MorgenausgaV« Nr. 587 A 295 47. Jahrgang «ScheaMch 859t« monatlich Z.« M. im voraus zahlbar. Postbezug 4�2 M. einschließlich övPfg.Postzeitungs- und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Auslands« obonnement 6.— M. pro Monat. * Der«Vorwärts* erscheint wochentSg» lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgaben für Perün und im Handel mit dem Titel«Der Abend". Illustrierte Beilagen„Volt und Zeit" und„Kindersreund". Ferner «Frauenstimme".„Technik",„Blirf in die Bücherwelt"..Iugend'Vorwärts" und«Stadtbeilage". � f Berliner Voltsbla« Oiensiag 16. Dezember 1930 Groß'Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reklamezeile 5.— Reichs- mark.„Kleine Anzeigen' das fettgedruckte Wort 2S Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort tO Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig.Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt« gcschäst Lindenstraße 3. wochentäglich von S1/# bis 17 Uhr. JentvaSsvgan der Sozialdemokratischen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönbosf 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwäriö-Verlag G.m.b.H. Postschccfkonlo: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bank der Arbeilcr, Angestellten und Beauiten, Lindenstr. 3, Dt. B. u.Disc.-Gcs., Depositenk., Jcrusalenier Str. 65/66. Parteigenossen! Gewerkschaftskollegen! Arbeitersportler! Das Verbot des Filmes»Im Westen nichts Neues« als Folge des Treibens eines randalierenden Straßen- pöbels muß allen Republikanern die Augen geöffnet haben. Im Kampf für Republik und Demokratie gilt es, den letzten Mann zu mobilisieren. Die deutsche Arbeitnehmerschaft darf nicht tatenlos zusehen, wie die gelben Kolonnen des Goebbels die friedlich gesinnte Bevölkerung terrorisieren. Für sie ist jetzt die Zeit zum Handeln gekommen. Denn das arbeiter- und volksfeindliche Verhalten der Hitlerianer im Reichstag hat allen Denkenden wirksamen Anschauungsunterricht erteilt. Sie sehen jetzt, daß die Nationalsozialisten, unfähig und verantwortungslos, jede ernste Arbeit im Interesse des Volkes zu verhindern suchen. Die Nationalsozialisten wollen die Demokratie und die sozialen Errungenschaften der Revolution beseitigen und ihr»Drittes Reich« als eine Diktatur errichten. Durch scheinsoziaiistische Forderungen wollen sie die Arbeiter dafür einfangen,• Hitler mißbraucht die Proletarier! Ihm sind die Arbeiter nichts als das Objekt von Spekulationen, die er im Verein mit gewissen Exprinzen und Generälen anstellt. Helfen sie ihm zur Macht, so sollen sie danach desto skrupelloser niedergeknüppelt werden. Rüstet zur Ab weh r! An dem Tage, an dem die Faschisten zum Angriff übergehen, werden sie einer geschlossenen und einheitlich geführten republikanischen Macht gegenüberstehen.— Zu unfruchtbaren Diskussionen ist jetzt nicht die Zeit. Jetzt heißt die Losung für alle Verteidiger des demokratischen Volksstaates: Hinein in das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold! Mögen die Faschisten drohen und rösten! Der aufgezwungene Kampf wird uns nicht unvorbereitet finden! Einig und geschlossen treten wir auf. Wir werden alles tun, um die faschistische Gefahr zu beseitigen. Die Front geschlossen! Es lebe der Kampf! Bezirksverband Berlin SPD. Bezirksverband SPD. Brandenburg-Grenzmark Künstler. Litke. Sabath. Stahl. Kröger. Bezirksausschuß des ADGB. Brandenburg-Grenzmark. Ortsausschuß des ADGB. Vollmershaus. Bredow. Arbeitersport- und Kulturkartell der Provinz Brandenburg. Oehlschläger. Barthelmann. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Gau Berlin-Brandenburg. Stelling. Fechner. Neidhardt. An alle freigewerkschaftlich organisierten Angestellten in Berlin und in der Provinz Brandenburg! Im Sinne des obigen Aufrufs fordern wir alle freigewerkschoftlich organisierten Kollegen auf, gemeinsam mit den freigewerkschaftlich organisierten Arbeitern sich dem Reichsbanner anzuschließen und sich dort zum Zwecke der Abwehr der faschistischen Gegner mit aller Energie zu betätigen. Allgemeiner freier Angestelltenbund. Bezirkskartell Brandenburg. Fl ata u, Bezirksleiter. .......................... r------------------- Massenaufmarsch gegen Maktion. Kampfbegeisterung gegen den faschistischen Ltngeist! Tie Entscheidung der Film-Dbcrpriisstclle, die den Kriegsfiln» verbot, lzat einen Massen st urm des U n- willens hervorgerufen, der nicht nur der Berhinde- rung eines Films gilt, sondern vor allem den lrräfte». die dieses Verbot erzwungen haben. TaS' Reichs» banner Schwarz- Not-Gold, die republikanische Tchuttorgnnisation. hatte in Ucbercinstimmung mit der Leitung der Tozialdemorratie zn Massenversamm- lungen gegen die ktultur schände dieser Zeit aufgerusen. In hellen Scharen waren die Republikaner diesem Ruf gefolgt, allem voran die sozialdemokratische Arbeiterschaft, die ihrer Empörung über die Hakenkreuz- Provokationen Ausdruck geben will. Tie Versammlungen mnsiten sämtlich wegen tteberfullnng polizeilich gesperrt und an mehreren Stellen mußten Parallelvcr- s am m lungen abgehalten werden. (Versammiungsberichte auf der 2. Seite.) poincare schwer erkranki. Ernster SchwächeanfaN. Der kljährige p o I n c a r 6. der vor Iahccssrisl zwei Operationen glücklich überstand, hat am Ziionlagtnorgen einen Schwäche» ans all erlitten, von dem er sich bisher nicht erholt hat. Sein Zustand wird als ernst bezeichnet. Auch am späten Abend lautete der kronkheiksbericht: Zustand unverändert. Wird Spanien Republik? Die iberische Halbinsel in Aufruhr. Es ist nicht allen bekannt, dag. Spanien nicht immer «ine Monarchie gewesen ist: fast volle zwei Zahre lang, vom 11. Februar 1873 bis zum 29. Dezember 1874. war Spanien eine Republik. Und obwohl die Zahl der Männer, die diese Zeit mit Bewußtsein erlebt haben, nur noch gering sein dürfte, so ist die republikanische Tradition in Spanien niemals ausgestorben. Vor allem in den Städten ist die Mehr- heit der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten entweder aktiv republikanisch gewesen oder sie stand der Monarchie zu- mindest stark kritisch gegenüber. Daß die republikanische Idee seit 33 Jahren nicht aus- starb, sondern immer wieder neu belebt wurde,' dafür sorgte die Monorchie selber. Denn außer im haboburgischen Oester- reich waren nirgends Thron und Altar so unlösbar miteinander verbundene Begriffe geworden wie unter der spanischen Bourbonen-Dynestie� Es gibt zwar nur eine katholische Kirche, die den Papst als Oberhaupt überall an- erkennt, aber der Katholizismus hat nicht überall den gleichen geistigen und sozialen Inhalt. In Schottland z. B. gibt es zahlreiche gläubige Katholiken, die auf dem linkesten Flügel der Arbeiterbewegung stehen. In Mexiko nimmt der Katholizismus unter den halbwilden Jndios-Mischlinqsn Heid- nische Formen an, von denen sich kultivierte Anhänger der römischen Kirche in Europa mit Grauen abwenden würden: Dort werden unter der Parole„Es lebe Christus König!" politische Gegner über den Hausen geschossen oder Eisenbahn- katastrophen durch Herausreißen von Schienet: herbeigeführt. In Deutschland, in Belgien, stellenweise auch in Oesterreich, Holland und Frankreich, habei: die Führer des Katholizismus erkannt, daß die Selbstbehauptung der Kirche eine weitgehende Anpassung an die soziale Entwicklung der modernen Zeit erfordert und die katholische Kirche nimmt in- folgedessen Rücksicht auf die Lage und die Forderungen der Arbeiterschaft, die sonst in verstärktem Umfange und Tempo zu bell Sozialdetnvkraten stoßen würde. In Spanien hin- gegen ist die katholische Kirche bewußt erzreaktionär. Gestützt auf die Monarchie, die sich in ihrer Hörigkeit befindet, sorgt die Kirche dafür, daß vor allem die Landbevölkerung in einem Zustand des Halbanalpbabetismus gehaltet: wird, der mit tiefster Armut verbunden ist, während sie selbst über un- geheure Reichtümer verfügt. So ist der Antiklcrikalismus in Spanien, ähnlich wie im Deutschland des Bauernkrieges oder in Frankreich unter der Revolution von 1789, bewußt oder unbewußt eine Erscheinung des Klassenkampfes. Zugleich hat er frei- lich auch eine kulturelle Bedeutung, dem: gerade weil im Mutterlande der Heiligen Inquisition die katholische Kirche sich der modernen Zeit am wenigsten angepaßt hat, ist f c st die gesamte Intelligenz antiklerikal eingestellt, und damit auch republikanisch. So ist es zu erklären, daß die Universitäten, und zwar sowohl die Professoren wie die Studenten, in ihrer überwiegenden Mehrheit Träger der republikanisch-fortschrittlichen Ideen sind, eine Erscheinung, die in den reaktionären Zeiten der Heiligen Allianz auch in der deutschen Geschichte zu verzeichnen war, die aber im heutigen Deutschland um so bitterer vermißt wird. Die meisten Dichter, Künstler, Aerzte und Rechtsanwälte, auch viele untere und mittlere Beamte Spaniens huldigen mehr oder minder offen der republikanischen Idee. Und es ist wohl kein Zufall, daß auch in der Armee gerade die An- gehörigen der modernsten Waffe, die Flicgeroffiziere, sich am aktivsten an den jüngsten revolutionären Ereignissen be- teiligt haben. Erst recht ist die Arbeiterschaft Spaniens anti- klerikal und antimonarchistisch. Mit der wachsenden In- d u st r i a l i s i e r u n g der iberischen Halbinsel, die besonders nach dem Kriege, dank dem durch die Neutralität ange- sammelten Reichtum der Handels- und Jndustriekreise, starke Fortschritte gemacht hat, hat naturgemäß auch die A r- beiterbewegung, politisch und sozial, an Bedeutung gewonnen. Was ihrer Entwicklung lange im Wege stand und sie heute noch stark hemmt, ist das Eindringen a n a r ch o- s y n d i k a l i st i s ch e r Tendenzen, vor killem in Katalonien. Sinnlose Attentate, mit denen die snanischen Anarchisten ihren Tätigkeitsdrang immer wieder befriedigten, haben die Fortschritte der. modernen Arbeiterbewegung in Spanien lange Zeit behindert, indem sie der klerikalen Reaktion einen günstigen Vorwand lieferten, weite Kreise der Bevölke- rung mit Abscheu gegen die Bombenwerfer zu erfüllen, die wahllos Gegner und Unschuldige träfet:, und sie um Thron und Altar zu scharen. Immerhin haben die Syndi- kalisten das unfreiwillige Verdienst erworben, die kommu- nistische Bewegung der Nachkriegszeit abzufangen, so daß die sozialistische und freigewerkschaftliche Bewegung sich nach dieser Richtung hin ungehindert entwickeln konnre. In den Zeiten der D i k t a t u r P r i m o de R i v e r a s hat die Leitung des spanischen Gewerkscha-tsbunb-s, die durch vielfache Personalunion mit der sozialistischen Parteileitung eng verbunden ist, eine geschickte Taktik des Lavierens befolgt: sie hat ihre Kräfte nicht vorzeitig in einem offenen und aus- sichtslosen Kamps gegen die herrschende Gewalt verbraucht, >. zumal sie nicht für kapitalistisch-torrupte alle Parteien dle Kastanien aus dem Feuer' ziehen wollte, sondern ihr Bestreben war darauf gerichtet, durch eine scheinbare politische Neutrali- tat gegenüber der Militärdiktatur positive wirtschaftliche und soziale Vorteile für das Proletariat zu erlangen. Das haben die Gewerkschaften erreicht und damit konnten sie um so er- solgreicher ihre Organisation stärken. So stellt am 13. Dezember, in einer Betrachtung der spanischen Ereignisse, der konservative Pariser„Temps mit Bedauern fest, daß die sechs Jahre der Primo-Diktatur eine vollständige innere Auflösung der früheren bürgerlichen Par- teien verschuldet haben, dass aber die Arbeiterschaft gestärkt aus dieser Periode hervoirgegangen ist. Er schreibt: „Es gibt in Wirklichkeit gegenwärtig nur eine wirkliche Kraft in den spanischen Voltsmassen: das ist die Organi- fation der Gewerkschaften. Und dies dürste die Entwick- lung der Dinge nicht gerade erleichtern." Die spanische Arbeiterbewegung ist s e l b st v e r st ä n d- l i ch republikanisch und antiklerikal. Sie stand früher in starkem Gegensatz zu der rein bürgerlich-intellektuellen Partei der Republikaner, die vor allem in Barcelona über einen starken Anhang verfügte, während die Sozialisten bei den letzten Wahlen vor dem Staatsstreich Primas vor allem in Madrid die meisten Sitze erobert hatten. In allen übrigen Industriezentren, vor allem im Erz- und Hüttengebiet von Asturien, in San tander, Bilbao, Oviedo,in den Hafenstädten an den Küsten, Valencia, Sevilla, E a d i z. ist die sozialsstische Bewegung besonders stark. Sie ist feit dem Rücktritt Primas um so stärker ge- worden, als im Hinblick auf die versprochenen allgemeinen Wahlen das politische Leben in Spanien einen ungeheueren Impuls erhielt. Durch die Absetzung des Diktators glaubte angesichts der wachsenden Mißstimmung im Lande der König Alfons seinen Thron zu retten. Aber das Volk weiß, daß der König selbst es war, der einst den Putsch Primos veranlaßt halle, weil er die Wahrheit über die militärische Katastrophe von 1923 in Spanisch-Marokko fürchtete: er selbst war es gewesen, der den damaligen kommandierenden General B e r e n � u e r in das blutige Abenteuer einer Offensive gegen die Riff-Kabylen gehetzt hatte. Die Absetzung Berenguers und der damaligen Regie- rung durch Primo war ein mit dem König abgekartetes Spiel. Als freilich im Laufe der Jahre die wirtschaftliche Lage sich verschlechterte und die Unterdrückung aller Frei- heiten sich zu rächen drohte, warf Alfons fein eigenes Werk- ;eug Primo de Rivera ungeniert über Bord und berief wieder den eigenen, einst zynisch geopferten Freund Berenguer an die Macht. Das spanische Volt läßt sich aber durch diese Manöver nicht täuschen. Die Front der Republikaner hat sich längst gegen ihn geschlossen: ehemalige Liberale, wie R o- m a n o n e s und Santiaqo Alba, selbst ehemalige Kon- servative wie Sanchez Guerra haben sich mit den Sozialisten und unter deren Führung zum Kampf für die Republik geeinigt. Die Winkelzüge der Regie- rung, die einmal die versprochenen Wahlen in nahe Aussicht stellt, um sich selbst gleich danach zu dementieren, oder die die Pressefreiheit wieder verfügt, um sie am nächsten Tag wieder einzuschränken, haben die Unzufriedenhell nur ge- steigert. General st reite mll ausgesprochen p o l i t i- f ch« m Charakter brachen nacheinander in den verschiedenen Teilen des Landes aus. Ihnen fehlt anscheinend noch die Zusammenfassende Leitung und daran dürften die syndikalisti- schen Elemente Kataloniens und Andalusiens mit schuld sein. Aber sie sind ein sicheres Symptom für die allgemeine Zu- spitzung der Lage. Noch leistet die Armee in ihrer überwiegenden Mehrheit �er königstrsuen Regierung Gefolgschaft. Aber die Geschichte der letzten Jahre, um nicht zu sagen des letzten Jahrhunderts, lehrt, daß es nichts Unzuverlässigeres gibt als das spanische Heer mit seinen rivalisierenden Waffengattungen und seinen politisierenden Offiziersverbänden, den.Äunten". Die blutige Niederwerfung des Aufstandes der kleinen Gebirgsgarnifon I a c a, die anscheinend ein schlecht organisiertes, heroisches, aber isoliertes Abenteuer inszeniert hatte, beweist ebenso- wenig, wie die gestern abend amtlich behauptete Unter- drücknng der F l i e g e r m e u t e r e i. Solange die Zensur herrscht und die Drahtverbindungen mit Spanien— vielleicht infolge des Generalstreiks— abgebrochen sind, wird man kein klares Bild über die unmlltelbaren Erfolgsaussichten der revolutionären Bewegung gewinnen können. Aber sicher ist. daß ein Land, das so tief aufgewühlt ist wie gegenwärtig Spanien, nicht so bald zur Ruhe kommen wird. Auch wenn es dem König Alfons gelingen sollte, der jetzigen Bewegung Herr zu werden, so ist damit die Bour- bonen-Dynastie noch lange nicht gerettet: der Kampf der modernen demokratischen Welt gegen die Ueberbleibsel mlltel- alterlicher Einrichtungen wird und muß früher oder später seinen logischen Abschluß finden mit dem Siege der spanischen Republik! Siebzehnjähriger Mörder. Durch das Hakenkreuz für das Hitler-�eich geadelt! Söln, 15. Dezember.(Eigenbericht.) Als Mörder des Jungkommunisten, der am späten Abend des 6. Dezember in Köln durch«inen Schuß getötet wurde, ist der 17jShrige Nationalsozialist Hans Hoffmann in Köln f e st g e st e l l t worden. Mittäer ist der 23jährig« Nationalsozialist Lambert Sieb�r. Während Siebert in der vergangenen Nacht festgenommen werden konnte und ein umfassendes G e. st ä n d n i s abgelget hat, sst Hossmann noch flüchtig. Die Aufklärung dieser völlig u n m o ti o i e r t e n B l u t t at eines verhetzten Jugendlichen ist um so mehr zu begrüßen, als von den nationalsozialistischen Helfern und Helfershelfern bewußt ver. breite wurde, der Täter sei in den Reihen der Kommunssten oder gar des Reichsbanners zu suchen. Der„Westdeutsche Beobachter" flehte sogar die Polizei um Hilfe gegen die Marxisten an, die«inen Nationalsozialisten der Tat zu verdächtigen wagten. Dabei stand von vornherein fest, daß die Täter in einem der nationalsozialistischen Vertehrslotale Unterschlupf gesunden hallen. Der Deutschlomdbund. In einem Berliner Svät-Wendblall ist die Behauptung aufgestellt, Prof. Heller von der Universität Berlin gehöre zu den Mitgliedern des„Deutschlandbundes", der die Ber- lammlung des Kapitäns v. Mücke gegen Hitler einberufen hat. Genosse Heller legt Wert auf die Mitterlung, daß er nicht Mit- glied jenes Bundes sst. Oer Protest der Republikaner. Lleberfüllte Maffenversammlungen mit Parallelveranstaltungen. Im Saalbau Knedrichshain hallen sich frühzeitig so gewallige Bolismassen eingefunden, daß der Riesensaal bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Bersammlung polizeilich gesperrt wurde. Nach dem Einzug der Fahnen und Standarten nahm als erster Johannes Stelling das Wort: Eine Horde unreifer Burschen hat dieser Tage gegen einen Film protestiert, der von allen zuständigen Stellen freigegeben war. Einen Film, der das Kriegserlebnis Millionen von deutschen Männern naturgetreu zeigte, nahmen sie zum Anlaß schlimmster Pöbeleien, mit Stinkbomben, Mäusen und Blindschleichen gegen die Zuschauer vorzugehen. Ein Reichstagsobgeordneter, Dr. Goebbels, war der Anführer der Horden.(Pfui-Rufel) Er hielt Reden an „sein Volt", Hitler stände vor den Toren brüllte cr. Wir dachten dabei allerdings nicht an Hitler, wohl aber an H a n n i b a l, der auch einmal vor den Toren stand, aber— nicht hereingelassen wurde.(Lebhafter Beifall.) Bei dem Berbot des Films blieb jode Objektivität zu vermissen, Frau Dr. Matz von der Volks- parte! konnte das Verbot schon«inen Tag vorher mit- teilen. Die deutschen Republikaner sehen jedenfalls in dem Verbot «in feiges Zurückweichen vor dem Terror. Stelling zerpflückt« die Aeußerungen der Behördenvertreter vor der Oberprüsstelle, um zu dem Ergebnis zu kommen, daß zu solchen behördlichen Auslassungen absolut kein Anlaß vorlag. Im Gegenteil, das Verbot hat überall im Ausland Bestürzung hervorgerufen, das Urteil der Prüfstelle wurde nirgends verstanden.„Die Kapitulation vor Hitler" nannten ausländische Blätter das Verbot. Das Filmverbot ist ein Glied der Kette der Herabsetzungen deutschen Ansehens, begangen durch die Stahlhelmer, die vor Mussolini auf dem Bauch lagen, durch Volks- partei und Wirtschaftspartei, die in deutschen Ländern die National- sozialisteki zur Teilnahme an der Regierung verhalfen. Nie wieder Krieg, sagt das Reichsbanner, Kampf gegen alle Kulturreaktion! (Stürmischer, anhaltender Beifall.) Zu begrüßen sst der Beschluß des Ausschusses des ADGB., das Reichsbanner zu einer machtvollen Schutzorganifation für die soziale Republik auszubauen. Deutschland erwache, hört« man von unreifen Burschen auf den Straßen, Deutschland erwache zur Vernunft, sagen auch wir.(Stürmischer Beifall.) Oemmer: Di« Nationalsozialisten wollen die Straße beherrschen, um die öffentliche Meinung zu zermürben, weil die Republikaner viel zu lange sich selbst vertrauten, anstatt mit den gleichen Methoden den Gegner zu bekämpfen. Vor einem Putsch, vor einem„Marsch noch Berlin" werden sich die Hitlerleute wohl hüten, sie befürchten, daß dann manches nachgeholl werden könnte, was 1318 versäumt wurde. Nicht gegen den Film sollte man sich wenden, sondern gegen den Krieg, der den Hintergrund für den Bildstreifen abgab. Ausge- rechnet Joseph Goebbels, der den Krieg und„belgische Gefängnisse" nur in seiner Phantasie erlebte, mußte der Führer der Randalisten sein: seine Schmähungen gegen die Berliner Polizei sind auf das entschiedenste zurückzuweisen.