Morgenausgabe flr. 601 A 302 47.Iahrgang Wöchentlich SS Pf, monatlich Z, 6k) M. im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich övPfg.PostzeitungS' und 72 Pfg. Postbesiellgebühren. Auslands» abonnement 6.— M. pro Monat. * Der„Sonvärts" erscheint wochentög« lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilagen„Volk und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner .Frauenstimme".Technik".„Blick in die Bücherwelt".„Iugend-Vorwärts" und.Stadtbeilage". Berliner Volksblatt Mittwoch 24. Dezember 1.930 Groß-Äerlin Ii) Z)f. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeile SO Pfennig. Reklame�eile 5,— Reichs- mark.„Kleine Anzeigen� dos ettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettoedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt <)eile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHauvt- geschäst Lindenstraße 3. wochentäglich von 8Va bis 17 Ubr. Jentvawvsan der eSozialdemokratischen Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprecher: Tönhofs 232— Lg? Telegramm-Adrn Sozialdemokrat Berlin. Borwärts-Verlaa G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bank der Ardciler, Angestellten und Beamten. Lindenstr. 3, Dt. B.u.Di§c.-Ges.,Deposit«nk.,Jerusalcmer Str.llörtZK. Und wieder Filmverbot! �9�4— Die Schüsse von Serajewo"— ein Opfer der Sachverständigen. Die Film prüf st elle Berlin hotte sich am g« st r i g e n Dienstag unter Vorsitz von Regierungsrat Zimmermann mit dein von der Richard Oswaid-Filmgesellschaft hergestellten Film„1914— D i e Schüsse von Serajewo" zu beschäftigen. Der Film geht von den Ereignissen des Frühsommers 1914 aus, als der öster» reichliche Thronsolgcr in Serajemo ermordet wurde, und sucht die Zusammenhänge zu schildern, die zum Ausbruch des Weltkrieges fuhsstcn. Dabei soll gezeigt werden, daß Deutschland nicht die Allein- schuld am Kriege trefse. In der Filmprüfstelle saßen diesmal außer dem Vorsitzenden der Kinobesitzer Siegiried-Berlin, Rechtsanwalt Freyhan-Berlin, Barfout-Dresdsn und Frau Badick. Das Auswärtige Amt hatte zu dieser Verhapdlungs sechs Sachverständige entsandt, die, nachdem der Bildstreiien vor- geführt war, ihr Gutachten abzugeben hatten. Die Sachverständigen waren der Ansicht, daß die Darstellung der Schuldfrage lückenhaft sei, und daß die Tendenz dieses Films geeignet sei, die Beziehungen Deutschlands zu anderen Stnten zu trüben. Für die Oswald-Filmgesellschaft wandten sich Rechtsanwalt Dr. Wenzel Goldbaum und Syndikus Dr. Friedmann sehr energisch gegen diese Auffassung, wobei sie betonten, daß die Sachverständigen des Auswärtigen Amtes nicht einmal angegeben hätten, welche Staaten es seien, deren Beziehungen zu Deutschland durch die Aufführung dieses Films getrübt werden könnten. Die Filmprüfstelle kam jedoch zu dem ablehnenden Beschluß, wobei sie sich auf das Gutachten des Auswärtigen Amtes berief und aussprach, daß der Film aus den genannten Gründen das Ansehen und die Stellung Deutschlands zu schädigen geeignet sei. Gegen diesc Entscheidung haben berycrkenswerterwcise zwei Mitglieder der Filmprüsstelle.oon sich aus Be- sch werde bei der Filmoberprüfstelle eingelegt, so daß diese Instanz sich abermals mit dem Verbot zu beschäftigen haben wird. Wie mir hören, will die Filmgesellschaft auch ihrerseits Sachverständige, und zwar bekannte Historiker benennen, um der Oberprüfstelle Gelegenheit zu geben, auch die Urteile nicht beamteter Sachverständiger zu hören. Da die bislang beschränkt zugelassen« Oeffentlichkeit neuerdings ganz beseitigt ist und die Verbotsgründe noch nicht publiziert sind, läßt sich näheres über das seltsame Verbot, das wiederum aus den Gutachten der Sachverständigen des Auswärtigen Amtes beruht, nicht mittellen. Es ist ein Skandal, daß das Votum der Sach- v« r st ä n d i gen, dos im Lichtspielgesetz überhaupt nicht enthalten ist, zum entscheidenden Faktor wird. Die Prüfstelle ist. wie auch der Kommentar Dr. Seegers nachdrücklich feststellt, nicht an das Sachverständigengutachten gebunden, kann vielmehr andere Sachverständige heranziehen oder auch nach eigener Sachkenntnis erkennen. Aber in Wirklichkeit stehen die Filmbeisitzer unter dem Druck der ihnen von dem Vorsitzenden präsentierten Sach- verständigen. Da der Vorsitzende zudem angewiesen ist, bei Nicht- berücksichtigung der amtlichen Gutachten(also bei der jeweils vor- herrschenden Richtung), Beschwerde«inziilegen, so sind in Wirklichkeit die von den Behörden instruierten Gutachter die Film- p r ü s e r. Das widerspricht völlig dem Gesetz und hat sich erst aus einer ganz unsinnigen Praxis entwickelt. Die Film- bcisijzer, die allein nach dem Gesetze berufen sind, f r« i zu entscheiden, sollten von Ihren Rechten nur Gebrauch machen, sich nicht als Unter- tanen, sondern als Geschworene fühlen. Um dem Uebergewicht der amtlichen Gutachter zu begegnen, wird es ratsam sein, wenn sie in Zukunft die Zuziehung frei e.r Gutachter, regelmäßig be- antragen und die Derhandlung bis dahin vertagen. Solange die Filmzensur nicht abgeschafft ist, muh der Kampf gegen ihre amtliche Verschlechterung mit aller Konsequenz durch- geführt werden. Das Maschinengewehr von München. Polizei kennt es, findet es aver nicht? München, 23. Dezember.(Eigenbericht.) Die„Münchener Post" berichtet von einem reichen Fang, den Reich sbanncrleule bei Rationalsoziali st en mochten. Sie nahmen den hakenkreuzlern ein ganzes Massen- lager ab und übergaben es ordnungsgemäß der Münchener po- lizeidirektion. Darunler befand sich ein komplettes M a- schincngewehr mit 2 Kisten Munition für tzunderte von Schüssen, alle Ersatzteile, 2 Reserveläufe, ein Reserveschloß. Kühlkasten und Werkzeugkasten. Die Münchener Polizei verösscntlicht zu der Meldung der „Müncheuer Post" eine reichlich verworrene Sachdarstellung. Sie muß die Vehciuplung der„Münchener Post" im großen und ganzen b e st ä t i g e n, bemerkt aber gleichzeitig, daß ihr der Stand- ort des Maschinengewehrs schon vorher bekannt gewesen sei. Das Maschinengewehr sei schon am 14. Dezember von einem Reichsbannermann den Söhnen eines Werkmeisters unter un- wahren Angaben herausgelockt und in einem Wald in der Röhe Münchens versteckt worden. Run soll gegen die Reichs- bannerleute, die die Waffen ordnungsgemäß ablieferten, ein Strafverfahren eingeleitet werden! Hochverraisverfahren gegen Goebbels. Mehrfache Anzeigen des Reichswehrministe' inmS. Wie bereits gemeldet, hat der Reichstag die Genehmigung zur Strafverfolgung des Reichstagsabgeordneten Dr. Goebbels gegeben, die von dem Oberreichsanwalt gefordert worden war. Dieses Hochverratsverfahren wird nicht nur gegen Dr. Goebbels geführt, sondern auch gegen eine Reihe anderer natio- nalsozialistischer Unterführer, zum Teil gegen be- kannte Persönlichkeiten, die erst unlängst in dem großen Reichs- wehroffizierprozeß in Leipzig als Zeugen vernommen werden sollten. Schon damals wurde von der Reichsanwaltschaft selbst mitgeteilt, daß ein Verfahren gegen Führer der NSDAP, schwebe. Als danials nach der Vernehmung Hitlers auch Dr. Goebbels und Zwei andere nationalsozialistische Führer als Zeugen gehört werden sollten, erhob der Reichsanwalt Einspruch mit der Begrün- dung daß diese Zeugen in einen Gewissenskonflikt ge- bracht werden könnten, da sie über Ding« aussagen sollten, deret- wegen gegen sie ein Verfahren schwebe. Es entstand schon in Leipzig eine sehr heftige Debatte zwischen der Verteidigung und dem Reichsanwalt da der Reichstags- abgeordnete Dr. Frank, der einen der Angeklagten zu verteidigen hatte, vom Rcichsanwalt die Erklärung forderte, auf Grund welcher Unterlagen dieses große Versahren eingeleitet worden sei. Reichs- Anwalt Dr. Nagel beschränkte sich aus die kurze Erklärung, daß allein vom Reichswehr Ministerium nicht weniger als acht Strafanzeigen gegen Mitglieder der National- sozialistischen Partei eingegangen seien, daß die Reichsanwaltschaft jedoch aus verständlichen Gründen über den Stand der Ermitt- lungen noch nichts sagen könne. Es wurde jedoch angedeutet, daß die Anzeigen des Reichswehrministeriums ebenfalls Zellen- bildung der Nationalsozialisten in der Reichswehr beträfen. Seih lädt Abrüstungskonferenz ein. Wien der geeignete Ort. Wien, 23. Dezember. Die österreichische Völkerbundsliga hielt eine Sitzung ab, auf der die Frage der Abhallung der großen Abrüstungskonferenz des Völkerbundes in Wien zur Sprache kam. Der Präsident der öfter- reichischen Völkerbundsligo, Botschafter a. D. Dr. Dumba, wies dar- auf hin, daß schon in Genf der Gedanke lanciert worden sei, die Abrüstungskonferenz in Wien abzuhalten. Vom Standpunkt des Völkerbundes aus sei Wien für diese Konferenz der geeignetste Tagungsort. Oesterreich habe noch mehr abgerüstet als es im Friedensoertrage vorgeschrieben sei. Wien wäre danach für die Kon- serenz ein wahrhaft neutraler Boden. Es wurde in der Versammlung mitgeteilt, daß der Bürger- meister von Wien an den Völkerbundsrat die Einladung richten wird, Wien als Sitz der Abrüstungskonferenz zu wählen. Frankreichs innere Krise. Kampf um die Verwaltung. Paris, im Dezember.(Eigenbericht.) Frankreichs Innenpolitik macht eine schwere Krise durch. Da die wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes noch fern von jenem katastrophenartigen Charakter find, den sie in einer ganzen Reihe anderer Staaten angenommen haben, behalten die Kämpfe zwischen den einzelnen Parteien vor- läufig noch einen ideellen Anstrich. Vorerst stehen sich in diesem Hin und Her, soweit die ent- scheidenden bürgerlichen Formationen in Betracht kommen, keine scharf voneinander getrennte Wirtschaftsprogramme gegenüber. Man ringt um die Regierun gsmacht, um das Innenministerium, von dem die Präfekten abhängig sind, die bei den Wahlen eine große Rolle spielen können. Man will dem Klerikalismus Vorschub leisten oder ihn bannen, die durch die weltlichen Gesetze aus dem Lande gewiesenen Mönchs-Kongregationen begünstigen oder sie zwingen, sich den bestehenden Verfügungen zu unterwerfen. Man will die höheren Richter- und Offiziersstellen in die Hände politischer Gesinnungsgenossen bringen. Kurz, man will die Verwaltung des Landes beherrschen und damit seine Gesamtstellung vor der Wählermasse stärken. Während der letzten beiden Jahrzehnte vor dem Kriege war es den bürgerlichen Linkselementen mit Unterstützung der Sozialisten gelungen, die Uebcrbleibsel der altkonserva- tioen, nationalistisch-klcrikalen Elemente aus dem Regierungs- und Verwaltungsapparat zum größten Teil zu entfernen. Obwohl im Feuer der nationalen Einheitsfront während des Krieges mancher Unterschied zwischen den bürgerlichen Par- teien, wenigstens dem Anschein nach, dahinschmolz und d i e Zweimal 4S Jahre. OaS Faschistenurteil gegen die Journalisten. Rom. 23. Dezember.(Elgenberichi.) 3n dem Prozeß gegen die anlisaschistischen Znicllektuellen wurde« die beiden angeklagken Journalisten zu je 15 Jahren Gesang- nis vernrieilt. Ein Angeklagier erhielk 3 Zahre Gefängnis, die, übrigen, darunler die Dichterwitwe de Dosis, wurden freigesprochen, i ersten Wahlen nach dem Waffen st ill st and, am 16. November 1919, der Rechten einen beträchtlichen Sieg ver- schafften, waren gewisse Linkstraditionen stark genug ge- blieben, um einen vollen Triumph der Reaktion zu verhindern. Der Krieg war noch in zu brennender Erinnerung, die Unsicher- heit. über die Haltung der unteren Volksmassen im Fall eines brutalen Systemwechsels noch zu unsicher und die Erkenntnis des Stärkegrades der neuerworbenen Machtstellung im Rechts- lager noch zu unbestimmt. Erst nachdem die Rechte das Ruder wieder einige Jahre in den Händen hatte, erwachte in ihrem Schöße so etwas wie ein ausgesprochener M a ch t w i l l e. Im gleichen Maße, in dem dies jedoch nach außen zum Ausdruck kam, wuchs auch von unten der Wider- stand gegen die Pläne der Rechten. So kam es, daß bei den Neuwahlen vom 11. Mai 1924 die aus der Kriegszeit her über das Land geflutete Rechtswelle gebrochen wurde. Damais glaubte man zunächst, daß die Linke einen großen Sieg davon- getragen hätte. In Wirklichkeit zeigte sich nicht nur, daß die Ltngarischer Wahlbeirug. Wirkungsloser Oppositionssirg. Budapest, 23. Dezember.(Eigenbericht.) Don den 239 Stadtvertretern der ungarischen Hauptstadt er» nennt die Regierung 80 Am Sonntag und Montag war Neuwahl. Dabei eroberten die Sozialisten 37 Mandate und erwiesen sich als die im Volk stärkst« Partei. Die Christlichsoziälen erhalten dank Ernennungen 45 Mandate. Die demokratische Opposition hat ebenfalls große Fortschritte gemacht. Die Regierungsparteien dürften von den 159 Mandaten 67 erhalten, die Opposition 83. Durch das Ernennungsrecht behält trotz dem Sieg der Opposition die Regierung die Mehrheit. handensein einiger Dutzend schwankender Gestalten im Zentrum die Linke äußerst schwächte. Auch die Wahlen von 1928 haben die erwartete Klärung nicht gebracht. Wieder kehrten die Mittelgruppen so stark zurück, daß ohne sie über- Haupt keine Mehrheit gebildet werden konnte. Da sie ihre Fähnlein straffer als früher nach rechts drehten, durfte sich die Reaktion anspruchsvoller, selbstsicherer zeigen. Das führte Ende 1928 zum Austritt Herriots und Painlevös aus dem Poincarö-Kabinett und zu einer reineren Scheidung zwischen Links und Rechts. Die Person Poincares jedoch, der in seinen tieferen Ueberzeugungen und innenpolitisch in manchen seiner Handlungen viel weniger zur Rechten neigte, als man es seinem allgemeinen Ruf zufolge meistens annahm, sorgte da- für, daß auch nachher wichtige Gegensätze ziemlich verschleiert blieben. Poincares plötzliche Erkrankung im Hochsommer 1929 öffnete die Schleusen. Daß der Friedenswärter Aristide Briand feine unmittelbare Nachfolge übernehmen durste, so daß für ein paar Monate noch einmal so etwas wie ein Waffenstillstand eintreten konnte, lag ausschließlich daran, daß man mitten in der Vorbereitung und Ausführung der Haager Reparationskonferenzen stand. Aber so stark war das Dran- gen der Rechten, die Macht selber in die Hand zu bekommen, daß sie sich nach den Parlamentsferien im Herbst 1929 nicht scheute, das Kabinett Briand zu stürzen. Jetzt brach die Zeit Tardieus an, dem die gesamte Rechtspresse seit Monaten die überschwenglichsten Lobeshymnen und Verheißungslieder ge- widmet hatte. Der Versuch, ein ausgesprochenes Linksmini- sterium, dem die Unterstützung der sozialistischen Fraktion ge- sichert war, ans Ruder zu bringen, mißlang. Am selben Tag, an dem sich das Kabinett Chautemps vorstellte, wurde es zu Fall gebracht. , Letzt aber sollen sie was erleben", jubellen die Blätter der Rechten. In der Tat erlebte Frankreich, daß zum ersten- mal feit Ende des vorigen Jahrhunderts wieder ausgesprochene Gegner der weltlichen Fundamentalgesetze in der Regierung saßen, daß die höheren Präfekturstellen den der Linksgesinnung Verdächtigen entrissen, im Offiziers- und Richterkorps die reaktionären Elemente begünstigt wurden. In Andrs Tardieu hatten die nationalistisch-konservatlven ♦ Gruppen endlich einen begabten, tatkräftigen, rücksichtslosen Draufgänger gefunden, der unter ständiger Betonung seiner persönlich fort-schrittlich-vorurteilslosen Gesinnung die Linke bei jeder Gelegenheit mit Spott überschüttete. Daß Tardieu bis zu den Neuwahlen 1932 am Ruder bleiben würde, verkün- deten in der letzten Zeit feine Anhänger als beinahe felbstver- ständlich. Der Ausbruch des Oustric-Skandals in der Kammer, das Mißtrauen des Senats in bezug auf die Ab- sichten des Kabinetts gegen die Laiengesetzgebung haben Tar- dieus Herrschaft ein unverhofftes Ende bereitet. Am Tag seines Sturzes wollte die Rechte noch nicht daran glauben. Es kam das Kabinett Steeg. Daß es Tardieu und seiner Gefolgschaft nicht gelang, dieser Regierung das gleiche Schicksal aufzuerlegen wie seinerzeit dem Ministerium Chau- lemps, ist ein Ereignis, das wohl bis zum Ende der Legislaturperiode nachwirken wird. Auch dann, wenn das Kabinett Steeg in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung sich nicht allzulange als lebensfähig erweisen sollte. So paradox es im Jahre 1926 erscheinen mochte, daß in der Linkskannner eine Rechtsregicrung ans Ruder kommen tonnte, so widerspruchsvoll sieht es aus, daß 1939 in der Rechlskammer eine Linksregierung auch nur nierund Zwanzig Stunden das Heft in der Hand behält. Bis zu den Neuwahlen von 1932 wird die Stellung jedes Kabinetts problematisch und die gesamte parlamentarische Arbeit ge- hemmt bleiben. Im Frühling 1932 wird es vor allem darum zu kämpfen gelten, klare Mehrheitsverhältnisse zu schaffen, um die Kammer und damit auch die Regierung aus dem Sumpf programmunfähiger Mitte-Kombinationen herauszuholen. Ge- wisse Anzeichen deuten darauf hin, daß die wirtschaftliche Ent- Wicklung und ihre krisenschwangere Verschärfung bis dahip dazu beitragen können, die Lage und damit auch die Köpfe der Wähler zu klären. Ergänzung des Ministeriums. Paris. 23. Dezember. llnter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik wurde heute vormittag ein Ministerrat abgehalten, an dem bereits der Ab- geordnete D o r m a n n(Radikale Linke), ein Schwerkriegsbeschädig- ler, der zum P e n s i o n s m i n i st e r ernannt wurde, teilnahm. Ministerpräsident Steeg unterbreitete dem Präsidenten das Dekret zur Ernennung folgender weiterer llnter st aats- sekretäre: Abgeordneter Breant, Innenministerium: 2lb- geordneter Stern, Marineministerium: Abgeordneter Fricard- (grauer om körperliche Ertüchtigung— diese neuen Unterstaats- sekretäre' sind sämtlich Linksrepublikaner—; Abgeordneter C h a r- I 0 t.(Radikale Linke), Landwirtsckfaftsministerium. Auhenminister B r i a n d hat im Laufe des Ministerrots über die außenpolitische Lage Bericht erstattet. Innenminister L e y g u e s hat dem Präsidenten ein Dekret zur Unterzeichnung unterbreitet, wonach'der derzeitige Direktor der Sicherheitspolizei durch den bisherigen Präfekten des Girandedepartements, Thome, abge'öst wird. poincar� übersteht alles. Paris. 23. Dezember.