Morgenausgabe Nr. 577 A290 47. Jahrgang WSchentNch SLPs, moMltNch S,S0 M. im voraus zahlbar. Postbezug 4L2 M. einschließlich 60 Pfg.Postzeaungs» und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Auslands» abonnement 6,— M. pro Monat. * Der �Vorwärts* erscheint wochentSg- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend", Illustrierte Beilagen.Volt und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner .Frauenstimme"..Technik",.Blick in die Bücherwelt".„Iugend-Dorwärts" und.StadtbeUage". Berliner V»Wb«a« Mittwoch 1.0. Dezember 1930 Groß-Äerlin 10 pf. AuswSris i5 pf. Sic ei n sp altige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reklame�eile S.- Reichs» wart.„Kleine Anzeigen� das iettge» druckte Wort 2S Pfennig(zulässig zwei fettgedruckie Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- geschaft Lindenstraße 3. wochentäglich von 8V, bis 17 Uhr. Jentvalorsan der eSozialdemoSeattschen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—207. Tclegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 S3e.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt. B.u.Dizc..Ees.,Dcposit«nk.,Jerusalcmer Str. öZ/ev. 107 Nazis schützen das Kapital! Vielsagende Abstimmungen im Reichstag. In der Reichstags sitzung vom Dienstag, dem 9. Dezember 1930, stimmte die nationalsozialistische Fraktion geschlossen gegen folgende Anträge: 1. Alle Vermögen über 300 000 Reichsmark werden einer einmalige» Steuer von 20 vom Hundert unterworfen. 2. Alle Dividenden und sonstigen ausgeschütteten Gewinne bei gewerblichen Unternehmungen werden einer Steuer in Höhe von 20 vom Hundert der Ausschüttung unterworfen. 3. Alle Aufsichtsratstanticmen und ähnliche Vergütungen unterliegen einer Sonder- st euerinHöhevon20vom Hundert. 4. Alle Einkommen über 30 000 Reichsmark werden mit einer Sonder st euer in Höhe von 2 0 vom Hundert jährlich belegt. Infolge der kapitalsfreundlichen Haltung der Nationalsozialisten wurden diese Anträge mit 319 gegen 197 Stimmen abgelehnt. Für die Anträge stimmten nur Sozialdemokraten und Kommunisten. Hätten die Nationalsozialisten für diese Anträge gestimmt, so wären sie mit etwa 300 gegen 213 Stimmen angenommen worden. Am 9. Dezember haben sich die Nationalsozialisten selbst die Maske vom Gesicht gerissen. Sie sind und bleiben entgegen allen ihren Versicherungen und Ankündigungen die Schutztruppe des Kapitals. Der Kampf um den Ulm. Eine Entscheidung von innen- und außenpolitischer Bedeutung. Der Kampf um den Film„Im Westen nichts Neues" ist über Nacht zu einer Angelegenheit von weit- tragender innen- und außenpolitischer Beden- t u n g geworden. Außer Sachsen, Thüringen und Braun- schweig haben nun auch Bayern und Württemberg gegen die Zulassung des Films Beschwerde erhoben. Sämtliche Rechts- regierungen der deutschen Länder erscheinen in geschlossener Front. Die Entscheidung liegt bei der O b c rp r ü fst c l l e, sie soll schon morgen fallen. Ein Verbot würde in der ganzen Welt als ein Sieg�des Hakenkreuzpöbels über die Staatsautorität wirken. Seit Tagen find an beträchtliche Teile der Berliner Schutzmann- schaft schwere Anforderungen gestellt worden, um die Auf- führungsfreiheit dieses bisher erlaubten Films zu schützen. Ein nachträgliches Verbot würde geradezu als ein Schlag gegen die Beamten wirken, die dem gesetzwidrigen Treiben der Skandalmacher Einhalt geboten haben, als ein prinzipieller Sieg des faschistischen Terrors über die staatliche Ordnung. Dieser prinzipielle Sieg ist ja auch das eigentliche Ziel des nationalistischen Vorstoßes. Die ganze Entrüstung ist gemacht: die Taufende, die auf der Straße randalieren, kennen den Film ja gar nicht, sondern sie heulen und pfeifen einfach auf Befehl. Tut die Oberprüfstelle ihnen ihren Willen, so hilft sie mit an der Zerrüttung der Staatsgewalt. Außenpolitisch gesehen wäre ein Verbot ein entsetzlicher Skandal. Auch in Prag hat ein nationalistischer Pöbel gegen deutsche Tonfilme gewütet, aber dort hat man diese Filme nicht verboten, sondern inan hat Ruhe geschafft und spielt sie weiter. Auch„Im Westen nichts Neues" würde nach einem Verbot im Ausland erst recht gespielt werden, und die Welt würde sich davon überzeugen, daß es in Deutschland — und in Deutschland allein— verboten ist, den Krieg zu zeigen, wie er wirklich war. Das Filmverbot würde allen Gegnern als Beweis dafür dienen, daß Deutschland von nationalistischem und militaristischem Geiste beherrscht ist. Möge die Oberprüfstelle dsm Inland und dem Ausland be- weisen, daß der Gang der Dinge in Deutschland immer noch von Recht und Gesetz bestimmt wird und nicht von Stink- jbomben und weißen Mäusen! Hindenburg soll Ufa schützen! Ein unverfrorenes Huaenbcrg-Telegramm. Die Abgeordneten Dr. Hugenberg und Dr. Ober- fahren haben folgendes Telegramm an den Reichs- Präsidenten von Hindenburg gesandt: „Trotz des Einspruchs des Reichswehrministeriums gegen den Hetzfilm„5m Westen nichts Neue s", trotz der berechtigten Empörung der gesamten nationalen Bevölkerung werden die Aus- Führungen des Films unter stärkster Inanspruchnahme der Polizei sortgesetzt. Wir bitten den Herrn Reichspräsidenten, den Führer der in diesem Film beschimpften Heere des Welt- krieges, den Oberbefehlshaber der jetzigen Wehrmacht, durch persönliches Eingreifen diesem öffentlichen Skan- dal ein Ende zu machen." Ein öffentlicher Skandal ist es, wenn der„Herr über Presie und Film", wie'Arthur M a h r a u n den Hugen- Vera genannt hat, den Reichspräsidenten anfleht. seinen eigenen Filmunternehmern die Konturrenz vom geibe zu halten. Unter dem Schein nationaler Besorgnisse soll der Reichspräsident in den R e k la m e d i e n st für die Ufa-Kriegsfilmo eingespannt werden. Selten ist wohl eindeutiger die Vermischung von Politik und G e s ch ä ft an den Tag gelegt worden wie in diesem unglaublichen Telegran: meines Geschäfts- mannes an den Präsidenten der Republik, der auf die Berfassung vereidigt ist. Srkiörung der Hugenberg-Kilm- AG. Die„Ufa", die Hugenbergsche Konkurrenzfirma für den Vertrieb von Kriegshetzfilmen, veröffentlich: eine Erklärung, daß sie mit der amerikanischen Gesellsäzast Uni- versal Pictures Corporation(Präsident Karl Laemmle) nichts zu tun habe. Di« Verwechslung sei wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß der Film für Deutschland von der deutschen Tochtergesellschaft der Ilmversal Pictures Corporation herausgebracht wird, die in Berlin eine Niederlassung unter der Firma Deutsche Universal Film- Verleih G. m. b. H. betreibt. Hugenbergs Telegramm an Hindenburg erfährt durch diese Er- klärung der„Hu-F-A" noch eine besondere Beleuchtung. (Siehe auch 3. Seite.) 3762000 Erwerbslose. 204 000 Arbeitsuchende mehr in der 2. Novemberhälste. Nach dem Bericht der Reichsanstalt ist die Zahl der Arbeitsuchenden im ganzen Reich vom 13. bis 30. No- vember um 2V4 000 auf insgesamt 3 702 000 ge- stiegen. Der Zustrom neuer Erwerbsloser zu den Ar- beitsämtern stellte sich also in der Berichtszeit auf 3,7 Proz. In der gleichen Zeit des Vorjahres war der Zustrom mit 14.2 Proz. ganz erheblich stärker, ging aber natürlich von einem weitaus niedrigeren Stand der Arbeitslosigkeit aus. Wenn auch die Ziffern von Ende November 1020 wegen nicht ausreichender Er- fassung der Wohlfahrtserwerbslosen nicht ganz zuver- lässig sind, so zeigt doch eine Gegenüberstellung der jetzt vorhandenen 3.7« Millwnen Arbeitslosen mit den 2.1 Millionen im November vorigen Jahres, in welch lata- strophalem Ausmaß sich die Gesamtlage ver- schlechtert hat. In der Arbeitslosenversicherung wurden Ende No> vember 1 788 000 und in der Krisenunterstützung 3«« 000 Hauptunterstsitzungsempfänger gezählt. Die Zunahme in den beiden letzten Novemberwochen beträgt hier 127 000 Personen. In den überwiegend von der Konjunktur ab- hängigen Berufsgruppen ist die Zunahme der Er- werbslosigkeit mit 2.3 Proz. verhältnismäßig gering geblieben. Es läßt sich hiernus jedoch noch nicht schließen. daß nun cudgültig der Tiefstand der Konjunktur er- reicht sei. Wohl sind bei verschiedenen Industrien leichte Besierungserscheinungen festzustelle», die jedoch größten- teils durch die Saison beeinflußt sind; in den wichtigen Schlüsselindustrien(Eisen und kohle) hat der Beschafti- gnngsgrad sich jedoch»och nicht gebessert. Spion und Dolchstoß. Ein Kronzeuge gegen das Kaiserliche Deutschland. Man wird Herrn Pierre Desgranges für alle seine Offenheiten nur dankbar sein und aus ihnen lernen können. (Generalleutnant a. D. von Cr a m o n in der„Deutschen Zeitung".) Im Verlag von Grethlein u. Co. in Leipzig ist ein Enthüllungsbuch des französischen Spions Leutnant Desgranges erschienen:„In geheimer Mission beim Feind in den Jahren 1915 bis 1918." Dieser französische dunkle Ehrenmann wird in der gesamten nationali st i schen Presse Deutschlands als Kronzeuge für den„Dolchstoß" der Sozialdemokratie geradezu verhimmelt. Auch der Generalleutnant a. D. von C r a m o n ist in einem Aufsatz„Spionage" in der„Deutschen Zeitung" schamlos genug, unter Berufung auf Desgranges die Führer der Sozialdemokratie zu beschuldigen, während des Krieges mit Frankreich gegen Deutschland gearbeitet zu haben. Nun stellt sich gewiß für jeden anständigen Menschen auch ein General außerhalb der Ehrbegriffe, wenn ihm das Zeug- nis eines französischen Spions genügt, deutsche Politiker des Landesverrats zu bezichtigen. Falls aber der Generalleutnant von Cramon das Buch des Des- granges wirklich gelesen hat, so muß er sich auch noch den Borwurf der Fälschung gefallen lassen, denn Desgranges sagt an mehreren Stellen über die Sozialdemokratie, den Krieg und die Revolution genau das Gegenteil von dem, was die böswilligen Verdrehungen des von Cramon glauben machen wollen. Desgranges behauptet, daß die Sozialdemokraten„I m- p e r i a l i st e n" gewesen seien bis zuletzt. Er ärgert s i ch über die sozialdemokratischen Zeitungen, die noch am Ende des Krieges„rein imperialistisch" geleitet worden seien. Er lügt damit genau so wie diejenigen seiner deutschen Verehrer, die uns des Dolchstoßes bezichtigen. Wenn die deutschen Nationalisten aber den französischen Spion so ernst nehmen, so haben wir allen Grund, den größten und wichtigsten Teil seines Buches der deutschen Oeffentlichkeit bekannt zu geben. Der Spion erzählt nämlich, wie er unter den Decknamen Desgranges und C r o z i e r von Holland aus das offizielle kaiserliche Deutschland genarrt und geprellt hat. Er hat intime Beziehungen zu hohen militärischen und zivilen Stellen im kaiserlichen Deutschland unterhalten bis in die un- mittelbare Nähe des deutschen Kaisers. Desgranges-Crozier war großer K r i e g s s ch i e b e r in Holland und verdiente mit Hilfe kaiserlicher Dienst- stellen in Deutschland Unsummen. Er lieferte Oele und Fette nach Deutschland, um sich dadurch leitende Stellen des kaiserlichen Deutschland geneigt zu machen und legte sie dafür nach Kräften zugunsten Frankreichs hinein. Der Witz ist also der: das kaiserliche Deutschland finan- zierte ahnungslos die französische Spionage, indem es dem französischen Spion Desgranges-Crozier ge- waltige Kriegslieferungsgewinne machen ließ! Desgranges-Crozier rühmt sich der besten Beziehungen zur Zentraleinkaufsgesellschaft in Berlin und zu dem persönlichen Freunde und Ratgeber des Kaisers, Herrn B a l l i n. Dieser große deutsche Wirtschaftskapitän suchte den französischen Spion ahnungslos auf, wenn er in 5)olland zu tun hatte. Die deutsche Diplomatie gibt dem französischen Spion den Auftrag, in Paris eine Zeitung zu kaufen. Das deutsche Geld rollt, aber erreicht wird das Gegenteil: die Informationen werden benutzt, um französische Zwecke innerhalb Deutschlands zu fördern. Wieder mit kaiserlich deutschen Mitteln! Desgranges-Crozier nennt als seine ungewollten Helfershelfer die kaiserliche Botschaft in Holland, insbesondere den Botschaftsrat G n e i st, den Sohn eines ehemaligen Zivilgouverneurs des Kaisers. Der Spion wird einmal im deutschen Gesandtschafts- auto von Holland nach Brüssel gefahren. Manchmal war der französische Spion auch in Deutsch- land. War er da etwa in sozialdemokratischen Redaktionen oder Gewerkschaftshäusern, um den Dolch zu schleifen? Nein, er berichtet: „Eines Tages kam ich von der Jagd zwischen Köln und Düsseldorf in Begleitung des Obersten v. S.. eines glänzenden Gardeossiziers... Auch ein schönes Bildchen, wie der Offizier der kaiser- lichen Garde mit dem französischen Kriegsschieber und Spion mitten im Kriege Hasen schießt und über die Gespräche mit dem Kameraden des Generalleutnants von Cramon dann an den französischen Generalstab berichtet. Das kaiserliche Deutschland gab sich jahrelang alle Mühe, den französischen Spion nach Kräften verdienen zu lassen, und der gab genau acht, damit Deutschland nicht mehr Waren erhielt, als er für seine Spionagetätigkeit unbedingt brauchte. Einen Teil des Geldes, das ihm die kaiserliche Regierung zuschanzte, benutzte dann der Spion Desgranges-Crozier. um junge Belgier aus ihrem Lande herauszuschmuggeln, bamtt sie in das belgische 5)eer eintreten und gegen Deutschland kämpfen tonnten. Auch die kaiserliche Marine betätigte sich ahnungslos an diesem Rettur�gswerk für Belgien und Frank» reich. Sie erteilte d e m f r an zösischen Spion einen bedeutenden Auftrag in Schmieröl und schmierte so kräftig die französische Spionage auf Kosten der deutschen Steuerzahler. Nicht für, sondern gegen den Dolchstoß zeugt der fran- zösische Spion. Er berichtet nämlich, daß der bekannte Groß- industrielle Dr. Ehrhardt vom Verein der Eisen- und Stahlindustriellen zugegeben habe, wegen Mangels an Gummi und Schmieröl sei der Kampf für uns zu Ende" gewesen. Nach Bulgariens Niederlage habe schon aus Materialmangel festgestanden:„W i r waren besiegt." Auch nach dem Krieg stand Desgranges-Crozier nicht etwa mit den deutschen Sozialdemokraten, sondern, durch Vermittlung des deutschen Generalkonsuls in Amsterdam, mit großen deutschen Industrie- f ü h r e r n in Verbindung, so mit Geheimrat Dr. Duisberg und anderen deutschen Chemieherren. Man hat die Wahl: Entweder ist Crozier-Desgranges ein Aufschneider und Schwätzer, der einen phantastischen Spionageroman ver- fertigen wollte, dann sind die Nationalisten Deutschlands bloßgestellt, weil sie auf die Detektivgeschichten herein- gefallen sind. Oder man nimmt den französischen Spion und seine Berichte ernst. Dann sind diese Enthüllungen eine u n- geheure Blamage des kaiserlichen Deutsch- l a n d s. ein wertvolles Zeugnis für die Unfähigkeit und die Leichtfertigkeit, die uns militärisch und zivil regierte und ruinierte. Auf jeden Fall aber gehört ein Gipfel von Un- w ah rh a ft i g ke i t dazu, dieses Buch im Kampfe gegen die Sozialdemokratie benutzen zu wollen. Die Pensionskürzung. Erste Beratung im Reichstag. Student und Politik. Severins und Grimme vor der Sozialiflifchen Studentenschast. Vor der sozialistischen Studentenschaft sprach Staatsminlster Severing über„Student und Politik". Der Plenarsaal des Reichswirtschaftsrates war überfüllt. Ein weiterer Saal muhte zu einer Paralleloersammlung geöffnet werden. Da Genosse Severing durch die Abstimmungen noch Im Reichstag festgehalten war, sprach zunächst Genosse Dr. Grimme, Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, mit jubelndem Dank begrüßt:„Die Reichsoerfassung von Weimar schuf den neue n Staatsbürger der Verantwortung und der Freiheit. Verantwortung ist nicht nur dos Ergebnis eines Auf- traaes, sondern Zwang des eigenen Gewissens. Demokratie ist Wille zur Verantwortung. Diktatur ist Flucht vor der Verantwortung. Der Student ist berufen, an dar Se-ite des kämpfenden Proletariats zu stehen. Es widerspricht dar akademischen Würde, der nationalen Würde und der Menschen. u&tw, wenn Studenten randalierend«inen ehrwürdigen Professor am» fehlender Vorurteilslosigkeit heraus bedrängen und bedrohe«. A« Vorurteilslosigkeit ist durch hohle Phrasen verloren gegangen. Nachdem Minister Severing erschienen war, nahm er unter Beifall das Wort: „Die bürgerlichen Parteien leugnen den Klassenkampf, aber in der Praxis üben sie ihn. Prüfen Sie nur das Verhalten der Wirtschaftspartei, des Reichslandbundes und der Volkspartei! In dem Laster, wider seinen Nächsten fasch Zeugnis zu reden, verdienen die Nationalsozialisten die Note U. Folgen wir ihnen, so fallen wir ins finsterste Mittelalter zurück. To- leranz ist ihnen ein unübersetzbares Fremdwort. Wer jung« Men- schen bei der wirtschaftlichen, geographischen und machtpolitischen Lage Deutschlands heute verführen will, ihre Hoffnung auf einen neuen Krieg zu setzen, ist entweder ein Narr oder ein Verbrecher.(Stürmische Zustimmung.) Wir wollen ohne Blutvergießen das Unrecht der Friedensverträge gutmachen und so die Gleichberechtigung Deutschlands unter den Völkern wieder her- stellen. Kein Sozialdemokrat hätte jemals wie Hitler Südtirol preis- gegeben. Eine Minderheit, wie sie die Sozialisten heute noch cm den Universitäten darstellen, ist stark durch Willen und Beken- nermut. Bekänipfen Sie den Unoerstand, dann werden der- einst auch Deutschlands Hochschulen dem Sozialismus gewonnen fein." Die Ausführungen der beiden Minister fanden immer wieder- hotten Beifall. In einem zweiten Saal wurde eine Parallelver» sammlung abgehalten. pilsudskis(Sejm eröffnet. Ein Werkzeva der Obersten-Regiervng. Warschau. S. Dezember.(Eigenbericht.) Am Dienstagmittag um 12 Uhr wurde der neue polnische Sejm eröffnet. Ministerpräsident Slawek verlas zu Beginn eine kurze Botschaft des Staatspräsidenten. All« Parteien des demokratischen Linksblocks, sowie die nationalen Minderheiten betraten den Sitzungssaal erst nach der Verlesung der Erklärung. Kommunisten, die während der Verlesung Zwischenrufe machten, wurden auf Befehl des Innenministers Skladkowski mit Gewalt aus dem Saal« geschleppt. Sejmmarschall wurde mit den Stimmen des Regierungs- blccks der frühere Ministerpräsident Switalsti. Die Abgeordneten der Linken schrieben demonstrativ auf ihre Sllmmzellel das Wort Brest-Litowsk. Switalfki übernahm sein Amt erst nach der Einholung der Zu- stimmung des Staatspräsidenten, dem er erklärte, daß er sein Amt sofort niederlegen werde, wenn er nicht mehr das Vertrauen des Staatsoberhauptes besitze. In seiner Ansprache erklärte Switalsti, daß er das Im munitäts recht der Abgeordneten nicht mehr anerkennen werde. Er werde ferner die Tagesordnung nur in Ueberein stimmung mit der Regierung fest- setzen, lleberhaupt ging au» der Rede Swilalstis hervor, daß er da, polnische parlamevl aar eck» gesehgebevdc» Werkzeug der Re- gierung und pilsudskis zu behandeln beabsichtige, Der ungarische Außenminister Walko ist zurückgetreten und durch den„Kronhüter" Graf Julius Karolgi ersetzt«otb«. Der Reichstag ist am gestrigen Dienstagnachmtttag wieder zusammengetreten. Die Absperrung der Umgebung war gemildert, die Straßenbahn durste wieder am Reichstagsgcbäude halten. Zu den namentlichen Abstimmungen vom Sonnabend teilen einige Abgeordnete schriftlich mit, daß sie insolge der Ver- änderung der Sitzplätze irrtümlich Stimmkarten anderer Ab» geordneten abgegeben haben. Das Ergebnis der Abstimmung wird aber dadurch nicht verändert. Zum Pensionskürzuagsgesetz spricht Abg. Nohmann(eoz): Wenn es noch dem Willen meiner Fraktion gelingen wäre, dann hätte man die unerfreulichen Zustände auf diesem Gebiet schon längst abgeschafft. Seit der Staatsumwälzung haben die Rechtsparteien nicht aufgehört, zu behaupten, die Republikaner'md besonders die Sozialdemokracen drängten sich an die Futter- k r i p p e des Staates, um hohe Gehälter zu erlangen.