BERLIN SonnerStag 1t Dezember 1930 ErscheiottSglichaußerSensttgs. Zuglcich Abcndauraabe des»Vorwärts�. Bezuzspreis beide Ausgaben SZ Pf. pro Woche, s�oM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW68, Andenstr. 3 10 Pf. Jtr. 580 B 269 47. Zahrgang A u t« i g e» p r e i t: Die einspaltige Nonpareillezeil« SO Pf., Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Poßscheckkontv: VorwärtS-Vcrlag G. m. H.H.» Berlin Nr.«7538. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis LS? Krach im Z�echtsausschuß Zentrum weigert sich, unter dem Vorsitz eines Gchimpfbolds zu tagen VorsttzenÄer in» Zterhtäansichnh des Reichstages ist Herr Tr. Frarrk II von den Nazis, den» gestern Wege» fortgesetzter Bcschintpfnngen in seiner Rede znn» Ttraf» Gesetzentwurf daS Wort entzogen werden wntzte. Er hatte tu a. den» Zeutrnv» vorgeworfen, es ,.»» iß» brauche de» RatholiziSwuS für seine schurutzigen Geschäfte". Z« der heutigen Sitzung des NechtsausschusseS be- antragte das Zentrum deswegen Vertagung, damit s eitle Fraktion räch Vorliegen des Stenogramms darüber entscheiden könne, ob es für sie möglich sei, unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Frank überhaupt zu tage«. Dr. Mar««(Soz.) trat diesem Antrag bei. weil es der Loyalität entspreche, solche» Wünsche» einer grotze« Partei stattzugeben. Er bemerkte, datz er ja auch alS ei»„Astat" beschimpft sei. daß solche Worte aber in die leoro Luft geredet seien. Wie der Slozi-Auwalt fich die Führung des Vorsitzes vorstellt, ergab sich alsbald. Auf ei»ren harmlosen Zwischenruf drohte er dem Abg. Dr. Marum sofort an, er werde ihn von der Sitzung ausschliefen. Er s e l b st aber unterbrach fortgesetzt die Redner und gefiel sich darin, ganze Zwischeureden zu machea. Anfangs waren die Nazis»och mutig uud bekannten sich ausdrücklich zu der Aeusjerung Dr. Franks über das Ze»»truu». Schließlich fand aber Dr. Frank, daß es doch .Diplomatisch" sei. den Rückzug anzutreten, und er c nt» schuldigte sich förmlich beim Zentrum, es habe ihm ferngelegen, Mitglieder des Hauses zu be- leidige»». Es nutzte aber nichts. Mit 17 Stimme» aller Parteien wurde gegen die Nationalsozialisten uud ihre Anhängsel die Deutsch- nationalen, die Vertagung beschlossen. Flucht vor der Wahrheit. Die Hokeokreuzter flüchten vor Reden. Bei Beginn der heutigen Rsiil�togssitzung, die onm Präsi- dentsn Lötz« mn 1 Uhr eröffnet vrlrde, gab der nationalsozialistisch« Abgeordnete Stöhr ein« Erklärung ab, wonach seine Fraktion sich künstig die.marristischeu" Reden nicht mehr an- hören und bei Bsginn einer„marxistischen" Rede den Sitzungs- saal verlassen»verde. Die sozialdemokratische Fraktion war der Lerlesung dieser Erklärung ferngeblieben, die Kormrurmsten begleitete« sie mit Bravorufen. Nach der Erklärung Stöhrs schlägt der Kommunist Torgler unter großer Heiterkeit vor, auf der rechten Seit« des Hauses eine Rolltreppe anzubringen, um den An- und Abmarsch der 107 Nazis zu erleichtern. Als nach Beginn der Rede des Kommunisten Schröter- Merseburg die Nazis langsam den Saal zu räumen beginnend ruft ein anderer Kommunist.-.Zieht hin in Frieden eure Pfade, mit euch des großen Adolf Gnade."(Ungeheure Heiterkeit.) Sichtlich unwillig folgen die Radaumacher der Parole ihrer Parteiführung und verlassen den Saal. Stöhr bleibt als Beob- ochtungsposten zurück. Der Kommunist Ulbricht beantragt unter den üblichen Aus- fällen heut« die Forderung seiner Fraktion zu beraten, daß dos Berliner Demonstrationsuerbot aufgehoben werde. Dieses verlangen scheitert am Widerspruch der Deutschen BoUspartei.» Dann wird über Stellenvermittlung beraten. Als der Zcntrumsabgeordnete Dr. Jäger das Wort ergreift, ruft der Kommunist Torgler den inzwischen wieder hereingekommenen Nazis hinüber:.Ein Marxist spricht!"(Heiterkeit.) Di« anderen Kommunisten rufen: Züousl" und.Raus mit den Zvnqslnottern!"_____ Hugeadergs Mißtrauen. Die deutsch nattonale Fraktion hat im Reichstag Mißtrauensa nträge gegen die Reichsminister Dr. Ssrtius. Dr.»irth und Treviranu« eingebracht.— Vom Filmkrieg nichts Neues Entscheidung der Oberprüsstetle erst am Nachmittag Die Ziüuoiberprüsstelle ist heule vormiltaq 10 Uhr zusammen- gelretev. um über die Anträge verschiedener LSaderregienmgen zu entscheiden, die ei» verbal des Films wünschen. Zn der Sitzung. die gegen Mittag noch nicht beendet war, wurden ausführliche Gut- achten de» Reichswehrministerium« uud des Auswärtigen Amtes vorgetragen, ferner wurde die Rechtslage erörtert Die Entscheidung der vberprüfstelle wird voraussichtlich erst in de« spätere« Rachmittagsstunde« fallen. * DieamsrikanifcheZasfungdes Remargue-Filmes wurde haute vormittag im Morzartfaal dem preußischen Ministerprsstdeuten Otto Braun, den Kiaatsministcrn Severing und Grimme, dem Polizeipräsidenten G rz« f i n s k l. dem Vizepräsidenten Weiß. Staatssekretär W e i ß m a n n. Ministerialdirektor B a d t. einer An- zahl von Reichstagsabgeordneten und 60 Offizieren der Schutzpolizei vorgeführt. Auch die amerikanische Fassung hinterließ bei allen Zu. schauern tiefe Ergriffenheit. Keiner der Zuschauer konnte dieser Fassung«In« hetzerische oder gar antideutsche Tendenz nachsagen. Die befragten Offiziere der Schutzpolizei, von denen alle im Fell»« gestanden haben, äußerten sich, daß der Film in keiner Weise dem deutsche« Ansehen abträglich sei. Er sei ein Dokument des Kriegserlebnisses des deutschen Frontsoldatm. Bor dem Mozartsaal hatte sich eine größere Menschenmenge an- gesammest; zu irgendwelchen Ausschreitungen ist es nicht gekommen. Zum Kilm-Bürgerkrieg. Müssen wir uns reaktionäre Filme gefallen lassen? Der vernünftigste Protest gegen ei» Theaterstück oder einen Film, dessen Tendenz einem nicht zusagt, besteht zweifellos darin. daß man nicht hingeht. Wenn aber die Nationalsozialisten systematisch die Aufführung von Filmen zu oerhindern suchen, die in ihrer geistigen Haltung dem Programm des dritten Reiches widersprechen, entsteht die Frage, ob man sich auf der Gegenseite mit den bisherigen Methoden des stummen Protestes begnügen darf. Es laufen in Deuffchland periodisch Filme der Hugenbergfchen Ufa und gleichgestnnter Unternehmungen, die dem Empfinden jedes Republikaner« ins Gesicht schlagen. Meist sind es hetzsabrikate übelster Art. Reichstagsfltzung Kein platz soll im Sitzunassaal sein? Wo noch solche Hoh räume tlaffea? Wir erinnern nur an jenen. Hugenbergfchen Scapa Flow, Film, der die Revolution ip»f der Flotte im Sinne der Dolchstoß- legende verleumdet. Die Herren Seeoffiziere find als Engel, die meuternden Matrosen als Bestien dargestellt. von den wirklichen Ursachen der Meuterei, von dem herreuleben i« der Offlziersmesse, dem Hungerdasei« der geschundeuen und gedrillten Maauschafle» zeigt der Film nichts. Das Elend der Angehörigen wird verhöhnt, indem.Jammerbriefe" gezeigt werden, die die Stimmung der Mannschaft erschüttert Hab« sollen. Aber statt daß die Frau, wie es der Wirklichkeit von 1918 entspräche, darüber klagte, daß die Kinder hungerten und daß kein« Milch und kein Essen vorhanden feien, orschöpst sich der Jammer des gezeigten Briefes in Nichtigkeiten wie„daß der Schrank wackelt(!!) und kein Mann da ist, ihn zu reparieren". In dieser Art wird da u e rnd ein Zerrbild der wirklichen Zu st ände gegen Kriegsende geliefert. Genau so wird in den diversen H o h e n z o ll e rn fil m e n, den Fridericus Rex- und Königin Luife-Filmen die historische Wahrheit dauernd vergewaltigt. Man sieht wohl die fridericia irischen Heere in ememfort siegen: ober von dem Kor- p o r a l st o ck und dem Spießrutenlaufen, von dem ganze» zusammengeprügelten Heldenmut", von der in Menschenraub ausartenden Rekrutenwerbung, von der ganzen Schmach des Söldnertums zeigen die Filme nichts. Ein„Verband der Lichtspieltheater" hat zu dem Remarque, Film«n« Entschließung gefaßt, wonach er es ablehne, Filme vor- zuführen, durch die politische Streitigkeiten in das Publikum ge- tragen werden. Wir ersuchen hiermit öffentlich den Verband der Lichtspieltheater um Auskunft, ob fich diese Entschließung auch auf monarchische uud milita- ristische Filme dezieht, durch die das Empfinden der Republikaner verletzt wird. Wenn die Herren etwa erklären jollten. sie wüßten von solche» Filmen nichts, so wäre es Aufgabe der Repubbkaner, ihnen zu zeigen, daß dem doch so ist. Wir halten zwar den Kampf mit weißen Mäusen, Blindschleichen und Stinkbomben nach wie vor nicht für einen zulässigen Meinungskamps, sondern für Lausbiiber?*. Aber es gibt schließlich auch andere Mittel, um i« wirksamer vnd würdiger Meise gegen die Vorführung solcher Filme zu protestiere«. Es ist kaum glaublich, welche Programme heute selbst in Arbeiter» vierteln manche Lichtspieltheater zu bieten wagen. Glaublich aller» dings so lange, wie die Arbeitersich diese Borführun- gen gefallen lassen. Wir aber meinen: es müßte nur ein» mal ein Anfang gemacht werden, dann würde sich sehr rasch zeigen, daß es in Berlin nicht nur Entrüstung der Kriegstreiber gegen wahr- heitsgemäße Darstellung des Krieges gibt, sondern daß die Eni- rüstung gegen verlogenen und byzantinischen Filmkiifch, gegen die verfilmte Geschichtslüge viel stärker ist. Die Meinung der britischen Regierungspartei. London. 11. Dezember.(Eigenbericht.) Zu dem Berliner Rummel gegen den Remarque-Film schreibt der„Daily Herald":„Diese Ausschreitungen zeigen mit großer Klar- hell den sehr gefährlichen Geisteszustand her deutschen Faschisten. Die Millionen Menschen, die in London den Film gesehen habe», wissen sehr gut, wie lächerlich die Behauptung ist, er sei deuischenfeindlich. 3tt Wahrheit find die Nazi, gegen den Film, weil er fich gegen den Krieg richtet, er ist in der Tat dl« beste pazifistische Propaganda. die wir seil Zahren hatten, und darum wurde er w London lebhast begrüßt. Präsident Hindenburg würde gut tun. sich dem Verlangen nach dem Bor- bot des Films zu widersetz«»«. d«m wenn ein solches Verlange» Erfolg hätte, so würde das einem zivilisierten Volke wenig Kredit bringen! Deutsche Schande! Sieht so eine Volksvertretung aus? Was sich in den letzten Tagen und auch gestern wieder im Reichstag abgespielt hat, ist schwer zu beschreiben. Denn seit in die deutsche Volksvertretung 107 Leute einge- zogen sind, denen angeblich die deutsche Ehre über alles geht, hat das deutsche Volk allen Grund, sich des Bildes, das seine Vertretung gewährt, zu schämen. Man mag ein An- Hänger oder ein Gegner der Demokratie sein, das ändert nichts daran, daß jedes Volk in der Welt nach den Vertretern beurteilt wird, die es sich wählt. Wem ernstlich daran liegt, daß Deutschland bei den anderen Völkern an Ansehen nicht verliert, sondern gewinnt, der muß auch auf die Würde des deutschen Reichsparlaments bedacht sein. Vor sechs Jahren, als es im deutschen Inflationsreichstag ähnlich zuging wie in dem gegenwärtigen, schrieb ein franzö- sisches Hetzblatt schadenfroh, Deutschland wälze sich in seinem Kot. Was sich in diesem neuen Reichstag parlamentarische Verhandlung nennt,' ist zum großen Teil auch nichts anderes mehr als ein Sichwälzen im Kot, und alle Feinde Deutschlands haben recht, ein Hohngelächter darüber anzustimmen. Was sich ihren Blicken bietet, ist kein Zeichen der Kraft, es ist das gerade Gegenteil davon. Jeder Fremde, der in diesen Tagen in den Reichstag kommt oder der in der Presse seine Verhandlungen verfolgt, muß das Bild eines Volkes gewinnen, das die Fähigkeit verloren hat. sich selber zu regieren und das in sinnlosen Kämpfen sich selber zerfleischt. Dieser Zustand ist geschaffen von einer Partei, die vor- gibt, das eigene Volk besonders heiß zu lieben und für deutsche Ehre ein besonders feines Empfinden zu haben! National- sozialismus ist nicht nur das Zerrbild des Sozialismus, son- dern auch die Schande der Nation! Llmzugskosten beim AA. (Empörung über dauerndeEtotsüberschreitungenimBusschuß Zu Beginn der Beratung des Ausschusses für den Reichshaushalt * entspann sich eine längere Debatte über die Lorschläge, die der Bor- sitzende, wie in allen früheren Wahlperioden, so auch diesmal be- züglich der Verteilung der Haushaltsreserate dem Ausschuß schriftlich unterbreitet hatte. Von den Nationalsozialisten wurde gewünscht, daß unter Verwerfung dieser Vorschläge ein neuer Lerteilutigsmodus derart eingeführt