Morgenausgabe Nr. 529 A 291 47. Jahrgang Wöchentlich 85 Pf. monattich S.««. im voraus zahlbar, Postbezug<82 M. einschlieblich S0Pfg.Postzeitungs. und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Auslandsabonnement 6.— M. pro Monat. 5* Der„Bornjärts* erscheint wochentäg» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilagen„Volk und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner .Frauenstimme" �Technik",„Blick in die Bücherwelt".„Iugend-Vorwärts" und.Stadtbeilage� P> Berliner Solssblatt Oonnersiag 11. Dezember 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- gejchäst Lindenstraße 3. wochentäglich von SV, bis 17 Uhr. Jsutrawegan der«Ssziatdemosvatifchen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhofs LSS— A7 Telegramm-Adr.: Sozialdemokral Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bank dcr Arbeiter, Angestellten und Beamtem, Lindenstr. 3, Tt.B. u.Disc.-Ges.,Deposit«nk.,Jerusalemer Str. 65/66. Billige Wohnheimstätten! Ein Gesetzentwurf der Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratische Partei hat im Reichstag den Entwurf eimes Wohnheimstättengesetzes ein- gebracht. Damit setzt sie ihre Bestrebungen zur Schaffung menschenwürdiger Wohnverhältnisse für die breiten Schichten des Volkes in einem Augenblick fort, in dem die soziale Wohn- bautätigkeit durch die beabsichtigte Kürzung der Hauszins- steuermittel gefährdet wird. Gegenüber diesen Angriffen auf eine moderne, den berechtigten Forderungen der breiten Massen entsprechende Wohnungspolitik muß mit dem stärksten Nachdruck an die Zusicherungen erinnert werden, die die Reichsverfassung in ihrem Artikel 155 macht. Dort heißt es: „Die Verteilung und Nutzung des Bodens wird von Stanks wegen in einer Weise überwacht, die Mißbrauch verhütet und dem Ziele zustrebt, jedem Deutschen eine gesunde Wohnung und allen deutschen Familien, be- sonders den kinderreichen, eine ihren Vedürs- nissen entsprechende wohn- und Wirtschasls- Heimstätte zu sichern..." Wenn diese Zusicherung nicht ein leeres Versprechen bleiben soll, muß endlich mit ihrer Verwirklichung Ernst ge- macht werden. Den Weg dazu zeigt der von der sozialdemo- kratischen Reichstagsfraktion eingebrachte Gesetzentwurf, dessen wichtigste Bestimmungen im folgenden kurz erläutert werden sollen. Der Gesetzentwurf gibt den Gemeinden als den Stellen, die die Wohnbedürfnisse der Bevölkerung am besten übersehen, erweiterte Rechte für ihre sozialen Wohnbaubestrebungen. Diese Bemühungen sind darauf gerichtet, Grundbesitz zu erschwinglichen Preisen zu er- langen, weil erst dann der Bevölkerung für den Wohn- und Eigenheimbau billiges Land zur Verfügung gestellt und ihr der Erwerb gesunder und kulturell befriedigender Heimstätten erleichtert werden kann. Außerdem hängt von der Boden- vorratswirtschaft der Gemeinden die Schaffung von Sied- lungsland, von Grünanlagen und ein zweckmäßiger Straßen- bau ab. Die Erfüllung dieser Aufgaben ist den Gemeinden bisher in großem Umfang erschwert. Das liegt vorwiegend a�zwei Umständen. Ein großzügiger Ankauf von Grund- b es i tz wird in vielen Fällen durch die private Boden- spekulation verhindert, die mit ihren hohen Preisen den Ge- meinden die Grundstücke wegschnappt. Darum sieht der Ge- setzentwurf vor, daß die Gemeinden in allen Fällen, in denen Grund und Boden zur Veräußerung gelangt, ein Vor- k a u f s r e ch t erhalten. Dadurch wird erreicht, daß im Be- darfsfalle die Bereitstellung von Wohnland der privaten Grundstücksverwertung vorgeht. Außerdem erhalten die Ge- meinden die Möglichkeit, den von ihnen bewirtschafteten, in den meisten Fällen unzusammenhängenden, zerstückelten Grund und Boden durch Ankauf von privaten Grundstücken zu einer großen einheitlichen Grundfläche zu verwandeln. Damit wäre die Vorqussetzung für die Schaffung von Sied- lungsland und Grünanlagen gegeben. Das Vorkaufsrecht allein genügt jedoch nicht, um in allen Fällen diese Aufgaben erfüllen zu können. Dring- liche Erfordernisie der kommunalen Wohnungs- und Sied- lungspolitik können sehr häufig nicht befriedigt werden, weil die privaten Grundbesitzer sich zu einem Verkauf nicht herbei- lassen. Dann kann das Wohnungselend nur deshalb nicht beseitigt werden, weil an der Unantastbarkeit des Privat- eigentums ohne Rücksicht auf die drängendsten Bedürfnisse der unbemittelten Volkskreise festgehalten wird. Um diesen jeder sozialen Gerechtigkeit Hohn sprechenden Zustand zu be- fettigen, verschafft der Gesetzentwurf den Gemeinden das E n t e i g n u n g s r e ch t. Es soll angewendet werden, wenn die Erhaltung des Privateigentums in krassem Widerspruch steht zu dem Gebot der Reichsverfassung:„Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich Dien st sein für das Gemeine» Beste." Die Enteignung soll nicht entschädigungslos vorgenommen werden. Andererseits soll aber der Eigentümer nicht eine ungerechtfertigt hohe Entschädigung verlangen können, denn dann käme eine Enteignung durch Gemeinden nicht in Betracht. Darum sieht der Gesetzentwurf eine Ent- schädigung vor. die nach dem der Grundstücksbesteuerung zu- gründe liegenden Wert bemessen wird. Das dürste übrigens die Nebenwirkung einer Hebung der Steuermoral haben. Ist es doch gegenwärtig gerichtsnotorisch, daß viele Grundstücke nicht zu ihrem wahren, sondern zu einem viel niedrigeren Wert besteuert werden. An einer solchen Steuer- sestsetzung wird aber den Eigentümern der Geschmack oer- Wirths Antwort an Frick. Herr Krick soll seine Motive gestehen. Der Reichsmini st er des Innern Dr. Wirth hat dem thüringischen Minister Dr. Frick auf dessen Antrag, die Genehmigung der Reichsregierung zum Verbot des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold, Ortsgruppe Gera, zu erteilen, vor wenigen Tagen eine Antwort zukommen lassen, die an Offenheit nichts zu wünschen übrig läßt. In dem Schreiben wird unter anderem darauf verwiesen, daß ähnliche Vorwürfe, wie sie von Frick gegen das Reichsbanner er- hoben worden sind, schon vor Monaten wiederholt gegen den Thüringer Stahlhelm und die Thüringer National- sozial ist en erhoben wurden, ohne daß Frick auf diese ihm amtlich bekannten Vorwürfe auch nur irgendwie reagiert hätte. Der Reichsminister des Innern fragt den thüringischen Naziminister in seinem Antwortschreiben deshalb, welcher Unterschied zwischen den Vorwürfen gegen die Rechtsoerbände und gegen das Reichsbanner besteht, und warum er in dem einen Falle ein- gegriffen habe, in dem anderen Falle aber nicht. Wirth ersucht ferner um eine genauere P r ä z�i s i e r u n g der Vorwürfe gegen das Reichsbanner, Ortsgruppe Gera. Der Brief des Reichsinnenministers schließt mit einem scharfen Prot« st gegen die Verösfentlichung der gegen das Reichsbanner erhobenen Vorwürfe durch Frick, noch ehe, ent- gegen dem bisherigen Brauch, die Angaben von einer objektiven Instanz hätten geprüft werden können. Frick wird im Landtag gestäupt. Weimar, 10. Dezember.(Eigenbericht.) Im Thüringer Landtag wurden am Mittwoch zwei Groß« Anfragen beraten, von denen die eine die Zeugenaussagen vor dem Slaatsgerichtshof in Sachen des P o l j z«, st r e i t s Reich— Thüringen und die andere die Haussuchungen in d»n Geschäftsräumen des Reichsbanners in Wei- mar betrasen. Der Nazi-Abgeordnete S a u k« l begründete beide Anfragen u. a. mit abfälligen Bemerkungen gegen den Reichsinnenminister Dr. Wirth. Frick selbst war nicht anwesend. Seine Antwort, die er durch einen Ministerialdirektor verlesen ließ, war eine einseitig zusammengestellte Rechtfertigung der Frickschen Polizeipolitik und «ine„Slnklage" gegen den Reichsinnenministsr Dr. Wirth. Sie strotzte von Ausdrücken wie Spitzel- und Denunziantentum. Abgeordneter Frölich(Soz.) hielt mit Frick scharfe Ab- r e ch n u n g und zeigte, wo das Spitzel- und Denunziantentum in Wirklichkeit zu finden ist. Die Hieb« saßen so, daß die Nazis ver- suchten, den Redner niederzubrüllen.— Der Abgeordnet« K a t l e n- b a ch(Dem.) führte aus, daß, solange«in Staatsfeind an der Spitze der Regierung in»Thüringen stehe, Ruhe nicht eintreten werde. Alle anderen bürgerlichen Parteien schwiegen sich zu den beiden Großen Anfragen der Nationalsozialisten aus. Zusammenstöße in Hamburg. Krawall auf der Reperbahn.— Ein Toter. Hamburg, 10. Dezember. Der polizeiberichk meldet: heute nachmittag bildeten sich Ansammlungen in St. Pauli. Einschreitende Polizeibeamte wurden mit S l e i n w ü r s e n empfangen und machten deshalb von ihren Gummistäben Gebranch. Zn der Zieperbahn erfolgten weitere Angriffe ans die Polizei, die derart bedrängt wurde, daß sie mehrere Schüsse abgeben mußte. Die ZNenge stob auseinander. Ein 19jähriger Bäcker erlitt eine schwere Kopf- wunde und starb bei der Einlieserung ins Krankenhaus. Ein zweiter D-monstrationsteilnehmer soll verletzt sein, doch konnten diesbezügliche Feststellungen noch nicht getroffen werden. Gniwurf eines Kariellgesetzes. Ein sozialdemokratischer Initiativantrag. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat nunmehr den Entwurf eines Kartell- und Monopolgesetzes, über den wir bereits berichtet haben, als Initiativantrag eingebracht. In dem Gesetz wird die Reichsaussicht über Kartelle, monopolistische Kon- zerne und monopolistische Einzelunternehmungen festgelegt. Zweck der Reichsaufsicht soll sein, Schädigungen von sozialen und gesamt- wirtschaftlichen Interessen sowie des- Gemeinwohls zu verhindern und Zusammenschlüsse und Vereinbarungen im sozialen Interesse, im Interesse der Gesamtwirtschaft und des Gemeinwohls zu fördern. Attentat im Parlament. Ein Kommunist schießt auf den dänischen Sozialminister. Kopenhagen, 10. Dezember.(Eigenbericht.) Als Sozialministcr Steinckes im Folkcthing im Begriff stand, den Gesetzentwurf zur Sozialreform zu begründen, wurde von der dichtbesetzten Tribüne ein Revoloerschuß gegen ihn abgegeben. Der Schuß, der mit dem Ruf fiel:„Im Namen der Arbeitslosen" ging fehl, da zwei Kriminalbeamte noch im rechten Augenblick den Arm des Attentäters in die Höhe schlagen konnten. Der Täter, ein junger Agitator der Arbeitslosenorganisation kommunistischer Richtung namens Charles Nielsen, wurde mit drei seiner Kameraden festgenommen. Minister Steinckes setzte seine Rede trotz der im Parlament entstandenen Panik ohne Unter- brechung fort. gehen, wenn sie zu gewärtigen haben, daß die Gemeinden zu dem gleich niedrigen Steuerwert ihnen die Grundstücke ent- eignen. Diese in großen Zügen geschilderten Absichten des von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion eingebrachten Ge- setzentwurfs werden in allen sozial denkenden Kreisen des deutschen Volkes auf volles Berständnis stoßen. Seine ge- schworenen Gegner dagegen sind jene unentwegten Ritter der privatkapitalistischen Eigentumsordnung, die sich in ihrem Kampf gegen alle sozialen Verbesserungen in der groß- industriellen Volkspartei, in der Wirtschaftspartei der Haus- und Grundbesitzer und in der deutschnationalen Partei der Junker vereinigt haben. Aber auch in den anderen bürger- lichen Parteien sitzen genug Elemente, die sich gegen den sozialdemokratischen Gesetzentwurf stemmen werden. Sie alle haben sich schon einmal gegen ein Wohnheim- stättengesetz ausgesprochen. Das war im Mai 1926, als der Reichstag von der Regierung die Vorlage eines solchen Ge- setzes forderte. Damals haben von III Deutschnationalen nur drei für den Antrag gestimmt, und von den 51 Abgeordneten der Deutschen Volkspartei stimmten nur vier Abgeordnete mit Ja. Das war um so interessanter, als ein paar Jahre vorher die Nationalversammlung auf Anregung derselben Volkspartei die Regierung ersucht hatte,„tunlichst bald einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Bodenspekulation und zur sozialen Ausgestaltung des Enteignungsrechts, insbesondere auch in der Richtung vorzulegen, daß die Errichtung von Wohn- und Wirtschaftsheimstätten durch Beschaffung billigen Bodens erleichtert wird". Als es nun im Jahre 1926 Ernst werden sollte, hatten die wackeren Volksparteiler sich längst von ihrem großen Schreck über die Revolution erholt und ihre „auch-soziale" Forderung vergessen. Von der W i r t s ch a f t s- Partei hatte sich nicht ein Abgeordneter für die Unterbrei- tung des Gesetzes ausgesprochen. Dennoch ist der Antrag an- genommen worden. Am 2. Mai 1929 wurde ein von der Demokratischen Partei erneut gestellter Antrag vom Reichstag abgelehnt. Nun ergriff die Sozialdemokratie die Initiative. Ihr Antrag auf Vorlage eines Wohnheimstättengesetzes wurde am 26. Juni 1929 vom Reichstag angenommen. Was die bürgerlichen Parteien im Reichstag nicht hatten erreichen können, das gelang ihnen hinten herum: Es ist bis jetzt nicht zur Vorlage des Gesetzes durch die Reichs- regierung gekommen. Nun hat die Sozialdemokratie den längst vom ständigen Beirat für Wohnheimstätrenwesen ausgearbeiteten Gesetzentwurf von sich aus dem Reichstag vorgelegt. Der Reichstag wird Farbe bekennen müssen. Vor allem die nationalsozialistische Fraktion, die den Kampf gegen das Eigentum an Grund und Boden zwar programmatisch forderte, aber auf Befehl Hitlers längst preis- gegeben hat. Hatentreuz-Kabricius verurteilt. Insgesamt M. Geldstrafe.- Die Verhandlung vor dem Schnellgericht. Der uatiollalsozlaNslische Reichstagsabgeordncke Aabricius. der am Dleuslagabend bei den Hatenkreuzdemonstrationen in Hafk genommen wurde, ist vom Schnellrichler zu inegesaml 180 Mark Geld- strafe verurteilt worden. * Am Dienstagabend wogt bis tief in die Nacht im Berliner Westen eine wild erregte johlend« und schreiende Menge meist unreifer Burschen, in denen die Nazis durchaus die Befreier Deutschlands von der Aoung-Skla-oerei und dem Remarque-Fllm sehen wollen. Bon der Polizei bedrängt, zieht sich die Masse all- mählich zum Kurfür st endamm hinüber, wird aber an der Ecke der Ranke- und Augsburger Straße von der Po- lizei angehasten, die sich hier der schweren Aufgabe gegenüber sieht, den Kurfürstendamm abzuriegeln, um offenbar beabsichtigte und auch schon wiederholt vorgekommene blutige Ueberfälle auf jüdisch aussehende Passanten, wobei meistens Ausländer gefaßt werden, unmöglich zu machen. Der Kommandierende der Berliner, Polizei, Polizeioberst Hei mannsberg, ist selber gekommen, um die Absperrung?- maßnahmen zu leiten» Es bedarf keiner Worte, um die ungeheure Gefährlichkeit der Situation auf der einen Seite und die schwere Verantwortung auf der anderen Seite, die auf dem höchsten Polizei- rjfizier lastete, zu kennzeichnen. Ausgerechnet in diesem Augenblick drängt sich au den Polizeioberst ein zierlich-schmächtiges Männlein heran, das dem Offizier ganz entfernt bekannt vorkommt: Er kann sich aber nicht darauf besinnen, wer es ist, hat auch gar keine Zeit dazu: Das Männlein gebärdet sich wild und aufgeregt, fährt deu Offizier an: Herr Oberst, ich will wissen, ob Sie den Befehl zum Schießen gegeben haben! Der Oberst, gerade gekommen, weih von keinem Schießen. Kein Mensch weiß was davon. Aber das ängstlich nervöse Männlem ist total verdattert und will von dem Offizier, der weiß der Himmel eine ganz andere Aufgabe vor sich hat, wissen, ob er den Befehl zum Schießen gegeben hat. Nun wird— wer würde es nicht werden— der Offizier ungeduldig, sagt: Bitte stören Sie mich nicht: Gehen Sie weg! Das Männlein aber läßt nicht von setner schon fixen Idee und bedrängt den Kommandeur, der ihm noch einmal und zum drittkn- mal sagen inuß, er solle ihn jetzt endlich in Ruhe lassen. Das Herrchen hört nicht und kräht plötzlich: Ich bin Reichs- tagsabgeordneter. Der Polizeioberst drückt den Zudriagling beiseite und läßt ihn. da er noch einmal zurückkommt und sich unter keinen Umständen zufriedengeben und unbedingt wifien will, ob denn nun der Kommandeur den Befehl zum Schießen gegeben habe, fest- nehmen und zur wache bringen. Es hat sich dann herausgestellt, daß irgendwo aus einer Schreck- 'chußpistole wohl ein Schuß gefallen sein soll. In dem Augenblick schwenkt der Festgenommene noch einen Ausweis. Auf der Wache stellt sich heraus, daß man es mit Herrn Dr. Fabrieius. Mitglied der nationalsozialistischen Reichstags- fraktkdN, zu tun hat. Der Herr Reichstagsabgevrdnete fragt erstaunt und entrüstet, warum man ihn denn eigentlich zur Wache gebbachl habe, worauf ein Beamter wahrheitsgemäß antwortet:„Sie haben sich der wiederholten Aufforderung des Kommandeurs, weiterzugehen, widersetzt.