BERLIN Mittwoch 24. Sezembe? 1930 10 Pf. Ar. 602 B 300 47. Jahrgang Erscheisttiglich« n f« t Sountazs. Zllgleich Si«dau«Kade de«.VonrSrtS�. Beiuasprn- beide Av�aben SS Pf. xroWoche. 3F0M. pro Monar. R«d«»tlva und Expedition; B zu geben. Do der Angeklagte in groß« Erregung geriet, sah das Gericht davon ab, überhaupt die als Zeugen geladenen Beamten des Reichsarbeitsministeriums zu hören, well befürchtet werden mußte, daß. es bei dem eigenartigen Ver- halten, des Angeklagten zu keiner ruhigen Fortführung der Ber- Handlung kommen würde. Der Angeklagte Schäfer wurde deshalb wieder abgeführt und wird auf Veranlassung des Stoatsamvaltss d:r Allgemeiren SicherHeitspclizei überwiesen werden, die ihn dem zu- ständigen Kreisarzt zur Untersuchung auf den Geistes- zustand übcrsühren wird. Für diese Anordnung ist maßgebend, daß Schäfer bereits am Dienstag von Medizinolrat Bier untersucht worden ist, der zu dem Ergebnis gekommen ist, daß bei Schäfer, der bekanntlich sieben Jahre lang arbeitslos ist, schwere nervöse Störungen vorliegen. Die kurze Berhondlmig vor dem Leiter des Schnellgerichts, Amtsgerichtsrot Kaiser, nahm folgenden Verlauf: Staatsanwalt- fchaftsrat Dr. Brakel formulierte die Anklage, die auf Haussriedensbruch und vergehen gegen 8 1 der Roiverordnung des Reichspräsidenten gegen den Waffenncißbrauch lautete, weil Schäfer neben der Scheintodpistole auch noch einen Gummi- kn.üppel bei sich trug. Amtsgerichtsrat Kaiser vernahm den An- geklagten, wobei sich herausstellte, daß er 36 Jahre alt und Maler- gehilfe ist, diese Beschäftigung aber seit 7 Iahren wegen Arbeits- losigkeit nicht ausgeübt hat. Vors.: Haben Sie währenH dieser ganzen Zeit keine Unterstützung bezogen? Angetl.: Nein, weil ich die vorgeschriebene Beschäftigungsfrist nicht erreicht habe. Vors.: Haben Sie sich denn in den sieben Jahren bemüht, Arbeit zu be- Weihnachtseinkäufe Schlagring zu Weihnachten?" „Tlee Papa, lieber will ich'n Wurf weißer Mäuse!" kommen? A n g e k l.: Ja, das habe ich getan. Ich bin wiederholt auf den Arbeitsämtern gewesen und habe auch Inserate aufgegeben. Soweit ich aus ihren ganzen Fragen sehe, Herr Borsitzelider, bc- iinden Sie sich schon in der Beweisaufnahme. Vors.: Das ist ein Irrtum von Ihnen. Ich will durch meine Fragen ja nur ihr« persönlichen Verhältnisse klären. Bisher ist ja kein Zeuge ver-- nommen worden. A n g e k l.: Ich kann auf alle diese Fragen aber nur antworten, wenn ich dazu mein Material habe. Bei dem siebenjährigen verkehr mit den Lehörden hat sich ein sehr großer Schriftwechsel enlwickell. i und difses Material habe ich nicht bei mir. Ich muß überhaupt eine Verurteilung seitens des Schnellgerichts ablehn-n. Vors.: Eine Ablehnung des Schnellgerichtes ist nicht möglich, weil Ihnen ja lein Verbrechen vorgeworfen wird. Wollen Sie einen Ver- leidiger haben? Angekl.(sehr erregt): Einen Verteidiger will ich nicht haben, denn der kann sich so schnell auch nicht in mein Materiol einarbeiten. Ich stelle mich auf einen anderen Standpunkt und ich muß die weiteren Aussagen ablehnen.(In hochgradiger Er- regung.) Der Vorgang im Reichsarbeitsministerium hat eine lang- wierige Entwicklung. Es ist nicht ein Vorgang von einem Tag, sondern von sieben Jahren. Der Anzetlagte steigert sich, trog der ruhigen Behandlung durch den Vorsitzenden, in eine derartige Erregimg hinein, und seine Augen nehmen einen so gesahrdrohenden sanatischen Glanz an, daß der Vorsitzende nach kurzer Verständigung mit dem Staatsanwalt, den Angeklagten wieder abführen ließ. Nach Untersuchung durch den zuständigen Kreisarzt wird sich das Ordentliche Gericht mit dem Vorfall im Rcichsarbeitsministcrium zu beschäftigen haben. Weihnachtszauber der KPD. Sinnlose Ausforderung zu Straßendemonftrationen. Ein Weihnachten der Not wie dieses hoben mir seit der Kriegs- zeit kaum mehr erlebt. Eine Weltwirtschaftskrise hat ihren vernichten-- den Gang um die Erde angetreten, sie hat in Deutschland besonders schwere Verwüstungen apgerichtet. Lohn- und Gehaltskürzungen und ein Viermillionenheer von Arbeitslosen sind die beklagenswerten Folgen. Unter solchen Uniständeir- ist jede Anstrengung, eine Besserung zu erreichen, nicht nur erlaubt, sondern geboten. Niemand kann von den Notleidenden verlangen, daß sie in der Wahl ihrer Mittel zimperlich sind-- aber freilich muß man verlangen, daß die ge- wählten Mittel etwas helfen. Die A r b e i t s l o s e n d e m o n st r a l i o n e n, die die Kommunisten am heutigen Abend zu veranstalten bemüht sind, gehören zweifellos zu den Mitteln, die gar nicht Helsen. Wer die deutschen Arbeiter kennt, der weiß, daß sie in ihrer Masse keineswegs bereit sind, gerade am Weihnachtsabend Straßcndemonstrationen zu machen. Aber selbst wenn es möglich wäre, wirkliche Massen auf die Beine zu bringen, so würde der gewünschte Eindruck nicht erreicht werden. Denn heute abend werden die Leute, denen es trotz aller Not noch gut oder auch nur leidlich geht, hinter verschlossenen Vorhängen Weihnachten feiern und von dem, was auf den Straßen vorgeht, nichts bemerken. Die einzigen, sür die die geplanten Demonstrationen unmittel- bar« Bedeutung haben, sind, von den Demonstranten selbst abge- sehen, die Polizeibeamten. Eine erhebliche Anzahl dieser Leute, die doch keine Bourgeois und keine Kapitalisten sind, werden heute abend, statt mit Frau und Kind zu feiern, aus der Straß? stehen müssen um aufzupassen, daß kein Unfug getrieben wird. Es wäre sozialer gewesen, diesen Leuten ihr bißchen Weihnachtsireude zu lassen! Was mit den„Weihnachtsjpazicroängen der Arbeitslosen" beob- sichtigt ist, gab die„Rote Fahne" schon heute morgen zu erkennen, indem sie ihr Blatt mit der Ueberschrift versah:.Polizeitrillcr statt Glockengeläut.— Grzesinski- Weihnacht mit Polizei- alarm." Hier werden die Ereignisse, die man wünscht und die man herbeizuführen versucht, schon vorweggenommen. Man kann also feststellen: Trillerpfeife und Polizeialarm am heutige« Abend werden VN» nicmmrb anbfwm ze wünscht als van den Kammunisten und d« Roten Fahne". (Sin plumpes P a r t e i in a n ö v e r, weiter ntd}fs! Es soll Material«gegen die verruchte SPD." fabriziert werden. Aber wird init diesem Material etwas anzufangen sein? Ein Polizeipräsident mag Grzesinski oder Müller oder Schulz heißen, er mag Sozial- demokrat oder Kommunist sein, er mag in Berlin oder in Moskau amtieren: wenn er die Mitteilung erhält, daß Etraßendemon- strationen beabsichtigt sind, wird er seine Vorbereitungen treffcir müssen. Bedauernswerte Proletarier, die sich bei ihrer Not und ihrem Elend auch nach zu törichten Streichen mißbrauchen lassen! Berwattungsrat»«r Reichsbahn Reue Mitglieder ernannt— Preußen wieder benachteiligt. Von dem am 31. Dezember 1930 aus dem Verwaltungs- rat der Deutschen Nei6)sbahngcsellschaft ausscheiden- den Mitgliedern hat die Reichsrcgierung die Mitglieder Geheimen Kommcrzienrat Dr. Peter Klöckner, Rcichsbnhndirektionspräsident a. D. Dr. Vitus von Hertel, Staatssekretär a. D. Dr. Karl S t i e l e r und Hermann Münch meyer wieder ernannt. Ferner sind Londrat a. D. Freiherr von W i l in o w s k y und Ministerialdirektor Dr. Klicn, Dresden, neuernannt worden. Hertel ist von der bayerischen Regierung, Dr. Sticlcr von der »vürttcmbergischen Regiening und Dr. Klien von der sächsischen Regierung benannt worden. Tfc Diese Ernennungen bedeuten eine neue Brüskierung Preußens. Diesem größte» Lande der Republik hat man jahrelang das Recht zur Benennung eines Vertreters im Ver- maltungsrat der Reichsbahn bestritten. � Als es endlich auf dem Klagewege seinen Anspruch durch- gesetzt hatte, schlug die preußische Regierung als ihren Ler- lreter den Ministerialdirektor Schultz« aus dem Handelsministerium vor. Der Vorschlag wurde jedoch a b- gelehnt mit der Begründung, das Interesse der Reichs- bahn erfordere die Benennung von W i r t f 6) a f t l e r n, nicht von Beamten. So wurde Preußen genötigt, als seinen Vertreter den Bankier I e i d e l von der Berliner Handelsgesellschaft anzuerkennen. Jetzt findet man plötzlich als Vertreter Bayerns den R e i ch's b a h n p r ä s i d e n t e n a. D. von Hertel, für Württemberg den Staatssekretär a. D. Stieler und für Sachsen den aktiven Ministerialdirektor Klicn. Diesen Staaten wird also die„Benennung" von Beamten zugestanden, während dem Lande Preuße», das dem Reich feine Bahnen ausgeliefert hat, der Vorschlag eines Beamten, der die Dinge von Grund auf kennt, abgelehnt wird. Nach welchen Grundsätzen wird denn eigentlich ver- fahren? Diskonisah in Aew �sork: 2 Prozent. Zur Ankurbelung ver Wirtschast. New Z o r k, 24. Dezember. sEigeubencht.) Die Federai Reserve Lank os Rem Jork hat mit sofortiger Wirkung he,, Olsroytsah von 2.S aus 2 proz. herabgesetzt. Der. neue Satz ist dcr Nied rigste in der Geschichte des amerikanischen Reservehank-Systemo Und"zur 2lN kn rb elnng der danieder. liegenden Wirtschaft bestimmt. Die Bänken erwarten von der Distoilisenkung eine Belebung des Vertrauens seitens des Publikums, das durch die Schließung der New-Dorker Ehelseo-Bont und Trust-Company und deren sieben Zweigstellen erneut erschüttert ist. Die Vouk hat 24 Millionen Dollar Totalreserven und über 40 000 Kunden und wurde wegen alarniieren- der Abhebung von Kundrngeldern geschlossen. Der Llnsinn als Methode. Erklärung des Genossen Grzesinski. Genosse Grzesinski bittet uns auf Aufnahme nachfolgender Zeilen: Ich habe kürzlich im Seebad Mariendorf eine Rede vor Berliner Parteigenossen gehalten und dabei Dinge gesagt, die von der Mehr- Heu der Sozialdemotratischen Partei für selbstverständlich gehalten werden, habe sie aber wiederholt, weil eine Minderheit in der Partei die Dinge anders sieht, als ich selbst und die Mehrheit der Partei- genossen es für nötig und richtig halten. lieber diese Rode hat die„Berliner Börsen-Zeitu N g" einen in allen wesentlichen Teilen gefälschten Bericht veröffentlicht, den ich durch ein Schreiben an die genanwc Zeitung in einigen Punkten richtigstellte. In einigen Punkten— allerdings nicht in allen. Wenn das Blatt mir den Saß unterschob,„dieser Staat ist nicht unser Staat", so habe ich es allerdings nicht für nötig erachtet, ihn besonders zu dementieren. Jeder, der die Aciseinanderseßungen in der Sozialdemokratischen Partei kennt, jeder, der nieinen seit Jahrzehnten unveränderten Plaß iin Rahmen dieser Auseinandersetzungen kennt, jeder, der meine jahrelange Arbeit im Diensie des Heuligen Staates kennt und, ich ivage es zu hosten, zu würdigen weiß, wird Behauptungen, daß ich den heutigen Staat in oben zitierter Forin abgelehnt hätte, als unsinnig und lächerlich empfinden. Es mar mir in der Tat zu albern, auf diese Unterstellung noch besonders einzugehen, muß allerdings heute feststellen, daß auch alberne Behauptungen selbst in ernsthaften Blättern, wie der „Genna nie", ihre Gläubigen finden. Es hätte der„Germania" nicht schwerfallen solle», dasselbe zu tun, was andere Zentrums- blnttcr getan haben, sich nninlich bei mir oder bei meiner Pressestelle zu erkundigen, ob ich wirklich einen solche» Satz gc- sprachen habe, wenn das Blatt doch glaubte, daß eine solche Möglichkeit bestände. Die„Germania" hat das unterlassen, sie hat sich nicht erkundigt, sie hat sich auch nicht bemüht, die Wahrheit festzustellen. Ich möchte der dringenden Hoffnung Ausdruck geben, daß die„Germania", die doch sonst den journalistischen Methoden der„Berliner Börsen- Zeitung" fernsteht, nicht aus Voremgenomwenheit cm einer Haltung festhält, die man In der Tat dann als illoyal ansprechen mühte. Grzesinski. Zu Salvador sind blutige Arbeitsunruhcn ausgebrochen. In Santateda wurden in erbitterten Straßenkänivsen mit der Polizei zwei Arbeiter getötet und zahlreiche verletzt. Dreihundert Personen wnrden verhafte«. Strafanzeigen gegen Kerkermeister Die Opposition gegen Brest-Q'towft Warschan, 24. Dezember.(Eigenbericht.) Wie es fchciul. beabsichtigt die Regierung Slawek die Interpellation der polnischen Sozialisten über Brest- Lilowsk völlig o n b e- antwortet zu lassen. Unter diesen Umständen haben die Interpellanten beschlossen, in einer der nächsten Sejmsihungen zu beaa- tragen, daß das gesamte frühere Kabinett Pilsudski vor dem Staatsgerichtshos zur Verantwortung gezogen wird. von den Brester Opfern befinden sich zurzeit noch vier in 5) oft. obwohl drei von ihnen in das Parlament wiedergewählt wurden und weder juristisch noch politisch gegenwärtig ein Grund besteht, sie nach der Befreiung der übrigen Opfer noch in Haft zu halten. Warschau. 24. Dezember. Großes Anstehen erregte am Dienstagabend die Nachricht, daß die Verteidiger der Gefangenen von Brest-Litowsk an den Staatsanwalt des Appellationsgcrichts in Warschau einen Antrag gerichtet haben, daß der für Brest-Litowsk zuständige Untersuchungsrichter desselben Appellatumsgerichts, Demant, zur gerichtlichen Ver- antwortung gezogen werden soll, da Demant sich den gesetz- widrigen Anforderungen der höheren Behörden bezüglich der Ge- sangenen gefügt hätte und mit feiner Haltung zu der unmenschlichen und jedem Recht und Gesetz Hohn sprechenden Behandlung der Gefangenen beigetragen habe. Außerdem wissen die Oppositionsblätter von einer geplanten Zusammenkunft der sich bereits auf freiem Fuß befindenden Gefangenen von Brest-Litowsk zu berichten, in der das Material über die Behandlung der Gefangenen in Brest-Litowsk gesammelt werden soll. Ferner meldet der nationaldemokratische„Wieezor Warezawski", daß die Sozialistische Partei schon in einer der nächsten Sitzungen die Absicht babe, einen Antrag einzubringen, daß die srüliere Regierung als unmittelbar für den Brest-Litvwfker Skandal verantwortlich vor das höchste Staatstribunal zu ziehen ist. Warschau, 24. Dezember.