräsentieren die Blüte und das Beispiel der nobelsten Schouspielerkunst Frank- reiche. Max Hochdorü Gäste in der Städtischen Oper. „Carmen" und„Rigoletto". „Carmen" mit George Vaklanofs,.Migoletto" mit Jean Kipura— zwei Vorstellungen aus dem ständigen Repertoire, wir erhalten gewissermaßen ein Bild vom Alltag der Städtischen Oper. Allerdings beide Ausführungen wohl ein bißd)«n auf neu hergerichtet für dic Presse, die um der berühmten Gäste willen zur Berichterstattung eingeladen ist. Ein französisch singender Bariton, ein italienisch singender Tenor im deutschen Ensemble, Zwicgesang und Wechselrede in zwei Sprachen, daß der künstlerische Gesamteindruck unter solcher Uneinheillichkcit allemal leidet, ist selbst» verständtich. In der Tot konzentriert sich das Interesse an Abenden dieser Art wesentlich auf die Darbietung Ijps Gastes: und die Auf- merksomkest vom Ganzen abgelenkt, wendet sich vergleichend dem Detail der Darstellung, den fängerischen EinzeUeistungen zu. Solcher Betrodstungsweise kommt„Rigolet! o" mehr entgegen als„Carmen". Die Wirkung ist hier immer zum große« Teil auf die Besetzung von drei Rollen gestellt. Jean Kipura als Herzog jugendlich, strahlend im verführerischen Glanz seines herrlichen Organs, von einnehmender Liebenswürdiglest, wenn auch gewiß ohne überragende Schauspielerguolität— der junge Künstler hat, seit er zum erstenmal auf einer Berliner Opernbühn« erschien, an der Mailänder Skala, in der strengen Schul« Toscaniniz be- deutende Fortschritte auf dem Weg zur Vollkommenheit gemocht. Mit Hans Rein mors stimmlich außerordentlichem, persönlich fesselnden Rigoletto, mit M o r g u e r i t e P e r r a s, die als Gilda, mädd)enhaft rührend, eine gesanglich überragende Leistung bietet, hat die Städtische Oper einen sehr glücklichen Abend. Viel weniger erfreulich ist der Gesamteindnick der„C arme n"- Vorstellung. Die Rolle des Escammillo, der nur drei ganz kurze Auftritte hat, gibt dem Gast, George Baklanoff, kaum Gelegenheit, beherrschend hervorzutreten. Die faszinierende PersSn- lichkeit des großen Bühnenkünstlers ist sozusagen nur momentweise zu spüren: allerding- ist auch die Begrenztheit seiner stimmlichen Möglichkeiten nicht zu überhören. Mafalda S a l v a t i n i, un- sehlbar in der Beherrsdzung ihrer schönen Mittel, gestallet die Carmen auch inst schauspielerischer Ueberlegenheit. Ihr Partner, Don Jose, läßt sich erst im Sdstußduett in dl« Höhe der musikalischen Situation mitreihen. Die Aufführung, die erst in der vorigen Spielzeit neu herausgebrocht worden ist, zeigt in den Chor- und Tnsembleszenen schon Spuren gelockerter Disziplin, auch im Musiko- tischen— trotz Leo Blech, der in dieier von ihm unzählige Male von ihm dirigierten Over durch ungewohnt« Uebernuancierung der Tempos mehr befremdet als überzeugt. K. P. Exwilhclm verschärft fiunfiivcric in Amerika? Aus New Park wird gemeldet, daß ein großes amerikanisches Kunstauktionsyaus eine Versteigerung wertvoller Gemälde aller Art ankündigt, die aus dem Besitz Wilhelms II. stammen sollen. Der Aution.skatalog nennt Werke von Franz Hals, Werner. Terborgh, Rujsdael, Murillo, Tiutoretto, Tingoto usw. Es wird nötig sein, dieser Scdse aus den Grund zu gehen. Ein Abbe-Insttkut in Zeno. An der Universität Jena ist ein neues Institut für wissenschzstlidie Mikroskopie und angewandte Optik sowie' für mathematische Forschung eröffnet worden, das nach dem großen Jenaer Theoretilcr und Praktiker der Optik, Prof. Ernst Abbe» benannt worden ist. Leitland— Deutschland Die östlichen Arbeiterboxer sieben 7: 5 Die deutschen Ztrbcikcrathletcn halten sich Sport- freunde aus Lettland herübergeholt, die eine starke Box. Mannschaft mitbrachten. Nach den finnischen Arbeiter. sportlero sind jetzt auch mit den Letten Verbindungen herge- stellt, die sich nicht nur auf sportlichem Gebiet auswirken werden. die lettischen Arbeiterboxer, die auf einer kurzen. erfolgreichen Tournee eine Reihe von größeren deutschen Provinz- städten besuchten, schlössen gestern nachmittag ihr« Rundreis« mit dem Kampf gegen eine Berliner Mannschaft in den Pracht- salen am Märchonbrunnen ob. Das Treffen endet« mit einem ver- dienten 7:5-Si«g der lettischen©äste, die dabei gleichzeitig den Bertretern unserer Farben eine gehörige B o x l e x i o n erteilten. Waren in der Berliner Mannschaft zweifelsohne die schwereren Schläger vorhanden, so fetzten sich die Letten vermöge ihrer besseren Technik, die in allen©ewichtstlasien zu beob- achten war, durch. Mit wilder Schwingerei und Draufloskeilerci, wie es verschiedentlich der Fall war, ist nicht immer ein Kampf zu gewinnen. Für die Mitglieder der Berliner Arbeiter-Boxvereine, in denen anerkanntermaßen viel vorzügliches Material steckt, sollte der gestrige Kompsabend also in vielerlei Beziehungen«ine Lehre und zugleich ein Ansporn sein, es in Zukunft bester zu machen. Zudem wurde in die Veranstaltung noch ein Mißton hinein. getragen, der sich leicht hätte oermeiden lassen. Im Halbschwer- gewichtskampf wurde nämlich zuungunsten des Letten eine krasse Fehlentscheidung gefällt, was zu einem stürmischen Pubü- kumsprotcst führte. Schon vorher ließ die©enouigksst der Wer- tungen manches zu wünschen übrig. Es sei darum hier ausdrücklich frstgestellt, daß der Lette durch ein Fehlurteil mn seinen verdienten Sieg gebracht wurde. Nach einem Mannschaftsringen der �-Kloste um die 5lreismeist«rsch«ist zwischen Tegel und Sparta, das Tegel mit viel ©lück mit Ii1/!: 13/4 Punkten siegreich beendete, wurde die lettische und die Berliner Mannschaft im Ring vorgestellt. Im Namen des Kreisvorstandes des AABD. begrüßte Fischer die©äste und hieß sie in der Reichshauptstadt herzlich willkommen. Dann gab er die Kampsstätte für das Turnier frei. Im Fliegengewicht traf D o l g i c e r» Lettland auf L ö f f l« r. Der Lette gab nie die Führung aus der Hand und schön in der ersten Runde zeichnete er das Gesicht seines Gegners durch genaue Treffer stark. Löffler lief wiederholt in die präzise gestochenen linken und rechten Geraden des Letten hinein, oermochte selbst jedoch nie wirksam zu landen. Das Unentschieden war für ihn recht schmeichelhaft. Einen klaren Punktsieg errang D r e n g e r- Lettland über Z i« t l o w. Nach zwei fast ausgeglichenen Runden dominierte zum Schluß Drenyer so überlegen, daß ihm der Sieg zugesprochen werden mußte. Im Leichtgewicht entschied das Punktgericht zugunsten des Deutschen © o t t s ch a l k. Sein Gegner war M i t u tz t i- Lettland,©ottschalt hatte in der ersten Runde einige gute Momente, seine linken plaza-preisausschreiben. Stopper kamen überaus genau. Dann dreht« aber auch der Lette auf, er war weit beweglicher und lag von der 2. Runde an ständig im Angriff. Ein„Unentschieden" wäre dem Verlauf des Kampfes gerechter geworden. Im Weltergewicht schlug Podnyakov- Lettland, oft genug selbst in Gefahr, Kloß in der dritten Runde völlig groggy. Nur seine große Härte dürfte Kloß dafür behütet haben, mit dem Boden Bekanntschaft zu machen. Nun folgte das Treffen im H a l b- schwergewicht, besten Urteil, wenn es ginge, man schleunigst revidieren sollte. Der Lette hieß Switzewitsch— Reimers war der Name des Deutschen. Die erste Runde verlief auf beiden Sellen so abwartend, daß aus dem Publikum mehrfach der Ruf kam:„kämpfen" Auch die zwelle Runde brachte keinen über- wältigenden Schlagaustausch endete jedoch mll einem kleinen Plus des Letten. Die Schlußrunde zeigte dann die Ueberlegenhell Switze. witsch. Mit linken und rechten Schwingern, genauen Geraden, die sehr schnell kamen und bei Reimers erkennbare Wirkung verrieten, vergrößerte der Lette seinen Vorsprung und Hütte eigentlich gewinnen müssen, wenn nicht das Punktgericht...! Einen beinahe sensatio- nellen Ausgang nahm das Schwergewichtstresfen zwischen Kl e ßb e r g- Lettland und V ie ru s. Beide wollten es„wissen": in den beiden ersten Runden war es aber Vierus, der sieben- mal, einmal sogar bis„neun" auf die Bretter mußte. Die Schläge des Letten trafen haargenau: er selbst mußte einige schwere Sachen gegen den Magen einstecken. Als in der Schlußrunde oll- gemein der entscheidende Sieg des Lettländers erwartet wurde, gab es eine riesengroße Ueberraschung. Vierus erwischte Kleßberg so hart am Kinn, daß der Lette in die Knie sackte. Noch einmal koirnte der Deutsche seinen Gegner zu Boden zwingen, zu einem k. o. reichte es aber nicht mehr. Der Sieg des Letten war durch die Erfolge in den ersten Runden verdient. Von Vierus wird bei größerer Ringerfahrung noch manches zu erwarten sein. M FauN. Lichlcnberg. Aitaustaltr. lt;____. mann. Binqer gr. 8.— �rciMthgcr vom s Dezember>080 suid� H. gyru» Iliaftenttr 5; 95. fficir t, Biumenltr. 47; f> Go!t>»vlk, Rtautftt 3a; P. gie . Elmon-Dom-ZNaße 80. S7<£htct, T-mpelherrenftv Ä; L. gach- .-------------- Pa- emer, Alarm der Vreslauer Gewerkschaften. Die Not der Arbeiter auf dem Höhepunkt. Breslau. 8. Dezember. Die Ortsausschüsse Breslau des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes, des Allgemeinen Freien Angejtelltenbundes und des Allgemeinen Deutschen Veamtenbundes. hinter denen ins- gesamt etwa 8l>l)lll> Mitglieder stehen, hatten für Sonntag vormittag zu einer Kundgebung gegen Lohnabbau und für Förderung des Preisabbaues einberufen. Der Aufmarsch zu der Mastenversammlung a u s dem Platz der Republik erfolgte in großen©ruppenzügen von den verschiedenen Sammelplätzen aus. Nach einer Rede des©ewerkschaftssekretärs R u f f« r t, die durch mehrere Lautsprecher oerbreitet wurde, nahm die Versammlung eine Entschließung an, in der u. a. gefordert wird: Sicherung der sozialen Gesetzgebung, insbesondere der Leistungen der Arbellslosenversicherung, Arbeitsbeschasfungsprogramm umsasten- der Art, wesentliche Vermehrung der HauSzinssteuermittel für den Kleinwohnungsbau, Abbau der Zölle, schärfste Anwendung der Kartell nokvcrordnung. damit die behauptete Preisminderung auH dem letzten Derbraucher zugute kommt, unablässiger Druck auf die Zwischenhandelsgewinne, Offenlegung der Slenerlisten. Die seelische und körperliche Not Hat einen Grad erreicht, der nicht mehr gesteigert werden darf. wenn die Schranken von Gesetz und Sitte nicht niedergelegt werden sollen. Die Regierung wird aufgefordert, sich ihrer ärmsten Söhne und Töchter ebenso anzunehmen, wie sie sich der not» leidenden Landwirtschaft angenommen habe. Die Not der Landwirtschaft sei lediglich Folgeerscheinung der Not des Industrie- volles. Die Beseitigung der Arbeitslosigkeit und Erhöhung des Ein- kommens der breiten Mast« bedeute auch das Ende der Wirtschafts- krise._ Wetter für Berlin: Wechselnd bewölkt ohne erhebliche Nieder« schlage, Temperaturen weiterhin über Null, südwestliche Winde.