lOPff, Nr. 526 B 257 47. Jahrgang BERLIN Menstag 9. Sezember 193« E r sch c i»t t i g n ch auierSonstaz«. ?ual«ich Abmdaukgabe dk«.Voririrt«". B-tugsPttii l>ci de Aluigaben pro Woche, rrv Monat. Redaktion und Erredirion-, Berlin SWss,?jndenstr.3 V ff u Anicigenxreis: Die einspaltig« Nonpareitlejeik« so Pf.» Reklamtieile ö M. Erniäpigunge» nach Tarif. Postscheckkonto: Dorwärtt-Verlag G. m. b.H.» Berlin Nr. 8753«. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 2»? Zrenzet aus der Hast entlassen Gegen 10000 Mark Kaution- Entscheidung des Kammergerichts Ter vierte Strafsenat des AanunergeriehtS entschied heute über die Haftbeschwerde Frenzels. Der Haftbefehl drei Amtsgerichts Potsdam wird aufrechterhalten, fedoch wird Frenze! mit der weitereu Haft verschont. wenn er eine Sicherheit von lOOOV Mark leistet. Die Fluchtfähigkeit FrenzelS erscheint durch seinen Ge> sundheitszuftand nicht beeinträchtigt. Die Verteidiger FrenzelS hoffe«, die»och fehlende« 4(»SV Mark auf de« Wege einer Sammlung zusammen- zubringen. Uns tut leid... Nachdenkliches zu einer Vcgnadigvna. Said tut unw zunächst die lRehaftum her„Noten Fahne", dä» vier Wochen lang mit den größten Lettern ihres Setzkastens gebrüllt boi:„E r s ch i« tz« n l— E rsch i« ß« n I— Ers6>i eßeu!" ?etzt weist sie noch, haß dieser Schrei lediglich den schüchternen Wunsch um Begnadigung ccuäd rücken sollte. Leid tut uns auch jene Sektion Donzig des Roten Front- kämpfarbundes, die sich freiwillig zur Exekution des Todssurteils nach Moskau gemeldst Hott«. Ei« muß sich einstweilen den Herrlichen BluSnirst an Spatzen oder Kaninchen abreagieren. Leid tut uns auch jene HochsympalHische Proletarierin. die sich in der„Roten Fahne" öffentlich anbot, die angeklagten Schädling« mit ihren eigenen Händen erwürgen zu wollen. Sie muß sich mm für ihrer Hände Arbeit greifbarer« Objekte suchen. Ernsthast leid ober dm uns die 43 r�n der VPU. ohne Urteil und Verfahren Erschossenen. Ahr Los ist wahrhast tragisch. Sie mußten sterben, weil sie so naiv waren, wahrheitsgemäß ihre Unschuld und Loyalität gegen die Sowjetregierung zu beteuern. Sie haben den richtigen Dreh nicht oerstanden, sie heben nicht, wie Ramsin und Genossen, rechtzeitig kapiert, daß es Herrn Krylenko lediglich darauf ankam, erwünschte Gestand- n i s s e zu erhalten. Etwas mehr Phantasie, etwas mchr Schwindel- gcist— sie lebten noch! In Rußland kommt es nämlich nur auf eines an: recht- zeitig den Zweck jeder Aktion zu begreifen, mag dieser auch noch so verhüllt liegen. Wer's nicht glauben will, lese in Gunzenbergs bolschewistischem Morgenblatt folgendes nach: Die Erschießung der 48 paßte ihnen(den Sowjetgegnern) nicht, das Verfahren war zu geheim. Der Prozeß gegen Ramsin paßt« ihnen nicht, das Venahrsn war zu öffentlich. Sie begreifen nicht, daß sowohl da» nichlössenllichc wie dos überöfsenklüh« Der- fahren im Rahmen der Sowjetweit jedes einen besonderen Zweck z« erfüllen hatte. O doch, wir begreifen! Wir begreifen nur zu gut. Räch diesen Begnadigungen werden sogar einig« Kommunisten begreifen, die anfangs noch gor nichts begriffen hatten, als sie ihr„Erschießen, erschießen, erschießen" brüllten. Linksblock bleibt im Sejm fern. Äei der Verlesung der Negierungsbolschast- Brester Opfer im Sause. Warschau. 9. Dezember. Eigenbericht.) lim 12 Uhr mittags wurde heut« der neue polnische Sejm er» öffnet. Ministerpräsident Slawek verlas zu Beginn eine kurze for- möl« Botschaft des Staatspräsidenten. Dabei blieben olle Parteien des demolratijchen Linksblocks sowie die nationalen Minderheitel, fern, die erst nach der Rede Slaweks erschienen. Unter ihnen befinden sich auch zwei der Brester Opfer, die Sozialisten Bar» l i ck i s und Dr. Liebermann, di« deutliche Spuren ihrer Mar. tern im Gefängnis tragen und durch chr Aussehen allgemetnss Mst» feib hervorriefen. Die Lotschaftsverlesung Slawe», wurde durch Zwischanruse der Kommunisten gestört, N« daraufhin aus Bes»bl des Annemwmjters Skalodlowsti mit Gewalt aus dem Saale gc- aazbaL Sa übrig« verLej die Sitzung ruhig. Der Kampf um Curtius Die Reichsregierung hofft auf Vertagung der außenpolitischen Debatte Die heutig» Reichstagssitzung begimU um 3 Uhr. Das Haupt- miereffe konzentriert sich auf den Schluß der Sitzung. Bei der Feststellung der Tagesordnung für Mittwoch wird die Cnt» sch«S»mg darüber fallen, ob noch vor der Weihnachtspause«ine außenpolitische Debatte stattfinden wird. In' maßgebende» Kreisen der Reichsvegterung erwartet nwu, daß es im Berlauf der heute stattsindenden Verhandlungen mit der Ehristlichsoztolen Partei Verhandlungen zu einer Verständigung harüb« kwrnnen wird, daß«in« außenpolittsch« Debatte bis zum Febnwr de, kommenden Jahres vertagt wird. Tloch keine Eyischeiöung DÜ! christlfehsoziÄe Fraktion hielt heute morgen»ine Froktions- sitzung ab,, di« bis zum Mittag noch nicht beendet war. Ein« Ent- scheidung über di« Aeetogung der außenpolitischen Debatte ist noch nickst gefallen. Freunde der Inierventionisten. Note Johne eutlorvt kommunistisch« N«ichfftagSfraktion. Wir lesen in der„Strien Fahne": „Di« faschistische Diktatur in Deutschland verschärft di« Kriegsgefahr gegen die Sowjetunion- Sie bedeutet Bürgerkrieg nach innen und Krieg noch rußen. Der Faschismus selbst fft berests der Ausdruck' für das Rahen des Krieges. Di« Nationalsozialisten sind bereits fett Monaten offen in die Front der imperiolfftijchen Westmächte eingeschwenkt und werden sich bei weiterer Entwicklung des Faschismus in Deutschland offen at» Landsknecht« gegen den„Bolschewismus" betätigen." Deswegen funktioniert'die kommunistische Reichstogzfraktion als getreu est« Hilfstruppe der deutschen Faschisten! Jeder oußenpolttische Dingeldey „ Oa«i Lerhä.'tniff Hitlers isur Deutschen Volksportei muß .ch emstweiiea auch als völlig osfeo bezeichnea.. Wahnwitz der deutschen Nationalisten findet die heulende Zustimmung der Kommunisten im Reichstag. Nach der„Roten Fahne" hat also die kömmunsttifche Reichstogs- fraktion gemeinsame Sache mit Intervennonisten gemacht. Wie wäre es mtt einem Schädlingsprozeh? Hugenberg hofft auf Spaltung. Krach in der Qmdvolkpartei? Der Hugenbergsche Schnelldienst erbost sich über„die Splitter« Krupp«»", pa? allem Über das Lankmolk. Er schreibt: ..Wenn nicht asses täuscht, steht, diese, portenentarisch» ZwischeiMUppe unmittelbar vor e.iner Spaltung, 2ßir können es uns jedenfalls nicht denken, wie Männer, die ihr« unbedingten Ueberzeugunge» sowohl in innenpolitischen wie agrarpolitischen, aber auch in außenpolitischen Fragen in den letztan eutscheidenden Wochen mit.anerkennenswerter Eindeutigkeit zum Ausdruck gebracht hoben, noch ersprießlich mit Persönlich- ketten zusommenorbetten können, die, wie die Abgeordi�teu Dr. Gericke. Schlonge-Schöningen, der neu« Land- Kundpräsident, Herr Lind, die Abgeordneten Dorsch und Dingler sich den Abstimmungen entzogen, dadurch der Politik ihr«r Fraktion in den Rücken fielen und der roten Mehrheits- bildung Helfcrshefferdienste leisteten." Ein Splitter soll nochmals ouigesplittert werden. Wozu? Soll er zur deutschnationalen Splittergruppe stoßen? An di« denkt Hugenberg längst nicht mehr. Er nermechselt schon seit langem seine eigene Splittergruppe mit der Nationalsozialistischen Partei. Minister und Stinkbombenwerfer. Zusammenspiel zwischen Radaumachern und.Hakenkreuz, minister«. Der braunschweigische Hakenkreuzministcr Dr. F ranze» fordert von der Oberprüfftclle da» Verbot dos Filmes„Im Weste» nichts Neues". Begründung: es würden sich in Braunschweig sicherlich Störungen ereignen. Di« Störungen sind eine organisierte nationalsozialistisch« Mache. Herr Franz«» scheint schon zu wissen, daß seine Braunschweizer Leute Befehl haben, Stinkbomben zu werfen! Franzens Gchicksalstag. Termin gegen den falschen Lohse am 20. Dezember. Die Hauptverhondlung gegen den Landwirt Guth, der ota Tag« der Reichstagserösjnung aus den, Potsdamer Platz randalierte und sich dann als„Abgeordneter Lohse" unter Mißbrauch des Ab- geordnetenauswerses legitimierte, ist auf den ZV. Dezember anberaumt worden. Die Anklage lautet auf Landfricdcnsbruch. Führung eines falschen Ausweises und Bannmeileichruch. Das Ergebnis der Verhandluiuz dürste auch zur weiteren Auf» klärung des Falles des brounschweigischen Naziministers F ranzen beitragen, der auf der Polizeiwoche Guch als Löhs« legitimiert hat. Gerste als Keuermatenal. billiger als Holz und Kohle in Kanada. Roland(ZRnnilobo).$. Dezember. Der geringe Preis von weniger als ei» Merkel Dollar, den die gaatBt für tan Scheffel Gerste erhalten, veranlaßt diese, die Gerste zu verfeuern. Die Farmer behaupten, daß sei ein bester«? G«. schäst. als mit Holz oder Sohle zu heizen, und ein Scheffel Gerste genüge, um eise» kleinen Öse» den gavzen Tag über zu speisen. Die Lustizkomödie von Moskau Vau I'otcr G&Twey. Der Moskauer«chauprozeh ist zu Ellde> Es war eine grast' angelegte Iustizkomädi« ohneglcici�cn mit im voraus verteilten Rcllen. Die Angeklagten sagten aus, wie die Regie«s verlangte. Es gel)ört zur Regie, wenn der„ösfentliche Älnkläger" im Schachty- Prozeß von gestern Prof. O s s a d t s ch y heute im Ramsin-Prazcst als belastender Zeuge austritt, der selbst unter Anklage steht. Mitglied te» ZK. der angeblichen„Industriepartei" samt Ramsin zu sein' Es gehört zur Regie, wenn der Staatsanwalt der Sowjetunioil Krylenko, von der gesamten Sowjetprcsse unterstützt, ein unglaub- liches„Amalgam" aus Monarchisten und Mcnschewisten, aus Po,»- cati und Abromowitsch, aus der„Vereinigung der russischen In- dustriellen im Auslande" und der Sozialistischen Arbciter-Jnter- nationale, aus den sowjettisiijchen Ingenieuren und sranzösischen lsleneralstäblern und Spionen schmiedet. Aber wer zu viel beweist, beweist nichts. Wer wird glauben, daß Genosse Abromowitsch, der eisrigste Betämpfer des Interventionsgedankens, in der Vorbereitung der bewaffneten Intervention„seit den, Jahre ZüSfi" teilnahm? Was hat eigentlich der Moskauer Schauprozest bewiesen? Nichts, absolut nichts, was vorher der ganzen Welt nicht bereits bekannt u»ar, nämlich, dost es in der russischen Emigration monarchistisch« Kreise gibt, die vergebens von einer Intervention schwärmen und mit einzelnen ausländischen Abenteurern aus der Zahl der arbeits- losen Militaristen und... mit den geschminkten Agenten der GPU. darüber„Fühlung nehmen"? Aber c» ist eine wissentliche Dumm- h e i t, zu glauben, hast irgendwelche verantwartlickie Kreise in Frankreich, dast die französische Regierung, dast Briond eine bewofs« nete Intervention pünktlich für den Sommer 1930 oder 1931 geplant hatte. Die antifranzösiische Zuspitzung des Moskauer Prozesses ist aus den fieberhaften Annäherungsversuchen zwischen der Sowjetunion, der Türkei und Italien, sowie aus den Berechnungen der Sowsetdiplomotis auf die Versilsteästenrng der Be- zrehungen zwischen Deutschland und Frankreich infolge der Nazi- Siege zu erklären. Ebensowenig ist das Schädlingstum der Angeklagten— trotz ihrer Geständnisse— sowie überhaupt das Bestehen der ongeb- lichen„Industriepartei" bewiesen. Die Aussagen und Selbstbeschul- digimgen der Angeklagten sind an sich kein Beweis dafür. Es ist bemerkenswert, dast auf dem Prozeß kein schriftliches Bsweismoterial vorgelegt wurde. Di« ist«5 aber mäglich, daß«ine weilverzweigte illegale Partei eins fiob erHast« Tötigkeft entwickeln konnte, daß sie fortwährend mit den Agenten der Fremdmächt« in engster Verbin- kung stand, ohne daß der allwissenden, allgegenwärtigen, alldurch- dringlichen GPU. kein Fetzen Papier in die chänd«"gefallen sein sollte? Und wer sind dabei diese so überaus gewandten Konspi- ratoren, die keine schriftlich« Spur ihrer vieljShrizen Tätigkeit zu hinterlassen verstanden haben? Lauter Professoren und Ingenieure, die der Politik, insbesondere der Verschworungslunst der illegalen Partelen wellfremd waren.