(WTB.) Die Protestbewegung gegen die Vorgänge im Militärgesängnis von Brest-Litowsk nimmt in ganz Polen immer größeren Umfang an. Zahlreiche Professoren der Warschauer Universität und der War- schauer Technischen Hochschule ocrSstentlicheii heute Aufrufe, in denen sie sich dem Bedangen der Krakauer Hochlchullchrer»ach Aufklärung und Sühne der Rechtswidngkeiten und Grausamkeiten gegen die oppositionellen Parlamentarier anschließen. Aehnliche ErNärungen veröffentlichen eine Gruppe von Professoren aus Posen sowie mehrere andere akademische Organisationen. Für einzelne der Opfer von Brest-Litowsk, wv den Abgeordneten Dr. Liebermann, erscheinen in der Presse �ympgthieerklärungen. Auch bekannte Geistliche und Schriftsteller, die teil- iveise bisher als Regierungsanhänger galten, treten mit solchen Aktionen hervor. Verschiedene Regierungsblätter entziehen sich dem Abdruck dieser Erklärungen nicht mehr. Der sozialistische„Ro- dowik" stellt aber fest, daß die Regierung selbst nach wie vor Schweigen bewahrt. Die Llkraine muß vor de« Rat. London, 24. Dezember. Im Hinblick aus die große Zurückhaltung, die die englische Regie- rung bisher in der Frage der Minderheiten, insbesondere der Ukrainer in Polen, zeigte, oerlangt der„Manchester G u a r d i o n", daß die englische Regierung auf Grund des Artikels 12 der Minderheitenoerträge nach dem Vorbild Deutschlands die Angelegenheit der Ukrainer im Januar vor den Völkerbundsrot bringen solle: denn sonst müsse man sicher damit rechnen, daß Polen alles versuchen werde, um diese Untersuchung zu verschleppen. Das Blatt erinnert daran, daß die Mächte mit der Besetzung der ukrainischen Gebiete in Ostgaiizien durch Polen gar nicht einver- standen waren, Akte des Terrors voraussahen und deshalb nur mit dem größten Wider st reden dieses Gebiet Polen zugesprochen hätten. England. Frankreich und Italien hätten also auch moralisch eine Verpflichtung gegenüber der Ukraine. Hinsichtlich der deutschen Minderheiten fürchtet der „Manchester Guardian", daß politische Erwägungen bei Frankreich und seinen Alliierten wieder zugunsten Polens den Aus- schlag geben würden. Deshalb sei es dringend notwendig, die Minderheitenfrage aus dem Spiele politischer Ränk« hcrauszu- nehmen und einen ständigen Blinder hei tenausschoh zu bilden, der sich laufend mit den Angelegeicheiten vom retnen Sach- verständigenstandpunkt aus befasse, oder von dem Internationalen Gerichtshof mehr Gebrauch zu machen. Der Völkerbund habe in Oberschlefien ganz besondere Verpflichtungen: die Teilung Ober- schlefiens sei gleichfalls nur nach langem Zögern vorgenommen worden, und man habe sich nachdrücklichst veranlaßt gesehen, das Schicksal der deutschen Minderheit in Oberschlesien unter die b c- sondere Obhut des Völkerbundes zu stellen._ �_ Schmarotzer? Wo bleibt die Arbeitsbeschaffung?— Eine Zorderung der Staatsrentner. Angesichts der katastrophalen Zahl der Arbeitslosen wagt es der existenzsichere Teil der deutschen Bevölkerung, die in ihrer Lebenslage vollständig dezimierte Arbeiterschast„Schmarotzer am deutschen Lolkskörper" zu boschimpfe« und zu behaupten, daß wir in einem Renk»«rstaat leben,, in dem 12 Millionen Menschen. also ein Fünftel der deutschen Bevölkerung, von. Staatsrenten leben. Ja, man wagt'sogar die Tlzese aufzustellen, daß die Sozialfürsorge der eigentliche Grund unseres wirtschaftlichen Niedergangs fei. Hier zeigt sich die Niedrigkeit der Gesinnung einer Menschcnkaste, die von der Zlrbeit ihrer Mitmenschen lebt, deren Banlsases oftmals ein Vermögen fassen, aus dem eine größere Anzahl von Arbeitern ganz gut eins längere Zeit leben könnte. Die deutschen Arbeiter verzichten aus Renten, die man ihnen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs wegen aufgezwungen hat, um nicht verhungern zu müssen. Sie wollen arbeiten und warten geduldig aus das Arbeitsbeschaffungsprogramm. Wo sind die 12 Millionen Rentner, und was sind es für Renten, die sie erhalten? Die Rentenempfänger, die gegen Krankheit, Unfall, Atter und Invalidität versichert find, betragen 5,4 Millionen. Ihre Unterstützung erhalten sie auf Grund jahrzehntelanger Beitragszahlung. 1929 betrugen die Durchschnittsrenten monatlich 33 Mark, für Witwen 22 Mark und für Waisen 14 Mark: aus der Augs» sielltenvorsicherung monallich 83 Mark. Die Kriegsinvaliden und Hinterbliebenen, deren Kreis 2,5 Millionen umfaßt, erhalten ihre Renten nach dem Prozentsatz der Bsschädigung oder der Orts- und Berufsklasse de- rechnet. Hier einige Beispiele von Renten, mit denen es sich angeb- lich gut leben läßt. (jjlin zu 30 Praz. Beschädigter bekommt in der niedrigsten Orts- und Berussklasse 15,40 Mark im Monat in Berlin, in der höchsten Orts- und Berussklasse 30,45 Mark. Bei 90 Proz. B«- lchädigunz gibt es für einen Ledigen der untersten Orts- und B«- lufsklasse 56,45 Mark, in der höchsten Ickalse für Mann, Frau und 2 Kinder 84.85 Mark im Monat. Eine eru-erbsunfähigc Krieger- witwe, deren Mann Arbeiter war, erhält in Berlin 29,55 Mark, mit einem Kinde in der niedrigsten Ortsklasse 43,65 Mark pro Monat. Die Zahl der Ruhegshaltoeinpfäager beträgt 350 000. Es sind dieses Wartegeidcr, Alter-, Witwen- und Waisenpensimien des Beanrtentums, die sich»ach Gehalt und Dienstzeit berechnen und als wohlerworbene Rechte der Beamten in Frage gezogen werden. Ferner sind zu unterstützen rund 400 000 Kleinrentner. Das sind Leute, die in der Inflationszeit ihre Ersparnisse verloren haben oder durch Kricgssvlgen resp. die Folgen der Inflation ver- armt sind. Fast all« befinden sich in einem Alter, welches die Ar- beitsfähigkeit ausschließt. Sic habe» auch keinen Anspruch aus Ber- sicherungsrente. In Berlin werben nach den Unterstützungsricht- sätzen für eine Einzelperson 53 Mark und für ein Ehepaar 79,50 M. monatlich gezahlt. lind nun die Opfer einer verkehrten Wirtschaftspolitik, die Zl r b e i t s l n f c n. Rund 2 Millionen erhalten Unterstützung. Aber auch diese Unterstützung crjolgt nur aus Grund von Bei- trag? Zahlung während ihrer Beschäftigungszsit! Wenn auch der Staat 1929 rund 400 Millionen zuschishen mußte, kann man sie deswegen als Str.atsrentner bezeichnen? Würden sie nicht arbeiten, wenn derselbe Staat, der sie unterstützt, besser für Arbeit sorgen würde? Wie scheu d'e Unterstützmzzesqtze in der Arbeits- lr-senversicherung aus? In d«r niedrigsten Lohnklasse bekommen die Arbeitslosen 6 Mark pro Woche und mtt einem zuschlazsberech- tigten Angehörigen einen Familienzuschlag von 40 Pf., in den mitt- leren Lohnklassen 11 bis 16 Mark und Familienzuschläge von 1,35 bis 2,25 Mark. In der höchsten Lohntlasse sind es dann 25,15 Mark einschließlich 3,15 Mark Familienzuschlog. Noch jämmerlicher sind die Unterstützungssätze in dcr Krisensürsorgs. Die Zlusgesteuerten inerden, wenn es nach den Vorschriften der Kommunen möglich ist, der Erwerbslosenhilse überwiesen. In Berlin werden an einen einzelnen monatlich 52 Mark, für die Ehefrau ein Zuschlag von 19.85 Mark und für jedes Kmd 9,45 Mark gezahtt, also für eine Fa- mili« mit 2 Kindern 88,75 Mark. Die nach dm Bestimmungen der Erwerbslos anhilse nicht zugewiesen werden können, sind auf Unterstützungen bei den Wohlfahrtsämtern angewiesen. Alle diese„Schmarotzer am deutschen Volke" wollen arbeite,' ur«b fordern Arbeit, wenn sie nicht das Atter gebrochen oder der .durch Hunger dezimierte Körper sie, daran hindert. Sie warten mit Ungeduld auf das Zlrheitsbcschassungsprogramm. ''......—-......— Etigen Roeemanu. 1 Oas Koaliiionsrechi der Aerzie. !Reattionäre Treibereien. In einer stark besuchten Mitgliederversammlung nahm die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Aerzte -Stellung zu den Methoden, mit denen der Borstand des .Leipziger" Aerzteverbandes(H a r t m a n n- B u n d) feine Mit- Flieder zu behandeln pflegt. Für den Vorstand der Arbeits- gemeinschaft erstattete das einleitende Referat der Vorsitzende Genosse Dr. K o r a ch. Der Hartmann- Bund will jede gewerkschaftlich«, besonders freigewerkschaftliche Organisierung von Aerztcn zum Anlaß nehmen, Mitglieder auszuschließen, da er die gcwerk- schaftliche Betätigung von Aerzten als„gegen die Standes- Interessen verstoßend" bettachtet. Er will seine Mitglieder auf die„Erhaltung eines freien ärztlichen Berufsstandes" festtegem Wenn der Leipziger Verband heute die Entfernung freigewerkschost- lich orgcmisiertcr Aerzte aus seinen Reihen beabsichtigt, so steht zu erwarten, daß er morgen daran geht, jeden Arzt auszuschließen, der auf Grund seiner politischen Ueberzeugung für die Berge- sellschaftung des Heilwesens eintritt. Alles das wäre nicht so tragisch, wenn nicht der Leipziger Verband, der sich als eii« politisch nmtrale Berussorgamsotton bezeichnet, einen Monopol- verirag sür die gesamte Ersatzkassenärztepraxis besäße. Auf E r- satzkassenpraxis ist aber heute fast jeder frei praktizierende Arzt wirtschaftlich angewiesen. Der Vorstand des Leipziger Verbandes ist jetzt dabei, diese wirtschaftliche Zwangslage der Acrjlc dazu zu benutzen, die freie Meinungsäußerung seiner Mitglieder ans politisch beruflichem Gebiete und den freigewerkschaftlichen Zu» sammmenschluß der Aerzte zu unterbinden. Di« lebhafte Aussprache ergab eine völlige Uebereinsttmmung in der Beurteilung der rückständigen Methoden des Hartmann- Bund» Vorstandes. Einstimmig wurde solgende Resolution angenommen:„Die Berliner Mitgliedickmft der.Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Aerzte Deutschlands" hat sich mit der Frage der ireigewerkschastlichen Organisierung der Aerzte und dem Konflikt. der zwischen der Aer.zteschaft der Rcichsscktion Gesundheitswesen de«..Gesamtvcrbandes" und dem Hartmann-Bund ausgebrochen ist, beschäftigt. Der Vorstand wurde beauftragt, im Einvernehmen mit den Landesorganisationen der Arbeitsgemeinschaft alles zu tun, um der ungesetzlichen und gegen die guten Sitten verstoßenden Stellung. nähme des Vorstandes des Hartmann-Bundes, welche die ver- fa s f u ngs mäßig gewährleistete Koalitionsfrei- heit der Zlerztc illusorisch machen will, entgegen- znwirken." Oeftentliche Danksagung. Der Rehattion de? Hugenbergschen „Tag", fci« m«m»n Sachsenbeitrag als„grandiosen Ulk eines lockeren Witzboldes" bezeichnet, sage ich für d'.eft unerwartete Anerkennung meiner Fähigkeiten tiefgefühlten Dank. Ihre Annahme freilich, daß ich die„Vorwärts- Redaktion mtt diesem Spaß hätte aufsitzen lassen, geht von der falschen Voraussetzung aus, daß ich meinen Kollegen in der Lindenstraße nur die Durchschnittsintelligenz der Hugenberg-Redakteure und sächsischer Mintsterprüsi- denien zugetraut hätte. Jonathan. Unruhen in Burma. Schwere Unruhen haben sich in dem Orte Tharrawaddy in Burma ereignet, wo von einer etwa dreihundert- käpfigen Menge drei eingeborene Beamte getötet wurden. Mängel im Strafvollzug. Kritik von innen... Die nachstehend«» kritischen Betrachtungen über den modernen Strafvollzug und seine noch immer unzulängliche Ausführung stammen von einem, der den Betrieb wirklich „von innen her" tennenlernle: der erste gewählte Obmann der Gefangenen in der Gefördertenanstalt Plöhenfee ist inzwischen entlassen und schreibt über seine Eindrücke. Auch wer nicht mit allen seinen Argumenten einverstanden ist. wird fie doch mit Iuteresse lesen. Wie auch weiteren Kreisen bekannt geworden ist, hat der preußische Justizminister durch die am 9. Juni 1929 erlassene Vor- ordnung„über den Strafvollzug in Stufen" den gesamten Straf- Vollzug in Preußen auf eine neue Grundlage gestellt und ihm neue Wege zu dem alten Ziele gewiesen, den Rcchisverbrecher wieder zu einem nützlichen Mitglied der menschlichen Gesellschaft, zu einem gesetzmäßigen Leben nach der Entlassung aus der Strafhaft zu erziehen. Nach dieser Verordnung ist für diejenigen Gefangenen, die sich �während ihrer bisherigen Strafhaft— mindestens sechs Monate— gut geführt hoben, im Bezirk des Strafvollzugsamts Berlin bei dem Gefängnis Plöhensee eine sogenannte Gcsördertenaustalt errichtet worden: in dieser haben die Insassen außer zahlreichen anderen Vergünstigungen und Hasterlsichteningen das Recht zur l5in- richtung einer gewissen Selbstverwaltung, die sie durch in freier Wahl gewählte Obmänner ausüben. Letztere haben das Recht, Wünsche und Beschwerden ihrer Mit- gefangenen bei den oberen Dieliststellen und den Aufsichtsbehörden vorzubringen: erwagt man, daß es bisher streng verbäten war und als Verleitung zur Meuterei angesehen wurde, wenn ein Gefangener für«inen Mitgefangenen Beschwerden varfteachtc, so erhellt leicht, daß dieses Recht der Insassen der Gefördentenanftalt vielleicht der hervorstechendste Zug des gesamten modernen Strafoallzugs ist. Schon in der ersten Berordnung über den Strafvollzug in Stufen vom 2. Januar 1925 hat der Minister betont,„daß der neue Strafvollzug von allen Beamten, nicht nur von dem Vorsteher, eine neue und wesentlich veränderte Auffassung ihrer Stellung zu den Gefangenen erfordert. Wirksame Erziehungsarbeit kann nur geleistet werden, wenn eine einheitlicher pädagogischer Geist alle Beamten von dem Leiter bis zu dem letzten Beamten oder Angestellten beherrscht". An dieser„wesentlich veränderten Auffassioig ihrer Stellung zu den Gefangenen", an diesem„einheitlichen pädagogisch«! Geist" fehlt es aber, wie freilich dem Minister wohl bekannt ist, unter den Straf- vollzugsbcanücn zur Zeit noch durchaus. Angefangen vom Ober- strafonftaltsdirektor bis zum jüngsten Aufsichtsbcamten sehen sie in jeder Bestimmung der neuen Verordnungen einen Eingriff in ihr vermeintliches Anrecht auf alleinige Bestimmung über die not- wendigen Maßnahmen zur Aufrcchtcrhaltung der Disziplin und Ordnung, eine Bedrohung der Ruhe und Sicherheit in der Gefangenenanstalt. Während langer Jahre daran gewöhnt, fast schrankenlos und selbstherrlich die Vorschriften im Einzelfalle anzuwenden, abzuändern oder außer Kraft zu setzen, können sie sich nur schwer damit abfinden, daß der Insasse der Gefördertenanstalt ein Anrecht aus teilweise Mitbestimmung über die Handhabung des Strafvollzugs erworben haben soll: da sie alle unbedingte Anhänger des Vergettungsprlnzlps auch im Strafvollzüge such, so suchen sie aus dieser Gedankenwelt heraus die Bestimmungen, die den Gefangenen gewisse Hafterleichte- rungen bringen, durch Auslegung einzuschränken. Ein Einzelfall möge als Schulbeispiel dienen: Bis zum 1. Juli 1930 war das Halten einer Zeitung aus eigenen Mitteln allgemein gestattet. Etwa vom Juni 1930 ab setzte eine gewisse Reaktion in der Handhabung der Der- ordnung vom 9. Juni 1929 ein: es sollte fortan z. B. nur dasienige an besonderen Vergünstigungen erlaubt sein, was der Minister im Abschnitt VII l dieser Verordnung ausdrücklich bezeichnet hat. Hier— Abschnitt VIII, Absatz 1, Ziffer 5— ist nun bestimmt, daß den Angehörigen der Gefördertenanstalt erlaubt ist: „aus den: Hausgelde sich eine Tageszeitung halten oder Bücher und sonstige Druckschriften beschaffen zu dürfen".