(Leb- Haftes Bravo!) Schüchternhell und Vescheidenhell Ist nicht mehr am Platze: wo mal die Soldbücher und Militärpäss« vor» gelegt werden, da braucht den Reichsbannertameraden nicht bange zu sein. Der Agitation der Stahlhelmer und Hitlerleute, soweit sie sich an das Ausland wendet, istzu sagen: UnserVedarf anBünd. nissen mitJtalien ist seit 1314 vollauf gedeckt! Der Weg zur Verständigung darf kein Marsch auf Berlin sein, er geht vielmehr über Paris. Die Sicherung der Demo- k r a t i e eines stolzen würdebewußten Volkes ist seine eigene Sache, deshalb: schafft eine groß« republikanisch« Volksbewegung! Rechts heran! hieß es bei Hugenberg und Hitler in der Reichstagswahl: jawohl„Rechts heran" sagen auch wir, damit Platz wird für die Republikaner!(Stürmischer Beifall.) Bevor der Redner des Zentrums, Dr. Schreiner, das Wort nahm, marschierte eine Fahnenabordnung der republikanischen Studenten in den Saal. Dr. Schreiner führte aus: Wie kann der Film im Ausland schädigend wirken, wenn in ihm gezeigt wird, daß auch deutsche Soldaten im Kriege menschlich litten, daß sie tapfer waren und nicht die Barbaren, als die sie hin- gestellt wurden? Merkwürdigerweise liegen Proteste aus dem Aus. land gar nicht vor, es sei denn, daß man protestierte gegen das Ber- bot. Nur schwer wird es die Regierung wieder gut machen, daß sie die Führung verlor, daß sie vor den Hakenkreuzlern kapitulierte ohne ihr Prestige zu wahren. Für all« Republikaner gibts jetzt nur eines: Zurück zur Macht, stärkt die Republik!(Leb- hafter Beifall.) Im proletarischen Norden reichte der große Raum in den Pharussälen bei wellem nicht aus, und es mußte eine gleichfalls überfüllte Parallelver- kammlung abgehalten werden. Bon der Bühne und den Wänden grüßten die Farben' der Republik, Reichsbannermusik spielle. Als Hauptredner geißelle Karl Litte in beinahe anderthalbstündiger, oft von Zustimmung unterbrochener Rede die innere Verlogenheit des Nationalsozialismus. Wenn nach Straßenkrawallen und Pöbelkundgebungen der Film„Im Westen nichts Neues" verboten worden ist, so ist das ein S i e g der Reaktion schlechtweg, deren Steigbügelhalter die National- sozialisten sind. Wohl hängen sie sich die Maske einer Arbeller- partei vors Gesicht, in Wahrheit aber dienen ihre Führer den nackten Interessen des Kapitals. Als die Nationalsozialisten den Mctallarbeiterstreik zu unterstützen vorgaben, sagte Goebbels, sie täten dies nur, weil sie den Streik für ein politisches Unternehmen im Kampf gegen den Tributplan ansehen. Noch deutlicher wurde der Nationalsozialist, der den sächsischen Industriellen schrieb, man ver- wende die radikalen Worte nur, um die Arbeiter aus den marxistischen Parteien und Gewerlschaften herauszulocken. Der„Völkische Beobachter" schrieb in diesem Sommer, daß der wahre Sozia- lismus nur bei den Nationalsozialssten aufschoben sei. Im R e i ch s- tag aber hat ihr Abgeordneter Feder Herrn Dingeldey von der großkapitalistischen Bolkspartei erklärt, daß man den National- sozialisten biller unrecht täte, wenn man ihnen sozial! st ische Tendenzen unterstelle. Sie ständen auf dem Boden des Privat- eigenwms. Die Nationalsozialisten rufen nach neuem. Krieg Während aber der sozialdemokratische Abgeordnet« Frank in vorderster Front siel, saß der junge Herr F r i ck in P i r- masens am Ofen und wärmte sich. Goebbels konnte wegen seines körperlichen Leidens nicht in den Graben und der frühere See- offizier Graf Reventlow schrieb von der sicheren Redaktion aus Artikel für Siegfrieden und Durchhalten. Der Abgeordnete Kar- p e n st e i n hat erklärt, daß durch den Remarque-Fclm die Front- generation verletzt würde. Dieser Herr Karpenstein war bei Kriegsbeginn elf Jahre, bei Kriegsende also gerade fünfzehn Jahre all! Das nennt sich Fronigeneratton!(Stürmische Zustim- mung.) Der Nationalsozialismus predigt den Bürgerkrieg. In seinen Zeitungen wird ofsen zugegeben, daß man Katastrophen- Politik treibt, und die Zerstörung des Bestehenden will. Das Reichsbanner, das diese Leute Bürgerkrieg-Reichsbanner zu nennen wagen, will nicht Zerstörung, sondern Ausbau. Es will Frieden und Freihell, Ordnung und Recht, Demokratie und Parlamentarismus. Wenn aber die Nationalsozialisten den Bürger- krieg wollen und wagen, dann wird man auf ein Reichsbanner stoßen, das nicht nur zur Abwehr gerüstet, sondern auch sturmreif ist.(Anhaltende Zustimmung.) Als zweiter Redner sprach Georg Bernhard. Er betonte vor allem, daß. wenn noch einmal die Nationalsozialssten die Skandale wiederholen würden, sie vielleicht auch das Reichsbanner auf der Straße sehen würden. Der Aufmarsch des Reichsbanners aber würde imponierender sein als das Toben und Randalieren derer, die in diesen Tagen am Nollendorfplatz sich brell machten. Die Spichernsäle waren bereits vor Beginn der Bersammlung so überfüllt, daß«in« Paralleloersammlung abgehalten werden mußte. Siachdem unter klingendem Spiel die Fahnen des Reichsbanners hereingetragen waren, sprach als erster Redner unser Genosse Philipp Scheidemann. Von nicht endenwollendem Beifall begrüßt, zeichnet« er ein Bild der Nationalsozialisten, dieser Partei gewordenen Unwahrhaftigkeit und Verlogenheit, deren Sozialismus Schwindel und deren Nationalismus eine Infamie ist. Vor diesen Leuten ist man zurückgewichen. Wir haben in der vergangenen Woche mit dem Berbot des Films die Schande der Feigheit vor dem Feind« erlebt. Dr. Braubach von der radikakdemotratischen Vereinigung wandt« sich in scharfen Worten besonders gegen den Ilmfall des Auswärtigen Amts: der Film habe in keiner Weise zur Schädigung des Ansehens Deutsch- lands im Ausland beigetragen. Der Grund zum Verbot des Films ist vielmehr die Angst, daß die Jugend erfährt, wie gemein der Krieg sst. Denn dann verliert sie die Lust. 5rau Adele Schreiber sprach zu den vielen anwesenden Frauen, die zwar nicht im Schützen- graben waren, aber an der Front des Elends und der Not gestanden haben. Ihnen darf man die Wahrhell des Krieges nicht vorent- halten, denn ihr« Söhne und ihre Gallen waren es. die ihnen im Kriege geraubt wurden. Di« Frauen protestieren entschieden gegen ein« Verherrlichung des Krieges. Zum Schluß sprach tn längeren Ausführungen Karl Mlerendorff. selbst ein Angehöriger der Generation, wie fie in Remarques Puch und im Film geschildert wird, und legte in deren Namen Protest ein gegen das Verbot des Films, der dem Volte endlich die Wahr- hell über den Krieg sagt. Aber weil die Nationalsozialisten aus Deutschland einen geistigen Kasernenhof machen wollen, weil jeder von ihnen«in H i m m e l s st o ß ist, können sie die Wahrhell dieses Films nicht vertrogen. Aber die ganze Frontgeneration steht auf gegen diese Schreibstubentrieger, die uns heut« das Kriegserlebnis im Blld nicht zeigen wollen. Weder die deutsch« noch die amerlla- nische Fassung dieses Films ist deutschfeindlich. Aber dieser Film ist triegsfeindlich. Heut« schreibt man Artikel im Stile der antideutschen Kriegspropaganda, um das Volk gegen die Wahrheit des Krieges rebellisch zu machen. Wenn alles das, was man gegen den Film gesagt hat, zutrifft, dann sollt« man doch lieber den Krieg verbieten! In Neukölln war der große Saal der„Neuen Welt" um 7 Uhr eröffnet und um �8 Uhr mußte die Polizei ihn schließen, weil nicht nur olle Plätze besetzt waren, sondern auch alle Gänge und der Rang tausende Republikaner aufgenommen hatten. Es wurde sofort eine Parallel- Versammlung nach Kliems Etablissement einberufen. Auch diese Ver- sammlung wurde nach einer halben Stunde von der Polizei wegen Ueberfüllung gesperrt. Die Versammlung in der„Neuen Welt" begann mll dem stürmisch begrüßten Einmarsch der Fahnen und einem Konzert des Musik- und Tambvurkorps. Dann gab der Dorsttzende, Kamerod Gutschmidt, dem ersten Redner, dem Abgeordnelen Franz Künstler. das Wort, der eine scharfe Abrechnung mll den Nationalsozialisten hielt und ständig von starkem Beifall unterbrochen wurde. Die Oberftlmprüfftelle, so betonte er, habe den nationalsozialistischen Kriegstreibern einen Sieg bereitet. Die Schwester eines Generals und ein Mann der Theologie aus der evange» tischen Pressestelle haben bestimmt, daß die deussche Armee durch diesen Film schwer beleidigt sei. Hätten in der Spruchkammer ehe- malige Frontsoldaten gesessen, die aus eigener Erfahrung die Schrecken des Weltkrieges verspürt haben, sie hätten bestimmt den Antrag auf«in Verbot abgelehnt. Die Nationalsozialisten verlangten das Verbot, weil sie verhindern wollten, daß die deutsche Jugend über die Gefahren eines modernen Krieges unterrichtet wird. Die größten Hetzer gegen diesen Film waren Männer, die nicht aus eigenem Fronterlebnisse schildern können. Eingefleischte Militärs begrüßten ebenfalls das Verbot, weil die Wahrheit über das Verhältnis zwischen Mannschaften und Offizieren so gezeigt wurde, wie«s vllle Solkaten aus eigenem Erleben bestätioen können. Die historische Wahrheit kann durch kein Verbot eines Films aus- gelöscht werden. Das Verbot des Films muß alle Arbeiter be- stimmen, sich mit größter Aktivität einzusetzen gegen Kriegs» betz« und für Friedensziele. Kampf der Reaktion, dem Todfeind der Republik und der Arbeiter ist heut« die Losung! Abgeordueter Seeger-Dessau forderte auf. nicht nur jetzt in dem Augenblick, wo das Verbot ausgesprochen ist, sondern darüber hinaus zu jeder Zeit und Stund« einsatzbereit zu sein. Ein Nationalsozialist, der sich zur Diskussion zum Das Brüderchen. Goebbels Bruder wurde in Rheydt wegen Beteiligung an der(krfchießung eines Arbeiters verhas-et. Goebbels I zu Goebbels ll:„Das hättest Du schon im Kriege von mir lernen sollen: selber immer weit vom Schuß bleiben!" m Wort meldete, und dann von der Bühne herab die wüstesten Beschimpfungen gegen das Reichsbanner vorbrachte, pro- oozierte, trotzdem ihm das Wort entzogen wurde, jo lang«, bis er entfernt wurde. In der Parallelv«rsammlung bei Mems sprach erst der Schriftsteller Erdmannsdörfer und dann der Reichstags- abgeordnete Künstler. Auch dies« Versammlung zeigt« einen glänzenden Kampfgeist. * In allen Versammlungen, die von starker Begeisterung getragen waren, wurde«ine Entschlietzung angenommen, in der gegen das Verbot des Films vom Kriege protestiert wird und in der es weiter heißt: „Das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold" stellt sich ast die Spitze des Kampfes gegen den faschistischen Terror, für den Geist und für die Grundrechte der Weimarer Verfassung. Dieser Kampf gegen nationalsozialistische Provokationen darf jedoch nicht durch Demonstrationsoerbote gelähmt werden. Wir verwahren uns darum aufs entschiedenste dagegen, daß die staatsbejahende Organisation des Reichsbanners Schwarz- Nct-Gold mit dem Hakenkreuzpöbcl auf eins Stufe gestellt wird." Der Landtag tagt... Volksbühnen-Dertrog dem Ausschuß überwieseu. Der Preußische Landtag trat am 15. Dezember wieder zusammen. Präsident Bartels gedacht« zunächst der inzwischen verstorbenen Abg. Adolph Hoffmann(Soz.) und Dr. P o r s ch (Z.) in einem längeren Nachruf, den das Haus stehend anhörte. Adolph Hoffmann sei als einer d«r ersten Vertreter der Sozialdemo- traten 19i)8 in das Preußenparlament eingetreten und habe als schlagfertiger und witziger Redner oft zur Belebung der Parlaments- fitzungen betgetragen. Abg. Dr. Porsch habe im ganzen 46 Jahre dem Parlament angehört und auch als Vizepräsident an der Spitze des Landtags gestanden. Für den verstorbenen Abg. Adolph Hoffmann ist Frau Dr. Käthe Frankenthal(Soz.) als Abgeordnete in den Landtag eingetreten. Die Abg. Frau von Till in g(Dnat.) und Schulze- S t a p e n(Dnat.) haben ihre Mandate niedergelegt, da sie in den Reichstag gewählt sind. Das Haus erledigt zunächst eine Reihe kleinerer Vorlagen und beginnt dann mit der Beratung über den Skaaksvertrag mit der Berliner Volksbühne. Danach soll die Volksbühne für die Aufgabe ihres Rechts auf Vor- stsllungen in der zu schließenden Krolloper eine geldliche Ab- f i n d u n g und die Zusicherung von Vorstellungen in der Staats- oper Unter den.Linden erhalten. Abg. Schulz-tteukölln(Komm.) erklärt, der Vertrag verlange zu- gleich die Schließung der Krolloper und nehme damit dem preußischen Staat die Maske, als treibe er soziale Theaterpolitik. Gerade die Krolloper sei immer als vorbildliches Unternehmen gepriesen worden. Di« Mitglieder der Volksbühne wären gegen den Vertrag. Die Volksbühne sei vom kapitalistischen Staat g« kaust und werde zur Verwirrung der Klasseninteressen der Arbeiterschaft mißbraucht. Durch Staatsfubvention wolle sich die Leitung der Volksbühne nur eine Gehattsgarantie sichern, um ihr schmutziges Gewerbe forzusetzon. Der Redner wird vom Präsidenten zur Ordnung gerufen, als er von einer„Bande von Suboentionsjägern" spricht. Die Abg. Koch-Berlin(Dnat.) und Buchhorn(D. Vp.) beantragen die Vorlage ohne Debatte an den Hauptausschuß zu überweisen. Das Haus beschließt den, entsprechend. Einem Ausschußantrag folgend, der die Ablehnung kommu- nistischer Anträge über Streitigkeiten des Grafen von Hesienstein bzw. der schleswig-holsteinischen Höse-Bank gegen bäuerliche Pächter empfiehlt, werden die kommunistischen Anträge abgelehnt. Angenommen wird ein Hauptausschußcmtrag, das Staats- Ministerium zu ersuchen, sofort in eme Prüfung der Frage einzu- treten, wie durch Ilferschutz die Oskküske der Insel Helgoland bis zur Nordspitze gesichert werden kann. Die Regierung wird um eine entsprechende Vorlage ersucht. Es folgt die Beratung eines Antrags, nach dem öffentliche Versammlungen für die Schuljugend nur nach einge- boltcr Erlaubnis der Schulbehörden einberufen werden dürfen. Der Hauptausschuß hatte dem Antrag zugestimmt, während der Unter- richtsaueschuß jetzt seine Ablehnung empfiehlt. Abg. Dr. Aueländer(Komm.) wendet sich gegen die Annahme des Antrags des Hauptausfchusies. Der Antrag wird nach dem Vorschlag des Unterrichtsausschusses abgelehnt, ebenso der deutschnationale Antrag, daß Schulspargelder bei den Genossenschaften anzulegen sind. Abgelehnt wivd auch ein kommunistischer Antrag, in den Schulen körperliche Züchtigung und Arreststrafen in jeder Form zu unter- sogen. Hierauf folgt die Beratung der Berichte über die Prüfung der Haushalksrechnungen von 1924. 192S und 1926. Abg. Dr. Rose(D. Vp.) begründet als Berichterstatter des Rechnungsausschusses dazu ausführlich eine Reihe von Ausschuß- antragen. So wird u. a. gefordert, eine Staatshaushalts- o r d n u n g vorzulegen, die sich an die neue Reichshaushaltsordnung anlehnt und dadurch Ein- und Ausgaben übersichtlicher gestaltet. Abg. Ebersbach(Dnat.) kritisiert die immer stärker werdende Tendenz, die Tätigtest der Oberrechnungskammer einzuschränken. Der Bau des Rürburgringes fei«in dunkler Punkt des Zentrums. Die deutschnationale Fraktion werde beantragen, über die dabei getriebene Verschwendung von den verantwortlichen Beamtem die sämtlich Zentrumsleute sind, Rechenschaft zu verlangen. Die Debatte wird abgebrochen. Das Haus vertagt sich auf Dienstag, den 16. Dezember, 12 Uhr. Tagesordnung: Hochwasieranträge, deutfchnationaler Mißtrauensantrag gegen den Minister Severins wegen der Haltung zum Remarque-Film, erste Lesung des Etats für 1S31. Oer Kall Bullerjahn. Wiederaufnahme eines Landesverratsversahrens. Der Oberlageroerwalter Bullerjahn wurde vor fünf Jahren vom Reichsgericht wegen Landesverrats zu 15 Jahren Zuchthaus ver- urteilt. An der Berechtigung des Urteils wurden feit langer Zell Zweifel erhoben. Jetzt scheint ein Wiederausnahmeantrag Aussicht auf Erfolg zu haben. Den Anlaß zu der Verurteilung bot seinerzeit eine Durchsuchung der Bsrlin-Karlsruher Jndustriewerke in Wittenau durch die Inter- alliierte Milstärkontrollkommission. Bei dieser Durchsuchung wurden Waffen und Kriegsmaterial für ungefähr ein«� halbe Million Mark gefunden. Lullerjahn wurde auf Grund von' Indizien beschuldigt, dieses Kriegsmateriallager an die Kontrollkommission verraten zu haben. Hauptbelastungspunkte waren die Tatsache, daß er in der Nähe der Wohnung des französischen Leutnants Jost in Charlotten- bürg gesehen worden ist, um sich— so behauptet das Reichsgericht— den„Verräterlohn" zu holen, und das Zeugnis eines vom Reichsgericht ungenannten Zeugen. Der französische Leutnant Jost, Mitglied der Interalliierten Kontrollkommission, hat nun Privatpersonen gegenüber geäußert, daß er Bullerjahn ine*«; noch ihw Geld, ausgezahlt Hab«, noch ihn Hütt« Oer Aufruhr Fliegerausfiand niedergeworfen Ueber die Lage in Spanien liegen keine direkten Nachrichten vor. da feit Montagmittag die tele» phonischen und telegraphifchen Berbin- düngen zwischen Madrid und Berlin unterbrochen sind. Pariser und Londoner Meldungen zufolge, die wiederum auf amtlichen Nachrichten der Spanischen Negierung beruhen, besagen allerdings, daß der Auf- st and der Fliegertruppe zusammen- gebrochen sei. Anderseits wird gemeldet, daß der BelagerungS- zustand über ganz Spanien verhängt worden ist. und daß Generalstreiks in alle» größere« Orten ans- gebrochen flud. Ueber die Entwicklung der Dings am gestrigen Tag« liegen im einzelnen folgende wesentlich« Nachrichten vor: Am Montagvormittag warfen spanische Mrlitärflieger über der Haupt st adt des Landes und einem Teil der übrigen Garnisonstödte Spaniens zahlreiche Flugblätter ab, auf denen es u. a. hieß: ..Soldaten! lierganzene Rachl ist in ganz Spanien die so lang erwartete republikanische Bewegung ausgehrochen, erwünscht von allen, die Gerechtigkeit ersehnen. Volk und Heer haben vereint die Bewegung durchgeführt. Die Nachrichten, die man von der schon eingesehien republikanischen Regierung erhält, bestätigen den Erfolg. wie er zu erwarten war. Alle müssen stch der Bewegung anschließen. um einen Bürgerkrieg zu vermeiden. Tut Ihr das. verdient Ihr den Dank des Vaterlandes und verhütet, daß unschuldige Opfer fallen. Wenn Euch aber Eure Schwäche und Ahnuugslosigkest zum Wider- stand gegen einen nationalen willen veranlaßt, so werdet Ihr die ersten Opfer sein. Wenn Ihr Euch nicht sofort unterwerft, so werden Eure Kasernen in einer halben Stunde bombardiert werden. Es lebe Spanien, es lebe die Republik!" Am späten Nachmittag ließ die spanische Botschaft in London offiziell die Nachricht oerbreiten, daß die Regierung in Ma- drid Herr der Lag« sei. Dem widerspricht jedoch die Tat- fache, daß fest Montagmorgen 1l,30 Uhr jeder telegraphische und telephonische Verkehr zwischen London und Madrid (wie auch zwischen Berlin und Madrid) aufgehört hat. Die Niederwerfung des Ziiegeraufstandes. Der spanische Flieger, Major Franco, hat die Absicht gehabt, vom Milstärflugplatz Cuatro Vientos aus eine Putsch- überhaupt in seiner Privatwohnung empfangen dürfen. Als der „unbekannte" Zeuge wurde einige Zeit nach dem Inkrafttreten des Urteils das ehemalige Vorstandsmitglied der Bertin-Karlsruher Jndustriewerke Paul von Gontard bekannt. Der Wiederaufnahmeantrag, für den sich seinerzeit im Reichstag der verstorbene Genosse Paul L e v i eingesetzt hatte und den jetzt Genosse Dr. Kurt R o s e n f e l d betreibt, stützt sich auf die Er- Ilärungen des Leutnants Jost und auf die Behauptung, daß Herrn von Gontard mehrfach Unglaubwürdig- keit seiner Aussagen und strafbare Handlungen nachgewiesen seien. Abgesehen davon hat Herr von Gontard im Privatgespräch selbst erNärt, daß er nicht formell kommissarisch vernommen sei, sondern daß auch seine belastenden Aeußerungen nur im Privat- gcspräch gemacht worden seien. Gontard ist wegen geschäftlicher Differenzen mit dem Aufsichtsrat der Berlin-Karlsruher Jndustriewerke aus seinem Amt als Vorstands- Mitglied ausgeschieden. Die Differenzen entsprangen daraus, daß der Aufsichtsrat nach Auesage des früheren Aufsichtsratsnorsitzenden, Ge- heimrat Hagen und seines Nachfolgers Dr. Quandt, in den G c- schäftsberichten des Herrn von Gontard auffällige Widersprüche fanden. Weiter hat Herr von Gontard in einem Schriftsatz über die Höhe seiner eigenen Lezüge, der vpn Geheimrat Hagenunterzeichnetwar, ohnedessenWissennachträgliche Aenderungen zu seinen Gunsten vorgenommen. Dazu kommt noch ein dritter Vorwurf, der der Erpressung, die mit einem Schreiben des Herrn von Gontard an einen Aktionär der Daimler- Benz Arbeitsgemeinschaft A.