BERLIN Mittag 29. Nezemder 1930 LrscheiattSzlich außerS»»«tas<. Zugleich Abuidausgabe de«.Vorwärts". Bezugsprei« beide?»»ßaven 85 Pf. pro Woche, S,60M. pro Monat. Reda�oa und Expedition; Berlin SW es, Lindensir.? „Ibwasfa 10 Pf. Nr. 607 B 302 47. Jahrgang Anzeizenprei«: Die einspaltige Nonpareillejeil« 80 Pf., gleklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Pestscheckkonto: Vvrwärts-Vcrlaz G. m.b.H., Berlin Nr.Z7S36. Fernsprecher: Dönhoff 392 bis 29? Abschied von dem großen Sozialdemokraten Um die elfte Donnittagsstunde des gestrigen Sonntags vec- sammelten sich vor der Halle des Lichtcrfelder Partfriedshoss alle. die Eduard David die letzte Ehre erweisen wollten. Vom Partei- und Rcichstagssrattionsvorstand sah man die Genossen Wels, C r i s p i e n, H e r m a n n M ü l'l e r. D i t t m a n n, B r e i t s ch e i d, Stelling und Stampfer. Für die Reichsregierung war Rcichswehnninistcr G r o e n e r erschienen, ferner Staatssekretär Z w e i g e r t und Ministerialdirektor Dr. Z e ch l i n; von der preuhi- schen Regierung Severin g; von der Reichstagssraktion Reichs- tagsprsident Lobe, Graßmann, Hugo H e i m a n n, Dr. Moses, Dr. Landsberg, Heinig und Hildenbrand. Die Ehrenwach« stellte ein kombinierter starker Zug Reichs- b anner, der sich aus den Kamerodschosten Charlottenburg. Lichterfelde und Zehlendorf(Fahnen), Weißensee(Kapelle) und Treptow(Spielleute) zusammensetzte. Während die Leidtragenden und Trauergäste die Halle betraten, intonierte die draußen stehend« Reichsbannerkapelle die schwermütige und getragen« Melodie aus Gricgs Peer Gynt Suite: Asez Tod. Dann, nach einem vom Ebert- Manz-Ouartett vorgetragenen Trauerlied, trat an den Sarg Hermann Müller und sprach für den Vorstand der Sozialdemokratischen Partei und für die Reichstagssraktion. Wenn wir heute, so sagt« er, von einem treuen Kämpfer Zlbschied nehmen, so werden die letzten vier Jahr- zehnte deutscher Parteigeschicht« wieder vor unser«» Augen lelxndig. Eduard Davids Name wird mit dem Aufstieg unserer Partei zur Millionenpartei für alle Zeiten verbunden bleiben. Schon als Student kam er oft aus Gießen zu uns nach Frankfurt am Main hinüber, wo in Zirkeln, die von Männern wie Gustav Hoch und Quark einerseits und Friedrich Naumann und Rade andererseits beherrscht wurden, große Diskussionen über die letzten Ziele des Sozialismus ausgcfochten wurden. Er wollte die Massen der ar- bellend«« Bevölkerung für seine humanistischen Bildungsideale ge- Winnen, er wollte Führer des Polles fein. Er wies uns Jung"" ganz neue Wege, indem er uns belehrt-, daß es nicht allein darauf ankomw«, die Industriearbeiter zu gewinnen, sondern auch die I n- tellektuellen und vor allen Dingen die Landbevölke- rung. das Landproletariat. Seine Bellräze über Agrarpolitik erregten Aufsehen, Beifall und Widerspruch, wie immer der Bei- fall und Widerspruch findet, der aus die Reise geht, um die Wahr- heit zu finden. Wo immer ihn dann di« Partei hinstellte, legte er Ehre für'sie ein. Er. der in jeder Beziehung ehrliche und sauber« Kämpfer, konnte nicht begreifen, wie es möglich war, daß der?o- li tische Kampf derart rohe Formen annahm wie in dem letzten Bergsturzkatastrophe in Algier Hochzeitsgesetlschast unter Felsblöcken begraben Algier, 29. Dezember. Im<5ingeborenenviertel wurden gestern abend zwei Häuser an eine»» Abhang, in denen eine H o ch z e i t s- feier stattfand, durch einen Erdrutsch verschüttet. Unter den Trümmern der eingestürzten Häuser sollen sich die Leichen von etwa 4V Frauen und ftin» d e r n befinden. Tie Villa des deutschen Generalkonsuls Windeis befindet sich in der Nähe der Unglücksstätt«. Nach Ansicht des deutschen Generalkonsuls ist das Ge- lande, auf dem der Hauseinsturz erfolgte, dadurch unter- höhlt worden, daß die Eingeborenen dort Kalksteine zum Bau ihrer Behausungen aus der Erde brachen. ' Dos' schwere Einsturzunglück in Algier,' bei dem ein« Höchzeits- gofellschast verschüttet wurde, entwickelt sich zu einer Katastrophe von größten Ausmaßen. Wenn man auch bis zur Stunde noch nicht genau weiß, wieviel Opfer unter den Trümmern begraben liegen, so scheint doch schon festzustehen, daß ihre Zahl mehr als 30 beträgt. Di« A u f r ä u m u n g s a r b e i t e n, die in der Nacht zum Sonntag unterbrochen werden mußten, sind am Sonntag morgen unter Mit- hilf« von Truppen wieder aufgenommen worden. Bis zum späten Abend des Sonntag wurden sieben Leichen geborgen. Während der Bergungsarbeiten ereignete sich ein zweiter Erdrutjch, der beinahe die Retter verschüttet hätte. Glücklicherweise tündigie sich aber der Erdrutsch durch ein donnerartiges Gedröhn« an, so daß die Hiljsmannschaft sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringe» konnte. Als einer der ersten wurde der Br ä u t i g a m aus den Trümmern befreit, der nur wenige Hautabschürfungen iwvongetragen hat. Schon wenige Stunden später wurde«ine kaum 17jährige llltaurin als Leiche geborgen, die als die Braut erkannt wurde. Ihr Körper, vor allem das Gesicht, waren bis zur Unkenntlichkeit ver- siümmelt. In der Nacht zum Montag wurden die Räumungsarbeite» wiederum eingestellt, da man neue Erdrutsche bejürchtete und die Mannschaft n'cht unnötig einer Gefahr aussetzen wollte. Die Katastrophe wird teils durch die andauernden Regen« fälle, teils aber auch durch di« U n v» r s i ch t i g t e i t der Ein« g« bör e.n«n verursacht worden, die tiefe Höhleu.hl he» Berg gegraben hotten, um das Paumaterial für ihre Häuser zu heschäfje». Di« Zahl der ums Leben gekommenen ist vorläufig noch' nicht genau ermittelt, da bisher nur Angaben der Eingeborenen vorliegen, die erst nachgeprüft werden müssen. Bisher wurden sieben Tote und zwei Schwerverletzte aufgefunden.> Der Garten der Villa Sesini ist bereits zum Teil in einem gähnenden Abgr md verschwunden. Es besteht nur wenig Hoffnung, unter den Verschütteten»ach Lebende zu finden, da ungeheure Erdmassen, darunter Felsblöckc von 15 bis 30 Tonnen Gewicht, beseitigt cverden müssen. Jahrzehnt, und er hat darunter sehr gelllten. In unser aller Er- innerirng ist noch seine groß angelegte Rede auf dem Würzburger Parteitag des Jahres 1017, wo er die Haltung der Partei feit Kriegsbeginn verteidigte, eine Rede, di« eigentlich ein« Fortsetzung der in Stockholm gehaltenen großen Rede war, wo er bereits Monate vorher für eine Herbeiführung des Friedens gewirkt hart«. Bon seiner Jugend an war er ein Gegner des Krieges gewesen, aber«r wußte auch, was eine Niederlage für ein großes Volk be- deutet. Als dann in Deutschland der Krieg in die Revolution um- schlug, war er gerüstet für die großen Ausgaben, die seiner harrten. Seine ganze Kraft setzte er für die junge Republik ein. Wiederhalt gehörte er dem Reichskabinelt an und kam auf den wichtigen Posten des Reichsvertreters in Darmstadt zur Beobachtung des Sepora- tistenuiuvefens. Wie Kriegsjahre doppelt zählen sollen, so zählten auch sür ihn diese schweren Jahre doppelt. Damals wurden seine Kräfte frühzeitig zermürbt. Hermann Müller schloß seine äußer- lich zwar schlichten und gefaßt vorgetragenen, aber von einer tiefen inneren Anteilnahme durchpulsten Worte, indem er sich an die Witwe des Verstorbenen wandte und in herzlichen Worten die liebenswürdigen Eigenschaften Davids als Mensch, Haus- und Fa- milienvater pries. Während ihm im politischen Leben nichts ernst genug sein konnte, entwickelte er daheim den behaglichen lebens- frohen Humor feiner westdeutschen Heimat. Wir werden seiner gedenken als des ausgezeichneten Kenners der Vergangenheit, des zielbewußten Gestalters der Gegenwart und des prophetischen K.ünders der Zukunft. Sein Wert soll und wird in uns fortleben, solange noch ein Hauch Leben in uns ist. Im Namen der Reichsregierung legte jadann Z�eichswehrminister Groener einen Kranz an der Bahre des Verblichenen nieder. Sein« Abschiedsworte galten„dem guten deutschen Mann, der in Krieg und Frieden das Beste zum Wohl des Vaterlandes erstrebt und gewollt habe. Uoberall auch bei seinen politischen Gegnern hat er durch sein Streben nach Wahrheit, durch sein edles schichtes Menschentum, durch sein hohes gcistioes Wesen An- crtennung und Sympathie erworben. Die Reichsregierung wird das Andenken des Verstorbnen in hohen Ehren Hollen". Paul Lobe bezeichnete den Dahingegangenen als Zierde des deutschen Reichs- Parlaments. 11 Jahr« vor dem Krieg, 11 Jahre nach dem Krieg und die ganze Äriegszeit hindurch hat er dem Reichstag angehört und ist jederzeit ein hinreihender Redner, ein geistvoller Fechter, ein feiner Denker gewesen. Niemals war er glücklicher, als wenn er sich mit einem ebenbürtigen politischen Gegner messen konnte. Fern blieb er jederzeit den Raushändeln der Gemeinen. Wenn er ober seine eindringliche Stimme erhob, dann galt sein Ruf dein Leid und der Not des Unterdrückten.'Nie haben sich seine Worte denen, die sie hörten, tiefer eingeprägt, als damals, da er in Weimar als Präsident der Nationalversammlung das erste frei gewählte Reichsoberhaupt in sein Amt einführen konnte. Er hatte eine hohe Vorstellung von dem Amt und der Verantwortung des Volks- Vertreters, von der wir, die wir zurückbleiben, hoffen, daß sie wie- der und in nicht allzu serner Zeit Allgemeingut des deutschen Volkes werden möge. Eduard Davids Vorbild wird uns in die Kämpfe des neuen Jahres hinein begleiten, seine Worte und Werte aber sind eingetragen in die Geschichte unseres Volkes. Im Austrage des hessischen Staatspräsidenten Dr. Adelung sprach gleichzeitig aber auch im Namen des Reichsratcs der hessische Geschäftsträger Nuß Worte ehrender Anerkennung und herzlichen Dankes dafür/ daß dieser an der Mosel geborene Mann seiner Wahlheimat Hessen so treu gedient hat und erinnert auch darau, welche Verdienste si�h Eduard David um de Presse seiner Heimat erworben hat. Stark und fest in der Sache, aber verbindlich und versöhnlich in der Form, das sei ein Wort, das aui ihn zutreffe. Als letzter Redner'am Sarg sprach Karl Gevering nicht, wie er betont«, als Beauftragter seiner' Regierung,. jondern als Freund und Mensch di« letzten Worte dem, der ihm im Leben ein treuer Freund gewesen. Wenn es einen Menschen gab, dem Bankgelderraub in Köln. Die Näuber mit'lSOOO M. im Auto entflohen. K ö l», 29. Dezember. Aus die Depositenkasie der Deutschen Bank in der Türener Strafte wurde heut« vormittag ein Naub- Überfall verübt. Geraubt wurden etwa 1-5 990 Mark. Nach einer weiteren Meldung aus Köln ist der Raubübersall auf die Depositenkasse in Köln-Lindenthal von drei jungen Burschen im Atter von etwa 20 Jahren verübt worden. Die Räuber fuhren in einem Auto vor und schassen, al» sie in die Deposilenkasse eingetreten waren, sofort drauflos. Ein jüngerer Beamter, der sich mit dem Kassierer an der Kasse befand, eilte nach hinten, um Hilfe herbeizurufen. Ein Geschoß, dos die Räuber ihm nachsandten, streifte seinen Rockärmel. Nach der Tat entflohen die Burschen in dem bereitstehenden Auto. Der geraubte Geldbetrag dürfte nach den bisherigen Feststellungen 15 090 M. nicht übe«- steigen. nichts jawohl anstand als Tr-eiie zu erzeigen und Freundschaft zu dalien, so war es Eduard David. Beide erwuchsen ihm auf dem Boden reinen wahren Menschentums. So hat er sieh nicht nur im engeren Freundeskreis solchem auch in dem politischen Kamps gezeigt. Er hat sich von 1814— 1918 mit allen Kräften für die Er- Haltung Deutschlands eingesetzt wie nur irgendeiner. Er hat deutschen Boden. Sitte und Kultur verteidigt, aber niemals ist-diefe feine Einstellung ausgeartet in tönchien chah gegen die Feinde. Er war ein deutscher Parlamentarier, der auch nach dem Krieg bemüht war, Deutschland wieder in die Reihe der gleichgicarteten Völker der Welt ' zu bekommen, und er war sich stets bewußt, daß auch hinter de» schwarzrotgoldenen Grenzpfählen noch Menschen wohnen, mit denen wir uns einigen müssen. Diese seine Charaktereigenschaften ins rechte Licht zu rücken ist ganz besonders erforderlich in einer Zeit, die die politischen Meinungsverschiedenheiten nicht mehr mit den-Waffen des Geistes auszutragen geneigt ist, sondern mit dem Rüstzeug der Barbaren. David war ein Bürger derer, die da kommen werden: diese Zeit war für feine Ideale noch nicht reif. Sollen wir deshalb die Ideale aufgeben? Wir würden- feinem »Bennächtnis eine schlechte Erfüllung geben, wenn wir ihn etwa beneiden würden, daß er nun allen Kämpfen, die noch kommen werden, entrückt ist. Er würde uns im Gegenteil beneiden, daß wir noch kämpfen können.- Unter den Klängen des vom Ebert-Manz-Quartett gesungenen alten Kampfliedes„Tord Folefon" wurde der Sarg von acht Reichs- bannerkameraden aufgehoben und hinaus auf den Wagen getragen. Bedeckt war er ganz schlicht mit der schwarzrotgoldenen deutschen 'Rationalflagge, auf der ein weißer Fliederzweig ruhte. An den Wagen schloß sich der lange Zug der Leidtragenden und Trauer- gaste. Der Kondukt, der gewaltiges Aufsehen erregte, zog sich durch ganz Lichterfelde-West bis zum Güterbahnhof, wo der Sarg in einen Wagen gehoben wurde, der dem Frankfurter Zug ange- hängt wird. Morgen nachmittag wird Mainz, wird der Freistaat Jessen von Eduard David letzten Abschied nehmen. Äeileidskundgebungen. Beim Vorstand der Sozialdemokratischen Partei sind weiter folgende Beileidskundgebungen eingelaufen: Anläßlich des schweren Verlustes, den die Partei und der So- zialismus durch das Ableben des Genossen David erlitten hat, sprechen wir euch namens des Parteivorstandes und der parlamen- tarischen Vertretung der Deutschen Sozialdemokrali- jchen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei das ilmigste Beileid aus. Czech, Taub. Zum Hinscheiden des alten sozialistischen Kämpfers David bitten wir Sie. den Ausdruck unserer tiefen Teilnahme entgegenzunehme». Schwedische Sozialdemokratie. Hansson, Moeller. Im Namen der georgischen sozialdemokratischen Partei und der in Deutschland lebenden Gruppe der georgischen Sozialdemokratie spreche ich Ihnen zum Ableben des Genossen Eduard David i unser herzlichstes Beileid aus. Die deutsche Sozialdemokratie und mit ihr das Proletariat der ganzen Welt verlieren mit dem Verstorbenen einen ihrer größten Theoretiker, einen tiefen Kenner der proletariichen Weltanschauung und einen der edelsten und klügsten Vorkämpfer der arbeitenden Klasse.