BERLIN Sonnabend 20. Aezember 1930 erschetuttäglichau glaubt nwn einen dozierenden Oberlehrer zu hören, der seinen Schillern die Bamnots des alten Fritz erzählt. Ganz uilleidlich ober wird er, wenn er Moral predigt und ausgerellmet an seiner Tafcl- runde, von deren Esprit man aber auch nichts erfährt, eine Vor- lefung über die Ehe hält. Dieser Fraucnoerächter, der seine eigene Frau bekanntlich nie eines Blickes würdigte, muß den Spieß- bnrgerinnen als Vorkämpfer der Eh« vorgeführt werden! Genau so verlogen ist die Szene, in der der König sich als Schützer der Pressefreiheit aufspielt. Doch genug von diesem Machwerk von Manuskript, dem man zuviel Ehre antun würde, wenn man es mit historijchem Maßstab messen wollte. Rein filmisch betrachtet, ist das..Flötenkonzert* durchaus im bedeutend und ausgesprochen langwellig. Die Szenen sind viel zu sehr ausgedehnt und verlieren sich ins rein Episodische. Tempo bat allein der Ritt des Majors und seine Verfolgung durch die Sachsen. Aber das haben wir himdertinal in amerikanischen Filmen ebensogut und besser gesehen. Das Fest in Dresden, die Tafelrunde und das Flötenkonzert in Sanssouci geben natürlich Anlaß zur Entsaltimg von allerlei Rokokoherrlichkeit, und gewiß gibt es eine Reihe schöner Bilder, aber sie sind wenig filmisch, da sie ohne Leben und ohne Bewegung sind. Don den Darstellern ist Hans Rehmann zu loben, dessen Major Schneid und Eharakter entwickelt. Renate Müller ist sehr rcpräsentabel als Rokoko- dame.?llle anderen Rollen find sehr episodisch behandelt! wenn man noch Waller Janssen und Raoul Askan(Graf Brühl) sowie Friedrich Kayßler in der unbedeutenden Rolle des Ministers Finkenstein nennt, so ist aber auch alles erwähnt. Ob die Uniformen alle echt sind und der Aufmarsch der Regi- menter historisch getreu ist, vermag ich nicht zu entscheiden; darüber mögen die echten Preußen sich unterhalten. D. Außer dem Quergebäude gehört noch ein Seitenflügel zu dem Großbetrieb. In der Nacht gegen 12Vi Uhr wurde die sonst so still« Straße durch plötzlichen Feueralarm jäh aus der Ruhe geschreckt. Schon als der Brand, der offenbar im ersten Stockwerk ausgebrochen ist, bemerkt wurde, war die Situation äußerst bedrohlich. Die Flammen hatten durch Schächte Zutritt zu den oberen Etagen gesunden, und als die Feuerwehr auf„Großseuer-Alarm* mit sechs Zügen anrückte, stand bereits das ganze Quergcbäudc und Teile des angrenzenden Seilen- slügels in helle» Flammen. otoii gefüllten Sauerfloss-Flaschen zu bergen, ehe es zu einer un> absehbaren Katastrophe auch für di« umliegenden Gebäude kommen konnte. Aus 14 Schlauchleitungen wurden stundenlang gewoliige Wassermcngen in das Feuermeer geschleudert, bis endlich gegen 6 Uhr früh die Gewalt der Flammen gebrochen wer- den konnte. In den Morgenstunden rückten mehrere neue Züge an, um die erschöpften Mannschaften abzulösen und die Auf- räumungsarbciten vorzunehmen. Der Schaden ist sehr hoch. Als Entstehiingsurjache wird Explosion durch Selbstentzündung von Zaponlack vermutet. Wie wir erfahren, wird Fabrikation und Vertrieb der Firma in keiner Weise gestört. Schiffszusammenstoß im Kattega« Oampser„Oberon" gesunken- Lieber 40 Personen erkrunken Kopenhagen, 20. Dezember. Eine schwere SchiMkatastroPhc hat sich knrz vor Mitternacht im Kattegatt ereignet. Die beiden finni- schen Dampfer„Arcturus" und„Qbcron" stießen infolge dichten Nebels mit voller Wucht zusammen. Der Zusammenstoß, der in der Nähe des Lasoc-Trondeu- Leuchtturmes stattfand, war so heftig, daß die ..Qberon" schwer beschädigt wurde und innerhalb von drei Minuten sank. Von der aus 70 Per- sone« bestehenden Mannschaft und von den Passagieren der„Oberon" sind mehr als 40 ertrunken. Tic genaue Zahl steht jedoch noch nicht fest. Auf drahtlose Hilferufe der„Arcturus" hin find Rettungs- dampfer von Cardiff nach der Unglücksstelle ausgc- laufen. Ein schwedisches Kanonenboot und ein anderer Dampfer sind an der Unfallstelle eingetroffen. Tie„Arctnrns" befand sich auf der Fahrt von Kopen- Hägen nach Hnll, während die„Oberen" die Strecke in umgekehrter Richtung befuhr. Um 4 Uhr nachts hat die Kopenhazener Reederei Franck ix. To b iese n ein Telegramm von dem Kapitön der„Arcturus" erhalten, wonach die Schiffskatastrophe vor Laeso noch fürchterlicher ist, wie bisher angenommen wurde. Es feien so heißt es in dem Telegramm, nur 36 Leute geborgen. Außer den 19 Passa- gieren seien ök> bis 60 Mann Besatzung an Bord des untergegangenen„Oberau" gewesen. Das besage, daß zwischen 33 und 43 Menschen verschwunden seien, und man halte es für unwahrscheinlich, daß sie noch am Leben sein könnten, da man bisher kemc Spur der Rettungsboore gesunde» habe. Die„Arcturus" selber sei bot den, Zusammenstoß bedeutend schwerer beschädigt worden, als man bisher wußte. Aber das Leck des Schisses befinde sich über der Wasserlinie und der Dampfer bleibe an der Unglücksstelle die Nacht über liegen. Die Geretteten, die an Bord genommen wurden, waren sehr mitge- nommen, viele von ihnen krank. Ucber das Unglück liegen noch folgende Einzelheiten vor: Der Zusammenstoß fand bei dichtem Nebel statt. „Oberon" bekam ein Deck an Steuerbord und sank in wenigen Minuten. Es gelang, all« Rettungsboot« zu Wasser und von dem sinkenden Schiff frei zu bekommen. Di«„Arcturus" begann trotz des eigenen großen Lecks sofort mit den ReUunzsarbeiten, die wegen des dichten Nebels sehr schwierig waren. Es wurden auch sofort SOS-Signale gegeben, und von ollen Seiten essteu Schiffe zur Hilfe herbei. Die beiden zusammengestoßenen Schiffe„Arcturus" und ..Oberau" gehören der Finnischen Dampfergesellschaft A.