-G. begangen worden sein soll. In diesem Schreiben drohte er an, im Falle seiner Richtwiederwahl zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats werde er„einen Skandal a la Va rmat Inszenieren*.■ r•_ in Spanien. i/ aber Generalstreik im Gange. bewegung gegen die Madrider Regierung einzuleiten. Die B e- fatzung des Flugplatzes, insgesamt etwa 500 Mann, sowie mehrere Offiziere, darunter auch der Kommandant des Flughafens, hatten sich der Vewegung angeschlossen. Von Cuatro Vientos aus wurden, wie bekannt, mehrere Flugzeuge nach Madrid entsandt, um die Flugblätter, in denen zur Revolution ausgefordert wurde, abzuwerfen. Die Madrider Regierung hatte jedoch sehr bald Mitteilung von den Vorkommnissen auf dem Flugplatz erhallen und schickte regierungstreue Truppen aus, die sofort Artillerie- s e u e r auf die Flugplatzanlagen eröffneten. Schon nach kurzer Zell ergaben sich die Ausständischen. Major Franca und die übrigen Offiziere stüchleken in vier Flugzeugen. Die Regieruugstruppen fanden auf dem Flugplatz mehrere Flug- zeuge vor, die mit Bomben versehen worden waren. An- scheinend sollten sie dazu dienen, die in den Flugblättern enthallene Drohung eines Bombardements der Hauptstadt in die Tat wnzu- setzen. Ueber die Zahl der Opfer, die die Beschießung des Flug- Platzes gefordert hat, ist noch nichts bekannt. An der spanisch-französischen Grenze ist von der spanischen Grenzpolizei die Grenzion trolle verschärft worden, um eine Flucht von Aufständischen nach Frankreich zu ver- hindern. Der Pyrenäentamm ist mit hohem Schnee bedeckt, so daß eine Ueberquerung große Schwierigkeiten bereitet. Blutige Vorfälle in San Sebastian. Paris. 15. Dezember. Havas meldet aus Heirdaye: Heute früh sollen mehrere Gruppen extremistischer Manifestanten in die Büros des Gouverneurs von San Sebastian eingedrungen sein und zwei wachthabende Polizisten, die ihnen entgegentraten, durch Reoolverschüsse getötet haben. Die Manifestanten sollen dann das ganze Büro» Material zerstört haben. Ander« Extremisten fasten zur gleichen Zeit in den Zufahrtstraßen der Stadt die Milchwagen angehallen und den Arbeitern, die sich an ihre Arbeitsstätten begeben wollten, den Weg versperrt haben. Die Zivilgarde und die Polizei sollen bei der Ver- folgung mehrere Manifestanten getötet bzw. verletzt und ein« große Anzahl verhaftet haben. In San Sebastian und I r u n seien die Cafes und die Läden geschlossen. Der Telephon- und Telegraphen- verkehr nach Spanien ist unterbrochen, weil die Monisestanten in San Sebastian dieApparatederPostzerstört haben sollen. Dr. Rofenfeld hat{ich weiter darum bemüht, den f r a n z ö s i- schen Leutnant Jost zu veranlassen, in Deutschland als Eni- lastungszeug« für Bullerjahn aufzutreten. Auf em Schieiben nach Nancy, dem jetzigen Aufenthaltsort des Leutnants Jost, hat dieser geantwortet, daß er seinen bisherigen Bekundungen nichts hinzuzufügen habe, daß er aber als französischer Beamter n u r a u f Anordnung seiner vorgesetzten Behörde aussagen könne. Di« Reichsanwallschaft, der die gesetzliche Verpflichtung zur Auf- klärung zweifethaster Urteilsfälle obliegt, hat allein die Möglichkeit, durch Inanspruchnahme des internationalen Rechtshilfeabkommens entweder Jost auf diplomatischem Wege vorzuladen oder kommissa- risch In Nancy vernehmen zu lassen. Da die zur Begründung des Wiederaufnahmeantrags vorgebrachten Tatsachen die Feststellung des Reichsgerichtsurteils gegen Bullerjahn immerhin in einigen wichtigen Punkten zweifelhast machen, hat Dr. Rosenfeld als Rechtsvertreter Bullerjahns Antrag auf Unterbrechung der Strafvollstreckung ge- stellt. Am 15. Dezember war der Termin zur Beibringung neuer Tat- fachen für die Begründung des Wiederaufnahmeverfahren» ab- gelaufen, und es ist zu erwarten, daß die Reichsanwallschaft sich in der nächsten Zell zu dem Antrag äußert. Der neue Sowjetbotschaster Chintschuck überreichte dem Reichs. Präsidenten das Beglaubigungsschreiben. Fünfjährige Aussetzung der Todesstrafe in England. Das von der Arbellerregieriing eingesetzte Untcrsuchungskomitee zur Aufhebung ber Todesstrafe hat mit Mehrheit beschlossen, dem Unter- Haus einen Gesetzentwurf zugehen zu lassen, bei die Todesstrafe für die nächsten fünf Jahre aussetzt..._... WERTHEIM Leipziger Sir.(Veisand-Abi) Königsfr. Rosenfhaler Str. Frisch. 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Karpfen Pfd. v. an 0.95 RSuchegwarcn Bücklinge, Flundern n Pfund von an U.»l» Seelachs.-Pfund von an 0.42 Sprotten Pfd. od. ia>t grohe Varteifprograram I Tanz I Voihsbtihne Tbntn in BSIowplatz. 8 Uhr Defraadanten mit Hai Pallenberg Big.: Barl Bein: Marti» StaatLMiller-Iti. 8 Uhr Dcrlranm ein Lcitfn Tneater am scitinbauerdamm 8V. Uhr DIeQaadratnr des Kreises Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Die Stumme von Portlcl ({ammerspiele 8Vj Uhr Der Diener zweier Herren von Carlo Goldoni Regia; Mai Beiniiardt MM Tlinie; 8 Uhr Elisabeth von Engiantl von Fem Brnchnei Regit: Beim Kilperl Die Komödie 8«1» Uhr Der Schwierige in Bigi iod»glninsitlu1. Regie; Mai Beiihardt. Philharmonie 8 Uhr ChorKonzerl mit t Philharm. Ordiesta; Dirigent; Arnold Ebel Haydn; Requiem, Moz;: Messe C-dur Eintritt 1 M. EUle'SanRer Kottbusser Str. 6 F. 8. Oberb. 6070 Tägl.«V. U, auch Sonntag und 3. Feiertag 3'/j Uhr Weitmadits- gloiken ! 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SesiSwea SO Pferde and la a m a s OS üsbEfiBaincDS SS der giiste and beste Gledlaloreuakt der Rgltt i Clowns, UnevolafleneD und weitere Ucberrascliuagon) I Erich Wilde Hans Rose Edgar Kanisch ROSE-THEATER CroBe Frankfurter StruOe 133 Billettkesee: Ale*. 3422 nnd 3484 Täglich B", Sonnabends 7 und tO" Uhr, Sonntags k*1, 5" und B Uhr ■Dar Drei-Einakter-Abend „Dar Diener zweier Herren" „Die schöne Galathae" und„Erster Klasse" Mittwoch 5 Uhr und Sonnabend 4» Uhr „Bastelhans und Quasselgrete" Weihnachtsmärchen von Vicky Baum Programm für 1. und 2. Feiertag; 3 Uhr; Zum letzten Male „Faznllie Hnnnemann'* ß« Uhr: Zum letzton Male„KukHÜ** 9 Uhr: ,,Blc Dollarprincesftin" Der Vorverkauf ist eröffnet 3. Feiertag: 4« ü.:»yBastelhnna w.«Inasaelurrele'* 7 u. 10« Uhr:»Die DollstrprinsesBln" Geschenke für iung und ai3. Dezember 1939. Der Vorstand: Lieht Äoglin Vorsttzenber. Echristlsthrer. Adolph Honmann/ SelhstreriBB Berlin C 23, Prenzlauer Straüe IS. Ii Postscheckkonto: Berlin 130 461 Fernruf: E 2 Kcpfergraben 2670 sowie durch die Amgabesiellen de« „Vorwärls" und deren Bolen fr aaen, iir iür Winteraufctalhalt Nähe Gartnisch bei Parfeijjenossen zu vergeben. Zusdiriften an |,rO». Mayr, Oberau(Oberbaycrn) OentsdiiüWlailieiMiliaiiil Achtung. Fellenarhelier! Mittwoch, de» 17. Dezember. aachmittogs S Ahr. im Cofal oon Jtenftoig, Cinicnfft. 195 Branchen-Versammlung Tagesordnung: Stellungnahme zum Lohnabbau. Ohne M>tgUeb4b»ch fern Zutritt. Zahlreicher Besuch wird erwarlet. Donn«r»to9. dr« 49. Dezember, nachm. 3 Uhr, in Doelers ZestsfUen, Meberstratze 1Z Vollversammlung der Karosseriearheiter Tagesordnung: t Bericht über unsere Verhandlung vor bem Schlichter von Brandenburg. 2. Disfutston. Ohne Milgiied-duch fein Zuiri«! Das Erscheinen aller Kollegen ist unbe» dingt notwendig. verwsllungsmngiiedsr! Di««nszahin-g»er Liquibafiooen erfolgt infolge der Zeiertoge om Zreilon. dem 49. Dezember ISZ0, in bor Zelt von«-«ie Uhr, bei dem Kollegen Schmidt. Die AnnttlonSre haben umgehend ihre Lignidationen einzureichen. Achtung. Funktionare i 3m Monat Dezember fallen folgend« tZertrunensmdnner- Konferenzen an»: Der tranensuiSnner. Konferenz der vrllifer. Gürtler. SchniltarbeUer und Schraubendreher sowie der Melallschieiser und chaloaniseure. Die Sranchen-Versammlung der ZigarsltenmoichinensShrer nnd Se» »rirbshandmerler stillt Im Monas Dezember o�». Die Ortsverwellni* / Nr. SS7- 47. Zahrgaog OlenStag- 16. Dezember 1930 „Verhetzte Weltstadtjungen!" Oer Prozeß um Scheuen.— Die Verteidigung verschleppt weiter. Bei der Forisetzung der Veweisaufnahme im Veleidi- pungsprozetz der Stadträtin w e y l gegen den Redakteur 3 r e i st a d t de» kommunistischen Blattes„Berlin am Blorgen" stellte sich heraus, dah die Verteidigung bemüht ist, das Prajehthema immer wieder zu verlassen und die Verhandlung aus die Gesamlfrage der Fürsorgeerziehung auszudehnen. Um die Mittagsstunde kommt es zwischen dem Verteidiger Löwenthal und dem Gericht zu einem heftigen Zusammenstoß. In dem ihm eigenen überheblichen Ton stellt der Rechtsanwalt an den Obermagistratsrat Knauth eine Frage, in der diesem Pflichtoersäumnis vorgeworfen wird. Das Gericht beanstandet die Frage, cherr Löwenthal antwortet sehr heftig, so daß der Vor- sitzende,„da in diesem Ton nicht wetter verhandelt werden könne", die Sitzung unterbricht. Nach Wiederaufnahm« der Verhandlung gibt Obermagistratsrat Knauth ein Bild der Verhältnisse in Scheuen, das geeignet ist, die Ursachen der Revolte vom Februar klarzulegen. Die Wirtschaft- liche Entwicklung der letzten drei Jahre hat dazu geführt, daß 70 Proz. der Jugendlichen, die der Fürsorge anheimfallen, kriminell vorbestraft sind. Die Zahl der Psychopathen ist sehr hoch. Durchweg Handell es sich um Schwererziehbare. Di« lobenswerte Arbeit der Jugendämter hat dazu geführt, daß vor der Ueberweisung an die Fürsorge alle Mittel, wie Unterbringung in anderen Heimen, Verschaffung von Arbeitsstellen usw„ versucht werden. Die Zugendlichen, die dann aber in Fürsorgeerziehung komme», mnsteu zum allergrößten Teil als vollkommen verwahrlost und verdorben angesprochen werden. Trotzdem hofft das Landes» jugendamt auch bei ihnen noch auf Besserung durch moderne, humane Erziehungsmethoden. Hinzu kommt, daß der Berliner Weltstadtjunge an sich zu Explosionen neigt und Radau und Opposition liebt. Die Neigung zur Revolte wurde durch das Lampelsch« Buch noch dahin verstärkt, daß man sich sagte: Jetzt müssen wir auch einmal losschlagen und so etwas machen! Noch der Revolte haben die Jungen dann selber gesagt: ES war ja alleS Quatsch und' Theater. So liegen die Ursachen der Revolte, die äußere Veranlassung fällt aus das Schuldkonto Straubes. Er hätte die Dinge durch- schauen und anders handeln müssen. Daneben darf auch die kom- munistische Verhetzung nicht vergessen werden, wir werden durch diese presse al, Blükhoade. Menschenschinder und Zörgiebel- si aechte hiugestellt, und diese falschen Anschauungen werden den Zugendlichen dann eingeimpft. Der Pfleg« H«mann, der kurz nach der Revolte in Scheuen tätig war, sagt aus, daß Frau Stadträtin Weyl das Verhalten des Direktors Straube auf das schärfst« mißbilligt und getadelt habe. Ihm selber seien die Erziehungsmethoden Straubes als falsch erschienen. Er könne es nicht gutheißen, daß der Direktor einer Anstalt sich eine Art von Garde bilde. Diese Schützlinge Straubes feien mit Gummiknüppeln und anderen Geräten ausgerüstet gewesen, auch habe sie Straube bei der Verteilung der Arbell bevorzugt und ihnen Zigarren und Zigaretten geschenkt. Ein« solche bevorzugte Behandlung einzelner hält Hemonn, der sich zur Sozialdemokratie bekennt, für erzieherisch durchaus ver» we rflich. Straube habe es sehr gut verslanden, sich eine Maske vor» Gesicht zn sehen. Als Frau Weyl die Wahrheit erfuhr, sei ihre Entrüstung groß gewesen. Die Dezernentin im Landesjugendamt, Fräulein John, sagt aus, daß Stadträtin Weyl allerdings Anweisung gegeben habe, bei Klogen von Zöglingen über Mißhandlungen oder ander« Mißstände zuerst die Anstaltsleiter zu hören. Frau Weyl gibt hierzu an, daß sie zu ihren verantwortlichen Beamten allerdings ebensoviel Ver- trauen haben müsse, wie zu einem Zögling, und Obermagistrotsrat Knauth fügt hinzu, daß niemals Frau Stadträtin Weyl eine Unter- suchung abgelehnt oder auch nur abgeraten hätte, wenn er bei seiner Vorgesetzten eine solche in Anregung gebracht hätte. Der von der Verteidigung als Sachverständiger geladene Professor Bondy muß sich belehren lassen, daß sein Vorwurf gegen die leitenden Stellen der Jugendpflege, Berlin besäße kein Sonderheim für jugendliche Psychopathen, Frau Weyl am wenigsten träfe. Die Statürätin habe immer wieder auf die Schaffung eines solchen Heimes gedrängt, doch habe der Stadtkämmerer mit Rücksicht auf die Finanzlage Berlins die Mittel nicht in den Etat einzustellen vermocht. Die Verhandlung wird um 17 Uhr wegen Erschöpfung ewer Schösfin abgebrochen und auf Donnerstagvormittag g Uhr vertagt. Da die Verteidigung immer wieder vom Beweisthema abgelegene Dinge berührt und der Vorsitzende die Zügel mit großer Mild« führt, ist damit zu rechnen, daß der Prozeß mindestens noch den ganzen Donnerstag in Anspruch nehmen wird. U-Bahn für die Arbeiter. Achtzig Kilometer Schnellbabnneh.— Die neue Strecke Alex-Lichtenberg. Mit der Eröffnung der neuen U-Vahnstrecke vom Alexanderplah nach Lichtenberg, die Voraussicht- (ich am 21. Dezember stattfinden wird, ist wiederum ein wichttg« Abschnitt in der Entwicklung des Berliner Schnellbahnnetzes vollendet. Dank der umsichtigen Vertehrspolitik des sozialdemokratischen Stadtrales Reuter wird so wieder einer der dichtbevölkertsten Arbeiterbezirte der Weltstadt dem Schnellbahnverkehr erschlossen. Da zu derselben Zeit auch die Verlängerung der Nord-Slld- Bahn von der Station Bergstraße über Neukölln(Südring) nach Grenzallee dem Verkehr übergeben werden soll, erfährt das Berliner U-Bahnnetz, das nach der Inbetriebnahme der GN.-Bahn an: Karfreitag dieses Jahres auf rund 70 Kilometer angewachsen war, eine neuerliche Ausdehnung um 8,1 Kilometer durch die Ost-Schnellbahnlinie nach Lichtenberg und weitere 1,5 Kilometer der Verlängerungsstreck e Bergstraße— Grenzallce auf insgesamt 79,6 Kilometer. Binnen Zahressrist ist damit eine bedeutende Ent- Wicklungsperiode zum Abschluß gebracht. Noch vor einem Jahr, da», heißt Mitte Dezember.1929, belief. fich die Länge des gesamten Perfmer SchnKllbahpnetze»..ylis..nur. rund Bö Kilometer, und:; erst mit der Vallendung-der Verlängerungsstrccke» noch Zchlendors (Thielplatz— Krumnic Lanke), Tempelhof und' Richieben, die kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres(am 22. Dezember) in Betrieb genommen wurden, erfolgte die erste größere Expansion auf 64.4 Kilometer, der sich als zweite die Eröffnung der Linie Neanderstraß e— G esundbrunnen(6 Kilometer) anschloß. Eine nur unbedeutende Vergrößerung des U-Bahnnetzes um 1.2 Kilometer brachte sodann die Inbetriebnahme der Strecke Nordring— Vinetastraße. Die neue Ost-Schnellbahnlinie ist mit S,1 Kilometer Länge die größte U-Vahnstrecke, die in der Nachkriegszeit dem verkehr übergeben wurde— und nur ein einziges Mal hat es sich in der Entwicklung des Berliner Hoch- und Unter- grundbahnnetzes ereignet, daß an einem Tag« eine noch größere Ueberhaupt war's eine Konjunkturzeit wie noch nie. Wer vorwärts kommen wollte, kam vorwärts. Kein Unternehmer jammerte, es sei denn, er verstand nicht zu wirt- schaften. Die Löhne stiegen: auch der niedrig bezahlte Arbeiter war in der Lage, sich und seine Familie anständig zu ernähren. Mehr und mehr dehnte sich das ungeheure Berlin aus. Wieder rollte die Mark! Der Mammon regierte! Aufgestachelt durch die hohen Verdienstmöglichkeiten baute das Kapital ganze Straßen, ganze Stadtviertel in einem ein- Zigcn Zuge auf. Die starke Belebung des Baumarktes wirkte auch auf alle andern Berufe günstig. Nicht nur die Maurer und Hand- langer verdienten, nein, es oerdienten auch die Erdarbeiter, die Plattenleger, die Putzer, die Installateure, es verdienten die Zimmerleute, die Maler, die Dachdecker, die Bautischler: es verdienten die Schlosser, die Elektromonteure, die Fassaden- wascher: es verdienten die Lieferanten und durch diese wieder olle, die mit den betreffenden Branchen zusammenfloß. Der Goldstrom, aus den Taschen der Bauherren fließend, verteilte sich, je weiter er kam, in immer kleinere winzigere Kanäle, so schließlich die feinsten Wurzelausläufer des Wirtschaftslebens befruchtend. Doch am meisten blieb von dem metallenen Segen am Unternehmertum hängen. Dieses verdiente am meisten. Dem Unternehmertum gegenüber stand die geschlossene Phalanx der vorwärtsdrängenden Arbeiterschaft. Nie waren ihre Organisationen mächtiger als jetzt, wo es ihnen, gemessen an früher, materiell besser ging. Der riesenhafte Koloß hatte sich in Marsch gesetzt, und siehe da, der Unternehmer wich zurück. Wenn auch zunächst nur schrittweise. Die Arbeiterschaft erkämpfte sich mit bitteren Opfern das Recht auf den 1. Mai. Sie erstrebt? den Achtstundentag und führte ihn in jnonchcn Betrieben auch durch. Sie erzwang eine Gewerbeaufsicht, die Schutz an den Ma- schinen gebot. Sie setzte sich ein für das gleiche, geheime Wahlrecht, um die Gleichstellung von reich und arm als Staatsbürger. Sie war eben im besten Zuge, im Vertrauen auf die Kraft ihrer Einigkeit, zu noch größeren Zielen vorzustoßen. Da, mitten ins Herz dieser wirtschaftlich starten, von sozialen und politischen Kämpfen getragenen Zeit, fiel wie eine Bombe der Krieg. Das Volk stand vor Tatsachen, die sich nicht mehr ändern ließen. Ludwig erging es wie vielen Tausend andern, er konnte einfach nicht begreifen, daß Krieg war. Wie alle Arbeitsbienen, hotte er bisher noch nie an Zer- störung, sondern immer nur an Arbeit gedacht. In diesem Augenblick war Krieg das Schlimmste, was ihn treffen konnte. Das Ungeheuerlichste: denn es bedeutete Schmälerung und schließlich sogar Abdrosselung seines Profits. Das verstand er augenblicks: wenn Millionen marschier- ten, loschen die Gepflogenheiten des Friedens aus. Und wurden keine Möbel mehr gebaut, konnte er sehen, wo er mit .seinem Betrieb bliebe. Sollte der Segen, der goldene, kaum richtig begonnen, bereits zu Ende sein? Durch einen sinnlosen Eingriff von außen? Dann hole diesen Krieg jetzt schon der Teufel! * Sonntags, kaum daß es richtig hell geworden war, klopfte es an die Wohnungstür Ludwigs. Unwirsch über die Störung sprang er aus dem Bett und öffnete. Sein Wertsührer stand draußen Ludwigs schlechte Laune vergrößerte sich noch mehr, als er den Zweck seines frühen Besuches erfuhr. Sandow war nämlich gekommen, um Abschied zu nehmen. Als ehemaliger aktiver Soldat mußte er sich ohne Aufschub gleich am ersten Mobilmachungstage stellen. Doch er lachte, als er Ludwigs zorniges und gleichzeitig auch bekümmertes Gesicht sah, und sagte:„Menschenskind, reg dich nicht auf, die Sache ist gar nicht so tragisch. Lange kann der Spaß gar nicht dauern. In spätestens vierzehn Tagen Schützenfest in Paris! Außerdem, für mich wird's nicht schlimm. Ich bin Feldwebel einer Sanitätskompagnie, und du weißt ja, wir Pflasterkästen halten uns möglichst weit ab vom Schuß, schon um unsere Talente dem Roten Kreuz zu erhalten. Also setz ein anderes Gesicht auf!" Strecke eröffnet wurde, und zwar fiel dieser denkwürdige Tag auf den 12. Oktober 1913, als die Wilmersdorf— Dahlemer Bahn in einer Gesamtlänge von 8,5 Kilometer und gleichzeitig die Strecke Wittenbergplatz— UhlaiÄstraße mit einer Länge von 1,5 Kilometer, also insgesamt 19 Kilometer U-Bahnsttecken, in Betrieb genommen wurden. Salzsäure im Kaffee. Mordversuch eines minderwertigen jungen Menschen. Wegen versuchten Wördes an seiner Stiefmutter wurde von der Kriminalpolizei ein 20 Zahre alter Ollo h. festgenommen und dem Richter vorgeführt. Otto H. macht den Eindruck eines höchstens Fünszchnjährigen und ist ohne Zweifel körperlich wie geistig minderwertig. Sein Bater hak sich zum zweitenmal verheiratet und es fehlt dem Jungen zu Hause an nichts. Für feine Vergnügungen aber brauchte das Bürschchea mehr Geld, als die Eltern ihm zubilligen konnten und so stahl er zu- nächst dem Vater und später, als feine Stiefmutter zufällig dahinter kam, dem Onkel das Geld aus der Tasche. Auch das erfuhr die Frau. Da der ungeratene Junge fürchtet«, sie würde dem Vater etwas sagen, verübte er einen heimtückischen Mordversuch. Als die Frau eines Tages trank war, bereitete Otto ihr eine Tasse Kaffee und tat eine gehörige Portion Salzsäure hinein. D.e Stiefmutter, der er den Kaffee ans Bett brachte, verspürt« den üblen Geschmack und trank den Kaffee nicht, sandte ihn vielmehr nach dem Untersuchungsinstitut, wo der giftige Zusatz schnell festgestellt wurde. Otto H. wurde festgenommen und gab zu, daß er die Stiefmutter hatte aus dem Wege räumen wollen, weil er hofft«, daß sein Vater ihm das Wirtschaften übertragen und daß«r dann über aus- reichendes Geld verfiigen würde. Der Junge blieb sogar am Be-t der Mutter stehen und wollte abwarten, bis sie stürbe. Er wird nun zunächst den Aerzten zugeführt«erden, die seinen Geisteszustand zu begutachten haben._ Oas Verkehrsunglück in der City. Drei Schwer-, 22 Leichtverletzte— Ursache noch ungeklärt. Lei dem Strahenbahnzusammenstoß an der Ecke der Leipziger und Wauerstraße sind insgesamt 25 Personen verletzt worden. Da die beiden Strahen- bahnführer sich unter den Schwerverletzten befinden, konnten sie noch nicht vernommen und somit leider noch nichts über die Ursache des schweren Verkehrsunglücks ermittelt werden. Die Mehrzahl der Verunglückten hat leichtere Glassplitlerver- letzungen, Quetschungen und Prellungen erlitten. Nach ärztlicher Bc- Handlung auf der Rettungsstelle in der Kronenstroße konnten sie sämtlich in ihre Wohnungen entlassen werden. Drei von ihnen. darunter der Straßenbahnsührer Busch vom Straßenbahnhof II, der Straßenbahnsührer Ernst F ö r st e r l i n g aus der Wortburg- straße 4 und der Kaufmann Max Hasse aus der Wilhelm-Hauff- Straß« 17 mußten mit schweren Kopswunden und inneren Bcr- letzungen iirs Urban? bzw. Virchow-Krankenhaus gebracht. werden. Die sesört eingeleiteie Un.t«rsuchun g übet die Ursache und Schuld- frage des schweren Unglücks hat bisher zu kein.