— Für Deutschland: Ucberall veränderliches Wetter, strichweise leichte Niederschläge, auch im Osten Milderung. Montag, 8. Dezember. B• r I i a. 16.05 Staatssekretär Schulz: Eine Wandeniva durch deutsche Malerateliers. 16.30 Arien.(Oescbe Storch, Merzo-Sopran; Flücel: Jul. BDrser.) 16.45 Unterhaltungsmusik. 17.55 Hans Reimann liest eigene Ktndergedichfe. 18.15 Bücher zur Zeitgeschichtn.(Mikrophon: Dr. Felix Hirsch.) 18.25 Karl Emonts: Gewerkschaftliche Kimpfe und Schlichtungswesen. 18.50 Arbeltsmarkt. 18.55 Theater-Anekdoten(erzählt von Max Grube). 20.00 Balladen in Wort und Musik. Sprecher: Rudoll Rieth: Josef Pembaur, Flügel. 21.00 Tages- und Sportnachrichlcn. 21.10 Musikalisches Magazin. BelUe Heermann. Sopran; Paul Feher. Tenor- Herl. Funkchor.. Ug.; M. Albrecht Verbindende Worte: Walter Gronostay. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten, Anschlleüend bis 0J0; Tanzmusik. Königswusterbaosea. 16.00 Werklchrer Waltber Vogt: Werkarbelt Im Dienste des Weilraachtsfesles 17-30 Ein Weibnachtssingen. 18.00 Hygienisches Märchen von Dr. Mosbacher. erzählt von Olga Jacobsohn. 18.30 Prof. Dr. Lohmeyer: Die Schöpfungsgeschichte in den Religionen der Völker. 19.00 Englisch für Anfänger. 19.30 Prof. Dr. Dengler: Anbau der Kiefer. 20.00 Königsberg: Orchesterkonzert 21.10 Leipzig: Aus dem Leben für da* Leben. 21.40 Breslau: Das deutsche Volkslied. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnacbricbteu. 22.30 Leipzig: Bttttoer-Feler. Sernntinottl. für hie(Rtbcftion: Frenz illühs, Berlin:-Znieizcn: Ot»lecke, Berlin. Bering: Vorwärts Verlag 63. nt b. 6.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. hruckerei und Berlagsanltalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. ginbenfttnfie 8. thiergu 1 Beilage. Gegen üblen Mundgeruch. ,.2H will nicht ctrsStmen, Ihnen Mitteilung zu machen, daß ich seit dem Gebrauch Ihrer Zahnpaste„Chlorndtmi" nicht nur reine weihe Zähne besitze, sondern auch den bei mir sonst üblichen Mundgeruch verloren habe. Ich werde Ihr„Ghlorodont" aufs best« empfehlen." gez. G.(9., Mainz.— Man verlange nur die ach!« Chlorodont- Zahnpaste, Tube SO Pf. und i Mk., und weist jeden Ersatz dafür zurück. | r/ie. Thealet Ltdtlsptele usm> i' l.■ �■- 5JM.1.■■ 1.' J Ji<.LJ m j, Jf JJr M mag, 8. 12» stsats-3per Intbi d. Linden 99. A.-V tOi's Uhr losea Ende g. 23 Uhr Montag, 8, 12■ staut, oper Bismarckstt Oeschl Voreilig. 20 Uht Mftfnon Endec- 23#* üh1 KBio Konmeik Staats-Oper in Pili; du Republik. V.-B. 20 Uhr Set Earblendi! Sevilla Oelfestl. Retlanertaf Ende 22'x Lhr Staat). Schanspti. lim Oendanrttnir.OTi 17. Ä.-S. 20 Uhr Der Dlaue Boll Ende g-23'k Uhr Staat.Stliiüor-Tlioaier.üiailtlii 20 Uhr Nadif fifierm Kreml Ende gegen 22*/t Um_ PtAZA Tlgl. 5 0. 81» 1 Sonnt. 2, 5 u. t19 Alex. E 4 SC 66 I. Vorstellunf 50 Pf. bis 1 M. II. und III. Vorst. 1 bia S M. {Lilipatancr-Revae Melier und Wafner 4 Rastel Ii'« usw. Reichshallen-Theater AllabeniHidi 00 Soiutag, irntim. H7"! stettiner ssnger „Pepita vor fieridiiu" und dn andere grolle PrngranuD! Nachm. halbe Preise I Dönhoft- Brettl: Das örofjc Varleteprogramm I Tan*! WintRäj, - Garten- 8 Uhr. Zeeti. 2811 Bicita erlnkl Alex Hyd® u.». 12 Mü»icol-Lodi®s Fischer- Kopp®, Willi Schoeffer» Gr®:® Weiser, Erich Wolff 4 Karreys. Corr's und Betty usw. VolKshUhne Tbeiter im BUmrplali. 8 Uht Die matronn von cattaro Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Der Barbier von Sevilla toatl.Sdiiller-Tli. S Uhr MadilttPerin Kreml Theater am schtiiDeoerdamin S'.'s Uhi Die Quadratur des Kreises Oeatsdies M\n 8 Uhr Elisabeth von England vonrtrd Eratkier Kijie: BiIm gilptfi Kammerspieie 8Vj Uhi Der Dtener zuieter Herren von Carlo Goldonl Reqii: Mai halghardi •v. uhr CASINO-THEATER Lothringer Strahe 97 Neu. Ncal BerHeulcbe lebemann l>aso das grobe Festprogramm FOr die Leser: Gutschein 1—4 Pers. Fauicull 1.25 M. Sessel 1.75 M.— Sonstige Preise Rang 60. Parkett 75 Pia. Berliner lllk-TriO ei•■ k• i I B. W Lmhaetr: 74/»J Ute Komoüie 8'!» Uhr Oer Schwierige ,z liugi m liilnniiiilii Si?i«: Mn Biialanll. Mrd. Westeos Täglich 8-/4 ScoMttoDellcr OperefJcBerfolg I Viktoria undlhrHusar Dentsehts Iflnstler-Theel. 8jrtHr.3937. 8'/. Ott 8-/4 Uhr Zum oeldenen Anker ■tt Raus Dona Ott Sa.$fj. 4 Ohr Enili die Dctekti« von M 0.50 an Renaissance- Theater Steinplatz 6780 8-/4 Uhr: SnDfi.3J0(biIktPrJ VoroDtersodions von Max Alsberg und O E. Hesse Nenes Theater am Zoe■ liBahah-Zaa. StpL 655l Taglich 8-/4 Uhr idi betritt dldi nnr ans Liebe oii Emiiij StwiB Iis Gut Mit woch und Sonnabend 4 Uhr Sonntag 3 Uhr SmiM RiHftditi Fahrt in Minhcolaal Tpeateram SAlllbaaer damin Täglich 8-/4 Uhi Die Quadratur des Kreises Komödie v. Katajew Bit; IlSrdir, leaja, lilh larrt, Uagu. I essins-Tlieater fagi ich 8V'a Uh- Der grelle Listspiilerfolg Max Adaibert in Oer Mann, der schwelgt Kleines Theat. Täglich Vit Uhu Der groOe Erfolg UeloeSdivester und Idi Musik v. Benatzky, Neinische Oper Uhr ltckl, Sml l U Batiil in „Deml-Honde" von Dumas fils Plscator-DBlue (Wallner- Thealer) Alex. 4592-93. SV. Täglich SV. Mond von links Preise 0lSO-6.OOM. Alles ohne Geld! r Nur aal Telizahlond liefere , Kb Ani(tte.Disier.Paleto% lob» pen Bettwfisdie.TisdiwaMbe.Her' rrenwasdie. Gardinen, Beildetftcn j Steppdedten. Diwandedien, Netall-' Ibe Ben. Ruhebetten. Sdiranke, Sdiia- [j.lmnier, Grammophone n.a.. verteil 1 in kleinen Wodien- od. Honatsraien j Josel Steinbrecher Charlotlenburgl Canerslrabe 12(laden), Telepbra: Wilhelm SS) H�rrenk7eiderfsbrik Samowsky-äfllmen TAtater In der Slreseniinnilr. Täglich S-/. Uhr wie es euch getaut mit: lliudiid Bsrpcr. Dieilrapiek1 Komödienhaus Tägnch Pk übt g SointaBuduiLdllir Konto X Rose-Theater Gr.Fninklor»erStr.i32 Tel. Alex 3422 u. 3494 5 30 Uhr: Lelxter Familiea-Nacfaxa. Kukuli 8.15 Uhr: Der Diener zwei erHerren Die sefafine Galalhee Erster Klasse LMeSSnger Kottbusser Str. 6 F. 8. Oberb. 6070 Tfigl.«V. U- auch Sonntag und 3. Feiertag 31;» Uhi Vei oadiiS' DroDes VelhMdits tesispl«) Tajol. 11-2.»kna.«i 6 oer b C 2, snanaane äfr. 7. vor'. n itr Rjlin-Wiiktiii-strrf« Tirkaol onltr„Bisflialtoao t. Zvisdiaasanfieis dinh ia den Kocuauote.. WiatermäDtci. schwere Ware 49— M blaue Kammgaro-Aazage, rsin Kammgarn 4«.— M.. Anzöge and Mäntel nach Maßangabe aus reinwollenen haltnaren Stoffen 74.— M dr. Stou.flger. Jflnglings- u. Knabenbekleidung gleichfalls zu Engros-Preisen. unverbindlicher Lagerbesuch erbeten. Erich Wilde Hans Rose Edgar Kanisoh ROSE-THEATER BroBe Vmnlcfartrr 5trnBe 13a Billettkasse; Alex. 3422 and 3494 Täglich 8'5, Sonnabends 7 und t0,s Uht. Sonntags i", 5*,■ Uhr ner ür,.-lü.uuU l,-v-A Uend „Diener zweier Herren" „Die schöne Galathee" und„Erster Klasse-- Heute nachmittag S" Uhr „KUKULI" Mittwoeh 5 Uhr und Sonnabend«n Ohl , Bastelhans und Quasselgretc WeihnaobtsmSrohen von Vicky Baum Freitag 5 Ghr:„Peterchem» Mondfabrt* Unser Welhnachtsprogramm: 1. und 2. Feiertag ■i Uhr: Zum letzten Male Bunnemanu übt Zum letzten Male„Kuknü«' 0 Uhr* DoMarpr Inzrssia" 3. Feiertag: 4« Ü.:„Rastel lian« n. Quasnelarretc4' 7 a. 10� Uhr;»»Die Dollar prlaxessln1* Oer Vorverkauf 1*+ cröifnel. wirk tarn sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des„Verwarte' und treudem metropoMlieaier Täglich»-/, Uhr Schön ist die Welt Operette von Lehär RtolTaaim.Giltttipii. SdiOtzniiirf. uustspfemaus Kurt Götz Täglich 8-/4 Uhi HOKUSPOKUS URANIA Frtilij. du 12. Dsumber abends SV. Uhr in UogniHdi-Yiiduv- 8z«. Luismir. 58-59 Dr. med. N. Kaufmann: „Filnrelse dar© den Uensdien- kSmer Batcntmütrafif tt „Btimifruna*. Mr- toUhcttcn.-äufltae. uictcatzcu. ckbailr. Tonauts. Walto:, Sfargarbctfttahe adstÄChn. ÄoinLai-tn Röbclhaus Stein, vei»bezg»w«a i L nrrfauft preiswert Sd)Iafj;mmcr473,—, 6t»iff*'tnmsr.'!73.—, Ankleiboschränte mit Spiegel 180,-, 9hiftbaumSDfi-'t, Rüchen, Bolfter- waren, gahlungs- erleichieruna." »ihel kauten Sie uuier Preis, auch Zah- lungserleidNcrunq. Benben Sie sich oerirauensvoll unier Tbiffre A. io Vor. wärt»» Spcbition Markusstrabe 26. Mazi»- iRstruftsnts ifemaute monsi Piano«— SläqeL Sliesenlager. Sedi- fittn. Bllllhner. Steinwan. Schmechten. Salonvlatios Z75.-.390.-.423.-. gebrauchte Abenb- roth. Potsdamer- ürake 74. Röbelkänfer werk« Srcdti und bar Möbeida, ar, große Auswahl. kleine Preiiel Beispielsweile: Sdtlas, immer 4.�.— Speise, tmmeröl?,—. Herren, immer888.— i Spiegelfchränke 118,—, Dielengarni» tur 38,—. Anrichte» Eiche. 99,—. Messing, betlsi-IIe 56,—. Rtei» berschränke 48,— Thatselongue» 28/—. Metallbe tRelle 18/—. { Auflegemotrahe !13,— Sonstige Mo- bel angemessene .Breis«. Teiliablung aufschlagirei. Wo, chenrate». Monat-. raten. Sallarobait bis ,ehn Bro,ent. auch auf-An»ahlun» aen. Kredit« bis ,wci Jahre Maß:. ger Zins. Katalog franko Haup-g«. schäft: Siealig. Schloßstraße 101: 2 (r-eid-ätf: Nenkälln Sermon tiptttl 7: 8 Geschäft: Belle Alliance-Straße Sä. llntergrunbkaäu; 4. Geschäfi: Kottbufs-r jEfr-z« T), v.::.-,..... 1 übe c ff llie rangt;.* I ffratr. Lialpianoo, überaus preiewert. Pianosabrif Link, Brunnenüraße Zä.» Lindström. appatate, Parlophon. Köster. Schrankapporate. Sifdmppatatc. Odeonplatten. Ba» tenwblunfl.ffiodttn- rate 8.—, Koffer. apparate 12.— auf» wärt». Tischovra- rate 8.— auswärts Werner, Adalbert. straße L.' fSstFFSdßF Gebrauchte iZahrräber 15,—, 20,- 25,- 30,—, 33,—. M-chno«, Weinmeiiterstr. 