BERLIN Mttwvch 31 Nezember 1930 10 Pf. Jir. 611 B 304 42. Jahrgang Er steint tiglich außer Sonntags. Ilyleich Abendausgab« de«.Vorwärts'. Bezugspreis seid« Ausgaben 8Ä Pf. pro Woche, 3,60M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 68, Lindenstr. 3 »Ibwasfa A n z e i g e» p r e l 6: Di« einspaltige Nonpareillezeile 86 Pf.. Reklamezeile ö M. Ermäßigungen nach Tarif« Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m.b.H., Berlin Nr. 87536. Fernsprecher: Dönhoff 29? bis 297 13 Prozent Lohnabbau Die arbeiterfeindlichen Pläne der Scharfmacher an der Z�uhr Essen. Zl. Dezembes. sEigenbcrichl.) Di« weitere Entwicklung des Lohnkonslikts im Ruhrbergbau ist schwer abzusehen. Zm Augenblick steht nur soviel fest, dah durch eine Kündigung der ZOO 000 Ruhrbergarbeiter die Lage bedenklich verschärft werden muh. Die Zechenbesiher beharren hart- n ä ck i g aus ihrer Forderung eines Lohnabbaoe» von 12 P r o z. Die Gewerkschaften betonen demgegenüber— und zwar mit sehr tristigen Gründen—. dah auch nach der Senkung der Kohlenpreisc eine Lohnkürzung nicht notwendig ist. * Sachliche Grunde fehlen, um öas Verhalten der Zeäzenbarone zu erklären. Die Ruhrbergarbeitcr sollen offenbar provoziert wer- lZisenbahnattentäier verhafiet. Getier btt Bahnpolizei atr tfrtlefrcr drr Drounschweiger Bombenaitenlate enllarvt. Braunschwein, 81. Tezeurber. sEigenbericht.) In de« lebten Monaten häuften sich in» Gebiet des Brannschweiger Freistaate!» Attentate auf Züge, bei denen vielfach Fahrgäste und Fahrpersonal verlebt wurden, ohne daß die Täter bisher festgestellt- werden konnten. Wie wir erfahren, ist jebt unter dem bringenden Verdacht der Anstiftung und Ausführung derartiger Verbrechen in Halberstadt der Leiter des Bahnfchube» und der Bahnpolizei verhaftet worden. den. Di« Herren gebrauchen ein«n Vorivand zur Durchführung l-estimmter Pläne und halten den Zeitpunkt für günstig, weil die 1PD. durch ihre Quertreiberei ihnen in die Hände arbeitet. Bombenverbrecher stei! Sollen sie auch noch amnestieri werben? Allono, 31. Dezember. 3n dem Slrafversahren gegen Hein und Genossen wegen Ree- brechens gegen das Sprengstoffgeseh hol die Strafkammer des Land- gerichts Altona im Hastprüfungstermin heute die 5)nslbcsehle gegen die Angeklagten D i eck. Lohma un und Becker ausrechlerhallen. aber beschlossen, diese Angeklagten gegen Sicherheilsleistung mit der weiteren Untersuchungshaft zu verschonen. Die drei Angeklagten sind demgcmäh am 24. Dezember aus der ljafl entlassen worden. Degen der Erlassnng der Untersuchungshaft hat die Staatsanwaltschaft gegen den vefchlusz der Strafkammer Be- -sch»«r d« eingelegt■■-- 1 * . V i eck, Lohmann und Becker sind ebenso wie Herbert Lolck zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt. Eine Hast- entlassung in solchem Falle ist sehr ungewöhnlich, um so inehr, als die Brnnbenleger ihr Treiben wieder begonnen hoben. Für ihren Häuptling Klaus Hein ist ein Gnadengesuch an den preußischen Justizminister abgegangen. Zur gleichen Zeit sind gegen die Wohnung des Amtsvorstehers in Wesselburen Hand- grairaten geworfen worden mit der Devtse:„Ein Weihnacht?» grüß im Sinne von Klaus Hei n". Soll das heißen: Amnestie oder neue Bomben? Die Haftentlassung ist angesichts dieser Dinge ein glatter Standal. Wann sind jemals Kommunisten, die Spengstoffverbrechen begangen haben, so zuvorkommend aus der Haft entlassen worden? Soll der Staat sich bei den Bombenlegern nach entschuldigen, daß sie überhaupt nmrrteilt worden sind? Welche Verantwortung ruht aus deü zuvorkommenden Richtern von Altona, wenn Herr Herbert V o l ck es vorziehen sollte/ wieder eine romantische Reise an die obcritalienischcn Seen zu unter- nehinen, statt ins Zuchthaus zu gehen? Herr Siegerwalb verieibigi sich. (fr tat den Zechenherren an der?iuhr nichts versprochen. , Zlus dem Reichsarbcitsministerium wird erklärt: In der Presse ist vcrschiedcbtlich im Zusammenhange mit dem R u h r s ch i e d s s p r u ch die Behauptung aufgetaucht, die Reichs- rezierung habe den Zcchcnbesitzer» eine rund Zprozentige Lohn- stnktmg fest zugesagt. Der für die Lohnpolitik zuständige Reichs- a r'b etl s m i n i st c r stellt dagegen fest, daß er eine derartige Zusage nicht gegeben hat und auch angesichts der gesetzlich verbrieften Unabhängigkeit der Schlichtungsstelle gar nicht hätte geben können. * Jeder Unternehmer in Deutschland beruft sich darauf, daß Herr Stcgcrwald prinzipiell für Lohnabbau eingetreten ist. Diese Verantwortunz bleibt auf Stcgcrwald sitzen! Schweres Erdbeben in Italien Mehrere Häuser eingestürzt. R e a p c l, Zl. Dezember. Zm jüngsten Erdbcbengebict der Provinz Avellino sind am Dienstagabend neuerdings außerordentlich heftige Erdstöße verspürt worden. 3n San Sassio Baronino stürzten einige Häuser ein. Durch Kurzschluß cnlstandeu mehrere Brände. Durch schnell durchgesührte Hilfsmaßnahmen konnten die verschütteten gerettet und die Brände gelöscht werden. Der Sachschaden ist be- deutend. Erdbeben in der Südfee. s l d a e y. Zl. Dezembee. Räch einem Funkspruch des Dampfers Duris hat ein Erdbeben. da, von einer etwa 2!�-RleIer-Flulmelle begleitet war. cm Delhnachtsobend die in der Südsce nördlich von Reu-Guinea l-rgenden sogenannten Destlichea Znscln erschüttert. Auf den zo ihnen gehörenden Awln-Znseln wurden Häuser vnd Vieh in» Ulcct gerissen. Kränzen will Hakenkreuzpotizei Der Angeklagte als Polizeiminister. Brnunschweig. 31. Dezember.(Eigenbericht.) Polizeiministcr Franzen beginnt jetzt bei der Pofizei seine Tätigkeit auszuüben. Er hat am Dienstag den Kommandeur der Schutzpolizei. Oberstleutnant Sterin g, zum 31. Oktober 1931 in den Ruhestand oersetzt und bis zu diesem Tage ! beurlaubt. Siering versah seinen Dienst in mustergültiger Weise: irgendwelche Klagen sind nie bekannt geworden. Siering hat mir ein Verbrechen begangen: er hat sich zur Republik und zur Sozialdemokratischen Partei bekannt. Aus diesen Gründen entläßt ein Nichts zu erwarten t l lvcV>e>X£\osi NMeViKvWi i* OaS scheidende Jahr:„Im alten Jahr haben diese Wichte keine Auwade gelöst. Im neuen Jahr werden sie auch keine lösen Minister, dem vom höchsten Gericht in Vraunschweig bescheinigt wurde, daß er die Unwahrheit gesogt, einen pflichttreuen Beamten. Wie er die Tätigkeit der Polizei ouffaßt, hat sein strafbares Verhalten in Berlin gezeigt! 365 Tage Berliner Leben. Eine nicht immer erfreuliche Bilanz. Denn man die Bilanz dieses Jahres zieht und rückblickend an Hand nüchternen Zahlenmaterials die Veränderungen be- Irachlel, die sich im Leben der Rcichshauptsladl in den ver- gangenen zwölf Monaten vollzogen haben, so ist wenig Er- sreuliches zu nzeldcn. Was zunächst die Einwohnerschaft der Reichshauplstodt betrisst, so dürste sich— zum erstenmal wieder seit einer Reihe von Jahren— für das Zahc 1930 kein Bevölkerungszuwachs, sondern eher ein Verlust ergeben. Während nämlich die vorhergehenden Jahre 1928 und 1929 infolge des außerordentlich regen Zuzugs vom flachen Lands in die Großstadt die Bewohnerzahlcn Berlins um 80 000 bzw. 50 000 Menschen— also um dir Einwohnerzahlen deutscher Mittelstädte etwa von der Größe von Görlitz oder Brandenburg an der Havel— anwachsen ließen, was im Laufe dieses Jahres der Fort- zug aus Berlin wesentlich größer als der Zuzug, so daß sich bis Ansang Dezember bereits ein Ausfall von 504-1 Per- sancn ergab, der noch erhöht wurde durch den negativen Ber'auf der natürlichen Faktoren der Bevölkerungsbewegung: durch den Ileberschuß der Sterbefälle über die Zahl der Geburten, der bis zum l. Dezember die Bevölkerung Borlins um weitere 4913 Menschen verringerte, so daß sich aus Grund der bisher vorliegenden Crmitt- fugen für 1930 ein Rückgang der Bevölkerung der Reichshauptstadt von 4Z4S4Z7 Seelen am 1. Januar auf 4 335 880 am 1. Dezember ergibt, ein