— abgesehen von den Provokateuren, die vielleicht immer noch hinter dieser angeblichen„Verschwörung" doch stecken. Bewiesen ist auf diesem unglaublichen Prozest nur eins:— l aß der Diktator den gewaltlgen, noch nie und nirgend» dagewesenen Propogandaapparat des Staates und der herrschenden Partei immer noch in seiner Haich hat und nn nötigen Fall« mit voller Wucht ihn in Gang setzen kann. Das schmachvolle Austreten von Maxi in A 0 r k i ist nur ein kleiner, wenn auch wesentlicher Bestandteil dieser ungeheuren Betäubung caktion, die weit ins Ausland vorgedrungen ist. Aus feiner sonnigen Entfernung, wo«r die verdächtige Gast- steundschaft des faschiflstchen Dnc« genießt, fordert der Hosdichter »es bolschewistischen Du«« in einer Wutoerblendung die physische Bernichtung der Blüte der russischen Intelligenz, seiner intimsten Freunde und Mitkämpfer au» der Zarenzeit und zu Beginn der Revolution! Man braucht nur di« Sowjetpress« zu lssen, wo» übrigen» des Ekel» wegen nicht leicht ist. um zur Schlußfolgerung zu kommen, dast der Schauprozest in Moskau«in Schachzug gegen die Partei» Opposition ist. In der„Prawda" wird die Porteiopposiiion als Mithelferin der Intervention hingestellt und ge- brcndnwrtt. Die fünf Todesurteil« sind«ine Drohung und-ine Mahnung zugleich— auch für die Parfeioppositian! Die Verurteilten nach:Wfchm'-Nowgorod gebracht. ftomno, 9. Dezember. Nach der Begnadigung der im Moskauer Ramsin-Prozeß zum Tode Verurteilten wurden alle Angeklagten unter strenger Bs- wachung der OGPU. aus Moskau weggebracht. Sie kommen zunächst nach Nischni-Nowgorod. wo sie die Gefängnis- 'träfe verbüßen sollen. Der Abtransport der Angeklagten erfolgte unter Vermeidung jeden Aufsehen». Nebel über Berlin Teilweise starke Verkehrsbehinderunge« lieber ganz Porddeutfchland lag heute morgen dichter Nebel, der nicht nur in verlin. sondern besonders stark an der Küste den verkehr erheblich behindert ha». Der Flugverkehr im Norden des Reiches liegt vollkommen still, wahrend die Reichsbahn, wenn auch mit Verspätungen, den Fern- verkehr abwickeln konnte. Dagegen traten ans allen Bahnhöfen erhebliche Verzögerungen im Rangierbetricb ein und viele Güterzüge tonnten nur niit mehrstündigen Verspätungen zusammengestellt und abgefertigt werden. In Berlin hatten die Verkehrsmittel, Straßenbahn und Omnibusse, ebenlalls empfindlich durch die dicken grauen Schwaden zu leiden, da die Führer die sonst übliche Durchschnittsgeschwindigkeit nicht zu erreichen verm'chtem Nur aus der Hoch- und Untergrundbahn wickelte sich der Verkehr in gewohnter Regelmäßigkeit ab. Nach den vorliegenden Nachrichten ist"auch die Schiffahrt, besonders an der Küste, aber auch im Vinnenlande sehr stark behindert worden. In Hamburg betrug die Sicht heute morgen kaum 50 Meter, während in Bremen nur ein leichter Nebelschleier über der Weser lag und eine Fernsicht bis zu 10 Kilometern gestattete.. Der plötzlich gegen Morgen aufgetretene Nebel, der nach fach--' männische? Ansicht wohl während des ganzen Tages anhalten dürfte, ist durch den Zusammenprall der aus Süden vorstoßenden Warmluft mit den aus Osten vordringenden Kaltlustmassen entstanden. Dadurch bildete sich eine Front von M i s chu n g s n e b c l, oie von Hamburg bis nach Finnland reicht und die von der Küsts sich in einer Breite von etwa 100 Kilometern über das Land erstreckt. Berlin liegt also noch am Rande dieser Rebelzone, während SO bis 00 Kilometer weiter südlich klare Sicht herrscht. Da die Kallluit aus dem Osten sich als sehr widerstandssähig«rweist, muh damit gerechnet werden, daß erst gegen Abend oder in der Nacht der Nebel allmählich von den aus Süden herankommenden wärmere» Schichten verdrängt werden wird. Nach 11 Jahren freigesprochen Schiebungen aus der Nevoluiionszeii Unschlichk abgrseßt. Das Präsidium des sowjetrussischen Zentral- Vollzugsausschusses hat in seiner Sitzung am Montag beschlossen, den bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden des Obersten Volkswirt- ichastsrates Unschlicht seines Postens zu entheben. Unschlicht soll zum Itcllvertretenten Vorsitzenden der Staatkplantoimnlssion ernannt werden. An die unruhigen Zeiten nach der Revolution erinnerte eine Verhandlung vor dein Schöffengericht verlin- ITlitle. Im Jahre 1919 erschienen bei einer Intercssentengruppe vier Mitglieder de, Regiments Reichstag, die erklärten, in Adlershof lagerten 12 000 Liter Sprit, die von Intendantur, beawten des 9. Armeekorps zu Unrecht angeschafft worden seien. Die Intendanturbeamten seien hier in Berlin und wollten den Sprit verlausen, um den Betrag der Kasse zuzuführen. Die vier Personen l«gt«.n den Interessenten einen gefälschten Freigabeschein vor. Dar- aufbin wurde da» Geschäft abgeschlossen und es wurde der Betrag von 435 000 M. ausgezahlt. Die Käufer sollten einen Vertreter mit den Verkäufern nach Hamburg mitschicken, damit dieser sich über- zeuge, daß dos Geld auch wirklich der Intendairturkosse überwiesen werde. Vergebens wartete aber der Vertrauensmann auf die vier Soldaten des Regiments Reichstag, diese hotten das Weite gefuckst und das Geld unter sich verteilt. Es stellte sich dann auch heraus, daß die ganze Sache ein Schwindel gewesen war, es handelte sich gar nicht um Jntendanwrbeamt« und es war überhaupt kein Sprit oorhanden- Der Kaufmann G, einer der Beteiligten an diesem„Geschäft", konnte erst jetzt nach elf Iahren zur Verantwortung gezogen werden. weil ihm in der Winterschlacht in Masuren beide Beine erfroren waren»ich er die ganzen Jahr« schwer an Gelenkrheumatismus da» niedergelegen hatte. Er wurde vom Schöffengericht fr« ige» s p r 0 ch« n. da nicht mehr nachzuweisen war, daß er gewußt habe. daß der freigabeschein gefälscht gewesen sei. Wenn auch sei» übriges Verhalten für den Verdacht sprach, daß er von dem erschwindelten Geld« mehr als 100 000 M. abbekommen habe, so reichten die B«> weise dafür zu seiner Verurteilung nicht aus. Das pöstchen von Sonneberg. Der Abgedankte nochmals abgedankt! Das in Sonneberg(Thüringen) erscheinend« Noziblättchen erzählt seinen Lesern neuerdings das Märchen, der nach Sonne« berg geholt« nationalsozialistisch« ehemalige Regicrungsrot im Landesfinanzamt Berlin, Dr. F a b r« z i u», habe der finanziellen Notlage der Stadt Sonneberg Rechnung getragen und durch«ine vom Z-j. November 1930 mit der Stadioerwaltung getroffene Verein- borung auf sein Gehalt verzichtet. Trotzdem stell« Fa- brizius seine voll« Arbeltikraft al» Rechtsbeistand noch wie vor der Stadt zur Verfügung, soweit ihn dl« Ausübung seine» Reichstag,- Mandats daran nicht hindere. Der sozialdemokratische„Thüringische Volksfreund" bemerkt zu diesem Märchen, Fabrizios habe den Staub Sonne» bergs für immer von feinen Füßen geschüttelt. Man habe Fabrizlu» nahegelegt, daß er für da« Geld, das«r pon der Stadt Sonneberg beziehe, auch etwa» leisten niüjse. Aus die Tätigkeit Fabriztus' verzichte die Einwohnerschaft von Sonneberg jedoch gern, denn seine bisherigen Leistungen hätten für di« Stadt Sonneberg keinerlei Nutzen gebracht. Fabrizius habe allerdings das für Dezember schon erhaltene Geld wieder zurück- zahlen müssen!_ Das Panama Tardieus. peret erhictt von Ouflrlc Monatogebalt.- Laval bemüht sich bisher erfolglos. Varls. 9. Dezember.(Eigenbericht.) Di« Regierungskrise in Frankreich ist nach Ablauf de» vierten Tages ihrer Lösung noch nicht näher gekommen. Der neu« Kandidat Laval hat sich am Montag in seinen Besprechungen bemüht, die Fieberstimmung im Parlament zu besänftigen. Cr beabsichtigt erst heute an die Verteilung der Mimsterportejeuilles heranzugehen. Eines hat er jedoch schon unzweideutig erklärt, daß er auf seine Bemühungen verzichtcn werde, wenn er nicht mit der Mitarbeit Tordieu» rechnen könne. Im Lager der Radikalen scheint der Widerstand gegen Tardieu Nächtliches Nazitreiben Ausschreitungen im Berliner Westen Die nationalsozialistische« Rowdy», die gestern abend in der I Umgebung des Rollendors. und willenbergplaße« wieder einmal einen beispiellosen Terror ausübten, zogen gegen 23 llhr in Stärke von mehreren tausend Mann durch den M c st e n »erlins nach dem AehrbelUner Platz weiter, wo Herr S 0 e b b e l» abermal, zu feinen SM.-Ceuten sprach. Man kann der Polizei den Vorwurf nicht ersparen, daß sie die nationalsozialistischen Horden nicht lmmer mit der nötigen Energie angefaßt hat. Während man bei den nationalsozialistischen Demonstrationen am Nollendorf- und Winterfeldplatz insgesamt 31 Personen fest- genommen hatte, wurden auch am Wittenbergplatz 11 Hakenkreuzler verhaftet. Der Zug der Nationalsozialisten gelangte schließlich durch die Lietzcnburger Straß« nach Wilmersdorf. Auf dem Zuge dorthin wurden van nationalsozialistischen Trupps schwere Aus- schreitungen verübt und an mehreren Stellen durch Sieinwürjc Fensterscheiben zertrümmert. Inder Würzburger Straße 1 wurden vier Fensterscheiben eingeschlagen und in der Eislcbener Straße 13 wurden di« Scheiben des Lokals Lunte zertrümmert. Inder Kantstraß« 40 drang die nationalistische Meute sogar in eine Konditorei ein,«0 sie Auslagen und Ein- richtmigsgegenstönd« demolierte und den Wirt sowie einige Gäste tätlich angriffen. Bei der Schlägerei wurde eine Person leicht oer- letzt. Die Kundgebung der Hakenkreuzler aui dein Fehrbolliner Platz, wo der Marsch sein Ende fand, nahm erst um Mitternacht ihr Ende. Die meisten Teilnehmer benutzten die II- Bahn: jedoch hatte die Polizei Anordnungen getroffen, daß die Züge am Rollen- doriplatz ahn« Halt durchfahren sollten. Als der erste Zug, der mit Nationalsozialisten stark besetzt war, bei der Durchfahrt am Noll«»- dorfplatz gemäß den Anweisungen de? Polizei nickst hielt, wurde von den Hakenkreuzlern der Zug durch Ziehen der Notbremse zum Halten gebracht. Einige Hakenkreuzler verließen daraus den Zug und zerrissen die in der Bahnhofshalle angebrachten Plakat« des Films„Im Westen nichts Neues". Das Zugpersonal setzte die Weiterfahrt bald fort, ohne daß sich weitere Zwischenfälle ereigneten. Die Gegend um den Nollendorfplag herum wurde bis lang« nach 1 Uhr nachts von einem starken Polizeiaufgebot in weitem Umkreis abgesperrt, da immer wieder Trupps von Radaumachern auffauchien. Auch heute abend wird der Olollendoriplatz wieder starken polizeilichen Schutz erhalten, um die Vorstellungen ungestört stattfinden zu lassen. Die Polizei hatte übrigens am Nollendorsplatz eineu Laut- iprecherwagen beschlagnahmt, mit dem die Ansprach- Goebbels' verstärkt werden sollte. sichtlich zuzunehmen. So erllart der.�uotidlen", der sich als einziges bürgerliches Linksblait nicht in eine völlig neutrale Zurück» Haltung hüllt, daß ein Kabinett Laoal-Tardieu genau so unerträglich wäre wie das gestürzt« Kabinett Tardicu-Laoal. Kein radikaler Politiker könne es wogen, darin einen Sitz anzunehmen. „Populaire" erklärt mit nicht minder:? Schärfe, daß Tardieu sich durch seine wahrheitswidrigcn Erklärungen in der Kammer zur Deckung seiner kompromittierten Minisler im Oustric-Krach um jedes moralisch« Ansehen gebracht habe imd daher nichtmehrwürdig sei, in ein« Regierung einzutreten. So habe der von ihm gedeckte Justizminffter Peret vom Januar 1927 an bis zum November 1930 regelmäßige Monatszahlungen aus der Kasse vustrics erhalten. Auch Senator Besnard sei durch eine fest« Monats» rente belohnt worden. Ferner fei auch die nationalistische „Libcrte" allmonatlich von der Oustric-Kasse gespeist worden. Muber im Gagewerk. Wäckter gefesselt. Geldschrallk erbrochen vad beraubt. Eine Berliner Räuberkolonn« suchte dieser Tag« dl« Ortschaft Halbe bei Wendisch-Buchholz an der Ehaussee Berlln-Kottbus heim. Etwas abseits liegt dort das große Sägewerk der Firma Ernst G 0 t t 1 i a b. Nachts begeht ein Wächter das aus- gedehnte Gelände. Ms ir auf einem Rundgang nach der Straßen- feite kam, packten ihn plötzlich vier maskierte Männer und drückten ihn zu Boden. Ehe er noch nach seiner Waffe greifen konnte, waren ihm di« Hände auf dem Rücken gefesselt und der Mund mit einem Knebel verschlossen. Dl« Verbrecher nahmen ihm dann die Schlüssel ab und zwangen ihn, vor ihnen herzugehen, bis die Kontorräume erreicht waren. Sie drängten ihn in einen Nebenraum und einer blieb mit der Waffe in der Hand bei ihm als Wache stehen. Die drei anderen knabberten den Geldschrank aus und steckten di« 300 Mark, die sie darin fanden,«in. Zum Schluß fesselten sie dem Wächter auch noch die Fußknöchel und verbanden die Hand- und Fußstrickc. Den Hilflosen legten sie vor den Geldschrank, wo«r erst am nächsten Morgen gefunden wurde. Ohne Zweifel waren die Einbrecher Berliner, die mit einem Auto in die Provinz gefahren sind. Vom Sonder- dezernat B 6 ist ein Beamter entsandt worden,»m die Tatortspuren aiffzunehmcn._ Todeössurz eines Legaiionssekreiärs. Aus dem Trepp«»flu? des Hauses Hohenzollern» d a m in 206 wurde heute früh gegen 5 Uhr der 40jährige Legations» sekretär Hans P 0 r s mit einer schweren Kopfwunde t 0 t aufae- sunden. Es wird angenonnnen, daß P. in der Dunkelheft fehlgetreten und die Treppe hinuntergestürzt ist. Die Leiche ist beschlagnahmt worden. Verbotsvefchwerde des„Angriff" abgewiesen. Der 4- Strafsenat des Reichsgerichts hat die Beschwerde der nationalsoziolistijchen Zeitung der„Angriff" gegen das vom Berliner Polizeipräsidenten am 10. November ausgesprochen« achttägige Ver- bot kostenpflichtig abgewiesen. �_ „Verschwörung" im„Lenin". Znsliluk. In dem Moskauer