Morgenausgabe Nr. 591 A 297 4?.Iahrgang Wöchentlich 8SPf, monaMch Z.SV R, im voraus zahlbar. Postbezug<22 M. einschließlich 6V Pfg.Postzeitungs» und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Lusland». abonnement 6,— M. pro Monat. * Der„Vorwärts* erscheint wochentäg» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilagen„Volt und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner �Frauenstimme".„Technik",„Blick in die Bücherwelt"„Iugend-Vorwärt»* und»Stadtbeilage". Berliner VoltSblatt vonnersiag TS. Dezember 1930 Groß-Äerlin IC) Pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nvnpareillezeife 80 Pfennig. Reklame�eile 5.— Reich»» mark.„Kleine Anzeigen� das«et.'»,»» druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zu.et fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile O Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt» gefchäst Lindenstraße 3, wochentäglich von SV, bis 17 Ubr. Jentvawrgan der eSoziaidemokratischen Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— SS7 Telegramm-Adr�: Sozialdemo'rat Berlin. Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 87 536.— Bankkonto: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt. B. u.DiSc..Gcs., Dcpositcnk., Jcrusalcmcr Str. 65t66. 9 Spanischer Generalstreik erfolglos?- Paris, 17. Dezember.(Eigenbericht.) Obwohl sich König Zllsons in seinem Schloß in Madrid immer stärker hinler Kanonen und Maschinengewehren und immer neuen Abteilungen der A�wdenlegion verschanzt, verkündet sein Ministerpräsident General Derenguer triumphierend, daß die revolutionäre Bewegung überall vernichtet sei. Auch der Generalstreik habe nirgends Anklang gefunden, behauptet die Regierung. Dennoch muh die Regierung In einem amt- lachen Kommunique zugeben, dah in einigen Grohstädten, so vor allem in Bilbao, Santander, Saragossa, Corona und Logrono die Arbeit vollkommen ruhe und in Cordoba, Lerida, Granada und Sevilla Teilslrelks zu verzeichnen seien. Zwischenfälle seien vorläufig nur aus Seguria und Elch� gemeldet worden, wo vereinzelte Gruppen von„Revolutionären" versucht hätten, die Telephonleilun- gen zu zerstören. Zn Gijon habe eine Schar junger Leute ein Icsulleuklosler geplündert und in Brand gesteckt. Der Brand in dem Kloster sei rasch gelöscht worden, doch seien zwei benachbarte Geschäftshäuser vollkommen ausgebrannt. Die Polizei habe dem Treiben der Bebeltäter ein Ende gemacht: einer sei erschossen worden. Telephon funktioniert-Belagerungszustand bleibt. Madrid, 17. Dezember.(TU.) Nachdem der Telephonverkehr mit dem Auelande wiederher- gestellt worden ist. der seit über 48 Stunden unterbrochen war. liegen genaue Rachrichten über die Lage in Spanien und über die Umsturzbewegung vor. Das Scheitern der Umsturzbcwegung ist in der Hauptsach« dar- auf zurückzuführen, daß die in der Verschwörung ringewethteo nicht sehr zahlreichen Truppenteile in der letzten Minute umfielen aus Furcht, die Bürgergarde sei in Madrid viel zu stark. Dieses Vcr- sogen der Truppen hatte die Weigerung der Gewerkschaften zur Folge, den Generalstreik zu erklären, da diese keine Lust hatten, sich für die Soldaten totschießen zu lassen. Auf diese Weis« blieben die Flieger isoliert. Sie wurden nur von einigen hundert be- waffneten Syndikalisten unterstützt. Die Regierung hatte außerdem einige Tage vorher sämtliche Mmben vom Flugplatz entfernen lasten, so daß es an den wichtigsten Waffen fehlte. Der Aufstand in Jaca sollte das Zeichen zu dem Aufstand im ganzen Lande sein. Es ist anzunehmen, daß eine Reihe von örtlichen Unruhen der Regierung noch längere Zeit Schwierigkeiten machen wird, obwohl der Umsturzversuch als gescheitert zu betrachten ist. Die Morgsnpreste berichtet, daß nach Bilbao und Madrid weitere Truppenverstärkungen aus Segovia abgegangen sind. Der Zkriegszustand im ganzen Land soll zunächst nicht aufgehoben werden.. Die Feierlichkeiten anläßlich des 100. Todestages Simon Bolivars finden unler Beteiligung des Königs ohne Programm» änderung statt. In Portugal ist ein fünfter spanischer Militürapparat mit einem aufrührerischen Artilleriehauptmann an Bord«ingelroffen. Er wurde wie seine Kameraden in der Nähe von Lissabon unter- gebracht. Paris. 17. Dezember. Man kann jetzt wieder mit einem gewöhnlichen Paß die spanisch- französische Grenze passieren. Auch Waren werden wieder befördert: nur die französischen Zeitungen werden nicht durchgelassen, und die Spanier kommen in Scharen auf französisches Gebiet, um sich aus der französischen Presie zu infornneren. Generalstreik und preffezensur. Die Königin telephoniert mit Londoner Redaktion. London, 17. Dezember.(Eigenbericht.) Madrid hat am Mittwochmittag um 12 Uhr den Telephon» oerkehr mit London wieder aufgenommen. Als erste sprach die spanische Königin mit der Redaktion eines bürgerlichen Abendblattes. Sie erklärte, in Spanien sei alles ruhig. Dem widersprechen jedoch die Nachrichten, die von Reuter und den übrigen Nochrichtenogentiiren verbreitet wurden. Der Generalstreik dauert nach diesen Meldungen in seh-r vielen Städten, besonders in Nordspanien unvermindert fort. In Barcelona scheint der Streik allerdings sein Ende gefunden zu haben. Der Telephonverkehr innerhalb Spaniens soll gleichfalls wieder aufgenommen worden sein. Der 5!orre|pondent des„Dailn Herald" drahtete seinem Blatt am Mittwoch, daß in Madrid ein Regiment Kolonialtr Uppen angekommen sei, während drei andere Regimenter in Valencia ausgeladen worden wärcn. In Santander seien streikende Arbeiter vor das dortig« Schloß des Königs gezogen, hätten dle Internationale gesungen und Hochruf« auf die spanische Republik ausgebracht. In vielen kleineren Industriestädten und Dörfern der Provinz sei die Republik gleichfalls ausgerufen worden. Die P r e s s e z c n s u r dauere unvermindert fort. Eine mitielamerikanische Revolution. Rem park. 17. Dezember. yiaät heftigem Strahenkampf, bei dem der Kriegsminister getötet wurde, ist die Regierung voa Guatemala gestürzt morde». Die 9 V 9 > Fremdenlegion schützt Königspalast. neue vorläufige Regierung steht unter der Führung des Generals Orellana. * Die Unzufriedenheit der Bevölkerung war seit der Amtsüber- nähme durch den Vizepräsidenten Palma allgemein. CfroKs Kundgebung! gegen Kulturreaktion und Kriegsgefahr am Sonntag, dem 21. Dezember 1930, mittags 12 Uhr, auf der großen Wiese im Humboldthain. Redner: Clara Bohm-Schuch, Arthur Crispien, Hermann Harnisch, Kurt Heinig, Carl Litke, Dr. Kurt Löwenstein, Otto Meier. Parteigenossen! Sorgt für Massenbesuch! Steeg vor dem Sturz? TardieuS verzweifelte Anstrengungen.— Sozialistische Unterstützung. Paris, 17. Dezember.(Eigenbericht.) Während die Regierung Steeg mit Eifer an der Fertig- stellung ihrer Regierungserklärung arbeitet, ist die „Nebcnregierung" Tardieus nicht minder eifrig damit beschäftigt, ihrer Opposition für die erste entscheidende Kammerabstimmung am Donnerstag zum Siege zu verhelfen. Die Tardieu-Gruppe der republikanischen Linken, die demokra- tische Allianz Maginols und Rcynauds sowie die Marin-Gruppe haben in pompösen Entschließungen der„Kartell-Regierung" Steeg bereits ihren Kampf bis aufs Messer angesagt. Die Gruppenführer sind eifrig bemüht, ihre Anhänger bei der Stange zu halten. Frantlin-Bouillon hat mit seinen Getreuen beschlossen, zunächst einmal die Haltung der S o z i a l i st e n gegenüber der Regierung abzuwarten. Er will je nach deren Stimmabgabe das genaue Gegenteil tun. Endlich hat die Tardieu-Mannjchast das Gerücht ausgesprengt, daß es ihr gelungen sei, die Minister und Unterstaatssekrctäre Thoumqre, Eoty und Cautru, die trotz ihrer Zugehörigkeit zur Tardieu-Gruppe in die Regierung einzutreten gewagt• hatten, zur sofortigen Demission zu bestimmen. falls die Sozialisten das Kabinett unterstützen sollten. Die drei ge- nannten Rcgierungsmitglieder könnten es, so behaupten die Tardieu- Leute, vor ihren Wählern nicht verantworten, wenn ihnen die Sozia- listen ihr Vertrauen aussprechen sollten. Daß die Opposition jetzt schon sicher zu sein behauptet, die neue Regierung beim ersten Zu» sommenstoß stürzen zu können, versteht sich von selbst, doch dürfte das Kabinett selbst im schlimmsten Falle mit der knappen Mehr- heit von etwa einem Dutzend Stimmen aus einer Abstimmung hervorgehen. Das amerikanische Arbeitslosenelend. Vergebliche Notrufe— keine staatliche Hilfe. Rem park. 17. Dezember.(Eigenbericht.) Aus Arkansas kommen von Richtern, Bankiers und Fabrikanten dringend« Hilferufe nach New park und Washington wegen der verzweifelten Rot der Arbeitslosen und ihrer Familien. Mit dem Hunger nehme die Zahl der verbrechen zu. Räch Meldungen de» amerikanischen Roten Kreuzes sind in Arkansas 85000 Menschen schrecklicher Rot ousgeschl. Zu ihnen kommen über 120 000 Arbeitslose und hungernde in den Staaten Eentucky. Louisana, Mississippi. Oklahoma, Texas, Missouri und Indiana. * Arkansas, einer der südwestlichen Mittcsitaoten der USA. wesllich von Mississippi gelegen, zählt etwa zwei Millionen Einwohner. ZehnZahre Prohibition. Fiasko, Farce und Trauerspiel. Washington, im Dezember.(Eigenbericht.) Die Wahlen des 4. November haben deutlich gezeigt, was wenigstens hinsichtlich der Frage des glorreichen 18. Ergänzungsparagraphen zur amerikanischen Bundes- Verfassung(Prohibition) die Wählermassen wollen. Wo die Volksstimme Gelegenheit hatte, sich direkt oder indirekt über Prohibition und die„trockenen" Heer- scharen des alkoholaustreibenden Bischof Cannon zu äußern, hat sie dies mit einer Entschiedenheit getan, deren Sinn nicht mißverstanden werden kann. Wie weit sich die Stärke der Prohibitionsgegner im künftigen Bundeskongreß auswirken wird, wann mit einer energischen gesetzgeberischen Abrechnung mit den Muckern zu rechnen sein wird, ist heute noch nicht zu sagen. Aber das ist nicht die Frage. Es be- steht die Tatsache, daß der Sturm gegen die Prohibition im Anwachsen begriffen ist und ihm auch durch die Be- schwörungen politischer Fanatiker kein Einhalt geboten werden kann. So ist es wohl an der Zeit, einen Ueberblick über die Prohibition zu geben und graphisch aufzuzeigen, was sie in Amerika angerichtet hat.- Im Jahre 1936 hat das Schreckenskind auf eine zehnjährige Existenz zurückblicken können, die noch in kommenden Jahrhunderten einen welt- weiten Widerhall als eine der merkwürdigsten Epochen der amerikanischen Geschichte finden wird. Von Freunden und Feinden bitter umkämpft, ist die Prohibition in diesen zehn Jahren zu dem Hauptproblem des amerikanischen Lebens geworden, zu einem Komplex, der alle anderen Fragen des öffentlichen Lebens weit überschattet. Was heute zu sehen ist, ist im wahrsten Sinne des Wortes erschreckend. Ein Monstrum, das wie ein Nachtmahr über Amerika liegt, mit seinen Fang- armen in die tiefsten Tiefen des nationalen Lebens reicht, sich zu einem Polypen ausgewachsen hat, der an den elemcn- tarsten Kräften der Nation saugt. Der zehnjährige Geburts- tag ist wahrscheinlich nicht dazu angetan gewesen, den Enthusiasmus der amerikanischen Massen wachzurufen. Wer mag noch leugnen, daß die amerikanische Prohibition zum Gespött der ganzen Welt geworden ist? Aber darüber hinaus ist sie eine Farce, deren Erfolge in keinem annähernden Verhältnis zum Kräfteaufwand stehen und über die es unter denkenden Menschen nur ein Verdammungsurtcil geben kann. Nichts ist mehr dazu angetan, den Hohn und Spott einer Welt herauszufordern als das überall sichtbare klägliche Fiasko einer mit allen Machtmitteln geführten Kampagne gegen den„Teufel Alkohol". Mit fast 36 966 Geheim- kneipen in New Aork allein kann sich die Be- völkerung den Luxus leisten, das Gedenkjahr der Prohibition mit einem kräftigen Prosit zu feiern. Und was für New Zork gilt, gilt mehr oder weniger für die ganze Union. Aber den einmal aufgeworfenen Fragen ist nicht mit einer Handbewegung und einer spöttischen Bemerkung beizu- kommen. Daß hierzulande vor der Prohibition mit dem Alkoholgenuß ein schamloser Mißbrauch getrieben wurde, der schon im vorigen Jahrhundert zu einer bunten Experimentiererei in einzelnen Bundesstaaten führte, ist un- bestreitbar, kann aber für die gegenwärtigen Verhältnisse nur eine schwache Entschuldigung abgeben. In den Kreisen hundertprozentiger Temperenzler mag man über angebliche Prohibitionserfolge jubeln, sich im Besitze des Bundes- kongresses sicher fühlen. Eine nüchterne Ucbersicht über die erzielten Resultate gibt eine deutlichere Antwort, als es alle Für- und Widertiraden können. Die Prohibition, die H o o v e r in sorgenfreien Borpräsidententagen als edles Experiment bezeichnete, spricht gegen sich selbst, und zwar mit Ziffern, die beredte Warnungszeichen der nahen Zukunft sind. Das„edle Experiment" hat der Bundesregierung bis zum Frühjahr 1936 weit über 466 Millionen Dollar gekostet, denen getrost etwa 3 Milliarden Dollar zuzurechnen sind, die die Behörden nach eigenen Schätzungen an Alkoholsteuern in zehn Jahren einbüßten. Auf dem Altar der Prohibition haben nach übervorsichtigen amtlichen Fest- stellungen 266 Personen ihr Leben lassen müssen, nicht gerechnet die Hunderte von Menschen, die indirekt durch die Prohibition in Bandenkämpfen, Eifersüchteleien um den Absatz des Schmuggelalkohols usw. getötet wurden. Mehr als 556 666 Personen sind�wegen Uebcrtretung der Prohi- bitionsbestimmungen strafrechtlich verfolgt und verhaftet worden, davon alllein 86 666 im letzten Berichtsjahre 1929. Ueber 236 666 Personen haben aus denselben Gründen einen mehr oder weniger langen Aufenthalt in den Bundes- gefängnisien gefunden, was wiederum zu unglaublicher Ueberfüllung der Strafanstalten und den da- durch geförderten zahlreichen Sträflingsausbrüchen führte. Alkoholismus nimmt als Folge der Geheimbrennerei und des in den Verkehr gebrachten Giftfusels unter den nationalen Krankheiten einen ehrenvollen Platz neben Typhus ein. Die Sanitätsbehörden bezifferten die Zahl der alto- Holischen Krankheitsfälle im Jahre 1929 auf über 35 000, eine Zahl, wie sie niemals annähernd vor der Prohibition erreicht worden ist. Diplomatische Komplika- lionen sind an der Tagesordnung, Schwierigkeiten zwischen der Bundesregierung und den einzelstaatlichen Amtsstellen gegeben. An eine Erledigung der Prohibitionsstrafsachen, die nllein im Süddistrikt von New Vork 94 Proz sämtlicher dort anhängiger Strafsachen erreichen, ist trotz aller Anstrengun- gen nicht zu denken. Zu diesen wenigen Feststellungen kommen noch die Ersahrungen der einzelnen Bundesstaaten, die zu zahlreich sind, um hier festgehalten werden zu können. Das ist die wahre Geschichte der Prohibition. Unter dem Banner des„edlen Experiments" hat sich eine neue amen- kanische Landesindustrie aufgetan, die weder in Organisation noch in Umfang ihresgleichen in der Welt findet. Sie hat ihre großen und kleinen Fabrikanlagen im ganzen Lande, ihre Generaldirektoren, Feldmarschälle und Verbrecher- Armeen, ihre Flotten und Radiostationen, ihre diplomati- scheu Agenten. Sie ist mit dem Heere der amerikanischen Politiker versippt und verschwägert, sie rechnet mit der offenen und stillschweigenden Hilfe der Mehrzahl der Gesetzes- Hüter. Kurz und gut, sie ist eine Macht, mit der jedermann rechnet und vor der nur die Bundesverwaltung aus wohl- bekannten Gründen die Augen schamhaft verschließt. Prohibition rechtsungültig? N e w J o r k, 17. Dezember. Außerordentliches Aufsehen erregt hier die Entscheidung eines vezicksrichters im Staate New Jersey, in der erklärt wird, daß die IS. versassungeänderung, durch die die Prohibition eingeführt wurde, ungültig sei. Da es sich um eine Einschränkung der Rechte der Bürger handele, hätten nicht nur die gesehgebenden Körper- schasten des Bundes, sondern auch alle einzelnen Staaten die Prohibition mit versasjungsmehrheiten annehmen müssen. Erziehung zur Demokratie! Eine Rundfunkrede des preußischen Ministerpräsidenien. Enttäuschte Bürger. Eine Lleberraschung in Nraunschweig. Die sozialdemokratische Landtagsfraktion in Braunschweig hat für einen nationalsozialistischen Antrag gestimmt, der die Ministergehälter von 18 000 M. auf 12 000 M. herab- setzen will. Der Antrag wurde angenommen. Die Bundesgenossen der Nationalsozialisten, die Herren von der bürgerlichen Einheitsli st e gerieten darüber in große Erregung. Sie forderten ihren Minister auf, sich dem Beschlüsse nicht zu fügen, sondern den Klageweg zu be- schreiten. Im übrigen tobten sie. Gegen wen? Nicht gegen die Nationalsozialisten, ihre Bundesgenossen, die den Antrag eingebracht, sondern gegen die Sozialdemokraten, die für ihn gestimmt hatten! Sie nannten diese Abstimmung„sozialdemokratische Demagogie. bestimmt, Zwiespalt in die Regierungskoalition zu bringen". Das ist sehr heiter; Es unterstellt zunächst, daß der nationalsozialistische Antrag nicht ernst gemeint war, und daß nur die bösen Sozialdemokraten aus einem kleinen agitato- rischen Scherz gesetzgeberischen Ernst gemacht haben. Es enthüllt ferner die folgende Logik: es ist erlaubt, demago- gische Anträge einzubringen, wer ihnen aber zu einer Mehr- tzeit verHilst, muß wegen Demagogie verurtellt werden. Bor allem aber eins, und das ist das Grundsätzliche daran: die Herren von der bürgerlichen Einheitsfront in B.raunschwsig haben stillschweigend vorausgesetzt, daß sie eine Rückversicherung bei der Sozialdemo- k r a t i e gegen nationalsozialistische Dummheiten hätten! Das währe Wesen des letzten Wahlausgangs ist ihnen jetzt erst klar geworden, nachdem sie erkannt haben, daß auch sozialdemokratisch-nationalsozialistische Mehrheiten möglich sind! Deshalb toben sie nun hemmungslos gegen„sozial- demokratische Demagogie". Nun fehlt nur noch, daß auch die Nationalsozialisten— au weh, wir haben gesiegt!— über„sozialdemokratische Demagogie" schreien, und erklären, so hätten sie sich den Er- folg ihres Antrags nicht vorgestellt! Volkspariei will sparen. Reichsetat noch nicht gedrosselt genug? Der Reichskanzler hatte gestern ein« Unterredung mit Herrn Dingeldey, dem Führer der Voltspartei. Herr Dingeldey forderte, daß im Reichsetat für 1931 weitere 300 Millionen Mark eingespart werden müßten. Die Besprechung ist zu keinem Abschluß gekommen, sie soll nach Neujahr fortgeführt werden. Gowjeirubel doppelt. Die sitllschweigende Inflation. Mehrere in. und ausländische Zeitungen meldeten unlängst das Vorlonmien russischer Fünf-Rubel-Notcn mit gleichen Nummern. Der deutschen Zentral st elle zur Bekämpfung von Geldfälschungen haben jetzt 200 Stück Fünf-Rubel- Noten der Ausgabe von 1925 vorgelegen, von denen je 100 das gleiche Serienzeichen und die gleiche Kontrollnummer aufwiesen. Nach dem Gutachten der technischen Sachverständigen der Deut- schen Reichsbank zeigen die Roten zwar die Me r k m a l e echter Fertigung, es ist aber trotzdem eine Fälschung der Noten nicht ausgeschlossen. Die nötigen Schrllte zur Feststellung der Noten sind eingeleitet. Bis zum Abschluß dieser Feststellungen ist jeden- falls gegenüber diesen Noten Borsicht geboten, zumal seitens der russischen Regierung für das russische Staatsgebiet die Ein- und Ausfuhr von russischen Noten überhaupt verboten ist. Mitteilungen und Anfragen in dieser Angelegenheit werden an Kriminalkommissar von Licberniann, Alle Leipziger Straße 16, Merkur 3789, erbeten. polnische Wahlen. Aus Warschau wird dem„Börsen-Courier" geschrieben: Ein Woiwode ruft am Wahllage seine Beamten zu sich und übergibt jedem einen verschlosienen Umschlag, in dem sich schon der Stimmzettel befindet. Einen Beamten plagt die Neugierde und er will den Umschlag össnen, um zu erfahren, welche Partei er eigent- lich wählt. Daraus antwortet ihm der ÜHoiwode stirnrunzelnd: „Du kennst das Gesetz nicht! Die Wahl ist geheim!!" Da» Vefiuden PoincarOs hat sich gebessert. Temperatur und Puls find normal. Die Aerzte erwarten«ine baldige Ueberwindung der Krankheit. Das gesamt« öffentliche Leben Deutschlands befindet sich in eurer schweren Krise. Wie in solchen Fällen üblich, fehll es nicht an Rezeptemachern und Kurpfuschern, die ihre einzig ersolgver- sprechenden Heilmethoden anpreisen. Sie sagen, die Demokratie sei schuld, wenn das deutsche Volt aus politischen Krisen und Wrtschastsnöten nicht mehr her- auskomme. Sie übersehen dabei mancherlei. Zuerst: daß es nach dem militärischen Zusammenbruch 1918 denn doch ganz entscheidend anders in Deutschland ausgesehen hat als heute. Damals schien alles aus den Fugen zu gehen: das höchste Gut Deulschlands, die Reichseinheit, war auf das allerhöchste gefährdet, die Wii t- schaft völlig desorganisiert, die Bevölkerung tiesstens aufgewühlt. Zu dieser Zeil erwies die Demokratie, das junge vt>lksslaalliche System, ihre starke Lebenskrafk und ihre Fähigkeit zur Neu- geslalluag. Sie weckte veranlworlungsbewußljcin, schweißte eben noch verzweifelte und resignierende Menschen wieder zur Talgemeinschasl zusammen, und unter ihrer Herrschaft konnte ein wiedcrausbau einsetzen, wie er in der Geschichte der Welt nicht viel Gegenstücke auszuweisen hat. Die Leute, die dauernd über die Demokratie schelten, komm.'n mir immer vor etwa wie ein ungeschickter Holzsäller, der sich mit der Axt, anstatt den Baum zu treffen, in sein eigenes Bein schlägt. Er wird sehr leicht unter begreiflichem Schmerz und großer Zorn- aufwallung die Axt fortwerfen und in ihr den Schuldigen sehen. In Wirklichkeit ist er aber selbst ungeschickt gewesen und in seiner Erregung nur nicht imstande, sich dos selbst zuzugestehen. Wer eine große und schwere Arbeit verrichten will, muß eben zuerst lernen, die dazu nötigen Werkzeug« und Instrumente richtig zu handhaben. Auch die Demokratie ist für das deutsche Lolk, das seine Herrscher des selbständigen politischen Denkens und Handelns