(Sehr richtig! rechts.) Es sind schon eine große Anzahl Beamter republi- kanischer Gesinnung durch den Terror der Rechtsparteien vorzeitig pensioniert worden.(Lachen rechts.) Dem Spießbürger aber wird jeden Morgen eingeredet, die Roten stellten das Hauptkontingent der Großpensionäre.(Höhnische Zustimmung rechts.) Der „Völkische Beobachter"(Händeklatschen der Natsoz.) vom 24. Dezember 1929 brachte einen Artikel:„Die Partei der pensionierten Bonzen". Darin waren allgemeine Beschuldigungen erhoben, in neun Fällen waren die Namen nicht genormt, so daß jede Kontrolle unmöglich war. Von weiteren 21, die dort an- geführt sind, beziehen 14 überhaupt kein« Penston und haben nie eine bezogen.(Hört! Hört! links.) Der Artikel nennt zwei Sozialdemokraten als Staalsminister, die niemal» Staalsminister gewesen sind und nlemal» eine Pension bezogen haben,(hört! Hört! links.) Der eine der beiden ist heule noch aktiver Veamler, der andere ist seil zwei Jahren lot, wird aber trohdem als wilolled dieses Hauses und als roler penfionsbezieher aufgeführt l Die ganze Mache entpuppt sich demnach als nationassozialistischer Gespensterspuk. Selbst Reichstagspräsident Lobe wird als Pensions- empfänger genannt, dabei bezieht der Reichstagspräsident weder Gehalt noch Pension. tLebh. Hört! Hört! links und in der Mitte.— Zuruf« der Natsoz.: Barmat.) Im Reichstagshandbuch steht auch der Wahlaufruf der NSDAP.(Ironischer Beifall und Lärm rechts.) Dieser Wahlaufruf enthalt nicht weniger als 196 grobe Schimpfwörter gegen die sogenannten Verbrecherparteien, zu denen nicht nur wir und die Kommunisten, sondern auch das Zentrum und die Demokraten gerechnet werden.(Händeklatschen der Natsoz.) Ungefähr vierzig- mal sind die Worte„Lügner und Betrüger" wiederholt. Ein Flug- blatt der NSDAP., verantwortlich gezeichnet von dem Abgeordneten Dreher, behauptet, daß dos Volk an 126 Beamte, die zugleich Reichstagsmitglieder seien, 1. das lausende Beamtengehall, 2. die Reichstagsdiäten, 3. die Entschädigung für Ausschußsitzungen. 4. das Gehalt für Ersatzgestellung zahle. Ja diesem Reichstag sind nicht weniger als Z5 Beamte als nationalsozialistische Abgeordnet«! (Stürnnsches Hört! Hört! links und in der Mttte.— Gegenrufe der Nazis: Das sind richtige Beamte, keine Bonzen.) Das sind 33 Proz. der ganzen nationalsozialistischen Fraktion. Sie haben also gar kein Recht, anderen Parteien Vorwürfe darüber zu machen. (Zustimmung links.— Geschrei rechts.— Präsident Löbs mahnt den' Abg. Dreher zur Ruhe) Es ist ganz klar, daß die Feststellung solcher Tatsachen Ihnen, die draußen mit solchen Verleumdungen arbeiten, höchst unbequem ist! Ihr Wahlaufruf paßt am besten auf Sie selbst.(Goebbels: Nieder mit der Huugerregierung, nieder mit der Kapitalsregierung. — Mitleidige Heiterkeit im ganzen Hause.) Auf Drängen unserer Fraktion hat der Reichstag wiederholt Gesetze auf Pensionskürzung mit einfacher Mehrheit verabschiedet. Aber die erfarderliche quali- fizierte Mehrheit sst immer von den Parteien verhindert worden, die draußen mit der Pensivnsfrage die schlimmste Hetze betreiben. Am 23. Oktober 1923 sst auf unseren Antrag das erste Pensions. kürzungsgesetz geschaffen worden, das aber kaum zwei Jahr« darauf unter dem deusschnattonalen Finanzminister Schlieben wieder be- seittgt worden sst. Immer wieder will man die Sozialdemokraten in bezug aus Gehalt und Pensionen als Staatsbürger minderen Rechtes hinstellen. Daß Sozialdemokraten auf gesetzmäßige Beamten- bezüge verzichten sollen, verbietet ihnen die Selbstachtung, um so mehr, als die Feinde der Republik sich gar kein Gewissen daran» machen, von der Republik Gehälter und Pensionen zu beziehen, ob- wohl sie die Republik zu beseitigen trachten. (Rufe rechts: Aus Steucrgeldern!) Zur Abwehr der Schlammflut des Hasses ist auf unser Betreiben am 18. November 1926 von der Reichsregierung die Denkschrift über die Pensionsempfänger vor- gelegt worden. Gut die Hälfte der dort aufgeführten Minister und Staatssekretäre stammen aus der Zell der Monarchie. 1899 Generäle und Admiräle sowie kaiserliche Prinzen bekommen bis zu 19 999 M. im Jahr. Darunter findet man auch den ganzen Klub putschsstischer Offiziere, an der Spitze jenen Herrn von Lossow, den unser jetziger Kolleg« von Seeckt, damals Chef der Heeresleitung, in einem Rundtelegramm vom November 1923 der Meuterei und des bewaffneten Aufstandes gegen das Reich beschuldigt hat. (Rufe rechts: Habt Ihr selber gemacht!) Mr verlange« schleunige Ergänzung dieser Denkschrift und ihre Ausdehnung auf die Länder und Gemeinden, wir habe» auf diesem Gebiet keine Feststellung zu furchten. (Lebhafter Beifall der Soz.) Der Haushatt 1930 enthält auch die Penstonen für SS 693 Offiziere der alten Armee, die sich nicht im geringsten daran stoßen, sich mit 181 Millionen Mark im Jahr von der Republik befursorgen zu lassen.(Wütendes Geschrei rechts.) So gerecht und gesetzmäßig die Republik hier handelt, so hat sich die preußssche Monarchie 1866 gegen die hannoverschen Ossi» zier« nicht verhallen, vi« rücksichtslo, entlassen wurden. (Geschrei rechts.) Von den rund 2 Milliarden Pensionslasten der Länder, Ge« meinden, der Reichspost und der Reichsbahn beziehen Sozialdemo- traten noch nicht den Bruchteil eines Zehntausendstel. Gewiß sind diese Lasten nicht zuletzt auf den Krieg zurückzirführen, der zahlreiche Beamte vorzeitig pensionsreif machte, und der die Zwangs- Pensionierung der Offiziere zur Folge hatte. Auch der Verlust deutscher Gebiete mit ihren Beamtenstellen und der große Beamten- abbau haben diese Last vergrößert. Trotz all' dieser Tatsachen behauptet der Wahlauftus der ZtSDAP.: „Die Vsendigung des Krieges sah-in Deutschland, das an innerem Reichtum nichts oerlorcn hat; von 1918 an hat die Republik die angesammelten Reserven und Guthaben unseres Nationalvermögens versilbert. und verftüssigt." (Entrüstungsruf« link».— Händeklatschen der Natsoz.) Zwei Mll- lionen deutsch« Männer, die als Opfer gefallen sind, das durch den Krieg zerstört« Glück der Wttwen, Waisen und Ellern— das alles rechnet bei Ihnen nicht! Diese Demagogie verdiente auch mal in diesem Hause eine ganz gehörige Beantwortung.(Lachen rechts.) Rechllich gesehen ist die Vorlage eine ausgezeichnete Arbeit, gegen ihren Inhalt haben wir manches einzuwenden. Die Sozial- demokratie denkt-nicht daran, die wirklich wohlerworbenen I Pensionsansprüche der großen Masse der Beamten irgendw.e anzu- tasten. Es sollen auch nur die Großpensionen und Doppeloerdienite j in dieser Zeit größter Massennot getrofsen werden. Der finanzielle Erfolg wird nicht sehr bedenkend sein, aber es kommt auf die psychologische Wirkung an. denn die Erregung über diese Zustände ist sehr groß. Wenn der Entwurf den Versuch macht, eine scharfe Grenze zwischen össentlichen und nichtösfenllichen Mitteln zu ziehen, so ist zu sagen, daß nur der Umweg über die Steuerkasse diesen Unterschied aus-- macht, denn es gibt nur Mittel aus der Volkswirtschaft. Das Volk aber, das unendliche Opfer bringen muß, um die Arbeitslojen, Kleinrentner, Kriegsbeschädigten usw. zu erhallen, verträgt es nicht mehr, daß große Pensionen und Wartegelder ungekürzt weiter- gezahlt werden sollen. Die kleinen und mittleren Pensionsempfänger werden durch die Neureglung kaum betroffen werden. Die Grenze von 6999 M. für das nicht anzurechnende Slrdeitseinkomme,, von Penstonären ist seinerzeit nur genommen worden, weil sonst der Widerstand eines großen Teiles dieses Hauses gegen die Pensions- kürzung überhaupt nicht überwunden werden konnte. Da sich aber die Rot des Volkes inzwischen so verschärft hat, erscheint uns diese Grenze viel zu hoch. Nach der Vorlage würde übrigens jemand mit 26 999 M. Arbeitseinkommen noch immer 19 999 M. Pension beziehen können; erst bei 46 999 M. Einkommen würde das auf- hören. Darin muß natürlich eine Aenderung eintreten. Vor allem müssen die Hilflosen und Kriegsbeschädigten geschont werten. Ganz unerträglich ist für uns die vom Reichsrat beschlossene Be- grenzung des Gesetzes bis zum 31. März 1933. wir fordern eine Höchstgrenze für Pensionen. In Preußen und Sachsen bestand sie schon vor dem Kriege, ebenso in Württemberg, wo die Höchstpcnsion 8999 M. war. Was in dem reichen Deutschland von damals möglich war, kann in dem ver- armten Deutschland, das den Krieg verloren hat, nicht weiter- bestehen.(Sehr wahr! links.) Der Sozialismus will nicht eine Gleichmacherei, er hält qualifizierte Arbeit für durchaus notwendig, und um sie zu gewinnen, muß man sie auch angemessen entlohnen. Wir wollen, daß alle schaffenden Menschen aus ihrer Arbeit ein menschen- würdiges Dasein führen können. Da Millionen heute darauf leider verzichten misssen, können nicht Gehälter und Pensionen eine über- große Höhe erreichen. In diesem Sinne werden wir im Ausschutz an der Verbesserung der Vorlage arbeiten.(Lebh. Beifall und Händeklatschen der Soz.) Abg. Sprenger(Natsoz.)— begrüßt von den Kommunisten mit dem Ruf: Ist das einer von den 33 Pensionären?— beginnt mit einer historischen Untersuchung: Vor hundert Iahren...(all- gemeine Heiterkeit) gab es Pensionen nach der Leistung. Der Verrat von 1918, keine Revolution, fondern eine Schiebung im Interesse der Parteibonzen(Händeklatschen der Natsoz.) hat das geändert. Bei uns gibt es zwar zwölf höhere Beamte, aber in der sozialdemokratischen Fraktion zwanzig Beamte ohne Berufs- ausbildung, und achtzehn Parteibeamte, die auf Grund ihres Partei- buches die Gelder ihrer Mitglieder verzehren. Die Sozialdemo- kraten haben die„wohlerworbenen Rechte" unter Verfassungsbruch durch den Beamtenabbau mll Füßen getreten(Beifall rechts) und entgegen der Versassungsbestimmung, daß alle Staatsbürger nach Matzgabe ihrer Kräfte zu den Laste» des Staates herangezogen werden/ ellsseitig die Reichshilfe und den Gohallsabbau der Pe- amten unterstützt. Die Sozialdemokraten haben in die gesunde Beamtenschaft erst die Korruption hineingetragen.(Zuruf links: Unvsrschamthell!— Vizepräsident Stöhr überhört ständig die Schimpfereien seines Parteigenossen.) Der Strohhalm der GeHalls- und Pensionskürzung rettet nicht die ertrinkenden Finanzen.(Zuruf links: Futterneid!) Ich habe keinen Anlaß zum Futternetd, denn ich habe in pflichtmäßiger aufopfernder Arbell im Staatsdienst auf legalem Wege meine Pensionsansprüche erworben.(Große Heller- kell links.— Händeklatschen rechts.) Die Beamten werden zu Tausenden in unsere Partei gehen, und wir werden dafür sorgen. daß die Disziplinarverfahren der preußischen Diktatur niemals aufhören werden. Abg. Laomeuz(Dnat.): Der Gesetzentwurf ist ein typisches Kind des Marxismus.(Hellerkell links.) Dafür zeugen die immer wiederholten Angriffe gegen die alten Offiziere, die treu gedient haben, ihre Steuern zahlen und auch das Recht in Anspruch nehmen, ihre freie Meinung zu äußern. Sie(nach links) haben ja die unerfreulichen Zustände der Gegenwart mit geschaffen, das heißt Taufende von Offizieren und Beamten aus ihrer Laufbahn herausgerissen. Der Redner verliest dann eine sehr lange Erklärung gegen das Gesetz, die sich auf Verfassungsbestimmungen und wohl- erworbene Rechte berust. Arbeitsfreudigkeit und Arbeitswille werden unter Strafe gestellt. Treue und Glauben und die Eigentumsrechte werden bedroht. Die Strafbestimmungen über völligen Entzug der Wartegelder und Ruhegehälter sind so ungeheuerlich, daß sie nur den Terrormaßnahmen der preußischen Re- g i e r u n g gegen Teilnehmer am/ Freiheitsbegehren zu vergleichen sind. Abg. Torgler(Komm.) will sich nicht in den„häuslicher! Streit" zwischen Sozialdemokraten und Rationalsozialisten einmsschen. Mein Parteifreund Dr. Neubauer bezieht 499 M. Wartegeld, von dem er nicht die Nutznießung hat. Ihr Minister Frick hat die wohl- erworbenen Rechte Neubauers so geachtet, daß er ihm die Eni- Ziehung des Betrages wegen setner polllischen Tätigkeit androht. (Lebh. Hört! Hört! links.) Sämtliche kommunistischen Gemeinde- Vorsteher sind von Frick und Severing in Thürinoen und Preußen abgesetzt worden, auch die Bcrufsbea'mten unter ihnen. So treten Sie die Rechte der Beamten mit Füßen.(Geschrei und Zuruf rechts: Lügen Sie doch nicht so!— Geschrei der Kommunisten.— Abg. Dr. Neubauer erhält«inen Ordnungsruf.) Di« Rede des Abg. Sprenger ist ebenso vorsichtig, wie die des Abg. Feder von voriger Woche.(Widerspruch rechts.) Torgler verliest unter dem Toben der Nazis einen Bettelbries des Zülicher„Grus" an einen dortigen papiersabrikaatea, der „mit treudeulschem Gruß" gezeichnet ist. (Die Kommunisten stehen auf und rufen mll Fafchsstengruß„Treu deutsch allewege".— Rodau rechts.) Die kaiserlichen Groß- Pensionäre fallen überhaupt nicht unter die Kürzungen. Der Redner schließt mit Zllaten aus einer Liste von Empfängern von Riesen- gehällern und-Pensionen, darunter Adenauer, Jarres, von Epp, General Lietzmann usw. Abg. Dr. Sroae(Z.): Mein Parteifreund Adenauer hat nicht das hohe GeHall, das ihm nachgesagt wird.(Widerspruch links.) Wir begrüßen die Vorlag«. Die Rede des Abg. Sprenger war nicht Fisch noch Fleisch. Abg. Moralh(D. Vp.): Wir lehnen das Penstonskürzungs- gesetz ab, weil es das Berufsbeamtentum zerstört. Der Redner zitier: einen Protest der Retchsgericht-rSke gegen jede Antastung de» Beamtenrechte»: dieses schließe auch die Penston ein. Immer gehe e» nur gegen den schwächsten Widerstand, die anderen Doppelverdiener faste man nicht an, nur die Pensionäre. Wir hoffen, daß die Zweidrittel- Mehrheit nicht zustande kommt. Abg. Ranch-München(Bayer. Bp.) ist zwar grundsätzlich kür das Gesetz, hält ober schärfste Prüfung für �erforderlich und das Zustandekommen der Zweidrittelmehrheit für höchst unwahrscheinlich. Abstimmungen. Die Debatte wird abgebrochen, es folgen die zurückgestellten Abstimmungen über Aenderungsanträge zur Notverordnung vom Juli. Kommunistische Anträge werden in namentlicher Abstimmung mit 234 gegen 202, bzw 4S4 gegen 67 und 3l9 gegen 197 Stimmen abgelehnt, oesgleichen die Anträge der Linken zur Arbeitslosenver- sicherung mit 354 gegen 182 bzw. mit 350 gegen 160 Stimmen. Ebenso werden die von der neuen Notverordnung noch. nicht be- rückstchtigten Verbesserungsanträge zur Krankenversicherung, zum Steuerwesen usw. abgelehnt. Eine groß« Anzahl weiterer An- träge werden den Ausschüssen überw'esen, die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses für die Fragen der Landwirtschaft wird «instimmig beschtosser. Gegen das Verlangen des Abg. Frick tNatsoz.) wird sein. Antrag auf Amnestierung der bäuerlichen Steuerstreiker nicht sofort erledigt, sondern dem Rechtsausschuß überwiesen. Einstimmig wird die Regierun? aufgefordert, bis zur Aufhebung der Mincralwaffersteuer Milchkakao und Fruchtsäfte nicht unter die Minerglwosse steuer zu bringen, sowie die Tabaksteuer- zeichen in einem solchen Maß auszugeben, daß der Absatz und das Gewerbe nicht geschädigt werden. politische Geschäfisordnungsdebatte. In der 20. Stunde wird die Beratung abgebrochen. Der Präsi- dent schlägt für die Sitzung am Mittwoch, 15 Uhr, ei� lange Tagesordnung vor. Darüber entspinnt sich eine ausgiebige Debatte, zu deren Beginn der Reichskanzler seinen Platz einnimmt. Abg. Dr. Frick(Natsoz.) verlangt, daß am Mittwoch die Außen- Politik beraten werde. Abg. v. Fre�tagh-Oorinnhoven(Dnat.) stellt den gleichen An- trag und spricht dabei höhnisch uno zur Entrüstung der Linken von „Ihrer Weimarer Berfofsung", die den Reichstag als Träger der Volkssouveränität bestimme: der Hinweis des Außenministers, daß er im Reichsrat üstrr die Außenpolitik gesprochen habe, genüge nicht. Ostoberschlesien zu veranstalten. Nach der Probe, die uns diese Ge- schäftsordnungsdebattc geboten hat. scheint eine solche einheitlich Kundgebung kaum zustande zu kommen. Diese Tatsache hat uns in der Meinung bestärkt, daß eine außenpolitische Debatte in diesem Augenblick weder im Interesse der deutschen Minderheit, noch im Interesse de» dent- schen Landes gelegen ist. Einzig und allein aus diesem Grund« werden wir die Anträge der Rechten ablehnen. Herr v. Freytagh-Loringhoven hat sich auf die Verfassung berufen, die eine solche Debatte fordere; er hat da- uuy. Stocket ißumm.) verlangt gleichfalls die außenpolitische.,.___ o.'uuict uuvwciscn cvnncen, wurven ourcygeraisea, eoenio oie we- W» JSaSSMa'"~-""" LL. Abg. Ulihka(Z.): Niemand kann mehr als wir mit den Opfern des Polenterrors fühlen. Ich habe ihre Verzweiflungsschreie ge» hört, ich habe die Mißhandelten gesehen. Im Interesse der Aktion der Reichsregierung und des Präsidenten C a l o n d e r(andauernde Hohnrufe rechts)— seien Sie froh, daß Calonder Präsident des völkerkundlichen Oberschtesielmmtes ist: er hat i«'>t. was'um aLererjlen Mal? vorgekommen ist. sich direkt beschwerdeführend an den Rat gewendet! — halten wir aber eine Reichstagsdebott« im jetzigen Zeitpunkt für ungeeignet, zumal man ihrem Verlauf und Ergebnis nach dem. was hier schon vorgegangen ist, nicht ohne Besorgnis entgegen- sehen muß.(Zustimmung links und in der Mitte, großes Geschrei rechts.— Präsident Löbe mahnt dringend zur Ruhe.) Abg. Dr. Kleiner(Dnat.) behauptet im Gegensatz zum Vor- redner, die deutschen Ostoberschlesier oerlangten die außenpolitische Debatte.. Abg. Schmidt-Hannover(Dnat.) beantragt außerdem, den An- trag seiner Fraktion auf Einstellung des Reichspolizeikostenzuschusses an Preußen aus die Tagesordnung zu stellen: nach der Rede Dingel- deys müsse die Deutsche Volkspartei diesen Protest gegen die Wirt- fchaft in Preußen mitmachen. Abg. Zaddasch(Komm.) hält den schmetternden Tiraden Kleiners entgegen, daß Kleiner damals, als der Abwehrkampf gegen die polnischen Insurgenten geführt wurde, sich hinten in der Etappe herumgetrieben habe. Zeht wolle mau schon wieder einen nationalistischen Selbstschuh ausziehen. Wir fordern die Debatte, um die deutschen imd die polnischen Arbeiter darüber aufzuklären, daß sie sich nicht von den Ausbeu�rn gegeneinanderhetzen lassen dürfen.