(Eigenbericht.) In einem am Dienstag herausgegebenen ärztlichen Kommu- niquö über das Befinden Poincares heißt es, daß bei dem Kranken vor zwei Tagen eine leichte Rippenfellentzün- dung ausgebrochen sei, der Kranke sich jedoch wieder aus dem Wege der Besserung befinde. Am Dienstag sei dem Patienten zum erstenmal die LekturevonZeitungen gestattet worden. Frick, der(Sieger. Eine Lektion für den Iieichsverfassungsm'nister. Der Rückzug, den Reichsinnenminister Wixth beim Staotsgerichtshof angetreten hat, als er die Freigabe der lhüringlschen Polizeigelder zusagte, hat bei den Nationalsozialisten hellen Jubel ausgelöst. Der„Angriff" des Dr. Goebbels triumphiert: Es dürfe n somit auch Nationalsozialisten der Thüringer Polizei beitreten, was seinerzeit Herr Seve- ring durch die Sperrung der Polizeigelder(die jetzt übrigens nach- gezahlt werden) verhindern wollte. Damit hat Dr. Arick klar und eindeutig über wirth bzw. Scvering gesiegt. Da Severing schon lange nicht mehr das Reichsminiftsrium des Innern verwaltet, kann er nicht der Besiegte sein, um so weniger, als e r den Rückzug nicht angetreten hat. Aber für den Republikaner Dr. Wirth mag die Zubelhymne der Goebbeliten mißtönend genug klingen. Oer dichter von Glogau. Iustizminister fordert Bericht ein Ueber ein kaum glaubliches Urteil, das der Landgerichtsdirektor L a ü in Glogau fällte, haben wir berichtet. Es ist so Mit national- sozialistischen Gedanken durchsetzt, daß man wirtlich schon ans „Dritte Reich" glauben könnte, wenn man es lieft. Wie wir hören, ist das Urteil auch im preußischen Justiz- Ministerium peinlich ausgefallen. Der Justizminister hat deshalb vom Präsidenten des Bveslauer Oberlandesgerichts beschleunig. t e n Bericht eingefordert. Außerdem hat der S t a a t s a n w a l t, um ein« Korrektur des Urteils zu ermöglichen, sofort Berufung gegen die Freisprechung des Nazi-Schimpfboldes eingelegt. Oie taktlosen Hugenberger. Der englische Botschafter als Kronzeuge mißbraucht. Triumphiemid hatte Hugcnbergs„Nachtausgabe" am Sonn- abend berichtet, daß der englische Botschafter in Berlin Sir Horgce Rumbold nach der Premier« des Fridericus-Films „die Ufa zu ihrer hervorragenden Leistung beglückwünscht" hatte. Diesem angeblichen Lob stellt« das Blatt mit sittlicher Entrüstung das Berhallen des„Pöbels" entgegen, da» heißt der Republikaner, die gegen diesen verlogenen milttaristisch-monarchistischen Propa- gandafilm protestiert haben. Der Londoner„Daily Herold" wendet sich nun dagegen, daß die deutschen Nationalisten versuchen, den britischen Botschafter in den hiesigen Filmkrieg hineinzuziehen. Er schreibt� „Daß Sir Horace einige Höflichkeiten geäußert hat, braucht nicht bezweifelt zu werden Wae sollt»« auch ander, tun? Aber nicht zu rechtfertigen ist e», daß ei» paar höfl.iche Wendungen so ausgebeutet werden, daß der Eindruck entsteht, als ob der britisch« Botschafter sein« Zustimmung zu der militaristischen Propaganda dieses Filmes gc- geben hätte." Im Interesse des Ufa-Geschäftes ist für die Hugeuberg-Presie jeder Mißbrauch und jede Taktlosigkeit zuläftlg. Sachsen erhebt keinen Einspruch?! Offener Bn'ef an den sächsischen Ministerpräsidenten Echieck. Hochverehrter Herr Minister! Zwerchfellerschüttert und mit einem beginnenden Anfall von Größenwahn habe ich Ihre hochamtliche Kundgebung gegen das jüngste Kind meiner Satire zur Kentnis genommen. Dies Bulletin lautet: „Wie der Staatskanzlei gemeldet wird, bringt die heutige Abendausgabe des„Vorwärts",„Der Abend", die Nachricht, daß der sächsische Gesandte in Berlin bei der Reichs- und preußischen Staatsregierung einen Prolest gegen die Aufführung des Fride- ricus-Films eingereicht hätte. Diese Nachricht— so heißt es in der amtlichen Meldung— die offensichtlich den Stempel tendenziöser Erfindung trägt, entbehrt jeglicher Grund- löge." Hochverehrter Herr Minister! An der granitenen Sprache Ihres amtlichen Dementis ist mein bisheriger Glaube zerschellt, daß die Sachsen helle seien und einen Scherz als Scherz erkennen würden! Ich reooziere nunmehr: Der Fridericus-Film scheint doch historische Gründe zu haben, wenn er den sächsischen Ministerpräsidenten Gras Brühl � selbstverständlich nur den Grafen Brühl— mit einem leichten Stich ins Dämliche darstellt. Ich hätte jederzeit auf die Intelligenz aller sächsischen Ministerpräsidenten geschworen, aber jetzt hat der von Ihnen scharssinmg entdeckte„Stempel tendenziöser Erfindung" alle meine Berechnungen über den Haufen geworfen. Mein hauptsächlichster Protest richtete sich dagegen, daß in diesem Film immer die Preußen als die lachend Ueberlegenen und die Sachsen als die blamierten Nachtmützen gezeigt werden. Als ehemaliger Leipziger Hundertsiebener und Inhaber der Fried- rich-August-Medaille in echter Bronze glaubte ich, diesen Protest meinem Vizevaierlande Sachsen schuldig zu sein. Aber da Sie, hockverehrter Herr Ministerpräsident, diesen Protest gegen die Ver- spottung der Sachsen nicht wünschen, nehme ich ihn hiermit feier- lichst zurück und erkläre: Wenn die sächsische Nation jenen Fride- ricus Rex, der ihr Land ohne Kriegserklärung überfallen, es dann sieben Jahre lang barbarisch verwüstet und ausgesogen hat, als ihren Nationalhelden ansieht— warum sollte ich als Preuße sächsischer sein als mein« lieben Sachsen?! Ich gestehe: Ich habe bei meinem Protest die sächsisch« Gemietlichkeit nicht genügend m Rechnung gestellt. Stets zu weiteren Gegendiensten bereit 2hr ' Jonathan. Pommern erklärt Krieg. Zunächst dem JUichswndbund und dem Minister Schiele. Der pommersche Landbund hat auf ein st im- m i g e n Beschluß seines Bundesausschusses nachfolgendes Schreiben an den R e i ch s l a n db u n d gerichtet: „Durch die am Itt. Dezember erfolgte Zurücknahme unserer Kündigung haben wir zum Ausdruck gebracht, daß wir den Willen haben, die Arbeit des Reichslandbundes so lange zu unterstützen, wie dies der mit dem pommerschen Landbund eigenen Zielsetzung irgendwie vereinbar ist. Wir müssen aber den Reichslandbund mit Ernst auf das außer- ordentlich Bedenkliche seiner augenblicklichen Haltung hin- weisen. Die Regierung Brüning- Schiele hat die berechtigten Erwartungen de» Landbundes nicht erfüllt. Die Hilfsftellung. die der Retch-laodbund dieser Regierung gegeben hat, hat sich als falsch erwiesen. Es war deslmlb richtig, daß durch Neubesetzung des Präsidiums die äußerliche Verbindung zwischen Reichslandbund und Reichskobinett gelöst wurde. Auch der Aufruf des Grasen Kalckreuth vom 24. Oktober und das Ergebnis der Bundesvorstands- sitzung vom 4. November waren geeignet, dem Landvolk gegenüber der Regierung di« kämpferische Haltung wiederzugeben. Pm so befremdlicher und beunruhigender ist die äugen- blickliche Zurückhaltung des Reichslandbundes. Die Vesuche beim Reichspräsidenten und beim Reichskanzler sind pon der Regierung la jeder Weise hinhaltend behandelt worden. Di« letzte Notverordnung läßt die wichtigste Maßnahmen, z. B. Schutz der Veredtlungswirt- fchaft, Erhöhung des Brennrechtes, Südfruchtmonopol usw. fehlen. Dys vom Reichslandbund geforderte steuerliche Rot- jähr wird abgelehnt. Gleichzeitig macht di« Reichsregierung durch Futtergerstc- und Maiseinfuhr ihre eigenen Schutzmaßnahmen zum Teil wieder wirkungslos. Die Osthilfe erfolgt mit einer Der- zögerung und in einer Form, durch die ihr Zweck mit Sicherheit vereitelt wird. Wenn die Regierung jetzt erneut Versprechungen macht, kann ihnen angesichts des Boraufgegangenen irgendwelcher Glaube nicht mehr entgegengebracht werden. Was für morgen versprochen wird, das kann auch heute geschehen. Durch nichts darf der Reichslandbund sich davon abbringen lassen, den begonnenen Weg des Kampfes fortzusetzen. Das Landvolk des Ostens wird ihm folgen; es hat nichts mehr zu verlieren und ist zu allem bereit. Wir bitten den Reichslandbund dringend, daß er der Stunde Rechnung trägt." „Kiek mal eins an!" würde der Pommer sagen, wenn er solche Kriegserklärung aus einer anderen Gegend des Deutschen Reiches zu Gesicht bekäme. Aber auch, wenn„der pommersche Landbund" solche gefährlichen Töne anschlägt, weiß der Pommer, daß der„Herr von und zu", der sie von sich gab, noch lange kein Otto Gebühr ist, der Sachsen und Oesterreich gleichzeitig verspeist. Herr Schiele wird das gleich- falls wissen. Großagrariernot. An ihren Schlössern sollt ihr sie erkennen! Zum eisernen Bestand der großagrarischen Demagogie gehört bekanntlich seit Bestehen des verflossenen Kaiserreiches wie der Republik die Ieremiade von der Not der Landwirtschaft. Besser als dieses ewige Lamento am laufenden Baird und noch so kühn ausgebaute Behauptungen es vermögen, illustriert jedoch djcsc „Not" der Großagrarier, die in der„Deutschen Tageszeitung"— also einem ganz unverfänglichen Zeugen, einem Agrarierblatt!— in großer Aufmachung folgsnde Amioncc: ?tu» Erbmasse sehr preiswert zu verkaufen - Großer Gntsbestch «ah« Berlin ( davon rd. 1100 Mrg unterm Pflug, J», 40„ Wiesen !.„ 250„ Wald l,„ 40„ Park und Garten Prachtvolles Schloß mit letztem Horn fort, vor wenigen Jahren erbaut. Schriftliche Anfragen erbeten an... Diese Annonce spricht für sich selbst und— für die angebliche „N a t" der Großagrarier. Deim wie reimt sich dieses erst vor wenigen Zahrrn mit allem Komfort erbaute prachtvolle Schloß damst zusammen? Ist es etwa aus den stets freigebig und immer reichlich fließenden Subventionen aus den Steuerzahlergeldern erbaut worden? Wie hoch mochte wohl dieser Schloß- und Rsttcrgutsbesitzer zur Steuer eingeschätzt sein? Zahlt er vielleicht wie so mancher seiner „notleidenden" Standesgenossen überhaupt keine? rd. 1400 Mrg. 522,5 Millionen Mindereinnahmen. Die fffteichsfinanzen im November. Die E i n n a h m e n an Neichssteuern beliesen sich im November 1930 aus insgefanst 641,2 Millionen Mark. Hiervon entfielen ans Lefitz- und Verkehrs steuern 410,1 Millionen und auf Zölle und Verbrauchcabgaben 231,1 Millionen Mark. Die Ein- ganze bei den einzelnen Arten der Besitz- und Vcrlehrssteuern lassen sich wegen der vierteljährlichen Vorauszahlungen im Oktober bei der Körpcrschafts-, Einkommen- und Umsatzsteuer nur mit dem entsprechenden Monat des vorhergehenden Vierteljahrs, dein August, vergleickMN. Hierbei ergibt sich im November bei der Einkommen- steuer ein Rückgang von 3 Millionen und bei der Körperschaft?- steuer von 15,7 Millionen Mark. Dagegen sind an Lerrnögens- steuer 8,7 und an ilmsatzsteuern 3,2 Millionen Mark mehr aus- gekommen. Der Rückgang bei der Einkommen- und Körper- schastssteuer gegenüber dein August ist auf größere Slbschlußzahlun- gen in dem genannten Monat zurückzuführen. Di« Lohnsteuer ergab im November 116,3 gegenüber 117,5 Millionen im vorher- gehenden Monat. Auch die Zölle uns Verbrauchsabgaben wiesen im Berichtsmonat gegenüber dem Oktober einen Einnahmerückgang von 96,1 Millionen auf. Der starke Rückgang bei den Zöllen in Höhe von 85,4 Mit- lionen hängt mit den viertelsährlichen Lagerabrcchnungen, tne im Oktober stattfanden, zusammen. In den bisher abgeloosenen acht Monaten des Finanzjahres tgZ0/Zl sind bicher insgesamt 6Z2l Millionen Mark an „Die Lungfrau von Orleans." Staatliches Schauspielhaus. Leopold Jeßner inszeniert Schillers romantische Tragödie stark gekürzt und inst auffallendem Mangel an Bühnenoufwand. Da- durch wirkt sie besonders im ersten Teil mager, fast leer. Eine intar- essante Fehlbesetzung: Toni va» E y ck spielt die Johanna traumver- loren kindlich. Das Publikum findet an der Ausfassung Geschmack und spendet begeisterten Beifall. Der. Steuern, Zöllen und Abgaben in die Reichskassen geflossen. Da bei einem Einnahmevoranschlag von 10 265,6 Millionen für das gesamte Jahr auf die Zeil April bis November ein Einnahmesoll von 6843, 8 Millionen entfällt, bleiben die tatsächlichen Reichseinnahmen um 522.8 Millionen hinler dem Voranschlag zurück. Hierbei ist nach den Ausführungen des Finanzministerlnins allerdings zu berücksichtigen, daß die Einnahmen der kommenden Monate durch die neuen Steuern, die zum Teil im Herbst, zum Teil erst kürzlich in Kraft getreten sind, noch beeinflußt werden. Anderer- seits fällt in den Schluß des laufenden Finanzjahres nur noch ein einziger Monat, der Januar, in dem vorauezahlungcn aus die Einkommen-, Körperschasls- und Ilmsahsteuern entrichtet werden und in dem auch noch vierteljährliche Zollagerabrechnungen statt- finden. Ein bestimmter Schluß aus da» endgültige Zahresergebnis läßt sich daher noch nicht ziehen. Jedoch erklärt das Reichssiuauz- Ministerium, daß sich die Einnahmen in den ersten acht Monaten im Rahmen des vou der Regierung ausgestellten Finaazprogramms holten. Dannt ist allerdings noch nicht gesagt, ob bei der gegenwärtigen Verschärfung der allgemeinen Lage die Erwartung aus ein stärkere» Fließen der neuen Steuern in Er- siillung geht. Oie Saalschlachi abgeurteili. Schwere Gefängnisstrafen gegen Kommunisten. Nordhausen. 23. Dezember. Im letzten April fand in Artern eine von Nationalsozialisten einberufene Versammlung statt, die auch von Ko m m u n i st e n stark besucht war. Im Verlauf der Versammlung kam es zu einer regelrechten Sa als ch lacht, bei der die Gegner mst Stuhl- beinen, Flaschen und Biergläsern aufeinander«inschlugen. Einig« Verletzte mußten ins Krankenhaus gebracht werden Wegen dieser Borfälle hatten sich jetzt 21 der KPD. angehörende oder ihr nahe- stehende Personen vor dem Nordhäuser Großen Schöffengericht ztt nerantworten. Nach e l s t ä g i g e r Verhandlung jällte das Gericht das Urteil. Von den 21 1 Angeklagten wurden fünf wegen mangelnder Beweise sreigesprochen, die übrigen erhielten Gefängnis st rasen von drei Monaten bis zu einem Jahr. Frankreich wird abgesperrt. Gegen ausländische Arbeiter.— Orobende Arbeitslosigkeit. Varls. 23. Dezember.(Eigenbericht.) Angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit in Frankreich, die zw« nach der amtlichen Statistik kaum die Zisser von 5000 erreicht hat — wobei allerdings die ausländischen Arbeiter und die Kurzarbeiter nicht mitgezählt sind—, hat sich das französische Arbeits- Ministerium zu scharfen Absperrmaßnahmen entschlossen. Die Einreise ausländischer Arbeiter soll in Zukunft grundsätzlich untersogt werden. Weiter soll die Kontrolle über Ausländer. die in Frankreich leben, verschärft werden. Arbeitern, die als angebliche Touristen eingereist sind, sollen in Zukunft keine Nachtrag- liche Arbeitserlaubnis mehr erhalten. Vergeudet Geld und Zeit...! Aekenntn'sse einer kommunistischen Bezirksleituua. Zeitweilig steht auch in kommunistischen Blättern ein Körnchen Wahrheit. So, wenn in der kommunistischen Magdeburger„Tribüne" dieser Tage zu lesen war: „Die Kommunisten hatten zu großen Kundgebungen gegen die faschistische chungerdiktatur aufzurufen. Nur die Ortsgruppen Burg und Althaldensleben mobilisierten die Massen. Warum die anderen Ortsgruppen nicht? Ist das nicht offenkundige» Versagen?" In der gleichen Nummer des Blattes war weiter dieser Klagerus zu finden: „Die BL. setzte zur dringend notwendigen politischen Information für alle Ortsgruppen durch Rundschreiben und Veröffentlichung in der Presse Mitgliederversammlungen an. Vierzehn Ortsgruppen hielten es nicht für notivendig, die Versammlungen zu organisieren. Selbst. verständlich hielten es diese Ortsgruppenleilnngen auch nicht für not- wendig, die DL. vom Nichtstattfinden zu benachrichtigen. Die Referenten der DL. resp. URL. vergeudeten Geld und Zeil wegen dieser großen Bummelei der Ortsgruppenleitungen. Charakteristisch ist dabei, daß kein Mitglied der Ortegruppe gegen diese» Versagen protestierte, trotzdem die Versammlungen in der„Tribüne" bekanntgemacht waren." So sieht es in Wirklichkeit um die„Massenbewegung" aus, von der die Zentralbonzen der KPD. fortwährend fabeln. Wenn sie in der Millionenstadt Berlin bei ihrer riesigen Arbeitslosigkeit einige tausend marschierender Leute auf- bringen, posaunen sie in die Welt hinaus, daß„die Massen" der Parole Moskau folgten. Im Lande aber: siehe das Zeugnis der„Tribüne"! Was kostet der Ausschuß? lehrreiche Zahlen über die Llntersuchungsaktiooen. Aus«ine demokratische Anfrage im Landtag nach den U n- kosten der Untersuchungsausschüsse hat der preußische Minister des Innern jetzt eine ausführlich« Auskunft gegeben, bei der allerdings, um der Vergleichbarkeit willen, nur die nach d«r Währungsstabilisierung eingesetzten Ausschüsse berück- sichtigt worden sind. Cs sind deren nicht weniger als 9, von denen 5 erst ihr Pensum erledigt haben, nämlich die Ausschüsse über die Kreditgewäh- r u n g der Staatsbank an ausländische Konzerne, die Un- rogslmäßigksüen bei der Landespsandbriefansta l t, über Dr. �öfle, üb«r die Fememorde und über Bergarbsiter- bcschwerdon. Noch unerledigt ist die Tätigkeit des Ausschusses zur Untersuchung der Unregelmäßigkeiten bei dem Rai ff eisen- Verband» der Mißwirtschaft in der Berliner Stadt vermal- t u n g, über die angebliche Beeinflussung des Volksbegehrens und die Personalpalinl im Statistischen Landesamt. Insgesamt haben diese neun Untersuchungsausschüsse bisher rund 5 5 0 00 0 M a r t Unkosten verursacht, wobei die verhältnismäßig größte Summe, nämlich rund ISO 000 Mark, auf den Ausschuß über die Berliner Stadtverwaltung entfällt, der zudem noch nicht einmal am Ende seiner Arbeiten stelzt. Der bei weitem größte Teil der Gesamtausgaben jällt auf die Kosten der stenographischen Ausnahme(103 000 Mark) und aus die Druckkosten(318 000 Mark). Für die Abgeordneten wurden an Tagesgeldern 113 000 Mark auf- gewandt, als Entschädigung für die Zeugen 13 000 Mark. Weizengebäck im Gasthaus. Bedingungen für den verkauf. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Zur Behebung gewisser Schwierigkeiten hat der preußische Minister für Handel und Gewerbe zusammen mit dem preußischen Landwirtschaftsminister auf Grund der in der Notverordnung ge- gebenen Ermächtigung angeordnet, daß in Zukunft a u ch i n Gast-, Speise- und Schankwirtschaften Weizenklein- g e b ä ck im Stückgewicht bis zu 50 Gramm angeboten, feilgehalten oder verkauft werden darf, wenn gleichzeitig und in gleicher Weise auch nach den Borschriften von§ 1 des Brotgesetzes her- gestelltes Brot, d. h. Roggenbrot, Msschbrot usw. feilgehalten wird. Des weiteren sind die Regierungspräsidenten ermächtigt worden, auch Ausnahmen von derjenigen Bestimmung der Notverordnung zuzulassen, die vorschreibt, daß anderes als nach den Vorschriften von tz 1 des Brotgesetzes hergestelltes Brot, also Weizenbrot usw., nur unmittelbar von einer bei Inkrafttreten der Notverordnung bereits bestehenden gewerblichen Niederlassung aus verkauft werden darf. Reichswehr wieder verurteili. Neuer Prozeß wegen unrechtmäßiger Entlassung. kiel. 23. Dezember. Der 2. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Kiel als Be- rufungsinftanz verkündete heute vormittag das Urteil in der Schadensersatzklage des aus der Reichsmarine fristlos entlassenen Oberboots manns maaten Becker gegen den Reichswehrfiskus. Das Gericht hob das abweisende Urteil der ersten Instanz ans und verurteilt« den Reichswehr- fiskus zur Zahlung eines Gesamtbetrages von 17 700 Mark. Vorbedingung hierfür ist hie Eidesleistung des Klägers, daß er während seines Verkehrs mit dem früheren Angehörigen der Roten Marine Naesert von dessen Mit- gliedschaft bei der Roten Marin« nichts gewußt habe und auch von Naesert nicht darüber infornnert worden sei. Leistet der Kläger diesen Eid nicht, so wird seine Klage ab- gewiesen. Di« Kosten des Verfahrens Hot zu einem Sechstel der Ki'�sr, zu fünf Sechsteln der Beklagte zu tragen. In der Urteilsbegründung betonte der Vorsitzende, daß die Vcstimn, ungen des Kündigungsgesetzes, wonach der zu Kündigende vorher zu hören sei, nicht beachtet wor- den seien.' Die Bescherung. „Lieber Michel, genau entsprechend deinem Wunschzettel vom-14. September!" Die Folterkammer Brest. Neue Enthüllungen aus der pilsudskei. Warschau. 