BERLIN Sonnabend 27. Dezember ISZ0 10 Pf. Jxr. 605 B 301 42. Jahrgang Erscheinttißlich««ßerSonntags. ?llgleich Abeudauogabe de«.vorwärts". Deplasoreis beide A«e«den 85 Pf. proWoche, Z�oM. pro Monat. RedaLttva und Expedition; Berlin SW6S,Lmdeilstr.5 „Ibwasfa ZlnieigenpreittDie einspaltige Noupareilleieile 80 Pf.. Zleklamezeile 5 M. Ermäßigungen»ach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Vcrlag G. m. b. H., Berlin Nr.»7SZS. Fernsprecher: Dönhoff A? bi.- 29? Arbeitslosigkeit in Krankreich Auch die Giegerländer bleiben nicht verschont Paris. 27. Dezember. sEigenbericht.) Angesichts der Tatsache, dast die Zahl der Arbeits- losen in Frankreich die Ziffer von 10 00V erreicht hat. ist die Regierung Steeg, wie sie amtlich mitteilt, am Freitagabend zu einer mehrstündigen Sitmng zusammengetreten, um das Milliardenprojekt Tardieus zur Ankurbelung der Wirtschaft den neuen Verhältnissen anzupassen. Das Projekt soll so umgestaltet»»»erden, dag seine Durchführung sofort produktive Ergebnisse bringe. rhnc dabei alle verfügbaren Reserven des Schahamtes aufzuzehren. Als erste Masmahnie wurde am Freitag eine Verordnung veröffentlicht, durch die die für die Elektrifizierung des flachen Landes bereit» gestellten ftrcdite von 250 auf 350 Millionen Franken erhöht werden. Börsenspekulanten riefen Vriand an. Paris, 27. Dezember. Der parlamentarische UntersuchungsausschuB für• die Ouftrk» ?li>geleoenheit erhielt einen Brief»an Briand, in dem dieser mit- tült, daß er am Tage der Unterzeichnung der Cinführungserlaubnis für die itoliemfchcn Wertpapiere mehrere telephonische A n- ruf« erhalten Hab«, die seiner Auffassung nach vom Finanzmini- s.erivm lamen. In diesen Annisen habe man ihn darum, gebeten, die Ucbersendung de- günstigen Berichts zu beschleunigen, damit die Angelegenheit endlich zum Abschluß gebracht werde» lörnie. lligenliimlicherweise war ober am Tag« vorher der ungünstig« Bericht des damaligen französischen chandelstattaches an der sranzö- .fischen Votschost in Rom im Außcnmlnisterium eingctrossen. Diese? Bericht wurde jedoch aus bisher unbekannten Gründen nicht an das Finanzministerium weitergeleitet. Der Ausschuß hat nunmehr beschlossen, zur Aufklärung dieses Rätsels Briand zu vernehmen. �elnigungsaktion in der Sowjetbotfchast. Pari», 27. Dezember.(Eigenbericht.) Die russische Cniigrantenzeitung„Leiste Nachrichten" weiß zu melden, daß unter dem diplomatischen Personal der Pariser Sowjet- botschast c-ne neue Reinigungsaktion bevorsteht. Der Rechts- bcrater der Handelsdelegation sei seines Amtes fristlos ent- hoben und nach Moskau zurückberufen worden, weil er Be- stcchung-gelder angenommen habe. Etwa 5,0 andere Beamte dir Handelsabteilung sollen ebenfalls zurückberufen werden. Protest gegen Friderieus-Kilm. Empörung in Kassel. Kassel, 27. Dezember. Bei der gestrigen Aufführung des nationalistischen Fridericus- Films„Das Flötenkonzert von Sanssouci" im Kasseler Ufa-Thcater kam e, zu spontane» Mißfallensäußerungen des Publikums. Die Aufführung mußte unterbrochen werden. Marineleitung verurteilt. Die angeblichen kommunistischen Umtriebe vor Gericht. Kiel, 27. Dezember.(Eigenbericht.) Das Oberlandesgericht Kiel oerurteilte die Marineleitung, an den Obermaat Becker, der vor Monaten mit mehreren anderen Marineangehörigen wegen„kommunistischer Umtriebe" fristlos ent- lassen worden war. zur sofortigen Zahlung von 39S0 Marl nebst 8 Proz. Zinsen für die Zeit ab l. Oktober lllZg und zu weiteren Teilbeträgen, die insgesamt eine. Summe von 17700 Mark ergeben. Boraussetzling zu der Zahlung ist, daß Becker be- schwört, daß«r weder mit Kommunisten verkehrt noch ihnen irgendwelche Geschenke gemacht Hot. Obermaat Becker erklärte sich zu diesem Eide bereit. Mit diesem Urteil ist die Marineleitung nunmehr bereits:m vierten Falle ins Unrecht gesetzt worden. Insgesamt hat sie seiner- zeit fünf Marineongehörig«, die alle seit langein in ihrem Dienst standen, wegen„fotnmumfttscher Umtriebe" entlassen. Keine Zensuren für„Beiragen" Aber engere Fühlungnahme mit den Eltern Der preußische Minister für wisscnschafl, Kunst und Volks- Hldung hat in diesen Tagen an die Provinzial-Schulkollegien einen Erlaß herausgegeben, noch dem künftig die Prädikate über Pclragen und Aufmerksamkeit auch in den regelmäßigen Schulzeugnisse» in Fortsall kommen sollen. Diese Polen waren bisher nur in den Zensuren über die bestandenen Schluß- und Reifeprüfungen beseitigt. In der Verordnung wird ausdrücklich daraus hingewiesen, daß der Ernst der Erziehung und d'e Strenge der Forderung, die sich in den Prädikaten aussprachen, damit nicht beseitigt, sondern umgekehrt gesteigert werden, zugleich aber den Ergebnissen der Zvgendkunde besser angepaßt werden sollen. Der Erlaß fordert, daß der Lehrer im Falle von Entgleisungen unmittelbar aus den Schüler einwirken soll. Auch engere Fühlung. nähme mil dem Elterhause sei zu erstreben, weil alle Zensuren, die sich über ein viertel- oder halbe? Zahr erstrecken, das Verhalten des Schülers im Augenblick der Kenntnisnahme durch die Eltern unberücksichtigt lassen. Eine lange vergessene klein« Unge- zogenheil wird dann nach Monaten zu einer peinlichen Rüge, die das ursprüngliche kleine Delikt kaum mehr in Betracht zirht. * Mit diesem Erlaß ist endlich die unhaltbare Qualifizierung der Kinder, die mir noch als Ausdruck der alten Lernschule gewertet werden konnte, beseitigt worden und der Weg ist frei- geworden für eine wirkliche Beurteilung des Schülers. Erst durch die Arbeit der neuen Schule kommt der Lehrer dem Schüler innerlich näher und ist daher auch in der Lage, ihn ver- stehen zu lernen, insonderheit durch seine Stellung innerhalb der Klossengemeinschast, seine Entwicklung und fein Verhalten im Ar- beit-unterricht, in der Gruppenarbeit. im Spiel, aus Schülerwandc- rungen oder beim Aufenthalt im Landschnlheim. So nur lernt er ihn eingehend kennen und nur dadurch wird er befähigt, sowohl ihm wie auch den Eltern zu sagen, nach welcher Richtung hin sich der Schüler entwickelt und wie man mit ihm arbeiten kann an seiner weiteren Bildung. Dieser neue Weg der Erziehung legt dem Lehrer natürlich er» höht« Pflichten auf und der Erlaß sagt darum mit Recht:„Der Ernst der Erziehung und die Strenge der Forderung, die sich in diesen Urteilen aussprechen, sollen' damit nicht beseitigt werden� sontihvw-in einer Weise gesteigert werden, die den Ergebnissen der Iugendkunde bester Rechnung trägt. Weder die Eltern, noch der Schüler sollen erst durch das Zeugnis erfahren, daß sich in der Ent- Wicklung des Schülers Hemmungen, Störungen oder Gefahren ge- zeigt haben. Die Beratung des Schülers und die Mitteilung an die Eltern müssen sofort geschehen, und zwar nicht in einer kahlen Formel, sondern in einer eingehenden Darlegung des Beobachters." Die alte Klassifizierung durch Noten konnte nie über das wirk- Oer Weihnachtsengel I liehe Innenleben des Schülers ein richtiges Bild geben und wurde oft Anlaß zu später auftretenden Enttäuschungen. Die neue Art der Charakterisierung vermeidet auch die schristtiche Fest- legung, um den Schüler nicht in seineni späteren Schulleben zu schädigen. viele Schulen hatten längst diese Zeugnisse abgeschafft, und mau gab den Eltern eine cingehcode Darstellung über die Entwicklung ihres Kindes, um ihnen zu zeigen, wo Lücken vorhanden waren und wo Gefahren sich ouftun konnten. Bon der Schule wird weiter verlangt, daß die Klassenlehrer in mindestens zwei Konferenzen im Jahre, die Llnglück beim Wintersport. Sin Schüler getötei, zwei schwer verleht. Kruinmhübel, 27. Dezember. Bei t>e»n Eröffnungsbobrennen am Freitag ereignete »ich ein schweres Unglück. Der mit Schülern der Hirsch- berger Lberrealschule besetzte Bob„Schneekoppe"»vurdr in einer Kurve infolge Versagens der Steuerung aus der Bahn geschleudert und zerschellte an einem Baum. Ein 1 8jähriger Schüler wurde sofort getötet, ein anderer erlitt einen komplizierten Beinbruch, ein dritter Schüler kam mit leichteren Quetschungen davon. von den Zensurkonfereryen verschieden sind, sich über alle Eigen- arten der häuslichen Verhältnisse der Schüler wie auch über ihr Verhalten in der Schule und Klassengemeinschast und über ihre Arbeitswesse aussprechen sollen. Der Minister denkt nicht an die Ausstellung besonderer Beobachtungsbogen, sondern hält freie Cha- rakteristiken für zweckmäßiger. Der Erlaß entspringt dem Gedanken der Forlsührung einer ernsthaften Schulreform, dte das Kind als Kind und werdenden Menschen wertet, die den Lehrer verpflichtet, durch seine Arbeit in ein engeres Verhältnis zum Schüler und zu den Eltern zu koinmen. erlitt in diesem Iohr ein bedauerliches Mißgeschick Absturz eines Auiobus. Heldenmütiger Chauffeur rettet 30 Personen. Mailand, 27. Dezember. Infolge des dichten Nebels stürzte ein mit Z2 Personen besetzter Anfobus in den Naviglia-Sanol. Der E h a u f f e u r konnte Z0 Personen retten, während zwei Personen ertranken. Die Leichen wurden geborgen. 13 Lokomotiven im Flammenmeer. 2(X) ovo M. Schaden.- Brandstiftung ver, nutet. halle a. d. S., 27. Dezember. Wie die Pressestelle der Reichsbahndirektion Halle mitteilt, geriet am 25. Dezember abends der mit kalten Lokomotiven angefüllte Lokomotivschuppen 3 auf dem Güterbahnhof Folkenb�rg bei T o r g a u in Brand. Den Feuerwehren gelang es mich mehrstündiger Arbeit, den Brand zu löschen. Perjonen sind nicht verletzf worden, jedoch wurden 13 Lokomotiven beschädigt. Der Essenbahnbetrieb erlitt glücklicherweise keine Störung. Der Schaden an Gebäuden und Lokomotiven beträgt etwa 200000 Mark. Die Ursache des Brandes ist noch nnbekennt. Lermutlich liegt Brandstiftung vor. Für die Ermittlung des Täters hat die Reichsbahndirektion Halle«ine Belohnung von 300 M. ansgesetzt. Siaais- Sklaverei statt Sozialismus. Die Tragödie des rassischen Proletariats. Bor vierzig Iahren war es ein beliebtes Argument bes Fort- ichrittmannes Eugen Richter gegen die Sozialdemokratie, die Verwirklichung des Sozialismus würde das Ende aller menschlichen Freiheit bedeuten und die Welt in«in einziges Zuchthaus verwandeln. Mit Hohng«läck>ter wiesen die Sozialdemokraten diese Bc- bauptung zurück: war es doch der ganze Sinn der sozialistischen Bewegung, den Arbeitern mehr materiellen und kulturellen Wohl- stand, mehr Menschenwürde, mehr Freiheit zu verleihen, alz die kapitalistische Wirtschaftsform dies jemals vermöchte. Lebte Eugen Richter noch, er könnte nicht mit Unrecht darauf hinweisen, dast seine Zuchthausprophezeiung tn einem Lande der Welt eingetroffen fei, nämlich in Ruhland. Denn die n e u e n B e- ftimmungen über das sowjetrussische Arbeits- recht sind geeignet, für das russische Proletariat den letzten Rest von menschlicher Freiheit zu vernichten, sosern unter den bisherigen Zuständen von Freiheit überhaupt noch gesprochen werden konnte. Der Arbeiter, der wegen„Verletzung der Arbeitsdisziplin" für sechs Monat« auf die Schwarze Liste gesetzt und außerdem noch strafrechtlich verfolgt werden kann und der seinen Lohnanspruch ver- liert, wenn er nicht selber die Betriebsleitung auf Fehler seines Produkts aufmerksam macht, ist nichts anderes mehr als ein wehr- loses Objekt in der chand der Vorgesetzten. Da in Rußland jede Arbeitslosenunterstützung abgeschafft ist, bedeuten 6 Monate Be- schäftigungsverbot tatsächlich ebensoviel wie die Verurteilung zum Hungertod. Bekanntlich gibt es in Rußland auch längst keine Freizügigkeit mehr, das heißt, der Arbeiter wird an seine Arbeits- stelle einfach kommandiert, wobei auf den Zusammenhang der Familie keine Rücksicht genommen wird. Folgt er diesem Kommando nicht oder zeigt er sich bei seiner Ausführung nicht willig genug, so droht ihm die Schwarze Liste und das sowjetrussische Strafgericht. Man versucht, die Anwendung solcher drakonischer Mittel mit den Notwendigkeiten des Fünfjohresplanes zu rechtfertigen, dessen Ausführung gewisiermoßen das Hoffnungstor zum Sozialis- mus bilden soll. Wir vermögen aber nun und nimmer zu glauben, daß es der richtige Weg zur Befreiung der Arbeiterklasse ist, wenn man sie zunächst einmal in die Sklaverei zurückwirft. Man hat früher die Vernichtung aller staatsbürgerlichen Freiheit in Rußland mit den Rotwendigkeitest einer Uebergangsperiode zu rechtfertigen versucht, aber diese„Uebergangsperiode" dauert nun schon mehr als dreizehn Jahre, und der Druck ist nicht leichter, sondern schwerer geworden. Die Arbeiter sind nicht nur als Staatsbürger rechtlos, sondern auch als Glieder des Produktionsprozesses unfrei, jeder Willkür schutzlos ausgesetzt. Materiell und moralisch leben sie in Zu- ständen, die kein deutscher Arbeiter auch nur einen Tag lang ertragen könnt«. Wollen die deutschen K o m m u n i st e n angesichts solcher Tatsachen immer noch von Rußland als dem„Vaterland des Sozia- lismus" reden? Angesichts der traurigen Lage der Arbeiterklasse in der ganzen Welt ist gewiß bei manchen die Neigung vorlmnden, an «in Land zu g l a u b e n, das im Meer des kapitalistischen Elends ein sozialistisches Eiland darstellt, eine Insel der Hoffnung, ein Land des Glücks. Leute, die daran glauben wollen, weil ihre religiöse Veranlagung sie dazu treibt, werden der kommunistischen Lehre vom Sowjetparadies immer zugänglich bleiben. Nur mit Wissenschaft- lichem Sozialismus, mit Marxismus hat ein solcher Glauben, der vor allen Tatsachen Augen und Ohren schließt, nicht das geringste .zu tun. Wer Marxist sein will, muß ohne dieses Opium auskommen und muh gestehen, daß Rußland für das sozialistische Proletariat der Welt kein Vorbild, sondern ein warnendes Beispiel ist. Das „Vaterland des Sozialismus" ist noch nicht da, es muß erst errungen werden, und es mutz für alle arbeitenden Menschen ein Vater- land der Freiheit fein! Kurort-Konkurrenz. Derlehung nationaler Interessen. Von den 13 Millionen Staatsbürgern der tschechoflowakischen Republik sind mindestens 3,5 Millionen Deutsche. Die deutschen Nationalisten von auch noch so sehr betontem Antisemitisnnis werden sich hüten, den sudetendeutschen Juden das Deutschtum abzusprechen, denn sie würden damit die deutsche Minderheit in der tschcchoslowaki- ichen Republik erheblich verringern! Die sudetendeutschen Siedlungsgebiete liegen fast alle am Rande des Staatsgebiets, an und in den Gebirgen: dort, wo nicht nur die Industrie an den Wasserläufen einst entstanden ist. sondern wo auch aus vulkanischer Tiefe die heißen Salzquellen und heilkräftiger Schlamm an die Oberfläche steigen. Da liegen die wellberühmten Kurorte Karlsbad, Marienbad, Franzensbad. Teplitz-Schönau usw. Da liegt auch im Erzgebirge die Radiumsund st ätte Joachim stal, das durch die Erkennt- ins der Heilwirkung dieses fcllenen.Elements ans einem uralten Bergwcrksstädtchen zu einem Wettkurort geworden ist. D e-u t s ch ist die Bevölkerung dieser Kurorte, und daran ändern die vorhandenen tschechischen Minderheiten nichts. Wenn auch der Staat dem Benediktinerstift Tepl seinen Quellcnbesitz durch die Bodenreform abgenommen hat, die den deutschen, tschechischen und modjarrschen Großgrundbesitzern Land und Wald entzieht, so hat das nichts daran geändert, daß die Bevölkerung deutsch— und daß sie am Fremdenbesuch der Bäder auf das stärkste interessiert ist. Es liegt auch im stärksten nationalen Interesse des Deutschtums, den deutschen Minderheiten im Ausland wirtschaftlich beizustehen. Das Egerland. in dem die erwähnten Kurorte liegen, grenzt an Mitteldeutschland, erfordert von weiten Teilen des Reiches keine weile Reise, und der Besuch tschechoslowakischer Ort« ist für den Reichsdeutschen um so angenehmer, als die Aufenthalts- und Kur- kosten, wenn man nicht gerade Luxushotels aufsucht, niedriger sind als bei uns- Nun ist es gewiß verständlich, wenn reichsdeutsche Kurorte den Strom der Kurbedürftigen mehr sich zuzulenken suchen. Es ist aber eine sehr illoyale und unwahrhastige Methode, wenn reichsdeutsche Kurverwaltungen— wie Mergentheim— gegen den Besuch der böhmischen Bäder mit dem Hinweis auf gewisse anti- deutsche Maßnahmen tschechischer Nationalisten und auch tschechoslowakischer Behörden agitieren, um auf dies« Weise vor dem Besuch dieser„tschechischen" Bäder zu„warnen". Jene Maßnahmen richten sich gegen dos Sudetendeutschtum und damit auch die Bewohner dieser Kurorte-, in ihrem Wwehrkamps um die Behauptung ihres Volkstums unterstützt sie der Besuch Reichsdeutscher: ihn fern- zuhalten, bedeutet Schwächung deutscher Posstionen. Die Bombenleger an der Arbeit Sie werfen mit Eisenstücken und Zementbrocken Dt« kubanischen Behörden geben die Aufdeckung weitreichender Aufstandsp läns und die Verhaftung maßgebender Oppositionsführer bekannt. Der Gouverneur der Lank von Ztalien, Stringher, ist gestorben. Er hat üb«? 30 Jahre in der Leitung des italienischen Notcninstitutes gestanden. Wesselburen, 27. Dezember. Nach amtlicher Mitteilung jiod iu der?!acht zum ersten weih. nuchtslage, in der Zeil Zwischen ein und Zwei Uhr morgens, gegen die Amlsräume des Amtsvorstehers von Wesselburen von unbetannlen Tätern zwei Handgranaten geworfen worden. Die 5)andgranaten. welche keine Sprengkapseln enthielten, prallten an den Fenstern, ab und sielen aus die Straße zurück.