werde, daß je nach ihrer Stärke die einzelnen Fraktionen die ihnen genehmen Referate auswählen könnten. Sic wünschten das Innen- und das Außenministcrium. Nachdem der Vorsitzende die Grundsätze dargelegt hatte, die er bei der Verteilung befolgt habe und die genau den Vorschriften der Gc- schästsardnung entsprechen, wurde der Antrag der Nationalsozialisten gegen ihre Stimmen abgelehnt und die Vorschläge des Vorsitzenden genehmigt. Van dem neuen Personaidezerncnten im Auswärtigen Amt war dein Ausschuß ein Schriftsatz überreicht worden, in dem die Ent- wicklung des Titels aus dem Haushalt des Auswärtigen Amtes, her die Umzugs kosten betrifft, sell dem Jahre 1924 geschildert wurde. Es geht daraus hervor, daß das Auswärtige Amt in jedem Jahre weit größere Mittel als etatsmäßig zur Verfügung standen, für die llmzugskosten verbraucht hat. Man half sich stets damit, daß man den den Etatsansotz überschießenden Betrag als Vorgriff auf das nächste Jahr in Anspruch nahm. Das ist Jahr für Jahr trotz aller Beteuerungen, daß man über die Ctatsansätzc nicht hinausgehe, geschehe». Jetzt fehlen nun nicht weniger als 2,4 Mil- lionen, die man als Vorgriff auf 1931 nicht mehr hereinholen kann, da sie nicht inehr da sind. Von allen Seiten wurde dieses Verfahren des Auswärtigen Amtes auf das schärfste gebrandinarkt, und vom Abg. Dr. Köhler(Ztr.) wurde dieses Treiben als ein gefchicht- liches Doknmcnt dafür bezeichnet, wie dos Auswärtige Amt mit Etatsmitteln wirtfäiafte,. und in wie gröblicher Weife Jahre hindurch eine Irreführung des Parlaments erfolgt fei. Der Vorsitzende gab erneut die schon in früheren Jahren gegebene Anregung, die Gebäude der auswärtigen Missionen von Reichs«wegen einzurichten, damit die ungeheuren Transportkosten erspart werde». Die Dinge spitzten sich, als die Frage behandelt wurde, welche Beamten fahrlässig gehandelt hätten, und ob sie nicht Iiaftbar gemacht werden könnten, derart zu, daß die persönliche 'Anwesenheit des Ministers verlangt wurde. Demgemäß wukde die Beratung über diesen Punkt abgebrochen, sie soll am Freitag fortgeführt werden. Kampf gegen die Lugend. Äayern will das Wastlalter heraufseheu. München, 11. Dezember. Der Perfassungsausschuß des Landtags«ahm im Laufe der Veratungen über das Landeswahlgesetz einen Antrag der Bayerischen Volkspartei an. der vor- schlägt, das Wahlalter für den Bayerischen Landtag von 2 0 auf 21 Jahre hinauszusetzen. Gegen den Antrag stimmten die Sozialdemokraten und die Nationalsoziali st en. Ter Vertreter der Staatsregierung hatte in der Aus- spräche erklärt, das jetzige Wahlalter mit 20 Jahren stelle eine Abnormität dar und müsse endlich einmal beseitigt werden. Wenn Bayern auf diesem Gebiete vor- angehen würde, so wäre das anr.zu begrüßen. Der neue Bundespräsident der Schweiz Mzeprösidenl Häberling gewählt Bern. Ist Dezember. Von der vereinigten Bundesversammlung wurde heut« mit 158 von 194 Stimmen der bisherige Vizepräsident des Bundesrats. Häberling, zum Bundespräsidenten für 1931 gewählt. Zum Vizepräsidenten wurde Bundesrat M o t t a mit 162 von 218 Stimmen gewählt. Steeg versucht Kabinettsbildung. 11. Dezember. Der Präsident der Republik hat heute vormittag den radikale» Senator Steeg ins Elyfe« berufen, um ihm die Bildung des Kabinetts anzubieten. Die Ohrfeige für Frick Neichsinnenminisier Wirth schlägt kräftige Töne an Auf Antrag der thüringischen Regierung, die Reichsbonner- gruppe in Gera wegen militärischer Hebungen auf Grund der Bestimmungen des Berfailler Vertrages zu verbieten, hat Reichsinnen- minister Dr. Wirth folgende Antwort an das thüringische Staats- Ministerium erteilt: Der mir abschriftlich übersandte, den Vcrfasier nicht kenntlich machende Polizeibericht betrifft ähnliche Vorgänge, wie ich Sie Ihnen bereits mit Schreiben vom 19. Juni 1939 mitgeteilt habe. Ebenso wie damals durch den mir mit Ihrem Schreiben vom 21. Juni 1939 übermittelten Bericht der Kriminalabteilung des Polizeiamts Gotha vom 6. Juni 1939 bestätigt worden ist, daß die Nationalsozialisten in llaiform. mil Tornistern. Loder- zeug und Brotbeutel auemorschiert find, aus dem ehemaligen Exerzierplatz des I. Baiaillons Znsantericrcgiments 95 auf dem Krähnberg, Gemeinde Trügleben, Bcwegungsübnvgen in V'o-| feilungen durchgeführt und dann noch einen Appell obgehallen haben, wird jetzt berichtet, daß das Reichsbanner Schworz-Rot-Gold Ent- sprechendes unternommen hätte. Sie haben damals den Standpunkt eingenommen, daß ein solcher in Bundestleidunz vorgenommener Ausmarsch und die damit verbundenen Bewezungsübungen, Appelle usw. keinen Airlaß zum Einschrellen auf Grund des Per- fnillcr Vertrages böten. Nach dem bisher vorliegenden Bericht muß ich den vorliegenden Fall als völlig gleichliegend ansehsv, insbesondere ist mir bisher nicht dargelegt worden, inwiefern zwischen den damals als „Bewegungsspiele" bezeichneten Hebungen geschlossener Abteilungen und den jetzt als„Gefecht" bezeichneten Hebungen ähnlicher Art ein Hnterschied bestehen soll. Bevor ich in der Sache eine Entscheidung tresse, ersuche ich daher zunächst um Angabe, ob und welche weiteren Tatsachen dafür vorliegen, daß es sich um ein Gefecht gchandett hat, und ob außer der Ausrüstung mit Brotbeuteln und Hörnern irgendeine militärische, auf Kampf berechnete Ausrüstung wahrnehmbar war. Schließlich ersuche ich uni Ilebcrsendung der mit Unlerschrisl versehenen Originalberichtz sowie um Angabe derjenigen Personen. die den vorliegenden Bericht aus Grund eigener Wahrnehmung erstattet haben und bereit sind, diese Angaben nötigenfalls auch zevgeneidlich zu erhärten. Ich bitte um innlichstc Beschleunigung, da ich mir aus Grund der bisherigen Angaben kein Bild davon machen kann, ob es sich hier lediglich um die sogenannte wehrsportliche Tätigkell der auch von allen anderen Verbänden und insbesondere auch in Thüringen nicht beanstandeten Art handelt, oder ob der gestellte Antrag wirklich darauf abzielt, die Maßnahmen zu treffen, die der Herr thüringische Minister des Innern zur strikten Durchführung des Ver» s a i l l c r Vertrages für erforderlich hält. Zum Schluß kann ich nicht umhin, mein Befremden darüber auszudrücken, daß Sie es für angezeigt gehalten hatten, be- vor ich in der Sache eine Entscheidung treffen tonnte, die vorliegende Anzeige wegen Nichterfüllung des Berfailler Vertrages der Dessen:- lichkeit und damll zugleich der Kenntnisnahm« der ehemaligen Feind- bundmächte unterbreiten. Ein derartige» Verhallen ist bisher von keinem deutschen Istmister geübt worden. gez. Dr. Wirth. Der Streik bei Bolle Muftergüttige Disziplin der Sireikenden- Keine Zwischenfälle Di«! Belegschaft der Meierei Bolle hat dem Streikbeschluß ihrer Funktionäre»och in der'Nacht fast restlos Folge geleistet. Bereits die ersten Schichtarbeiter, die sonst um 11 Ilhr abends die Arbeit ausnehmen, machten vor dem Betriebe sofort Kehrt, als ihnen von den Funktionären mitgeteilt wurde, daß der Streik be- schlössen sei. Luch die übrigen Meiereiarbeiter, die sonst wegen der Eigenart des Betriebes während der Nacht in verschiedenen Ab- ständen mit der Arbeit beginnen, befolgten den Streikbeschluß restlos. Lediglich einige Tourenkutscher, deren Arbelt in den ersten Morgenstunden beginnt, gingen trotz der Aufklärung der Streikposten in den Betrieb hinein. Sie. fuhren aber nicht aus Tour, fondern orbeiteten im. Betriebe. Ebenso haben sich einige unorganisierte Frauen, die in der Wäscherei beschäftigt sind, dem Streik nicht an- geschlossen. Die wenigen Arbeilswilligeu fallen aber bei der Gesamt- zahl der Streitenden, etwa 1099 ständige Arbeiter und 899 Mitfahrer, nicht ins Gewicht. Die Bahnkutscher und-chauffeure, die Stalleute sowie die übrigen von den Funktionären für Notstondsarbciten bestimmten Arbeiter und die Schwerkriegsbeschädigten gingen zur gewohnten Zell an ihren Arbeitsplatz. Jedenfalls hat der Streik in mustergültiger Disziplin eingesetzt. Bor dem Betrieb« der Meierei Bolle ist das übliche Straßenbild nur dadurch verändert, daß kein« Milch» wagen vom Hof rollen und auf der Straß« st ä n d i g vier Streikposten patrouillieren, die dafür sorgen, daß sich keine Ansammlungen bilden. Das Streik postenstchen wird wir von organisierten be- so» neuen Arbeitern besorgt. Es ist deshalb sowohl in der Nacht als in den heutigen Dorinillagsstundsn nirgendwo zu Zwischenfällen gekommen. Die Polizei, die heute nacht vor dem Betriebe erschien, fand deshalb auch keinen Grund zum Ein» schreiten. Sie hat sich auch sehr zurückhaltend gezeigt. Die schiäst. Großes Geschrei der Kommunisten:„Die NGO. führt." Sie organisiert überall Streiks. Vor einigen Wochen„beschloß" die NGO. den Streik bei Bolle. Kein Mensch kümmert« sich darum. Nur«in Bolle- Wogen wurde von Arbcüslosen, die dazu von der KPD. kommandiert waren, umgeworfen. Nun streiken die Bolle-Arbeller wirklich. Di« sogenannte�RGO. schläft. Sie macht das gleich so gründlich, daß die„Rote Fahne" nichteinmal die Meldung vom Streik bringt. An. gen« h m e ,R u.h e!___ Schiedsspruch im Vankgewerbe. Geha'.tSabvav von 5 Prozent IDie der Allgemeine Verband wUtciit. hak die Schllchlungs- fammer am Zstiltwoch in dem Tarisstrest nach langen Verhandlungen einen Schiedsspruch g-sälli. der in seinen Haupipunkien einen Gehaltsabbau von 5 Pro;, und für das Jahr 1951 einen Stillstand in dem automatischen Aufrücken vorsieht. Die An- träge des Relchsverbandes der Lantleikungeo zum Alanlellarif wurden bis auf eine kleine Aenderung der Urlaubszetk abge- lehnt. Ver Schiedsspruch wurde mit den Stimmen der llnlernehmer gefällt. Ltebergabe der Nobelpreise. Studenten schwenken Schwarzrotgold. Stockholm, 11. Dezember.(Eigenbericht.) Mit der hergebrachten Feierlichkeit erfolgte im Äonzerthaus die feierliche Heberreichung der Nobelpreise an die Preisträger, darunter Professor Fischer. München, Professor R a m a n- Kaltulla, Pro, fessor Land st einer- New Burk und den amerikanlschen Schrift- steller Sinclair Lewis. Als Professor Fischer das Nohel- Diplom vom König entgegennahm, schwenkten schwedische Studenten in weißer Mütze die deutsche Flagg« zum Salut, eine Ehrung, die in entsprechender Weis« auch den übrigen Preisträgern zuteil wurde. Besonders lebhaften Beifall fand auch die Heberreichung des Lite- raturpreises an Sinclair Lewis, den„unvergleichlichen Schilderer des kleinstädtischen Philistertums", wie der Sekretär der Schwedt- scheu Akademie Dr. Karlfeldt in seiner Bearündungsansprache sagte. Die Friedenspreise. Oslo. 11. Dezember.(Eigenbericht.) Am Mittwoch mittag, um 1 Hhr, wurden ün Nobel-Institut die Nobel-Friedenspreise für 1929 und 1939 dem ehemaligen ameritani- schen Außenminister Kellogg und dem schwedischen Erzbijchos Söderblom feierlich überreicht. Das Orchester des Nationollheaters spielt« Beethevens Czmont- Ouvertüre. Dann hielt der Vorsitzende des Nobel-Komitees Professor S t a n g eine Begrüßunzs.mjprach«, der eine Red« des norwegischen Premierministers M o w i n k e! an Kellogg und Söderblom folgte. Anschließend legte Kellogg seine Auffassung über den Frieden dar, die in der Heberzeugung gipfelt, daß ein nochmaliger Weltkrieg den Untergang der westlichen Zivilisation bedeute und mit allen Kräften vermieden werden müsse. Erzbischos Söderblom schilderte der Festversammlunz die pazifistischen Anjcholiungen dez Preisstifters Alfred Nobel, die auch heute noch Gültigkeit hätten. Neue Nabstfiuchi.. OieetmaZ vor 0em Wahrheilsb-weis. Wien, 11. Dezember.(Eigenbericht.) Major P a b st, der die„Wiener Allgemeine Zeitung" wegen des Vorwurfs hochverräterischer Umtriebe verklagt hatte hat diese Klage mit der Begründung zurückgezogen, daß seine Bersoigung wegen Hochverrats inzwischen eingestellt worden sei. In Wirklichteij erfolgte die Zurücknahm«, nachdem der verantwortliche Redakteur des Blattes in de? ersten Verhandlung einen umfang- reichen Wahrheitsbeweis angeboten hat. Blutige Zusammenstöße in Valencia. Zwei Albeiter lebensgefährlich verletzt. Pari». 11. Dezember. In Valencia, wo am Dienstag die Arbeiter in einen 4Sstündigen Generalstreik gelrelen sind, kam es im Lause de» Vliltwoch zu mehr- fachen bluttgeu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Streikenden, wobei Zwei Arbeiter lebensgefährlich verletzt wurden. Das Srelkkomilee hat in den Abendstunden des Mittwoch beschlosiea. am heutigen Donnerstag die Arbeit überall wieder aufzunehmen._ Indischer Terror Savotoge Ver Londonkonferenz. Bombay. 