BERLIN Mittwoch 17. Dezember 193« 10 Pf. Nr. 590 B 294 42. Jahrgang o CI lllll ÜV � 8''J t C!- /?/ M J M A-t-i,««pe.i,-Di--msp.ltlgeN°»rarM-i-». ?U5lc.rf) abf«tait#qabe.Seriwrtf. D«ivqsxr?is§ ä X tJLSi SV fil Reklaintteile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. b«de Auegabca SSPf. pro Woche. xr» Monar. sCUfö ffWXST H/t�TYÖ P- K sch e ck k»» t.: Vorwötts-Verlag G. m.b.H.. Redaktion nnd Eepedttivn-.Berlin�Vss.Lindenstr.« f 9 Berlin Nr. 37236. Ferns»recher: Dönhoff 292 bis 2»? Hitler- Versammlung verboten Aber auch eine Reichsbanner-Kundgebung in Magdeburg Magdeburg. 17. Dezember. Ter Polizeipräsident von Magdeburg hat die für den 1 8. Dezember geplanten politischen Versammlungen Hitlers und des Reichsbanners sowie jede an- dere politische Versammlung verboten. TaS Verbot erstreckt sich sowohl auf Versammlungen unter freiem Himmel wie auch in geschlossenen Räume». Darüber hinaus sind zur Sicherung dcS öffentlichen Friedens alle Umzüge und Versammlungen ,'nter freiem Himmel vom 18. Dezember bis 5. Januar 1031 vom Polizeipräsidenten untersagt worden. Zur Bcgriii»öurig weist er auf eine vor einigen Tagen abge- lattene fionferery hin, zu der er die Vertreter der Ziotionaisozialisten, des Reichsbanners und der Kommunisten geladen hatte. Die Kam- in u n i st e n waren nicht erschienen. Der versuch, mit den Nationalsozialisten, nnd Rcichsbannervcrtrctcrn Mittel und Mcge zu besprechen, aus welche Weise der friedliche Verlaus dieser veran- jtallu igcn gewährleistet werden könne, habe zu keinem Ergebnis geführt. Die Begründung sährt dann wartlich fort:„Der behördliche Vorschlag, die Veranstoktungen örtlich und zeitlich zu trennen, wurde abgelehnt. Ans der Haltung der Führer war zu entnehmen, daß d'cse ihre Geialgschait nicht sest in der Hand haben, daß sogar mit der Möglichkeit zu rechnen ist, daß sie teilweise nicht ein- mal den Versuch zu unternehmen beabsichtigten, beruhigend ans ihre Leute zu wirken. Nationalsozialisten, Mitglieder des Neichsbanners und der Kommunisten wollten also zu gleicher Zeit auf einem engen Raum demonstrieren, nachdem lange vorher in der Presse und in den Versammlungen zu gegen- seitigen Terrorakten ausgerufen war und die Creigizisie der letzten Zeit bewiesen haben, daß Slusschreitungen an der Tages- orduung sind." Auf Grund dieser Tatsachen werden, wie in der Begründung gesagt wird, die öffentlichen Veranstaltungen ans Grund der ein. schlagigen Bestimmungen der Reichsverfasiung und de» allgemeinen Landrecht» verbalen. Ebenso werden verboten, und zwar auf Grund der gleichen Bestimmungen, die in geschlossenen Räumen am 18. De- zember stattfindenden Versanrmlimgen der NSDAP, in der Stadt- � halle und des Reichsbanners im Schützenhaus.(Anm. d. Red.: Stadthalle und Schlltzenhaus liegen dicht beieinander.) Die Be- gründung sagt zu diesem Verbot wörtlich:„Bei beiden Ver- s a m in l u n g e n ist schon im voraus offenbar, daß es sich um u n- > r i e d l i ch e Versammlungen handelt. Diese Unsriedlichkeit ergibt sich aus den unmittelbar zu erwartenden Verstößen gegen die Straf- gesetze und der zu befllrchtendeir Bedrohung des öffentlichen Friedens. Der Umstand, daß die beteiligten Organisationen nicht nur aus dem Bezirk Magdeburg-Anhalt, sondern darüber hinaus sogar aus Brandenburg und Hannover eine größere Zahl von Teilnehmern aufgerufen haben, hat wesentlich zur Verschärfung der Lage beigetragen. Ein wirksames Einschreiten gegen die Störer der Versammlungen würde eine unverholtnis- mäßig größere Erschütterung der öffentlichen Sicherheit niit sich bringen als dos vorbeugende Verbot.� Oer Gchimpspriester von Borkum. Er laeifi, aber er wird verurteilt: 60 M. Geldstrafe! Amberg. 17. Dezeinber. Am 28. April war vom hiesigen Amtsgericht auf eine Klag« des Zentralnereins jüdischer Staatsbürger der ehemalige Pastor und jetzige nationalsozialistisch- Wanderredner Münchmeyer von Borkum wegen Beleidigung der Juden zu einer Geldstrafe von 6« Mark ver- urteilt worden. Münchmeyer hatte sowohl in einer nationalsozia- l istischen Versammlung wie in einem Anschlag im Schaukasten seiner Partei die Jude» als„asiatische Wüstensöhne, Pia Ii« sußindianer* und ähnliches bezeichnet. Der Veruiungstennin war inzwischen wiederholt angesetzt worden, jedoch war Münchmeyer zu den einzelnen Verhandlungen nicht erschienen. Gestern fand wiederum in dieser Angelegenheit ein Termin statt. Münchmeyers Berufung gegen das Urteil wurde wegen Nichterscheinens sofort verworfen. Gleichzeitig mit Münchmeyer waren do- «als Zwei andere Amberger Nationalsozialisten wegen Beleidigung mg Geldstrefen belegt worden. politische Gefangene gefoltert! Oie Wahrheit über Brest-Liivwfk Warschau. 17. Dezember.(Eigenbericht.) Ein« Interpellation der demokratischen polnischen Parteien im Sejm über Verhastung der ehemaligen Abgeordneten und ihre Bc- Handlung in Brest-Litowsk bringt grauenerregende Tatsachen über die Folterung der Gefangenen. Der sozialistlsche Abgeordnete Dr. Diebermann wurde sofort nach seiner Verhaftung auf dem Wege nach Brest mit siolbenstößen in einen Wald gejagt, avs- gekleidet, sein Kops in ein Tuch gesteckt uvd unter den Worten: „Du wagst es. deine Stimme gegen Marschall pilsudski zu er- heben!" mörderisch geschlagen, so daß er ohnmächtig zusammen. brach, lieber zwanzig blutende Wunden blieben von dieser Exkursion zurück. Liebermann erwachte aus seiner Ohnmacht erst kurz vor Brest. Die Gefangenen, daruicker auch Dr. Liebermann und Prosesior Dr. Progier, wurden gezwungen, iost mit bloßen Händen d i e Latrinen zu säubern, die Fußböden zu scheuern und dies alles unter Bewachung von Soldaten, wobei sie öfters in- folge ilebermüdung ohnmächtig wurden. Dr. Liebermann erlitt hierbei einen Herzanfall. Den Verhasteten wurde in der ganzen Zeit der Irthastierung das Baden verweigert. Außer- dem wurden über sie die unmenschlichsten Disziplinarstrafen ver- hängt, so die Unterbringung in einer Dunkelzelle, in der sich nichts befand, Entfernung der Strohmatten von ihrem Lager und schließlich Hungerqualen, indem sie nur Bröl und warme, Salzwasser al» Verpflegung erhielten. Mehrmals wurden die Opfer zu Revisionen geschleppt und dabei geschlagen, nackt ausgekleidet und stunden- lang auf kalten Steinfließen stehen gelassen. Am furchtbarsten ist die Beschreibung der Folterungen, die der christlich-demokratischc Abg. Popjel auszuhalten hatte. Cr wurde auf einen Tisch geworfen, über das Kreuz ein nasses Tuch gedeckt und darauf mit Eisen stanzen geschlagen. Popjel erhielt etwa dreißig solcher Schläge. Nach dem ersten wurde er bereits ohnmächtig, erwachte wieder als man bis 2Z gezählt hatte und siel abermals in Ohnmacht. Diese Foltern wurden später öfter an anderen Gefangenen wiederholt. Die Offiziere erklärten den Häftlingen Rundfunkdebatte mehrmals, daß ihr Schick'al nur von Marschall Pilsudski abhänge, nnd daß sie„daher nicht auf Gerichte rechnen könnten". „wenn Marschall Pilsudski bejehlen wird, Sie zu töten, dann werden Sie getötet. Wenn er befiehlt, Sie zum Krüppel zu schlagen, dann werden Sie zum Krüppel gemacht." Die Interpellation fragt den Ministerpräsidenten, ob er die Schuldigen zur Verantwortung ziehen werde, und was er für die Zukunft zu wn gedenke, um ähnliche Vergcwaltignngcs des Rechts zu vermeiden. Die Namen der schuldigen Ofiziere werden in der Interpellation genannt. Eine Falschmeldung. In einer Danziger Nazi-Kundgebung wurde mitgeteilt, daß dep deutsche Reichstagsabgeordnele Himmler- München auf der Fahrt von Berlin nach Danzig von den Polen im Korridor verhaftet worden sei. Nähere Nachrichten über das Schicksal des Verhaftete!» waren bisher nicht zu erhatten. Diese Behauptung ist falsch. Nazi Himmler hat die Fahr! nach Danzig gar nicht angetreten, sondern ist in Berlin ohne fremdes Zutun st e ck c n g e b l i c b c n. Der preußische Landtagsabgeordnete Tuntel(Komm.), ge- wählt in Oberschlesien, ist ver ha stet worden, als er auf der Zeche Kömgshütte m Po l n i s ch- Oberschlesie» zur Belegschaft reden wollte. In Polen weiften die Kommunisten scharf verfolgt, ebenso wie in allen Diktaturstoaten, außer dem Zarat Stalins. Das n>eiß Herr Tnnksl als Oberschlesier und Kommunist ganz sicher: wen» er trotzdem hinübergeht,»m zu reden, hat das Risiko, dos damit ver- bundcn war, erkannt. Aber vielleicht erkennt wenigstens er jetzt, daß es in der„Faschistenrepublik" Deutschland nnd unter der prenßischcn „Sozialfaschistenregicrung" doch besser ist! Oer Hörer:»Bei diesen Naziphrasen hat es der Nölttng federleicht!* Reaktion in Hannover. Oie„kgl. Städteordnung von 1858" soll Sozialdemokrate» entrechten. Der zweite Senat des"Oberverwaltungsgerichtes hatte sich gestern mit dem Konflikt in der Hannoverschen Stadt- Verwaltung zu beschäftigen, der seit Februar dieses Jahres entstanden ist. In Hanover besteht der eigenartige Zustand, daß der Magistrat aus Mitgliedern der bürgerlichen Parteien zusammengesetzt ist, während in der dortigen Stadtverordnetenversammlung, dem Bürgervorstcherkollegium, die Sozialdemokraten die Mehrheit haben. Diese Parteiverhältnisie haben nun zu d-m kommunalpolitischem Streit geführt, der jetzt im Ver- waltungsstreitverfahren ausgetragen wirb Im Februar dieses Jahres beschloß das Bürge rvorsteher- kollegium, drei unbesetzte Stellen im Magistrat sowie den Posten des zweiten Bürgermeisters wieder zu be- setzen, und zwar mit Angehörigen der bisher vom Magistrat fern- gehaltenen Sozialdemokratie. Dieser Beschluß wurde sofort vom Magistrat deanstandet. Trotzdem nahm das Wirger- vorsteherkollegium im Juni die Wahl vor, und zwar wurde der bisherige sozialdemokratische Senator L i n d e m a n n zum zweiten Bürgermeister, und außerdem wurden Bauer-Leipzig und Weder- Hannover, der bisherige Wortführer, das heißt Vorsteher des Bürgervorsteherkollegmms, zu Senatoren gewählt. Auch die vollzogene Wahl wurde vom Magistrat de« anstandet, mit der Begründung, daß nach der Lzannoverschen Städteordnung aus dem Jahre 1888 das Bürger- weisterkollegium eine derartige Wahl nur nach vorher- gehender Aufforderung durch den Magistrat, cbee nicht sÄbfiSMg«»rnchineil dürf«. De? preußische Minister des Innern hat inzwis�zen die Wahl des zweiten Bürgermeisters und der Sena- torsn bestätigt, obwohl der Bezirksausschuß Hannover die Klage des Büirgcroorsteherkollegiums gegen den Magistrat abgewissen hatte. Gestern wurde imn vor dem Oberverwaltungsgericht über die vom Bürgervorsteherkollegium eingelegte Berufung gegen die Entscheidung des Bezirksausschusses verhandelt, und zwar wurde das Bürgervorsteherkollegium durch den Wortführer Weber und Nechtsamvalt Dr. Julius Katz-Hannover vertreten, uüihrcnd der Oberbürgermeister Menge selbst für die Abweisung der Berufung eintrat. Der Vertreter des Bürgeroorsteherkollegiums stellte sich auf den Standpunkt, daß die Bestimmungen der Hannoverschen Städteordnung aus dem Jahre 1858 sowie die er- gänzcndcn Ministerialverfügungcn aus den beiden nächsten Jahren durch das Gemeindewahlgesetz vom Jahre 1924 überholt seien,, so daß die Beanstandungen des Magistrates der rechtlichen Grundlage entbehrten. Der Vertreter des M a g i st r a t e s dagegen betonte, daß das Bürgervorsteherkollegium feine Befugnisse überschritten und die Wahl schon aus dem Grunde hätte nicht vollziehen dürfen, weil der Magistrat bereits den ersten Beschluß vom Februar auf Wieder- besetzung der Stellen beanstandet hätte. Das Oberverwaltungsgericht wird die Entscheidung über diese sowohl kommunalpolitisch wie verwaltungstechnisch sehr interessante Frage in einem besonderen Verkündungstermin am Freitagvormittag Men. Kommunistische Berufslügner. Wer hat die Fememörder amnestiert? Um sür eine Protestkundgebung zugunsten eines inhaftierten Kammuiiislen namens Peters die notwendige Stimnmng zu machen, erzählt die„Rote Fahne" ihren Lesern wieder einmal, daß die rechts- radikalen Fememörder„von der sozialdemokratischen Preußenregicrung" freigelassen und begnadigt worden seien. Sie bezieht sich dabei besonders auf den Fall des Oberleutnants Schulz. Es ist die gewöhnliche Lüge. Die Haftunierbrechung des Ober- leutnants Schulz wegen seines angeblich gefährdeten Gesundheit?- znstandes ist nicht durch die Preußenregiening erfolgt, sondern durch Beschluß der zuständigen Strafkammer, auf den die Preußen regierung keinerlei Einfluß hatte. Die„Rote Fahne" muß dieses Märchen von der Amncstietunz des Schulz durch die Preußenregierung aber erfinden, um die mir.- liche Tatsache vergessen zu machen, daß es die kommunistische Relchslagsfraklion gewesen ist. die gegen den Ividersland der Preußenrcgierung die Fememörder begnadigt und in Freiheit geseht hat, indem sie die zur Annahme des Amnestiegesctzcs notwendige Zweidrittelmehrheit schuf.