-G., Hessing- sors.„Arcturus" ist 2500 Tonnen groß und 1898 gebaut,„Oberon" 3000 Tonnen groß und 1925 gebaut. Oer neue Fridericus. Kriegshetze mit Flötenkouzert. Wie feine Vorgänger, die stummen Fridericus-Rcx-Filme, ist euch dieser tönende Film nicht als ein Kunstwerk zu werten, er steht wie sie im Dienst einer Tendenz: dem deutschen Volk in seiner Not ein großes Vorbild zu zeigen, das den Krieg mit halb Europa ausiiahm und siegreich beendete und dadurch seinen Kampf- willen und seine kriegerische Bereitschaft zu steigern. Die Frage ist zu stellen: Wird dieses Ziel erreicht auch für diejenigen, denen nicht schon das patriotische Blech und die Trommelwirbel auf den allzeit geduldigen Kalbfellen, mit anderen Worten, der Hohensricdberger und andere Märsche genügen, um in tobende Begeisterung aus- zubrechen, und die jeden für einen Vaterlandsverräter erklären, der es wogt, auch von solchen Filmen historische Wahrheit zu fordern? Der Film stellt zwei Tage vor Ausbruch des Siebenjährigen Kriegs dar: der König von Preußen genießt sein Idyll von Sanssouci mit Flötenblasen, der Aufsagung von zumeist ulihistorischen Sentenzen, der Wtedercinrenkuiig einer bedrohten Offiziersehc usw. Aber das böse Ausland verschwört sich gegen Preußen, das ofsenbar nie em politisches Wässerchen getrübt hatte. Glücklicherweise sind seine Feiiide, die eben mit dem sächsischen Premierminister Grafen Brühl den kriegerischen Ueverfall verabredet haben, sehr schlecht beraten. Der König erfährt brühwarm ihre Verschwörung durch seinen Ge° sandten, dcr den Geheimsekretär bestochen hat, und durch seinen Elitereiter, den Major Lindeneck, schleimigst noch Potsdam melden läßt. Wöhrend eines Flötenkonzerts erhält der König die Nach» richt und faßt nun, während er ruhig weiter die Flöte bläst, den Entschluß, Europa durch seine Kriegserklärung zuvorzukommen. Und schon marschieren die Truppen(oor dem Schloß von Sans- fouci?) auf, und der Film ist aus. Man inuß den König von Preußen gegen diese Geschichts- klitterung in Schutz nehmen. Er hat als junger Mensch, um seine Minderwertigkeitsg.sühle zu übertönen, Kriege vom Zaun gebrochen, dabei Glück gehabt und Provinzen erobert, und hat nun die Erbschaft wohl oder übel antreten müssen, die Eroberungen in weiteren Kriegen zu behaupten. Er. hat sich selbst nie für einen be- sondern Feldherrn gehalten und schließlich den Siebenjährigen Krieg nickst durch kriegerische Erfolge, sondern dank einer Reih: ihm günstiger Glücksumstände„gewonnen". Sein Land war dabei vis an den Rand der völligen Verarmung und Tesolation gcraten; das Bürgertum hat schließlich, als der zum Menichenfeind Gc- wordene starb, erleichtert ausgeatmet. Geradezu tragikomisch aber ist. es. daß dasselbe Bürgertum die patriotischen Legenden, die sich an den Rainen des Königs geknüpft hatten, für bare Münze ze- Ziegelsteine als Geifieswaffen. Hakenkrevzlerbeweisennächtlicherweiseihre,lleberlegenheii" Löbau, 20. Dezember.(Eigenbericht.) In dcr vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr wurden an der Geschäftsstelle dcr„Volkszeitung für die Oberlausitz" in Bautzen eine der großen Schaufensterscheiben und eine Scheibe des Aus- Hängekastens durch Steinwürfe zertrümmert. In die Schaufensterscheibe wurden drei Ziegelsteine und Granit- st e i n e geworfen. Einer der Steine durchschlug die Hintere Schau- fensterwand und flog in den Laden hinein. Man geht nicht fehl in der Annahme, daß Nazis die Täter waren und deren Tat ein Rache- akt darstellt, weil die Volksbuchhandlung in den letzten Tagen in ihren Schaufenstern anschauliche Beweise für den Geisteskampf der Oiationalsozialiften ausgestellt hatte. Die polizeilichen Ermittellmgen sind im Gange. Strompreise werden gesenkt. Vedeutsamer Erfolg sozialdemokratischer Kommunalpolitik. Zn der heutigen Aufsichksralssilzuug per Bewag(verllner' Stadt. Elektrizitätswerke) wurde ein ungemein wichkigcr und bedeut- farnet Entschluß von größler Tragweike gefaßt, nämlich nichts Geringeres, als eine ganz erhebliche Senkung des Haushalt. stromtarifes. Zunächst lagen Antrag« der Koitoitu nisten und Nationalsozialisten vor, die die Tarife derart gesenkt sehen wollten, daß dabei eine folgenschwere Minderabgabe an die Stadt lzerausgekommen wäre. Es kam aber alles darauf an, daß auf der einen Seite die Stadt keine finanzielle Einbuße erlitt und daß bei