(Zur Erläuterung: Hausgeld ist diejenige Hälfte des Arbeitsverdienstes, die der Gefangene zum Ankauf von Lebensmitteln, Porto usw. ver- wenden darf.) Diese Erlaubnis nun wurde von etwa Juni 1930 ob so ausgelegt, daß sie gleichzeitig da» Verbot, Zeitungen auf audere Art .— z. B. aus eigenen Mitteln— als aus dem Hausgelde beziehen zu dürfen, enchalte. abschon in der gesamten Verordnung kein Wort von diesem Verbot enthalten ist, und obschon der Anstallsvorsteher ausdrücklich ermächtigt ist. deu Insassen der Gefördertenanstalt auch andere, in der Verordnung nicht ausdrücklich bezeichnete Bsrgünsti- gungen zu bewilligen. Wenn man weiß, daß das Hausgeld bei sämtlichen Gefangenen im Höchstfälle monatlich nur 3 bis 4 M. beträgt, und daß davon der Gcsangenc zunächst Porto, Brotaufstrich, Rauchwarc usw. zu be- zahlen hat, so ist leicht zu erkennen, daß das Hausgeld in den meisten Fällen noch nicht einmal zur ausreichenden Befriedigung dieser Bc- dürsnisie reicht, in keinem Falle aber noch zur Bezahlung des Bezugs- Preises einer Zeitung. Der Erfolg solch engherziger Maßnahmen ist: unter den Gefangenen wird Unzufriedenheit erzeugt, die sie erfahrungsgemäß leicku zu difziplinarwidrigen Handlungen verleitet. Schließlich werden solche Disziplinwidrigkeiten wieder als Ausflüsse der Erleichterungen dos Strafvollzugs hingestellt in der Hoffnung, daß der Minister hieraus Veranlassung nehmen werde, die Verordnung zurückzuziehen und den früheren Zustand wiederherzustellen. Die wesentlichste Ausstellung, die der moderne Strafvollzug sich gefallen lasten muß, ist der absolute Mangel einer Aürforge für die Enllassenen. Obichan von sämtlichen Stellen, die sich mit dem Strafvollzug zu befassen haben, längst erkannt worden ist, daß die- Entlassenen- fürsorge letzten Endes der Prüfstein ist, an dem�der Wert oder itawert des gesamten Strasvollzuges sich erweisen muß. fehlt es doch tatsächlich an ollem, was zu einer wirksamen Fürsorge gehört. Nach der für den Strawollzug in Preußen maßgebenden Dienst- und Vollzugsordnung vom Jahre 1923 soll der Gefangene sich etwa sechs Wochen vor dem DnUaffungetoge zum Vorsteher oder Geistlichen vormelden und diesen seine Wünsche für eine Fürsorge vortragen. Geschieht dieses jetzt im Strafgefängnis Plötzensee, so wird dem Betreffenden geantwortet:„mein lieber Mann, Sie kennen doch die traurige Wirtschaftslage, wir können nichts tun, wenden Sie sich nach Ihrer Entlassung an die Berliner Gesangenenfürsorge in der Wilhelmstraße 13". Dieser stets wiederkehrende Rat begreift die gesamte Fürsorge» tätigkeü der Answitsbeomten w sich: diejenige der Fürjorgestcllc in der Wilhelmsirohe besteht darin, daß sie die Entlastenen anweist, sich zunächst eine Wohnung zu besorgen, sich für diese polizellich anzu- melden und ihm alsdann das zuständige Bezirkswohlsahrtsamt zu bezeichnen und cm Ueberwcisungsschrcibcn für dieses mitzugeben: nunmehr geschieht seitens der Wohlfahrts- und Arbeitsämter dasselbe wie für andere wirtschaftlich Hilflosgcwordcnen. Es wäre ober nichts mehr als die Erfüllung einer Forderung der Vernunft und der ausgleichenden sozialen Gerechtigkeit, wenn Stellen eingerichtet würden, die sich vorzugsweise der Fürsorge für die Entlassenen zu widmen und die sich jedes einzelnen individuell anzunehmen und ihn nach seinen Kenntnissen und Fähigkeiten in der Wirtschaft wieder unterzubringen hätten. Denn: niuß es der Strafvollzug nicht wie einen Schlag ins Gesicht empfinden, wenn einsichtige Richter dem rückfälligen Eigentumsverbrechcr aus dem Grunde in weitestem Umfange mildernde Umstände zubilligen, weil er kurz vor Berübung der neuen Straftat mittellos aus der früheren Strafhaft entlassen wurde, weil also die praktische, auch materielle Fürsorge für ihn völlig gefehlt hatte? Auch vom Standpunkt des geltenden Strafrechts aus sollten die Lesttmmungen über die Strafcrschwcrung bei Rückfall nur einem solchen Rechtsbrecher gegenüber angewendet werden dürfen, dem nach seiner Entlassung aus der letzten Strafhaft ausreichend« Gelegenhest zu einem gesetzmäßigen Leben geboten wurde; so lange aber wie der Staat den Entlassenen sich selbst überläßt, ihn mittellos auf die Straße fetzt, fehlt seinen richterlichen Organen jede Berechtigung, in solchen Fällen die Rücksallbesttmmungen anzuwenden. In einen geordneten Strafvollzug gehört neben der sittlichen Erneuerung des Gefangenen, neben feiner Erziehung zu einem gc- fctzmäßigen Leben unbedingt auch feine Bewahrung in der ersten Zeit nach seiner Entlassung und diese wird— besonders im Hinblick auf die augenblickliche Lage des Arbeitsmarktes— am sichersten erreicht durch feine wirtschaftliche Sicherstellung: der Arbeits- betrieb in der Anstalt muß so gestaltet werden, daß der Gefangene während der Haft die Mittel für seine spätere Fürsorge selbst zu verdienen imstande ist. Bereits während des letzten Teil der Strafzeit muß die Cnt- laffenenfürforge einsetzen und Arbeit sowie Unterkommen in einwandfreier Umgebung— falls der Gefangene nicht zu feiner Familie zurückkehren kann— rechtzeitig sicherstellen, damit der Ge- fangene am Entlassungstage bereits ein Heim hat und nicht in feiner an diesem Tage besonders leicht aus dem Gleichgewicht zu bringenden Gemütsverfassung den Verlockungen früherer zweifelhafter Freunds nachzugeben in die Lage gebracht wird. Strafvollzug und Strafentlassenenfürsorge gehören zusammen, ohne eine praktisch wirksame Fürsorge werden die erzieherischen Ergebnisse auch des besten Strafvollzugs in Kürze vernichtet! Lleberall Weihnachtspremieren Modernisierte Lungfrau von Orleans. ' Die Zehner-Lnszemerung im Etaatstheaier. Schillers mehr romantisierende als romantische Tragödie ist unserem Wirklichkeilssinn heute entrückt. Um sie uns näher zu bringen, versucht Leopold Jeßner in seiner Inszenierung der „Jungfrau von Orleans" eine Syltthese von träumerischer Romantik und kalter Vernunft. Er will also Gegensätze überbrücken, zwischen denen es keine Verbindung geben kann. In unserer Vor- stellung lebt die Johanna als fanatisch fromm« Heldin, als ein weib- licher Erzengel Gabriel. Jeßner unterdrückt alles Heldische der Figur und stellt ein Kind auf die Bühne, das nachtwandlerisch und unbe- wüßt seine Heldentaten vollbringt. Damit nimmt er zwar der Ge- stall die Unwahrschemlichkeit des Wunderbaren und kommt unserer Vernunft entgegen, entkleidet aber das Trauerspiel jeder Glaub- haftigkeit. Der schlimmste Dorwurf, der Schiller von seinen Kritikern gemacht worden ist, besteht darin, daß seine Johanna wie eine Somnambule wirkt. Jeßner sieht es bewußt darauf ab, die Jung- frau als Nachtwandlerin zu charakierisieren. Er bemüht sich weiter, aus der Tragödie zu entfernen, was nach Pathos und Bühneneffekt aussehen könnte. Von: Schlachtenlärm, von Ausregung des Kampfes ist bei Jeßner nichts zu merken, die Vorgänge wickeln sich in abgs- tlärter Ruhe ab. Ueber dem Ganzen schwebt nichts als Atmosphäre eines großen und entscheidenden Krieges. Gegen Schillers Jung- frau kann man Einwände machen, welche man will, unbestellten bleibt, daß sein? Bilder packen und uns eine ferne Historie lebendig machen. Jeßner setzt semc Ehre darin, diese Bühnenwirksamkett zu zerstören, und schafft, staunende Ernüchterung. Er verzichtet auf Massen, läßt nur die Darsteller agieren, die gerade zu sprechen haben, und die übrigen bewegungslos herumstehen. Das wirkt ge- wollt und leer. Indem er uns die Johanna menschlich näherbringt, entfremdet er uns Schiller. Neben sonstigen starken Kürzungen sind einige Bilder völlig gestrichen: die Montgomery-Szene und das Bild von der Köhlerhütte. Damit geht das Verständnis für den drama- tischen Konflikt völlig verloren. T o n i v a n C y ck, die die Johanna mit Bubikopf spielt, ist«in traumverlorenes Kind, sie verwechselt die Johanna mit dem Käth- chcn von Heilbronn. Sie will etwas rührend Hilfloses darstellen und zeigt sich dabei leider oft als hilflose Darstellerin, die ihre Rolle nicht verkörpert, sondern Berse aufsagt. Weiter stehen wahllos nüchterne und pathetische Schauspieler einander gegenüber. Nur einer hat ein nS>er Abend" am IVeihnachlsabend Dies Bild stellte uns ein elfjähriger Freund zur Verfügung. Er hat es mll feinem neuen Photoapparat, der ihm zum Fest zuflog, aufgenommen. Seins Freude ist groß. Sollten nicht auch die Erwachsenen an den Feiertagen ihres Kampsblattes gedenken und im Bekanntenkreise neu« Leser kür den„Vor- märt?"«erben können? Gesicht, das unvergeßlich bleibt: der Talbat desWalterFranck, dessen Sterbeszene wahrhaftig großartig ist. Das Publikum fand den Jeßnerschcn Versuch sehr interessant und spendete schon in der Pause herzlichen Beifall. Am Schlüsse wirkte sich der Applaus zu einer begeisterten Ovation für Leopold Jeßner und Toni van Eyck aus, eine Begeisterung, in die ich nicht einstimmen kann. Emst Degner. „Lules Lulietie Lulien." Kammerspiele. Gustav Waldau spielt in Berlin zum ersten Male. Das ist ein Künstler, wie man ihn gern sieht. Er ist ganz Spiel und unaufdringlich. Er ist so sanft, daß man genau hinhorchen mutz, um ihn zu verstehen. Aber man sagt sich, daß alles das nur zarte Darstellungskunst ist. In Paris lebt ein Schauspieler von gleichem Talent und gleicher Fähigkeit im Unterdrücken des Ueberflüssigen und Uebertriebenen. Es ist Herr Bourcher, der wie ein Bruder von Gustav Waldau wirkt. Wer der Aellere oder Jüngere ist, wer den einen oder den anderen erzogen oder inspiriert hat, läßt sich nicht entscheiden. Zu lösen ist das Rätsel nur durch die Feststellung, daß sie Zwillingsbrüder sind: seltene Schauspielerexemplare, zu Hause in beiden Ländern, Deutschland und Frankreich, die also nicht so entgegengesetzten Charakters sein können, weil aus ihnen die gleiche Menschenblüte hervorkommt. Gustav Waldau spielt den Handlungsreisenden und glücklichen Hahnrei.' Da er zu viel an seine Kunden denkt, verpaßt er auch die Gelegenhest, in der Hochzestsnacht das Maximum des von ihm Ver- langten zu leisten. Die kleine Göttin kann das nicht vergessen. Noch auf der Hochzeitsreise stellt sie einen Militärflieger in den Dienst ihrer Enttäuschung. Das Experiment glückt insofern nicht, als der praktische Ehemann sich nach dem Seelenunfall feiner Gatttn auch sehr kavaliermäßig und romantisch bewährt. Der überflüssige Dritte aus dem eben noch ganz lustigen Ehedreieck wird abgehalftert und nach den Kolonien zur wetteren Verwendung verschickt. Tristan Bernard, der Mann mit dem Waschbärengesicht. mtt dem riesigen Seemanusbart, mit den ernsten Augen und den spöttischen Lippen täuscht außerordentlich, wenn man ihn von außen betrachtet. Er scheint ein Bullenbeißer, ziemlich bösartig und gallig, doch er ist ein gütiger, ein geistreicher und graziöser Komödienschreiber. Immer noch, obwohl ei nach seinen Jahren schon unter das alle Eisen gerechnet wird. Die Intimen verraten, daß er sich bei Woronoff eine neue Jugend besorgte. Es ist möglich. Sicher ist jedenfalls, daß feine Komödie das Abgebrauchte und Alberne solcher Dreiecksprobleme absolut vermeidet. Die Ehe wird nach durchaus neuen Methoden gebrochen und wieder repariert. Bernärds Geist fnnkell und selten erlahmt der oramatische Schwung und Einfall. Es wird sehr hübsch und kultiviert gespielt. Niemand erreicht die geheimnisvolle Wirksamkeit Gustav Wakdaus, doch alle sind be- gabt«, richtig verwendete Künstler: Nora Gregor, Adolf Wohlbrück, Anni Mewes, Bonn, Schwanneke und schließlich Hans S ch i r m e i s e n. der als ein geschwätziger Hotel- kellner erheitern soll. Solche Episodenspioler zeigen, wie gut und reichhalttg ein Theater sein Personal assortiert. / Xlsx Hocbckark. Drei Vaier und ein Kind. Lustspitlerfolg im Theater in der Behrenstraße. Der Direktor-Regisseur RalphArthurRoberts hat einen guten Griff für Lustspiele— und Fingerspitzengefühl für ihr In- Szene-setzen. Diesmal ist es ein Opus von Peter Hell, dessen sich das Theater in der Behren st raße annahm; es führt den Titel„Alles für Marion!" Die Marion heißt natürlich wieder Luci« Englisch. Also ist sie naiv und gescheidt, herzig med schnippisch, ein lieber Kerl mit einem gefährlichen Querkopf. Lucie Englisch kann es sich leisten, immer ihre ganze Bielseitigkeit. hinner ganz sich selber zu spielen. Denn si« ist von einer bezaubernden Beweglichkeit, die mtt stets neuen Variationen des Themas„Lude Englisch" überrascht. Es ist daher auch nicht weiter verwunderlich. wenn Marions drei natürliche Väter von ihrer eben mündig gc- wordenen Tochter entzückt sind, und den Schwindel verzeihen, mit Hilfe dessen sse all« drei 21 Jahre.hindurch für Marion geschröpft wurden. Zwei stiften ihr schließlich noch die Aussteuer, der dritte, der die Verpflichtung, für Marian zu sorgen, einig- Jahre zuvor mm seinem Onkel erbte, heiratet sie. Die Rollen sind so bezaubernd besetzt, als fei das Lustspiel den Darstellern aus den Leid geschrieben. Marvns drei Väter sind Joses Danegger. Heinrich Schroth, Fritz Schulz. Dia würdig«, liebevolle, intrigante und egoistische Tante, die„Alles für Marion" zu erschwindeln verstand, spielt Hedwig Mangel. Und, selbst die kleine Rolle des Dienstmädchens Gusti wird von Ellen Hill« entzückend ausgefüllt. Der elegante Ralph Arthur Roberts aber ist— Dorfgeistlicher geworden. Er könnte«inen Ungläubigen zum Katholizismus be- kehren, wenn er händeringend und verzeihend di« Wirrnisse und Sünden der Menschen ins