BERLIN MMg 22. Aezember 1930 Lrfcheist tiglich anfer@tttBta$*. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärtj". Betugtpreis beide Avsz«bin 85 Pf. rro Woche, 3,60 SÄ. pro Mvnak. RedaltirN und Expedition; BerlinSWOS.Lindenstr.Z 10 Pf. Nr. 598 B 298 41. Lahrgang Anzeigeupreit: Die eiuspaltig« Noupareilleicile 80«Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Ppstscheekkvntv: Dorwärts-Derlag®. m. Berlin Nr.»7536. Fernsprecher: Dknbe? 292 b!e 29? Kricks Verbote aufgehoben. Reichsgericht erteilt neue Rechisbelehrnng. Taalfeld, 22. Dezember.(Eigenbericht.) Der vierte Ttraffcnat des Ncichsgerichtsi hat mit Wirkung vom heutigen Tage das durch den thüringischen Innenminister Friek verhängte Perbot des Taal- selder V o 1 t o b l a t t e s ausgehoben. Der bayerische Putschist, der jetzt in Thüringen Innen- und Aerfossungsnnnister spielt, hat zum zweiten Male versucht, das Gesetz zum Schutze der Republik gegen sozialdemokratische Zeitungen anzuwenden., Er ist damit jetzt zum zweiten Male ad- geblitzt. Nur ein nationalsozialistisches Hirn kann auf die absurde Ädee kommen, das die Sozialdemokratie, die Schöpserin und Trägerin der republikanischen Verfassung, Angriffe gegen einen ehemaligen königlich-bayerischen Bezirksanrtsassessor und Putschisten in der Absicht erheben die Republikundihre Verfassung zu bclchimpfcn. Oder genauer ausgedrückt: Nicht einmal ein nationalsozialistisches Hirn kann auf diesen adfurden Gedanken kommen! Wenn Frick den Gedanken trotzdem amvendct. so handelt er sicher sogar gegen seine bessere Einsicht!-. Brücke mit Zug eingestürzt. Schweres Unglück beim Bau einer ToMperre. Paris. 22. Dezember.(Eizenbencht.) Ein säiwerer Arbeitsunfall hat sich am Sonntag in der Näh« von G r e n o b I e auf dem Bauplatz der neuen Talsperre von Cham- bon ereignet. Durch ein falsches Manöver am Kran wurde ein mit Baugrund beladener Eisenbahnwagen gegen einen hölzernen Pfeiler einer Verladebrücke geschleudert. Die Brücke stürzt« in die Tiefe und ritz einen mit zwei Lokomotiven bespannten Bauzug mit sich. Von den zahlreichen bei der Verladung beschäftigten Arbeitern wurden einer getötet und zwei verletzt. Nebel über Hamburg. Schwere Schiffsunfälle.—„George Washington" gerammt. Hamburg. 21. Dezember. Als sich der N e b e l, der seit mehr als zwei Tagen und Nächten über der Elbe lagerte und jeden Verkehr unterband, sich am Soimtag- nachmittag stellenweise hob, setzte sich der lang angestaut« Schiffs- verkehr in Bewegung. Die Folge davon war eine Reihe mehr oder wenig schwerer S ch i f f s u n f ä l l e. Kurz nach 1 Uhr hat sich in der Nähe von N i e n st e t t e n«ine schwere Kollision ereignet. Der seit Sonnabend aus Amerika aus der Elbe eingetroffene 2ö CHX) Tonnen grohe amerikanische Passagier- dampser„George Washington" der United States Line war am Nachmittag bis dicht vor Hamburg gelangt. Der Nebel zwang hier das Schiff, Anker zu werfen und besseres Wetter abzuwarten. Während des Ankerns kam das dänische Motorschiff„M a l a y a" auf, das am Sonnabend bereits bei Brunsbüttel beide Anker ver- loren hatte. Ein Zusaminenstotz ließ sich bei der kurzen Sicht nicht mehr vermeiden. Mit kolossaler Wucht wurde die„George Washington" am Heck gerammt. Bei der Kollision hat der Steven der „Malaya" großen Schaden erlitten. Die erste Abteilung lief sofort voll Wasser. Trotz der eingesetzten Pumpen gelang es auch nicht, die zweite Abteilung zu halten. Wenig« Minuten später stellt« es sich heraus, daß große Wassermassen in den Maschinenraum ein- gedrungen waren. Da die Gefahr bestand, daß das Schiff in Fahr- wasser sank, wurde es auf der Altonaer Seite auf Grund gesetzt. Der amerikanische Passagierdampfer geriet insolg«. der Kollision gleichfalls auf Grund, konnte aber später flott gemocht und nach Hamburg eingeschleppt werden. Zar Gialin. ?tykow und Tomsti abqeian. Moskau. 22. Dezomber. Ueber die gemeinsame Plenartagung des Zentralkomitees und der Zentralkontrollkommifsion wird u. a. mitgeteilt: Dos Plenum entband Ry k ow von den Pflichten eines Mitglieds des Politbüros. Der zum Vorsitzenden des Bolkskonnnissariats der UdSSR, ernannte M o l o t o w und der als Vorsitzender der Zentrolkontroll- konunisswn bestätigte Andrej e w wurden von ihren früheren Aemtern entlastet. Ordschonikidse wurde ms Politbüro gewählt. Sonntag der Verbrechen Ooppelmord in Berlin- Tragödie der Eisersucht Ei« entsetzliches Verbreche» wurde am Tonn- tag früh i« der Ttargarder Straße 7 4 im Norden Verlins auf ein betagtes Ehepaar verübt. Dort wurde der N4 Jahre alte Zigarrenhändler Karl R i ck m a n n und feine vvjährige Frau Minna in ihrem Geschäft von noch unbekannten Täter» niedergeschlagen und beraubt. Die Verletzungen der bedauernswerten Befragung des jäiwerverletzlen Mannes bisher noch nicht möglich war. Auf Grund des Befundes kommt die Mordkommission aber zu folgenden Schlüssen: Im Korridor umgebracht. Am Sonntagvormittag war Frau Ricknwnn etwa gegen?iS Uhr aufgestanden, während der Mann noch im Bett liegen blieb. Dann ZWM s'A 3)as Jiaus Slargarder Sirape 74 Qpfer waren außerordentlich schwer. Frau Nickmann starb unter den Händen einiger Hausbewohner, die zur Hilfe herbeigeeilt waren. Der Mann fand im Kranken- hau«; am Friedrichshain Aufnahme, wo er gleich nach der Einlicferung operiert werden mußte. Auch sein Leben ist schwer bedroht. Für die Ermittelung der Täter ist von der Kriminalpolizei eine Belohnung in Höhe von ISVV Mark ausgesetzt worden. Die Eheleute hatten vor etwa zwei Iahren den Laden mit an- schließender Parterrewohnung bezogen. Sie hatt«n neben dem Zigarrenhandel die Verwaltung einer Zahlstelle der Bank für Arbeiter. Angestellte und Beamte, eine Zahlstell« des Beerdigungsoereins„Par" und eine Markenousgobs der Volks- b ü h n e. Es besteht wohl kaum ein Zweifel, daß die Verbrecher größere Beträge in der Wohnung Rickmanns vermuteten und zu er- beuten hofften. Wie inzwischen festgestellt werden konnte, hatte Rickmann, der als sehr vorsichtiger Mensch bekannt war, jedoch nie größere Summen in der Wohnung aufbewahrt. Roch am Sonn- abend hat er mit den einzelnen Organisationen abgerechnet, so daß den Tätern lediglich Gelder aus der Sonnabendcinnahme seines Ge- fchäfts, deren Höhe man noch nicht weiß, in die Hände gefallen fein können. Das Geschäft ging recht gut und das Ehepaar erfreute sich in der Gegend eines sehr guten Rufes. Neben dem kleinen, aber reichlich ausgestatteten und sehr sauber gehaltenen Loden, befindet sich ein.einfenstriges zur Straß« gelegenes Zimmer, dos den Ehe- leuten als Wohnraum diente. Hinter dem Verkaufsraum ist durch Regole ein Gang abgeteilt, der zur Küche führt, die den alten Leuten gleichzeitig als Schlafstelle diente. Die Herberge im Hause. „Herberge der Gethlemane-Gemeinde", ist in großen Letten! über dem Eingang zum Hausflur zu lesen. Ständig herrscht hier besonders in den Morgen- und Abendstmchen ein reges Kommen und Gehen. Es ist schon möglich, daß unter den Mönnenr, die in der Männerherberge Unterkommen suchten und mit den Gepflogen- hatten der alten Leute vertraut waren, die Täter zu suchen sind. Leider war es bisher noch nicht möglich, eine klare Schilderung über den Hergang des furchtbaren Verbrechens zu erholten, da eine Ringelte es an der Flurtür und Frau R. ging hm, um zu öffnen» well sie offenbar annahm, daß ein Kund« schon frühzeitig kmife« wollte. Frau Rickmann halle kanm geösfnel, als ihr Mann gellende Hilferufe hörte. Nur notdürftig betleidet, eilte er nach vorn. In dem nur schwach beleuchteten Flur sah er sich plötzlich einem Mann gegenüber, der ihm mit einem schweren Gegenstand mehrere wuchtige Hiebe über den Kopf versetzte, so daß er bewußtlos zusammen- brach. Frau Rickmann wurde von Hausbewohnern, die inzwischen aufmerksam geworden waren, am letzten Treppenpodest b 1 u t Ü b e r- strömt aufgefunden. Die Unglückliche starb unter den Hgichcn ihrer Nachbarsleute, Es ist beinahe anzunehmen, daß die Frau dem Täter trotz ihrer tödüchcn Verletzungen nacheilen wollte,»ach wenigen Schritten aber schon zusanimenbrach. Zwischen dem Ladentisch und dem Regal nmß es zu einen» schweren üamps zwischen dem Mörder und seinem Opfer ge- kommen sein, denn rundherum und an dem Regal herauf sieht man zahlreiche Blutspuren. Die Ladenkasse war herausgerissen und ihres Inhalts beraubt. Das furchtbare Verbrechen hat in der Gegend größtes Auf- sehen hervorgerufen. Bereits am Sonntagnachmittag wurden in der Pappelostee und am Hackeschen Markt mehrer« Verdächtig« fest- genommen. Schon bald erwies sich aber, daß die Leute mit der Bluttot nichts zu tun haben, Oer Mann mit dem grünen Mantel. Bon einem Polizeibeamtcn, der kurz vor dem Mord« iu der Slargarder Straße 74 dtenfttich zu tun hatte, wurde im Flur«iu Vlann angetrosten, der einen grünen Mantel— es soll sich um einen Lodenmantel gehandelt haben— trug. An diesen Menschen knüpfte sich dos Gerücht, daß er der Täter fei. Derselbe Man» wurde aber später noch' unter den aufgeregten Hausbeivohnern gesehen, die sich um die sterbende Frau bemühten. Wenn es sich also wirklich um den Täter gehandelt hätte, der sich zudem über rnip über mit Blut besudelt haben muß. wäre er nicht noch flehe« ge- blieben. Trotzdem kommt der Mann für die KriminolpoliDet Mtz wichtiger Zeuge in Frage, beim es besteht die Möglichkeit, daß der wirkliche Täter mit seinen Äomplizen an ihm voriibergeeilt sinir Um 10 Mark zwei Menschenleben vernichtet. Im Lause des Sonntag nachmittag wurde von den Beamten der Mordkommission zusammen mit dem Sohne der Überfallenen Eheleute, der verheiratet ist und in Treptow wohnt, die Wohnung gründlich durchsucht. Alles Geld war noch vorhanden, ein Teil befand sich im Schlafzimmer,«in anderer in einer Kassette im Schreibtisch des neben dem Laden gelegenen Wohnzimmers. Die Abrechnungen wäre» in musterhafter Ordnung, so daß man gleich eine Uebersicht gewinnen konnte. In der Ladenkasse können sich allerhöchsten 10 M. A!e6)selgeld befunden haben, die einzig« Beute des Täters, für die er ein Menschenleben vernichter und ein zweites an den Rand des Todes gebracht hat. Wenn es nach den vorläufigen Feststellungen auch kaum anzunehmen ist, daß das Verbrechen an dem Ehepaar Rickmann und der Mord an der Konfitürenhändlerin Matschte aus der Tresckowftraß« 27 auf denselben Täter zurückzuführen sind, so weisen beide Verbrechen doch in manchem eine seltsame II e b« r e i n st 1 m in» n g auf. -i- Wie uns die Direktion der Bank für Arbeiter, Ange- stellte und Beamte mitteilt, rechnen die Filialen und Inkasso- stellen laufend regelmäßig ab, so daß sich niemals Sparbetrage in den L a d e n k a s s e n der Filialverwalter befinden. Segen Kuliuneakiion und Kriegsgefahr. Große Kundgebung im Humboldthain/ Starter Besuch/ Sieben Redner sprechen Tragödien der Eifersucht. Entsehliche Bluttaten mit Hammer und Pistole. Eine furchtbare Tragödie spielte sich am Sonntagnachmittag in der Wohnung des sSjähugen Zigarrenmachers Ernst Jl i f ch o f f in der Wartenbergstraße 35 in Lichtenberg ab. N. war mit seiner Z9j ährigen Frau, die er der Untreue bezichtigte, in einen Streit geraten, in dessen Verlauf der Mann einen Hammer ergriff und damit so lange auf seine Frau«in- schlug, bis sie blutüberströmt zusammenbrach. Als N. sah, was er angerichtet hatte, schnitt er sich mit einem Rasiermesser die Kehle durch. Von Mietern, die den Lärm und die gellenden Hilfeschreie der Frau gehört hatten, war inzwischen das Uebcrfallkommando alarmiert worden. Die Beamten drangen in die Wohnung ein und schafften die Schlververletzten ins Lichicnberger Hubertus- krankenhans. Frau R. starb bereits auf dem Wege dorthin. Im Laufe der Nacht ist dann auch Nischoff seinen Verletzungen erlegen. Die zweite Eifersuchtstat ereignete sich in der vergangenen Nacht vor dem Hause Barbarossastraße 4o in Schönebcr g. Dort feuerte der 41jährige Wäscher Fritz F r a ch aus der Hauptstraße 23 auf seine Geliebte, die 34 Jahre alte Hausangestcllle Minna Krüger, zwei Schüsse ab. Tödlich getroffen brach das unglückliche Mädchen zusammen. Der Täter verfnchle sich durch einen Schuß in die Schläfe zu töten, er wurde jedoch noch lebend als Polizei- gefangener ins Schöneberger Krankenhaus gebracht. ,/Goldener" Sonniag mii Krawall. Lebenetgefährtiches Gedränge.— Schupo macht sich beliebt. Aaüau am Hackeschen Markt. Am gestrigen„goldenen" Sounkag boten die Haupt- verkehrsstraßen ein ähnliches Bild wie schon am„silbernen" Sonntag, llcberall starkes Gedränge, ohne daß jedoch viel gekauft wird. Die Schutzpolizei sorgte dabei in musler- hafter Weise für die Aufrechterhaltung des Verkehrs. Letzter Termin für alle diejenigen, denen der Alltag keine Zeit läßt, ihre bescheidene weihnachtliche Geberlaune in die Tat um- zusetzen, stm ihre Gunst, ihre Wünsche, ihre Wahl buhlt, bittet und bangt das R i e s e n h c e r großer, kleiner und tleinster Nertäufer. Und wieder überflutet der traditionelle Riesenstrom Wunschbeseelter die Hauptgeschäftsstraßen. Am Alex, in der Leipziger und in der Tauentzienftraße wird das Gedränge beängstigend. In gleißeiche Lichtreklame gehüllt, präsentieren sich weihnachtliche Kaufobjekte in den Schausenslern der großen Worenbrniser, die Tische biegen sich unter der Warenlast, und eine nicht endenwollende Menschenmasse windet sich mühsam hindurch. Großtaiiipfgebiete sind die Abteilungen der praktischen kleinen Bedarfsgegenstände: Handschuhe, Strümpfe, Halstücher, Trikotagen. Auch das Grammophonplatten- geschält blüht zu Weihnachten, und die Spielwarenlager sind über- füllt mit kleinem Publikum, das der Mutier noch so den letzten Tipp gibt. Auf der Straße hat der Sprechchor der unermüdlichen Straßenverkäuser wahre Riescndimensioncn angenommen, eine Äatophonie von Baß, Tenor und sich überschlagenden Frauen- und Kinderstimme». Mit Humor und Mutterwitz servieren sie dem Publikum ihre Kernen Herrlichkeiten, die auch dem schwächsten Portemonnaie Einkaufsmöglichkeit bieten. Ihr Pnblikimiskreis ist eben- ialls riesengroß. Aber leider sind auch darunter allzu wenige Käufer: man belustigt sich mehr über all die ulkigen Nndein, und das Straßeniheator bei freiem Eintritt lockt sogar feine und feinst« Herrschasten an. Bis zum ofsiziellen Ladenschluß dauert ununterbrochen das Gewoge und Geschiebe; dann wird es plötzlich düster. Päckchenbeladene eilen nach Hause, todmüde deckt die Verkäuferin das Leichentuch über ihre Ware, die Straßenbummelanten pusten das Karbid aus. Jetzt wandert die Ware ins Köfferchen, die wenigen Pimperlingc sind bald nachgezählt, und fröstelnd eilen auch sie irgend wohin, ihre übermüdeten Beine unter einen Tisch zu strecken. Krawalle um Gpargänse. Im„Hackeschcn Hos" in der Rosenthaler Straße ist es am gestrigen Sonntag, wie übrigens schon am Tage zuvor, zu Krawallen gekommen, weil Lebensmittelkleinhöndler, die dort für ihre Kunden auf Sparmarken erworbene Wcihnachtsgänse von dem „Spaga"-Gänseveririeb erhalten sollten, sich durch die Lieferung minderwertiger Gefrierwarc an Stelle der versprochenen Oderbnicher Fettgänse betrogen fühlten. Der„Spoga"-Gänsevertrieb war von einer Firma Hübet, Berlin- Tempelhof, Konradinstraße 23, m diesem Sommer aufgezogen worden, und zwar waren Agenten dieser Firma an etwa ZMN Berliner Lebcusnuttellleinhändler herangetreten und sie zur Abnahme von Sparbüchern, Sparmarken und Werbematerial eines Spargansvertriebes verpflichteten. Durch Erwerbung von Sc>-Pf«n>ng- Sparmarken sollten die Kunden dieser Geschäfte sich allmählich eine Weihnachtsgans zusammensparen, die aus jedes