- m Erze b n: s geführt. Aus den Zeugenaussagen, bie wie immer sehr auseinander- gehen, war noch kein klares Blld zu gewinnen. Eine Vernehmung der Führer der beiden Straßenbahnwagen, die im Kraukenhaus daniederliegen, wird erst im Laufe des heutigen Tages möglich stiu. Nur soviel scheint bisher einwandfrei festzustehen, daß der Wagen der Linie 49, der aus der Mauerstraßa in die Leipziger Straße einbiegen wollte, von dem Wagen der Linie 43, dessen Strecke durch die Leipziger Straße führt, gerammt worden ist. Beide Fahr- zeuge wurden so schwer beschädigt, daß sie abgeschleppt werden mußten. Eine zwanzig Minuten lange Verkehrsstörung wirkte sich bei dem starken Betrieb in der Hauptverkehrsstraße sehr unangenehm aus. Trotz der lustigen Worte Sandows wurde Ludwigs Laune nicht besser. So fängt also bei ihm der Krieg an! Indem er ihn seines besten Mitarbeiters beraubt! Er weinte fast, als er Sandow die Hand drückte. Doch versäumte er nicht, ihm ein reichliches Zehrgeld init auf den Weg zu geben. „Mag kommen, was will, Sandow", sagte er,„wir zwei halten uns ewige Treue!" Der Werkmeister nickte und lief dann mit einem fröhlichen Gruß aus dem Hause. Ludwig konnte diese Lustigkeit nicht begreifen. Ihm war ganz anders zumute. Nachher, als er wieder im Bett lag, kam es ihm vor, als sei mit Sandow der beste Teil seines Lebens dahingegangen. Körperhaft spürte er den Verlust. Als ob ihm der rechte Arm amputiert worden wäre! Die nächsten Tage und Wochen wurden noch schlimmer. Es war eine düstere, unheimliche Macht am Werke, die, unerbittlich, grausam, sinnlos vom Eisermannschen Betrieb einen Teil nach dem andern abhobelte. Von seinen Gesellen mußte einer nach dem andern zur Fahne. Das Bezirks- kommando, der rote Backsteinkasten, schlang sie ein, wie ein ungeheurer überheizter Fabrikkessel die Kohle. Zuletzt verblieben ihm nur noch zwei Arbeiter. Doch die genügten ihm zunächst vollauf, die immer spärlicher werden- den Aufträge hinauszuschaffen. Denn während draußen rundum an allen Fronten der Tod in rasender Geschäftigkeit die Fronten behämmerte und blühende Menschenleben dahinraffte, als arbeite er im Akkord, schien die gesamte Industrie, soweit sie rricht unmittelbar mit Kriegslieferungen beschäftigt war, zu stagnieren. Eine Lähmung hatte das Wirtschaftsleben erfaßt. Niemand wußte, was werden würde. Das erlassene Moratorium trug erst recht dazu bei, die allgemeine geschäftliche Unsicherheit zu erhöhen. Doch das war alles nur Uebergang. Sobald das erste nackte Entsetzen vorüber war, pendelle sich die Wirtschaft wieder ein. Auch die Firma Eisermann erhielt neuen Antrieb. Abruf folgte auf Abruf, und Ludwig hatte alle Hände voll zu tun, um nur einem Teil der Verpflichtungen nachzukommen, die er ohne die Vorahnung eines kommenden Krieges auf sich genommen hatte. Wie in der Anfängerzeit und in den harten Iahren des Aufstiegs, so arbeitete er jetzt wieder Tag und Nacht. Unermüdlich, sich kaum die allernotwendigste Ruhe gönnend. (Fortsetzung folgt.) Vielleicht lebt er noch? Das war am 30. März, im Jahr« des großen Massenmordens ISIS, also vor zetzt fünfzehn Iahren, als der damals siebzehn Jahre alte Lehrling Bruno Junamann, der bei seinen Eltern in der Cauerstrahe 24 zu Charlottenburg wohnte, sich aus seiner Lehrstelle bei einem ehrsamen Schlossermeister entfernte und niemals wieder nach Hause kam. Niemand weiß, was aus ihm geworden. Niemals ließ Bruno Iungmann seinen trostlosen Eltern auch nur das geringste Lebens- zeichen zukomme». Siebzehn Jahre lang einen Jungen unter Mühe und Sorgen ausgezogen und— plötzlich ist er weg, als wenn er nie dagewesen wäre. Die Polizei, die von den aufs tiefste getroffenen Ellern immer wieder aufgesucht wurde, konnte beim besten Willen nichts ermitteln. Bruno Iungmann war und blieb verschollen. Hatte ihn der Krieg in seine Klauen bekommen und das arme Opfer mit den Millionen anderer vernichtet? Die Behörden glauben das nicht. Es hat sich dafür, daß er als Freiwilliger ins Feld gegangen ist, kein Anhalt gefunden. Nun, wer damals wirklich hinaus wollte, dem gelang das schon. Hunderttausende sind von den Geschossen zerrissen, vcn der Erde oertilgt, spurlos verschwunden. Aber diese brutale Wahrheit soll, wie der Protest gegen den Remarque-Film beweist, nicht Wahrheit sein. Wahrscheinlich, sehr wahrscheinlich, daß auch der junge Iungmann damals sein Leben hat lassen müssen. Aber die betagten alten Eltern können es noch immer nicht fassen, daß ihnen ihr einziges Kind für immer genommen sein soll, ohne daß sie wissen, was aus ihm geworden. Die alten treuen Herzen hegen noch immer eine leis« ferne Hoffnung, daß ihr Junge, ihr Bruno, der doch nun schon 32 Jahre alt sei müßte, irgendwo lebt. Sie wollen, sie können es nicht glauben, daß sie eines Tages von dieser Erde müssen, ohne ihr einziges Kind noch einmal gesehen zu haben. Und so fanden sie jetzt wieder den Weg zur Polizei, die nun ihrer Bitte willfahrt und die Oessentlichkeit darauf hinweisen läßt. Vielleicht lebt Bruno Iungmann noch, lebt«in Zweiunddreißig. jähriger, jetzt unter anderem Namen. Bielleicht auch wissen andere um fein Geheimnis und lüften es, wenn sie an de» Schmerz der Eltern denken, indem sie der Vermißtenzentrale des Berliner Polizei- Präsidiums Mitteilung machen. Vielleicht... Carl-Legien-Keier. Berliner Gewerkfchastsjugend ehrt das Andenken an Legten. Die Freie Gewerkschastsjugend Berlin veranstaltete am Sonn- tagabend im Gewerkschaftshaus ein« schlichte, aber eindrucksvolle Gedenkfeier für Carl Legien. dessen Todestag sich am zweiten Weih- nachtstage zum.zehnten Male jährt. Genosse Wissel! hatte die Aufgabe übernommen, den jungen Gewerkschastsgenossen ein Bild der Persönlichkeit und des Wirkens Carl Legiens zu entwerfen, dessen Name mit der deutschen und internationalen Gewerkschafts- bewegung für alle Zeiten auf das engste verbunden ist. Sein Verdienst ist es gewesen, daß die deutschen Gewerkschaften aus den kleinsten Anfängen heraus zu den Achtung gebietenden Organi- sationen geworden sind, deren Bestehen und Mitwirkung im öffent- lichen Leben die jünger« Generation heute als eine Selbstverständ- lichkeit betrachtet. Das Lebenswerk Carl Legiens weiterzuführen, in seinem Geiste innerhalb und außerhalb der Betriebe zu wirken, muß der Gewerkschastsjugend ein« Ehrenpflicht sein. Dem Charakter der Feier entsprechend wurde der übrige Teil des Programms durch Beethovcnsche Musik, ausgeführk von Schülern der Hochschule für Musik, und Rezitationen von Marcha John bestritten, die u. a. verschiedene Stellen aus dem Legienbuch von Theodor L e i p a r t hervorhob, in denen der Gewerkschastsführer, der Reichstags- abgeordnete und vor allem auch der Mensch Carl Legien geschildert wird. Alles in allein: eine würdige Gedenkfeier. Protest der Gastwirte. Gegen Sondersteuern und behördliche Sondermaßnahmen. Die Lokalkommission der Gastwirtsvereinigungen Groß-Berlins veranstaltete gestern im Clou eine sehr stark besuchte Protestver- sammlung des Gast- und Schankwirtschastsgewerbes gegen die v e r- fchiedenen Sonder st euern und behördlichen Maßnahmen, die in letzter Zeit über das Gaststättengewerbe verhängt worden sind. Der Protest richtete sich insbesondere gegen die Notoerordnungen der Reichsregicrung, gegen das Verbot der Abgabe von Weißgebäck in den Gastwirtschaften und schließlich gegen die Mineralwassersteuer, die neue Biersteuererhöhung und gegen die Schankverzehrsteuer. Zu den einzelnen Steuerarten und Sondervorschriften sprachen vcr- schiedcne Redner. Nach den kurzen Referaten wurde einstimmig eine längere Entschließung angenommen, in der an die Regierung im Reich und in Preußen, an den Staatskommissar von Berlin sowie an Reichs- und Landtag und Stadtverordnetenversammlung die ernste Mahnung gerichtet wurde, mit der Sonderbesteuerung des Gewerbes, die seiner Vernichtung gleichkomme, aufzuhören, und die nicht trogbaren Maßnahmen sofort zu beseitigen. Seit der Ueber- nähme der Regierung durch das jetzige Kabinett sei die Bierfteuer insgesamt dreimal erhöht worden. Der größte Teil der Gastwirte sei tief verschuldet. Die neue Besteuerung werde wieder weiteren Konsumrückgong bringen und damit zahlreiche Existenzen ver- nichten. Die Schankverzehrsteuer sei eine brutale Sonderbesteuerung für werktätige Burger und für die arme Bevölkerung. In der früheren Schließung der Lokale am Weihnachtsabend sei ein schwerer Schlag gegen die Hunderttausende zu erblicken, die wegen Wohnung?- not oder mangels Familienanschluß für diesen Abend bisher auf den Aufenthalt in den Lokalen angewiesen waren. Parteiveteranen im Gewerkschastshaus. Am Sonnabendabend, trafen sich die Berliner Parteimitglieder, die schon in der Zeit des S o z i a l i st e n g e s e tz e s in den Reihen der Sozialdemokratischen Partei kämpfend standen, zu einem ge- selligen Beisamensein. Der größte Saal des Gewertjchaftshauses war überfüllt von den alten Genossen, deren von Arbeit und Not durchfurchte Gesichter von harten Kampfzeiten erzählten. Der Abend wurde durch das Spiel eines Streichtrios und durch Gesänge des Ebert-Manz-Ouartetts verschönt. Genosse Gründe!, selbst einer aus den Reihen der alten Genossen, gab Bericht von dem Hin- scheiden manches alten Kämpfers, u. a. des in diesem Kreise sehr oerehrten Adolph Hosfmann. Die Geselligkeit, die mit dem lebhaften Austausch von Erinnerungen an alt« Erlebnisse im Klassenkampf verbunden war, fand erst gegen Mitternacht ihr Ende. Zurück zum Dorf. In der Sitzung des Kreisausschusses Stendal in der Provinz Sachsen wurde der Antrag des RegierungspräsideiNen besprochen, die Stadt A r e n d s« e in«ine Landgemeinde um- zuwandeln. Der Kreisausschuß beschloß auf Grund der nachge- wiesen«» finanziellen Erleichterung, die durch die Umwandlung zu erwarten ist. dem Antrag zu entsprechen und im Kreistag eine dahingehende Vorlage zu unterbreiten. Arendfe« ist bekannt geworden als„Residenz" des jchwarzweißroten Naturapostels gnstaf nagel. „Dienst am Volk." Ein Film vom Wirken der Polizei. Auf Anregung des Polizeipräsidenten von Düsseldorf, Hans Langels, hat Polizeihauptmann Oberwinder einen Film ge- dreht, der die Tätigkeit der modernen preußische» Polizei zeigt und der gestern einem geladenen Publikum in einer Berliner Uraus- sührung gezeigt wurde. Eine lose, einfache Spielhandlung verbindet die einzelnen Teile des Films. Spielfreunde wachsen heran, der Krieg trennte sie, in der Folgezeit wirtschaftlich entwurzell, geht der eine nach Amerika, der andere entschließt sich im entscheidenden Augenblick zum„Dienst am Volk" und tritt in die Schutzpolizei ein. Und nun zeigt der Film den Werdegang des jungen Polizisten, der, von der Pike an dienend, sich zum Offizier heraufarbeitet und schließlich die Freude hat, bei einem Brand in einem Industricwerk den in Amerika geglaubten Freund retten zu können. Nicht, daß etwa im Film der Offizier besonders herausgestellt würde. Im Gegenteil, gerade der Dienst des einfachen Beamten in seinen mannigfachen Formen als Hüter von Sicherheit und Ordnung, als Verkehrsregler, als Schützer von Kindern und Gebrechlichen, im Flugwesen und schließlich im Verkehr mit der Presse wird bis ins eingehendste demonstriert und erläutert. Sicher wird der Bild- streifen, der nun auch bald in den Kinos Berlins läuft, der Be- völkerung die Ueberzeugung bringen, daß die moderne Polizei nicht zum Schikanieren und Reglementieren da ist, sondern wirklichen „Dienst am Volk" leisten will. Die Ausführung, der Innenminister S e o e r i n g, Polizei- Präsident G rze sin s k i, Polizewizepräsident W e i ß, Koimnan- deur Heimanns berg und hohe Ministerialbeamte. beiwohnten, wurde durch musikalische Darbietungen des Sinfonieorchesters der Schutzpolizei und Vorführungen von Polizersportlern umrahmt. Mütter proiestieren. Die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit schreibt dem„Vorwärts": Die Berliner Ortsgruppe der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit, Deutscher Zweig, protestiert auf das schärfste gegen das Verbot des Films„Im W« st e n nichts Neues". Sie empfindet die Hetze als Schmach und ist der Ueberzeugung, daß der Film, der den deutschen Soldaten trotz un- erhörter Entbehrungen bei aller Tapferkeit und Pflichterfüllung stets voller Menschlichkeit und treuer Kameradschaft zeigt, höchstens dazu angetan ist, das deutschfeindliche Märchen vom Hunnen und Boche zu zerstören. Ungeschminkt zeigt der Film das Grauen des Krieges in seiner ganzen Fürchterlichkeit und hat eine stark pazifistische Wirkung. Im Namen zahlloser Mütter bedauern wir auf das tiefste, daß dieser erschütternde Ein- druck unserer Jugend vorenthalten und durch das Zurückweichen vor dem Terror der Straße jede Achtung vor der Staatsautorität in chr zerstört wird._ Oer Weg aus der Krise. An Stelle des im Programm für Mittwoch, den 17. Dezember, 19.33 Uhr, angekündigten Vortroges„Vom Rundfunk" von Ministerialrat Giesecke und Oberingenieur Schäsfer, spricht im Pro- gramm der Aktuellen Abteilung der preußische Ministerpräsident Dr. Ii. c. Braun über„D e r Weg aus der Krise". Der Vor- trag des Ministerialrats Giesecke und des Oberingenieurs Schäffer „Vom Rundfunk" wird auf den 22. Dezember, 29 Uhr, an Stelle der im Programm angekündigten Vortragsreihe„Wovon man spricht" oerlegt. Das Rundsunkzwiegespräch zwischen Genossen Prof. Nölting, M. d. L., und Gottfried Feder, M. d. R.(Nat.-Soz.), über die wirtschaftlichen Ziele des National- fozialismus findet am Dienstag(heute), 19.30 Uhr, statt. welhnachlskonzerk der Schuhpolizei Verllo. In dankenswerter Weise veranstaltet das Kommando der Schutzpolizei auch m diesem Jahre am Sonntag, dem 21. Dezember, vormittags von 11� bis ISVj Uhr, im Großen Schauspielhaus sin Weihnachtskonzert mit freiem Eintritt für Sozial- und Kleinrentner, Kriegerhinterblieben« und Kriegsbeschädigte. Die Kartenausgobe «i-folgt durch die Bezirks-Wohlfahrtsämter und andere Organisationen der freien Wohlfahrtspflege. An dem Konzert wirken mit der Rundfunktenor Joseph Schmidt und Professor Fischer (Orgel). Die Leitung des 90 Mann starken Sinfonieorchesters liegt wieder in den Händen von Camilla Hildebrand. Friedlose Weihnachten— wem verdanken wir sie? Der neue unabhängige Deutsche Friedensbund hält am Dienstag, 16. Dezember, abends 8 Uhr, seinen ersten Vortragsabend im„Alten Askanicr", Anhaltstr. 11, Berlin SW., ab. Genosse Pastor Franck« spricht über das Thema:„Friedlose Weihnachten— wem verdanken wir sie?" Es sind alle willkommen, die gegen das Verbot des Films„Im W« st e n nichts Neues" pro- testieren wollen. Eingeführte Gäste herzlich willkommen. Neuestes vom Taxen-Krlegsfchauplatz. Die Innung Vereinigter Kraftdroschken- b e s i tz e r veranstaltete gestern in der Bockbrauerei eine Dele- giertenoersammlung, an der etwa 200 Kraftdroschkenbesitzer teil- nahmen. Die Berfammlimg beschäftigte sich hauptfächlich mit den Maßnahmen bezüglich der Rabattgewährung. Nach längerer Aussprache wurde eine Entschließung angenommen, in der die Dele- giertenoersammlung die Kampfmaßnahmen des Jnnungsvorstandes billigt. Der Vorstand wurde ermächtigt, in Verhandlungen zu treten, um den, jetzigen als unwürdig bezeichneten Zustand auf den Straßen Verlins, ein End«. zu machen. Man ist bereit, dem Berliner Publikum den billigsten K r a s tdr o s ch k e n ta r if zu bieten, und erklack steh damit einoerstanhön, in eine Tarif- revision einzutreten. Es müsse aber volle Gleichberechtigung verlangt werden. Ferner wurde die Beseitigung aller besonderen Kennzeichen der Kraftdroschken gefordert. Di« Innung hat außerdem ein Flugblatt herausgegebe», das zwar keine Firma nennt, aber sich anscheinend gegen die„K r a s t a g" wendet. Explosion auf Deportiertenschiff. Paris. 13. Dezember. Auf dem französischen Dampfer„La Martiniere", der zur Reparatur im Hasen von Pallice-Rochell« liegt, ereignete sich am Montag eine Explosion. Im Schiffsraum hotten sich Gase ange- sammelt, die aus unbekannten Gründen zur Entzündung kamen. Ein Mechaniker wurde gräßlich verstümmelt. Bei dem Dampfer, der schwer beschädigt wurde, handelt es sich um das berüchtigte söge- nannte„schwimmende Zuchthaus", mit dem die Straf- gefangenen nach Guyana gebracht werden. fun Zuerst eine Berichtigung: In die Kritik vom Sonnabend hatte sich ein böser Hörfehler eingeschlichen, der ein Lab heimtückisch in Tadel wandelte. In seiner Erzählung„Was tun?" zeichnete Otto Flak« Tiefen menschlichen Erlebens; er„««"zeichnete sie keinesfalls. Rundfunk vom Sonntag: Die Abendsendung ,.A l t b a y e r n" roch kilmneterweit nach reaktionärem Muff. Sämt- liche deutschen Sender brachten sie, denn die Veranstalwng fand statt im Rahmen des„gemeinsamen Programms der deutschen Rundfunk- gesellschaften". Der Münchener Sender, von dem diese Dar- biewng ausging, mußte damit im In- und Ausland den Eindruck erwecken, daß es so etwas wie Volks tultur in Boyern noch nie gegeben hat. Das Programm stand imZeichenoonKirche und Herrscherhaus. Es war unmöglich zu zählen, wieviel« bayerische Landesoäter und deren Familienmitglieder auf- marschierten: sogar ein allerhöchstes Hochzeitsdatum erfuhr man ganz genau und Namen und Geschlecht der edlen Angetraute».— Eine sehr hübsche Jugendstunde brachte Mufikvorträge von Kindern städtischer Kindergärten und Horte und der Städtischen Jugend musik schule Prenzlauer Berg. Sie sangen und spielten auf den verschiedensten Instrumenten fremde, vor allem aber viele eigene Kampositionen. Es war eine Freude zu hören, wie bei diesen Kindern Liebe und Verständnis zur Musik entwickelt worden ist. Gerade in den Fällen— und sie waren die Mehrzahl—, in denen von einer besonderen„musikalischen Begabung" nicht die Red« sein konnte, bewies sich echtes Musikgefühl und die Fähigkeit, eigen« Empfindung in Klangsormen auszudrücken. R u nd f u n k vom Montag- In den Abendstunden zwei willkommene musikalische Veranstaltungen.„Ehanfons der neuen Zeit", ebenso gut in der Auswahl wie in der Darbietung!„Unter- hallende Tänze", gespielt von der Kapelle Alfred Brox, angenehme Unterhaltung für viele Dpzwischen las Axel Lübbe aus eigenen Werten, Autobiographisches, dem jeder Beigeschmack von Eitelkeit fehlte. Mit ganz leiser Selbstironie, aber sonst fast unpersönlich fach- lich berichteten zwei kleine Skizzen von einem Lebensabschnitt. Die einfachen Bilder wurden anschaulich; man sah die Landschaft, erlebte die Menschen.— Ueber das Hörspiel„Stein", das Berlin am Abend sandte, wird noch berichtet werden. Tes. Großfeuer im Kilm-Villenvieriel. Prunkvillen der Ulmgrößen verbrannt. London. 15. Dezember. In Malibu Beach(Kalifornien), einem vornehmen Villen- vorort in der Nähe der bekannten Filmstadt von Los Angeles, wurden am Montag zahlreiche Prunkoillen, die bekannten Filmkünstlern gehören, durch Feuer zerstört. Der Brand entstand infolge einer Explosion. Die Bewohner mußten in Nachtkleidung aus den Häusern fliehen. Der Schaden wird auf dreieinhalb Mil- lionen llltart geschätzt._ Freispruch im Heise-Prozeß. Im Detmolder Meineidsprozeß ist der angeklagte Präsidiolrat Heise von der Beschuldigung des Meineids frei- gesprochen worden. Die vor dem Gericht versammellen Nationalsozialisten nahmen den Freispruch des republikanischen Be- amten, der das Opfer einer deutschnationalen Hetze werden sollte, mit dem Rufe.