Gleichgewicht bringt. Nichts in feiner Darstellung ist karikierend übertrieben, alles auf feinste Nuancen ad- gestimmt, in Worten wie in Gesten. Während„Hochwürden" im 4 Kreis« der drei Dtüer»ersucht, die komplizierte Situation mit allen diplomatischen Kniffen auszubalancieren, knabbert er genäschig Konfekt, das man ihm anbietet. In schmierige Diskussionen oer- wickelt, greift er wiederholt nach den Süßigkeiten, und plötzlich stehen seine eifrig zulangenden Finger enttäuscht in der Lust, da man ihin die Schachtel weggezogen hat. Roberts gibt in diesem kleinen Zivischenspicl keineswegs einen knalligen Theatereffelt, sondern ein« höchst charmant« Charakteristik seines klugen und kindlichen Dorfpfärrers. Die Zuschauer zeigten sich von dem geistvoll heiteren Abend so entzückt, daß anhaltender Beifall mehrmals sogar mitten im Spiel losbrach Truck E. Schulz. Moral und Lachen. „Oer Mustergatte"— Kleines Theater. Ein englischer Schwank von A v e r y ch o p w o o d, der seiner Anlage und Situationskomik nach auch aus den Ateliers der deutschen Lustspielfabrikantcn stammen könnte. Allerdings ist die Sprache witziger und pointierter als etwa bei Schönthan oder Bach, und die Menschen sind nicht nur Umriß, den erst der Schauspieler mit Leben sülleil niuß. Sonst geschieht altes. Der Mustergatte, der weder spiell, raucht. trinkt, noch den Frauen nachläuft, wird allmählich langweilig und beschließt lebemännliche Allüren anzunehmen. Doch es bleibt bei dem Entschluß, und auch die anderen, die sich wie Casanovas in der Westentasche benehmen, enthüllen sich schlichlich als brave Eheleute. Um leise verfängliche Situationen wird Moral geträufelt, nicht aus- dringlich, sondern fein verstäubt. Der Engländer macht steife Schritte dort, wo der Franzose tanzt. Sonst ist das Stück gut gearbeitet mit dem sicheren Instinkt für Bühnenwirkung. Das Gastspielensemble im Kleinen Theater unter Leitung Will Kaufmanns ist in sich vorbildlich geschlossen. Keine Starholtung, keine übertönte Eleganz stören. Christel Storm und Will Kaufmann selbst sind Schauspieler von graziöser Lcichtig- kcit und mit darstellerischen Einsähen gesegnet.— t. der Stunde der Rot der Kirchs geweiht, und er glaubt, der über diesen Konflikten Gestorbenen ihr Versprechen hallen zu müssen. Er wird in Rom Mönch, kann aber die verlassene Braut nicht vergessen und wird zur Prüfung in ein Heimalliches Kloster versetzt. Es kommt schließlich zur ergebnislosen Aussprache zwischen den ehemaligen Liebcsleuten. Er kehrt ins Kloster zurück, und sie stürzt sich vom Felsen. Die Voßschen Romane sind schon ein gut Stück Theater, der Film ist es noch viel mehr. Aber so lebendig er ansängt, so sehr er- starrt er nachher. Das Bilderwesen überwiegt, die inneren Konflikte werden nur äußerlich erledigt, und so bleibt auch die erschütternde Wirkung aus. Die Episoden überwuchern, und besonders die römischen Szenen sind überwiegend wegen der Bildwirkung ein- j gefügt. Gustav Fröhlich spielt mit erfreulicher Frische den jungen Raturburschen, ist aber im weiteren Verlauf der Handlung durch die stumm« Unterwerfung und dem leidenden Gehorsam ganz gehemmt. Resolut und geschlossen chmratterisiert Charlotte S u f a die Geliebte. Hervorragend war die Leistung von Friedrich K a y ß l e r, der einen Kardinal Tiroler Geblüts als nordischen Menschen verkörpert, r. „Zwei Menschen". Ein verfilmter Vofi-?ioman. Wenn es die Aufgabe des Films wäre, ein reichhaltiges Bilder- buch zu sein, das aus recht vielen Gebieten schöne und interessante Aufnahmen vorführt, so wäre dieser gleichzeitig im Titania- p a la st und im Theatc.r am Nollendorfplatz aufgeführte Film eine Musterleistung. Der Regisseur Erich Waschneck hat sich unter Beihilfe erstklassiger Photographen bemüht, sxhr schöne Sommer- und Winterbilder aus den Bergen Tirols,«ine spannende Hochwasserkatastrophe, gute Ansichten aus Rom, eine Messe in der Peterskirche, eine Tiroler Bauernhochzeit mit aller da, zugehörigen Gaudi und zum Schluß eine schön« Leiche zusammenzustellen. Sie bilden den Rohmen für die nach dem gleichnamigen Roman von Richard Voß zurechtgeschnittene Handlung, die die junge Liebe, die gemeinsam bestandene Gefahr und die Trennung zweier Menschen darstellt. Die bigotte Mutter des jungen Grafen hat ihren Sohn in „Hans in allen Gaffen." Capitol. lieber ein Jahrzehnt arbeitet der Schauspieler Hans Albers unter uns in seiner bekannten Art. Trotzdem wurde er erst jetzt von der Gunst des Publikums emporgehoben und zum allgemeinen Liebling erklärt. Und dieses„große Mode werden" verdankt der bekannte Bühnen- und Filmschauspieler— das bleibt eine ulkige Angelegenheit für olle Zeiten—, dem Tonfilm. Darum ist es kein Wunder, daß man den„Greifer" noch einmal spielt und ihn nur in ein anderes Milieu setzt. Damals war Hans Albers der fixe Kriminalpolizist, diesmal ist er der rasende Reporter. Jedesmal klärt er nach etlichen Verwicklungen und Unwahrscheinlich- leiten einen Mord auf. Nett hat Karl Frölich eine gewisse Sensationspreise ge- schildert. Ihre Mitarbeiter hasten durchs Leben, schimpfen, flirten, dabei stets in der angestrengtesten Suche noch einer Sensation. Das Dasein zerrinnt zu nichts und letzten Endes schuften alle nur für die fette Ueberschrift. Sieger bleib! oiif der ganzen Linie Hans Albers' fast unnachahmliche Schnoddrigkeit. Um den Star gruppieren sich so ausgezeichnete Darsteller wie Camilla Horn, Betty Zlmann, Max Adalbert, Toni Tetzlaff, Gustav D i e ß l, Paul Heidemann und Heinz Earnow. Die Landschaften wirken oft traumhaft schön. Ein Bravo Franz Planer, diesem Kameramann, der noch Feinheiten sehen kann. Die Tonwiedergabe ist zum Teil unverständlich. e. b. Einstein-Vorlesungen in Oxford. Prof. Einstein hat die Einladung des Vizekanzlers der Uni- versität Oxford und der Treuhänder der Rhodes-Stistung, im kommen- den Sommer als Rhodes-Dozent Vorlesungen zu halten, an- genommen. Einstein wird, den Satzungen der Stiftung gemäß, seinen AufentlM in Oxford nehmen. Das Thema seiner Vorlesungen wird erst zu einem späteren Zeitpunkt bckaimigegebcn werden. Ein �Sjähriger Räuber. Mit der Scheintodpistole im Lebensmittelgeschäft. Den vielen Raubübersällen der vergangenen Tage reihen sich immer neue Banditen st reiche an. So wurde auch heule früh aus ein cebenemiiielgeschäft in der Ziegel- strafte 1 wieder ein Raubüberfall unkernommen. Gegen';9 Uhr, als nur eine Verkäuferin im Loden weilte, erschien unter der Maske eines Käufers«in etwa ISjähriger junger Mann, der zwei Pfund Mehl verlangte'. Als die Verkäuferir» sich umdrehen wollte, um den„Kunden" zu bedienen, ertönte hinter ihr plötzlich der Ruf:„Hände hoch— geben Sie die Kasse heran»!" Ohne sich um den Burschen, der in der einen Hand eine Pistole hielt, zu kümmern, lief die Frau laut schreiend auf die Straße hinaus, wo sofort Passanten aufinerksam wurden und hinzueillcn. Die allgemeine Aufregung wollte der Täter dazu benutzen, um zu flüchten. Er lief die Ziegclstra�e himuiter und bog in die Johann!» straße ein. Der Flüchtling wurde bald eingeholt und solange fest- gchallen, bis Polizeibeamte erschienen und ihn mit zur Wache nahmen. Dort wurde er als ein 18jähriger Konditor Ewald Kippers festgestellt, der sich wohnungslos in Berlin aufhält. Bei Kippers wurde noch die Scheintodpistole sowie in der Rocktasche ein Zettel mit folgendem Inhalt vorgefunden:„Sie haben ohne jeden Widerstand und in größter Ruhe den Inhalt der Kasse auszuhändigen, sonst werde ich von der Waffe Gebrauch machen. Roch meinech Verlässen häüen Sie sich noch 5 Minuten ruhig zu verhallen." Donach scheint es. daß K? noch an anderer Stelle etwas geplant' hotte: Mit dem Revolver bedroht. Köln, 24. Dezember.(Eigenbericht.) In dem Kölner Arbeiteroorort Ehrenfeld wurde am Dienstagabend nach Geschöstsschluß ein Filiallciter von vier Burschen, die in einem Auto an ihn Heransuhren, angehalten und mit vorgehaltenem Revolver seiner Barschast in Höhe von 330 Mark beraubt. Die lockenden Aepfel. Er nahm sie, weil er Hunger halle. Vor dem Schnellrichter in der Dirckscnstraße steht ein mchrsach vorbestrafter junger Mann. Er hat sich wegen Diebstahls zu verantworten. Zunächst aber enthüllt sich bei der Personalseststellung das traurig« Geschick eines Heimat-, eines Staatenlosen, der wieder- holt wegen Paßvergchens bestraft und auch ausgewiesen worden ist. Cr hat zwar voni Polizeipräsidium einen Personalausweis bekommen, aber der ist abgelaufen. Er hat ihn nicht rechtzeitig erneuern können, weil er auf der Walze war. lind mm sein Vergehen. Eines Tages spaziert er seelenruhig aus einen der bei der Börse liegenden Obstzillen, sieht sich um, ergreift eine in der Nähe stehende Kiste mit Aepseln und will sich geräuschlos und ohne zu bezahlen entfernen. Zwei auf der Zille beschäftiKt« Ar» beitcr bemerken das, schlagen Lärm, und der Dieb wird gefaßt. „Warum taten Sie das?" fragt der Vorsitzende.„Ich hatte Hunger!" erwiderte der junge Mensch. Sekundenlang herrscht schweigen im Saal. Der Vorsitzende seufzt leise. Er weiß Bescheid. So viele dieser armen Schacher haben Hunger, nichts als Hunger. Der Zeuge tritt aus, ein gut gekleideter wohlgenährter Mann, Besitzer der Zille:„Ich selber habe nichts gesehen. Meine Leute hoben es mir gesagt. Der Verkausswert der Kiste Aepfel betrug zehn Mark Z0 Pfennig, der Einkaufsroert 6 Mark ZO Pfennig." Nein, er fühlt sich nicht geschädigt, er hat ja die Aepfel wiederbekommen. Der Vorsitzende sieht den Amtsanwalt an, der erhebt sich: spricht ruhig und gelassen:„Es kann sein, daß der Angeklagte aus Not gehandelt hat. Ich beantrage Einstellung des Berfahrens." Und der Vorsitzende beschließt so. Der Angeklagte ist frei,«r kann gehen. Er hat noch mal Glück gehabt, trotzdem er vorbestraft ist. Er sieht oerlegen de» Vorsitzenden an, dreht seine Mütze. Dann geht er langsam aus dem Raum in die Freiheit, in die Ungewißheit seines ganzen weiteren Lebens. Viel- leicht siehst du, der du dies liest, denselben jungen Menschen heute oder morgen an dir vorbeigehen. Wahrscheinlich möchte er gerne ein an- ständiger Mensch bleiben, aber er hat keine Arbeit, verdient nichts und weiß nicht, was er tun soll. Und er hat immer noch Hunger. Llnter den Pranken der Tiger. Sechs Raubtiere zerfleischen ihren Bändiger. Paris, 24. Dezember. In einem Zirkns in der Rahe von Toulon er- eignete sich am Dienstag ein folgenschwerer Zwischeasall. Der Raubtierbändiger war am Morgen wie üblich in den Zwinger getreten, in dem sich sechs sibirische Tiger befanden, um mit ihnen die Morgenarbeit zu beginnen. Plötzlich stürzte sich der Tiger Bengali auf ihn und zerschlug ihn, mit seiner Tatze das ganze Gesicht. Erblindet und blutüberströmt brach der Unglückliche inmitten der Tiger zusammen. Das Blut war das Zeichen für die anderen Tiere, sich ebenfalls auf ihn zu stürzen. Sämtliche sechs Tiger fielen über den Körper des Unglücklichen her und hieben immer wieder mit ihren Tatzen auf ihn ein. Erst nach geraumer Zeit gelang es den Aufsichtsbeamten, den vollkommen zerfleischten Bändiger in Sicherheit zu bringen, der trotz seiner schrecklichen Verwundungen noch atmete. Er starb jedoch bald noch seiner Einlieferung ins Krankenhaus. Der Tiger, der den Unglück- lichen zuerst angegriffen hatte, hatte bereits vor zwei Jahren einen jungen Bändiger völlig zerfleischt. Oie Haupireffer der Arbeiierloiierie. Die Haupttreffer der am 19. und 20. Dezember gezogenen Arbeiterwohlfahrtslotterie sind auf folgende Nummern gefallen: Der Gewinn von 23 000 M. fiel auf die Nummer 326130, von 13 000 M. auf die Nummer 1148 901, von 3000 M. auf die Nummer 620 111. Die Prämie von 10 000 M. fiel ans die Nummer 174 906. Selbstmord einer Nerventranken In den Anlagen am Spandauer Bock wurde am Dienstag eine unbekannte Frau vergiftet aufgefunden. Die Tote ist jetzt festgestellt als eine 37 Jahre alte Luise K., die in einem Sanatorium in Nikolassee untergebracht war. Sic war schwer nervenkrank. Am Montagnachmittog gegen 3 Uhr verließ sie heimlich die Anstalt. Wo sie sich das Schlafmittel, das ihr den Tod brachte, verschafft hat, steht noch nicht fest. 1Z7 Abt. Reinickendors-West. Unser Parteigenosse A r t u r Krause vollendet am heutigen 21. Dezember sein 60. Lebens- jähr. Es ist ein treuer Känyfter sür unsere Sache und auch heute »och als Gewerkschafts- und Parteifunktionär tätig. Im Namen der Abteilung die herzlichsten Gtückwünschc. Jugendweihen der Sozialisten..Freidenker vod Gewerkschaften Verlins. Achtung.Iugeiidweiheannahmestellen! Wir bitten, soweit Iugendweiheamneldungen vorliegen und noch nicht eingesandt sind, dieselben sofort dem Jugendweihe- setretariat zuzustellen(SW. 68, Lindenstr. 3, 2. Hof, 2Trp.).— Iugendweihelehrer: Gebt bitte umgehenfc die Fragebogen betr. L.-K. zurück. Wetter für Berlin: Teils Heller, teils wolkig, kell« Rocht, Tages- temperatüren bis über Rull steigend, südlich« Winde.—.für Deutschland: Im Süden und Osten vielfach heiteres Frostwetter, in Mittel- deutschland noch verbreitete Nachtfröste, im Nordwesten wolkiges und milderes Wetter. Ittlttwocd. II. Stsats-Oper Unter a. Linden Gesdlossen! Staatsoper >» Hit: der RnibiiL Gcsdiiosscn! Mittwoch, 14. 