BERLIN Dienstag 16. Nezember 1930 10 Pf. Ar. 5S8 B 293 47. Jahrgang ErscheinttisNch Zugleich Abendausgab« des.©Dtwättt*. Bezugspreis beide Ausgaben SöPf. pro Woche, S.MM. pro Monat. Redaktion und Expedition-, BerlinSW6«,Lmdenstr.Z Anzeigenpreis: Die einspaltige NonpareMezeile »» Pf., KeNamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. PpKscheckkout«: Vorwärts-Berlag G. m. b.H.. Berlin Nr.*7 saß. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Mißtrauen in zehn Minuten Lteberflüssige Landiagsarbeit- Goebbels vor il20 Jahren Auf der Xergesordnung der heutigen Lnndtngssihuns stehe« di« deutschuatioualen Mißtrauens» votengegeadenMinisterpräsideuteuBrau» und de« Innenminister Severins wegen ihrer Gegnerschaft gegen da» Verbot des Remarqne» Films. Abg. Schwechl(Dnat.): Em falscher Äriegsleutnant wie Ro» marque hat sich mit dem polnischen Juden Lümmle zujanunengetan. um das ganze deutsche Frontsoldatentum zu beschimpfen.(Lachen links.— Seit wann ist Lümmle ein Jude?) Der Film ist von einer viehischen Realistik. Die deutschen Soldaten sind Verbrecher- typen.(Zuruf links: Schwindel!) Vielleicht finden Sie darin Ihre Photographie wieder.(Großer Lärm links.) Die amerikanische Fassung des Films enthalt den Satz: Es sei schmutzig für das Vaterland zu sterben.(Stürmische Zurufe links: Lüge, Verleum- dung!— Abg. Nuschte: Haben Sie denn den Film überhaupt gesehen?) Gott sei Dank, nicht.(Schallende Heitertest Lnks und in der Mitte.) Wir wallen dem Preußen der Sorrupkon(stur- misch« Zurufe links: Raiff-eifen! Hugenberg!) und Würde» lofigkait(Zurufe llnks: bei Mussolini!) da« Preußen Friedrichs des Großen, das Preußen der Ordnung und Vaterlandslieb« im schwarz, weißroten Deutschland entgegenstellen.(Beifall recht«, lautes Lachen links.)'' Abg. Kuttner(Soz.): AI« deutscher Kriegsteilnehmer und Gründer der größkeu deutscheu Sriegsbeschädigtenorganisakion spreche ich den Herren Heimkriegern und HsseumShen das Recht ab. über das Fronter leben des deutschen Soldaten zu urteilen.(Stürmischer Beifall links.) Herr Goebbels, der wahrend der vier Jahre Weltkrieg die Schul- und Unioersitätsbänk« mit dem Hosenboden wetzte, mag das Bedürfnis empfinden, jetzt nachträglich seine Minderwertigkeitsgefühle in Straßenskandalen abzureagieren. Aber jedenfalls müssen wir Frontsoldaten daran festhalten: die Herren Heimkrieger haben das Maul zu hallen, wenn über Fronterleben gesprochen wird. (Stürmischer Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ich hätte es auch taktvoller gefunden, wenn Herr Abg. Paul B a e ck e r, den sein körperlicher Zustand ebenfalls an der Kriegsteilnahme gehindert hat, aus die Mitwirkung bei bei Entscheidung der Obersllmprüfstell« ver- zichtct hätte.(Sehr wahr!) Die ganzen Lügen über den Remarqne. Film erledigen sich durch die einfach« Tatsache. daß soeben Polen de« Fllm ebenfall» verboten hat. weil er auf- dringliche Propaganda für Dcukschlum und deutsches Heldentum treibe. lGroß« Heitertest und Bewegung links.) Die ganz« Hetze entspringt in erster Reihe den geschäftlichen Bedürfnissen des Herrn Hugen- l-erg.(Lebhafte Zustimmung links.) Herr Hilgenberg hat eine ganze Reih« offensichtlich deutschfeindlicher amerikanischer Kriegs» filme für fem« Ufa erworben und durch Ausschmtle zurechtgemacht. Kein Patriotismus der Deutschnationalen hat etwas dagegen ein- gewendet. Die jungen Leute«an der Straßeudemonstration gegen Remarqne habe« also in erster Reihe für di« Konkurrenz- interessen der Firma Hugenberg gekämpft. Der zweite wirkliche Verbotszrund ist di« Kriegshetze: die gegenwärtige Jugend soll nicht mehr erfahren, wie der Krieg wirklich war. Nierrwist» ist lächelnd ins Trommelfeuer ge- schritten, und Himmelstöße hat es Hunderttausend« gegeben.(Sehr wahr! links.) Di« wirklichen Leiden, Gefahren und Entbehrungen des Frontsoldaten kann kein Film darstelle:;.(Sehr wahr! links.) Selbst der realistischste Film kann nur einen schwachen Abglanz der Wirklichkeit geben, niemals ein« Uebertreibung. Vor IN Iahren wurde im Königlichen Schoufpielhaus ein Stück vom Spielplan abgefetzt, weil die Offiziere der Regimenter Garbe du Corps und Gensdarmes deswegen mit einem Theater- s k a n d a l drohten, weil das Stuck einen preußischen xz s s i z i e r auf die Bühne brachte, der sich vor dem Tode fürchtete. Der Dichter dieses Stückes hat sich im Jahre darauf an, Kleinen Wannsee erschossen, sein Name war Heinrich von Kleist, sein Stück ist„Der Prinz von Homburg*(Große Bewegung.) Vir danke» den preußischen Mlnisiern, daß wenigsten» sie sich z.« neuen Kriegshetze nicht gebeugt haben und sprechen Ihnen un- »erändert Dank und vertrauen ans!(Stürmischer Beifall bei den �»«oldemokraten.) Die Debatte geht«est«». nrvrwaa� jwirou raue lueipu-lioxci aesrnn» �Äol xumon. Eweemuri n_ .viasor.ttno BsiusauJ"nwadT*«rnwyHinweeell mjrm«f -CijSccjT. BBeKT.wwjiaTOü Toyi*- Mtjcrr:«Sra Bec«m«5&i upa (ao> W W ikÄSfä eeer pebo»» lepeww» sswaeer-»>»»1«r D oiaiuiek e'ttt spuererutaj nux omiea ntawrci» T t tMjesn t nweiHHl iope�TOMirooi «na■ Bozu tepwKul lerjr&i» bitt" „Wahrheit" für die Jugend! Dieser Ausschnstt stammt aus der.Lomsomolskaja Prawda* vom 24. November 1330, der„Wahrheit* für die russische tommunistische Jugend. Das Photo— für unsere deutschen Leser klar erkennbar als eines der üblichen in- dischen Aufstandsbilder— trägt in dem kommunistischem Iugendblatt« von Moskau die Unterschrift: JMe Polizei jag! eine Dcmonrtralion der arbeilenden Frauen In Berlin auseinander." Damit niemand an der Richtigkeit der Ortsbezeichnung zweifle, ist das Blld mitten in«inen Aufsatz über den so- genannten„Kongreß der arbeitenden Frauen Deutschlands* gestellt, der bekanntlich auch«ine kommunistische Er- sindung war. Diese„Prawda*(—Wahrheit) mutz ihren russisch«» Lesern so unendlich tiefe Kenntnisse zutrauen, daß sie ihm» Berliner Arbeiterfrauen in die weißen Gewänder der Inder und die preußische Schutzpolizei in die Uniformen der indischen Ei n g e b o r« n e n-P o l i zi st en stecken darf, ohne nach den Solowki-Infeln verschickt zu werden. Kriegsrechi gegen Generalstreik Megerpropagandist für die Republik nach Portugal geflüchtet Madrid, 16. Dezember.(Eigenbericht.) Die Regierung hat über Madrid und die Ier.tralproolazen da» kriegsrechi verhängt. Sie schrill zu dieser Maßnahme, nach- dem 24 Flugzeuge vom Militärflugplatz in Madrid uuler Führung de» Fliegermajors Franca und eine» Generals die Kasernen der spanischen Hauptstadt mit Flugblättern belegt hatten. Die Regierung war von der Absicht diese, Fluge» frühzeitig unter. richtet worden, so daß die Maschine« noch vor der Rückkehr mit Flugabwehrgeschühe« beschösse« wurden. Außerdem wurde der Flugplatz besetzt, so daß die Vesehlshaber der AusstaudSbewegung. Franca und der Kommandeur de» Militärflugplatzes, nicht mehr landeten, sondern, von regierungstreuen Flieger» verfolgt, nach der portugiesischen Grenze zu flüchteten, ver am Montag in zahlreichen spanischen Städten veranstaltete Generalstreik ist bi» aus Sau Sebastian und Santauder überall ruhig verlaufe«. In San Sebastian versuchten Arbeiter arbeitswillige Kollegen von der Arbeit abzuhalten und die Milch- und Lebensmittelzufuhr von der Stadt zu unterbinden. Als die Polizei einschritt, kam es zu blutigen Zusammenstößen. Auf beiden Seiten waren Tote und Verwundete zu beklagen. Die Nachricht von dem Aut- vergießen ging wi« ein Lauffeuer durch die Stadt. Läden und Eafös wurden daraufhin geschlossen. Ein anderer Zusammenstoß war in San Sebastian zu verzeichnen, als Anhänger der Ausstands- bewegung in die Büroräume des Gouverneurs einzudringen ver- suchten. Die an dem Eingang stehenden wachhabenden Polizei» beamten wurden von den„Rebellen*, wie es in einem amtlichen Bericht heißt, niedergemacht. Zivilgarde und Polizei nahmen sofort die Verfolgung der„Ausständischen* auf. Mehrere wurden getötet, zahlreiche verwundet und viele verhaftet. Auch in Sevilla und Cadix, wo am Montag aus Marokko zurück- beorderte Truppen ausgeschifft wurden, kam es zu Zusammenstößen zwischen Arbettern und der Polizei. Die Zahl der Toten bzw. der Verwundeten ist noch unbekannt. Wie in San Sebasttan so wurden auch in Sevilla und Eadix zahlreich« Personen verhastet. Der Generalstreik wird in den genannten Städten auch heute wetter- geführt. Franco in poringal niedergegangen. Madrid. 16. Dezember.(Eigenbericht.) Franca und der Kommandeur de» Madrider Flughafen», die nach der Beschießung de» MMlärslugplatzes«U zeh« Ofsizieren Im Flogzeng flüchteten, find am MonlognachwMag in der Nähe voc I Lissabon gelandet, wo sie von portugiesischen Polizei beomlea I in Empfang genommen und bis auf weitere» Interniert wurden. Die Regierung ließ am Montagnachmittag durch Extrablätter ! mitteilen, daß die„Rebellion der 5000 Mann starten Besatzung des Flugplatzes„Zu den vier Winden* ohne große Schwierigkeiten niedergeschlagen werden konnte und die Aufständischen sich nach kurzer Beschießung des Flugplatzes gegen 12,30 Uhr mittags durch Hissen einer weißen Fahne ergeben haben. Die Führer des Ausstand«» find, soweit sie nicht mehr flüchten konnten, verhaftet worden. Der Flugplatz selbst wurde von einem starken Gendarmerie- ausgebot besetzt. Grenzen gesperrt— nur Radio funktioniert. Der Telephonverkehr Berlin— Madrid, der infolge der Bor« kommnisse in Spanien seit Montagmittag unterbrochen ist, ruht auch heut« noch. Befördert werden von Madrid aus bis auf weiteres nur Telegramm«, di« die Zensur passiert haben. Im Funkdienst zwischen Spanien und Deutschland waren Unterbrechungen bisher nicht zu verzeichnen. Die Grenzübergänge von Spanien nach Frankreich sind resttos gesperrt. Auch die internationalen Züge verkehren vvrläusig weder von noch nach Spanien; poimare in Lebensgefahr. Mik dem Ableben wird ernstlich gerechnet. P a r i». 16. Dezember.(Eigenbericht.) Der Gesundheitszustand Poincares hak sich i« den letzte» Stunde» so verschlimmert, daß man bestimmt das Ablebe« erwartet. Die Pariser Nachrichtenagenturen und großen Zeitungen habe» in der Nähe der Wohnung Poincare, eine« ständigen Ue der wachung»- dienst eingerichtet, durch den sie ihre Abonnenten bzm. Leser üb« den Srankheitsverlauf ständig auf dem laufenden Halle». Definden vorläufig unverändert. Der Krankenbettcht über das Befinden Poineare», der heut» früh um 8 Uhr ausgegeben wurde, besagt lediglich, daß vor zwei od« droi Tagen mit ein« wesentlichen Aenderung im Befinden da» ehemaligen Präsidente» d« Republik nicht zu rechnen ijt. 3« Polen verboten! ,3tn Westen nichts Tinte*'— deutsche Propaganda! Me die»Daoziger Volkvflimme" mitteilt, ifl der Hemarqn» Zilm>3ra Westen nichts Neues" fiir da, ganze Staatsgebiet der Republik Polen verboten worden. Zu der Begründung de, Verbot, heißt es. daß der Film al» eiu« „grobe Propaganda für Deutschland und deutsche» Heldentum" anzusehen und deshalb zu verbieten sei. was von de« Rechtsradikalen und der sich unter ihre,» Terror beugenden Oberprüfstellc in Berlin als hehe gegen Deutschland angesehen wird, ist in Warschau deutsche Propaganda! Der Militarismus von Warschau macht den Militarismus von Berlin lächerlich und umgekehrt! Das A. A. weiß tiichis. Teils dieserhalb, teils außerdem... Zur Vorgeschichte des Filmverbots„In, Westen nichts Neues" ergreift nun nochmals das Auswärtige Amt das Wort. Es kann zwar nicht bestreiten, daß es bei der ord- nungsgemäßen Filmprüfung ausdrücklich erklärt hat, keine Bedenken zu erheben. Die weitere Anerkennung, daß der Film Mut. Tapferkeit und Etandhaftigkeit des deutschen Weltkriegsheeres darstell«, soll aber nicht vom Aus- «artigen Amt, sondern von der Filmprüfftelle zur Begründung der Zulassung des Films ausgesprochen worden sein. Auch nach dieser bisher neuesten Erklärung des Auswärtigen Amtes steht fest, daß es gegen den Film kein« Bedenken ge- habt hat. Diese sind ihm vielmehr erst gekonmien, als die Hitler- Banden gegen den Film aufgeboten wurden. Da konnte es„Mut, Tapferkeit und Standhastigkeit" zeigen. Aber es zeigte diese Mlichen Eigenschaften leider nicht. Oer Bundesausschuß de*»50035. fordert Aushebung. Die in unserem Bericht bereits erwähnte Entschließung des Bundesausschuffes des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts- bundes für die Aufhebung des Verbots des Films„Im Westen nichts Neues" hat