- Dr. Aehmeteli. Die Nachricht vom Hinscheiden des Mitgliedes des Reichstages, Reichsministers a. D- Herrn Dr. David, hat den R e i ch s r a t mit aufrichtiger Anteilnahme, erfüllt. In seinem Namen gestatte ich. pur� der Sozialdemokratischen Partei zu dem schwere» Perlust, der ihr durch den Tod ititsto hochangesehenen und verdienstvollen Mitgliedes erwachsen ist, den Ausdruck lzerzltchsten Beileids zu übermitteln. Der Reichsrat gedenkt dabei besonders der Zeiten, in denen Herr Dr. David als Reichsminister des Innern auch dem Reichsrat näher stand, und wird dem Dahingeschiedenen ein ehrendes Gedenken bewahren. In ausgezeichneter Hochachtung: Boden. Nachfolger Eduard Davids im Reichstag ist der Landesvorfitzende der Sozialdemokratischen Partei Hessen s, der Landtagsabgeordnete und Gewerkfchaftsfekretär Wilhelm Weber. Mchttiche Schießerei Ein Kommunist von Nationalsozialisten angeschossen lln der Nacht zum Sonnlag kam es in der J o r ck st r a ß e zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten wieder zu einer Schlägerei, in deren verlauf von den Haken- kreuzlern mehrere Schüsse abgefeuert wurden. Durch eine der Äugeln wurde der 23jährige Kommunist Werner M. am Hals getroffen und erheblich verletzt. M. wurde zur nächsten Rettungswache gebracht, wo sich die Wunde glücklicher- weise als wenig gefährlich herausstellte. Nach Anlegung eines Verbandes konnte er in feine Wohnung entlassen werden. Ein Hakenkreuzler, der von Zeugen als Täter bezeichnet worden war, wurde ins Polizeipräsidium gebracht. Es ist ein ZZfähriger Erich R. Da ihm die Tat nicht nachzuweisen war, ist R. inzwischen wieder entlassen worden. In den Orpheum-Sälen in der Hasenheide 38, wo eine Sanitätskolonne vom Roten Kreuz ein Weihnachtsfest feierte, kam es gegen 3 Uhr nachts im Vorraum zu den Sälen zwischen Bismarckbündlern und K o in m u n i st e n zu einer Schlägerei. Das Ueberfallkommando mußte alarmiert werden und die Prügelhelden auseinanderbringen. Vier Personen, darunter zwei Angehörige der Dcutschnationalen Volkspartci, wurden der Politischen Polizei übergeben. Handtaschenräuber im Auto Drei Llebersätle in einer Stunde » Er war nickst gerade schüchtern, dieser Handtaschendieb, der das Vaperifche Viertel unsicher machte. Wie in der legten Zeit fast jedesmal, hatte der Täter, der leider entkommen ist, ein Auto und einen Helfer zur Verfügung, so daß ihm die Flucht gelang, eh« man ihn greifen konnte. Die Ucberfälle kamen immer so über- raschenb, daß die Frauen den Wagen nicht beschreiben, auch die Nummer nicht angeben können. Vielleicht aber hat sich der Dieb eines gestohlenen Wagens bedient. Innerhalb einer Stunde, in der Z«it zwischen 10 und 11 Uhr abends, wurden drei Frauen angefallen. Der erste Streich galt der Gattin eines Kauf- manns P. aus der Rosenheimer Straße. In der Nähe des U-Bahn- Hofes an der Speyerer Straße fuhr plötzlich ein Auto langsam an die Bordschwelle heran, ein junger Mann sprang heraus und versetzte der Frau einen Stoß, so daß sie zu Boden fiel. Diesmal konnte er die Tasche nicht stehlen, denn Frau P. war darauf gefallen und deckte die Tasche mit ihrem Körper. Der Täter schwang sich in den Wagen, der langsam weitergefahren war und verschwand. Eine knappe haU>e Stunde später wurde der zweite Ueberfall auf ein junges Mädchen in Wilmersdorf verübt. Sie wurde an der Ecke der Kaiserallee und der Waghäuselerstraße in der gleichen Weise von hinten angerannt. Der Dieb entriß der Stolpernden die Tasche, die außer den Schlüsseln und einem Reisepaß nur Ichll M. enthielt. Gegen 11 Uhr wurde die Frau eines Kaufmanns G. aus der Passauer Straße das Opfer des dritten Streiches. Ihr entriß der Dieb an der Ecke der Lietzenburger und M e i n i ck e st r a ß« die Handtasche, die 5 M. bares Geld und zwei goldene Armbänder im Werte von etwa 200 M. enthielt In allen Fällen ist es nach der Beschreibung derselbe Bursche gewesen. Cr war etwa 20 Jahre alt und trug einen hellen Mantel und eine Sportmütze. Vermutlich ist er mit seinem Komplizen und dem Auto in der Gegend hin und her gefahren und hat nach geeigneten Opfern ausgespäht. Freie Silvesternacht Keine Polizeistunde Generäle fordern: Einem den Rechtsblock'— Eramon die Monarchie! Es ist schon eine merkwürdig« Sache: Seit dem Wahlsieg der Hitlerpariei, die sich sozialistische Arbeiterpartei und am Ende gor revolutionär nennt, werden die ältesten Generäle a. D. wieder lebendig. Sie bürsten ihre Uniform aus, putzen Orden und Mo« »Okel blank und setzen sich in Positur. In Hugenbergj„Tag" erläßt der Kriegsminister und General- vberst a. D. von Einem einen Appell an den Reichskanzler Brüning, er möge durch seinen Rücktritt den Weg für einen Rechtsblock freimachen. Nachdem der Generaloberst seinem unendlichen Jubel über die Erfolge der Hakenkreuzler Ausdruck gegeben, spricht«c feine bittere Enttäuschung darüber aus, daß di« Reichs- regienrng trotzdem sortfahre, sich auf die Sozialdemokratie zu stützen.„Das war so schlimm", seufzt er,„wie damals 1919. als das Zentrum die bürgerliche Welt verließ und de» Pakt schloß mit den Rote n." Jetzt aber wäre es böchste Zeit, mit den Nationalsozialisten zu regieren und den Kampf gegen den Marxismus aufzunehmen. Wörtlich sagt der Generaloberst weiter: Auch als Deutschnaiionale g l all b« n wir an die Nationalsozialisten, daß f i e nur das tun wer- den, was der Nation frommt, und daß bei ihnen ein Proarammpunkt fallen mag, wenn er der Wirtlichkeit nicht cnt- iprichl: genau wie wir wissen, daß die Sozialdemokratie in erster Linie immer an die Partei denkt und erst dann an das Wohl der Nation. Brüning hat sich aus den abgerittenen Gaul der Demokratie gesetzt. Er kann damit das Rennen nicht gewinnen. Hätte er doch den feurige» Brnrdesgenosien des Nationalismus gesucht: das hofften wir mit ollen Fasern unseres Herzens. Wer weiß, es hätte eine politische Yorcktat werden können. Herr v. Einem aber hofft noch immer, daß das Versäumte nachgeholt werden wird. Und dann— hurra!— kann es ja mit den Aorcklaten gleich losgehen. Und dann können ja auch wieder die Soldaten geprügelt werden wie damals, als der Kriegsminister v. Einem im Reichstag erklärte, so etwas sei ja gar nicht so schlimm! Zurück in die herrlichen alten Zestem will auch der General- l«tnant von Eramon, der w der.Kreuz-Zeitung' d>e Sonn- ragilpradigt hält. Herr von Erarnon hat gegenüber von Einem den Vorzug noch größerer Aufrichtigkeit. Er sagt gleich ganz offen, wohin das hinaus soll: E» ist dunkel geworden über Deutschland und schw--e schwarze Nelrtck lagern über deutschen Gefilden. Aber Gott sei Dank, wenn die Finsternis ihres Sieges am sichersten ist. dann steigt auch dlls Licht, am ehesten empor und, wie der S'ern über Bethlehem eicht aufgegangen ist, so wird UNS die ewige Weisheit auch aus dieser Dunkelheit herausführen Der Polizeipräsident hat der totälkommission der Gaslwirls- vcreinigungen Groß verlins mitgeteilt, daß. wie auch in den beiden letzten Jahren, die Polizeistunde für olle Gast- und Schank- wirtfchaften in Groß-Lerlin für die Silvesternacht aufgehoben wird.— Noch vor drei Jahren hatte das Polizeipräsidium die Polizeistunde in der Silvesternacht aus S Uhr morgens festgesetzt. ':- S■;,".■ T Die Be r li n c r" 5= 33 a h n, wie setzt die S t a S't R i n g- und Vorortbahn offiziell von der Reichsbahndiröktion' genannt wird, hat alle Vorbereitungen getroffen, um den Verkehrsanforde- rnngen in der Siloesternocht bewältigen zu können. Auf der Stadt- bahn wird ein durchgehender N a ch t v e r k e h r mit einer Zugfolge von 10 Minuten und auf der Ringbahn mit einer Zugfolge von 20 Minuten eingerichtet. Der Weihnachtsverkehr, dessen genaue Zahlen fetzt vor- liegen, hat gegenüber dem Vorjahre einen erheblichen Verkehrs- nickgang infolge der Wirtschaftsdepreffion gebracht. Am ersten 3Veihnachtsfeiertage beförderte die S-Bahn 1 Million F o h r- gaste gegenüber 1,1 Millionen im Jahre 1929 und am zweiten Wechnachtsfeiertage 1,1' Millionen gegen 1,2 Millionen im Vorjahr«, also genau- 100 000 Personen weniger. Dar Fern- verkehr, für den in der Zeit vom 22. bis 26. Dezember 130 Vor- uich Nachzüge und fünf Sonderzüge eingesetzt wurden, hat einen/ Lerkehrsrückgang von. 9 Prozent gegenüber dem Vorjahre ZU vor- zeichnen. Es verkehrte zwar dieselbe Zitgzahl, jedoch waren die Züge erheblich weniger besetzt als im Jahre 1929 Schätzungsweise haben 350 000 Personen während der Feiertage unter Benutzung von Fernzügen die Reichshauptstadt verlassen. in eine bessere Zukunft. Allerdings wenn wir nicht zum Gott unserer Väter zurückkehren, dann wird alles Arbesten vergeblich fein, dann wird alles Mühen und Streben, ein freies und ge- fundes Volk wiedererstehen zu lassen, in nichts' zerschellen. Mit dem wiederkehrenden Glauben an den König oller Könige nn>ß und wird aber auch der Wunsch im deutschen Volke wach werden, den von Gott dem deutschen Volke einst eingesetzten Rlo- narchen wieder aus den Thron zu erheben. Der Sinn des Kampfes gegen die„Novemberverbrecher" wird sonnenklar, und in diesem Kampfe ist jedes Mittel erlaubt. Auch das der dümmsten Verleumdung. Bringt es doch Herr v. Cramvn fertig, die folgenden verlogenen Sätze mederzufchreiben: Und wenn wir wester fragen, wem wir den 9. November eigentlich verdanken, dann belehrt uns«in Franzose, der Spion age-Leutnant Desgranges, darüber, daß er mit der deutschen Sozialdemokratie die Revolution in Deutsch- land vorbereitet habe. Diese Binsenwahrheit läßt sich nicht leug- nyt und si« ist um so fürchterlicher, als mit der Revolution auch die deutsche Kaiserkrone und die Dynastie der Hohenzoller». die das Preußen-Deutschland geschaffen und groß gemacht hatte, den Dolchstoß erhielt, mit chem man vorher die ruhmreichste Armee der Welt zu zersetzen versucht«. Mit diesen Worten beschimpft der Generalleutnant a. D. von Cromo» Hunderttausende von Deutschen, dt« wie Eduard David— an dessen Sarg gestern der Reichswehrminister @ r ö n e r sprach— in schwerster Zeit fest zu ihrem Lande ge- standen haben. Das Treiben des Generatlentnants a. D. von Cramon ist v e r- ä ch t Ii ch. Aber es paßt zu allem übrigen. Die Mittel, die diese Herrschaften anwenden, stehen auf derselben moralischen Höhe, wie die Ziele, die sie verfolgen. Licht empor! Morgenfeier des ArbeiterkulturkorteUs im Rundfunk. Am Samstag bot der Berliner Rundfunk seinen Hörern eine weltliche Feierstunde, die das A r b e i t e r k u l t u r k a r t e l l Berlin veranstaltete. Robert Br e u e r hielt die Ansprache, der er den Titel gegeben haste:„Licht empor!" Seine Worte waren ein Ausruf zur Vernunft, zur Selbstbesinnung. Er warnte vor tönenden Phrasen, vor überstürzten, unüberlegten Handlungen. Nur zielbewußtes Wollen kann die Menfchhest aus dieser Zest der Not herausführen, die auf den Dottern der Sieger und Besiezten lastet. Die Menschheit kennt ihre Geschichte, die Geschichte vom Aufsttsz und Vergehen der Völker im Laufe dar Jahrtausend«: sie muß aus dieser Geschichte lernen, wenn sie vorwärts, aufwärts will. Die Natur lebt in ewigem Gleichmaß nach dem ihr innewohnenden Rhythmus: die Menschheit zeichnet sich die Kurve ihre« Seins selber. Der Mensch muß wollen: da« ist sein Schicksal und seine Verheißung.— Die Madrizalvereinigung des IungenChors. unter Lei- tunz von Walter Rohde. und der Sprechchor für Proletarische Feierstunden, unter Leitung von Albert Florath, verschönten die F«i«r durch Darbietungen. Die Hakenkreuzbrutstätte.- FrickS Notabitur für Hakenkrevzsrüchtchen. In Preußen ist ein« größere Anzahl von Hakenkreuzrowdys, die höhere Schulen besuchte, von den Schulen entfernt worden. Die Schuloerwaltung hat Sorge dafür getragen, daß die Schulen nicht zu Brutstätten des Putschismus gemacht werden. Diese Absicht wird, von der Hakenkreuzregierung in Thüringen. damit beantwortet, daß sie allen diesen relegierten Schülern zum Ab stur verHilst. Der in Weimar erscheinende„National- s o z i a l i st" teilt nnt: „In Preußen sind zahlreiche Schüler höherer Schulen wegen politischer Betätigung gemaßregelt worden. Sie müssen in Thüringen ihr Abstur machen. Deshalb werden in samt- lichen Thüringer Städten, in denen höhere Schulen sind, ältere Parteigenossen gesucht, die diese Schüler bis Ostern zu billiger Pension oder kostenlos bei sich aufnehmen." Der thüringisch� Kultusminister, das ist Herr Fr i ck, hat demnach«in Notabitur für preußische Hakenkreuz- f ch Ü l e r eingerichtet. Man muß annehmen, daß es dabei zugeht wie beim Notabitur im Kriege— die gute, Gesinnung ersetzt die Kenntnisse. Welche Gelegenheit für preußische Schüler, die sich vor dem Abitur fürchten! Einige SA.-Rohesten oder Straftaten ge- nügen, und dann sorgt Herr Frick fürs Abitur! Thüringen wird auf diese Weise immer mehr Asyl und Brut- stätte der Hakenkrenzler. Herr W i r t h aber hat sich mit Herrn Frick verglichen. Markihändler bescheren. „Wenn der Weihnackisniann auch spät kommt, Hauptsache, er kommt überhaupt!" sagte sich die 50 Köpfe starke Kinderschar, die un Restaurant Bergschiohhöhe, Neukölln, ein von den Neu- köllner Markthändlern vorbereitetes Weihnachtsfest feiern durfte. Dt? fehlte aber auch nichts, was zur Festesfreude gehört: di« warme Stube und der große Lichterbaum, der süße Teller, Kasse« und Kuchen und dann npch nützliche Geschenke: da gab es Stoff zum Wintermantel und Strümpfe, warme Hausschuhe, Hanhschuhe und Schals. Dies menschlich schöne'Werk ist um so anerkennenswerter, weil es aus Händen kommt, die mühselig und schwer, unter körper- lichen Strapazxn mch wirtschaftlicher Mißgunst, Groschen aus Groschen legen, um eine bescheidene Existenz fristen zu können. Und doch denken sie derer, denen es noch schlechter geht und helfen. 190 leuchtende Kmderaugen sagten ihnen Dank dafür. Außer den Kindern wurden noch mehrere bedürftige Alte bewirtet und beschert. Die schöne Feier wurde mit Borträgen der Neuköllner Gesangs- gemeinschoft eingeleitet.. Franca fährt nach Belgien. Flieger Franca ist von Lissabon»ach Antwerpen abgereist. Oer letzte Schritt Ooppelselbstmord eines Kabrikanien-Ehepaares aus Noi. In der Nacht zum Sonntag hat wieder eine Tragödie ihren Abschluß gefunden, deren Ursache, wie so oft in der lehtcn Zeit, in den wirtschaftlichen Nöten zu suchen ist. Im Hause Kraut st raße 5 2 wohnte der 38 Jahre alte Büstenfabrikant Fritz Müller mit seiner sieben Jahre jüngeren Ehefrau Elise. Die Wohnung des Ehepaares teilte auch die Schwiegermutter. Am Sonntagmorgen blieben Müller und seine Frau unsichtbar. Ms die Schwiegermutter nachforschte, fand sie die Türen zum Wohn- und Schlafzimmer verschlossen. Sie alarmierte Polizei und Feuerwehr, die mit Gewalt sich Eingang verschaffen. Man fand die Eheleute mit Gas vergiftet auf. Wieder- belebungsverfuche blieben bei beiden erfolglos. Es konnte festgestellt werden, daß Müller einen sehr langen Schlauch getauft und diesen in der Küch« an den Kocher angeschlossen hatte. Ueber den Korridor hinweg und durch das Wohnzimmer bis in die Schlafstube hatte er den Schlauch weitergeleitct. In die Türen waren Löcher gebohrt. so daß der Schlauch hindurchgezogen werden konnte. Die Fugen waren sorgfältig verstopft. Auf dem Tische fand man fünf Ab- schiedsbrief«, in denen Müller und seine Frau ihren Entschluß, gemeinsam aus dem Leben zu gehen, bekannt gaben. Der Fabrikant hatte unter schlechtem Geschäftsgang zu leiden: es waren Wechsel eingegangen, llie er nicht einlösen konnte. In der Nacht hatten die Unglücklichen ihren Plan ausgeführt. Bom Meingoldexpreß gerädert. Schrecklicher Tod eines jungen Mädchens. Düsseldorf, A. Dezember.