— Schon im vergangenen Reichstag hatten die Kommunisten ihren Umsall vollzogen. In zweiter Lesung hatten die Kommunisten zwar noch, zusammen mit der Sozialdemo- Iratic, gegen das Amnestiegesetz gestinnnt. Ihr Sprecher Pieck überschlug sich geradezu in Entrllstungsphrascn wegen der beab- sichtigten Begnadigung der Fwnemordbestien. In dritter Lesung cchcr stimmten die Kommunisten plötzlich geschlossen für die Am- u e st i c, so daß die Zweidrittelmehrheit erreicht wurde. Hinter den Kulissen hatie sich nämlich ein Kuhhandelsgeschäft zwischen der KPD. und dem Reichsjustiz- minister Bredt abgespielt. Dieser versprach den Kommunisten, daß die Strafverfolgung der kommunistischen Reichstagsabgeordnetcn, deren Immunität der Reichstag aufgehoben hatte, wegen Hochverrats nicht durchgeführt werden sollte, falls die Kommunisten für die Aninestierung der Fememörder stimmen wür- d c n. Tatsächlich ist auch in der Zeit zwischen der Auflösung des Reichstags und der Neuwahl kein einziges dieser Verfahren zur Verhandlung vor dem Reichsgericht gelangt. Dieser Verlauf der Dinge bestätigt klar die Abmachungeß zwischen Bredt und den Kom- munistcn. Um sich selbst vor Strafverfolgung zu jchühcn, haben als« die kommunistischen Reichstagsabgcordncten für die Zlmnestierung der Fememörder gestimmt. Die„sozialdemokratische Preußenregierung" dagegen war es, die im Reichsrat Einspruch gegen den Beschluß des Reichstages erhob und die Aninestierung der Fememörder hierdurch noch einmal ver- eitelte, da nach der Rückoerweisung der Vorlage an den Reichstag einige Abgeordnete der Mitte umfielen und hierdurch die Zweidrittel- Mehrheit nicht zustande kam. Im neuen Reichstag haben dann aber sämtliche Parteien— gegen die Stimmen allein der Sozialdemokrati- scheu Partei— das Gesetz zur Amnestierung der Fememörder angenommen. Auch jetzt noch hätte die Zweidrittelmehrheit ver- bindert werden rönnen, wenn die Komiministen dagegen gestimmt hätten: aber sie st i in inten für die 2lmne stierung der Fememörder. Wenn es der„Roten Fahne" so besonders um den Oberleutnant Schulz zu ttin ist, so niuß festgestellt werden, daß erst, durch diesen Beschluß Schul; die Reststrase endgültig erlassen wurde, daß aber darüber hinaus die noch gegen Schulz und Fahlbusch schwebenden unerledigten Alordvcrsahren zur Einstellung gelangt sind. Der schlimmste aller Fememörder, der Feldwebel Klapproth, dein dag Landsberger Gericht„unmenschlicheRoheitundtieri- f ch e n Blutdurst" bescheinigt hat, erlangte durch das komnui- nistifche Ainnestiegesetz die Freiheit, während er sonst seine Strafe hätte verbüßen müssen. Die Kommunisten haben die Fememörder amnestiert— und nun lügen sie ihren Anhängern vor, die Sozialdemokraten seien es ge- »vcsen! Bayerische Gtaaisakiion. Aktion der Begiervna der Pfalz gegen die pirmasenser Kommunisten. Pirmasens. 17. Dezember. Di« Regierung der Pfalz hat eine umfassende Aktion gegen die Koinnuinsstsn in Pirmasens eingeleitet. In den ersten Bor- Mittagsstunden erschienen plötzlich mehrer« Autos mtt Landes- polizei, insgesamt rund 229 Mann, die aus der ganzen Pfalz zusammengezogen waren. Die Schupo wurde sofort in ver- schiedene Gruppen eingeteilt und zu Haussuchun- gen bei verdächtigen Personen ausgeschickt. Im Zusammenhang damit wird von amtlicher Stelle erklärt: Gerichtliche u-id polizeiliche»Untersuchungen haben bei Anhängern Rohrbruch in der Potsdamer Straße Zwei Meier iiefes Loch unier den(StraßenSahngleisen— Verkehrsstörung Ein großer Waffe rrohrbruch, der sich heule früh an der Potsdamer Brücke vor dem Haufe Potsdamer Straße 126 mitten auf dem Fahrdamm ereignete, legte den verkehr in dieser Hauptgeschäftsstraße und damit auch in einem Teil der Umgebung des Potsdamer Platzes voll- ständig lahm. Der Wasserrohrbruch, der sich schon vor einigen Tagen ereignet und zu einer Unttrspülung des Straßenkörpers an der be- treffenden Stelle geführt haben muß, wurde dadurch erkennbar, daß unter dem Druck des Wassers plötzlich das Holzpflaster dicht am Bürgersteig vor deni genannten Haufe aufsprang und u n a u f- hörlich groß« Wassermengen herausquollen, die die ganze Breite des Fahrdanunes und einen Teil der Bürgersteige überfluteten, aber infolge des Gefälles von der Brücke her allmäh- lich nach der Eichhornstraße zu abflössen. Gleichzeitig wurde in einem Umfang von 19 Quadratmetern das Holzpflaster miisamt einem Teil des Straßenbahnkörpers in die Höhe gedrückt, so daß es teilweise über dem Niveau des Bürgersteigcs lag. Als der Rohr- bruch entdeckt wurde, wurde die Unfallstelle glücklicherweise gerade nicht von einem Straßenbahnzug oder Autobus passiert, denn, wie die spätere Untersuchung ergab, wären die schweren Fahrzeuge höchstwahrscheinlich an dieser vollkommen unterspülten Stelle des Fahrdammee regelrecht eingebrochen und es hätte sich ein schweres Unglück ereignet. Die Feuerwehr sperrt« zusanunen mit der Schutzpolizei zunächst einmal die ganze Potsdamer Straße zwischen der Brücke und dem Platz ab. Die Wasserwerk«, die ebenso wie die BBG. sofort Arbeitstrupps entsandten, konnten nach etwa 29 Minu- ten das geborstene Rohr abstellen und so eine weitere Ueberflutung verhindern. Die Abricgelung der Unfallstelle war aber besonders schwierig, weil an dieser Stelle vor der Potsdamer Brücke zahlreiche Wasserrohr« verschiedener Größe durchführen und keine Gewißheit darüber bestand, welche dieser Leitungen gebrochen war. Nach der Menge der herausflutenden Wassermassen nahm man vorläufig an, daß es sich um ein 259- oder 599-Millnneter-Rohr handelte. Das herausströmende Wasser führte aus dem Untergrund des Straßen- körpers große Sandmengen mit sich, so daß sich an den Bürger- steigen regelrechte Sandhügel auftürmten. Schon darin sah man einen Beweis dafür, daß die Unterspülung schon vor«inigen Tagen eingetreten sein muß. Beim Aufreihen des Straßenpflasters machle man dann die Feststellung. daß durch den Wasserrohrbruch ein fast 2 Bieter tiefes Loch bis unter die von der Brücke zum Potsdamer Platz führenden Skraßenbahngleife herausgespült worden war. so daß nach Entfernung der Holzklötze des Pflasters und der darunterliegenden Betondecke die Schienen mitsamt den Schwellen frei über einer mit Wasser gefüllten Höhlung hingen. Die Straßenbahnen standen in unübersehbaren Wagenburgen, Autos und Pferdegespanne verstopften den übrigen Teil der Fahr- dämme. Es herrschte bald ein furchtbares Durcheinander und nur sehr schwer konnte nach und nach dem Tohuwabohu durch Um- leitungen ein Ende bereitet werden. Die Verkehrsstockung wirkte sich auf den gesamten Cityocrkehr aus. In besonderein Maße wurden die Leipziger, Stresemann-, Köthener und Prinz-Albrecht- Straße in Mitleidenschaft gezogen. An der Unfallstelle war als erster Helfer in der Rot die Feuer- wehr erschienen. Sie konnte aber wenig ausrichten und niußie sich zum größten Teil darauf beschränken, die Gullydeckel zu öffnen. um den Wasserinassen, die sich über die Straße ergossen, Abzug zu verschaffen. Inzwischen waren mich die Städtischen Wasserwerke von dem Vorgefallenen in Kenntnis gesetzt worden. Da es sich nur um einen Bruch des Hauptwasserdruckrohres handeln konnte, wurde der ganze Straßenabfchnitt von der Wasserzufuhr abgeschnitten, um ein weiteres Ausströmen zu verhindern. Ein« große Arbeiter- kolonne war dann bis in den Nachmittag hinein mit Ausschachtungs- arbeiten beschäftigt, um die Bruchstelle zu finden. Gegen 12 Uhr zeigte die Potsdamer Srraße wieder dos alte Bild: der Verkehr wurde reibungslos durch Umleitungen durä?- geführt, zahlreiche Verkehrsbeomte der Schupo mußten an vielen Stellen eingesetzt werden. Dunkel über Spanien Oer Kampf gehi weiter Paris, 17. Dezember.(Eigenbericht.) Ueber die streng abgesperrte spanische Grenze dringen außer den Siegesbcrichten der Regierung Berenguer nur spärlich Nach- richten. Aus Südspanien ist noch gar nichts über den Aufstand bekannt geworden. Was über Nordspanien verlautet, zeigt, daß die reoalMionäre Bewegung zunimmt. Von San Sebastian kommende Schiffer berichteten, daß die Revolutionär« in Logrono die Macht hoben. Auch in Valencia soll die Revolution gesiegt und angeblich sogar mehrere standrechtliche Erschießungen vorgenommen haben. Einige führende Offiziere in Nordspanien hätten ihre Absicht kund- getan, sich vom König und vom General Berenguer loszusagen. In Barcelona sind nach einer zuverlässigen Meldung zwei Dra- goner- und zwei Infanterieregimenter wegen Ilnzuverlässigkeik enlwasfnet worden. Die Generalstreikparole ist selbst nach Mitteilungen der Regierung von über 59 Proz. der Arbeiterschaft b e- folgt worden. Sämtliche Pyrenäen-Uebergäng« sind von Militär und Gendarmerie besetzt. Flugzeuge der Aufständischen haben am Dienstag nachmittag Barcelona und andere Städte in Katalonien überflogen und Ausrufe abgeworfen, in denen die Republikaner zur Ruhe und Vorsicht aufgefordert werden, um Unterdrückungsmaßnahmen zu vermeiden. In Barcelona werden Eisenbahnen und Straßenbahn- wagen, sowie der Telephon- und Tclegraphenvcrlehr genau überwacht; die Truppen sind in Alarmbereitschaft. Die Fliegerflucht nach Portugal. Lissabon, 17. Dezember. Ein fünftes spanisches Flugzeug mtt einem Artilleriehaupt- mann ist auf portugiesischem Boden gelandet. Der spanische Flieger- major Franca ist als Internierter vom Flughafen Lissadon in eine Infanterisfchule 35 Kilometer von der Hauptstadt gebracht worden. ZNadrid über Paris, 17. Dezember.(Havas.) In Barcelona wurde gegen vier verdächtige Rogi- menter das Kriegs? echt proklamiert. Die Regierung teilt mit, daß der Generalstreit allgemein ist in folgenden Provinzen: La Coruna, Hueloa, Iacn Logrono, Na- varra, Eantander, Biscaya und Saragossa. Teilstreiks herrschen in Cordoba, Granada, Lerida und Sevilla. Die übrigen Provinzen sollen vom Streit verschont fein. In Collosa Segura(Alicante) und in Elche(gleiche Provinz) haben Manifestanten den Straßen- verkehr zum Stillstand bringen wollen; es gab Zusammenstöße mit der Polizei. In Gijon ist eine Gedenktafel mii dem Hamen Prima de Riveras von einem JefuilenNostcr heruntergerissen und die Fenster des Klosters sind eingeworfen worden. Polizei trieb die Menge auseinander. Einer der Angreifer wurde g e- tötet. In Porto-Bou, Verona und Figueras find Plakate mit der Aufschrift„Nieder die Monarchie, hoch die Republik!" während der Nacht angeschlagen worden. Zivilgardisten haben sie wieder entfernt. der Kommunistischen Partei in Pirmaßnis Dorgäirge festgestellt, die eine ernste Gefahr für die öffentliche«Sicherheit bedeuten. Es sind Sprengkörper gefunden worden, die offtubar zu verbrecherischen Angriffen bestinnut waren. Die Kommunistische Arbeiter- wehr hielt regelmäßig Uebungen mit Lzandgranatenwerfen (Usbungshandgranaten) ab. Der Arbeiter-Schlltzenverein sorgt für die Schießausbildung. Beide Organisationen setzen sich zum weitaus überwiegenden Teil aus früheren Mitgliedern des auf- gelösten Rotfrontkämpserbundes zusammen und stellen feine Fort- setzuug dar. Wegen dieser Vorgänge hat die Regierung der Pfalz die beiden VereiiP als Nachfolgeorganisationen des verbotenen Rotfrontkämpferbundes für verboten erklärt. Zur Bermeidung von Unruhen bei der Durchführung dieser Mahnahmen hat der Stadt- kommissar alle öffentlichen Versammlungen. Um- züge und ähnliche Veranstaltungen der Kommunsstcn und Erwerbslosen bis auf weiteres verboten. Von den Streifen der Landespo'.izsi. die heute>den ganzen Vormittag mit Slutos durch die Stadt fuhren, find in der Hauptfache die Materialien der beiden Organisationen beschlagnahmt worden, vor allen Dingen die Gewehre des Arbeiter-Schützeuvereins. Glück in der Trunkenheit. Das Großfeuer in Sieglih. In dem Neubaublock an der Ecke der Karl-Stieler- und Presse! st r aß« brach, wie berichtet, gestern abend ein Feuer aus. Die erste Annahme, daß der Brand durch einen Einbrecher vorsätzlich cder fahrlässig verursacht wurde, hat sich nicht bestätigt. Der Kauf- mann K., der in dem Haus« ein« Manfarde bewohnt, hat anscheinend als erster den Brand entdeckt. Ihm fiel auf, daß die Schornstein- wand ungewöhnlich heiß war und als er auf den Boden lief, sah er durch die Ritzen Flammenschein. Vermutlich ist das Feuer auf einen sogenannten Rußbrand zurückzuführen. K. und andere Be- wohner, die auch das Feuer bemerkt hatten, flüchteten aus dem Hause und alarmierten die Wehr. In der Aufregung hatte K ver- Lessen, seine Wohnungstür zu schließen. Als die Wehr anrückte, rief plötzlich jemand aus dem Fenster u m H i l f«. Die Mansarde war bereits von Flammen eingeschlossen und derRufermußteübcr eine Leiter gerettet werden. Er wurde als ein 25 Jahre alter Gärtner Paul S.. der in der Gegend wohnt, festgestellt. S. war schwer betrunken. Wie er eigentlich in dos Haus und in die Wohnung gekommen ist, weiß man noch nicht. Wahrscheinlich ist der Gärtner in der Trunkenheit zusammen mit den erregten Haus-. bewohnern unversehens in die offene Wohnung geraten. Ohne auf das Feuer.zu achten, brachte er zunächst zwei Flaschen Kognak in Sicherheit, bis er das bedrohliche seiner Lage erkannte und um Hilfe rief._ Hitler und Mussolini. Zeugenvernehmung in New �fork. New Park. 17. Dezember. Hinter verschlossenen Türen wurde der frühere italienische Haupt- mann Migliorati lommissarisch vernommen, den Werner Abel tn dem von Hitler gegen ihn angestrengten Meineids- prozeh als Kronzeugen für die Behauptung anführte, daß Hitler von Mussolini Geld erhalten habe. Migliorati soll der Vermittler zwischen Hitler und Mussolini gewesen sein. Der Italiener gab zu, Abel zu kennen, bestritt jedoch entschieden, ssitler zu kennen und jemals die angedeutete Vermittlerrolle gespielt zu haben. Abel forderte ihn darauf auf, seine Aussage unter Eid vor dem Münchencr Gericht zu wiederholen. Migliorati erklärte sich hierzu gegen Ver- gütung der Unkosten bereit. Llbel hinterlegte daraufhin 1599 Dollar bei einer Bank für den Fall, daß das Münchener Gericht Migliorati als Zeugen lädt.— Das Protopoll über diese Bernchmnng wird durch die deutsch« Botschaft dem Miinchcner Gericht übermittelt. Ist die Demokratie erschüttert? Heber dieses Thema(nicht über„Der Weg aus der Krise", ur.c bisher angekündigt) spricht der preußische Mnisterprästdent Otto Braun aus der„Deutschen Welle". Beginn 7.35 Uhr. Boltrverlangen auf Landtag-auflösung. Das lippifchc Landes- Präsidium hat das von den Nationalsozialisten und den Volkskonser- vativen in Lippe beantragte Volksverlangen zur Herbeiführung eines Volksentscheids über die Auflösung des Landtags zugelassen. Als Eintrogungsirist wurde die Zeit vom 3. Januar bis einschließlich 5. Januar festgesetzt. Deutsche Monteure in Rußland. Neue Dokumente des Maffeneiends im„Vaterland aller Arbeiter". Bar wenigen Wochen haben deuischc Bergarbeiter über ihre Erlebnisse in Sowjetruhland berichtet. Sie waren von russischen Werbern im Ruhrgebiet unter verlockendsten Versprechun- gen für ein Bergwert am Ural angeworben worden. Dort mußten sie sehen, daß das„Sowsetparadies" in Wirklichkeit eine Arbeiter- Hölle ist, und bei der ersten Gelegenheit verließen sie fluchtartig dies„Baterland aller Proletarier" Nicht weniger lehrreich ist für den deutschen Arbeiter ein Rundschreiben des„Vereins deutscher Maschinenbauan st alten", das am 29. Oktober 1930 als„streng vertraulich!" an die Metallindustriellen versandt wurde und jetzt zur Kenntnis der Oesfentlichkeit gelangt. Der„Verein deutscher Maschincnbauanstalten" teilt in diesen, Schreiben die Erlebnisse von fünf deutschen Monteuren mit, die an verschiedenen Plätzen in Rußland tätig waren. Er rät den Mitglicdsfirmcn, die Montagesötze für Montagen in Rußland zu erhöhen, weil sonst iibcrliaupt kein deutscher Monteur mehr bereit sein würde, nach Rußland zu gehen. Aus den Berichten aller Monteure geht hervor, unter welch stirchtbarer Lebensmittelnot die deutschen wie ruisischen Arbeiter in Rußland zu leiden haben. Eine Masthinei, fabrik bestätigt, daß der vom„Berein deutscher Maschiuenbouai, stalten" vorgeschlagene Stundenlohn von OJBO 11S2L- Dollar l— 3,78 III.) neben einem vcrpflegungsgcld von 40 M. nicht zu ho gegriffen fei. Ein deutscher Monteur muß also— nach der R hnung der Unternehmer!