12. staut, opar Bisrnarckstr. Gesöilesscn! Staatl. SdUDsph. (in Cegdinrnnarttl. Gesmiossenl M.Mtt'MWMIU Geschlossen! Theater am SdiUlhauerdamm Norden MI. 3 u, 028) raetich pu um Die Qnadratur des Kreises Komödie r. Katajew mit: linier, Unja. Rnh- nim. Um, li»goi. Preis« von I— 12 M. Im 25, 26. b. 28. Dm. i'tt Uhr MDSüiwr Neues Tlieater ■ am Zoo—— IraBatiBlLlBiL Stil 8554 Täglich rn Uhr Oer er. Loch ertöte! Guido Thieischer Das otlentiictie Aergerms Preise I bis 8 M. Am I. Ii. 2. Feiertag J Uhr tasp8rs VaDdeDtabinett Volks billine Itoateram BUhwplali. üejdilojseol OeotsdiK Tlieater Heute geschlossen I Ab mrz« vieler täglitb 8 Uhr Elisabeth von Eogland toi Fort Bnickner leffie: Beim Weil Kammerspiele Heute geschlossen! Ab morgen täglich »Vi Uhn Jules uiiette uiien von Tristan Dernard Ecflia: Hw.Prppa Die Komödie Heute geschlossen I Ab morgen Tiider tiflidi ■b'k um Die Fee tob Franz Uolnar Regie SleigoHedi. Inserate tm (J Vorwärts sichern Erfolg I Reichshallen-Theater Heute gescfalottcn! AlUbeeArufe[•] ui in beides feiertjgen ■ita. OED lk Bis ple Weihnstlitt-Programn der stettiner sanger Nachm. halbe Preise, volles Programm! Dönhoff- Brettl: Dn gr. DnraWr-Prw. nh Carl tnn! Bapdil Ban Silin Lustspieihaus Kort Götz - Täglich 8"a Uhn sowie an beiden Weihnachtsfeiertagen Vom liebeii and La dien Täglich 8';.Uhr Schön ist die Weit Operette von Lehär RiduidTaibei. Bitte Aigar. SdrOtiesdoif. Weihnachten auch nachm 4 Uhr kleine Preise. MMyl Resfeuföiit Berl i ns SCHAUSPIELHAUS Singspiel in vielen Bildern. Caan. Spira. Hansen, Lieshe. Wallbnrc, Arno. Janknhn, Panl Hörblger. Lrns, Sehaeflers, TVinkelatcrn. Bolls, Dosnl,' Stark• Ctste t tenbaner. Original Tiroler TTatsehenttinser. Original Tiroler Jodlerlnnen-OnlnteH,| Hnslla-Trlo ans Setaliersee. I Jass-Band l«Irls n. Boys I Grosse Ch»re. | Uer Zelt cnlsprrrbend sind, 1 riesigen Andranges. ABO/ | die Kusseoprelso um mi sr Heute geschlosam I An beiden Weihnachtstagen 2 Vorstellungen. 1 Nachm. 3 Uhr Abendbesetzung. Ermäßigte Preise. Irot* des taie er* / 0 anässlgt. t1/» Uhr SV» Übt Heule geschloHep! Nor noch bis 31. Derember Dcrkeuldie Lebemann and diu grofre Festprogramm Am I.Januar mm ersten Male: Biederleute Gutschein 1—4 Pers. Fauteuil 1.28 M-, Sessel 1.75 M.— Sonstige Preise Parkett TS Pf., Rang 60 Pt Kleines Theat. Täglich SV. Uhr; Der niustergatte Schwank in 3 Akten An beid. Feierlagen 4 Uhr kleine Preise Meine Sdumfer und leb Denlsebes KOnslIer-Theal. Barbarossa 3937. Heule gesdltBsen! Ab morgen PU U. Zum goldenen Anker ab Kaue Dorst» S. und 2 Weibnachtsfeiertag nachm. 3.30 Uhr Prnrntnnbetfnn; Ermäßigte Preise Renaissance- Theater Steinplatz 6780 Beste gesdilosseDl Ab morgen 8'fa Uhr MdB die Kuh milch gehen? >it: Albert HassennaBn 3.30 nachm. J. und Z Weihnachtsleiertag. OhgiMlhuitzoDi Ermäßigte Preise Komische oper Heute geschlossen! Ab morgen Täglich 8>/- Uhr Reppina Operette von Robert Stolz. Plscalor Bühne (Wallner- Theater) Alex. 4592-93. Heute geschlossene Vorstellung Ab morgen 8'U Täglich 8>3 Hond von links Preise 0.50-6.00 M. Anbcid Feiertagen 3Va Uhr gndilosuBD toounaiig. Sonnabend u. Stg. 3U» Uhr Mond von links. Banowslly-Bohnn Theater In der Stresenanilr. 25. Dez. 8'U Uhr Gastspiel Ein idealer Galle mit Harry Liedtke Kemödiunhaua 25. Dez. 8i/« Uhr UraufiUhrang Cocktail Mgiitv�aliihBuBtüi Rose-Theater 6r.Fraalttirl«rStr.i32 Tel. Alex 3422 u. 3494 Beute eeochlMoenl Strample Wüsche Gardinen Kanlhaus Emil Mosbs Natt,. Blrkenstr.29(Eike Putlitzstr.) m.i« Kapitän- Kautabak schmeckt mir doch am besten' EUie'SBnger Kottbusser Str. 6 F.8. Oberb. 6070. Bntt gesdiloseB! Tägl.• V» U., auch Sonntag und 3. Feiertag 3'n Uhr aa beiden Feiertagen 5 Vontallangcn 2'U, S' i,»>/. Ubr Weihnadils- glodien i ictr Berlin eroiss VeUoattts iempiel TnnL tl-2. AML ab i nidpifhjt lithi« Btdni Merl WesteDS Täglich 8'. suvit in beid«: Wiih- naibtsleiertagen Sensationeller Operellenerfolg! Viktoria undihrHusar I mW- Tlieater WeihBadilsrtiiii«« 8 Vi Uhr Mamsell Nitondic Operette von Meivc TellmaB«, Adalbert, Hhti ja Beilage Mittwoch, 24. Dezember 1930 BifAbPild Atl ibuhudA �4 W Durch di« weiß-gold-flim- mernde Winternachtshelle kam er auf ein warmes, gelbes Licht zugestapft, das schnell zu einem niederen Fensterkaro heranwuchs und— da!— als er mit der Nase an die Scheibe stieß, war dahinter ein Bild von just aber auch all dem ausgebreitet, was das Herz eines arbeitslosen Schreiners und in der Welt her- VliJ B�lIK umgehetzten, vereinsamten Menschen zusammenkrampfen läßt. Denn die Nacht war ange- brachen, die eine, jahrüber gefürchtetc Nacht, in der dies vielgeprüfte, sorgfältig ver- schlossene Herz verwundbar war, wie das eines Kindes. Drum hatte er ja auch im Marktflecken bleiben wollen, wo's sidel herging, und wo frivole, wie Fastnachtsnarren gekleidete Stadtmenschen mit Sportzeug herumspielten und-alberten, damit es ihm nicht etwa irgendwo unter die Nase gebreitet werde, dieses jot'e Glück der sich zur Lebensgemeinschaft Gefundenen, die vo» ihrer Welt aus die Einsamen mit hcchimütiger Neugier mustern: damit er über Gelächter und Gläsergeklirre vergessen könne, ver- gcsse»... aber es war so pfropfenvoll im Ort und jeder wollte Geld, da sich's jetzt von Wintergästen leicht verdienen ließ, so daß er kein Quartier fand und weiterwanderte, weiter, weiter, bis er an die helle Scheibe stieß. Und da lag's jetzt ausgebreitet, dieses verdammte Glück, das ihn aus seiner weltwanderernräßigen Gleichgülkigkeit riß, das selbstsicher lächelnde, haüs- backene Glück von zwei einander zugehörigen Leben, wie sie sich um dos Glück eines Dritten zu schaffen machieir, dem sie Leben, gegeben. Schier komisch wlckstig'schorwenzelü'tln« wohli �gepflegte und-genährte jung« Bürgersfrau zwischen Eröffneten Pappschachteln, Tüten, Deckchen, Fleckchen, Püppchen herum, während«in spreizbeiniges Herrenmenschengestell mit großartiger Gebärde an einem dekorierren Baum bunte Kerzen zurecht rich- tcte. Dem Schreiner war's, als pickten ihm all« die grünen Nadeln ms 5?erz, er wandt« sich zum Gehen, stieß aber wie gejagt ans Fenster... ,,Was wollen Sie: Quartier wollen Sie? Wollen Sie etwa in dieser Stunde und in diesem Auszug ins Gutshaus einziehen, Mann— oder wollen Sie mit einem der Knechte oder gor(hihi!) «iner der Mägde zusammenschlafen. Mann: unmöglich! Aber wisien Sie, wo's bei dieser Schweine- kalte ganz warm und gemütlich wäre: dort! Gehen Sie auf das Licht zu, dos ist ein Stall. Pah, Hab ich selber schon mitgemacht: Heuschober auf der Alpen- wiese. Holladrio... Kreuzelcment, jetzt wird's ab«r Zeit: Morioaan«: hol sofort die Greil zur Bescherung.. Klinglingling. Muh! sagte mangels andrer Vokabeln die linke Kuh, und die rechte sagte genau dasselbe, als sich der Schreiner auf die Streu hinstreckte. Dann war's eine Weil« still«... und dann—? Ein wilder Schrei zerriß die dumpfe Stalluft, ein herzzerreißender menschlicher Weh- und Iammerschrei... Was war das? Drüben bewegte sich etwas. Er nahm die Stallaterne und leuchtete. Ein Kopf hob sich aus der Streu, ein schwarzer Mädchenkopf, aufgerissene Augen starrten ihn an aus einem bleichen zitternden Gesicht— und ein weich«r Mund ver- z.rrte sich zu einem zweiten, noch wilderen Schmerzensruf. Heilige Mutter Gottes, hier lag ein Weib in ihren Wehen. Jetzt galt's zu helfen... Und der Schreiner, dem nichts Menschliches fremd ge- blieben war, half der ängstlich blickenden Mutter in ihrem Blute... «- Kirchenglockcn läuteten, nachdem alles vorüber und ein Knäblei« geboren war, das er wusch und in Leinenzeug von seinem Ranzen wickelte, denn Maria wollte«s keinesfalls zugeben, daß er nach dem Herrenhaus um Hilfsmittel lief. Dann gab er der Schwachen aus seiner Feldflasche zu trinken, als der kleine Schreihals verstummt und in den ersten Schlaf verfallen war, und legte sich, noch zitternd von der überstanden«» Aufregung, auf die Streu zurück, wo ihn ein seltsames unbekanntes Gefühl seligen Friedens überkam, indes seine Gedanken weitersponnen. Da hatte er nun«inen kleinen Erdenpilger: zwar nicht in die Welt gesetzt, aber ihm geholfen, daß er zur Welt kam... und was sollte in dieser grausamen Welt aus ihm werden, hilflos, wie er war und feine Mutter. Ereignet es sich aber nicht andrerseits gerade bisweil«n, daß über einem ganz obskur Geborenen das ewige Licht leuchtet? Es könnte sich gar nicht so unwahrschein- licherweise zutragen, daß er eines Tages ausstünde und das Eoan- gelium eines neuen Menschentums predigte, denn es war doll? wahr- hastig Zeit, ollerhöchste Zeit, daß sich die Menschen wieder ein- mal auf ihr inneres Wesen besännen! Also nnißte er schon den Neu- geborenen, vielleicht künftigen Wellerlöser, unter seinen Schutze nehmen— und ebenfalls sein« Mutter, die so wehmütig drein- blickt«, als frage ste'sich, ob der unter so großen Schmerzen Ge- boren« nicht dereinst viel Leid zu tragen haben würde. Ja, er müßte sorgen für das Kind und die Mutter, die ein Hauch von Jungfräulichkeit umgab und die er so oft schon auf Bildern gemalt gesehen hatte, daß sie ihm ganz vertraut vorkam: Jungfrau Maria! Wie der Schreiner so lag und dachte und dachte, begann er sich freier zu fühlen als seit vielen Jahr««, die leidig« Sorge ums Setal fiel bor ihm ab: jetzt, da er für ander« zu sorgen gedachte, fühlte er neue Kräfte m sich und dem Kampf ums Leben gewachsen. Es war gut so. Es war alles gut und schön: wie heimelig schien der Stall: wie von«inem Glorienschein umstrahlt. Und die guten Tiere... Muh! machte die linke Kuh, als sie den Kopf von der Kripp« hob und umguckte: nanu, hieß das, ihr habt euch ja hier häuslich niedergelassen: wollt ihr mir denn Gesellschaft leisten? Die rechte Kuh aber wedelte nur bedächtig mit dem Schweis, sie machte sich wohl Gedanken über Melkmaschinen, Bullentreue und andere für eine Kuh bedeutsame Dinge. Iah, sagte der Esel, der immerfort das Leben be-ioht. Ja, so sind die Menschen: erst geben sie großartig an, und wenn sie dann ins Schlamassel kommen, sind sie hilfloser als der letzte Esel. Sonderbar! dachte der Schreiner, schon halb im Schlaf. Ist nicht diese ganze Geschichte schon einmal wo anders passiert? Im Morgenland«, wo es keinen Schnee und keinen Winter gibt! Ja, es sind genau tausendneunhundertdreißig Jahre her, daß sich diese Geschichte zugetragen hat und sie ist so wahr wie am ersten Tage. Die müden Augen des Tischlers schloffen sich und vor seinem Geiste erschien jetzt j«ner andere Tischler Joseph und jene uns als Jungfrau-Mutter überlieferte Maria, an die er als einmal frommer Christ geglaubt Holle und jenes andere im Stall geboren« Armeleutetind. Die milden Gestatten der heiligen Legende tauchten vor dem Träumenden auf und wandelten ihren Lebensweg. Der dunkle Schatten des Herodes, der dem Erlöser nach dem Leben trachtete, fiel auf das friedliche Bild, als aber den Schreiner ein Geräusch weckte, verwandelte sich Herodes plötzlich in den Gutsherrn. Der Herr wollte das im Stall geborene Kind der Magd ermorden. Warum wohl? Warum? Das durfte nimmermehr geschehen. Uebri- gens spukte nur der Schatten einer Kuhmagd im Stall herum, die zum Melken gekommen war und neugierig Umschau hielt.„Ei, ei: was ist dos hier für eine Geschichte. Ei ei. Ei ei!" Und als sie fori war, kamen eine nach der andern die übrigen Mägde und«in Tuscheln begann rund um die in der Streu Ge- lagerten. Und die schweren Tritt« der Knechte dröhnten über den Boden. Dann rauschte ein seidener Morgenrock in den Stall: der umschloß niemand geringeren als die gnädige Gutsherrin. Jawohl! „Also, damit Sie informiert sind," sagte die Gnädigste der Gnädigen und richtete sich hoch über Maria aus, um ihr eine Vor- stellung von dem himmelweiten Unterschied zu geben, den es zwischen Frau und Frau gibt(noch Ansicht jener Gnädigen)...„Wir sind keine Unmenschen, nein. Ein« Matratze sollen Sie ja haben, und wenn ste hin ist, ist sie hin! Ein Wochenbett sollen Sie haben, gut! Aber sobald die Woche um ist, ziehen Sie gefälligst Ihrer Wege. Sie, Sie Besteck Sic! Wissen Sie, ich bin moralisch durchaus nicht engherzig(für sich selber nicht, meint sie wohl). Aber das ist doch eine Schweinerei hier im Stall. Zu dieser heiligen Zeit!" (Maria errötete.)„Und einen neuen Kerl haben Sie auch schon zu sich genommen, so. Und darf man fragen, wer der glückliche Vater des Kindes ist? Herr Jedermann oder Herr Niemand?" (Maria schwieg.) -i° Noch der Messe kamen Bauern, frommes Bergvolk, an den Stall, in p«n Stall, schüttelten die Köpfe:„Jesus, Maria und Joseph" murmelten sie,„Herr, verzeih ihnen die große Sünde." Ein freches rorhosiges Girl kam auf Skiern ans Stollfcniter gerutscht, steckte sich ein« Zigarette an: „Daß Proletarier immer Kinder kriegen müssen, das ist das komische, eh' Bubi?" sagte sie und legt« den Arm um den Hals «in«s jungen Winlersportidioten.„Selbst wenn sie nicht einmal ein Zimmer haben: Kinder müssen sie kriegen. Kinder! Und wie sie dann selber aussehen... Die Taille ist futsch, die Brust hängt herab... Da weiß ich mir was besseres, eh' Bubi?" Einer»ach den: ander«, kamen sie jetzt in den Gutshös herein- geschossen, Skiläufer und Skiläuferinnen diskutierten ungeniert, be- kündeten ein herablassendes Interesse, traten in den Stall und be- äugten das Familienidyll wie eine Schaustellung. Ja, so etwas mußte ja wohl bezweckt fein: eine Bibel» figurenschau. Keine schlecht« Idee, im Grunde, die hellige Familie zu stellen. Das Biblische ist fashionabel, das Biblische zieht: vicke Oberammergau. Da kommen Königinnen hin. und Multtmillionäre. Aber wie das solche u n k ü n st I e r i s ch e n Leute anpacken! Der Stall ist viel zu modern und die Auf- machung mies... Na, legen wir«in paar Groschen hin, daß sie die Mühe nicht ganz umsonst hatten... „Wonckerlul!" rief eine Miß,„perfectly wonderfui!" und in ihrer Begleitung trat Herr Filmregisseur Powidl in höchsteigener Person in den Stall«in—.«in unerhörtes Ereignis. .Heiliger Reinhardt" rief Herr Powidl und drehte die Augen nach dem Himmel, als wäre dort für seine Einfälle ein be- sonderes Verständnis vorhanden,„w a s werden d i e in dieser Nacht für Reziefehlcr begangen haben! Sehen Sie mal an, Miß Corncdbees: wenn ich diese Leute nun engagieren würde, so wäre das verkehrt, gänzlich verkehrt. Weil einer der Joseph ist. kann er deswegen noch lange nicht den Joseph spielen: erst wenn einer ein F i l m st a r ist, dann wird der richtige Joseph aus ihm." Der Esel sah sich um, als wolle er sagen: wer ist eigentlich der Esel, der oder ich? „Oi weh" sagte ein eintretendes Malweib, „Joseph ohne Bort— schon saul! Mensch, gucken Sie sich doch mal die Josephe alle durch: So'n Joseph wie Sie gibt's ja gar nicht. Es kann ihn gar nicht geben. Er ist unmöglich. Sie sind über- Haupt kein Joseph. Sie sind ein Judas! Und wie gibt denn Ihre Frau die Brust!