Morgenausgabe v Mittwoch DUM �#�###> 3irS.nioT «Schnimch»ZPU m-n-tli»�« M. III>! Wj■fir g| Bf? Auswärts IS z>f. w>>>»r->-- zahlbar PosUi-zug tNW. WD DM H U>. H M> H H // H< «inschlitblich 60PIg.PoItzew�S»' UN 5 HH RH EB HB HH»M> // Sit etnlpaltigt Nonpareillezeil« 7i Psg. Postbestellgedühren Auslands- kl— BW I BW Em WW WM �M �M �M Hfl__' I mL 80 Pfennige Reklame eile 5,— Reichs- abonnement 6.— M.»'"> Monat. OTkiSS I KS»{«A WM WW SM WM WWW»W �W MW W Mgk�jß�9', muri.„Kleine Anzeigen' das ettge. * TrSi I HB 1>W■■ H druckle Wo« ZS Ps-nnig lzulässig *. 5- H| MM ilH■ /M� J�fl\ BH( settaedruckte Worte), jedes weitere Wort »«.SJonnärts-»�e"tää' BBi 1 VW M W 12 Pfennig. Stellengesuche das erste lich zweimal, So'Ntags und Mmttaa, I W�Wt. �11 Wort IS Piennig, fedes weitere Wort «iumal. die �boldausgaben für Berlin WU�! I �/' S /_■( 10 Pfennig Worte über IS Buchstaben und im H-n--' mn dem T,t°l.Der �»ihlen für zwei Worte. Arbeit-markt Abend-, �nftrierte Beilagen.Noll__ V �* Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeil« und Zeit'und.Km�rfteund. Fermer � ��fl»_*4.4* 10 Pfennig. Anzeigenannahme lmchaupt- «ZÄN�v �pVkM�V-« d???!».. Jeniralovgan der Sozialdemokratischen Vartei Deutschlands ����WMW»>WWWWI�WBHIBW»>WHW�W»W�W�MBB�WHHkBMBHH»HWWMWW�HHB!WWWIWBWWBHBWHHWMH�M>�HMBBBWBBMWM>W>MHHHHWWH��WBWBWMWHWWBB>H���WWHHHWWMHHBHB>>W�WWWBW�WHWIB>HW��HWWMWWHBWWHWWWWWHWWWflWWWMWHW�HWBM»MW>HWWU R e d o k t i o n u n d V e r l a g: Berlin SW 68. Lindenstr. 3?IarNHart«-?�erlaa NH l» � Pl>stschcckromo:Berlin37Sd6.— BanNomo: BankderArbeitcr,Angestelltenund s?ernkpcecher: Dönbosf SS2— 297 Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin.«Vvl li'U» lUil V./. III« v. 4>/» Beamten, Lindenstr.Z, Dt. B.n.DiSc.-Ges., Depositen?., Jerusalemcr Str. 65/66. Kein Schiedsspruch im Ruhrrevier. 300000 Bergarbeiter gekündigt. Essen. 30. Dezember.(Eigenbericht.) Die Lohnoerhandlungen im Ruhrbergbau haben, nachdem die Parteien zu einer Einigung nicht gekommen sind, vor der Schlichter- kammer unter dem Vorsitz des Schlichters für Rheinland-Westfalen, Professor B r a h n, gestern und heute ihre Fortsetzung gefunden. Auch die Schlichterkammer ist zu einer Entscheidung nicht ge- kommen. Ein Schiedsspruch konnte nicht gefällt werden, da für keinen Vorschlag eine Mehrheit zu finden war. Infolgedessen müssen die Verhandlungen für den Ruhrbergbau als gescheitert bekrachket werden. Die Parteien haben sich jedoch auf Ersuchen des Schlichters bereit- erklärt, einer neuen Einladung des' Schlichters Folge zu leisten. Vor- oussichtlich dürfte der Schlichter die Parteien zum 7. Januar ein- berufen. Die Unternehmer haben daraufhin beschlossen, sämtliche Einzelarbeitsverträge der Bergarbeiter zu kündigen, und zwar am 1. zum 15. Januar. Falls es nicht zu einer Einigung pder zu einem verbindlichen Schiedsspruch kommen sollte, werden die Unternehmer dann von sich aus die Löhne herab- imk.-------------------------.. die Arbelker en klaffen die zu den Herabgesehlen Löhnen nicht arbeilen wollen. Die Bergarbeiterverbände haben heute abend folgenden Auf- ruf erlaffen: „An die Ruhrbergkeutc! Die Schlichtungsverhandlungen über die von den Zcchenbesitzem geforderte zwölfprozentige Lohnkürzung sind gescheitert. Der Zechenoerband gibt bekannt, daß die Griibenverwaltungen des Ruhrbergbaues nunmehr die Kündigung aller Arbeitsverträge zum 15. Januar 1931 aussprechen Unterredung mit Major Franko. Nie Ltrsachen des ersten Fehlschlages. Druffel. 30. Dezember.(Eigenbericht.) Ger Berichterstatter des„Vorwärts" hatte Gelegenheit, heute bei Vlifsingen in der Scheldeipündung den belgischen Ozean- dampfer„Thysville" zu besteigen und den Rest der Reise bis Ant- werpen in Gesellschaft des spanischen Fliegers und Revolutionärs Franca mitzumachen, der nach dem Fehlschlagen des Aufstandes von der Madrider Lufthalle noch Portugal flog, um sich dann von Lissabsn aus nach Belgien einzuschiffen. Franca, dessen aus einer feldgrümn Soldatcnhose, einem Zioilrock und Reiserock bestehender Llnzug eine» merkwürdig improvisierten Eindruck machte, war bester Laune und voller Hoffnung für den boldigen Sieg der spanischen Revolutionsbewegung. Er gab Gründe für feine Zu- verficht und sprach auch offen über die Ursachen des vorläufigen Fehlschlages. Vom politischen Gesichtspunkt aus, so äußerte er sich, war die Bewegung vorzüglichvorbcreitet worden, Ihre Grund- tage war der sogenannte Pakt von San Sebastian. zwischen den spanischen Revolutionären und den k a t a° Ionischen Autonomisten auf der Basis der föderalen Repu- blik. Die Sympathien der ganzen Bevölkerung waren nicht Zweifel- Haft. Tatsächlich unterstützten nur die hohe Geistlichkeit und die Äirchenfürsten die hohen Offiziere der Armee, ins- besondere der' Artilscrie, ferner die Aristokratie, die Kroß- bourgeoisie und die Finanz das monarchistische System. Das Volk in Stadt und Land, die freien Deruse. ein großer Teil des Niederen Klerus und selbst der Armee sind gegen die Monarchie. f Abet die Bewegung schlug fehl infolge der ungenügenden technischen Dorbercitungen. Der verfrühte Aufstand in Jaca ermöglichte es der Regierung, Gegenmaßnahmen zu trefsen, darunter namentlich auch die Ber- Haftung aller republikanischen und revolutionären Führer in Madrid, gerade an dem Tage vorzunehmen, bevor der Aufstand in der Hauptstadt ausbrechen sollte. In' Abwesenheit der Führer! konnte der geplante Generalstreik, auf den die Aufständischen unbedingt gerechnet hatten, nicht ordnungsgemäß prokla- miert und restlos durchgeführt werden. Das ist nach Franca der eigentlich« Grund der Niederlage. werden, um die geplante Lohnkürzung zu erreichen. Wir fordern hiermit alle Bergarbeiter auf, keine neuen Arbeitsverträge mit gedrückten Löhnen abzuschließen. Es gilt jetzt, einig und geschlossen zusammenzustehen. Nur den Anordnungen der unterzeichneten Bergarbeiteroerbände ist Folge zu leisten. Bochum und Essen, den 30. Dezember 1930.* Verband der Bergbauindustriearbeiter Deutschlands. Gewerkverein christ- licher Bergarbeiter Deutschlands. Gewerksverein der Fabrik- und Handarbeiter(Hirsch-Duncker), Abteilung Bergarbeiter. Polnische Berufsvereinigung, Abteilung Bergarbeiter." Die Bergarbeiterverbände berufen zum 4. Januar Revier- konferenzen ein, denen Stellung genommen wekden soll zum Scheitern der Schlichtungsverhandlungen und zu der neuen Sachlage, die durch die Kündigung der Bergarbeiter geschaffen ist. Seit Wochen bemühen sich die Kommunisten, die Bergarbeiter ins Schlepptau zu bekommen. Sie bedienen sich dabei, wie üblich, der unverschämtesten Lügen. So berichtet das„Ruhrecho" heute, daß die Führer der Bergarbeiter während der Weihnachts- seiertage mit Stegerwald zusammengewesen seien und mit ihm einen Lohnabbau vereinbart hätten. Der Ausgang der Schlichtungsver- Handlungen zeigt am besten, daß es sich hier um eine der üblichen fernvirnmlfUftfTtw ßügen Irgendeinen bestimmenden Einfluß aus die Haltung der Berg- arbeiker haben die Kommunisten nicht erreichen können. Wie der Konflikt im Ruhrbergbau sich weiter entwickeln wird, ist noch nicht abzusehen. Durch die Kündigung der 300 000 Ruhrberg- arbeiter ist zweifellos die Lage sehr verschärft worden. Wäh- rend die Zechenbesitzer auf einem Lohnabbau von 12 Proz. bestehen, erklären die Gewerkschaften, daß auch nach der Senkung der Kohlenpreise eine Lohnsenkung nicht notwendig'ist. Die Schkichtungsoerhandlungen sind gescheitert infolge der starrköpfigen Haltung der Zechenbesitzer. Mit sichtlicher Zufriedenheit und Stolz erzählt Franca, wie er einige Wochen vor dem Madrider Aufstand aus dem Militär- gefängnis in Madrid entkam. Alles war sehr sorgfältig vorbereitet und sogar mehrfach erprobt worden. Franca hatte bemerkt, daß der Gefängniskorridor nachts unbewacht blieb. Es gelang ihm, mit Hilfe von falschen Schlüsseln in die Gesängniskapelle einzudringen und das dort befindliche Cisengitter mit einem ein- geschmuggelten Werkzeug durchzusägen. Jedesmal, wenn ein Teil Arbeit vollendet war, bestrich Frgnco den Einschnitt mit schwarzem Wachs, um chn unsichtbar zu machen.?lls es endlich jo weit war, kam R a d a, sein Mechaniker, der die Verbindung zwischen ihm und der Außenwell herstellte und ihm in jeder Weise behilflich war, um 2i4 Uhr nachts in einem Auto angefahren und blendete den ein- zigen Wachtposten auf der Straße mit der Autolaterne derart, daß Franca sich aus einer Höhe von IS Meter mit einem Strick herablassen konnte, ohne von dem Posten bemerkt zu werden. Franca und Rada, der ihn begleitet, gedenken einige Tage in Brüssel zu bleiben und dann vielleicht n a ch P a r i s weiterzufahren, wo sie zunächst die Ankunft der noch in Portugal internierten spani- schen Fliegeroffizierc vorbereiten wollen. Snowden mahnt Frankreich. Wie steht es mit den Kmasschnlden? Paris 30. Dezember. Der englische Dokschasler in Paris hat im Damen feiner Regierung, wie havas berichiel, im französischen Außen- Ministerium eine neue Dole bezüglich der englischen Aar- derungen aus Bezahlung der Rückstände für während des Krieges in England aufgelegke französische Anleihen in Gold überreicht. Jossre lebte am Dienstagabend noch immer, und zwar bei � klarem Bewußtsein. Doch gilt sein Ableben nach wie vor nur als «ine Frage von Stunden. Staatskommissare zur Durchsührung der Notverordnungs- steuern sind für Hannooer. Harburg-Wtlhelmsburg, Wupper st adt und Bielefeld ernannt worden. Ein Lahr der großen Not. Oie Massenarbeitslosigkeit und ihre Ltrsachen. Von Wladimir Wöytinsky. Das Jahr 1930 wird lange in der Erinnerung der deut- schen Arbeiterklasse als ein Jahr der schwersten Not weiter- leben. Noch niemals wurde den Arbeitern so deutlich gezeigt, daß der Fluch des kapitalistischen Systems für die arbeitenden Volksmassen in der Unsicherheit ihrer Existenz, in der immer wiederkehrenden Arbeitslosigkeit besteht. Mehr als 4 Millionen arbeitswillige Menschen sind aus der Wirtschaft verdrängt, die Mehrzahl sucht nunmehr schon seit vielen Monaten nach Arbeit und viele unter ihnen haben jede Hoffnung verloren, jemals wieder in einen Betrieb auf- genommen zu werden. Vor einem Jahre, Ende Dezember 1929, zählte man im Reiche nicht ganze 3 Millionen Arbeit- suchende, noch ein Jahr vorher, Dezember 1928, waren es 2,5 Millionen. Mit jedem Jahr steigt die Flut deo grausamen>» Not. Braucht man eine andere Erklärung der Verzweiflung, die sich eines Teiles deutschen Proletariats bemächtigt? Aber je verständlicher die Verzweiflung eines Mannes ist, d�r viele Monate tagaus, tagein nach der Anwendungsmöglich- keit seiner Ärbeitskraft sucht und sich zur fristlosen Untätigkeit und armseligen Existenz eines Unterstützüngsempfängers vei- urteilt sieht, je begründeter die Verzweiflung eines Arbeitslosen ist, um so entscheidender muh die klassenbewußte Arbeiterschaft diesen Stimmungen entgegentreten: die Verzweiflung ist eine Absage an den Kamps auch dann, wenn sie sich in einem Strom' von revolutionären Worten äußert. Die Not ruft aller zum Kampf, und je größer die Arbeitslosigkeit, je tiefer die Not. um so lauter muß ihr Ruf ertönen! Es genügt nicht, zu erkennen,« daß wir inmitten einer kapitalistischen Krise stehen und daß das herrschende System für die Not der Volksmassen verantwortlich ist. Darüber hin- aus muß man versuchen, Pie einzelnen Quellen der auf der Volkswirtschaft lastenden ungeheuren Arbeitslosigkeit zu unter- suchen. Dke Massenarbeitslosigkeit steigt in Deutschland ununter- brachen seit Ende 1927 an. Zunächst nahm die Arbeitslosen- zahl nur langsam und zögernd zu. Jin Jahre 1923 war die Beschäftigung noch befriedigend. Das Jahr 1929 begann im Zeichen der Kältekatastrophe, die nicht nur das Baugewerb« lahmlegte, sondern auch andere Wirtschaftszweige in Mit- leidenschaft zog. Nach der Ueberwindung der Witterungskrise trat aber die erwartete Belebung nicht ein. Im Sommer 1929 blieben unter den Gewerkschaftsmitgliedern immer noch 8,6 Proz. arbeitslos(gegen 6,2 Proz. im Vorjahre). Auch die Zahl der Arbeitsuchenden bewegte sich zu jener Zeit um etwa 300 000 über dem Stand des Vorjahres. Die Mehrbelastung des Arbeitsmarktes entsprach ungefähr dem Zustrom neuer Arbeitskräfte ins Erwerbsleben: die Prolmktion hat sich im Vergleich mit den früheren Jahren erweitert, sie brauchlle aber dank der Rationalisierung zusätzliche Arbeitskräfte nicht. Der Produktionsindex des Instituts für Konjunktur- forschung lautete Juni 1928: 103,0, Juni 1929: 109,8(Jahres- durchschnitt 1923=- 100). Die.Zahl de? Beschäftizten stieg aber nicht an, der natürliche Zuwachs der Erwerbstätigen floß dem Arbeitslosenheer zu. Die Quelle der zunehmenden Arbeitslosigkeit war zu jener Heit klar: es handelte sich um die Steigerung der Produk- 'tivität der Arbeit, mit der der Absatz nicht Schritt � halten konnte. D i e organisierte Arbeiterschaft sah den Ausweg in der Festigung des Binnen- Marktes, Steigerung der Kaufkraft der V o l k s m a s s e n. Die Kapitäne der Wirtschaft wußten aber Bescheid, war zu machen war: sie entfesselten eine große Offen- sioe gegen die Löhne, die soziale Gesetzgebung, die Arbeits- losenversicherung und die Wirtschaft der öffentlichen Hand. Im Herbst 1929, als die allgemeine Wirtschaftslage— abgesehen von der