Ergebnis, an dem sich im Laufe des Dezember keine nennenswerten Aenderungen ergeben dürften. In ursächlichem Zusammenhang mit der Frage der Entwicklung der Berliner Beoölkening steht ein anderes Problem, das in der ungcheuerlichcn Schwere feiner Auswirkungen zu Beginn dieses Jahres nicht im geringsten vorauszuahnen war: die Slrbeits-- l os i g te j t. die eine zunehmende Belastung des städtischen Wohl- sahrtsctats zur Folge hatte. Die Rückwirkung dieses Problems in bevölkerungspolitischer Hinsicht liegt darin, daß durch periodisch veröffentlichte warnungsplakate in den Arbeitsämtern der Provinz vor dem Zuzug in die Rcichshauptstadt gewarnt wurde, da sich die Verhältnisse am Berliner Arbeitsmarkt von Monat zu Monat derart verschlechterten, daß die Zahl der Hauptunter- stützungsempsängcr in der Arbeitsloscnversichening von 153 812 am 1. Oanuur auf 173 866 am 1. Dezember stieg. Die der Krisen- unterstützten wuchs von 2.Z888 aus 73918 an. so daß die Ge- jamizechl der aus Mtteln der Arbeitslchenvcrsicherung unterstützten Personen eine Steigerung von 179 700 auf 249 784 aufwies. Wesentlich größere Ansinahe erreichte aber die Zunahme der Aus- g e st c u e r t e n, das heißt derjenigen Erwerbslosen, deren An- sprüche auf Unterstützung nach Ablauf der Unterstützunggfrist er- loschen waren, und die nun der städtischen Erwerbsloscnhilfe anheiin- fielen. Die Verdreifachung dieser Zahl— 32 307 Wohlfahrtseriverbs- lose der städtischen Errverbslosenhilfe zu Beginn dieses Jahren stunden 103 333 ain 1. Dezember gegenüber— machte jode Berechnung der für Unterstützungszwecke zur Verfügung zu stellenden Mittel illusorisch. Die Spuren der Krise, von der kmnn ein Zweig des Wirtschasts- Icbens verschont blieb, waren auch in der Entwicklung des Berliner Bcrkehrs stark zu verspüren. Abgesehen von dem Rückgang der Zahl der im Berlmer Nahverkehr beförderten Personen infolge der zunehmenden Arbeitslosigkeit, die für viele Arbeck- nchmer(und deren Familienmitglieder) die Fahrten im Berufs? verkehr ausfallen ließ, zeigte sich auch im Berliner Fremdenverkehr eine rüctläusige Tendenz vor allen Dingen der Besucher aus Dsutschwnd selbst, wenn auch als Erfolg deutscher Propaganda im Auslande erfreulicherweise die Zahl der Berlin besuchenden Zlusländer aus allen Teilen der Welt auf Eirund der bisher vorliegenden Ergebnisse eine Steigerung erfuhr. Gerade prominente Ausländer find des Lobes voll über das Tempo, in dem Berlins Entwicklung sich vollzieht. Als einzige Stadt Deutschlands besitzt die Reichshauptstadt einen K r a f tz eu g.p a r r, der im Lause des Jahres 1930 die Hunderrtausendgrenze überschritt rmd mit 108 000 Fahrzeugen am 1. Oktober seinen bisherigen Maximalstand erreichte. Die Bautätigkeit erfuhr mit 6837 m der Zeit vom 1. Ja- nuor bis zum 30. September gebrauchsfertig abgenommenen Neu- bauten �gegenüber 3624 in der gleichen Zeit des Vorjahres) einen wesentlichen Impuls-, die Zahl der geschaffenen Wohnungen war doppelt so groß als in demselben Zeitabschnitt des Zahres 1929 und auch die- Zahl der für öffentliche, private und sonstige Wirtschaft- liche Zwecke c 10 Prozent höher war als im Vorjahr, zeugt von der Hoffnung auf Urberwindung der Krise. Ein glänzender Beweis für den gesunden Optimismus der Bc- wohner der Reichshauptstadt und ihren starken Glauben an die Zukunft aber ist die h»h e Zahl der Eheschließungen, di: sich bis zum 1. Dezember mit rund 41 OOQ soft unverändert auf der Höhe des Vorjahres hielt.__ Brüning über 1930. Neujahrsbetrach tungen des Reichskanzlers. Reichskanzler Brüning veröffentlicht-„Neujahrsbetrachkungen", in denen es heißt: „Das Jahr 1930 werden Millimmi und aber Millionen unseres Bolkes mit einem gewissen Aufatmen scheiden sehen: gut, daß wir es hinter uns haben! Denn es war ein schweres Jahr, ein Jahr, das uns viel zu schaffen machte. Di« Konjunktur 1927/28 setzte ihren Abstieg von 1929 bis in das Tal einer tiefen Depression sort und machte" Millionen deutscher Volksgenossen erwerbslos. Die Finanzverhältnisse des Reiches, der Länder und Gemeinden wurden kritisch, Depression und Krisis der Finanzen nährten das Miß- trauen In unserem Volke, ob das Leben und das Wachstum unserer Nation mit der gegebenen verfassungsmäßigen Ordnung der jicrtiti- fchcn Kräfte am besten gewährleistet seien. Es wurden Bewegungen groß, die über dieses Mißtrauen hin- ouki die gegenwärtige Ordnung unserer politischen Der- Hältnisse als des Ruins des Staates und der Nation Schuldige an- fläzten und sich anheischig machten, Volk, Staat und Kultur aus ihren Grundsätzen, ihrem Blut« und ihrer Tatkraft erneuern zu tonnen. Solche Bewegungen waren vorauszusehen. Sic zeigen sich stets einige Zeit nach einer politische» Neuordnung, well dann die hinter der Umgestaltung Zurück- gebliebenen sich im Angriff auf sie mit jenen finden, die von ihr enttäuscht sind, weil nicht alle ihre Vliiteoträume reiften. Von außen fanden die innerpolitischen Erreguügcn Zündstoff an der allgemeinen politischen Unrast in der Welt sowie an der Ab- iicigimg der Mächte in den Fragen der Abrüstung, der deutschen Trrbutoerpflichttmg sowie der Souveränitötsoerhältnisse im Osten eine schöpferische, d. h. die Dölter beruhigende, Gegner versöhnende, die Kultur der Menschheit fördernde Politik zu aktivieren. Politischer Verstand oder Unverstand sind bei uns wahrschein- lich noch weniger als bei anderen Völkern das Reservat bestimmter sozialer Schichten oder Beruse. Im Gegenteil finden wir überall beides'in hohen Graden. Dasselbe läßt sich auch sagen von der praktisch-poliüschcn Betätigung. So kommt es, daß unser politisches Leben so mannigfaltig ist, daß es darin quirlt und braust, daß „immer etwas los ist", daß es aber auch so schwer ist, eine fach- liche, d. h. wirklich« Politik nach wohlüberlegten Richtlinien auf Jahre oder gar auf Jahrzehnte berechnet zu betrclben, wie es doch eigenllich fein muß. Dennoch aber hat sich im abgelaufenen Jghre so viel politisches Verständnis äußern und durchsetzen können, doß wir den Finanzen wieder— trotz der fortschreitenden De- pression— eine festere Grundlage geben konnten. Und was geordnete Finanzen nach den verschiedenen Richtungen hin be- deuten, sollte allgemein bekannt sein. Wir haben sodann manches tun können» um den Ablauf der Konjunktur zu erleichtern. Die Arbeitslosenversicherung— die weit mehr ist, als ihr Name besagt— konnte besonders dank der Arbeitnehmerschaf« selbst in ihren Leistungen gesicherk werdcu. Wie denn überhaupt unser ganzes staatliches, soziales und wirk- schaftliches Leben glücklicherweise, und ich sage es ausdrücklich da- bei, keineswegs nur durch die Tätigkeit der politischen Organe, son- dcrn mindestens ebensosehr durch die Tätigkeit uird Ordnungstreuc aller Vernünftigen in Stadt und Land vor den Katastrophen bewahrt geblieben ist, die zeitwellig ernsthaft drohten. Wenn es aber Leute gibt, die da meinen und ausrufen, wir steckten ja schon mitten in der Katastrophe drin, so kann man demgegenüber nur sagen: Sie wissen nicht, was sie reden. So stehen wir an der Schwelle zwischen dem alten und dem neuen Jahre wie Mämrer, die von schwerer, gar nicht ästhetischer Arbeit kommen und, die Spuren davon an sich tragen, und die wissen, daß sie morgen wieder so herangehen müssen, well das Werk ja noch längst nicht fertig ist. Möge unser Volk in seiner Gesamtheit, also in allen Schichten, Berufen und Ständen und Lebensaltern zunehmen in der Fähig- keit, seine großen Anlagen und unerschöpflichen Kräfte richtig zu behandeln und einzusetzen— besonders im Politischen— möge es also einsehen, daß alle praktisch« Politik Aufbau ist, daß aber alles Aufbauen nichts darin besteht, daß alles zugleich getan wird, son- dem daß ein Stein sich auf den anderen fügt. Zerstören geht mcl rascher als