Instilut„Lenin", in dem wissenschaitlichen Institut, das sich mit dem Studium des Lenmismus beschäftigt, wurde eine rcchtsoppo- sitionelle Gruppe aufgedeckt, die der Partcipolitik entgegenarbeitete. Die Gruppe wurde vom Sowjetprosesjor S ch d a n 0 w geführt. Schdanow soll in persönlichen Beziehungen zu dem bis- herigen Vorsitzenden des Rotes der Volkskommissare Groß-Rußlands, „Wir klagen die Raliaualsozlalisten an", ist das Thema einer a n t i i a s ch i st j j ch e» Kundgebung, die der Ortsvcrein Berliu-Tiergarten des Reichsbanners Schwarz-Rot- G 0 1 d am Mittwoch, dem 10. Dezember, 20 Uhr, im Natianalhof, Bülowftroße 37(am Dennewitzplatz), veranstaltet. Die Anklagerede hält Staatsanwaft Dr. H ö g n c r MdR. Einlaß ab 19 Uhr. Eintritt frei! Erscheint in Massen, um auch im.,?llten Westen" den Nazis die Zahne zu zeigen! Komische Oper. Französisches Gastspiel:„Sappho" von Daudet. Frau C e c i l Corel klettert die Hintertrepp« der Aolportog« hinauf und trotzdem ist ihre Darstellungskunst wieder bewunderungs- würdig. Sie spielt die Lcdedame vom Montmartre, jene hübsch«, launenhaft« Frau, die einst für Bildhauer. Maler und Dichter jederlei Vergnügen lieferte und darum zur Muse der'Boheme ernannt wurde. Eines Tages fft die Heilige der Bummelnächte dieser ab- inechilungsreichen Anbetung müde. Sie klammert sich an den jungen, hübschen, fast unschuldigen Studenten, der sich vom Gängelband der Prooinztante loslöst, um«in grotzer, glühender Liebhaber zu werden. Diese Liebe wird geschildert in oll ihren Etappen, in oll ihrer häuslichen Schiobrigkeit und Gemüllichkeit. Frau Sorel rrägt nicht mehr die unförmigen llleifröck« des Barocks, auch nicht mehr die umfangreichen Krinolincn des Biedermeiers. Sie ist nur noch eine geschmeidig«, zu jedem körperlichen Unterliegen und Begehren bereite und geschaffene Montmartredame unserer Tage. Und auch in dem engen, schlichten, zigeunerhaft verknitterten Bohemekleid zeigt sie alle Künste, deren sie Herrin ist. Es fehlt in dem Stück auch nicht die gewaltig« Tränenszene, da die Geliebte erkennt, daß sie den unschuldigen Jungen nicht in den Schatten ihrer Vergrämung und ihres schon heraimahenden Alters einwickeln darf. Sappho nimmt Abschied von dein schlafenden Geliebten. Herzzerbrechend und fcheutzliche Romantik und doch herrliche Schauspielkunst ist es, wenn Cecil Sorel auf den ruhenden Geliebten die welken Blätter der Rose streut, die sie vom wogenden Busen losreißt. Eigenllich ist Daudet jür dies« Hintertreppenkomödie auch heute noch nicht verantwortlich. Er gestattete nur einmal, daß ein« seiner schönen, sentimentalen, in viel Wortefchmclz getauchten Erzählungen für die Bühne hergerichtet wurde. dl. hl. And was weiier? Graf Hermanu Keyserling im Vach-Eoal. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben die materielle Frag«, die heute noch das Grundproblem der Menschheit darstellt, bisher am besten gelöst. Deshalb ist es natürlich, daß die Welt noch der Amerikanisierung strebt. Erst mit Hilfe der richtig an- gewandten Technik kann der Mensch menschlich leben. Erst sie schafft die dafür notwendigen wirtschaftlichen Grundlogen. Die fort- schreitend« Mechanisierung ist dabei nicht zu vermeiden: die Ber- allgemeinerung einer Lebensführung bedingt sie. Aber man kann nicht unbegrenzt verallgemeinern. Man kann den Menschen nicht zur Maschine machen, ohne ihm seinen Menschenwert zu nehmen. Es muß also in der menschlichen Gemelnschoft, wenn die Grundlagen des notwendigen Lebensniveaus gelegt find, das Gefühlsmäßige wieder zur Geltung kommen und an die Stelle des„unvermeidlichen Nebenmenschen", mii dem man sich aus Zweckmäßigkeitsgründen zum Kollektiv zusammenschließt, der„Nächste" treten— neben die rein äußeren Umgangsformen die echte Freundschaft. Dos waren ungefähr di« Grundgedanke«, die GrafHermann Keyserling im Bach. Saal m seinem Vortrog..Da s m e cha n i s che Z« it« alter... und was weiter?" behandAte. Sie sind nicht übermäßig originell: erst die praktisch« Ausdeutung auf die sozialen und wirtschaftlichen Problem« der Welt hätte ihnen größeren Wert verleihen können. Gras Keyserling brachte aber an Stell« von tatsächlichen Kenntnissen, die man nicht durch flüchtige Beobachtungen erwirbt, sondern die man wisienschastlich erarbeiten muß, geistreich überspitzte Formulierungen: an Stelle von tiefen Gedanken, streut« er elegant« Aphorismen ein. So löst man Weltprobleme schwerlich. Sz. „Lyncht ihn!" Amerikanische Eountagepredigt mit Krach. Aus New wird gemeldet: Der weltbekannt« Ehereformer und Vorkämpfer der Kameradschaftsehe, RichterLindfey, wurde am Sonntagmittag bei Skandalszenen während des Gottesdienstes gewaltsam aus der St. John- Kathedrale«ntjernt und verhaftet. Di« Ursache des Zwischenfalls war die Sonntagspredigt des Bischofs Mauning, in der Lindscy stark ongegrisfen und unter salschen Behauptungen persönlich beleidigt wurde.' Lindsey wollte sich per- antworten und bezeichnete den Bischof als«inen Lügner, woraus er von den wütenden Frauen körperlich angegriffen und von der Polizei und von Kirchendienern unter den: wilden Geschrei der Gläubigen und unter Zurufen„Lyncht ihn!" buchstäblich herousgeschleppt wurdö» Der inzwischen freigelassene Lindsey, der sich ak» Montag wegen Ruhestörung vor dem Polizeirichter zu verantworten hat, beabsichtigt, gegen den Bischof«in Strafverfahren einleiten zu lassen. Die eine neue Heimai suchen... Im Auswanderersaal des Gchlesischen Bahnhofs Paul Büttner 60 jährig. Der bekannte Komponist Paul Büttner, in Dresden am 10. Dezember 1870 geboren, war am dortigen Konservatorium Schüler Draesekes und später längere Zeit als Äompositionslehrer tätig. Als Schöpfer von bedeutenden Orchcsterwerten, darunter vier Sinfonien, von Streichquartetten, Violinsonaten pnd zahlreichen Männerchören mit Orchester, hat Büttner in weiten Kreisen An- erkennung gesunden. Artur Nickisch Hot als erster ein« scinrr Sinfonien in Leipzig zur Uraufführung gebracht. Es folgten Auf- führungen in Berlin, Dresden, Chemnitz, Stuttgart, München, Düsseldorf. Bültner ist ein Sinfoniker gemäßigt-moderner Richtung, der etwa an die Linie von Brohms anknüpft; als charaktervoller Musiker bildet er in unserer Zeit eine erfreuliche Erscheinung. , Sozialismus im Heilwesen�. Auf einer Sitzung der„Berliner Gesellschaft für Geschichte der Medizin und Naturwissenschaft" sprach Dr. Finkenrath über „Sozialismus im Heilwefen". Er gab«ine geschichtliche Studie über das Medizinalwesen des Großherzogtums Nassau für die Zeit von 18Z8 bis 1886, das kaum mit einem Medizinalwesen anderer deutschet Staaten der damaligen Zeit vergleichbar war. Der Arzt war dort Staatsbeamter: die Krankenhilfe, die Gesundheitsfürsorge und die Medizinalpollzei.wurden von ihm in einer planwirtschastlichen Verteilung jür die Gosanrtbevölkerung des großherzoglichen Staatsgebietes durchgesührt. Dr. Finkenrath nahm dann auf Grund der geschichtlichen Ergebnisse Stellung zu den modernen Problemen des Gesundheitswesens und legte im einzelnen dar. wie weit dos damalig« System des Großherzogtums Nassau die einzelnen Ausgaben öfsenk- licher Gesundheitspflege zu lösen vermocht hatte. Das System Hobe jedenfalls für die damalige Zeit ausgezeichnet gearbeitet und fei teilweise in Deutschland bei der Einführung einzelner Maßnohmen bahnbrechend in der Entwicklung geworden. An die Ausführungen schloß sich eine lebhaft« Aussprache, an der sich u. a. Pros. Diepgen. Prof. Grotjan, Dr Martin, Dr. Bier. Prof. Ohmann betcllig'en Ein Lichtbildoortrag von Apotheker Michaelis, der alte Kräuterbücher im Original zeigt«, vergegen. wärtigte die hohe Kunst der bildlichen Darstellung der älteren Zeiten. Ein großer Raum im Schlesischen Bahnhof, in dem die Züge aus Rußland und Polen, aus Rumänien ebenso wie aus den Staaten des Baltikums einlaufen. Tisch« und Bänke an den Wqnden, darüber der Schmuck einiger Bilder, vor allem aber Wärme und Licht, einfach und zweckdienlich die Einrichtungen. Inschriften in hebräischer, deutscher, russischer und polnischer Sprach« künden, daß den Besuchen: Tee in jeder Meng«, wenn nötig, Unterkunft und, was oft viel wiästiger ist, Auskunst und Rat umsonst erteilt wird, sie mahnen aber auch, daß man sich ruhig zu verhalten habe und vor allem aus seine Gepäckstücke achten solle. Das ist in kur.zem ein Bild des Auswandercrsaales im Schlesischen Bahn hos, der vom Hilfsverein der deutschen Juden eingerichtet wurde. Pogrome und Einwanverungsbeschränkungen. Es war im Jahre 1001, als der Jüdische Bahnliofsdienst eingerichtet wurde. 1921 übernahm ihn der Hiljsverein der Deutschen Juden durch sein Zentralbüro für Auswanderungsangelegenheiten. Er betreut nicht nur Angehörig« der Iudenschaft, sondern alle Auswanderer, die sich um Rat an ihn wenden. Aus diesem Grunde auch hat ihn das Reichswandcrungsamt als gemeinnützige Zluskunftsstelle für Durchwanderung und Aus- Wanderung anerkannt. Seine Geschichte ist die Geschichte des europäischen Ostens. Wir sehen, wie in den ersten Jahren nach 1900 die Zahl der Unterstützten Verhältnis- mäßig gering ist. Dann. 1903, 1904 und 1907 schnellt sie jäh in die Höhe auf 130 000, ISO 000, ja bis auf bald 160 000 betreute Menschen. Im Jahre 1903 setzten nämlich in Rußland, in Kischinew und Hömel, die Pogrome ein. um sich drei Jahr« hindurch zu wieder- holen. Der Zarismus will den Freiheitskamps des russischen Daltes, will die Revolution ablenken auf di« Angehörigen jüdischer Rasse und jüdischen Glaubens! Abschlachtungen, Schändungen. Per- folgungen sind an der Tagesordnung. Bei Nacht und Nebel, oft letztes Hab und Gut zurücklassend, fliehen die Verfolgten. Im Jahre 1907 ist die Zahl der rumänischen Zuwanderer besonders groß: Die Agrarunruhen haben zu wüsten antisemitischen Ausschreitungen gesührt. Von 1909 sinkt die Ziffer, um während des Krieges fast auf den Nullpunkt zu kommen, feit 1920 etwa ist sie wieder in ständig schwankendem Steigen. Nachdem der Strom der ukrainischen Einwanderer aus der Petljurazeit antisemitischer Gründe abgeebbt ' war, waren es hauptsächlich wirtschaftliche Erwägungen, di« den Auswanderer leiten. Politische und religiöse Momente sind zurück- getreten, wenn auch der jüdische Glaube von den allgemeinen Kirchenversolgungen in Sowjetrußland nicht ausgeschlosien ist. Ein Zurückgehen der Ziffer wird vor allen Dingen durch die sogenannten Restriktionsmaßnahmen westlicher und überseeischer Länder. Gesetze, di« ein« Beschränkung der Einwanderung bezwecken, hervorgerufen. England begami mit der Kontingentievung 1905. die Bereinigten Staaten von Nordamerika folgten mit einer Gesetzgebung, die seit 1924 besonders ausgebaut ist und sehr scharf gehandhabt wird, Kanada, Australien und Südafrika, dieses in besonder» radikaler Form, schlössen sich an. Die Bedingungen für Auswanderung nach Südamerika waren günstiger, doch hoben hier in der allerletzten Zeit die politischen Umwälzungen eine starke Rückwanderung zur Folge gehabt. Man sieht: der Saal im Schlesischen Bahnhos entrollt ein Stück Weltgeschichte. Ein gerüttelt Maß Arbeit? Die Betreuung der Einwanderer geschieht durch drei beamtete Angestellte des Hilfsvereins der Deutschen Juden. Ein- wandererzllge werden avisiert und auf dem Bahnhof in Empfang genommen. Viel ist zu tun. Die Durchwanderer verlangen nach Informationen über ihre Reise. Fragen nach den zuständigen Stellen, nach Behörden. Organisationen und Konsulaten und müssen Mn Teil nach anderen Berliner Bahnhöfen übergeführt werden. Depeschen werden für sie abgesandt, und Gepückangelegenheilen müssen erledigt werden. Besonders oft ist nach liegengebliebenem und verlorengegangenem Gepäck zu forschen. Für die ärztlich« BeHand- lung sorgt man nach Kräften, und vor allem auch müssen von den Emigranten schädliche Element« ferngehalten werden. Nicht umsonst ist der Schlesische Bahnhos Hauptarbeitsgebict der Fledderer. Di« Fülle der Arbeit zeige ein« Zahl: in den letzten neun Jahren passierten den Schlesischen Bahnhos nicht weniger als 292000 Aus- und Rückwanderer, darunter sehr viele Frauen und Kinder. Fahrkartenschwindler und falsche Agenten. Einige Beispiele aus der Praxis der Arbeit! Da kommt ein« Frau und weigert sich, dem Schalterbeamten die Fahrkart« ab- zugeben. Verständigung ist unmöglich, sie spricht russisch, er deutsch. Der Dahnhofsdienst wird um Hilfe gebeten, was stellt sich heraus? Ein betrügerischer Agent hat der Frau eine Fahrkarte für schwerstes Geld oerkauft und ihr gesagt, das sei das Billett von Warschau bis NewVork. In Wahrheit aber reichte es nur b j s Berlin. Gerade gegen dies« Schlepper und Betrüger führt der Hilfsverein«inen energischen Kampf. Man weiß, daß diese Agenten an den Grenzstationen auf die Auswanderer warten und sie mit Bersprechungen betören, ihr letztes Geld, ja selbst ihr Gepäck ihnen anvertrauen. Einer der Führer des Hilfsvereins, der von einem geplanten Schwindeltransport nach Kanada erfuhp. hat sich deshalb vor etlicher Zeit als Auswanderer verkleidet- Auf dem Bahnhof einer östlichen Grenzstation machte er sich, sein Bündel auf dem Rücken, unrasiert und scheinbar übernächtigt, aus den Weg. und richtig gelang es ihm, an die Führer des Schwindelunternehmens heranzukommen, sie zu entlarven und hinter Schloß und Riegel zu bringen. Etwa dreißig?luswandercr sollten ollein von diesem Konsortium ausgeplündert werden! Ein Auswanderer betritt den Saal. Sofort betreut ihn«in Beamter des Vereins, fragt ihn nach dem Woher und Wohin, nach Pässen und Papieren, nach Wünschen und Sorgen und bietet ihm da» heiße Glas mit Tee. Durch diesen Saal am Schlesischen Bahn- hos geht viel menschliches Elend, denn es sind immer die Armen, Bedrückten, die di« Heimat verlassen, um draußen in der Welt nach einem unsicheren Glück zu jagen. Aber es wird hier auch viel menschliche Hilf« geleistet, um dies« Bedrängten zu schützen! Ausschnitt aus dem Marx-Museum Sozialistische Gonderausstellung im parteiarchiv. In Trier, der Geburtsstadt von Karl Marx, wird im nächsten Jahre das„M arx-Museum" eröffnet werden. Es wird den Marxismus von seinen ersten Anfängen bis zur sozialistischen Welt- bewegung zur Darstellung bringen. Einen kleinen, aber wertvollen Ausschmtl dieses Museums bietet jetzt das Archiv der Sozialdemo- kratischen Partei(Lindenstr. 