Belastung des Arbeitsinarktes— noch durchqus befriedigend war, ertönte seitens der Arbeitgeber das Signal zum allgemeinen Angriff, der zwei Hauptziele verfolgte: 1. Aus- Höhlung der Arbeitslosenversicherung und demnächst der Sozialversicherung überhaupt und 2. Drosselung der öffent- lichen Wirtschaft. Der Angriff auf die Arbeitslosenversicherung wurde von der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften er- folgreich abgewehrt, den Sturm gegen die öffentliche Hand konnten sie aber nicht zurückwerfen. Der wirtschaftlichen Tätig- keit der Gemeinden wurde durch das Abschneiden der Aus- landskredite ein schwerer Schlag versetzt und demzufolge wurde die von den öffentlichen Mitteln gespeiste Bauwirtschaft voll- ständig desorganisiert und labmg?legt. Hier zeigt sich eine wichtige Eigenart der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit. Am stärksten sind von der Depression die Va u berufe und die mit dem Baugewerbe verbundenen Industriezweige heimgesucht..Ende August 1930 lag die Zahl der Arbeitsuchenden um 1,6 Millionen über dem Stand des Vorsc.'hres, davon entfielen 0,6 Millionen auf die Saison- grupchc allein, d. h. im wesentlichen auf die Bauberufe. Wenn man nv»ch die Industriezweige mit berücksichtigt, die vom Baugewe�ste abhängig sind, so sieht man, daß die gegen- wärtige Mehrbelastung des Arbeitsmarktes zum erheblichen Teil auf die Crwürgung der öffentlichen Wirtschaft zurück- zuführen ist. In den besten Monaten blieben in diesem Jahre 40 Proz. der Bauarbeiter auf l�r Straße, mehrere hunderttausende konnten das ganze Jahr hindurch keine Woche Arbeit er- halten. Sie find alle Opfsr der rücksichtslosen, verantwortungs- losen Politik des Bürgerrums, das auf diese Weise die deutsche Wirtschaft von den„Fesseln der kalten Sozialisierung" zu befreien versuchte!. � ♦ Die eigentliche Depression machte sich seit An- fang 1930 fühlbar, seitdem gingen Produktion, Verkehr und volkswirtschaftliche Umsätze ziurück, die Massenarbeitslosigkeit griff auf fast alle Berufe und Wirtschaftszweige über. Zum Teil hing die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands mit dem Absdjwung der Weltwirtschaft zusammen. Man darf aber nicht vergessen, daß die deutschen Verluste auf dem Weltmarkt verschwindend sind und nur im geringen Maße das Zusammenschrumpfen der Produktion erklären können. Ausschlaggebend ist die allgemeine Un- sicherheit der wirtschaftlichen und politi- schen Lage, die jode Unternehmungslust tötet, die. Erweiterungen der Produktion und Neuinve stierungen unmöglich macht, die wirtschaftliche Tätigkeit verlangsamt und herabdrückt. Zugleich treten auch die Folgen der früheren Fehl- investierungen unter dem Schutz der Kartelle in Erscheinung. Die Führer der Wirtschaft greisen zum altbewährten Mittel der Kapitalflucht und bringen damit ihr Schäflein ins trockene. Der Arbeiterschaft ist jedoch dieser Weg, um sich vor den Folgen einer Krise zu retten, versperrt. So kam es Ende 1930 zu den mehr als 4 Millionen Arbeitslosen. Etwa die Hälfte davon würde dem n o r- malen Stand des Arbeitsmarktes zu dieser Jahreszeit ent- sprechen, die Mehrbelastung des Arbeitsmarktes ist also auf rund 2 Millionen zu schätzen. Davon ist etwa eine halbe Million der Zerrüttung der Bauwirtschäst zu ver- danken, und ebensoviel auf das Konto der Rationalisierung zu setzen, etwa eine Million bleibt als die eigentliche Aus- Wirkung der konjunkturellen Depression übrig. Die Arbeiterschaft, auf deren Schultern die gesamte Last der Depression drückt, erhebt die schärfste Anklage gegen die- jenigen, die durch ihre kurzsichtige Politik die Wirtschaft in dem Maße desorganisiert haben und ihre Desorganisation immer weiter oerschärfen. �■■,. n.,,, Was hilft es aber anzuklagen? Es muß nach oen Wegen zur Linderung der Not und U e b e r- windung der Krise gesucht werden. Die Forderungen der Arbeiterschaft sind bekannt: Arbeitsstreckung und im wei- teren die dem Fortschritt der Technik entsprechende Verkür- zung der Arbeitszeit! Aufrechterhaltung der Kaufkraft der Volksmassen und Festigung des Binnenmarktes! Erweite- rung der öffentlichen Wirtschaft ukd in erster Linie der öffentlichen Finanzierung des Wohnungsbaues! Oeffentliche Kontrolle der Kartelle! Vor allem muß aber die politische Sicherheit wieder hergestellt werden. Dafür gibt es nur ein Mittel: die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften, die das Rückgrat der Republik bilden und Träger ihres sozialen Inhaltes sind, müssen gestärkt werden! Ist es nicht die Spaltung des Pro- letariats, die den Rechtsradikalen die Kräfte gibt und das Gespenst eines Putschversuches auftauchen läßt? Wie anders wäre die ganze politische und� wirtschaftliche Lage Deutsch- lands gewesen, falls das Proletariat einig und geschlossen in Rech und Glied unter seiner Fahne stände! Dies muß also erkannt werden: eine der wichtigsten Quellen der herrschenden Rot ist die durch die Spaltungs- abenteurer von r�hts und links verursachte Schwäche des Proletariats. Zum Kampf gegen die Rot gehört deshalb inersterLinieKampf umdieEinig- keit, Stärkung der politischen und wirt- schaftlichen' Organisation des Proletariats, der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften. Die schnorrende Volkspartei.. Und der Eommiö voyageur der Hakenkreuzler. Die Vereinigung für Handel und Industrie bei der Deutschen Volkspaktei Berlin hat sich an sogenannte Wirtschaftsführer um finanzielle Subventionen gewandt. Usber diese Tatsache höhnt das nationalsozialistische Organ in Berlin. Es spricht von ,Jbex Kunst des Schnorrens". Die Volkspartei schnorrt tatsächlich, aber sie begnügt sich wenigstens damit, Briefe zu schicken. Die National- sozialistische Deutsche Arbeiterpartei jedoch schickt Herrn Hitler im Frack als Lommis voxaxeur bei der Schwerindustrie umher damit er dort persönlich um Subventionen für die Kasse seiner Partei biltstellern soll. Der Hohn über die schnorrende Volkspartei ist nur ein Konkurrenzmanöver jener sogenannten„Arbeiterpartei", die die Gelder der Schwerindustrie in ihre eigene Tasche lenken will. Es wird im übrigen oersichert, daß Hitler im Frack bei solchen Gelegen- hellen allerhand Demütigungen über sich ergehen lasten muß. Eduard Davids Einäscherung. Oie Trauer der Mainzer Bevölkerung. INaiuz, 30. Dezember.(Eigenbericht.) In Mainz, dem Ort seiner frühesten politischen Wirksamkeit. hier wo er seine Wahlheimat gesunden hatte, wo er auch seine letzte Ruhe zu sinden wünschte, wurde Eduard David am Dienstagnachmitiag eingeäschert. Die Liebe und Verehrung der engeren Parteigenossen, das große Ansehen, das David auch in den übrigen Beoölkerungskreisen besaß, drückte sich aus in der ungeheuren Beteiligung an seinem Leichenbegängnis. Cell Jahren, ja seit Jahrzehnten hat Mainz eine solche Beerdigung nicht mehr gesehen. Tausende im Trauerzug, viele Tausende aus den Straßen. Kurz nach 2 Uhr nachmittags setzte sich vom Schloßplatz aus der Zug der Partei- und Gewerkschaftsorganisationen nach dem Bahnhof zu in Bewegung. Dumpfe Trommelwirbel und die Klänge des Chopinschen Trauermarsches klangen durch die Straßen Um Ä3 Uhr wurde am Bahnhof der Sarg in Empfang genommen. Sechs Schupobeamte trugen den Sarg aus dem Waggon zum Leichen- wagen. Reichsbannerkameraden mit brennenden Fackeln bildeten Spalier. Von dort aus bewegt« sich dann der eigentliche Trauerzug zum Krematorium. Eine unendliche Menschenmenge umsäumte den Bahn- Hofsplatz. Dem Trauerzug voran schritt das Reichsbanner, eine Hundertschaft Schupo und die Fahnengruppen der Gewerkschaften und Arbeitervereine. Dann folgte der Leichenwagen, dahinter die nächsten Angehörigen, die Vertreter der Mainzer Parteiorganisation, die gesamte Stadtratsfraktion, die Parteivertreter aus dem ganzen Lande Hesten, die Jugend, die Vereine und dann die große Zahl der übrigen Leidtragenden. . Als erster widmete ihm sein langjähriger Freund und Kampf- genösse Staatspräsident Dr. Adelung tief empfundene Worte, Es scheine nicht faßbar, sagte er. daß dieser Mund verstummt sei. daß dieses Herz stille stehe, das so warm für die Unterdrückten und Ent- erbten geschlagen habe. Adelung knüpfte an die Worte des Reichs- wehrministers Groener bei der Berliner Trauerfeier für David an und nannte ihn einen Patrioten im edel st en Sinne des Wortes, der aber gleichwohl mit Mut und Energie Bande internationalen Verstehens zu allen Völkern zu knüpfen suchte. Dann gedachte Adelung der großen Verdienste, die sich David um seine engere Heimat, das stestmland, besonders in der Besatzungszell erworben habe. Der Staatspräsident legte im Namen der hessischen Regierung, die vollzählig bei der Beisetzung vertreten war, einen herrlichen Kranz nieder. Der Mainzer Oberbürgermeister Dr. Külb drückte in einer herziichen Ansprache den Dank der Stadt Mainz aus Vir die großen Dienste, die David der Stadt geleistet hat. Mll dem E-iöhnis dos Andenken Davids in treuem Gedenken zu halten, legte\cl: Ober- bürgermekster im Namen der Stadt Mainz einen Kranz nieder, Für den Republikanischen Reichsbund sprach Neichs�gs- abgeordneter Hildenbrand, der gleichzellig einen Kranz niedn> legte. Er hob besonders hervor, daß sich die Trauer um den Toten nicht auf den Kreis der Partei beschränke, sondern weit darüber hinausgreife. Hildenbrand würdigte insbesondere die internationale Tätigkell Davids in der Interparlamentarischen Union, und er forderte, daß man David dadurch ehre, daß man in seinem Geiste weiter arbelle. Landtagsabgeeordneter Kaul widmete für die hessische sozial- demokratische Landtagsfraktion dem Toten den letzten Blumengruß mit einer kurzen Ansprache, in der er den Stolz der Fraktion hervorhob, daß David jahrelang ihr Freund, Mitkämpfer und Führer gewesen sei. Kränze legten mit kurzen Ansprachen nieder W i d m a n n für die Landesorganisation der Sozialdemokratischen Partei Hessens, Parteisekretär F r e i t ag für die sozialdemokratische Organisation von Groß-Mainz und Rheinhessen, Thomas für die Mainzer Gewerk- schaften und für die Mainzer Konsumgenostenschaften, deren Gründer Eduard David war, Landtagsabgeordneter S t o r ck für den Gau Hesten des Reichsbanners und Reuter für das Mainzer Reichs- banner. Dam, folgten die Sportorganisationen und die Arbeitervereine, auswärtig« Parteiorganisationen und zahl- reiche andere Kranzspenden. Wieder ertönt« Chorgesang. Dann wurde unter den Klängen der Trauermusik der Sarg in das Innere des Krematoriums ge- tragen und der Leib Eduard Davids den Flammen übergeben. Die Mainzer Porteigenossen und die Bevölkerung haben ihren Dank an Eduard David abgestattet. Aus ihrem Gedächtnis wird er nie entschwinden l Parteiführer zum neuen Lahr. Verschiedene Meinungen und Wünsche. a.r Das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungs- Verleger hat an die Vorsitzenden der Reichstagsfraktionen die Frage gerichtet, welche Wünsche sie dem deutschen Volke zum Jahreswechsell aussprechen möchten. Von den zahlreich ein- gegangenen Antworten seien die folgenden drei wortlich Der Wünsche, die ein Sozialdemokrat an das Jahr 1931 richten mutz, sind zahlreich.- Ich erwähne nur ein paar von den wesent- lichsten: 1. Der politische Kampf möge nicht länger mll Bomben, Schlagringen, Revolvern und Dolchen, sondern wieder mll den Waffen des Geistes wrsgefochten werden. 2. In dieser Auseinandersetzung möge das deutsche Volk zu der Ueberzeugung kommen, daß nicht eine irgendwie geartete Diktatur, sondern die Demokratie das Fundament bildet, auf dem es seine Zukunft aufbauen kann. 3. Es möge sich die Erkenntnis durchsetzen, daß die Wirt- schaftskrisis, unter der die Well leidet, ihre letzten Wurzeln in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung hat, und daß nur der Sozialismus— der„m a r x i st i s ch e" Sozialismus— das liebet zu bannen vermag. 4. Es möge auch unter ,der Herrschast des kapitalistischen Systems alles geschehen, was die Folgen der Krisis namentlich für die deutschen Arbeiter zu lindern vermag. Es möge insbesondere der Erwerbslosigkell durch Verkürzung der Arbeitszeit, durch Stärkung der-Kaufkraft der Massen, nicht aber durch Lohn- abbau zu Leibe gegangen werden S. Es möge jenseits der deutschen Grenzen das Verständnis dafür wach werden, daß die deutschen Zahlungsoerpflich- tungen nicht nur im Jntereste Deutschlands, sondern in dem der Well herabgesetzt und in einer weit kürzeren als der im Aoung- Plan vorgesehenen Zeit beendet werden müssen. 6. Es möge dieses Ziel angestrebt und erreicht werden durch eine Politik gegenseitiger Verständigung unter Verzicht auf Gewalt und Bedrohung, und nicht zuletzt mögen die Siegerstacuen sich bewußt werden, welche Folgen für Europa entstehen, wenn sie die im Versailler Vertrag und im Völkerbundspall übernomme- nen Verpflichtungen zur Einstellung ihrer Rüstungen unerfüllt lassen. Or. Frick(Nat.