(Geschrei rechts. Hanbeklatschen � Nachdem Abg. Ulihka(Z.) nochmals sein« Warnung wiederholt halt«, spricht � � Zreitscheid(Soz): Her? Kleiner hat von der Miwenhigleit gesprochen, ein«. einhegt-. Ii che nationale Kundgebung zugunsten der deich chen Minderheit in Der Terror im Westen. Oos Hakenkrenssiefolge lärmt auf den Straßen. Die Tkakionalsozialisten veranstalleten am Dienstag abend wieder ihre Demonstrationen gegen die Aufführung des Films .,3m Westen nichls Neues". Dabei kam es von den frühen Abend- stunden an bis nach Millernacht iin Berliner Westen wiederum zu schweren Störungen der öffentlichen Ordnung. Zu der um 9 Uhr abends angesetzten Kundgebung aus dem Wittenbergplatz rückten die einzelirn Sturmabteilungen in ge- schlossenen Gruppen an. Soweit diese Gruppen auf oen einzelnen Hochbahnhöfen Ausstellung nahmen, kam es schon hier zu lärmenden Austritten. Das Berkehrsperfonal erwies sich gegmüber den randalierenden Horden als machtlos. Die auf dem Bahnhof Gleisdreieck in die Züge steigenden Nationalsozialisten forderten das Publikum auf, iu den Ruf„heil Hitler" ein- zustimmen. Wer sich von den Fahrgästen weigerte, mitzurufen, wurde bedroht und angepöbelt. Den anmarschierenden Kolonnen der Nationalsozialisten gelang es nicht, den Nollendorfplatz zu erreichen. Dieser Platz war im wei- testen Umkreis über die Eisenacher und Augsburger Straße hin von starken Polizeiketten abgesperrt. Außerdem ,war ein« neue Motorspritze der Feuerwehr in Ausstellung gebracht worden. Nur Passanten, die sich als Bewohner der anliegenden Häuser ausweisen tonnten, wurden durchgelassen, ebenso die Be- er beschworen hat.(Lebh. Beifall links und in der Mitte, Gebrüll rechts.) Abg. Leicht(Bayer. Bp.): Der Auftakt zu der beantragten sachlichen Debatte über die Außenpolitik in der heutigen Aussprach« zur Geschäftsordnung bestimmt uns, den Antrag der Rationalsozia- listen und Deulschnationalen abzulehnen.(Lärm und Heiterkeit rechts.) Abg. Dr. kleiner(Dnat.): Herr Abg. Iaddasch und lieber Landsmann.(Heiterkeit links.) Jckz war Hauptschriftleiter der„Ostdeutschen Morgenpost" in Oppeln und Mitkämpfer am Annaberg. Wer mir Drückebergerei vorwirst, ist ein Berleumder.(Präsident Löbe fragt den Redner, ob er den Ausdruck Berleumder bestimmten Abgeord- neten zugedacht hat.) Ich meine damit die Zwei Abgeordneten, die mich verleumdet haben.(Ordnungsruf.) Ich danke.(Zweiter Ord- nungsruf.) Ich. habe dem Abg. Ulitzka vorzuwerfen, daß er die Privatinteressen der Regierung vor die des obcrschlesischen Voltes stellt.(Gebrüll und andauernde Pfui-Rufe rechts.— Glocke des Präsidenten.) Abg. Iaddasch(Komm.): Ob an oder hinter der Front, Herr Kleiner war nicht in seinem Wohnort.(Gebrüll, Aha! und Psui» Rufe rechts.) Wo waren Sie bei der Erschießung kommunistischer Arbeiter durch deutschen Selbstschutz und Ententetruppen?(Geschrei rechts, Beifall links.) Abg. Külz(Staatsp.) mahnt zur ruhigen Behandlung der ober- schlestschen Frage und erklärt, daß jetzt eine außenpolitische Debatte den Oberschlesiern nichts nützt. Abg. DIngeldey(D. Bp.) erkennt den Wert einer einheitlichen nationalen Kundgebung für die deutsche Minderheit an, glaubt aber nicht, daß in diesem Parlament der Uneinigkeit eine solche Kundgebung möglich ist. Abg. Brückner(Natsoz.): Wenn auch die Kommunisten die nationale Einheitsfront zerbrechen werden(Gelächter links), so wäre es Pflicht des Präsidenten dieses sogenannten hohen Hauses(Ord- nungsruf), selbst eine solche nationale Kundgebung zu veranlassen. Die Abstimmung über die Tagesordnung ergibt die Ab- lehnung aller Aenderungsanträge zum Vorschlag des Präsi- deuten.— Schluß ÜOK Uhr. Keine Hoffnung aus Amerika! Washington erklärt: Keine Neuregelung der interalliierten Gchuldensrage Wafhingkvn. 9. Dezember. An hoher Regierungsstelle nahm mau h?ute Der- anlassung, die zahlreichen Dementis, die das Staats- depariemeul in den letzten beiden Wochen auszugeben gezwungen war. durch eine Aeußeruug des llawitleas über die ver- schiedenen wellbeglück ungspläne unserer Freunde>n Europa nachdrücklichst zu unterstützen. Mit Emphase wurde erklärt, daß man keineswegs beabsichtige, die Verwendung der alliierten Schulden- Zahlungen neu zu regeln, sondern an dem Programm s e sl h a l l e. wonach die Zahlungen zur Abtragung der össentlichen Schuld und zur Ermäßigung der Steuerlast des amcri- kanischen Volkes benutzt werden sollen. An der Behauptung, daß die amerikanische Regierung in Ver- Handlungen stehe, um eine Konferenz über«inen Konsultativ- p a k t oder über dieFreiheitderMeere oder über«ine Ver- pflichtung zu kriegerischen oder friedensfördernden Maßnahmen oder ähnlichem einzuberufen, sei, so wurde betont, kein Funken Wahrheit. Es bestehe nicht der geringste Grund zu der An- nahm«, daß Amerika sich mit Frankreich zur Aufrichtung emcs Finanzblocks gegen irgendein anderes Land verbündet habe. Alle diese lldeeu würden dem amerikanischen Volk und dem amerikanischen Publikum gewissermaßen als Versuchsballons von Europa vorgesetzt und die amerikanischen Behörden müßten einen großen Teil ihrer Zeil daraus verwenden, diese Mel- düngen Zu dementieren. Deswegen sei es jetzt an der Zeil, diesen Gerüchten in Bausch und Bogen den Garaus zu macheu. Mit einer an Brutalität grenzenden Eindeutigkeit macht Amerika all denen einen Strich durch die Rechnung, die von einer baldigen Revision des Boung-Planes träumten, oder die aus Gründen der Börsenspekulation den Eindruck zu erwecken oersuchten, als denke man in Amerika ernsthaft daran, eine Revision zu erleichtern. Die.hohe Regierungsstelle" ist eine Umschreibung für Präsident choover oder für seinen Staatssekretär Stimson, die anläßlich der üblichen Presieempfänge bei wichtigen Gelegenheiten solche Erklärungen persönlich abgeben. Eine Revision des Doung-Planes ist a u s o e s ch l o s s e n, solange die Vereinigten Staaten, die den größten Teil der deutschen Zahlungen erhalten, eine Neuregelung der inter- alliierten Kriegsschulden ablehnen. Und es war oorauszu- sehen, daß in dieser Zeit, in der die Vereinigten Staaten acht bis zehn Millionen Arbeitslose haben und auch sonst die schwerste Wirtschaftskrise seit Kriegsende durchmachen, die Neigung zu Ermäßigungen, die sich m erhöhte Steuern für die eigenen Bürger auswirken würden, auf den Nullpunkt sinken würde._ Auch Laval kommt nicht vorwärts. Paris, 9. Dezember.(Eigenbericht.) L a o a l hat den g k gegen diesen Lohnabbau empfohlen lzabe, was die RGO. ungeheuerlich findet. Wie kann man gegen Lohnabbau streiken! Der Gesamtoerband hat in Wirklichkeit die maßlos empörten Austräger der„Roten Fahne" vor einem Streik gewarnt, um sie vor her sicher zu erwartenden sri st losen Eni- lassung zu bewahren. Daß diese Warnung nicht unbegründet war, beweist die Enklassung des Auslrageperfonals bei der Spedition Kasianienallce, das passive Reststenz geübt hatte. In dem Flugblatt wird serner darauf hingewiesen, daß der jetzige Verdienst der gleich« oder noch ein höherer sei als vor dem Lohnabbau. Es wird aber vergessen, gleichzeitig zu erwähnen, daß das Austragepersonal, um den früheren Verdienst zu erzielen, die doppelte Arbeitsleistung vollbringen muß. Wenn weiter gesagt wird, daß das Austragepersonal der kom- munistischen Verlage um 10 Prozent bester bezahlt werde als das der bürgerlichen Verlage, so ist dazu zu bemerken, daß die Durch- schnittstour bei den kommunistischen Zeitungen etwa 7 0 Abonnenten umfaßt, bei den bürgerlichen Zeitungen jedoch etwa 2 5 0. Um die 70 Abonnenten der kommunistischen Zeitungen zu beliefern, ist eine Arbeitszeit von etwa Stunden täglich notwendig, während das Austragepersonal der bürgerlichen Berlage zur Belieferung der räumlich viel näher beieinanderliegenden 250 Abonnenten eine Arbeitszeit von 2 Vi Stunden benötigt. Wie raffiniert die kommunistischen Verlage bei dieser Lohnabbauaktion, die mit erheblichen Entlassungen verbunden waren, vorgegangen sind, zeigt auch, daß sie kurze Zeit vor Neujahr durchgeführt wurde, und vielen Austrägern und Aus» trägerinnen dadurch der Extraverdienst des Neujahrs- geldes genommen wurde. Di« Tatsache, daß die kommunisti- schen Zeitungsverlog« sich bei ihren Rationalisierungsmaßnahmen von den reaktionären Privatunternehmern nicht unterscheiden, sondern sie sogar noch übertreffen, wird durch dieses Flugblatt nicht aus der Welt geschafft. Unter diesen Umständen dürste auch die am Schluß des Flugblattes enthaltene Auf- forderung, die„Rote Fahne" zu abonnieren und zu verbreiten, wenig Erfolg haben. Lniernationales Kohlenabkommen? England, Deutschland und polen gehen gemeinsam vor. London, 3. Dezember.(Eigenbericht.) Die englisch- polnischen Besprechungen über die Arbeitszeil im Bergbau und über das internationale Sohlenabkommen find am Dienstag beendet worden. Zn der Frage der Arbeitszeit ist mit den polnischen Unterhändlern ein llebereinkommen erzielt worden. Ans der kommenden Tagung des Internationalen Arbeitsamts in Genf ist dadurch ein gemeinsames vorgehen von England, Deutsch. land und Polen gewährleistet und die internationale Begrenzung der Arbeitszeit aller Voraussicht nach ge- sichert. Was das internationale kohlenabkommen anbetrifft, so erklärte der englische Bergbauministcr S h i n w e l l den polnischen Unter- Händlern, daß unter allen Umständen auch Deutschland ein- bezogen werden müsse, wenn ein solches Abkommen für England von Znleressc fein solle. Dieses Abkommen dürfe jedoch k c i n e n e u e n L a ft e n für die verbraucheriänder mit sich bringen. Die Antwort der polnischen Delegierten war die, daß die polnischen Sohlenproduzenten sehr gern in eine gemeinsame Konferenz zwischen England. Deutschland und Polen einwilligen würden. Der englische Bergbauminister erklärte daraus, daß er die Initiative er- greisen werde und so schnell wie möglich eine derartige Dreimächte- konserenz zur Erlangung eines internationalen Abkommens herbei- führen wolle._ Immer noch Lohnabbau. Schiedsspruch in der nieSerschlesischen Metallindustrie. Breslau, 9. Dezember. Im Lohnstreit in der niederschlesischen Metallindustrie fällte heute eine unter dem Vorsitz des Oberpräsidenten zusammengetretene Schlichterkammer folgenden Schiedsspruch: Ab 15. Dezember 1930 werden die Lohnsätze für die gelernten und angelernten Arbeiter um 6 Proz., sür ungelernte um 5 Proz. und für Frauen um 4 Proz. gekürzt. Die Akkordbasis wird um 0 Proz. gesenkt. Die Lausdauer des Lohntarifs ist bis 3 0. I u n i 13 31 b e f r i st e t. Die Erklärungsfrist läuft bis Sonnabend, den 13. Dezember, 12 Uhr mittags._ Lohnabbau! Lohnabbau! Solingen. 9. Dezember. Der Arbeitgeberverband für den Solinger Industrieb«zlrk for- dert eine Herabsetzung des Stundenlohns des gelernten Arbeiters v o n 8 0 a u f 7 2 Pf. für die Fabrikarbeiter und eine Lohnkürzung von 10 Proz. der Akkordarbeiter. Die Stücklöhne der Prcisverzeich- niste der Heimarbeiter sollen gleichfalls um 10 Proz. gekürzt werden. Die besonderen Zuschläge für rostfreie Stahlwaren sollen um die Hälfte oder ganz beseitigt werden. Die Verhandlungen über diese Forderungen werden im Lause der Woche ausgenommen. Verständigung bei der Mansseld A.-G. In einer Montag unter Mitwirkung des R e i ch s a r b e i t s- Ministeriums geführten Verhandlung ist, nachdem bereits im Juli aus Anlaß der damaligen Verhandlungen mit den Reichs- und Staatsbehörden die Löhne in den Kupferbetrieben um etwa 914 Proz. gesenkt waren, eine Verständigung zwischen der Mansfeld A.-G. für Bergbau- und Hüttenbetrieb, Eisleben, und ihrer Belegschaft erzielt worden. Hiernach werden die Tariflöhne mit Wirkung ab 1. Januar 1931 um ungefähr 3,5 Proz. weiter herabgesetzt. Diese Vereinbarung hat die Weitergewährung von Reichs- und Staatshilfen zur Voraussetzung und kann von beiden Seiten erstmalig zum 31. Dezember 1931 gekündigt werden. Einigung im Bielefelder Meiallkonfliki. Gestern fanden im Reichsarbeitsinrnisterium Nachverhand- lungen statt über den Schiedsspruch im Bielefelder Metall- arbeiterstreik. Der Schiedsspruch hatte die Tariflöhn« um 3 Proz. und die Akkordlöhne um 5 Proz. gesenkt. Der Schiedsspruch enthielt jedoch nicht die sonst übliche Formel, daß Maßregelungen nicht stattfinden dürfen. Bei den Verhandlungen über die von den Unternehmern bean- tragte Verbindlichkeitserklärung einigten sich schließlich beide Par- teien dahin, daß der Schiedsspruch ergänzt werden soll durch eine Bestinrmung, wonach Maßregelungen infolge des Streiks nicht statt- finden dürfen. Mit dieser Ergänzung wurde dann der Schieds- spruch von beiden Parteien angenommen. Di« Streikenden ent- scheiden heute in einer Urabstimmung über die Annahme oder Ab- lehnung der Vereinbarung._ Buchdrucker nur für Amsterdam. Erfreuliches Wahlergebnis in Berlin. Nachdem bereits in 8 von 11 Bezirken im Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer im ersten Wahlgang die Delegierten- kandidaten der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung mit großer Mehrheit gewählt waren, erfolgte am Montag in den rest- lichen 5 Bezirken, und zwar im 2., 3., 4., 5. und 8. Bezirk eben- falls die Delegiertenwahl. Auch in diesen Bezirken wurden die Kandidaten der Amsterdamer Gewertschaftsrichlung mit Zwei« drittel- bis Dreiviertelmajorität gewählt. Ebenso siel die Wahl der Bezirksleitungen in allen Bezirken aus. Die Ergebnisse bedeuten einen Rückgang der kommunisti- schen Stimmen in sämtlichen Bezirken im Verhältnis zum vergangenen Jahre. Die Anträge auf Abänderung der Statuten wurden entweder im Sinne des Gauvorstandes angenommen oder der Generalver- fammlung zur endgültigen Befchlußfastung überwiesen. Nicht nur in den Sparten, fondern auch in den Bezirken haben die Berliner Buchdrucker mit den Kommunisten reinen Tisch gemacht und dadurch zum Ausdruck gebracht, daß sie alle RGO.» Spaltereien ablehnen. Erst schimpfen, dann klagen. JiGO.'Mann rust die Hilfe des bürgerlichen Gerichts an. Ein Mitglied der kommunistischen Splitterorganisation, die sich Verband der Zimmerer Berlins nennt, klagte beim Arbeitsgericht gegen drei Mitglieder des Lentralocrbandes der Ziimnerer Deutschlands. Der Kläger forderte 284 M. Schadenersatz, weil die drei Beklagten als Betriebsrat einer Baustelle seine Entlassung veranlaßt haben sollen, und zwar deshalb, weil er der kommu- nistifchen Sonderorganisation der Zimmerer angehört. Di« Beweis- aufnähme ergab jedoch, daß die Behauptung des Klägers nicht zu- irifft. Folgender Tatbestand wurde festgestellt. Auf einer Baustelle war eine Lohndifferenz entstanden. Die Sonderbündler proklamierten deshalb den Streik, den aber die Zentraloerbandsnntglieder nicht mitnwchten, weil der Tarifvertrag ihren Verband verpflichtet, die vorliegende Differenz auf t a r i f- lichem Wege zu regeln und weil der tarifwidrige Streik dem Unternehiner die Möglichleit gegeben hätte, den Zcntralverband schadenersatzpflichtig zu machen. Es gab Streit zwischen den streikenden Sonderbündler» und den tariftreuen Zentralver- bandsmitgliedern. Bei dieser Gelegenheit beschimpfte der Kläger die Mitglieder des Zentraloerbandes als„Sozialfaschisten" und„Arbeiter- Verräter". Einig« Wochen später fragte der Kläger auf einer anderen Bau- stelle um Arbeit an. Der Polier war willens, ihn einzustellen. Aber ehe die Einstellung vollzogen war, teilten die drei Beklagten, die auf dieser Baustell« als Betriebsräte fungierten, im Auftrage ihrer auf der Baustell« beschäftigten Kollegen dem Polier mit, daß diese mit dem Kläger nicht zusammenarbetten würden, weil er ihre Verbands- kollegen beleidigt habe. Der Polier untersuchte die Angelegenheit durch Gegenüberstellung der Vertrauensmänner beider Baustellen in Gegenwart des Klägers, der z u g a b, daß er die Zcntralverbands- Mitglieder als Sozialfaschisten und Arbeiteroerräter beschimpft habe und versicherte, daß er dabei bleibe. Unter diesen Umständen sah der Polier von der Einstellung des Klägers ab, um Streitigkeiten auf der Baustelle zu vermeiden und den Betrieb vor Erschütterungen zu bewahren. Wie durch das Zeugnis des Bauführers und des Poliers festgestellt wurde, war gar keine Rede davon, daß man die Nnhtbeschäftigung des Klägers wegen seiner Zugehörigkeit zu einer anderen Organisation verlangt Hab«. Das Gericht erkannt« auf Abweisung der Klage mit der Begründung, die Beklagten hätten keinen Verstoß gegen die guten l Sitten begangen, sondern nur ihre Pflicht als B-iriebsmt erfüllt. indem sie den ihnen ertellten Auftrag ausführten. Sie wollten den Betrieb vor Erschütterungen bewahren. Es könne keinem Arbeiter zugemutet werden, mtt dem Kläger, der seine Beschimpfung aus- drücklich aufrechterhalten habe, zusammenzuarbeiten. Reichskonferenz im ZdA. Die Angestellten der öffentlichen Banken und Sparkassen. Der Zentralverband der Angestellten veran- staltete am Sonntag, dem 7. Dezember, in seinem Erholungsheim Bad Fintenmühle i. Thür, eine Reichskonferenz für die An- gestellten der öffentlichen Banken und Sparkassen. Sämtliche Gaue hatten Delegierte entsandt. Für den Verbandsvor- stand leitete Genosse Hausherr die Konferenz, die Referate der Genossen Hausherr und Riemke zu arbeitsrechtlichen Fragen und Dr. v. W a l d h e i m zu den wirtschaftlichen Fragen der öffentlichen Banken und Sparkassen enrgegennahm. Die Konferenz war eine Arbeitstagung. Eine Anwendung des Reichstarifs für das Bank- gewerbe lehnte die Konserenz ab und verlangte die Anwendung der bestehenden örtlichen oder Bezirkstarifverträge für kommunale Angestellte wegen des engen Zusammenhanges der Sparkassen mit anderen Verwaltungszweigen. Sie forderte die Eingruppierung in die Behördentarife nach der Leistung und die Verteidigung und Besserung dieser Tarife selbst. Hinsichtlich der beruslichen Fachausbildung wurde eine einheit- liche gleichmäßige Behandlung von Beamten und Angestellten bei der Zulassung zu Fachschulen und der Arbeitszuweisung verlangt. Die Konferenz forderte die Bildung gesetzlicher Betriebsvertretung. Vergebliches Ablenkungsmanöver. Um ihren Lesern den Lohndruck um 33 Proz. im eigenen Be- trieb und die Maßregelung des Personals, das sich dagegen wehrte, schmackhaft zu machen, erzählt die„Rote Fahne"«ine Räuber- ge schichte über eine Anlegeria, die aus der Vorwärts-Buch- druckerei entlassen wurde, dann unter Vorbringung falscher Bc- hauptungen beim Arbeitsgericht klagte, aber vom Arbeitsgericht kostenpflichtig abgewiesen worden ist. Im übrigen er- zählt das Bolschewistenblatt ihren Lesern, um die Angelegenheit möglichst„pikant" erscheinen zu lassen, diese Anlegerin habe sich „unsittlich berührt" gefühlt. Diese Behauptung hat sick» das Bolschewistenblatt aus den Fingern gesogen. Die Arbeiterin ist wegen Arbeits- mangels, aber auch wegen ihres sonstigen Verhallens entlassen worden. Ihr Einspruch ist vom Arbeiterrat zurückgewiesen worden, und das Arbettsgericht ist der Entscheidung des Arbeiterrats beigetreten. Das ist die ganz einfache Tatsache, die nichts zu tun hat mit Maßregelungen, wie sie in den kommunistischen Betrieben üblich sind, noch weniger mit einem Lohnabbau. Derartige Zu- stände sind nur in den kommunistischen Betrieben an der Tages- ordnung._ Gchlußiagung der Bergarbeiter. Das Komitee der Bergarbeiterinternation alz befaßte sich am Dienstag mit der Frage der V e r« i n h e i t- lichung der Arbeitsbedingungen im internationalen Bergbau. Die Verhandlungen führten zur Feststellung von R i ch t- linien für die Teilnelsiner an künftigen Genfer VerHand- tun gen. Eine Einladung des Internationalen Gewerkschaft-- bundes zu gemeinsamer Beratung dieser Frage wurde grundsätzlich angenommen. Den Rest der Verhandlungen füllten Feststellungen und De- batten über die Verhältnisse im internationalen Kali- und Erz- bergbau aus. Die nächst« Sitzung des Komitees wird in Amsterdam stattfinden._ Nazis gegen Flieger. Die Schadenersatzklage der von der BBG. abgebauten Nazi- Leute gegen den Betricbsratsvorsitzenden Flieger wird am Donnerstag, um 0 Uhr— nicht wie in der Eonntagnummcr des„Vorwärts" angegeben vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte ver- handelt, sondern in Moabit, Turmstraße 31 I(Schwur- gerichtssaal), Zimmer 406._ Verband der Male», LaSirrer, Anstreicher»sw. Dsnnerslan. VM Uhr. im Eewerrschastshous, Engeluser 24—25. Saal 5, Seltion»vcrsammlung der Lackierer. Tagesordnung: 1. Der Lackierer im Beruf. Nefereni: Reichsseltlous- Iriter Paul Schwade Lamburg. 