3, 2. Hof 4 Tr.) dar. Bon der Wand des Ausstellungssaales grüßen uns die vortrefflichen lebenswahren Bilder von Karl Marx. Das sind die Marx-Bilder von Kardorsf, Thesing, Pcchstein und das Bild van Fritzsch, das Marx mit seiner Tochter Jenny darstellt. Den wuchtigen revolutionären Denker Marx hat Svenguel gemeißelt. Aufzeichnungen und Briefe van Marx zeigen dem Beschauer dessen außerordentlich charakteristische Handschrist. Sie ist zum Teil sehr schwer lesbar und einzelne Wendungen der Marxschen Manu- skript« haben vielfach«, voneinander abweichende Ausdeutungen er- fahren. Im Mittelpunkt der politischen Tä-igkeit von Marx steht seine genial« Redaktion der„N e u c n R h ei n i s che n Z« i t u n g" Die letzte rotgedruckte Nummer dieser Zeitung fälll vor ollem dem Beschauer ins Auge. Eine seltene Ausgabe des..Kommunistischen Manifests" meldet den beginnenden Siegeszug des Marxismus. Bon den Jahren des Londoner Exils redet die Revue der„Neuen Rheim- schen Zeitung". Die Marxschen Aufsätze über di«„Klassenkämpfe in Frankreich" bilden ein Stück dramatischer Revolutionsgeschichte. di« aus dem Geist der materialistischen Geschichtsauffassung heraus geboren find. Diese Aufsätze vervollständigt der geistvolle Essay an Karl Marx: Der 18. Brumaire, der zuerst in der Weydemeyer- schen Zeitschrist„Die Revolution" erschien., Marx als Begründer der Internationale kommt in der Inauguraladresse der Internationale lebendig zum Ausdruck. Ein sehr interessantes Dokument ist das Bild der Teilnehmer des internationalen sozialistischen Kongresses in Basel 1869. Di« soziali- stischen Dorkämpfer und Kämpfer der deutschen Sozialdemokratie stellen sich hier den Beschauern noch in ihrer blühenden Kraft dar: Johann Philipp Becker, Wilhelm Liebknecht, Moses Heß, Amand Goegg, Hermann Jung, der Kommunekämpfer Barlin. Caesar de Paepe, Hermann Greulich. Karl Bürkli, M. Rittinghcwsen. Der treuste Freund und Kampfgenosse von Marx, Friedrich Engels, ist auf der Sonderausstellung durch ein vortreffliches Oel- gemöld«(Huth) vertreten. Große Aufmerksamkeit verdienen die ausgestellien Briese und Auszeichnungen von Engels. Eine selbständige Stellung nimmt in der deutschen Arbeiter- bewegung Ferdinand Lassalle ein. Sein Bild und namentlich seine Briefe an M. Heß dürsten ein gespanntes Interesse wecken. Auf den Schultern unserer großen Borkämpser Marx und Engels stehen Bebel, Liebknecht, Bernstein, die Abgeordneten der Sozialdemokratischen Partei, Singer, 5)aas«. und die russischen Ge- nassen Paul Axelrod und Martow. Ihre Züge sind nur zum Teil in noch fast lebenswahren Totenmasken erkalten. Jeder Beschauer nimmt von diesen Sonderausstellungen, deren Hauptobjekt« ihm von den Genossen Hinrichsen und Neuinorm er, klärt weiden, eine plastische Porstellung von den großen führenden Persönlichkeiten der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung mit diiUEig. Die Sozialistische Sonderausstellung ist Donnerstag von j 17 bis 19 Uhr und Sonntag von 10 bis 12 Uhr geöffnet. An die Sonntagsoorfühmngen schließen sich die Filmvorstellungen: ,Lm Anfang war das Wort", an. Die Ausstellung ist bis zum 21. Dezember(inkl.) geöffnet. Billige Einheitspreise für Kunstwerke. Die Deutsche Kunstgemeinschaft hat in chrer gegen- wärtigen Weihnachtsausstellung im Berliner Schloß drei Räume für Kunstwerke aus ihrem Lagcrbestand eingerichtet, die zu wesentlich ermäßigten Einheitspreisen verkaust werden. Bei Barzahlung tritt ein« weitere erhebliche Ermäßigung ein. Der erste Raum enthält Bilder zu 306 At.(bei Barzahlung 300 M.), der zweite zu 288 M.(200!DL), der dritte zu 216 3K.(150 M.). Auf eine Reihe weiterer Kunstwerke werden Preisermäßigungen anderer 2lrt gewährt. Die ennähigten Preise sollen trotz der gegenwärtigen schweren Zeit den Erwerb guter originaler Kunst möglich machen. Nach Weihnachten treten wieder die ordnungsmäßigen Preise in Kraft. Der Film„Zm Westen nichts Neues" wird am Donnerstag, dein 11. Dezember, von der Oberprüsstelle nochmals geprüft werden. Gegen die Verlängerung der llrheberschuhfrist. Der Reichsrot hat kürzlich ein« Gesetzesvorlage der Reichsregierung auf Verlange- rung der urheberrechtlichen Schutzfrist für Werke der Literatur und Tonkunst mit großer Mehrheit abgelehnt. Bisher war nur bekannt, daß für diese Ablehnung die Darstellungen der wirtschaftlich inter- essierten Verbände der Musikveranstalter, der Musikapparate- und Elektroindustrie maßgebend waren. Nunmehr richten sich aber auch namhafte Geistesarbeiter gegen derartige Pläne. In einem Aufruf, der u. a. auch von Oberreichsanwalt a. D. Prof. Ebermayer unter- zeichnet ist, wird erklärt, daß eine Angleichung an den österreichischen Zustand deshalb nicht in Frage komme, weil dort nur ein Pro- viforium hinstchllich der Schutzfrist geschossen sei und bereits ge- wichtige Stimmen gegen die übereilte Verlängerung laut geworden seien. Der Protest Henry Bernsteins gegen die Berliner Aussühnrng seines Schauspiels„Blelo". Gegen die Aufführung seines Schau- fpiels..M e l o" im Berliner L u st s p i e l h a u s hat jetzt Henry Bernstein in einem offiziellen Telegramm, das von der gesamten französischen Presse ausgeiwinmeu worden ist. Protest eingelegt. Das Telegramm lautet:..Mein Werk und meine künstlerische Grundidee sind in dem Schauspiel, das in Berlin gegeben wird, vollständig cnt- stellt. Ich ersuche Sic, die Vorstellung eines völlig sinnlos gewor- denen Stückes sofort abzusetzen. Die Aufführung hat nichts mehr mit dem Stück zu tun, das ich Ihnen übergeben und von dessen Vertrag ich hiermit ausdrücklich zurücktrete." Die Uebersetzung des Stückes, das schon vor einigen Tagen aus dem Spielplan des Lust- spielhauses verschwunden ist, war Franz Blei anvertraut. Das erste Tonkino für Schwerhörige. Im Universum am Leftniner Platz glückte ein Versuch, der auch Schwerhörigen den Kinobesuch ermöglicht. Die„Deutsche Alustikgesellschast" Hai dort «ine ganze Sesselreche mit ihren Kopfhörern für Schwerhörige aus- gestattet. Es wurde beim Versuch die neue Ufa-Tonwoche über- tragen, die glänzend durch die Apparatur übennittell wurde. Die Apparate iverdell hygienisch im Universum aufbewahrt und im Bs- darfsfall kostenlos zur Verfügung gestellt. „Alle Macht den Räten!" Die Praxis der russischen Handelsgesettschast Vekamitlich fordern die Kommunisten seit mehr als 10 Jahren, dag olle Macht den Räten übertragen werden solle. Wenn man die kommunistische Presse liest, sollte man annehmen, dah in Ruß- land diese Forderung restlos erfüllt sei. Am vergangenen Sonn- abend hatte man vor dem Reichsarbeitsgericht zu Leipzig Gelegenheit, einmal einen kleinen Einblick in die.Rälediktotur* zu erhalten. Es klagte die freigewertschaftliche Organisation der Boakauge- stelllen gegen die Handelsvertretung der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken. Nach ihren eigenen Darlegungen ist die Handelsvertretung ein intrigierender Bestandteil des russischen Staates. Gegenstand des Rechtsstreits war die Frage, ob bei der Handelsvertretung der„so- ziolistischen" Sowjetrepublik eine Vetriebsverlrelung errichtet werden müsse oder nicht. Zwar schreibt das deutsche Betriebsrotcgesctz vor, ' dah jeder Betrieb des öffentllchcn oder privaten Rechts eine Be- triebsvertretung besitzen müsse, ollein die russische Handelsvertretung lehnt es seit Jahren ab. elven wahlvorstand zu bestellen, um die Errichtung der gesetzliche» Betrieb;? Vertretung in ihrem Betriebe zu ermöglichen. Es mar nicht ohne Interesse, zu hören, welche Gründe die russische Handelsvertretung vorbringt. Da wurde von Exterri- torjalität, von völkerreckztlichen Bindungen und ähnlichem gesprochen. Der Bcrtreter der russischen Handelsvertretung lieh jedoch ' die Katze aus dem Sack, als er erklärt«, man könne doch der russt- scheu Handelsnerlrctung unmöglich zumuten, ciuer Belriebsvertre- tung die Ausgabe zuzuweisen, bei der Erfüllung der Betriebszwecke der russischen Handelsvertretung mitzuwirken, wie dies das deutsche Betrlebsralegeseh vorschreibt. Der Vertreter der„internationalen" Roziolistischcn Republik hielt es außerdem nicht für ongnngig, daß die russischen Angestellten der Handelsvertretung durch deutsche Betriebsratsmitglieder in ihren üntcressen ' vertreten würden. Während die russische Handclsvertretüng alles tut, um zu ver- hüten, daß ein Betriebsrat nach den Dorschristen des Gesetzes ge- wählt wird, sucht sie die Belegschaft mit einer„Betriebsver- t r e t u n g" zu trösten, die in Anwesenheit des Unternehmers durch Hanöaufhcben gewählt wird, keinen Kündigungsschutz besitzt und nicht die Möglichkeit hat, bei Einsprüchen wegen unbilliger Härte tätig zu werden. Auf die Frag«, welche Befugnisse denn die Bctriebsvertrewng der russischen Handelsvertretung, die nicht dem Betriebsrätegesetz entsprechend errichtet wurde, besäße, muhte der Vertreter der Handelsgesellschaft verlegen schweigen. So also sieht es in Wirklichkeit aus: In der einzigen Unter» nehmung, die der russische Staat in Deutschland unterhält, an der Stelle, an der einmal gezeigt werden kann, ob es den Kommunisten wirklich enist ist mit ihrer Forderung, die Rechte der Arbeiterschaft zu erweitern, gewährt der russische Staat seinen Arbeitnehmern noch nicht einmal die primitivsten Rechte, die jeder deutsche Unter- nchmer seinen Arbeitnehmern zuerkennen muß. Die wirtschaftlichen Hintergründe des Verhaltens der russischen Handeloertretung wurden vor dem Reichsarbeitsge- rieht tlar aufgedeckt. Die russische Handelsvertretung sträubt sich gegen die Errichtung einer Vetriebsvertretung, am zu verhüleo, daß die Methoden aufgedeckt werden, die sie bei Entlassung ihrer An- gestellten befolgt, wer nicht linientreu ist, fliegt. Es scheint der rufsischeh.Handelsvertretung doch sehr peinlich zu fein, daß eventuell ihre Arbeiterpolitik einer kritischen Nachprüfung unterzogen wird. Das"A r b e it s g c ri ch t Berlin hat in dem Rechtsstreft die 'Ansicht der freigewerkschaftlichen Bontangestelltenorganisation gc- billigt. Nicht nur, daß die„revolutionäre" Sowjetrepublik das bürgerliche R e i ch s a r b e it s g er i ch t anrief, um sich davor zu schützen, daß— Gott behüte!