(Eigenbericht.) Auf dem Bahnhof Düssetdorf-Dercndorf wurde am Sonntag ein 21 Jahre altes Mädchen, das auf einen Personenzug wartete, von dem Rhcingold-Cxpreß ersaht und getötet. Der Bräu- tigam des Mädchens war Augenzeuge des schrecklichen Unglücks. Er stand auf der Derendorfer Brücke und winkte seiner Braut Ab- schiedsgrüße zu, die diese erwiderte. Anscheinend hat sich da- Mädchen beim Winten zu nahe an die Schienen gewagt. Als der Rheingold-Zug, der aus Holland kommt und bis Basel fährt, den Bahnhos durchfuhr, wurde das Madchen erfaßt, auf die Schienen geschleudert und unter den Bädern gelötet. Aus den, Wege bis zum Hauptbahnhof wurde der Körper der Unglücklichen.völlig zerrissen. Rur Blutfpuren an der Maschine waren noch Zeichen von dem enl- setzlichen Unglücks. Drei Opfer einer Lawine. Skiläuferkatastrophe in ven Schweizer A'pen. Zürich, Zg. Dezember. Eine aus acht Perfouen bestehende Sktgruppc au» W i n t e r t h u r wurde beim Ueberfchreiten des Vötzgcn.pasjes zwischen dem Säntis und der ZNegglis Alp von einer Lawine überrascht. Drei der Skisahrer konnten nur noch a l s Leichen geborgen werden, zwei weitere vermochten sich selbst herauszuarbeiten, die übrigen kamen mit dem Schrecken davon. Explosion im Arzizimmer. Im Behandlungsziimner des Sanitätsrats Dr. S k u t f ch, Hirjchsprung 25 in Dahlem, explodierte heute vormittag gsgen 10 Uhr«in Säurcapparat. Dr. S kutsch wurde von den umherfliegenden Eisenteileu getrossen und erheblich ver- letzt. Der Verunglückte mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Oer„volksbildende" Iridericus Eine neue Glanzleistung des Lampe-Ausschuffes. Der Lampe- Ausschuß ist nicht etwa selig entschlafen, sondern immer noch sehr lebendig. Die neuesten Ruhmestaten dieser Ge- fchmacks-Zenfur liegen noch nicht im Wortlaut vor, man weiß nur, daß Hilgenbergs in jeder Beziehung minderwertiger patriotischer Schmarren„Das Flötenkonzert von Sanssouci" nicht allein als„künstlerisch wertvoll", sondern auch als„volksbildend" erklärt worden ist. Das Urteil ist wirtschaftlich bedeutungs- voll insofern es der Ufa Steuerermäßigung verschafft. Es ist ober 'auch in politischer und kultureller Beziehung höchst be- merkenswert. Der Lampe-Ausschuß nimmt es nämlich mit der „Volksbildimg" bei anderen Filmen sehr genau. Beispielsweise wurde dem russischen Film„Der blaue Expreß" der volks- bildende Charakter nicht zuerkannt, und zwar aus folgenden Gründen: „Ms Lehr- oder oolksblldender Filmstreifen wäre der Film cnt- schieden abzulehnen. An einem Kunstwerk kann man den Jnhall auf sich beruhen lassen und lediglich nach der Stoffonnung fragen. Literarisch ist sie zweifellos minderwertig, schon wegen der Partei- lichkeit des Drehbuches und wegen allzu grober Effekte. Alles Mitgefühl der Zuschauer wird für die unterdrückte Klasse erregt, alle Abneigung den zu Erschießenden und zu Erschlagenden in der ersten und zweiten Wagenklasse zugewendet, die auf Machtstellung, Militär, Polizei oder Reichtum sich stützen. Zum Jndividualcharatter wird kein Anlauf gc- nommeu. Alle sind Typen. Doch das Manuskript unterscheidet noch nicht über deq Wert oder Unwert des Films. Ein« besonders im Einzelnen und' Kleinen kraftvolle optisch« Phantasie hat in diesem Wildwestdrehbuch einen unendlichen Reichtum an packenden Bildern gefunden... Es ist zu verstehen, daß die Eigenart des Bildwerkes„Der blaue Expreß" es manchem erschwert, in ihm Vorzüge überhaupt zu erkennen: weil aber Filmkunst in erster Linie eine Leistung des optischen Gestaltens bewegter Inhalte ist, hat nach sehr eingehender Erwägung aller Vorzüge und Mängel die Mehr- zahl der Gutachter diesem Bildwerk die Anerkennung als künsllerlsch nicht versagen wollen." Auch die Anerkennung des amerikanischen Films a l l e l u j a" fiel dem Herrn Prosesior nicht leicht. Er muß zwar zugeben:„eine' künstlerische Formung liegt zweifellos vor". Trotzdem ist ihm der Stoff keineswegs sympathisch: „Der Gesamtinhalt wirkt als eine Kuriosität, der gegen- über der rechte Maßstab für uns fehlt. Volksbildend möchte man das Werk nicht nennen, denn der V« w e i s d e r W i r k l i ch k e i t s- treue müßte hierzu erst geliefert werden. Auch sind die Dialoge und die spärlich einkopierten Titel nicht auf Lchrwirkung ab- gestimmt." Wie steht es nun aber bei den» neuesten„Fridericus"? Spielt der etwa nicht in einer 2lrt von„Märchenland"? Gibt es in dem russischen Proletariers ilm etwas, was„freier erfunden" wäre als die breit' ausgewalzte Geschichte des homosexuellen Königs, der eine Ofsiziersfrau vor einem Ehebruch bewahrt? Ist etwa die ganze Intrige, die den Siebenjährigen Krieg heraufbeschwört und vie'Niit der Bersolgung eines preußischen Spions und seinem Triumph über die Dlunmköpfe von sachsischen Verfolgern gipfelte, keine„Wildwest- geschichte"? Wendet das Drehbuch nicht alles„Mitgefühl der Zuschauer" denen zu, die„auf Machtstellung, Militär, Polizei oder Reichtum sich'stützen"? Wenn der Inhalt des Negersilms als„Kuriosität" wirkt,' und wenn ferner der volksbildende Wert eines Films davon abhängt. daß der„Beweis der Wirklichkeitstreue" geli£jert wird, dann wäre das„Flötenkonzert von Sanssouci", in dem nicht ein Zug, nicht ein einzig� Charakter„wirklichkeitstreu" ist, alles eher als„volks- bildend".„Volks ver bildend" möchte man es nennen, verlogen. unmoralisch. Man scheut nicht einmal vor der Geschmacklosigkeit zurück, einen deutschen Volksstamm gegen«inen anderen auszu- spielen. Die Sachsen müssen es sich gefallen lassen, als Berräter, Feiglinge, Ludriane und Dummköpfe hingestellt zu werden, nur damit der' preußische Militarismus um so Heller erstrahlt. Die vom Reich eingesetzte Zensurstelle aber bringt es fertig, ein solches Machwerk nicht nur als„künstlerisch", sondern auch als „oolksbildend" zu erklären, und ausländischen Meisterwerken der Filmkunst, wie„Der'blaue Expreß" und„Halleluja" gegenüber zu bevorzugen. Wie lange sollen wir uns diesen Skandal noch gc- sollen lassen? Hermann nieder. Oscar Wilde redivivm. „Ein idealer Gatte." Wenn nicht der englische Dandy und Artist Oscar WUde kürzlich ein Jubiläum gehabt hätte, hätte man wohl kaum seine aus dem Jahre 1895 stammende Komödie wieder ausgegraben. Wer Harry L i e d t k e, wie es fchemt, der Filmlorbeeren überdrüssig, kehrt zum Sprechschauspiel zurück und hat sich«ine Truppe sür die Ausführung dieses Stückes von Eugen Robert zusammenbauen lassen. Nach den Erfolgen in der Provinz soll jetzt Berlin an die Reihe kommen (Theater in der Stresemannftraße). Wird das Stück so gespielt, ist es aktualisiert oder neu geformt, daß man diesen durch Wildesche Paradoxe und Geistreichigkeiten aufgelockerten Sardou neu genießen kann? Zunächst wird eine neue Ilebertragung von Bruno Frank angekündigt, aber abgesehen von ein paar Aktualisierungen merkt man nicht viel davon, und auch die Regie bemüht sich nicht, dies gesellschaftliche Kriminalstück mit oll seinen technischen Trick- und Dreh» unter einem neuen Gesichts- minkel zu zeigen. Gewiß hat Wilde, indem er dem Geschmack seines Theaterpublikmns— er wollte ja Geld verdienen— iveitgehend entgegenkam, sich doch ein wenig über diese englische Gesellschasi . lustig gemacht und wie die Katze mit der Maus mit feinen Zu- schauern gespielt. Man küimte fein Stück heute mit parodistischem und meinetwegen mit satirischem Einschlag spielen. Aber man tat cz nicht, und Harry LiedUe vollends, der Räsoneur des Stückes, der still und leise die ganz« Handlung lenkt, und mit seinen Paradoxen die Langweiligkeit der Salongesprächc befeuert, ist viel zu bieder und brav, auch zu nochalant, um als Feuerwerker zu wirken. Er war eine kleine Enttäuschung, und so mußte man sich denn mehr an die sonst gute Besetzung des Stückes halten. Artur Schröder als der ideale Gatte mit dem Fleck auf der Vergangenheit, Carola T o e l l e als die Gartenlaube-Dame sowie' Rcirm Bahn als die Frau, die das Leben nimmt, wie es ist, bildeten ein gutes Ensemble. Die interessante Frau, die als Hecht im Karpfenteich alles durch- einanderwirbelt und die Probleme aufrührt, ist Traute Earlsen, Überlegend, anziehend, aber schließlich vom Dichter preisgegeben. K. H. 1). Die neue Aelson-Mvue. „Glück muß man haben." Unterwell der Großstadt als modische Sensation, elegante Amüsiergeselljchaft, die sich am Dunst von Laster und Verkommen- heit berauscht, aber die Dirnen, Zuhälter, Mörder sind nur tostü- mierte Schwindler, Angestellte des Kncipenwirts und Kumpane feines Ncppgeschäftes, auf das die seinen Gäste prompt l)erein- fallen. Dieses Bild des Verbrecherkellers, der pur eine Attrappe ist, das beste des Abends, wird ungewollt zum Symbol und Ebenbild der typischen Kurfiirstendammrevue und ihres Publikums. Das soll alles ein bißchen nach Wagnis aussehen, ein bißchen aufrührerisch llingen, doch eben nur aussehen, nur scheinen; die Herrschaften wollen durch die schmeichelnde Illusion einer Als-ob-Gesöhrlichkeit betrogen, durch die Täuschung einer Zeit- und Gesellschaftskritik attackiert werden, von der sie selbst, die bürgerliche„Gesellschaft", samt ihren heiligsten Gütern sorgsam verschont bleibt. Erwarten wir also in diesem Theaterchen der garantierten Harm- losigkeit nichts von Mut und echtem Angriffegeist. Doch freilich, wer hier Geist und Anmut erwartet hat, der wind diezmal von den Autoren bitter enttäuscht. Hans I. R e h s i s ch und Otto K atz missen ohne Zweifel um alle aktuellen Angreifbarkeiten, dt« in der Luft und in der Linie der Revuebühne liegen, und was sie vereint an ausbegehrender Gesinnung beizusteuern haben, reicht durchaus für den Bedarf solch einer Abendunterhaltung. Aber für ihre Arbeit bat die leichte Hand gefehlt, die sie unspürbar macht: mit manchem treffenden Wort machen sie nur sich, doch nicht den Hörer lustig, ihr Witz schlägt nicht ein. Im Text dieser lose gefügten Bilderreih« ist nichts von der Bcschwingtheit und frechen Grazie, mit der Gustav Gründgens die überflüssigste Szene zum darstellerischen 5)öhe- punlt macht. Eine mißratene Nummer rettet der persönliche Charme, Köche E r l h o l z, von Paul Henkels sekundiert, dafür einsetzt. Kurt Gerron, als Regisseur sachlich-präzis, gibt sich, von seiner Rolle im Stich gelassen, wie wir ihn tem»en: massiv, ohne zu pol- lern: ohne aufzutrage», eindringlichster Sprecher. Ein Berliner Figürchen von erfrischender Echtheit: Grete Weiser. Hell und sympathisch Andre M a t t o n i, überraschend begabt für Tempo unh Rhythmus des modernen Couplets. Berthe O st y n, Gerhard B i e n e r t, Reinhold B e r n t zeigen Talente. � Aber Ernst Busch kann hier nicht zeigen, was er kann. Als �tische Attraktion ist die bildhübsche Lee Parry gewonnen. Und die Musik die Peter Kr« uder vom zweiten Flügel aus in guter Ordnung hält)? Si« stammt van Rudölf Nelson und verleugnet nicht den routinierten Könner seines Genres. Ein Tango besticht durch harmonische und instrumentale Feinheit: und das Marschlied„Glück muß man haben" hat alle Qualitäten eines Saisonschlagers. Leider hat die Revue, die nach ihm heißt, nicht die Schlagkraft eines Saisonerfolacs. K. P. Admiralspa�aff. Edaar Wattace:..Auf den Fleck". Dck» Räuberstück, das für die Braven und auch sehr bescheidenen Stammbesucher des Admiralspalastes aufgeführt wird, spielt in Chikago. Dort vollziehen, wie jeder anstandige Staatsbürger weiß, das Killen ihrer Mitmenschen nicht patriotische Fememörder, sondern Mkoholschmuggler, Freudenhausbesitzer und ähnlich« Gentlemen. Sie gehören zu einer besonderen Verbrecheraristokratie, die sich in prunkvollen Palästen von Champagner und ähnlichen Volks- aetränken nährt und dafür sorgt, daß Polizei und Richter der Vereinigten Staaten bekömmlichen Nebeiwerdienst finden. Edgar Wallaee, der sich rühmen darf, in allen fünf Erdteilen als beliebtester Spezialist dieser Halunkenlsteratur gelesen zu werden, zeigt drei Akte lang Chikagos edelste Sittentultur. Knallende und geräuschlose Revolver, Selbstmorddolche, Ganoven- jargon, Banditenliebe, Diwans, die in Särge verwandelt werden können, kurz die wichtigsten �Geheimnisse der Unterwelt werden enrhüllt. Die Zuschauer und Zuhörer sind sehr dankbar, ihre fachmännischen Kenntnisse befestigen und erweitern zu können. Sie verlassen das Theater mit dxxn gleichen Entzücken, das ihnen einige Tage vorher dos„Flötenkonzert von Sanssouci" bereitete. Icl. H. Prof. Eugen Goldstein, der Entdecker der Kanal-(Anoden)- Strahlen, ist, w>« erst jetzt bekannt wird, am 1. Wechnachtstag im 81. Lebensjahre in Berlin gestorben. Seine bereits vor langer Zeit .erfolgte Entdeckung hat erst später ihre Bedeutung erlangt, als�die Kanalstrahlen als' positiv geladene Atome erkannt wurden, seit 1888 Halle Goldstein an der Unwerfitätssternwarte Berlin gewirkt. TKufllchroiiit. Lea Kestenberg rnlrb cick Emladunq der ValSdilhne »ni L�'inlca, dein 4.. II.;;nb Jamiar. abrndS 8 tllir.(n Seckifleü'* c-.-K Bouriig« nfiev L&, ab« r t... 2:: u e e balle». Siit.vtikcndr: Maria vvn BastUdiS, SJutepeti« Oper, �da Harth zur Niedeu. Massengrausamkeiten der Goldaieska. Schauerliche.Strafexpedition" in der Llkraine. Warschau, ZS. Dezember.(Eigenbericht.) Die Sonnkagsausgabe des„Robotnik" ist entgegen den Bestimmungen der polnischen Verfassung wegen eine» Auszuges aus dem ukrainischen Senatsantrag über die sogenannte„Befriedungsaklion" In der polnischen Ukraine in den Monaien September bis November dieses Zahrc, beschlagnahmt worden. Die Blolioierung de» Antrags, die 64 große Schreibmoschlnenseilea füllt, bringt ein er- schüsterndes Bild der Leiden der ukrainischen Bevölkerung in polen, gegen die Slrafexpeditionen entsandt worden sind, wobei die wild- gewordene Soldateska im Bewußtsein ihrer Straflosigkeit wie in einem be sehten Lande hauste. Die Opfer dieser eigenartigen „Befriedungsaklion" zählen nach Tausenden. Die ukrainischen Bauern wurden von Soldaten unter Führung von Offizieren mörderisch mst Dreschflegeln undKesaken- v e i t s ch e n geschlagen. Wurden die Opfer ohnmachtig, dann weckte man sie durch kaltes Wasser, um weiter auf sie einschlagen.zu können. Dabei wurde ihnen in den Mund mit einem Knüppel ein Knebel gezwängt, und einer der Schlagenden, meist ein Offizier, setzte sich m vielen Fällen auf den Kops des Betreffenden. 500 Schläge waxsn dabei lein« Seltenheit. Es ist auch nicht verwunderlich, daß viele' von den so bearbeiteten Bauern starben. Alle Dörfer mußten hohe Kontributionen erlegen. Die ukrainischen Dorsbeamten wurden an Pferde gebunden und so durch die Straßen geschscist. Vergewaltigungen standen auf d«r Tagesordnung. In einem der Dörfer wurden mit den Geschlagenen, deren Körper nur noch eine große eiternde Wunde bildete, 20 Fuhrwerk« gefüllt. Die Aerzte verweigerten jede Hilf», da si« dokür ebenkalls geschlagen wurden. Ein anderes Beispiel: Während dee Gvttecdienstes wurde u Betende I aus einer Kirche getcieeen und gezwungen, m den Kleidern einen| nahegelegenen Teich zu durchschwimmen. Waren die Soldaten und Offiziere zum Schlagen zu müde, dann zwangen sie die Bauern. einander zu verprügeln. Bon den Opfern wurden dann nach Bescheinigungen erzwungen, daß sie bei den Sejmwahlen für die Rc- gienmgsparteien stimmen und keinerlei Klagen wegen der Borföllc erheben werden. In einigen Fällen wurden die Bauern, nachdem sie bis zur Ohmnacht verprügelt worden waren, erschaffen. Wettrüsten zwischen Mm und Paris. Verstänvigungsaussichten gleich Null London, 29. Dezember. Der Marinekorrespondent des„Daily Telegraph" vertritt die Ansicht, daß die gegenwärtigen Bemühungen der englischen Re- gierung, Frankreich und Italien zu einem Flottenbaufeisriahr zu bewegen, vollständig hoffnungslos seien. England müsse aber trotzdem alle Mittel versuchen, da es den größten Wert auf die Erhastung des Friedens im Mittelmeer lege, durch dos«ine der wichtigsten englischen Handelsstraßen führe. Ein Krieg zwischen Italien und Frankreich würde das völlig» Verschwinden der neutralen Schissahrt im Mittelmeer bedeuten,"was zu schweren Schädigungen der englischen Schiffahrt im Mittelm«er führen müßte. Besonders beängstigend sei die Tatsache, daß sowohl Italien wie Frankreich die Bauzeiten beschleunigteu. Italien baue Kreuzer jetzt in weniger alz 2 Jahren und Torpedo- bootszersiärer und Ilisterseeboot« in 18 Monaten. Frankreich- Bauzeiten seien ungefähr die gleichen. Die fieberhafte Tätigkeit am den Werften im Mitielinoer verstärke die Besorgnisse über eine Lage die an sich schon zu ernster Beunruhigung Anlaß gebe. Desertionen und Arbeilslosigkeit. Jiffolge der Wirtschaitstrise sind di» Desertionen aus der amerikanischen Wehrmacht sehr zurück- gegangen. , i Hitlers Bürgerkriegsarmee Was Witt und was sott die G.-A. der Nationalsozialisten? ■tMe Ortijntf&fion der SA. und ihre militärischen Hebungen be- . reifen deutlich, dag co sich um eine nusgefprochen militärische Orgoni- [ation handelt, und die Mitglieder, vor allem die Führer der SA., l ezeichnen sich im Gespräch mit Parteigenossen auch ganz ossen als Soldaten, in bewußtem Gegensatz zu den„Zivilisten". ..Wenn wir Soldaten etwas beschließen, haben die Politiker der Partei natürlich immer etwas auszusetzen." Diese häusig wieder- kehrende Floskel kennzeichnet deutlich die militärische Einstellung. Der bisherige Osai. Hauptmann Pfeffer von Salo- mo», kennzeichnete in einem Schreiben vom 13. Oktober 1928 an einige Unterführer in.ftoln die Aufgabe der SA. folgendermaßen� „Wir_ stehen auf dem Standpunkt, daß die SA. als Trägerin der zukünftigen deutschen Wehrmacht so ausgebildet und so organisiert werden muß, daß schon heilte langsam, aber stetig und unaufhaltsam, sich ein Staat im Unstaat heranbildet." Und am 28. November 1928 hieß es in einem weiteren Befehl des Ofäf:„Die Kameradschaft der SA.-Formationen muß derartig fest« Formen annehmen, daß an ihrem granitenen Wollen olle polizei- lichcn Perbote, alle sonstigen Schikanen wirkungslos abprallen." Die nationalsozialistische Literatur gebraucht deshalb fast täglich die Phrase von dem„dröhnenden Schritt der braunen Regimenter", die das„Dritte Reich" schaffen werden. Daß die SA. auch im kommenden nationalsozialistischen Staate das R ü ck g r a t J> e r Armee bilden wird, das ist gewissermaßen ein Versprechen, das man den heutigen SA.