2. Distusston. Z. Verschiedenes. Di- ge- steigerten Wirtickiaftssämpfe erfordern die Aufmerkfamteit der Lollcgcuschaft. Eriorderlich ist, dag jeder organisierte an dieser wichtigen Versammlung teil- nimmt. Die Srltina-leitnas. J. A.: Erich Nuß. �Freie Gewerkfchafts-Jugend Berlin Heute. Mittwoch, läVi Uhr, tagen die Eruppen: Vnumlchuleawe«: Zu- «endhcim Ernststr. IS. sfilmabend:..Kulturelles— Soziales— Heiteres'. — Reulclln:(struppenhnm Bergstr. 29, Hof. Vortrag:„Die Entwick- lmig der Luftschissohrt i» den Ictrtr» 5 Jahren".- Südwesten: Et-idt. Jugendheim Yorckstr. 11 sffabritgediiude». Diskusstonsadeud:.Unsere Sruppenarbeit. — fflughasen: Jugendheim«cuIüUn, sZlughofenstr. 68. Vortrag:„Di- Ent- wicklungsgcschichte der Erde".— Weihe»!««: Jugendheim Parkstr. 36. Vortrag: „Die sZrau in EowictruKInnd".— Rordeiag: Jugendheim Sonnenburgtr Str. 20. Die iZohncnweihc und andere Satiren von Ludwig Thoma.— Schöacderg: Jugendheim Hauptstr. lö. Vortrag:„Aufgaben des SchiUcrrates in de» Bc- rufstchulen".— Humboldt: Jugendheim Graun. Ecke Lorhlngstrahe. Vortrag: ,.Bud und Model in der Ingendbewegung".- Achtung, Vollsbühn«! Die nächste Iugendvorstcllung findet am 1. Ianuar ISN um Vt Uhr im Theater am ViUowplah statt. Zur AnfsUhrung gelangt„Mississippi" von Georg Kaiser. Karten i»um Preise von 80 Pf. sind jeht schon erhellllich. @Iuaendaruppe PeS�eniralverbandes! der Anqesieltten Heute, Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen statt: Gesund» bruunen: Jugendheim Willdenowstr. 5. Arbeitsgemeiirschaft:„Einführung in den Sozialismus". Referent: Wilhelm Lewinsii.— Reinickcndors: Jugendheim Lindaner Str. 2(Barocke). Vortrag:„Eächstlches Allerlei". Rest» rentin: IZriedel Holl.— Eharlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4. Gruppen- Mitgliederversammlung.— Schiiaeberg: Jugendheim Hauptstr. 15(Hofgebiiudc. Eachsenzimmer). Bunter Abend.— Schönhauser Vorstadt: Jugendheim der Schule Kastanicnallee 81. Galauorstellung des Varietes Schönhauser Vorstadt.— Oberspree: Niedcrschönerocide, Berliner Str. ZI lSchule). Gruppenmitglicdcr- persammlunq.— Nordost: Jugendheim Damiger Str. 62 l Baracke 3). Vortrag: „Jack London". Referent: Dr. Bergcr.— Stralan: Jugendheim der Schul« Gohlerstr. 61. Eruppenmitgliederpersammlung.— Reulölln: Jugendheim Vöh- misch« Str. 1—4, Ecke Kanner Strohe. Vortrag:„Das Attentat auf die Sozial- v-rsicherung". R-f-reut: Willi Derkow.— Südost: Zugendheim Wrangrlstr. 128. Gruppenmitgliederverfammlung.— Spandau: Jugendheim Lindenmer 1. Kruppenmitgliederversammlung.— Potsdam-Rowaw«,: Zugendberbcroe Ro» wawcs, Priesterstrahe. Wir üben neue Lieder. Stegreifspiele usw. unter Leitung von Albert Manasse.— Karten sür de» Seinrich.Hcine.Abcnd am Freitag, dem 19. Dezember, zum Preise von 46 Pf., sind im Zugendseiretariat und in den Zugendgruppen erhältlich.— Karten für die Zugcndvorstellung der Volts- bühn« am 1. Januar zum Preise von S» Pf. sind im Jugendsckretariat zu haben. Verantwortlich für Politik: Victor Schiff! Wirtschaft: G. Klingelhüfer: Sewerkschastsbeweguna: 3. Striner: Feuilleton: Dr. Iah» Schikoroeli: Lokales und Sonsiigrs: Frih Karstädt-. Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Verlin. Verlag: Vorwärts-Berlag G m. b. S.. Berlin. Druck: Borwärts.Buck'druckerei und Vcrlagsonstalt Paul Singer n. Eo.. Berlin SB. 63, Lindenstrahe 3. Hierzu 2 Beiloge». Plaza-Vreisausschreiben. W Weding, Elijabethstr 5/6; Thea Hennig, Dcberste. 61: Pcrluhn, Neukölln, Kopsstr. ZU Ilr. 527» 47. Jahrgang �66 Mittwoch, 10. Dezember ISZU ttmto in einer PesttiDhle. KuCturbild aus der Brandenburgischen Ostmark. (Telegrammbericht unseres Sonderkorrespondenten.) Aranksurt a. d. O..?. Dezember. Für Aronksurt a. d. 0. war der Sensationsprozes; gegen den reichen voucrn Grundemann und seinem Schwager h ö h n i ck e ein»och nicht dagewesenes Ereignis. Der Andrang des Publikums zur Verhandlung war ungeheuer. Grundemann und höhnicke hallen sich wegen gesährlicher Körperoerlehung, Widerstand gegen die Slaalsgewalt und Beamtenbeleidigung zu veranlworlen. Es erregte bekanntlich größtes Aufsehen, als man durch Zusall daraus kam, daß Grudeinann seinen Bruder sünfundzwanzig daraus kam, daß Grundeinann seinen Bruder f ü n s u n d z wa n z i g gehalten hat, so daß er wahnsinnig wurde. In einen, entsetzlichen Zustand wurde der Irre in diesem Jahr in seinem Gefängnis auf- gefunden. Die beiden Angeklagten sind typische, kräftige Bauern- gestalten, denen man ihre Wohlhabenheit sofort ansieht. Beide er- klären sich für unschuldig. Die Verhandlung beginnt mit der Aussage des angeklagten Gutsbesitzers Ferdinand Grundemann. Seiner Darstellung nach ist der geisteskrank« Bruder bereits seit seinem vierten Lebensjahre um nachtet gewesen. Er habe imiyer bei den Eltern gewohnt und als diese im Jahre 1A18 gestorben sind, habe er, Grundemann, sich seiner angenommen. Der Kranke sei immer sehr gut gehalten worden. Vors.: Die Stube, in der Ihr Bruder hauste, soll aber nicht sehr schön gewesen sein und außerdem heißt es. daß Sie Ihren Bruder auch geschlagen haben? Grundemann(energisch): Nein! Vors.: Mas hat Ihr Bruder denn zum Essen bekommen? Grundemann: Was wir gegessen haben. Bor f.: Di« Beamten, die Ihren Bruder aufgefunden haben, haben doch aber Essen in Gärung vorgefunden, Exkremente lagen in der Stube umher, alles starrte vor Schmuh und die Fenster Ivaren einfach nicht zu öffnen. Es herrschte eine unerträgliche Sticklust. Grundemann rettet sich in' ein absolutes Be- streiten dieser Tatsache und bezeichnet alle diese Beschuldigungen als Lüge. Als ihn aber der Vorsitzende fragt, ob er dem Trunk ergeben sei, antwortet er mit einem lauten, beinahe freudigen Jal Vors.: Na, also, und in der Trunkenheit sollen Sie ost sinnlos auf Ihren Bruder losgeschlagen, haben. Grundemann leugnet es ab. Dann kommt die Rede auf Grundemonns Einstellung zu den kontrollierenden Beamten. Sein Benehmen den Männern gegen- über, die sich pflichtgemäß nach dem Befinden des Kranken er- kundigen wollten, zeigt am klarsten und einfachsten die Aeußerung, die er damals getan hat: Ich schieße euch oikc mit dem Zagdgcivehr über de« Haujen. HH'lh als er obgxÄW'Wurd�''hK'er u�-'sich'geschKgen. Diese Vorkommnisse haben zu der Anklageerheburtg wegen Widerstandes gegen die Staaisgewalt geführt. Friedrich chöhnicke, der zweite Angeklagte, Schwager Grunde- inanns und amtlich bestellter Pfleger des Geisteskranken, versucht in seiner nun solgendcn Vernehmung Grundemann stark zu entlasten. Oft habe er seinen Pflegling besucht, und fast immer l)ab« er ihn rauchend lind in best» Laune auf dem chose des Anwesens vorge- sundcn. Er selbst habe sich sehr um seinen Pflegling gekümmert und ihm auch des öfteren Zigarren und Kuchen mitgebracht. Als nächste Zeugenvernehinungen folgen jene des Amtsvor- stchcrs von Breesen und des Kriminalassistenten Zimmer- mann aus Berlin. Während der Amtsvorfleher das Zimmer als in bestem Zustand gesunden bezeichnete, gibt der Kriininalassistcnt eine ganz andere Darstellung. Er habe, so führt er aus, das Zimmer gegen 9 Uhr morgens in einem unbeschreiblichen Zustand vorge- sundcn. Es herrschte ein pestilenzartiger Gestank. und die Fenster waren in Gesichtshöhc mit Farbe bestrichen, so daß kein Licht hereinfallen konnte. Nach dem daraus verlesene» Augenscheinprotokoll muß der ganze Raum nichts anderes gewesen sein, als«ine einzige Stätte voll Unflat. Sogar der Fußboden war schon in Fäulnis übergegangen. Kriminalsekretär Richter, ein«hemaliger Chaust'eur des Ex- kaisers Wilhelm II. erklärt:„Die Fenster des Ziinmers konnten nie ausgewesen sein, denn sie waren unten verkittet und oben völlig ver- quollen. In dcn> Bett, daß man gar nicht als Bett ansprechen konnte, lag ein alter Mann und schrie immer: an, au. Bei der Verlzastung tobte der angeklagte Grundemann in»nglaubl'cher Weise. Er rief aus dem Fenster heraus: „kommt her, ihr rolen Strolche aus Berlin! zch schieße euch niederr chcrr Grundemann kann zufrieden sein, daß es so abgegangen ist." Von entscheidender Bedeutung war das Gutachten de» Medizinalrats ch euer. Er meinte, es ist zwar sehr bedauerlich, daß ein Mensch jahrelang unter solchen Umständen Hausen mußte, aber vielfach ist es in den Irrenanstalten auch nicht anders. Man kann dort einfach nicht jeden Kranken dauernd so beobachten, wie es nötig ist. Auf die Frage des Borsitzcndcn, ob er also den Kranken in den beschriebenen Verhältnissen hätte weiter leben lassen, antwortete er mit einem lauten„Ja". Dan» kommt das P l ü- doyer des Staatsanwalts. Er erklärt, daß er sich an das Gutachten des Medizinalrats cheu«r halten müsse, der ausdrücklich erklärt habe, daß der körperliche Zustand des Kranken durch die Behandlung nicht gelitten hätte. Eine strafbare Handlung ist auf Grund der Aussogen der Sachverständigen nicht zu erkennen. Er beantragte deshalb Freispruch. Nach kurzer Beratung verkündet dos Gericht folgendes Urteil: Die Angeklagten werden auf Kosten der Staatskasse von der Anklage der gefährlichen Körperverletzung s r e i- ge s p r o ch e n. Das Verfahren wegen Widerstands gegen die Staats- gewalt wird eingestellt. Dem Angeklagten ist viel zur Last gelegt worden, aber das Ggricht mußte sich an die Aussagen des Medizinalrats Heuer halten, nach denen kein Nachweis für ein direktes Verschulden des Angeklagten vorhanden war. Die Beweismomente für die Unschuld des Angeklagten waren jedoch nicht so eindeutig, daß ein Freisprach aus erwiesener Unschchd er- folgen konnte. Das Gericht hat die Angeklagten deshalb aus Mangel an Beweisen freigesprochen. SOv Mark für eine Verleumdung. Oer Aazi-Kube geht frei aus. wegen össentlicher Beleidigung des Polizeipräsidenten G r z e f i n s k i hatte sich vor dem Schössengerlchl Berlin- Wille der praktische Arzt Dr. Alfred Braun aus Bremerhaven zu verantworten. Präsident Grzesinski, der damals preußischer Minister des Innern war, hatte im Jahre l928 die Z e p p e l i n- A m e r i k a- fahrt mitgemacht und war mit dem Schiff in Bremerhaven ein- getroffen. Unverzüglich begab er sich vom Schiff zur Bahn und fuhr nach Berlin zurück. Das ist der außerordentlich einfache und keineswegs beunruhigende Sachverhalt, der jetzt von Gerichtsstelle einwandfrei festgestellt wurde. Sehen wir nun zu, was zwei Männer, nämlich der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Kilbe und der jetzt angeklagte Arzt Dr. Alfred Braun, die sich selber doch wohl für ganz besonders ehrenhafte und ehrliche Deutsche halten werden, ans dieser absoluten.Harmlosigkeit gemacht hbhfN..,.,..-..... -E iireS T ages � stellt sich-Hex-r Kube- in einer Versammlung in S tück Iii-# hin und behauptet schlechtweg, daß der- Minister Grze- sinski bei. der Ankunft in Bremerhaven vom Landrat Koch, dem Bürgermeister v. Lehe und anderen Herren empfangen und daß ihm zu Ehren ein Fest des Senats veranstallet worden sei. Dabei habe sich der Minister betrunken und so stark übergeben, daß man einen Wandschirm um ihn stellen mußte. Minister Grzesinski stellte gegen Kube Strafantrag, da er überhaupt an keinem Fest teilgenommen, sondern direkt vom Schiff mit dem Zug nach Berlin gefahren war. Im Landtag verlas der Abgeordnete Kube nun«inen Brief des jetzigen Angeklagten Dr. Braun, in dem es plötzlich hieß, daß die peinliche Szene mit dem Minister„irrtüm- l'.cherweise" nach Wesirmünde verlegt worden sei. Tatsächlich habe sich„die üble Betrunkenheit des Ministers" im Hotel E x z e l s i 0 r in Bremerhaven abgespielt. Der Angeklagte bestritt jedoch, der Gewährsmann für Kube gewesen zu sein, dessen Partei er nicht angehöre. Er habe Herrn Kube nur dahin informieren wollen, oaß der Vorfall sich nicht in Wesermünde abgespielt habe. Wi« er„jetzt sestgesteUt" habe, hätte man einen Rechtsanwalt aus Oltendorf damals mit dem Minister verwechselt. Tatsächlich sei dem Bürgermeister van Lehe, der magenkrank sei, im Hotel Exzelsior schlecht geworden. Zur Sache sind mehrere Zeugen komnüssarisch vernommen worden, die sänitlich bestätigt haben, daß der Minister iiberhoupt nicht im Hotel Exzelsior gewesen ist. Auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Otto Landsberg als Vertreter des ebenfalls anwesenden Neben- klägcrs Grzesinski wurde die Aussage eines Kellners Heere verlesen, denn der Abgeordnete Kube hatte sich darauf berusen, daß er .von diesem;. der: Mitglied der..Nationalsozialistischen Part»« seime Jnsiarmatn irnen lzabe. Der Zeuge Heere hat-' hbr? ausgesägt, daß er nie einer Person Mitkeilung gemächt häve.sM K u b« ihm unbekannt sei,' und'daß er keiner Pchrt-e'-i angehöre. Der Angeklagte fragte bescheiden und klein, ob der Nebenkläger nicht seinen Strasantrag zurücknehmen wolle, Minister Grzesinski lehnte das aber ab. Oberstaatsanwalt Sturm erklärte, daß der Angeklagte sich durch seinen Brief an Kube der% schweren Ehrverlehung schuldig gemacht habe. An dem behaupteten Vorwurf sei nicht e i 11 wahres Wort. Er beantragte an Stelle einer an sich ver- wirkten Strase von einem Monat Gefängnis 1000 Mark Geldstrafe. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Landgerichtsrat Dr. Rose- mann verurteilte den Angeklagten zu 300 Mark Geldstrafe an Stelle von zwei Wochen Gefängnis. 1 SfeÄ Des Hauswirts Ratjchltige waren gut, sehr gut sogar. Sie hatten nur einen Fehler, als sie in die Wirklichkeit über- tragen werden sollten, versagten sie im wesentlichen. Ja, zehn, zwanzig Jahre vorher mären sie ausgezeichnet gewesen. Lu!>wig wäre dann mit ihrer Hilfe bestimmt aus dem Schlamassel herausgekommen. Aber der Hauswirt hatte übersehen, daß sich eben in dieser Zeit auch die Methoden geändert hatten. Was vor zehn, zwanzig Jahren galt und damals richtig und durchaus zweckentsprechend war, war heute überholt und hatte alle Kraft verloren. Ludwig mußte das bitter erfahren. Seine Gläubiger lachten ihn geradezu aus, als er davon sprach, sie möchten mit einer Quotierung ihrer Forderungen einverstanden sein. Die dachten gar nicht daran. Entweder alles oder nichts. Lieber sollte der ganze Kasten zum Teufel gehen, als daß sie auch nur in den kleinsten Abstrich einwilligten. Nein, auf diese Weise würden sie sich nicht prellen lassen. Was bildete sich dieser Tischlermeister nur ein? Glaubte der, sie ließen sich die Hosen mit der Beißzange übern Kopf ziehen? Nein, sie wollten ihm schon zeigen, daß man in einem Rechtsstaat lebte und es nicht nötig hatte, auf faule, schwindelhaste Vergleiche einzugehen.. Es regnete nur so von Zahlungsbefehlen: dann, als Ludwig nicht gerichtlichen Widerspruch einlegte, von Ver- säumnisurteilen. Zwei Wochen später wiwde der Gerichts- Vollzieher täglicher Gast. Bald war kein Stück mehr in der Werkstätte, außer Ludwigs persönlichem Handwerkszeug, das ungepfändet gewesen wäre. Sogar in der Wohnung klebte der Mann des Gericht« an manche Möbel seinen blauen Adler an. Was kümmerten ihn Ludwigs Flüche? Was Marias Tränen? Im Dienste seines harten Amtes war der Mann unempfindlich und taub geworden. Er watete täglich hundert- fach durch Not und Elend: der einzelne Fall zählte schon gar nicht mehr. Es kam zur Zwangsversteigerung. Die Werkstätte war am Termin gedrängt voller Leute, lind dennoch bewegten sich die abgegebenen Gebote nur auf geringer Höhe. Geradezu für ein Noscnwasser erstand der Holzhändler den riesigen Posten fertiger Fenster, Türen und Läden. Die Maschinen und der Gasnwtor gingen noch viel billiger weg. Ludwig weinte fast, als alles weggeschafft wurde. Am liebsten wäre er davongerannt, um den Leuten, die sich über den billigen Einkauf freuten, nicht mehr in die grin- senden Gesichter sehen zu müssen. Er empfand, daß seine Gläubiger, die sonst ihm gegen- über vor Freundlichkeit übergeflossen waren, wenn sie ihm etwas verkaufen wollten, ein unehrliches Spiel getrieben hatten. Ihre Freundlichkeit und auch die ihrer Reisenden und Vertreter, war nur Maske gewesen, die im selben Augenblick siel, als sie von ihm nichts mehr herausquetschen konnten. Banditen verfluchte! Sie hatten gemeiner und unehrlicher an ihm gehandelt, als Räuber und Piraten! Jawohl, aus- geräubert hatten sie ihn. Vollkommen zugrunde gerichtet? Aber eines schwor er sich zu in diesen schmachvollen Stunden: er wollte, falls �r wieder hoch käme, nicht minder hart und rücksichtslos werden! Und auf seine Stunde wollte er warten, tiergeduldig, wie eine Spinne im Netz, und dann, wenn er einen von diesen Schurken in die Gewalt bekam, alles heimzahlen! Alles, alles! Nicht ein Blutstropfen sollte geschenkt werden. Er würde Vergeltung üben nach dem Bibelwort: Auge um Auge! Zahn um Zahn! Diese Rachegedanken wirkten auf ihn wie starker Wein. Sie gaben ihm die Kraft, ohne Schaden die Folter dieses Tages zu überstehen. Sie gaben ihm auch den stahlharten Willen, aufs Neue an den Aufbau seiner Existenz zu gehen. Auch Himmelsbach meldete sich in diesen Tagen. Nicht persönlich, sondern nur durch einen Einschreibebrief. Freilich war der Brief, ganz dem Himmelbachschen Format entsprechend, ziemlich gewichtig: denn er erhielt aus sechs Bogen großen gelbfarbigen Kanzleipapiers die beglaubigte Abschrift eines Gerichtsurteils, daß die Firma Schreibtische an gros in der Moritzstraße gegen den Tischlermeister Ludwig Eisermann in der Gürtelstraße erstritten hatte Feierlich war da im Namen des Königs von Preußen in drahtigstem Amtsstil verkündet, daß besagter Eisermann be- sagten; Himmelsbach innerhalb noch näher zu bestimmender Frist einhundcrfünfzig Nnßbaumschreibtischc zum Preise von 65,— M. pro Stück zu liefern habe, widrigenfalls an Stelle der Lieferung eine Summe von 45<1l) M. trete, die besagtem Himmclsbach van besagtem Eisermann zu zahlen fei als Schadenersatz und Vcrdienstentgang. Außerdem habe be- sagter Himmelsbach das Recht, besagtem Eisermann die bisher entstandenen Gerichtskosten in voller Höhe zu überbürden. Ludwig warf diesen Brief nicht in den Lokus, wie er in der ersten Aufwallung zu tun gesonnen war, sondern strich die zerkniillten Seiten ordentlich glatt, gewillt, sie später ein- mal zur Erinnerung unter Glas und Rahmen zu Retzen. Dann raffte er sich zu einer schriftlichen Antwort an die Moritzstraße auf. Sie war kurz und lapidar und enthielt nur den einzigen Satz: „Wo nichts ist, hat auch der Kaiser sein Recht verloren, nicht minder die Firma Himmelsbach!" Das schlug wie eine Bombe im Kontor in der Moritz- straße ein. Bahnwendend erschien Himmelsbach in Ludwigs Werk- stätte. Als vorsichtiger Mitteleuropäer jedoch nicht allein, sondern in Begleitung zweier seiner Möbelpacker. Diese gut- bemuskelte Garde hatte er sich mitgebracht, um gegen Gewalt- Tätigkeiten geschützt zu sein. Ihm steckte noch der letzte Hinaus- schmiß in den Knochen. Außerdem war der Ton des tischler- meisterlichen Antwortschreibens derart gewesen, daß sich Himmelsbach selbst sagen konnte, daß es ein zweckloser Besuch werden würde. Doch, was ihm da geboten wurde, überstieg seine schlimm- sten Befürchtungen. Ludwigs Werkstätte, die er das letztemal voller Betrieb und voller Arbeit gefunden hatte, gähnte ihm wie eine leere Höhle entgegen. Eine einzige Hobelbank stand noch da, einige wenige Werkzeuge hingen am Nagel. Sonst alles ausgeräumt. „Was soll das heißen, Eisermann?" fragte Himmelsbach und zog seine Augenbrauen zu zwei erstaunten hohen Bogen. „Aus ist die Schose, verehrter Herr! Aus! Pleite!" Himmelsbach wurde es vor Schreck ganz bitter im Munde, als er so mit Gedankenschnelle seine hundertfünfzig Nußbauni- schreibtische alias viertausendfünfhundert Mark Schadenersatz zuzüglich der recht beträchtlichen Gerichts- und Anwaltskosten durch die offene Werkstattüre davonschwimmen sah. Denn daß hier nichts mehr zu holen war, kein einziger roter Pfennig. sagte ihm sein fachmännischer Instinkt. Er brauchte gar nicht erst das Gesicht des Meisters zu studieren. Dieser Betrieb mar tot. Eine regelrechte Leiche. Es roch za förmlich nach Berwesimg. Himmelsbach hatte noch nie eine Vorliebe für Friedhöfe gehabt, überhaupt für nichts, was tot war.