—«ine Betriebsvertretung, wie sie alle deutschen Betriebe haben, bei ihr errichtet werde, sie bedient sich zur Bekräftigung ihres Standpunktes auch noch des Gulochtens eines deutschen Uechlslehrers. rt.m dem allgemein bekannt Ist, daß er der theoretische Wegebohner des deutschen Faschismus ist. Zum Schluß sei eine klein« Frage erlaubt: Wer Hot euch eigentlich verraten...? Morgen Entscheidung im Bottekonfliki. Rachverhandlungen vor dem Schlichter gescheitert. Heute vormittag um 10 Uhr wurden beim Schlichter für den Bezirk Brandenburg die Verhandlungen fortgeführt über den An- trag der Meierei Boll«, den Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses für verbindlich zu erklären, der ab 5. Januar einen Lohnabbau für sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen um 3 bis 6 Proz. vorsieht. Der Schlichter setzte, wie schon gestern, seine Bemühungen fort, um eine friedliche Verständigung zwischen den Parteien herbei- zuführen. Infolge der Hartnäckigkeit der Vertreter der Direktion schlug dieser Versuch jedoch fehl. Die Verhandlungen wurden schließlich gegen 12 Uhr mittags ergebnislos abgebrochen. Die Entscheidung des Schlichters über den Antrag auf Ver- binÄichkcitserklärung soll morgen ergehen. Die Funktionäre der Meierei Bolle kommen aus diesem Grunde im Lause des morgigen Tages zusammen, um je nach der Entscheidung des Schlichters weitere Beschlüsse zu fassen._ Eine Provokation der Angestellten. Derschleppungsmanöver der Einzelhändler. Man sollte es kaum für möglich halten, mit welchem Ausmaß politischen Unvers tonoes sich das Scharfmachertum der Einzel- handclsunternehmer paart. Die Herrschaften haben den Gehalt» tarif gekündigt. Daß sie damit ein« Vertrauenskrise des kaufenden Publlkums herausbeschworeu haben,'cheint den Einzelhandel nicht zu berühren. Daß man für die TariskLndigung einen ungeeigneteren Zeitpunkt als die Wochen vor dem Weih- nachtsfest nicht finden konnte, beweist erneut den geringen psychologischen Blick des Einzelhandels, der also damit zeigt, daß er mis seiner Parole„Kundendienst" selbst am allerwenigsten gelernt hat. Der Zentralverband der Angestellten hat. im Austrag« seiner Mitglieder bisher in drei Briefen am 1., am 4. und am 6. Dezember auf die Dringlichkeit von Verhandlungen hin- gewiesen. Endlich haben die Herrschaften sich herbeigelassen, zum 13. Dezember Verhandlungen anzuberaumen. Der Zentralverband der Angestellten wird einer weiteren Der» schleppung der Angelegenheit zu begegnen wissen. Einigung im englischen Bergbau. Neue Verhandlung über die Il'-.ShmvttpSchicht. London. 8. Dezember.(Eigenbericht.) Die schottischen Bergarbeiter hoben heute die Arbeit vollzählig wieder ausgenommen. Im englischen Bergbau arbeiten zurzeit 300 000 Bergarbeiter lägllch acht Stunde»», darunter Schottland und Südroales, 273 000 Bergarbeiter haben den 7'-c-Sluoden.Tag bereits vor dem 1. Dezember besessen und 255 000 Grubevarbetter erreichten ihn neuerdings aus eine begrenzte Zeitdauer bis zur endgültigen Regelung der Frage. Die Verhandlungen darüber haben inzwischen begonnen. Starker Besuch der Museen. Während der monatliche Durchschnittsbesuch des Kaiser» Friedrich. Museums, des Alten und Neuen Museums in Berlin sonst 20 000 bis 25 000 Personen betrug, sind nach einer im Oktober ver» anstaltcten Zählung, die aber die Sonntage nicht ganz vollstond g erfassen konnte, die neuen Museen während dieses Monats von 160000. Menschen aufgesuchl worden. Wie Dr. A. Neumeyer in der ..Weltkunst" weiter mitteilt, wurden von dem Gesarntführer durch die Berliner Museen zu 2 M. in zwei Monaten 2300 Stuck ver» kaust. Im Pergamonmuseum wurde das Merkblatt zu 10 Pf. u» 35 000 Exemplaren, das Bilde rheftchen zu 50 Pf. in 10000 Exem» plaren abgegeben: beide sind in 2. irnd 3. Auftage erschienen. Zu Führungen durch die neuen Museen Hot das Proomzialschulkollegiirn» nicht weniger als l?00 Lehrer angemeldet: dazu kommen.zahlreiche Schulen, Vereine und Verbände. Die am Sonntag stattiindendeir öffentlichen Führungen im Pergamonmuseum sind jeweils oou etwa 300 Personen'besucht worden: die Werktogsführungen»»eisen eine Durchschnittszahl von 35 Besuchern aus. Vetter für Berlin: Ziemlich trübe, ohne erhebliihe Nieder, schlage, Temperabiren»oenig über'Rull.— Für Deutschland: Nirgends wesentliche Aenderung des bestehenden Witterungscharakters. B-r-ntwortl. Me die Redaktion: isra»»«tt». Berlin:«nzeigen: TI,. Sl-e«. Berlin. Berlaq: Vorwärts Verla,,®. m. b. S>.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckem und Berlagsaustalt Paul Singer& Co.. Berlin 658 68, Lindenltrage z. iieejn 1 Beilage. PROGRAMM ....•'4r die Zeit vom 9. bis 1!. Dezember I N O-TA F i L wr die Zelt vom 9. bis 11. Dezember Potsdamer Strafe 38 W. 5, 7, 9 Uhr L'e ab z Uhr Verlängert! TXe•icgende Stadt mit Brl#. Helm Jan Klepnra, Georg Alexander Jugendliche haben Zutrift Rheinsir aize 14 �"�e, W. abSÜhr Stg. ab3Uhr TVvel rote Rosen mit Liane Haid Her»ingende Drabi, ein Abenteuer " in 6 Akt»»rt Odcon, Potsdamer Str. 75 W. ß,7, 0 übr. Stg. ab 3 Uhr Liebling der G&ter mit C. jannlnga, Renate Müller, Olga 7Vd»e«bona Mar cell ViitrUdi Turm strafe 12 �.VblS; Verlängert» Berliner Posse; Olc Laubenkolonie (Die lustigen Musikamen) mit FrM» Kampers, C. Sptra. Erika GISbner, Hermann Pioia, Julius Falkcnsteln AJcxanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen i ag geöffnet Vä Babqac mit' LU Dagorer, Gustaf Grändgens, Rolf van Goth, Frftr- Spira, Ernst Verebes, J. JFalkensfein (| WAst«n> Welt-Kino s Mt-Moabit 99 Nur 3 Tage! Hallelnfah. der aufsehenerregende Neger-Tonfilm— Beiprogramm g Ctiarlottanburti Kant'Lichtspiele Kantstr 84(an derVVilmcrsdorfer Str.) W, 5, 7, 9(V5 Uhr Stg. ab.3 Uhr Tonfilm: Der Tanz gcbJ greller mit W, Dlcfcrlcp L, Arniu— Bciprogr. Primus-Palast ��hÄ, Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr Der gro8e LustspieierfoTg; Drei Tage Millclarrest m. Max Adalbert, Velix Bressart, Lade Englisch, F. Scholz, Ida WOft. G. Thcimer, F. Hörblger, Fred Oöderlein. Regle: Carl Bocse Frletfrlch«ta«it M Franziskaner Georgenstraße(Ecke Friedrrchstraße) 3 Großfilme I 11.?. 5,?. 11 Uhr Einbruch im Bankbaas Rcichenbacfa mit Eveline Holl 12. 3,, 9 Uhr Ein MÄdcl von heoi 1, 4. 7, 10 Uhr Der goldene Abgrund(Schiffbrüchige des Lebens) mit L. Haid, tt. Albers Tönende» �Iprograrnrn Die Kamera 3. Ag9 unr Unter den Linden»4 Maua mit der P-llsehe m. Fair bau kx Mädel mit der Pellsdie m. A. Oudra ■ hss.isi« O Artushot'Licfatspiele Ferleberper Straäe 29 Film- und ßfibnexuebau MoJient ab 5*4. Sonnt ab 5 Ubr _______ gier m. L Petr». uM.- Bor Schlötcr'Theatcr Schlüterstr.»7 W. 5, 7, 9 Uhr Stg. 3 Uhr: Jugend-Vorstellung Tonsprechfilm: Srbwrstrr FlUnorc. Liebe(Flieger) m. Jark Hol».— Tou- befprogramm. Jugendliche Zutritt I M tVilmersdorf Atrium Beba-Palan T.�/uhr Sonnabends o. Sonntags J, 7, 9,tS Uhr Kaiserallee, Ecke Berliner StraSe Tonfilm-Uraulführung: Der falscfae Feldmaradsall mit Vlasta Burian, Roda Roda, Fee Malten, H. Frank iTonfilm-Humoreske).- foobefpro- grarom. Jugendliche haben Zutrift! g.....»ehöwatserfl � k Titania Schöncbg. s!'aw HauptstraBe 49 100 proz. Tonfilm! H r n n r Porten spricht singt tanzt in ihrer Doppelrolle Koblhieaäs Tödifer W Frledenao Kroncn-Lichtspiclc Rhcinstr. 65 W. 6J0 u 9 Uhr Sonntags 4, 6�0, 9 Uhr Tonfilm: Liebling der Götter mit Emil Jannings.— Micky Maus 1»tRSHtl i Tilania-Palast stg�Ä'u. Steglitz. SchloBstr.S. Ecke Gutsmuthsstr Tonfilm: Das Laad dea Lgchelni mit Rldiard Tauber. Musik: F. I�hdr. Tonbciprogramm. Jugendl. Zuirftt! g' Zehfengore-Mitte"� y— Ii Wochentags 7, 9.10 Uhr AeCla Sonntags Ä, 7, 9.10 Uhr Potsdamer Str. 50 Stg. 230: Jgd-Vorst Tonlustspiel; Holnupobu« m.Haraey, Frl.-eh.— TSaeude WodheuMhau ����larlitndor»��� »La_ T» PlarteBdorter Wochemg ITia~ L.1 Llcbt-ptelc ab 7 Uhr Chausseestr. 305 100 proz. Tonoperar e Ol« Drei von der Taukitelle mit Ullas Harvry. Beipr. JogendL Zntr. Tivoli Berliner Str. 97 Beg 5, 7, 9. Stg ab 3 Uhn Jug.- Vorst lOüproz. Tonopereita: Die Drei 4er TeslömUe mit UHa::: — jogtadUcb« Zotrie Sudwesten Lichtspiele Sudwest BIQcherstr. 12 W. 5, So. ab 3 U- Da« GeheimnU der Martha Lfidcrs Theodora, die gekrönte KortUane Tonwoche Fiim-Paiast Kammersäle Teltower Str. 1 W. 5, 7. 9, 5fg. ad 3 Uhr IVS pror. Tonfilm: dkov mm Rhein mit |go Sym, Oaiy d'Ora Beiprogramm ■"■ Primus-Palast Am Hermennplatz, Urbanstr. 72/75 Wochent 6.45. 9. Sonnt ab 3, 5, 7, 9 U. Der große deutsche Ton-Sprechfilm; Olympia Regie: Jaques Feyder Auf der Bühne: Ffluf Wesiergaard*. Gladiatoren 7�». am Moritzplatz Beg: Wtg 5, 7. 9 Uhr Stg. ab 4 Uhr Tonfilm: Der König von Paris f alsciiinüaxer mit Oskar Marlon V HeukSIln i Mercedes- Palast Fl ermann Straße, Ecke Jägerstraße Anfang: Wchtgs. MS, 9. Stgs. 3, 5, 7. 9 U Tonkomödie: Vatanqne mit LU Dagovcr, Gustaf Gründgcns Grobe B0bne«d>an Betprogramm lesslriile Wochcnt. 6,45, 9 U. flUKUK Sonntags 3. S. 7. 9 U. Kottbusser Damm 92 lOOproz. Tonfilm! Die singende Stadl m. Brigitte Helm, Jan Klepnra— Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt pira-aslcim- Wochcnt 6.45, 9 U. EXCCiSlOr Sonnt 3. 5. 7. 9 U. Kaiser-Friedrich-Straße 191 Tonfilm! Auf Tlgerfagd In Indien L Hagenbeck spricht im Film Jagendliche haben Zutritt Stern, Hermannsirahe 49 Wochentags 6 45, 9. Sonntags 3. 5, 7. 9 U. Tonoperettc: Dolly macht Karriere mit ÖoUy Haas, Kurt Gerron Toubeiprogramm Südosten Filmeck Skatloer Straße, am Oörlftzer Bahnhof Beginn Woch en tags:«30 und 9 Uhr Sonntags: S, 5, 7, 9 Uhr Krimina! tonfllm: Der Taus gebt wetter ran Wühekü Dleterfe Luisen-Theater Reichen berger Str. 34 Anf. W:«39 n. 9 U. Big. 3, 5. 7. 9 U. Kriminaltonfilm: Der Tanz gehl weiter mit Wilhelm Dielerle Böbnenscbau Stella-Palast Köpenicker Straße U— 14 Wochtgs.(l30, 9 ü. Sonnt. 3, 5, 7, 9 U. Der große Tonfilmerfolg; Die singende Stadl mit Brigitte Helm, Jan Klepnra Beiprogramm— Bühmmscban jugendliche haben Zutritt Viktoria Lichtbild Th. Frankfurter Allee 4« Woch. 3, 7, ca 8.45, Stg. 3. 5, 7. AAS U Tonfilmoperette: Die Drei won der Tankstelle mit Lillan H*rrey, W(Uy Frtisdh Jugendliche haben Zutritt Urania T onfUm- Variete W. 6 45. Stg 5 U Wrangelstraßc 11(an d- Köpenicker Str.) So ist dach Leben Pollreispionln 77 mit Ellen Richter Varicf«ajan Sternwarte— Treptow Dienstag 8 V: Astronomie ra. Opern- glas n. kl. Fernrohren. Vortrag Dr Archenhold— Mittwoch 8 U: Durdis sonnige Brasilleu, Uichtbilderyorirag Donnerstag 8 Uhr: Aul grtediiseheb Meeren. Ferner: Das unbekannte Paris. Filme � Nordooten""- „Elysium Frenzlaner Allee 56 W. 5.15, 7. 9.15, S. 3.15, 5, 7.15, 9 15 Uhr Tonfilmkomödic: Der keusche Josef mit H. Lledlkc Bühne: VarieiEschan Flora-Lichtsp. LÄi?ees«r/1fr Wochent 620, 9 U. Sbd. 5 U, Stg 3 U. Falschmünzer mit Oskar Marion Tonfilm: Wie werde Ich reich und glücklich? ■ 0*tBW■ Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Beginn der ersten Vorstellungen: Wochemg. 6 30, Sbd. 5, Stg. 3 Uhr Ufa-Tonfilm: Abschied(So sind die Menschen) mit Brigitte Horney Auf der Bühne: Marina Urslca in ihren Solororträgen Am Fiflgel: Johannes Müller Luna-Filmpalast Zi j u Gr. Frankfurter Str. 121 Das Frönlefi» vom Kieidcrlagcr mit Dlla Parlo.— Jonnr braucht Geld Böhne Zigeuner kl£nge Schwarzer Adler XuS« Woch. 5. 7, A45. Stg.3. A 7. 8.45 U. Qroß-TonfNra: Loatuamt waaal u -lost... mit Mady Gbrlsttass Tdueadea Beiprogramm_ Comcnius-Lichtspiele Mejneler Straße 6/ Anfang; 5. 7, 9 L Tonfilm; Kabinett de* Dr. larUarl mit Maat Hausea- VertdtoUea Botprogramm Concordia-Palast Andreas str. 64 W. ab5U.,Sfg.ab3U. 100 proz-Tonfilm: Leulnanl warst du einst bei den Husaren mit Mady Christians Filmpalast Puhlmann Schönhauser Alle« 148 W. 5, S. 3'.: U. Tonfilm: Pension SAAUer mit Tiedike, B Brtek Gestalten der MaAt AITiaornfsrat Woch. ab 6 30 Uhr Ainamorrt Sonnt, ab 4 Uhr Koppenstraße 29 Stg. ,/j3 gr lugend- V. Das ausgezeidinele Flltoprogramra sowie Btlbnenscbaa U M«u-».|e,M-g.rt>erg D Kosmos-Lichtspiele Lückstrgße 70 lOOproz. Tonfilm-. W\ 7, 9 U-, Stgs. S, 7, 9 U. Nnr ,S Ta?fc! Liebeswalzer mit Ltllan Harvcy, Willy Fritscha Menschen sehen dich an > FrtodrlCtiaWclR> Kino Busch Alt-Friedrichsfelde* Beiprogramm Die Docks von New York m. George B an er off, Olga Baklanova« Insel der Liebe mit CU France, WRlßcntCR Schloßpark Fflm. Bühne Berliner Allee 236— 210 B&hncnschau Paf n, Patachon a's Kanstschfiizcn. Napoleon auf St. Helena«— Bühne; Revue Wir tanken Seligkeit m Hordwn m A Müllerstraße 136, /VUlömöra Ecke Seestraße Rcvue-Operetten-Tonfilm: Nor Du mit Charlotte Ander- Ab Donners- Paf and Patachon als Konsl- Bühnenscb. Voll- OrchesL Pharus-Lichtspiclc Müllcrstr.142 W.S,7,9U. Kriminaltonfilm: Der Tau? gebt weiter mit Wilhelm DlefcrlepLUfti Araa.- Tonhciprogr, Marga-Lichtspiclc Schulstraße 29 jetzt als Tonfilm Oer gewaltig« Russenfilrn: user Polet kr eurer Potemktn.— Ferner;_ votnllonshochzett— Beiprogramm. Pratcr-Licbispiel-Palast Kastanienaltee 7-8 W.»bs. Stgs 31.', U. FmcblagakteU mit t~ Brink.— DleCrr-cnbotsage. 5C., Varl et« Attz Mila-Liditspicl-Palast Schönhauser Allee 130 W.yo, S. 4'> Tonlustspiel: Da* Kabinett de» Dr. Larilarl. Beipro gr.: Bähortutfano Colosseum s�-�Vu� Schönhauser Allee 123 TobHIu» Die uBTOllkomm« ae Kbe m. Bu-ter Kreton.- Lmtlge DNImeuocban Pankow Palast-Theater Breite Straße 31 a W. 630. 9. Stg. 4, 6l30. 9 100 proz. Tonfilm. Der Söhn der welken Berge# Bübnenschan- Jugcndliche- haben Zutritt Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 W 530.9 U-, Stg. ab 4 U. lOOproz. Tentilm: Die bloade Nach. tfgall mit tüe Elster, Arthur Hell Grones Beiprogramm Film-Palast SäSU« Biankenhurger Str. 4 So. Jgd.