� Fabrieius, im Gefühl gekränkter Unschuld, erwiderte, das sei nicht der Fall, denn er sei niemals aufgefordert worden. Der Beamte sagte:„Diese Aufforderung ist aber mehr- m a l s erfolgt!", worauf sich die Zierde der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion entschloß, dem Beamten zu erklären: 7la, Sie beeiden schließlich alle». Das schlug dem Faß den Boden aus, und man behielt Herrn Fabricius da und stellte ihn andern Tags, am Mittwochmittag, auf dem Schnellgericht vor seinen Richter. Der Herr Angeklagte war sehr klein und sehr bescheiden geworden. io daß man, da er an sich ein unscheinbares Herrlein ist, Mühe hatte, ihn überhaupt zu sehen. Er fühlte sich natürlich nicht schuldig, gab aber zu, daß er erregt gewesen war. In erfreulicher knapper, sehr präziser und unbedingt klarer Weise standen Polizeioberst Heimannsberg, Polizeimajor Heinrichs und Wachtmeister Peters, die als Zeugen vernommen wurden. Rede und Antwort. Der Polizeioberst mußte auf besonderen Wunsch von Rechtsanwall Front II seine Aussage zum zweitemnal und sodann noch ein drittes Mal in direkter Form wiederholen. An der Richtigkeit seiner Aussage blieb kein Zweifel: so wie wir es eingangs geschildert, hat sich alle» abgespiell. Der St a all s a n w a l t hielt den Sachverhalt der Anklage durch die Beweisaufnahme gegeben. Fabricius hat sich durch die Nichtbefolgung der Anordnung, sich zu entfernen, schuldig ge- macht. Die Aeußerung auf dem Polizeirevier zu dem Beamten: „Sie beeiden schließlich alles!" stelle eine schwere Beleidi- gung der Polizeibeamten dar. Der Staatsanwall beantragte für dlc Nichtbefolgung der polizeilichen Anordnung drei Tage hast und für die Beleidigung der Polizeibeamten einen Monat Gefängnis. Di« beiden Verteidiger, Rechteanwälte Becker und Frank II, gerieten über den Antrag ganz aus dem Häuschen und ergingen sich in wilden Schimpfereien auf die„Berliner Juden- presse(Frank II) und die„Asphaltpresse"(Becker), die eine Hetze gegen die Nationalsozialisten angezettelt hätte. Herr Frank sagte, Herr Fabricius habe mit der Nationalsozialistischen Partei sich zur Aufgabe gestellt, in die steigende Erregung der Beoölkerung Ruhe und Disziplin zu bringen. Fabricius wollte diese Erregung dämpfen und beschwichtigen, er habe sich dem Polizeioberst gegenüber sehr ge- wählt und sehr höflich ausgedrückt. Die Ausregung in der Bevölke- rung werde sich erst legen, wenn der Film verschwind«. Rechts- anmalt Becker verstieg sich zu der unerhörten Behauptung, das Der- halten des Oberst Heimannsberg zwinge zu dem Schluß, daß Fabricius von Heimunnsberg provoziert worden fei. Das ilrteil. Der Vorsitzende Amksgerichtsrat Kaiser verkllndek folgendes llrkeil: Der Angeklagte Fabricius wird wegen INchkbefolgung der polizeilichen Anordnung zu 30 Mark Geldstrafe und wegen Ve- amlenbeleidlgung zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt. Seine große Erregtheit nnd die allgemein herrschende Erregung sind dem Angeklagten als strafmildernd angerechnck worden. Im übrigen aber sei der Polizeioberst Hennannsderg durchaus im Recht gewesen. Der Angeklagte in seiner Eigenschaft als Reichs- tagsabgeordneter hätte für den Ernst der Situation mehr Verstand- nis haben müssen. Die Aeußerung auf dem Polizeiamt sei für die Beamten, die sie hörten, sehr beleidigend gewesen. Bedauerlich und befremdend war, daß Herr Amtsgerichtsrat Kaiser die Presie nicht gegen die Beschimpfung der beiden Rechts- anwälte in Schutz nahm und ihre Ausdrücke(Judenpresse— Asphalt- presse) nicht rügte! Hakenkreuz bleibi unier sich. Eine begrüßenswerte Demonstration. Zasterburg, 10. Dezember. Bei der Sitzung des Landwirtschaftlichen Zentraloereins Jnster- bürg am Millwochoormittag kam es zu einem Zwischensall. Der Vorsitzende des Zentralvereins, Rittergutsbesitzer Papendieck, hatte in seiner Ansprache Worte von�Winnig über den National- s o z i a l i s m u s zitiert. Der anwesende Vertreter des Regierungs- Präsidenten, Regierungsoizepräsident Ellinghoff, ergriff darauf das Wort und erklärte, er sei nicht gekomme», um sich die Verherrlichung des Nationalsozialis- mus anzuhören, dessen Angehörige von der Staatsregierung als Hochverräter betrachtet würden. Er verließ daraus die Sitzung. poliiische Justiz. Ein neuer Iustistkandal m Halberstadt. halbersiadl, 10. Dezember.(Eigenbericht.) Das hiesige erweiterte Schöffengerichl verurteilte am Mittwoch 15 Arbeiter wegen Landfriedensbruches ze je drei Monaten Gefängnis und 4 Arbeiter zu je acht Monaten Gefängnis Gegen das Urteil wurde sofort Berufung eingelegt. Die Arbeiter standen unter der Anklage des Landsriedensbruchs, weil sie sich am 22. September gegen Magdcaurger Nationalsozia- listen, die nach Quedlinburg gekommen waren, um„Betrieb zu machen" und Arbeiter zu bedrohen, zur Wehr gesetzt hakten. Wer von den beiden Parteien mit den Tätlichkeiten begonnen hatte, ließ sich aus dem Verlauf der Verhandlungen nicht entnehmen. Die Nationalsozialisten traten dennoch nicht ebenfalls als Angeklagte, sondern als Zeugen auf, und während das Gericht den Herren Nazis alles aufs Wort glaubte wurden die angeklagten Arbeiter wie dumme Jungen behandelt. Vor allem fiel im Ver» lauf der Verhandlungen auf, daß der Vorsitzende sich stets nach der Parteizugehörigkeit der einzelnen Angeklagten erkundigte. SÄhr-Schluß amWeihnachtsabend Nur noch eine halbe Stunde Aufräumarbeit gestattet. Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstages ist Mittwoch, den 10. Dezember, zur konstituierenden Sitzung zusammengetreten. An Stelle des zurückgetretenen Vorsitzenden Esser wurde Dr. Brauns -eu gewählt. Es kamen dann die Anträge zu dem Gesetz über den Ladenschluß am Weihuachsabend zur Beratung. Die Wirtschaftspartei verlangt« die Aufhebung des Gesetzes, während die Nationalsozialisten und der Christlich-Soziale Voltsdienst den Ausbau des Gesetzes von 1929 fordern. Die Sozialdemokratie hat gleichfalls wesentliche soziale Ber- besserungen beantragt, die von der Abgeordneten Frau Reitze (Soz.) ausführlich begründet werden. Es habe sich als Mangel herausgestellt, daß trotz der Begrenzung der Geschäftszeit die Ange- stellten und Arbeiter weit über 5 Uhr hinaus bis spät in den Abend beschäftigt worden waren. Der sozialdemokratische Antrag will des- halb ein« Begrenzung der Arbeitszeit. Gegenüber den Einwenden der Wirtschaftspartei bslont die Rednerin, daß die Kauf- kraft der Bevölkerung nicht von der langen Dauer der Verkaufszeit in den Läden abhängig sein kann. Auch die Ausnahmen für die Lebensmittelgeschäfte müssen beseitigt werden und schließlich könne auch den Gastwirtsangeftellten der Frühschluß am 24. Dezember nicht länger vorenthalten werden. Für Hotelbetrieb« und Reiseverkehr seien in dem sozialdemokratischen Antrag die er- forderlichen Ausnahmen vorgesehen. Abg. Dreher(Natsoz.) wendet sich entschieden gegen die Ein. wände der Ladeninhaber; es müsse aufhören, dauernd den Geldsack anzubeten. Abg. Pfeffer(D- Vp.) oerurteilt die Theorien der National- sozialisten und wird darin von dem Abg. Hermann(Wp.) unter» stützt. Er Höst den Nazis vor, das Hunderttausende von M i t t e l st ä n d l e r n sie gewählt hätten, um jetzt als Krämer. f« e l e n gekennzeichnet und preisgegeben zu werden. Auch der Abg. Jäger von den Deutschnationalen bedauert die mittelstandsfeindliche Haltung der Nazis. Ein Regierungsvertreter bittet, daß bei dem neuen Gesetz min- bestens über 5 Uhr hinaus die Aufräumungsarbeiten gemacht wer- den können und bei dem Frühschluß der Gaststätten Rücksicht aus nicht ortsansässige Personen genommen wird. In der weiteren Debatte spricht der Abg. Glatzel(D. Vp.) gegen seinen Parteifreund Pfeffer, während sich Schröter(Komm.) für die sozialdemokratischen Anrräge erklärt. Das Ergebnis der Beratung wird in einer neuen Formu- lierung niedergelegt, die den im sozialdemokratischen Antrag ent> haltenen Erweiterungen des bisherigen Gesetzes entspricht und die vom Regierungsoertreter vorgeschlagenen Ausnahmebestimmungen mitenthält. Das neue Gesetz wird von einer Mehrheit aus Sozial- demokraten, Nationalsozialisten, Kommunisten und einem Teil der übrigen bürgerlichen Parteien angenommen. Gegen jede Perbesse- rung stimmten Deutschnational« und Wirtschastspartei sowie die Hälfte der Deutschen Volkspartei. Oie neuen Bestimmungen für den Weihnachisabend Das nunmehr beschlossene Zuitiativgesetz besagt, daß offene Berkaufsstelleu, auch wenn in ihnen keine Arbeitnehmer beschäsligi werden, am 24. Dezember nur bis S Uhr nach- mittags geöffnet sein dürfe«. Für da» Zuendebedieueu anwesender Kunden nnd für Aufränmnngsarbeiken ist eine halbe Stunde über 5 Uhr hinaus zulässig. Die Ausnahme für die Lebensmittetgeschäsie kommt in Wegfall. dagegen bleibt Abs. 2 des bisherigen Gesetzes bestehen. Für die Gaststätten wird, auch wenn in ihnen keine Ar- beiknehmer beschäftigt sind, der Geschäftsschlnß auf 7 Uhr abends fesigelegt. Für das Bedienen der bereits aolvefenden Gäste, die Ausräumungs- und Reinlgungsarbeitea ist eine weitere halbe Stunde zulässig. Soweit es sich um den Reiseverkehr und die Verpflegung nicht ortsansässiger Personen handelt, ist es den Läuderregierungen über- lassen, für die Hotels und Gasthöfe Ausnahmebestimmungen zu erlassen. Heilige Gefühle? Oer NationaiismuS der Hakenkreuzler und feine Ausdrucks« formen. Sie hetzen alle gegen den Film, der den Krieg zeigt, wie er ist: die Lausbuben um Goebbels wie die gesetzten Herren in der Presse des neuen nationalistischen Blocks. In der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" wird die These vertreten, daß der Film verboten werden müßte, well seine französische Fassung deutschfeindlich sei. Wer von den Lausbuben, die auf Befehl randalieren, kennt die deutsche Fassung, geschweige denn die französische'? Sie rufen alle: Verbot! Verbot! Sie beteuern, daß der Ruf aus einpörten nationalen Herzen komme, Aufschrei heiligsten Gefühls sei. Vor ein paar Tagen fand dies heiligste Gefühl einen an- gemessenen Ausdruck im Aussetzen von weißen Mäusen. Gestern waren es drei Blindschleichen, die die Laus- bubsn des Goebbels losließen, auf das die drei Schlangen Zeugnis ablegen sollten von ihrer nationalen Gesinnung. Goebbels und seine Freunde werden gestatten, daß wir ihre heiligsten Gefühle nach ihren Ausdrucksmitteln beurteilen. Die gesetzten Herren von der Presse der Rechten mögen dies Urteil ruhig auch auf sich beziehen. Sie machen mit den Lausbuben der weißen Mäuse und der Blindschleichen Kom° panie. Sie werden uns nicht glauben machen können, daß es eine Eigenschaft des deutschen Volkes sei, dann, wenn es in em- p-ärier Entrüstung emporflammt, weiße Mäuse und Blind- schleichen in die Tasche zu stecken. Kann mau eine edle Sache oertreten mit weißen Mäusen? Wir werden künftig immer, Denn Goebbels und die Seinen von heiligsten Gefühlen sprechen, an weiße Mäuse und Blirch schleichet! denken! Das Organ des Herrn Goebbels aber gibt den richtigen Ton dazu an, Indem es in fetten Lettern ausschreit: Polizei s ch i e ß t i n d i e M e n g e. Es ist gelogen, aber aufklärend. Das Lausbubentum des Goebbels spielt nicht nur mit weißen Mäusen, sondern auch n-it Menschenleben t Das eine scheint ihnen gleich viel zu gelten wie das andere. Das soll die Grundlage abgeben für ein Verbot! Was wollen sie denn verbieten? Daß es im Kriege Tote gibt, Scheußlichkeiten unerhört, Wimmern der Opfer, daß der Krieg anders aussieht als die buntlackierte Legende? Wollen sie auch die Kriegskrüppel verbieten? Wollen sie die ungeheure sittliche Kraft verbieten, die im Abscheu gegen den Krieg hervorbricht? Sie ist da, sie wächst, sie läßt sich nicht verbieten! Was sie wollen, das ist die verlogene Militärzensur des Krieges— und sie scheinen von dem einen grandiosen Fiasko noch nicht genug zu haben! Heuie Oberprüfsielle. Soll der Film»Im Westen nichts Neues" verboten werden? Heute wird sich die O b e r- F i l m p r ü f st e l l e mit den Anträgen mehrerer Landesregierungen beschäftigen, die weitere Auf- sührung des Bildstreifens„Im W e st e n n i ch t s Neues" zu ver- bieten. Die Verhandlungen werden unter dem Vorsitz dos Ober- regierungsrats S e e g e r vom Reichsinnenministerium stattfinden. Außer ihm gehören der Ober-Filmprüfftelle' an der deutsch- nationale Abgeordnet« und frühere Chefredakteur der„Deut- schen Tageszeitung, Paul B a e ck e r, der christlichsoziale Professor Dr. H i n d e r e r,«ine, wie man annimmt, weit rechts- stehende Frau und ein Arbeitnehmervertreter. Der Film„Im Westen nichts Neues" wurde am Mittwoch im Reichsministerium des Innern Mitgliedern der Reichsreoierung vor- geführt. Das HugenSerg-Interesse. Für den Film„Im Westen nichts Neues" ist ein Heft des „Film-Kurier" in einer Auflage von 100 000 Exemplaren gedruckt worden und wird verkauft. Hersteller: Kupfertiefdruck von August Scherl G. m. b. H. * Zu der Presscaufführung des Films vor der Premiere waren Zwei Vertreter der Ufa«ingelaten. Sie äußerten sich begeistert. Sie bedauerten, aus politischen Gründen den Film nicht übernehmen zu können. Sie erklärten jedoch, in den Städten, in denen sie zu 50 Proz. an den Theatern beteiligt seien, möchten sie ihre Teilhaber ab- schließen lassen, um das sicher zu erwartende große Geschäft mit- zunehmen. Falls politische Beanstandungen kommen würden, hätten sie Immer Die Möglichkeit, sich hinter ihren Teilhabern zu decken. Praktisch ist es infolge der einsetzenden Krawalle zu solchen Abschlüssen nicht gekommen._ Auch Laval gescheiieri. Paris, 10. Dezember. havas bcrichlcl, daß Senator Laval auf die Kabinettsbildung i verzichtet hat. Radauszenen im Reichs Tlazi-Objekte für Psychiater. Im Reichstag verlangte am gestrigen Mittwochnachmittag vor Eintritt in die Tagesordnung Aber Dr. Jtltf tNat.-Soz.) das Verbot des„Schandp.lms" .,Im Westen nichts Neues" und beantragte, die sosortige Haft- entlassung feines Frattionsgenossen Dr. Fa b r t e i u s zu be- schließen. Dieser sei wegen angeblicher Beleidigung der Polizei verhaftet worden, obwohl er den Polizeiobersten Jeimanns- berg nur><- um eine Auskunft gebeten hätte.(Pfuirufe rechts.) Der sofortigen Bebandlung des Antrages wird von links widersprochen. CLärm rechts.) Abg. Dr. Frick lNatsoz.) verlangt sofortigen Zusammentritt des Aelteltenrats zur Beratuna seines Antrags. Präsident Döbe: Der Aeltestenrat kann nicht zusammentreten. wen" das Plenum tagt. Darauf beantragt Abg. Dr. lsrick Vertagung und nament- liche Abstimmung darüber. Diese ist sedoch nach der Geschäfts- ordnnna in einem solchen Fall nicht zulässig. Da die Abstimmung zweifelhaft bleibt, wird Auszählung angeordnet. Die Vertagung wird im Hammelsprung mtt 214 Stimmen der Rechten nnd der Kommunisten aegen IS? Stimmen der übrigen vartelen bei einer Enthaltung beschlossen. (Händeklatschen rechts.)— Die Sitzung wird unterbrochen, der Aeltestenrat tritt zusammen und nach balbstündiger Pause teilt Präsident tobe mit: Die im Aeltestenaueschuß vertretenen Varteien haben sich geeinigt, daß gegen die Beratung des Antrags Frief in der heutigen Sißunp Einspruch nicht erhoben werden soll. Ich nehme an, daß alle Mitglieder sich dem anschließen, stelle dem- gemäß den Antrag als ersten Punkt auf die heutige Taae-ordnung und schlnae vor, ihn ohne Debatte anzunehmen.(Geschieht.— Händeklatschen rechts.) Die Rekorm des Sirafrechis. Durch die Auflösung des Reichstages ist die mit Deutsch- Oesterreich gemeinsam« Reform des Strafgesetzbuches unter den Tisch gefallen.(Uebrigens auch in Deutfch-Oesterreich durch die Auflösung des Nationalrats.) Um dies« mühselige Arbeit nicht nochmals beginnen zu muffen, hat Abg. Dr. Kahl(D. Vp.) sie als Initiativantrag eingebracht. Dieser Antrag steht nun zur Beratung. Abg. Dr. Kahl(D. Vp): Der Antrag bezweckt die reibungslose Fortführung der durch die Reichstagsaufläsung unterbrochenen Äusschußarbelten über die Strafrechts reform. Ich bitt« um die Unterstützung des Reichssuftizministeriums. Die Ausschuharbeit darf nicht umsonst fein. Die Unterschriften unter dem Antrag be- deuten kein« Binduna an den Inhalts der Gesetzentwürfe zur Straf- rechtsreform, um Mißvsrständniffen vorzubeugen. Der Redner stellt die?8jShrioe Geschichte der Strafrechtsreform kurz dar. Präsident Lobe teilt mit, daß Abg. Dr. Fabricius schon vor der Annahme des Haftentlassungsantrags nicht mehr in Hast ge- wefen ist. Abg. Dr. kahl(fortfahrend) warnt davor, aus einer gewissen Verdrossenheit, die in manchen Kreisen über die Ergebnisse der Be- ratung vorhanden ist, die Fortführung der Arbeiten abzulehnen. Cr wendet sich zum Schluß gegen die primitive Absckreckungs- cheorie und setzt sich für eine soziale und psychologische Beurteilung des Verbrechertums ein. Gegenüber Oest?rrei6> wäre die Einstellung der Arbell eine Treulosigkeit,(Beifall der Mitte.). Stellv. Reichsstsstizminister Zoel spricht dem Antragsteller den Dank für seine Initiative aus. Sein Name werde auf immer mit diesem Reformwerk verbunden sein. Da» 60 Jahre alte Strofrecht kann angesichts der sozialen und politischen Umwälzungen nur veraltet sein. ZVir müssen Deutschlands.Führerstellung auf dem Gebiete der internationalen Slrasrechtsresorw erhallen. Eine Novellengesetzgebung kann nur Stückwerk sein. Auf einen Zwischenruf des Abg. Rosenfeld(Soz.), der sich gegen die Todesstrafe richtet, antwortet der Redner Mit einer Aufzählung der Schwierigketten des Reformwerkes. Abg. Montau(Chr.-Soz.): Wir treten im allgemeinen für Milderung vieler Strafen ein, verlangen aber Strafverschärsung und Verlängerung der Uebergangszetten für Gewohnheitsverbrecher. Ueberhaupt stellen wir Erziehungsmaßnahmen für pathologische Verbrecher in den Vordergrund und verlangen Erhöhung der Geldmittel für Hastentlassene.- Abg. Dr. Löwenlhal(Komm.): Die Sozialdemokraten haben die reaktionärsten Bestimmungen über Hoch, und Landesverrat und nach freigelassen haben, während Sie kranke Klassenkämpfer jahrelang im Zuchthaus sitzen ließen. Der Redner spricht von dem Terror der weißen Bestien(Lärm der Nazi. Rufe: Un« verschämter Judenjunge.— Präsident Läbe fragt, wer diesen Ausdruck gebraucht hat. Es melden sich vier Nazi. Sie er- halten Ordnungsrufe. Abg. Heines verlangt vom Präsidenten, daß der Redner zur- Ordnung gerufen wird.— Präsident Lobe: Ich weiß selbst, wenn ich zur Ordnung zu rufen habe.) Jene Lause- jungen...