Auibauen, geht— sozusagen— gleichzeitiger und ohne besondere Geschicklichkeit. Mag sein, daß deswegen ja viele dazür Diktaturen an polen wehri sich wi Aus Pole» erfahren wir: Die Gewaltmaßregeln der polnischen Regierung gegen die Demokratie» grausamer angewendet als vom rnssi- schen Absolutismus» habe» die Verfolgten gezwungen, sich derselben Abwehrmittel wie damals zu bedienen. Tie Konfiskationsorgicn haben Geheimdruckereien zur Abwehr hervorgerufen, die neben einer ausgiebigen Aus- niihung moderner Vervielfältigungstechnik in zahllosen Flugschriften eine Zprachc reden, die man sonst, sogar bei halbwegs erträglicher Zensur» niemals gebrauchen wurde. So erschien in Przemhsl, dem Wahlbezirk Dr. Lieber- manns» folgender gedruckte, massenhaft verbreitete Auf» ruf: „Arbeiter! Bürger? Soldaten! Der Henker Kostek-Bjernatiki. der durch zehn Wochen in Brest am Bug die wehrlosen Abgeordneten der Ar- beiter und Bauern folterte und quälte, kehrt nach Przemhsl zurück. Der Elende übernimmt als Lohn für seine» Henker- dienst wieder das Kommando des 38. Regiments. So- gar zu Zeiten der zarischen Herrschaft würde ei» Offi» zier keine solche cutehrenden Dienste geleistet haben, wie es Bjernahki im Turm von Best getan hat. Schande diesem verächtlichen Reptil! Die Arbeiterschaft von Przemhsl." Der Schurke hielt sich nur ganz kurz in Przemhsl auf, dann reiste er„zur Erholung" ins Ausland. Sei» Zug und die ganze Strecke bis zur Grenze waren aus daS schärfste bewacht. Die vor etwa zwei Wochen in reichs- deutschen Blättern erschienene Nachricht vom Aufenthalt des Henkers in Bad Nauheim toar mindestens verfrüht. Die Auspressung der russischen Bauern. Moskau, 31. Dezember.(Ost-Exprcß.) Das Zentralexckutwkonütee und der Rat der Volkskommissare haben ein Dekret über die Veranlagung der Kulakenwirt- s ch a f t e n zur landwirtschaftlichen Einheitssteuer erlassen, dos eine erhebliche Dcrstätkung des Steuerdrucks bedeutet. Da Infolge der ungenügenden Ennittlung der Zahl der Kulokeiiwirtschaften die Er- oebnisse der Besteuerung dieser Wirtschaften im Individualverfahren unbefriedigend gewesen seien, werden die Regierungan der Bundes- »epuliken ersucht, die lokalen Sowjets und Exekutivkomitees anzu- werfen, Maßnahmen.zur Ermsttlung aller Kulakenwirtschaften und deren Veranlagung zur einheitlichen Landwirts chastsstcuer zu treffen und die Eintreibung der Stroent frei bcn kcutotennitrlschaii«« bis lS. Januar 1931 zu beenden. Unter Abänderung der Verordnung vom 23. Juli d. I., die bestimmte, welche Wirtschaften als Kulakemvirtschaften zu veranlagen sind, wird den Autonomen Republiken und den Bezirkskomitees das Recht eingeräumt, diese Merkmale der Kulakenwirtschaften„ent- sprecheird den lokalen Bedingungen" zu ändern. Damit wird den lokalen Steuerorganen ein weiter Spielraum gegeben. Es hat demgegenüber nicht viel.zu besagen, daß die Sowjetorgane gleich- zeitig angewiesen werden, darüber zu wachen, daß„mittlere" Bauernwirtschastcn nicht zur Landwirtschaftssieuer im Jndividual- versahrcn veranlagt werden. Da die Külakenwirtschoften durch die Anfang 1930 eingeleitete Kampagne„zur Liquidation des Kulaken- tums als Klasse" zumeist schon vernichtet sind, wird den lokalen Behörden zur Durchführung des neuen Dekrets gar nichts anderes übrig bteibcnals Objekte für die sehr hohe Besteuerung unter den Mittelbauern z« suchen. sind, daß zunächst einmal zerstört wird. Lernen wir schätzen, was wir haben, suchen wir, es zu erhallen und zu verbessern! Dazu gehört mehr Mut als zum Zerstören. Wir begrüßen dieses Jahr als Männer mit Erfahrung und Hoffnung und ipendcn uns morgen wieder dem mwollendeten Werke zu."_ Zehn Lahre Reichsheer. Eine Kundgebung des Reichspräsidenten. .Reichspräsident und Reichswehrminister verössentlichen folgend« Kundgebung an die Wehrmacht: „Am 1. Januar 1931 besteht die Reichswehr ein Jahr- zehnt in der Form, die ihr der Vertrag von Versailles bestimmte. In Zeiten tiefster vaterländischer Not wurde sie unter meinem Amtsöorgänger geschaffen. Trotz aller ihr auferlegten Fesseln hat sich die Wehrmacht als Hort des äußeren und inneren Friedens, als eiserne Klammer des Reiches und als fest« Stütze des Staates erwiesen. Das ihr zu treuen Händen übergeben« Erbe der alten Armee und Marine hat sie gut oerroattet. Ich dank« der Wehrmacht für die Arbeit dieses Jahrzehnts und entbiete ihr meine herzlichsten Wünsche zum neuen Jahr. Möge sie weiterhin ihre Ehre darin setzen, i» Gehorsam und treuer Pflichterfüllung dem Vaterlande zu dienen./ Kommunistische Schlappe. Schwere Verloste bei Konsumveremswahlen. Dt« K o m m u n i st e n haben in der Genossenschafts- bewegung ein« schwer« Niederlage erlitten. Dieser Tag« fanden in der Konsumgenossenschaft„Einigkeit" in Remscheid (allgemein Älem-Moskau genannt), die sich mit ihrem Aus- brettungsgebiet bis über die Orte des früheren Landkreises Lennep hinaus erstreckt, die Vertreterwahlen zur Generalversammlung stall, die nach einem mit äußerster Heftigkeit geführten Wahlkampfe eine Wahlbeteikigung zeigten, wie sie bisher nirgendwo bei Wahlen dieser Art in Erscheinung getreten ist. 6 3 P r o z. der Mitglieder gingen an die Wahlurne. \ Jahresschluß e unterm Zarismus Llngarifche Sälfcher. Prag, 31. Aezember.(Eigenbericht.) Um die Wahlaussichten der Sozialdemokraten bei der jüngst vorgenommenen Budapester Gemeindewahl.n schädigen, vcröfseni- lichte ein ungarisches Reaktivnsblatt gefälschte'ümsimile von Briefen des ungarischen Svziolistenführcrs G a r a n i nnd des tichechi- scheu Sozialistenführers Dr. S o u k u v, motc,(5 j,llüne politische Beziehungen der beiden Parteien, aber ouc� regelmäßige Prager Gelosendungen an die Sozialistenpartei in Budap-st„hercw- gingen". Die Spuren der Fälscher führten in die Redm�on des ungarischen Prager Blattes ,7Pragai Magyar Hirlop". Der.Prng.n Magyar Hirlap" legt nun ein sensationelles Geständnis ab, indem er die Möglichkeit znoibt, daß die gefälschte Korrespondenz Soutup— Garami in seiner Redaktion hergestellt worden ist. Das Bloll will sich dem Strafverfahren anschließen und es auf dem u n- vekannten Täter erwestern lasten, der in seine Räumlichkeiten eingedrungen und die Faksisikate dort auf Schreibmafchincn der Redaktion geschrieben habe. fllaior Sranco Der spanische Revolutionär(mit heller Mütze), bei der Ankunft in Antwerpen, mit dem Katalanenführer Oberst Macia(weißes Haar). Spanien muß frei werden! London, 81. Dezember. Der»Daily Expreß" veröftenllichr ein geschmuggeltes Schreiben des Führers der spanischen Revolutionäre. Alcale Z a m o r r a. Zamorro protestiert darin gegen die offizielle Verdächtigung, als sei der verunglückte Ausstand ein kommunistischer Putsch' gewesen; es tn.ii- im fflprnnwait ein» rein rprmMilVinitch!' Erhpliimn---. Die neue Regierung sollte sich zusammensetzen aus drei Sozialisten. zwei Radikalen, einem Republikaner, einem üaialonier, einem Abgeordneten der Provinz Galicta und zwei Rechls- liberalen. Diese letztere Gruppe sollte Zamorka als Ministerpräsident und Don Miguel M a u r a als Innenminister vorstellen, um so die g e» mäßigte Tendenz der Bewegung zu dokumentieren. Di« spanische m ä h i g t e Tendenz der Bewegung zu dokumentieren. Dil spdnische sei, befinde sich vor dem Zusammenbruch. Die große Mehrhell der Arme« und die Sympathie des ganzen Volles ständen hinter den Republikanern, die ihre Pläne bisher insolge des zu frühen Los- schlagens der Ganrson von I a c a nicht ausführen konnten. I h r baldiger Sieg sei unabwendbar. Di: Monarchie habe durch die Bekämpfung des eigenen Volkes mit Marokkanem»nd Fremdenlegionaren ihr« Angst vor dem republikanischen Geist enthüllt. Sie verdient zu fallen und werde fallen. Als Gegner standen sich gegenüber die KPD. auf der einen und die Lifte Aufbau" und.Lampsbund" auf der anderen