und jeder Verantwortung völlig entwöhnt hatten, mit ihrem Zwang zur Selbstverantwortung und der Aufgabe der Selbstregierung ein völlig neues politisches Instrument gewesen. Wir sind vielleicht, wenn man unsere jahrhundertelange monarchische Geschichte mit der kurzen Periode parlamentarischer Vorschulung seit der März- revolution 1818 am geistigen Auge vorüberziehen läßt, etwas zu jäh und übergangslos in den Besitz der vollen poli.i schen Rechte und in die Notwendigkeit, unser eigener Herr zu sein, versetzt worden. Aber man hätte meinen sollen, daß diese Wendung ein stolzes Glücksgefühl tm Volke hätte auslösen müssen und in ihm den Willcn und den Ehrgeiz erweckt hätten, sich mit allen Mitteln und Krästen politisch zu schulen, um jetzt der Welt nicht das Schauspiel zu bieten, daß große Teile des deutschen Volkes noch nicht reif seien, ihre politischen Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. Stall dessen haben wir alle Sünden und Torhellen politisch zer- risseuer und nureiser Völker getreulich mitgemacht und nach- geahmt. Wir haben uns in einen Haufen von Parteien zersplittert. von denen manche gar nicht mehr eine irgendwie scharf umrissene und in großen Volkoteileu verwurzelte Welt- anschauung vertreten, sondern einfach die Wahrung nackter. enger privalwirtschaslttcher Znteressen bestimmter Gruppen besorgen. Wir verschwenden und vergeuden unsere Kräfte in dem oft ganz unmöglichen Bestreben, eine ausreichende Zahl von Parteien unter einen Hut zu bringen, um eine wenn auch nur auf kurze Zeit trag- bare Regierungsmajorität im Parlament zu erreichen. Dazu müssen überall Kompromisse geschlossen und nach allen Seiten hin Konzessionen gemacht werden, nur um hier und dort Interessen und Empfindlichkeiten zu schonen, die mit Vertretung der allgemeinen Volksinteressen und nüt Politik oft nichts mehr zu wn haben. Denn Politiktreiben heißt letzten Endes, die öffentlichen Angelegenheiten eines Landes so zu besorgen, daß das Volk frei und ungehindert fein« Anlagen entwickeln, seine Geistigkeit ohne Zwang ausleben, sein« Kultur erhöhen, seine Wirtschaft in gerechter Abwägung der Lebensinteressen der Kleinen und Schwachen gegen die der Großen und Mächtigen zur allseitigen, alle Teil« der Er- werbstätigen umfassenden Blüte bringen kann. Politik ist nicht ei« Rlillel, um Verwirrung zu stiften und um die Menschen gegeneinander zu verhetzen, wie es heute bei uns leider gang und gäbe geworden ist. sondern die Methode des Staates und des sich selbst regierenden Volkes, sich Zustünde zu schaffen, in der alles wahrhaft Produktive sich zu höchster Srafl- enlfaltung steigern kann. Bei uns hat man all das noch längst nicht in allen Bolkskreiscn erkannt. Es ist Wahnsinn, sich gegenseitig über politische Doktrinen die Schädel einzuschlagen und jedem politischen Marktschreier nachzu- lausen, anstatt die Zähne zusammenzubeißen und unter Ausschaltung jedes Verzetteln- von Krästen das ganze Volk zu einer entschlossenen Arbeitsgemeinschaft mit gegenseitiger schicksalssolidarischer Verhoftunz zusammenzureißen! Diese jämmerliche Jnteressenpolitik vieler Gruppen hat es dahin gebracht, daß viele im Parlament nicht mehr den Brennpunkt aller politischen und geistigen Interessen der Nation sehen. Man oersteht es vielfach schon nicht mehr, daß die höchste Pflicht der Polksver- tretung ist: unerbittlich, unbestechlich und mit Ehrlichkeit und Ge- rechtigkeit das allgemeine Interesse zu vertreten, anstatt mehr und mehr aus dem Parlament eins Zusammenkunft von Ver- fcchtem einzelner Gruppeninteressrn zu machen, in der derjenige siegt, der es versteht, sich möglichst vieler finanzieller oder sonstiger Druckmittel zu bedienen. Diese Entwicklungen haben leider den Gedanken der Demokratie bei uns zum Teil in sein Gegenteil verkehrt und den Parlamcntaris- mus im Volke entwertet. Das Volk versteht licht mehr den Sinn dieser endlosen Parlamentskämpfe und Verhandlungen um Regie- rung-progranmie, weil es sieht, daß dabei nichts Positives heraus- kommt, und es zweifelt an der Möglichkeit, auf diesem Wege überhaupt weiterzukommen. Demgegenüber muß mit oller Schärfe und Deutlichkeit gesagt werden: nicht die Demokratie, nicht der Gedanke, daß ein Volk aus freier polilischer Enlschlleßung Vertreter wählt, die dann die politischen Geschicke der Gesamtheit betreuen sollen, haben versagt. versagt hak bei uns lediglich ein erheblicher Teil der deutschen Menschen, weil er der Verantwortung, die plötzlich auf seinen Schüller« lag. noch nicht gewachsen war und mit dem Parlamen- tarismus daher noch nichts Rechtes beginnen konnte. Sodann aber wird systematisch am Untergang« des Parlamen- tarismus dadurch gearbeitet, daß Männer und Parteien in das Parlament hineingehen, die geschworene Todseinde des parlamentarischen Systems, der S e l b st r« g i e r u n g ' des Voltes, sind und deshalb um reden Preis die Verhandlungen des Parlaments durch ihr Verhalten in den Augen des Volkes dis- kreditieren wollen. Die Ungeschicklichkeit in der Handhabung des parlamentarischen Systems ist vielleicht noch in dieser Generation zu kurieren. Hier brauchen wir nur Lehrzeit und müssen Lehrgeld zahlen. Di« bewußte frevelhaste Sabotage der parla- mentarischen Arbeit aber inuß zunichte gemacht werden! Das Schönste und Größte wäre es und ein Ehceniitel des damit seinen politischen Hochsland beweisenden deutschen Volkes, wenn wir in einem Parlament in der Zusammenarbeit und im geistigen Ringen einiger weniger großer Wellaoschanungsparteien die Gegenwart des deutschen Volkes meistern und seine Zukunft zimmern könnten. Mit dem jetzigen Parlament, verfälscht in seiner Wesensart durch Interessenvertreter ohne verantwortliche Bindung gegenüber dem Allgemeininteresse und gestört durch Parteien, die das Chaos und den Bürgerkrieg als Mittel zur Heilung der Rot des deutschen Volkes ansehen, kann man leider diese Aufgabe nicht erfüllen. So muß eine Reichsregierung, die nicht gegen- über den entfesselten Leidenschaften und nackten Jnteressenvertre- tungen politisch abdanken, sondern wirtlich im Namen des Volkes und zu seiner Selbstbewahrung vor politischem Irrsinn und staatlichem Zerfall regieren will, zu außergewöhnlichen Maß- nahmen schreiten. Ich habe zur Amtszeit des ersten Reichspräsidenten, meines verstorbenen um Deutschland hochverdienten Freundes, Friedrich Eberl, wie in den letzten Jahren stets gegen jeden Mißbrauch der sehr dehnbaren und auslegungsfähigen Bestimmungen des Artikels 48 der Reichsverfassung gekämpft. Ich wollt« und will den demokratischen Grundgedanken der Bersassung nicht dadurch in sein Gegenteil verkehren, daß auf diesem Wege unter Umständen der Will kür Tür und Tor geöffnet wird. Aber Voraussetzung ist und bleibt immer, daß der hauptsächlichste Machtsaktor, den die Per- fossung kennt, das aus dem Volle hervorgegangene Parlament willens und fähig ist, die ihm von der Verfassung gewiesenen Auf- gaben und die für das Volk lebenswichtigen Arbeiten zu erledigen. Erweist sich das Parlament z. T. infolge seiner Durchsetzung mit antiparlamentarischen Gruppen dazu als fähig, dann, aber auch nur dann, muß das politische L0L>,-Notzeichen gegeben werden, danu muß das Roloentil der Verfassung für so lange Zeit geöffnet werden, bis der akute Notstand beseitigt ist, den das Parlament nicht meistern konnte, oder nicht meistern wollte. Nur so vereiteln wir die Taktik der antiparlamen- tarischen Gruppen, erst die Arbeit des Parlaments lahm zu legen und dann hohnlachend in alle Well hinauszuschreien:„Seht doch, das Parlament versagt: das ist das Ende des parlamentarischen Regimes, nur der Diktator kann uns retten!" Nein, kein Diktator kann uns reklen. Wir selbst müssen uns helfen, iadem wir die Scheu vor der Verantwortung bei uns allen und bei den Parteien vor allem belämpsen. die sich ver- antwortuugsbewußler Mitarbeit im Reichstag versagen. Es ist natürlich viel leichter, dem Volke zu erklären, daß man keine neue» Steuern brauche, damit das Reich sich finanziell leiftungs- fähig erhallen kann; man solle nur die Tributlastenzahlungen einstellen und alles sei gut. Wer den Massen so etwas sagt, hat bei ihrer Not und bei ihrem begreiflichen Zorn gegen unsere finanzielle Blutleermachung durch das Ausland naturgemäß thr Ohr. Weit schwerer ist es, vernünftig und ruhig ihnen zu sagen, daß das so mit Gewall nicht angeht. Hoben wir schon vergessen, wie uns die Ruhrbesehung zurückgeworfen und an den Rand ijes Abgrunds geführt hat? Würfe Deutschland sich heute in einem Jrrsinnstaumel einem Diktator etwa von der Art des Herrn Hiller in die Arm«, was wäre damit gewonnen? Zwei Möglichkeiten gäbe es nur, entweder Herr Hitler täte als Diktator das, was er und feine Leute Tag für Tag in unzähligen Versammlungen den Massen versprechen. um sie um jeden Preis als Anhänger zu gewinnen. Dann würde mit einem Schlage das Bertrauen, das Deutschlands wirtschaftliche Arbeft und Kraft heute immer noch in der Well besitzt, und das wir oermehren wollen, zum Teufel sein. Die gesamten bei uns arbeitenden, im Vertrauen auf die Auf- rechterhallung der Ordnung in Deutschland gegebenen ausländischen Gelder würden fluchtartig zurückgezogen. Milliarden strömten ab. Die Banken wären dadurch gezwungen, um diese katastrophale Geld- Verschiebung wenigstens zum Teil, zur Verhütung ihrer eigenen Illiquidität, abzuwenden, sofort Hals über Kopf die an ihre Kund- schaft gegebenen Kredite zu kündigen. Große Industrieurfter- nehmungen könnten nicht einmal mehr die nächste Lohn- Zahlung vornehmen. Riesenhafte Arbeiterentlassun- gen wären die erste Folge. Zusammenbrüche der mittleren, kleinen und kleinsten Geschäftsleute, denen die eigenen Kredite entzogen worden sind und deren Kmrdschaft noch dazu eben- falls den Genickstoß erhalten hat. würden in ganz Deutschland in noch nie dagewesenem Maße eintreten. Selbst ein Moratorium weitest gehender Art könnte bcsi dem völligen Schwinden jedes Der- trauens und bei dem Aufhören der weltwirtschaftlichen Beziehungen zu dem bis aufs Aeußerste mißtrauisch gewordenen Ausland nur ein Palliativmittelchen aber kein Schutz vor der Katastrophe fein. Außenpolitische Schwierigkeiten ohne Ende würden folgen und im Innern des Landes würden Bürger krieg und Hungerrevolten das chrige tm>. um unser Vaterland explosionsartig auseinanderzusprengen und die einzelnen Teil« in völliger politischer Ohnmacht jedem außenpolitischen Gegner als willkommenes Opfer hinzuwerjen. Und die zweite Möglichkeit: Einmal in den Besitz der ihn lockenden Macht gelangt, würde Herr Hftler seine hauptsächlichsten Programm punkte vergessen und so, wie er es— allerdings ohne die ihm folgenden Massen davon in Kenntnis zu setzen— ja dem Auslande gegenüber und auch gegen- über der Großfinanz getan hat, seine ehemals stolzen Pläne ganz jämmerlich reduzieren. Um das Ausland zu beruhigen und um das Kapital nicht gegen sich zu haben. Dann würden die von ihm ent- täuschten Massen fühlen, daß sie irregeführt sind und würden in blutigen Äämpsen versuchen, seine Diktatur durch ein« andere, radikalere, abzulösen. So oder so also Chaos und Untergang, nirgends aber durch das Mittel der Diktatur Aufstieg und Besserung. Denn auch der Dittalor kann, selbst wenn er ein Genie wäre, nicht mehr wachsen lassen als der deutsche Boden hergibt, und er kann vor allem nicht mehr Arbeil schassen, weil der Weltmarkt nicht daran denkt, ihm mehr deutsche Ware abzunehmen als wir heute, wo uns überall hohe Zollschuhyiauern den Weg versperren. absehen können! Und hier kommen wir zum wesentlichen: Unsere deutsche Gott sei Dank nicht! Zwischen, uü„Haben Sie denn den Klm gesehen 7* Abg. Schwecht(Onai.j:„Sott sei Dank nicht T* ftlcinea Zaischeaspiel in La-dt-g. «.Waren Sie im Kriege?�—«.Ne, Goit sei Dank nicht-»Haben Sie den Nemarque-Film gesehen?�-»Gott sei Dank och nicht'*-»7!a, dann unterschreiben Sie mal hier!* Volksbühne und Staat. Oer Vertrag im Hauptausschuß angenommen. Der Hauptausschuß des Preußischen Landtags beriet Mittwoch- abend den mit der Volksbühne abgeschlossenen Vertrag wegen der Republikoper. Nach dem Vertrag verzichtet die Voltsbühne auf ihre Ansprüche aus dem bisherigen Vertragsverhälmis und allen früheren Rechts- beziehungen mit dem Staat, wogegen ihr zur AhgeUung eine Reche von Leistungen des Staates gewährt werden. Der Staat zahlt a n die Volksbühne eine(Entschädigung, bei deren Berechnung ein-jährlichem Betrag.von lÜOJXW Mk.. für dje Dauer des alten Vertrages(bis IMS) zugrunde gelegt ist. Di« Zahlung soll so geschehen, daß der Betrag für sechs Jahre sofort gezahlt wird und in den Jahren von 1934 bis 1946 einschl am 1. April ein Betrag von je IVDCXX) RM. fällig wird. Der Staat ist berechtigt, die letztge- nannten Zahlungen in zwei Pauschalraten von je 450 000 RM. am 1. April 1932 und 1. April 1933 zu tilgen. Nach dem Wlauf des Spieljahres 1930/31 in der Republikoper werden der Volksbühne für die Zeit vom 1. September 1931 bis 1. September 1936 vom Staat während der durchschnittlich zehnmonatigen Spielzeit 54 000 Plätze für Opern in geschlossenen Vorstellungen in der Linden- o p c r gegen Vergütung von 2 RM. zuzüglich 0,30 RM. Garderoben- gebühr für den Platz geliefert. Die im nördlichen Anbau der Republik- oper befindlichen, der Volksbühne bisher zur Verfügung gestellten Bureauräume sollen ihr bis zum 1. September 1936 mietefrei über- lassen werden. Der Berichterstatter Dr. Lauscher(Z.) ging auf die Ge- schichte des Vertrages zwischen Staat und Volksbühne ein, der ein Werk der Minister B o e l i tz und von Richter gewesen sei. Der jetzige Vertrag bedeute«ine Besserung für den Staat und das Maximum des Erreichbaren. B o r ck(Dnat.) fragte nach der Höhe des Defizits der Republikoper: man spreche jetzt von 2 Millionen. Wenn die Lindenoper 34 SpieUage an die Volksbühne abgeben lull, so widerspricht das ihrer Aufgabe als Repräsentationstheater(!). 2lnch der Volksparteiler S t e n d e l verlangt« näher« Auskünfte über Sonber- und Nachtragsabtommen. Redner der Wirtschoftspartei und .dcs Landv.olks schloffen sich ihm an. Grebe(Z.) war.der Anftchl, daß«ine Möglichkeit, vom Vcrtrag mit der Volksbühne loszu- kommen, nicht bestehe. Nur darum werde das Zentrum zustimmen. Ministerialdirektor Hübner betonte, daß die Volksbühne stets die vereinbarten 210 000 Plätze abgenommen und prompt be- zahlt habe. König(Soz.) erklärte den Vertrag als gutes Geschäft für den Staat. Generalintendant T i e t j e n s erklärte, daß er nicht den Auftrag habe, einen neuen Etat für die Republikoper auf- zustellen: er habe mir ein Gutachten auf Wunsch des Betriebsrates darüber abgegeben, mit welchen Mitteln ein nichtstaatlichcs gemein- nütziges Unternehmen unter freiwilligen Opfern aufrecht- zuerhallen sei. Nach weiterer Debatte wurde der Vcrtrag mit den Stimmen der Regierungsparteien angenommen. Ein oolksparteilicher Antrag, das Staatsministerium möge dahin wirken, daß die Arbeitsgemein- schaft zwischen Staatsoper und Stadtoper Wirklichkell werde, wurde abgelehnt. von heute ist nicht nur auf uns beschränkt und gar nicht einmal mit deutschen Milleln— am allerwenigsten durch Diktaturgeschwäg oder gar Diktaturerrichtung— allein heilbar. Die Welt ist krank, sie leidet an den Folgen eines Krieges, der sie gerade in ihren höchst kultivierten Teilen bis ins Mark getroffen hat und von denen sie sich noch auf lange Zell hinaus nicht zu erholen vermag. Darüber hinaus krankt die Well an dem zur Zell geltenden Wirtschaftssystem unserer Gesellschaft. Jede einzeln« Nationalwirtschaft schließt sich ängstlich und eifersüchtig von allen anderen ab und umgibt sich mit einem Kettenpanzer von Hochschutzzöllen. Und in den einzelnen Nationalwirtschaften wiederum findet sich keine hinreichende allgemeinvolkswirtschaftliche Verantwortung, sondern nur eine Vielzahl von unsystematisch darauf los arbeitenden pnoatwirtschastlichen Unternehmungen, die kaum ein anderes Jnter- esse als das der Rentabilität, des möglichst hohen Profites kennen. Es gibt leider noch keine Weltwirtschaft in den, Sinne, daß die Menschen aller Erdteile und Länder etwa wirtschafte» nach den Gesetzen der Vernunft und einzig allein unter der» Gesichtspunkt, daß jede Bodenbearbeitung und alle Warenproduktion, die heute nur im Hinblick auf Rentabilität vor sich geht, in Wirklichkeit nur dann Sinn und Zweck hat, wenn aus ihren Erzeugnissen dft Menschen des Erdballs gesättigt und gekleidet werden können und in ihrem kullurellen und gesellschaftlichen Zusammenleben sich höher entwickeln! Eine Etirlschasl kann nicht gut sein, bei der an der einen Stelle Lebensnotwendiges in ungeheurem nicht zu bewältigenden lieberslusse vorhanden ist und am andern Orte Rotwendiges so sehlt, daß Hunger und Rot die Menschen schlägt und vernichtet. Nicht gut kann eine Wirtschast sein, die zulassen kann, daß über- schüssige, so wichtige Produkte wie beispielsweise Weizen, Baumwolle und Kaffee teilweise ihrer natürlichen Bestlln- mung entzogen, isoliert, ja absichtlich zerstört werben, nur um durch ein geringeres Angebot auf dem Markte den Preis zu halten oder höhere Preise zu erzielen. Die Räder der Wirtschaft der Welt sollten so ineinandergreifen, die Verteilungsorganisation sollte technisch so ideal gestaltet sein, daß jeder, solange die Erde nur das Notwendig« hergibt, auch die Möglichkeit und das Recht zu leben hat, wenn er nur will. Ein Volk allein ist machtlos, nur wenn die Völker zusammen- gehen, zusammen handeln und zusammen organisieren, werden sie imstande sein, den Kampf gegen die Rol zu bestehen, was die well braucht, ist Solidarität der Völker im rein weuschlichen und im Wirtschaftlichen und darüber hinaus Logik und poli- tischen verstand. Man fordert von uns Deutschen als Verewigung der Iributzahlungen aus dem verlorenen Krieg« in einer in der Menschheitsgeschichte noch nie gekannten Form und Härte jährlich Milliarden. Jeder Verständige weiß, daß wir diese Milliarden, wenn überhaupt, so höchstens nur in Sachlieferungen, in Waren, in Eizeugnissen deutscher Arbeit und deutschen Gewerbefleißes und deutscher Jngeineurkunst leisten können. Aber man nimmt uns die Waren nicht ab und erschwert zudem ihren Absatz auf dem Welt- markt durch übertrieben« Sperr- und Zollmaßnahmen. Kömllen wir die rund 2,7 Milliarden Mark, die wir schon jetzt im Jahre— und die Ziffern werden sich noch steigern— an unser« Erwerbslosen im Wege der Arbellslosenunterstützung, der Krisensürsorge und Wohl- iohrtspflege aufwenden müssen, als Arbeitslöhne an scktzrfsends Menschen verausgaben, könnten wir weiter die so er- .zeugten Waren aus dem Weltmarkt absetzen, so sähe das Bild wesentlich anders für uns aus. So müssen aber Millionen fleißige Hände bei uns feiern, und aus einer aufs Schwerste um ihren Absatz k Zmpfcnden Wirtschaft und aus einem verarmenden Volke müssen wir trotzdem die Reparalionslafien herausholen i Wahnsinnige Folgen de» größten Wahnwitzes, den dl« Welt- geschichte je gekannt hat,— des Weltkrieges, mit seinen 12'A Millionen Toten und dem nur mühsam oerhüMen wirtschaftlichen Ruin Europas! Doppeller und dreifacher Wahnsinn aber, unter derartigen Um- ständen mil dem Gedanken eines neuen Kriegsabeuteuers zu spielen und von einer Vergrößerung der Salasirophe ins Maß» lose die Heilung zu erhoffen! Europas Völker und das große Glaub igcrland jenseits des großen Ozeans müssen zu der Einsicht kommen, daß wir mit den gegen- wärtigen Wirtschafts- und politischen Methoden nicht weiterkommen. sondern den Zustand des Nachkriegschoos noch verewigen. Nur weun man überall den Mut zur Abrüstung sindet und gleich- falls zu der Erkenntnis, daß es ein« wirtschaftliche Soli- darität der Menschheit gibt, die man praktisch durch eine falsche und törichte Wirtschastspolitik nicht dauernd ungestrast vor- leugnen darf, darf die heute lebende Generation auf eine Besserung •hrer Lage rechnen. Wir müssen für dies« Gedanken der wirklichen Völker- Versöhnung und der tatsächlichen Befriedung der Menschheit mit aller Kraft arbeiten, weil nur von diesen großen und entscheidenden Zielsetzungen her auch Endgültiges zur Abhilf« der deutschen Not kommen kann. Wir tämpsen für diese Ziel« in verdeutschen Republik und mit und für die Demokratie. Jeder Defaitismus. jede müde und verzweifelte Resignation in solchen Zeiten, jedes. Gefühl:„Schlimmer kann es ja nicht mehr kommen" sind eine Ver- sllndigung am deutschen Volte und am wahrhast deutschen Geist«. Jawohl: Es kann noch viel schlimmer kommen, wenn wir näm- lich wirklich an uns und an der Fähigkeit verzweifeln, uns als freie Menschen, durch die gesammelte Kraft eines freien, auf Selbslregicrnng gestellten Volkes emporzuarbeiten. Nur Minderwertigkeitsgefühle, nur Schwachheit und Scheu vor der Selbstoerantwortung bringen Völker dazu, sich in die Arme eines Diktators zu flüchten, der uns zu suggerieren sucht, daß er der Starke sei, daß er uns retten könne. Es gibt nichts Stärkeres, als das gesammelte demokralische. seine» wertes bewußte und seine politischen Freiheilen gegen jeden Raubversuch verteidigende Deutschland. Dieses Deutschland, das monarchische Bevormundung abgestreift hat, will dafür nicht die noch unerträglicheren Ketten einer aus Unwahr- hastigkeib und Voltsbetrug ausgebauten, vor keiner Gewalttätigkeit und vor keiner Riedertracht zurückschreckenden Diktatur eintauschen. Der Diktaturspuk wird versliegen, wenn wir sest bleiben und in schwerem und langem Ringen uns eine Besserung unserer Wirtschaftslage,«in« Minderung unserer Tri- butlasten erkämpft haben. In den Jahren der Not und des Kampfes, des allmählichen Eindringens in die wahren Ursachen seiner politischen und Wirtschastsnot, im Abwehrkampf gegen alle Störenfriede wird das deutsche Volk, das zu unvermittelt und schein- bar zu leicht das große Geschenk der Demokratie und der politischen Freiheit erhalten hat, sich diese Demokratie gedanklich gang erobern, um sie in richtiger praktischer.Handhabung zum Segen und zum Nutzen ganz Deusschlands und zur Mehrung der Ehre seines Namens i» der Welt auch«irttich z» besttzenl Doppelverdiener. Ein sozialdemotratischer Antrag im Reichstag. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat folgenden Antrag zur Beschäftigung der Doppeloerdiener eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen, die R-ichsregi-rung zu ersuchen. alsbald einen Gesetzentwurf vorzulegen, der folgenden For- derungen Rechnung trägt: 1. Wen in Reichs-, Staats- oder Kommunaldiensten oder in Diensten öffenllich-rechllicher Körperschaften ständig beschäftigten Personen(Beamten, Angestellten und'Arbeitern) ist die U e b e r- nähme und Ausführung außerdien st licher entgeltlicher Berufstätigkeit grundsätzlich zu unter- sagen. Wissenschaftliche, literarische und kunsffchöpferische Be- tätigung ist ausgenommen. 2. Der Reichsarbeitsminister ist zu ermächttgen, für Berufe, die erfahrungsgemäß besonders unter der Beschäftigung von Doppel- oerdienern und Schwarzarbeit zu leiden haben, den Zwang zur Meldung aller offenen Stellen bei den Arbeits- ämtern und zur Benutzung der Arbeitsämter einzuführen und zwar auch infoweit nur eine Gelegenheitsarbeit oder vorübergehende Beschäftigung in Betracht kommt. 3. Die Arbeitsnachweise sind zu verpflichten, Personen, die in anderen Berufen oder Betrieben berussmäßig als Arbeitnehmer tätig sind, nur dann in eine zusätzliche Beschäftigung zu vermitteln, wenn für diese Beschäftigungen geeignete Arbeitslose des in Betracht kommenden Berufes nicht zur Verfügung stehen. Nationale Journalisten. Hugenberg-Korrespondentcn vor Gericht. Die Verhandlung im Journalistenstreit Hirth contra Heim- bürg und Stahl, die vor einem Monot vom Einzelrichter Berlin-Mitte vertagt wurde, ist immer noch nicht zu Ende gekommen. In der gestrigen Verhandlung stritten sich wieder der' frühere Pariser Korrespondent.der Dinazeit(Dienst nationaler Zeitungen),.Prof. Hirth, und der jetzige Pariser Berichterstatter des„Lokal- Anzeigers", H e i m b u r g, sie sprachen einander das Recht ab, sich als„nationale Journalisten" bezeichnen zu dürfen. Es haudell sich um die Beleidigungsklage des Herrn Hirth gegen die Herren H e i m b u r g und Stahl, die ihm angeblich Spionage und Verrat vorgeworfen haben sollen. Die beiden Beklagten bestritten gestern mit aller Entschiedenheit, derartige Borwürfe überhaupt erhoben zu haben. Der Nebenkläger Hirth blieb jedoch dabei, daß dies der Fall gewesen sei und behauptete unter anderm, der beklagte Stahl habe' sein Material gegen ihn von dem Separatistenführer M a t t h e s erhalten. Stahl legte dagegen energisch Verwahrung ein und- erklärte, daß er nur einmal gegen seinen Willen auf wiederholte Aufforderung des Vorsitzenden des Reichsverbaudes der deutschen Presse, Richter, und ein zweiies Mal in der Sache Ullstein sich mit Matthes in Berbindung gesetzt habe. Die Versuche des Gerichts, einen Vergleich herbeizuführen, scheiterten. Di«-zur Sache vernommenen Zeugen, der Kaufmann Krücken- borg aus Paris und der frühere Chef des Herrn Hirth, R o b e n s, brachten keine ausreichende Klärung. Das Gericht vertagte die Der- Handlung. Beide Parteien sollen Schriftsätze mit neuen Beweis- anträgen einreichen, damit eine weitere Beweiserhebung vor- genommen werden könne. Gtudenienduell mii Polizeipräsidenten. Feudale Sitten in Rumänien. Bukarest, 17. Dezember. Etwa 1700 Studenten hielten in Bukarest eine Versammlung ab und zogen dann in kleinen Trupps durch die Straßen. Sie zer- schlugen die Fensterscheiben des Hauses der Freimaurer, des Marschalls Mardarescu und des Polizeipräsideuten Marineecu. Di« Polizei ging darauf rücksichtslos mft dem Gummiknüppel vor. Aus den Reihen der Studenten fielen Schüsse, worauf die Polizei gleich. falls das Feuer eröffnet«. Ein Polizist und ein Studentenführer wurden mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus ge- bracht. Außerdem trugen zahlreiche Personen leichtere Verletzungen davon. In, Zusammenhang mit diesen Demonstrationen haben die anti- semitischen Studenten beschlossen, den Polizeipräsideitten zu einem Duell herauszufordern. Die Studenten werden einen Vertreter wählen, der sich mit dem Obersten schlagen soll. Etatsdebatte im Landtag. Noch einmal Nemarque-Kilm und Hugenberg-Interesse. Im Preußischen Landtag stellte am Mittwoch Abg. I ü r g e n s e n(S o z.) zur GesllMstsondnung den Antrag, einen Antrag seiner Fraktion über die Aushebung des Razi- feldlagers in Iäschkow.itz bei Breslau auf die Tages- ordnung zu setzen und mit der Beratung des Etats für 1931 zu oerbinden. In diesem Antrag wird die Regierung ersucht, die rcst- lose Entwaffnung der putschistifchen Verbände durchzuführen und die friedliche Bevölkerung gegen Terrorakte der Nationalsozialisten zu schützen. Ebenfalls mit der Etatdebatte soll verbunden werden die Be- ratung einer sozialdemokratischen Großen Anfrage, die eine große Anzahl von nationalsozialistischen Ucberfällen auf Sozialdemokraten und das Reichsbanner anführt und m der die Regierung angefragt wird: 1. Ist die Staatsregierung der Meinung, daß eine Erhöhung der Wirksamkeit der staatlichen Polizei erforderlich ist. damit sie den Anforderungen zur durchgreifenden Bekämpfung der nationalsozialistischen Gewalttätigkeit besser genügt? Z. hält sie die Aufrechterhaltung der Selbständigkeit der kommu. nalen Polizei für erforderlich und zweckmäßig oder ist nicht vielmehr Z. die Eingliederung der kommunalen Polizei in die staatliche Polizei anzustreben und durch eine straffe, einheitliche Führung die Schlagkraft der Polizei insgesamt zu erhöhen? Es wird beschlossen, die beiden Vorlagen mit der Etatberatung zu verbinden. Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragt Abg. Kasper (Komm.), sofort einen Antrag zu verhandeln und anzunehmen, der die Verhaftung des Abg. lL u n k e l(Komm.) durch die polnische Polizei in Königshütte betrifft, und der die Regierung auffordert, über das Auswärtige Amt sofort von Polen die Freigabe des Abg. Tuntel zu veranlassen. Der Antrag wird ohne Debatte einstimmig angenommen. Das Haus tritt hieraus in die Beratung des Etats für 1931 ein. Zunächst beantwortet Ministerialdirektor Meyer vom Wohlfahrtsministerium eine große Anfrage. Danach können auch Hauszinssteuermittel zur Besserung des Altwohnraums auf dem Lande verwendet werden. Als erster Etatredner erhält das Wort Abg. Szillat(Soz): Wir begrüßen die durch den Minister angekündigte Klarheit und den weiteren Ausbau des Etats. Es ist ihni gelungen, beinah« rest- los für die Deckung der Ausgaben für 1931 zu sorgen. So erfreulich diese Tatsache ist, sie war nur möglich unter Verzicht auf die Behebung der Notlage der Gemeinden und durch den beschlossenen Gehaltsabbou der Beamten. Wir wünschen aber zu wissen, wie sfch der Minister zu dem von uns gestellten Antrag stellt, der die Ab- änderung der Notverordnung in bezug auf den Gehaltsabbau der Beamten durch eine soziale Staffelung verlangt. Die Not der Gemeinden ist besonders groß, denn die 3,7 Mit- lionen Erwerbslose fallen hauptsächlich den Kommunen zur Last. Dabei sind nicht mitgerechnet die Ausgesteuerten, die als Wohlfahrtserwerbslose die Gemeindeetals besonders hoch belasten. Es ist zum Auvdruck gebracht worden, daß die Gemeinden ihre steuern nur um SO Proz. zu erhohen brauchten, um die Finanzen in Ordnung zu bringen. Wir halten dies« Berechnung für außer- ordentlich optimistisch. Man wird dazu übergehen müssen, auch die Nowerordmmgsstcuern der Gemeinden zu erhöhen, eine Maßnahme, die wir deshalb für gefährlich halten, weil sie insbesonider« die breiten Massen im Augenblick des jetzt durchgeführten Lohnabbaus treffen würde.(Sehr wahr! bei den Soz.) Preußen sollte von sich aus alles tun, um die Reichsreform zu beschleunigen. Injneser Hinsicht begrüßen wir mit Befriedigung die Anschlußbestrebungen kleinerer Freistaaten an Preußen. Es wird auch notwendig sein, daß die Kosten für Errichtung öffentlicher Bauten aus dem ordentlichen Etat herauskommen. Sie sollten aus A n l c i he m i t te l n bestritten werden. Wäre das z. B. beim Kultusetat der Fall, so würde das beim Schullasten- ousgleich eine wesentliche Entlastung der Gemeindeetats zur Folge haben. Der Minister hat allerdings Bedenken erhoben gegen An- leihen unter Hinweis auf die Bertrauenskrise auf dem Anleihemarkt. Wir halten es deshalb für besser, wenn der Staat auf dem Anleihe- rnarkt auftritt, als die vielen Städte. Wir fodern außerdem, daß Steuerstundungen den Schuldnern nicht so leicht gemacht werden, wie z. B. bei der Grundsteuer in landwirtschaftlichen Bezirken. Der Landbund drückt seinen Mitgliedern in einzelnen Bezirken gleich he k t o g r a p h i« r te S t u n d u n g s a n t r ä g e in die Hand. Bei einem solchen Versahren muß die Finanzverwattung in Schwierigkeiten kommen. Gerade diesen Kreisen muß einmal mit aller Deutlichkeit zuge- rusen werden, daß ihre vermeintlichen Rechte aus Forderungen an den Staat durchaus nicht in Einklang zu bringen sind mit den Pflichten, die sie dem Staate gegenüber nicht erfüllen. (Sehr wahr! bei den Soz.) In einer Zeit, in der den Beamten uird allen Schichten des Volkes Opfer zugemutet werden, halten wir es auch für notwendig, daß von den Zuschüssen des Staats an die R e l i g i o n s g« m e i n- s ch a f t« n Kürzungen in Höhe von 6 Proz. erfolgen. Der Staat ist dazu nach den Notverordnungen berechtigt. Das ursprünglich von der Regierung geplante neunte Schulsahr ist von der Regierung fallen gelassen, dasür hat aber der Handelsminister ein weiteres Berufsschuljahr für Jugendliche angekündigt. Wir wünschen auch darüber Näheres zu hören und vor allem, wer die Kosten dafür tragen soll. Außerdem erhebt sich bei der vielen Nebeneinanderarbeit de» Staates und der Selbstverwaltungskörperschasten der Gemeinden Immer dringender die Frage, wann nun endlich die schon lange angekündigte Derwallungsreform kommt. Die Realsteuersenkung hat durch Entziehung eines Teils der Hauszinsstcuer von ihrem ursprünglichen Zweck schon bedenk- liche Rückwirkungen auf den Baumarkt gezeigt.(Sehr wahr! bei den Soz.) Für die arbeitenden Massen ist diese Senkung keine Hilfe, sondern nur ein« Steuerumlagerung zugunsten des Be- sitzes gewesen. Die einzelnen Etats werden im Hauptausschuß gründlich durch- gesprochen und zu den Anträgen wird ein zweiter Redner meiner Fraktion sprechen. Die Rechtsopposition erklärt ja immer, daß sie den Staatsbegrisf am besten ersaßt hat. Wir werden sehen, ob sie auch diesmal wieder in der Bekämpfung des Staates bei der Ver« abschiedung des Etats zur Obstruktion greift. Wir werden uns jeden- falls durch nichts beirren lassen, auch bei der Gestaltung dieses Etats zum Wohle des arbeitenden Volkes zu arbeiten.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Dr. von winierfeldt(Dnat.) protestiert gegen den Terror und die Mißhandlungen deutscher Volksgenossen in P o l e n. Im Korridor werde das Deutschtum wirtschaftlich vernichtet. Trotzdem sei das Wirtschaftsabkommen und der Handelsvertrag mit Polen noch immer nicht gekündigt. Die Reichsregierung habe sich mit einem lahmen Protest beim Völkerbund begnügt. Polen wolle deutsches Land annektieren. Die Minderheitenschulverordnung müsse ausgehoben werden. Im Innern werde der deutschen Wirt- schaft durch die Regierung nicht geHolsen. Die Preußenkasse Hobe gegenüber der Landwirtschaft absolut versagt. Der Staaisoertrag mit der evangelischen Kirche sei noch immer nicht zustande gekommen. Kennzeichnend für Preußen fei der Polizeischutz für den Remarque- Hetzstlm. Das Reichsbanner wird als Hilfstruppe der Polizei für den Bürgerkrieg bezeichnet. Abg. Kasper(Komm.) beantragt«ine große Anfrage mit der Etatberatung z>u verbinden, in der behauptet wird, daß die National- sozialisten in engster Zusammenarbeit mit der Polizei arbeiten. (Stürmische Heiterkeit!) In Berlin bestehe eine Vermittlungsstelle der Nationalsozialisten für die thüringische Polizei. Es wird ge- fragt, ob der Regierung bekannt ist. daß bis Ende Dezember samt- liche SA.-Lcute seknnarsckmäßig ausgerüstet sein sollen. Weiter wird bebauptet, daß die Vorgänge in Jäschkowitz dem Mimsterial- direktor Klausner im preußischen Innenministerium vorher bekannt- gewesen sind. Kinanzminister Of. Höpker-Aschoff protestiert gegen die Ausführungen des Abg. v. Winierfeldt über dos Versagen der Preußenkass«. Ohne Mitwirkung der Preußen- koste wären nicht nur die R a i f s e! s e n- G« n o s s e n s ch a f t, sondern auch die Landbundgenossenschaften zusammen- gebrochen. Abg. Dr. Heß(Z.) kritisiert, daß der Beschluß des Landtags, die höheren technischen Beamten den juristischen Beamten gleichzustellen, noch nicht durchgeführt ist. Hätten die Regierungsstellen mit ihrer gegenteiligen Aufsastung recht, dann müsse der Herrgott früher«in- mal preußischer Asicssor gewesen sein.(Heiterkeit.) Der juristischen Kamarilla von vier Ministerialdirektoren müsse endlich einmal ein Ziel gesetzt werden. D:e Parirät muß zugunsten der Katholiken besser gewahrt werden. In Preußen wachse«ine antikatholische Stimmung, wobei es sich offenbar um ein« Art evangelischer Ideal- konkurrenz handelt. Bedauerlich sei die nationale Uneinigkeit der Deutschen, die verhindert habe, daß der Reichstag einheitlich gegen die palliischen Terrormaßnahmen protestierte. Aus die Behauptung des Abg. Feder im Reichstag, daß es künftig nur Nazis und Kommu- nisten geben werde, habe er zu erklären, daß sich das Zentrum nie- mals nirgendwo eingliedern wird und niäst daran denkt, zerrieben zu werden. Abg. Vorck(Dnat.) bringt unter großer Heiterkeit des Hauses einen Antrag«in,»ach dem statistisch festgestellt werden soll, wieviel katholische Beamte fest 1929 ernannt oder befördert worden sind. Der Antrag wind mit zur Beratung gestellt. Abg. Schwenk(Komm.) kritisiert die Notverordnungen. Abg. v. Eynern(D. Vp.) halt weiter« Abstriche am Etat für notwendig. Sein« Partei verbitte sich, als nicht verfassungstreu angesehen zu werden. Es sei die Pflicht Preußen-, sich hinter die Reichsregieruiig zu stellen. Ein politischer Druck auf die Beamten sei verfassungswidrig. Abg. Vaecker(Landvolk) kritisiert die Maßnahmen der Preußen- kasse, die die Not der Bauern vergrößere. Die deutsche Polenpolitik sei völlig verfehlt gewesen. Als Mitglied der Filmoberprllfftelle loffe er stch ht her Frag« des Nemarqve-Fkkm« von Herrn gukhiet keine Vorschriften machen. Der Film sei an sich Schund. Die deutschen Soldaten seien nicht solche Feiglinge gewesen, wie es dar. gestellt wird. Ein besiegtes Volk müsse in solchen Fragen empfind- licher sein als Siegernationen. Abg. Falk(Stoatsp.) ist erfreut darüber, daß im Hinblick auf die polnischen Uebergrifse die Reichsregierung die Zügel fester in die Hand genommen hat. Den Parteien, die zugunsten des Sanierungsprogramms ihr« eigenen Interessen zurückgestellt haben, gebühre der Dank des Vaterlandes. Es müsse möglich sein, der über- anstrengten Polizei, für die der G e h a l t s a b b a u wie für all« anderen Beamten gilt, auf andere Weise eine Zlnerkennung in finanzieller Art zu übermitteln. Mit der Bekämpfung der Erwerbslosigkeit in den Städten wird auch das Erundübel der Finanznot der Gemeinden beseitigt. Hieraus wird die Weitcrberatung des Etats auf Donnerstag vertagt. Oer Fall Ufa. In einer persönlichen Bemerkung führt Abg. kullner(Soz.) aus, daß die Zurückweisung seiner Angriffe auf die Ufa durch den Abg. v. Winierfeldt nur seine Darstellung vorn Dienstag bestätige. Er habe zugeben müssen, laß die Ufa deutschfeindlich« Filme zur Aufführung brachte, aus denen die. deutschfeindlichen Stellen heraus- gestrichen wurden. Der linterschied bestehe nur darin, daß Herr v. Winierfeldt die Ufa unier Hinweis auf bestehende alte Vertrags- pflichten verteidigt hat. Nach deutschem Recht seien Verträge, die gegen die guten Sitten verstoßen, hinfällig. Es könnten also nur finanzielle Gründe maßgebend gewesen sein. Der Krach um den Remarque-Film wäre also nicht gewesen, wenn ihn die Hugen- bergsche Ufa aus Grund alter Verträge hätte laufen lassen.(Großer Lärm bei den Deutschnationalen.) Abg. Dr. v. winterscldi beruft sich wieder darauf, daß für die Ufa aste Bertröge maßgebend waren, daß aber aus den Filmen deutschfeindliche Tendenzen gestrichen sind.(Lachen links und Zurufe: Na, also.) Fortsetzung der Debatte am Donnerstag, 12 Uhr. Barbarossa und das AA. Die Sorgen der Filmprüfung. Unter dem Borsitz von Regierungsrat Zimmermann hotte sich die Berliner Filmprüfstelle am Mittwoch mit der Frage zu beschäf- tigen, ob die Darstellung des Kaisers Barbarossa mit einer Hermelinkrone in einem ausgesprochenen Lust- spiel das„deutsche Ansehen zu gefährden" in der Lage se! oder nicht. Die Firma Erich Engel hatte einen Tonfilm„Tingeltangel" herausgebracht, dessen Handlung auf einem Rummelplatz spielt. Ein Änreißer, von Fritz Kampcrs dargestellt, zeigt in einer Schaubude lebende Bilder aus alten deutschen. Sagen, dar- unter auch" Kaiser Barbarossa im Kyffhäuser. Barbarosia, der zuerst schlafend am Steintisch sitzt, durch den sein Bart noch der Sage hindurchgewachsen ist, erhebt sich und trägt die am Barte hängende Steinplatte davon! Die Filmprüfstelle beanstandete zunächst die ganz« Szene, beschränkte sich dann aber auf die Erklärung, daß das Gefühl zahlreicher Beschauer durch die Tatsache verletzt werden könne, daß Barbarossa mit einer Hermelin- besetzten Krone geschmückt sei. Da jedoch innerhalb der Prüfstell« selbst die Ansichten geteilt waren, machte der Vorsitzende den Bermitttungsvorschlag, die Sitzung zu unterbrechen und zwei Vertreter des Auswärtigem Amtes als Gutachter darüber zu hören, ob dieses Bild, wenn es etwa im Ausland« gezeigt würde, has deutsche Ansehen herabzusehen geeignet sei! Dom Auswärtigen Amt erschienen bald darauf Geheim. rat Prof. Dr. S i e v e r s und Konsul H o f f m a n n n- Fölkers. Beide szerven, denen der Film vorgeführt wurde, erklärten, daß sie«in« Herabsetzung des deutschen Ansehens in dieser burlesk dargestellten Szene nicht erblicken könnten. Die Filmprüfstelle genehmigte darauf- hin den Film in derOriginalfasiung. verbot ihn jedoch für Jugendliche. Die Filmoberprüistelle wird sich am Montag abermals auf An- trag der Länder Bayern, Baden und Tbüringen mit dem Film „Frouennot— Frouenglück" zu beschästigen haben, dessen Verbot von den Antragstellern mit der Begründung gefordert wird, daß dieser Bildstreifen die Gesundheit vieler Frauen zu gefährden im- stände sei und daß er geradezu zur Verletzung des§ 218 aufreize. Die Filmoberprüistelle unter Borsitz von Ministerialrat Seeger setzt sich zusammen aus dem Kinobefitzer Schüller, dem Graphiter Riemer, der Landtagsabgeordneten Frau v. K u l e s z a und der 72jShrigen Stiftsdame Freifräulein Anna v. Reegen aus Lüneburg. (Gewerkschastliches siehe 2.©eilaftc.) Verantwortlich kllr Vo'ltif: Viet», Schiff; Wirtschaft; S.»llnqelböser; Dcwerklchaftsbcwcnuna; 3. T!ei»«r: gerntteton: D«. Zo>>» Schilowoli; Lolalcz un» Sonftiges: Siiti Matfiäbt;-Zln«i»en: Th. SloSc; sämtlich in Berlin. Verlaff: Vorwärto-Vrrlan®. m. b. S.. Verlin. Druck; Vorwärt-.Buchdruckerei und Bcrlagsanstalt Paul Linaer u. 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Jene Leute, die an allen Ecken und Enden der Stadt in diesen Tagen ihre impravisierten Geschäfte ausschlagen und von einer Tonne, oder von einem Wagen herab, manchmal aber nur gang primitiv auf kulissenloser Straße mit einer Handvoll Sachen aus dem Arm, die mageren Konjunkturmöglichkeiten dieser Tage auszunutzen versuchen. Ost sind es Arbeitslose, die sich selbst er- findungsreich einen kleinen Schlager ausgeknobelt und angesertigt haben, oft sind es auch„Stadtreisende', die in Kommission arbeiten, manchmal sind es auch Kinder, die für einen Schundlohn billigen und armseligen Tand an den Mann zu bringen versuchen. Rur «ine Minderheit gehört noch zu jenen traditionellen und berufs- mäßigen„Ausschreiern", die uns von den Weihnachtsmärkten seit vielen Iahren vertraut sind. Auch hier hat sich die sozial« Struktur grundlegend geändert. * Aber eines ist allen, den„Alteingesessenen' sowohl wie den Neulingen der Branche, gemeinsam: der schneidende populäre Jargon, jener etwas plumpe aber herrliche, weil unbekürmnerte Humor, der die Leute iinmer wieder packt und sie zwingt, stehen zu bleiben und dem improvisierten„Gemecker" des Straßenhändlers, der auch ein StraßenrednG ist. zu folgen, als ob sie im Kabarett säßen. Diese Straßenpropagandisten verstehen es mit instinktivem psychologischen Berständnis, ihre Mitmenschen an der Stelle zu tressen, wo sie verwundbar sind.