-Soz.): Dem deutschen Volke wünsche ich fürs neue Jahr, daß ihm die iTn TnT% V! r ä- gern und ihren bürgerlichen Helfershelfern in das heutige polltische und wirtschaftliche Elend geführt worden zu sein, und daß es danach neue Bahnen beschrelle, um mll der zur WUlenseinhell geballten Kraft der Nation sich die innere mll» äußere Freihell ga erkämpfen. Or. KaaS sZ.): Das Jahr 1931 wird außenpolitisch— und damit rückwirtungs- weise auch innenpolitisch— im Zeichen des Reoisions- und Eoolutionsgedankens stehen. Die These vom etatus quo ist eine Friedhofsthese. Wer sie vertritt, wird bewußt oder un- bewußt zum Schrittmacher des chronischen Unfriedens. Europa wird erst dann gesunden und gedeihen können, wenn Deutschlands Lebensrechten in ehrllcher Parität mll den übrigen Völkern des Kontinents Raum gegeben wird. Der Weg zu diesem Ziele wird lang und hart sein. Rur ein einiges Voll wird ihn bis zum glücklichen Ende gehen können. Darum kann die Parole des kommenden Jahres nur heißen: Sammlung und nicht; Zerklüftung. 9 Von den neun eingegangenen Antworten der kleinen Parteien hat nur die des Volksparteilers D i n g e l d e y einiges politisches Interesse. Sie spricht die Hoffnung aus nach einer„Umschmelzung der aufbrausenden vaterländischen Bewegung", also nach ienem Prozeß, den die„Deutsche Allgem. Zeitung" sehr bildhaft als die.Lanalisierung des Unternehmern und Arbeitnehmern in An- erkennung des Privateigentums und der fteie« sönlichkeitsrechte in allen Lagern unseres Volkes zic Ichasjen und um so von den Fieberqualen wirtschaftlicher Rot und Kämpfe zu befreien".— Schade nur, daß Herr Dingeldey nicht sagt, wie man das macht! Die Krise in der Wirischastspartei. Das fächfifche parieiorgan prophezeii Kührerwechsel. Ernst Pastell, der Prestebeirat des deutschen Gesandten in Bern. unseres allen Freundes und Genossen Dr. Adolf Müller, ist plötzlich gestorben. Pastell war gebürtiger Deutschböhme und viele Jahre Redalleur in München und Hamburg. Das Slraßer-Vlalt vor Gericht. Wegen öffentlicher Beleidigung des Polizkivizeprästdenten Dr. Bernhard Weiß wurde der verantwortliche Schriftleiter des„Nationalen Sozialist", Herbert Blank, vom Schöffengericht Berlln-Mitte zu 100 Mark Geld- ic r a f e verurteitt. Die Krise in der Wirtschaftspartei ist trotz der amtlichen Be- kanntmachungen-des Parteioorstandes anscheinend nicht mehr auf- ! zuhallen. Aus der Mitteilung des Pärteivorstandes schien hervor- | zugehen, daß der Parteivorsitzende Drewitz dos volle Ver- 1 trauen des Parteivorstandes besäße und daß alle von dem Ab- geordneten Colosser gegen ihn gerichteten Vorwürfe halllos feien. Um so auffälliger ist die Stellungnahme des„Sächsischen ! Kuriers", der dem früheren Abgeordneten B e i e r nahesteht, ! der zur Zeit der Vorsitzende des Untersuchungsaus. schusses im Fall Drewitz— Colosser ist. Das sächsische Organ der Wirtschaftspartei brachte gestern folgende Meldung: „Durch die Presie gehen Einzelheiten über eine Denkschrift des Reichstagsabgcordneten Colosser, die sich gegen den Führer der Wirtschaftspartei,' den Reichstagsabgeordneten Drewitz, richtet. In der Angelegenheit ist ein Untersuchungsausschuß ein- gesetzt worden, dessen Vorsitzender der frühere Reichstagsabge- ordnet- Glaserobermeister Beier-Dresden ist. Die Arbellen dieses� Ausschusses sind noch nicht abgeschlossen, stehen aber kurz vor dem Abschluß. Es ist ohne ollen Zweifel, daß ein Wechsel in der Parlel- leitung eintreten wird. Nicht erst die Veröffentlichung von Einzelheiten der genannten Denkschrift hat dazu beigetragen, daß der Führerwechsel kommt, sondern schon die bereits geleisteten Arbellen des Unterjuchungs- ausjchusses haben die Notwendig keit des Führer» Wechsels erbracht." Aus dieser Mitteilung geht auch hervor, daß der Untersuchungs- ousschuß entgegen den offiziösen Mllteilungen des Parteioorstandes noch keineswegs feine Tätigkeit eingestellt hat, obwohl in einem Kommunique behauptet worden war, daß der Abgeordnete Colosser seine Vorwürse gegen Drewitz zurückgenommen habe. Colosser bestreitet, daß er die gegen Drewitz erhobenen Beschuldigungen zurück- genommen habe. Die wahren Sachkenner. Nie Kriegsbeschädigien protestierten gegen da« Verbot des Kilms„Im Westen nichis Tteues". „Was— uns Hitlerjungen wollt Ihr alten Kamele was vom Krieg erzählen? Wo wir jeden Sonntag Geländeübung machen?!" Zilmzensur und Llfa-Monopol. Engherzige Zensurpraktiken im Neichsinnenministerium. Die Praxis der Filmprüfungsstellen in der letzten Zeit hat wie eine Sicherung eines Ufa-Filmmonopols in Deutsch- land gewirkt. Es stellt sich nun heraus, daß dies Monopol auch noch durch andere Einrichtungen gesichert ist. Seit dem 15. Juni 1930 besteht ein Kontingentgesetz. Nach diesem Gesetz muß jeder ausländische Film der Außenhandelsstelle vorgelegt werden, dann hat das Gesuch um ein Kontingent zu erfolgen und schließlich wird das Reichsinnenmini st erium gefragt, ob es gegen die Einführung des Filmes etwas einzuwenden habe. Die Prometheus-Fllmgesellfchaft wollte nun einen russi- schen Propagandafilm— 200 Meter Tonfilmausnahmen ausdemRamsin-Prozeß— nach Deutschland einführen. Das Neichsinnenministerium, dem der Antrag auf Grund des Kontingentgesetzes vorgelegt wurde, lehnte den Film ab mit der Begründung, daß er die für Aktualitäten zugestandene Menge von 50 Metern übersteige. Auch in diesem Falle wirkt die Ablehnung wie ein Zensurverbot, das aus inhaltlichen Gründen ergangen ist. Es ist unerfindlich, warum dieser Film nicht nach Deutschland zugelassen werden soll! Die deutsche Oeffentlichkeit hätte auf Grund dieses Films die Möglichkeit, sich selbst einen Ein- druck zu bilden.. Ein solcher Film ist ein Zeitdokument von großem historischen Wert. Seine Nichtzulassung spricht für Mangel an historischem Sinn, sie ist geradezu ein Akt der Vogel-Strauß-Politik vor der Wirklichkeit. Wenn die russische Propaganda glaubt, mit der Justizkomödie von Moskau in Deutschland werbend zu wirken, so muß sie die Intelligenz der deutschen Bevölkerung verflucht niedrig einschätzen. Hatte das von Herrn Wirth geleitete Reichsinnenministeruyn es nötig, die Russen in dieser falschen Auffassung zu bekräftigen? Es mßt sich zudem nicht der Eindruck verwischen, daß hier im Effekt wieder einmal das Ufa-Monopol künstlich gestützt worden istl Der MSuschenpfarrer. Her mit dem Diktator- wenn er auch ein Lump ist! Der Pfarrer König in Honnef am Rhein, der schon mehr- fach seiner unverhohlenen Sympathie für die Hakentreuzler Ausdruck verliehen hat. hat zu Weihnachten an prominente National- soziallsten und an sämlliche Ortsgruppen der Nationalsozialistischen Partei eine Weihnachrs- und N e u j a h r s b o t s cha f t ver- schickt, die sich sehen lasen kann. Der Herr Pfarrer bekennt seine Lieb« zu den Mäuschen, den Blindschleichen und den Stinkbomben. Also deklamiert er- r , Die da drüben versuchen es mit dem Gumvritnüppel. wir müssen es einstweilen versuchen mit weißen Mäusen, Blindscheichen und Stinkbomben! Nicht gerade an- genehm, aber im Augenblick einzig möglich und unfehlbar wirk- sam Zentrum, Bayerische Hsldenpartei und jüdischer Volksdienst toben den Bürgerkrieg geschaffen, wir nehmen ihn auf und führen st>n zu herrlichem Siege." Der Christliche Volks dien st hat es ihm besonders an- getan und er nennt ihn einen„jüdischen Volksdienst", ein„jämmer- liches Gebilde", ein genaues Gegenstück zum„schmierigen Zentrum". Die Regierungen in Berlin sind für ihn nur„die Berliner Ber- brecher". Deshalb schwärmt er auch für den Diktator. Nicht nur das, er hat an der Diktatur als Institution einen ganz neuen Bor- zug entdeckt: „Wir wollen die Diktatur, denn auch wenn der Diktator » c r s a g e n sollte, so ist es immerhin bester und leichter und angenehmer einen Lumpen vor sich zu haben als 298. Es ist bester und leichter und angenehmer einen Psychopathen vor sich zu haben als 45 000 Bonzen. Wir wollen deb Führer. der nur das eine erstrebt: Gott und mein Volk!" Die Parole: Gott und mein Volk macht sich im Zusammenhang mit einem Lumpen und einem Psychopathen besonders gut! Dcr Herr Pfarrer scheut sich nicht, sofort die Anwärter für die Diktatur zu nennen, die ihm vorschweben: Hugenberg, Hitler und E e l d t e, H e p p, Dr. Schnee, Dr. Zapf, Dr. Schneider. Der Herr Pfarrer ist konsequent, wenn er auch Führer des rechten Flügois der Deutschen Volkspartei neben Hitler und Konsorten stellt. Aber eines hätte er doch nicht tun sollen: nämlich die Möglichkeit andeuten, daß einer von diesen großen Männern der Diktatur entweder ein Lump oder ein Psychopath sein könnte. Der Herr Pfarrer muß sich dabei schließlich etwas gedacht haben. Wen meint er denn mit demLumpen und wen mit demPsycho- p a t h e n? Immerhin ist er guter Hoffnungen voll. Bis zum 3. Februar will«r den Sieg der Diktatur in Deutschland verwirklicht haben und so ruft er: „Zur gleichen Stunde an einem einzigen Sonntag muß aus- gerusen werden die christliche Staatsführung, die deutsche Politik. Aus denn zur Volkserhebung, für ein Bündnis mit Italien und Rußland. Von heute bis zum 3. Februar wollen wir ein eigenes Parlament in Frankfurt schaffen." Das ist die Neujahrspredigt eines Hakenkreuzchristen, eines Pfarrers, der« mit den Mäusen, den Blindschleichen und den Stintbomben hält. Sein« Hoffnung ist:„Die Pforten der Hölle werden Gottes Reich nicht überwältigen. Niemals, niemals über- wälligen." Aber wir sind überwältiost. Ueberwältigt von so viel unfrei. williger Komik, von so viel Selbstentlarvung der psychopathischen Züge in der rechtsradikalen Bewegung! t läif--------„-v■ y-:?'' v.'__■ i jWl.W»? flUl V',' Jt'■ Goebbels fchulmeisteri Hugenberg. ie Tschecho- slowakei 39 Proz. des Vorkriegsabsatzes in dieses frachtlich günstigere Gebiet verloren habe. Auf der anderen Celle feien die Frachtsätze für die Neuroder und Waldenburger Grube verschlechtert worden. Die Stillegung der Wenzeslausgrube würde den Verlust eines großen Kohlenvermögens von guter, abbauwürdiger Kohle für die ostdeutsche Volkswirtschaft bedeuten. An Stelle von jährlich 1,5 Millionen Mark Sozialbeiträgen, die jetzt von der Beleg- schaft aufgebracht werden, würden nach einer Stillegung jährlich drei Millionen Mark an Arbeitslosenunterstützung bzw. Krrsen- fürsorge zu zahlen sein. Demgegenüber könne ein Zuschuß von einer Million Mark für einige Jahre nicht viel bedeuten. KeineEinigungindervadifchenpaplertndustrie Die vor dem Freiburger Schiedsausschuß neuerdings geführten Verhandlungen im Lvhnstreit der badischen Papierindustrie— die Unternehmer hatten einen löprozentigen Lohnabbau beantragt, der von den Arbeitern abgelehnt wurde— haben zu einem Ergebnis nicht geführt. Die Angelegenheit wird jetzt das Tarif- a m t in Berlin beschäftigen._ Stillegungen in der fchlesifchen Tabakindustrie. Nach einer Mitteilung des Deutschen Tabakarbeiter-Verbandes, Zweigstelle Breslau, hat eine große Reihe bedeutender Zigarren- fabriken Niederschlesiens in der Zell vom 13. bis t7. Dezember ihre Betriebe berells st i l l g e l e g t, und es sind am Ultimo noch w e i« tere Stillegungen zu erwarten. Von den bisherigen Still- legungen sind insgesamt 2269 Personen betroffen. Achtung, Vauanschlägert Die Firma Kiekert u. Sohn beschäftigt auf der Baustelle Firma P s a f f, Maybachufer, Bau- anschläger unter Tariflohn. Die Firma Kiekert u. Sohn, Berlin, Teltower Straße 56, ist für Bauanschläger gesperrt.— Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeller-Verbandes. �reie Gewerkschakts-�uaendRerlin Seute, Mit'woch, um Wä Uhr, lasen die©Tup?:n: ffleüjenfee: Zusrnd» heim Partstr. 3«. Iahrcsendfahrt.— Rord-ing: Iu-nndheim Sonnen. burser Str. 20. ssahrl ins..Neue gshr".— ftamfcolbt; Zusendhe�m Graun» Ecke Lorhinsstrohe. Aus zur Silvester, ahrl nach Dubrvrvder«.— Gruppe «ipeniä: Silvelieifahrt.— Gruppe Gesundbrunnen: Wir fahre» ins„Neue Jahr".— Gruppe Siculölln: Wir find in Berkendrilck. 