(Es ist lediglich durch den Wurf geringer Sachschaden entstanden. In den Handgranaten fanden sich Zettel, in denen Unzufriedenheit mit lokalen behördlichen Maßnahmen zum Ausdruck kommt. Gleichzeitig haben unbekannte Täter in die Wohnung des Bürgermeisters und Bolizeiverwaller» in wcsielburen Tiseu stücke und Zemenlbrocken geworfen und dadurch mehrere Scheiben zertrümmert. Tftan ist in Wessel buren der Ueberzcugung, daß es sich bei diesen Anschlägen nur um Ereignisse von örtlicher Bedeutung handelt. Noch am ersten Feiertag weilten Vertreter der Staatsanwallschast aus Flensburg am Tatort, doch hat man. wie verlautet, bisher aus dem vorgefundenen Material keine Schlüsse auf die Persönlichkeit der Täler ziehen können. Der von dem Chef der Bombenlegerbande zur Vorbereitung und Durchführung der Sprengstosfattenivte engagierte Herbert Volck, der zu langjähriger Zuchthausstrafe verurteill worden ist, ist seltsamerweise aus der Haft entlassen worden. Die Maßnahme wird mit Haftunfähigkeit begründet. Eine sehr merkwürdige Haftentlassung! Das Mordgeständnis der Drei Mord in der Siargarder Straße vöttig geklärt Der Mord an dem Zigarreuhändlerpaar R i ck m a n n aus der Stargarder Straße ist durch das Geständnis der Täter jetzt restlos aufgeklärt. Wie bereits heute früh ausführlich berichtet, waren die unter Mordverdacht verhafteten Bopp, Halubka und M o h r i ng durch«in Teilgcständnis des 2l)jährigen Bopp sowie durch das Beweisinaterial bereits am Sonntag früh überführt. Den Kriminal- beamte» ist es nun gelungen, auch die beiden anderen Täter, Halubka und Mohring, zu einem Geständnis zu bewegen. Im großen und ganzen hat sich die Tat jo zugetragen, wie sie bereits mehrfach geschildert worden ist. Bopp war die Rolle des Aufpassers zu- gedacht, Hatubka und Mohring verschafften sich unter der Maske von Kunden, die„hintenherum" noch etwas haben wollten, Einlaß in den Laden. Während Frau Rickmann ahnungslos vor den beiden Burschen herging, zog 5>alubka ein Revolver hervor und schlug mst dem Knauf auf die unglückliche Frau ein Dasselbe Schicksal ereilte Rickmann, als er seiner Frau zur Hilfe eilen wollte. Di« Beute hat, wie jetzt ermittelt wurde, noch nicht einmal 10 At. betragen. Das wenige Geld wurde von den jugendlichen Tätern noch am selben Abend für Kino und Tanzboden ausgegeben. Alle drei bestreiten, einen Mord beabsichtigt zu haben. Sic wollten die allen Leute nur betäuben und dann ausrauben. Die ganzen Umstände lassen darauf schließen, daß die jugendlichen Der- brechcr mit einem so schrecklichen Ausgang ihrer Tat selbst nichr gerechnet haben. Die Täter werden noch heute dem Vernehmungs- richter vorgeführt werden. Breslau wird saniert. Beträchtliche Stcuererhöhungen. Breslau, 27. Dezember. Amtlich wird gernclden In den letzten Wochenjzat eine eingehend« Prüfung der jinanziellen Aerhöllnisie der stadt Breslau durch Kommissare des Ministers des Innern und des Finanz- Ministers stattgefunden. Erfreulicherweise hat sich herausgestellt, daß die augenblicklich« Kassen- und Finanzlage der Stadt in keiner Weise zu Besorgnissen Anlaß gibt und nicht so ungünstig ist, wie dieienige zahlreicher anderer Großstädte, nachdem vom Staate wesentliche Beihilfen zur Beseitigung der besonderen Notlage der Stadt in den vergangenen Monaten.gewährt worden sind. Aufgabe der beteilig- ten Stellen wird es nun fein, die Finanzen der Stadt auch für die nächsten Jahre sicherzustellen. Zu dem Zweck ist ein großzügiges Sanierungsprogramm in Aussicht genommen. Als ein nicht un- wesentlicher Teil dieses Sanierungsprogramms ist in Aussicht ge- nrnnmen: Die Grundvermögens st euer mit Wirkung für das ganze Rechnungsjahr 1930 um 50 Proz. auf 500 Proz. zu erhöhen. Mit Wirkung vvm 1. Januar 1931 ab die Gemeinde- b i e r st e u e r vom 1. Dezember 1930 zu verdoppeln. .Enigermanisierung�staitLlnierdrückung 3a1ef({ redet an den Terrormethoden vorbei. Paris, 27. Dezember. Der polnische Außenminister Zaleski gewährte einem Bcr- tieler des„Motin" eine Unterredung, in der er sich über die deutsch- polnischen Beziehungen verbreitete und die Gründe anführte, die bei den letzten Wahlen zu einem Rückgang der deutschen Wähler ge- führt hätten. Die Auswirkungen der nationalen deutschen Propa- ganda in Oberschlesien würden durch das Genfer Sicherheitsventil sehr viel an Kraft verlieren. Außerdem stehe die Tagung zur Organi- sierung des europäischen Staatenbundes bevor, die ebenfalls die Gemüter beruhigen werde. Zaleski kam dann auf die Zwischenfälle in Ostoberschlesien zu sprechen, die zwar sehr bedauerlich seien, die aber nicht übertrieben werden dürfte». Auf die Frage, ob Deutschland in Genf beabsichtige, den Beweis zu erbringen, daß die deutsche Minderheit in Polen ihr« Meinung nicht offen Hab« zum Ausdruck bringen können, erwiderte Zaleski, diese Beweisführung sei nicht einfach, da nachweislich 90 Proz. der Wähler ihrer Wahlpflicht genügt hätte». Die Zwischenfälle hätten sich außerdem erst acht Tage später bei den Senatswahlett ereignet, als die Deutschen bereits gewußt hätten, daß die Partie verloren gewesen sei. Die wahre Ursache der deittschen Niederlage sei in der sort» schreckenden„E n t g e r ma n i s ie'r u N g" zu suchen. Diese sei ein Phänomen, das Deutschland inehr berücksichtigen müsse. Außerdem habe die deutsche Propaganda zum Rückgang der deutschen Stimmen beigetrogen. Der polnische Außenminister behauptete in diesem Zusammenhang, die deutschen Slinimenverl liste seien in Wirk- lichkeit keine Verluste, denn es Handel« sich hierbei ausschließlich um polnische Bürger, die bisher noch zaghast gewesen oder den Be- fehlen ihrer Arbeitgeber, sehr oft Deutscher, gefolgt seien. Die Revrstonspropaganda und die Aufruf« an die„unterdrückten Brüder, die man befreien wolle", habe diese Elemente jetzt erwachen und sich ihrer Pflicht bewußt- werden lassen. So sei in Wahrheit die deutsche Propaganda für den Ausfall der Wahlen verantwortlich. �eichswehrsolöat niedergeschossen. In der vergangenen Nacht wnvba in der Jäger st roß« in Eharlattenburg der 21 Jahre alte Schütze Werner Löwe vom 9. Infanterie-Regiment hilflos aufgefunden. Er hotte'einen schweren Oberarmschuß und war durch den Blutverlust stark geschwächt. Der Soldat wurde nach dem Westend-Krankenhaus ge- bracht. Nach Angaben von Zeugen sollen zwei junge Burschen, die mit dem Soldaten Streck anfingen, auf ihn geschossen haben. Nach der Tat sind sie geflüchtet. Löwe selbst ist noch nicht vernommen worden. Wahrscheinlich ist er in einem Tanzlokal mit anderen Besuchern in Streit geraten. Inventurausverkäufe ab 5, Januar. Ärreinbarnng zwischen Warenhäusern nni» Einzelhandel. Während der Inventurausverkauf in den frühcrcn Jahren bereits am 2. Januar begann, ist der Beginn dieser Deranstaltung in diesem Jahr auf den 5. Januar festgesetzt worden. Dies ist auf Grund einer Bsreinbarung zwischen Warenhäusern und Einzelhandel geschehen, durch die für die Dauer von acht Jahren der bisher be- stehende Streit zwischen diesen beiden Geschäftsgruppen beigelegt worden ist. Die Warenhäuser hatten nämlich darauf bestanden, daß der Inoenturausverkaufstermin einige Tage später stattfindet, damit ihnen genügend Zell für die Ilmstellung vom Weihnachtsgeschäft auf den Ausverkauf blieb«. Di« Vereinbarung, die zwischen Waren- Häusern und Einzelhaidel nach längeren Verhandlungen der be- treffenden Organisationen schließlich zustandegelommen ist, geht da- hin, daß in den nächsten acht Jahren der Inventurausverkauf stets am ersten Montag des Monats Januar stattsiirden soll. so daß der Termin des Inoenturvcrkaufs also nunmehr den Schwankungen des Kalenders unterworfen ist, und auf diese Weise ein Ausgleich der verschiedenen Interessen geschaffen werden soll. Die Achtzigjährigen bei der Schupo! Wie all>ährlich, veranstalleie die Ortsgruppe Berlin- Wedding des Allgemeinen Preußischen Plsizeibemnten-Derbandcs' ein« Weihnachtsfeier. Trotz der Notzeit, in der sich auch die Beamten der unteren Besoldungsgruppen befinden, ging diese Weih- nachtsfeier über den üblichen Rahmen hinaus. Man hatte sechs Frauen, die alle über 80 Jahre alt waren, eingeladen und zwölf Ktnder aus Familien, wo«s den Ellern nicht möglich ist, den Kindern auch nur die geringste Freude zu bereiten. Bei Kaffee und Kuchen saßen die Ehrengäste zusammen und die Kinder erfreuten sich beim Kasperletheater. Den Höhepunkt erreichte die Beranstollung mst der Verteilung der Geschenke. 2lls dann der Tanz einsetzte, wagten die Achtzigjährigen sogar einen Walzer. Nach einigen fröhlichen Stünden unter den Klänger einer guten Kapelle schieden die Ehvengäste mit herzlichen Dankeswortcn. Weihnachten beim Siudentenwerk. In der Johannis st raße waren die kahlen und an und für sich' unsreundlichea Räume der alten Kaserne durch Tannengrün und etwas Engelshaar weihnachtlich ausgeschmückt. Drei Christbämne er- strahllen im Glanz« der Kerzen. Stuhl reiht« sich an Stuhl, denn über 300 Studierende, denen es aus familiären oder finanziellen Gründen nicht möglich war, den Abend im Kreise einer Familie oder bei Bekannten zil verbringen, waren eingeladen worden. Für sie hatte das Studentenwerk Berlin E. V. den Tisch gedeckt. Die Feier sah bald fröhliche, glückliche Gesichter, und mochten die einzelnen einander auch noch so fremd sein, dieser Abend ließ sie schnell vertraut werden. Gute Musikoorträge, ein warmes Abendessen und eine kleine Weihnachtsansprache verschönten das Fest, bis der Weihnachtsinann kam. Er kannte viele Lebensmsttel bescheren, durch die mancher der Beschenkten über die drückendsten Sorgen der ersten Nachfesttage hinwegkommt. � Zur Teilnahme an der Totenfeier für den verstorbenen Genossen Eduard David versammeln sich die Mitglieder des 10. Kreises (Zehlendorf, Dahlem, Wannsec) und der Abteilungen 74 a, b und c(Zehlcndorf) am Sonntag, dem 23. Dezember.%10 Uhr, bei Schneider, Zehlcndorf-Mllte, Potsdamer Str. 25. Von dort, punkt 19 Uhr, gemeinsamer Abmarsch zum Parkfriedhof, Lichtet- selde-Süd, Lichiarfelde, Luzerner Str. 1, zu der um 11 Uhr skttt findend an Feier. Aus Berlin kommend« Teilnehmer benutzen entweder die Straßenbahnlinien 71 und 177, die bis unmittelbar zum Parkfriedhof fahren, oder sie fahren mit der Wannseebahn bis Station Botanischer Garten und steigen dort in die Smie 177 über. Die Leiche unseres verstorbenen Genossen wird nach Mainz übergeführt. Zum Ableben von Eduard David haben der Reichskanzler und die Reichsregiernng den Angehörigen des Verstorbenen chr Beileid ausgesprochen. An der Beisetzung Dr. Davids wird für den Kanzler und das Roichskabinett Reichsminister G r c e n e r teflnehmen. Oer Vater des Putschismus Zu August Blanquis fünfzigstem Todesiag Im Februar 1832«oh nie Heinrich Hein« einer Pariser Ver- sammlung der„Gesellschaft der Aolkssreundc" bei. In einem engen Saale lauschten über 1500 Menschen einem Redner, der„mit Geist, Redlichkeit und Grimm" sprach und seinen Spott über die Bour- aeoisie ausgoß,„die Kleinkrämer, die einen Ludwig Philipp, den sleischgewordenen Kleinkram, zum König gewählt hatten". Der also gegen die Nutznießer der Julireoolution auftrat, war August B l a n q u i, am 1. Februar 1802 als Sohn eines früheren Kon- ventsabgeordneten und napoleonischen Unterpräfekten im siid- sranzösischen Puget-Thöniers geboren, demnach 27 Jahre alt und nicht erst seit gestern der Idee verhaftet, in deren Dienst er sein Leben restlos verbrauchen sollle. Diese Idee war die Umwälzung einer Gesellschaft, die ihm nur als„organisierte Menschenfresserei" erschien, durch Eroberung der politischen Macht. B l a n q u i hatte viel Gelegenheit, über die Befreiung der Arbeit zu grübeln und fraß sich immer wieder durch ganze Biblio- theken durch, aber er sah mehr die schreienden Ungerechtig- keilen der bourgeoisen Eigentumsordnung, als daß er ihr inneres Wesen durchschaut oder gar ihr Entwicklungs- oesetz entdeckt hätte. Die Erkenntnis, daß es den Massen, den Mil- lioncn. den Arbeitern, den Proletariern hundeschlecht ging, ließ sein Herz erzittern, und es drängte ihn, diesen Unglücklichen radikal zu helfen. Aber wie? In seinem Bericht über jene Versammlung von 1832 meinte Heine mit viel Scharfblick, sie habe ganz„wie ein zer- lesencs, klebrichtes Exemplar des Mvniteur von 1733" gerochen. In der Tat lebte und webte Blanqui in der Ueberlieferung der Schreckenszeit. da eine jakobinische Minderheit Frank- reich durch den Terror beherrscht hatte, und durch seinen Lehrmeister Buonarotti, einem Kampfgefährten Babeufs, erfuhr er die unmittelbare geistige Ausstrahlung der„Gesellschaft der Gleichen", die sich 1796 durch den Handstreich einiger weniger Tolltöpfe der Regierungsgewall halle bemächtigen wollen. Er wollte, daß sich auf den Trümmern der Bourgeoisherrschaft zunächst einmal die Diktatur des Proletariats oder viel- mehr seines fortgeschrittensten Teils erhob, uin unter anderem, da auch der Atheismus zu den Glaubensartikeln der Lehre ge- hörte, dem lieben Göll den Garaus zu machen. Aber zuerst die Tat, die Aktion, das Lasschlagen, das Ueberschwimmen des Flusses. Solange es noch ein Tuilerienschloß. ein Ministerium oder ein Polizeipräsidium zu stürmen gab, sah Blanqui eine Aufgabe vor sich. Denn er war fürwahr kein Zimmerstratege der Revolution. Schon der junge Student steckte bis über die Ohren in den Ver- schwörungen jener letzten Jahre der Restauration. Bei Zusammen- rottungen 1827 wird er zweimal durch Säbelhiebe, einmal durch einen Gewehrschuß verwundet. Der Juli 183(1 sieht ihn. die Hände schwarz vom Pulverschleim, auf den Barrikaden. 1832 wird er wegen Preßoergehens von den Geschworenen freigesprochen, aber wegen feiner ausrüherischen Verteidigungsrede auf ein Jahr ins Gefängnis gesteckt. Kaum in Freiheit, drillt er die Mannschaften unterirdischer Klubs für den Tag der Entscheidung, erhält deshalb 1836 zwei Jahre Gefängnis, nimmt, nach acht Monaten amnestiert, das alte Treiben der„Gesellschaft der Jahreszeiten" wieder auf und schlägt am 12. Mai 1839 los. Ein glatter Fehl- schlag, Verhaftung, Verurteilung zum Tode, Umwandlung der Strafe in lebenslängliche Haft, die Gesundheit zerrüttender Aufenthalt in dem feuchten Felsenkerker des bretonischen Mont- Saint-Michel, Uebcrführung tn das Spital von Tours, erst die Februarrevolution von 1848 setzt Blanqui auf freien Fuß. Jetzt hat er seinen Klub, in dem vor aller Oeffentlichkeft 1793 gespielt wird, aber als einer der Führer der Kundgebung vom 15. Mai, die eine Woge erregten Volkes in den Sitzungssaal der Kammer schwemmt, wird er abermals vor Gericht gestellt: zehn Jahre Kerker, die er bis auf den letzten Tag verbüßt. Schon 1861 werden ihm wegen Teilnahme an einer Geheimgefellschaft neuerdings vier Jahre Gefängnis aufgebrummt. Der die Kerker des Julikönigstums, der Zweiten Republik und des Kaiserreichs ausgiebig kennengelernt hat, sieht jetzt auch von einem Kriegsgericht der Dritten Republik die T o d e s st r a f e über sich ver- hängt.„Begnadigt", sitzt er bis zur Amnestie von 1878 in einsamer Zelle, doch nach der Rückkehr in die Welt rüstet der zermürbte, sieche und hinfällige Greis mit Nichten ab: er wült und wirbt, gründet ein Blatt, spricht, die rote Fahne salutierend, in Versammlungen das letzte Mal am 27. Dezember 1886. Am 1, Januar 1861 ist er tot. Die Masten, die sich ihm zum Lebzeiten verweigert haben, folgen chm im Tode; ein Leichenzug von Hunderttausend geleiUt seinen einfachen Tonnensarg auf den Friedhos Pere-Lachaife. Wie Wilhelm Liebknecht Blanqui als den„Tapfersten den Tapferen" grüßt«, so schätzte Karl Marx die Lauterkeit und Selbstlosigkeit, die Unbeugsamkeit und Ueberzeugungstreua des ewigen Rebellen hoch ein. Aber die Lehre Blanquis, daß man eine Revolution aus heiler.k>aut heraus mit einer Minderzahl „machen" könne, bekämpfte, die Entwicklung erkennend und auf die. Masten bauend, der wissenschaftliche Sozialismus als Ueberblsibfel aus der romantischen Frühzett der Arbeiterbewegung, und schließlich starben selbst in Frankreich, wo sie bis ins zwanzigste Jahrhundert eine eigene sozialisttsche Gruppe bildeten, die Blanquisten aus. Wer sich da! In unseren Tagen feierte zu M o s k a u mft der These, daß es nur des Willens einer entschlossenen Minderheit bedürfe, um nicht nur die Staatsmacht zu erobern, sondern auch die Gesellschafts- ordnung imrzukchren, mit der Diktatur einer Auslese des Proletariats, mit dem Kampf gegen die Religion und mit manchem noch der selige Blanqui fröhliche Urständ. Hermann Wendel Drei Erstaufführungen Vollmoeller-Opereite. Komödienhaus.