BERLIN Dienstag 30. Dezember 1930 10 Pf. flr. 609 B 303 4?.Lahrga«g ersg«»rei- beide Auszabeo SöPs. er» Woche. 8F0M. rrr Monal. Redaktion und ervedittv«; Berlin SWS». LllldeuKr.S Sfuilaaigaße Jeh' A»»etze«»rei«: Di« einspaltige Nvnpareillejeil« 80 Pf.. Reklameieile d M. Ermäßigungen nach Tarif. Poßscheettento Vvrwärtt-Derlag G. Berlin Nr. snbsfx Fernsprecher: vöndoff 292 bt« 297 irsa 90 000 Mark geraubt Auf der Straße in Mainz durch Autobanditen/ Räuber entkommen Mainz. 80. Dezember. I» der Näh« des Reiths bankgebäudes in der Gericht» strafte wurde heute vormittag ein verwegener Straften» raub ausgeführt. Zwei Angestellte der Mainzer Bolksbauk hatten vo« der Reichsbaut Ultimogelder in Höhe von SV 000 Mar? abgehoben. In der Näh« des Gerichtsgebäudes sprangen plötzlich aus einem Personen- auto zwei mit Revolvern bewaffnete Per- s o n e u und entrissen dem einen Angestellten die Aktenmappe mit dem Gelde. während einer der Räuber mit dem Gelde im Auto verschwand, gab der zweite auf mehrere Verfolger zwei Revolverschüsse ab. die aber zu« Glück fehlgingen. Das Auto fuhr mit grofter Geschwindigkeit über die Rheiubrücke. Mehrere Automobile nahmen die Verfolgung auf. mit welchem Erfolg, darüber ist bisher noch nichts bekannt. Räuberauto entkommen. Nach einer welteren Meldung wurde das Auto der Räuber von Mainzer Radfahrern und Auto» über die Straftenbrücke in Richtung Zrankfurk»erfolgt. Das Auto nahm ei» derartig fcharfe» Tempo au. daft es Ihm gelaug, sich au» der Sichtweite der Verfolger zu entfernen, hinter hochheiw entkam der Wage», ahne daft man feststellen konnte, in welcher Richtung. Man nimmt an. daft die beiden Räuber dieselben stnd, die gestern abend in der Tbert-Stediung in Mainz zwei Bäckerborfchen. die mit Geldeiniafsleren beschäftigt waren, Übersielen und 20 Mark raubten. Die beiden Räuber waren maskiert. Sie drangen auch w diesem Aalle mit Massen aus die Überfallenen VSckcrburschen ein und würgte« den einen, um ihn am Schreie« zu hindern. Auch in diesem Aalle entkamen sie unerkannt. Hakenkreuz-Hochschulschmach Das Dritte Reich bei Kränzen Kölner NankrauHer gefaßt? Sie leugnen bisher die Tat. flöln, 30. Dezember.(Eigenbericht.) Die Kolner Kriminalpolizei nahm am Montagubend«inen bekannten Autodieb sest, der im Verdacht steht an dem H eberfall aus die Filiale der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft in Köln- Lindcnthal beteiligt gewesen zu sein. Der lzästling stellt« jedoch eine Beteiligung an den: Uebersall in Abrede, erklärt« aber, daft er für die Bankräuber am Souutagabend in der Nähe des Domhotel» einen DKP.-Wagen gestohlen habe, mit dessen Hilfe am Montag der Raub ausgeführt worden sei. Gerolstein(Eifel). SO. Dezember. Auf der Fahrt noch Trier wurde von Landjägern«in Auto- mobil mit drei Insassen angehalten. Noch der Nummer des Autos und der sonstigen Beschreibung handelt es sich um die Räuber, die den Raubüberfall auf die Filiale der Deutschen Bant nerübten. Die Festgenommenen wunden noch Prüm gebracht. Sie leugnen bisher die Tat. Räuber an der Theaferkaffe. Olei Beutezüge in Rew �sork. New Jork, 30. Dezember. Zwei Theater'cssicrer wurden am Montagabend von Banditen überfallen und der Tageseinnahmen beraubt. Im Paramount» Theater, einem der gröhten Theater der Welt, erschien ein achtzehnjähriger Buesche und forderte den Kassierer mit vorgehaltenem Revolver aus. ihm die Einnahmen auszuhändigen. Der Ränder raffte II 000 Dollar zusammen und flüchtete. Obwohl das Theater Wort von der Polizei umstellt wurde, die joden einzelnen Besucher scharf unter die Lupe nahm, konnte keine Spur von dem verwegenen Burschen entdeckt werden. Zwei Stunden später überfielen zwei mit einer Maschinenpistole bewaffnete Banditen einen Theaterkassierer in der V Avenue. raubten 25 000 Dollar und entkamen mit der Beute unerkannt. Cm dritter Raubüberfall ereignete sich in einem Rest an» r a n t. wo ein junger Mann mit vorgehaltenem Revolver vom Met den ZuHalt der Kaste verlangte. Als der Wirt stch weigerte, gab per Pandit mehrere Schüst« auf den Mrt ab, wodurch dieser schwer verletzt wurde. Der Burtche konnte ebenfalls entkommen. Brauufchweig, 30. Dezember.(Eigenbericht.) Der Naziminister Franzen hat dem sozialdemokratischen Pro- fessor'Paulsen ohne Angabe von Gründen' mit Ablauf des jetzigen Wintersemesters den Lehraustrag für praktische Pädagogik an der Braunschwelger hochschul« gekündigt. Die Zustände an der Hochschule werden durch dos Treiben der Nazi von Tag zu Tag toller Einen Protest der sozialistischen Studentenschaft wegen tätlicher Angriffe und Be» schimpfungen in emer allgemeinen Studcntcnversammlung— unter avderem war ei« sung« Studentin geschlagen worden■ beantwortet« der Senat ablehnend mit der Begründung, daft es sich um eine„studentische Angelegenheit� handle. Anschläge der sozialistischen■ Studentenschaft werden von hatenkreuzlern ab- geriffen, ohne daft der Rektor dagegen einschreitet. Der zur Inter- essenvektretimg aller Studenten gebildete Ausschuh beschlieftt zwar Einstellung der Zahlungen für Tuberkulosenbechilfe, jedoch Ball- festlichkeiten mit 8 M. Eintritt. Der Vorsitzende des Ausschusses, ein Rozisturmtruppführer, er- klärte in einer Sitzung:„Die Zeit der Rache kommt. Die Sozialisten werden noch was erloben!" Der hakenkreuzmimster Franzen unterstützt das Treiben, indem er eine neue hochschulvcrfassung ausarbeiten läßt, nach der unter anderem Studenten, die wegen ihrer staatsfeindlichen Gesinnung In anderen Ländern nicht an- erkannt werden, in Braunschweig anerkannt werden können. Einer großen Zahl von Arbeiterjungen hat Froirzc» die staatliche Unter- stützung gestrichen. Hochschul-Aniisemitismus in Oldenburg. Oldenburg. 30. Dezember(Eigenbericht.) Nach dem SSahlersolg der Nationalsozialisten in der Stadt Oldenburg sind große Teile der Studierenden der Jngenieurakademie (Hindenburg-Polytechnikum)>n da« Lager der Nationalsoziakisten Gilvesierscherzartikel (Eingetragene Schuhmarke: RSVAp. 5l.St.5-l) /4&> ■4* 1 � 3 v-r. l Hakenkreut aus Pappe, mit weißen Mäusen gefüllt. 2.Aeukrwert«3»aarette, Rarke GA. 3 Ehrenwörter- mm Brechen» 4 Rottende ttöpse 5 Totschläger mit Btotorangea-tikör gefüllt 6 Snnlbomben zu jedem ttörpergelvch passend.— Bei Großobnahme Preisermäßigung! übergegangen. Der jetzige Rektor hat dieser Entwicklung noch dadurch Vorschub geleistet, daft er bei der Bannerweihe der National- sozialistischen Studentengruppe sich, selbst für sei« Studenten über- raschend, mit Nachdruck für die nationalsozialistische Bewegung einsetzte' Diese Entwicklung hat nun prompt ihre Früchte getragen. Ja dem Allgemeinen Studentenausschuß stnd mit über- wältigender Mehrheit, in einem Fall mit 16: 2 Stimmen. mehrere Anträge angenommen worden, von denen zwei kennzeichnend für die Situation sind. Der ei« Antrag fordert. daft ein numerus elsusu« für jüdische Studenten geschaffen wird, und zwar«in Prozent der Gesamtzahl der Studierenden, der andere fordert, daft sämtlichen jüdischen Studenten da» Wahlrecht zum Allgemeinen Studenten- ausschuft entzogen wird: Selbstverständlich stnd die Anträge reine antisemftisch« Demonstrationen ohne jeden praktischen Erfolg. Bei dem Rektor ist bereits Einspruch gegen eine derartige Antrags- tätigkeit des Studentenausschusses, der den Satzungen widerspricht, erhoben worden. Der oldenburgische nationalsozialisllsche„Frecheits- kämpser" veröffentlicht die Anträge unter der Ueberschrist„Unsere Studenten" und schließt die Veröffentlichung mit dem Satz.Lieutsch- land den Deutschen". Wie sich sofort der Antisemitismus bei solchen Anlasten breit- macht, zeigt noch folgender Vorfall in der betreffenden Asta-Sitzung. Die Asta-Sitzungen sind in Oldenburg öffentlich: bisher war es auch Brauch, die anwesenden Studenten zu den zur Verhandlung stehenden Gegenständen und Anträgen sprechen zu lasten. Als nun ein südischer Stichierender sich gegen derartige Anträge verwahrte, wurde ihm da» Wort entzogen und er des Saales verwiesen. Andere anwesende jüdische Studenten verließen ebenfalls die Sitzung. Hakenkreuz-Bestialität. Oer Vorfall an der Königsberger Chirurgischen Poliklinik. Abg. M e r t i» s(Soz.) hat im Preußischen Landtag die folgende Kleine Anfrag« eingebracht:. „Die„Preußische Polizeibeamten-Zeitung" veröffentlicht in ihrer Rr. 50 vom 13. Dezember 1930 einen Brief eines Polizsiwocht- meister» Bogumil von der 2. Bereitschaft Königsberg an die Re- daktion. dessen Inhalt einen unverrückbaren Beweis darstellt für die nicht mehr zu überbietende„Verrohung der politischen Leidenschaften in den gebildeten Ständen gegen alles, was Republik heißt und was der Republik dient", wie die„Polizeibeamten-Zeitung zutreffend schreibt. Der Polizeiwachtmeister B. mußte wegen eines im dienstlichen Boxen erlittenen Unfalls die Königsberger Chi- rurgische Poliklinik auffuchen. Die notivendige Operation wurde nach einem Vertrag des leitenden Arztes Dr. Erb über„Em- stehung und Auswirkungen des Nasenbeinbruches" vorgenommen. Bei der Gelegenheit mußte der Polizeiwachtmeister in der Narkose vor Eintreten der Betäubung und nach dem Erwachen durch die bei der Operation mitwirkenden Studenten die übelsten Verunglimpfungen politischer und persönlicher Art über sich ergehen lassen, ohne daß der leitende Arzt stch zum Einschreiten oeranlaßt sah. Ich frag«: 1. Ist dem Staatsministerium dieser Vorgang be- larnti? 