14. |Kayloesüctie| gahngt bisse. BlatinabläDc Lät- nn, Blei. Queck» ber.Stlberschmel,«. Goldtchm-l,«r«t Cbrisiionat. Kope- uickerüraße 88. Sülttst-Jkt oThrrf- 1 ,i •MI Beilage Montag, S. Dezember 1930 S-vAbmS o/n(i ktfn(fin yfo* toi'offtKÄ Der Sträfling als Polizeichef Vidoeq erzählt seine Geschichte Hundert Jal>r« find«s her. daß Vidocq, Chef dsr geheimen Polizei von Paris, fein« Memoiren veröffentlichte. Min hatte ihn feines Amtes enthoben, und die unsreiwillige Muhe gebrauchte der tatcnfreudige Mami, um vor sich selbst und der Menschheit Rechen- schost Über sein Leben abzulegen. Was Eingeweihte schon lange wußten und worüber man in Paris munkelte, wurde hier offen ausgesprochen: Vidocq. der gefürchtcte P o l i z e i ch e f. der Organisator unh geniale Detektiv, war vor seinem Aufstieg auf der sozialen Stufenleiter Galeeren st rasltng gewesen, gewandter und viel bewunderter Ausbrecher, der Stolz des französischen Verbrecher- mms, das große Vorbild, bis er als Spitzel in den Dienst der Polizei trat und hier zu Einfluß und Ansehen gelangte. Die Memoiren hatten einen beispiellosen Erfolg, so daß sogar unbekannte Autoren ähnlich« Bücher unter Vidoeqs Nomen veröffentlichten. Balzac, der mit Vidocq befreundet war. wählte ihn als Vorbild zu seinem großen Verbrecher Dautrin alias Carlos de Hcrrera. Der Erfolg, den Vidocq erzielte, lag weniger in der künstlerischen Qualität des Buches als in dem interessanten Stoff, der gleichzeitig gewiss« Methoden der damaligen Polizei von Paris, die als die beste der Welt galt, schonungslos enthüllte. Run schreibt Vidocq keineswegs mit einer anllägerischen Geste, sondern völlig naiv, kunstlos, nur referierend, oder dos Tatsachenmaterial ohne besondere Akzentuierung genügt bereits, um diese merkwürdige Zeit, nämlich die der Revolution, des ersten Karserreiches und der Nestau> ration klar zu belichten und das in den Vordergrund zu rucken, was in offiziellen Gofchichtswerken gern vergessen wird. Das Buch liegt nun in neuer Bearbeitung und Ueberfetzung durch Karl Zolles im Verlag Bücherkrcis G. m. b. H. Berlin vor. Der modern« Leser ist durch zweierlei gefesselt: durch die Persönlichkeit des Verfassers und durch die Schilderung der Zeit. Gefängnisse... Eugene Franqois Vidocq wird im letzten Drittel des achtzehnten Jahrhunderts in A r r a s geboren. Seine Eltern sind einfache Bäckersleut«, die sich darauf vorbereiten, ihren Lebensabend in an- genehmer Ruhe zu beschliehen. Eugene soll Handwerker werden, ober er findet keine Freude am Lernen und an bürgerlicher Ord- nung, er übt mit größerem Vergnügen sein« Körperkräfte und beginnt schon in früher Jugend, sich in Kneipen schlimmster Art herumzutreiben. Das Geld, das er braucht, stiehlt er aus der väterlichen Lasse. Die Diebereien werden entdeckt, und Eugene flieht aus Furcht vor Strafe, und damit fängt dos abenteuer- liehe Leben an, dos ihn über allerlei Jahrmarktsderufe Und kleinere Vergehe» schließlich nach Arras ins Gefängnis zurückführt. Vidocq schallet hier«in. daß es fast für jeden Menschen, un- möglich ist, sich aus den Maschen des Gesetzes zu lösen, wenn er nicht über Geld oder Beziehungen verfügt. Immer wieder wird er sich darin verstricken. Auch bei ihm liegt der Fall ähnlich. Ge- wohnt an ein freies Leben, bricht Vidocq aus den Ee- fängnifsen aus, treibt sich in Frankreich herum, versucht viele Berufe, tritt in die Revolutionsarmee sin, wird hier erkannt und von neuem verhaftet. Die Strafen verschärfen sich. Man legt ihm «in schweres Verl, rechen zur Last, dos er übrigens nicht begangen hat. und schickt ihn a u f die Galeere ins Bagno, und hier erhäll Vidocq die letzte Ausbildung in der Kunst des Verbrechens. Flucht ist der eine einzige Gedanke, und sie gelingt. Als Gehetzter zieht er durch Frankreich. Hin und wieder gewinnt er Zeit vor den Verfolgungen, bis die Polizei oder«in Komplice ihn wieder aufstöbern, und die Jagd von neuem beginnt. Vom Spitzel zum Polizeichef. Ermüdet stellt sich Vidocq in Lyon der Polizei und unterbreitet ihr gleichzeitig einen groß angelegten Betrugsplan, m den er eingeweiht worden ist, und von diesem Augenblick an setzt sein« Tätigkeit als Spitzel ein. Wissender um die ge- heimsten Schlupfwinkel, Bekannter aller mehr oder minder renom- mierter Zunftkollegen, Schauspieler mit erstaunlicher Wandlung*- fähigkeit, Organisator von hohen Gaben, bleibt er für den Beruf des Polizeispitzels prädestiniert. Zuerst ist er noch nicht Angestellter der Polizei. Als Vidocq geht er in die Kaschemmen, sein Rame strahlt dort in vollstem Glanz, man fühll sich geschmeichell durch seine Gegenwart,«rzählt ihm alles, was man vorhat, und diese Pläne verrät Vidocq sofort der Polizei Er läßt sich, um keinen Verdacht zu erregen, selbst verhaften und ins Gefängnis sperren, aber schließlich sickert die Nachricht durch, daß er Geheimagent ge- worden ist. Vidocq, nun Leiter des Geheimdienstes, greift zur Maske, die er virtuos zu handhaben versteht. Was Conan Doyle, Sven Eloestadt oder Edgar Wallare geschickt erfunden haben, ist hier bei Vidocq Wirklichkeit: Der Detektiv wird zum genialen Verwandlungskünstler, bei dem jede Geste, jeder Tonfall absolut echt wirkt. An d«r Spitze des Sicherheitsdienstes säubert er Paris und Nordfrankreich von den Verbrecherbanden und wird sck'licßlich P o l i z e i ch e f. Ist für Vidocq. als er selbst noch in ständiger Fluchtbcreisschaft leben mußt«, der Verbrecher ir den meisten Fällen eine bedauerns- werte Existenz, so wandelt sich dieses Urteil, je höher Vidocq steigt Der Verbrecher erscheint ihm schließlich als der Abschaum der m-nsch- lichen Gesellschaft, für den es keine Ensschuldigunq gibt. Dieselben Taten, die er, da er sie ausführte, mit einer Gloriole versah, werden jetzt zu schweren, verabscheuenswürdigen Vergehen gestempelt. Man darf niin aber nicht denken, daß sich Vidocq mll steigendem bürger- lieben Ruf bewußt die Mask« d«s Moralheuchlers umbindet. Das ist nicht der Fall. Beide Bewertungen sind echt, stammen aus seinem ursprünglichen Temperament. Jenseits von Gut und Böse. Vidocq ist ein« viel vital«, gradgewachstme Natur, viel zu lehr in dm Genüssen des Lebens verwurzelt, als daß«r besonderen Wert auf moralische Anschauungen legte. Er ist auch für diese Pose zu naiv, zu unkompliziert, er steht im Grunde seines Wcsens jenseits von Gut und Böse, lenseits jedes moralischen Urteils, das nur durch die Umstände, unter denen er {ebi, begründet wird. Lidoeq kümmert sich um diese Ding««cht. und er kümmert sich ebenso wenig um die Dinge cier großen Welt. Man muß in Betracht ziehen, daß die Memoiren die Zell von der Revolution bis nach den Befreiungskriegen umspannen, also die Zeit, da der freihellliche Gedanke Frankreichs, da R a p o l e o n Europa erschütterte. Der große Korfe wird bei Vidocq nur in einem Nebensatz erwähnt. Um die offizielle Geschichte, um die wtrt- schaftlichen und politischen Verknüpfungen kümmert sich Vidocq nicht, sein Auge, das mißerovdentlich scharf sieht, ist nur auf das ihm Naheliegende gerichtet. Vidocq ist der egozentrisch« Mensch, der in seinem naiven Bewußtsein die Well um sich rotieren läßt, er ist der Ausdruck«in« stark indioidualsstischen Epoche. Jeder sein eigener Napoleon. Deshalb findet man in seinen Memoiren keine Glossen oder Kommentierungen ,zur Öffentlichen, bekannten Zeitgeschichte, aber man findet etwas anderes, das ebenso wertvoll und viel sellen« ist, man findet ein Porträt des unoffiziellen Frankreich jener Zeit. Es wird gezeigt, was hinter einer glänzenden Kulisse vorgeht. Das Elend enthüllt sich, das Revolution und Rcstourationskriege über viele Menschen gebracht haben. Die steuerliche Ausbeutung der Massen durch das bourbonssche Königtum, die Kämpfe der Revolutionszeit und die Kriege Napoleons schaffen eine besondere demoralisierte Gejellschaftsschicht, di« tiefer steht als das Lumpenproletariat, die dahinvegetiert oder von Hoch- stopelei und Verbrechen lebt. Diose Hochstapeleien werden in den meisten Fällen in den Uniformen der regulären Armee ausgeführt. In Flandern findet Vidocq eine Reihe früherer Käme- raden aus dem Gefängnis und dem Bagno, die die Roll« höherer Offiziere freiwillig übernommen haben und ausgezeichnet dabei leben. Die Uniform machte damals schon alles. Gefälschte Ausweispapiere helfen diesen„fjelfcen" dazu, sich von den Proviantämtern verpflegen zu lassen und von Privatleuten reiche Geldmittel zu erhalten. Das geht bei der schlechten Berständiaungs- und Verbindungsmöglichkeit der damaligen Zell jahrelang ungestört weiter. Nur allmählich verschwindet ein„Held" nach dem anderen von der Vildflöche Und wandert den Weg ins Bagno zurück. Andere schließen sich in Banden zusammen, die vor allem dos offen« Land plündern und brandschatzen. Die schlimmste Vereinigung dieser Art bilden die sogenannten„clizukleurs", die den Bauern und Besitzern die Füße verbrennen, um ihnen das Ge- ständnis zu erpressen, wo sie Geld versteckt haben. Immer neuen Zulauf«hallen dies« Derbrecherorgauisationcn besonders von Deser- teuren und entlassenen Soldaten, und erst in den zwanziger Jahren bessert sich di« Log«. Daneben stehen Berichte über harmlose Einbrück)«, Betrügereien und Diebstähle. Bidocq, Galeerensträfling und Polizeichef. Per- brechcr und Spitzel, ist ein ausgezeichneter Erzähler, und sein Buch. besonders in dieser stark oerkürzten Fassung, hat kaum heute an Reiz verloren. Allreck Arna, Wieder am Meer Schlußbericht der LasistawExpedition Nach den ta gelangen Märschen durch Nebel und Nässe von den rauhen Bergen herunter bis ins südlich-müde Asferostol mußte in dem letzten Ort vor Rize, in Ambarlyk, ein ganzer Ruhetag«in- geschaltet werden. Die Treiber waren hier zu Hause und wollten unbedingt ihre Frauen und Kinder besuchen. Einer war schon vor» ausgeeill und hatte die Kund« von unserem Kommen verbreitet. Di« Kinder kamen uns entgegen und jubellen froh, daß ihr Bater von dem gefährlichen und selssamen Unternehmen wieder zurück war. Aber auch wir können die Ruhe gebrauchen. Zwar war das Tempo des Rückmarsches nicht allzu scharf gewesen, weil wir immer bei den langsam gehenden Pferden bleiben mußten, aber der e w i g« Nebel und ein leiser Sprühregen Holle unsere Sachen und Zelt wände durchnäßt. Wir zogen es deshalb vor, trotz unserer Angss vor Ungeziefer auf den Holzprllschen in dem großen Schlafraum des Hans(Ruhehaus) zu übernachten. Unser« Flitspritze halle entweder die Tierchen oerscheucht oder die Eingeborenen sind sauberer, als wir dachten, jedenfalls haben wir in dieser Nacht nichts von dem Grund» übel in den Schlafstellen des Orients gemerkt. Und der nächst« Tag war der genußreichste von allen: Nach den Anstrengungen gemeherische Ruhe, großes Reinemachen und das Esten nicht zu vergessen, denn nach der Cintönigkell der Höhenkost waren wir ausgehungert nach frischem Obst und Gemüse. G«- backen« Maiskolben, die gerade reifen Nüsfe und frische Melonenschnitte sind lange entbehrte Genüsse. Auf den glatt geschliffenen Steinen am Asferos wird der Schweiß aus den Hemden gewaschen und vor allen Dingen werden unsere schmierigen Körper selbst in die eiskalten Fluten getaucht. Am nächsten Morgen brechen wir in ausgezeichneter Stimmung, aber mit einem leisen Trauergcfühl, daß wir nun dieses einsame, ursprünglich- Land mll seinen rauhen, unkullioierten. aber ehrlichen Menschen verlassen müssen, zum letzten Marschtag zur Küste aus. Rücktchr«ach Rize. Als wir auf dein letzten Höhenzug vor der Küste angelangt sind, da können wir«s verstehen, daß einst die Griechen nach ihrem Marsche durch Kleinafien beim Wiedersehen des Schwarzen Meer's vor Freude weinten und die harten Krieger sich gegensellig umarmten. Heute genießen auch wir nach langem Aufenthall zwischen kahlen Felsen, öden, glatten Bergstrecken und ausgedörrten Wiesenhalden zum ersten Mal« wieder den Anblick des in der Sonne glitzernden klarblauen Meeres. Von demselben Paß aus, von dem wir vor Wochen den ersten ersehnten Blick nach dem fernen Hochgebirge halten, erblicken wir nun wieder die alte, lebendige, herrliche Hafen- st a d t Rize, ihre grünen, blühenden Gärten, ihre engen Bazorgassen und den Hasen mit den vielen, kleinen Feluggen, deren Segel im Wind« flattern. Auch unser großer Dampfer, der uns hierher gebracht hat. der stolze„R e s i d Pascha", liegt wieder draußen vor Anker, die- selben winzigen Fährboote umschwirren ihn wie Ameisen. Es