-Leuten macht, ein Versprechen. das wirtschaftlich von reäst erheblicher Bedeutung ist, er- weckt es doch in allen SA.-Leuten die Hoffnung, einstmals in der Armee des„Dritten Reiches" einen wohlbestallten militärischen Posten beziehen zu können. In einem Befehl an die Gaustürme erklärte der General- inspekteur der SA., Oberstleutnant von Ulrich: „Bekanntlich kennt der kommende nationalsozialistische Staat keine allgemeine Wehrpflicht im alten Sinne der wilhelminijchen Zeit(die«2l. würde es sich auch verbäten, wenn dadurch jeder Lump gezwungen werden könnte, unser Ehrenkleid anzuziehen). Die Auslese der Wehrfähigen erfolgt durch das iPehrrccht." Soweit es sich bei den SA.-Leuten nicht um Mitläufer und Konjunkturschulzen handelt, sind sie sich völlig darüber im klaren, daß ihr Ziel darin besteht, eines Tages den Marsch auf Berlin zur Eroberung der politischen Macht anzutreten. Hitler selber hat einmal die Stunde für diesen großen Befreiungsmarsch auf den Zeitpunkt sestgelegt, an dem die SA. eine Million geschulter Mitglieder umfassen werde. Bis dahin scheint allerdings noch ein langer Weg zu fein, denn trotz eifrigster Werbung und Propagandaarbeit umfaßt die Organisation samt der SA.-Reserv« heute kaum mehr als 49 999 Mann, und diese Zrffer dürste bald wieder erheblich abnehmen, wenn mit dem Nachlassen der Arbeitslosigkeit für die Erwerbslose» das Interesse an diesen militärischen Spielereien mit der geordneten Arbeit wieder verloren geht. Aus: Oehme-Caro:„Kommt das Dritte Reich?" Verlag Ernst Rowohlt, Berlin 1931. Die KPD. als Llniernehmer. Wer nickt pariert, dem wird der Brotkorb höher gehängt. Eine Angestellte der kommunistisckicn„S ä ch s i s ch e n Ar- beiterzeitung" in Leipzig, die jahrelang Mitglied-des Betriebsrats, aber nicht linientreu ist, wurde von der Geschästs- ieitung gemäß regelt. Als die Bctriebsvcrtretung die E n t- las jung rückgängig»'.achte, wurde der Angestellren das G e- h u l t g- k ü r z t. Die Zlngeftellte klagte mit Hilfe des Zentralvcrbandes der Ange- stellten tzcgen den kommunistischen Verlag auf ungekürzte Weiter- Zahlung des bisherigen Gehalts. Vor dem Arbeitsgericht erklärte der Geschäftsführer des kominiiinmstischen Geschäfts, die Klägerin müßte mit ihrer Kloge abgewiesen werden, well sie auf ihre An- sprüche freiwillig verzicbtet habe. Die Klägerin wies jedoch nach, daß sie bei diesem„freiwilligen Verzicht" unter w i r t s ch a f t l i ch c nr und politischen» Druck stand. Als Mitglied des Betriebsrats habe sie verlangt, daß dos Belricbsrätegeseh eingehalten wird. Dezhalb wurde sie gemäß- regelt und aus der SPD. ausgeschlossen. Der komnmnistischc Unternehmervcrtreter kam mit der Ausrede: „wenn die Reichsregierung die Kürzung der Gehälter anordnet, dann können mir das in den kommunistischen Betrieben auch hin."...... Der kommunistische Gcschiiitssjihrcr erlitt besiu- Arbeitsgericht .eine gründliche Absuhr. Das kommunistische Unternehmen wurde verurteilt, der Klägerin vorläufig 19.5 Mark zu zahlen. Em stillschweigender Verzicht widerspreche der all- gemeinen Rechtspflege. Verhandlungen im Vergbau Englands Llnflimmigkeiten in tSüdwales und Sckottkond. London, 29. Dezember. Das vorläufige Uebereinkmnmen zwischen Zeckzenbesilzern und Bergleuten im Kohlenbezirk von Südwalcs läuft am Äittwoch- abend ab. Der erste Schritt in den jetzt beginnenden Verhandlnngen ist eine jär heute anberaumte Sitzung des Nationalen Industriellen- Amtes, das die Wünsche der Bergleute von Siidwales entgegen- nehmen wird. Bon einer Stillegung würden 129 999 Berg» l e u t e betroffen werden. Auch in Schottland ist die Situation im Bergbau bedenk- lieh. Heute finden unter Vorsitz des Bergbauministers S h i n w e l l in Glasgow Verhandlungen über ein neues Arbeitszeit- abkommen statt, da die Grubenbesitzer Schottlands sich nicht an die Bestimmungen des vorläufigen Abkommens gehalicn haben. Der Lohnabbau. Metallschiedsspruch sür Südwest. Karlsruhe, 29. Dezember. Die am Tage vor Weihnachten ergebnislos abgebrochenen Ver- Handlungen über den Abbau der Metallarbeiterlöhne in den Be- zirken Mannheim-Ludwigshäfen, Frankenthal, S e e k r« i s und F r e i b u r g wurden am Sonnabend fortgeführt und endeten mtt einem Schlichtungsspruch, der vorsieht: für die Städte Irankenthal. Mannheim und Ludwigshafen 6 Prozent, für den Seekreis und de» Bezirk Freiburg 3 Prozent Lohn- a b z u g und„Ermäßigung" der Akkorde um den gleichen Prozent- faß. Erklärungsfrisk bis?. Januar. Der Lohnabbau soll mit sechs- wöchigier Kündigungsfrist bis 3 9. September 1931 gelten. Konflikt im Saargebiet. Saarbrücken, 29. Dezember. In der Sitzung des amtlichen Schlichtungsausschusses über die Lohnkürzung in der Schwerindustrie kanr es nicht zur Einigung. Auch die vom Vorsitzenden des Ausschusses gemachten Verinittlungsvorschläge fanden keine Mehrheit. Um einen Abbruch der Verhandlungen zu vermeiden, sind die Parteien übereingekommen, die R e g i e r u n g s k o>n m i s s i o n um ihre Vermittlung zu ersuchen. Die Regierungskommission wird heute in Verhandlungen mit den Parteien eintreten. Indien wieder in Llnrnhe. Ein Aufstand in Burma— Zusammenstöße in Bombay. London, 29. Dezember. Einer Meldung aus Rangun zufolge wurden etwa 89 Einge- borsnc bei einem Zusammenstoß mit einer Abteilung des East-Kcnt- Regiments und des 15. Pundschab-Regiinents getötet, die zur Unter- drückung des ,Aioine-Rulc"-Aufstandcs im Tharawaddy-Bezirk von Burma dorthin beordert warcn. ★ Rongu», 29. Dezember. Nach nichtamtlichen Nachrichten beträgt die Zahl der Auistä irdischen im Bezirk Tharawaddy etwa 1999. Sic sollen gut bewaffnet sein. Etwa 139 Aufständische wurden getötet, mehr als 59 verletzt. Seit langem sind in Burma, das ein Gebiet von 159 999 Ouadratmeilen und einer Bevölkerung von über 13 Millionen besitzt, Forderungen nach Selbstrcgierunz erhoben worden und „Burma für die Burmesen" ist in immer stärkerem Maße die Losung des bisher als indische Provinz verwalteten Landes gr- worden. Die Trennung Burmas van Indien wurde von der Simon- Kommission empfohlen und dieser Borschlag wurde auch von der in London tagenden indischen Konferenz gebilligt. lieber 200 Verletzte in Aombay. Bombay. 29. Dezember. Der Präsident und vier Mitglieder der verbotenen notionalisii- schen Organisation„Kricgsrat" wurden verhaftet, als sie trotz des polizeilichen Berbots versuchten, eine feierliche Begrüßung der indischen Nationalflagg« in Szene zu setzen. Es hatte sich zu diese- Veranstaltung eine große Menge versammelt, die der Aufsordeciing. der Polizei, auseinanderzugehen, keine Folge leistete. Die Polizei ging schließlich unter Anwendung ihrer B a m b u s st ö ck e gegen die Heng« vor und trieb sie auseinander. Nachdem sich die Polizei aus dem Bezirk, in dem sich dieser Vorgang abspielte, zurück- gezogen hatte, fand sich die Menge wieder zusammen und sührte die Zeremonie des Flaggensaluts zu Ende. Später kam es vor dem Polizeigericht zu größeren Ansammlungen. Die Demonstranten be- warfen das Polizeigericht mit Steinen, so daß eine Polizei- abteilung genötigt war, wiederum mit Bambnsstöcken gegen die Menge vorzugehen. Es kam zu heitigen Zusainmenstößen, che es den Polizeibeamten gelang, den Platz zu räumen.. Bei dem Zu- sammcnstoß am Vormittag wurden 75 Personen verletzt. Harter Winter in polen. 20-30 Grad Kälte. Warschau. 29. Dezember. Am Sonntag wurde in ganz Polen eine starke Frostwelle ver- zeichnet. Während das Thermometer in Warschau bis 2t> Grad unter Rull fiel, erreichte die Kälte im wilnaer Gebiet bereits ZO Grad. kindersreunde Mitte. Gruppe Matteotti. Rote Falken: Montag: Ausspracheabend Jungs cttkcn A und B und Nestfalken. Dienstag: Heimabend. Am Mittwoch fahren wir nach Eichhorst. Alle Falken, die ein paar Stunden Marsch vertrogen, sind um �-9 Uhr am Fernbahnhof Siettiner Bahnhoi. All« anderen treffen sich um 144 Uhr am Stettiner Porortbahnhos. Für Fahrgeld, Schlafen und Getränke sind 2,59 M. zu zahlen. Wetter sür Berlin: Ziemlich heiter. Nachts Frost, Tages- temperoturcn über Null.— Für Deutschland: Im Nordosten Fort- dauer des Frostwetters, im Westen wolkiger mit Neigung zu leichten Regenfällen. Im übrigen Deutschland verbreitete Nachtfröste. Tages- temperawrsn über Null. Lerantwortl. für die äUbolüon: Kcrbeet Berlin: Anzeigen: Zd. sloitk, Berlin. Verlag: VorwSrts Verlag G. m. b. K.. Berlin. Druck: Vorwiirts Blick- druckerei und Berlagaonftalt Paul Einger& Co.. Berlin SB 88, Lindenftrage 3, Kien» 1 Beilage. Tägi. 5 u. 813 Sonnt. 3. S u.« u Alex. E 4. 8066 I. Vorstellung 50 Pf. bis I M. tl. und Ul. Vorst. I bis i M. 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J Oer Zelt entsprechend sind, trota das I riesigen Andranges. ARO/., er. f die Kasscnpreiso nm JiiJ /O mbsslgt. SIlTcslen Beginn 7 Uhr Neujahr 2 Vo r s t e 1 1 u n g e n, nachm, Z Uhr Abendbesetzung. EtmäSigte Pieise I iKiiiB-IlieatBi Täglich 8V. Uhr Uamseil Nitnudie Operette von Heive Tellmann,(äalbert, Jöken Theater am Sdiilfdauerdamm Norden 5813 u. 0281 Täglich SV« ühi Die Quadratur des Kreises Komödie v. Katajew mit; RJrdar, Lmja, Rub- mann. Ion. Liogen. Preise von!— 12 A «•.uhr CASBiO-THEATEB Lothringer Strafe 37, Nar noeb bis 3t. Dezember Derkeafdie Lebemann und das große Festprogramm Am I.Januar zum ersten Male: Biederleute Oytschein I— I Pcrs. Fautcuil 1,25 M. Sessel 1,75 M-— Sonstige Preise: Parkett 75 Pf.. Rane 60 Pt. Kleines Theai. Täglich 8V. Uht Der Iflustergatte Schwank in 3 Akten I Reichshallen-Theater Huii dl[s] Itaijalif nadmu fTH Das grodi« Programm der steriner sanger Am St. I2i Cr. 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Manch- mal ließ man mitten, im Spiel die Steine liegen, wenn ein Bote eintrat und dem Führer etwas ins Ohr raunte, die eben noch lauten Stimmen senkten sich zum Geflüster: manchmal stürzte man eilends hinaus, Gefahr im Verzug, ein Gläschen Dijoner Eaisis«floß zäh auf die Tischplatte, eine Bavaroise, geschätzte Limonade, stand halb geleert. Ost sah Danton auch seine Freunde unker dem eigenen Dach. Verliebt in seine Häuslichkeit— o Bibliothek mit Plutarch und Lukrez, Rabelais und Voltaire, Shakespeare, Ariost und der ganzen Enzyklopädie, o Alkoven mit Vorhängen mis geblünüem Ereton— pilcgle er gern einen beim Aermel zu packen:„Komm heute auf einen Löffel Suppe zu uns: es gibt Huhn!" Auch noch spät abends b. achte er zuweilen aus einer Sitzung der Cordeliers oder Jakobiner Gäste mit, da man eine wichtige Erörterung nicht in der Mitte ab- brechen konnte: im Keller log nicht umsonst, neben Bordeaux und Burgunder in Flaschen, Roter aus der Bourgogn« im Gebinde und ein Fäßchen weißen Weins aus der Auvergne. Man redete und irank und lachte und verlor sich wohl auch aus der Gegenwart in Erinnerungen. E o! l o t d'H er b o i s war bei den Oratorianern erzogen worden, Billaud-Varenne hatte im Kolleg Juilly Mihernchtet:- mit beiden-- vermochte sich-Dachon. pergleichatid und .bestätigend über seine Pennälerjahre..zu unterhalten: eine treffliche Kongregatio'n im Grund«! eben etst spielte- sie in Troyes bei der ■ üblichen herbstlichen Theateraufführung revolutionäre Stücke wie „Die Nationalkokarde" und„Paris gerettet.oder die Eroberung der Freiheit"! Freren zart, zierlich, mit feinen, verschlossenen Zügen, plünderte aus seiner Kindheit: da sagte er als Sechsjähriger in Ver- sailles zu Ehren seines Paten Stanislas Leszinfki, Königs von Polen und Souveräns der Herzogtümer Lothringen und Bar. ein Carmen auf und wurde von den Töchtern Ludwigs XV., Ade- laide, Victaire', Louise, getätschelt. Oder er gedachte seiner ' Brhemezeit: da drängten sich in dem Heim seines Mäzens, des Fi- l anzmannes Bertin, die sehr gefälligen Schönen, und ihn selber lipelte es manchmal, aus den Armen der Irma Labvrde, die zehn Liebhaber auf einmal zu beglücken wußte, das Kloster aufzu- suchen, in dem seine Schwester Therese keusch und katholisch er- -zogen wurde. Legcndre war als Matrose zehn Jahre zur Sc: aesahrea: welche Schwank« und Abenteuer: was..spann er für ein Garn! Fabre d'Eglantine hatte das Leben des Wantxr- fomodianten in Süß und Sauer durchkostet, Grenoble, Chalon-sur- Soone, Beauvais, Lüttich, Arras, Douoi, Lyon— so viel« Namen, so viele Anekdoten. C o l l o t d'H e r b o i s wußte Aehnlichcs zu erzählen. Besonders gepackt hotte ihn ein Erlebnis, das fünfzehn, ' sechzehn Jahre zurückreichte. Angers 1773, einer der häufigen Kon- flikte zwischen Militär- und Zivilgewalt, kurz und gut, eines Tages drangen, vom Uebermut der Offiziere beordert, vierzig Soldaten mit f geladenem Gewehr in den Saal der Opera-Comiqu«. Durcheinander, ein paar Schüsse, ein vierzehnjähriges Mädchen mit blonden Locken log weiß und tot in ihrem Blut. So etwas vergaß sich nicht, so etwas vergaß man ihnen nicht. Und während man noch erschüttert . saß, funkte D e s m o u l i n s mit einem Witz dazwischen, und schließ- l'ch ging man nur auseinander, weil die Kerzen unwiderruflich niedergebrannt waren. Als„vom« epouso du sieur Danton' von allen ehrfürchtig be- handelt, staunte Gabrielle zuweilen über diese ungezwungenen Symposien: schweifte ihr Blick von Fräron, der, mit weibischer Vorliebe sür Schmuck, immer wie aus dem Ei gepellt aussah, zu C o l l o t, der mit Bedacht schlaksig und schäbig daherkam, schüttelte si« über den einen wie den andern leicht den Kopf. Noch zaghafter und ängstlicher lauschte die kargende Hausfrau dem dröhnenden Schritt der Weltgeschichte. An politisierenden Weibern hatte Danton nur mäßiges Wohlgefallen. Als die„Amazone der Freiheit", Thcroigne de Mericourt, die sich eines Tages im kurzen blauen Tuchklcid und Federhut, mit Reitpeitsche, Pistolen im Gürtel und Degen an der Seite, auch bei den Cordeliers feiern ließ, in der Vorstadt Saint-Antoine einen patriotischen Frauenklub aufmachte, sprach Santerre bei den „Verfassungsfreunden" ganz aus D a n t o n s Herzen:„Die Männer dieser Vorstadt finden lieber bei der Rückkehr von der Arbeit ihren Haushalt in Ordnung, als daß sie ihre Frauen. aus einer Dsrsamm- lung kommen sehen, wo sie nicht immer Sanftmut lernen". Daß Gabrielle Sanftmut ausstrahlte, daß sie ihm häusliches Be- bogen schuf, daß sie aus der Küche stets leckere Gerichte hervor- -auberte, und nicht zuletzt, daß sie ihm zwei Knaben gebar, A n- toine am 18. Juni 1790 und F ra ng o i s- G« o r g e s am 2. Fe- bruar 1792. sicherte ihr mehr Anrecht auf sein« Dankbarkeit und Liebe, als wenn sie wie Fräulein C h e v a l l o t, Schwester des PoftnHlsters von Barenngs, die Jakobiner in patriotischem Eifer um eine Pike angegangen wäre. Da Desmoulin eine Zeitlang im selben Haus« der Cour flu Cammer« wohnte wie Danton, freundete sich Gabrielle mit seiner stmgrn Gattin an. Lncile. geborene Dnplessis, ein kleines, zierliches, blondes Personchen, war weniger hausbacken als Madame Danton, schüttete ihr romantisches Herz auf geheimen Tagebuchblättern aus und liebte den Luxembourg-Garten, wenn er menschenleer und einsam lag. Schwere Mühe hatte es gekostet, bis der vermögende Vater die Einwilligung zu der Verbindung mit dein Zcitimgsschreilier gab; Trauzeugen dann Pction uird Robcs- p'« rrc. Gabrielle lächelte gerührt, wenn D e s m o u l i n ins Zimmer stürzt«, wo die beiden Frauen plauderten, und unter Aus- brüchen des Entzückens: dla EoloUe! Mon rouleau! Lucile in die Arme schloß, und als diese im Juli 1792 eines Knäbleins genaß, kam der lleine Horace- Eomille zusammen mit dem jüngsten Danton z» einer Amme auss Land. Am schönsten aber war es, wenn mit Besuch aus Arcis, der Muster Daistons und der Schwester Anne-Madeleine, vcrehe- lichten M e n u e l, ein beglückender Hauch des Aubetales durch die Zimmer der Cour de Commerce strich. Zärtlichkeit spann ihr Netz um diese natürliche Gemeinschaft. Der anderen Schwester Marie- Nicolc-Cecile, die sich im Kloster de la Visitation zu Troyes unter dem Namen Therese-Amede dem Heiland angelobt hatte, wie ging es ihr? Und was machten die kleinen Menuels, Neffen und Nichten des Onkels Danton? Der siebenjährige Georges-Marie konnte sicher schon lesen? Und der um ein Jahr jüngere Gearges-Martin, wie der andere nach ihm selber genannt? Und was die oierjährige An- tainette-Gabrielle, die auf den Nomen der Tante getauft war? Und das Nesthäkchen Marie-Elisabeth? Ach. und das ganze liebe Arcis? Manchmal zwickte und zwackte Heimweh den kernfesten Mann sa. daß er stracks, mit oder ohne Gabrielle, einmal mit D c s ni o u l i n s. einmal mit D e l a c r o i x. einmal ganz allein, in die Heimatstadt fuhr. Die Ackerkrume roch doch ondcrs als die Pariser Gafle. Sein Blut floß in ruhigerein Rhythmus. Das Politische fiel von ihm ab.