2 Wenn ja. ist es bereit, die erforderlichen Maßnahme» gegen die an diesem Uebcrgriff beteiligten und verantwortlichen Per- sonen einzuleiten? pt-ußen fchühi Republikaner. Ein vo« Zricl gemaßreaelter Beamter übernommen. Der von dem Putschisten und thüringische» Znoenmiaister Arick gemahregelle thüringische Pollzeihauptmav» Schüler ist »0« der preufttsche« Polizei als Plüizeihouptman» übernommen worden. Viel Lärm um ein Vorwort. Was hat Herr KaaS gemeint? Vor einigen Tagen ist im Herderschen Verlag in Freiburg«in« Schrift de» Redakteurs der„Germania* Dr. Walter Hagemonn erschienen,„Deutschland am Scheideweg*, zu der der Zentrums- Vorsitzende Dr. Koas ein Vorwort geschrieben hat. Dieses Vor- wort hat einiges Aufsehen«rregt, besonders in Frankreich, von wo erregte Antworten gekommen sind. Äaas wendet sich in diesem Vorwort zunächst scharf gegen die nationalistischen und bolschewistischen„Megaphone der Demagogie*, die„die Stimmen der Vernunft übertönen", er bekennt sich zu einem Programm der friedlichen Evolution und zur Revision der Verträge ohne Gewalt. Dann aber sagt er. Deutschland könnte eines Tages zu hoffen aufhören, seine Belastungsfähigkeit habe Grenzen �ind wörtlich: Der deutsche Samson wird sich nirlzt auf Lebenszeit an die Tretmuhle von Versailles binden lassen. Wenn die Aerbohrtheit und Verständnislosigkeit seiner Bedränger ihn zur Verzweiflung trieben, würde die Zeit kommen können, wo die Samson-Tragödi« sich im politische» wiederholt und wo die Wächter des Status quo(des bisherigen Zustandes) unter den splitternden Balken ihres eigenen chouses begraben werden. Gleich darauf heißt es weiter: Noch gehört der Hoffnung auf den gerechten Frieden und dem Willen zum Frieden die Stund«. Diese Hoffnung und diesen Willen zu stärken und aus diesem Willen Tat werden zu lassen, ist die Absicht, welche dem Schreiber die Feder führte. lieber das Aufsehen, das dieses fein Vorwort erregt hat, wird sich wahrscheinlich niemand mehr gewundert haben, als Herr Kaas selber. Er hat sich, wie immer bemüht, recht vieldeutig zu sein, und wenn man ihm vorwirft, er habe Drohungen ausgestoßen, 3)er ItlHlelpunkl des Geichs Die Vergiftung in der Wäschefabrik Llrsache: Ausschaliung der Entlüstungsanlage Die Massenoergislungen in der wäfchefabrik Gebr. Ritler in der Gerichtstraße beschäftigen noch die Jeuerwehr, die Gaswerke und andere Vehärden. Die Polizei wird erst im Laufe des Heuligen Tages daran gehen können, die Arbeiterinnen zu vernehmen. die gestern abend noch nicht fähig waren, genaue Angaben. zu machen. Bisher läßt sich jedoch schon feststellen, daß diejenigen Frauen, die in der Nähe der Tür arbeiteten, nur ganz leicht erkrankt sind, weil sie dort in einem frischen Luftzug standen, während andere, die weiter von der Eingangstür entfernt standen, viel schwerer durch die Bergiftung mitgenommen wurden. Nach den Unter- Buchungen der städtischen Gaswerke ist die Entlüftung»- a n l a g e, die in dem Plättraum auf Anordnung der Baupolizei eingebaut werden mußte, am Dienstag nicht in Tätigkeit gesetzt worden. Diese Maßnahme soll darauf zurückzuführen fein, daß infolge der Feitertage der groß« Raum sehr ausgekühlt war und daß die Heizung die Plätterei nicht genügend schnell er- wärmt habe. Beim Einschalten der Exhaustoranlage fei sehr viel Frischluft in den«aal geströmt, so daß die Arbeiterinnen selbst gebeten hätten, de» Entlüfter auszuschalten, damit zunächst einmal die Temperatur in dem Arbeitssaal steigen köimc. Durch das Ausschalten der Absaugeleitungen hätten sich jedoch die v e r- brannten Gase, die den Plätteisen entströmen, sehr schnell angesammelt. Diese Abgase sind geruchlos, und so hätten die Frauen auch nicht merken können, daß nach und nach der ganze Saal mit den verbrannten Gasen angefüllt wurde. Das Befinden der sieben in das Birchow-Krankenhaus gc- brachten Arbeiterinnen hat sich über Nacht erfreulicherweise g e- bessert. Lebenegefahr besteht bei keiner der Patientinnen dock) werden sie voraussichtlich noch einige Tage im Krankenhaus bleiben müssen, um sich von den Folgen der Gasvergiftung gänzlich zu erholen. Gegen den Mianzvertrag Vandervelde für die Beseitigung der Militärkonvention mit Zrankreich i)ax neue Silasungsscimmer des Xeidisk&bineUs so wird er aus dem. was gleich daneben steht, beweisen, daß das durchaus nicht der Fall gewesen sei. Es ist auch, glauben wir, falsch, aus dem Buch Hagemanns und dem Vorwort von Kaas eine Schwenkung des Zentrums in der Außenpolitik herauszulesen. Zuvor wie danach besteht die Tatsache, daß die bürgerlichen Mittelparteieu zwar fich nicht ohne weiteres der außenpolitischen Führung Hitlers unterstellen wollen, daß sie aber glauben, der augenblicklich vorhandenen Konjunktur für Nationalismus Rechnung tragen zu müssen. Dies« Rechnuags- 'rägerei, die ein Ausfluß von Schwäche und Angst ist. scheint uns viel bedenklicher als dos Vorwort des Herrn Kaas. Gewiß hat Herr Kaa, Recht, daß das ganze deutsche Volk die Revision des Friedensvertrag«? wünscht. Dem ganzen Volk wäre es heute viel lieber, wenn überhaupt lein Krieg gewesen und wenn es keine Niederlage gegeben hätte. Das ganze Volk möchte sich von den Folgen der Niederlage gern« bcfteien. Darüber aber, w i« das gemacht werden kann und wieviel Zeit dazu evsordertich ist, gehen die Meinunzen auseinander. Es gibt Leube— Herr Kaas gehört nicht zu chnen—. die meinen, Außenpolitik sei am besten zu treiben durch Erzeugung von möglichst viel Lärm. Leider k>°hört zu einer Politik, die ein Volk von den Folgen einer schweren Niederlage befreien soll, sehr viel mehr. Vor allem gehört dazu die unbedingte Treue zu den Verträgen, die man freiwillig geschlossen hat, wie z. B. den Locarnovertvag und den Kellogg- Pakt, die jede gewaltsame Friedensremsion ausschließen. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands bekennt sich zu dieser Vertragstreue ohne jede Einschränkung. Sie läßt sich von der Linie ihrer Außenpolitik, der Deutschland allein seine Rettung vor sonst unvermeidlichem Unter- gang verdankt, nicht abbringen. Die„Megaphon« der Dem- agogie* machen auf st« keinen Eindruck. Hakenkreuzler gegen Arbeiterschast. Voch einmal Sondersteuer gegen Konsumvereine in Brannschweig. Sraunschwcig. 30. Dezember.(Eigenbericht.) Sm Brau»schweig isch e» Landtag haben die Nationalsozialisten wieder einmal bewiesen, daß sie nicht daran denken, die Interessen der Arbeiterschaft wahrzunehmen. Nachdem erst kürzlich die Konsumvereine des Landes Braunschwelg mit der Ge- w e r b e st e u e r belastet worden sind, haben die Nationalsozialisten am Montag in Gemeinschaft mit den Vertretern des Bürgertums «ine Warenhaus st euer beschlossen, die auch von den Konsumvereinen gezahlt werden muß. Konsumverein« und Warenhäuser werden durch diese Steuer mit einem weiteren Zuschlag von 800 Proz. zur staatlichen Ge- m»rbest«uer belastet. Di« Filialstcuer wurde ebenfalls um 100 Proz. erhöht. Als die Vertreter der Sozialdemokratie darauf hinwiesen. daß man mit dieser neuen Sondersteuer für Konsumvereine wieder einmal die Derbraucker, also die Arbeiter belaste, antwortete der Führer der Nazis:.„Dann mögen di« Arbeiter anderswo kaufen.* Der Vertreter der Yungdeutschsn«rnd die Vertreter des Bürger- tum» folgten auch diesmal den Nationalsozialisten und stimmten ge- schlössen für die neueste Besteuerung der Konsumvereine. Die Betroffenen wehren sich. Der Verband Deutscher Waren- und Kaufhäuser hat gegen den Staat Thüringen, wo auf Betreiben der Nationalsozialisten, ähnlich mie in Braunschweig, ein Sonderzuschlag zur Gewerbesteuer für die Warenhäuser beschlossen wurde, eine Berwoltungsklage eingereicht. Der Verband Deutscher Waren- und Kaufhäuser vertritt die Meinung, daß sine derartige «ondersteuer mit dsn Reichsgesetzen nicht z u vereinbaren ist. Wahrscheinstch wird geg.-» Brnnnschwelg ein« ähnliche Klage e-hobe» werden. pari», 30. Dezember.(Eigenbericht.) „Papulaire* setzt die Veröffentlichung seines Interview« mit dem belgischen Sozialistenführer Vandervelde fort. Auf d«m letzten Kongreß der belgischen sozialistischen Partei, so erklärt Bandervelde. habe sich«ine stark« Strömung gegen den französisch-belgischea Militärvertrag von Iglü gezeigt. Di« Mehrzahl her Parteimitglleder sei der Ansicht gewesen, daß neben dem veröffentlichten Vertrag»« text geheime Abmachungen bestehen könnten, etwa in Form von Vereinbarungen zwischen den Generalstäben der beiden Län- der. Er selbst, fährt Vandervelde fort, habe den Vertrag als da- maliger belgischer Außenminister unterzeichmit, und«r könne nur versichern, daß der Vertrag keinerlei geheime Bestimmungen ent- halt«. Trotzdem aber sei er der Ansicht, daß der Bertrag heute überflüssig geworden sei, weil er in dem umfassenderen System der Locarno-Berträg« aufgegangen ist. Cr enthalte keine Bestim- mung, die nicht auch in den Verträgen von Locarno zu finden sei. Es wäre daher besser, schon um das Mißtrauen ini eigenen Lands und im Auslande zu zerstreuen, wenn Belgien und Frankreich im Interesse des Friedens gemeinsam erklärten, daß ihr alter Vxr- | teidigungsvertrag hinfällig geworden sei. Beifall in Amerika. New pork. SO. Dezember. „Tünes" und„World* bringen Leitartikel über Panderveldss Vorschlag wegen Aufgab« des belgischen Militärabkommens mit Frankreich.