S-ite. Das Ergebnis war eine niederschmetternde Schlappe ftir die Kommu- nisten. Sie. die bei der letzten Wahl im Jahre 1928 noch 71 Man- date erzielte, konnte davon nur 45 retten. Die Liste„Ausbau" er- zielle 31 und die Liste.Lampfbund" 16 Mandate. Während in der alten Bertreterversamnüung 71 Kommunsttc.i 44 genossenschaststreuen Vertretern gegenüberstanden, ist das Verhältnis nun umgekehrt. Das ist ein Beweis, daß trotz der verzweifttt schlechten wirtschaftlichen Berhältnisse die Katastrophenpolitik ter KPD. von den breiten Masten abgelehnt wird, denn sie sehen, waz hinter den Phrasen der Kommunisten steckt. Vierzehnjähriger als Mörder. Ersticht einen Siebzehnjährigen mit einem Taschenmesser. Chemnitz, 31. Dezember. Am Dienstag abend geriet auf)>er Garnisanstroße der 14 Jahre alte Schüler Heinz T r i l l i tz s ch mit dem 17jShrigen Schlosterlehr- ling Rudolf Kätzel, der nach Arbeitsschluß das Austragen einer hiesigen Tageszeitung besorgte, in«ine zunächst harmlose Balgerei. Der Zeitungsausträger begab sich dann in ein Haus und legte unten die Tasche mit den Zeitungen ab, während er den Beziehern die Zeitung zustellte. Dies hatte der Schüler beobachtet. Er nahm mehrere Zeitungen an sich und versteckte sie. Als der Austräger das merkte, geriet er mll dem Schüler erneut in eine Schläger«!, bei der der Schüler sein Taschenmesser zog, auf den Zeitungsausträger mehrmals einstach und ihm zu- nächst einen Stich in den Arm und darauf«wen Stich luv Herz beibrachte, so daß der Getroffene tot zusammenbrach. Der jugendliche Täter flüchtete in die Wohnung seiner Ellern und wurde dort von den Beamten der Mordkommission festgenommen. Er ist ge- ständig, auf den Zeitungsausträger eingestochen zu haben, jedoch habe er ihn nicht töten wollen. Er behauptet, bedroht gewesen zu fem. Ilm ein welleres Zuschlagen des Z�tungsausrrägers zu verhindern, habe er ihn mll dem Messer in die Hand stechen wollen. Die Geburt des Pfannkuchens Ausschnitte aus dem Gilvesterbstrieb einer �iesenbäckerei/ Großkampftage in den Berliner Bäckereien, den kleinen wie den großen Es neht um d«i, Pfannkuchen, ohne den sich der Berliner keine..Sioesternacht" porfWftn kann. Pfannkuchen und Punsch, das muß fein, und wenn sie beide noch so bescheiden sind. Die Fein- backereien des Westen» stellen die rundlichen Dinger mit allen Schilanen, das heißt mit den delikatesten Füllungen her. Im Osten und Norden ist r-an einfacher. Die Hauptsache ist. daß sie recht schön locker und groß sind. Um den Pfannkuchenhunger von 4 Mil- lionen Menschen zu stillen, dazu gehören schon Großbetriebe. Einer der bckänn.'esten Großbäckereien ist die der Berliner Konsumgenossen- schast in Lichtenberg. Der Riesenbetrieb steht in den letzten Tagen ausMchlich im Zeichen der Pfannkuchenbercitung, denn: ?A> Zentner Weizenmehl. 50 bis 60 Zentner Fett. 60 Zentner Zucker, 55 Zentner Marmelade. 15 000 Eier und 25 Zentner reine Butter müssen in zwei Tagen zu 1 Million Pfannkuchen ver- arbeitet werden. 400 fleißige Arbeiterhände, davon 60 Mann ständiges und 140 Mann Anshilsspersonal, werden in schichtweisem Dienst diese süße Riesenportion fertigstellen. Am' Mittag des 30. setzte der Betrieb ein. Bon der Toreinfahrt bis zum obersten Stockwerk durchziehen süße Düfte das ganze Riesengebäude. In den unteren Stockwerken wird die Teigmasse her- gestellt. Bom Mehlbodcn fällt das Mehl durch fchneckcnartig an- eelegte Rährengänge aus den Silos in die großen Mischapparate. BeHölter, deren jeder zwei Zentner Mehl, vermischt mit 25 Pfund Zucker, 25 Piund Butter, 8 Litern Eier(200 Stück) ausnimmt. Diese abgemessene Masse kommt dann in die K n e t- und Wirk- Maschine, wo mit maschinellem Druck der Mischarm die Masse tüchtig durcheinandcrtnetet:.zum Schluß wird 10 Pfund Hese beigemengt, dann muß der Teig eine halbe Stunde lagern und kommt nun zur weiteren Verarbeitung hinauf in die Backräume. Erste Station, das Wiegen und Teilen. An langen Tischen sitzen Bäcker, vor sich die Wiege- und Tcilmaschinen, daneben die Teiggebirge, die nun genauestens abgewogen und in Stücke geteilt werden. Der Inhalt eines solchen Knetapparates, das sind also zwei Zentner Mehl mit den notwendigen Zutaten— ergibt 65 00 Pfannkuchen. Sodann wird die Teigmaschinc auf der Teil- Maschine in tellerartige Stücke geteilt, der Apparat macht daraus 30 Einzelteile, diese werden nun wieder abgewogen und wandern nun ins siedendheiße Fettbad. In i?lr Mitte des großen Raumes stehen hintereinander in Zlbständen 14 Pfannkuchenkessel, in deren Innern es brodelt und zischt. Die Psannkuchen kommen zu je 140 Stück auf ein Sieb, das in den Kesselraum hineinpaßt. Stückweise legt sie der Bäcker vorsichtig in die brodelnde Fettniasse, einmal hin und einmal her, in 1 bis IM Minuten Backzeit sind sie gut. Nun übergibt sie der Bäcker einem Kollegen, der die Pfann- kuchen aus Bleche legt— 6 Dutzend haben aus einem Blech Platz— und sie zum Abkühlen aus Stellagen stellt. An langen Tischen sind Männer und Frauen nur damit beschäftigt, jedem Pfannkuchen eine süße Einspritzung— Aprikose, Vierfrucht und andere Marmeladen- sorten— zu verabreiche«: dies geschieht in der Weise, daß jeder Pfannkuchen auf den Füllapparat gespießt wird und durch Hebel- druck seine„Injektion" erhält. Dann werden sie entweder glasiert, indem sie ein flüssiges Zuckerbad nehmen, oder nur mit Puderzucker bestreut. Fieberhaft und mit atem- raubender Geschicklichkeit geht die Arbeit vor sich, man kann gar nicht so schnell den Blick wandern lassen. Die ganze Prozedur, also der Werdegang eines Pfannkuchens, von der Rohmasse bis zum genußfertigen Produkt, dauert etwa 2 Stunden und man rechnet mit einxr Herstellungszisfer von ungefähr 40 000 Stück pro S t u n de. Es muß aber auch fix gehen, denn immer neue Teigberge werden nach oben befördert. Obwohl alles in gigantischen Zahlen und überdimensionalen Massen vorhanden ist, tritt immer wieder einmal eine Arbeits- störung ein, die aber schnell behoben wird. Treppauf, treppab eilen dir dicirstfertigen Geister. Die Telephone im Kontor stehen den ganzen Tag nicht still. Unentwegt ergießt sich der Mehlregen in die Teigkessel und die Knetmaschine dröhnt. Oben brodelt und zischt es und dampft und stäubt. Flinke Beine und emsig schleppende Arme, erhitzte Gewichter und weißgepuderte Haarschöpse. Unten am Hof stehen die riesigen Lieferautos. Der Chauffeur schickt nach oben: für 3 Uhr ist die Expedition von 30 000 Stück angesagt, für 4 Uhr von 70 000 Stück. So geht es am 30. u»d 31. Dezember von morgens bis abends, von abends bis morgens. Berlin hat Appetit, auf Pfannkuchen! Die Spur der Mainzer Ziäuber Bisher vergebliche Suche Mainz. 