„Nu wot denn, nu wat denn", ruft ein Mann, der mit kleinen schwarzen und weißen Holzmäusen handelt,„der neueste Schrei. Das politische Handwerkszeug des gs- bildeten Menschen! Wollen Sie nich auch so'ne kleine Maus?! Haben'se keinen Opa, den Se politisch uffklären müssen? Dat Stück nur cn Jroschen und jedet en unchelichet Kind von unserm Joseph Goebbels! Na, da muß doch jeder zujreifen!" . Aber diese Leute mit dem lachenden Gesicht und den munteren Ccherzschlagern auf der Käuferlockplatte haben im Grunde sehr bittere Sorgen, von denen sie ihren Käufern im allgemeinen nichts zu erzählen pflegen. Es ist darmn recht interessant, einmal aus dieser so verschieden gemischten Kategorie der weihnachtlichen Straßcnhändler ein paar Menschen herauszugrejjen und sich von den Bedingungen erzählen zu lasten, unter denen sie bei Wind und Wetter stehen und sich die Lungen heiser schreien müssen. Der erste, den man diescrhalü anspricht, ist zuerst mißtrauisch und mürrisch und will nicht mit der'Sprache heraus. Schließlich taut er auf. Er ist einer von der alten Garde, ein„Traditioneller", kein Hereingeschnei- tcr und er handelt als Kenner und Routinier nur mit Schlager- artikeln, die er in Kommission nimmt. Er hat eine kieinc Puppe, die sogar so begabt ist, daß sie irgendeinen blöden Echlagertext singen kann, wenn man sie recht kräftig auf den Bauch drückt, einen Köter aus Pappe und Wolle, der nur 50 Pf. kostet und angeblich„garantiert naturccht" bellen kann, sowie einen als ksilmliebling kostümierten Steptänzer, der so viel Temperament hat, daß die Kinder vor- Vergnügen laut zu schreien omangen, wenn er SiandesgemäH! Sine schwedische Baronin wegen Betruges verurteilt. Also weil sie einmal schwedische Baronin war und viel Geld besaß, glaubte sie auch später, als sie nichts mehr hatte, ein großes Haus führen zu müssen. So kam sie wiederholt wegen Betruges auf die Anklagebank, wurde zuerst zu Geldstrafen, dann zu einem Jahr Gefängnis verurteilt und verantwortete sich dieser Tage megen Betruges in sechs Fällen vor dem Schöffengericht Berlin-Mitt«. Einst war die Frau eine gefeierte Schönheit. Noch vor dem 5lriege blieb sie auf der Durchreise nach der Rioicra in Berlin stecken. Unü doch ließ er mit einer gewissen Trägheit die Dinge an sich herankommen. Wohl war er zornig über den Schwindel, der hier Stunde um Stunde mit erwachsenen Männern getrieben wurde. Aber immer wieder, wenn es in ihm hochwallte und überzubrausen drohte, bezwang er sich und schluckte den Speichel wieder ein. Er kannte die furchtbare Macht, die das Wort„Militär- ftrafgesetzbuch" in sich schloß. Er wußte, daß die bei jeder Löhnung und bei jedem größeren Appell verlesenen Kriegs- artikel nicht nur auf dem Papier standen. Dieses Wissen Haupt- sächlich hielt ihn zurück. Schließlich war es trotz alldm Bims und Schliff im Depot doch noch besser auszuhalten als in einem Strafbataillon oder gar in einem Festungskaschott. Und doch kam der Tag, wo er seine Ruhe verlor und empört sich auflehnte gegen die täglichen körperlichen und physischen Mißhandlungen. Es war in der Turnhalle gewesen, wo er mit seiner Kor- poralschast unter Anleitung eines Sergeanten Geschmeidig- keitsübungen hatte machen müssen. Zum Schluß ließ der Sergeant die Korporalschaft stramm- stehen. Jeder mußte die Knie durchdrücken und, als ob er ein Zwanzigjähriger sei, die Hände militärisch stramm an die Hosenbiese legen. Es klappte nicht recht. Den Kommißaugen des Sergeanten waren die Hände nicht vorschriftsmäßig genug langgestreckt. Er machte der Riege mehrfach den Grift vor. Doch je mehr sich die als Soldaten verkleideten Hand- werker und Arbeiter mühten, ihre vierzigjährigen, durch harte körperliche Arbeit krumm geword-enen Handrücken gerade zu drücken, destoweniger wollte es gelingen. Nur ei» einziger brachte es fertig, einer der im Zivil Ingenieur war. Der Sergeant wurde wütend. „Der ganzen Bande sollte man von Rechts wegen ein ßrück Baterland in die Fresse stecken!" schrie er. ihn tanzen läßt. Aber dieser Mann, der doch immerhin drei ganz amüsante und originelle Schlager, zum Teil unter Durchschnitt billig, aus den Markt bringt, klagt bitter über dos schlechte Geschäft.„Es gibt Tage", so berichtet«r,„an denen man noch nicht einmal für 10 Mark umsetzt. Ich bekomme 20 Prozent und habe dabei noch das Risiko, für alles auskommen zu müssen, was kaputt geht. Sie können sich denken, wie rosig da meine Lage ist und wie gut es mir ansteht, anhaltend dieselben faulen Witz« zu machen. Aber die Leute haben kein Geld und das ist eben das Unglück--° * Dann ein Arbeitsloser, der von Straße zu Straße zieht und sich mal hier, mal dort mit einer Kleinigkeit aufftellt, die er selbst angefertigt hat. Es ist«in« recht geschickt gefertigte, bunt b e- malte Schlange aus Packpapier, in deren Innern sich winzige Korkstück« befinden und die man mit einem Verbindungsfaden in Bewegung setzt, so zappelt und krümmt sich die bunte Schlange mit wirklichem, allerdings nur vorgetäuschtem Temperament. Der nette Scherz ist nicht teuer, 20 Pfennig verlangt der Arbeitslose für ihn, aber er erzählt mir, wie blutschwer es für ihn ist, die 70 Schlangen, die er angesertigt hat, anzubringen. Er läuft vom frühen Morgen bis in den Abend und doch ist er erst 24 von seinen bunten Tierchen losgeworden. 24 mal 20 Pf. macht 4,80 M., wovon noch die Unkosten abgehen, die dem Mann mit seinen Schlangen natürlich erwachsen sind. Man sieht, es ist ein jämmerliches und wenig einbringendes Geschäft für diese Unglücklichen, die arbeiten wollen, aber nicht zur menschenwürdigen Arbeit kommen können. Aber das wahrhaft Tragische im bunten Kreis jener mensch- lichen Figuren an der Peripherie des großen Weihnachtsgeschäfts sind die Kinder, die mit Lametta, bunten Kerzen oder kleinen Schokoladenkäfern mit goldbronzierten Flügeln handeln gehen. Es sind 12 jährig«, 13 jährig«, 14 jährige... Sie treten scheu und verlegen an die Vorübergehenden heran, die Schokoladenkäfcr in ihren frostklammen Fingern und die bunten Kerzen des Festes der Lieb« in den abgeschabten Mauteltaschen versteckt. Es ist ein halbes Betteln, es ist ein„Geschäft", das aus tieftter menschlicher Verzweiflung heraus gebaren ist. Der Vater seit langem arbeitslos, die älteren Brüder ohne Arbeit und die Mutter, die oft auf Auf- Wartung ging, muß jetzt auch immer häufiger Meiern. So laufen sie denn nach Schulschluß durch die Straßen, schleichen sich durch die Lokale, klingeln verschämt an den Wohnungstüren und suchen«in paar mitleidige Seelen für ihre bunten Kerzen und die Schokoladen- käfer zu gewinnen. Das ist„die andere Seite" des Wechnachtsgeschäfts und wenn wir jene unermüdlichen Männer hören, die an den Straßenecken ihre Waren, in Scherze und Witze eingewickelt, mit lauter Stimme anbieten und lachend stehen bleiben, so hätten wir allen Anlaß, uns an ihren traurigen Alltag zu erinnern. Wenn jemals ein geflügelter Satz gepaßt hat, so hier, auf jene Zunft der Straßenhändler—: „Lache Bajazzo.. � Sie verlobte sich mit einem Hauptmann: er siel im Feld« und hinterließ ihr ein großes Vermögen. Dann wurde sie Freundin eines bekannten deutschen Industriellen und heiratete im Jahre 1310 in Schweden dessen Freund, einen Baron. Sie ließ sich scheiden, brachte ihr Vermögen durch, kam nach Deutschland, versck)enkte ihr Herz an einen stellungslosen Arzt, machte für ihn„Dummheiten" und saß schließlich gemeinsam mit ihm wegen Betruges in mehreren Fällen auf der Anklagebank. Sie nahm die Schuld auf sich und erhielt ein Jahr Gefängnis. Dann wechselten ihre Freunde in schneller Aufeinanderfolge, und eines Tages machte die Baronin in einem Cafe die Bekanntschaft eines„Salonzuhälters". S i e spielte die reiche Frau, e r den Billardmcister, in Wirklichkeit verdiente er seinen Unterhalt, indem er Billard spielt«, und sie, indem Und aufgestachelt von seinem Zorn rannte er hinter den Männern die Reihe hinunter und klopfte jedem mit dem Seitengewehr derb auf die Handrücken. Das schmerzte sehr, und war«ine jener tausendfaä) geübten Kommißgemeinheiten, die absolut nichts nnt körperlicher Ertüchtigung und mit sogenannter Vaterlandsliebe zu tun hatte. Auch Ludwig bekam von den Schlägen ab. Da. zum ersten Male, empörte sich sein Menschlichteits- empfinden. Er rebellierte und verbat sich eine derartige Mißhandlung. Noch beendetem Dienst— es war Mittag— lief er auf die Schreibstube und machte dem Feldwebel Meldung von dem Borsall. Er verbat sich künftighin lein für allemal eine solche Behandlung:„denn", sagte er,„ich bin ein vierzigjähriger Mann, der im Leben etwas darstellt und kein zugelaufener Tagdieb oder Bauernknecht, der froh ist, in einem Kommiß- sticfel unterkriechen zu dürfen!" Der Feldwebel wollte auffahren bei dieser aufrührerischen Tonart. Da aber in diesem Augenblick zehn andere Mann der Korporalschaft die Schreibstube betraten und sich über die Miß- Handlung seitens des Sergeanten beschwerten, blieb ihm die Brülluft weg, die er sonst für solche Fälle im Kehlkopf stechen hatte. Er bekam Oel in seine Stimme und Manierlichkeit uird versprach, dem Uebelstande abzuhelfen. In Wirklichkeit notierte er Ludwigs Namen für die nächste Abmarschliste. Sonst tat er nichts in dieser Sache. Bald darauf kam Ludwig als einer der ersten Rekruten des Depots ins Feld. Straßburg, die wunderschöne Stadt, und das Depot auf dem Glacis waren ihm wie ein Zuchthaus vorgekommen. Sein Trost bei der Abfahrt war: schlimmer kann's auch an der vor- bersten Front nicht sein. Es war aber doch schlimmer. * Jawohl, viel schlimmer, noch und noch! Es gab Saures in Masse, wie der Lanzer sagt. Hier sah er in zahlreichen Gefechten, die er mitmachte, das wirkliche Grausen. Den Krieg in feiner bittersten Nacktheit. Er zerbrach sich den Kopf darüber: wie komme ich aus diesem Dreck, aus diesem elenden Morden heraus? sie sich von ihren Freunden aushalten ließ. Bald wußten beide voneinander Bescheid. Er zwang sie, von ihren früheren Freunden Geld zu holen, brachte fremde Frauen mit ins Hotel und'bezahlte sie von dem Geld« der Freundin. Kam sie ohne Geld»ach Hause schlug er sie oft. Eines Tages bat dieser Frauenhirt die Geliebte, sein Scheckbuch an sich zu nehmen. Sie tat es und zahlte von nun an mit den wertlosen Schecks— das Guthaben des„Salon- Zuhälters" war bereits seit 1326 erloschen. Der Staatsanwolr traf den Nagel auf den Kops: Weil sie einmal viel Geld besaß, glaubte sie, auch weiter in Saus und Braus leben zu können. Das Gericht verurteilte die Baronin zu zwei Monaten Gefängnis: die llntersuchungshast wurde ihr angerechnet. v-Zugkatastrophe in Spanien. 14 Todesopfer, 18 Schwerverletzte. Madrid, 17. Dezember. Bei R o b le d o stieß der Asturien-Expreßzug infolge Nichtbeachtung eine«! Signals mit einem Güterzug zusammen. Das Unglück forderte 14 Todesopfer. Achtzehn Personen wurden zun, Teil schwer verletzt. „3n Tode gependelt." 11 Monate Gefängnis für einen Kurpfuscher. Das gemeingefährliche Treiben eines Heilkundigen wurde vor der Potsdamer Strafkammer näher beleuchtet. Degen fahrlässiger Tötung in drei Fällen ist der vielfach vorbestrafte 40jährige heilkundige Willi T e o z c r aus Brandenburg augeklagt, der vom Schöffengericht in dieser Sache zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt worden ist. Der Stoaksanwalt legte gegen dos llrieil Berufung ein. Der Heilkundige stellte sogenannte Pendel- und Augen- d i a g n o s e n. So auch bei einem sechsjährigen Kind in Brandenburg, welches an Zuckerharnruhr erkrankt war. Den An gehörigen des Kindes übergab der famose Heilkmrdigc sogenannte Befundzettcl, die davon sprachen, daß der Zucker zurückgegai�gen sti, das Besmdcn sich gebessert habe usw Durch diese Besundzcttel hintertrieb der Angeklagte bei dem Kind eine beabsichtigte und von einem Arzt verordnete Insulinbehandlung. Das Kind magerte zum Skelett ab und v e r st a r b. In einer anderen Familie« r- krankten zwei Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren. Trotzdem im Hause Scharlach herrschte, unterließ es der Angeklagte, die Rachenhöhlen der Kinder zu untersuchen. Schließlich starb dos«ine Kind an Brustsellentzündung, das andere wurde tu das Krankenhaus eingeliefert, wo Diphtherie festgestellt iwirde. Die Mutter des Kindes und der Angeklagte holten sich das an Diphtherie erkrankte Kind aus dem Krankenhaus nach Hause, dort ist es nach zwei Togen verstorben. Fünf Sachverständige bezeichnen dos Vor- gehen des Angeklagten als n u ß e r st s a h r l ä s s i g. Er hat ohne jede Kenntnisse.Harnuntersuchungen vorgenoinmen und anderes mehr. Alle drei Kinder hätten nach dem Gutachten der Sach verständigen durch rechtzeitige sachgemäße Bei? and kungen geheilt werden können. Der Staotsanwoit beantragte zwei Jahre Gefängnis, die Strafkammer verurteilte?. unter Freisprechung in einem Fall zu eis Mannten G c f ä n g n i s. Genossin Martha Hossmann ersucht uns um die Aufnahme der folgenden Zeilen:„Don vielen, vielen Parteigenossen, Gesiimungs- freunden und Freunden recht herzlichen Dank für die liebevollen Beileidskundgcbungen beim Hinscheiden meines lieben Mannes Adolph Hoffmann. Die Beisetzung der Ilrnc findet am Sonnabend, dem 20. Dezember, nachnüttags 3 Uhr, auf dem Zentral- fricdhof in Friedrichssclde statt." Es war aber nicht so leicht, wie er sich's anfänglich ge- dacht hatte. Die ersehnte Gelegenheit wollte nicht kommen. Immer wieder erwog er, es tausend von verzweisellen Kaineraden nachzutun und sich selbst zu verwunden. Ein Schuß aus seinem Karabiner in den Fuß oder in die Hand konnte ihn von diesem höllischen vordersten Frontgraben erlösen. Wenn die Sache richtig gedeichselt wurde, konnte auch der schlaueste Stabsarzt nichts nachweisen. Das Beste war, durch einen Laib Kommißbrot hindurchzufchicßen. Das Mündungs- feuer und der Pulverschleim blieben dann im Brot stecken und der so entstandenen Wunde konnte niemand den Nahschuß ansehen. Aber wenn Brotteile in die Wunde kamen und diese infizierten? Wenn sie eiterte? Was dann? Na, auf alle Fälle mußte die Sache erst noch mal gründlich überlegt werden. Doch je mehr er überlegte, destoweniger fand er Mut zu der vcr- zweifelten Tat. So zögerte er sie von Tag zu Tag hinaus. Endlich kam ihm ein brauchbarer Gedanke. Er schrieb nach Hause an Moria und bat sie, einen ihm bekonnten Rechtsanwalt aufzusuchen. Der sollte ihm gegen ein anständiges Honorar einen geschäftlichen Urlaub per- schaffen. Drei Wochen lang wartete er fieberhaft auf eine Antwort. Nichts. Schließlich schrieb seine Frau, daß sie die Besorgung ausgeführt habe. Keinen Ton weiter. Zwei weitere Wochen vergingen. Die Stunden in Lud- wigs Frontleben dehnten sich zu halben Ewigkeiten. Er schwankte zwischen Furcht und Hoffen. Die Furcht überwog bald und wandelte sich zu tiefer Hoffnungslosigkeit. Er war hier in einem Feuergitter gefangen, aus dem es kein Entrinnen mehr geben konnte. Da, mitten in seiner tiefsten Niedergeschlagenheit, stieg grellen Lichts, wie eine Leuchtrakete, und ebenso unvermittelt, die Erlösung hoch. Einen Tag vor dem neuen Rückmarsch in den Graben ließ ibn der Spieß ruft» und fragte: „Sie sind Geschäftsmann, Eisermann?" „Jawohl, Herr Feldwebel!" sagte er stolz. „Ihr Rechtsanwalt schreibt der Kompagnie, Sie hätten einen Prozeß zu führen. Was ist da dran an der Sache?" Ludwig spürte, jetzt oder nie! Hier ist die Chance deine» Lebens! (Fortsetzung folgt.) Gin Nazi provoziert. Krawall in der Charlottenburger Aezirksversammlung. In der Tharlotkenburger Vezirksver- s a m m l u n g kam es gestern zu einem Zwischenfall, der nalionalsozialistischc kampsmelhoden beleuchlel. Man behandelte eine sozialdemokratische Anfrage, die sich über mangelhaften Schutz der Bevölkerung vor Angriffen der Radikalen beklagt. Genosse Hammer begründete die Anfrage unter Anführung van zahlreichen Fällen, in denen nationalsozialistische oder andere Rowdys Angriffe auf friedliche Bewohner verübten. In der Debatte sprach zuerst ein Koinmunist, der in bekannter Weise die Sozial- d e m o k r a t i e für alles verantwortlich machte. Dann folgte der Nationalsozialist L i p p e r t. Dreist und unverfroren stellte er als verfolgte Unschuld die Nationalsozialisten hin, die vom bösen Reichs- banner aufs schlimmste drangsaliert werden. Den bekannten Neber- fall auf den Edenpalast leugnete er rundweg ab. Als er im Jargon feiner Partei von Untermenschen sprach, nannte er als Beispiel für Untermenschentum auf den Protest der Kommunisien hin, die Tochter einer tommunistischen Bezirksver- ordneten, die' auf die Aussage nationalsozialistischer Zeugen zu einer Strase verurteilt ist. Empört über diese Bc- leidigung, sprang die Mutter der Beleidigten auf und versetzte Herrn Lippert einen kräftigen Schlag ins Gesicht. Die Folge war eine Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. Die Sitzung wurde unterbrochen. Die Frauen aller Fraktionen unterzeichneten eine Erklärung, in der sie ihrer Entrüstung über da» provozierende Vorgehen des Nationalsozialisten Lippcrt Ausdruck gaben. Llnd Kommunisten prügeln in Treptow. Die Bezirksversammlnng Treptow sah gestern eine Sitzung lesanderer Art. Schon bei der Erledigung des Tagesordnung?- Punktes„arbeiteten" die Kommunisten mit ohrenbetäubendem Geschrei. Auf den deutschnationalen Vorsitzenden, der imt ihrer Hilfe gewählt ist, stürmten sie unter Schinährufen«in. Der Vorsteher mußte die Versammlung schließlich auf fünf Minuten vertagen. Nach Erledigung der Vorlagen des Bezirksamts befaßte sich die Bersamm- lung mit den üblichen agitatorischen Serienanträgen der Kommu- nisten. Genosse Strieder und Genossin Todenhagen wiesen energisch die Anwürfe der Kommunisten zurück. Bei der Begrün- dung des kommunistischen Antrage» aus Abberufung der Staats- kommisiare der Stadt Berlin leistete sich der ka.nmumslische Bezirks- verordnete Mellenthin wüste Angriffe aus di« Sczlaidemokratie und beschimpfte unsere Fraktion in unglaublich«? Form. Genosse Lempert nahm Veranlassung, im Auftrage der Fraktion die Ent- stcllungen der Kommunisten ins rechte Licht zu setzen und die Haltung der Sozialdemokratischen Partei zur Notverordnung und den damit verbundenen Steuergesetzen darzulegen. Als er darlegte, daß die Kommunisten die schlechtesten Arbeitervertrcter seien, wies«r daraus bin, daß gerade sie den Gedanken der Solidarität nicht kennen. Das habe sich ganz besonders bei dem Metallarbeiter streik gezeigt, wo ein kommunistischer Bezirksverordneter, obwolst die NGO. Weiter führung des Metallarbeitsrstreits beschlossen hatte, sich bei dem Betriebsleiter seines Betriebes, bevor«r di« Weilerführung des Streiks durchführte, entschuldigt«. Das war zuviel Wahr- K e i t: Die Kommunisten stürmten wie die Wilden auf unsere Genosien ein, prügelten und glaubten mit hochcrhobenen Stühlen, die Vertreter unserer Partei abhalten zu können, die Wahrheit auszusprechen. Der sozialdemokratischen Bezirksoerordnetenfraktion, di« sich rasch zusammenscharte, gelang es, die prügelnden Kommu-- nisten abzuwehren. Anwesende Mitglieder des Reichsbanners ver- hinderten das Eingreifen konnnumstischer Tribünenbesucher. Tod beim Weihnachiskuchenbacken. Ehepaar durch Kohlenoxydgaft getötet. Auf tragische Weise ist gestern im Hause Koblenzer Straße 21 ein betagtes Ehepaar, der 7Sjährige Stadt- Oberinspektor Georg H S p p n e r und sein« 60 Zahre alte Frau Paula, um« Leben gekommen. Die alten Leute hatten am Dienstagabend in der Küche für die bevorstehenden Feiertage im Bratofen Kuchen gebacken. Nachher ist dann vergessen worden, den Ofenschieber zu schließen, so daß durch die Ocffnung Kohlenoxydgase in die Küche gelangten. Als sich während des ganzen gestrigen Tages in der Wohnung des alten Ehepaares nichts regte, schöpften Nachbarn Verdacht und ließen die Wohnung öffnen. In der Küche fand man die alten Leute tot aus. Sie waren, wie der Arzt feststellte, schon mehrere Stunden vor Eick- deckung des Unglücksfalls der Einwirkung der gefährlichen Orydgase erlegen. Bis aus den Zogspitzgipselt Am 20. Dezember wird die Seil- bahn aus den Gipfel der Zugspitze, die sich an die bayerische Zugspitz- bahn anschließt, eröffnet werden. Die Einweihung des Sport- und Touristenhotels auf der Zugspitze ist für den l?. Januar 1981 vorgesehen. Das Kriegsopfer Kolgen des Lungenschuffes- Ein Opfer der Aoiverordnung! Die Notoerordnungen der Reichsregierung bringen auch eine beträchtliche Kürzung der Mittel für die Kriegs- b e s ch ä d i g t e n f ü r s o r g e Nachuntersuchungen haben in diesen Wochen den Zustand der wenig beneidenswerten Patienten nach- geprüft. Die neuen Bescheide über erhebliche Kürzung der Renke kommen dieser Tage in die Häuser ständig verängstigter, nervöser, leidender und wenig arbeitsfähiger Menschen, die einst ihre Knochen zu Markt« getragen haben und ironisch diesen„Dank" des Vater- landes quittieren. Zur Verdeutlichung ein Einzelfall, der leider kein Ausnahmefall ist: Der Handwerker Karl G. aus Berlin-Oberfchöneweidc erhält im Mai 1916 im Felde einen Lungensteckschuß, der nicht zu operieren ist. Der Granatsplitter setzt sich im Lungenflügel fest, in unmittelbarer Nähe der Hauptschlagader, für die er eine ständige lauernde Gefahr bedeutet. Die von Hause aus kräftige Nawr des Mannes bewirkt, daß er bei der Entlassung zunächst 20 Proz. arbeitsunfähig geschrieben wird. Er kann sich einen kleinen Nebenverdienst als Hilfsarbeiter oerschaffen, immer bedroht von den zwei Katastrophen: Lnngenblutungen und Herzkrämpsen. Beide Folgen können unmittelbar zum Tode führen. Der Krankheitsprozeß geht weiter. Innerhalb von sechs I a h r e n werden.10 Proz., 40 Proz., 50 Proz., 70 Proz., zuletzt 100 Proz. Arbeitsunfähigkeit erreicht, als der Arzt eine ausgesprochene Lungentuberkulose" feststellt. Versuche des Versorgungsamtes, den Rentensatz zu drücken, werden durch das Bersorgungsgericht zurückgewiesen, der Gerichksarzt besköligk den Emst der Lage. Zln Arbeitsausnahme ist bald nicht mehr zu denken: noch springt die Krankenkasse helfend ein, da G. bis dahin noch gelegentlich in Arbeck n>ar. Im Anfang des letzten Jahres wird der Zustand so kritisch, daß eine Verschickung ins Mittelgebirge zu einer Kur vermittelt wird. Nun setzen die Maßnahmen der N o t o e r o r d n u n g e n ein: Nachuntersuchung! Auf den: Versorgungsschein lesen wir:„Folgen eines Lungensteckschusses, Lungcnleiden rechts, leichte Neurasthenie sowie funktionelle nervöse Herzbeschwerden." Während der Nachprüfung Anfang November mir die l a« o» nische Auskunft des Arztes:„Sie bekommen Be� scheid!" Als wesentlich für