„World* nennt Banderveldes Vorschlag den ersten wirklichen Versuch, der Teilung Europas in zwei bewaffnete Koalitionen vorzubeugen. Dem deutschen Volk müsse die Zu- versicht gegeben werden, daß die bisherig« einseitige' Abrüstung au»- geglichen werbe, daß di« deutsche Minderheit- Polen» ihre Rechts erhalt«, daß Frankreich, Bündnisse keine militärische Einkreisung bedeuten und daß da» Reparationsabkommen nicht unabänder« lich bleib«. Nur auf solche Weise könne Deutschland davon über» j zeugt werden, daß der Völkerbund und der Locarno-Bertrag Wirk- lichkeiten seien und daß«in wirklicher französisch- deutscher Frieden als Eckstein des europäischen Frieden» möglich sei. England für Abwehrsanktionen. Zugunsten abgelüsteter Staaten. London. 30. Dezember. Lord Cetil sprach heute Im Rundfunk über das Abrüstung�- Problem. Er betont», daß di« Zukunft unserer Zivilisation unter Umständen davon abhängig fein kann, ob di« kommend« wter- nationale Abrüstungskonferenz zum Erfolg oder zum Fehlschlag führt. Die Konserenz müsse zu einer internationalen Vereinbarung kommen. Di« internationale Abrüstung, so erklärt« Lord Eecil unter anderem, gehört zu unseren wichtigsten nationalen Interessen. Wir haben nicht nur einmal, sondern zu wiederholten Malen die Verpflichtung übernommen, die Rüstungen der im Weltkrieg sieg- reichen Nationen herabzusetzen und zu begrenzen als Ergärczung zu der Abrüstung, die wir unseren früheren Gegnern zur Pflicht gemacht haben. Wir werden jede» Vertrauen in internationale Verpfltchtungen zerstören, wenn wir das, was wir versprochen haben, nicht erfüllen. Dabei ist e» in meinen Augen von kesundärer Bedeutung, daß wir In diesem Fall auch nicht» zu antworten haben würden, wenn unsere früheren Gegner mft der Forderung an uns herantreten, wieder aufrüsten zu können. Gewisse Nationen werden, so erklärt» Cccil weiter, vielleicht aus der Abrüstungs- konferenz die sFrage an uns richten:„Wenn wir nun abrüsten und angegrisfen werden sollten, werdet ihr uns zu Hilf« kommen?* Wir können einer solchen Mahnung gegenüber uns nicht taub stellen, und wenn wir den Frieden durch Abrüstung wollen, so müsse» wir auch bereit fem, jede, notwendige Opfer zu bringen. um un« di» unendlich« Wohltat de, Frieden« zu sichern. Stalin reinigt. Wieder einer der alten Bolschewiti kaltgesteM. Moskau, 30. Dezember. Oer Geschäftsführer des Rates der Bollskommissare der Sowset- unlon und gleichzeitig der Geschäftsführer des Arbeiter- und Ver- teidlgungsrate» Gorbunom ist seiner Aemter enthoben worden. Gorbunow gehörte zu den engsten Freunden Lenins und verwaltete seine Aemter 13 Jahre long. Seine Cnt- lassung hat in Moskau großes Aufsehen erregt. Gorbunow soll später zum Mitglied des Volkswirtschaftsrates der Sowjetunion ernannt werden. Da» Amt des Geschäftsführers des Rates der Volkskommissare der Sowjetunion entspricht dem Amt des Staatssekretärs in der Reichskanzlei im Deutschen Reich. Ein Schieber betrog den anderen. Wegen Vertranensmißbranchs gegen Ousiric angeklagt. Paris. 30. Dezember. In der OuftricLlsfäre Ist der Journalist Robenne d' A z o n a mit« Anklage gestellt worden, und zwar auf Grund von Aussagen, die er vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuh gemacht hat. Robenne hatte eingestanden, daß er von dem Bankier Oustric mehr als 100 000 Franken erhalten hatte, um damit für die Einführung der Snia-Viscosa-Aktien günstige Berichte in verschiedenen Zeitungen zu bezahlen. Er hatte jedoch den größten Teil des Geldes für sich b e h a l t en und nur 20 000 Franken an den ehemalige» Unterstoatssekretär Vidal weitergcleitet. In diesem Tatbestand sieht- der mit der Oustric-Affäre betraute Untersuchungsrichter«inen Ver- trauenemihbrauch. Gegen den Bankier Oustrie wurde eben- falls«in« neue Klage einer Kulissenfirina erhoben, dl« sich durch die Verwendung des 5zolfrTangannka-Gebi«t. nachdem die eng» lisch« Regierung die Förderung der Expedition im ehemaligen Ge- biet Leutsch-Ostafrikas zugesichert hat. Die Expedition wird den Nil von der Mündung bis zu den Ouellflüsien besahren und jn Tanganyka selbst«in Standquartier für weitere Eruditionen ein- richten. Die notwendigen Geldmittel werden zum Teil auch von einer Filmgesellschaft beschafft werden, die neben einem wisienschast» lichen auch einen reinen Unterhaltungssilln drehen wird. vi« Silreslervertzkllvvg der.Detraudantcn' tn der VoltSdilbne. mit Mor Pallenberg tn der Hauvtrolle, beginnt bereit» um 7Ubr.— ESento beginnt de««rofce Gchauipielbau« am Silvester um 7 Nbr, da« Deutsche Kiinstlerrtzeater um?'/, und da» Zieuatssauee- Theaterum 7'/, Uhr: Der Stand der illttir den Plänen, die der Völkerbund seil Jahren verfolgt. ist auch die Reform unseres Kalenders, für die die International« Astronomische Union, eine Kriegsgründung der damaligen Entente» Wissenschaft, schon lSlö«inen Etudienauoschuh uitter dem Vorsitz des Kardinals Mercier eingesetzt hat. Da der Internationale hantdelokammerkoirgreß in London sich 1921 für eine Reform aus- sprach, setzte auch der Völkerbund euren Sllrdienausschuh«in, der sich für getrennte Behandlung zweier Fragen entschied: der möglichen Reformen innerhalb des Gregorianischen Kalenders und der Festlegung der beweglichen Feste, besonders des Osterfestes. Der Königsberger Astronom Professor Dr. Erich Przybyllok legt eben in einein Heft der unter dem Titel„Morgenland"llen oder erwerbslosen Sin-- gestellten nehmen den Ruf mit Heller Begeisterung auf. Unter einem roten„Parteibonzen" stellen sie sich einen Menschen mit hohem Ein- kommen vor, der teure Weine trinkt und dicke Zigarren raucht Nur so weit reicht der Verstand nicht, um zu begreifen, daß die Nazi- redner, die da oben toben, selber„Parteibonzen" sind. Das stimmt nicht? Nun, sehen wir uns doch einmal die Reichstagsfraktion der Nazis an und prüfen wir an ihr. ob chelmuth v. Mücke recht hat, wenn er die Nationalsozia- listische Deutsch« Arbeiterpartei als den„größten vanzenbetrieb" der Welt bt zeichnet. Wir finden in der Reichstagsfraktion nicht weniger als 3 6 A b- geordnet«, die als„Bonzen" unmittelbar von der Bewegung leben: Gauleiter, Schriftleiter, Schriftsteller, Redner, Zeitungsverleger Sekretäre, Angestellte. Wahrscheinlich ist die Zahl noch höher, weil offensichtlich eine Anzahl Naziobgeardnete ihr„Bonzen"-Dasein verschleiern. So nennt sich der Reichstags- abgeordnete S ch a l l e r bescheiden„Bauarbeiter", während er gut- bezahlter Parteisekretär in Köln ist. Mehrere dieser„Bonzen" beziehen neben ihrem reichlichen Parteiciakommen auch noch Staats- Pensionen. So der Hauptmann a. D. Loeper und der Haupt- mann a. D. G o e r i n g. Selbstverständlich haben sie außerdem voll) Reichstagsdiäten, Reifefpefen und Rednechonorore. Bergütuir- gen bis zu 4 0 Mark für einen Vortrag sind keine Selrenhcit. Dafür liegen uns urkundliche Beweis« vor. Mehrere Reichstags- abgeordnete wie Dr. Ley und Gregor Straß er haben hohe Einkünfte aus der Ausbeutung mehrerer Zeitungen. Sie schöpfen dabei au» zahlreichen Geldquellen. So hat der Reichstagsabgeordnete Dr. Ley. früher Chemiker, fetzt Nazibonze, aus vier Quellen nachweisbar ein Monats- e i n k o m m r n von 2lS0Mark. In Wirklichkeit ist fein Ein- kommen noch höher, ober die übrigen Quellen sind nicht genau zu ermitteln. Der Stellvertreter Dr. Leys m Köln, der Stadtverordnete Josef G r o h � hat aus vier Quellen ein Cinkonnnen von l-tSO Mark im Monat. Außerdem haben Ley und Grohe je ein Auto auf Parteikosten! Der Reichs tagsabgeordnete Schaller in Köln, ein funger Mann, kaum in der Mitte der zwanziger Iohoe, verfügt über ein „B o nz« n"e i n k o m m e n von 1200 Mark monatlich. Gewiß allerhand für einen jungen Menschen, der überhaupt noch nichts geleistet hat. Kleinere Bonze» beziehen durchweg ßOO bis 750 Mark im Monat. Darunter sind zahlreiche ganz junge Leute, die in jedem. anderen Berufe mit 200 bis 300 Mark zufrioden sein müßten. Um nur ein Beispiel anzuführen ein Student der Rechtswissenschaft hat als. Gaupropagandawart", als Redner und Journalist 630 Mark im Monat' t...... Zurück zur Reichstagsfraktion! Als„Partei- bonzen" find da auch die drei Rechtsanwälte zu rechne», die als Juristen keinerlei Bedeutung haben, well sie eben erst vom Examen kommen. Ihnen ist die Nazipartei mit ihren zahlreichen Prozessen ein« sichere und glänzend zahlende Kundschaft. In der F-aktion sitzen auch zwei„P a r t« i b u ch b« a m t e": Dr. F r i ck und Dr. F r a n z e n. Der eine war kleiner pensionierter Amtmann in Bayern, der andere bescheidener Amtsgerichtsrat m Preußen. Lediglich auf Grund ihres Parteibuches, wie die Nazis sich auszudrücken belieben, find beide Ministsr geworden und ver- dienen jetzt 18000 bis 20000 im Jahre mit entsprechend hohen Pensionen. Die Nazimitgliedschast hat ihnen eine Derdrei- fachung ihres Einkommens gebracht. Zahlreich sind die Beamten in der Reichstags- f r a k t i o n, insgesamt 21 Studienräte, Lehrer. Rechteräte, Inspektoren, Rsgierungsrät«, Obersekretäre, Rentmeister, Bctricbs- sekretäre usw. Auch von den Herren hat keiner zu klagen! Wir wollen von Fideikommißbefitzern, Fabrikanten und ähn- lichen„Arbeitern" in der Nazifraktion ganz schweigen. Sehen wir uns noch die Herren Offizier« an, die sich a. D. für Nichtstun monatlich von der Republik aushallen lassen: 4 Hauptleute a. D..; 