(Maria er- rötete.) Dos ijt wsder Raffael noch Doticelli nach überhaupt irgendeine Mutter Gottes, das ist gaaz ' einfach modernes Neapel!"' Die.linke.Kuh sah sich. in» und stierte das Malweib an. Ein kleiner Herr mit Hornbrille und großem Selbstbewußtsein löste die Malerin ab und sah sich seinerseits die„Chase" an. ,F)m!" sagte er, blieb stehen und faßte sich an den sehr groß geratenen Schädel. In dieser Stellung verharrte er gut zehn Minuten— dann rannte er einigemal im Stall auf und ab, blieb vor Joseph stehen, quietschte sröh- lich mit seiner gequetschten Stimme:„Sie haben mich auf einen g«— n i— a— l e n Einfall gebracht!" (Er schlug sich aufs Knie, kobolzte und machte Im- Jitsu-Bewvgungen.)„Tü tü tü... Ver— l i c b e n könnt' ich mich! Die heil ig« Legende frischauslackicrt, frisch auffrisiert, total modernisiert, als proletarische Klossenkampfrevue aufgezogen oder...(er zückte Schreibblock und Bleistift) ist das ein« Romyn- Idee...! 50000 Auflage Minimum, Absatz nach England und USA. nicht gerechnet! Joseph, hier haben Sie noch eine Zigarre..." Mit«inem neuen Tü tü tü... schoß der kleine Herr zum Stall heraus, so daß die rechte Kuh, die soeben zu«inem vcrwmtdenem Muh angesetzt hatte, mitten innehielt. In den Feiertagen wurde der Stall, da Skibahnen in der Nähe lagen, zum Lieblingsausflug der Städter, die es auch an kleinen Aufmerksamkeiten nicht fehlen ließen. Man brachte mit mehr oder weniger witzigen Anspielungen auf die Helligcn drei Könige dem .Christ"kinde milde Gaben: darunter«in« Wiege und eine Trom- pete. Jemand hatte sogar den guten Einfall, einen Eßtorb zu spenden. Nur der Gutsherr ließ sich nicht blicken und gab nichts. Worum nur, warum? dachte der Schreiner. Statt seiner kam am ersten Arbeitstag ein Gendarm zum Stall herein und brachte den Ausweisungsbefehl. Der Gutsherr sei empört, sagte er, mit seiner Güte werde hier Mißbrauch getrieben.(Maria errötete.)„lind vo» w«m ist bof Kind?" fragte der Gendarm, einen Bleistift zur 5) and nehmend. Maria schwieg. Die rechte Kuh aber sagte Muh: mu— h das gesagt sein?! Joseph dachte: der Gutsherr hat Maria aus dem Haus gejagd, jetzt will er sie aus dem Stall jagen: er scheint ein ganz besonderes Interesse daran zu hoben, daß Maria das Weite sucht, sonderbar! Weiter dachte er nicht. Ein Kind war da und Maria schwieg. Warum sollte also nickit auch er schweigen? Muß man auf den Weg znriickblicren, der hinter uns liegt? Man muß weiter schreiten. Arbeit gab es in der Nähe nirgends. Also vorwärts! Joseph erstand von seinen Schaugroschen einen Schlitten mit langen Hörnern. Darauf wurde, ganz vermummt,'Mutter Maria gepackt, mit dem Kind im Arm. Ein Fenster klirrte und ein geschniegelter Kopf verschwand rasch, als sie in die Landstmße einbogen, nur das Muh und das Ja der Tiere, die mit ihnen das Quartier getollt, tonte den Scheidenden nach: die Tiere nahmen herzlichen Abschied von ihnen. Joseph, der den Schlitten zog, fühlte: ich war mit leichter Bürde gekommen und das Leben hat schwer aus mir gelastet: jetzt habe ich eine schwere Bürde auf mich genommen und mir ist leicht ums Herz. Die Skifahrer schössen kreuz und guer wie Schwalben des Schnees, als der Schlitten die Landstraße hmabzog, aber niemand kümmerte sich um das Häuflein Elend, das da oben drauf faß. Jetzt, wo es erst begann, war das Spiel für sie beendet. Und während sie lachend und lärmend höher und höher hinauf glitten mit ihren Skiern ins glitzernde Hell eines sonnigen Berg- wintertages, fuhr der Schlitten mir seiner Menschcnlast in eine Bcrgschlucht einmündend talab, Gegenden zu, in die der Strahl der Sonne mir spärlich fällt. Kleine'Befrachitingen 'Nun auch noch Nlichy-Ntaus 1 „Und wofür tut man das alles?"' fragt sich Hauptmanns Amts- Vorsteher Wehrhahn im„Biberpelz"— und er antwortet sich:„Alles für die Ehre der Nation." Und dann tut er was, worüber die ganze Welt grüist— für die Ehre der Nation. Denn dafür muß was getan werden. Weil sie nämlich Feinde hat. Es ist kaum glaublich, wer alles und was alles und wie sich alles und wo sich alles gegen die Ehre der Nation verschworen hat. Zum Beispiel die letzten zwei Wochen: die haben die Schreckens- kammer der gottlob rechtzeitig erkannten und abgemurksten Nation?- feinde allein um drei ganz infame Exemplare vermehrt. Da steh'n nun friedlich nebeneinander jene Stiefel, die im Rcmarque-Film bekanntlich drauf und dran waren, den Ruf des allen Heeres zu zertrampeln: und jenes Paar Socken, das im Elettrizitätsfilm der hsllige Petrus trug, und das beinahe den Papst gestürzt Halle: und nun auch noch— Sie werden mir's nicht glauben— nun auch noch: M i ck y- M a u s! Jawohl: Micky-Maus hat sich gegen die Ehre der Nation ver- gangen— sogar gegen die der„erar.cke natiern". Und das ist der einzige Trost bei der Geschichte: daß es nicht nur bei uns Wehrhähne gibt. Diesmal also hat die französische Zensurbchörde festgestellt, daß Micky-Maus die Staatsautorität und was weiß ich unterwühlt. obgleich sie doch gar nicht leibhaftig in den Kinos anwesend ist. wie etwa in Deutschland ihre weißen Rossegenossen. Die Sache ist aber viel schlimmer: in dem verbotenen Filmstreifen nämlich kämpft Micky gegen Katzen, wie das schon so im Mäuseleben ist. Und diese räuberischen Katzen tragen— nicht auszudenken!— tragen fran» zöfifche Stahlhelme und französische UnifArm- st ü ck e! Welche Besudelung des französischen Heeres! Welche Berhöhnung der Ration! Zumal diese Katzen von einer einzigen Maus besiegt werden! Während doch in Wirklichkeit die vielen Katzen— die eine Maus besiegt haben... Wirklich, es ist ein Trost: daß eine gewiße Art von Leuten in der ganzen Welt gleichmäßig komisch ist. Biel komischer noch als die Filme, von Petrus oder von Micky-Maus, die von dieser Art ver- boten werden. Und es ist fast das allerkomischste, daß gerade diese Zeitgenossen sich so national gebärden. Wenn irgend etwas international ist, dann sind sie's: denn überall ist zu Haufe die Dummheit, die nicht zu lachen versteht und darum lächerlich ist! „Und wofür tut man das alles?"... „Für die Ehre der Nation.. VoricK. Whe sind so großl Herrn Goebbels ru eigen. Also västehste! Bei uns ist nämlich alles ganz groß! .Die Schönheit ist groß, Die Kraft ist groß. Denn wir sind eben wir! Bastehste! Wir haben die größten Schnauze» der Well! Und wenn uns wo irgendwas nicht gefüllt— Knall! Pengl Rin in die Fresse! Mit Trill auf'n Po! Wir können cb'n nicht anders! Wir sind eben'so! Bastehste! Also: Bei uns ist nämlich alles ganz groß! Der Durscht ist groß! Und der Süss ist groß! Und wir singen vom Wein, Und wir trinken viel Bier. Und wir schenken uns«in, Und wir könn'n nichts dafür. Wir sind eben wir! Bastehste! Wir haben's geschafft Durch Schönhell und Kraft! Wir verächteln das Kleine, Wir sind ein Ausmaß an Wucht! Wir sind einmalig! Wir sind eine Bereinigung von superlatioer Zucht! Wir sind international beliebt, Soweit unser« große Heimatkriegerzunge reicht! Wir sind auf alles«ingeübt! Für uns ist alle- leicht"! Bastehste, alles! Bei uns gibt's nischt Zartes, Göll behüte! Bloß männlich Hartes! Wir hab'n unfern Zahn an der Gurgel der Zeit! Mr sind eben wir! Bastehste! Wir treten nur in Massen aus! Wir kommen nur en gros. Wir lärmen krachend Straßen rauf! Bei uns is det nwl so. Bastehste! Doch sind wir mal allein, So ganz gewöhnlich allein, Wie andere Menschen auch... Sa abends... un Nachchemd, Nicht rasiert und mit Bauch— Und denn sieht uns mal einer Hinte? die Fassade... ' Schade! Denn sind wir jar nicht mehr groß und fein, Denn sind wir jenau so komisch und klein— Wie ander« Menschen im Nachthemd auch Eher noch ein bißchcn komischer j.. Verstehen Sie das?? lllockv-rck. 2*leife in ffoUspach In Gallfpjch grassiert die Pleite. Um nüchterne Tatsachen auf- zureihen: Ueber42Hotel- und Restourantobjekte, die, in, ehrenden Vertrauen auf ewige 5)ochkonjunttur, aus dem Grund und Boden geschossen waren, ist der Konkurs verhängt worden. Herrn Z e i l e i s hetzen die durch seine Pfuschturen Geschädigten vor die Gerichte. Sein Institut steht leer und verlassen. Die Propa- gandisten des Zeileisfchen Ruhms sind verstummt Schlimmer: auch die Propagandisten seiner medizinischen Ignoranz hüllen sich in Schweigen... Es war einmal. Zeilsis ist kein Problem mehr. Nun läßt sich sagen: Bitte sehr, für uns ist dieser Zelleis auch früher kein Problem gewesen. Wir haben es immer gewußt: Ein Firlefanzer! Gewiß, die Höhner haben Recht behalten. Aber waren die Höhner auch llnmer innerlich ganz so voll Hohnes, wie sie sich den Anschein gaben? Lebte nicht auch in den Mißtrausschen ein leises Fünkchen Bereitwilligkell, phantastischen Möglichkeiten eine Chance 3)er Xeidensweg des SOichlers In den letzten zehn Jahren sst in Frankreich eine Llleraturgattung entstanden, die eine vor dem Krieg nie geahnte Ausbreitung be- kommen hat, nämlich der Biographenroman. Das Leben hat sich durch den Krieg und den Nachkrieg mit solcher Gewalt in unser Bewußtsein festgesetzt, daß die Erfindungen der Dichtung im Ber- gleich zu den Erfindungen des Lebens selbst schal geworden sind. Der Swffhunger der Leser konnte nicht mehr durch die allgewohntc Kost gesättigt werden, so daß die Schriftsteller die Gestaltung der Wirklichkeit selbst vorzunehmen gezwungen waren. Ein Nachhall davon ist unsere dramatische Ltteratur, die die Ereignisse auf die Bühne bringt. In der großen Reihe der biographischen Romane, die i» Frankreich erschienen sind, wird das Buch von Franyois Porche:„Der Leidensweg des Dichters Baude- l a i r e" stets einen hohen Rang einnehmen. Aus diesem Grund greift man nach der deutschen Ausgabe des Werkes, die bei Ernst Rowohll erschienen ist, mtt besonderem Interesse. Erwartet man doch nicht nur eine Lektüre, die durch die Kunst des Erzählers fesselt, sondern auch eine ergreifende Gestallung des Schicksals des großen Dichters der„Blumen des Bösen". Alle Erwartungen er- füllt PorchS Seine Biographie- ist zunächst dokumentarisch einwand- frei. Sie basiert auf den Forschungen der sranzösischen Baudelairc-. Wissenschaft, die das Leben bes großen Dichter bis Ins Letzt« erhellt und dokumentarisch geklärt hat. Porche kann diesem Werk der Rätsel-Ecke Oer Weihnachtsstern Man benutze folgende Buchstaben: szsassddckcld eeeeeeeigiiikklllnnnnnnnooooorr rssstttttru uuu.— Die weißen Felder der Figur sind mit je einem Buchstaben auszufüllen, so daß Wörter entstehen, welch« bedeuten: 1— 2 Papageienrusname: 3— 4 Weihnachtsbaum: 4—5 Voranschlag: 6— 7 Schmutzablagerimg: 7—8 rheinische Universitätsstadt: 9— 10 altertümlich: 10— 11 Lichtspieltheater: 12— 13«trom Europa-: 13— 14 Rand des Gewässers: 15— 16 Sitte: 16— 17 Wäsche- bleichmittel: 18— 19 Mädchenrusiwme: 13— 20 Haustier: 21— 22 Gegenteil von groß: 23—23 Atusikschristzeichen: 24—1 Schisssteil. Ich—»in Buchstabe.)— Die Buchstaben in den Außenfeldern 1. 4, 7, 10, 13, IS, 19, 22, der Reihe nach abgelesen, nennen«in„sym- bolisches Weihnachtsgebäck". Verschmelzungsrätsel Die Wörter 1. Deich— See: 2. Tal— Streu: 3. Schell— Enz; 4. Beil— As: 3. Amt— Rubin: 6. all— Hai: 7. Kell— Soda: 8. Elen— Hut: 9. Dome— Lina; 10. Scheit— Ufer: 11. Zorn— Nase sind durch paarweise Verschmelzung zu je einem Wort mit folgender Bedeutung zu bilden: 1. Amphibium: 2. Ergebnis: 3. deutscher Philo- soph: 4. Heilpflanze: 5. südländisches Musikinstrument: 6. Mus«; einzuräumen,«ine Spur Skepsis gegenüber der eigenen Skepsis? Wo so viele bejahten, so viele jubelten: war da nicht vielleicht dennoch... dennoch etwas daran? Wenn Massen, aus romantischem UrinstinU, aus Willen zum Glauben an das Wunderbare, in Wallung kommen(und bei Zelleis kamen sie in Wallung), ist der Augenblick gekommen, in dem selbst die Vernunft Gefahr läuft, an sich irr zu werden. 1914 wurde die Vernunft des Humanitätsgedankens irr an sich, in den Jnflationsjahren die Vernunft kühler Wirtschaftsüberlegung. Wie viele, denen eine ursprüngliche Begabung für polllische Ber- nunft nicht ohne weiteres abgesprochen werden kann, hat in unseren Tagen der nationalsozialistisch« Erfolg nicht wankend ge- macht! Sie hoffen auf den Sprung... den großen Sprung in das Traumland einer Erlösung, die nicht auf Schweiß Arbeit, Nach- denken, lauter langweiligen Dingen, aufgebaut ist, sondern aus dem Imaginären, und das aufpeitschendste Reizmlltel ist das Fluidum, das vom äußerlichen Erfolg ausgeht. Erfolg beweist nichts, gar nichts: aber das ist das«nt» scheidende Merkmal der schlechten und dummen Sache, daß der M i ß- erfolg, der äußerlich«, von der Bürogewalt verhängte und die Formen der Erwerbslosigkeit, des Geldmangels, der Uebergabe des Anklagewatenals an banale Ziollgerichte annehmende Mißerfolg die schlechte und dumme Sache für immer erledigt. Auch die unentwegtesten Schwärmer werden es jetzt ahnen, daß Gallfpach eine Niet« war Alle Bedenken wären sie zu überwinden berell gewesen, bloß nichc das Bedenken, da« aus 42 eingeleiteten Konkursverfahren spricht. Es gibt keine Wunder... keine politischen, keine nationalen. keine kommerziellen, und nicht einmal medizimsche, und wenn gesagt wird, daß des Wunders zärtlichster Vater der Glaube sei, so ist auch wahr, daß seine haßvollste Stiefmutter der Offenbarungseid ist. H. B. Wissenschaft nur noch eins hinzufügen: eine Darstellung, die dos Wesen dieser großen, bestrickenden, zum Unglück bestimmten Persönlichkeit so aufklärt, daß man die tragischen Ereignisse als unerbittliche Konsequenz der psychischen und materiellen Bedingungen begreisen lerill. Bandelalre stammte aus reichem Haus«, war das Kind eines Greises und einer jungen, sehr bürgerlich denkenden Frau, wurde von einem militärischen Sttefoater erzogen, in dessen Nähe der Dichter nicht oerweilen konnte, verfiel in den Bann seiner verschwen- derischen Launen und in die sexuelle Hörigkeit zu einer minder- wertigen Mulattin und erwarb schon kurz nach seinem 20. Jahr eine Syphilis, die den 46lährigen Dichter durch Paralyse tötete. Baude- laire war der echte Dichter, der stets in Illusionen lebte, ein Ge- schöpf der Romantik, deren Vorspiegelungen er für Realitäten hin- nahm, erfüllt von neuen Rauschgesühlen, durch die er seiner Zell zynisch erschien, wo er in Wahrhell groß war, schauspielerisch, wo er tragisch litt, lasterhast, wo er anbetete. Auch der Polllik war dieses Leben nicht fremd. Noch am Vorabend des Jahres 1848 war er Anttrepublikaner. Aber als die Revolution ausbrach, kämpfte er auf den Barrikaden mit der Waffe in der Hand. Trotzdem seine Dichtung das Erlebnis des Luxus und der Seltsamen ausspricht, hat er ein tiefes Mllgefühl mit den Armen, das in vielen Versen seines berühmten Hauptwerks„Die Blumen des Bösen" durchbricht. Wenn er die Demokraten oerachtet«, meinte er die Bourgeoisie, per er als echter Künstler stets feindlich gegenüberstand. Sein Leben ist der 2ll>lauf eines Geschicks, für das es in dieser Gesellschaft keine Heilung gab, weil es identisch mll der Tragi! war. die allem gesell- schafttichen Leben eingeboren ist. Sein Werk hat der Well eine neue Schönheit geschenkt und er hat sein Leben als einen Roman hinter- lassen, dessen Ablauf wir in dem Werk von Porche mll tiefer Er- griffenheit folgen. Felix Stössinger. des„Abend" snam aiiu«niiiimniuiiwnammmniiiminiiiinimuiuni:nnunniHuaninnuai 7. Haremsklavin: 8. Schlachtort in Schlesien: 9 Getränk: 10. üble menschliche Eigenschaft: 11. Klangwirkung. Die Anfangsbuchstaben der neugeftlndenen Worte ergeben den Namen eines zeitgenössischen luv. Zah'enquadrat. Die Summe der waagerechten und senk- rechten Rechen sowie der Diagonalen ergibt 130. Welche Zahlen sind zu ergänzen? te, Zweischneidiges Wort Bon Sphinx. Steh ich vor dir, so freut«s dich: Stehst du vor mir, so reut es dich: Du hieliest dich gewiß zum Bösen! Sitz ich vor dir, stehst du vor mir; Sitzt du vor mir, steh ich vor dir Zur Stärkung nach dem Rätsellösen. Doch vorher gilt's noch«lnzusehn: Bin ich nicht gut, läßt du mich steh»: Bist du nicht gut, laß ich dich sitzen. Bin ich sehr all. das stimmt dich wild; Bist du sehr jung, das stimmt mich mild! Doch bin ich jüngst, laß ich dich schwitzen! Baukunst Mll„chee" ist es ein Gotteshaus, Mll„ait" schmückt man den Boden aus.