11. Dezember..(Eigenbericht.) Polizei, die in Tschittagong(Bengal) im Zusammenhang mit der Ermordung des Gefängnisdirektors von Kol» kutta eine Haussuchung abhalten wollte, entkam nur mit Mühe und Not einem Bombenanschlag-, die Bomb« explodierte m einem Zimmer, das die Polizeibsamten eben verlassen hatten. In den Terrorakten der indische» Nationalisten liegt zweifellos System; ihnen sind die Verhandlungen und die darin erziel!«!» Erfolge der englisch-indischen Konferenz sehr unangenehm. Sie suchen eine Verständigung zwischen England und Indien mit allen Mitteln zu hintertreiben. Die gefährliche Ordensschwester. Mit zwei Nevolveen und zwei Dolcken. Paris, 11. Dezember.(Eigenbericht.) Ein bedenkliches Abenteuer stieß einem Kaufmann aus Reimes zu, der auf der Landstraße eine Ordens schwe st er angtlrossen und sie gebeten hatte, bei ihm im Automobil Platz zu nehmen. Zu seiner großen Heberraschung mußte der Automobilist feststellen, daß die angebliche Schwester nicht nur mit einer Männerstimme redete, sondern auch über ein Paar solide Schlosser- f ä u st e verfügte. Ohne die Ruhe zu verlieren, simulierte der Kauf- mann eine Panne und bat die Schwester auszusteigen. Kaum hatte der unheimliche Gast den Fuß auf die Erde gesetzt als der Kaufmann in höchster Geschwindigkeit davonfuhr. Wie sehr sein Verdacht bc- rechtigt war kann man daran erkennen daß die falsche Schwester eine Ledertasche im Wagen liegen gelassen hatte, in der sich zwei R«,- oolver, zwei Dolche und die verschiedensten Einbrecher» Werkzeuge befanden. Oswald Schumann 65 Lahre. (Sin Pionier der Gcwerifchasten. Heute wird k«r Aorscheud« des Gesrnitoerbandcs, Genasse • Oswald Schumann. 68 Jahre. In seiner schlestschen Heimat mcchie er von frühester Jugend an Aetanntschast mit den Härien des Proletarierkompfes ums Dasein. Der Schule entwachsen, arbeitete er in Ziegeleien und als Streckenarbeiter bei der Eisenbahn Er ging bald nach Berlin. Erst Bierkutscher, dann Handelsarbeiter, schlag er sich im Jahre 1883 dem Verband der Geschästsdiener, Packer und Derusegenossen an. Bald stand er in den vordersten Reihen der Berliner Handelearbeiterbewegung. Im Jahre 1893 in die Agitationskommission der Handelsarbe-.ter gewählt, wird Schumann zum Borkämpfer der Zentralorganisat'on. Dieser Kamps zwischen Zentralisten und Lotalisten wurde durch die Gründung des„Zentral- verband«? der Handels-, Transport- und Berkehrsarbciter Deutsch- lands', die Weihnachten 1806 in Zlltenburg erfolgte, zugunsten der Zentralorganisatiou entschieden. Oswald Schumann war es, der dem neuen Zentralverband die erste Verfassung gab und zugleich dessen erster Borsitzender wurde. Seitdem bekleidet er ununter- brachen das Amt eines Verbondsoorsigenden. „Konzentration der Kräfte!" war immer oberstes Leitmotiv für das gewerkschaftliche Handeln Schumanns. So hat es denn wohl auch kaum einen zweiten Führer in der deutschen Gewer?- schostsdewegung gegeben, der in seinem Leben so viel« Organisations- Zusammenschlüsse vollzogen hat, wie Oswald Schumann. Die bc- deutendsten davon waren der im Jahre 1919 vollzogene Zusammen- jchluh des„Deutschen Transportarbeitexverbandes" mit den Ber- bänden der Hafenarbeiter und Seeleute und die am 1. Januar 1939 erfolgte Verschmelzung des„Deutschen Derkehrsbundes* mit den Verbänden der Gemeinde» und Staatsarbeiter, der Gärtner und der Berufsfeuerwehrniänner. Mag diese Entwicklung auch im Zuge der Zeit gelegen haben, so darf dabei doch nicht übersehen werden, daß die richtige Erkennt- nis und die Tatkraft des Einzelmenfchen eine nicht zu unterschätzend« Rolle auch bei diesem Entwicklungsprozeß gespielt haben. Wenn aus der unscheinbaren Dcrbandsgründung in Altenburg im Lause von drei Jahrzehnten stch der 799999 Mitglieder zählende Gesamt. Verband entwickeln konnte, so hat der heute Fünfundsechzigjährige daran einen sehr starken persönlichen Anteil. In ollen Zweigen der Arbeiterbewegung, ob es sich nun um die Genossenschaften oder die Sozialdemokratisch« Partei handelt«, überall sehen wir Schumann mit Fleiß und Energie mitarbeiten. Reben anderen öffentlichen Ehrenämtern wirkt« er jahrelang als Gcmeindevertreter in Mahlsdors und seit 1912 im Deutschen Reichstag, dem er noch heute als A b g«- ordnete? für den Wahlkreis Frankfurt a. d. O. angehört. Aufs engste verwachsen mit der Arbeiterbewegung, nimmt er haute noch führend und wegweisend an der Erfüllung ihrer Aufgaben teil. Dazu unsere herzlichst« Gratulation, verbunden mit den besten Wünschen für weiteres erfolgreiches Wirken. 772 Millionen Reichsdefizi«. leichtes Sinken der schwebenden Schuld. Nach dem Aueweis des Reichsfinanzminifteriums stellten sich im Oktober die Einnahmen des ordentilchen Haushalts aus 1147, t und für die Zeit von April bis Oktober auf S348 Mil- lionen Mark. Die Ausgaben betiesen sich aus insgesamt 6697,1 Millionen Mark und auf 1941,8 Millionen Mark im Oktober, so daß sich im Berichtsmonat eine Mehreinnvhm« von 1PS,6 Millionen Mark ergibt. Für die sieben Monate des laufenden Rechnungsjahres ergibt sich dagegen eine Mehrausgabe von 349,1 Millionen. Im außerordentlichen Etat ergaben die Oktobereinnahmen 38 3 Millionen Mark und die Gesamteinnah- men seit April 679,1 Millionen Mark, denen 296,4 Millionen Mark Ausgaden gegenüberstehen. Im außerordentlichen Haushalt ergibt sich also eine Mchreinnahm« von 463,7 Millionen Mark. Der Oktobcrabschluß stellt sich wie folgt: Einschließlich des Defizits au» den Borjahren in Höhe von 465 Millionen ergibt . sich bei einer Tilgung"der schwebenden Schuld von 350 Mil- lionen Mark und unier Hinzurechnung der 349,1 Millionen Mehr- ausgaben April bis Oi-sober nunmehr«in Fehlbetrag von 464,1 Millionen Mark Ende Ottober. Im Außerordentlichen Haus- halt stellt sich der Fehlbetrag Ende Oktober auf 398 Mil- lionen Mark. Hier war ein Defizit von 771,7 Millionen Mark aus den Vorjahren übernommen, das sich durch die Mehreinnahmen April bis Oktober bis auf den genannten Betrag ermäßigt hat. Der Gesamtfehlbetrag des Rcichehaushalts stellt sich demnach auf 772,1 Millionen Mark. Der Kafsenbestand betrug am 31. Oktober 1239 Millionen Mark, wovon 1131 Millionen verwendet wurden. Der restliche Kassenbestand ergab also 198 Millionen Mark. Die schwebende Schuld hat sich von 1399.6 im Lormonat auf 1259,7 im Oktober ermäßigt. Vombenfunde in Pirmasens. Bisher 24 Personen verhastet Pirmasens. 11. Dezember. Die Polizei entdeckte ein Lager von sprengsertigen Bomben. Etwa ein Dutzend dieser Bomben war aus alten Hand- granaten hergestellt. Dazu wurde noch verschiedene? Material für die Harftellung von weiteren Sprengkörpern, wie Sprengstosf, Zünd- Hütchen, Zündschnür« usw. gefundeiu Don maßgebender Seile wird dazu erklärt, daß die Bomben nach eigenen Angaben der Hersteller in einem künftigen Bürgerkriege insbesondere gegen den Faschismus. Verwendung finden folllen Die Untersuchung nimmt ihren Fortgang. Bisher sind 24 Personen ins Gefängnis eingeliefert worden. Sie sind k o m m u n i st i s ch e Mitglieder des sogenannten Antifaschijtenbundes. Oper, Kinderret „Fremde Erde." Lindenoper. Litauische Bauern, Auswanderer, im Zwischendeck eines lieber- seedampfcrs. Sie entsiiehen der heimatlichen Not: Sehnsucht nach lohnender Arbeit treibt sie in die Fern«. Unter ihnen ist der junge Semjin und Anschu.ka, sein« Braut, mit ihrem Vater. Ein ameri- kanischer Agent wirbt Arbeitskräste für die Minen der reichen Lean Branchista. Tausend Dollar im ersten Jahre, die Lockung wirkt. Als die Herrin in Person erscheint, gewappnet mit dem gefährlichen Reiz der Macht und weiblichen Machtbewußtseinv, ist es um Semjin geschehen. Der kühne, kräftige Bursche hat es ihr angeia»: um ihn zu bekommen, nimmt sie seinen Anhang mit in Kauf. Aber schon beginnt er die Heimat zu vergessen und mit ihr die Liebe zur zar-en, schwachen Anschuita.. Di« armen Betrogenen haben sich auf drei Jahre für den Frondienst in einer. Zlrbeitshölle verdungen, da« mörderische Klima des Minendistrikts ist furchtbarer als alle- Elend ihrer verlorenen Heimat. Semjin, dessen starke Nawr der Todes- drohung trotzt, soll sie erretten; nur der Günstling Leang tännle sie heimführen und oerrät sie um des erotisch-exotischen Zaubers willen, der ihn gefangen hält. Die Frau, die er zu seinem Verderben er- liegt, steht zwischen zwei Männern. Sie jagt ihn davon, als sie genug von ihm hat, well die Regungen seines sozialen Gewissens ihr auf die Nerven gehen, und nimmt den anderen, der als erster Direktor in ihrem Dienst steht. Anschutka, von Leid und Krankheit verzehrt, stirb: in den Armen das reuig Zurückgekehrten, im An- gestcht den abfahrenden Dampser, der sie in die Heimat bringen sollt«. Die Symbole haben sich sachte verkehrt: das alt« Europa ist Landschaft aller romantischen Sehnsucht geworden, die fremde Erde, das abenteuerlich lockend« Amerika offenbart sich als eine Welt der tätlich brutalen Wirtlichkeit, Diese Dichtung— eine Frau, St. Palffy-Waniek, hat sie verfaßt— bteret dem Komponisten eine geschickte, wenn auch nicht immer wählerisch« Verbindung alter und neuer Opernmöglichkeiten: Korol Rathaus hat sie nicht erschöpft. Als Mangel seiner werlvollen Arbeit fällt pi« Unplastit feiner Themen, das Fehlen typischer und faßlicher Gegensätze, auf die es vor allen: ankäme, enttäuschend und ein in sing ermüdend ins Ohr. Seine Musik ist am stärksten, wo der Text am schwächsten ist, und wächst, wo dieser zu einem konventionell sentimentalen Schluß absällt, zu bedeutenden lyrischen und dramatischen Höbepunkten. Der ehemalige Schüler Fron.; Schrekers verleugnet sich weder in der reichen, freilich auch ver- fchwoimnenen Zwischentönigkeit des Orchesters noch in dem Mangel an konstruktiver Logik und Konsequenz. Bon einem eigenen, ein- heillichen Opernstil ist er wohl noch weit entfernt: aber die Auf» richtigkeit seines künstlerisch sauberen Charakters bewahrt ihn an allen gefährlichen Stellen vor Mißgriffen und En gleisungen. Für den Erfolg, der sich erst nach den letzten Akten entjchsidet, hat die von Kleiber geleitete Aufführung der Lindenoper viel getan. Ganz groß, auch stimmlich überragend, der Semjin Herbert Janßens: als Partnerin steht ihm Rose Pauly ebenbürtig gegenüber. Fritz Soot stellt, wie immer, eine lebensvolle Figur auf die Bühne. Neben ihnen Margery Booth, Elise von Catopol, Henke, Helgcrs. Hürths Szenenführung, Künstler- Selbsthilfe. DortragSbühne.Die Resonanz". Bor einigen Wochen wurde eine produktive Äünstler-Selbsthilfe unter dem Titel„D i e R« s o n a n z" ins Leben gerufen. Bedeutende Köpfe des geistigen und künstlerischen Berlin zeichnen als Komitee und hoisentlich geben alle als Beihili« mehr her als nur ihre Namen. Denn natürlich bedeutet die Mirwirkung berühmter Künstler bei Ber- onstaltunzen, in denen das Publikum aus junge Kräfte aufmerksam gemacht werden soll, Reklame und Empfehlung für die Unbekannten. Die erste Verapstaltung berührte sehr sympathisch. Das Programm ließ erkennen, daß es van Menschen mit ernsthaftem Wollen und künstlerischem Geschmack aufgestellt war. Nach einem wirtschasts- politischen Vortrag von Alfons G o l d f ch m i d t.,D i« W e l t wird ärmer mit jedem Tag" sprach Walter Mehring zwei konzefstonelose zeit- und gesellschaststntische Gedichte— die einige sehr elegante Daiyen aus dem Saal scheuchten. Musikalische Vorträge folgten. Der Cellist Enrico Mainordt spielte, von Arpad Sandor begleitet; die Sopranistin Alice H e i d m a n n sang. Die Veranstaltungen, falls sie sich aus d«r gleichen Höhe halten. verdienen die Aufmerksamkeit des Publikums— aller derer, die künstlerische und geistige Interessen haben und die nicht nur angenehm unterhalten sein wollen. F.