(Schlußrnfe der Nazis machen die Ausführungen des Redners unoersläirdlich. Der Präsident erteilt dem Redner, der erklärt, nicht Abgeordnet« zu meinen, eine Rüge.) Die Hock)- und Landesverratsbestimmungen knebeln die klassenbewußte Arbeiter- schast.(Hohngelächter rechts.— Rufe: Sieht so ein deutscher Arbeiter aus?— Was geht den Juden das deutsche Recht an?) Dann gehen Sie doch hinaus!(Präsident Löbe droht den Nazis Ausweisungen an, wenn sie weiter lärmen. Daraufhin tritt etwas Ruhe ein; die Nazis begnügen sich außer dem Abg. Stöhr, der das wohl als Vizepräsident nicht mitmacht, damit, dem Redner den Rücken zuzuwenden und Zeitungen zu lesen.) Für das neue Strastecht ist alles Geschlechtliche Unzucht. Nach weiterer« Kritik der Strafbestimmungen vertröstet der Redner aus das kommende „volksfreundliche" sowjetdeutsche Gesetzbuch.(Händeklatschen der Kommunisten.) Abg. Dr. Frank II(Natsoz.)— von anhaltenden Zurufen der Kommunisten begrüßt und zunächst am Reden gehindert— dringt zunächst mit dem Ausdruck„Unverjchämcheit", osfenbar aus den Bor- redner zielend, durch: er erhält einen Ordnungsruf, gleich darauf »inen zweiten wegen einer wetteren Beschimpfung des„Proletariers Löwenthal". Der Präsident macht ihn auf die drohende Ausschlie- ßung aufmerksam. Da die störenden Zwischenrusserien, jetzt von den Kommunisten. andauern, droht Präsident Lobe, die Sitzung zu schließen-, da dann der Präsiden« die nächste Schung anzuberaumen habe. verlören die Störer dann die Möglichkeit, ihre Anträge zu vertreten. Frank II erwidert auf die Bezeichnung des Abg. Heines als eines Fememörders und auf den Hinweis aus Hitlers Meineid(SA. be- deute Sportabteilung!). Juden und Kommunisten könnten die Nazis nicht beleidigen.(Präsident Löbe mahnt die Kommunisten zum letzten Male, die künstliche Unruhe einzustellen.— Gegenruf« der Lommunisteu: Er beschimpft uns dauernd!— Händeklatschen rechts.) Wenn Löwenthal zum � 218 von Kaninchenzucht gesprochen hat. so steigen wir auf den Tiefstand einer sol-ben Beschimpfung der deut- schen Mütter nicht hinab.(Obligates Händeklatschen rechts.) Das Recht wird heute gegen uns angewendet, aber der siegende Rallonalforialismus wi'd Deutschland aus seine ethische 5)öhe emporheben. (Stürmisches Gelächter links.— Händeklatschen rechts.) Der Zwei- kämpf, den man bestrafen will, ist der Auswuchs edlen Mannes- tums. Die Schächtung wird nur betrieben von jenem asiatischen Volk und zur gemeinsten Quälerei des Schlachttieres.(Der Vräsident ersucht wieder um Ruhe, da der Redner trotz allen Stimmauf- wandes kaum durchdringt.— Ruf rechts: Eine schön« Quasselbude bier!— Der Präsident mabnt abermals zur R"he und erteilt einem Kommunisten den zwesten Ordnungsruf.) Als Frank w-eder gemein schimpft, ruft ihn der Präsident zum dritten Male zur Ordnung und entzieht ihm das Wort.(Wüstes Geschrei rechts.) Abg. Wenmann(Z.) erklärt den Strafgesetzentwurf für unan- nehmbar. weil die Wünlche des Zentrums nickst erfüllt worden sind. Troßdem stimmt das Zentrum für Ausschußberatung, weil große Fraktionen des Hauses eine Weiterberatung wünschen und wekl das Reformwerk nicht umsonst gewesen sein soll. Abg. Or. Rosenfeld(Soz): Wir wolsten ursprünglich einfach dem Antrag zustimmen, ohne das Wort zu ergreifen.(Abg. Goebbels«rbält für einen beleidigen- den Zwischenruf einen Ordnunasruf.) Angesichts der Angriff« gegen uns halten wir es für notwendig, doch zu dem Antrag zu sprechen. Wir sind Dr. Kahl zum Dank für seine mühevolle und sachliche Arbeit im Strafrechtsattsschuß verpflichtet. Wir haben auch Dr. kahl in vielen Fällen eher bereit gefunden, als Vertreter anderer Parteien, modernen nnd sozialen Gesichtspunkten im Strafrecht zur Durchführung zu verhelfen. Wir sind trotzdem nicht so optimistisch über die Modernisierung des Strafrechts durch den neuen Strafgesetzentwurs. wie Dr. Kahl und Staatssekretär Joel. Ungeachiet der jetzigen Zusammensetzung des Reichstags wollen auch wir die Arbeit einer dringend notwendigen Reform fortführen. Wir halten es für einen Fortschritt, das freie Crmessen des Richters in vielen Straientscheidungen einzuführen, wo ein starres Gesetz bisher harte Bestrafung auch dann vorsieht, wenn der Richter eine mildere Strafe für angebracht fand. Das freie Ermessen des Richters setzt aber eine hohe Berant« w o r t u n a und volle politische Vorurteilslosigkeit des Richters voraus. Obgleich schön wesentliche Verbesserungen in der Recht- sprechung besonders in Preußen durchgeführt worden sind, muß besonders die politische Rechtsprechung vieler Gerichte und vor allem des Re'cki-gerichts stark kritisiert werden. Desw-aen we-den wir im neuen Strafrechtsausschuß dafür zu arbeiten haben, daß die Grenzen des freien richterlichen Ermessens nicht zu weit gezogen werden, um allzu harte Urteile besonders in poli fischen Prozessen zu vermeiden. Wir wollen all« Ungereckitigkeit der Rechtsprechung aueschalten, sowett das in einer Klassengesellschaft möglich ist. Wir sind im allgemeinen sür Rlildcrung sämtlicher Skrasbestimmunaen und insbesondere der politischen Strafen. Die Rechtsprechung in hoch- und Landesverraksprozessen ist geradezu eine Schande für Deutsch- "• land. Die Bemühungen der Justizverwaltung um Besserungen auf diesem Gebiet haben bisher nur geringen Erfolg gehabt. Wenn Abg. Löwenthal ironisch von unserer Mitarbeit bei den Hoch- und Landes- verratsparagravhen sprach, so denke er doch an unseren verst»denen Freund Paul L e v i. der sich aufs ernsthafteste um die Abänderung der drakonischen Strafbestimmungen bemüht hat. Die Kom- innnisten haben nicht«inen einzigen Abänderungs- entrao zu diesen Paragraphen gestellt. Lei den verschiedenen Amnestiegeseizen haben die Kommunisten eiae unwürdige Schaukelpolitik getrieben: einmal stimmten sie gegen unsere Anträge, das andere Mal war die Annahme unserer Anträge für sie die Voraussetzung zu ihrer Zu- stimmung zum Gesetz, das drittemal machten sie uns Vorwürfe, weil wir Bestimmungen angenommen haben, die die Kommunisten als viel wesentlicher ansahen, als wir sie selbst angesehen haben. Wir werden uns auch bemühen, beim Strafgesetz Aenderungen durchzusetzen. Freilich nicht von der Art, die Dr. Frank geforden hat. Er hat uns das Recht abgesprochen, die ethischen Belange wahrzunehmen. Diese Belange vertritt wohl eine Partei, in deren vorstand Fememörder sitzen, eine vartei, die nur umzugehen versteht mit Revolver, Dolch, weißen Mäusen und Stinkbomben! (Sehr wahr! links.) Solche Herren wollen uns das Recht strettig machen, die ethHchen BeMnae d-s deutschen Volkes wabrzunebmen? (Zuruf rechts: Das verstehen Sie ja gar nicht!) Wenden Sie sich doch an Ihren Freund Münchmeyer, den Fleischbeschauer des dritten Reiches. (Heiterkeit links und in der Mitte, Geschrei rechts.) Sehen Sie sich in Ihren Reihen um. Denken wie doch an Ihren Kollegen We tz e l, der wegen Abtreibung bestraft ist.(Hört, hört! links und in der Mitte.) Sie beze'chnen ja Abtreibung als ganz besonders verabscheuungswürdiges Verbrechen. Sie haben auch erklärt, daß Sie keineswegs gesonnen sind, im Strasrechtsausschuß sachlich mit- zuarbeiten. Das macht auf uns keinen Eindruck, denn wir haben es gar nicht für möglich gehalten, daß diese Herren sachlich mitarbeiten können. Es spielt deshalb gar keine Rolle, ob Sie am Strafrecht mitarbetten oder nicht, denn niemand würde merken, daß das geschehen ist. (Sehr gut! links.) Frank II hat noch von dem Film gesprochen, der angeblich dem deutschen Volk ausgezwungen werden soll. Nun, ich habe noch niemals«inen Film aelehen d<-r gerade, weil er von ieder Tendenz frei ist, einen so tief erschütternden Eindruck auf jeden anstündigen Menschen macht. (Die Nazis schimpfen wie toll.) Sie verstehen das nicht, und Ihr Protest erscheint nur als Ausdruck der Tatsache, daß damals, als Sie den Kriegsschauplatz wirklich sehen konnten, vorgezogen haben, sich anderswo aufzuhalten.(Wüstes Gebrüll rechts.— Sie schreien, oaß st« von allen Fraktionen den arößten Pro,zenti>atz an Kriegs- teilnebmern häston, und iraaen den Redner höhnisch, mo er damals gewesen sei.) Ich war sowohl in Rußland wie in Frankreich im Schützengraben, aber von manchen Ihrer Führer sieht fest, daß sie nicht im Kriege gewesen sind. (Der Präsident ruft einen der brüllenden Nazis zur Ordnung.— Andere schreien:„Der Dreckfilm soll die Wahrheit zeigen? Wir wissen, was im Felde war.") Einige weitere Sätze des Redners gehen im Geschrei unter.(Ein Sozialdemokrat hatte den Nazis �uaernfen. sie hästen während des Krieges nur aeiressen. Der kriegs- beschädigte Abg. Vetter(Natsoz.) zeigt seine Prothese am Bein vor, ruft hinüber:„Da seht ihr. wo ich gewesen bin", geht zur Linken und bedroht den Zurufer, ihm in die Fresse zu hauen. Dafür wird Vetter vom Präsidenten wegen Bedrohung eines Wgeordneten ausgewiesen.) Wir werden im Ausschuß mttgrbeitoa zum Wohl der Arbeiterklasse.(Lebhafter Beifall der Sozialdemokraten, Hohngelächter rechts.) Ein psychologisches Rätse!. Abg. Dr. Katpenstein(Natsoz.): Wenn ein 60-MUIionen-Volk ein neues Strafgesetz erhalten soll, muß es einen enchettlichen Willen haben, die Kultur, Ehre, Rasse, Keuschheit der Leiber usw. zu schützen.(Heiterkeit links; Händeklatschen rechts.) Da muß der Geist des Volkes nicht in der brennenden Sonne der Intelligenz verbrannt sein. Wir sehen, daß dort in dem Jnter- essentenhaufen, bei den Int elligen z b e st i en, den Gewerk- schaftsbonzen und Konlumvereinsemporkömmlingen die Heiligkeit des Kerpens keine Achtung mehr- hat(Ausruie des Crsta"nens und der Verwunderung links.) Der Redner spricht von Gesetzen der sozialdemokratischen Krankenkatzenkassierer. cr erntet mit krausen Wortgebilden und Kraftworten vom II n t e r m e n k ch« n t n m, von allassyrischem Uradel, von Ausnahmegesetzen aus Kautschuk usw. das Händeklatschen seiner Leute. Er fährt fort, von„elend schleimenden SPD.-Bonzen" zu sprechen, deren Geist ihn„ankotze". (Rüge des Präsidenten.— Zwei Ordnungsrufe für den Kommu- nisten Noack.— Da der Redner seinen Ausdruck nicht auf Abgeordnete gemünzt haben will, nennt ihn ei» Kommunist„Feigling". Dafür gibt es einen Ordnungsruf, ebenso wegen eines gegen Die Kapitalfchützer vom Hakenkreuz. Fm Reichstag stimmte die Nazi-Fraktion g- schloffen 3' gen die Besteuerung der vermögen über eine halbe Million, der Oividenden, Aussichtsratstantiemen usw. Oer Geldsack:„Roch niemals in der Weltgeschichte bin ich unter so bezaubernden Parolen geschützt worden." G oeöbel» gerichteten Zurufs:»Sie Aainmerflgerk' lorgler tSomm.) meint:.Wieso denn? Da, ist doch nur eine Berufs» bezeichnungl"(Stürm. Heiterkeit.) Abg. Dr. Kahl(OBP.) crklärk. auf das Schlußwort als Zlnlragsteller mit Rücksicht aus den Tiesstand der Diskussion?u vernichten und seßt hinnu: Wenn die Herren der äußersten Rechken und Linken konsequent wären, so würden sie auf die Mitarbeit verzichten. Dann bekämen wir ein gutes Strafgesetz.(Lebhafter Beifall der Sozialdemokraten und der Mittelparleien.— Der Redner wird von den Razisührern erregt interpelliert.) Gegen die Stimmen der Flügelparteien wird der Antrag dem Strasrechtsausschutz überwiesen.— Es folgt die Weiterberatung über das pensionskürzungsgeseh. Abg. Dr. Reinhold(D. Staatsp.) kennzeichnet den Front- Wechsel der Natsoz. in der Frage der Beaintengehälter und Pensionen gegenüber der Wahlhetze wider die Beamten. Gestern haben wir den großen Einfluß der vielen Pensionsempsanger unter den Natsoz. feststellen können. Der Redner spricht für das Berufs- beamtentum und behalt sich Verbesserungsanträge vor. Abg. Lücke(Wirtschp.) wünscht stärkere Anrechnung des Arbeitseinkommens, begrüßt aber die Nichtanrechnung des Kapital- einkommens. Die Höchstpension sollte 12 000 3)1. betragen, das Gesetz darf nur ein vorübergehendes Notgesetz sein, weil die Beamten- rechte wieder hergestellt werden müssen. Der Redner schimpft auf di« Beamtenkonsumvereine und ruft zum Kampf gegen den Sozialismus auf.(Heiterkeit links.) Abg. Dr. Völker(Soz.): Die Beamteirschaft hat ganz richtig erkannt, daß sie sehr gut daran tut, sich des Mittels der Selbsthilfe und der Konsumgenossen- schaften zur Erleichterung ihrer wirtschaftlichen Lage zu bedienen. Der Deutsche Veamlenbund, den Abg. Lücke deswegen angreift. zählt auch Herrn Lücke zu seinen Mitgliedern, und er hat in der Wahlagitation stets seine besondere Eignung zum Beamten- Vertreter hervorgehoben. (Hört! Hört! links.) Wir fordern, daß jeder Arbeitende seine aus- kömmliche Versorgung findet. 3Lenn aber pensionierte Beamte eine ausreichend bezahlte Stelle haben, dann kann der notleidende Staat nicht noch Geld zur Ueberbezahlung hinzugeben.(Sehr wahr! links.) Abg. Sprenger hat gestern über die Kulturhöhe des Berufsbeamtentums philosophiert und nötigt mich dadurch, die Ehre des Berufsbeamtentums zu verteidigen.(Naziruf: Da sind Sie der richtige!) Sie sehen alle nicht Ihrer Partei angehörigen Beamten als Schmarotzer,„Revolutionsgewinner" und„Partei- beamte" an. Sie sollten über die Ausnutzung politischer Stellen zu privatem 3!utzen lieber schweigen. Zum Beweis dafür berichtot der Redner ausfuhrlich über jenen nationalsozialistischen Sparkassenvorsteher in Stralsund, der einem Landwirt gegen hohe Provision den Ankauf eines der Stadtsparkasse verschuldeten Kinos angeraten hat. (Die Nazis versuchen dauernd, den Redner zu übertönen.) Am 22. Februar d. I. hat dieser Mann an den Landwirt noch einmal einen dringenden Ermunterungsbricf zum Ankauf des Kinos gc» schrieben.(Lärm rechts.— Hort! Hört! links. Oftmaliger Zuruf rechts: Erzählen Sie doch von den Schiebungen von Isidor Weiß seinem Bruder.) Ja, ich erzähle noch von manchen Schiebungen, zum Beispiel in K o b u r g.(Dauernde Störungsversuche rechts.) Dort hat sich der nationalistische Stadtrat Faber auf Grund vertrau- licher Mitteilungen in den Gemeindeausschüssen ein Grundstück ge- sichert, das die Stadt kaufen wollte, und hat es ihr dann mit erheb- lichem Gewinn weiterverkauft. Außerdem hat er sich die Lieferung für städtische Dienststellen verschafft, die ihm einen schöneiz Gewinn eingebracht haben. Solche Berfehlungen einzelner Parteimitglieder dürfen nicht einer Parket in die Schuhe geschoben werden, aber zur moralischen Entrüstung besteht bei Ihnen gar kein Anlaß. Sie sollten einmal gezwungen werden, Ihre Reichstagsreden zur Pensionskurzung auf dem Lande zu wiederholen, wo Sie vor der Wahl die schamlose st e Beamtenhetze getrieben haben. Sie haben da rigorose Herabsetzung der Beamtengehäller verlangt. In der Stadtvertretukig Halle haben S i e«ine Gehaltssenkung für die leitenden Angestellten der städtischen Werke beantragt. Im Ausschuß haben Ihre Vertreter dann diesen Antrag n i e d e r g e st i m m t. Si« mußten allerdings bei der Schluß- abstimmung im Plenum wieder dafür stimmen.(Hört! Hört! links.) Als unser Parteigenosse Frölich in Thüringen Minister war. betrug sein Gehalt 7Z00 Mark. Der Ordnungsblock und Sie (zur Frick-Partei) haben das Minisiergehalt aus 19 000 Mark erhöht; dazu kommen noch eine jährliche Aufwandsentschädigung von 2000 Mark und Wohnungsgclder. (Geschrei der 3!azis.) Seinerzeit haben die Nationalsozialisten hier im Reichstag einen Antrag auf Beschränkung der Ministergehälter eingebracht, und in seiner Begründungsrede sagt« Herr Frick:„Die Minister machen sich die Taschen voll."(Große Heiterkeit.— Empörte Zurufe der 3iazis, aus denen man unter anderem heraushört, ein so schlecht«. Deutsch spreche Frick nicht.) Machen Sie das miteinander aus!(Großes Geschrei rechts.) 3m Thüringischen Landtag habe« unsere Genosse« warkwörMch denselben Antrag eingebracht, da haben die Rationalsozialisten dagegen gestimmt. (stürmisches Hört! Hört! links und in der Mitte), wobei ihr Wort- sichrer sagte, Minister Frick müsse leider sein ganzes Gehalt an- nehmen, weil ein Gesetz auf Gehaltssenkung nicht durchzubringen sei.(Hört! Hört! links.) In der ZVahlbewegung hatte man den Eindruck erweckt, daß Frick auf einen erheblichen Teil seines Ee- Haltes verzichtet hätte. Staatsministcr Baum hat im Landtag das Gegenteil festgestellt.(Andauernde Störungsrufe Fricks und anderer Nazis, darunter auch die Rufe„Lügner" und„Berufsschieber".— Vizepräsident S t ö h r fordert schließlich, durch andauernde Zurufe der Linken veranlaßt, den Schimpfer auf, sich zu melden, und ruft ihn dann zur Ordnung, bezeichnet aber gleich- zeitig die Sleußerung des Redners, jener könne ihn nicht beleidigen, als nicht parlamentarisch.) Keiner von uns macht Herrn Frick einen Vorwurf daraus, daß er das gesetzmäßige Gehalt bezieht. Aber der Gegensatz zwischen Ihrer Agitation und Ihrer Praxis mutz angenagelt werden.. Obajleich nach thüringischem Gesetz den Ministern eine Pension nur zusteht, wenn sie ohne eigene Schuld an ihrer Gesundheit solchen Schaden nehmen, daß sie aus dem Amt scheiden müssen, ist unter der Ministerschask Fricks eine Erweiterung der Pensions- bedingungen eingetreten. (Wütendes Geschrei rechts.) Herr Sprenger hat gestern behauptet, wenn erst seine Partei herrsche, dann brauchten di« Beamten keinen Verfassungsschutz ihrer wohlerworbenen Rechte. Die Beamten können froh sein, daß die Verfassung sie schützt. Gerade Herr Frick ist der Minister, der einen Rekord an verfassungswidrigen Erlassen aufgestellt hat, wie ihre Aufhebung durch die höchsten Gerichte be- weist.