(Forts, folgt.) Bluischandeprozeß in Moabit. Er hatte das Mädchen so lieb. psychologisch nichk ohne Interesse war ein Blulschande- prozeß, der vor dem Schossengerichl Berlin- Tempelhof ver- hondell wurde. Ein 4l)jährig«r Glasinalcr Z. war angeklagt, sich seit zwei Jahren an seiner damals 14jährigen Tochter Gertrud vergangen zu haben. Zu Beginn der Verhandlung beantragte er eine Blut- proben Untersuchung, um festzustellen, daß seine Tochter nicht seine richtige Tochter sei. Er war nämlich der An- ficht, das; sein« Frau, die er erst nach der Geburt dieses Kindes ge- heiratet lzatte, ihn damals betrogen habe. Das Gericht lehnte diesen Antrag ab, weil ja ein nicht blutsverwandter Bater oder Erziehungsberechtigter vom Gesetz mit derselben Strafe bedroht wird. Der Maler gab nun an, daß«r seine junge Tochter sehr geliebt hätte und sich stets mit ihr gegen seine Frau verbunden hätte. Als er merkte, daß sie mit jungen Männern zusammenkam, wollte er sie möglichst fest ans Haus ketten, damit sie nicht leichtsinnig würde. Mit der Zeit wurde er immer zärtlicher zu ihr und kam schlkeßlich so zu dem Verbrechen, das«r gar nicht als solches empfayd, denn seine Tochter sei so völlig verschieden von ihm, daß er niemals das richtige Gefühl dafür gehabt habe, daß sie sein Kind sei, sondern daß er sie immer mehr als Freundin und Ber- traute betrachtet habe. Als die Beziehungen unangenehme Folgen hatten, ließ er an seiner Tochter einen verbotenen Ein- griff vornehmen. Einige Monate später gestand das Mädchen aus Furcht vor einer neuen Schwangerschaft e!i»r Freundin die Tat ihres Vaters. Auf Betreibe» einer Lehrerin wurde er angezeigt. Der Angeklagte war vollständig geständig und seine Schilde- miWM dclilea sich vollständig mit den Aussagen seiner Frau und Tochter. Der Staatsanwalt beantragte wegen Blutschande zwei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. Das Schöffengericht verurteilte den Maler Z. zu einem Jahr Gefängnis und legte in diesem Urteil die Tatsache zugrunde, daß der Angeklagte bei Begehung seiner Tat geglaubt habe, daß das Mädchen nicht sein eigenes Kind war. Demgemäß wurde das Urteil nicht wegen Blutschande, sondern nach 8 174(Unzucht unter Ber- lehmig eines Abhängigkeitsverhältnisses) gesprochen. Was wird aus dem Mietrecht? ES geht um den Schutz der Wohnung. Die Freie Vereinigung der Mieterbeisiher bei den Aiiel- ciuigungsanvlcrn und Amtsgerichten Groß-Lerlins hakte am 21?on(aq die Vertreter der Mietervereine zu. einer Aussprache über die Zukunft des Mielrechles nach dem Bürgersaal des Rathauses eingeladen. Rechtsanwalt Groß hielt ein einleitendes Referat. Die Z e r- s p l i t t e r u n g der ganzen Mieterschutzgesetzgebung habe eine starke Rechtsunsicherhei,t nach siel) gezogen. Das neue soziale Mietrecht, das alle Mieterorganisationen propagieren müht«», soll alle Mietergruppen umfassen. In ihm müssen alle Fragen be- handelt werten, die das Verhältnis von Mieter zu Vermieter berühren. Insbesondere muß die M i e t z i n s b i l d u n g eine klar- und eindeutige Gesetzesgrundlage erhalten. Wichtig ist auch eine gesetzliche Besehränkung des Kündiguugsrechtes des Vermieters und eine Klärung des Berhältnisies der Mieter untereinander. In der gesamten. Gesetzgebung sind bisher alle Fragen der Unkcroernnetung recht stiefmütterlich behandelt worden. Selbstverständlich muß in dem soziale» Mietrecht das Mietgericht mit Laienbeisitzern aufrecht- erhalten werden. In der Diskussion wurde betoirt, daß im sozialen Mietrecht der Schulz der Wohnung im Mittelpunkt der Gesetzgebung stehen müsse. Äußerten, wurde gefordert, in einem zukünftigen Mieter- schutzgezetz die Fragen her Instandsetzung von Wohnungen ein- gehender zu behaiideln. Die Rechtsvertreter der Mieter wiese» m der Diskussion darauf hin, daß ein soziales Mietrecht nur erreicht werden könne, wem, alle Mieterorganisationen einheitliche Forderungen auistellen. Zur Zeit gibt es nicht weniger als sechs verschicdcye Gesetze, üwürie für ein soziales Mielrecht. Die Haus- besitzer haben ein einheitliches Programm ausgestellt. Ihnen müssen die einheitlichen Forderungen der gesamte» Micterschaft ent- geIengcstellt werden. Tydesstuxz eines Dachdeckers. Bei Arbeiten auf dem Dach des Hauses M a g a z i n st r. 17 verlor der Mährige Dachdecker Ernst Gläser aus der Lichten- �a der Straße!) 7 plötzlich den Ihalt und stürzte kopfüber in die Tiefe. Der Unglückliche war sofort tot. Ein wqjterer Arbeitsunfall ereignete sich aus einem Neuhau in der I o n a s st r a ß e in N e u k ö l l n. Dort stürzte der LSjähnge Schlosser Paul W e i n f u r t h in einen Kellerschacht hinab. Zu allem Nnglück jauste ans den verunglückten Handwerker noch eine eiserne T ü r nieder, so daß er lebensgefährliche Verletzungen erlitt. W. fand im Reuköllner Kraiikenhans Aufnahme. Nebcrfasl im �igarrengeschäsk. Auf die Zigarrenhändleriu Ida K., die ihr Geschüft in der ?t e n e» K ö n i g st r a ß e Hai, wurde gestern abend ein frecher lieber fall verübt. Kurz vor Ladenschluß erschien ein junger Bursche, der einige Zigarren verlangte. Als die Geschästsinhaberin aus eine Mark herausgeben wollte, stieß der Mann die achuungs- lose Frau beisetze, ergrjsf mehrere Geldscheine und slllchtele. Ans die Hilferufe der lieberfalleneu„ahmen Passanten die Verfolgung des Täters auf und es gelang, ihn sestzuhalten und der Polizei zu übergeben. Der Festgenommene ist ein 20jähriger Schmiede- geielie Gügter B., der sieh arbeits- und wohnungsloz In Berlin oufhielt. �VcitznachtSausftcllttttg der Porzellau-Manufaktur. I» den Ausstellungsräumen am Bahnhof Tiergarten(Wegely- s.rahc l> eröffnete der Direktor der staatlichen Porzelian-Mänusaktur, Pros. Dr. von P e ch m n n n, am Sonnabend d« diesjährige Weih- , ochtsausstellnng. Eine prächtige Fülle lzvchkisnstlerischer Arbeit wurde hier im Lause des Lahres geleistet und dep Liehhgber schönen, Wertteilen Porzellans wird seine helle Freude daran haben. Mau sieht neben kostbarstem historischem PorzeUanmaterial aus dem 18. Jahr-. hundert, aus der Periode der Schinkel, Schadorv pnd Rauch auch schönes-cchassxi. Form. Aus der Arbeitsgemeinschaft der Pnrzellonmonufattur mit der staatlichen Kunstgepierbesch�ke in Halse erstand ein neuer Stil, der sich in einer Fülle moderner, dem Bau- und Wohnstil heutiger Zeit angepaßter Gegenstände offenbart. Praktische Wirlschastsservice, ruhig und klar in der Formgebung, Schalen, Basen, Dosen, dann die modernen Porzelsaiilampen, die in ökonomischer Gestaltung aus Röhreizmateriol hergestellt sind, ein entzückendes Klcinkinder-Parzellan und noch viele andere ebenso Schluß mit dem Nazi-Rummel. Der längeren Zuschrift eines alte» langjährigen Parte!« genossen entnehmen wir folgendes: Wenn man mitunter liest, was der„B o r w ä r t s" in einer einzigen Nummer an S ch a n d Blut- und Gewalttaten der N a t i o na l s o z i a-l i st e i, aufzuführen weiß und sich der Zeiten vor de», Krieg erinnert, dann muß man sagen: Hätte sich damals die Sozialdemokratie auch nur den Bruchteil dessen zuschulden kommen lassen, was die Nazis an einem einzigen Tag tu», dann wäre die Partei in kürzester Frist verboten und unterdrückt worden. Die Nationalsozialisten aber treiben ihr volksverräterisches Spiel nun schon seit Jahren und dürfen es wahrscheinlich weiter treiben, weil das Bürgertum„och immer der Sozialdemokratie allein die Abwehr überläßt, statt mit seinen besten und zuverlässigsten Menschen gemeinsam mit der Sozialdemokratie und den Gewerkschaiten sich in scharfer Abwehr zusammenzufinden. Wer, wie ich, die Demon- stration oder was die Nazis dafür halte», am Montagabend auf dem Nolleudorsplatz und dem Wittenberzplatz mit angesehen hat, der muß zu der Ueberzeugung kommen, daß mit diesem tlnfug jetzt endlich und gründlich Schluß genwcht werden muß. Wir haben„ach meiner Ueberzeugung nicht die durch die Berfassuug garantierte weitgehende Versa», mlungs- und Redefreiheit, ,»„ sie durch einen Menschen wie Goebbels, der bester in eine Anstalt als in das deutsche Parlament gehört, mißbrauchen und noizüehligen zu lasten. Wir haben dieses hol)« Gut aller freiheitlicher Völker nicht, um es durch eine Masse unreifer Menschen zur Karikatur werde» zu lasten. England z. B. hat seine we!tgel)ende öffentliö)« Redefreiheit unter der Voraussetzung, daß der Staat, seine Organe und seine Einrichtungen nicht verächtlich gemacht werden. Was sich a», Montag in den Straßen des Westens tumpielte, das waren junge kauf- männisch« und Bankangestellte, junge Beamte, viele Studenten, für die unser Staat aus»nserei, Steuern Tausende zuzahlen muß, Schüler höherer Lehranstalten und nur wenig Proletarier. Alle diese Menschen trugen«in so unwürdiges, verächtliches Benehmen zur Schau, daß man sich nicht länger der Einsicht verschließen konnte, daß sie sich gar nicht ernsthast belehren lassen wollen und daß i m guten mit ihnen nicht mehr auszukommen ist. Diese Leute wollen und müssen sehr energisch und auch mal rauh ange- packt werden, eine andere Sprache verstehen sie nicht und wollen sie auch gar nieist hören. Die Autorität des Staates aber kann nicht nur von der Polizei, sondern muß in erster Linie von den Richtern, den slniversitätsrektoren und Pro- f e f s o r e n und den Direktoren der Schulen gewahr! und gefördert werden. Schwarzweißrote Filmbilderstürmer. In der Stadtverordnetenversammlung werden die D e u t s ch n a t i o n a l e i, am Donnerstag einen Antrag gegen den Film„Im Westen nichts Neues' einbringen, den sie als ein„Zerrbild des deutschen Empfindens' bezeichnen. Sie protestieren besonders dagegen, daß dieser,„die Ehre des deutschen Volkes besudelnde" Film besonderen polizeilichen Schutz genießt. Der„Vorwärts" hat also recht gehabt, als er Herrn Hugenberg als den Inspirator der nationalsozialistischen Kratoalle bezeichnete, der eine Konkurrenz gegen seine nationalistischen Kriegssilme be- seitigen will. Von Herrn Goebbels, der am Sonntag die Nazi- krawalle am Nollendorfplatz selbst leiten wollte, wird bekannt, daß e> um die Zeit der Unruhen im 1. Rang der Städtischen Oper einer Anssührung der Oper Rigoletto des Italieners Lerdi mit de», polnischen Tenor Kiepura, der italienisch fang und der in F r a n k r e i ch erzogenen Griechin Perras beigewrihm und den ausländischen Künstlern lebhaften Beifall gezollt hat. Große Kundgebung am Donnerstag, 11. Dezembar, abends 8 Uhr, in den Kammersälen, Teltower Straße 1-4 (U-Bahnhof Belle-Alliance-StraBe) Für Gewissensfreiheit!— Für den Schutz dissidentischer Lehrer! Kurzrednerkette: Löwenslein, Künstler, Schmidt, Schröter, Linke, Schallock, Oestreich. schöne wie nützliche Dinge„ach Entwürfen der Prof. Böhm, Gie-, Scewald, Scheurich usw., Waiiderausstellungen im Rheinland, in Süddeutschlaiid, Schlesien und anderen Orten des Reiches tragen dazu bei, von der wertvollen Arbeit der staatlichen Porzellann, a„u- fattur Zeugnis abzulegen._ Warien und schweigen! Ab«r kein Wort gegen den Bürokratismus! Willi P. ist ein leider vorbestrafter und leider auch sehr leicht crregparer Mensch. Wieder einmal— es war Anfang dieses Jahres— hat er eine Strafe abzusitzen, bekommt aber Urlaub, weil seine grau s ch w er c r t ra n t t ist. Um die Unterstützung, die ihm zu- steht, abzuholen, geht er eines Tages im Mörz zu», W o h l f a h r t s- a m t in E h a r l o t t e» b u r g. Als er einen Monat vorher auch mal da war und lanafe warte» mußte, hat er Krach mit dem Be- amteii bekommei,. Er hat sich.das gemerkt, geht also diesmal so früh wie möglich hin und wartet voll quälender Unruhe, denn zu Hause liegt seine Frau krank. Als nun die Mittagsstund« herankommt und er immer noch nicht a» der Reihe ist, begehrt er auf und mit kräftigen Worten schimpft er auf den B ll r o t r a t i s m u us. Schon springen Beamte auf und befördern ihn vor die Tür. Er setzt sich heftig zur Wehr, bekommt ober von einem Beamten mit einem festen Gegenstand mehrere Schlage auf den Kopf, so daß er o h n- mächtig zusammenbricht und zur Unfallstation gebracht werden muß. Darauf stellte B. Strastintrag gegen die Beamte». lsts wurde aber sofort gegen ihn Anklage wegen Beleidigung und Bedrohung erhoben. In der Verhandlung vor dem Amtsgericht wurden die Vorgänge aufgerollt und B. wurde schließlich freigesprochen. Daraus geht wohl hervor, daß ein Schlag auf den Kopf bestimmt nicht das richtige Mittel ist, um einen aufgeregten Menschen zu beruhigen. 40 Millionen-Kreöit für Berlin. Wie der WTB.-Handelsdienst erfährt, schweben gegenwärtig Berhandlungen über die Gewährung eines Auslander k r e d i t s im Betrage von 4(>MjllionenReichsmark an die Stadt Berlin. Dieser Kredit, der mittelfristig und ab 1932 rückzahl- bar sein soll, ist bekanntlich im Nachtragshaushalt vorgesehen. Es entzieht sich der ösfentlichen Kenntnis, wer in, Berliner Sender di- Anordnung der Solistenkonzerte trifft. Jedenfalls wirb in dieser Abteilung nicht vorbildlich gearbeitet. Ez wäre gut, wenn Künstler, die vielleicht kein Engagement sin-den»nd trotzdem mit gualifizierten Leistungen dienen können, im Rundfunk zu Wort kämen, doch es fehlt meistens bei den Darbietungen die onerkennens- werte Leistung. Der Tenor Saloatore«alvati scheint darum fehl cm Platze zu sein. Er singt Arien und Lieder. Seine Stimme, die zu offen behandelt wird, ist in klanglicher Beziehung schön, aber ihr fehlt bisher gesangliche Kultur, sie reicht nicht einmal für die Arie des Wilhelm Meister im dritten Mtgnon-Akt aus. Warum also dieses Konzert, wenn genug wirklich gut« Sänger in Berlin vor- Händen find?— Ebenso problematisch werden allmählich die O p e r n s e n d n n g e„, die außerdem viel zu s?lten im Programm erscheinen. Nichts soll gegen Bertis prachtuöllen„Simone Boea- negro" gesagt sein, der an stelle der'Dresdener„Salome" aus d�r >=- t ö d t U ch e:, Oper übertragen wird. Die Anssührung unter Sliedrn mit Reinmar und Oehma»!, ist porzüglich Dazu zeigt der Gast, �er Bassist Wieter, �starke Begabung. Könnten aber nicht öfter Opern aus anderen Städten auf den Berliner Bender üb-r- tragen werden? Erstens ist die Tätigkeit der Berliner Opern- kühnen nicht allzu beschwingt, und ferner wäre es interessant zu -rfohren, wie hie Theater in der Provinz arbeiten, und über welche gesanglichen Kräfte sie verfügen. Proben, die bisher vorliegen, weisen ins Positive. Köln. München, Dresden oder H a»>- bürg sind noch immer wichtiao Faktoren. Darum bedauert man, daß die Uebcrtragung der„Saloine" aus Dresden ausfällt. r. Sei,. Reue Erdrutschgesahr in Lyon. Aufräumungsarbeiten unterbrochen. Lyon. 9. Dezember. Die Erdbewegungen an dem durch die schwer« stataslrophe bekannten Fvurviere-Hügel dauern an. heute haben sich neue schwer« Einbrüche ereignet, so daß die A u s r ö u n, u n g s- arbeiten schleunigst unterbrochen werden muhten. Menschen- leben sind nicht zu beklagen._ Verkehrspolizisten mit weißen Aermeln. Die angekündigle Ausrüstung der Berliner Berkehrspolizisten mit weißen Uebcrziehärmeln soll vom heutigen Mittwoch a b an drei Berliner Straßenkreuzungen praktisch auf ihre Ber- wendbarkeit erprobt werden, und zwar am Kleine» Stern, an der K aiser alle« Ecke Güntzelstraße und Kaiser- alle« Ecke Troutenaustraße in den Zeiten von 11— 14 Uhr und abends naef) 171» Uhr.__ Große Fischzusuhren. Von den Küstenplätzen werden reichliche Zufuhren i» Fischen gemeldet, die in dieser Woche zu», Verkauf kommen. Es sind darum sämtliche Preise heruntergegangen. Bc- sonders wohlfeil sind Schellfisch, Kabliau, Rolbars, Fischfilet, Schollen. Sprechchor für Proletarische Feierstunden. Domwrstog, den 11. November, abends 7 K- Uhr. im Gcsangsaal der Sophienschule, Wcimneisterstr. 16/17: Ucbungsstunde. Ein alter Freund unseres Blattes, Herr Friedrich Schwarz, Berlin-Schönebcrg, Eilenacher Straße S4, feiert am 11. Dezember mit seiner Ehefrau Marin das Fest der Goldenen Hochzeit. Dem Jubelpaar gelte» unsere besten Wünsche. Allgemeine Wetterlage. 3.Di*.4330,ab6s. 4?eo 0w»ll<»nlos.O Heiter, 3 Mb bedeckt öwolkig,dbedeckl.l?egen,AGr»up«!n Schnee.5Nebel,1Gev/ittec@Winjstille Im größten Teil Mitteleuropas herrschte am Dienstag trübes Wetter. Stellenweise, wie besonders im mittleren Norddeutsch- iland, wnr es stark neblig. Unsere Wetterlage wird beeinflußt durch ein kräftiges Hoch, dessen Kern über Ostrußland liegt. Daher weht-n im größten Teil Deutschlands südöstliche Windr Eine«törung.-- linie verläuft jiber die östliche Nordsee und Belgien„ach Frankreich. Zluf ihrer Rückseite stießen maritim« polare Luftniassen nach Ost.,,. Sie dürsten sich in den nächsten Togen auch i» unserem Gebief de- merkbar machen und zeitweise etwas Aufheiterung bringen. Die arttischen Kaltlustmassen, die auf der«udseite des Eismeer-Hochs nach«üben fließen, werden uns voraussichtlich zunächst noch nicht erreichen. * Wcilerausfichlen für Berlin: Zunächst regnerisch, später etwas Wetterbesserung, Tsmperaturcn ein wenig sinkend, nur unerhebliche Niederschläge.