einer Senkung der Strompreise andererseits auch die städtischen Angestellten und Arbeiter keinen Schaden erlitten. Dieses Kunst- stück, den richtigen Mittelweg zu finden, der alle Teile befriedigt, gelang wieder einmal allein der Soziale demokratie. Zunächst wurde, nachdem die Vorschläge der Nationalsozialisten und Kommunisten keine Mehrheit gefunden hatten, der Vorschlag dcr Sozialdemokraten, den Strompreis für Haushalle um 2 Pf. pro Kilowatt st und« zu senken, einstimmig von allen Parteien angenommen. Mit den Stimmen aller Parteien, auch der Nationalsozialisten und der Koni- munisten, wurde sodann ein außerordentlich wichtiger sozial- demokratischer Zusatzantrag angenommen, der besagt. daß im„Verfolg dieser Preissenkung beim Haushalttarif Ent lassungen werden von Angestellten noch von Arbeitern bei der Bewag stattfinden dürfen". Die abgebaute Krisenfürsorge. Don 15,76 Mark bis auf 20 Pfennige. Unsere Veröffentlichung üti Freitag-„Ahend" hat uns eine ganze Reihe weiterer Klagen gebracht, von denen hier einige kurz erwähnt seien. Einem Zchähngen Arbeitslosen wurde die Krisenunterstützung von 15,76 bis auf 20 Pfennige gekürzt, weil sein Bater ihn ernähren könne. Der Bater oerdient 43 Mark, die Mutter ist zuckerkrank, was den Haushalt verteuert. Nach allen unvermeid- lichen Ausgaben bleiben für Dater und Soha 5,40 Mark zum Leben übrig. „Am vergangenen Sonnabend hatte ich bei einer Besorgung den Stempel oersäumt. Prompt wurden mir 10 Pf. abgezogen, so daß meine Unterstützung in der Weihnachtswache noch zehn Pfennige beträgt." Ein 67jähriger Alterorentner mit 47,00 Mark monatlicher Rente erhielt bis vor vier Wochen 11,71 Mark Krisenfürsorge. Diese wurde zunächst auf 8,53 Mark und schließlich auf 2.30 Mark wöchentlich verkürzt. Der Mann ist Witwer und hat eine Zweizimmerwohnung. Die Hauszinssteuer ist ihm zwar erlassen, er meint jedoch, daß 57,56 Mark Monatseinkommen doch etwas zu wenig sei. Ein dritter Fall:„Ich bin 57'- Jahre alt, verheiratet, seit August 1920 arbeitslos, habe inzwischen vier Wochen gearbeitet und war 12 Wochen lang krank. Bis vor 14 Tagen bekam ich 18 Mark Krisen- Unterstützung wöchentlich. Jetzt bekomme ich noch zwei Mark und 90 Pfennig« wöchentlich. Weil ich die 18 Mark eine Woche länger ohne Kürzung erhiell, muß ich jetzt die„zuviel" erhaltenen 16,10 M. mit wöchentlich 50 Pf. zurückzahlen, so daß ich in den nächsten 30 Wochen noch 2,40 Mark ausgezahlt bekomme. Hoffent- lich bin ich nicht verhungert, bevor ich die Schuldsumme voll- ständig abgezogen bekommen habe." Wie denken die Herren Stegerwald und Syrup darüber? Chor- und Orchesterabende Konzerinotizen Verdis„Requiem" in einer Wiederqcbe von seltener Großartigkeit bildet das Konzertcreignis der Woche— und nicht nur dieser Woche. Wir danken es dem von Siegfried Ochs be- gründeten Philharmonischen Chor, der in Otto Klemperer seinen neuen Führer gefunden hat. Au Jntensüät des Ausdrucks, an rhythmischer Energie und Bestimmtheit, aber auch an feiner Differenzierung des Klangs hat der Dirigent in mühevoller Probenarbeit von Monaten ein Aeußerstcs erreicht. Dazu das Philharmonische Orchester und ein erlesenes Botal- quartett, in dem freilich die männlichen Partien durch Julius P a t z a k und Cmanuel L i st glücklicher zur Geltung kommen als die weiblichen. Es gab in dieser Aufführung Höhepunkte von überwältigender Größe; man wünschte, daß dieses„viez irae"— Tag des rächenden Zornes?— von vielen gehört worden wäre, die es heute recht nahe angeht. Und man bedauert, daß es bei dem einmaligen Ereignis dieses Abends bleiben soll, und fühlt von neuem als grundlegenden Mangel in der Struktur unseres Mustk- lebens, daß sich die an solch eine Einstudierung gewandte Arbeit nickst durch eine planmäßige Reihe von Wiederholungen be- lohnt macht. Auf denselben Mangel werden wir im fünften Phil- harmonischen Konzert hingewiesen. Auf dem Podium werden für Bachs A.-Moll-Konzert für vier Klaviere und Orchester vier große Konzertflügel aufgebaut, das Bild ist so sollen wie die Bereinigung von vier hervorragenden Pianisten— Bertram. Eisner, Kreutzer, Osbprn— in einer Konzertnummer. Wann wird solch ein Aufwand wieder möglich sein? Wann also würde man wieder Gelegenheit haben, das bedeutende Werk zu hören? Der Dirigent, Wilhelm F u r t w ä n g l e r. tut. was er kann, und läßt es, durch stürmischen Beifall angeregt, zweimal hintereinander spielen, im Mittags- wie im Abendkonzert. So be- kommt jeder Besucher es zweimal zu hören, voraussichtlich muß das für lange Zell vorhalten. Bor dieser alten Neuheit hören wir als Erstaufführung«ine von heute: Max Trapps vierte Symphonie in B-Moll. Es werden nur wenige Symphonien geschrieben in unseren Tagen. Der Berliner Komponist Max Trapp ist unter denen, die noch den Glauben an ihre große Form besitzen und den Willen, sie zu füllen. Kein Wunder, daß er sich an große Vorbilder der Vergangen hell anlehnt, zugleich bemüht, mll der Gegenwart in Fühlung zu bleiben; doch ein