0 Iuc'ensti'ruvve des?en eingeleitete Arbeitsbeschasfungsprogramm zu Ende führen, das hauptsächlich eine Derstärkimg der Brücken, die Ber- besscrung des Oberbaues und der Verkehrseinrichtungen nnd Beschaisung neuzeitlicher Arbeitsgeräte, besonders im Verkehrs- dienst, bringt. Die-Pflege des Verkehrs mit ihren Kunden wird die Direktion noch besser auszugestalten suchen, um sich über ihre Wünsche zu unterrichten und für deren Erfüllung nach Möglichkeit z» sorgen. Eontttagszuge und Sonderzügc. Was die Verkehrswünsch« der Berliner betrifft, so sollen im Lohre 1931 die beliebten Sonntagsrückfahrkarten in weiteren Verbindungen ausgegeben werden. Die Wanderluft soll dadurch gefördert werden, daß der Reisende di« Rückfahrt wahlweise auch an einem anderen Ort als dem Zielpunkt der chinfahrt antreten kann. Der Ausflugsverkehr mitSonderzügcn wird weiter gepflegt werden. Geplant find Skifonderzüge nach Oberhof, Wochenendzüge nach Hamburg-Helgoland, Rhein- Mofel-Fahrten im Juni und September, achttäiige Reifen nn die Nordsee, nach Rügen und nach Oberbayern: auch die begehrte Weih- nachtsfahrt nach Verchtcsgadcn wird voraussichtlich 1931 wieder aus- geführt werden. Erwähnt feien mehrtägige Sportsonderzügc zu Ostern und zu Weihnachten nach dem Ricfengebirge. Bei einigen dieser Sonder, ziige wird die Reichsbahndirektion wieder die llnterkumt und Verpflegung der Reisenden besorgen. Diese Maßnahme hat bisher großen Anklang gefunden. Verbesserungen auf der Stadtbahn. Für die E l e k t r i f i z i e r u n g d e r W a n n s« e b a h» stehen noch keine Mittel zur Verfügung, aber auf dem Schnellbahn- neß sollen die Reifenden nüt mannigfachen Neuerungen erfreut werden. So soll die S-Bahn nach und nach an Stelle von lö-Metcr-Schienen solche von 39 Meter Länge erhallen, wie sie bis- her nur ans den Schncllziigsstrcckcn verlegt wurden. Dadurch wird die Zahl der„Schienenstöße" um die Hälfte vermindert, und das Fahren für die Reifenden noch angenehmer werden. Neben zahl- reichen kleineren Bauarbeiten auf der S-Bahn werden die schwierigen Umbauten der Neichsbahnhäfe Alexanderplatz und Jannowitz- brücke fertiggestellt werden. Der Bahnhof Alcxanderplatz«rhätt n. a. eine erweiterte Gepäckabfertigung: die Fahrkarten- s ch a l t e r werden mader nlsiert und übersichtliche Zugänge zu den Bahnsteigen sowie ein Uebcrgong zur Untergrund- b a h n geschaffen. Hier wie auch auf Bahnhof Jonnowitzbrücke werden den Reisende» künftig bequeme Fahrtreppen zu den S-Bahn- sleigen zur Verfügung stehen. Der Bahnhof Lungfernheide soll«inen neuen Eingang von der Lambertstroße her bekommen. In Mohlsdorf wird an Stelle der provisorischen Holzbrücke der un, mittelbare Zugang vom Bahnsteigtunnel zum Stadtbahnsteig fertig- gestellt werden, und K a u l s d o r f wird einen neuen Bahnsteig an dcir Stodtbahngleisen erhalten. Falls es die Mittel noch gestan»», soll auf dem nertehrsreichen Bahnhof S t r a t a u- R u in m e l s- b up g der Vollringbahnsteig. verbreitert und mir einer geschlossenen Halle versehen werden. Außerdem soll hier die Verbindung der Bahnsteige untereinander verbessert werden. Pflege des Güterverkehrs. Auch dl« sorgsame Pflege ihres Güterverkehrs wird sich die Reichsbahndircklioil Berlin im Jahr« 1931 weiter angelegen fein lassen. Die Auslieferung der Güter und ihre Ausgabe an die Empfänger soll durch orgai-isatorischc Berbesserungen und durch Ber- Wendung zweckmäßiger Arbeitsgeräte erleichtert und beschleunigt werden. Zum Teil sind auch Umbauarbeitcn größeren und geringeren Ilnifoiigs bei den Abferiigungcn vorgesehen: so wird z. B. der Göriitze r Bahnhof eine besondere Erpreßgutab- f e r t i g u n g mit bequemer Anfuhr erhalten. Auch die Vcrpackungs- Vorschriften werden durch weitere Vereinbarungen niit den Versand- industrien vereinfacht werden. Vor allem soll die Beförderung der Güter weiter beschleunigt werden. Di« Güterzüge auf der Ringbahn werden vom 15. Mai 1931 ob ihre G e s ch w i»- d i g te i t von 40 auf 30 K i l o ni e t e r erhöhen. Die Einrichtung neuer leichter Kllterziige, die eine besonders schnelle Stückgutbeförde- rung ermöglichen, ist in Vorbereitung. Ein W« r b e h e f t wird di« Verkehrstreibenden darüber unterrichten, wann ihre Eil- und Frachtstückgüter auf den Bestimmungsbahnhöfen eintreffen und dorr ausgabebereit find. Zu diesen Ausführungen wird zu gelegener Zeit noch einiges zu sagen sein. Daß z. B. die Rückfahrt aus Sonntagskarten wähl- weife von einem anderen Ort angetreten werdeli kann, ist doch nicht neu. Im ganzen gesehen ist das Programm für 1931 höchst bescheiden. Wenn sich die Reichsbahn die Pfleg« des Verkehrs mit ihren Kunden angelegen sein lassen will, so ist das durchaus an- znertemien. Autobuszusammenfioß. Fünf Arbeiier lebensgefährlich verleht. Pari». Z0. Dezember.(Eigenbericht.) Sin schweres Aulomobilunglück ereignete sich am Dienstag bei der Einfahrt zum Alugplah Dillacoublay ia der .Tläfst von versaille». Zwei Zlrbeiteromnibusse stießen mit- einander zusammen. Fünf Arbeiter wurden lebcnsgesährllch»erle/st niid in hoffnungslosem Zustand in» Krankenhaus geschafft: acht weitere kamen mit leichteren Verletzungen davon. jRäuber nochmals entkommen. Mainzer iSanbiten schlagen der Polizei ein Schnippchen. Bonn. 30. Dezember. Der hiesigen Kriminalpolizei wurde abend» mitgetrill. daß dos Auto, mit deni die Mainzer Bankräuber nach dem Ueberfall Mainz verlassen hatien. hier vor einem EasS stünde, sie riegelte darauf sofort da« ganze viertel ob. Den Tälern, die durch die inzwischen angesammelte Menschenmenge aufmerksam geworden waren, gelang es jedoch zu cuitomincn. Sie halten sich nur ganz kurze Zeil in dem Eafe aufgehalten. Das Aulo wurde von der Polizei beschlagnahmt. Das Gebiet rechts und links von der Müllerstraße ist Ast-Berliner Besitz, feit 1289 gehört es dazu. 1817 wurde das„königliche Gut Wedding" gekauft und bald da- nach erfolgte die stärkere Besiedlung, so daß 1827 bereits 220 Häuser sich vorfanden. Den lästigen Flugsand von den Rehbergen her hatte man schon im 18. Jahrhundert durch Anstedlung von Gärtnern zu bekämpfen gesucht— allerdings vergeblich. Ilm 1800 wurde die Straße nach Tegel gebaut und da der verdiente, für feine Zeit sveisinnig« Staots- nionn Wilhelm von Humboldt in seinem Schloß Tegel die besten Kreist Berlins zu Gast« sah, wurde auch das dazwischen liegende Land den Berlinern vertraut. Der ganze Norden gewann dann bald noch eine besonder« Bedeutung: hier waren die Keim- zellen für die gewaltig« Industrie... Borsig, Ehausseestr. 1, und Schwartzkopfk, Ebousseestr. 22, drückten diesem Gebiet ihren Stenipel auf. Immer weiter wurde der Umfang, immer höher stiegen di« Mietkasernen aui, in einem luft- und lichtlasen Bau die Bevölkerung einer Kleinstadt einpferchend. Und jetzt der n e u e st e N o r d e ii! I» der Straßenanlage, in der modernen Bauweise, in der Einrichtung der Grünflächen, wett- eifert er mit den Straßen des„feinen" Westens. Ist man den aus der Friedrichstadt und der Alexanderplatzgegend kommenden, verkehrsreichen Straßenzügen entronnen, jo promeniert man z. B. vom Doppel-(Stadtring- und U-) Bahnhof nach dem Endpunkt der anderen U-Vahn: Seestraß« in Straßen, die der Lunge freies Atmen gestatten. Dort in der Exerzierstraße liegen auch zwei imposante Stationen der Krankenpflege: da: I ü d i s ch« Kranken- Haus und das Kinderkrantenhaus. Für letzteres ist jetzt ein Schwesternhaus in Bau,«ins Quarantänestatisn beabsichtigt. Daß der Wedding auch das größte Berliner Krankenhaus umschließt, dürste allgemein bekannt sein, in 57 Gebäuden stehen im Rudolf- Virchow-Krankenhaus 2100 Betten der leidenden Mensch- heit zur Verfügung. Der Schnittpunkt der Müllerstraße mit der Seestroße ist so rech! das Zentrum des modernen Wedding. Eine Siation der U-Bahn zunick(»ach Leopoldplatz) führt uns dicht vor das V e r- waltungsgebäude des Bezirksamtes in der Müller- firaße, das erst vor«inigen Wochen fertiggestellt wurde und dessen 133 Meter lange Front auch dem Fremden die Bedeutui� öices Bezirks vor Augen führt. Zählt doch der Wedding nicht«Siigcr"als 360 000 Bewohner. Ein anderes Gebäude in der Müllerstrctzx dient die gleiche Beachtung— es ist der S t r a ß e n b a h n h o-.. jj dessen Schöpfung der Gedanke einer Vereinigung von Schlafs"�., für die Wagen und menschenwürdigen Wohnungen für die Ang;- stellten eine glänzende Lösung gefunden Hot. Wie in den meisten an der Peripherie gelegenen Bezirken ist die Bildung und Ausstattung der Grünflächen auch im' Wedding eine besondere Glanzleistung. Der den älteren Berlinern Zo lieb gewesene Humboldtpark hat seine Pflanzenschätze verlöre», er bleibt der Bevölkerimg als Grünfläche erhalten. Der andere ätzxre Erholungsplatz: der Schillerpark ist von der Ecke Seestra�o leicht zu erreichen, lieber 23 Hektar erstreckt sich das Gebiet, besser. schöne Terrassen leider im Winter nicht zugänglich sind, um Umfalle zu vermeiden. Die neue Schap-img, der V o l k s p a r k Reh- berge und das sich anschließende Ufer des P l ö tz« n f c e s haben 81 Hektar und 3 Hektar Ausdehnung. Sic find schon jetzt eine Sehenswürdigkeit, die kein Fremder, aber auch kein in einem anderen Stadtviertel wohnender Berliner unbesucht lassen sollte. Der Sand der Rchberge ist gebändigt— Erholungs-, Spiel- und Sport- platze sind mit wirklich genialer Anpassungsfähigkeil an das Terrain geschaffen und die gerode jetzt im Ausbau befindliche Strandprome- nadc am Plötzensee, zu der man über das den Volkspark im Westen umziehende Dohnagestcll gelangt, gibt der ganzen'Anlage den echt märkischen Charakter. Die im Volkspark errichiete Gärt- nerei zeigt in ihren Gewächshäusern Schätze von Palmen, Farnen und Blumen aller Arten. Ganz gleich, ob man von Osten oder von Westen dem Vo'ispark sich nähert, auf jeden Fall beginnt der Spaziergang mit einer Ueber- raschung: im Westen ist es der inleressante Blick aus die Bassins des West Hafens, im Osten der Gang durch di« Einfamilienhauskolonie in dem„Afrikanische n" Viertel. In Tonga- und Senegalstrahe izaben kluge Leute sich Eigenheime geschaffen, die mit ihren in liebevoller Sorgfait gehegten Gärten und den freundlichen Mansardensenstern in der Nähe des brausenden Weltstadtverkehrs wie«in Märchen anmuten. Alle diese Schönheiten des neuen Wedding sind bequem zu er- l eichen»nd zu durchwandern— wer sich nach vollbrachter„Arbeit" stärken will, findet dazu in dem„R a t s k e l l e r W e d d i n g", einem Bestandteile des neuen Bezirtsamtsgebäiides beste Ge- legenheit. Monsiwolmmigs Die„Wohnung" für Z9 Mark.- Eine wcrivollc Untersuchung. vor einiger Zeit veranstalteten die Archilcilen L u ck h a r d l und A n k e r eine kleinst wohnungaus st eilung. die zeigen follle, daß man zu einer lUonalsmiele von 29 HI. mehrere hundert kleinstwohnunzcn van je 35 bis 37 Ouadratmeler Größe erbauen könnte, wenn nicht„die 1poh»ung-.süriorgeg-seUschast das Bauen dieser billigen Wohnungen untersagen würde". Auch der„vorwärts" hat einerzeit über diese Ausstellung berichlc». weil in einer Zeit, in der bei größter Wohnungsnok lausende voii Neubauwohnungen leer stehen, weil ciu arbeitender Mensch die unsinnig hohen Mieten überhaupt nicht mehr bezahlen kann. jeder versuch eine herabdrück nng der Mieten für die arbeilenden Schichten zu erreichen. Unlerslützung verdient. 3a den „G e h a g- N a ch r i ch l e n" unterzieht nun Genosse Dr. Brock- schmidt das Cuckhardtjche kleinslwohnungsprojckl einer eingehen. den Kritik. Er erbringt den Nachweis, daß die Pläne der beiden Zlrchtlekten nicht durchführbar sind, wir geben nachstehend die Haupt- argumenlc seiner wertvollen Untersuchung wieder: Es ist unrichtig, daß die Wohiiungsfürsorgegesellschait das Bauen der Luckhardtschen Wohnungen„untersagen" würde. Sie ist viel- mehr nicht in der Lage, die zur Durchführung des Projekts erforder- lieben Hauszinsstcuermittel zu bewilligen, da ihr vorderhand keinerlei Hauszinssteuermittel für neue Prosekte zur Verfügung stehen. Di« an der Propagierung der Luckhardtschen Kleiiistwohnuiig interessierte Firma, die Philipp H o l z m a n n A.- G., hat bisher davon abgesehen, den Nachweis zu führen, daß die ausgestellte Kleinstwohnung in Berlin wirklich zu einer monatlichen Miete von 29 M. erstellt werden kann. Unter Zugrundelegung der eigenen Angaben dieser Firma ergibt sich nicht eine Miete von 29 M., sondern von 39.56 M. Auch diese Miete ist nur möglich, wenn eine ungewöhnliche hohe Hausziiissteuerhypothek in Höhe von 57 Proz. der Bmisumine bewilligt wird. Bei den jetzt zur Bermielung stehenden Berliner Neuwohnungen werden nur 40 Proz. der Bausumme durch Haus- zinssteuermittel gedeckt. Unter den bisher in Berlin üblichen Be- dingungen hinsichtlich der Finanzierung von Neubauwohnungen wäre für die Luckhardlfäze Kleinstwohnung(ohne Balkon und Ein- boumöbel) eine Miete nicht von 29 M., sondern von 42,83 M. er- forderlich. Die starke Kürzung der Hauszinssteuermittel für den Wohnungsbau durch die Reichsregierung hat noch bedeutend höhere Miele« zur Folge. Künftig werden nur noch.30 Proz. der Bau- alle Abonnenten des Vorwärts! Die Vorwärts-Buchdruckerei will in diesem johre lüm ersten Male den Versuch mochnn, den Sammlern des iKINDERFREUND« Gelegenheit zu geben, ihre gesammelten Exemplare einzubinden. Der Preis beträgt für ein Exemplar 150 einschließlich Einbanddecke.. RM In Wer bis zum 1 5. Januar 1 931 seine gesammelten»KINDERFREUNDt- Nummern im Konter derVorwärt5-Buchdrudrsorge- Instanzen und die freigewerkschaftlichen Ba'rvrgani- sationen die Aufsaijung, daß die unbckingt erforderliche An- gleichung der Neubaumieten an das Einkommen lxr unteren Be- völkcrungsschichtcn nicht auf Kosten der ohnhin stark verringerten Wohiiungsgrößen erzielt werden darf, sondern räst planmäßigen wirtschosts- lind finanzpolitischen Maßnahm«» zu bewerkstelligen ist. Niedrig« Mieten für Wohnimäen. die mit 48 Quadrat- meter bereits das hygienische Raunnnststmiiin für ein« Familie mit Kindern darstellen, müssen erzi««. werde» durch planmäßige Senkung der Baukosten die freilich wiederum eine ziel- bewußte Antikartellpolilik voryussctzt— und durch Senkung der Zinslasten, deren A und O die Erhaltung der bisher für den Woh- nungsbau zur Verfiigung flehenden Hauszinssteuerfonds gewesen wäre. r?ie„ftEftafl". Berlin SC. 1«. flätitnirfcr StraSc EO--S2, v-rkndct die JSebofi-Saditidnrn" auf-anfordern(ofMlos.) Kreispruch nach ZuchihauSurieil. Vom Schwurgericht Altona wurde Fräulein S a t a r, eine 29jährige Beamtin, die wegen angeblich falscher eidesstattlicher Versicherung" zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen. Neues llebsrfollkommando„Nordbahn" in Keinickendorf. Veiin 291. Polizeirevier in Berlin-Reinickendors-Ost, Hauptstraße 38, wird ein Ii e be r s a l l k o m m a n d o„N o r d b a h n" eingerichtet. Der Dienstbetrieb bei dem neuen liedersollkommando wird am 3. Januar 1931 um 13 Uhr aufgenommen werden. Hans der Regierung. Die neue Rcidwkanzlei/ Modernes Bürohaus neben dem alten Palais. Seit 17j0 stcht hintei- einem Vorgarten an der W i l h e l m- j st rn ß« das Palais Na>Ziwill, und darin ist nach der Reichsgrün- dung 1871 die R e ick>s kanz Ic i untergebra6)t wordem Nur drei Beamte nebst einer Anzahl Angestellten und Dienern arbeiteten in diesem Hause nn1 B- s m a r ik zusaminen. 