— Für Deutschland: Nach von West nach Ost fort- schreitenden Regensälleti später wieder etwas Bewölkungsabnahme, Temperaturen im Osten wenig verändert, im übrigen Reiche im ganzen etwas niedriger. parieinachrlchieu WnftntBagea fit fcitff»tbrtt find •< 1 1 i««®«, Slnfctn'itofet 3, surGroß-Verlin ftet»«■ da» 9tjirf»f«!r»t»»a«Ksen tttn»finiftcnsjnioB* disschratilch» Btkr« toUili««« stch«St SanfKoadte am Daaatrata«, dem Jl. Dczkmbcr. I*1.. llhr, I in den SamMrcfäJtn, Ttlto»«» Str. I f. Trrirt ri«(fit St«i(srn»fr«il»tjt. Der Vorstund. «- t. firei» ftttitAbtr«. Ordnerdirnst«m Tonnersta«. dem lt. D«»cmb«r, IS Uhr, «anuil-rsiilc. Trltoroer Str. l-�i. Saafschufi fiir zrcidcuieriundgcbuna.— Die ,>lin lsreitag.>2. 2>t»emi>ct,«ngeschte lfunttidnärlonfctciiÄ wird als sUfisniüalioJitDfifanimluitg abgehalten. 7. firri««hsrlottfndutg. Donnerstag. 11. Smembtt, 20 Uhr. etwcUrrte Vor, fta» dsstkun» im Kmmrr I de» Raths»les. 'Ji 1 1 I't� fihi-UM'::H i'fV*.< !' 15.«tri» Treptow, Freitag, 12.»rjmttr, 20 Uhr, im fioiol f! I.bylfhtinlrf,»itdetlchSnrweid«.«crlincr Strah«,«rtisMitglirderptr.. ss-j l'• fammlun«. Thema!.Sozialdemakratlr nnd ZloloerordnUnaen', Dieserrnl I! l wii» noch hrlonntstgrbon. Die Abteilung«» laden dazu ein.«it. W! ! glicaabach ist zur«ontrofi» mitzubringen. ! �.... W II.«rei, Reulolln. voran, eine! Am Mittwoch, de» 17. Dezrmb-r. W '• 1 I» Uhr, I» Klloau, Zrftsiilrn, Hasrnhctd«, Krtiomitglirhtrorrsammliing. t � heute, Mittwoch. 10. Dezember: ti. Abt. löcutr. 1S>!. Uhr, zahlabrndc in den brlannten Lokalrn. 13. Abt. Hruir, I»'-! Uhr, Zahlabrndr in den bekannltn lÄifal-n, 21. Abt. Krntr. 1»>� Uhr, 1. Gruppe Sohlnbrnh bei Norsnrr, Ammanucitirch. strafi� 2.,...Acincrordnung." Der Nrfcrrnt wirb im?>ahlade»b belannl» grgrbtn. 31. Abt. Kcutr. 1»>� Uhr, AbtcilnnDpnrrsammIung 1» her Schttlonl» Schon- il'thor Str. 7. Abt. Kriitr.>»> Uhr,?ahlobc:ch IN den befannir» Lokalrn. <5. Abt. Heut». IS Uhr. Zahlabende in den bekannten Lokalen. Gruppe Hohl- stein bei commcr, Wicncr Sit. 2«. 37. Abt. Tharloitenburg. Zahlabrnde NM zo Uhr: 1. Gruppe i>el Arndt. «antitr.«>. Slrlerrnt! Genosse F. Slaphiali..Lohnabda» und Preis- fMilung." 2. Gruppe bei Thunatk. Vieiandstr. f. Relerni: Genosse Dr. Monor Vrodnill...Poliiilchr Aussprache." 3. Gruppe bri Hoch, Schlüter- straß« 1«. Referent: Genosse Potllther..Lampk dem Fasi»mu»." Die geplante Alrteilungsversammlunq findet nil statt. 73. Abt. Schnorgrndors. Scute, 20 Uhr. Mitgliederversammlung im Deutsche» Lau», Breite Strafte 34, 77. Abi. Sch» Mtberg. Zahlahende: 1. Bezirk bei Mllde, Rollendorfstr. 1«. Bar- trag. 2. Bezirk bei Ifirgens, Barbarossastr. 5». Vortrag. 3. Bezirk bei jtoschenz, Apostel-Bauluo-Sir. 27. Slortraq:»Die lehten politischen Eni- icheidungrn". Referent: Genosse Dr. Drnnilkr. 4. Bezirk bei Will. Marti»- Lulher-Str. 50. Bortrag:»Dl« politisch« Situation". Referent: Genosse Dr. Greil. «I. Abt. Heute.« Uhr. Zahlabende: 1. bis 3. Gruppe bei«labe. Hand- irrpftr.«0-01. Rrferent: Genosse Paul Bergmann, M. d. R., Hamburg. l. dia«. Bezirl bei Bagln-kl, Studenrauch- Stt« Tarnowstrafte, Res«. rentln: Genosssn Lisa Schneider. � � 0«. Abt.»ariendorl. Heule, 20 Uhr. Zahlabende: 1., 2. und 7. Bezirk oei Reumeoer.«alserftr. 8. 0. Bezirk bei Görlitz, Chausscrstr. IS, 8, bis u>. Bezirk bei Dhsna». Friedenstr. t>. Rentöl».»«. Ab«.<4S. und öl. Bezirk). Der Zahlabcnd findet nicht heute. sondern am 17. Denember Natt.— 07. Abt. Adteilunasversammluna heute, 1!>r. Uhr. bei Meisel. Ionasitrafte. Referent! Genosse Besser, M. d. R. Thema:..Aktuelle Tagesfroaen". 128. bi» 130, Abt. Panlow. Di- Ablleserung der bis ietzt auf die Rotopfer- Sammellisten gezeichneten Beträge mutz sofort erfolge». Abrechnung der Abteilungsleiter beim Sassserer am Freitag, dem>2. Dezember. 133. Abt. Bnchholz. Heute. 20 Uhr. Zahiabend bei Rossack. Saupistr. 71. Vbr- trag Paul«oigl. M. d. R.. � 134.«dt. Buch. Heut«, 20 Uhr. Z-hlahend bei Göpter. am Bahnhof. Neuwahl des Borstande, usw. Der Lorstand und die guntlionärt treffen sich schon um 18 Uhr. Morgen. Donnerstag. 11. Dezember: 3. Abt. 20 Uhr im Saal ä des Sewerkschaflshaufe- Auszahlung des Partei. uotopter» an die iirwcrbslosen. 03. Abt. Renlölln.„Arbeiistrej» junger Geuossen," 20 Uhr im. Lglai Schauer. Ireptbwer Sir. ab. Lorlrag:„Der politische Kamps". Reserent: Genosse Emil Barth. Aussprache. Berschtcdenes. Jrauenveranstalluugen. Die den Franenleilerinnen fiir Agitation zugegangenen Plalnt« sind in »»'«igentsstschtn Lokalen unk«eschästen an sscht barer«tele ,n« Auohang zn bringen. Da» Frauensckretarist. Röntgental-Zrperaick. Sonnabend, 13. Dezember. 2«! Uhr. bei Meisel. Rvniaentai. Bahnhofslr. 7ö.»Heiterer Franenal'end". anlchlieftend gemlUli�es. Brisammensei». Loriragendcr: Genosse Franz Sofemann. Gäste willkommen. vezirksausschuh für Arbeiterwohlfahrt. I I Ffirsorge«, Fürsorgerinnen! Der am 11. Dezember angekündigte ' WWWMMWMWM''' Osn l-l Portrag:„Pincholechnischc Methoden im Lctrich", Referenten: Genossin> j Gertrud Hanna und Genosse Fritz Frick», mutz ans de» nächsten Monat l-4 su neriegt werde». Wie werde» au dieser Stellt bekanntgeben, wann der Ii M Bortrag statlsindet. >4.»rtio RtnläUn. Freitag. 12. Dezember. 10>i Uhr. im Sitzungszimmer de» Rathauses Neukölln, dritter gnrfusabend. Die Genossin Minna Todenhgge» spricht über:»Iugendflirsorge und Fllrsorgccrziohungsanstalte»". 10. firti, Panlo». Freitag. 12. Dezeniber. 10U Uhr, bei Reiter,»Türkisches Zell", Pankow. Breite Siroftc, Kursus Uber:„StreiszUge durch die Sozial- Versicherung". Referent: Genosse Rudolf Karst«». Um pünktliches Erscheinen wird gebeten. Inieresssrrte Genossen und Genossinnen sind willkommen. Ei Sminar ffir Wohlfahrt»plleqe. Der Kursus über:»Psncholgie der fti l i SexenwoNt" findet statt an> Freitag, dem 12. Dezember, 20 Uhr, im! i IA Eophien-Lyzeum. Weinmcisterslr. 18—17. Referent: Genosse Dr. Sieg, st sA fried Bcrnscld. Weitere Abende finden dann erst wieder»ach dem l I W�t�amza�wtU B»kq�nt»�chu»g�«�lst����«ser�Stellc�� Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groß-Berlin. Gemeinschtstoseiern in der Bolksbllhne finden am Sonntag, deih 21. De- zember, um II Uhr und um 13 Uhr statt.„Das neue Kindertheo ter" spielt die..Zaudcrslöte". Die Ausführungen werden umrahmt von muflkalischen Dar. bletungcn der«ottsinusikschule Reukölln und eines Singircise«. Die Ausgabe der Karten findet am Freitag, dem 12. Dezember, während der Kreislclter. ntzung statt. Bcfsiidere Wünsche wegen der Beteiligung an der Pormittags- oder Nochmittagsoeranftaltung find»mgshend der Geschäftsstelle mitzuteile». Vrtsgeupp»»»«nick. Freitag. 12. Dezember. Elternabend. Jugendheim Dahlwitzer Strafte(Gtsinftall). Referat Erich Guzn:„Elternlians und Kinderireundc". Frei, Ansfprgche. Verschiedene». Alle Eltern werden wegen der wichtigen Aussprache gebe!»», zu erscheinen. Gäste sehr erwünscht, Kreis Nenlöln. Achtung, Iungfalken und Note Falken! Zur Sonnrnwcnd- frier in der Lollsbühne am A. Dezember brauche» wir einen qroften Singe- kreis. Zu dem Zweck müssen alle heutt NM 17 Uhr in der Mädchenmillcl, schule. Donausir. L2t>. ihre Liederbücher mitbringen. Bildungsobleul». Heute. 181« Uhr, Sitzung in der Schule Donaustr. 128. Jede Gruppe m»ft verlreten fein. lIahreswendfahrt.) Sprechchor. Morgen. Donncrstog. lammt der Sprech. chgr in der Barocke Gangftosers'rafte um 17 Uhr zusammen. Raum 23. Kreuzberg. Gruppe»Vorwärt«". Morgen. Donnerstag. Elternnerlammlung im tlonstronzzimmcr der Schule Wranqelstr. 128. Auslpracheabend:»Unsere Klnder". Alle Restsalkcn des Kreises Ircfsen ssch mit ihren Helfern hrnte p»i 17 Uhr in dem Jugendheim Britzer Strafte zur Uebung für die Volksbühne. Alle Roten Fatken und Iungfalkent reffen sich mir Ihren Helfern htute um 17 Ud- in der Mädch-mnltlelschule. Neukölln. Donaustr. 12«. ebenfalls zur Uebung für die Volksbühne. Das Erschein»! aller Gruppen aufter der Gruppe Südwest, welche sich zur Pllche ihrer Weihnachtsauffühuna im Jugendheim Rorckste. 1l triffi. ist Pflichi! Das-iisflrlegte Fahrgeld wird vergütet. Di« Gruppenleiter»»erden gebeten. I!»igel>en» Ihre Buchbestellung an die greis. losilererin Fried'I S-bmidt. Dppeluer Str.>- S. einzusenden. Nestfalken. lursus Berlin. Li dgrstollunq Danntrstag. Il- Dezember, 17>�»is 20 Uhr. im Jugendheim Belle Allianee-PIatz l. Geburtstage. Jubiläen ufw. 1».»i» 13».«St. Ponka». llnfenn«tnpssrn»nh langjährige, Fnnltionär Gdmuk Sticht« ,»bst Fr««. Boraz'lsnoftr. 35, tat S'idtrhpchzeit tu» her,- Ochsten Glfickwnnicht. � Sterbetafel der Groß, Äerliner Partei- Organisation 5. Abt. Unsere alle Genossin Grakenstei» ist plötzlich verstorben. Die Be- erhiguna findet heute, lä'g Uhr. auf dem St.-Ealgatha.Friedhpf. Larfus. lirnfte statt. Um rege Beteiiigpng wirb qebeten. 30 Abt. Am 8- Dezember, früh, perstard unser Genosse Hermann Eisen- ftödi. ahristinenfrr. 15. Di, Einäscherun« findet am Donnerstag, dem 11. De- zcmbtr. im Krematorium Wilmersdorf. 18 Uhr. statt. Rege Beieilignng «cbrden. 2, Kreit Tiergarten, 8. Abteilung; Mittwoch, 10. Dezember, 20 Uhr, im Nattonalhot, Bülowstr&be 37. Genosse Staatsanwalt Dr. Hoegner hsu die Anklagerede Lesen öle yerrJHer Slidllrois. Ve ten öle Fememörder. Gegen öle Hapilaisknedile. 8. Kreit Spandau: Am Donnerstag, dem II. Dezember. 20 Uhr, im.Alten Sdiülzenhaus", Neuendorfer Strafte in Spandau: Referenten: BeidlSlaftMMCOrdll. Dr.W. Hoegner-Mtlndi. u Folizeima). Heinridi. Das wahre«csMU der Nazis! Männer und Frauen, ersdieint in Massen, zeigt, daft ihr gewillt seid, mit der Sozialdemokratie gegen den Faschismus zu kämpfen. Ws aliN/H«" il am st Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Verlin Einsendungen für birst Rnbrii NM«n da« Zpgeadstsietaelal. Lerlin«3L 6t. finden firai, 5 Streichorchester Groft Berlin: Margen, IVi Uhr, Pflichbprvbe im Heim Willdenowstr. 5. Sandervorstellung der Vollobühn« am 1. Zanuar, 1» Uhr. Gespielt wird ..Mississippi", Schauspiil von Georg Kaiser. Einzellarten für Zugendliche ssnh noch erhältlich. m f i SSG.'Ritglied«r»«rsam«lung heute, pünftüch 20 Uhr. im Bor. g in tragslaal des Pgrleirorstandes. Lindenstr. 3. 11. Hof, 2 Treppen links. N M Genosse Suhr spricht über:„Das 8. Schuljahr". SAZ.-Mitgkirdsdnch f.« N dient als-Ausweis, s i heute, Mittwoch, 10. Dezember, 19Vg Ahr: ««funkbninnen II: Sssiuie.Ehriftianiastr. 38.„Seruelle Fragen."— Gesund' kruunen«weguiig."— Lindenhas: Besusti de» Zahl» abend» der Partei. Ehariottenbrrg.Nord sÄciterej: Heim Dlbersstrofte. Tagespolitik.— Wrstapd iAcltere): Heim auf dem Sportplatz Westend. Ar» beitsgemeinschaft.— Banns«: Sssmle Eharlottenstrafte.„Einwhrnnq eine» li. Schuliadres."— Tempelhos: Heim Gotzstraftc...Arbkilodienstpflicht und CAI." — Nenköll» i: Wissstige Zusaie-menkunsl. Trisspunlt 10 Uhr Reutcrplatz.— Falkcndcrg: Miigliederversamiulung.— Fricdrichshagen: Heim Fricdrichftr. 87. .Lehrling und Lehrverlrag."— Friedrichsfelde, Lichlenbrrg-Mitte, Lichtenberg- Nord, Lichtenbcrg.N»>dwcst: Besuch der Zahlabende ber Partei.— Panlow III! R-F. Heim Kissingenstr. 48. Mitgliederversennmlung. Wcrbebczirk Mitte: Die Ziuammentzenft der Agitalionsgrnppc fällt heul« aus. Nächsten Mittwoch Schule Köveuicker Str. 12Ü. Wcrbebczirk Tiergarten: 1»>/- Uhr Sprechchorprvbc in der Aula Walbenfer- strafte 20. Morgen. Iltis. Uhr, ebenda rl. Politischer Znformationsabend:„Zu- gcnd und Foschisenns". Referentin: Genossin Mathilde Wurm. M. d. R. Bcrhedczjik Neutossn: Sprech- und Arbcitostunde, Baracke Ganghofcrstrafte. üprechchorpioö, fällt aus. Morgen, 14 Uhr, Zulanlmenknnfi aller crweichslosen Mitglieder im Heim Vergsir. 2S>. Vorträge, Vereine und Versammtungen. Reichsbanner„Schwarz.Rot-GoId"., Geschäfts st eile: Berlin S. 14. Cebaftianstr 37—35. Hof Z. Tr Mittwoch, Z». Dezember. Tiergarten. Kameradschaft Moabit. An» irrten 13 ,!Ihr Natiozialhof, Bülowstrafte. Kanieradfchafl Westen, Antreten 18>� Uhr bei Ledert. Tempclhof lOrtsocrein). Antreten in Bundes- «mtzinitz Vim eaalffai nach«chianeab«! SUametfänn Settptliof#tA Marien darf ÜPi Uhr am. Hafen Tempekhof. Kameradschast Lichtenrade ItGi Uhr Goltz. Ecke Kaiserstratze.— Donnerstag, 11. Dczember. Wedding iEpori- adteilungf. Zur Probe fllr unsere Sportpropaganda haben alle Sportler UNI 2» Uhr in der Turnhalle Liitlicher Strafte zn erscheinen. Tempclhof(Orts- verein). 19% Uhr Antreten Ullsteinhaus zum Saalschutz bei Ma-ui. Kamerad- schaft Mariendorf hält wichtige Kamcrgdschaftssttzung ab. Friedeissshgin iOrts- verein). ISfsi Uhr Wilgl jeder Versammlung in Echnndts GelrUschafishans. Frucht- strafte 36a. Referent: Major Heinrich. Ohne Mitgliedsbuch lein Zutritt. Freitag, 12. Dezember. Tempclhof..tzamerabschaii Lichtenrade.'20 Uhr bei Schiebcrt Kaineradschaftssitzung. Reinickendorf. Ost(Kameradschaft). 20 Uhr Gen e ralve rsrunin i u n g im Lokal Karl Kiehne, Reinissendorf-Ost, Rcsideiizstr. 8. Zieuwahl des Kameradfchaftcvorstandes und Stellungnahme zur'Neuwahl des Qrisoereinsoorstande«. Erscheinen Pflicht.— Eharlottenburg. Mittwoch. 10. Dezember. Kameradschaften Zoo und Witlcnberg,°20 Uhr. Saalschutz Im National. Hof. Bülowstr. 37.— Sieglitz lOrtsvercin). Mittwoch. 10. Dezember, 19 Uhr. Antreten Diippelplatz. Erscheinen oller Kameraden Pflicht.— Wilmersdorf l'Zrt sperr in). Donncrslog, 11. Dezember, 19 Uhr, Antrete» zum Saalschutz im Allen Rathaus, Brandenburgische Strafte. Deutsch« Landsmannschaft der Pranin, Posen, Groft-Verlin, E. B. Mauaie- ützuug am Donnerstag, dem 11. Dezember, 20'- Uhr, in der Kindl-Braucrei. Neukölln, Hermannilr. 214—219. Gesellschaft für Sezualresorm, Liga sfir Mutterschutz. Mittwoch. 10. De- zember, SO Uhr, spricht Dr. Anne-Marie Durand-Wever im Lehrervereinnhans. Alexanberstr. 41, über das Thema:„Wege zur Eheberatung". Eintritt 30 Pf., Erwerbslose 23 Pf. Der Berein»Frei« Sammle»" Berlin, Mitglied des Arbkiter-Saminler. Bundes, hat feine nächste Zusammenluntt am 1V. Dezember i» der Schule Aeinmcisterstr. 16—17, Zimmer 4, lIM.i Uhr. Tausch und Vortraa des Bundes. I ellers, Grnpffen Riss». Götz, über die norwegischen Briefinaiken mit Bor. lagen. Gäste der oewerlsck>aftlichcn nnd soziaiistiscken Arbeiterbewegung herz. sich willkommen. Alle Anschriften sind unter Beifügung von Rückporto an Richard Götze, Berlin R. 115, Ueckermünder Str. 13, zu richten. Sinheitsneeband der Kandel- und Gewerbetreibenden und srcicn Beruse. Sitz Leipzig, Ortsgruppe Berlin. Unsere Mitgliederversammlung findet III diesem Monat am Donnerstag, dem 11., 20 Uhr. im Solei..Alexanderplatz". Alcxandcrstr. 48, statt. Tagesordnung: 1. Referat Kollege Fuchs:..Preisabda': und Etcuerjragen". 2. Berbauddangelegenheiten. 5. Verschiedenes. Gäste find»illkommen. longkellov English vedollnx Club: Mittwoch, 20 Uhr, Zahnärzichaus Bülow- StraBe 104, Outtinannsaal; Miss Jablonski:„The len Necds of Man." Zur Bekamptnng»er Wauzenplag« hat sich der Antipiesass-Apziaral brreiis in vielen Hanshalten dewährl. Der Antipieiack arbeitet automalisch. Er wird an nnsichtbarer Etellc angebrachl, rr ist gcruchlos»nd befreit nicht nur von varlninbene» Wanzen, sondern er pcrhindert auch jede Zuwanderung von Ungeziefer. Sofort»ach der Montage(Dauer I Stunde) ist da- Zimmer benutz- dar. Zn beziehen beim AntipiesaiDApparatc-Perlrieb. Ehorlottenbiirg I. Lcibnizslr. 39. Bismarck 400. 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Die mo deinen Empfaugogerntc mit ihrer Riesenskola. mit der ohne Umissialtuna der ganze Wellenbereich von 200-2090 Meter erfaftl wird, sind bei hoher Emp. fangsempsindlichkeit sehr leicht bedienbar. Schon mit einer beheltomätzig ge- zogenen Zimincranteune und einer kurzen Erdleitung l»ur Wasserleiiung. Zentralheizung oder iig.) läftt sich fast ausnahmslos wenigstens der Sric oder Pezlrksfender gut empfangen. Und eine solche Anlage tann nötigen- fall» in einer knappen Stunde verlegt werden. Reu«.Knrmart"-B>»»»enbilbrr. Die Sammler der„KurmarU'-Wavpeu. bilber werben mit besonderem Inleresse davon Kenntnis nehmen, daft die Sammlung.,Knrm»rt"�8apvenschal>, deren Bilder den Packungen der be, kannten Zigaretten„Knrmark" zu 3 Pfennig und„Passspn" zn 6 Pfennig beiliege», um einen Nachtrag erweitert ist. 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Vorlegung des Geschäftsberichtes und der Abschlußbilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung für den 31. August 1930 sowie des Berichtes des Aufsichtsraies. 2 Beschlußfassung über die Genehmigung der Bilanz. die Gewinnverteilung und die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat. 3. Aufsichtsratswahl. Diejenigen Aktionäre, welche in der Generalversammlung ihr Stimmrecht ausüben wollen, weiden mit Bezug auf die§§ 25—27 des Gesellschaftsverl rages ersucht, ihre Aktien oder die über die Aktien lautenden Hintcrlegungs- schcine der Bank des Berliner Kassenvereins bis«pätaten» Montag, den 29. Dezember 1930, mittags 12 Uhr, in Berlin bei der Deutschen Bank und Disconto- Gesellschaft, . Behrenstraße 9-13 „„ Commerz- und Privatbank A-G, Charlottenstraße 47. „ Darms'ädter und Nationalbank, Kommanditgesellschaft auf Aktien. Behrenstr. 68/69, .,„ Dresdner Bank, Behtenstraße 35 39, sow ie bei den Niederlassungen dieser Banken in Hnmbnrg, München und Breslan. ferner bei den N ederlassungen der Deutschen Bank und Disconto-Geseilschaft sowie der Commerz- und Privatbank A.-O. in Dessau, ferner in Berlin bei der Berliner Handels-Geseiiscbaft, Französische Straße 42 44. „. dem Bankhause iacquier& Securius, An der Stechbahn 3 4, ... Bankhause E J Meyer, Voßstraße 16. „„. der Bank des Berliner Kassenvereins(nur für die Mitglieder des Giro-Effekten-Depots), Hinter der Katholischen Kirche 2, „,,, Schultheiß-Patzcnhofer Brauerei- Aktiengesellschaft, Roonstraßc 6 8, in Desxao bei der Schultheiß-Patzenhofer Brauerei-Aktiengesellschaft, Abteilung III Brauereistr. 1 2, in Breslau bei der Schultheiß-Patzenhofer Brauerei-Aktiengesellschaft. Abteil V. Matthiasstr 204/208, während der üblichen Geschäftsstunden zu hinterlegen Die Aktien Können auch bei einem deutschen Notar hinterlegt werden. In diesem Falle ist der Nachweis der Hinterlegung durch Einreichung des notariellen Hinter- legungsschemes bei einer der angeführten Hinterlegungs stellen spätesteu. am Diemtag, dem 30. Dezember 1930, mittags 12 Uhr, zu führen Der Hinterlegungsschein eines Notars muß die Bescheinigung enthalten, daß die darauf nach Nummern verzeichneten Aktien nur gegen Rückgabe des Himerlegunes- scheincs oder erst nach Schluß der Generalversammlung ausgeliefert werden dürfen Berlin, den 8 Dezember 1930. Der Aufsichtsrat der sauimeiB-Padenlioler Brauerci-Aklienoeseilsdiaft Eugen l/andau. Äm Sonntag, dem 7 Dezember. abends 7''z Uhr. Üarb plötzlich im 71. Lebensjahre infolge Herzlähnnmg mein innigltgeliebter Mann, unser herzensguter Bater, Schwiegervater und Großvater, der pensionierte Krankentassen-Angestellte Otto �Vitte Dieses zeigen liefdetrütit an Ol« troueenben ginfccbUcbeueu Frau Emilie Wüte, geh Gabriel, nedst Töchtern. LchwiegerjöHnrn nnb Enkellindeeit. Berlin-Biiß. Rtingtusstz. 