folgenden Wortlaut: Der Buiidesausfchuß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschasts- bundes sprich« seine Empörung aus über da» verbot de, Remarque- Filme». Er protestiert entschieden gegen diese» verbot, da» von den, alten militärischen Geist diktiert ist. keineswegs aber von den, Geist der Männer, die an der Front kämpften. Er protestier« gegen da» Wiederaufleben der Methoden des Obrigkeitsstaales, die Freiheit der eigenen llrteilsbilduog zu ver- hindern. Demgegenüber betont der vundesausschuß erneut den enl- schlossenen willen der orgaoiflertev Arbeiterschaft zur Sicherung des Friedens und der demokratischen Volksrechte. Die Gewerkschaften fordern deshalb, daß das verbot des Filme, oasgehoben wird. Cm Hugenberg-Journalist. Rumpelstilzchen exportiert Verleumdungen. Ein Mensch, der sein eigenes Baterland in dem Auslände durch 'Verleumdungen beschmutzt, gilt wohl im ollgememen in..nationo- ! stischen Kreisen" nicht als einwandfrei. Aber wenn er selber-u ihnen gehört und wenn sich die Verleumdungen gegen republikanische Vertreter der Staatzzewalt richten, dann bleibt das Ganze doch ein gottgefälliges Werk! Der bekannte Major a. D. Adolf Stein, bekannter unter stiiiem Pseri donyni Rumpelstilzchen, veröffentlicht in der Chitagoer deutschen..Wendpost" einen Brief aus Berkin. der u. a. folgenden Satz enthält: Der Sozialdemokrat Grzefinski, dessen Lausbahn in einem roten Arbeiter- und Soldatenrat begann, wurde vor einem Kilben Jahr aus beamlenrechtllchen Gründen als Minister«nl- lafjcn, ist oder trotzdem wieder Polizeipräsident geworden. Der amerikanische Leser, der die Dinge in Deutschland nicht verfolgt, muß annehmen, Grzesinski habe sich irgend etwas Um sauberes zuschulden kommen lassen, werde aber trotzdem wieder beschäftigt. So. muß er denken, ist eben die Sozialdemokratie, und ka geht es jetzt in Deutschland zu. Der Major a. D. Stein aber reibt sich die Hand«: ein schmutzige» Verleumder- stückchen ist ihm geglückt! Aber es konimt noch besser! Der Major a. D. beklagt stch heuchlerisch über die hohe Pension de« Berliner Oberbürgermeisters Büß, obwohl doch fein« Partei die Schlltzerin der hohen Pensionen ist, und behauptet dabei aus dem Homdgelenk heraus, daß der Disziplinarbehörde in, Falle Löß mir«in kleiner Teil des belasten- den Materials vorgelegen hätte. Dann schreibt er wörtlich weiter: wie man so etwa» heute schiebt? Da» werden wir wohl nvr dann crlahren. wenn einmal ein« Mehrheit der Rechten im Reichstag und Landtag sitzt und an die große Reinigung geht. Der Major a. D verdächtigt also die jetzt im Amt« befindlichen Behörden, etwas„geschoben" zu haben, um«inen Angeklagten im Disziplinarverfahren zu begünstigen. Cr verdächtigt sie blindlings. chnc einen Schatten eines Beweise». Den B«weis will er erst er« bringen, wenn feine Spießgesellen die Mehrheit haben. Das könnte eure schöne Reinigung werden! Aber es kommt immer noch besser. Nachdem sich der Herr Major erst richtig hiueingelogen hat, vollbringt«r die erstaunlichst� Leistung: , Und nun das Allerneueste. Der sozisldemakratsich« Polizei- ri-sprnsldent Weiß lehnt das Gesuch eines Gastwirts um-ine Nachtkonzession ab. Der Wirt zahlt an Weiß" Bruder eine Summe von 2000 Mark— und acht Tage später hat er die Konzession. Also ein sozialdemokratiicher Polizeioizepräsident bestechlich und bestochen, denkt der Leser in Chitago. Der Herr Major Stein in Berlin ober lacht sich ins Fäustchen. Cr weiß natürlich, daß Dr. Weiß kein Sozialdemokrat ist, und er weiß, daß er weder bestechlich noch bestochen ist. Aber muß da« der Leser in Ehikago auch missen? Nein, ihm soll die Ueberzeugung beigebracht werden, daß Deutschland ein Pfuhl der Korrution ist— und dazu ist jede? Mittel recht! So ist man im Hause Hugenberg mn das deutsche An- sehen im Auslande besorgt. Was aber hat das Auswärtige Am« getan und was gedenkt « noch zu tun. mn Deutschland im Ausland vor einem solchen bodenlos gemeine» und schmutzige» Treiben zu schützen? Mahnung im Osten Kuliusminister Grimme über Giaatstreue und Vaterlandsliebe Königsberg, 16. Dezember. Der preußische K u l t u S m i n i st e r Dr. Grimm« hielt im hiesigen Republikanischen Klub, in dem er zu Gast weilt«, eine Rede, in der er erklärte, daß er zum erstenmal ,m Osten und in Königsberg sei. Der Minister fuhr dann u. a. fort: Ostpreußen ist das Heimatland des preußisctien Pflichtgefühls und der S t a a t s t r e u e. In Zeiten, wo es dem Staat gut geht, ist es nicht schwer, ihm die treue zu halten. Anders dagegen in schwierigen Zeiten, wie in der heutigen. Aber jetzt gerade ist die beste Gelegen- heit, zu beweisen, was es mit der Staatstreue auf sich hat. Die in den letzten Wochen beobachtete Verwirrung der Begriffe und Gefühle ist eine Erscheinung, die man nur mit Kopfjchmteln begleiten kann. Gerade hier in Königsberg, in der Stadt der reinen Vernunft und des kategorischen Imperativs, ist dies« Verwirrung so weit vorgeschritten, daß Man den Geist der gefallenen Helden des Weltlrieges beschwor, um die Pflichttreue der Beamten vor der Oeffentlichkeit in einem falschen Licht erscheinen zu lassen. Man setzt« den Willen' zum Pflichtgefühl im Dienst« des Staates fälschlicherweise eben jenem Heldengeist entgegen, in dem sich nichts anderes verkörperte als die Treue gegen den Staat die mit dem Leben bezahlt wurde. Die Tatsache, daß jene Kreise auf der einen Seite die Helden ehren, die aus Pflichtgefühl sür ihr Baterland starben, auf der anderen Seit« aber die B e- amten schmähen, die ihr Pslichtbewußtsein be- wiesen, ist nicht auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Aus dieser Verwirrung der Geister hinaus leitet ein Wort, das in der Turnhalle einer ostprcußischen Schule als Wandspruch sieht, ein Wort des Turnvaters Jahn:„Mein Schild führt die Farben Schwarz rotgold. und daraus steht geschrieben: Ein- heit, Freiheit, Vaterland." Wir müssen danach trachten, dieses Wort in die Wirklichkeit umzusetzen. Mein Wunsch ist, daß Königsberg und Berlin sich immer vereint fühlen mögen, daß dieses Eiu- heitsbewußtsein uns beseele, und daß uns alle trag« ein starkes Freiheitsgefühl und ein« ehrlich« Daterlandsliede. Curiius in Ostpreußen. Reichsaußenminister Dr. Eurtius traf heute früh in Königsberg ein. Er wurde auf dem Bahnhof von Oberbürgermeister Dr. Loh- meyer, sonstigen Vertretern der Behörden und Parteifreunden empfangen. Ein Schwindel. Oie Geschichte von den Ziehungslisten. Landtagsabgeordneter Genosse Otto Meier sendet uns fol- gende Erklärung: Di«„Berliner Volls-Zeitunz" psrösfentlicht am Sonntag auf der ersten Seite in großer Aufmachung einen Artikel unter der lieber- schrift„WasgehtinderGeneral-Lotterie-Direktion vor?" Darin wird Bezug genommen auf eine nicht eingeführte Lotterie-Ziebungsmaschin«, deren Erfinder und Konstrukteur Weber von der Preußsich-Süddeutfchen Staatslotterie D e r l a q und Druck der Ziehungsliste übertragen wurde. Die Maschine sei wegen Unzuverlässigkeit nicht abgenommen worden,„worauf man ihn(Herrn Weber) an den Lotterie-Beirat verwies, insbeson- dere an dessen Borsitzenden, den sozialdemokratischen Landtags» abgeordneten O t t o M e i e r". Es heißt dann in dem Artikel meitek: „Dieser Lotterie-Beirat bzw. sein Borsitzender der Abgeordnete Meier, wußten Rat: Weber bekam als Entichüdigung den Verlag und Druck der Ziehunzslistel— Die Herren Abgeordneten haben dieles tolle Geschäft legalisiert— warum wohl?... Wie konnte der Lotterie- Beirat dazu seine Hand bieten? Warum hat sich der Sozialdemokrat Meier für dies« Privatisierung einer bisher staallichen Funktion mit dem angegebenen Erfolg so ins Zeug gelegt?" Dazu erklär« ich folgendes: Herr Weber ist weder an mich persönlich noch in meiner Eigenschaft als Vorsitzender des Lotterie- Beirats verwiesen worhen. Ich habe ihn nie im Leben gesehen oder gesprochen. Der Lotterie-Beirat, der Anfang Auqult dieses Jahres seine letzte Sitzung abgehalten hat und erst Anfang Januar wieder zusammentritt, hat sich mit dieser Anaelegenheit überhaupt nicht belaßt. Di« in dem Artikel kritisierte Uebertragung von Druck und Verlag der Ziehung«. liste an Herrn Weder erfolgte aufAnregunqdesPräsiden� t e n der Staatslotterie unter Zustimmung de? Staatenau?. s ch u s s e s. in dem die Reaierungsvertreter der an de? Staats- loiterie beteiligten Länder sitzen. Eine entsprechende Berichtigung diele? absolut falschen Dar- stellung wird, wie mir«in Vertreter des Preußischen Finanzministe- riums versicherte, noch über den Amtlichen Preußsichen Pressedienst erfolaen. Eine Rückfrag« bei der General-Lotierie-Direktion oder bei den zuständigen Stellen de? Preubiicken Fincmzministeriums hätte der ..Berliner Bolks-Zeitvnq" vor Veröffentlichung des Artikels über die Angelegenheit sofort Klarheit geschaffen. Otto>l«!er, M. d. L. Kommun'stftKes Weiknachismärchen. Oie Gebeimsihunqen mit Sevenna. Die..Rote Fahne' von heute morgen veröffentlicht eine Sen- sation. In fetten Schlagzeilen schreit sie aus: ..Alarmsihnngen de» SPV.-Parleivorstande«.— Severin« und Grzesinski als Referenten.— Der Verlauf der Gebeimsißvngen.— Ohnmacht gegenüber einem Raeivnttch.— Zloske-kinrs gegen die SVV.. nm die proletarisch« Einheitsfront zu verhindern.— Die Linken machen mit. Unter diesen vielo erheißenden Uebersckristen folgt ein spalten- langer Bericht über die„Gebeimsitzungen". Weder haben derartige Sitzungen stattgefunden noch haben Severinq und Grzesinski daran teilgenommen, Genosse Severing hat seit 1>4 Jahren nicht mehr an einer Parteivorstgndssitzunq teil- genommen, und das, was kbn die..Rot« Fahne" sogen läßt, ist genau das Gsaenteil von dem, was er denkt. Die Sensation ist von A bis Z aus den Fingern gesogen. f>er Volle- Gire?? beendei. O«e Arbeit wird alsbald wieder auloenammen. Die Beleaschaft der Meierei Boll« hat beut« vormittaa über den neuen Schiedsspruch des Schlichtungsansschusies geheim abgestimmt. Der S-bisdssnruch sieht, wie im„Vorwärts" bereits mitgeteilt wurde, einen Mbau der Löhne ab Itz. Januar in den verschiedenen Grupven um l Mark bis 1,50 Mark je Woche vor. das sind etwa 2 bis 3 Prozent. Der erste Sthicdsioruch des Schlichtuna»aii?sckusses. dem vom Scblicbter die Berbindlichkeitserklärung versagt wurde, brachte einen Lohnadbau um 3 bis 6 Prozent, und zwar bereits ab S. Januar. Das neue Lohnabkommen soll bis zum 31. Mär, 1931 gelten. Für den Fall, daß während seiner Lautdauer d'« Reichs'nderziüer der Lebensbastu naskosten auf oder unt-r 110 Bunkte sinkt, soll eine weitere Senkung der Löhne um 1 Mark ie Woche eintreten. Die Abstimmung bat nicht die stah'tnrihh natwendioe Dreioieriel- mebrbeit kür die Fortsübrung des Streiks ergeben, so daß der Schiedsspruch ak, von den Arbeitern angenommen gilt. Die Betriebsveriretunq verhandelt mit der Direktion über die Wieder- aumahme der Arbeit, die voraussichtlich noch in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch erfolgen wird. Die Weihnachisruhe. Wahrscheinlich wie 1929.