Musiker von bedeutendem Können, und er weiß auch durch persönliche Züge zu interessieren. Eine neue Symphonie als Novität— Uraufführung— auch im zwellen Symphaniekonzert der L i n d e n o p e r. Eine Symphonie freilich nur nach Ausmaß und Aufgebot, nicht nach innerem Gewicht—„Sinfonietta" nennt der dreißigjährige Albert Jung fein Werk, die Bescheidenhell des Namens scheint gerecht- fertigt; immerhin lernt man einen Komponisten von Begabung kennen. Slls wcllere Entdeckung stellt der Dirigent Erich Kleiber den tbjährigen Geiger Richard O d n o p o s o f f vor, geborenen Argentinier, den er in Buenos Aires gehört hat, und den«r Joachims„Violinkonzert in ungarischer Weise" spielen läßt. Der knabenhafte Künstler, der bei Prof. Flesch an der Staatlichen Hochschule studiert, bewältigt die ungeheuren Schwierigkeiten des Solo- parts mit ansehnlichem Schülerkönnen, aber freilich nicht mll dem virttrosischen Elan, durch den dieses matte, mll dürftiger Orchester- beglellung ausgestattete Stück für uns mehr als erträglich gemacht würde. Zum Schluß eine Jngendsymphonie von C. M. von Wober, eine Gelegenheitsarbeit, ein unwichtiges Ncbenwerk— welch ein Konzcrtprogramm der betonten Unerheblichkeit. Weihnachten kündigt sich an: in Bachs„Wcihnochtsoratorium", das die Singakademie ihrer Ueberlieferung gemäß in diesen Tagen zur Aufführung bringt, und in der Konzertruhe der letzten Dezemberwochen: statt halbleerer gefchlofsene Säle. Aber die Philharmonie war überfüllt, als Mafalda S a l v a t i n i hier ihren Arien- und Liederabend gab; die ausgezeichnete Sängerin darf ihrer Beliebtheit und ihres Erfolges sicher fein. Im Bechftein- Saal hat sich am selben Abend als Liedcrfänger Waller P r a e» torius vorteilhaft eingeführt; die Aufmerksamkeit wendet sich in besonderem Maße auch seinem Beglcller am Flügel zu. Dorel Handman, der. schon anerkannt als glänzender Pianist, sich als feiner, einfühlsamer Musiker bewährt. Endlich aus der langen Reihe von Konzertgebern zwei Cellisten: Gregor Piatigorsky, Meister seines Instruments und Musiker von Kultur; und Enrico M a i n a r d i, Künstler von höchstem Rang und internationalem Ruf in jungen Jahren. k�Ious Brinxsbeim. Kranz Molnar:„Die Kee". Komödie. Man erinnert sich an Scampolo, die kleine Landstreicherin, die ärmer als eine Kirchenmaus ist und trotzdem jenen Mann ergattert, der zur höchsten Steuer, und Standesklasse zählt. In Ungarn er- öffnet sich dieser Lustpfad des Lebens für die jungen Schreibmaschinen- mädchen. Ihr Dichter heißt Ladislaus Fodor. Aber auch für die Platzanweiserinnen im Kino. Ihr Dichter heißt Franz Molnar, und die hübsche Glühlichtfce heißt Lu. Sie besäße kein Existenzrecht, wenn es nicht einen amerikanischen Millionär, einen Halbgott von Trottel, Weisen und Advokaten, auch einen eleganten Ehambre- separee-Oberkellnex. und ein anderes braves, bienenfleißiges Mädel, die Bürogehilfin dieses prächtigen Rechtsanwalts und Schlemihls, gäbe.. Lu gewinnt das Herz des Millionärs. Heiratet sie ihn trotz- dem nicht, sondern seinen Freund, den mächtigen und gedanken- schwachen Staatssekretär, so verändert sich das Märchen nur. weil Lu einige besonder« Tugenden aufweist. Sie ist nämlich die Fee, die * nur den anderen und nicht sich selber Glück bringt. Sie ist der Engel, der die Konsusion der Komödie anrichtet und alles wieder richtig einrenkt. Wäre Lu nicht, dami würde niemals der entzückende Rechtsanwall und Narr zu einer Unwcrsitätsprofesiur und auch zu sechs legllimen Kindern gelangt sein, dann würde niemals der Millionär auch New fgork den Beweis dafür erbracht haben, daß Geld zwar glücklich, aber saukuunm macht. Man sieht, daß die Well ein wenig durch die Molnarschen Bon- mots auf den Kopf gestellt wird. Außerdem wird das Märchen humorvoll eingefädelt, doch die Auflösung ist dann langweilig, schwächlich. Immerhin bleibt noch für Fräulein Grete Mosheim die Rolle der Lu. Sie ist das entzückende Würmchen, das sich selbst einen stellungslosen Johanniskäfer nennt. Augenblicklich, wo die Männer in» Lebenskampf vollständig versagen, sind aus dem Theater die kleinen Damen, die imr mit dem Herzen und den hübschen Beinen siegen, sehr beliebt. Von dieser Sympathie wird auch die angenehme Lu bis zu ihrem letzten Auftritt getragen. Ein besonderes Theater- unilum, der von Herrn Ramanowsky herrlich gespielle, herrlich übertriebene und doch wieder charakteristisch vertiefte Theaternarr und Tugendhcld, der Rechtsanwall Dr. Sporum, ist dämlich zum Abküssen, anbetungswürdig tölpelhaft, doch er hat das Gefühl auf dein richtigen Fleck. Auch dieser Typ des Mannes, der ganz un- wahrscheinlich ist und gerade deswegen vom lieben Gott am besten versorgt wird, gehört zum heute stets gewinnenden Theaterpersonal. Die Besucher der Komödie, eine Familie, die sich noch ziemlich gut mit der Zeitnot abfindet, schätzte den Optimismus Franz Molnars und dankte stürmisch für all die Süßlichkcit und vertrauenerweckende Glücklehre. m. b. „Oer Herr auf