— bei sechsstündiger täglicher Arbeit zeit in der Woche 136 Ist. verdienen plus 40 M. Der- pflezur zsgeld, so daß er 176 W. in der Woche zum Lebensunterhalt in Ri''and benötigt. Selbst die Kommunisten werden nicht der Ansich ein, daß gerade die deutschen Mctallindustriellen aus reiner Arbeit srcundlichkeit den in Rußland arbeitenden Moickeuren so außerordentlich hohe Löhne zubilligen. Zener wochenverdienst von l7b M. stellt vielmehr das Minimum dar. unter dem ein deutscher Arbeiter in Rußland nicht existieren kann: kostet doch z. V. dort ein Pfund Fleisch, wenn es über- haup! z» haben ist, 12 M„ ein Psund minderwertiger Speck ebenfalls 12 M.. ein Salzhering 2 M.! Das Rundschreiben des„Vereins deutscher Maschincickau- anstolten" lautet: Verein deutscher Maschinenbauanstalten. Berlin, den 29. Oktober 1930. Rundschreiben Nr. 20. Streng vertraulich! Pclr. Monlagebedingungcn für Rußland. Mit der Notiz Nr.... im Heft... Blatt... vom... Oktober d I. wiesen wir auf die Notwendigkeit einer Erhöhung der M o n t a g e s ä tz e für Montagen in der UdSSR, hin, nicht nur, weil die Preise in der UdSSR, in der letzten Zeit stark gestiegen sind, sondern auch weil die allgemeinen Lebensverhältnisse in Ruß- band eine höhere Entlohnung insofern erforderlich machen, als sonst mehr und mehr mit der Weigerung deutscher Monteure, nach der UdSSR, zu fahren, gerechnet werden inuß. Wir möchten Öhnen verschiedene, uns dieser Tage zugegangene Berichte nicht vorenthalten. 1. Mein Monteur ist heute völlig entkräftet und arbeitsunfähig zurückgekehrt. Aus feinen Berichten ging n i c hervor, daß er wegen der Verpflegung dort irgendwelche Schwierigkeiten habe, doch b e- richtet er jetzt mündlich, daß er nicht gewagt habe. irgend etwas über die dortigen Berhättnisse zu schreiben aus Angst vor den Beamten der GPU. Es ist ein besonders kräftiger Monteur in den besten Jahren, der bei seiner Abreise vollkommen gesund war. Er berichtet, daß die dortige V e r- pjlcgung nicht ausreichend gewesen sei, das Fleisch sei meistens saul und ungenießbar und das Brot kaum verdanlich. Er erhielt nur, was ihm zugeteilt worden ist: die Möglichkeit, irgend etwas für sich einzukausen, bestand nicht. Zufolge der schlech- lcn Ernährung brach der Monteur vollkommen zusammen. Er kam in ein Krankenhaus, wurde aber bald wieder entlassen, da dasselbe überfüllt war. Aus der Bahnfahrt konnte er auch keine Lebensmittel erhalten und kam daher so ent- kräftet in Deutschland an. daß er sich kaum allein aufrechterholten konnte. 2. Ei» Monteur berichtet nach seiner Rückkehr: Die Berhältnisse in Rußland haben im Lause der letzten sechs Monate eine Verschlechterung erlitten, welche erschreckend ist. Das nissifchs Volk hat gegenwärtig eine Zeit durchzumachen, woran es nie geglaubt hat. Unter diesem Elend leidet auch der ausländische Monteur. Es ist kein Wunder, wenn die Leute verstimmt sind: denn es läuft ja jeder in Hunger«ad Miß- ftimmnng herum, hätten die Leute zu essen und könnten sich das Nötigste für ihre paar Rubel taufen, so wäre alles anders: denn der Russe ist der anspruchsloseste Mensch, den es überhaupt gibt. Aber heute ist das Elend so groß, daß eben gar nichts mehr da ist als Schwarzbrot und Tee und vielleicht noch ein wenig Zucker. Genau so sieht es auch in den Betrieben aus. In der Fabrik, in der ich arbeitete, waren mehrere hundert Leute be- fchäftigt, aber zu essen gab es in der Kantin« nichts. Mittags erhielt man schließlich«ine Kartoffelsuppe mit einigen .K r a u t st ü ck ch e n und danach etwas recht versolzenen Fisch mit Graupen. Dieses Gericht gibt es immer«ine ganze Wockze lang. Um den Durst von dem salzigen Fisch zu stillen, steht in jed«r Abteilung ein Kessel mit heißem Wasser.— Man kann sich denken, wie man bei einer solchen Nahrung herunterkommt. Die Leute sind nicht mehr imstande, auch nur einige Stunden durchzuarbeiten. 3. Bericht eines anderen Monteurs:...Jetzt stehe ich wieder vor der heiklen Frage der Lebensmittel. Ich halt« bis zum Ende des Monats... noch kein warmes Mittogsbrot zu wir genommen und konnte mir auch keine Lebensmittel für ein warmes Essen auf Grund meines Ausweises zulegen. Sehr schwer genießbar«- Schwarzbrot, Tee und etwas Butter bildeten die ganze Zeit meinen Lebensunterhalt. Ich fragte bei«in paar Hütten, die da standen, nach Lebensmitteln, bekam aber weiter nichts als Schwarzbrot. Man versuchte, mich nach... zu schicken, und dies bcdsuteie für mich weiter hungern. 4. Eine Maschinenfabrik schreibt: Der Momeur beklagt sich sehr über mangelhaste Ernährung. Z. B. teilte er vor einigen Tagen mit. daß«k während der ganzen Zeit weder Fleisch noch Wurst de kommen Härte. Zweifclws ist«r nicht lu dar Lage, sich von dem Berpstegungsgeid inese Rahrungsmittel zu kaufen. Em an ihn gesandtes Paket mit Nahrungsmitteln kam nicht in seinen Besitz. Der von Ihnen vorgeschlagene Verpflegungs- fatz von 10 USA.-Dollar sowie auch der Stundenlohn von 0,90 USA.-Dollar dürste durchaus nicht zu hoch gegrifscn sein. Ob» gleich der Monteur noch nicht zurückgekehrt ist, weiß ich schon heut«, daß keiner meiner Leute zu bewegen sein wird, unter den jetzt dort vorliegenden Verhältnissen wieder nach Rußland zu gehen. 5. Eine weitere Firma: Wir hatten erst vor kurzem wiederum einen Monteur in..., der sich über die riesige D«r- teuerung der Lebensmittel und sonstigen hohen Aus- gaben beklagt mit dem Bemerken, daß wir für weitere Montagen andere Lculc schicken sollten, damit diese das hungern auch mal lernten. Der betreffende Monteur war schon einmal im Moskauer Gebiet für uns tätig. Die Verpflegung ist in den letzten Wochen derartig schlecht gewesen, daß der Monteur zum Brot nur noch Gurten und Tomaten zu hohen Preisen erhalten konnte. Fleisch aber nicht zu sehen bekam. Bei fernerer Entsendung eines Monteurs nach Rußland werden wir, je nachdem sich die Bsr- hältnisse in Rußland entwickeln, mindestens Ihre Forderungen un�-r- stützen, wenn nicht noch darüber gehen." hochachtungsvoll Verein deutscher Maschinenbauanstalteiv Die kommunistische Presse wird auch diese deutschen Monteure wieder als„Schwindler" bezeichnen. Sie muß ja dem deutschen Arbeiter Rußland als das„Paradies" der Arbeiter darstellen! Die deutschen Metallindustrlellen werden natürlich auch den Arbeitern, die in ihrem Austrag nach Rußland gehen, keinen Pfennig Loh» zuviel zahlen. Sie haben eingesehen, daß sie überhaupt keine Monteure mehr für Rußland bekommen werden, wem, sie ihnen nicht wenigstens das Existenzminimum garantieren. Die kmn- munistische Presse wird nicht sagen können, daß die Metall- industriellen solche Alarmgerüchte über die Berhältnisse in Rußland verbreiten, um Sowjetrußland zu verleumden. Aus der letzten Zeil wissen die deutschen Arbeiter, daß die Metallindustriellen die letzten wären, die sich aus Grund bloßer Gerüchte zu Lohnerhöhungen bereit erklärten. In den Berichten der aus Rußland zurückgekehrten deutschen Arbeiter erschüttert die Schilderung des Massen» elends, unter dessen Druck das russische Proletariat seufzt und das auch den deutschen Arbeiter, der Lust dazu verspürt, in Rußland erwartet. Eine neue Kulturbriicke Das germanistische Znstiiut in Paris An der Pariser Nnioersiiät wurde Montag das Institut für das Studium der deutschen und in weiterem Sinne der germarnschen Kultur ofiziell seiner Bestimmung übergeben. Dieses Institut hat sich entwickelt aus dem schon seit längerer Zeit an der Sorbonne bestehenden Germanistischen Seminar des Professors Henri L i ch» tenbcrger, der auch die Leitung des neuen Instituts übernimmt. Die Erösfnungsscier gestaltete sich zu einer eindrucksvollen deutfch-französischen Kundgebung, bei der bekannte Persönlichkeiten des geistige» uitd wirtschaftlichen Frankreichs das Wort ergriffen. Poincarä, der den Vorsitz der Veranstaltung übernommen hatte, war durch seine Krankheit am Erscheinen verhindert und ließ deshalb seine Rede verlesen. In sämtlichen Ansprachen kam zum Ausdruck, daß das Institut den Kern der geistigen Elite Frankreichs heranbilden soll« und ein tieferes Verstehen der deutschen Psyche und der deutschen Kultur in weiter« Vollslreisc zu tragen berufen sein werde. Das Institut will sich nicht nur aus rein literarische Ausgaben beschränken, sondern durch einen lebendigen Meimingsaustausch mit deli führen» den Geistern Deutschlands und durch Fühlungnahme mit den leitenden deutschen Volksschichten das gegenseitige Verständnis zu fördern suchen. So sollen zahlreiche Vertreter der deutschen Wissen- schast, Kunst, Wirtschaft und Politik zu Wort« kommen, und um- gekehrt sollen Vertreter der französischen Geisteswelt durch Vermitt- lung dieses Instituts die französische Kultur Deutschland näher- bringen. Der Gedanke, daß eine Verständigung zwischen beiden Völkern nicht nur opportun, sondern nötig sei, weil beide als Träger der europäischen Kultur zu gelten hätten, kam in sämtlichen Reden zum Ausdruck. Poincares verlesene Ansprache wandte sich vor allem gegen den von deutscher Seite gemachten literarischen Versuch, Frankreich die Slbsicht zuzuschreiben, ein Monopol auf die Kultur zu erstreben, dos nicht nur der geistigen Vorherrschaft Frankreichs vorarbeiten solle, sondern auch gewisse Angrtsfstendenzen zeige. Poincarä behauptet. daß die intellektuellen Beziehungen und der geistige Aus- tausch zwischen beiden Völkern seit der ersten Berührung zwischen Galliern und Germanen niemals abgerissen feien, und daß gerade in der Nachkriegszeit die französische Kultur vieles wieder von der deutschen Kultur z. B. aus musikalischem, literarischem und philosophischem Gebiet übernehme. Poincare ist der Ansicht, daß das bessere Verstehen der geistigen Struktur anderer Völker und besonders des deutschen dem Franzosen die Augen nicht nur für die Vorzüge öffne, sondern auch«in« bessere Einsicht in die ihnen eigene Psych« verschaffen werde. So werde man zu einer„Entente rellechie* Deutschlands und Frankreichs und über beide später zu einer Ge- meinsonikeit ihrer Kultur gelangen. Eine musikalische Ehekomödie. „Einbrecher� im Gloriapalast. Keine Frage: diese Tonfilmopcrette hat eine Menge artistische Qualitäten und famose Einfälle. Das Ornament, das Drum und Dran ist so amüsant, daß man darüber den Unsinn und das Kunst- liche vergißt. Die Veranstalter selbst bringen in alles lauter Leichtig keit. sie parodieren sich sozusagen selber. Dieser Einbrecher, der keiner ist und ihn mir spielt, um einer Frau die ersehnte Sensation zu bereiten, dieser Hausfreund, der nie zum Ziele, wenn auch in die gewagtesten Sensationen kommt, dieser etwas angetrottelte Ehemann, großer Erfinder mechanischer Spielautomaten, der seiner jungen Frau den richtigen Gefährten sucht— wer nimmt eine dieser Spiel- figuren auch nur einen Augenblick ernst?! Freilich das gute Ende, das der bürgerlichen Moral alle Konzessionen macht, wirkt denn doch ernüchternd. Die Herren L i e b m a n n und V e r n e u i l sollten einmal den Mut zu einem ganzen Ofsenbachstil ausbringen. Friedrich Holländer hat ihn vielleicht schon, wenn er auch kein Osfenbach ist. In seinen Couplets und besonders auch in den durchkompo- nierten Rezitationen kichert musikalische Laune und spuken lllk- teufclchen Das Milieu— vorzüglich die Welt der Automaten-- gibt einen phantastischen Einschlag: Hanns Schwarz liebt freilich auch sonst das übersteigerte und unwirkliche Operettenklima. Seine Trümpse sind Lllian h a r v e y, die phantastisch Schlanke, manchmal nur noch ein Liniengerank, quecksilbern in ihrer Beweglichkeit(Stimme etwas aus dem Keller) und Willy F r i t f ch, immer frisch und nett. Die Filmgötter scheinen die beiden unlöslich aneinandergefesselt zu haben. Eine prachtvolle Figur gibt R A. Roberts: sein etwa- pedantischer Ehemann ist von bestem und humorigstem Roberts- Adel. Heinz Rühmann als verhinderter Verführer steckt mit seiner gutmütigen Laune an. r. Museum�-VerbMigung Der große Publikumserfolg der neu eröffneten Staatlichen Museen in Berlin hat es der GeneralverwaUung ermöglicht, ab Donnerstag die Eintrittsgelder in einzelnen Museen von 50 Pf. auf 20 Pf. herabzusetzen, vorläufig nur für den Donnerstag. Das gelchieht in der Erwartung, daß der verstärkte Besuch an diesem llage uüudestens dieselben Einnahmen bringt wie die bisher höhere einführen zu können. Im Bewußtsein der Verantwortung vor der breitesten Oesfentlichkeit hat die Kunstverwaltung wohlweislich dar- aus verzichtet, die gebührenfreien Wochentage fortfallen zu lassen, wie das seinerzeit geschah, als das Schloßmuseum nach seiner Eröffnung einen ähnlich starken Zulauf hatte wie jetzt die Neubauten, oder gar an Sonntagen Eintrittsgelder zu nehmen. Wenn die Museen auf die Einnahmen aus Eintrittsgeldern, von denen sie übrigens den größten Teil, mindestens 125 000 Mark jährlich, an den Staat abführen müssen, noch nicht ganz verzichten können, so geschieht das deswegen, weil sie nur mit diesen Mitteln die Kosten für Kataloge, Führer, Handbücher und ander« Veröffentlichungen, überhaupt für jede Pro- paganda bestreiten können. Ihr Generaldirektor Waetzoldt tritt aber selbst dafür ein, die völlige Beseitigung der Ein- trittsgelder als das best« Mittel der Museeumpropaganda zum Ziele der Arbeit zu machen. Iedensalls ist schon heute, zu einer Zeit. wo die Theater des Staates teurer werden und die Hochschulen ihre Gebühren erhöhen, die