23. Dezember.(Eigenbericht.) lieber die Behandlung der Oppositionsführer in der Zwingfeste wird immer mehr bekannt. Die Oppositionsführer wurden fast ausnahmslos in der Nacht verhaftet, wobei die Gendarmen mit vorgehaltenem Revolver ein- drangen, wie in gefährliche Räuberhöhlen. Unterwegs nach Brest wurden die Autos öfter aogehallen, um den Eindruck einer bevor- stehenden Hinrichtung zu erwecken. Dem Abgeordneten Dr. Liebermonn wurde, als er im Walde bei Sjedlce blutig geschlagen wurde, erklärt, daß Hiersein Grab sein werde. Nach der Ankunft in Brest wurden den Gefangenen Kragen. Krawatten, Hosenträger, Schuh- und Strumpfbänder und sogar die Hemden- knöpfe abgenommen. Beim Photographieren für das Ver- brecheralbum wurde jedem Häftling ein Hemdenknopf gegeben, aber gleich danach fvieher abgenommen. Für dte 21 Gefangenen w Brest- Lftowsk war eine.besondere Wache zusammenaestbllt morden, aus dem.Obersten Bjerngzki, 7 Lssflzier«n,' etwa 15©eikbarmen~ ut®* 3 Schließern. Djeruazki erhielt vom kriegsmimfier Vissudski den Auftrag, sich die..geeigneksten" Offlzlere und Gendarmen zusammenzusuchen. Er erhielt von V>ssadsii unmiktelbar ZustrukNonen uud Rapporte und erklärte öfter seineu Opfern, daß sie„aus Gnade und Ungnade dem Warschall ausgeliefert" feien. Die Gefangenen durften nicht rauchen und nicht schreiben. Am zehnten Tage erhielten sie als„Lektüre"— Regimentsgsschichten, w-llerhin kein« anderen Bücher! Das alltäglich« Reinigen der Ge- fängniskorridore mußten die Häftlinge gebückt mit einer kleinen Handbürste besorgen, wobei verboten war. auch nur für einen Augenblick dm Körper zu strecken. Bjernazti erklärte einem der Verhasteten:„Das ist ein Gefängnis, aus dem nicht alle herauskommen werden." Abg. Kjernik wurde von einem Offizier mit einem harten Segenstand blutig geschlagen und für das Ansprecht eines Mitgefangenen im Korridor auf 24 Stun- den in eine Dunkelzelle bei trockenem Brot und Salzwasser gesperrt, ein anderer Gefangener in eine Dunkelzelle getragen und dort geschlagen, weil er sich weigerte, das Lied der Legionäre zu singen� Die Al'gg. Barlizti und Putek wurden bei der sogenannten Revision mit Fäusten geschlagen und Abg. Korfanty erhielt im Abort von einem Hauptmann vier Fau st schlüge ins Ge- ficht unter dm Worten:„Polen wird PIlsudski gehären und nicht dir!" Am 11. November wurden die Gefangenen mit je einem Gendarinen in Einzelzellen zur Revision gesperrt Dabei hörte man aus einer der Zellen lautes Schimpfen, dann Schläge und Stöhnen. Es war der Abg. Baginski, der mit einem Riemen bearbeitet wurde Währenddessen hörte man einen Revoloerichuß. der, wie sich später erwies, im Korridor abgegeben war, damit die Gefangenen glaubten, jemand werde erschossen. In einer anderen Zelle wurde Korfanty mit dem Tode gedroht und gerufen: „Sie müssen de« Marschall lieben, sonst werde« Sie wie ei« Huad auf der Straße erschösse« werden." Als die Gefangenen nach zwei Monaten Aushungerung wieder normale Soldatenkost erhielten, wurden sie sänckllch schwer magenkrank. 75 Tage lang gab es für die Gefangen«« kein Bad, und mir dreimal erhielten sie Schüsseln mit kaltem Wasser, um die Füße zu waschen. Die Mehrzahl der FoUerhäupllinge ist belohnt worden: der Staatsanwalt M i chal o wsk i wurde Iustizminister und erhielt einen Orden: der Untersuchungsrichter Demant avancierte zum Appellationsgericht und mehrere her Offiziere wurden außerordent- lich rafäi befördert; fic alle wurden für Brest besonders ent- lohnt!' Selbst pmudstisten protestieren! Warschau. LS. Dezember.(Ost-Expreß.) Die Erregung hat nun auch Pilfudsti-Freund« ergriffen. E? ist bekannt geworden, daß es m der Selmfraktion des Regierungsblocks heftige Auseinandersetzungen gegeben hat, als der Vorstand Verneinung der Dringlichkeit des Antrags auf Be- strafung der Schuldigen von Brest befahl. An der Spitze der Minderheit im Regierungsblock standen die gestrigen Minister Stanjewicz und Kwiattowsti sowie Professor Krzy- »an»wfki. Den Pvotestbrief der Professaren hat auch der Wilnaer Professor Marjan Z d z j e ch o w s k i unterzeichnet, der nach dem Staatsstreich 1326 einer der Kandidaten Pilsudiskis für den Staatspräsidentenposten gewesen ist. Der Dichter S l o n i m s k i, ebenfalls ein.Anhänger des Pilsudski-Regimes, ver- langt in einem offenen Brief, daß die polnsschen Literaten über die Parteigrenzen hinaus kollektiv„die unwürdigen und Abscheu erregenden Vorgänge von Brest" verurteilen sollen. Der konservative Krakauer„Czas" kennzeichnet den Fall Brest als das Verbrechen der schweren Schädigung des An- iehcns Polens: diese Affäre übertreffe an Ausmaß noch die düstere Episode mit GeneralAagorski. Selbst der„Jllustrowany Kurjer Eodzienny", der sonst mit der Regierung durch dick und dünn geht, erklärt, die„unselige Affäre von Brest" sei mit der»Stellung Kottns.als europ äts chet; Maat unner e i n b a r. lfffiS."'1;.■■■■'■?■■'-!!'■ �•■■■- Das unruhige Zndien. Attentat auf ven Gouverneur von punschab. Lahor«, 23. Dezember.(Eigenbericht.) Am Dienstagnachmittag wurde der Gouverneur der ProoinzPunschab, deMontmorency, beim Verlassen der Universität, wo er einem Festakt beigewohnt hatte, durch zwei Streifschüsse verwundet. Das Attentat wurde offenbar von indischen Studenten ausgeführt. Mehrere Personen wurden verhastet, doch steht noch nicht fest, ob sich der Täter unter chnen bc- findet. In diesem Jahre wurden auf den Gouverneur bereits zwei Attentate verübt. Major Krauco hat Glück. Nicht beim putsch, aber bei der Lotterie. Varis. 23. Dezember. Wie aus Madrid verlautet, ist der vierte Hauptgewinn der großen spanischen Lotterie, die am Montag zur Ziehung ge- langte, dem flüchtigen Major Franca zugefallen. Der Gewinn beläuft sich auf 1383 000 Franken(rund 230 000 M.). „Oer Eisenstein wird eingesperrt." Wer kennt nicht diesen fröhlichen Sang aus der„Fledermaus"! Jetzt ist er Wahrheit geworden: Den sowjetrussischen Filmregisseur Eisenstein, der Schöpjer weltberühmter Film« wie„Mutter" und „Poteintin", denunzierte«in Telegramm, noch dazu ein anonymes, daß er ein bolschewistischer Agitator sei. Flugs hat darauf die Polizei von Mexiko den Eisenstein eingesperrt. Zehn Stunden saß er im Kittchen: dann aber ließ man ihn frei und der Polizeipräsident entschuldigte sich auch noch. Wird aber jetzt nicht in Mexiko jener Flodermaus-Chor verboten werden, der vom eingesperrten Eisen- stein spricht und darum besonders Heiterkeit auf Polizeikosten hervor- rufen dürft«?! Otto Braun beim Reichspräsidenleo. Der Reichspräsident empfing aeftern den preußischen Ministerpräsidenten Braun. Vinlilu Vralianu. der Vorsitzende der liberalen Partei Ru- mäniens, ist im Alter von 61 Jahren gestorben. Bratianu litt schon s«it Jahren an einer vorgeschrittenen Arterienverkalkung. Trohki ist nach Meldungen aus Konstantinopel schwer erkrankt. Tranerfeier für Rauscher in Warschau. An dem Trauergottes- dienst, der in der Warschauer evangelischen Kirche für den ver- storbenen Gesandten Dr. Rauscher stattfand, nahmen außer einem Arrtroter des polnischen Staatspräsidenten die Mitglieder der deutschen Gesandtschaft und der deutschen Kolonie und dos gesamte diplomatische Korps teil, serner zahlreiche Vertreter der polnischen Regierung und Mitglieder des polnischen Außenministeriums mit dem Minister Zaleski an der Spitze sowie polnische Politiker aller Parteien. Die Kommunisten beabsichtigen am 24. Dezember fast in ollen Tellen des Reichs sogenannte H u n g e r p ro z e s s> o n e n. Die Kundgebungen sollen noch einheitlichen, von der Zentrale der KPD. in Berlin offerierten Richtlinien durchgeführt werden. Deshalb sind in einem großen Teil der deutschen Städte sür den 24. Dezember alle Veranstaltungen unter freiem Himmel ver- boten worden. In Berlin besteht das Verbot schon seit den Nazi- krawallen am Nollendorfplatz......- Sie Den Nervenärzten zum näheren Konnte man bisher von einer Lohnabbaupsychose sprechen. ,o sind osfenbar die in der Berliner Auhrherreninnung zusammengeschlossenen Fuhrunternehmer von der L o h n- a b ba u w u l befallen, was sie ihren Arbeitern an Lohnabbau zumuten, ist beträchtlich toll und stellt alles bisher Dagewesene in den Schotten. Daß die Berliner Fuhrherren die günstige Gelegenheit wahr- genommen und den Lohnlarif für die Arbeiter im Schwer- und Leichtsuhrgewcrbe zum Jahresschluß gekündigt haben, ist weiter nicht verwunderlich. Mit ihren Forderungen haben sie sich jedoch einen Denkstein in der Geschichte des deutschen Scharfmachertums gesetzt. Wochenlöhne wollen sie überhaupt nicht mehr zahlen, sondern nur noch Tagelöhne. Dann sollen die Gruppen Schwer- und Leichtsuhrgewcrbe unterteilt werden in eine Art Akkordgruppe und eine Lohngruppe. So soll z. B. die An- und Abfuhr von Bau- Materialien und dcrglg'chen nach Leistung, also im Akkord bezahlt werden. Der mit einer bestimmten Leistung verbundene Tagelohn für diese Akkordgruppe soll 9 Mark betragen, für die Lohngruppe 8 Mark. Der Endefsekt dieser Neuregelung wäre für die Kutscher in der neuen Akkordgruppe ein Lohnabbau von 12,2 Prozent und in der Lohngruppe von fast 22 Prozent. Die Kraftwagensührer, die bisher höher bezahlt wurden als die Kutscher, sollen den Kutschern in der Entlohnung gleich- g e st e l I t werden, was für die Kraftwagensührer im Schwerfuhr- gewerb« einem Lohnabbau von 19� Prozent, und im Leichtsuhrgewcrbe von 31. 7 Prozent gleichkäme. Die Entlohnung der Stalleute, Mitfahrer und Wächter soll nach den Wünschen der Fuhrherren überhaupt nicht mehr tariflich, sondern„in freier Vereinbarung" geregelt werden.. Bei den übrigen Arbeitern des Schwer- und Leichtfuhrgewerbes fordern die Fuhrunternehmer einen Abbau der Löhne um 23.2 Prozent. Die Zuschläge für die P f e r d e p f l e g e an den Wochentagen wollen die von der galoppierenden Lohnabbausucht befallenen Fuhrherren um 36 Prozent und die Pferdepflege an den Sonntagen um 33Z4 Prozent abgebaut wissen. Den Kraftfahrern wollen sie die Sondervergütung für die Wartung der Kraftwagen im Lcichtsuhr- gewerbe um 37,6 Prozent und im Schwersuhrgewerbe um 42, S Prozent kürzen. Damit ist aber der chäckselsack noch nicht völlig ausgeschüttet. Für die minder leistungsfähigen Arbeiter war es bisher statchaft, sie zu einem niedrigeren Lohn als die übrigen Arbeiter zu bezahlen, doch durfte der Lohn nicht mehr als IS Prozent unter den Tariflöhnen liegen. Hier wollen die Unternehmer vollkommen freie Hand haben. Die u n st ä n d i g beschäftigten Arbeiter sollen nicht mehr 10 Prozent, sondern nur noch 5 Prozent Zuschlag zu den Tariflöhnen erhalten. Das tollste Stück haben sich die Fuhrunternehmen mit den Jugendlichen geleistet, bei denen ihre Forderung auf einen SSprozenligen Lohnabbau hinauslies. Diese Forderung ließen sie aber in der Verhandlung am Montag als einen„3 r r t u m" fallen. In den Verhandlungen spielten sich die Herren Fuhrunternehmer obendrein noch als die gekränkten Leberwürste auf, als ihnen die Vertreter des Gesamtoerbandes sagten, sie wären von den Unter- Studium besonders empfohlen. nehmern bestimmt für o« r r ü ck t erklärt worden, wenn sie einmal solche Lohnzulagen verlangt hätten. Die Gewerkschaftsvertreter hätten vielleicht gut daran getan, den Unternehmern erst einmal den Puls zu fühlen, ehe sie mit ihnen verhandelten: denn man kann kaum annehmen, daß ein gesunder Mensch ernschoft solche Forderungen vertreten kann. Nach heftigen Debatten flogen die Verhandlungen auf, wie nicht anders zu erwarten war, weil die Unternehmer jedem Gegenvorschlag der Unterhändler der Arbeiter unzugänglich waren. Sie erklärten zum Schluß lediglich, daß sie noch einmal in einem kleineren Kreise zusammenkommen und dann dem Gesamtoerband mitteilen wollen, ob sie zum Schlichtungsausschuß gehen oder überhaupt keinen Tarif- vertrag mehr abschließen werden. Der Gesamtverband sieht der weiteren Entwicklung im Schwer- und Leichtfuhrgewerbe ruhig entgegen. Bei ihm ist noch Ueberlegung genug, um Mittel und Wege zu finden, auch die Unternehmer wieder zur Vernunft zu bringen. Auch die Möbeliransporieure befallen Für das Möbeltransportgewerbe haben am Montag Schlichtungsverhandlungen stattgefunden. Der Verein Berliner Möbeltransporteure hatte das Lohnabkommen zum 31. De- zember gekündigt und bei den st ä n d i g e n Arbeitern einen Lohnabbau um 162/z Prozent und bei den unständigen Arbeitern um 12 Mark pro Woche gefordert. Außerdem sollten die E x t r a- Zuschläge für Geldschranllransport« sowie Büro- und Fabrik- umzüge gänzlich beseitigt werden. Für Geldschranktransporte wurde den Arbeitern bisher ein Sonderzuschlag von 1,19 M. je Zentner und für das Umsetzen von Geldschränken in der gleichen Etage von 99 Pf. je Zentner gezahlt. Bei Büro- und Geschäftsumzügen mit mehr als 8 Meter Wagenlänge bekamen die Arbeiter einen Extrazuschlag von 2, IS M. und bei Fabrikumzügen von 3,29 M. Vor allem oerlangten die Unternehmer die Wiedereinführung des sogenannten Metergeldes(Trinkgeld), das für einen Wagen- meter pro Mann 1 Mark betragen und vom Unternehmer an die Arbeiter gezahlt werden soll. Um die Abschaffung dieses unwürdigen verkappten Trinkgeldsystems haben die Berliner Möbeltransport- arbeiter 1921 über vier Wochen long gestreikt. Die Schlichtungsoer- Handlungen haben noch nicht zu einem Ergebnis geführt. Am 29. De- zember soll die Kammerberatung fortgesetzt und ein Schiedsspruch gefällt werden. * Die drei Berliner Mörtelfirmen, die aus der Fuhrherren-Jnnung ausgetreten sind, und für deren Arbeiter daher ab 31. Dezember eine tarrflich« Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse nicht mehr be- steht, haben dem Gesamtverband durch ihren neuen Bevollmächtigten mitgeteilt, daß sie wieder zum Abschluß eines neuen Lohn- und Manteltarifvertrages bereit sind. Der Gesamtoerband hat ihnen darauf einen Vertragsentwurf unterbreitet, der im wefent- lichen auf dem bisherigen Abkommen basiert. Die drei Mörtelfirmen wollen in den nächsten Tagen ihren Gegenentwurf bekanntgeben, so daß es wahrscheinlich noch zwischen Weihnachten und Neujahr zu Ver- tragsverhandlungen kommen wird. Arbeitslose im Marmorsaal. Das ist vie proletarische Nächsteniiebe! Von der vorbildlichen Solidarität der Berliner Litho- graphen und Steindmckcr zeugte wieder ihre Weihnachtsfeier für die arbeitslosen Verbandsmitglieder, die am Dienstag im Marmor- saal des Zoo stattfand. Wo sich gewöhnlich mit irdischen Gütern reichlich gesegnete Menschen zusammenfinden, versammelten sich die von der Produktion Ausgeschalteten, in Kümmernis lebenden Ge- werkfchaftsmitglieder, zu einer echt proletarischen Weihnachtsfeier. Tausend arbeitslose Lithographen und Stein- d r u ck e r, dazu 699 Frauen und 299 jkinder, unter Fahnenrot und Tannengrün, vereint zu einer klasienbewußten Schicksalsgemeinschaft, vergaßen hier für einige Stunden die Sorgen des grauen Alltags. Zu einem guten Teil hatten die noch in Arbest stehenden Berufsangehöri- gen dazu beigetragen, diese Feierund die damit verbundene finanzielle Hilfsaktion für die arbeitslosen Verbandsmitglieder zu ermöglichen. Eine einzige freiwillige Sammlung unter den rund 2S00 noch befchäfliglen Berbandsmikgliedcrn brachte mehr als zehntausend Mark. So war es der Ortsverwaltung mit Hilfe eines Zuschusses aus der Lokalkaffe Möglich, jedem verheirateten Arbeitslosen eine Extra- Unterstützung von 29 Mark und jedem Ledigen von 1 9 M a r k, insgesamt 13 999 Mark, auszuzahlen. Außerdem wurden die Erwerbslosen und ihr« Familienangehörigen mit einem guten und reichhaltigen Mittagessen bewirtet und mit Rauchwaren und Süßigkeiten für die Feiertage verproviantiert. Sehr hoch einzuschätzen ist, daß sich die bekannten Kapellen Dajos B e l a, Otto Kermbach, die Balalaika- Kapelle Wolga, Berliner Volksliederquartett und der Rund- funksänger Monnoson unengeltlich für die gute Sache zur Verfügung gestellt hatten. Der aufrichtig gespendete Beifall und die aufgehellten Gesichter der Erwerbslosen werden den Künstlern Dank genug gewesen sein für ihre vorzüglichen Darbietungen. Die Arbeitslosen waren ausnahmslos des Lobes voll für die Solidarität ihrer Kollegen und das Arrangement dieser von jeder bürgerlichen Scnti- Mentalität freien Weihnachtsfeier. Von der VGO. zum Werkverein. Sie Toten reiten schnell. Die ROG. behauptet, daß sie die Kämpfe der Arbeiterschaft führe. Das ist nur in einem Punkt richtig: die RGO. führt— zur Spaltung. Ihr Ehrgeiz— man erinnere sich der Zeitungsausrräger der kommunistischen Presse— geht aber noch weiter. In der Deutschen Tonwarenfabrik, Dommitzsch a. E., ist voin Deutschen Baugcwerksbund, Baugewerkschaft T o r g au, der Tarixvertrag gekündigt worden, so daß dort feil dem 1. Dezember ein Lohnabkommen nicht mehr besteht. Die Belegschaft ist dort unter der Führung der RGO. einem hemmungslosen Radikalismus ver- fallen, der aber eigenartige Auswirkungen zur Folge hatte. Mit Hilfe der RGO. ist dort zunächst ein Werkverein entstanden. Die Direktion glaubte nun, die Möglichkeit zu haben, auch einen Lohnabbau durchzuführen, standen doch nun auf der einen Seite der Belegschaft die RGO.-Leut« mit ihren radikalen Phrasen, aus der anderen Seite der Werkoerein mit seinen gelben Tendenzen. Das Unternehmen wollte die Löhne, die höchstens 74 Pf. und im niedrig st en Satz 54 Pf. betragen, um mindestens 4 Pf. abbauen und den Akkordsatzvon89Proz.auf72Proz. kürzen. Der Baugewcrksbund lehnte diese Zumutung ab. Auch ein« von 69 Arbeitern und Arbeiterinnen besuchte Betriebsversammlung lehnte mit 58 Stimmen das Lohnabbauangebot ab. Der Direktor dieser Ton- warenfabrik erklärte darauf, er werde schon einen Weg finden. Und er fand ihn auch. Zunächst zeigte sich der Werkoerein gefügig, woraus der RGO.