mit S0 Mark voll- geklebte Sparbuch kurz vor dem Weihnachtsfest zur Verteilung kommen sollte. Die Uebergabe der Gänse, und zwar ausdrücklich frjschgeschlachtctcr Oderbruch er Fcttgänse. sollte an die Lebensmittelhäudler erfolgen, die solange für die vereinnahmten Snargelder als Treuhänder haften sollten. Am gestrigen Sonntag kam es nun im„ijackeschen Hof" zu jörmlichen Krawallen, weil Zu einer Kundgebung gegen Kullurreaklion und Kriegsgefahr halle gestern der Bezirksverband Berlin der Sozialdemokratischen Partei nach dem Humboldthain gerufen. Das Dcmonslralionsvcrbot verhinderte den Anmarsch in geschlossenen Zügen, entgegen aller Uebung, mußten die Teilnehmer einzeln oder höchstens in losen Gruppen die große Wiese im Hain aussuchen. Um von vornherein Störungsversuche politischer Gegner auszuschalten. war das Reichsbanner in starken Formationen angetreten und umsäumte den Platz in weitem Umkreise. Gegen 12 Uhr crösfnclc die Rcichsbonnerkapellc mit einem Ulusitskück die Kundgebung. Von sieben Rednertribünen hielten sodann die Genossen Elara Bohm-Schuch, heinig. Erispien. Weier, tzarnisä), Löwenstein und L i t k e an die nach vielen Zehnlausenden geschätzten Demonstranten Ansprachen, die alle mit einem begeistert aufgenommenen h o ch aus die v ö l k e r- befreiende, internationale Sozialdemokratie geschlossen wurden. Wir geben nachstehend einige der Reden wieder. Genosse Kurt He in ig führte aus: Den Kampf gegen politische Unvernunft, gegen Unverstand»nd Roheit, gegen menschliche Dummheit als den Feind allen Fortschritts stehen und daß eine unorrnünftige Handlung auf deutscher Seite genügen könnt«, einen Krieg heraufzubeschwören. Die Frauen dürsten, so schmerzlich es auch sei, niemals die Erinnerungen an die Toten und die Grausamkeiten des Krieges vergessen; es sei besonders ihre Aufgabe, den Kampf zusammen mit den Männern und den Jugendlichen gegen eine gefährliche Kriegsromantik zu führen. Das Erperiment vom 14. September habe der Arbeiter- schaft keine» Schaden zugefügt. Automatisch folgte«in weiteres Ansteigen der Arbeitslosigkeit, weil das überraschte Ausland große Auslandskrediie zurückzog. Weil wir Rot und Elend, Arbeitslosigkeit und Hunger bekämpfen, darum führen wir den schweren Kampf gegen Faschismus und Bolschewismus. Kort mit dem Wettrüsten? Genosse Erispien führte folgendes aus: Der Anlaß zur heutigen Demonstration ist das Verbot des Films„Im Westen nichts Neues". Das Verbot ist nur ein S y in p t o in für bestimmte politische militaristische und reaktionäre Strömungen. Die Jugend, die nach dem Kriege herangewachsen ist, soll für jene alte politische Bewegung der militaristischen und kapitalistischen Bestrebungen gewonnen werden, die schließlich-u dein großen Weltkrieg geführt haben. Das ist nur möglich, wenn 3)ie Wallen im Stumboldlhain hat die Sozialdemokratie seit ihrem Bestchen gesührt. Sie lzat immer die Aufgeklärten und jene, die Aufklärung suchte», um sich versammelt und hat mit ihnen gekämpft gegen die Reaktion, die immer Kulturrückschritt bedeutet und gegen den Krieg, der den Aufstieg der Völker immer hindert. Alle Versuche der letzten Jahr- zehnte, die moderne, freiheitliche Arbeiterbewegung zu zerschlagen, entstanden aus der gleichen„geistigen" Grundlage wie die Versuche der Gegenwart. Di« Alten aber erlebten e» und erinnern sich dessen noch ganz genau, daß aus allen Angriffen immer und immer wieder allein die Sozialdemokratie stärker und gefestigter hervorging. Di« heranwachsende Generation des Bürgertums ver- steht die heutige Zeit nicht. Die Eltern erzählen von den„früheren. besseren Zeiten", wo das Bürgertum die Macht hatte. Jetzt sieht die junge Generation, daß Schulbildung und Uniocrsitätsstudiuin kein Bersorgungsprivileg mehr sind; sie muß den Kamps um Stellung. Arbeit,' Lohn und Brot aufnehmen, so wie es früher nur der Arbeiter mußte. Das Bürgertum und sein früher mühelos versorgter Nachwuchs sieht: eine Macht steht uns im Weg«: die Sozial- demokratie! Um sie zu stürzen, kehren sie den alten bürgerlichen Parteien den Rücken, gehen zu den radikalen Parteien und wirken dort gegen die großen Kuliuraufgabcn der Sozialdemokratie reaktionär. Das ist der tiefere soziologische Zusammenhang des gegenwärtigen Kulturkampfes. Sollen wir uns deshalb jetzt be- sonders ausregen? Gewiß niuß die Partcigenossenschaft auf dem Posten sein und muß kämpfen, wo zum Kamps gerufen wird. Die Gegenbewegung der Sozialdemokratie gegen Kulturreaktion und Kriegsgefahr ist nie stärker gewesen als jetzt. Die Reaktionäre merken das— man versucht nun das Volk abzulenken auf Vor- gänge außenpolitischer Art: Rußland, Polen. Frankreich. Das Volt muß wissen, daß es seine Haut für eine Kaste, die entwurzelt ist, aber seine alte Machtstellung wieder erobern möchte, zu Markte tragen soll. Deshalb muß das Volk bereit sein, alle Versuche der Reaktionäre abzuwehren. Appell an die Krauen. An die zahlreich erschienenen Frauen richteten sich die Worte Klara Bohm-Schuchs. Aber auch die Männer zollten ihren Aus- jührungen größte Aujmerksmnkeit, und es war erschütternd zu sehen, wie dreißig- bis vierzigjährige Männer, die den Krieg dvauhen im Graben milgeinacht haben, stumm und ernst d« standen, als sie an das Grausame«rinuert wurden. Das Verbot des Remarque- Films, so führte die Genossin Bohm-Schuch aus, sei«in Alarm- signal gewesen, nach dem Osten zu schauen. Wenn die Nazis im Reichstag den Antrag stellen, eine Schutzwehr von 120 000 Mann auszustellen, so wollten sie damit eine Legalisierung des schon Geschehenen erreiche». Man möge sich aber klar darüber sein, daß auch in Polen starke nationalistische Abwchrorganisationen lx- diese Jugend der wahre Charakter des Krieges vorenthalten wird. Und daruni soll die Jugend nicht wissen, wie der Krieg in Wirtlich- tcit gewesen ist und welche Wirkungen er ausgeübt hat. Die chauvi- nistischen Demonstrationen der Nationalsozialisten waren keine spon- ianen Entrüstungen, sie waren eine kalte Mache, von Kräften veranstaltet, die die faschistischen Führer nach ihrem Interesse hin und her schieben. Die chauvinistische Hetze gegen andere Völker und für eine allgemeine Aufrüstung auch in Deutschland hat einen neuen Ansporn erhalten durch den resultatlosen Verlauf der Ab- riistungskommission des Völkerbundes, die in mehr als fünf Jahren nichts Positives für eine wirkliche Abrüstung zustandegebracht hat und die es einer einzuberufenden allgemeinen Abrüstungskonferen; überläßt, sich mit den Abrüstungsproblemen auseinanderzusetzen. Die chauvinistischen Kreise Deutschlands wollen der deutschen Außenpolitik eine andere Richtung geben. Deutschland soll nickst urehr eine allgemeine Abrüstung erstreben, sondern soll eingereiht werden in die Staaten, die ein neues Wettrüsten betreiben. Außerdem uierden die Gewalttaten bestimmter polnischer Kreise gegen Deutsche in Polnisch-Oberschlesien als eine willkommene Gelegenheit benutzt, um Kriegspropaganda zu betrechen. Wir als Sozialdemokraten wissen ober, daß man nicht das polnisch« Volk anklagen darf, sondern eben jene bestimmten polnischen Kreise, die in ihrer Gesiinnng nvd in ihrer politischen Taktik die gleichen Methoden anwenden wie die Chauvinisten und Faschisten der übrigen Länder. Es sind die Kreaturen Pilsudskis, die in Polen nicht mir demsche, sondern auch polnische Sozialdemokroten terrorisieren. Und die polnische Sozialdemokratie bekämpft die Ausschreitungen dcr polnischen Gewalttäter und Kriegshetzer leidenschaftlich. Es ist die Aufgabe der Sozialdemokratie, die Kriegsgefahren, die in allen fcschistischeil Maeistbestrebungen enthalten sind, den breiten Volke- massen aufzuzeigen. Nur wenn das Volk selbst auf Grund seiner demokratischen Rechte über Krieg und Frieden zu entscheiden hat, werden wir«ine Politik der Völkerverständigung durchfuhren können. Allen, die nach faschistischer Diktatur lüstern sind, und die sich einbilden, sie körmten die arbeitenden Massen nach Belieben zum Bürgerkrieg oder Völkerkrieg kommandieren, mögen sich gesagt sein lassen, daß die Arbeiter keine Heloten sind! lind»tan möge nicht vergessen, daß hinter jedem Krieg, der tapiia- ltstischeit oder faschistischen Eroberungsabsichten entspringt, die R«- volution der arbeitenden Massen lauert. Wir sind entschlossen, diese Politik bitter zu bekämpfen, zu deren Methoden Gewalt und Unterdrückung zählt. Wir wollen Frieden nach innen und nach außen. Und so ist die internationale Sozialdemokratie die zuverlässige Macht der Arbeit für den Frieden in allen Ländern. Mit einem hoch ans die Sozialdemokratische Partei und dem Gesang der Internationale schloß die imposante Kundgebung. wieder keine Oderbrucher, sondern ungarische Gefrier- g ä n s e ausgeliefert werden sollten, und es hätte nicht viel gefehlt, dann wäre der Verteiler des„Spaga'-Gänsevertriebes ver- prügelt worden. Noch ei« Gesandter gestorben. Der USA.-Gesandt« im Haag G. I. D i e k« M a ist nach einer Magenoperation gestorben. Demonstralionsverbot in Erfurt. Für die Zeit bis 13. Januar 1931 einschließlich hat der Erfurter Polizeipräsident alle Umzüge und Versammlungen unter freiem Himmer oerboten. Gozia'listensieg bei Senatswahl. Er sola der Oisziplin. Pari». 22. Dezember.(Eigenbericht.) Bei einer Nachwahl zum Senat im Departement Pas d« Calais wurde der sozialistische Abg. C a d o t im dritten Wahlgang mii zehn Stimmen Vorsprung gegen seinen reaktionären Konkurrenten oe- wählt. Dieser Senatzsitz war bisher im Besitz der Reaktion. Dank straffer Sckmmdisziplin aller Linksparteien gelang es diesmal, den sozialistischen Kandidaten durchzubrinzen. Front und Film Protest der Frontkämpfer Von Christoph Pfänder, Vorsitzender des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Ich war Lanzemark-Kampser. Acht Brüder waren wir, alle im Felde. Einer ist nach mehr als vierjährigem Frontdienst gefallen. Di« anderen hatten Glück. Sie waren teils verwundet, teils in Gefangenschaft. Mich Hot es nach einjährigem Frontdienst in Nord- irankreich erwischt. Eine schwere Verwundung mit nachfolgenden Operationen hielt mich 9 Monate im Lazarett fest. Ich ging dann wieder an die Front. 1917 wurde ich entlassen, weil die Ver- wundungsfolgen den Militärdienst doch nicht mehr gestatteten. Warum ich das sage? Um darzutun, daß ich wohl berech- t i g t bin, mich Zu einem Kriegsfilm und zu dem hier in Frage stehenden Ausführimgsverbot zu äußern. Man hat das als ehe- maliger Frontkämpser heute leider nötig. Ohne Legitimation reihen viele Leute das Maul auf, die vom Kriege nichts gesehen haben. Sie halten sich aber für berufen und sachverständig, in diesen Dingen Urteile abzugeben. So auch die jungen Demonstranten, die in Berlin unter Führung des nationalsozialistischen Abgeordneten Dr. G o e b- b e l s das Filnwerbot erzwungen haben. Das Filmverbot ist ein Skandal! Das Buch Re- marques habe ich mehrmals gelesen, den Film am Abend vor dem Verbot mit mehreren Bundesvorstandsmitgliedern des Reichsbundcs der Kriegsbeschädigten gesehen. Durch ihn soll bekanntlich nach dem Spruch der Filmoberprüfstclle das deutsche Ansehen im Ausland gefährdet sein. Die fyetzcr und Demonstranten behaupten, daß„das Kämpfen und Sterben der deutschen Soldaten im Weltkrieg verzerrt und entstellt wiedergegeben" sei. Der Film lasse die Kriegsfreiwilligen heulen und schreien wie erbärmliche Feiglinge. Der deutsche Soldat werde mit einer Verbrechervisage gezeigt. Die alte deutsche Armee würde beleidigt und zu einem Konglomerat jämmerlicher, auf Fressen, Feigheit, Dreck, Drill und Schinderei«ingestellter Kerle herunter- gezogen. Nichts von alledem! Der Film zeigt das Gesicht des Krieges und die Soldaten so. wie sie wirtlich waren. Man muh eben an der Front gekämpft und den Film gesehen haben, um hier urteilen zu können. Frontkrieg, Fronterlebnis und der Film „Im Westen nichts Neues" sind eherner Dreitlang! Wer wird denn im Film als Feigling gezeigt? Niemand! Wer schreit und heult? Niemand! Nur ein junger Soldat, der im schrecklichen Kampf sein Augenlicht verliert, schreit jammernd:„Ich bin blind, ich bin blind" Wie oft haben wir diese er- schlitternde Klage gehört! Haben wir uns nicht alle als wir frisch an die Front kamen, instinktiv zur Erde gebückt, wenn die ersten Granaten und Schrapnells über uns fauchten. Offiziere und Unter- offizicre. nicht nur die vom Typ eines Himmelstoh, haben es genau so gemacht. Haben wir nicht erst später, wie es das alte„Frontschwein" Kotczinski gegenüber den neu angekommenen jungen Soldaten tut. gelernt, wie man sich in einer solchen Situation ver- hält? All« haben wir denselben Lehrgang durchgemacht, wie er in Remarques Buch beschrieben und im Film gezeigt wird. An der Front war es eben anders als auf dem Kascrnenhof, dem Exerzier- platz und bei den romantischen Geländeübungen während der kurzen Ausbildungszeit, im besonderen auch für Leute wie den Sergeanten ftimmelstoß. Haben wir nicht alle solche Typen kennengelernt? Haben wir uns nicht als Frontkämpfer, die schon eine Reih« von Gefechten und Schlachten mitgemacht hatten, im Stellungskrieg offen lustig-emacht oder heimlich gefreut, wenn wieder einmal eine solche aus t Ausbildungszeit bekannte Gestalt mit neuem Ersatz in den Grabe gekommen war? Nichts stellt auch hier das Buch oder der Film falsch dar. Von allgemeiner feiger Nachgiebigkeit auf deutscher Seite, von jämmerlichen Gestalten ist weder im Buch noch im Film die Rede. .Bleibt noch die„Derbrechervisage" Katczinskis. Man muh sie eben auch im Film gesehen haben und im Krieg gewesen sein. I ch habe als Frontkämpfer Dutzende solcher Ge st alten erlebt. Sie haben auch bei unseren Kriegsosfizieren im guten Ansehen gestanden, und dos mit Recht! Gerade diese einfachen Leute waren es, die in väterlicher Kameradschaft für die jungen Soldaten eingetreten sind und ihnen tausendmal mehr genützt haben, als alle Exerzierreglements und all« Ausbildung in der Heimat. Die Kriegsfreiwilligen von Lange mark sollen beleidigt sein, die mit dem Deutschlandlied in den Kamps gegangen sein sollen. Ich sage ausdrücklich„sein sollen", da ich selbst im fraglichen Abschnitt und an den fraglichen Togen mit dabei war. Wir haben von dieser Erzählung erst lange nach den Kampfhand- lungen von Ende Oktober und Ansang November 1914 durch Briese aus der Heimat und Ilebersendung von Zeitungen gehört. In unserem Abschnitt fragten wir oft nach Entstehung und Wahrheit dieser Meldung. Niemand von den Kameraden wußte etwas davon. Mag sein, daß in irgendeiner Situation das Lied erklungen ist, aber bestimmt nicht als Hochgesang aus den Swrmangriff und den nahen Heldentod. Man sage uns doch einmal, in welchem Frontabschnitt und in welchem Truppenverband sich das so oft glorifizierte Er- eignis zugetragen hat. Wir werden dann wieder darüber reden. In Wirklichkeit waren schon die Kämpft um Langemark eine grausam« Enttäuschung der Ideologie, die von Schullehrcrn und Gymnasialprosessoren vom Typ Kantorecks genährt rvorden ist und mit der besonders die Freiwilligen an die Front gegangen sind. Es ist keine Beleidigung unserer toten Kameraden von Lai�cmark, wenn dies hier scstgeftcllt wird, sondern eine not- cvendige Warnung für die Jugend, der von vielen Seiten auch wieder eine falsche Kriegsroniantik angezüchtet werden soll. Der Film entspricht poch nicht einmal der ganzen grausamen Wirklichkeit de, Krieges. Von dem furchtbaren Materialkrieg zeigt er überhaupt nichts. Seine Uebermacht und wohlgenährte Soldaten auf der anderen Seite waren es. die letzten Endes den