Morgenausgabe Nr. 599 A 301 4?. Jahrgang WöcheuMch 85 Pf� monaMch S.SV M. im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pfg.Postzeitungs- und 72 Pfg. Postbestellgebühyen. Ausland»» «»bonnement 6,— M. pro Monat. * Der„Vorwärts� erscheint wochentSg« lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlm und im Handel mit dem Ätel.De? Abend". Illustrierte Veilaaen.Voll und Zeit" und.Kinderfreund*. Ferner .Frauenstimme*.„Technik*.Blick in die Bücherwelt*..Iugend-vorwärts* und.Stadtbeilage*. Nerliner VoWbla« Oiensiag 25, Dezember 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. 39to»i»sp»ltl,e KottporeiUejcil« 80 Psennig. R-llam-?-U- 5,— Reichs- m-rt.„Meine Anzeigen' dos-ttge- druckt» Wort 2S Pfennig fzuläffig zwei fettgedruckt« Wortej, jede» weitere Wort Ii Pfettnm. Eiellengefuche dos erste Wort II Pfennig, jede» weiter« Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben Jählen für zwei Worte, ilrbeitsmartt >«Ue 00 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt» gefchSst Lindenftrab« Z, wochentäglich von 8-/, bis 17 Uhr. Jentrawrgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff 222—237 Telegrantm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 SSK.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dl. B. u. DiSc.-Ges., Depofitenk., Jerufalcmer Str.KZlLS. Wirth vergleicht sich mit Frick. Die Polizeigelder für Thüringen freigegeben. Leipzig, 22. Dezember. Der Vorsitzende des Staaisgerichtshofss teilt folgendes mit: Die in der Presse angekündigte Besprechung in dem Streit- verfahren zwischen dem Reich und Thüringen wegen Sperrung der Polizeizuschüsse hat heute stattgefunden. An der Besprechung haben außer dem Vorsitzenden des Staatsgerichtshofes für das Deutsche Reich, Reichsgerichtspräsidenten Dr. B u m k e, teilgenommen für das Reich: der Reichsminister des Innern, Herr Dr. Wirth, der Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, Herr Z w e i g e r t, der Staatssekretär in der Reichskanzlei, Herr Dr. P und er, und Herr Ministerialdirektor Dr. Menzel, und für Thüringen der Vorsitzende des Staatsministeriums, Herr Staatsminister Baum. und Herr Minssterialrat Dr. G u y e t. Der Vorsitzende des Staatsgerichtshofes unterbreitete den Be- teiligten folgenden Vergleichsvorschlag: Die Parteien sind sich darüber einig, daß die Frage, ob und inwieweit die NSDAP, umstürzlerische oder sonst strafbare Ziele verfolgt, im Rahmen des gegenwärtigen Verfahrens nicht aus- getragen werden kann und soll. D«r Standpunkt, den jede Partei zu dieser Frage einnimmt, wird durch diesen Vergleich und die m ihm abgegebenen Erklärungen in keiner Weise berührt. Die Par- teien gehen davon aus, daß die grundsätzliche Frage demnächst in einem anderen vor dem Reichsgericht schwebenden Verfahren einer Klärung zugeführt werden wird. Das Reich hebt die Sperrung der Polizeiznschiisse auf: die bisher cinbehollenen Beträge werden nachgezahlt. Da» Land Thüringen nimmt seinen Antrag vor dem Staalsgerichishos zurück. Das Land Thüringen erkennt wiederholt die Verpflichtung an, dafür Sorge zu tragen, daß der unpolitische Charakter der Schutzpolizei als Ganzes wie auch das unpolitische Ver- halten des einzelnen Beamten im Dienst unbedingt gewährleistet wird. Demgemäß wird die thüringische Regierung bei der An- stellung, Beförderung und Versetzung von Polizeibcamten nicht nach parteipolitischen Gesichtspunkten, sondern nur nach den Gesichtspunkten der Eignung und des dienstlichen Interesses verfahren. Die Parteien sind einig, daß hiermit eine grundsähliche Ablehnung der Einstellung von Sozialdemokraten ebenso unvereinbar ist wie eine weitergab« von Bewerberlisten an eine Partei- organisation zwecks Feststellung der Parteizugehörigkeit. Die Gewähr für die Einhaltung dieser Verpflichtungen übernimmt das thüringische Staatsmini st erium in seiner Gesamtheit. Der Frage, ob die Grundsätze und Vereinbarungen, auf Grund deren die Polizeikostenzüschüsse an die Länder gezahlt werden, eine rechtliche Zahlungspflicht oder nur eine politische Bindung des Reiches begründen, wird durch diesen Vergleich nicht vorgegriffen. Dieser Porschlag wurde uach längerer Aussprache von den Veteiligken angenommen. » Die Untersuchung des Falles Frick hatte wesentliches Material ergeben. Es hatte sich herausgestellt, daß Herr Frick die Listen der Bewerber für Polizeistellen einem seiner Partei- freunde ausgehändigt hat. Herr Frick hat kein Hehl daraus gemacht, daß für ihn rechtsradikale Gesinnung Vorbedingung zur Einstellung in den Polizeidienst fei. Das gute Recht, ja die Pflicht des Reiches zur Sperre der Polizeizuschüsse stand vor jeder Entscheidung des Staatsgerichtshofes fest. Das Reichsinnenministerium gibt trotz- dem die Polizeigelder für Thüringen frei. Es hat sich auf einen Vergleich eingelassen, dessen wesentlichstes Bestandtell die Einstellung der Reichsaktion gegen Frick ist. Die gesperrten Polizeigelder werden nachgezahlt. Der Druck des Reiches auf das System Frick hört auf. Die Freigabe der Polizeigelder ist an Bedingungen und Garantien geknüpft. Die Bedingungen bestehen darin, daß Herr Frick sich künftighin so verhalten soll, wie ein republikanisches Reichsinnenministerium, dem der' Schutz der Reichsver- sassimg anvertraut ist, es fordern muß. Was Herr Frick in- zwischen getan hat— die Einsetzung nationalsozialistischer, also verfassungsfeindlicher Polizeileiter, die nationalfozialisti- sche Beeinflussung der Thüringer Polizei— wird jedoch nicht im mindesten zurückgenommen. Für das künftige Wohlverhalten von Herrn Frick werden Garantien gegeben. Aber wer übenümmt sie? Herr Frick übernimmt sie nicht, sondern„das thüringische Staats- Ministerium in seiner Gesamtheit". Das ist eine magere Ga- rantie. Herr Frick hat bisher auf das.thüringische Staats- Ministerium in seiner Gesamtheit gepfiffen. Herr Frick tonnte bisher immer mit der Furcht seiner Koalitionsgenossen vor Neuwahlen rechnen. Er hat sie bisher immer noch klein- gekriegt. Wollen die Volksparteilsr und das Landvolk in Thüringen sich nunmehr ändern? Wollen sie Herrn Frick, der durch das Verbot des„Saalfelder Volksblattes" eben erst gezeigt hat, wieviel Wert er auf die Gesetze und auf die Urteile des Reichsgerichts legt, künftighin auf die Finger sehen und sich aus der Hörigkeit freimachen? Nachdem 5)err Dingel- dey, der neue Führer der Deutschen Volkspartei, die Haltung seiner Thüringer Parteifreunde gegen den Reichsinnen- minister Wirth unterstützt hat. muß der innere Wert dieser Garantien sehr stark angezweifelt werden! Nach diesem Ausgang des Streites zwischen dem Reich und Herrn Frick müssen die Republikaner Herrn Frick noch mehr als bisher auf die Finger sehen. Was von ihm zu er- warten ist, ergibt sich aus seiner Vergangenheit, und die Methoden, die er übt, sind in der bayerischen Ver- waltung in den Jahren 1922 und 1923 aus- probiert worden. Die Republikaner haben diese Jahre nicht vergessen, und sie werden deswegen Herrn Frick sehr genau beobachten! Ein neuer Kall Iäschkowitz. Miliiänsche Nachtübungen der Hakenkreuzler bei Breslau. Breslau. 22. Dezember. Auf dem heute abgehaltenen Kreistag des Landkreises Breslau brachte die sozialdemokratische Fraktion folgende An- frage ein: In den letzten Tagen ziehen wieder TruppsvonNational- sozialisten von Breslau nach dem Paweiwitzer Gelände, um dort ihre Nachtübungen abzuhalten. Bei solchen Uebungen ist auch geschossen worden. Aus Anlaß der Vorgänge bei Iäsch- kowitz erscheint es geboten, dieser Soidatenspielerei Aufmerksamkeit zu schenken. Nach den Uebungen zogen diese Truppen geschlossen durch die Ortschaften des Kreises und verübten durch Absingen ihrer Kampflieder ruhestörenden Lärm. Wir fragen daher: Sind dem Herrn Landrot diese Borgänge bekannt? Ist der Herr Landrat bereit, die friedliche Bevölkerung des Kreises gegen diese Ruhestörer zu schützen? Landrat Bachmann erklärt auf diese Anfrage, von den angeblichen neuen Uebungen keinerlei Kenntnis zu haben. Die Sorge für Ruhe und Eicherhell der Kreisbewohner betrachte er als sein« vor» nehmste Pflicht. Eine Beschlußfassung über diese Anfrage sei leider mangels Zuständigkeit nicht möglich. Spanische Gewerkschasten protestieren. Ttlegrammwechsel mit dem IGB. Amsterdam. 22. Dezember.(Eigenbericht.) D-m Internationalen Gcwerkschastsbund ging am Montag ein Telegramm des spanischen Gewerkschaft sbun des zu. In dem der Entrüstung über die Der- Haftung führender Mitglieder der spanischen Gewerkschaftsbewegung und die sonstigen Regierungsmaßnahmen Ausdruck gegeben und erklärt wird, daß der moralische Mut der spanischen Arbeiter nicht erlahmen werde. Der Internationale Gewerkschastkbund richtete an die spanische Gewcrkschastszenlrale ein Telegramm, in dem mit Genugtuung zum Ausdruck gebracht wird, daß sich die spanische Gewerkschastsbeweguug bei den gegenwärtigen wirren in Spanien von den Grundsätzen politischer Slugheil habe leiten lasse«. 'tO Jahre Prohibition. Ein ernstes Problem. Von Koinllnrck Strecker. Genosse Strecker, der als Fachmann auf dem Gebiet der Altoholbekämpfung bekannt ist, schickt uns zu dem Aufsatz „Zehn Jahre Prohibllion" in Nr. S91 des„Vorwärts" die folgenden Ausführungen: Das Ergebnis der amerikanischen Wahlen sieht in Zahlen so aus: Die Anhänger der Aufhebung des Alkoholverbotes haben 46 Stimmen im Abgeordnetenhause gewonnen, so daß sie jetzt 136 bei einer Gesamtzahl von 435 Mitgliedern zählen. Da eine Zweidrittelmehrheit notwendig wäre, um einen Antrag für Aufhebung der Prohibition im Unterhaus durchzubringen, so sieht man, daß der Weg bis dahin noch ziemlich weit ist. Eine Zweidrittelmajorität des Unterhauses würde aber längst noch nicht die Aufhebung der Prohibition bedeuten. Dazu müßte erst auch noch der Senat gehört werden. Im Senat aber ist die Zahl der Anhänger der Pro- hibition auch nach der Wahl die alte geblieben. Würden Unterhaus und Senat für Aufhebung der Prohibition sein, dann ginge die Angelegenheit erst an die Ober- und Unter- Häuser der 48 Bundesstaaten, also insgesamt an 96 Parla- mente. Auch da dürfte es nicht ganz einfach sein, die jetzigen Mehrheiten für die Prohibition in Minderheiten zu ver- wandeln. Wenn übrigens ein Bezirksrichter im Staate New Zersey den 18. Versassungszusatz für rechtlich ungAtig erklärt, da es sich bei ihm„um eine Einschränkung der Rechte der Bürger" handle, so steht das ungefähr auf derselben Höhe, als wenn gewisse deutsche Juristen die Rechtsgültigkcit der Weimarer Verfassung anzweifeln. „Die wahre Geschichte der Prohibition", die man am besten in der wissenschaftlichen Arbeit von Dr. Martha Küppensbusch„Das Alkoholoerbot in Amerika" nachliest, ist die, daß in den Vereinigten Staaten seit etwa einem Jahr- hundert eine gewaltige, auf Millionen Mitglieder angewachsene Enthaltsamkeitsbewegung besteht. In Deutsch- lond zählt diese Enthallsamkeitsbewcgung auch heute kaum über 156 666 organisierte erwachsene Mitglieder. Die Ur- fachen für diesen Unterschied festzustellen würde bedeuten, eine besondere kulturpolitische Abhandlung schreiben. Es ist ein starkes soziales Verantwortungsbewußtsein, das in dieser Ve- wegung steckt. Und nicht vergessen sollte man auch, daß eine der Wurzeln des amerikanischen Alkoholverbots in der viel weiter als in Europa entwickelten Technik zu suchen ist. Sowohl die Arbeit am laufenden Bande, wie der unheimlich anschwellende Automobilverkehr machen völlige Nüchternheit mehr und mehr zur Notwendigkeit. Die starke Enthaltsamkeitsbewegung hat in den Ver- einigten Staaten schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts zu entschiedenen alkoholgegnerischen Maßnahmen, in einzcl- nen Staaten auch schon zu Verboten geführt. Als das Verbot für die gesamte Union Gesetz wurde, konnten 33 von den 48 Staaten schon auf eigene Erfahrungen mit der Pro- hibition zurückschauen. Der Alkoholkonsum betrug in den Ver- einigten Staaten in den Jahren von 1966 bis 1916 im Jahres- durchschnitt pro Kopf der Bevölkerung 6,89 Liter reinen Alhohol im Gegensatz zu Deutschland mit 7,47 Litern: Eng- land mit 9,67 Litern und Frankreich mit 22,95 Litern. Usber den gegenwärtigen Altoholkonsum in den Vereinigten Staaten liegen einerseits Statistiken des Prohibitionsamtcs in Washington, andererseits eine vom„Verein zur Bekämpfung der Prohibition" vor. Nehmen wir an, daß die amtliche Statistik zu prohibitionsfreundlich sei, so darf man gewiß von der anderen Schätzung mit demselben Recht annehmen, daß sie nach der entgegengesetzten Seite hin zu färben in Ver- suchung ist. Die amtliche Schätzung nimmt einen Verbrauch von 3'� Milliarden Litern alkoholischer Getränke an, die Schätzung der Prohibitionsgegner kommt auf 4',� Milliarden Liter. Nehmen wir das Mittel zwischen diesen beiden Schätzungen, so hätten wir zur Zeit einen Jahresverbrauch van 2,39 Liter reinen Alkohol pro Kopf der Bevölkerung. Der deutsche Konsum beläuft sich zur Zeit nach amtlicher Fest- stellung auf 4,49 Liter(wobei nicht mit erfaßt wird, was im Haushalt, in der Kleinbrennerei und auf ungesetzlichem Wege hergestellt und vertrieben wird). Die gegenwärtigen Zustände in den Vereinigten Staaten wird ohne Zweifel auch kein Altoholgegner für ideal halten. Sicher aber ist, daß man bei der Beurtellung des Alkoholver- bots auseinanderhalten muß die Folgen des Verbotes und die Folgen seiner Uebertretung. Darüber, daß die Folgen des Verbots an sich, das heißt der Ausschaltung des Alkohols aus der amerikanischen Volkswirtschaft, unsprünglich segensreich gewesen sind, ist ein Zweifel nicht möglich. Alle Statistiken über die ersten Jahre nach der Einführung des Verbots beweisen die gleichen gijnstigen Erfahrungen, die man übrigens während des Krieges auch in Deutschland und in anderen europäischen Ländern mit der gesetzmäßigen Ein- ichränkung des Altoholkonsums gemacht hat. Ich verweise zxw Beispiel auf das Buch der Münchener Psychiater„Die Wirkungen der Ankoholknappheit während des Weltkrieges". Die �gensmchen Folgen wurden aber nack� und nach stark erschüttert..Wch das Wiederaufkommen des Altoholkonfums, was bei uns durch seine legitime Wiederzuloflung in den Vereinigten Staaken durch die UebertretunGen des Verbots- gefetzos im Zusammenhang mit der Organisation des Schmuggels und mit der lßtropaganda des internationalen Alkoholkapitals gegen den Verbotsgedanken geschah. Das Problem tst also nicht, ob die Ausschaltung des Alkohols ein Vorteil odc'r ein Nachteil ist, sondern nur, ob es einem moder- nen Kultureuük zuzutrauen ist, daß es wirklich die Ausschal- tung des Alknholgewerbes aus seiner Wirtschaft fertig bringt oder nicht. Das Alkoholverbot soll die Bundesregierung bis zum Frühjahr tS30 weit über- 400 Millionen Dollar gekostet haben, und soll in 10 Jahren die Steuereingänge um etwa 3 Mil- liarden Dollar verringert haben. Letztere Rechnung stimmt auf keinen Fall, denn was das Alkoholgewerbe an Steuern weniger aufbringt, das bringen andere Gewerbe mehr auf, sobald ihnen die sehr beschwerliche Konturrenz der Kneipen vom Halse geschafft wird. Im übrigen kostet der deutschen Volkswirtschaft unser Alkoholkonsum nach Abrechnung aller Reichssteuern und positiven Werte 5% Milliarden Mark In einem Jahr. Das Nähere darüber möge man in der Schrift des Berliner Volkswirtschaftlers Dr. Alexander Elster„Das Konto des Alkohols in der deutschen Volkswirtschaft" nach- lesen. Der Alkoholschmuggel soll 260 Personen bis jetzt das Leben gekostet haben. Wieviel Schmuggler und Zollbeamte verlieren ihr Leben beim Schmuggel mit Waffen oder mit anderen Waren? Der Kampf gegen Gesetzesübertretungen fordert leider überall seine Opfer. 550 000 Personen sind wegen Uebertretung der Prohibitionsbestimmungen verhaftet worden, im letzten Berichtsjahr 80 000. Wäre es nicht ebenso interessant, die Zahl der Verhaftungen in Deutschland zu kennen, die wegen nächtlicher Ruhestörung, wegen Wider- stands gegen die Staatsgewalt usw. infolge übermäßigen Altoholgenusses erfolgten? 230 000 Personen sind wegen Uebertretung des Verbotsgesetzes ins Gefängnis gewandert. Wie groß ist wohl die Zahl derjenigen, die in deutschen Ge- fängnissen sitzen und in der Hauptsache dem Alkohol ihr trauriges Geschick verdanken? Wer, wie der Schreiber dieser Zeilen, öfters in Gefängnissen zu fprechen hat und mit Straf- akten zu tun bekommt, der kann ein Lied davon singen. Die Zahl der alkoholischen Krankheitsfälle wird von den Samtäts- behörden in den Vereinigten Staaten auf 35 000 im Jahre 1929 beziffert. Um über diese Zahl urteilen zu können, müßte man schon genauer wissen, was hier unter„alkoholischen Erkrankungen" verstanden ist. Die ersten Jahre nach Ein- führung des Verbotes zeigten jedenfalls einen Rückgang der spezifisch alkoholischen Erkrankungen, zum Beispiel bei Leber- z irrhose um über 50 Proz. Nach den Feststellungen der 37 führenden Versicherungsgesellschaften in den Verewigten Staaten war das Jahr 1921 das gesündeste, das sie bis dahin erlebt hatten. Für Deutschland(67 Millionen Einwohner gegen 122 Millionen der Vereinigten Staaten) verzeichnet das Statistische Jahrbuch des Deutschen Reiches von 1930 für das Jahr 1928 Krankenzugänge an Alkoholismus und Säufer- mahn in den ollgemeinen öffentlichen Krankenhäusern: 6171: in den Anstalten für Geisteskranke: 15106. Hierbei sind natürlich zahlreiche alkoholisch verursachte Krankheiten(Herz-, Magen-, Nierenleiden usw.) nicht erfaßt. 36 000 Geheim- kneipen in New Dork sind mir oft vorgehalten worden. Bis jetzt hat mir aber noch niemand verraten, wer eigentlich diese Zählung vorgenommen hat. Auch meine Frau und ich haben solche Geheimtneipen während unseres neunmonatigen Auf- entHaltes in den Vereinigten Staaten kennengelernt. Was auf uns aber weit stärkeren Eindruck machte, waren die großen alkoholfreien Gaststätten, die Lunch-Rooms, die Child- Restaurants, die Cafeterias, auch die Gewerkschaftshäuser nicht zu vergessen. Was die Vereinigten Staaten auf alle Fälle beweisen, ist die Möglichkeit der Umstellung des Gast- Hauswesens auf den alkoholfreien Betrieb. Den Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Verhältnissen kennzeichnet man wohl am besten so, daß man feststellt: bei uns muß man nach alkoholfteien Gaststätten suchen, während man da drüben nach den Alkoholschankstätten suchen muß: bei uns sind die alkoholfreien Gaststätten im allgemeinen leider nicht gerade erstklassig, in den Vereinigten Staaten gilt das gleiche für die Alkoholschankstätten. Für die wissenschaftliche Lösung des Problems„Altohol- verbot" muß auf alle Fälle beachtet werden, daß die Zeit für endgültige Feststellungen noch nicht gekommen sst. Einer Jahrtausende alten Trinttradition steht jetzt erst ein Jahr- zehnt der Erfahrung mit dem Alkoholverbot gegenüber. Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus müßte man wünschen, daß das amerikanische Experiment möglichst lange mit Erfolg durchgehalten würde. Nur so ließe sich ausreichendes Ver- gleichsmaterial gewinnen. Der bekannte amerikanische Volks- Wirtschaftler Professor Irving Fisher äußert sich in zwei Büchern, deren eines„Die Krise der Prohibition" schon in deutscher Uebersetzung vorliegt(Neuland-Verlag, Berlin), während die Uebersetzung des anderen„Dde noble experi- ment" in Vorbereitung ist. Er erklärt die Schwierigkeiten der Durchführung des Alkoholverbots hauptsächlich daraus, daß die öffentliche Meinung in Amerika noch nicht reif genug für diesen letzten Schritt gewesen sei. Die entsprechenden Kon- sequenzen aus dem Zustande der öffentlichen Meinung bei uns in Deutschland wird jeder nüchterne Polttiker zu ziehen wissen. Die planmäßige Stimmungsmache gegen den Ver- botsgedanken mitzumachen hat aber wohl der verantwor- tungsbewußte Sozialist deshalb doch kein« Veranlassung. Lürgcrmeisterwahl ia Hamburg. Der Senat hat für das Jahr 1931 Bürgermeister Rudolf Roß(Soz.) zum ersten Bürger- meister und Bürgermeister Dr. Tarl Petersen zum zweiten Bürgermeister gewöhlt..„ l rieg und Frieden. Henderson: Abrüstung jetzt oder nie. ' c o o d o n. 21. Dezember. Außenminister hendcrsou erklärt, in einer durch Rundfunk verbreikelcn Rede: Wir haben zwischen Frieden und Krieg, zwischen Zusammenarbeit und Konflikt zu wählen. Wir müssen unsere Wahl jetzt treffen, denn wir können es uns nicht leisten, sie zu verschieben. wenn wir das Gebäude des Weltfriedens nicht ans fester Grundlage errichten, bevor die Erinnerung an den letzten Krieg verschwunden ist, so werden wir früher oder später, und zwar wahrscheinlich eher früher als später, eine Sintflut erleben, die die ganze Welt in Rlitteidenschaft ziehen und alle werte der abend- läadischen Zivilisation verschlingen wird. Es besteht gegenwärtig eine Atmosphäre der Spaaunagen und in einigen Schichten lebhafte Furcht. Ich bin überzeugt, daß niemand den Krieg will und den K�ieg plant, und daß es niemand gibt, der nicht begreift, daß ein Krieg ein Unglück für olle bedeutet, wenn die gegenwärtige wirtschaststrise beendet und die normale Lage wiederhergestellt ist, werden wir sehen, daß wir im Verlaufe des Jahres 19Z0 viel erreicht haben, henderfon besprach dann den Vertragsentworf für die Abrüstungskonferenz und betonte, daß dieser Entwurf zwar nicht vollkommen sein möge, aber daß er dennoch ein wirksames Instrument darstelle. henderslon wies auf die haager Konferenz hin und schloß: wir Engländer haben unsere Zustimmung zu der Befreiung des Rheinlandes gegeben. Können Sie sich eine Maßnahme vorstellen, die eher geeignet Ist. die Kriegsepoche zu beenden? Abrüstungsaufruf Lord Cecils. London, 21. Dezember. In einem von der englischen Völkerbundsvereinigung veröfsent- lichten Aufruf zur Abrüstung erklärt Discount Cecrl: Das Jahr 1931 verspricht für den Völkerbund kritisch zu werden, denn von der ÄestalKmg der öffentlichen Meinung während des kommenden Jahres wird es abhängen, ob die erst« Weltabrüstungskonserenz, deren Einberufung wahrscheinlich auf den Beginn des Jahres 1938 festgelegt werden wird, zur Farce wird oder greifbare Er- g e b n i s s e zeitigt. Entweder die Konferenz kommt zum Abschluß eines Vertrages, der die Rüstungen für alle Waifengaltungen so wirksam bekämpft, wie Artikel 8 der Völkerbundsjatzung klar beabsichtigt und von den Mittelmächten im voraus durchgeführt worden ist, oder das gesamte Gebäude des internationalen Friedens wird in seinen Grundfesten erschüttert Den von der Vor- bereitenden Kommission verfaßten Vertragsentwurf bezeichnet Lord Cecil als nicht vollkommen. Er könne aber die Grundlage für einen wirksamen Abrüstungsvertrag bilden. Von dem größten Wert wäre es, wenn bis zur Eröffnung der Konferenz die öffentliche Meinung von der Notwendigkeit einer allgemeinen Rüstungsherab- fetzung überzeugt werden könnt«, so daß sie von den Regierungen erwartet, daß dies« sich für die Einsetzung so niedriger Ziffern wie nur irgend möglich in den Vertragsentwurf bemühen. In dieser Hinsicht haben die Führer religiöser wie politischer Bewegungen ein« schwere Verantwortung und eine große Gelegenheit. Otoi und Abrustungskonserenz. Das Zanuarprogramm, CurtiuS Vorsitzender. Gens, 22. Dezember. Für die 62. Tagung des Völkerbundsrate« wird vom Völker- bundsfekrelanat die Tagesordnung bekanntgegeben und den Rats- Mitgliedern mitgeteilt, wie da» Sekretariat hervorhebt, werden ans dieser Tagung, die am 19. Januar beginnt und vom deutschen Reichsaußenminister Dr. Eurtius präsidiert wird, eine Reihe wich- tiger politischer Fragen zur Entscheidung gelangen. Bekanntlich sind die wichtigsten dieser Fragen die Festsetzung des Termins für die Abrüstungskonferenz, die Behandlung der drei deutschen Leschwerdenoten über die polnischen Terrorakte, verschiedene Minderheitenbeschwerden, die ostafrikanische Berwaltungs- frage und die Berichterstattung über die zweite Genfer Zoll» friedenskonserenz gemäß den Ergebnissen des Studien- ausschufses für die europäische Union. Enirüsiung über Grzesinski. Er soll etwas gesagt haben. Spitzel in der Sozialdemokratischen Partei zu unter- halten, war bisher eine Spezialität der Kommunisten. Neuer- dings haben aber auch die Rechtsradikalen einen Ehrenmann gemietet, der unter Benutzung einer erschlichenen Legitimation geschlossene Veranstaltungen besucht, in denen Sozialdemo- kraten reden, und der dann von dort Berichte liefert, wie die Rechtspresse sie brauchen kann. Daß es ihm dabei gar nicht darauf ankommt, die Wahrheit zu sagen, sorldern daß er d i e Ware liefert, wie sie bestellt ist, versteht sich von selbst. Auf diese Weise gelangte die„Verl. Börsen- z e i t u n g" in den Besitz eines„Berichts" über eine Rede, die der Berliner Polizeipräsident, Genosse Grzesinski, neulich auf einem„Sozialistischen Abend" in Tempelhof ge- hallen haben soll. Dieser Bericht war so dumm zu- sammengefälscht, daß es für politisch Unterrichtete kaum nötig schien, ihn zu dementieren. Grzesinski hat sich nichtsdestoweniger dieser Mühe unterzogen und den Bericht für falsch erklärt. In einem Lande, in dem die polittschen Sitten weniger verwildert sind, hätte damit die ganze Affäre ihr Ende ge- funden. Hierzulande wird natürlich weitergetobt. Ja. die Deutsche Volkspartei Preußens hat sogar im Landtag eine Interpellation über die Tempelhofer Rede eingebracht und damit abermals bewiesen, daß sie sich unter ihrer gegen- wärtigen Führung keine Gelegenheit zu einer Blamage ent- gehen läßt. Das alles ist, wie gesagt, nicht mehr als landesüblich. Was soll man aber dazu sagen, daß das Berliner Zentrums- blatt, die„G e r m a n i a". in dieselbe Kerbe baut und den Tempelhofer Spitzelbericht gleichfalls zu einer Attacke gegen den Berliner Polizeipräsidenten benützt? Muß man der„Ger- mania" sagen, daß es t l l o y a l ist, sich auf einen Bericht zu berufen, den der Redner selbst für falsch erklärt? Oder ist die„Germania" der Meinung, was Deutschland in dieser Zell am meisten brauche, sei ein Konflikt zwischen Zentrum und Sozialdemokratie und darum sei, ihn herbeizuführen, auch die schlechteste Gelegenheit recht? Die„Germania" glaubt, dem Berliner Polizeipräsidenten Vorhaltungen machen zu dürfen. Sie hätte viel mebr Grund, vor der eigenen Tür zu kehren und ihre eigenen Methoden einer gründlichen Nachprüfung zu unterziehen. paienimedizin 7lv. 2. Hilgenberg gegen den Kredit der Landwirtschast. Herr Hugenberg will die Landwirtschaft im deutschen Osten retten. Er empfiehll dazu eine Patentmedizin, die in einem Antrag der deutschnationalen Reichstagsfraktion nieder- gelegt fft. Wir haben.dieser Patentmedizin bereits das Firmenschild„Sozialisierung der Agrarierpleilen" aufgeklebt. Von der plumpen Demagogie dieses Antrages abgesehen, stecken dahinter romantisch- st ändische Gedanken- g ä n g e, denen Hugenberg immer mehr nachhängt, je älter er wird. In einer seiner letzten Reden hat er eine ausge- sprachen widerwilligc Müdigkeit gegenüber dem Industrie- zeitaller und dem modernen großindustriellen System er» kennen lassen. Zurück aufs Land mit seiner Einfachheit! Sein neuestes Ideal ist die sich selbst erhaltende und sich selbst ständisch verwallende Landwirtschaft. Die Industrie und die großen Städte mögen in der Krise vor die Hunde gehen— wenn nur die Landwirtschaft bleibt. Es ist die Greisenidee eines Mannes, der seinen Höhe- punkt als Führer der Schwerindustrie und dann als Herr von Film und Presse erlebte. Er ist jetzt Besitzer eines Gutes und schwärmt wie Rousseau: Zurück zur Natur! So antiquiert wie die Grundstimmung sind die Einzel- hellen des neuen Hugenberg-Antrags. Er will wahrhaftia die Existenz des modernen Kreditsystems für die Landwirtschaft aufheben, und sieht nicht, welche Wirkungen er zeitigt! (Es ist nicht die erste �Zatentmedi-zin des Herrn Hugenberg. Im Frühjahr 1929 pries er die große Äri/. Dose 0.85 1»vO Junge Erbsen fein... 1.10 Kaiserschoten..... 1.30 Stangenspargel"J»*1' 2.40 Stangenspargel"i'k 3.70 Rosenkohl....... 0.80 Pflaumen........ 0.60 Apfelmus........ 0.58 Kalif. Pfirsiche____ 1.25 Kalif. Aprikosen... 1.65 Ananas ooaa'Swsg 1-30 Olsardinen �»» taus- q a» */.. Do» O.iO dos. Olsardinen/, Uhr, findet im Kassenlolai Berlin-Lichlerfeide, Roonstr. 18, I Tr, eine aoßerordeniliche Ausschugsihung statt mit folgender Tagesordnung! Satzungsänderung durch Notverordnung vom 1. Dezember iSZu. Berlw-Ltchterieide. den 20. Dezember 1930. Der Borstand. Karl Brandenburger, Borfltzender. mit„°�EsttLN Klnderb� Polater, ChaisoL, ah Jeden. Teil* Ketalog frei. Eidenmöbellabrik Sohl(Thtta) Bekanntmachung. Die in der Zeil vom 1. Juli bis 30. Sepiember 1S29 verjetzlen Pfänder sind versteigert worden. Ueberschüsse sind bis zum 23. Juni 1931 abzuheben. Staatliches Leihamt. Tapete». Szillat. Kolonie- Kraß«»_* Klnolenm, ZOOOOQuadratmeter, einfarbia, bedruckt. diirchaemustert. Laufer, Teppiche. herrliche Muster, Tifch-Linoleum. Karst u. So.. An- dreasstraße 42, Madaistraße lSchle. stfcher Bahnhof). Stadtbahnboaen 27— 30. KiBidungsstucke. ujasciia usw. 500 Steppdecken. Primadoppelfeitiaer Satin. Echnittgröße 160/210, 11,30 M, an, Karst u. Co.. 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Dieser war jedoch geistesgegenwärtig genug, stürzte sich auf den Angreiser und schlug ihm die Masse aus der Hand. Ein anderer Amtsgehilfe kam hinzu und bieden Beamten gelang es. Sch. zu überwältigen und durch das Aeberfallkommando der Abteilung IA des Polizeipräsidiums zuzuführen. lieber diesen Vorfall erfahren wir folgende Einzelheiten: Sch., der bereits seit sieben Jahren arbeitslos fein soll, hatte schon früher das Reichsarbettsministerien mit einer Reihe von Eingaben bedacht, in denen er zum Teil um Abhilfe seiner eigenen Notlage bat, aber auch Vorschläge zur Reform der Arbeitslosenversicherung gemacht hatte, die allerdings keine Berücksichtigung sinden konnten. U. a. hatte Sch. Vorschläge für die Bekämpfung und Beseitigung der Doppelver- d i e n e r gemacht, um dadurch den Arbeitsmarkt entlasten zu können. Gestern nachmittag erschien er gegen'AS Uhr persönlich im Reichs- arbeitsminifterium, um sich in einem Geschäftszimmer nach dem Schicksal seiner Reformvorschläge zu erkundigen und neue Ratschläge zu geben. In dem ersten Geschäftszimmer des Ministeriums, in dem er vorsprach, wurde ihn: bedeutet, daß er seine Wünsche schrift- l i ch unterbreiten solle. Ein höherer Beamter des Ministeriums, dem er erneut fein Anliegen vorbrachte, wies ihn gleichfalls auf den Weg der schriftlichen Eingabe. Nun machte sich Sch. auf, das Mi- nisterialbüro selbst aufzusuchen, um dem Reichsarbeitsminister Stegerwald persönlich seine Wünsche und Ratschläge vorzu- tragen. Im Ministerialbüro nahm ihn ein Amtsgehilfe, der im Meldezimmer Dienst tut, in Empfang. Dieser erklärte Sch., daß der Minister nicht zu sprechen sei. Als der Amtsgehilfe ihm wiederum den Rat gab, den er schon dreimal erhalten hatte, nämlich sein An- liegen schriftlich vorzubringen, geriet Sch. in Wut, zog eine Pistole aus der Tasche und legte auf den nichtsahnenden Beamten an. Der Beamte verlor aber nicht die Geistesgegenwart und es gelang ihm mit Hilfe eines zweiten hinzukommeichen Beamten, den Aufgeregten zu überwältigen. Bei seiner Vernehmung in der Abteilung IA gab Sch. an, daß er keineswegs die Absicht gehabt habe, zu schießen, sondern daß er lediglich in das Zimmer des Ministers gelangen wollte, um ihm feine Pläne, die durch den„bürokratischen Dienst- weg bisher unterdrückt seien", zu unterbreiten. Nur ein kommunistischer Schreckschuß. Kopenhagen, 22. Dezember.(Eigenbericht.) Der konimunistische Arbeitslosenführer, der kürzlich im Reichstag auf den Sozialminister einen Revolver- schu ß abgab und daraufhin verhaftet wurde, ist am Montag aus der Haft entlassen worden. Der Kommunist gab an, daß er weder den Sozialminister noch eine andere Person habe treffen wollen, fondern lediglich einen Schreckschuß abgegeben habe. Die An- klagebehörde schenkte diesen Aeußerungen Glauben und setzte den kommunistischen Arbeitsloscnführer auf freien Fuß. Die Tat eines Trunkenen. Verteidiger plädiert für Trockenlegung Deutschlands. Großgewachsen.und außerordentlich selbstsicher, so präsentierte sich der erwerbslose Schlosser Paul L e w k a, der sich vor dem Schwurgericht in Moabit wegen Totschlags zu verantworten hatte. Lsvka nahm vor einigen Monaten an der Geburtstagsfeier feines ebenfalls erwerbslosen Bruders Bruno statt, bei der nahezu 60 Flasche» Bier ausgetrunken wurden. In ange- trunkenem Zustande begab er sich dam? in ein Wirtshaus und mischte sich in einen Streit ein, der ihm nichts anging. Ms ihn darauf der wegen seines gewaltigen Umfanges in der ganzen Umgebung be- kannte Gastwirt Witte aus seinem Lokal lzerausdränzte,.zog ex ploßlich ohne jede/ ersichtliche Ursacl)c eine'Pisiole aits der�Tasche, lud sie und feuerte auf den Gastwirt. Witte irnirde in den Darm getroffen und verstarb bcrcits am nächsten Tage an den Folgen dieser Verwundung. Der Täter flüchtete auf den Boden des bertachbarten Hauses, ließ sich, ganz nüchtern gemacht, widerstandslos festnehmen und vermochte keine Erklärung darüber abzugeben, was ihn zu der Tat veranlaßt hatte. Auch die Anklage vermochte diese Frage nicht zu klären. Erst während der Verhandlung rief er plötzlich:„Ich wußte nicht, was mit mir geschah. Ich war ja nicht bei Sinnen. Es ärgerte mich, daß ich aus dem Wirtshaus hinaus- gedrängt wurde, und als ich die gewaltige Körpermasse des Gast- Wirts vor mir wackeln sah, die den Eingang zum Lokal versperrte, da hak mich sein Fell so gereizt, daß ich den Schreckschuh lvider willen in seinen Fettbauch hineinscuerte! angebracht, einen dieser jungen Menschen auf 5Vi Jahre ins Zuchthaus zu schicken, trotzdem seine Tat in keinem Vergleich steht zu der Untat L-wkas. Am Zl). August hatte die Bande wieder mehrere Raubzüge im Humboldt Haiin unternommen. Nachts um 11 Uhr wurde ein Uhrmacher, der auf einer Bank im Humboldthain saß, überfallen. Der Angeklagte Behm Hielt ihm. nachdem er ihm einen Schlag ins Gesicht versetzt battc, ein« Tabakspfeife vor und rief ihm zu:„Geld her oder ich schieße!" Der Ueborfallene war so eingeschüchtert, daß er in seinem Schreck glaubte, es fei ein Revol?>er und bat flehent- lich:„Nehmt alles, was ich habe, nur laßt mir das Leben". Er wurde vollständig ausgeplündert. In derselben Nacht stieß die Bande im Humbvldthain auf einen Betrunkenen, den sie auch ausraubten. Sie fanden bei ihm aber nur ganz« 91 Pfennige. Das Schöffengericht verurteilte Behm zu fünf Iahren drei Monaten Zuchthaus. Zwei weitere Angeklagte zu drei Jahren und einen? Jahr sechs Monaten Gefängnis. Der Staatsarmmlt beantragte??>egen Totschlags und u??- erlaubten Waffentragens 7Ä Jahre Zuchthaus, wobei er darauf hinwies, daß bei der heute immer mehr zunehme??den Ber- Vilder?u?g der Sitten solche ge?oalltät?g«n Naturen wie der Ange- klagte ganz besonders streng bestraft werden müßten. Hier n?üsse die Abschreckungstheorie angewa??dt?v«rdc??. Rechtsanwalt Dr. Fuchs führte in seiner Ernnderung aus, daß an dem ganzen Unglücksfall die in Deutschland noch nicht e i n g e f n h r t e P r o h i b i t ion schuld sei.. Es gehe??iHt an, daß mäii /erwerbslose?? Blochen, hie ihre.U??ter.stlltzung ver- saufen,, fsde beliebige Menge Alkohol verkaufe/ und. es?väre r?D- tiger. Wen ska t t(S r w c r b s l ose n g cl d c'r Nahrungsmittel zu geben; dann könnte so manches Verbrechen vermieden lvcrden. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 6K Iahren Zuchthaus, wovon allein 8 Mo??ate auf das Vorgehen wegen unerlaubten Waffentrogens entfielen. Schwere Zuchthausstrafe für Naubüberfall. Hart angepackt wurde auch von dem unter dem Vorfitz von Amtsgerichtsrat Warten berger tagenden Sch öffengcricht Lerlin-M itte«ine Bande junger Burschen, die de?? Humboldt- hain unsicher gemacht hatte. Das Gericht ging weit über den Antrag des Staatsanwalts hinaus und hielt es für Oer Mord in der Stargarder Giraße. Wahrscheinlich mehrere Täter beteiligt. 3m Schauhause wurde am ZNoutaguachmUtag die Leiche der 60 Jahre allen Frau Minna R i ck m a n n obd??ziccl. die, wie bereiis berichtet, das Opfer eines Raubmordes geworden ist. Der Befund ergab, daß der Mörder in bestialischer Weise auf sein Opfer eingeschlagen hat, bis es sterbend zusammenbrach. In- zwischeen ist die Mordkommission bei ihren Ermittlungen mehr und mehr zu der Ueberzeugung gelangt, daß man es nicht mir einen?, sondern mit mehreren Tätern zu tun hat. Sie dürften, wie in der letzten Zeit fast jedesmal, wohl wieder in den Kreisen junger Burschen zu suchen sein. Di« Geumlttätigkeit, mit der sowohl die Frau wie auch der Mann behandelt wurden, läßt es zweifelhaft er- scheinen, daß der oder die Täter es lediglich auf einen Einbruch ab- gesehen hatten. Man muß viel?nehr annehmen, daß es sich um einen vorbedachte n und vorbereiteten Mord handelt. Dasiir spricht allein schon die Wahl der Mordwaffe. Das alte Ehepaar hat. wie festgestellt werden konnte, nach Schluß der offiziellen Verkaufs- stunden auch Waren an der Hintertür an Kundschaft abgegeben. Von dieser Gewohnheit haben die Täter wahrscheinlich Kenntnis gehabt. Ungewöhnlich groß ist diesem Verbrechen gegenüber die Teilnahme der Anwohner der Nachbarschaft. Das alte Paar, das sich des besten Rufes erfreute und den meisten bekannt war, hat die Le?lte zur regen Mitarbeit an der Aufklärung veranlaßt. Aus dein Publikum sind schon verschiedene Personen als verdächtig beze?chnet und von der Kriminalpolizei angehalten worden. Bisher?st aber der Täter noch nicht ermittelt worden. Spiel mit Streichhölzern. Ein Kind verursacht gefährlichen Ladenbrand. Acj&in Lad« n brä,?.d wurde gestern nach» mittag- gegen.3 Uhr in dem Selfengeschast.