-Mann Heinitz,«in waschechter Kommunist, vorschlug, einen Lohnabbau von 2 pf. je Stunde durchzuführen. Dieser Vorschlag fand die freudige Zustimmung der Direktion. Ein Vertreter des Baugewerksbundes war zu dieser.Lohrwer- Handlung" nicht geladen, weil er nach den Worten des Direktors„zu feige" war, dem Lohnabbau zuzustimmen. Nun herrscht in der Tonwarensabrik in D�irnnitzsch zwischen RGO. und Werkverein holde Eintracht, süßer Friede. Die angeblich wirtschaftliche„Organisation" der Kommunistischen Partei, die RGO., hat schneller noch als die KPD. auf politischem Gebiet, den Anschluß nach rechts gesunden. Sie ist gelandet beim gelben Werkverein. Arbettszeiikonflikt bei der Reichsbahn. Informationsreise der Schlichter. Die Verhandlungen zur Beilegung des Arbeitszeit- konflikts bei der Reichsbahn werden am 5. Januar fort- geführt. Die Schlichterkammer wird«in« Informationsreise noch Hamburg, München, Erfurt und Leipzig unternehmen. In den Nachoerhandlungen über den zweiten Teil des Schieds- fpruchs, der die achtstündige Arbeitszeit ab 16. Januar für Eisen- bahnausbesserungsuxrke und Bahnunterhalwng festsetzt, Häven die Gewerkschaften, obwohl sie anfänglich eine ablehnende Haltung ein- genommen hatten, schließlich zugestimmt, um die in dem Spruch immerhin enthaltenen Verbesserungen nicht preiszugeben. Oer Traum der Konfekiionare. Zurück zum Schwitzsystem. Der Arbeitgeberverband der Herren- und Knaben- k l e i d e r f a b r i k a n t e n hat mit Ablauf zum 3. März 1931 den Reichstarif Herrenkonfektion und den Reichstarif Zu- schneider gekündigt, des weiteren das Lohnabkommen zu den beiden Reichstarifen mit Ablauf zum 39. April 1931. Für den Mant«ltarif sind Anträge auf wesentliche Ver- schlechterungen der Ferienbes�mmung«n gestellt, ivonach eine Kürzung für Ferientage von?9 bis 59 P r o z. eintreten soll. Zum Stundenlohn sind weitgehende Verschlechte- rungen für die Stückzeiten gefordert, und für das Lohn- � abkommen wird eine generelle Lohnsenkung von 15 Proz. verlangt, sowie eine Kürzung des Heimarbeiterzu- Zuschlages um 25 Proz. Außerdem'st noch«ine Reihe. sonstiger Verschlechterungsantröge zu den verschiedensten Spezial- fragen gestellt worden. Die Konfektionär« stellen hiermit so weitgehende Forderungen, daß es unmöglich erscheint, einen Tarif wieder zustande zu bringen. Für die Konsektionsarbesterschast aber ist es die h ö ch st e Z e i t, sich aus dt« Wahrnehmung chrer Interesse» zu besinne», mit dem viel. fach noch vorhandenen Indisferenttsmus zu brechen und lmrch ge» schlössen«? Vorgehen in der Organisation gemeinsam den Kampf in der Abwehr dieses Generalangriffs der Unternehmer zu führen. Arbeitszeit und Lehrlingshaltung. Im Bäcker- und Fleischergewerbe. Der preußische Minister für Handel und Gewerbe hat aus eine Klein« Anfrage mehrerer sozialdemokratischer Landtagsabgeordneter geantwortet, daß der Durchführung der Bäckereiverord- n u n g— hinsichtlich der Bestirmnungen über die Arbeitszeit, die Sonntagsruhe und das Nachtbackverbot— dauernde uird besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Aus den Angaben in den Jahresberichten der Gewerbeaufsicht sbcamtcn über Strafanzeigen wegen Vergehens gegen die Bäckereioerordnung ergibt sich, daß dem in der Kleinen Anfrage ausgesprochenen Wunsch nach Ueberwachung der Bäckereien bereits nach Möglichkeit entsprochen wird. Die Lehrlingshaltung im Bäckereigcwerbe ist bereits feit Jahren durch Anordnung der Landeszentralbehöide weitgehend ein- geschränkt: regelmäßig darf in Bäckereibetrieben, die w c n i g c r als zehn Gesellen ständig beschästigen, nur ein Lehrling gehalten und nur unter bestimmten einschränkenden Voraussetzungen ein zweiter Lehrling eingestellt werden. Eine noch weitgehendere Einschränkung der Lehrlingshaltung wird angesichts dieser schon jetzt geltenden einschneidenden Beschrän-kung der Lehrlingshöchstzahlen nicht möglich fein. Das gleiche gilt, von geringfügigen Abweichungen in der Einzelregelung abgesehen, auch für das Fleischer- gewerbe. Die Strasverfolgungsbehörden sind in neuerer Zeit wiederholt angewiesen worden, bei Zuwiderhandlungen gegen die Arbeitszeit- bestimmungen ausdrücklich einzuschreiten. 3m oberschlesischen Vergbau. Schlichtung vertagt bis zum Lohnabbau. Gleiwitz, 23. Dezember. Unter dem Vorsitz des Sonderschlichters Professor Dr. Prohn wurde hier am Montag über die Streitigkeiten im oberschlesischen Bergbau verhandelt. Di« Verhandlungen führten zu dem Ergebnis. den gegenwärtigen Manteltarif und das Arbeitszcitabkommcn bis zum 15. Januar zu verlängern, um dies« Streitigkeiten dann z n- sammen mit den Lohnverhandlungen zu erledigen, die am 5. Januar vor sich gehen sollen. Acht Webstühle statt vier. 'Ein IiationalisierungSkonflitt in England. Die englischen Textilindustriellen wollen eine neue Arbeitsweise einführen, bei der ein Weber statt wie bisher vier Webstühle fortab acht Web stühle„beaufsichtigen" soll. Und zwar sollen die neuen Webstühle wesentlich inoderner sein als die bisherigen. Also Rationalisierung. Nun sind aber die Gewerkschaften mit dieser„neuen Arbeits- weise" nicht ohne weiteres einverstanden. Denn einmal wird dadurch jeder zweite Weber überflüssig. Daß außerdem die „Beaufsichtigung" von acht Webstühlen anstatt vier eine st ä r k e r e Anspannung des einzelnen Arbeiters bedeutet, liegt klar auf der Hand. Die englischen Weber stürmen zwar heute keine Maschinen mehr, aber sie wehren sich dagegen, sich ihr eigenes Grab zu schaufeln. Um ihren Widerstand zu brechen, haben die Unternehmer be- schlössen, der gesamten Textilarbeiterschasl am 5. Zanuar die Kündigung auszuhändigen. Dieses Schwenken der Hungerpeitsthc soll die Arbeiter gefügig machen. Oie Arbeitslosigkeit in New 8ork. New Jork. 23. Dezencker.(Eigenbericht.) Auf Grund von Zusammenstellungen der statistischen Abteilungen der sozialistischen Partei beläuft sich gegenwärtig die Zahl der N c w- Porker Arbeitslosen auf mindestens 799 999. Sie dürfte in den kommenden Wintermonaten Januar-März auf über 999 999 anschwellen.(Der Staat New Jork dürfte gegenwärtig etwa 12 Millionen Einwohner haben. Berlin mit etwas über 4 Millionen hat über 499 999 Arbeitslose.) Angesichts der kritischen Wirtschafts- zustände sind die Bemühungen der sozialistischen Partei aus die be- schleunigte Einführung einer staatlichen Arbeitslosenversicherung ge- richtet. Der New-Porker Staatsgouverneur R o o s« v e l t steht dem Plan wohlwollend gegenüber. Ein entsprechender Gesetzentwurf der Sozialistischen Partei wird der im Januar zusammentretenden staat- lichen gesetzgebenden Körperschaft zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Die Statistiken über die Arbeitslosigkeit in New?)ork fördern die überaus interessante Tatsache zutage, daß die New-Porker 2lr- beitslosenzisfer von 414 990 im November des Vorjahres aus 819 999 im August dieses Jahres angestiegen war. Die Herbstmonate brachten eine leichte Erhöhung, die sich in der Hauptsache aus verstärkter Tätigkeit in den Saisonlndustrien erklärte, jetzt aber durch «ine neueinsetzende Arbeitslosenwell« abgelöst worden ist. Neue Schwierigkeiten in Südwales. London, 23. Dezember. Dem Schlichtungsausschuß der Kohlenindustrie wurde am Montag mitgeteilt, daß die Verhandlungen zwischen den Grubenbesitzern und Bergarbeitern in Südwoles über die Bedingungen zur Fortsetzung des zeitweilig getroffenen Abkommens fehlgeschlagen sind. Der Schlichtungsausschuß hat neue Verhandlungen aus den 29. Dezember angesetzt. Das nach der Einführung des neuen Kohlen- gesetzes getroffene zeitweilige Abkommen läuft in Südwales am 31. Dezember ab. f Freie Gewerkschafts-LngendBerlin Dcihn.chtefahrt«»! Gruppe Schönrbcrii.Tcmprlliof durch die Märlische Schwei.— Gruppe Nru-eicht-nber« nach dem ÄcrbelUnsre. Treffpunkt heut«, Uhr. xahiihof grankfur'cr Allee.— Gruppe Slldostcu, Er» nrerkschaftshaus und Siidwestcn»ach Freiemvalde, Odcrlictznillhic. Treffpunkt Tonnerstag, 8 Uhr, Etcttiner ssernbahnhof. Normaluhr.— Gruppe Gesund- brunnen: Streif, llge durch de» Blumrnthal. Treffpunkt Donnerstaa, 8 Uhr, Bahnhof Gesundbrunnen. Lull.'nannkel.— Gruppe frankfurter Allee uach dem Werbrllinsee.— Gruppen Neukölln, Sermannvlaf, und fluqhafen: Stand- quartier Neu-Zelle.— Die nächste Zuqendvorstrllunq der Vaiksbrihn« findet am I. Januar 1931 um 15 Uhr im Theater am Blllowviah statt. Zur Auf. fsthrunq qelanqt:..MUstsstpvi". Schaufpicl von Ecarq Kaiser. VerantworlUch für Politik' Vletor Schiff! Wirtschaft: Klinqelhöfer! Gcwcrkfchastsbcwequua: S Striae«: Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lokale» und Eonstiqes: frih«arstädt; An,-iqen: Tb. Stocke: sämtlich in Berlin. Berlaq: Vorwärto-Verlaq S m. b. S.. Berlin. Druck: Borwärts-Buckdruckerei und Verlagsanstalt Paul Sinqer u. Ta... Berlin SW«8, Smdcnstmhe z. Hier,» S Beilage, an».Jngeud-Borwärt«». 7lr.» 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 24. Dezember 4930 Klelnslhaullcule am Leipziger Platz Es ist alle Jahre um die Weihnachtszeit dasselbe Bild, das sich den Berlinern und den Fremden zwischen den: Verkehrs- türm des Potsdamer Platzes und dem großen Warenhaus sowie dem Gebäude der Preußischen Porzellanmanufaktur darbietet� zu beiden Seiten des Leipziger Platzes reiht sich Bude an Bude und Stand an Stand. Und wenn der Blick des Vorübergehenden von dem vielen weihnachtlichen, -ist recht bescheidenen Kleinkram Hinüberschweist zu der groß- artigen Fassade des imposanten Warenhauses, dann wird einem plötzlich das Groteske dieser Gegensätze klar. Wo nehmen, so fragt man sich dann unwillkürlich, diese Leute den Mut her, mit ihren Sächelchen und ihren be- scheidenen Waren in Konkurrenz zu der großen Warenburg zu treten? Aber wahrscheinlich bedarf es gar nicht mehr eines beson- deren Mutes, wenn einem das unerbittliche Muß der Not zu jedem nur annehmbaren Versuch treibt. Und diese kleinen Straßen- Händler des Leipziger Platzes sind sehr froh, daß sie gegenüber Tausenden von weniger begünstigten Berufskollegen diese viel be- neideten Plätze haben. Denn, aus dem großen Menschenschwarm, der vorüberflutet, gleiten zehntausend Augen über die merkwürdigen kleinen Buden. Diesen und jenen der Vorübergehenden fällt plötzlich ein, daß er das, was dort angeboten wird, eigentlich noch sehr gut brauchen kann. Und so kommen viele Hunderte kleiner Einkäus« zustande, die, wenn sie summiert werden, diesen kleinsten und bescheidensten der Berliner Geschäftsleute einen bescheidenen Ge- winn abwerfen, der dann allerdings, wenn alle Unkosten abgezogen worden find, immer noch so gering ist, daß man doch den Mut dieser I Menschen anerkennen muß. Ladenschluß am Heiligen Abend. Lebensmittelhandel um 6 Llhr, Gaststätten wie üblich. Das pom Reichstag in diesem Jahr beschlossene Gesetz über den Ladenschluß am Heiligen Abend, das zum Unterschied von der vor- jährigen Anordnung auch für Lebensmittelgeschäste den Ladenschluß um 5 Uhr vorsieht, tritt für dieses Jahr noch nicht in Wirksamkeit. In weiten Kreisen des Publikums besteht darüber noch Unklarheit. Lebensmittelgeschäfte und Blumen- oeschäfte dürfen also auch m diesem Jahr bis 6 Uhr geöffnet bleiben. Die anwesenden Kunden dürfen über die Zeit hinaus abgefertigt morden. Für Konsumvereine und ähnliche Unternehmungen gilt die gleiche■ Verkaufszeit, ebenso für die Kiosken auf dem Reichsbahngebiet, der Hoch- und Untergrundbahnen und der Straßen- bahnen. Auch der S t r a ß c n h a n d e l unterliegt diesen Vorschriston. Gaststätten und Friseurläden dürfen ab 6 Uhr keine Waren mehr über die Straße verkaufen. An der Bestimmung über die Schließung der Gaststätten wird gleichsalls in diesem Jahr noch nichts geändert. Die gewöhnlichen offenen Verkaufsstellen dürfen am Heiligabend nur bis ö Uhr nachmittags offenhalten. Wo Gastwirt- schaftcn, Lebensmittel- und Blumengeschäfte und Konsumvereine früher schließen und dies durch Aushang bekanntgeben, tun sie es dankenswerterweise aus freien Stücken, um dem Personal einen freien Abend zu bereiten. Der Milchvertanf ist für beide Feiertage auf die Zeit von g bis 1l Uhr vormittags festgesetzt: Backwaren dürfen am ersten Feiertag von 7.30 llhr bis 8.30 llhr verkauft werden, l während am zweiten Feiertag die Bäckereien ge- schlössen bleiben müsse». Der Blumenverkauf ist an beiden Feiertagen von U'A bis IVA Uhr gestattet: auf den Fried- Höfen von 1 bis 3 Uhr. Am ersten Feiertag findet der Z e i t u n g s- verkauf von 7.30 bis 9.30 llhr und am zweiten Feiertag ab 2114 Uhr statt. Bürozeit während der Festtage. Am Heiligabend und Silvester schließen die Büros des Berliner M a g i st r a t s und der Bezirksämter um l Uhr, die Kassen an beiden Tagen um 11 Uhr. Die Standes- ö m t er-sind, am Hclligäbend Und Silvester bis- 12 Uhr geöffnet, an deir-Weihnaclstsfeiertagen undam Nenjahrstage van 8 bis 10 Uhr mir zur i Beurkundung vair'TodesfäÜen. Am Sonnabend,.dem 27. Dezember, wird in der Zentralverwoltung und in den Bezirks- ämtern wie üblich gearbeitei. Sehr bequem hat man es sich in Potsdam gchnacht. Der Oberbürgermeister Rauscher hat salzende amtliche Bekannt- machung erlassen:„Zur Sparung van Hsizftoffen bleiben die städtischen Büros und Kassen mit Ausnahm« der Stadtsparkasie und der Stadtsparkassenabteilung am 27. Dezember geschlossen. Der Magistratsdienst beginnt erst am Montag, dem 28." Demnach haben die Potsdamer Beamten vier Tage Feiertag. Die juristische Sprechstunde sällt heule und Sonnabend, den 27. d. 217.. aus. Gowjet-Zngenieur verurteilt. In Bußland wäre er erschossen worden.— Die Deutschen sind milder: Ein Monat Gefängnis. Das Schösfengericht Berlin-2Nille verurteilte in Sachen der Werkspionage bei Siemens u. halske den Soichetingenieur w o l o- d i l s ch e w wegen Unterschlagung und Hehlerei zu 1 Rionat 10 Tagen Gefängnis, den Elektromonteur 217. wegen Unterschlagung und Betrugs zu 1 2l?onat Gesöngnis. Der Büro- angestellte Z. wurde sreigesprochen. Zum Verständnis des Urteils ist folgendes zu jagen: Bei dem russischen Ingenieur Woloditschew waren nach dessen Entlassung von Siemens u. Halske Zeichnungen gefunden worden, die er teils während seiner Dienstzeit an sich geiwmmen, teils später von dem Elektromonteur M. erhalten hat. Außerdem war bei ihm ein Brief gefunden worden, der den Austrag zur Werkspionage enthielt. Das Gericht hat dem Angeklagton Woloditschew geglaubt, daß er die Zeichnungen mir für seine weitere Ausbildung behalten und sich nicht mit der Absicht getragen habe, sie einer dritten Person weiterzugeben. Aus diesem Grunde hat das Gericht angenommen, daß hier ein« einfache Unterschlagung vorliege. Sofern die Zeichnungen vom Elektromonteur M. auf betrügerische Weis« er- warben worden sind, habe es sich um Hehlerei gehandelt. Zu der Sache selbst wäre noch folgendes zu bemerken: Fest steht, daß in dein bei Woloditschew aufgefundenen Brief dik Russische Handelsvertretung als Uebennittlungsstelle für Material der Werkspionage angegeben war: femer, daß Woloditschew den Brief von einem Russen bekommen hatte, den er durch einen leitenden Beamten des technischen Sowjetbüros in Berlin kennen- gelernt hotte. Ob die Russische Handelsvertretung bei Uebermittlung von Werkspionage loyal handelt und ob es zu den vorgesehenen Funktionen der Beamten in dem technischen Büro WEO. gehört, Bekanntschoften von Werkspionen mit früheren russischen An- gestellten von Siemens u. Halske zu vermitteln, hatte das Gericht nicht zu entscheiden. Jß Zum Schluß in aller Bescheidenheit eine Frage: Was wäre mit einem ausländischen Ingenieur und einem einheimischen Elektro- techniker in Rußland geschehen, wmi sie unter ähnlichem Ver- dacht gestanden hätten, wie der rufsffche Ingenieur und der deutsche Elektrotechniker vor dem Berliner Schöffengericht? Dos Verbrechen wäre gewesen: Konterrevaliitio- närc Werkspionage! Das Urteil hätte gelautet: E r f cht« ßen! Neuer Baububerfall. Drei maskierte Täter mit der Kasse entkommen. Am Dienstagabend ist wieder, diesmal in R«inick«ndorf-Ost, auf eine F.i,li olle:! Herrn ein jchwe rer R a u bchH er f al l ver- Übt-worden.- r m--.e—a-,*:-rV*or<;st•■■ Im Haufe L et t e-A l l e es 4-8: in--Reinickendorf-Ost, einer sehr ruhigen Straße, befindet sich-ein- Zweiggeschäft der Vereinigten Pommcrschen Meiereien. Um 18 Uhr wellte die Verkaufs- stellenleitcrin allein im Geschäft. Als sie gerade abrechnete, wurde plötzlich die Ladentür aufgerissen und drei maskierte, etwa 20— 22jährlge Burschen drangen mit dem Ruf:„Hände hoch" in den Laden ein. Da die zu Tode erschrockene Frau drei Revolvcrläufe auf sich gerichtet sah, wagte sie nicht den geringsten Widerstand zu leiste». Sie mußte hilflos zusehen, wie die Banditen die Kasse ausplünderten und dann unter schweren Drohung«» davontiesen. Jetzt schlug in« Fllialleiterin Lärm und«in Droschken- chauffcur sowie einige Radfahrer nahmen die Versolgimg der Flüch- tigen auf. Es entspann sich ein« wilde Jagd durch die Kühlewein- und Freytagstraße. Der Vorsprung, den die Burschen hatten, war Die Fliege an der Wand konnte ihn ärgern. Kleinig- leiten, von denen er früher überhaupt keine Notiz genommen hatte, trieben ihn in Rage. In seiner Wut kannte er sich nicht mehr. Seiner Frau warf er die schlimmsten Schimpf- Wörter an den Kopf. Sein ganzes großes Lexikon an Schützen- grabentraftworten packte er aus. Nicht einmal die Gegen- wart der Kinder hinderte ihn an solche» Gemeinheiten. Trieb er's zu toll, so flüchtete Maria mit Ifcha zu Groß- vater Eisermann in die Werkstatt. Dorthin wagte er sich nicht, soviel Respekt vor seinem alten Herrn steckte ihm doch noch in den Knochen. Vater Eisermann hörte sich geduldig die Klagen an. Aber auch er wußte kein Abhilfemittel. Verlegen zuckte er die Schultern und sagte: „Was willst du tun, Maria? Austoben lassen! Dem steckt noch der verdammte Krieg in den Knochen!" Der Einzige, der die Situation beherrschte, war Franz. Der rückte nicht aus bei des Vaters Wutanfällcu. Im Gegenteil. Ihn freuten die tollen, verrückten Worte, die Lud- wig ausstieß. Je toller, je besser!„Bravo, bravol" schrie er, und lachte Ludwig frech ins Gesicht. Der kam darüber noch mehr in Wut und versuchte, den Bengel zu züchtigen. Aber um ihm das Wams versohlen zu können, mußte man ihn erst haben. Stets schlüpfte ihm Franz aus den Händen. Eine tolle Jagd durch das Zimmer begann. Möbel wurden umgerannt. Gardinen heruntergerissen. Tassen und Teller zerschlagen. Ludwig bekam heftiges Herzklopfen, seine Beine zitter- ten. kalter Schweiß trat ihm auf die Stirn und feuchtete die Handflächen. Nach Luft schnappend ließ er dann von dem Jungen ab zind warf sich auf den nächsten Stuhl. Stunden dauerte es dann, bis sich sein Herz wieder be- zruhisit hatte. Bei diesen Gelegenheiten merkte Ludwig selber, daß er poch immer krank war. Mit der Zeit erwachte sein Tätigkeitsdrang. Er sah selber ein, daß es ihm nicht gut bekam, untätig auf der faulen Haut zu liegen. Doch war er sich noch immer nicht darüber klar, was er eigentlich beginnen solle. Seine ehemalige Spezialität, das Beizverfahren, war durch neuere und bessere überholt. Und wieder als kleiner Krümper anfange», nein, das wollte er nicht. Lieber ab- warten, bis sich irgendeine große, günstige Gelegenheit bot. Manchmal besuchte er seine früheren Kunden. Dabei machte er die Entdeckung, daß die Inhaber mittlerer und größerer Firmen noch alle auf ihren Posten waren. Nur die kleinen Krauter hatte der Krieg geschnappt. Er war darüber nicht verwundert. Es bekräftigte ihn lediglich in der schlechten Meinung, die er von der großen Zeit hatte. Das Bestreben, dem Heldentod nach Möglichkeit aus dem Wege zu gehen, konnte er keinem Menschen verübeln. Warum auch? Jedes Lebewesen hat seine besondere Art, sich mit den Schweinereien des Daseins abzufinden und sich nach Strich und Faden gegen Vernichtung und Anslöschmig zu wehren. Weshalb sollte der Mensch nicht das Recht haben, sich vorm Gefressenwerden durch seinesgleichen zu schützen? Der ein« verwandte seine Intelligenz dazu, der andere sein Geld, der dritte beides. Nur die Armen im Geiste und die Amen im Gelbe waren wehrlos jedem Knuff und Puff des Schicksals aus- geliefert. Doch zum Henker mit diesen blöden Gedanken! Brachten sie was ein? Nein! Also fort damit! War Ludwig besonders gut aufgelegt, so nutzie er einen schönen Tag aus und fuhr nach Brandenburg zu Sandow. Der war inzwischen ein mächtiger Kommißbonze ge- worden, Vorsteher eines großen Garnisonlazarettes, und als solcher eben„unabkömmlich", auch ohne Pillen. Sandow sah seinen ehemaligen Chef sehr gem, und so brachten den die Wiedersehenstage, kräftig gefeiert, Ludwig und Sandow jedesmal einen Rausch ein. Sie erneuerten bei dieser Gelegenheit ihre alte Freund- schaft und schworen sich auch für die Zukunft zu, durch Dick und Dünn zusammenzuhalten. Ludwig bekam beim Abschied regelmäßig elegische An- Wandlungen. '„Was meinst du, Sandow, wenn ich schließlich dach noch mal raus muß in den Mist?" „Keine Angst!" beruhigte ihn da der Fachmann in Pillen und Mixturen.