Verbilligung des Eintrittsgeldes ein wesent- licher Fortschritt für die Rolle der Museen als Volksbildungsstättcn. „Ein Mädel von der Reeperbahn." Titan?o-Palast. Don Iofä zwischen Carmen und Micoela. Diesmal fingt aller- Micaela, die ein friesisches Fischermädchen ist. Don Joft bewacht einen Leuchtturm, und Carmen kommt von der Reeperbahn. In der Filmindustrie bleibt das Thema von dem Mann, der zwischen zwei Frauen schwankt, unausrottbar. Immer wieder Variationen über Carmen. Die Handlung spielt auf einem Leuchtturm. Neuerdings haben Leuchttürme es dem Film angetan, und von ungefähr wird Margot an den Strand gespült. Sie kommt gerade zur rechten Zeit, um das Eheidyll zwischen Uwe Bull und haime gründlich zu stören, denn der wortkarge Uwe fällt mit mathematischer Sicherheit auf die Dreigroschenreize der jungen Dame aus Hamburg hinein. Und dann naht die Eifersucht mit wilden Schritten. Zwischenein fährt man nach St. Pauli, um sich abzuwechseln, während die treue Hanne Strümpfe stopft und den Leuchtturm behütet. Zum Schluß nach katastrophalen Vorgängen herrscht Ehefrieden. Dos ist alles schon dagewesen. Die Anlöge des Ganzen ist schlecht und unorganisch gegliedert. Es fehlt öfter die Motivierung der Handlung. Szenen sind ein- gefügt, nur damit der Zuschauer einen hauch mondänen Parfüms verspürt, Szenen, die außerdem noch dilettantisch gespielt werden. Aber doneben stehen andere, die der Regisseur Karl Anton künstlerisch ausgestaltet, die die traurige Stimmung dieses Leucht- tunns eingefangen haben und die auch mit einem guten Dialog dienen können. Sie geben gleichsam den Extrakt des Geschehens. Ueberhaupt erreicht der Dialog, den Benno V i g n y schrieb, stellen- weise beachtenswertes Niveau. Es sieht so aus, als ob das ur- sprüngliche Manuskript auf Reißerwirkung hin überarbeitet wurde. Adalbert von Schlettow ist Uwe Bull, ein schwerblütiger, dumpfer Mensch, bei dem sich allmählich aber desto nachhaltiger Vor- stellungen und Leidenschaften bilden, ein großer Darsteller. Olga Tschechow« wechselt vom Fach der Carmen zur Micaela �hinüber. hin und wieder stört noch dps' Zurückfallen in die Haltung der Frau von Welt, aber sie entwirft die Figur In großen und klaren Linien./ E. Sch. lieber Fischereibiologie und Meeresforschung sprach im In- stitut für Meereskunde Prof. E h r e n b a u in. Er schil- derte, wie die verhältnismäßig noch junge Wissenschaft der Fischerei- biologie auch der praktischen Fischerei schon wesentliche Dienste geleistet hat, z. B. durch Aufhellung der Lebensgeschichte des Fluß- aals. Die Feststellung der Fischbestände und der LebenZbedingungen der Fische in den verschiedenen Fischgebieten Hot bereits zu einer allerdings noch unsicheren Voraussage übor den Ausfall der zu er- wartenden Fänge geführt: er hängt auch von den Nahrungsverhätt- nissen ab, und hier steht die Forschung noch ganz in den Anfängen. Besonders wichtig ist die Erforschung der Lebensweise des Herings. der unser wichtigster Nutzfisch ist. Der Verbrauch an Heringen be- trug im vorigen Jahre in Deutschland sast 710 Millionen Psund gegenüber nur 436 Millionen Psund an allen anderen Seefischen. Am Schluß des durch Lichtbilder erläuterten Vortrages wurden interessante Filmaufnahmen von dem Leben im Meere gezeigt, die in der Biologischen Anstalt in Helgoland gemocht worden find. Bt Gebühr. Dann hofft man auch einen zweiten Wochentag mit 20 Pf. j«och und Sonnaben» gespielt. Der Rk ochener vlchkerprel» 1930 wurde an den IK9S Iii Bannen q». korenen. leit ISO!! in München lebende!, TitMer und Schri'islevee freini Brandend ura miieben Die fiübcicn Preist! äger wa'.en Hans Carossa, Willi Seidel und Joseph Maznus Behner. „VI« Reglmen'-Iockler- von Donizelll findet als elnmallae Studio- auisühiung des Thealers am Schiffbauerdamm am Sonnabend, il Uhr abends, statt. Sbiiot U'iiUure:..Ans dem.Veit" 1.6! im Töfrtcv r.n?:dm?ra?spalast am 1. Wethnachtöstlertag seine Umusillhruug. Die„Haller-Aevue" verab- schiedet sich Sonnlag, die Märchen-Revue.Kran Holle" wird«ur«och Kitt- Reichsbahn will Feierschichten Rachdem sie den Achtstundentag abgelehnt hat Äuf B�ranlassung her.f)aiiptncrt»aftuna i�r Deutschen R�lchs- nak,n>zcsclllchoft wurde am Dienstag zwischen der Hauptverwaltung und den vertragschlichcndcn Organisationen über d!e Cinlegung von Feierschichten für die Ausbesscrungsbetriebc und Lahnunterholtimg im Rcichsbahnbctrieb verhandelt. Zlach Ansicht der Vertreter der Hauptverwaltung sind allein in diesen beiden Dienstzweigen schon 26 000 Arbeiter zuviel. Ilm Entlassungen zu verhindern, müßte durch Einlcgung von Feierschichten ein Ausgleich herbeigeführt werden. Für die Werkstätten und Bohnunterhaltung soll wöchenllich je eine Feierschicht eingelegt werden. Nach all den Schwierigkeiten, die die Hauptverwaltung in den Verhandlungen über die Verkürzung der Arbeitszeit gemocht hat, ist dieses Ansinnen geradezu empörend. Erst nach langen Bemühungen war es in der Schlichningsrammcr möglich, jür einen Teil der Vc- legschait die achtstündige Arbeitszeit grundsätzlich festzulegen, wöh- rend der andere Teil noch immer in der Woche bis zu sechs Stunden Itcbrrzeilarbeit herangezogen wird. Es ist ein ganz uiwerständliches Verlangen der Reichsbahn- Verwaltung, einen Teil der Arbeiter 40 Stunden arbeiten zu lassen, während ein anderer Teil zu S4-, 57- und sogar bOslündiger Arbeitszeit herangezogen wird. Daher ist es auch verständlich, daß die Vertreter der Eisenbahner- organisationen es ablehnten, auf die Vorschläge der Verwaltung einzugehen, und zwar so lange, wie die Arbeitszeit für die restierenden Gruppen im Betriebs- und Verkehrsdienst nicht auch entsprechend herabgesetzt wird. Wie wir erfahren, hat sich die Hauptverwaltung an das Reichsarbeits Ministerium gewandt und um dessen Ver- mittlung gebeten. Millionenfieber. Rechtsanwalt in den Händen einer(Schwindlerin. Die Tragödie eines vielbeschäftigten Rechtsanwalts findet dem- nächst vor dem Großen Schöffengericht Tempelhos ihren Abschluß. Der 45jährige Rechtsanwall Dr. Ernst Oberwinter, der in Rerlin-Tempelhos eine große Zivil- und Gnnidstückspraxis besaß. ist das Opser seiner Leichtgläubigkeit und der Dersührungskunst einer abgefeimten Schwindlerin geworden. Der Anwalt hatte sich durch die phantastischen Erzählungen von der bevorstehenden Auszahlung einer Millionenerbschaft verleiten lasten. Mandantengelder in höhe von mehr als Z0W)0 Mark zu unterschlagen. Romanhast klingt schon das erste Zusainmentressen mit der Schwindlerin. Aus einem Gerichtskorridor des Landgerichts fiel die 26jährige Frau N e l l y G ö t t e in Ohnmacht. Dr. Ober- winter, der gerade aus einem Terminzimmcr kam, nahm sich ihrer an und brachte sie zu einem Arzt. Seit dieser Zeit hat die Götte den Anwalt nicht mehr aus ihren Fingern gelassen. Sie legte ihm Notariotsoerhandlungen über eine Millioneneruschaft vor, die sie angeblich von einem Mann zu erwarten habe, mit dem sie früher Beziehungen unterhielt. Die Notariatsakten waren von sehr be- kannten Berliner Notaren ausgenommen. Ein Notar hatte sich sogar ein Erfolgshonorar von 26 660 Mark schriftlich versprechen lassen, wenn die Erbschaft ausgezahlt werde. Frau Götte verstand es, von dem Angeklagten nach und nach mehr als 36 666 Mark heraus- zubekommen, mit der Begründung, daß diese Beträge für Kosten der Notariatsvcrhandlungen und Reisen zur Auffindung der an einem sicheren Ort versteckten Erbschaft notwendig seien. Da der Rechts- onwalt nicht über eigen« Mittel verfügte, ließ er sich von Mandanten Gelder unter dem Vorwand geben, diese bei Gericht zur Abwendung einer bevorstehenden Zmangsvvllstrelkung zu hinterlegen. Tatsächlich hat er aber das Geld der Frau Götte gegeben und selbst in großer Not gelebt. Da Dr. Oberwinter im Felde einen schweren Kopsschuß erlitten hat und mehrere Zeugen bekundet haben, daß er seit der Bekanntschaft mit Frau Götte ein völlig verändertes und verstörtes Wesen gezeigt Hobe, ist die Untersuchung des Angeklagten auf feinen Geisteszustand beantragt worden. Die Anklag«, die von Staaksonmalt Dr, Dombrowski vertreten wird, wirft dem Rechtsanwalt, der im Gefängnis völlig zusammen- gebrochen ist. Betrug und Untreue in 36 Fällen vor. Rachverhandwngen im Bankgewerbe. Die Bankleiivngen wollen VerbindlichkeitSertlarung. Wie der Allgemeine Verband der Deutschen Bankangestellten mitteilt, werden im Reichsarbeitsmimsterium am Freitag, dem 19. Dezember, Nachverhandlungen über den am 16. Dezember ge- fällten Schiedsspruch für das Bankgewerbe geführt, über den An- trag des Reichsoerbandes der Bankleitungen auf Verbindlichkeits- erklärung des Schiedsspruchs. Die Ablehnung der Arbeitnehmer- parte! steht fest. Darüber hinaus macht der Allgemein« Verband der Deutschen Bankangestellten geltend, daß dep Schiedsspruch gegen zwingend« Gesetzesvorschristen verstößt. Oer Speicherbrand in Bremen. Das Jeuer gelöscht, der Speicher verloren. Bremen, 17. Dezember. Zu hem Großfeuer im Bremer kzascngebict wird»och gemeldel: Der weithin sichtbare Feuerschein halte schon in kurzer Zeil Tausende von Menschen in die Hosengegend gelockt. Bei dem vom Feuer be- troffeoen Gebäude handelt es sich um einen Mehlspeicher von 100 Meter Länge und 70 Meker Tiefe, der bis zum sechsten Stockwerk mit Reismehl- und hülsenmchlvorräleu voll ge- lagert war. Die Feuerwehr, die, unterstützt vou der Wasserjeite her von einem Spritzendamps«, ungefähr aus 30— 35 Rohren Walser gab. hatte keine» leichten Stand gegenüber dem eotsestcltcn Element. Rachdem in kurzer Zeit von den Wehren das Dach aufgebrochen worden war und die Flammen so tust bekommen hatten, konnte I energisch an die Lokalisienmg des Brande, gegangen werden. te| ' vor Mitkernocht war der Brand aus seinen Herd beschränkt. Das Gebäude dürste, da es vom Erdboden bis unter dos Dach völlig ausgebrannt ist. verloren sein. Die Lrandnriache und W« Höhe des entstandenen Schadens sind noch nicht festgestellt. Sehe viel Mühe machte den Wehren auch der Schutz der nur wenige Meter von der Brandstelle cnlsernten anderen Fabrikgebäude. Starke Wochen hallen hier Ausstellung genommen und gaben aus mehreren Schlonchleitungen Wasser._ Lim die Gußstahlwerke in Döhlen. Einige Abteilungen sollen wieder produzieren. Dresden, 17. Dezember.(Eigenbericht.) Die Verhandlungen zwischen der sächsischen Regierung und d-n Bereinigten Stahlwerken über das Schicksal der Guß- stahlwerke in Döhlen stehen vor dem Abschluß. Heber das Ergebnis der Verhandlungen wurde am Dienstag den: Landtag vertranliihe Mitteilung gemacht. Es kann aber jetzt schon damit gerechnet wer» den, daß von Anfang des nächsten Jahres ab einige Abtei- l u n g e n des Werkes wieder in Betrieb gefetzt werden. Die leichte Besserung im Befinden Poincares hält an. Ein Kvmmimiqu« der Aerzte erklärt, daß der Zustand des Kranken be» friedigend und das Fieber stark zurückgegangen sei. Mittwoch. 17. Dezember, Berlin. 16.05 F. Nielsen-Reyes: Simon Bolivar. 16.30 Plaudereien mit Meistern des Sports(Dr. Paul Laven). 17.00 Unterhaltungsmusik. 18.55 Arbeitsmarkt. 19.00 Bücherstande: Deutsche« Land und deutsches Volk. Am Mikrophon: Dr. Joh. MaaBcn. 19.10 Dr. Neuendori: Einrelhandef und P�tisabbati, 19.35 Vom Rundfunk. 20.00 Chorgcsänse, 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 1. Tsdiaikowski: Konzert Nr. 1. B-Moll. op. 23. für Pianoforte mit Orchester(Nicolai Orloü". Flügel). 2. Dvorak: Aus der neuen Welt (Sinfonie Nr. 5. E-Moll. op. 93).(Funkorchester.) 22.30 Wetter-, Taees- und Sportnachrichten, Anschließend his 0.30 Tanzmusik. Königsvusterbatiscii. 16.00 Mio.-Rat Lande: Die ffegenxvärtigc Laxe der Schulpolitik. 16.30 Hamburg: Konzert. 17.30 Willi Apel: Kurze Klavierstöcke in drei Jahrhunderten. 18.00 Dr. Baschwitz: Auch Zeitunglescn will gelernt sein. 18.30 Staatssekretär Dr. Sautter: Rcichspost und Eisenbahn. 19.00 Günther: Deutsch für Deutsche. 20.00 Danzig: Märsche. 20.40 Festsaal Kroll: lOOjähiige Wiederkehr des Todestages Simon Bohvars� Veranstaltet von dem Gesandten von Venezuela nnd den Gesandten voq Bolivien. Peru, Ecuador, Columbien und Panama. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. BeranwZork?. fön die �ebüftionr"$*e*a ftßifc«, V-elin: Anzeige»: Th. Sl-lke, Verlm. Berloq: BorwSrts Cettefl Cb. m, b. 6.. Berlin. Druck: Aerwarts Buch« bruckmi unh Betloßaariftolt Beul Singer& Co.. Beelin CD 68, Liubenstrstze 8. Hierzu 1 Beilage. Mittwoch, 17.12. stiats-oper Unter d. Linden 108. A.-V. 20 Uhr Fremde Erde Ende g. 23 Uhr Staatsoper IsMtiu RrfiMik V.-B. 20 UlU Sevilla Otllnil. fartmirtiot Ende_£.22">Uhr Mittwoch, 17. 12. Stadt. Oper BIsmarckstr. Turnus I 20 Uhr Simone Boccaneora Ende 22»« Uhr Staat!. Stbaossli. (u Eniiramnxii). 93, A.-V. 20 Uhr Ende 22 Uhr Mi.ltliilHeater.Qiarlllig. 20 Uhr Die Journalisten Ende gegen 23 Uhr PLAZA I Tägl. 5 0. BIS Sonol. 2, S B. 6 Alex. E«. 8046 I. Vorstcllune SO Pf. hl« I 4L II. und III. Vorst. 1 bis 2 M. Carter, Norello. UUpnfaaer- Rene Tcrlängerf HAifflAND tupn# KgsfeiJiimi Berlins BETRIEB /Ot kempihskiVLj Reichshallen-Theater [TJuitd Smfts. mSm. sVTI Stefliner Sänger „Pepita vor eeridtir l 1 pi« WilhMiiihjmgraim! Nachm. halbe Preise! tNPOÖnhoft- Brettl: Das grobe Varlef tprogramm I Tarn I voiusbuiuie Ttaitr» nUtvpkh. 8 Uhr DefraudaDten mit Max PaUenBerg Rsg.: brlltinlirrn Staatl.Sdiiller-Tb. 8 Uhr Die JoDrnatisteB. ThMtsram scniimauarflamm SV« Uhr Die Quadratur des Kreises Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Der Barbier von Sevilla Die Komödie 8V* Uhr Bat« an 100. lik; Der Schwierige «u lh|g m üifmnstiBi. Iigii; Mn hlDlnnil. Kammerspiele 8V, Uhi Oer Olener zweier Herren von Carlo Coldoni Eigit: Hai Isialantt Berliner JVIk-TriO N• U k• i I■. WLalm,tr. 74I76.X Sarnowsky-üOhnen Themer In der stiKeniBQRiir. SV« Uhr Sturm im Wasserdias Komödienhaue ßV* Ulir Konto X Ltniw-Tteattr Täglich 8V> Uhr OirgrtOilBboitltrfolg Max Adalbert In Der mann.der schwelgt Merltfeiteos Täglich»V« »wie n btidiB itilt- udihfeitrtjgw SeaMtiSoncller Opercttcnerf ol g 1 Viktoria undlhrHMsar Dentsehes Künstler-Theal. Biriw.3U7. Ov.