deutschen Widerstand gebrochen lzabci». Das Geschrei gegen den Film„Im Westen nichts Neues" ist genau so verlogen wie die Legende vom Dolchstoß. Ii, Wirklichkeit geht es ja auch nicht um den Film, sondern um andere Dinge. Wäre der Film in Deutschland gedreht worden, dann müßte er bei objektiver Darstellung genau so aussehen. Do ihn Amerikaner gedroht haben, spiest eben dar Einfluß des deutsckzen Filmkapitals um Hugenberg«ine Rplle. Ich habe auch den Film ,Di«r von der Infanterie, Westfront 1918" gesehen, der gegenwärtig noch in Deutschland an manchen Orten läuft. Dieser ist keme-fall» Übertrieben, auch er gibt«ine gute Darstellung vom Krieg. Cr ist an vielen Stellen viel eindringlicher und brutaler als der setzt ver- botenc. Aber auch er kann ebensowenig wie der Remarquesche Film dos wahre Gesicht des Krieges zeigen. Das ist nicht möglich, wie der Gründer des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, der Kamerad Kuitner, im Preußischen Landtag ganz richtig ausgeführt hat. Die andere Frage, um die es geht, ist der Kampf um den Frieden überhaupt. Die Leute, die den Kriegsgeist schüren und bei der Jugend eine falsche Auffassung vom Krieg verbreiten, haben mit dem Verbot einen Sieg errungen. Gerade deshalb haben wir als ehemalige Kämpfer die Pflicht, uns gegen eine solche Versündi- gung an unserem Volk, wie es das Verbot der Filnioberprüfstelle darstellt, auf das entschiedenste zur Wehr zu setzen. Wir müssen Deutschland und im besonderen die junge Generation davor be- wahren, den Krieg und die Gewalt als Retter der Menschheit und als Retter eines Landes hinzustellen. Energisch i protestieren wir gegen das Verbot von Filmen, die die Brutalität des Krieges zeigen, während zugleich militärische Paraden in fast sämtlichen Kinos, be- sonders in den Wochenschauen der Hugenbergschen Theater, vor- geführt werden. Wir haben keinerlei Interesse, Paraden der safchisti- schen Garden um Mussolini und andere in ihrer Aufmachung und Wirkung verlogene militärische Aufzüge zu sehen. Wir sind Kriegs- gegner nicht aus Feigheit, sondern auf Grund unserer Erfahrungen. Wir wenden uns gegen eine solche Parteilichkeit und eine Vergewaltigung des Rechts, wie sie in dem Verbot des Remarquc-Films und in der kurz darauf erfolgten Zulassung des Stahlhestnfilms vom Ausmarsch in Koblenz zum Ausdruck kommt. Auch deshalb der Ruf: heraus mit dem Remarque-Film, nieder mit ollen verlogenen milikaristischen Filmen! Ferdinand Bruckner bekennt fich Ein gelüstetes Geheimnis. Aus Wien wird gemeldet: Das Geheimnis über Ferdinand Bruckner ist gelüftet. Der Träger des Geheimnisses hat sich selbst gemeldet. Ferdinand Bruckner ist, wie die Eingeweihten ichon längst von den Dächern pfiffen: Theodor Tagger, Tagger, der Ver- liner Regisseur und Tlzeaterdirektor, der sich im Rciiaissance-Theatcr zwar nicht halten konnte, der ober sonst ein tüchtiger, hochbegabter Schriftsteller und Dramatiker ist. Seit zwanzig Jahren ungefähr kenne ich diesen Mann. Er Hot mit hübschen lyrischen Gedichten begonnen. Seine Lyrik war weich und wienerisch und nicht sehr originell und inspiriert von der Hoff- mannsthalschen Artistik, aber es schwebte in dem Dichter irgend etwas Eentiincntalcs. Man sagte sich, daß er mehr als ein glatter Epigone ist. Und dann übersetzte er als der Tausendste oder Zehn- tausendste noch einmal die schönsten hebräische,, Psalmen. Es war eine Freude, diesen Rhythmus und diese Sprachinnigkeit nach- empfunden und nachgeformt zu sehen. Vor ungefähr zehn Iahren spielle man am Berliner Theater am Zoo ein Sittcnstück, das noch den Verfassernamen Taggers nannte. Es war kein bedeutendes Wert. Es hing in allem mit Wedekind und auch mit leichterer Kvmödicnschrciberei zusammen. Man meinte, daß Tagger, der inzwischen in Berlin eine Regisseur- und Dramaturgenstelle angenommen hatte, nun ganz dem gewöhn- lichen Theaterbetrieb verfallen sei und daß er nicht viel weiter kommen werde. Dann wurde am Renaissance-Theater die„Krankheit der Jugend" von Ferdinand Bruckner aufgeführt. Man war überrascht. Auch im„Vorwärts" wurde dos merkwürdige Talent des bisher unbekannten Draniotikers, der sich vor etwa ö Iahren zum ersten Male meldete, charakterisiert. Geistcsinhall, strenge Glaubenstreue vor der Freudschen Psychoanalyse, eine überall spürbare dramaturgische Raffiniertheit. Der Eindruck vertiefte sich nach der Aufführung der „Verbrecher", schließlich„Elisabeth von England". Man wußte schon, daß Tagger Ferdinand Bruckner war. Man freute sich, daß er dein Izcutigcn Theater soviel gab. was fesselnde Idee und starke Wirkung brachte. Tagger vermummte sich noch einige Zeit lang und gab seiner. Namen nicht preis. Aber der literarische Kriminalfall war schon ziemlich durchsichtig geworden. Jetzt ist Klarheit da, und der klare Name bezeichnet einen Theatermann, dem bisher nur Gutes nachgerühmt werden darf. dt. H. Muß die Kuh Milch geben? Familiensatire im Isenaiffance-Theater. Wäre der dritte Akt der neuesten Komödie von W. Somerset Maugham„Muß die Kuh Milch geben?" so ledendig, so lustig, so lebensklug wie die beiden ersten, so hätte das Renaissance-Theater für das nächste lzalbe Jahr keine Repertoiresorgen. Voin Engländer Maugham kennen wir schon eine ganze Reihe von Stücken, die mit sicherer Bühnentechnik geschrieben und stets durch die hübsche und originelle Idee über das Niveau der bloßen Belustigung hinausragen. Cr ist ein Meister des Konseroationsstücks, das immer einen nachdenklichen Kern enchält, Maugham ist ein Shaw im Westentaschenformat. Genau wie der groß? Ire hat er die Fähigkeit, an alchergebrachte Anschauungen die lritische Sonde zu legen und an Dingen, die wir nach alter Ge- wohnheit ganz in der Ordnung findeil. Unstimmigkeiten zu entdecken. Natürlich bringt er dabei nicht Shaws blutige Satire auf, er vergreist sich auch nicht an unseren heiligsten Gefühlen, sondern er begnügt sich mit der kritischen Betrachtung von Alltäglichkeiten. Muß die Kuh Milch geben?, fragt er hier, wobei der Ton auf das Wort„muß" gelegt wird. Muß der Mann jahrzehntelang schuften und sich abrackern, bloß um seiner Frau und seinen Kindern ein faules Leben zu vcrschasftn? In zwanzigjähriger Ehe hat sich Bankdirektor Charles nicht etwa die Liebe und die Achtung seiner Angehörigen für seine unermüdliche Arbeit erworben. Frau und Kinder betrachten ihn als Kuli, dessen Geld man wohl annehmen darf, der aber sonst als unerwünschtes und störendes Familien- Mitglied cmpsunden wird. Das Unglück will, daß Charles durch eine mißglückte Spekulation pleite geht. Freunde strecken ihm Geld vor, so daß er sein Geschäft wieder aufbauen könnte. Aber bei dieser Gelegenheit sind ihm die Augen aufgegangen, er hat kein? Lust mehr, die Rolle des geduldeten Ernährers weiter zu spielen. Klipp und klar beweist er, daß sie sich in der Familie grenzenlos mit ein- ander langweilen, daß von gegenseitiger Liebe keim Spur zu ent- decken ist.'Alles ist nur Konvention. Schluß damit. Den größten Teil des ihm verbliebenen Privawermögens überläßt er seiner Frau. Mit dem Rest wird er, frei von Familienbaichen und erlöst von der sinnlosen Schufterei für eine hohle Häuslichkeit, ein eigenes beschauliches Leben führen. Alle Welt hält ihn für verrückt, aber bei näherem Zusehen merkt man, daß er eigentlich einen sehr ver- nünftigen Gedanken gesaßt hat. Ihren besonderen Reiz bekommt die Komödie durch die entzückende Zeichnimg der frechen Jugend von heute. In den besseren Kreisen gilt es als schick, aus Alter und Erfahning mit blasiertem Lächetn herabzusehen. Der Jugend gehört die Welt.'Man weiß alles besser, man dankt den Eller» nicht für die noble Erziehung. Man hat sie ja nicht gebeten, sie in die Well zu setzen. Die Eltern haben das Vergnügen gehabt, jetzt haben sie lediglich die Pflicht, zu bezahlen. Bei diesen Szenen schallt ununterbrochen herzliches Gelächter durch den Zuschauerraum. Hier erhebt sich Maugham zu einem Satiriker besten Stils Dann geht chm leider der Atem aus. Er kaut im dritten Akk die Ansichten noch einmal durch, die wir aus dem ersten Teil kennen, bringt ein paar bemerkenswert dumme Auftritt« zustande und steigt damit entschlossen auf plattes Kasseniveau. Unter Forster-Larrinagas Regie wird munter, lebendig und sehr lustig gespiell. Am lustigsten von den, prachwollen Hans Bransewetter, der feine jungenhaft« Unverschämtheit so frisch und natürlich zur Schau trägt, daß man der Figur gar nicht böse sein kann. Spaßig Charles verwöhnte Ehefrau der Johanna Ter- w i n und der joviale Vater des Julius F a l k e n st e i n, ulkig die Dümmlichkeit des Victor de K o w n. Trude B r i o n n e gibt ein geziertes dummes Gänschen. Sie unterscheidet sich vorteilhast von ihrer Partnerin Karin Evans, deren Geziertheit leider im- bewußt ist. Den Bankdirektor spielt elegant und virtuos wie immer Albert B a s s e r m a n n. Diesmal aber beängstigend dar Pose nahe. Aufgekratzt und müde geklatscht verlaßt das Publikum befriedigt den netten Abend. Emst Degner. Aeues Theater am Zoo. „Das öffentliche Aergernis." Im Programmheft des Theaters kann man unter dem Photo Franz Arnolds, des Autors von„Das öffentliche Aergernis" folgen- der Vierzeiler lesen, den er verfaßt hat: „Wer Stücke schreibt, darf an Empfindsomkett nicht kranken, Muß lächelnd dulden jegliche Kritik, ist's ein Erfolg, Hat«ris dem Mimen nur zu danken, Ist es ein Durchfall, dann liegt's nur— am Stück." Er wird also jegliche Kritik lächelnd dulden, denn er weiß, daß er nie schuld ist, mit der einzigen Ausnahme: wenn er Erfolg hat. War es ein Durchfall, wie diesmal,— steht hinter diesen vier Zeilen— dann sind die Schauspieler daran schuld gewesen. Dieser Schwank ist langweilig und schleppend. Nichts geschieht, was unterhaltsam wäre, die Witze sind alt wie Methusalem und die Voraussetzungen an das Publikum gehen nicht über das Niveau des Spießbürgers im Parkett hinaus. Kein befreiendes Gelächter geht durch den Raum, ein Anerkennungslächeln für T h i e l s ch e r ist alles. Hier will eine klein« Baroneß aus Potsdam einen— man höre—«inen bürgerlichen Dr. Weber heiraten. Tante Ursula, Freifrau von Pritzelwitz, und Onkel, Professor Baldur von Dieringen, Rasftnforscher, sind eisern dagegen. Dr. Weber hat jedoch auch einen Onkel, Herrn Gustav Pietsch, der will dem jungen Paar unbedingt helfen. Er kauft für sich den Titel eines Konsuls von Nigeria und für den Neffen den Grafentitel, indem er ihn von einem verkrachten Grafen adoptieren läßt. So glaubt Pietfch, all« Standesunter- schiede beseitigt zu haben, aber die große Assäre kommt noch. Denn der Neffe hatte in Paris eine Geliebte, den braunhäutigen Revue- star vom Folics Bergere Dorine Blaker. Er verwechselt zwei Brief« (wie originell), und so bekommt die auserwählte Baroneß seinen Abschiedsbrief an Dorine und die Tänzerin hat einen richtigen, schriftlichen Heiratsantrag von ihm in Händen. Der Revuestor kommt unverzüglich nach Berlin, tritt in einem Nackttanz auf und wird infolge der Intervention des Rassensorschers Professor Baldur ausgewiesen. Sie sucht Schutz bei ihrem Konsul, und das ist Herr Pietsch, der Onkel. Alles geht jetzt drunter und drüber, die vor. nehm« Verwandtschaft ist empört, das Negerweib im Hause des jungen Grafen vorzufinden, Dorine läßt nicht locker, die Braut nimmt übel. Schließlich entpuppt sich Dorine als uneheliche Tochter des Rassenforschers und damit kommt olles in Ordnung. Arnold ist es nicht gelungen, einen wirkungssicheren Schwank daraus zu machen. Seine Regie unterstrich noch die Fehler des Manuskriptes. Guido Thielfcher ist ein harmlos-lomifcher Berliner Onkel. Hugo Werner Kohle als Professor Baldur von Dierin- gen ist eine herrliche Type, Hans Zech-Ballot war als Dr. Weber etwas uneingespiell. Eugen Burg als verkommener Graf Castelli trug zu dick auf Sehr angenehm fiel auf I e s s i« V i h r o g als Darin« Blaker, die Eleganz und Temperament zu ver- geben hatte. Mally Georgi, die kleine Baroneß, war so gut, als ihre Rolle es ermöglichte. Der Applaus war matt. ■Alexander von Sacher-Masoch. Opernstudio. Donizetti.Sie Reqimentstochter." Es handelt sich nicht um Donizetti: sondern darauni, am Beispiel der„Regimentstochter" das-Darstellungs- und Jnszenierungsproblem der alten Spieloper neu zu lösen: neue Möglichkeiten, neue Wege zu finden, oder zunächst: zu suchen. Den Zweck, der in der heutigen Opernluft liegt, hat diese erste Studio- Nacht am Schiffbauer- dämm nur halb erfüllt. Mit Witz, Laune und theatertechnischer Akkuratesse haben R a b e n a l t und R e i n k i n g am Entscheidenden ihrer Aufgabe vorbeigearbeitet. Ihre lebendigsten Beziehungen zum Werk und zu seinem immanenten Stil bleiben negativer Art. Höhe- Punkt: ein parodisiisches Ballett von erschütternd komischer Wirkung. Die wahrhaft amüsante Figur, die, als Sängerin über- raschcnd, Trude Hesterberg auf die Bühne stellt, hat mit Donlzettis Oper wenig Berührungspunkte. So unernst genommen, wird diese nicht als taugliches, sondern als untauglichstes Objekt der Erneuerung behandelt. Die Veranstaltung wäre ohne den Vorwand ihres Programms ebenso lustig geworden. Das Musikalische durfte Andeutung bleiben: in den gegebenen Grenzen hat Theo M a ck e b e n das Möglich« getan. Maria E l s n e r als Marie ist eine Erfüllung: aber gegen einen Tenor von penetranter llmnöglichkeit kommt alles Drum und Dran der Szene nicht aus. Die Hörerschaft, fest ent- schlössen, ein revolutionierendes Opernereignis zu erleben, rast Beifall: am lautesten freilich nach der berühmten, bravouriös ge- sungenen Arie der Marie. Doch geradeheraus gesagt, die Entdeckung, daß dl« Desangskünste der Oper vor einem musi'alisch anspruchs- losen Publikum eine sichere Sache sind, taben schon Rotters gemacht. K. P. * Die Aufführung, soweit szenische Gestaltung in Betracht kommt, gipfelte in den Tänzen des zweiten Akts. Cläre Eckstein, Meisterin des grotesken Gesellschaftstanzes, parodierte den Stll der l879er, l880er Jahre. Quadrillen, bei deren Ausübung die Damen Jibfchied von Ulrich tftaufcher Tie Leiche des verstorbenen deutschen Gesandten in Warschau, Ulrich Rauscher, wurde in St. Blasien aus dem Berg- friedhofe beigesetzt. Berenguers Zische. Massenverhasiungen in Spanien. Madrid, 22. Dezember.