- von Max Sonneiffchein in der.Fuldastraße l.in Neukölln strich, die Unvorsichtigkeit'ekstc'S' Kindes verursacht. Das Kind des Geschäftsinhabers fpielle in öe?n Laden anjchu- ??chr herbeigerufen, die mit Mehreren Zügen anrückte. Polizeibeamte e?lten gleichfalls zu Hilfe, schoben von außen die Rolläden e?npor und befreiten die drei Personen aus ihrer gefährlichen Lage. Der Inhaber des Geschäfts hatte bereits erhebliche Verletzungen durch Brandwunden Ü&Ä Die Wirkung trat mit militärischer Pünktlichkeit ein. Schweiß trat aus seinem Körper. Er fühlte sich sehr elend, seine Glieder zuckten, die Beine versagten den Dienst. Er be- lom Schwindelanfälle und fiel schließlich um wie ein Sack. Dazu wurde er von einem rasenden Kopfschmerz geplagt. Der Arzt wurde geholt, kniete sich über ihn und sah ihm in die sicberglühendcn Augen. „Was haben Sie denn gemacht, Eiserinann?" „Nichts, Herr Assistenzarzt!" hauchte er. „Sie scheinen ja vergiftet zu sein. Was, in Dreiteufels- namen, haben Sie zu sich genommen? Ich muß es wissen!" „Nur Bier und etwas Wein!" „Das ist mir schleierhaft. Sie sind doch sonst eine trink- feste Kruke!' Ludwig war es sterbenselend. Mehr als einmal glaubte er, er habe�sich iin Mittel vergriffen. Zwei Tage lag er im verlausten Stroh und tvar nicht imstande, sich auch nur i?n mindesten zu rühren. Ei??mal hörte er neben sich in allernächster Nähe den Einschlag einer Fliegerbombe. Rasende Schreie erschollen und das Todesgcwimmer von Pferden. Die Baracke hob sich unter dem gewaltigen Luftdruck und die Wände zitterten noch lange unter der Nachwirkung der Detonation. Er erwachte undeutlich aus seiner Lethargie von dem Stöhnen einiger Verwundeter, die man neben ihm ins Stroh gebettet hatte. Er wunderte sich und konnte die Zusammenhänge nicht recht begreifen. Vielleicht war ja das alles nichts weiter als ein Fiebertraum. Um sich zu überzeugen, fühlte er mühsam seine Taschen ab. Gottlob, die Tabletten waren noch da! Dann lag er wieder da, wurde kleiner und kleiner, bis cr schließlich nur noch ein winziger Punkt war, der sich auf- löste in grauem, farblos werdendem Nichts. So schwamm Ludwig Eisermann vor sich selber fort. A?n anderen Morgen wurde er mit drei Verwundeten aus der Blechbude getragen. Ein Lazarettzug brachte, ihn in ein Sanatorium in Mitteldeutschland. Allmählich erholte sich sein verwüsteter Körper unter sorg- samer Pflege, durfte zur Kur nach Wiesbaden gehen und ver- lebte dort, da er mit Geld nicht zu knausern brauchte, eine glückliche Zeit. Ein Vierteljahr später wurde Ludwig Eisermann als gänzlich d. u. in die Heimat entlasten. Er hatte seinen Willen durchgesetzt, hatte gesiegt, und seinen Leib vor dem Zugriff des Schlachtentodes gerettet. Darin glücklicher, als Millionen anderer, die nach wie vor an den Fronten lagen, jeder Gaswelle, jedem tückischen Zu- griff erreichbar. Wer hatte ihn gerettet? Nicht seine Intelligenz, nicht Sandows Pillen, sondern sein Geld. Er gestand sich freimütig ein: wäre ich als armer Teufel aus dem Schlammassel herausgekommen? Nein. Sein Geld hatte es geschafft. Jawohl, Ludwigs Eisermanns GeldI •k Es war der Februar 1917. Ludwig bum?nelte durch den Tag oder faß zu Hause in der behaglich durchwärmten Stube und freute sich seiner vier Wände. Das war doch etwas anderes, als die vor Feuchtigkeit triefenden Heldenkeller an der Front oder die jämmerlichen Blcchbaracken in der Etappe, diese verdammtenRheumatismus- kisten! Und hier nun der warme Ofen, der weißgedeckte Tisch. Er genoß ordentlich den Gegensatz. „Wenn ich wieder Heimweh nach dem Dreck dort haben sollte, werde ich zur Abgewöhnung in der Kohlenkiste schlafen!" sagte er spaßmachend zu Maria. Die sah verwundert auf. Es kam so selten vor, daß Ludwig lustig war. Die Stunden, die er zu Hause war, saß er meistens am Fenster und starrte auf die Straße hinunter, wo die Passanten hasteten, halbverhungerte Elendsgestalten, die sich vornüber- krüminten, als böten sie so der Kälte und dem schneidenden Winterwind eine geringere Angriffsfläche. In Ludwig stieg ein irrsinniges Triumphgefühl hoch bei diesem Anblick. Warum hatten sie nicht vorgesorgt, die Hungerleider? Hier bei Ludwig Eisermann?var Geld zu Hause. Er konnte es noch eine Weile aushalten und aus jedem Werktag einen Sonntag machen, wenn er wollte. Er brauchte nicht in der Kälte umherzutippeln und magerein Verdienst nachzujagen. Hatte es nicht nötig. Das Geld nahm ihm diese Sorgen ab. Eine famose Einrichtung das! Wenigstens für die, die haben. Und die anderen? Na, die sollen sehen, wo sie bleiben! Verächtliche Falten stiegen aus Ludwigs Mundwinkel,?. Sein Egoismus, brutal und unoerhüllt nach außen gc- lvorfen, fing an, die großen unverrvischbaren Linien zu ziehen. In der Wohnung, bei Frau und Kind, wurde es ih?n allmählich zu muffig und zu eng. Dann lief er zum Vater und stellte sich ans Küchenfenster und schaute zu seiner früheren Wcrkstätte hinüber. Dort werkte jetzt ein anderer Tischlermeister, ein Mann, ebenso wie er im militärpflichtigen Alter. Breit über die Brust sah er aus, kerngesund. Ludwig stellte seine Betrachtungen an:„Na, Freundchen, warum bist du nicht an der Front? Hast wohl auch Sandow- Pastillen genommen? Hm, jeder auf seine Art!" Vier Lehnungen arbeiteten in der Werkstatt, schmale, bleichsüchtige Kerlchen, mit mageren Armen, kaum stark genug, die schwere Raubank zu heben. Manchmal mußte Ludwig zusehen, lvie der Meister die Jungen verprügelte. „Hol dich der Teufel!" knurrte L?idwig,„du gottver- dammter Schinder!" und ergrimmte vor Zorn. Die Galle stieg ihm ins Blut. Er mußte an sich halten, um nicht hinüber zu rennen und dem Prügelmeister ein paar in die Fresse zu hauen. War sein Zorn verraucht, so gestand er sich ein: Biel- leicht sind'- gar nicht die Prügel, die mich auf den Kerl so wütend machen, vielleicht ist's nur der Neid, daß ich nicht in der Werkstatt stehe, sondern er. In Wirklichkeit gehört der Raum ja mir! Uebellaunig hastete er dann nach Hause, wo er wie ein ge- reizte? Tiger im Käfig und auf und niederlief, mit den Pranken schlagend und den Mund zu tollem Gebrüll öffnend. Irgend etwas fand er immer, das ihm als Bsitzableiter diente. Er war überhaupt sehr reizbar seit seiner Entlassung vom Kommiß.(Fortsetzung folgt.) j Kinderjubel am Mlowplatz. Ein Theater voller Menschen, das ist nick)ts Neues und Ungc-! des Volkes erdacht und gespielt. Nichts mehr von den Prinzen und rvohntes. Ader ein so riesengroßes Theater wie die Volksbühne\ Prinzessinnen und Königen, von denen so ein Falke gar nicht weiß, am Blllowplatz von unten bis hoch oben zum dritten Rang hinauk was das eigentlich für Leute sind. Auf der Vühn« geht es sehr lustig ganz voller Kinder, das bekommt man bestimmt nicht alle Tage und bewegt und auch sehr phantastisch zu. Ein Auto kommt, klebt zu sehen. Am Sonntag aber konnte man dieses Schauspiel vor dem sich Flügel an und fliegt h nauf zum Wolkenimum, der höchst Vorhang zweimal hoben, weil unsere Kinderfreunde ihre! modern Telephon hat. Ein ganz famoser Junge ist der Streich- riesige Gefolgschaft zu einer Festvorstellung aufgeboten hatten. Vom h o l z k a r l, der für seine gute alte Mutter Streichhölzchen ver- Parkett bis hoch hinauf zu den Rängen war es ein ununterbrochenes kauft und viele wilde Sachen erlebt, um endlich glücklich wiede� Lachen, Quietschen, Erzählen und Rufen. Ein wildes Auf- und heimzukehren. Schlipp und Schlupp wären ein paar feim Abwogen von blonden(erstaunlich viel blonden) und braunen Kerle, wenn sie nur nicht so sehr den Schnaps lieben würden, unk Kinderköpfen. In diesem Meer flatternder Haare und Locken das kann nun einmal ein rechter Falke nicht leiden, und gibt seinem ertranken die paar Erwachsenen und waren nicht mehr zu sehen und Unwillen gelegentlich auch kräftig Zlucdruck. Das schlimmste aber ch zu hören.„Emil", schrie eine helle Jungenstimme hoch vom dritten doch wohl die böse Zirkussrau, die das kleine hübsche Zirkus- Rang herab,„Emil". Ja, wo war Emil? Uird noch einmal:, mädel so schlägt und in den Keller sperrt. Wenn die Alte aus die „Emil... Eeeemiiil, hier oben bin ick!" Endlich hörte Emil im■ Bühne kommt, dann ist das Theater still wie ein Grab, bs sich Parkett. Vor fünf Minuten hatten Emil und Karl sich getrennt.! hie und da der Zorn und die stille Wut der Jungen und Mädel>11 Jetzt hatten sie sich in der riesigen Kinderschaar mit Falkenaugen � einem lauten und vernehmlichen Prolest:„Olle Here!" Lust macht endlich entdeckt, und das war ungeheuer wichtig, und das mußte mit � Aber Jimmy, der Neger, das ist nun mal ein Faxenmacher, de Zurufen und Zunicken und Zuwinken bekräftigt werden. Der Anne-! kann springen und Zicken drehen, daß man sich totlachen könir dore ging es im ersten Rang mit der Erna im Parkett ganz genau! lind alle diese lustigen, jungen, fröhlichen Gesellen wurden von d so, nur ist man unter kleinen Mädchen eben zierlicher und gesitteter,' ebenso jungen und fröhlichcn Schauspieler Dr. Ernst B ra s ch i winkt sich mit den Händen oder mit einem Tüchlein und lacht sich die Bühne und die Beine gebracht und halfen dem Kindertheal vergnügt' an. stück„Die Z au b e r b r i l l e" zu einem vollen Erfolg. Da platzt in den herrlichen Kinderkrach ein Sprechchor hinein: Zum Schluß aber, da war es wieder ganz anders als In de „An— fan— gen! An— fan— gen." Einen Augenblick Totenstille, anderen Theatern. Da wurde es im ganzen H.iu'e hell, die Scha dann lautes Bravvklatschen! Wirklich hebt sich der Vorhang. Da lpieler faßten sich an den Händen, die vielen tausend Jungen u' sitzt eine junge Spielschar und fiedelt«in feines Stiicklein, und Fritz Mädchen standen auf, und alle, alle fangen ein gemeinsames Li' Hoffmann dirigiert ganz fabelhaft. Darauf singen sie ein hübsches Das war ganz herrlich. Und weil doch nun die Väter und Mütt Tanzliedchen. Beim„Jäger aus dem grünen Wald" singen sogar nicht mit waren und auch nicht wissen können, wie es in so eine alle Kinder fröhlich mit. Und schließlich kommt ein wirkliches. Kindercheater unserer lieben Kmdersreunde zugeht, da haben n richtiges Thsaterstück. Ganz allein für die vielen Nest- und Jung- das nun mal ganz genau beschrieben, und wir glauben, daß dos de: und roten Falken, von richtigen Schauspielern ertra für die Kinder l Nest- und Jung- und Rotfalkcn recht sein wird., erlitten, so daß er zur Rettungsstelle geschafft werden inußte. Das Feuer konnte in kurzer Zeit gelöscht werden. Nach der Bekämpfung des Brandes konnten sich die Feuerwehrbeamten dann noch dadurch nützlich machen, daß sie den Kanarienvogel, der aus der Stube herausgeflogen war, einfingen und wieder in Sicherheit brachten._ prügelnde Llfa-Angeflellte. Immer wieder Kundgebungengegen den Zndericus-Rummel Im Ufa-Palast am Zoo kam es auch am Sonnabend und Sonn- tag zu heftigen Kundgebungen aus dem Publikum, dem der„patriotische" Kitsch auf die Nerven ging. Während die an- wesenden Polizeibeamten in durchaus korrekter Weise ihres Amtes walteten, benahmen sich die uniformierten Angestellten der Ufa zum Teil wie die Raufbolde. Einer von ihnen, der mit Fäusten auf einen Zwischenrufer einschlug (er war nicht der einzige)), wurde polizeilich festgestellt. Außer dieser uniformierten Garde hatte die Ufa sich zu jeder Vorstellung noch ein weiteres Schutzaufgebot von Hakenkreuzl.'rn und Stahlhelmern bestellt, dem man anmerkte, daß es auf Frei- billette der Direktion ins Theater gelangt waren. Was dieses Ge- sindel sich an Beschimpfungen und Tätlichkeiten gegen jeden Theater- besucher leistete, dessen Gesicht den Rasseveredlern nicht gefiel, über- steigt olle Begriffe. So wurden Theakerbesucher, die überhaupt nichts geäußert hatten, tätlich angegriffen, weil man sie für Juden ansah. Es ist charakteristisch, daß keiner der protestierenden Theater- besucher, wohl aber eine Reihe von Hakenkreuzlern wegen tätlicher Angriffe polizeilich festgestellt wurden. Es zeigt auch dieser Umstand, daß nicht die Protestkundgebungen des Publikums, die spontan kamen, wohl aber die Tätlichkeiten gegen all«, die Mißsallen äußerten, organisiert und vorbereitet waren. Das Publikum weiß nun jedenfalls, daß es in den Theatern der Ufa geprügelt wird und zwar von den Angestellten der Ufa und von der Freikarten-Kohorte der Direktion. Es wird sich daran vielleicht erinnern, wenn der Prügelberg-Fllmkonzern einmal wieder mit andern Filmen nicht nur um die Gunst des Hakenkreuz- pöbels, sondern auch des zivilisierten Publikums buhlt. Oie Nazi-Zigareiie. Die Zigarette mit dem Hakenkreuz ist zu uns gekommen. Sie ist ein Produkt der Reichszeugmeisterei der Nazis. Man wird diese mobile Organisation der Hakenkreuzler, die wie eine Truppcnkammer seligen Angedenkens die aktiv kämpfenden SA.-Peges egal weg mit Trinkbechern, Brotbeuteln, Braunhemden, Traktätchen, mit Schlag- ringen, Gummiknüppeln, weißen Mäusen und Blindschleichen— und nun auch noch mit Zigaretten ausrüstet, fortan gerechtcrweise Rauch- zeugmeisterei nennen. Also diese Rauchzeugmeistcrei nun hat da in aller Heimlichkeit ein paar Zigarettenmarken produziert. Wer hätte gedacht, daß die Nazis sich auch noch auf das Zigarettengeschäst werfen würden. Und ein Geschäft soll es im Interesse der Parteikasse doch werden— und wieder einmal ein nationales dazu: denn jedem Pege ist min der direkte Befehl gegeben: Du rauchst diese Zigaretten und keine anderen! Aber die Nazis wären keine Kaufleuie, wenn sie sich nur an die Parteiraucher wendeten, die allein könnten den Schornstein vielleicht doch nicht so zum Rauchen bringen, wie es nationale Geschäfte nun einmal verlangen. Also wenden sie sich an jeden„deutsch Empfin- denden"— die schlechten Juden eingeschlossen, jedenfalls besteht kein direktes Rauchverbot für sie. Auf den Plakaten an den Litfaßsäulen kann man es lesen. Diese schwarzweißrot gehallenen Hakenkreuzplakate im Riesen- format offerieren die Zigaretten— die Nazimarken„Neue Front", „Sturm" und„Balilla" mit diesen schönen Worten: Jeder deutsch Empfindende raucht nur diese Zigaretten und kämpft dadurch mit gegen internationale Finanzversklavung. Diese schönen Worte sind ein sehr schlechtes Deutsch. Dafür dürfte der Tabak bestes Heldeneichenlaub, Marke„Deutscher Wald", sein, um wirksam gegen die internationale Finanzversklavung an- kämpfen zu können. Und man wird doch nicht etwa mit unserem schönen deutschen Gelde zu den Türken oder den mazedonischen Bauern laufen und ihnen ihren landfremden Tabak abkaufen. „Rauche treu deutsch"— so wird fortan die Lofung für alle Hakenkreuzler minderen Dienstgrades lauten, denn Adolf und seine hillerianischen Offiziere werden bei dem so schön in Schwung ge- kommenen Bankettieren mit den internationalen Finanzversklaoungs- größen wohl kaum diese provozierenden Nazi-Zigaretten rauchen dürfen._ Oas rasende Messer. Greueltaten einer Wahnsinn gen. Kopenhagen, 22. Dezember. Am Monlagnachmillog hol sich in Kopenhagen ein furcht- bares Drama einer wahnsinnigen abgespielt. Eine Frau namens Jannings die bereits vor Jahren einmal wegen Wahnsinn in einer Anstalt untergebracht war, überfiel plötz- lich rhre Schwester in der Wohmmtz und schnitt ihr die Kehle dur ch. Dann rannte sie mit dem blutigen Brotmesser auf die Straße, überfiel ein ahnungslos spielendes Kind, schnitt ihm ein Ohr ab und wölltc es ebenfalls töten. Einem Mann, der sich da- zwischen warf und ihr das Kind entriß, brachte sie mehrere schwere Schnittwunden bei. Dann riß sie sich los und ergriff die Flucht. Che man sie in emer Seitenstraße übermannt Halle, verwundete sie noch einen ihrer Berfolger, dem sie vier Finger abschnitt._ Zusammenbruch eines Schiffsneubans. In Brüssel brach ein im Bau befindliches Schiff zusammen und begrub sechs Arbeiter unter sich, von denen zwei getötet und vier schwer oerletzt wurden. Ein Giraßenmadchen und ihr Freund. Junge Menschen, die in der Weltstadt untergehen. Em trauriges Großsladtsittenblld vor dem Schössengerichl Rerkn-witle. Aus der Anklagebank ein 24jähriger Mensch von außerordentlicher Schönheit. Hauptbelastungszeugin ein lgjähriges zartes Mädchen, das aus der katholischen Fürsorge- anstalt vorgeführt wird. Sie klagt den Z4jährlgea der Zuhälterei an. Ein unglückliches Geschöpf, dieses junge Ding. Ihr Bezirk war die Grenadierstraße. Mit ihrem noch kindlichen Körper oerdiente sie Geld. Ihre Mutter wuß.e um ihr Leben, mehr noch: sie nahm ihrer Tochter fast täglich einen Teil des Geldes ab. Mußte sie Mi�tc zahlen, so schrieb die Mutter an die Neunzehnjährige:„Liebe Elli! Schicke mir doch 20 M. Papa liegt krank." Und als die Tochter endlich in die Fürsorge gekommen war, richtete die Mutter an deren Wirtii! einen Bries, in dem sie dies« bat, ihr doch zu helfen, daß ihr Kind recht bald aus der Fürsorge wieder herauskäme: sie brauche doch so notwendig Geld. Eines Tages lernte Elli den 24jährig«n Heini kennen. Er be- zahlte si« wie jeder andere Freier. Das Mädchen fand Gefallen äu dem- schmucken Wurschen und so zogen Elli unl»- Heini zusammen: sie bezahlte die Miete und gab ihm das ganze Geld ab. Als' sie eines Tages ohne Geld nach Hause kam, weil sie zum Geburtstag kes Vaters war, verprügelte er sie. Nach 14tägigem Zusammenleben oersieß er sie; er hatte ein anderes Mädchen gesundem Dann kehrt? er zu ihr zurück, wie früher gab sie ihm einen Teil des Geldes ab. Als er, von ihr angesteckt, im Krankenhaus la� besuchte sie ihn: nach Verlassen des Krankenhauses kamen beide wieder zusammen. Und als Elli aus der Fürsorge davonlief, fand sie erneut den Weg zu ihm. Dann aber«rzählle sie, in die Fürsorge zurückgebracht. von ihm, ihrem Zuhäller: und so kam er ins Gefängnis und dann auf die Anklagebank. Heini bestritt, Zuhäller gewesen zu sein. BESSER ESSEN• WENIGER DAFÜR AUSGEBEN DURCH K A R S T A D T- L E B E N S M I T T E L WEINE U.SPIRITUOSEN Bowlenwein iOLtr. 7.S0ltr. 0.80 Gaubickelh. 10 Ltr. 10.60 Ltr. 1.10 Oppenheim. 10 Ltr.12.80 Ltr. 1.30 Tarragona...10 Ltr.10.00 Ltr. 1.05 Samos....... 10 Ltr. 11.00 Ltr. 1.15 Malaga...... 10Ltr.11.50Ltr, 1.20 Wermut..... 10 ltr. 11. 60 Ltr. 1.20 Muskat...... 10 Ltr.10.50 Ltr. 1.10 Johannisbw. 10 Ltr. 7.00 Ltr. 0.75 Utiel Sp. Rtw. 10 Ltr 9.00 Ltr. 0.95 Schaumw.Hausm.m.Steuer3.95 Obstschaumw.m.Steuer1.25 1.00 Montagne.............. Fl. 0.95 Macon roter Burgunder m. Fl. 1.50 Bosenheimer Berg..m. Fl. 1.10 Weinbr. Spezial 1 Ltr. m. Fl. 4.80 Weinbrand Cabinet. FL 3.95 Rum-Verschn.45l>/o. m. Fl. 4.00 Weinbrand Versöhn. m.FI. 3.00 W U R ST WA REN Dampfwurst.......... Pfd. 0.98 Würstchen........... Pfd. 1.20 Jagdwurst............ Pfd. 1.15 Fleischwurst.......... Pfd. 0.98 Filetwurst............ Pfd. 1.80 Landleberwurst.. Pfd. 1.08, 0.98 Feine Leberwurst..... Pfd. 1.30 Streichmettwurst..... Pfd. 1.20 Cervelatw., Salami.. Pfd. 1.48 Teewurst grob, fein Pfd. 1.60 KalbsleberwurstmttBind* m 1.80 Schinkenspeck........ Pfd. 1.85 Gek. Schinken...>/« Pfd. 0.45 Bunte Rouladen...'/« Pfd. 0.65 Schweinebraten...V, Pfd. 0,65 BUTTER UND KÄSE Molkereibutter....... Pfd. 1.40 Tafelbutter....... Pfd. 1.64, 1.52 Dänische Butter.. Pfd. 1.78, 1.62 Bratenschmalz....... Pfd. 0.70 Margarine............ Pfd. 0.40 Kokosfett............ Pfd. 0.42 Prima Finn. SchweizerPfd. 1.1 8 Dan. Schweizer 300/o Pfd. 0.84 Holländer....... 400/0 Pfd. 0.90 Tilsiter, vollfett....... Pfd 0.84 Feinster Rahmkäse. Pfd. 1.60 Gorgonzola.......... Pfd. 1.30 Briekäse, vollfett... Pfd. 0.95 Harzer Käse..... Pfd.-Pok. 0.40 KONFITÜREN Rhein. Spekulat...Pfd. 0.50 Rh. Gewürz-Spekul. Pfd. 1.00 Mandel-Spekul. ,.pfd. 1.20 NQrnbg. Allerlei. Pfd. 0.95 Alpenbrot.... Pfd. 0.95 Pfeffernüsse weiß Pfd. 0.50 Westf.Honlgkuch. St. 0.50 Kräuter-Printen. Pfd. 0.95 Schokol.-Printen Pfd. 1.70 Marzip.- Kartoff. Pfd. 1.40 Bunter Baumkeks Pfd. 0.95 Schok.-Behangb*«»r.Md. 1.1 0 Weihnachtsstollen. Stück an............. Mk O.SO peiikatessen|k o n s e R V E N Olsardinen.......... 5 Ds 0.95 Franz. ölsardinen..an Ds. 0.95 Thunfisch in Ol...... an Ds. 0.95 Makrelenfil.Am.Frer.Ds 1.40, 1.00 Helg.Kronenhum. ViDs-MO'/jDi. 2.90 Jap. Krebs............ Ds. 2.25 Cap-Langusten........ Ds 2.25 Krabben Ds. 1.46, 1.25, 0.76, 0.45 Mayonnaise...... Gl. 0.95, 0.55 Fetiheringe L Tom., Ds. 0.75, 0.55 Senfgurken..... 2-Ptd.-Ds. 0.95 Russ. Gurken.... 2-Pfd.-Ds. 1.45 Würstchen...... 5 Paar Ds. 0.88 Heringssalat m.Mayon*/,?. 0.46 KARSTADT-LEBENSMITTEL Stg.-Spargel sehr stk.«/, Ds. 2.50 Stg.-Spargel.. mittel ViDs. 2.40 Brechspargel ext.dtk. V, Ds. 2,58 Spargelköpfe weiß,»/, Ds 2.95 Kaiserschoten......»/, Ds. 1.30 Jg. Erbsen fein......»/, Ds. 1.09 Jg. Erbsen mittelfein»/, Ds. 0.75 Jg. Karotten extra kL»/, Ds. 0.98 Gem. Gemüse fein..»/, Ds. 1.35 Gem.Gemüse......'/,Ds. 0.79 Prinzeßbohnen fein'/, Ds. 1.25 Prinzeßbohnen mittel1/) Ds. 0.80 Ananas Hawai, ges. 2.00, unges. 1.75 Kirschen süß, sauersüß Ds. 0.95 Mirobellen a.5t......'/, Ds. 1.05 Reineclauden....... VjDs. 1.00 Apfelmus prima Ds 0.80 Gemischte Früchte..«/, Ds. 1.25 Birnen«/, Frucht..... V,Ds. 1.15 BACKARTIKEL Weizenmehl 000....Pfd. 0.22 Auszugmehl......... Pfd. 0.26 Kartoffelmehl........ Pfd. 0.16 Sultaninen........ an Pfd. 0.48 Rosinen............... Pfd. 0.42 Mandeln hiller 1.50 süß Pfd. 1.40 Zitronat............... Pfd. 1.20 Mandelersatz........ Pfd. 0.50 Haselnußkerne...... Pfd. 1.00 Weihndchtskarpfen _ Pfund 0.98 Zigarren- Präsentklstchen BACKWAREN GEFLUGE LU. WILD WEIHNACHTSOBST Weihnachtstorten Stck. 3.00, 2.00 Weihnachtstort.bes.Ausf St.7.60 Dresdn. Stollen II 3.60,2.401.20 Dresdner Stollen 1 5.25, 3.80,1.75 Bunte Schüssel.Stück 2.50, 1.50 Napfkuchen m. Rosin. Stck. 2.00 Königskch.Stek.2.Q0, 1,50, 100, 0.75 Liköre, 30°/» 295 Frische Hühner... an Pfd. 0.92 Wolgahuhner..... an Pfd. 0.98 Jg. Brathähnchen.. an Pfd. 1.20 Mast-Puten........ an Pfd 0.98 Junge Enten...... an Pfd. 0.98 Hirschkeule........ an Pfd. 1.10 Hirschrücken......... Pfd. 1.40 Wildschweinkeule... Pfd. 1.25 Hasen ausgew.gestr. anPfd. 0.88 Cherry Brandy, Ingwer Halb u. Halb, Curacau Weihnachtsmastgänse frische Oderbrucher an Pfd. 0*94 Unser Haus ist Mittwoch bis 5 Uhr geöffnet Kaffee stets frischt geröstet an Pfd. I90 Blutapfelsinen....... Stck. 0,20 Tirol. Äpfel Kalt.Böhmer) Pfd. 0.30 Amerik. Tafeläpfel.. Pfd. 0.38 Krim-Äpfel........... Pfd. 0.45 Boscoop.............. Pfd. 0.45 Apfelsinen......... 4 Pfd. 0.85 Mandarinen.......... Pfd. 0.30 Traubenrosinen...an Pfd 0.68 Paranüsse......... an Pfd. 0.70 Walnüsse.......... an Pfd 0.44 Haselnüsse........ an Pfd. 0.70 Smyrna-Feigen.. Pfd. 0,38, 0.26 Almeria-Wein........ Pfd. 0.70 Datteln............... Pfd. 0.50 Zitronen....... an Dutzend 0.45 B ESSE R E SSE N• WENIGE R DAFÜR AUS GEB E N D U R C H K A RS T AD T- LEB EN S M I T t E L Seine Eliern tn �nnover sind wohlhabende Bürgers- l«nte„ Er mußte feinen Artistenberui aufgeben, weil Aus- schweifungen seine Kräfte untergraben hatten. Seitdem führte e. «in unste es Leben. Arbeit suchte er nicht, eine Zeitlang handelte er mit Blumen. l8 Monate verbrachte er als Arbeite-fcheuer im Arbeitshaus: dann wurde er Strichjunce, ließ sich von Freunden auc. halten und von Mädchen Mit der Ell, wollte er bereits f it einem Jahr nichts m«hr zu tun gehabt haben. Nicht er fü ihr, sondern sie ihm nochae'aufen. Auch habe er nicht von ihr Geld genommen, sondern im Gerenteil ihr Geld gegeben. Als aber da? Ge:icht ihn wegen Zuhälterei zu fünf Monaten Güängms verurteilt, nimmt er die Strafe ohne w iteres an. Er weiß, daß er fchuk'dig ist. Der ?tsähr!ge hübsche Men'ch scheint unrettbar verloren Wird Elli in der katholischen Fü'.sorgeanstal. Rettung finden? Goebbels kneifi weiker. Vor'ührung beantragt— Vom Gericht abgelehnt. Ttor dem Schäffengsricht Charloktenburg stand neulich leder einmal ein ganzes Bündel Beleidigungsklagen , gen Goebbels»ur Verhandlung. Beleidigt waren u. a. der frühere elneipräsident Zörgicbel. der Blwpoli-Inrälidenl Dr Weist - Kommandant der Schuhnolizei Oberst kielmannsberg Lrimiualtommissar Büsdorf, verschiedene JJatsdamer B o- zeibeamte und die Jüdische Gsaubensgenofienschasl. der '>?'bels Ritualmord vorgswo'fen Halle. Goebbels war nicht erschienen: er hatte rnch diesmal em Gericht keine Entschuldigung zukommen lassen. Der Staats- anmalt beantragte Vertagung der Verhandlung. Rechtsanwalt Kantorowicz als Vertreter des Nebenklägers Büsdorf widerlprach -efem Antrage. Er erklärte: Goebbels hat das Glück, ein b'sonders nachsichtiges Gericht zu finden. Als er am 13 Oktober nicht zum i'ermin erschienen war. konnte er wenigstens von der Ausrede des leichstagsbeginns Gebrauch machen. Das Gericht hat die Anträge es Staatsanwalts und des Nebenklägers aus Goebbels Verhistung e>bgelehnt und den Vorsitzenden mit weiteren Mohnahmen beauf- tragt. Von solchen weiteren Maßnechmen ist in den Akten nichts m ersehen. Ich bin derselben Rechtsauffassung, fährt der Neben- läger fort, wie letztens, und kann diese Auffassung durch eine Reichsgerichtsentscheidung im 38. Bande bestärken. Es heißt darin, daß auch die zwangsweise Vorführung eines Reichs- tagsabgeordneten möglich sei. Unterstützt wird diese Reichsgerichtsentscheidung durch den Kommentar des Marburger Professors Arndt, der gleichfalls der Ansicht ist, daß bei un entschuld- borem Ausbleiben auch ein Reichstagsabgeordneter vorgeführt wer» den könne, sofern seine Tätigkeit als Reichstagsabgeordneter hier» durch nicht unterbunden werde Der Reichstag ist aber im Augen- blick vertagt. Es soll nicht verkannt werden, daß Relchstag-bge» ordnete auch während der Vertagung des Reichstags verschiedenartige Pflichten haben. Es wäre aber eine Beleidigung der Reichs- tagsabgeordneten, zu behaupten, daß das Aussetzen von weißen Mäusen und das Werfen von Stinkbomben zu den Pflichten eines Reiehstagsabgeardneten gehört. Ich beantrage, einen neuen Termin anzuberamnen, aber bis zum letzten Tage vor dem Angeklagten Goebbels geheim zu halten. Goebbels Verhalten ist nichts anderes als ein« Verhöhnung des Gerichts und zeugt von Mangel an Mut gerade bei ihm, der immerfort von chewentum und Frontgeist spricht--,.„ Nach kurzer Beratung verkündete der Vorsitzende, Landgerichts- direltor Rambke sölgenden Beschluß: Die Verhandlung wird oer» tagt, der Antrag des Nebenklägers auf Erlaß eines Vorführungs- befehle wird abgelehnt, da hierin eine Beeinträchtigung der Tätigkeit als Reichstagsabgeordneter liegen würde. Der Staats- anwalt Ist mit den vorbereitenden Maßnohmen zu beaustragen. * Eine weitere Verhandlung gegen Goebbels sollt« sodann vor dem Schöffengericht Schöneberg stattfinden— wegen Beleidigung des Vizepolizeipräsidenten Dr. Weiß und wegen Auf- reizung durch ein Gedicht„Die Sturmkolonne". Auch diesmal war Goebbels nicht erschienen. Cr hatte dem Staatsanwalt geschrieben. daß er das Verfahren für unzulässig halte, weil er Reichstags- abgeordneter sei. Das Gericht beschloß die Vertagung und Bor- ' ü h r u n g des Angeklagten, falls der Reichstag feine Immunität aasheben sollte. Vorläufig aber darf Goebbels ruhig weiter kneifen. ' s o n auftrat. Bücher von hohem wissenschafllichen und literarischen Wen werden beschlagnahmt, Abbildungen»nd Zeichnungen verboten, Schriftstellern und Künstlern ichwebt permanent der Gattslästerungs- Paragraph über dem Kops. Vorzügliche chelserdienste leisten dem Kulturfaschismus auch die K 0 m m u n i st e n. Ihre Spaliungs- bestrebungen oersuchen sie wie auf dem gewerkschaftlichen und politischen auch auf dem kulturpolitischen Gebiete mit allen Mitteln der Demagogie durchziisührcn In der evangelischen Kirchen- presse findet man oft eine schlimme Hetze gegen So- zialdemokratie und freie Gewerkschaften, während man den Nationalfozialirmits auf den Schild erhebt. Die freiheitlich auflreb enden Arbester müden mehr tsts bisher auf diele Dinge achten. Der Deutsche F r e. i d e n k e r- V c r b a n d E. V., die Organi- : lation von 600 000 klassenbewußten Kämpfern, führt einen erbitterten Kampf gegen den auf dem M a' h beiinMichen Kultursaschismus. Es ist notwendig, daß er durch Mitgliedsehast und Mitarbeit unter- stützt wird._ Wohliätigkeiiskonzeri der Schupomusiker. Zum Besten ihrer Kriegebeschädigten und Hinterbliebenen oer- anstaltete das Sinfonieorchester der Berliner Sbutzpolizei unter Leitung von Camilla Hildebrand auch in diesem Jahre ein Weih- nachtstonzert im Großen Schauspielhaus. Feierliche Orgeltöne— Vachs v-Moll�5uge— durchbrausten den Riesenraum, von Prosesior Walter Fischer meisterhaft zu Gehör gebracht. Dann spielte dos bestdisziplinierte Orchester„Air" aus der O-Dur-Suite von Bach, Wagners Göttereinzug aus„Rheingald" und verschiedene Opern- ouvertüren. In Arien aus„Tosea" und„Marion" brillierte die kultivierte Snngestunst von Joseph Schmidt. Unter den zahlreich erschienenen Gästen bemerkte man Landtaasprästdent Bartels, Ministerialdirektor Dr. Klausener, Polizeipräsident Grzesi.rski u. a. Kundgebung in Pankow. Die antifaschistisch« ftimdgebrrirg in Pankow war bald nach Beginn so überfüllt, daß der groß« Saal in Lindners Konzert- Haus polizeilich gesperrt werden mußte. Reichstagsabgeordneter Genast« L i t k« zeigte die Rolle der Nationalsozialisten als Schutz- truppe des Kapitals. Die Nazis behaupten zwar, eine Arbeiterpartei zu sein, aber ihre Vertreter im Reichstag sind Rittergutsbesitzer, frühere Offiziere, Fememörder. Fabrikbesitzer, und kaum ein Arbeiter ist darunter. Sie sind also auch außerstande, Arbeiterinteressen zu vertreten, und sie haben auch bis lzeute noch kein sozialpolitisches Programm. Damit warten sie auf das dritte Reich, inzwischen empfehlen sie den Kranken und Krüppeln den Selbstmord, damit sie ihrer Umwell nicht mehr zur Last fallen. Während des Metallarbeiter st reiks hat man sich bei den Metallarbeitern anbiedern wollen, aber den Unter. nehmern haben sie später erklärt, dos sei nur geschehen, um die Arbeiter aus den marxistischen Gewerkschaften herauszulocken. In der letzten Zell hat sich ia auch ihre ablehnende Stellung zum Sozialismus deutlich gezeigt, sie be j a h e n grundsätzlich das Privat- «igentum, und auch dem„anständigen" Privatbankier soll im dritten Reich nichts passieren. Ihr ganzer Kampf gegen den Marxismus ist weiter nichts als ein Kampf gegen die polllischen, genossenschoft- lichen und gewerkschaftlichen Organisationen der Arbellerschaft, gegen lommunale und soziale Einrichtungen. An die Arbeiterschaft muß heut« die Mahnung gerichtet werden, sich keinessalls provozieren zu lassen, aber wenn die Nazis einen Bürgerkrieg beabsichtigen, werden Sozialdemokratische Partei und Reichsbanner auf der Wacht sein. Freidenker gegen Kulturfaschismus. In der Besorgnis um den Fortbestand der bürgerlichen Privi- legienwirtfchaft finden sich Kapitalisten und Vertreter des reaktiv- nären T«Us der christlichen Kirche im Kampf gegen die sozialistische Entwicklung oder, gegen den Marxismus zusammen. In diesem immer schärfer werdenden Klassenkampf hosten sie gegen die freie weltliche Entwicklung ihre Bestrebungen am erfolgreichsten durch- setzen zu können. Rede- und Satzwendungen harmlosen Charakters werden zu Golleslästerungen gemacht, und die Erhebung einer An- klage ist sicher. Das erst vor einigen Tagen ergangene Verbot des R« m a r g u e> F il m s hat ungeheure Empöruno des ge- samten freihecklich gerichteten Volksleils in Deutschland hervor gerufen. Einen �harmlosen Werbetonnlm für Elektrizität-Verbrauch ereilte dasselbe Schicksal, weck darin Petrus als behandelnd« Per- Selbstmord eines L'hr'ings. In der Wohnung seiner Eltern, im Hause Euler st raße 24, verübte gestern abeich der 17jährige Tischlerlehrling Paul D. Selbst- niord durch Gas Als die Cllern gegen 18 Uhr heimkehrten, fanden sie ihren Sohn bereits tot auf. Der junge Mann war gestern auf seiner Lehrstelle aus noch unbekannten Gründen plötzlich entlassen worden. Das nahm er sich so zu Herzen, daß er be- schloß, aus dem Leben zu scheiden. Die Abwesenheit seiner An. gehörigen benutzte er dann zur Auefühning der Verzweiflungstat. Maffenvergistlwg durch Blausäure Zehn Greise und Greisinnen e, stickt G I t s ch i n, 22 Dezember. Montag kam es in dem Altersoersorgungs- und Sümenhaus i.1 Gitschin zu einer Massenvergistung durch Vlausäuredämpsc der bisher zehn Personen erlogen. Das sehr alte Gebäude sollte nach behördlicher Anordnung gründlich von Insekten gereinigt werden. Die Reinigung wurde einer Prager Firma übertragen, die die Räume der Reihe nach mit Cyanwasserstofs durchgaste. Laut Vorschrift dürfen die Wohnräume dann erst nach tzOstündiger Lüftung wieder betreien weroen. Die Insassen aber suchten wegen der Kalle die Räume schon drei Stunden nach der Durchgasung wieder auf. wobei sie sofort Vergiftungserscheinungen zeigten. Einzelne der Vergifteten verfielen in Krämpfe. Sechs starben sofort, l? weitere Insassen mußten in das Krankenhaus geschafft werden, wo vier von ihnen starben. Mit einer Ausnahme sind alle Verstorbenen über 80 Jahre alt Der verantwortliche Beamte der Prager Reimgungsgefellscha t ist verhafte: worden._ Eisenbahnunglück in Süds awien Ein Tote, und z-hn Y richte. Belgrad, 22. Dezember. Auf der Strecke Sarajewo— Dlsegrad— Belgrad ereignete sich am Montag ein Cisenbohnunglück durch das eine Person getötet, sechs schwer und vier leicht v-r etzi w'iri.-n. D:rch einen Erdrutsch, der die Strecke veAegte, entgleist« die Maschine eines Personenzuges und riß einen Salon- und zwei Personenwagen mck sich. Die Maschine überschlug sich und wurde schwer be. schädigt. Die zwei Personenwagen wurden zertrümmert. übnr'krankretch. Der Winter ist im größten Teck Frankreich» mtt Macht ein- gezogen. Die Kalle iE im Ofen und im Zentrallnassw sehr e-nnkind- lich." Im letzteren Gebiet fiel das Thermometer auf 13 Grad unter Null, in Elermvnt-Ferrand auf minus 7, in Dston auf i minus 5 und in Straßburg auf minus 4 Grad ir- Lrä? M m. \ 3.0�0 Auf jedem Gabentisch erwarte! den Raucher seine Liehlingsmarke und im weihnachtlichen Kerzen Schimmer vermischt sich baid der würzige Duft der Tanne mit dem herrlichen Aroma von: •MoseäfiJtujno Berlins rn eiisgera uchier 4 rf Cigarelle Sisgrah der 3£imdertdrei ßi g Von Surf Ulc, Connel ilein Winöhcmch bewegte die frostige Septcmberluft, durch die der graste, graue Focker seinen Weg zum magnetischen Nordpol nahm. Durch leichte chöhennebel tonnten Major L. T. Burwash und sein Pilot W. E. Gilbert tausend Fust unter ihnen ichmalc, graugrüne Wasserstreisen wahrnehmen, die in einem seltsamen Gegensatze zum endlosen Weist der sie rings umgebenden Eis- und Schneeflächen standen. Dort unten, am Grunde des Polarmeeres, mochten wohl Hunderte von Schiffswracken liegen, die das Treibeis zermalmte. Vielleicht trieben auf diesem Meere des großen weißen Nordens auch noch Schiffe, die dem Anprall des Eises widerstanden, in endlosem Kreise, eine Gespensterflotte mit Skeletten an Bord. Kein Wunder, daß Burwash und sein Pilot scharfen Auslug hielten, während der Photograph der Expedition Aufnahmen des Verlaufes der Küstenlinie machte. Vor einer Reihe von Wochen, als die Aussindung der Leiche Andrees die Well ecregle, waren Burwash und Gilbert aufgebrochen, um mit Unlerstühung des kanadischen Innenministeriums die gewalligste Tragödie der ArNis, das verschwinden Sir John Franklins und seiner beiden Schisse„Crebus" und„Terror" endgültig aufzuklären. Franklin war vor 85 Jahren ausgezogen, um eine schifsbare Wasserstraße— die Nordwe st passage— vom nördlichen Atlantischen in den nördlichen Pazifischen Ozean zu erkunden. In der langen Kette von Polarexpeditionen endete dieses wohl- vorbereitete Unternehmen am unheilvollsten. Von den 129 Männern, die mit Franklin Im Sommer des Jahres 1845 von England ab- fuhren, kehrte kein einziger zurück. Eine Expedition nach der anderen zog aus, um sie zu suchen. Viele von ihnen fielen selbst der Arktis zum Opfer. Aus all dem was man seither festgestellt hat, geht hervor, daß die Expedition ihren ersten Winter aus Beechy Island zubrachte, nachdem sie den Wellington-Konal bis 75 Grad nördlicher Breite erforscht hatte. Im Jahre 1846 dürfte Franklin bis nach den Eisfeldern von King- Williams-Land vorgedrungen fein, wo eins seiner Schiffe, vom Eise zertrümmert, gesunken sein muß. Das andere wurde durch das Treibeis abgedrängt. Es dürfte jahrelang an der Küste von King- Williams-Land gelegen haben, wo die Eskimos sein Holz für ihre Schlitten, Pfeile und Bogen und sein Eisen für ihre Messer, Speere und Aexte verwendeten. Während des Sommer 1847 starben Sir John Franklin, neun seiner Offiziere und fünfzehn Wann. Caplain Crozier über- nahm das Oberkommando. Der Proviant näherte sich seinem Ende, und Eaptain Crozier oblag die grauenvolle Notwendigkeit. das Schiff zu verlassen und mit seinen Leuten den verzweifelten versuch zu unternehmen, mehr als 450 Weilen südwärts nach der nächsten Station der Hudson-Bay-Company zu marschieren. Am 22. April 1848 brachen die 105 Ueberlebenden auf. Niemals erreichten sie ihr Ziel. Nach einem Marsch von 880 Meilen be- schlössen sie, umzukehren und wieder das Schiff aufzusuchen. Aber nicht früher raffte sie der Tod dahin, als bis sie das Hauptziel ihres Unternehmens verwirklicht hatten: die Er- farschulig eines Derb indungskanals zwischen der Basfin-Bai und der Aering-Ttraße. Sie verwirklichten den jahrhundertealten Traum der europäischen Seeleute, indem sie die N o r d w e st p a s s a g e entdeckten. Sie waren