Bestellung." Tauentzien-Palast. Der Herr auf Bestellung ist ein Herr, der bei allerlei Anlässen Reden halten muß, ein Festredner, Trauerredner, politischer Redner ufm. Während des ganzen Films redet er. Damit ist die Handlung erschöpft. Der Witz des Films beruht darin, daß dieser unentwegt« Redner für einen Professor einspringt, der ständig einen ocrzwcifellcn Kampf mll dem Wort führt. Die Handlung wird durch Episoden auf das Normalmaß eines Films gedehnt, sie bleibt trotzdem dünn und fadenscheinig, aber die außerordentlich geschickte Regie von Gezar von Bolvary täuscht darüber hinweg. Aus dem Minimum an Handlung entwickelt er «ine Reihe von Szenen, die er sehr witzig pointiert. Bolvary variiert das Thema, fuchl es in jeder Szene von neuem Standpimki aus zu gestalten, er spielt geradezu mit den Wirkungen, und so cnt- steht ein burleskes Lustspiel, das unterhäll und das vor allem gut gearbellet ist. Gibt es aber wirtlich keine Stoffe? Existieren keine Filmautoren? Der Film steht und fällt mit der Rolle des Herrn auf Bestellung. Willi Forst ist ausgezeichnet. Ein charmanter, beweglicher Schauspieler. ein Redner mit einer zwingenden Beredsamkeit. Neben ihm H ö r b i g e r und Trude Lieste ebenfalls vom besten Format. „Der Herr auf Bestellung" läuft im Tauentzieu-Palast. der nach zweijähriger Pause wieder eröffnet worden ist. Der Raum, jetzt in dunkelrot gehalten, hat sein früheres unfreundliches Aussehen verloren. F. Sch, Ein echies Kinderstück. „Hans Dampf" im Theater am Nollenvorsplah. Der Arbeitskreis Berliner Kindertheater macht mit einem der nettesten Stücke für Kinder bekannt, das wir über- Haupt kennen. In einem Ton, der von Kindern verstanden wird, erzählt' Robert Adolf S t e m m l e von Hans und Wllhelmintje, die, vom Gemeinschaftsgefühl beseelt, ausziehen, um einen verborgenen Schatz zu suchen. Sie finden ihn, bringen ihn heim und schenken ihn der Gemeinde. Und die kann von dem Gclde einen Damm und eine Eisenbahn bauen. Die Bearbeitung und die Lieder stammen von dem hochbegabte» Josef B e r d o l t. der auch die künstlerische Lallung innehat, während •die einschmeichelnde Musik von Wolfgang J.o c o b i ist und der fein- sinnige Oskar von Schab für. die ZWmenbilder verantwortlich zeichnet. Sie wirken, bei geschicktester Ausnutzung der Drehbühne außerordentlich stark, sie sind märchenhaft und traumhaft und schön obendrein. Wie jauchzen die Buben und Mädel, wenn die Haus- wände von der Bühne laufen und das Innere der Zimmer sichtbar wird oder wem» durch«in Puppentheater den kleinen Helden der Weg zum Schatz gewiesen wird. Rolf Müller ist«in ganz famoser Hans. Wieviel Frische strahlt von diesem jungen Menschen aus! Dora T h a l m« r ist ihm eine entzückende Partnerin. Zlber auch all' die übrigen Mitwirkenden, die sich mll einem Gesanlllob begnügen müssen, geben ihr Bestes. Den Kindern gefiel das Sttick derartig gut, daß nach Schluß der Vorstellung ein kleiner begeisterter Zuschauer jeden in seine Nähe kommenden Erwachsenen am Arm packte und fragte:„Sic, sagen Sie mal, ist dos schon aus?" e. b. Afrika vor �000Zahren. Der bekannte Afrikaforscher Leo Frobenius berichtete in der Gefchlcchterftube in Frankfurt am Main über die Ergebnisse seiner Afrikaexpedition 1928/30. Ziel der Expedition war, cthuo- graphisches und prähistorisches Material zu sammeln, um die For- schungen über das Werden des Menschen vom Tier« her und über die prähistorische Entwicklung zu vertiefen. Das Vorhandensein ur- alter Steinbilder und Malereien hat sich bestätigt, die eine Chronik Afrikas darstellen, die bis zum Jahrs 9000 v. Chr. zurückreicht und also heute mit einem Aller von nahezu 11 000 Jahren das älleste Bilderbuch der gesamten Wcllllleratur genannt werden kann. Ins- besonder« bestätigen die vorgefundenen prächtigen Ruinen und Erz- gruben, daß vor Jahrtausenden in Südafrika ein staatliches Kulturleben von ganz ungewöhnlicher Blüte bestanden haben muß. Frobenius wies in seinem von Lichtbildern ergänzten Vortrag an Hand von Steinbildern und Zeichnungen einen Zusammenhang nach zwischen den süd- und nordafrikanischen Kullurruinen mit den in der Neuzell in Spanien und Südfrankreich in Höhlen aufge- fundenen Dokumenten vorgeschichtlicher Kultur. Aus den Mythen und Sagen, die heute noch in Afrika leben, sind wertvolle Schlüsse zu ziehen auf das Kulturleben vor Jahrtausenden, das von Osten kommend, in?lfrika zu hoher Blüte kam, in historischem Werden sich zersplitterte und unterging, während einzelne Kulturen sich ab- zweigten und weiterlebten. Ein wertvoller prähistorischer Fund wurde in Arques in der Nähe von Lille gemacht. Etwa fünf Meter unter der Erdoberfläche wurde das Skelett eines Mammuts freigelegt, dos als ein Pracht- cxemplar seiner Art angesehen werden kann. Die beiden Sioßzähne weisen die Länge von fast zwei Metern auf. während die Backen- zähnc die Größe eines Pflastersteins haben. 