1 Oberstleutnant a. D., 1 Oberst a.?., 1 Major a. D., 1 General a D., Dieser General. Herr o. E p p, hat eine Pension von 12 000 M a r k im Jahr«, plus sonstige Einnahmen aus der Nazi- Bewegung, plus Reichstagsdiäten usw Das ist ein Einblick, nvr ein unvollkommener, in die Reiche- tagefraktion der Nazi-„Bonzokratie". Man vervielfältige das Bild auf sämtlich« Länderparlamcnte und aus die gesamte Raziorgani- sction im Reich, und man wird Helmuth v. Mücke recht geben Die Nazis sind Fachleute im„B o n z e n w e s« n"! So etwas an„Futterkrippe" gibt es nur einmal in der Well— bei den Anwärtern des Dritten Reichs. Und das schreit dann demagogisch über„Bonzenwirtschaft". „Parteibuchbeamte" und„Futterkrippe"! Im Vertrauen auf Gtegerwald Zechenherren vollen 12 proz Lohnabbau Essen, 30. Dezember, t(Eigenbericht.) Die D erHandlungen am Montag über die Neuregelung des Lohn tariss für den Ruhrbergbau sind in später Abendstunde abgebrochen und auf heute Dienstag vertagt worden. Die Zechenbesitzer forderten im verlaus der Verhandlung eine IZprozentige Lohn- s e n k u n g. Die Vertreter der Gewerkschasten legten übereinstimmend dar. daß eioe Lohnsenkung für die Arbeiterschaft nicht tragbar und für die Zechen bei der gegenwärtigen Unkostcnbasiz nicht erforderlich sei. Wenn das Zechentopstal an der Ruhr die Absicht hätte, die Bergarbeiter in den Streik zu treiben, um seine Haldenbestände abzustoßen und nebenbei die gewerkschastsfeindlichen Treibereien der KPD. zu fördern, es konnte sich kaum weniger provozierend verhallen. Erst wird den Bergarbeitern die Verlängerung des Mehr- arbestszcitabkommens auigezwöngt, trotz aller Entlassungen un.'> Feierschichten, und jetzt soll obendrein der Lohn gründlich verschlechtert werden! Glaubt Herr Stegerwald denn immer noch, daß auf die? Weise, durch Verschlechterung der Lebenshillung der Arbeiterfchan, der Wirtschaftskrise begegnet werden kann? Immerhin, die Schwerindustrie gewinnt bei diesem gefährlichen Erperime" auf joden Fall. Metatlschiedsspruch für Sachsen. Lohnabbau um 4 unv 5 Prozent Dresden, 30. Dezember. fLigeabertchi.) Am Montagabend wurde für die sächsische Metallindustrie ein Schiedsspruch gefällt, nach dem die Löhne der Arbeiter Im allge. meinen um etwa 4 Proz., die der Akkordarbeiter um etwa 5 Proz. gesenkt werden. Dei neuen Sähe sollen für die Zell vom 2. Januar bis zum 31. Mai 1931 gelten. Einiqungsvorschlag im Saargebiei. Die Regierungskommission für die Llnternebmer Saarbrücken, 30. Dezember. Unternehmer» und Arbeitervertreter der Schwer-Eisemndustri« .... handelten Mon.agnachmittag mit den zur Zeit anwesenden Mitgliedern der Regienmgskvimnission unter Vorsitz von Minister K o ß- mann über den Lohnabbau in der Hüttemndustrie. Die Regierungskommission hat nach fünfstündigen eingehenden Verhandlungen den beiden Parteien eine Einigung empfohlen, wonach der Lohntarif bis zum 31. Oktober 1931 unter gleichzeitiger Kürzung der Darijlöhne um 5 Proz. verlängert wird, und daß die Effck ivlöhne ab 1. Zaauar 1931 um 5 Proz. und ab 1. März 1931 um weiiere Z Proz. g-.kü zt werden. Die Unternehmer scheinen rnit dieser Empfehlung der Regierungskommission entsprechend dem Vorbild für die Berliner Metallindustrie, vorläufig zufrieden zu sein. Schuhmacher gegen die Vaia-Geisel Oer Schuhkön g will Südflawien erobern. Belgrad. 30. Dezember. In einer Massenversammlung der Vertreter aller Schuhmacher- organisationen, Lederfabriken und Lederarbeiter wurde gegen die beabsichtigte Errichtung einer Bata-Schuhfabrik und Bata-Reparaturwerlstätte lebhaft protestiert. Alle Redner er- klärten, daß in diesem Falle über-200 000 Personen in Südslawien arbeitslos werden würden. V Wetter für Berlin. Ziemlich trübe mit etwas Regen. Tempe- raiuren mehrere Grade über Null.— Für Deutschland. Ueberall ziemlich trübe und vielfach leichte Niederschläge. Auch im Osten Milderung. Scienftdott!. für di« ITtbafion: tttbetl gtpetc, Berlin:«lunigen: 31. ffibde. Berlin. Berlag: Borwärts Berla««. m. b. L. Berlin Druck: Borwart» Buw truckerei und Berlagsanftalt Paul Linacr 6- cko Berlin ED 88. Linden ltraKe? ....... Sieri» t.Beliw. PROGRAMM 'Or die Zeil vorn 30. Dez. bis 1. Januar K i ü O-TA F i Potsdamer Strafje 38 W J. 7, 9 Uhr k Neujahr ab 3 Uhr Der Hampelmann mit tien Dcycrt, Stöbe St&k&.l, Max Haxuea Odcon, Potsdamer Str. 75 W. 5, 7, 9 Uhr Neujahr ab 3 Uhi Verlängert: Kohlh!e*cl« röditer mit Hennv Porlea Jügendl haben Zutritt Rhemstraize 14 kÄ-eIS.« W. ab 5.18 Uhr Neufahr ab 3.15 Uhr Retffoe mit Lee Parry SeemaonslIebcheD mit D, Hadcadl WfltvKinrk w �5 u. v Udr ▼T Cl* lilllO Sonntags ab 4 Uhr Mt-Moabft W JugendL Zutritt Tonfilm-Humoreske: Der ialidie Feldmnrcdiall mit Vlasta Bnrian, Roda Roda, Fee Mallen, H Frank, Mldcy Man«— Beiprogramm g ChartottewSüi��� Kant- Lichtspiele Kan slr S4(an derWilmersdorfcr Str.' W. S. 7, 9 Uhr St?, ab 3 Uhr KohlhleseUTSdiler m.Hemiy Porte» Jugendliche haben Zutritt Turm strafe 12 JLt-iau; VcrJÄngerti Der Hampelmann mit Licn Oeyers, 5. Sr-akoll, Max Harutcn Alcxandcrstr. 39-40 (Paiaage) Den ganzen i ag geöffnet! Du gestohlene Gesicht mit Max Adalbert 4 W.fn U Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretensir t>er gröSie Erfolg; Drei Tage Mttiela.rest mit Lade EnglUch, Frlts Schuir, Max Adalbert. Frigitrlthstii b Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. 5, So. ab 3 U. Wegen großen Erfolges verlingert: 100 proz. Tonposse Pension 5d»dNer mit jacob Tlrdlke, Kampers Beiprogramm— Fox-Tonwodie Film-Palast Kammersäle t eltower Str. i W. 5. 7, 9. Stg- ab 3 Uhr 100 proz. Tonfilm: Der gro�c Qahbo mit Erich v. Strohe im Beiprogramm ■»Bdan 1 Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanatr 72/76 Beginn Sonnabd 5 7,9 U„ Sonnt ab 3. Li ehrspar ade mit Ernst LnhUsej, Die schönste Tonfilmoperette der Saison Bühnen Khan Das gute Beiprogramm_ eC Zehl«ndorr.Mitta Wochentaps 7. 9.10 Uhr Aren Sonntags S. 7, 9.10 Uhr Potsdamer Str SO Neu). 2 30: Jgd-Voist. Der Hampelmann mit Max Hansen Lipo Oeyers— Tön. Beiprogramm Martendorr Mm T 1 Marlendorter Wochentg ria-U ctditopiele ab 7 Uhr Chausseestr. 405 Ktimlnal-Tonfflm I Der Sehnt ha TonfllmafeUer mit Gerda Hieras— BühnesiMhag Tempelhof Th. am Moritzplatz Beg.: Wöchig ab S Uhr. Stg. ab 4 Uhr K'imrFonfilm Der Tanz gehl weiter Ab Mittwoch; Tonfilm: Llehling der Götter mit Jannings M Weuhttlln> Mercedes- Palast Hcrmannstraße, Ecke jagerstraße Werktags bfi, Neujahr 3 Uhr IPOproz. Tonposse: Der tatsche Feldmarsehall mit Soda Roda, Wtlhe.m Bendow Bühne Gastspiel Wilhelm Bendow u. Hilde Anenin DleThealcrsehule Kukuk Wochen t. 6,45, 9 U. NeoJahr ab 3 Uhr Kottbusser Damm 92 100proz.Tonposse! Drei Tage Mittelarrest mit Loele Eogilseh, Fritz Schulz Beiprogramm Pwa»g.|aini* Wochent. 6.44, 9 U. CrXCClSlOr Neujahr ab 3 Uhr Kaiser-Friedrich-Straße 191 Tonfilm! Airanne mit Brigitte Helm, Albert Das ermtnn Groges Beiprogramm Stern, ff«nrtan na traHe 49 Wochentags 6 45. 9. Neujahr ab 3 Uhr 100 proz Tonfilm- Oes Land des Litbe ns mit Riehard Tauber Beiprogramm Jugendhcba haben Zutritt Südosten Filmeck Skalltzer StraBe. am Oörlitzer Bahnhof Beginn Wochentags: 6 30 und 9 Uhr Sonntags: 3. 5. 7. 9 Uhr 100 proz. Tonfitmr Fat nnd Palacfaou „looo Worte Ocntseh' Beiprogramm— B Ahnen Khau jugendliche haben Zutritt Luisen-Theater Luna-Filmpalast stg s u Qr Frankfurter Str 121 Operettenionfilm; Das Land des Ldthclru mit Riehard Tauber Bühne: Wilhelm Bendow Ab Donnerstag: Llen Dreyers Tonfilm Der Hampelmann mit Max Hanaen BD.- O Ponolas. Harfen und Gerang Relchenberger Str. 34 Anf. W: 630 u. 9 U. Stg. 3, 5, 7, 9 U. mit Tonoperette: Ucbcsparadc Maurice Chevalier BOboensahan Feier- Stella-Palast Köpenicker StraBe 11—14 Wochtgs. 6J0, 9 v. Sonn- und lags ab i Uhr. Der grdBte Lach erfolg des Jahres! 100 proz. Tonposse: Ord Tage Mlhet- arreaf mit L. Englisch, Frtls Schulz Beiprogramm— BAhncnadtan Urania Tonfi' m-Vartci« W 6 45, Stg 3 U Wrangelstraße 11(an d. Köpenicker Str.) Russenfilm: Der b'ane Exprcg Venns im Frack mit W, Hansen Kapelle— BAhnenachau Sternwarte- Treptow Dienst, 8; Da hnb rechende Erfindungen(Llchtbi dervortrag). Mittwoch 8: Die weihe Hölle von Flz Fallt �in i � aElysium Prenzlauer Allee 56 W. 5.15,7,9.15. S 3.15,5, 7.15, 9 ISUhr Drei Tage M.tleiarrcst Bühne; Frcdy Rolfs Jazz-Symphon Tönende Wodientchan Flora-Lichtsp. Täglich 6J0, 9 Uhr, Sonnadenrs 5 Uhr, Sonntags ab 3 Uhr Neujahr ab 3 Uhi lOOpioz. Tonfilm: Die singende Stadl mit Brtg. Helen, Jan Klcpura Beiprogramm Germania-Palast Frankfurt«! Allee 314 Berinn der ersten VorsieHungen Wochen g. 6 30 Uhr. Neujahr ab 3 Unr Der größte Lacherfolg des Jahres! IM proz TOnposse; Drei Tara Mittel. arreat mit Locie Englbds, P. Scholz Auf der Bühne; Borhi nnd Pariser, Msalknliaeho Bxlravagancen Schwarzer Adler a�"« Woch. 5. 7. 8.45, Neu ahr 3. i. 7. 8,45 U. IM proz Tonoperette; Die blonde Nacnftgal mit Else Elster Loatlge» Beiprogramm_ Comcnius-Liditspiele Memeler Str. 67 W 6,r 9U. NeuiabS U Tonfilm: Dteh hab' 1«h geliebt mit Madv Chrlzttan Gutes Betprogramm' Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab5U.Stg.ab3U. IM proz. Tonfilm: Namenahelrat' mit Evelvn Holl. Waller Rilla Beemannallebchen— Beiprogramm Viktoria Lichtbild Th Frankfnrter Allee 48 Woch. 5. 7, ca 8.45.. Neui. 3, 5. 7. 8.45 U. 100 proz Torfilm: Das gestohlene Gesicht mit M. Adalbert, H. Otto Mldcy Maus Kosmos-Lichtspiele Lückstraße 70 Beginn Woch. 5, 7. 