-V. Wöchig 6.30, 9 U, So. 4.30, 6.45, 9 U Tonfilm Der Andere m. Kortner, George. Chaplin: Feine Leute n. a» ¥•■•1 Filmpalast Tegel Stgs. 2 U Jgd.- Vorst W.6. Stg. 4'-, U. Tonfilm: Das Ued ist ans m. Liane Haid. Willy Forst. Lustiges Beiprogramm.— Auf ,Tobls"-Apparat «Kosmos" Fümbilhne Hauptstraße 6 Beg. 6 Uhr, 8J0 Uhr Der gewaltige Tonfilm: Liebling der Götter mit Emil Jannlng» Bühne: Des Koamos-Ordiester Union-Theater Hauptsu s Stg. 2 Jgd.-V. W 6. 8'«, Stg. ft/s. 61*3 SA» U. ___ mit Et» MmrdsmMel 1 Lob Cheney.— caty FeUdl M_____ HunnlasOorr g Filmpalast Stg. ~~'' J Stg, 2 Ii lageVurat Berliner Soaße 59 Oer (Beilage Dienstag« 9. Dezember 1950 IprMimA StaJauiaa& Unternehmer, Kaufmann und Büromasehine Die heute vor sich gehend« Rationalisierung der Büros und taufmännischsn Betriebe ist eigentlich nichts anderes als die Umge- staltung dieser Betriebe von der Manufaktur �ur maschi- n e l l e n Industrie. Das Büro als Manufakturbetrieb braucht * die Person des geschulten eingearbeiteten Angestellten, der durch seinen Einblick in größere Teil« des Betriebsvorgangs nicht ohne rreiieres auswechselbar ist. Das Büro als mechanisierte Fabrik gebraucht den Angestellten als einen selbsttätigen chebel an einer Maschine, einen chebcl, der lederzeit leicht ausgetauscht werden kann. Wie nun erhält man sich bei seinen Angestellten die bürgerliche Ideologie und macht trotzdem rapide Fortschritte in deren Proletari- sierung? Hier muß die wisienschoftliche Betriebspsychologic guten Rat schaffen. - Sie hat Vertreter, mie z.B. Professor Moede. der lunstvoll entwickelt, wie man bestimmte Charakteranlagen mißliebiger Ange- skellter ergründen und gegen sie auswerten kann. Wie man unerfM- bare Aufgaben stellen muß, um die damit Betrauten zu zermürben, wie man Menschen in Dersuchung führt, um einen Lorwand für ihre Entlassung zu finden, wie man Angestellte, die abbaureif sind, durch ungerechte Vorwürfe reizen kenn, um ihre Selbstbeherrschung zu erschüttern und sie zu Heftigkeiten Hinzureißen, die einen so trcff- lichan Grund für fristlose Entlassung darstellen. Der Entrüstung-- stürm, den Moed« entfesselte, richtete sich mehr gegen Moedcs unge- ichickr deutliche Formulierungen, als gegen die Art dieser Psychologie 'clbst, die, immer besser ausgebaut und ungehindert angewendet. das ge'stige Rüstzeug der Unternehmer im Klassenkampf gegen die zu rationalisierenden Angestellten bildet. Auch schon vor Moedc liefert« die einschlägig« Fachliteratur seit Beginn der Rationalisierung dem Unternehmer zahlreiche Re- zepte und Theorien, die es klar machten, wie man unbotsame oder „unbrauchbare� Angestellte für immer nach Hause schickt und die zum Bleiben Erwählten mit Hilfe der Betriebspsychologie kräftiger in den durchrationalisierten Betrieb einspannt. Die von dem Fach- mann für Rationalisierungsfragen, Professor Dr. G i es e- Stull- gart, unter dem Begriff„Psychotechnik der Menschenbehandlung" zusammengefaßten heuchlerischen Werbungen für den Betriebsfrieden werden fast in jedem Betrieb schon seit Iahren und immer bewußter und bewußter angewandt. Gerade das Büropersonal,«ine ideologisch stark mit dem Kleinbürger- und Bürgertum verwachsene Schicht der Schaffenden, die sich„vom Arbeiter in der Werkstatt gesellschaftspsychologisch unterscheidet", muß„freudiger an ihre Arbeit und stolzer auf ihre Firma gemacht werden", damit sie sich bedingungslos den Erfarder- nisfen neuzeitlicher Bürogeslaltung unterwirft, als da find: die . Mechanisierung, die rasche Abnützung, die leicht« Auswechselbarkeit und der frühe Berufstod". Gerade dem Büropersonal gegenüber, so �Mrt'Giese weller. Mtf Ii« Unternehmer bei der Menschen- behaPtlungstechnik nicht übersehen, daß es sich da um Leute handelt, die, was Standesgefühl und äußere Formen betrifft, ..ander« Ansprüche und andere Bedürfnisse haben als der gewöhnliche Lohnempfänger". Trägt man„diesen Richtungen der Weri- «inschätzung der eigenen Person Rechnung", so kann man allerhand Rationchisierüngsexperimente machen, ohne daß die Angestellten dagegen aufmucken. Zum Lohn für ihre Artigkeit werden sie dann eben nach Büro- Muß im Sammelautobug auf den betriebseigenen Sport- platz gefahren, od« sie dürfen als kühne Segler im Boot des Waffersportvereins der T-Bank vor dem Winde kreuzen. Selbstverständlich hat jeder größer« Betrieb für seine An- gestellten auch ein Kasino, in dem ein ebenso strenger wie leerer Komment das bürgerliche Selbstgefühl hebt. Stolz verkündet« mir em Ingenieur eines großen Hüttenwerks im Westen Deutschlands, daß man ine Kasino nur aufgenommen werde, wenn man zwei Bürgen beibringen könne. Erst dann ist man würdig, dort eine große Helle zu trinken und die Kegelbahn zu benutzen. Geschickt« Unternehmer errichten auch Siedlungsbauten für ihre„gehoben« Arbeitnehmerschicht", was nicht hindert, daß auch >m Büro die älteren Angestellten dem Schicksal dauernder Erwerbs- lasigkell(dem„Berufstod", wie Professor Giefe so treffend sagt) in Massen überliefert werden. Die schon an die Vierzig heran- gekommen find, haben eben nicht mehr den Kraitüberschuß und die leichte Beweglichkeit der Jugend, dafür aber mehr Kritik und Klar- beit. Kritik und Klarheit aber darf der rationalisiert« Angestellt« nicht haben, wenn auch die„Deutsche Bergwerkszeitung" schon lstZ? schrieb:(an den Büromaschinen) gilt es sicher, stets geistig konzentriert und ganz bei der Sache zu fein. Nicht einmal die Kopiermaschin« läßt sich gedankenlos mechonilch bedienen." Damit wollt« da« Blatt der Ruhrindustriellen nur den Beweis erbringen, daß durch die Bedienung der klappernden Hollerith. Maschinen keine„gesellschaftlich« Erniedrigung des Standes der Angestellten" mich sich gebracht würde. S. K r a e a u e r schreibt in seiner ausgezeichneten Untersuchung „Die Angestellten"(Frankfurter Societäts-Druckerei):„Dank der m dem Instrumentarium investierten Geistesarbeit bleibt feinen Hand- longern der Besitz von Nennwissen erspart, und wäre nicht der Bssiich der Handesschule obligatorisch, so brauchten sie überhaupt nichts zu wissen." Da versteht man nicht nur den Horror vor älteren Angestellten, sondern auch die Notwendigkeit femer psychologischer Methoden des Unternehmertum«, das auch noch dem rationalisierten Angestellten«irrhämmern will, daß er ttotz allem einem g« h o b e- nen Stand zugehört, daß ihm Aufgaben zufallen, die ihn über den gewöhnlichen Betriebsorbeiter hinausheben Genau wie bei den verschiedenen akademischen Berufen wird«in Standes- bewußtsei» gepslegt. das über die wirkliche soziale Lage hin- wegtäuscht. Um so unbekümmerter kann man drauflos rationalisieren. Störende Wände werden niedergelegt und Abteilungen der besseren Ueberstcht halber miteinander verbunden. Seil Posten, die die zu bearbeitenden Akten mitten auf den Schreibtisch Wersen,.,'chreib- tischgemäßer fördern", wie Herr Giese sagt, verdrangen die Roht- pest, die ihrer Bedienungsmannschaft immerhin noch Alempauseil Leß.' Am Ende de» durchrationolffierten und mechanisierte» Büro» steht in der Tat»» irpch der»üro«-schi»»»a?h«iter. der. wie«raeauer sagt, überhaupt nichts zn wisse» braucht,«eil die Maschine� für ihn denkt Da«»den stnmpsfinnig Swnd« ym Stunde an der Hollerith-Mafchme Korten gelocht und de«„Elliot- Fisher" ober.BourouÄ'-Luchhatter fuyeu die Masch««» sein zglt Zahl« aus» ist» As«ich«ch(eSsäätig atbim*. Leben Kristalle Das Bindeglied zwischen lebender und toter Natur gefunden? Die regelmäßige Schönheit des K r i st a l l s ist seit alten Zeiten zugleich das Urbild des Leblosen, der Starre, der Unberührt- hcit von der Regellosigkeit der lebendigen Natur und die Verkörpe- rung des Mystischen gewesen. Di« Alchimisten des Mittelatters wie die Zauberer des Orients und die Hellseher der modernsten Zci! fanden und siltden in der mathematischen Gesetzmäßigkeit tristal- tinischer Formen und in den sclljamen Strahtungserscheinungen das „göttliche Geheimnis". Auch in der exakten Naturwissen- schaft haben sich die Kristalle schon sehr früh durch ihr merk- würdiges Verhalten gegenüber dem Licht bemerkbar gemacht. Ge- wisse Kristallformen haben die Eigenschaft, das Licht in feine natür- lichen Bestandteil« zu zerlegen und weißes Licht beim Durchgang nach Wellenlängen geordnet in bunten Regenbogenfarben wieder erscheinen zu lassen, was nicht nur auf den Schliff des Diamanten führte, sondern auf grundlegend« Gesetze der Optik überhaupt. Die Fähigkeit, das Licht zu polarisieren", das heißt die Schwin- gungsebene eines Lichtstrahls, die beim gewöhnlichen Strahl all« möglichen Lagen annimmt, so zu richten, daß er in allen Lagen senkrecht zur„Polarisationsebene" völlig ausgelöscht wird, führt nicht nur zu zahlreichen Anwendungen in der Technik, sondern gab außerdem der Theorie des Lichts zahlreich« Problem« auf. Gerade die Fähigkeit, Lichtstrahlen zu polarisieren, die allein den Kristallen zukommt, hat nun in der modernen Biologie zu einer aufsehenerregenden Entdeckung geführt. Unter den kleinsten Lebewesen spielen die Spermien, die Samentierchen der höheren Tierwelt und des Menschen, eine wichtige Rolle. Sie sind Zweifel- los zur lebendigen Natur zu rechnen, ja sie bilden geradezu die Quelle allen Lebens; dabei sind sie als Organismen besonders sin- fach organisiert. Professor Rinne(Freiburg) hat nun die Ent- deckung gemacht, daß sich die Spermien verhalten wie flüssig« Kristalle. Sie polarisieren das Licht und zwar liesern sie Doppelbrechung, wie optisch einachsige Kristalle. Auch im Röntgenstrahl zeigt sich die Kristallstruktur der Spermien. Der Zoologe W. I. Schmidt hat unter anderem eingehend« Unter- suchungcn über die Samentierchen des Tintenfisches angestellt. Er beschreibt sehr anschaulich, wie diese lebendigen Kristalle das Licht brechen, auflösen, polarisieren und sich ganz wie andere Kristalle verhalten: „Tausende von kleinen Stäbchen, die in nimmer rostender Be» wegung umhertanzen, sunkel» bald weiß im dunteln Sehfeld des Mikroskops auf, bald verlöschen sie; indem Aujblitzen und Der- schwiilden bei den einzelnen unabhängig erfolgt, ist es ein Bild voll- ständigen Wechsels. Bei Einschaltung einer Gipsplatte nehmen die Spermien nach ihrer jeweiligen Lage bald gelbe, bald blaue Farbe an, bald zeigen sie den roten Ton des Feldes, so daß dos Schau- spiel noch prächtiger wird." Ganz ähnliches Verhalten zeigten auch die Spermien der Winter» frösch«, der Bären, Kaninchen und auch des Menschen. Sie»er» liercn chre Kristalleigenschaften, wenn man sie bis nahe an die Siede- temperawr erhitzt. Professor Rinne konnte sogar Spermien eine Stund« lang in flüssige Luft tauchen, wodurch sie bis auf etwa mimis 200 Grad abgekühlt werden, ohne daß chre Äristalleigenschaft verloren ging. Selbst Röntgenstrahlen körnen den Spermien nichts anhaben, sie verändern chre Fähigkeiten nickst. Eine seltsam« Härte und Unempfindlichkeit zeige» also diese Uranfänge des Lebens, die Verbindungsglieder zwischen der lebendigen und der toten Natur— und notwendige Unvermund- barkeitl Professor Rinne hat ferner gefunden, daß auch der chemische Aufbau der Spermien, bei dem das Chromati« die wichtigste Rolle spielt, dem Krlstallaufbau sehr ähnelt, danach wäre also der Beginn des Tier- und Menschendaseins ein Krlstallisationsvorgang. Seit Uranbeginn der Well haben, so schließt Professor Rinne« die„lebenden Kristalle" die Spernnen als Vermittlungsglieder zwischen der anorganischen und der organischen Natur gewirkt. Sie sind der wahrhafte Anfang des Lebens. Ein neuer Ausblick, der die Lösung des ttefften Rätsels der Wissenschaft vom Leben in greifbar« Nähe rückt. Dr. H. Rebmann. Bindehautentzündung und Ihre Behandlung Es gibt Augenertrankunge«, deren Heilung am besten durch Anwendung oon Augenbäder» gefördert wird. Solche Er- krankungen betreffen vor allem die äußeren Häute des Auges: die Bindehaut und die Hornhaut. Diese Teile de« Auges find infolge ihrer freien Lage fehr leicht Derletzungen und Infek- tionen von außen preisgegeben, dafür jedoch auch wieder einer äußeren Behandlung gut zugänglich. Di« äußenen Ursachen dies« Bindehaut- und Hornhaut- erkrankungen können verschieden« Art sein. Bald sind es Krank. heitskeime, die dem Auge von außen zugeführt werden, bald Fremdkörper, die mit dem Straßenstaub od« dem Staub gewerb- licher Bettieb« ins Auge fliegen und Entzündungen hervorrufen. Di« Bindehaut wird durch die rauh« Oberfläch« der Staubpartikel- che» in Reizzustand oersetzt: sie fängt an, rot zu werden und schwillt an. Di« Beschwerden bestehen in Jucken, Brennen und Tränen der