«in Privatmann blieb, Bauer der Champagne, in dem der Land- Hunger seiner Altvordern crivacht«. So erstand er im April 1791 am Nordausgang des Städtchens, am Brückenplatz, ein stattliches Haus, einstöckig zivar nur, aber mit cincr Front von neun Fenstern und mit einem Park, den er wie nur der zähest« bäuerliche Eigen- iumsfanatiker vergößerte. Immer wieder erhandelte er von einem Nochbarn eine Wiese, einen Rain, ein« Baumgruppc und ließ neue Käufe beim Notar eintragen, die seinen Besitz schließlich aus mehr als elf Hektar abrundeten. Di: Ferne von Nuisement, vormals zur ?lbtci von Anccny gehörig, mit 73 Hektar Land, die er im März des gleichen Jahres steigerte, hatte es auch in sich, aber reineres Glück schenkte das Haus in Arcis, in das er Mutter und Schwager einquartierte. Er selbst, wenn es ihn unwiderstehlich zur Heimat log, schlief im Alkoven eines kleinen Gemachs auf dem ersten Stock, dos nur ein Fenster hatte, aber van diesem Fenster ergriff sein Blick die Wiesen, die Hecken, die Crlenbesiände— und olles sein eigen! Warm durchricselte es ihn, stand er morgens hier, und der Frühdunst waberte milchig über dem Gras, oder abends, wenn in der Kühle das Hei� würziger zu duften begann. Beugte er sich auf der anderen, der Straßenseite, ins Freie, so verrfahm er das Mühlenwchr seiner Kindheit, das zuweilen in den Traum seiner Pariser Nächte rauschte. Wallte er, so war«r mit ein paar Dutzend Schritten am Ufer des geliebten Flusses bei dem ongepslockten Kahn und bückte sich nach dem Angelgerät. Ost raunt« man sich bei den Cordeiiers, den Jakobinern unruhig zu: Wo bleibt Danton? Schon Wochen fehlt er uns! und er lag in seinem Boot auf der Aube in himmlischem Behagen, mit Genuß dem Fischfang hingegeben, wunschlos. Denn wie ihn immer wieder Anfälle grandioser Faulheit überkamen, gleich der Trägheit des -Landmanns auf der Ofenbank in den arbeitsfreien Monaten, so lebte auf dem Grunde seiner ehrgeizigen Seele etwas van der lieber- zeugung. daß es des Menschen würdiger ist, auf einem Flußlauf unter Weiden gemächlich abzuwarten, bis ein Barsch anbeißt, als die vierundzwanzig Sstmden des Tages in der Tretmühle der Pflicht zu verkeuchen oder Trugbildern des Ruhms und Reichtums nach. zuhasten. War schon seine Pariser Häuslichkeit ein Bollwerk. hinter dem er sich gegen die Nerven zermahlende Fron der Oefsent- lichkeii verschanzte, so diente ihm die volle Entspannung in Arcis erst recht als Kraftqucll. Antäus berührte die Erde. Von Rinn- und Meilensteinen Erinnerungen aus Alt-Berlin Fürst Bülsw erwähnt in seinen Erinnerungen, daß er im Jahre 1863 in Berlin gewesen sei, und da— dies scheint ihm erstaunlich— habe es noch Rinnsteine gegeben, er sah sie in der Französischen und Behrenstraße. Cr hätte sie aber noch lange nach dem Jahre 1863 sehen können, denn meine eigenen Kinder- erinnerungen, und ich vollendete im Jahre 1863 erst das erste Lebensjahr, zeigen mir den Rinnstein durchaus als zum Straßen- bilde Berlins gehörig. Ja, er bildete für uns Kinder, denen damals die Straße weit mehr gehörte als den Berliner Kindern von heut, ein Stück Romantik und Abenteuer des Straßenlebcns. Er diente unseren frühsten Sportübungen, denn man kannte hinüberspringen aus den Straßendamm und wieder zurück, wenn der Rinnstein nicht allzp breit war, im letzten Falle ging es mit großem Anlauf für die Geschickteren und Größeren unter uns. Es schadete auch nichts, wenn man dabei etwas weiter aus den Damm geriet, denn die sanften Droschkengäule zweiter Güte, die meist den Damm entlang trotteten, nahmen alle Rücksicht aus uns Springer. Recht aufregend war es, wenn nach einem Gewitter und Regen der Rinnstein überflutete. Dann warteten wir. ob auch die Brückenbohlen, die hinüber führten, sich lösten, denn die gaben kleine Flöße ab, die von den Jungen mit Stöcken aus dem überschwemmten Fahrdomm weiter gestakt wurden, ähnlich, wie die Venezianer Gondolieri ihre Gondeln durch die Kanäle steuern. lind sehr interessant war der Rinnstein vor meinem Geburtshause in der Holzmarktstraßc, durch den sich die farbigen Abwässer der hoher herauf gelegenen Färbereien ergossen, heut ein blauer, morgen ein roter Strom. Ich liebte am meisten den grünen. Wenn der kam, zog ich Schuh und Strümpfe aus und tauchte die Beine in die grüne Flut, wobei sie manchmol s o echt gefärbt wurden, daß sie nachher nur mit Mühe zu reinigen waren. Der Bürgersteig, das„Trottoir", wie man damals allgemein sagte, war an den Seiten unregelmäßig gepflastert, in der Mitte mit glatten Platten versehen, auf denen man Himmel und Hölle spielen konnte, indem man aus einem Bein nach gezeichneten Kreide- strichen von einer Platte auf die nächste hopste. Und sehr schön war es, wenn ein L e i e r k a st c n m a n n auf der Straße spielte vor solchen Häusern, deren Hof er wegen ihrer Vornehmheit nicht betreten durfte. Dann faßte» wir uns an den Händen und tanzten im Kreise um den Mann zu den Tönen der Musik. Das waren freilich keitie Großstadtbilder, aber mir scheint, als hätten die Berliner Kinder oon heute mit dem Straßenleben auch«in Stückchen Lebenspoeste und Freiheit und ein freundliches BekanMwerden mit der Außenwelt verloren. Daß auch anderswo so empfunden wird, zeigte mir gerade jetzt ein Bericht aus London, wo man versuchen will, den Londoner Kindern in gewissem Sinne die Strohe zurückzuerobern. Mr. Lansbury schlug vor, daß man gewisse Straßen während bestimmter Tagesstunden für den Berkehr sperren soll«, wie es bereits in New Jork und anderen amerikanischen Städten (übrigens auch in Köln) geschieht, wo man Spieltage eingerichtet hat, an denen die Kinder in den Straßen unter Aussicht von Sozial- arbeitcrn spielen können. Die englischen Vertreter dieser Vorschläge meinen, daß dadurch dem Berkehr kein Abbruch geschehen und die Straßenunfälle«cheblich gemindert würden. In London wurden in den letzten vier Jahren nicht weniger als 1000 Kinder getötet bei Straßenunfällen, die meisten auf dem Wege von und zur Schule., Fürst Bülow erwähiü auch, er habe noch den Meilenstein aus dem Dönhoffplatz gesehen. Freilich, den habe ich jedes- mal mit großem Interesse betrachtet, wenn ich dorthin kam und mir immer vorgestellt, wie sehr weit es doch sei bis zu dem Stein, der am anderen Ende der Melle stand, an dem Knie zu Char- lottenburg in der Berliner Straße. Weil es so sehr weit war, hatte man dorthin, so dachte ich, auch die Pferdebahn gebaut, die einzige, die Berlin damals besaß, und die vom Kupfergraben bis zum- Knie ging. Für diese Entfernung hatieü anscheinend die Omnibusse, die sonst den Verkehr vermittelten, nicht ausgereicht. Die nächste Pferdebahnlinie, die dann entstand, führte außen herum von der Bnickenstraße zum Brandenburger Tor, ein Teil der späteren Ringbahn. Auch die Marienkirche am Neuen Markt war damals noch nicht freigelegt, sondern von einem Kranz kleiner alter Häuser.im- geben, die die Kirche weit höher und stattlicher erschienen ließ, als sie sich heute zeigt. Es war das unversäschte mittelalterliche Baubild. Wenn Fürst Bülaw dann erzählt, er habe nach die Trödel- laden am Mühlendamm gesehen, so weiß auch ich sebr genau noch, wie dort alte Hosen vor den Lädchen an Stangen gebunden im Winde flatterten, und als ich ganz Nein war, fürchtete ich mich vor ihnen, weil mir schien, es seien Menschenbeine, diq da zappelten. Aber das Schönste, das hinter den Lädchen lag, l)at Fürst Bülow anscheinend nicht gesehen, er kam ja eben nur als kurzer Gast nach Berlin, er hat nicht die Damm-Mühlen gesehen, die der Straße den Namen gaben. Wenn man durch den Durchgang und über die Brücke ging, die von der Breiten zur Brüderstraße führte, dann schäumten weiße große Wasserfälle herunter van den Mühlen- wehren, ein Stück lebendigste unmittclbare Natur im Zentrum der Großstadt. Und sicher ist Fürst Bülow auch nie hingegangen zu den Apfel kühnen, die im Winier an der Brücke am Beginn der Burgstraße lagen. Wenn die Mutter dort einkaufte, dann kriegte ich einen Apfel dazu geschenkt, und der schmeckte besser als alle anderen. Wochenmärkte auf dem Andreas- und Alexanderplotz(es gab ja noch kein« Markthallen),. und der Weihnachtsmarkt auf dem Alexander- und Schloßplatz, das war ober das Allerschönste. Die Marktfrauen nannten uns Kinder schon Fräulein, wie kamen wir uns da vorMInd die älteste Frau nannten sie„Junge Frau", mit dem Ton auf„Junge". Die Weihnachtsmärkte auf dem Alex- anderplatz und Schloßplatz wurden verbunden durch«ine lebendige Kette von Knaben, die in der Königstraße Ha in pelmätze seil- boten:„Eenen Jroschen der Hampelmatz!', die ganz großen aber kosteten„zwei Gute". Das waren zweiundeinhalb Groschen, heute 23 Pfennig. Damals hatte der Groschen 12 Pf-, und als diese Münzteilung abgeschafft wurde, der alte Taler und anderes, da mußte ich als Schulaufsatz eine„Grabrede auf den Dreier" schreiben. Auch als er abgeschafft war, konnte ich mir die Berliner Schrippen immer nur als„D r e i e r f ch r i p p e n" vorstellen. Gern liefen wir auch hinter den Schustiriungen her, die durch die Straßen marschierten, lange Wasserstiefel über den Schultern tragend. Der eine der zusammengebundenen Stiefel hing vorn, der andere hinten. Man konnte sich immer einen Spaß von den kleinen frechen Kerls versprechen, denn sie waren die berufenen Träger des Berliner Bolks-witzes. Bor einen bäum- langen Offizier,«inen Herrn von Ende, von dem es hieß, er nähme kein Ende, stellte sich einmal ein besonders kleiner Schusterjunge hin, kuckt« an ihm empor und sagte:„Männeken, wird Ihnen nicht schwindlich da oben?" Di« Schusterjungen sind verschwunden und oll das andere mit ihnen. Es ist schwer, das Berlin von damals wiederzufinden, wenn man heute durch die Straßen geht, aber als ich kürzlich im Zoologischen Garten war und meine lleine Enkelin mit �niir- am Bärenzwinger stand und dem Eisbären Brocken hinwars. wie ich es einst getan, da wußte ich. daß doch ein Stückchen Alt-Berlin weiner Kindetjahre erhalten geblieben ist. und es mag sich noch anderes in Winkeln verstecken, Ich will es suchen, wenn ich wieder nach Berlin komme. lltmni Lehmann. V fSepfm sendfef Vc-a Siava, von Üucb- und Filmki itihcn Wen» im gilm ein Schauspieler aus irgendeinem Grunde zum �iiang eines Stars avanciert, so ist es meistens um sein« künstlerische Laufbahn getan. Cr wird auf ein Schema festgelegt und darf sich nur noch auf dem Gebiet betätigen, aus dem er den durchschlagende» Crfolg errang. Es ist zu einem Typ geworden, von dem er nicht mehr abweichen darf. Anders, wenn auch ebenso gefährlich, liegen die Dinge bei Opernsängern. Hier erweitert sich das Darstellungsgebiet, während -s sich beim Filmschauspieler verengt, aber diese Expansion birgt ebenfalls Gefahren. Ein lyrischer Tenor hat vielleicht als Lionel oder Belmonte dos Glück, auherordentlich zu gefallen und sich darauf.- hin immer mehr dem Startum zu nähern, sofort wird sein Rollen- kreis wachsen. Der lyrische Tenor singt jetzt den Lohengrin, den Don Jose oder Radames, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, ob seine Stimme diese Leistung ohne Schaden verträgt. Jadlowker ist daran gescheitert und der Rundfunktenor Josef Schmidt scheint sich in ähnlicher Gefahr zu befinden Josef Schmidt singt in einem Orchesterkonzert, das das Sin- ionieorchester der Berliner Schutzpolizei veranstaltet und durch den Rundfunk übertragen läßt, drei Arien aus„SRanon", „Xoscq" und„Troubadour". Selbstverständlich entledigt er sich virtuos seiner Aufgabe, aber die Stimme klingt nicht so voll wie früher, als Schmidt allein lyrische Partien sang. Die Ausflüge in das Gebiet des Raoul, Rienzi oder Eleazar Ovaren vielleicht zu anstrengend. Schmidt verfügt über ein kostbares Stimmaterial und vor allem über eine sehr schöne Hohe. Aber«s sieht jetzt so aus, als ob Schmidt nur noch die Höhe pflegt und darüber olles andere vernachlässigt, und das ist schade. Schmidt müßte darauf Rücksicht nehmen, daß im Rundfunk Fehler sehr deutlich in die Erscheinung treten. Schmidt ist Rundfuntstar geworden und wird deshalb manchmal bei Sendespielen in Partien hsrailsgsstellt, die seine Stimmkraft überanstrengen, er singt Arien, für die ein größeres Volumen not- wendig ist und vor allem eine stärkere Ausdrucksfähigkeit. Run ist Schmidt Rundfunksänger und muß schließlich Partien singen, die ihm übertragen werden. Der Fall Schmidt ist also von dem Fall Domgraf-Faßbender verschieden. Am zweiten Feiertag tritt Willi Domgras-Faßbender, der lyrische Bariton der Staatsopern, im Rahmen eines Orchester- konzerts mit Arien von Verdi, Marschner und Boito vor den Berliner Hörer. Er stngt unter anderem„Felle Sklaven" aus „Rigoletto". Diese Arie, wie überhaupt die ganze Partie des Rigoletto, verlangt neben Beherrschung der Kantilene große, schau- spielerische Gestaltungskraft. In Faßbenders schönem, geschultem Bariton klingen jedoch keine Erregungen mit. Die Stimm« fließt ruhig dahin, unangefochten von den darstellerischen Anforderungen der Arie. Gerade aber im Rundfunk, dem das Bild fehlt, mutz der ganze Ausdruck in die Stimme verlegt werden, sonst tritt das Charakteristische überhaupt nicht in die Erscheinung. Der Hörer hat manchmal den Eindruck, als ob sich Sänger be- michen, im Rundfunk Partien zu übernehmen, die ihnen auf der Bühne verschlossen bleiben. Dieser Wunsch ist zu verstehen, da öfters an den Theatern keine Möglichkeit für eine jüngere Kraft besteht, die Rollen zu singen, in denen er als gestaltender Künstler hervor- treten kann. Es kommt letzten Endes jedoch darauf an. ab er die Rolle zu meistern versteht. Der Rundfunk müßte die Verpflichtung in sich fühlen, die bisher im Verborgenen Blühenden heranzuziehen — dies gilt nicht für Faßbender, der zu den bekannten Leuten zcchlt—, aber der Rundfunk sollte darüber hinaus die Rollen oder Arien wählen, in denen sich das Können am klarsten enthüllt und nicht nur der Ehrgeiz des Sängers. Als dritter erscheint Cornelis Bronsgeest. Er singt Weihnachtslieder. Bronsgeest fesselt heute noch, wenn er vergißt, daß er lyrischer Bariton in der Lindenoper war und daß ihm jetzt die Höhe fehlt. Diese Weihnachtslieder singt er mit schlichtem, er- greifendem Ausdruck und ohne Allüren des Stars. Wie gesagt, es kommt darauf an, das Startum abzubauen, die Sänger in den Partien herauszusetzen, die ihrem Stimmencharaktcr liegen und sie nicht zu Experimenten zu verführen, die ihnen nur Schaden zufügen. Eine klare, zielsichere Leitung bedeutet hier eine dringende Notwendigkeit, und sie ist ebenso erforderlich auf anderen Gebieten, besonders auf dem der Kritik, und zwar der Film- und Buchkritik. „Zehn Minuten Film"—.Lehn Minuten Buch" ist keine alle Einrichtung des Berliner Senders, deshalb kann auch kein Vorwurf erhoben werden, daß noch die«ndgültige, befriedigende Form sehlt. Ansätze dazu sind vorhanden. Wenn etwa Dr. Kurt P i n t h u s Filme behandelt, so bleibt er nicht beim Aufzählen des Details kleben, sondern er sucht größere Gesichtspunkte, er will be- stimmte Eniwicklungslinien aufzeigen und den einzelnen Film ein- ordnen. In derselben Art verfährt Dr. GerhardHermann in .seiner Kurzkritik„Romane und Erzählungen", in der er auch Scharrers im Bücherkreis erschienenen Roman„Aus der Art ge- schlagen" bespricht. Ganz kurz werden Wert und Autor charakteri- siert, um sie dann der Entwicklungsreihe einzugliedern. Dazu gute Bemerkungen über die Form, die der proletarische Roman allmäh- lich findet. Abgesehen davon, kann die Frage gestellt werden, ob diese allzu kurz gefaßte Art der Kritik überhaupt einen Wert darstellt und für wen. Wer den Autor kennt, wird sich auf Grund dieser Kenntnis ei» Bild von dem neuen Werk formen können, ein anderer dagegen nicht. Vielleicht ist die Kurzkritik„der Not gehorchend" entstanden, da man sonst der Bllcherflut nicht Herr wird. Dieser Grund wäre anzuerkennen, aber er rechtfertigt trotzdem nicht die Form, die nur in den seltensten Fällen ein plastisches Bild von dem Wert vermittelt. Die Kritik kann nur einen Genevatnenner suchen, auf dem jedoch das Buch nicht aufgeht. Deswegen ist es besser, das Buch, wenn nicht der Inhalt absolut entscheidend bleibt, nur als Ausdruck einer be- 'timmten Geisteshaltung zu werten und an Bekanntes anzuknüpfen. Der Rundfdnk bringt ein sehr rcichhalligcs Programm.. Darum könnte manches im Hinblick auf eine längere Kritik gekürzt werden, denn der Hörer soll doch schließlich in die Welt eines bestimmten Werkes eingeführt werden.