BERLIN Zrettag 12. Nezember 1930 10 Pf. Nr. SS2 B 290 42. Jahrgang Erscheikt tSglich außerGoniltagj. Augkich Abendausgabe des.VorwirtS". Bezugspreis beide Ausgaben SS Pf. xroWoche, S�oM. pro Monat. Redaktion und Expedition; DerlinSW6S,Lindcnstr.J Sfiaiaubgaße xlßh Jj&fvyasfa Anzeigenpreis: Die einspaltige NonpareillezcUe SO Pf.» Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. PvKscheckkont»: DorwärtS-Derlag G. m.b.H.. Berlin Nr. S7SZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Selbst petms verboten! fTn II| ii 1 Die Blamage wird immer größer Funkstunde führt Protokoll Eine Reichstagssihung auf Schallplatte Die Ob ersilmprüs stelle, die sich eben erst durch dos verbot des kriegsfilms unsterbliche Lorbeeren erworben hat, mutzte sich heule vormittag mit dem Antrag aus Widerruf der Zulassung des Films„Gebändigte firafl", eines werbctonfilms für Elektrizilätsverbrauch. beschäftigen. � Da ln diesem Film in einer Rahmenhandlung Petrus im Himmel gezeigt wird, hatte sich der Vertreter der kalholischenkirche, Prälat w i c n k c n. gegen die Aufführung gewandt und ein dahingehendes Gutachten vor der ersten Znstanz. der Filmprüsstelle abgegeben. Der Vorsitzende der ersten Znstonz, der in der Verhandlung überstimmt worden war. halte dann 23 e- schwerde eingelegt. Beanstandet wurde von dem Vertreter der kalholischen Kirche die Tatsache, datz in dem Film ein Elektro- installalcur in den Himmel zu Petrus kommt, der von den Er- ruvgenschasten und technischen Erfindungen aus dem Gebiete der Elektrizität auf der Erde anscheinend noch nichts mutzte uod schlieh- lich den„Blitzmeister" wieder auf die Erde zurückschickt, um ihm zu zeigen, wie die Menschen die ZIaturkrast in der Elektrizität gebändigt haben. Prälat Wienken wandte sich besonders dagegen, datz Petrus im Himmel in„Latschen" herumläuft und den Znslallatcur als„grohschnäuzigen Berliner" bezeichnet. Petrus tverde von der katholischen Kirche als heiliger verehrt und es müsse das Empfinden der katholischen volkskrelsc verletzen, wenn diese kirchliche Pcrsönlichheit derartig— glossiert werde. Auch der Schluh, in dem Petrus sagt, datz er ja bereits wisse, welche Fortschritte auf der Erde gemacht seien, datz man das den Rlenschen aber nicht zu- geben dürfe, weil sie sonst noch eingebildeter würden, wurde von dem Vertreter der katholischen Kirche beanstandet, denn durch diese Aeuhcruog werde die katholische Kirche als Verdummungsanstall charaktcriflerl. Für die Herstellerfirma wandle sich R.-2L Dr. Friedmana euerglsch gegen diese Ausfassung und erklärte die Befürchtungen für völlig uabegründe«. Es handele sich doch lediglich um einen Harm- losen Scherz. Bemerkenswert sei, datz der Regisseur s e l b st aus einer alten katholischen Familie stamme und gar nicht auf den Gedanken gekommen sei, datz das Empfinden seiner Glaubensgenossen verseht werden könne. Die Obersilmprüsstelle kam jedoch nach kurzer Beratung zu dem Verbot der bean st anbeten Rahmenhandlung mit der Begründung, datz die Darstellung des Petrus geeignet sei, dos religiöse Empfinden der kalholischen Volkskreise zu verletzen. Explosion in Patronenfabrik. Zwei Arbeiterinnen getötet, zehn verletzt. Paris. 12. Dezember. Zn einer Palronenfabrik in T o u l o n ereignete sich eiae schwere Explosion, wobei zwei Arbeiterinnen getötet und zehn andere verletzt wurden. Die Explosion ereignete sich beim Ausprobieren eines neuen Saugapparaies. der vollkommen in Trümmer ging. Zwei Arbeilerinnen, die sich in unmittelbarer Bähe des Apparates befanden, wurden so schwer verletzt, datz sie bereits aus dem Wege ins Krankenhaus starben. Noch keine Lösung in Frankreich. Neuer Kampf um Bnand. Paris, 12. Dezember.(Eigenbericht.) Di« Regierungskrise, die nun volle acht Tag« andauert, ist van ihrar Lösung noch ebenso weit entfernt wie am ersten Tage. Die Erfolgsaussichten für die Bemühungen des Senators Steeg werden von der Pariser Morgenpresse als vollkommen hoffnungslos angesehen. Man gibt allgemein der Meinung Ausdruck, daß Steeg nicht zum Ziel« gelangen könne. Dafür setzt sich immer mehr die Meiimng durch, datz der Präsident der Repu- blik Doumergue jetzt nicht mehr werde darum herumkommen können, doch noch Briand mit der Kabinettsbildung zu beauf- tragen, obwohl er dessen Außenpolitik nicht billige Der sozialistische Abg. F r o s s a r d kündigt dem Staatschef im„Populaire" schon die schärfste Opposition der Partei an. wenn er es noch einmal wagen sollte, Briand gegen den ausgesprochenen Willen des Par- stimmt- beiseite zu schi-beg. �_____......... In der Reichstagssitzung vom 3. Dezember war um die Redner- tribüne herum ein« Anlage aufgebaut, um die Aufnahme der Sitzung durch Funk auf Schallplatte durchzuführen. Das Ergebnis ist heute vormittag in einem Nebensaal des Reichstogsoebäudcs den Ab- geordneten vom Funkintendanten Dr. F l e s ch vorgeführt worden, und es war in mehr als einer Beziehung interesiant. Zunächst hat sich gezeigt, daß das Gesamtlautbild der Sitzung völlig verzerrt erschien, daß z. B. Redner verstäMich blieben an Stellen, an denen für den Zuhörer im Saal ihre Worte wegen eines ausbrechenden Lärms völlig unverständlich geworden waren, während auf der anderen Seite manchmal der Tumult ein« Laut- stärke erreichte,' die mit normalen menschlichen Sprechwerkzeugen überhaupt nicht erreichbar ist. Die S t i in m e d c s P r ä s i d e n t e n Lobe war zeitweilig unkenntlich, und auch die Glocke hatte einen ganz anderen Klang. Mit dieser negativen Kritik ist jedoä; die Bedeutung dieses Experiments nicht erschöpft. Es stellte sich vielmehr noch etwas anderes heraus, nämlich, daß sich manche Dinge und sogar recht wichtige, in der Wirklichkeit anders abspielen, als sie nachher im Protokoll zu lesen sind. So hatte der Finanzminister Dietrich auf den Zuruf des Kommunisten Torgler:„Was ist mit der O f f e n- legung der Steuerlisten?" geantwortet:„Dazu bin ich a u ch b« r e i t." Dem Reichssinanzminister Dietrich ging«s aber(ehr bald wie dem Mörder in den.Lranichen des Jbykus": Denn kaum v»»r ihm das Wort entfahren wollt er's im Busen gern bewahren. Also strich er es aus dem Stenogramm, und nun kommt diese oermale- deite Schallplatte und füllt die unsichtbar gewordene Lücke im Prora- koll wieder aus. Deutlich hört man es:„Dazu bin ich auch bereit." Das Wort sollen sie lassen stahn! Grubentod und Zieichstag Husemanns Anklagerede Die Reichstogsfitzung begann heute um 10 Uhr mit der Beratung des Ausschutzbcrichtes über die Grubenunglücke in Alsdorf und Reurode. Zunächst sprach der Rcichsarbeitsminister Slegerwald, der noch ein- mal ausführlich die Geschichte der Grubcnkatastrophen aufrollte und den Rettungsmannschaften den Dank der Regierung ausspricht. Er machte dann ausführlich« Angaben über die ch i l s s m a tz n a h m e n und die Untersuchung der Ursachen der Katastrophen, die in Alsdorf z. B. noch nicht geklärt wurden. Er widersprach aber der nationalsozialistischen Interpellation, die von S t i l l e g u n g s a b s i ch t e n für die Wenzeslausgrube in Neu- rod« zu berichten weiß. Abg. Hufemann(Eoz.) gibt zunächst eine Erklärung gegen etwaige Still- l e g u n g s a b s i ch t e n bei der Wenzeslausgrube in Neurode ab Tierfilm Weiße Maus zur Blindschleiche:„Tu mir nichts, ich kämpfe hier auch für die Nazis!* ! und spricht die Erwartung aus, daß alles getan wird, um dem | ganzen niederschlesischen Bergbaurevier, das in schwerer Not ist. die weiteren Lebens Möglichkeiten zu sichern. Die Arbeitcrbcvölkerung in diesem Bezirk ist alteingesessen und bildet das Rückgrat der niederschlesischen Wirtschaft. Die Ziffer der Todesfälle Ist in diesem Jahre durch die drei Grubenkalastrophen stark ln die höhe geschnellt, ober man dars nicht vergessen, daß der Hauptanteil an den Todesfällen im Bergbau nicht von den großen Unglücken, sondern von de« kleinen Unglücksfällen gestellt wird. Im vorigen Jahre sind 11 970 meldepslichtige Unglücksfälle im Bergbau vorgekommen, von denen 1800 tödlich verliefen, so daß also pro Tag durchschnittlich mehr ol« vier Bergknappen den Tod in ihrem Beruf fanden. Der Redner begrüßt die Bewilligung von 2 Will. Mark durch den Haushaltsausschuß als Unterstützungsgelder. Wir legen ober viel größeren Wert auf«ine rücksichtslose Untersuchung der Ursachen und der Schuld an den Unglücken. Beim Unglück von Alsdorf ist zunächst von einer Spreng st offexplosion und von einem Rätsel gesprochen worden. Erfahrene Bergleute haben aber schon zu Anfang ein« Schlagwetter- und Kohlen- st a u b e x p l o s i on festzestellt. Man ist deswegen besonders ver- blüfft gewesen, weil Schlagwetterexplosionen bisher selten derartige Sprengwirkungen über Tage gezeigt haben. Die kommunistische Interpellation hat aber Unrecht, wenn sie von einer