�Deutschland erwache!" auf. W Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlio aws-nd-nqo,«r dUs- JUiSrll nm m d«< 3u4tnMt(rdartrach«.«erschicdenc,. Z. strei» Tiemarte». streismitglieder: Am Mittwoch. 17. Dezember, 18 Uhr, findet ein« Bezirksmitgliedcrversaminlung de« Bezirtsamt, Tiergarte» in der Bochumer Str. Sb sSchulaula) statt. Der rege Besuch der Senossen ist erwünscht. Wichtig« Tagesordnung. ä 7. Nrei» Eharlottenbueg. Donner» tag, 18. Dezemder, 1,>4 Uhr. im W rf Edengalast.«aiser. zriedrich.Str. 24, Bortrag:.Zuqead und Partei". W W«eserenti» Mathilde Sur«. R. d. R. All« chenosstanea und Heuosscn i i muffen erscheinen. 8.«rei» Silmer�rf. Dienstag, 20 Uhr.' im Stadthaus, Limmer 222, Sihung der Fraktion mit allen Bürgerdeputierten. heule. Dienstag. 16. Dezember. 28,«dt. 30 Uhr wichtige Besprechung de» Abteilungsnorstande» mit den Bezirkoführern bei Pos«,«oloniestr. IL. Ausspracheabend der iungen ParteimitgNider bei LSM«, Weichsel» Tcke vffastraffc. 20 Uhr. Thema:»Demokratie— Miiatur" lauf arbeitsgemeinschastlicher Grundlages. Referentin Senosst» Dr. Marie Torhorst.— 88.«dt. 19% Uhr im Lokal Wanzlick, Sberlandstr. 1. Reu. wähl der Bezirksleitung. Morgen. Mittwoch. 17. Dezember. 8.«bt. lS>/z Uhr im Swinemünder Sescllschaftshans. Swinemünder Str. VI, Mitgliedernersammluna- Bortrag:.Ilotverordnungen und«rankenkaffen". Referent Josef Schellhammer lvom Saupdvorstand Deutscher«ranken- lasten). All« Mitglieder müssen erscheinen. 17.«dt. 30 Uhr bei Looffg, Tegeler Str. SO.«usainmenkunft sunger Partei- Mitglieder. 38. Abt. Jünger« Parteigenosten bei Krunwald, Kameruner Str. 1», 20 Uhr. ..England in der Wcltpolitik." Zwiegespräch Bictor Schiff und I. P. Manrr. Auch ältere Genosse» stnd«ingeladcn. 38. Adt. Bezirksführer erscheinen um 18 Uhr im Lokal Rechenberg. 33. Adt. Mitgliederversammlung 20 Uhr in Schmidts GefellschaftÄaus. Deucht- stlaße 36«. Thema:»ssreideniertum und Sozialismus". Referent Senosse Suhn. 34. Abt. Die Bezirksfllhrer werden gebeten, am Mittwoch. 17. Dezember, Material beim Abteilungskassterer abzuholen. 33. Abt. 19Vi Uhr stunktionärvcrsammlung bei Lemle, Schreinerstr. 38. 46. Abt. 1014 Uhr bei Burghardt, Gitrliffer Str. S2. Referent Genosse Rektor Soffmann von der Rlltlischule, 49. Abt. Schwerhiriste. 1814 Uhr Mitglied«r»«rs»mmlu»a im g Jugendheim Lindenste. 4, 1 Tr.»ortra«!.Deutschland erwache". Re- N g serent Rektor Walter Rifcher. Alle Se»olfl»a«n und Genossen lowie t-3 g»Vstwärts".Leler und Sompathisierend« ftud dazu eingeladen. i?Z 60. Ab«. Spandau. 20 Uhr Mitgliederverfammluna im Lokal Bauer. Pich-Is» dorfer Str. Z?. Vortrag:..Monopollapiialismus". R-fereut«uit Lieh. mann. 81. Abt. Rriedeua». Bildungokreis lüngerer Parteiqenossen: 20 Uhr bei«labe, Sandjergstr. 60— 61. Referent Genoff« Solomon Schwarz: Jbtt Mtnf- iabresvlan in Sowictruhland". 88. Abt. Lichtenrade. 20 Uhr Zahlabend in der Schul« Roonstroffe. Borstand»- stgung 19>4 Uhr«ixndort. 81 Abt. ReukSIu. Die Bezirlwbrer holen wichtige» Material ab»wischen ' 19 und 20 Uhr vom Genossen Iuna, Sermannstr. 10. 10». Abt.«ivenick. 15 Uhr in her Aula der weltlichen Schule,»Freiheit'. Versammlung der erwerbslosen Parteigenossen. Portraa i»Die Rcch'c der Grwcrdslosen w der Arbeitslosenverstcheruna". Referent Genosse Blasäike. Adt. Blankenburg. Alle Parteigenossen treffen sich 1814 Uhr bei Lindner, ' Pankow, Breite Strohe, zur«reismitgliederversamoUung. * M Ad« Prih-Buckow. Zeitnna»Ioinmisfioa: Sihnng Donn«r»taa. 18, Dezem- her 1914 Uhr. in der Lalle am Lufeiseir. Die laufenden Recherche» sollen bis zu diesem Tag« erledigt sei». Antifasclilstisdie Kundgebung am Mittwoch, dem 17. Dezember, IQ&Uhr, im Lokal Linüners Konzerthaus, Pankow, Breite Strafie Redner: Karl Liike, M. d. R. Thema: Unser Kampf gegen den Faschismiis! Mcknner und Frauen, erscheint In Massen I Zeigt, dafe ihr gewillt seid, mit der Sozialdemokratie gegen den Faschismus zu kämpfen SPD. 18. Kreis Weibensee SPD. 19. Krell Pankow SPD. 20. Krell Reinickendorf Frauenveranstalwngen. Die Ait«il»»g,l«iterivnea für Agitation, die»och nicht die ssraaebogen für die politischen ss-nttionälinnen dem Arauensekretariat zurückgeliesert baden, werde» dringend gebeten, für umgehende Einsenduna Sorg« zu trag«». Da, straucnsclrctariai. 82. Abt. Sleglih. Mittwoch, 17, Dezember, 20 Uhr. bei Schellhase. Ahorn- strahe 13», Weihnachtsabend. 148». Abt. Wittenau. Heute, Dienstag, 16. Dezember, 20 Uhr, ssrauenabenh bei Schulz, am Bahnhof..Sozialistische Weihnachten." Dezirksausschuh für Arbeikerwohlfahrt. W«reilleiiri,«reielciterinaen! Die«arten für die«indervor. Wi stellung in der Volksbühne und Weihnachtsqeld können umgehend ab- W Z geholt werden im Sekretariat Lindenstr. z. 2. Los. 2 Tr.— Wir bitten W W die«reisleitungen um Schluhabrechnung für die Weihnachtslotterie vor W der Ziehung am 19. und 20, Dezember,— Los« können auf keinen ssall W M mehr zurückgenommen werden.(ä 4.«rei» Prenzlauer Berg. Di« Schluhabrechnung der Lose soll Ü II spätesten, am 17. Dezember bei fftou Sähe. Belforter Str. 11. ab|| W 18 Uhr, erfolgen. S W 8.«rei»«renzierg. Dienstag, 16. Dezember. 1914 Uhr, bei«rüaer, W W Grimmstrahe.«reisausschuhsthung und Akten beratvng, Di- Lose müssen 17.«Wi» Lichtenberg. Donnerstag, 18. Dezember. 19 Uhr. im Rathaus Lichtenberg. Zimmer 36, Eihung der Abtriiunasobleute. Abrechnung der Arbeitenwohlfahrt»marken. Hefte und Schluhabrechnung der Lose.— Ber- teilung der Weihnachtsgelder und Billetts zur Volksbühne. Arbeitsgemeinschaft der Linderfreunde Grotz-Veriin. «rei, Weiching: Die«arten für die Vorstellung in der Volksbühne am Sonuntag werden in den Gruppen ausgegeben. Die Treffpunkte am Sonn. tag stnd kolqende: 914 Uhr Gesundbrunnen< Untergrundhahn), Leiter Adolf Mohr, und Leopoldpsah, Leiter Otto Mehner, slahrgeld ist mitzubringen. «rei» Reukölln: Morgen. Mittwoch, übt der Singekreis, zur Sonnenwend- feier um 17 Uhr in der schule Donaustr, 129, Jung, und Rote llasken müssen erscheinen. «rei,«»Hiendorf: Nächste«reishelferarbeitsgemeinschaft findet am Mittwou. 17. Dezember, um 20 Uhr. bei dem Genolsen Heinrich Hirche in Wannscr, Ehaussccslr. 13, statt.— Gruppe Ott» Braun: Am Donnerstag. 18. Dezember findet eine Weihnachtsfeier der Restfallen., Iungfaiken- und Roten-fsaik Gruppen um 16 Uhr in der Rordschuic statt. Geburtstage. Jubiläen usw. 23. Abt. Unserem bewährten Genossen Mar Mett, Thorner Str. u»h seiner Sattin zur Silberhock zeit herzlick» Elückwünst«. 38. Abt. Unserem Genossen Güstau Tcugel uud seiner Ehesrar, Margarete die herzlichsten Glückwünsche zur Silberhochzeit. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 1 117. Abt. Lichtenberg. Unser lieber Genosse Robert Sievert, Schiller- strahe 13, ist verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscheruna Donnerstag 18. Dezember. 1814 Uhr, im Krematorium Baumschulenwcg. Um rege Be. teiligung wird aebeten. 118, Abt. Lichtenberg. Unser Genosse Richard Hoff, stranksurter Allee 363, ist oerstorben. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren! Einäscherung Dienstag, 1714 Uhr,«rematorinm Baumschulcnweg. Um rege Be- teiligung wird gebeten._ Vorirage, Vereine undVersammlungen. #8» i» Reichsbanner..Schwarz Rol-Gold' SJwNw Geschäftsstelle: Berkin S 14. SebaNianstr 37-38 So« 2. Tr Schöneberg-Kiiedeoau. Kameradschaft Rathaus: Dienstag, 18. De- wa» zembcr. 20 Uhr, Kameradschaftsverfammluna, Mühlenstr. 8. Rc- serent Kam Philippsborn:„Die Nazis in der Parlamentsschlacht".— Ritte: Mittwoch. 17. Dezember, 18H Uhr. Antreten bei Hundert, Ellässcr S'r. 86. zum Saalschuh in Bundeslleidung.— Reinickendorf COrtsvcrein): Mlttwo» 17. Dezember. 19 Uhr, Antreten zur Kundgebung der SPD. in Pankow, Breite Strahe. Lokal Lindner._ Reichsbund der Krieo-bc schädigten,«rieg-teilnehmer und«vieaerhinter. bliebenen, Eau Berlin, Ortsgruppe Rorde» 14. Donnerstag. 18. Dezember, 30 Uhr. in den Kastno-ssestsälen Pavpeiallee 13. Mitgliederversammlung, An- schliehend: Ernste und heitere Rezitationen, verbunden mit mustkalischer Unter. Haltung. Berliner Sesellsch-aft für Psycholoaie»od Charakterologie. Im Mustksgal der Leibniz-Oberrealschule. Eharlotienburg 3, Schillsrftr. 126—127, spricht am Donnerstag. 18. Dezember. 1984 Uhr. Herr Hellmuth Bogen über.Plochosogie des Berufsberaters und des Beratungsaktes", Berliner Zither-Klub, gegr. 1838, übt jeden Dienstag. 2014 Uhr, im Klub» hau«. Ohmstr. 2, Reichsverband ehemaliger stremdenlegionäre sAbwehrvereinigung gegen Fremdenlegionen gleich welcher Nation). Am 17. Dezember, 29 Uhr. im Lokal von Deutschmann, Blumenstr. 30, Mitgliederversammlung, l onefcllaw Enzlisb Deba irr Club Mittwoch, 3» Lhr, Zahnärztehaus Bfllow- StraSe 104. Guttrnannsaal: Mr. Bapti«, M A.:.Vanity". Im Srohen Schaulpielhau» veranstaltet Taios Bela am Sonntag, dem 28. Dezember, 12 Uhr, ein populäres Ia-z-Aon�rt mit völlig neuem Programm. Die Preise der Plähe bewegen stch zwischen 73 Pf, und 3,3V M, Vorverkauf täglich in der Zeit von 10—18 Uhr. �lvaK sagt hrkQ&tjM 'MW*>■ XkiKllMF-P VL« WZINM�CHrSSXUMIL IN BERLIN J*#'///,/ J7 öhrn Mit den ersten Tannenbäumen beginnen auch die Vorbereitungen zum Weihnächte fest. Jetzt gilt es Wünsche zu erraten und an Geschenke zu denken die erfreuen und willkommen stnd. So Ist für den keuch er immer die rechte Gabe-. dfoseiti«fizno Berlins m eisigera u chte 4*$ Cigarette t Q. S£. Itlofiar: 3)as äfflein Ach du mein liebes, gutes, steinaltes und herziungez Pfäfflein von Lepoglaoa— kancht du dir denken, dast ich feit zwei Wochen Immer mit demselben leichten, beharrlichen Lächeln einschlafe, das du alltäglich durch die Gassen deines Diözesleins trögst, durch diese drei ganzen Gassen, die sich so herrlich faul in der Sonne räkeln? Lepoglaoa liegt in Zagoricn, und das Hügelland Zogoricn liegt in Kroatien, und Kroatien ist weit: aber über dem Bett des Miet- zimmers, das ich seit zwei Wochen bewohne, hängt genau dieselbe Barockkonsole aus Stuck wie über dem Bett deines Pfarchauses, in das du mich ehrst als totmüden, geldloscn Landstreicher stecktest... als wir aus der Gostiona kamen, wo ich auf Verdacht gegessen hatte, und wo du mich aufgabeltest. Deine Augen, gelbschimmernd wie der kroatische Wein, den du so gerne trankst, wollten so tun, als ob sie mich prüften, und muhten sich immerfort durch ein wimperloses Zwinkern unterbrechen, weil sie nämlich vor Alter tränten: und deine schon stottcrseligcn Greisenlippen muhten sich ab und zu vorsichtig schließen, weil an einem anderen Tische der Geistlich« des Zuchthauses von Lepoglaoa saß, das man dir kreis- rund und welkgrau mitten in dein bergzackiges, blütentolles Zagorien gesetzt hatte. Ach, du hättest mir, als du mich draußen unter den bibbrigen, kurzen Arm nahinst, gar nicht dein Leid zu klagen brauchen; ich wußte schon so, daß es dieses steinerne Zirkus- zeit für die Drcssurkünste menschlicher Gerechtigkeit nicht wert war, von dem guten Mond deines Antlitzes, wenn auch nur widerwillig, beschienen zu werden, und daß der dürre, schwarzbärtige, griechisch- katholische Anstaltsmönch mit den tiefliegenden und doch flachen, harten Fanatikeraugen dein Feind sein mußte, wie die immer schlagbereite Zuchtrute der Feind eines behaglich seßhaften Hinter- teils fein muß in dieser so oft zitierten und so systemstrengen Schule des Lebens. Ich hätte sogar diese Geschichte, die von dir zu er- zählen ist, damals, auf dem Wege zum Pfarrhause erfinden können, wenn sie nicht schon passiert gewesen wäre— zwei Jahre vorher, als ein anderer in dem riesigen Gastbett lag, das du mir ein» räunitest, und dessen Kissen in ihrer speckigen Schmuddeligkeit an den Kragenrand deiner Soutane erinnerten... Zu jenem anderen warst du gekommen wie zu mir; er war eines Abends, mit Rucksack und ohne Hut und in Gamaschen, in derselben Gostiona aufgetaucht wie ich. Zlber der Anstaltsmönch war an diesem Abend nicht anwesend, und die Tore deines Herzens taten sich deshalb dem Fremden ohne jedes hemmende Knarren bereitwillig auf, und das leisere, scheppernde Klingeln deiner Worte läutete lange und einladend. Er sei Student, sagte der Gast, Student aus Belgrad, und auf der Durchreis«:. und wenn in slawischen Landen jemand sagt:„Jessam Student", so heißt das zu deutsch:„Ich habe kein Geld". Ich weiß nicht, ob es dem guten Pfäfflein von Lepoglaoa auffiel, daß der Mann für einen Studenten reichlich alt aussah, obgleich er siah anscheinend erst eben und recht ungeschickt rasiert hatte: einige Schnitte in seinem Gesicht bluteten no6> ein wenig. Auch der schlechte Sitz des westlichen Rockes und der deutschen Beinkleider störte Hochwürden nicht; er nahm den Fremden schließlich unter den Arm und ließ sich von ihm ins Psorr. haus geleiten. Der Mond, der droben die verzwickten Straßen'des Himmels zu durchwandern hatte, ohne die Sternlaternen anzu- rempeln, und das gute Vollmondgesicht hier unten, das es in den laternenlosen drei Gassen von Lepoglava etwas leichter hotte, lächelten sich an; ein wenig nüchtern der da oben, ein wenig wein- sfflg-ber hier unten. Rur als der Kessel des Zuchthauses auftauchte, atts dem eben der widerwillige AbendiNcßgesong der Sträflinge breit in die Rocht kroch, seufzte das gute Pfäfflein traurig und viel» sagend aus, und der Fremde schien zu verstehen, und seufzte mit. Aber dann öffnete sich der wettläufige Frieden des Pfarrhauses, in dem viele Wohnungen waren, als in einem rechten, väterlichen Haufe des Herrn: und auch für den Studenten fanden sich ein Zimmer und ein Bett und ein Krug selbstgekelterter Wein, den der Spender leeren half— bis die Beschaulichkeit ihres Trinkens durch einen ganz ungewohnter, Lärm gestört wurde. Da hallten Schritte von schweren Stiefeln und Rufe aus groben Kehlen durch die friedsame zagorische Nacht; man hörte, wie das Bolk aus den Häusern und die Gäste aus der Gostiona zu- sammcnlicfen. Hochwürden wurde blaß, und der Wein tropft« von feinen mummelnden Lippen noch ausgiebiger als sonst auf die Soutane; und auch der Gast schien zu erschrecken, stieß sogar ein Glas um und sprang auf. „Nun, mein lieber Sohn", brummte Hochwürden und ging zur Tür,„es wird nichts Gefährliches[ein!" Und er stapfte die Treppen hinunter, um zu erfahren, was geschehen war. Als er wieder herauf kam, stand der schrcckl)afte Student in der Nähe des Fensters, das er aufgerissen hatte, und sah den Pfarrer aus weitgeöffnetcn Augen an.„Sie brauchen keine Angst zu haben, mein Sohn. Wir sind hier nicht in der Wildnis!" sagte der Alte mit gutem Spott.„Man jagt nur nach einem Zuchthäusler, der entsprungen ist." Die alte Hand zitterte etwas stärker als sonst, als sie wieder Wein in die Gläser goß.„Das ist leider schon öfters geschehen. Solche Nächte pflegen etwas unruhig zu sein, bis man ihn gefunden hat. Das geschieht immer sehr schnell. Die helle Anstallskleidung oerrät den Flüchtigen." Der Fremde beruhigte sich; zuckte nur nervös zusammen, wenn draußen wieder Schreie und Schritte dröhnten.„Sic haben keine Nerven, mein junger Sohn!" lächelte der Pfarrer endlick,, nach halbstündigem Schweigen.„Sehen Sie mich alten Mann an! Lepoglava schont die Nerven besser als Belgrad.— Seien Sie froh, daß Sie nicht mehr auf der Landstraße stich. Der Ausbrecher hätte Sie anfallen können." Der Student lächelte mit, etwas gezwungen. Wieder ging eine schweigsame Zeit. Hochwürden suchte noch immer nicht sein Bett aus; seine Acuglein tränten heftiger: er schien nachzudenken. Endlich stand er auf.„Man sollte da drinnen mehr Freiheit lassen. Dann würden sie die Freil>eit nicht draußen suchen..." Er besann sich rasch.„Die Freiheit ist nur in Gott, mein Sohn. Nun, Gott mit dir!" Und ep machte das Kreuzzeichen und ging zur Tür. Dort hielt er inne, weil sich wieder Schritte dem Haufe näherten. Rufe schrillten:„Sie haben ihn! Auf der Landstraße log er, ganz erschöpft!" Die beiden traten ans Fenster und sahen, wie man draußen, im erwachenden Morgengrauen, einen gefesselten Mann in heller Anstaltskleidung vorüberstieß. Der Student nenigle sich rasch über die lnelko, kalte, krüpplige Greisenhand und küßte sie. Die Rasiermesserschnitte in seinem grauen Gesicht bluteten merkwürdigerweise wieder.„Nun, Gott auch mit ihm!" sagte Hochwürden zum Fenster hinaus und tapste ächzend zu Bett. Sein Schlümmer war ob des vielen guten Weines picht so leicht wie svnst der Schlaf des Alters: und als nicht lange danach heftig und unwirsch an die Tür gepocht und in die Fenster gerufen wurde, war die Haushälterin eher im Flur als der geistliche Herr. von Jßepoglava Draußen stand der Anstaltsmönch mit zwei Gendarmen und einem Mann in Zuchthauskleidung.„Wo ist Hochwürden?" fragte der Geistliche kurz. Die Haushälterin bekam vor Schreck über dies frühe Erscheinen des„Griechen" den zahllosen Mund weder auf noch zu. Der Mönch schritt wortlos mit einem der Gendarmen an ihr vorbei in Hochwürdens Schlafzimmer. Als die Tür aufschlug, haspelte sich drinnen der zittrige Greisenkörper rasch wieder in die Kissen, aus denen er sich eben herausgeschält hatte. „Guten Morgen, Herr Amtsbruder!" grüßte der Mönch, und es klang höhnisch.„Wo ist Ihr Gast?" „Schläft wohl noch", meinte Hochwürden aus den Kissen heraus, verdattert und verständnislos. „Das bezweifle ich, Herr Amtsbruder! Ihr Schlafgast ist ein Zuchthäusler!" Der Grieche ging rasch hinaus, so daß der Pfarrer keine Zeit zu einer Antwort fand; er hätte auch keine gewußt. Er lag mit offenem Munde, der vor Schreck zu zittern vergaß: hörte den Gendarmen und den Geistlichen die Treppe zum Gastzimmer hinaus- stampfen: stand dann schnell auf und suchte etwas, was er durchaus nicht fand, nicht sah, obgleich seine Augen nicht einmal tränten vor Staunen, obgleich er es doch gestern abend, wie stets, über den Stuhl neben seinen, Bett gehängt hatte... Hochwürden setzte sich auf und dachte nach, lange. Er trat zum Fenster: da sah er den Mann, der die Anstaltskleidung getragen hatte, aus dem Hause treten— in der Studententluft des Fremden, während er den Drillichanzug dem Gendarmen überreich!