31. Dezember. Ucber die jcnsalionelle Flacht der Mainzer Bankräuber, die in einem Cafe in Roan, wie bereit» bcrichket, von der Bolizci beinahe gefaßt worden wären, werden uns noch folgende Einzelheiten mitgeteilt! Einem Bonner Geschäftsmann, dessen Geichäst in unmittelbarer Ray,: eines Cafes rrnr Tulwrg itegt, stet eu� Waat Länsusiv- auf, die fast eine halb« Stunde ohne jede Beleuchtung dastand. Der Mann, der durch Rundfunk von dem Mainzer Bankraub gehört und sich auch die Beschreibung des Autos der Täter gemerkt hatte, glaubt« den gesuchten Wagen vor sich zu haben und benachrichtigt« die Polizei. In der Zwischenzeit hatten sich jedoch zahlreiche Neugierig« eingefunden, die den Wagen umstanden. Diesem Umstand oerdanken offenbar die Täter noch ihre Frechclt. Wie näm- lich später festgestellt wurde, hatten sich die Täter, zwei Männer im Alter von etwa 30 und 40 Iahren, in d«m Cafe auf- gehalten und ihren Platz so eingenommen, daß sie vom Innern die Straß« überblick«« konnten. Als Polizeibeamte in das Ease eindrangen, waren die Räuber bereits über alle Berg«. Es war ihnen gelungen, völlig unbemerkt zu entweichen. Schon vorher drohre den beiden das Berhängnis. als sie sich bei einem Friseur, dessen Laden sich in der Nähe des Cafes befindet, rasieren ließen. Dem Geschäftsinhaber kamen die beiden Kunden»erdächtig vor, aber erst zn spät alarmiert« er die Polizei. Wie aus der später ermittelten Personalbeschreibung, die von dem Serviersräulein des Cafös ge- geben wurde, festgestellt wurde, handelte es sich zweifellos um die gejuchten Räuber. Der eine Verbrecher ist etwa 30 Jahre alt, 1,73 bis 1,75 Meter groß, hat mittlere Figur. Er hatte blondes Haar und trug dunklen Mantel. Das Alter des zweiten Täters wird auf ciwa 40 Jahre geschätzt. Sein Haar war granmeliert, sein Mantel hatte dnnkelgraue Farbe. Die Vernrutung der Polizei geht jetzt dahin, daß die Verbrecher sich abermals in den Besitz eine» unbeoussichligi stehenden Autos fetzen und weiter flüchten werden. Sämtliche Landstraßen und Chausseen werden von den Laichjägern scharf kontrolliert. Möglicherweise stammen die Banditen ans B o n n, wo sie bei ihrem Anhang Unterschlupf gesunden haben. Lleberall Gtraßenräuber. Zwei Äankangestcllie überfallen und beraubt. Dortmund, 31. Dezember. In Dortmund-Luetgendorkmund wurden gestern abeich zwei 'Angestellte der Dortmunder Bank überfallen. Die bechen An- gestellten Else L a d d o ch und Fritz W i m p e r s befanden sich mit ihren Fahrrädern auf dem Wege nach Luetgendortmund. Plötzlich sprangen ihnen zwei Männer entgegen und zwangen sie. von ihren Rädern zu steigen. Einer der Räuber entriß der Laddoch das Fahrrad, während der andere Mann dem Wimpers ebenfalls das Rad und eine Aktentasche entriß. Als der Ueberfallene um Hilfe schrie, erhielt er mit einem harten Gegenstand einen heftigen Schlag auf den Mund. Die Räuber ergriffen dann mit den Fahr- rädern die Flucht. In der Tasche befanden sich etwa 4 5 0 Mark in Hartgeld und«in Geldschrankschlüssel und der Schlüssel der Räume der Filiale in Bochunz. Beide Angestellten hatten noch ungefähr 3000 Mark in Papiergeld in ihren Rock- laschen bei sich. Der der Bank entstandene Schaden ist- durch Versicherung gedeckt. Von den Räubern fehlt bisher jede Spur. Neuer Naubüberfall in New�orf. New Jork, ZI. Dezember. Der Kassenbote einer Maklersirma wurde gestern mitten im Finanzviertel, als er eben das Gebäude der Equitable Trust Cy betreten wollte, von zwei Banditen überfallen und niedergeschlagen. Die Räuber raubten ihm die Handtasche, so der sich 30 000 Dollar befanden und entkamen unerkannt. Fridericus in Ko.n. Für Herrn Hugcnberg. Die. Flötentöne von Sanssouci, die zum Schluß zur Wacht- parad« anschwellen, haben nun auch in Köln gelockt. Aber sie haben in einer liberalen Zeitung ein seltsames Echo geweckt. H. A. Bopp widniet ihnen in der„Köln. Ztg." vom 20. Dezember folgenden Empfang:. „lieber den neuesten tönenden Friderinis-Rex-Film der Ufa wäre eigentlich nur zu sagen, daß er eine völlig willkürliche. frei erfundene Episode um den Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756 webt, die wirklich gar kein Recht auf Anerkennung hat und geistig etwa einer Geschichte im S ch u l l e s e b u ch der Vorkriegszeit für Untertertia eittspricht. Er kann an Gehalt schon gar nicht, an filmischer Gewandtheit nur einigermaßen sein« stummen Vorgänger erreichen. Aber er versucht dafür verblümt und am Schluß ganz unverblümt, mit allpreußischcn Mitteln und im alt- preußischen Gewand einem Preußen von morgen, einem Deutschland von morgen die Flötentön« eines neuen bewaffneten, aus Notwehr kriegerisch gesinnten Nationalismus im Tempo der Parademärsche beizubringen. Und von diesem Gesichtspunkt hergeht der Film uns etwas mehr an als seine filmische Qualität und Schauspielerei. Sinngeinäß verführt er den Zuschauer, die staatlichen und poli- tischen Gelegenheiten von 1756, so wie er sie darstellt, als Wunsch- träum und Gegebenheiten von 1931 anzuerkennen. Man tut aber Deutschland keinen Gefallen damit, wenn man die beabsichtigte Ten- denz solcher schiefer Parallele als Borzug vaterländischer Größe und Gesinnung lobt. Auch der Begriff der Größe eines Volkes ist im Laufe der Zeiten wandelbar, seine Tapferkeit kann sich cb,enso stark in seiner sriedlicken Haltung bewähren. Es ist nicht wahr, daß oaterländicche Gesinnung allein ans dem romantischen Erinnerungs- bild der'Vergangenheit den Traum von der Zukunft eines Volkes baut. Es ist ebenso oaterländisch, die Schwächen und Fehler der vergangenen Historie mit zu berücksichtigen, aus ihnen zu lernen und das nationale Empfinden darüber hinaus in reinere Bahne« und zu weitertragenden Zielen zu lenken. Freilich ist das nicht so bequem, als die deutsche Geschichte der Vergangenheit ewig zu ba- nalisieren. Zweifelhaftes einjach wegzuleugnen und aus dem an wertvollen und schlechten Eigenschaften völlig Uneinheitlichen, sehr bizarren Bild Friedrichs II. einen b i l l ig c n flachen O c ld r u ck vom Alien Fritzen zu machen, so wie es dieser Tonfilm tu!.' Dieser Kritiker wagt dann— o deutsches Ansehen im In- und Auslände!— im einzelnen nachzuweisen, daß das so hämisch bc- handeite Sachsen unendlich viel für das grunddeutsche Barock- und Rokoko geleistet hat(das Friedrich wir nachahmte), und daß der Krieg gegen Oesterreich ein Bruderkrieg und 1806 die Quittung da- für war. ,>Otto Gebühr— heißt es weiter— geht meistens als sein eigenes Standbild durch die Räume und ist im übrigen von einer Schwatzhaftigkeit, die eher in den Salon der Marquise von Pompadour als zu diesem sehr wenig mitteilsamen König paßt. Er ist ein rechter Lebkuchcn-Friedrich, und das Abbild, das uns durch ihn dargeboten wird, tut so, als wisse es mcbt, daß durch den Essay Thomas Manns„Friedrich und die Große Koaliiion". durch die Novellen Bruno Franks und die'Veröffentlichungen Werner Hege- manns ein wesentlich vcränderies Antlitz des Königs offenbar wurde. Freilich kein solch senkrechter Heros, sondern ein recht zwiespältiger Mensch und Charakter." Der Mitarbeiter der„Köln Ztg." bringt zum Schluß die Frage zur Debatte, ob der Film nicht geeignet sei zur Darstellung großen deutschen Schicksals und fordert die R e p u b l i k auf sich zu besinnen, tzpje sie da im staatsbürgerlichen Sinne versäumt hat und wie sie den Film bisher den Film den Geschäftemachern und V e r g n ü g u n g s i n d ii st r i e t l e n überlieft. Wettbewerb um den großen Studiepreis Die Akademie stellt ihre jugendlichen Gegner aus. Die Ausstej�ing junger Talente in der Akademie am Pariser Platz findet stacken Zuspruch. Mit Recht, denn sie ist interessanter und besser als die meisten Beranstaltungen an diesem und an anderen Orten in Berlin, und man will doch auch sehen, wen die Herren der großen Staatspreise würdig befunden haben. Hier stockt aber schon die Begeisterimg. Weder der Frankfurter Maler F e i b u s ch mit seiner rohen und breitspurigen Malerei, noch die uninteressanten Iünglingsatte mit Gliederpuppcngesten von Bild- Hauer Blumenthal scheinen viele Gründe für eine solche viatericll sehr wertvolle Auszeichnung zu bieten. Da sind unter den Skulpturen doch einige bessere?lnwärter zu nennen, obwohl das Niveau ini Ganzen nicht sehr bedeutend ist: T h e u n e r t, A b« l K l a k o w und l)clga M it t h a u e r ergeben für den Laien- verstand, jeder für sich, viel reichere und hoffnungsvollere Anhalts- punkte, sie mit Preisen zn bedenken. Erst recht bei dem Maler- nachwuchs kann man nach reiflichster Prüfung einige Dutzend unvergleichlich geeigneterer Anwärter für den Stacttspreis feststellen. Di« sympatischsten Begabungen sind"die mit malerischer Phantasie, die die Natur in eine unwirklich« Farbigleii und in schwermütige oder ironische Stimmung übersetzen. E. W. Nay (der wenigstens ein« Prämie erhielt), Herbert Jacob mit aus- gezeichnet suggestiven Landschaften, E i n h o f f s«indringliche und