— Ein Versehen des Reichstags. Ja der vorigen Woche hat der Reichstag das Gesetz über den frühere« Schluß der Lädeu und Gasistälteu am weihuacht-abend beschlossen. Run stellt sich heraus, daß dieses Gesetz nicht den Zeitpunkt seine» Zakrasltretene enthält, somit nach der allgemeinen Vorschrift vierzehn Tage uach seiner verkündung in»rast»ritt. Außerdem bedürfen nach dem Brauch, der sich ein- gebürgert hat. Znitiotivgesehe. d. h. solche, die nicht von der Reichs- rcgieruug beantragt, sondern aus dem Reichstag selbst hervor- gegangen sind, ihrer kienntnisnahme durch den Reichsrat, der da. Recht des Eiosvruch» hat. Auf jeden Fall kann das Gesetz erst einige Zeil nach Weihnachten 1930 in»rast treten, also auf das bevorstehende Fest noch nicht Anwendung sindent Heute vormittag besprach eine Konferenz im Preußischen Handelsministerium diese Angelegenheit, deren Entscheidung heute nachmittag durch das Preußische Staatsministerium erfolgen dürste. Es wird wahrscheinlich bei der vorsährlgen Regelung blei>'en. daß Ladengeschäfte um 17 Uhr, Blumen- und Lebensmittelgeschäste um 18 Uhr schließen müssen. Dagegen dürft« ein früherer Schluß der Gaststätten, obgleich der Reichstag ihn nach heftiger Debatte beschlossen hat, nicht eintreten. Not treibt zum Tod. Oie Krau erficbossen sich selbst erhängt. Die schreckliche Rot der Zelt, die«rbeik-l-'ünkeit. der Wange« am Notwendigsten, haben wieder zwei wensch-n zum Aeußerste« getrieben. Im Hause Lauenburger Str. 16 in Steglitz wohnt- d r 47 Jahre flfte Chemigraph Rudolf Rauch mit seiner 27 I--br alten Frau Magdolene. Beide stammen aus Rtünchen und kamen im Jahre 1926 nach Berlin. Der Mann verdiente gut in seine Berufe. Dos änderte sich aber, als er vor einem halben Iah-e arbeitslos wurde. Das Ehepaar sucht« und fand einen Untermieter. Di« wachsenden Geldschwierigkeiten führten dazu, daß das gute Einvernehmen der Eheleute mehr und mehr zugrunde ging, und auch her Untermieter war oft Zeuge heftiger Auseinondersetzunoeu. Als«r in der vergangenen Nacht gegen 12 Uhr nach Haufe Km. siel ihm auf. daß es ungewöhnlich still in der Wohnung war. Er fand aber auf dem Tisch in seinem Zimmer mehrere Briefe s iner Wirtsleute, die ihn darüber aufklärten, daß sich eine Tragödie in seiner Abwesenheit zugetragen habe. Der Inhalt der Schreiben veranlaßte den Mann zum Polizeirevier zu gehen und Kriminal- beamte des Posizeiamts Sieglitz und ein rasch herbeigeholter A'-t kehrten mit'hm in die Wohnung zurück Dort fand man die schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Frau Rauch loa er, schössen m ihrem Bett. Der Mann hatte sich an einer Heizunas- röhre in der Toilette erhängt. Der Tod hatte bereit» sein« Opfer gefordert, so daß ärztliche Mederbelebungsverstiche erfolglos blieben._ Der par mumsten in«iner Versammlung und danach mit der Polizei. Es gab vier Verletzte. In Vohwinkel verletzte der Kommunist O ck l einen Nationalsozialisten durch Revoloerschüsse schwer. In Frankfurt am Main versuchten die Nationalsozialisten trotz polizeilichen Verbots«ine Versammlung und eine Straßen- demonsttatton abzuhalten. Es wurden 51 Personen verhaftet lleverfälse au? Reichsbanner. Räch Schluß der gestrigen Reich«bannerkundqebi'np"n wurden in verschiedenen Stadtteilen kleinere Reichs- bannergruppen von radikalen Gegner« über- fallen. Kurz vor Mitternacht fielen etwa 35 bis 40 Kommunisten über 20 Reichsbannerleut«, die sich auf dem Heimweg befanden, her. Zwei Reichsbannerleute wurden so erheblich verletzt, daß sie zur Rettungsstelle gebracht werden mußten. Von der Polizei konnten 17 Kommunisten festgenommen und der Politi- schen Polizei übergeben werden. Ein weiterer Ueberfall ereianeie sich um dieselbe Zeit in der B ö tz o w st r a ß e.— Aus die Schau- fenster eines Reichsbanner-Derkohrslskaks hatten es Nationalsozia. listen in der Allensteiner Straße 23 abgesehen. Auch in diesem Fall gelang es den Tätern zu entkommen. RaziblStter verboten. Die beiden nationalsozialistischen Blätter „Das� Frankfurter Volksblatt" und die in Wiesbaden erscheinende „Rheinwacht", die erst kürzlich nach einen, vierwöchigen Verbot wieder erschienen sind, sind durch den Obervräsidenten der Rrosinz Hesien-Nasiau wegen Verstoßes gegen 8 5 Abf. 1 de« Repubsikschutz- gesetzes mit Wirkung vom 15. d. M. ab neuerdings auf die Dauer von 4 Wochen verboten worden. Mische— der Volkserzieher Ausgewählte Werke Vor wenigen Wochen erschienen im Verlag E. Haberlandi (Leipzig) sechs Bände der ausgewählten Werke Wilhelm B ö l s ch e s in fornwollendeter?luzst«ttung. Der rühmlich bekannte Professor Steiner-Prag, führender Graphiker an der Leipziger Kunstakademie, die Professoren Willi Geiger und Alois Kold, der Maler Fritz Franke haben ihre hohe Kunst ganz in den Dienst der Ideenwelt W. Bölschss gestellt. Die photographischen Illustrationen sind eine Art tiescmpsundene Begleitniusik zu dem naturwissenschaftlichen und geistesgeschichtltchen Text Bölsches. Wenn zum Beispiel Völsch« das Thema„Friedrichshagen in der Literatur" behandelt, dann erklingen das Motiv der märkischen Landschaft und das Motiv „Gerhart Hauptmann". Die sechs Bände Bölsches— Die Eroberung des Menschen: Der singende Baum: Aus der Schneegrube: Weltblick: Auf dem Menschen- stcrn: Schöpfungstage: Aus den Urtagsn der Tierwelt— vertiefen und beseelen die Natur, die in ihrer erhabenen Urkraft und ihrer vollendeten Schönheit in wahren Dichterworien zur Darstellung ge- bracht wird. Als mir die eigenartige Größe der vergeistigten Natur- onschauung Bölsches aufging, da mußte ich unmittelbar an die tem- pcramentvolle Auflehnung Goethes gegen das„Z�sreme äc rature" Holbachs denken. Goethe wollte d'e unendlich schassende ?catur mit ihren Sonnen und Planeten, mit ihren Bergen, Tälern, Flüssen und Meeren lebendig erfassen-, er sah den denkenden und Die Zierde der Nation .Hilgenberg ,Uni> wenn mir jede Bank bricht, ich sihe fest troh alledem* dichtenden Menschen innig mit der gestalteirden Welt vermählt: und da bot ihm Holboch als Nawr«ine«ntseeste Materie, die„mit ihren Bewegungen rechts und lints Und nach allen Sellen ohne weiteres die unendlichen Phänomene des Daseins hervorbringen" sollte. Das ganze„8>zieme de!a natur«" kam dem jungen Goethe und seinen Freunden„so cimmerisch, so totenhaft" vor, daß sie vor ihm„wie vor einem Gespenst" schauderten. Wir jungen Sozialdemokraten waren in den achtziger Jahren des verflossencn Jahrhunderts noch vielfach durch die Schule des Apothekerphilosophen Ludwig Büchner, des Verfassers von „Kraft und Stoff", gegangen, der nicht über die Encyklopädistcn des 18. Jahrhunderts hinausgekommen, sondern hinter ihnen oft zurück- geblieben war. Marx und Engels lehrten uns dann die Ge- schichte der Menschheit nicht mehr als„ein wüstes Gewirr sinnloser Gewalttätigkellen", sondern„als den Entwicklungsprozeß der Msnich- beit" selbst betrachten„dessen allmählichen Stufengang und dessen innere Gesetzmäßigkeit durch alle Zufälligkeiten hindurch nachzu- weisen, jetzt die Aufgabe des Denkens wurde"(Engels). In dieser Zeit des inneren Ringens mit einer mechanisch-materlalistischen Auffassung öffnete Bölsche unser Auge für den tiefen organischen Zu- summenhang des Menschen mll der Nawr. Was an geistiger Schäpferkrask im Menschen lebendig wurde, konnte bei der innigen Verwobenheit des Menschen mit der gesamten Welt der sogenannten „Natur" nicht fremd sein. Geist und Seele wirkten sich schon in der Natur aus. Bölsche gehörte zu der kleinen, leicht zählbaren Schar von auf- rechten Männern, die im letzten Jahrzehnt des IS. Jahrhunderts starke Sympathien für tu« aussteigende Sonne des demokratischen Sozialismus gezeigt hatte. Bölsche sprach viel in Berliner Arbeller- vereinen und in der Freien Gemeinde Berlins über nawrwissenschaft- lich-philosophische Fragen. Ueber seine Lehrtütigtcll in Berliner Dereinen, die Bölsche zu einem wirklichen, vorbildlichen Voltserzleher fortbildete, schreibt dieser in seinem Aussatz„Friedrichshagen tn der Literatur" (Band V: Auf dem Menschenstcrn):„In mir erwachte wieder«in- mal intensiver der Wunsch nach volkstümlicher Verbreiwng der großen naturwissenschaftlichen Errungenschaften unserer Zeit: sah ich doch in theoretischen Momenten in diesen größten Wellanschauungs- «reignissen immer wieder einen Wurzelpunkt auch der ganzen neuen ästhetischen Bewegung. Ich ergriff also die sich bietende einzigartige Gelegenheit und zog auch so etwas von Verein zu Verein und pr«> digte Darwinismus, mir selber zugleich einen Grund legend in.der Methode schlichtester volkstümlicher Behandlung solcher Ding« überhaupt." Bölsche lebte sich durch«inen jahrelangen Verkehr mit den Arbeitern Berlins völlig in die proletarische Seele ein. Er kannte genau den Vorstellung-kreis dieser Arbeiter, ihre geistigen und see- tischen Kräfte, ihr Suchen nach einer gesestigten Weltanschauung. Mb Mitbegründer der Berliner Voltsbühne, als litsrarifcheß Ausfchutzmllglied dieser Bühne wußte«r auch, mit heiß sich diese Berliner Arbeller auch nach einem gehobenen, idealen Kunstg-nusi« sehnten. Wissenschaftliche und künstlerische Belehrung wußten dem Arbeiter möglichst in einer anschaulichen, dichterisch-v-r. klärten Form gereicht werden. Gerade die von engen Geistern ge» pflegte Zerspalwng der Welt in eine Welt der Forschung und in e:ns Welt der Dichtung mußte im Interesse der Volkserziehung streng vermieden werden. Für den einseitigen Nawrsorscher ivar der er- Habens Pornaß der Dichtung oft nur eine gefährliche Werkstättc irreführender, krankheftcr Halluzinationen. Und da Bölsche zu dem Volke mit der ganzen packenden Anschaulichkeit eines Dichters sprach, wurde er auch vom Volke verstanden. Und sein tiefes Verständnis für die Seele des Volles befähigte ihn, seine glänzenden naturwissen- schastlichen nnd philosophischen Essays zu schreiben, die jetzt in so schönheitsvollem Gewands vor uns liegen. In höchster Erfassung des großen Popularisatorberufs hat Bölsche dem großen Gelehrten und dem noch größeren Universalmenschen Alexander von Humboldt nachgestrebt, der ein Dolkspädagoge großen Stils war, und der im Jahre 1827 seine Vortröge über die vergleichende Natur- betrachwng„vor König und Maurer" hielt. Als der Rechtsgelehrte von S a v i g n y es direkt für unwürdig und nutzlos erklärte, wissen- schaftliche Reden an die Meng« der Uneingeweihten zu halten, prägte Humboldt das Wort:„Mll dem Wissen kommt das Denken, und mit dem Denken die Kraft und der Ernst in die Menge." Wenn wir jetzt in den vor uns liegenden ausgewählten Bänden das kunstbeseclte wissenschaftliche Schassen Bölsches wenigstens zum Teil überblicken können, so sehen wir, wie tatkräftig und weitsichtig sich Bölsche bemüht hat. dos Volk innig und lsbenswarm mit der allgemeinen Kultnrbewegung zu verknüpfen. Das Popularisieren der Wissenschaft betrachtet« er nach seiner eigenen Definition nicht als einfaches Wiedergeden, sondern als ein„künstlerisches Nach» schassen" wissenschaftlicher Theorien und Tatsachen. Bölsche will die Well nicht einfach beschreiben, sondern er will sie im Geist« eines höheren künstlerischen und sittlichen Seins ver- ändern. Er ist schaffender, gestaltender Forscher. Das ideale Wunsch- bild, das vor seiner Seele steht, soll Wirklichkeit werden. Er charak- terisiert seine eigene künstlerisch verklärte Schöpfertätigkell. wenn er einmal sagt:„Der Naturforscher ringt danach, den Weltlauf in Sinfonien umzusetzen." iLaul Kampklmeycr. „Boykott." Ein primaneifitm. Der Tonfilm ist also doch noch zu anderen Dingen brauchbar als zu Operellchen und anderen Vergnügungen von anno dazumal. In dem neuen Robert-Land-Film. der in einer Presscvorsührung tm Capitol Montagnacht gezeigt wurde, wird ein ernsthastcs Problem aufgegriffen. Im Anschluß an die Novelle von Arnold lllitz werden die seelischen Kämpfe höherer Schüler um den Begriff der Ehre eindringlich gestaltet. Der Sohn des Generaldirektors Haller wird von ssiner Klasse boykottiert, well sein großzügiger Vater in eine Schieberaffäre verwickelt ist. Der Lehrer, diesmal ein sympathischer, greift ein und erörtert mit seinen Schülern den Fall. Jeder hat nur für seine eigene Ehre einzustehen, und als ein anderer Schüler aufsteht und sagt, er würde sich in einem solchen Fall das Leben nehmen, predigt der Lehrer die Heiligkell des Lebens. Als der Vater des anderen Schülers auch in die Affäre verwickelt wird, begeht dieser wirklich Selbstmord, und es besteht auch die Gefahr, daß der sunge Haller der Suggestion er- liegt. Aber er kämpft sich durch, und als er den Weg zu seinem Lehrer und zur Klasse zurückgefunden hat. wird er dort mll offenen Armen empfangen. Für die ganze Klasse fft der Vorfall ein« nach- haltige Lehre gewesen. Neben dem Konflikt zwischen dem einzelnen und der Klasse. neben dem Problem Lehrer und Klasse, wird auch das Verhältnis des erwachsenen Sohnes zur Familie behande-ll. Frellich handelt es sich mich im letzteren Fall um ganz spezielle Schichten einer an- gefressenen Großbourgeoisie. Die Ehe des Generaldirektors ist genau so eine Gründung wie seine Geschäfte. Die schöne F au — mir ein« Episodenrolle für Lil D a g o v« r— geht mit ihrem Geliebten durch, und der Sohn findet zu Haus« keinerlei Halt. Der Ehrenkonflikt ist ein rein individualistischer, und auch der mit seinen Schülern wirklich mitempfindende Lehrer, eine ausgezeichnete Leistung von Theodor L o o s, zeigt nicht den Weg zu der Soz'al- morcl der Solidarität und der Verantwor.ung gegenüber bem Ganzen. Trotzdem ist es zu begrüßen, daß der Tonfilm einmal ernster wird. Robert Land wird sowohl bem Filmischen wie der Dialogführung gerecht, verfällt aber