Eroberer des Unbekannten— selbst im Tod«! Ihr südwärts führender Weg ist noch heute reich an lieber- resten ihres heroischen Marsches. Hier wurden Silbermesser und Gabeln mit den Monogrammen Franklins und anderer Expeditions- teilnehmer, die schweren Schlitten wid Boote, zu schwer, um mit- geschleppt zu werden, Teile der mit Messingknöpfen versehenen Uni- formen. Steingräber, ein kurzes Protokoll über den Tod Sir John Franklins und hier und da Skelette der Leute gefunden, die während des Marsches gestorben waren. Diese dürftige Geschichte der John-Franklin-Expedition haben nun Burwash und Gilbert durch das Schlustkapitcl ergänzt. Es ist wenig wahrscheinlich, daß weitere Forschungen eine vollständigere Lösung des größten Geheimnisses der Arktis bringen werden. Der Sommer 1930 war besonders gut geeignet, um dem eisumlagertcn Norden feine Geheimnisse zu entreißen. Zuerst die Auffindung der Leichname Andröes und seiner beiden Gefährten! Die anormal milde Witterung und die Schneeschmelze brachten» sie und ihr Tagebuch nach 30 Jahren an die Oberfläche. Und läng- der Küste von KIng williams Land. wo Franklin und seine Leute verschwunden waren— ein halbes Jahrhundert, bevor Andree im Ballon zur Fahrt nach dem Nordpol ausstieg—. war die Schneedecke fast vollständig geschmolzen. Unter so günstigen Voraussetzungen flogen Major Burwash und sein Pilot nordwärts. Zum erstenmal sahen die„blonden" Eskimos einen Aeroplan in der Nähe des magnetischen Pols. Dann ging die Fahrt südwestwärts gegen King-Williams-Land. Sie hatten hunderte Mellen nördlich vom Polorkreis neue Gebiete erforscht. Etwa tausend Meilen Küstenlinie hatten sie kartographisch aufgenommen, und wettere tausend hofften sie auf der Rückfahrt noch aufzunehmen. Es verblieb also noch die Aufgabe, wenn möglich, das Geheimnis der Franklin-Expedition aufzuhellen. Weichin dehnte sich die grostc weiße Wüste des Nordens, seltsam in der Nachmittagssoune glitzernd. Hier waren die Schiffe Franklins vom Eise eingeschlossen worden. Major Burwash suchte die Küste ab, während die anderen mehr landwärts nach Spuren der Franklin- Expedition suchten. Bei Ladp-Jane-Franklin-Point fanden sie deut- lichc Ueberreste eines Lagers, vielleicht desselben, das bereits Leut- nant Hobson von der Britischen Flotte im Jahre 1859 entdeckt hatte. Am nächsten Tage gingen sie die Küste nach Norden gegen Victoria- Point ab, wo ein Steingrab aufgefunden wurde. Ii ich l weit davon trafen sie aus die Ueberreste eines sehr großen Lagers. Trotz genauer Untersuchung fanden sie jedoch keine Skelette oder Leichname vor. Wehr im Süden, bei der Terror- Bai, besuchten sie den Ort, wo Leutnant Schwatka von der Armee der vereinigten Staaten, 30 Jahre nach der Franklin- Tragödie, die Ueberreste eines Lagers ausgesunden hatte. Dann kehrten Burwash und seine Leute nach ihrem Aeroplan zurück und machten van dort aus photographische Aufnahmen der Route, über die der letzte Marsch der Ueberlebenden der Franklin-Expedition geführt hatte. Es mutz besonders erschütternd wirken, daß diese Männer in einer Gegend eines gewissen Ueberslusses, wo seit jeher Eskimos lebten und noch leben, Hungers gestorben sind. Sie starben, weil sie in ihrer Hast, wieder bewohnte Gebiete zu erreichen, die Nahrungsmöglichkeiten übersahen» die ihnen die Gegend bot. Millionen von Renntieren streifen dort umher, und Seehunde, Eis- bären, Gänse und Enten sind überall zu sinden. Die Felle vieler Tiere hätten ihnen Kleidung, Obdach, Schuhwerk und das bei den Eskimos so beliebt« Fellboot liefern können. Stattdessen schleppten sie Ihre massiven Holzboole mit sich, die sicherlich zumindest fünfmal so viel wogen wie ein Cskimokajok gleicher Größe. Wit dem Tran der Robben hätten sie vortress- lich ihre Zelte beheizen und beleuchten, auch kochen und ihre Stiefel wasserdicht machen können. Stattdessen benutzten sie ihre unprakkischen Talglichter und die mit steifen Sohlen versehenen Stiefel aus Suhleder, die für das Klima vollständig ungeeignet waren. Und vor allem hätte ihnen das Fleisch der Tiere Nahrung in Hülle und Fülle geliefert, noch dazu Nahrung, die vor Skorbut schützt! Dr. John Rae, einer der unermüdlichsten und erfindungsreichsten Forscher nach Franklin, erhielt sich und seine Leute dadurch am Leben, daß er in iener Gegend, wo die Männer, die er suchte, um- gekommen waren, Wild erlegte. Er vollbrachte damit etwas, was kein Forscher vor ihm gewagt hatte, und zeigte, daß jedermann, der gut zu Fuß ist und über gute Augen und eine geeignete Büchse verfügt, sich im hohen Norden so lange am Leben erhalten kann, als seine Patronen reichen. Der Hauptzweck der unglückseligen Franklin-Expedition— die Erforschung einer Nordwestpassage— wurde bereits seit vier Jahr- Hunderten zu verwirklichen versucht. Einmal hatte die britische Regierung einen Preis von 100090 Pfund für die Entdeckung einer solchen Meeresstraße ausgesetzt. Im Jahre 1845 erwachte der alte Plan zu neuem Leben, und Sir John Franklin ward auserschen, an die Spitze der Expedition zu treten. Sorgfältig ausgerüstet, mit Proviant für drei Jahre versehen, stachen seine beiden seetüchtigen Schisse Ende Mai 1845 in See. Am 26. Juli 1845 wurden sie zum letztenmal im Lancaster-Sund gesehen. Dann verschwanden sie. Nach den Expeditionen Dr. Raes, Mc Elintocks, Schwatlas und Burwashs wissen wir nun wahrscheinlich alles, was über die Schick- fale des Unternehmens Franklins überhaupt in Erfahrung gebracht werden kann. Wir wissen, wie die Forscher starben: wir wisser. auch, wo und. mit einem hohen Wahrscheinlichkeilsgrunde, wann. Es wird vielleicht verwundern, daß nur so wenige Skelette ausgesunden wurden. Man ist einig in der Annahme, daß die Expedilions- teilnehmer, die gezwungen waren, ihre Boote und Schlitten über die zugefrorene See zu schleppen, und dabei zusammen- brachen, liegengelassen und bald vollständig vom Schnee zu- gedeckt worden sind. Nun hat Major Burwash das Gebiet, wo Franklins Leute umgekommen sind, einer neuerlichen Durchsuchung unterzogen. Seine Expedition hat die bisher bekannt gewordenen Forschungsergebnisse bestätigt und einige neue hinzugefügt. Sehr wahrscheinlich hat er damit das letzte Kapitel der Geschichte der gewaltigsten Tragödie der Polarforschung geschrieben. tTiniia brnchtiflle Uidersetzu»« au» dem Ameiilanischcn von Leo Korten.) „Met' Stummel.. Don teha teha Ich Hab« ein« komische Angewohnheit: immer muß ich«inen Zigarrenstummel im Munde haben. Mit meinen Lutscher versehen, besteige ich in Leipzig die Trambahn.„Linie zähne nach'm Com-v- witzer Kreitz." Ich denk an nichts Vorschriftswidriges, als auf«imnal der Schaffner wie«in rasender Roland auf mich zustürzt: „Sie he— Sie dürfen hier nich' roochen, das ist nich' er- laubt---" „Verzeihung— ich rauche ja nicht, ich w' bloß so." „Zu was ham' se nachher den zerknatschten Lutschbeitel in der Gusche?" „Zu meinem Vergnügen, verehrter Herr." „Sie— das fällt uf.— Jeder, der Sie sieht, mecnt. Sie roochen." „Schauens, sie ist ganz toll." „Das find'ch nu gomisch— hier in Nichtroocher. Zu wasstn?" Die Leipziger Ureinwohner nahmen alle für den Schaffner Partei. Nicht mit Worten, sondern mit den Augen, und das merkte der. Er reckte sich wie ein Staatsanwalt. Stolz blickte er um sich, gab einen Fahrschein aus— dann wandte«r sich wieder an mich: „Aestätsch is das nu och ni' grad mit so einer Nuddel— ich täts nich..." „Jedes Tierchen hat sein Pläsierchen. Ich freu mich, und dann hält sie auch länger." „Jeder denkt: Nu der roocht doch— wenn der roocht, därf ich's ooch, und der Schaffner hadd's auszupaddeln..." „Wo steht, daß man nicht kalt rauchen darf— bitte." „Ich gann doch nich jeden an sein stinkisches Kraud herum- klabastern, ob«s heeß is' oder gald..., wär an cener Zikarre zuzzelt, roocht— färtsch." Er gab wieder einen Schein aus, die Dame, die ihn erhielt, tröstete:„Ja, ja, Sie haben ihr« Last." „Nu wohl nich? Denken Sie bloß, wenn eener in den Wagen speuzt, und er sagt dann: Das is doch geene Spucke nich... Wo gäm man da hin?" Er war sehr erregt. Am Volkshaus wollte ich absteigen, hatte aber immer noch keinen Schein. „Nehmen Sie mir bitte mein Geld ob, ich steig« nächst« Halte- stelle ab, damit Sie ihre Ruhe bekommen." „Fünfundzwanzig Fennge. Sie müss'n doch einsähn, ich Hab' recht?" „Ja und nein.— Seit einigen Minuten rauch ich nun wirklich." „Dä zergauten Babs?" „Nein, ich rauch« vor Wut." Ich stieg ab. Er hatte die Hand zum Abschellen angelegt. Aber er gab mit noch ein gutes Wort mit aus den Weg: „Mach'ns Sie's wie ich— ich Hab mei Briemchen. Damit stärn Sie geenen nich. Sähns«— so ä Bricmchen is viel öfttärfchcr wie ä galder Schtummel, der, wo jeder meent, er roocht. Na dann adschc, Herr Nachpar.. �Begegnungen mit Dirylenko Von 90. ffiickmer föickmerg Wie die Verkörperung der tadbringenden Macht in Rußland schon damals im Schacht-Prozeß austrat, so auch heute wieder gegen Ranrstn und Genossen: Im Sportanzug. Aus der Bergsteigerkluft ragt einer der schnittigsten Eharakterköpfe der Sowjetunion, der Kopf des Generalstaatsanwaltes Krylenko. Das Klc'd verstnnbild- licht seine andere Wesenheit. Ich l)atte Gelegenheit, Krylenko in seiner zweiten Umwelt zu beobachten, in den weißen Gletscher- gebirgen Asiens, die seinen roten Grimm ebenso stark heraus- zufordern schienen wie die anderen„Weißen". Ich kenne nur die sportliche Seit« dieser Doppelseele. Ein Maicntag zu Moskau in den Hallen der Meschrabpomruß (Sowjetfilm). Die deutsch-russische Alai-Erpcdition soll am Be- ratungstisch gefilmt werden. Alle Tellnehmer sind vollzählig ver- sammelt. An der Spitze der Russen der allgewaltige„Geheimrat" im Kreml. Nikolai Petrowitsch Gorbunosf, zugleich Rektor der Technischen Hochschule und Vorsitzender der Gesellschaft für An- gewandte Botanik. Dann werde ich einer gedrungenen und quicklebendigen Er- scheinung vorgestellt, die ich unter die Erinnerungsbilder des alten preußischen Offiziers einreihe. Das ist Kamerad Nikolai Wassil- jewitsch Krylenko, stellvertretender Justizkommissar und Prokuror der RSFSR.(Kernrußland). Ein gepfeffertes Kerlchen, das nur so spricht. Man merkt eine gestraffte und gebändigte Hitzigkeit. Er fragt mich gründlich nach unseren bergfteigerischen Plänen aus und fängt dann gleich mit Gorbunosf eine sachliche Unterhaltung über das beste Ziel an. Für Deutschs klingt der rasche Wortwechsel allerdings schon mehr wie ein heftiger Streit. Krylenko ist Bergsteiger aus angeborener Schneid, Gorbunosf mehr aus Naturliebe und wissenschaftlicher Neigung. Krylenko macht durchaus nicht den Eindruck eines Blut- dürstigen. Man wird vom geistigen Blutdurst des Sportmannes reden dürfen, von der Mordlust des weidgerechten Jägers, der sein Wild zur Strecke bringen will, aber möglichst glatt und schnell, damit ein Ende sei. Krylenko gehörte nicht zum Stabe des Unternehmens, sondern führte eine Gruppe hoher Staatsebamter— worunter Otto Julje- witsch Schmidt. Minister für Statistik— die ihren sechswöchigen Urlaub auf den Gletschern des Pamirs verbringen wollten. Dazu boten die Wege und Verpflegungsstasseln der Alai-Pamirfahrt die günstige Gelegenheit. Im August sah ich ihn wieder. Das war im Messezelt auf dem Gletscherpasse Tanimas in 4000 Meter 5)öhe. Bunt drängte sich die Menge auf dem roten Filztcppich: Russen, Deutsche, Turkestaner, Soldaten der Grenzwache. Reben ein Schachbrett gestreckt Krylenko, scharf bemüht, den Gegner matt zu setzen, unbekümmert ums Ge- wühl der Leiber und Gewirr der Stimmen. Gewiß ein schneller und geistesgegenwärtiger Denker, der sich sofort und fest aus den jeweiligen Gegenstand versammeln kann. Als tecausschcntende Wirtin thront seine Frau Jelena Fjodrown.a Rosmirowitsch, die auch irgendein großes Tier im Staatsgefüge ist und nebenher aus- dauernde Becgsteigerin. Wie so viel« beruflich selbständige Russinnen behielt sie ihren Mädchennamen bei. Nachmittags machten wir einen Ausflug, um das Drehbuch der Filmieute zu bereichern. Mit den langzahnigen Steigeisen hatte sich Krylenko schon auf den ltesten Fuß gestellt. Wo das Eis zu steil wurde, da schlug er mit dem Pickel zu, daß es nur so krachte. Er hat etwas Rasches und Schnelles an sich. Innerlich vermeinte er wohl, mit jedem Hiebe den Kops eines oerhaßtcn Bourgeois zu treffen. Mit etwas mehr Erfahrung kann Krylenko«in Führer der russischen Bergsteiger werden, denn er Hot Schneid, Ausdauer und Verstand, vor ollem aber Schneid. Einen Monat später trafen wir uns in den herbstlichen Wcidenhainen von Altin Masar, von wo au? unsere drei Münchener den Leninberg bestiegen, den höchsten Gipfel«owjet- rußlands(7150 Meter). Lzier feierten wir Abschied von den Russen. die wieder nach Moskau mußten. Sie waren In bester Stimmung, zumal Krylenko. denn sie hatten den»euentdcckten Fedtschenko- cletscher überschritten, den längsten der Welt. Nachts tafelten wir bei Kerzenschein uner der Filzkuppel des Kirgiscnzeltes. Infolge andauernder Gesundheit hatte sich viel Krankenschnaps angesammelt, der nun auf zukünftige Gesundheiten vernichtet wurde. Er war indes bald erschöpft, ohne die recht« Abschiedstraurigkeit gebracht zu haben. Am nächsten Morgen ritten die Russen heim. Als sich Krylenko aus den Gaul schwang und voranstürmte, die Knute wie einen Feldherrnsäbel schwingend, da fand ich meinen ersten Eindruck verstärkt: Oberst war ich einst bei den Husaren! Im vorigen Sommer berichteten die russischen Zeitungen, daß Krylenko beinahe den Gipfel des Leninberges erreicht habe. Mit dreizehn Begleitern zog er aus: einer nach d«m anderen bröckelte ab: zuletzt blieb nur noch Krylenko übrig, der bis kurz unter den Gipfel gelangte. Die vorgeschrittene Tageszeit zwang ihn aber zur Umkehr. Um die Sache kurz zu machen(Kopf ab!) stieg er gerades- wegs über die bisher unbegangenen Eiswände der gefährlichen Rordflankc zu Tal. Ich wollte nur das äußere Bild eines Menschen und Berg- steigers schildern. Für staatsanwallliche oder innenpolitische An- gelcgcnheiten meiner Gastgeber bin ich nicht zuständig. 60 Sleme auf den iKopf Dos Zählen der Stern« ist noch immer ein undankbares and allzu mühevolles Geschäft, so groß« Arbeit man auch auf die sorg- fältige Anlage von Sternkarten verwendet Hot. Der berühmte eng- tische Astronom Sir James Jeans schätzte kürzlich in einem Vortrag die Gesamtzahl der Sterne aus lOOMilliarden: meinte aber, daß es ebenso gut zweimal oder dreimal oder viermal so viel sein könnten. Er sprach dabei die Annahme aus, daß wenigstens 60 St«rne auf jeden Kopf der Bevölkerung der ganzen Erde kämen. „Je größer das Fernrohr ist, desto mehr Sterne sehen wir", führte er aus.„Die größten Fernrohre, die bisher gebaut wurde», zeigen etwa IM Milliarden Sterne, so daß ungefähr einer auf jeden Ein- wohner der Erde käme. Aber es ist ganz sicher, daß ein noch größeres Fernrohr, daß jetzt gebaut wird, uns viel mehr Sterne zeigen wird und daß wir auch dann noch weit davon entfernt sind, alle Sterne zu sehen. Mit dem Zählen der Stern« kommt man überhaupt nicht weiter: man muß sie wiegen, und zwar alle zusammen. Dann kommt man aus eine Ziffer von mehr als 100 Milliarden, ohne damit eine genaue Zahl zu erhalten. Leut« mit den besten Augen können nur etwa 3000 Stern« sehen." Nlreniwortlich flit Politik: Vitt»« SAiff: Wirtschaft:®. Kliaacldöscr: Ecwrrkichaftsbcweauno: 3. 8t«i»tr; fffuiUclon:®«. Job» Smikoiusl:: Lokoic- uirt) Sonftigro: fttili«otftobt;«Njliaen: Th. Gloike: sämtlich i» Berlin. Berla«: Borwärts-Berlaa S. m. d. S.. Berlin. Druck: Borwärls.Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Sinaer u. cko.. Berlin©«. 68, Lindenstraße 3. btetjn 2 Beil»«,». Är. 599* 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag. 23. Dezember �930 Gemeinden in Not. Kinanzielle Selbstverwaltung in Fesseln.- Ltngeheure Wohlfahrtslasten. Die NotoerorHrmng vom l. Dezember hat den Gemeinden ein« ywer« Enttäuschung gebracht. Die Einsetzung von Staats- ommissaren in zahtreichen Gemeinden hat der breiten Ocffentlich- teit gezeigt, daß höchste Gefahr im Verzuge ist. Aber gleichrnohl„haben die Gemeindefinanzen in dein Samerungswert des Reichs kaum Beachtung gefunden'(Hauptausschuß des Preußi- sehen Landtags). Zwei Erscheinungen sind es, die die Gemeinden finanziell an den Abgrrund gebracht haben: Aus der Einnahmeseite ihres E.ats den Abgrund gebracht haben: Auf der Einnahiueseite ihres Etats Konjunktur abhängig sind, unp auf der Ausgabenfcite die immer be- drojsticher steigende Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen. Die Steuerrückgänge Im ersten Vierteljahr des Etatsjahres 1930(April bis Juni) betrugen die Steuereinnahmen ohne Wohnungsbauanteil der Haus« zinssteuer der deutschen Städte über 25000 Einwohner 477,18 Mil- lionen Mark gegen 482,6 Mill. M. in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die vom Reich bzw. von Preußen überwiesenen Steuern (Einkommen-, Kraftfahrzeug-, Hauszinssteuer) gingen von 207,2 auf 201,1 Mill. M. zurück. Äe Steuern aus den Grundbesitz- Wechsel zeigen in besonderem Maß« die Verschlechterung der Konjunkturlage. Ihr Aufkommen ist um mehr als 25 Proz. zurückgegangen, bei der Grunderwerbssteuer von 17 auf 12,3 Mill. M., bei der Wertzuwachssteuer von 8,4 auf 6,1 Mill. M. Die Gewerbesteuer brachte im ersten Vierteljahr 1030 nur 110,2 Mill. M. gegen 114,1 Mill. M. im ersten Vferteljahr 1920, während die.Grund- und G«bäudesteuern ein von 69,6 auf 75,6 Mill. M. gestiegenes Aufkommen zeigen. Diese beiden Steuern sind von besonderer Bedeutung, weil ihre Höhe bisher allein von den Gemeinden bestimmt wurde: sie waren die veränderlichen Posten auf der Einnahmeseite des städtischen Haushalts. Run muß man bei der Beurteilung des Aufkommens beachten, daß von 1929 zu 1930 die Steuersätze für beide Steuern wohl in allen Ge- meinden zum TeU ganz bedeutend erhöht wurden. Dies« Er- höhungen hatten nur b« der Grundsteuer den gewünschten Ersolg, weil sie nach dem. Werte berechnet wird, also— im Gegensatz zur Gewerbesteuer— von der Konjunktur nicht beeinflußt wird. Die Wohlfahrtserwerbslosen. Auf der Ausgabenseite steigen die Kosten für die Wohlfahrt-erwerbslosen in bedrohlichem Maße. Der Reichsetat ist mehrere Male durch die katastrophal« Entwicklung auf den« Arbeits- markt über den Haufen geworfen worden. Durch die Rowerord- nungen vom 26. Juli und vom 1. Dezember scheint das Gleichgewicht vorläufig wieder hergestellt, aber auf Kosten der Ge- meinden. Das zeigen auch die Zahlen für die Unterstützung der Arbeitslosen(in 1000): 1930 Januar Juli Aovember Arbeitslosenunterstützung. 2 233 1 498 1 788 Krisenunterstützung... 250 403 566 Wohlsahrtserwerbslose.. 315 518 759 Nicht-Unterstützte.... 420_ 346_ 649 Gesamt . 