„Cocktail". Mit froher Erwartung, in die ein Schuß Ehrfurcht gemixt war, sah ich der Uraufführung im Komödienhaus entgegen. ..Cocktail". Lustspiel von Karl Vollmoeller mit Musik von Ralph Benatzky, dos mußte etwas ganz besonderes werden. Infolge seines Mysterienspieles �vlirakel" gehört ja Vollmoeller zur großen Literatur. Lustspiel mit Musik, das heißt Operette. Don einem Vollmoeller werden wir endlich einmal ein Libretto serviert bekommen, bei dem uns nicht mehr weh um's Herz wird. Um bei der Ltteratur zu blechen: „Was sind Hoffnungen, was find Entwürfe—" ./Sin andres Antlitz, eh sie geschehen, Ein andres zeigt die vollbrachte Tat." Folgender origineller Stoff ist dem Dichter Vollmoeller ein- gefallen: Hauptperson ist kein« reiche Erbin, keine Fürstin, keine Prinzessin, Dollmoellers Ehrgeiz tuts nicht unter einer Königin. Dicfe Königin sührt eine Ehe ohne Liebe und ohne Kinder. In St. Moritz trifft sie auf einen netten Jungen, in den sie sich verknallt und der sich rettungslos in sie verliebt. Zunächst beheben die beiden die Schwierigkeit des fehlenden Kindersegens', alsdann verfenken sie sich in hinschmelzende Rührseligkeit. Der gute Junge will sie nämlich heiraten,'denn er ahnt nicht, daß sie eine Kömgin ist. Und sie reist traurig und für immer ab. Tragik der Hochgeborenen: Sie sieht so glücklich aus. aber sie muß entsagen. Nur etwas tröstet sie, sie nimmt den Keim zum Thronfolger mit, auf den ihr Land nicht ver» zichten will. Gewinn des Abends: Die Erkenntnis, daß auch ein Dichter die Fähigkeit besitzt,«inen echten Operettenkufch mit Schmalz zu schreiben. Ab und zu findet Vollmoeller Ansätze zur Parodie, aber er entschließt sich nicht, den Ulk einer Operettenkarikotur endgüllig durchzuführen. Sein Geheimnis bleibt übrigens der Titel„Cocktail", der zum Ganzen in keiner Beziehung steht. Ich schlage«ine Umbenennung vor: „Majestät geht fremd". Ralph Benatzkys Musik ist wie immer melodiös und spritzig, wenn auch diesmal die im Ohr haftenden Klänge fehlen. Der Regisseur Gustav Härtung gibt sich die erdenklichste Mühe, durch hübsch« Aufmachung das Stück aufzupulvern und Stimmung zu erzeugen. Er denkt an das reizende Spie!„Meine Schwester und ich", das, ebenfalls mit der Musik von Benatzky, orst vor kurzem dem Komödie nh aus fette Lorbeeren eingetrogen Hot. Es gibt ein sehr lustiges Zweckes Bild, es gibt allerhand nette Situationskomik, es gibt sogar eine Kunsteisbahn mit Kunstläufer. es gibt auch«ine reizende Szenerie: eine dreifach bewegliche Bühne, die wie ein Zufammensctzspiel das Bild oerändert. Dennoch bleibt der Abend dünn. Man langweilt sich nicht etwa tot, das lasten die famosen Darsteller nicht zu, die in fideler Laupe spielen und das Publikum mitreißen. WoOskarKarlweiß singt. I b o r von Halmay springt und Ma rgarete Schlegel losgelassen ist, da stevt sich das Parkett. Und wenn dann noch MadyChristians den Reiz ihrer Persönlichkeit und Felix Brefsart seine groteske Komik verschenken, dann wird auch aus einer halben Sache ein ganzer Erfolg. Die Zuschauer dankten den Schauspielern, dem Ver- fafser und dem Komponisten nrtt vielen Hervorrufen. Srvet Degner. Städlische Oper. Am Sonniao. dem 4. Januar, nachm. 26. tldr. sinke! eine VohltätiakritLoor stell» na ron„H a n s e l und IN r e t e I" und.Die Puppe nie e" für die Wauenkinöer der Stadt Berlin statt. Da» gesamt« Personal der Städtischen Oper hat sich unentgrlilich zur �e-rfSgNNg gebellt. Zugstück vou einst. „Mrs. Cheneys Ende" im Derliner Theater. Lonsdales unbedeutendes Lustspiel„Mrs. Cheneys Ende" wmÄe mit Elisabeth Bergner in der Titelrolle einst ein Zugstück der B a r n o w s k y- B ü h n e n. Dos erklärt seine Wiederaufnahme in den Spielplan des Bertiner Theaters. Die Bergner steht wieder in der Hauptrolle auf der Bühne, als reizende, perfekt ausgebildete Gaunerin Mrs. Cheney, die nur von ihrem goldigen Herzen daran gehindert wird, sich in ihrem „Beruf" praktisch zu betätigen,. und die zur Belohnung für soviel Tugendhaftigkeit zum Schluß einen richtigen Lord zum Mann erhält. Da sie sich schon mit einem Geschäft für seidene Unterwäsche hoch- beglückt zufrieden geben wollte, ist sie durch diese Lösung natürlich noch hochbeglückter. Die filmbewährte minutenlange Umarmung be- stätigt auch dem phantasieännsten Zuschauer dos„happy cnd". Das Stück ist durch das längere Lagern nicht geistvoller geworden: bis Bergner inzwischen eine immer reizender aussehende Filmschau- spielerin. Sie spielt die Mrs. Cheney mft charmanter Routine, graziös, in entzückend getragenen Toiletten: es ist unbestreitbar, daß sie in dieser seelischen und körperlichen Aufmachung den meisten ge- feierten Hollywood-Stars Konkurrenz machen könnte. Was aus der Dergner hätte werden könncn.Gwenn sie sich weniger konjimktur- tüchtig entwickelt hätte, kann niemand mehr ahnen, der sie jetzt als Mrs. Cheney auf der Bühne sieht: das wissen nur jene, die vor vielen Jahren erlebten, wie von einer kleinen unscheinbaren Schau- spielerin eine künstlerische Kraft ausging, die noch die oerstaubtesten Kulissen in eine Welt, das banalste Stück in echtes Leben verwandellc. Das Lustspiel scheint Hals über Kopf wieder hervorgesucht worden zu sein. Man spürt jedenfalls nicht, daß auffrischende Proben vorausgegangen sind. Die einzelnen Rollen gleiten neben- einander hex, greifen nicht ineinander. Die Regie hat scheinbar nichts nachgeschliffen, und sie hat sich nicht einmal die Mühe ge- nommen, das Stück auf ein vernünftiges Maß zusammenzustreichen: es dehnte sich in sinnloser Breite über drei Stunden. Eine Persönlichkeit überragte das Niveau dieses Theater- abends: Ida Wüst. Wenn sie sich auf der Bühne bewegt», lichtete sich die Atmosphäre von Staub und Schmink«: wie ein Wirbelwind von geistiger, und leiblicher Lebendigkeit fegte sie hindurch, in massiver Ruppigkeit wie in gefühlvoller Sentimentalität immer ein lebendiger, blutvollcr Mensch. Viktor Barnowsty kann sich bei ihr bedanken, daß die Zuschauer nicht im Laus« des Abends m einen Dornröschenschlaf fielen. Truäe E. Schuir. „ManizeNe Mouche". " Lessing-Theater. Ein adeliges Gänschen, Deuise de Flavigny, in klösterlicher Ab- geschiedenhett vor den Lockungen der sündhaften West bewahrt, wird, in ein lockeres Tyeaterabenteuer oerstrickt, das sich ein bißchen gefährlich anläßt, doch schließlich, ohne Beschädigung ihrer Tugend und ihres Rufes, sittsam und ordentlich ausgeht. Denn zum Glück ist der Held ihrer romanhafi-romantischen Verliebtheit der Leutnant Fernand de Champlatreux, den ein gütiges Schicksal chr längst als Catten bestimmt hall«. Im«rotischen Hintergrund Frömmelei des Frauenklosters und galante Schneidigkeit des Offizierskorps, die sonst verspottet werden, dos ist typisch« Atmosphäre der französischen Operette von einst. Wir sind gewohnt, Offsnbach als Begründer der Gattung zu bettachten. Doch das Verdienst, sofern es eins ist, gebührt, historisch gencm genommen, dem Norbkranzosen Florttmmd Ronger, genannt Herve, der freilich d«n berühmteren Atters- genossen überlebt hat, und dein erst ein paar Jahre noch dessen Tod das Werk seines nachhastigsten Bühnenerfolgs,„Mamzelle Nitouchs", gelungen ist. Aber dioser Organist Cälestin, der im Klostex heimlich eine Operette komponiert hat und sozusagen inkognito den Triumph semer Premlere genießt, das ist keine erfundene Operettenfigur, sondern humoristisch verklärt und mit einem Unterton verdrängter Sentimentalität, eine Jugenderinnerung de? beinahe 66jährigcil Operettenkomponisten Herve, der als Organist in Poriser Kirchen seine Mustterlausbahn begonnen hott«. Und das ist wiederum eine fast typische Entwicklung des Operettenmusikers in Frankreich: so leicht und oberflächlich die Gattung, so ernst und solide pflegten hier die Grundlagen des Komvonistenhandwerks zu fein. Das heutige Berliner Operettentheater, soweit es ilberhaupt vorhanden ist, Hot nicht die nrnfifalssche Tradition, und das Lefsing-Theater hat nicht die musikalischen Mittel, Am eine solche Sache in ihrer kultivierten Anspruchslosigkeit stilgemäß herauszubringen, Wirkungen werden vergröbert oder müssen Anbeutung bleiben. Immerhin hat H a n s May das Orchester unauffällig und geschickt modernisiert und hält das Musikalische iu guter Ocd- nung. Den Erfolg verbürgen die Hauptdarsteller: Erika von Thellmann, Carl Jöken, Max Adalbert. K.?. pwleiarische Weihnachien. Sangcr--Morgenfe»er im Saaibau Zriedrichssiain. Am zweiten Wcihnachtsfeiertag veranstaltete der erste Bezirk des Deutschen Ardeiter-Sänger-Bundes, Gau Berlin, eine Morgen- feier im Saalbau Friedrichshain. So ersreulio') wie der überaus zahlreiche Besuch ist der Verlauf dieses Vormtttagskonzerts, an dessen Gelingen eine stotlllche Reche von Chorverbänden beieiligt sind: Männerchor Friedrichshain, Chorgruppe Volk-chor Osten, Ge- mischter Ehor Welßensee, Gemischter Chor Fichte, Männerchor Weißensee, Berliner Liederfreunde, Gemischter Chor Groß-Bcrlin, Berliner Lendvai-Chor. lind der Deutsche Arbeiter-Mandolinistcn- Bund, Ortsgruppe Moabit, unterbricht die chorif.hen Darbietungen mit Jnstrumentalvorträgen, die. ebenso wie jene, herzlichsten Beifall auslösen. Die Besucher sind dankbar für diese zwei Stunden Musik. für diese zwei Stunden Feierstimmmig, die sie über die Not des Tages hebt. Das Programm trägt der Stunde Rechnung: aber zwischen frohen und freundlichen Liedern erklingen auch proletarische Kampfgesänge, das Leben und feine Nöte und Pflichten klingen mahnend hinein. K. r, (Line Tai Ludwig Iustis. Fünf van Goghs erscheinen im Kronprinzenpolais. Einer erstaunlichen Ueberraschung begegnet man in, Kronprinzen- palais feit einigen Tagen.. Gleich rechts, im ersten Saal des Erd- gefchoffes, hängen fünf Gemälde von van Gogh: der„Z u a v e" ist Leihgabe, die vier anderen aber gehören der Nationalgalerle. Sie stammen aus den vier letzten Jahren des großen Holländers: „Moulin de la Galette", 1887 noch in Paris unter impresstomstischem Einfluß gemalt: das„Liebespaar" vor den flammenden Zypressen in Arles 1888: der kleine„Mäher" mit der riesigen Sonne ist eines, und eines der jchönften von fünf Bildern desselben Motivs, 1889 in St. Remy entstanden. Der„Garten Daubignys", ein ganz lichtes, in hellgrünen Nuancen strahlendes Juwel seiner reifften Kunst, ist wahrscheinlich das letzte Bild, das er 1896 in Auvers bei dem guten Arzt Gochet gemalt hat. Nach seiner Pollendung schoß er sich eine Kugel in die Brust, um dem ewig drohenden Wahnsinn zu entfliehen. Erstaunlich in gleicher Weise ist Finderglück und Gefühl für das Wesentliche bei der Erwerbung dieser starten und herrlichen Bilder gewesen. I u st i hat mit ihnen die Notionalgalerie um ganz wesentliche und notwendige Werke bereichert. Wie schmerzlich ver- mißte man bisher maßgebliche oder auch nur andeutende Bilder Vincents! Mit einem Schlage ist der Mangel beseitigt, die Lücke aufs vollkommenste gefüllt. Es gibt viele, die mit Justt hadern: ihnen sei gesagt: daß wieder einmal der Zuwartende, der den langen Atem hat, recht behalten hat daß bisher noch jedes ungestüme Ver- langen nach Ergänzung des Fehlenden in der Nattonolgalerie glänzend befriedigt worden ist. Man muß eben Geduld haben. Die Möglichkeit dieser stupenden Erwerbungen war durch Zu- fammentteffen glücklicher Umstände und fällig werdender Stiftungen gegeben. Ein moderner Museumsdirektor muß ja leider auch Finanz- genie und Wirffchaftsorganisator sein: Justi hat noch zu allen Zeiten die Probe darauf bestanden und das auf«ine eigentümlich über- raschende Weise, weil er zu schweigen und zu rechter Zeit aktiv hervorzutreten versteht. Lenl F. Schmidt. Eduard von Werihekmer gestorben. Der österreichisch-ungarische Historiker Pros. Eduard von Wert- heimcr ist im 83. Lebensjahre noch kurzer Krankheit in Berlin ge- starben. Wertheimer war am 2. Juni 1848 in Budapest geboren, gehörte zu den Schülern Rankes und wirkte als Professor der Ge- schichte in Preßburg: er war auch Mitglied der Akademie der Wissen- schasten in Budapest. Er ist bekannt als Biograph Andrassys, schrieb ferner die Geschichte Oesterrcich-Ungarns im 19. Jahrhundert, eine Geschichte des Herzogs von Reichstadt und veröffentlichte noch im Vorjahre ein Werk über Bismarck mi politischen Kampf. Er hinter, läßt eine abgeschlossene, noch unveröffentlichte Kossuth-Viographle. Seit 1925 lebte er in Berlin. Das Leipziger Ehina-Museom. Im Neuen Grafstmusemn in Leipzig ist dieser Tage nach mehr- jährigen Vorarbeiten ein C h i n a- M u s e u m vpilendet und der Oeffentlichkeit übergeben worden. Die neue Abteilung des Völker- kundemufeums vereinigt typische und kostbarste Stücke aus Leip- ziger Mufeumsbesstz, die aus Raummangel bisher noch nicht gezeigt werden konnten. Unter der Leitung von Mufeumsdirektor Prof. Dr. Fritz Krause ist ein Museum entstanden, das eine Fülle von Einblicken in die charakteristischen Erzeugnisse chinesischer Kultur und Kunst vermittelt. Im Borraum findet man den wertvollen, in keinem anderen Museum der Welt vorhandenen Drachenfries aus einem Buddho-Tempel bei Peking. Durch Ausmerzung aller Doppelstücke und des für die Darstellung der chinesischen Kultur un- wesentlichen Materials zeigt das Ehina-Museum in seinem Ausbau eine auffallende Geschlossenheit. SS. Abk. Dienstag, de» SO. Dezember. 20 Uhr. Funktionär- Versammlung bei Iuskowiat, Holzendorffftraße 26. Die Bezirks- führer sind besonders dazu emgeladen. Um pünktliches Erscheinen wird ersucht. Der Abteilungsvorstand. Wetter für Verlin: Größtenteils trübe mit leichten Schneefällen. Temperaturen dauernd unter Null.— Für Deutschland: Im Osten Verschärsung des Frostes, oinzelnc leichte Schneefälle. Im Westen Temperaturen über Rull, strichweise etwas Regen. !Lm den Autodroschken-Tarif. Das Poiizeipräsidmm wird eingreifen müssen. Der Abbruch des Raballkampses im Srafkdroschten- ewccbe hat lroh der Versicherungen der verschiedeneu Gruppe», keineswegs zu einer Einigung im Lager der Kraft- droschkenverbände geführt. Inzwischen seht sich langsam aber siciicr ein slilter Boykott des Publikums durch, das durch die uur eine kurze Zeil währende starke Nabattieruug und deren plohlichen radikalen Abbau sich gcnasführl vor- kommt. Die wcihnachlsseiertage haben dem Droschkengewerbe Enttäuschungen nicht erspart. Ein kleiner geschichtlicher Rückblick erscheint deshalb angebracht. Eis verschiedene G r o s;- B e r li n c r Kraftdroschken- besitzer- Bereine einschließlich der Kraftag hatten kürzlich den Aeschlus; gefaßt, von Sonntag, dem 21. Dezember, früh, ab jede Sondcrrabntlgcwährung einzustellen und alle bisher darauf bezüglichen Kennzeichen zu unterlassen. Dieser Beschluß bedeutete, daß alles so bleibt, wie es vorher war. Auch der 2l)-Pf.-Zuschlog blieb erhalten. Die Dro'chkcnbesißer waren zwar geneigt, diese» dem Publikum sehr unerwünschten Ichchlag fallen zu lassen, aber das Polizeipräsidium legte Wert darauf, ihn einstweilen noch beizubehalten, weil die aus diesen Zuschlägen sich ergebenden Einnahmen in besonderer Weise der In- sta i, 1) Haltung der Droschken und damit der Sicherheit des Publikums dienen sollen. In ihrem Beschluß, in Zukunft i einerlei Rabatte und Nachlässe zu gewähren, wurden die Droschken- bescher durch den Umstand bestärkt, daß in den Tagen der großen Rabatte sich die Benutzung der Zlutodroschken keineswegs gehoben hat, was zwanglos damit seine Erklärung findet, daß das Publikum durch die vielen gegenseitig sich überbietenden Rabatte o e r w i r r t und mißtrauisch geworden ist. Es konnte also kauni wundentehme», wenn die Angelegenheit mit dem 21. Dezember keineswegs erledigt war und der Streit um die Frage, ob der Tarif überhaupt abgebaut werden soll und zu welchen Ermäßigungen man sich bereit erklären konnte, unvermindert weiterging, und cs scheint so, als ob die Gegen- sitze sich überhaupt nicht überbrücken lassen können. Ein Teil der Krastdroschkcnbesitzer will sich zu einem Entgegenkomincn entschließen und vorschlagen, daß der A)-Ps.-Zuschlag um die Hülste ab- gebaut wird. Ein zweiter Vorschlag geht dahin, diesen Zuschlag in der bisherigen Höhe bestehen zu lassen, dafür aber den Tarif niedriger zu gestalten, vor allen Dingen die so unbeliebte Taxe 3 oyszuheben. Eine dritte Gruppe sitzt sich sür den Dorschlag ein, den 2Y-Ps.-Zuschlag überhaupt zu beseitigen. Deshalb fanden in diesen Tagen Besprechungen über eine Tarisherabsetzung statt, und es wurde eine Kommission gewählt, die noch den Feiertagen zusammentreten wird und dem Polizeipräsidium einen Vorschlag über eine Fahr Preissenkung unterbreiten soll. Gerade die wirtschasllich starken Gruppen im Kraftdroschkengewerde Hoden jetzt vorgeschlagen, das Polizeipräsidium anzurufen, um aus dem Wege der Verordnung die tariflichen Preissenkungen herstellen zu lasten, die im Krasrdroschkengcwerbe durch freie Vereinbarung scheinbar nie zu erzielen sind. Im Interesse von Publikum, Ehausfeuren und Besitzern wäre zu wünschen, daß wieder geordnete Zustände eintreten, die nun aber mich wieder allen, den Besitzern, den Chauffeuren und dem in seiner Kauf- kraft sehr zurückgegangenen-Publikum zugute komnien: mögen., Denn «ine Fahrt in der Taxe soll keine Angesigeicheit des Luxus, sondern der schnellen, sicheren und sauberen Beförderung zu erschwinglichen Preisin sein. Die Preise nmssen die außerordentlich gesunkene Konsumkraft weiter Kreise berücksichtigen. Theater der Woche. Vom 26. Dezember bis 4. Januar. Volksbühne. Th««ter am BiUowvloK: 28. bis 2l.. 1., Z., Z. DcfraudairUa. Staalstheater. Staatsop«r Unter den Linden: 2S. TannhSufer. 