in den Fehler, im Milien wieder eine eigen« Fllmwell zu bauen, di« ziemlich unwirklich ist. Unter den Darstellern findet er markant« Heffer in Ernst Stahl- Nachbcmr(Generaldlrek.or), Erich Nürnberger(der Selbst- Mörder). Wolfgang Zilzer(ein anderer Primaner) und Nam Evans. Rolf v. G o t h gibt dem Primaner Haller einnehmende Gestalt und Wesen, bleibt aber innerlich leer. v. Staatsrat und Staatsetat. Sein Gutachten fordert Rücksicht auf die Gemeinden. Der preußische Staatsrat hat nach ausführlichen Ausschuß- beratungen den preußischen Haushalt für 1931 erledigt. Der Etat für Preußen schließt in Einnahmen und Ausgaben mll rund 4 Milliarden Mark ab und ist u m 384 264 116 M gegen- über 1936 gekürzt worden. Es ist gewiß anerkennenswert und ersreulich, daß das größte deutsche Land eine korrekte Haushalt« Wirtschaft treibt. Man muß aber auch kritisch auf die Taffache ver- weisen, daß der sachlich sehr gewandte preußische Finanzminister bei seinem Bemühen, zu sparen und den Etat zu balancieren, zu wenig die Wirkungen der von ihm zum Teil etwas gewaltsam getroffenen Maßnahmen aus die Gemeinden, die Zellen des staatlichen Aufbaus, berücksichtigt. Diese Gedanken kommen auch in dem Gutachten zum Aus- druck, weiches der preußische Staatsrat in seiner diesjährigen Schluß- sitzung abgegeben hat. Der preußische Staatsrat ist noch der Der- sassung nur eine Gutachter- und nicht eine endgültig beschließende (gesetzgebende) parlamentarische Körperschaft. In diesem Gutachten heißt es u. a.: ..... Die Reichsgesetzgebung muß jährlich wenigstens so recht- zeitig beendet sein, daß die Verabschiedung der erforderlichen Landesgesetze und die Ausstellung der Haushalle in Land, Ge- meinden und Gemeindeverbänden nach den gesetzlichen Vorschristen fristgemäß durchgeführt werden kann. ... Die Haushalls- und Kassenschwierigkellen der Gemeinden und Gemeindeoerbände sind zu einem M a s s e n n o t st a n d ge» worden. Es wäre ungerecht, die durch das nationale Unglück der Arbeitslosigkeit schwer getroffenen Ge« meinden und Gemeindeverbände sich selbst$u überlassen. Hier bedarf es einer durchgreifenden Hilfe der in Reich und Staat zusammengeschlossenen Gesamtheit. Wird sie versagt, so sind die finanziellen und polllischen Folgen nicht abzusehen. Die Lage der Gemeinden erfordert Sofortmaßnahmen und Dauermaßnahmen. Für die Sofortmaßnahmen gibt es zwei Möglicbkellen: entweder müsien den Gemeinden und Gemeinde- verbänden die ihnen als Fürsorgeverbond« obliegenden Ausgaben abgenommen oder ihnen die Mittel zur Aufrechtechaltung der Unterstützungszahlungen gestellt werden. Reichs» und Staats- . regierung haben gemeinsam die Mlltel zu finden, um das Leben der Gemeinden und Gemeindeverbände, auf denen sie selbst be» ruhen, zu sichern. Sollte gar keine Möglichkell bestehen, die ersorderlicken Mittel aus lausenden Mitteln bereitzustellen, so wird die Staatsregierunz mittelbar oder unmittelbar Anleihe- mittel für die Gemeinden beschaffen müssen, da gerade den am schwersten betroffenen Gemeinden die eigene Aufnahme von Darlehen oder Anleihen nicht möglich sein wird." Der sozialdemokratische Etatredner im Staatsrat, Landeshaupt- mann Dr. E a s p a r i(Schneidemühl), legte wirkungsvoll die be- sonderen Voraussetzungen für di« gegenwärtige allgemeine Wirt- schastskrise, diese Hauptursache der Finanznot von Staat und Gemeinden, klar. Er hob hervor, daß die aus dem Produktions- prozeß Ausgeschalteten mit Recht vor allem„Arbeit" fordern. Cr verlangte Auskunft über den Stand der Vorbereitungen zur Auf» stellung und Durchführung des in der Presse angekündigten Arbeits- . befchaffungsprogramms der Regierung. Vom sozialdemokratischen | Redner wurde auch eingehend die Lage der Landwirtschaft behandelt auf der Grundlage folgenden sozialdemokratischen Antrages: „An die Stelle der Getreidezölle tritt ein Reichsmonopol für Ein- und Aussuhr von Getreide und Mühlenprodukten. Zweck des Monopols ist die Erzielung eines gleichmäßigen angemessenen Preises für den Erzeuger, ohne dem Verbraucher unnötige Lasten aufzuerlegen." Rechte und Zentrum le hnten diese n Anttra g a b l Der Rodner der Rechten, auf der Deutschnationale und Volks« parte! im Staatsrat zu einer einhellllchen Fraktion zusammen- i geschlossen sind, der Erzreaktionär Freiherr von Gayl, machte nach ! anfänglich einigermaßen sachlichen Darlegungen seinem bedrängten � Preußen herzen Luft, indem er unter dem Entrüstungs- stürm der Sozialdemokraten und des Zentrums — die Schuld fiir.alle wirtschafllichen und polllischen Zuspitzungen der Nachkriegszeit den neuen Mochthabern und den hinter diesen stehenden Parteien zuschob. Der Preußenetat 1931 geht mit dem Gutachten des Staats- rais an den Preußischen Landtag. „Eine Freundin... Wie du!" Mozart-Saal. Man schreibt für und um A n n y O n d r a ein paar lustige Szenen und nenill das ganze Tonfilmgroteske. In ihr fährt Anny als forsches Mädel von heute im selbstgebastelten Auto um die Well. hält aber prompt an, als sie den Mann trifft, der ihr gefällt. Daß dieser Mann gerade mll seiner Ehescheidung beschäftigt ist, Anny ein Kaninchen und seine Erbtante einen Papagei hat, sind die Tatsachen. aus denen die komischen Situationen erwachsen. Dem Regisseur Karl L a m a c wird kein Mensch gute Einfälle bestrellen. Doch erreicht er in den Tonfilmen nie die Höhe seiner stummen Filme. In ihnen hatte er immer Tempo, war er sehr lustig und verstand es ausgezeichnet(oft genau so gut wie Chaplin). von der Tücke des Objekts in Bildern zu plaudern. Mll den Mitteln des Tonfilms aber Ichafft Lamac, trotz seiner Begabung, nichts Neues. Im Gegenteil, für ihn sind die Schlager und die Dialoge ein Ballast, die er möglichst unauffällig zwischen seine Vilderreihen verstauen möchte. Anny Ondra ist nett wie stets, sie spiell sich selbst, entzückt durch ihre Drolligkeit, ihre schöne Figur und ihre Tanzkunst und genügt damit den Anforderungen, die man an sie stellen kann. Felix B r e s s a r t, Siegsried Arno und Adele S a n d r o ck haben ihre üblichen Paraderollen. Das Publikum lacht, und es plätschert alles schön seicht im Althergebrachten, wie es die Nazis und die Filmoberprüffislle gütigst erlauben. e.l>. Illißbrauch des Zlameas. Rechtsanwalt Dr. Siegfried W e i n b e rg schreibt uns: An den Berliner Anschlagsäulen befindet sich der Zlufrus eines angeblichen„Bundes entschiedener Justiz- resormer", der auch meine Unterschrift trägt. Mir sind sowohl dieftr Bund wie sffne oeröffeittlichten Leitsätze völlig unbekannt. Es Handell sich um einen Mißbrauch meines N.a mens. welker für Berlin: Größtenteils trübe mit weiter sinkenden Temperaturen und einzelnen leichten Schneefällen, östliche Winde.— Für Deutschland: Im Osten wettere Verschärfung des Frostes und noch vielfach etwas Schnee. Auch im Westen unter Null sinkende Temperaturen._ Groß-Berliner Partemachrichten. 6.«bt.«chtun«: Die Miialicderversammlun» am Mittwoch, dem t7. De» ,kmb«r. findet nicht, wie iirtiimlich anacaeben. im Swinemünder Se. scllschaftzhans, sondern im Letal Sd-wedter Str. 23 statt. K.«dt. Renlelln. Leute. Dienetaa, Hit, im Lokal Scrliner Str.«. Saal I, iZusammenkuntt der Jüngeren. Vortrag des Genossen Dr. STraenkel über:.Wahlrechtsreform". Der CcKcr der kraifin-ikxnrdMon, Brot. Tamoilowiffch. spricht in der Deutichen Geicllichait zum Sli-dium Osl-mopa« Mittwoch.» Uhr. Potsdamer «trahr 120, ü'rer die mit dem EiSknechrr„Srdow" durckgeiübrlen arktiichen Expeditionen. Karten zum freien Eintritt in der VcjchäitZstell«. Potsdamer Straße 2« d. Alusikch-ouit. Dm am IS. Dezember vom Philbarwonischen Ehor unter Leitung von Otto Klemderer stattfindenden Aufführung des Requiem von Verdi geht am 17. Dez., 71/, Uhr, eine öffentliche Generalprobe voran». vioustas. 16. Dezember. Berlin. 16.0? Paul Westheini. Die Welt ohne Kunst. 16.30 t. Boccherini: Quartett O-Moll. op. 37. Nr. 2. 2. Schneidsrbun; Ouartetl A-Dur. Nr. S. 3. Dvorak: Quartett Es-Dur, op. 51(Schneider- han-Quartett). 17.30 Puppenspiele des Volktbühnen-Verbandes Berlin. 18.30 Tanr-Iee-Mnsik. 19.00 Kurre Bücheretunde..Zeitromane". Arn Mikrophon: Hans Sochacrewer. 19.10 Joseph Delmont: 30 Jahre OroBUerfang. 20.00 Pestkonrert zum 60. Geburtstag des Obermuslkraelsler* Adolf Becker. 21.00 Taeesnachrlchlen und Sport 21. IS„Die Jobsiade" von Dr. Karl Arnold Kortum. POr den Punk bearbeitet von Robert Seitr. Musik von Wollgang Jacobi. Dirigent; R. Hindemitb. Regle: C. Bronsgeest. 22.IS Dr. Räuscber: Polltische Zeltangsschan. Anschließend Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königswosterhaasen. 16.00 Oberscbulrat Dr. PUcher: Bildungszlel der Volksscbnle. 16.30 Leipzig: Konrett 17 30 Dr. Prcd Marne!: Cbcr-Motette und Sologesang. IS. 00 Pranz Herwig: Bücherstunde. 18.30 Th. Kappstcm: Die Erscheinung Chris« In der Gegenwart 19.00 Pranzöslsch für Anfänger. 19.30 Prot. NSIUns. M. d. L. und Abgeordneter Peder: Soztaltsmm«od NaäonalsotUJismns. 20.00 Breslau; Ursendung: BIN?, Wülg nnd che Fee. Herthas Niederlage Versuch einer Erklärung Durch den«portblätterwold braust ein Stunn: wieder Punk t. Verlust des deutschen Fußball m ei srers'Hertha BTC..Schiebung und Betrugt sind die am meisten in Anwendung kommenden KraftoUsdrücke. Wir wollen versuchen� die Ursachen des Z�isammenbruchs Herthas zu ergrüirden. Zuerst einnial kurz der Tatbestand: Am 3(1. November spielt« Hertha gegen seinen ernstesten Widersacher um die Abteilungsmeister- schast: Unian-Oberschöneweid«. Hertha zog mit großem Elan in den Kampf. Union wurde glatt mit 3: 0 geschlagen..Hertha wieder in Höchstform"' schrie es mit großen Lettern aus allen Zeitungen. Da kam acht Tage später der große Zusammenbruch: der Gegner war ,.N o rd e n- Rord w est". Mit nicht weniger als 7: 0 blieben die RNW.-Leute siegreich. Was ist mit Hertha los, so fragte man allgemein in Interessentenkreisen. Die Hertha-Spieler erklärten, vollkonnncn reell gespielt zu haben. Wiederum acht Tage später ist es der Abstiegskandidat Dicker s", der dem Meister einen Punkt abnehmen kann. Nur mit knapper Mühe gelang es Hertha kurz vor Spielschluß ein Unentschieden zu erzielen. Wieder großes Erstaunen in Berlins Fußballgemeindc. Ein großes Rätsel- raten begann; wie war es möglich, daß Hertha hier noch nicht ein- mal einen Sieg herausholen konnte? * Jedes Ereignis hat feine Ursache. Pon verschiedenen Seiten wird die Bchauptung aufgestellt, daß der Berein die Spesen- säße für die Kanonen heruntergesetzt hätte. Dadurch wären die Spieler verärgert! Diese Behauptung hat etwas für sich, fehlten doch beim Spiel gegen Kickers nicht weniger als vier Mann- der ersten Mannschaft. Daß sie alle krank waren, glaubt niemand, einige von ihnen wohnten sogar dem Spiel als Zuschauer bei. Trotzdem müßte doch Hertha genügend stark« Ersatzspieler haben, die im Not» falle einspringen können. Merkwürdigerweise erging es aber Union- Oberschöneweide auch nicht bester. Auch sie mußten vom BfB.-Pan- kam und Preußen eine Niederlage einstecken. Treffen auch hier die bei Hertha vermuteten Speseirkürzungen zu? Wir glauben eher, daß diese Niederlagen einen tieferen Grund haben. Dadurch, daß die Spieler Sonntag für Sonntag auf dem Platz fein m ü s se n, daß an ein Ausruhen von den Anstrengungen überhaupt nicht gedacht werden kann, sind die Leute cnifach über- spielt. Bei allen Sportarten kann man die Beobachtung machen, daß bei einzelnen Sportlern, die jede Baronstoltung mitmachen, eine plötzliche Depression eintritt. Worum sollte der Fußballsport darin eine Ausnahme machen? Diese Beobachtung kann in allen Lagern gemacht werden, bei den bürgerlichen Dereinen ebenso wie bei den Urbciiersporllern. Nur besteht hier der Unterschied, daß der Zu- sammenbruch nicht so kraß zutage tritt, wie gerade bei den .Kancn«n"-Bereinen. Wird doch hauptsächlich bei den Arbeiter- sportlern dos größte Gewicht auf die Gesundheit und auf Körperkonstitution des einzelnen Spielers ge- legt, mährend in den Kanonenvereinen die Hauptsache dos G c- s ch ä f t ist. Der Verband Brandenburgischer Ballspielvereine hat eine strenge Untersuchung der Vorgänge angekündigt.' Wird er dabei auch nicht vergessen die Frage zu untersuchen, wo das Geld von den großen Plotzevmahmen bleibt und wie hoch die Spesensätz« bei den großen Vereinen sind? F. M. Prag siegt im Eishockey Die Berliner versagien gestern abend ' Der Lawn-Tenniz-Club Prag kotmic gestern abend den Betliner Schlittschuh-Elub knapp mit 2:l Toren sckzlagen. Der BSC. machte den Tscheche» den Sieg etwas sehr seicht. Trotz Watson und Malccck in der Prager Mannschaft, hotten die Berliner bei besserer Kombination gewinnen müssen. Iaenecke enttäuschte stark und Rudi Ball spielt« wieder ziemlich unaufmerk- fem. Einzig und allein Brück ging taktisch klug vor, konnte aber, ohne jede Unterstützung gekästen, nichts ausrichten. Das zexae Spiel des Abends sah die O x s o r d c r Studenten gegen die Brandenburger stark überlegen. 