hat sich nichts geändert. Es ist, als hätten wir einen kleinen Spazier- gang hier herauf gemacht und die ganz« Expedition wäre ein erhabener Traum. Freudigen Schrilles, als Sieger in einem friedlichen, großen Kampf« gegen die Unbilden der Natur, ziehen wir durch die Straßen Rizes, zurück zu unserem allen Lagerplatz'n dem Kasfeegarten am Strande. Fast werden wir noch mehr bestaunt als b«i unserem Abmarsch. Die Treib« bleiben gleich in der Stadt, um ihre Neuig- leiten auszuplaudern. Bald noch unserer Ankunft erscheinen auch verschiedene Vertreter des türkischen Klubs und hören erstaunt von unseren Erfolgen. Ihr« Freude darüber ist nicht ganz ungetrübt, denn bei ihrem aus» gesprochenen Nallonalstolz hätten sie sicher ihre eigenen Londsleut« lieber als Erste oben auf den unbeftiegenen Gipfeln gesehen. Trotzdem erkennen sie offen und freimütig unsere Leistung an und sind vor -allen Dingen stolz darauf, daß wir gerade ihren entlegenen Winkel ausgesucht haben, denn alles, was au» Europa, au» dem Westen kommt, ist Porblld, gehört zu dem neuen Geist der neuen Türkei, die durch die Methode Kemal Paschas und seiner Anhänger gekennzeichnet sst, dos Laird technisch und kulturell nach europäischem Vor» bildfelbständigzu machen, sich aber zugleich p o l i t i s ch n a ch dem Osten, nach Asien zu orientieren. Natioulllfeier i» Rize. Morgen sst gerade Feiertag zum Gedenken an den Sieg über die Griechen. All« Geschäfte sind geschlossen, jede Arbeit • ruht So müssen unsere armen' Treiber noch zwei Tage warten, bis sie ihren schwer verdienten Lohn ausbezahll bekommen können, denn die Banken haben bereits zugemacht. Auch unsere inzwischen sicher eingelaufene Post ist nirgends aufzufinden. Da unser treuer Uebersetzer Hassan plötzlich verschwunden ist— irgendeine Schön« wird ihn wohl schon sehnsüchtig erwartet haben—, versuchen wir mll Zeichensprache und unter Vorzeigen unserer Ausweise dem nichts rerstehenden Postbeamten unsere Wünsche klarzumachen. Doch es hilft nichts. Er zeigt uns ein paar unleserliche, türkische Briefe, aber unser erwartetes dickes Bündel aus Deutschland sst nickst auszutreiben. Am Abend erscheint plötzlich in unserem Lager«in f r a n z ö» fisch sprechender Motorradfahrer, ein Ingenieur au» der Schweiz, der zu unserer Freude ein ganzes Paket für uns be- stimmte Brief« abliefert. Die braven Postbeamten hallen die Auf- schrift nicht lesen können und da der Ingenieur der einzige in der Gegend ist, der öfters solche fremden Briese erhält, hatte man sie kurzerhand all« an ihn gehen lassen. lltun sitzt jeder ollein mit seinen Neuigkeiten aus der Heimat, uralte Zeitungen werden mit Wonne gelesen und zum ersten Male drehen sich di- langen Abendgespräche um deutsche Ding«, denn wir erfahren, daß inzwischen der Reichstag ausgelöst worden war und wir wohl gerade zur Neuwahl wieder zu Hause sein würden. Nationale Feiertage in den verschiedensten Ländern ähneln in ihrem Wesen wie ein Ei dem anderen. Die Parade, die An- sprachen, die Veteranenehrung, das sst hier fast ebenso wie in Kötzschenbroda. Ueberzeugend, begeistert ist die Jugend. Unter dem alten Sternenbanner auf einem modernen Rednerpull. in«uro- päischem Straßenanzug schreit und gestikuliert«in noch ganz junger Türke auf die immer noch nur aus Männern bestehend« Meng« auf dem Rathausplatz ein. Doch nachher kommen die langweiligen Mili- tärs, Fahnensch wenken. Griffe klopfen, stramm stehen, da- ist überall dasselbe. Uns hatte man als Ehrengäste einen besonderen Piotz zugewiesen, gleich neben den Vet-rancn, die in Gehrock und steifem Hut einen urkomischen Eindruck machen. Doch zum Schluß des Zuges kommt die jüngste Generation: Schulkinder. Buben und Müdels zusammen, in bunten Kleidern. singend, unter Führung der fortschrittlichen Lehrer die auch im türkischen Klub die intelligenteste Schicht ausmachen. Das alles sieht sehr europäisch aus. Als wir aber nach Schluß der Veranstaltung durch die engen Gasten nach Haus« gehen, da bemerken wir die vor- her unsichtbaren F r a u e n. wie sie in den Ecken kauern, miteinander schwatzen, aber keine von ihnen durfte vorher an der Feier teil- nehmen. Hier steckt noch schwärzester Orient. Auch am Abend zeigt sich der Rest der wilden Seele des Orien- talen. Nach dem Feuerwerk m der Stadt kehren die S o l- baten, an unserem Lager vorbei, auf der Landstraß« heim. Die ersten Reihen tragen Fackeln und«ine tosende Musik hatte uns schon lange vorher herbeigelockt, bis der merkwürdige Zug ar dem Kaffeehaus vorbeiging. Im hellen Schein der Fackeln tanzen drei Soldaten wild durcheinander über- schlagen sich, wirbeln in Paaren von einer Seite zur anderen. Wem wir nicht wüßten, daß der Koran Alkohol verbietet, und sich dm Ganz« nicht unter den Augen der Offiziere abspielt, könnte mar denken, sinnlos Betrunkene führen eine Horde freigelasiener Soldaten irgendwohin, um zu randalieren. Dabei ging es zum Dienst in die Kaserne. Da» war der letzte Tag in Klemajien. Karl Moeller. tievlin sendet Unbekannte vor dem ffäbvopbon Die Rundfunksender sind heute die Dortragspodicn und Lehrstühle, um die sich die Masse versannnell. Der Künstler, der sich von dieser Stelle aus bewährt, hat den Schritt in die Oefsent- lichkcit getan. Berlin versucht neuerdings, mit einer rcgeluiögigc» „Stunde der Unbekannten", die Möglichkeit zu diesem Schritt zu geben. Die Absicht verdient Dank: die Ausführung dieser Darbietung ist leider für Künstler und Publikum noch nicht recht befriedigend. Es hieße den Sinn des Rundfunks mißverstehen, wallte man ein« kritische Betrachtung dieser Neueinsührung aus der Perspektive der Künstler beginnen. Der Rundfunk ist ein« Einrichtung, die das Publikum bezahlt, aus die«z also das erst« Recht hat. Es kann von einer Veranstaltung verlangen, daß sie mindestens für einen großen Teil der Hörer lehrreich oder unterhaltend ist. Die„S t n n d c der Unbekannten" ist als Unterhaltiingsftundc gedacht. Für welche Gruppe von Hörern? Es wäre nichts weiter als sine billige Phrase, wollte man bchoupton, daß sie sich an olle Hörer wende. Aber so, wie gegenwärtig die Veranstaltung noch aufgebaut ist, gibt es tatsächlich keine Möglichkeit, die Hörerkreise zu bestiounen. die ihr immer wieder mit b«sond«rz freudigen oder gespannten Er- Wartungen entgegensehen können. Es ist leider auch zu befürchten, daß diese Hörcrkreise nicht existieren. Dos liegt nicht an den«in- zelnen Darbietungen, die man bisher In dieser Stunde ZU Gehör be- kam. Kein Verständiger wird von einem Experiment Bollkommen- heit erwarten. Aber was bisher geboten wurde, war in Aus- druckswollen und Ausdrucksmilleln viel zu artfremd zu- s a m m e n g e w ü r f e l t, um gespanntes Interesse, das vielleicht der ersten Stunde entgegengebracht wurde, wach zu erholten. Preßt man moderne und dem klassischen Stil nah« Musik, ernste Literatur und Kabarettkunst in ein« einzigen„Stunde de r Unbe- kannten" zusammen, so läßt man die Hörer das ihnen Ausagende und Aerständliche in dieser Veranstaltung durch den Aerger über des ihnen Unverständliche und Mißiallendc bezahlen. Diese Stunde, die das Kunstwissen bereichern sollt« und als wichtige geistige Anregung für die Hörer gedacht war, sinkt dadurch in ihrem Wert beträchtlich. Für die erste„Stunde der Unbekannten" hatte die Vielheit der Darbietungen ein« Berechtigung: man tonnte sie als Programm der ganzen Neueinsührung nehmen. Run aber kann man erwarten, daß jede einzelne Stunde ihren klaren Charakter bekommt. Das braucht ja keinesfalls zu heißen, daß nun etwa eine Stunde lang nur ernste Literatur»der nur moderne Musik oder nur Schlager und Chansons geboten werden sollen. Dielleicht sollte man zugunsten der Abwechstung überhaupt eine deutliche Zweiteilung vornehmen: z. B ein« halbe Stunde ernste,«ine halbe Stunde heiter« Kunst: eine halb« Stunde Musik, eine halbe Stunde Literatur. Bei dieser letzten Einteilung wäre es durchaus möglich, daß man vor dem Konzert«in Gedicht sprechen, nach den Rezitationen eine Komposition zum Vortrag bringen läßt: ober diese Vor- und Nachspeisen sollen ja den, auf andere Kost ein- gestellten Hörer das ganze Menü noch schmackhafter machen, nicht ihm den Appetit daran oerderben. Darum muß ihre Auswalst besonders vorsichtig getroffen werden. Mit solcher Programmgestaltung wäre auch den bis dahin un- bekannten Künstlern gedient. Ihr« Darbietungen fänden einen gruiidsätzllch ausnahmebereiten Hörerkreis. Di« Veranstaltung verlöre aber auch für sie selber den srastigen Examencharakter, was auf die Darbietungen der nachschauenden Künstler nicht ohne Ein- sluß bleiben dürste—«in Gewinn natürlich auch für die Hörer. In, Interesse der Künstler vor ollem ist aber eins zu fordern: daß, sofern es nicht aus besonderen Gründen dem Künstler selber un> erwünscht ist, der Name des„Unbekannten"' deutlich gemacht wird. Der von dem Mikrophon«in- oder höchstens zweimal genannte Name wird von den meisten Hörern sofort wieder ver- gessen. Notwendig erscheint es deshalb, daß im Funkwocheu- Programm, falls die Ausstellung einer genau geordneten Ueber- ficht noch nicht möglich ist. wenigstens die Namen der Mitwirkenden und die Art ihrer Darbietungen aufgeführt werden: damit die Un- dekannten wirklich aus dem Dunkel heraustreten. Hoffentlich gelingt es der Funkstunde, recht viel« Künstler vor das Mikrophon zu bringen, denen man diese Gelegenheit, bekannt zu werden, wünschen kann. Es spricht für Edles Koppen, den Leiter der Literarischen Abteilung, der auch für diese Dar- bietung verantwortlich.zeichnet, daß er gerode aus dem Gebiete der Literatur sowohl in den schafsenden als auch in den nachschasfeitden Künstlern«ine nicht schlechte Auswahl traf. Daß da» ganz große Genie noch nicht darunter war, wird ihm sicher niemand zum Vorwurf machen; übrigeng würde es wahrscheinlich kaum einer merken, wenn es wirklich in dieser Stunde erschiene. Sie kann mit ihren rasch wechselnden Darbietungen nur das erste grobe Sieb für Talente und Talentchen sein. Wer die Funkstunde sollte denen, die sich bei dieser ersten Probe wirtlich bewährt haben, auch Gelegenheit geben, wieder vor das Mikrophon zu treten— falls dos möglich ist. Es gibt ja manchen Pubertätszcitliteraten. dem unter Dutzenden schlechter Gedichte und minderwertiger Novellen ein einziger guter Wurf gelingt. Es liegt kein Grund vor, dieses ewe girte Werk den Hörern vorzuenthalten, aber erst recht keiner, nun daraufhin auch feine wertlosen Produtte vor das Mikrophon zu bringen. Auch von den musikalischen Darbietungen, besonders von denen der ausübenden Künstler schien manches ver- heißungsvoll— obschon schweres Mikrophonfiebcr manches Können offensichtlich ungünstig beeinflußte. Auch hier muß die Forderung gelten: schafft denen, die dies« erste Probe be- standen, die Möglichkeit, ihr Können in etwas