„Zehn Minuten Buch" bedeutet die Kritik an einem oder höchstens zwei Werken, nicht aber an einer Sammlung. Das heißt des Guien zuviel tun. Di«. alte Form der halbstündigen Buchkritik war besser. ll. Sc». T?(Dm f*ttczxd.Techt des üemswipia Wer eine Wohnung mietet und in diese ein zieht, unterwirft sich „amit den Bestimmungen, die dem Vermieter des Grundstucks für feine Forderungen aus dem Mietverhältnis ein Pfandrecht an den eingebrachten Sachen d«s Mieters geben. Diefss Pfandrecht erstreckt sich auf einen Netrag, der die Mietforderung für das lauiende und das folgende Mietjohr rnn'aßt. also immerhin aus eine'ZKNilüh beträchtliche Summe. In Unkenntnis dieses nach§ 559 des Bürgerlichen Eejetzbuchs dem Hauswirt zustehenden Rechts hatte der Mieter A. feinem Bruder den größten Teil ssiner Wohnungseinrichtung übereignet, als Entgelt für eine größere Summe, die ihm dieser zur Errichtung eines Berkaufsgcschäfts gegsben hatte. Er hatte mit dem Bruder einen sogenannten Sicherungs-Ucbcreignungs- vertrag abgelchloffen, der den gesetzlichen Bestimmungen vollkommen entsprach. In. dem Bertrag war bestimmt, daß die Wohnuirgs- cinrichtung dem Mieter A. zur leihweisen Benutzung weiterhin über- lassen bleiben sollte, und daß dieses Leihocrhältnis io lange bestehen sollte, bis Zl. seinem Bruder die vorgestreckte Summe zurückgezahlt haben würde. Häufig wird ein derartiger Vertrag nicht in der richtigen Form abgeschlossen und ist dann rcchtsunwirksamc denn es genügt nicht. daß die Sachen dem Geldgeber übereignet werden, wenn sie im Lefitz des Schuldners verbleiben. Die Uebercignung, die den Mieter A. im Besitz der Sachen beließ, war rechtsunwirksam, weil sie nach de» sehr wichtigen Be- stimmungen des Z 939 des Bürgerlichen Gesegbsich- die Uebergabe der Sachen an den Geldgeber dadurch ersetzte, daß das vor- geschriebene Rechtsverhältnis— hier der Leih« vertrag— zwischen den Parteien vereinbart war. Soweit war nun alles in bester Ordnung, aber die Brüder hatten doch die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wegen einer fälligen Mietrate, mit der A. im Rückstands geblieben war, wurde er vom Hauswirt verklagt und zur Zahlung verurteilt. Auf Grund des Urteils ließ der Hauswirt einige Sachen der Wohnungseinrichtung beim Mieter A. pfänden. Nun verklagte der Bruder des A. den Hauswirt aus F r e i g a b e der Sachen, die ihm auf Grund seines Sicherlings-Uebercignungsvertrages übereignet waren. Er ist mit- der Klage abgewiesen worden. Der Richter wies darauf hin, daß dem Hauswirt das bessere Recht zusteht, weil die Wohnungseinrichtung keinen größeren Wert darstellte, als die Mietforderung für dos laufende tnvd das folgend« Mietjahr. A. durfte daher über die Sachen, die dem Pfandrecht des Hauswirts unterstanden, nicht anderweit ver- fügen, er hätte den Uebereignungsvertrag mit seinem Bruder nicht abschließen dürfen. cBuch Weinrich Jtuufer ä)ie leisten Segelf chiffe') Am letzten Dezemberabend geht der an Bord des großen Segelschiffes(aus Stahlplanken und mit eisernen Masten), der dieses ein- zige Segelschiffbuch zu schreiben unternahm. Er ist beladen mit zwei Iilmapparaten, mehreren Photokästen und einer Menge von Heften mit losen Blättern, die seine Tagebuchaufzeichnungen während einer Reise von Hamburg über den Atlantik, um das Kap Horn herum nach Chile aufnehmen sollen. Das große Segelschiff, das nur dem Wind gehorcht und das jeder seiner Launen gut oder böse folgt, ist eine so seltsame Welt, selbst für den feebeftchrenen Mann, der sich auf vielen Schiffen der Weltflotte zu Hause weiß. Er geht mit Pflichteifer an die Aufgabe, alles zu schildern, was ihm vom Kiel über die Grohbramrah bis zur Mastspitze auf fast vier Monaten Fahrt begegnen wird. Er selber ist wohl erstaunt, daß es nur Aus- schnitte sind, die er unter dem Schotten der riesigen Sezelmasten ver „Pamir" empfängt. Run verarbeitet er es und ist fleißig und malt und schildert und filmt und phot�graphiert, versucht einen Einblick in das Leben der Männer, die das Riesenschiff gen Süden führe» und vergißt sich auch selber nicht dabei. O, es gibt viel zu erleben l in diesem Luch. Manchmal passieren wirklich Dinge, die andere nur j vom Hörensagen kennen. Und dann gibt es Zeiten der Flaute, der Windstille, je länger die Reise dauert. Und je mehr sich das Schiff der Südspitze Amerikas nähert, nehmen diese Flauten zu. Es ist olles erzählt, was zu erzcchlcn ist. Die Geschichten der Menschen an Bord sind niedergelegt. Alles, was in der großen Einode zwüicn Wasser und Himmel sich vollzieht, ist bis zum letzten i-Punkt geschildert. Das Tagebuch gerät in die Flaute, die das Schiff nicht von der Stelle kommen läßt. Wer dann kommt der Kampf um das Kap Horn, um das berüchtigte Kap, das in Hunderten von Jahren Tau- senden von Schiff«» zum Verhängnis geworden ist. Run ist Arbeit, Mühe und Kampf wieder da, Kampf mit den niederträchtigen Winden und den Tücken des Schiffsmaterials. Kalle, Nässe, Eis, Regen, Schnee und alles, was es an Widrigem auf der Welt gibt, verbinden sich im Kampfe gegen die„Pamir". Drei Wochen dauert dos, und dann winkt endlich die Erlösung an der sonnigen Küste Chiles. Eine wirkliche Erlösung nach fast vier Monaten schrecklichster Gefangenschaft zwischen Bord und Kiel. Es ist eiy feines Buch vom Rauschen der See und von dem Leben, das in ihrem Bann liegt. Nicht immer«st dieses Rauschen laut, und zuweilen klingt es einem nur leise wie aus einer Muschel entgegest. Und dann ist es am feinsten. �arstacU. *) Verlag S. Fischer. WAS DER TAQ BRINGT «imniiimnnuiniuinHiimiiiminmiiimminiiKiumiuiunuiuuuuiiiuituimuiiiinHMiiioinuincuuiiiiuinniinnininunnnniiuiiMiimnimnii'nwuuuMtnniiiiiifiiniiniiu Wochenragout Nun können auch Blumen Radio genießen. Der große indische Forscher B o s e hat ihnen das verschafft. Er hat besonders sensi- tioe Blumen den Radiowellen ausgesetzt und festgestellt, daß sie sich je noch der Art der gesendeten Aetherstrahlen well öffnen oder dicht verschließen. Di« Blüten sollen sich besonders dann sofort ge- schlössen haben, wenn ihnen das Berliner Programm übermlltclt wurde...— Also Arnolt Bronnen, der Nazidichter, hat Fräulgm. Power geehelicht. Fräulein Power war unter denen, die bei der Remarque-Filmpremier« Stinkbomben warfen. Wenn es In dieser Ehe mal zu einer Auseinandersetzung kommen sollte, ist Herr Bronnen nicht zu beneiden.— Der amerikanische Geheimbund Ku-Klux-Klan, dessen Mtglieder noch vor kurzem ihre Mitbürger nächtlicherweile mit Teer beschmierten oder, je nach Laune, auch mal ein bißchen lynchten, geht langsam zugrunde. Schon sind von neun Millionen Mitgliedern nur noch fünsunddreihigtausend geblieben, und die ver- anstalten GeselligkeitsabenÄe mll Kasse« und Kuchen, denn Alkohol gibt's nicht. Und statt der weißen, romantischen Bermummung trägt man den realen schwarzen Frack.— Ach ja. alles wird alt! Selbst der große Adolf hat schon die Windjack« in den Schrank gehängt und zum Frack gegriffen: und warte nur, balde: bald« werden auch Gregor Stroßer und Feder und Goebbels still und versonnen bei Kaffee und Kuchen sitzen und sprechen: „Weißt du noch, damals, mit Rhizinus und Heil und Feme und so? Hoch ja, es war ein« schöne Zeit..."— In Italien freilich sucht man dem entgegenzuarbeiten. Rein, man will nicht alt und würdig werden. Um dem endgültig zu steuern, ganz ohne Steinach undsoweiter, hat Herr M a rK'n« t t i in Rom einen Feldzug gegen die— M a k t a r o n i eröftnet! Denn Makkaroni, argumentiert Marinetti, machen dick, und Bäuche sind unfaschistisch, und er will ein neues Kochbuch herausgeben, in dem .die dynamische Kraft Italiens" sein soll und sein„heroischer Elan". Marinetti findet allerdings vielerorts erregtesten Widerspruch, und Mussolini hat sich noch nicht geäußert. Wahrscheinlich will er vermeiden, daß die„Dicktatur" ausgerechnet über Makkaroni stürzt...- In Toronto Charles, Kanada, starb anno 1926 der steinreich« Charles Miller. Es erregte baffes Erstaunen, als dieser eingefleischte Junggeselle sein gesamtes Vermögen ausgerechnet derjenigen kanadischen Ehefrau vermachte, die bis zum Jahre 1936 die größte Zahl lebender Kinder habe. Diese so auffallend ehe- freundliche Bestimmung hat zu einem rasenden Wettbewerb der Damen von Kanada geführt, denn es handelt sich immerhin um 750 OOO Dollar!— Jetzt erst hat sich die Infamie dieses Testaments herausgestellt. Eine Gruppe von Ehemännern nämlich ficht das Testament an, well der dadurch entfachte Konkurrenzkampf die Moral der Ehefrauen zugunsten der Junggesellen untergrabe.— Und die Treue ist doch kein leerer Wahn...?? Howard Reeses Selbstentlarvung Hier folgt die Gefchicht« von Howard Reese aus New- York: sie will mit Andacht gelesen sein, denn es ist ein« sehr moralische Geschichte. Moralischer als der, von dem sie handelt: Howard Reese nämlich war von Beruf Scheckfälscher: der beste Mann seines Faches in den Staaten und in Kanada. Hatte aber einen Fehler, dieser Gentleman: Pech Pech ist immer stärker als Geschick: im Gefängnis von Poriland(Oregon, USA.), hätte Howard darüber nachdenken können. Tat das aber nicht: sondern erfand in den langen Iahren der Haft eine Maschine, die Scheck- sälschungen— nicht etwa erleichtern, sondern verhindern sollte! Wie bei Reeses Fachkenntnis nicht anders zu erwarten: die Er- findung gelang, arbeitete einwandfrei, bewährt« sich. Sobald ihn das Gefängnis enUieß, bot er Behörden und Bankiers das Patent an, das er sich auf die Maschin« hatte geben lassen. Er verlairzte nicht wenig dafür. Aber man tat sich zusammen und zahlte die gewünschte Summe. Und begann mit den Einführungsarbeiten Di« zogen sich ein wenig in die Länge: aber spätestens in einem Jahr, das wußte man. würden Schecklösschnngen dank Howard Reeses Maschine unmöglich sein. Reese selbst wuß!« das auch: wußte beides: das mft der Unmögkichkett und das mit dem Jahr. Und das war sein Unglück. Er war reich geworden durch das Patent: verstand aber auch Geld auszugeben: und hing überdies mit Leidenschast an seinem Beruf. So drängte es ihn, drängte unwiderstehlich: dies eine Jahr, das noch blieb bis zur Einführung seiner Maschine— dies armselige Jahr noch auszunützen: sich noch einmal auszuleben gewissermaßen: noch ein paarmal nach Herzenslust— Schecks zu fälschen... Und Howard fälschte: mtt viel Erfolg: verdient« m kurzer Zeft zehntausend Dollar. Nun sollte der Wschluß kommen: der ganz groß? Coup. Howard fälschte mtt Aufwand all seiner Kunst einen Scheck über ein« phantastische Summe und prLfensie'-te ihn einer New-Iorker Bank. Keine Furcht, teurn ewe sonderliche Spannung beherrschte ihn, während er im Schallerraum wartete. Er wußte: diese Fälschung war gute Arbeit Es dauerte auch nicht lange: da konnte er an das Zahlbrett treten. Als er sich über das Geld beugte, das ihm aufgezählt wurde, fühlt« ex sich von hinten festgehalten. Er zuckte herum— und hatte schon Hand- schellen an den Gelenken...„i?aben Pech gehabt, mein Junge!" sagte man ihm.„Alle Beamten hat Ihr Scheck passiert, unbe- beanstandet. Was Sie aber nicht wußten, war eines: daß seit gestern hier probeweise Ihre Maschine arbeitet... reell: sie hat sich ausgezeichnet bewährt, Mr. Reese. Und mcn folgen Sie mir bitte..."— Die Gesetze der Staaten sind hart, und die Richter dort ohne Humor. Er bekam lebenslängliches Gefängnis: trug cs mtt Gleichmut. Was sollte er auch in einer Well, in der seine Maschine gegen ihn arbeitete?— Das ist Howard Reeses Geschichte; es ist. wie einlettend bemerkt, eine sehr moralische Geschichte... Orient und Okzident... Man sage nichts gegen orieittalischs Dankbarkctt, nichts auch gegen kostspielige Besuche von Königen aus dem Morgenlandc! Sie haben sich schon vor gerade neunzehnhundertunddreißig Jahren recht anständig gezeigt med Geschenke gebracht. Nun, heute machen sie sich beliebter, wenn sie nichts bringen/ sondern rechts viel mit- nehmen— allerdings gegen Bezahlung. Und da eben können wir uns nicht beklagen. Amanullah hat seine Bestellungen auf Junkers- Flugzeuge nicht amanulliert, und sein Nachfolger stottert den Bc- trag nun ab. Und der Könlg F'uad von Aegypten, der trotz einer Europareise noch nicht abgesetzt ist, zeigt sich gar nicht so geizig, wie man von ihm sagte, zeigt sich im Gegenteil gerade der leichtsinnigen Seite Europas hold: nämlich feinen Rummelplätzen, und es mag uns mtt nationalem Stolz erfüllen, daß gerade der.Hamburger Dom" es ihm angetan hat. Er hat ein- große Anzahl der dortigen Schausteller eingeladen, gelegentlich der ägyptischen Landwirtschaftsund Industrieausstellung im Februar nach Kairo zu kommen, und er hat sogar allerlei Bergünstigungen auf den Schiffen durchgedrückt. So werden denn die Dam« ohne Unterleib und das Teufelsrad und der.Haut den Lukas" nach Afrika pilgern— und nur die mehr orientalischen Spezialitäten werden in Hamburg bleiben... Wahr- hastig: die Well dreht sich! An Stelle von Negerstämmen und Kabylentrupps, die nach Europa kamen, gehen nun deutsche Attrak- tionen noch Afrika: und in nicht allzu ferner Zeit wird man den Fellachen oder Zulutaffern ein original deutsches Pfahlbürgerdorj mit Originalkriegstanz des Jungfrauenvereins und großem Weit- saufen der Kommers-Jndianer vorführen... Vom Salzkammergut Das Salzkamwergut umfaßt 800 Quadratkilometer mtt 60000 Einwohnern, wovon 4000 evangelisch sind. Die Stadt Salzburg gehört nicht zum Salzkammergut, sonder» sie ist-Landeshauptstadt des österreichischen Bundeslandes„Salzburg" Dieses Land war bis 1816(1. Mai) ein selbständiges Fürstentum unter dem Regiment der Erzbtschose von Salzburg, Die geisttiche Macht hatte es ver- standen, auch das Berchtesgadener Gebiet und selbst den Chiemgau an sich zu bringen. Nachdem später dos Land als„Salzochgau" Linz unterstellt war. wurde es 1861 österreichisches Äronland. Das Salzkamemrgut deutet schon im Namen auf den Reichtum von S a l z l a g e r n hin Die Ausbeut« pro Ichr beträgt noch jetzt 1 000 000 Zentner. Das Solz wird nur an wenigen Stellen rein gefunden und unmittelbar gewonnen. Fast überall ist es Mc mischt I mit Ton und G'pe. Deshalb löst man da? Salz mit Masiee au», wozu man 4 his 6 üfiochen benötigt. So entsteht eine gesättigte Salzsole, die in Sudhäusern eingedampft wird. Montag■ � Nr.602 29. Dezember 1930■!