(Stürmische Zustimmung links, andauernder Lärm rechts.) Eine wüste Szene. Einig« der schreienden Nazis scheinen geradezu die Besinnung verloren zu haben. Im Verlauf einer Auseinandersetzung will sich Dreher auf den Sozialdemokraten Dr. Leber stürzen. Einige seiner Freunde halten ihn. Dreher balgt sich nun mit ihnen; es wird ein förmlicher Ringkampf. Der sich wie wahnsinnig gebärdende Frank II will Dreher zu Hilfe kommen, andere Nazis packen ihn und reißen ihn zurück. Nur allmählich kehrt die Ruhe wieder. Nach einer Rede des Abg. H e n n e s(Ehr.-Soz.) versucht Abg. Sprenger(Natsoz.) den Abg. Dr. Völler durch Schimpferei auf die„korrupten und verbrecherischen Parteibeamten" zu wider- legen. Abg. Lücke(Wirtschp.) verliest zum Beweis der nalionalsozia- listischen Beamtenhetze eine Nazischmähschrist aus der ZVahlzsit gegen das Berufsbeamtentum.(Lärm rechts. Beifall und ironische Zu- rufe links und in der Mitte.) Damit ist die erste Beratung geschlossen. In einer persönlichen Bemerkung erklärt Abg. Dr. völler(Soz.) auf eine Aeußerung Sprengers, er habe Minister Frick nicht den Vorwurf de- unrechtmäßigen Bezugs von Wohnungsgeld gemacht, sondern nur aus der thüringischen Besoldungsliste zitiert. Präsident Lobe schlägt für Donnerstag die Behandlung ver- schiedener Anträge und des Restes der Tagesordnung vor. Zur Tagesordnung beantragt Abg. Schmidl-Hannooer(Dnat.) Aussetzung der Mißtrauens- antrüge gegen Wirth, Curtiu- und Treviranus, außerdem die Be- Handlung des Antrags auf Sperrustg der Polizeikostenzuschüssc an Preußen. Dabei macht er provozierende Ausfälle gegen die Ver- fassung, das Parlament und die Link«.(Schlußrufe links. Prä- sident L ö b e droht dem Redner, ihm bei weiteren Ausführungen, die nicht zur Tagesordnung gehören, das Wort zu entziehen.)" Abg. Dr. Wendh�use»(Landvolk) schließt sich Schmidt-Han- nover an. Abg. Dr. Frick(Natsoz.) wiederholt den Antrag auf außen- politische Debatte samt Mißtrauensanträgen. Abg. Dr. Everling(Dnat.) beantragt für Donnerstag Beratung der Anträge, das Republikschutzgesetz aufzuheben, das er einen der Schandflecke der Republik nennt.(Rüge des Präsidenten.) Abg. Döbrich(Landvolk) verlangt, daß am Donnerstag der An- trag seiner Partei auf Verbot des Films„Im Westen nichts Neues" beraten werde. Die Abänderunosanträge zur Tagesordnung werden geaen di« Stimmen der Rechten und der Kommunisten abgelehnt. Der Antrag Everling im Hammelsprung mit 239 gegen 188 Stimmen bei einer Enthaltung. Wüste Beschimpfungen und Pfui-Rufe der Nazi gegen die Deutsche Volkspartei, di« mit der Mitte, den Sozial- demokraten und den Kommunisten den Antrag Döbrich ablehnt, bilden den Ausklang dieser Krawallsitzung. Schluß 20 Uhr. Nächste Sitzung heute 13 Uhr. Eurlius bei hindenburg. Der Reichspräsident empfing am Mittwoch den Reichsminister des Zluswärtigen Dr. C u r t i u s zum Vortrag. Blutiger Zwischenfall in Indien. Am Dienstag wurde bei einer militärischen Parade in Lahore ein englischer Artilleriehaupt- mann von einem indischen Unteroffizier erschossen. Der Attentäter tötete ferner einen indischen Sergeanten und beging dann Selbstmord. Di« Gründe der Tat sind in persönlichen Zwistig- leiten zu suchen. Krach beim Landvolk. Flucht eines Schiele-Anhängers in die Oeffentlichkeit. Der Reichstagsabgeordnete Monte hat seinen sämtlichen Mit- abgeordneten«in Schreiben zugehen lassen, in dem er gegen die Parteileitung des Landvolks die allerfchärfsten Vorwürfe erhebt. Mönke kandidierte auf dem llleichswahlvorschlag an elfter Stelle und wurde als sechster gewählt. Er hatte jedoch zuvor, ebenso wie andere Kandidaten, der Partelleitung eine unterschriebene Per- zichterklärung zur Verfügung stellen müssen, und die Partei- leitung hatte, wie Mönke behauptet, gegen alle Abmachungen seine Verzichterklärung an Stelle anderer an den Reichswahlleiter weiter- gegeben. Auf Vorstellungen Mönkes hin erklärte der Reichswahlleiter die Verzichterklärung für ungültig, und Mönke nahm nun die Wahl an. Das Vorgehen der Parteileitung bezeichnet er als Vertrags- und ZVortbruch und führt es darauf zurück, daß er als loyaler Anhänger Schieles den Höfer, Hepp, Wendhausen und v. Sybel nicht genehm gewesen sei. Mönke ist in di« Fraktion der Landvolkpartei nicht aufgenommen und aus der Partei ausgeschlossen worden. Verkürzt die Arbeitszeit! Aktion des LlSA-ArbeitSministerS. Washington. 10. Dezember. Der neue Arbeitsminister Tckat erklärte sich in seiner ersten osiziellen Aeußerung für die Einführung der Kurzwoche zur Behebung der Arbeitslosigkeit und ist zur Zeit bemüht, die Eisenbahnerorganisation, der er an- gehört, mit der Federation of Labor, die gegen ihn als Nichtmitglied agitiert hatte, zu einem gemeinsamen Pro- gramm für die fünftägige Arbeitswoche zu veranlassen. Belgien soll abrüsten! Sozialistisches Kampfziel. Brüssel, 10. Dezember.(Eigenbericht.) Der Generalrat der sozialistischen Partei Belgiens beriet über die Regierungsforderung von 300 Millionen Franken für den Bau neuer Festungswerke in Lüttich, Antwerpen, Namur, Termonde und Gent. Nach der Rede des ZZerichterstattcrs Wauters ist die ganze Partei fest entschlossen, gegen diese neuen Rüstungskredite einen schonungslosen Kampf zu führen. Sie hält den Bau neuer Festungswerke für eine Provokation der Nachbarländer. De Broucker« wies auf die Gefahr für den Frieden hin, die in der Bildung einer Liga unzufriedener Völker in Europa besteht. An dem Tag, an dem«in faschistisches Deutschland wieder bewaffnet ist, wird der Friede bedroht fein, aber wie können wir Deutschland die Bewaffnung verweigern, wenn wir selber Artikel VIII des versailler Vertrages nicht achten! Wir haben, sagte er, keine einzige Entschuldigung mehr, unsere Be- waffnung nicht zu beschränken. Graf Bernstorff hat Recht, wenn er in Genf die Forderung der Parität in der Sicherheit stellte. Die Sicherheit Deutschlands ist nicht größer als unser«. Alle Redner, auch die wallonischen(französischen) Delegierten forderten � Aushebung des französisch-belgischen Militärabkommens, da allgemein angenommen wird, daß die neue Festungslinie für Belgien vom französischen Generalstab vorgeschlagen worden ist. Vandervelde meinte, das französisch-belgische Militärabkommen habe seit den Locarno-ZZerträgen keinen Zweck mehr. Er nannte es eine Gefahr für Belgien, da es in Deutschland die Vermutung her- vorrufen könnte, Belgien habe gegenüber Frankreich andere Ver- pflichtungen als gegenüber Deutschland. Fremde Erde. Llrausführung in der Lindenoper. Ein tragisches Auswandererschicksal, musikdramatisch gestaltet. Wertvolle Ansätze zu einer wirkungsvollen Operndichtung. Begabte Musik von Karol Rathaus. Gute Aufführung, überragend die Gestaltung der Hauptrolle durch Herbert Janssen. Zum Schluß viel lveifall für den Komponisten, für Generalmusikdirektor Kleiber und alle Mitwirkenden. K. P. sGcwcrkschaftliches siehe 2. Beilage.) Berantwortlich filt Politik: Victor Schiff; Wirtschaft: u»®«, 1 Deckbetibezug 130/200, 1 Kissenbezug 80/80,"jr Vw 1 Kissenbezug reich garn. m msrnm Besuchstasche saffiangenarbtes Leder mit Flechtkordel, schwarz, blau, braun, 24 cm hoch 522. BERLIN C 2. SPAN DAUER STRASSE• KON 1G5TR ASSE• CEGRONDEI 1815 7lr. 529* 47. Zahrgang 1. Beilage des Vorwärts Vonnerstag, ii. Dezember 1930 Berlins Herz am Absterben? Preisausschreiben um die Sanierung der Altstadt. Als Beitrog zu der Diskussion über das Projekt der Mühlen dammregulierung bittet uns unser Mitarbeiter Dr. P a u l F. Schmidt um die Berosfentlichung der solgenden Zeilen: Die Pläne des Tiefbauamtes um den Mühlendamm und das Ephraim-Palais haben die Aufmerksamkeit der breiten Oessentlichkeit einmal gründlich wieder auf das Problem der Berliner Alt- st a d t hingewiesen. Es handelt sich hierbei absolut nicht nur um die Ber- k e h r s n o t, sondern um weit umfassender« und wichtigere Kom- plex«: letzthin um«me Existenzfrage Berlins überhaupt. Wenn der Kern der Riesenstadt, in dem sich die wichtigsten Ber- waltungs-, Wirtschafls-, Justiz- und Kunstgebäude befinden, in dem sich naturgemäß das richtunggebende Dasein der Reichshauptstadt ab- spielen müßt«— wenn dieses Herz Berlins am Absterben ist, der Verwahrlosung und Verödung verfällt, wie es tatsächlich der Fall ist, dann muß schleunigst und nachdrücklich eingegrisfen werden, soll die Fäulnis von dorther nicht den ganzen Körper der Stadt ergreifen. Mit lokal begrenzten Mittelchen, die sich allein auf Verkehrs- rcguliernirg beschränken und dafür große Summen beanspruchen, wie es das Projekt der Mühlendammreguiierung darstellt, ist gar nichts getan; schlimmer: es wird der Weg zur Gesundung hoffnungslos verrammelt. Stadtbaurat Wagner hat in einer Denkschrift an den Magistrat alle Gründe zusammengefaßt, die dieses bürokratische Er- zeugnis in den Orkus versinken lassen, wohin es gehört. Erst wenn man hiermit reinen Tisch gemacht hat, ist die Mög. lichkeit gegeben, das Problem der Berliner Altstadt von allen Seiten her anzuschneiden und stodtbaulich, verkehrspolitisch, juristisch, wirt- schastspolitisch zu lösen. Eine ungeheure Aufgabe, zu deren Lösung vielmehr alle Kreise von Sachverständigen zusammenwirken müssen, Der Cityausschuß ist nach seiner Bestimmung und der Art seiner Zusammensetzung die dafür geeignete Organisation. Er hat das Projekt auch schon längst in die Hand genommen und bereitet ein großes Preisausschreiben zur Erlangung von Jdeenentwürfen für die Sanierung der Berliner Altstadt vor, d. h. für ihren süd- lichen Teil zwischen Königstraße, Spittelmarkt und Jannowitzbrücke, um den es sich vor allen Dingen handelt. Dieser Wettbewerb wird so sortfältig und ausführlich vorbereitet, daß er erst zum Frühjahr 1931 an die Oeffentllchkeit treten wird. Er wird alle Fragen um- fassen, die hier überhaupt in Betracht kommen, um den Kern Ber- lins seiner Bestimmung wiederzugeben. Ueber dreißig umfassende Gutachten aus allen Gebieten der Wirtschaft, der Baukunst, des Rechts, des Verkehrs werden dazu eingeholt von den besten Sach- kennern: ein immenses Kartenmaterial wird als Unterlagen bei- gesteuert werden. Man kann darum heute noch nichts Genaueres aussagen. Es ist aber notwendig, die Oeffentlichkeit darauf oorzu- bereiten und für diesen gigantischen Plan zu interessieren, um alle einzelnen Streitfragen, wie eben die um Mühlendammschleuse und Ephraimpalais zum Schweigen zu bringen und Geduld üben zu lassen für den großen Wurf, der zur Diskussion steht. Martin Mächler, der um die Planung Eroß-Berlins sich schon so bedeutende Verdienst« erworben und wohl als der Sachverständige umfassendster Art für dies« Fragen zu gelten hat, leitet die Vor. arbeiten für das Preisausschreiben. Stadtbaurat Wagner, die offiziell maßgebende Instanz, bleibt in Verbindung damit. Der Kern dieser Probleme wird die Schaffung einer Verbindung von Alexanderplatz und Jägerstraße f«in als Entlastung und südliche Parallesstraße des Königstraßentraktes: um diesen Verkehrsnerv kristallisieren sich alle weiteren Fragen: Dnrchliiftuug der City, Mühlendamm, Verwertung der Spreeufer, Verbindung von Spitt«!- und Molkcnmarkt, die mit hundert anderen stadtbaulichen Lösungen im engsten Zusammenhang stehen. „Eigene Scholle." Ein übler Schwindler zu Gesängnis verurteilt. Das erweilerle Schöffengcrichl Berlin-Mille verurteilte den Saufmann Joseph M a l i s k e wegen Betruges zu einem Jahre neun Monaten Gefängnis und 3000 Mark Scldstcosc. Matisk« ist den Strasbchörden nicht unbekannt. Schon mehrere Male muhte er wegen Schwindeleien verschiedener Art belangt und bestraft werden. Di« Straftat, die jetzt vor dem Schöffengericht Mitte zur Verhandlung stand, ist deshalb besonders vcrdammcnswert, weil der abgefeimte Betrüger«ine in besonderem Maße notleidend« Bevölkerungsschicht heimsuchte: Di« Menschen ohne 5)« i m und Obdach. Er gründete auf jchwindelhajten Unterlagen eine Gesellschaft, die sich„E i g e n« Scholl«" nannte und Wohnungen versprach, und er versandte durch ganz Deutschland Prospekt« und Arxrbietungen, um Opfer zu sangen. Er versprach da» Blau« voür Himmel herunter, aber von vornherein wußte er, daß er seine An- prcisungen nicht wahr machen konnte, und er wollte sie auch gar nicht wahr machen. Er wollt« nur Anzahlungen. Provisionen, Kautionen und wie sich dergleichen schöne Dinge mehr nennen. Er wollte die Wohnungsloscn um das Letzte, was sie vielleicht lzatten, um das bißchen bore Geld berauben. Auf den Schwindler sind leider viele hereingeiallen, und erst als es nicht mehr möglich war, all« Betroffenen vor Schaden zu bewahren, kam die'Angelegenheit zur Kenntnis der S t a a t s a n w a l t s ch a f t. Reben Matiske saßen seine Handlanger und Gehilfen auf der Anklagebank, Brüder mit der gleichen Kappe. Auch sie wurden zu Gefängnisstrafen ver- urteilt. In feiner Urteilsbegründung geißelte der Bor- sitzende das Treiben des Schwindlerkonfortiums auf das schärfste. In einer Zeit größter wirischastlicher Rot durch geineine Schwin- deleien gerade die ain meisten Notleidenden auszubeuten, ist ein Verhalten, das scharfer Sühne bedarf. Die Beweisaufnahme habe zur Evidenz ergeben, daß das Unternehmen' des Angeklagten ein S ch w i n d e l u n t« r n e h m« ii war. Der Prozeß gibt für alle, die ohne eigenes Heiin, ohne eigene Wohnung sind, eine«rüste Warnung. Man kann bei An- kiindigungen und Versprechungen nicht vorsichtig und bedachtsam genug sein. Ohne genaue Nachprüfung, ohne Erkundigung beim Rechtsanwalt oder bei Behörden sein Geld auf schöne Worte hin vxggeben, heißt allzuoft, wie der Berliner sagt,„sein Geld in die Spree schmeißen". Wer will helfen, Xof zu lindern? Die Arbeitcrwohlsahrt veranstaltet gegenwärtig eine große Wohlfahrtslotterie, deren Reinertrag ausschließlich zur Linderung der Not mid zur Erhaltung von Wohl- f a h vt s e i n r i cht ii ii g e ii bestimmt ist. Das E i n z e l l o s kostet'öll Pfennig. Die Ziehung ist am 19. und 29. Dezember d. I. Die Gewinnchancen bei dieser Lotterie sind ganz ungewöhnlich günstige. 139 671 Gewinne und zwei Prämien im Gesamtwerte von 590 909 Mark werden ausgespielt. Der Höchstgewinn ist ein«in- gerichtetes Landhaus. Auch die Hauptgewinne sind Landhäuser, weitere Gewinne sind: Klaviere, Sprcchapparate, Küchen, Motor- räder, Nähmaschinen, Fahrräder. Wer es wünscht, kann auch Bar- geld bekommen: d nicht viel Auskunft geben konnte. Sie hatte■ lediglich den Auftrag, zu schreiben und die einlaufenden Gelder in! Empfang zu nehmen, bis der„Ehef" kam. Während die Kriminal- bean lsn si.'s Büro noch durchsuchten, erschien der Postbote und bracht? tll E'nzahlungen, die sofort beschlagnahmt wurden. Der an- gebllchc Pleß hatte wohl beobachtet, daß man ihm auf die Schliche gekommen war. und ließ sich weder an diesem Tage noch später mieberselien. Um Friedenaus Wasserversorgung. Bekanntlich war der Wosserversorgungsvertrog für den Ortsteil Friedenau durch die Stadt Berlin zum 1. Januar 1939 gekündigt worden. Die Charlottenburger Wasser- und I n d u st r i« w e r t«?l G., Berlin, beanspruchte das Recht, die an ihr Rohrnetz angeschlossenen Grundstücke auch westerhin mst Wasser zu beliefern. Dieses Recht ist ihr von der Stadt Berlin durch eine Feststellungsklage streitig gemacht worden. Nachdem bereits das Landgericht und das Kammergericht die Klage der Stadt Berlin ab- gewiesen hatten, ist nunmehr der 7. Zivilsenat des Reichsgerichts Besonders traurig sieht es in diesem llahre mit der kleinen Weih- nachlssreude all derjenigen aus, für die daheim kein Weihnachtstisch bereitet wird, die bloß am Gabentisch der össenllichen Wohlfahrt einen schwachen Abglanz der Festesfreude erhaschen. Und hier wird in diesem Zahr der Weihnachtsmann nur spärlich, allzu spärlich Freuden spenden können. Am härtesten werden von dieser Einschränkung jene Armen betroffen, bei denen sich zur wirtschaftlichen Not auch noch die körperliche gesellt und darum deren Dasein so unendlich wenig Augenblicke der Freude hat. Ihnen immer wieder zu zeigen, daß sie nicht vergessen sind, ist mehr als eine weihnachtliche Geste, es ist für sie der Glaube an ihr Menschentum überhaupt, den man ihnen wiedergibt! Der allgemeine Blindenverein, der über 899 Mitglieder zählt, kann in diesem Jahre nicht einmal seine traditionelle große Weihnachtsfeier abhalten, weil er mit leeren Händen kommen müßt«. Bisher war es immer noch möglich, jedem Mitglied ein kleines Geldgeschenkt zu machen, aber die Kassen sind jetzt leer. Kranke und besonders Bedürftige mußten im Lause des Jahres da- mit unterstützt werden. Für das letzte Geld wurde noch in letzter Minute ein Bittschreiben an wohltätige Menschen ausgesandt, aber es sieht gar nicht so aus, als ob damit viel erreicht würde. Taubstumme Kinder hungern Ueber 5999 Taubstumme gibt es in Berlin: davon erhatten nur 24 ganz besonders bedürftige Familien eine weihnachtlich« Sonderbeihilfe! Und was es da für grenzenloses Elend gibt, da- von kann man sich erst einen Begriff machen, wenn man erfährt, daß neben einer übergroßen Ziffer Alter, Kranker und Arbeits- lose? sich eine Familie befindet, die allen Jammer der Welt auf ihren Häuptern trägt: Der Mann schwer lungenkrank, seit Jahren erwerbslos, die Frau, an einem Abortus schwer erlrankt, und vier taubstumme Kinder flehen mit den Augen um Brot! Die Körperbehinderten, die ja überhaupt nicht zu den staatlichen Unterstützungsempfängern zählen und sich deshalb zu einem Selbst- Hilfebund zusammengeschlossen haben, leiden auch schwer.unter der Not der Zeit. Bon den kleinen Mitgliedsbeiträgen soll immer viel für den Verband geleistet werden und so schmUZt der Kassenbestand wie Schnee im Märzenwind. Die Schwerhörigen, die Alten und die Siechen und noch eine ganze Reihe von Wohlsahrtsemp- fängern, sie sehen einem recht traurigen Fest entgegen. Gewiß, man wird das Möglichste für sie tun, aber es ist wenig, allzu wenig, gemessen an ihrer übergroßen allgemeinen Bedürftigkeit! Die Puppe im Gefängnis... Und wie wird es bei den G e f a n g e n e n am Weihnachtsabend aussehen? Die Gefangenen f ll r s o r g c r i n, die jedes Jahr für ihre Schützlinge mit ganz bescheidenen Mitteln eine Weihnachts- freude schuf, erklärt traurig, daß es in diesem Jahre wohl nicht einmal damit etwas werden wird.