2S. ftiirft �gor. 30. La Traniaw. 31. Spiel odcr Ernst— Silvesterspuk. 1. Der Rosenkaraliev. GtaaLsaper am der Republik: 58. Der Barbier von Sevilla. 59. Auge- litguc— Spanische Stunde. 30. u. 1. Louiie. 31. Die Fledermaus. Städtische Oper: 25. u. 1. To.:- Rbeingold. 29. Hansel und Grete! Die Puppen fr c. 30. Äida. 31. Der Wildschr p. Staatliches Schauspielhaus: 28. Die Jungfrau von Orleans. 29. u. 1. Gich von Berlichingen. 30. Der blaue Boll. A. Lbarleys Tante. Gchiver'Theater: 26. Guten Morgen, Her? Fischer. 29. u. 1. Nora. 30. Die Journalisten. 31. 190 000 Taler. Theater mit festem Spielplan: Theater in der Stresemanustrahc: Ein idealer Gatte.— Komobienhans: Cocktail.— Komische Oper: Peppina.— Deutsches Künstlcr-Thealer: 3um goldenen Anker.— Theater in der Behreustraße: Alles für Marion.— Her- liuer Theater: Mrs. Ebenens Ende.— Neues Theater am Foo: Das'offen!- lickko Aergernis.— Die Tribüne: Ltienne.— Piscator-BüKue: Mond von links.— Renaissaace-Tbeatcr: Must die Kuh Milch aeben.— Roie�Thcoter: Die Dollaryrin�eisin.— De,»tsches Theater: Elisabeth von England.— Komöd'e: Die Fee.— Sammrripielr: Jules. Iuliette. Julien.— Theater im AdmiraU- palast: Auf den Fleck.— Theater am Sch!ffbaue?damm: Quadratur des Kreises. — Lessing-Thcatcr: Mavvclle Ritouche.— Kleiucs Theater: Der Mustergatte.— Lustspielhaus: Vom Lieben und Lachen.- Grohes Schauspielhaus: Im meisten Rustl.— Mrtrvpol'Tbeater: Schön ist die Welt.— Theater bes Westen«: Viktoria und ihr Husar.— ReUoa.Theater: Glück muß man haben.— Zeotral-Zheater: Oh. Fräulein Grete. Theater mit wechselndem Spielplan: E«Iin»-2heater: Bi-» LI. Der keusckv Lebemaiu». Ak> 1. Bicderlcute.--- Thentrr i» der«lostcrstraß«: Bis zo. Einer von unsere Leui'. Ab?l. Der fröbliche Weinbcrq. Zkachmittagsveranftattungen: volk«bübo«. Theater am Bulowpiab: l. u. 4. MissiiNpvi.— Somodicnbaus: 1. u. 4. ponlo i.— Nomisckc Opf:'2S. u. 4., ll'i Uhr: Schneewittchen und die sieben Zwer-ie: Iv'z Uhr: Pevvina.— Dentjchc, Süastler.Tbcater: 28., z. u. 4. Emil und die Detektive.— Theater in der Behreastraßc: 2b. u. 4. Arm wie e-ne Nirchenmouv.— Neues Theater am Zoo: 28.. 30. II. 1., 8 Uhr: 27. u. ZV., 4 Uhr: Kaiperls Wundcvkabinetl.— Die T-ibün-: 28.. l. u. 4. Etienne.— Pi-c-tor.Biihne: 27., 28., 1. U. 4. Mond von links.— Renaissance. Theater: 4. Boruntersuchung.— Rose-Theater: z. Bastellmns und Ouasielgretc.— Theater in der Zllostrrstrahe: Zl. u. 1-, 4 Uhr: Notkiipprn. 1., 5 Uhr: Liebe. � Erstaufführungen der Woche: Mitt»«ch. Etaatsvper Unter den Linden: Cpicl oder Ernst. Eilvesterspuk. Die Dcrlobunn bei der Laterne.— Schiller- Theater: 100 000 Taler.— Donnerotaa. Casino. Theater: Bicderlcute. Lonngbevcl 27. Dezember. Berlin. 14.00 Bekannte Berliner Tanzkapellen(Schallplatten). 16.05 Armin T. Wegner: Glaube, Rache, SüHne im Irak. 16.30 Königsberg: Unterhaltungsinusik. 18.00 Programm der Aktuellen Abteilung. 18.?0 Zehn Minuten Film. 18.30 Klaviervorträge. 1. Reger: a) Intermezzo Es-Moll»«p. 15, Kr. 3; bji Improvisation E-Dur, op. 18. Nr. I; c) Moderaio(Gavotte) E-Dur, op. 82. Nr. 5.(Ans.»Meinem Tagebuch c".) 2. Schübe rt-Lisrt: Drei Lied- Uebcrtragungen-(Bruno Hinzc-Rcinhojd, Flügel.) 18.50 Arbeitsmarkt, 18.55 Kurze Bücherslunde. ,, Geschichte."(Mikrophon: Prof. Fritz.) 19.05 Df. Otto E verfing: Die Bcvertung der geistigen Arbeit. 19.30 UnterbaUungsipusilc. 20.10■ Bunter Abend.........------ 23.00 Wetter-, T�ges-, Sportrtach richten. AnschlrcSedd. bis 0.30: Tanzmusik.'S»-- ...fx s st j g s v« s t a r h a u s e«. 16.00 Schnlrat Tb. Hufnagel: Der jugendliche Indnstriearbcjtcr. 16.30 Hamburg; Konzert. ' TT.» Rriu.Arnhold: Wie lebt der Amerftager, wtm er JÜlWueli fcÄ 18.00 Französisch iür Fortgeschrittene. 18.30 Prof. D. Deegener: Ehe, Familie, Staat ira Tierreich. 19.00 Dr. Franz Röhr: Der Kulturmensch in der Wirtschaft. 19.30 Stille Stunde: Winterliches Naturglück. 20.00 Hamburg: Militärkonzert. Sonntag. 28. Dezember. Berlin. 7.00 Funkgymnastik. Anschließend von Königsberg: Konzert. 8.00 Für dey Landwirt. 8.50 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Feierstunde Arbeiter-Kultur-Karicll Berlin. 1. Die Zeit. Vorspruch (Ludwig Tieck)(gesprochen von Albert Florath). 2. di Lasso: Die Nacht ist kühl(Madrigal Vereinigung des Jungen Chors. Dir.: Robde). 3. Licht empor! Ansprache von Robert Breuer. 4. Lcndvai: Erlöse dich(Emst Preczang)(Madrigal Vereinigung des Jungen Chors). 5. a) Friede auf Erden(C. F. Meyer); b) Die Zukunft, die wird unser sein(J. Brand) gesprochen von Albert Florath). 6. Englcrt: Wir schreiten(W. Kagel- wacher)(Madrigalvereinigung des Jungen Chors). 7. a) Psalm der Bewunderung(Max Barthel); b) dem Tag entgegen(Karl Bröger)(Sprechchor für Proletarische Feierstunden. Ltg.: Florath). 8. Brot und Schönheit(Neuer Text von Max BartbelX Altniederländischc Volksweise(bearbeitet. von Julius Röntgen)(Madrigal Vereinigung des Jungen Chors). 12.00 Konzert, 14.30..Herrn Direktors Zigaretten." Kindcrerlcbnis, gespielt von Kindern. Leitung: Lisa Tetzner. 15.00 MandoHneuorchcster-Konzcrt. 16.00 Volksbühne. Aus dem Senderaum der Fuafc-Sunde:..Die Dcfraudanten". 17.30 Tanz-Tee-Musik. 19.00 Emil Beizner liest aus eigenen Werken. 19.25 Albert Bassermann(am Mikrophon: Alberl Bassermann und Julius Bab), 19.50 Sportnachrichten, 20.00 Orcbcsterkonzert. 22.10 Wetter-, Tagesnachrichten, Sport. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Königswusterhauscn. 7.00 Hafcnkouzcrt. 14.00 Gertrud Wolff: Mutter und Tochter. 18.00 Prof. Dr. Nippoldl: Der Naturforscher. 18.30 Charlotte Christann: Aus Kricmhilds Not. 19.00 H. A. Bematzikr Albanien.. 19.30 Günther Birkenfeld liest aus einem Roman: Licbcsicrnc. Gifte Morgenfeier im Rundfunk odranstaliet vam Arbeiter-Kultur-Karkell Berlin ani Sonntaa. dem 2L. Dezember Das Programm zu dem Thema: „Die sonne geht und kehret wieder" enthält u. a.: Die Zeit(Ludwig Tieck). Ein Lorsprich, gesprochen von Albert Florath. Die Nacht ist kühl(Orlando di Lasso). Madrigal- Vereinigung des Jungen Chors, 1532— 92. Dirigent Walter Rohde.— Erläse dich(Erwin Lcndvai). Dichtung von Ernst Preczang, Madriqalvereinigung des Jungen Chors.— Friede auf Erden(Conrad Ferdinand Meyer). Di« Zukunft, die wird unser sein(Jürgen Brand). Zwei Gedichte, gesprochen von Albert Norath. — Wir schreiten(M. Englert). Dichlüng von Willi Kagelmacher, Madrigaloereinigung des Jungen Chors.— Psalm der Bewunderung (Max Barthel). Dem Tag entgegen(Karl Bröger). Zwei Sprech- chöre, gesprochen vom Sprechchor für Proletarische Feierstunden, Leitung Albert Florath.— Brot und Schönheit(Aftniederländilche Volksweise, bearbeitet von Iul. Röntgen(1929), neuer Text von Max Barthel». Madrigaloereinigung des Jungen Chors. Die Ansprache hält Robert Breuer.__ Groß-Berliner parieinachrichien. Achtung! IS. Kreis..Heute. 18 Uhr. proletarisches Fest:„Nach Feierabend" im Restaurant Bürgerpark Pankow mit 299 Mit. wirkenden. Eintritt inkl. Tanz 59 Pf. Erwerbslose gegen Bor- zeigung der Karte freien Eintritt. 32. Abt. Die Bc.ftrksführcr werden gebeten, zu einer sehr wichtigen Aussprache Sonntag früh 11 Uhr bei Krompart, Paul- Singcr-Straße 49, pünktlich zu erscheinen. Kein Bezirksführer darf fehlen.__ Vcraniivortl. kür die R-baltian: gr«»,«lith», Berlin: Anzeige«: Th. SUefe, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag®. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Bück» brnckerei und Derlagsanftalt Paul Singer& Co.. Berlin TD S8, Lindenftrahe 2. Sierz» 1 Beilege. Sonnabd., 27.12. Staats-Oper Unter d. Linden 117. A.-V. 20 Uhr Hargarete Ende g. 23 Uhr Staats-Oper 4n N-tr der lüpitllt. 204. Vorst 1W> Uhr Rigoieno He»«II. Kirmnrknf Ende g. 22 Uhr Sonnabd-, 27.12 staut. Oper Bismarebstr • Turnus II 49'h Uhr Carmen Ende 221» Uhr Staatl. Schaaipö. (ib Endememarktl. 191 A.-V. 20 Uhr Derblaue Boll Ende g. 23','s Uhr Staati.Scliillei-Ilieeter.ttiarltljg 20 Uhr Die Journalisten Ende gegen 23 Uhr ROSE TH EATE R 1 GreBe Frenkfurter Straße 132 I BUIettkswe: Alex 3422 u.3494 | Jetzt such U-B&hniStrsosberg.Platz| III. Fclertas:: 1 Bettelhantu. Onattelsrete 1 | 7 u. 1 cj> U.: Die Dollarprinzessin{ IV. Felerta»« I 2JJU.: Peterehens Mondfahrt | 5|a.9D.: Die Dollarprinzessin{ Dann täglich 8| Uhr: Die Dollarprinzessin 1 Sonnabends auch 7 und lOJ 1 | Sonntags aoeh 2)». 5!i u. 9ühr| Vo'rnnzelfire: 1 Ab st.janyarjed. Dienst., Mlttw.. 1 | Donnerst:u. Freit. 5 j�Uhr wieder l Famillcn-Nachmittagre[ Aufgeführt wird „Zwangseinaaartienmg" 1 Preise von 30 Pf. bis 1.50 M 1 | Programm u.Garder. je 10P?. Kaffee mit Kuchen, Bier mit] Satzbrot je 30 Pf. VolKsbtthne Tbutn m BGinpbb. 8 Uhr: Die Oefrandanten Thuier am stMmiauerdamm 8>,'. Uhr. Die Quadratur des Kreises Kaatl.Sdiillei-Th. 8 Uhr Die Journalisten. Theater am SflUHbauerflamm Norden 5313 u, 0281 Täglich 8V, Uhr Die Quadratur des Kreises Komödie v. Katajew mit; Kiriitr. lebst,»bd- miim. Lora, Liggn. Preise von 1— 12 M, Banovskif-Slhnihi TDoam la fler SireieninBsti. 8-/. Uhr; Elaa idealer Galle mit Barr; Liedtks Komödien haus ->/. Uhr Cocktail Miuilur.fiblpheigatüy Berliner Theat. 8'.'» Uhr Urs. Cheneys Ende mit: kiiudetd Bergnu. Diotsdiis Ihiaiet Heute geschlossen! Iii DDIfta wititl 8 Uhr Elisabeth von England vonrns Brackcer Reg«: Htim itpert 27 u. 28. Dezember nachm. 3!j Uhr DerSdiwieride Bigii; Hn BfioknSt ptnrl-reetedweq Kammersplele 8>i« Uhr Jules uiiette uiien von Tristan Bernard !!«,!>: Hm Dr,pe 27. u. 28. Deremder nacbm 4 Uhr Hranhheia der Inaend tn FinüihH ifradmer. Regie: Ihistjv Härtung PrraiierwbejftiDng. Kleine Preise Die Komödie SV« Uhr Die Fee nn Frans Malnar Regit; Stilu Bot 27. u 28. Dezember nachm. 4 Uhr Der Diener zweierHerren Regie: Mn Reieharit PrmlimbMhii!. Kleine Preise. Römische oper Täglich 8Va Uhr Peppina Operelte von Robert Stoir. Ü&i. we&k«« Singspiel in vielen Bilduru. C-m. Spin. Hanse«, I.lMhr. Wsllbonr. Arn«, Jsnhnhn, Pnnl BOrblger, len», Seb«eflers, Htahelstern. Reils, Dcsnl, Stark. Gstattanban— r. Original Tiroler HatsataentAnaar, Original Tlrolar J«dlarlnBcn4|nlntatt,] Hnsik-Tria ans Betallarsea. | Jen- Band/ Girls a. Bays I Greese Ckgra. Uer Salt entspreetaand sßnd?en??äs� riesigen Andranges, gb e 0/ er- | die Rassanpreisa nn, /O mlsslgt. Snmftg, dn 28. Dtzember. 12 Khf»mittag! efnmatlgcs populäres Jezzkonzerl oejos Bete Pieise von—.75 M. an bis 3.50 M. &oik EllteSänder Kottbusser Str. 6 F. 8. Oberb. 6070 Tägl 8','. lt., auch Sonntag und 3. Feiertag 3".» Uhr Waihoadits- Sledten i Doer Berlia BIOBM A'ellinamis lesttplel T«jol. 11-2. Usüdk. li! nitimlttaii Ueint Prainl Piscalor-BQhDe (Wallner- Theater) Alex. 4502-93. 8 V, Täglich SV, Mond von links Preise 0.50-6.00 M. Heute und morgen 39» Uhr Mond von links. Rose- Theater Sr.FraaUiuterStr.i32 Tel. Alex 3422 u.3494 4.15 Uhr Basteihans und Quasselgrete 7 Uhr und 10.15 Uhr Dk Dollarprinzessin Täglich 8V, Uhr schön ist die I weit Operette von Lehli RidunUaBber, Gitta Algar. SdiOtzudorl. 8 u> Oft. Zentr. 2819. Rauthen vlaiidt. Alax Hyda und sslna 13 Musical- ladlas. 4 Karrays. Catollnl. Willi Schaffers. Flscbar-K6ppa usw. S«iiaideml ond Sontag je 2 Tortillmgeo 4 und S18 Uhr. 4 Uhr kleine Pr. Tägl. 5 u. gl,, Uhr. B 5 Barh. 0256 Radim. 50 PL bis 3 M. alxnh I bis S M. Original 9 Frateltini, Digalanos Paul Rlrkland usw. pfcASA I Tägl. B Ii. Bis SOIOI.S, So. 8 15 Alex. E 4. 80« I. Vorstellunc 50 Pf. bis I M. II. uad III. Vorst. I bis 2 M. Carter, Novelle, Scbacfers KttasUer-Reme usw. »Viühr CAS1N0-THEATEH s''Uhi Lothringer StrB$e 37. Nur noch bis 31. Dezember Derkeuldie Lebemann und das grobe Festprogramm Am 1. Janaar zam ersten Male: Siederleute Gutschein 1—4 Fers. 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Die ersten Szenen könnten aus dem Remarque-Film über- nommcn werden bis auf die Stelle, die den Schüler zeigt, der im Zweifel ist, ob er der Aufforderung seines Lehrers, sich kriegssrciwillig zu melden, Folge leiste» soll. Gerade dieser Schüler hat in eine besondere Begeisterung auszubrechen. Hier ist nun- inehr eine Szene zu drehen, welche uns nach Pirmasens führt und demonstriert, wie ein Bezirksamtsassessor fünfmal(wenigstens), in sauber gewaschenem Körperzustande, zum Bczirkskommando läuft, um sich als Kriegsfreiwilliger zu melden, aber jedesmal abgewiesen wird. Äm nächsten Bild sieht man, wie der besagte Assessor mif allen Mitteln versucht, sich einem Truppentransport, der on die Front geht, anzuschließen, aber mit Gewalt von diesem Vorhaben abgehalten wird, woraus er in die Worte ausbricht:„So muß ich denn auf dem Posten bleiben, auf welchen mein Bayerischer König mich gestellt hat"... Während dieser Worte schlägt der Sprechende verzweifelt seinen Germancnkopf gegen die Eisenbahnschienen.(Der Tonmirer hat hier darauf zu achten, daß das hervorgerufene„Bum" nicht zu hohl ausfällt.) Auf diese Szene müsien mindestens 50 Meter Schwarz- filin folgen, da mit einem Beifallssturm des Publikums zu rechnen ist. Die Szene in der Kaserne denke ich mir wie folgt: Es wird gezeigt, wie H i in m e l st o ß in väterlicher Weise seinen Rekruten inst Rat und Tat zur Seite steht, man hört nur Wort« wie:„Meine lieben jungen Soldaten",.Lameraden, ich werde Ihnen dos Leben so leichtals irgend möglich machen" usw. Die Szene aus dem Kasernenhof muß unbedingt geändert werden: es geht nicht, daß da herumstehende Pfützen gezeigt werden. Viel- mehr ist zu zeigen, daß ein preußischer Kasernenhof aus reinem inärkifchen Sand bestanden hat. Sollten sich bei der Aufnahme irgendwelche Flecke an den Uniformen der Soldaten nicht vermeiden lassen, so ist zu zeigen, wie diese Flecke, nach Beendigung der Hebung, von bfteitstehciideii ältere» Kameraden entfernt werden. Nach grandiosem Abschied von der Garnison treffen die jungen Soldaten im Kriegsgebiet, kurz hinter der Front, ein und werden mit lebhaften Heil- und Hochrufen von älteren Kaineraden in Empfang genommen. Die etwa 4 Kilometer entfernte Front ist ungefähr wie„Treptow in Flammen" darzustellen.(Der Lsninixer hat darauf zu achten, daß die Geräusche, auch die der näher einschlagenden Geschosse, nicht zu stark kommen, da es für einen guten Deutschen einfach unmöglich ist zu glauben, daß aus- gerechnet französische Granaten und Minen derart, wie in dem Rcmarque-Fstm, geknallt haben sollen.) Die Szene, in der K a t das Schwein„besorgt", ist unbedingt wegzulassen, da deutsche Soldaten so etwas nicht nötig hatten. Zu zeigen ist vielmehr, wie die jungen Soldaten beim Eilstreffen in den Quartieren Lebensmittel in Hülle und Fülle aus- gchöndigt bekommen, was Paul Bäumer zu dem Ausspruch ver- anlaßt:„So gut haben wir es ja zu Haufe nie gehabt". Nachdem sich olle einige Zest(nicht zu kurz) an Wiener Würstchen (die große Sorte), Aal in Gelee, Zunge in Madeira(die Namen der Herstellerfirmen sind, aus reklamctechnischen Gründen, gut herauszuarbeiten), natürlich auf manierliche Art, gelabt haben, tritt eine Ordonnanz ins Zimmer mit den Warte»:„Kinder, ich bringe euch eine frohe Botschaft, Ihr kommt jetzt in den vordersten Graben!" Kat reißt darauf sein« Mütze vom Kopf und brüllt voller Freude:„Endlich, Iungens, endlich ist es wieder so weit, jetzt geht es wieder ran an die Ramme— det is mein Milljöh— immer feste druff!"(Nach dieser erhebenden Stelle empfehle ich Schwarzfilm, viel Schwarzfilm.) Unter den jungen Soldaten bricht eine fabelhafte Begeisterung aus, sie fallen sich um de» Hals, küssen sich, vollführen Freudentänze, schreien Hurra, singen„Heil dir im Sieger kränz" usw.(bei diesen Szenen muß der Tonmixer drauf geben, was er auf dem Kosten hat), um nach den im Ehor gebrüllten Worten:„Jetzt wollen wir sie dreschen!", mit von Begeisterung verklärtem Blick(Großaufnahme) aus dem Zimmer zu stürmen. Das nächste Bild zeigt einen Unter st and in der vorder st en Stellung, welche unter schwerstem s r a n z ö- sischem Trommelfeuer(nicht zu laut) liegt. Hohnlächclnd(soviel Hohn als die Gesichtsmuskeln irgend zu- lasse»— Großauinahme) hören sich unsere jungen Soldaten das Trommelfeuer der Franzosen an. Trotzdem der Unterstand manchmal bedenklich wackelt, sitzen einige der Soldaten bei einem urgemütlichen Skat(hierbei sind deutsche Karten zu verwenden). Schlafend sieht man Paul, der dann, von einem besonders schweren Brocken im Schlaf gestört, folgendes sagt:„Det nennen die Fatzken da draußen nu Trommelfeuer, die Anjelejenheit kommt mir vor wie ein Flötenkonzert von Sanssouc i".(Viel Schwarzfilm.) Das Trommelfeuer verstummt plötzlich, eine Ordonnanz erscheint im Unterstand und ruft:„Raus, der Franzmann greift a n!" Im Nu stehen die Unseren an der Brustwehr, ruhig wie auf dem Scheibenstand, keine Wimper zuckt, in ihren klaren blauen Augen liest man die Freude über das, was jetzt kommen wird„ Angriff und— Nahkampf. Die angreifenden Franzosen fallen, unter großem Geschrei, wie die Fliegen,, immer neue Staffeln werden angesetzt, um immer wieder vom deutschen Schützen- und Maschinengewehr- fever umgelegt zu werden. Der französische Angriff stockt, die deutschen Truppen setzen zum Gegenangriff an und nehmen, natürlich mit ganz geringen Verlusten(was ja„im Westen nichts Neues" war) den feindlichen Graben, in dem alle vorhandenen Franzosen, die entsetzt ,�)ilfe" schrien, einfach getilst wurden. Noch getaner Arbeit ruft Paul Bäumer:.Linder, der Krieg de- kommt mir wie eine Badekur!"