farbige Jndusttiebilder, Werner Laves mit seinen schönen brcilslöchigen, stimmungshastcn Großstadtbildern, die intensiven � Nahbilder Karl Döbels und der phaniasieooll verträumte> Hermann Poll gehören hierher: auch das reiche vielseitiges Talent von Elisabeth Rogner, die alle Register malerischer und darstellerischer Wunder ziehen kann, und Felix Nußbaum, der größere Flächen ausgezeichnet zu beherrschen lernt. Rudolf K a t t n e r zeigt ein breitslächig sich gebendes malerisches Können, vor allem in einer ausgezeichneten Pjinterlandschast. Hans Stübner füllt auch das lebensgroße Format mit detaillierter Form und fein beobachteter Menschlichkeit, Karl Leyhausen läßt Wirtlichkeit und Spuk auf geistreiche Weise ineinander über- gehen. Ganz realistisch im Sinne chres Meisters Orlik ist Ilse Voigt in großen und dekorativ farbigen Bildnissen. Zartere Struktur malerischen Auftrags und idyllische Gesinnung der Lebens- darstellung findet man bei Franz Stock, Konrad Rufs, vor allem Cr n st Straßer mit kultivierter Noblesse des Vortrags, und Fritz G o r i n g. Kräftiger zeigt sich die malerische Hand- schrift bei Graf Merveldt und R. Krüger: mehr im Sinne proletarischer Kniist, nicht bloß durch die gewählten Vorwürfe (Kanalpenner, Speisehalle), sondern auch durch die Stimmungs- gewalt seiner kräftigen grauen Malerei, bei dem Thüringer W. I. Schneider. Wenn eio schneidender und fast ironischer Widerspruch zwischen der meist recht vorwärtsdrängenden Art dieser Jugend und der ihrer alademischen Gastgeber ins Auge fällt: so bedeutet da» wohl nicht ein Verlustkonto der Jugend. Uns ist ße jedenfalls von ganzem Herzen willkommen!'" x. i. seh. Marfchäll Zofsre Im Todeskampf. Kurz vor Mitternacht cvur- die Aerzte telephonisch berufen, weil«ine schwere Krise eingetreten war. Um 2 Uhr nachts wurden die Familienmitglieder lind der Mitarbeiter des Marschalls alarmiert. Joffre ikt bewußtlos. Die Atmung setzt von Zeil zu Zeit aus. Die Herztätigkeit wird immer schwächer. Sinclair Lewis über„Im Westen nichts Neuest Der Ncbel-Preisträger Sinclair Lewis, der vor kurzem die deutsch« Fassung des Remarque-Filmes„Im Westen nichts Neues" gesehen hatte, äußerte sich folgendermaßen üoer seine Eindrücke: „Der Film war ein seelisches Erlebnis. Die wahrheitsge- treuen Szenen haben mich so furchtbar erschüttert, daß ich noch lange noch der Vorstellung im Banne dieses Filmes stand. Er ist ein gellender Schrei gegen das Ungeheuer des Krieges, dasstnan bisher noch nie bildlich so dargestellt hat. Daß man einen solchen Fitm in Amerika und gerade in - Hollywood machen konnte, ist für mich eine ganz besonders er- sreillich« Ueberraschung gewesen.> Ich, der Hollywood und die amerikanische Filmtärigkeit so oft kritisierte, habe neuen Respekt und Achtung vor den.Herstellern dieses Filmes gewonnen. Was die Unparteilichkeit dieses Filmes anbetrifft, so kann ich nur sagen, daß die in ihm enthaltene Schilderung des d e u t s ch e n Soldaten, seiner Moral und seines Kamerad- fchaftszefühlcs ganz Überwältigend wirkt. Die unge- rechten'Vorstellungen, die man vom deutschen Soldaten während des Krieges in Amerika hatte, sind durch diesen Film vollständig umgestoßen worden. Es ist ein ergreifendes Werk gewesen." Zn dem Verbot dieses Filmes in Deutschland äußerte sich Sinclair Lewis:> „Jeder, der meine Bücher kennt, weiß, welch große Liebe und Verehrung ich für Deutschland empfinde Ich hoffe infolge- dessen, daß eine Erklärung, die ich über den Film„Im Westen nicklts Neues" abgebe, keinesfalls als eine unerwünschte Ein- Mischung in örtliche deutsche Verhältnisse und Gefühle gedeutet werden kann. Ich kann nur feststellen daß ich den Film vor kurzem gesehen habe, und daß er mir alles mehr als ein Angriff auf Deutschlands Moral, vielmehr als ein« Sympathie- tundgebung für Deutschland erschien Hätie ich nicht den Vorteil gehabt, Deutschland persönlich gründlich zu kennen, wie ich es wirklich kenne und liebe, so Hinte ich von diesem großen, epischen Film nur ein Gefühl der Liebe. Verehrung und Hochachtung für das deutsch« Vaterland gewonnen." Wiener Schutz vor Störunq Die Aufführungen von Remarques Aittitriegsfilm„Im Westen nichts Neues" beginnen am 7. Januar im Schwedenkino. Die Kino- betricbsgesellschafr hat, um den Behörden die Möglichkeit zu nehmen, ein Verbot des Films von wegen„Ruhe und Ordnung" herbeizuführen, sämtliche Karlen für die ersten vierzehn Tagd der sozialdemokratischen Kunststelle überwiesen. Die Kunststell« hat sich verpflichtet, die Karten nur an Mit- glieder der Sozialdemokratischen Partei auszu- geben. Damit ist den Krawallmachern jede Möglichkeit genommen. die Vorführungen zu stören. Es besteht die Absicht, für die Vor- stellungen der ersten vierzehn Tage die Kassen des Schwedenkinos überhaupt nicht zu öffnen. Sollte es doch dem einen oder anderer Störenfried gelingen, zu einer der Vorstellungen Einlaß zu erhalter und Krawall zu machcxi— nun, mit diesen Herrschaften wirk- sehr schnell fertig werden Sächitfches Heujaltr 3>roSil tleufuhr! .Also jedes?ohr habb ich mir nu forgenomm nich wieder mundeizubleim'— om'r gans beschdimmt nich! Unn immer wieder macht mrsch. Godd sei Dank, jetzt schlagd's. Na da, drohst! Woll'n m'r mal anschdatzen, Frau.'S neic Jahr soll lähm. Hoffendlich werd's besser wic's aide." „Mann, das derffde nich sagen. Enn Dohden ders mr nischt Schlechdes nachsagen. Sonst röchd'r sich Unn ö dohdes Jahr ooch, gans genau so. Wcnn's ooch wahr is, dosses nich fiel gedoocht Hot.. „Sisde, jetzt hasdes felwer gesagt! Oder is das nischt Schlechdes?" „Da mußde richd'j drosshorchen Ich habb doch nich gesagt: 's hat nich fiel gedoocht. Sondern: wenn's ooch nich fiel gedoocht hat. Das is was gans andres. Das is sogar ä himmclweidcr Underschied. Bei mir hat doch d'r Dohn off den„wenn" gelegen." „Awr jetzt ahm hasde doch gesagt:'s hat nich fiel gedoocht." „Das war doch bloß in Geschbröch. Ich Muhde dir das doch klarmachen, dah du mich richd'j f'rschdehst Dah de nich schbäder oral sagen kannst, wenn äwas nich klabbd, i ch häddes f'rdorm." ,Lch habb's ooch nich f'rdorm." „Wer denn sonst? Du hast klibb unn klar gesagt,'s neie Jahr soll besser wer'n wie's aide. Das tann weidcr nischt bedeiden, als dasses aide.. na, ich will's nich nochmal ausschbrechen. Da gehd's wenigsdens bloh dir allecne dreck'j. Awr wiedersagen werschdes m'r. Oder ich wer dich dran erinnern." „A, mach keen' solchen Kwadsch. Mier missen's ja doch nemm, wie's kommt. Also drohst! Schdohen m'r an unn winschen uns alles Guhde in nei'n Jahr. Dah m'r immer Geld Hamm, dah de Breife rundergeh'n,— na, unn was d'n noch alles?" „Dah m'r immer hibbfch gesund bleim, unn daß de Gadze nich egal Junge kriegt, unn dah m'r in d'r Lodderie gewinn, unn daß nich sofiel Bollrdik in d'r Weit bassiert...". „Ja, unn dah ich immer Glick habb in Dobbclkobb, unn dah de nich mehr so schimfst, wenn ich mal bisiel schbäder heemkomm'. Unn daß m'r scheenes Weddcr Hamm zu uitfrer schwarzen Bardie..." „Du, Mann!" „'Was d'n?" „Du gönnst offheer'n. Das hat nämlich nu sowiso alles keen' Zweck mehr. D'r Bunfch in Glasern is gald geword'n— unn außerdem muh m'r sich doch zum nei'n Jahr gradulier'n, eh' de Uhr ferdj is mit Schlagen. Sonst gamm m'r sich das ähmfoguhd frieh dein Offschdehn sagen, an exschden Januar." „So. Unn da geht das genau so in Erfillung?" „Je nachdem. Aw'r wenn's nich in Erfillung geh'n soll, da kommt das ooch off. ecns raus, ob m'r sich de Nacht um zwelse araduliert oder frieh." „So. Na da will ich dr mal was sagen: das war dies Jahr nu's letzdemal, daß ich mit nmndergebliem bin. Nächsdes Jahr geh ich ahmds um achde tn mei Beb de. Aw'r gans bcfchdimmd.!" Winderyeiprädi Uber fleulahr „Du. wer had'n das ecjendlich erfunden, das Neijahr?" „Das hat niemand erfunden. Das ih ähm