die Beurteilung des unheilbaren Leidens wird festgestellt: Gewichtszunahme um einige Pfund. Der Bericht lautet am 20. November:„... daß in- folge der letzten Kurbehandlung eine wesentliche Besserung Ihres Versorgungsleidens erfolgt ist. Sie sind daher nicht mehr wie bis- her um 100 Proz., sondern ab 1. November 1930 um 70 Proz. in Ihrer Erwerbsfähigkeit gemindert." Die Anordnung tritt mit den, 1. Januar 1931 in Kraft. Ueberlegen wir einen Augenblick die rechnerischen Folgen. Karl G. ist verheiratet, hat ein schulpflichtiges Kind. Seine Frau kann sich keine dauernde Arbeit außerhalb suchen, da sein Zustand sorgfältige Pflege und Ueberwachung erfordert. Als hunderkprozenliger hat er olles in allem monatlich 137,15 Mark erhallen— keine Summe, die eine glänzende Lebens- sührung ermöglicht. Jehl hol er zu erwarten: 83,80 M. imMonol. Kann man nach Abzug der Miete davon leben? Gewiß nicht! Nebenbezüge sind nicht vorhanden. Die Krankenkasse fällt aus, da der Mann arbeitslos gewesen. Die Fürsorge muß mit ihren Sonder- Mitteln ebenfalls rigoros sparen. Bleibt für den Mann die Bc- Werbung um leichte Arbeit. Die Arbeitsvermittlungsstelle für Schwerkriegsbeschädigte will das Wagnis einer Beschäftigung nicht übernehmen, sie fordert ein Gutachten des Hausarztes. Die verlangte Untersuchung am 28. November bringt einen schweren Anfall von H c r z- k r ä m p f c'n des Patienten im Arzlzimmer mit sich. Der Arzt muß schreiben:„Die heute vorgenommene Untersuchung ergab, daß Herr Karl G. zur Zeit völlig erwerbsunfähig ist." Die Arbeitsvermitl- lungsstelle lehnt jeden Beschästigungznachwcis daraufhin ab. Soll der Mann ein Opfer der Instanzen und der Bürokratie werden. Oder wäre es nicht an der Zeit, daß das Bersorgungsamt II, Schöneberg, sich umgehend neu der Sache annimmt? Dr..A. S. Autobusunfall durch Glatteis. Fünf Fohrgäste verletzt. Auf dem vereisten Fahrdamn: geriet gestern abend ein Autobus der Linie 8 an der Ecke der Kaiscrallee und Badenschc Straße ins Schleudern. Der Hintere Teil des Fahrzeugs prallte so heftig gegen die Bordschwelle des Bürgerstcigs. daß zwei Personen, die aus dem Perron standen, aus die Strohe geschleudert wurden. Die Ver- unglückten, eine Frau Emma Albus aus der Büsingstraße 11 in Friedenau und der Kaufmann Adolf Charpentier' aus der Kaiserallee 170, mußten mit schweren Verletzungen in das Wilmers- dorfsr Achenbach-Krankenhaus geschafft werden. Außerdem muHteu drei Fahrgäste, die durch Glassplitter Verletzungen im Gesicht und an den Händen erlitten hatten, die Hilfe der nächsten Rettungsstelle in Anspruch nehmen._ £171. T. J�T.f Potsdamer Straße teilweise freigegeben. Die Folgen des Wasserrohrbruches in der Potsdamer Straße haben sich bei der genaueren Untersuchung an der Unfall- stell« durch Sachverständige der Straßenbahn und der Wasserwerke als nicht so schlimm herausgestellt, wie es zuerst den Anschein hatte. Bereits in den gestrigen Nachmittagsstlmden tonnt« der Straßen- bahn- und Fuhrwerksverkehr in Richtung Potsdamer Brücke wieder freigegeben werden. Die polizeilich« Absperrung für die andere Straßenseite dagegen bleibt bestehen und der gesamte Verkehr wird zunächst weiter über die Königin-Augusta-, Schilling- und Eichhorn st raße umgeleitet. Es ist damit zu rechnen, daß di« Arbeiten an der Unfallstelle mindestens zwei bis drei Tage dauern werden. Die völlige Aushebung der Absperrung dagegen dürfte vielleicht schon heul« erfolgen. 3300 deutsche Guthaben nicht angefordert. Wie die deutsche Botschaft bekanntgibt, befinden sich in der Verwaltung des amerika- nifchcn Treuhänders noch etwa 3300 deutsche, während des Welt. kriegs beschlagnahmte Guthoben im Gesamtbetrag« von schätzungs- weise zwei Millionen Dollar, die, obwohl sie durch Gesetz vom 10. März 1928 freigegeben sind, von den deutschen Berechtigten immer»och nicht angefordert sind. Die Frist läuft am 10. März 193l ob. Die deutsche Botschaft ist gegen Einsendung einer Reichsmark für Druck und sonstig« Unkosten bereit, Interessenten diese List« zuzu- senden, die außerdem allen deutsche» Außenhandelsstellen und Handelskammern übersandt werden wird. Es handelt sich überwiegend um Beträge bis 100 und einzelne bis 1000 und mehr Dollar. Oer Bombenleger von Lyon. Gefährliche Anschläge eines anscheinend Geisteskranken. Paris. 17. Dezember. sEigenberichl.) 3n Lyon ist ein geheimnisvolles B o m b e n a l l c u- tak— das siebente während weniger Monate— auf das griißie Kaufhaus der Stadt oerübt worden. Wie bei allen vorangegangenen Fällen war an der Eingangstür des Gebäudes vou einem lln- bekannten ein Paket mit einer Höllenmaschine niedergelegt und zur Explosion gebracht worden. Unter einer fürchler- lichen Detonation zersprangen die großen Scheiben der Ausloge- fcnstcr. Wie durch ein wunder wurde niemand verletzt. Die Polizei ist der Ansicht, daß es sich bei den Bombenanschlägen um die Tat eines Geistesgestörten handelt, der, unter irgendeiner Zwangsvorstellung leidend, periodisch immer wieder Bombenalteniale aus verschiedene größere Gebäude der Stadt unternehme. V-8—"■•——-...-Na«?_■■■.■ Ehescheidnngsrekord in London. Kein Ehescheiduiiasgericht der Welt ist so mit Arbeit überlastet wie dos Londoner. Obwohl bis zum Schluß der Sitzungspenode nur noch drei Wochen Zeit bleibt, stehen noch sechshundert unerledlgte Scheidungssachei, an. Mit fünftausend Scheidungs- l l a g e n in diesem Jahr hält London den je erreichten Rekord, in Ehescheidungen. Es ist übrigens festgestellt worden, daß augenbllck- lich aus einen klagenden Mann drei klagend« Frauen kommen. Zur Bewältigung de» starken Reiseverkehr» in den Togen vor Weihnachten tverdeii die vier Berliner MER-Reisebüros im Pols- damer Bahnhof, im Bahnhof Friedrichstraße, Unter den Linden 57/58 und Kurfürsteiidainin 17(Eck« Joaästinsllzaler Straße) vom Sonnabend, dem 20., bis Montag, dem 22. Dezember, täglich eine Stunde länger geöffnet sein, und zwar durchgehend von 8 bis 18 Uhr, am Sonntag, dem 21. Dezember, aber von 9 bis 12 Uhr. Platzkarten für die Schnellzüge werden schon vom dritten Tage vor dem Reisetag« ab ausgegeben. lln der Lava verbrannt. Während der bekannte holländische Forscher Professor B o s s e l w a r d t mit seinem Diener den Vulkan Merapi auf Sumatra bestieg, wurden beide von einem Krater- ausbruch überrascht. B o s s e l w a r d t und der Diener ver- brannte» in der glühenden Lava. n der Reichsregierung. <5s herrschte Uebercinstimmung in der Auffassung, daß der Preis- abbaulärm nichts weiter fei als eine reklamehoft« Kulisse für de n Lohnabbau. Es wurde sestgestellt, daß die Konsumgenossenschaften und ihre Zentralen ohne auch nur einer Anregung„von oben";u bedürfen, ihre Preispolitik stets den jeweiligen Verhältnissen gewissenhaft angepaßt und die Preis« längst gesenkt hätten, soweit die Möglichkeit dazu gegeben war. Mit Nachdruck wurde betont, daß es einer Regierung, die durch Steuern und Zölle andauernd und planmäßig preissteigernd wirk«, schlecht anstehe, denen Preismoral zu predigen, die solcher Zureden am allerwenigsten bedürsten. An die Konsumgenossenschaften wurde die dringende Aufforderung gerichtet, -.rvar selbstverständlich wie bisher die Verbroucherinteressen durch eine vernünftige Preispolitik zu wahren, sich aber nicht von unver- nünftigen' und irregeleiteten Elementen zur Mißachtung bewährter genossenschaftlicher und kaufmännischer Grundsätze verleiten zu lassen und alles aufzubieten, um die Konsumvereine unversehrt durch die heutigen, von ihnen am allerwenigsten verschuldeten Schwierig- leiten hindurchzuführen. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Um- g e g e n d hat uns ein« Liste übersandt, aus der die Preissenkungen im Konsum innerhalb Jahresfrist einfach und klar von jedermann abgelesen werden können. Jedermann kann jetzt vergleichen, was der Konsum geleistet hat. Zu berücksichtigen ist dabei noch die Rückvergütung von 4 Proz. und auch die Sonder- st euer von% Proz. auf den Umsatz, den eine„weise" Reichsrezierung den Konsumvereinen auferlegt hat. Wir lassen im folgenden die wichtigsten Posten der Liste folgen: In der Liste fehlt noch das Brot. Seit September wurde der Preis für das eingewickelte 3-Pfundbrot zweimal herab- gesetzt, zuletzt von<30 c�uf 58 Ps., das in der Qualität genau gleiche Rundbrot auf 57 Pf. Geht man von dem letzteren aus, so ergibt sich für den Preisvcrgleich, wenn man die Rückvergütung von 4 Pwz. abrechnet, ein Pfundpreis von l8,24 Ps. Das Bäcker- brot kostet im Durchschnitt l8,4l) Pf. das Pfund: der Preis der Brotfabriken liegt noch etwas höher Dabei hat der Konsum sich immer strengstens an das Gesetz gehalten. Cr hat nie«in'Mindergewicht gegeben, er hat auch die feineren Roggenmehlc, die 0 bis Aprozentigen, für dos Konsumbrot verwendet, er hat seinen Bäckern höhere Löhne gezahlt und zahlt auch für dos Brot noch die Extra- Umsatzsteuer von>» Proz. Das Hirn in In der Näh« von Buch, einem der nördlichsten Bezirke Berlins, erhebt sich, breit gelagert, fast fabrikmäßig,«n weiß getünchtes fünf Stockwerke hohes Gebäude in dem nüchternen Stil moderner Zweckmäßigkeit. Wenn man Zutritt zu diesem Gebäude erhält, dann wird man zunächst in einen vollkommen dunklen Raum gesührt, der sein Lich! von unten empfangt. Bor dem Beschauer steht auf niedrigem Po- dest ein vierkantiges Elasgefäß, ähnlich den bekannten Aquarien, angefüllt mit einer wasserhellen Flüssigkeit. Darin ruht, srei schwe- bend wie i«ne rätselhaften Me«rbewohner, die Quallen, ein hell- graues, länglich rundes saltigcs Gebilde, auf das man in seit- samer Befangenheit und Unruhe niederschaut. Es ist der ge- heimnisvolle Sitz oller hcchen und niedrigen menschlichen Leidenschaften: dos Gehirn. Bon den vier Ecken des Gefäßes starren wie Riesenaugen, unheimlich hell, vier Scheinwerfer aus dieses einsam« menschliche chirn, dessen Behälter mitsamt dem großen Kör- per wahrscheinlich schon längst zu Asche zersallen ist. Bon oben herab aber senkt sich langsam und schwer ein schwarzer Kasten mit einem Kristallauge: der photographische Apparat. Und wie dieser Apparat bemüht ist, die Geheimnisse des Hirns in der Glasschale zu enträtseln, sind die sämtlichen anderen Apparate dieses großen Instituts auf die eine gewaltige Aufgabe konzentriert: die Gehirne der Menschen und Tier« zu erforschen. Man muß dem Präsidenten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur FörderuiNg der Wissenschaften, Geheimrat Professor Dr. Planck, Donk wissen, daß er die deutsche und die aussändische Presse zur Besichtigung dieses in Berlin-Buch neu errichteten Kaiser-Wilhelm-Instituts für Hirnforschung eingeladen hat. Der Leiter des Instituts, Professor O. Bogt, er- läuterte in einem Vortrag mit Lichtbildern, die zu einem wejent- lichen Teil aus Moskau stammen, die Einrichtungen der neuen wissenschaftlichen Forschungsanstalt, die ihre Hanptoufgobe darin sieht, di« praktische Arb«it der Aerzte durch tvissenschaf.lich« theoretisch« Forschungsarbeit zu unterstützen. Professor Vogt ist seinerzeit dadurch bekannt geworden, daß ihn die Sowjets nach Moskau be- Oer Zwischenmeifier. Eine Kundgebung der Not im Lohngewerbe. Der Reichsoerband für das deutsche Lohngewerbe veranstaltete im große« Saal des Lehrervereinshauses eine eindrucksvoll« Kundgebung, die sich mit den Existenzfragen der Berliner Zwischenmeister beschäftigte. Das einleitende Referat hielt Genosse Aushäuser, M. d. R-, der ausführte, daß in gewissem Sinne der Zwischenmeister wohl als Arbeitgeber er- scheint. Er kann ober nicht mehr mit dem selbständigen Handwerksmeister verglichen werden, denn sein« Erzeugnisse bringt er einmal nicht selbst auf den Markt, zum anderen werden die Preis« sür die von den Zwischenmeistcrn hergestellten Erzeugnisse von den Großfabrikanten bestimmt. Vor allen, ist der Zwischenmeister am Gewinn des Produktionsvertrages nur als Lohncmp- länger beteiligt. Dieser Tatjache hat bedauerlicherweise die Gesetzgebung nicht innner in genügendem Maße Rechnung getragen. Im Mittelpunkt der Bemühungen steht jetzt die Arbeitsbeselzaffung. Es wird eine Senkung der- Arbeitszeit von 48 auf 40 Stunden erstrebt. In diese Neuregelung müssest aüch die ZwischeNmeister einbezog ni werden, im weiteren Sinne muß dagegen angekämpft werden, daß das Arbeitsschntzgcsetz die Lohngewerbetreibenden ausschließt. Dos Arbeitsgcrichtsgesetz bedeutet immerhin schon einen Fortschritt. Hier sind durch die Bemühungen der Sazialdemo- kratischen Reichstagsfraktion die Zwischenmeister den Arbeitern und Angestellten gleichgestellt worden, so daß auch sie den Rechtsschutz verlangen können. In d«n beiden anderen Referaten wurde die außerordentliche Verschlechterung der Existenzgrundlagen der Zwischen- meister geschildert. Seit 1927 muß das früher in so großem Maße angefertigte Stapelkleid reich garniert werden. Die Zwischen- meister müssen also sür den gleichen Lohn jetzt bedeuteich mehr Arbeit leisten. Dazu kommt die Umgehung der bestehenden Tarifverträge durch die Fabrikanten und schließlich der Preisabbau, der von der Großindustrie in Form eines weiteren Lohnobbaus auf die Zwischenmeister abgewälzt wurde. Von dieser erneuten Lohn- rcduzierung sind ungefähr 70 Proz. aller Zwischenmeister betrofsen. In der schärfsten Meise hat man ihre Not nach monatelangcr Be- schäftigungslosigteit ausgenutzt. Ein weiterer übler Punkt ist der Steuerdruck, der auf den Zwischenmeister lastet. Früher waren die Zwischenmeister in der Arbeitslosenversicherung. Durch eine Verordnung des Reichsarbeitsministers vom l8. Oktober 1930 ist der größte Teil oller Hausgewerbetreibenden jedoch von der Ver- sicherung ausgeschlossen worden. Jahrelang haben diese Schichten ihre Beiträge umsonst gezahlt. Für viele ist das Ende der Weg zum Wohlfahrtsamt. Das Reichsarbeitsministerium erklärte, es hätte keine Kontrolle, ob die Hausgewerbetreibenden während des Ilnterstütznngszubeznges doch nicht heimlich arbeiten. Denigegen- über hatten sich die Zwischcmneister einverstanden erklärt, während der Unterstützungsdaucr ihre Maschinen plombieren zu lassen und ihr Gewerbe für die Zeit der Arbeitslosigkeit abmelden zu wollen. Die Teilnehmer der Kundgebung wollen mit aller ktrast und zusammen mit den Gewerkschaften gegen die Fabrikanten ankämpfen. Die Entscheidung des Reichsarbeitsministeriums muß revidiert werden. Dann muß auch der Zwischenmeister eine gesctz- lich beschränkte Zlrbeitszeit erhalten und vor allem wurde eine Ausdehnung der Saison um sechs Wochen gefordert, um der enormen llebcrorbeit zu steuern und beschäftigungslosen Zwischen- meistern Arbeit zu geben. Korio- kabarclk. Eine Reihe prominenter Kleinkunst- Stars schliefst den Reigen im Dezemberprogramm. Da ist vor ollem der Ansager 5)«ltn>uth Krüger, der«in überreichliches Füllhorn witziger der Schale riefen, wo er dos Hin, Lenins sezierte. Bereits im Jahre 1898 gründet« er in Berlin ein« neurologische Zentralstation, die von der Idee ausging, daß die Vertiefung der Anatomie und Physiologie des Gehirns eine der wichtigsten Aufgaben des kommenden Iohc- Hunderts sei. Diese Ausgabe aber sei so schwierig, daß sie neben einer besonderen technischen Organisation die ganze Kraft einer Reihe von Forschern in Anspruch nehmen müsse. Sie könne des- halb nicht im Nahmen der bestehenden Universitätsinstitute durch- geführt werden, sondern erfordere besondere Forschungsinstitute. Ein solches Institut wollte Vogt durch sein« Gründung schaffen. 1902 wurde dieses Institut in das Neurobiologische Laboratorium der Universität Berlin umgewandelt, dem 19lö mit Mitteln der Familie Knipp von Bohlen ein Kaiser-Wilhelm-Institut sür Hirn- forschung zur Seite gesetzt wurde. Das wissenschaftliche Programm der beiden Institute wird in einem besonderen Beitrag behandelt werden. Im Anschluß an den Bortrag fand«ine Führung durch den ?l«ubau statt, die einen ftauneiierweckenden Eindruck vermittel!«. Man sah eine ausgedehnte wissenschaftlich? Apparatur, Reproduktionskameras, Makro- und Mikrotome, die die Gehirne.zerschneiden, Apparate zur Feststellung der Farbenempfindlichkeit, Laboratorien, Aufbewahrungsräume, in denen Gehirne von gesunden und kranken Menschen sowie Tieren viel hundertweise in weckähnlichen Gläsern ausgestellt sind und verschiedenes andere. Dabei erfuhr man die merk- würdigsten Dinge. Die wissenschaftliche Hirnsorschung zum Beispiel braucht ein ganzes Jahr, um ein menschliches Hirn zu zerlegen und zu durchforschen. Dieses Gehirn wird durch das Mikrotom in 35 000 hauchdünne Plättchen zerschnitten. Die Gesaust- arbeit sür ein einziges Gehirn erfordert«inen Kosten- aufwand von 6000 Mark. In einer Schlußansproche brachte Geheimrat Professor Planck seine Freude dar- über zum Ausdruck, daß die deutsche und ausländische Presse so starken Anteil an den Ergebnissen deutscher wissenschaftlicher Forschung und Ausbauarbeit nehme und betonte mit besonderem Nach- druck die überparteiliche unpolitische Einstellung der Kaiser-Wilhelm- ! Gesellschaft. Bonmots aus allen möglichen Gebieten der Persiflage über dos Publikum ergießt; aus Politik und Flüssigkeitssteuer, Erotik und Zeitgeschmack holt er Zwerchselleffekte heraus. Claire W a l d o s f darf überhaupt nickst mehr von der Bühne runter, man will immer noch mehr heimischer Herzcnstrogik von ihr erfahren. Ein tleiner Ableger ihres urwüchsigsten Berlinertums ist Ist« Traute hold, die mit netter Begabung Tragisches aus Hinterhäusern berichte:. Trude Hesterberg zeigt sich wieder als Chansonniere großen Formates, prächtig, mit gereiftester Kunst serviert sie Mehrings „Kälte" und ein Dirnenlied von Leo Heller. Witzig und amüsant der stärkstens begabte Willi S ch ä f f e r s als Weichensteller a. D, der in langer Praxis zur Einsicht kam, daß sich schließlich die ein« Seite von der anderen Seite so herzlich wenig unterscheidet: als Dichterling im ohnmächtigen Kampf mit weiblicher Eitelkeit bietet er ein herzerquickendes Bild innerer und äußerer Zerrupstheit. Eheberalungsstclle in Köpenick. Beim Bezirk Köpenick besteht seit längerer Zeit für Personen, die beabsichtigen, di« Ehe einzugehen und«ine Beratung oder ärztliche Untersuchung wünschen, eine Ehe- beratungsstelle. Ratsuchende werden in der täglichen Sprech- stunde des Stadtarztes von 8 bis 10 Uhr im Zimmer 23 des Rat- Hauses Berlin-Köpeuick unentgeltlich beraten. Seinen 80. Geburtstag feiert heute ein langjähriger„Vorwärts"- Leser, Herr August Schacht, Berlin NO., Prenzlauer Alle« 193. Georg Damberger 7g Jahre alt. Der Schriststcller-Hunwrist und ausgezeichnete Kenner Alt-Berlins Georg Bamberg«? begeht am 20. Dezember seinen 70. Geburtstag. In den letzten Iahren ist Bamberoer besonders bekannt geworden durch seine Vorträge über die Geschichte Berlins und durch seine Sonntagssührungen durch die ältesten Winkel der Reichshauptstadt. Seinen 65. Geburlstag begeht heute Genosse Gustav Gassen, Rosenthal, Germanenstrahe 36. Seit 35 Jahren gehört Gassen der Partei an. Bis 1920 wirkte er in Moabit, feit zehn Jahren im 20. Kreis. ■fsil Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin Ira] FL/ Ontoitauietn rät bttfe Zwbt» mir m tat 3iitcibft(n Sintwnftr. 3, 2. Löf, 2 Tr. links. Vortrag:..Warum müssen wir auch im Winter NNintMcnf All« Wanderleiter müssen erscheinen. Sil»«»«»««.einsam mit den W.-L. d«nt«»ünkllich l»'/b Uhr. «bt»tlu»»»leteet, reicht sofort das Ianuar-Proaramm ein. v«»deri»esiellu»a der BoN»bLhne am I. Januar. U Übt. Einiac garten ju 80 Pf. sind noch crftältlich. heule. Donnerstag, Uhr. Ar»»>»-ld-e Pl-t, II: Keim Nasse r.durqer Str. I«:„Taaesvolitik".— S««- Vlnd I: Echul« Sonncnburaer 61t. 20:.Der Jugendliche in Politik und Schule". — Nordosten N: Keim Damiger Str. 02. P. 3 rechts:»Einfttbrung in den Soualismus".— Schöndaussr Vorstadt: Schule Sonnenburger Str. 20:„Tagespolitik".— chaleaheide: Keim Wassertorstr. 0: �unktionärlcknilungskursu».- Kollesche« I»t: Keim Vorckstr. U; Arbeitsgemeinschaft.— NSpenickrr Viertel: Schul« Wranqelstr. 120: Sprechchorprobe.— Bottdnsser Tor: Keim Vrigrr Strosse 27—30; Neben jut Weibnachtsfeicr.— StidoKst: Keim Llndenstr.■): ..Tagespolitik".— Schoneberg IN: Keim Kauptstr. 13:„Vertritt die SPD. die Inleresscn der Arbeiterschaft?"— Westend, R. F.: Keim auf dem Sportplag Westend:»Die �reidenkerbeweguiia".— zeblendors. Dahlem: Waldschule. Schlieffenssrass«:.Tagespalüik".— Neuköll» l: Mädelbelprechung, Parteibüro tzuldassrasse l Passage).— Tegel: Keim Bahnbofstr. 15: Vorbereitung ,ur Weih- nachtsseicr, SS«. Westen: Keim Rossnenstr. 4. 17'/i Uhr: Proletarische �eierssundk. Serbebeilrk vstra: Keim Litauer Etr. 1«: Sprechchorprobc. -d .gaulodarf: Morgrn. ssreitag, Sannenwendfeier in der Turnhalle Schule Adalfssr. 