Dynamit- entzündung auf der Hängebank über Tag« spricht. Es gibt Bei- spiele aus dem tschechischen und belgischen Kohlenbergbau, wo auch «Schlagwetterexplosionen ähnliche Wirkungen hatten. Der Redner geht dann auf die Einzelheiten ein, die dem Nachweis einer Kohlenstaub- und Schlagwetterexplosion dienen. Cs� sei zwar richtig, daß der Kohlenstaub auf der Grube Anna II s ch w'e r c r entzündlich ist als auf den Fettkohlengruben, aber es müsse» sich große Wetterniengen angesammelt haben; das beweisen die giftigen Nachschwaden. Die endgültige Ausräumung der Trümmerstätte wird noch fünf bis acht Wochen dauern.'Auf Zwischenrufe der Kommunisten antwortet der Redner mit Zahlen der so wjet- russischen Statistik über Bergwerksunglücke. Er zeigt auf. daß die Wettsrverhältnisse in den russischen Gruben nach eigenen Berichten des Obersten Bolkswirtschaftsrats völlig unzureichend sind. In Nr. 8 des Berichts des Obersten Volks- wirtschaftsrats vom März 1930 wird festgestellt, daß einige der größten Gruben nur 10 Proz. der nötigen Frischluft erhalten,(hört, hört! bei den Soz.) 1929 stnd allein zwölf große Explosionen mil OSl Toten in Sowjclrutzlond vorgekommen. Die Gesteinsstaubjchranke war in Alsdorf nicht ge- nügend ausgebildet, ab« das Schlimmste ist es, daß aus de» Grub« Das Haus in der Invalidenstraße //(Seheime Gitie"— Ein Schandfleck Berlins! Wenn Straßenfronten Gesichter tragen, die die hinter ihnen hausenden Menschen charakterisieren, so hat die Invaliden- st r a ß e hiirtcrm Stettiner Bahnhof eins der traurigsten Gesichter Berlins. Bon Querstraße zu Querstraße wird diese Straße ärmer und verwahrloster! Und der Kontrast, der die seltsame Schauerlich- keit erzeugt, ist darin zu suchen, daß auch hier noch, in dieser ver- arinten Gegend, der scharfe Trennungsstrich besteht zwischen pscudo- bürgerlicher Wohlanständigkeit und der namenlosen, stumpfen Elendslarve. Deshalb wirkt diese Armut so korrekt, es ist gleichsam eine Armut mit Stehkragen und Lötschlips. Und deshalb wirkt die Verwahrlosung so unvermittelt, so grauenerregend. Die Elendsbaracke. Ein in dieser Gegend praktizierender Arzt machte mich auf ein Haus in der Jnvalidcnftraße ausmerksam, dessen Zustand in Worten wiederzugeben, mir Beklemmungen verursacht. In unmittelbarer Nähe der A ck e r st r a h e, in der Nähe einer Roßschlächterei, in der viele, viele Frauen, Männer und blasse Kinder für die letzten 25 Pfennig ein warmes Roßgoulafch erstehen, besindet sich dies Haus. Zu beiden Seiten die üblichen, vierstöckigen Mietskasernen, mit Ladengeschäften im Erdgeschoß. Es ist durchaus erklärlich und bezeichnend für die durch Not und Verarmung so apatisch gewordenen Anwohner, daß die dazwischen liegende Elendsbaracke seit Jahren in demselben fürchterlichen Zustand bleibt... Hier wird die blut- rünstige Phantasie verschiedener Filmarchitekten, die Bauten für Unterwellfilme herstellen, durch die Wirklichkeit übertroffen. Es gibt an der ganzen Straßenfront des Hauses kein ganzes Fenster, sogar die Fensterscheibe in der Haustür war lange Zeit durch ein rohes Kistcnbrett ersetzt. Das ganze, schmale, niedere Haus bietet ein Bild des Zerfalls. Ein Wrack, wie man es gerade in Berlin höchst selten findet. Es ist heller Vormittag, als ich es betrete. Di« Wendeltreppe knarrt und quietscht unter meinen Füßen. Es liegt in der Lust. es schreit in oller Stummhcit, es dringt von den fauligen Wänden auf mich ein, daß das ganze Haus kein Absteigequartier, auch kein Bordell ist, daß hinter diesen Türen, an denen im scharfen Lustzug wehende Gardinenfctzcn die ausgebrochenen, ausgeschlagcnen Fenster- scheiden ersetzen sollen, sich mehr begibt, als nur Licbesbczeugungen abgetakelter, letzter Dirnen! Es ist so unheimlich ruhig, so auf- regend still im ganzen Haus, daß ich plötzlich vor einem langen, müden Schrei zusammenfahre! In der ersten Etage befindet sich die „Diele". Ich weiß nicht, was da vor sich geht, weiß nur, daß von da der Schrei kam. Ich gehe hinunter und nehme mir vor, am Abend wiederzukommen, wenn„Betrieb" sein wird, denn das weiß ich schon: das Haus ist bewohnt!„Geheime Sitte" wird hier geübt,„geheime Bordellierung" elender Frauen, bemitleidenswerter Mädchen! Und das in einem Haus, in einem sozusagen.chfsent- lichen" Haus, in das man von der Straße gehen kann... Holt! Am frühen Abend bin ich wieder da! Aber willen auf der Treppe ist plötzlich der weitere Durchgang durch eine hohe Tür verriegelt und vernagelt. Ein Schild und eine Klingel befinden sich an der e.ür. Auf dem Schild steht:„Zur Diele! Bitte klingeln!" Ich klingele nach einem Münzstrahenmorsetakt, der indessen hier nicht oerfängt, da ein Auge am Guckloch erscheint, aber nicht geöffnet wird! Ich gehe wieder hinunter! Gegenüber: ein Cafe mit Mokka- kojen und schwüler Beleuchtung. Ein junges, blasses, unter- ernährtes Mädchen tänzelt vorbei, bittet um Feuer, setzt sich! Noch Likören wird sie gesprächig. Da frage ich sie:„Kennst du das Haus da drüben, in dem die Diele ist?!" Entsetzt starrt sie mitq an! Erhebt sich, geht ohne Gruß! Und ich höre, wie sie zu Kolleginnen sagt:„Schon wieder ein Horchpostcn von drüben! Aber diesmal ein Ungesährlicher!" Als ich gehe, sehe ich die Mädchen an. Ent- setzen spiegelt sich in ihren Gesichtern. Entsetzen und Angst! des Efchweiler Bergwerksvereins ein menschenunwürdiges Antreibersystem herrscht. So hat zum Beispiel der velriebssührer Pohle einen Steiger, der sich an den Rettungsarbeiten beteiligt hatte, am Tage nach der Katastrophe angeschnauzt und nach Hause geschickt, weil er das Fördersoll nicht erreichte. (Lebhafte Pfuirufe bei den Soz.) Selbst ein Unternehmer Hot im „Aachener Tageblatt" bezeugt, daß die Arbeiter des Eschweiler Bergwerksocreins ständig unter Beschimpfungen und Beleidigungen von ihren Vorgesetzten zu leiden haben. Arbeiter, die 14 Tage lang krank sind, werden rücksichtlos ent- lassen. Solche Verhältnisse herrschen nicht nur auf Grube Anna I und II und Maybach, sondern auf der ganzen Linie herrscht dieses A u s b e u t e r s y st e m. Man kann sich dann nicht wundern, wenn von den Arbeitern die Vorsichtsmaßregeln außer acht gelassen werden und unverhofft eine Katastrophe entsteht. Die Wetter- kontrolleurc müßten endlich einmal vor Entlassung ge- s ch ü tz t werden. Die Benzollokomotiven, bei denen Funkenbildung vorkommt, müssen aus allen deutschen Gruben verschwinden. In die Grubensichcrheitskommissionen müssen auch Bergarbeiter hinein- geschickt werden. Dann wird den lebenden Arbeitern ein besserer Schutz angedcihen. Wir fordern strengste Bestrafung aller Schuldigen an den Bcrgwerksunglücken und Ausbau der Sicherheitsmaßnahmen.(Leb- haftcr Beifall bei den Soz., Lärm bei den Kommunisten.) Zur Interpellation der Nationalsozialisten über die drohende Stillegung der wenzcslausgrube in Reurode erklärt ein Regierungsvertreter, daß diese Stillegung wegen der Kohlengasgefahr von der Besitzerin beabsichtigt ist. Die preußischen Behörden suchen nach einer Möglichkeit, die Sicherheit der Belegschaft zu gewährleisten und die Fortführung des Betriebes zu ermöglichen. Die Reichsregierung würde einen Erfolg dieser Bemühungen außerordentlich begrüßen. Abg. Dr. tey(Nat.-Soz., von äußerst links als Levy begrüßt) wiederholt die Anklagen der Arbeiterpresse gegen die Wirtschaft auf der Zeche Alsdorf und auf die Hilfsaktion, wobei er sie als Angaben seiner Pg. ausgibt. Baumfäller und Landarbeiter sind statt geschulten Personals eingefahren, eine solche führerlose Kolonne wurde verschüttet und mußte ausgegraben werden. Die„Berg- Werkszeitung" hat gegen meine Erklärung des Unglücks— ich bin Chemiker und es handuft sich um chemische Vorgänge— einen schamlosen Artikel geschrieben. Da sieht man, wie wenig wir mit dem Bergbaukapital zu tun haben.(Lachen und Widerspruch links, worauf der Redner die Sozialdemokraten beschuldigt, die Aufdeckung der Unglücksursachen zu hindern!). Der Redner setzt dann auch diese Katastrophe auf das Konto der Tributpolllik und häll die übliche Rede Krieg, Versailles, Reparation, Silberstreifen, Dawes, Poung, Menfchsnexport und Brüning-Sanierung usw., erhält aber zum Unterschied von anderen Nazirednern nur selten, und dann auch nur ganz dünnes Händeklatschen seiner Pg. Als nun der Abg. Florin(Komm.) ans Rednerpult tritt, rufen die Kommunisten nach rechts hin: „Razi raus! Fraktionsbeschluß!" Vizepräsident Stöhr fordert die Kommunisten aus, doch ihren 51ollegen nicht zu stören. Schließlich ziehen die Hiller-Leute bis auf Ley ab. Flor in wirft Huseniann vor, als Verteidiger der Schuldigen aufgetreten zu sein. Trotz Rückgang der Bergarbeiterzahl steigt die Zahl der Unfälle. Die Nichtanwendung� des Crschütlerungsschiehens hat das Unglück auf Wenzeslaus ermöglicht. Di« amtliche Unter. suchung ergibt nie etwas: wozu braucht und bezahlt man diese Leute eigentlich?