■ �3Si DD WW 47. Jahrgang Teohnik Das Jahr 1930 Hai auf zahlreichen Gebieten der Technik Höchst- leiftungcn und Fortschritte gebracht. Sie all« darzustellen, erfordert« wohl die Gemeinschaftsarbeit zahlreicher hochbegabter technischer Schriftsteller und Fachleute und ergäbe eine stattliche Bibilwthek. Wir wollen uns damit begnügen, heute eine knappe Ucberstcht der wesentlichsten Leistungen dieses Jahres zu bringen, an denen die Allgemeinheit besonders interessiert ist. X»>»1« vs nss>*£) u n s Im Lause des Jahres 1930 wurde das Shannon-Kraftwerk ein- geweiht, das zur Elektrifizierung pts irischen Freistaates unter Leitung der Siemens-Schuckert-Wcrke gebaut wurde. Die Leistung dieser Anlage beträgt 90 000 Kilovoltampere. Die Läng« der Frei- leitung erreicht mit 34Z0 Kilometer, die Entfernung Madrid— Moskau. — In Berlin wurde am 1. Oktober dieses Jahres das öraftwerk West der Bewag mit drei ftauptturb-inen von s« 34 000 Kilowatt und zivei Nebenturbinen von je 12 000 Kilowatt in Betrieb genommen. Die Gesamtleistung wird nach der Vollendung des Ausbaus jedoch 228 000 Kilowatt betragen. Auf dem Gebiete des Turbogeneralorenbaus ist man heute so weit, daß man vierpolig: Maschinen mit 1300 Umdrehungen in der Minute für eine Grcn.zleistung von 200 000 Kilovoltampere her- stellen kaim. Im Spcicherwerk cherdecke wurden von der AEG. zivei Wasserturbinengeneratorcn von je 400 000 Voltampere dem Betrieb übergeben. Die Inbetriebnahme und Betätigung der Anlage erfolgt automatisch, das Anlaufen und Parallelschalten kann inner- halb von dre�Ninuten bewerkstelligt werden. Bei Großtraassormaloreu ist es gelungen, die Abmessungen wesentlich herabzusetzen. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß die Belastbarkeit von Kabeln mit einzelnen verbleiten Adern durch Blei- brücken zwischen den Bleimänteln gesteigert werden konnte. Durch diese Bauart wurde der Wärmewiderstand der Zwickel ausgeschaltet. Neue Wege auf dem Gebiete des Kraftwerkbaus hat der sran- zosische Physiker Claude beschritten, der an der kubanischen Küste ein Kraftwerk gebaut hat, das den Temperaturunterschied zwischen Tiefen- unä Oberftächenwasser des äquatorialen Meeres ausnutzen will. Nach mehreren Mißersolgen gelang es ihm, ein zwei Meter im Durchmesser ausweisendes Eisenrohr von ein ein Kilometer Länge hinabzusenken und abzudichten. Man wird die Betriebsergebniss« ab. warten muffen, bevor man über diese auf einer sehr geistreichen Hypo- fthes« beruhenden Anlog« ein Urteil fällen kann. Die Einführung von hochstdruckanlogen hat im Jahre 1930 weitere Fortschritte gemocht. iSssv«»n»o»>sims Im November 1930 wurAe nach 13n:onntiger Bauzeit die Groß- gaserei Magdeburg in Verbindung mit der Gasversorgung Magde- burg-Anhalt in Betrieb genommen. Die Rohrleitungen, die von diesem Werke ausgehen, kreuzen zweimal die Elb« und gelangen bis in die Nähe Leipzigs von der einen, von Wernigerode aus der anderen Seite. Die Gaswerke von Käthen, Zerbst, Dessau, Asche r.s leben und anderer Städte, die an diese Großgaserei angeschlossen wurden, sind stillgelegt worden. Dieses eine Werk soll jetzt schon jährlich 63 Millionen Kubikmeter Gas liefern. Die Icrngasversorgung Nieders ch'.esien», deren Zentrum der Iuliusschocht der Fuchsgrube bei Waldenburg ist. wurde erweitert, die Orte Hirsch bcrg, Warmdrunn wurden angeschlossen. Die Ruhrgas A.-G. nahm im Jahre 1930 die Gaslieserung nach Hannover auf. Von Alsdorf aus, das durch die große Grubentatastrophe dieses Jahres bekannt wurde, wird Gas bis nach Köln geliefert. Die zuerst in Amerika ausgebildete Gasaufspeichorung unter Iiohetem Druck in zylindrischen oder kugelartigen Behältern wurde in Europa zuerst vom Gaswerk K o ji st a n z am Bodenscc' für die Versorgung des schweizerischen OrtcS Stein am Bodcnse« aus- gebildet. Die erst« Hochdruckspeicheranlage dieser Art wurde nun- mehr in Deutschland für die Stadt Menden m Westfalen vollendet. Im Jahre 1930 wurden Richtlinien für die Einordnung und Bc- Handlung der Gas-, Wasser-, Kabel- und sonstigen Leitungen sowie der Gleis- und Tantanlagen bei der Planung öffentlicher Straßen aufgestellt, auf die sich die in Frag« kommenden Dienststellen des Reiches und der Länder geeinigt haben. Wssssr'vsi'ssi'gung Die größte Talsperre Deutschlands, die zur Trinkwasserversorgung gebaut wurde, ist die S ö s e- T a l s p e r r e im Harz, die jetzt zum erstcnn«! ausgefüllt wird. Sie besitzt einen Stauraum von LS Millionen Kubikmeter. Zur Fortleitung des.Wassers dienen Holzrohre inst 1,10 Millimeter lichter Weite.— Im Frankfurter Wasserwerk Hattersheim am Main wurde eine Dreifach-Cxpansions- pumpmaschine aufgestellt, die ein« Förderleistung von rund 40 Kubikmeter täglich bei einem Kcsseldruck von 20 Atmosphären hat. Sie hat von allen Pumpnurschinen der Erde bezogen auf die Leistung den geringsten Dampfoerbrauch Auf dem Gebiete der wasjerflcrelijierung sind neue Wege durch Ausnutzung von Wirkungen einzelner Metalle wie Silber, Kupfer in fein verteilter Form beschritten worden. VEHesfAp« In Verlin wurde die GN.'Bohn(Gesundbrunnen-Nsukölln) und die Schnellbahn Alexanderplah— Friedrichs selbe in Betrieb ge» nonimsn. Der Ausbau des der Reichsbahn gehörenden Schnellbahn- Netzes hat westerc Fortschritte gemacht. Im Lause des Jahres wurde der erst: moderne deutsche Droht- c-mnibv» zwischen Mettmann und Gruiten im Rheinland in Betrieb genommen. Es handelt sich hier irm zwei mit Elektromotoren be» trieben« Omnibusse, die ihren Strom aus der Oberleitung beziehen. Bemerkenswert ist die Eröffnung der bayerischen Zugspitzbahn. Großes Aufsehen erregten die Versuche'des Ingenieurs Krucksnberg mit dem sogenannten„Schieuon-Zcppeliu", einem stromlinien- jvluüzcn, propellergetriedeneic Fahrzeug, mit dem eine Geschwindigkeit von mehr als ISO Kilometer erreicht wurde. Die größte Schleuse der Well wurde in Holland bei Jmuiden in Betrieb genommen. Sie ist 400 Meter lang, 50 Meter breit und IS Meter tief und dient zur Ueberwindung des Wasserunterschiedes im Nordseekanal, der Amsterdam mit dem Meere verbindet. Naohriehtenwesen Das deutsche Fernkabelneh wurde im Jahre 1930 um ruird 900 Kilometer erweitert. Rund 1100 Kilometer befinden sich äugen- bticklich noch in Vorbereitung. Zwischen Deutschland und Schweden wurde ein neues Fernsprech. Seekabel ausgelegt. Das Kabel enthält 42 Sternvierer für Sprechzwecke und ein weiteres Leitungspaar für die Uebermittlung von Rundfunkdarbietungen. Die hervorragende Wiedergaber der Borlesung von Selma Lager- lös am Stockholmer Mikrophon durch den Berliner Rundsuntjender war diesem Kabel zu verdanken. Die Reichspost plant den Betrieb auf Fernleitungen künftighin durch Fernwahl des verlangten Teil- nehmers zu vsreinfochen. Im März 1930 wurde ein Konferenz- ferngefpräch zwischen Teilnehmern, die sich in Berlin, Breslau, Ekbing, Frankftirt a. d. Oder und Hindenburg in Preußen befanden. mit Erfolg durchgeführt. Nicht weniger als 47 dein Verkehr mit Selbstanschlußämtern angepaßte Fernamtseinrichtungen wurden in Betrieb genommen. Funkwesen In Nauen wurden vier neue Kurzwellensender in Betrieb ge- nommen. Zw« weiter« sind im Bcvi. Nach Fertigstellung dieser beiden Sender stehen insgesamt 12 Kurzwellensender für den Uebcr- seeoerkehr mit einer Leistung von je 20 Kilowatt und einem Wellenbereich von 15 bis 16 Meter zur Verfügung. Von Fcrnsprechver- bindungen wurden neben der schon bestehenden in Argentinien mit Brasilien, Niederländisch- Indien und vorbereitungswcise mit Siam aufgenommen.- Die 7Z-Kilowatt-Scnder Wühlackcr und Heilsberg wurden für den Rundfunkt in Vetrieb genommen. Der Großsender Langenberg ist im Ausbau begriffen. Im Frühjahr 1930 wurde im Bereich des westdeutschen Rundfunks der Betrieb der Gleichwellensender Köln-Aachen und Münster eröffnet. Der Gleichlauf der Sender wird durch Kristallsteuerung erreicht. Die Ouarzkristalle sind in Thermostaten bei einer stets gleichbleibenden Temperatur von 50 Grad Celsius untergebracht und so dem Einfluß der Luft- teinperatur entzogen.— In Königswusterhausen wurden Versuche mit einer 100-Alowalt-SenderrLhre gemacht, die indirekt durch Elektrodenbombardement mit Hilfe einer besonderen Kathode geheizt wird. Die Retchspost hat Versuche zur Uebertragung von Ruudsuuk mit ultrakurzen Wellen ausgenommen.— Bis Ende 1930 werden rund 10 000 Kilometer Musikleitungen für die Rundjunk- Übertragungen zur Verfügung stehen. Bei den Entwicklung?- arbeiten im Fernsehen wurden systematische Frequenguntersuchungen durchgeführt, die Güte des Bildes mit 1200 Funken und 12,5 Bild- wechseln in der Sekunde wesentlich zu verbessern. In Witzleben wurde ein LIchtsirahl-Ablastsender aufgestellt, der gestattet, einzelne Personen ans der Ferne zn sehen. W.M. Der Tunnel nach Afrika Drei große Angelegenheiten spielen eine enischeidend« Rolle bei der Beurteilung des kühnen Projektes, die Straße von Gibrattar zu untertunneln: das weiße Südafrika drängt zu einem Anschluß an Europa: die kommende Saharabahn fordert Anschluß an das spanisch-französischs Eisenbahnnetz und die Reise durch Afrika nach Südamerika wird durch die Benutzung der kürzesten Scermtte Dak- kar— Parnambuco im ganzen um etwa stsben Tag« kürzer gemacht, von Berlin gerechnet Am meisten Interesse scheint Frankreich am Gibroltar-Tunncl zu haben. Sein afrikanisches Kolonialreich entwickelt sich günstig, die Anhänger des Projektes der Saharabahn sind zahlreich und einflußreich und es scheint, daß dieser große Plan in absehbarer Zeit verwirklicht wird. Obgleich die Wüstenbahn vermutlich von Algier ausgehen und der Gütertransport zwischen Frankreich und seiner afrikanischen Welt kaum anders als zu Schiff über Marseille geleitet wenden wird, findet der Gibraltar-Tunirel doch gerade in den französischen Kolonialkreisen besondere Unterstützung. Zur Zeit wird der Plan des spanischen Ingenieurs de I b e r o viel be- sprochen, der auch in Deutschfond aus Interesse stoßen dürfte. Die Meerenge von Gibraltar bietet dem Ingenieur viel größere Schwierigkeiten als der Kanal oder der Bosporus. Die tiefste Stelle des Aermelkanals ist nur 66 Meter und da schon der Simplon- Timnel, 20 Kilometer lang, ohne Schwierigkeit gebaut wurde, so erwartet man beim Bau des rund 38 Kilometer langen Kanaltunnels keine technische Sensation. Die Glbrallarcnge ist an der engsten Stelle zwar nur 13 Kilometer breit, aber dort sinkt der Meeresgrund bis unter 900 Meter unter dem Meeres» s p i« g e l. Das scheint den Technikern doch zu gewagt, zumal auch der Boden durchlässig« Schichten aufweist. Auf der Atlantischen Seite der Meerenge ist der Baden besser, außerdem sinkt er dort nur 300— 440 Meter unter dein Meeresspiegel. Ibero hat eigentlich vier Pläne ausgearbeüet, nach denen der Tunnel 48 bis 78 Kilo- meier Gesamtlänge haben kann. Wahrscheinlich wird der Plan ausgeführt werden, der den Tunnsleingang westlich Tarifa, an der Bai von Vaqueros vor- sieht und in gerader Linie nach Tanger geht. Ihr tiefster Punkt liegt rund 400 Meter unter Meer. Es fft also ein Gefälle von 0,4: 24 oder etwa 8 Promille nulig. Das Gefäll« des Simplon- Tunnels gegen Süden betrögt 7 Promille: hier wiifde also kaum eine Ueberraschung oder Schwierigkeit entstehen. Die anderen Pläne haben, da sie alle längere Tunnels vorsehen, geringere Gefälle. Der aussichtsreiche Plan sieht einen Tunnel vor, der unter Meer nur(!) 32 Kilometer lang ist: der Rest entfällt auf Zufahrts- rampen. Daß der Endpunkt dieser Bahn in der internationalen Stadt Tanger und nicht im spanischen Protektorat Marokko liegt. ist ftir Frankreich, das im Rat von Tanger eine entscheidende Rolle spiqlt, vorteilhaft. Der Anschluß an die französische Machffphäre liegt dann kaum- 20 Kilometer ftiÄüh des Tangergebictes, wo Fron- zöstsch-Mavokko beginnt. Die Tunnelbahn wird zunächst cm die vorhanden« Eisenbahn anschließen, die nach F e s und Easablanea führt und in Mar- rakasch endigt. Frankreich wird diese Bahn bis tdeit noch Süden hin, nach S t. L o u i s, ausbauen, wo die Bahn bereits heute weiter nach Dakar geht. Dakar liegt der neuen Welt am nächsten— am nächsten von allen Orlen' der alten Wett. Es ist der„Exponent" der alten Welt, und Frankreich ist stolz darauf, daß dieser Ort im französischen Senegal liegt. Nur 3100 Kilometer bis P e r n a m- buco in Südamerika. Man stelle sich den Expreßzug Berlin— Dakar vor, der mit 100 Kilometer Stundengeschwindigkeit dahin- fliegt. In Dakar Anschluß an den Deutsch-Bwsilianischen oder Französisch-Argenttnischen Atlänlikdienst. Statt 16 Tage nur etwa h Tage. Aber der Gibraltar-Tunncl führt die'europäischen Züge auch in die kommende Sahorabahn über. Bereits hat eine sranzöstsche Kommission eingehende Studien an Ort und-Stelle angestellt, und das französische Parlament wird das Gesetz vermutlich zustiiminend verabschieden. Der deutsche Steuerzahler kann sich rühmen, daß die van ihm aufgebrachten Milliardentribute den weißen Sand der Sahara mit technischer Kultur überziehen. Es ist ein Drei- Milliarden-Projekt, die Bahn von Algier über Tim- b u k t u nach der Goldküste oder an den Niger, spater bis an den Tsadsee—, niemand weiß heute, was die nächsten Jahr« an Plänen und Bauten bringen wepden. Sicher ist nur eines: Die Saharabahn ist höchst unwirtschaftlich, ob man sie nun nur bis Timbuktu oder bis an den Atlantischen Ozean durchführt oder bis an den Tsadsee. Nur eine sogenannte Prestigefrage für Frankreich, aber gerade darum ernst und wichtig. Dr. R. LacrnraeL Präzisionsarbeit im GroSen Dar Rotor ainor Dynarno- rnascMne wird..eingepaßt" Die Spiele d Lichtenberg I schlägt Pankow 4: 2 Ein Spiel von besonderer Bedeutung war das Trefsei, zwischen Lichtenberg I nWz Pankow. Wenn es auch nur ein Gesellschaftsspiel war, so sollte es doch ein Prüfstein über die Spiel- siürkc im l. und 2. Bezirk sein. Das Resultat ist allerdings nicht ausschlaggebend. Der sehr glatte Boden lusz ei» einwandfreies Spiel nicht zu. Die Lichtcnberger haben ihren Sieg nur dem Um- stand zu dankey. daß sie sich mit den Boöenverhältnislen besser ab- fanden als ihr Gegner. Die Gleichwertigkeit der Mannschaften zeigt auch das 2: 2-Resultat bei der Pause.— Eine empfindliche Schlappe bezog Saxonia von Brig 88. Mit nicht weniger als Ü: i wurden die„Cxcrleute" auf die Heimreise geschickt. Die übrigen Ergebnisse sind: Lichtenberg I 2 gegen Pankow 2 2:4 Lichtenberg II 2 gegen Weißcnsce 3 0:0. Brist 88 2 gegen Saxonia 2 1:4. Liehtenbcrg II Jugend gegen Lichten- berg I 2:1. �uyvdJooüUL' Neukölln gegen Schöneberg 4: 4 Die ersten Männermannschaften von FTGB.-Reukölln und der Freien Sportbereinigung Schöneberg müssen sich durch das unent- schieden? Resultat von 4:4 in die Punkte teilen. Neukölln konnte zur Pauie noch mit 2: l führen, mußte sich aber denn doch bald den Ausgleich gefallen lassen. Erst in den lcstten zehn Minuten ging Schöneberg in Führung, dem aber schnell zwei Tore von Neukölln salgten. Es gelang aber doch noch Schöneberg, ein Uncirtschieden herauszuholen. Bei den lestlen vier Toren konnten die Torwächter den nassen Ball nicht halten Die Freie Turnerschaft Wilmersdorf hatte sich die Freie Turn- und Sportvereinigung Kaulsdorf vcrpslichtet. Bei den ersten Männermnnisschasten gewann Wilmersdorf mit 3:1(2:1). Bei den Wilmersdorfern war der Sturm sehr angriffsfrcudig und technisch leicht überlegen. Doch die allzu reichliche Schußnervosstät sorgte dafür, daß ein großer Teil der Bälle vorbeiging. Nicht ge- fallen konnte die manchmal etwas harte Zlbwehrarbeit der Hinter- Mannschaft, die allerdings im großen und ganzen besser aufgebaut mar. Auch Kaulsdorf drückte zeitweise sehr stark, es mangelte aber a» genauer Ballbercchnung, allzu oft wurden die Würfe eine Beute der Wilmersdorfer. Nicht gut war die Verteidigung, an denkir die Wilmersdorf«: immer leicht vorbeikamen. Sicher arbeitete der Kaulsdorier Torhüter, der die Stüste der Mannschaft war. Auch bei den zweiten Männermannschaften gewann Wilmersdorf mit 2:1(2:1). Auch hier Hätte Kaulsdorf besser abschneiden können, wenn die Ballberechnimg genauer gewesen wäre. Leider bcein- trächtigtc der vereiste Boden die Spiele sehr stark. es Sonntags Hockey Von den vereinbarten Freundschaftsspielen konnte Tennis- Rot 1 gegen den Zltlcthik-Sportklub 14:0 gewinnen. Der Boden war sehr glatt und lieh ein einwandfreies Spiel nicht zu. Immerhin fand sich Ten-nis-Rot besser damit ab und kannte dank besserer S-türmcrleistung den Sieg erkämpfen.