7:1 sür Oxford hieß das Resultat. Das Endergebnis sieht Prag vor Berlin an der Spitze. Di« englischen Gäste belegten den dritten Platz. Lparts 17-: Iv'e Di« beiden /c-Mannschasten der bundestreuen Schwerathletik- oereine„Alt-Wedding" und„Sparta" tnigen kürzlich den fälligen Serienringkampf um die Kreisweisterfchaft aus. Das inter- estantc Ringen endete in der ersten Rund« lös-?: Z'-H für„Alt- Wedding", die zweite Begegnung ergab den Punktgleichstand von 7:7. Mit 17: 10>5 erkämpfte„Zllt-Weding" im Klassement den zweiten Serienerfolg.— Anschuß fAW.) erhielt im Fliegengewicht die Punkts kampflos zugesprochen, ebenso Bröcker(AW.) im Schwer- gewicht. In überzeugender Form vermochte Langer(Sp.) in beiden Gängen Lorenz(AW.) in kürzester Zeit zu besiegen. Schiichtenbe-a (AW.) überraschte Hütfner(Sp.) im ersten Treffen mit einein Hüft- schwung in der 2. Minute, mit gleichem Trick revanchierte sich H. in der Wiederholung. Putzk«(AW.) konnte den leichten P. Wittkamm (Sp.) nie gefährden, der erste Gang blieb offen, W. suchte in der ?. Rund« noch in der letzten Minute, durch Eindrücken der Brücke, Die zu den besten Ringern zöblcnden A. Wittkamm(Sp.) und Eckert (AW.) zeigten hochwertiges Können, däs erstmalig mit dem Punkt- sieg von E. endete, in der folgenden Runde zwang der Weddingcr seinen Gegner in eine Brücke, aus der es für W. kein Entrinnen gab. Der Halbschwere Michael(AW.) bezwang Wolter(Sp.) durch einen Armzug. In der Schlußrunde vermochte W. seinem gewitzten Gegner ein Unentschieden abzuringen.— Zum ersten Mole rangen die„Spart«"-Schüler gegen eine Mannschaft von„Alt- Wcdding". Das war ein besonderes Ereignis für den Nachwuchs der Neuköllner. Mit Feuereifer waren sie bei der Sache, siegten schnell und sicher, und hinterließen einen sehr guten Eindruck. Die �rheiter-lurner-Zerie In den Serienkämpfen der Arbeiterturner brachte die Männer-B-Ktasse wiederum knappe Entscheidungen. ASB. Schöncberg kämpfte gegen FTGB.-Mitte sehr hart. Durch die bessere Gymmstikklaste der Schöneberger, die ihnen ein Plus von 7 Punkten einbrachte, konnten sie den Sieg auf 472: 46B Punkte stellen. FTGB.-Mitte gewann gegen Freie Sportvereinigung Nowawes knapp mit 486: 474 Punkten. Moabit war gegen Mahls- dorf überlegen mit 493: 464 Punkten. In der Männer-H-Klasse gelang es Eberswalde seinen bisher schärfsten Gegner, FTGL.-Osten, mit 497: 482 Punkten niederzuringen. Auch in der kommenden Woche werden die Kämpfe fortgesetzt. Als Gegner stehen sich gegenüber: Heute Dienstag, in der B-Klaste: Mahlsdorf gegen Nowawes tn Mahlsdorf. Schükstraße Z. Die Jugend tritt Mittwoch. 17. Dezember, in Neukölln. Lessingstraße, an: es streiten FTGB.-Lichtenberg gegen FTGB.-Neukölln um die Punkte. Die Frauen der FTGB.-Ostcii werden gegen die Frauen der FTGB.-Spandau am Donnerstag, 18. Dezember, in der Turnhalle Strahmannstrahe kämpfen. Freitag, 19. Dezember, werden in der Männer-B-Klasse folgende Kämpfe ausgetragen: FTGB.-Spandau gegen Schöneberg in Spandau, Moltkestroße: FTGB.-Nordring 2 gegen FTGB.-Lichtenberg in Berlin N., Schön- sließer Straße, FTGB Osten 2 gegen FT GB.-Osten 3 in Berlin, Straßmannstraße. Die Kämpfe beginnen um 29 Uhr. Ilm 19,39 Uhr beginnt am Freitag der Kamps Moabit gegen Hennigsdorf in der Turnhalle Waldenser Straße._ Ziu-Ziisu-Lursus. Der bundestreue Sportklub Einigkeit hält in der Turnhalle Markusstr. 49 einen Iiu-Jitsu-Kursus ab.� Tut Uebungsstundsn sind Montag und Donnerstag, 1914 bis 2114 Uhr. Bis Donnerstag, den 18. Dezember, müssen sich alle Teilnehmer in der Turnhalle oder bei A. Dietze, O. 17. Madaistr. 2. gemeldet haben. Spätere Meldungen werden nicht berücksichtigt. Die Artisten- gruppe des Bereins nimmt neue Mitglieder auf. Spichernring am dritten Wcihnachislag. Sein diesjähriges Kampfjahr schließt der Spichernring Sonnabend,.27. Dezamber, mit einer Veranstaltung ab, die ein interessantes Programm bringen wird. Die für den Abend vorgesehenen Kampfpaarungen stehen bereits vor dem Abschluß. Beginn 29 Uhr 1Z Minute». LTS.P., Tüdost: 20.?c,cmbki! im Zugentbiwl Riicki-N. berger Str. 66..Ss wr!k>naSN-t."— Licht-nberq: 17. Swmi» im Zva«,»- Seim?oäest?. 22. Leriria:.lsreidenk-rtum und Kirch« bcsugnrlMcnd auf da? Welkmachtsffst."— etarlotl-nburz: 18. 2( um her im Iua-ndbeim Sprecftr. M. Musitabend.— Reukdlln: 22. Xetembet im Iua-Iidlicim Bcrzstr. 20. Sunio- rifliM«« Beschcrunz... ilc«ic Spori. und Dchüt�nvermuiguua. tlebungsabend feden Drevsraa um 18 Ubr im Iugrndheim Grrichifir: 12—18. Zttin Sirpeaalturltfis SwrjUtg. Ter Sfortro» Dr. Sodanus am sau- nrrüiag. dc-n 18. De, linder. 21 Uör. findet nicht in der Schulaula Dilffe». bachltr.<71. fondern in der Schuloula Monleuffelilr. 7. fratt. Wranaelsir. 128.— Abt. Neutclln«Iusendgrupv-l: fslundafenfir. 88. Unlir 20 Übe. Abt. Mitte: Im.Lrickelchen So"'. Rosenlboler Etr. 61(am Sackefchon Markt). Weibnachtsfeier Igza.— osten fguacndaruvpe): granifurtcr Wie Mi. Weibnachtsfcier.— Pbotagemeinfchoft, Abt. Mitte: Iabannissdr. 15.— Ton- -«-»taft, 18. Diqember. 20 Uhr. Abt.?ichtenberq: Gunterstr. 44. Wech nacht.-. feier. Abt. Lichtenrade: Bei Debloin. Bahnhof' Ecke Kolhstraße. Der Mcnich in her TicneiHc. 19% Uhr.— Bboionemeinfchaft. Abt. Norden: Bank- Eck- Wiesenstrohe. Borträtnerinche.— Streichorchestrr: 1» b:z 21 Uhr ho: Weihen. beraer. g-rcililtr-thstr.!>. n. 1.- Mandolin-norchcster: 1» b'S 21 Uhr...o- hannisstr. 15.— Abi. Br:n, lauer Vera:?an,iaer Str.«L. Barocke 17. ZS-r unterhalten uns Lber die Beihi nch�sfeier.— Äbt«(Bildtwft;-�orcfitr.>'- Leiterer Adxnd.— M-.t. Neukölln: Bergstr. 20. Unter uns.— Abt. T.?r- gerten: Lehrter Str. 15—19. Gesdviftliches.— Abt. ependau; Lindenuscr 1. — Abt. Weistensee: Pistoriusstr. 21. r\i... 1%�.;~* CA. Prcillraxer vom 14. Dezember I9M find plaza-preisausjcyreiven.&. mm. W-rtburgiir«a?« Paiuie:»-. «Sv-zsbrrgrr Str. IS: A Kendel. KSpenicker Str. 192; E Weraicke. Brustelor S-r. rl. V-ranw-rtl. Ar die Redaktion: gra»,»lud«, BerUn: Anzeigen: Th.«locke. «erlin. K erlag: Borwärts Verla»<5. m. b.£>.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckere: und Verlagsanstalt Paul Singer& Co. Berlin SB 68, Lindenstra»- i. iuxto 1 Beilage. A F PROGRAMM wr die Zeit vom 16. bü 18. Dezember Potsdamer W 5,7,9 Uhr Q Strafe St/ il 35 ib 3 Uhr Die blonde NacbU�all. ein Volks- stück mit Gesang und Tanr mit Else bitter. Arlbur Hell, Harnr Halm, Pinl Kcmp, Wilhelm Bendaw Rhcinstrahc 14 KrislÄ) W. ab 5 Uhr Stg.ab3Uhr Oer Geliebte«einer Frm mit Oina Graüa, Alfoui Fryland, Clalre Lotto. Die Siegerin mit OUa Tjehechowa, Wamriek W�-d Odcon, Potsdamer$tr.75 w. 5, 7, 9 Uhr Ztg. ab 3 Uhr Revue-Operetten-Tonfilm; Nor Dol Mit Cbar.'otte Ander, W. Janssen, Frür Schalt, Marianne Winkelstern Anita Dorrt«, Panl Morgan Turm strafe 12 stg5'� au. Verlängert I Leutnant wnrit da einst bei den Hnsaren m.Mady Christian*, G. Alexander, Gustav Die HI, Greil rheimer, Hermann Pieba Alcxandcrstr. 39-40 (Pas tage) Den ganzen Tag geöffnet' Die blonde NadiilgaU, ein Volks. Mück mit Gesang und Tanz mit Else Elster, Arthur Hell, Harry Halm, Paul Kemp, Wilhelm Bcndoor ü Wostow» Primus-Palast»ibÄdz'� Potsdamer Str. 19 Ecke Margarctcnstr. Toniümschwank; Drei Tage Mittel- arrest in. Locie EaftliMfa, F. Schulz, Max Adalbert. Ida Wüst. Felix Hressart, P. Hörbigcr, G. Theimer, Ircd Döderlein. Kegle; Carl Boesc � Frieaiichstartt M Franziskaner Georgenstraße(Ecke Friedriclislraße) J-Schlager-Pr ogramm I Um II. 2. 5, 8 und II Uhr Tarzan* nene PsahoagelgrsdiiAten Um Ii 3, 6 und 9 Uhr Flieger in Flammen( Sensati onsflim) Um 1, 4, 7 und 10 Uhr Der Lentnant ihrer Mafcsift(Romanze, ein Traum von Uebe und Schönheit).— Tönendes Bclprogr. Neueste Kultur, und Wochen»dl au Moabit Artushof-Lichtspiclc Perlcberger Strale 29 Film- und B&hneiudhaa Wochent ab SVr, Sonnt ab 5 Uhr Sei gegrUSt du mein schöne» Sorrcni, Der gefe Melle Polo.— Betprogramm Vf c f{(Tarlendorter Wochentg. ria-la Lichtspiele ab 7 Uhr Chausseestr. 505 109 proz. Tonoperet e Der keuche Joseph mit H Licdike Dei Programm.— Bfihnenschaa > Welt-Kino W 6.43, 900. U Stg. ab 4.45 U. Mt-Moabit 99 Kriminaltonfilm: Der Greifer mit Hau Alben.- Beiprogramm W gtiartowenburfl"- Kant-Lidbtspielc Kantair 54(an der wilmersdorfer Str.) W. 3, 7, 9.05 Uhr Stg. ab 3 Uhr Tonfilm: Mach mir die Welt zum Paradies m. Anita Doris, G. Ekmann TlVOli Berliner Str. 97 Beg. 5. 7, 9. Stg. ab 3 Uhr: Jag, Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. 5, So. ab 3 U. Die Insel der Uebe.— Venu tan Frack(Frauenideal) m. Carmen Boni Foz-Tonvoche Schlüter-Theater SchiOterstr. 17 W. 5. 7. 9 Uhr Stg. 3 Uhr: Jugend-Vorttellung Tonoperette; Pia Csilcosbaroneg Tönende Woche. jugendl. Zutritt! Atrium Beba-Palut*! WS UIk" Sonnabends u. Sonntags 3, 7, 9,15 Ubr Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Tonfilm-UrauffOhram!: Der falsche FeldmaruhaU mit VUsfa Burian, Roda Roda, Fee Malten. H. Frank (Tonfilm-Humoreske).- Tonbelpto- gramm. Jugendliche haben Zutritt! Titania Schöncbg.-'• 7- 9 Hauptstraße 49 _ Sig.abl 100 proz. Tonoperette! Die Kamera 3. Jl6" unr Unter den Linde» 14 Wuriiteorgei Frl. EU« m. E. Bergner. Basiermuan. Set fsett, msiiscis» Hittbea Wie verde ich reich und glOeküch 7 mit Georgia Lind, W, Stettner Tonbeiprogramm W Frfcfnau> Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W. 7, 9 Uhr Sonnabend, Sonntags 5, 7, 9 Uhr Tonfilm; Du Lied tat au mit Liane Haid, Willy Forst.- Tonbclprogr. » Sfaiitx» Titania-Palast si'uÄu: Steglitz. SchioSstr. 5. Ecke Gutsniuch&str Tonfilm, Urauffsthrnngl Ein Mldel tob der Recperbabm mit Trade Berliner. Olga TMhechova T onbeiprogr amm >»uhlundorf-Kmu j 7e>1* Wochentags 7. 9.10 Uhr *'CW Sonntags 5. 7. 9.10 U hr Potsdamer Str. so Stg. 130: Jgd.-Vorst Toufilmposse; Dodcblerfert Xdiac�ttt WoacttiAdti Maricndorf Vorst 100 proz. Tonoperette: Kohlhicsel« Töchter mit H. Porten, F. Kampers Mldty Maus. C Jugendliche Zutritt y Südwesten FOm-Paiast Kammersäle Teltourer Str. I w. 5. 7. 9, Stg ah 3 Uhr 100 proz Tonlustspiel; Susanne macht Ordnung mit Trau T. Aalten Tenbel Programm Primus-Palast Am Hcrmannpiatz, Urbanstr. 72(76 Wochent 6.45, 9. Sonnt ab 8, 5, 7, 9 U E. A Duponts Tonfilm: Menschen Im Käfig mit Heinrich George, Fritz Koriner, Conrad Vcldl Auf der Bühne; Ba-We-Ln(Im Wandel der Zeiten) Th. am Moritzplatz Beg; Wtg 5. 7, 9 Uhr Stg. ab 4 Uhr Ton-Sprechfilm; Sag" e* mit Liedern mit AI Jolaon. Beiprogramm Mercedes- Palast Hermannstraße, Ecke Jägerstraße Anfang: Wchtgs! 6.45, 9. Stgs. 3, 5, 7. 9 U. 100 proz Tonfilm: Er oder ich mit Harry P'®' Auf der Bühne: Samtsa Breitbart (per stärkste Mann der Welt) Kukuk Wochent 6,45, 9 U. Sonntags 3, 5, 7. 9 U. Kottbusser Damrn 92 lOOproz. Tonfilm! Du alte Lied mit Llen Ocyers, LU Dagorer, Igo Vym. Betprogramm Excclsior Äeni t4!. 9 u Kaiser-Friedrich-Straße 191 Tonfilm! Bin Walzer Im Sthlafeonpg mit Locie EnglUh. Fritz Schulz. Beiprogramm Stern, Hcrmanmtrafje 49 Wochentag? 6-45,9. Sonntags 3, 5, 7, 9 U, Auf Tlgerfagd In Indien Lorenz Hagenbeck spricht Im Film jugendliche Laben ZiiUitt Süesotktttt Filmeck Skalitzer Straße, am Görltlzer Bahnhof Beginn Wochentags: 630 und 9 Uhr Sonntags; 3, 3, 7, 9 Uhr Tonoperette: Die Crlkosbaronen mit Grell Theimer Bfibnenxhaa Jugendliche haben Zutritt Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 Anf. W: 6 30 u. 9 U. stg. 3. 5, 7. 9 U. Tonoperette: Zwei Herzen Im Drel- Tlcrteltakt Babnenschau Jugendliche haben Zutritt Stella-Palast KSpcnicker Straße 11—14 Wochtgs. 630, 9 ü. Sonnt 3, 5. 7, 9 U. lOOproz Kriminaitonfilm: Du gestohlene Gesicht mit Max Adalbert, Hau Otto Beiprogramm— Btthnenschaw Urania Tontllm-Vartett W 6 45, Stg 3 U Wrangelstraße II(an d. Köpenicker Str.) Der Sieg de* Herzens Fran ohne Nerven m. Elten Richter Kapelle.