«. Die deutsche Hose und der westliche Rock saßen ihm wie angegosien; er durchsuchte den Rucksack und sagte schließlich:„Es sehlt nichts, außer meinem Rasierapparat." „Und verwundet hat er Sie nicht?" fragte der Gendarm. „Rein. Er zwang mich nur, ihm meine Kleidung zu geben und maLrZ, Frankreich in Ein Londoner Kritiker hat vor einigen Monaten die Bilanz der heutigen Weltbclletristik aus den Ueberfetzungen ins Englische zu ziehen gesucht. Er kam dabei zu dem Urteil, daß sich in Frank- reich Roman, Essay und Biographie in einem kaum mehr überbiet- baren Niedergang befänden. Für Deutschland sind seine Aeußerungen dagegen um so schmeichelhafter:„Der Zauberberg" von Thomas Mann,„F o u ch e' von Stefan Zweig und„Im W e st e n nichts Neues" marschieren für ihn an der Spitze alles epischen Schassens der letzten Jahr«: Keyserling, Emil Ludwig und Spengler werden von ihm mit begeisterten Worten über- häuft, So sehr man sich in Deutschland noch immer über ci»e sinn- und wahllos« Ueberschwemmung des Bühnemnarkts mit französischer Dutzendware beschweren kann, so undankbar wäre es, wenn man die systematisch« Erschließung der französischen Prosabuch- dichtung für das deutsche Publikum nicht rühmend anerkennen wollte. Es fragt sich fast schon, ob deutsche Verlage in ihrem Dienst an Gide und Rolland nicht über die Grenzen der allgemeinen Aufnahmefähigkeit und ihrer eigenen Leiswngsmöglichkeitcn hinaus- gehen."' Zwar ist der „Tod de» Romans" in Frankreich ein ebenso beliebtes Schlagwort wie die„Krisis des Theaters". Aber selbst wenn der Roman schon zehnmal gestorben wäre, so würde und dürfte sich Roger Martin du Gard durch nichts darin beirren lassen, uns von seinen„Thibaults" zu den vollendeten acht noch die fehlenden sechzehn Bände zu schenken. Bei diesem be- gnadeten Menschen und Künstler liegt auch bestimmt nicht in solcher theoretischen Erwägung das Schaffenshemmnis; im„Jean B a r o i s" jedoch läßt uns der Dichter aus dem Munde einer Ge- statt, die seinem Herzen nahe steht, die folgende Mahnung an den „Helden" des Buches vernehmen:„Sie dürfen sich über den Nutzen der geistigen Aeußerung auch keinen Illusionen hingeben. Ist nicht ein schönes Leben ebensoviel wert wie ein schönes Werk? Ich habe geglaubt, daß man schaffen müsse. Aber ganz allmählich habe ich meine Meinung geändert." Nichts berechtigte an sich, die Aeuße- rung der Romanfigur als Aeußerung des Dichters selbst anzu- sprechen, doch liegt gerade bei diesem Dichter, in seiner fast welt- fernen Vornehmheit, eine Verneinung des Schaffens und des Er- folges, eine einseitige Bejahung des Seins nicht völlig im Bereich der Unmöglichkeit. Du Gard gehö-'t, wie sein Barois, zu den Persönlichkeiten, die eines würdigen Anlasses bedürfen, um das volle Maß ihrer Leistungsfähigkeit zu geben. Darin liegt vielleicht letzten Endes eine Schwäche, es liegt darin aber auch ein gut Teil Ueber- legenheit und Selbstkritik, wie sie bestimmt nicht auf jedwedem Boden gedeihen. Daß der wohlhabende Schloßherr Roger Martin du Gard es verhältnismäßig leichter hat, sich seinen Künstlernamen rein zu halten und„Amateur" im guten Sinne zu bleiben, als ein gleichbcgabter„Professioneller", der sich das tägliche Leben mit der Feder verdienen muß, ist selbstverständlich. Charakteristisch ist cs ohnehin, daß die dominierenden Erscheimingen des heutigen sranzö- siichen Schrifttums— wie etwa Proust, Gide, Rolland, Raynal, Claudel, Giraudoux und Montherlant, um nur bei einigen der wichtigsten zu bleiben— durch materielle Sorgen in ihrem Schassen nie oder fast nie gehemmt worden sind. Das spürt man in der Ausgercistheit ihrer jeweiligen DeröffenilichMigen, man spürt es hin und wieder vielleicht auch als Wesenszug. So ver- mag das individuelle und zumindest das geistig-inoralische Erlebnis Anlaß und Gegenstand ihres gesamten Schaffens zu bleiben, selbst wenn Raynal den Krieg verflucht, Rolland die Revolution im Drama besingt oder Claudel den Kalholizismus verherrlicht mii) alle drei dabei zündenden, zum Kollektiverlebnis werdenden Ausdruck finden. Damit stehen sie in gewissem Widerspruch zu dem, was heute in Deutschland und Rußland vielfach von der Kunst gefordert wird, doch ob sie gleichzeitig zu den überzeitlichen Gesetzen der Kunst selbst in Widerspruch geraten sind, ist eine andere Frage. Es ist ein eigenartiges Zusammentreffen, daß im Augenblick, da die Dreyfus-Affäre— dank Rehsisch und Herzog, Schwerdt- feger und Bruno Weil— in Deutsckiai�z nie geahnte Aktualität genxinn, der kostbarste französische Niederschlag der bewegenden Iustiztragödie— du Gards„Jean Barois", Roman in Dialog- form, Werk aus dem Jahre 1913— durch Zfolnay auf den deutschen Bühnemnarkt geworfen werden konnte. Obwohl dieses Werk aus cincr völlig privaten Weltbctrachtung heraus geschrieben worden ist. fühlt man in leder Zeile, die den Prozeß Dreysus betrifft, den Pulsschlag eines ganzen Volkes. Wer Frankreich— in seinen die seine anzuziehen, und dann muß er mich betiubt tzado»«», Weshalb saß er denn eigentlich?" „Ach, nichts Bedeutendes. Einbruchsdiebstahl, glaube Ich.'" „Aber daß der Kerl meine Sachen hier gelassen hat! Ist er denn nackt durchgebrannt?"— Der Gendarm zuckte die Achseln. Hochwürden hatte alles gehört. Sein starrer Mund löste sich in sein gewohntes, leises Bibbern, das eigentlich ein ewiges Schmunzeln war. Seine Aeuglein tränten wieder, und es ward deutlich, daß diese betrübliche Welt durch solche TrSnenfenst«rch-ii hindurch wesentlich lustiger aussehen mußte als au» trockenen, un- geschützten Fanatikeraugen. Denn Hochwürden blickte hinaus und weit die Landstraße hinauf, die über den Berg tief und zwischen den Fetsbrocken mit der Morgensonne Versteck spielte, und dabei lächelte Hochwürden, und«in letztes Lichtlein schien ihm aufzugehen — und als der Mönch mit dröhnendem Schritt wieder ins Zimmer trat, war dieses Lächeln beinahe pfiffig zu nennen. Der Mönch trat zu ihm ans Fenster.„Durchgebrannt ist der Kerl, Herr Amtsbruder. Das kommt von Ihrer vermeintlich christ- liehen--"— Er unterbrach sich. Sein« flachen Augen glitten an Hochwürdens Gestalt herunter. Da stand der Pfarrer von Lepoglava nicht, wie es ihm zukam, in feiner Soutane, sondern wahrhastig im weiß- wallenden Nachthemd am offenen Fenster, in der hellen Morgen- sonne, und sah aus wie ein behäbiges, strahlendes Engelein aus der guten, alten Himmelszeit... und sah wirklich mit weitreichenden, tränenseligen Engelsaugen in die zagorische Welt: sah irgendwo im nächsten Dorfe einen Mann in schwarzer, weinbefleckter, wohl- bekannter Soutane den Dorfkindern großmütig die Hand zum Kusse reichen und dann in den Bergen Kroatiens untertauchen... und sah sich selbst hier souianenlos im Nachthemd stehen neben einer Mönchskutte, die schwarz im Morgenwinde flatterte... „Mizica!" rief Hochwürden nicht allzu laut nach seiner Haus- hällerin, die schwerhörig war und nicht kam.„Mizica!" Und er fing des Herrn Amtsbruders starren Blick ab und sagte mit einem unehristlich überheblichen, nur ihm selbst vernehmbaren Spott: „Oh. diese Mizica, Herr Arntsbruderl Jetzt hat sie meine Sou- tan« noch immer nicht fertig geflickt...l"-- derWetibelletriHik edelsten und seinen fragwürdigsten Regungen kennenlernen will, muh dieses Buch lesen, denn ein Roman wie„Jean Barois" gibt weit unmittelbarere und wesentlichere Unterlagen für die Beuneilmrg des französischen Geistes, als selbst so vorzügliche deutsche oachver- ständige und Schriftsteller wie Ernst Robert C u r t i u s und Friedrich 2 i e b u r g sie in ihren kürzlich erschienenen kritischen Büchern über Frankreich liefern konnten. Damit soll gegen den Wert der beiden nützlichen Werte nichts gesagt sein, doch kann die unmittelbare Fühlung zu einem Volke— durch persönlichen Umgang und Lektüre seiner Geistesäußerungen— nie oder fast nie durch noch so berufene fremde Deuter ersetzt und übertroffen werden. Obwohl„Jean Barois" im Jahre 1913 vollendet wurde— lange also nach dem Revisionsprozeß gegen Drcyfuo zu Reimes und andererseits zu einer Zeit, von der wir heute durch nier Jahre Weltkrieg und ihre Folgen getrennt sind—, kann man das Puch ohne Borbebalt als Dokument des heutigen Frankreichs betrachten und bewerten. Im geistigen Frankreich ist die weltkriegswunde fast vernarbt. Die Problem«, die es heute beschästigen, unterscheiden sich nicht allzft wesentlich von denen der Vorkriegszeit: ihre Stellung und Behan'd lung in Rolland?„Iean-Christophc", Gides„Falschmünzern" und den Werken du Gards— sie alle spielen vor dem Kriege— fesielt und wirkt daher heute wie je. Wenn in Deutschland Herne etwa Gerhart Hauptmann als Repräsentant einer in Ehren er- grauten Generation gefeiert wird, so stehen die nur wenig jüngeren Gide, Rolland und Claudel NN Brennpunkte der literarischen Ereignisse und Diskussionen. Der Respekt vor dem Geistigen und seine ernsthaste Erörlerung ist in Frankreich an keine Altersunter- schiede gebunden, denn der Sinn für Gestaltung und Form ist zu entwickelt, als daß Differenzen der Weltanschauung zu grundsätzMcr gegenseitiger Ablehnung führen könnten. Allerjüngste— selbst von der genialen Eigenart Gut de la Pierres— fühlen sich stets den Aelteren verbunden, an deren Beispiel sie ihre eigene Begabung ge- schult haben. Frankreich ist das Land der künstlerischen Tradition, einer geistigen Verbundenheit der Generation auf der Pisis von Achtung und Dankbarkeit. Der Unterschied zwischen der Stellung des Deutschen und des Franzosen in der Frage geistiger Tradition, hat Ernst Robert Curtius in seinem Buch in treffende Worte gekleidet: „Der Deutsche," sagt er,„würde sich entweder für Pascal oder für Montaigne entscheiden. Der Franzose wird keinen von beiden dein anderen opfern dürfen. In der Gesamtheit der großen Autoren fpiegect sich für ihn die Totalität der geistigen Welt." Untcr solchen Umständen dürste kaum je damit zu rechnen sein, daß gerade von Frankreich aus die Weltliteratur eine planmäßige Fundamentserschütterung erlebt: es märe dem geistigen Franzosen wesensfremd, aus selbstgeschaffenen Trümmerhaufen neues Leben zu erwecken: im Gegenteil, er wird sich stets des sprachlichen und ocistigen Erbes des eigenen und fremder Völker freuen und in seiner sorgsöltigen Wahrung und Mehrung die höchste Aufgabe erblicken. Amerikas Snegsschisfe erhallen Kinos. Auf Befehl der Regie» rung werden die Schlachtschifte und Kreuzer der amerikanischen Flotte mit den modernsten Kinoapparaten ausgerüstet, um Ossi- zieren und Mannschoften in de» dienstfreien Stunden Unterhaltung z» bieten. Die Anlage iell bis Ende März nächsten Jahres fertig- gestellt sein. Für die Installation ist im Etat des Marineamts ein Betrag von über 300 OW Dollars ausgeworfen worden. Gleich- virig wurden Verträge mit den rührenden Kinotonzernen wegen der Liesenmg der Filme abgeschlossen. Trichinen werden häufig desbalb ungenügend bekämpft, weil das Fleisch— besonders Schweinerleisch—, in dem sie schmarotzen, nicht genügend gekocht wird, denn die Trichinen halten eine Tempe- ratur von nahezu 100 Grad aus, ohne zugrunde zu gehen. warum da» Illeer blau ist. lieber die blaue Färbung des Meeres hat jetzt der berühmte Chemiker Prof. Willstäiter eine neue Hypothese auigelrellt, die er in den„Naturwissenschosten" mitteilt. Er erklärt die blaue Farbe durch das Vorkommen kleiner Mengen von Kupfersalzen im Meerwasser; diese sind imstande, mit dein bei der Zersetzung von Eiweiskörpern entstehenden Ammoniak die be- kannten blauen Salze zu bilden, deren Entstehung seit langem in der Chemie zum Nachweis von Kupferspuren verwendet wird. »crantwortli» fitr Pslitik: Sirt« ecyiff: Wirttchoft:«. Rthmriliöf": cScwcrtsckaitibewonuno: 3. Stfiact; �«uillciorn$». I«l,i> Achilzwali: totales und Sonstiges: geil, Kargädt! An, eigen: Ztz.»lockt: tilmNich in Beelin. Berloo: Borwörts-Btelaa G m. l>. H.. Berlin. Bruck: Boencärts-Brniidiuckceei un» Vcrlagsanstall Paul Singer u. Co.. Berlin SB. SS, Lindenflraße Z. ____ Hierzu 2 Beilagen, Tit. 587* 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 46. Dezember 4930 Wirtschast am Eisenkreuz. Zestgenageli durch Schwerindustrie— Kampf gegen Enquete-Veröffentlichung. Die Sabotage der Preissenkung in Deutschland ist seht bei den Montanhcrzögen an der Ruhr konzentriert. Dar wenigen Wochen hosste man noch auf eine Senkung der Eisenprdse um mindestens 15 P r o z. Damit ist es doch trotz allen Drucks der Reichsregieruvg nichts. Rur 5 Proz. und höchstens 5 Proz. sollen in Aroge komme», und das erst im Januar und erst als Aolge der erwarteten Lohnsenkungen. Dabei fürchtet die Eisenindustrie keinen Skandal. Der deutsche Enguelc-Ausschusz hat seine Arbeit über die deutsche Eisenerzeugnisindustrie sertiggeskellt und gestern reröfsentlicht. Diese Arbeil seht die Eisenherren von der Ruhr doku- mentarisch Ins llnreckzt. So kam es zu dem Skandal, dafz der deutschnationale Reichstagsabgeordnele Reichert die Her- össentlichung der Enquete zum jehigen Augen- blick hintertreiben wollte. Diese versuche werden einer gründlichen Untersuchung und Beleuchtung in der Oefsentlichkeit be- dürfen. Jedenfalls sollte eine für gestern abend zusammenberusene Pressebesprechung, zu der nur die linientreue Presse geladen wurde, dazu benutzt werden, um den in der Enquete actrossenen Acst- slellungen entgegenzuwirken. Der neu« Band über die eisenerzeugende Industrie ist ein wert- volles Standardwerk von 417 Seiten und ist wie die übrigen Enquetebände im Verlag von E. S. Mittler u. Soha. Berlin, er- schienen. Bei oller Zurückhaltung in der Formulierung enthüllt es in vielen Einzelfeststellungen die bedrückende Bedeutung jenes besonderen„Eisernen Kreuzes", an das die Herren der deutschen Schwerindustrie die eiseiwerbrauchende deutsche Wirtschaft zum Nachteil der deutschen Volkswirtschaft durch überhöhte inländische Eisenprcrse sestgeschiniedct halten. Die Ueberkapazität, das heißt die den erreichbaren Absatz weit übertreffende Leistung?- fähigkeit der deutschen Eisen- und Stahlindustrie ist das durch eigene Schuld der Montanlzerren entstandene Verhängnis geworden, das in unerträglicher Weise unseren deutschen Eisenverbrauch verteuert. Weit über den Stand des viel größeren Borkriegsdeutschlands. so stellt der Bericht fest, ist die Eisen- und Stahlkapazität ausgedehnt worden, trotz des Verlustes von Lothringen und Ostoderschlesien. Die scharfe, an der erfolgten Ueberausdehnung erfolgte Kritik könne solange durch den Hinweis aus vorhandene Rentabilität nicht ent- kräflet werden, als diese Rentabilität aus den hohen Eisenzöllen und aus der monopolistischen Beherrschung des Eisenmarkles beruhe. Bedauerlicherweise verzichtet aber auch die Enquete darauf(Jntcr- nationale Rücksichten auf die deutsche Eisenindustrie), diese lieber- kapazität zahlemnähig festzustellen. Die Konzenlrakion ist im Zusammenhang mit der Ueberkapazität außerordentlich stark geworden. Im gesamten heutigen Reichsgebiet waren 1913 216 Hochöfen vorhanden, davon 204 im Betrieb und jeder Hochofen hatte eine wöchentliche Durchschnittsleistung von 1 127 Tonnen. 1929 waren es 2ä67 Tonnen bei 163 vorhandenen und nur 113 betriebenen Hochöfen. Bei gleicher Zahl wie 1913 ist die Leistungssähigteit der Thomasbirnen um 40Proz. gestiegen, bei etwa gleicher Zahl der Siemens-Martinöfen ist deren Leistungsfähigkeit in den meisten Fällen fast verdoppelt worden. Ueberwältigend ist die Herrschaft der ch r o ß e n. In der Roheisenirdustrie haben drei Unternehnr.ingen 68,8 Proz., drei weitere 13,2 Proz. von insgesamt 28 Unter- »chmungen. Bei der Erzeugung bei Stahlrohblöcken haben vier Werke 68,3 Proz., drei weitere Werke 12,2 Proz. von insgesamt 26 Werken, bei den Walzwerken haben drei Werke 53,8 Proz. der Assamterzeugung, vier weitere 19,4 Proz. von insgesamt 39 Walz- werken. Der Lohnfakkor ist nicht entscheidend. Die Schwerindustrie ist der Führer der deutschen S o z! a l r e a k t i o n. Angeblich sind die Löhne unerträglich. Eine Gegenüberstellung der Lohnsummen- und der Durchschnitts- lohnerckwicklung zeigt für das ganze Reich, daß von 1927 bis 1928 der Lohn je Kops von 2770 aus 2860 Mark stieg, die Lohnsummen aber— in der Zeit der allerbesten Konjunktur— von Z9Z.'9 Mit- lioncn aus 394,2 Millionen sanken. Iii Rheinlaud-Westsalen allein stieg der Lohn je Kops von 2900 auf 3000 Mark, die Lohnsummen sanken von 308.2 Millionen aus 304,2 Millionen Mark. Daß die Erhöhung der Löhne einer starken Senkung der Arbeitskosten je Tonne nicht im Wege steht, dafür bringt die Enquete auch den zahlenmäßigen Beweis. Nach den Angaben der Rheinisth-Westfälischen Hütten, und Walzwerks-Berufsgenoffenschaft stiegen die durchschnittlichen Arbeitsverdienste von 1913 bis 1929 (wir können das nicht nachkontrollieren) um 71,9 Proz. Während aber im Jahre 1923 die Lohn- und Gehaltskosten pro Tonne Roheisen 5,81 Mark betrugen, sanken diese Arbeitskosten 1927 auf 4,76 Mark je Tonne und blieben in dem schlechten Jahr 1929 noch mit 5,20 Mark trotz großer Lohnsteigcrung erheblich Arbeiterwohlfahrts- Lotterie« Wer noch nicht mit Losen versehen ist, versorge sich 9 sofort. Am 19. und 20. Dezember 1930 ist Ziehung® unter dem Stande von 1925. Bei Rohflahl ergab sich sogar trotz der Lohnsleigerung von 1925 bis 1929 ein Absinken der Arbeitskosten je Tonne von 7.70 Mark aus 5,52 Mark. Schlagender kann nicht bewiesen werden, daß steigende Löhne k c i n H i n d e r n i s für die Rentabilität und für rationelle Wirtschaft zu sein brauchen, wenn nur nicht, wie es in der Eisen- industrie geschehen ist, durch phantastische Ausbauten die fixen Kosten für leerstehende Bctriebstcile ins Aschgraue gesteigert werden. In dem interessanten Anhang des Berichts zeigen die Ausführungen des Sachverständigen Röchling, wie leicht- fertig bei d«r Gegenüberstellung der hohen deutschen und der so viel niedrigeren französischen und belgischen Löhne verfahren wird. Röchling bringt es fertig, Hauer- und Schlepper- löhne im Lothringisazen Erzbergbau den Hauer» und Schlepper- löhnen im Kohlenbergbau der Ruhr gegenüberzustellen. Räch- ling sagt wörtlich an einer anderen Stelle:„Ein erster Schmelzer bei den Hockzösen in Lochringen komint bei achtstündiger Schicht mit Frauen- und Kinderzulage auf etwa 5.40 Mark, in Deutschland dürft« er auf 10 Mark kommen."„Dürfte er*— so leicht macht sich das Herr Röchling. Daß der deutsche Sckpnelzer 54 Stunden arbeitet, der französische nur 48, daß der französisch« Lebenshaltungsindex mir ein Fünftel niedriger liegt als der deutsch«, daß der deutsch« Schmelzer bei seinem Lohn 121- Proz. Abzüge hat, die gegenüber 1913 verdoppelt sind, daß der Effektivlohn nicht 10 Mark beträgt, sondern unter diesen wahrlich die ganze Lag« ver- ändernden Umständen mit 9 Mark niedrig ist, das braucht Herr Röchling nicht auszuführen. Leistungssteigerung— kapilalverschwendung— Fixe kosten. Ucber die Leistungssteigerungen müssen die Industrie- Herren selbst überraschende Angaben machen. Für die August-Thyssen-Hütte berichtet Vogler eine frühere Leistung von 75 000 Tonnen Stahl bei 10 000 Arbeitern und eine heutige Leistung von 170 000 Tonnen Stahl bei 9900 Arbeitern, ähnlich ist es nach Bögler beim Härder Berein, bei Rheinstahl und bei Phönix. Daß in der Tat die Wirtschaftlichkeit nicht durch die Lohnhöhe, sondern durch die Ueberkapazität ge- drückt ist, beweist V i e r w e s von den Mannesmann Röhren- werken. In der relativ noch guten Konjunktur von 1929 waren di« Betriebe für nahtlose Röhren nur mit 60 Proz. der Kapazität aus- genutzt. Im Frühjahr 1936 nur mit 45 Proz., jetzt sind es noch weniger. Bierwes slellk fest, daß je 10 Proz. Mehrousnühung der Betriebe die Selbstkosten um 3 Proz. senken. Bei voller Au,- nuhung der jetzt brachliegenden 55 bis 60 Prozent der Kapazität würden also die Selbstkosten um 18 Proz. gesenkt werden können! Das ist der entscheidende Beweis zugleich für die erfolgte Kapitalverschleuderung in der Schwerindustrie und auch für die Tatsache, daß die fixen Kosten für die leerstehenden Betriebe, nicht aber die Löhne die Wirtschaftlichkeit drücken. Interessent sind die Feststellungen über den Lohn» anteil im ko in dinierten Betrieb(von der Zech« ein- schließlich bis zum Walzwerk einschließlich). Er beträgt nach der Angade des Sachverständigen R u in m e l etwa 35 Proz. Poensgen vom Stahlverein hat diese Ziffer für den Stahlverein auf 30,1 bis 32,6 Proz. je Tonne Vtabeisen bestätigt. Grotesk sind die Widersprüche bei den Angaben über die Steuerbelastung. Poensgen gab die Steigerung der Steuerlast gegenüber der Vorkriegszeit auf 5 0 0 Proz. an, Klöckner bezifferte sie bei Roh» stahl auf 253 Proz., für sämtliche Hüttenwerke auf 3 64 Proz,, die Oberschlesischen Hüttenwerke nannten sogar 60 0 Proz. der Steuerlast von 1913. Diese Unterschiede sind schon lustig genug. Herr Röchling muh ober berichten, daß nach dem Geschäftsbericht eines ostsranzösischen Werkes dieses in Gold heute achtmal so hohe Steuer, in Papiersranken achlundvierzigmal so hohe Steuern als l913/14 bezahlen müsse, und von dem belgischen Montanwerk „Providenre" muh Röchling berichten, daß es heute die sechsfachen Steuern von 1913 bezahle. Zwei Lehren daraus: Einmal brauchen sich die deutschen Unternehmer über ihre Steuern nicht zu beschweren, dann ober, was soll man den deutschen Unternehmern angesichts der wider- sprüchigen Angaben von ihrem Eteuerjammer noch glauben? Der Eisenwucher— die Preissenkung. Der Enquetebericht gibt über die Verteuerung des inländischen Eisens folgende erschütternd« Tobelle: Spanne zwischen deutschem Inlandspreis und Preis Antwerpen für Slabeisen, Tröger und Grobbleche in den Zohren 1913, 1925— 1930(Reichsmark-- fi je Tonne) Jahr 1913..... 1925..... 1926..... 19271).... 1928').... 1929..... 