3n der Kaiserzeit gab es nur einen"nzigen Reichsminister, eben den Reichskonzier. Er trug die Vennitmortung für die Rcgisrungsgeschäfte und, was seit der Thrc�besrcigung Wilhelm II. ebenso umfangreich wie un- angemiM wurde, auch die Verantwortung für die öffentlich getanen Steuerungen des Kaisers! Ressortminister gab es nicht, nur Staatssekretäre ohne ministerielle Verantwortung. Die Republik hat die alte demokratische Forderung nach einer aus verantwortlichen Ministern bestehenden Reichsrcgicrung ,n der Verfassung erfüllt. Außerdem sind die Amtsgeschäfte der Reichskanzlei so gewachsen, daß das alte Palais bald zu klein wurde. So hat man sich entschlossen, den freien Platz daneben zu einem Neubau zu benutzen. Es war dabei der sehr seltene Fall zu vcr- zeichnen, daß der Haushchtsausschuß des Reichstages einstimmig diefes Vorhaben billigte. Am 28. Mai 1328 wurde feierlich der » SW«8, Lindenslraße i. parteinachrichten MM für Groß-Berlin stete on de.» Dezir!»sckr«taribi Hot, 2 Treppen recht», zu richten. z.«bt. Die cbenossinuen und Kenossrn. w-Iche sich für licuic nVrd noch nicht irgendwie ncrpflichlct dnüen. treffen sich zur Eilvestcrfcier beim Ee- Nossen Brandis, Etraiaucr Ctr. ,0. Bezirksausschuß für Arbeilerwohlsahrt. t»rei«l«iter, Nreisleiterirnen! Die Seirinniistcn sind schon eingetroffen ued iiinne» ab 31. Dezember bis nm 1 IIb« schon im Sekretariat. Lindcnstr. z, 2. Sof, 2 Trepp«»,»bgchoU merden. Weitere Au,a»be erfolgt am 2. Zonnar. Arbeitsgemeinschaft der Sindersreunde Grog-Berlin. Ztrri» Rcutölln: Zur gahresmeudialirt ist der zentrale Treffpunkt heute, Mittwoch, um nzz mir om cKörlisier Baiinhof. Seid viiuktlich, bringt Wimpel und sialkeniiederbsichcr mit. Die Gruppen treffen sich zur i?alir! wie folgt: Gruppe golke heute um ,1 Uhr gm taertchergplah: Gruppe Dirk- um 11 Uhr Berliner Ecke Reutcrstrasie: Gruppe» Licirtkämpier und Frih Reuter um 11 Uhr au der U-Bahn Äergstrgfte.— Kelserlreio: Nachzsigler. Wir treffen uns UNI 1111 Uhr am Bhf. Zieukijll», Fahrlchein. Cchlafiiicke nicht vergessen. Geburtstage. Jubiläen usw. 2».«bt. llnlcrer alte» Parteigenossin Lnise Stöcklein z» ihren, 80. Wiegenfest« die herzlichsten Hiiiltwunsch«. »7. Abt. Neukölln. Unserem©enoffrn und longiahrige» Funktionär Zra», Ander» zu feinrat 60. Geburt, tage die herzlichsten Glückwünsche. Sterbetafel der Groh- Berliner Partei- Organisation 8. Abt. Unfcr langjähriger Genosse, der Gastwirt Karl Gramsch, Brunnenstr. 4. ist verstorben. Ehre seinem Andenke»! Tie Beerdigung Imt bereits sta'tgefunde». 33. Abt. Unser Genosse Karl B a I l s 6, e i d t, Lebuser£it. 5, ist om 20. Dezember im Alter von 30 Jahren verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Trcitag. 2. Janugr. 10 Uhr, im Krematorium Baumlchulenweg. Rege Beteiligung wird erwartet. 123. Abt. Pontow-Süd. Belsehung der Asch» unsere, Genossen Ott» K n u p p e heute um 1011 Uhr aus dem lZnedhcs Lchönhotzer Äeide. Höherer Milchpreis. Iteujahrelgefchenk der Landwirtfchast an die Notleidenden. Zu Deglim des Preisabbaue» am Ende dieses Jahres wurde a>lch der Milchpreis durch den Handel um 2 Pf. gesenkt. Ivenige Tage später schnellte der Preis allerdings von ZS wieder aus Z0Ps. empor, da die Landwirlschasl plötzlich höhere Preise verlangt hatte, während der letzten drei Wochen im Dezember tonnte dann jedoch der kleinverkausspreis in Berlin aus 2S Pf. gehalten werden. Jetzt gibt der Verband des vereinigten Berliner Milchhandels bekannt, daß vom Z. Januar l S Z 1 ab der Milchpreis wieder überall ZS Pf. pro Liter betragen wird. Diele Preiserhöhung dürste leider nicht»on>bergch:nd seirv »onoern man muß afffmT rechnen. Paß irr odese? Höhe�der Milch- vorlausspreis stabilisiert werden soll. Der Milchhandel erklärt nämlich, daß er bisher der Landwirtschaft ans seiner eigenen Verdienst- spann« freiwillig 2 Pf. dafür gezahlt habe, daß auf dem Lande die Qualität der Einfuhrmilch verbessert werde. Es wird serner behauptet, daß durch diese Qualitätsprämie der Fettgehalt der Milch, der von der Polizei mit 2,7 Proz. als unterste Grenze bezeichnet wird, aus nahezu-l Proz. gestiegen fei. Der Milch- Handel will jedoch in Zukunft die Differenz von 2 P». nicht mehr fettest bezahlen, sondern verlangt vom Käufer AI Pf., um diese Mehrausgabe für gute Milch zu decken. Noch der Berechnung des Berliner Milchlzandels unterscheidet man zwischen A= und B-Milch..�-Milch ist die Menge, die den Bedarf der Großstadt darstellt und die in unbearbeitetem Zustande frei Berlin 17,9 Pf. kostet. Bei maschineller Tiefkühlung verlangt die Landwirtschaft für die.-�-Milch 18,4 Pf. und für molkereimäßig behandelte Milch 19,65 Pf. Neben dieser �-Milch muß der Milch- bandcl, wie er behauptet, der Landwirtschaft noch eine gewisse Uebermenge täglich abnehmen, die als L-Milch bezeichnet wird und die bei maschineller Tiefkühlung 12,4 Pf. frei Berlin kostet. Die B-Milch wird, wie die Händler behaupten, nicht im Laden frei verkauft, sondern sie wird zu Käse usw. verarbeitet. Daß die schönen Versprechungen der Reichsregicrung so schnell zu Wv'scr werden würden, hat wohl selbst der härteste Pessimist nich' glaubt. Weil also Milchhandel und Landwirtschast sich nicht yeii können, wird die Preiserhöhung einfach den Konsumenten .«siepackt. Die Reichsregierung aber steht dabei und weiß sich nicht zu hKjen und erst recht nicht den Konsumenten. Dem» aus welche Weis« die angeblich« Qualitätsverbesserung der Milch zustande ge- toimncv ist, das weiß die liebe Kuh. Der Agrarier weiß es bestimmt nicht. In einem Monat dreimal bestrast. Der hartnäckiqe Bankhalter. Wie sür den Bürger die Klubs, so wird für den einfachen Mann das Strahenglückspiel nicht selten zum Verhängnis. Wieder und wieder kommt es vor, daß d«r ganze, im Schweiße des Angesichts erarbeitete Wochenlohn an den Karlen Hüngen bleibt, und die Frauen stehen händeringend das Polizeirevier um Hilfe. Die Behörden sind aber machtlos. Die Razzien d«r Kriminalpolizei nutzen nur wenig. Die Beamten sind nur zu gut bekannt und die von den Bankhallern ausgestellten Posten sorgen dafür, daß die Spieler zeitig gewarnt iverden. Auch die Razzien verkleideter Schupoleute helfen nicht viel. lieberatl können sie ja nicht sein. Die Bankhatter ändern aber ihren Standort; allerdings bleiben sie in der Regel ihrem Bezirk treu. Bmi dem Schnellrichter sah man jetzt zum dritten Mal solch einen hartnäckigen Bankhaller aus dem Bezirk Friedrichs- bain E» war dies ein LSjähviger arbeitsloser Schneider. Was sollt« er wachen, meinte er. Di« Mutter krank, die Unterstützung ungenügend. Sollte er etwa stehlen? Mso zog er es vor, den Leuten aus andere Weis« das Geld aus der Tasche zu ziehen. Am 29. November erhielt er vom Schnellrichter drei Wochen Beiängms und Bewährungsfrist. Am 13. Dezember stand er zum zweiten Male vor dem Richter. Jetzt gab es bereits zwei Monate Gefängnis, aber auch diesmal Strasausschub. Der Stiefvater siel im Zuhörer- räum in Ohnmacht. Zu Hause lag eine krank« Mutter— der Richter wollte nicht hartherzig sein. Und nun stand der Mann zum dritten Mal vor dem Schnellrichter. Diesmal wollt« er nicht der Bankhalter gewesen sein: er Hobe ihn nur für kurze Zeit ersetzt, sagte er. Der Polizeioberleutnant wollte ihn aber lange Zeit beobachtet haben und hatte große Müh«, ihn einzuholen, als er sich aus dem Staube machte. Das Urteil lautete auf fünf Monate Gefängnis. vi« juristische Sprechstunde fällt heute aus. Norirägs�VereitttU?chVersanlmlungen. # Reichsbanner..Schwarz-Kot-Gold". GetcktSktssiell«: Berli» S. 1«. eebaNiaustr»7— lt«. K»f Z. Tr Rittw-ch, 31. Dezember. Ritte, 6. KamctoäMiof!: Unser Kamerad , Knpblguckl ist verstorben. Einäscherung Olb Ulir Krematorium Gerrchistrastr. Zgdlreiches Erscheinen ermllnscht. Wedding, Radfabrerabtciluno: Ges-siigkertsabend bei Bondtke. Schulstr. 74. Kreuzbeeg iSrtsvercini: Ter Kamerad Stadtverordnel-r Paul Könk» ist am 27. Dezembre nerstorbeu.■äV- fettuirg von der Bassionülapelle. Zrirdliof der driliglrcu-'Kjrche. Mariendon, Cifruödjcr(Strafte, um 14 Va Uhr. Bcteiliaun«! aller dienstfreien Kamerad-n »«»kSlln.Bntz, Tambourtorps: LilvesterbaN in Beckers ssestsälen, Britz, Cyausseestr. 70. Tanzmusik der Neicdsbannerkapelle. litfpeaid'(Or's- uerem): 91b 20 Uhr arofte Eilvesterseiep im Lvrecrestanrant Eadorva. Eintritt 1 M. Erwerbslose 20 Pf. 0teirecbclrafl. Aafscrsportabteilunq, Zufl Oberspree: 20 Uhr Silvestcrfeier im Bootshaus Wendensch' oft. Gülte willtommen.— An« Testes: 20 Uhr Silvesterfeicr im Bootshaus.-)lNe Kameraden, freunde und Gönner sind eingeladen.— Jfreiiast, 2. Januar. Prenzlauer Berq tOrtsvcrein): 20 Uhr«»tzunst des erweiterten Ortsvereinsvorstandes im bekannten Lokai. ??, P1 Bat»cabend in bekannter Halle. Bohnsdorf'Grjjnan, Iunabanner: 20 Uhr Llchtbildervortrast im Heim Wachtelftr. 1. Bereis der Freuade des Ernst.Zoöl'Keims. Am A. Dezember. 20 Uhr, findet:n den Gesamträumen der„Alkoholfreien Gaststätte", Marheinekeplatz r. i, eine Iahresabscbluftfeier statt. Humoristische Darbietungen, Gastvorbrüge, Tanx. „Sturmvogel", �lugverband der Werktätigen, e. B.. Bezirk sgruppe syrieö» richshain. 1. Januar, 17 Uhr: Weihnachsfeier mit anschlieftendem gemsitlichen Beisammensein im Petersburger Sof, Petersburger Ctr. 57. 2. Januar, 20 Uhr: Monatsversammlung und Vortrag. Sozialistische Arbeiterjagend Groß-Berlin Einsendungen säe diese Ztnde» imr an da« Zuaendle1re«artat Leesi»«W»S. täwdensieasi- 3 Da» Sekretariat wird heute nm 13 Uhr geschlasse». =f~f T I gür vi« Sonhernatstesinng der Voltabnbne am 1. Januar, lä Uhr, l s.s..Mississippi", sind noch Karten zu 30 Pf. erhältlich.— Achtung, ennetft». last Genossinnen»nd Genassen! Wir geben zu der Borstellung im'4 t:-; Theater sZreikartcn au», wenn ihr euer Milgliedsbuch und die Stempel- t-s jij latlt vorzeigt. R heule, Mittwoch. Moabit I: Treffpunkt' zur Tasirt 18 Uhr Bhf. Putlihstrasie.— Gesten-. Treffpunkt zur ssahrt 10 Uhr Bhf. Borckftrasic. Schlafsack mitbringen.- Gcwndbrnnnen 11; An sch liegend an die Siluesterfeier des W.-B. geben Orr auf ssahrt.-©ttglifi: Treffpunkt zur IZahrt ItN.- Uhr RatlmuLplast.— Reil- köll» 1: Treffpunkt zur Fahrt nach Stransbcro Uhr Ncuterplast.— Neu» källn III: Treffpunkt zur Fahrt nach Uehdarf 17 und 20 Uhr Bhf. Neukölln.- SchSnrweidc! Treffpunkt zur Fahrt nach Bcrkcnbrsick: 1. Gruppe 17 Uhr evo» gelifche Kirch, in Obcrschöncwcid«! 2. Gruppe 101» Uhr Bhf. SSiöneineide.- Sankroiti, xichtcrselde: Fahrt nach Tudrowberg: 1. Gruppc lO1,» Uhr Bhf. Lichterfelde-Ost: 2. Gruppe 20% Uhr Görliher Bahnhof. Werbedezirk Wedding: Silvesicrseier im Sporthaus Bolkspark Rrhberoe Treffpunkt IS und 20 Uhr Müller. Ecke Sccstraste. Bretlfpietc können noch mitgebracht werden. W-rbcbezjrt Neukölln: Sprcchftundc von Wz dis 19 Uhr Baracke Gang» hoferftrahk 3—12. «tidebczirk Tcmpclhof; Ernste und luftige Iohrcswcndc, Tempelho:, Sä!-,- straßr, lOfh Uhr._ Allgemeine Wetterlage. fun 30.D«z. 493Ö,abds. UM In der Jugendstunde beleuchtete Hermann Kasack die Ber- h-ißungen von Bellomys„Rückblick aus dem Jahre 2ttV0" aus der Perspektive unserer Gegenwart. Die Beirachtung siel nicht zu unseren Gunsten aus, und es hat auch nicht den Anschein, als verhießen die nächsten 70 Jahre Verwirklichung der soziologischen Utopien des Romans. Die Technik hat eine Reihe seiner Prophezeiungen erfüllt, doch Not, Sorge und Arbeitskämpie regiere» noch immer in der Welt.— Und wie sieht die G e i st i g k e i l des modernen Menschen aus? Gottfried Venn stellte über diese Frage eine Betrachtung an, der er de» Titel gabt„lieber das Dichterische." Venn Ist Lyriker, wcltverbunden, gegenwartsfremd. Seine Führung über- sprang die Nahe, um in der Tiefe zu schürfen. Beim möchte de» Menschen zurückgeführt sehen zum Erlebnis der mystischen Natur- gcmeinsamkeiti„Dichterisches" ist ihm Gegensatz zum kurzsichtig ver- nünftelnden Rationalismus. Ein Rückblick auf„Die Bücher- stunde des Jahres 1930" diskutierte die Erziehung des Rundfunk- Hörers zum Leser. Denn dos ist schließlich der Hauptzweck aller Rundfunkbücherstunden: die literarischen Neuerscheinungen den Kreisen des Publikums nahezubrinzen, für die sie bestimmt sind. Die Ausführungen ließen erkennen, daß die Funkstunde nach Kräften bemüht ist, dieser Aufgabe gerecht zu werden.— Das Notstands» Orchester des Verbandes Deutscher Kinomusiker brachte«in Nach- mtttagskonzert. Der Tonfilm hat die Orchester aus' den Kinos verdrängt, so lang« das Publikum mit dem unzulänglichen Ersatz der mechanischen Musik zufrieden ist. Ein Vergleich der ausgezeichneten Darbietungen des Slotstandsorchesters mit der heutigen Ton- filmmustk mußte jedem beweisen, daß es nicht nur im Interesse der brotlos gewordenen Musiker sehr zu wünschen wäre, die l c be n d i g e Musik hielte wieder ihren Einzug in dos Lichtspieltheater. Tes. £> wtfeeo.Icr.S heiter, O halb Mdeckr 9wDU(ig.