(Abg. Ley(Nat.-Soz.): Ausgezeichnet!) Unserem Landtagsabgeordneten Sabotka hat der Arbeiter Knorr gesagt, wenn in unserem Bau etwas passiert, kommt keiner davon. Von t>0 dort Arbeitenden sind 7S umgekomnren.(Es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Sozialdeniokraten. Abg. Limbertz(Soz.) sagt einem Kommunisten, der fortwährend Beschuldigungen gegen Husemann schleudert:„Du lügst ja!"— Ordnungsrus.) Eine S t a h l h e l m o e r w a l tu n g im Dienst des französisckz-belgischen Kapitals steht an der Spitze. 3Z00 bis 4000 Schupo inuhten die Kumpels hindern, ihre Kameraden zu Grabe zu begleiten. Ministerialrat Rother, Leiter des preußischen Gnibensicherheits- amtes, bestreitet das Vorhandensein von Sprengstoffen aus der Hängebank in Grube Anna II(Lärm der Kommunisten). Die Kohlen- staub- und Schlagwetterexplosionen pflcge» sich sonst nicht so weit fortzupflanzen: sie werden durch die Gesteinsstaubstreuung daran gehindert. Die bisher bekannten drei Explosionen, die auch über Tage zerstörend wirken, lassen sich deswegen nicht mit dem Alsdorser Fall vergleichen, weil auf Anna II nicht die Abbaustollen, sondern nur der Hauptförderschacht zerstört wurde. Darum treffen auch die Vermutungen der Abag. Ley und Florian nicht zu, die die Ursache in der Nichtbeseitigung lokaler Wettcransammlungen sehen. Immer noch kann die Wissenschaft kein« Antwort auf die Ursachensrage geben. (Zurufe der Komm.: D Pell»««, Crepe de Chine uT erst" _.„-.--- ssigc deutsche Fabrikate, in ca. 60 Farben, ca. 05 cm breit... iWr. M 3.90 2.90 1 ____ 3erf« III 8«rl« II \/ A|m IT I n A reine Wolle mit reiner Seide, ä- VCIWUline«rppobte solide Klelderware, Z Ofl? QH schwarz und einfarbig, ca. 95 cm breit...... Mtr. M � v» V ___ Serie III Serie II» Crepe Marocai n SrSlSil«: /Lün 3 schwarz, marine u. viele mod. Farben, ca. 95cm breit, Mtr. M■ 9 w»yJ\ß -_ Serie III Serie II Cröpe Georgette SÄtt s~� /Cm vielen Farbtönen, ca. 95 cm breit........ 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W. 5, 7, 9.05 Uhr Stg. ab 3 Uhr Tonfilm: Der Tanz gehl welter mit W. Dielerle, L. Arna.— Belprogr. Odeon, PotsdamerSir.75 W. S, 7, 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Der Schuf) Im Tonfilmatclicr mit Gerda Maarus Turms tra�e 12 sV'abau Lcatnant warst da einst bei den Hasaren m. Mady Christians, Georg Alexander, Gustav Diesel Alexandersir. 39-40 (Passage) Den ganzen l ag geöffnet! Kriminal-Tonfilm; Oer Tanz weiter mit Wilhelm Dieterle geht CHE e s t e n Primus-Palast gVs.Vs'is Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretensir. Tonfilmschwank: Drei Tage Mittel- arresl m. Lncie Engtisdi. F. Scfaulz, Max Adalbert. Regie: Carl Bocic g��friedriehstadi��p Franziskaner Georgenstraße(Ecke Friedrichstraße) Eine hervorragende 3-Stundenleistung: Um 11. 2. 5, 8 und 11 Uhr Oer Kriminalist von Scotiland Yard Londoner Umenveitabemeucr Um 13. 3. 5 und 9 Uhr Pevue-Operetten-Tonfilm: Nur Dul mit Charlotte Ander, Frttz Schulz Neueste Kultur» and Wocfaensdiaa TOnendes Beiprogramm Täglich 3. 6, 9 Uhr Die Kamera Unter den Linden 14 Mann mit der Pritsche m. Falrbanks Mädel mit der Peitsche m. A. Ondra Moabit Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. 5, So. ab 3 U. 100 proz. Tonfilm: Skandal um Eva mit Henny Porten Fox-Tonwodie.— Beiprogramm Atrium Beba-Palast Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 W. 5, 7, 9 Uhr Stg. 3 Uhr: Jugend-Vorstellung Tonfilm: Der Sohn der weihen Berge mit L. Trenker.— Rajab. das Herz des Mabaradsdia. Jugend). Zutritt E Wilmersdorf""k Wochen tgs. 7, 915 Uhr Sonnabends u. Sonntags 5, 7, 9,15 Uhr Kaiserallce, Ecke Berliner Straße Tonfilm-Uraufführung: Der falsche Feldmarscfaall mit vlasta Burian, Roda Roda, Fee Matten, H. Frank (Tonfilm-Humoreske).— Tonbeiprogramm, Jugendliche haben Zutritt! Titania Schönebg. Hauptstraße 49 100 proz. Tonfilm! Henny Porten spricht singt, tanzt in ihrer Doppel rolle Kohthiesels föchicr mit Kampers. Jugendliche Zutritt W Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W, 7, 9 Uhr Sonnabend, Sonntags 5, 7. 9 Uhr Tonfilm; Da« Lied ist aus mit Liane Haid, Willy Forst.— Tonbeiprogr. ■ Sfam« W Titania-Palast ItÄ.'u. Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke Guismuchsstr Tonfilm: Das Land des Lächelns mit Richard Tauber. Musik: F. Lehär. Tonbeiprogramm. Jugendl. Zutritt! Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1 W. 5, 7. 9. Stg. ab 3 Uhr 100 proz Tonlustspiel: Znsanne macht Ordnung mit Trans ▼. Aalten Tonbeiprogramm ■»m«"■ Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 Wochcnt 5.45, 9. Sonnt ab 3. 5, 7, 9 U. Werner Ffltlerer im Tonfilm: Slndenlcn von henf (O alte Burschenherrlichkeit) Tönende Woche.— Bühne Jerigscn u Maridan. Akkordeon vi rt Zeli Artushof-Lichtspiele Perlebcrger Straße 29 Film- und Bühncnsrhau Wochent ab S'/s, Sonnt ab 5 Uhr Zyankali mit Grefe Mosheim.— Dm Mädel au» USA, mit Dlaa Gr all« Wochentags 7, 910 Uhr Sonntags 5. 7, 910 Uhr Potsdamer Str. 50 Stg. 230: Jgd-Vorst Tonfilm: Die Linden wir fin m. Käthe Dorsch.— Tönende Wochenschau g''MariendorF � M~ f i ciariendoner Wochentg l ia— Rai Lichfsnleie ah 7 Uhr Lhausseestr. 305 100 proz. Tonoperet e Zwei Herzen im Dreivierfeilakf mit Willy Forst.— Bühnentcfaaa Jugendliche haben Zutritt � �«nipeihof�l�k TiVOH Berliner Str. 97 Beg. 5. 7. 9, stg ah 3 Uhr: Jug.- Vorst 100 proz. Tonoperette; Kohlbiesels Töchter mit U. Porten, F. Kampen Hlcky Maas. Jugendliche Zutritt SOdwesten Luisen-Theater Stg. 3, 5, 7,9U. Der Ti Reichen berger Str. 31 Anf. W: 6 30 u. 9 U Kriminal-Tonfilm: Der Tanz geht wetter(ein Film aus AI Calpones Unterwelt) mit Wilhelm Dieterle Beiprogramm.— Bühnen schau Stella-Palast Köpenicker Straße 11— U Wochtgs. 63K), 9 ü. Sonnt 3, 5. 7, 9 U. 100 proz Kriminal tonfilm: Das gestohlene Gesicht mit Max Adalbert, Hans Otto Betprogramm— Bahaenicfaao Th. am Moritzplatz Beg: Wtg 5, 7. 9 Uhr Stg. ab 4 Uhr Tonfilm: Die iosttgeo Musikanten t Kämpen, Erika Gates Belprogr. (Laubenkolonie) mit Kampers, Eiika Giähncr. Ptcha.—"'"' Neukölln Mercedes- Palast Hermannstraße, Ecke Jägerstraße Anfang; Wchtgs. 6.45, 9. 5 tgs. 3, S, 7. 9 U Tonlustspiel: Das Kabinett des Dr. Larifari 1000 Worte Ulk Grogc BOhncnschan ITiiln.te Wochent 6,45, 9 U. rVUKUK Sonntags 3. 5. 7. 9 U. Kottbusser Damm 92 lOOproz. Tonfilm! Kriminaltonfilm: Das gestohlene Ge» sicht m M. Adaiber L— Tonbeiprogr Fxcelsior Wocbeni 6.15,' 9 U. Sonnt 3, 5. 7. 9 U. Kaiser-Friedrich-Straße 191 Tonfilm! Das alle Lied mit LR Dagover, Llcn Ocyers.- M dty Maos Sonnabend 3 U gr. Märdtenvorstellg. Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab 5 U-, Stg. ab 3 U. Kriminaltonfilm; Der Tanz geht weiter mit Wilhelm Dieterle, Anton Polnlncr. Beiprogr. Urania Tonflim-Varictä W. 6 15, Stg 5 U Wrangelstraße 11(an d. Köpenicker Str.) Erlebnis einer Nacht mit Igo Sym, Tom Mix.- König Cowboy Kapelle.— Bühnenschau Sternwarte— Treptow Sonnabend 8 Uhr, Sonntag 1, 6, 8 Uhr: Auf griechischen Meeren.— Ferner; Das anbekannte Parts.- Filme „Elysium Prenzlauer Allee 56 W. 5.15. 7. 9.15. S. 3.15. 5. 7.15, 9 15 Uhr Tonfilmkomödie; Oer keusche Josef mit H. Licdtke Groge Bübnenschan Mila-Lichtspiel-Palast Schönhauser Allee 130 VV. 5'?, S. 4' 2 Tonfilm; Der Sohn der weisen Berge mit Lais Trenker. Bühncnschan Viktoria-Liditbild-Th. Frankfurter Allee 18 Woch. 5. 7, ca 8-15, Stg. 3, 5. 7, 8.15 U. 100 proz. Großtonfilm. Die losfigen Musikanten m. Camilla Sptra Tönendes Beiprogramm Stern. Hermanmtra�e 49 Wochentags 6 15, 9, Sonntags 3. 5. 7. 9 U. Tonoperette; Leutnant warst da einst bei den Husaren m Mady Christians Tonbeiprogr anun sado»ten Filmeck Skalitzer Straße, am GSrlitzer Bahnhof Beginn Wochentags: 6J0 und 9 Uhr Sonntags: 3, 5, 7, 9 Uhr Tonfilm: Väfcr and Söhne mit Rad. Rtitncr Beiprogramm Flora-Lichtsp. Wochent 6.20, 9 U. Sbd. S V, Stg 3 U. Kriminal-Tonfilm: Der Tanz gebt weller m Wilhelm Dieterle.— Meine Schwester und Ich m Mady Christians ■ 0't«n■ Germania-Palast Frankfurter Allee 311 Beginn der ersten Vorstellungen: Wochemg. 6 30, Sbd. 5, Stg. 3 Uhr Trolka(Dreigespann der Liebe) mit Olga Tschechows, Hans A. von Schiefiaw Gates Beiprogramm Anf der Bühne: Bai als lea-Orchester Darydoft A IV,»-—K—r» Woch. ab 6 30 Uhr AlnamDra Sonnt ab 1 Uhr Koppenltraße 29 Stg. Vi3 gr Jugend- V. Das aosgezeicbnele Filmprogramm sowie BÖbnenschaa Kosmos-Lichtspiele Lückstraße 70 100 proz. Tonfilm: W 5, 7, 9 U, Stgs. 5. 7. 9 U Bockbiertesi mit Ida Wüst, Hans A. T. Schlettow. Tonbeiprogramm Kino Busch Alt-Friedrichsfelde Dcipiogramm Millionen am ein Weib mit George Bancroil.