Augen:«s treten Lichtscheu und allmählich Schmerzen in den Zlugen und im Kopf hinzu. Näharbeiten wie Lesen, Schreiben usw. werden beschwerlich und können nur mit großer Mühe durchgeführt werden. Inzwischen hat sich schleimige Abson- dcrung eingestellt, die allmählich«ittig wird. Fehlt recht- zeitige Behandlung, so greift die Bindehautentzündung auf die sehr empfindliche Hornhaut üb« und kann zu schweren Hornhautgeschwüren führen, die das Augenlicht bedrohen. Bei diesen relativ häufigen Augenerkrankungen haben wir in den Augenbädern ein ausgezeichnetes Mittel, die Entzündung zu hemmen und rasche Hellung herbeizuführen. Ihre Wirkung be- ruht daraus, daß das Auge von den vorhandenen Staubteilchen gereinigt und die etwa vorhanden«• schleimige oder eitrige Ab- sonderung durch die Flüssigkeit entfernt wird. Dann wirken die Augenbad« in entsprechender Zusammensetzung keimtötend. Drittens ziehen die hierzu bestimmt-n Medikamente die aufgelockert« Bindehaut wieder zusammen. Die Auswahl der für diese Augenbäder oder Augenwässer ver- wandten Medikamente richtet sich nach der Schwere der Entzündung und der Art der Infektion. Aber auch die verschiedenen Richtungen in der Heilkunde empfehlen verschiedene Medikamente. So w«den in der S ch u l m e d i z i n hauptsächlich saure Lösungen von Metall salzen benützt, wie Sublimat, essigsaure Tonerde, über- manganfaures Kali, Borsäure usw. Hiervon ist das sogenannte Borwosser wohl am mildesten und am gebräuchlichsten. Neuer- dings werden auch Lösungen von künsllichem Emser Salz sehr empfohlen und besonkwrs bei chronischen Katarrhen mit gutem Erfolg verwendet. Die Naturheilkunde und die ihr»«wandte» Richtungen verwenden zu Augenbädern besond«s Auszüge aus Pflanzen. wie Kamille, Fenchel, Werrnuth, Augentrost. Aloe, Crocus und ander«. Die hellsam«, beruhigende und schmerzstillend« Wirkung dieser Pflanzenexttakt« bei äußeren Aug«n«rrankungen ist schon seit attersher bekannt. Sehr verbreitet waren die Kneippschen Rezepte und Dr. Romershausens Augenessenz wird noch heut« viel verwandt. Diel« moderne Aerzte neigen dazu, diese alten Mittel in neuer Form wieder zur Geltung zu bringen und große chemisch« Fabriken haben, wie das Kamillosan zeigt, der Kamill««iu großes Anwendungsgebiet neu eröffnet. Ich selbst habe in mein« augenärzllichen Praxis Versuche mit Pflanzenextrakten gemacht und die guten Erfolge haben mich ver» anlaßt, eine Essenz zusammenzustellen, die speziell zur Herstellung von Augenbädern bestimmt ist. In chemischer Zusammensetzung sind die ätherischen Oele sehr verschieden und bestehen oft aus höchst komplizierten Mischungen zahlreich« aromatisch« Substanzen. Di« einfachste Art, sich«in Augenbad aus einem Aufguß oon Kamillen, Fenchel oder anders» Pflanzen herzurichten, besteht darin, daß man«ine bestimmt« Menge d« gewünscht«» Pflanzemeile— bei Kamillen find«s z. B. die Blüten, bei Fenchel die Früchte— in heißem Wasser etwa fünf Minuten ausziehe» läßt. Dies« Aufguß ist»ach der Filtration durch ein reines Tuch verwendungsbereit. Allerdings sind diese Auszüge nicht haltbar und können auch nicht dosiert werden. Wesentlich praktisch« find die Tinktur«» und Fluidextrakt«, da« sind konzentrierte, alkoholische Auszüge der betreffenden Pflanzen, die haltbor find und genau dosiert werden könne«. Bei dem von mir in den Handel gebrachte» Präparat genüge« im allgemeinen fünf Tropfen d« Tinktur auf ein Viert ellitar Wasser für ein Augenbad. Mittels eines in dies« Lösung getränkte» Wattebausches betupft man einige Minuten lang die Augen, indem der Wattebausch imm« wieder frisch ins Bad getränkt wird. Di« Augenlider sollen zwischendurch geöffnet werden, damtt die Flüsstg- kett besser durchfließen kann. Diese Behandlung geschieht am beste» nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen. Für die» jcnigen Menschen, die leicht zu Augenentzündungen neigen, oder solche, die in ihrem Beruf solchen Gefahren ausgesetzt sind, ist es empfehlenswert, Augenbäder als Teil ihr« tägliche» H y g i«» e zu betrachten. Dr. med. K, HebeHing-HddeiberK. Irgendwo sitzen weibliche Angestellte samt ihren Pulten aus Roll- schienen und sind immer und ununterbrochen längs der Karteikästen auf großer Fahrt. Das schallet viel überflüssiges Bücken und überflüssige Pausen aus,«höht das Arbeitstempo und die Zahl d« Ueb«flüssiggeiuordenen. der Erwerbslosen. Wie nett ist ee. mit einem Blick durch die Glaswände den Fleiß aller Büro- rngestellten kontrollieren zu können, denn die Glliswände im Innern des Hauses sind— Gott sei Dank!— durchsichtig, während für ole Auhenfenster von erfahrenen Menschenkenner» geriffaltes Gla, wegen seiner Undurchsichtigkell empfohlen wird. Es ist nicht gut. daß der Angestellt« a» de« blau« Himmel und grün« Bäum« «innert werde... Es ist d« Terror der Maschine, btr hi« in Aktion tritt, wie dem Arbeiter aeoenüber das laufende Band. Dafür aibt es ab« laut Menschenllehandlungstechnik du„Auszlcichzone für bat Privattasisches" m AsgestÄlt«, bat man. als»sichtig«» Mitarbeiter" vertraulich auf die Schultern klopft, das gleiche billige Mittagessen wie dem Herrn Direktor aus dem Kasino serviert und im Angestelllensportverein Fußball, ja sogar das vornehme Tennis spielen läßt. Der Ängestelltendünkel, d« bei Arbettskämpfe« sich noch immer rentabel nnd angenehm bemerkbar gemacht hat. ist mll all diesen psychologischen Kinkerlitzchen sich« nicht zu hoch bezahlt. Di« hoch aufgerichtet« Trennungswand zwischen Maschinen- Proletarier» und Schreibtisch-Proletarier» ist für das Unternehmertum«in wichllg« Aktivposten, auf den man auch nicht verzichten will, selbst wenn die Rallonallfi-rung dem Ango- stellten den letzten Rest„bürgerlicher Freiheit und Aufstieg«möglich. kett" au« de» Händen schlägt. Darum benützt man die Methode, der Betriebspsychologie und jene Menschenbehandlungstechnik, d-r es zu danken ist, daß noch immer ein ganz groß« Teil der„gehobenen Arbeitnehmerschicht" nicht merkt, ms«gentlich gespielt wird Georg Sclmrr, Revolution in der Turnhalle Kommunisten verbrüdern sich mit bürgerlichen Turnvereinen gegen den „Turnhallenraub" Seil Zahr und Tag tobt die Leitung derBerlinerkommu- nislischeo Sportvereine über den ,.T u r n h a l l e u r a u b" durch die bösen Sozialdemokraten. Die Mitglieder der Dereine werden in der Dummheit erhallen, daß der„sozialdemokratische Magistrat" die Turnhallen verweigere, nur weil es eben Sommu- nifleu sind, wir wiederholen heute zum so und sooiellen Male, daß von einem Turnhalle« raub gar keine Rede seiu kann. Aach den gellenden veslimmungen, die seinerzeit auch von führenden kommn- lüstischen Arbeilersportlern als allein richtig und notwendig anerkannt wurden, kann der Magistrat oder die Bezirksämter aus Aulrag der einzelnen vereine eine Ermäßigung der Ve- nuhungsgcbühren gewähren, voraussehung dafür ist allerdings, daß der antragslellende Verein einem Sporlspihenverband angehört, der als jugcndpflegerisch anerkannt ist. Diese voraussehung können die kommunistischen Sportvereine nicht er- füllen, da sie weder dem Arbeiler-Turn- und Sportbund noch einer bürgerlichen Sportspihenorganisalion angehören. Sie müssen also den vollen preis für die Beuuhung der Uebungsfkätten bezahlen, aber noch nie ist ihnen eine Turnhalle verweigert w o r d en. Einige Vereine haben allerdings das Bezahlen vergessen; als sie nach mehrmaliger Mahnung immer noch nicht die Benuhungs- gebühr entrichteten, wurden ihnen die llebungsfkätken gesperrt. Das der Sachverhalt. * In einer Vorständekonferenz der Berliner bundcs- treuen Arbeiterfporwereine machte gestern abend Reichstags- abgeordneter Geliert, der Vorsitzende des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, interessante Mitteilungen darüber, wie der reoolutio- när« Kampf um die Turnhallen in der kommunistischen„Interessengemeinschaft zur Wiederherstellung der Einheit im Arbeitersport" geführt wird. So wurde der elften Gruppe des ehemaligen Arbeiterfportver- eins Fichte, die im Bezirk Kreuzberg ihr Domizil hat, von dem Turnhallenwart mitgeteilt, daß die �alle nicht eher wieder zur Verfügung gestellt wird, bis die schuldiggebliebene Benutzungsgebühr von 3 M. pro Stunde bezahlt ist. Daraufhin kam man in der Gruppe überein, zunächst eine Demonstration zum Be- z i r t s a m t zu machen, um gegen den Turnhallenraub zu pro- testieren. Man war dabei aber so vorsichtig, sich einen Tag aus- zusuchen, an dem weder eine Bezirksoersammlung noch eine Be- zirksamtssitzung stattfand. Von den 140 Gruppenmitgliedern waren ganze 30 angetreten, die mit furchtbarem revolutionärem Elan vor dem in Dunkelheit und friedlicher Stille ruhenden Bezlrksamtsgebäude demonstrierten. Für Dienstag, den IS. November, war«ine große Bezirkspartei- demonftration angesetzt. Von etwa 2000 erwachsenen Sportlern aus den Fichtengrupen 2, 7 und 11, traten insgesamt 9 Proz. an— also etwa 234 Personen. Wie dies« Kundgebung ausgelaufen ist, darüber hat man nie etwas erfahren; eine verantwortliche Leitung hatte sich in unverantwortlicher Weise zurückgezogen. Dann ober sollte am Montag, dem 24. November, der chauptschlag geführt werden, indem man die Turnhallen mit List und Gewalt erobern wollt«. Von dieser Aktion hat niemand in Berlin etwas gemerkt, denn sie ist ebenso in den revolutionären Anfängen stecken geblieben wie die anderen. Lediglich im Bezirk Kreuzberg hat der Turnhallen- raub Erfolg gehabt. Merdings nicht dadurch, daß man, wie b«. fohlen war, die Tumhallenwarte überrumpelt«, in die Lallen ein- drang, die Fensterscheiben einschmiß und die Geräte demolierte, sondern auf eine viel friedlichere Weis«; man verbrüderte sich mit bürgerlichen Turnvereinen. die der stockreaktionären„Deutschen Turnerschaft" angehören. Loren wir, was in einem Flugblatt der nicht ganz linientreuen Kommu- nisten über die revolutionäre Tat der Stalinisten gesagt wird: Es wurde die Anweisung gegeben, daß die Männer und Jugendlichen zur„Berliner T u r n e r s ch a f t". die Frauen zum Damenturn- verein..Askania" turnen gehen sollten. Bei der DT. verhandelte der kommunistische Gruppenhirnwart und er erreichte die GeneHmi- gung zum Mitturnen unter der Bedingung, daß das Fichleabzcichen von allen Mitgliedern abgelegt wird. Das Fichteabzeichen, das vor einiger Zeit von einem kommunistischen Barden in dem Fichte-Mitteilungsblatt als das höchste Sinnbild revolutionärer Ileberzeugung und Tat besungen wurde— dieses Fichteabzeichen hat man auf den Befehl eines bürgerlichen Turn- warts hin bedingungslos an den Kleiderhaken gehängt, nur um die 3 Di. Turnhallengebühr zu sparen. Der bürgerliche Turnwart be- grüßte die Turnfreunde aus Fichte, wünschte ihnen Wohlergehen auf dem Turnabend und schließlich sang man gemeinsam das schöne Lied der bürgerlichen Turner, indem es heißt: „Dem Turner war das schönste Ziel ein Leben voller Freud'!— Wir halten fest und treu zusaimnen, Gut Heil! Hurra! Gut Heil! Hurra!" Von Rot Front oder Rot Sport war an dem Abend nichts zu merken. Im Gegenteil, der linientreue Turnwart be- dankte. sich auf das herzlichste bei seinem bürger- li che n Kollegen. Ob die beiden später in der nächsten Kneipe einen Stiefel getrunken haben, entzieht sich unserer Kenntnis. Die kommunistischen Frauenturnerinnen waren weniger vom Glück be- günstigt. Der Damenturnoerein„Askania" blieb hart, wies die Fichtesrauen ab, und obwohl die linientreue Wortführerin jede Politik auf der Turnhalle ablehnte, mußte man doch, ohne geturnt zu haben, abziehen. Die Fensterscheiben und die Turngeräte blieben ganz. Tote gab es nicht. Das ist die Geschichte von der Abwehr des Turnhallenraubes. Sie ist fast zu schön, um wahr zu sein; aber es hat sich bisher noch niemand von der kommunistische Sportoberleitung gefunden, der auch nur mit einem Wort oder einer Zeile in der„Roten Fahne" oder im Fichte-Mitteilungsblatt die Vorgänze abgeleugnet hätte. Sie sind eben wahr und bleiben wahr! •k Heber die Bewegung im Arbeiter-Turn- und Sportbund konnte Geliert berichten, daß die Ausschlüsse von kommunistischen Vereinen und Einzelmitgliedern, die sich beharrlich gegen die Bundessatzungen und-beschlösse oergingen, längst wieder aufgeholt sind. Im Jahre 1928 hatte der Bund 0814 Vereine, obwohl über 800 Vereine aus dem Bunde ausgeschlossen werden mußten. Der Oktoberabschluß von 1930 zeigt, daß gegen- wärtig 7000 Vereine im Bunde sind und daß allein das vierte Quartal über 10 000 Neuaufnahmen brachte. Der Bund ist also bedeulenö stärker wie vor der von den Kommunisten provozierten Spaltung. In den kommunistischen Oppositionsvereinen hat man alle Hände voll zu tun, um überhaupt lebensfähig zu bleiben, weil der Spall- pilz schon wieder im eigenen Körper wütet. Viele der kommu- nistischen Vereine und Mitglieder sind mit der Taktik und der Politik der Oberleitimg, die sich streng nach den Anweisungen der KPD.