3 218 2 765 3 762 Im Januar wurden von 100 Arbeitslosen 69 von der Ver- sicherung(Arbeitslosenunterstützung), 8 von der Krise, 19 von den Wohlfahrtsämtern der Gemeinden unterstützt. 13 Proz. wurden nicht unterstützt: im November aber unterstützte von 100 Arbeitslosen die Versicherung nur noch 47. die Krisenhilfe da- gegen 15, die Gemeinden 19, und 19 bezogen keine Unter- stützung. Dies« Entwicklung zeigt die folgende Graphik deu.lich. #0 220 2IÖ 120 �fuL Hl. Mi. Hpc /|ai Hu*. Hu/. Auj. Scp.(Jkt. Nov. Di« Lasten der Gemeinden und der Arbeitslosenunierstühung (die gesamten kosten für die lvohthfahrtserwerbslosen und ein Aünstel der kosten der Krisenfürsorge) sind seit Januar aus mehr als das Doppelle gestiegen, während die Belastung der Reichsanstalt 20 Proz. unter den Januarzisjern liegt. Diese Ent- Wicklung ist eine Folge der dauernden Verschärfung der Bedingungen für den Bezug der Arbeitslosenunterstützung. Der Erlaß des Reichsarbeitsministers vom 11. Oktober hat zwar die Arisenfllrforge nunmehr auf alle Berufe(mit Ausnahme der Gruppen„Landwirtschaft' und„häusliche Dienste") a n s g e- dehnt, aber gleichzeitig die Unlerstühungsdauer von 39 auf 32 Wochen herabgcseht und bestimmt, daß nur noch Ausgesperrt« in die Krisensürsorge übernommen werden. Was also mit der eüien Hand gegeben wurd«, wurde mit der anderen wieder genommen. Daß die Wohlfahrts- pfleg« der Gemeinden auch weiterhin das große Reservoir, das all« nicht oder nicht mehr unterstützten Arbeitslosen aufnimmt, bleiben soll, geht auch daraus hervor, daß das Reich in Zukunft nicht mehr als 420 Mill. M. jährlich für die Ärisenfürzorge aus» »ondou will. In Verlin sind die Ausgaben für die Wohlsahrlserwerbs- loscn gegenüber dem Voranschlag für 1930 von 31 aus 78 will. also um mehr als 150 proz. gestiegen. Der Deutsche Slädlelag schätzt die wehrausgaben aller deutschen Gemeinden gegenüber den Voranschlägen aus 250 will, w., bei einer Gesamt- ausgäbe von 500 will. w. allein für die Wohlsahrlserwerbslosen. Die neuen Einnahmen. Di« D«zembero«rordnung hat zunächst einmal die drei- neuen Steuern der Juliverordnung� mit geringen Abände- rungen bestehen lassen. Unter der Voraussetzung, daß diese Steuern am 1. November in allen Gemeinden eingeführt waren, wird ihr Aufkommen für die restlichen fünf Monate des Haushaltsjahres 1939 auf 25,0 Mill. M. bei der Bierlteuer 32,5,,»„ Getränkesteuer 75,0.,*. Bürgersteuer zusammen also auf 132,5 Mill. M. geschätzt. Gegenüber den Mehr- ausgaben von 250 Mill. M. bleibt also ein ungedecktes De- fizit von mehr als 100 Mill. M., das wohl nur zum Teil durch Kredite(stehe Berlin!) gedeckt werden kann, zum anderen Teil aber in das neu« Rechnungsjahr als Vorbelastung hinüber- genommen werden muß. Vom 1. Januar 1931 an darf die Ge- meindebiersteuer auf das Doppelte, also auf 10 M. pro Hektoliter erhöht werden: vom 1. Februar an bringt die fechsprozentige Gehaltskürzung den Gemeinden ein« Entlastung. Ob diese beiden Posten genügen werden, die Mindereinnahmen an Steuern auszugleichen, ist jedoch mehr als fraglich. Im neuen Etatsjahr-l$3i dürfen die Gemeinden die Bürgersteuer um bis zu 100 Proz. erhöhen, aber nur gleichmäßig für alle Einkommen— also eine sozialere Staffelung, eine Verdoppelung allein für die Einkommen über 20 000 M. etwa, wäre verboten! Gleichzeitig aber sollte überall die. Grundsteuer um 10, die Gewerbesteuer um 20 Proz. gesenkt werden. Den Verbcsserungen, die die Sozial- demokratie durchgedrückt hat, entsprechend werden die Real» steuern in Preußen nur in den Gemeinden, in denen die Steuersätze über dem Landesdurchschnitt liegen, gesenkt werden.. Die Steueraussälle werden gedeckt aus dem wohnungsbauanleil der hauszinssteucr. Die daraus folgende Beschränkung des össcut- lichen Wohnungsbaues paßt zum Arbeilsbeschasfungsprogramm wie die Jaust auffs Auge. Die Gemeinden haben mit dieser Regelung ihr freies Mitbestimmungsrecht über die Real steuern und damit wieder ein Stück ihrer finanziellen Selbständigkeit ver- loren. Verstärkt wird diese Beschränkung der Gemeinden durch das bekannte Verbot, die Ausgaben über die Ansätze des Haushalts von 1931 zu erhöhen. Di« voraussichtliche Lage aller preußischen Gemeinden im Jahr« 1931 wird von dem preußischen Finanzminister so geschätzt: Die Kürzung der Ueberweisungssteuern um etwa 100 Mill. M. wird durch die Gehaltskürzung ausgeglichen: der Belastung durch Steuer- rückgang bei den Gemeinden und vermehrte Wohljahrtsausgaben von etwa 300 Mill. M. stehen etwa 200 Mill. M. Einnahmen durch die neuen Steuern bei einfachen Sätzen gegenüber. Eine Reu- regelung der Wohlfahrtslastcn sei unbedingt notwendig. Was muß geschehen? Rur die Finanzen der Länder sind von den Folgen der Ar- beitslosigkeit verschont geblieben. Aber ein« Beteiligung der Länder an den Lasten der Arbeitslosenunterstützung(wie früher) scheint nicht angängig, da die Länder nur geringe eigene Einnahmen haben. Daß die Dreiteilung der Arbeitslosenunterstützung— Versicherung, Krise, Wohlfahrt— unsinnig ist, wird von niemand mehr bestritten. Nach Erschöpfung des Versicherungsanspruchs muß eine einheitliche Fürsorge, die sich auf das Prinzip der Bedürftigkeil gründet, Platz greifen. Die Städte verlangen die unbegrenzte Ausdeh- n u n g der Krifenfürforge. Ein sozialdemokratischer Gesetzentwurf trägt diesem Verlangen weitgehend Rechnung: Die Unterstützung aller Arbeitslosen ohne Versicherungsanspruch soll durch die Ar- bertsämtcr nach den Grundsätzen der Krisensürsorge erso'gen: die Feststellung der Bedürftigkeit sollen die dazu besser befc/jigten Wohlfahrtsämter treffen. Es ist eben unmöglich, daß das Reich sich zur Steuerung der Rot der wassenarbeitslosigkeit aus einen festen Betrag festlegt. Das Reich allein hat die finanzielle Unabhängigkeit, allein die Kraft, solche Lasten zu tragen. Der finanzielle Zusammen- bruch der Gemeinden muß durch die vorgeschlagene Renregelung verhindert werden. Rur so bekommen die Gemeinden die Freiheit, ihren eigentlichen Ausgaben— der Steuerung der örl- lichen, individuellen Rot, wozu die Arbeitslosigkeit eben nicht gehört, der Gesundhelts-, der Kulturpfl ge— zu genügen. H. Zank. Die GparkaffenaufVertung. Endgültige Regelung in Preußen. DiepreußischeRegierunghat nunmehr die Aufwertung bei den preußischen Sparkassen in einer Verordnung endgültig geregelt. Diese Verordnung zur Durchführung der Aufwertung von Sparkassenguthaben tritt nach dem„Amtlichen Preußischen Pressedienst" mit dem 1. Januar 1931 in Kraft. Diese endgültige Regelung baut aus den: Gedanken der pro- vinziellen Aufwertung aus, durch die die öffentlichen Sparkassen jeder Proving verpflichtet sind, zu einem e i n h e i t- lichen S a tz e die Aufwertung vorzunehmen. Damit ist der bisher vertretene Gedanke einer allgemeinen durchschnittlichen Aufwertung der Sparkassenguthaben in Preußen fallen ge- lassen worden. Die jetzt endgültig beschlossene provinzielle Aufwertung ist auch insofern berechtigt, als sich bei der Auf- stellung der Aufwertungsbilanzen bei den preußischen Sparkassen außerordentlich große Unterschiede ergaben. Die preußische Regierung hielt es daher für angebracht, lm Interesse eines möglichst gerechten A u s g l e i ch s die Aufwertung nach dem Stande der einzelnen Pro- vinzen abzustufen. Die Aufwertungssätze, die sich nunmehr ergeben, sind folgende: Brandenburg und Berlin.,.». �. 17 Prozent Holstein und Hessen-Rassau....... 17„ Hannover.......-..... 18, Niederschlesien............ 18,5, Sachsen.............. 19„ Pommern............. 21,5. Rheinprovinz und Reg-Bez Sigmaringen. 23, Ostpreußen u. Grenzmark Posen-Westpreußen 25„ Weiisalen............. 26,5„ Oberschlesien............ 29„ Zum Zweck der Aufbringung dieser provinziellen Einheitssätze wird für jede Provinz ein sogenannter Sparkasjen-Aus- gleichs stock gebildet. Dieser Ausgleichsstock dient dazu, daß die- jeuigen Sparkassen, deren Arrftvertungsmosse höher ist als ihre er- forderlichen Leistungen, ihre überschießenden Veträge an diesen Aus- gleichsstock abführen. Andererseits erhalten diejenigen Spar- kassen, deren Aufwcrwngsmasse zur Durchführung der vorgcfchrie- denen Aufwertung nicht ausreicht, aus diesem Stock die entsprechenden Zuschüsse. Der im Ausgleichsstock verbleibende Rest wird zur Milde- rung besonderer Härtefälle verwendet werden. Auf diese Weise er- reicht die preußische Regierung, daß in der Tat jeder Pfennig der Aufwcrtungs massen den alten Sparern ver- bleibt. Bereits jetzt ist festgelegt, daß gerade die kleinen Sparer, deren ausgewertete Sparguthaben den Betrag von 100 M. nicht übersteigt, vom l. Januar 1931 ab den vollen Betrag kün- d i g e n können. Die übrigen Gläubiger können gleichfalls ab l. Januar wieder einen Teil ihrer aufgewerteten Sparguthaben kündigen, und zwar in derselben Höhe, wie dies im Jahre 1930 vor- gesehen war. Die aufgewerteten Sparguthaben werden ab 1. Januar nicht mehr, wie bisher, mit dem festen Satz von 5 Proz. verzinst, sondern sind künftig mit demselben Satz zu verzinsen wie die so- genannten langfristigen Kündigungsgelder. Die Warenhäuser wachsen. Btträcktl-ch, �apitalerhökuna des Schocken-Konzern Der besonders in Mitteldeutschland arbeitende Warenhaus- k o n z e r n Schocken A.- G., der in den letzten Jahren eine be- sonders starke Aktivität zeigte und jetzt fast 20 Kaufhäuser betreibt, hat eine Erhöhung dcs Aktienkapitols von 6.4 auf 10 Millionen Mark beschlossen. Diese Äapitalerhoyung ist in erster Linie wohl auf die beträchtlich« ll m s a tz st e i g e ru n g, die der Konzern sowohl in seinen allen Filialen wie auch in den neu» gegründeten Häusern erzielle, zurückzuführen. Die Gewinne, die die Schocken A.-G. im letzten Jahr bei den zum Umsatz verhältnismäßig niedrigen Kapital erzielle, waren sehr beträchtlich. Mit 1,34 Alis- lionen Mark Reingewinn wurde 1929/30 eine Gewinnquote von rund 20 Prozent erziell, wovon allerdings nur 8 Proz. als Dividende ausgeschüttet wurden, während der größte Teil des Gewinns in die Reserven wanderte. Nach dem Geschäfts- bericht hat sich im letzten Jahr das neueröffnete 5laufhaüs in Ehem- nitz besonders, gut entwickelt. Das geplahie Zemenssyndikai. Kittunasverjuche bisher gescheitert. Das We st deutsche Zementsynditat, das schon in den beiden letzten Jahren nur mit Mühe und Rot verlängert werden konnte, scheint jetzt infolge der Zuspitzung dev Absatzlrise in der ge- samten Zementindustrie endgültig gesprengt zu sein. Wenigstens teilt das Syndikat selbst mit, daß„infolge der außer- ordentlichen und zahlreichen Schwierigkeiten die Verhandlungen über die Verlängerung des Verbandes am Sonnabend noch nicht zu Ende geführt werden konnten. Es wurde daher beschlossen, neue Verhandlungen für den 29. Dezember anzusetzen." Da ver Kartellvertrag am 31. Dezember abläuft, werden also buchstäblich i n zwölfter Stunde nochmals Einigungsverhandlungen versucht. Obwohl das Aufplatzen dieses Syndikats für die ganze deutsche Zementindustrie von schwerwiegendsten Folgen begleitet sein würde— die Verbraucher würden damit endlich von der rigo- rosen Preisdiktatur befreit werden—, scheint es unter den ge- gebenen Verhällnissen kaum möglich, daß eine nochmalige Ver- längerung zustande kommt. Elektrossnanzierung ein guies Geschäft. ElektrischeLicht-undKräfi-A-G wieder iOprvz Dividende. Obwohl auch die stromerzeugende Industrie und die elektrischen VerkehrÄetriebe von der allgemeinen Wirtschaftsloge nicht unbeein- flußt geblieben find, bleibt das E l c k t r o- F i n a n z i e r ü n g s- g e s ch ä f t auch heute noch immer hochrentabel. So kann der große Finanzierungskonzern, die Elektrische Licht- und Kraftanlagen A.-G., Berlin, die mit Siemens u. Halske in enger Verbindung steht, auf das jetzt abgeschlossene Geschäftsjahr 1929/30 wieder die hohe Vorjahrsdividendc von 10 Proz. auszahlen. Die Gesamteinnahmen der Gesellschaft sind sogar»och leicht von 3,05 auf 3,11 Millionen gestiegen. Das hohe Gewinn- ergebnis ist darauf zurückzuführen, daß fast sämtliche Beteiligungs- gesellfchaften, zu denen unter anderem auch die Deutsche Telephon- und Kabel S.-G. sowie die Stock Spiralbohr A.°F. gehören, eine unverändert hohe Dividende ausgeschüttet haben. Daß der Kou-ern im letzten Jahr seinen Einslug bei der Clektrofinanzierung noch ver- stärkt hat, wird daraus ersichtlich, daß der Nennwert der im Besitz der Gesellschaft befindlichen Aktien und Anteile von 39,9 auf 41,1 Millionen gestiegen ist. Frachiermäßigung bei der Reichsbahn. Die Deutsche Reichsbahngesellschaft hat jetzt eine Senkung der Frachttarife für die im Nottarif genannten Lebens- mittel und verschiedene Rohstosse im Wagenladungsoerkehr zugesagt. Nach einer Mitteilung der Reichsbahn werden die ermäßigten Tarife Anfang Januar in Kraft gesetzt. Unter den sogenannten Nottarif sollen besonders Getreide. Mehl, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst, Käse u. a. Die Ermäßigungen würden aus einem Transportweg von 200 Kilometern die Frachtsätze sür 5 Tonnen Mehl und Gemüse um etwa ZV Prozent verbilligen. „Gemilderter" Lohnabbau? Linier dem Druck der(Schlichier und des Reichsarbeiisministeriums. Es gibt jetzt nicht nur noch verbindlich erklärte Schiedssprüche von 7>j oder 8 Prozent Lohnabbau. Die neuest« Methode ist die Fällung von Schiedssprüchen, die über diese Sätze noch hinaus- gehen, wie bei den Banken bis zu 13� Prozent, in der Hannover- schen Metallindustrie sogar bis zu 17 Prozent. Dann werden bei den Unterhandlungen, da die Unternehmer zwar keine Zwangsschieds- spräche leiden können, aber den Lohnabbau gern nehmen, beide Parteien„unter Druck" gesetzt. Die Folge ist dann gewöhnlich, daß eine„freie Vereinbarung" zustande kommt, die einen mehr oder weniger erheblich geringeren Lohnabbau vorsieht. Im Reichs- arbeitsministerium reibt man sich über soviel Schläue selbstgefällig die Hände: Freie Vereinbarung! Wer kann da noch be- haupten, daß der Reichsarbeitsminister die Löhne abbaut? Wir wissen nicht, ob man im Reichsarbeitsministerium wirtlich glaubt, die Oeffentlichkeit oder gar die Arbeiterschaft könnte durch solche Tricks getäuscht werden. Die Verantwortung des Reichsarbeitsmini st ers bleibt! Wie sein sogenanntes Arbeitsbeschaffungsprogramm, durch das annähernd Syst 000 Arbeiter in die Produktion eingereiht werden sollten, mit einer beispiellosen Verschärfung der Wirtschaftskrise endete, so wird der Lohnabbau, durch den die Wirtschaft„angekurbelt" werden soll, in eine Katastrophe des Arbeitsmarktes ausgehen. Um das vorauszusehen, dazu bedarf es keiner besonderen Prophetengabe noch großer nationalökonomischer Kennwisse. Eine Dosis gesunden Menschenverstandes genügt, um zu erkennen, daß Lohnabbau gleichbedeutend mit Kürzung der Kaufkraft ist. Und da sonst am Horizont keinerlei„Silberstreifen" zu entdecken ist, muß die Abdrosselung des Jnnenmarktes durch Lohn- und Ge- Haltskürzung zur Wirtschaftskatastrophe führen. Inzwischen freuen sich die Kommunisten. Sie können nun die freien Gewerkschasten„entlarven". Sie hoffen, endlich ihre see- untüchtige RGO. flott zu kriegen. Auch diese Hoffnung wird ver- fanden. Die RGO., die ihre unsichere Existenz mit einem Lohn- abbau der Zeitungsausträger der kommunistischen Presse um 33 Proz. begann, wird auch von den Tricks des Reichsarbeitsministeriums nicht profitieren. Jeder Arbeiter, jeder Angestellte weiß, daß ohne das Reichsarbeitsministerium und seinen Schlichwngsinstanzen die Gewerkschaften viel besser abschneiden würden. Das ist der Kernpunkt! Der„gemischte" Lohnabbau ist in Wirklichkeit ein über das Maß der beiderseitigen Kräfte hinaus verschärfter Lohn- abbau. „Freie Vereinbarung" für Hannover. 3'/- bis IVj proz. Lohnkürzung. Gestern fanden im Reichsarbeitsministerium Verhandlungen für die Hannoversche Metallindustrie statt. Wie erinnerlich war in Hannover, wo sich die Metallarbeiter im Streik befinden, ein Schiedsspruch gefällt worden, der die Cffektiolähne u m etwa 17 Proz. kürzte. Die Verhandlungen im Reichsarbeits- Ministerium fanden statt auf Grund eines Antrags der Unternehmer, den Schiedsspruch für verbindlich zu erklären. Bei diesen Ver- Handlungen kam es schließlich zu einer Vereinbarung. Danach sollen die Zeillöhne um S'A Proz., die Zeitlöhne mit Leistungszulagen(diese sollten nach dem Schiedsspruch überhaupt in Wegfall kommen) um 5 Proz. gekürzt werden. Die Akkordbasis bleibt unoer- ändert 95 Pfennig. Die Akkordpreise sollen um TA Proz. gekürzt werden. Die tatsächlichen Verdienste in der Hannoverschen Metallindustrie liegen weit über der Mkordtafis. Die Unternehmer hatten die Her- absetzung tur Akkovdgrundlage auf 80 Pfennig gefordert und der Schiedsspruch ist ihnen sehr weit entgegengekommen. Bezüglich des Manteltarifes waren im Schiedsspruch e r- hebliche Verschlechterungen vorgesehen. Nach der Ver- einbarung, die gestern getroffen wurde, bleibt der Mantellarif bis zum 31/ Januar unverändert bestehen, doch sollen im Laufe des Monats Januar unter dem Borsitz des Schlichters von Branden- bürg neue Verhandlungen über den Manteltarif stattfinden. Maß- regelungen finden nicht statt. Das Arbeitsverhältnis gilt als nicht unterbrochen. Einstellungen von fremden Arbeitskräften dürfen bis zum 31. März nur vorgenommen werden, wenn die Streikenden alle wieder eingestellt sind. Das Abkommen gilt bis zum 31. Mai 1931. Auch Rreslau„vereinbart"! Im Lohntarifstreit der Breslauer Metallindustrie fanden vorige Woche im Reichsarbeitsministerium Verhandlungen über die Ver- bindlichkeitserklärung des Schiedsspruches vom 22. November d. I. statt, der die Zeitlöhne um 5, die Akkordlöhne um 7A Proz. abbaut. Die Parteien schloffen eine Vereinbarung, wonach mit Wir- tung vom 15. Dezember die bisherigen Zeitlohnsätze für die gelernten und angelernten Arbeiter um 6 Proz., für die ungelernten Arbeiter um 5 Proz., für die Frauen um 4 Proz. und die bisherigen Akkordsätze um 6 Proz. gekürzt werden. Immer dotter. Schlesische Ziegelfabrikanten an der Spitze. Einen neuen Rekord in der Lohnabbaukampagne der Unternehmer haben die schlesischen Ziegelbarone aufge- stellt. Sie fordern nicht weniger als 20 Proz. Lohnsenkung. Dabei gehören die S p i tz e n l ö h n e der schlesischen Ziegelindustrie mit zu den n i e d r i g st e n in Deutschland. In der ersten Ortslohn- klaffe(Breslau ufw.) bettagen sie jetzt für qualifizierte Ziegeleifacharbeiter 74, für ungelernte Arbeiter 63, für Arbeiterinnen 45 und für Handwerker 84 Pf. In der niedrigsten Ortsklasse für qualifizierte Ziegeleifacharbeiter 64, ungelernte Ziegeleiarbeiter 51, Arbeiterinnen 38, und Handwerker 72 Ps. Ofsenbar wollen die schlesischen Ziegeleifabrikanten ihren Arbeitern das Essen abgewöhnen. Reichsbahn gegen Tarifvertrag. Protest der Eisenbahner. Am Montag tagten die Betriebs- und Beamtenräte des Werk- stättenauxgleichsbezirks und der Bahnunterhaltung einschließlich der in Frage kommenden Funktionäre des Einheitsverbandes derEisenbahner, um Stellung zu nehmen zu den im Januar hi? März 1931 von der Reichsbahnhauptoerwaltung angeordneten Feierschichten bzw. der Entlassung von 25 000 Arbeitern in den vorgenannten Betriebsstätten. Nach einer äußerst regen und für die Reichsbahnhauptoerwaltung vernichtenden Kritik wurde fol- gende Entschließung gegen fünf RGO.