(Eigoichcricht.) Obwohl die Ruhe in Linien angeblich wiederhergestellt ist, wird der Belagerungszustand vorlaufig bis Ende Dezember ausrecht- erhalten. Die Regierung hat die Parlameut-wahl auf den 8. Mär; festgesetzt. Weitere am Aufstand beteiligte und flüchtige Flieger siitd ini Auto nach Portugal entkomnien, haben sich bei der portu- giesischen Regierung gemeldet und sind interniert worden. Es steht ihnen jedoch frei, in Portugal zu bleiben oder das Land zu verlassen, Major Franca und Kapitän Rada, die bei ihrem Amerikaflug 1926 zu Ehrenbürgern der Republik Uruguay ernannt worden waren, haben von dort Bürgcrpässc bekommen mit französischem, holländischem und deutschem Visum. Die Regierung beginnt ihre Rache auszuübeu. Aua dem ganzen Lande werden Verhaftungen gemeldet, die aber auch den Ii m s a n g der revolutionären Bewegung zeigen. In Bilbao sind Si Sozialisten und Republikaner ins Gefängnis gesetzt worden. In dein Dorfe Puebla de Guzman, wo die Bevölkerung die Republik ausze- rufen hatte, sind 16 Personen verhaftet worden. In Giian hat d,r Gouverneur 24 Kausleirte mit je ZW) Pesetas Geldstrafe bedacht, weil sie sich geweigert hatten, ihre Läden zu öffnen. „Grazie" mimen, während die Herren die jüngsten Kursberichte er- wägen. Selbstgefälliger Uebcrmut, wohlkolkulicrter Frohsinn, bürgerlich beherrschte Cancan-Orgiastik. Anmut und Temperament gepfefferter Ziegenböcke. Alles wurde überwältigend schlagkräftig herausgebracht. Mit nur geringer Uebcrtreibung der entschwundenen Wirklichkeit furchtbaren'Angedenkens. Aus der durchweg brillant arbeitcndcit Gruppe ragten Cläre Eck st ein und Edwin Denby(Bräutigam) hervor. Das Publikum jubelte und verlangte Wiederholung. Man hätte das Ganze in doppelter und dreifächer Fülle bringen können, der Stoff hätte gereicht und die Phantasie der Eckstein nicht minder. Leider fehlten auf dein Programm die Namen der Mitwirkenden. Wie die Direktion mitteilt, durch ei» technisches Versehen. Es waren: Cläre Eckstein, Liselore Bergmann, Lisa Ney, F r i tz i v. Hoff, Hildegard T r o p l o w i tz, Edwin Denby, Franzis O s o l i n, Hansheinz W ä g n c r. L. Das Kartell der vereinigten verbände Bildender Künstler Berlins, E. V.. der Veranstalter der Grasten Berliner Kunstaus- ftellung, hielt unter Leitung feines Vorsitzenden, Hans Baluschek. seine Hauptversanrmlung ob. Es konnte festgestellt werden, dost die Ergebnisse der diesjährigen Großen Berliner Kunstausstellung, die des knappen Raumes wegen in zwei Abteilungen getrennt werde» mußte, als durchaus zufriedenstellend zu bezeichnen seien. Die nächste Große Berliner Kunstausstellung 1931 wird wieder in zwei Abteilungen im Schloß Bellevue stattfinden und zu einem früheren Termin, etwa um de» 1. Mai, eröffnet werden können. Für das neue Kunstausstellungsgebäiidc liegen von selten der Regierung bc- stimmte Pläne und Vorschlüge vor, zu denen die Berliner Künstler- fchaft durch ihre berufenen Vertreter nunmehr Stellung zu nehmen hat. Die Borstandswahl brachte keine wesentlichen Veränderungen: der Vorstand besteht äus: Hans Baluschek, Hanns Bastamer, Moritz Melzer, Wolter Hauschild, Oskar Rerlinger und Eva Start. Die Deihnachlsverlosuag»er Deutschen klmsigemelu»«, an der fedeS IWitglicS durch seinen Jahresbeitrag unentgeltlich teilnimmt, enthält ZZT'el- gemülde, 17 Agnarelle und Pastelle, 409 Blätter bandsignierter Graphik, SCO Mappen Nordische Karikatur, ferner einige Plastiken. Bücher und kunst- gewerbliche Gegenstände. Die Kunstwerke lind zum Teil von den Künstlern gestiftet worden. Auf jedes Mitglied enifällt ein Kunstwerk. Das„Volk" 0er Nazis. Von der Prinzessin über die Hosdame zum Offiziersllüngel. Dcimold, 22. Dezember.(Eigenbericht.) Die National,, sozialisten" haben in Lippe einen Antrag auf Einleitung eines Volksbegehrens mit dein Ziel der Landtagsauflösung eingereicht. Da dieser Antrag mit den vorgeschriebenen 100 Unterschriften versehen ist, wird das Volks- verlängen eingeleitet, von dessen Ausgang die Zulassung des Volks- «nkscheids abhängt. Eine Durchsicht der Unterschriften unter dem Antrag führte zu der, allerdings nicht überraschenden. Fest- ftellung. daß eine große Anzahl der Unterzeichner des Antrags zum Volksoerlangen höhere Offiziere, Fabrikanten und sonstige Mitglieder der„exklusiven" Gesellschaft von Detmold sind. Ja, selbst eine lippifche Prinzessin und eine Hofdame fehlen nicht. Da die Nazis besonderen Wert darauf legen, als„A r- b e i t e r"- Partei zu gelten, fei hier«ine kleine Auslese ihrer „Arbeiter" aufgeführt, die den Volksoerlangens-Antrag unterzeichnet haben: Prinzessin Dr. v. L. Mciningcn, Prinzessin zur Lippe, Frieda von Beughem, Hofdame, Frau von Beughem, Majors- witwe,.Hans von Donop, Major a. D., Julius Schönian, O b e r st a. D-, Heinrich Berner, Generalmajor o. D., Otto Biesenbach, Fabrikant, Cornelius Wittenstein, Oberst- l e u t n a n t a. D., Otto Vclhagcn, Oberstleutnant a. D., Dr. Manfred Fuhrmann, Sanatoriumsbesitzer, Karl Strobel, Major und Fabrikbesitzer, Arwed v. Beschercr, O b e r st a. D., Ferdinand v. Olberg, Major a. D.(gehört noch zum Hofstaat des lippischen Fürsten), Gustav Schmidtmaun, Ober st- l e u t n a n t a. D., Hans Meurer, Major a. D., Hans Thümmel, O 6 c r st n. D., Paul Dinger, H o f o p e r n r e g i s s« u r. Soweit die Herrschosten verheiratet sind, haben natürlich ihre Ehefrauen mitunterzeichnct, eine ganze Anzahl von Unterschriften stammt vom Dienstpersonal der Herrschasten. Diese Unterschriften wurden wohl nur geleistet, weil die Unterzeichner sich in einem Abhängigkeitsverhältnis von ihren Arbeitgebern befinden. Recht interessant ist es, daß auch die Kellner aus jenen Lokalen unter- zeichnet haben, in denen die Offiziere und Fabrikanten ihren Durst zu stillen pflegen. Die Auftorderung der Stanimgäste, zu unter- schreiben, glaubten die Kellner sich wohl nicht widersetzen zu können. Was sonst an Unterschristcn(im ganzen 114) auf der Liste steht, stammt von selbständigen Kaufleuten, Wirten, Handwerksmeistern. Nur eine ganz klein« Zahl Angestellter und Arbeiter hat unter- schrieben. Der allergrößte Teil der Unterschriften stammt von ehemaligen höheren Offizieren, Fabrikanten und sonstigen Arbeitgebern und ihren Frauen. So sehen also die „Arbeiter" der Nazi-„Arbclter"-Partei aus: Abgetakelte Generals, Obersten und Majore, Hofdamen, Prinzessinnen und Fabrikanten! Es ist hier bekannt, daß auch der„Erbprinz" des ehemaligen lippischen Fürsten ebenso Mitglied in der Nazipartei ist, wie einige Hohenzollernprinzen und einige thüringisch« Fürsten. Das lippische Volksbegehren der Nazis zeigt die Hakenkreuz- Partei in ihrer wahren Gestalt als die Partei der Fürsten. Prinzen, der höheren Offiziere und Kapitalisten! Oer Hungerturm von Brest Angebliche Llntersuchung gegen die Kolierknechte Warschau, SS. Tezember. Wie der sozialistisch«„Robotnik" berichtet, kostete die „Ernährung" der gefangenen Abgeordneten in Brest- Litowsk je Kopf ungefähr 40 bis 45 Groschen(etwa 20 Pf), daS ist etwas mehr als die Hälfte der Kosten, die selbst Deserteuren als Mindestmast zugebilligt wird. So hat die Ernährung ausgesehen, die ehemalige polnische Minister, hohe Perwaltungsbeamte, Ab- geordnete. Senatoren und ehemalige Legionsoffiziere erhalten habe«. Der Regierungspresse zufolge soll der Ehef des ArmeegerichtSwefenS, General Danrez, in den nächsten Tage« die Militär-Staatsanwaltfchaft mit der Einleitung der Untersuchung gegen die Qfsiziere, die in die Brcst-Litowster Standalangelegenheit verwickelt find,! beantragen.(Da Pilsudski fern auf Madeira ist, wagt! sich ein Rest von Ehrgefühl vielleicht doch hervor. Redl i d.„».".) Anständige Senatoren. Warschau. 22. Dezewber. Die Oppositionsbläkker melden, daß bei der Abstimmung über die Dringlichkeit des. Autroges-gegen. die.Brest-Lstvwsk-Schandc mehr als 26 Abgeordnete des Regierungsblocks sich i ihrer Stimme ent- halten habev: dortttckevi angeblich auch där frühere Agrärreforni- minister Skänjcwicz und der Krakauer Universitätsprofefsor Krzyzanowski, den 46 andere Professoren angerufen haben, als namhafter Rechtsg«lehrter Polens für Sühne zu sorgen. pommerellen-Iustiz. Das ftreisgertcht in Thorn verurteilte zwei führende So- z i a l i st e n in Pommerellcn zu Gefängnisstrafen, und zwar Kopcinfki zu vier und William Blum zu zwei I a h r e n schweren Kerkers, beide wegen einer Kundgebung gegen die Regierung. Korfonty wieder frei. Kaliowih. 22. Dezember. Kurz vor 2 Uhr früh traf Al»g. K o r f a n t y m Kattowitz ein. Er wurde auf den, Lahnhof von einigen Taufend seiner Anhänger mit lebhaften Kundgebungen empfangen, die sich auf dem ganzen Wege bis zu seiner Villa fortfetzten. Es fiel auf. daß beim Empfang die oftoberfchlesifche Geistlichkeit außcrordentlich start vertreten war. Vor dem Eintritt in seine Villa hielt Korsanty eine kurze Ansprache, in der er emsführte, daß er weiter für die Rechte de» oberschlejischen Volkes nnd die Demo- krakie in Polen kämpfe« werde. Seine Ülniprache wurde mit brausende» Hochrufen, aber auch mit Rufen„Weg mit Oberft B e r n a ck i",„Weg mit dem Woj- woden G r a c z y n s k i!" aufgenommen. Das starke Polizeiaufgebot griff in keiner Weise ein und es kam auch nicht zu Zwischenfällen. Im Laufe des Sonntags empfing Korfanty, der g e s u n d h e i i- (ich stark mitgenommen ist und sehr geschwächt aus- sieht, Abgeordnete der Chrisilich-demotratische» Partei, die ihn zu seiner Freilassung beglückwünschten. Bei einem Empfang von Jour- nalisten äußerte Korfanty sich sehr zurückhaltend und vor- sichtig über seinen Aufenthalt in Brest, wo er ebenso wie die anderen Gefangenen behandelt worden sei. Er betonte, daß die Behandlung oller Gefangenen lalfächlich der Interpellation, die die polnischen Sozialisten im Warschauer Sejm eingebracht haben, entsprochen Hobe. Er selbst sei'Augenzeuge gewesen, als der sozialistische Ab- geordnete Liebermonn bei seinem Abtronsport aus Brest schwer mißhandelt wurde. Darüber befragt, ob er selbst geschlagen worden fei, gab Korfanty zunächst keine Antwort, wiederholte aber dann, seine Behandlung fei die gleiche gewesen wie die der übrigen Gefangenen. Ueber seinen Aufenthall im Warschauer Ge- sängnis erklärte Korfanty mit einigem Humor, daß dieser Aufenthält im Lirtgüichzur Haft in Brest tfnbstririf ikiru s'enthalt'a« de? R i v i er a gleichgekommänifei. Dort habe er sich einigermaßen erholen können. Kattowitzer Gericht blamiert pilsudski. Gelegentlich einer Bersomnilung der Korfanty-Partei in: April dieses Jahres äußerte der frühere Eifenbahnbeomte Fühl, daß Marscholl Pilsudski es sich niemals habe träumen lassen, daß Ober- ichlesien jemals zu Polen kommen würde. Gegen Fühl wurde daraufhin ein Strafverfahren wegen Berbreitung falscher Behauptungen eingeleitet. In erster Instanz wurde Fühl zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil legte Fühl Be- rufung ein. Er erbot sich, den Wahrheitsbeweis anzutreten. In der am Mittwoch stattgefundenen Bcrufungsverhavdlung gelang es dem Angeklagten, diesen Wahrheitsbeweis zu erbringeu. Die von ihm benannten Zengen, darunter Musikdirektor Lewandowfki sowie der Sejmobgeordnete Sosinfki, erklärten unter Eid. dcß im Jahre 1916 eine schlesische Abordnung beim Marschall Pilsudski wegen finanzieller Hilfe für die Losreißungsbestrebungen Ober- fchlesiens von Deutschland vorstellig geworden sei. Pilfudski Hab« die Abordnung ziemlich ungnädig empfangen und sich wörtlich ge° äußert:„Also nach Schlesien gelüstet es euch; aber Schlesien ist doch eine uralt« preußisch« Kolonie." Der Angeklagte wurde steige- sprachen, weil sich das Geircht auf den Standpunkt stellte, daß dein 'Angeklagten der Wahrheitsbeweis in jeder Hinsicht geglückt sei. «W „Behütet das Feuer und das Licht!" Die Keusrschutzausstettung in der Potsdamer Straße Alljährlich gehen in Deutschland Sachwerte in höhe von über I 460 Millionen Mark durch Feuerschäden verloren, viele hunderte von Menschen büßen bei Bränden ihr Leben ein und Tausend« nehmen durä) Brände schweren Schaden an Ihrer Gesundheit. Man hat ausgerechnet, daß im Deutschen Reich jährlich über füoszigtausend Wohnungen für die Gelder errichtet werden könnten, die für Brand- schäde« vergütet werden müssen. Zweihunderttausend Menschen könnten sich in Deutschland allein von den Ernteerzeugnifsen und Rahrungsmilieln ernähren, die jedes Jahr der Vernichtung durch Feuer anheimfallen. Ein großer Teil aller Brände entsteht durch Unvorsichtig- keit und Sorglosigkeit, leider auch ein erheblicher Teil durch Brand st istung, Explosion, Blitzschlag usw. Die oben geiionnten Zahlen, die den wenigsten bekannt sein dürsten, zeigen die Notwendigkeit von wirksamen Feuerverhütuitgsmaß- nahmen nur allzu deutlich. Denn letzten Endes bedeutet Feuers- brunst nicht nur Lebensgesahr und Zerstörung, sondern auch Not, Armut und Arbeitslosigkeit. Es ist daher ein Verdienst der Feuer- s ozi« tä t d e r P rp o inz B r a n d e nb u rg, die mst der Er- ösfnung der ersten F e u e r s ch u tz o u s st« l l u n g in den Pols- da in er Strohe 118z ihren Teil dazu beitragen will, der All- gemeinheit nützliche Hinweise über die Entstehung und Borbeugung von Aeuersgefahren zu geben. Ein Rundgang durch die fehens- werte Ausstellung zeigt eitie'deratige Vielgeftaltigkeit der einzelnen Zlusstelliingsobjektc, daß es nur möglich ist, in großen Zügen darüber zu berichten. Die Ausstellung umfaßt zwei große Abteilungen, die der„Feuerbekämpfung" und die der„Feuerverhütung". In der Abteilung„F e u e r b e k ä m p f u n g" interessiert insbesondere die historische Schau über die Entwicklung der Feucrlöschgcräte. Da steht zum Beispiel eine über 266 Jahre alte Feuerspritze neuen einer alten Kostenspritzc aus dem 18. Jahrhundert, die äußerst lustig und amüsant wirken, wenn man als Gegenüberstellung die heutige moderne Kleinmotorspritze und ihre einfache Hand- habung steht. Selbst wenn man noch die kleine Handdruckspritze betrachtet, die bei einer Wasserleistung von 126 Liter in der Minute 16 Mann Bedienung erforderte, so muß man den technischen Fort- schritt der Kleinmotorspritze, für die bei einer Wasserführung von 466 bis 366 Liter je Minute nur ein einziger Mann zur Bodienunz notwendig ist, hoch anerkennen. Aber nicht nur die Feuerbckämpfung durch moderne Spritzen. sondern auch die Wasserversorgung(Löschbrunncn), ein sehr wich- tiges Gebiet für den erfolgreichen Löschangriff, wird in dieser'Ab- teilung durch Modelle und Darstellungen eingehend vor Augen gefuhrt. In der in der ersten Etage gelegenen Abteilung„Feuer- Verhütung" sind in der Hauptsach« sehr instruktiv« bildliche Dar- stellüngen sowie zahlreich« Modelle der Brandursachen und ihr« Folgen zu sehen. Aus kleinen Anfängen heraus hat sich hier in verhältnismäßig kurzer Zeit diese Ausstellung zy einer Aufklärungsstäit« in alle» Feuerverhütungssragen für tausende Besucher aus allen Kreisen der Bevölkerung entwickelt. Ein Besuch dieser Ausstellung kann mir empfohlen werden. Der Eintritt in die Ausstellung, die täglich, mich Senntags, von 16 bis 18 Uhr, geöffnet ist, ist frei. föellagc Montag, 22, Dezember 1930 DZvMpnd 'Jnn* ryzib* du Frankes Automatisierter Fcrnsprcdicr In ganz Deuischlnnd, ja in der ganzen Welt wird an d�r Äuio- matisierung des Aernsprechwesens gearbeitet. Dai�irch, dos; der eine Tcilnnehmer sich mit dem anderen o�s rein mechanischem Wege vcr- binden tonn, werden die menschlichen Arbeitskräste, die bisher in den Fernsprechämtern die Verbindungen vermitteln, in großem Umfange iiberslüssig. Im Durchschnitt kann man rechnen, daß etwa 9l> V r o z. der Fernsprechbcanitinnen durch den automati- jchcn Fernsprechbetrieb erwerbslos gemacht werden. Die Automatisierung des Fernsprechwesens hat sich als ein recht; gutes Geschäft für die S ch w a ch st r o m i n d u st r i e, d. h. � in ollen Ländern nur für einige wenige Konzerngruppcn, erwiesen. 