ülir 8V* Uhn Zum ooideora Anker mii Käme oona Hitt. So, Stj. 4 Bin Emil o. die Detektive von M.O-SOan Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 8V« Uhr von Max Alsberg und O. E. Hesse EUle-sanger Kottbusser Str. 6 F. 8. Oberb. 6070 Tägl.»V« UV auch Sonntag und 3. Feiertag S'o Uhr 9 Weihoaitits- |U glixkei Doer Berlin Ttf Grolles & n weiimaais fmsplil IWU 11-2. Ibnft. äi S CASINfl-TBEATEH 8;'lTh' Lothringer Strahn 37. Nor noch bis 31. Dezember Derheufchc Lebemann und das grohe Festprogramm An I. Janaar zam ersten Male: Biederleute Outschein l—« Pers. Fauteuil 1.2S M., Sessel 1,75 M.— Sonstige Preise: Parkett 75 Pt, Rang 60 PI. Lustsmeoisas Kurt GHz Täglich 8'ft Uhn sowie an beiden Wcihnachtsfeicr- tagen Tom Lieben nnd Ladien Theater am Sdrinhauerdamm Norden 5813 u, 0281 Täglich 8V* Uhr Die Quadratur des Kreises Komödie v. Katajew mit: XMv. Unji. Rib- mm. Loire. Liogtn. Preise von I— 12 M, Stoffe, Fabrikabfälle für Leib- und Bettwäsche VerkauFszeit 8—17 Uhr, Sennabands 8—14 Uhr KJaiOcr- ums SaMcnstaFFe aller Art Mechanische Feinweberei Ädlershof iOeottdies Theater 8 Uhr Elisabeth von England von FtnL Brnduier Segii; Heinz Hilptrt Komische oper 8% Uhr: Bis 20. Dezember Flamme Schauspiel von Hans Müller Singspiel in vielen Bildern. [ Ccun. Saiis, Hansen. Ueeke. Wsllhmc, Arn«. Jankahn. Paul HOrbtger, K�na, SehaeSers, W Inkdatern. Helle, OM.nl.' Stark- Gstet tenbaner. Original Tlreler Waleebentknacr, Original Tiroler JfxHerlnnen.Qalotett,{ Mneik-Trfe aas Sebllereee. | Jaaa-Band| Girls n. Boys| Grosse Chöre. Der Zelt entsprechend sind, trete des I riesigen Andranges. AEO/.»r. ■ die Kassenpreise nns dhW /O mkssigt. QejQiß&uJi(€ßjx\jM üorbniöbel! Sonderangebot! An Private zu Engrospreisen. Eigene Fabrikate in gediegenen Ausführungen kauten sie in groBcr Auswahl und billig bei wiineiin Schulze IMIMilaU<2 Hol pari Nähe Hackescher Markt ZsblnngterletcbteraBg Telephon: Alexander 4112 rnetroDüt-Ttffister Täglich S>l« Uhr schön ist die weit Operette von Lehär IBdktrdTnku. Silb Ups. SdilltznHiirf. Weibnachten 4 Vor- stellungen Weihnachtsnteh- mittage halbe Pr. Piscator-BDlme (Wallner- Theater) Alex. 4502-93. SV« Täglich 8 V« Mond tod links Preise 0�0-6.00 M. Kleines Theat. Täglich 8V« Uhr: Oer tnustergattc Schwank in 3 Akten Cbristel Storni Will Kaaimann Rose- flieatcT Br.FrsnMuitorSlf.i.Tl Tel. 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Dezember 1930 LprÄbmö SluUaalea&e fbtßixsA Wilhelm abermals in Bülows Spiegel Au Fürst Bülows„Denkwürdigkeiten", Band 2 Die Pt'rträtstudie, die der„Abend"' ovi 27. Oktober aus Grund des ersten Bandes der Bülowschen„Denkwürdigkeiten" entwars. hat ftch auch der Generalleutnant a. D. v. C r a m o n zu Gcmüte ge- zogen; es ist wohl der gleiche, der als Vertreter der deutschen Obersten Heeresleitung vier Jahre Äeltkrieg an der wohlbesetzten Tafel des k. und k. Hauptquartiers durchlitten hat. Leider hat Herr v. C r o m o n jene Abhandlung nicht mit Nutzen gelesen, denn er bezeichnet sie in der„Oberschlesischen Tageszeitung" als„weder- trächtigen tversuch, unserem deutschen Volke da-t Bild des hohen Herrn z« trüben, der Deutschland 30 Jahre regiert hat und unter dessen Regierung so traurige Zustände, wie wir sie heute erleben, nicht möglich gewesen wären". Er empört sich auch darüber,„dah ein Mann wie B ü l o w, der dem Kaiser alles verdankte, was er war, so weit gehen konnte, dcrarrige Memoiren überhaupt zu veröfsentlichen". Mit Recht bezeichnet sich Herr v. C r a m o n als„treuen An- Hänger unseres Kaisers", denn da Fürst B ü l o w in dem soeben erschienenen zweiten Bande seiner„Denkwürdigkeiten" (Verlag Ullstein, Berlin) von Wilhelm II. feststellt, daß ihm wenige Dinge so wider den Strich gingen, wie„Publikationen über ihn selbst, die in einer anderen Tonart als in einer sehr devoten, wenn nicht byzantinischen und verhimmelnden gehalten waren", gilt für den General das: Wie der Herr, so's Gescherr! Und überall ist es das gleiche: sie wollen, diese Abgedankten von vorgestern, dem Volk die Wahrheit vorenthalten, ob es sich nun um den Hohenzolkrrn oder um den Weltkrieg handelt; sie toben gegen alles, was die Wahr- beit enthüllt, sei es nun Bülows Selbstbiographie oder der Rcmorque-Film; mit Fug erscheint ihnen keine Gefahr größer als die, daß die Mass« die Dinge und Menschen sehen könnte, wie sie waren und sind. Aber wenn der Herr a. D. schon Bülow als un- treuen Knecht verdammt, wns sagt er dann zu Bismarck, dein Heros, vor dem olle Schwarzweißroten zusammenknieken und der im dritten Bande seiner„Gedanken und Erinnerungen" Wilhelm die Maske fast noch grausamer herabreißt als es sein glatter, lächelnder Nachfolger tun konnte? Als selbstgefälliger, überheblicher, von sich durchdrungener, aber ahnungsloser, oberflächlicher, spiele- rischer Dilettant, als Feigling, ja, als pathologischer Lügner, dem jede Felonie zuzutrauen sei, so steht„der hohe Herr" in der Dar- stcllung B i s m a r ek s da. Diese von der Hand des Rcichsgründers mit ehernem Griffel gezogenen Umrisse eines Fürstenbildes füllt Bülow im zweiten Bande seiner Denkwürdigkeiten nur mit Farbe aus. Wie sich der Memoircnschreiber abermals an mehr als einer Stelle als schäbigen Charakter ossenbart, jo oersehlt er wiederum nicht, gelegenrlich vor S. M. Männchen zu machen: o dieser„hochbegobie, edel veranlagte Mensch, der so liebenswert, so einfach und natürlich, so großherzig. und großzügig sein tonnte", aber dann— au Backe!— gibt er es' ihm. In steigendem Maße enthüllt sich dem Konzler in den! Jahren 1903 bis 1909 das sprunghafte und widerspruchsvolle Wesen � des.Kaisers und die ganze„Mischung von naiver Selbstsucht und sentimentaler Romantik", die ihn auszeichnete. Er sieht ihn umgeben van Günstlingen und Ohrenbläsern, die einer den anderen wegbeihen möchten; in Aeußerlichteiten aufgehende Nullen wie. Fürst Hans Heinrich Pleß find die intimsten Freunde des Monarchen; feine Eitelkeit sprengt olle Grenzen. Als sich Wilhelm an seinem 20. Geburtstag„mit hohem und markiertem Selbstgefühl" im Kreise der zum Glückwunsch angetretenen Bundcsfürsten bewegt, flüstert i). Knesebeck dein Kanzler zu:„Sieht er nicht aus wie ei« Pfau, der fein Ätad schlägt?" „Gekränkte Eitelkeit" und„verletzter Hochmut" sind auch die Gründe, weshalb Wilhelm„seinen Bernhard" im Sommer lOOS in die Wüste schickt. Als im Herbst 1908 wegen des„Doily-Tclegraph"- Interviews der Sturm losbricht, ist der Kaiser anfangs ganz kusch; er zieht den Kopf ein, spielt mit dem Gedanken, die Krone Nieder- zulegen, läßt sogar seine Absicht, abzudanken, durch den � Kammerdiener Schulz Bülow in den Reichstag telephoniereu und scheint vor Erkenntlichkeit, daß ihn sein erster Beamter herauspaukt� über- zufließen. Aber beim Abschicdsdiner des Davongejagten sogt er der Fürstin unverhohlen, ihr Mann„hätte im Reichstag aufstehen und erklären müssen: Ich verbitte mir«ine solche unverschämte Sprache gegen den kaiserlichen Herrn. Wie untersteht ihr euch, so zu sprechen? Marsch hinaus!" Daß er sich vom Kanzler vor dem Reichstag preisgegeben fühlt, wurmt den Kaiser ganz besonders,, denn das Parlament miß- achtet er so, daß er nach den Wahlen von 1903 au Bülow«in offenes Telegramm sendet, ihm sei es völlig gleich, ob in dem Reichstagskäsig rote, schwarze oder gelbe Assen herumsprängen, und dem in Ungnade Gesollenen verargt er namentlich, daß unter ihm die— in Wahrheit allzu bescheidenen!— Parlamentarier zu frech geworden seien. Hat er„d i e H u n d e b a n d e vom Zentrum" auf dem Strich, so flackert in einem Silvesterbrief an Bülow seine Wut auf die Sozialdemokratie geradezu krankhaft aus: ..l5rst die Sozislisten abschießen, köpfen und unschädlich machen, wenn nötig per Blutbad, und dann Krieg nach außen!" Aber och, er mimt nur den starken Mann, er stemmt lediglich Pappgewichte, es fehll ihm nach dem Zeugnis der„Senk- Würdigkeiten" ,�um wirklichen Autokraten die Festigkeit, die Härte, die geistige Energie, die Stetigkeit". Sellen folgt, wie Bülow in einem etwas verunglückten Bild sagt, bei ihm„aus den Donner der Worte der Blitz der Tat". Weil sie zum Katholizismus übertritt, schreibt er der Landgräfin Anna von Hessen:„Das Haus Hohenzollern stößt Eure Königliche Hoheit aus und hat Ihre Kxistenz vergessen", aber bald vergißt er statt dessen diesen Bann- fluch und ist mit Tante Anna wieder gut. Ein ncurasthenischer Stiwnurngsmcnsch bleibt er, dem die Nerven so durchgehen, daß er einmal auf die Rücktrittsabsicht Bülows mit einer Selbst- morddrohung antwortet:„Der Morgen nach dem Eintreffen Ihres Abschiedsgesuches würde den Kaiser nicht mehr am Leben treffen! Denken Sie an Meine arme Frau und Kinder!"„Leider", bemerkt sein vierter Kanzler,„wechselten bei Wilhelm II. die Stimmungen rascher als das Wetter im April oder die Farbe des Chamäleons." Auf bew Wrmrf* eines so labilen Seelenzustanbes gedeiht in tropischer Pracht der Hang zur II n w a h r h a f t i g k o i t. Um sich von einer ihm unbequemen Reise nach England zu drücken, erzählt der Kaiser dem Kanzler am Telephon, er sei, ohnmächtig werdend, vom Sofa gefallen:„Mein Kopf schlug so hart auf den Boden aus, daß meine Frau, von dem Lärm erschreckt, herein- stürzte." Bald nachher erscheint im Auftrag der Kaiserin der Ober- Hefmarschall, um auszurichten, daß Ohnmacht und Ausschlagen des Kopfes auf dem Boden nur in der Phantasie Seiner Majestät existiert Höllen. Grobes Geflunker auch sonst Der Arzt Bülows, Professor Renvers, Halle die Kaiserin Friedrich in ihrer letzten Krankheit behandelt. Mit dem Kaiser stand er viele Stunden long am Bett der Sterbenden und hatte mit ihm am Tag nachher eine sehr ausgiebige Unterhaltung über die Nallir des tödlichen Leidens. Aber als einige Jahre später ein Berliner Blatt davon spricht, schreibt Wilhelm zornentbrannt an den Rand der Zeitung:„Unsinn! Meine Mutter Hot Renoers gar nicht gekannt!" Der Arzt, dem Bülow diese Randbemerkung zeigt, sagt betroffen:„Wenn der Kaiser ein gewöhnlicher Patient wäre, würde ich auf Psendologia phantantica diagnostizieren," zu Deutsch: auf krankhaften Trieb zu phantastischen Lügen! Da der Kaiser keinen Begriff davon hat, dah sein Beruf„wie kein anderer Arbeitsamkeit, Konzentration und Ernst verlangt", richtet die Sprunghastigkeit seines Wesens in der inneren und mehr noch in der auswärtigen Politik Unsuq über Unfug an. Mit einer peinlichen„Mischung von Zudringlichkeit und Empfindlichkeit" stößt er bei jeder Gelegenheit die fremden Souveräne vor den Kopf und ist von einer stupenden Taktlosigkeit. Da in Brindisi der italienische König an Bord der„Hohenzollern" kommt, ruft der Kaiser seiner Umgebung zu:„Run paßt einmal aus, wie der kleine Zwerg das Fallreep ljerauiklettert", eine Bemerkung, die ein deutsch verstehender, dem Ehrendienst zugeteilter italienischer Ossizier mll aichärt. Dem König Leopold von Belgien schwatzt er vor, daß er, falls er sich nur Deutschland aus Gedeih und Verderb anschließe, das Reich der mittelalterlichen Burgunderherzöge erneuern und sein Zepter über Französisch-Flanderir, Artois und die Ardennen ausstrecken könne, und jährt ihn, als der maßlos Verblüffte mit einem Hinweis auf die belgischen Minister und die belgische Kammer auszuweichen sucht, ärgerlich an, er könne einen Monarchen nicht achten, der sich Deputierten und Ministern verantworllich sichle, anstatt allein unserem Herrgott im Himmel. Und während er bei anderer Ge- legenheit würdelos hinter Engländern, Russen und Franzosen her- laust, deliriert er im Dezember 1904 davon, daß er, falls die britische Flotte aus dem Mittelmeer nach den heimischen Gewässern ge- zogen werde,„dcnunerhörtcnbritischenAnmaßungen mit bewaffneter Hand halt gebieten" und zuglcin) mll der Kriegserklärung an London in Paris, Brüssel, Haag und Kopenhagen anfragen werde,„ob sie in dein Konflikt unsere Freunde und Bundesgenossen sein oder sich zu unseren Gegnern rechnen wollten". Und er bramabarstert rollenden Auges mit Entfesselung des Weltkrieges:„Gegen jedes der Nachbarländer, da? sich nicht umgehend und unzweideutig für uns entscheidet, würde unverzüglich mit militärischer Gewalt vorgegangen werden." Wilhelm II., von Gottes Gnaden Kaiser von Deutschland, König von Preußen, Kurfürst von Brandenburg, Burggraf von Nürnberg und noch ein Dutzend Zeilen so weiter— in diesem Spiegel seines vertrmiteften Ratgebers erscheint er bald als harmloser, bald als gemeingefährlicher Narr, doch immer als Narr! Nur glaubt Bülow umsonst, die Verantwortung von sich abwälzen zu können, indem er sich als den weisep und mutigen Bändiger und Zügler des kaiserlichen Tollkopfs hinstellt: Seht, was habe ich alles verhindert! Vielmehr zeigen seine keineswegs tief- gründigen Bemerkungen über entscheidende Ereignisse seiner Amts- zett wie die Marokko-Affäre und die Annexionskrise, daß Kaiser und Kanzler einträchtiglich dazu beigetragen haben, die Situation zu schassen, aus der Deutschland blindlings in den Well- krieg stolperte. Auf jeder Seite beweisen diese„Denkwürdigkeiten", daß im Sommer 1914 olles kam, wie es kommen mußte, und auch der November 1918 war ein logischer Abschluß:„Einer Belastungs- probe, wie sie der Weltkrieg mit sich brachte", heißt es von Wilhelm, „war er persönlich nicht gewachsen. Da er, unsähig, selbst das Schiff im Sturm zu führen, auch nicht für brauchbare Männer am Steuer- rüder sorgte, so scheiterte unser gutes Schiff", und die„traurigen Zustände", die Herr v. C r a m o n erlebt, sind nur die Folge. Den Herrn General a. D. frellich will es bcdünken, als sei der Kaiser, bei Nacht und Nebel über die holländische Grenze entwischend, schuldlos und freiwillig„seinem Volk zuliebe" in die Verbannung gegangen, und er meint auch, daß in Deutschland die Zahl derer, die Wilhelms Rückkehr ersehnen, ständig wachse. Aber nicht einmal die doch gewiß robust reaktionäre„Oberschlesische Tages- zeitung" vermag sich anscheinend dieser Auffasiung anzuschließen, denn sie verweist das byzantinische Elaborat C r a m o n s schamhost in die Rubrik„Stimmen aus dem Leserkreise", die sonst Beschwerden über eine fehlende Trombahnhallestelle und über Verunreinigung des Bürgcrfteigcs mit Hundekot enthält. Der„hohe Herr" nach Doorn und sein hochgemuter Paladin in den plebejischen Sprechsaal verbannt— es ist schon eine Träncnwelt! Hermann'Wende',. Remarque und die Folgen Sin Nachwort zum Äensurstanöal Ein Satiriker hat einmal gesagt:„Es ist unmöglich, die Fackel der Wahrheit durchs Gedränge zu tragen, ohne dabei jemanden den Bart zu versengen."