umfangreicherem Maß« im Rundsunk zu beweisen. Daraus soll keine regelmäßige Der- p f l i ch t u n g des Rundstrnks gegen die Künstler erwachsen; aber der Weg in die'Oesfentlichkeit könnte durch solch ein zweites Auf- treten vielleicht doch manchem Künstler wirklich erschlossen werden. Ein dramatisches Werk, das in der ersten„Stunde der Unbekannten" teilweise zu Gehör gebrocht wurde, ließ wahrscheinlich bei Wielen Hörern den Wunsch wach werden, es als S e n de sp i el zu erleben. Allerdings ist es begreiflich, daß die Funkstunde nickst unmittelbar nach furchtbaren Bsrgkatastrophen ein Hörspiel mit diesem Inhall zur Aufführung bringen will und die Sendung für einen späteren Termin festsetzt. Aber vielleicht würden es viele Hörer der„Stunde der Ue- bekannten" begrüßen, wenn vor Beginn dieser Veranstaltung ae- legentlich mitgeteilt werden würde, ob und welche Bereicherungen für dos künftige Funkprogramm sich aus den bisherigen Versuchs» stunden ergeben sollen. Gin einziger wirtlicher Fehlschlag war in diejen beiden ersten Stunden zu oerzeichnen. Nu» wird man naturgemäß mit einzelnen Fehlschlagen bc! dieser Veranstaltung immer rechnen müsten, und man darf sie nicht schwer bewerten. Hier scheitert« aber jemand an einer Ausgabe, von der es sich wohl hätte voraussehen lassen, ob er chr gewachsen war oder mcht. Die.Reportage aus dem Senderaum" war ein durch keinerlei merkliche Spuren von wirklicher Darstellungs- gäbe getrübtes Gerede. Die Unfähigkeit des jungen Mannes, welent- kinjes zu beobachirn und anderen an'chanllch ni machen, trat ls deut- lich zu Tage, daß man sie nicht als bloßes„Müraphonsiebce" deuten konnte. Tea. Hecblsf vagen dies Tages Ueben* VPeUmacbfsgvttiitikaliGii. Die neueste Rechtsprechung des Reichsgerichts und des Reichs- arbeitsgerichts hat der Weihnachtsgratifikation den Charakter des Gehaltes zugesprochen und hiermit zum Ausdruck gebracht, daß die söge nannte Gratifikation Entlohnung und nicht eine freiwillige Zuwendung ist. Einen klagbaren Rechtsanspruch auf die Gratifikation erwirbt der Arbeitnehmer aber nur dann, wenn der Arbeitgeber die Weihnachtsgratifikation frei- willig und regelmäßig seinen Angestellten gezahlt hat, ohne dabei jeweils bei der Auszahlung zu erkennen zu geben, daß sie jederzeit widerruflich und freiwillig erfolgt. Hieraus folgt, daß das Recht auf die Gratifikation als erworben angesehen werden mutz mit dem Zeitpunkt, an dem die Gratifikation regelmäßig verteilt wird, also zu Weihnachten oder zu Neujahr. Davon, daß der Arbeitnehmer noch über diesen Zeitpunkt hinaus im Dienste des Arbeitgebers verbleibt, wird der Arbeitgeber ihre Gewährung nicht mehr abhängig machen können, da der Zweck der Weihnachts- gratifikation, als Ansporn für weitere Dienstleistungen zu dienen, zwar im Sinne des Arbeitgebers liegen mag. aber von der Erfüllung dieses Zweckes kann der Anspruch nicht mehr abhängig gemacht werden. Es entsteht hier die Frage, ob den Anspruch auf Weihnachts- gratifikationen der Arbeitnehmer auch dann erwirbt, wenn er schon vor Weihnachten aus dem Dien st« ausscheidet. Hierzu hat das Reichsarbeitsgericht in einer Eickscheidung vom 4. Januar tWO Stellung genommen und das Bestehen eines Teilanspruchs auf Gratifikation für den Fall des freiwilligen vorzeitigen Ausscheidens mit Recht verneint; denn der Anspruch aus die Gratisttation entsteht nicht im Laufe des Jahres anteilmäßig, sondern erst zu Weihnachten oder zu dem Zeitpunkt, der für die Zahlung der Weihnachtsgratifikation oder Abschlußgratisikation ausdrücklich vereinbort ist, oder nach der regelmäßigen Uebung als vereinbart zu gellen hat. Trotzdem die Weihnachtsgratifikation dem reinen Gehalt gleichgestellt ist, kann also dennoch der Arbeitnehmer bei vorzeitigem Ausscheiden keinen anteilmäßigen Anspruch auf Gratifikation gellend machen; andernfalls würde der Arbeitnehmer, wie das Reichsarbeitsgericht ausführt, bei seinem Ausscheiden bereits in der ersten Lohnwoche des neuen Jahres ein Zweiund- fünfzigstel der Weihnachtsgratifikation zu beanspruchen haben. Eine derartige Auffassung würde auf eine völlige Einebnung des Unter- sch iedes zwischen dem Zeitlohn und der einmaligen auf Jahresends in Aussicht stehenden Zuwendung hinauslausen. Diese Gleich- stellung widerspricht der allgemeinen Verkehrsaufsassung, daß die zu Weihnachten oder zu Neujahr gewährte Gratifikation eine Ein- richtung ist, die aus der Eckte hervorgegangen ist, zu dem genannten Zeitpunkt andern eine Freude zu machen und dem Arbccknehmcr eine Beihilfe zu gewähre» zu den gesteigerten Bedürfnissen der Haushaltsführung, die sich um dies« Zeit einstellen und dem An- gestellton besonders fühlbar werden. Anders dagegen gestaltet sich die Rechtslage für den Arbeitnehmer infolge Kündigung seitens des Arbeit- gebers, oder wenn der Arbeitnehmer aus dem Dienst getreten ist aus Gründen, die in der Person des Arbeitgebers lagen. In: ersteren Falle muß dem Arbeitnehmer aus dem Gesichtspunkt des Z lS2 Absatz I BGB. dann ein Teilanspruch auf die Gratifikation zugestanden werden, wenn der Arbeckgeber in unzweifelhaft e r- kennbarer Absicht, die Auszahlung der Gratifikation zu vereckekn, dem Arbeitnehmer vielleicht nur wenige Wachen vor der Auszahlung aufgekündigt hat. z. B. zum 1. November oder zum 1. Dezember. In diesem Sonderfall hat der Arbeitgeber den Eintritt der Bedingung für t«s Entstehen der Gratifikationsschuldhaft ver- hindert. Hat dagegen der Arbeitgeber aus nicht vorgeschütztem, sondern triftigem Grund z. B. wegen Betriebsstillegung, Einschränkung des Betriebes, das Dienstverhältnis vor Weihnachten aufgekündigt, so kann von einer Verurteilung des Arbeitgebers zur Zahlung eines entsprechenden Teiles einer Weihnachtsgratifikation entsprechend dem oben Ausgeführten wegen Nlchtentftehung des Anspruches keine Rede fein. Gibt im letzteren Falle der Arbeitgeber durch fein Verhallen dem Arbecknehmer Veranlassung zur Kündigung. liegt somck ein wichtiger Grund sür die Auslösung des Dienstverhält- nisses seitens des Arbeitnehmers vor, so muß dieser Tatbestand ebenso behandell werden, wie der oben erwähnt«, tn dem der Arbeit- geber zum Zwecke der Vereitlung der Auszahlung der Gratifikation dem Arbeitnehmer gekündigt hat. Es müßte also auch hier eine Verurteilung des Arbeitgebers zur Zahlung eines Teiles der Gratifikation erfolgen, was auch das Reichsarbcitsgcricht in der oben erwähnten Entscheidung angedeutet hat. Hwiidwn Gillenberg und Stom Willy H« l l p a ch als Reformator beider christlicher Kirchen! Stünde dieser Titel aus dem mehr als fünfhundert Seiten umfassen- den bei S. Fischer erschienenen Buch des Heidelberger Professors, so wüßte der Leser von vornherein, was Hellpach Im Sinne hat. Er will nämlich ein«„Revision der Reformation" vornehmen, aber es soll bei dieser Gelegenheit auch der katholischen Kirche gezeigl werden, daß sie revisionsbedürftig ist. Nun, die christlichen Religicne» sind all, haben eine lange und stürmische Geschichte. Ob sie sich freilich von einem deutschen Professor, und seien feine Ideen in noch so be- gessterter Sprache vorgetragen, auf den richtigen Weg. den Forderun. gen des Tages und der Zeit gerecht zu werden, hinleiten lassen, kann man bezweifeln. Denn Religionen sind gesellschaftliche Machte und gesellschaftliche Mächte werden von gesellschaftlichen Kräften bestimmt. Um dieser Erkenntnis beizupflichten, muß man allerdings Marxist sein. Nun ist Marx zwar«In tugendhafter Hausvater— nach Hellpach—, aber seine Lehre„hat den suballernen Kleinkamps gezüchtet, der täglich und stündlich das.Llossenbewußtsein" an hundert Omsquilien aufpeitscht, den Pobelinstinkt der zwergenhaften Gehässigkeit großgezogen, das Keifen und Geisern de? Agitation, die ganze Einseitigkeit der Nichts-ols-ökonomischen-Blickrichtung, die Er- niedrigung auch der größten historischen Stunde durch Lohnsrag.m, die blöde Entgeistung aller Wcllbetrachtung, die Verzerrung des ganzen Daseins zum Fuiterplitz und jedes Strebens zum Geranie um den Futteranteil— das alles ist marxistisch im eigentlichen Sinne." tS. 284 ff.) Marxistisch? Nein, das ist„A n t i- M a r x! s- m u s". Diese Stell« mußte hier aufgezeichnet werden, vielleicht findet sie bald Eingang in die Nazipresse. Lassalle dagegen ist zwar ein Libertin, aber seine Lehren sind„tnorke".(Das letzte Wort gebrauchen wir, nicht Herr Professor Hellpach.) Eine böse, kompli- ziert« Welt, in der tugendhafte Haiisväter Gift und Galle spucken, ausschweifende Lebemänner jedoch Sittlichkeit und Begeisterung in die Well bringen. Ich gebe gerne zu, daß nicht olles dieser Probe entspricht, was Hellpach mitteilt. So finden sich einige gute Bcmer- fungen z. B. über die jung« Generation der Gegenwart—„die Generation ohne Geheimnis"—, sie wird weit verständnisvoller ge- würdigt als Karl Marx.— Die Gottssgliedschaft der Welt und des Menschen, auf der Hellpach besteht, muß man glauben, wider- legen kann man sie nicht. S. P. Mayer. WAS DER TAG BRINGT •wnimiiimiimnmmpiinnmnniimiiHiiiimiummmimimiini»iimiiHnmffliiinaiiiiuininnmiiji!uiii�iii;irimiimuuuiniimiuiiimi::iuiniiiuiiu:iii:niiiiguiiiiiiiiiiiuiu Die Rattenfänger von Liegnitz Jene schätzenswerten Mitbürger, die den Ratten dl« Flötsntön« beizubringen wußten, also daß st« da» Weichbild der Ecadt schleunigst oerließen, scheinen seck dem Mittelalter ausgestorben zu sein; die Ratten selbst leider nicht. Die Frage, wie diesen liebenswürdigen Tieren mit anderen Mitteln beizukommen sei, bildet deshalb eine Sorg« jeder rührigen Stadtocrwallung. und es macht dem fortschrckt- lichen Sinn der Stadtväter von L i e g n t tz Ehr«, daß sie den Kampf sozusagen psychologisch führten. In rühnger Erkenntnis der Tat- fache nämiich. daß der Mensch von Kopf bis Fuß aufs Materielle eingestellt ist, setzten sie für jede getötet« Ratte eine Belohnung aus, und zwar für jeden abgelieferten R a t t« n s ch w a n z die gar nicht niedrig« Summe von Z kl P f. Es ließ sich nicht verkennen, daß diese Maßnahme half: wenigstens wurden bei der zuständigen Stelle eine Umneng« von Schwänzen eingeliefert: eine derartige Meng« sogar, daß die zur Verfügung gestellten Mittel nicht ausreichten; man mußt« nachforschen, Jahr für Jahr stieg die notwendige Summe, und Heuer erreichte sie das dritte Tausend: 3000 M. sollten die Stadt- väter bewilligen, und das in diesem Winter der Sparsamkeit! Es war traurig, die guten Männer weinlen. ober der Zweck war heilig: sie bewilligten und sie nahmen sogar mit Freud« davon Kenntnis, daß sich ganz bestimmte, sonst nicht gerode beliebte Mit- bürger der Stadt Liegnitz in der Vertilgung von Rotten besonders hervortaten: hatte man es doch verstanden, in dieser Weise aus Müßiggängern und Tagedieben nutzbringende Glieder der mensch- lichen Gesellschaft zu machen. Auffallender war schon, daß