(Schworzfilm.) Aus unserer Teste ist nur ein Mann lebensgefährlich verwundet, als sich der Hauptmann über ihn beugt, spricht der Verwundete die Worte:.„Herr Hauptmann, haben mir gesiegt?" Als dies der Hauptmann bejaht, huscht ein Lächeln über dos Gesicht des Sterbenden. Paul drückt ihm mit den Worten:.Kein' schön'ren Tod gibt's auf der Welt, als wer vor'm Feind erschlagen" die Auge» zu. Ueber die nun folgenden Szenen„Im Lazarett".„Zu Hause". „Der Besuch bei den französischen Mädchen",„Das Gespräch der Soldaten über den Krieg",„Der Tod Kats" usw. bin ich nur noch nicht vollständig klar, da ich betreffs dieser Szenen erst noch beim Vaterländischen Frauenoerein, beim Stahlhelm, beim Kyffhäuserbund, beim Reichswehrmimsterimn, beim Auswärtigen Amt(natürlich frei- bleibend) Informationen und Rotschläge eistholen möchte. Den Schluß des Films denke ich mir so: Im Oktober VdiS sitzt Paul wieder in einem Unterstand der vordersten Stellung, als ein Telegraphist von einem Telegramm der deutschen Heeresleitung an den Reichskanzler erzählt. In diesem Telegramm soll von einem Ersuchen um sofortigen Waffenstillstand die Rede sein, da die Front nicht mehr zu halten ist. Paul sagt dem Telegravhisten, mitten ins Gesicht, daß er lüge. Als der Telegraphist die Wahr- hest seiner Erzählung beteuert, schlägt ihn Paul einfach k. o. und bricht in den Ruf aus:.Lameraden, glaubt diese gemeine Lüge nicht, ich sage euch, es Handell sich hier um einen Dolch st oß von hinten! Wer hat uns verraten?— die Sozialdemokraten!" In Ekstase springt er auf die Brustwehr des Grabens und ruft (Großaufnahme) zur französischen Linie hinüber:„U n d wen» die letzte Kugel kommt,—-hier sitzt das deutsche Herz!"(Schwarzfilm.) Ein französisckzer Scharfschütze, der als Republikaner für wirkliches Nationalgefühl natürlich kein Verständnis hat, erschießt Paul. Langsame Ueberblendung zu Fridericus Rex, der mit auswärtszeigendem Krückstock die Worte:„Deutschland er- wache!" in den Raum schmettert. ftidmrd Junge: J)ie QeäcMelen Siemini smenmen eines Erledigten Am 24. Juni 1922 wurde Rathenau erschossen. Die Täter entkamen. Ein paar Wochen später wurden sie in einer Burgruine an der Saale ausgespürt, den einen traf die Kugel eines Polizei- icoolvers, der andere erschoß sich selbst. Warum der Mord? Früher schon fiel G a r e i s einein Attentat zum Opfer, als er Enthüllungen über das geheime Fortbestehen der Einwohnerwehren ankündigte. Em paar Wochen darmif wurde Erzberger nieder- geschossen. Ein Attentat auf Scheide mann mißglückte. Die beiden Buchstaben„O. E." wurden genannt. Wer waren die Täter? Was beabsichtigten sie? Diese Fragen beantwortet jetzt Ernst von S a l o m o n s Buch:„Die Geächteten"(erschienen bei Ernst Rowohlt, Berlin). Das Buch ist im Stil der Kriegserlebnisliteratur ge- schrieben, es beginnt 1918 zur Zeit der Revolution und endet— im wesentlichen— mit dem Rathenau-Prozeß. Der letzte Teil rst�ein« Schilderung der fünfjährigen Festungshaft, zu der von Solomon im Rathenau-Prozeß verurteilt wuvde. Bon Solomon zeichnet, indem er seinen eigenen Entwicklungs- gang erzählt, ein Bild jener aktiv-nationalistischen Kreise, die in den Iahren 1920 bis 1923 den Kampf gegen die Republik führten. Ueberall im Lande gab es Gruppen stinger, durch Krieg und Revo- lution aus ihrer Existenz geschleuderter Menschen. Offiziere der alten Armee, verkrachte Studenten, gewesene Kadetten: junge Leute, die aus ihrem bürgerlichen Leben herausgerissen 3)ie Photokopie 3>. 3. Schmidt: In jeder Lebenslage kommt die Notwendigkeit vor, von Schrift- oder Drucksachen, Zeichnungen oder Dokumenten sich genaue Kopien zu beschoffen. Für Bibliotheken, Architekten, Techniker, Gelehrte, Patentämter, Geschäfte usw. gehört diese Notwendigkeit zum täglichen Bedarf. Man hat sich früher mit'Abschreiben und Abzeichnen geholfen; dann kam die Photographie, die Blaupause usw. Jetzt ist. merkwürdigerweise erst in den legten Jahren, die photographische Schnelllechnik so vervollkommnet worden, daß sie wirklich dem aus- gedehntesten und raschesten Bedarf genügt; daß die Berliner Staats- bibliochek, das Patentamt, das Amtsgericht usw. dies« mechanische Hilfe in ihrem täglichen Kreislauf offiziell eingefügt haben. Es ist die Rede von der„P h o t o k o p i e", einem Unternehmen, das zwar prioatwirtschaftlich begründet, in seiner Auswirkung aber von bestimmter Gemeinnützigkeit ist. Ein Geheimnis ist mchl dabei. Kopieren von Bnchseiten und dergleichen ist seit Erfindung der Photographie in immer steigendem Maße geübt worden. Dex. entscheidende Schritt der„Photokopie" war nur, das Ganze in ein technisch-wirtfchaftliches System zu bringen und die Ausnahmeapparate so zu verbesiern, daß die Schnelligkeit und die Billigkeit der Kopien sie zu unentbehrlichen Hilfsmitteln macht. Man bringt der„Photokopie" ein Dokument. eine Werkzeichnung, ein seltenes Buch und kann nach wenigen Stunden, in dringenden Fällen schon nqd) einer halben Stunde eine originalgetreue Photokopie auf Papier erhalten: für einen Preis, der sich bei normaler Blattgröße um 30 Pf. bewegt.. Die außerordentliche Brauchbarkeit des Systems hat der Berliner Staatsbibliothek so eingeleuchtet, daß sie an ihren großen Lesesaal einen Photokopieraum eingerichtet hat, in dem jeder Benutzer sich von jeder Art Buch oder Manuskript sofort Kopien herstellen lassen kann. Man Hot da zwei Kategorien zu unterscheiden: die Geschäfts- organisation, die für internen Betrieb für sich Kopien anfertigt, und daher eigene Apparate benutzt: und öffentliche Stellen, die für jeder- mann zur Kopienonsertigung bereitstehen. Uns interessieren natur- gemäß nur diese letzten, weil jeder einmal oder vielmals in die Loge kommt, sie benutzen zu müssen, sei es vor Gericht, beim Patentamt usw., oder ganz privat für sich. Das technische Prinzip hierbei ist einmal die Möglichkeit, vom Original umgehend eine Negativkopie auf Papier zu erhallen, also weiß auf schwarz, mit Umgehung der Negativplatte. Die andere Technik besteht in einer richtigen photographischen Ausnahme auf Rollfilmen, wie sie im Kino gebraucht werden; die Kopien werden von diesem winzigen ober äußerst scharfen Negativ aus einem ähnlich oereinsachien Photowege vergrößert, und dies natürlich schwarz auf weiß. In ihrer Vielseitigkeit liegt wohl die ausbaufähigste und wirklich volkstümliche Celle der Angelegenheit Wenn heute noch eine Quart- selle etwa 30 Pf. kostet, so wäre durch Steigerung des Umsatzes und technische Vervollkommnung dahin zu wirken, daß sie schließlich 10 Pf. kosten könnte. Was für unermeßliche Möglichkeiten und Erleichte- rungen des geschäftlichen, politischen, wisienschastlichen, privaten Lebens dahinter schlummern, kann sich ja wohl jeder selber aus- rechnen Keine neue Erfindung: aber eine vortreffliche Ausnutzung, Organisation und Popularisierung einer längst vorhandenen Mög- lichkeit; ein Triumph des Kollektivgeistes über bloße Technik. waren, im Baltikum gegen die Bolschewiken, mit und gegen Weiß- l ussen, Letten und Esten gekämpft hotten, bei den Kämpfen in Ober- schlefien wieder zusanmientrafen— und nun... Ja, nun war das Abenteurerleben aus, Landsknechte wurden nicht mehr gebraucht, die Republik bemühte sich um friedlichen Aus- gleich nach innen und außen; so wurden sie, die vom Sterben der anderen gelebt hatten, beschäftigungslos. Welch« Slrbeit sollten sie auch leisten! Einen anderen Beruf als dos Soldatenhandwerk hatte» sie nicht gelernt, oder sie waren durch ihr abeilleuerlich-romantisches Landsknechtstuni so aus der Bahn geschleudert, daß sie nicht mehr in ein geregelles Arbeitsleben zurückfanden. So machten sie aus der Rot eine Woitam'choimng, verachteten den„Bourgeois", weil er ibnen nicht„Bürger" genug war, haßten, nicht auch nur van einer Ahnung politischer Zwungsläufi gleiten angerührt, Demokratie und Republik, die ihnen von demagogischen Schwätzern als weichlich verschrien wurde. Politik der Lerstäckbigung? Ha, Knüppel und Schießprügel her! Und, wie, man braucht uns nicht? Revolution diesem Kind der Revolution, der Republik! 1918, Nach dem Zusammenbruch— man wäre bereit gewesen. sich mit der Republik abzufinden. Vielleicht! Vielleicht, wen» man gegen die siegreichen Ententestaaten „Ich wallte die Revolution lieben lernen", sagt von Solomon. „Wir mußten der Revolution einen Sinn geben, wir mußten das Land aufkochen losten, die Fahnen, die gültig waren, und seien es die roten, nach vorn tragen-- Nichts von alledem, und der unreife Kadett war enttäuscht über die Masse, die„Nie wieder Krieg" und„Gebt uns Brot" schrie. Er begriff nichts, nichts, nichts... und sie alle hatten nichts be- grissen: die Deklassierten, die Vervroletarisierten. die den aktiven Kern.bildeten, jene Mitläufer, Studenten, Zlkodemiker, Söhne van Handwerksmeistern, denen die väterliche Werkstatt unter deck Hammer kam. Begriffen nichts und sahen nur eins: daß ihre früheren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteil« beseitigt und bedroht waren. Schuldig? Die Republik! Kampf dieser Republik! Und doch: der wahren Ursachen ihres Kampfes waren sie sich nichf bewußt, diese Motive und Beweggründe verdrängten sie mit Erfolg und setzten an deren Stelle„höhere Güter", für die si-i ihr Leben einsetzten. Nebelhafte Vorstellungen von„Opfer" und „Erfüllung" beherrschten sie, um in kritischen Stunden damals an diesen Werten zu verzwesteln. Und dann brach es aus ihnen heraus:„Ich will nicht bloßes Opfer sein. Ich will das Reich liegen sehen, für dos ich streite. Ich will Macht. Ich will ein Ziel, fcis meinen Tag erfüllt..- Ich will wissen, daß der Einsatz lohnt." Nein, sie wußten nicht, für wen sie sich einsetzten, und so be- trogen sie sich selbst damit, daß sie die„Forderung der Nation" zu erfüllen glaubten und in der Arbeit für den„Sieg der Deutsch- hell über die Erde" ihre Lcrufung fanden. Und diese Arbeit bestand in terroristischen Akten, Waffenschiebungen, Befreiung sestgesetztep Komplicen aus den Gesängnissen, Sprengstoffatten- taten--. So wurden sie, im Grund« gänzlich unpolitisch, zu ausführeichen Organen reaktionärer Gruppen, die diesen aktiven Kampf gegen die Republik als eine Erweiterung und„Fortführung der Politik mit anderen Mitteln" unterstützten und förderten. Dieser Kampf brachte leine Entscheidung. Und in dem dauernden Kleinkrieg gingen die Nerven flöten— etwas Gewaltiges und Furchtbares mußte geschehen für die Idee der nationalen Erneue- rung: das Los traf Rat Henau. Sie haßten diesen Mann nicht. Sie sprachen mit Achtung von seinen Schriften— aber er erschien ihnen gefährlich, weil er uner- bittlich und konsequent den Weg der Befriedung ging Einer seiner Mörder sprach— lange vor der Tat— über Rathcnau:„Ich könnte es nicht ertragen, wenn aus dem zerbröckelnden, aus dem verruchten Bestände dieser Zell noch einmal Größe wüchse. Möge er das treiben, was die Schwätzer Er- füllungspolitik nennen. Was ficht das uns an, die wir um höhere Ding« fechten. Wir fechten nicht, damit das Volk glück- l i ch werde. Wir fechten, um es in seine Echicksalslinie zu zwingen.. Aber ivenn dieser Mann dem Volke noch einmal einen Glauben schenkte, wenn er es noch einmal emporriste zu einem Willen, zu einer Form, die Willen und Form sind einer Zeit, d' im Arege starb, die tot ist, dreimal tot, das ertrüge i-' nicht." ' Darum mußte Rathenau fallen. Sein Tod war auch ihr Ende. Die Zell vergaß ste. Das Gegenteil ihrer Absicht war erreicht. Die Arbeiterschosi schloß sich zum vereinten Zlbwehrkamps zusammen, wie sie auch heute alle Kräfte einsetzt zum Kamps gegen den National- sozialismus, in seinen Grundzügen verwandt und verschwägert mit jenen„Geächteten". Slfevn fpcxcyen cm: fifibi es ein Scxiebungsxiel? Jeder Mensch hat sein« persönliche Eigenart, und zwar nicht erst unter den Einflüssen der Umwelt, sonder» schon vom Mutterleibe an. Der Berliner Anthropologe(Menschensorscher) Prof. Dr. chcms Friedenthal hat das einmal sehr treffend sormuliert: „Jeder Mensch ist eine«inmalig«, noch nie dagewesene und nie wiederkehrende Kombination von Erbguteinheiten." Und dennoch ist das allen Menschen Gemeinsame um ein Vielfaches größer als das sie Trennende, Individuelle. Das gilt in körper- licher wie in seelischer Beziehung. Wenn dem nicht so wäre, so könnte es keine allgemeingültige Medizin und keine Seelenkunde geben. Aber immer wieder tauchen sogenannte moderne Päda- flogen auf, die mit Begeisterung den Satz vertreten:„Der Erzieher darf keine Tendenzen verfolgen, er muß nur auf das Kind horchen und die in ihm vorhandenen Anlagen entwickeln helfen." Der zweite Teil des Satzes ist(mit Ausnahme des Wörtchens„nur") richtig, der erste ist falsch. Denn jeder Erzieher wird sich bemühen, die guten Anlagen zu fördern, die schlechten zu hemmen, er wird also fortwährend korrigierend wirken, auch wsiui er nicht durch Strafen, sondern(wirksamer und besser) durch indirekte Maßnahmen Einfluß zu nehmen sucht. Dabei bestimmt er selbst, was„gut" und„böse" ist, mit anderen Worten: Der Korrekwrmoßstab, nach dem der Er- zieher bewußt oder unbewußt das Kind modelt, ist abhängig von seiner Weltanschauung. Der Jdealtyp, den er sich vom Menschen gemacht, ist sein Erziehungsziel, ob das nun klar vor seinem geistigen Auge steht, oder ob er im dumpfen Banne einer Tradition handelt, ohne zu wissen, warum. Der gute Erzieher aber m u ß w i s s e n, w a s e r w i l l. Es ist nickst gleichgültig, ob er die geistige Verflachung unserer großen- wahnsinnig gewordenen Zivilisation bejaht, ob er die Schichtung in„edle" Herrenmenschen und beschränkte Untertanen in der Stille seines Herzens gutheißt, oder ob er in den unter einer endlosen Wirtschaftskrisis dahinvegetierenden Menschen wieder die innere Schau ins Wesentliche eröffnen will, ob er überhaupt erst einmal.- ,, die materiellen Grundlagen einer kulturellen Veredelung der breiten CWt ,ni{flUff! X'ICTC, oOtlHCH Utlu JUOtnß) stellen soll, wodurch es, wie Sie ganz mit Recht bemerken, nur zur Verstellung angeleitet wird. Versuchen Sie es also zunächst einmal niil einer vorsichtigen und freundlichen Aussprache mit ihrer Mutter. Sollte diese Aus- spräche scheitern oder sich hinterher herausstellen, daß sie ohne Erfolg geblieben ist, so wäre die völlige Entfernung des Jungen aus ihrem Hause ratsam. Bei dem Mangel an wirklich guten Er- ziehungeheimen ist das keine einfache Sache und dürfte Ihnen kaum überwindliche wirtschaftliche Schwierigkeiten bereiten. Hier liegen eben die Grenzen zwischen Erziehung und Politik, und solange hier die Politik noch nicht die Möglichtoit zur Abhilfe geschaffen hat (Förderung der Versuchsschulen, verbesserte Lehrerausbildung, Bau van guten Landerziehungsheimcn u. dgl.), so ist heute in solchen Fällen nichts zu machen. Es bleibt Ihnen dann nur das, was Sie bereits jetzt schon ver- suchen: Selbst ein möglichst wirksames Gegengewicht gegen die un- erfreulichen Erziehungseinflüsse anderer Personen zu bilden. DSs süfhUuge Clse Frage«wer Hortnerin: In meinem Hort ist ein tZjähriges kluges Mädchen. Die Mutter ist Grünkram- Istindlerin, der Bater ist zeitweise in der Trinkerheil st ätte wird aber van der Mutter immer wieder nach Hause geholt. Else sieht alle Konflikte der Ellern mit an. Das Kind ist altklug und diskutiert mit dem Vater über„glückliche und unglückliche Ehen". Der Vater nimmt die Predigten der Tochter jetzt schon mit Ernst an und verspricht ihr zuweilen Besserung, natürlich mit nur geringem Erfolge.