„Die Bilder habe ich wieder ge- sammelt, aber ich brauche Geld für Papier und ich getraue mich einfach nicht, dies zu verlangen. Und sie berichtet, wieviel Verbitte- rung und dumpfe Verzweiflung mit diesem kleinen Lichtblick ge- mildert wurde. Daneben gab es dann noch kleine praktische Ge- schenke, wie warme Handschuhe für den Gang ins Freie, warme Unterwäsche für die Frauen. Alles, alles muß diesmal unterbleiben. Dann erzählt sie noch ein ganz rührendes Erlebnis aus ihrer Praxis. Eine 2?jährige Gefangene, die in ihrem ganzen Leben noch keine Puppe im Arm gehabt hatte, wünscht« sich zu Weihnachten ein Pllppchen und bekam es auch. Trunken vor Freude rief sie immer wieder:„Dazu mußte ich erst ins Gefängnis kommen, um meine größte Freude zu erleben!" Wieviel Helle und Wärme strahlt in trostloses Dunkel, wenn man die Menschen als Leidensgenossen wertet...." * Weihnacht in quälender Ungewißheit der Untersuchungshaft und steter Sorge um unschuldig leidende Kinder, Frauen. Mütter zu durchleben," ist ein besonders bitteres Los. Wer hllft uns, diesen leidbeschwerten Herzen durch eine Spende eine Weihnachtsfreude zu machen? Gaben jeder Art werden erbeten an den„Fürsorgeverein des Untersuchungsgefängnisses", Alt-Moabit 12s.,(Postscheck 117 951 Berlin). Z. H. des Herrn Dr. Klatt. Parteiveteranen! Diejenigen Genossinnen und Genossen, die vor und während des Sozialistengesetzes für die Partei tätig waren, werden hiermit freundl.rnlt ihren Familienangehörigen emgeladen zum gemütlichen Beisammensein am Sonnabend, 13. Dezember, 19 Uhr im gr.Saal des Gewerkschoftshauses.Engelufer 24/25 Musik— Gesangsvorträge des Ebert-Manz-Quartetts I. A.s Wilhelm Grandel durch Urteil vom 9. Dezember 1939 dem Standpunkt der Charlotten- burger Wasser- und Industriewerke AG. beigetreten. Danach ver- bleibt die Wasserversorgung von Friedenau auch weiterhin bei der Gesellschaft. Mandolinenkonzert im Norden. In der Aula der Heinrich-Schliemann-Schule, Gleimstraße, kon- zertierte die Berliner Mandolinenvereinigung Nordi- sche Klänge 1905. In stattlicher Besetzung aller klangoerwandten Instrumente wetteifert der Mandoline überheller Tenor mit der dunkler gefärbten Gitarre und dem weich-melodischen Bariton der Laute: ab und zu riskiert auch der tiefe Brummbaß der Baßgeige einen Ton aus tiefsten Tiefen. Solch Zupfkonze't hat immer etwas ungemein Lebendiges, das hüpft und trillert in den schwindligsten Höhen, und das Zufammenfpiel der einzelnen Instrumente erzielt Wirkungen von ganz eigenartiger Klanaschönheit. Mit oem Krönungsmarsch aus„Prophet" wird das Konzert eröffnet, dann folgt Suppes Ouvertüre zu„Leichte Kavallerie", die sich mit ihren vielen fröhlichen Staccati ganz besonders gut für Mandoline eignet. Aber auch schwingenden Walzertönen und sanften Liebeslicdern wurde das gut eingespielte Orchester gerecht. Eine„Mandolinata" und Fuciks forscher„Florentiner Marsch" kamen ganz besonders gut zur Geltung und sicherten den Musikern viel Beifall. Eine Siebzigjährige. Genossin W'lhelmin« Erbe, Baum- schulenweg, seit 1888 Leserin des„Vorwärts" bzw.„Berliner Volksblatts", begeht am 13. Dezember ihren 79 Geburtstag. Frau Erbe, die heute noch an den Bestrebungen der Partei regsten Anteil nimmt, ist die Witwe des im Jahre 1918 verstorbenen, den älteren Genossen des ehemaligen 4. Berliner Reichstagswahlkreises(Südost) bekannten Wilhelm Erbe, der längere Zeit(1894) als Wahloereinsvorsitzender im genannten Kreis fungierte. Am heutigen Donnerstag, dem 11. Dezember, begehen Genosse Julius Bieweg und seine Frau Martha. Zlethenftr. 71, Seitenflügel, das Fest der goldenen Hochzeit. Die Fratinelli vor den Berliner Kindern. Die Direktion der Scala hat sich bereit erklärt, ihre Gesamträuine mit dem F r a t i- n e l I i- E n s c m b l e für eine Kindervorstellung am Freitag, dem 12. dieses Monats, nachmittags 1414 Uhr, kostenlos dem Lances- jugcndamt zur Verfügung zu stellen. Plaza. In der ersten Dezemberhälfte bringt die Plaza wieder ein ausgezeichnetes Programm, Als gute Turner am Reckbar en zeigten sich die beiden Stuarts. In unübertrefflichen equilibristis! en Neuheiten die zwei Eriksons Brothers, Eine gute Hundepan o- mime zeigt Gautier. Viel belacht wurden Meiler und Wagmr. In ihrem Trampolinakt gefiglen die 4 Rastellis Die zweite Hä itc des Programms nehmen Karl Schaeffers Liliputaner für sich in Anspruch' Sie stellen einen kleinen Zirkus für sich allein Man kann sie als Reiter, Tänzer, Dressurkünstler und als Musiker be- wundern. Premiere im kindcrlhealer. Dem kleinen Publikum, das«wf der Einladung der Reederei Nobiling und des Waren- Hauses Kar st a d t, jetzt in der Weihnachtszeit Dampiersahrteijogu Märchenvorstellungen in SchLncweide unternimmt, wurde nach ew»« wohlgelungenen„Rotkäppchen"- Aufführung nun ein zeitgemäßes Weihnachtsmärchen„Hallo, hier Weihnachtsmann" scr» i viert. Da regnet es nun einmal nicht egal Freude und reichiis e � Geschenke— dann wäre es ja auch nicht zeitgemäß— nein, da ist ein tapferes und kluges Arbeiterkind geschildert, das dem treulosen s Weihnachtsmann der armen Leute selbst den Weg weist. Aus eigener Kraft arrangiert sie den weihnachtlichen Freudenrummel und > das kam so: Nachdem der unbarmherzige Gerichtsoollzieher das | letzte Möbelstück mit sich nahm und der Ellern Trostlosigkeit am Höhepunkt angelangt war, trat sie in Aktion. Da las sie bei einem Besuch im Warenhaus Karstadt, daß derjenige, der die schönste Wc-h- Nachtsgeschichte erzählen kann, einen Gutschein und damit die An- martschast aus eine Menge schöner Sachen erhält. Und wie sie da so des Abends sinnierend im Puppenlager umherschlendert, wird sie versehentlich imnttten der Puppengesellschaft mit eingeschlossen, sie schlaft ein und erlebt im Traum soviel Schönes, von Borern, Schupos, und der lustigen Micky-Maus, daß sie am nächsten Tage mit ihrer prima Weibnachtsgefchicht« den gestifteten Preis erringt. Nun haben Bater. Mutter und die kleine tapfere Inge auch ihr schönes Weihnachtsfest. Die kleine Gesellschaft unterhiett sich prächtig und erlebt« voll Freude ein Märchen, das in all seiner Lebenssrisch« eigentlich gar keines mehr ist. Neue Rezept« sind allen Hausfrauen wNlksmmen. befandrr» dann,»nin sich folchc auch schwächeren Haushaltslasien anpassen lassen. Diesei» llmstand hat die delannt« Firma Dr. August Oetter. 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Wenn er den Königsmantel und die Krone nicht trug, sah er aus wie ein schwindsüchtiger Knabe, aber wenn er den Schmuck angelegt hatte, verschwand er unter der gewaltigen Pracht. Dreifach mar die Krone aus schwerem Gold, die ihm den Nacken nieder- druckte, und in der Mitte ihres dritten Reifes leuchtete ein gras- grünet tanbeneigroßer Smaragd. Vierhundert zarthändige Mädchen aus den Rosengefilden von Schiras hatten zehn Jahre lang an dem Mantel gestickt, den Ali Ben Mandeb trug. Sein breiter Saum kündete in Bildern die Ge- schichte des Propheten und sein wallendes Schulterstück war aus purpurfarbener chinesischer Seide gewebt. Blutrote Rubinen aus Ratnapura, afrikanische Diamanten und leuchtend gelbe Topase aus den Felsenschluchten des Himalaya besäten die Schleppe, die von zehn ebenholzschwarzen Nubierknaben getragen wurde, wenn Ali Ben Mandeb sich von dem goldenen Throne seiner Väter erhob. Sechzehnhundert Frauen und Mädchen harrten in den Serails des königlichen Palastes, aber er liebte nur die Scheherazade, die ihm in der Stunde des Sonnenunterganges, wenn er das Gebet gesprochen hatte, Märchen aus dem Buche des Harun al Raschid las. Denn Koweit lag an der großen Handelsstraße, die von den Ufern des Persischen Golfes durch die fruchtbaren Niederungen des Euphrat und Tigris in des Kalifen wunderbare Zauberstadt führt. Da trat eines Morgens Sela Pascha, der alte Ratgeber seines Vaters, den Ali Ben Mandeb in seinen Diensten behalten hatte, vor die Stufen des Herrscherthrones, auf dem der Sultan von Koweit saß, um des Regierens schwere Geschäfte zu üben. Er ver- neigte sich dreimal tief mit gekreuzten Armen, so daß seine spitze Nase den gestampften Estrich der körnglichen Halle berührte und sprach: „Erhebe dich, Ali Ben Mandeb, von dem goldenen Throne deiner Väter und steige mit mir auf das Dach deines Palastes und scliaue. was sich von Osten kommend der Hauptstadt deines Landes mcht!" All Ben Mandeb erschrak. Aber Sela Pascha lächelte.„Es ist kein Feind, Herrscher der Herrscher, und du hast nichts zu sorgen, so lange das Auge des alten Sela Pascha über dir und deinem Throne wacht!" „Das weiß ich, Sela Pascha." stammelte der Sultan, reichte dem Alten huldvoll die Hand und stand auf. „Bleibe, Herrscher der 5>errschcr," fuhr Sela Pascha da fort, „und warte, bis ich dir Bericht erstattet habe, denn siehe, noch hast dit Zeit!" Da ließ sich Ali Ben Mandeb müde aus dem goldenen Throne nieder und lauschte aufnicrksam der Rede Sela Paschas und dieser sprach: „Viele tausend Meilen entfernt von Koweit liegt«ine Insel im ?tebelm«er de? Nordens, und der sie beherrscht, ist der größte König dieser Erde, denn seine gewaltige Hand umfaßt das Morgen- land und das Abendland." Ali Ben Mandeb zuckte zusammen. Daß einer auf Erden mächtiger sein sollt« als er selber, mochte er niemals gern hören. Darum fragte er rasch: „Sage mir, Sela Pascha, hat er auch fünfhundert silberweiße Pfauen aus Indien, die das Rad in den Rosenhecken seiner Gärten ichlagcn?" Und Sela Pascha antwortet«: „Nein, Herrscher der Herrscher, die hat er nicht!" Beglückt lächelt« Ali ben Mandeb, ehe er weiter fragte: „Hat«r auch dreißig Fasanen aus Birma und Siam, die die goldenen Körner aus seiner Hand fressen, Sela Pascha?" Und Sela Pasch« antwortete: „Nein, Herrscher der Herrscher, die hat er nicht!" Da wurde Ali Ben Mandebs Gesicht schon wieder ganz heiter, und voll Verachtung zuckte es um feine Lippen, als er die dritte Frage an den alten Ratgeber seiner Krone richtete: � „Sage mir, Sela Pascha, hat er auch sechshundert Frauen und Mädchen, die von den Eunuchen bewacht werden und die in den Serails seines königlichen Palastes seines Winkel gewärtig sind?" Denn er ahnte die Antwort, die Sela Pascha auch wirklich gab: „Nein, Herrscher der Herrscher, die hat er nicht!" „Was hat er sonst, Sela Pascha?" fragte da Ali Ben Mandeb ganz mitleidig. „Das werde ich dir sagen, Hemscher der Herrscher, wenn du jetzt mit mir aus da- Dach des königlichen Polastes steigst!" Und wieder erhob sich Ali Ben Mandeb. Die zehn«benholz- schwarzen Nubierknaben erfaßten die Schleppe, und so schritt der Sultan, gefolgt von seinem Minister, die Stufen zu den Gärten der Dächer empor. Als sie beide am Rande der von roten Rosen bewachsenen Balustrade standen, und Poko, der Lieblingsfasan, auf der rechten Schulter des Herrschers der 5)errscher saß, deutete Sela Pascha gen Osten und sagte: „Bemerkst du die beiden Schiffe dort auf dem blauen persischen Meer, Herrscher der Herrscher? Sie gehören jenem großen König der Insel nn nordischen Nebelmeer, von dem ich dir sprach!" „Und wen führen die Schiffe an Bord, Sela Pascha?" fragt« da Ali Ben Mandeb, und schon wieber huschte es durch feine Worte wie das Zittern der Angst. „Den weißen Sahib, Herrscher der Herrscher, der dir das Ge- 'chenk Seiner Königfickien Majestät überbringt, deren Hand das Rorgenland und das Abendland umspannt!" „Welches Geschenk?" „Den goldenen Stern!" „Welchen Stern?" ..Den Stern, der Glanz vor allen anderen Sternen leiht!" Bei diefer Antwort Sela Paschas erweiterten sich die Augen des jungen Ali Pen Mandeb. Sein« Stimme nahm den Ton der Tlerzückung an, als er die Worte seines alten Ratgebers wiederholte: „Den Stern, Sela Pascha, der Glanz vor den anderen Sternen leiht?" „So sagte ich, Herrscher der Herrscher!" Da klatschte Ali Ben Mandeb vor lauter Freude wie ein Kind in die Hände, so daß Poko, der Lieblingsfasan, aus feiner rechten Schulter ganz unruhig wurde und endlich kreischend in die Rosen- hecken der Dachgärten flog. Doch plötzlich verfinstert« sich Ali Ben Mandebs Stirn. Fragend waren seine Augen auf Sela Pascha gerichtet und er sägt« mit fester Stimme: „Und um welchen Preis, Sela Pascha, bringt mir der weiß« Sahib aus dem fernen Nebellande des Nordens den Stern, dessen Glanz Glanz vor allen anderen Sternen leiht?" Da lächelte der alt«, schlau« Sela Pascha, wie ein Jude, der auf dem Markt« in Damaskus eine arabische Stute verhandelt, rieb sich wie ein solcher die Hände, zuckte mit den Schultern und meinte: „Der Ruf deiner Macht und deines Reichtunis, Herrscher der Herr- scher, ist eben bis in das ferne Nebelland gedrungen, und die Gröh- ten der Erd« buhlen um deine Gunst!" Aber Ali Ben Mandeb beharrt«: „Um welchen Preis, Sela Pascha, um welchen Preis?" Da dachte Sela Pascha an die englischen Pfundnoten, die man ihm von Aden aus in die Hände gespielt hatte, und seine Seele jauchzte vor Glück. Denn er besah viele Karawanen, die beladen mit indischen Tüchern, mit Mola und Elsenbein, mit Tee und Reis durch die arabische Wüste zogen, und mit diesem Gelde konnte er die Zahl seiner Kamele und Treiber verdoppeln. Aber zu dem Herrscher der Herrscher sagte er: „Eigentlich um gar keinen, Herrscher der Herrscherl Es ist nur ein werSoses Stückchen Land drunten mn Hafen, te» man von dir fordert und um das man dir den Stern überläßt, dessen Glanz Glanz vor allen anderen Sternen leiht!" „Welches Stückchen Land, Sela Pascha?" „Die Reede, wo die Schiff« anlegen, Herrscher der Herrscher, und das felsig« Vorgebirge, auf dem kein Halm wächst und das die Reede umschließt!" Mitleidig lächelt« Ali Ben Mandeb. „Und sonst verlangt der weih« Sahib nichts?" „Sonst oerlangt der weiße Sahib nichts. Herrsch«? der Herr- scher! Er begehrt nur auf der Klippe ein Haus bauen zu dürfen. in dem seine Leute, wenn sie in Koweit landen, nächtigen können!" Es war eine königliche Handbewegung, mit der Ali Ben Mandeb seine Antwort begleitete, und diese Antwort lautete: „Diese Bitte ist dem weißen Sahib gewährt, Sela Pascha!" Unterdessen hatten sich die beiden britischen Kriegsschiffe, die Sela Pascha seinem Herrn gezeigt hatte, der Reede von Koweit ge- nähert. „Wir wollen deni weißen Sahib, der mir den Stern bringt, entgegengehen, Sela Pascha", entschied da Ali Ben Mandeb,„denn ich freue mich auf diesen Stern!" Auf einen leisen Wink des Ministers erfaßten die zehn eben- holzschwarzen Nubierknaben die Schleppe am Mantel des Herrschers, und Ali Ben Mandeb stieg, gefolgt von Sela Pascha, wieder hinab. Und noch am Abend desselben Tages war der Vertrag unter- zeichnet, der die Unabhängigkeit des Herrschers von Koweit von der türkischen Krone in Konstantinopel erklärte und den Endpunkt der Bagdadbahn an die englische Kontrolle band. Wein 3gel und meine Schildkröten Don Richard Stäupt An einem herrlichen Sommernachmittag purzelte auf einem Platz irgendeiner Provinzstadt ein kleiner Igel umher, der sicher- lich vorzeitig seiner Jgelmutter entlaufen war. 51inder neckten und quälten das Tier, so daß es nicht ein noch aus wußte. Da tat der Iimgigel das Schlaueste, was er tun konnte und was jeder Igel in dieser Situation tut: er rollte sich zusammen. Zusammengerollt blieb er beharrlich liegen, bis irgendein Tierfreund sich seiner erbarmte und den kleinen allerliebsten Kerl in den Hausflur meines Wohnhauses setzte. 