20. Beginn IS>-, Uhr. Eintritt 50 Pf., Erwerbslolc 2ö Pf. Alle Parteigenossen und freunde der Arbeiterin»« nd sind beglichst eingeladen. Di« Lotterie der Ardeitermahlsahrt, die am 1». und 20. Dejembcr d. I. Ziehung hat, dringt bei einem Loopreis von nur 50 Ps. als Lilchstgewiini rln eingerichtetes Landbau«. Die Sauptgewinne sind gleichfalls LandhSuser. «ritere lhewinn«(tn-g-s-mt 139 07« und ,m-t Prämien im Gesamtwerte von •"00 000 SM.) lind: 8 laviere, Sprcchopparate, Küchen, Moiorräder. Nähwaschi- »en, tzahrrädcr. Wer es wünscht, kann auch Bargeld bekommen! den» olle chewln»- find mit 90 Proz. ihre, Werte» aiwzahlbor. � 3irmm 3ahrl in den Wellenraum SSorchardt: Der Wunsch des Menschen, sich wer di« Erde zu erheben, est uralt. Die Vögel zeigten ja die Möglichkeit, den festen Baden zu ver- lassen und durch die Lüste trennende Bergketten und Gewässer zu überwinden. Ihnen wollte man es gleich tun. So finden wir in der griechischen Soge den kunstreichen Baumeister Daedalus, den König Minos, welchem er das große Weltwunder des Labyrinths erbaut hatte, von seiner Insel Kreta nicht weglasien wollte: da ver fertigte Daedelus für sich und seinen Sohn Ikarus aus Leinen Flügel, die er mit Wachs an den Schultern befestigte: so sich in die Lüfte erhebend, tonnte er der Gefangenschaft auf der ungastlichen Insel entfliehen. Leider siog Ikarus zu hoch und kam unvorsichtiger- weise der Sonn« zu nahe, so daß das Wachs an seinen Flügeln schmolz, dies« herabfielen und er selbst in das Meer stürzte, das nach ihm das Ikarisch« genannt wurde. Ganz ähnlicher Flügel bedient sich in der deutschen Sag« der große Schmied Wicland, um der Gefangen- schaft des Königs Niedung zu entfliehen. Sehr bald genügte den kühnen Wünschen der Phantast« nicht mehr das bloße Erheben in di« Lüft«, man wollte nicht nur den festen Erdboden, sondern di« Erde überhaupt verlassen und aus ihrem Bereiche nach anderen Gestirnen gelangen. Die ältesten mir be- kannten Fahrten dieser Art stammen von dem Griechen Lukian aus Samosata am Euphrat, der etwa von 120 bis 200, also vor 1% Jahrtausenden, lebte. In seinen„wahren Geschichten' schildert er, wie ein kühner Seefahrer über die Säulen des Herkules(die Meerenge van Gibraltar) hinaus in den Ozean schifft, dort gerät sein Schiff in einen furchtbaren Sturm� wobei es von einer Windhose erfaßt und in die 5)»he weit üb«r die Erde hinausgeführt und schließlich auf einer hell erleuchteten, kugelförmigen Insel abgesetzt wird: dort wird er mst seinen Leuten von Männern, die aus dreiköpfigen Geiern reiten, angehalten und vor ihren König Endymion geführt, von dem sie erfahren, daß sie sich auf dem Monde befinden. Auch eine andere Erzählung Lukians beschäftigt sich mit einer solchen Weltraumfahrt, die jedoch nicht, wie die zuletzt erwähnte,«in« unfreiwillige ist, vielmehr verfertigt sich der Held der Erzählung, Menippus, wegen seines Fluges Ikaromenippus genannt, in der Absicht, die Erde zu oerlassen, Flügel, die er nicht erst künstlich her- richtet, sondern von einem Adler und einem Geier nimmt. Damit ihm aber nicht das Mißgeschick des Ikarus passiert, befestigt er sie mit Lcderriemen an seinen Schultern. Nachdem er iwch Handgriffe an ihren Enden angebracht hat, um sie leichter regieren zu können, beginnt er systematisch ihren Gebrauch zu erlernen und das Fliegen zu üben. Anfangs kann er sich nur hüpfend und flatternd nach Art der Gänse fortbewegen und nur wenig in die Luft erheben. Bei seinen weiteren Hebungen stürzt er sich wie der vor A4 Iahren ver- unglückte Pionier des Segelfluges, Otto Lilienthal, von der hohen Burg Athens, der Akropolis, herab und erlernt so allmählich das freie Fliegen mst vollkommener Beherrschung der Flügel und der Luft. Alxr sein Ziel ist nicht das Wetteifern mit den Bögeln, er will weiter bis za den Göttern fliegen. von denen er sich, angewidert vom Gezänk der Philosophen, Be- lehrung über die„Wahrheit' erhofft. In der Tot erhebt er sich mich über die Erde und macht zunächst auf dem Monde Station, wo ihm die Mondgöttin auch ihrerfests Klagen über die Philosophen mitgibt, um sie an den Göttervater Zeus zu bringen. Sein Flug führt ihn dann auch zu den Himmlischen, wo Zeus ihn freundlich aufnimmt, ihm auch die Einrichtungen des Olymps, des Himmels der Griechen, zeigt, ihm dann aber die Flügel konfisziert, weil er nicht wünscht, daß sein Beispiel Nachahmung fände und die Götter allzu häufig durch menschlichen Besuch belästigt würden, und ihn von dem Götter- boten Merkur wieder zur Erde hinobbefördern läßt. SJukians Geschichten find es wohl auch gewesen, welche den großen deutschen Astronomen und Entdecker der Gesetze der Pla- nctenbewegung, Johannes Kepler, zu seinem„Traum vom Monde" angeregt haben. Zwar hat er schon in frühester Jugend begonnen, sich mit dem Monde zu beschästigen, und sein„Traum" ist keine Unterhaltungslektüre, sondern ein wissenschaftliches ostronomffchcs Werk, in welchem seine Ansichten von der Bewegung und der Natur des Mondes dargestellt werden. In der Form aber ist es eine geist- reiche, scherzhafte, phantastische Erhebung von der Erde fort zu dem Nachbargestirn. Ueberaus zahlreich find auch die späteren Reisen zu anderen Ge- stirnen, die aber durchweg lediglich der ilnterfjaltung des Lesers dienen sollen, wenn sie sich auch zuweilen den Anschein strenger Wissenschastlichkeit geben, wie die sehr bekannte„Reffe nach dem Mond' und„Reise um den Mond' von Jules Berne. Erst in oller- neuester Zeit hat das Problem der Raumfahrt«ine andere Gestalt angenommen und wird von wissenschaftlich ernst zu nehmenden Leuten auf seine Verwirklichung hin erörtert. Obcrth, Godard, der kürzlich verunglückte Valier u. a. treten für die Möglichkeit einer Fahrt in den Weltenraum mittels eines von Raketen getriebenen Flugzeuges ein, und schon öfter ist der Bau eines solchen angekündigt worden- Das Raketenprinzip, das auf dem Rückstoß auspuffender Gase beruht, wird ja schon lang« in Feuerwerkskörpern, bei Leuchtraketen, früher auch als Brand- rateten im Kriege, ferner im Raketenapparat zur Rettung Schiff- brüchiger verwendet, und es soll nun auch Anwendung finden, um Flugzeuge schneller und sicherer zu steuern, als mit den bisher ge- bräuchlichen Motoren, und sie schließlich sogar über das Gebiet der Erde hinaus bis zum Monde und vielleicht auch zu anderen Planeten zu befördern. Daß der Rückstoß in solcher Weise auch im leeren Wellenraum benutzt werden könnte, ha: gelegentlich schon Isaak Newton, der Entdecker des allgemeinen Mafsenanziehungsgefetzes, geäußert. Vor fast SO Iahren(1883) hat der deutsch« Erfinder Hermann Ganswind Pläne für eine derartig« Fahrt ausgearbeitet. Bor l'/i Iahren wurde van den Opelwerken noch den Angaben von Valier und Sander ein Rennwagen mit Raketenantrieb gebaut, der schon in 5 Sekunden«in« Stundengeschwindigkeit von ISO Kilometern erreichte und die praktische Brauchbarkeit dieses Antriebes zeigen sollte. Seitdem wird die Raumfahrt mittels Raketenflugzeuges so ernsthaft erörtert, daß auch die„Deutsche Gesellschaft für technische Physik' der Frage einen Abend widmete. Prof. H. Lorenz von der Technischen Hochschule in Danzig wollte, wie er sagte, als nüchtern rechnender Ingenieur untersuchen, wie es sich gegenwärtig mit den Möglichkeiten und Aussichten des Raketenflugzeuges verhält. Da die Luft mit zunehmender Höhe immer dünner wird, und damit die Geschwindigkeit der Flugzeuge zunehmen muß, so wird man bei Benutzung der gebräuchlichen Motoren nicht über 12 bis 13 Kilo- »neter Höhe hinauskommen, also in die eigentliche Stratosphäre, die bei etwa 20 Kilometer Höhe beginnt, nicht eindringen können. Mit Raketenantrieb könnten Flugzeug« ja weiter gelangen, aber ganz abgesehen von mancherlei heute noch nicht bewältigten konstruktiven Schwierigkeiten würde der mitzunehmende. Treibstoff schon bei 20 Kilometer Höhe selbst unter den günstigsten Voraussetzungen mindestens das Fünffache des Leergewichte» d«s Flugzeuge» betragen müssen, bei 40 Kilometer Höh« schon das 11- bis lIfache, mA derartige«norme Belastungen eines Flugzeuges durch den mit- zunehmenden Treibstoff sind wir mit den heute vorhandenen Treib- und Werkstoffen jedenfalls nicht imstande zu leisten. Man kann' daher die Aussichten einer Stratosphärenfahrt mit Raketenflugzeugen nach dem heutigen Stande der Technik nicht geradezu für unmöglich er- Nären, aber sie kann, wenn überhaupt, jedensolls nur für ganz kurze Erkundungsfahrten zu Studienzwecken m Betracht kommen, nicht aber für einen wirklichen Verkehr, für den Reklame zu machen ver- sucht wird, zumal ein solches Flugzeug wegen des mitzunehmenden Treibstoffes— der günstigste, den wir zur Zeit besitzen, ist das sehr explosible Knallgas— geradezu einem fliegenden Pulverfaß mit brennender Lunte zu vergleichen wäre. Noch weit ungünstiger stellen sich die Aussichten für eine Los- lösung von der Erde, für eine Raumfahrt oder«ine Fahrt nach dem Monde. Hier steigern sich die Schwierigkeiten wegen des mitzu- nehmenden Treibstoffes, der ja auch für die Rückfahrt und für die Bremsung beim Wiedereintritt in die irdische Atmosphäre genügen muß, derartig ins Ungeheuerliche, das bei dem gegenwärtigen Stande der Technik nur«in„Unmöglich' ausgesprochen werden kann. Ich möchte hinzufügen, daß wir bei dem„unmöglich' getrost den beschränkenden Zusatz„bei d«m gegenwärtigen Stande der Technik' weglassen dürfen. Was der Technik noch erreichbar fein wird, kann niemand voraussehen. Vielleicht wird«in noch kräftigerer und nicht so gesährlicher Trcibstosf wie das Knallgas erfunden werden, viel- leicht werden noch erheblich leichter« und festere Baustoffe erfunden, vielleicht werden noch viel größere konstruktive Schwierigkeiten, als sie sich gegenwärtig ergeben, in Zukunft gemeistert werden, ober über eines wird uns keine noch jo vervollkommnete Technik hinweghelfen: über unsere erdgebundene, menschliche Natur. Eine Fahrt in den Weltenraum müßte uns in Regionen führen, in denen die Schwer- kraft der Erde so gut wie unwirksam ist. Unser Organismus hat sich ober unter dem Einfluß der Schwerkraft entwickelt, und wir können uns gar keine Vorstellung davon bilden, wie wir, losgelöst von dieser Schwere, existieren sollten. Zwar Hot Einstein darauf hin- gewiesen, daß bei einer beschleunigten Bewegung, deren Beschleuni- gung der durch die Schwere bewirkten entgegengesetzt gleich ist, alle durch die Erdschwere hervorgerufenen Erscheinungen auch austreten müssen. Aber eine dauernde Beschleunigung zu unterhalten, erfordert derartige ins Phontastische gehende Mengen an Treibstoff, daß man die Raumfahrt getrost als niemals zu verwirklichend« Phantasterei aus dem Programm aller ernsthasten technischen Probleme nicht nur für die Gegenwart und absehbare Zukunft, sondern für olle Zeit«n streichen kann. louZlu Sattle und die ZBlHmkröte Jtuiorifierie Weberfelsning am dem S)änifchen von 3). Xufchnal Manchen merkwürdigen Hund habe ich gesehen, aber Blitzkröte, wie er in seinen alten Togen aussah, findet seinesgleichen sicher nur in der Unterwelt. Er mußte wohl einmal ein lebhaftes kleines Tier gewesen fem, als er seinen merkwürdigen Namen erhielt: ich «ntsirmte mich seiner nur als eines widerhaarigen weißen Ratten- jägers mit schläfrigen Bewegungen und einem Geruch nach Dung- hausen, wo er meist in Gefellfchoft des Schäferhundes wühlte und fraß! Er wurde deshalb bald aus den Herrschaftsstuben verbannt, aber in Küche und Speffekammer geduldet, denn er war Tantes Hund. In den ersten Jahren kannte er mich und wedelte sacht, wenn ich ihm guten Tag sagte, aber in seinein Greffenalter trat kein Sästnnner des Wiedererkennens in sein Aug«. Di« muntere Jugend- zeit auf dem Misthaufen war eben vorbei, hott« indes Merkmale hinterlassen in Gestalt von Haarlosigkeit und große» roten Knoten, die auf seinem Rücken ausschlugen und einen unheimlichen Anblick boten. Er erinnerte mich, wenn er lag und schlief, an den alten Kammerjimker Jens Pind mit seinen triefenden Augen und scmeii bösen Gichtknoten. Blitzkröte fand sich niit größter Resignation in das Unvermeidliche. Es war jedoch mehr Sehlaffehnfucht als Tugend. Er hörte allmählich auf zu bläffen und. soweit man wahrnehmen konnte, auch zu denken. Zuletzt war in ihm nicht mehr bewußtes Leben als in einem Regenwurm, und wenn er nicht längst totgeschosien war, so lag es daran, daß er Tantes Hund war. Es gab nämlich trotz allem«inen Menschen, der ihn liebte, eben die Tante. Allnächtlich schief er am Fußend« ihres Bettes. Jeden Mittwoch und Sonnabend, wenn Trine beim Pfannkuchenbocken war, fand Tonte sich ein und ergatterte zwei Pfannkuchen aus der Schüssel. Trine protestierte mit Kreischen, aber Tante war glück- sich. Sie war auch die einzige, die kein« Angst vor Trine hatte. Die tapfere Trine? Sie arbeitete im dreißigsten Jahr auf dem Hof, bekam 80 Kronen und trug 50 davon auf dic Sparkasse. Aber als Trine 1500 Kronen voll hatte und ihrem Raffen, der noch Randers sollte, die letzten 50 und dos Sparkassenbuch gab, ging der Neffe hin und hob das ganze Geld ab. Drei süße, minderbore Nächte verlebte er in Randers, Aarhus und Vejle, bevor er festgenommen wurde. Trine weinte eine Woche und ließ alles an- brenn«». Am meisten quält- sie, daß sie nun nicht«initial Geld hatte, um ordentlich unter hie Erde zu kommen. Als sie sich ausgeweint hatte, ging sie wieder an die Arbeit und begann, 55 Jahre alt, mit einem neuen Sparkassenbuch. Sonst war Hein« nicht, aber sie lehrte mich, von vorn anfang-n, und für diese Lehre habe ich in meinem Leben leider oft Verwendung gehabt. Tante war nämlich nur für eine Person Tante: für meine niedliche Halbtusine Beat«. Beate war einziges Töchterchen und eine so bedeutungsvolle Person, daß alle Verwandten und selbst Freunde die alte Dame Tante nannten. Tante war von jeher wunderlich gewesen und hatte einen Wasserkopf. Alle paar Minuten schwang si« ihr großes Haupt. Das war in späteren Jahr«n ihre einzige Lebensäußerung. Allmählich versank sie in Winterschlaf wie Blitzkröte, wurde still und stumpf wie«in Regenwurm. Ein Gespräch Hot man nie mit ihr führen können, und in d«n letzten Iahren hört« ich si« mir drei Sätze sprechen. Wenn ich kam und sie fragte, wie es ihr ginge, antwortete sie:„Mir geht es so, wie es einem geizen kann.' Daraus bewegte sie den Kopf und fügte hinzu, meist ohne mich anzublicken:„Mir scheint, du bist gewachsen.' Ich fuhr fort zu wachsen, die Tante starb. Da wär ich ungefähr dreißig Jahre alt. Täglich wollte Tan!« beim Tischdecken Helsen, aber unweigerlich verlor sie, was sie in der Hand hatte. War es ein Mesier, so machte es nichts aus. Dann hob das Stubenmädchen, die stinke Bolette, es auf und legte es an seinen Platz. Aber war es ein Teller, so ging er oft in Stücke. Tante stierte stumpfsinnig auf ihre Untat und sagte tröstend:„Er fft ja nicht ins Meer gefallen." Längst hatte man jede witzige Antwort auf diese Bemerkung auigegeben. Rur einnml— entsinne ich mich— zeigte Tantes Bewußtsein einen Funken von Originalität. Es war an einem Sommertag. Beate und ich hatten beschlossen. Tante an die frische Luft zu führen. �Fiidem wir ihren Körper von beiden Seiten stützten, bekamen wir sie bis an den Wald hinunter zur großen Schaukel. Beate hatte sich aus die Schaukel gesetzt, Tante und ich lagen im Gras«. Ich hielt ein Strickende der Schaukel und zog Beate ganz sacht vor und zurück. Dabei sagte ich ihr Behaglichkeiten, auf die sie nicht hörte. „Beate! Das Sommerkleid steht dir gut? Der viereckige Ausschnitt am Hals macht dich noch hübscher.' Beate wachte auf und fragte ängstich:„Glaubst du, er fft zu groß?' „Rein, im Gegenteil." „Ach, sei still." Sie war das niedlichste Landfräulein der Welt, und ich ver- fluchte mein Schicksal, weil ich zwei Jahre jünger war und folglich nicht gefährlich— noch nicht. „Beate, niemals habe ich jemand gesehen, der eine zartere Haut hat als du. Man sollte meinen, du lebst gar nicht von menschlicher Speise, sondern von Sonnenschein, von Musik, von... von..." Plötzlich hörte Tante auf. mit Hein Kopf zu wackeln und sagt«: „Mannsteute find ziemliches Lumpenpack.' Beate war so perplex daß sie wie«ne Schneeflocke von der Schaukel glitt. Ich fing sie auf— nicht ungern: aber si« zog sich zurück, strich ihr Kleid zurecht und fragte mit leisem Zittern in der Stimm«:„Sind alle Männer Lumpenpack, Tante?' „Nein, es gibt natürlich auch liebe Männer.' „Zum Beispiel?' „Zum Beispiel Pastor Jensen und Pastor Baklep und Pastor Korfs und Pastor Iörgensen und Pastor Stenersen." Das war das ganze Königreich. Alle Pastaren, di« seit Tantes Kindheit hier- gewesen waren. Ich wagte eine Frage:„Und Pächter Holgarscn aus Gjerlev?' Es schnitt mir ins Herz, Beate erröten und die Augen nieder- schlagen zu sehen. Tante wackelte mit dem Kops, bevor sie ant- wartete:„Cr ist wohl so, wie er sein kann." Damit war der Ausbruch beendet. Die Lava lag wieder dick auf ihrem Gehirn und beschränkte seine Bewegungen auf ein Minimuni. Blitzkröte wurde immer häßlicher, die Knoten größer und zahl- reicher. Nachgerade ermüdete auch der Witz, daß Blitzkrötes Verstand aus diese Weise nach außen schlüge, obschon es glaub hott genug klang. Eines Tages erhielt der Jäger den Auftrag, ihn zu erschießen. und schickte ihy, hinter der Scheune eine Kugel durch den onnen, dummen Hierkasten. Aber wer sollte es Tante sagen? Boleüc sträubte sich und meinte, Nicolassen wäre als Blitzkrötes Mörder der nächste dazu. Der wagte«s auch nicht. Tante war bei Kräften und schlug eine gute Klinge. Es war ja nicht angenehm, sich mit Weibervolk herumzuschlagen. Man wollte deshalb abwarten und es Tante entdecken lassen.- Ein Tag verging, auch der zweite. Tante sprach und sragic nichts. Am Sonnabend erschien sie mit ihrem Teller und nahm der verblüfften Trine zwei Pfannkuchen vor der Nase weg. Am nächsten Margen fand Bolette sie unberührt am Fußende von Tantes Ben und entfernte sie. Jetzt aber wurde es Teive zu.-dumm:„War, soll Blitzkröte mit Pfannkuchen?� Er ist ja tat- Er fft ja tot, hört Fräulein nicht? Was soll er noch mit Pfannkuchen?" Trine hielt die Bratgabel vor, um Tante zu pieken, wenn sie zum Angriff übergehen sollte. Aber Tante wackelte nur mit dem Kopf und sprach diesen rätselhasten Satz:„Was er haben muß, muß er haben." Damit zog sie ob mir den Pfannkuchen. Jetzt war mein Interesse geweckt. Das ivor ja einfach wunder- bar. Ich studierte primitiv« Religionsformcn, besonders Geister- glauben, und hier stand ich einer solchen Aeußerung in lebendiger Jetztzeit gegenüber, Totenopser für einen gestorbenen Hund, felsen- fester Glaube, daß Blitzkröte nicht so tot war. daß er nicht Freude an Pfannkuchen haben könnte. Hier wurde mir ein Einblick in die Urseele vergönnt: um den mich die Kollegcnwelt beneiden würde. Das war geradezu eine Doktorarbeit. Meine Begeisterung riß die anderen mit. All« beugten sich meinen Anordnungen, selbst Trine, die doch den Rohstoff für meine Experimente zu liefern hatte. Meine Absicht ging dahin, zu unter- suchen, wie lange Tante den Glauben bewahren konnte, daß die Pfannkuchen Blitzkröte zugute kämen. Bolette erhielt deslMlb strenge Anweisung, die Teller mit den Pfannkuchen nicht von Tautes Bett zu entfernen, auch nicht die Pfannkuchen auf einen Teller zu- sammenzulegen, sondern sie unberührt zu lassen, wie Tante sie hin- gestellt hatte. Es war mit großen technischen Schwierigkeiten vor- bunden, Tantes. Bett in Ordnung zu halten, als die Pfannkuchen sich allmählich anhäusten. Nach drei Wochen standen sechs Teller mit zwölf Pfannkuchen in Tantes Bett. Ich ging umher, rieb mir die Hände, notierte Einfälle und suchte Tantes Bewußtsein wieder herzustellen. Oh. es war nicht so einfach wie das eines Regenwurms, es war ungeheuer entwickelt. Aber eines Morgens ging es verkehrt. Als Tante aufstand, rutschten vier Teller auf den Fußboden und gingen entzwei und nun verlor der Hausherr die Geduld. Er hatte genug von der Urseele, über die ich von früh bis spät mit Beate sprach, die wirklich Pächter Holgersen zu vergessen schien und mein Mitarbeiter wurde. Man rief Tante, und die Wahrheit über Blitzträte wurde ihr barsch verkündet.„Und wenn du nicht mit den Tprheilen aufhörst, und Trines Pfannkuchen in Frieden läßt, so werde ich Pastor Stenersen herbestellen, dann wird der mit dir reden", sagte der Hausherr. Tante wackelte mit dem Kopf und rieb sich di- Ras«.