9 U. Jugend!. Zutritt Stg. 3. 5, 7. 0 U. Tonopereite Die Drei von der Tank- atclle m LUlan Harvey— Mlcky Mau, d Prledrtchafeida U Kino Busch Alt-Friednchsfelde Beiprogramm Ein Maxquii«n verkaufen m. Menfoa sein Sieg mit Hoof Glbson d WelCnnzee H Schloßpark Film. Bühne Berliner Allee 206— 210 Bahnenschau Tonfilmerfölg; Drei Tage Mittel. arrest mit Fritz Schulz Gutes Beiprogramm AlhAmhrA Müllerstraße 136, Zhinclinura Ecke Seesiraßt Das Land des Löchelnt mit Tauber Beiprogramm. CZiZ— Pharus-Lichtspiele Müllerstr 142 W.5.7.9L Krimina ton Ilm: Das gestob ene Gest cot mit M. Adalbert. H. Otto Belpro-ranun_. Prater-Lichlspel'Palast Kastanienallee 7-8 W. ab 5 Stgs 3>/, U. Die fliegende Flotte mit R. Noverro Die rchw-o-e gfundc einer Frau Bühne; Großer Revt-eakelfdi Marga-Lichtspiclc Schulstraße 29 IM proz. Tonlusisplel: Bockblerfes' mit Ida Wüst, H. A. von Schletlow Oer Polizeispitzel von Cbtkago Beiprogramm_ Mila-Lichtspicl-Pafast Schönhauser Allee 130 W.S1-?. S. 4S. Tonfilm: Kapilin Halls tfrofte Liebe Beiprogramm— Gr. Bübnensriic� Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S. 39- U Tonlusisplel: Susanne macht Ord- nung mit T. von Aallen Das Schiff der verlorenen Mensch rn mit Koilner, Dietrich ■ m Palast-Theater Breite Straße 21a W. 6 30. 0. Stg. 4. 6J0. 0 Silvester nur 730 U. Tonfilm: Va banejae m. LU Dagover Bü.- Gastzp. d. Prof. HollÄndcr-Trlo Tivoli, Pankow w ejo 9u„ Berliner Straße� Sonnab.sUoStß.ab3U. Tont Im; Die sinkende Stadt mit Brigl tc Helm» Jan Kiepnra bfi: Liüa» Heden(v. Wintergarten) � Wle<»«rtcmMihaut«n U Film-Palast Blankenburaer Str.< So 2'zJgd. V. Wochig 6.30, 9 U. So 4 30. 6 45. 9 U Tonfilm; Lcn'nanl warst du einst bei den Husaren m. Mady Christians Lustiges Beiprogramm ■'«««'» Filmpalast Tegel fSa�?'' Stgs. 2 U Jgd.-Vorst W. 6. Stg. l'.i U. Tonlustspiel: Pension Schöller mit Jak. Tledike, E. Brink, Fr. Schutz Lastig. fielpragr. Ant Tobls-App. „Kosmos" FilmbQhne Hauntsiraße 6 Beg. 6 Uhr, 8,50 Uhr Tonoperette: Liebesparade mit Maurtce Chevalier Grobes Beiprogramm Union-Theater Hauptstr.a Stg. 2 Jgd.-V. W o, e>/r, Stg. 4V.. 6»n 8-. U Krimina film- Dunkle Existenzen Schande mit Ua ttlna, C. de Vogt Fi.mpalast St8 u. Berliner Straße 59 Stg. ZU. lua--Vors' TonfÜmoperette: Wie verde ich reich und IficklUh? m Georgia Lhrd Bciprogramnv Atü Klan�älmappar. (Beilage Dienstag, 50. Dezember 1930 SprNbpnd Atk terMSlXl�Ä Ä)eib>nac�t in Äfrika Einige Blätter südcifrLkanLsä)er GesGi�te/ Bon P. Skaroran Genosje Prof. Dr. P. Skawrau. deffe« TchUde- vmt wir hirr veröffeotlicheu. ist Dozent fiir Psycho. togie an der Universttüt von Pretoria(Sndafrikal. Weitere 5t«dien über daS Leben in Zndafrira iscrdcn folgen. Pretoria, 4. Dezember 1930. baiit ist der Tag für uns Deurfchafrikaner, an dem wir unsere Weihnechtspast fertigstellen müssen. Denn alle Technik der Neuzeit hat n noch nicht vermocht, die ungeheure Entfernung von rund 12 000 Kilometer in weniger als drei Wochen zu überbrücken. Weihvachtspoft— man versucht unwillkürlich, was der Technik nicht gelang, durch einen verwegenen Gedankenflng zu erreichen: nämlich Freunde zu sehen und mit ihnen das Fest zu begehen. Und man findet: eine Welt trennt uns. Es gelingt nicht, bei 35 Grad Celsius im Schallen und vor Trockeicheit zitternder Luft, sich in eins Stimmung hinein. zuleben, die uns so wohlig durchwärmt, wenn draußen«in eisiger Nordwind weht und große, graue Schneeflocken die Luft mit kalter Feuchtigkeit durchfättigen. Man fühlt plötzlich, daß es eigentlich nie die religiöse Feier war, die wir da in Deutschland um d:« Wintersonnenwende herum begingen. Daß es immer schon— wie in grauer Norzeii bei den Germanen und wie jetzt bei unserer jugendbewegten Jugend— die Feier eines überwältigenden Natur- Vorganges war(den die christlich« Religion später in geschickter Weise in ihrer Christigeburtseier symbolisierte), der Geburtsstunde des Frühlings.„Millen im kalten Winter.. Wie wäre es sonst möglich, daß uns hier— im Land« der bibelgläubig st en Ration der Well— die uns so lieb ge» wordene Weihiwchtsstimmung so hartnäckig flieht! Einer Nation, die sich— und mindestens mit demselben Recht wie die Juden— für das aueerwählte Volk Gottes hielt! Wirklich dieses Land ist in vieler Hinsicht ein ebenso testamentarisches Land wie Palästma. Und man wuiidert sich säst, wenn man die Geschichte Südafrikas lieft, daß nicht auch die Buren noch auf die Geburt des„Mejjias" warten wie die Juden. Denn ihr« Geschichte liest sich wie da» Zllte Testament: Und hier in Südafrika— besser als heute m Palästina— kann man die gewaltigen Erlebnisie der würdigen Erzzater— iv?ren yeyre z>oe|TB icraj ninrir-«-«-! t Ca»» t in iii i lief erschüttert hat— wahrhaft miterleben. Demi hier sind ihre Zeiten gerode jetzt erst vorgangen und hin und wieder trifft man ihre reckenhaften, weihbLrtigen Gestollen, astersgrau und verfallen. noch heut«. Draußen auf weitem, offenen Feld, im Schatten eines einsamen Farmhaufes oder auch in den ärmeren Vierteln der schnell aujgeschosienen Städte. Ds»n eines haben sie nicht mit den Erzvätern der Juden gemeinsarn: sie haben keine Reichtümer gesammelt. Unwillkürlich wandern meine Gedanken in jene Zellen oll- testamentarischen Geschehens zurück. Zellen, die um weniges dem vielbesprochenen Burenkrleg vorangingen und min kaum mehr als hundert Jahre zurückliegen. Ein schöner D e z e m b e r a b e n d des Jahres 1835. Die kahlen Karrenberge glühen im Licht der untergehenden Soime. Fernerhin stehen sie tiefblau und vlolell gegen den Horizont. Gigantisch türmen sich Gewitterwolken dahinter aus. Es wird an- genehm kühl nach der erstickenden Hitze des Tages. Zum Viereck zufan, mengefahren stehen die halbgedeckten Ochsen wagen der ersten Treckburen. Im Innern der Wogenburg brennt ein kleines Feuer aus ge- irocknetem Ochsenmist. Es herrscht feierlich« Still«. Mit angc- zcgencn Beinen— wie sie es von den Hottentotten gelernt haben— hocken«ine Anzahl Buren um das Feuer und lauschen dem ällesten unter ihnen, der in feierlichem Hochholländisch aus der Bibel vor- lieft.„Und es waren Hirten in derselben Gegend aus dem FeDe...* Ein Psalm v'ngt durch die stille Nacht. Dann nur noch das Zirpen der Grillen und well fort das Brüllen eines Löwen. Ein Bur zieht mll seiner Fannlie nach dem unbekannten Norden. Bertriel'en von den Fleischtöpfen der Kapprovinz durch die Schikanen des mächtigen England, siiäTt er eine neue Zukunft. Kein Kanaan ist ihm verheißen, wohl ober warten seiner Not und Gefahr. Er erreicht die Steppen Transvaals, sieht einen Flecken der ihm gefällt, berät mit seinen Söhnen und läßt sich hier nieder. Sein Geschlecht breitet sich aus. Aus der kleinen Farm wird ein Ort, der feinen Namen trägt.(So ent- standen Pieter Maritzbiirg, Potgietersrust. Louis Trichardt usw.) Bald aber wird der Raiim zu� eng für die Zahl seiner Nachkommen und die Unzahl seiner Schafe und Rinder. Er wirbt für den ällesten Sohn bei seinem Nochbarn. Di« Jungverheirateten sammeln Vieh und ziehen weiter nordwärts. Ein neues Geschlecht wird gegründet und breitet sich ans. Aber viel Raum ist in diesem .„Kanaan". Ein anderer wieder— Konrad Bu ys— hatte schon vor dem großen Treck, von den Engländern gejagr, das Kap verlassen. Kr ging zu den Kofos und heirot«»« die J!Tu»(er des minderfährlgen Königs Gaiko und zemste mll ihr«in Gedeckt von Z u lu m t f chli n g« n. Er sammelt« ein« Meng« Bish und wurde reich. Nach dem Tlch dar KLntgin heiratete er ein« Hottentottin. Und wieder wuchs ein neue, Geschlecht heran, das— vor de» Buren her— nach dem Norden treckt«. Bei Zeutpan-sberg traf dieses Geschleckst mtt den ersten Bortreckern zusammen. Buy» aber, nachdem er den Tod seiner Zwesten Frau heiß beweint und seinen Kindern einen ganzen Abend aus der Bibel vorgelesen halle, verteille all sein Bieh unter sie und zog wieder nordwärts. An der Küste von E o'f a l a heiratete er dann eine G o a n e s i n(Halbblut von Portugiesen und Indierin) und zeugte ein drittes Buys-Geschlecht, das ebenfalls heute noch besteht. Und dann gedenk« ich eines Erlebnisses, das ich im Winter 19 29 hatte am Rand der großen K a l a h a r i. Seit Monaten war kein Regen gesallen. Die Steppe war goldgelb und weih die verblichenen kahlen Dornenbäume. Es wurde Abend, ehe wir eine Farm erreichten. Für uns war nur ein Schuppen da. Der Farmer, ein siebzigjähriger Greis, lebte mik seiner jungen kaum ZSjährige» Frau in einem verlassenen kafsernpontok. Ein kalter Süd wehte über die schutzlose Ebene. Fröstelnd standen wir um ein dürftiges Feuer, vor dem die Frau mll ihrem wenige Monate allen Baby hockte. Der Alte stand hochausgerichtet und hager daneben. Zlls wir am anderen Morgen wellerrllten, sprach mem Freund über die Not und Gefahr der„armen Weißen"(Blanken) in Süd- afrika. Ich antwortete�, nicht. Meine Gedanken waren bei jener W i n t e r n a ch t in P a l ä st i n a, wo unter ähnlichen Umständen ein Kind geboren wurde. Zum erstenmal in meinem Leben Halle ich die so vielfach sentimental dargestellte Weihnachtsszene in Ihrer ganzen grausamen WIrklilhkeU erlebt. Erlebt im Land des Allen Testaments als ein Zeichen notwendigen Kampfes mehr, denn als Zeichen kommenden kampflosen Glückes. Südafrika ist ein frommes Land. Aber Weihnachten feiert man wie in Deutschland Neujahr oder Karneval. Plumpudding mit eingebackencn.Geldstücken steht im Mittelpunkt des Interesses und viel Whiskylada wird später darüber gegossen, „Jolly good sellows" werden dazu gesungen und es wird getanzt, gelacht und geküßt. Was Wunder, daß da— trotz aller Mißerfolge, Weihnachts- stimmung zu erzeugen— immer und immer wieder unsere Ge- danken zurückwandern! Was sie suchen, ist das große Natur- j ereignis, die Geburtsstunde des Frübline-s.