- Stimmen am genommen: „Die am 22. Dezember tagende Funktionärkonferenz sieht in der bereits jetzt(ohne Zustimmung der Tariforganisationen) über die Dienststellen angeordneten Durchführung von wöchentlichen Feier- schichten im nächsten Vierteljahr bzw. der Androhung einer Kündi- gung des Arbeitsverhältnisses, falls die Arbeiter ihre Zustimmung nicht geben, einen groben Verstoß gegen den Bestand des Reichstarifoertrages, der als schwere Verletzung der Frledenspslichk. die nicht nur für die Mitglieder der Tarifgewerkschaften, sondern auch für die andere Tarifvertragspartei, die Reichsbahngesellschaft, gilt, angesehen wird. Dieses diktatorische Vorgehen der Reichsbahn- Hauptverwaltung, dos bisher erfreulicherweise von den Tarifgewerk- schaften und dem Hauptbetriebsrat als Verhandlungsgrundlage ab- gelehnt wurde und auch selbst Widerspruch im Reichsarbeitsministe- rium ausgelöst hat, hat lediglich den Zweck, den seit Jahren um- strittenen Reichslohntarifoertrag zu zerreißen. Die Konferenz erwartet, daß die Tarifgewerkschaften ihr« Mitglieder, so lange im Betriebs- und Verkehrswesen noch 54 bis 60 Stunden pro Woche nebst Ueberstunden geleistet werden, vor Arbettsloflgkeit, der Kündigung und vor dem weiteren Einlegen von Feierschichten mit allen zulässigen Mitteln schützen. Die Versammelten geloben ihrerseits, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß die irregeführten Kollegen infolge der in den nächsten Wochen sich immer mehr zu- spitzenden Situation sich gewerkschaftlich organisieren, vor allen Dingen in der führenden Organisation, dem Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands." Oas ist Golidariiät! Der Allgemeine verband der deutschen vank- a n g e st e l l l e n hat in den Betrieben eine weihnachtssamm. l u n g zur Unlcrslühung der arbeitslosen Bankangestellten und aus- gesteuerten Mitglieder durchgesührt. Das Ergebnis der Sammlung besteht darin, daß der verband eine besondere Weihnacht sunter- stühuog bis zum höchstbetrag von 150 M. zur Auszahlung bringen konnte. Der gezahlte vurchschnittsbeilrag von über 40 M. pro Kops dürfte als Spitzenleistung gewerkschaftlicher weihuachtshilfe anzusprechen sein. Sin schöne vorbildlicher Akt sreigewerkfchasMcher SoNdarlkSN"--------"- Zlseder Hütie droht mit Aussperrung. Sie vi« den Lohnabbau erzwingen. Peine, 22. Dezember. Die Jlseder Hütte und das Peiner Walzwerk haben den beim Reichsarbeitsministerium gestellten Antrag auf Verbindlichkeits- erklärung des Schiedsspruchs vom 12. November 1930, der einen achtprozentigen Lohnabbau vorsieht, zurückgezogen. Da sich «ine neue Kollektivregelung der Arbeitsbedingunzen als a u s s i ch t s- los erwiejen hat. wollen die Werke versuchen, den Inhalt des be- stehenden Schiedsspruchs zum Gegenstand von Arbeitsoer- trägen mit den einzelnen Arbeitern zu machen. Sie haben deshalb vorsorglich allen Arbeitern zum 3. Januar gekündigt und sich gleichzeitig bereit erklärt, falls eine genügende Anzahl von Arbeitern damit einverstanden ist, zu den Lohnbcdin- gungen des Schiedsspruchs die Arbett fortzuführen, allen diesen Arbeitern gegenüber die Kündigung zurückzunehmen, andernfalls sollen die Betriebe stillgelegt werden. Lohnabbau nach(Schema F. Wie die Wirtschaft„angekurbelt" wird. Die Normung macht in Deutschland geradezu phantastische Fort- schritte, aber nicht in der Warenfertlgung, sondern in der Lohn- Politik der deutschen Unternehmer. Jeder Tarifkündigung folgt auf dem Fuße die Forderung nach einem Lohnabbau, in der Regel von 15 Proz. Die einzelnen Unternehnrerverbande täten gut daran, „im Interesse der Senkung der Geschäftsunkosten" bei der Ver» emigung der deutschen Arbeitgeberverbände die Herstellung«in- heitlicher Tarifkündigungsschreiben zu beantragen, m denen nur noch der Kopf des betreffenden Arbettgeberverbandes und die Unterschrist des Verbandssyndikus einzusetzen wäre. Mit der schenmtischen Forderung aus 15 Proz. Lohnabbau ist nunmehr auch die Arbeiterschaft der Berliner Verbands- Mittelindustrie„beglückt" worden. Der Arbettgeberverbaird der Berbandsmtttelhersteller hat, nachdem er den Lohntarif für die Arbeller und Arbeiterinnen zum 31. Dezember gekündigt, dem Ge- samtverband gnädigst mttgeteill, daß er zum Neuabschluß des Lohntarifoertrages auf der Basis eines 15prozmtigei, Lohnabbaues bereit fei. Der Gesamtverband hat von diesem„wohlwollenden" Angebot jedoch keinen Gebrauch gemacht, sondern dem Arbeitgeberverband kurz und bündig mitgeteill. daß er jede direkte Verhandlung über einen Lohnabbau in der Verbandsmtttelindustrie a b l e h n«, da die Löhne der Arbeiter und Arbefterinnen in dieser Industrie schon jetzt so niedrig sind, daß sie nicht ausreichen zum Er- werb der notwendigsten Lebens mirtel und Be- darfsartitel. So beträgt z. B. der Bruttolohn eines zwanzigjährigen Arbeiters bei 48stündiger Arbeitszeit 31 Work die Woche und der eines über 21 Jahre alten Arbetters 41 Mark. Daß diese„hohen" Löhne erst im Marz dieses Jahres festgesetzt worden sind, kümmert die Unternehmer gar nicht. Die Haupts iche sür sie ist, daß sie die große Mode des Lohnabbaues mitmachen. Die KPD. befiehlt Streik. Die Aniwort der Kumpels. Bochum, 22/ Dezember. Wie angeordnet, werden jetzt die Bergarbeiter des Ruhrgebiets von der KPD. zum Streik kommandiert. Dazu wird vom Bergbauindustriearbeiterverband erklärt, daß weder die Kommu- nistische Partei noch die RGO. befugt ist, im Namen der Ruhrberg- arbeiter zu sprechen. Ob und wann die Ruhrbergarbeiter vom Streik Gebrauch machen, das entscheiden die Mitglieder und Funktionäre der Bergarbeitergewerkstlzasten. Noch haben die Schlichtungsver- Handlungen nicht stattgefunden. Solange aber«ine Neuregelung des Lohntarifs aussteht, gilt der alte Lohntartf weiter. Es ist daher ebenso unsinnig wie unverantwortlich, schon jetzl Stretkparolen herauszugeben. Daß die Kommunisten mit der Proklamation des Bergarbeiterstreiks nicht von den Interessen der Bergarbeiter, sondern von parteipolitischen Gesichtspunkten ausgehen, zeigen die Richt- linien, die sie zur Auslösung und Durchführung des Streiks heraus- gegeben haben. Der Kampf soll ein großer politischer M a s s e n st r« i k werden Er richtet sich gegen die Brüning-Regie- rung und gegen die Preußenregierung. Diese Kampsziele entsprechen auch den heißesten Bemühungen der N a t i o n a l s o z i a l i st e n und Deutschnationalen. Die KPD. als sogenannte Arbeiterpartei schämt sich also nicht, die Ziele der Reaktion in Deutschland zu verwirklichen. Bezeichnend für die wirklichen Absichten der komm»- nistischen Streikmacher ist die Bemerkung in den Richtlinien:„Bei der Durchführung des Bergarbeiterkampfes als eines politischen Kampfes müssen hundertfältig von den Belegschaften Beschlüsse gefaßt werden, die geloben, unsere politische Führern ist allein die KPD. Ihr allein gehört unser Vertrauen." Die Bergarbeiter müssen daher gegen den Mißbrauch ihres wirtschaftlichen Jnteressenkampfes durch die kom- munistischen Geschäftemacher energisch protestieren. Sie sagt anders wie er. Aber beide sogen dasselbe. Nach fast 11- jähriger Prozeßführung ist es dem Gesamtverband gelungen, die Klage des Betriebsratsobmanns Burscheck von der Tcrra-Gla-Haus G. m. b. H. vor dem Arbeitsgericht e r« f o l g re i ch zu beenden. Der Kläger war im Juli 1929 sristlos entlassen worden, weil er in einem anderen Prozeß vor dem Amtsgericht als Zeuge gegen die Terra-Glaechaus G. m. b. H. aufgetteten war. Selten ist wohl «in Prozeß vor dem Arbeitsgericht so reich an Zwischenfällen gc- wesen wie dieser. War der Vertreter des Gesamtverbandes einmal gezwungen, den Arbeitgeberbeisitzer wegen Befangenheit abzulehnen, so sah er sich gleichfalls genötigt, gegen die Tätigkeft des Syndikus der Filmindustrie, Dr. Fried mann, energijch vorzugehen. Dieser Syndikus stand schon seit Iahren in dem Verdacht, die Vertretung vor dem Arbeftsgericht gewerbsmäßig zu betreiben.' Wäh- rend dieses Prozesses ist es endlich gelungen, wie wir seinerzeit bc- richtet haben, zu beweisen, daß dieser Verdacht zu Recht bestand. Bezeichnend ist es, daß sich auch die kommunistische Filmverleih- gejellschofk Prometheus des Herrn Dr. Friedmann bediente, um Klagen gegen ihre Arbeiter führen zu lassen. In der Klage des Betriebsratsobmanns gegen die Terra-A.-G. unterlag der Kläger zunächst, weil Dr. Friedmann behauptete, er sei nicht bei der Beklagten als Mitglied des Betriebsrats gewählt worden, sondern bei der Terra-Glazhaus G. m. b. H.: diese sei aber ein rechllich selbständiger Betrieb. Darauf strengte Burscheck die Klage gegen die Terra-Glashaus G. m. b. H. an. Da Dr. Fried- mann wegen gewerbsmäßiger Prozeßvertretung vom Arbeitsgericht zurückgewiesen worden war, trat an sein« Stelle sein« Ehefrau! Sie wollte aber jetzt die Kammer davon überzeugen, daß die Terra- A.-G. und die Terra-Glashaus G. m. b. H. ein einheitlicher Betrieb wäre. Dieser Auffassung standen jedoch bereits zwei Ar- beitsgerichtsurteile, darunter eins des Landesarbeitsgerichts Berlin, entgegen. Di« Kammer 40, unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats W y- s o tz k i, verurteilte deshalb die Terra-Glashaus G. m. b. H. ent- sprechend dem Antrag des Gesamtverbandes zur Zahlung von 133 4,40 M- Damit dürfte das Rechtsverhältnis beider Firmen nun endgültig festgestellt sein. Den Vorsitzenden der Spruchkammern beim Arbeitsgericht dürste dieser Prozeß aber auch Veranlassung geben, in Zukunft die Verttetungsberechtigung des Herrn und Frau Dr. Friedmann sehr eingehend zu prüfen. t�reieGewerkschafis-LuaendNerlin Sente. Dienstag. 10 V. Uhr. tagen die ErUppen: Treptow: Gruppe». Iieim. Gchulc Wildenbruchstr. 53—54(Soröinimcr). Weibnachtsfeier— Spandau: Eruppenheiin, Stadt. Jugendheim. Lindenufcr 1. Dis- kusfionsabeud:»Unser Wandern".— Fraulfurter Allee: Stöbt Iuqendbiim Litauer Str. 18. Beihnachtofeier.— Lick-tenberg: Jugendheim Dosscstr. 22. Ss spukt in unserm Jugendheim.— Reu-Lichtenb-rg: Jugendheim Gun'erftr. 44. Wir feiern Weihnachten.— Pankow: Gruppenheim Pankow, Aissingenstr. 48. Weihnachtsfeier der Gruppe.— Eewerlschaitshau«: Gruppenheim Gnge!- ufer 24—25, Saal 71 des gairikarbeiterverbaudea. Bortrag:»Wie rtifte ich iiur Tahrt?"— Adlershof: Jugendheim Bismarcksir. 1. Weihnachtsfeier.— Webling: Jugendheim Willdenowstr. 5. Weihnachtsfeier der Gruppe.— vlteade: Wir feiern mit der Gruppe Neu-Lichtcnberg in der Gunterstrahe Weihnachten. — Das Jugendfekretariat ist heut« in der Zeit von 15 bis IS Uhr nur Ab- holung der Mitteilungsblätter, Ausgabe Januar, geöffnet �uoendoruvve desZ-ntraiversiandes der Anaestellt-n Scute. Dienstag, finden folgende Beranftaltungen statt: Ziordwep: Jugendheim Lchrter Gtr. 18— IS. Abend eigener Ausgestaltung.— Sprech- und Bewcgungschor: Uebungsadend pünktlich 20 Uhr in der Turn- Halle der Schule Baruther Str. A>. Leitung: Dtw Polemann.— starten für die Jugendvorft-llunq der Bolksbuhne am 1. Januar zum Preise von 80 Pt. sind im Jugendseiretariat zu haben. AsA-Ortskartel. Die Geschäftsstellen dcs Ortskactells Berlin und des Bezirks- lartclls Brandenburg des Allgemeinen freien Angestelltenbundes. Engel- ufer 24—35. bleiben vom 2t. Dezember, 12 Uhr, bis«infchliehlich 28 Dezember. und vom A. Dezember, 12 Uhr, bis einschließlich 1. Januar geschlossen. frsseTi sie soI!te°, Rings um denWeihnaditsbaum. Weihnachtsfeiern für Kinder, Alte und Bedürftige. Unermeßlich groß ist die allgemeine Nok! Staat and Gemeinde sind fü der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen. Gegen- seitige hllfe muß einsehen. Geben, spenden, schenken mutz, wer es irgend kann. So sind die vielen Weihnachtsfeiern von Korporationen. Firmen und Einzelpersonen als der ehrenvolle, dankens- und anerkennenswerte Versuch zu werten, in diesen Tagen soviel wie möglich Freude zu spenden. Licht zu verbreiten und für Stunden Bitternis und Gram aus den Herzen gequälter und verzweifelter Menschen zu vertreiben. Fest der Mutiersckast. In der Frauenklinik und Entbindungsanstalt„C e c i l i e n- Haus" im Deutschen Krank enkassenhaus, Charlotten- bürg, sah man glückstrahlende Augen und fröhliche Gesichter. Patientinnen und Personal feierten gemeinsam Weihnachten. Der Leiter der Frauenklinik, Professor L i p p m a n n, sprach ein paar warmempfundene Worte über die Bedeutung des Festes, das hier besonders als ein F e st der Mutterschaft empfunden wird. Einige Künstlerinnen und Künstler verschönten die Feier durch Gesangs- und Violinvorträge und Rezitationen: Hedwig Geistler sang Weihnachtslieder von Buch, Cornelius und Reger: Fräulein Zilzer spielte Lieder von Schubert, die mit dankbarer Freude aufgenommen wurden und Herr Ling las eine Skizze„Bettler am Weihnachts- abend". Auf zwei langen Tafeln, links und rechts von den beiden Weihnachtsbäumen, standen Teller mit Pfefferkuchen, Aepfeln und anderen schönen Sachen, die von den Beschenkten freudig entgegen- genommen wurden. Es war, im ganzen gesehen, eine harmonische schöne Feier. Weihnachten der Alten. In jedem Jahr gedenkt das Bezirksamt Prenzlauer Berg seiner bedürftigen Alten und bereitet ihnen eine Neine Weihnachts- freude. Im Saalbau Friedrichshain versammelten sich über 1300 Klein, und Sozialrentner, und man setzte ihnen ein gutes warmes Abendesien, sowie ein reichhaltiges künstlerisches Unter- Haltungsprogramm vor. Erst kamen Konzertvorträge, Tanzdar- bietungen von Gudrun Hildebrandt, dann sang der Männerchor Ost-Lyrania 1849(Mitglied des DASB.) hübsche Volkslieder, und schließlich machte Pierrot solch fröhlichen Ulk, daß sich auch das vergrämteste Gesicht zu herzlichem Lochen bekehrte. In einer warm empfundenen Festrede gedachte Stadtrat Rosemann der kommen- den Weihnachten, die leider nur allzuvielen Menschen wenig oder gar kein bißchen Festesfreude brächte. Aber wenn auch durch die Ungunst der Verhältnisse die Geberfreude und vor allem das Geben- können stark gelitten hätten, so wird die Sozialdemokratie, als die Partei der Armen und Entrechteten, all ihre Kraft daran wenden, daß man all denen die Hilfe nicht versage, die ihrer so sehr dringend bedürfen. Und auf den Gesichtern all der von Not und Leid Gezeichneten spiegelte sich Freude. Die Wohlfahrtsempfänger, die infolge Gebrechlichkeit ans Haus gefesselt sind, erhalten em Lebens- mittelpaket zugestellt, ebenso gedenkt man der kinderreichen Familien. die Geldzuweisungen und Lebensmittel bekommen. Groß, allzu groß iit die Zahl jener, die zu den Schützlingen der öffentlichen Wohltätig. kcit zählen, und der Bezirk Prenzlauer Berg hat allein 2 8000 Untsrstützu.ng.s empfang er, von' denen etwa 5000 zu Weih. nachten beschert werden können. Weihnachtsfeier der Körperbehinderten. In den Musikerfestsälen, Kaiser-Wilhelm-Straße, feierte die Ortsgruppe Prenzlauer Berg des Selb st Hilfebundes der Körperbehinderten ihr Wechnachten. Vorsitzender Genosie Kind sprach als Austakt der Feier einen wirklich schönen Prolg. der. abseits aller Pathetit, in knappen Worten oll das enthielt, was diese Menschen vom Schicksal erbitten: die äußere Kraft des DurchHaltens und die innere Kraft zur Zusammengehörigkeit. Bei Musik und artistischen Darbietungen, für die sich Künstler in selbstlosester Weise zur Verfügung gestellt hasten, blieb man lange und in fröhlichster Stimmung beisammen. Ein besonderes Dankeswort den wackeren Arbeitersamaritern, die in aufopfernder Weise den mühe- vollen Liebesdienst an den Gebrechlichen versahen. Markthändler gedenken der armen Alten. Da? war wohl«ine der rührendsten Feiern: Die Standinhaber der Markthalle VIII(Andreasstraße S6) hatten für je 24 arme alle Frauen und Männer einen ungewöhnlich reichlichen Weihnachtstisch aufgebaut. Da fehlte aber auch nichts, was des Armen Herz, oder wollen wir aufrichtig sagen, den arg vernachlässigten Magen zum Fest erfreuen kann. Fleisch und Wurst, Gemüse und Fett, Kaffee, Kakao, Hülsenfrüchte, Obst, Kartoffeln, alles, alles war da, um ein paar Tage Fetllebe zu machen. Wie menschlich. schön das ist und wie wohl das tut. das wissen die Beschenkten wohl am besten zu würdigen. Als die allen Leutchen, die zuerst mit Kaff«« und Kuchen bewirtet wurden, dann an den Gabentisch traten, da wußten sie kein Wort äußeren Dankes: Sie weinten hilflos vor soviel Freundlichkeit und Güte der wackeren Markthändler und ihrer tüchtigen Frauen. die jetzt bitter zu kämpfen haben, um sich zu hallen. Moka-Efli beschert SOl) Kinder. „Das ist doch wenigstens einmal ein richtiger Weihnachtsmann aus dem Morgenland" meint Papa Schneider, der seine 200köpfige Neuköllner Kinderschar zur Bescherung begleitet, in bezug auf den türkischen Gastgeber. Dann inszeniert Stadtrat Genosse Schneider aus dem Stegreif einen famosen Sprechchor und häll im Namen der Beschenkten eine warmempsundene Dankrede: auch die Bezirke Wedding. Mitte und Prenzlauer Berg waren «ingeladen und hatten Kinder zur Bescherung entsandt, der Bezirk Schöneberg war gleichfalls eingeladen, ging leider mfolge bürokrati- schen Verhaltens des dortigen Jugendamtes leer aus. Schokolade, Pfannkuchen und Schlagsahne gab es in Masie und die fröhliche kleine Gesellschaft konnte sich nach Herzenslust gütlich tun. 2lußer- dem bekam jedes Kind noch ein hübsches Spielzeug. Musitalische Darbietungen und Liedervorträge von Wendla Großmann, die mit gutgeschuller, hübscher Stimme Weihnachtslieder von Reger zu Gehör brachte, umrahmten die schöne Feier. Zum Abschied erhiell noch jeder der kleinen Gäste ein knuspriges Wittlerbrot unter den Arm geklemmt. Einkauf ohne Gelb. Eine besondere kleine Weihnachtsfreude wurde den Kunden eines Wochenmarktes im Norden Berlins in der Hafenstraßs berellet. Ein ganzes Jahr lang haben sie dort ihre Einkäufe des täglichen Bedarfs gemacht. Gestern nun konnten sie einmal ohne Geld einkaufen. Gegen ihre Kaufkupons erhielten sie Pakete mit Lebensmitteln aus- gehändigt. Die Freude darüber war allgemein. Ein paar Stunden lang war das Gedränge um die Pakete groß, aber schließlich hatte jeder seinen Anteil und bei manchen wird damit die Not wenigstens über Weihnachten etwas gemildert werden... Allgemeine Wetierlage. Die umfangreich« Depression hat sich pom Nordmeer nach Finnland oerlagert. Auf ihrer Westseite strömten Luftmassen polaren llvsprungs nach Süden, die bis Montagabend den größte» Teil Nordfrankreichs überflutet haben. Unter gleichzeitiger Wind. drehung auf nordwestlichen Richtungen trat daher zunächfl tvechfelnd bewölktes Wetter, gegen abend vielfach auch völlige Aufheiterung ein. Millags stiegen die Temperaturen dabei vielfach auf 3 bis 6 Grad Wärme an. Im Süden Deutschlands dagegen blieb das Wetter weiterhin trüb« und vielfach nebelig: dabei herrschte selbst in den Mittagftunden an vielen Stellen leichter Frost. Da auch morgen die Luftzufuhr aus Norden anhalten dürfte, haben wir bei uns am Dienstag teils heiteres, teils wolkiges Wetter ohne erheb- lich« Niederschläge zu erwarten. Wetter für Berlin: Teils Heller, teils wolkig ohne erhebliche Niederschläge, nachts Frost, Temperatitren am Tage etwas über Null.