— BOhuen schau_ Sternwarte1- Treptow Mittwoch 8 Uhr, Donnerstag 8 Uhr: Oer heilige Berg Film aus dem Hochgebirge „Elysium" Prenzlauer Allee 56 W. 5.15, 7. 9.15. S. 3.15, 3, 7.15, 9 15 Uhr Tonfilm; Die Lindenwirtin mit Kftthe Dorsch Tönende Wodbe.— Bfibnenschaa Flora-Liditsp. Wochent 6�0. 9 U. Sbd. 5 U., Stg 3 ü. Tonfilm: FlndunnAnn als Erzieher mit Alfred Braan Das letzte Wort mit George ■■ Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Besinn der ersten Vorstellungen Wochent g. 630, Sbd. 5,£tg.3Uhi Sturmflut der Liebe m. Mwccllu Atboni. Werner Ffltlcrcr Dazu das ausgewählte Bclprogr und die gute Bühnen»«hau Luna-Filmpalast tss3 u Gr Frankfurter Str. 121 L er WiienpmeHlcn ZAbmuog mit Mary Fidcford, Dougl. Fafrbanks Die drei Frauen de» Urban Hell Bühuc; ikorweg, Akkoitieon. Vtrt. Schwarzer Adler Xhu« Woch. 3. 7. 8.45, Stg. 3. 5. 7. 8.45 U. 100 proz. Großtonfilm: Der Greifer mit Hau Alben TSuendea Beiprogramm Comcnius-Lichtspiclc Memeler Straße 67 Anfang: 5, 7, 9 U. Sercnlftsimos und die letzte Jungfrau Lord Bluff Beiprogramm Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab 5 U-, Stg. ab 3 U. 160 proz. Tonfilm: Menschen SmKgfig m. Conrad Veidf, H. George. Kortncr — Der fliegende Pfeil mit Regie Dnnont# Ken Maynard Pratcr-Li chtsp�el-Palast Kastanienaliee 7-8 W. ab 5, Stgs 3'/7 U Der Kot) m. Greta Garbo.— Fat und Palachon Im P rater. Bühnensch. Mila-Li chtspicl-Pal ast Schönhauser Allee 130 W.5t(f,S.4'> 100 proz. Tonposse: Bockbiertest mit Ida Wüst, Hau A. t. Sdilertow. Beiprogramm. Gr. BObnenschaa Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S. 3>.. U. Tonfilm; Brand in der Oper.- Rlt.er der Na cht mit W. Dieteric V iktoria-Li ditbild-Th. Frankfurter Allee 48 Woch. 5, 7, Ca 8-45, Stg. 3, 5, 7. 8.45 U. Großtonfilm. Sag' e. mit Liedern mit AI lolson Tön. Beiprogramm. Jugendliche haben Zutritt Kosmos-Lichtspiele Lückstraße 70 lOOproz. Tonfilm W 5, 7, 9 u, Stgs. 5, 7. 9 U. Der unsterbliche Lnmp mit Liane Haid, Gustav FröbUch. Tön Beiprogr Kino Busch AK-Friedrichsfelde J Beiprogramm Eine Nacht Im Freier mit Ester Ralston— Matter Krausen» Fahrt ins Glück M Witinunza« Schloßpark FOm. Bühne Berliner Allee 206— 210 Bflhnensdiau Die Fran ans Cbikago- Tain, das RUscl Im Weibe AlVliimhrA Müllers traBe 136, /unamora Ecke Seestraße Tonfilm: Der keusche Joseph mit Harry Llcdtkc, E. Brink. Dazu verl Pat und Patachon aU Knnsisch fitzen. Pharus-Lichtspicle Mflllerstr. 142 W.S,7,9U 100 proz. Tonlustspiel Kohlhiesel* Töchter m. Henny Porten Kämpen. Bclprogr. Jugendl. Zutritt Marga-Lichtspicle Sohulstraße 29 100 proz. Tonfilm Der gro�e Gabbo mit Erich». Strohe Im-- Die tolle Koraiek m, IHna GvaUa Colosseum st��VuS? Schönhauser Alice 123 Tonfilm Die unToUkom mene Ehe M. Busler Keaton.- Belprotiramm. Jugendliche haben Zutritt Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 630. 9, Stg. 4, 630, 9 100 proz. Tont: Bockbierfest mit ». Schldtow, Margot Walter. Ida Wüst. Beiprogramm_ Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 W 630.9 U.. Stg. ab 4 U. lOOproz Tonfilm: Komm' zumir zum RendczTons mit Ralph A. Roberts Beiprogramm U HiudcrschewtMMUcw> Film-Palost Ä�e» Blankenburger Str. 4 So Z'fejgd.-V. Wöchig 6.30, 9 U, So. 430, 6.45. 9 U Sturm auf drei Herzen.— Jugend- tragftdle. Lustige» Beiprogramm • T*Be' � Filmpalast Tegel sua"e°f' Stgs. 2 U Jgd.-Vorst W. 6, Stg. 4'.« U. Fat o. Patachon ab Knutscbfitzcn. Der blaue Expreß(Russenfilm) Bühne: Zigeanerklacge „KosmOS* Filmbühne Hauptstraße 6 Beg. 6 Uhr,».3u Uhr Tonfilm: Di« auvollkommeTir, Eh« mit Bo«er KeAion. Bühne: LUlpntancr-Revac» Union-Theater Hauptstr.3 Stg. 2 Jßd.-V. W6.8>a,Stg.4V«.6«'a ßS.U Die RAbci Afrikas, Beide Teile in einer Vorstellung. Filmpalast stg- JÄ�S "- Stg. 2U. lug.-Voift, Berliner Straße 59 Oa* Schlagerpregf. r~ &eila£e Dienstag« 16. Dezember 1930 S-rÄbpnS tb&arA Reich, Länder, Justiz Programmatische Betrachtungen über den Einheitsstaat Auf einer suddeutschen Landestagung der Bereinigung sozialdemokratischer Juristen sprach kürzlich Dr. Siegfried Rosenfeld. Ministerialdirigent m, preußischen Justiz- Ministerium, über die„Länderjustizrefor m". Er führt« aus: Das Verhältnis von Reich, Ländern und Volk ist kein gesundes und bedarf der Verbesserung. In der Gesetzgebung tämpfen die tj�egensätze der Interessen, und die Stärkung der politischen Parte: ist entscheidend für den Ausgang. Die starke Eigenstaatlichkeit der Länder ist in Deutschland Hermnend. Diese lokalen Widerstände sind stärker gewesen als alle Rufe und der Wille nach der Reform der Justizverwaltung. In den Länderparlamcnten ruht der Schwerpunkt gegen die Lerwalwngsresonn: die Reform muh daher vom Reich ausgehen. Das sozialdemokratische Programm hat längst die Forderung der Uebertragung der Justiz von den partikulartstischen Staaten auf das Reich erhoben-, die Weimarer Verfassung hat die Gesetzgebung zur Reichssache gemacht. Rur in der einheitlichen Zusammenfassung aller Kräfte lann die große Aufgabe erfüllt werden, die historischen Zufällig- teiten der heute noch bestehenden 17 Länder in der Justizhoheit der Länder auf das Reich zu übertragen. Das Ziel des Einheitsstaates ergibt das Ziel der Uebertragung der Justizhohcit auf das Reich. In der Reichsoerfassung(Art. 1l>3) sind die Gerichte als Gerichte der Länder bezeichnet, aber doch sind den Ländern wichtige Teile der staatlichen choheitsrcchte gelassen(Kirche. Schule, zum Teil ? incmzhoheit, Polizei und Justizhoheit). 1922 erhob der repu- blikanische Richterbund die Forderung nach der Ueber- nahme der Justizverwaltung auf das Reich. Danach hat die Wirtschaft aus finanziellen Gründen und Rationalifierungs- bestrebungen heraus die Ilnzwelkmäßigkeit der 18 verschiedenen Justizhohciten herausgestellt und die Uebertragung auf das Reich c:mogen. 1328 hat der Deutsche Juristentag die Frage der Uebertragung der Juftizhohcit auf das Reich bejaht: die Sozia- bsten haben soziale Gesichtspunkte dafür in die Waagschale geworfen. Bayern machte Schwierigkeiten bei Schaffung des Stootsgerichts- beics zum Schutze der Republik. 1326 siegte der Länderparti- lularismus, und auf Betreiben Bayerns nnirde die Tätigkeit des Staatsgerichtshofes hinsichtlich des'Republikschutzgefetzes beseitigt. Auch die?l m n e st i e g e s e tz e, die im Reichstag geschaffen sind, haben die Zulässiakeit des Zugriffes des Reiches in die Justiz in die Debatte geworfen. Der entscheidende Kampfboden zur Er- reichung der Ziele ist der politische. Der Zustand der Justizhoheit der Länder ist geschichtlich geworden, aber es darf nicht übersehen v'?rden, daß ungeheure wirtschaftliche und soziale Veränderungen ig den letzten Jahrzehnten vor sich gegangen sind: Ueberganq Deutschlands vom Agrarstaat zum Industriestaat, das enonue Wachstum und die wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Ar- leiterklasse. Sie ist die BevölkerungsNasse, die am wenigsten bodenständig ist und als solche schmerzlich fühlt, was die Länder- -rriffenheit und Eigenstaatlichkeit bedeutet. Jeder Staatsbürger rter Arbeiter untersteht in Württemberg, in Baden usw. der j-werligen und örtlichen Justizhoheit, wohin ibn das Schickläl gerade mirst. So trägt die einheitliche Gesetzgebung die Konseguenz der einheitlichen Anwendung der Gesetze durch die Gerickste in sich, und so verlangt die Gerechtigkeit� den llebergang der Justizhoheit auf das Reich Die Sebaffung Z,»r Arbeitsgerichte 192< zeigte in der Folge, wie die Länderjastiz in der Lage ist. den Sinn eines Gesetzes in d«e> Gegenteil zu vermehren. lRan schuf in manchen Ländern«ine so große Zahl(in Boyern fast so viel wie in Preußen) von Arbcitsgeri6?ten, daß der wirk- I'che Gedanke des Gesetzes nicht mehr zur Geltung kam. Die Arbeitsgerichte sollten geeignete Richter schassen, von denen man er- i-vwicn könnt«, daß sie den besonderen Interessen der Arbeiterschaft iiy Kamps um ihr Recht genügen konnten. Das Sckw'ergewicht der Länderjustiz liegt bei den Amts- r s r i ch t e n, wo die Masse der Bevölkerung ihr Recht zu suchen bat. In Preußen sind unter 1000 Amtsgerichten 50 Proz. nur mit l inrm Richter besetzt, in Süddeutschland ist die Zahl noch größer. j31Z schon wurde festgestellt, daß viel« Zlmtsgerichte ein großes Maß von Unterbeschäftigung ausweisen. Diese Zwerg- rrnchte sind unwirtschaftlich und gefährden den Getonken einer pasunden und volkstümlichen Rechtspflege und Reästsemheit. Hinzu kämmt die Mannigfaltigkeit unserer Gesetzgebung, die den Recht- stich«!rd>'n bei den Zmerggerichten nahezu unmöglich zu seinem Recht kommen laßt. Die Ansprüche auf technische Hilf?- n i t t e l. die zur Anwendung des Rechtes notwendig sind, sind smon rein finanziell näht zu erfüllen: der Richter an einem solchen Lil'putgcricht kann beim besten Willen nicht seiner Ausgabe gerecht werden. Seelisch und oftmals geistig sind die Richter an den Zmerggerichtcn isoliert. In den Länderparlamenten fehlt die Einsicht für die Rot- wcndigkeiten des Ausgleichs zwischen über- und unterbeschäftigtcn Aintegenchten-, daran ist bisher die Reform gescheitert. Daz Reich w'll den Versuch heute wiederholen: vielleicht wird der Reichstoa bessere Einsicht zeigen. Zluch die Personalverhältnisse der Richter und Jnstizoerwaltung erfcrdern die volle Uebertragung der Justizhoheit auf dcw Reich. Die Besoldung der Richter in den 17 Ländern ist verschieden. Jeder Beamte glaubt sich schiechter behandelt als der Beamte in gleicher Stellung im Nachbarstaat. Mit der Ueber» Tagung richterlicher Tätigkeit auf mittlere Beamte hat man mit geringen Ergebnisten versucht, Richter in ihren Kräften frei zu inachcn. Fe kleiner ein Land ist. um so ungünstiger ist es wirtschaftlich gestellt mit den Ausgaben für Beamte. besonders für die Justizbeamte». In Preußen sind die Ausgaben 16 Proz., Bayern 31 Proz.. Württemberg 44 Proz.(!). Sachsen 56 Proz., Thüringen 46 Proz. In Frankreich betragen sie 18 Proz., in England 14 Proz., Belgien 23 Proz. Je kleiner das Land i't, um so eher wird die persönliche Rücksicht in der Pcrjonalpolitik eine über- mäßice und zweifsrhasre Rolle spielen. Im großen Land stehen hi, griH> der Baverber tot) die Prüfung der besonder« Geeignetheit eher im Bordergrund als im kleinen Land. Aus der Londständigkeit des Richters erwächst manchmal mehr Schaden als Vorteil. Je größer eine Justizverwaltung ist, um so eher kann sie Forderungen erfüllen, die an die Rechtspflege gestellt werden müssen. Richterliche Berwachsenheit mit der Kleinstadt ist kein« Garantie tüchtiger Leistung: aus ihr entsteht vielfach die Welt- sremdheit der Richter. Alle Erfahrung weift darauf hin. daß ein Richter seiner Ausgabe gewoässen ist, wenn er über einen großen Kreis hinaussieht und Erfahrungen in verschiedenen lond- schoftlichen Gebieten gesammelt hat. So führen die Gesichtspunkte auch hier zu dem Ergebnis der Notwendigkeit der V e r- e e i ch l i ch u n g d e r Justiz. In den verschiedenen Ländern haben wir jeweils verschiedene D i e n st st r a f r e ch t e. Die A l t e r s g r e n Z e für Richter ist in den l7 Ländern verschieden: Preußen 65, Hamburg 70. Württcm- berg 67, in anderen 68 Jahre, eine sonderbar« Buntscheckigkeit! Die Folge davon ist. genau wie bei der Besökdungsregelung. Kampf, Mißstimmung und Unzufriedenheit. Bei den Laiengerichten mutz die breite Masse der Arbeiter und Angestellten mehr berücksichtigt werden: Preußen steht darin Siiddcutschland voran. Hier zeigt sich der enge Zusammenhang zwischen Justizverwaltungsrcform und Politik. Je nach dem Einjluß der Arbeiterklasse zeigen sich hier groß« Verschiedenheiten. Im Oberlandesgericht Hamm waren 41 bis 48 Proz. Arf>eiter unter den Schöffen. Der bedeutsamst« Unterschied der Länderjustizverwaltmkg liegt auf dem Gebiet der Begnadigung. Das Staatsministerium ist in den Ländern die Begnadigungsinstanz. In Preußen hat der Zentrmnsmlnister Am Zehnhoff mit Unterstützung der SPD. besondere Richter(Gnadenbeaustragte) bei jedem Landgericht geschaffen, die sich ausschließlich mit der Begnadigung zu befassen haben. Bedeutsam ist hier vor allem die Strafaussetzung mit Bewährungsfrist. 1328 gab es 33 000 bedingte Strafaussetzungen: in 23 bis 24 Proz. der Fälle mußte nur ein Widerruf ersolgsiu 7.5 Proz. der Fälle waren erfolgreich und bewiesen die Richtigkeit der Maßnahmen. Die Befugnis der Gerichte geht in Preußen so weit, Gefängnis- strafen in unbegrenzter Höhe auszusetzen.