„Ausgeschloffen? Dein.Herzknax hält noch einige Lahre vor!" Wenn Ludwig dann nach Berlin zurückfuhr, so schallte in seinen Ohren nur noch: Herzknacks, Herzknacks! Jeder Kolbenstoß der fauchenden Maschine: Herzknacks. Jeder Schienenklack: Herzknacks. Sogar sein eigener Puls schlug nur noch zweitönig: Herz-� knacks? Herzknacks! Das machte ihn traurig. Aber schließlich überwand er diese Stimmung mit dem Gedanken:„Besser hier verrecken als draußen an der Front!" Und als gar an einer Zwischenstation eine Herde Gymnasiasten einstieg, von einem Ausflug zurückkommend, und, als der Zug anfuhr, mit lauten glashellen Iungenstimmen das schönste Lied des Mittelalters aus den Fenstern schrie:„Kein schönrer Tod ist auf der Welt, als wer vom Feind erschlagen?" da hauchte er den Chorus an„Aufhören! Auf der Stelle!"Das Lied sollen die singen, die vor Verdun im Massengrab liegen, aber nicht ihr Bengels!" Die Jungen hörten tatsächlich mit Singen auf und ver- krochen sich vor dem schrecklichen Klang der Stimme des Halb- trunkenen wie Hunde, die Prügel fürchten. Sogar der Lehrer faß still auf der Bant und magie keine Antwort. * Kein schönrer Tod ist in der Welt... Monate waren seitdem vergangen: doch das Lied war inzwischen nicht wirkungskräftiger geworden. Jni Gegenteil» es hatte viel von der naiven Leuchtkraft seiner Verse einge- büßt, und zwar um so mehr, je unssänglicher die täglich her- ausgegebenen Verlustlisten wurden. Niemand mehr in Deutschland drängte danach, sich dem„schönsten Tod" in die Arme zu werfen. Mit Gewalt mußte das Kanonenfutter an die Front geholt werden. An den Anschlagsäulen Berlins klebten neue Plakate: Neklamierten-Musterungen! Scheu hasteten die Männer daran vorüber. Auch Ludwig mar es nicht besonders wohl, als er die amtlichen Verlautbarungen sah. Zwar ging ihn die Sache direkt nichts an. Aber wer konnte wissen! Diese verdammten Bezirkskomman- dos waren in ihrer Unersättlichkeit imstande und ließen sogar die rechtmäßig eingegrabenen Särge antreten. Da war besser, man baute irgendwie vor. Sicher ist sicher! Ludwig setzte sich hin und schrieb ein Gesuch an eine Flugzeugfabrik, ob sie ihn nicht als gelernten Tischler ein- stellen wolle. Er hatte Glück. Schon eine Wache später konnte er an- fangen.(Fortsetzung folgt.) jedoch so groß, doß sie in der Dunkelheit in dem dort beginnenden ousgodehntcn Lanbengeländc entkommen konnten. Die Täter waren alle drei mit blauen Anzügen bekleidet und trugen blaue Seglermützen._ Appell an den Magistrat. Krönt das große Werk der Verkehrsförderung im Osten! Durch die Crossnung der Unlergrundbahnslrecke Alexander- p l a tz— C i ch l e n l> e r g dürste der oberirdische Strassenverkehr des großen proletarische» Wohngebietes im Osten Ve.lins wesentlich c n t l a st e t werden. Die Große Frankfurter Straße und die Frankfurter Allee werden in nicht allzu serner Zeit den Dahnkörpcr der Straßenbahn zwischen breiten Grünstreifen in der Mitte der Straße aufweisen und somit wieder als Haupt- v e r k e h r s st r a ß e n des Bezirks Friedrichshain ein freundliches Ansehen gewinnen. Der S t r a sz e n d u r ch b r u ch nom Alexanderplatz zur Große» Frankfurter Straße wird die verkehrspoütische Bedeutung des Straßcnzugcs noch weiter erhöhen. Bei den jetzt vorzunehmeudeu Re g u l i e r u n g sn rb c iteu sollte deshalb schon weitgehend vorgesorgt wer- den. Straßeuzüge dieser Art süid im Westen Berlins säst durch- weg mit elektrischer BrleuchMng vorsehen, und auch die Frank- suner'Allee ist vom Ringbahnhos bis zum Bahnhof Lichtenberg elektrisch beleuchtet. Der Teil jedoch, der durch Alt-Berlin bis zum Rinbahnhof führt, weist Gaskandelaber auf, die nicht in der Lag« sind, die gesamte Straßcnbreite genügend zu beleuchten. Diese diandelaber sind schon heute ein wesentliches Lerkehrshinder- n i s in der stark belebten Straße; außerdem bilden sie eine dauernd« Gefahrenquelle besonders an den Stellen, wo der Bahnkörper durch llebergänge und Durchfahrten geschnitten wird. Diese Stellen liegen vollständig im Dunkeln, so daß schon heule eine Reihe Derkchrs- niisälle zu verzeichnen sind. Notwendig ist, bei der begimkenden Modernisierung der Frankfurter Allee nicht auf halbem Wege slehcn.zublciben, sondern schon jetzt das zu tun, was in wenigen Fahren doch nachgeholt werden muß: den gesamten Straßenzug mit über die Straß« gespannten hochkerzigen Flammen zu er- leuchten. Trotz der großen Finanznot der Stadt Berlin hassen wir, .daß der Magistrat das großzügig begonnene Werk der Ver- Ichrsförderung im Osten dodnrch krönt, daß er aus Gründen der B-rlehrssicherhcit und der Schönheit des Strahenbiides die nicht allzu hohen Mittel für die elektrische Beleuchtung freimacht. Ehrabschneiderei als Gefchäst. Der Prozeß„Verlin am Morgen" kontra?ieuter.- Die Methoden des(SenfalionsblältchenS. Amlsgerichlsral B ü ch c r k verkündete gestern in der Beleidl- gungssache des Kommunlslcnblattee..Berlin am Morgen" gegen tSiodlrat Ernst Reuter folgendes U r l e i l: Der Angeklagte Rculer ist wegen Beleidigung zu Z0 III. zu verurteilen, für die im Richleinlreibungsfalle drei Tage Gefängnis treten. Der„Bor- inarls' hat in feiner Morgenausgabe vom IS. Dezember eingehend über die Berhandlung berichtet. Bcrnichlend für das klommu- niflifche Senfalionsblollchcn ist die Urteilsbegründung. BG: oller Ocffentlkchkclt ist einwandfrei festgestellt worden, daß man skrupellos und ohne jede Hemmung die Ehre.verdienter städtischer Beamter besudelt hat. �-D;r Sachverhalt der Beleidigungsklage, die vor.oiper... Woche verhandelt wurde, ist noch in Erinnerung. Stadtrat Reuter hatte in der Aufsichtsratssitzung der Berel! von st r o l ch h a f t e r Methode des Kammuniftenblattes gesprochen, weil fortgesetzt in der unerhörtesten Weise städtische Beamte verleumdet worden waren. Die Urteilsbegründung des Amtsgcoichtsrats Büchcrt gestaltet sich für die klagende Zeitung geradezu vernichtend. Es wird erklärt, daß das Wort Strolch zwar als Schimpfwort zu bezeichnen sei und die Grenzen der Wahrnehmung berechtigter Jnter- essen überschritten habe, daß andererseits bei der Strafzumessung die be- greisliche und begründete Empörung des Stadtrats Reuter über das Verhalten des«Berlin am Morgen" in weitgehendem Maße zu berücksichtigen sei. Es war dem Blatte in keiner Weise um die Aufklärung gewisser Korruptionszuslände zu tun. Die ganze Auf- machung der Artikel, der ständige Hinweis auf die nachfolgenden Artikel litten nur den einen Zweck der S e n s a t i o n s m a ch e und der Werbung neuer Leser. Das Blatt trug dabei auch gar keine Bedenken, vollständig einwandfreie städtische Beamte in den Schmutz zu ziehen. Unter diesen Umständen könne dem Stadtrat Reuter kein all, zu großer Borwurf daraus gemacht werden, daß er sich im Ausdruck vergriffen habe. «-Sozialdemokratie und Notverordnung." In einer sozialdemokratischen Milgliederversammlung des Kreises Reinickendorf sprach Genosse Löwen stein über „Sozialdemokratie und Notoerordnung". Durch die Septembenvabl ist die Regierung Brüning bekanntlich so gesch:vächt worden, daß sie ohne die Hilfe der Sozialdemokratie nicht weiter bestehen kann. Die jetzige Politik treibe die Reichstagsfraklion ohne inner« Begeisterung, es gelle aber eine Diktatur Hitler- Hugenberg zu vechin- dern._ Erschwerend für die politische Lage sei die ungeheure Wirt- s ch a f t s k r i s e. Der Finanzmieglelch sei für die Gemeinden unerträglich. Durch gesetzliche Bestimmungen sind Eingriffe in das -i a r i f r e ch t erfolgt. Der Landwirtschaft ist man dagegen wieder einmal überaus �stark entgegengekommen. Allerdings dürfen die erreichten Berbctzcniiigcu nicht unterschätzt werden. Die So- zlnldemokratie verlangt darüber hinaus: Offenlegung der <3 t« u e r l i ft cii. eine wirkliche Preissenkung und ein Arbeits- befchatfungsprogramm. Ein Antrag sprach den neun sozialdemo- kratischen R-ichstagsabgeordneten. die sich an den Abstimmungen nicht beteiligt hätten, das Vertrauen aus. Dieser Antrag wurde a b- {tele h n t. Die Torge» Goebbels. Das Berliner Naziorgan.„Der Angriff", der ebenso wie die Kollegen der radikalen Gegenseite einzig und allein von der Be- kämpsung der Sozialdemokratie lebt, füllt seine Spalten mit Klatsch und übler Nachrede. Er, der so großen Wert daraus legt, daß er nicht nur germanischr, sondern auch christliche Belange per- tritt, empört sich darüber, daß ein Sozialdemokrat, den er oorsichüger- weise als Kommunisten bezeichnet, nämlich unser Genosse Friedrich Kütor in Mariendorf. angeblich seine Tochter hat kirchlich trauen lassen. Genosse Küter hat dem.„Angriff" mit Recht klarzumachen versucht, daß mau nicht gut einen Menschen für das verantwortlich mschep kann, was ein anderer Erwachsener— in diesem Fall Kütecs' f Tochter— aus vollkommen eigenem freiem Ermessen und mit eigener! Verantwortung tut. Der„Angriff" aber kneift und hält-< nicht für nötig, die Erwiderung des Angegriffenen seinen Lesern zur| Kenntnis zu bringen. Heiratsschwindler- Lebenskünstler Wie leicht die Krauen ins Garn gehen. Zwei Heiratsschwindler standen neulich an zwei auf- einandersolgenden Tagen in Moabit vor G e r i ch t. Zwei ganz ver- schiedene Menschen �— aber beide mit guter Kinderstube, aus wohl- habendem Haufe, einst in guter geschäftlicher Position, später a b- gerutscht und zu Heiratsschwindlern herabgesunken. Wie leicht machen doch die Frauen solchen Männern das Betrügen! Beide Heiratsschwindler sind in Moabit altbekannt. Der eine wollte an einem Leipziger Hungerkünstler zugrunde gegangen sein. Eigentlich machte er damals in Lebensmitteln. Da diese Ver- tretung nur wenig einbrachte, legte er sich auf das Gegenteil: er managte einen H u n g e r k ü n st l e r. Da dieser aber nicht ganz ohne Lebensmitteln„hungern" wollte, und drei Hühnersuppen zu sich nahm, machte man dem Manager in Leipzig einen Prozeß. Seitdem wollte kein Hund eineiz Knochen mehr von ihm nehmen, er aber nahm nun den Frauen das Geld ab. Cr erzählte den Heiratslustigen von G o l d m i n e n, deren Direktor er sein wollte, von Grundstücken, die ihn, angeblich gehören sollten, von F i lm u nte rn e h m e n, an denen er beteiligt sei, usw. Er erhielt von den Frauen aus kur»« Frist mit dem Ver- sprechen einer hohen Provision einmal 3000 M., das anderemal ZZlll) M. und zahlte selbstverständlich keinen Pfennig zurück— denn alles war Bluff. Neben dem Direktor saß eine Frau auf der Anklagebank, eine anmutige Zweiundzwauzigjährige» die auch jetzt noch topscr zu ihm holt,— sie soll ihm bei den Betrügereien geholfen haben; er bestritt es energisch— denn er ist Gcntlema». Das Ge- richt war milde, es wollte dem Mann den Weg zurück zu einem goordneteu Leben nicht versperren. Die Straf« betrug sechs Monate Gefängnis. Auch der andere hatte Jttesenerfslg. Der andere will am Krebsleiden feiner Frau zugrunde gegangen sein: das sein ganzes Geld verschlungen habe. Also legte er sich aufs Betrügen und hatte unerhörten Erfolg. Mit dem Gelde- der einen Heiratslustige» holte er sich gewissermaßen die anderen herbei. Immer wieder jagte er den Frauen, er brauche das Geld, um sich eine Existenz zu gründen. Das Geld wurde stets alle, aus der „Existenz" aber nichts. Er wechselte die Frauen mit geradezu kaleidoskopischer Geschwindigkeit, drohte in eine Falle, dem Baker seiner„Braut" deren„perverses" Liebeslebeuzu enthüllen. falls er nicht 40l) M. bekommen würde, führte sich in einem anderen Falle als Professor Dr. Tutkiewiez«in, weil die Frau un- bedingt einen Akademiker zum Mann haben wollle, und da sie auch begierig war, die Verwandten des Professors kennenzulernen, brachte er zu ihr nach und nach feine„Schwestern" und«Nichten", die in Wirklichkeit nichts anderes waren als seine früheren und jeweiligen Freundinnen. Zlls vorsichtiger Mann legte er sich sogar ein Notizbuch an, in dem er die Familienmitglieder des Pro- fesiors Tutkiewiez mit peinlicher Genauigkeit registrierte. Das Gericht verurteilte den erfolgreichen Heiratsschwindler wegen fortgesetzten Betruges im Rückfall, schwerer Urkundenfälschung, unbesirgter Ittel- führung, versuchter Erpressung und Bedrohung zu einem Jahr sechs Monate Gefängnis. Wird das helfen? Es gibt ja noch�fo viel heiratslustige Frauen...'_ Einer, der seine Krau mißhandelt. Und das Gericht beschimpst. Zufolge des renilenlen Benehmens eines AngeNogleu kam 'es vor dem Erweiterten Schöffengericht Reu- t ö l l n zu erregten Szenen. Der Zstjährige Tapezierer Rudolf Thomas hatte sich wegen schwerster Mißhandlungen, begangen an seiner eigenen Ehefrau, zu verantworten. Die Ehe war von Anfang an sehr unglücklich, denn m den drei Fahren ihres. Bestehens oerließ die Ehefrau ihren Mann nicht weniger als zehnmal, weil sie ständig von ihm miß- handelt wurde. Im September dieses Jahres war Thomas eines Abends auf dem Polizeirevier erschienen und erklärte:„Ich habe eben meine Frau ermordet." Die Feststellungen der Polizei ergaben zwar nicht die Bestätigung dieser Selbstbezichtigung, wohl aber den dringenden Verdacht eines oersuchten Mordes. Im Anschluß an einen Streit hatte Thomas seine Frau aufs Bett ge- warfen, ihr eine Schnur um den Hals gelegt und die Schlinge zu- gezogen. Die Frau wehrte sich heftig und hielt die Hände zw.schen die Schlinge, so daß sie vor dem Ersticken bewahrt blieb. Auch als ihr Mann sie dann mit den Händen zu erwürgen versuchte, setzte sie ihm so starken Widerstand cntgegcn, daß er schließlich die Wohnung verließ und zur Polizei lies. Der Angeklagte, der seine Ehcsrau schon srülzcr z« wiederholten Male», sogar aus offener Straße, auss brutalste mißhandelt hotte. bestritt in der Verhandlung die Tötungsabsicht. Seiner Darstellung. daß er seine grau nur habe am Bett anbinden wollen, widersprachen aber die W ü r g c m a l c a m Halse seines Opfers. Das Gericht verurteilte Thomas unter Ablehnung einer Bewährungsfrist zu neun Monaten Gefängnis wegen schwerer Verletzung in drei Fällen. die nach der Erklärung des Vorsitzenden fast an Totschlag grenzten. Unbegreiflich bleibt es. daß der Staatsanwalt außer der geringen Strafe von süns Monaten Gefängnis a u ch n o ch B- w ä h r u n g s- f r i st beantragt hotte. Während sich das Gericht im Bcratungszimmcr aufhielt, wurde der Angeklagte aufsässig, schimpfte laut auf die Richter und aus die anwesenden Pressevertreter, so daß er bis zum Wiedererscheinen des Gerichtes abgeführt werden mußte. Während der Urteilsbegründung schrie dann Thomas immer wieder dazwischen. woraus ihn Laudgerichtsdirektor Guhraucr erneut abführen ließ. Dabei drehte sich der Angeklagte aber noch einmal um und rief dem Vorsitzenden drohend zu:„Lassen Sie sich von mir nicht mal'er- wischen!" Wieder Todesnebel. Lütticher Umgebung abermals heimgesucht/ Ein Todesfall. Brüssel, 33. Dezember. Wie Libre Belgique meldet: ist m der U m- gegen d von Lüttich heute vormittag wieder der g e- heimnisvolle Nebel aufgetreten,©in Todesfall ereignete sich in Tilleur, mehrere schwere Er- trankungen werden aus F l e rn a l l e und ein wenig schwerer Fall aus Sermalie-Sons-Huh gemeldet. Nähere Mitteilungen fehlen noch. i5ünf Todesopfer des Londoner Nebels. London, 23. Dezember. Infolge des dichten Nebels in London während der letzten Nacht und heute, morgen sind bei. Straße nunfällen ftinf Personen ums Leben gekommen und zahlreiche andere oerletzt worden. Ein Llcieil von unbegreiflicher Sirenge. Weshalb kein Offizialverteidiger für junge Leute? Aon befreundeter Seite wird u»s geschrieben: Die unglaubliche Strenge des Urteils, das das Schöffengericht Berlin-Mitte unter dem Vorsitz des Amtsgerichtsrats Wartenderger vorgestern gegen drei junge Leute gefällt hat, die zwei Betrunkene ausgeplündert und auch früher den Humboldthain unsicher gemacht haben, ist bereits im gestrigen„Vo r w ä r t s" hervorgehoben worden. Das gemein- gefährliche Treiben der jungen Menschen soll gewiß nicht beschönigt werden. Aber 3!4 Jahre Gefängnis für den einen Angeklagten und gar 3 Jahre und 3 Monate Zuchthaus für den anderen sind als Strafen von ungewöhnlicher Härte zu bezeichnen. Was jedoch ganz besonders zu denken gibt, ist folgender Umstand. Je höher die Strafe, die dem Angeklagten droht, desto höher sein?ln- recht auf eine richtiggehende Verteidigung. Den eben erwähnten jungen Angeklagten stand aber kein Verteidiger zur Seite: sie waren zu arm, um einen Anwalt zu bezahlen und von Gesetzes wegen bestand für das Gericht keine Verpflichtung, einen Offizialverteidiger zu stellen. Die Tatsache, daß gerade jungen Leuten, die von schweren Strafen bedroht werden, vom Gericht keine Berteidigcr gestetll werden, ist im„Borwärts" wiederholt gerügt worden. Dies Verhallen der Gerichte ist um so unverständlicher, als immer wieder erwachsenen Angeklagten bei harmlosen Verbrechen, zum Beispiel in Betrupsprozesien, Offizialverteidiger gestellt werden. Erst vor wenigen Tagen erlebte man es in einer Verhandlung gegen einen Heiratsschwindler, der zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Hoffentlich legen die jungen Leute Berufung ein und finden auch für die zweite Instanz einen Verteidiger, der sich bereit erklärt, ihnen unentgeltlich zu helfen. Oer Tote von der Mühlendamm-Schleuse. Rasch geklärt lvurdc der L e i ch c u f u n d an der Mühlendamm- Schleuse, über den wir berichteten. Der unbekannte Tote ist jetzt festgestellt als der 28 Jahre alte Schneider Wilhelm K« i s e r, der in