'Nachdem in den ersten Jahrzehnten nach t-er Erfindung des Tele- phons ein starker Bedarf zu befriedigen wir und überall die Fabri- kationsanlagen von Jahr zu Jahr erweitert werden mußten, ist in der letzten Zeit sine gewisse Sättigung des Bedarfs erreicht, und die Verbreitung des Fernsprechwesens nimmt verlMtnismähig in den meisten Ländern viel langsamer zu als früher, chier bot min die Automatisierung der Schwachstromindustvic einen sehr erwünsch- ten Ersatz. Bei vielen Telephonbaufirmen liegt denn auch der Schwerpunkt weniger in der Anlage neuer Anschlüsse als im Auto- matisienmgsgefchäft. Einige Zahlen mögen diese Entwicklung veranschaulichen. Jni Deutschen Reich früheren Umsangs vermehrten sich die Fern- sprc6)anschküss« von 1997 bis 1913, also innerhalb von nur sechs Jahren, von 766 000 auf 1387 000, d. h. um über 81 Proz. In dem ebenso langen Zeitraum van 1923 bis 1929 stieg die Zahl von 2 242 000 auf 3 182 000, d. h. um nicht ganz 42 Proz. Diese Der- langsamnng der Fernsprecherverbreitung ist in allen industriell ent- wickelten Ländern festzustellen. Dabei ist es jedoch interessant, wie diese Entwicklung sich überall nach dem jeweiligen Wohl- st a n d richtet. Das Bedürfnis, sich telephoiüsch über die Markt- läge, über die Preise von landwirtjchostlichcn Bedarfsartikeln usw. zu informieren, besteht z. B. für den deutschen Bauern nicht weniger vjls für den dänischen oder amerikanischen: und ein deutscher Ar- bciter- oder Angestelstenhaushalt würde den Einbau eines Fern- fprcchers für geschäftliche und persönliche Zwecke nicht weniger de- guem finden als etwa der amerikanische. Die Praxis aber sieht so ans: In Dänemark entfielen 1929 aus je 1000 Einwohner 94 Fernsprechanschlllsic, in Schweden 79, in N o r we g e n 66. in der Schweiz 61. in Kanada 137, in den Bereinigten Staaten 163, in Australien 76 und in Neufeeland 102. in Deutschland dagegen nur 46. in Großbritannien 33 und in Italien gar mir 8. Diese Ziffern entstannnen der Statistik der größten Telephonbetriebsgesellschaft der Welt, der America» Tejepl'onc aird Telegraph Company. Daß Länder von so gewaltiger Ausdehnung und von so geringer industrieller Entwicklung wie Chi no. Indien, ja auch Sowsttrußlond nur eine recht geringe Per- breitung aufmeiien— in China auf je 10000 Einwohner im. Durch- schuitl erst 4 Apparate—. ist ja verständlich: daß aber z. B. in Schweden der Fernsprecher etwa zwölfmal so zahlreich zu siirdcn ist wie in Italien, zeugt in erster Linie von der'tlrmut der italienischen Bevölkerung. Wie gesagt, hat die Automotisiening der Telephonbaustrme» einen Ersatz für die eingetretene Verlangsamung der Verbreitung gebracht. Im letzten Vorkriegsjahr beiiefsn sich die automatisierten Anschlüsse in Deutschland nach Angaben der Reichspost auf 18 700, 1927 bereits auf 482000. Bon 1927 bis 1928 stieg ihr« Zahl um fast weitere 230 000, niünlich auf 711000. 1929 hat sich der Zuwachs etwas verlangsamt: Ende des Jahres waren von 1.9 Millionen HauptanschLüsie« 902 000 auf automatischen Belrieb umgestellt, d. h. fast 47 Proz. Zur Zeit dürft« bereits weit über die L ä l f t e oller deutschen Fcrnsprechanschlüsse automati- s i e r t sein. Nehmen wir eine jährliche Zunahme der automatischen Fcrnsprechanschlüsse um 200 000 bis 220 000 an, so würde in späte- stens 5 Iahren die Autonwtisierung in Deutschland abgeschlossen sein. Die llmstellung ist in Deutschland rascher vorwärt ge- gangen als in den meisten anderen Ländern. In den Vereinigten Staaten gab es z. B. End« 1929 innerhalb des oben erwähnten Telephonkonzerns 12,4 Fernsprechanschlüsse, wovon nur etwas mehr als ein Viertel(rund 4 Millionen) mitomatisiert waren. Zurzeit werden überall, in China, in Australien, in Osteuropa die Graß- stadifernsprechsysteine mif automatischen Betrieb umgestellt: um dies Geschäft hat sich zwischen den großen Telephonbausirmen Deutsch- lands, Großbritanniens, Schwedens und der Vereinigten Staaten ein scharfer Wettbewerb entwickelt. Angesichts des schnellen Teinpos, in dem dies« Entwicklung— verhältnismäßig unabhängig van der internationalen Wirtschaftskrise— betrieben wird, kann man über- ast den Zeitpunkt absehen, wo alle größeren Telephonnetze restlos umgestellt sein werden. Man darf wohl hiermit die Bemühungen der großen Schwachstromkonzerne in Verbindung bringen, den heutigen Fernsprechappamt mit Bildempfangs- oder Fernschreibe Vorrichtungen zu versehen. Wenig bekannt ist die Tatsache, daß zum automatischen Fern- sprechbetrieb erheblich größere Stroinmengen verbraucht werden als zum Handbetrieb. Hierüber machte an einer großen Fachzeitschrift vor einigen Monaten Dr. E. F e y c r a b c n d, Staatssekretär im Reichspostministerium, interessant« Mitteilungen. 1929 wurden in Deutschland für sämtliche Fsrnsprechanlagen etwa 11,3 Millionen Kilowattstunden verbraucht. Hiervon entfielen auf die automatischen Anlogen, die mir etwa die Hälft« der Gesamtzahl darstellten, nickst weniger als 10,2 Millionen Kilowattstunden. Man rechnet damit, daß der Strombedarf der Selbstansckstußanlagcn bis 1938 auf dos Dreifache des Betmgs von 1929 wächst. Beim Selbstanschluß wird mit 60-Volt-Spanimng gearbeitet gegen 20 Volt beim Handbetrieb. Zu den obenzenanrrten Ziffern kommt noch der Stromoer- brauch der B e rst ä r ke r ö m t e r, der sich 1929 auf etwa 5,2 Millionen Kilowattstunden bezifferte. Im vevgangenen Jahre wurden also für den deutschen F-rirsprechverkrhr immerhin sckfon 1.7 Millionen Wowattstünden verbrancht. Man ersieht aus diesen Zissem, wie auch i chwachsiro nuechms che Anlagen, wie der Fern- sprechbetrieb, durch seine Massenverbreitung insgesamt zu ganz an- sehnlichen Stromoerbrauchszi'sern führt. Eine Erklärunq finden diese hoch erscheinenden Zahlen, wenn wir ups vor Augen halten. daß 1929 in Deutschland fast 2.6 Milliarden Telephon- g c s p r ä ch« geführt worden sind. Reben der Elektroindustrie sind also mich die Elektriziiötswcrkc 'Rutznießer der Umstellung des Fernsprechwesens auf Selbst- anschluß. Die einzigen Leidtragenden sind die arbeitslos werden- den Beamten und Beamtinnen, die den Arbeitsnwrkt mit einer insgesamt nach Tausenden zählende« Ziffer belasten. 6 M t SgO Tragödie eines Yorbestraf ten Dr. Carl Dr. A.©., alias B e n t e g o, hat sich vor einigen Tagen das Leben genommen. Als ich ihn kennenlernte, verbüßte er eine längere Freiheitsstrafe mit einem philosophischen Gleichmut, der staunenswert war. Es schwebten auch noch inehrere Versahren gegen ihn, weil er in Hannooer als Assessor aufgetreten war und einige Menschen pekuniär geschädigt hotte. (Kine Entführung und eine Zluhthausrebolte. Aus mittleren Kreisen stammend hatte er ein vorzügliches Referendarexamcn bestanden und bereitete sich zum Assessor vor. Da verliebte sich der kleine schwarzhaarige, grazile Mann, wie man das ja häufig findet, in das gerade Gegenteil, eine roiblonde Rembrandt-Schönheit, deren Eltern ein sie gut nährendes Gemüse- geschäft betrieben. Es kam zur Entführung. Die junge Dame war gar nicht einmal mehr so jung, wenn ich mich recht erinnere, trennten sie nur noch wenige Monate von der Erreichung der Volljährigkeit. Dieser Vorfall liegt 10 bis 20 Jahre zurück. In Wien, wo Romeo und Julia die erste Station gemacht hatten, wurde Vcntego— damals hieß er noch anders— auf Antrag des empörten Daters verhastet. G. schwur tausend Eid«, daß er das schöne Mädchen, seine erste, wirkliche Liebe, in London hätte heiraten wollen. Man steckte Glücksmann sofort ins Zuchthaus, ihn, einen gänzlich unbestraften, jungen Juristen, wegen Entführung einer 19jähngen Minderjährigen. Cr behauptete, daß ein antisemitischer Richter an dieser rigorosen Härte schuld gewesen sei. Und damit war es um ihn geschehen. Zuchthaus war nämlich vor einem De- zennium noch etwas anderes als heute, wenigstens manche Jucht- Häuser, und er wurde in das strengste gesteckt, das es damals gab. Ich will hier nicht mehr davon sagen, sondern nur schildern. wie es weiter geht. Ein so starker, auch kühner Geist konnte nicht brach liegen. Er wurde in eine ganz gefährliche Zuchthaus- r e v o l t e verwickelt und ist wohl das unerkannt gebliebene geistige Haupt damals gewesen. Er spielte auch eine große Rolle in dem betreffenden Strafprozeß gegen die Empörer, der damals das größte öffentliche Interesse erregte. Schließlich hatte er doch seine Strafe abgebüßt und stand dann als Vorbestrafter, verstoßen von seinen Eltern, ganz mittellos, wieder im Freien. Er versuchte sich als Journalist, kam nicht weiter und sofort wieder aus die schiefe Ebene und aus den Strafen nicht mehr heraus. Ich glaube, er hat mindestens drei Viertel seines bewußten Lebens hinter Gefängnismauern zugebracht. Das Band, das ihn mit dem Leben verknüpfte, war die kameradschaftliche Liebe einer gebildeten Frau, die ich übrigens kennenlernte, und die ihm vor«fnrm� Hshr in�die.. Ewigkeit voranging: Vielleicht ist dieser Verlust des einzig«: Menschen, der an ihn je glaubte, der ihn liebte,.der..Hauptgrund seines frühen Todes gewesen.� Er mochte sich ihrer Treue erinnern, die ihm erhalt«: blieb, durch die gai�e bittere Gefängniszeit hindurch, an ihre zahllosen Briefe, Ilnterstützungen und Liebesbeweise, er mochte vielleicht erst nach ihrem Tode voll er- kennen, wie stark das Aequivalent an Glück durch die Zuneigung dieser Frau war, daß ihm die Vorsehung zum Ausgleich so viel dramatisch Schweren geschenkt hatte. Nach den Presseberichten konnte es den Anschein haben, als wenn Glllcksmanns Glanzpunkt jenes Hungerkünstler- c p i s ö d ch e n gewesen sei. Man hat gar nicht gewußt, wer er war. Ich weiß es besser und halle es für richtig, der Oeisentlichkeit nicht vorzuenthalten, was ich von ihm weiß. ABC. Glücksmann hat sich in den langen Jahren der Haft, aus der Basis seines St:ü)iums— er hat übrigens auch promoviert, aber das Recht, den Doktortitel zu führen war chm, so viel ich weih, entzogen— abgründig tiefe juristische Kenntnisse angeeignet. Als Buchbinder beschäftigt(im Zuchthaus), war ihm eine große .juristische Bibliothek zur Ausbesicrung übergeben worden, und jähre,- lang war dies die einzige Quelle seiner geistigen Nahrung. Später trieb er Sprachstudien, vor allem Esperanto. Er hat mehrere talentierte Theaterstücke geschrieben, hat sich als Dichter be- tätigt, und gar nicht einmal schlecht, fein geschlissene Satiren verfaßt und Kurzgeschichten aller Art geschneben. Ich habe fast alles das kritisch gelesen. Er ist jedenfalls der beste Germanist gewesen, der mir in meinem ganzen Leben direkt und indirekt begegnet ist. Sein Sprachgefühl war unbeirrbar, und sein Stil suchte seinesgleichen, wenn er vielleicht auch manchmal etwas überspitzt erschien. Doch alles wurde überstrahll von seiner juristischen Begabung. Es kam dann vorwiegend auf meine Anregung dazu, daß er als Niederschlag seiner eigenen Ersahrungen, unter dem Pseudonym Dr. F e l s a r t, das„A B C des Angeklagten" schrieb. Den pädagogisch-medizinischcn Anhang dazu verfaßte ich und war natürlich auch intensiv besonders bei psychologischen Fragen mit an der Zlbfassung des juristischen Teiles betätigt. Dieses Buch er- schien zunächst in einem kleinen Verlag, und kurze Zeit später war d i e S e n s a t i o n da. Nicht nur, daß der letzte Zlrtikel des ver- storbenen S l i n g, den man nachträglich ungedruckt in seinem Schreibtisch fand, eine Besprechung dieses„ABC des Angeklagten" war— und was für eine Besprechung—, sondern der Reichsaerichts- präsidem Dr. Simon ging in einem Leitartikel des„Berliner Tageblatts", Nr. 265, 1928, ganz ausführlich auf das„ABC des Angeklagten" ein, und sparte nicht mit wärmster Anerkennung. Nach dieser hervorragenden Kritik hoffte er— wir—, daß auch die materielle Basis für Glücksmann erwachsen werde zu künftigem, einigermaßen sorgenlosen: Leben und weiterem Schaffen. Doch es sollte anders kommen. Die Verbindung mit dem ersten Verlag wurde gelöst, der Absatz stockte. Rechtsstreitigkciten verzelicten Zeit, Nerven und die geringen Einkünfte. Ich habe wiederholt dann noch geholfen so gut ich konnte. Es fand sich ein zweiter Verlag. Bei der Güte und dem inneren Wert des„ABC des Angeklagten" gelang dies, selbst in den heutigen, für die Schriststellcr so ungünstigen Zellen. Glücksmanns Lebensschifs wurde wieder für eine Zeitlang flott, und ich hörte dann nichts mehr von il>m. sah ikm nur einmal, anscheinend in günstigen Lebensumstäitden, flüchtig wieder.- Und nun diesss plötzliche, trogische Ende. Gewiß ist unsere Zeit" viel humaner als die vor 20 Jahren, und dock,, das Los der Vor- bestraften, ist auch heute noch fürchterlich. Nicht nur das Schwert des Damatles, das über ihm hängt, wenn er rückfällig wird, doppelt hart bestraft zu werden, nein, denn dos wirkt ja abschreckend, sondern die nahezu vollständige Unmöglichkeit, trotz oft überragender Be- gobung, Leistungen und besten Willens, wieder in die Reihe der von ihrer Arbeit erträglich lebenden Menschen eingestellt zu werden, darin liegt die entsetzliche Tragik. Darum hielt ich es dach für wichtig, am Beispiel dieses unglücklichen Menschen aufzuzeigen, wie die Gesellschaft sich selber oft gründlich schädigt, indem sie Hoch- begabte zugrunde gehen läßt. Dr. iVraold Marx: Nachtrag zu einem Porträt In Bülows Denkwürdigkeiten ergreift wohl zum letztenmal«in Toizeuge das Wort zu der berüchtigten„D a i l y- T« l e g r a p h"° Affäre. Wie nicht anders zu erwarten war, bringt ober auch dieser unaufrichtige Mund kein« wirkliche Klärung. Bülow lügt wie immer— am infamsten verleumdet er hier den Staatssekretär des 'Auswärtigen S ch o e n, der das Manuskript gelesen und eigen- bändig paraphiert haben soll: dabei war Echoen in den entscheidenden Tagen(bis zum 7. Oktober) aus Urlaub! Selbst wenn also seine Krankheit am 30. Oktober wirklich nur.Diplomatisch" gewesen wäre, man könnt« es verstehen, daß er nicht eine Sack)« vertreten wollte, an der er vollkommen unschuldig war. Aber auch sonst lassen sich, nach dem unwiderleglichen Zeugnis der Akten des Auswärtigen Amts, Bülow mehrere handgreifliche Unwahrheiten nochweisen. 1. Er will dem Zluswärtigen Amt strikte Weisung gegeben haben, den Artikel„auf seine Wirkunz auf das sorgfältigste zu prüfen". Aber gerade das hat er n: cht getan. Die entscheidenden Worte„auf seine Wirkung" fehlen in seinem Schreiben. Und da ausdrücklich Befehl gegeben worden war, dos Auswärtige Amt nicht mit der Sache zu befassen, durste der stellvertretende Staatssekeekär annehmen, der Reichskanzler hätte die Wirkung selbst geprüft, und er solle nur die Einzelheiten des Interviews ans ihre sachliche Richtigkeit unter- suchen. 2. Blllaws Behauptung, der von den: vortragenden Rat K l e h m e t erstattete Bericht hätte dahin gelautet,„daß das Manuskript nichts Bedenkliches enthiclle", ist eine glatte Erfindung: es steht nichts in dem Bericht, was irgendwie so gedeutet werden könnte. 3. Bülow bezeichnet als eines der drei„Horrenda" des Interviews. daß der Kaiser über die russtfch-französische Aufforderung an Deutschland zu einer gemeinsamen Intervention während des Buren- lrieges spricht. Aber gerade in diesem Punkt hatte Kl« h meto Bericht eine A e n d e r u u g vorgeschlagen(der Kerser hqtte näm- lich sogar von einer damaligen Drohung, Deutschland werde England mit den Waffen gegen Rußland und Frankreich beistehen, gefaselt), dieser Vorschlag war von Bülow wörtlich an den Kaiser weiter- gegeben worden, er wußte demnach mindestens, daß von dieser Sache in dem Interview die Rede war. Wenn er also das Manuskript zuerst, a:n 2. Oktober, nicht gelesen hat, so hätte er es nach der Rück- sendung durch das Auswärtige Amt am 6. Oktober nochholen müssen — zumal Schoen verreist war und der stellvertretend« Unterstaats- fekretör S t e m r i ch nach Bülows eigenen Worten„erst kurz« Zeit im Amt. den Fall nicht genügend llbersehe-i tonnte" 4. 2ln diesem 6. Oktober lag das Interview ihm auch Zweifels- frei in Maschinenschrift vor, so daß die Ausrede, das Manu- jkript sei ganz unleserlich gewesen, nicht gelten kann— abgesehen davon, daß nach übereinstimmendem Zeugiiis aller anderen dos Manuskript schon aus England in deutlicher Malchinenschpist abge- sandt worden mar. 5. Bülow will mit der W o l f f s ch e n Depesche über das Interview vor eine vollendete Tatsache gestellt worden sein. In Wirklichkeit hatte der Presiechef Ha mm an n aus«ine diesbezüg- liche Anfrage von Wolfs oorgeschlagen, die Veröffentlichung zuzu- lassen, da die Sache dach nicht unterdrückt werden könne, aber aus- drücklich die Richtigkeit anzuzweifeln und die Verantwortung dem „Daily Telegraph" zu überlassen. Erst durch die trotzdem ohne Zu- satz erfolgt« Veröffentlichung erhielt das Interview den Charakter absoluter Authentizität. 