— Wenn die Großstadt schläft mit Loa Chancy f W WelPansee''| Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 206—210 Bübnenschan Walzer im Scfalafcoap6 m. Fr. Schulz Jonny braucht Geld m. R. la Rocque aillAmKrA Müllerstraße 136, •TVinamora Ecke Seestraße Pal und Palacfaon als Kanstschützcn. Bühnen schaa. Volles Orchester. Ab Montag: Oer keusche Joseph Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Oer Kuß mit Gr. Garbo.— Dm Gespenst». Balfoor-Haus(Um Mitter nacht).— Bühne Georg Tucher Schwarzer Adler In«« Woch. 5. 7. 8.45. Stg. 3. 5. 7. 8.45 U- lOOproz. Tonposse: Pension Schüller mit Kampers, Elga Drink Tönendes Beiprogramm Comcnius-Lichtsplelc Memeler Straße 67 Anfang; S, 7, 9 U. Tonfilm: RbetalandmtdeL— Die belli gca drei Brunnen,— Belprogr. Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S. 3Vj U. Tonfilmlustspiel: Bockbiertesi mit r. Schlettow.- Der Doppelgänger Colosseum �abVuUf Schönhauser Allee 123 Tonfilm Die anvollkommene Ebe m. Butter Kcaton.— Lustige Bühncnschau Jugendliche haben Zutritt Pankow Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 6.30, 9. Stg. 4. 6.30. 0 100 proz. Ton f. Dolly macht Karriere mit Dolly Haas, Alfred Abel, Carl Gerron.— Beiprogramm Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 W 630. 9 LL Stg. ah 4 U. lOOproz. Tonfilm: Komm' zomlrzom Rendezvous.— Beiprogramm Film-Palast ühönbäu«-» Blankenburger Str. 4 So ZVa Jgd.-V. Wöchig 6.30, 9 U, So. 4 30, 6 45. 9 U Tonfilm: Zweimal Hochzeit in. L.Haid R. A. Roberts.— Mlcky Maus W Tegel O Filmpalast Tegel suaS� S1' Stgs- 2 U Jgd.- Vorst. W.6, Stg. 4V« U. Pal u. Patachon als Kunst? ch Otze Oer blaue Expreß(Russenfilm> Bühne; Zigeuner kl äcge Pharus-Lichtspiele Müllerstr.142 W.5.7.9U 100 pror. Tonfilm Die singende Stadt mit Brigitte Helm, Jan Klepora, Georg Alexander Tonbeiprogramm. Jugendl. Zutritt Marga-Lichtspiele Schulstraße 29 100 proz. Tonfilm Ein Barschenlied aas Heidelberg m. Willy Forst, Betty Blrd.— Masken mit Stuart Webbs. Lustig. Belpr. Prat er- Lichtspiel-Palast Kastanicnallee 7-8 W. ab 5, Stgs. 3'/, U. Oer Kuh m. Greta Garbo.— Pal und Patariinn im Praier. Babqensch, „Kosmos" Filmbühne Hauptstraße 6 Beg. 6 Uhr, 830 Uhr Komm' zu mir zum Rendezvous. mit Ralph A. Roberts, Lade EntUsch. A-d. Bühne:.Preisdirigieren" Union-Theater Hauptsu ß Stg. 2 J gdvV. W ö, ti1.:, Stg. 41A. 6� 8*4 U- Letzte Warnung m. Laura 1a Plante Tain, das Rätsel im Weibe Filmpalast stg. AZ'k'u. Berliner Straße 59 Stg. 2U.|ug.-VorsL Tonfilm: O alle BarachenhenUch- kett. Aul Klangfflm-Apparauir (Beilage Freitag, 12. Dezember 1930 SprAlvnd //■»//! VO+UX2S& BERLIN BERLIN PRAC-WIEN-RE«EN$BUR� RANDCLOttBN ZU EINER BERUFLICHEN AUTOREItE/ von viktor schiff III. Nach den soeben gesammelten Erfahrungen mit den tschecho- slowakischen Straßen hotte ich beschlossen, zur Schonung d«s Wogens. der Reisen und der Nerven über Linz— Pafsau— Regensburg— chof zurückzufahren, obwohl dies einen Uniweg von über 300 Kilometer bedeutete. Schlimmer war mir allerdings der Gedanke, die 900 Kilometer lange Rückfahrt ganz allein absolvieren zu müssen. Denn auf einsamer Fahrt erscheint einem jeder Kilometer doppelt und dreimal so sang. Zum Glück gelang es mir in letzter Stunde, den Genossen Dr. Breitschcid zu überreden, mir wenigstens bis Passau, vielleicht sogar bis Regensburg Gesellschaft zu leisten. Bei Regen verließen wir Wien am zweiten Bormittag nach der Wohl. Es gibt kaum eine Hauptstadt in West- und Mittel- europa, ausgenommen vielleicht Bern, die in unmittelbarer Nähe soviel landschaftliche Reize bietet wie Wien. Der gebirgig« Wiener Wald fängt bereits innerhalb der Vcrwaltungsgrenze der Haupt- stadt an. Eine breite, gutgepflegtc Straße steigt.langsam, ober nur auf kurze Zeit: denn bald ist die Höhe des Riederberges er- reicht, von der man überraschend einen herrlichen Rundblick auf die tiefer liegende, nach Norden weit ausgestreckte Donauebcne gewinnt. Dann geht es hinunter in breiten, tadellos angelegten Kehren nach St. Pölten und Melk mit dem ungeheuren Barock-Stift auf einem Felsenhügel am Donauufer. Nur ganz kurze Zeit fährt man an der Donau, um so länger an der Bahulinie entlang. Die Landschaft ist ruhig und freundlich, aber nicht hccvorragcitd. Man passiert Amstetten, bald danach zeichnet sich bei E n n s im Süden eine Gebirgskette der Boralpen, von der man jedoch stets in respektabler Entfernung bleibt. Zu- letzt wird die Straße ganz hervorragend und nach fast vierstündiger Fahrt ist man in Linz, nach Wien und Graz die drittgrößt« Stadt in jeneni Landesrest, der Oesterreich verblieben ist. lind doch: wie klein städtisch muten einem diese größten Provinz- städte Oesterreichs an! Eisiger Wind wirbelt am Donauufcr, als wir nach dem Mittag- essen.zur Weiterfahrt tanken. Das Wetter hat sich bisher gehalten, dach die schwachen Durchbruchsversuche der Sonne sind schnell durch große Wolkenwände wieder abgeschlagen worden. Bon Linz führt die Straße nach Passau einige Kilometer lang unmittelbar am be- waldeten hügeligen Donauufer entlang, leider verläßt man den Fluß lehr bald und wird ihm erst 100 Kilometer später in Passau selbst-und in tiefster Dunkelheit wieder begegnen. Die weitere Strecke, ist. einer großen intcnwtionalcn Berbindung. wie es eigentlich die Route Rcgcnsburg— Passau— Wien sein sollte, nicht würdig. Unglaublich ist«bfr die Zahl der Krümmungen und der Steigungen. Man kommt sich vor, wie auf der B e r g- und Talbahn eines Rummelplatzes: Rauf, runter, rauf, scharf rechts, runter, scharf links, scharf rechts, rauf, runter, und so weiter— und dies während fast 100 Kilometern, für die man fast drei Stunden benötigt. Breitschcid ist gewiß ein sehr.angenehmer Reisebegleiter, nur hat er eine Eigenschaft, die auf solcher Strecke geradezu gefährlich ist. Er verfügt über einen schier unerschöpflichen Schatz von Anek- boten und Witzen, den er auf jeder neuen Reise anscheinend wieder ergänzt: er versteht es auch sehr gut, diese Erzählungen anzubringen, sogar mit dem entsprechenden Dialekt. Z u gut sogar! Denn, mag es auch in jeder anderen Situation inchts schaden, wenn man sich vor Lachen nicht halten kann, auf dieser Strecke Linz— Possau muß man sich als Chauffeur halten können, damit man auch dos Steuerrad stets unter schärfster Kontrolle hat. So mußte ich bald nach Linz Breitschcid ernstlich ermahnen, die Pointen seiner Witze nicht immer gerade in den Kurven anzubringen. Und da es bis Passau immer nur Kurven gab... Wieder in Deutschland. Abermals und zum letzten Male zeitraubende Zoll-, Tryptik- und Stcuerforinalitäten: man ist wieder in Deutschland. Ich begrüße wieder die Donau von einer eisernen Brücke herab: später stellte sich ertlerdings heraus, daß es nicht die Donau, sondern der Inn war. Roch einmal gelang es mir, Breitschcid trotz seiner Müdigkeit, seiner fortschreitenden Erkältung und seiner von jetzt an gültigen Frcifahrkarte zu bewegen, mich noch die restlichen 12S Kilometer des vorgenommenen Tagespensums, also bis Regensburg, zu be- pleiten, wo wir zur rechten Zeit für feinen Berliner Nacht-V-Zug jedenfalls eintreffen würden. Wieder, wie einst in Zinnwald an der tschechischen Grenze, war der Unterschied zwischen den Straßen verblüffend. Alle Achtung vor den bayerischen Chausseen! Preußen kann auf diesem Gebiet von Bayern noch allerhand lernen, vor allem die Provinz Brandenburg mit ihren blödsinnigen, mörderischen Sommerwegen, die eins sonst in Deutschland glücklicherweise keiner nachmacht und auf die der Wahlspruch zutrifft: Hie schlecht Branden- bürg oll« Wege! Durch den regnerischen, kalten Abend arbeitet man sich durch. Nicht eine Spur von Landschaft außer dem grauen Band der Chaussee im Lichtkegel der Scheimverfer, in dem ab und zu ein auf- geregter Hase hin und her hüpft, bis ihm schli-ßlich der rettende Seitensprung in die Nacht einfällt. Erstaunlich menschenleer sind in diesen frühen Abendstunden die wenigen Städte, die man passiert: P. l a t t l i n g, Straubing. Erst R e g e n s b u r g, wo wir gegen 10!