... So löste Remarque Geschrei und Jammer aus, als er vor zwei Jahren fein Werk„Im Westen nichts Neues" veröffeittlichte. Hugenberg und Hitler wurden schwer verlctzt. Das ohnmächtige Rachegefühl verband damals Ge- schäftspolitiker und Abenteurer gegen den unbequemen Mann, der es wagte, das Fronterlebiiis so zu zeigen, wie es viele erlebt hotten. Ueber den erfolgreichen Autor wurden alle nur verfügbaren Schmutz- kübel ausgegossen; aber ohne Erfolg, denn niemand traf Remarque ins Herz, indem er ihm etwas Ebenbürtiges zur Seite stell»«�onnte. Selbst Herr Seldt«. der sonst erfolgreiche Selterswaiserfabrikant und Pavadesachinann blieb mit seinen Heldenliedern inv Buchhandel ohne den erstrebten Erfolg. Die letzte Hilfe war der EitrsM weiser Leute, die erklärten, die schnelle Verbreitung d«� Buches in Deutsch- land sei ein eklatantes Zeichen pazifistischer Versuchung durch republikanische und marxistische Elemente. Aber diese Weisheit scheiterte daran, daß die„Siegerstaoten"— vor allem Frankreich— Remarques Buch elienso verschlungcn haben, wie das„undeutsch«" Deutschland. Wurdett doch über 4 Mil- lionen Exemplare in zwei Iahren verkauft und Remarque in 14 ocr- schiedenen Sprachen gelesen. Noch nie hat e/n deutsches Werk in so kurzer Zeit einen solchen Erfolg gehab/ Man bedenke dies und es ist selbstverständlich, daß die Leu/, die sich dauernd als Hüter deutscher Würde beweihräuchern /nd ollen, die nicht ihre Taktik gut heißen, ehrliches Wollen unii deutsches Empfinden ab- sprechen, Remarque gram bleiben muß/e». Der ideelle und inatc- rielle Erfolg seines großen Kriegsbiici«s ließ sich aus dem Unter- bewußtsei» der Eiappengenerälc und Manonenlieferanten nicht ver- drängen. Aber wie es in Deutschland iifnirer ist. das Gezänk um Re marque wurde nur innerhalb der gcidohnten Dachsensterperspektwe de- handelt und ausgeschlachtet. Was �Remarque aber außenpolitisch für Deutschland aeleistel hait�haben bisher nur sehr wenig« an- erkannt. Remarque gilt in der Welt mit Recht als Prototyp neuer deutscher Mentalität. Er hat geistige Brücken geschlagen, die daucrhasier sind als olle Zeppelirnahrten, Dornierversuche, Reitorleutnants und Boxervepräsentanten. Die Welt hat erkannt, daß es kein Zufall war. daß«in solches Buch aus einem Bolk hervorging, das bis vor kurzem noch einstimmig als alleinschuldig am Kriege verkannt wurde. Nur die engstirnigen Fanatiker in ihrer Böswilligkeit verkennen absichtlich das Verdienst, das Remarque um Deutschland und sein« Aussöhnung mit der Welt hat. Konnte man das Buch„Im Westen nichts Neues" aus Mangel an Geist und Macht weder überwinden, noch verbieten, so mußte jetzt der Film herhalten. Ich sah ihn im Ausland in der„berüchtigten" Orlginalsassung. Ferner kenne ich„Journey's end"(die andere Seit«) in amerita- nischer Version, Sherifss Film ist technisch besser geraten als ,Jm Westen nichts Neues", ober moralisch stehen beide Filme auf gleicher Höh«. Es gibt zu viele Urteile über die tiefe Wirkung, die der Remmque-Film, auf die angelsächsische und stanzöstsch« Kufturwelt ausgeübt hat, um meme persönlichen Erfahrungen hier anführen zu brauchen. Die Hilgenbergs, Goebbels und Aichängsel mögen sich gesagt sein lassen, daß Staatsmänner von überragender Bedeutung— sogar deutschfeindliche— sich dahin ausgesprochen habe», dah der Remarque-Film Deutschland viele Freund« geworben hat. Aber wogegen richten sich dann die Hauptschreier? Gegen Typ Himmelsstolz und Kaczinsky? Lämml« wollt« wie Remarque niemanden beschimpfen, sondern ein Zeitdokument geben. Denn auch in„Journey's end* kommen„unsym patische" Rollen vor. Welches andere Mittel gibt es, um das Leben naturgetreu darzustellen? In Deutschland würde es anders aussehen, wenn nur einwandfrei« Charaktere das Wort ergreifen würden. Hält man aber einer Hyäne einen Spiegel vor, so fängt sie an zu fauchen und zu knurren. Finden wir nicht die Spießer, die olles besser wisien und jenen armseligen Pauker, der sich unter dem Druck der Verhältnisse in den Dienst einer Sache stellt, die er nicht versteht, zu Dutzenden in den Reihen der einzig„deutschen" Schreier? Nicht der Film, sondern das Verbot schädigte Deutschlands Ansehen im Ausland! Neben Fricks Verbot der Jazz- musik in Thüringen, ist dos Filmverbot der dümmste Streich, der in den letzten Jahren in der deutschen Republik begangen wurde, Nein, um die deutsche Würde geht es ja gar nicht! Demi der gemeinste H« tz f i l m gegen Deutschland, den ich je gesehen � habe, wurde in allen, deutschen Filmtheatern anstandslos vorgeführt. Der große Gabbo(tl,e xreat Gabbo) ist dieser Film! Ich war persönlich anwesend, als Herr Erich v. S t r o h e i m mit glatt rasiertem Schädel und nuitigcn Schmissen auf der Backe von den Frauen in Londoner Kinos angezischt und ausgepfiffen wurde. Dieser Gentleman be- diente sich bei ollen Schimpfworten und Brutaliläien— worin sich seine Rolle neben Bauchrednerkunststücken und ctttem'Austreten erschöpft«— der deutschen Sprache— um die Wirkung der Gemei».h«iten zu erhöhen. Stroheim sprach sonst ganz ans- gezeichnet englisch. Ich habe Zeppelinongrifs« und„Eindringen der grauen Hunnen Horden nach Frankreich" in amerikanischen Filmen gesehen, diese wirkten aber kaum aus das Publikum, da die Tendenz zu durchsichtig war. Dagegen löste„tbe great Gabbo" be! den Frauen, die in der angelsächsischen Welt die Familie beherrschen, ein- stimmig Mißsollen aus, was den deutschen„bully" anbetraf. Merken wir uns ferner: Die Ufa des Herrn Hugenberg führte in Deutschland mit genau derselben Dreistizkeit die Filme gleichen Kalibers„Spbmarine",„Wing" und„ttie biz Parade* dem harmlosen Publikum vor. Für die dummen Deutschen wurden die deutschicindlichen Stellen herausgeschnitten, die Filme mit schmettern- der Musik synchronisiert und zu militaristischer Propaganda in Deutschland benutzt. Herr Hugenberg hat bis heute noch nicht widerlegt, daß die Programme des Remarquc-Iilms in Riesenanflage in seinem Echerl-Berlag ge- druckt worden sind, Armes Deutschland! Die Schreier wagten es. sich an Hindenburg zu wenden, um für die deutsche Würde einzutreten, während dieselben Leute gleichzeitig das deutsche Interesse mit Füßen treten. Wolkj;ang Dietrich. Kleine ftefzwclifzozgfen Das Zlnflilz der Niederlage ,,2>a5 ißci'f möchte ich sehen, das sich die Vorführung seiner Niederlage gefallen läßt!" hat Ministerialrat>2 e e g e r in der Bs» gründung des Remarque-Filniverbots gesagt. Das ist ein wichtiger, charakteristischer, ein entscheidender Satz, bei den« es sich verlohnt, einen Augenblick zu verweilen. Das Ereignis„Niederlage" läßt sich aus der Weltgeschichte nicht herausradicren. Man kann deuteln und drehen, kann falsches Zeugnis in der Schuldfraoe ablegen...:dle Niederlage als solche ist nicht wegzuwischen. Auch Herr Seegcr kann sie nicht wegwischen. Da sagt er: Wenn schon Niederlage, dann wenigstens vornehme Ignorierung solchen Mißgeschicks, Vergessenheit darüber gebreitet, nicht darüber geredet, vor allem nicht in der Gegenwart von Damen und von Jugendlichen... Es ist allezeit das Rezept der Finstermänner gewesen, das Angesicht der Niederlage zu verschleiern und man braucht dabei den Begriff der Niederlage nicht auf das Militärische zu beschränken. Als Zola, entgegen der schöntuerischen und sich an der Illusion berauschenden literarischen Konvention, in den Schmutz der Hinterhäuser und Spelunken leuchtete, als Gerhart Haupt- in a n n in seinen ersten Dramen soziales Elend gestaltete, wurden sie als Feind« des Menschengeschlechts verschrien: sie hatten nämlich auch eine Niederlage vorgeführt, die Niederlage der menschlichen Vernunft, die Niederlage einer arroganten Gesellschaftsordnung. Die Zöpfe und Mucker lamentierten und heulmeierten. Es ging das Gekreisch:„Sie sielen sich im Schmus?!" Die alte Bauernfängerei: Wenn ein Freund der Sauberkeit auf Verrat aufmerksain macht, so kann es ihm passieren, daß er verdächtigt wird, sich zu ihm hingezogen zu fühlen. Im Privat» leben sind es die Phantasten und Idioten, die sich über ihre Mängel und Unzulänglichkeiten, übe? ihre ökonomtsche und sittliche Position blauen Dunst vormachen. Im Kollektwleben wird uns amtlich empfohlen, das Unangenehme aus dem Spiel, dein Filmspiel zu lassen. Dies ist die Moral der Oberprüfstell«: Einem Volke, das vor lö Iahren die durch Leute unseres Geistes bewirkte Führung m die Niederlage duldete, ist nicht zuzumuten, sich auch noch deren Vorführung gefallen zu lassen. H. B. Der Merr General nimmt Unsleßl „Den Herrn General stört der lange Rock" ist in der BUdzeit- schrlst„Hemmt und Welt", die von zahlreichen Provinzzeitungen der Sonnlagsausgabe beigelegt wird, eine Photographie unter- schrieben, die folgendes darstellt: Vor einer strammstehenden Front amerikanischen Militärs steht ein inspizierender General. Der Herr Inspizient hat denn auch bereits etwas entdeckt. Er hat vor einem Soldaten halt gemacht, dem er mit dem langbestiefeltcn und gespornten Fuß gegen den Rock tritt— wir wollen hoffen, nur gegen den Rock, nicht gegen die dahinter befindlichen Schienbeine. Dieser Rock nämlich ist, wie inan bei gcimuestem Hinsehen und geleitet von der beigefügten Erläuterung herausfindet, um eine Zentimeterwinzigkeit länger als die Mäntel der Kameraden des Betroffenen. Und nun meint man vielleicht, daß diese Erläuterung so laute: „Mißhandlung eines amerikanischen Soldaten durch einen General." Oder doch so:„Eine Unverschämtheit." Meinetwegen auch:„Eine peinliche Aufnahme aus dem amerikanischen Heeresbetrieb." Äber nein, so lautet sie nickst. Nicht von einer peinlichen Aufnahme ist die Rede, sondern, in schöner Naivität, von einer„seltenen":„Eine seltene Aufnahme von einer eigenartigen Maßregelung eines ameri- konischen Soldaten." Eigenartig, hm. Es ist also eine eigenartige Maßregelung, von einen, General mit der Stiefelspitze gegen den Mantel getreten zu werden. Wenn der Offizier in Zivil gewesen wäre und er hätte einem anderen Zivilisten dasselbe geboten, man hätte ihm eine heruntergehauen..Können Sie sich nicht bücken, wenn Sie mir schon zeigen müssen, was Sie meinen?" So hätte man vielleicht gefragt. Aber ein General ist eben ein General und kann sich nicht bücken: kann nur treten. Auch im Lande der„Freiheit". Eine Belanglosigkeit? Das Bild— vielleicht. Nicht aber die Leser. Sie setzen sich zusammen aus bürgerlichen Schichten jeder Färbung und, denn wir such in der Provinz, aus dem Proletariat. Sie werden so langsam an derartige Bilder, so langsam an die Erscheinungsformen des gesegneten Militarismus gewöhnt— und merken nichts. Das bißchen Gefühl für persönliche Würde, das die Revolution in ihnen weckte, wird nach und nach eingeschläfert. Nicht unterdrückt, sondern viel einfacher und sicherer: einge- schläfert. Auf daß sie dereinst vor unseren Herren Generälen wieder in Reih und Glied stehen und wegen zu langen Mantels oder nickstsitzenden Koppelschlosses„eigenartig gemaßregelt" werden können. Man wird unablässig und mit aller Kraft der Ueberzeugung dafür zu sorgen haben, daß die Schienbeine vor den Stiefeln der Generäle und die Hirne vor den Bildtexten der bürgerlichen Schmocks bewahrt bleiben... Voriclc. Die Dallsaiscn Während die preußische und die Reichsregierung, der schweren Zeit gehorchend, die Wintersaison 1330/31 für sich abgeblasen haben, erstrahlen die Ballnächte zwischen dem Grunewald und Tiergarten. Am Tage da stöhnt und seufzt es hinter allen Schreibtischen in den Chefs- und Direktionszimmern. Lippen, die sonst gewohnt sind. Millioncnzahlen zu nennen. murmeln in Äonfcrenzräunien von schweren Zeiten und vom Lohnabbau. Abends aber, wenn müde Menschen von Arbeit erschöpft sich in den Betten, geplagt von schweren Träumen,„Lohnabbau... Arbeitslosigkeit", wälzen, verschwinden die Sorgensalten auf den Gesichtern der Herren Chess, wie ihre weißen Frackhemden, so strahlt an ihnen alles. „Abends muß ich meine Nerven für die Arbeit des nächsten Tages aufpulvern", versucht hier und da einer der Befrackten sich zu entschuldigen. Herr Generaldirektor, Millionen arbeiten ohne sich ,ziuszu> pulvern"! Wie die Motten ins Licht sausen dann die Luxusautomoblle aar die erleuchteten Portale, und den Aussteigenden gellen noch einmal Erinnerungsrufe daran, daß man im Jahre 1330 lebt, ins 'Ichr:..Streichhölzer.. Streichhölzerl" Doch die Jazzmusik ist ' uiter. Seltsam, wieviel Menschen gerade m diesem Jahre das„Auf- ulvern" brauchen! Die teuersten Lokale sind am vollsten. Dahin gehen viele, über deren Köpfen die„Vögel" des Amtsgerichts schon kreisen. Mon muß dabei sein, sonst wird der erschütterte Kredit noch mehr erschüttert. Ruit, dem Volke kann es ziemlich egal sein, ob oll diese Leute, die es können oder nicht können, ihre Winterabende am Bridgetisch verbringen oder über das Tanzpartett gleiten. Sie werden dadurch nicht ärmer und nicht reicher. Aber eins kann man von diesen Festlustigen des Jahres 1330 verlangen: Feiert eure Feste hinter geschlossenen Türen! Wir wollen nicht lesen, welches Kleid Frau Generaldirektor 1 getragen hat. Wir wollen nicht wissen, wieviel die Diamanten des Fräulein A wiegen. Tragt nicht eure Festrummel auf die Straßen, durch die abends Leute gehen, die nicht wissen, wovon morgen zu leben. Wenn man auch in diesem Jahre— der drei Millionen Arbeits- losen— tanzen muß, dann sollte man wenigstens das Gefühl haben. es unter„Ausschluß der Oeffenttichkeit" zu tun! ü. G. Jche war's nicht, Herr Hat... 7 Vis tief in die deutschen Provinzen dringen die Sagen und Lieder von den Heldentaten der Hitler-Söhne. Männergcsangvereine nach einig« Erfahrung den Katzem ammer voraussehe». Ab« da» sind prosaische Naturen, die gehören nicht in die Volksgemeinschaft, und