— r. Oer Prozeß um Schasjapins Tagebuch. Oes Sängers K'age gegen den Sowjetstaat Am Vlontag begann in Paris der Prozeß des berühmten rufssschen Sängers Schaljapin gegen den Sowjetfiaat, der durch die Pariser Botschaft vertreten wird. Scizaljapin hat beim Handelsgericht eine Schadcnsersotzklo.ge in Höhe von 2 Millionen Franken ange- strengt, weil der Sowjctverlag„Priboj" sein intimes und vorläufig nicht für den Druck bestimmtes Tagebuch gegen den Willen des Autors herausgegeben hat. Im Jayre 1926 erfuhr Schaljapin in New Pork, daß Teil« seiner Erinnerungen, die er Maxim Gorki zur Durchsicht anvertraut hatte, in Moskau veröffentlicht worden seien. Er richtete ein Protestfchrciben an die verantwortliche Stelle und erhielt daraus sowohl schriftlich wie telegraphisch das Versprechen, die Herausgabe seines Tagebuches einzustellen und nie wieder ohne seine persönliche Genehmigung auszunehmen. In einem Schreiben vom 4. November 1926 soll der Moskauer Verlag zugegeben haben, daß die Veröffentlichung sowohl einen Rechtsbruch wie einen Verstoß gegen die ethischen Grundsätze darstelle. Trotzdem wurde die Herausgabe des Tagebuches fortgesetzt und zwar innerhalb Sowjet- rußlands in einer Auflage von 69 990 Exemplaren. Anfang dieses Jahres tauchte das Werk als Moskauer Ausfuhrware auch auf dem deutschen und sranzöstschen Büchermarkt auf, was Schaljapin zu stin«r Klage veranlaßt«. Der Rechtsvertreter des Sängers stellte in ber Verhandlung fest, daß die Herausgabe der Memoiren in Rußland eine schwere Verletzung des Zlutorenrcchtes und eine ebenso schwere finanzielle Schädigung des Klägers bedeute. Außerdem machte er geltend, daß in der DeröffenUichung eines intimen und unvollendeten Tagebuches eine moralische Sckiäd'gunz liege. Die Weimarer Museumcbilder in Erfurt. Die Bilder zeit- genösstslber deutscher Kunst, die auf Slnordnung des thüringischen Volkebildungsminifteriums im Weimarer Sckloßmufeum magaziniert werden sollten, werden in den städlischen Museen in Erfurt'Auf- nahm« finden. Der Direktor der dortigen Sammlungen, Dr. Herbert ue, Marionetten P i r ch a n s Bühnengeftaltung, nicht in ollen Teilen ganz glücklich, schafft viel Eindrucksvolles. Klaus Pringshcirn. „Zunge! Zunge!" Ttelson-Tvealer. „Junge! Junge!" Eine lustige Kinderrevue von Max Koipe Musik: Rudolf Nelson. In der Tat, eine Revue für Kinder; Kinder auf der Bühne, von begabten Erwachsenen, Halberwachsenen, lustig gespielt. Lustig und frech, ohne böse Schärfe. Die Well der Kinder und Eltern, gesehen mit den schonungslosen Augen heutiger Kinder. Ein bißäzen wird die Welt auf den Kops gestellt, die Kinder herrschen über die Eltern, der Musterknabe macht traurig-komtsche Figur, Held ist der faule Schüler, der nur Uirsug im Kops hat. Ein Mann der Tat und des Erfolgs will er werden, und beginnt, wie Kinder des Berliner Westens sich den Ernst des Lebens träumen, als Chauffeur, Eiskonditor, Hotelpage. Witziger Dialog; in Hans Deppes behutsamer Regie viel nett« Einfälle..Nelson macht anspruchslose ZRusik, die von Hans Sommer sauber gebracht wird. Aus der Bühne nichts von Berliner Reoueatmosphärc. Als Lausbub Jimmy der begabte Martin Kosleck, natürlich, frei von Kabarett, routine, nett und sympathisch. Und die drollige, lebhafte Alexa von Poremsky; Erik Ode freundlich und gewandt. In Episoden Kadarellalente, die auffallen: Latte Dcwis, Hedi S ch o o p, Franz Stein. � K.P. Marionettentheater. Veranstaltung der Lefsing-Hocbschule Wenn man so herrliche Marionetten zu sehen kriegt, wie in Ivo Puhonnys Puppentheater, so fragt man sich erstaunt, weshalb eigentlich solch« Bühnchen sich in Berlin nur um die Weihnachtszeit und nur als Kinderthoatcr behaupte» können. Das kleine Kabarett, in dem Chinesen Grotesktänze ausführen, zwei Girls virtuos steppen, ein Pianist mit hingebender Begeisterung eine Sängerin begleitet, und ein kindlicher Tylophon-Virtuvse sich in amüsanter Affeltlertheit produziert, löste bei Erwachsenen wie bei Kindern jubelndes Gelächter aus. Es ist bewundernswert, wie vollendet sich diese Puppen bewegen, wie die Sängerin ihr Lied mit durchaus entsprechenden Mundbewegungen„singt", der kleine Virtuose zu seiner Musik nicht einen einzigen falschen Schlag tut. Diese Vollkommenheiten des Marionettenkabaretts, die humorvolle Echtheit' der Bewegungen der einzelnen Künstlertypen, können ja überhaupt nur Erwachsene ganz würdigen. Dafür ging e.n durch- aus kindliches Spiel diesem Kalmrctt voran: das Märchen vom „Gestiefelten Kater" wurde aufgeführt. Man sah auch hierbei wunderbar charakteristische Puppen, und die Szene im Zauberschloß schenkte sich keine Lcrwandlung. so daß der Kater zum Jubel der Kinder sich schkießlich des fürchterlichen Zauberers bemächtigen konnle, als dieser als Maus ängstlich umherhuschte. Die Lessing-Hochschule tat recht daran, diese entzückende Puppen- bühne im Rahmen ihrer Leranswltungen gastieren zu lassen, er. Kunze, bat durch diesen Entschluß ein« schwere Brüskterung der Künstlerschaft verhütet. Handelt es sich doch bei den velbildern, Aquarellen und Zeichnungen, die Dr. Frick und der Akademiedirektor Schultze-Naumburg im Weimarer Museum nicht mehr sehen wollten, größtenteils um Leihgaben der Künstler und Sammler; die Museums- rsrwaltung hatte sie ausdrücklich im Interesse der staatlichen Sammlung erbeten. Daß ein Künstler vom Range Franz Marcs unter den Ausgewiesenen ist und sich drfdei in der Gesollschäft von Larlach, Klee, Kokoschka und Lehmbruck befindet, macht den Fall noch grotesker. Julius Bob wird l>«uts 50 Jahre all. Ein Literatur- und Thsaterhistorilcr von fast übernatürlicher Fruchtbarkeit. Gleich ge- wandt als Schriftsteller wie als Redner. Klar und objektiv im Urteil. Rücksichtslos und unbestechlich im Kampf für das als richiig und wertvoll Erkannte. Ein ganzer Kerl, der trotz aller Mühen und Bürden der Alltagsarbeit Temperament und Forsch« nie verliert. Seit Jahren als wertvoller Mitarbeiter an der künstlerischen Leitung unserer Boltsbühne bewährt und geschätzt. Elaire Baurosss Tanzmatine« im NeuenTheateramZoo erzeugt« gemischte Gefühl«. Eine zweifellose tänzerische Begabung, die sich aber nur selten zu künstlerisch ernstem Wollen ausschwingt. Sich meist mst den Wirkungen begnügt, die ein angenehmes Aeußere und ein« glatte, gefällige Technik beschert. Man hat immer den Ein- druck: sie könnte schon, wenn sie redlich wollt«. Aber ihr Ehrgeiz geht über nelle dekorative und wohlfeil« pantomimische Effekte nicht hinaus. So bleibt sie der Sphäre des Varietes, des leichtesten Amüsiertanzes verhaftet. j. S. Ein ständiger inlernaliomrlcr Preis für bildende Kunst? Aus Kopenhagen wird gemeldet, daß der Ny Carlsberg-Fonds gemeinsam mit der Glyptothek im großen Kopenhagener Museum einen inter- nationalen Kunstpreis stisten werde, der, was Größe und Art der Verteilung angehe, den Nobel-Preisen ähnlich sein soll. Bekanntlich hat Nobel bei seinen Stiftungen einen Preis für billend« Kunst nicht vorgesehen. Der neue Preis, der den Namen„Carl-Iacobsen- Preis" erholten wird, soll entweder jährlich oder jedes zweite Jahr von Kopenhagen aus zugeteill werden. Die erste Zuteilung würde also im Jahre 1932 siattfindeii. Ueber die Errichtung dieses inter nationalen Preises für Maler und Bildhauer dürfte schon in nächste Zeit«ine genaue Entscheidung gefällt werden. Folgenden Prolest l)at die Berliner Sezession bei d«, «.taatsministerium in Weimar eingelegt:„Die Tat fache, daß Werke angesehener zeitgenössischer Künstler aus dem dortigen Schloß-Mufeum entfernt und magaziniert werden, löst in den weitesten Kreisen der bildenden Künstler Deutschlands heftigste Entrüstung aus. Wir protestieren auf das schärfste gegen diesec ir.kllkürliche Borqchen. welches einen ebenso wichtigen wie wertvolle'- Teil dee künstlerischen Schaffens unserer Zeit der dor�'c"— Oeffentlichkeit entzieht."_ Kommunisten aufmerken! Was Fafchistenreaime beveutet' Rom. 11. Dezemvs. Bor dem außerordentlichen Gericht zum Schutze des Staate- standen heute acht Italiener aus Turin wegen Lerstichs der heim- lichen Bildung komwunistischcr Zellen. Der Hauptangeklagte R a d o l o v i ch gab zu, mit einem falschen Schweizer Paß nach Turin gekommen zu sein, um die kommunistische Partei wieder zu bilden und Werbeschriften zu verteilen. Das Urteil gegen ihn wie den Mitangeklagten Menozzi lautet auf je 19 Jahre Zucht haus. Zwei weitere Angeklagte erhielten je fünf und ein andern drei Jahre Zuchthaus. Die übrigen drei Angeklagten wurden mangels genügender Beweise freigesprochen. Im Deutschen Reichstag aber tun die Kommunisten ihr mög- lichstes, um ein Faschistenregime herbeizuführen! Aerzte gegen§ 218 Ergebnis der Hamburger AerzSetammerabstimmung Mim schreibt uns: Di« Hamburger Aerzteschaft. dos sind 1l Aerzte. haben«ininal gründlich abgestimmt, was mit dem§ 218 werden sott. Es ist«in großes B e rd i e a st d e r Ä e r z t« k a m in c r zu Harn- bürg, die Abstimmung durchgeführt zu hoben. 70 Prozent aller Aerzte(von den jüngeren sogar 78 Prozeirt) haben Farbe bekannt. Die Fragen waren reichlich verklausuliert aufgestellt, und sind des- halb dem Laien nicht ohne weiteres verständlich. Wir greifen das Wesentlich« heraus, wie es sich aus der Veröffentlichung der Aerzte- kammer vom 2l. November 1930 ergibt: 1. Frage: Wünschen Sie die gesetzliche Anerkennung der medi- zinischen Indikation: a) bei drohender Gefahr für das Leben der Frau?— Antwort: 878 mit ja; 0 mit nein; K) bei drohender Gefahr für die Gesundheit der Frau?— Antwort: 839 mit ja, 41 mit nein. 2. Frage: Wünschen Sie die Anerkennung der eugenifchen In- dikotion?— Antwort: 583 mit ja, 272 mit nein. 3. Frag«: Wünschen Sie die Anerkennung der sozialen Jndi« tation: ») nur als sozial-mediznüfche Indikation, d. h. mit Berücksichti. gung der sozialen Lage bei medizinisch zweifelhafter Indi- kation?— Antwort: 691 mit la. 178 mit nein; ' h) als rein sozial« Indikation?— Antwort: 339 mit Za. 517 mit nein. ?. Frage: Soll die Unterbrechung beim Fehlen einer anderen Indikation zuläfsig sein: a) bei nachgewiesener Notzucht, oder nochgewiesenem Inzest?— Antwort: 810 mit ja, 56 mit nein: l>) bei Jugendlichen bis zum 16. Lebensjahr?— Antwort: 607 mit ja, 243 mit nein: c) beün Vorhandensein von mindestens 4 Kindern?— Antwort: 418 mit ja. 347 mit nein; d) bei zu rascher Folge von Schwangerschaften?— Antwort: 497 mit ja, 360 mit nein: e) bei Frauen über 40 Iahren?— Antwort: 353 mit ja, 491 mit nein. Wer hätte dos noch vor einem Jahr für möglich gehalten. Fast 'alle Aerzte sind dafür, wenn die Gesundheit der Mutter bedroht ist, zu unterbrechen, das heißt eine ganz weite Fassung wählen. Früher mußten die Herren Sachverstälidigen überzeugt werden, daß das Leben in Gefahr war, und das war bei vielen Sachverständigen unmöglich. Vor ollem aber überrascht die große Zahl der?lerzt«. die die soziale Lag« mit berücksichtigt wissen wollen(691 zu.178). Fast alle wollen bei Notzucht, und zwei Drittel bei Jugendlichen bis zum 16. Lebensjahre ohne weiteres umer. brechen. Es ist, als ob frische Lust ins Zimmer träte durch das weit aufgerissene Fenster. Ein« große Mehrheit ist dafür, Frauen zu helfen bei zu rafAcr Folge von Schwangerschaften. Dr. Crebe. Fackkonferein des Aerziinnen-Aundes. Der„Bund deutscher Acrztinnen" schreibt uns: Am 6. und 7. Dezember fand in Naumburg eine Fachkonferenz des „Bundes deutscher Aerztinnen* statt, einberufen vom Ausschuß für Soxualhygiene. Gegenstand der von etwa 70 Aerztinnen besuchten Tagung war die Frage der Stellung der Aerztin zur Schwangerschastsunterbrechung. Aus der praktischen Berusserfahrung der Großstadt sprachen Prager- Heinrich, Wygodzinski und Süßmann(Berlin), aus der Klein- stadt und dem Land« Mallet-Unterweser, als Frauenarzt in Monheim-München. Es berichteten aus der Tätigkeit der Fürsorge- ärztin Landä(Frankfurt a. M.) und als Ge werbeärztin Rofenthal-Deussen(Magdeburg). Eingehend sprach Fink(Frankfurt a. M.) über die Erfahrungen in der Fnmtfiirter Eh e- und Sexualberatungsstelle des Biindcs für Mutterschutz. Nubcn-Wolf(Berlin) gab einen Bericht über die Lerhöltnisse in Sowjetrußland und ihre bisherige Ent- Wicklung. Den Schluß der Reserate bildeten die Vorträge von Piutti (Auggcn in Oberbaden) und Harmsen(Berlin) über uneheliche Mutterschmt. Als erfreuliches Gesamtergebnis der vielseitigen Referate und der lebhasten Diskussion, die sich anschloß, ist festzustellen, daß von all den Rednerinnen der verschiedensten Richtungen die äugen- blickliche Notlag« der Frau unumwunden zugegeben wurde. Entsprechend stand im Vordergrund die Sorge um die Hilfe für die eheliche und die uneheliche Mutter. Einigkeit herrschte über die Notwendigkeit einer sinngemäßen Ge- burtenrcgelung. Zum Z 218 selbst aber wurde eine Resolution nicht gefaßt, da im Anschluß an die Tagung von den einzelnen Gruppen des Bundes die vielfachen Anregungen über eine Acnderung des § 218 durchgearbeitet unb ausgewertet werden sollen. Der Herr Kriegsgerichtsrat Landsberg und Heine als Zeugen gegen Zorns Eintönig und ermüdend plätschert der Beleidigungsprozeß des Rsichsanwall, Jörn« gegen den Redakteur Bornstnn. Zum dritten- mal wird die gleiche Sache judiziert. Zweimal sst der Reichsampält Jörns zum mindesten moralisch verurteilt worden. Wer hat da noch Interesse? Was kann Neues zu seiner Reinwaschung vor- gebracht werden? Einen gewissen Aufschwung nahm der Prozeß, als der Volksbeauftrogte des Winters 1918/19 und Reichsjustizminister des Kabinetts Scheidemann, Rechtsanwalt Landsberg, ver- nommen wurde. Auf eine Peröffentlichung der„Roten Fahne" hin hatte Landsberg den Kriegsgerichtsrat Jörns zum Vortrag nach Weimar befohlen, und wieder sagte er heute aus, daß er von diesem Untersuchungsrichter d«u denkbar schlechtesten Eindruck erhalten hätte. Nach Ansicht Landsbergs lag gegen die Offiziere, die Liebknecht durch den Tiergarten transportierte»,«in sehr dring- sicher Tatverdacht vor, den Verhafteten ermordet zu haben. Das gleiche traf im Fall Luxemburg auf Oberleutnant Vogel zu. All« Gründe, die ihn zu dieser Ansicht veranlaßten, trug Lands berg dem Richter vor. Tiefer ober sagte immer wieder, daß die Gründe nicht ausreichten.