„Mitten im kalten Winter..." Verklärende Erinnerung eine �eujahrsbetrat�tung Nach der Erstaufführung von Ibsens„Gespenster" in Kopenhagen trug der Literarhistoriker Georg Brandes den vermerk in sein Tagebuch:„Psychiatrie ist Psychiatrie, Kunst ist Kunst. Wer beides zu vermengen sucht, büßt«s mit einem Miß- erfolg. Geguäll hat mich dieses Werk. Beinahe hätte ich mich den Mißmutigen zugesellt, die das Stück gestern ausgepfiffen haben." Ein Jahr später hatte Bckandes anläßlich der Wieber. aufnähme des Dramas über seinen Wert in einem Kopenhagener Blatt ein sozusagen universität-amttiche» Gutachten abzugeben und darin äußerte-er sich so:„Der Schöpfer der-„Gespenster" erobert Arm Am«rturta Das Trauarsplel, das im Prl- vatieben Keimverderbnis heißt und bloß den Palienten, die Fa- milienarrgehörixen und den Arzt etwas angeht, geht uns olle viel an. wenn«in Autor mtt Meist erHand daraus die Tra» gödi« Schuld der Väter, Heimsuchung der Kinder formt." Das wurde im einzelnen dargelegt und Brandes redete von der tiefen Er- s ch ü t t e r u n g, die dos Stück ans ihn ausübt«, sobald die Er- innerung an jenen Theaterabend wach wurde. Dabei hatte er die „Gespenster" zwischen der Erstaufführung und der Zeitungsäußerung weder gelesen, noch gesehen, noch darüber mll anderen gesprochen. Den Zeitgenossen muß es, nach erhaltenen Tagebüchern, mit Beethovens Werken ähnlich ergangen sein. Nach der, ersten Bekanntschast verabschiedeten sie sich ziemlich gereizt und schroff von dieser monströsen, von dieser durch und durch konfusen Sinfonie, von diesem eigensinnig pollernden Quartett oder von dieser pathetisch verschrobenen Sonate. Aber das Werk ließ sie nicht mehr los und bevor sie es ein zweites Mal hörten, war meistens schon— auch das gebt aus den Tagebüchern hervor— die Wandlung vom Saulus zum Paulus erfolgt: Erinnerungsoerklärung.' Wie war es doch? Irgendwie begnadet sie uns alle mit ihrem Segen. Selten, viel- leicht nie, iiberwälligt uns ein Kunstwerk von großem Format mit den ersten Anbieb mit der bezwingenden Gewalt, die es später auf uns ausübt. Wir müssen uns erst daran gewöhnen, erst einleben, aber diele Gewöhnung und Einlebung vollzieht, wenn überhaupt, die E-nnner»ngsnerklärung. Mit einem Mal« beginnen die Töne des erstmalig gehörten Werkes in uns zu klingen, die Warte ihren eigentlichen Sinn zu bekommen, beim erstmalig erblickten Meister- bild Farben und Gestollen ihre harmonisch« Anordnung zu erhalten. Tie Erinnerung an das Werk wirkt befriedigen- der als das Erlebnis der unmittelbaren Auf- nahm«. Hat die Seele dank der Erinnerungsverklänmg diesen Höhen- schwung genommen, so ist ein Grad der Einiruckssähfsjteit geschaffen, � von dem sie bei jeder wiederholten Darbietung der künstlerischen Schöpfung zu immer tieferen und ästhetisch wertvolleren Jnipres» sinnen gelangen kann. Don nun ab gllt von dem Werk«, was Kant dem„bestirnten Himmel" und dem„moralischen Gesetz" nachrühmte: Es„erfüllt das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunde- rung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender das Nachdenken sich damit beschäftigt". Ganz gewiß würde n'e jemand zu den ästhetisch irerloollsteii Bereicherungen,.zu dem Eindruck der tragischen Er- schütterung oder des humorbejeellen Jubels gelangen, wenn die Er- iiinerungsverkläruirg ihm nickst über die ursprünglichen Schwierig- leiten der harmonischen Einstellung zum Kunstwerk hinweghelfen würde. Der Fall Brandes ist belehrend. Brandes möchte zuerst die„Gespenster" auspfeifen. Ein Jahr später würdigt er den virtuosen Gestalter eines neuen Stoffgebietes und schließli-i' wird er der Herold des Jbfenschen Ruhmes, der gerade dieffin Werk ein« fast unkritische Begeisterung entgegenbringt. Der Kulturgenieind« 1 oller Länder ist es ebenso mit„Hamlet", mit Kleists„Zer- 1 brochenem Krug" mit der H-Moll-Mekl« von Bach und nfft' fc«r Neunten Sinfonie ergangen. Erinnerungsverkläruno hat gllen ,ur gerechten Würdigung und. was wertvoller ist, zum richtigen Enthusiasmus verhoffen. Sie leistet uns aber vielleicht noch großer« Dienste durch die optimistische'Färbung unserer eigenen Ledens- erfahrungen. Wir haben geklagt, waren verzweifell, als wir in Zelle» der Schickfalsschläge die Ausmaße menschlichen Unglücks erduldet zu haben glaubten. Hinterher sieht sich das alles anders an. Kindheit, Jugend, Aller, Grelsenolter, alles ist schön mll» Herr- lich gewesen, und schließlich möchte fast jeder vor Toresschluß mll König David sprechen:„Wie war dies Leben reich und voller Wonnen: ich dank« dir, o Gott, daß du es mir geschenkt." Jede größere Zeitspanne, die wir kalendermäßig abzugrenzen pflegen, wird, wenn auch vielleicht nur matt, bestrahlt von der v« r- klärenden Erinnerung. Das Jahr geht seinem Abschluß entgegen. Wie viele haben danach geseufzt, daß es doch bloß erst zu Ende wäre, und für viel« ist es wirklich ein Jahr des Unheils gewesen, des Unheils ohne Schuld. Run, wer davon betroffen wurde, wird ihm gerade keine- Träne nachweinen, da es fo weit ist, aber die Neigung Ist auch jetzt schon vorhanden, dem erledigten Ehronos- kmde einen anständigen Grabspruch nachzuschicken. Das habe ich gesagt?! Mll einem eigenartigen, für all« Beteiligten gleich unverständlichen Vorgang haben die Gerichte m fast jedem umfangreichen Prozeß zu tun: die Belastungszeugen halten nicht stand. Sie haben im polizellichen Ermittlungsverfahren ganz bs- stimmt« Beschuldigungen gegen einen Täter erhoben und diese auf ganz bestimmte Angaben gestützt. Vor dem Untersuchungsrichter haben sie kurz danach ihre Bekundungen Moment für Momeill wiederholt, und das alles mit größter Bestimmtheit und im Willen. die reine Wahrhett zu sagen. Kommt es dann Wochen oder Monate später zur Hauptverhandlung, io nehmen die Zeugen vielfach ihre belastenden Angaben zurück. Man denkt dann, um sich diese Flucht cor ihren eigenen Au esagen erklären zu können, an vielerlei Mög- lichkeiten. Der Angeklagte hätte auf sie eingewirkt, sie fürchteten sein« Rache, sie hätten Mitleid mit ihm usw. Gewiß treffen diese Motive manchmal zu, aber doch mehr in Ausnahmefällen. In der Regel wirkt unseres Erachtens auch hier die verklärende Erinnerung. Sie tilgt ans dem Ge- dächtnis den Schlag, den der Zeuge einen Angeklagten wirklich hat führen gesehen, die verleumdende Aeußerung. die er gehört, die rechtsbreeherische Tat, der er beigewohnt hat. Wird er vom Gerichts- Vorsitzenden auf seine Aussage vor Polizei und Uillersuchungsrichter hingewiesen, so ist er wirklich erstaunt über sei!,« ehemaligen Be- schnldigunoen. Er entsinnt sich nun anders des Vorfalls, ter zur Anklage geführt hat. Alles ist unschädlicher, anständiger, halb j o schlimm zugegangen, und subjektiv ganz ehrlich bekennt er gegenüber den Vorhalttingen des Berhandlungsleiters. was ihm nun niemand mehr glaubt;„Ich kann mich nicht besinnen" Tatsächlich schafft hier die verklärende Erinnerung«Ine Aus» fallserscheinung, ein memorielles Manko. Diele Lücke kann dem Zeugen verhängnisvoll werden, kann zur Meineidsankloge und Ver- urteilung führen. Di- Gefahr für einen Fehlispruch liegt jedenfalls drohend nahe, und sicherlich sind viele unschuldig verurteilt worden. Em Berufs- oder Laienrichter, dem das Wesen der Eriniierungs- oerkiärung fremd ist, kann ja gar nicht an eine Ausfallserscheinung glauben. Er wird immer geneigt sein, eine wissentlich falsch« Be- schuldigung anzunehmen, ivofür der Zeuge schon seinen Grund gehabt haben wird. Ein Segen. Sonst aber ist die verklärende Erinnerung ein Segen. Daß man unter einen zurückgelegten Lebensabschnitt einen Schlußstrich machen und ihm ein günstiges oder doch wenigstens ein annähernd günstiges Fazll nachrühmen kann, das leistet uiick den Dienst einer seelischen Säuberungsaktion Man hat damit schon halbwegs verschmerzt. was nian verlor, überwunden, was einem zugesügt wurde. Und dieses bedeutet wiederum eine E r in u t i g u n g Yü r fünf. tige Tage. Der Wille ist fester geworden, die Kraft ungehemmter. nachdem man sich ler psychischen Fesselung van schweren Tagen der Vqtgangenheit auf diese Weise entzogen hat. Der Willkommenegruß an das neue Jahr könnte nicht lo sröh. lich klingen, die Erwartungen nieht|o hoffnungsdurchströmt fein, trenn man dem ollen Jahr« nach seinem Aösehluß alle die Belasmn- gen nachtragen würde, die es gewöhnlich über uns verhängt hat. Dr. Bruno Altmum, Was Mürzzuschlag bietet Zur 2. Arbeiter-Wintersportolympladc Mürzzuschlag in der Steierinark, wo vom 5. bis 8. Februar die 2 Arbeiter-Wintersportolympiade durchgeführt wird, liegt bereits tief im Schnee. Auch die Strecken, auf denen die Lang- laufe ausgetragen werden, weifen eins hohe Schneedecke auf. Weih- nachten war das Olympiadcgelända das Ziel vieler Skifahrer, die auf den herrlich gelegenen Hängen und weiter oben auf den Steil- qbfahrtcn ihre Künste zeigten. Schon Weihnachien wurde von der Olympiadefprungschanze ein Versuchsspringen unternommen, das die volle Brauchbarkeit der Schanze erwies. Von den Wettkämpfern der zehn für Mürzzufchlag gemeldeten Landesverbände der Sozialistischen Arbeitersportinternatioiiale er- regen naturgemäß die F i n n e N großes Interesse. Bei der 1. Wintcr- fportolympiode 1925 in Schreiberhau im Riefengebirge waren sie die Meister und warfen mit ihren Erfolgen alle Voraussagen über den Haufen, daß sie sich nämlich mit ihren Erfahrungen im heimatlichen Jlachlandlauf im Gebitge nichc behaupten würden. Sic bewiesen, bedeutend mehr leisten zu können als Langläufe im flachen Gelände. Inzwischen hat stch in der Wintersportbewegung der mitteleuro- päifchenSASI.