35a. Dt« Einäscherung finbrt am?rei- tag, dent 12. Dezember, abends 6 Uhe. im Slrcmalottum Baumschulenweg. fticfboljftragt, ttatt. WM RMiMM Vekwil Verwaltungsstelle Berlin Nachruf Den Milgliebeen zur Nachricht, daß unser Kollege, der Dreher Auzust Lanz am 4. Dezember an Nierenleiden a?' starben ist._ Am 22 November starb unsere Ko» legin, die Arbeiterin Margarete Kluge geh 8 Juni 1804. Dir Beifetzimgen Haben bereits stalle gesitttden. Ehre ihrem Anbeuten! Die Ortsverwaltung. Allen /freunden und Br'.annten. tSewerfschaito- und Wahwereins- genoifett für die liebevolle Teiinahme beim Hinschetben meines lieben Mannes, bes Töpfers Hans Sorg meinen aufrichtigsten Dcmt. kr an Anna 5ar�. �ieuez Tliesler —— am ZOO mmmmm tmBahnli.Zoo. Stpl.G55t Täglich SV. Uhr Ith betrüg didi nur aas Liebe mit EnunyStum ils Gut. Mittwoch und Sonnabend 4 Uhr Sonntag 3 Uhr Knedil Rupprediti Fibrt ins MärdKnliniL �Antlpiesach die Erlösung von der Wanzenplage! vollkommen automatisch, unsichtbar und geruchlos. 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Peter Klöckner sagte am Sonnabenid auf der Generalversammlung seiner Klöckner-Werke A.-G.: „Bezüglich des inländischen Marktes ist zu untersuchen, ob eine über die natürlichen Grenzen hinausgehende Preis- senkung eine Belebung im Gefolge haben wird. Diese Frage muh ich leider mit einem glatten„Nein" beantworten. Peter Klöckner fügt« begründend hinzu, daß Deutschland keine Kredite zu erträglichen Bedingungen bekomme, daß die Händler für größere Lagerhaltung nicht mehr die Mittel besitzen und daß eine Belebung nur durch das„einzige Naturgesetz der Kapital- bildung"(?) erfolgen könne. Eine Pflicht zur Preissenkung, eine volkswirtschaftliche Aufgabe der Kostensenkung für andere Gewerbezweige, für Perarbeiter, die Bauwirtschaft, de» Verkehr gibt es für Herrn Klöckner nicht. Herr Klöckner zeigt, während die Vcrbandssyndizi in Berlin dem gutmütigen und gutgläubigen Herrn Trendelenburg ihre Rednergabe beiveisen, dem Berrvalter des Reichswirtschaftsministeriums höhnend die kalte Schulter. W i e lange, Herr Staatssekretär Dr. Trendelenburg, wollen Sie sich das noch gefallen lassen? Der Hamburger„Wirtfchaftsdienst" veröffentlicht folgende Tabelle über die durchschnittlichen Stabeisenpreise 1913 bis 1929, die von uns teilweise für November 1930 ergänzt wurde: Deutschland England Frankreich Belgien USA. lod.Antwerp. 1913.. 108,50— 181.— 122.— 129,—— 1926.. 139,70 114,42 104,94 185,— 103,54 1927. 134,— 119,33 97,87 102,40 170,17 96,08 1928.. 139,66 137,— 113,61 116,41 173,43 114,— 1929.. 141.— 139,23 121,40 125,17 178,29 114,98 Noo 1930.. 137.—— 82,——— 78,— Diese Tabelle zeigt, daß 1913 der deutsche Inlandspreis für Stabeisen im Vergleich zu den nichtigsten europäischen Kon- kurrenten, trotz der damaligen deutschen Kartellwirtschast und Zölle, der billig st e war. Deutsche Eisenverarbeiter, Bauwirtschaft, Reichsbahn wurden oergleichsrveise am billigsten bedient. Im Jahre 1929»var der deutsche inländische Stabeisenpreis der teuerste in Europa. Zum November 1930 sind die Diffe- renzen geradezu phantastisch geworden! Ader eine Preissenkung für das Inland ist nach Herrn Klöckner nicht nötig! Noch interesianter ist folgende Zusammenstellung, die wir einer anderen Quelle verdanken: Deutschlands Stabeisen kostete: Wiltmarkt Inlandsgrundvreis ((tei an Bord)(ab Wert) ogann« Durchschnitt 1913 93,— 108,50 15,50 Juni 1930... 107,— 137,— 30.— November 1930. 78,— 137,— 59,— Danach hatte sich im November 1930 die Spanne, um die die deutsche Eisenindustrie das Ausland billiger belieferte als für das Inland produzierende Verarbeiter gegen Juni 1930 verdoppelt, gegen 1913 aber vervierfacht. Für die Eisenherren an der Ruhr aber ist eine Preissenkung für das Inland bedeutungslos! Einschränkung der Nohrzuckerausfuhr. Werden die Weltmarktpreise steigen? Die Amsterdamer Konserenz der javanischen und kubanischen Rohrzucker Produzenten hat überraschenderweise, nachdem die Verhandlungen sich zu zerschlagen drohten, zu eineni Ergebnis geführt. Der Weltzuckerpreis steht seit langem infolge der Uebererzeugung sowohl von Rohr- als auch von Rübenzucker und infolge der sich Häusenden Vorräte unter starkem Druck. Die beiden wichtigen Rohrzuckergruppen haben sich auf eine Formel g e- einigt, nach der auf die Dauer von fünf Iahren die beiden Gruppen gleichzeitig die Zuckerausfuhr beschränken und eine Zurückhaltung überschüssiger Vorräte vornehmen wollen. Die Maßnahmen zielen natürlich auf eine Hebung des Weltzuckerpreises ab. Die Einigung der beiden großen Rohrzuckergruppen bedeutet für die heute beginnende Weltzuckerkonferenz in Brüssel. daß die Rübenzuckerfabrikantcn sich einem geschlossenen Vorgehen der Rohrzuckerfabritanten gegenübergestellt sehen werden. Das inner- deutsche Zuckerproblem kann aber durch Vorgänge auf dein Weltmarkt kaum wesentlich berührt werden, da die überhöhten deutschen Zuckerpreise sich nach dem Weltmarkt überhaupt kaum richten._ KnapperGeldmarkt/politischeGründe? Der Reichsbankausweis vom 6. Dezember zeigt eine auffallend geringe Entlastung der Reichsbank. Die Wechsel- b e st ä n d e sind entgegen der in der ersten Monatswoche sonst zu beobachtenden Entwicklung nur um 3 M i l l. M. auf 2000,2 Mill. Mark zurückgegangen, die Lombarddarlehen haben sich um 155,7 auf 75,7 und die Bestände an Reichsschatzwechseln nur um 39,5 aus 66,4 Mill. M. verringert. Die unverzinslichen Gelder auf Girokonto nahmen»un 37,0 auf den niedrigen Betrag von 344,4 Mill. M. ab. Diese Gesamtentwicklung auf den Kreditkonten der Reichsbant macht für die erste Dezemberwoche eine beachtlich« Anspannung auf dem Geldmarkt deutlich erkennbar. Möglich, daß die erst am 7. Dezember durch die Reichstagsabstimmungen geklärte politische Lage in der Zeit bis zum 6. Dezember die Banken dazu veranlaßt hat, sich durch Neueinreichung von Wechseln auf alle Fälle möglichst flüssig zu halten, denkbar allerdings auch, daß aus der Wirtschaft selbst ein gewisser Kreditbedarf vorlag. Im ersten Falle wäre die Anspannung vorübergehender Natur. Der Umlauf von Relchsbantnoten ging um 161,7 auf 4439,6 Mill. M. zurück. Durch Goldkäufe in London stiegen die Goldbestände um 10,3 auf 2190,3 Mill. M., die Bestände an deckunge- fähigen Devisen haben sich weiter um 12,1 auf 536,9 Mill. Mt. er- höht. Die umlaufenden Noten sind durch Gold und Devisen ent- sprechend besser gedeckt. Die Deckung vermebrte sich von 58,8 aus 61,4 Proz., d. h. daß über 50 Proz. mehr Gold und Devisen vorhanden sind als es die gesetzliche Vorschrift erfordert. Lind wieder neue Zottpläne. Sie dürfen nicht akzeptiert werden. In den letzten Tagen wurde im Reichsernährungsministerium eine neue Zollvorlage vorbereitet, durch die die Zölle für Butter, Vieh, Fleisch, Holz, Eier usw. erhöht werden sollen. Politisch ist die Zollvorlage im höchsten Maß be- d e n k l i ch, denn für die deutsche Handelspolitik müssen sich geradezu katastrophale Folgen ergeben. Außerdem würde die einheitliche Stellungnahme des Reichskabinetts zu den im übrigen ohnehin schon viel zu weitgehenden Zollmaßnahmen für die Landwirtschaft durch- krochen. Agrarpolitisch sind die Pläne töricht. Die Preisbildung der Molkereiprodutte hängt nicht von der Zollhöhe für Getreide ob, da die Milchkühe bekanntlich nicht mit Gerste, sondern mit Oelkuchen gefüttert werden, also die Molkerei- Produkt« durch die Höhe des Getreidezolles gar nicht vorbelastet sind, der Zoll für Molkereiprodukte also auch nicht dem erhöhten Gersten- zoll angepatzt zu werden braucht. Für Eier würde«ine Zollerhöhung eine reine Demonstration bedeuten: der Eierzoll ist durch vier Handelsverträge ge- Kunden, so daß sich eine Zollerhöhung praktisch gar nicht aus- wirken würde. Der Antrag, den autonomen Eierzoll zu erhöhen, ist nichts anderes als eine Verbeugung vor den Agitationsanträgen der Rechtsradikalen. Sollte man aber gleichzeitig, um den autonomen Eierzoll praktisch zur Auswirkung gelangen zu lassen, die Handels- vertrüge kündigen, so würde das mit einer Ratifizierung des Genfer Abkommens unvereinbar sein und— wie schon bei der Butter— zu Zollkriegen und Boykottbeivegungen führen. Die auf aus- ländischem Futter aufgebaute deutsche Eierproduktion ist durch die Gerstezollerhöhung auch nicht getroffen, denn die Hühnerhalier können billigen Mais durch die Genossenschaften beziehen. Der jetzig« Höchstsatz des Schweinezolls von 36 M. ent- spricht ungesähr der durch die Zollerhöhung erfolgten Verreuerung des Futtergetreides. Sollte aber bei einem weiteren Sinken des Schweinepreises diese Relation zuungunsten des Schweinezolls sich verschieben, dann darf nicht der Schweinezoll erhöhl werden, son- dem es muß der Futtergetreidezoll ermäßigt werden. Auf keinen Fall kann der geschwächten Konsumentenschaft eine unnötige Verteuerung der wichtigsten Fleischart zugemutet»Verden. Eine Erlveüerung der Beimahlungs- oder Bei- Mischungszwangsgesetze wird ebenfalls wie die jchon jetzt bestehenden Zivangsgesetze die gegenteilige Wirkung ausüben, die mit ihrer Einführung beabsichtigt ist. Man soll endlich damit aufhören, in Zeiten des Verbrauchsrückganges vieler lo n d w i r t s cha f t- licher Erzeugnisse die Verarbeiter und Ver- braucher unnötig zu schikanieren. Lohnabbau zur Preissenkung nötig? Unzulängliche Berichtigungen.- Weitere Beispiele für die falsche Ltnternehmerrechnung. Am 5. Dezember haben wir an einem praktischen Beispiel aus der Automobilbranche nachgewiesen, daß eine Preissenkung auch ohne Abbau der Löhne durchaus möglich sei. Unsere Feststellungen haben den beiden genannten Firmen NAG. und Daimler begreislicheriveise wenig gefallen. Sie fordern preßgesetz- liche Berichtigungen, ohne daß die preßgesetzlichen Ersordernisse in den Berichtigungen erfüllt wären. Aber wir sind gerne über unsere Pflicht hinaus loyal und bringen die sogenannten Berichtigungen um so lieber, als sie neue Beweise für unser« Feststellungen«rmög- lichen: um unsere Feststellungen wird in den Berichtigungen nämlich herumlaviert. Die NAG. schreibt: „Es ist nicht richtig, daß die NAG. sich für einen mit 308 bzw. 402 Pfennigen hergestellten Kolben 23,50 M. bezahlen läßt. Richtig ist vielmehr, daß ein Graugußkolben mit etwa 402 Pfennigen Ge- stehungskoften»»ackt 10,80 M. und mit Bolzen 14,30 M.(4 Zylinder 10/30 PS) kostet. Bei dem von Ihnen angegebenen Preis von 23,50 M. handelt es sich um den Kolben eines 5-Tonnen- Schwerlastivagens, dessen Größe und Gewicht ein Vielfaches der zum Vergleich herangezogenen Kolben beträgt. Die übrigen von Ihnen genannten Teilepreis« der NAG. beziehen sich ebenfalls sämtlich auf den ö-Tonnen-Schweriast- wagen, und ihre Gestehungskosten sind durchweg wesentlich höher als die von Ihnen zugrunde gelegten. Selbstverständlich sind diese Preis« nicht mit denen von Ersatzteilen für leichte Personen- waqen anderer Firmen zu vergleichen." 'Weiter führt die NAG. nun die Preise von Ersatzteilen eines 4 Zylinder-10/30-PS-Motors an, die wir weiter unten abdrucken. Die D a i in l e r- B e n z- A.- G. verlangt' von uns die Auf- nähme folgender Berichtigung:„Unsere Mitteilung, daß die Firma Dain»l«r°Benz für einen Kolben 24 Mark nimmt, entspricht nicht den Tatsachen." Sie führt serner ebenfalls die Preise von Ersatzteilen eines Motors an, die wir gleichfalls unten in der Tabelle bringen. Die Berichtigungen verivirren leider mehr als sie unterrichten. Wir haben»veder von einein Kolben des Motors eines 5-Tonnen- Lastkraftwagens, noch von einein solchen eines Personenwagens gesprochen. Unsere Berechnungen über geleistete Arbeitszeit, die bezeichnenderweise von den Finnen nicht bean- standet werden, wie auch die von uns angegebenen Preise der deutschen und der ausländischen Firmen beziehen sich durchweg auf einen Kolben von 100 Milli»neter Durchmesser, wie wir in unserem Artikel ausdrücklich bemerkt haben. Bei der NAG. führt dieser von uns zur Grundlag« unserer Berechnungen gemachte Kolben die Typenbezeichnung Ki. 6. Er wird sowohl bei der NAG. wie auch bei Daimler und Chevrolet für den Motor eines 2- bis 2�-Tm,nen-Laslkraftlvaaens und bei Ford für den Motor eines Traktors verwendet. Und selbstverständlich ist dem Vergleich der Preise ausländischer und deutscher Firmen immer das gleich st a r k e Ersatzteil zugrunde gelegt. Wir wiederholen noch einmal diesen unseren Vergleich: es kosten bei Daimler NAG. Chevrolet Ford 1 Kolben(Graugußs�OO mmS 24,— 23,50 16,— 18,60 1 Kolbenbolzen...... 6,50 8,— 5,50 5,50 Ventil.......-. 7,— 8,50 5,— 4,— Nockenwelle...... 102,— 98,— 55,— 54,— Zahnrad aus der Kurbelwelle. 16,— 20,— 9,— 8,— Die Preise, die NAG. und Daimler jetzt anführen, gellen für weit schwächere Ersatzteile. Wir sehen uns deshalb genötigt, die von NAjD. und Daimler angeführten Preise mit denen für die etrva gleich starken Ersatzteile von Chevrolet und Ford zu vergleichen. Und das ergibt folgendes Bild: Z?AG Daimler Chevrolet Ford 4 Zyl. IlV30 PS 10/5UPS 6 31)1 12/30 PS 13 40 PS 1 Kolben Grauguß(nackt) 10,80——— 1, m. Böllen u Ringen— 18,— 10,40 10,35 1 Kolbenbolzen.... 3,50 2,50—— 1 Ventil....... 7,20 3,— 2,— 2,25 1 Nockenwelle..... 66,— 100,— 49,— 30,25 1 Zahnrad a Kurbelwelle. 24,— 10,— 6,35 3,25 Die Ersatzteile von Chevrolet und Ford sind, wie aus den obigen Angaben hervorgeht, sogar noch etwas stärker als die der Firmen NAG. und Daimler. Dieser von den Finnen NAG und Dgimler selbst hervorgerufene Vergleich weist aber noch größere Unterschiede in der Preisgestaltung gleichwertiger Fabrikate zwischen den deutschen Firmen NAG. und Daimler und den ausländischen Firmen Chevrolet-Ford auf als in unserer ersten Tabelle. Mit ihren„Berichtigungen" haben NAG. und Daimler die Richtigkeit unserer Feststellungen noch strenger erhärtet. Wofür ihnen Dank gebührt. Teure Mühlen. Lleberhöhte Vermadlunqskosten. Der deutsche Enqueteausfchuh hat jetzt eine neue Untersuchung über die M ü hl e n i n d u st r i«(Verlag Mittler u. Sohn, Berlin) veröffentlicht. Im Hinblick aus die Kämpfe um den Brot- preis ist das Ergebnis dieser Untersuchung von größtem aktuellen Interesie. Der Ausschuß stellt fest, daß seit den letzten Friedensjahren der Brotverbrauch je Kopf der deutschen Bevölkerung etwa um 10 bis 12 Prozent zurückgegangen ist, und dementsprechend auch die Produktionsmenge der Mllhlenindustrie«inen erheblichen Rückgang von 15,6 auf 12,6 Millionen Tonnen aufweist. Dxr Rück- gang geht überwiegend zu Lasten des Roggens, dessen Ver- arbeitung bei den Mühlen von 6,1 aus 4,7 Millionen Tonnen gesunken ist. Da zu gleicher Zeit die Muhlenbetriebe ihre Leistungsfähigkeit beträchtlich erhöht haben, sind sie gegenwärtig im Durchschnitt nur zu 50 Prozent gegen 75 Prozent in der Borkriegszeit ausgenutzt. Diese hundertprozentige Uebersetzung der Mühlenindustrie hat eine st a r t e Aufblähung der Verarbeitungskosten zur Folge gehabt. Diese haben sich im Jahr« 1926 gegenüber 1913 rund ver- doppelt, und sind auch seitdem kaum gest'nken. Die Ver- arbeitungskosten für eine Tonne Getreide stellen sich zur Zeit aus rund 35 Mark die der Untersuchungsausschuß für rund 8 0 Pro- zent überhöht erklärt. Der Ausschuß kommt zu dem über. raschenden Ergebnis, daß die 35 Mark verarbeitungstosten bis aus 20 Mark heriinterged'ückl werden könnten, wenn die Betriebe voll ausgenützt würden. Die gesamten Mehrkosten der deutschen Getreide- Verarbeitung seien ans 100 Millionen Mark zu bezifsern. Natürlich nimm» der Ausschuß auch zu der viel diskutierten Notwendigkeit der Rationalisierung in der Mühlenindustrie Stellung, wobei er im Hinblick auf die Erfahrungen der Kriegs- wirtslhaft«in Staatsmonopol als unzrveckinäßig ablehnt. Auch die Bildung eines großen einheitlichen Trustes unter Still- legung einer Anzahl gänzlich unrentabler Betriebe sei»vegen gewisser Monopolgefahren nicht zu befürworten Dagegen einpfiehlt der Ausschuh einen Zusainmenschtuß in der Richtung, daß Produktion und Absatz in Uebereinstimmung gebracht werden, um durch die Senkung der Bermahlungskosten ein« Verbilligung des Mehls zu erzielen. Dadurch würde letzten Endes auch für«ine weitere Senkung des Brotpreises der Weg freigemacht werden. Zusammenschluß Aorsig-AEG. Eine neue Lotomotiv-Gemeinschast In der Berliner L o k o m o t i v i n d u st r i e ist jetzt eine neue Ak.ion durchgeführt worden, die für die Gesamtloge in di.sec Kriscnindustri« weitgehende Folgen haben dürste. Die AEG., fre wegen ihres verhältnismäßig kleinen Lokomotivbaues in Hennigs- dors bei den bevorstehenden Reichsbahnausträgen nicht berück- s i ch t i g t werden sollte, hat jetzt mi» der A u g u st B o r s i g G. m. b. H, einem der führenden Lokomotivbouunternehmen in Deutsch- land,«inen Vertrag abgeschlossen, der«ine Zusainmenlegung der Lokomotivbetriebe beider Unternehmungen vorsieht. Die Forin dieser Zusammenlegung ist dem kürzlich vollzogenen Zusa»nmenjchluß zwischen der NAG. und Büssing sehr ähnlich. Die Lokomotivfabriken von Borsig und der AEG. werden aus den Stammunternehmungen herausgezogen und in eine neue Gesellschaft eingebracht. Obwohl Borsig den weitaus größeren Betrieb ein- bringt, wird d i e A E G. in der neuen Gesellschaft doch die Mehr heil besitzen, so daß die ganze Aktion»nehr oder weniger doch aus einen Aufkauf des Borsigschen Lokomotivbaues durch den ACG-Konzern hinausläuft. Hierfür wird die AEG an Borsig natürlich ein« recht erhebliche Summe— es»Verden 8 bis 10 Millionen genannt— zahlen. Die Folge dieser Aktion ist, daß das neue Gemanschastsuntcr- nehmen Borsig-AEG. nimmehr in die Spitzengruppe der Lokomotivindustne Henschel- Schlvartzkopfs- Krupp einrückt. Mans myan: 3)ie Weiße füllte Sine QefängnisgeSchichle (Schluß.) Tin paar Tage blieb Zell« Nummer 77 oben auf der dritten Station unbelegt. Di« Tauben kamen oft ins Fenster, aber sie fanden ihren Freund nicht. Dann legte der Hausinspektor den Gefangenen Mex Seyda in diese Zelle. Seyda war in Gemeinschaftshast gewesen, hatte sich aber mit seinen Mitgefangenen so wenig vertragen, daß er darum bat, in Einzelhaft zu kommen. Er war ein untersetzter, l rüstiger Mensch mit einem grauen Gesicht und Augen, die wie die eines Gestorbenen aussahen. Die mit ihm solange in der Schneider- Werkstatt gearbeitet hatten, behaupteten, er habe den„bösen Blick" und könne einem was anhexen. Uebrigens war sein Benehmen in der Anstalt sonst musterhaft, er gehört« zur ersten Strafvollzugsstuse. Pfarrer Wüntig schätzte ihn sehr, aber der Hauptlehrer Dalbermann sagt« zum Diektor gelegentlich einer Konferenz: er begreife diese Bor- liebe des Herrn Pfarrers nicht, ihm flöh« Seyda immer«ine Art Grauen ein. Und als sich Dr. Munter darauf die Akten des Ge- fangenen kommen ließ und sie mit dem Hauptlehrer zusammen noch einmal durchstudierte— Alex Seyda saß auch schon vier Jahre!