— Unter den Altersgenossen ist das Mädchen altklug und wenig verträglich. Sie sondert sich ab und hat am Spiel keine Freude. Ist hier noch eine Besserung möglich� Antwort: An diesem Mädchen wird sick, nicht mehr viel ändern lassen. Denn mit 12 Iahren sind bereits die Grundlagen der Eharakterentwickwng soweit festgcprägt, daß eine Umformung kaum noch möglich ist, namentlich bei derartig starken Jugend- eindrücken, wie sie dieses Kind erlebt hat. Immerhin scheint es sich um einen nicht bösartigen Charakter zm handeln, so daß zu hoffen ist, daß das Mädchen nicht kriminell wird. Am besten wäre es freilich, mit Hilfe des Jugendamtes und des Vormunds chaftsgerichts den Versuch zu machen, den Ellern das Klird wegzunehmen und tn geeignete Hände zu geben, oder wenigstens den Vater dauernd in der Trinkerheilstätte zu halten. Solange das Kind' in dieser Umgebung verbleibt, werden alle er- zieherischcn Maßnahmen im Hort Stückwerk bleiben. Trotzdem können Sie mll ewiger Geschicklichkeit hier Sicherungsdämme setzen. Sie müssen dem Kind vor allem eigene ernste Interessen geben, die es von der alleinigen Beschäftigung mit dem Ellern hause etwas ablenken. Eine Wiedererweckung der Freude am Spiel mit Gleichaltrigen wird wohl kaum noch möglich sein. Vielleicht aber lchließt sich das Kind etwas älteren Gespielen an. Der Versuch muß jedenfalls gemocht werden: denn es geht nicht an, ein so nach- denkliches und belastetes Kind nur dem Umgze unvevn&nflige'MuHev Frage: Es handelt sich in meiner Anfrage um meinen zwölfjährigen Bruder. Ich selbst bin die 28 Jahre alte Schwester, berufstätig, meine Muller führt den Haushalt. Ich fühle mich mitverantwortlich für die Erziehung meines Bruders, der außerdem sehr an mir hängt. Stach dem Tode mewes Baters haben sich die wirtschostlichen Berhältnisse sehr verschlechert, und das ist mit ein Grund für die gesteigerte Nervosität meiner Mutter und auch meiner eigenen. Meine Mutter macht mir meine Selbständigkeit zum Borwurf und oersucht, meinen Bruder gegen mich einzunehmen. Trotzdem kommt er mit all seinen Schul- und anderen Sorgen zu mir, wahrscheinlich, weil ich ihn ernst nehme und versuche, ihm zu helfen, während meine Mutter ihn oft mit der Bemerkung abspeist, sie Halle keine Zeit, das ginge ihn nichts an, oder das und das verstände er noch nicht. Ich halte meinen Bruder für einen mittelmäßig begabten Jungen und glaub« auch, daß er einen recht gutartigen Ehckakter besitzt. Sonst wäre er wohl durch diese andauernde Gereiztheit meiner Mutter und die schlechte Stimmung zu Hause schon ebenso geworden. Es ist für mich natürlich sehr schwer, gegen diese stets wechselnde Methode, dem Kinde einmal etwas zu ver- s a g c n, um es ebenso grundlos das nächst«mal zu ge- wahren, ew Geflengewicht zu geben,. da ich noch dazu den ganzen Tag nicht zu Hause bin. Natürlich zögert der Jung« immer so lange wie möglich, schlafen zu gehen, kommt unter irgendeinem Borwand immer noch zu mir, um etwas zu fragen. Ich fürchte auch, daß meine Müller mit daran schuld ist, daß der immerhin 12jährige Junge, der so groß ist wie ich, sich maßlos albern, wie ein kleines Kind oft benimmt. Es gefällt allen Be- suchern, daß der Junge so kindlich ist, man sagt ihm. wie nett das wäre, und so schauspielert er und tut sehr viel unverständiger, als er ist. Ich halte das für eine große Gefahr, das Kind wird so zur Verstellung angehalten. Ich hätte gern ihre Meinung über diesen Fall, ähnlich« Dinge kommen ja jetzt wahrscheinlich oft vor. Antwort: Sie haben durchaus recht, wenn Sie in dem dauernden Wechsel und der Ziellosigkeit einer solchen Erziehungsmethode eine Gefahr für ihren Bruder erblicken. Gerade diese immerwährende gereizte Stimmung der Umgebung muß von einem ganz entscheidenden ungünstigen Einfluß auf ein Kind sein. Na- mentlich wird der Junge das ungeschickte Ausweichen ihrer Fvmi Mutter seinen Fragen gegenüber als Interesselosigkeit empfinden, und das ist auch der Gnmd, warum er immer zu Ihnen kämmt, wo er mehr Verständnis findet. Im übrigen ist vielleicht ihre An- nähme, die Mutter versuche, den Bruder gegen Sie einzunehmen, doch ein wenig voreingenommen und unter dem Einfluß ihrer Gereiztheit zustandeqekominen. Auch die Ablehnung ihrer beruf- lichen Selbständigkeit von feiten ihrer Mutter ist wohl aus dem Gesichtskreis der älteren Generation heraus verständlich. Sollte es aber nicht vielleicht doch möglich sein, ihre Mutter angc- ficht« der wirtschaftlichen Notloge eines Besseren zu überzeugen? Ihre Mutter dürfte kaum In der Lage sein, Sie noch mitzuernähren, und aufs Heiroten kann man sich doch in einer Zeit eines so großen Frauenüberschusses keinessalls verlassen. Es scheint also möglich zu fem. wenigstens das Verhältnis ihrer Mutter z u Ihnen zu verbessern, und das ist schon ein Gewinn für die Erziehung ihres Bruders, wenn auch ein recht bescheidener. Wenn Sie sehr geschickt sind, so können Sie am Ende auch einen gewissen Einfluß auf die Erziehung?- proris Ihrer Mutter nehmen. Sie müssen ihr vor allem vorstellen �aß K'mder ee'ne Zirkurvlerbe sind dazu da. um sich vor dem Publikum zu vn'nnieieil. Das kindische Betragen ist so gar nicht tma- so Enrenlichee. Der Erwachsene soll doch dae Kind ent- wickeln, nicht hemmen. Pädagogisch denken, heißt nicht. das Kind nach eigenem Gefallen zu dressieren, sondern heißt. die Interessen des K i n d e s in den Vordergrund.zu stellen. Damit ist aber nicht gesagt, daß man das Kind selbst in den Vordergrund Bei einem so umfangreichen Stoff ist nicht zu erwarten, daß alle Teile in gleicher Weise gut sind. In dem ersten Viertel des Buches lvird der große Kosmos(Sonne, Sterne, Weltsysteme) und der Mikrokosmos(Wome) behandelt: dieser Teil scheint mir am wenigsten gelungen und am meisten Anfechtbares zu enthalten. Daß z. B. die Kant-Laplacesche Theorie der Entstehung des Planeten- systems„von den meisten angenommen" ist, stimmt nicht, die vor einigen 130 Iahren von Laplaco begründete und dem damaligen Stande des Wissens sehr angemessene- Theorie ist schon seit mindestens einem Mensche ncklter als nicht ausreichend und hinfällig all- gemein erkannt worden.— Daß der phantastischen Welleislehr« von Hörbiger, die gar keinen wissenschafllichen Wert besitzt, bei der sonst sehr knappen Darstellung fast drei Sellen gewidmet sind, kann nur aus der Vorliebe des Verfassers für derartige Phantastereien und seiner Abneigung gegen„Schulmeinungen" und„Professoren» wcishell" erklärt werden. Die dann folgenden drei Viertel des Buches find im wesentlichen den Zeugnissen der Entwicklung in den verschiedenen Erdschichten und der Entwicklungsgeschichte gewidmet. Hier werden in an- sprechender und unterhaltsamer Weise— und dies ist nötig, well das Buch für Leser bestimmt ist, welchen zu systematischen Studien die Muße und nach der Tagesarbeit auch die geistige Spannkraft fehlt— die interessantesten Fragen unter Berücksichtigung auch der jüngsten Forschungsergebnisse beleuchtet, so daß das Buch im ganzen doch seinen Zweck erfüllt. vr. Bruno Borchardt. Metberl Oheriug: uSbie gelamie SteaMion" Ein kleines Bändchen, im Ernst-Rowohlt-Berlag erschienen, will das Gesicht aller derer enthüllen, die unter der Maske des Fort- schritts, im Glauben an zeitgemäße Schlagnxnte stramme Reaktion betreiben und vielleicht nicht einmal bewußt, sondern eher als be- •) Verla« Oer Bitcherzilde Sickenberg, Berlin IS30, 204 Seiten. 4,80 M. Mr Mliglied«: der BSchergilde 8 M.). Preis trogene Betrüger. Herbert Ihering, der Theatcrtritiker. geht von der Bühne aus. Aber die Zustände des Theaters, des Dramas, überhaupt der Literatur können auch als Symbole für die Bcr- worrenheit der Gegenwart auf anderen Gebieten, etwa aus dem der Polllik, der Weltanschauung oder der Publizistik, gellen. Diese Ausschnitte aus Theaterkritiken und Essays liefern einen kritischen Beitrag zur Geistesgeschichte der Moderne, decken die wahre geistige Hallung des sogenannten fortschrittlichen, bürgerlichen Menschen auf. Die Diskusslon steht aus geistiger Basis, sie hält sich frei von allem persönlichen, literatenhaften Tratsch. Die Kritik geht gegen die Sache, und die getroffenen Persönlichkellen gellen nur als Exponenten der Sache, gewissermaßen als Träger einer Idee. In dieser Art werden Claudel. Werfel, Bruckner, OMeill behandelt. Man spricht so viel von Sachlichkeit, man hat sie in Erbpacht g«- uommen, aber hinter dieser Fassade oerbergen sich die Ideale von vorgestern, verbirgt sich der Verzicht auf eine eigene künstlerische Form, und die Inhalte sind letzten Endes die gleichen geblieben. Noch immer gllt Wedekind oder Strindberg, auch wenn er ins Amerikanische transponiert wird. Noch immer spuken religiöse Mystik, kriegerischer Pazifismus oder psychoanalytesche Privat- bcschäftigung in den Gehirnen. Der Blick ist nicht aus die Gegenwart und ihre Probleme gerichtet, nicht auf den Kern einer Sache. Man will wieder die problemlose Idylle, das Süßliebliche. Ihering beweist dies an der Wandlung der Rotter-Bühnen, die bei dem sacharinierten„Land des Lächelns" enden, er beweist es an Mar Reinhardt. "Wo geht es jedoch um die Sache? Ii» der Publizistik? Am Fall Tucholsky weist Ihering nach, daß eine Polemik ohne Risiko ge- trieben wird.„Wo bleibt bei einem Polemiker von dieser leichten, schriftstellerischen Begabung die Auseinandersetzung mll den geistigen Kämpfen?" Scharfe und sachliche Angriffe und Erwiderungen sind notwendig. Die meisten begnügen sich aber mll dem geistreichen Feuilleton, mit fadem, ironischem Zeug, mit schnoddrigem Witz. Ein gut formulierter Satz täuscht über die innere Vclanglosigteu hinweg. Es fehlt an Gewicht. Ihering sielst diese Fehler, greift sie leidenschaftlich an, aber er deckt nur auf, er weist mit dem Finger auf die Wunden, er zeigt keine Weg« ins Neuland. Auch Ihering wurzell im Boden eines in sich zerrissenen Bürgertums, dem der Generalnenner verloren gegangen ist und dessen Ausdruckssormen tastende Nervosität ver- raten. Felix Scherret. »» FU/f DEN KLEINGÄRTNER »AeWilmiiiiiiimiiimNimiiimulimaimmiemimiilimmmmiimiiliiiRMliiMiiimmiiiMMiiimmlinmimmiMiiiiiiiwnliatmiimaliiiiliNilmul�unlmiiumillliMiiniilii!:«� Hex und Chr Isidor n Allerseelen, Totensonntag und Weihnachten stellen große An- spräche an Koniferen und immergrüne Laubgewächse wie Buchsbaum, Mahonien, Efeu und Ilex. Hinsichtlich der letzteren, die ein sehr langsames Wachstum hat, sind schon Befürchtungen laut geworden, daß sie zu den aussterbenden Gewächsen zu zählen sei. Ihrer in vielen schönen Formell sich vorfindenden grün glänzenden Blätter wegen führt sie auch den Namen Stechpalme und wird des- wegen gern als Kirchenschmuck zu Ostern gebraucht. Aber auch di« Bezeichnung C h r i st d o r n weist darauf hin, daß sie als Weihnachts- schmuck eine Ralle spielt. Im Winter zeig! sie auch ihre besondere Schönheit durch den Besatz mit scharlachroten Beeren, die sich von dckm dunklen Grün der Blätter wirkungsvoll abheben. Die Ilex gedeihen in einem sandigen durchlässigen Boden und bevorzugen einen halbschattigen Standort. In kälteren Gegenden ist eine Schutzdecken für den Winter angebracht. Sowohl der Samen, wie auch die Ablege? brauchen eine lange Zeit bis zur ersten Regung einer Lebenstätigkell. Auch das Verpflanzen hat seine Gefahren und man tut deshalb gut, die jungen Pflanzen zunächst in Töpfen oder noch besser in Drahtkörbcn vorzukullioieren. Stadtischer Gemüsebau In einer Versammlung der Gärtnerbezirksgruppe Magdeburg wurde darüber geklagt, daß die Stadt Magdeburg beabsichtige, von ihren Rieselfeldern zunächst 200 Morgen selbst zu bewirtschaften, um dadurch der Erwerbslosigkeit entgegen.zuireien. Diese Klage kann als unbegründet zurückgewiesen werden, denn man darf wohl von einer modernen Stadtoerwaltuirg annehmen, daß sie nicht im Herbst ihren Kohl auf den Markt werfen, soudern ihre Kapital- traft dazu ausnützen wird, den Kohl in Kohlscheunen bis ins neue Jahr hinein auizubewahren, damit der deutsche Bürger nicht ge- zwungen ist, holländischen Kohl teuer zu bezahlen, weil kein beut- scher da Ist. Haben doch auch die diesjährigen Berichte aus den holsteinischen Kohlanbaugebieten Immer wieder den Mangel an Kohlscheunen hervorgehoben, der die Anbauer zwingt, nach der Ernte zu verkaufen und den Ueberfluß unterzupflügen. Die in früheren guten Jahren bewiesene Sorglosigkeit gut zu machen sälll natürlich in Zeiten der Wirtschaftskrise schwer. Die Magde- burger Gärtner sollten das Ihrige tun, um dem sozialen Gedanken, der>«dem städtischen Regiebetriebe zugrunde liegt, restlos zum Siege zu verhelfen, so z. B. auch für ihren Uoberschuß eine Aufbewahrung im städtischen Betriebe durchzusetzen. Die bloße Klage soWe einer Bereitwilligkeit zur Mitarbeit Matz machen. Der Zug ins Große Nach drei Richtungen spricht sich das neue Kulturideal in der Heranzucht der Blumen aus: längere Stiele(durch die Treiberei der meisten Pflanzen hervorgerufen), größere Blumen und neue Farbentöne. Man denke nur au die Riesenbahlien und Ehrysanthemeiu Zlber auch kleinere Blumen unterliegen diesem Gesetz: es gibt jetzt Zinnien, deren Blüten 10 Zentimeter Durch- messer aufweisen. Daher die Bezeichnung riefen- und dahlienblütige Zinnien. In einem Dutzend Sorten sind alle möglichen Farbentöne vertreten: weiß, gelb, rosa, scharlach, violett usw. Die Riesen- Stiefmütterchen reihen sich an: auch hier geht Größe mit neuen Farben Hand in Hand. Einer Neuheit in Silberlila wird nachgerühmt, daß eine Anpflanzung in der Forbenwirkung eher an Vergißmeinnicht als an Stlefmüterchen erinnere. Dem alten beliebten Löwenmaul sind neue Variationen— riesengroß!— abgewonnen worden. Einer Sorte Anlhirrinum inaimum ist in dem amerikanischen Treib-Löwenmalll ein Konkurrent erstanden: in etwa zg Farbentönen nach modernem Geschmack: goldgelb, lachsrosa, Bronze usw. ziehen diese kräftigen Vlütenstauden das Auge des.Be- schauers an. Freilandsaat von Sommerblumen Bei einer Anzahl von Sommerblumen kann man die Anzucht der Pflanzen im Mistbeet ersparen und die Aussaat direkt im Freiland vornehmen. Mai» wird Reihensaat wähle,, und'die Entfernung dar Reihen auf 20 bis 2ö Zentimeter bemessen. Falls man.zu dicht ghfät hat. muß man noch einiger Zell auslichten etwa auf 20 Zentimeter Entfernung. Eine Hauptbedingung ist, daß das Landgut oorbereit et ist. Die Zlussaat kann im Viärz bis Mai erfolgen. Geeignet sind: Agrestemma(Himmelsröschen), I Arnarantus(Fuchsschwanz), Calendula(Ringelblume), Centaurea (Kornblume). Chrysanternura carinaturn(Wucherblume), Elarkia, Delphiniurn(Gefüllter Rittersporn), Eschscholtzia, Iberis(Schleifen- blume), Nigella(Braut im Haar, Jungfer im Grünen), Fapaver (Mohn), Reseda. Die Mehrzahl dieser Sommerbliiher stellt geringe Ansprüche an Weiterkultur. Sonnige Lage wird bevorzugt, und natürlich darf es nötigenfalls an Bewässerung nicht fehlen. Die„Meine" Wintersport-Olympiade Arbeitersportler im Erzgebirge Die am 1. und 2. Weihnacht sfeierlag in Johann- georgenstadl durchgeführten Ausscheidung»- kämpfe um die Teilnahmeberechtigung an der 2. Ar- beiker-wintersport-Olympiade im Februar in Würzzuschlag haben in jeder Beziehung die Erwartungen er- füllt. Das zeigte sich besonders am 2. weihnachtefeiertag beim Festmarsch zur neuerbautcu Sprungschanze der Johann- georgenstadler Arbeitersportler. An die 500 Wintersportler des Arbeiter-Turn- und Sportbundes und der Naturfreunde sammelten sich auf dem Warklplatz zu einer Kundgebung und zum Marsch nach der Schanze. Bei den Skiläufen bot der Z e h n k i l o m e k e r- M a n n- s ch a f t s l a u f die interessantesten und spannendsten Kämpfe. 6 Mannschaften lagen ab wechselnd in Führung und es gelang Schreiberhau, nach scharfem Kampfe in 37,23 Min. zuerst durchs Ziel zu gehen; 2. Jolzanngeorgenstadt 37.47 Min.; 3. Ver- band Osterzgebirge 33,02 Min. Sieger im 30-Kilometerlaus wurde Sender-Schreiberhau in 1 Sid. 38,27 Min., 2. Ullmann- Oohanngcorgenstadt 2 Std. 3,11 Min., 3. Weicher-Schreibcrhau 2 Std. 4,15 Min. Den 15-Kilomcterlauf gewann 5ieß- Johanngeorgenstadt in 59,45 Min., gefolgt von Wagner-Schreiberhau in 60,38 Min. und(libert-chilbcrsdorf in 62,57 Min. Der 3- K il o- meter-chindernislauf mar ein scharfer Wettbewerb zwischen Wagner-Schreiberhau und Heß.Iohanngeorgenstadt, die bei BewällU gung der Strecke große Schnelligkeit und kolossalen Mut zeigten. Bester wurde Wagner in 10,04 Min.; Heß brauchte 10,16 Min.; an 3. Stelle erreichte Sender-Schreiberhau das Ziel in 10,42 Mm. Die Frauen trauen sich anscheinend im Wettkampf auf den Brettern nicht viel zu. Zum 4-Kilometerlauf starteten nur vier Läuferinnen, von denen die in Führung liegende Busch- Leipzig wegen Skibruch noch aufgeben mußte. Sieger wurde Keller-Iohanngeorgenstadt in 16,39 Min., 2. Bohnitz-Johanngeorgen- stadt in 17,39 Min., 3. Rödel-chof i. B. 18,40 Min. Den Höhepunkt gm 2. Weihnachtsfeiertag bildeten die Schanzenweihe und die Sprungläufe. Die meiste» Sprünge wurden in mustergültiger Haltung und ohne Fäll durch- geführt. Krauß-Johanngeorgenstadt und Korner-Brunndobra erreichten je 43 Meter und wurden dadurch die besten Springer. Im zusammengesetzten L a u f, der aus einem 15-Kilometerlauf und einem Schan.zensprung bestand, gewann Krauß-Johanngcorgen- stadt vor Hauser-Iohanngcorgenstadt. Der Kommuni st ische Sportverband hatte seit Wochen die Wintersportler seiner Agitationsbezirke Chemnitz, Erz- gebirgs und Leipzig zur Gegendemonstration in Johann- georgenstadt aufgerufen. Es mögen an die 150 Kommunisten- fportlsr gewesen sein, die während dem Sammeln auf dem Markt- platz eine„Gegendemonstration- versuchten. Sie, mißten aber ein- sehen, daß das bei der Uebermacht der bundestreuen Wintersportler ein ergebnisloses Unterfangen war. An den Feiertagen spielten Fußball, Handball, Hockey Weifjensee— Senttenberg 0:0 Die Wcißeuscer Arbeiterfuhbalter hatten sich mit den Senften bergern eine äußerst flinke und faire Mannschaft verpflichtet. Die Gäste zeigten ein weit auseinandergezogenes Flügelspiel, während die Weißenseer die engmaschige Kombination bevorzugten. Nur vor dem Tor zeigten sich beide Mannschaften von der gleichen Seite, nämlich im Fehlermachen: die Senstenberger Stürmer standen Mann an Mann, die Weißenseer dagegen über die ganze Angriffsfläche verbreitet. Beide Hintermannschaften hatten dadurch eine leichte Abwehrarbeit. Das Resultat entsprach zivar nicht ganz dem Spielverlauf. Die Senstenberger waren in der letzten Viertelstunde ihrem GegNer überlegen Schußunsicherheit der eigenen Angriffsreihe und eine tüchtige Portion Glück des Weißenseer Torwarts, verhinderten jedoch jeden Erfolg. Weißcnsees zweite Mannschaft konnte nach flottem Spiel gegen Cichc-Köpenick 2 mit 1: 0 siegreich bleiben. Ein Unentschieden hätte dem Spieloerlauf besser entsprochen.