„Ich konnte nicht annehmen, daß«in Richter so vn- fähig wäre, bei so dringendem Verdacht, bei so großer Flucht- und Kollusionsgefahr keinen Haftbefehl zu erlassen. Zch mußte den Eindruck haben, daß dieser Richter an» iaaercr verwachsenheit mit den Offiziere» seine Kameraden decken und schütze» wollte. Di« Richtigkeit dieses Eindrucks hat sich bei mir nachträglich zur Gewißheit verdichtet, als m der Berufuirgsoerhandlung Rerchs- anmalt Jörns sägte, daß es doch den Bolksbeauftragten vielleicht nicht unangenehm war, als sie vom Tode Liebknechts und Rosa Luxemburgs erfuhren. Wir waren entrüstet und entsetz: zugleich als Politiker wie als Menschen. Jahrelang hatten wir mit den Toten in einer Front gestanden und wenn sie jetzt andere Wege gingen, so waren sie doch in unseren Augen keine Bestien, die man ungestraft totschlagen kann. Der Gedanke, dag dt« Osfizicre vielleicht ein gutes werk getan hätten, hat den Untersuchungsrichter veranlaßt, seinen Pflichten nicht in dem gebotenen Maße nachzukommen." Es folgt« die Vernehmung des früheren preußischen Justiz-. Ministers Wolsgang Heine. Er sührie aus: „Auf der Fahrt von Berlin noch Dessnu erfuhr ich durch ein Extrablatt vom Tode Liebknechts und Rosa Luxemburgs. Es hieß in der Veröffentlichung, daß Frau Luxemburg„den Soldaten durch«ine t u m u l t u i e r e n d« Masse entrissen und in den Landwehrkanal geworfen worden sei". Diese Darstellung erschien mir gleich unglaubwürdig. und ich ordnet« leiegraphisch eine Untersuchung gegen Unbekannt an, um die Tumulluiercnden festzustellen. Die Angehörigen der Kardekavallerieschützendiviflon unterstanden strafrechtlich nicht dem preußischen Justizministerium, da damals die Militärgerichtsbarkeit noch in Kraft war. Di« UMersuchung der Zivilbehord«» ergab tot- sächlich di« Unrichtigkeit der ersten �Meldung. Als ich in Weimar erfuhr, daß der Untersuchungsrichter mit der Der- hängung eines Haftbefehls gegen den dringend verdächtigen Ober- leuinant Vogel zöger«, schrieb ich an den Reichsjusstzminister, den Reichswehrmirnster und den preußischen Kriegsminister, daß in der Handhakmng der Untersuchung Remednr geschaffen werden müsse. Ich hatte da» Gesichl mb Hab« di« auch mündvch ausgedrückt: Hier stimmt etwas nicht, es ,ft ein» Schweinerei im Gang«. Dieser Eindruck oerstärkt« sich noch, als Bogel nachher nicht wegen Mordes, Tötschlages oder Begünstigung eines dieser Verbrechen, sondern nur wegen Nichtbefolgung eines Dienstbefehls verhaftet wurde. Der Verdacht gegen Vogel war hinreichend genug: Ich hätte ihn und seine ganz« Abteilung oerhaften bissen. Durch die gewählte Form der Untersuchung mußte die ganze Justiz kompromittiert werden, und hierin sah ich vor allen Dingen auch eine groß« politische Gefahr. Aus gleicher Ueb«- legung auch habe ich den zuständigen Oberstaatsanwalt angewiesen, dafür zu sorgen, daß die Sicherheit der im Gefängnis am Lehrter Bahnhof Inhaftierten unter allen Umständen ge. währleistet sei und daß nicht„aus versehen" einmal einer erschossen würde. Zu dieser Besorgnis war ich durch die Antwort des Kommandanten von Berlin, nicht etwa des Kriegsministsrs Reinhardt, auf«ine Frage des gleichen Inhalts berechtigt. Ich l'atte im Fall Liebknecht-Luxeinburg Mißtrauen gegen die M i l i t ä r j u st i z schlechtweg. Ein persönliches Mißtrauen gegen Jörns wurde erst wach, als ich von feinem Verholten in der Frage der Verhaftung des Oberleutnants Vogel Kenntnis erhielt. Was nach Iahren im Laufe der oerschiedcnen Vrozefs« über die llnter- suchungsmethode des damaligen Kriegsgerichisrats bekannt wurde, bestätigt« meine Furcht, und ich sagte mir:„Da haben wir es ja! Was ich argwöhnte, hotte sich als richtig erwiesen" Di« präzisen, auf rein Tatsöchlia'?em ruhenden Ausführungen Landsbergs und Heines machten auf das Gericht sichtlich einen starken Eindruck. Auf Margies Spuren. Kommunisten als Sinbeecherbande. In der»ldenburgischen Siadt Varel hat di- Polizei ein großes Spitzbubcnneft ausgehoben. Nachdem bereits vor mehreren Tagen vier der Einbrecher sestgenmnmen wurden, sind jetzt drei weitere Komplicen, darmtter eme Frau, verhostet worden. Sämtliche Spitzbuben sind eivgcschriebeve Mitglieder der k?v. Ihne» sind bisl)« nichl weniger als 22 Einbrüche in der Stadl Varel, auf vaueruhösen. in Gastwirtschaften und Molkereien der Umgebung von Varel nochgewiesen worden. Zentnerweise haben diese Moskowiien Speckseiten. Mehl, Butter, Kolomolwaren, Spirituosen usw. gestohlen. Außerdem verübten sie eine» Einbruch- in das Zlmts- gericht Barel,>vo sie Schreibmaschinen und niehrcre Gemehre mitgeben hießen. Zahlreiche Gewehre und Munition wurden auch ans Schießständen verschiedener Schützenvercine gestohlen. Die Ge- wehre versteckte man. indem man sie unter Kleiderschränken und Tischen festnagelte. Di« Schreibmaschinen sollten im Interesse der Komniunistischen Partei Verwendung finden. Neuerdings scheint einer der Kommunisten, ein gewisser Hoffmann, stark eines Mordes verdächtig. In seiner Wohnung fand man die blutbefleckte und durchschossene Mütze eines polnischen Grenzaufsehers. Die Polizei ist zunächst dabei, fest- zustellen, ob dieser Hoffmann sich nicht unter falschem Namen in Barel ausgehalten bat. Die vier zuerst verhafteten Kommunisten gehörten zu den Leuten, die bei den letzten Wahlen von ihrer Partei eigens dazu eingesetzt waren, sozial- demokratische Bersammlungen zu stören. Nette Gesellschaft, diese Margies-Kowmumsten. Ihr Kind ertränkt. Fund der Knabenleiche im Tegeler See aufgeklärt. Ende Ottober dieses wahres wurde im Schilf am Tegel« See die Leiche eines kleinen Zungen gesuaden. d« an- scheinend einem verbrechen zum Opfer gesollen war. Jetzt ist es ge- lnvgen, den Namen des Kleinen feitzustslleu und die Hinlergründe dieses Verbrechens zn klären. Das Kind ist der am T- Januar 1028 geborene H erb erl Gimpel, der zuletzt in einem Krüppelheim m Zwickau untergebracht war. Seine Mutter ist die 32 Jahre alte Frau Irmgard Gimpel, die jetzt bei ihren Eltern in Rcichcnbach im Vogtland wohnte und dort auch verhastet wurde. Frau Gimpel wurde in der vergangenen Nacht von Beamten der Berliner Mordkommission abgeholt und wird heute dem Richtet vorgeführt werden. Der Verdacht, daß an dem zunächst unbekannten Knaben ein Verbrechen verübt worden sei, wurde verstärkt durch die Tatsache, daß aus seinem Hemdchen ein Monogramm herausgetrennt worden war. Nach besonderer Behandlung gelang es, die ursprünglichen Buchstaben zu rekonstruieren. Es ergab sich die Zusammenstellung H. G. K. Wenn man annahm, daß die beiden ersten Buchstaben den Namenszua des Knaben bedeuteten, so tappte man im Dunkel, was das bl. heißen konnte. Schließlich ging aus R e i ch e n b a c im Vogtland die Nachrichl«in, daß von dort ein Herbert Gimpel nach Braila in Rumänien verschickt worden sei. Jetzt wurde in Neichenbach die Untersuchung weitergeführt. Die Berliner Beamten stellten mtt Unterstützung der Ortsbehörden fest, daß dos Kind Herbert Gimpel der Sohn der Frau Irmgard Gimpel war. Dies« hatte sich frühzeitig oerheiratet, war aber von ihrem Manne geschieden. Ihr Kind war-der jetzt vier Jahre alte Herbert, der seit frühester Jugend verblödet und anormal war. Ziach dem Zusammenbruch ihrer Ehe hott« die Frau eine Stellung angenommen. Vor einem Jahr aber verlor sie ihre Beschäftizung und konnte des- halb den Sohn auch nicht in Prioatpflege geben. Am 24. September halle sie das Kind aus der Anstalt in Zwickau ob und sagte der Leitung, daß sie es bei einer Tante unterbringen werde. Noch ihrem eigenen Geständnis fuhr sie zunächst mit Herbert nach Leipzig. Von dort ging am nächsten Tag« di« Reist weiter nach Berlin, wo im Norden ein« Tante der Frau wohnt. Neu- Versuche, den Jungen einem Heim zu übergeben, schlugen abermals fehl. Die Frau wußte nicht, wo sie mit dem Kinde bleiben sollte. Auch die Tante aui- zusuchen, wagte sie nicht. Auf ihren Wegen kam sie schließlich auch an den Tegeler See, wo nach ihren Erzählungen der Gedanke Boden gewann, mtt dem Sohn zusammen ihrem Leben ein Ende zu machen. Sie nahm das Kind aus den Arm, ging ein Stück in das Wasser hinein und ertränkte de» Jungen. Dann trug sie ihn zum Ufer zurück und bettete ihn in dos Schilf. Ob dieses Geständnis in allen Punkten den Tatsachen entspricht, steht noch nicht fest. Soviel steht jedoch fest, daß die Frau aus der Irr- fahrt mtt dem Kinde in einer verzweifellen Stimmung war. Die Frau legt« bei ihrer Vernehmung unter Tränen ein umfassendes Geständnis ab. Akademische Radaubengel. Auch in Saglaak». London. 11. Dezember. Aus einer von der britischen Vereinigung zur Abschaffung der Vivisektion einberufenen Versammlung, in der gegen die Peranslnltung von Giftgasexperimentcn an Tiere„ protestiert werden sollte, veoursachte eine Anzahl von Studenten der Medizin erhebliche Ruhestörungen. Sie bombardierten dos Publikum mtt lebenden Aalen und Stinkbomben. Einige junge Leute wurden gewaltsam aus dem Saal befördert, die anderen marschierten beim Erscheinen der Polizei unter Gesang hinaus.__ Kunde im Kriegsgebiei. Llnierirdisches deutsches Lazarett.— Sechs tote Deutsche. Paris. 11. D«zember. Unter einer Schule in Fouquieres les Lens wurde in etwa achk Meter Tiefe ein eivgerichteles ehemalige» deutsches Lazarett entdeckt, von dessen Bestehen man bisher noch nicht unterrichtet war. Die Schule, die im Laufe der Jahre zu klein geworden war, war in den letzten Wochen um ein Stockwerk erhöht worden. Es zeizten sich bald Risse in den Grundmauern, so daß di« Bau- hehorde die Ansicht vertrat, daß das Fundament zu schwach sei. Genaue Untersuchungen führten dann zur Freilegung des ehemaligen Lazaretts, das in verschiedene groß« Säle emgeteill war. Angesichts der Einsturzgefahr mußte das Gebäude sofort geräumt werden. Bei Bauarbetten in Neune Chapell« wurde» die Leichen von sechs deutschen Soldakeu freigelegt, deren Identifizierung unmöz- lich war, da bei ihnen keine Erkennungsmarken gefunden wurden. Die sterblichen Ueberrest« wurden den Militärbehörden übergehen, di« für die Beisetzung aus einem der deutschen Ariegcrfriedhäfe Sorge tragen werden. Oer erste Schnee in Oberiialie«. Mailand, 11. Dezember. In den ligurischen A penninen, besonders um Nävi Ligure und in der Nähe von Bergamo und Brescia. ist gestern der erste Schnee gefallen. 2. Kreis, Tiergarten. Achtung! Kreismitglieder und Tozialistiick« Arbetterjugend. Heute, Donnerstag, 19'4 Ilhr, findet in dcr Stt-ul- (Ulla Waldenjerstraße ein politischer Insormationsabend statt über .Lügend und jjoj Emus". Reserentin: Mathilde Wurm. Die jüngeren Genossen werden besonders gebeten, anwejend zu fein. Das erste Sinsoniekonzert des Sivsonieorchester» der Schutzpolizei iindet in dielem Jahre als W c i h n a ch t s k o n z e r t am Sonntag, dem 21. d. M., um 11.30 Uhr im Großen. Schaufpiellzaus, Karl- straße, unter Leitung von Camilla Hildebrand statt. Der Rein- ertrag der Veranstaltung ist für die Wohlsahrtseinrichtungen der Schutzpolizei Berlin bestimmt. Wetter für Bertiu: Größtenteils trübe mit leichten Nieder- schlügen, Temperaturen wenig über Null.