5)I«r entdeckte ihn meine Frau, welch« sehr tierlieb ist. Zu- nächst brachte meine Frau das Tier vor Kindern und Hunden in Sicherheit, indem sie es in den Garten setzte, wo der„Spitz- schnäuzige" in einem abgelegten Winterhut meiner Frau wärmenden Unterschlupf fand. Mittags, als ich aus dem Büro heimkam, zeigte mir meine Frau den Fang. Eine sofortige Leibesvisitation ergab, daß den Igel ungeheuer viel Flöhe plagten. Er hatte nicht sie, sonder» sie hatten ihn. Es war klar, hier mußte Abhilfe geschaffen werden. Also ging ich zum Drogisten und kaust« Insektenpulver. Damit wurde der Igel tüchtig bestreut und darauf in eine größere leere Konservenbüchse gesetzt. Hier sollte er die erste Nacht kampieren und sollte vor ollen Dingen erst einmal sein« Peiniger los werden. Die Büchs« mit Inhalt stellte ich in einen Schuppen meines Gartens. Am anderen Morgen mar mein erster Gang zum Igel. Di« Büchse log um, und kein Igel�war zu sehen— er hatte sich aus der ihm nicht zusagendem Gefangenschaft befreit. Schon glaubte ich, er hätte sich verzogen. Aber plötzlich hört« ich«in lautes Husten. Das Husten wieder- holte sich. Dann hörte ich etwas schnüffeln und psupsern. Jetzt gclst mir ein Licht auf. Nicht lange brauche ich zu suche», und ich entdecke meinen Findling und einer Reisigwclle. Fünf Minuten später bekam er sein Frühstück. Knorrs Haser- flocken und Haselnüsse mundeten ihm trefflich. Zum Schluß setzte ich ihm ein Schälchen frischer Milch vor. Hier Hub er ein ganz ver- beerendes Schmatzen an und ging nicht«her von dem Schälchen, als bis kein Restchcn mehr darinnen war. Mit der Zeit wurde mein Igel«in Feinschmecker. Seit er ein- mal Milch gekostet hatte, lehnte«r jede andere Nahrung ob. Am liebsten fraß er Brötchen mir Milch, allenfalls noch Kartoffelbrei mit Butter oder Eier. Da der Kerl im Zimmer zuviel Schweinerei macht, hat er sein Domizil im Schuppen. In der Ecke sichert ihm ein Bündel Heu ein weiches Lager und Unterschlupf. Am Tage schläft er und dann geht er schnüffelnd, keckernd und hustend auf Patrouille. Sein abends reichlich gefülltes Schüsselchen war mit einem Male am anderen Morgen wie ausgeleckt. Das war sonst nicht seine Ge- wohnheit: gewöhnlich ließ er immer einen Rest übrig. Meine Frau und ich tippten auf„Mitesser"; denn im Schuppen gibt es auch Mäuse und in den letzten Tagen treibt sich«ine dicke Ratte mit einem widerlich langen und nackten Schwanz im Hof umher. Eines Tages, als ich wieder einmal meinen Igel besuche, wird der sonst seelensgut« Kerl fuchsteufelswild. Ich brauche gar nickst ihn. sondern nur sein« Schlafstätte, den Heuhaujen, wo er drin sitzt, zu berühren, und er hüpft, springt und stachelt sein„Gefieder", daß ich ihn gar nicht wiedererkenne. Seine klugen, schwarzen Perl- äugelein glühen vor Kampsbereitschaft. Ich stehe vor einem Rätsel. Die unmotiviert« Bosheit des Tieres ist mir schleierhast. Doch bald finde ich des Rätseis Lösung. Wie ich mit einem Rechen den Heu- Haufen wegrechen will, um ihm neues Heu für seine Lagerstätte hinzuwerfen, stoße ich auf etwas im Halbdunkel des Schuppens Un- definierbares. B«i näherem Zusihen entpuppt sich der schwärzliche Klumpen als— tote Ratte. Seit Tagen wurde die Ratte nicht mehr gesichtet. Schon dachten wir. sie hätte sich verzogen. Wahrscheinlich war sie dem Igel beim Fressen eine treue Helferin gewesen. Doch muß ihm eines Tages die Sache zu bunt geworden sein oder die Ratte hat ihn beim Fressen aus dem Felde schlagen wollen. Auf jeden Fall hatte«r ihr erbittert« Feindschaft angesagt. Die Bißwunde an der Kehle der Ratte bewies, daß er der Täter war. So hatte unser kt«in«s„Salonigelchen" im Kampf mit einer gleichgroßen Ratte sich nicht nur tapser seiner Haut gewehrt, sondern sogar noch den Sieg davongetragen. * Meine Schildkröten sind treue, anhängliche und dankbore Geschöpf«. Eine, die männlich«, Hansbock genannt, lst genau noch einmal so groß wie zu der Zeit, da ich die Amphibie erstand.„Kar. iine", die weibliche Schildkröte, ist lädiert. Meine Frau sah sie in der Tierhandlung mit schwerbeschädigtem Schildplatt in der Blech- liste trübselig im Sande sitzen und gelangweilt an einem halbverdorr- ten Salatblatt herumzerren.„Komm, wir wollen dem armen, ge- quälten Tier ein wenig Sonnenschein bescheren." sagt« meine Frau. Und so' wurde der Kauf perfekt. Unsere Schildkröten sind beileibe nicht die dummen und stumpf- sinnigen Tier«, als die sie immer wieder hingestellt werden. Am meisten Freude mache» sie, wenn draußen helles, klares und vor allem warmes Wetter ist, zuzuschauen. Oder sie stecken wie lieb- kosend die Köpfe zusammen und reiben sich ihre hornigen Mäulcr. Fast täglich füttere ich die beiden mit Milchbröichenbrocken, grünem Salat, Tomaten oder salz- und psefserfreiem Schabefleisch (Rindfleischj. Dann streichle ich manchmal wohl zart über die harte», gehörnten Köpfe, daß mich die Tiere neugierig und oer- wundert anschauen. In ihren schwarzen Perlaugen liegt dabei un- endliches Vertrauen und stumme Dankbarkeit. Ist nicht die Liebe zum Tier«ine der heiligsten Pflichten der Menschen? Liegt hierin nicht eine der«dclsten Betätigungen für die Jugend? Beschreiten wir hier die Wege, wie sie uns ein Zola,«in Rosegger, ein Ber- lepsch u. v. a. aufgezeigt haben und wir sind auf dem rechten Wege. Neulich hat Hansbock, weil es draußen kalt und regnerisch war. zwei Wochen geschlaien, zwei Wochen hintereinander. Als das Wettcr umschlug und die Sonne schien, war er auch wieder munter und mobil. Daraus hin nahm ich ihn aus seiner mit Heu aus- gelegten Kiste. Mich sehen und mit mehrmaligem kurzem Pseisen begrüßen, war eins. „Karline" vermag stundenlang in der Küche unter dem Herd zu sitzen, apathisch, regungslos. Kein Fressen, kein Saufen lockt sie dann vor. Kanin aber, daß mein« Frau fünf Minuten in der Küche weilt, ist die Kröte da und umkreist sie ui'entw«gt. spaziert über ihre Füße, schaut empor und bewegt lebhaft das kleine schlangen- artig« Köpfchen. Roch ein kleines Intermezzo. Die Sonn« strahlt prächtig vom wolkcnlos-blauen Himmel. Meine Frau, ich und di« Tiere sind im Garten. Den Igel Hab« ich in den alten Winterhut meiner Frau gesetzt. Mollig und zufrieden sitzt er dort und blinzelt in die Welt- gcschickste. Zwischendurch speichelt er, daß es ein« Art hat. Hans- bock schaut interessiert zu, zieht aber dabei ein Gesicht, wie ein schwergekränkter Professor. Lang« sitzt er so und sinnt und sinnt. Endlich kommt ihm die erleuchtende Idee. Mit langen Schritten marschiert er umweglos auf den Hut mit dem Igel zu. Ohne viel Federlesen zu machen, wirst er den„Swienegel" heraus und jetzt sich hinein. Mein« Frau hat den Vorgang beobachtet. Erst lacht sie dar- über, dann nimmt sie Hansbock und placiert ihn ins Grüne. Keine 5 Minuten sind jedoch verstrichen, und die Schildkröte hat den Igel wieder an die Lust gesetzt. Dreimal und noch viel mehr dauerte der Spuk, dann räumte der Igel freiwillig das Feld, indem er mit lautem Geprüfte und Gepfupser, zwischendurch keckernd und speichelnd, den Gartenzaun entlang zog. Sonst aber, bem Fressen, Sausen und Schlafen, vertrage» sich die drei prächtig— beim Schlafen nur dann, wenn Hansbock, die größte Schildkröte, den besten Platz einnimmt. Fehlt eins von den dreien, suchen die beiden anderen nach dem Aermißten. £in ItliHel gegen den Schnupfen Cin Tropfen Sodtinklur Der Bonner Arzt Dr. Weiß setzt sich in der„Münchener Medizinischen Wochenschrift" für eine Schnupfenbehandiung ein, di« von dem bekannten Berliner Gelehrten Professor Bier zuerst ange- wandt worden ist. Eine Behandlungsmethode, die im allerersten Stadium des Schnupfens angewandt werden muß, wenn sich fein gefürchteter Ausbruch durch Kratzen im Halse, Iuckempfindungcn in der Nase und durch Niesen ankündigt. Machen sich diese Symptome bemerkbar, dann tritt das Jod in Erscheinung. Der behandelnde Arzt gibt einen Tropfen Jodtinktur aus ein Glas Wasser, das der Patient auf einen Zug austrinken mutz. Diese Medizin wirkt Wunder. Der Schnupfen wird dadurch„kupiert", er wird in seinen Anfängen erstickt,«r kann nicht zum Ausbruch kommen. Professor Bier hat sein neues Mittet in zahlreichen Fällen angewandt und immer die besten Erfolg« damit erzielt; aber nur dann, wenn es sich um das erste Stadium des Schuupsen I)and«It Bei fon- gcfchrittenem Schnupfen ist nichts mehr damit ouszurichen. Der Bonner Arzt tritt nun in seinem Artikel absolut für diese Behandlungsweis««in, die er an sich selbst ausprobiert hat. Er hatte jahrelang an besonders schweren Schnupsenanfällen gelitten, die sich regelmäßig wiederholten, etwa all« sechs Wochen. Er begann dem quäleirden Uebel auf den Leib zu rücken, mit einem Tropfen Jodtinktur auf«in Glas Wasier. Er erzielte«inen durchschlagenden Erfolg und er ist— feit der neuen Behandlungsweis«— von seinein Schnupfen befreit. Der Schnupfen, der durchaus nicht immer Harm- los austritt, der vielmehr häufig eine empfindliche Erkrankung b«° deutet, kann also durch einen Iodtropscn wirksam bekämpft werden. Die frappante Wirkung dieses Tropfens Jodtinktur wird auf homöopathische Heilwirkung zurückgeleitet. Zt.? ttr. 579* 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 44. Dezember 49Z0 Wer nimmt, muß geben. Können wir einen Systemwechsel in der Handelspolitik ertragen? Die Landvolkpartei hat kürzlich einen Antrag im Reichstag eingebracht, der die Aufhebung der allgemeinen Meist- bcgiinstigung fordert, auf der nicht blast der deutsche chandelsoerkehr mit dem Ausland, sondern der gesamte innereuropäische Waren- austausch beruht. Der Reichslandbund verlangt sogar die Lösung aller Zollbwdungen für Agrarprodukte, eventuell durch Kündigung von Handelsverträgen, sowie für die Zukunft ein Verbot jedweder Zolloercinbarungen über landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die Annahme der Forderungen des Reichslandbundes und der Reichstagsanträge würde unabsehbare Folgen für die deutsche Industrie und damit auch für den Ar- b e i t s m a r k t nach sich ziehen. Der Wiederaufbau des deutschen Indusirieexporis ist allein der gesteigerten Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie und der Cxporterleichterung durch die auf dem Prinzip der Meistbegünstigung aufgebauten Handelsver- träge zu danken. Ein Industrieland wie Deutschland bedarf unbedingt der Sicherung durch Handelsverträge und Zoll- Vereinbarungen. Durch die Meistbegünstigung genießt Deutschland(von wenigen Sonderfällen abgesehen) auf den aus- ländischen Absatzgebieten die gleichen Vergünstigungen, die anderen Industrieländern zugebilligt wurden, konkurriert also unter gleichen Bedingungen. Deutschland hat in besonders hohem Maße dem Mcistbegünstigungssystem seine Exportersolge zu verdanken. Der Leiter der deutschen Handelspolitik, Ministerialdirektor Posse, sagt mit Recht:„Für Deutschland init seiner vielfältigen Ausfuhr nach allen Ländern ist das System der Meistbegünstigung die einzig brauchbare Grundlage der Handelspolitik." Durch die Handelsverträge und Tarisabkommen, die wiederum die deutschen Kundenländer untereinander abgeschlossen haben, kam Deutschland automatisch, auf Grund der Meistbegllnstigungs- klausel, in den Genuß weiterer Zollherabsetzungen. So hat Frank- reich nach dem deutsch-französischen Handelsvertrag mit anderen Ländern, der Schweiz, der Tschechoslowakei, Belgien usw. Verträge abgeschlossen: die in diesen Verträgen ausgehandelten Abschläge der französischen Zollsätze haben dem deutschen Export neue Absatzwege geöffnet. Der deutsch-französische Handelsvertrag bietet überhaupt den besten Anschauungsunterricht für den Wert der Handelsverträge: Der deutsche Export nach Frankreich betrug 1323 ungefähr 500 Millionen Mark, erhöhte sich bis 1329 auf rund 330 Millionen Mark und dürfte im laufenden Jahre nahezu 1,2 Milliarden Mark erreichenl Mit Frankreich, Italien und Spanien waren Handelsverträge mir erreichbar bei gleichzeitigen vcrtra.glicl'en Vereinbarungen über die Höhe der deutschen W e i n z ö l l e. Holland und den skandi- navischcn Ländern sowie den Randstaaten mußte Deutschland für die Erleichterung seines Jnduftrieexport bei der Einfuhr von L i.« h, Fleisch und Molkereierzeugnissen entgegenkommen. Dabei stellen aber diese Vertrags zolle für Erzeugnisse der Bich- Wirtschaft, des Gemüse-, Obst- uich Weinbaues eigen noch immer recht beträchtlichen ZoNfchutz für die deutsche Landwirt- schaft dar: austerdem besteht bei einzelnen Lebensmitteln ein zufätz- licher Bedarf, der von der einheimischen Erzeugung entweder gar nicht oder nicht gleichwertig gedeckt werden kann. Die am agra- rischcn Export interessierten Länder werden auch keinesfalls bereit fein, auf die ihnen in Verträgen zugesicherten Einfuhrmöglichkeiten Verzicht zu leisten. Eine Aufkündigung der Handelsverträge, «n denen Zollbindungen für die agrarischen Erzeugnisse enthalten sind, wäre die Katastrophe des deutschen Exports und des deutschen Arbeitsmarktes, da die in Frage kommenden europäischen Länder mit starken agrarischen Interessen etwa mehr als die Hälfte der deutschen Industrieausfuhr aufnehmen. Die zahlreichen anderen agitatorischen Forderungen des Reichs- landbundes gegen ausländische Agrorerzeugniss« sind so ver- antwortungslos, daß sie die schärfst« Zurückweisung erfordern. Der Reichslandbund fordert ein Nerkaufsverbot von aus- ländifchen landwirtschaftlichen Erzeugnissen in Markthallen, den Boykott des Import Handels mit ausländischen Lebens- niitteln, die Beseitigung der jetzt bestehenden Erleichterungen für den„kleinen Grenzverkehr", die Ermächtigung der Regierung, die agrarischen Zollsätze nach Belieben zu erhöhen und volle Wiederherstellung des Einfuhrfcheinwesens, endlich noch das Staats- mopopol für Südfrüchte und für Reis mit dem Ziel der völligen Abdrosselung oder wenigstens schärfsten Verteuerung und selbstverständlich eine neue sofortige Zollerhöhung für Kartoffeln, Vieh, Milch und Molkereiprodukte. Holz usw. In einer Eingabe des Auhenhandelsverbandes an den Reichskanzler heißt es über die Forderungen des Reichsland- bundes, sie seien „so unüberlegt, zweckwidrig und schädlich, lassen in kurzsichtigem Egoismus jede Rücksichtnahme auf das gemeinsame Interesse der deutschen Wirtschaft völlig vermissen". Das ganze Maß von Rücksichtslosigkeit und Derantwortungs- losigkeit der heutigen. Führung der Landwirtschaft gehört dazu, in einer Zeit dringendst notwendigen Preisabbaus und ohnehin kritischer Exportlage Forderungen zu erheben, die die Massen zum Hungern und die deutschen Aussuhrbeziehungen zum Verdorren bringen müssen. Kontingents- und Gegenfeiligkeitsverträge helfen nichts. In dem schon erwähnten Antrag der Landvolkpartei wird die Forderung erhoben, das System der Meistbegünstigung zu beseitigen und in unseren Handelsverträgen in Zukunft nur noch Gegen- feitigkeitsvereinbarungen(Reziprozität) oder die Einräumung von begrenzten Einfuhrkontingenten zuzulassen. Kontingentsvereinbarungcn haben in letzter Zeit bereits aus den Einfluh des Landbundes hin in Handelsverträgen Eingang ge- sunden. So ist Schweden ein Kontingent für die Einsuhr von Schlachtrindern, Finnland für die Einfuhr von Butter zuge- billigt worden. Diese Kontingente haben die deutsche Handelspolitik bereits schon geschädigt und die allgemeine Mißbilligung der euro- päischen Vertragsstaaten gefunden. In Dänemark und Holland konnte nur mit Mühe ein zur Abwehr organisierter Boykott des deutschen Jndustrieexports verhindert werden. Di« s o z i a l d e m o- kratischeNeichstagssrattionhat dem deutsch-finnländischen Zusatzvertrag, der«ine solche gefährliche Durchlöcherung der Meist- begünstigung darstellt, deshalb ihre Zustimmung versagt. Das System der G ege nf e i t i g k« i t s v e r t r ä g e (Reziprozität) hat nicht nur im agrarischen Lager Anhänger, sondern auch verschiedene industrielle Stimmen empfehlen es neuerdings mit dem Hinweis auf die starre Zollpolitik etwa der Vereinigten Staaten und England.(Gegenüber dem Sonder- fall Ruhland mit seinem vollkommenen staatlichen Handels- Monopol wäre es möglich, daß andere Wege der Handelspolitik eingeschlagen werden müssen.) Dieses System schließt aber die Ver- allgemeinerung der Zollermäßigungen auf alle Vertragsstaaten aus und ist glücklicherweise in Europa zu Grabe getragen worden, nachdem auch Frankreich sich von ihm abgekehrt hat. Gerade die wesentlichsten Ansprüche, die Deutschland als Industriestaat an die Handelspolitik zu stellen hat(Stabilität der Zolltarife, gleich« Wettbewerbsbedingungen mit allen anderen Lieserländern sowie die Tendenz zur Senkung des Zolltarifs), können durch beschränkte Gegenseitigkeitsvereinbarungen nicht erfüllt werden. Jede Einzel- zusage, die einem Handelspartner gewährt wurde, muß sofort zahl- reiche neue Verhandlungen mit den anderen Vertragsländern noch sich ziehen, die die gleiche Vergünstigung beanspruchen. Deutschland würde sich mit diesem System in Widerspruch zu der gesamten euro- päischen Handelspolitik und auch zum Völkerbund setzen, der aus- drücklich die Aufrechterhaltung der allgemeinen Meistbegünstigung anempfohlen hat. Es bleibt zu hoffen, daß diese Forderungen der Agrarier auch die eindeutigste Ablehnung der bürgerlichen Rlittelparleien finden. Die zoll- und handelspolitische Ausrüstungspolitik, die den not- wendigen Preisabbau verhindert und gleichzeitig unsere Ausfuhr- beziehungen aufs Spiel setzt, darf nicht weiter fortgesetzt werden. Der Reichstag wird demnächst auch das Zollfrledensabkommen vom März 1323 zu beraten haben, das bereits von zahlreichen euro- päischen Ländern, aber noch nicht von der Regierung Brüning ratifiziert worden ist. Die Zustimmungserklärung durch den Reichstag und die Ratifikation des Abkommens durch die Reichs- regierung muß unverzüglich erfolgen, damit von deutscher Seite her diesen für uns besonders wichtigen Abkommen keine weiteren Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. Die Arbeitslosigkeit in Berlin. 402 646 Erwerbslose Ende November. Räch dem Bericht des Landesarbeitsamtes Brandenburg stieg in der zweiten Rovemberhälste die Zahl der Arbeit- suchenden in Berlin, Brandenburg und der Provinz Grenzmark um 18 241 aus 558011 Personen. Der Zuwachs an Arbeitsuchenden hat sich verlangsamt; in den beiden letzten Oktoberwochen betrug er rund 22 500 und in der ersten Rovemberhälste sogar fast 42 000. In Anbetracht des Weihnachksgefchäsles ist der Zustrom von über 18 000 neuen Arbeitsuchenden, obwohl er sich auch aus Saisongründen in der Hauptsache erklärt, doch beträchtlich. In Groß-Berlin waren Ende Rovcmber 40? 