—.für Deutschland: Im Süden beständiges Frostwetter, auch im Norden teilweise heiter, aber Tagestemperaturen über Null. Vielleicht ist anläßlich der Weihnachtswoche das gan.z« Pro- grainm endlich einmal auf Musik eingestellt. Sowohl der Sonn- tag als auch der Montag stehen in diesem Zeichen. Zuerst sei auf das Kon.zert hingewiesen, das das Sinfonie- orchester der Schutzpolizei am Sonntagmlltag im Großen Schau- spielhaus veranstallet. Man weiß heute nach der Reihe der Kon- zerte, die diese Kapelle unter Leitung von Camilla.Hildebrand mit größtem Erfolg absolvierte, daß sie zu den bekannten ernst zu nehmenden Orchestern Berlins gehört. Das Programm kann als im besten Sinne populär bezeichnet werden.(Eine Besprechung der Veranstaltung findet sich an anderer Stelle. Die Red.) Der M o n- tag bringt im Programm ein Violinkonzert win Georg Kniestädt. Dieser Künstler ist kein Virtuose, der mit ein paar wohleinstudierten Kadenzen den Hörer in Entzücken oersetzt. Im Gegentell, Kniestädt, der auch die Technik außerordentlich leicht beherrscht, legt den Haupt- akzent auf den Ausdruck. Ein Ton ist bei ihm mehr als eine tech- nische Spielerei, er versucht, eine Melodiefolge nach chrem Gefühls- gehqlt auszudeuten, er ist ein herber Spieler, und das ist mehr als das Jonglieren mit der Technik. Abends Tanzmusik. Damit wird lelbst dem Hörer, der früh zu Bett gehen muß, eine leichte und gute llnterlialtunq geboten.— Die literarische Veranstaltung„Väter und Söhne" fällt leider aus. V. Sah. iinfcut) tragen für diese Rubrik find U« 1 1 i• es«8. Liudemtrahe 3. parieinachrichien für Groß-Verlm stet» en du» Beziriesekretarin« 3. Hot. 2 Treppe» rechts, zu richte». Zum Notopfer für die Erwerbslose« wurden von der Be- triebsfrattion des Bezirksamts Kreuzberg 128,90 Mark ne- sammell und als Restbetrag an die Bezirkstasse abgeliefert.— Allen Spendern hierdurch herzlichen Dank. I. A.: A l» x P a g e l s. * Heule, Dienstag. 23. Dezember: 98.»bt.«enlgn», 139. Bezirk. 1914 Uhr im Lokal Teich,«nelcbeckstraöe. Bc. zirkszahlabent. Neuwahl her Bezirksleitung. lll. Abt. Bohasdvrs. Gruppe„Die Jungen". Zeitungsausschnit'abend. 20 Uhr im Jugendheim Wachtelstr. 1. Jüngere Genossen aus Partei und anderen Organisationen, die aktiv mitarbeiten wollen, sind ringelnden. 2t. Abt. Große Sozialistische Weih»acht»Ieier Donurratag, 25.»e, zrmber(1. ffcicrtag), im Saalbau der Kachschnlbrauerci, Amrumer Straß« 31, Este Seestraße.„Arbeitslose am Weihaacht-abend." Lebe»». bild in zwci Aufzügen und sonstige Darbietungen. Onkel Paul mit seiner Riesentombola. Kassenerössnnng>3 Uhr. Beginn 17 Uhr. starten im Boroerlauf 3« Ps. sind in den„Borwärts-�peditionen Müller- und Bastianstraße erhältlich. Aa der stalle 1 Mark. 102. Abt. Baumschnlenweg. Die Weihnachtsfeier ber Abteilung findet Sonnabend, 27. Dezember, im alten Sierhaus statt. Beginn 1? Udr. Mitwirkende: Opeensängee Wilhelm Guttinann, Stöbt. Oper. Rtänlein sstiedrich. vpernsängerin, Stadt. Ogee, Sbert-Manz. Quartett, Ton- lünftler.vnartett. Festansprache: Genosse Dr. Lobman». SAJ. und «indersrenndr. Eintritt 60 Ps. Erwerbslose und stinder frei, starte» sind»och»ei de» Bezirlsführern zu habe». 43. Abt. Alle Bezirlsführer rechnen ab am 27. Dezember, IS Uhr. Bitte startothrk nicht vergessen. Arbeiksgemeinschafk der kinderfreunde Groß-Berlin. stvei» Renkölln. Seifferkreis. Die Teilnehmer an der Weihnachtssahrt treffen ssch morgen, Mittwoch, 14Zj Uhr, am Stettiner Bahnhof(Normoluhr). Tempelhof. Der Leimnachmittag der Nestfallen fällt aus. Geburtstage, Jubiläen usw. 88. Abt. Mneiendori Unser« Genosse», die Eheleute Gustav Pusahl, Ma. rirndorf. staiserste.>27, feiern hente ihre Silberne»achzeit. Wie gratulieren. Die Abteilungsleitung. SoztallUche Arbeiterjugend Groß- Berlin «Zwseadunaea kllr»lese ItnbrU am an da« Jagenvletteimt«. Tlafln 67B 68. CfatoiBrate 3 Streichorchester«roß.Berlin: Leute. 19 Uhr. Beteiligung an der Weih. vachtsfeier, Gesundbrunnen. Schule Gotenburger Str. 2. Nähe Thristianiastraße. Ü Mr die Vorstellung in der Bolkobahne..Misstsfippi", Schauspiel von l! W Georg«aiser, am 1. Januar, 16 Uhr, sind noch«arten zu 30 Pf. 1 i || erhältlich. Mitgliedsbücher auf Namen Grote Michelbach, Zehlendorf, Waldhüter- Pfad 83- Herbert tzehlberg, Zehlendorf, Riemeisterstr. 126- sind verloren ge» gangen. Sollten diese Bücher irgendwo vorgezeigt werden, bitten wir, sse ein» zubehalten und dem Iugendsekretariat, CW. 6», LIndenstr. 3, einzusenden. Heule, Dienstag, 23. Dezember, IlT/i Uhr: stöllnischer Park: Leim Waisenstr. 18. ssahrtbesprechung.— Oranienburger Tot: Heim Tieitstr. 18.„Unser Weihnachten."— Rosenthaler Dorstadt: Heim Glssabethlirchstr. 19. Weihnachtsfahrtbesprechung.— Zentrum: Heim Lands. berger Str. 5».„Unsere Stellung zum Weihnachtsfest."— Gesundbrunnen I und R.»!?.: Schule Gotenburger Str. 2. Weihnachtsfeier.— Lumboldthain: Heim Putbusser Str. 3. Weihnachtsfeier.— Leopoldplaß: Schule Utrechtrr Ecke Turiner Straße. Weihnachtsfeier.— Norden: Heim Lorßmg. Ecke Graun- straße. Weihnachtsfeier.— Schillerpark: Schule EchSnmgstr. 17. Tagespolitik. — I«9diug: Heim Willdenowstr. 5.„Darf der Arbeiter Weihnachten feiern?" — WebWag tN.-T.): Heim Willdenowstr. 5. Weihnachtsfeier.— Wedding-Nord: Heim Turiner Ecke Seestraße. Weihnachtsfeier.— Arnimplaß: Schule Sonnen., burger Str. 20, Zimmer 1. Weihnachtsfeier:— Arnswaldtr Plan I: Heim Rastenburger Str. 18.„Das Fest der Liebe."—«alkau: Schule Mandelstr. 2. Sounenweudfeier.— Helwhalßpt-ße Heim Danziger Str. 32. B. 2. Weib» .Nachtsfeier.— Nordosten Ii Heim Dgnziger Str. 62, D. 3.„Einführung ,n den Eozialiauus."— Wörther Plag; Schule Kastantenalles 82. Humoristische Weihnachtsfeier.— Hafen Heide; Heim Wassertorstr. 9. Weihnachtsfeier.— SLIn aasten: Heim Liutenstr. 4.„Proletarische Märchen."— Lindchrhof: Heim der Siedlung. Eonnenwendfeier.— Warschauer Viertel fR.�s.fr Heim Lltou-r Str. 18. Weihnachtsfeier.— Wilmarsdor: Sehr wichtige Besprechung des „Noten Rummel".— Steglif,«Aeltere): Heim Aldrechtftr. 47. Lichtbilder: „Militarismus in der Larikatur".— Neukölln l: Heim Sander. Ecke Sodrecht. straße. Sonnenwendfeier.— Neukölln II: Heim Steinmeßftr. 94. Weibnachts. seier.— Neukölln XU: Heim Ziethenstr. 58. Sonunenwendfeier.— Neukölln IV (Aeltere): Heim stanner Straße.„Das Programm der NSDAP."— Neukölln VI: Heim Treptower Str. 06. Heitere Weibnachtsfeier.— Neukölln Vl>: st. M. Sä).,«aiser-Triedrich�traße.„Rückblick und Ausblick."— Neulölln I>: Heim Echierkestr. 44. Heiterer Abend.— Neukölln XI: Heim sslughafeustr. 33. Sonnenwendfeier.— stöpenick I: Heim Grünauer Str. 5. Weihnachtsfeier.— stöpenlck II: Heim Dahlwißer Str. 15.„Anfänge der proletarischen Frauen. dowegung."— Schöneweide: Schule Berliner Str. 31. Leiterer Abend.— starlshorst: Heim Treskowallee 44. Weihnachten.— Selmsdorf: Heim Noon» straße. Weihnachteffeier.— Rainlckendorf-Ost: Leim Lindauer Straße.„Das Programm der NSDAP."— Tegel: Seim Dahnhofftr. lä.„Dle Kunst in Bildern."— Bnchholz: Schule Berliner Str. 19. Zille-Abend.— Lichtenberg- Nord: Funktionärstßung beim Genossen Eloger. Hubertusstr. 51.— Neu- köllu X: Heim Bergstr. 29.„Religion." Vorträge, Vereine undVerfammlungsn. Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14. Sebasttanstr 37-38. Hol 2. Tr. ssriedrichshai». Kameradschaft Büsching. Dienstag, 23. Dezember, 1SZ4 Uhr, große Weihnachtsfeier mit fZamilienangehärigen und anschließendem geselligen Beisammensein bei Blasert, Ebersstr. 24». Es wird vollzähliger Besuch erwartet,— Wiutersportabtelluug. Mittwoch, 24. De. zeinber, Abfahrt der Larzfahrer 12% Uhr Potsdamer Bahnhof. Treffpuuit Freitreppe am Reisebüro. Meldungen werden noch dort entgegengenommen.— Lichtenberg. Am 1. Feiertag findet die allsährliche Weibnachtsfeier im Logen. kastno, Lichtenberg, stiwrrvromenade. statt. Gäste herzlich willkommen. Ein- tritt 50 Pf. Beginn 17 Uhr. Freireligiöse Gemeinde. Am 1. Feiertag um 11 Uhr in der Pappelallee IS Portrag de» Herrn Professor Dr. A. Rosenberg:„Ein neues Leben Jesu". Sonntag, 2«. Dezember. Herr Dr.-H. Hasse:„Die Weihe des neuen Lichtes". Gäste willkommen. Vereinigung»er Freunde»»» Religion und Dölkerfrieden. Gen. Pfarrer Bleier spricht an folgenden Tagen im Rahmen von religiösen Feierstunden in der Trinitatiskirche, Eharlottenburg, starl-August-Plaß: 1. Feiertag. 18 Uhr. Sonntag, 28. Dezember, 10 Uhr, Renjahrstag, 10 Uhr. Sonnabend, 10. Zonuar, spricht Pfarrer Bleier im Rahmen einer religiösen Feierstunde söhne kirch- liche Form) im Gemeindehaus Berlin-Stegliß. Mittelftr. 83. Da» Thema lautet:„Die Bitte um den Weltfrieden". Es ist das erstemal, daß uns kirchliche Räume zur Abhaltung von Feierstunden bewilligt wurden. Da das Fassungs- vermögen des Saales sehr beschränkt ist, empfiehlt sich Voranmeldung. Mit de« Essen soll»an aufhöre», wenn es am besten mundet, doch Weih. nachten wird diese bewährte Regel wohl am häufigsten übertrete». Die Folgen sind Verdauungsstörungen, Magenbeschwerden und dos sehr un- angenehme Codbrennen. Etwas„Vullrick Salz" bringt hier sofortige Er- leichterung und eine reibungslose, angenehme Verdauung. Aber warten Sie nicht, bis die Beschwerden ssch einstellen: nehmen Sie dieses in seiner Wirkung seit über 100 Jahren unübertroffene Mittel al» Vorbeugung gegen die lästigen Beschwerden sofort nach jeder Mahlzeit. ��094 1�®�© 88|cnten0 98 frlich, aasgwrorfwi. Pldron�' M Pfd. Ton w j � V# a,, -'v&8f; (CCr" «75// 'jr Preise nur Freif dg und Sonnabend, rfehch und leichtverderbliche Woren vom Versand öus- geschlossen. Verkauf soweit Vorrat. Mengenaögdbe vorbehalten, dielusendunc} voo Lebensmiiteln erfolgt bei Bestellungen — fo �2.gj < M' CO o '-TZ5 c_- :U2� I ' �§3 -V~i s ? � c- QJ -d oj c: QJ rrr H— "cö E Cl c_ n> cu cz -+= QJ O c �-O-r— =5 CU,"1- c- c;< cu£■ CT* c. � oc ZT 3?-— ~ oj, a5■■ -O> a>£ QJ QJ er oj yo QJ TJ t—'P3• a> c7>' � co C OJ Pralse nur für Dienstag und Mittwoch 286 | PrllsendiOrte In ürosscr AnswaM im«! fielen Preisten| Billlüe Anßelwle la KonljlflreD nnfl Kpchen russlsdiej gefroren. an Weihnachtsobst Mandarinen.......... Pfd. V�ZZ Apfelsinen........... 4 na. 0,85 Jaffa-Apfelsinen..s p«. 1 ,00 Ananas triKh... m von 0,80»ii Tafeläpfel smerit, pü ▼. 0,38«i Haselnüsse..... Pia. von 0,54»n Walnüsse............... Pia. 0,44 Paranüsse.............. pia.0,70 Krachmandeln...... pm. 0,68 Traubenrosinen....Pia, 0,80 Datteln Im Karton........... 0,48 Feigen im Paket............ 0,25 Erdnüsse................ Pia. 0,45 Zitronen........ Dtz. von 0�38 an Rotkohl................. Pia. 0,04 Grünkohl.............. Pia. 0,10 Rosenkohl.......... a Pia. 0.35 Blumenkohl...Kopi ro» 0,2 5 an Sellerie............... 3 Pia. 0,20 Möhren gewaachen...... Pia. 0,05 Rote Rüben........... Pia. 0,05 es Wurslwaren Sülzwurst........ Pia. 0,88 Speckwurst....Pia. 0,88 Hausm.-Leberw. pm. 0,95 Speck iett........ Pia. 0,98 Dampfwursf....Pia. 0,98 Fleischwursf..;,pia. 0,98 Jagdwurst....... Pia. 1,15 KnoblauchwurslPia.1.15 Mettwurst Art�pii 1.20 S{hinkenpoln...Pid. 1.20 Feineleberwurstpia. 1,30 Speck mac«..... Pia. 1,30 ZerveIat,Salamipia.l,48 Teewurst(ein..... Pia. 1,60 Schinkenspedc.Pia. 1,65 Gek. Schinken, in Stücken.......... Pfd. 1,80 Zervetalretiaanp, pia.1.85 Nußschinken...Pia. 1,85 Gänseleberw...Pia. 2,00 Thüring.Zerveial- eder Salamiwurst.... Pia. 2,60 Gänsebrust 1.5. n.h..PM. 2,90 Räudierwaren Bücklinge Pia. ,<>n 0,40 an Schellfisch ger...Pia. 0,38 Seelachs ger....Pia. 0,35 Rolbars goriucii, Pia. 0,40 Nordseekrabben Dose 0.40. 0.80. 1.25 Leckerbissen de»« c.es 0,75 Sardellen eiato.n.s.n, 0,40 Sardinen Marke„Kertie", Do« T. 0,50an Fische •Kabeljauf�,� 0.20 ♦Seelachs TganÄ 0,20 ♦Rofbars i gan� Pia 0,20 ♦Austernfisch n abgeaogen, l.ganzen, Pia. u.�" *Kabeljaufilet..Pia. 0,38 'Zander geir., Pia, t. 0.60an ♦Lebende__ Karpfen Qfi Pia. vonU�yüa *, In allen Kluaern auas.(ndreaa<.r. Frisches Fleisch Schweinebauch ohne Beilage.. Pia. 0,88 Schweineschulterblatt...... Pia. 1,04 Schweineschinken mit Bein...Pia. 1,08 Schweinekamm u Schuft o.B�pid. 1,12 Sdiweinekofelett..... pm. yon 1,18an Kassler miia............... Pia. von 1,C8an Rückenfett dratiertlg. o. Sedvarte, Pia. 0,78 Eisbein Mit Bpltedeln, gep6kelt....Ffd. 0,74 Kalbskamm............. pta. von 0,86 an Kalbskeule WsIPia-aehwer, ganz und geteilt...................... Pia. von 1 ,08an Kalbsbrust u.Rücken Pia. von 0 98 an Kalbskotelett........... pm. von 1,48an Schmorfleisch Raul*, o. Knochen, PM 1,24 Schweineköpfe mit Back«..... Pia. 0,46 Hammelvorder fl. getror. pia.v. 0,58 an Käse und Fette Dan. Butler....pm 1,78 Tafelbutter PMl, 52. 1,64 Molkereibutter pm 1.40 Margarine...... pmO,40 Kokosfett........ pm 0,42 Bratenschmalz Pia 0,70 QriebenschmalzPM 0,78 Rohschmalz....pm 0.78 Allg. Stangenkäse. 20'i................. Pia 0.54 Dän. Schweizer �"0, 84 Edamer voiiiett. pmO,90 Edamer»»!...... Pia 0,66 Gouda�O.OO%0.66 Tilsitervouiett,pia.T. 0,84an SchweizerkäseKd.r.1. 1 8n Emmenlhal.m|pM 0,98 Tilsiler«. Riad«, pm. 0,70 Briekäse voufett, pm 0,95 Konfitüre Eimer ca. 8 Pia. Prelaael Teeren.............. 0,00 Pilao.Tien................. 0,95 Aorlkosen. Johaanlsbeeren... 1,15 Erdbeer, Kiritli, Hlmbear... 1,30 Kolonialwaren Auszugmehl p?deö>2>10,26 Stadion rot, 2 PM-Beutel 0,58 Stadion rot, S-PM-Bentel 1,40 Süsse Mandeln pm 1,40 BillereMandelnpia. 1,50 Rosinen grosse...pm 0,42 Korinthen pm von 0.42an Maispuder...... Pia. 0,30 Orangeat....... pm 1/0 Zitronat......... Pia 1,20 Kartoffelmehl.Pia 0,16 Eierbandnudelnpii 0,45 Eierfadennudeln rH.0,48 Blauer Mohn..pm 0,42 Weisser Mohn pm 0,55 Bruchmakkaroni prd 0.46 ItalienischerReispfd. 0,26 Blue rose........ pm 0,34 Backobst.. PM von 0,45 an Kaffee....PMvon 1.90an Tee......... PMvon 3,90 an ngensparqel so/so... 2,20 jchspargel stark....... 2,45 Konserven Stangenspargel«tr, Mari- Z,70 Stangenspargel um stark 2,50 Stangenspargel mitteis t. 2,4� St an Brei Brechspargel mittel...... 2,40 Brechspargel aann....... 1,90 Kaiserschoten............ 1 30 Junge Erbsen»ehr lein... 1,10 Junge Erbsen tew........ 1,C0 Gemüseerbsen.........0,54 Gem. Gemüse mittel.... 0,98 Berliner Allerlei....... 0,75 Konsummischung ans getrocknet. Erbsen hergestellt",48 Apfelmus................... 0/8 Birnen•/, Kracht............. 1,15 Erdbeeren................ 1,35 Heidelbeeren............ 0,95 Süsskirsdien mit stein.... 0,95 Mirabellen................ 0,95 Pflaumen mit stein........ 0,60 Pflaumen ohne Stein....... 0,76 Weine und Spirituosen preis« ohne Flesche ViFlesche 10 FL 1929 er WIndcthcImcr Allenberg....e.»5 9,60 1929er Senkeln, er Lay, Mosel..........?,:» 12,00 Alter roter Tarregone.............. 1,25 12 00 1921er Oppenheimer Goldberg..... 1,50 15,09 Sehr aller weisser Tarragona...... 1,75 16,50 1923er ChAtcasi Grand Poii|eaisx....1,75 10,50 1929 er Zeller schwarze Kelz........1,55 17.50 Preise ohne Flasche Vi Flasche 10 Fl. 1925 er Merstelncr Domtal........... 1,55 17,50 1927er Winkeler Hasens; rung...... 2,50 22,50 1926er Berncüstler Badstube......... 2,75 25,00 Mirlto Pale Sherry.................2,75 23,00 1929er Oppenheim. Krötenbrunnen 2,55 26 00 1921er Edcncr Treppdien, Naturgew,.. 5,75 35,00 Orlg. Madcenzle Douro-Portweln...3,75 35 00 Ausnahme-Angebot s 1 Sir gyn Carthfiuser, Cherry t-'ttjl Curaceo• Orange,•% Qciml Halb und Halb.........>i, Flasche FI. Brandy. Diensiae, 23. 12. Staats-Oper Unter d. Linden HA A.-V. 19V, Uhr Sdivanda, der Ende g. 22 Uhr Staats-Oper »n Pbh dir kigiblik. V-B. 20 Uhr neues vom Tage Osltnll. Hsnenvrruul Ende 22'/j Uhr Dienstag, 23. 12. staut, oper Bismarckstr Turnus II I9s/i Uhr Hlnssi o. eratei Dia Puppenlea Ende 21»/a Uhr Staat). Sthaasplt. In Cnidinuniuitti. 98. A.-V 19 Uhr Die lungirau von Orleans Enden. 2l1/sUhi Staati.Stöilier-THeater.Cliarltlig 20 Uhr Solen Morgen. Herr Flreiwrl ss minuten in erBneMrg _ Ende 22»/, Uhr_ Tigl. 5 u. N'/z Uhr— BS Barb. 9258 Nachm. 50 Pf. bis 3 M. abends l—em Original 8 FrotelllnS Dtgatano*, Paul Kirkiand uam, Großer Andrang 1 Benatzen Sie den Vorverkauf für Weihnachten! PLAZA Tägl. 5 i. 815 Sonnt. 2. 5 u. S« Alex. 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VolKsbflline Tbutn in ßölowjlatz. 8 Uhr Defraudanten mit Max PallenDerg Riz.: Rarl Heloi Martin �taatlJdiiller-Tli. 8 Uhr Guten Morgen, Herr Flsdter 33 Minuten in BraneDerg Traatar am SdiÜlDsueniamm 8V, Uhr Die Quadratur des Kreises Staatsoper ämPl.d Republik 8 Uhr Neues vom Tage Mim Tbeatei 8 Uhr Elisabeth von England von Peru Bruckner Bezte: Beim Hilpert Die Komödie 7Vi Uhr Die Fee m Franz Holnar Begie: Stefan Rod. |R O S El -THEATER »Große Frankfurter S'raße 132 Telefon: Alex. 34>7 u 349t Dnser Spielplan an den Weiiinadilsfeierlageal iAn allen 4 Feiertagen je 3 Vor- siellungen. Arn 25. imd 26. Dezember (I. und 2. Feiertag) 3 Uhr zum letzten Male: ramlüe Hannemann |5.«5 Uhr: HoKall 9 Ohr: Dollarprinzessin I Am 27. Dezember(3. Feiertag) 4 15 Uhr: iBastelhans o. Quasselgrelc . 7 Bbi: 1„Die |to.t5 Uhr,/ Doiiarprinzessln" Am Sonais«, 25. Dezember 2J: zum letzen Male: iPeterchens Mondfahtf| |5.45 Bin:)„Die jjrJjJonarprinzBSSIn" Buib nit Her neuen Uclergrunlbebg. |lia!t2$telie Jlnujlitrj« PL":u«ieiiji2i j Vorverkauf Ii— 1 u 4 9Uhr. Dtilsehes lansller-Theai Berber. 3937. B'.Bui Zum goldenen Anker mit Rlthe uonffl I. und 2 Weih- nachtsfeienag nachm. 3.30 Uhr Preziiriiikutaig Ermäß gte Preise Renaissance- Tliealer Steinplatz 6780 8V, Uhr Mua die duh milch geben? mit: UbertBassennaun 3.30 nachm. I. und 2. Weihnachtsfeiertag Orljisa&cutnag Ermäßigte Preise Die WelimaAts- Premleie© im Tliaalsr iE Adniralspaiasl Der neue WaliaceO AufdenFleck! Sansatlonsstück aus Chicagos Unterwelt mit Ferd-Hart/Max Ehrlich/ Harry Frank A.HSrblger Trude Burg/OliyGcbauer Friedrich Ettei Otto Collin Deutsche Ur iufführung: I.Weihnachts- Feiertag: Donnerstag, 8. 25. Dezember, 3V;Uhr naebmitt, und ß'/. Uhr abds. An allan drei affi. Ttlerlagen: Nachm. halbe Preise bei PremiarenbeMtz. DcrVorver. kauf hat he» gönnen! Tel.: Merkur 9901,9877. eSM