so." „Aw'r das kann doch inch fon selwer so sinn." „Warum d'n nich? Wenn's aide Jahr alle ih, da muh doch wohl oder icwl ö neies komm. Sonst mihde doch de ganse Mensch- heet schdille sb/dehm Zum Bcijchbiel bersten da keene Kinder geborn wern, weil die sonst kee Geburdsjahr häddon. Oder solln die silleicht sahchen, wenn se jemand sragt: ich bin geborn, wo der Zwischenraum war zwischen d'n Jahr neinznhundertdreihj unn dn nächsden...?" „Das geht nadicrlich nich. Awr ich mechde gerne wissen, wer das beschdimmt, Heid« ih das ecne Jahr alle, unn morgen sängds ander an." „Das beschdimmt sich selwer." „Wie ineonsdn das?" „Ich mecnc, daß das enne sehr tombli.zierd« Sache ist. Dos hat sein Urschbrung in den gansen Sisdem, wo mier oof ä Deil drfon sinn mit unser» Lüh munn Schderm. Awr woher wissen denn das de Menschen? Wer sagdn denn um bi- [ das, jetzt in den Oogenblick ih Jahreswechsel, unn nich meinedwegen l enne Schdunde schbäder?"' „Du bist awr dumm. Dos sehnst doch, wenn? zwelse iß. Unn außerdem leiden doch die Glocken." „Die leiden jeden Sonndahch. Unn um zwelfe ih es jeden Dahch zweemal." „Awr's ih doch bloh ee Dahch in Jahr dr een'dreihjjde De- zembcr. Unn an den Dahch ih es ahm. Allemal, wenn dr Ab- reißkalender alle iß. Daran merken ses nämlich haubdsächlich." „Ach so. Unn danach geht das?" „Nu klar!" „Du, da weeh ich jetzt ooch, wer das erfunden hat, das Neijahr unn so." „So,— wer dn?" „Dr Maderialwarnhändler Schbcck." „Wie kominfdn off den?" „Nu gans einfach. Der frdeelt doch immer die Abreihkalender Weihnachden ruin. Unn der hat doch ooch's greehde Indresse ran, dah efdersch mal sowas schdaddfindet wie Silwesder unn Nei- jähr. Bei denn koostn doch die Leide immer dn Bunfch..." Trockener Silvefler „Na, da warn mr wieder mal bei den Dag angelangt, wo mr sagen kann: off Wicdersthn nächsdes Jahr, anschdadd off Wiedersehn morgen. Das kamt ja wieder enne feichdfreeliche Nacht wern, da merkt mr nich fiel fon dn schlechden Zeiden. Hammse denn ooch schon dichdj eingekoost?" „Ja, awr bloh Fresierei. Zu saufen garnischt. Keen Drobbcn." „Da Hamm sie wohl genug Forrat?" „Nee, awr das machen mier nich mehr." „Na nu, das iß doch f erschde, was ich Heer. Seit wenn under- schditzen Sie denn die Drockenlcgungsbeschdrewung? Sie warn doch sonst ooch imitier drgegsn, dah jeder amerikanische Bleedsinn nach- gemacht werd bei uns in Eiroba. Was frschbrechen Sie sich denn da off eemal drfon?" „Zlch, dariewer will ich mich gar nicht eißern.?lwr machen duhn mier das jedenfalls nich mehr." „Ihn' issts wohl mal nich bekomm? Oder Hamm Sie mal rechden Krawall gemacht, dafst Hann» enne Ordnungsschdrafe fon dr Bollezei gekriegt?" „Kommt garnich in Frage." „Nu, was Hamm Sie dn da fr Grinde?" „Sozusagen Frnumftgrinds. Das machen mier aus bessrer Jewrzeigung nicht mehr. Oder, wie mr ooch sagen kann: aus Brinsieb." „Na ja, war aus was dn lr enn Brinsieb? Aus Endhaldsamkeit, oder aus Schbarsamleidsricksichdsn? Oder hads ihm Mann dr Arzt frboden?" „Was gchdn das dn Arzt an?" „Nu. die frbiedens dach manchmal ihm Bazstnden, dasse nich n'ehr saufen solln. Wenn mcindwegen-euer ä Feddherz hat oder sowas." „Da nitzt das doch nischt. wenn eensr bloh zu Silwesder keen Alkohol dringt, unn in irwrigen Jahr, da bestifdr sich womeeglich jeden Dag, der in Kalender schdcht." � „Nee, allerdings nich. Awr die duhnfn doch ooch nich bloh fr den een Dag frbieden. Unn sie önnnn tx»h ooch, gesngt, das iewrhaubt nich mehr." „Jewrhaubt nich mehr habb ich nich gesagt. Oder Hamm Sie mich falsch frschdanden. Ich habb doch bloh gcmecnt, an Silwesder wolln mier uns nich mehr bejaustn. Fon den andern Dogen habb ich doch garnich geredt." „Ach so. Nu, da wollnse wohl enn klara Kobb b�halden' zum Graduliern? Dasse ooch wisien, wasse sich winschen?" „Nee. deswegen ih das nich. Awr mei Mann hat gesagt, an so«nn Dag, wo sich alle bcsaufcn, da machdjn keen Schbah. Da issts doch nichts Besondres. Unn bloh aus Herdendrieo machdrjch ähm nich mehr. Und da schdimm ichn ooch follkomm bei. S Jahr hat doch wahrhafdj noch genug andre Dage." XValter-Appelt. Markenschwindel nach Gewicht Einer, der aus der Bahn geworfen wurde. Einer von den viel-n, denen geregelte Bahnen des Zivil. bcruses zum Verhängnis geworden sind, stand jetzt vor dem Schöffengericht Tempelhos. Bor dem Kriege war N. deutscher Spion in Frankreich: als man seiner habhast werden wollte, flüchtete er: das Urteil des französischen Gerichts— 5 Jahre Gejän�is— konnte an ihm nicht vollstreckt werden. Wohl aber ein anders Urteil— das eines deutschen Gerichts während des Krieges. Ein Hauptmann hatte ihm Feigheit vor dem Feinde vorgeworfen: er r#» darauf dem Vorgesetzten sämtliche Orden von der Brust. Im Jchr« 1920 erlitt N. die erste Strafe wegen Diebstahls. Seine Beruju.� fand er aber als gewerbsmähiger Briefmarkenschwindler. Dos Geschäft betrieb er im Großen. Er nannte sich Ingenieur, trat. als Regie- rungsrat und Regierungsbaumeister auf, führte einen aud�dehnten Briefwechsel mit verschiedenen Städten Deutschlands und m�hüßte Gefängnisstrafen in Oldenburg, Leipzig und Karlsruhe. Im Jahre 1928 lernte chn das Schöffengericht Bcrlin-Tempelhof teiustn. Als er das lctztemal in Potsdam oerhastet wurde, fand man in seiner Wohnung drei Zentner erschwindelte B r i e f m o r k e n— so geschäftstüchtig war er. Das Potsdamer Schöffengericht verurteilte ihn zu 2 Iahren 3 Monaten Gefängnis. Die Berhandlung muhte allerdings auf einen Monat verschoben werden. N. hatte sich in seiner Zelle nackt ausgezogen und seinen Körper mit Tinte beschmiert: er markierte den Verrückten. Ganz bei Trost scheint allerdings der Mann nicht zu sein. Augenblicklich verbüßt er in Tegel seine Potsdamer Strafe. In seine Potsdamer Zeit fallep auch die Handlungen, wegen deren er sich gestern verantwortete. Die Anklage lautete aus falsche Anschuldigung: er hatte einen Kriminalbeamten des Mein- eids und der Bestechung bezichtigt. Dieser Beamte sollte nämlich gelegentlich des Transportes zu N. gesagt haben:„Wenn Sie mir von Ihrem Bankkonto 1000 Mark geben, so erstatte ich über Sie einen günstigen Bericht: tun Sie es nicht, so weih ich als alter Soldat, wie ich Ihnen das Genick breche." N. besaß aber gar kein Bankkonto. In der Potsdamer Gerichtsverhandlung bestritt der Beamte, die Aeuhening getan zu haben. N. erstattete gegen chn Anzeige wegen Meineids und Bestechung. Das Verfahren wurde eingestellt. Der Potsdamer Polizeipräsident strengte aber gegen den Brief- markenschwindler ein Berfahren wegen falscher Anschuldigung au. � N. blieb in der gestrigen Verhandlung bei seiner Behauptung. Das Urteil lautete auf zwei Monate Gefängnis. Karpfenriesen im Rerliner Aquarium. Das Berliner Aquarium hat vor kurzem die größten Karpfen geschenkt bekommen, die bisher in seinen Besitz gelaiigt sind. Sie stammen aus Wiesau im Kreist Sagau, und sind jetzt 24}i Jahre alt. Der«ine, ein Schuppenkarpfen, ist 9 5 Z e n t i- m e t e r ,' der andere, ein Spiegelkarpfen, 8ZZentim«tcrlang: sie wiegen 41 und 29 Pfund. Die beiden mächtigen Tiere bo- wohnen zusainnten mit einigen gleichfalls sehr großen Artgenossen und sogenannten Goldkarpfen, einer chinesischen Zuchtrasse des Karpfens, das große Doppelbccken Nr. 9 der Sühwassrrahtciluug. Der tadellose Spiegelkarpfen, ist jetzt allmählich ans Fiulcr gegangen, während sein größerer,. beim..Fänge etwas bgichadigter Genosse noch nicht zu frcs'M angcfättgen hat.' Anfänglich.�ersucht n Zolcha oinHsfogto»(yerrn�- zuspringen, so daß besondere Vorsichtsmaßregeln getrosfcn werden müssen. Späterhin fühlen sie sich völlig heimisch und nehmen das Futter ohne weiteres aus der Hand. welter für Verlin. Wechselnd bewölkt ohne nennenswerte Niederschläge, Temperaturen noch über Null, Winddrehung auf westliche Richtungen.