646 Personen arbeitslos. Unter diesen befanden sich 173 866 houptunterstühungscmpsänger und 75 318 Srisenunterstützte. Da- nach wurden also von der städtischen Wohlsahrlssürsorge bis zu 153 000 Personen unterstützt, eine Talsache, die die ungeheure Be- lastung der kommunalen Finanzen kennzeichnet. während die Außenberuse trotz der verhältnismäßig günstigen Witterung schon in großem Umfang Arbeitskräste abgebaut haben, zeigen sich noch in keiner Konjunkturindustrie Besserungen. LtGA. in Oeuischland� Department of Eommeree stellt fest: für SSV Millionen Mark Betriebe in Deutschland. Die Amerikaner haben an Europa geborgt: 414 Milliarden Dollar in Form langfristiger Anleihen und etwa 6 Milliarden Dollar in Form von Staats- und Kriegsdarlehen. Europa ist also allein binsichtlich dieser beiden Formen des Kapitalexports zu über 10 Mil- liarden Dollar an Amerika verschuldet. Im Jahre 1323 war aber, wie wir kürzlich auf Grund nmerikansscher Quellen zeigten, der europäische Kapitalabfluß nach Amerika in Form von Zinsen, Dividenden, Rückzahlungen größer als der Kapital- export Amerikas nach Europa. Neben den langfristigen Darlehen ist die unmittelbare Kapitalbeteiligung an ausländischen Unternehmungen und die Errichtung von Tochtergesellschaften die umfangreichste Form des Kapitalexports. Ihr Gcsamtumfang wurde kürzlich vom Depart- m e n t o f Commerce auf 7,5 Milliarden Dollar geschätzt, wovon 1,35 Milliarden(rund 5,7 Milliarden Mark) auf Europa entfallen. Den Hauptteil dieser Anlage bilden Fabrikunternehmungen (2,6 Milliarden Mark), Tankstellen und sonstige Petroleum- und Bcnzininteressen(370 Millionen Mari). Die größten un- mittelbaren amerikanischen Kapitalanlagen bestehen in Groß- britannien mit 2,04 Milliarden Mark. Es folgen Deutsch- landmit307, Frankreich mit 609 und Italien mit 475 Millionen Mark. Bon den deutschen Geschäftsanlagen entfällt der größere Teil(580 Millionen) auf Fabrikationsbetriebe, der Rest hauptsächlich auf Tankstellen. Die sogenannte amerikanische„Uebersrcmdung" wäre also in England noch mehr al» doppell so groß als in Deutschland. Bisher war der Umfang dieser Geschäftsanlagen nur schätzungs- weise bekannt. Die Unterlagen für die neuen Ziffern des amerika- nischen Wirtschaftsamts bilden Befragungen amerikanischer Firmen durch das Department of Commerce. Der November brachte für die Automobilindustrie eine der niedrigsten Produktionsziffern: es wurden 146 00!) Wagen hergestellt gegenüber 154 000 im November 1323. Die höchste Ziffer des laufenden Jahres wurde im April mit 443 000 verzeichnet. In den Monaten Januar bis November wurden 1923 fast 5,50 Millionen, 1930 dagegen nur 3,36 Millionen Wagen produziert. Die j ü n g st e Zeit scheint einen kleinen Aufschwung zu bringen. So hat z. B. beim Eeneral-Motors-Konzern die Herstellung von Cheorolet-Wagen, die im November 1923 46 000 betrug, im November 1930 über 47 000 betragen. Für den Dezember zeichnet die Gesellschaft mit einer Ziffer von etwa 60 000. Ein Direktor der Republic Steel Corporation rechnet mit einer allmäh- lichen Fortsetzung dieses Wiederanstiegs und schätzt die mutmaßliche Automobilproduktion für dar kommende Jahr auf 4'-4 Millionen gegenüber 3¥j Millionen 1930 und 514 Millionen 1929. Roggenpolitik. Eosinroggen um S Mark verteuert.— Kartoffelstärkekartett in Funktion. Wie WTB.-Handelsdienst meldet, ist der Verkaufspreis für Eosffnroggen, dessen Bezug eine Zollverbilligung bei der Ein- fuhr von Futtergerste zur Folge hat, mit sofortiger Wirkung um 5 M. auf 175 M. je Tonne erhöht worden. Das ist möglich, nachdem kürzlich der Einfuhrzoll für Futtergerste von 12 auf 18 M. je Doppel- zentner erhöht worden ist. Nach den Absichten S ch i e l e s ist aber zu befürchten, daß diese Verteuerung erst einen Anfang darstellt, und daß Herr Schiele auf die scharfen Proteste aus deif bäuerlichen Kreisen noch Rücksicht'nehmen mußte. Für die bäuerliche Schweinemast bedeutet die Verteuerung ein« neu« Venach- teiligung. Die Sozialdemokratie wehrt sich gegen die Verteuerung der Futtermittel ganz allgemein und hat natürlich nicht das geringste Interesse daran, daß der als Höchstpreis gedachte Mischpreis von 170 M. in der jetzigen Zeit erreicht wird. Im Handelsregister des Amtsgerichts Berlin-Mitte ist als neue Gesellschaft die Stärke- I n d u st r sie- V e r k a u f s g e s e l l s ch a f t G. m. b. H. eingetragen worden, die das neue Kartell der Stärkeindustrie darstellt. Nachdem der Stärkeindustrie beim Abschluß des Maizena-Abkommens indirekt- eine Subvention von I Million Mark zugewiesen worden ist und auch neuerdings noch durch den Beimischungszwang von Kartoffelmehl zum Weizengebäck gestützt worden ist, hat diese neueste Schöpfung Schieles zunächst einige Aussicht zur Entwicklung. Eine Verringerung des Roggenanbaus in Deutschland um rund 10,2 Proz. gegenüber dem Vorjahre ist in einer Vorschähung des Preußischen Statistischen Landesamtes festgestellt worden. Der An- bau von Winterweizen ist um 6,6 Proz. und von Wintergerste um 1.8 Proz. gegenüber dem Vorjahre gestiegen. Diese bedeutsame Wandlung muß auch in der offiziellen Roggenpolitik nachdrückliche Beachtung finden. Oer neue Papier- und Zetlstofftruft. Die Generalversammlung der Feldmühle Papier- und Zell st offwerke A.-G. in Stettin hat jetzt den Vertrag mit der Königsberger Zellstoff-Fabriken und Chemische Werke A.-G. Koholyt genehmigt. Der Feldmühle-Konzern, der erst vor 114 Jahren durch die Aufsaugung der Reisholzpapier-A.-G. einen großen Machtzuwachs erhielt, wird dadurch das weitaus stärkste Unternehmen der deutschen Papierwirtschaft. Zur Durchführung der Aktion mit Koholyt wird das Kapital der Feldmüchle A.-G. von 26,2 auf 35,6 Mill. Mark herauf- gesetzt. Wie die Verwaltung noch mitteilte, hat das Unternehmen die schweren Krisenzeiten bisher sehr gut überstanden und die Be- triebe waren da- ganze Jahr über voll beschäftigt. Durch die Angliederung der Koholyt-Betriebe wird besonders die Zellstoff- Produktion und die chemische Verarbeitung bei der Feldmühle aus- gebaut. Die Preiseinbrllche auf dem Papier- und Zellstoffmarkt konnten durch Rationalisierungsmaßnahmen ausgeglichen werden. Wenn auch über die Dividende keine bestimmten Angaben gemacht wurden, so kann auf Grund des guten Geschäftsganges bei der Feldmühle wieder mit der hohen Ausschüttung von 12 Proz. ge- rechnet werden. „Es gibt kaum Worte.. Industrie- und Handelskammer Köln gegen die Kapitalflucht Der Geschäftsbericht der Industrie- und Handelskammer Köln für das Jahr 1S3lZ unterstreicht in bemerkenswerter Weise die B e> deutung des Inlandsmarktes für die deutsche Gesamt- Wirtschaft und weist darauf hin, in welch großem Ausmaß ein durch die Arbeitslosigkeit hervorgerufener Bruttolohnaussall von nahezu 1at zunächst den ganzen Tag mit den Parteien über Einzelheiten der Streitpunkt« verhandelt. Die Verhandlungen sind dann auf Donnerstag, 10 Uhr, oertagt worden. Es Ist nicht damit zu rechnen, daß es am Donnerstag bereits zur Bildung einer Schlichter- kammcr kommt._ Oie Steuerscheuen sür neue Steuern. Auf was ein llnteruehmersyndikus verfällt. Die„Berliner Börsenzeitung", die mit der„DAZ." wohl das potenzierteste Unternehmerorgan Berlins ist, veröffentlicht«inen langen Artikel, in dem sie dem Reichsfinanzminister gute Ratschläge gibt, wie er ein« neue Steuerquell» erschließen könnte, die ihm die immerhin ganz nette Summe von 50 bis 60 Will. M. jährlich ein» bringen könnte. Wie man aus diesem Steueraufkommen schon er- raten kann, muß es sich um«in ganz g r o h e s O b j e k t handeln, also etwa die Bezüge der Direktoren und Aufsichten räte der Akliengesellschasten. Man beruhige sich: das Blatt macht solche Scherze nicht. Es leistet sich vielmehr den Scherz, der allerding» auf nahezu zwei Spalten ausgewalzt wird, eine Besteuerung der Gewerk- s ch a f t e n vorzuschlagen. Die Gewerkschaften, sagt da» Blatt, und damit meint ee natürlich nur die freien Gewerkschaften, hätten eine Jahreseinnahme von 250 Mill. M. Zwar seien Berufs- verbände steuerfrei, aber die freien Gewerkschaften seien ja eigentlich keine Bsrussverbände, da sie sich auch in die Politik einmischten. Sie hätten sogar ganz bestimmte politische Gesichtspunkte, was man selbstverständlich weder vom Reichsverband der deutschen Industrie noch von der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, noch von anderen Berufsverbänden behaupten könne. Weiter sagt das Unternehmerorgan, daß die Gewertschaftsbei- träge bei der Veranlagung zur Lohnsteuer nicht in Rechnung gestellt würden. Das mag bei den Unternehmern so üblich sein, wenn sie ihr eigenes Einkommen der Steuerbehörde angeben. Bei den Arbeitern und Angestellten wird ohne weiteres die Steuer nach Ab- zug der Invaliden- und Krankenkassenbeiträge vom Lohn einbehallen, ganz gleich, ob es sich um Organisierte oder Unorganisierte handelt. Die Arbeiter haben es eben nicht so gut wie die Unternehmer und die Direktoren. Nun sagt das Blatt, daß die Gewerkschaften ja«im eigene Bank hätten, woraus sie sogar erheblichen Gewinn bezögen. Natür- lich ist dem Blatt nicht unbekannt, daß die Arbeiterbank der Steuer- Pflicht unterliegt. Wir wünschten nur, alle anderen Banken und Prwatunternehmungen würden es mit ihrer Steuerpflicht ebenso genqu nehmen wie die Arbeiterbank. Im Unternehmerlager hat man sich ziemlich mit dem utopischen Gedanken getragen, die Gewerkschaften durch Aussperrungen finanziellzu ruinieren. Das ist ihnen nicht gelungen. Ein findiger Kopf unter den Syndizi ist nun aus die Idee verfallen, den Reichsfinanzminister zu Hilfe zu rufen. An das Gesetz brauchte sich ja der Reichsfinanzminister nicht zu kehren. Wenn die Gewerk- schaften mit der Wegsteuerung der Beiträge nicht zufrieden seien, sV'/t jficUd kommt(M TVeUmachtmam! Da darf ain schöner Kuchen und knuspriges Weihnachts- gebäck nicht fehlen Am besten gelingt alles mit Dn Oetker's Backpulver nach •Eine neuesarnmiung Dr. Oetker- Dr. Oef ker- R ezepten N/W ve/yessep: Dr OetkerS Van/Wnzucker! Rezepte„Backen macht Freude" Wichtig.- 96 Selten Text und 12 färb. Bildtafeln. Preis 20 Pfennig. Falls bei Ihrem Handler nicht zu haben, gegen Einsendung m. Marken von Dr. August Oetker, Blelefsld. Im Berliner Hausfrauen-Verein kommt mm Dr. Oetker'» Backpulver«Baokla" nar Dr. OetkefsPuddingpulver& billiger geworden/ Es kostet statt bisher lüffy JetZtmiTWCh-& Pfff. dam, könnten fi« an den Aeichzfinanzhos appeMeren, der fie schon ablaufen lassen würde. Wir hassen, daß der findige Kopf der„Börsenzeitung- seine Idee beim Patentamt bereits angemeldet hat. Betriebsraiswahl bei Hermann Tieh. Freie Gewerkfchasten behaupten starke Mehrheit. Am Dienetag wurde in sämtlichen acht Warenhäusern der Firma chermann Tieg der Betriebsrat gewählt. Die sogenannte RGO. hatte, unter Ausnutzung des drohenden Lohn- und Gehaltsabbaus, alle Minen springen lassen, um die freien Gewerkschaften aus dem Sattel zu heben. Das ist ihr aber nicht gelungen. Wohl hatte die RGO. bei den Arbeitern, wo st« zum erstenmal mit einer Sonderliste auftrat, den zu erwartenden Reklameersolg. Aber auch hier mutz stc sich m't einer Minderheit begnügen. Bei d«n Angestellten, wo die RGO. schon bei den letzten Wahlen sich abgesondert hatte, war das Ergebnis wesentlich bescheidener. Von rund 8000 Angestellten beteiligten sich nur 4991 Angestellte an der Wahl. Der Zentralverband der Angestellten er- hielt von 22 Mandaten 13 und 2788 Stimmen(bei der letzten Wahl 13 Mandate und 2380 Stimmen), der Gewerkschaftsbund der An- gestellten 3(3) Mandate und 633(586) Stimmen, die leitenden An- gestellten 1(2) Mandate und 397(451) Stimmen, die RGO. 5(4) Mandate und 1095(864) Stimmen. 74 Stimmen waren un- gültig. Die leitenden Angestellten verloren also 54, der GdA. ge- wann 49, die RGO. 231, der ZdA. aber gewann 408 Stimmen. Von den Arbeitern beteiligten sich an der Wahl etwa 90 Proz. der Wahlberechtigten. Für die f r e i g e w e r k- schaftliche Arbeiterratsliste wurden 756 Stimmen ab- gegeben und für die Liste der RGO. 511 Stimmen. Der Arbeiterrat setzt sich demnach aus sieben Freigewerkschastern und fünf RGO.- Leuten zusammen. Beschlüffe des ZG». Amsterdam, 10. Dezember(Eigenbericht). Die Vorstandssitzung des Internationalen Ge- wertschaftsbundes am Mittwoch wählte den von der tschecho- slowakischen Landeszentrale vorgeschlagenen Georg Stolz zum Untersekretär. Der im Jahre 1898 geborene Untersekretär gehörte zeitweilig dem tschechischen Ernährungsministerium an und war seit 1927 literarischer Mitarbeiter des tschechoslowakischen Gewerkschafts- bundes. Der bisherige Generalsekretär Sassenbach erklärte sich bereit, bis Ende Januar in seiner Funktion zu bleiben. Beschlosien wurde ferner nach der Bekanntgabe des Vorentwurfs einer Bergbaukonvention durch das Internationale Arbeitsamt eine gemeinschaftliche Sitzung des Vorstandes des JGB. und der Exekutive der Bergarbeiter-Jnternationale abzuhalten. Die gemeinsame Kam- misston der Sozialistischen Arbeiter-Jniernationale und des JGB. zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wird vom 20. bis 22. Januar in Zürich tagen. Im Anschluß daran findet am 23. und 24. Januar in Zürich die nächste Vorstandssitzung des JGB. statt. Arbeiislose und Arbeiisamt. Was der Arbeitslose wissen und iun muß. Der Leiter des Arbeitsamts Lerlin-Nord, Karl Bu blitz, be- handelte vor dem Berliner Rundfunksender das leider nur zu aktuelle Thema.Was muß ich tun. wenn ich arbeitslos werde?- Der Vor- tragende gab sachliche Mitteilungen, um arbeitslos.Gewordenen un- nötige Wege zu ersparen und für den Bezug von Unterstützung jede Verzögerung zu oermeiden. Er betonte als wesentlichste Punkte: Für Facharbeiter ist das Arbeltsamt Berlin- Mitte zuständig, für a l l e a n d e r e n das Arbeitsamt des W o h n» bezirke«. Als unerläßlich notwendige Ausweise sind vor- zulegen: Jnvalidentarte, polizeiliche Anmeldung und Arbeltsausweis«, aus denen die Dauer der o e r f i ch e- rungspfltchtlgen Beschäftigung während der letzten zwei oder drei Jahre und derletzteArbeitsterminzu ersehen sind. Die regelmäßige vorgeschrieben« Meldung im Arbeitsamt darf vom Arbeitslosen nicht versäumt werden, denn wenn ein Kontrollstempel auf seiner Ausweistarte fehlt, so wird seine Unter- stützung entsprechend gekürzt. Wer ihm angebotene angemessene Arbeit nicht annimmt, dem wird die Unterstützung auf sechs piaistheks Feldzugsplan. Oer„Märtyrer" auf dem Kriegspfad. Di« mitteldeutschen Braunkohlenindustrielle« besitzen den Ehrgeiz, als die reaktionärsten Unternehmer angesehen zu werden. Sie haben allem Anschein nach auch Lust zu einer Machtprobe. Ihr Verband Hai daher streik strategisch« Richtlinien ausgearbeitet, nachdem er bereits vor einiger Zeit eine Streitentschädigungsgesellschafr gegründet hat. Diese Richtlinien sehen im wesentlichen folgendes vor: Errichtung einer Werk st reikabwehr stelle, die alle die Arbeitseinstellung betreffenden Frozen zu beantworten hat, Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des Betriebes, Notstandsarbeiten, Absperrung des Werksgeländes, Schutz und Unterbringung sowie Verpflegung der Arbeitswilligen, Sicherstellung des Fernsprech- dienstes, Regelung der Unfallversicherungsfrage und Berichterstattung bei Belästigung Arbeitswilliger. Besonders gründlich ist Borsorge getroffen, um der Unter- nehmerpresse reichlich Hetzmaterial gegen die Gewerk- s ch a f t e n zu liefern. So wird in den Richtlinien gefordert, daß bei drohenden Einzel- oder Gesamtstreiks das Verhalten der„Streik- Hetzer-(gemeint sind natürlich die Gewerkschaftsfunktionäre) proto. kollarisch festzulegen sei. Bekanntmachungen der Arbeiter sowie Flugblätter und Handzettel müßten unverzüglich den Unternehmer- oerbänden sowie den Splitterverbänden der Arbeitgeber zugesandt werden. Gegen Arbeiter, die streiken oder passiven Widerstand leisten, soll nach den Richtlinien mit fristloser Entlassung vorgegangen werden. Hierfür werden den Unterverbänden die ent-' sprechenden Berhaltungsmahregeln mitgeteilt Auch Betriebs- ratsmitglieder sollen von fristloser Entlassung nicht verschont werden und ebenso wenig Schwerbeschädigte, sofern„Auf- forderung zur Arbeitsniederlegung, Streik, Terror und Hetzreden- vorliegen.— So scharf die Streitstrategen im Falle eines Arbeits- tonfliktes gegen die Arbeiterschaft, die um Berbcsserung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen kämpft, vorgehen, so rührend ist ihre Bor- sorge für die Arbeitswilligen. Streikbrechern soll in weitestgehendem Maße die Fürsorge der Werksvertretung zuteil werden. Bei Gewalttätigkeiten gegen Arbeitswillige muß in jedem Falle Strafanzeige erstattet werden. Im Fall« einer B e- lästigung von Arbeitswilligen durch Streikposten soll vom zu- ständigen Gericht ein« einstweilige Verfügung erwirkt werden, um das Stellen von Streikposten der Streik- leitung bei Geld- oder Haftstrafe zu untersagen. Die Arbeitsmöglichkeiten sollen den kämpfenden Ar- beitern, wenn irgend möglich, gleich im ganzen deutsch«» Reich in allen Berufen unterbunden werden. Di« Arbeiter der mitteldeutschen Braunkohlenindustrie werben begreifen, was ihnen blüht, wenn sie nicht geschlossen bis auf den letzten Mann die Bastion des Berg- bauindustriearbeiterverbondes beziehen, von der aus allein sie den Scharfmachern im Unternehmerlager zu Leibe rücken können. Wochen entzogen, im günstigsten Fall für die Dauer von drei Wochen, bei wiederholten Weigerungen aber sogar z w ö ls W o ch e n. Wenn jemand seine Arbeit ohne wichtigen Grund nieder- legt oder sich ein Versehen zuschulden kommen ließ, das fristlose Entlassung nach sich zog, ja hat er kein Anrecht auf Unterstützung. Wichtig ist zu wissen, daß gegen die Entscheidungen des Arbeits« amtes E i n s p r u ch bei dem Spruchausschuß möglich ist, gegen Eni- scheidungin des Spruchausschusses unter Umständen ebenfalls eine Be- rufung bei der Spruchkammer. Der Einspruchstermin beträgt in jedem Fall zwei Wochen. Die weiteren Ausführungen des Vortragenden erstreckten sich aus die Bestimmungen über Familienfürsorge und Krisen« f ü r s o r g e.