— Für Deutschlund: Uebcrall tritt»«, im äußersten Westen Regen, im Südosten noch cchnce. Perantwortl. wr di? Redakti»»: ftiaai fllSd«, Berlin: Anzeigen: Td. 6Uif«. Berlin. Berlag: Borwört» Berlag®. m. d. S>., Berlin Druck: Borwärt» Budi- druckerei und Serlagsonflalt Paul cingtr& Ca Setiin TW 68, Lindenürage 3 Sieizn 1 ScUaac. Rote Hände oder brennend rotes Gejtcht wuien urpeln. Cia wllliawu, Mittel dagegen ist die kühlende, reizmildernd« und shneeig-weihe Creme I-eodor, auch als herrlich dustende Puderunterlag« vorzügllch geeignet. vederraschender Eriolg. Tub« 1 Mb, wttssam nnicrfMht durch Leodor- Edelseise, Stück SO Pf. In allen® toroi cm l-S«iaup iiüten zu haben. föelfage Donnerstag 11. Dezember 1930 SprÄbpnd $uiiauXca&e J*01 ÄktivisrunK durch Vildungsiarbeit Qus der Praxis emer Lrbeiterbilduagslchvle Auf einer vor kurzem abgehaltenen Kulturtagung ist von be- rufener politischer Seite festgestellt worden, daß unsere Bil- dungsarbeit als das wichtigste Glied in der durch den Wahlausgang vom 14. September notwendigen Akti- vierung der Partei anzusehen ist. Ein« Behauptung, die seder Arbeiterbildner nicht nur teilen muß, sondern im Vollzug seiner Arbeit zu bewähren hat. Ee soll hier versucht werden, in Anknüpfung an einen soeben abgeschlossenen Kursus, der in einem ausgesprochen proletarischen Bezirk Berlins abgehalten wurde, die notwendige Politisierung unserer Bildungsarbeit sowie Sinn, Zweck und Grenzen dieser Politisierung näher zu bestimmen. In diesem Kursus, der sich über ncht Abende erstreckt«, wurde die europäische Wirtschaftsgeschichte vom Altertum bis zur Gezen� wart behandelt. Selbstverständlich toiysten nur die hauptsächlichsten Epochen der Entwicklung der europäischen Wirtschaft behan- delt werden: griechischer Stadtstaat, römisches Imperium, die Be- darfsdeckungswirtschaft des Mittelalters, das Zeitalter des Merlan- tilismus, Beginn und Verlauf der hochlapitalistifchen Wirtschast, endlich der Spätkapitalismus der Gegenwart. Man sieht,«in um- fassendes Thema, das an die Aufnahmewilligkeit der chörer große Anforderungen stellte, zumal wenn die Zusammenhänge nicht in einer falsch verstandenen Popularisierung„vereinfacht", sondern in ihrer ganzen sachhaltigen Schwierigkeit ausgebreitet wurden. Die chärerzahl hielt sich während der acht Abende ungefähr ton- stant, auf etwa 3S: unter ihnen waren fünf weiblich« Teilnehmer, die Alteredifferenzen bewegten sich ungefähr zwischen zwanzig und vierzig Iahren. Uebermiegend wurde der Stoff iin Vortrag des Lehrers übermittelt, der sich oft der Tafel bedient«: Fremdwörter und Namen, Literaturangaben wurden mit Kreide an- geschrieben. Auch an chond von Lichtbildern wurde an einem Abend der gesellschaftliche Zusammenhang der wirtschaftlichen Entwicklung aufzudecken versucht. Selbstverständlich muß das Verhältnis zwischen lforern und Lehrer von Anfang an so sein, daß der Vortrag von allen Stellen, wo er unverstanden bleibt, auf Widerspruch stößt oder ergänzunzs- bedürftig erscheint, unterbrochen werben kann— und er wurde oft unterbrochen! Dann gilt es, die Diskussion im Rahmen des Themas zu halten: denn es ist unumgänglich notwendig, das angc- kündigte Programm m der vorgesehenen Zeit zu bewältigen. Immerhin ist es andererseits unvermeidlich, daß sich aus der Thematik des Kursus Fragen, Probleme ergeben, die den chörern auf der Seele brennen. So ergab sich bei unserem Kursus«inc ganze Reihe solcher Probien?«, z. B- wurde u a. ein eingehender Vergleich zwischen der sozialen Lage des antiken Sklaven u??d des modernen Proletariers gcsordert, dann erschien es notwendig, die Ausmaße der Weltwirtschaftskrise, di« durch Ein- führunq der Doinpfmaschine(Eisenbahnen usw.) entstand, und der gcgenivärtigen Krise der Weltwirtschaft zu bestimmen, endlich wurde eine Unterfuchimo. üb?r.dic soziologische Struktur des Mittelstandes und der Angestellten verlailgt. Diese Probleme ergaben sich spontan ans unserer gemeinsamen Arbeit. Sie werden 1« zwei Dls- kussionsSb«nden, die unmittelbar an die acht Kursusabende an- schließen, geklärt werben. Erweiterungen der Kurse in diesem Rohm«?? dürfen m. E. von keinen finon- zielten Bedenken h i n ta n gc h a l t e n werden, selbst wenn der Etat unserer Schule über das Bor- gesehene hinaus etwas größer wird. Ich denke, daß aus den angeführten Gegenständen, über die wir noch zwei Abend« sprechen wollen, zugleich ds?itlich wird, daß unser Kursus, obwohl er historisch ausgerichtet war. kein« antiquarische Geschichte trieb. Geschichte hat für uns Sozia- listen nur insoweit Sinn, als sie?ms die Gegenwort und ihre Auf- gaben, damit also tue Zukunft zu verstehen lehrt und zu gestalten hilft. So verwendet ltniscre politische ilmgangssprache Begriffe und Worte, die gleichsam Abkürzungen für geschichtliche Epochen und ihre Leistungen sind: der absolutist ssche Machtstaat des 17. Jahrhunderts. um nur noch ein Beispiel anzuführen, hat im faschistischen Staat«inen Nachfahren bekommen. Die Berivandtschafk beider mußt« untersucht werden, wenn di« Differenz beider ganz verstanden werden soll. Unsere Genossen wollen diese wechselseitige Klärung des Bergangenen durch Gegenwärtiges: sie brauchen diese Grund- lagen, um sich in den Betrieben mit unseren Gegnern auseinander- zusetz«??. Sie erkennen di« gesellschaftlichen Zusammenhänge, die Funktionäre unter ihnen verstehen da?m besser das reiche Agitation?- und politische �lufklärungsmaterial, das ihnen Partei und Gemerk- schaffen zur Verfügung stellen, denn dieses Agitations??iaterial oder unsere Tages- und periodische Presse kann die Diffe- renziertheit der gesellschaftlichen Z?isamm«nhänge nicht immer von Anfang an entwickele Deshalb, glaube ich, brauchen wir noch mehr als bisher Kurse dieser Art. Gewiß, viele Genossen haben .schlechte Kenntnisse unserer eigenen Partergeschichte, aber es ist im Augenblick wichtiger, ihnen die Zusammenhänge der ganzen gesellschaftlichen Kultur vor A?rgen zu führen,?veil sie ja durch die Skhüle(in ihrer früheren Form) so unglaublich vernachlässigt wurden. Die Biknmgsarbeit nmß unsere Genossen nicht nur politisch schulen, sorrdern gleichzeitig mit de?n Bildung sgonz unserer Gegner vertraut???achen, damit sie in keinem Moment des Kampfes im? die politische Macht unsicher nxrden oder sich gar unterlegen fühle??. Ein weiteres noch: ich habe in diesem Kursus und in vielen anderen Kursen hervorragend begabte Genossen kennengelernt. Wir empfehlen ihnen dann unsere zentralen Kurse, ich rate???anchcm den Besrich der Hochschule für Politik. Diese Möglichkeit, liniere besonders begabten Genossen weiterzufördern, kann, scheint mir, in Wiedermiftlohme folgender organisatorischer Maßnahme noch fruchtbarer gestaltet ivcrdei?. Wir laden die Hörer unserer Arbeiterbild?lngsschule auf dem Wege über die Kreisbildringsobleule, letztere selbst, die Kursusteilnehiner, den zentralen Bildrlngsaus- schuß, die uns nahestehenden Dozenten der Hochschule für Politik und der Volkshochschule jeden Monat an einem bestimrriten Tage zu einem Diskussionsabend, wo nach einigen kurzen Leit- säßen eines Referenten über wichtig« Probleme der Zeit diskutiert roerden kann. Zweifellos ergäbe sich durch solche Abcirdc ein näheres Verhältnis aller Beteiligten, deren personaler Zusammen- hang vielfach nur zufällig ist. Wenn an diesen Abenden auch unsere führenden politischen Funktionäre(nur wollen sie nicht noch mehr belasten) abwechselnd teilnähnnm, dann wird unser« Berliner Bildiurg�arbeit noch fruchtbarer werden, dann?vird sie in der Tat dnS wichtigste Glied unserer politischen Aktivität, von der eingangs gesprochen würbe. "...... 5.?. May«, kmdcrspiclzcny Wanötung öes Geschmacks, auch ein Stuck Soziologie Gewiß gibt es auch auf dem Spielzeugmarkt altes traditionelles Erbgut, das alle Jahre wiederlehrt, aber für die C??t- roicklung des Käufergeschmacks ist iitzeressant und entscheidend,?n? den auf den Markt geworfenen Neuheiten den größten Erfolg hat und sich am raschesten durchsetzt. Gehen wir auf den Puppenmarkt. Hier hat sich in den letzten Iahren immer ausgesprochener die Vorliebe für die ch a r a k t e, ristische Puppe, man möchte sagen, die Puppe mit Persönlichkeit und Individualität, herausgebildet, wie unsere ganze Generation stehen auch die Kinder realer u??d materialistischer in der wirklichen Welt und gestallen ihre Vorstellungswell danach. Trotz des An- wachse??s der Reaktion in den letzten Iahren ist doch kein Raum und leine Stimnruirg für ein ronmntifches Zeitallcr, die Wirklichkeit ist zu brutal und die Zusammenhänge liegen in ihren großen Linien zu offen vor den brellen Massen. Auch das Märchen nnrd Schritt für Schrill zurückgedrängt. Das zeigt sich nicht etrva so, daß keine Märchenbücher mehr verkaust werden, sie werden sogar noch schr viel gekauft, aber die Wandlung, die sich vollzogen hat, bestcht darin, daß sie für frühere Allersffufen gekauft werden. Früher waren es die Neun- bis Zwölfjährigen. denen man Märchenbücher in die Hand gab, heute kauft man sie gerade noch für die Sieben- bis Zehnjährigen. Die größere Annäherung an die reale Wirklichkeit ist auf allen Gebieten des Kinderspielzengs festzustellen. Das Kind von heute wird ernster genommen und mehr als ein halber Erwachsener oder sagen wir besser: als eine roerdeirde Persörrlichkeft behandelt und bellachtet. Dies hat nicht zuletzt fein« Wurzel in der ent- scheidenden Wartdwng des Autoritätsbegriffs, den wir sert dem Sturz des Kaiserreichs in Deutschland erlebt haben. Die Gnindgesinnung der Zeit ist demokratischer geworden. Dieser stärkeren Annäherung an die reale Well kommt tue Gestaltung einiger Spielzeugsorn?«n besonders entgegen, die in den legten Iahren auf dem Markt erschienen sir?d.' Hier ist besonders zu erwähnen das bewegliche Waldorf- Spielzeug, das einen starken Erfolg aufzuweisen hat. Es sind meistens Tiere, so vor- züglich konstruiert, daß ihre Bewegu??gen ein« Ko??zentration der wirtlichen Beilegungen des bellesfc??den Tieres darstellen u??d zu- gleich eine gutmütige humoristische Note zum Ausdruck ko?r?mt. Das Tier ist hier«tnjos Aehnliches wie der Mensch selbst, es ist weder die srenrdc, feindliche Macht primitiver Berhältnisse, noch ist es in seinen Lcbensäußerungen in ein dienendes Verhältnis zirn? Menschen selbst gesetzt. Wenn man Kinder beim Spielen mit solchem Spielzeug beobachtet, kam? man die Feststellung machen, daß sie ihm einen gan,; natürlichen Platz in ihrem Leben einräumen und dabei eine sehr anständige Grundeinstellung zur anderen Kreatur entwickeln. Die Hochflut des rein mechanischen Spielzeugs, das aufgezogen wstd. läuft- u?ld� nach einigen Woche«, Tagen oder Stunden mit ausgeleierter«der zerbrochener Feder in ei?»er Eck« liegt, ist lä?lgst vorüber. Die heutig« Jugerrd,?nch das trifft auch schon für di« Kleineren zu, verlalrgt nach etwas, womit sie mehr b a st e l??, bauen und anfangen kann. So hat sich denn bc» besonders das Geschäft mit Baukästen mächtig entwickelt. Ur?d zwar sind di« am begehrtesten, an denen etwas festgeschraubt oder sonstwie verbunden werden ka?m, leider si?rd di« meisten derartige?» Kästen ziemlich teuer, und ein kleiner, mll dem nur sehr beschränkte Möglichkeiten bestehen, ist weniger angesehen. Einige Firmen haben nun durch billigstes Material, Poppe und einfachstes Holz«»ersucht. diesem starken Bedürfnis nach technischer Betätigung nachzukomme??, hier liegt ein Gebiet, auf dem in den nächsten Iahren in der Spiel- zeugsabrikation die günstigsten Aiissichtcn bestehe??. Sie sind lerneifrig, die Juirgens und Mädels von heute, sie wollen mcht soviel träumen und spielen, auch darin kommt das völlig Unromantische unseres Zeitalters zum Ausdruck. Sie spüren das Tempo der Zest und— sie erleben die Not der Zeit. Wie vielen Kindern paukt hellte das tägliche Leben die billere Wahrhell ein, daß es in dieser Zell, die Millionen überflüssige Arbeiterhände kennt, darauf ankommt, in allen Sätteln gerecht zu sein, sich rasch umstellen zu türme??. Und so rücken sie immer härter u:?d rascher mll ihren Fragen und Wünschen an den Produktionsprozeß selbst heran, sie wollen wissen, wie es in diesen Fabriken aussieht, die so verlassen stehen, sie nwllen nicht nur spielen, sondern sie wollen im Spiel zugleich arbeite??. Darum silrd auch Kaufläden mißcr- ordentlich gesiichte Arttkel, um so gesuchter, je mehr Möglichkellen wirklichen Abwiegens und Bedienens sie geben. Besonders auch die Mädchen entwickeln auf diesem Gebiet starkes Interesse, als ob sie wüßten, daß Kindersegen heute eine zn>eifell>afte Sache ist. wenden sie sich frühzellig von de?? Puppen ab m?d wülsschen sich mll zehn Jahren einen Füllfederhalter und eine Schreibn?aschine zu Weihnachten. Das Poesiealbum liegt unbenutzt in einer Ecke, da- gegen nnrd sede Gelegenheit benutzt, um zu???alen, zu kneten, aus» zuschneiden ulld aufzukleben. Das schörrste Spielzeug für phantasiebegabte Kinder im All« von zehn bis vierzch?? Jahren ist häufig einStoßillustrierter Zeitschriften, eine Schere. Kleistertopf und ei??ige Bogen leeres, ?»eißes Papier. Das Kind will im Spielzeug nichts Fertiges, es will Rohu?at«rial zur Ekllfaltung eigener Inlliatioe, es will erfinden und filiden, gestalten u??d bauen, kombinieren und verälrder??. Jede Art von Spielzeug, das diese Möglichkeiten oder auch?wr eine von chnen zuläßt, wird geliebt u??d benutzt, die fertigen Geschenkartikel, mll denen sich viele Eltern di« Gedanken an die Feiertage weg- schieben, bedeuten hi?wusge»l>orfenes Geld und Hemnmng der schöpferischen Fähigkeiten, die w? Kinde schlu?n?ner??. Man beginnt dies heute immer mehr einzusehen und der Weihnachtsmarkt spiegelt diese EMltückiung gai��deutliH.