dies« Rattenfänger in Licgnitz nur zur Ablieferung der Beute erschienen und sofort noch Erhalt des Geldes mit unbekanntem Ziel wieder ! verschwanden; noch auffallender, daß kleinere Orte in der Umgebung, j die keine Belohnung für Rattenschwänze au-gesetzl hatten, nichts- ! destoweniger ihre Ratten los wurden. Liegnitz selbst hingegen nicht. Solch sonderbare Fernwirkung machte denn doch einige Zweifel- süchtige stutzig, und schließlich fragte einer von ihnen in der D!s> tussion an. ob man sich denn davon überzeugt habe, daß wirklich L i e g n i tz e r Rattenschwänze prämiiert würden und nicht etwa solche aus Breslau oder Kattawitz? Hierauf holten die Stadtväter zu einem surck/terlichen Schlage gegen das neu ausblühende Gewerb« der Rattensonger aus: sie verordneten kategorisch, daß nur Schwänze von in Liegnitz beheimateten Ratten angekauft werden sollten. Das Problem, wie denn die Liegnitzer Ratten sich von den sonstigen schlestschen Racken unterscheiden, blieb der zuständigen Stelle zur Lösung überlassen: wie es heißt, will man einen Sachverständ'gm aus Schilda zu Rate ziehen..., Verlieb dich zur rechten Zeit! Die Liebe, die von den Dichtern und sonstigen weltfremden Leuten vielzuvl«! gepriesen wird, hat neben anderen Rachiellen besonders«ü-e unangenehme Eigenschaft: sie übersälll ihre Opjer stets zur unrechten Zeit. Davon weiß mancher durchgefallene Prüf- ling, mancher wegen ständiger Geistesabwesenheit entlassene Lehrling, mancher jahrelang zuverlässige und jählings hclllos zerstreute Beamte— und davon weiß vor allem Bill B u r n s aus New Vork zu erzählen, der bis vor einigen Tagen einen schweren und verantwortungsvollen Beruf vorbildlich ausüben konnte und den die Liebe mckten in dieser Ausübung zur Strecke brachte. Besagter Beruf bestand darin, daß Bill von Zeit zu Zeit die Türen nicht allzu gutgehender Geschäf.« unverhofft öffnete, die Inhaber unsanft begrüßte und an einen Stuhl band, die Tageskasse fachkundig rcvi- dierte und mit deren Inhalt nicht ohne Elle entschwand. Jahrelang nährte das Unternehmen seinen Mann, bis Bill Burns kürzlich das Stminpfwarengeschäft von Miß Tauber, 123. Avenue, mit seinem Besuchs beehrte. Bill Halls mtt allem gerechnet, mit der Konstruktion des Sckzlosses, der Festigkeit des Bindfadens zum Fesseln, der wahrscheinlichen Höhe der Tageseinnahme—, nur mit einem nicht: mit Miß Tauber selbst. Schon als er diese an den Stuhl band, begann sein« Hand zu zittern; während er die Kasse öffnete, starrte er sie an; und als er den Laden verließ, zog er tief den Hut, obgleich er bemfstüchtig genug war, sie einstweilen auf ihrem Stuhl befestigt zu lassen. Der Einbrecher hatte sich in sein recht hübsches Opfer verliebt— und das Schicksal nahm seinen Lauf. Bill verwandte die erbeutete Summe zum Ankauf eines prunkvollen Blumenstraußes und übersandte Ihn andern Tages der angebundenen Angebsteten, die inzwischen von anderer Seite aus ihrer mißlichen Lage befreit worden war. Da der Strauß mcht zurückgewiesen wurde, glaubte Bill sich wiedergeliebt und forderte die Schöne brieflich zu einem Stelldichein auf. Frauen indes hercn, allen amerikanischen Filmen zum Trotz, keine Spur von Roman ik: Miß Tauber, deren Seale ihr Strumpfgeschäft war, benachrichtigte die Polizei, erschien beim Stelldichein und ließ den vcrlicb-cn Einbrecher verhaften. Er sitze in Frieden! Miß Kinkels Kuh Herr Charles Kinkel aus Warschau in Indiana. USA., legt Wert aus die Fessstellung, daß er ein durchalkb modern denkender Mensch ist. Aber gegen die Gütertrennung, den Wunschtraum der Eheresormer, ist cr trotzdem. Diese Gütertrennung nämlich ist das Unglück seiner Ehe oder richtiger Frau Kinkel und ihre rigorose Auf- fassunz von der Gütertrennung. Miß Kinkel nämlich brachte eine Kuh mit in die Ehe, und Herr Kinkel hack« sich begreiflicherweise auf den Genuß der sozusagen eigenen Milch gefreut— ihn wird jeder begreifen. Mein Frau Kinkel erklärte, daß das Tier chr gc- höre und daß Herr Kinkel für jedes Glas Milch 20 Pf. bezahlen müsse. Herr Kinkel hat Scheidungsklage eingereicht. Es ginge ja noch an, so führte sein Rechtsanwalt aus. wenn sich ein geplagter amerikanischer Ehemann in anderer, weniger milcherner Art schod- los hallen könne. Das aber verhindere wieder die Prohib'uion. GlUertreunüng' sei ganz gut und Trockenlegung sei ganz gut, abcr Gütertrennung und Trockenlegung— das sei zuviel!— Herrn Kinkel ist von Herzen ein verständnisvoller Richter zu wünschen. Ärbdter-'Eascnspiele Karow schläft Pankow 7: 0 Die gestrigen Ausscheidungsspiele im 2. B e z i r k um die Bezirks- mejfterschast brachten scharfe Kämpfe. In Pankow stellten die Karower wieder einmal ihr großes Können unter Beweis. Schon noch zehn Minuten Spielzeit lagen sie mit dem ersten Treffer in Führung. Wohl gaben sich die Pankower alle Mühe, den Ausgleichs- tresfer zu schassen, aber die Pfosten und die Querlatte zeigten sich stets als Retter in höchster Gefahr. Die legten Minuten uor der Pause gehörten dann wieder den Gästen, die dann- auch den zweiten Tresfer buchen konnten. Nach dem Wechsel waren die Plätzbesitzer zunächst im Vorteil. Eine Biertelstunde lang belagerten sie das Tor der Karower, ohne jedoch erfolgreich fein zu können. Dann kamen die Gäste wieder in Schwung. Von Minute zu Minute gewannen sie mehr an Boden. Als das viert« Tor erzielt war, war es mit der Widerstandskraft der Pankower vorbei. In gleichen Abständen erzielten die Karower noch weitere drei Tore.— Das zweite T-effcn auf dem Exerzier- platz, Schönhauser Allee, sah zur allgemeinen Ueberraschung Eintracht-Reinickendors als Sieger. Vis zur Pause war das Spiel vollkommen verteilt, was sich auch aus dem unentschiedenen Resultat 0: 1) ergibt Schon fünf Minuten nach dem Wicderanstoh lagen die Eintrachiler in Führung, einige Minuten später winkte ihnen ein weiterer Treffer durch einen Elfmeter. Erst nach zwanzig Minuten gelang dein Halblinken der Reinickendorfer der dritte Erfolg. Die Soronen setzten nun alle Kräfte ein, um das Resultat günstiger zu gestalten, doch die übergroße Nervosität des Sturms ließ einen Tor- erfolg nicht zu. Erst in den letzten Minuten gelang der zweite Treffer, zum Ausgleich reichte«s aber nicht mehr. Eintracht wird nun am kommender, Sonntag gegen Karow das Endspiel austragen. Weitere Resultate: Herzfelde tonnte gegen die in der Tabelle an Führung stehenden Schweifsterne hoch mit S: l» gewinnen. Luckenwalde I gewann gegen Trebbin 2: 0. Luckenwalde II gegen Woltcrsdorf 2: 1. Luckenwalde V gegen Treuenbrietzen 6: 1. Britz 88 gegen Strausberg 4: 1. Osten 2 gegen Friedersdorf 2: 1. Weißensee gegen Wansdorf 2: 2. Schöneberg gegen Osten 7:2(3: 1). Hockey FTGB.-Nordring 1 gewinnt gegen Tennis- Rott 6:0. Das Torergebnis ist entsprechend dem Spielverlauf etwas reichlich hoch. Tennis-Rot hatte vielleicht durch zu einseitige Ilmstellung ihre Stürmerreihe stark geschwächt, ohne genügend spiel- erfahrenen Ersatz einzustellen. Immerhin war festzustellen, daß es ihnen gelang, den Tabellenführenden gehörig in Fahrt zu setzen. Dadurch gelang es den Nordringern, das ganze Spielvermögen zur Geltung zu bringen. Bis zur Pause stand das Spiel 3: 0. Sportverein MoabitgegenFTGB.-Pankow7:1 (3: 1). Bis zur Pause hielt sich Pankow gut. Ihr Sturm hatte an Schnelligtest gewonnen, konnten sie doch nach etwa zwanzig Minuten Spielzeit mst 1: 0 führen. Aber Moabits bessere Spiel weise setzte sich mit der Zeit durch. Der Gleichstand war bald erzielt und bis oiir Pause drei weitere Tore vorgelegt. Nach dem Wechsel ließ Pankow sehr nach, der Zusammenhalt ging verloren und drei- mal noch wurde Pankows Torwächter erfolgreich überspielt. FTGB.-Ost ring gegen Neukölln 10:2. Das war nach dem Pausenresullat von 2: 1 für Ostring nicht zu erwarten. Ehe sich Ostring zu größerer Entfaltung aufraffte, war Neukölln gut, vielleicht ist es nicht zu viel gesagt, sogar ebenbürtig. Nur sie hielten nicht durch. Ihr Spiel wurde nach Halbzeit durch die unermüdliche Slrbeit der Ostringläufer zermürbt.. Wettere Resultate: FTGB.-Pankow 2 gegen Sportverein Moabit 2 4:2. FTGB-Ostring 2 gegen Tennis-Rot 28:0. Frauen: Tennis-Rot 1 gegen Nordrmg 1 3:1(0:1). Tennis-Rot 2 gegen Neukölln 2 2: 0(1: 0)._ Die Wasserballseüe Berlin 11— Hellas II: 7: 2 Gestern holte sich Berlin 12 in einem hartem Kampf die ver- dienten Gewinnpunkte. Wie vorauszusehen war, kam die zweite Mannschaft von Hellas gegen die in der Ballbehandlung und Taktik überlegenen 12er nicht auf. Ueberraschend kam lediglich der erste Torerfolg, den Hellas nach Zuspiel mit Glück durch Weitschuß erzielte. Den Ausgleich brachte schon die nächste Spielminm« durch eine gute Kombination der gegnerischen Sturmreihe. Bis zur Halb- zeit war Berkin 12 noch zweimal erfolgreich. Nach der Spielpause blieb Berlin 12, jetzt in der flachen Bassin- seite spielend, weiter überlegen und vermochte zunächst durch mangelndes Abdecken der Hellasverteidigung zwei weitere Erfolge zu erzielen. Die erhöhte Aufmerksamkeit in der Hellasabwehr artete teilweise etwas aus, was dem sonst fairen Spiel eine harte Note verlieh. Die Kombinationsmaschine von Berlin 12 klappte jedoch auch westerhin zufriedenstellend: noch zweimal mußte sich der etwas leichtsinnig« Torhüter von Hellas geschlagen bekennen. Kurz vor Schluß bracht« eine schöne Energieleistung dem Hellassturm einen verdienten Torerfolg. Eine Kuriosität: Die verlierende Mannschaft schießt das erste und das letzte Tor eines Spiels, das in seiner sportlich einwandfrei ausgetrngenen Art in den Rahmen des Arbeitersports paßte._ Eng'isch-deuisches Eishockey Ein Sieg und eine Niederlage Die Kurve der Eishockeysaifon im Sportpalast bewegt sich langsam nach oben, denn was am Sonnabend von den englischen Gästen, der British Ire Hockey Afsocation und ihren Berliner Gegnern vom Schlittschuh-Club gezeigt wurde, war bereits recht vielversprechend. Der Sonnabend brachte der englischen Mannschaft, in der einig« waschechte Kanadier mitspielten, ein« unerwartete 4:2-Nieder- lag«. Zuerst roch es allerdings verflucht nach einem Sieg der Englifhmen. Mit dem zweiten Drittel lagen sie bereits mit zwei Toren in Führung, als endlich auch in die Berliner Mannschaft Schwung kam. In kurzer Folge sielen für Berlin drei Tore: im letzten Drittel war der BSE. noch einmal erfolgreich, den englischen Spielern dagegen blieb trotz aller Anstrengungen jeder Torerfolg versagt Bor nahezu ausverkauftem Hause konnte die englische Eishockey- Mannschaft am Sonntag für die am Vorabend erlittene 4: 2-Niederlag« Revanche nehmen. Die Gäste gewannen verdient mit 2:1(1:0, 0:1, 1:0), konnten den Sieg aber erst im letzten Drittel sicher stellen. Auf deutscher Seite brillierte wieder Gustav Jaenecke, der sich in einzelnen Spielphasen selbst übertraf. Ein besonderes Lob gebührt noch dem Berliner Torwächter