3»h« Petersen, der bekannte Berliner Musikpädagoge, begebt am 2t. Dezcmber seinen 70. Eeburlttag. Der Jubilar dars auf eine reiche und erfolgreiche Tätigleit auch als Selger, Chordirigent, Komponist und Schriftsteller zuritckbltcken. Erstaufführungen der wochc: Sinuitag. Neues Theater am Zoo: Das ötientliche'Aergcrnis.— Ztloirtag. Kamischl Oper: Beppina.— Rase- Theater: Tie Oollar- pruuessm.— Sienstog. Schauspielhaus: Tie Jungfrau pau Orleans. — SamSdienhau«: Tocktail.— Theater ia der Behren» Hermannpla tz�bietct. Hier, wo Berlin, Neukölln und die Hasen- Heide zusammcnstogeii, ist ein neues Verkehrszentvum enfftandeiu Inmitten der alden Schießstände und der gemütlichen Biergärten, neben alten Friedhöfen und Mietkasernen, sind Industriebauten und Geschäftshäuser entstanden. Einen besonderen Charakter erhält die Gegend durch das ansteigende Terrain, gestaffelt stehm die Häuser- zeilen der Wißmarm- und Hcrmannstraße. Auf der Höhe bauen sich die Schlote, Lusffchächle, Behälter und Maschinerien der Brauereien in bizarren Formen auf, sie schließen als starke Silhouette den Hintergrund ab. Text und Zeichnungen Hugo<3. MUUer Arme Zugspitze Lappländer, Renntiere und Polarhunde in den Alpen •Ocutc, am 20. Dezember, tritt der verstärkte Winterfahrplan l>er Zugspitzbahn in Kraft. Täglich verkehren dam, fünf Züge zwischen Garmisch-Partenkirchen, Eibsee und Schneeferncr- haus, ab Januar erfolgt dann der Anschluß der letzten Strecke, die das Schncefenicrhaus mit der Gipselstation der Zugspitze verbindet. Diesmal werden sogar die Preise„herabgesetzt", im Zeichen des Preisabbaus wird für die Hin- und Rückfahrt dritter Klasse nur noch die Kleinigkeit von zwanzig Mark erhoben. Soweit die amtliche Verlautbarung, dem Sinne nach wenigstens. Aber.- für die Kreise, die wirklich Sport treiben, tomint diese Bahn nicht in Frage, das„bessere" Publikum hat aber kein Interesse an der Zugspitze, weil ihm dort nichts geboten wird. Exklusives, zahlungsfähiges Publikum möchte man aber gern heranziehen, darum braucht man also Attraktionen, Betrieb und vor allem noch nie Dagewesenes. Denn auf der Zugspitze ist ja im Winter absolut nichts los, monatelang war kein Mensch oben, nur die Beamten der meteorologischen Station verbrachten die Wintermonate am Gipfel der Zugspitze. Diese Tätigkeit interessiert jedoch weiter nicht. Auf der Suche nach Attraktionen stellte sich heraus, daß der Schnee ferner nicht einmal für Skijörings brauchbar ist, weil hier oben weder Pferde noch die an kaltes Klima gewöhnten Sheflandponys verwendbar sind. Da aber die Zugspitzbahn eine eifrige Propaganda für das Schnecfernerplateau macht, das angeblich für acht Monate im Jahr ideale Winters pvrtgelegenheit bieten soll, so muß eben für Skijöringmöglichkeiten gesorgt werden. Die Zugspitzbahngcscllschaft kam dabei auf den genialen Gc- danken, lappländische Renntiere mitsamt echten L a p p° l ä n d c r f a m i l i c n zu engagieren: gleichzeitig werden Polar- hundhcrdcn angesiedelt, die sür die Aengstlichen, denen der Ski- „sport" vielleicht z u gefährlich erscheint, Polarhundschlitten- fahrten ermöglichen. Natürlich werden solche erlesenen, seltenen „Sport"mögkichkeiien dann auch ganz großzügig gemacht; die Lapp- läuber bringen ihre Fellzelte mit, die Frauen müssen ihre W e b st ü h l e mitbringen und weben auf dem Schneefernerplateau vor ihren Fellzelten Renntierjacken. Niemand braucht also mehr nach Lappland oder noch weiter nördlich zu fahren, alles ist jetzt in konzentrierterer, besser aufgemachter und feudalerer Form ain Schneefernerhaus zu haben. Und es merkt vielleicht niemand, daß man in fünfviertel Stunden von Garmisch aus schnell zum Schnee- scrnerhaus heraufgefahren ist. Ja doch, die Zugspitzbahn mutz verdienen, deshalb muß sie Publikum anlocken, lieber wenig, aber exklusives, das beschwert sich ja auch nicht über die Preise. Aber für den einfachen Touristen wird die Zugspitze sicher nur. noch einer jener vielen Orte, wo jeder„Gebüld�e" unbedingt dagewesen sein muß. Lord Couberiim gute Absichten Lord Coubertin, der Begründer der bürgerlichen Olympiaden und jahrzehntelange Vorsitzende des„Internationalen Olym- pifchen Komitees" hat jetzt der internationalen Oeffentlichkeit eine „Charte der Sportreform" zugchen lassen. Lord Couber- tin, der ein eifriger Förderer des Sports ist, ist im Jahre 1925 aus dem Internationalen Olympischen Komitee ausgeschieden und hat sich in Lausanne niedergelassen, wo er ein„Büro für Spätpödagogie" gründete. Der im bürgerlichen Sport immer mehr eindringende Materialismus hat Coubertin schon 1923 bei seiner Abschiedsrede vor dem Internationalen Olympischen Komitee sagen lassen:„Weniger Lärm, weniger Reklame, weniger Organisation." Lord Coubertin wird mit seiner 20 Punkte umfassenden Charte allein auf weiter Flur bleiben; was ihm in seiner aktiven Zeit nicht gelang, wird ihm jetzt aus seinem Ruhesitz in Lausanne erst recht nicht gelingen. Der bürgerliche Sport aller Länder ist durchdrungen vom Materialismus, und der Führer ist wirklich Führer, dem es gelingt, wahre