*liedeckt*Regeri�Graupeln lSchnet=ifekel,'llGew(tteo@W'"v)stiHe Am Dienstag herrschte nur noch in Norddeutschland Frost- weiter. Die Temperaturen sanken dort zum Abend stellenweise auf 10 Grad Külte. Im übrigen Reiche ivar es dagegen mild. Aielfach wurden mittags t> Grad über Null erreicht. Auf der Südseite einer herrschen bis zu 16 Grad Wärme. Da aber das Tiei eine südöst- lichere Richtung einschlagen wird, wird unser Gebiet von der wärmsten Luft nicht erreicht werden,«ie wird vermutlich nur in den höheren Lustschichten vorhanden sein und Niederschläge bringe». -i- Wettcraussichten sür Berlin: Meist trübe und regnerisch bei nur wenig höheren Temperaturen.— Jüt Deutschland: Im Osten weitere Milderung, im übrigen Reiche meist trübe mit Regensällen, im Westen später wieder etwas Besserung. «rolle Ueborrafchiume» bringt für den Iabrezschlull noch der Saolbau Trucknufcabaln. für setn« Berliner. E» ist ihm gelungen. üBiüattrgttmncn oru fithtltletn zu engagieren und sargt bie beliebt« Etinrmungskanone Suhi Bollmenn für Stimmung und Humor. In ollen Sälen Sitoofterdall. Eintritt nur 1 M. Trinkt Tachinger. Eowobl im Krankenbett in!e. auch an her Tafel wissen bie unzähligen Äonfumenten»on.Staat!. Gächingen" tre Borzllgc hiefrs GesundheitONigsscrs sehr zu schaft-u. 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Deotsdier MetaliarlieiteHeM I Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Mitzliedecn zur Nachricht, daß I unser Kollege, der Anschläger Otto UaUeTvix SC>. 27. Nooeraber 1871, am 25. d. M 91" Herzschlag gestorben ist. Die Einäscherung findet am Mitt- poch. Nun 31. Dezember, 11 Uhr,] im«ren�totium Eerichtstraße statt.[ «oll�er��I starb unser j ß Karl L�seheiUt gcd. 2a Februar ISv, Krematorium Baumschule,�,,/, i holzstraßc, statt. �'> Ehre ihrem Audeoten Rege Deteiiigimg wirb erwarte. vie Or4sver«-aItunK.! FinUkIiBverliaiid d.Eisenbaiioer Deoisdilands.onsoruDiic Benin{ Unseren Mitgliedern und kniiigen Bekannten und Freunden die tlaur:ge Mitteilung, daß unser Pcrbrndo- kollege Nuxo Lancier Sattler Im Reichstahnausbefierungs- wert(Srunewald, am 23. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn» abend, dem Z Januar, lö Uhr, aus dem Auferstehungsirtedhos Dcißensce. Lichtenberger Str. 110/123, statt. 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'unict Die Äohnungsbautätigkeit der ersten zehn Monate dieses Iah'es stellt, oberslächlich gesehen, einen Rekord dar: es wurden 145 600 Wohnungen sertiggestellt, das sind 30 P r o z. me h r als in der gleichen Zeit des Porjahrcs(36 600 Wohnungen) und ■ij xroz. mehr als 1928(93 300 Wohnungen). Allerdings ist ein gwßer Teil dieser Bauten schon im Vorjahr begonnen worden, so das) nach deren Fertigstellung die Bautätigkeit in den letzten Monaten entsprechend stärker zurückgegangen ist. So erklärt es sich, daß die Zahl der in Arbeit befindlichen Wohnungen Ende Oktober um 2Z00 Wohnungen geringer als Ende September und um 43 500 Wohnungen geringer als Ende Oktober 1329 war. Der Rückschlag ist also sehr erheblich. Baugenehmigungen wurden im Olrober fast so viel wie im Vorjahr erteilt(Rückgang um 6 Proz.), aber die Gesamtzahl der in den Monaten Januar bis Oktober erteilten Bauerlaub- nissc war um 28 Proz. niedriger als im Vorjahr. Dementsprechend verringerte sich auch die Zahl der B a u b e g i n n e im Oktober sowohl gegenüber September(um 16 Proz.) wie gegen- über dem Vorjahre(um 14 Proz.). In den ersten zehn Monaten dieses Jahres wurde mit dem Bau von 35 500 Wohnungen begannen, während im Vorjahre der Bau van 119 300 Wohnungen in Angriff genommen wurde— in diesem Rückgang um 20 Proz. drückt sich die tatsächliche Verschlechterung des Wohnungsbaumarktcs aus. Einen gewissen Lichtblick stellt die Tatsach« dar, daß die Zahl der B a u a n t r ä g e im Oktober dieses Jahres die Zahl vom Oktober vorigen Jahres um nicht weniger als 66 Proz. übertrifft, während das Verhältnis der Augustzahlcn noch beinahe umgekehrt war. Auch die Gesamtzahl der Anträge für die Monate August bis Oktober übertrifft mit 25 400 Wohnungen in diesem Jahre die Zahl für die gleichen Monate des Lorjahres von 22100 Wohnungen um mehr als 15 Proz. Es bleibt abzuwarten, ob dies alles ernsthafte Anträge sind, ob sie die nötige finanzielle Grundlage haben, um nach der Genehmigung zur Ausführung zu gelangen und die wünschenswerte Belebung des Bmimarktes einzuleiten. Llnangenehme Aktionärsüberraschung. Horch-Werke streichen neun Zehntel ihres Kapitals zusammen Die chorch Automobilwerke A.-G. in Zwickau hatten, wie wir bereits mitteilten, eine finanzielle Sanierung be- schlössen, zu deren Durchführung das Kapital von 5 auf 1,25 Mil- l tonen, also im Verhältnis 4:1, zusammengestrichen werden soll.«. Die Aktionäre, die sich nnt diesem schmerzhaften Vermögens- schnitt wegen der allgemein schwierigen Lage im Autoinobilbau ab- gefunden hatten, mußten auf der gestrigen Generalversammlung ober eine sehr u ii ä ti gen e yTn's v e r»«fch-irn-g.titdien. Die Verwaltung kam nämlich mit dem unerwarteten Antrag, das Stammkapital Nicht in dem vorgesehenen Umfang, sondern in dem scharten Verhältnis 10:1.zusammenzulegen. Damit ist also eine I00v-Mark-Aktie der chorch-Werke auf«inen Wert von 100 Mark zusaminengeschnrmpst. Diese Maßnahm« der chorch-Ver waltung, die sicherlich der Rot- wendigkeit zur Sanierung des Unternehmens entspringt, deutet darauf hin, daß die Verhandlungen zwischen fiorch und anderen Autowerken zwecks Zusammenschlusses der Betriebe oorläusig aus- s i ch t s l o s sind. Wenn auch Horch seinen Stand in, Rahmen des deutschen Antomolnlabsatzes behaupten konnte, ist doch die Basis, die Horch mit seinem schweren Speziallyp hat, so schmal, daß eine Wiedergewinnung der Rentabilität nur noch rigorosen Sanierungs- maßnahmen erwartet werden kann. Die Belegschaft, unter der im letzten Jahre ein Massenabbau wütete, hat in noch ganz anderem Maße zu spüren bekommen, was„Sanierung*«ines Unternehmens bedeutet._ Friedensstörer im Versicherungswesen. private Versicherungsver bände als Saboteure. Wie aus dem jetzt veröffentlichten Jahresbericht des Verbandes öffentlicher Lsbensoersicherungsan st alten Hervorgeht, hat die Wirtschaftskrise sich auch bei der Entwicklung der dem Verband aneschlossenen Institut« stark stihlbar goinachr. Der tllntr a g z zu g a n g an Kapitaloersichcnmgen hat sich verlang. samt. Im Verbände der öffentlichen Lebensuersicherunzsanstalten be- irug der Zugang im letzten Jahr rund 340 Millionen, wozu noch weitere 100 Millionen Vertragssummc an Bausparversicherungen treten. Besonders bemerkbar machten sich die allgemeinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten darin, daß in stärkeren, Maße als bisher Herabsetzungen der Versicherungsju m m c n beantragt wurden. Aus der gleichen Linie liegt die Z u n a h m e der Darlehnsanträge auf Versicherungsscheine, die au-schl'eßlich auf wirtschaftliche Notlage zurückzuführen ist. Allerdings hat sich im allgemeinen der Verfall an Versicherungen in mäßigen Grenzen gehalten. Der Bericht des Berbandrs wendet sich scharf gegen die Sr.bo- tageversuche, die besonders von Verbänden der Außenorzone der privaten Versicherungsgesellschaften zur Störung des Burg- f r i e d e n s zwischen der öffentlichen und privaten Versicherung unternommen werden. Unter Vermittlung des Reichswirtschafts- müristeriums find auf Anregung der öffentlichen Versicherungs- anstaiten zurzeit Auszleichsoerhandlunzen im Gange, um diesen unhaltbaren Zuständen ein Ende zu machen. In der A n l a g e p o l i t i k der öffentlichen Lebensversichc- rungsanftaUen kommt die gemeinnützige Tätigkeit dieser Unterneh- men wieder deutlich zum Ausdruck. Getreu ihrem Gründungsgedanken haben diese Versicherungsunternehmen ihre durch Bei- iragszahlung angesammelten Kapitalien grundsätzlich jn den G> bieten wieder angelegt, von denen die Versicherungsprämien auf- gebracht worden sind. In besonders starkem Maße sind wie schon früher auch diesmal wieder die klein«n Kreditnehmer berücksichtigt worden. Diese öffentlichen Institut« kennen praktisch b«i der Hergäbe von Hypytheken kein« Grenz« nach unten. Rund 69 Proz. der Hypo.heken sind auf Beträge bis zu 10 000 M. entfallen. Besonders bemerkenswert ist die starke Berücksichtigung des kapitalbedürftignzt flachen Landes und der Klein- Lebenshaltung und Löhne. Aiederfchmetternde Feststellungen der Siatistik. Im Monat Dezember ist der Reichsindex für die Lebenshaltungskosten, zu denen die Kosten für Er- nährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und„sonstigen Bedarf*(Verkehr usw.) gehören, nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts auf 141,6 gegenüber 143,5 Proz. im Vor- monat gesunken. Die Lebenshaltungskosten von 1314 sind in diesem Fall immer mit 100 Proz. angesetzt, lllach dieser Feststellung ist also die Lebenshaltung im Dezember um 1,3 Proz. gegenüber dem November verbilligt. An dem Rückgang sind alle Bedarfsgruppen außer der Wohnung beteiligt. Und zwar haben sich die Kosten für Ernährung um 2 Proz. auf 134,8, für Heizung und Beleuchtung um 0,3 Proz. auf 151,1, für Bekleidung um 3,1 Proz. auf 149,8 und für den sonstigen Bedarf um 0,5 Proz. auf 188,8 gesenkt. Dogegen sind die Kosten für die Wohnung uni 0,5 Proz. auf 131,1 gestiegen. Der folgende Ueberblick zeigt, wie sich die Lebensholtungskosten im Laufe der letzten 12 Monate entwickelt haben: Dezember 1329 Dezember 1930 (1913/14 100) Gesamtindex...... 152,6 141,6 Ernährung...... 152,2 134,8 Heizung und Beleuchtung. 152,3 151,1 Bekleidung...... 170,3 143,8 Wohnung....... 126,7 131,3 Sonstiger Bedarf.... 192 5 188,8 Stellt man diesen Zahlen die Feststellungen der Gewerkschaften über den schon fest einem Jahr im Gang befindlichen„kalten Lohn- abbau* gegenüber, zu dem jetzt noch der sichtbare Abbau der Tarif- löhne tritt, so ist gar kein Zweifel, daß die Reallöhne weit stärker als die Lebenshaltungskosten gesunken sind. Zlußerdem ist bekannt, daß die Errechnung des Index für Lebenshaltungskosten sehr reformbedürftig ist, da er nur ein sehr unvollkommenes Spiegelbild der wirklichen Teuerungskurvc gibt. Vergleichen wir aber mit dieser Statistik die Feststellungen von Dr. K u c z i n s k y gegenüber, so zeigt sich, daß trotz der nicht bestreit- baren Berbilligung verschiedener Lebenshaltungsposten der Lebens- standard der Arbeiterschaft im letzten Jahre in ganz er- schreckendem Umfange gedrosselt worden ist. Kuczinsky weist darauf hin, daß infolge der Arbeitslosigkeit und der Kurz- arbeit die Kaufkraft und die Lebenshaltung der gesamten Arbeiter- schast sich seit anderthalb Jahren ständig verschlechtert haben. Während aber bisher die zunehmenden Lohnverluste der Arbeiter- schaft größtenteils nur vom Arbeitsmarkt herrührten und von der Lohnseite her durch Abbau übertariflicher Löhne beeinflußt wurde, habe im November mit der seit Jahren erstmaligen Senkung der Tariflöhne eine neue Entwicklungsperiode eingesetzt, die eine weitere rapide V c rföpleff) rf rn n'g 7lle5 Lebensstandards der arbeitenden Massen zur Folge haben muß. Die Lohnoerluste durch Arbeitslosigkeit errechnet Kuczinsky für den Monat November auf wöchentlich über 12 Mark, während Kurzarbeit dem Arbeiter über 2 Mark die Woche raubte. Die Gcsamtverluste durch Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit waren im November mit 14.25 Mark je Woche höher als in irgendeinem Monat der beiden letzten Jahre. Weder reichte der Katastrophenwinter 1928/23 noch die Höchstorbeitslosigkeit im vergangenen Winter an diese Zahl heran. Ohne daß die Verluste durch Fortsall über- tariflicher Zahlungen berücksichtigt wurden, errechnet Kuczinsky, daß der Arbeiter im November(aus die Gesamtarbeiterschaft bezogen) durch Erwerbslosigkest und Kurzarbeit 30 Proz. seines Lohneintommens verloren hat. Die Drosselung der Massenkauftraft zeigt ein Vergleich mit dem Vorjahre mit aller Klarheit. Noch im Februar 1330 hielt sich der Verdienst des Arbeiters auf dem Stande des Februar 1929. Bereits im März verdiente er— infolge der viel schnelleren Entlastung des Arbeitsmarktes im Frühjahr 1929— 5 Proz. weniger. im April 10 Proz. weniger und im Juli bereits 16 Proz. weniger als in den entsprechenden Monaten 1929. Diese Elends- kurve steigerte sich in den darauf folgenden Monaten bis auf 18 Proz. Minderverdienst im November 1930. Bon allen Industrie- arbeitern sind die Bauarbeiter von den Lohnverlusten wohl am härtesten betroffen. Hier ist infolge der ins ungemessene gewachsenen Arbeitslosigkeit ein Lohnverlust bis zu 50 Proz. und darüber eingetreten, und auch wenn man die Arbeitslosen- Unterstützung einbezieht, hält der Lohnverlust den enormen Stand von etwa 30 Proz. In der Textilindustrie hat sich der Lebensstandard der Arbeiter derart verschlechtert, daß ein ge- lernter Arbeiter nur mit Hilfe seiner Frau, die ungelernte 'Arbeit leistet, eine Durchschnittsfamilie gerade noch entsprechend den Lebenshaltungskosten durchbringen kann, die das Statistische Reichs- amt errechnet. Trotz des Sinkens der Lebenshaltungskosten kommt Kuczinsky zu dem niederschmetternden Ergebnis, daß die Kaufkraft des Lohn- einkommens der Arbeiter— bezogen auf die Gesamtarbeiterschaft— im November 1930 noch um 13 Proz. niedriger war als im November vorigen Jahres. Die Kosten der Lebenshaltung für eine Arbeiter- familie mit drei Kindern waren im November allen Preisabbau- bestrebungen zum Trotz im November 1930 etwa 22 Proz. höher als das Durchschnittseinkommen des Industriearbeiters einschließlich seiner Arbeitslosenunterstützung. Das Einkommen des Arbeiters müßte also um über ein Fünftel erhöht werden, damit er nur die Lebenshaltungskosten— also die aller- dringlichsten Ausgaben— einer Familie mit drei Kindern be- streiten kann. Diese Entwicklung noch durch eine Generaloffenswe auf die Tariflöhne fast sämtlicher Arbeiterkategorien ins Uferlose zu treiben, ist eine Desperadopolitik machtlüsterner Unternehmer, deren Folgen nicht abzusehen sind. Wird diese Wahnsinnspolitik des Tarif- lohnabbaues nicht endgültig abgebremst, und werden die Preise für die Lebenshaltung nicht in einem Umfang herabgesetzt, der die Realkaufkraft der Massen einigermaßen stützt, so muß die Krise und damit das Massenelend einen Grad erreichen, der Explosionsgefahren in sich birgt. Volk und Staat aus dieser Ge- fahrenzone herauszureißen muß das Ziel aller wirtschaftspolitischcn Maßnahmen der nächsten Monate sein. st ä d t e bis zu 5000 Einwohnern, auf die 73 Proz. sämtlicher Hypotheken entfallen. Großstädte mit über 100 000 Einwohnern sind nur zu 12 Proz. an der Hypothekenbcgebung der öffentlichen Lebensversicherungen beteiligt. Die feindlichen Brüder. Stollwercks gegen StollwerckS. Aui der Generalversammlung der Gebr. S t o l l w e r ck A.