Linke, der in den schwierigsten Situationen seinen Mann stand. katastrophale Niederlage des deutschen Fußballmeisters. Der sonutägliche Verbandsspielbetrieb in Berlin hatte eine Ueberraschung zu verzelchnen, wie man sie nie für möglich gehalten hätte. Die Meisterschaft von Hertha BSC., die noch vor acht Togen gegen Union-Oberschöneweide wirklich meisterhaft gespiell hatte, ließ sich diesmal von der in Abstiegsgefahr befindlichen Nordcn-Nordwcst- mannschaft mit nicht weniger als 7: 0(3: 0) schlagen. Ein neuer Eilin „Die Frau im Arbciicrsporl" Im Jahre 1005 musterte der Arbeiter-Turn- und Sportbund 4061 weibliche Mitglieder übe? 14 Jahre, in diesem Jahre sind es 9 5000, die sich um die rote Fahne des Bundes geschart haben! Wem ein solcher Erfolg nicht zu denken gibt, der sollte schnell. sehr schnell sich den Film der Bildstelle des Bundes, betitelt„Die Frau im Arbeitersport" ansehen. Und wer von unseren Frauen und Mädchen dann noch nicht die Ueberzeugung mit nach .Hanse nimmt, daß Leibesübung not ist— niemand ist zu alt dazu, sagt der Film—, nun der soll seine Karbonaden und seine gekochten Eier weiter wie bisher einpacken und weiter Bierlakale aufsuchen, seinen„Kaffee kochen" und weiter glauben, er hätte damit seinem Körper gedient. Wer aber dem Tempo des täglichen Lebens im Ijaushalt wie im Beruf gewachsen sein will, wer nach seiner Berufs- arbeit zum frohen, freien Menschen werden will, wen sein Gesellig- kettsdvang und fein Geltungswille zum Klassengenossen treibt, der gehe einmal, zweimal in der Woche in den Arbeitersportverein, auf den Sportplatz oder in die Turnhalle und tue dort etwas für seinen Körper. Zuvor aber, Frauen und Mädchen, seht euch den neuesten Film von der Frau im Arbeiterspart an. Er ist fast schöner als die Filme, in denen klotzig reiche Leute in Riesenräumen wohnen und ni« handeln. Im Arbeiterspartfilm aber wird nur(vernunftgemäß ll gehandelt.' Der Film laust: Montag, 8. Dezember, Wedding, Grünthaler Straße 5, Schulaulo, 20 Uhr. Dienstag, 9. Dezember, Friedrichs- Hain, Andreasstraße 21, Andreassestsäle, 20 Uhr. Mittwoch, 10. Dezember, Schöneberg-Friedenan-Steglitz, Schwalbacher Straße 3,4. Aula Rheinyaufchnle, 20 Uhr. Donnerstag, 11. Dezember, Neukölln- Britz, Bergstraße 147, Städtischer SaÄbau, 20 Uhr. Freitag, 12. De- zember, Kreuzberg, Porkstraße 11, Volksbildungsamt, 20 Uhr. Sonnabend, 13. Dezember, Charlottenburg, Scharrenstraße 23/27, Sophie- Charlotte-Schul«, 20 Uhr. Sonntag, 14. Dezember, Lichtenberg. Holteistraße 7/9, Städtische Jngendbühne. 11,30 Uhr. Knlturbcitrag: -30 Pf-_ Sport fordert Todesopfer In einem Fußballspiel S übst er n gegen Halley erhielt de? Südstern-Halblinke Hasetoff«inen scharfen Ball auf den Körper- Haselosf, ein sympathischer, fairer Spieler, schoß noch dos Sieges- tor für feinen Klub und begab sich wohlgelaunt in die Kabine. Dann wurde er von hefttgen Schmerzen im Unterleib befallen. Käme- roden schafften ihn ins Reinickendarfer Krankenhaus, wo er bald nach der Einlieferung an innerer Verblutung starb. Einen tragischen Ausgang nahm in öondon ein Boxkampf zwischen den Engländern Kid Jacks und Charlie Green. Kid Jacks war in der 9. Runde des auf 12 Runden berechneten Kampfes k. o. geschlagen worden. Da er das Bewußtsein nicht wiedererlangte, wurde er ins Krankenhaus gebracht, wo er heute starb. „Möve"« Schwimmfest in Das auf sportlicher Höhe stehende Schwimmsest des jungen Arbeiterspörtveteitts„Möve" hatte einen guten Besuch zu vcrzeichnen. Als auswärtige Gegner traten besonders Regattaklub Halle und AWV. Stettin hervor, sie standen mit allen Berliner Vereinen In starker Konkurrenz.„Möve" verstand es ausgezeichnet, sein erstes Schwimmfest abzuwickeln. Di« sportliche Umrahmung durch die eigenen Schwimmerinnen sowie die Mitwirkung des ASL. Neukölln fielen mit ihren gymnastischen und turnerischen Vor- jührungen angenehm auf. Die Eröffnungs-Freistilstafette gewann knapp Neukölln vor Hellas. Der gezeigte Frauenreigen klappt« in der Gesamtaussührung nicht. Trotzdem sind einige Figuren gut zu nennen. Das Kunst- springen war«ine Delikatesse. Mit 40 Punkten war Greusing- Lichtenberg an der Spitze, je 39 Punkte hatten Nachtigall-Hellas und Drabcl-Neukölln. Di« Einlegung eines humoristischen Sprungs, an dem sich alle betelligen mußten, wirkte besonders auf die Lachmuskeln der Zuschauer. Im ersten Wasserballspiel stand die Stettlner Jugend der von Möve gegenüber. Die bessere Schußkraft von Möve brachte den 4: 2-Sieg. Das Spiel der Männer hieß Regattallub Halle gegen Möve. 7:2(3:2) blieb der Sieg bei Möve. An dem bvhen Resultat ist hauptsächlich der Hallenser Torwart schuld, der citt ganz Teil haltbarer Schüsse passieren ließ. Resultate: ErösfnungssreistUstaffel 6X50 Meter: 1. Neukölln 3:15,8: 2. Hellas 3:16 Männliche Jugendstafettc 3X100 Meter: 1. Hellas 4:18,17; 2. Neukölln 4:23. Weibliche Bniststasett« 6X50 Meter: 1. Neukölln 5:14; 2. Hellas 5:18. Männer-Freistil 100 Meter Klasse A: 1. G. Grün, Eharlottendurg, 1:8,8; 2. A. Frohn, Neukölln, 1:10. Männer-Freistil 100 Meter Klasse B: 1. W. Wissa- kvwski, Möve, 1:16,1; 2. Franke, Neukölln, Knobe, Charlottenburg, 1:18, totes Rennen. Männer-Bcustschwimmen 200 Meter Klasse A: 1. F. Grün, Cbarlottenburg, 3:11,4; 2. W. Lux, Union, 3:18,2. Kunstspringen: 1. Greusing, Lichtenberg, 40 Punkte; 2. Nachttgall, Hellas, und F. Krabel, Neukölln, 39 Punkte. Männliche Jugend- Freistil 100 Meter, 14— 16 Jahre: 1. Kickebusch, Neukölln 1:19,1; 2. H. Teske, Hellas, 1:20. Männliche Iugsnd-Frerstil 100 Meter, 16—18 Jahre: 1. H. Polte. Hellas. 1:14,6; 2. Richter. Freiheit, 1:15,1. Brustschwellstafette(50,.100, 200, 100, 50 Meter): 1. Charlottenburg 7:39; 2. Hellas 7:40,2. Männer-Lugenstafette 4X100 Meter: 1, Neukölln 5:2,2; 2. Hellas 5:2,6. Brustschwimmen 50 Meter(intern), weibl.: 1. G. Palm; 2. T. Augueski. Brustschwimmen 50 Meter (intern), mönnl.: 1. H. Rietzel 0:45; 2. Wurm 0:48,8. Miinncr-Fre-- stilstafette 4X100 Meter: 1. Hellas 5:1,1; 2. Neukölln 5:3,2. Männliche Jiigenb-Freistilstafette 6X50 Meter: 1. Hellas 3:39,9; 2 Freiheit 3:4,2. Jjn den Tabakdistrikten des Orients ist es bekannt, mit welcher Sorgfalt alle Tabake ausgesucht werden, die für die Herstellung der MAKEDOM-Zigaretten bestimmt sind. Aus den ausgereiften, aromatischen Tabakblättern werden durch erprobte Fachleute Mischungen zusammengestellt und mit den besten Spezialeinrichtungen daraus s die MAKEDON-Marken hergestellt. Das erklärt die hervorragende Qualität der MAKEDON- ZIGARETTEN Fabrikniederlage: Makedon G.m.b.H., Berlin NW 6, Luisenstr. 30, Tel. D 2, Weidendamm 3354 Montag 8. Dezember 1930 ffr. 574 47. Jahrgang Die längste Hängebrücke dcrWclt Etwa eine Viertelstunde lang wird später ein rüstiger Spazier» ganger ausschreiten müssen, wenn er die Strecke zwischen den beiden 161 Meter hohen Pfeilern der neuen Hudsonbrücke zurücklegen will. Und auf dem ganzen über einen Kilometer langen Weg wird das ungeheure Eiscngewicht der in Schiffsmastcnhöhe über den Fluf; gespannten doppelgeschossigen Verlehrsstraße lediglich von vier Drahtseilen getragen. Von vier Drahtseilen freilich, wie sie in dieser Stärke noch nie zuvor gesponnen wurden. Mit 91 Zentimeter Durchmesser ähnelt jedes dieser vier Stahlkabel schon mehr einem Stamm einer oielhundcrtiährigcn Eiche, dcmi dem, was man sich sonst unter einem Drahtseil vorstellt. Wenn man die vier Trag- kabel in ihrer ganzen riesenhaften Länge an den beiden 181 Meter hohen Pfeilern mit 99 Meter Durchlzang über den Hudson gespannt sieht, machen sie allerdings'»lirchaus keinen ungewöhnlichen Ein-- druck mehr, da ihr Durchmesser in völligem Gleichmaß zu den sonsti- den unerhörten Abnressungen dieser Brücke steht, die auch in unseren Tagen technischer Großleistungen«ine Sondcrerscheinung darstellt. Vor einigen Jahren erst wurde in Philadelphia der De- iawarefluß mit einer Hängebrücke überspannt, die damals mit f-M Meter Spannweite die weitestgespannt« Hängebrücke der Welt darstellte. Wenn die jetzt im Bau befindliche Hudsonbrücke in New Uork gleich die doppelte Spannweite(1967 Meter) erhält, so entschloß sich der Konstrukteur nur der Not gehorchend zu dieser iiimel>?urcn Abmessung, die das Baumert selbstverständlich auch entsprechend verteuert. Der Hudson ist nämlich an der Stelle, die für die Aufstellung der Brücke einzig in Frage kommt, sehr breit. Da die Aufsichtsbehörde die Errichtung von Brückenpfeilern in der Mitte des Stromes mit Rücksicht auf den starken Schiffsverkehr nicht gestattete, so blieb eben kein anderer Ausweg, als die Spann- weite von 1067 Meter zwischen den beiden an den Ufern errichteten Brückenpfeilern. Da die neue Brücke später einen großen Teil des Verkehrs der Weltstadt zu bewältigen hat, so soll sie mit einem doppelten Brücken- deck ausgerüstet werden. Zunächst soll allerdings nur das obere Deck ausgefilhrt werden. Dieses trägt an den äußeren Rändern je einen Fußgängersteg. Di« zwischen den Fußgängcrstegcn liegende Breite ist m drei Fahrlmhnen unterteilt. Die mittelste reichlich 12 Meter breite Fahrbahn soll die langsamer fahrende» Lastkrast- i»agen aufnehmen: die rechts und links anschließenden je knapp 7 Meter breiten Fahrbahnen sind für die schnelleren Personenwagen Ein Preisausschreiben Die Technisch-Literarische Gesellschaft hat cm Preisausschreiben erlassen, in dem entweder die Einreichung eines Aussatzes über eine technische oder für die Technik wichtige natur- wissenschaftliche Frage, die Beschreibung eines technischen Vorgangs oder dergleichen, der nicht länger sei» darf als vier Schreibmaschinen- feiten zu je 39 Zeilen, oder die Einrcichung von vier Kurz- geschichten, Anekdoten und dergleichen verlangt wird, die auf die Technik Bezug haben und von denen kein« länger ist als ein« Schreibmaschinenseite. Die Arbeiten sollen bis zum 19. Januar 1931 an den Schriftführer der Gesellschaft, Herrn H. Dominik, Bcrlin-Zehlcndorf, H c r d c r st r. 2, eingereicht werden. Jedes Blatt der«ingereichten Arbeit soll ein Kennwort tragen. In einem verschlossenen Umschlag, der der Sendung bciliegt, sind vtamc und Anschrift des Einsenders anzugeben. Ferner ist eine Erklärung beizufügen, daß die Arbeit von dem Einsender selbständig verfaßt und bisher w«dcr veröffentlicht, noch zur Veröffentlichung angeboten wurde. Die Arbeiten werden nach Beendigung des Preisausschreibens nicht zurückgeschickt, sondern, soweit sie nicht aus- oczeichnel find, vernichtet. Die Einsender werden daher gebeten, sich Durchschläge zurückzubehalten. Die preisgekrönten Arbeiten werden nach Vereinbarung mit dem Verfasser der Veröffentlichung zugeführt. Das Urheberrecht verbleibt jedoch den Verfassern. Die Entscheidung des Preisgerichts ist unanfechtbar, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Als Preise sind ausgesetzt: ein erster Preis