Sportethik nicht nur zu lehren, sondern auch wieder zur Geltung zu bringen. In seiner Betrachtung sagt Coubertin als Tinleitung:„Die Vor- würfe gegen den Sport unserer Zeit haben solgende Ursachen: Kör- pcrliche Uebcranstrcngung, Nichtachtung des Geistigen und Ueberhandnehmen von Geschäfts« sinn und Gewinnsucht. Die Sportsleute sind jedoch dafür nicht verantwortlich zu machen, sondern die Schuldigen sind die Eltern. Lehrer, amtlichen Behörden, Leiter der Verbände und die Presse." Gegen die Entartung des Sports empfiehlt nun Coubertin eine ganze Reihe von Gegenmaßnahmen: ein Teil dieser Vorschläge kann auch die Zustimmung der Arbeitersportler finden. Er fordert z. B. das Verbot aller Boxkämpfe mn Geldpreise, die Einführung einer schriftlichen Eidesabgabe unter Aufführung aller Verdienst- Möglichkeiten, Verzicht der Stadtverwaltungen auf den Bau großer Stadien, die lediglich sportlichen Vorführungen dienen und statt dessen Errichtung von Gebäuden nach dem Plan der altgricchischen Gym- nasien auf moderner Grundlage, die Entwicklung des Sportarzt- wesens, das sich mehr mit den Gesunden als mit den Kranken be- fchäftigt und der Prüfung des einzelnen auf feine psychischen Eigen- tümlichkcsten hin größere Beachtung schenkt. Der bürgerliche Sport, der sehr gut weiß, wie er sich Einnahmen verschafft, wird nicht auf Einnahmequellen verzichten, die sich aus der Annahme folgender Coubsrtinschen Vorschläge ergeben würden: Verbot aller von Vergnügungsstärten und Hotels veraustalleten Weit- bewerbe, sowie solcher von Ausstellungen und öffentlichen Festen, ein Verbot aller Wettspiele, die eine überslüssige Wiederholung der olym- pischen Spiele darstellen, und solcher Feste, die Rassen-, politischen oder konfessionellen Charakter haben. Wäre Coubertin Italiener und würde diesen Dorschlag in Italien machen, dann wäre er reif für Gefängnis oder Deportation. Die letzt« Forderung dieser Charte verlangt: Hebung des Sportwesens durch Einbeziehung von Berichten über ausländische Politik und Wellcrcignssse in die Sportzeitungen! Fürwahr«in guter Gedanke, wie aber ihn durchführen? Di« Absicht Coubertins geht bestimmt dahin, das geistige Niveau der Sportler im Geiste der B ö lk e r v c r s ö h nu n g zu heben. Wie würde aber die Praxis aussehen? Wenn auch bis jetzt eine inoffizielle, politische Beeinflussung der bürgerlichen Sportler versucht wird, dann würde dies, ofiiziell getan, die bürgerlichen Sport- verbände bald auseinander reißen, und der Völkerverständigung wäre damit nicht gedient. Interessant ist, daß die bürgerlichen Sportzeitungen, soweit sie bisher zu dieser„Charte der Sportrcform" Stellung genommen haben, sie ablehnen. Zlls Theorie werden fast sämtliche Punkte dieser Charte bezeichnet._ W. Sabath. Die Tennishalle eröffnet Tarnier von heute und morgen Gestern abend wurde die in der Brandenburgischen Straße in Wilmersdorf neuerbaute erste Berliner Tcnnishalle 70 Tage nach der Grundsteinlegung im Beisein zahlreicher Bchördenoertreter vor etwa 1000 geladenen Gästen ihrer Bestimmung übergeben. Nach der Ansprache des Vorsitzenden des Berliner Hallentennisklubs, Dr. Bayer, überbrachte Generalsekretär Gruber die Glückwünsche des Deutschen Tennisbundes. Im Anschluß daran trugen Frau Neppach- Dr. Äleinschroth gegen Fräulein Rost-Prenn und Harts-Schwcnker gegen Wolss-Tüscher UebuNgsspicle aus. Das Eröffnimgsturnier der vom Berliner Hallen- tennisklub in der Brandenburgischen Straße 53 in Wilmcrs- darf errichteten Halle, die ihresgleichen in Europa nicht hat, ver- spricht erstklassigen Sport. Neben den besten deutschen Spielern und Spielerinneu haben sich namhafte Ausländer wie de Morpurgo, n. Kehrllng, Artens, Matejka, in den Dienst der Sache gestellt und werden für eine würdige Premiere sorgen. Hauptereignis des Sonnabends sind das Einzel zwischen Italiens Meister de Morpurgo und Prenn, sowie das Doppel Artcns-Matcjka gegen Prenn- Dr. Äleinschroth. Am Sonnabend sowohl als auch am Sonntag wird in zwei Abschnitten, nachmittags und abends, gespielt. Für den 20. Dezember ist folgendes vorläufiges Programm aufgestellt worden: Nachmittags ab 15 Uhr: v. Kehrling gegen Frenz; Artens- Matejka gegen Prcnn-Dr. Äleinschroth; Frau v. Reznicek gegen Fräulein Krahwinkel; de Morpurgo-v. Kehrling gegen Hartz- Schwenker. Ab 20,30 Uhr: Wolfs gegen Zander; Artens-Matejka gegen v. Kehrling-Dr. Äleinschroth; de Morpurgo gegen Prenn; Gras L. Salm-Frau Neppach gegen Frenz-Fräulein Krahwinkel. Der Vorverkauf beginnt am ivtsttwoch bei den Theaterkassen von Wertheim und beim Hallcntennisklub Berlin. Brandenburgische Straße 53. Arbeitcrsdiadi Im Meisterturnier der Freien Arbeiterschachvereinigung Berlin ist nach vielen Kämpfen die Vorrunde beendet. Gruppensieger und damit berechtigt zur Endrunde wurden: 1. Brandt, Kreuzberg, 7 Punkte; 2. Kaulfers, Lichtenberg, 6'A Punkte; 3. Wellnitz, Treptow, 6)6 Punkte; 4. Lindstädt, Wedding, 6 Punkte; 5. Abraham, Weißen- sce, 6 Punkte: 6. Groß, Westend, ö Punkte; 7. Pilarek, Humboldt. Hain, 5�- Punkte; 8. Feige, Prenzlauer Berg, 5)4 Punkte; 9. Gersten- bcrger, Prenzlauer Berg, 5 Punkte; 10. Liegner, Westend, 5 Punkte; 11. Sielasf, Falkenbcrg-Grünau, 4)4 Punkte; 12. Kühnlein, Wedding, 4 Punkt«. Die Endrunde beginnt am 5. Januar. Meldungen zur B-Gruppe sind an Emil Scholz, N 113, Kuglerstr. 