-- Uhr abends ciniaufen, macht einen nicht völlig aus- gestorbenen Eindruck. Gegen 1 Uhr nachts geleite ich Breitscheid zur Bahn und nehme todmüde von ihm Abschied: nicht ohne einen gewisien Neid denke ich daran, daß er schon am nächsten Morgen daheim sein wird, zu einer Stunde, wo mir noch 190 Kilometer, dazu noch allein am Steuer, bevorstehen werden. Und doch werde ich diesen letzten Tag nickst zu bereuen haben. Er war viel abwechselungs- und lehrreicher, als ich es mir gedacht hatte. Etwas allzu gründlich ausgeschlafen, fahre ich erst gegen 10 Uhr vormittags los. Ein Blick auf den Dom, dessen gothische Türme um so imponierender in den Himmel schießen, als die Häuser um ihn sehr niedrig sind. An cincni dieser Patrizierhäuser er- «raert eine Morrnorterfof deren, daß Kaiser Napoleon dort sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte: offenbar der Dank vom Hause Wittelsboch an den„Erbfeind", der ihn, die Königskrone gnädig schenkte. Land in Not. Sonne und Regen wechseln in schneller Folge ab, je mehr man nach Norden kommt, desto dunkler die Wolken, desto sellener die Strahlen. Alle Städtchen haben einen eigenartigen, verträumten, romantischen Reiz. Doch wird dieser Eindruck überschattet durch «ine Beobachtung, die sich überall wiederholt: an den.Hauptplätzen, vor allem vor den Rathäusern, stehen dichte Gruppen von jungen und alten Männern in arbeitsfähigem Alter und starren ins Leere: Erwerbslose, die gestempelt haben und nun warten, warten auf das Wunder, dos ihnen die ersehnte Arbeit verschaffen soll. Diesen?lnblick habe ich schon auf der Hinfahrt durch die Nieder- lausitz gehabt, weniger häufig in der Tschechoslowakei, um so auf- fallender in Niederösterreich, besonders in dem Bezirk von Wiener- Neustadt. Aber nirgends aus der ganzen Reise tritt die Plage der Wirtschaftskrise so offensichtlich zutage, wie in der Obcrpfalz. Man begegnet fast nickst einen, einzigen rauchenden Schornstein, dafür ist die Landstraße übevsät mit arbeitslosen„Tippelbrüdern" aus ollen Berufen und in allen Altersstufen. Schon hundert Kilometer»ach Regcnsburg begann ich, solche wandernden Arbeitslosen ein Stück Wegs nntzunehmen, sobald sie durch Zeichen diesen Wunsch äußerten. Ich war oft mit allen möglichen Argumenten davor gewarnt worden. Aber der Anblick dieser armen Teufel, die in Regen, Wind und Kälte mit dünner Kleidung wonderten, überwog alle Bedenken. Außerdem wollte ich ja Gesellschaft haben. Ich brauchte es übrigens nicht zu bereuen. Es war vielleicht unvorsichtig, daß ich in einem Falle sogar zwei aus«imnal einsteigen lieh, ober gerade in diesem Augenblick waren die ersten Schneeflocken gefallen und die beiden, ein Aller und ein ganz Junger, sahen so erfroren aus.„Wohin wollt ihr?"„Noch Weiden, dort gibt es vielleicht Arbeit." Ein Blick auf die Landkarte belehrte mich, daß uns noch 33 Kilometer von-Weiden trennten. Für die beiden also ein ganzer Tagesmarsch, im Wagen dagegen nur eine knappe halbe Stunde. Also rin! Ich stellte Fragen, ließ mir er.zählen: der Alte stammt ans Wien, war früher Holzarbeiter, natürlich orgamsiert, seit Monaten erwerbslos versucht er mm, Gelegenheitsarbeit in der Landwirtschaft zu leisten, jetzt ist freilich tote Zeit: aber in Weiden hofft er... Der Junge ist Hamburger, Hafenarbeiter: warum er ausgewandert und wie er ausgerechnet nach Niederbaycrn gekommen ist, danach frage ich lieber nicht. � Mich interessiert natürlich, wie das. Arbettslojcnschukso! auf ihn politisch gewirkt hat:„Ich habe noch nicht gewählt, ich bin erst 21 Jahre alt."„Dann haben Sic doch längst das Wahl- recht." Daraus die verblllssende Antwort, die die ganze politische Ahnungslosigkeit des jungen Menschen enthüllt:„Bei uns in Hamburg noch nicht.zi am: Wir bitten, Me Anfragen an„BeUaaeredaltion des„Abend", Abt, Eltcrnberatung, Berlin SW BH, Lindensir, 3", unter genauer Angabs der Adresse des Absenders(die natürlich als Redaktions- gehcimnis betrachtet wird) zu richten. Wer ist SFziehev? Bismeilcn wird die Frage aufgeworfen: Wer ist der Erzieher «>ez Kindes: Bater, Mutter oder beide, oder die Schule und noch andere Personen? Darauf kann man nur antworten: Einer allein kann nicht Erzieher sein. Wenn eine Mutter oder ein Bater erst einmal eingesehen haben, wie wenige Menschen es gibt, die vorn wirklich neuen Geiste der Erziehung beseelt sind, so keimt in solchen Personen der Ge- danke auf: Mein Kind werde ick) nach Möglichkeit davor bc- wahren, von unberufenen Händen verdorben zu werden. Und wenn dann dieselben Menschen alsbald die Erfahrung machen, daß es sehr schwer ist, alle die Personen, die mit einem Kinde zusammen- kommen, von gelegentlichen erzieherischen Einflüssen auszuschließen, so neigen sie schließlich dazu, das Kind so weit wie möglich im eigenen Hause zu halten und von der Umwelt abzusperren. Bc- sonders enthusiastische Mütter, die vereinzelte Brocken neuer Er- ziehungsweisheiten aufgeschnappt haben, versuchen bisweilen, so- weit es ihnen ihr Beruf erlaubt, immer um ihr Kind zu sein, es nie„unbeaussichtigt" zu lassen, und richten in Wirklichkeit erst recht das Kind damit zugrunde. Zwei Ueberlegungcn dieser Eltern sind richtig: Erstens ist es richtig, daß der weitaus größte Teil aller Menschen nicht die geeigneten Personen für eine gute Kindcrerziehung sind. Und zweitens stimmt es leider auch, daß auch bei größter Zurückhaltung dieser Personen jedes Zusammensein des Kindes mit ihnen üble Folgen hoben kann: denn es erzieht ja immer das Borbild, das gute wie das schlechte. Aber der Bersuch, deshalb solche Personen von allem Einfluß auf das Kind auszuschließen, ist trotzdem zum Scheitern verurteilt und sogar von noch größerem Nachteil sür das Kind. Jede menschliche Erziehung verfolgt den Zweck, Kinder, also Menschen mit den Instinkten und der Lebensweise primitiver Bölker, in den heutigen Zustand der zivilisierten Welt einzuführen, aus daß sie sich darin zurechtfinden, und sich womöglich den fortschrittlichen Strömungen anschließen. Das Kind soll also einmal als Er- wachsener den Anforderungen dieses Lebens gewachsen sein und in ihm selbständig handeln können. Wir haben mithin die Auf- gäbe, keine Illusionen zu züchten, sondern das Kind von Anfang an vor die Wirklichkeit des Lebens zu stellen. Das ist der Grund, warum Jsolierungsmaßirahmen das Kind sehädiaen. Diese Versuche, eine ausschließliche Beeinflussung von einer Seite herbeizuführen, sind ober nicht nur schädlich, sie sind letzten Endes gar nicht durchführbar. Denn Er- zieher ist nicht nur Vater und Mutter, der Lehrer in der Schule, sondern alle Menschen, di« gerade mit dem Kinde zusammen- komme» oder deren Werke auf dos Kind einwirken. Mit anderen Worten: Erzieher ist die ganze heutige Gesellschaft. Es muß ober unbedingt vor einem salschen Schluß gewarnt werden: daß es richtig sei, die Kinder überhaupt nur dem Leben und seinen Einflüssen, guten und schlechten, zu überlassen, daß man sie sozusagen wild aufwachsen lassen solle. Wohl ist die Gesellschaft ein wichtiger, ja sogar ein nicht ausschaltbarer Er- ziehungsfaktor: sie ist aber nicht der einzige Erziehungsfaktor. Neben der Gesellschaft erzieht die Persönlichkeit, also vor allein die Eltern und die Berufserziehcr. Diese Personen haben die wichtige Aufgabe, dem Kinde durch ihr eigenes Vorleben und durch Erklärungen die Orientierung in dieser Welt zu er- leiehtern. damit es gut und böse erst einmal unterscheiden lerne. (Was„gut" und was„böse" ist, wird natürlich von der Welt- anschauung der Erzieher abhängen.) Der Erzieher soll dem Zögling ein Kompaß durch das Meer der heutigen Gesell- schaft sein. So steht der Erzieher mit den schlechten Einflüssen der Gesell- schast in immerwährendem Kampfe, er kämpft mit ihnen um das Kind; aber er muß den Kampf ehrlich mit einem gleichwertigen Gegner führen, er darf die Gesellschaft nicht teilweise ausschließen wollen. Man sieht also, der Einwand, die Landerziehungsheime und ähnliche Musterschulen, in denen die Kinder eine Zeitlang ihren eigenen Gesetzen leben,„verweichlichten" die Kinder, greift nicht durch. Es kommt immer auf die Erziehungsmethode an. In wirk- lich guten Heimen wird schon dafür gesorgt, daß in einem inodernen Anschauungs- und Arbeitsunterricht(der in der Stadt trotz aller gutgemeinten ministeriellen Erlasse leider undurchführbar ist) das Kind die Welt s o sehen lernt, wie sie wirklich ist. Dos allerwichtigste, was alle Eltern tönneit, ist, daß sie ihren Kindern die besten Eltern aussuchen, die würdig und fähig sind, den Kampf mit den bösen Mächten aufzunehmen, und die doch in bisweilen weiser Zurückhaltung dem Kinde den lehr- reichen Anschauungsunterricht des Lebens nicht vorenthalten. Eltern lebt so, daß euer Vorbild imstande ist, eure Kinder für den Kampf des Lebens auszu- rüsten! Wie scbüfxt man sieb vor Svcß* muffern? Frage: Ein Vater fragt an: Ich bemühe mich immer, meine beiden Töchter, 10 und 8 Jahre, an Bescheidenheit im Essen zu gewöhnen. Wenn es Kuchen gibt, habe ich ihnen gesagt, man ißt entweder ein Stück ganz, oder wenn man keinen Hunger hat, so läßt man es ganz liegen: aber man pollt nicht die Rosinen heraus. Und nun ist neulich m e i n e a l t e M u t t e r zu Besuch, und in Gegenwart der Kinder polkt sie sich die Rosinen aus dem Kuchen. Natürlich sagen dann die Kinder, wenn ich ihnen das wieder einmal verbiete: Die Großmutter hat es ja auch so gemacht. Was soll man da tun? Antwort: Freilich ist die Situation für Sie etwas peinlich: denn Sie stehen hier gewissermaßen zwischen Ihrer Mutter und Ihren Kindern im Kreuzfeuer. Eine ausführliche Antwort ist nach den obigen Ausjührungen wohl kaum nötig. In