-G. in Köln herrschte alles andere als weihnachtlicher Fried«. Die Herab- setzung der seit Jahren stabilen Dividende des Unternehmens von 9 auf 5 Pro;, für das letzte Geschäftsjahr hatte die Opposition auf den Plan gerufen. Auch der vielgepriesene bürgerliche Familiensinn ging durch die Kürzung der Iahresdividende in die Brüche, denn es zeigte sich auf der Generalversammlung das nicht gerade erhebende Schauspiel, daß die nicht in der Direktion vertrete- nen Mitglieder der Familie Stollwerck gegen ihre in der 'Verwaltung thronenden Familienangehörigen Sturm liefen. Das Ganze ging aus wie das Hornberger Schießen, da die der Per- waltung sicheren Großaktionäre die Opposition niederstimmten. Es bleibt also bei 5 Proz. Dividende, wozu wir bemerken möchten, daß diese Kürzung der Aktionärsgewinne weniger auf ein schlechtes Ge- schäst bei Stollwerck zurückzuführen ist, vielmehr damit zusammen- hängt, daß Stollwerck den Aufkauf von Reichordt und anderen Schokoladenfabriken zum Teil mit lausenden Geschäfts- gewinnen finanziert hat. Welk-Zinnmovopol marfchisri. Exportdrosselunq als preiskrücke. Nach jahrelangen Verständigungsverjuchen kam vor einiger Zeit zwischen den wichtigsten Zinngesellschasten, die übrigens großenteils init englischem Itapiral arbeiten, eine Vereinbarung über eine gemein- same Einschränkung der Zinnsörderung zustande. Gleichzeitig sind die Regierungen der zinnfördernden Länder— rn Asien: Britische Malayenstaaten und Niederländisch- Indien, in Afrila: Nigeria, in Südamerika: Bolivien— üb«: Angekommen, daß die Ausfuhr systematisch g e- drosselt werden soll. Bisher wurden die Versuche, die Produktion zu drosseln, insbesondere durch viel« kleine Zinnbetriebe der Einge- boren«» in den Malayenstaaten vereitelt. Wenn jedoch die Regie- rungcn die Zinnausfuhi mir nock) m bestimmtem Umfang zulasien, so werden natürlich nur noch begrenz!« Zinnmengen aus den Welt- markt gelangen, den Ziniroerbraucherr. werden die Preise diktiert, und die Förderung wird, da das zuviel erzeugte Zinn ja nicht ver- kauft werden kann, automatisch zurückgehen Die Exportdrosseliing soll so erfolgen, daß für die betei- ligtenLänderbestimmteOuotenfestgesetztwerd««, für die Malayenstaaten«twa 36 Proz., für Niederländisch-Indicn knapp 20 Proz., für Bolivien etwa 25 Proz., für Nigeria 6 bis 7 Proz. der gegenwärtigen Weltproduttion, die sich 1929 auf etwa 190 000 Taimen belaufen hatte. Zwar ist diese Vereinbarung, die etwa neun Zehntel der gesamten Welt-Zinnpro- d n k t i o n umfaßt, noch nicht endgültig gesichert, doch ist ihre Durch- sührung um so wahrscheinlicher, als die großen Konzerne mit einer Drosselung des Exports zwecks Preiserhöhung einverstanden sind und verschiedentlich die Regierungen zugleich an der Zinnförderung beteiligt sind. Die Vereinigten Staaten, die etwa die Hälfte des ge- samten auf der Erde produzierten Zinns verbrauchen, werden wahr- scheinlich diese Monopolisierung eines Rohstoffes, an dessen Förde« rung sie nur in geringem Umfang beteiligt sind, bekämpfen— man denke an den hartnäckigen amerikanischen Kampf gegen die englisch- niederländische Gummi Restriktion—, während ihnen in anderen Fällen, wo sie selbst die Welt mit Rohstoffen zu oersorgen haben, wie bei Kupfer, eine Monopolisierung zwecks Preishochhaltung höchst engenehm gewesen ist. - Schlechter Absaß in Fahrradteilen. Die anhaltende Fahrradkrise hat auch die Lieferiiidustrien für den Fahrradbau schwer in Mit- leidenschaft gezogen. Die Metallwarenfabrik vorm. H. W i s m e r A.- G., Z e ki a- M e h l i s in Thür., bleibt in diesem Jahre dividendenlos, nachdem noch im vorigen Jahre 8 Proz. verteilt werden konnten. Das Abzahlungsgeschäft Hot manche Aussälle gebracht, und die scharfe Konkurrenz erzwang niedrigste Preise. Da auch der Absatz von Motorrädern stark zurück- � gegangen ist, konnte die Aufnahme der Fabrikation von Motor- rad zubehör keine Entlastung bringen. Nach Vornahme der üblichen Abschreibungen bleibt ein kleiner Reingewinn, der vorgetragen wird In der Generalversammlung wies der Bor- sitzende besonders auf die Bedeutung des Inlands- Marktes für die Fahrradindustrie hin. Die Zukunftsaussichten für das Unternehnien hingen von der Gestaltung des Arbeits- »i a r k t e s ab, da die Lohnempfänger das Hauptkontingent der Käufer stellen. Die Verwaltung sollte ihren begriffsstutzigen Kollegen von der Großmetallindustrie diese Selbstverständlichkeit so lange einhämmern, bis es auch in diesen Köpfen zu üäm- mern beginnt. Deutsch-französische Ehemie-vereinbaruag. Zu den verschiedenen Erscheinungen deutsch-sranzösischer Zusammenarbeit aus dem Gebiet der chemischen Industrie tritt abermals eine neue Vereinbarung. Das Deutsche Bromsyndikat in Berlin schloß kürzlich mit den französischen Bromerzeugern einen Bertrag ob. der den gemein- samen Verlaus der Erzeugnisse d"r angeschlossenen deutschen und französischen Firmen vorsieht. Brom ist ein wichtiges Reben- erzeugnis bei der Verarbeitung bestimmter Kalisalze: am Deutschen Bromsyndikat sind daher die großen Kalikonzern« hauptbe'eiligt: der Konzern Salzdetfurth- Aschersleben zu 35 Proz., Bürbach zu 24 Proz., die Preußog zu 18 Proz. und Win. t'ershall zu 11 Proz. Stermmn Wendel: Sin WtHarbeUer von Klflarx Zum fünfzigfien Todestage Arnold Auges 3m März 1844 erschien in Paris eine neue deutsche Zeitschrift. unter deren Mitarbeitern sich Namen wie Friedrich Engels und Moses Heß, Heinrich Heine und Georg Hcrwegh fanden? auf dem Titelblatt aber stand: Deutsch- Französische Jahr- b ü ch e r, herausgegeben von Arnold Rüge und Karl Marx. Der Dr. Marx war ein halbes Menschenalter jünger als Arnold Rüge, der am 13. September 1802 als Sohn eines Gutsinspektors auf der damals noch schwedischen Insel Rügen zur Welt kam. In seine Kindheit fiel ein Echo vom Tumult der Franzosenzeit, und als er nach den Gymnasialjahren in Stralsund die Universität Halle bezog, ergriff ihn ungestüm der Wirbel jener akademischen Jugend, die es nicht zu fassen vermochte, daß die Volksbewegung der Be- freiungskriege statt der ersehnten bürgerlichen Freiheit nur die Knute der Heiligen Allianz gebracht hatte. Im Rahmen der bereits verbotenen Burschenschaft, die unter den verfemten Farben Schwarzrotgold für die Freiheit und Einheit des Deutschen Vater- landes schwärmte, ließ sich Rüge auf Dinge ein, die er später als ,chi« studentikosen Rebellionspläne von 1821" belächelte. Aber das Preußen Friedrich Wilhelms lll. sträubte ob der unter- irdischen Verbindungen der Hochschüler gewaltig den Schnauzbart, und Rüge gehörte zu den hochgemuten Jünglingen, die wegen, ach! so harmloser Vorbereitung zum.Hochverrat" zu fünfzehn Jahren Festung verurteilt wurden. Erst nach sechs Jahren, anno 1830, öffnete ihm ein Gnadenakt des Königs die Kertertore. Hatte sich der„Festungsitubengefangene" in Kolberg in die klassische Philosophie und Poesie der Griechen versenkt, so gab sich Rüge in Halle, wo er als Gymnasiallehrer, dann als Privatdozent Wurzel zu schlagen suchte, mit Leidenschast Hegel hin. Damals herrschte die Hegelei schrankenlos: die ganze Bildungsschicht bestand aus Hegelianern, Hegelmgcn und Hegelitern. Aber in dem Jahr- zehnt, das mit dem Blitz und Donner der französischen Juli- reoolution begann, regte sich allgemach eine Opposition gegen die Althegelianer, die in der Phllosophie am Buchstaben des Meisters klebten, in der Theologie auf sturste Rechtgläubigkeit schworen und in der Politik den preußischen Polizeistaat als höchste Willenskund- gebung des Weltgeistes feierten. Zum Wortführer der„Jung- hegelschen Rotte", die Hegels System im Sinne des Rationalismus und Liberalismus weiterzuentwickeln trachtete, warf sich Rüge aus, als er 1838 die„Hallischen Jahrbücher" herauszugeben begann. Aber sein Glaube an den Freiheitsberuf Preußens, des Staates Friedrichs II. und der Aufklärung, erlitt Schiffbruch, denn obwohl der Paukboden dieser Zeitschrist in den lustigen Höhen der Literatur und Philosophie lag, wurden ihr die mißtrauischen Macht- haber aufsässig, und als sie 1840 unter dem neuen Titel„Deutsche Jahrbücher" nach Dresden auswanderte, um die Frage zu erörtern: Staatsfreiheit oder politische Unmündigkeit?, da ward sie Anfang 1843 auch hier auf einen Wink aus Berlin unterdrückt. Da um die gleiche Zeit auch die„Rheinische Zeitung" in Köln, deren Redaktion Karl Marx hieß, brutalem Verbot verfiel, kamen der Pommer und der Rheinländer, die schon seit Jahr und Tag im Lriefvertehr standen, überein, in Paris, der Reichsweite deutscher Zensoren entrückt, eine Zeitschrist zu gründen, die die Philosophie in die Praxis überführen sollte: in der Ankündigung der Blätter, für die Marx eine„Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie" und eine Betrachtung„Zur Judenfrage"-beisteuerte, sagte Rüge:„Die Menschheit interessiert jetzt nicht mehr das entfernte Wetterleuchten einer Weisheit, die jenseits des gewöhnlichen Horizonts arbeitet, nicht mehr die lautlose Buchhaltung der Literatur über die zu Grabe gegangenen Geister, sondern wesenLich das wirkliche Wetter, in das wir unsere Köpfe hinausstrecken." Aber wenn die„Deutsch- Französischen Jahrbücher" mangels flüssiger Mittel schon nach den ersten beiden Lieferungen stecken blieben, zerzanklcn sich überdies ihre Herausgeber tödlich. Den äußeren Anstoß gab das entrüstete Phllistergeschimpfe Ruges über Herwcghs„unmoralischen" Lebenswandel in Paris, dessentwegen Marx den Fanfarenbläser der Revolution noch lange keinen„Lumpen" schellen ließ. Aber der innere Grund war. daß sich hier der von Hegel ausgehend« Strom der Geistesentwicklung in zwei Arme gabelte, deren einer mit Marx im Meer des Sozialismus mündete, deren anderer mit Rüge im Sande versickerte. Freilich war es zunächst weniger der Bourgeois in Rüge, der gegen Marxens entschiedene Neigung zum Kommunismus rebellierte, als der Nurpolitiker, der in der Wendung seines Freundes zur Oekonomie besorgt eine'Abkehr von der Polllik witterte. Vor allem aber tat sich damit der unheilbare Bruch aus zwischen dem„Idealisten" Rüge, der die Dinge aus dem Woltenreich der reinen Idee ableitete, und dem„Materialisten" Marx, der sie aus der ebenen Erde erdhast erklärte. Wohl spielte Rüge als Abgeordneter von Breslau auf der Linken des deutschen Revolutionsparlaments von 1848 noch eine politische Rolle, aber die Zeit seiner Blüte und Frucht war mit dem Vormärz vorbei. Im Londoner Exil unterzeichnete er mit Mazzini im„Euro- päischen Demokratischen Zentralausschuß" ebenso bombastische wie unschädlich« Manifeste an die Menschhell, aber noch ehe 1866 der erste Kanonenschuß siel, begrüßte er, weil ihm Habsburg als„der Erzfeind der europäischen Freiheit" erschien, den Wasfenganz Preußens gegen Oesterreich als den„größten Freiheitskrieg, den Mitteleuropa führen kann": das Bündnis Berlins mit dem deino- kratischen Italien und der magyarischen Revolution bestärkte ihn in der Meinung, daß 1866 nur eine„Wiederaufnahme der Reoolution von 1848" sei. und obwohl er bald erkannte, daß Bismarck die Siebcmneilcnstiesel zu groß waren, die er hatte anziehen müssen, betrachtete er auch 187» lediglich als„Krieg des Bastard-Rapoleon gegen die deutsche nationale Revolution". Ob dieser„patriotischen" Haltung empfing er auf seine alten Tage gar«inen„Ehrensold" von Bismarck. Aber da er erst ain 31. Dezember 1880 in Brigton starb, hatte er noch die Muße, ein Haar in der Rcichssttppe zu finden und zu erkennen, wie well die preußische Schöpfung von 1871 hinter den F reihe its- und Einheitsträumen seiner Jugend zurückblieb. Nicht gewohnt, ein Blatt vor den Mund zu nehmen, redeten Marx und Engels von Rüge nur als von dem„alten Esel" und dem„literarischen Laxiermichel", und manchen zartbesaiteten Süd- deutschen erschien der derbe Pommer als„vollkommener nord- deutscher Rüpel mit einer großen Dost» preußischer Windbeutelei". Aber ein halbes Jahrhundert nach seinem Tode enthüllt sich uns sein historisches Verdienst deutlicher als der Generation, die mit ihm in Fehde lag. Querkopf, Wirrtops. Rechthaber, Stäubchensieber. Spieß- bürger— von all dem steckte etwas in Arnold Rüge: aber der kümmerlichste Vertreter des vormärzlichen Bürgertums war er noch lange nickst. In polllisch verschlafener Zeit das Gegenteil einer Schlafmütze, hielt er gegen die„Partei der Knechtung und der Knechte" stets den Fuß beim Male, und wie er 1848 in der Pauls- kirch« mit daw.Mtra��Zwpt einer allgemeinen europäischen Entwaffnung einen A o kkerkon gre ß emzuberusen, eine noch uns auf den Nägeln brennende Frage anschnitt, so hat er sein Leben lang den archimedischen Punkt gesucht, die alte Welt aus den Angeln zu heben. 