— ekr.— Auflösungen in der nächsten Rätselecke. Auflösungen der letzten Rätselecke: We ihnachtsratsel: Waagerecht: 3. Ala: 4. Ana: 6. Chaos; 8. Atem, 10 Eros; 11. Ton: 16. Aera; 17. Rastatt: 18 t.yeoonr: 21. Oer.— Senkrecht: 1. F: 2. eot; 3. Ahoi; 5. Enm; 6. Ereta; 7 Starter: 9. Efeu: 10. Ewer: 13. Hatto: 14. Eoto; 15. Trio: 19. do; 20. re.—„Frohe Weihnachten!" G l e i ch k l a n g: Ferse— Verse. Kreuz und quer: 1—2 Keller; 1— 4 Kelche; 1—10 Kelten: 2—4 Lerche; 3— 4 Räch«: 3— 10 Raten; 5--6 Bernau; 5—8 Berta: 6—9 Nauen: 7—8 Meto: 8—2 Taler: 8—3 Tara; 8—10 Taten: 9— 1 Enkel; 9— 10 Enten. F üll r ätse l: 1. Terrakotten: 2. Stereoskope: 3. Unterbilanz: 4. Rittersporn; 5. Waldterrain: 6. Ministerium, 7. Hauslaterne; 8. Morgenstern; 9. Urgroßvater. D i a m a n t r ä t s e l: 1. l, 2. Fis, 3. Feste, 4. Pistole. 5. Stolz, 6. Elz, 7.«. Dichters. # Sport zu Weihnachten W eifjensee— wKomet"-Senftenbcrö Als einziger Berliner Arbeiter-Fußballverein hat sich W e i ß e n s e e zu den Feiertagen«inen auswärtigen Gegner i'crpflichtct. Auf dem Sportplatz von„Weitzenfee 1900" in der Greifswalder Straße(am Bahnhof We'ßenfee) wird eine der spiel- stärksten Mannschaften des Lausitzer Bezirks,„K o m e t"- Senftenberg, erwartet. Die Senftenberger nehmen in ihrer Gruppe eine führende Stellung ein. Die Weißenfeer haben in alle» ihren Spielen gezeigt, daß in ihrer Elf gutes Material steckt. Das Spiel findet am 2. Feiertag um 14 Uhr statt. Vorher stehen sich die zweiten Mannschaften von„Eiche"-Köpenick und„Weißensee" um 12 Uhr gegenüber. Lichtenberg II fährt am 1. Feiertag mit zwei Mannschaften nach Potsdam. Am 2. Feiertag treffen sich Saxonia und ASV. Neu- lälln mit einer Jugend- und zwei Männermannschaften auf dem Exerzierplatz Schönhauser Allee. Beginn der Spiele der ersten Manufchasten Ii Uhr. Die Handballspiele Die Arbeiterhan dballer nützen die Feiertage zu einigen Spielen aus. Im 1. Bezirk haben die Frauen von ASC. und FTGB.- Südost ein Serienspiel um 10 Uhr im Volk-park Neukölln angesetzt. In Gesellschaftsspielen stehen sich am ersten Feiertag Friesen-Fürsten» walde, 2. Männermannschaft, und eine kombinierte Mannschaft der Freien- Turnerschaft Wilmersdorf um 14 Uhr in Fürstenwalde gegen- über. �FTGB.-Spandau-Iugendmannschast hat um 14 Uhr in Span- bau, Seeburger Straße, FTGB.-Tempelhof-Jugend als Gegner. Die Freie Turnerschaft Zehlendorf, 1. Männermannschaft, spielt um 1Z Uhr, in Potsdam, Lufischiffhafen, gegen die I. Männermannschaft der Freien Turncrschaft Wilmersdorf. Am zweiten Feiertag treffen sich in Bernau, am Wasserturm, Freie Turnerschaft Bernau und Freie Turnerschaft Schwante. Di« zweiten Männermannschaften spielen um 14 Uhr und die ersten Männermannschaften um 13 Uhr. Im Volkspark Neukölln spielen um 10 Uhr ASC. 2. Männermannschaft gegen Berliner Schwimm- Union I. Männer und ASC.-Jugendmannfchrft gegen Schwimm- verein Möve-Jugend um 11 Uhr. Friesen-Fürstenwalde hat um 14 Uhr in Fürstenwalde FTGB.-Stralau 1. Männermannschaft zum Gegner. Freie Turn- und Sportvereinigung Kauledcrf 1. Männer- Mannschaft spiell um 14 Uhr in Kaulsdorf, Köpenicker Straße, gegen Nuderverein Vorwärts 1. Männermannschaft, während die zweite Männermannschaft von Vorwärts nach Zossen fährt und dort mn 14 Uhr gegen die 1. Männermannschaft der Freien Turnerschaft spielt. Hockey Am ersten Feiertag treffen sich in einem Freundschaftsspiel Ostring 2 und Neukölln 1 der Freien Turnerschast Groß-B«rlin um 10!� Uhr im Neuköllner Stadion. Um 121-2 Uhr spielen auf dem Platz Lasker-Strahe in ZUmimelsburg FTGB. Osten 1 und Tennis- Rot 3 und um 14 Uhr Tennis-Rot 1 gegen Tennis-Rot 2 am gleichen Ort. Bon den Frauen haben sich FTGB. Neukölln die Spiel«- rinnen von Pankow um 9ft! Uhr nach Neukölln-Stadion verpflichtet. Am zweiten Feiertag findet wie alljährlich«in Werbe- spiel zweier Answahlmannichasten des 1. Kreises statt: Ost gegen Weit ist die Paarung. Nicht die Spielstarke allein soll hier ausschlag- gebend sein- sondern der Propagandawert aller Mannschaften der .-X-Klafse ist hier das entscheidende. Die Spieler des Ostens werden von den Bereinen Athletik-Sport-Cwb, Tennis-Rot, FTGB. Ostring und Neukölln gestellt, die der Westmannschasten von der FTGB. Nordring, Pankow. Mariondorf und dem Sportverein Moabit. Die beiden Mannschaften stellen folgende Spieler heraus: Osten Schulze«Ostring) Traxel II Wolf Wichlow(Neukölln) Knorr(Ostring) Kunze(ASS.) Fischer(Tennis-Rot) Huth iASC.) Compagnmi(Tennis) Köring-Eiche 2(Ostring) Beondstäuer Westermau» L e» l h o> d Hiidebrandt Krenzlin (Moab»)(Moriendorf)(Moobit)(Nordring) Moabit Pufahi«Mariendort) Hinze(Rordring) Tzchlol,«Pankow) Peterinaun«Moabit) Naujotat«Nordring) W e st Bauer«Pankow) Wenn auch beide Mannschaften bisher keine Gelegenheit hatten, zusammenzuspielen, bieten doch alle Vereine die Gewähr für«in hoch interesiantes Spiel. Das Spiel findet auf dem Platz in der Schön- hauser Allee um 14 Uhr statt. Vorweg werden sich auf demselben Platz um 121« Uhr zwei Altersmannschasten präsentieren. Nord- ring der Freien Turnerschast Groß-Berlin stellt hier die ein« kam- plette Mannschaft langjährig für die Arbeitersportbewegung tätigen Spieler, während die Gegenmannschaft eine Kombination aller übrigen Vereine des 1. Kreises darstellt. Auch dieses Spiel dürfte von großem Reiz fein und der Arbeiterschaft zeigen, daß man nie zu all zu Spiel und Sport ist. • Schwerathletische Veranstaltung bei Ltchtenberg-Fricdn-hs- selde 04. Am 2. Weihnachtsfeiertage veranstaltet die Sportliche Vereinigung Lichtenberg-Friedrichsfelde 04 unter Beteiligung der Freien Turnerschaft Friedrichsfelde eine große Sportveranstaltung, auf der alle fchwerathlettfchen Sparten, wie Jiu-Jitsu, Ringen, Artistik, Gymnastik, sowie turnerische Vorführungen gezeigt werden. Im Gewichtheben will die Bereinsmnnnslhast von Lichtenberg- Friedrichsfelde als langjähriger Bundesmeistcr des Arbeiter-Athleten- Bundes, nachdem sie durch den Sportunfall eines Teilnehmers be! der diesjährigen Bundesmeister.fchaft nur den zweiten Platz belegen konnten, zeigen, daß sie trotzdem ihre bisherigen Leistungen über- bieten kann. Die Beranftaltung findet in Tempels Festsälen, Fried- richsfelde, Prinzen-Allee, Endstation der U-Bahn, Linie E, um 16 Uhr statt. Znlernalionale Eishockeykämpfe im Sporkpalast. Für die große internationale Weihnachtsveranstaltung im Berliner Sportpalast ist folgendes Programm festgesetzt. Es spielen: Am 26. Dezember, 20 Uhr, Wien-Pötzlelnedorf— Berl. Schl.-Clich, anschließend: Göta- Stockholm— Brandenburg E. V. Am 27. Dezember, 20 Uhr, Göta- Stockholm gegen BSC., anschließend Brandenburg E. V.— Wien- Plötzleinsdorf. Am 28. Dezember, 19,30 Uhr, BSC. gegen Göta- Stockholm, anschließend Wien-Pötzleinsdorf— Brandenburg E. V.— In den Kampf pausen wird die vielfache Weltmeisterin und Olympia- stegerin Frl. Sonja chenie ihre Kunst zeigen. Außerdem wird noch die hochveranlagte Berliner Juniorin Edith Michaelis am Freitag. und am Sonnabend die deutschen Meister im Paarlaufen, Herr und Frau Gast«, starten. Die Kämpfe beginnen am Freitag und Sonn- abend jeweils um 20 Uhr, für Sonntag ist der Beginn bereits auf 19,80 Uhr festgesetzt. Weihnachls-Trabreimen zu Mariendorf. Zwei Attraktionen des Programms maihen die Rennen in Mariendorf im zweiten Weih- nachtstag besonder« interessant. Der den Höhepunkt bildende Große Weihnachtspreis, ein über 2400 Meter führender internationaler Ausgleich, wird ein schr starkes Feld der besten Klasse an den Start bringen. Der Berlauf dieses fportlilhen Ereignisses wird um 15 Uhr durch den Rundfunk und den Deuischlendfender verbreitet. Die Ver- anstaltung beginnt wieder um li'A Uhr. 150 WmlcrsportFcr in den Ausscheidungen zur Ar beiler- Olympiade Der erste Teil der dcnksihen Olympiaausscheidungen für die Arbeiier-Winiersportolympiodc in Mürzzuschlag in Steiermark wird am ZS. und 26. Dezember in Zohanngeorgeu- st a d l aar sich gehen. Die Schneeverhällnisse sind dort günstig vad versprechen, beständig zu bleiben. 3n der letzten Woche ist fast jeden Zag Neuschnee gefallen, der durch die kälte pulvrig und dadurch zum rechten Sportschaee geworden Ist. Die Meldungen der Wettkämpfer sind überraschend zahlreich erfolgt. An die 15 0 Sportler be- werben sich auf den verschiedenen Sirecken um die Berechtigung zur Teilnahme in Mürzzuschlag. Dabei ist zu berücksichtigeu, daß sie die Kosten für die Teilnahme an den Ausscheidung-tämpsen selbst ausbringen müssen. Die süddenlscheu Bewerber sind in der Zahl für Zohanngeorgenfladl nicht mit einbegriffen. Sie lrogen ihre «tvsfcheidnnZsküwpse in den Vallepolpen an». Zur Nachahmung empfohlen Tennis in den englischen Schulen Der englische Tennisverband will, wie fein Präsident, Lord Desborongh, in der letzten Sitzung mitteilte, feine gesamte jährliche Nettoeinnahm«, die sich vornehmlich aus den Meisterschaften von Wimbledon ergibt und durchschnittlich 40 000 Mark beträgt, auf die Förderung des Tennissports in den Mittelschulen, vor allem in den großen Schulen von Harrow und Eton, oerwenden. Der englische Tenmsoerband hat den wichtigsten Schulen bereits das Angebot finanzieller Unterstützung und der Stellung von Tennis- lehrkrästen gemacht, und ein Dutzend dieser Schulen Hot sich damit auch«inverstanden erklärt. Man erwartet in England von dieser Aktion einen starken Aufschwung des Tennissports. kraKe and Antwort In Hilgenbergs„Nachtausgabe" liest.man unter Sport: Rast und Ruh' kennt der Fußballspieler nicht. Mag's Weih- nacht. Ostern, Pfingsten sein. An jedem Feiertage wird gefpiekt- Bedenklich stimmt dabei nur, ob die Tnebseder solch atemloser sportlicher Betätigung materieller oder ideeller Natvit ist. Wer will's ermessen? Und wer kann's beweisen? Wer es beweisen kann? Die„Nachtausgabe" selbst! Auf der gleichen Seite, wo obiges Zitat steht, wird mitgeteilt, daß bei dem zwischen den Vereinen Südstern und dem deutschen Meisterklub Hertha BSC. vereinbarten Fußballspiel zugunsten der Witwe des verunglückten Spielers H a s e l o f f Hertha nicht nur eine sehr hohe Platzmiete berechnete, sondern von dem auf Hertha entfallenden Anteil 1030 Mark des Erlöses ganze— 100(Einhundert) Mark gestiftet hat. Kurz und bündig nennt man das eine sehr hohe materielle Einstellung haben. Den Idealismus muß man schon wo anders suchen, oerehrte„Nachtausgabe"! Ounphells neuer Rennwagen Reifen halfen nur eine Minute bei 480 Sidkm. Der bekannte englische Automobilrennfahrer Capt. Malcolm Campbell hat die Vorbereitungen für seine neuen Angriffe auf den Scgraveschen Geschwindigkeitsweltretord von 373 Stunden- kilometern nahezu abgeschlossen. Bereits am 14. Januar soll seine Abreise nach Amerika erfolgen, wo die Rekordversuche wiederum am Strande von Daytona Beach in Florida stattfinden. Zu Campbells Mitarbeiterftab gehört u. a. auch H. I. Leech, einer der wenigen Ueberlebende» von der Katastrophe des englischen Luftschiffes„R 101". Die Fertigstellung des neuen auf den Ölamen „Blauer Bogel II" getauften Ueberrennwagens schreitet rüstig vor- wärts. Zur Zeit wird am Einbau des Motors gearbeitet. Es handelt sich bei diesem Kraftaggregat um einen 1400 k'SNapier- Flugzeugmotor, der dem Wagen, einem sehr tief gelagerten schmalen Fahrzeug die phantastische Stundengeschwindig- keit von 480 Kilometer geben soll. Das Chassis ist so niedrig, daß sich der Kopf des sitzenden Fahrers nur einen Meter über dem Boden befindet. Bei Geschwindigkeiten, wie man sie vom „Blauen Bogel II" erwartet, spielt natürlich die Wahl der Reifen eine ausschlaggebende Rolle. Ihre Konstruktion bereitet der Industrie die größten Schwierigkeiten. Die Firma, die sie diesmal geliefert hat, garantiert bei einer Geschwindigkeit von 480 Stundenkilometer eine Lebensdauer von— einer Minute. Man kann sich danach also ungefähr eine Vorstellung von der ungeheuren Be- anspruchung der Gummiteile machen. Dem Fahrer wird es möglich sein, die Kontrollinstrumente zu beobachten, ohne seinen Blick von der Rennstrecke abwenden zu müssen, was für die sichere Steuerung und die Innehaltung des Zieles von größter Wichtigkeit ist. Die maximale Geschwindigkeit kann natürlich nur erzielt werden, wenn der Motor unter Vollgas läuft. Schon aus diesem Grunde ist es wichtig, daß der Fahrer die Instrumente ständig ablesen kann. Hein Müller gegen Schönrath Diesmal um die deutsche Meisterschaft Der Kampf um die deutsche Meisterschaft im Schwergewichtsboxen zwischen dem Titelverteidiger Hans Schön rath-Krefeld und dein früheren deutschen Halbschwer- gewichtsmeistcr H�in Mülle r-Köln ist jetzt abgeschlossen worden. Das Treffen findet Ende Januar in der Kölner Rheinlandhalle statt. Beide standen sich bereits vor einigen Wochen in Dortmund gegen- über, doch ging es damals nilht um den Titel. Hein Müller, der demnächst wieder nach Amerika fahren will, hat in Köln Gelegenheit, zu beweisen, daß chm in Dormund mit dem auf„Unentschieden" lautenden Urteil Unrecht geschehen ist. *' Der deutsche Schwergewichtsmeister Hans S ch ö n r a t h- Krefeld hat bei der Boxsportbehörde um Starterlaubnis für Amerika nach- gesucht und diese auch erhalten. Allerdings sind die Amerikaver- Handlungen des Westdeutschen noch nicht zum Abschluß gelangt. Besser wäre es für Schönräth ohne Zweifel, wenn er vorerst einmal die Chancen ausnutzt, die sich ihm hier bieten. Amerika ist zudem ein recht gefährliches Pflaster, wie an Ludwig Haymann zur Genüge bewiesen worden ist. FT»«., Musitliq»». In der Neuiaörsivoch« finten die Ueoun-isftunden bcz Blasorchesters Dienstaa« wie»blich statt. Da» Streichorchester übt Mon'oli. R. Dezember, Neukölln. Kaiscr.Friedrich. Ecke Treptower Strage.