diesem bestimmten Falle wird es vielleicht zunächst einmal ganz angebracht fein, wenn Sie unter vier Augen mit Ihrer Mutter sprechen und sie auf die schlechten Folgen dieser Nachlässigkeit für die Kinder hinweisen. Zlm besten ist jedoch etwas anderes, und' dos müssen Sie ohnedies tun, wenn Ihre Rücksprache mit der Großmutter keinen Erfolg hat: Sie müssen Ihren Kindern sagen, daß alte Leute, die in ihrem Leben fleißig gearbeitet und sich gequält haben und die so manche Sorgen und so manchen Kummer durchgemacht haben, an ihrem Lebensabend gewisse Dorrechte genießen können. Die Alten können sich ruhig ein wenig gehen lassen, wenn es ihnen bequemer ist: denn sie haben es sich redlich verdient. Das'wird den Kindern den Blick sür das Leben öffnen. €in 2>ur ebbrenn er Frage: Ich wohne allein mit meinem Jungen(1t Jahre) und einer kleinen Tochter. Mein Mann war Arbeiter und ist im Kriege gefallen. Der Junge ist vollkommen in seine Indianer- geschichten und Robinsonadcn verstrickt. Mindestens einmal im Monat brennt er durch, und inan kann ihm eigentlich doch nicht so recht böse sein: denn er macht es immer aus so komische und humorvolle Weise, daß man mehr seine Schlauheit bewundern inuß. Aber wenn er weggeht, zittere ich immer wieder, daß er nicht zurückkommt. Kann man den Jungen ändern? Antwort: Leicht werden Sie den Jungen nicht ändern können. Denn er ist gerade in dem Alter, das»tan das Bastelalter und das Robinsonalter nennt. In diesen Jahren sind namentlich die Knaben bemüht, sich mit dem bisher erworbenen Wissen und ihrer Handfertigkeit ihre eigene Welt selbst aufzubauen, nur das Werk ihrer eigenen Arme und ihres eigenen Geistes macht ihnen Freude. Und das ist gut so: denn sie erproben sich dadurch sür das Leben. Da kommt es natürlich leicht vor, daß so ein Junge, wenn die Häuslichkeit ihm nicht genügend Gelegenheit zu eigener Be- tätigung bietet, siä) lieber im selbstgemachten Kanu aufs Wasser setzt, lieber im selbstgebauten Zelt übernachtet, lieber mit den anderen Knaben ein Indianer- oder Robinsonleben jllhrt. Die Ursache für das ständige Ausreißen Ihres Sohnes ist ebenso leiäst gefunden, wie Abhilfe schwer ist. Ihm ist es zu Haufe zu langweilig, ihm fehlen dort die Gespielen. Sich andere Jungen? einzuladen, dazu wird Ihnen das Geld fehlen, und Sie werden auch kaum eine Möglichkeit haben, den Knaben die nötigen Schlupfwinkel für ihre Abenteuerspiele zu verschaffen. Die münd- liche Erziehungsberatung wird Ihnen auch schwerlich einen anderen Weg weisen können. Also: entweder Robinson oder Winnetou zu Hause oder draußen in der„wilden Natur", wo es nicht nur„be- quemer", sondern auch viel romantischer ist. Schließlich ist ja diese Art Ausreißer harmlos und kommt doch immer wieder zu Muttern zurück, weil es zu kalt wird, oder weil man Hunger hat. Allmählich hat auch diese Periode ihr Ende, und dann wird der Junge von selbst wieder regelmäßiger leben. Ihn inter- cssieren dann andere Dinge: Sein Beruf und die Mädchen Doch müssen Sie sich darauf gefaßt machen, daß solche selbstäitdigen und phantasiebegabten Naturen wie Ihr San auch später zieinliche „Draufgänger" werden. Aber„wenn sich der Most auch noch so wild gebärdet, es gibt zuletzt doch noch Wein", sagt Goethe. eßjudk denen und der Verräter an der guten, alten Zeit. So wird das Buch Jldam Scharrer.Aus der Art geschlagen" Das Buch mit dem Untertitel„Reisebericht eines Arbeiters", das im Bücherkreis erschienen ist, beginnt ungefähr am Ansang des Jahrhunderts und endet mit dem großen Werftarbeiterstreik 1913. Heinrich Sperber, Sohn eines Hirten, der Rebell gegen die alle Orb- nung, muß auf die Landstraße hinaus, sowohl der Not gehorchend als auch dem eigenen Triebe folgend. Er wechselt die Berufe, und dieser Rebell, der Entwurzelte, fühlt schließlich seine Artverwandt- schast mit dem städtischen, organisierten Proletariat und findet bei ihm die Bindung, die Gemeinschaft. Aus der Lehre entlaufen, vagabondiert er durch das Leben, ar- beitet, wenn es die Gelegenheit ergibt, bettelt, liebt und leidet unter dieser Haltlosigkeit. Der Bericht der Wanderschaft in ungeschminkt, und genau so wahr wie die Trampitoocllen„Abenteuer des Schienen- strangcs" von Jack London. Das Wandern auf der Landstraße, auch in den schönsten Gegenden, ist ketn Genuß, sondern ein hartes, zwingendes Muß. Die landschaftlichen Reize wirken nicht, wenn der Magen leer ist. Diese Ritter der Chausseen sind entromantisiert, ein warmes Abendessen bleibt ihnen das erstrebenswerte Ideal. Aber diese Schilderung des Wanderlebens zeigt noch mehr. Scharrer entwirst dabei auch ein Bild von der sozialen Lage dieser Zeit, von den Handwerksmeistern, den Kleinbürgern und den Bauern. Alle leben noch in den Anschauungen vergangener Epochen, sie wittern keine Morgenluft. Ein Organisierter ist ihnen ein Abschaum der Menschheit, das Gewcrkschoftshaus das Institut der Unzusrie- zu einem Dokument über das und zu einer Kritik an dem schützte. Scharrcr schildert, erzählt. halten ein sachliches Aussehen bürgerliche Leben der Vorkriegszeit Obrigkcitsstaat,. der nur den Besitz Menschen, Zustände und Dinge er- Sic treten nicht plastisch hervor, sie sind nur mit ein paar Strichen hingesetzt, aber sie ergeben in ihrer Gesamtheit das Bild dieser Zeit. Schreibt Scharrer nun auch kühl und objektiv, ohne ausgesprochene Stellungnahme, läßt er die Dinge durch sich selbst wirken, und diese Wirkung ist eine Anklage, so bricht bei ihm doch hin und wieder ein romantisches Empfinden durch nur andeutungsweise in der Skizze einer Landschaft oder in ein paar Sätzen, die rÄkschauend auf der Jugend des Heinrich Sperbers verweilen. Lelix Schcrrct. Auto, Sehiii und Slugzeug Fuhlberg. Horst; Auto, Schiff und Flugzeug. (Verlag Ullstein, Preis 5 Mark.) Ein Buch von Flug und Fahrt. Ein Buch von Technik und Abenteuern. Ein interessantes und lesens- wertes Buch, in dem alles enthalten ist, was rnan eigentlich von der Vckehrstechnik wissen müßte. Es gibt keine langweiligen Stellen in diesem Band, keinen Formelkram, der den Laien nieistens vom Lesen technischer Literatur abhält: alles wird in flottem Rcportagestil ge- schildert und ist mit einer Auswahl sehr guter Photos versehen. Wir erleben, wie sich die Technik durch die Jahrhunderte frißt, wie sie Kultur und Zivilisation beeinflußt: vom Rausch der Geschwindigkeit erzählt dieses Buch und von der mühevollen, meist verkannten Arbeit genialer Köpfe. Vom ersten Auto bis zur Gegenwart. Vom Flug- zeug der Brüder Wright bis zum Raketenflug. Vom ersten Dampf- schiff bis zum Ozcanriesen. Eine Fülle von Materiol ist in zwei- hundert Seilen gepreßt worden. Ein Buch für die Jugend, die in der Technik das große Abenteuer sucht. Hardy Worin. •• PUR DEN KLEINGÄRTNER «iuuiiimnmnnMniiiiiiuiiinniiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiii>:i:ii:u:muiiiiuiiiiimiuiimiuuiiinmnuiiimimiiiinm:uiimii:umuiiiiiiiiiiiiiiiiuuiiiiiiuuiiiiii|iiiuiuiiiuiiiiuiiiiigmumiiimi Empfehlenswerte Gemüsesorten Man hört so oft: Samen kauf ist Bertrauenssache, was aber doch nur ganz stimmen würde, wenn dem Verkäufer die speziellen Eigenschaften des betreffenden Landes bekannt wären. Eine dankens- wert« Zusammenstellung von erprobten Gemüse- s ä m e r e i e n hat die Landwirtschastskammer Niederschlesien ver- öffentlicht, und'da unsere Gebiete nicht zu große Unterschiede gegen- über Niederschlesien ausweisen, wird ihre Kenntnis manchen! willkommen sein. Die Liste gibt auch die Saatgutmenge sür je 109 Quadratmeter an. Grünschotige Buschbohnen: Hin- richs Riesen ohne Fäden, Saxa mit und ohne Fäden, Konserva. Menge 1 bis 1,5 Kilo je nach Größe des Saatkorns. Stangen- b o h n e n: Grünsch. Meisterstück(verbesserte Phänomen) 0,75 bis 1 Kilo. Pfahlerbsen: Saxa(69 Zentimeter), Maikönigin(69), beide früh. Bountiful(199), Schnabel(139). M a r k e r b s e n: Tele- phon(129), Ideal(39)/ Wunder von Amerika(39). Menge 1,5 bis 2 Kilo. Freilandgurken: Liegnitzer mittellange Einleger, Dänische Senf, Grochlitzer. 39 bis 49 Gramm. Blumenkohl: Erfurter Zwerg, Leeerf, Dänischer Export. 7 bis 8 Gramm. Weiß- kohl: Früh: Dithmarscher, mittel: Ruhm von Enkhuysen, spät: Amager und Magdeburger. 8 Gramm. Rotkohl: Früh: Haco, spät: Holländischer Export. 8 Gramm. Wirsing: Früh: Eisentops, spät: Vertus. 8 Gramm. Kohlrabi: Weißer Deli- kateß, Dreienbrunner, Weißer engl. Glas. 29 Gramm. Rosen- kohl: Fest und Biel. 19 Gramm. Grünkohl: Halbhoher dunkelgrün mrd mooskrauser. 19 Gramm. Kohlrüben: Gelbe Schmalz. 19 Gramm. Rote Rüben: Aegyptische plattrunde. 59 Gramm Karotten: Dantes(haldlang), Duwicker(kurz). 199 Gramm. Wurzelpetersilie: Halblange Berliner, Lange, glatte Späte. 75 Gramm. Poree: Brabanter Winter. 39 Gramm. Radi es: Saxa, Eiszapfen, Rundes, scharlachrotes mit weihen Spitzen. 