(Preußen hatte 1314 45000 Gefängnisinsassen, 1323 28 000!) Die Hälfte der kleinen Gefängnisse konnten in Preußen gc- schlössen werden. Die süddeutschen Länder haben sich diestr humanen Regung versiUossen. In Württemberg- ist nur das Be- schwerdegericht gegen ablehnenden Entscheid der Staatsanwälte vorhanden. Für Straftaten in mehreren Ländern ist di« Gnaden- entscheidung nur in Ueberemstimmung aller dieser an der Gesamt- strafe beteiligten Länder zu erwirken. So ist also die Frage der VerwaltungsstisUzreform im weiten Umfange eine politische. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion. Pro£. Dr. E. SiemerUng: Platzangst Unter den nervösen Erkrankungen gibt es«ine Gruppe, die mit eigenartigen Vorstellungen ein hergeht und bei denen es unter der Mitwirkung von bestimmten äußeren Anlässen zu Angstzuständen kommt: Situationsangst. Die an Platzangst Leidenden werden, sobald sie einen freien Plötz oder«in« menschenleere Straße passieren wollen, sofort von der Zwangsvorstellung der Unmöglichkeit dieser Leistung befallen und geraten in so heftige Angst, daß sie faktisch dazu unfähig sind, schleichen sie aber an den Häusern hin oder sind sie in Begleitung selbst eines kleinen Kindes oder sogar eines Hundes, fo vermögen sie die Angst zu besiegen. Das Geiühl, eine Begleitung zu haben, gibt Sicherheit. Steht ihm solche Hilfe nicht zur Verfügung, dann wird dos Gefühl des Nichtkönnens immer stärker. Vermittelnd wirken dabei das Gefühl einer musku- lären Schwäche oder die Erinnerung eines Schreckens, eines Miß- gefchicks, eines Mißerfolgs, die unter denselben früheren Umständen sich ereigneten und eine so starke Einwirkung ausübten, daß sie den betreffenden zwangen, fein Darhaben, den Platz zu überschreiten, aufzugeben. Die peinliche Situation, in welcher der Krank« sich be- findet, steigert sein« Angst: Eine im Unterleib oder in der Herz- gegend beginnend«, zum Kopf aussteigend« Empfindung der Be> klemmung und der Wärm«, nicht selten von einem Gefühl des Schwindel« begleitet, tritt auf. Es kommt zu Störungen des Blutumlaufes, zu Schweißausbruch, Bläff«, Herz- klopfen. Die Spannung der Muskeln erschlafft-, in einzelnen Fällen schwinden die Sinn«, der Krank« fällt hin. Es ist oft schwierig, herauszubringen, welche Empfindungen sich das erstemal, als die Platzangst sich geltend machte,«insteMen. Bei einem war«s die Erinnerung eines Unglücksfalles in der Näh« eines Platzes, hei dem ein Fußgänger Überfahren wurde. In einem anderen Fall stellte sich ein ausgesprochener Schwindel ein, mit Angstempfindungen am Herzen. Einer gab an, daß ihm das Ueber» schreiten eines Platzes in einer ihm unbekannten fremden Stadt leichter würde, weil er sich hier frei van früheren beunruhigenden Eindrücken fühlte. Manche neuropathifchen Individuen geraten in Berlegenheit, wenn sie in Gegenwart von anderen eine Handlung verrichten sollen: sie werden unsicher und gehemmt. Derartig« Bor- gäng« sind in Parallele zu stellen mit der Platzangst. Es gibt«in« ganze Reihe von Analoga der sogenannten Platz- angst bei neuropathifchen Individuen. Die Scheu, allein auszugehen, infolg« der Vorstellung drohender Gefahr und mangelnder Hilfe, die Scheu vorgeschlosfenenRäymen, B- Theater, Konzertsaal, außer es wäre Eckplatz disponibel, die Blitz- und Gewittcrfurcht. Es gibt z. B. eine E r r ö t u n g s a n st: die Vorstellung, erröten zu müssen, führt zu wirklichem Erröten. Ein junges Mädchen, welches von dieser Zwangsvorstellung befallen war, scheute jede ihr fremde Gesellschaft. Durch Auflegen roter Schminke vorher suchte sie das Erröten zu verbergen. Mit großer Energie, unterstützt durch ge- eignet« Suggestion, konnte sie sich von dieser lästigen Vorstellung befreien. Weitere Abarten sind die Grübet- oder Zweifelsucht. Beim Anblick eines einfachen Gegenstandes schießt der Gedanke auf, warum ist dieser fo beschaffen, wie er sich zeigt: man grübelt dar- über, worum die Blätter grün sind. Zuweilen tritt Zähl sucht auf. Ein Mädchen mußte stundenlang Zahlen hersagen oder auf- schreiben. Morgens im Bett war«s mit dem Zählen so schlimm, daß sie ganz echauffiert war. Zuweilen treten Vorstellungen auf, welche zu dem übrigen Denken in lebhaftem Kontrast stehen, so der Drang. Gottes- lä st ernngenauszu stoßen, den Eltern etwas Böses onzutun. Ein Beispiel davon gibt Gottfried Keller in seinem„Grünen Heinrich":„So gereichte es mir ein« Zeitlang zu nicht geringer Qual, daß ich ein« krankhafte Versuchung empfand, Gott derbe Spott- namen, selbst Schimpfwort« anzuhängen, wie ich auf der Straße gehört hafte." Beeinflussung körperlicher Vorgänge durch Vorstellungen und Gefühl« sst bei diesen Zwangsvorstellungen sehr ausgesprochen. Sie wirken aus Bewegungen und Handlungen ein. Die Zwangsvorstellungen haben oft euren versuchenden, be- fehlenden oder aufreizenden Inhalt, aridere haben hemmenden Smfioß. Die Ablehnung der Vorstellungen, denen«ine solche starke affektive Wucht innewohnt, wird dem Kranken sehr schwer gemacht, obwohl er den Inhalt der Zwangsgedanken als unbegründet und nn- sinnig zu verdrängen sucht. Er steht mit seinem Denken über der Borstellung, weist diese mit seiner Kritik zurück, und doch unterliegt er dem Zwang. Der immerwährende Kampf gegen die quälenden Gedanken ver- mehrt die Angst. Diese ängstliche unbehangliche Stimmung wird durch die Erfolg- und Fruchtlosigkeit aller Bemühungen und Ab- wehrmaßnahlen meist noch verstärkt. Die Kranken empfinden den Zwang, dem sie unterliegen als Qual, sie sehen in der Zwangsvorstellung einen„Fremdkörper", sprechen direkt von Störungen, welch« sich in ihr gesundes Denken hineindrängen. /■'Ii-..- i..-rt Derartige Eigentümlichkeiten spielen auch in das gesunde Leben hinein. Wem ist nicht schon passiert, daß er sich Gedanken macht, ob eine Adresse oder«in Schriftstück richtig abgefaßt, ob der Brief in den Kasten gesteckt, ob das Licht gelöscht, die Haustür verschlossen ist. ob ein weggeworfenes Streichholz nicht weiter glimmen und einen Brand verursachen könnte. Hier kommt es aber nicht zu der aus- gesprochen zwingenden Angst und den damit zusammenhängenden Befürchtungen, die sich immer wieder ausdrängen. Die eigentlichen Zwangsvorstellungen erreichen eine solche Intensität, erzeugen ein solches Gefühl des Gebundensems. daß sie sich nicht so leicht verscheuchen lassen, wie beim Gesunden, ein plötzlich austretender beunruhigender Gedanke, eine Furcht vor Gesahr. Wenn der Gesunde sich überzeugt hat, daß seine Befürchtung unbegründet war, dann tritt Beruhigung ein. Anders bei den wirk- lichen Zwangsvorstellungskranken. Er mag sich z. B. n o ch s o o f t waschen, die Furcht vor Unsau�berkeit bleibt be- stehen. Eigentliche Zwangsvorstellungen entstehen f,:st ausschließlich auf dem Boden der Psychopathie und bei angeborenen oder erworbenen neura st henischen Schwächezu ständen. Nicht selten geht das erstmalige Auftreten der Zwangsvorstellung in einer Phase be- sondercr Erregbarkeft(Schwangerschaft, Wochenbett) vor sich. Einen periodischen Verlauf, abwechselndes Nachlassen und Der- stärkungen der Erscheinungen konnte ich mehrfach beobachten. Die Behandlung des Leidens kann bei leichteren Formen in der Spreässtunde des Arztes erfolgen: Durch Zuspruch und Verabfolguna eines Beruhigungsmittels läßt sich Besserung herbeiführen. Unter Umständen üben eine Reise, ein Land- oder Höhenaufenthalt, ein Badeort wohltätige Wirkung aus. Jedenfalls ist das Seelenleben des Patienten genau zu durch- forschen und das erfordert viel Zeit. In schwierigen Fällen wird sich die Frage der Behandlung in einem geeigneten Sanatorium erheben. Der Wechsel der Umgebung, das Hineinversetzen in andere Verhältnisse, die Loslösung von dem gewohnten Tagewerk tragen viel zur Besserung bei. Die Anwendung der physikalischen Therapie im weiiesten Sinne de» Worts.wird Nutzen bringen. Die Hauptsache bleibt aber, daß die Persöirlichkeit des Behandelnden eine miffortreißende suggestiveWirkungaufden Kranken ausübt. Ob Suggestion, Hypnose, Psychoanalyse, unterstützt von Arbeitstherapie zur An- wendung kommen, hängt von der Natur des einzelnen Symptomen- komplexes ab. Elve Untersuehung über Krebs Nach Mittellungen des Dr. Schwanke von der Hamburger Chirurgischen Unwcrsitäts-.Klinrk sind im Hamburgischen Staate seit 1872 bis 1838 und von 1302 bis 1928 insgesamt 20 277 Männer und 2-5 333 Frauen an Krebs zugrunde gegangen. Bei den Männern Handelte es sich in 80 Proz. oller Krebstodesstille um Krebs des Derdauungskanals, während die Frauen nur mit 50 Proz. an solchem Krebs den Tod erlitten. In den Iahren von 1318 bis 1325 wurden in der llniversttäts-Klinik in Hamburg operiert wegen Magenkrebs 308 Personen, Dickdarmkrebs 127, Mastdarmkrcbs 156, Brustkrebs 142, Unterleibskrebs 67; davon leben heute noch in der Reih« der aufgezählten Gruppen 14, 2, 7, 1« und 7 Operierte. In Hamburg starben 1329 auf je 10 000 Einwohner 3,4 Proz. an Tuberkulös«,.«» Kr«b« jedoch 113 Proz. Dienstag M ifff � W Nr. 568 16. Dezember 1930 Rg gR ÖT�Rk 47. Jahrgang Quecksilber statt Wasser Die Erfolge der ersten Quecksilber-Dampfturbinen in USA. Im ersten Augenblick mag der Gedanke, Quecksilber- statt Wasser» danrpf zum Turbinenantrieb zu benutzen, geradezu unsinnig er» scheinen. Es ist ja zur Genüge bekannt, welch außerordentlich teurer und gleichzeitig giftiger Stoff das Quecksilber ist, ganz abgesehen von seinem hohen Siedepunkt(etwa ZW Grad Celsius), der seine Verwendung zur Kesselspeisung von vornherein auszuschließen scheint. Um so mehr muß die Nachricht überraschen, daß ausgerechnet im praktischen Amerika vor kurzem die ersten Quecksilberdampfturbinen mit Erfolg in Betrieb genommen worden sind. Bei näherem Zu- sehen zeigt sich jedoch, daß die Amerikaner für diesen Schritt'hre guten Gründe hatten und daß wir es hier mit einer für die Zukunft des Kraftmaschinenwesens hochbedeutsanren Neuerung zu tun haben. Die Gedankengänge, die zum Ersatz des Kessel wassers durch Quecksilber geführt haben, sind in kurzen Zügen folgende: im Wärmetraftmaschinenbau gilt ganz allgemein die Regel, daß der Wirkungsgrad um so besser wird, je größer das beim Betrieb der Maschine entstehende„Wärmegefälle", d. h. der Unterschied zwischen höchster und tieffter Temperatur, ist. Um ein Beispiel zu nennen: sorgfältige Messungen haben ergeben, daß im Zylinder eines Diesel- motors bei der Entzündung des eingespritzten Brennstoffes Tempe- roturen von über 2000 Grad Celsius auftreten, während die dem Auspuffventil entströmenden Abgase nur noch einige hundert Grad heiß sind. Dos„Wärmegefälle" ist hier also außerordentlich groß, was auf«inen entsprechend guten Wirkungsgrad schließen läßt. Tatsächlich bestätigten die Ergebnisse der Praxis diese theoretischen Erwartungen vollkommen, denn der Dieselmotor hat mit nahezu -tO Prozent von allen zur Zeit bekannten Wärmekraftmaschinen den bei weitem höchsten Wirkungsgrad. Bei den Dampfkraftmaschinen, gleichgültig ob Kolbenmaschinen oder Turbinen, liegen die Verhältnisse wesentlich ungünstiger. Wasscrdampf kondensiert bekanntlich bei 100 Grad Celsius, womit die untere Grenze des Wärmegefälles von vornherein festgelegt ist. Es kann sich also nur darum handeln, die obere Grenze durch aller- Hand Kunstgriffe(Anwendung sehr hoher Kesseldrücke, Ueberhitzung des Dampfes und dergleichen) so weit wie möglich hinaufzuschrauben. In der Tat hat sich die Verbesserungsarbeit an der Dampfmaschine von jeher vornehmlich in dieser Richtung bewegt,— mit dem Erfolg, daß wir heute bei sorgfältig durchgebildeten Dampfkraftanlagen auf Wirkungsgrade von 20 bis allenfalls 82 Prozent kommen, wo- mit wir hinter dem Dieselmotor immer noch um rund die Hälfte zurückbleiben. Eine weitere Erhöhung des Wirkungsgrades schien trotz aller Bemühungen ausgeschlossen zu sein, bis in jüngster Zeit die Quecksilberdampfturbine auf dem Plan er- schien und die Angelegenheit mit«inemmal in einem ganz neuen Licht erscheinen ließ. Wer die vorstehenden Ausführungen über den Einfluß des Wärmegefällcs auf den Wirkungsgrad richtig erfaßt hat, wird sofort erkennen, daß der scheinbare Nachteil des Queck- silberz, sein hoher Siedepunkt, in Wirklichkeit einen außerordentlichen Borzug bedeutet, denn er erlaubt