-Zentrale richten muß, unzufrieden. Aeberall wird gemeutert, große Teile der kommunistischen Sportbewegung streben zum Arbeiter-Turn- und Sporlbvnd zurück. Da hilft alles nichts, daß mau in den verschiedensten Gegenden Deutschlands mit Maulwurf- artigem Eifer bemüht ist, neue opositwnelle Verein« zu gründen. Nirgends hat man Erfolg gehabt, überall wurden die Fried- und Bergmänner, die Nitzsche und Konsorten abgewiesen. Prominente Führer von früher, wie Wiest, Eerny, Bulle sind aus der Kommu- nistischen Partei rausgeschmiisen; sie empfingen ihren Lohn für die Mmierarbeit, die sie im Arbeiter-Turn- und Sportbund früher trieben. Im Berliner Verein Fichte ist die Rebellion aus dem Höhepunkt angelangt. Man kann die Mllglieder nicht mehr halten, schließt aus, gründet neue Geschäflsunternehmen. am das alte Sport- haus Fichte kaputt zu machen. Ritfchke, der den Osfenbarungseid geleistet hat. ist mit 20 000 M. Einlage der Geschäftsführer eines neuen KPD.-Sportoerlages geworden: für einen Arbeitersport- kalender wirbt man Inserate mit der Anaabe, eine halb« Million Sportler würde den Kalender kaufen. In Wirklichkeit hat die ganze Interessengemeinschaft in ganz Deutschland SO 000 Mitolieder. Mit List, Lüge und Verleumdung wollt« man die Sozialdemo- kratie und den Arbeiter-Turn. und Sportbund bekämpfen und er- ledigem List, Lüge und Verleumdung wüten jetzt in den Reihen der Hetzer und Spalter. Wo unser Geld bleib! I „Deutsche Bergwerkszeiiung" schwindelt Unter dieser Ueberschrist bringt die„Deutsche Berg- Werkszeitung", das sattsam bekannte Unterttehmerorgan, eine Notiz, die sich mit der letzten Tagung der Z e n t r a l t o m m i s s i o n für Arbeitersport undKörperpslegee. V. besaßt. In der aus Boshell und journalistischem Schwachsinn zusammengerllhrten Notiz heißt es am Schluß: . So erfährt man denn allerlei, nämlich, daß die Reichs- regierung vor zwei Jahren, also die Regierung Dlüller-Hilferding, tost eine halbe Million Reichsmark für die Beschickung der Ersten Internationalen Arbeiter-Olympiade aus Steuermitteln zur Ver- fügung gestellt hat.— Ein« seine Sache für die Genossen! Jetzt, nachdem das Geld nicht mehr so reichlich fließt, erklärt die Zentral- kommission, für die Arbeiterolympiade 80 000 Reichsmark an Beiträgen und für die Entsendung der Wellkämpfer einschließlich der Ausscheidungskämpfe 190 000 Reichsmark zu benötigen. 180 000 Reichsmark also, das Ist mehr als reichlich. Der Regierung Müller war es aber noch nicht genug. Sie gab fast eine halbe Million..." Da erfährt man in der Tat„allerlei". Der gerissene Bursche, der der Bergwerkszeitung diese Notiz ausgehängt hat, muß in dem geistigen Arsenal des Blattes gut Bescheid wissen, sonst hätte er wohl nicht so frech zu schwindeln gewagt. Er macht aus der bürger- l i ch e n Olympiade in Amsterdam im Handumdrehen eine Arbeiter- Olympiade, aus dem Kabinett Marx im gleichen Atemzuge ein Kabinell Müller— und fertig Ist dl« Verleumdung. Ja. da bleibt unser Geld! Zur I. Arbeiter-Olympiade 1922 in Frankfurt a. M. gab die Reichgregierung 21000 Reichsmark— es fehlt da wirklich keine Null— und für die bürgerliche Olympiade in Amsterdam 1928 4 S000 0 Reichsmark. Jetzt will das Reich mit Mühe und Not 30 000 Reichsmark für die Arbeiterolympiade 1931 in Wien zusammenkratzen. Die seblenden 150 000 Reichsmark müssen Sie Arbeitersportler, die trotz aller Not die Wiener Veranstaltung beschicken werden, eben selbst aufbringen. Was diese II. Arbester- olympiade aber sportlich sein wird, davon kann sich das Unternehmer- organ zur gegebenen Zeit durch einen Sachverständigen selbst über- zeugen. Wir' raten ihm dringend dazu, denn ein solcher Reimall. wie der von uns eben herausgestellte, ist für ein Kapitalistenblatt denn doch wohl ein etwas zu starker Tobak. &AmdJooJlJü Nordring gegen Mahlsdorf 4: 4 Zum dritten Male hatte Eintracht-Mahlsdorf 1 das Pech, daß es trotz vorheriger Führung am Schluß des Spiels nicht ein Sieg wurde. Mahlsdorf gelang es in der ersten Minute das erste Tor zu schießen, dem aber Nordring gleich danach den Ausgleich ent- gegensetzt. Bis zur Pause hatte Mahledorf doch wieder die Führung über- nommen, während in der zweiten Halbzeit Nordring immer wieder nach jedem Führungstor den Ausgleich erzielen konnte. Die Mahls- darfer hatten durch besseres Zusammenspicl eine kleine Ueberlegen- heit, verstanden es aber nicht, die Verteidigung taktisch zu über- spielen. Der Torwächter von Mahlsdorf zeigte sich von der besten Teste. Demgegenüber hatte Nordrings Hüter des Heiligtums ein Minus, er war etwas schworfällig. Hervorzuheben ist der Eifer und das scharfe Tempo, was bis zum Schluß des Spiels durchhielt. FTGB.-Nordost 1 gewann bei vollständiger Ueberlegenheit gegen FTGB.-Pankow 1 mit 5:1 13: 0). Auch die zweit« Mannschaft von Nordost nahm gegen FTGV.-Ostring 1 einen Sieg von 3: 0 l3: 0) mit. FTGB.-Osten 3 mit FTGV.-Spandau in Spandau zusammen. Da, für Sonnabend vorgesehene Zusanunentreffen der /--Vereine von FTGV.-Nordri.ng 1 gegen Turnerschaft Brandenburg ist noch nicht ganz klar. Ort nnd Zell lassen sich noch nicht nennen. Der heißerschnte Kampf in der M ä n n e r--X- K l a s s e ist gestern in Eberswalde entschieden worden. Mit 15 Punkten Ulster- schied blieb der Sieg bei Eberswalde. Das Endresultat lautet 497:482 Punkten._ Arbeiterschützen in Charlottenburg In Eharlottenburg ist eine Abteilung der„Freien Sport- und Schützenvereinigung Berlin Mitte, Abteilung Charlottenburg", gegründet worden, die Mitglied des bundestreuen Arbeiterschützenbundes ist und die schon eine große Zahl von Mit- gliedern aufzuweisen hat. Es ist nun auch den Charlottenburgern ermöglicht, Schießsport auszuüben. Vorbedingung für die Aufnahme ist die Zugehörigkeit zur Partei oder Gewerkschaft. Es wird Klein- kaliberschiehen. Lustbüchsenschießen. Pistolenschießen und Bogen- schießen betrieben. Bogenschießen soll hauptsächlich von den weib- lichen Mstgliedern geübt werden. Der Beitrag ist sehr gering. Ge- übt wird bei Sandmann. Westfälische Str. 42. an jedem Freitag 20 Uhr. Auskunft dort und bei Werner Gutknecht. Sophie-Char- lotte-Straße 24. oder bei Ernst Doege. Fricdbergstraße 27. Geräteturner in der Serie Rüstig nehmen die Serienwettkämpfe ihren Fortgang. In der Männer-v-Klasse kämpften FTGB.-Osten 2 gegen FTEB.-Lichten- berg äußerst schars um die Punkte. Ganz knapp gewannen die Lichtenberger mit dem Resultat 480: 471. In der Jugendklasse war FTGB.-Nordring der FTGB.-Lichtenberg überlegen. Ihr Sieg kommt im Resultat von 480:471 zum Ausdruck. In dieser Wocbe erwecken folgend? Kämpfe Interesse: Mittwoch erwartet Eintracht-Mahlsdorf die FTGB.-Lichtcnberq in Mahlsdorf, Schuistraße 1, um 20 Uhr.— Die Altersturner von Mahlsdorf haben die von FTGB.-Osten als Gast. Auch dieser Kampf beginnt um 20 Uhr in der Schulstraß«.— Der Donnerstag sieht in der Männer-kZ-Kiasse die Begegnung FTGB.-Mitte gegen Rowawee. Die Vereine treten in der Turnhalle Eartenstraße um 20 Uhr an.— Die FT.-Henniasdorf wird von FTGB.-Nordring 2 um 20 Uhr besucht— Freitag fährt Mahlsdorf au Moabst nach Berlin NW., Waldenserftratze 20, Beginn 19,30 Uhr. Am gleichen Tage trifft Arbeiterschach Morgen, Mittwoch, findet in Kaulsdorf bei Hübner, Wilhelm- straße 20. abends 20 Uhr, ein Wettkampf Lichtenberg gegen Kauls. darf statt.— In Eggersdorf bei Strausberg findet Sonntag. 14. De- zember. im Lokal Catholy, Strausberger Straße,«ine Werbevcran- staltung statt. Di« Abteilungen Treptow und Kreuzberg spielen aegen Eggersdorf an 20 Brettern. Nachdem Simultanspiel des Schachspielers Karl. Beginn 17 Uhr Treffpunkt der Berliner 14 Uhr in Eggersdorf im Lokal. Gäste zu allen Veranstaltungen willkommen.____ Der Film„Die Frau im Arbeitersport" läuft am Mittwoch in Friedenau in der Aula des Reformgymnasiums. Homuthstraße(nicht Schwalbacher Straße).__ «iTEB.-Z>>g«>»sruppe-. Südost: u. Suanbet, Iugendh-Ün Sfteic&cttbetgct Strafte 66: Sciatibcnd.— Siitenictfl: 10. Stjcrnber, Iun-ndhcU» Toiststr. 22: Seiteret SotUaBsabenb.— Nordring: 10. Sejembet, guqenbVun Dries-n-r Strafte 22«Schulet, ffotlcaB:»Die Schäden des Ackobols".— Charlotiendurg: 11.£e?,cntbit, Iuaendbeim Spreestr. 30, Sintntct 30, Sortrca;»Das wayre Gestcht der NSDAP."— Spandau; 12. Dezember, Jugendheim SinijenJft. 1: Leimbewrechun«.- Tempelhof. 13. D-,cmt-r, gusenbljeim Ddtzstr 6(Schule), Potlcfuitfl:»Bas muft die heranwachsend« Jugend vom Geschlechtsleben wissen?"— Osten: 10. Degember, Litauer Str. 18, Vortrag:«Stiche und Staat".- Süden: 13. Dencmber. Jugendheim Stiftet ötroftc. Freie Schwimmer Charlottcnbura 04, e. V. Dienstag. 9. Dezember. 20 Uhr, Monatsnersammlunq bei Kriesche. Salser-Friedrich-Etr. 13. Touristenoerein»Die Naturfreunde", zentrale Wien. Ortsgruppe Berlcn. Sonntag, lt. Dezember, 17 Uhr. Wintersonnenwende am Müggelsee(kuts not Restaurant„Rübezahl". 18 Uhr im Restaurant„Rübezahl Saalverans.altung. — Dienctaa, 9. Dezember, 20 Uhr. Abt. Friedrichshain: Franlfurter Allee 307: gstit Schiff auf See" lLichtbilder).— Abt. Friedenau: Ossenbacher Str. m.— Abt. Südost, gugendgruppe: Wrangclstr. 12«.- Abt. Norden: Sonmuburger Strafte 20:„Die Vogelwarte in Rai litten(Lifttbttter).— Abt. Neukölln. Jugendheim Flughafenstr. 6«:„Erste Silke bri Unglückssdllcn.- Abt. Wldding: Willdenpwstr. 6: llunterdunt.— Ab!. Sumbaldthain: Echönftedtstr. 1. Lieder. abend.— Naturkundliche Abteilung: IaHannisstr. 15: Arbcitsabend.— MM. mach, 10. Dezember, 20 Uhr. Iugendgruppe Osten: Frankfurter Allee 307. Dis- tuffiottsabenb:„Film und Bllhne".— Fologemeinschafi Mitte: Iohannisstr 15. — Donnere tag, 11- Dezember, 20 Uhr. Abt. Lichienberg: Duntcrstr. 4t: Alkohol, Nikotin, Reformkost".— Abt. Lichtenrade: 19ZH Uhr bei Dehlam, Badrhof. Ecke Eolftstraftc:..Der«asfee".— Fotogcmeinschaft Abt. Narben: Rank. Ecke WIesenstrafte:„Nachtaufnahmen" lWettbewerh).- Streichorchester: 19-21 Uhr bei WeiftenÄerger, Freiligraihstr. 9 I.— Mandolmenotchester: 19 bis 21 Uhr, iohannisstr. 15.- Abt. Prenzlauer Berg: Danz'ger B r. 63, Baracke II: Disiusssonsabend.- Abt. Südwest: Parckstr. 11: Tagespolitisches- Abt. Neu. kalln- Bergstr. 29:.Mit«arte und«ompaft"(Ltchtbildec).— Abt. Tiergarten; Lehrter Str. 18—19:„Die Natur im Winter".— Abt. Spandau: Linden. ufer 1.— Abt. Weißense«: Piftoriusstr. 24. Dienstag, 9. Dezember. B e 1 1 1 0. 16.05 Dr. Karl WoIIf. Dresden;„Zwei JucendJnstsplele Sdaftosperres". 16.30„FuBballerlebnisse".(Hans Sobck.) 16.50„Neue Lyrik".(Mikrophon: Dr. Schröder.) 17.00 Unterhaltungsmusik. 18.30 Landrat von WolU;„Orenzmarkt Pommern und das Ostproblem". 18.55 Hans Jacob;„Shanghai, die bunteste Stadt der Welt". 19.20 Qesangsvorträse.(Salvatore Salvali. Tenor: Fintel; Bruno Seidler. Winkler.) 19.50 Arbeitsmarkt. 20.00 Leipiti:„Salome". 21.40 Interview der Woche. 22.10 Dr. Josef Räuscher. Politische Zeitungsschau. Anschließend; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königswusterhansen. 16.00 Karl Vaupel; Das Maschlncnerlebnis des Kindes. 16.30 Leipzig; Konzert. 17.30 Mersmann; Einführung in neue Musik. 18.00 Dr. Brünker: Die Wandcrbühnenbewegung. 18.30 Dcssoir; Philosophie der Gegenwart. 19.00 Franzasiscb für Anfänger. 19.30 Reg,-Rat Gust. Kocntgs: Flugverkehr. Schiffahrt und Eisenbahn. 2o!oO Prof. Dr. Georg Wegener: Die Ergebnisse von Andrees Tagebüchern. 20.30 Wien: Wir hSren Lebensvorgänge. Ein Rundfunk-Experiraental-Vortrag. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Breslau: Ursendung: Melancholisches Kabarett Allgemeine OrtSttanlen- lasse VerliN'WilmerSdors, Kaiserallee 173a. Die Vertreter der Arbeitgeber und Der. sicherten im Ausschuß werden Hiermit gemäß§ 95 Absaß t der Saßung zu einer außerordentlichen Ausschuß-Sitzung am Millwod). dem 17 Dezember 1930, abend» S Uhr. im Restaurcmt»Tübinger Hoj". Veriin Wilmereborf. Kaiserplaß>9, mir der Bitte, ptinllttch zu erscheinen. crgebenst eingeladen. Tage sorbnung: l Aenberung der Saßunq<6 Nachtragt. üb I!.-20. 22, 28. 31, 35 und 43 auf Grund der Ver rbnung des Reichs� präubenlen zur S cherung der Witt ichasl und Finanzen nom i Dezemder 1930. Kapitel ,1, Arltlel 2 und 3. 2. Bericht über die in den Monaten September bis Nonember 1910 test» geitelltenWinigerausgabeit au> Grttnb der Nelnerordnuna des Neid)spräst beulen oom 26. Jnli 1930. 3. Verschiedenes B er litt-WUmers darf, den 8, Dezember 1930 R. Engelhardt, F. W i e m a u n Vorsißendez. Schristsührer. Sttgfi A{,neh 12 MOfiATSRATEn nodeme ovale Form mit echtem Goldrand