-'GA fst-zn begrüßen und zu unter» stützen:'■•.;-?rll? Wie Kinder die Arbeit ihrer Ottern sehen Mitgeteilt von Sarl Hanfe IV. Die Ha«d im Triebwerk Maschinen surren. Triebriemen sausen, Räder knirschen und greifen inetnander. Dazwischen aber hantieren Menschen, Hönde von Fleisch und Blut greifen, schieben, rücke,? zurecht, und Körper fügen sich wellig und geschickt in den Rhythmus des Ardeitsganges. Aber die Hand ermüdet, die Maschine ruckt, ein Fehlgriff— und ein gräßliches Unglück ist geschehen. Balken stürzen, brennbare Stoffe explodieren. Trossen reißen: der Arbeller ist zu allen Stunden an Leib und Leben gefährdet. Zumeist aber ist es die Hand, die leiden und bluten muß We??n Hände sprechen könnten, u>as würden sie alles erzählen! Hitze und Frost, Druck und Last und rnancherle? Gift« haben sie verkrün???ll und verbildet: Narben und Verstümmelungen haben sich mll harten Schriftzügen darin«ingegraben. Wer kann sie deuten? Da mühen sich die Gelehrten um die Entzifferung der geheimnis- vollen Hieroglyphen, die von- den ägyptischen Pharaonen Kunde geben. Museen öffnen sich und stellen zur Schau, was im Staub der Jahrtausend« begraben log. Müht sich der gleiche Eifer um die Leidensgeschichte der Arbeit? Die Hand ist stumm, die Maschinen surren ihr gleichförmiges Lied, unbeschwert von Tränen und Trauer. Kein Spiegel be??>ahrt die schlnerzoerzerrten Züge, wenn Sägen u??d Messer sich auf Fleisch und Bein stürzen: keine Schale fängt di« Ström« von Schweiß oder Blut auf, die um alle- Werk von Menschenhand geflossen sind. Die Arbeit geht ihren Gang. Schwach nur ist der Nachhall, den Betriebsgefahren m?d Be- triebsunfälle in der Darstellung des berichtenden Kindes finden. Einfach ist die Sprache, kurz und karg der Gefühlsausdruck. Aber liegt nicht in der unverblümten Schlichtheit und Kürze ein Moment besonderer Ausdruckskraft? Würden allzu viele Worte nicht die knappe, brutale Sprache der Messer und Sägen nur abschwächen? „Es war an einem Wochentag, al- mein Vater nicht wie so>?st nach Hause kam. Meine Mutter sagte: Ihm ist doch nichts passiert? Das wollen wir nicht hoffen. Plötzlich kam«in Schutzmann und brachte n reiner Mutter die Nachricht, daß mein Vater sich einen Arn? gebrochen hatte. Es n>ar folge?rdermahen gekommen: Sie wollten eine Eisenplatte annieten. Als sie gerade das erst« Niet drin hatten, rvar der Stemmer gekommen und Halle es wieder zurückgestoßen, so daß die Platte hinuntersaust« und meinen Bat« nntrih. Es hätte auch schlimmer kommen können."(Klasse 1.) „Wieder mal ein Unglück im Hafen!" sagte mein Boter. Was ist denn nun wieder los? fragte meine Mutter«rschrocketl. Eben vor Feierabend— erzählte Dater— ließen wir den setzten Ballen hoch. Die Kelle faßte nicht, und in zehn Meter Höhe fiel der Ballen in die Tiefe des Lagerraun?«». Der Bor. arbeiter schrie noch: Achtung! und die Arbeiter sprangen zurück. Nur«in alter Mo????, der etwas schwerhörig war, wurde getrosten und schwer verletzt. Die Arbellskollegen trug«? den alten Mann an Deck.'(Klasse I.) »Med». Bruder SaM arbeitete auf der SXS. Weser und mutzte an der.Bremen" bau«. Er stand hoch aus einem Brett lmd macht« den Schornstein fertig. Es war kein Geländer an dem Brett, und er mußte aufpassen, daß er mcht runterfiel. Eimnal wackelte das Brett,?rnd er sauste runter. Er schlug zroeirnal mll der rechten Seite auf eisern« Kanten, dann hielt er sich an einem Strick fest. Da haben sie ihn runtergetragen, und die Unfallstation hat ihn verbünde??."(Helmut D., 10 I.) „Als mein Vater einen eisernen Träger allein an einer Stein- säule festmachen sollt«, hatte er einen schweren Unfall. Die Leiter rutschte aus. und mein Bater griff unwillkürlich nach der Stange. an der der Träger fest rvar. Auf der anderen Seite kippte der Träger nach unten, und mein Voter kriegte die Finger dazwischen. Eine halb« Stunde hat er da gesessen und tüchtig geschrien: es war ganz am End« des Holzhafens. Zuletzt kam doch einer mit einem Brecheisen und brach die Stange, woran der Träg« fest war, ab." (L. F.. 11 J) „Mein Bat« ist Bohrer. Als er au einem Stück Eise?? arbellete, er ist mit dem Finger in die Bohr n? oschine ge- kommen. Acht Wochen hat er danrit gelegen. Der Fing« ist nach krumm."(Lina P.. 10 3.) „In der Gießerei der A.-G. Weser roerden die Ventile, Stutzen und Lager für di« Dampfer, die auf der Werst liegen, gemacht. Mein Vater arbellet da an der S t a h l s ä g«. An einem Sonn- abend wollte er die Säge putzen, hall« sie aber r?icht abgestellt. Er nahm ein Stück Draht und wollte die Späne unterraus ziehen. Auf«inn?al kam er mit der rechten Hand an das Sägeblatt u??d schnitt sich eine tiefe Wunde. Er mußte 4 Wochen krank seiern." (Willi B.. 11 I.) „Wir hatten gerade Mittag aus der Arbell— so erzählte eil?. Invalide—?lnd gingen in die Bude zum Essen, als mehrere Benzin- tonnen Feuer fingen und explodierten. Ein donnerartiger Lärm?r>ar zu hören. Unsere Bude war zusammengebrochen. Einige Balken und Stein« flogen mir in das Genick und an den Kopf, daß ich die Besinnung verlor und umfiel. Ich«wachte erst, als ein kalter Wasserstrahl mir ins Gesicht fuhr. Ich lag in Blut und Schweiß unter den Trümmern und war in einer verzwickten Lage, denn ich tonnte mich nicht rühren. Mir war alles wi« ge- lähmt. Leute kamen und gruben mich aus den Trümmern hervor. Jetzt erst merkte ich, daß ich heftige Schmerzen in? Rücken hatte. Die Krankerrschwest« sagte, die Sache stände sehr ernst, denn es seien Splitter in den Rücken eingedrungen, und eine Operation sei lwtrvendig. Sie zog die Bettdecke ganz üb« meinen Kopf. Ich wühlt« hin und her vor Schmerzen. Einige Stunden mochten vergange?? sein, als ich in das Operationszimmer gebracht wurde. Den Rücken noch oben lag ich auf dem Tische. Alz ich er?vacht«, lag ich von Schnrerzen gequält in meinem Bette und kannte mich nicht bewegen. Allmählich heilten die Wunden. Aber die Wirbelsäule versteiste sich mit dem rechten und linken Oberschenkel: ich war gelöhnll, und die Versteifung blieb. Ich lag iwch«in halbe« Jahr im Krankenhaus, erst dann bin ich nach meinem Hause gekommen. Mll dem Arbeiten u?ar es für üema vorbei."(Klasse L) f; Internationaler Arbeitersport Exekutivsitzunj) der SASI. Wien, die Stadt des 2. Arbeiter-Olympias, war der Ort, an dein sich die Exekutwe der Soziali st ischen Arbeitersport- Internat nonale zu Beratungen zusammenfand. Der Tätig. kcitsberichr des Sekretariats sand Billigung. Gleichzeitig wurde über den Stand der einzelnen in der Internationale vereinigten Verbände verhandelt. Di« politischen Verhältnisse in Polen sind nicht ohne Einfluh auf die dortigen Arbeitersportorganisationen geblieben. Hauptsächlich der u k r a i n i s ch � Turn, und Sportoerbond mit dem Sitze in Lem- � txrg ist am stärksten betroffen worden. Dieser Verband wurde mit oll seinen Ortsgruppen a u f g c lö st, das Vermögen beschlagnahmt und die Führer verhaftet. Unter der großen Arbeitslosigkeit, die besonders in Deutschland herrscht, leiden auch die Arbettcr-Turn» und Sportoerbände in Oesterreich und in der Tschcchoslo- watet. Eine erfreuliche Nachricht ist aus Frankreich zu ver- zeichnen, wo d«r Verband in diesem Jahre einen Zuwachs von 50 neuen Vereinen erreichte. Die Exekutiv« genehmigte ferner die Herausgabe eines Mitteilungsblattes durch die Inter- nationale, das über die wichtigsten Geschehnisse in der SASI. und den ihr angeschlossenen Verbänden berichten soll. Das Mitteilung�- blatt wird von Prag aus in beliebigen Zeiträumen herausgegeben. Weit«? wurden die VorbereitungenfürdasOlympia — Wintersport wie auch Smnmer-Olympia— besprochen. Das Wiener Stadion, das durch seine große Ausdehnung und zweckmäßige Einrichtung überraschend wirkt, wird in Kürze fertiggestellt, damit es seiner Bestimmung zugeführt und zum eichen Mal« von Arbeiter. spyrtlern aus der ganzen Welt benutzt werden kann. Das Olympia wird in dem Ausmaße durchgeführt werden, wie dies der Prager Kongreß festlegte. Mit der Errichtung der Radrennbahn kann ge> rechnet werden, da die geführten Verhandlungen günstig verliefen. Arbeitersport in Lettland Di« Meisterschaften des lettischen Sport, und Schutz- bundee im F u ß b a l l wurden in diesem Jahr« in drei Klasien durch- geführt. In der A-Illaffe waren die Aussichten der Mannschaften aus die Meisterschaft gleich groß verteilt. Im Endspiel siegte Libau. Zweitbeste wurden die Mannschaften der Hauptstadt Riga und „Spels*, die Meister der Jahre l92S und 1928. In d«n im November stattgefundenen Schlußkämpfen um die B o x m e i st e r s ch a f t e n 1 9 3 0 beteiligten sich 39 der besten Boxer. Meister Lettlands wurden im Fliegengewicht: Paegte(Bolderaa): Federgewicht: , Dolgizer»(Riga-Perez), Drengers(Riga-Zentrum): Leichtgewicht: l Tjasto(Bolderaa): Weltergewicht: Pavars(Libau): Mittelgewicht: ! Pofdnjakows(Riga-Speks): Halbschwergewicht: Muscha(Riga- Zentrum): Schwergewicht: Seizmans(Riga-Zentrum). Bei den Meisterschaften im Ringen wurden � Sieger im Federgewicht: Strasdinsch(Riga. Briv vorti): Leichtgewicht: Priekuls (Riga, Jana varti): Mittelgewicht: Upmals(Riga, Briv. varti): Halbschwergewicht: Kruse(Grünhof): Schwergewicht: Wanags (Riga, Wriv. varti). Die lettischen Boxer Drengers und Dolgizers kämpften mit guten Erfolgen zum erstenmal in Oslo(Norwegen). Zwei finnische Boxer kamen nach Riga und beteiligten sich an inter- nationalen Wettkämpfen. Sieger blieben jedoch die Letten. Ischechoslovakei Wie die tschechisch« Sozialdemokratie die Bedeutung der Arbeitersportbewegung einschätzt, ist daraus zu ersehen, daß sie dem Turnoerbande nicht nur eine Vertretung im Exekutivausschuß der Partei und in der Mehrzahl seiner Kommissionen einräumt«, sondern ihm auch in den Gau- und Bezirteorganisationen Vertretungen ge- währte. Auf dem letzten Parteitag wurden in das Organisations- statut zwei sehr wichtige Bestimmungen ausgenommen. Die erste besagt: Mitglieder der Partei und deren Kinder, die Turnen. Sport oder Touristik betreiben, sind verpflichtet, in den Aroeiter- Turnvereinen oder in den ähnlichen, von der Partei anerkannten und mit ihr ein«. Interessengemeinschaft bildenden Verbänden organisiert zu sein. Es ist mit den Grundsätzen der Partei unvereinbar, daß ihre Mitglieder oder deren Kinder Mitglieder anderer Turn- und Sportvereine sind. In einer anderen Bestimmung des Organi- sationsstawts wird den Mitgliedern und Orgamsationen der Partei auferlegt, die Arbcitersportoereine zu unterstützen. Auf dem Partei. tag waren unter den Delegierten in großer Zahl auch Funktionäre aus der Arbeiter-Turnbewegung vertreten. Spalter in der Schweiz Noch den Berichten der Funktionär« des Schweizer Arbeiter-Turn- und Sportverbandes auf der letzten Zentrolvorstands- tagung ist die von den