6. Wenn Bülow sich zu dem Irrtum bekennen würde, daß er bis zu dem Sturm, der der Bcröffentlichimg folgte, der ganzen Älngs- legenheit keine Bedeutung beigemessen hätte, so würde man chn ohne weiteres entschuldigen. Aber mit seiner widerwärtigen Eitelkeit, die nie ein Unrecht zugeben kann, behauptet er, er habe den ihm damals vom Auswärtigen Amt in Norderney zugeteilten Gesandten von Müller„wiederholt auf die Wichtigkeit der Sache aujmerk- sam gemacht"-r was dieser strikt leugnet, doch sicher mit Recht; andernfalls hätte Bülow wohl die zehn Minuten gesunden, um das Manuskript selbst durchzusehen.� Zluf noch schwächeren Füßen steht die Behauptung, Müller habe ihm„mit Emphase versichert", das Manuskript gelesen zu haben. In einem Brief vom 8. Dezember 1908 hat nämlich Müller zu erklären versucht, wie es gekommen fei, daß er es nicht gelesen habe. Diesen Brief bedeckt Bülow mit verachtungsvollen Marginalien: aber er erwähnt hier nach nichts davon, daß Müller zwei Monate vorher das Gegenteil erklärt hätte. Offenbar ist also jene emphatische Versicherung eine noch spätere Erfindung Bülows. Die Fähigkeit, alle Fehscr den anderen aufzubürden, ist die einzige Kunst, die Bülow allerdings bis zur Virtuosität ausgebildet hat. In dem„Dolly Telegroph"-Kapitel der Äuschärtigcn Akten findet sich zum Schluß ein Brief von ihm un B e t h m a n n, datiert 28. November 1909, in dem er von„der(inzwischen errciehtenl Vor- scheuchung des Einkreisungsgespcnstes" spricht. Die beiden von Bülow eingeklammerten Wörtchen nehmen das ganze posthume Ver- leumdnngswerk der Denkwürdigkeiten vorweg. Roch am 3. Juni 1909, kurz vor seiner Entlassung, weist laut Protokoll einer wichtigen Besprechung.Der Herr Reichskanzler wiederholt auf die Gefahren der Situation hin. Die einzige schwarze Wolke lagere zurzeit über der Nordsee, ober sie sei gewitterschwcr". In der Abro Bülow wurde die Entente cordialc zwischen Frankreich und England geschlossen, kam das r u s s i s ch- e n g l i s ch e Abkommen zustand« wurden zu guter Letzt durch die bosnische Annexionskrise die russisch-österrcichischen Beziehungen unheilbor ver- giftet, jetzt hat sich der« n g l i s ch- d e u I s ch e Gegensatz durch Tirpig' Flottcnbau bis zur akuten Kriegsgefahr zugespitzt— aber Bülow hat„die Verscheuchung des Einkreisüngsgbfpenstes erreicht": an allem Unheil, was geschehen mag, trägt also nur die Unfähigkeit der Nachfolger schuld: das wird jetzt schon, Herbst 1909, Bcthmann schwarz auf weiß gegeben. Eine verblüffende Unverfrorenheit! So sah der„bedeutendste Staatsmann der wilhelminischen Epoche" aus. Serif» sendet Wünscbe an ftundtunb und Host Die Mehrzahl der Rundfunkhörer bevorzugt g e f ü l l i g e Musik als Unterhaltung. Diese stellt die geringsten Ansprüche an die Konzentrationsfähigkeit. Man empfindet sie als angenehmes Geräusch, bei dem nian sich gleichzeitig nach Neigung oder Not- wendigkcit irgendeiner anderen Beschäftigung hingeben kann. Diese Art, Musik zu genießen, ist keineswegs grundsätzlich zu verurteilen. Die Kurmusik, die Musik bei Tisch, auch die musikalische Unter- malung der stummen Filme entstanden aus der Erkenntnis, daß ein musikalisches Nebenher, das kaum zum Bewußtsein dringt, Wohl- behagen auslösen oder die Stimmung einem Zweck entsprechend beeinflussen kann. Die Radiounterhaltungsmusik ist nicht anders zu bewerten. Solange das Programm dieser Darbietungen sich auf anspruchslosen Wohlklang beschränkt, soll man dagegen nichts ein- wenden. Peinlich wird es erst, wenn sich die Grenzen verwischen und stärkster musikalischer Ausdruck den» Hörer als billige Stim- niungsmusik geboten wird. Eine Zeitlang gaben die Berliner Pro- gramme in dieser Hinsicht zu manchem Mißvergnügen Anlaß: all- mählich ist eine auffallende Besserung eingetreten. Das Pro- gram m der vergangenen Woche wies fast aus- nahmslos einwandfreie und geschmackvolle Zu- sammcnstellungen der Unterhaltungsniusik auf: höchstens könnte man der Kapelle Gebrüder Steiner einen kleinen Vorwurf deswegen machen, daß sie in ihrem Konzert am Mittwoch- nachmittag das titschig« Lied„Still wie die Nacht" in der Gesell- schast beachtenswerter Kompositionen brachte. Aber das war ein Mißgriff, der höchstens die untere, keiner, der die obere Grenze verletzte, die der Unterhaltungsmusik gezogen ist. Nicht aus eng- herziger Nörgelei ist dieser Verstoß hier erwähnt. Sicherlich würde man heute noch vielen Hörern ihren„Genuß" an den Radio- darbietungen rauben, wollte man alles sentimentale Schmalz aus der Unterhaltungsmusik verbannen. Doch reinliche Scheidung ist wichtig: man macht es dem musikalisch ungeschultcn Hörer sonst zu schwer, sein Musikverständnis zu entwickeln.— Leider fehlen gute Einführungen zu musikalischen Dar- bietungen noch immer im Berliner Funk pro- gram m. Allgemeinverständliche Darstellungen dieser Art sind sehr schwer zu geben. Aber es dürften sich bei einigem Bemühen doch Musikwissenschaftler sindcn lassen, die dazu imstande sind. Solche Einblicke in den Ausbau eines musikalischen Kunstwerkes würden in ihrer Bedeutung jür die Hörer weit über den Einzelfall hinaus- gehen, aus den sie sich beziehen. Sie könnten die Freude am bc- wußten Musikhören überhaupt wecken. Bietet man dann nach nach Möglichkeit qualitativ einheitlich« Programme, so entwickelt sich die i Konzentrationsfähigkeit ohn« weiteres: sobald der Hörer empfindet, daß ein Programm ihm persönlich etwas zu geben hat. wird er es von Werk zu Werk aufmerksamer verfolgen. Gewiß läßt sich der unmusikalische Hörer auf keine Weise in einen musikalischen verwandeln: doch soweit musikalische Anlagen vorhanden sind, können sie entwickelt werden. Man macht dem Rundfunk heute noch— nicht ganz zu Unrecht— den Vorwurf, daß er die musikalischen Meister- werke entwerte. Jede Sendcstelle jollje ihren Ehrgeiz darein setzen, Hörer zu erziehen, die sich nicht ihren Kasseeklatjch von Beethoven- Sinfonien und ihr Feierabcnd-Kartenspiel von Mozarts„Requiem" begleiten lassen.— In dieser Woche hätten für musikalische Er- läuterungen besonders fruchtbaren Boden geboten: das Oktett von Schubert, das Orchesterkonzert am Mittwoch- abend, aber auch die„Chansons der neuen Zeit" am Montag. Es wäre die wichtig st e und dankbarste Aufgabe, um allgemeines Verständnis für nicht allzu schwer verständliche Werte zu werben. Das gesprochene Wort zwingt den Hörer naturgemäß zu größerer Aufmerksamkeit als die musikalische Darbietung. Pro- gramme mit kurzen verschiedenartigen Vorträgen stellen an die Hörer die geringsten Anforderungen: daraus erklärt sich ihre Be- liebtheit. Das aus den Möglichkeiten des Rundfunks heraus- gewachsene Hörspiel lebt vorläusig erst in einigen, zum Teil recht schwächlich entwickelten Werken. Deshalb mußte man sich ein«r Uebertragung besonders freuen, die Berlin aus Le'ipzig übernahm.„Der Kampf u m d e n H i m m e l" von Arno S ch i r o- k a u e r war ein Gefüge von Hörszcnen, in denen tatsächlich aus jede optisch« Bildvorstellung verzichtet war. Geistige Vorstellungen sollten geweckt werden und an Gefühl und Verstand appellieren. Die Gefahr liegt nahe, daß aus solcher Voraussetzung ein Produkt überkultivicrrer Literaturphilosophie entsteht, das im günstigen Fall «inigen wenigen etwas zu sagen hat. Schirokauer bot mehr: fein Werk war keine geniale Dichtung, nur eine Diskussion von Pro- blemen, die dem Versasser wichtig schienen. Aber er fand dafür eine Forni, die die wesentlichen Dinge blitzhaft erleuchtet« und die in der Verbindung von Sachlichkeit und Stinnnungswerten einen eigenartigen und gelegentlich sehr wirkungsvollen künstlerischen Aus- druck darstellte. Dies« Hörszenen zeigten deutlich, daß eine von der optischen völlig losgelöste akustische Vorstellungswclt allgemein zugänglich gemacht werden kann: sie wiesen die Richtung, in der ein noch un- bearbeiteter Boden liegt, der sich für das Hörspiel fruchtbar machen läßt. Die Leipziger Aufführung bewies großes Verständnis für das Werk. Die Regie schuf ihm eine tönende Kulisse, die niemals aufdringlich mit Klang oder Geräusch das Wort überdeckte, sondern die nur dazu diente, die Bedeutung der Worte klarer herauszuheben. Einen recht bösen Mißgriff lzatte Verlin mit der von Robert S c i tz für den Rundfunk bearbeiteten„3 o b s i a d e" getan. Man glaubt« anscheinend damit eine volkstümliche Aufführung zu bieten, und bewies nur, daß mau von dem, was„volkstümlich" ist, eine höchst unzureichende Borstellung hat. Sonst gab es keine Entschuldi- gung für diesen verunglückten'Abend: irgendwelche künstlerischen Werte wies er nicht auf. Doch wurde für diese Ausführung ein Apparat in Bewegung gesetzt, der bei gutgläubigen Hörern die Vorstellung wecken mußte, daß es sich hier um ein bedeutendes, nur ihnen unverständliches Werk handele. So sehr es zu begrüßen ist, wenn die Funkfeuder auf der Suche nach neuen Werken und jungen Kräften auch vor Experimenten nicht zurück- scheuen, so sehr muß man dagegen protestieren, wenn die Beiträge der Hörer an offensichtlich wertloses Zeug verschwendet werden. „Die Beiträge der Hörer"— das ist ein Stichwort für einen Weihnachtswunsch. Der Preisabbau der Rundfunkgebühren, die in Deutschland höher sind als wohl in allen europäischen Staaten, ist ja vorläufig wohl noch nicht zu erwarten. Aber wäre es nicht wenigstens an der Zeit, den Arbeitslosen den Empfang der R u nd f u n kd a r b i e t u n g e n möglich zu machen, indem man ihnen die Gebühren erläßt? Manche graue Stunde ließe sich dadurch erhellen, manche müßige nützlich ausfüllen. Die Reichspost sollte sich schon im eigenen Interesse zu diesem Geschenk an die Erwerbslosen entschließen; sonst erzieht sie sich selber ihre Schwarzhörer, und die in Zeiten der Not dazu wurden, bleiben es leicht, auch wenn die Verhältnisse sich gebessert haben. Tes. j l&echfsfvaffen des Tages Pflichken des Lehrherrn. 'Nach einer rechtskräftigen Entscheidung des Land esarbeits- g e r i ch t s Berlin kann„ein Buchdruckerlehrling, der bei der Gesellenprüfung völlig versagt hat... von dem Lehrherrn Schadenersatz verlangen, wenn dieser ihm eine ganz Mangel- hast« Ausbildung hat zuteil werden lassen, ihn insbesondere zum Akzidenzdruck kaum hinzugezogen, weil er ihn beim Zeitungsdruck brauchte und ihn ferner wiederholt von d«r Berufsschule zurück- gehalten hat". Dies Urteil ist für viele Eltern von Bedeutung, die ih>r«n heranwachsenden Kindern eine bestimmte Berufsausbildung zuteil werden lassen wollen und dafür das ofi recht große Opfer auf sich nehmen, noch jahrelang für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Eltern wie Lehrlinge müsien nachdrücklich gegen den Mißbrauch geschützt werden, daß Meister die ihnen anvertrauten Zögling« als billige Arbeitskräfte benutzen, ohne für ihre sachgemäße Berufs- ausbildung Sorge zu tragen. Mangelhafte, vor allen: einseitige Unterweisung seitens des Lehrherrn ist leider gar nicht selten, da diese von einer routinierten Arbeit des Lehrlings in einem Spezial- zweig ihres Berufes(im vorliegenden Fall im Zeitungsdruck) größeren Vorteil haben. Bekanni ist ja auch, daß viele anerkannt tüchtige Lehrlinge sofort nach Ablegung der Gesellenprüfung brot- los werden, da die Meister es vorziehen, neu« Lehrlinge einzustellen, um den höheren Gesellenlohn zu sparen. Aus diesem Grunde werden auch oft Lehrlinge in Betrieben eingestellt, wo ihre allseitige Aus- bikdung gar nicht möglich ist. Mit Recht betont daher das Landes- arboisgericht:„War d«r Betrieb zur Lehrlingsausbilduiig ungeeignet, so hätte der Beklagte keine Lehrlinge annehmen dürfen." Doch hat in diesem speziellen Fall„der Lehrling di« HAfte des Schadens selbst zu trogen, da er durch Schwerfälligkeit und m a n g e l n d e n F l e i ß den Schaden mitoerschuldet hat". Einen derartigen Nachweis wird der Lehrherr bei Streitigkeiten innner zu führen suchen und der Lehrling kann sich schwer dagegen wehren. Es ist daher wichtig, daß sich die Eitern während der Lehrzeit öfter erkundigen, wie der Meister mit seinem Zögling zufrieden ist, um eine nachträgliche Herabsetzung unmöglich zu machen.— Davon abgesehen, ist die Entscheidung des Landesarboitsgerichts wichtig, weil sie dos grundsätzliche Recht des Lehrlings auf allseitige Berufsaus- bildung anerkennt und seststellt, daß er nicht dazu da ist, einfach eine andere Arbeitskraft zu ersetzen, wenn darunter di« sür ihn not- wendige Unterweisung und praktisch« Durchbildung leidet. Bloßer Verdacht kein Enllajsungsgrund. Eine andere rechtskräftige Entscheidung des Landcsarbcits- gerichts Berlin besagt, daß:„eine bisher völlig unbescholtene Buch- halterin, die in einem Strafverfckhrcn wegen Unterschlagung frei- gesprochen ist, nicht wegen eines bloßen Verdachtet fristlos entlassen werden kann: auch nicht wegen einer selbständigen Vorschußentnahme, zumal eine solche im Geschäft ein- gerissen war". Wohin sollte es auch führen, wenn ein Mensch, der das Unglück hat, in falschen Verdacht zu geraten, einfach von Heine auf morgen mittellos auf die Straße gefetzt werden dürfte. Wird doch auch jeder Beamte, der wegen eines gegen ihn schwebenden Ber- fahrens vom Dienst suspendiert war, ohne Beeinträchtigung wieder eingestellt, sobald er durch das Gerichtsurteil als schuldlos erklärt ist. Erfreulicherweise hat das Landesarbeitsgericht der Buchhalterin auch aus ihrer selbständigen Vorschußentnahme keinen Strick gedreht. In kleinen Betrieben, wo zwischen Inhaber und dem nicht zahlreichen Personal ein gewisses Bertrauensverhällnis besteht, ist das manchmal gang und gäbe und wird einfach verbucht. Trotzdem kann man einem Angestellten nicht genug davon abraten, denn der Nach- weis, daß es Brauch sei und er im guten Glauben gehandelt habe, ist von vielen Unwägbarkeiten abhängig. Es ist Glückssache, ob er eindeutig genug geführt werden kann, nur sür das Gericht maßgebend zu sein.— Im vorliegenden Fall sprach das Gericht der Buchhalterin nicht nur ihr volles Gehalt für die Küudigungszeit zu, sondern auch eine Gewinnbeteiligung, die ihr unter der Voraussetzung zugesagt war, daß sie bis Jahresende bei der Finna tätig sei. Sie hatte zwar die Arbeitsstelle schon früher verlasien, doch lief ihre Kündigungsfrist bis dorthin, und das Landesarbdlisgericht brachte mit diesem Entscheid unzweideutig zur Geltung, daß die Firma es sich selbst zuzuschreiben habe, wenn ihr die Tätigkeit ihrer Angestellten nicht zugute kam. . Dia hier»enannim llölla sind dam im Verlag Georg Etilka erscheinen- den.Mittcilungablatt". herausgegeben von Landgerick>tsdire!tor E. N u b c n und Landgerichtsrat Dr. K. Seil, beide Vorsihende beim Landgericht Berlin. entnommen. eBuch Dicente Blasco Zbanez: Die Ateno.