129 Gramm. Rettich: Früh: Weiß Delikateß. 199 Gramm. Für Herb st und Winter: Weiß Münchner Bier. Runder Schwarzer. 89 Gramm. Salat: Maikömg, Bohemia. 5 Gramm. Schwarzwurzeln: Russische Riesen. 299 Gramm. Sellerie: Riesen Alabaster. Prager Riesen, Apfel. 19 Gramm. Spinat: Juliane(Frühjahrsanbau), Gaudry(Fxiihj-chr und Herbst), Liktoria(Sommer), Eskimo(Ueberwinterung). 299 Gramm. Tomaten: Koichine Recd(verbesserte Tuckwood), Bonner Beste (nur Freiland). 5 Gramm. Zwiebeln: Zittauer Riesen. Liegnitzer. 199 Gramm. Als Kunstdüngemittcl einpsichlt das Merkblatt bei stark zehrenden rcsp. mäßig zehrenden Gemüsen: Im Frühjahr pro 199 Quadratmeter 5(4) Kilo Superphosphat. 5(4) Kilo Kalimagnesia, 3(1,5) Kilo Salpeterstickstosf. Dazu im Herbst 499 Zentner Stallmist pro Morgen rcsp. 299 Zentner. Zur Kalkung pro Morgen 8 bis 19 Zentner. Umpflanzen von Kakteen 2ln den kleinen Töpfen, in denen sich die meisten Kakteen be- finden, erficht man schon, daß die Genügsamkeit in bezug auf Nahrungsoerbrauch«ine sehr große ist. Wenn also doch ein Um- pflanzen nötig wird, so wähle man einen nur wenig größeren Topf, lege aber besonderen Wert auf die Erd Mischung, die man hineintut. Sic soll möglichst durchlässig sein, etwa aus Kompost. altem Lehm, Lauberde, Sand, etwas Steinbeigabe wie ganz klein zerschlagenen Ziegelsteinbröckchen bestehen. Am besten dürste der Bezug einer solchen Erdmischung oder wenigstens ihrer Bestandteile aus einer Gärtnerei sein. Auf den Boden des Topfes lege man einige Scherben für den Wasserabzug. Ein Stutzen der Wurzeln hat mir dann zu erfolgen, wenn faulige Teile beseitigt werden müssen. Man benutze die Gelegenheit, die Pflanzen von ollen Schädlingen, namentlich den durch die trockene Zinnnerlust sich leicht einstellenden Läusen, zu befreien. Beim Angießen nehme man angewärmtes Wasser. Umveredlung von Obstbäumen Allmählich stellt sich auch in Deutschland die verständige Ordnung ein, daß man es dem Privotliebhaber überläßt, ein großes Sortiment von Obstbäumen zu führen, während der eigentliche Obstbauer sich auf wenige wirtschaftlich besonders geeignete Ob st- s o r t c n beschränkt. Es ergibt sich dies durch Neuankagen in einheit- lichen Sorten und durch Umveredlung in diesen Sorten. Auf der diesjährigen Tagung der deutschen Obstzüchter in Ravensburg führte der Münchener Redner Herr Trentle aus, daß in Süd- d e u t f ch l a n d, dessen Obstanlagen 57 Proz. des 1927 auf 78 255 Hektar sestgestellten Obstgebietes Deutschlands ausmachen, 1928 399 999 Obstbäume mit einheitlichen Handelsobstsorten umgepsropst seien. Und sür das dem Versammlungsort bepachbarte B o d e n s e e- gebiet wurde festgestellt, daß als Resultat der neuen Arbeits- Methode zu verzeichnen sei: 1. eine bedeutende Zunahme des Kern- Obstanbaues: 2. eine Verschiebung der Produktion von früher minder- wertigem zu gutem Mostobst und vor allem eine außerordentliche Zunahme des Tafelobstanbaues: 3.«ine mengenmäßige bedeutende Erhöhung der Produktion durch die Sortenumstellung(Umpsropsen): 4. eine Verfeinerung der Produktion durch planmäßige Düngung und Schädlingsbekämpfung. Getreideumpflanzung Seit einigen Jahren hat man den Gedanken erörtert, ob es nicht möglich sei, das ostasiatische Anbauwesen— Aussaat des Kornes auf ein Saatbeet und Reihenpflanzung der Sämlinge— bei uns einzuführen. Der Vorteil läge in der Ersparnis an Saatgut und der stärkeren Bestockung der einzelnen Pflanze, die eine bessere Ernährung haben würde, als wenn mehrere gesäte Körner aus dem gleichen Raum zur Entwicklung kämen. Das Reichskuratorium für Technik in der Landwirtschaft hat mehrfach Versuche angestellt, deren Ergebnisse nicht für die Zweckmäßigkeit dieser Anbaumethode sprechen. Auch bei den neuesten an zehn Stellen unternommenen Versuchen hat sich die schon früher beobachtete Tatsache ergeben, daß eine solche Umpflanzung des Getreides sehr von der Witterung abhängt. Beim Wintergetreide hat der trockene Herbst 1929 die Entwicklung gehemmt und die erforderliche Bestockung blieb aus. Bei der Ernte gab es wohl hohe Einzel- pflanzen- und Aehrenerträge. aber der Gesamtertrag blieb hinter der gewöhnlichen Saat zurück. Außerdem war spätere Reife und un« gleichmäßiges Reisen zu verzeichnen. Auch das Sommergetreide ergab kein zufriedenstellendes Resultat. Gefahren einer Spczialzucht Die Stadt Drossen in der Neumark ist berühmt wegen der Millionen von M a i b l u in e n b l ü h e r n, die sie jährlich produziert. Die Mehrzahl dieser für die Treiberei bestimmten Blüh- keime ging über ftollanä nach Amerika. Sie spielten in den holländischen Blumenauktionen eine beachtenswerte Rolle. Der dies- jährige ungünstige Sommer hat eine Mißernte zur Folge ge- habt und außerdem stockt der Absatz. So wertvoll die Konzentrierung der gärtnerischen und landwirtschaftlicheit Tätigkeit auf wenige Zweig: im allgemeinen ist, so zeigt doch das Drossen« Beispiel, daß die Pflege einer Spczialzucht auch ihr Mißliches haben kann. Bei den Arbeiter- Wassersporilcrn geht es riesig vorwärts Mit dem Möwenschwimmsest vergangenen Sonntag im Sladtbad Neukölln beschlossen die Berliner Arbeiter- schwimmvereine die diesjährige Saison, die Zeugnis ablegte von dem glänzenden Aufstieg der Arbeiterwassersportocreine. Das Jahr 1930 ist als Prüfstein für das Können der Wassersportler an-' zusehen. Von der Spaltung im Arbeitersport war bei den Wassersportlern nur wenig zu merken. Die Geschlossenheit wehrte erfolgreich all« Angriffe der kommunistischen„Einheitsspor�ler" ob. Im Gegenteil, es fanden viele Wassersportler wieder den Weg zum Bund zurück. Der Schwimmoerein„Möwe" entstand aus ausgetretenen Mitgliedern des kommunistischen SV.„Vorwärts". Möwe sammelte die Un- zujriedenen und verstand es, sich durchzusetzen. Das bewies das erste Schwimmfest. Trotz Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Not sind die Vereine gut vorwärts gekommen. Die Mitgliederzahlen gegenüber 1928, vor der Spaltung, haben sich fast verdoppelt. Die gute Konkurrenz der Arbeiterschwimmer aus den Berliner Schwimmfesten brachte es mit sich, daß in den Vereinen die Leistungen stiegen. Die Berliner Sportmannschaften sind mit die besten der Arbeitersport-Jnternationale. Selbst den ersten Schwimm st Ldte- kämpf gegen Wien im März dieses Jahres, entschieden die Ber- liner für sich. Wien stellt die beste Klasse Oesterreichs dar. Weitere Städtekämpfe wurden ausgetragen. In Magdeburg stieg der Kampf M a g d e b n r g— B e r l i n; Sieger blieb Berlin. Am 39. November weilte die Städtemannschaft in Wien zum Retourkampf. Diesmal waren die Wiener die glücklicheren, wenn auch nur knapp. Auch Derliner Vereine kämpften erfolgreich gegen Städtemannschaften. 5)cllas empfing Dresden, Halle und Magdeburg-Fsrmerslebon. Charlottenburg weilte in Breslau. Von Oktober bis zum Möwen- schwimmfest am letzten Sonntag, fanden fast'an allen Sonntagen in den Berliner Hallenbädern Vereinsschwimmfeste statt. Auswärtig« Gegner kamen außer den genannten aus Hamburg, Stettin, Leipzig, Dessau, Breslau. Ebenso weilten Berliner Schwimmer widerholt im Reich als gern gesehene Kampsmannschaften. Da» wasserballspiel, als schwerste» und doch schönste» Kampsspiel bekannt, hat in Berlin eine gute Pflegestätt«. Zeitweilig fanden auf allen Uebungsabenden der Vereine Wasserballspiele statt. Die Sericnspiele der.-�-Klasse wurden ständig im Lunabad ausgetrogen. Neptun-Weißenfee, der jahrelang im Berliner Wasserball den Ton angab, mußte es erleben, daß bei der letzten Kreismeistcrfchafi� mehrere Vereine mit neuem, jungen Spiclermaterial antraten und' dem Altmeister starke Konkurrenz boten. Die Gleichwertigkeit der Gegner bewirkte, daß das Zuschauerhäuflem an den Sonnabenden im Lunabad immer größer wurde. Den größten Erfolg hatten die Berliner Wasserballer, indem der Kreismeister Charlotten- bürg, die Bundeswafferballmeisterschaft für Berlin sichern konnte: Nürnberg und die gcfürchteten Hannoveraner muhten sich dem Berliner Meister beugen. Neuer- dings bestimmte der Bundesschwimmausschuß den Bundesmcister Charlottenburg mit der Vertretung Deutschlands beim Olympia im nächsten Jahr in Wien. Besondere Psleg« lassen die Arbeiter- schwimmer dem Rettungsschwimmen anzedeihen. Di« Tätigkeit des Arbeiter-Waffer-Rettungsdienfics in den Freibädern der Berliner Umgebung fand überall die Sympa- thie und die Anerkennung der Bevölkerung, viele Menschenleben konnten durch den freiwilligen Rettungsdienst der Arbciterschwimmer gerettet werden. Am Ausbau dieser ehrenamtlichen Rettungsmann- fchaften sollten die Behörden viel mehr interessiert sein und die er- forderlichen Mittel zur Verfügung stellen. Der AWlliD. stellte Sonn- tags und wochentags überall Wachen aus, die über das Leben der Badenden wachten. Mit eigenen