der Gotkrndstraßs im'Norden Berlins wohnte. Keiser stürzte sich in der Nacht zum 22. November d. I. in selbstmörderischer Absicht von der Treptower Eisenbahnbrücke in die Spree und ertrank. Mord auf der Landstraße. Ueberfälle und Naadereien nehmen auffallend zu. Wittenberge, 23. Dezember. Aus der Chaussee S echausca— werben wurde der Händler Karl Schmook aus Magdeburg von dem Führer eines Berkehrsauws blutüberströmt aufgesunden. Schmook. der schwere Schädelverletzungen auswies und nur noch schwache Lebenszeichen von sich gab, wurde ins Seehäuser Krankenhaus gcbrnchl. Dort ist er verstorben, ohne die Besinnung wiedererlangt zu Huben. Offenbar ist er das Opfer eines Ranbübersalles geworden. Schmook war seiner Wertsachen und Papiere beraubt worden: u. a. soll cr S00 M. in Bargeld bei sich gehabt haben. Auch die Uhr fand man nicht mehr bei dem Toten. Elslerwerda, 23. Dezember. Ein Raubübersall wurde am Montagabend ans die Zweig- stelle der K r e i s b a h n k a ss e in Plessa verübt. Während der Leiter der Zweigstelle sich mit dem Zählen der Tageseiistrahmen beschäftigte, drangen plötzlich zwei mit Masken versehene Männer in den Kasienraum ein und verlangten unter Vorhaltung einer Pistole die Herausgabe des Geldes. Da der Boainte allein war, blieb ihm nichts anderes übrig, als den Kassenbestand in Höhe von I.ZOO M. in Silber, in Rollen verpackt, auszuhändigen. Inzwischen hatten von der Straße aus Passanten den Vorfall beobachtet und. da sie nicht in das Lokal hineinkonnten, den Landjäger alarmiert. Die Räuber merkten dos und flüchteten. Eine Verfolgung b!ieb ergebnislos, da die Dunkelheit und eine lebhaste Schießerei, mit fcT die Räuber ihren Rückzug deckten, die Verfolgung erschwerten. � Hamborn, 23. Dezember. Auf der Schachtanlage Friedrich Thyssen I/VI in Hamborn versuchten zwei maskierte und mit Pistolen bewaffnete Bergleute am Dienstag die Lohngel der in Höhe von LI 000 Mark au dem Kassenraum zu rmiben. Als die Verbrecher aus ihrem Versteck hervordrangen, setzten sich die Kassenbcamten zur Wehr und überwältigten die Räuber, von denen einer mit einem Stuhlbein niedergeschlagen und schwer verletzt wurde. Tödlicher Perkehrsunfall in Tiemensstadt. In Siemensstadt auf der Kreuzung am Rohrdmnm und Saat- winkler Damm wurde am Dienstagnachmittag der SSjährige Ober- Maschinist Willi E r d s a ch, Prenzlauer Berg 32, der sich mit seinem Fohrrad auf dem Heimweg befand, von einem Prioatauko überfahren und tödlich verletzt. Der Führer des Autos hatte das Unheil dprch scharses Abbiegen zu verhüten gesucht. Dabei prallte der Wagen jedoch gegen einen Baum und überschlug sich. Das Auto wurde schwer beschädigt, der Führer kam mit geringen Abschürfungen davon. Anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr des Todestages Karl t«gicn«i. des unvergeßlichen Gewerkschoitssührers, sprach Peter G r a ß m q n n kurze aber die Persönlichkeit de» Verstorbenen schar j umreißende Worte im Berliner Sender: allerdings nicht, wie angekündigt um 10. sondern bereits um 75b Uhr abends. Sprechchor für proletarische Feierstunden. Die nächste Uebungs- stunde findet an, Sonnabend, dem 27. Dezember, 19 Uhr. m der Arbeitcrbildungsschulc. Lindenstr. 3, 2. Hot. 2 Treppen, statt. Letzte Probe zur Morgenseier. Welhxachtcn«ine Trtältunz??!as wilr«- eine netic Bescherung. Wie wollen Ele sröhlich sinne» mit eixeni Natarrh, den Sic sich ilberatl liole» liwncni ans der Strafte, Eisenbahn, Arbcitsftätlc. i» der Schule, im Thcatck, Jihio usw. Bengen Sie rechUcitia vor»>u> schiiften Sic sich>se««-t-riat ist hcut? bi, 1, Uhr geSsfiwt nnb»leibt«m Sonn- eben», dem 27. Dezember, geschloffen. Alorgen, Äonnerekag, 25. Dezember: Arnimvlasi: Trcfsvnnki der Ueberscefahrcr 8 Uffr»iiicktlich in der linkn r Vaknhof öfrmonnftraRc.— Steglig: Wir bririliqen„NS an drr WeiffUnchlo-' saffrt tic» Werbedrzirt, Tcnipeii,»,'. TresspunU 7 Alir Valmbof Tcmvrldos. Werbe bezirk Temurlhos: Trcsfvunkt zur lZalut 7 Uhr Bahnhof Trmpclhof. Unlosicu X bis l�u Mari.___ Noriräge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner.. Schrvarz-Rok-Gold". E e s ch S k! s N e l!»: Berlin S. lt Lcbaklianftr t?— 38. Hot S. St Aedbin«. Spartgr ups-. Donnersiaa. 2ä..Dczrmbcr, S Uhr, Treff- sunt, bcl /SIeußncr, Sceftr. 62. Licdcrbilchtr m(»ringen.— Lichtrn» b««f. Skamtrabfchasl Gusiav Timpet. Tonncrstoa, 25, Dezrinbcr, Weihnachts» frier in brn Gesamt rffriMtif bes Dan-igc: Wappens.?iormannenffr. 8. B«. g!»n püntilich 12 Uhr. irintritt, frei. Nriefkasten der Redaktion. Die jurislifche Sprechstunde fälll heule und Sonnabend, den 27. d. TN., aus. Inoalibe Neutolln. CaziaireuienkMpfiinger sind von drr LntrichUma der Blirgrrfterier befreit, wenn ff« in keinem Arbeitroerhiilinis stehen und ihr Jahreseinkommen den Betrag von UM AM. nicht llderftrigi. Me Dlellunq eines besonderen BefeeiuNgegNtrSges ist'nitsetes Erachiens nicht erforderlich. Vielmehr dllrf!« die Verlage de« Rentenbescheides bei der.inständigen Liener- lasse fnicht dem sttnaniänit) genffgen. Drei vom Glück Verstoßene, ein Bettler, ein Hirt und ein Aal- fifche.r, getrieben vom Verlang«» nach gebratenem Speck, nach Schinkel:, Zigaretten und dämsthein Korn, spielen die Heiligen drei König«. Die Bauern geben ihnen Geld und Nahrungsmittel, und als diese merkwürdigen Existenzen ins Wirtshaus gehen wollen, erleben sie ein Wunder. In einem Iahrmarktswagen glauben sie während der Weihnachtsnacht bi« heilige Familie zu erkennen. Sie geben alles, was sie.besitzen, den anderen, erleben ein Damaskus, klagen die Welt au, resignieren, oder sollen in Ekstase und wissen nicht,' ob vielleicht alles, nur«ine Hungcrvision gewesen ist. Dies der Inhalt der Sendung ,,Das Spiel von dey Heilig est drei Königen" des Flamen Felix Timmcrmanns. Mit eist paar Sätzen werden die Menschen umrissen,«insachc., plastische Eha- raktcre, die sich völlig in realistischer Art entfalten, in der übrigens das ganz« Spiel geholten ist. Es find Deutungsmäglichkeitrn vor- landen, das(frnichetfwnde liegt zwischen den Worten, die sich nur schwer, unbehosseu und doch ganz einfach von den Lippen dieser ein fachen Menschen lösen. Nur her Dichtung dient die Regie Alfred Braun«! der allen Nachdruck auf die Ausfeilung des Wortes legt. Auch das Spiel„Kaspers Weihnachten" erlebt unter Liesel Simon eine ausgezeichnete Inszenierung. Die Kinder spielen mit, begeistern sich, geben der Aufführung erst die richtige Stimmung. die nötige Atmosphäre, die das Spiel braucht. Abends Anton Bruckners Dritte Sinfonie unter Alexander Michael S z e n k a r s Leitung. Diese groß empsunden« Komposition, entstanden aus einem gesteigerten Gefühislcbeu, und in ihrem- Aufbau trotzdem von einer bezwingenden Plastik,«nährt durch Szenkär eilte Wiedergabe, die die Themen zusammenballt und die einzelnen Rhythmen scharf her- ausgearbeitet. F. Sch. parteinachnchten fürGroß-Berlin Rnfenbanoen für diese Rubrik find • etil« 838«8, Llndenstraße 3. stet, an da, Bezictafekntariat 2- Hot, 2 Trepp«» recht«, zu richte». Achtung Heute, Mittwoch, den 24. Dezember(Heiligabend), bleiben die Büros des Bezirksverbandes Berlin bis 13 Uhr geöffnet. Am Sonnabend, dein 27. Dezember, sind sämtliche Büros geschloffen. Am Mittwoch, dem 31. Dezember (Silvester), Büroschluß um 13 Uhr. Partcinachrichtcn und sonstige Einsendungen sür die Veröffentlichungen im„Vorwärts" können an den ge- nannten Tagen nur bis um 12 Uhr angenommen werden. * 13. Krei« Tempelhof. Die Genossinnen und Genossen treffen sich cm 2. ftcifr* tefl bei ber Morqenfeser ver Arbcitcrsänqer des 7. Bezirkes um 11 Uhr im Tarkrcftaurcnt Endende. Eintritt frei. Morgen, Donnerstag. 25. Dezember: NZ. Abt. Lichtenberg. Am l. WeiHnachlsfeiering, 18 Uhr, netemftoltet die ifametphschpft Bvrhogen des Reichsbanners im Logentaffno, Knoer- Promenade, eine Weihnachtsfeier. Die Genossinnen und Genossen werden sicbclcn, diese VeranstaUung zu unieestiihen. Areikag, 26. Dezember: 4 i PI 105. Abt. Adler,h»s. Weihnacklsseicr im Lokal WeNftein, Bismarck, i| straffe 75. Pragrainmi Konzert, turnerische Aussuhrungen, Lichibilber, i 2 s-i Uebeerafchnngen sür«inder nnb Tau«. Saaiüssiinnq 17 Uhr. Ansang fH > I 18 Uhr. ffirrrachiene 50 Pf., vinber 10 Ps. i-H Sonnabend, 27. Dezember: 45. Abt. Adrechrning beim Zlasfferer. Karlolhettarten nuibiitgen. (3 i) 115. Abt. Lichtenberg. Sannadenb veronsivllet die Adteifvna in j '-i den FeZtsäten bei Sch» nett, Annaststraffe, eine Zudilat.»nd Weihnacht», i i seier mit einem frzhllchen Teil und Inn». Beginn 18 Uhe. S-al. rl l-ij ässuuug 17 Uhr. Brei, 60 Ps. garten müssen vorder von den gnnk- Ml M tianbecn gekauft werben. Festredner Genosse Land«.! 1 l-l----.13 121. Abt. AntUhstfl. Am 27. Dezember(5. Ariertaft). IS Übt, im i z Lakai tiZnig. Am Bahadaf, Zndilänamseiee für die Genassen, welche)Z- 25 Iahte nnb länfter Pütalied der Partei find. Ansprache, Ztvnzert und f s > j Bortrüge. Die Genossen find seenndlichst eingeladen. Arbeitsgemeinschaft der kindersreunde Groß-Dertin. »ret, Renkälln. Htlferkreis. Alle Teilnehmer an der Weihnachlsfahrl treffen sich henle. Mittmach, 140, Uhr, am Stettiner Bahnhof t Normo inhr). Geburlstage, Jubiläen usw. IL Abt. Unserem alten Genossen Riffel zu seinem 60. Sebi'rt»t,ae nach- träftl'ch die herzlichsten Glückwünsche. Abens» unsere» Genasssn Wiktift zu ihrem 65. Gedprtataqe. Magen un» die beiden alten Sämpser nach recht lange e»- halten bleiben.. 77. Abt. Gch'aneberg. Unicrcr langjährigen Genasssn Hulda Heinrich zu« 70. Geburtstage die herzlichsten Elückwüniche. 86. Abt. Mariendorf. Unser Genasse Wilhelm Liz, Groffheerenftr. 128, wird heute 65 Jahre alt. Wir qratnlieren. Die Abteilunasleitung. 128. bi« 150 Abi. Pankow. Iluierm l-ngjähriaen Genossen Emil Buh und Zrau zur Silberhachzrit die herzlichsten Glückwünsche. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 8. Abt. Am 16. Dezember verslab im 55. Lebenslahre unsere Gennsfin Martha Wahr». Alle Jakobste. llSH. öhre ihrem Andenken. Die Ginäscherung hat h-reits staltgefnnhen. 02. Abt. Reutelln. Unser langjähriges Mitglied, Genosse Otto Lchloak, Kaiser- sZtiednch, Sic 190, ist am 22. Dezember nach längerem Leiden verslarden. Chtc feinem Andenken. Gindscherung Lonnabend, 27. Dezember, SZz Uhr, im Arenialarium Gerichlstroffe. Rege Beleiligmig wird erwartet. 110. Abt. Lichtenberg. Unser Genosse Gusiav Beckmann. Daadorfer Llr. 40, ist verstarben. Ehre seinem Andenken. Einäicherima Mittwoch, 24. Dezember, 1514 Uhr, im SUematorium Baumfchtiienraeg. Um rege Beteiligung wird gehelen. 128./130. Abt. Banlow. Am 22. Dezember verstarb unser langjähriger Abteilnngsletler, unser lieber Genosse Otto«nuope. Eschengraben 40. Die Sinäscherung findet am Lonnadend. dem 27. Dezember. 10 Uhr, im Lrema- larium Gerichtstraffe stq».. Air bitten durch regste Beteiligung unserem Otto finttxpe die legte Ehre zu erweisen. Allgemeine Wetterlage. 23.09z.>1930tabds.yj| ®wolk«nlo3<9 heitw.OWb bedeckt » wclkig,• bedecW.sRegeo�Grwpeln Sohiwe.sUss)el,'ssG«wiite7@Wintefc Deutschland stand am Dienstag unter dem Einfluß eines Luft- druckhochs. Das Wetter, halte daher einen ruhigen Charakter, blieb aber meist wechselnd bewölkt. Nur im Westen war der Himmel fast den ganzen Tag über heiter. Während im Norden die Temperaturen mittags auf 2 bis 4 Grad, im Nordwesten stellenweise sogar ans 7 Grad anstiegen/ dauerte im Süden das meist trübe Frvstwetter fart. Bei Schottland ist nun wieder eine neue Störung erschienen, die sich, wie aus dc» vorsichgehenden Dryckänderunge.n zu schließen ist. in östlicher Richtung zu bewegen scheint, auf ihrer Südseite strömt mildere Lust nach Osten, sa daß bei uns stärkere Bewölkung zu erwarten ist. Bemerkenswert ist eine Depression über dem Mittel- meer, die jetzt in nördlicher Richtung zu wandern beginnt; sie wird aber jedenfalls vorläufig unser WeUer nicht beeinflussen. «- Wetteraussichten sür Verlint Meist wolkiges Wetter mit Tages- temperotnren über Null und südwestlichen bis westlichen Winden, später Steigung zu leichten' Niederschlägen.— Für Deutschland: Im Süden teilweise heiteres Frostwetter, im Nordosten teils heiter, teils wolkig mit Temperaturen nahe bei Null, im Nordwesten ziemlich trübe mit weiterer Milderung. Theater, Lichtspiele usw. Mittwoch, 24. 12. Staats-Oper Unter d. Linden GesAlossen! Staats-Oper Am Plal: dar RtpuKik. Gesdilossen! Mittwoch, 24. 12. stsdt. Oper Bismarckstr. Gesdilossen I Staatl. Schaflsph. (am Gendaraiomarkt). Gesdilossen! Staati.St&IIIer-TIieater.Oiarltlig. Geschlossen! CASIlüO-TflEATER 8,'lJb' Lothringer Strafe 37. Heute geschlossen! Nor noch bis ZI. Dezember Der kenldie Lebemann und das grohe Festprogramm Am I. Janaar zum ersten Male: Biederleute Gutschein 1—4 Pcrs. Fauteuil 1,25 M., Sessel 1,75 M.— Sonstige Preise: Parkett 75 Pf.. Rang 60 PI. BETRIEB KEMPINSKlO GROSSES S-mSCHAUSPIEL- TÄGl.SuMR. TjP HAUS Singspiel in vielen Bildern. . Spir», Huieen, Lieske, WaUlbnrg, Arne. Janknbn, Panl Harblg.r, z�nm. i I Setaaeflers, Winkelstern. Bolls, Desnl, Stark- A.Sief tenbaoer. Original Tiroler Watsehentknaer. Original Tiroler Jodlerlnnen�nlntett,] Mneifc-Trlo ans Sehliersee. I Jass-Band I Girls n. Boje/ Grosse Claftre. «er Zelt entspreehend sind. trat, des riesigen Andranges. O U 0 A. er. die Kaseen preise am JL9 1 0 mkssigt. Heule gcschloMen! An beiden Weihnachtstagen 2 Vorstellungen. Nachm. 3 Uhr Abendbesetzung Ermäßigte Preise. I Gestern nachmittag!>/, Uhr verschied nach langem Leiden, doch unerwartet, mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Schwieger- und Großvater, der Werkmeister Wilhelm Schneidet im 65. Lebensjahr. In tiefer Trauer: Fran Anna Sdaneider und Kinder. Berlin N 65, den 22. Dezember 1930. Buchstr. I. Die Einäscherung findet am Sonnabend, dem 27 Dezember, vormittags ll'/i Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt llKLEINE ANZEIGENll Jedes Wort 12 Pf. Das fettgedruckte Wort 25 Pf.(zulässig zwei fettgedruckte Worte). Stellengesuche das erste Wort(fett) tS Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Worte Uber 15 Buchstaben zählen doppelt. Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen blsiV.Uhr nachmittags In der Haupt- expeditlon des Vorwärts. Berlin SW, Lindenstraße 3, abgegeben werden. Dieselbe ist von morgens 8". Uhr bis nehm. 5Uhr ununterbrochen geöffne' VoiKsbUitne Theater am SCIowplatz. WM Iheater Heute geschlossen! üb morgen vtader Mut 8 Uhr Elisabeth von Enoland von FerO. Bruckner hegte; Heinz Hilpert Reichshallen-Theater Heute geodtloMcn I tllabendlidi{7j und an beiden kiertagee nathm. TTTI Uhr Das grobe Weihoattils-Ptograam der stettiner Singer Nachm. halbe Preise, volles Programm! Dönhoff- Brettl: Du gr. Detwbf-Pregr. mit tri Brins! Kapelle Sau Siitu gS�f»l2 MONATS RATEN �utdaßl �Berlin.lsiptijerttr. B2-B Kammerspiele Heute geschlossen! Ab morgen täglich S'/a Uhr: Jules uilette allen von Tristan Bernatd Hagle; Km Dappa Die Komödie Heute geschlossen! üb morgen wieder Midi ÖV« Uhr Die Fee »nn Franz Molnar Regie: Stefan Uodt. Deolsehes IBBSlIer-Thetl. Barbarossa 3937. Heuti gesdilossen! Ab morgen 8','« U. Zorn ooldeneo Anker' Rill KBUe Dorsdl I und 2 Weih- nachtsleicrtag nachm. 330 Uhr ikemlamideiehpsg Ermäßigte Preise Renaissance- Theater Steinplatz 6780 Htuli gesdilossen i Ab morgen 8l/j Uhr muB die Kuh milch geben? mit: Ulbert Bassermann 330 nachm. 1. und 2. Weihnachtsfeiertag Yorontersudiung Oriqlaalbuatrang Ermäßigte Preise Theaieram Stfiülbauer flamm Norden 5813 u, 0281 Täglich 8'/« Uhr Die Quadratur des Kreises Komödie v. Katajew mit; Hördes. Lenja. Hob- mann. Tom. Lingen. Preise von 1—12 M, Im 25. 26.». 21. Dez. 3>/s Uhr DreipidieDOper Lustspielhaus Kurt Götz Täglich S'ft Uhr; sowie an beiden Weihnachlsfeier- tagen Vom lieben und Latten Rose-Theater 6r.FniRkiDiiRrSlr.i32 Tel. Alex 3422 u. 3494 Heule iteulilostenl Komische Oper Heute geschlossen! Ab morgen Täglich S'/p Uhr Reppina Operette von Robert Stolz. Piscator-BOhne (Wallner- Theater) Alex. 4592-93. Heute geschlossene Vorstellung Ab morgen 8V» Täglich 8 V» Mond von links Preise 0.50-6.00 M. An beid. Feiertagen ZV, Uhr gcsdilosuo! Vorslollnng. Sonnabend u Stg. 3'/, Uhr Mond ran links. Wtilmatbtjpremiort SV« Uhr Mamsen Nitondie Operette von Hetve Tollmano, Idalbvt, Jökm Kleines Theat. Täglich SV. Uhr; 9er fflusiergattf Schwank in 3 Akten An beid. Feiertagen 4 Uhr kleine-Preise Heine Sdnmter und ich Plöbel Tellxahluna Apeltf Adalberts tr.6 Berliner lllkTriO M C H k B 1 1■. W Lahn.tr. 74)76:1 GARDINEN Stores Bettdecken Um Unsere riesigen Läger zu räumen, haben wir sämtliche Waren zur Hälfte ermäßigt Kömticr-G.mihir,... 1,75 Bettdecken....... 2,50 Store......... 1,25 t Poeten Dekoration.- nnd Tüllsfoffc p Mtr.... 1.25 Werkstätten für eieg Dekorationen seit 23 Jahren im Hause, daher konkurrenzlos billig AeUcte. Spcxlal- ElagengcdiRft In Neukölln Spezial-Gardinen-ViMteii S.KrBoer, Neukölln, Serosir. 87 2. Stock direkt am Ringbahnhof Kein Laden— Gegründet 1907 Banovsky- Bahnen thRRltr Ir der SlreseraannstT, 25. Dez. 8V» Uhr Gastspiel Ein idealer Galle mit Harry Liedtke Kemödianhaua 25. Dez. SV» Uhr Uraufführung Cocktail Musik i.RiIpbliufzky Am Sonntag, bem 2t. Dezember. perschieb unerwartet infolge Sdilag» Unfalls unser lieber Kollege der Setzer Emil Schwach aus Lübars im Mter non 62 Jahren. Wir verlieren in dem Berstorbenen einen lieben Mitarbeiter, dessen wir stets ehrend gedenken werden. Berlin, den 23. Dezember ISZO. Die Beiegediaft .der Badbdrnckcrei Gebr. vager Bernburger Strohe 30. Die Einüscheningsieier findet am Sonnabend, dem 27. Dezember, nachmittags 6 Uhr im Krematorium®c- rirtitttrale statt. NM il. Weitens Täglich 8V» sowie au beides Weih- osditsfeiertagen Sensationeller Operettenerfolg! Viktoria undihrHusar Täglich 8 V» Uhr schön ist die weit Operette vpn Lehär Ridierd Teober, Cilte klpu, StUtzesdiirf. Weihnachten auch nachm 4 Uhr kleine Preise. Neues Theater — am Zoo w InBtbolLZM. StpL6554 Täglich r;« Uhr Der gr. Lacherfolg! Quido Tliieisctier Das utfantncne flergernis Preise 1 bis'S M. Am I. u. 2. Feiertag Z Uhr Caspars Wunde rkahinett Elltesander Kottbusser Str. 6 F. 8. Oberb. 6070 SntK jishlonu! Tägt. g V« U, auch Sonntag und 3. Feiertag SV, Uhr an beiden Feiertagen 5 Vontellongcn 2*,'», 5 Vi,«V» Uhr Vtiluadils- glodeB ; über Berlin Srolti WelhhRdMs lestsplil Tigck. tl-2. Und. Iii •idnilhg, UdM Prtia! Unser lieber Genoste Otts Knuppe Pantow, Eschengraben 40, folgte, 52 Jahre alt, seiner vor kurzem per» schiebenen Frau nach längerer Krank- heil, aber doch unerwartet am 22. b. M. in den Tab. Wir perlieren in ihm einen der älleften und trenesten Funktionäre Pankows. Ehr« seinem Andenken! 