— Lichtenberg II zeigt« sich den Potsdamern mit 5: 2 überlegen. Potsdam 2 gegen Litten- berg II 2 2:1. Spiele am 2S. Dezember. Am morgigen Sonntag finden folgend« Spiele statt: Schweissterne gegen FTGB.-Osten. Nowawes gegen Wilmersdorf. Fohrdo gegen Rathenow. Potsdam gegen Spandau. Nauen gegen Wilmersdorf. Butab gegen Werder. Briefelong gegen Ketzin. Wittenberg 2 gegen Perleberg 3.— Lichtenberg I erwartet im Lichtenbcrger Stadion einen Vertreter des zweiten Bezirks: FTGV.-Pankow. Die Pankower haben in den Serienspielen gezeigk, oaß sie mit zu den spielstärtsten Mannschaften des Bezirks zählen.— Lichtenberg II 2 trifft sich mir Weißensee 2 im Weißenseer Stadion am Faulen See. Alle Spiele beginnen um 14 Uhr. Handball Der Männerturnoerein Bernau hatte sich für seine beiden Mann- schosten die Freie Turnerfchast Schwante verpflichtet. Di« 1. Männer- Mannschaft gewann über die 1. Mannschaft von Schwante mit 7: 2 (4: 1) bei einem fairen Spiel. Bernau war durch bessere Fang- sicherheit etwas schneller im Spiel,.gut war auch das Stellungsspiel. Bei Schwante war der Sturm etwas unsicher und verdarb durch zuviel Kombinationsspiel manch- gute Gelegenheit. Die zweiten Mannschaften trennten sich 1: 1(0: 0). Stralau 1 gegen Stralau 2 10■: 0. Friedrichsfeld« gegen Rosenthal 4: 5. Die Spiele am Sonntag In der 1. Klasse werden FIGB. Wedding und FTGB. Osten ein seinerzeit der Witterung zum Opser gefallenes Spiel wiederhÄen. Beim ersten Spiel führt« Wcdding zur Pause mit 3: 0. Das Spiel findet um 14 Uhr im Voltspark Rehberge statt. Auch FTGB. Nord- ring 1 und Eiche- Köpenick l haben ein solches Spiel zu wiederholen. Um 1214 Uhr stehen sich beide Mannschaften auf dem Platz an der Schönhauser Allee gegenüber: Köpenick müht« der Sieger fein. In der Abteilung B haben FTGB. Neukölln 1 und Freie Sporivereim- gung Schönebcrg 1 ein Spiel um 14 Uhr im Bollspark Neukölln zu wiederholen. Der Ausgang ist ungewiß, beide Mannschaften sind gleichwertig. In den unteren Klassen spielen im 1. Bezirk, 3. Klasse: Fürstenwalde 2 gegen Erkner 2 um 1014 Uhr in Fürstenwalde. 3. Bezirk, 2. Klasse: Bornstedt gegen Potsdam um 14 Uhr in Barn- stedt. 3. Klasse: Stemensstadt gegen Nauen um 14 Uhr im Volkspark Rehberge, Nowawes 8 gegen Ketzin 1 um 14 Uhr in Nawawes. 4. Bezirk, 2. Klasse: Neukölln 2 gegen Schöneberg 2 um 10 Uhr im VoUspark Neukölln. Frauen: Luckenwalde-Sporller gegen Süden 2 in Luckenwald«. Die wichtigsten Gesellschaftsspiele sind: Männer: Wilmersdorf gegen Kaulsdorf, Potsdam gegen Reichs- banner Nowawes, Wannsee gegen Schweifsterne, Schönow gegen Velten, Friedenau 2 gegen Kalkberge 1, Friedrichsfelds 1 gegen Ruderverein Borwärts 2, Marwitz 1 gegen Tegel 2, Nordost 2 gegen FTGB. Ruderbezirk 1. Frauen: Köpenick 2 gegen Neukölln 1 und Wilmersdorf gegen Kauksdorf. Hockey Die West-Monnschaft im Kreisspiel Ost gegen West fand sich sehr schnell zueinander. Der Abwehrblock der Ostmannschaft, der geschlofstn von der FTGB.-Ostring gestellt war, wurde geschickt auseinander gespielt, beide Sturmflügcl gut beschäftigt und in kurzer Reihenfolge dem Jnnensturm zu drei schöne« Torerfolgen verholfen. Immerhin hatten auch die Verteidigung und die Läufer, wenn auch indirekt großen Anteil am Erfolg. Besonders der genial spielende rechte Verteidiger der Westmannschaft und die Läufer verstanden es einzig, den Ansturm der Ostmannschaft zum stehen zu bringen und den eigenen Swrm reichlich mit guten Vorlagen zu bedienen. Nach dem Wechsel kam auch die Ostmannschaft mehr zur Geltung, das Spiel würbe offener, aber das allzu schnell« Tempo der Vorpausen ließ etwa» nach. Endergebnis 3:0 für West. Vorschau für Morgen. Auf dem Platz Ost in der Lasterstraße finden folgende Spiel« statt: 9 Uhr Tennis-Rot 3— FTGB.- Ostring 3. 1014 Uhr Tennis-Rot 2— FTGB.-Osten 1. 14 Uhr Tennis-Rot 1— Athletik-Sportklub 1.— In der Schönhauser Allee trefsen sich FTGB.-Rordring 2 und SB. Moabit 2 um 14 Uhr: FTGB.-Rordring 3 und FTGV.-Pankow 2 um 1214 Uhr.— Von den Frauen treffen sich Tennis-Rot 1 und FTGB.-Rordring 1 um 13 Uhr und Tennis-Rot 2 und FTGB. Pankow 2 um 12 Uhr, eben- falls auf Platz Oft. ch Arbeiter-Wasserball-vorschau. Die Frage nach den vorausficht. liehen Siegern bei den Wochenendpunktspielen im Lunabad ist nicht schwer zu beantworten. Charlottenburg muß am Sonnabend gegen Union gewinnen können und Weißensee sollie es nicht schwer fallen, Hellas II aip Sonntag zu distanzieren. Arbeiter- Schachspiele. Morgen, Sonntag, findet die sünfte Runde der Mannschaftskämpfe der A-Gruppe in der Freien Arbeiter» fchachoereinigung statt. Es wird gespielt: Friedrichshain 1 gegen Treptow 1 bei Mbrechi, Straßmannstr. 42, Kreuzberg gegen Mitte bei Krepp, Plannfer 75, Westend gegen Neukölln bei Iamin, Sophie» Charlotte-Str. 88, Prenzlauer Berg gegen Weißensoe bei Pohst, Stargarder Str. 19. 5onja Hcnie im Sportpalast Schlittschuhklub von Potzleinsdorf geschlagen Im Rahmen des Weihnackits-Cishockeytonrniers im Berliner Sportpalast stellte sich auch die jugendliche Kunftlaus-Weltmeisterin Sonja Henie zum ersten Male in der neuen Saison den Berliner Eissportfrcunden vor. Die in großer Zahl erschienene Sportgemeinde bedachte Norwegens Meisterläuicrin. die wieder mit einem überaus vielseitigen, mit großer Sicherheit vorgetragenem Programm aufwartete, mit dem verdienten starken Beifall. In den Eishockey-Wettspielen gab es eine Ueberraschung, denn der- Berliner Schlittschuh-Club unterlag mierrvartet gegen die Mannschaft de- Pötzleinsdarser Spart-Club. Die Wiener lieferten i», großen und ganzen eine gleichwertige Partie, wrren aber im Schuhkreis glücklicher und konnten sich so mit 4: 3(2: 2. 0: 0, 2: 1) knapp durchsetzen. Im zweiten Spiel behauptete sich Göta- Stockholm erwartungsgemäß gegen die recht eifrig spielende Berliner Verbandsmannschaft mft 6:0(3:0, 2:0, 1:0). Artisten«Weihnachten Der Arbeiter-Artistenverein„Einigkeit- und seine große Anhängerschar feierten auch in diesem Jahr das Weihnachtssest mit einer überaus bunten Darietä-Borstellung in der„Reuen Welt" Als das Pätzold-Duo aus riesigen Steckkissen Säuqlingswsisheiten zum besten gab, waren die Gäste schon gewonnen. Rosa und Thom ertanzten sich mit schönen, fast akrobatischen Neuheiten den stärksten Beifall. Die sichere Routine der Zwei Pohls verhalsen dem Kam- binationsakt zu gutem Erfolg. Das Kleinert-Ballett brachte in der Kleidung der letzten drei Jahrzehnte allerlei alte Tänze, darunter selbstverständlich auch den„Rixdorser- auf die Bühne. Mehr«in Spiel zwischen Menschen und Tier war der Dresiurakt der Ellirys. Der Austakt der beiden Scmtys, zwei Artisten-Generationen, war eine nervenkitzelnde gute Arbeit. Mit neuen hübschen musikalischen Extravaganzen überraschte Bonbon: ob er aus einer Zigarrenkiste, einem Waschbrett oder der singenden Säge spielt«, stets zeigte er virtuoses Können. Mit schönem Elan bewältigte Hal-Schiever seine Grotesktänze. Eine Krönung des Ganzen war dos Auftreten der Fünf Dorris. Seit mehreren Jahren arbeitet diese beliebte Sprung- truppe in England, diesmal zeigten sie ihr großes Können wieder einmal im Berliner Rampenlicht.• Die Avus wird billiger. Die Avus-Direktion teilt mit, daß sie sich trotz großer Ausgaben für umsangreich« Neubauarbeiten und Unterhaltungszwecke zu einer Herabsetzung der Benutzungsgebühren ab 1. Februar entschlossen habe. Saisonschluß in Mariendorf. Die mit großem Erfolg durch geführte Mnterkompagne In Mariendorf wird morgen, Sonntag, beendet. Am Sonntag, dem 4. Januar, wird der Schauplatz für den Berliner Trabrennsport wieder nach Ruhleben oerlegt. Beginn wieder 1314 Uhr. Skifahrt ins Zillertal Reichsbanner auf Wcihnaditsfahrt A. S. Gschößwandhütte, Zillertal, 25. Dezember 1930. Die im Deutschen Wintersportverband zusammen- geschlossenen republikanischen Wintersportler hatten ihre lange Ski- spur in den Vorjahren in die Kitzbüheler Alpen, in die Silvretta und in die Octzthaler Alpen eingezeichnet. Weihnachten 1930 sollte in den ZillertalerAlpen gefeiert werden. Die Mitglieder der Reichs- banner-Wintersportabteilung, des Berliner Tennis- und Wintersport- klubs Schwarz-Rot-Gold, des Deutschen Alpcnvereins und des Deut- scheu Autoklubs trafen sich am 20. Dezeniber am Anhalter Bahnhof. Mit dem Nachtschnellzug gings nach München. Auch die Naturfreunde schlössen sich auf der Fahrt der Reise des Deutschen Wintersport- Verbandes an. In Leipzig wurden die Spartkameraden aus Leipzig, Hellerau und Quedlinburg begrüßt, die auch noch ihren Platz fände». Bald schnarchte alles. Im Gepäcknetz, auf den Bänken»nd in den Gängen liegen überall eingemummelte Gestalten. Es ist zwar ein bißchen unbequem, aber was tut man nicht alles, um recht schnell in die geliebte Bcrgwelt zu kommen. Einige besonders Schlaue hatten die Fensterplätze eingenommen und meldeten nun sleißig, wo und wieviel Schnee liegt. Schneller als man glaubt, ist die Fahrt über- standen. Die österreichischen Beamten hatten schnell alle Pah- und Zoll- sormallläten erledigt und wünschten uns eine glückliche Reise. In Jenbach wurde der V-Zug mit der schmalspurigen Zillertal- bahn vertauscht, die furchtbar schnauft und spuckt, daß sie so viele Sportler auf einmal die 300 Meter hinaufzockcln soll. Die Eisen- bahnbeamten grüßen mit ihrem„Freundschaft", es sind Parteimit- glieder, die staunen, daß sie so zaizlrekjieii Besuch aus Deutschland erhalten. Mayrhofen heißt der endgülHe Endpunkt der Bahnfahrt. Im Gasthof„Bad" hat der porteigenössische Wirt ein reichliches Mittagsmahl bereit. Schnell sind die dampfenden Schüsseln geleert, und alles ist bereit zum Aufstieg zur Gschößwandhütte. Mit Maul- eseln wird das Gepäck hinausgeschafft. Aber die lieben Bretter können noch nicht angeschnallt werden, da der Weg zu steil, vereist und teil- weise ausgeapert ist. Mayrhofen liegt 619 Meter hoch und dos Stand- quartier, die Gschößwandhütte, 1933 Metter, also über 1300 Meter müssen wir am st eilen Hang hinausklettern. In langer Karawane gehts bergan. Der Fahrtenleiter gibt das gleichmäßige Tempo an, und der Skilehrer sorgt dafür, daß Bum- Melanien nicht abgehängt werden. Serpentinen erleichtern etwas den Anstieg, doch bald merkt man. daß der Großstädter diese Höhen- unterschiede nicht ganz so leicht bewältigt. Das lange Band der ansteigenden Kolonne reißt öfter ab. Pfeisensignale und Zurufe müssen öfter für den Zusammenhalt der Kolonne sorgen. Nach zwei Stunden ist der Weiler Astegg in 1200 Meter Höhe erreicht, eine kurze Rast wird eingeschoben. Trotz der nach durchfahrener Nacht beachtlichen Kletterleistung wird doch wieder zur Klampfe gegriffen. Inzwischen ist es aber draußen stockdunkel geworden. Fackelschein muh jetzt den Weg weisen. Durch hochstämmigen Wald gehts wieder weiter bergan. Bald über, bald unter der Kolonne leuchten die Fackeln der Führer und der Schlußmänner auf, um dann wieder hinter einer Wand oder im Unterholz zu verschwinden. Zeitweije sieht man die ganze Kolonne, und es ist ein herrlicher Anblick, die gleichmäßig stapfenden Sportler im Fackelschein unter und über sich klettern zu sehen. Alles ist müde, und doch fliegen hinauf und herunter lustige Scherzworte: man vertreibt sich die Zeit zu erraten, wann man oben fein wird. Selbstverständlich wird eifrig über die Frage diskutiert, wieviel Schnee oben ist. Um uns ist vollkommen Nacht. Dos ist vielleicht gut. Man sieht nicht mehr, daß man auf schmalem Steg dicht an der Gschößwand entlanggeht, die 500 Meter steil abfällt. Bier Stunden dauert die Kletterei. Der Weg wird immer steiler, und auch schwieriger. Mit Sehnsucht erwartet jeder, daß der Wald bald aufhört, denn auch die Fackeln sind längst abgebrannt, und im Scheine der wenigen Taschenlampen� die zur Verfügung stehen, muß der Weg gesucht werden. Doch endlich hört der Wold auf, nur noch Krüppelholz steht links und rechts vom Wege. Der Wind pfeift stärker, der Frost ist spürbarer. Die Kette der Sportler ist längst mehrfach abgerissen, immer schwerer wird die Verständigung mit den Schlußmännern. Da endlich treten die ersten aus dem Unterholz heraus und sehe» die Heuhütten auf den Almen, da ertönt Plötzlich aus dem Wald. heraus von den Schlußmännern der Ruf:„Sanitäter". Eine Sport- lerin hat das Ansteigen van 600 auf fast 2000 Mter zu stark ange- strengt, sie hat die Bergkrankheit und muß van tapferen Samaritern getragen werden. Endlich um 8 Uhr ist auch der Letzte auf der Hütt«. Alle Mühsal wird belohnt durch den herrlichen Blick auf schnec- bedeckte Gebirgsketten und herunter auf das Tal nach Mayrhofen, dessen Lichter den feinen Talnebel durchbrechen. Am nächsten Morgen haben die Maulesel auch die Bretter angeschleppt, und schon rutscht es auf allen Hängen umher. Die Zünftigen trainieren und üben für die nächsten Hochtouren, die anderen üben fleißig am Hang, um in den nächsten Tagen auch einmal die Skispur in die umliegenden Bergketten einschreiben zu können. Das Gschößwandhaus liegt direkt an der 500 Meter steil abfallenden Gschößwand. Von dieser luftigen Höhe hat man einen herrlichen Blick auf die Alpenwelt bis herüber zum Graß-Venediger. zu den Kitzbüheler Alpen und zum Hachferner, der schon hinter der italienischen Grenze liegt. Vom Gschößwandhaus aus ist heute vor- mittag eine Gruppe aufgestiegen zum Penkenberg, der 2500 Meter hoch ist. Ein Teil der Spartler ist von Mayrhofen aufgestiegen über Ginzling-Dornauberg, hat Standquartier bezogen in der Dominikushütte und wird von dort aus hochakpine Fahrten zur Friesenbergscharte, zur Rssflerscharte und zum Friesenberghaus unter- nehmen, das auch den Hachalpinisten einige Tage Standquartier geben wird, die vozn Gschößwandhaus aus eine fünftägige Fahrt in die Welt der 300ver unternimmt. Gute Eisvcrhaltnisse im Spreewald Wie uns aus Lübbe n im Spree lyald mitgeteift wird. sind die Cisverhältniss« auf den Wasserläufen des Spree- waldes zur Zeit ganz ausgezeichnet, Das Eis ist weder körnig noch wellig und auch nicht spröde, so daß der Eisläufer seine Freude an den Bahnen haben wird, die sich van Lübbe» bis weit in den Spreewald hinein ausdehnen. Auskunft, Führer und Abfahrtstelle in der Kleinen Amtsmühl« in Lübben, dortselbst auch Auskunft über die Lübbener Jugendherberge, in der 200 Lager zur Verfügung stehen. „emlibotitsf.«aSfabrun Senittaj. 26, D»»n>>b»r. 2. Abt.: Nack Schenlintork b«i cötohbieren.— Abt. ssricdrichstxlln: Siel am Start 13 Ubr Petektburaer Wofc.— Abt. Moabit: Ctwaietnang durch den®nmc= malb. 13 Uhr ffiielefftt. 17. gl®®.®.-A..Si«una Dienstao, 30. Swmber, Hkschaftsftellc.—«uirf West«»! Morgen, Sonntag. Treffpunkt für-alle ISlo Uhr bei Rickert. St-iil. mefcftral« 30», Sur gabrt In den Grunewald. Bei Regenwetter um 16 Ubr bei Rietet.— MulUkorp»: Reulabropartie nack Ralsttsdorf. Abmarick m-t Mulik 1« Ufr Bahnhof{Ztiebrichohoacu. Oberammergauer Nachspiele Die Frommen versuchen sich an den Bedienungsprozenten zu bereichern Der„Abend" brachte am I. Dezember eine Glossierung der Tat- sache, das; den Festspielen in Oberainmergau Nachspiele vor dem Arbeitsgericht folgten, weil das Bedienungspersonal um die regelrechte Auszahlung seiner Prozente klagen mußte. Der Ä e m e i n d e r n t Oberammergau sieht sich nun veranlaßt, zur Ehrenrettung des Ehristusdarftellers Alois Lang eine„Ausklärung" z» oerbreiten, die zu dem Schluß kommt:„Der Vorwurf, Ober- ammcrgauer Vermieter hätten ihren Angestellten das Bedienungs- geld vorenthalten, ist eine glatte Unwahrheit." Das heißt denn doch den Mund zu voll genominen. Die Angabe, daß UO Klagen schwebten, ist allerdings unzutreffend. Rund 30 Klage» wurde» beim Arbeitsgericht anhängig gemacht. In unserer Betrachtung war von dem Christusdarsteller Anton Lang die Rede. Es handelt sich jedoch um den jüngsten Christusdarsteller Herrn Alois Lang. Anton Lang war— wie wir der„Auf- klärung" entnehmen— lediglich wegen Ueberstundenb« Zahlung von zwei keramischen Arbeitern verklagt worden und hat sich mit diesen auf Nachzahlung von 200 M. verglichen. Der Christusdarstellev- Alois Lang ist vom Arbeitsgericht in Garmisch verurteilt worden, an vier Klägerinnen des Bedienungspersonals 548 M.. 1483 M.. 570 M. und 800 M.. insgesamt also 2207 20., Bedienungsgeld zu zahlen. Herr Alois Lang hat zwar beim Landesarbeiisgericht München Bcruiuug eingelegt, allein der für das Beherbergungs- und Gaststätten- gcwcrbe im bayerischen HMhland gültige Tarifvertrag, ist allgemeinverbindlich und damit auch für Oberommergau bindend. 