1930 Zu«1).. August-). September-) ') Hochkonsunltur; Träger — 19,89 4- 22,05 + 30,04 + 36,79 -s- 39,03 + 36.13 4- 33,34 + 37,49 -s- 52,69 Bleche — 5,37 4- 9,85 4- 34,36 -- 27,30 -- 30,12 -- 33,57 -- 35,24 -- 42,81 - 53,46 Stabeisen — 8,61 4- 18,88 4- 31,11 -- 37,25 24,92 -- 25,19 4- 38,92 -- 49,29 -- 51,80 4 Schärfste Krise. In der Krise hat sich der innerdeutsche Eisenw.icher also noch unerhört verschärft. Der Bericht stellt weiter fest, daß der inländische Eisenoerbraucher bei allen Eisenanlagen diese phantastischen Mehrpreise bezahlen muß, was besonders beim Wohnungsbau, Straßen- und Brückenbau und in der ganzen öffentlichen Wirtschaft erfolgt. Die deutsche Eisenindustrie verteuert also in wirklich unerträglicher Weise alles, was der Staai in Deutschland und auch der deutsche Konsument an Eisen verbraucht. Während sie das mit der linken Hand tut, erhebt sie die rechte zum Fluch gegen die teuere und unrationelle ösfentliche Wirt- schast und gegen die finanziell« Mißwirtschaft des Staates! Die deutschen Eisenpreise— das zeigt der Bericht von neuem— sind ein Skandal. Die Eisenindustrie wußte, was sie tut, wenn sie die VerössentUchung des Berichts hintertreiben wollte. Wer aber wird diesem Skandal endlich ein Ende machen?! Außenhandel im November. Der Außenhandel im Monat November ist sowohl bei der Einfuhr wi« bei der Ausfuhr gegenüber dem Oktober stark rückgängig. Der gesunken« Umsatz im Außenhandel ist zum Teil saisonbedingt, hängt aber andererseits auch mit den vierteljährlichen Lagerabrechnungen im Oktober zusammen, die für diesen Monat einen überhöhten Umsatz erbrachten, Die Ausfuhr einschließlich der Reparationslieferungen ist von 1073 auf 931 Millionen, also um 141,8 Millionen zurück- g eg a n g e n. Der Haupt!«il des Umsatzrückganges geht zu Lasten des Fertigwarenexportes, der um 106,4 Millionen ge- sunken ist. Die Rohstoffaussuhr hat sich um 31,7 Millionen verringert. Bu»kuhr«lin« Zieparo Einfuhr Warengruppen etalabc Reparatloa»- ttons-Sadj- November SachUeferuvgcn Ileferuvgen November November Wtlltovev Marl 1. Lebende Tiere..... 11,3 10,0— 2. Lebensmittel und Getränke. 207,0 33,8 0,1 3 Rohstoffe u halbfertige Waren 382,4 161,9 14,5 4 Fertige Waren..,.. 133,6 664.3 46,6 Zusammen 1— 4 734,3 870,0 61,2 5. Gold und Silber 9.0 2.7 Bei den Fertigwaren prägt sich d«r Exportrückgong be. sonders stark bei Textilien mit einer Minderausfuhr von 32,7 Millionen Mark aus. Auch der Export von chemischen und pharmazeutischen Fabrikaten einschließlich Farben und Farbstoffen sowie der Maschinenexport weisen zusammen einen Ausfuhrrückgang von über 14 Millionen auf. Di« Abnahme der Rohstofsausfnhir entfällt in erster Linie aus Steinkohlen (minus 7,8 Millionen Mark), Ammoniak(minus 5,8 Millionen Mark) und chemische Rohstoffe(minus 4 Millionen Mark). Die Einfuhr im November liegt um 99 Millionen unter dem Oktoberumsatz. Fast die Hälfte von dem Rückgang, nämlich 48 Millionen, enifallen auf die Einfuhr von R o h st o f f e n und 42 Millionen auf die Einsuhr von Lebensmitteln. Hier kommt also der Einfluß der Lagerabrechnungen im Oktober deutlich zum Ausdruck, denn im RooeiAber find um 44 Millionen Mark geringere Anschreibungen aus den Lagerabrechnungen vorgenommen worden. Das weiter« Absinken von Textllrohstosfen(Wolle minus 7,2 Millionen und Baumwolle minus 3,7 Millionen) deutet darauf hin, daß die im Oktober-Rooember eingeireten« Besierung in der Textilindustrie nur eine ganz vorübergehende Belebung darstellte. Die Außenhandelsbilanz Deutschlands im Rovember schließt mil einem Aussuhrüberschuß von 136 gegen 178 Millionen Mark im Oktober ab. Einschließlich der Reparalionssachlieserungen stellt sich der Aussuhrüberschuß Im Berichtsmonot aus 197 gegen 239 MU- lionen Mark im Oktober. In den vergangenen eis Monaten dieses Jahres stellt sich der deutsche Aussuhrüberschoß aus 767 Millionen und unter Einschluß der Reparationssachlieferungen aus insgesamt 1421 Millionen Mark. Praktisch denken- KAFFEE HAG schenken Festtassdose-■ Vakuumdose rm 2.50 rm 1.90 Schwarz Wildleder die große Mod� Spangenschuhe und Pumps 15»° Pumps mi+ Agraffe nach Wahl Iß�0 Großpleite b Gtickstoffwerke festgefahren.— Eine lliederschlesische» Zndustrlerevier sind die Siickstosfwerke A-G.. UZaldcaburg, iu Zahluageschwierigkeilen geralea. Zu die Pleite ist der Mme der Fürstlich plehschen Verwaltung verwickelt, ein Rame, der der breiten Oesfcntlichkeit seit jeher fast so geläufig ist. wie seinerzeit z. B. der Name Hugo Slinnes. Die Schulden bei der Stickstoffwerke A.-G., Waldenburg, sollen ?.s> Millionen Mark ausmachen. Ihnen stehen jedenfalls entsprechende Aktiven gegenüber. An sich wäre der Konzern des Fürsten Pleß stark genug, die Schwierigkeiten bei der Waldenburger Tochtergesell- schast zu meistern. Die in Betracht kommenden Objekt« sind gegen- wärtig— und dieses gegenwärtig kann nach Lage der Dinge recht lange dauern— aber nicht zu realisieren und nicht zu verkaufen. Es ist also eine Pleite der festgefrorenen Mittel, ähn- lich wie sie der Stinnens-Konzern nach der Stabilisierung erlebte. Die Fürstlich Plcßsche Verwaltung, schon vor dem Kriege einer der größten deutschen Konzerne, hat ihre Basis in Ober- schlesien und Niederschlesien. Zu den Industriewerken (Gruben) in Ober- und Niederschlesien kommen agrarische Unter- uehmungen und die Ausnützung des schlesischen Forstreichtums im industriellen Stile. Die Teilung Oberschlesiens nach dem Weltkrieg trennt« den Konzern in einen deutschen und einen polnischen Teil. Das ist dem Konzern schon nicht gut be- kommen. In den letzten Iahren scheinen sich zuerst Schwierigkeiten bei den polnischen Unternehmungen eingestellt zu haben. So hörte man von rigorosen Steuerbeitreibungen durch die polnische Regierung. Das Sorgenkind des bei Deutschland ver- bliebenen Besitzes wurden die Pleßschen Unternehmungen in Waldenburg. Sie teilten die Sorgen und Schwierigkeiten des Waldenburger Notstandsgebiets. Vorschläge für ein« großzügige Rationalisierung, die zum Teil mit öffentlichen Mitteln durchgeführt werden sollte, konnten nicht durchgeführt werden. Die Fürstlich Pleßsche Verwaltung verlangte damals die Uebernahme einer beträchtlichen Schuldenlast. Man nannte seinerzeit eine ei Fürst pleß. Nazi-Brutstätie.— Subventionen? zweistellig« Millionenzifser. Das war zu viel. So ging die Fürstlich Pleßsche Verwaltung ihren eigenen Weg. Dazu gehört die Gründung der S t i ck st o f f w« r k e A.- G. in Waldenburg. Das Unternehmen war mit einem Aktienkapital von 8 Millionen Mark ausgerüstet und sollt« Zechenstickstoff nach franzö- fischen Patenten herstellen. Die Jahresproduktion wurde auf 15 000 Tonnen oeranschlagt. Die Gründung eines Stickstoffunternehmens in Niederschlesien bedeutete eine weiter« Vergrößerung der deutschen Stickstoffkapazität, die an sich schon zu groß war. Bald nach der Gründung der Waldenburger Werke erfolgte die Einigung der deutschen Stickstofserzeuger und im Zusammenhang damit traten die Stickstoffwerke A.-G., Waldenburg, dem Stickstoffsyndikat bei. Es mag sein, daß man dadurch die Kapazität nicht so ausnutzen konnte, wie das geplant war. Die bedenkliche Entwicklung bei der Stickstoff- werte A.-G., Waldenburg, dürfte noch weniger in der Stellung des Waldenburger Industriereviers als Notstandsgebiet zu suchen sein als in der Zersplitterung des Pleßschen Konzerns, der nach der Grenzziehung, ähnlich wie der Giesche-Konzern, eine straffe Reorganisation nötig gehabt hätte, die aber nicht erfolgte. Schlecht« Wirtschaftsführung fordert also auch hier wieder Opfer. Im Zusammenhang mit den Zahlungsschwierigkeiten bei Pleß wird von der Presse, die der Schwerindustrie nahesteht, gefordert, daß das Reich Ausfallbürgschaften für Pleß über- nimmt. Das kann nach Lag« der Dinge nicht in Frage kommen. Preußen bzw. das Reich haben mit Pleß bereits genug Aerger gehabt. Sie haben keine Veranlassung, für die Geschäfts der Fürstlich Pleßschen Verwaltung gerade zu stehen. Auch verweisen wir auf die letzten Kundgebungen der Industrieverbände, die sich scharf gegen Subventionen ausgesprochen haben. Wir fühlen uns schließlich noch zu der Bemerkung oerpflichtet. daß die Stickstoffwerke A.-G. Waldenburg eine Nazibrut statte ersten Ranges waren. Die Nazis haben sich dort breit- schlagen lassen, bis zu 16 Stunden zu arbeiten. Sie haben das Ueberftundenunwefen dort zu einer lebensgefährlichen Mode gemacht. Mittionenaustrag für Vamag-Megm'n. Riesenobjekt der Sckwachstromkonzerne in Iugosawien. Die Berlin-Anhalter Maschinenfabrik A.-G. in Moabit(Bamag- Meguin) hat gemeinsam mit einem Pariser Unternehmen den Bau einer Ammoniak-Verarbeitungsanlage für die französische Industrie in Auftrag erhalten. Der auf die Bamag entfallende Teck des Auf- träges hat einen Wert von rund fünf Millionen Mark. Da sich der Beschäftigungsgrad bei diesem Unternehmen in letzter Zeit stark ver- Ichlechtert hatte, stellt dieser Großauftrag einen beachtenswerten Zu- wachs dar. * Die Berliner Schwachstromindustrie bearbeitet zur Zeit ein Riesenobjett in Jugoslawien. Gemeinsam mit Siemen« lind Halske hat die Internationale Telephone u. Telegraph Company, in derey Berliner Standard Elektrizität»- g e s e l l s ch a f t die Schwachstrominteresien der AEG.(Mix und Genest) zusammengeschlossen sind, dem jugoflawischen Staat ein An- gebot auf Ausbau von Fernkabollinisn unterbreitet. Der Gesamt- wert dieser Anlagen würde annähernd 56 Millionen Mark betragen, die durch langfristigen Kredit der jugoflawischen Regierung gestundet werden sollen. Di« Verhandlungen sind im Gange. Neue Herren bei Thüringer Gas. Preußen und Sachsen im AufsichtSrat. Die gestrige Generalversammlung der Thüringer Gas- A.-G. zu Leipzig brachte die erwarteten Zuwahlcn im A u f s i ch t s- r a t entsprechend der Einflußnahme der preußischen Preag und der Sachsen-Elektra. Je zwei Vertreter dieser Gruppen wurden gewähll, für Preußen Generaldirektor Frank und Ministerialrat Römer. Die preußische Gruppe war mit 12,0, die sächsische mit S,Z Mill. Aktien vertreten, was bei 28,2 Mill. ausgegebenen Aktien(von 36,8 Mill.) zusammen die gut« Mehrheit bedeutet. Die Sanierung bei den horch-werken. Die Sanierung der chorch-Werk« A.-G. i n Z w i ck a u, über die wir beieils berichtet haben, ist jetzt vom Auisickitsrat in ihren Einzelheiten festgelegt worden. So soll der zum 36. Dezember einberufenen Generalver- sammlung vorgeschlagen werden, das Aktienkapital zur Befestigung der entstandenen Betriebsverluste und zur Vornahme außerordent- licher Abschreibungen auf Anlagen und Borrät« in dem scharfen Verhältnis v o n 4: 1 zusammenzul«g«n. Das bisherige Kapital von 5 Millionen würde sich danach auf 1,25 Millionen Mark belaufen. Zur Beschaffung neuer Betriebsmittel soll ferner das zu- sammengelegte Kapital um 3 Millionen wieder erhöht werden. Eiützungsflelle als Schnorrer. Hopfen und Malz- Gott erhält's.— Hopfenpatriotismus. Die Hopfenernte fiel in diesem Jahre wie in dem Vorjahr« recht gut aus, so daß die Preise niedrig sind. Die Hopfenbauern in Franken dachten, wenn die Preise für Roggen. Schweine, Husumer Ochsen und Allgäuer Käse saniert werden, kann ja auch«in- mal von Staats wegen«twas für den Hopfen getan werden. Sie gründeten also im September ein«„H o p f e n o e r k c h r s g e s« I l- s ch a f t�. die den Hopsen zu„erträglichen- Preisen, also Ueberpreisen aus dem Markt nehmen sollte. Herr Schiele, der Reichstagskandidat in Franken war und es schon deswegen nicht mit den Hopfsnbauern verderben durste, übernahm bereitwillig ebenso wie die bayerische Regierung eine Ausfallbürgschaft von je 566 666 M., um die entstehenden Verluste der Stützungsstelle unter Umständen zu decken. Frisch und froh taufte die Ges e llscha st also Hopsen auf, was zur Folge halle, daß der Hopfenpreis von 176 auf 266 M. stieg. Auf dieser Höhe ließen sich aber die Preise nicht halten. Sie stürzten, so daß bald die Stützungzstelle aus ihren Hopfensäcken f e st s a ß. Die Verluste bei diesem Geschäft scheinen beträchtlich zu sein. Die von Schiele so großzügig bereitgestellten Staats- g a r a n t i e n drohen verloren zu sein. Um dies zu verhindern, ist von Schiele und dem bayerischen Ministerpräsidenten Held eine„Deutsche Hopfenhilse" ins Leben gerufen worden, die sich, wie das„Berliner Tageblall' meldete, an alle Brauereien mit einem patriotischen Bettelbrief wandte. In dem Brief heißt es: „Es ist Ehrensache und Standespflicht für die beut- schen Brauer, die Gesellschaft zu unterstützen und lebensfähig zu erhalten. Die Unterzeichneten(d. h. Schiele und Held) richten daher an alle deutschen Brauereien die dringende Bitte, der Gesellschaft einen Auftrag zu erteilen. Wenn jede Brauerei nur einen Ballen ausnimmt, ist die Aufgabe gelöst. Jede einen— keine keinen! Große Brauereien werden auch mehrere Ballen aufnehmen können. Wir bitten, diese Sache nicht vom nüchternen Geschäftestand- punkt aus zu werten, sondern vom höheren Standpunkt der Sicherung der vaterländischen Rohstoffgrundlagc. Di« Namen aller Brauereien, die sich an der Deutschen Hopfenhilse beteiligen, werden in einer Ehrenmapp« dem Herrn Reichs- ernöhrungsminster Schiele und Herrn Ministerpräsidenten Dr. Held sowie den übrigen Zeichnern des Aufrufes überreicht als D o k u- ment edler deutscher Selbsthilfe. Di« Ballenzah! wird nicht genannt.- „Vom höheren Standpunkt- betrachtet ist das eine üble Schnorrerei. Warum wird nicht gleich, um etwas Druck aus die Brauereien auszuüben, der in der Notverordnung vorgesehene Hopfenverwendungszwang auf den von der Stützungsstelle auf- gekauften Hopfen beschränkt? Dann wird diese wenigstens auf alle Fälle ihre Ware los. Ehemie-Koajunktnr hall sich. Auf der gestrigen Aufsichtsrats- fitzung desOberkoks-Konzerns und der Sdjering-Kahl- bäum A.- G. in Berlin wurde zur allgemeinen Geschäftslage in den Betrieben mitgeteilt, daß sich die Kohlenkrise bei dem Oberioks- Konzern(Schlesisches Revier) zwar durch Ueberfüllung der Halden sehr ungünstig ausgewirkt habe, daß jedoch in den chemischen Betrieben eine starke Widerstandsfähigkeit gegenüber der Krise zu verzeichnen sei. Auch bei der Schering-Kahlbaum A.-G. in Berlin, die besonders oharmazeutifche Fabrikate herstellt, hat die Krise auf den Beschäftigungsgrad bisher nicht nennenswert eingewirkt. Lala baut doch in veulschlaad. Die mehrfach unterbrochenen Verhandlungen des tschechischen Großindustriellen Thomas Bata zweck» Grundstückserwsrbs in Deutschland find jetzt abgeschlossen worden. Der Vertrag zum Antauf des oderfchlesischen Gutes Ostmuth ist gestern in Prag unterzeichnet worden. Der Bau von Schuh- fabrsten auf dem angekauften Gelände soll sofort iu die Wege geleitet werden. CirSjstelKvrt« Kraft entfall nng- ein Beweis für Opels Führerschaft! Ob Sie den Opel wagen schon kennen oder nicht— fahren Sie den 1,1 Liter Opel 1931. Mühelos- bequem zurückgelehnt- werden Sie Wagen überholen, die mehr kosten— aber weniger leisten. Kraft t.» Schnelligkeit!«. Leistungsfähigkeit!.. im Opel 1931. Opel vergrößert seinen Vorsprang dnrch• MEHR KRAFT! Neuer Vergaser mit Vorwärmung» neue Bohnalite Leichtmetall- Kolben- neue Venfile• neue Pleuelstangenl Das sind nur einige der vielen kraflsteigernden Aendcrungen am Motorl Kein anderer Wagen derselben Preisklasse ist so groß, so bequem, so geräumig wie ein 1,1 Liter 4 Zylinder-Opel! Kein anderer Wagen bietet gleichzeitig so hervorragende Eigenschaften! Opel 4 Zylinder— Kra ft-wagen im wahrsten Sinne des Wortes l MTie die"Kraft und die überlegenen Fahr- eigenschaften, kurzum der Wert der Opcl- wagen durch fortschrittliche Aenderungen noch gesteigert werden konnte, wird Ihnen Ihr Opel-Hindler erklären. 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In der Debatte, die sich an die Mitteilungen des Bundesvor- standes in der Ausschußsitzung des ADGB. anschloß, wurde die Auf- fassung vertreten, daß Betriebsrätekonferenzen zweckmäßigerweise von den Verbänden einberufen werden sollten Da- gegen sei eine Sonferenz der Sachbearbeiter der Verbände sehr zu begrüßen. chusemann, Bergbauindustriearbeiterverband, hielt es vor allem für wichtig. dieAmtszeitder Betriebsräte zu verlängern, die Wahlperiode auf etwa drei bis vier Jahre festzusetzen. Demgegenüber wurde von Bernhard, Baugewerksbund, betont. daß die Verlängerung der Amtszeit der Betriebsräte für bestimmte Industrien, wie z. B. das Baugewerbe, nicht von erheblicher Be- deutung sei. Im Baugewerbe werde ein Betriebsrat selten länger als einen Sommer im Amt bleiben. Die heute bestehende Regelung habe den großen Dorteil, daß jährlich Tausend« von Ar- beitern in dieses überaus wichtige Aufgaben- gebiet«ingeführt werden können. Es wurde auch darauf hingewiesen, daß die Nationalsozialisten, ebenso wie bisher die Kommunisten, versuchen. Betriebszellen aufzuziehen. Gegenüber der Gefahr, gewerkschaftsfremde Grundsätze in die Bewegung einzuführen, sind die Betriebsräte das wichtigste Widerstandszentrum. Di« Gewerkschaften müssen sich daher be- sonders bemühen. die VekriebsrSle gründlich zn schulen. Die Betriebsräte müßten in größerem Umfang« mit Material zur Unterstützung ihrer sachlichen Arbeit versehen werden. Wenn es gelingt, die Abwehr unserer Mitglieder und Funktionäre gegen jede Jellcnbildung in der Organisation zu stärken, werden alle gewerk- schastsfeindlichen Strömungen sehr bald den letzten Rest ihrer Be- deutung verlieren. Endlich wurde auch in der Aussprache darauf hingewiesen, daß der Zweck einer Betriebsrätekonferenz vielleicht nicht erreicht werden könne, wenn die Zahl der Teilnehmer zu stark beschränkt würde. Das Tlachlbackverbok mug bleiben! Gegen die Forderung, das Nachtbackoerbot aufzuheben, wurde geltend gemacht, daß es ein Irrtum sei, eine Herabsetzung des Brotpreises davon zu erwarten. Die Herstellung von Brot in der Nacht würde sich verteuern, da die Bäckereiarbeiter ebenso wie alle anderen Arbeiter Nachtarbeitnur gegen Lohnzuschläge leisten würden. Wenn der Iugendschutz aus dem Arbeitsschutzgesetz heraus- genommen und vordringlich behandelt würde, bestehe die Gefahr, daß andere wichtige Fragen, die für die Verbände von nicht ge- rinaerem Interesse sind und gleichfalls durch das noch ausstehend« Gesetz geregelt werden sollen, weiterhin verschoben werden. Eine Reihe von Verbandsocrtretern erklärten, daß eine generelle Einschränkung des Umfanges der Eewerkschaftszeitungen nicht in Frage komme, insbesondere Brandes, Metallarbeiter- verband, und Brey, Fabrikarbeiterverband, hielten sie nicht für empfehlenswert. Dagegen waren alle damit einverstanden,«ine intensivere Agitation durch Flugblätter zu be- treiben, die um so wirkungsvoller fein würde, wenn sie sich aus ganz bestimmten Situationen ergäbe, sich mit falschen Behauptungen und Entstellungen der Gegner auseinandersetze usw. Wenn die sozialdemokratische Reichstaasfrattion die von den Kommunisten vorgescblagene Winterbeihilfe für die Erwerbslosen im Betrage von 400 Milkionen abgelehnt hat, so deshalb, weil es sich um einen bloßen Agitationsantrag gehandelt habe. Die Antragsteller waren sich darüber klar, daß diese 400 Millionen gar nicht aufgebracht werden können. In der Aussprache kam wiederholt zum Ausdruck, daß die Gewerkschaften sich mit aller Entschiedenheit für den Ausbau des Reichsbanners zu einer wirksamen Schutzorgcmisation der Arbeiterschaft und des republikanischen Staates einsetzen müßten. Am Schluß der Aussprache wies L e i p a r t daraufhin, daß die Verbandsoorstände dem Bundesvorstand ihre Stellungnahme zu dem Plan einer Betriebsrätekonferenz mitteilen sollten. Der Bundesvorstand werde dann entsprechend dieser Stellungnahme seinen Plan weiter verfolgen. Eine vom Bundesvorstand vorgelegte Entschließung für die Aushebung des Verbots des Remarque-Films wurde vom Lundesausschuß einstimmig angenommen: Am zweiten Verhandlungsiag nahm der Bundesausschuß des ADGB. Stellung zum neunten Schuljahr. Der Bildungssekretär des ADGB., Genosse H e ß l e r. begründete folgende Entschließung: ..Die Verlängerung der Schulpflicht ist aus ge- sundheitlichen, jugendpsychologischen und sozialpädagogischen Gründen ein« unumgänglich« Notwendigkeit. Die Gewerkschaften sind bereits früher grundsätzlich für die Verlängerung der Schulpflicht eingetreten. An dieser Auffassung halten sie fest. Die Verlängerung der Schulpflicht bedeutet erweiterten Jugend- schütz, da der ganztägige Schulbesuch den Eintritt in ein Arbeitsver- hältnis um«in volles Jahr hinausrückt. Diese längere Fern- Haltung von der ErwerbstStigkeit'schafft Raum. deu Zagendlicheu körperlich zu kräftigen und läßt ihm Zeil geistig zu reisen. Er wird dann seine Verufsentscheidung mit größerer Sicherheit trefsen können. Von einer Verlängerung der Schulpflicht ist überdies eme Hebung der geistigen Ausbildung und charakterlichen Erziehung unseres Voltes zu