Mitteln wurden die erforderlichen Geräte angeschafft. In der S ch w i m m l e h r e wird nach den ein- fuchsten und besten Lehren verfahren, mit denen die besten Erfolge erzielt wurden. Nicht Züchtung einzelner Kanonen, sondern gleich- mäßig gute Allgemeinausbildung, dos ist das Prinzip der Arbeiter- fportler. Der Ruder- und Kanuspork, mit großen finanziellen Belastungen verbunden, hat sich bei den Werktätigen gut eingebürgert. Die Arbeiter-Ruder und Kanuvereine, haben e» trotz der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse verstanden, durch Schaffung von Bootshäusern und Bootsmatcrial die Aus- Übung dieses Sportes stark zu verbilligen. So ist es auch nicht verwunderlich, daß im Frühjahr bei den Vereinen die Mitglieder- listen oft wegen Ueberfüllung geschlossen sind. Der„Ruderoerein Vorwärts", der größte Arbeiter-Ruderoerein mit über 500 Mitgliedern und großem Gebäudebesitz, mußte sein Bootshaus in Ober- fchöneweide sehr vergrößern; Ende des Sommers konnte der Anbau, nach gleichzeitiger Renovierung des Gesamthauses, dem Sportbetrieb übergeben werden. Zur gleichen Zeit zogen die Kanufahrer der „Freien Schwimmer Charlottenburg" in ihr eigenes Bootshaus in Tiefwerder am Jürgengraben, einem Arm der Havel. Weiter Havel- abwärts, baut der Nachbar,„Rudcrverein Collegia" fein neues 5)eim in Gatow. Rote Ruderer werden im nächsten Jahr auch von hier aus ihre Fahrten antreten. Am Tegeler See arbeiten fleißig die „Freien Wasserfahrer Aufwärts", am neuen Bootshaus. An allen Orten der märkischen Gewässer entstehen neue Wanderheime der Arbeiterwassersahrer, die auf den Etappenfahrten in die schönen märkischen Seengebiete, dem Ruderer und Kanufahrcr Schutz und Unterkunft bieten. Mit den wenigen Groschen der Arbeiterwasser- fahrer werden im Selbstbau schöne Heime geschaffen. Doch überall sieht es nicht so rosig aus. In Nauen versuchten verbrecherische Elemente, das eigene Bootshaus des dortigen Vereins in der Nacht in Brand zu setzen. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, daß das Feuer wieder erlosch ohne größeren Schaden anzurichten. Nicht genug damit, ein andermal brachen die Rowdys ins Bootshaus ein, sägten die Steven einiger Boote ab und warfen alle Boote ins Wasser. Schwer haben es die Provinzvcreine. sich durchzuringen. Diel neue» Boot» Material, namentlich Vierer wurden von den vereinen angeschafft. Collegia stellte den zweiten Achter in Betrieb. Die„Freie Kanu- Union" taufte im Sommer zwei Kanuoierer und mehrere Zweier. Den dritten Kanuoierer weihte der Kanubezirk der FTGB. So gewinnt der Mannschaftssport bei den Kanufahrern immer mehr an Umfang. In diesem Winter sind die Kanusahrer wieder dabei, im Selbstbau Boote herzustellen. Durch gemeinschaftlichen Serienbau entstehen nach guten Bootsrissen billige Boote. An Regatten findet in Berlin immer nur ein kurz- und eine Langstrecken-Regalta statt. Die große Grünauer, sah neben der stärksten Beteiligung der Kreis- verein«, Äannschaften aus Dortmund, Leipzig, Würzen, Dresden, Hof in Bayern, Spremberg, Brandenburg, Rathenow, Stettin und anderen Orten am Start. Erstklassige Rennen der Ruderer und Kanu- sahrer zeugten von der guten Ausbildung in den Wasscrfahrvcrcinen. Besonders interessant die Achtcrrennen der Ruderer und die der Einer und Vierer bei den Kanufahrern. Neu sind die Kenter- Vorführungen im Faltbooteiner und der Reigen der Schwimme- rinnen. Besucht wurden Regatten in Leipzig, Stettin und die sächsische Kreisregatta in Würzen. * Untrüglich ist der Fortschritt auf allen Gebieten des Wassersports. Unendlich viel Mühe und persönliche Hingabe der Funktionäre und der Mitglieder schafften Werte von bleibendem Bestand für die Arbeiterbewegung. Wer einmal Gelegenheit hat, mit diesen Funk- tionären über die Entstehung der Badeanstalten und Bootshäuser zu sprechen, kann nicht genug staunen, unter welchen Verhältnissen so großartige Unternehmungen entstanden sind, die der Gesunderhaltung der Werktätigen dienen. Hut ob vor dem Idealismus der vielen Unbekannten, die ihre Freizeit opfern und uneigennützig helfen, dem Proletariat gesunde Kämpfer zu schaffen. Willi Tausendfreund. Uniersudiung gegen Hertha-BSC. Wegen der sensationellen 7:0-Niederlage, die der deutsche Fußballmeister Hertha- BSE. am letzten Sonntag durch Norden- Nordwest erlitten hat, beauftragte der Verband Brandenburgischer Ballspielveretne den Hauptspiclausschuß, umgehend in eine Unter- suchung der Angelegenheit einzutreten. Inzwischen hat Hertha- BSC. selbst Stellung genommen zu den verschiedentlich aufgetauchten Gerüchten, nach denen dem Fußballmeister gewisse unsportliche Machenschaften bei dieser Niederlage angehängt werden. Es wurde ehrenwörtlich erklärt, daß an all dem Gerede kein wahres Wort wäre. Das Spiel wäre vollkommen einwandfrei gewesen und der 7:0- Erfolg von Norden-Nordwest lediglich eine Folge Unglück- lichcr Zufälle, wie sie ja gerade im Fußballsport keine Seltenheiten sind. Ob die Untersuchung des Verbandes etwas anderes zutage fördert? Italien sucht kuhhaller Sieben Städte stritten sich um die Ehre, die Geburtsstätte von Homer gewesen zu sein. Auch in bezug auf Shakespeare und andere Menschen von Format werden widersprechende Hoheits- rechte geltend gemacht. Die Leute vor uns wurden jedenfalls erst dann anspruchsvoll, wenn irgendein Ausnahmemcnsch schon Jahr- hundert« von der Erde geschieden war. Die nationalen Ambitionen der Modernen sind anders: So ist Italien schon jahrelang auf der Suche nach südamerikanischen Fußball- spielern italienischer Nationalität, d. h. es braucht nur ein letzter Blutstropfen italienischen Blutes festgestellt zu werden, um den Crock zum Vollitaliener zu machen. So kam der bekannte Mittelstürmer Stabil« jüngst wieder als verlorener Sohn nach dem Mutterland zurück, dasselbe tat der Verteidiger Prato, und nun hat auch der Mittelläuser Satellano den Seeweg via Genua angetreten. Alle die verlorenen Söhne hatten sich vordem auf argentinische u Fußballfeldcrn betätigt. Es ist nickst bekannt- geworden, ob man einjtalb zu Ehren der zurückgefundenen Söhne bereitet hat. Es sollte uns jedenfalls nicht wundern, wenn d:e italienischen Sportführer demnächst ein Institut für lateinamerika- r.ische Familicnsorschung gründen würden. Wer will zu dieser Gesellschaft? In Guben hielt der kommu- nistische Sportoerband unlängst eine Lausitzer„Landeskonscren" od, auf der auch die Frage gestellt wurde, warum sich Kottbus nicht an dem Reichstreffen zu Pfingsten in Erfurt beteiligt hat. Die Antwort lautete: Die von den Genossen gesparten 270 M. Reisegelder wurden unterschlagen. Rlidcrsrrein.Tollcgia". Gcncratocrs. ffrei« g-ltb»otfahre-««rlin. Freitag. 12. Dezember. 16-20 Uhr, Ausgabe der Eportpalaft-Ausweife bei Meper. Eberswalder Str. 3. kreitar. 12, Dezember. Berlin. 16.05 Friedrich Raff:„Filmautor— der grolle Unbekannte". 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.30 Naturwisaentchäftcn.(Reicbenbach.) 17.50 Aus Wiener Operetten. 18.45 Arbcitsmlrkt. 18.50 Harry Stolsmann:„Mittel und Wege lum Kaufmannsberuf". 19.15 Bücherstunde.„Romane jüngerer Autoren."(Mikrophon: Dr. Kurt Pintbus.) 19.75 Programm der nächsten Woche. f9.4S„Die Hochseeflotte ist ausgelaufen." Peter Corncllssen. 20.10 Singakademie: Sinfoniekonrert. Dir.: Bruno Scldler-Winkler. I. Nabikotf: Symphonie lyriquc(Uraufführung).— 2. loch; Konrerl für KUvler und Orchester, op. 38.(Der Komponist. Flügel.)— 3. R. Straull: Don Ouixofe. (Cellosolo: Eraanuel Feuerroann. Berliner Funkorchester.) 22.15 Wetter-, Tages und Sportnachrichten. Anschliellend bis 0.30: Tanzmusik. Königswusterbausen. 16.00 Mln.-Rat Prof. Leo Kestenberg: Musikarbeit in der Schule. 16.30 Leipzig: Konzert. 17.30 Dr. Lantheinricb-Anthos: Bücher für die Frau. 18.00 Prof. Dr. W. Prion: Gelabren der Kapitalflucht. 18.30 Prof. Dr. Ch. Becker: Curopiisierung der Islamischen Welt. 19.00 Englisch für Fortgcschritlone. 19.30 Wissenschaftlicher Vortrag für Zahnlrzte. ..iäty für Kolonialwaren Carl Tamaschke Dresdener Str. 121-123 F 1 Moritzplatz 9354 und 9374 Lieferung frei Haus, von 5 M. an zu Ladenpreisen./ Preisverzeichnis auf Wunsch.■ Für meinen Mann nur Praktisches! Etwas Brauchbares muß es sein, das doch schön ist. Etwas, das weitere Ausgaben spart und troudem zum Schmucke dient. Etwas, das um so mehr Freude macht, je öfter man es benutzt Für den Mann gibt es nichts Passenderes als Herrenartikel Ton Leineweber. Und sollte der, dem die Gabe zugedacht ist, ein Eigenbrödler sein, so schenkt ihm einen.Leine wcber-Scb eck* und laßt ihm selbst die Wahl! HERREN-HOTE OBERHEMDEN Woll- u.Haarfilz, Qualitätsware C75 guterZephiri>.PopcUne,ni.Krag. ,490 in Ulsterfarben M. 12.50 8.50 oder Ers.-Mansch. 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