— Bezirk Osten: Sonnabend, 27. Dezember, 20 Übt, Weibnachizfcier, Böhmisches«ran. haus, Landsberger Allee.— Bezirk Nordost: 2. Wcibnachtsfeiertag: Feier im Saalbau Friedrichshoin. Eintritt 15 Pf.— Bezirk Eharlottcnbnra: 1. Weib- nachtsfeiertag, 10 Ubr, Weihnachtsfeier bei Zamin, Sophie-Chariotte» Ecke Potsdamer Strafte,»äste berzlich willkommen.— Realiilln-Brift: Weihnachts. feier der ersten Männerabteilung 10 Ubr, Bllrgcrsäle, Bergstr. 147. Eintritt SO und 50 Pf. Gäste herzlich willkommen. Arbriter-Tportvereiu Schönebcrg. Friedenau»7. Weihnachtsveranstaltung am 2S. Dezember. 18 Uhr, Schubcrt-läaal, Bäiowstr. ic>4. Eintritt ISS M. inkl. Tanz. .Soli', str»sts»hrer. Abt. Norden: Sonnabend. 27. Dezember, Geselliger Abend Im Bereinslokal �Zum Seeadler-'. Ecestr. 02.— Abt. Friedrichshoin: Sonntag. 28. Dezember, Besuch des Verkehrs- und Baumuseums, WVj Uhr Lehrter Siadtbahnhof.— AM. Eharlottenburg: Sonntag. 38. Dezember, Streif. zug durch den Grunewald, 10 Uhr Wilmersdorfer Str. 21. Freie Walk-rf-hrer Köpenick 1924. 1. Feiertag: Weihnachtsfeier bei Seen». Köpenick,«Larlenstr.«iä, 10 Uhr. Gäste herzlich willkommen. 4. Januar: Generaluersammlung bei Hcene, IS Uhr. Mitgliedsbücher mitbringen. RV.„Vorwärt»". 1. Feierlag: Weihnachtsfeier im Bootshaus. 28. Dezember: Weihnachtsfeier der Jugend. Radsport-Weihnachten Die Anhänger des Radrennsports werden an den Weihnachts- tagen bestimmt nicht zu kurz kommen, denn sämtliche europäischen Winterbahnen warten mit mehr oder minder interessanten Ver- anstaltungen auf. Besonders der zweite Weihnachtsfeiertag ist ein Großkampftag erster Ordnung. Zweitägige Veranstaltungen sind in Breslau und in Stuttgart vorgesehen. In der Breslauer Sportarena wird nun schon zum sechsten Male das traditionelle Weihnachts-25-Stunden-Mannschafts- fahren durchgeführt, an dein folgende 12 Paare teilnehmen: Piet van Kempcn-Rieger, Dinale-Ncgrini, Peix-Guimbretiere, van der Hcyden-Petri, Pijnenburg.Braspenning, Thollembeck-Knappe.Preuß. Resiger, Ehmcr-Tietz, Thierbach-Siegel, Junge-Skupinski, Micthc- Clpel und Haller-Hossmann. Die Sportarena in Stuttgart bietet an beiden Feiertagen gemischte Kost. Bei den vier Dauer- rennen über insgesamt 150 Kilometer interessiert besonders das Steherdsbut von Frankenstein, der es mit Miguel, Maronnier, H. Wynsdau, Dederichs, Damerow, Corpus und M. Steger zu tun hat. Die Amateur« bestreiten an den beiden Abenden u. a. zwei Mannschaftsfahren über 100 und 150 Runden. ,2>ie Großen Weih- nachtspreise von Paris führen bei den Fliegern Michard, Kauf- mann, Bergamini, Faucheux, Martinetti, Falck-Hansen usw. zu- sammen, hinter Motoren konkurrieren Grassin, Lacquehay, Linart und Iaeger. Sonst sind für den 1. Feiertag noch Rennen auf der Winterbahn in Gent vorgesehen, bei denen u. a. Linda, Guerra, I. van Hovel, Haemerlinck und Alex. Mae« in Wettbewerb treten. Die meisten Winterbahnen führen ihre Weihiiochts-Leranstol- tungen erst am 26. Dezember durch. In der Dortmunder Westfalenhalle gibt es neben zahlreichen Amateur-Wett- bewerben als Hauptnuinmer den Großen Weihnachtspreis der Steher über dreimal 25 Kilometer. Der Dortmunder Franz Dülberg, der in der amerikanischen Meisterschaft den zweiten Platz belegte, geht hier zum ersten Male nach seiner Rückkehr aus dem Dollarlonbe in der Heimat an den Start und trifft gleich auf so gute Gegner wie Weltmeister Erich Möller, Krewer und den Franzosen Urago. Die Bahn in der Festhalle zu Frankfurt o. M. ist der Schau- platz eines Zweistunden-Mannfchaftsfahrens, für das u. a. Christ- mann-Tonani, Louet-Mouton, Kilian-Pützfeld und Duray-Depauw verpflichtet worden find. In der Halle Münsterland in Münster i. Wests, führen die Amateure das Wort, die u. a. ein 100-KiIonieter- Mannfchaftsrcnnen bestreiten, in Breslau erreicht das eingangs erwähnte 25-Stund«n-Rennen sein Ende, und in Stuttgart wird der zweite Teil des Weihnachtsprogramms abgewickelt. Ein große» Fliegerprogramm hat Basel vorgesehen, wo u. a. Stesses. Faucheux, Kaufmann, Falck-Hansen, H. Suter, Bergamini und Rlchli an den Start gehen, während Läuppi, Souchard und Gilgen die G<:gner in den Dauerrennen sind. Am Sonnabend, 27. Dezember, erfolgt der Start zum B r ü s s v- ler Sechstagerennen, an dem neben den Kölnern Rausch- Hürtgen noch, zwanzig weitere Mannschaften teilnehmen. Die Bor- rennen bringen u. a. einen Zweikampf zwischen den Straßenwelt- meistern Binda und Ronsse. Gewerkschaftliche Solidarität! Durch Sammlungen unter ihren in Arbeit stehenden Mit- gliedern, von denen ein großer Teil nur noch drei oder vier Irfjc' in der Woche arbeitet, rvährcnd ein anderer Teil bereits zu verkürz- tcn Löhnen arbeitet, wozu noch— wie in der Berlsttcr Metoll- industric— ein erheblicher Lohnausfall infolge der Feiertage kommt ist es den Berliner Gewerkschaften gelungen, die Summe von l 157 Z50 ZNark zu Wcihnachlsunlcrslühungen ihrer ausgesteuerten, kranken und invaliden Mitglieder aufzubringen. Allerdings haben die Lokaltassen, teilweise aus Mitteln ihrer chauptkassen, zu den gesammelte» Geldern noch mehr oder minder große Summen bei- gesteuert. Dabei sind die Kassen der Gewerkschaften durch die regulären Ilnterstüßungen ihrer erwerbslosen Mitglieder außerordentlich stark in Anspruch genommen, so daß es nur infolge der Opjer- srcudigkeit der Berliner Gewerkschaftsmitglieder möglich war, die Mittel zu Extraunterstützungen sür ihre Kollegen in diesem Ilmsange aufzubringen. Im vorigen Jahre waren 491 977 Mark an Wcihnachtsuntcr- stützungen atisgezahlt worden. Ausgerechnet zu Weihnachten. Gehaltskündigungen bei den Reichsbehörden. Der Gehaltsobbau der Angestellten bei den Rcichsbchördcn ist iu der letzten Notverordnung vorgesehen und die Kündigungen der Gehälter zu diesem Zweck waren zu erwarten. Im Effekt ist es daher ganz einerlei, wann diese Kündigungen vorgenommen wurden. Daß sie aber ausgerechnet heute, am Weihnachtsheiligabend, den 'Angestellten zugestellt wurden, gewissermaßen als Weihnachts- ,'.«schenk, das hat bei den Angestellten, die begreiflicherweise von der Gchaltsabbauaktion schon an sich nicht gerade begeistert sind, allerlei gefühlsmäßige Betrachtungen ausgelöst, in die mehr der Zentrumsmann Brüning als der Reichskanzler und mehr der ch r i st l i ch e Gewerkschaftsführer Dr. Stegcrwald als der Reichsarbeitsminifter einbezogen wurden. Die deutschen Arbeiter und Angestellten müssen wie die Unter- nehmer, in finanziellen Dingen mehr vcrstandesmaßig als gefllhls- mäßig denken. Dann kommen sie über solche Wcihnachtsfreuden wie die Kehaltstündigungen leichter hinweg. In der rechtsrheinischen Textilindustrie sind die Verhandlungen über den Abschluß eines verschlechterten Lohnabkommens gescheitert, weshalb am 30. Dezember Schlichtungsverhandlungen einsetzen. Die Urabstimmung im englischen Bergbau hat eine kleine Mehr- heit sür die Annahme des von der letzten Delegiertenkonferenz des Berga rbeiterverbandes empfohlenen Spreadoner-Systems ergeben. Steffen wieder verurteilt! Seine Berufung verworfen. Er hat verleumdet. Der erste Bevollmächtigte R ü ck e r und der Agitotionsleiter Poch von der Berliner Zahlstelle des Fabrikarbriterverbandes lzatten seinerzeit Privatbeleidigungsklage gegen den sogenannten Reichsieiter der Opposition im Fabrikarbeiterverband, Steffen, angestrengt, weil er ihnen in einer Betriebszeitung„Agfa-Blitz" nachgesagt hotte, sie hätten die Arbeiter bei der D i r e k t i o n d e n u n z i e r t. Steffen ist deswegen vom Schöffengericht Wedding zu IM M. Geldstrafe und Publikationsbefugnis verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hat er Berufung eingelegt. Während er im ersten Termin seine Sache selbst vertrat, brachte er sich zum Berufungs- termin den Reichstogsabgcordneten Rechtsanwalt Löwenthal als Per- teidiger mit. Die Privatkläger wurden durch Rechtsanwalt Dr. Leff- mann vertreten. Obwohl Rechtsanwalt Löwenthal sich die größte Mühe gab, für Steffen den§ 193 zu reklamieren, folgte das Gericht den überzeugen- den Ausführungen des Rechtsanwalts Dr. Leffmann und verwarf die Berufung. Steffen hat nicht in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt, als er die beiden Gewerkschafisangestellten verleumdete, um .Opposition" zu machen. Nordwest kündigt Gehaltstarif. Ein zweiter Gehaltsabbau geplant. Esscn, 24. Dezember.(Eigenbericht.) Ab 1. Januar erfahren die Angestelltengehälter in der Nordwest- gruppe der Eisen- und Stahlindustrie in Anlehnung an die Kürzung der Arbeiterlöhne eine Kürzung um 71- Proz. Damit nicht genug, wird der Arbeitgeberverband den Gehaltstarif zum 31. März kün- digen,„vorsorglich" auch die Einzclarbeitsverträge und soweit Kündigungsschutzfristen einzuhalten sind, diese zum 30. Juni. Die am 23. Dezember hierüber geführten Bcrhandlungen sollen im Februar oder März weitergeführt werden. Die Nordwestliche denkt also noch lange nicht an den Abbau der Krise. Sie will die Krisen gründlich ausnützen zum Abbau der— Selbstkosten. Rundfunk am Abend Mittwoch« 24. Dezember. B e t Ii n. 16.00 Magdeburs: Christvespef.(Magdeburger Domchor. Ltg.: Musikdir. Henking.) 17.00 Köln:„Christkinds Erdenreise4*. Märchenoper. 18.15 Köln: Weihnachtsliedcr. 18.35 Köln: Das Qelätrte der„Deutsch« Glocke m Rhein44. 18.45 Stille Stunde. 10.30 Leipzig: Orcbesterkonzcrt. 21.00 Königsberg: Weihnacht. 2J.00 Turmmusik und Wcihnachfslcgcnden. £3.-30 Staatl. Akademie für Kirchen- und Schulmusik: Kammerchor Caecilia. Königs Wusterhausen. 16.00 Hans Marschall: üroße Dichter am Christabend. 16.30 Uebcrtragung von Hamburg. 18.45 Breslau: Aus:„Es kurnpt ein schif geladen"4. 22.00 Hamburg:„Weihnacht auf hoher See". Donnerstag, 25. Dezember. Berlin. 7.00 Funkgymnastik.(Arth. Holz.) 7.15 Hamburg: Hafenkonzert. 8.50 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Bach-Saal: Orgelkonzert. Wilhelm Kempff. 12.00 Konzert. 14.00 Aktuelle Abteilung. 14.30„Nußknacker und Mausekönig'4, von E. Th. A. Hoffmann.(Sprecher: Lisa Tetzner.) 15.00 Heiteres.(Erwin Eckersbtrg.) 15.30 Königsberg: Konzert. 17.30 Fünfmal Weihnachten.(Axel Eggebrecht.) 18.00 Berlin feiert. Mikrophonwandenyig. 18.30 Weihnachtswönsche(Schallplatteh). 18.55 Staatsoper Unter den Linden:„Aida44, Oper von Verdi. Dir.: Generalmusikdirektor Leo Blech. 22.45 Wetter-. Tages-, Sportnachrichten. 23.00 Unterhaltungsmusik. Könlgswnsterhausci. 19.00 Konzert. 30.00 Stuttgart: Orchesterkonzert 21.05 München: 3. Akt aus„Die Meistersinger von Nürnberg'4. Freitag. 26. Dezember. Berlin. 7.00 Funkgymnastik. Anschließend: Frübkonzcrt 8.50 Morgenfeier 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Blasmusik. 11.30 Berühmte Sänger(Scliallplattcn). 12.00 Leipzig: Tänze der Nationen. 14.00 Märchen für die Kleinsten.(Ania Simon.) 14.30 Elternbriefe berühmter Deutscher.(Max Bing.) 15.00 Trabrennbahn Maricndorf: Der große Weihnachtspreis. 15.35 Kurzgeschichten.(Ida Orloff.) 16.00 Unterhaltungsmusik. 18.00 Uraufführung:„Jeder einmal in Schiida!44 Auch ein Zeitbericht Von Robert Schirtan Musik von Werner Michel. 19.00 Ccllovorträge. 1. Schumann: Zwei Stöcke. 2. Beethoven: Sonate C-Dur, op. 102, Nr. 1.(Enrico Mainardi, Cello, und Arpad Sändor, Flügel.) 19.30 Aktuelle Abteilung. 20.00 Orchesterkonzert 22.00 Wetter-, Tages-, Sportnachrichten. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Köuigswustcrhanse«. 7.00 Königsberg: Konzert Beranrivoril. für die Redaktion: Franz ZUüh«, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke, Verlin. Verläg: Dortvärts Verlag G. m. b.£>.. Berlin. Druck: Vomiirls Bt;ch- dcuckerei und Verlagsanstalt Paul Singer 6: Co.. Berlin EW 68. Lindenltrake 3. Hierzu 1 Beilage. Bezirk fiiden-'Wefien Fensler- und Genaude-Relnigungs- Geseilschafl m. ö.«. _ BerlinS016. Michaelkirchplatz4 Fernsprecher; Jannowitz 4514 Billigste und zuverlässigste Ausfuhrung e.Kartseil.'Wäsehe-Verleih Tslephon: Moritzpl. 918. S 42, Füratanstr 20 Wäsche aller Art l-°» Gute Bcsctaafkenticit, kulante Bedingungen! aller Reinigungsarbeiten/ Bohner- und Oelmaschinen x Staubsauger/ Vertreter' ------ besuch Jederzeit unverbindlich Robert Pommerening Kartoffelhandlung Heidestraße 30 ,«z Hamburg-Lehrter Güterbahnhof [226 Elsenhuth Harzkäse Eisenhuth Spitzlinge Die Käse des köstlich milden Wohlgeschmackes Gebr. 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