'Nach dem Tarifvertrag hat das„Bedienungspersonal" Anspruch auf einen kleinen Barlohn(der im allgemeinen die anteiligen Sozial- Versicherungsbeiträge deckt), ferner aus freie Kost und Wohnung sowie aus die in voller Höhe eingegangenen prozentualen Bedienungs- ausschläge. Alois Lang hat zwar in„geschickter Weise" den von ihm an den einzelnen zu zalzlenden Barlohn von 13,20 M. auf 86 M. usw. erhöht, er hat aber damit in Wirklichkeit nur einen Teil des eingezogenen zehnprozentigen Bedienungsgeldes an die früheren Trinkgeldrnipfängcr(Bedienungspersonal) ausgezahlt. Bei diesen Manipulationen, die nicht ganz neu sind und von den Pensions- besitzern in. Oberammergau allgemein nachgeahmt wurden, hat n. A. auch Alois Lang das getan, was verschiedene Unternehmer des Le- herbergungsgewcrbes getan, bzw. versucht hatten zu tun, d. h., sich zu seinen Gunsten am Bcdienungsgeld bereichert. Hätte Alois Lang bzw. seine Ehefrau, die de» Pensionsbetrieb vorwiegend leitete, das eingegangene Bedicnungsgeld restlos an dc« im Tarif genau um- schriebene Bedienungspersonal ausgezahlt, dann wären Klagen nicht angängig gemacht worden, und kein Urteil ergangen, das zur Nach- Zahlung zwingt. Daß die'Herren Oberammergauer Pensionsbesitzer die Prozeß- vertreiung ihren Töchtern und Ehefrauen übertragen hatten, sei nur nebenbei erwähnt. Eine besondere Rolle spielte der Theatcrrestaurateur Fichtl, von dessen Faniilienmitgliedern vier im Festspiel mitwirkten. Ver- schiede» e kleine Leute, die Darlehen und Kautionen hergaben, warten heute noch aus die Rückzahlung. Mit einem Servierfräulein vereinbarte Fichtl einen An- stellungsvertrag, wonach sie 2000 M. Kaution stellen und ihr Engagement bis 1. Oktober 1930 dauern sollte. Die Rückzahlung der Kaution aber soll erst am 31. Dezember erfolgen. Die Gewerk- schaft versucht, den Restbetrag der Kaution von 000 M. herauszuholen. Herr Fichtl war so vorsichtig, sein Honorar als Mitglied des Festspiels, um es vor etwaigen Zugriffen seiner Gläubiger zu sichern, auf seine Mutter— die in Gütertrennung lebt— übertragen zu lassen. Nach allem hätte der Gcmeindcrat Oberammergau gut daran getan, sich mit den'Nachspielen um die privatgeschäftliche Seile der Festspiele nicht zu befassen. Es ist Sache der Gericht«, darin Ordnung zt' schassen. NGO ,Aazis und Christen Arm in Arm Bei der Bezirksbetriebsratswahl der OpO. Das Reichsarbeitsgericht hatte die im Mai vorgenommene Wahl zum Lezirksbetriebsrat für den Oberpost- direktionsbezirk Berlin für ungültig erklärt, well angeblich im TSahlousschrciden die Adresse des Wahlvorstandcs ungenau an- gegeben war! Pom 13s bis 13. Dezember wurden daher noch- in a l s Wahlen durchgeführt, deren Ergebnis jetzt endgültig feftstehi. Neben der freigewerkschaftlichen Liste, der Allgemeinen Deutschen Postgewertschoit Im Gesamtverband, gab es noch eine nationalsozialistische Lifte,«ine Liste der ch r i st- l i ch e n Deutschen Postgewerkschoft und eine Liste der NGO. An der Wahl beteiligten sich von 14 929 Wahlberechtigten 12 039. Stimmen wurden abgegeben für die freigewerk- s ch a f t l i ch e Liste 4839, für die Nazlliste 1872, für die List« der Christen 1463 und für die der RGO. 3788. Der Bczirksbetriebsrat fetzt sich demnach zusammen aus 3 Freigewerkschofilern(bisher 7), 2 Nazis(0), 1 Christen(3) und 4 RGO.-Leuten(2). Dieses Wahlergebnis ist nicht sehr vernninderlich. wenn man be- dcnkt, daß sich in diesem Komps gegen die freien Gewerkschaften die Nazis, Kommunisten und Christen einig waren. Mit den gemeinsten Mitteln wurde gegen die freien Gewerkschaften agitiert. So wurde, um nur ein Beispiel anzuführen, am Tage vor der Wahl von der„Roten Fahne" in der Forni einer Bersügung eine Meldung gebracht, wonach der Reichspostminister eine Reihe von Betriebsrats- Mitgliedern anläßlich der Zehnjahrsfeier des Zentralbetriebsrats j e 2000 Mark übergeben habe! Mit solchen gemeinen Lügen und Verleumdungen sin'd leider immer noch genügend Dumm« zu fangen. Sehr ouff'chlußreich ist die Feststellung, woher die meff'ien N a z i st i m m e n kommen. Ein Drittel aller Nazistimmen stellen die Helferinnen bei den Ferch'prechämtern, einen anderen großen Teil die Helfer der bekamüen Na z i p o st ä m t e r SW. 11, NW. 7, SW. 68, EW. 77, 0. 17, E. 2 und vom Postsuhroint. Auch das Oiamaniengeschäst stitl. Die Bereinigung der Diamanteiffchleiser hat den Vorschlag des iniernationalcn Komitees auf Herabsetzung der Diamaiitenproduktivn um 30 Proz. vom 4. Januar ob angenommen. In den Diamanten- schleifereie» wird von nun nur nach 2 wache» im Monal gearbeilei. Aus dem Reiche Siegerwalds. Die Angestellten bei den Versicherungsträgern an der Reihe. Heber die Gehaltskllndigungen der Angestellten bei den Reichs- behörden und den Versicherungsträgern am Weihnachtsabend halten wir bereits berichtet. Der Erlaß des Reichsarbeitsministers zur Kürzung der Bezüge der Angestellten bei den Bersicherungsträgern, wonach die Kürzung um 6 Proz. der Bezüge mit dem l. Februar 1930 unmittelbar eintritt, verweist darauf, daß noch der Not- Verordnung vom l. Dezember, die Tarif- und Einzelanstellungs- Verträge mit einer Frist von einem Monat zuni 31. Januar ganz oder teilweise gekündigt werden können, auch wenn die Kündigung nach Geleh oder Verlrag erst für einen späteren Zeitpunkt oder überhaupt nicht zulässig wäre. Bon der Kürzungsvorschrift werden nur die Angestellten, nicht die'Arbeiter betroffen. Besonders beachtenswert ist die Vorschrift unter Ziiser 2 des Erlöstes: Die Kürzung muß 6 Proz. der Bezüge betragen: sie darf auch uich» teilweise durch Leistungen des Arbeilgebers unwirksam gemocht werden. Durch diese Vorschrift müssen die öfsentlich-rechtlichcn Körper- schotten den A n g e st e l l t e n, die nicht ni i t Anrecht auf Ruhegehalt angestellt sind, und infolgedessen b e i t r a g s- pflichtig zur Arbeitslosenversicherung sind, eben- falls 6 Proz. des Gehaltes kürzen, ohne daß die Zahlung des Bei- träges zur Arbeitslosenversicherung Berücksichtigung findet. Wie sich diese Vorschrift auswirkt, geht aus folgenden Beispielen hervor: 1. Der Gehaltsempfänger mit über 8400 M. Monatsgehalt, der zur Beitragsentrichtung für die Arbeitslosenversicherung nicht verpflichtet ist(Versicherungsgrenze 8400 M.), hat einen sechs- prozentigen Abzug von 60 M. Er hat vorher 2'* Proz. Reichshilfe gezahlt— 25 M. Durch die neue Notverordnung ist alio mit Wirkung vom 1. Februar 1931 ein erhöhter Veirag von 35 vi. zu erstatten. 2. Die Gehaltsempfänger, die arbeitslosenversiche- r n n g s p s l i ch t i g sind, waren nach der Notverordnung vom 26. Juli 1930 von der Zahlung der Reichshilse befreit. Mit Wir- kiing ab 1. Februar 1931 hat der Slngestellte, der ein Gehalt von 600 M. bezieht, zu entrichten: 6 Proz. Kürzung des Gehaltes..... 36,— M. Beitrag zur Arbeitslosenversicherung... 9,73„ 45,75 IN. * 3. Der Angestellte, der 3 0 0 M. Monatsgehalt bezieht, hat zu entrichten: 6 Proz. Kürzung des Gehaltes..... 18,— M. Beitrag zur'Arbeitslosenversicherung... 9,73., 27,75 Ist. Es ist ferner zu beachten, daß beispielsweff'e bei den Kranken- kästen den Angestellten, die mit Ruhegehaltsberechtigung angestellt sind, für die keine Sozialversicherungs- beitrage entrichtet werden, das Gehalt nur um 6 Proz. gekürzt wird, während die Hilfsarbeiter, die angestelllenversiche- rungspilichtig sind, einem sechsprozentigcn Gelzaltsabbau unterliegen und daneben noch den auf sie fallenden Beitragsteil für die Arbeitslosenversicherung zu einrichten haben. Lei der Fixigkeit mit all diesen Verordnungen, die wie bei der Krankentasten-Notverordnung hinterher allerlei mildernde Aus- legungen und Kommentare erforderlich machen, ist es kein Wunder, daß derartige Unebenheiten, die als Ungerechtigkeiten empfunden werden, mit unterlaufen. PRO GRAMM ißr die Zeit vom 27. bis 29. Dezember I N O-T A F E l PROGRAMM für die Zeit vom 27. bis 29. Dezember ©oo Potsdamer Strafe 36 W 5.7, 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Kohlhiesels Töchter mit H. Porten Jugendliche haben Zutritt R.heinstrafje 14 Kail�he) W. ab 5-15 Uhr Stg. ab 3.15 Uhr Hanseaten mitFrlte Albcrti-Werner Pil schau— Die goldene Peitsche (7 Akte) mit Dorothy Mackalll Odcon, Potsdamer Str. 75 W. 5,7, 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Tonfilm; Das Land des Llchelns mit Richard Tauber— Jgdl. Zutritt Turmsh-atje 12 st�'u Der Hampelmann mit Llen Deyers, Max Hansen Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen lag geöffnet! Die tiDgende Stadt mit Drlg. Helm, Jan Kicpora— Jugendl. haben Zutritt g"" Waataii'H Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr Tonfilmschwank: Drei Tage Mlttel- arre.1 m. Lucie Englisdi, F. ScbnU Max Adalbert, Felix Dieasart G Frf drtchgf«St> Franziskaner Oeorgenstrafie(Ecke Fnedrichstraße), Toriilm- Pwgramm: Aschenbrödel (Der verlorene Schuh)— Ausflug ins Märchenland(Tonfilm-Revue) Zwei große sensationelle Kinder- balle t- und Varietd- Nummern Susanne macht Ordnung ein lustiger Tonfilm rrilt Truus van Aaalfcn, Franz Lederer, Senfa Söneland Die Kamera Täglich 3. S, 7. 9 Uhr Unter den Linden 14 Basler Keaton, Harold Lloyd, Charlie Chaplin, Bebe Daniels. Lup. Lane Jugendliche haben Zutritt § Moabit M Artushof-Lichtsplelc Perleberger Straße 29 Film- and fifUsnensdiaa Woihenf. ab SV«, Sonnt ab 3 Uhr ffüy'a Berlind(Beide Teile fn einer Vorstellung) mit G.Garbe— Belpr. ICi— Ä W. 6.45 u. 9 Uhr vv CH— IViIlO Sonntags ab 4 Uhr Mt-Moabit 99 Jugendl. Zutritt Fat nnd Patadion Im Tonfilm .1000 Worfe Deutsch"— Bclprogr, W CfinrlottanBura W Kant-Lichtspiele Kamstr. 54(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5. 7, 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Kohlhiesels Törhier m. Henny Porten Jugendliehe haben Zutritt_ Schlüter-Theater Schliiterstr. 17 Beginn: 5, 7, 9 Uhr Stg ab 3 Uhr: Jugend-Vorstellung Tonfilm: Ein Walzer im Sdslafconp« mit Fritz Schulz, Lude Englisch — Tön. W< Neueste Mleky Maas• vodse WllmersdorF Atrium Bcba-Palast ��Uh? Sonnabends u. Sonntags 5, 7. 9,15 Uhr Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Tonfilm-Uraufführung: Der falsdse Feldmarschau mit Vlasta Borian, Roda Roda, Fee Mallen, H. Frank Tonbeiprogramm— Jugendl. Zutritt Ab Montag: Tlngelfahgel Schönalsarg Titania Schönebg. sig.aw Hauptstraße 49 pr. Festprogramm Das Land des Löcheins mit Richard 'Tauber— Beiprogramm W Frladenau Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W. 7. 9 Uhr Sonnabend, Sonntags 5, 7, 9 Uhr Kriminal-Tonfilm: Da» gestohlene Gesicht— Tonfilm-Beiprogramm W Stagiit« 1 Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke Qutsmuthsstr Tonfilm, Uraufführung! Zwei Menschen mit Gasfav Fröhlich Charlotte Snsa— Tonbeiprogramm � ZahlenöerF'Mitta p y Wochentags 7, 9.10 Uhr £fCll Sonntags 5. 7, 9.10 Uhr Potsdamer Str. 50 Stg. 2,30: Jgd-Vorst Die zörilichen Verwandten Tönende Wochenschau- Jgl Zutritt �"MarIaw5or�"*b Ms» I s Mariendort er Wochentff l ia-L.1 Lichtspiele ab 7 Uhr Chausseeatr. 305 Tonfilm! Komm zu mir zum Rendezvous mit Lade Englisch— Oer blaae Expreb Ab 2. Feiertag: Pal und Pafadson als Komisch flfzcn— Bühncnschaa � TampaWoF| � Tivoli Berliner Str. 97 geg. 5, 7. 9, Stg. ab 3 Uhr: Jug.- Vorst 100 proz konfrlm: Die singend« Stadt mit Brigitte Helm, Jan Klcpnra Beiprogramm Lichtspiele Südwest Blficherstr. 12 W. 3. So. ab 3 V. 100 proz. Tonposse Pension Schöll er mit Jacob Tledfke. Kampers Fflm-Paiaci Kammersale Teltower Str. 1 W. 5. 7. 9, Stg. ab 3 Uhr Tonfilm: Das Land des Llchetas mit Richard Taober Beiprogramm i" fc Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72(76 Ab 3 Feiertag.— Nur 3 Tage! Beginn Sonnabd. 5. 7, 9 U., Sonnt, ab 3. Die unvollkommene Ehe mit Basier Keaton Beiprogramm Internationale Bfibnenschan Begleitung; Primus-Orchester Jugendliche haben Zutritt Th. am Moritzplatz Bog: Wochtg ab 5 Uhr, Stg. ab 4 Uhr Kriminaltonfilm: D.Tanz gebt welter mit Wilhelm Dielerle, Lissl Anders Tönendes Beiprogramm Mercedes- Palast Hsrmannstraße, Ecke Jägerstraße Sonnabd. ab 5, Sonnig. 3 Montg. 6?« .Tonfilm i Pat und Patachon in IOOO Worla Deutsch Bühnensobau Jugendliche haben Zutritt Kukuk SonmäS's 3, 5. 7. 9 U. Kottbusser Damm 92 lOOproz Tonfilm! Kohlhiesels T Schier m. H. Porten Mlcky Maus Jugendliche haben Zutritt Fvrg.Iainr Vochem. 6.45, 9 U CXCClSlOr Sonnt 3, S. 7. 9 U. Kaiser-Friedrich-Straße 191 Tonfilm! Tonfilm Das Land des Udlelns mit Richard Tauber Jugendliche haben Zutritt Stern, Hermanmfrafte 49 Wochentags 6 43, 9, Sonntags 3, 5.7. 9 U. lOOproz Ton posse: Drei Tage Mitte larreai m. L. Englisch Beiprogramm— Bfibnenschau Filmeck Skatitzer Straße, am Oörtitzer Bahnhof Beginn Wochentags: 6-30 und 9 Uhr Sonntags: 3, Z. 7. 9 Uhr Großes Festprogramm: Tonfilm; Kohlhiesels Töchter mit Henny Porten BUmenadmn jugendliche haben Zutritt Luisen-Theater Reichenberger Str. 54 An«. W: 6 30 U. 9 U. Stg. 3, 5, 7, 9 u. Die unvollkommen« Ehe mit Busler Kcalon Bei Programm— Bftkneaathau Stella-Palast Käpenicker Straße 11—14 Wochtgs, 6.30, 9 V. Sonntags ab 3 U. Tonfilm: Er oder Ich m. Harry Plel Auf der Bühne; Samson Breitbarl, der slßrhsle Mann der Well Beiprogramm Urania TonBIm Variete W, 6 45, Stg 3 U Wrangelstraße 11(an d. Köpenicker Str.) Der Deserteur von Arras Das Mßdel aus USA m. Auny Oodra Sternwarte- Treptow Sonnab. 4 u. 8 Uhr, Sonnt 4. 6.3 Uhr Die weihe Hölle vou Pix PalO Sonnt. 5 Uhr;.Was wir vom Monde wissen"(Vortrag Dir. Dr. Archenhold) ssElySllim Prenzlauer Allee 56 W. MS, 7. 9,13, S 3,15.5, 7.15, 9 15 Uhr Tonfilmoperette: Das Laad des Lichelas m R'cfaard Tauber Bühne: Willy Rosen Tönende Wochenschau Jugendliche haben Zutritt Flora-Liditsp. laÄT Wochen!. 6J0, 9 Uhr, Sonntags 3 Uhr Tonposse: Drei Tage Mlüelarresi mit Fiilz Schulz Im Westen was Neues ■ 0»tmn■ Germania-Palast Frankfurter AHee 314 Beginn der ersten Vorstellungen Wochen'g. 6 30, Sbd-S. Stg. 3 Uhr Pat und Pafadson als Kuasischlllxea Gnies Beiprogramm Ausgezeichnete BOhneuschan jugendliche haben Zutritt Luna-Filmpalast w 5 u Stg. 3 U. Gr. Frankfurter Str. 121 Operettentonfilm: Das Laad Llchelns mit Richard Tauber Bühne: Wilhelm Bcndow des Schwarzer Adler Woch. 5. 7, 5.45. Stg. 3, 5. 7.&45 U. Tonfilmiustspfel; Kohlhiesels Töchter mit Henny Porten, Frilz Kampers Tönend. Beiprogr. Jugendl. Zutritt Comenius-Lichtspielc Memeler Str. 67 Ant.: 51:, 9U. S.abJ U. Tonfilm: Walzer Im Schlaftoupc mit Lude Englisds, Adele Sandrode, Fritz Schulz— Reldshall. Beiprogr. Concordia-Palast Andrcasstr. 64 W. ab 5 U., Stg. ab 3 U. 8 Uhr: Jugendvorstellung Grobes Festprogramm. 100 pror. Tonfilm: Er oder ich mit Hat ry Pial Beiprogramm- Böhne»schau Viktoria Lichtbild Th. Frankfurter Allee 48 Woch. S. 7. Ca 8.43. Stg. 3. 5. 7. 8.45 U. Tonfilm: Die unvollkommene Ehe mit Basier Kealan Tönend. Beiprogr. Jugendl. Zutritt > Nau-ßKHtanbara> Kosmos-Lichtspiele LOckstraße 70 Beginn Woch. 5, 7, 9 U. Feiertag u. Stg. 3. 5, 7. 9 U. Tonfilm: Die Drei von der Tankstelle mit L Harvey. W. Frilsch Beipr.: Mleky Maus-Film— jug. Zutr. Kino Busch Alt-Friednchsfelde Bcipiogramm Die Geliebte mit Harry Lledlke, Hans lankermann Wer hat Robby gesehen 7 m. Aldinl WalBanaaq» Schloßpark FOm. Bühne Berliner Allee 206— 21 ü Bfibnenschau Tonfilmerfolg: Drei Tage Mittel- a rr est mit Frlls Schulz Gutes Beiprogramm Nord an Pharus-Lichtspiclc MOUcrstr 142 W.5,7,9U Erstaufführung: 100 proz. Tonfilm: Ein Müde) von der Reeperbahn mit Berliner, Ttthediowa- Tonbelpr. Prater-Lichispiel-Palast Kastanienallee 7-8 W. ab 5. Stgs 31/a U. Pal and Patachon als Kcmstschfifzeo Die anvoUkommene Eh�r m. Basier Keaton— Internat. Bühnenschac Marga-Lichtspiclc Schulstraße 29 lOOproz. Tonfilm: Die Lindenwirtin mit Hans Heinz Bollraann, Frilz Schulz Erlebnis einer Nacht mit Marceifa Alban!— LG«tspleleinlagc Mila-Liditspiel-Palast Schönhauser Allee 130 W.51�. 5. 4' 2 Tonfilm: Kapitän Halls Strohe Liebe Beiprogramm— Gr. BOhncnschaii Sonnabend, 11,30 U-: Nachtvorstellung: Delikatessen am Mitternacht Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. Z, S. 3'.: U- Tonfilm: Die singende Stadl mit Brigitte Helm. Jan Kicpora Hönde hoch! mit Ken Maynard m Pankow a Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 6.30. 9, Stg. 4, 6.30. 9 100 pt oz.Tonfilm: Kohlhiesels Töchter mil H. Porten— Bfibnenschau [ugendliche haben Zutritt Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 W 6J0.9U.. Slg.ab ID. 100 pror. Tonposse: Drei Tage Mittel- arrcsl mit Lucie Englisch, F, Schulze Beiprogramm. W HledarichönhamcnH Film-Palast Blankenburger Str. 4 So. 21> Jgd.-V. Wochtg 6.30, 9 U� So. 4 6- 45. 9 U Lustige Tonposse: Lumpenbali m:t Frilz Hampers, A. Müller-Linke Lustiges Beiprogr. Mlcky-Mans 1 tgaci a Filmpalast Tegel suS?«01 Stgs. 2 U Jgd.-Vorst. W. 6, Stg. 41;4 L Richard-Taubcr-Tonfilm: Das Land des LAchclns Lustig. Beiprogr. Anf Tobis-App. „Kosmos" Filmbühne Hauptstraße � Beg. 6 Uhr, �.30 Uhr 100 pror Tonfilm: Die singende Stadt m Brigitte Helm« Jap Kl epura Grofjes Beiprogramm Union-Theater Hauptstr. 3 Stg. 2 Jgd.-V. W 6. Stg. 41 4. 6�. S»/4 U Das aosgezelchntte Zwel-Schlagcr-Progi amm Hennigsdorf Fiimpalast stg. 4®%* Ä Berliner Straße 59 Stg. 2 U. iug.»Vorst. Tonfilm: Pension SchSNer mit Jakob Tiedtke, Elga Brink Lust. Beiprogr. Aui Klangfilmappar