*) Wenn nicht alles trügt. verliert der Stierkampf, diese grausige Erinnerung an blutige Ur- instinkte der�lltenschheit, auch in Spanien langsam an Boden. Aber als Jbanez, der Zola Spaniens, seinen Roman schrieb, war er noch das Symbol des Landes. Indem er mit der Meisterschaft realistischer Darstellung auf der Grundlage dokumentarischer Studien den Stierkampf in den Mittelpunkt rückte, konnte er zugleich ein Bild ganz Spaniens geben. Mehr oder weniger waren die Jnteresicn vieler Bevölkerungsschichten mit dem nationalen Kampfsport ver- knüpft. Durch ihn wurden fast alle Boltstreise aufgepeitscht— von der Aristokratie, die die Stier« züchtete, bis zum Bettler, der seinen letzten Groschen opferte, um sich als Herr in der Arena zu fühlen. Die Geschichte eines berühmten Toreros gibt Anlaß, restlos alles in den Ronran«inzubezlehen. was mit dem Stierkampf zusammen- hängt. Der Held der Arena ist zugleich der Sklave seiner Popu- larität: sie schreibt Ihm seine große Liaison und schließlich sein tragisches Ende vor. Rücksichtslos enthAlt Äanez die Hintergründe des Scheinglanzes, der von den Interessen diktiert wird: indem er menschliche Sympathien für seinen Gallardo wirbt, zeigt er die ganze Roheit und Nichtigkeit dieser Karriere. Das Schlußwort ist zugleich sein vernichtendes Verdikt: ,Ln der Arena brüllte die Bestie, die wahre, die einzige"(das Publikum, das nach dem Tod des vergötterten Lieblings alsbald neue Sensationen fordert). Die Gutenberg-Gilde hat sich ein Verdienst erworben, als es *) Büchergilde Gutenlberg, Berlin. ! dieses klassische Werk des Nobelpreisträgers, das 1910 im„Vor- wärts" erschien, in der bei ihr gewohnten guten Ausstattung neu herausgab. I«. Ii. Döscher. drenc flemironfky:©arid Qolder Das Buch dieser jungen Russin erschien zuerst in Paris und «rregte Aufsehen. Ohne Frage: gut geschrieben, wie nicht 3 oft bei einem Frauenbuch, spannend und bei allem, was noch de rüber zu sagen sein wird, gekonnt. Gekonnt nämlich, wenn die Nemi- rowsty Situationen sieht und sie klar und fast atemlos schildert, da weht schon der Hauch eines Dichters hindurch. Konstruiert leider manchmal die Psychologie der Personen, es ergeben sich Dinge in diesem realistischen Buch, die in dieser Art, wie sie die Remirowsky darstellt, nie geschehen sein können. Da gibt es z. B. eine Geschäfts- Verhandlung zwischen Sowjetleuten und dem Finanzmann Golder, die an Unwahrschelnlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Es wird viel Pappe geredet, und alles paßt besser in einen Kriminal- film von Harry Piel. Dieses Buch spielt in solchen jüdischen Kreise,:, die keineswegs so sehr zahlreich sind, und zeigt daher also anstatt eines Querschnitts den zufälligen Einzelfall David Golder. Zllle Frauen sind hier Puten, größenwahnsinnig, brillantsüchtig und oberflächlich. Will sich mal eine ein Herz fassen, so geht das nicht... weil sie keins besitzt: aber dafür sind sie alle sehr kapitalkräftig. Großartig jedoch, wenn Golder, der Raffke, zusammenbricht, mensch- lich gesehen und menschlich dargestellt. Der Tod Golders ist schon ein... Massentod— der Tod aller derer, deren verpatztes Leben in der letzten Lebenssekunde kaleidoskopartig und fast unbewußt vorbeizieht, und der zu Dutzenden täglich gestorben wird. Der Tod, der die Klarheit von der vorangegangenen Sinnlosigkeit eines Daseins bringt... und der darum fast in Güte„ausartet". Axel Ar beus. WAS DER TAG BRINGT Wochenragout Die Zeitung„Der Nationalsozialist" in Weimar empfiehlt ihren Lesern zum Weihnachtssest«„Spitzen mit Haken- kreuzreflex, rote Kugeln mit Hakenkreuz auf silbernen: Grunde und h«Mutende Glocken mit Aufschrist„Heil Hitler!"— mit solchen Jnsignien werde man ein rechtes deutschinniges Weihnachten feiern — Wenns nicht so jüdisch klänge, würde man sagen: famoser Christbaumschmock...— Frau von Opel unterhäll einen Rennskall und hat jetzt ihren Pferden Namen aus der Autobranche gegeben: es gibt einen Hengst Anlasser, eine Stute Fehlzündung(hoffentlich gibt's kein«!), eine Luftklappe(aber, Frau von Opel!), einen Vergaser(nochmaliges Aber!) und eine Isolierung.— Es ist zu wünschen, daß sich nicht etwa auch ein Käsefabrikant einen Rcnnstall zulegt. Sonst haben wir demnächst auf dem deutschen Turf einen Edamer, einen Harzer, einen Emmentaler ohne Rind«. Bemerkenswert wäre dann nur eins: je älter sie wären, desto besser würden sie laufen...— Die Prohibitionsbchörden Amerikas haben«in neues Mittel gc- funden, um den beschlagnahmten Alkohol ungenießbar zu machen. Es schmeckt nach einer Mischung von Benzin und Chloroform und hat den Dorteil, ungiftig zu sein.— Der heimlich bezogene Schnaps schmeckt, so sagen die„Nassen", genau so und hat jenen Vorteil nicht... Apropos Alkohol: Eine süddeutsch« Brauerei ließ kürzlich eine große Menge unbrauchbar gewordenen Bieres in den Dorsteich lausen: die Karpfen, die darin lebten, wurden dadurch so berauscht, daß sie regelrecht im Wasser umhertaumelten.— Es gab also„Karpfen blau!"— In London wurden kürzlich in einem Konzert ausschließlich Musikstücke vorgetragen, die von den verschiedenen Frauen des eng- tischen Blaubartkönigs Heinrich VIII. komponiert waren. Heinrich VIII. ließ sich bekanntlich von all seinen Frauen scheiden und trachtete einigen sogar mit mehr oder weniger Erfolg nach dem Leben. Musikkenner, welche sich die Kompositionen anhörten, er- tlärten, ihnen sei das nun oerständlich...— In der französischen Kammer soll fortan die Ab- stimmling durch elektrische Apparat« erfolgen, die sich am Platze jedes Parlomerrtsmitgliedes befinden: jeder Abgeordnete soll dann den zu seinem Apparat passenden Schlüssel erholte«.— Die Frauen minniuinii der verheirateten Deputierten sollen von Parlaments wegen gebeten werden, ihren Männern diesen Schlüssel zu lassen.— Auch in Frankreichs Privatwohnungen gibt's eine Neuerung: das sind Tischtücher, auf denen Landkarten gedruckt sind.— Als Briand kürzlich bei Poincars zu Gast war, bat er höflich lächelnd: „Bitte, Herr Poincore, reichen Sie mir doch Zündholz und Reib- fläche— sie liegen im Saargebiet.. Der falsch kopierte Götz Kürzlich haben politische Gegner den finnischen Expräsidenten Stahlberg entführt— man las das ja. Frau Stahlberg wurde gleich mitentführt— ob das als besonderes Entgegenkommen oder als besondere Niedertracht gedacht war, ob man dem Gatten das Exil dadurch genußreicher gestalten oder eine genußreiche Aus- wertung im Gegenteil verhindern wollte— das ist schwer festzustellen. Jedenfalls aber kam Herr Stahlberg ganz am Ende seines Aben- teuers doch noch zu einem Abenteuer, gewissermaßen außerehelichen — noch ehe seine Angetraute das inhibieren konnte: und noch dazu konnte der Dam«, die die Ursache war, der Bor- wurf allzu freundschaftlicher Gesinnung gegen den Expräsidenten nicht gemacht werden: ganz im Gegenteil! Nämlich sie, sünfund- zwanzig Jahre alt, auffallend hübsch und sehr gut gewachsen, rasfi- niert angezogen und von flinkem Geist— sie bekümmerte sich um Politik, und sie gehörte zu Stahlbergs erbittertsten Gegnerinnen. Sie konnte sich's auch nicht versagen, dem Präsidenten, als er wieder auf dem Bahnhof von Helsingfors ankam, ihre Mißachtung möglichst deutlich zum Ausdruck zu bringen. Möglichst deutlich— nun, auch eine finnische Dame kennt ihren Goethe, kennt seinen Götz. Und sie eiferte ihm nach: machte in der vordersten Reihe oes Spaliers jubelnder Menschen stehend, plötzlich, als Herr Stahlberg und Frau an ihr vorbeikamen, eine Kehrtwendung, bückt« sich— und hatte sich gewaltig verrechnet. Denn Götz von Berlichingen, nicht wahr, war alt, derb, dick. Diese Dame aber, wie gesagt, war in allem das Gegenteil. Und so ist es verständlich, daß Stahlberg, als ihr Vater aufgeregt zu ihm kam und fein« Verzeihung erbat, dem resoluten Töchterlein die Bitte ausrichten ließ, sich dieses De- monstrationsmittels ihm gegenüber so oft wie möglich zu bedienen.,. Ueber Frau Stahlbergs Stellungnahm« hingegen wurde nichts bekannt: Moral: Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe: und wenn zwei dasselbe sehen, auch nicht... Arbeiter-Rasenspiele Bezirksmeisterschaften im Fußball 2Im gestrigen Sonntag fanden im ersten sowie im zweiten Bezirk die Endspiele um die Fußballbezirksmeisterschaft statt. In Pankow standen sich a r o w und Neucnhagen gegenüber. Die Karower hatten von Ansang an das Spiel fest in der Hand. Schon in der zwölften Rund« gelang es ihnen, durch eine gute Kombination zwischen Mittelstürmer, Mittelläufer und Halblinks durch den letzteren das erste Tor zu schießen. Einige Vor- stoße der Neuenhagener scheiterten an der sehr ballsicheren Berteidi- gung Karows. Die Berliner Mannschaft hatte mehr Glück. In der 35. Minute war es den Mittelstürmern vergönnt, den zweiten Erfolg zu buchen. Nach der'Pause versuchte Neuenhagen das Resultat zu verbessern, aber ahne Erfolg. Karow vermochte noch drei wettere Tore durch Halblinks und den Mittelstürmer zu erringen. Den Neuenhagenenr war ein Ehrentor zu gönnen. Karow ist somit Meister des zweiten Bezirks. In Lichtenberg standen sich Minerva 28 und Lichten- b e r g I im Entscheidungsspiel gegenüber. Bekanntlich mußte ein drittes Tressen angesetzt werden, da beide Mannschaf.c» punkigleich standen. Hatten in den ersten Spielen die Neuköllner durch ihre gute Technik den Beweis gebracht, daß sie den Titel als Bezirks- meister nicht zu Unrecht führten, so gab das gestrig« Spiel ein voll- kommen anderes Bild. Beide Mannschaften spietten vom Anpfiff an nur auf Sieg. Wenige Minuten nach dem Anfang konnte Neukölln durch einen Eckball, der direkt verwandelt wm-de, in Führung gehen. Minerva machte nun den Laden dicht. Vereinzelte Vorstöße waren Minervas ganze Kunst. Die Lichtenberger machten hier den größten Fehler in ihrem ganzen Spiel. Anstalt das Feld auseinanderzu- ziehen, ballte sich die ganze Mannschaft vor dem Tor Minervas zusammen. Trotzdem sollte den Lichtenbergern noch ein Tor bcschiedcn sein. Schnell lies Linksaußen mit dem Ball vor, fein« zur Mitte gegebene Flanke konnte der nach iimeu gelaufene Rechtsaußen unhaltbar einsenden. Dieser Erfolg wurde jedoch vom Schiedsrichter, angeblich wegen Abseits, nicht gewertet. Ein schneller Vorstoß Mi- ncrvas wurde durch Hand des rechten Verteidigers innerhalb des Strafraumes unterbunden. Der darauf gegeben« 11-Met«r konnte von Minerva mühelos zum zweiten Tor verwandelt werden. War bis dahin noch von einigen Vorstößen Minervas etwas zu sehen, so verließen sie sich jetzt voll und ganz auf die Verteidigung des eigenen Tores. Nach der Pause dasselbe Bild. Lichtenberg grijs an, Mi- nerva verteidigte. Kam der Ball noch einmal zu Lichienbergs Spiel- Hälfte, so war immer nur ein Spieler der Neuköllner im Sturm. Lichtenbergs Hintermannschaft hatte dadurch ein leichtes Spiel. Schuß auf Schuß kam auf Minervas Tor, ohne jedoch den Weg ins Netz zu finden. Erst 10 Minuten vor Schluß gelang es den Lichten- bergern, wenigstens ein Tor einzubringen. Resultat: 1: 2. Weitere Ergebnisse: Herzfelde gegen FTGB.-Neukölln 0:1(0:3). Lichtenberg II gegen Weißensee 1:8. Schöneberg gegen Sokol 8:1. Schöneberg II gegen Wacker 30 1:7. Karow 2 gegen Pankow 2 2:3. �uvuLhoMb Die Spiele von öcsicrn Die 1. Männermannlschasten von FTGB-Weddmg und FTGP.- Nordring zeigten am Anfang ein offenes Spiel. Wedding hait- im Sturm eine etwas enge Spielweise und konnte dadurch von der Verteidigung Nordrings oft gestört werden. Trotzdem wurde es aber noch ein 7:1- Resultat(4: 0). Das Ehrentor holte sich Nord- ring erst kurz vor Schluß.— FTGB.-Norden 1, 2. Männermannschaft und FTGB.-Mitte 1. Männermannschaft trennten sich unent- schieden 1:1.— FTGB.-Norden 3, 1. Männermannschaft gewann gegen Freie Sportvereinigung Tellow 2. Männermannschaft mit 9:2(6:0). Der Norden-Sturm spielte sehr zerfahren. Teltow 1. Männermannschaft hatte Freie Schwimmer Charlvttenburg 1 Männermannschast als Gegner und gewann hoch mit 10: 3(4: 0). Das Resultat ist aber nicht das Zeichen großer Ueberlegenheit. Eine etwas bessere Technik hatte wohl Teltow durch gutes Zusammen- arbeiten der Stürmerreihe. Gut war auch die Hintermannschaft, die schnelle Abwehrarbeit leistete. Charlottenburg zeigte trotz eines fehlenden Stürmers einen angriffsfreudigen Sturm, der sich aber durch die Eigensinnigkeit einiger Spieler nicht entfalten konnte. Nicht gefallen konnte Charlottenburgs Torwächter, der sehr schwerfällig war. Einige Tore hätten bei besserer Abwehrarbeit vermieden werden können. Das Nowaweser Reichsbanner(1. Männer) mußte von der Freien Turnerschaft Zehlendorf(1. Männer) sogar eine Niederlag« von 10: 0(7:0) hinnehmen Hier waren die Zehlen- dorser völlig überlegen, sie spietten zun, Schluß nur noch Katze und Maus Beim Reichsbanner war de- Mittelläufer und der Innen- stürm gut. Ein Ausfall war Rechtsaußen, der die meisten Bälle bekam, aber keine Fangsicherheit befaß. Leicht konnte da Zehlendorf abwehren. Blocke� Im Kampf um die Führung in der Gruppe A der Herbstserie ist die Entscheidung zugunsten Ost rings gefallen: Sie konnten ihrem Konkurrenten FTGB. Nordring mit 1: 0 das Nachsehen geben und stehen nun mit 2 Punkten Vorsprung an der Spitze. Dem Mannschaftsstand entsprechend stand das(spiel qualitativ auf hoher Stufe. Es war sehr schnell, die Stacksicherheit gut, aber wie es beim Kampf um die Punkte gewöhnlich ist, waren der Spielaufbau und die Technik dem Kampf um den Ball unterlegen. Bis zum Seitenwechsel ein verteiltes Spiel, in dem Nordring etwas mehr im Angriff lag. Ihren Vorstößen blieb der Erfolg versagt, und sie scheiterten an der aufmerksamen und sicheren Berteidigung Ostrings. 0:0ging es in die Pause. Bald nach dem Wechsel kam Ostring als Folge einer Strafecke durch einen schönen Rückenhandschuß zum Torerfolg. Ostrings An- griffe wurden jetzt geschlossener, brachten aber trotz vieler Gelegen- Helten keinen weiteren Erfolg. Nach nunmehr verteiltem Feldspiel, wobei beide an der Verbesserung des Resultates arbeiteten, endete das Spiel mit dem knappesten aller Siege 1;0. Im Serienfpiel FTGB. Pankow— Mariendorf kam es dank einschneidender Mannschaftsumstellung der Pankower zu einem 3:1- Sieg für Pankow. Mariendorf war gezwungen, einige Spieler zu ersetzen, was den Ausschlag gab. Alle Umstellungen ver- halfen ihnen nicht zum erwarteten Erfolg, so daß sie, bis zum Schlußpfiff verzweifelnd kämpfend, dem Tabellenletzten beide Punkte überlassen mußten. In den B ö r s e n s p i e l e n zwischen führenden Mannschaften der Gruppe IZ und solchen der Gruppe A mußten sich beide A-Mann- schaften schlagen lassen. FTGB Nordring 2 gewann gegen Sport- verein Moabit 5: 4, nachdem erster« bereits mit dem hohen Resuttat van 5:2 auf kurze Zeit auf und davon gezogen waren. Aber dank größerer Spielerfahrung und besserem Zusammenspiel hotten die Moabtter nach zwei weitere Tore auf, um gegen Schluß immer überlegener zu werden. Zum Ausgleich fehlle es aber an der Zeit. Im anderen Spiel zwischen Tennis Rot 1 und Ostring 2 gewannen letztere 2: 1 nach einem schönen und interessanten Spiel. Auch hier war die A-Maimschaft wohl etwas im Bortell, ohne das aber im Resuttat erkennen zu lassen. FTGB.