von 139 Mark, ein zweiter Preis von 199 Mark und zwei dritte Preise von je 50 Mark. bestimmt. Das untere Brückendcck soll ausschließlich elektrischem Bahnverkehr dienen und erhält deshalb vier Gleise. Die vier Trag- kabel sind paarweise über den Fußgängerstegen angeordnet. Jedes Kabelpaar hat von Mitte zu Mitte Kabel 2 3s Meter Abstand, und die Brückenbreite zwischen den Mittellinien beider Kabelpaare be- trägt 32,2 Meter. Diese doppelgeschossig« Verkehrsstraße über den Hudson erhält also eine Breite, wie sie in den Großstädten nur höchst selten anzutreffen ist. Daß diese leistungsfähige Straße in t9 Meter Höhe den einen Kilometer breiten Fluß überspannt und somil auch den größten Ozeanricsen freie Durchfahrt gewährt, läßt die Bedeutung dieser technischen Großleistung um so stärker her- vortreten. Die vier 91 Zentimeter dicken Tragkabcl konnten erst nach Fertigstellung der 181 Meter hohen Briickentürme an Ort und Stelle gesponnen werden. Jedes Kabel wird aus 61 Litzen ge- budet, und jede Litze wurde aus 434 kalt gezogenen und verzinkten Drähten von 4,98 Millimeter Durchmesser hergestellt. Zu einem Kabel gehören also 26 474 Drähte: die Brücke wird somit von über hunderttausend rund 5 Millimeter dichen Drähten getragen. Das Ausspannen dieser Ricsenzahl aus einem Stück bestehender Drähte nahm allem etwa 19 Monate in Anspruch. Die so aus Einzel- drahten hergestellten Kabel wurden schließlich noch maschinell zu- samniengedrückt und mit einer Drahwm Wicklung versehen, die als Wetterschutz die Drähte vor Rost schützen soll. Auf den Türmen sind die Kabel in Stahlgußsättcln gelagert. Die Verankerung ihrer beiden Enden erforderte entsprechend dem ungeheuren Kabelzug ganz besondere Vorkehrungen. Auf dem Westufer konnte man die Käbelenden im Felsen verankern, da hier eine etwa 199 Meter steile Felswand vorhanden ist, aus der ein 25 Meter tiefer Ein- schnitt für die Fahrbahn herausgebrochen werden muhte. Auf dem Ostufer hingegen liegt die Fahrbahn der Brück« bedeutend über dem Gelände, deshalb mußte man jedes Kabelpaar in riesigen Beton- klötzen verankcni. Diese Betonklötze wurden einfach auf die zutage tretende Felssohle aufgesetzt. Zu dem Gebilde mit einer GnindKöche van SS Meter Länge und LI Meter Breite, das bei 49 Meter Höhe etwa 89 999 Kubikmeter Beton enthält, waren nicht weniger denn 359090 Kilogramm Elseneinlagen und 2300 009 Kilogramm Anter» stahl»rsorderlich. Technik im Heim Hüte Di VgSlumte DrlwHungüfe H WM*<4~ 1 1 Mach'es so; «wtjesehaßetefl Biigefewns| Brand! Steä'das Öüggiersen auf.wem Du kurve Ze-f weggehst SchaiteaegStroni ausgehst Du ä,-.gereZmr|3rt. tfoim«n Eisen mit se&sttitigefn lemperaK; anegien das bei überhit- zung den Btrom aussctiaM Nimm ei ne i Schiechrw Äm&htiS SöVwf'tKV Die Haasfrau kann heute an der Technik nicht mehr achtlos vorübergehen. Durch Mißachtung der Technik enixlehen oft Geiahren, die bei einfachster Kenntnis der Zusammenhänge vermieden werden konnten. Genau so wie im Reehislebtn Unkenntnis der Gesetze nicht vor Strafe schützt, bringt auch die Unkenntnis der technischen Gesetzmäßigkeiten oft die schwersten Nachteile mit sich. Es ist daher zu begrüßen, daß der Verein Deutscher Ingenieure mit seiner Wanderaxtssiellang „Technik im Heim" versucht, den Hausfrauen die Kenntnisse zu vermitteln, die sie mit dem Vordringen der Technik in das Reich der Frau unbedingt brauchen. Unser Bild zeigt, wie das elektrische Bügeleisen nicht behandelt werden darf, sind wie man es behandeln muß, wenn man keine Enttäuschung erleben will. Die beiden Türme erheben sich 181 Meter über dem Meeres- fpiegel. Sie bestehen aus einem stählernen Fachwert, das später aus ästhetischen Gründen mit Beton und Granit verkleidet werden soll. Zu beiden Türmen waren nicht weniger denn 37 599 999 Kilogramm Stahl erforderlich Zum.Vcr- gleich möge erwohnt werden, daß ein« normale Schnellzuglokomotivc ohne Tender etwa 199 999 Kilogramm wiegt. Beide Türme wiegen also ohne Verkleidung soviel wie 375 Lokomotiven. Der Ostturm auf dem Rew-Borker User des Hudson koimte gleich auf den zutage tretenden Felsen aufgesetzt wcrdciu Der Westturm hingegen mußte im Wasser errichtet werden, da hier tragfähiger Felsen erst in 14 bis 25 Meter Tief« angetroffen wurde. In einer großen Baugrube mit doppelten eisernen Spundwänden wurden zwei Pfeiler mit je 27 X 39 Meter Grundsläche aus Beton errichtet, die 4,5 Meter über dem Wasserspiegel herausragen. Auf diesen Pfeilern wurde der stählerne Fachwerkturm errichtet. Di« Gründungsarbeiten für den Westturm nahmen ollein ein Jahr in Anspruch. Die Querträger für das doppelte Brückendcck werden mit 18,3 Meter Abstand voneinander an ihren Enden von je 8 Stück geflochtenen Drahtseilen von 7,3 Zentimeter Durchmesser getragen. Diese Hängeseile werden über Sdahlgußschellen geschlungen, die an den 5)auptkabelpaaren mit Bolzen befestigt werden. Entsprechend den großen Schwierigkeiten, die beim Bau dieser Riesenbrücke zh ül'erwinden sind, ist die Bauzeit für das amerika- nische Tempo verhältnismäßig lang. Im Mai 1927 wurde mit den Arbeiten begonnen: im Frühjahr 1932 hofft man die mittlere Fahrbahn des oberen Brückendecks dem Verkehr übergeben zu können. E. T. «Naturfarben" Bei den etwa 8999 Vogelarten gibt es nur verschwindend wenige, die sich in der Färbung ganz gleichen. Hier scheint die Natur in der Mannigfaltigkeit der Vogelfärbungcn ein Meisterstück geleistet zu haben, schreibt Dr. E. Schütz-Rossitten in einem kürzlich veröffentlichten Aufsatz. Fragt man nach dem Zustandekommen der Vogelfarben, so unterscheidet man zunächst Farben, die auf Farbstoffkörper bzw. Farbstofslösungen zurückgehen, die sogenannten„Pigmentfarben�. von den„Strukmrsarben" physikalischer Natur, die ohne unmittcl» bare Abhängigkeit von einem färbenden Medium einen besonderen Bau der Fekersubstanz zur Ursache haben.(In gleicher We se handelt es sich bei den Schmetterlingsfarben um Strukwrfarb- ftoffe.) Unter den Farbstoffen sind zwei Gruppen hervorzuheben, die „Melanine", die als winzige, nur bei starker Mikroskopoergröß?« rung sichtbare Stäbchen oder Körnchen der Feder eingelagert er» scheinen und die schwarzen, braunen, rostfarbenen, lehmgelben Tön« hervorrufen, alsdann die meist gelösten F« t t f a r b st o f f e, die Träger der zart oder leuchtend gelben, orange und roten Farben. SU blassen am Sonnenlicht ziemlich leicht au», mit der Folge z. B,, daß sich zartes Rot durch Tageslicht mit augenblicklich wirkender Ge» schwindiakeit in ein schmutziges Gelb umänderi Lichtgrüne Vogel» färben(Himalayahäher) schlagen am Sonnenlicht durch Verände- rung des gelben Farbkörpers in Blau um. Auch das Rot der See» vögel, das mit der Fischnahrung im Zusammenhang steht, ist eben- falls äußerst empfindlich. Weiß ist die einzige Strukturfarbe. Es entsteht durch den Luftgchalt der Federzellen. Die anderen Sirukturfarben bedürfen der Zusaminsnwirkung mit einem Farbstosskörper um in Erschei- nung zu treten. Blaufärbung geht auf eine besonders innige Durch- dringung der Hornsubstanz mit Luft zurück, die als„trübes Medium' die blauen Strahlen reflektiert, während die übrigen(ftSvenden) Lichtstrahlen durch eine Unterlage schwarzen Farbstoffes msorbiert, d. h. abgefangen werden. Durch Zufügung eines gelben Fettsarb- stosses kommt die Grünsärbung zustande. Schiller- oder M e t a l l f a rb c n, die den Kolibris tr. o. in besonderer Prochr eigen, entstellen an der dünnhäutigen Ober- s lache tiesgefärbter Federteile nach dem Prinzip der„Farben dünner Blättchen". Man kann sich die Entstehung dieser Färbung derart vorstellen, daß die starke Farbstoffanreicherung in den äußersten Verzweigungen der Feder diese im Laufe der En'- Wicklung ausdehnen und jo zu einer erheblichen Verdünnung des Oberflächenhäutchens führt. Analog dem Farbenspiel, wie es auch die sich dehnende und schließlich ganz dünnhäutig« Seifenblase zeig!. Es dürfte auf keinen Zufall zurückzuführen fein, daß die Schiller» färben gerade bei den Tropenoögeln verbreitet find: das feuchtwarwe Klima begünstigt die Ausbildung de, schwarzen Farbstoffes, der eben die Gestaltung des Oberhäutchens der Federäst« beeinflußt. Bei der„Samtfärbung" stehen die tiefgefärbren Fedcrteile sehr dicht und parallel zur Blickrichtung, so büß das Licht gedämpft erscheint, während die„Seidenfärbung" auf senkrecht zur Blickrichtung ge- lagerte, lang«, dünne Federstrahlen zurückzuführen ist. Eine S:ruk. turfärbung eigner Arr ist der zarte, bläuliche Dust, der auf dem frischen unberührten Gefieder grauer Vögel, wie Tauben, Reiher, Falten u. a. m. liegt und wie der Reif mancher Fruchtarten(z. B. der Pflaume) beim Betasten verschwindet: er stammt von einem äußerst feinen Hornstaub, der als trübes Medium die blauen Sirah- len zurückwirft. Dieser Puder wird von den Keimen zarlsirahliger, also besonders der daunigen Federn gebildet und fehlt eigentlich keiner Vogelgattung(eventuell Hühnern u. a. grobfedrigen Vögeln), so daß die Hand oft beim Betasten der Gefieder mehlweiß bestäubt wird. Strukturfärbung ist die Färbung mit ausgelagertem Eisen» oxyd, die bei den meisten Wasservögeln(s. o.) vorkommt, teils als Verunreinigung mit dem in vielen Gewästern ausgeschiedenen Eisenoryd, teils aus noch unbekannten Gründen. Mit der Verfeinerung der Unterfuchungsmethodcn dürfte es ge» lingen, osfene Fragen, deren Lösung uns diese„natürlichen" Farbstosskörper aufgeben, unserer Erkenntnis zu nähern. dl. Das Größte, das Höchste... Im allgemeinen stehen die Amerikaner in dem Rufe, in einer Welt der Superla.ive zu leben. Sie müssen immer bas Größt-, das Höchste, das Schönste, dos Dickst« und sogar auch dos Häßlichste haben. Alles muß gesteigert und möglichst übersteigert sein. So wird neuerdings in Amerita ein« Lustjchifshalle gebaut, deren Ausmaße die aller anderen Hallen übertreffen wird. Natür- lich hat sie auch die größte Tür der Well. Nicht weniger Ol» 129 Pferdestärken sind nötig, um diese au» zwei Teilen bestehende Tür zu öffnen oder zu schließen. Jede Hälfte wiegt 699 Tonnen. Das größte Haus der Welt soll angeblich in Chikogo steh.n. Es soll nicht weniger als 59 999 Angestellte beherbergen, also die Menschenmenge einer deutschen Mittelstadt aufnehmen können. In Ehikago steht auch der größte Gasbehälter der Welt. Er kann 566 999 Kubikmeter Gas aufnehmen. New Port wird in absehbarer. Zeit das höchste Haus dcr Welt haben. Es wird mit seinen 85 Stockwerken selbst die Höh« des Cifeliurms übertreffen. In Kalifornien aber wurde der höchste Staudamm der Welt errichtet. Er ist 339 Meter hoch und an der Basis 33 Meter breit. Der Damm soll das San Fernandotal vor Wasierkatostrophcn bewahren. Das größte Metallflugzeug der Welt aber wurde ia Deutschland gebaut. Die Junkersmaschin« G 38 besitzt ein« weite von 45 Metern und. eine Läng« von 23 Metern.