128./130.Abtg, Pankow WM Metallariieiter-TeM Verwaltungsstelle Bertin Todosanzolge Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bohrer Karl Rinnebers geb. 11 März 18S9 am 19. Dezember geitotbm ist. Die Einäscherung findet am Mittwach. dem 24. Dezember, U>/, Uhr, im Krematorium Baumschnlenweg, Kiesholzstraße. ftntL Rege Beteiligung wird erwartet. nackeuk Am 13. Dezember starb unser Kollege, der Rohrleger-Heiser Leo Löschen Am 15. Dezember starb unser Kollege, der Klempner Hermann Hantke geb.- tA.Dqembee 1685.'- Am 17. Dezember stärbünskkKollege, der Monteur Max Hoffmann geb. 4. Juni 1865. Die Beisetzungen haben bereits stattgesnuden. ' Ehre ihrem Andenken'. Die Ortsverwaltung. OuiiflittilallaMrtM Achtung, AuBenmonteurei Sonnabend, den 27. Dezember. Dornt. 10 Ahr, in den Sophimffilen (Sängcrfaal). Sophienftr. 1 T/18 Versammlung aller Im Dmv. organisierten AuBenmonteure (aniMbllehltdi Heizangamonieare) Tagesordnung wird im der Bersemmlnng bekanntgegeben. Mitgliedsbuch legitimiert. Kahireicher Besuch wird erwartet. Die Ortercrnralhmg, uemauie Ii Teppichhau» Emil Lesövre, 9er. lin, seit 1882 mit Oranienstroste 138. Rahlimasctleicbtt- rung ohne Auf. ichlag. Neuer Kala. log kostenirei._' Linoleum, Szillut. Koloniesir. 9. 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Eichwalbe: Hans D ü l I, Waldstr. 24/27, Siedl. DBB. Erkner: P o i k e, Flatenstr. 9. Fichtenau: Sobierajski, Hauptstr, 36. Falkeuberg: S a l z m a n n, Fallenberg, Gartenstadt- straße 19. Fredersdori-Petershagen: Otto WiltnSki, Freders- dorf, Arndtstraße. Friedenau: Gebr. Pctermann, Rönnebergstr. 3 Rheingau 9954 n. 8927. Wilmersdorf, Lauenburger Straße 23. Laden. Rheinzau 3954 Friebrichshageu: M i t t e n z w- t, Lindenallee 14. Frohnau: Atoll Zurlies, Hermsdors, Schloßstr. 8. Glienicke a. d. Nordbahn: Willi Engler. Hohen- zollernallee, 293. Grätzwalde: M ü h l b a ch, Fichtenau, MiNelstr. 14. Grünau: Frau P s i tz n e r. Bahnhofstr. 9» III. Halensee. Grunewald. Eichkamp: Frau N o a ck, Kiosk Henrieltenvlatz. Privatwobnung: Katharinenstr. 4. Heinersbors: Schulz. Hildestr. 28. Hennlpsborf: Frau R u d a t. Altendorfstr. 18. Hermsdors: Gustav Schiet). Moltlestr. IL Hohenneuenbors: Frau Werner. Hohenneucndorf, Berliner Str. 28. Hohenschönhauie«: Frau S d e l i. Hauptstr. 65. Waltersdors: Frl. Mathias, Werderstr. 59 III. »Zehlendors, Schlachtensee, Nikolassee: Höhn Zehlen- dors. Teltower Str. 3 L 4 Zehlendors 1853 Zernsdorf, Niederlehme, Cablow, Nene Mühle: Otto L i e< e g a n g, Zernsdorf, Breite Str. 195. Zossen: Witt. Baruther Str. 12. Sämtliche Literatur lowte alle willenschastlichen Werke werden geliefert. Sonntags sind die wejchästsitellen geschlossen. Tie mit emem" versehene» Ausgabestellen sind nachmittags von 2— 6 Ahr unter der angegebenen?iuw» 9RKZ«elcjchomfch{U erreichen. I 7kr. 601* 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 24. Dezember 1930 Skandal um die Fleischpreise. Theorie und Praxis der Herren Schlächtermeister. Wie die Konsumenten bei der Preissenkung übers Ohr gehauen werden, zeigt jetzt eine Veröffentlichung der R e i ch s f o r s ch u n g s- stelle für landwirtschaftliches M a r t t w« s e n. Bekanntlich haben sich die Organisationen des Fleischergewerbes bei den Verhandlungen mit Schiele bereit erklärt, die Handels- spanne in einem bestimmten Umfang zu senken. Jetzt stellt aber die Reichsiorichungsstelle in einer erfreulich klaren Uebersicht fest, daß die F l e i s ch e r m e i st e r gar nicht daran denken, sich an diese Abmachungen zu halten. So hat sich die Preisspanne zwischen Groß, und Kleinhandel in den letzten Wochen salgcndermaßen verändert: Monal Zkovember 1.— 7. Bez. 15.— 21. Dez. (6pomt» zwischen Groß, tmb Mewli-ndelsvreis in Pf. p Pfund auf dem Berliner Süath) Fleisch insgesamt... 19,1 20.3 Z1.8 Schweinefleisch.... 16,2 16,7 19,4 Rindfleisch..... 23,7 25,5 24,7 Kalbfleisch...... 20,8 29,7 32,2 Hammelfleisch.... 28,0 24.7 29,5 Die Großhandelspreise sind bei sämtlichen Fleischarten in der Woche vom 16. zum 21. Dezember weiter gesunken Zwar haben sich auch in der gleichen Zeit die Kleinhandelspreise für Fleisch absolut gesenkt, jedoch ist die Verbilligung in den beiden letzten Dezemberwochen hinter der Senkung der Großhandels- preise zurückgebliebem Die Schlächter haben also anstatt sich mit ihrer bisherigen Gewinnspanne zu begnügem die Preis- fenkung beim Großhandel sich selbst zunutze gemacht und ihren Prosit auf Kosten der Konsumenten erhöht. Dies zeigt.ganz einwandfrei die Entwicklung der Preisspanne zwischen den Groß. und Kleinhändlern, die aus der ganzen Linie den Stand vom November überschreitet. Die eigentlichen Ziele der Preissenkung, die überhöhten Preis- spannen zwischen Erzeuger und Verbraucher abzubauen, werden also von den Schlächtern glattweg sabotiert, wie lange läill da» Reichsernähruagsmlnisterium diesem Skandal tatenlos zusehe«? Gute Geschäfte mit Frankreich. Auswirkungen des Handelsvertrages von 1927. Wir haben bereit, des öfteren darauf hingewiesen, welche günstigen Auswirkungen der Abschluß des dcutsch-sranzösischen H-mdelsoertrages im August 1927 für Deutschlands Export gehabt hat. Diese Wirkungen traten einmal in dem wachsenchen Anteil Frankreichs als Käufer am gesamten deutschen Warenexport m Erscheinung und ferner in der grundlegenden Aenderunz der deutsch» französischen Handelsbilanz. Wie die folgend« Darstellung zeigt, war im letzten vorkriegssahr Deutschlands Handelsbilanz mit Frankreich aktiv. Seine Ausfuhr überstieg die Einfuhr aus Frank- reich um 207 Mill. M. Im Jahre 1924 dagegen kaufte Deutschland für 590 Mill. M. mehr Waren von Frankreich, als er dorthin ausführte. Roch 1927 war iü« deutsch-frar�ösisch« Handelsbilanz für Deutschlands Außenhandels- hilanz mit Frankreich In Millio-nen Mark -193-302 rftO? aktiv Kartellpolitik. Tausend Worte Bedenken der Wirtschasts-Enquete. 1913 T3 Zh 9.5 26 97 92, 99 1930 I-V1 Deutschland mit 227 Mill. M. passiv, jedoch wirkte sich der Handels- oertrag bereits im joigenden Jahr in einem sehr starken Sinken der Passivität bis aus 47 Mill. M. aus. Diese günstige Entwicklung setzte sich 1929 in verstärktem Tempo fort, wo Deutschland bereits eine Mehraussuhr von 293 Mill. M. erreichte, die in den Monaten Der deutsch� Französische Ali ß enh an del sverkehr In�oxrir gesamten Em'trw.AusFulir Deutscklaads BEfnFuKr BAusfuKr Di« Arbeitsgruppe der Wirtschastsenqucte, die die Wandlungen in den wirtschaftlichen Organrsationsformen untersucht hat und die früher eine Reihe von interessanten Einzelbänden über Aktienwesen lü'.d Konzerne und über die Kartcllienmc, in einzelnen Gewerbe- zweigen veröffentlicht hat, hat nunmehr a! Abschluß ihrer Arbeiten zwei Bände über Kartellpolitik herausgegeben. Diese Bände unterscheiden sich grundsätzlich von fast allen anderen Veröffenrlichungen der Enquete; denn ihnen ist nicht die Feststellung und Beurteilung wirtschaitlicher Tatsachen als Ausgabe gestellt. sondern die Untersuchung der bestehenden Meinungen zur Frage der staatlichen Kartellpolitik. Dabei ist man so vorge- gangen, daß man eine große Reihe von Sachverständigen über ihre Stellungnahme vernommen hat. Der eine Band der vorliegenden Veröffentlichung, der diese Vernehmungen von mehr als 50 Sach- verständigen aus den verschiedensten Kreisen enthält, gibt ohne Zweifel einen wertvollen Ueberblick über alle w i r t s ch a f t s- politischen und r e ch t s politischen Auffassungen, die auf diesem Ge- biete vertreten werden. Auf Grund dieser Vernehmungen ist dann in dem Generalbericht der Versuch gemacht, die Stellungnahm« der Arbeitsgruppe zur Frage der staatlichen Kartellpolitik zusammen- zufassen. Es handelt sich hier also leider nicht um eine Aus- Wertung der Gesamtergebnisse der Wirtschastsenquete in kartellpolitischer Beziehung, für die z. B. der kürzlich verLssentlichte Barü) über die eisenschaffende Industrie recht interessantes Material geboten hätte; vielmehr ist aus diesen Querschnitt wohl wegen des Zwanges zum gleichzeitigen Abschluß der Arbesten verzichtet worden, und die Stellungnahme der Arbeitsgruppe stützt sich im wesentlichen auf die von ihr eingeholten Meinungsäußerungen von Sachverstärchigen. Dementsprechend ist auch der Inhalt dieses Schlußbandes nicht etwa ein posstives Programm der Kartellpolitik geworden, wie es uns gerade nach den Erfahrungen des Verlaufes dieser Krise und nach den Erfahrungen in der 2lnwendung des Kartellabschnittes der Notoerordnung vom Juli heut« als notwendig erscheinen würde, sondern dieser Generalbericht liest sich vielmehr wie etae Sammlung oou kausend Bedenken gegen den Aufbau einer wirklich wirksamen staatlichen Beemfiussung der privaten Monopol«. Die Notwendigkeit de» staatlichen Eingriff» in das Kartellwesen wird unter Betonung mancher einschränkender Klausel grmtdsätzlich bejaht. Daß der Ausgangspunkt für die Kartell polstst die Monopolwirkungen sein müsien, kommt ebeirfalls zum Ausdruck. Am meisten aber häufen sich die Bedenken ohne ent- sprechende positive Vorschläge bei den Abschnstten über die Praxis der staallichen Kartellpolstk. In bezug auf das K a r t e l l a m t— oder, wie es in dem neuen Initiativantrag der s o z i a l d e m o- tratischen Reichstagsfraktion genannt wird,„Reichsamt für Kartell- und Monopolverwaltung-— spricht der Ausschuß selbst zwar kein Urteil aus. Cr bebt aber hervor, daß der überwiegende Teil der vernommenen Sachverständigen die Err'.chlimg eines KarkeLamkes und besonders eine Verselbständigung ablehnte, und behandelt überhaupt alle Bedenken so liebevoll, daß der Eindruck von der Lektüre schon ein reichlich negativer ist. Das gleiche Verfahren wird im wesentlichen auch in bezug auf das K a r te l l re g i ste r angewandt. Die Forderung nach gesteigerter freiwilliger Publizität wird stark unterstrichen; aber trotz aller unbesnedigenden Erfahrungen mit der freiwilligen Publizität werden gegen eine Ausdehnung der Zwangs- Publizität, wie sie der Sinn des Kartellregisters ist, wiederum sehr viele Bedenken in den Vordergrund gerückt. Aehnlich ist auch die Behandlung anderer Vorschläge zur Ergänzung der kartellpvlitischen Behörden. In dem Abschnitt über das Karteil recht wird vor allen Dingen eine Nachprüfung der gellenden Kartellverordnung unter dem Gesichtspunkt der Vermeidung der unnötigen Vermischung zwischen öffentlichem und privatem Recht empfohlen. In bezug auf das kartellrechlliche Verfahren wird besonders die Einführung eines Instanzenzuges, der bei dem gegenwärtigen Kartellgsricht fehlt, befürwortet. Dabei ist natürlich zu berücksichtigen, daß eine Aenderung des kartellrechtlichen Verfahrens viel unbedenklicher wäre, wenn eine klare Trennung zwischen den verwaltungspolitifchen Ausgaben der Karte llpolstik und den privatrechtlichen Fragen durch- geführt würde. Würden die«irtschastspolitischen Aufgaben, wie es nach unserer Meinung unbedingt notwendig wäre, durch ein besonderes Reichsami zur wirksamen Wahrnehmung gelangen, so könnte man in bezug auf die kartellrechlliche Organisation der prioatrechtlichen Streitigkeiten manchen Wünschen nach Einschränkung der Sonderstellung, die heute besteht, viel leichter entgegenkommen. Im ganzen haben wir es hier mit einer in mancher Beziehung recht instruktiven, aber sehr wenig wegweisenden Ver» öffentlichung des Enqueteausschusses zu tun. Die Konsequenzen aus der Erkenntnis der wirtfchafllichen Wirlungen der monopolistischen Organisationen müsien nun einmal winschaits- politisch von den Stellen, die ZU politischer Milleusbildung berufen sind, gezogen werden. Di« Beratung des sozialdemo» kratischen Initiativgesetzentwurfes im Reichstag wird hoffentlich die Gelegenhest dazu sein, sich über die Füll« der mehr oder minder interessierten Bedenken hinwegzusetzen und ton- struktw die Kartellpolitik zum Nutzen der Gvsamtwirtschaft auszu- bauen. daß Frankreich 1924 erst 1,8 Proz. des deutschen Gesamtexport» kaufte, 1927 aber 5,5 Proz., 1929 bereits 6,9 Proz. und im lausenden Jahr rund 9,5 Proz., womit der Stand von 1913 erheblich über- schrillen ist. Wenn also ein Handelsvertrag ein gutes oollswirt- schasttiches Geschäft gewesen ist, dann war es das Abiwnnen mst Frankreich im Slugust 1927. Um so schärfere Zurückweisung ver- dienen daher auch im wirtschasllichen Gesamtinteresie die Sabotage- versuche verschiedener Industrien, die aus kleinlichen zollpolitischen Erwägungen heraus den ganzen Handelsvertrag zerschlagen wollen. In den e r st e n z e h n M o n a t e n des lausenden Jahres war Deutschlands Ausfuhr nach Frankreich auf 6.67 gegen 5,35 Milliarden Franken in der gleichen Zeit des Vorjahres gestiegen. Deutsch- land steht somit als Einfuhrland nach Frankreich bei weitem a n« r st e r S t e l l«. Im großen Abstand erst folgen die Ber- einigten Staaten von Amerika mst 5,0 und Großbritannien mit Wt Milliarden Franken Einfuhr. 1913 21 15 96 97 9S 99 1930 I-Tl Januar bis Juni dieses Jahres auf einen Stand von über 300 Mill. M. kam. Bis zum Jahresend« dürste sich also Deutsch- lands Aktivität im Außenhandel mst Frankreich gegen 1929 mehr als verdoppelt haben. Dieser schnell« Aufschwung kommt auch darin zum Ausdruck, Rovemberumsah in Konsumvereinen. Starker Ziückaang gegenüber dem Vorjahr. Die Umsatzentwicklung bei den deutschen Konsumgenossenschaften hat nach den Msttestungen des Zentralverbandes Deut- scher Konsumvereine im Monat November gegenüber dem Vorjahr einen scharfen Rückschlag erlisten. Gegenüber dem Oktober ging der Wochenumsatz>« MUglied im Berichtsmonat von 8,52 Mark auf 8,40 Mark zurück. Dagegen chetrug er im R o- v e m b e r vorigen Jahres 9,69 Mark pro Kopf und im November 1928 pro Woche 8.81 Mark. Der llmsatzrückgang gegenüber dem vergangenen Jahr geht zu Lasten sämtlicher Revisionsverbände. Am schärfsten wirkt« er sich bei den sächsischen Konsumvereinen aus, denen erst im weiteren Abstände der Verband ostdeutscher und dann der Verband nordw« st deutscher Konsumvereine folgt. Verhältnis- mäßig am günstigsten haben im November die Genossenschaften des füdwestdeutschen Verbandes abgeschnitten. Bemerkenswert ist, daß der durchschnstllich« Wochenumsatz je Mitglied In Sachsen immer noch weit über den Durchschnittsumsätzen der übrigen Reoisionsoerbände liegt, obwohl seit Monaten bei den sächsischen Konsumgenosienschaften der Umsatzrückgang sich am schärfsten aus- geprägt Hot. So überschritt der Verband sächsischer Konsumvereine den Dnrchschnittsumsatz des Zentraloerbandes noch um 2,70 Mark je Kopf in der Woche.__ 15 prozeni Engelhardi-Oividende.. Steuetpolemik und Machtpoliti? Den Reigen der großen Berliner Brauerei-Bilanzen schließt jetzt der Engelhardt-Konzern. Wie die übrigen Berliner Großbrauereien häll auch Engelhardt trotz der schlechten Zellen an seiner Vorsahrsdividend« von 13 Prozent fest. Bemerkenswert ist der in den letzten zwei Jahren durchgeführte Umbau des Engelhardl-Konzerns. der ganz zweifellos aus steuer. lichen Motiven erfolgt ist. Da« Berliner Stammunternehmen be- sitzt und leitet unmittelbar nur noch die drei Berliner Brauftätten in Pankow. Charloitenburg und Stralau. Alle übrigen Engelhardt- Brauereien in der Provinz sind in selbständige Aktien- gesellschaften verwandest worden, wodurch sich bei den stark gestaffelten Biersteuersätzen natürlich bei dem verhältnismäßig kleinen Ausstoß der einzelnen Brauereien erhebliche Ein» sparung«« ergeben. Sowohl der Reingewinn wie auch die Ad- schreibungen bei Engelhardt sind ziemlich genau dem vorjährigen Ergebnis angepaßt, so daß die Vermutung nahe liegt, daß die Bilanz„von hinten- aufgemacht ist. Die 5) o t« lg esells ch a s t A l exa n de r p l a tz G.m.b.H. fehlt in der Aufzählung der Betestigungen. Bekanntlich besaß sie das große frühere Verwaltungsgebäude am Alexanderplatz, das m i t großem Gewinn veräußert wurde, der vermutlich den Fabrika- tionsreingewinn eines Jahres übertroffen lzaben dürft«. Uebcr die ganze Angelegenheit, di« Einwirkung auf Gewinn« und Bilanz- Ziffern, findet sich in dem Bericht kein Wort. Um so mehr wird gegen di« steuerlich« Belastung, die all- mählich zu einer Zerstörung der gesunden Grundlagen- der Brau- industrie führen müsse, polemisiert. Außerdem beklagt man sich über die Staffelung der Reichsbier st euersätz«, die man als„sinnlose und durch nichts begründete Bevorzugung ge- wisier Produzenten- und Derbraucherkreise- bezeichnet. Diese Staffe- lung ist durchaus begründet in den starken Vorteilen in der Bierherstellung, die die Großbetriebe vor den Kleinbetrieben haben. Uns scheint die Forderung nach Abschaffung der Staffelung weniger in dem Bedürfnis nach steuerlicher Gerechtigkeit als in dem Willen zur Macht, zu weiterer Angliederung kleiner Unternehmen begründet zu sein. Die Machiverteilung im Lokomoiivbau. Nach der Verschmelzungsakiion AEG.-Borsig. Der Zusammenschluß der beiden Lokomotivfabriken B o r s i g- und A E G.- Hennigsdorf hat eine weitgehende Kräfteverschiebung bei der Verteilung der kommenden Reichsbahnaufträg« mit sich gebracht. An dem Reichsbahnvertrag, der unmittelbar vor seinem Wschluß steht, und die Vergebung von rund 270 Lokomotiven auf drei Jahre hinaus vorsieht, werden nunmehr eukgiillig sechs Lokomotivunternehmungen beteiligt sein. Die Quoten verteilen sich wie folgt: Henschel �.. 24,4 Proz. Schwartzkopff.. 14,3 Proz. Krupp.... 20,1, Hanomag... 12,0, AEG— Borsig. 18,8, Schichau... 10,2„ Diese Quoten stellen den jetzigSn G r u n öschl ü s se l für die Kräfteverteilung der sechs führenden Lokomotivbaufirmen in Deutsch- land dar, deren Anteil an dem Reichsbahngeschäft selbst aber mehr oder minder geringe Abweichungen aufweist. Jedoch gellen diese Quoten für das kommende Lokomotiv-Exportkartell nicht, da die Kräfteverteilung bzw. die Ouotenzuweisung sich hier l«ach dem durchschnilllichen Exportumfang der letzten Jahre richten wird. Gedrosselier Auioabfatz. Der Automobilabsatz hat sich im November gegenüber den beiden vorhergehenden Monaten außerordenllich v e r s ch l e ch- tert. Während im September noch 5853 Personenwagen und im Oktober noch 6083 Wagen als fabrikneu zugelassen waren, sank diese Zahl im November rapide aus 3606 Wagen. Auf die deutsche Pro- du ktion entfallen hiervon 2581 Wagen. Von den zugeiassenen fabrikneuen Personenwagen entfielen auf Opel 623, auf die Hanomag 427, auf Adler 380 und auf Daimler- Benz sowie BMW. je 247 Wagen. In weitem Ah- stand« folgen sodann Wanderer und RSU. Die drei Werke Opel. Hanomag und Adler waren von September bis November am ge- samten Amomobillnartt mst fast 40 Prozent beteiligt. oho diriiie: Die 9lavimmjemnwl Lor dem Lieferanteneingang des Kaufhauses standen 20 bis 30 junge Leute oder hockten auf den Treppenstufen, die zu den 'Büros führten. Die meisten blickten stumpf noch der Tür und warteten auf die Rückkehr des Glücklichen, der zuerst eintreten durfte. Ein Inserat in der Morgenzeitung hatte sie hergerufen. Das lautete aber so: „Jüngere Ausgeher als Begleiter des Gefchästswagens gesucht. Gute Haltung, Ehrlichkeit, Zuoerlässigteit, anständige Familie Bedingung. Dorzustellen zwischen 10 und 12 Uhr vormittags im Kaufhaus des Westens.