-Verbände vieles zun» Besseren geändert. Die 192ö im Anfang steheirde Bewegung hat sich kraftvoll verbreitert, damit sind auch die technischen Leistungen gestiegen. Aus Oe st erreich, der T s ch e ch o s l o w a k e i und Deutschland werden den Finnen sehr gute Kräfte entgegentreten. Dazu kommen noch Läufer anderer Verband«, die ebensogut ihren Mann zu stellen wissen; wir weisen nur aus die Schweiz und Lettland hin. Der finnische Ar- öeitcrsportbund(TUL.) entsendet 13 Wettkämpfer, davon Ö Langstreckenläufer, 2 Teilnehmer am kombinierten Geländelauf und Sprungwettbewerb, 2 Läuferinnen und 2 Eieschnclläufer. Deutschland wird nach Mürzzuschlag 39 Wettkämpfer schicken. Bei dem ersten Teil der Ausscheidungskämpfe, die Weih- nachten in Johanngeorgcnftcrdt im Erzgebirge stckktfandcn, setzten sich die Gebirgler gegenüber den Mitbewerbern aus dem Flachlande mit Erfolg durch. Schreiberhau im Rissengebirge und Jihanngeorgen- stadt behielten die Spitze. Aber auch die Vertreter aus dem Thüringer Wald, Verlin und dem Flachlande Sachsens zeigten sehr gute Leistungen. Nachdem am 11. Januar die süddeutschen Ausscheidungz- lämpfe in den Vallepalpen vor sich gegangen sind, stellen der Bundeswintersportwart des Arbeiter-Turn- und Sportbundes und die Vertreter der Naturfreunde die deutsche Expedition zusammen. Vom ungarischen Arbeitersportverband geht die Mitteilung ein, daß am 11. Januar in Nagyszänäs Auelchcidungskämpf« für Mürzzuschlag durchgeführt werden. Im Anschluß an die Tag« von Mürzzuschlag haben die Oesterreicher eine Reihe von Wetttämpfcn mit internationaler Besetzung vorgesehen. So«st für Wien ein Dreiländer-Eishockeywettbewerb zwischen Oester- reich, Lettland und Deutschland geplant und von der Sprungschanze auf dem Kobenzl im Wiener Wald ein Internationales Sklspringeit. Angler fordern Preisabbau für die Acgelkaricn Eine Konferenz von Sportanglern, die an der Havel ihr Revier haben und im Arbeiter-Anglerbund, in den bürgerlichen Bünden oder völlig unorganisiert sind, beschäftigte sich am Sonntag mit den Preisen für Angelkarten, die jetzt von den Fischern verlangt werden. Die Situation kennzeichnete Pfaffens chl'äger in seinem einleitenden Referat. Offenbar habe der Lairdesoberfischmeister es den einzelnen Innungen überlassen, für ihre privaten Strecken den Preis zu bs- stimmen. Während noch vor etwa vier Wochen einzelne Fischer- meister erklärten, der Preis werde von der Genossenschaft festgesetzt, und auf eine„Einheitskarte" hingewiesen wurde, steht heute fest, daß die Einheitskarte wie im vergangenen Jahr 12 M. für die ganze Strecke vom Mllhlcndamm in Berlin bis nach Brandenburg kostet. Demgegenüber weisen aber die Karten der ganz kurzen Prioatstrecken, soweit die Preis« bis heute vorliegen, starke Er» höhungen auf. So lostet z. B. die Töplitzer Karte statt 5,50 M. jetzt 6,50 M.; Hechtangelerlaubnis gibt es in keinem Fall. Der Entschluß der Fahrlander-, Werder» und Deetzer-Fischer-Jnnungen steht noch aus. Es ist aber zu befürchten, daß auch diese Innungen einen Preisaufschlag ansetzen und die bei den großstädtischen Ang- lern so beliebt« Hechtangelei verbieten werden. Die Maßnahmen Ver Berufsfrscher müssen dazu führen, daß erstens die Sportangler mehr denn je ihr Augenmerk auf die Eigsnpachtung größerer Gewäiferstrccken legen und weiterhin versuchen müssen, dl« Parlamente zu veranlnsten, mit der«er- gebung von Subventionen an Berufsstschervereinigungen oorsicht'ger .zu sein. E» geht nicht an, daß die Steuergroschen von Millionen Erwerbstätiger verwendet«ertien für Kampfgemeinschaften gegen diese Erwerbstätigen. Die Versammelten waren sich darin einig, nicht eher an den strittigen Orten Angolkorlen zu nehmen, ehe nicht zumindest der alte Preis und die alten Bedingungen gewährleistet sind. Erwogen wurde, gegenüber den Maßnahmen der Fischer Gegenforderungen auszustellen, die in der Richtung ernes Preisabbau«« liegen. Solche Sportanglergemeinschasten sind an anderen Orten auch njstig. Besonders wäre ein einheitliches Vorgehen der Angler an der Oberhavel zu begrüßen. Einstimmig gewählt wurde folgend« Äsrhandlungskommisston, an deren Adresse sich auch die bisher nicht zugezogenen Anglsrverein« und Einzelangler wenden müssen: Vom Arbeiter-Anglerbund Reis« und Poppendorf: semer Kretzer und Bredow vom Märkischen Anglerbund. Die Geschäftsstelle der Kom- Mission befindet sich in Berlin, Zimmerstr. 7/8. Tel. Zentrum 1350. Also doeb§ 51! Winfermärdicn der„Roten Fahne" Unter dem Titel„Frechheit oder§ 51" brachten wir in der Sportbellage des„Aden d" vom 19. Dezember die Mitteilung, daß sich der kommunistische Sportverband an die bundestrsuen Arbeitersportler in Johanngeorgcn stadt mit dem Ersuchen gerichtet hat, ihnen die von den Bundestreueu neuerbaute Sprung- schanze für ein Wintersportsest zu überlassen. Dazu kann die„Rote F a h n e" in großer Ausmachung mit- teilen, daß die„klassenbewußten Arbeitersportler" von Johann- georgenswdt mit überwältigender Mehrheit beschlossen hätten, die Sprungschanze den kommunistischen Sportlern zur Verfügung zu stellen und sich darüber hinaus an der Veranstaltung zu beteiligen. Das soll mit anderen Worten heißen, daß der„A b e n d" ge- logen hat, als er die Ablehnung des tommunistischen Ersuchens durch die Johanngeorgenstädter bundestreuen Arbeitersportler, unter denen sich auch Kommunisten befanden, mitteilte. Nun waren die Vorgänge in Johaungeorgenstadt aber doch etwas anders, als es die„Rote Fahne" wahr haben will. Als die rechtmäßigen Besitzer der Sprungschanze die Kommunisten ab» gewiesen hatten, arrangierten sie ein« öffentliche Versammlung, in dar der Oberkommunist Vogt-Dresden die verrücktesten Purzelbäume schlug. Die Versammlung war, wie uns berichtet wird, von ungefähr 160 Mann besucht, von denen aber fast die Hälfte bundes- treue Arbeitersportler waren, die sich den kommunistischen Possenreißer einmal ansehen wollten. Der Rest der Versammlung setzte stch. wie man das bei den Kommunisten gewohnt ist, aus Mit- gliedern und Mitläufern aller möglichen kommunistischen Organi- sationen zusammen. Am Schluß der Versammlung geschah das, was die„Rots Fahne" triumphierend mitteilt: Diese mehr als merk würdig zusammengesetzte Versammlung beschloß, die Sprungschanze den kommunistischen Sportlern zur Verfügung zu stellen! Höher geht es allerdings kaum noch. Eine so zusammen- gewürfelte Versammlung beschließt über die Verwendung hon Eigentum, das ihr weder gehört noch zur Verwaltung übertragen ift Gönnen wir der, Flöten Fahne" und den Kommunisten diesen Sieg: Freude, daran worden sie nicht haben. Wenn die kommu- nistischen Sportler in Johanngeorgenstadt eine Sprungschanze benutzen wollen, dann müssen sie sich ebenso wie die Bundestreuen «in« bauen. Unsere Schanze ist für sie gesperrt! Pin Notschrei Polen mißhandelt Arbeitersportler Immer mehr wird bekannt, welche Brutalitäten die polni- schen Behörden nickst Nur gegen die Abgeordneten der Oppo- sitionsparteien, sondern auch gegen die ihnen unterstellten nationalen Minderheiten anwenden. Aus der Ukraine er- reicht uns ein Notschrei, in dem es heißt: „Ukrainische Arbeiter. Bauern, die Jütellizenz und sogar die Geistlichen werden aus das furchtbarste mißhandelt und ermordet. Die ukrainischen Frauen und Mädchen werden mißhandelt und vergewaltigt. sogar die kleinen Kinder werden von den Horden Pil- sudskis nicht verschont. Den Verletzten und Vergewaltigten wird von den polnischen Aerzten und Krankenhäusern die ärztliche Hilf« verweigert. Die ukrainischen Wirtschaftsorganisationen, Konsum- vereine, Kulturverbände und Schulen werden planmäßig vernichtet. Die schrecklichen Pogrome gegen die Ukrainer werden mit dem Namen„Pazifikation" bezeichnet Von den Pazisikatlonsmgßnahmen werden auch die ukrainischen Turn- und Sportver- eine, mit ihnen auch der Luh-Berband betroffen, der der Sozialistischen Sport-Jnternationale aitgehört. Der Luh-Verband wurde ohne Rücksicht darauf, daß er außer der Pflege der Leibes- Übungen auch freiwillige Fsuerwehrdienste leistet, aufgelöst. Bei der Auflösung der Ortsverein« des Luh-Verbandcs wurde das Eigentum der Dereine demollert und vernichtet. Mann- liche Mitglieder wurden unter Hieben gezwungen, mit den Na- goiken zu turnen; die Mädchen mußten unter Drohungen der noch unwürdigere Szenen anschlössen" Dieser Notschrei ist eine erschütternd« Anklage gegen die Be- Hörden eines Landes, die sich anmaßen, Behörden eines Kultur. staate» zu sein. Finnlandbeitrag für Olympfade Das finnische Parlament hat dem Arbeitersportbund(TUL.) zur Beschickung des 2. Arbsiter-Olympta eine