'mtir 3)as„Slaattiche SelbHmordmSlHul" (Schluß.) Aus den Srsählungen des VUlojch£okilfch Der Direktor zuckte mit den Schultern und sagte im Hinaus- gehen gleichmütig: „Geht in Ordnung. Das Zimmer Nr. 8 ist das Ihre." Er wäre glatt hinausgegangen, aber ich erwischte ihn noch am Rockzipfel. Ich stotterte erschrocken: „Und jetzt?... Was habe ich zu tun?" Er starrte mich verwundert an: „Zu tun? Was könnten Sie zu tun haben? Nicht das geringste!" Der kalle Schweiß trat mir auf die Stirn. Ich versuchte mann- lich zu wirken, aber meine Stimme zitterte erheblich, als ich hervor- quetschte: „Ich meine, ob... wie... wann es mit dem Sterben.. „Wann? Was geht Sie das an! Merkwürdig!" Jetzt erschien es mir, daß dieses Haus nicht nur von außen, sondern auch innen einer Jrrenanstall ähnlich war. Dieser Mann war bestimmt verrückt. Ich antwortete aufgebracht: Wen sonst geht das an, wenn nicht mich? Hat man sowas je gehört?" „Der Tod ist noch nicht aktuell"— sagte er—,„es lohnt sich »och nicht, davon zu sprechen." Um die Wahrheit zu sagen, wirkte diese Aufklärung nicht un- angenehm auf mich. Auf alle Fälle würde ich demnach noch eine Weile leben und das erschien mir ein Ort zu sein, wo es sich nicht schlecht leben ließ. Jetzt fragte ich schon milder, mit freundlichem Diensteifer: „Und was ist meine Beschäftigung? Was soll ich tun?" „Was Sie wollen. Sie können in ihr Zimmer hinaufgehen. oder in den Park hinunter. Hier lebt jeder so, wie es ihm an- genehm ist." Mit diesen Worten verließ er mich. Ich johtte laut vor Be- geisterung. Das war ja eine wunderbare Einrichtung! Gott segne ihren Erfinder! Durch die breite Glastür lachte die Sonne herein und der Park lockte. Ich ließ ihn nicht lange locken und trat hinaus. Der Part sah aus, als hätte ihn der Illustrator eines Märchen- buches entworfen. Hier im finsteren Norden prangte die Erde voll tropischer Blumen, in komischen Stilarten erbaute Lauben standen herum, in den Lauben Tische und auf den Tischen große Schüsseln voll Orangen, Feigen und Datteln. VereinzeUe Männer und Frauen promenierten auf den Wegen oder lagen im Grase, wie sie gerade Lust Hattert. Als ich in den Park hinaustrat, schloß sich mir ein allerer Herr an und schüttelte mir, ohne sich vorzustellen, die Hand. Instinktiv empfand ich, daß hier niemand mehr auf den Namen des anderen neugierig war. Ich sagte also meinen Namen ebenfalls nicht. „Zu zweit vergeht die Zell schneller!"— sagte er. Ich erwiderte mit leichtem, weltmännischem Lächeln. „Ja, es scheint, als wäre das Leben hier ziemlich langwellig." „Langweilig? Es ist wie überall. Das Leben." Freilich, da siel mir wieder ein, daß wir doch hier alle Selbst- mordkandidaten waren. Und hier zwischen tropischen Gewächsen und lächelnden Früchten in diesem herrlichen Sonnenschein erschien das ein absurder Gedanke. Ich sagte auch gleich: „Das Leben ist überall langweilig, aber es hat auch seine kleinen Freuden. Im Grunde genommen ist es hier noch immer besser als nichts." Er verwies mich beleidigt: „Mein Herr, Sie wissen das vielleicht nicht, aber es ist hier nicht Sitte, einander abzureden. Wenn es Ihnen leid tut. können Sie sich noch immer entfernen. Das brauchen Sic niemand mit- zuteilen!" Mit beiden Händen ergriff ich feine Hand- „Mein Herr, ich verspreche Ihnen, es nie wieder zu tun! Auch jetzt tat ich es nicht meinetwegen... Ich!... Oh!... Ich habe keinen Grund, etwas zu bedauern... Ich kann nur gewinnen, wenn ich vom Leben befreit bim Aber Sie!... Er lächelte zum Zeichen, daß er verziehen hatte.- Mit stiller Traurigkeit sagte er: „Ich habe keinen Grund, mich an das Leben zu klammern. Ich besitze eine blühende Fabrik, die ich selbst gründete und mein einziger Gedanke dabei war, das Wert meinem Sohn zu übergeben damit er es fortsetze.' Mein Sohn absolvierte die Universität in Christiania, er war stark und gesund, bis er eines TqFes... Während er sprach, trat ein wunderschönes blondes Mädchen zu uns. Auch sie grüßte nicht, sondern schloß sich uns stumm an und legte ihr« Hand ungezwungen auf mein« Schulter. Dieses Mädchen war ein blaßblondes Wunder, wie es nur unter dem Nordlicht erblühen kann. Mir war, als durchrieselte mich der magnetische Strom beider Pole, als ich ihre Hand auf meiner «chulter spürte. Mit träumerischer Melancholie lauschte sie den Worten meines Kollegen und nahm aus einer Schüssel eine Orange, die sie zu schälen begann. Mein Begleiter fuhr fort: „Diesen Sommer machte mein Sohn sein Examen und es war so, daß er im Herbst in die Fabrik eintreten und meine Arbeit allmählich übernehmen sollte. Einmal begab er sich mit meiner Frau und meiner Tochter zu einer Segelpartie und..." In diesem Augeenblick geschah etwas Furchtbares. Das blonde Mädchen schluckte«in Stückchen von der Orange und stürzte im nächste» Moment mit weißem Gesicht und blauen Lippen steif wie ein Stock auf den Rasen nieder. Ich brüllte laut: „Großer Gott!... Hilfe!... Sie ist ohmnächtig!..." Aber mein Begleiter packte mich ruhig am Arm. „Lassen Sie nur... Die Arme ist gestorben. Die Orange war vergiftet." Aber er nahm eine Orange aus der Schüssel und begann sie zu schälen. Ich ergriff voll Entsetzen seine Hand, aber er wehrte n« zart ab: .Lassen Sie nur, in einer Schüssel ist immer nur eine per, giftete Frucht. Diese hat sie bereits genommen. Sie hat es gut... Wer gehen wir weiter. Maiz wird sie schon in die Leichenhalle schaffen." Mein Hirn schwindelte, meine �ähne klapperten, ich konnte mich kaum neben meinem Begleiter oufreht dahinschleppen. Eben noch hatte dieses herrliche blonde Wesen in n«!» finsteres Leben geleuchtet wie ein«onnenftrohl, neue Perspektiven �öffnend, und dort, wo ich bereits alles tat geglaubt, in meinem Hei�n. neue Sehnsucht cnt- zündet... Jetzt lag sie da. tot wie ein düm-x Ast. der nur darauf wartet, aus dem Wege gekehrt zu werden... Mein Begleiter las die Erschütterung in v-inen Zügen und begann zu erklären: „Sie sind wahrhastig ein Neuling hier. An du�r Anstalt ist gerade das Genial«, daß der Tod hinter»»berechenbar.„ Zu'ällen lauert. Hier gibt es keinerlei Mordinslruinente, deren Slnb-itf einem das Sterben verleidet. Hier ist der Tod hinter den taufenr. Mög- lichkeiten eines geruhsamen, angenehmen Lebens verborgen, und man weiß nie, wann man mit ihm zusammentreffen wird." Ich stotterte voll Entsetzen: „Aber das ist ja furchtbar!... Ein teuflischer Gedanke!... Den Tod so in die Maske des glücklichen Lebens zu verbergen!... Diesen wunderschönen, sonnigen Garten so zu oergiften! Entsetzlich!" „Wa— rum? Lauert denn draußen im Leben nicht hinter allem der Tod? Hier sind lediglich die Möglichkeiten konzentrierter. Wir kamen doch olle zu diesem Zwecke her. Der Selbstmord ist nichts weiter als Ungeduld. Ein überstürztes Bersahre». Ein Expreßzug, der im Grunde genommen zum gleichen Ziele führt, wu der langsamste Bum..." Er konnte das Wort nicht mehr zu Ende sprechen: plötzlich ver- schwand er vor meinen Augen, als hätte ihn die Erde verschluckt. Im Rasen klaffte, von einer dünnen Grasschicht verdeckt, ein baden- loser Brunnen. Boll Grauen sah ich hinab, aber nur die stumme Finsternis erwiderte meinen Blick. Vorsichtig, jeden Schritt ausprobierend, schleppt« ich mich weiter. In der Mitte des Rasens stand ein triumphbogen-ähnliches Stein- denkmal. Hier ruhte ich ein wenig aus. Meine Schläfen hämmerten, mein Kopf war ausgetrocknet, ich hotte dos Gefühl, zu ersticken. Ueberall glänzten die Schüsseln voll reifer, saftiger Früchte, aber, wenn ich sie ansah, tauchte das schneeweiße Gesicht des blonden Mädchens vor mir auf. Einer Ohnmacht nahe, lehnte ich mich an einen Pfeiler des Triumphbogens, aber mein zu Tode gehetzter Lebensiiistinkt warnte mich noch beizeiten. Ich sprang keinen Augenblick zu früh zurück: als ich den Pfeiler berührte, stürzte der ganze Bau zusammen. Die schweren Steinblöcke donnerten im Fallen. Wenn sie mich erreicht hätten, wäre ich plattgedrückt worden, wie ein Eierkuchen. Wahn- sinnige Angst packte mich. Jetzt kümmerte ich mich nicht mehr um die oersteckten Wolfsfallcn, sondern lief blind geradeaus, wohin mich mein Instinkt trieb. Die paar Leute, die im Park spazieren gingen, achteten gar nicht aus mich, promenierten weiter oder lagen unbe- kümmert im Grase, wie Rinder, die gleichgültig wiederkäuen, ehe sie zur Schlachtbank geführt werden. Psth! wie ich sie in diesem Augenblick verabscheute! Reben dem Gitter lag ein großer Steinhanfen: sicher war er für bauliche Zweck« hierher gebracht worden. Ich klettert« hinaus und setzte mich auf der Spitze nieder. Mit dem Verdacht des vor folgten Wildes sah ich mich um. Hier drohte mir unmittelbar keine Gefahr. Heber meinem Kops breiter« sich der unendliche blaue Himmel aus: der konnte nicht so ohne weiteres auf mich herab stürzen. Auch der Steiichaufen war mir nicht verdächtig: es waren ..».....f... �1-,«»■■■. iv-o-j uuw ungestört über mein Los nachdenken. Meine Lage war nachgerade unerträglich. Diese Anstatt mochte für jene phantasielosen Idioten gut genug sein, die den Tod auf ein Stück Zucker getropft einnehmen wie bütere Medizin. Aber für mich waren die tausend drohenden Möglichkeiten unvergleichlich qualvoller als der Tod selbst, denn, da man nicht wußte, wo sie lauerten, lauerten sie überall. Es fiel mir ein, daß mein unglücklicher Begleiter während des Gespräches flüchtig erwähnt hatte, daß ich jederzeit von hier fort könnte, wenn ich wollte. Aber das Fortgehen war nicht so einsoch, denn es schien sicher, daß die tödlichen Fallen, die der oerfluchte Garten verbarg, für jedermann in gleicher Weise gefährlich warcii, gleich, in welcher Absicht er sich hier bewegte. Vor allein mußte ich mich also ausruhe», ineine Nerven beruhigen, um mit kühler lieber- legung von hier fliehen zu tönnen. Ich wollte mich gerade gemächlich ausstrecken, zog jedoch meinen Fuß erschrocken zurück. Zwischen den Steinen steckten kleine schwarz- Schlangen ihre Köpfe hervor und zischten mich an. Jetzt überlegte ich nicht mehr lange, sondern warf mich einfach über den Zaun. Ich stürzt« lief, zerschlug mir mächtig die Kitte. aber jetzt kümmerte ich mich nicht um solche Kleinigkeiten. Ich rannte los, über Felder, durch Wälder und blieb nicht eher stehen, bis, als ich mich umwandte, die letzte dreckigste Hütte des Ortes meinen Blicken verschwunden war. („... Ich dachte, dieses Thuesand war ein Wunder an Rein- lichkeit? Gab es da überhaupt Hütten und noch dazu dreckige?— fragte einer der Zuhörer mit milder Stimme. Milosch Lokitsch. der diese Geschichte erzählt hatte, erwidert« rerttäumt: „Es wird eine Villa gewesen sein. Di« ganze Sache liegt m)°n Jahre zurück, da erinnert man sich nicht mehr so genau an■ftle'.nig, keilen.,.)(Utbctfcftt»on Alexander von Vlofdwen»u verkaufen! 'Bei dem starken Nachlassen des religiösen in der Türkei. das zum großen Teil durch die Maßnahmen ocr Regierung hervor- gerufen worden ist, erweisen sich die gpltesdlenstlichcn Anstalten als viel zu umfangreich: durch die Trennung der Kirche vom Siaa: und die Auflösung der Klöster vor sechs Jahren sind große Besitz- tümer nutzlos geworden. Um diese Wette nutzbringend zu ver- wenden, lzat man eine„Lank für religiöse Besitzungen" gegründet. die in dein als Evkaf bekannten Gebäude für die frühere kirchliche Verwaltung untergebracht wurde. Diese Bank soll alle die frühere» Besitztümer der türkischen Kirche möglichst vorteilhast verkaufen. Sc sonders handelt es sich dabei um die zahlreichen Moscheen, die nich! mehr besucht werden und in denen kein Gottesdienst abgehalten wird. Man will diese Gotteshäuser entweder den Gemeinden übergeben. damit sie sie nutzbringend verwenden, oder zum Verkauf stellen. Et- werden also demnächst viele alte Moscheen aus dem Hüilsermarkt angeboten werden, und da die Nachfrage nicht sehr groß sein dürste. wird man ein solch altertümliches Gotteshaus biMg erwerbe,? können._ Die Waldungen Europas nehmen einen Raum von Z Mib lionen Quadratkilometer ein(Cmal Deutschland). In Afrika uns Nordamerika nimmt der Wald ie 0 Millionen Quadratkilometer e»'. in Südamerika 8 Millionen Quadratkilometer und in Australien eine halbe Million Quadratkilometer(etwas mehr als Deutschland, Insgesamt gibt es auf der Erde 42L Millionen Quadratkilometer Wald.