erwarten. Die Verlängerung der Schulpflicht hat gleichmäßig für alle Jugendlichen zu gellen. Für die betroffenen Familien ist«ine Sonderfürsorge in ausreichendem Maße unerläßlich. Gegen den Vorschlag, die Verlängerung der Schulpflicht auf zwei Jahre zu befristen und nur für die Volksschüler in den Städten einzuführen, sind große Bedenken zu erheben. Dieses Provisorium wäre geeignet, den Grundsatz der allgemeinen Schulpflicht zu gefährden. Die Erweiterung der Schulpflicht ist für dl« Reorgaalsakioa des gesamte» äff eullichen Schulwesens von weittragender Bedeutung. Die erweiterte Beschulung darf weder in einer einfachen Verlängerung des Elementarunterrichts(Volks- schule) bestehen, noch darf sie(durch Besuch spezieller Berufsschulen) zu einer vorzeitigen Berufsentscheidung führen. Ueber Lehrplan- gestallung und organisatorische Angliederung sollten sich die Be- Hörden, die Vertreter der Lehrerschaft der Volks- und Berufsschulen mit Vertretern der Wirtschaft verständigen.' Genosse Heßler führte im wesentlichen folgendes aus: Für die Notoendizkell, die Schulpflicht zu verlängern, sind in den letzten Jahren genügend Gründe ins Feld geführt worden. Die Gewerk- schaften treten aus Gründen des Jugendschutzes für bis Verlängerung ein, und der JGB. hat die Forderung:„Elementarschulpflicht bis zum Deginn der zulässigen Erwerbsarbeit", in sein Iugendschutz- Programm ausgenommen. Die Verlängerung der Schulpflicht bringt, wenn die Maßnahme im Hinblick auf den Lehrplan und die organi- sakorische Eingliederung des neunten Schuljahres in sachverständiger Wesse vorbereitet wird, ganz allgemein eine bessere Durchbildung der Kinder der Arbeiterschaft mit sich. 1031 werden etwa 650 000 Jugendliche aus der Schule ent- lassen: davon sind 2ZOOOO Nichterwerbstätige und Besucher höherer und mittlerer Schulen sowie Fachschulen: 160 000 erwerbstätige Jugendliche gehen in die Landwirtschaft und in die Gärtnerei, für die die geplante Regelung nicht gelten soll. Nicht in jedem Fall wird der Unternehmer sür billige Jugendliche besser bezahlle Arbeitskräfte einstellen, ebenso wird, da ällere Arbeitskräfte mehr leisten, durch deren Einstellung die Kopszahl der Beschäftigten eingeschränkt. Für die verbleibenden 2SOOOO dürfte also höchstens die Hälfte— etwa 125 000— als Ersatz aus anderen Alltagsklassen eingestellt werden. Für die Reichsanstall verbleiben alles in allem daher etwa 40000, für die sie die Unterstützung ersparen würde. Setzt man hierfür einen wöchentlichen Unterstützungssatz von 11 Mk. an, so würde sich eine Jcchresersparnis von 23 Millionen Mark ergeben. Da das preußische Handelsministerium für die Durchführung seiner Maßnahme etwa 15 Millionen Mark rechnet, könnte es mit dem entsprechenden Airteil auskommen. In diesem Beitrag ist aber die Ivirischasisbeihlfe für die Eltern viel zu gering angesetzt. Nur 20 Proz. der Eltern soll eine Be:- Hilfe erhallen mit einem Monatsbeitrag von 10 M. Würde man drei Fünfteln der Eltern eine Beihisse gewähren, so wäre dafür «in Betrag von 12 Millionen erforderlich. Die vorgesehene Aus- nähme für die Landwirtschaft ist u n v e r st ä n d l! ch: gerade in der Landwirtschaft müßte alles getan werden, um das Bildungs- Niveau zu heben. Eine Verkürzung der Lehrzeit kann nchig in Kauf genommen werden: denn das erste Lehrjahr wird in den meisten Fällen ohnehin sehr unproduktiv verwandt.' „Soziale" Unternehmer. Buchdruckereibesiher fordern„nur" �4,5 proz. Lohnabbau. Di« Dechandlungen zum Abschluß eines neuen Lohntarif» für das Buchdr uckgewerbe, die am Montag in Berlin be- gannen, haben bisher einen wenig erfreulichen Verlauf genommen. Die Unternehmer hatten den Lohntarif gekündigt, um die Löhne abzubauen. Sie verlangen nicht weniger als eine Tariflohn- senkung um 14.5 Proz. Womit sie wohl ihr« einst— lang ist's freilich her!— so gern und laut betonte soziale Ge» s i n n u n g dokumentieren wollen. Die Metallindustriellen fordern generell 15 Proz.: die Buchdruckereibssitzer begnügen sich mit 14M Proz. Ein halbes Prozent„sozialer Gesinnung", mehr kann man in dieser„Notzeit" doch nicht gut verlangen von Unternehmern, wo sich die Rückständigkeit des kleinen Krauters verbindet mit dem kaltschnäuzigen Scharfmacher tum des Großindustriellen. Die tariflichen Wocheniöhne sind gegenwärtig nach 4 Allers- klassen und 11 Ortsklassen von 32,76 bis 58,50 M. gestaffelt. Zu diesen Löhne steht der Wocheniohnsatz der Hilfsarbeiter in einem bestimmten Prozentoerhältnis. Nach der Forderung der Unternehmer soll der tarifliche Spitzenlohn von 58,50 auf 50 Mark heruntergehen. Die Gewerkschaften verlangen die Verlängerung der Geltungsdauer der bisherigen Tariflöhne. Darüber hin- aus fordern sie eine vorübergeherrds Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit aus 40 Stunden, auf fünf Tage zu oerteilen— zum Zweck der Wiedereinstellung arbeitsloser Gehilfen und Hilfsarbeiter.„Der sich daraus ergebende Lohn- ausfall'— so heißt es in der Forderung der Gewerkschaften— „ist unier besonderer Berücksichtigung der Minderenllohnien von Unternehmern und Arbeitern zu tragen." Trotz dieses aus der furchtbaren Arbeitslosennot zu erklärenden beträchtlichen Opserangebois der Gewerkschaften blieben die Unter- nchmervertreier in den Paricioerhandlungen be: ihrem starren Nein. Wie im Frühjahr bei den Manteltarifoerhandlungen, so erklärten sie auch jetzt wieder, sie wollten sich a u f Arbeitszeit- v er kü r zu n g sde ba tten nicht einlassen, da die Verkürzung der Arbeitszeit in den bestehenden Manteltarssvertrag eingreife. Sie haben also den traurigen Mut, sich angesichts eines zum Himmel schreienden Elends hinter formale Gründe zu verschanzen. Die Gewerkschastsoertreter erklärten, als die Unternehmer kein Entgegenkommen zeigten, daß auch nicht in Verhandlungen über Lohnabbau eingetreten werden könne, wenn die Unternehmer dabei blieben, über Arbeitszeitverkürzung nicht ver- handeln zu wollen. Nach dieser Klärung des Kampffeldes wurden die Verhandlungen zunächst abgebrochen. Am Dienstag werden sie unter Hinzuziehung des Zentral- schlichtungsam tes weitergeführt. Die drei Unparteiischen des Zentralschlichtungsamtes sind Professor Brahn, der soeben den Bankenschiedsspruch gefällt hat, Präsident des Landesarbeitsgerichts Berlin D e b e h n und Gewerberai Becker- Potsdam. Man rechnet damit, daß es am Dienstag in später Abendstunde zur Fällung eines Schiedsspruchs kommt. Schlichter noch Unternehmer dürfen eine Reihe von Tatsache» nicht übersehen: Die Buchdrucker sind fast restlos organisiert. Sie verfügen über eine in jeder Beziehung ausgezeichnete Organisation. Sie bilden eine außerordentlich bewegliche Kampftruppe. Sie ver- fügen über das bei weitem älleste Vertragswerk. Es wäre sehr gefährlich für das Schlichtungswesen selbst, hier nach Schema F mit dem Lohnabbau vorzugehen. Es gibt Imponderabilien, die man nicht ungestraft mißachtet..u...» j. ————■ i. i i Schiedsspruch im Bolle-Streik Heute Abstimmung. Gestern fällte der Schlichtungsau-schuß im Streik bei der Meierei Boll« einen Schiedsspruch, der im wesentlichen sol- gendes besagt: Die Löhne der Gruppe 1, Handwerker und Bahnkuischer, be- tragen wöchentlich 53(bisher 54,50) M., die Löhn« der Gruppe 2 (Tourenkusscher) 40 M.(50,50), der Gruppe 3a, Meierei- und Kojionialwarenarbeiter mit schweror Arbeit, 40 M.(50,50), Grupp« 3 b, Meierei- und Koloniolwarenarbeiter mit leichter Arbeit, 46 M.(47), die Gruppe 4a, Frauen mit schwerer Arbeit, 34,50 M. (35,50) und die Gruppe 4 b, Frauen mit leichter Arbeit. 30,50 M. (31,50). Die Löhne der Jugendlichen und die Provision der Tourenkutscher bleiben unverändert. Die neuen Löhne treten am 18. Januar 1031 in Kraft und lausen bis zum 31. März 1031. Fällt der Index der Lebenshal- tungskosten während dieser Zell auf 140 oder darunter, dann senken sich die Löhne von Gruppe 1 bis Gruppe 4b um eine weitere Mark. Maßregelungen finden nicht statt: sämtliche Streikenden werden wieder eingestellt. Genosse Rellinger gab gestern nachmittag in der Streik- Versammlung m den Armimussälen den Bericht und empfahl die Ablehnung des Schiedsspruchs. Ein«'Abstimmung konnte nicht vorgenommen werden, well festgestellt wurde, daß im Auftrag« der RGO. betriebsfternde Kommunisten sich eingeschlichen hatten.. Die Abstimmung> findet heute von 0—11 Uhr in demselben Saale statt. Bemerkenswert ist, daß die KPD. bis zuletzt, wenn auch ver- geblich, versucht hat, durch fremde Elemente In den Streik einzu- greifen. Dcmk der Geschlossenhell der Arbeiterschaft ist es auch ge- lungen, den Schiedsspruch nicht mir zu beseitigen, sondern auch die Lohnsenkung zu verringern, so daß sie wesentlich zurückbleibt hinter der Senkung der Lebenshaltungskosten. Allerdings sind die Löhne der Bolle-Arbeller auch sehr niedrig. Einigung im Hamburger Hafen Vorläufig keine Lohnsenkung. Hamburg. 15. Dezember 1030. Nachdem zur Deileguag der Lohnstreikigkeiten im Hamburger Hafen die Schlichierkammer am Sonnabend über 12 Stunden er- gebol-los verhandelt hatte, einigte« sich die Parteien nunmehr in der heutigen Sitzung auf Vorschlag des Schlichters auf solgeuden Schiedsspruch: Mit Rücksicht aus die besondere Lage im Hamburger Hase» bleibt der bisherige Lohn für die erste Schicht von 9,20 Mark unverändert bis zum 15. Februr 1931 in Kraft. Die Parteien werden rechtzeitig erneut zusammentreten, um über die weiteren Lohnverhaudlungeu zu beraten. Genosse Oswald Schumann schreibt uns: Anläßlich der Vollendung des fünfundsechzigsten Lebensjahres sind mir Glückwünsche und andere Freundschaftsbeweise in so großer Zahl übermittell worden, daß es mir unmöglich ist, jedem � einzelnen schriftlich zu danken. Ich benutze deshalb diesen Weg, um allen Gratulanten meinen herzlichsten Dank auszusprechen. Einzelhändler gegen Angestellte. Verhandlungen gescheitert. Di« Unternehmer des Berliner Einzelhandels haben den Tarifvertrag bekanntlich zum 31. Dezember gekündigt und einen lOpra- zentigen Gehaltsabbau gefordert. In den Verhandlungen, die gestern stattfanden, brachten die Unternehmer die bekannten Schablonenargumente vor von der Unterstützung der Preissenkung s- vltion der Reichsregierung, der Notwendigkeit der Senkung der Gestehungskosten durch Verminderung des Personalunkostenkantos und so weUer. Kein Verständnis hatten die Unternehmer für die Gegenargumente der Gewerkschaftsvertreter, die auf die Bedeutung der 50 000 Einzelhandelsangestellten und ihrer Familienangehörigen als Käufer bei ihren eigenen Unternehmern hinwiesen, sowie auf die konjunkturellen Folgen einer Schwächung der Kaufkraft durch den Gehaltsabbau. Das einzige„Entgegenkommen" der Unternehmer bestand darin, daß si« sich bereit erklärten, das oll« Ge- Haltsabkommen bis zum 31. Januar zu verlängern. Diesen Vorschlag, mit dem sich die Unternehmer über die krllssche Weihnachtszeit hinweghelfen wollten, lehnten die Gewer i- EchsBoxealtRartmenarbeit]= mit Iväftiger Doppelsohle~ SCHUHHOF Linkst« 11 ♦Wilmersdorfcrsrr.ttz-Turmsfr. 45 Mülierstr. 143a•5oanclau.arejtes«'aa>e23 schastsvcrtreter ab. Die Angebot« der ünierf>5nMer der Angestellten, den Eehallstarif bis zum 31. März, wenigstens aber bis zum 26. Februar zu verlängern, fanden natürlich keine Gegenliebe bei den Unternehniern, so daß die Verhandlungen schließlich nach mehrstündiger Dauer ergebnislos abgebrochen werden mußten. Uebcr den Verlauf der Verhandlungen wurde gestern abend in einer gutbcsuchten Mitgliederversammlung des ZdZl. in chaverlands FcstsLlcn berichtet. Es ist nicht weiter verwunderlich, daß die prominenten Vertreter des Arbeitgeberverbandes des Berliner Einzelhandels der Einladung des JdA. nicht gefolgt waren, in dieser Versammlung sich mit den Angestellten über den Gehaltsabbau sachlich auseinanderzusetzen. Die Unternehmer begründeten ihr Nichterscheinen damit, daß sie zwar bereit seien, über diese Frage zu diskutieren, aber in einem kleineren Kreise als in einer Mit- gliederte rsmmnlung des ZdA. In der Versammlung kam eine ungeheure Empörung über die Haltung der Unternehmer zum Ausdruck. Einmütig ver- traten die Versammelten die Äusfasiung, daß die Tage bis zum Ablauf des Tarifvertrages benutzt werden müssen, um die Front in den Betrieben zu schaffen, die zur Abwehr der sozialreaktionären Pläne der Berliner Einzelhändler notwendig ist. Der Appell der Genossen Bartel und Gottsur cht und der Genossin Ellert vom ZdA., die säumigen Angestellten auf den Ernst der Situation und die Notwendigkeit des geschlossenen Auftretens aller Einzel- handeleangestcllten jetzt mit allem Nachdruck hinzuweisen, wurde von der Versammlung mit Begeisterung aufgenonimen. Die Ltniernehmer drohen... Etegervolv verspricht. Gleiwlß. 15. Dezember. Die Telegraphen-Union meldet: Zum Sonderschlichter im Tarif- und Lohnstreit im oberschlesischen Bergbau ist der Schlichter für Westfalen, Professor Dr. B r a h n, ernannt worden. Nachdem vom Reichsarbeitsministerium verbindliche Zusagen hinsichtlich der Beschleunigung des Schlichtungsverfahrens gemacht worden sind (Nur der Beschleunigung?), haben die Unternehmer von der Kündb gung der einzelnen Arbeitsverträge zunächst abgesehen. Es dürfte bestimmt damit zu rechnen fein, daß die Neuordnung der Lohnverhältniffe ab 1. Januar eintritt. 'Die Arbeiiszeit bei der Reichsbahn. Verbindlich— nicht verbindlich. Die am Montag im Reichsarbeitsministeriutn stattgesundenen Nachverhandlungen über den Reichsbahnschieds- f p r u ch, der am letzten Freitag gefällt wurde, brachten keine Einigung. Der erste Teil des Schiedsspruches, der die strittigen Tarifvertragsbefiimmungen noch einmal nnabgeändert bis zum 15. Januar in Kraft setzt, wurde daraufhin für verbindlich erklärt. Die Erklärungsfrist für den zweiten Teil, der die acht- stündige Arbeitszeit ab 16. Januar für eine Anzahl Kinderfretinde Groß-Berlin Sonniag, den 21. Dezember, führen wir als Sonnenwendveranstaltung „Die Zanberbrllle" auf. Die Vorstellungen finden vorm. 11 Uhr und nachm. 15 Uhr, in der Volksbühne, Bülowpla'z statt. Die Karten werden durch unsere Kreisleitungen ausgegeben! Dienstzweige(in der Hauptsache für Eifenbahnausbesserunnswerke, Bahnunterhaltung und ähnliche Dienstgebiete) festsetzt, läuft bis zum 19. Dezember. lieber den Rest der Streitfragen soll Mitte Januar verhandell werden, wenn der Schlichter seine Besichtigungsreise durch Deutschland beendet hat. Also ein Schiedsspruch aus Stottern! Lubilarfeier der O'thographen. Der Marmorsoal im Zoo zeigte sich am Freitag anläßlich der Iubilarfeier und des Festes des 25jährige» Bestehens der Einheits- orgamfation der Lithographen und Steindrucker in einem Gewände, in dem ihn noch niemand gesehen hat. An dm gewaltigen Marmor- quadern entlang zogen sich riesige, rote Transparente-, vom Hinter- grund der Bühne her, von erleuchteter.25" flankiert, inahnte auf rotem Grund« der Spruch:„Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" und im Parkett rankten von Tisch zu Tisch rote Blumen- gewind e. In eindrucksvollen Worten schilderte der Berliner Vorsitzende Genosse Hoffmann das an Kämpfen und Schikanen so reich« Werden des Verbandes der Lithographen und Steindrucker, das sein« Krönung fand in der Verschmelzung mit dem„Senefelder- Bund" im Jahre 1965. Den jungen Verdandsmitgliedern legte cr eindringlich nahe, sich die 299 Jubilars zum Vorbild zu nehmen, die in einer Lebensarbeit den Verband zu einer Organisation aus- gebaut haben, die heute 98 Proz. aller Verufsangchöri- gen umfaßt. Das vorbildliche künstlerische Programm diescr weihevollen Feier wurde bestritten von der Kapell« Kermbach, dem Männerchor Fichte-Georginia 1879 unter der Leitung Wilhelm Knöchels, dem 1. Kreis des Arbeiter-Turn- und Svortbundes, den Gesangssolisten Fräulein Herta Glückmann, Fräulein Tautenhahn- Gmgen, Fred Drissen und Kurt Lehmann, die alle ihr Bestes her- gaben. Selbstverständlich für Zwangsschiedsspruch. Vankletwngen beantragen Verbinblichkeitserklärung. Der Reichsverbanid der Bankleitungen teilt mit: Der im Tarif- streit des Bankgewerbes am 10. Dezember 1930 unter Vorsitz des Sonderschlichters, Herrn Regierungsrot a. D. Dr. Brahn, ergangen« Schiedsspruch ist vom Retchsverdoich der LanflWtetgm ajigeuflumjen worden. Da die beteiligten Gewerkschaften den Schiedsspruch ab- gelehnt hoben, hat der Reichsvcrband der Bankieitungcn die B e-r» bindlichkcitserklärung beantragt. Scti-eBsfuNUs Deutsch« I-tniprieioerke. ffraf.tenslifeunfl morgen, Mittwoch. lki, Uhr, in den Eermaniasälen. Wichtig« Tagesordnung._ Seiet Scnoise muh ericheinen. Arattu>n«»oeitaoi. MoieftHichter. Morgen, Mittwoch, 17 Uhr. im Beribandshaus. Runaeitr. 30. Versammlung der in den Innungsbetrieden beschäftigten Modelltischler. Tagesordnung: Bericht ran der Lohnverhandlung.___ Deutscher S«l»arbeitr«verband, ZZerwattu-gsstelle Berlin. .�reie Gewerkschafis«Jugend Verlin Heute. Dienstag. 19'? Uhr. tagen folgende Gruppen: Trepto«: Gruppenbeim Echule Wildenbruchstr. 53-�54(Sottaimmet). Vortra« „Berufsschulen und Gewerkschaften".— Spandau: Städtsches Jugendheim Lindenufcr 1. Vortrag:„Interessantes aus Amerila".— Frankfurter Allee: Städtisches Jugendheim Litauer Str. 18. Vortrag:„Warum soll id> mich organisieren?"— Lichtenberg: Jugendheim Dossestr. 22. Vortrag:„Aus der französischen Fremdenlegion".— Reu.Lichtenberg: Jugendheim Gunter- strafte 44. Filmabend:„Alt.Berlin".— Pankow: Gruppenheim Pankow, Kissingen str, 48. Vortrag:..&veck und Bedeutung der Bundesschule in Bernau. — Gewerktchastshaus: Gruppenheim Gngelufer 24—25« Saal.11 des Fabrik» arbeitervcrbandes. Vortrag:„Sonnenwende und Weihnacht in anderen Ländern".— Schöaeweidc: Jugendheim Riedcrfchönewride, Bernner Str. 31. Filmabend.- Adler.hof: Jugendheim Bismarckssr. l. Vortrag:„Die englrfche Gewerkschaftsbeivegung".— Wedding: Jugendheim Willdenowstr. S. Borrrag: ..Die Auswirkung der Arbeitslosigkeit".— Ostend«: Gruppenyeim xarlshorft, Tre-kowallce 44(Kantschule). Sinclair.Abend. @.�uaendoruppe besZeniralverbandes der Angestellten Leute. Mens'og. finden folgende Deranfi-llungen itett;«ottavcft: Jugendheim Lehrter Str. 13-19. Diskuisionsabend.— Llchtevber«: Jugendheim Eunteritr. 11. Abend eigener Ausgestaltungen, twINisehe Satire. — Speech, und Bervegungscho«: Ilebungsadend vilnktlich 20 Uhr IN der Turn- Halle der Schule Baruther Str. 20. Leitung Otto V-Iemann.—«ar.en we den Leinrich-Leine-Abend am Freitag. IS. De�emider., um Preise von 4» V«. sind im Iugendsekretariat und in d-n Iuqendgrupoen erhaltlich.— Karten für die Iugendvorstellung der Boltsbühne am 1. Januar zum Preise von L0 Ps. stnd im Iugendsekretariat zu haben. Aus der Partei. Der 60. Geburlstag Karl Renners wurde den Wienern Partei- acnossen zum Anlaß einer großen Feier im Konzeithous, bei der auch die Glückwünsche des Bundespräsidenten, des Bundeskanzlers usw. verlesen, sowie die Mitteilung gemacht wurde, daß die Genossen- schaften und die Arbeiterbant einen Karl- Renner- Fonds von 199 999 Schilling gestiftet haben, um jungen Genossen- sch astlern Studienreisen ins Ausland zu ermöglichen. Die eigentliche Festred« hielt Dr. Wilhelm Ellenbogen, nun auch schon einer der Senioren unserer Bruderpartei. Er feierte Renner als das produktive Genie des aufbauenden Sozialismus. Der Jubilar sagte in seiner Erwiderung, das Lehren sei vielleicht sein Hauptberuf, zumal er so oft von seinen Arbeiterschülern höre, wie klar er ihnen schwierig« Begriffe und Borgänge gemacht hat. Bürgermeister Osenböck, Wiencr-Neustadt, überreichte den gemein- samen Ehrenbürgerbrief von 49 Industriegemeinden seines niederösterreichischen Wahlbezirks. rm [iL ahme- e b o 1 1 Ingwer, Carthänser, Cberry- Brandy, Curagao- Orange. CJoIdwasser, Halbii-Halb, gnto Qualität. Fl i. sehe Proi86 n«r Dltnttij nd Utttvotbl Frisches Fleisch Bratwurst Berlta. Art, PM. 1,08 Schweinebauch 0,88 Sdiwei nesdtinken»M«.«6.0,98 Schweinesdiulterblattm 0,94 Schweinekamm,.. odvr Sehoit, ohne Bellte«... fti. 1,00 Kassler miia...... prd. tob 1,04 RückenfenSÄo�0,78 Eisbein 0,74 Hammelvorderfl. Pfiron 0,98 Schweineköpfe"' Upfi 0,44 Schweinenieren..tu 0,88 Cefrlerfkelsch Hammelvorderfl. mv« 0,60 HammelrQdcen... nt. 0,70 Suppen}leisch tu. tob 0,68 Rinderleber........ tu. 1,18 Ihvsnibttt« »oedii-Tlt«� 2kl HtiMk Md MtktmrdorMMi« Kitm«lld««» Vtruad««„Mezlaiao. 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