bei näherem Zusehen wird man in ihnen stets einen östlichen Einschlag finden. Was ein echtes Erzeugnis Hillers ist, das handelt so: Am letzten Donnerstag, vor dem Schnellrichter. Mangels eines schweren Pallaschs hatte ein Nazi einen Z e i- t u n g s h a l t e r an der Seite getragen— einen Zeitungshalter, dessen Lebensberuf es vielleicht ist, den Gästen eines Restaurants die „Rote Fahne" darzubieten. Mit diesem Kriegsgerät ausgerüstet marschierte unser Nazi im Dcmonstrationszug. Hätte der Minister Frick diesen Verstoß gegen den Versailler Vertrag.zu Gesicht be- kommen— gewiß hätte er sogleich den ganzen Marschierverein untersagt, nicht walzr? Es ist töricht zu glauben, daß nur weit- tragende Geschütze todbringend seien; wenn ein Bierseidel, ein Tintenfaß, eine Brauselimonadeflasche, ein Tischbein schon»nanchem Kämpfer den Rest gegeben haben— weshalb sollte es nicht auch einmal ein Zeitungshalter tun? Und richtig kam unser Nazi vors Schnellgericht, wegen seines Verstoßes gegen das Waffenverbot. Nazis sind aber nicht dumm. Wenn sie m den Karikaturen ihrer Gegner immer wieder- mit unsichtbarer Stirn, dicker Nase, ffSSÄTOK 1«Ä-ÄÄ am Biertisch verfassen Telegramme an S. M. Adolf den Ersten und an seinen eisernen Kanzler Goebbels im weißen Paradewetter- mantel. Das Leben ist wieder voll Poesie, an der jeder Staatsbürger Anteil hat. So war es früher, als man noch neben dem erhebenden Bumbum der Regimeittsmufik einhermarschieren durfte, als man sich noch im Anblick eines sporentlirrenden Leutnants recht winzig und nichtsig vorkommen durfte— und so soll es bleiben! Nun ist fürwahr kein deutscher Mann, wer niemals einen Rausch gehabt: und wenn Bismarck seine Deutschen gekannt hat, so sind sie im Grunde gar nicht so..., sondern erst nach der oft zitierten Flasche Champagner. Ein rauschbejahendes Volk ist aus Gründen der Staatsräson wünschenswert. Es gibt Naturen, die ist das nur gehässige Vergröberung, oder? Sähen sie wirklich so idiotisch aus— wo nähmen sie dann den vielen Verstand und das bewundernswerte Geschick her. womit sie sich zu verteidigen pflegen? Und so erklärte unser Nazi dem Schnellrichter auf die überzeugendste Art und Weise, daß er sein Kriegsgerät einem Gast- wirt zu friedlichem Gebrauch zu bringen im Begriff war. Und da wurde er freigesprochen. Und wenn einmal eine Nazi-Spaziergängerschoft mit Knüppel- spazierstöcken auf den Straßen! geht, so wird sie später vor dem Schnellgericht erklären, daß die Spazierstöcke bloß in ein Regen- schirmgeschäst gebracht werden sollten, um mit silbernen Krücken verziert zu werden. U '�Buck Wilhelm von SSode: Wicht£eben Bodes Denkwürdigkeiten reichen etwa bis zum Kriege, er hat sie 1913 abgebrochen, ohne später darauf zurück- zukommen, was einigermaher verwunderlich ist. Der Verlag H. Reckendorf hat sie sorgfältig in zwei soliden, dem Geschmack des Autors ungefähr entsprechenden Bänden herausgebracht. Es läßt sich nicht leugnen, daß sie da am sympathischsten sind, wo Bode als Mensch von sich und seinen Beziehungen zu Menschen und zur Natur spricht, also in der ersten Hälfte des ersten Bandes und an einigen verstreuten und immer seltener werdenden Teilen des Restes. Je ausschließlicher Bode Kunstkenner und Museums- beamtcr wird, um so mehr dominiert a-uch in seiner Biographie das Kunstamtliche. Dabei gibt es nun viel Interessantes; leider ist es nicht immer so interessant vorgetragen, wie der leidenschaflliche und bewegliche Geist dieses ungewöhnlichen Mannes es vermuten lieh. Wer Bode gekannt hat, muß von der ein wenig ledernen Art seiner Selbstrechtfertigung wohl enttäuscht werden. Das Material über das Erwachsen des ungeheuren Berlin« Museumskompleres ans bescheidenen Anfängen, dos ja im wesentlichen Bodes Verdienst ist, macht allerdings das Buch zu einer unschätzbaren Quelle über Kultur und Kunstsammeln der wilhelminischen Zeit. Zu den weniger erfreulichen Partien leitet die Gesinnung dieses ebenso selbstherrlichen wie energischen Museumsmannes über. Bei- nahe bis zur Kindlichkeit geht sein kritikloser Monarchismus, aus- gerechnet Wilhelm II. gegenüber, der für echte Kunst bekanntlich mit Blindheit geschlagen war: es genügte Bode, daß er gleich ihm , die„Moderne" haßte und„zerschmettern" wollte. Es ist beinahe amüsant zu lesen, daß er B ü l o w für den„Führer jener einz.g- artigen parlamemarischen Revolution aller Parteien" im November 1308 hält. Im gleichen Atem und Geist wird die„Tschudi- Affäre" desselben Jahres vorgetragen, so etwa, als hätte sich Tschudi durch eigenmächtige Ankäufe von Franzosen und Unehr- erbietigkeiten gegen S. M. als Schwerverbrecher enthüllt, nachdem ihm von Bode schon jahrelang sein Eintreten für die„Sezessionisten" und sranzösischen Impressionisten als schauderhaftestes Verbrechen angerechnet worden war. Solche unfaßbar veralteten Schiefheiten liest man 1930, als ob sie neueste Offenbarungen seien; 1913, als sie niedergeschrieben wurden, waren sie allerdings um nichts weniger falsch und gehässig: nun. wären sie damals publiziert worden, hätten sie den gefähr- lichsten Einfluß ausüben können. Heute sind sie gottlob gründlich überholt und sinnlos geworden. Es ist trotzdem erstaunlich, was für ein Üebermaß an Blindheit und Ungerechtigkeit Bode ausbringt, sowie er auf irgendwelche Widerlicher und auf die Kunst der Leben- den zu sprechen kommt. Man sollte ja den toten Löwen, der immer- hin in seinem Höhlenbezirt alter Kunst ein Löwe war, mit Schonung bedenken. Allein leicht macht er es uns mit diesen von Tatzen- hieben erfüllten postHumen Ergüssen nicht, und wer da weiß was für häßliche Anfeindungen er allen modern gesinnten Museums- direktoren, Kunsthändlern und Künstlern bis an seinen Tod und nun auch noch in den Memoiren zuteil werden ließ, der kann dies« nicht ohne Widerspruch über sich ergehen lassen. Die Hauptsache ist aber wohl, daß er sein Unrecht überlebt hat und der heutigen Kunst schon lange nicht mehr schaden konnte. Wissen möchte man nur, warum«r sich eigentlich so aggressiv um sie bekümmert hat. Aber davon, wie überhaupt von psychologischen Motiven und tiefern menschlichen Dingen, erfährt man gar nichts in seinen Memoiren. Bau! F. Schmidt. Rätseh Ecke des„Abend" «uiMumiiinmmiHunuimuwraimDiimiiimmtmiimiiimiHUUuiiUiuniinwuuimimDiitwiimDniimimiinn Weihnachisrätsel. Waagerecht: 3. Stadt in Nord Italien: 4. indische Münze; 6. Verwirrung: 8. Hauch: 10.»riech. Gott; 11. Erdart: IS. Zeitraum; 17. Stadt in Baden: IL. männl. Vorname: 21. nordische Münze.— Senkrecht: 1. Hafen in Mesepotamien: 2«sien aus englisch; 3. Secmonnsruf: 5. Laufvogel: 6. Baltaninsel; 7. Sportfunktionär: 9. Schlingpflanze: 10. einmastiges Schiff; 13. Erzbischof; 14. römischer Senator: 15. Musikstück: 19. ital. Rote; 20. Ital. Rot«.— 1 und 12 waagerecht ergibt einen Wunsch an unsere Leser. Gle chkkang Miß F gehört's zu deinem Fuß. Mit V sich's recht hüb-sch reimen muß. So bietet dieses Rätsel dir Ein kleines Beispiel gleich dafür. ab. Kreuz und quer. An Stelle der Zahlen sind Silben»inzusetzen, die, nach folgenden Angaben zusommeugestellt. Wörter nach- ilehender Bedeuwng ergeben: l— 2 unterirdischer Raum: I— 4 das Innere der Blüten; 1—10 altes Volk indo- lermanisch« Abkunft: 2—4 Singvogel; 3-4 Verleitung: 3—10 Anleite: 5—6 Berliner Vorort; 5— 8 weiblicher Vorname: 6—9 Stadt in der Provinz Bran- venburg: 7—8 weiblicher Vorname: 8—2 alte Münze: 8— 3 Gewichtsbezeichnung:� 8—10 etwas Vollbrachtes; 9—1 Nachkommen: 9—10 Schwimmvogel. Füllräisel. An Stelle der Punkle sind die Buchstaben A A AAAAABDEE E E E G G H 1 I I 1 1 I K K L L L M M MNNNNNNNM NOOOOOOPP RRRRRRRSS SSSSBITTU U U U V W Z(o ein- zuordnen, daß Wörter folgender Bedeulung entstehen: 1. Kunster- zeugnisie aus gebrann- tem Ton: 2. Optische Instrument»: 3. Defizit; 4 Blume; 5. Forstgelände; 6. Staats- behö'de; 7 Beleuchtungskörper; 8 Planet Venus, wenn er vor der Sonne ausgeht; 9. Urahn. ab. Oiamanirätsel Nach richtig« Umstellung der Buch- staben ergeben die gleichen Reihen von links nach rechts oder von oben nach unten gelesen. Wörter folgender Be- deutung: 1. Konsonant. 2. Note, 3 alt« lich- terische Bezeichnung für„Festung", 4. Schußwaffe. 5. Eharaktereigen!ch..s!. 6. Nebenfluß des Rh uns. 7. Vokal. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösungen der letzten Rätselecke- Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Parade: 8. Narr; 10. an: 12. da: 13. ma; 14. Not: 16. Tor-, 17. irr; 15 Ort; 13. la; 20. da; 22. d«: 23. dama: 25. Panter. Senkrecht: 2. cm; 3. Rad: 4. Ära; 5. Dr. 6. e: 7. Manila; 9. Marter: 11. Nora; 13. Mord: 15. Tr.; 1«. w: 20. Dan: 21. Amt: 23. la; 24. ae Geographisches Rätsel. 1. Frankfurt: 2. Rathenow: 3. Ingolstadt: 4. Eilenburg; 5. Detmold; 6. Rostock: 7. Znsterburg: 8. Celle: 9. Hamburg; 10. Stettin; 11. Heidelberg: 12. Altona; 13 sfreienwalde: 14. Elberfeld; 15. Naumburg.— Friedrichehalen. Treppenrätsel: 1. v.?. ob: 3. Reh: 4. Wein: S. Anker: 6 Edamer: 7. Rotwild; 8. Tripolis; 9. Sudermann.—„Dorwaerts". Karreerätsel: 1. Wal: 2. Newa: 3. Wort; 4. Schweden; 5. Rekord: S. Wisent: 7. Indien; 8. Weiler: 9. Iltis; 10. Ware; 11. Sense: 12. Weichsel: 13. Narbe.—„Wir wissen wohl, was wir sind, aber nicht, was wir können." Der Schlauberger: stucht— Kapstal— Kapitalflucht— ab. 1 Flucht— Tal. Winterferien?— Ja! Aber wohin? Der„Abend" vom 27. November brachte ein« Zusammen- stellung der besten deutschen Wintersportgebiete. In fast allen diesen Gebieten hat der T o u r i st e n o e r e i n„Die Naturfreunde" mit seinen Naturfreundehäusern Unterkunftsmöglichkeiten geschaffen, in denen auch der Minderbemittelte seine Ferientage unter Gleichgesinnten verbringen kann. Von den etwa i50, meist auch für den Wintersport geeigneten Heimen des Vereins soll hier ein Neiner Teil angeführt werden. 3in harz bietet das Braunschweiger Haus bei Harzburg einen guten Stütz- punkt. Ein weiteres Haus in idealster Lage bei Oderbrück(in der Nähe des Torfhauses) soll noch in diesem Winter seiner Bestim- mung übergeben werden. Ihrer niedrigeren Lage wegen mehr sllr den Fußwanderer als für den Skiläufer geeignet, ist die Sächsische Schweiz. Die Häuser am Lilienstein und am Zirtelstein sind gut eingerichtet und voll bewirtschaftet. 3m 3sergebirge bietet das Haus auf der Könlgshöhe(850 Meter) in der Tschecho- slowakci gute Unterkunft und Verpflegung zu äußerst billigen Preisen.(Volle Pension 3,23 M.) In Schneesicherheit und Ec- Nahirfrenndchaos KOnigthdhe, bergebirge ländeboschaffenhett übertrifft die Umgebung des Hauses die deutsche Seite des Riesengebirges. Groß ist die Zahl der Naturfreunde- Häuser rm Erzgebirge. Nur einige seien hier genannt: Dürre Henne 502 Meter, Natur- sreundehaus Dönschten 600 Nieter, Wintcrsporthüttc Schellerhaus bei Kipsdorf 800 Meter, Rote Grube 800 Meter, Haus am Auers- bcrg k090 Meter bei Iohann-Georgenstadt. Das Fichtelgebirgshauz (738 Meter) am Fuße des Ochsenkopfes gehört mit zu den schönsten Naturfreundehäusern. Aus der großen Zahl der veremseigenen Häuser im Schwarzwald seien drei herausgegriffen: Feldberg-, Kniebis- und Küferhäusle. Der Feldberg(1493 Meter) ist als Heimat des uiiiteleuropäifcheu Skilaufs bekannt genug geworden, und der Ltniebis(900 Meter) steht ihm nur in Höhe nach. Volle Bewirtschaftimg in beiden Häusern sorgt auch im Winter für die Zufriedenstellung aller Gäste. Weniger Anspruchsvollen bietet dos jbäferhäusle bei Triberg (1000 Meter) in idealstem Skigeländ« gut« iintertunst. Wer genügend Zeit und einen etwas bester gefüllten Geldbeutel sein eigen nennt, dem sei eine Fahrt in die Alpen enipsohleu. 3n den voralpen liegt das Rohrauerhaus(900 Meter). Dem geübteren Läuser sei die Marienbcrghllite(1650 Meter) bei Ehrwald oder Bas Kemptener- lunis(1445 Meter) am Gfchwenderhorn(Allgäu) empfohlen. In Kitzbühels herrlicher Bergwelt liegt als Ausgangspunkt für min- bestens 20 verschiedene Tagestouren die Skihütte Melkalpe (1554 Meter), dem Anfänger wie dem geübtesten Läufer vollen Genuß versprechend. Eine neue Skihüttc(1840 Meter) geht bei Saalbach(Pinsgau) ihrer Vollendung entgegen. Pulverschnee, Sonne und eine ganze Reih« leicht zu erreichender Gipfel brachten Saalbach die Bezeichnung.Himmelreich der Skiläufer". Um den Beslich der letzten beiden Hütten wie der Alpen überhaupt zu er- leichtern, stellt das Meisebüro des Touristenvereins „Die Naturfreunde" einen Gesellschaftsfahrschein nach Kufstein zusammen.(Hinfahrt 31. Januar, Rückfahrt 14. Fe- brnar Preis für die einfache Fahrt einschl. O-Zug-Zuschlag und Platzkarte 28,70 M.) Zum Schluß sei noch die Mark Brandenburg erwähnt. Zwar wind sie im Winter etwas stiefmütterlich behandelt. trotzdem bieten ihre Wälder und Seen auch in dieser Jahreszeit Schönheiten genug. Das Ferienheim am Uederlee ist mit allen Bequemlichkeiten der Neuzeit ausgestattet. Freundliche Zimmer mit zwei bis vier Betten, elektrisches Licht, fließendes Waster, modern« Wasch- und Brauseräume gestallen den Aufenthalt so angenehm wie möglich. Volle Pension für Partei- und Gewerkschaftsmitglieder 4 Mark. » Nähere Auskunft über alle Heime des Derein» sowie über Wander- und Wintersportsragen gibt das Naturfreunde-Reisebüro, Berlin N. 24, Iohannisstr. 