—, da fanden sie ihr Mißtrauen gegen den ehemaligen Stationsassistenten Seyda voll erklärt. Im Urteil stand: Der Angeklagte wird zu acht Iahren Gefängnis oerurteilt wegen schwerer Erpressung im wieder- holten Rückfall. Und in der Begründung stand: Alex Seyda hätte eine alte Frau langsam zri Tode gequält und es verstanden, immer von neuem Geldzuwendungen von ihr zu erpressen. Die Verstorbene, die mit abgöttischer Liebe an ihren im Tod vorausgegangen Ver- wandten gehangen habe, hätte ihr Leben ganz mit dem Kultus der Verewigten und ihres Andenkens zugebracht. Alex Seyda, der sie häusig besucht und ihr immer Trüst zugesprochen habe, hätte sich in Abwesenheit der Dame mittels Nachschlüssel zu ihrer Wohnung Zu- tritt verschafft und hätte nun durch raffiniert bösartige Verände- rungen innerhalb der Wohnung der vielleicht schon kopsschwachen Frau suggeriert, was für Seyda zum Vorteil war. Wollte sie eine seiner Geldforderungen oder Anleihen nicht bewilligen, so sand sie beim Nachhausekommcn das Porträt ihres Mannes mit der Bildseite der Wand zugedreht. Oder eines der vielen Andenken, die sie zärtlich liebte, war entzwei geschlagen oder verschwunden. Als schließlich das nicht große Vermögen der so Erpreßten verbraucht war und die Frau die Forderungen des Verbrechers einfach nicht mehr erfüllen konnte, da hetzte und ängstigte er die Verzweifelte durch immer neu« Winke aus dem Geisterreich buchstäblich in den Tod. Man fand die alt« Dame erhängt an der Klinke der Vadezimmertür. „Sehen Sie, Herr Direktor," sagte der Hauptlehrer,„da ist wieder mal einer, wie es in der Schrist heißt, böse von Jugend auf. Sie meinen ja immer, in jeder Seele wäre ein Keim, den man nur pflegen müsse mit ernster Güte, um wieder einen Menschen aus ihm zu machen. Glauben Sie das von dem Alex Seyda auch?" Dr. Munter nickt« mehrmals. „Ja! Ein Brunnen, und wenn er noch so verschüttet ist, er bleibt immer eine Quelle! Man muß nur Schutt und Unrat wegräumen, um wieder zu gutem und frischem Wasser zu kommen." Die beiden Herren konnten sich darüber heut« wie auch sonst nicht einigen. Das war ein ewiger Streitpunkts und Pfarrer Wäntig .stand ganz auf des Anstaltsleiters Seite.. Er wollte auch gleich an diesem Zage. noch einmal nach der dritten Station zur Nummer 77 hmaufgehen.' Aber das vergaß der kleine/ alte Mann mit dem schloh- lygißen Haarschopf. Er hatte drüben in der Frauenabteiiung zu tun, wo eine Kreißende nach seinem Beistand verlangte. Und wie der Abend über diesem schönen und klaren Herbsttag hereinbrach, da flog die schöne zahme Silberlcrchc ard das Fenster von Zelle 77. trippelte von dem Mauerkranz durch das Gitter und ließ sich mit sanftem Schwung auf den weißen Kiefernholztisch nieder, an den: Alex Seyda, der eben seine Schneiderarbeit sortgepackt hatte, saß und die Wand anstarrte. Erstaunt, ja, fast erschrocken, sah er den weißen Friedensboten vor sich über den Tisch schreiten. Dann glomm ein trübes Licht im Auge des vierzigjährigen Mannes auf. Er griss nach der Taub«, die sich ihm nicht entzog. Wohl werkte das Tier, daß es nicht die schlanke, weiße und so behutsam« Künstlerhand seines Freundes war, die es um die Schwingen faßte: aber dos kleine Herz unter dem schimmernden Gefieder ging deshalb nicht schneller. Das Vertrauen des Tieres in die Güte des Menschen war zu groß, es konnte nicht einmal ermessen, daß so jäh, in Sekundenschnelligkeit der Tod mit eisernem Griss sein Leben löschte... Alex Seyda drehte der weißen Taube kaltblütig den Kaps ab. Dann versteckte er sie unter den alten Schupoanzügen, die er ausbessern mußte, reinigte den Tisch von der purpurnen Farbe des Taubenblutes, klappt« sein eisernes Gurtenbett herunter und legte sich nieder. Und kaum hatte die erste Nachtwache ihre Runde gemacht, so federte er die Silberlerche mit geschickten Fingern ab, wobei er auch die kleinste Daun« in seine graue Arbeitsschürze sammelte: dann ziinldete er verbotenerweise den Gashahn in feiner Zelle an, goß Wasser in seine Waschschüssel und kochte die Taube über der Gas- flamme. Er aß mit Heißhunger, zerbrach mit seinen Wolsszähncn die Knochen und sog das Mark heraus. Selbst den Schädel öffnete er, um das Hirnchen zu lecken, und schlief dann tief und traumlos, ohne die geringste Spur eines bösen Gewissens. Am nächsten Tage gelang es ihm bei der Arbeitsablieferung, die Reste des verzehrten Vogels in Papier gewickelt in«in« Hofeckc zu werfen, wo sie von einem der Kalfaktoren gefunden wurden. Tags daraus trat nachmittags um.? Uhr, wo der Stationsaufsehcr st in Mittagsschläfchen hielt, der Kalfaktor Bramme in die Zelle des Schneiders. „Du wunderst dir wohl, wie ick bei dich rinkomme?— Aber darüber brauchst du dir mch'n Kopp zu zerbrechen. Ick wollte mir bloß mal erkundigen, wat du mit die Taube gemacht hast... nur die weihe Taube von Max Weinbaum?" Unsicheren Blicks, aber mit der unerhörten Frechheit des gewohn- heitsmäßigen Erpressers auf dem Gesicht zuckte Seyda die Achseln. „Wenn du nicht rausgehst, klingle ich nach dem Aufseher!" Der andere, ein gewaltiger Mensch, früher Kahnschisser, der Güter veruntreut hatte, schob seinen Prim von einem Mundwinkel in den anderen: „Wenn du noch eenmal so'n Ton verzappst, denn rennste gegen die Knospe!" Und er zeigte die braune Seemannsfaust, die aussah wie die Klaue eines großen Affen:„Aber ick will mir bei dir nicht usfhalten. Von morgen an kriegste keen Mittag, det heeßt, der Kal- saktor schiitt' dir nischt in dein Napp! Und wenn de wat sagst oder «igst einen an, denn kommen wir abends, wenn der Nachtaffe weg st. und holen dir über! Der Arbeeterrat hat dir vorläufig vier Wochen Kostschmälernng zudiktiert. Du kriegst morgens und abends ein Sticke Brot und deine Plärre(Kaffee). Wasser konnstc sausen, soviel de willst." Der wuchtige Geselle mit seinen schweren Schuhen verschwand wie ein Schatten aus der Zelle. Von diesem Tage an begann ein Dnlderleben für Alex Seyda. Beim Spaziergang im Gefängnis traten die Hintermänner ihm die Füße entzwei. In seiner Matratze steckten Dutzende von Nadeln. Sein Essen, als er nach vier Wochen wieder die warme Kost hatte, enthielt alle möglichen Widrigkeiten. Und das schlimmste vom Schlimmen war, daß keiner, ober auch keiner von den Gefangenen mchr«in Wort mit ihm wechselte. Seyda war immer ein verschwiegener, verstockter, heimtückischer und bösartiger Geselle gewesen: aber dieses Gemieden- und Ausgestoßenscin selbst aus der Gesellschaft der Geächteten und Verfemten, das ertrug er nicht. Er ließ sich eines Tages beim Direktor vormeldcn, gestand ihm alles, trug die gerechte Straf«, die in 7 Tagen Dunkelarrest bei Wasser und Brot bestand, und erreichte, daß er in eine ander« Anstall übergeführt wurde. Und dennoch war es. als wenn der Schatten des armen g«. töteten Vogels über seinem Haupte schwebte. Auch bis in das Ge- fängnis, in das man ihn jetzt verbrachte, drang die Kunde von seiner Schändlichkeit. Die Aufseher waren ihm gram, der Direktor und Lehrer ließen sich von ihm nicht sprechen und die Gefangenen zeigten mit Fingern aus ihn. Eines Morgens fand man ihn erhängt in seiner Zelle. Itledien plaudern aus der Schule In der fast unübersehbaren spiritistischen Literatur gibt es eine Gruppe von Büchern, von denen die Spiritisten selbst nicht gern etwas hören, die aber besonders ausschlußreich sind. Das sind die persönlichen Bekenntnisse, in denen Medien aus der Schul: plaudern. Solcher Werke gibt es, wie Graf v. Klinckowstroem in der Leipziger„Illustrierten Zeitung" ausführt, im ganzen kaum zehn, die sämtlich in englischer Sprache erschienen sind. Dies« Ent- hüllungsschriften gewähren einen tiefen Einblick in die Tricks und Betrügereien der Medien und in die„nicht alle werdend« Dumm- heit" ihrer gläubigen Gemeinde. Fast alle dies« Schwindler stimmen darin übcrein, daß die Gläubigen kinderleicht hinters Licht zu sührcn sind. Wenn sie das einmal— meist zum Spaß— ver- jucht haben und ihnen der Betrug über Erwarten gut glückt, dann werden sie auf dieser Bahn immer weiter gedrängt und schließlich zu Berufsbetrügern. So war es schon bei den ersten Medien, den Schwestern Fox, die 1848 als Backfische zu Hydesoille in den Vereinigten Staaten austraten: als sie 40 Jahr« später in öffent- lichen Vorträgen die Natürlichkeit ihrer„Wunder" enthüllten, sanden sie bei ihren Anhängern keinen Glauben. Die erste Bekenntnisschrift eines Mediums ist die von Alfred Firma n, der zwar nicht selbst seine Arbeitsweise darstellte, aber von seinem langjährigen Gehilfen C h a p m a n entlarvt wurde. Dieser schilderte 1882«ingehend die raffinierte Betrugstechnit Fir- mans, der unter denselben„Bedingungen" arbeitete, die noch heute in spiritistischen Sitzungen gang und gäbe sind. Aus dem nächsten Jahre stammt die Aufklärungsschrift„Di« Kehrseite der Medaille" von John W. Truesdell. Dieses„Privatmedium" deckt viel- Tricks auf, namentlich die seinerzeit beliebten Entsesselungskünste, die jktzt aus der Mode gekommen sind. Damals mußte ein Medium noch, wenn es auf der Höh« fein wollt«, sich olle möglichen An- gaben verschaffen, um den Besuchern zutreffende Mitteilung aus dem Jenseits machen zu können. In Amerika war ein ganzes System dafür eingerichtet, und eine Zentrale versorgte die organisierten Medien mit ausführlichen Nachrichten, worüber H. C a r r i n g t o n 1907 näheres mitgetellt hat. Ein anderes Werk dieser Art, die 1891 anonym erschienenen „Enthüllungen eines spiritistischen Mediums", sind 1922 in einem Neudruck erschienen. Der Verfasser, hinter dem man das Medium Donooan vermutet, erzählt aus seiner 20jährigen eriolgreichen Tätigkeit allerlei Geheimnisse und kommt zu dem Schluß, daß sich ein einmal überzeugter Spiritist auch die gröbsten Ding« bieten läßt, ohne stutzig zu werden.„Leute, die an den Spiritismus glauben, sind es selbst, die jedem kleinsten Ereignis während der Sitzungen eine übernatürliche Bedeutung zuschreiben", erklärt ein anderes Medium Frederick Tansley Munnings, und schreibt es daher, daß ihm seine Tricks immer gelangen. Di« Enthüllungen eines Mediums der neuesten Zeit, nämlich von Karl Kraus, mir dem Freiherr v. Schrenck-Notzing arbeitete, sind bisher nicht veröffent- licht, da interessierte Kreise dies verhindern. Man weiß aber, daß auch in diesen Angaben genau mitgeteilt wird, auf welche Weise alle die wunderbaren Phänomene ganz natürlich hervorgebracht wurden._ Was ist ein Millimikron? So wie die Astronomie mit immer größeren Zahlen rechnet, so ha> die Mikroskopie mit immer kleineren Einheiten zu tun. Deshalb ist der Millimeter längst durch sein tausendstes Teil, das Mikron, verdrängt worden. Aber auch das Mikron ist zu einem industriellen Maß geworden, jede Auto- mobilfabrik arbeitet schon auf ein Mikron Genauigkeit. Die Wissen- schast bedient sich bereits des Millimikrons, des millionsten Teiles des Millimeters. Hier schien die Verfeinerung eine Grenze erreicht zu haben. Aber die neueste Entwicklung der Mikroskopie, das Luminifzenzmikroskop und die neuen Färbeverfahren, lassen ver- muten, daß man das Millimikron wird weiter austeilen müssen. Ein Esperanto-Turm. Wie der Turm zu Babel die Sprach- Verwirrung anzeigte, so soll ein Turm, der jetzt von der Esperanto- Gesellschaft der bulgarischen Stadt Rahow errichtet wird, als Sinn- bild der Spracheinigung in die Lüste ragen. Der Magistrat von Rahow hat der Esperanto-Äesellschatt eine mitten in der Donau gelegene Insel geschenkt, die eine Oberfläche von 200 Hektar hat und den Namen Esperanto erhält. Hier wird die Gesellschaft im Mittelpunkt einen Turm aus Metall errichten, der von einem großen grünen Eiern bekrönt ist. Dieser trägt die weithin sichtbare In- schrist:„Esperanto, die Weltsprache", j 3>er ffiefreiw Südamerikas SEum 100. �odeslag von Simon tftolimr Was George Washington für den Norden der Zteuey Welt, war Simon Bolioar unter größeren Gefahren, erbitterteren Kämpfen, schlimmeren Enttäuschungen für Südamerika: wie kaum einer hat er den Ehrentitel„El Libertador" verdient, den ihm Volk und Heer zuriefen. Der Größe seiner Leistung entspricht die seiner Persönlich- keit: Sproß einer vornehmen Familie, reich und frühzeitig unab- Hängig, verschmähte er die Lockungen einer glänzenden Lausbahn, um seiner Idee zu dienen. Von diesen: Glauben an die Freiheit, die von Jugend an seine Göttin war, konnten ihn weder Niederlagen, Enttäuschungen noch Verrat abbringen. Den Degen legt« er aus der Hand, um den Staat einzurichten: er war, nach den Worten von Unamuno,„einer der größten Helden, in denen sich die Seele der Hisponia Maxima offenbarte". Spanien selbst, das ihm doch den Verlust eines reichen Koloniallandes zuzuschreiben hat, errichtet ihm heut« Denkmäler: es zählt Bolivar zu seinen Söhnen, und die Kultur- gemeinschast mit Lateinamerika hat die Erinnerung an den blutigen Wafiengang längst ausgelöscht. Dem sechsjährigen Bolivar, der 1783 in Caracas geboren war, starben Vater und Mutter, lieber Nacht war er der Erbe eines großen Vermögens geworden. Die Bolivars saßen seit der Er- oberung i>er Neuen Welt in Venezuela und gehörten zu den an- gesehensten Familien Neu-Spaniens. Der Lehrer feiner Jugend flößte ihm jenen inbrünstigen Glauben an die Freiheit ein, der seinem Leben das groß« Ziel steckte. Mit sechzehn Jahren wurde Bolivar, wie alle jungen Leute von Stand, nach Spanien geschickt: unterwegs empfing ihn der Vizekönig von Mexiko, der die tcm- pekamentvollen Aeußerungcn des Jünglings über die französische Revolution so übel vermerkte, daß er die Behörden im Mutterland von diesem unerwünschten Besuch in Kenntnis setzte. Als Bolivar eines Tages bei Madrid spazieren ritt, hielten ihn zwei Polizisten an, die ihn angeblich noch geschmuggelten Diamanten durchsuchen wollten. Dagegen bäumte sich sein spanischer Stolz auf.„Niemals!" rief er und zog«inen Revolver,„niemals werde ich einem Polizisten erlauben, Bolivar zu berühren!" Die Häscher zogen sich Zurück, aber am nächsten Morgen hatte Bolivar den Ausweisungsbeschl in den Händen. Er begab sich nach Frankreich, wie er sagt«, glücklich darüber, die Schönheiten eines republikanischen Landes bewundern zu dürfen. Aber es hielt ihn nicht lange dort. In Spanien hatte er zarte Bande angeknüpft. Kaum 19 Jahre alt, heiratete er und begab sich aus seine Güter nach Venezuela. Fünf Monate nach der Hochzeit starb ihm die Frau, und Bolivar, bis ins Mark getroffen, suchte auf Reisen zu vergessen. Nach Frankreich zurückgekehrt, er- kannte«r mit Entsetzen, was dort aus der Republik geworden war. Sein Abgott Bonapart« hatte sich die Kaiserkrone aufgesetzt, und Bolivar war darüber so erbittert, daß er die Einladung zur Krönungsseier ausschlug und sich während des ganzen festlichen Tages in seinem Zimmer einschloß. An diesem Wendepunkt seines Lebens lernte«r Alexander von'Hunsboldt kennen, der Südamerika bereist und die Geschichte der spanischen Kolonien gründlich studiert hatte. Von ihm empfing Bolivar die Ueberzeugung, daß für Südamerika die Stunde der Uiwbhängigkest geschlagen habe. Der Weg lag nun offen vor ihm. Zunächst begab er sich nach den Vereinigten Staaten, um das Werk seines großen Vorbildes Washington zu studieren. Vier Jahre lang wartete er ungeduldig auf die große Gelegenheit. Sie kam mit Napoleons Einfall in Spanien. Der Krieg auf der Pyrenäenhalbinsel löst« den Unobhängigkeitskampf in Südamerika aus. Bolivar kam- mandierte damals«ins der Infanterieregimenter, die kurz vorher für den künftigen Kampf gegen Spanien aufgestellt worden waren. Die Aufständischen, die ihre Kräfte nicht überschätzten, wollten sich aus einem Umweg Englands versichern und schickten Bolivar nach London, zunächst nur mit dem Austrag, die Engländer zu bewegen, gemeinsam mst den Truppen in den spanischen Kolonien einen wahr- schcinlichen Einsall der Franzosen zu verhindern. Napoleons großer Feind an der Themse griff mit beiden Händen zu: aber Spanien. das die Gefahren einer Zufainmenarbeit mit den Alnständischen erkannte, lehnte ab. Die Ereignisse überstürzen sich nun. Bolivar bestimmt d-n alten General Miranda, sich an die Spitz« einer Unobhängigkeiis- bewcgung zn stellen, und eröffnet mit ihm d-n Kamps. Im De- zember 1810 wird Venezuelas Unabhängigkeit proklamiert. Auf dem Vormarsch sieht sich Bolivars Truppe durch ein Erdbeben auf- gehalten, in dem die aberglär-bischen Soldaten eine Warnung des Himmels vor ihrem hochverräterischen Unternehmen erblicken. Es ist bezeichnend, wie Bolivar dieses unerwartete Hindernis besiegt. „Wenn die Natur gegen uns ist", ruft er seinen Soldaten zu.„so werden wir eben auch die Natur zwingen müssen." Aber dieses Selbstvertrauen ist zunächst noch nicht gerechtfertigt. Vorläusiz bleibt der spanische General Monteverde siegreich und kann sogar sogar nach und nach Venezuela zurückerobern. Bvlivar gelingt es gerade noch, nach Eurayao zu entsliehen. Aber ungebrochenen ?Jlutes sammelt er die Aufftändischen von neuem. Er oerlangt ein- lzeitliche Führung, die General Labatut anvertraut wird, einem Mann, der aus Bolivar eisersüchtig ist und ihn in den Hintergrund zu drängen sucht. Aber Bolivar weiß sich zur Wehr zu setzen. Er 'chisft sich mit 200 Mann«in und erobert im Handstreich Tenerissa. Sei» Siegeslauf hat begonnen. Er schlägt die Spanier vernichtend bei Ehiriquana, nimmt ihnen Kriegsschiff«, Kanonen und Gewehre. Er ist der siegreich« Führer geworden, dem alles gelingt. Er wendet sich poch seiner Heimat Venezuela, dos er teilweise in die Hand bs- kommt. Jubel de- Volkes mnbrauft ihn. Der dreißigjährige General Bolivar verliert darüber den klaren Blick nicht: der Soldat verwandelt sich in einen Staatsmann. Unter den'Augen des Feindes verkündet er die Handelsfreiheit, zieht die Fremden ins Land und bereitet eine Verfassung vor. Inzwischen hat sich Monteverde wieder erholt und greift von neuem an: aber Bolivar schlagt ihn, erobert Caracas und wird als Befreier Venezu-las b-grüßt. Wcchselvolle Jahr« folgen. Man überträgt Bolivar die Zivil- und Militärgcwalt. Er wird von den Spaniern geschlagen: nimmt ihnen aber neue Provinzen ob. Er muß sich� nach Jamaika einschiffen, aber er kommt bald daraus wieder. Als Oberhaupt der Republik Venezuelas beruft er einen Kongreß, organisiert die Re- gierung, läßt sich in Angostura zum Präsidenten mit unumschränkter Gewalt ernennen, führt das Heer über die Kordilleren nach Reu- granada, befreit dieses in zwei großen Schlachten und vereinigt Venezuela und Reugranada zur Republik Columbia unter seiner Präsidentschaft. Aber der Krieg ist noch nicht z» Ende. Wieder schlägt er die Spanier, versagt sie aus Nieder- und Oberperu und macht aus diesem einen neucn Staat, der seinen Namen trögt: Bolivien. Dort wird er Diktator, aber im Jahr daraus vertauscht er sein Amt mit der Präsidentschaft Columbiens. Sein Republikaner- tum ist nicht mehr ganz einwandfrei. Unzufriedenheit gegen sein unumschränktes Regime erhebt sich, es gibt Verschwörungen, die er im Blut erstickt. In Pen, läßt er sich zum lebenslänglichen Prä- sidenten wählen. Da er dem Kongreß von Volivien«ine wenig republikanische Verfassung ausdrängen will, in Columbien die Presse- freiheit unterdrückt, beschuldigte man ihn monarchistischer Pläne Peru und Venezuela sagen sich von der Eolumbischen Union los, und Bolivar dankt am 27. April 1837 ab. Zlcht Monate spater stirbt er, 47 Jahre alt, in Santa Moria. Südamerikas Geschichte ist mit Parteileidenschast geschrieben. Sie kann ihren großen Männern erst nach dem Tode den Platz im Pantheon anweisen. Hundert Jahre später feiert Südamerika, wieder von Revolutionen und Ausruhr- bewegungen heimgesucht, Simon Bolivar, den Befreier. kncckricli Berka,