— Bei dem vorher statt- gefundenen Spiel zwischen FTGB.-Ostcn 1 und Tennis-Rot 2 siegten die Tennisspieler ebenfalls mit 4: 0. Di« junge Osten- Mannschaft ließ weiterhin gute Fortschritte erkennen. Besonders macht sich der Innenstunn und die Verteidigung gut heraus. Beim Kampf vor dem Tor fehlt es nach am entscheidenden Torschuß, trotzdem Gelegenheit genug dazu vorhanden war.— Weitere Resultate: Freie Turnerschaft Nordring 2 gegen Sportverein Moabit 2 3:0 und FTGAk-Nordring 3 gegen Pankow 2 3:2.— Das Frauenspiel Tennis-Rot 2 gegen FTGB.-Pankow 2 konnte Tennis-Rot mit 2: 0 gewinnen. Arbeiter- W asserball Charloitenburg— Union 15:5.— WcÜjensec— Hellas II 9:2 Bei de» Serienspielen gab es sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag Favoritenstege, die allerdings unerwartet hoch ausfielen. Charlotten bürg war seinem ersatzgeschwächten Gegner Union bei weitem überlegen. Roch Belieben fielen Tore, die fast sämtlich gut placiert und unhaltbar für den Unioirtorwächter geschossen wurden. Bis zur Pause war der Bundesmeisier nicht weniger als achtmal erfolgreich. Knopp vor Schluß der Spiel- Hälfte glückte Union ein Ueberraschungsdnrchbruch. der von Erfolg war. Nach Wiederbeginn bemühte sich Union mit sichtlicher Energie, eine Refultatverbesserung hcrbeizu'ühren. Schwache Abwehrarbeit des linken Verteidigers von Charlottenburg begünstigte einen Tor- erfolg für Union. Eine Zeitlang gelang es Union dann noch, das Treffen offen zu gestalten. Ueberlegenheit im Schwimmen und in der Ballbehandlung blieb jedoch bei den Charlottenburgern, die das Treffen ohne Mühe für sich beendeten. Weiße nfee hatte es am Sonntag leicht, gegen Hellas II zu gewinnen. Nach anfänglich«? Ueberlegenheit der eifrigen Hellas- leutc setzte sich das bessere Zusammenspiel der Weißenseer durch und in regelmäßigen Abständen wurden dem Anfangserfolg von Hellas nicht"weniger als sieben Tore bis zur Spielpause entgegengesetzt. Nach Wiederanpfiff wurde das Spiel härter: Hellas drängte stark und holte durch gute Stürmerleistung einen weiteren zahlbaren Erfolg heraus, doch gab die bessere Schußcntschlossenheit der Weißcnseestürmcr, die noch zweimal einsandten, den Ausschlag für das Spielende. Das grohe Eishockeyturnicr Schweden 6: t geschlagen— Rüdespiel unenl- schicden Recht enttäuschend war die Vorstellung der schwedischen Eis- hockeiMaunschait von G ö t a.- S t o ck h o l m, die am zweiten Tage des Berliner Wsihnachtsturniers im Sportpalast mit den Ver- l retern des Berliner Schlittfchuh-Clubs zusammentraf. Die Schwe- den, die am Vertag.' die Berliner Auswahlinonnschnft mit 6:0 geschlagen hatten, machten diesmal einen beinahe hilflosen Eindruck und wurden mir 6:1(1:0, 3:0, 2:1) abgefertigt. Den ersten Treffer für den BSC. erzielte Römer, stn zweiten Spiclabschnitt waren Jänicke(2) und Rudi Ball die Torschützen. Erst nachdem Rudi Ball und Davidosf auf 6:0 erhöht hatten, konnten die Schweden aus einem Gedränge heraus de» Ehrcntreffer buchen. Ebenfalls recht überraschend war die Niederlage, die Pöstleins- d o r f- W i e n durch die Berliner Auswahlmannschaft mit 1: 3 (0:1, O;0, 1: 2) erlitt. Di« Wiener, die am Vortage den Schlitt- fchuh-Elub geschlagen l)attsn, waren diesmal iveit weniger glücklich mzd erlagen schließlich verdient der besseren Gesamtleistung der Berliner. Weltmcisttrin Sonja Henie trat diesmal zum Schaulaufen wegen einer leichten Erkrankung nicht an. Das ent- täuschte Publikum, das schließlich die hohen Eintrittspreis« auch für das Auftreten Sonjas mitbezahlt lzatte, veranstaltete ein furcht- bares Pfeifkanzert, in dem fast das ganze erste Spieldrittel des legten Hockeykampfes unterging. Am Sonntagabend überraschten die Schweden, die am Vor- tage vom BSC. hoch geschlagen wurden, durch ci» bedeutend flotteres Spiel. Der weitaus stärkste Mann im Team des Göta- Stockholm war der bekannte Lulle Johansson, der an Lauf- und Stocktechnik noch nichts eingebüßt chat. Die übrigen„Kämpen" der Schwedsnmannfchaft verkörpern guten Durchschnitt, die den Berlinern aber auch nur dann gefährlich wurden, wenn sie ge- schlössen vorgingen und gut kombinierten. Zeitweise wirkte das Spiel recht zerfahren. Einzeldurchbrüche von Iaenecke, Boll und Brück blieben erfolglos. Obgleich der BSC. der Schwedenmonn- schaft ständig leicht überlegen war, hieß das Endresultat l: 1 un- entschieden. Korff schoß für den BSC. den Führungstresser, der Schwede Svensson erzielte den Ausgleich. An diesem Erfolg ist der deutsche Torsteher Linke zum große» Teil schuld, der den Schuß abwehrte lind im Sturze die Scheibe mit der Hand ins eigene Goal schob.— Auch der Pästlemshorfer Eislaufversin gestaltete das Rückspiel gegen seinen Bezwinger, die BeAiner Verbands- Mannschaft, unentschieden 2: 2, Im eisten Spielabschnitt legten die Berliner zwei Tore vor, die die Gäste aber im zweiten Drittel ausholten. Das letzte Drittel endet« torlos. In beiden Spielpausen zeigke die junge und äußerst scharmante Weltmeisterin Sonja H ö n i e- Norwegen ihre große Kunst auf dein Eise. Das Publikum war begeistert. Im Spicbernrmg Der lelzie Boxabend des Jahres Im Berliner Spichernring wurde am Sonnabend nach i Iltägiger Paus« der letzte Kampfabend bei sehr gutem Besuch ob- gewickelt. Der Mittelgewichtsmeister Erich T o b« ck- Breslau zeigte im Hauptkamps gegen den Franzosen Frank V e r y leider nicht die er- wartete Leistung. Tobcck vermochte sich nur langsam auf den in Rechtsauslage boxeiiden Franzosen«inzustellen. Auch sonst war der Breslauer, der schon besser gekämpft hat, nicht sonderlich in Form In der 7. und 8, Runde konnte Tobeck wirksam gegen Körper und Kops seines Gegners landen. Mehrmals mußte Bery die schützen- den Bretter aufsuchen. Zum Schluß schien Tobeck noch ein K.-o.-Erfolg beschieden zn sein, aber der schwere Franzose gab sich nur nach Punkten geschlagen. In einem technisch hochwertigen Treffen siegte Harry Stern über Erich T h r i e n e- Hannover in der ö. Runde durch k. o. In dein bis zu diesem Zeitpunkt fast aus- geglichenen Treffen landete Stein mehrfach so hart gegen die Kinn- partie des Gegners, daß dieser zusammensackte und ausgezählt wurde. Einen guten Eindruck hinterließ der als Ersatzmann für Fritz R e p» I-.Heru« ciiigespningenc S c i tz l e r. Er vermochte dem alten Ringfuchs Paul E z i r f e n ein Unentschieden abzuzwingen. Peter D r c h k a p s- Düsseldorf siegte über Fritz Kühn- Hirsch- berg nach Punkten, während Hubert H« b b e n- Berlin seinen Landsmann Hein Kern bereits in der 1. Rund« überraschend durch k. o. abfertigte. Lntsdhiedener Sieg Pistullas Das Schwergewichtsprogramm des Hamburger„Pun- ch i n g" hatte seine Anziehungskraft auf das Publikum nicht ver- fehlt. Leider gab es manche Enttäuschung. Der fyr Halbschwer- gewichtsmeister Ernst P, st u l l a verpflichtete Holländer Paul H o f- mann war trotz 20 Pfund Mehrgewicht nicht in der Lage, dein Deutschen crnsthaston Widerstand entgegenzusetzen. Er konnte die schweren Treffer Pistullas fast nie vermeiden, war in der 6. Rund« schon fast fertig und wurde in der 7. Runde durch den als Ringrichter amtierenden Altmeister Paul Samson-Körner ausgezählt. Der Han- novcraner R ö s« m a n n mußte sein Wiedererscheinen im Ring mit einer schweren Niederlage bezahlen. Cr wurde von dem um 20 Pfund leichteren Breslauer Emil Scholz so schwer zusammengeschtagen, daß der Ringrichter das Treffen in der 6. Runde wegen Vcrteidi- gungsnnfnhigkcit von Röfemann zugunsten des Breslauers abbrach. Kleiner Sport von überall „Hungaris" deklassiert Hertha-BSC. Das Auftreten von„Hun- garia"-Budapest in Berlin hatte eine riesige Menschenmenge nach dem Platz am Gesundbrunnen gelockt. Es mögen 20 000 Zuschauer ge- wesen sein, die den Kamps zwischen Berlins und Deutschlands Meister H e r t h a- B S C. und der berühmten Hungaria verfolgten. Kampf im wörtlichen Sinne gab es allerdings nicht zu ssehen, denn die i! n g ar n erwiesen sich alz Meister in der Fußballkunst und g e- wannen, ohne sich ganz auszugeben, hochüberlegen mit 7: 0 (4:0) Toren. Wie das Resultat schon ahnen läßt, spielte die Hertha-Elf allerdings beinahe in unmöglieher Form. Es war kein Spieler in der Mannschaft, der höheren Ansprüchen genügt hätte. Berliner Hallentennis. In der neuen Berliner Tennishalle gab es am Wochenende einige Wettspiele, bei dem insbesondere der Nach- iviichs in Doppelspielen zu Wort kam. Leider vollzogen sich die �Ereignisse vor fast leeren Tribünen. Cinzelergebnifs«: Lindenstaedt-Bachaly gegen Keller-Wagner 2:6, 6": 3, 7:5; Stroh- meyer-Akemann gegen Dr. Axter-Dr Tiktin 3:6, 8:6. 6:3: Uhl- Hcidenreich gegen Schwenker-Knüppel 6:2, 6:2: Tomiiin-Kupsch gegen Keller-Wagner 6:0, 8:6: Dr. Kloinschroch-Henckel gegen Schwenker-Knüppel 6:2, 6:3: IIhl-Hcidenreich gegen Lindewstaedt- Dr. Koken 6:1, 6:2: Tomilin-Kupfch gegen Strohmeyer-Akemann 8: 10, 6: 2. 6: 1.' Eine bitlere pillei— 5000 Mark Lohnsteuer für Swatosch. Für den Fußballverein Köln-Sülz 07 haben die„Spesenzahlungen" an den„Amateurspieler" Swatosch noch ein unangenehmes Nochspiel gehobt. Nachdem sich einwandfrei herausgestellt hatte, daß der Berein seinem Mittelstürmer sechs Jahre lang jährlich etwa 0000 Mark„Spesen" zahlte, verlangt der Steuerfiskus vpn Köln-Sülz als Arbciigxber im Sinne des Gesetzes die vorgeschriebene Lohnsteuer, die insgesamt etwa 3000 Mark ausmacht. Den Kölner Verein bleibt nun nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beißen und zu zahlen. Er kann dabei noch froh sein, wenn die Steuerbehörde ihn nicht noch mit einer cmfprechcnden Ordmingsstrafc belegt. Wintersport überall aber auch'Tauwetter Die Winterfporloereinigung Ob e r H o f brachte auf der Kur,- Weidhaas-Sckzanze, die wegen ihrer flachen Bauart keine weiten Sprunge zulaßt, ihren ersten dieswinterlichen Sprungwett- bewerb zur Durchführung. Mit besonderer Spannung sah man dem Abschneiden des deutschen Skimeisters Erich Recknazel- Oberschönau entgegen. Recknagel zeigte sich bereits in ausgezeichneter Form und führte auch mit 37 Meter den weitesten und schönsten gestandenen Sprung ans. Leider hatte er das Pech, in der zweiten Serie zu stürzen. Der Sieg fiel dann an feinen Landsmann Wagner. Ergebnisse: Klasse I: 1. Wagner-Oberfchönau 200,300 P.(33, 34. 33 Meter): 2. Lesser-Brotterode 200,0 P.(29, 34. 33 Meter): 3. Fuchs-Brotterode 196,300 P.(28, 32. 32 Meter): Klaffe II: 1. Fleifcher-Schmiedefeld 173,0 P.(24, 28, 29 Meter): 2. Weilhelm-Steinbach/Hallenbach 161,0 P.(23, 24,27 Metel>. Jungmannen: 1. Henkel-Oberhof 193,0 P.(32, 31, 32 Meter). Rodelrennen in Alinsberg. Auf der etwa 3 Kilometer langen Rodeldahn in Bad Flinsberg kamen stark befetzte Rodelrennen zum Austr'ag, bei denen durchweg die beteiligten Berliner Bewerber in Front endeten. Das Herren rodeln gewann R. Tamm-Verlin in 3:52 gegen F. Blume-Kassel mit 4:0? und K. Knßler-Berlin mit 4: 24. Bei den Damen siegte E. Lasser-Berlin in 3: 08 vor G. Feldgen-Berlin mit 3: 13 und im Doppelsitzer endeten Frl. Franke(Berlin)-W. Feist(Flinsberg) in 3: 05 in Front vor Frl. Arndt-Flechtner(Frankfurt a. d. O.).� Beginn des Davofer Eishockeyturniers. Bei schönstem Winter- wetier nahm aus der Daoosei� Eisbahn das alljährlich« i n t e r- nationale Eishockeyturnier um den Spengler-Pokal seinen Anfang. Die deutschen Belangs vertritt diesmal nur der Sportklub Rieherfee, der aber erst am Montag gegen die Unwsrsität Cambridge in Aktion tritt. Der Pokalverteidiger Lamn-tennis- Klub Prag eröffnete die Serie der Wetrtämpfe mit einem Spiel gegen den Akadein. EHE. Zürich. Die Präger waren natürlich haushoch überlegen und siegten mit nicht weniger als 12:0(4:6, 2:0, 6:0). Eine ausgeglichene Partie lieferten sich die Maiin- schicksten von Daoos I und Cambridge llniversity. Das Glück mar auf feiten der Schweizer, die mit 1: 0(0: 0, 1: 0, 0: 0) einen knappen Sieg herausholen konnten. Die Vertreter der iinioersiint Oxford hatten den LLadeni. EHE. Zürich zum Gegner, dem sie überlegen nnt 7: 0(2: 0, 3: 0. 2: 0) das Nachsehen gaben. Brandenburg siegt in Ehamonix. Auf ihrer Schweizer Reise gab die Eishockeymannschaft von Brandenburg-Bsrlin zwei Gastspiele in Ehamonix, die beide von bester» Erfolge b«feitet waren. Gegen dig, Umversitätsmannschaft von Cambridge siegten die Ber- liner mit 4; 1 Toren, und der Eishockeyklnb Ehamonix mußte sich mit dem gleichen Ergebnis von 4-: 1 geschlagen bekennen. Die deutsche Meiskerschasl im Eishockey gelangt jetzt ofsiziell für den 17. und 18. Januar nach dem Rießersee bei Garmisch zu? Ans- schreibung. Titelverteidiger ist der Berliner Schlittschuhklub. Bei einer Beteiligung bis' zu vier Mannschaften spielt jeder gegen jeden, laufen mehr Nennungen ein, so werden die Spiel« nach dem Gruppensystem ausgetragen. Tauwetter in» Harz und in Thüringen Wegen des plötzlichen Witterungsumschloges n rußten die für S/mntag nach dem Harz angesetzten Wintersporwerachtaltungcn, darunter auch das Eröffmings- Skispringen in Schierke, a b g e s a g r werden. Das nach Schierke anberaumte Eishockeyturnier konnte ebenfalls nicht zu Ende geführt werden. In den letzten Spielen gab es folgende Resultate: Schierter SV. gegen Schlittschuhläufer�lub Hamburg 5:2: Zehlendorfer Wespen gegen Preußen II-Bcrlin 1;0; Zehlendorfer Wespen gegen Hamburg 9:0.— Das bereits im ver- gongenen Winter wegen ungünstiger Witterung ausgefallene Bob- Reniwn in Friedrichroda um den Wanderpreis des Deutschen Bobverbandes sollte om Sonntag nachgeholt werden. Der urplötzliche Witterungsumfchlag machte aber auch diesmal eine Durchführung unmöglich, so daß die Veranstaltung abermals abgesagt werden mußte. Weltrekord lm Gewichtheben. Der famose Wiener Schwer- othlet Haas vollbrachte in seiner Heimatstadt eine neue fabelhoste Leistung, indem er seinen eigenen Weltrekord im rechtsormigen Reißen der Leichtgewichtsklasse von 166 Pfund verbesserte. Er brachte es diesmal auf 170 Pfund. ptet van Kempen als Strahenfahrer. Der holländisch« Renn- sahrcr Piet van Kempen will umsatteln und sich in der kommenden Saison als Strahenfahrer betätigen. Er steht bereits mit ver- schiedenen Firmen in Unterhandlungen. Der„große Piet" will, sich gegebenenfalls auch an der Deutschland-Rundfahrt beteiligen. fttit Ätllteolfabrit Verli» C. V. Mittwscb, 31. 20 Iahree- endteier in Hnüacns«..Srcfdiloft". EnhhaltcsieNe her 128.<£s ftriaen Premieren, Renne und Film. Untnstenbeirran 50 Pf. Bundcsseirnssen und Gäste aern willkommen. RnSeenerein„Bnrwärt,-. Dienstag, 30. Deiember, 19 Uhr» anKcrordcnt- lilhe Vorstandsütinn«. Montax. 29. Dezember Berlin. 16.05 Oberreg.-Rat Dr. Pciscr: Aus deutschen Büchern vor hundert Jahren 16.50 I. Beethoven; Romanze F-Dur. 2. Reger: Duo im alten Stil, E- Moll. 3. Wagner: Gesänge. 4. Sinding: Serenade, A-Dur(Irmgard PreiU. Sopran: Senta Pinette und A. Wittenberg, Violine; Flügel: Bürger). 17.30„Berlin"(Dr. Max Osborn). 17.50 Besinnliche Bücher. Am Mikrophon: ETr. Wieser. 18.05 Walter Niemann, Bali-Zyklus, op. 116(der Komponist am Flügel). 18.30 Dr. W. Pohl: Sozialpolitische Umschau. 18.55 Xrbcitsmarkt. 19.00 Unterhaltungsmusik. 20.30 Programm der Aktuellen Abteilung. 1 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 So siebt Heinrich Mann das Leben(ein Querschnitt durch seine Dichtung). Manuskript-ZLsammenstcl.ung: Gerhart Pohl. Ltg.; tdlei Koppen, Anschließend bis 0.30 Tanzmusik. KöoigswustarhauscB. 16.00 Otto Kalk: Erarbeitung eines Mirchenspiels in einer Berliner dritten Volk�scbulklasse. 17.30 Dr. Hans Lcbcde: Werk und Wiedergabe. 18.00 Prof. Dr. Baetzner: Wintersportverletzungen. 18.30 Prof. D. Dr. Lohmeyer: Die Schöpfungsgeschichte. 10.00 Englisch für Anfänger. I9..50 Dr. Drtcrr: BelriebswirUcbaftlidie Belrjcbtunsen zum JatircsxrcchscI. 10.50 Dr. Würzburger: Januar-Programm der Deutschen Welle. ?f'.00 Hamburg: Fred Bird spielt auf! 21.10 Hamburg: Das Licht am Fenster.