„Pastor Stenersen fft so lieb", sagte si« dünn. „Ja, aber du kannst dich darauf verlassen, er ist nicht lieb, wenn du bei deinem Heidentum bleibst." Tante fügte sich und stahl keine Pfannkuchen mehr. Der weiße Christ hatte über das dunkle Heidentum gesiegt, und Blitzkrötes Seele fanis endlich Ruhe im Grabe. Die gesürchtelen Wauderameisen in A'rika sind besonder? da- durch lästig, daß sie in große» Maffen auftreten. Für kleine Tier- sind sie sogar gefährlich. Der Afrikareisend« Albert Schweitzer hol einmal eine Kolonne beobachtet, deren Durchmarsch 36 Stunden gedauert hat. nachahmenswert. Eine Londoner Autoscchrfchul« versieht alle Wagen, die von noch nicht fertigen Schülern gesteuert werden, mit dem Plakat:„Borsicht: Der Chauffeur ist Anfänger!" Eine nack- ahmenswerte Einrichtung! Die Alondwärme. Der Mond sendet uns nur wenig mehr als den 100 000. Teil der Sonnenwörme. Alte ZeitrechnuBg. Die alten Tolteke» ff, Mitteiamerika zählten di« Woche zu» und di« Monat« zu 20 Sogen Jlr. 59t* 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag- �lS. Dezember 1930 Die Gas-, Waffer- und Gtromtarife Was einer fühlbaren(Senkung der Werkstarife enigegenstehi. Wir sind dafür eingetreten, datz auch die Städte nach allen Kräften ihr« Tarife senken sollen. Welche Schwierig- kciten dabei bestehen, zeigt folgende Zuschrift aus den Kreisen des Gefanrtoerbandes. Die Verkaufspreis« für Gas, Elektrizität und Wasser werden heute weniger bestiinmt von den Produktions- und Bertcilungs- losten als van den wachsenden finanziellen Abgaben der Werke für die Kämmereien der Städte. Die Wirtschasts- trise hat die Steuereingänge gesenkt, während die Ausgaben für Arbeitsbeschaffung und Unterstützung der Ausgesteuerten außer- ordentlich schnell wachsen. Dazu kommt, daß die Steuerkraft der Städte durch das Nichtfunktionieren des Finanzausgleichs sehr ver- schieden ist. Dieses dürfte auch der Hauptgrund fein, weshalb die- Wertstarife Deutschlands ein so bunt wechselndes Bild e bieten. Die Reichsfachgruppe Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke im Gesamtoerband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs hat Erhebungen über die Verkaufspreise angestellt, die sich auf 116 deutsche Städte erstrecken. Kleinabnehmer von Gas zahlten nach dieser Erhebung im Reichsgebiet zwischen 15 und 28 Pf. pro Kubikmeter. Der Kleinverkoufsprcis für Trinkwasser schwankt zwischen 12 und 70 Pf. pro Kubikmeter. Der billigste deutsche Strompreis stellt sich nach den Erhebungen auf 15 Pf. pro Kilowattstunde, um bis auf 00 Pf. pro Kilowattstunde in einzelnen Städten zu steigen Diese gewaltigen Preisunterschiede ergeben sich nicht allein aus der geographischen Lage und der verschiedenen tech- nffchen Ausrüstung der Werke, sondern die Preise werden je noch dem Finanzbcdarf der einzelnen Städte willkürlich festgesetzt. Der Beweis dafür: Städte, die inmitten der Kohlenreviere liegen und soft frei sind von Frachttasten, haben Tarife, die über dem Reichs- durchschnitt Legen. TZorauofehung für eine fühlbare Tarifsenkuug wäre also j eine Senkung der städtischen Abgaben. Das aber j gehl kaum. Die Wirkung der K o h l e n p r e i s f e n k u n g z. B. für die( Gaswerke wird überschätzt. Die Gaskosten hängen in hohem Maße von den Preisen der Nebenprodukte ab, hauptsächlich von Koks, Teer, Benzol und Aminoniak. Seit längerer Zeit fallen diese Preise aber und damtt die Rückeinnahmen der Gaswerke. Erforderlich und mogllch wäre eme Ermäßigung der Kohlen- cinstandskosten für die Werke durch die Befreiung von der II m l a g e des Rheimsch-Wefffällfchen Äohlensynditats in Höhe von 2,26 M. pro Tonne. Auf die Gaswerke entfallen etwa 6 bis 8 Proz. des gesamten deutschen Steinkohlenverbrauchs. Die Be- freiung der Gaswerke von der Syndikai-umlage würde für den Bergbau keine zu starke Belastung bedeuten, weil alle diejenigen Werke— besonders in Nord- und Westdeutschland—, die jetzt infolge der unmöglichen Preisforderungen des Syndikats eng'ische Kohle beziehen, zum Verbrauch deuischer Kohle übergeben könnten Eine neue Belastung für die Gaswerk« bedeutete die Verordnung vom-t. Juli 1080. Nach ihr ist für Treib- Hoffe all«? Art eine Spiritusmenge in Höhe von 2,3 Proz. des Eigengewichts der hergestellten Trcibstoffmeiige von der Reichs- monopolverwallung zu beziehen. Die Beimengung von Spiritus zu dem von den Gaswerken hergestellten Benzol ist in der Praxis aber für dies« nicht durchführbar. Jnfqlgedcssen bleibt den Werken nichts anderes übrig, als die Mengen, die sie auf Grund der Verordnung.zu 80 M. für 100 Liier beziehen muß. an die Reichsmonopolverwalwng für den Preis von 13 M. zurück- zuliefern. Für die Gaswerke bedeutet das praktisch nichts andeies als eine neu« Besteuerung. Wie würden die jetzt so Mode gewordenen Lohnsenkun- g e n auf die Gaspreis« wirken? Der Lohn- und Gehallsanieil pro Kubikmeter Gaserzeugung einschließlich der Weiterleitungskosten bis zum Verbraucher beträgt im Reichsdurchschnitt 5 bis 6 Pf. 6 Proz. Lohn- und Gehaltskürzung wären 0,33 Pf. pro Kubikmeter. Dieser Betrag wird aber zum größten Teil ausgeglichen durch die vorstehende Maßnahme der Behörden, durch die sollenden Preise der Nebenprodukt« und den durch die Wirtschaftskrise geringeren Absatz von Gas. Jedenfalls ist der Betrag so gering, daß er weder dem Ar- bciterhaushalt noch dem Gewerbe eine Entlastung bringen würde. Die Preise für Elektrizikäl werden entscheidend beeinflußt durch die hohen Kapitalkosten der Werte. Di« Lohnkosten spielen nur eine untergeordnete Rolle. Würden die Löhne und Gehälter nach dem Muster des Ge- Haltsabbaues bei den Beamten gekürzt, fo ergäbe sich«ine Ein- sparung von 0,13 bis 0,23 Pf. pro Kilowattstunde. Noch weniger fällt die am 1. Dezember in Kraft getretene Kohlenpreissenkung ins Gewicht. Moderne Werke verbrauchen für die Erzeugung einer Kilowattstunde 0,5 bis 0,7 Kilogramm Kohle. Di« letzte Kohlen- Preisermäßigung ermöglicht also eine Nerbilligung der Strom- erzeugungskosten von etwa 0,04 Pf. pro Silomat stunde. Auf Kleinabnehmer könnte eine solch« Verbilligvng nicht umgelcgt werden. Den Gewerbetreibenden aber allein die Perbilligung einräumen, würde praktisch bedeuten, daß die Kohlenpreissenkung für die All- gemeinhett verpufft. Unter diesen Umständen könnte es richtiger sein, wenn Sie Werke die Ersparnisse dazu benutzen, um die Per- teilung zum letzten Verbraucher weiter auszubauen oder sie an die Wohlfahrtskosscn der Städte abzuführen. Uebrigens ist der Strom- absatz in den letzten Monaten ständig gesunken. Der Rückgang be» trug im August 14 Proz. gegenüber dem gleichen Monat im Vorjahr. Auch bei den Wasserpreisen kann sich die Kohlenpreissenkung nicht sehr auswirke» Rechnet man im Reichsdurchschnitt für die Wasscrsörderimg rund 2 Pf. Kohlenkosten pro Kubikmeter, so ergibt die Kohlenverbilligung einen Betrag von 0,16 Pf. für den Kubikmeter Wasser. Di« Lohn- und Gchallskoslen für Förderung und Verteilung des Wassers bis zum Verbraucher betragen im Reichsdurchschnitt 4,2 Ps. pro Kubikmeter. Eine Kürzung des Einkommens der Arbeitnehmer um 6 Proz. ergibt pro Kubikmeter den Betrag von 0,23 Pf. Zusammen also ein« San- kung des Unkosten kontos von 0,41 Pf. pro Kubikmeter. Der in den letzten Jahren gewolttg gestiegene Wasserverbrauch hat aber fast alle Werke an den Rand ihrer Leistungsfähigkett gsbrachtt Der Ausbau der Werke ist für einen großen Teil der Städte ein« besonders brennende Frage. Die notwendigen technischen Ver- besserungen und die Vergrößerung der Werke selbst mußte in den meisten Fällen unterbleiben, well die Mtttel fehlten und die Ueber- schüsse der Werk« restlos zur Deckung der laufenden Ausgaben der Städte benötigt wurden. Also sind auch beim Wasser die Möglich- leiten zur Preissenkung gering.— Ausschlaggebend steht aber jeder fühlbaren Tarifsenkung die Tatsache im Wege, daß den Wohlfahrsämtern gewaltig« Ausgaben entstanden find durch die Unterstützung der ausgesteuerten Erwerbs- losen. Dieser kommunal« Geldbedarf wird zum erheblichen Test aus den Abgaben der Werke gedeckt. Führten doch die Gas-, Wasier- und Kraftwerke im Jahre 1028 fast 300 Millionen Mark an die Kämmereien der Städte ab. Trotzdem stehen schon eine Reihe von Städte» vor der Frage, die Unterstützungssätze abzubauen, weil die Mittel einfach nicht mehr auszubringen sind. Erheblich mehr als ein« halbe Million Erwerbslose werden Heu!« schon von den Wohl- fahrt-äinlern unterstützt. Diese Zahl dürste im Laufe des Winters noch sehr ansteigen. Hier wird eine Senkung der Tarife sehr schwierig. Die Folge wäre zwar eine Entlastung für wenige ein- zelne, im ganzen aber nur noch größere Not für alle die, die heute aus dem Erwerbsleben ausgestoßen und auf die städtischen Wohl- fahrtsbeträge angewiesen sind. J. Orlopp. Internationale Zuckerkämpfe. 3u den Zuckerkonferenzen von Amsterdam und Nrüffel. 2luf keinem Gebiet finden zwischen nationalen Wirtschaftsgruppen so erbitterte Konkurrenzkämpfe statt wie in der Zuckerwirtschast. Nicht nur zwischen Rübenzucker und Rohrzucker, sondern auch zwischen den beiden größten Rohrzuckerproduzenten Kuba und Java geht der Kampf. Die Wellproduktion stieg im vergangenen Jahrzehnt um 80 Proz. Es wurden erzeugt: 1019/20 1020 30 Rüben'ucker... 3,26 0,17 Mlll. Tonnen Rohrzucket.... 11,02_ 1 7,65„_._ Zusammen. 15,18 26,82 Mill. Tonnen Der Verbrauch stieg viel weniger rasch Mehrmals versuchte man durch internationale Abmachungen die Erzeugung einzu- schränken; es war umsonst, da keines der Zuckerproduktions- länder nachgeben wollte. So kam es dazu, daß der Zucker auf dem Weltmarkt jetzt imr noch ein Drittel des Preises von vor drei Iahren kostett Dabei sind die Wettvorräie aus 1,73 Millionen Tonnen angewachsen, der Zuwachs aus der Rekordernte dieses Jahres kommt noch hinzu. So kam es in diesen Tagen in Amsterdam und Brüssel zu einem neuen Versuch, auf gütlichem Wege eine Einschränkung der Pro- �duktion zu vereinbaren. In Amsterdam ist nach erregten Verhandlungen zwischen Java und Kuba ein Bergleich zustande gekommen. Kuba will feine Erzeugung von 4.6 Millionen aus 3,5 Millionen Tonnen einschränken. während Java ab 1031 seine Ausfuhr von 2,6 Millionen Tonnen auf 2,3 Millionen Tonnen senken und den jetzt vorhandenen Borrat von 500 000 Tonnen durch eine jährlich« Dergrößerung der Ausfuhr um 100000 Tonnen abbauen will. Ungewiß, ob diese Ver- einbarungen gehalten werden: jedenfalls ist die Einrichtung einer Kontrollkommission von Java abgelehnt worden. Außerdem gilt wohl die Voraussetzung, daß aus der Brüsseler Konferenz über den Export des europäischen Rübenzuckers eine Einigung«rfolgtt Insgesamt wurde von der Rohrzuckergruppe eine Beschränkung der Zuckerausfuhr Europas auf 1 Million Tonnen gefordert, wobei auf Deutschland eine Quote. von 200 000 Tonnen entsollen sollte. Diesen Borschlag lehnte die deutsche Delegation brüsk ab. Sie verlangte zunächst bei einer Ausfuhr von 233 000 Tonnen im Vorjahr«ine Aussuhrquote von 800 000 Tonnen, ließ sich dann auf 450 000 Tonnen für 1930/31 und 350 000 Tonnen für die nächsten Jahre herunterhandeln. Aus ein Kompromiß, das zur Bereinigung nötig war, ging die deutsche Delegation dann nicH mehr ein. Die Brüsseler Konferenz war ergebnislos und wurde vertagt, wodurch die Sanierung der internationalen Zuckerwirtschaft wiederum in Frage gestellt ist. Die deutsche Zuckerindnsirie konnte aus ihrem Slarrflnn beharren. weil ihr ein e i-n s u h r d r a s s e 1 n d e r Zoll zugebilligt war. Unter dessen Schutz ist die Zuckerproduktion seit 1927 um 30 Proz. gestiegen. Der Preis für den Zucker ist aber nur ganz unbe- deutend gesunken, so daß keine Ausweitung des Per- b r a u ch s stattgefunden hat. Der den Verbrauch übersteigende Teil der Erzeugung wurde vielmehr aus dem Weltmarkt zu Preisen verschleudert, die ein Drittel des Inlandspreises betragen. Jetzt ist es so weit gekommen, daß 35 Proz. der Produktion aus- geführt werden sollen, was für die deutsche Volkswirtschaft«inen Verlust von rund 160 Millionen bedeutet. Der den Zuckerfabriken zugebilligte Höchstpreis von 21 Marl soll voll ausgenutzt werden, da die Industrie Neber auf Kosten der deutschen Berbraucher zu Verlustpreisen exportiert, als den Zuckertonsum im Inlapde durch Verbilligung der Verkaufspreise zu vergrößern. Den einzigen Weg. um das Mißverhältnis zwischen Er- zeugung und Verbrauch zu beseitigen, hat die Sozialdemokratie ge- wiesen, die im Reichstag beantragt hat. den Zuckerhöch st preis auf 18 Mark zu senken. Hierdurch wird die Nachfrage ver- größert und das Angebot verringert, da die am teuersten arbeitenden Fabriken aus dem Produkttonsprozeß ausscheiden. Es erfolgt not- wendig auch eine Einschränkung des Exports, so daß die durch diesen entstandenen Verluste nicht auf den Inlandspreis aufgeschlagen zu werden brauchen. Optimistische Zuckersabrikanten. In der Generalversammlung der Zuckerraffinerie Halle A.-G. bezeichnete Oberamtmann Wentzel Deutschlands Situation fük durch- aus günstig. Nach seiner Ueberzeugung werden der erste Vorsitzende der Konferenz und Vertreter der amerilanisch-kubanischen Zucker- interessenten nach Berlin kommen müssen, um sich mit Deutschland zu einigen. Es werde den andere» Ländern nichts weiter übrig bleiben, als von ihrem Kontingent Deutfchcand über die bisher zugestandenen 200 000 TonnM-hinans die erforderliche Menge von weiteren 200 000 Tonnen Wckcr abzutreten. Da Kubas Stellung am Weltmärkte die schlechteste sei, werde es von seiner Ausfuhr von 3,5 Millionen Tonnen Deutschland die erforderlichen 200 000 Tonnen abgeben müssen und nur 3,3 Millionen Tonnen Zucker zur Ausfuhr bringen können. Maschinenbau im November. ZnlandSgeschäst rückgängig.— Ausiandsaufiräge besser. Die Lage in der deutschen Maschinenindustrie hät sich nach dem Monatsbericht des Vereins deutscher Maschinenbau- a n st a l t e n im November nicht erheblich verändert. Einer weiteren Verschlechterung des Jnlandsgeschäftcs stand eine leichte Besserung im Eingang von Auslandsaustragen gegenüber. Die Anfragetätigkeit der ausländische» Kundschaft stockte dagegen nach wie vor.» Bei einer großen Zahl von Betrieben reichte der Aufträgs- eingang im November nicht inehr aus, um die bereits erheblich ver- ringerten Belegschaften— selbst bei' verkürzter Arbeitszeit— im bisherigen Umfange weiter zu beschäftigen. Es wird daher m i t neuen Entlassungen und Betriebsstillegungen gercchnci. Im einzelnen melden der Lokomotio- und Lokomobilbau sowohl wie die Betriebe für Walzwcrkskran- und Ausbereitungsmaschinen eine leichte Zunahme der Auslandsaufträge. Auch bei ver- schiedenen Fabriken des Werkzeugmaschinen-, Dieselmotor-, Pumpen- und Kompressorenbaues haben sich die Auslandsaufträge auf der Höhe des Vormonats gehalten. Die Beschäftigung in der Sinck- Maschinenindustrie wies eine geringe saijemmäßige Belebung auf. Der Bericht des Maschinenbaues bezeichnet infolge des weiteren � Absackens des Beschäftigungsgrades die mirtschasiliche Lage als sehr ernst und wendet sich scharf gegen die agrarischen B c- st r e b u n g e n, den deutschen Markt mit immer schärferen Mitteln vom Auslande abzusperren MAN-Konzern noch gut befchästigt. Die Maschinenfabrik A u g s b u r g- N ü r n b e r g A.-G., der größte süddeutsche Maschinenkonzern, hat. wie wir bereits bei der Veröffentlichung der Bilanz für 1929/30 meldeten, die Absatzschwierig- ketten im Maschinenbau bisher sehr gut ü b e r st a n d e n. An der günstigen Loge des Konzerns bat sich auch bis jetzt noch nichts geändertt So konnte auf der Generalversämmlungj die ahne Dis- kufsion die sechsprozentige Dividende genehmigte, der Borsitzende des Aufsichtsrats mitteilen, daß der Umsatz 1929/30 nahezu den Stand des guten Vorjahres erreicht habe. Danach dürfte der II m s a tz im letzten Geschäftsjahr annähernd 130 Millionen Mark betragen haben. Neuerdings hat das Unternehmen noch für seine Abteilungen Waggonbau und Druckmaschinen größere Zluslandsauf- träge erhalten. Der Vorsitzende fügte hinzu, daß trotz der all- gemeinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Auslande noch große Arbeitsmöglichkeiten wären. Aachirägliche Reichsbankenilastung. beträchtliche Gold- und Devisenvermehrung. Die Woche zum 15. Dezember brachte die in der ersten Dezemberwoche ausgebliebene Entlastung auf dem Wechsel- konto. Die Wechselbestände sanken auf 224,4 auf 1775,8 Millionen Mark, die Bestände an Reichsschatzwechseln nahmen um 11 auf 55,3 Millionen ab. Dafür war bei den Lombarddarlehen die zur Monatsmitte normale Steigerung diesmal sehr gering (um nur 5,7 aus 81,4 Millionen). Die zinsfreien Gelder aus Giro- konto verringerten sich um 43,1 auf 301,3 Millionen. Der Notenumlauf ging um 183,5 aus 4256 Millionen zurück. Die Gold- und Devisenbestände zeigen wieder beachtliche Vermehrungen: die Gold- b« st ä n d e st i e g e n um 25,4 auf 2215,7 Millionen, die Deckungs- deoisen um 13,9 auf 550,9 Millionen. Das Dcckungsverhält- n i s durch Gold und Devisen oerbesserte sich von 61,4 auf 65 Proz. Oer Gtotlwerck-Abfchluß. Nach dem jetzt vorliegenden Jahresbericht der Gebr. Stotl- we rck A.-G. in Köln konnte der Umsatz 1929/30 annähernd auf dem Stande des vorhergehenden Jahres gehalten werden Aller- dings zeigte sich im Berichtsjahr doch eine deutliche Tendenz der Abwanderung des Konsums zur billigeren Ware. Dies sollte für die wenigen Großkonzerne in Deutschland, die Mar- kenschokolade herstellen, eine deutliche Warnung sein, trotz der Verbilligung der Rohstoffe weiterhin an ihren überhöhten Fabrikatpreisen festzuhalten. Zum Aufkauf derReichardt-Werke in Wandsbek sowie die Schokoladenfabriken Hauswaldt und Gaedke A.-G. be- merkt der Bericht, daß diese Aktion zum großen Teil durch einen langfristigen Kredit finanziert wurde und daß die Inhaber der übernommenen drei Firmen dulch eine auf zehn Jahre laufende Umsatzoergütung und eine Abgabe vom Reingewinn entschädigt werden. Bon der Angliederung dieser Werke erhofft die Gebr. Stollwerck A-G. eine Erweiterung ihrer Umsätze um rund 50 Proz. Neue Bankpleite in Berlin. Das Bankhaus Gebr. Bonte in Berlin hat seine Zahlungen eingestellt. Als Ursachen für die Zahlungsunfähigkeit werden V« r l u st e im Kreditgeschäft und bei Wertpapieren genannt, es wird auch von Un° redlichkeiten bei der Kreditgewährung gesprochen. Das Bankhaus Bonte war in der Steinzeugwaren- und in der Werstindustrie stärker beteiligt. Ungarischer Lebenshallungsindex auf dem Friedenrstand. Die Indexziffer der Lebenshaltungskosten in Ungarn zeigte im November einen weiteren Rückgang von 102,7 auf 100 und erreichte somit den Friodensstand von 1913 Die Tragödie in Niederschlesien. -150000 Menschen durch Ltntergang des Bergbaus bedroht. Am R Dezcrnber tagte im„Försterhaus" in Dittersbach rine von über 200 Delegierten besuchte Reoierkonferenz des Vier-- bandes der Bergbauindustriearbeiter für den Bezirk ilüaldenburg. Bmn Hauptvorstand bcridjtcte Schmidt- Bochum über die wirtschaftliche Lage im Bergbau in Verbindung mit den Arbeitszeit- und Lohnfragen, woraus der Bezirksleiter H o f f m a n n- Waldenburg die Verhältnisse im niedcrschlesi- schen Steinkohlenbergbau schilderte. Der niederschlcsische Bergbau ist geologisch und geographisch so ungünstig gelegen, daß er mit den anderen Revieren nicht gleichen Schritt halten kann. Dos geht auch aus der Gegenüberstellung des Schichtförderanteils in den beiden Ha�J�crgbaiirevieren hervor. om August betrug der Schichtförderanteil: in Deutsch-Oberschlesien...... 1 479_kg an der Ruhr.........1 37? in Riederschlesien..... öS9 Dazu kommt, daß der technische Fortschritt in der Braunkohle eine solch« Entwuklung angenommen hat. daß Aicderschlesien auch hierin stark bedrängt wird. Sin Absahgebiet nach dem anderen geht verloren, ein Still- legungsanlrag nach dem anderen wird gestellt. Die Niederschlesische Bergbau-A.-G. beantragte im Oktober die Ent- lassung von 300 Arbeitern. Es folgte der Antrag auf S t i l l e g u n g der gesamten Wenceslausgrube, die durch ihre 151 Toten im Juli dieses Jahres noch in frischer Erinnerung ist. Rufe nach Hilfsmaßnahmen zur Erhaltuiwj des Werkes wurden auf der ganzen Linie laut. Wir hoffen, daß sie nicht ungehört verhallen. Im Waldenburg« r'B ergbau sieht«s nicht weniger trostlos aus. Die Niederschlesische Bergbau-A.-G. hat erneut be- antragt, 630 Mann von der Gustavgrube zu entlassen. In den Stillegungsverhondlungen wurde erklärt, wenn der Absatz sich nicht hobt, muh der Betrieb der Gustavgrube völlig einge- stellt werden. Am 28. November dieses Jahres beantragten die Fürstensteiner Gruben die Stillegung der gesamten Sophie- L�rbe. Der Redner schilderte dann die Schwierigkeiten, in der sich der Bergbaubesitz dxs Fürsten von Pleß befindet. Der • Fideikommißbesitz wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die jetzt zusammengebrochen ist. Die Folgen für die Arbeiter- schast sind noch nicht abzusehen. Im Laufe der Zeit wurden bereits nacheinander st i l l g e l e g t: die Abendröthegrube, die Vittorgrube, die Cäsar- grübe, der Herrmannschocht und I d a s ch a ch t der Fürsten« llnternehmer and Gewerkschaften. Ergebnislose Aussprache. Der„Demokratische Zeitungsdienst"' meldet, daß zwischen den Spitze'norganisatiönen der Gewerkschaften und der Unternehmer- verbände seit einiger Zeit unter Beteiligung des Reichsarbeits- ministers Stegerwald eine Fühlungnahme stattfinde, die fest- stellen soll, inwieweit über verschiedene Fragen der Sozial- und Wirtschasspolitik positive Verständigungsmöglichkeiten bestehen. Weiter wird da unter anderm behauptet, daß diese.Erörterungen keineswegs völlig negativ vertiefen, wenn man auch davon abgesehen habe, zu irgend welchen abschließenden Formulierungen zu kommen. Richtig an dieser Meldung ist, daß aus Wunsch des Reichs- arbeitsministcrs solche Verhandlungen stattgefunderf' haben. Diese Verhandlungen haben nach unseren Informationen zu einem für die Gewerkschaften annehmbaren Ergebnis nicht geführt. Schiedsspruch im Buchdruckkonflikt. Kurzfristige Verlängerung des Lohntarifs Im Lohnstreit de« deutsche« Buchdruckgewerbe« Hut am 17. Dezember das zuständige tarifliche Zentral- schlichtuugsamt einen Schiedsspruch gefällt, der den be- stehenden Lohutarif bis zum 13. Februar 1931 mit der Maßgabe verlängert, daß zur Fortsetzung der Beratnn- gen und Fällung eine« weiteren Schiedsspruches die Schlichterlammer am 2. Februar 1931 erneut zusammentritt. ♦ Die Unparteiischen im Haupttarifamt des deutschen Buchdruck- gewerbes, unter dem Vorsitz des Schlichters für Rheinland-West- falen, haben— zum erstenmal seit der von Stegerwald entfesselten Lohnabbauseuche— einen Schiedsspruch gefällt, der die Löhne nicht abbaut. Ihre endgültige Entscheidung haben sich die Unparteiischen noch vorbehalten. Sie sind zweifellos davon aus- gegangen, zunächst einmal abzuwarten, ob die so oft und laut an- gekündigte Preissenkung auch greisbare Wirklichkeit wird. Die Buchdrucker wissen, daß sie diese Entscheidung in erster .Linie ihrer ausgezeichneten Organisation und ihrer inneren Ge- schlosscnheit danken. Sie sind auch weiter fest entschlosien, ihre in zwei Menschenaltern erkämpfte Position zu verteidigen und nicht zuzulassen, daß die Schwächung ihrer Kaustrast zur katastrophalen Verschärfung der Wirischaftskrise beiträgt. DBB. zur Gehattskürzung. Ist die Notverordnung rechtsgültig? Der Gesamtaorstand des Deutschen Beamtenbundes hat in seiner Sitzung vom 17. Dezember zu der Notverordnung vom I. Dezember Stellung genommen. Grundsätzlich wendet sich der Gesamtvlststand entschieden gegen die Finanzpolitik der Reichs- regierung, die Finanznöte des Reichs, der Länder und Gemeinden in erheblichem Maße einseitig durch Kürzung der Beamtengehälter zu beheben. Unter Berufung auf Artikel 134 der Reichsverfassung fordert der Gesamtvorstand eine Steuer- und Finanzpolitik, durch die alle Staatsbürger ohne Unterschied im Verhältnis ihrer Mittel zu ollen öffentlichen Lasten herangezogen werden. Der Gesamtvorstand bestreitet, daß die durch die Verordnung J steiner Gruben. Nimmt man hinzu, was sich jetzt an weiteren Still. legungen vollzieht, dann ist es höchste Zeit, daß die Oeffentlichkett sich für die Vorgänge in diesem Revier interesiiert, in d«m die Wirtschaft- lichc und soziale Katastrophe heraufzieht. Diese Entwicklung könne nur verhindert werden, wenn der ganze Bergbau verstaa Sicht wird. Man kann jedoch dem preußischen Staat nicht zumuten, daß er etwa nur die Wenceslausgrube und die Sophiegrube oder viel- leicht noch einige kranke Kinder übernimmt, sondern daß er dann auch die Werke erhallen muß. die heute noch Aussicht auf Ertragfähigkeit haben. Es wäre schon außerordent- lich viel gewonnen, wenn es nur gelingen würde, den Teil des Bergbaues zu erhallen, der Aussicht auf Rentabilität hat. Es sind wohl Wege der Ausnutzung der Kohle mögllch, doch können sie nicht von der prioatkapstalistischen Wirtschaft begangen werden. Nur der öffentlichen Wirtschaft ist es möglich, sie zu beschreiten. Die Arbeiterschaft erhebt ihre Stimme, um in letzter Stunde eine Tragödie zu verhindern, dP den ganzen nicderschlesischen Berg- bau trifft. Mit dem Untergang des Bergbau» geht auch die übrige Industrie zugrunde. Ungefähr 150 000 Menschen in den drei politischen Kreisen Wal- denburg, Landeshut und Neurod« würden mit in den Abgrund gerissen. Wirtschafts- und ftaatspolitifch« Klugheit erfordern, daß dieses Revier, das hart an der Grenze der Tschechoslowakei liegt, nicht vollkommen zugrunde geht. Nicht nur Neurode, der ganze Landstrich von Neurode bis Landes- Hut ist als ausgesprochenes Grenzland anzusehen Eine Kala- strophe in solchem Ausmaß schafft«inen Herd politischer Unruhen, der in der gegenwärtigen Zeit außerordentlich gefährlich werden dürfte. In der Entschließung der Reoierkonferenz wird betont, daß der Arbeitslohn je Mann und Schicht mit 6,57 M. im August dieses Jahres an letzter Stell« der deutschen Steinkohlen- reviere steht, obwohl der Förderanteil ie Mann und Schicht von 669 Kilogramm im Jahre 1913 auf 859 Kilogramm im Monat August 1930 gestiegen ist. „Dringend notwendig sind Maßnahmen, die alsbald dem Revier Erleichterungen bringen, wobei zunächst«in« Kontingentierung der Zlbsatzgebiete innerhalb der Kohlcnwirtfchaft des Deutschen Reiches erforderlich erscheint. Darüber hinaus aber macht sich die Konferenz den Beschluß der 26. Generalversammlung des Verbandes in Magde- bürg vom Jahre 1928 zu eigen, in dem die Aufhebung der privat- kapitalistischen Verfügungsgewalt und die Sozialisterung des gesamten Kohlenbergbaues gefordert wird!" ausgesprochene Gehaltskürzung rechtsgültig ist, da es dazu eines oerfalfungsändernden Reichsgesetzes bedarf. Die Vorverlegung de» Zellpunktes für den Beginn der GeHalls- kürzung habe die Beunruhigung unter den Beamten verstärkt. Be- sonders sei zu beanstanden, daß die Notverordnung die� Rücksichtnahme auf die geringftbesoldete Beamtenschicht vermissen fasse.