Kommunisten in den Verband hineingetragene Spaltung als abgeschlossen zu betrachten. Die aus dem Verband ausgeschieden«„Opposition" vegetiert dahin und findet leinen An- schluß mehr an den Verband. Der von der„Opposition" mehrmals angesetzte Lauf Basel— Zürich wurde immer wieder abgesetzt und ver- schoben, weil keine Sportler vorhanden sind, die daran teilnehmen wollen. Rugby als Arbeitersport? Ate sich die Arbeiterbewegung des Sports bemächtigt« und die große Arbeüersportorganisation ausbaut«, war sie sich völlig dahin diCg. den Anhängern keinen Zeiwertreib für freie Stunden, nicht nur Gelegenheit zu sportlicher Betätigung zu bieten, sondern sie schuf im Arbeitersport bewußt«in Instrument des politischen Willens, des Klasienkampfs. Und gerade die Leul«, die den Ar- beitersport heule deswegen als nicht vollgültig ansehen wollen, die bürgerlichen Sportler, tun genau das glc'che, nur mit dem Unter« schied, daß viele Organisationen nicht aussprechen, welch« politische Tendenz ihnen zugrunde liegt. Für sporlliche Betätigung, die darauf hinzielt, mehr Anlaß zu gesellschafllichen Veranstaltungen als zu praktischem Sport zu sein, hat der Arbeitersport kein« Zeit. Und auch in den Sportarten, die auf der bürgerlichen Seite diesen Stempel des Gksellschattlichen tragen, also zum Beispiel im Tennis, sieht der Arboiterfoortler nicht die Gelegenheit, sich einen Nachmittag in korrekt gebügelten Hofen um die Ohren zu schlagen, sondern er treibt auch diese Leibesübung um chrer selbst willen. In diese Sparten, die naturgemäß durch ihre Anforderungen an Sportgerät, Sportplatz usw. größere Kosten verursachen, ist der Arbestersport erst longsam eingedrungen und zum Teil wird er sich der vorläufig noch„mondänen" Sportart, als da sind Golf, Polo usw.. gar nicht bemächtigen können, wenn es auch schon Arbeiter-Motorradsport, Arbeiter-Segelsport und Arbeiter-Flugsport gibt. Ein Gebiet, in das nicht nur der Arbestersportler noch nicht eingedrungen ist. sondern das auch im allgemeinen in Deutschland wenig papillär geworden ist. ist das R u g b y, das bei Nationen wie Amerikanern, Englandern und Franzosen ungeheure Beliebt- heit und Popularität besitzt. Es erfordert durch die Strenge und Mannigfaltigkeit seiner Regeln ebensoviel rasche Entschlußkraft, wie es durch die Härte der körperlichen Inanspruchnahme andererseits Mut und Kraft verlangt. Rugbyspieler müssen Burschen sein, die«» nicht nur in den Beinen, sondern auch sonst in sich haben. Ursprünglich fest dem 9. Jahrhundert ein Spiel englischer Bauernburschen ähnlich unserem Treibcball, hat es aus einer rein iörperlichen Betätigung im Kampf von Man» gegen Mann und Partei gegen Partei allmählich fest« sportliche Form und Regel gewonnen, die mit der des Fußballs vieles gemein hat. Auf jeder Seste kämpfen fünfzehn Spieler in Mannschaften, die sich in acht Stürmer, vier Dreiviertelspieler(Läufer), zwei Halbspieler(Verteidiger) und dem Schlußspieler(Tormann) gliedern. Ausregend zu sehen, wenn aus dem„Gedränge" der Linienmannschast jeder Partei, die mit voller Kraft der Schullern und Beine einander zurückzudrängen trachten über die mehr »pslaumenförmige Lederfchsib« in chrer Miste, diese endlich hinter der einen Partei liegt und nun von den Stürmern ergriffen und in sausender Fahrt vorwärts getragen wird zum aegnerifchen Mal! Immer wieder stiegt die Scheibe rückwärts, da lle nur rückwärts abgespielt werden darf. Und wird doch durch die flinken Bein« nach vorn getragen. Unaufhörliches Wechselspiel, Sprung flinker Beine und wursstarker Arm«! Gelingt endlich der Versuch, die Rugbyscheibe über die gegnerische Mallini« zu tragen. so zähst die» drei Punkte: danach gilt es. durch«inen mächtigen Schuh zwanzig Meter vor der Torlatt« die Scheibe mit dem Fuß hoch über die Latte zu schleudern, ihn damit den Versuch um zwei weUsre Punkt« zu erhöhen auf fünf. Rutscht aber der Dell über die Scstcngrenzen, so stellen sich die betden Stürmergruppen gegen- über auf in zwei kampseswürtigen Reihen— bis in die Gasse -wischen ihnen die Rugbyscheibe geworfen wird und es erneut zu einen, mächtigen Gedräng« und zum wiederHoll»!, Versuch aus das gegnerisch« Mal kommt. Aber wehe dem Unglücksraben, der sich ror der Scheibe erwischen läßt und abseits steht, es tostet seiner Partei unfehlbar einen Strafstoß! Denn immer dars ja die Scheibe nur nach rückwärts abgespielt werden im Wurf und das Vortragen müssen die kräftigen Beine der als Ganzes vorstürmenden Mann- schost besorgen. Kein anderes Spiel hat ein« solch« Füll« überraschender Augen- blick«, so viele Kampsmomeill« und so viel biftiges Durcheinander wie das Rugby. Keine» erfordert darum so viel Umsicht, blitz- schnelles Erfassen der Gelegenhell und rücksichtslosen Einsatz der Kräfte! Keines ist aber auch für Spieler und Zuschauer ab- wechsiung«reicher._____ Sie streiten um Sdimeling und ums GcM Gewissermassen als feindliche Brüder kann man die New- 'Zorker Boxtommission und die National Boxing Association in Chicago bezeichncn: diesen beiden untersteht der gesamte Doxbetrieb in den Vereinigten Staaten. Bekannt ist ja, daß die New-Porker Behörde vollkommen eigenmächtig handelt, ihre eigenen Wellmeister ermlltelt und ihren bedeutenden Einslug auf den„Garden" ausübt, der letztem Endes immer noch das Box- zentrum der Well darstellt. Ms der anderen Selle steht die National Boxing Association in Chicago, die Mitglied der Internationalen Box-Union ist und sich, wenn auch nicht immer, so doch recht oft nach den Vorschriften des Boxweltverbandes richtet. Ihr besonderer Rückhalt ist die Stadlongesellschaft in Chicago, deren Deranstalwng.m:n letzter Zeit sich als kein« geringe Konkurrenz für den Rew-Porker„Garden" erwiesen haben. Zwischen beiden Verbänden ist nun ein heftiger Streit um Max Schmeling und die Weltmeisterschaft aller Kategorien entbrannt. In einem Punkte sind sich die Gegner zufällig-inig: beide wollen Schmeling den T I t e l ab- sprechen, wenn er nicht ihren Wünschen nachkommt. Nun, zwei Herren kann niemand dienen, und so wird wohl eine der beiden Behörden dem guten„Max" den Titel aberkennen. General John W Clinnin, der Vorsitzende der NBA., hat erklär:, daß Schmeling seines Titels verlustig geht, wenn er nicht den Sieger des am 12. Dezember in Chicago stattfindenden Treffens Stribling— Griffith als Weltmeisterschaftsgegner annimmt; New Jork verlangt unter derselben Drohung von dem Deutschen eine bindend« Er-> tiärung bls Ustimo Dezember. Man darf gespannt sein, wer iu diesem Streit die Oberhand behält. Dielleicht ist sogar Jeff Dickson der lachend« Drille, denn dieser geschäststüchtige Amerikaner hat sich schon seit langem die Veranstaltung einer Wellmeisterschcist in Europa in den Kops gesetzt. Während Schmel ng Miste des Monats nach Amerika fahren will, um einige Monate in Hollywood zu filmen, kommt Stribling, der immer noch als der berufenste Welt- meisterschaftskandidat anzusprechen ist. Anfang Januar nach Europa, wo Dickson für ih» Kämpfe mit Paolino und Carnera vor- berellet hat.__ Sonnenwendfeier der Naturfreunde Alle Wanderungen der Naturfreunde haben am kommenden Sonntag die Müggelberge zum Ziel. Um 17 Uhr findet dort in der Kie-schlirre in den Kanonenbergen eine Sonnenwend- fei er mit Gesang, Rezitation. Ansprach« des Landtagsobgeord- neten Maderholz und einem Sonnenwendspiel stall. 2lnschließe»d folgt im Restaurant„Rübezahl" am Müggelsee eine iarirische Ver- anstajtung. Programm: Gesang, Rezitationen, Laienspiel, Volks- tanze. Unkostenbeitrag für Programm 23 Pf., Jugendliche 15 Pf. Gäste aus befreundeten Organisationen sind herzlich willkommen. Boxabend in Tegel Morgen, Freitag, veranstaltet die Frei« Sportvereinigung Tegel 1899 rm Strandschloß Tegel einen Boxabend und«inen Mann- schastskampf im Stemmen zwischen Sparta Neukölln und Tegel. Im Boren starten im Fliegengewicht Löffler-Luckenwalde gegen Habsmayer-Tegel: im Leichtgewicht Dräger-Saxonia gegen Pamte- Tegel: im Wellergewicht Gerifcher-Alt-Weddtng gegen Schröder» Tegel: rm Mittelgewicht Ehnert-Luckenwald« gegen Losseck-Tegel; Halbschwer Bössleisch-Tegel gegen Reimers-Saxonia und Pasewald- Stettin gegen Vienis-Tegel. Außer den Hauptkämpfen finden noch S Einladungskämpf« statt. Beginn 20 Uhr. Die Arbeilerwinlersportlcr veranstalten eine Skifahrt ins Rtescngebirge(Zehgrundbaude, 930 Meter). Dienstag, den 16. Dezember, Zusaminentunst aller Teilnehmer bei Mifsing, Neu» kölln, Selchower Ecke Weisestraße, 20 Uhr. Teilnehmer zahlen dort 12 M. ein. Anmeldungen werden noch angenommen. Zr»».. Zklbericzlrk. Donnerstag, lt. De»«nb«r, A> Uhr. Eikunq d«l Schnr!>t. LSicinern'tdc. Sttlinet Str. 97. 26, Dezembcr: Weihnachtss-icc im 3?ool6hcus bn«xchmiot. r-»»ls Zt-t Otaft-Cttlis, e.»tt.«entoll». Donn-rstag. u. Dr�emdcr, in Ul>r. Cofc Rhcinhardt, Hasrnhride 57, SRitglicbemtfammlung mit Scii)- naditäfcitr. ÄuScrer.Perctniauug 1»13. Sitmna Sttcitog, 12. Deiemdcr, A Übt, Im.Raldonflciruc". Ralct.'nftdnftt. 19. Soflmcuietn itfien Montag. 20 Uhr, Sccjjlmocr SUalcnmnuflum, Slmc RnigoIIft 14— 16 I» der grauen-, Iug rd- 11 nb Milnn«rak>te>Iunq irttbfn noch Mltgltidtt aufgenommen, anfcheift:: Set. mann Mab lack, Cetlm.ObetfdjiinciDeibe,(taUftc. 22. „SolibatUür. Touren der Z�ablahrer Connfag, 14. Dezember. 2. Abt.: Slteifillge burch ben Ellben. Eiart 13 Ilbr Diefsendachstr. 86 flraitföf)tee: Ränigenmftcthauter— MUtenmalbe— Matienbotf, Etort 10 licht Hieff.nbachftt.-6 — 8. Abt.: ötteifjUgc burch den Ellben. Endziel Mariendorf. Elatt 18 licht Mariannenplajr, geuermechrbentmal.— Abt. Rriedtichsboin: StteiWJge durch ben Stunewald. Statt 0 Ucht Petetobueger Platz.— Abt. Moabit: Lau- und Seiechtsinuteum. Treffen 1» Uchr Wielefstt. 17.— A-nnfacheerableilung Mitte: Echitnwalde. Start 9 Uchr NSntgotvr.— Abt. Echarlottenburg: Arbei'sfchug- Mulsum, graunchoferftratz«. Treffen 10 Mir not dem Museum.— Abt. Strgl'b» Lichterfelbe: Rrcitag, 12. Dezember. 30 Uchr. Turnchalle Sieglitz, griefei firatze, Saolsvort, Nunftfachren. Stobdall- und Polofptele.— Abt. Lichtenberg: Tagung». lolal jetzt Emil Senkel, ginom» Site Oderstratze. Sitzungen jeden ersten Moni tag und dritten Mittwoch im Monat. Der Sreieneinzlampi zwischen LT. 04 und Sason-Branbenburg kann wegen Erkrankung eine» Ringer» am 14. Dezember nicht stattfinden. 13. Bezirk, jsreitaa. 19- Dezrmber, 20 Uhr, Hockeoversammlung im Lolal Ma-Li, Mariendorf, Ehaufseestr. 306. Donnerstag. 11. Dezember. Berlin. 16.05 Dr. Ueberau eertzchlt. 16.30 Klavterlrlnj 1. Mozart; Trio Q-Dur, K.-V. 564.—? A. Dvorik; Trio, on. 90.(Pozniak-Trlo.) 17.80 Bücher.„Reisen und Abepteucr."(Milcropbon: Hermann Strcsau 1 17.40 Uaterbaltumsmusik. 18.25 Pre>(. Dr. Nlklisch; Reklame in Krisenzeiten. 18.50 Volkslieder. 19.10 Arbcltsmarki 19.15 Osaip Kalcnter liest eigene ErzlhluncCD. 19.40 Mitii Nikltcb spielt(Tanzabend.) 21.00 Tages, and Sportnachrichten. 21.10 Gastspiel Hans Müller-Scbiöaser mit seinem EnsemiUe. VolksstDck von Haas Müller-Schlösser. 22.45 Metier-, Tages- und Sportnachrichten. AnschlieSend: Abcndanterbaltang. Königswusterhausen. 16.00 Bruno Mamano; Sprecbcbararbelt In der Landschule. 17.86 Dr. Schwerin: Sechzig Jahre Zentrumepariel. 18.00 Dr. Trayb: Oucrscbnitt durch deutsche Zeitschriftea. 18.30 Prot Dr Windelband: Die Aera Bülow. 19.00 Dr. Ludwig Herz: Nationalitätenprinzip und Selbstbsstimmungsrechi. 19.30 Ober-Landw.-Rat C. Meyer: WanderlehrgSnge für Vlehpdege und Melle.. Zum Fest wird Kuchen gebacken. Pamlt er gerbt, holen wir die Zutaten von C.G.BruchmQiler Grone FpanWurter streue 100 «m r k• a m sind 41« KLEINEN ANZEIGEN indtrGeaamtauflagü de«„Varwartt" tul tretztzea Ii! w wwwmww� wVIrlf'Sir mit 10 Loten 5 am. mit ZOlomii IO am. samtltene«•wlnn»w«rpai» •ur Wwnscn mli 00 Prozan« Lose zu haban bat den Kralaleltern dar Arbaitar-Wohlfahrt, bei der Bucbhandlung Dletz. VorwArts- Cxpadltlon. L-lndanstraOa 3. bei Werthelm und In allen Seaehlifton dar Konsumgenossenachaft. Alles ohne Geidi r mir ool TeUzablon» liefere . tdi AnzOde.Dlsler.Paleio s.ioQ-. pen Beitwlsdie. Tisdiwasdie. Her-' /renwa>die, Gardinen. BcildcdceR / Sfeppdedten. Diwandedten.»eis 1-. |be ten. Buhebeiten. SdtrfinMe, Sdiio| i rimmer, Grammophone o.a.. vertei \ln meinen Wodien* od. Moadisra c Josei Steinbrecher �Charlottenburgl �CoDerftroOe 12(Laden) � Telephoa: WlUteun 803