-Osten 1 konnte ihr erstes Mann- schaftstreffen mit Tennis Rat 3 zu einem imposanten 5:3-Sieg gestallen, wobei zu bemerken ist, daß die Anfangsleistung der neu- geschaffenen Mannschaft Ostens zu großen Hoffnungen berechtigt. Wintcr-Tcimis Die Premiere in der Brandenburgischen Sirafjc Nachdem die neue Berliner Tennishalle in der Brandenburgischen Straße zu Wilmersdorf ihrer Bestimmung über- geben worden war, fanden am Sonnabendnachmittag bei leider nur schwachem Besuch die ersten sportlichen Wettkämpfe statt. Der sporlliche Höhepunkt der Sonnabend- Abend- kämpfe war das Zusammentreffen der Spitzenspieler van Deutsch- land und Italien, D. P r e n n und H. L. d e M o r p u r g o. In einem ungewöhnlich heftigen und überaus fesselnden Gefecht behielt Prenn schließlich mit 6:3, 6:4 die Oberhand. In einem Herren- deppelspiel siegten Dr. H. K l e i n s ch r o t h- v. K e h r l i n g mit 6:4, 7:5 über das österreichische Davispokalpaar Artens- M a t e j k a, denen man deutlich anmerkte, daß sie nur wenig Training hinter sich hatten. Ein Gemischtes Doppelspiel sah Fräulein K r a h w i N k e l- F r e u z mtt 6:1, 6:3 über Frau Neppach- Graf L. Salm erfolgreich und ein weiteres Herreneinzelfpiel gewann Wolfs gegen Zander nach beiderseits ansprechenden Leistungen mit 6:2, 6:4. Am Sonntagnachmittag hatten sich wiederum nur einige hundert Zuschauer eingefunden, was nicht zuletzt auf die reichlich hoch bemessenen Eintrittspreise zurückzuführen sein dürfte. Die Einleitung des Nachmittags besorgten Fräulein Krahwinkel und Fräulein K a l l m e y e r. Die westdeutsche Spitzenspielerin K., die am Vortage schon Frau v. Reznicek bezwungen hatte, kam hier zu einem neuen Erfolge, sie gewann leicht mit 6:2, 6:3. Im nach- folgenden Herrendoppelspiel erkämpften sich Eichner-Zander eine» wohlverdienten Sieg von 2:6, 6:3, 7:5 über die Oesterreicher Artens-Matejka. Von den beiden Berlinern, die als unser hofsnungsvollstes Doppelpaar zu gelten haben, war Eichuer der bessere, dach paßte sich Zander schnell seinem Partner an. Das Einzel- spiel zwischen de Morpurgo und Frenz endete mit dem er- warteten Siege des Italieners von 6:1, 8:10, 6:0. Das den Nach- mittag beschließende Gemischte Doppelspiel sah Fräulein Kray- winkcl-Prenn mit 6:3, 6:2 als leichte Sieger über die deutsch- österreichische Kombination Frau v Rcznicek-Artens. Die beste des Quartetts war Fraulein Krahwinkel. Bon den letzten Spielen interessierte vornehmlich die Begegnung zwischen Prenn und M a t e j k a. die der Berliner dank seiner besseren Kondition 4:6, 6:0, 6:2 zu seinen Gunsten entschied. Frau v. Reznicek kam durch ihr tattisch klügeres Spiel zu einem leiten 6:2,-6:3-Erfolge über Frau Neppach, während im Herrendoppelspiel das deutsch-italienische Paar Fr«nz-de Morpurgo mtt 6:1, 8:6 über die Wiener A r t e n s- G r a f S o l m triumphierte. Als nächste größere Deranstallung folgt nunmehr am 10. und 11. Januar der Klubwettstreit zwischen dem Hallentennisklub Berlin und dem Club Internationale de France, Paris. Kleiner Sport von überall Lebenslänglich disqnalisizlert. Gelegentlich des Verbandsspieles zwischen den Niederlausitzer bürgerlichen Vereinen Cottbus 98 und SV. Hoyerswerda auf den, Platz der Erstgenannten war es zu schweren Aussckreiwncien der Cottbuser Spieler und Zuschauer gegen den Schiedsrichter Siebert-Forft gekommen. Der Vorstand des Bezirks Niederlausitz sin lüdostdeutschen Fußball-Verband hat sich eingehend mit der Angelegenheit befckxiftigt und über die Schuldigen exemplarische Strafen verhängt. Der Spieler Leutert von Cottbus 98 wurde auf Lebenszeit disguatifiziert. Von seinen Klubkamevaden schloß man Behl« aus zwei Jahre, Bulian auf sechs Monate und Rex auf acht Wochen aus. Außerdem wurden der Platz des Fußball- Vereins Cottbus 98 bis zum 31. Januar 1931 gesperrt, die Platz- kommission mtt 100 M. in Strafe genommen und die übrige Mann- schalt des Cottbuser Vereins erhielt einen verschärften Verweis und 50 M. Geldstrafe, weil sie dem Schiedsrichter keinen Schutz gewährt hatte. Deutsche Skimeislerschast 1931. Die Vorbereitungen für die vom 6—9. Februar in L«uscha-Ernstthal stattfindenden Wettkämpfe um die Deutsche Skimeisterschaft 1931 sind nahezu beendet. Am 6. Fe- bruar wird der 18-Kllometer-Langlaus, am 7. Februar der Staffel- lauf, am 8. Februar der Sprunglaus und am 9. Februar der JO-Kilo- meter-Dauerlauf ausgetragen. Außerdem haben die Springer ,zum Training die Marktieqelschanze bei Lauscha zur Verfügung, die ein neues Profil erhalten hat. Professional-Fußball In Oesterreich bleibt. Verschiedentlich ist die Meldung durch die Presse gegangen, nach der der Oesterreichische Fußball-Verband sich zum Abbau des Berufsspielertums entschlossen habe, um ähnlich wie in Italien fortan keine Unterschiede mehr zwischen Berussspielern und Amateuren zu machen. Es wurde dabei ausgeführt, daß die katastrophale finanzielle Lage der Vereine und auch des Verbandes einen kategorischen Abbau der hohen Spesen, mit denen das Berufsspielerturn nun einmal verknüpft ist, bedinge. Wie der Geueraliekretär des Oesterreichischen Verbandes, Hugo Meist, erklärt, habe er Pressevertretern gegeniiber wohl die Schwierig- leiten, mit denen die Vereine zu kämpfen hätten, erwähnt. Ein- schneidende Aenderungen im Spielbetrieb seien jedoch nicht geplant. iinabhängia davon ist allerdings von einigen Vereinen ein Abbau der finanziellen Lasten in Erwägung gezogen worden. Eine Ougendherbergs-Zchallplalte. Im Zusammenwirken mit der„Vereinigung zur Pflege deutscher Kunst" hat der Gau Mark Brandenburg im Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen eine Schallplatte hergestellt, die zwei Chöre der Märkischen Singschar, und zwar die Lieder„Ich fahr' in die Welt" und„An einem Sommer- morgen, da nimm den Wanderstab" sowie Worte über Jugend- Herbergen enthält, die von Stadtrat Schneider versaßt und von Dr. Michaelis gesprochen sind. Die Schallplatte ist von der Geschäftsstelle des Gaues, Berlin N. 24, Friedrichstraße 110/12, zu beziehen. Die Deutsche Hennsahrer-■Bereinigung(Borufssportgau im Bund Deutscher Radfahrer) hält am 27. Januar in Berlin ihre Jahres- Hauptversammlung ab. Indische ttadceyspieler unterlegen Nach ihrer durch Harvestehude mit 3:4 erlittenen Niederlage zogen die indischen Hockeyspieler der„Barsity Slsiatics" auch am Sonntag gegen Uhlenhorst, dem Veranstalter des Deuischlandgastspiels mit 3: 2 den Kürzeren. Allerdings muß gesagt werden, daß die Exoten auch diesmal wieder ausgezeichnetes Können bewiesen. Sie beherrschten die Situation bis zur Pause völlig und nur die ausgezeichneten Leistungen der Hamburger Deckungsreihe verhinderte es, daß die Inder mehr als zwei Torerfolge erzielten, denen Hamburg nur eines entgegensetzen konnte. Nach dem Seiten- Wechsel kam Uhlenhorst etwas auf, Helbing erzielte den Ausgleich und aus einem Gedränge siel später durch Heuser der siegbringe, che Treffer. Zu Weihnachten gastieren die Inder in Berlin. Sie tragen hier zwei Wettspiele gegen den Sportverein und den Berliner Sportclub aus. Weihnachten bei den Arbeiter-Artisten Wie alljährlich, so veranstaltet der Artistenverein„Einigkeit" E. V. Neukölln, M. d. AABD,, am 1. Weihnachtsfeiertag, 16 Uhr, in der„Neuen Wett", Hasenheide 108— 114, eine große Fest-Variete- Vorstellung. Bekannt durch seine guten Programme, wird auch dies- mal der Verein gutes, reichhaltiges und vollständig Neues bringe». Nach der Vorstellung Tanz. Karten im Vorverkauf a 1 M im „Eigenheim" Neukölln, Kirchhofstraße 41, und an den bekannten Stellen.__ Krollgarten als Eisbahn Der große, dem preußischen Staat gehörende Krollgarten am Platz der Republik, der allgemein als einer der schönsten Gärten Europas bezeichnet wird und in dem im Sommer etwa 300 bis 400 Personen täglich dem Tanz im Freien huldigen können, wird jetzt zu einer Rieseneisbah» umgestaltet. Der Boden ist bereits abgedichtet. Der ganze Garten wird von etwa 30 großen Tannen wirkungsvoll umrahmt und in der Mitte eine Riesentanne aufgestellt, die am Weihnachtsabend und den Feiertagen im Kerzenglanze er- strahlen wird. Auf den Terrassen sollen Koksöfen aufgestellt werden, an denen sich Zuschauer und Schlittschuhläufer erwärmen können. Bei Eintritt des Frostes wird die Bahn eröffnet werden. FTSv., Lichtcniera- 1. ssclirtag. 19 tthr, Weihnachtzfeicr, cctonctlfl gcst- fäle, Lichtenberz. Sonafirtvoftt, oir Soiinl*), 6ttatou-9lummcIstiurn.— fflcji't Weftca: Heutc, 2llZz Uhr, bei A. Riilcrt, Steinmetzlw. 3«, Brzirksfuitttuniär- Auma. Freie Faltbooyahrrr Berti». Wcilinachtsfabrtrn: MittwoÄ. 24. Dezember, nach Sehmsdorf, Erzacbirge. Abfahrt 24 Uhr Anhaltcr Bahnhof. Mhrcr: Tummefchrit. Donners'ag, SB. Dcacmbtt: M-lchow— Siiidnitz. Abfahrt 7.17 Uhr Bahnhof©efunbbtumien. ssllhrrr: Zunftbllith. grrienmaldc— Wrir�n. Ab- fahrt 9.12 Uhr Bahnhof Desnnbbrunncn. Führer: Scnni«. Sonntaa, ZN. Dr- ,emb«r: Niinigzwusterhausen— Nlein-NSris. Abfahrt SM Uhr Görlitzrr Bahnhof, 8.18 Uhr zti-herschSnrweidc. githrer: Grau. Gälte willkommen. grri« Schwimmer Groh-Bcrlin, e. B. Weihnachtsfeier» drr Sruvprn finden statt: Neukvlln: 3. IZeiertag, 16 Uhr, für ftiubcc; 20 Uhr für alle anderen, Stabe» grstsiile, gichtrstr. 29.— Lichtenberg: 1. Feiertag. 17 Uhr, bei Wiehe, ssriedrichoselde,»irche.— griedrichzhain: 1. geiertag, 17 Uhr, Keller» liest- sälr, Äovvenstrahe.— Siemensstadt: 2. sseiertag. 18 Uhr, bei Cammer, Nonnen- dammallee,— Köpenick: Z. sseiertag, 19 Uhr, Sportrestaurant Eiche, Köpenick, Sartrnstraßr. Die Eiskunstlaufmeister Die im vergangenen Winter ausgefallenen Berliner Meisterschaften im Eiskunstlauf wurden am Sonntag iin Sportpalast nachgeholl. Wenn man berücksichtigt, daß die Be- werber bisher noch nicht allzuviel Zeit zum Training hatten, so muß man die gebotenen Leistungen als recht gut bezeichnen. Bei den Damen erhiell die deutsche Meisterin Else F l e b b e den Titel, bei den Herren war Bayer der Beste und im Paarlaufen setzte sich das Meisterpaar Gaste überzeugend durch. Die Einzelergeb- nisse lauten: Damen: I.E. Flebbe(Perl. Schl.-Ci.) 258,2 Punkt«, Platzziffer 3: 2. Frau Veit(Verl. Schl.-Cl.) 229,7 P., Platzziffer 6: 3. Frl. Schmidt(BEB. 86) 177,2 P.. Platzziffer 10: 4. Frl. Dietze (Berl. Schl.-Cl.) 184,3 P., Platzziffer 11. Herren: 1. Bayer (BEB. 86) 323,66 Punkte. Platzziffer 3: 2. Wellmann(BEB. 86) 270,3 P. Platzziffer 7; 3. Laß(BEB. 86) 286,2 P., Platzziffer 8; 4. Brey(Verl. Schtt-Cl.) 243 P.. Platzziffer 12. Paar«: 1. Ehe- paar Gaste(Berl. Schl.-Cl.) 10,3 P.. Platzziffer 3; 2. Frau Böckel- Hajet(Berl. Schl.-Cl.) 8,5 P., Platzziffer 6: 3. Ehepaar Krümling (BEB. 86) 7,5 P-. Platzziffer 8. Eissport- W cf hnaditcn Sonja Hcnic in Berlin. Ein ausgezeichnetes Eissportprogramm hat der Sportpalast für seine Weihnachtsveranstaltung vor- bercttet, die sich über drei Tage, vom 26. bis 28. Dezember, erstreckt. Es ist gelungen, die jugendliche norwegische Weltmeisterin Sonja H e n i e für ein Auftreten in der Reichshaupfftadt zu gewinnen, und sehr wahrscheinlich wird auch Wellmeister Karl Schäfer- Wien den Berlinern sein hervorragendes Können im Eiskunstlauf zeigen. Nicht geringes Interesse dürsten die an jedem der drei Abende statt- findenden Eishockey-Wettspiele erwecken, an der G ö t a- Stockhalm. Potzleinsdorf-Wien, die Internationalen des Berliner Schlitffchuh-Clubs sowie eine Brandenburgischc Ver- bandsmannschast beteiligt sind. Wintersport der Naturvölker Bei den T u n g u s e n des Amuragebieis treffen die Wettkämpse zeitlich zusammen mit dem Beginn der Messen oder mit der Bor- bcreitung-für die Winterjagd. Das Programm der Winterkämpfe ist verschieden: Skiläufe und Läufe ohne Skier, Geschicklichketts- ringen. Hirschreiten, Rennen mit Hirschen, die vor Schlitten gespannt sind, und Bogenschießen. An den Rennen beteiligen sich nicht nur Jünglinge, sondern auch Männer mittleren Atters. Es gibt geschickte Läuser, die sogar einen lausenden Hirsch erreichen und sangen. Die Streckenläuf« werden in Gruppen von 2 bis 3 Personen ausgeführt. Im Winter läuft man mit einem kurzen warmen Anzug bekleidet. Die Tungusen sind äußerst geschickte und ausdauernde Skiläufer. In Gruppen von 2 bis 4 Teilnehmern gehen sie auf Fahrt. Jeder muß sich selbst seinen Weg bahnen und ist nicht berechtigt, die Bahn eines anderen zu benutzen. Es gibt Skiläufer, die laufende Wildtiere erreichen. Unter den Teilnehmern der Wettkämpfe und ihren An- hängern werden Wetten abgeschlossen, der Sieger erhalt als Prämie einen Hirsch, eine Büchs«, ein« Hack« oder ein« Lanze. Die Bergarbeiter klagen an! Soll das zeicr torrerkauf i«( ah 19 Uhr romu immer geBffnet. ''A�uaBBxriniTi'irjnälj rf* EUlfrSanger Kottbusscr Str. 6 F. 8. Oberb. 6070 Tägi. tVt U., auch Sonntafe und 3. Feiertag Uhr «n beiden Feiertopcn IVontei langen 2'-. SV,. SV, Uhr 5 Weilmadits- sU gloiien Dser Beriis W Groüos i U Wnitinamii Instshlei Groiios WoHinamTi lestsplei TsjrV. 1 1■?. t>näk.«h 6 1 l'-ir- Frti OeutJöies Theater 8 Uhr Elisabeth von England von Ferd. Bruckner Regie; Beim Hilpert Kammerspiele 8-f- Uhr Der Diener zweier Herren von Carlo Goldoni Regie: Ha* ReiiMt Die Komödie 7>.-- Uhr Die Fee van Franz Molnar Regie: Stefan Hodi. Bühnenbilder: Ernrt Sdtufie. Denlsehes (Snsller-Theat. Baitor.3937. 81/, Hhr Zum goldenen Anker mil Kaue Dorsfli 1, und 2 Weihnachtsfeiertag nachm. 3-30 Uhr Ptmiennboftniiig Ermäßigte Preise Renaissance- Theater Stclnplatz 6780. SV'3 Uhr MUS dia Kuh miten geben? mit: Ulbert Basserm 3.30 nachm. 1. und 2. Weih- nachtsfeiert?g VonmtersQdiDDg ßrigiotlbcatznng Ermäßigte Preise PLAZA Tljl. 5 1. Bis 1 Sonnt. 2. Su. S- | AI«*. E 4«066 I. Vorstellung 50 Pf* bts 1 M. II. und III. Vorst, t bis 2 M. Carter, Novalis SckNfert Künstler-Rovoe usw. Großer Andrang( Benutzen Sie d.Vorverfcanf fflr Weihnachten! Reichshallen-Theater MlabenAidi[T) und an beiden Feiertngen nadim. fTTj Dhr Bas greBe Weibnadrts-Progmiini der & stettlner Sänger �rJwT Nachm. halbe Preise, volles Programm! � Dönhoff- Brettl: Das gr. DneisbtnPregr. mit tari Brasil! Bapillt Bans S'nlss «MW rapugungf Restawrani Berlins BETRIEB KEMPIMSKlO Rose-Hiealer fir.FranKfurterSir.i3r Tel. Alex 3422 u. 3494 8.15 L'br sis- Bhlljfipiwtsin Bamcwsky- Bohnen rneaier in Her Stmemanuslr. tVIt Uhr Storni im Wasserglas Komödienhaus VU Uhr Konto X Komische Oper Heute 7 4 Uhr; Uraufführung, dann tägl. 8": Uhr: Pepplns Operette vor r.ud Opstcrrcich?* Neues Theater i ans Zoo——- InSabnlLlm. JtpLESS« SV. Uhr Guido TtiielSGher Das otiemuche Aergerms Lustspieinaus Kurt Götz Täglich S>k Uhr: sowie an beiden Weihnachtsfeier- tagen Tom liefcon jat Laö�ta LICHT Die Sehensvunugkeil BeMins Die ninrende virtete- im nimMim Direktion; Luis Gutman Berlin• Geeandbran aen Von FrelUp, 10. Dcsember bU Frr.lt. g, 26. Deiember Das grandlosa WelhnachtS'Programm BQhnenschau Lichtburg-Orchester Franca Fedeli Gastspiel der besten deutschen tisten'6'" Die 3 Knkirolers The. Depen, Theo KAraer, Uwe Behrea.Tn ihren urkom. Szenen. Oer lustigste Tontilm Der größte Filmer olg dieses Jahres Drei Tage Mittelarrest mit Max Adalbert. Id. Wbt. 2. Weiba.dbtefeicrtjtgi Freitag, d. 2-. Dezember, vorm. IJ.SO Uhr: Einmaliges Konzert-Gastspiel P.al Godwin der Jazzltönig mit seinen 14 Solisten u. Kammersänger Leo Scbaizcndorf. Wochentags: 4. SVa, 8'.. Uhr Sonn- und Feiertags 3 SV», SV. Uhr Am I.Feiertag auch NachfTorstell Hill Uhr.— Eintriftspreise: RM 1,—, 1�0. 1,50(Logen 2,—. 2�0). Sonntag, 21. Dezember, nachmittags» Uhr, Eintrittspreis RM. I,—. Thealer am Sihitihanerdamm Norden 5813 u, 0281 Täglich 8'/. übt Die Quadratur des Kreises Komödie v. Katajew mit: Körder. Itnja. Bob- nibü. Im lügn. Preise von 1—12 M, Hieatenl. Westens Täglich 8'. soviie an beiden Weib- udilsfeiBtr-jH ScBSAtJourtlrr Operelteaer fol� t yfhtoria •j.;iiJirJJaG2r metropol-Tfieaier Täglich SV. Uhr schon ist die wen Operette von Lehär tidart Tnabef. 6193 Ihnr. Mstendost. Weihnachten auch nachm 4 Uhr kleine Preise. Kleises Tbeat. Täglich 8».'. Uhr: Der mustergstie Schwank in 3 Akten An heid. Feiertagen 4 Uhr kleine Preise mit Goldrand und prachtigfarbigen moditreublüincbei 77 teilig Auch bis llonatsratG Kaule jetzt! zahle maier! Ich liefere Anzüge. Ulster, Paletots, Joppen, Bettwäsche. Tischwäsche, Hörrenwäsche.Gardinen. Bettdecken. Steppdecken, Diwandeoken, Pnllover, Westen. Metaübetten, Kuhebetten, Korbmöbel, Schränke, Schlafzimnier. Grammophone u. a verteilt in kleineu Wochen- oder Monatsraten iotef Steinbrecher Charlottenburs 1. CanerstraBe 13 Telephon: Wilhelm 565. 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