� Der erste blieb lange im Büro. Einige stießen halblaute Verwünschungen aus, andere unterhielten sich gedämpft, alle aber hatten da, drückende Gefühl, unter Konkurrenten zu sein. Die Tür wurde hart aufgestoßen, der erst« der Bewerber kam zurück.„Angenommen?" rief ihm einer zu. Er zuckt« die Achseln und zwängte sich mit verdrießlicher Miene durch die Wartenden. „Esel", zischte ihm der Frager nach. Inzwischen war auch der zweite geräuschlos hineingeschlüpft. Wieder vergingen lastende Minuten, ehe«r mit einem verbissenen Lächeln auf den Lippen zurückkam. Alle blickten ihn wortlos an.„Der braucht einen Aus- geher vom Gymnasium und aus Geheimratsfamilie", höhnte er und verschwand, während die Tür einen anderen verschlang. Einige Burschen entfernten sich mürrisch und suchten vergebens einen schmächtigen, düsterblickenden Schwarztopf mitzuziehen, der seinen dünnen Rock der empfindlichen Wintertälte wegen fest überm Leib zusammenhielt. Er lehnte in sich gekehrt am Treppengeländer. Unter der Mütze fiel ihm ein Büschel Haare aus das frühharte Gesicht. Seine Augen froren wie sein ganzer Körper. Einer nach dem anderen der Bewerber ging hineib and kam entweder mit verblüfftem oder ärgerlichem Gesicht schimpfend zurück. Der Schwarze sah anscheinend teilnahmslos zu, fragte nicht wie die übrigen und atmete tief auf, als er früher als erwartet an die Reihe kam, weil sich wieder drei entmutigt entfernten. Im Büro schlug ihm, verwirrend die Starrheit lösend, ein Schwall heißer Luft entgegen. An einem großen, fast leeren Schreibtisch in tiefem Klubsessel eine massige Gestall. Der Schein von blitzenden Augengläsern glitt an dem Eintretenden nieder, so daß ihn wieder fröstelte.— „Wie heißen Sie?"—„Franz Zeltinger.'—„Wie all?"— „Neunzehn Jahre."—„Was ist der Vater?"—„Lauarbeiter."— „Arbeitet die Mutter?"—„Nein, die Ist zu Hausei"—„Wieviel Geschwister?"—„Fünf!" „Wieviel verdienen davon?" „Mein ältester Bruder lernt noch, die anderen Geschwister sind kleiner und gehen noch in die Schule!" Ein mißtrauischer Blick des Direktors glitt Über die goldene Brillenfassung:„Sind Sie vorbestraft?"— Schweigen. „Haben Sie verstanden? Ob sie vorbestraft sind?" Die Augen des Burschen schienen sich katzenarttg zusammen- zuziehen. Plötzlich wurden sie groß und starr.„Nein!" Trotzig klang es.„Ich habe doch auch Zeugnissei" Er griff in die Rocktasche. Der Mann im Klubsessel winkte ab:.Lasten Sie steckeni Herein!" Das galt einem Klopfen»n der zu den inner«» Kontor- räumen führenden Tür. Ein Mädchen schob auf einem Tablett«in Glas Rotwein und ein« Kaviarsemmel auf da» grün« Tuch d«s Schreibtische». Purpur» strahlte der Wein im Licht. Da» Mädchen ging mit einem Lächeln nach dem Direktor. Die Mütze in der Hand de» Burschen zittert«. „Si« können gehen. Sie bekommen Nachricht, wenn wir auf Sie reflektieren.— Ach sol Wo wohnen Sie?"„Wastertor 7, II. Stock." Ein Ton in der Antwort ließ den Direktor sekundenlang aufblicken. Dann kritzelte er die Adresse auf ei» Blatt und griff nach der/ Kaoiarsemmel. Irgendwoher kam ein kurzer dumpfer Laut, au» der Kehl« Zeltingers oder vom Anprall des Klubsessels. Wie eine Katze auf den Baum sprang der sehnige Schwarzkops auf den massigen Nacken des Direktors und drückte dessen Gesicht aus das Tablett. Das Weinglas zerklirrte, über den Schreibtisch floß es wie Blut. Ein stummes«rbittertes Ringen! Die schlanken feingliedrigen Hände des Burschen hielten den Hals de» Direktors wie Klammern umspannt. Kein Laut drang aus seiner Kehle, nur ein Schnauben wie au» Pferdenüstern quoll aus der Rase des bläulichen Gesichtes. Mit einer gewaltigen Anstrengung drehte der Angegriffene sich dem Angreifer zu, den Hals wendend. So knirscht ein verrostetes Scharnier. Plötzlich schnellt« der Bursche wie«in« Feder zurück und gab sein Opfer frei. Heber sein« verkrampften Züge ging ein Wetter- leuchten, dann brach ein gewitterige» Lachen los, hell sich über- steigernd, ein irres Gelächter. Von der Ohnmacht des Schreckens befreit, war die Mäste im Klubsessel wieder gewachsen und hatte sich voll Leben gesaugt. „Hilfe! Räuber!" Angstvoll schrie der Direktor und drang wachsend mit geballten Fäusten auf Zeltinger ein. Mit einem Schlag warf er ihn an die Wand. Dieser ließ es sich ohne Widerstand gefallen und lachte nur, lachte bis zu Tränen. Im hinteren Türrahmen zeigten sich bestürzte Gesichter aus den Kontorrüumen.„Da— der Lump— l" leuchte der Direktor und wies auf den lachenden Angreifer. Da geschah etwas, das den Ueberfallenen der mühsam erlangten Sprache wieder beraubte und ihn fassungslos gestikulieren ließ. Das herbeigeeille Personal stutzte eine Sekunde und stimmte dann fröhlich in das Lachen ein, wider Willen, wodurch die Fröhlichkeit nur noch heftiger''und an- steckender wurde. Verzweifelt reckte der Direktor die Arme über den Chor grinsender Gesichter:„Polizei! Polizei!" Sein Anblick war unendlich komisch. Der körnige Kaviar von der Semmel hatte sich auf dSn vollen Backen breitgedrückt und das Weiß der entsetzt aufgeristenen und vorgequollenen Augen wirkte zu dem grauschwarzen Kaviar wie die grelle Schminke eines Bajazzo. Das allgemein« Gelächter steigerte die Wut des Direktors zu sinnloser Raserei. Er schlug den Burschen mit der Faust in den lachenden Mund, daß sich Zähne und Lippen blutig färbten, warf ihn aus den Boden und stieß ihn mit dem Fuß an den Leib. Nun ward auch das Personal ernst und erfuhr was geschehen war. Einige Angestellte suchten ihr respektloses Lachen aus feige Art gut zu machen, rissen den Burschen empor und ohrfeigten den Wehrlosen. Zwei Schutzleute führten später den„Rläuber" gefesselt ab, der wieder starr blickt« und da, verschönend» Lachen verlvren hatte. Der Untersuchungsrichter hatte es nicht leicht, den Fall zu paragraphiereu. Für»ine» Raubanfall sah die Handlung»««�- Zellinger» zu sehr nach einem Ausbruch von Jähzorn, nach einer momentanen Einnesstörung au», wofür auch da» sonderbare Lachen sprach, die Würgemale am Hal» de» Direktor» hingegen redeten«in ernstere» Wort und die Tatsache, daß Zeltinger der letzte Stellen- suchende gewesen war, ließ wiederum an einen oersuchten Raub denken. Der Bursche selbst erklärte, er wisse nicht, was ihn zur Mißhandlung des Direktors veranlaßt habe, das Verhalten und die Fragen de» virettor», der rasch« Temperaturwechfel.»l, er das 'überheizt, Zimmer betrat«der Hunger beim Anblick de« Frühstück». Ein medizinischer Sachverständiger murmelte etwas von momentaner Sinnesstörung, hervorgerufen durch Unterernährung. Da aber zur Beruhigung aller Direktoren eine Strafe nötig war, verurteilte man den Burschen zu drei Monaten Gesängnis mit Bewährungsfrist, nachdem er vier Wochen m Untersuchungshaft gesessen hatte. E» wäre noch schöner, wenn die soziale Ordnung durch den Anblick einer Kaviarsemmel aus dem Geleise gebracht werden könnte. Nach der Gerichtsverhandlung begegnete der allbeliebte Direktor dem Gerichtsvorsitzenden, wobei sie sich gegenseitig gratulierten, zu der Errettung aus Lebensgesahr der eine, zur richterlichen Weisheit der andere. „Meinen Sie wirtlich, daß der Kerl mich unter Umständen erwürgt hätte, frug der Direktor. „Sehr leicht möglich! Es sind schon Leute aus geringfügigeren Ursachen«rmorhet worden." „Das ist ja schaurig! Da ist man Ja sozufagen jeden Tag in Lebensgefahr!" „Eigentlich schon!"— „Wohin soll da» führen, lieber Rat? Womit soll da, enden?" Der zuckte die Achseln: Das weiß kein Mensch. Aber vielleicht damit, daß nach dem atten Wort wir nicht nur alle Brüder, sondern auch unsere Schüsseln Schwestern werden! Bis dahin müssen Sie sich halt auf uns oerlasien, lieber Direktor! Guten Tag!" QepfropHe SBähne Trostreich« Nachricht für alle, denen die Angst den Gang zum Zahnarzt zur Qual macht! Es handelt sich um eine Anwendung des bei Bäumen und anderen Pflanzen bekannten Pfropfverfahrens auf menschliche Gewebe. Die EinHeilung von Hautstücken in be- schädigte Teile der Haut wird ja schon fett langer Jett geübt. Nun- mehr will aber, wie eine französische Fachzeitschrist ausführt, F. de Najas eine ähnliche Methode auch für die Zähne anwenden. Denkbar wäre hierbei die Verpflanzung der Zähne einer Person in den Mund einer anderen gegen entsprechende Bezahlung, doch würden fremde Zähne nicht genau passen und daher nur schwer einheilen. Auch müßte dies unmittelbar nach dem Herausziehen erfolgen, denn wenn der Zahn nicht sofort überpflanzt wird, heilt er nicht mehr ein. Eine praktische Anwendung findet aber der Gedanke in der Weise, daß Zähu« jetzt außerhalb des Mund«s behandett werden können. Es wird zuerst eine Röntgenaufnahme gemacht, um genau die Stellung der Wurzeln zu erkennen. Dann wird der schadhafte Zahn schmerzlos gezogen und ebenso wie die zurückbleibende Höhle, keimfrei gemacht. Der Zahn kann nun in einer Werkstatt wie ein lebloses Ding behandelt werden. Wie sonst unter Schmerzen im Mund werden die schadhaften Stellen aus- gebohrt und gefüllt, wozu ein« einzige Sitzung genügt. Dann wird der Zahn wieder an seine alle Stelle gebracht: man darf allerdings einig« Tage lang nicht auf Harte» beißen. Um das Gewebe zu reger Tätigkeit anzuspornen, folgt noch eine Behandlung mit Hoch- frequenzströmen oder ultraviolettem Licht. Der Zahn hellt so allmählich wieder ein und leistet gute Dienst«. Für dieses Per- fahren stich aber nur lebenskräftige Personen mit gutem Gewebe- Wachstum geeignet. S)er amttiche liachtteis Mein Detter kriegt vom Staat eine kleine Rente. Er hat st«» well er sich im letzten Jahre auswärt» aufhiell, nicht erhoben. Jetzt ist er wieder da und hat sich zum Quartalsschluß vor dem Schalter eingefunden. „Schön", sagt der Beamte,„e» fehll nur noch der Lebens- Nachweis."* „Der was?" „Der Nachweis, daß Sie noch am Lebe» find." „Ich stehe doch vor Ihnen." „Wer sagt mir. daß Sie der find, welcher?" „Vielleicht kennen Sie mich von früher?" „Früher! Das letzte�Geld erhoben Sie im Jahre 1S2S— heule schreibt man 1930— in zwei Iahren kann mit einem Menschen vieles vorgehen— lassen Sie sich von der Polizei bescheinigen, daß Sie derzett noch am Leben sind." Mein Vetter ging zur Polizei. Mein Bett-r ging zum Renten. schaller. Mein Detter kriegte seine 19Z0-Reitte. Und die Renten 19Z9?" fragte er bescheiden. „Können ebenfalls erhoben werden." „Bitte." „Erst den Lebensnachweis." „Den— den was?" „Den Nachweis, daß Sie noch am Leben—" „Den haben Sie doch schon an meine Quittung angeheftet." .Las ist der Nachweis 1930. Zu der Quittung 1929. die in einen anderen Akt 12 kommt, brauch« ich den Nachweis, daß Sie 1929 noch am Leben waren." „Aber die Logik—" „Es handelt sich hier nicht um Logik, sondern um Befolgung amllicher Lorschriften— gehen Sie zur Polizei." Mein Vetter ging zur Polizei. Mein Vetter kriegt« von der Polizei den Lebensnachweis 1929. Mein Vetter wies den Lebens- nachweis 1929 vor am Rentenschaller 1930. ., Betrifft 1929", sagte der Beamte. „Weiß ich." „Sie müssen sich zu jenem Herrn verfügen, der Si«, wenn Sie 1929 vorgesprochen hätten, ausgezahtt haben würde." „Schön, und dieser Herr befindet sich?" „Am übernöchsten Schalter links." Mein Vetter ging zum übernächsten Schall«? link». Dort erhiell er, was er wünschte.' Bitte, die Geschichte Hab' ich nicht erfunden, mein Vetter hat sie mir erzählt und zugefügt, er habe sich erkundigt und erfahren, alle Dienstbehörden seien angewiesen, so zu handeln. Ich habe mich dabei beruhigt. Aber eine Frag« läßt mich seitdem nicht mehr schlafen: Wenn am übernächsten Schaller links nun der Beamte nicht mehr der gewesen wäre, welcher 1929 meinen Vetter, wenn er damals vorgesprochen hätte» ausbezahlt haben würde-- Ob das Staatsgefüge, das auf Ordnung halten muß, ins Wanken geraten wäre? Oder ob es genügt hätte, wenn der Nachfolger des Beamten, der meinen Veller» wenn er 1929 vorgesprochen hätte, ausbezahlt haben würde, bescheinigt hätte, daß, wenn sein Vorgänger 1930 noch am Leben gewesen wäre, er meinen Detter, wenn er 1929 vor, gesprochen hätte.,. Krit? Müllcr-Pirtenkirchen. ffleinrich Xerfch: 3)lC * Bnt« bm Ttttt ntrlfhntiW fcrt verw» Adolf övonioltl, baanooet, von Heinrich Lcrsch»in«» Zionian, der ei» ganz neue» PrrfjÜltni» de» Menschen Mir Maschine»um Inhalt hat. Mit GeneHiniflunfl de» Berlaee» verSffentlichen wir de»»ach» folaenden Abschnitt. Eine Viertelstunde noch, dann würde die Brücke auf gleicher Höh« stehen, dann konnten die Hiissiräger untergeschoben werden, die Schrauben ins Loch gesteckt, dann mochte kommen, was wollt«, Erbbeben und Weltuntergang, dl« Brücke, die würde stehen. Oder sie stürzte, riß alle Mann auf den Kähnen uild Trägern mit hinunter in den Strom. Da war kein« Rettung und kern Hallen, was nicht erschlagen wurde, da» ersosf. Mann und Meister, Techniker und Ingenieur, rettungslos war Wer,! und Mensch mit- einander verbunden. Dos Schicksal der Brück: war auch unser Schicksal. Mehr ats hundert Duiim wurden m diesen Minuten der Span- nung zu einem einzigen Menschenblock, der nur noch zusaimr.en dachte, zusammen handelle. Da glühten die Gedanken aus den Hirnen in brennender Stichflamnee von einem zum midern, sich selber unbewußt: Die Brücke, die Brücke! Noch ein« Viertelstund«, noch zehn Minuten! Ich saß auf dem höchsten Bogen der Brücke, hing, spähend wie ein Raubvogel, mit gestrecktem Hat», psifs wie ein Adler so gewöhnt des Sturmes, daß ich ihn gar nicht spürt«. Nun konnte ich aber auch gar nichts mehr tun als warten, warten, sehen, ob alles gut ging. Unten pussten die Dampsmaschinen der Pumpen, die Wasserströme klatschten, von allen Seiten Geraus he: die Eisenträger rieben aneinander, st« scheuert.-n mit kreischenden Schreien, dann nibberie dumpf sprungweis«, weiß der Teufel was, dann knallte und schrammte ein Stahlseil, ich ratzte vor Wu, aus die Pumpen hinunter, well die nickst schneller machten. Brücke, vevdannnte Brücke! Mensch, in solchen Minuten bist du nicht für deine Gedanken verantwortlich, in solchen Wnuten bist du von einem �unbekannten Geist gepackt. Wie in einer Fieberphintasie sah ich auf einmal hinter dieser Brücke ustfer« Dortmunder Fabrik, sah ich die große Montagehalle, wo die hundert Holser schleiften, fuhren, schraubten, bohrten, nieteten. Sah die Ingenieur« rumlaufen, die Techniker, sah hoch am Dach die Kräne fahren— und mit einem Hieb schmeißen alle die Hände voraus und schreien:„Di« Brücke!" Sie zeigen mit dem Finger auf uns, reihen Maul und Augen auf:„Die Brücke!" Der Ernst Weilbach sagt:„Donnerschlag, heut' fahren sie ja die Stück« zusammen, ob es kloppen wird? Es muß doch Kappen, niemand hat gemurkst, niemand was versaut!" Bums, lang« Hakt« sich der Träger geklemmi. jetzt macht«r wieder einen Hup« nach oben, ich spann« wieder aus pi« Pumpen. auf die Kollegen, aus die Löcher, unerträgflch langsam geht das. Warten, warten, warten. Da sehe ich aber Hundert« van schwarzen Fäusten um mich, das sind dl« Fäuste unserer Kamerad««, die helfen, st« schieben, sie drücken, da, auch die Hände meiner Frau, viel« Frauenhänd«. als wären es die Händ« der Frauen und Mütter unserer Äo'iegsn. Der Wind saust, der Dreck fliegt, ich muß die Augen zukneifen. Gleich spüre ich wieder die uusich.baren Helfer, alle kämpfen sie mit gegen den Wind: d<« Kameradschaft der Kollegen, da« Bewußtsein der Techniker, der Will« der Ingeni«ure. Noch zehn Mnniten, noch fünf Mtmtteu. Kein Mensch weiß, was solche Minuten sind! Nichts wären sie, wenn der Wind nicht gekommen wäre! Jeder verfluchte in Wut, verstöhnte in Angst, verwünscht« in Not den Wind. Warten, warten hier oben auf dem Träger, warten Minute um Minute. Ich mußte tun. als fühl« l-H den Wind nicht. Ich sah diese Brücke wie ein Schlach.fcld, auf dem gesiegt oder gestorben wurde. Hier bewährte sich das Werk oder ward zum Gespött; hier entschied nicht znehr Kunst und Können derer, die hier an der Arbeit waren. Der Sieg war schon vorher entschieden, in den Ingenieur- büros, in dem Direklarzimmer, tn der Fabrik selbst. Wenn das Material la war, bei der Berechnung nicht an Mehrgewinn und Pro- fit gedacht, tn der Konstruktion nicht spekuliert, hier an Organisation und Leuten nicht geknausert, wenn alles, alles Qualität war, dann konnte der Wind nichts machen; dann war die Schlacht gewonnen. Ich saß da. wie ein Generat, jetzt der General in der Arbettsschlocht, aber auch üh konnte nichts mehr ändern, ich konnte nur mein Leben, eingefetzt in das Wert,«ich mit dem Leben der anderen verbinden und mit den Hunderten siegen oder untergehen. Ich fühlle in diesem Augenblick die wunderbare Einheit der Arbeit, di« Harmonie oller sthafsenden Kräfte. Es war mir, als säße ich gar nicht hier oben auf dem eisernen Träger. Es war mir, als schwebe uh, getragen von der Verantwortung und von dem Vertrauen. Gehoben von den Strömen der Kraft stand ich roi« auf dem Rücken eine» Erzengels und geisterleicht schwebte ich über dem Wasser. Magnetisch gehoben, ! mit Hunden und aberhundert Augen begabt, sah ich alle», was zu sehen nötig war. Als flögen die Verbindungen, gelöst aus Stahl und Eisen, für einen Augenblick zu mir hinauf und fragten mich: „Meister, bin ich so gut?" Und ich streichelte da- Eisen mit Kennerblicken und sagte:„Ja! Du gutes Stück, geh' wieder an deinen Hrt!" sn WliUtonen Telephone In der Wcli Die englische Telephonzeitung bringt eine Weltstatistik der Tele. phone, deren Zahlen allerdings auf einer Aufnahme vom 31. De- zembsr 1929 beruhen. Danach beträgt die Gesamtzahl der Fern- spreche? aus unserer Erde 34 400 000, fast Millionen mehr als 19Z8. In dieser Zeit wuchs die Telephonzifser in Europa um 8,4. die in Nordamerika um 3.9 Prozent. Aign schätzt, daß di« Gesamt. zahl der Telephone in Europa Ende 1930 mindestens 1 0 Vi Millionen betragen wird, das wäre etwa 100 Prozent n-�hr als die Gesamtziffer von 1920, dem ersten Jahre nach dem Äriez«, in dem eine Statistik aufgestellt wurde. Während der 10 Jahr« von 1920 bis 1930 ist die Telephonzahl in Nordamerika von 14 ZtzZ 000 auf 22 300 000 gestiegen, also um etwas mehr als SO Prozent In Asien wuchs die Zahl im Jahr« 1929 auf 1 2öS 000, in Afrika auf 224 000. Die Vereinigten Staaten haben die meisten Telephcn», nämlich 16.9 auf 100 Einwohner; dann folgen Kanada mit 14,4 Neuseeland mit 10,8, Dänemark mit 9,4. Schweden mit 8,3. Australien mit 8,2. Norwegen mit 6,6, die Schweiz mit 6,5, Deutschland mit S, Großbritannien mit 4,2, die Niederlande mit 3,7, Finnland mit 3,1, Oesterreich und Belgien mit 3,2, Frankc«>ch mit 2,6 und Arzentinicn mit 2,4 auf 100 Einwohner. Die telephonreichste Stadt der Welt ist New Dork mit 1811410, während di« verhältnismäßig meistcn Telephon« auf der Erde San Franziska besitzt, wo von 100 Be- wohnern 24 Telephon habe».