15, Telephon: Norden 4177. Es empfiehlt sich, bei persönlichen Anfragen möglichst die Abendstunden zwischen 18 und 20 Uhr zu wählen. Kurse im Wintersport Die Kurs« und Vorbereitungen der Arbeiterwinter- f p o r t l e r für die Weihnochtsfahrten sind in vollem Gange. Nur w-enige Gebiete an der Wasterkante sind davon ausgenommen. Die Niedersachsen, Berliner, Brandenburger und Schlesier treffen sich Im Harz, im Eulen- und Riesengebirge. Die Sachsen und Tschechen ziehen ins Erz- und Jfergebirg« oder auf den Ieschken. Die Natur- freundehäuser Rauschenbachmühle, Ober-Wiesenthal, Rote Grube am Allersberg, Königsl)öhe u. a. geben hier gute Stützpunkte. Die aus Nordbayern, dem Maingebiet und Thüringen finden in den Nawr- freunde Häusern des Fichtelgebirges, des Taunus. Spestart und Thüringer Waldes Unterschlupf. Auch dort stehen eine Reih« wich- tiger Kurse und Skiwerbeläufe auf dem Programm. Die Badenser haben ihr treffliches Feldberggebiet, die Schwaben den Jura und die Alb, die Südbayern das Alpenvorland mit Kitzbühel und dem Allgäu. Di« Rheinländer und Westfalen schließlich treffen sich im Sauerland, die Pfälzer in ihrer schönen Berglands chast mit dem Heim auf dem Harzofen bei Elmstein. Neben den allgemeinen Kursen und Propagandaläufen, die in den nächsten Wochen zur Durchführung kommen, sind besondere Skilehrerkurse in Sachsen, Baden, Schwaben und Südbayern angesetzt. Alle diese Arbell dient zum Teil auch der Vorbereitung der Arbeiter-Wintersportolympiade tm Februar in , Mürzzuschtag- Steiermark. So wird man bei den deutschen Ausscheidungen zu Weihnachten in Johanngeorgenstadt(Erzgebirge) auch viele Naturfreunde treffen, die ihre Arbeit in enger Gemein schast mit den Sporllern der anderen Verbände mifbauen. Solch« Gemeinschaftsarbeit hat sich bisher sehr gut bewährt. Besonders darf man das von der Tschechoslowakei berichten. in der ein besonderer Verband für Arbeiterwintertouristik alle diese Bestrebungen in den einzelnen Verbänden unter der Leitung der Naturfreundeiunktionäre zusammenfaßt. Hoffen wir. daß auch die Tage von Mürzzieschlag ein weiteres Bindeglied zwischen den Ar beitersporllern aller Länder schaffen. Kleiner Sport von überall Men-West gewinnt den höllriegel-wanderpreis. Zum Gedächt- nis an einen seiner verdienstvollen Funktionäre veranstalteten die Wiener Arbeiterkraftsportler zum zweitenmal einen Wetlstreit im Gewichtheben um den Höllriegel-Wanderpreis. Insgesamt starteten 44 Mannschaften. Die Ergebniste der Konkurrenz, die im Vier- kämpf ausgetragen wurde, waren: 1. Wien-West 1303,5 Kilogramm (1650 bis 344,5 Kilogramm Körpergewicht): Straßenbahn 1173: Wicland-Flörl 1145,20: Gaswerk Josefftadt 1121. Schmeling muh sich stellen. Die New-Porter Boxkommffsion hat Weltmeister Schmeling ausgefordert, innerhalb der nächsten zwei Wochen den Herausforderungskampf gegen Charkey anzunehmen. Eine, der bekanntesten Waldlausgebiete der Berliner 2lrbeiter. sportler ist der Plänterwald und Treptower Park im Südosten Berlins. Schon fest Iahren benutzen di« Leichtathleten des A t h» letik-Sport-Club dieses Gebiet als Trainingsstätte Unter Leiter erfahrener Sportler wird in Gruppen verschiedener Leistungs- klasten, für Mittel- und Langstreckenläufer, Sprinter, Anfänger und Gesundheitsläufer(auch solche gibt es!) gelaufen. Jeder erfährt die ihm zweckdienliche Ausbildung An diesem Training können auch Gäste teilnehmen. Ablauf ist ieden Sonntag vormittag>411 Uhr beim Lokal Seyboldt. Parodiesgärten. Ecke Alt-Treptow. 1000 Kilometer Fluggeschwindigkeit. Der Aeroklub von Frank- reich veröffentlicht die Ausschreibung zu einem Geschwindigkeits- slugwettbewerb um den von dem bekannten Konstrukteur Blöriot gestifteten Pokal im Werte von 100 000 Franken. Hierbei wird nicht mehr und nicht weniger als eine Stundengeschwindigkeit von 1000 Kilometer verlangt. Das ist heute natürlich noch ein« Utopie, und so hat denn auch der Stifter des Pokals die Austragung bis zum Jahr« 1935 befristet. Zunächst wird der Pokal an denjenigen Piloten oergeben, der eine Geschwindigkeit von mehr als 600 Stundenkilometer erreicht.— Im Hinblick auf das im Herbst nächsten Jahres stattfindende Wosterfluqzeugrennen um den Schneider-Pokal, unternahm der französische Marineflieger Paillard. der nicht mit dem gleichnamigen Dauerfahrer zu verw.-chseln ist, einige Versuchs- flüge in Bordeaux. Der Pilot benutzte ein 1300 LS starkes Bernard» Wasserflugzeug, mit dem er eine mittler« Stundengeschwindigkeit von 510 Kilometer erreichte Diese Leistung ist an sich zwar phaniastisch gemig, sie genügt aber für den Schneider-Pokal noch nichc, denn die englischen Spezialmoschinen sind in der Lage, dicht au die ö00-Kilometcr-Marke heranzukommen. Elve Dame sährk Aukowettrekord. Die bekannte englisch« Rennfahrerin Frau Stewart, die schon eine ganze Reihe von inter- nationalen Automobilrekorden an sich gebracht hat, stellte auf der Autorennbahn von Linas-Montlhery bei Paris einen neuen Welt- rekord über 10 englisch« Meilen(16,093 Kilometer) für olle Kate. gorien auf. Frau Stewart legte die Streck« aus einem Miller- Derby-Wagen bei fliegendem Start mit einem Stundenmittel von 220,810 Kilometer zurück. Sternfahrt zur Berliner Autoausstelluug. Im Einvernehmen mit den maßgebenden Krafffahrverbänden und mit Unterstützung der Stadt Berlin wird anläßlich der vom 19. Februar bi» 1. März stattfindenden Berliner Auioausstellung eine groß angelegt« europäische Sternfahrt nach der Reichshauptstadt veran- staltet. Gleichzeitig soll in den Rahmen dieser Sternfahrt ein« Kreuz- und Ouerfahn innerhalb Deutschlands«ingegliedert werden. um auch deutschen Fahrern, die angesichts der gegenwärtigen Wirt- schastslage nicht die Möglichkeit haben, entfernt gelegen« Startor.e im Ausland« aufzusuchen, Gelegenheit zu geben, an dieser Der- anstaltung teilzunehmen. Die Sieger und Plaeierten erhalten neben wertvollen Ehrengaben namhafte Geldpreise. Verkehrserlelchkerung für Aulomobiliflen. Di« Polizeidirektton von Prag hat im Einvernehmen mit dem Automobilklub der Tschechoslowakei einen Hilfsdienst organisiert, der durch uniformiert« Auskunstsbeamte ausgeübt wird. Die Beamten haben einen Auto- mobil-Uebersichtsplan von Groh-Prag und die Straßenzustands- karte der Tschechoslowakei bei sich und erteilen ollen Automobilisten in den einschlägigen Fragen bereitwilligst Auskunft. Die Beamten sind an einer weißen Annbinde, die die Aufschrift„Infonnaee" trögt, kenntlich Der Amateur im Motorradsport. Zu der am Sonnabend, 20. Dezember, in Berlin stallfindenden Volloersammlung der obersten Motorradsportbehörde hat der Allgemeine Deutsche Automobil-Club Antrüge eingebracht, nach denen der Amateurbegrisf Im Motorrad- spart festgelegt werden soll. Danach darf ein Amateur weder Geld- preise noch sonstige finanzielle Unterstützungen in Anspruch nehmen, die benutzte Maschine muß sein Eigentum sein, in allen Veröffent- lichungen wie Programm, Resullaten, Nennungen usw. darf die Marke der von ihm benutzten Maschine nicht genannt werden. Jeder Verstoß gegen diese Bestimmungen soll mit sofortiger Aberkennung der Ainaleureigenjehajt geahndet werden. Boxfahr 1930 Bei einem Rückblick auf das Sportjahr des Berufsbox- s p o r t e s kann man wirklich nicht sagen, daß es vorwärts gegangen ist. Gelegenlliche Erfolge einzelner können über diese Tatsache nicht hinwegtäuschen. Die Weltmeisterschaft im Schwergewicht K ch m e l i n g gegen Sharkey war das überragende Ereignis. Mau muß die Frage noch offen lassen, ob Schmeling in den vier Runden dieses Kampfes seine ganze Klasse offenbart hat. Sollte das der Fall sein, so wird es ihm sehr schwer fallen, seinen Titel lange behaupten zu können: er wird ja bald Gclegenhett bekommen, die Zweifel an seinem Können zu beseitigen. Von den anderen Amerika-Fahrern war wenig Rühm- liches zu melden. Hein Müller kam wenigstens ohne Niederlage davon: Haymann war als„deutscher Meister" drüben und hat seinen Sport sehr schlecht vertreten. Bei ihm vollendete sich, was Paolino im Sommer 1928 begonnen hatte: Man nimmt nicht un- gestraft 11 Runden lang Schläge von dem Basken. Was G ü h r i n g wert ist, wird sich zeigen, wenn er mit besieren Gegnern zusammen- kommt. Wenn man dann noch daran erinnert, mit welch spielender Leichtigkeit der jetzige Meister Schönrath in London von Boung Stribling geschlagen wurde, wird jeder zugeben, daß es mit unseren Schwergewichten zur Zeit nicht gut bestellt ist, international gemessen wenigstens. Auch die Vertreter anderer Gewichtsklassen, die sich gegen Internationale versuchten, hatten selten Erfolg, am besten schnitt noch Paul N o a ck ab, der nur von dem Engländer Cuthbert geschlagen wurde, einem der besten Federgewichtler der Welt. Die alle bewährte Stütze, Hein Domgörgen, wird allmählich schon etwas unzuverlässig, bei seinen Iahren kein Wunder. In dem Berliner Kleinring kamen eine ganze Anzahl versprechender Talente heraus, die nach guten Ansätzen bei der ersten schärferen Prüfung oersagten und Mittelmäßigkeiten blieben, wis z. B. Koska. Im Schwergewicht gelten N e u f e l und H t n tz- mann noch als Hoffnungen, beide sind international noch nicht erprobt. Der Bonner Heuser hat sich bisher durch eine außer- gewöhnliche Schlagtraft ausgezeichnet, wenn er sich boxerisch in gleicher Weise entwickelt, wird er in seiner Klasse eine gute Rolle spielen: P i st u l l a hat hier jedenfalls noch ein schweres Hindernis zu überwinden. Ob die Mittelgewichte Leidmann und Vogel zu Höherem berufen sind, muß sich erst erweisen. Wie schlecht es jetzt bei unseren Weltern aussieht— bei denen wir früher das Trio Trimm— Herfe — Funke hatten—, erhellt am besten daraus, daß Konrad Stein, der sein Feuer in Südamerika in den vielen 15-RundenEp.-I«r treffen sich Donnerstag, I«. Dezember. lOVt Uhr. in bcr Nreisgcfchäftostell« zu einer Internen Bc. sprechen«. öTa>B„ Bezirl«»»low. Alle St« rtler finden sich heute, ISZH Uhr. zu« Partciveranflalluna bei Linbner ein. Frei« Sport,»nb Schühenoereiniznna, Abt. Ritt». Der Turnhallenahent, KSprnicker Stroh« fallt wegen Renovierungsarbeiten aus. Nächster Turnhallen- abend Donnersta». 8. Zanuar. ffreita«. 1». Dezember. 20 Uhr.»bleilunqs- leiter unb Funktionär» im.Bund". Albrechtstr. 11. Besprechungen. Sit- schritten an ben Arbeite rschllhenbund an Kurt Stechert, Berlin 91. 34, Linien» (trage 127(bei Lchtegcmilchl. .-CSoIibatHäl*.«rastfabrer. Touren sllr Sonntag, 21. Dezember. Abt. ssrlsd- richshain: Belten. 10 Uhr Landsberger Platt.— Abt.«reuzberg: ziel am Start. 12 Uhr Relchenberger Str. 01.— Abt. ReukSlln: RUI am Start. 13 Uhr Hohen zollernplah.— Abt. Bankow: Rtel am Start. 13 Uhr Pankow. Berliner Strage 88.— Abt. Sharlottcnburg: Siel a:n Start. 13 Übt Wilmersborfer Straße 21.—»erlammlung. Abt. Charlottenburg: 18. Dezember, 30 Uhr, bei Zleimer, Wilnierederfer Str. 21. Arbeiter-LichtbUb-Bnab, Arbeiter.Phot».Silbe, ffreitog. 1«. Dezember, 20 Uhr. Jugendheim Linbenftr. 4..Photomontagen.� Scheren mitbringenl— Arbeiter-Lichtbilbner Spanbau. Montag. 22. Dezember. 20 Uhr. Jugenbdeim Liubenufer 1. Aqfa-Bortrag.— Photogruppen be» TB.»Die Natuefreunbe", Etammgruppe. Abenb fällt aus.— Abt. Osten, fsreitaa. 10. Dezember, 20 Uhr, ktugcnbheim lsrankfurter Allee 307, fZricbrich-Sbcrt-Saal.— Abt. Narbe«. Donnerstag, 18. Dezember, 20 Uhr, Pliniikziimner bcr wrlilichen Schule. Banb- Ecke Wiesenstran-. Portratversuche mit Bilblritil.— Abb. Reutiilln. ssreidag, 10. Dezember. 20 Uhr, Jugendheim Berg tu. 20, Simmer l. Eine Mahnung. Ciarfercr Zusammenschluß/ größere Aktivität! Di« Bezirksleitung des Wirtschaftsbezirks X' Brandenburg- elrelizniark l)ottc zuin lt. Dezeniber l9M die Mitglieder des Bezirks- Vorstandes i�nd der Tariskommission, sowie die Angestellten im Be- zirk und die von den Ortsoerwaltungen zu delegierenden Vertrauens- leut« nach Haoerlands Festsolen in Berlin zusammcngcrusen, um ZU der gegenwärtigen Situation Stellung ZU nehmen. Nach einem Ncscrat des Genossen S ch in e tz e r und einer regen Diskussion in zustimmendem Sinne wurde eine Entschließung gefaßt, in der u. a. gesagt wird: „Die am 14. Dezember 1S30 in Haoerlands Festsälen in Berlin tagende Konferenz des Wirtschaftsbezirks V Brandenburg. Grenz- inark des Gesamtverbandes beschlieht: An den Vorstand des Gesamtverbandes zur weiteren Ucber- mrttlung an den Bundesvorstand des ADGV. und den Barteivvr- stand der SPD. ergeht folgende Mahnung: Schwer lastet der Druck der Wirtschaftskrise auf der gesamten Arbeilnehmcrschost. Die falsche Taktik ö;r Unternehmer, die Wirtschaftskrise durch Lohnkürzung beheben zu wollen, hat die Reichs- regierung sich leider zu eigen gemacht, ohne die notwendige Boraus- setzung, den Preisabbau, zu schaffen. Daher muß die dringende Forderung erhoben werden, den Preisabbau zu beschleu- n i g e n. Solange dies nicht geschieht, müsse» alle Maßnahmen des Lohn- Abbaus auch auf den ruhigsten und besonnensten Arbeitnehmer er- bitternd wirken. Dadurch würde der Zuzug zu den Links- und Nechtsradikalen nur verstärkt und alle Errungenschasicn der deutschen Arbeitnehmerschaft zunichte gemacht werden. Aber auch in politischer Beziehung müssen alle Errungenschaften verlorengehen, und es besteht die Gefahr, daß Deutschland zum Kriegsschauplatz gemacht wird. Ungeheures Elend, Zerstörung der Arbeiterbewegung, Vernichtung aller Errungenschaften aus polt- tikchem, wirtschaftlichem und kulturellem Geb- et wäken die Folgen. Daher den allerschärf st en Kampf den Rechts- und Linksdcniogogeii, denjenigen, die die Notlage der Arbeit- nchnierschaft für ihre politischen Zwecke ausbeuten! Zur Erhaltung der Demokratie ist zunächst nmwendig da Zusammenarbeiten zwischen freien Gewerkschaften, und Reichsbanner, damit die Möglichkeit geschaffen wird, wenn es sein muß, mit außergewöhnlichen Mittein in die Verteidigung ein treten zu können." enge Partei Die Zahl der unterstützten ArbeiKloien in lvien in der ersten Hälfte des Monats Dezember ist um 6967 auf 9S 4 68 gestiegen. Damit ist der Stand um 22 534 höher als im Vorfahr. Wetter für Berlin: Trübe mit etwas Schnee und leichtem Frost, schwache Luftbewegung.— Für Deutschland: In der nordöstlichen Hälfte trübes Froftwettcr mit leichten Schneefällen, im übrigen Reiche Temperaturen um Null schwankend und keine nennenswerten Niederschläge. �(Sefdiäffc-Jlnjßiger �=> (Bezirk füden-Weftewt Achtung I Achtung I imMe Dr. med. giftfreie Heilweise in OroS- Berlin, vertreten durch den Blo- dtemledien Verein Gro�- Berlin e. V., Geschäftsstelle Berlin C. 2, Neue Promenade 2. Fernsprecher: D I, Norden 0383. 1 17000 Mitglieder AumahmeeebQhr f.— Mk.. Monafsbeitrag 0.70 Mk. einSchi. Todesfall-ünterstülrung. 00 Beratungsstellen in QroS-Berlin. Institut für Licht- und physikalische Behandlung, Höhensonne. Massagen usw. Man fordere Prospekt durch unsere Oeschäflsstclie. IDenmanilielloiuerordoung Menndertäad Tteanderslrafle 12 im SSuUertmndlung Otto thürmann WaffiBda (Karloopaßianfi) für Wäsitie. 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