- Die als Ausgleich der Gehaltskürzung in Aussicht gestellte Preissenkung habe bisher keine praktische Bedeutung erlangt. Die Gehaltskürzung bedeute daher eine wesentliche Verschlechterung der Lebenshaltung der Beamten. Der Gesamtvorstand beauftragt den geschäftsführenden Bor- stand, alles zu tun, um die Rechtslage zu klären und den Reichstag zu veranlassen, durch Staffelung der Gehallskürzung innerhalb des Satzes von 6 Proz. eine soziale Gestaltung zugunsten der geringstbesoldeten Beamtengruppen zu beschließen. Der finanzielle Ausfall müßte durch Einsparung an den sächlichen Aus- gaben der öffentlichen Haushalte gedeckt werden. Daneben ist der Preisbildung besondere Aufmerksamkeit zu widmen und in Zusam- menarbeit mll anderen Verbraucherschichten dahin zu wirken, daß durch Senkung der Lebenshaltungskosten die Gehaltskürzung aus- geglichen wird._ Aoch nicht genug Arbeitslose! NeichSbahn will 25 000 Arbeiter entlassen. Wie wir in unserer gestrigen Abendausgabe mitteilten, will die Hauptverwaltung der Reichsbahn weller Ueberftunden machen lassen, gleichzeitig aber 25 000 Arbeiter entlassen. Die Verhandlungen im Reichsarb e llsmimsterimn blieben erfolglos, trotz aber- maligen sehr wellen Entgegenkommens der Gewerkschaften. Durch die dem Reichsarbellsminister von den Gewerkschaften gemachten Vorschläge allein wäre es möglich gewesen, für rund 20000 Arbeiter die Entlassung zu verhindern. Die Ber- tret«r der Verwaltung behorrim aber auf ihrem Standpunkt, der darauf hinzielt, unbekümmert um die Ueberzeit- arbeit im Betriebs- und Derkehrsdienst für die Werkstätten- und Dahnunterhalwnasarbeiter jede Woche eine Feierschicht«in- zulegen. Es ist jetzt damit zu rechnen, daß die hauplverwallnng zehn- tansendon Arbeitern das Arbeilsverhällnls auslündlgt. Sollte das zutreffen, dann muß der Reichsorbeitsminister unter allen Umständen von seinem Aufsichtsrecht Gebrauch machen; denn wandle Reichsbahn vorhat, kann unter keinen Umständen hin- genommen werden. Das größte Reichsunternehmen darf nickst Zehn- taufende auf die Straße setzen, ohne daß daftzx ein begründeter Anlaß vorhanden ist._ Konflikt in den Modelltischlereien. Auch hier Lobnabbau geplant. In dem Lohnabbaureigen wollen auch die Berliner Modell- tischlermeister nicht fehlen, die in der„Vereinigung der Modellindusirie Groß. Berlin" zusammengeschlossen sind. Obwohl das jetzige Lohnabkommen seit dem 1. August vorigen Jahres besteht, also seit fast 1)4 Jahren keine Lohnzulagen gewährt worden sind, haben die Unternehmer das Lohnabkommen zum 31. Dezember ge- kündigt und zunächst einen Abbau der Durchschnllts- und Leiftungs- löhne um 15 Proz. gefordert. In den direkten Verhandlungen am 10. Dezember„ermäßigten" sie ihre Forderung bis auf folgenden Vorschlag: Die Durchschnittslöhne der Facharbeiter sollen ab 1. Januar um 8 Pfennig stgd die Höchstlöhne um 10 Pfennig die Stunde reduziert werden. Die Unternehmer erklärten, daß sie infolge der außerordentlich schlechten Geschäftslage in ihren Betrieben � und auf Grund des Lohnabbaus in den Modelltischlereien des Der-, band«» Berliner Metallindsstrielk«? gezwungen seien, auf dieser Forderung zu bestehen. Die Gewerkschaftsvertreter verkannten keineswegs die ungünstige wirtschaflliche Lage der Jnnungsbetriebe, bestritten aber die Rol- wendigkell eines so weitgehenden Lohnabbaues. Der Vorschlag der Unternehmer wurde gestern in einer vom Holzarbeiterverband ein- berufenen Versammlung der Modelltischler beraten und nach kurzer Aussprache ein st immig abgelehnt. Der Organisationsleitung wurde die Aollmacht erteill. von sich aus nunmehr alle notwendigen Schritte zur Fortführung der Lohnbewegung zu unternehmen. Widerstand gegen den Faschismus. ITF. unterstützt die polnischen Gewerlschafien. Die Exekutive der Internationalen Trans- portarbeiterföderation, die dieser Tage anläßlich der Tagung der freiorganisierten österreichischen Eisenbahner in Wien eine Sitzung abhielt, hat in einer scharfen Entschließung zu energi- schem Widerstand gegen den faschistischen Terror aufgerufen. Die Exekutive gibt Ihrer Empörung über die brutalen Verfolgungen Ausdruck, denen die Arbellerschaft der vom Fafchis- mus heimgesuchten und bedrohten Länder, und zwar vor allem die Arbellerschaft Polens ausgesetzt ist. Sie spricht allen Opfer» »des weißen Terrors ihr« wärmste Sympathie aus und erklärt, daß sie den Kampf gegen den Faschismus mll allen Kräften weiterführe. Sie ersucht die angefchlosienen Verbände, ihr Aeußerstes zu tun, um die polnische Bruderorganisation in ihrem Kampf gegen die Reaktion und den Terror zu unterstützen. ?U$O-pleiie auf dem Lande. Hausierer mit-tO'pfennig-Ve.trag machen kein G'schäst. In Malchin sind sej�«inigen Jahren sämtliche größere ge- werbliche und industrielle Unternehmen stillgelegt. Obendrein läßt die Reichsbahn noch das Ausbesserungswerk, dessen Arbellerzahl von 500 auf 240 zurückgegangen ist, in nächster Zeit vollends eingehen. Alles in allem bietet so Malchin einen guten Boden für radikale Demagogie, den die an die niedrigsten Instinkte appellierende KPD. sich nicht entgehen läßt. Seit einigen Tagen hat die REO. unter den etwa 500 Arbeits- losen in Malchin durch Handzettel Propaganda gemacht für eine „große" Erwcrbslosenversammlung mll äußerst wichtiger Tages- ordnung. Etwa 50 Erwerbslose fanden sich ein. Nach einem mit größtem Stimmenaufwond gehaltenen Vortrag gegen die SPD. und die freien Gewerkschaften, wurd« zum Eintritt in die RGO,(Monatsbeitrag 10 Pf.) aufgefordert. Aber auch nicht ein einziger Arbeitsloser meldete sich, trotzdem sich die Zuhörer aus 99 Proz. Sympathisierender zusammensetzten. Trotz des schmackhaft gemachten niedrigen Beitrages war kein vertrauen zur RGO. Erwerbslose, die geglaubt hatten, es würde über ihr Wohl und Wehe beraten, hatten sich geirrt. Man hörte nur die abgespielte KPD.-Platte, die den Arbeitslosen nichts bietet. Di« RGO. hat hier kein Glück.__— LohnabbauauchfürBehördenangestellie Finanzministerium als Sckarfmacher. Heute finden Berhcmdlrmgen zwischen dem Reichsfinonz-"-: Ministerium und den Organisationen der B e h ö r d e n a n g e- stellten über eine Aenderung des Reichsangestelltentarlsvertrages statt. Das Ministerium fordert eine Senkung der Bezüge um 6 Proz., wobei solche von nicht mehr als 125 Mark im Monat von der Kürzung ausgenommen fein sollen. Das Reichsfinanzministerium droht den Bchördenangestelltsn für den Fall, daß die Verhandlungen zu keinem Ergebnis führen, mit der Kündigung des Reichsangestelltentarifvertrages. Hoffnung auf Giegerwald. Bochum. 17. Dezember.(Eigenbericht.) Die Nachoerhandlungen über den Schiedsspruch für die rheinisch. westfälischen Straßenbahnen, der einen Lohnabbau von sechs Prozent vorsieht, sind ergebnislos ver- laufen. Die Unternehmer hatten die Verbindlichkellserklärung beantragt, während sich die Gewerkschaften dem Lohnadbau mll allen Kräften widersetzen. Die Entscheidung liegt jetzt beim Reichsarbells- minister. Achtung, BBG.! Bei der BVG. beschäftigte Gewerkschaftsgenossen, denen scharfe gegnerisch« Aeußerungen im Betriebe, msbesondere solch« von Nazi- Leuten gegen die BVG., deren Leitung, gegen den Direktor Brolat, den Betriebsrat und dessen Mitglieder genau bekannt sind und durch Zeugen bestätigt werden können, werden gebeten, dem Betriebs- ratsoorsitzenden, Genossen Flieger, sofort davon Mitteilung zu machen. «etrlebstr-liiii, d-r SPD. Selm«tScltMa* Nordost. Pctiair.nt. Gl Z lun» h-ui-, Donnerstag. 16� Ul,r. im«astno�sestsaal tLrd'g'nhr m), m jg Papprlallce IS. Tortrag: dco Genossen Kurt Seinig. M. d. 91., über N g„Die vallt sche Lage". An>ch!!:Kend freie Aussprache. Erscheinen aller fei Senosswncn und Senoss-n Pflicht. � Ter Frliioirsporstand. l| fKreieGewerkschasis-Iuaend Verlin Leute. Donnerstag. IS'? Uhr. tagen die Sinppcnl»Spenich: Iuaenh- Heyn Eriinauer Str. Z.- Licht bilde rvorlrag:„Die Kirche in der Kari- totur*.— Schöobauier Zor: Jugendheim Ticckstr, 18. Porberciiung �ur Weihnachlssahrt.— Gesundbrunnen: Zugcndheiin Note Schule, Eotenburg:: Strohe 2. Unsere PZelhnachtsseier.— Liidolteu: Gruppenlielm Rrichenbcrger Strad- bS lsseucrivehrhausi. Spielabend.— Tempelhoi: Gruppeuheim Lmcum Sennaniastr. 4—6, Einaana Gödstrasse. Weihnachtsfeier. Die Gruppe Schiiut- berg besucht uns.— Moabit: Iunendheim Lehrter Str. 18— IS. Z3Zeih,iach>s- feie- in unseresst Leim.— Neu. Lichtenberg: Jugendheim Guntorstr. 4t. Po'. trag:„Warum soll ich mich viganisieraul'— Lichtenberg: Jugendheim Lanü» an der Sesssngstrahc. Pariraa:..Danderbeweauna einst und seht".- Lande. berger Plafc: Jugendheim Dlestelmeperstr. 3. ffllmaband:„Ali-BerUn". ® 5uc'ensic»rspve ffsycrfro'mt'onsigg ver Anae�eNten Leu'e. Launerotag, finden folgende Veranstaltungen stall: Pauloui. Nuderschärianfen: Augendheim DZrfchstr. 1t igroftez äimmer). Ainirr- sonnenmsnd».— Osten: Jugendheim der Schul» Litauer Sir. 18. Portrag: ..Di« Lhcorie der Planmirtillait und Paneurova". 9 eieient Willi Derloio.— Tooptoio: Jugendheim der Schute Wildenbruchstr. 88 s.-iigang rou der®tac8- strahe in Dreptmol. Wir er-bhlen von frohen Wanderfahrten.— Lauten fstr den Leinrich-Le ine. Abend am KreNag, lg. Dezember, ainn Preis« ran 43 P'-, sind im Iugendfetretariat und in den sfugendgruppen crbal'lich.— Äar'.e» silr die Iugendoorstellung der Voiksdilhne am 1. Sanuat, zum Preise von 80 Pi., sind im Zugendieiretariat zu haben.— Leute findet die Iuaendiunit'onar. Versammlung um Z0 Uhr im kleinen Slstungeiaa: unseres Perband shaui-o statt.— Die Teilnebmer an der Weihnachtsfahrt ins Erzgebirge treffen, stch heute zu einer Donbetprechnna um 20 Uhr im Iitgendrouin fsZinrmer cht) unsrres Perhgndshaufes. CfsfcnauBgcn fit biete Subtil ftnb B e 1 1 i a SW«S. Sindealtraße 3, parteinachnchten fürGroß-Verlin tet* an da» B«|it{m übrigen Reiche bewölkt ohne erhebliche Niederschläge, Temperaturen um Null schwankend. Ein flaches Tief, dessen Kern am Mittwochabend über Ost- pommern lag, verursacht« in Deutschland östlich der Elbe weitoer- breitete leichte Schneefälle. Da in diesem Teil des Reiches auch mittags die Temperaturen unter 0 Grad Celsius, in Ostpreußen sogar unter—5 Grad Celsius lagen, so konnte sich eine zusammen. hängende Schneedecke bilden. Das übrige Deutschland blieb bei Temperaturen um 0 Grad Celsius größtenteils trocken. Da sich das Tief nur langsam zu bewegen scheint, ist auch morgen zunächst bei mäßigem Frost trübes Wetter mit Neigunq zu leichten Schneefällen zu erwarten. Später ist bei etwaiger Aufheiterung Verschärfung des Frostes wahrscheinlich. Eeirinnsuszug Z. Klaffe 3G. Preutzisch-Eüddcuische Elaats-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf ssbe gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefalle», und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen 1 und U 1. Ziehungstag 17. Dezember 193» In der heutigen Bvrmitlagsziehung wurden Gewinne über 300 M. gezogen i©elviuae zu 5000 M. 131980 4 Gewinne zu 2000 M. 64131 336131 30 eewinne au 1 000 91!. 13841 23295 33996 67499 104716 133088 140191 101362 165447 209138 240229 316458 334940 349015 376196 44 Gewinne zu 800 Di. 1745 6597 22700 48732 104205 110385 115796 134444 163152 160590 169905 192909 195491 206019347380 247454 263341 294191 294332 308439 377448 393828 70 Gewinne zu 500 AI. 5190 7316 16503 17506 22265 24950 27057 33781 49944 53476' 74045 80158 91486 100077 109921 122706 162007 163288 183325 204843 207880 209220 220336 225362 243857 253575 309789 315422 321202 342072 373643 383216 384544 386850399344 <5n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 200 M. gezogen 2»caUne zu 1 00000 W. 334554 2 Gewinne zu 5000 ill, 31 7429 8 Gewinne zu 3000 M. 169061 131477 184262 305476 10«ewinne zu 2000 M. 51871 75096 115982 142236 193834 26 Gewinne im 1000 W. 1616 40287 68344 105780 129066 142124 163225 181997 192614 220416 253061 310422 389700 36 Gewinne zu 800 M. 9373 15892 36092 47742 101426 141926 143457 154636 165152 174182 210857 254170 271449 297935 309927 322801 381032 388222 394562 46 Gewinne zu 500 M. 894 28381 49827 68636 75868 82462 105222 146758 162949 183830 184070 187361 217110 218873 223148 225097 226498 258966 262330 267253 277434 325923 366830 Zweiter Preisabbau! 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BERLIN: N, Brunnenstraße 42 N, Müllerstraße 144 N, Chausseestraße 76 O, Koppenstraße 86 N, Prenzlauer Allee 50 O, Petersburger Str. 60 SO, Grünauer Str. 15 S O, Köpenicker Str. 121 W,Martm-Luther-Str.86 Meine Damen! Zerbrechen Sie sich nicht länger den KopFdaruber.was Sie Ihrem Gatten, Ihrem Verlobten, Ihrem Bruder, Ihrem Freund zu Weih- x/W nachten schenken sollen! Es ist doch so einfach! Die eigens zu //iT\\ diesem Zweck zusammengestellte Festpackung MAKEDON- ///;|j Zigaretten sind ein Geschenk' das jedem Herrn große Freude''/� mac�' Wir sind überzeugt, daß die Beschenkten davon entzuckt sein werden, besonders aber, wenn sie unsere hervorragenden Marken noch nicht kennen. ZIGASEITENFABRIK MAKEOON MAINZ AM RHEIN Q NZERNFREI PabrllcntaiGriae«: Mak*den G.m.b.H./ B«Hin NW 6, Lvlsonstr. 30, TeL D X Weidandsmm 3354 Unser Preisausschreiben fand eine außerordentlich rege Beteiligung aus allen Kreisen unserer Kund schaft Bei der Fül e guter Einsendungen war die Entscheidung für das Preisgericht nicht immer lei ht In seiner Schlußsitzung am II Dezember hat es folgende Pieisverteilung festgesetzt: S erste l*reSse zu ie RM. 250,— in bar an Schüler Hans Joachim Norda, Wilmersdort Frau Helene Pieritz. SWI1 Frau Frieda tion, Wilmersdorf Herrn Otto Richter, Neukölln Herrn Dipl.-lng. Fnedr. Popp, Potsdam SO zweite■»reise zu je RM. 100,— in Warengutscheinen an Herrn Arthur Pohl, Schauspieler, Nowawes Frau G. Knorr, S036 Frau Grete Heinemann Frau W. Senkpiel, O 112 Herrn Fritz Kintzel, Techniker, Ol f. Frau Oberstudiendirektor Johannesson, Wilmersdorf Frau Marg Qlaubke, N 4 Frau Emmi Dreßlei, B n.-Stcglitz Frau Priedel Birkenfeld, NW 6 Herrn Ernst Dittnch, Intendanz-Sekret, Charlottenburg 9 20.dritte U»relse zu je RM. 50,— in Warengutscheinen an Fräulein Gertrud Werner, Cha'lottenbg. Herrn Paul Jankowski, NW 21 Herrn Carl Lüders, Chem. Dresden-A. 24 Frau Elise Hübner. Bin-Friedrichshagen Frau H Bauer, Schöneberg Gertrud Barth, Karlshorst Herrn Wilhelm Kraack. W 35 Herrn Fritz Schröder. Neukölln Herrn Reinh. Lenz, Rechnungsr, W 30 Frau Polizeirat Elsa Reinke. Karlshorst Herrn Hermann Gronwald. NO 18 Herrn Paul Richter, Köpenick Frau Doia Weise, NW 87 Herrn Otto Hintz NW 21 Herrn Ernst Mecklenburg. Charlottcnbg. Frau Lucie Tie'z-Rolle. W Herrn Alfred GUhne, N 20 Herrn Hans Sahrada, Britz Herrn Otto Bock, Charlottenburg 2 Frau Matschy Schache- von Strauwitz, Dresden 16 SO Trostasrelsc: zu je RM 20,— in Warengutscheinen Den Gewinnern, die von uns noch gesondert benachrichtigt werden, unseren herzlichen Glückwunsch. AI en Einsendern aber für das uns entgegengebrachte Interesse verbindlichen Dank und„Frohe Weihnachten" Vereinigte Pommersche Heiereien. ZUeAler. Lidilsptele usw Donnerst, 14.12. Staats-Oper Unter d. Linden 109. A.-V. 208 Uhr Der Ende g 23 Uhr Staats-Oper An Pliti der Republik. 103. R.-S, 20 Uhr Rlgoietto Oiftntl, Kzrtnnikzut Endeg.22>r-Uhr Donnefst, 18 12. staut. Oper liismarckstr. Turnus I 20 Uhr Armer Coinmbns Ende Uhr Staatl. lam Cudimnnirktl. 94. A.-V. 20 Uhr Der blaue Boll Ende g. 23Va Uhi Staal.SttiillEr-Tliüatür.tliarltlig. 20 Uhr Nadit flberm Kreml Ende 221t Uhi WinFer • Garten* 5 14 Uhr. Zcntr. 2819. Baudien erlaubt. Alex Hyde und seine 13 Musical- Ladies. 4 Karreys. Catallnl. Willi Schaffers. 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Uhr: Zum goldenen Anker mlf Eau« Dorsm Mitt, So, Slg. d Ubr Emilu die Detektive von M 0J0 an Renaissance Theater Steinplatz 6780 8V« Uhn von Max Alsberg und O E. Hesse Sonubend. d. 20. Dez. 8 Uhr Zum 1 Mal mue die Nun milch geben? Nach längerer, schwerer Kramkheit verschied dar langjährige Inspektor des Krankenhauses Lankwitz Herr Otto Müller im Alter von 49 Jahren. Wir bedauern den zu frühen Heimgang des stets zuvorkommenden und pflichteifrigen Mitarbeiters. Aerzte und Verwaltung des Krankenhauses Lankwitz. Neues Theater w am Zoo—— CniBnbnli.2oo. 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Einladung zur ordenllichen Ausschuhsitzung der Bettr«:er der flaffenmit Ueder und �>er ZumtugsmitgUeder am Dienstag, dem Z0. Dezember 1 030, adenvs pünkllidi 6 Ahr<16 Ahr», In»chink-I» ZeslsSIeu. 50 1», Brückrnftraße 2, im TheatersaaL Tag esardnung: I. Bericht des Barstantes. 3. Beiltilußlassiing über den vom Bor- stand ausgestellten Boranschlag sllr das Jahr>981. 8. Wahl des Rechnungsausfchnsses zur Prüiung der Zahtestechnung 1930. 4. Satzungsänderungen. 3 Betschiedenes. Die Herren Vertreter erhalten noch eine beiondete schriftliche Einladung. Die Sitzung ist nicht offeniUch. Der vorstund. Trust Mallwitz. Borsitzender Hubert Stieffenhofer, Sedriltführer. Bekanntmachung E. I.J. 708�9. Strafsache gegen den Werkzeugmacher und früheren Btzirfsverordnelen Paul(Saldbadi, wohnhast zu Berlin. Mahlsdorf, BMow stratze Z>, wegen Beleidigung. Das Schöffengertcht Berlw-Hichtendetg. in Berlin-Lichienderg. hat am ßv. Zum 1930 für Recht etfannt: Der Angellagle wird wegen ösfentlicher Beleidigung des Stadtrais S t i m m i n g zu dreihundert Reichsmatk Geld- Nrale. im Nichtbeilrcidungsialle zu M Tagen Geiängnis und zu den Rosten des Bct- iahrens vcrntleilL Dem Beleidigten, Stadtrat Stimming. wird die Beiugnis zugeforachen, den er- kennenden Teil des Urteils, lowelt er sich auf die äfsentliche Beleidigung bezieh!, binnen eineai Monat nach Zustellung des lechtsträltigen Urteils an Ihn aul Rollen des Angeklagten durch einmalige Einrllckung In folgenden Zeitungen: s)»Rote Fahne". d).Vorwärts".C>.Lokai-Anzeiger'.ü)„Lich- tenderger Anieiger' und e).Lichienderger "!ebtalt" Sff.ntlich brranni'.umachen :s Urteil ist vollllreckdar. Metil.Vew! Täglich 8'/. invie an beidan Heid- naUihleieklagin Sco»»ttooeller Opercticncrf olg I Viktoria undihrHusar BamowslfHBhnun Theater In det Stresemannsii. 8V« Uhr Storni im Wasserglas Komödienhaus 8V« Uhr Konto X uustspieihaus Kurt Götz Täglich 8>8 Uhn sowie an beiden Weihnachisfeier- tagen Vom Lieben und Ladien lilaine Anzeigen, unrßuingsv&ii und btiit# i bot»:.0 mof SS. 30 mal ader IVOS Wort» Abschlwfl 10*. 3000 Warfe 15*. 4OO0 Warte 70«< ma durch da» Varia®- Undansfr. 3('»• bis 4 Uhr:, und sdmtl.che Vorworts IWalea M. Aw>gobas»allon UbarschrffHworT 3S W.f Taxfwart 13 H./ Wiadarhelunas rob Stallongasuch«: Uharsehrfftswort 15 PI.. Ta«Fwor« IQ IM. Am leHing-Tlieatet Täglich S'k Uhi Uir gioBe Uslsgialtrlolg Max Adalbert in Der mann, der schweigt Geschenke für jung und ali! OemsdietlletallaMeMiiiil Verwaltuitgsmngileder! Am Freita, dem lt. Dezember, keine Sitzung der Mittlere» Ottsuerwaitung. 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