— Die wichtigsten Hinweise über das richtige Verhalten im Falle von Arbeitslosigkeit sollten vom Berliner Sender im Rahmen der„Mitteilungen des Arbeitsamtes- von Zeit zu Zeit wiederholt werden. Manchem Arbeitslosen könnte dadurch Aerger und nutzlos ausgegebenes Fahrgeld erspart werden. Ohne Preisabbau kein Lohnabbau. Kommunistische Rabultstik. Iii einer überfüllten Mitgliederversammlung der Seltion V des Gesamtoerbandes, umfassend die Arbeitnehmer der Reichs« und Staatsbetrieb«, Theater, Kino und Darietö, im Bezirksverband Groß-Berlin, sprachen die Genossen R e i ß n e r, Mitglied des Reichstages, und Richter, über die Wirtschaftskrsse und den drohen- den Lohnabbau ohne gleichzeitigen Preisabbau. Die Versammlung zeigte reges Interesse für die Aussührungen z der Referenten, nur hatte leider der schwache oppositionelle- Teil der Bersammlunzz die Redner, überhaupt nicht oerstanden. Die Dis« kussian oerlief sehr angeregt und für den humoristischen Teil de» Abends sorgten die beiden kommunistsschey Diskussionsredner. Der russische Staatsangestellte der Handelsvertretung Z e n n kam ebenso wie seine Gestnnungstollegin Haas« nur mit den bekannten„ollep Kamellen- wie Panzerkreuzer und„sozialdemokratische- Regierung. Al» dann Zenn das Flugblatr des Gesamtverbandes über dm rigorosen Lohnabbau bei den kommunistischen Zeitungen auf das Rednerpult hinaufgereicht wurde, blieb ihm buchstäblich die Spucke weg. Sein Schlußwort war dann, daß dieser Lohnabbau kein Lohnabbau sei, sondern eine„notwendige Maßnahme der ZtPD. zur Rationalisierung ihrer Betrieb«-. Also derselbe Schwindel, den Arbeitgeberverbände zur Begründung ihres Lohn» abbaus täglich vorbringen. Di« Versammlung faßte zum Schluß einstimmig«ine Entschließung, die sich scharf gegen den Lohnabbau wendet und die ver- teuernde Wirkung der neuen steuerlichen Maßnahme hervorhebt. die Herabsetzung der Arbeitszeit, die Beseitigung der Kredithem- mungen für Gemeinden, die Bekämpsung der Kartellbindungen und eine wirkliche Preissenkung forderte. Der Schiedsspruch für die rheinisch-westfälischen Slraßeabahner, der eine Lohnkürzung von 6 Proz. ab Januar vorsieht, wurde von den Gewerkschaften abgelehnt und von den Arbeitgebern an- genommen: diese haben Verbind lichkeitsertlärung be- antragt. Sielnseher und verussgenossen! Durch Beschluß der Schlich- tungskommission ist ab Donnerstag, den 11. Dezember 1930, bis auf weiteres die Arbeitszeit auf 7 Stunden täglich festgesetzt. Der Obmann der Schlichtungskommission. Verband der Maler, Lackierer usw. Morgen, ssreitag,\Wi Uhr, Gewerk- schoftsbauo, Eaal 4. Mitgliederversammlung. 1. ffilmvortrag ttder Arbeits- bcfdxsffiuifl im Malergcwerbc. 2, Herstelluiig, Eigenschaften und Verwendung der Lilhophone. Z. Kulturfilm:„Bekehrte Cpiltter". 4. Trickfilm:„Sine Teufelei�. G-samtdauer etwa 80 Minuten. 3u dieser Bcrsammlung sind auch die Frauen der Kollegen mit eingeladen. ffreie GewerSschasts-Iuaend Berlin Heute, Donneretag, liVVi Uhr, tagen die Gruppen: Köpenick: Jugend- heim Grünauer Str. S. Reihcnvortrog. 2. Abend:„Unsere Führer".— Schönhauser Tor: Jugendheim Tieckstr. 18. Thomae-MünzerÄbend.— Sesundbruuaea: Jugendheim. Dote Schule, Gotenburger Str. 2. ffilmabend. — Südosten: Sruppenheim Reichenderger Str. LS(Feuerwehrhauo). Bortrag: „Gewerkschaften im Ausland— Frankreich".— Tempelhof: Grupp-nh-im. Ln.ioum Germaniastr. 4—6, Singana Cdiistrotz«. Vor' rag:„Ausgaden und JV.cle der freien Gewerkschallen".— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18—19. Vortrag:„Interessantes aus England".— Zieu-Licht«nb«rg: Jugendheim Gunterftr. 44. Vortrag:.Grossstadt seuchen".— Lichtenberg: Jugendheim Hauff- strasse, an der Losssngstrasse. Vor.rag:„Mo Gewerkschafte» irr Amerssa".- Landoberger Plassr Ivgendheim Diestrkmrnrrstr.«.„Berlin wie et weint und lacht".— Iugendgrupp« de, Gelamtverbandr«! Jugendheim Enzoluser 24,25. Heiterer Ab etib.! 4». Ingen»arnppe de» Deutsche» Aelleldnugsarbetter-Berbaudes. Jugendheim Sebastlanstr. 87—38. Brctlspielabend. �uaendoruppe VeS?en6 Uhr. Im Rrema- lorium Baumschulenweg, Rlesholzstr. SiMAlIMsliM-Mls! Vei'wsitungsmiigiiellei'i A« Freltao, dem 12. Dezember, 19 Uhr, Sitzung der Mittlere» Ortsverrnalwng. Die Ol isvcrvralhing, t Mein Kautabak scbmeckt mir doeb am besten! Feinster Apfelwein, süß........ Jetzt Liter 0.72 Johannis- und Stachelbeerwein,«OB.. jetzt„ 0.86 Feinster echter Tarragona....... jetzt M 1.20 Echter Griechenwein, süß, golden... jetzt„ 1.20 Feinster echter Malaga........ jetzt„ 1.35 Prima Weißwein„8t. Martiner Berg". jetzt t/, FI. 0.75 Prima Rotvreln............ jetzt Fl. 0.75 Jster Liebfraumilch-fNiersteiner.... jetzt'/, Fl. 0.95 zier roter Bordeaux„Chat, la Rose". jetzt'/, Fl. 1.20 Weißer Bordeaux, süß,„Graves"... Jetzt FL 1.25 WeißerBord., süß,„zger Haut Sauternes" jetzt FL 1.76 Echte Edelliköre, extra fein........'/i Fl. 2.95 Nordhäuser Branntwein-Aquavit.... letzt Liter 3.20 Feinster Weinbrand Verschnitt..... jetz�„ 3.60 Feinster echter Weinbrand„Masue".. 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Dezember il 930 parieinachn'chten für Groß-Berlin � yy*iikT K-.mamm€%lm K.mTa CD.♦ P f i m X KiV � A«a Kam CD ,I�,W«k�F..- � � I. Einfenbungm für dies« Snbrit sind verli» SS 68, Lindensiraxe Z, stet»»n da» Bezirlisekretartai Z. Hof, 2 Treupeu rechts, z» richte» Zum Notopfer für die Erwerbslosen wurden von der Be- legschaft der„Deutfclscn Tageszeitung" IlZ Mark gesammelt und an die 111. Abteilung abgefülirt.— Von der Zlngcstclltcnfraltion der BVG. 50 Mark an die Bczirkskasse. Allen Spendern hierdurch herzlichen Dank. I. A.: Alex Pagets. * 6. JTrets flrcaiterg. Jet Kursus ber Ken. Torhorst:„Tie geistigen Ltrö- mungcn in der Sozialdemokratie" findet ssrcitag in der Tlorckstr. 11 statt. f<--* M�KZ�UZZW !». Kreis Wilmersdorf. Am ltreitag, dem 12. Dezember,!» Ilde, l' f;; JärcisinitglicbctBCtfomtr.lnna im Viktoriagarten, Wilhelmsau« Ilt/lli. W '.4 Ecnosie Aufhäuscr, M. d. R., spricht über:„Die Stellung der Sozial- W kI dcmolratie zum Rotgesch". W 13. Kreis Tcmpclhof. Der Ingcndweihcunterricht beginnt am Donnerstag, dem 18. Dezember, i» der schule Konigstraße in Atariendorf. Anmeldungen werden dort entgegengenommen. 11. Kreis Ncutölln. Die Abteilungen müssen bis Donnerstagabend die gabl der arbeitslosen Parteigenossen im Parteibüro melden. Die Ausgabe der Karitadlbons findet am greitag von 18 bis IS Uhr im Parteibüro statt. IS.»reis Kreisbildungsousschuh. Sistung heute, so Uhr. in der Baracke, Rcinickeudorf-Ost, Liirdauer Straße. Erscheinen unbedingt erforderlich. henke, Donnerstag. 11. Dezember. 33. Abt. lS'/> Uhr Versammlung der jüngeren Parteigenossen im Jugend» heim Eoßlcrstr. kl. Heilerer Abend. Alorgen, Areikag, 12. Dezember. >. Abt. Von 17 bis 18 Uhr in der„Vorwärts"»Aiisgobcstcll«, Ackerflr. 174, Auszahlung der Wcihnachtsuntcrftiihung tNolopfer). 38. Abt. igsh Uhr Auszahlung der Erwetbslofenbcihisfe hei Bartusch, griedcustr. 88. Kein Bezirksführer darf fehlen. 108. Abt. Köpenick. Elternabend im Jugendheim Dahlrvißcr Straße sEa«. anstalt). Referat Erich Euzy:„Elternhaus und Kindcrfreunde". greie Ausfvrache. Verschiedenes. Alle Eltern werden rocgen der wichtigen Aus- spräche gebeten, zu erscheinen. Gäste sehr erwünscht. lOff. Uhr Damni, vorstadt Zahlabend. Genosse Dr. Salaw spricht über:„Aktive Kräfte im Wirtschaftsleben und in der Politik". 114-. Abt. Mahlsdorf-Sud. I» Uhr bei Draber, Uhl-nbstr. 1». Mitglirberuer. fomnrlung. Vortrag:„Prolctariiche Zestkultur". Rcsereut: Friß Krüger. 1302. Abt. Feie Scholle. 20 Uhr im Schollcnlrug Mitgliederoersammlnng. Vor. trag:„Kapitalkonzcntratiou". Rcsereut: Emil Barth. Franenveranskattungen. l0l. Abt. Treptow. Heute, Donnerstag, 11. Dezember, 17 Uhr, Beüchligupg des Mütter- und Säuglingsheims in Neukölln, Mariendorfer Weg 41—16. Die Gcnofsiuneu treffen sich um 16 Uhr an der Bouchä- Ecke Graejzstraße. 136. Abt. Reinickeudors-Os«. Den Genossinnen„ir Kcnnsniz, daß die heutige Helferinnensißung ausfällt. Arbeiksgemeinschafk der Kinderfreunde Groß-Derlin. Kreis Reukölln. Helferkreis. Heute findet um 20 Uhr im Parteibüro, Fulda str. dä— 66, Aufgang V, Passage, unsere Helfersißung statt. Sprechchor. IungsaUen und Rote Falken, die Lust zum Evrechchor haben, finden sich um 17 Uhr in der Baracke Ganghoferstraße, Raum 23, ein. Geburkskage. Jubiläen usw. I I M f 95. Abt. Rculölln. Unserem lieben, treuen»ud perdicuteu Partei, \ genossen und Abteilungskassieree Julius Bieweg und sciuer Ehefrau!�s M Martha. Ziethenstr. 71, zum Fest der«oldenrn Kochzelt dir herzlichsten pt s Glückwünsche der Abteilung. Wir wünschen unseren tapfere» Genossen] noch einen recht, gesunden, srohc» Lebensabend. Porträge/VereineuttdVersammtungen. Reichsbanner„Schwarz-Rak-Gold�. G e s ch ö f t s« e f l«:»erlin S, 14. Sedastianstr. 87-38. Lok 2. Tr. Dsnnerstag, ll. Dezember. Ehorlottrnbueg. Spirlleut« ießt Don, »erstags um 20 Uhc„Edenpalalt". Wilmersdorf. 19 Uhr Antreten zum Eaalschuß im ollen Rathaus, Beandenburgifche Straße. Wintersportabteilnug. 26 Uhr im Uluddeim von R. Israel, Postftr. 26, 2 Trv. Vortragsabend mit Lickstbiloern über das Thema:„Photographie im Winter. zcmber. Friedrichs Hain. Kameradschaft Mernes. 1»'4 Uhr Kameradschaftsver. sammlung bei Hentschel, Memeler Str. 13. Alles hat zu erscheinen. Rilmer», darf lIuugbonnerl. 26 Uhr Jugendheim Wilhetmeave. Liederabend.— Sonn- abend, t3. Dezember. Tempelhof lOrtsverein). 18' r Uhr Pslichtantreten in Bundeskleidung mit Epielmannszug zum Ummarsch TlMpelhof. Dorf- Ecke Berliner Straße. Pankow tOrtsverein). ISsi Uhr Generalversanunlung im Restaurant„Türkisches Zelt", Pankow, Breit« Straße. Erscheinen Pflicht. Roseuthal sKomeradschaft). 26 Uhr Generalversammlung bei Türke. Nieder- straße. Renlölln-Beiß. Republikanische Feierstunde bei Kliem. Hasenheide. Pslichtanlreten in Bundeslleidung um 181-2 Uhr. 4. Kameradlchaft um 18 Uhr. Trauerfefer für Otto Bitte im Krematorium Bomnichuleuweg.— Sonntaq, 11. Dezember. Schußsportler Reinickeuhors. Up,: Uhr im Verkehrslokal Kühne. Residenzstraße. Ziisammcnkunst zweck.-, Erledigung wichtiger Fragen.— Prenzlauer Berg. Kameradschaft Seneselderplaß. Einäscheruna des Kameraden Eisenstcdt am Donnerstag, dem 11. Dezember. 18 Uhr, im»rematvrium Wil- mersdors. Treffen ITVi Uhr cor demselben. Erscheinen Pflicht. Berliner Mandolinen-Vcreinigung„Nordische Klänge 1905". Uebungastunde jeden Donnerstag um 20', h Uhr im Lokal Burmcister, Berlin Zi., Anklamer Straße 29. Blottspieler, auch Damen, willkommen. Deutscher Freidenletverband, II. Gruppe, 24. und 26. Abt. Freitag, 12. De- zcmber. Im Altersheim Dauzigcr Sir. 6-2, 19's, Uhr, Lichtbildervortrag:„Erdnah Feuerbestattung". Günstige Gelegenheit zum Kirchen austritt und Mitglied zu werden im Freidenkervcrband. Spracdklud„The Englith Speaker«": Meetings on every Thursckay at 9 p. m in the restaurant„Stephanplalz", NW 21. Stendaler Str. 12.— Topics and debales of geneial Interest. Ouests— Ladies and Centlemcn— are cordially welcome. 1 =: Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin awsendunom für diese Rubel! mir au da« Iugendsestetarlot üZerll» SWS».£mbtnftr»fc J Steeichorchester tßroß-Berliu: Heute, 1914 Uhr, Pslichtprobe im Heim Willdeuowstr. 5. Soudervorstellung der Volksbühne am 1. Januar, 15 Uhr. Gespielt wird „Mississippi", Schauspiel von Georg Kaiser. Einzclkartcu für Jugendliche sind noch erhältlich. Heuke. Donnerstag, n. Dezember, 19�, Uhr: Norden: Heim Lorßina- Ecke Grauusiraße.„Proletarische Weihnachtsfeier." — Aruswaider Plaß ll, Heim Rgstenburger Hir. 16. ,2>ie Elellung der Jugend zur Repnblif."— Foltplaß i: Schule Sonnend nrger Str. 26.„Kommu- nlsmus."— Rordoste» He Heim Danziger Sie. 62. B. 3 recht».„Einführung in den Sozialismus."— Schönhauser Voeftadt: Schule Sonnenburger Str. 29. „Das Erwachen des Orient»."— Hasenheide: Heim Wassertorstr. 9. W-ihnachtZr besprechustg.— Hallesches Tor: Helm Porckstr. ll. Ardeitsgemeiuschasl.— Söpcnicker Viertel: Schule Wrangclstr. 128. Sprechchor.— Kottbussce Tor: Heim Vrißcr Str. 27—36.„Was lehrt uns der Metallardeiterstrcik?"— Südwest: Heim Hindenstr. 4.„Arbeitsdienstpflicht und SAI."— Westend lR..F.>: Heim auf dem Svortplaß Westend.„Freilörpertultur."— stehlen. dorf-Dohlem: Waldschule, Schltesseusieaße. ,.S?l?. und Nationalsozialismus." — Britz: Funktionärkonferegz im Hufeisen.— Tegel: Heim Bahnhofstr. 15, „Ardellslosigkeit und Iugei»d."- Wittenau: Heim Rosenthalev Str. 16. Tagespolitik. SS«. Westen: Heim Rolinenfir. 4. 1711 Uhr.„Heidelberger Programm", IV, Teil. Werbe bezirk Ritte: Heim Käpenickce Str. 92. Wanderlcitersitzuug. Ipäste willkommen. Anschließend Monalsvecsammlung. Freitag, 12. De- Did Kritik Hans R o f e l i e b s über Hoimziroman begnügt sich »iil der Inhaltsangabe. Hat diese Kurzkritik überhaupt einen Wert? Der Hörer kann ihn jedenfalls nicht erkennen.„Auf der Landstraße" heißt eine literarische Veranstaltung, die zwei Novellen Ztlbert Dau-' distels zum Gegenstand der Darstellung gewählt hat. Schilderung von Vorgängen, Hig trotz ihrer Nealistik in romantischem Schimmer erscheinen, bildhaft plastische Darstellung, die aber mehr das Zwischenspiel de» Vinzelschicksols behandelt, als daß sie dies« Schicksale aus den sozialen Verknüpfungen erklären. Die Abendman.M» tung„Aus hundert Operettenjahren" mit den Solisten Vera Schwarz und Max Kuttner, unter Leitung Jgnaz Waghalters, geht von ixr Gegenwart zurück, Walter Goehr mischt in der Einleitung«in Pott- pourri zusammen, setzt alt: Stücke sogar für Jazz und leistet sich hübsche instrumentale Witz«. Es ist keine bloße Aneinanderreihung von Melodien, sondern eine einheitlich verknüpfte Arbeit.?. Seh. i Werbebeziek Tiergarten: 1914 Uhr pünktlich in der Echulaula g] Waldenserstraße. 2g Uhr politischer Insormationsabend. Vortrag: W„Jugend und Faschismus". Referentin: Genossin Mathilde Wurm, ig M. d. R. Gäste willkommen. Eintritt nur mit Mitgliedsbuch dcr ! SAI. oder der Partei. Werbebeziek Prenzlauer Berg: Tombonrkaprlle. lieben aller Spieler im Altersheim Danzigrr Str. 62. Am Sonnabend müssen alle Fanfarenbläser zur Souueuweude bereit sein. Näheres am Itebung-äbend. Werbebeziek Osten: Sprechchorprobe im Heim Litauer Str. 18. Werbebzirk Renkölln: stusammewkunft aller erwerbssosen Genossen um II Uhr fnicht um l4 Uhr) im Heim Berastr. 29. Arbritsgemeinschaft Torhorst fällt au». Werbeauaschußsitzung im Parteibüro. Wrrbebezirl Obersirce: Forlsetzung des Bildungskursus IM Heim, Baum- schulcnweg, Ernstslr. 16. Allgemeine Wetterlage. 0woi!Mdt. AI« Hyde u.«. 12 MusicaMadi»» Fischer- Koppe, Willi Schaeffer» Grete Weiser, Erich Wolff 4 Karrays, Carr's und Betty usw. rolhsblilisc 8 Uhr von cattaro Staatsuper im Pl.d.Republil 7>Ä Uhr Sst fieistil! Staatl.SdiiIls:-Th. 8 Uhr Natftt Uberm Kreml Thrater am SChlüDauerdamm «>/. Uhi Die Quadratur des Kreises Berliner inh-TriO Neukölln. Lahnetr. 74/75.1 URANIA Horgn, Freitag, 12. hr. Obqnds»»/« Uhr im Ungeobak-Viitbow- Haus, Luiseostr. 58-59 Dr. med Hildolas liufmani ..Filmreise öuröi den Uensmen- könie." Desisdies Ttieatei 8 Uhr Elisabeth von England von Ftrd. Brn ebner _aijirjii»i Süpitl Kammerspielc S'.i Uhi Der Diener zweier Herren von Carlo Oo'.dpni Regit; Max Rebbr« Die KomSdie S'.'s Uhr Der Schwierige vu Hu?««tu Hgliuissllnl. Regit: Max Re'nbliHt. meateram riütiijöaueröafflni Norden 5813 u, 0281 Täglich i'lt Uh' Die Quadratur des Kreises Komödie v. Kaiajcw mit: KOrJar, lensa. Rotmann. Loire, linge.i. Preise von 1— 12 5', wo od«« non■ BOtunO wmsT Nur Gross-Bortin A(«xantf«rpleitii fetz Singspiel In vlelsn Bildern. !<"»m. Splrn, Hansen, l.trske, Wallbnrr. Arno, JausknBn. PonI Hdrbicrr, Lena, I Setaaefters, WinKelotern. Kolls, l>r»nl, Stark- Gstot tenbniscr, Original Tiroler Watseticntänzer, Orlg-Inal Tiroler Jodlcrlnncit-Qnlntett, , Musik. Trio ans Sehllersee. j Jas». Rand( Cllrls u. Roys/«rosse fliöre. | Her Stelt entszircehciKl sind, trots des I riesigen Andrang-es, M K 0' or | die Hasscnprctse n„,"/ 0 masslzrt. Isoiintnir ea■ 1 2�— Orig-lnalbcsctzunc: 1 SToehmittae»9(WPair lillllxe l- reise. »'-vi.. 37, Neu! Neu! Derkeufdie Lebemann Dazu das große Festprogramm Für die Leser: Gutschein 1—4 Pers. Fauteuil 1.25 M, Sessel 1,75 M.— Sonstige Preise: Rang 60, Parkett 75 Pfg. Rose-Theater Gr.FrankIurterS(r.i32 Tel. Alex 3423 u. 349t 8.15 Uhr: Der Diener zwcierHerren Die schöne Galaihce Erster Klasse Erich Wilde Hans Rose Edgar Kanisoh ROSE-THEATER GroBe Prankfnrter SlraDe tn2 Billetfkarse: Alex. 3422 iiml 3494 Täglich 8", Sonnabends 1 und 16" um, Sonntags 230, 5«,• Uhr Der DraNCInnkter-Abrarf „Diener zweier Herren1" „Die schöne Galatheo" und„Erster Klasse" Mittworh 5 Uhr und Sonnabend 4a Ohr „Bastelhans und Quasselgrete" WeibBRdjticiirchen ron Vieky Baum Frettag-Sühr:„Peterchen« Hon