Unter- st ll tz u n g von 300 000 finnisch« Mark bewilligt. Hoffentlich nimmt unser Reichsinnenministerlum davon Kenntnis, denn die deutschen Arbeitersportler wissen jetzt immer noch nicht, was ihnen von Reichs wegen zukommen wird, während das Reich für die vorbereitende Tagung des internationalen Olympiaausschusies für Los Angeles 1932 im Mai" 1930 bereits 50 000 Mark gab, und der bürgerliche Reichsausschuß für Leibesübungen mit einer weiteren vom Reich in Aussicht gestellten Unterstützung von über 100 000 Mark hausieren geht. Wenn man außerdem bedenkt, daß Finnland nur vier Mil- lionen Einwohner hat, wird es klar, was dem Deutschen Reich für die Arbeitersportler zu tun übrig bleibt. Serien vettkämpfe der Turner In der Fortsetzung der Serienkämpf« der Arbeiter- t u r n e r standen sich in der Frauenklassa Mahlsdorf und FTGB. Lichtenberg gegenüber. Die Mannschaft der FTGB. Lichtenberg konnte mit 385 gegen 357 Punkten den Sieg für sich buchen. Di« Männer-L-Kiasse stellt« Eintracht, Mahlsdors und Freie Sportoer- «inigung Nowawes in den Kampf. Zwei gleichwertige Mannschaften standen sich gegenüber, die sich einen harten Kampf lieferten. Mahls» darf konnte knapp mit 4SI: 484 Punkten gewinnen. Di« Hallen- rivalen FTGB. Osten 2 und FTGB. Osten 3 gingen mit 516: 481 Punkten auseinander. Ziemlich gleichwertig ericheinen die Mann- schasten des ASV. Schöneberg und der FTGB. Spandau, die mit 479: 467 Punkten aufeinander gingen. Einen überlegenen Sieg konnte die FllfGB. Lichtenberg über die Mannschaft des FTGB. Nordring erzielen. 505: 424 Punkten lautete das Resultat. Sport im Rundfunk. Aus dem Programm der„Funk-Stunde" für die Sendcwoche vom 28. Dezember 1930 bis 3. Januar 1931 sei auf folgende Dseanstollungen hingewiesen, die dem Sport ge- widmet sind: Donnerstag, 1. Jam/ar. spricht der Fechtmeister Dr. Her- bert Hoope im Rahmen der Jugendstunde, nychmittags um 3 30 Uhr, über da» Thema„Fechten, ein ritterlicher Sport".— Freitag. 2. Ja- nuar, nachmittags um 4.03 Uhr, spricht Dr. Willi Meist über das Thema„Die Amateursrage— das— Problem des Sports". Da, Amateurproblem ist das große Problem unseres Sports. Es ist .eine Kulturfrage,«in soziales Problem. In seinem ersten Bortrag zeigt der Redner, daß es für unsere heutig« Sportkultur und Sport- konjunktur ein« antike Parallele gibt: Hellas vor mehr als zwei- tausend Jahren. Auch dort folgte auf Ainateürlsnms zuerst Speziali- sierung, dann Berufssport, dann Gladiatorenmm. Wie der Sport Bestandteil der hellenischen Gesamtkullur war, wie sie mit der Blüte, mit Hellas Niedergang oerfiel, zeigt dieser Vortrag. In, wird später ein zweiter Vortrag folgen:„Die Amateurfrage, das Sportkultur. problem der Gegenwart." Das erste Slein-Golf-Turaier Deutschlands findet am Neujahrs- tag, 17 Uhr, im Liliput-Golf am Zoo(ehemaliges Ease Corso) statt. Es ist offen für jedermann und wird als Handikap für Damen und Herren ausgetragen. Warum Ringsport? Er ist nicht der Sport der dicken Männer! Der Kraftsport, der vor dem Kriege so beliebt war, wurde in den Nachkriegsjahren am stiefmütterlichsten behandelt.'Der weitaus größte Teil der Jugend kannte t,um etwas vom Ringsport und vom Gewichtheben. Fußballspielen, Rudern, Laufen und Radfahren traten an die Stelle der schwerathletitzhen Uebungen. Die heutige Jugend verlangt leider vielfach nur Nzch schnellen und großen Siegen, wie sie in der Leichtathletik möglich sind. Darum sind diese Sportzweige bei der Jugend auch am beliebtesten. Doch keine der leichtathletischen Diszipline» erfordert so reich- liche Vielseitigkeit wie der Ringkampf: zur Ausübung dieses Sportes ist mehr als nur körperliche Anstrengung i-nwendig. Hier wird auch der Geist zur Mitarbeit gezwungen. Diez» glelchzeitiga Stählung von Körper und Geist ist es aber, was Re Jugend braucht, wenn sie im täglichen Geschehen bestehen will. D-rin liegt gerade der Wert des Ringkampfes, daß er eine Paarung ven Gewandtheit, Kraft, Mut. Ruh«. Energie, Selbstvertrauen mit leichter Auffassungsgabe und etwas Lift ist, und daß diese Cigenschaftin nötig sind, um in diesem Sport Erfrlge und damit volle Befriedig gung zn finden. Viele glauben allerdings, diese Grnndforderungen für die Ausübung des Ringsports nicht zu besitzen, oder sich in den kurzen Stunden ihrer freien Zeit nicht aneignen zu können. Wer aber die erforderliche Energie aufbringen kann, findet ville Befriedigung in diesem schönen Sport, der schon Römer und Griechen begeisterte. Wer beim Ringkampf beobachtet, wie ein blitzschneller Angriff eine ebenso rasche Parade des Gegners erfordert, der kann sich immer wieder davon überzeugen, wie in diesem ununter- brnchenen Kreislauf von Angriff und Gegenangriff der Geist den Körper unterstützt. Der Ringsport ist zwar ein Kampfsport— Mann gegen Mann — mit dem Ziel, seinen Gegner zu bezwingen, den niemand wird bestreiten können, daß auf dem Weg zu diesem Ziel eine vielseitige Durcharbeitung aller Körper und Muskeln garantiert ist und gerade darin erblickt der Arbeiter- Athletenbund Deutschlands den wertvollsten Teil und das Hauptziel feiner Bewegung. Das Ringen im Arbeiter-Athletenbund baut sich nicht auf rohe Kraft, sondern auf modern« Technik auf. Die Kämpsenden müssen versuchen, mit den erlaubten Griffen ihren Gegner aus beide Schultern zu legen, oder durch eine bester« Leistung zu einem Punktsteg zu kommen. Bei gleich girtem Können gibt es dann ein Unentschieden. Griffe, die den Ausübenden Schaden bringen könnten, sind nicht erlaubt. Durchaus falsch ist es, wenn angenommen wird, der Ring- kämpf sei nur ein Zweikamps für die Besitzer sehr stark gebauter Körper. Di« Ringer werden in sieben Gewichtsklassen eingeteilt. Diese Klasteneintcilung schließt vollkommen aus, daß zwei an Körper- gewicht ungleiche Gegner gegenübe? stehen. Der zukünftige Ringer muß sich freimachen von der Illusion, den Ringkampf innerhalb weniger Monate auf der Matte zu erlernen. Er muß die Anatomie des Menschen kennen und es ablehnen, unbedingt„auf Sieg um jeden Preis" zu kämpfen, sondern darf auch im Wettstreit die gesundheitliche Seite des Sportes nicht vergesten. 0. dl. xxiSB.. Stall! Pankow. MltU-och, 31. Dn-mb-r, AI Jffit, tei 2c!)ma.tr, Mliiilcn- Eck« äilosimilianfttaSo, Ucliunqsslund«.— Stjitl Züdost-ritoww. (fctmtmfauu ssaliit udtc«b'tllunetn am J. 3auu«r nad»!->pvt«-it,n. Sccti. simtt 1|H uh- HKUIisK«- Scftcä. Mi-raen Cttffpimlt 154 Ubr Jaknbcf Srschewlrak« S«t a-mew- Saajn oder ab 15« Übt Sr.aititbM, NlNewant WeldichM»-». R,ui-brs. Btisem-n-ns-in. Lannabtni.. 3. Januar. I�itzv-iiammivne n«.1» Udr'M garl-Marr-lltalgnmnaÜum, Kaistr-gri-drich�Zir. 30g. Sliteuthsludi ist Äu-we.». ZauttflcNDUii«.Di« 9I«tiuf«BU-,«Un.«temataa,»«. UejnrWi, 20 Uhr. Abt. /Tciibtidieboin; ssrantfurttr All°« 307. Suntc Vahn«.— W.. Liebenau; fiffonbaditr«it. 5a.- Ab!, äßfbbms: Mllb-rwwsti: 5 fttStaut. - Adi. SumooIMhain: ScUonfilbtstt. 1. Reblau».- Sütuctunblirf)« Abuilurtp; Nobannisfit. 15.«tbeitsabtnb.- Mittwoch. 31. SXMntb«. Abt. Sbaitottih. but«' SilDcftcr in der LuchhiUtt. Abfabrl 13.09 und 19.09. Frtiiai, 8. Januar« 20 Übt, cbtccftr. 30. RIBbntn und MiitOin. •iicU Sdralmmcc®t«,3-»«lln e. 6 tum«Hie. JobteMenttaloei- Commlun« T-urniag. 4. Januar, 15 übt, j ofcntbaiei£ot,«ofentbnlet Sit. U. Sotitonb». und ZsunNionäcsibuna eint(I'unic frilbtt.— JugeudaueffbuWÜiu«« dt» ffieromtnetttne Sonnabend S. Januar. 1» Übt, In d-rtttstbuna f.nbct nidit am 3. Januar, fonbem ctft am 1�. Januar, 17 übt, im«oolebauo Äl>t. wärts statt. Dienstag. 30. Dezember. Berlin. 16.05 Prosrimm der AMuellcn Abteilung. 16.10 Kontert. I. Neil; t) An» don Klevierstücken, op. 7ö; b) Aus den Aus- drnoksspielen. op. 80.(Käthe Conrad, Plflgel.) 2. Lieder van trank. strauü. Rinkens.(Qertrud Köhler. Alt: Plügel: Börger.) 3. a) Mcndeh- fObn-BarthoIdjr: Scherzo E-MoM, op. 16; b) Chopin: Scherzo Cls-Moll, op. 39.(Kä'he Conrad.) 4. Lieder von Mahler. PfiUner.(Qert-nd Köhler.) 17.10„Bellamys Rückblick aus dem lahrc 2000".(H. Kasack.) 17.30„Die Bacherstunde im Jahre 1030".(ZwletesprScb.) 18.00„lieber das Chcliterische".(Q. Benn.) 18.30 Unterhaltungsmusik. 19.25 Arbcltsmarkt. 19.30 Frankiurt: Zeltberlchle. 20.10 Eine halbe Stunde WH» Kollo. 20.40 Prof. Dr. Fr. Dessauer: WeUwirtschafukrlse nud deutsche Wirtschaitsnot. 21.05 Tng»- und Sporlnach richten. 21.15 Sinfoniekonzert. Dir. Caraillo Hildebran«-'■ Dvorik: Ouv. rn„Othello". 2. Beethoven; Kontert Nr. 3 für Plano'orfe und Orchester, C-Moll, op. 37. Prof. Leonid Kreutzer. Flügel.) 3 R- Schumann: Sinfonie Nr. 4, D-Moll. op. 120.(Berl. Sinl.-Orph.) 22.15 Wetter-, Tagesnachrlchten. Sport. Königswusterhausen. 16.00 Oberlehrer Erleb Krüger: Oesamtustarricbt In der Sexta. 16.30 Leipzig: Konzert 17.30 Tb. Kapptteiu; Christus In der Oeges varf. 18.00 Prof. Dr. Curichma«'1: Die deutsche OStsiedkmg. 18.30 Ministerialrat Joe od Im: Aus der Praxis de* Arbeltsrechts. 19.00 Franzasiseb für Anfänger. 19.30 Beigeordneter Dr. Benecke: Die Net der Städte, 20.00 Köln; Konzert Intermezzo: Uraufführung:„Von dem Fischer und»einot Frau". Prosit _ Neujahr! ! allen Reichsbannerkameraden und Parteigenossen A.Witte u.Frau Reichsbanner- Bootshaus. Tegel. UferstraBs 1. 51.11. Grobe Sil vcaiatlcler eintritt und Uebarratehungen frei! fester(Jim ton EiskmdmiättW ----- genfräüKitigerteten.-'&tElö® M GümpwtXcndücta inkfurtfiteeW