es, die Höh« des Wärme- gcfälles auf einen bei Wasserdampf schlechterdings nicht erreich- baren Wert zu steigern. Es kommt außerdem noch etwas anderes hinzu: da Quecksilberdampf nach dem weiter oben Gesagten bei rund 200 Grad Celsius kondensiert, d. h. wieder in den flüssigen Zustand übergeht, diese Temperatur ober wei� über dem Siedepunkt des Wassers(100 Grad Celsius) liegt, ist es möglich, den zum Nieder- schlag des der Turbine entströmenden Quecksilber-Abdampfes dienen- den„Kondensator" als Dampfkessel auszubilden und so einen großen Teil der sonst verloren gehenden Abwärme zurückzugewinnen. Eine Ouecksilberdampfkraftanlage besteht demnach aus zwei Teilen: der eigentlichen Quecksilberda mpfturbine nebst Kessel. sowie einer zusätzlichen Wasserdampfturbine, die aus dem als Hilfskessel ausgebildeten Quecksilberdampfkondensator ge- speist wird. Das Ganze wird dadurch im Vergleich zu einer nor- malen Dampfkraftanlage zwar etwas kompliziert, doch sind die durch die Abwärme-Rückgewinnung erziellen Breimstoffersparnisfe so be- trächtlich, daß dieser Nachteil dagegen nicht ins Gewicht fällt. Wie eingangs erwähnt, ist die erste Quecksilberdampf- Großturbine von 10 000 Kilowatt Leistung vor kurzem in einem nordamerikanischen Elektrizitätswerk(Hartford Elec- t r i c Co.) in Betrieb genommen worden. Voraus gingen jahrelange, eingehende Versuche mit einer kleineren Anlage von 2000 Kilowatt, an der die nötigen Erfahrungen in bezug auf zweck- mäßigste Konstruktion, einfachste Bedienung ulw. gesammelt wurden. Es zeigte sich dabei, daß besonders die sichere Abdichtung der Anlag« ein Problem für sich bildet, denn schon gering« Spuren von austretendem Quecksilberdampf können beim Maschinenpersonal die schwersten Vergiftungserscheinungen herookrufen, während bei gewöhnlichen Wasserdampfturbinen das Entweichen kleiner Dampf- mengen praktisch ganz bedeutungslos ist. Inzwischen ist es jedoch gelungen, auch dieser Schwierigkeit restlos Herr zu werden, so daß man der weiteren Ausbreitung der Quecksilberdampfturbine mit In. teresse entgegensehen darf. H. W. Neues aus der Technik Stahl im Straßenbau Im Staate Illinois USA. ist zum erstenmal Stahl als Siraßenbaustoff verwandt worden. Auf den gewalzten Untergrund wird eine Stahlunterlage und-cinfasfung aufgelegt. Hierauf wird dann ein« Mischung von Asphalt und Sand gebracht, in die als oberste Deck« Ziegel von besonderer Größe und Festigkeit eingebettet werden Die S t a h l u n t e r l a g e ist rostbeständig und mit Rippen zur Erhöhung der Festigkest versteift. Nach den Versuch;- berichten ist diese Straßendeck« sehr fest, eben, schmiegsam, wider- slandsfähig gegen Stöße, temperaturbeständig und sicher gegen Riss«. Der Preis soll unter dem der bisherigen Bauweisen liegen. Verhütung von Scfaiagvetterexpiosionen Auf ein Preisausschreiben der preußischen Stautsregierung für einen zuverlässigen, ungefährlichen Anzeiger für schlagende Wetter sind einige hundert Apparat« eingereicht worden; doch keiner entsprach den Anforderungen. Einem tschechischen Ingenieur ist die Lösung dieses Problems nun gelungen. Die heute noch beimtzts Davisfch» Sicherheitslampe— mit Recht Unsicherheitslampe ge- nannt— ist durch ein sehr sinnreiches, einfaches Gerät ersetzt mar- den. Unabhängig von Temperatur- und Feuchtigkeitseinslüsscn zeigt dieser Apparat den Methangeholt der Luft im Schacht bis auf ein zehntel Prozent genau an. Schutzmittel gegen Einfrieren des Kühlwassers Eine große Gefahr für Automobile bedeutet im Winter das Einfrieren des Kühlwassers, ums häufig ein Platzen des Kühlers oder gar des Kühlwassermantels aiu Zylinder zur Folge hatte. Ein neues Schutzmittel dagegen ist Elysantin. das im Wasser aufgelöst wird. Es ist färb- und geruchlos, greift weder Metall noch Lacke an und verdampft nicht inst dem Kühlwasser, woraus sich eine hohe Wirtschasllichkest ergibt. Spiritus aus Holz Bei der Verarbeitung von Holz zu Papier ist es gelungen, die Sukfstlauge, ein bisher nicht ausgenutztes Abfallprodukt dieses Prozesses, wirtschaftlich zu verwerten. Man gewinnt daraus Hefe und Spiritus, damit Alkohol. Da dieser Spiritus erheblich billiger ist als Kortoffelspirstus, ist seine wirtschaftliche Verwendung als Treibstoff für Automobile möglich. Hol zersatz In manchen Industriezweigen wird an Stell« des Holzes ein neuer Stoff„Bakelit" oerwandt. Dieser wird auf synlhet'schem Wege hergestellt und läßt stch in jede gewünschte Form pressen: er ist im Gegensatz zu Holz gegen Feuchtigkeit und Temperatur unempfindlich, durch geeignete Oberflächenbehandlung läßt sich ein dem Holz ähnliches Aussehen erzielen. Da Bakelit die Preßform blank verläßt, braucht es nicht lackiert zu werden. Tassen mit heißen Getränken hinterlassen auf Bakelittischplatten keine Spuren. Die schwersten Lokomotiven Europas Die Schweizer Bundesbahnen haben für den Schnell- Zugbetrieb auf der Gotthardtbahn zwei elektrische Lokomotiven in Auftrag gegeben, die an Größe und Leistungsfähigkeit alle bis- herigen europäischen Lokomotiven west übertreffen. Jede dieser Lokomotiven leistet im Dauerbetrieb etwa 6500 PS gegenüber 2500 PS der neuen Einhestsschnellzuglokomotive der Deutschen Reichsbahn und ist imstande, die schweren Schnellzüge über die starken Steigungen des Gotthardt mit etwa 65 Kilometerstunden Durchschnittsgeschw'ndigkest zu befördern. Bei der Talfahrt arbeiten die Dtotoren als Generatoren und liefern so elektrische Energie in das Netz zurück. Kraftstoffer�eu<)un{) Auf der Hauptoersammlung der Brennkrafttechmschen Gesell- schaft las Prof. Th. Kayfer-Berlin an Stelle des erkrankten Dr.-Jng. A. Thau dessen angekündigten Vortrag„Gegenwärtiger Stand von Technik und Wirtschaft der Kraft st off- erzeugung aus Kohle". Er führte aus, daß die Gewinnung flüssiger Kraftstoffe aus festen Brennstoffen, wenn man die Stadt- gas- und Kokerei-Industri« außer Betracht läßt, sich auf di« Destillation der Brennstoffe be« niederer. Temperatur beschränkt, wobei man von Berschwelung spricht. Dazu komm« noch der künstliche Aufbau von Orlen. Die Steinkohlenschwelerci konnte in Deutsch- lcind nicht festen Fuß fassen, roeil für den als Rückstand gewonnenen Schwelkoks eine lohnende Absatzmöglichkeit sehst Für die auf Mitteldeutschland beschränkte Braunkohlenschli>elerei. die iin schweren Wettbewerb mit ausländischen Oclen steht, ist eine ganze Anzahl von brauchbaren Oefen ausgebildet worden. Der Hydrierung wer- den gegenwärtig nur Oelc unterworfen, indem sie durch Wasserstoff- anlagerung in Betriebsstoffe übergeführt werden. Die K r a f t g a s g e w i n n u n g hat einen starken Anstoß er- halten, weil den Generatoren neuerdings reiner Sauerstoff statt Luft zugeführt werden kann, denn es ist heute möglich, den Sauerstoff. der bei der Luftverflüssigung in Verbindung mit der Ammoniak- fynthefe als Nebenprodukt abfällt, bedeutend. billiger zu erhalten. Oberingsnieur W. Ernst- Hamburg führte in einem Vortrag „Schmieröl und Schmierung der Brennkraftmaschinen" aus, daß bei Vergafermafchinen die Reibungsverluste von etwa 20 Proz. sich durch richtige Bearbeitung und Wahl des Schmiermittels bis auf 6 Proz. herunterdrücken lassen, was bei der immer noch erheblichen Einfuhr von Oelen(600 000 Tonnen, von denen 200 000 zur Schmie- rung von Brennkraftmaschinen verbraucht werden) wohl ins Gewicht fallen könnte. Am günstigsten ist der Oeloerbrauch bei Maschinen. bei denen die Zylinderschmierung vollkommen getrennt von der- senigen der Lager erfolgt. In dem Vortrag„Gas und Oel in Industrie und Kraftwerk" betonte Ingenieur W Wisser-Berlin, daß die Entwicklung der Feuerungetechnik und Wärmewirtschaft die festen Brennstoffe in der Wärme- und Krafterzeugung immer mehr durch Gas und Oel ersetzt hat, wodurch die Wirtschaftlichkeit in den verschiedensten Verweu- dungsgebieten fehr� erheblich gesteigert werden konnte. Die Leistungen und Wirkungsgrade der neuzeitlichen Oefen sind durch die Anwendung des Gases mit seinen betrieb- lichen und technischen Vorteilen sehr gestiegen. Durch die Fließarbeit und die Rationalisierung wird der Industrieofen immer mehr zur Wärmemaschine. Auch ölgeieuerte Oefen findet man heute in allen Industriezweigen: besonders in solchen Werks.!, die ihre Feuerstätten nur zeitweise, zum Wärmen oder Schmelzen, betreiben, sind sie die gegebene Ofenart. Zur Kraslerzeugung aus Oel bedient man sich des Dieselmotors, und zwar sind kleine Dieselanlagen gegenüber den« Dampfbetrieb meist wettbewerbsfähig Sehr im Bordergrund steht in letzter Zest der Dieselmotor zur Stromerzeugung in Kraft- werken behufs Ausnahme von Spitzenlasten.. Lt. Indienflug mit Kurzwellenverbindung Das holländische Großflugzeug„PH AG A", ein drei- motoriges Fokker-Fwgzeug der Type F 9, verließ am 13. November 1930 den Flughafen Schipol bei Amsterdam, um in zwölf Etappen Bataoia in Holländifch-Indien zu erreichen. Die 15 00 0 Kilo- mcter betragende Entfernung ist augenblicklich die längste bisher geflogene Strecke. Für dieses Flugzeug wurde eine Lorenz-Langwellenstation mit einem Wellenbereich von 550— 1350 Meter und einer Antennen. energie von 120 Watt geliefert. Um eine dauernde Funkoerbindung Oben: Der Weg des Indienflugzeuges U nten: Die Kurzwellenst.rlion zwischen Flugzeug und Bodenstotionen herstellen zu können, hätte diese Station aber nicht ausgereicht, da bisher durchschnittliche Eni- fernungen von 100 Kilometer überbrückt wurden. Hier mußte ein« Kurzwellenstation mit möglichst großer Energie aushelfen, was be- sonders günstig war, da in Holland, Indien und auf Java Groß- funkstelleil mit Kurzwellenbetricb eingesetzt werden konnten. Im internationalen Lustverkehr sind wegen der geringen Entfernungen und der Dicht« der Flugfunknctze Knrzwellen-Spezialgeräte noch nicht eingeführt. Es war in Erniangelung praktischer Erfahrungen zu- nächst also nicht möglich, die Reichweiten der zu verwendenden Kurz- wellenstation vorauszusagen. Man mußte sich mit Schätzungen be- gnügen, die allerdings während des Fluges wesentlich übertroffen wurden. An Stelle der sonst üblichen Kurzwellenstation mit 5 Watt Antennenleistung wurde«ine solche mit 40 Watt Antennenleistung verwendet. Der Wellenbereich der Station betrug 20— 60 Mcter und gestattete, die Welle entsprechend der Entfernung und Tageszest anzupassen. Der Lorenz-ö-Röhren-Spezialempfänger gewährleistete in der fliegenden Maschine trotz der vielseitigen elektrischen Störun- gen einen einwandfreien Empfang. Die vorher ausgestellte Streckenanordnuug mußt«, da die Ueber- fliegung Konstantinopels durch Flugzeuge mit Funtanlagen verboten ist, geändert werden. Aus diesem Grunds wurden Athen und Kairo angeflogen, was eine Ueberquerunz des Mittclmeeres, einer Wasserstrecke von 800 Kilometer, bedingte. Durch die Lorenz-Kurzwellenstation wurde eine Dauerverbin- dung mst dem Ausgangspunkt oder der Zielstation hergestellt. Tie Stromversorgung des Senders erfolgte aus einem von der Bord- batterie gespeisten Einanker-Umformer. Die über die Tragflächen des Flugzeuges fest verspannte Dipolantenne gestattete die Jnbe- triebnahme der Station während des Fluges und nach erfolgter Landung. Dadurch wurde die Aufrechterhaltung einer Funkoerbin- dung auch bei«oentucllen Notlandungen in den zu überfliegenden unbewohnten Gebieten gewährleistet. Der Indienflug wurde in den vorgesehenen zwölf Etappen ohne Zwischenfall durchgeführt, das holländische Flugzeug landete an, 25. November in Batavia. Auf ihrem Flug war die„PH AGA" bis Dschafk in Persien, am Golf von Omar, dauernd mit der Heimat auf kurzer Welle in direkter Funkvcrbin- dung. Die hierbei erzielte Reichweite im Wechselverkehr betrug 5500 Kilometer. Bon Dschafk aus übernahmen die Stationen Bagdad, A u d i c r und Bandoeng die Verbindung mit dem Flugzeug. Die letzt« Großstation gab die von der Maschine erhol- tenen Meldungen direkt nach Kootwyk, der holländischen Großfunk- stelle, wsster. Vor dem täglichen Start wurde von der Funkstation des Flugzeuges die Verbindung mit einer der genannten Stationen auf Kurzwellenbctrieb aufgenommen, nach erfolgtem Tagesslug beendete ein kurzer Funkbericht das Tagesprogramm. Dieser Flug hat die Brauchbarkeit der Kurzwellen im Luftverkehr bewiesen und gezeigt, daß diese Wellen demnächst ihren berechtigten Platz in der Luftfahrt einnehmen werden.