138, zu richten. .Jeder einmal bei Junkers Der Deutsche Luftfahrtverband e. V. Berlin beabsichtigt, für Sonntag, 8. März 1931, einen Gefells chafts-Son Verzug nach Dessau einstellen zu lassen, um den Berliner DLB.-Mitgliedern und deren Angehörigen— auch Gäste sind herzlich willkommen— eme Besichtigung der Iunkers-Flugzeugwerke A.-G., der Junkers C 38(v 2000), des Iunkers-Mujeums und anderer Sehenswürdigkeiten der Stadt Dessau zu ermöglichen. Inr Rahmen dieses Besichtigungsaufenthalts sind u. a. slugsportliche Vorführungen des Anhaltischen Vereins für Luftfahrt c. V. Dessau vorgesehen. Auch Rundfliig? sollen gemacht werden. Die Gesamt- kosten der Teilnahme einschließlich Eisenbahnfahrt. Zubringerdicnst in Dessau, Besichtigungen, Führung und gemeinsames Mittagessen sind auf 10 Mark festgesetzt worden. Genaue Auskunst über Einzel- Helten des Programms erteilt?>ie Werbestelle des DLV.. Berlin W 35. Blumeshof 17, Lützow 2409, App. 6. Amneldungsn bis spätestens 15. Februar 1931 ebendort unter gleichzeitiger Uebersendung des Pauschalbetrages von 10 Mark auf das Postscheckkonto der Werbe- stelle des DLV., Berlin 1470. Sportler im Landtag Der Landcsausschuß für Leibesübungen hielt am Donnerstag eine Zusammenkunft mit Vertretern der Sportverbände ab. um zu der Frage der Venninderung der Staatsmittel für Leibesübungen die einzelnen Vertreter zu hören. Alle Spitzen- verbände waren vertreten. Der Ausschuß wurde auf das dringendstv um die Beibehaltung der Beträge gebeten, die im laufen- den Haushalt für die Unterstützung der Leibesübungen vorgesehen sind. Im Falle einer Kürzung könnte eine große Anzahl von geniein- nützigen Bauten, wie Turnhallen und Spielplätze, nicht ausgeführt werden. Dadurch würde auch die Erwerbslosigkeit gesteigert werden, Der Ausschuß nahm diese Erklärungen zur Kenntnis. Eine Mokorradsahrl nach Thale am harz veranstaltet die Kraft- fahrergruppe Groß-Berlin des Arbeiter-Rad- und Kraftsahrerbundes Solidarität. Die Abfahrt erfolgt am 1. Wcihnachtstag vor- mittags um'49 Uhr von der Potsdamer Brücke in Berlin. Das Ziel befindet sich in Thale, Münchener Kochbräu, Poststr. 7. Fahr- strecke rund 200 Kilometer. Für billige Unterkunft und Verpflegung ist gesorgt: die Fahrzeuge werden kostenlos untergestellt. Don Thale aus werden je nach Uebereinkunft und der Wetterlage Wanderungen zu Fuß oder mit dem Motorrad nach den schönsten Teilen des Harz- gebirges unternommen. Rückfahrt Sonntag, 28. Dezember. Solomaschinen müssen bei Schneefall oder Glatteis mit erheblichen Schwierigkeiten rechnen. Anmeldungen zur Teilnahme sind unter Angabe des Fahrzeugs und der Zahl der Mitfahrer möglichst bald, spätestens bis 20. Dezember, an Richard Habel, Berlin S. 59. Kottbusjer Damm 66. zu richten. Mnlertrabrennen in ZUariendorf. Auf der Bahn in Marien- darf wird es morgen wieder ausgezeichneten Sport geben. Die drei Tage umfassende Weihnachtsoeranstaltung nimmt chren Ansang und setzt gleich mit einem durch große Felder interessanten und ab« wechslungsreichen Programm ein. Der nächste Renntag geht am 2. Weihnachtsfeiertag mit besonders sesilichem Programm vor sich. gfreif Schwimmer Tharlottrnbury U f. B. tltbunaolhinbctt SRontow tm IS Uqr und Donnerstags um AZi 1U)t, Krumm r£lr. 10. An den Donnerstagen, 25. Dezember, und 1. Januar, fallt dir Badcdetrieb aus. Wrihnackts- frier am?. sseicrtag in Ahlerts geftlälcn, Dcrlincr Str. SS. Weihnachts- bcfcherung für alle. Eintritt 1 M. Ermcrbslofc 50 Pf. Bezirk Tempelhof. Wonlag. 22. Dezember, 1S>/e Uhr, Weihnachtsfeier Mr die Aindcrabtcilungcn der grcicu Turnerfchaft Tcmpelbof in der TurabaSe Alarichplod. Tourifienocecin.Die Aaturfreundc", Grnvpe Prenzlauer Berg. Bcibnachts. fabrt nach Temnlin Uber Eberswaldc. Sonntaarllckfabrkartc bis Milmeeaborf. Treffpunkt 25. Dezember, äVj llbr. Etcttinrr gernbachndof. KauleieizuzahSe später! Ich liefere Anzüge. Ulster, Paletots, Joppen, Bettwäsche, Tischwäsche, Herrenwäsche, Gardinen. Bettdecken. Steppdecken, Diwandecken, Pullover, Westen, Metallbetten, Kuhebetten, Korbmöbel Schränke. Schlafzimmer. Grammophone n. a verteilt in kleinen Wochen- oder Monatsraten Josef tteinbredier esaartottentoiirs 1« CauerstraQe 12 ck-atfen} Telephon; WUhclm 563. Sonntag 3 bU 7 Uhr geöffnet. KßrM&el! sonderangehot! An Private zu Engrospreisen. Eigene Fabrikate in gediegenen Ausführungen kaufen Sie in großer Auswahl und billig bei Ulilheiin Schulze MUWW'M 12. Hol psn Nähe Hackeschcr Markt ZahlaDgicrlcicbicriiDg Telephon: Alezander 4112 HerrenkSeicferfabrik «er»o C 2, Soandaue Sir. 7. pari.,-0 dor Koinr-mn-ltrah Verkauf unter AnssOiaitnug ü. 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