— Für Deutschland. Im Nordosten Milderung und trübe mit Niederschlägen, im übrigen Reich« veränderliches Wetter mit Temperaturen über Null. Verontwortl. rUr die Redaktion: Herbert Utpitt, Berlin; Anzeigen: Tb. Sl-cke, Berlin. Bcrlaa: Lorioiiits Berlao&. m. b. S.. Berlin, Druck: Borwäris Bum- druckerei und Derlagsanstalt Paul Einher& Co.. Berlin SW 68, Lindcnstrakc Z. Hier,» l Beilade. "riiscrtsi', Lichtspiele usw. Mittwoch, 31.12. staats-Oper Unter d. Linden 121. A�V. 19 Uhr Spiel otn Erast stlvesierspnk Die Verlabling bei der Uteree Ende 21'h Uhr staats-oper tu Nit! der Repuilik, 19 Uhr Die FMihiids 0iHnll..far1nnrknl Ende 22 Uhr Mittwoch, 31. 12 staut, oper Bismarck str. Turnus III 19 Uhr Der WiiUsitiOtz Ende 22 Uhr Staatl. Schausph. (aa liaidirmriiurktl. 104 A.-V. 20 Uhr citarieys Tante Ende g. 22';,. Uhr M'.MIIet'IimleUiiMz 191/2 Uhr: Zam t, Male 100000 Taler Ende nach 22 Uhr Tani. S u. 8" Sonnt. 2. so. B" Alex. E 4. 8066 I. Vorstellune SO PI. bis I M. II. und III. Vorst. 1 bis 2 M. Heute lentep Tagt Carter, Movello, Sdiaefers KOniilcr-Retnie usw. AD morgen! FRATELLINk-TRIO usw. WiiNjr ' Garten- i 16 übt. ieott. 2619. eaudien ertsuiil. Alax Kyde und solnn 12 Muskat- Lödlas. 4 Karreys. Catalinl. Willi Schäffars. flschar-Köppa usw. VolKsbOhne Tlicater an EOlroplati. 7 Uhr: Die Derrandanten Staatl. Sdiil!er-Hi. T'/a Uhr 100 000 Taler Qeutsdisi Tbeatei Täglich 8 Uhr Balte liifas; 7 Mit Elisabeth von Eagland von ferfl Bruckner Regit;Jiein Hilptrt Kammerspiele 8'/. Uhr;. Hute{afaeg 7 übt Jules Ulieue uiien von T ristan Bemard Regie: Bans Depp« Die Komödie 8V» Uhr Beile fifang 7 Uhr Die Fee von Franz Uolnar Regie: Siefen Hotk. eute'Sftnser ivoubusser Str. o F.?. Obcrb. 6070 Tägl 8'« Uhr Weihnadits- glotksn Hier Berlin ti rohes Weinnatbis- losisplel 7rrnk. II-?. UnA. ab£ .udnclttaes 1 leine Pnia! weSd«« Singspiel in vielen Bildern. Cara. Splra, tlanaen. I. ir.hr, Wallbnrg, Arn«. Janhahn, Paal HOrliiger, Lena. Hehaefler*. Wlnhelklern, Roll«,»ranl, Stark•(Jaeettmbaucr, Original Tiroler H atarhcntAnrer. Original Tiroler Jocklerlnnru.Qnineelt, i Sfa.lh-Trlo ans Sehllcrsce. 1 Ja«- Baad/ Glrla n. Bo.va I«rosse Clidre. Oer Zelt rntsprcrhentl sind, trota des I riesigen Andranges. C 0' (die liasscuprelso um.£9 0 mllsalgt. Bamowsky- Salinen Thsntn In «er sireseraunns». Heute 7 Uhr U morgen tägl 6">I!. Ein idealer Galle mit Harrt Liedtke Komödienhaus Heute 7 Uhr U norgn tigL I'> D. Cocktail von (Dnooillet iBiua? Berliner Ttiest. Heute 7 Uhr üb morgen tägl. 3 v. G. Mr«. Cheney} Fnde mit: Elisabelb Rergner. CASUIO-TBEATER»-vb. Lothrinöer Strafte 37. Nur noch bis 31. Dezemöcr Derkeufdie Lebemann und das grofte Festprogramm Am I. Janaar zum ersten Male: Biederleute ClUtschein 1—4 Pers. Fauteuil 1.25 M., Sessel 1.75 M— Sonstige Preise Parkett 75 PI, Rang 60 Pt. Reichshallen-Theater «wii HZ ür. Silvester-ütk- Miel lang stetilner Sänger iMorgen 1 lanuar 1Q31; Abends Ij�l oadiniittag FTTf za halben Preise® I Dönhoff- Brettl: Die heröhmte alt iiher- lleferte Reic sbai en- sUvcsterfcfcr mit Variete und Tanz. Kapelle-Hans S xtus! Populäre Preise! Deutsches (Onsller-Theal. Barbarossa 5937. 7>,. Uhr Zorn ooldenen Anker mit KSths Bors® ionnab. usd$tg.4Uhr: Emil h. die Detektive Renaissance- Iheater Stcinplatz 6780. 7** Uhr muB die Kuh Mllcn geben? mit llbart Bassinuno Sonntag, 4. Jan. 3.30 Uhr VDnmtersudiung ROSE TH BÄTE R GroBe Frankfurter StraBe 132 1 1 UlllettUsw: Alex 3422 u. 3494 | Jetzt auch D- Bahn: Strausberg.Plutz{ Täglich 8i/i Uhr: Die Dollnrprlnxesain { Sonnabends auch 7 und 10� j | Sonntags auch 2�5�11. S Uhr| Voranrel�e s Ab 9. Januar Jed. Olanst., Mlttw., Oonnerat.u.Fralt. 5 �Uhr wieder| j Famlllcn-Nahcbmlttaarc| Aufgeführt wird „ZwangseinqnartienLng*' I Preise von 30 Pf. bis!Ä0 15 Programm u.Garder. je lOPf. I Kaffee mit Kuchen, Bier mit| Salebrot je 30 Pf. Hrl Wejüs Täglich SV* Silvester 7 Uhr Seiuailaneller Operetlencriolg I Viktoria undihrHusar Nenes Theater w« am Zoo«»»»>» ÄmBibnh.loi). StpL 655f Heute 7'Ai Uhr Ende 10 Uhr Der er. Lacheriol?! Guido Thielscher Das ottentücne Aergernis Preise i bis 8 M Neujahr 3 Uhr Caspars Wuoderftahloetj Rose- T liealer fir.FransinilerStr.'.O; Tel. Alex 3422 u 3i?« 7.30 Uhr; Die Do'iaipri.izes5!.7 metropot-Theater Täglich 8Vi Uhr Silvester 7 Uhr schön ist die weit Opereye von Lehäi Bidianl Taub«. Gitta.tipar. Sdiilbeiilior!. I mm-IliM Täglich gt.'« Uhr Silvester 7 Uhr Mamsell Nltoodic Operette von Heivc Tallaiann, Idalbert. Jöbeo Kleines Theat. Täglich 8V» Uhr: Silvester'/jS Uhr Der gr Lacherfolg Der Rlustergatte Schwank In 3 Akten Plscaior-Bflhne (Wallner- Theater) Alex. 4592-93. S'lt Täglich 8>/< Silvester 7 Uhr Neujahr S'h d.S'A U. Mond von links Preise 0.50-6.00 M. siromple wasche Gardinen Kaufhaos Emil Moses Koai. BirkBostr.29(Eike Putlilzstr.) p i ■MIM MlllgT Nur eross- Berlin AtexantforplntK «»Ww 'epugniQv Restairant Berlins SaalhaDFrietiriilisliaiiii �uiiiniiuiiiiiiiinuniiUiiiitiiiiiiiiniiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiHUHiij�l Größte siMeier MOnaeocr Hetz— Eütincnsömn SiiveslerbaU JUERGEMS Ueherrasmunoen leglldier Art Eintritt eiiudilieftlich Tanz l.— Mark Lustspiemaus Kurt SM! Täglich 8'.» 0ir: Silveä'er 7 Uhr Vom Lieben und Ladien Alaxandarplalz Neu. K6nlg»lr.43 , Patente ITTKBäl Waten,(t- I jjitrt Dr. togd.hB, IlSWSLGitschwerftr. i llllllilllüll Komiscna oper Heute BetinnTU« U. Reppina Operette von Robert Slolr. Theater am SöiHtDaiiefflamm Norden$813 u. 0281 Täglich SV» Uhr Ende 10 Uhr Die Quadralnr des Kreises Lustspiel v. Katajew mit: Ifrltr. lenja, Bob- EBii. lom, Lingsn. Preise von 1— 12 M Theater im Mmiralspalast 1 Heute 7*« Unr: mWaiiüü Uai den Fleiki (Beilage Mittwoch, 31. Dezember 1930 AprWM �inJauXtfaJ&? Ad l£rfu*ds& Präludium. Mein eignes Lachen hallt von leeren Wänden und greift nach mir mit langen chänden und lacht mir wie ein Fremder ins Gesicht, und lacht und lacht— und sticht und sticht. Ich sehe mich dann aus dem Spiegel steigen und mit dem Finger auf mich selber zeigen, ich mochte schrein: Derfwcht, was willst du hier? Der andre steht indessen lächelnd an der Tür. Die Stühle sangen blöde an zu wackeln und durch das Fenster brennen gelbe Fackeln, das find die Blütenkerzen des Kastanienbaumes, doch brennen sie wie Feuer eines Traumes. Gestalten längst verwehter Träume kommen, ein kleiner Junge bringt mir einen Korb voll Sonnen, die sind wie reise Kürbisse so groß und""gen in dem Korb aus weichem Moos. Di« offnen Fenster sind mit einem Mal oergittert, die Lust rennt von mir wie ein schlankes Reh, die Ferne schwimmt in trübem Grau und zittert � und irgendwo kommt's dunkel heraewittert und tut mir nur im Äopf ein wenig weh. r. Ich weiß mit mir nichts Rechtes anzufangen, mein innrer Mensch hat sozusagen einen Knick. Drei Wochen schon bin ich mir aus dem Weg gegangen und finde nun nicht mehr zü mir zurück. ?ch wollte nur ein wenig von mir ruhen und ließ mich an der ersten besten Ecke stehn. Ich trat mich wie den Staub von meinen Schuhen, und ganz im Ansang war das angenehm. Jetzt nwcht' ich mich ganz gerne wieder haben, wer gibt mir Auskunft und wen�srage ich nach mir? Ich lieg vielleicht in irgendeinem Graben, vielleicht auch hinter einer fest verschlosinen Tür. Ich suche mich. Der Wind komnit lau und leise und bringt das Herbe ferner Gärten mit. die grauen Häuserreihen lächeln weise und ich steh da und wünsch mir«inen Tritt. Ich weiß mit mir nichts Rechtes anzufangen, mein innrer Mensch hat sozusagen einen Knick. Ich möchte einem ein paar'runterlongen. ich hole aus und fühl« mich befangen und schieb mir nur den Hut ein bißchen weiter ins Genick. K.. Ich hänge bei mir an der Wand und bin im gleichen Raum als Doppelter vorhanden. Ich bin mir selber noch sehr unbekannt, üh hang« erstens einmal an der Wand und habe das noch nicht ganz überstanden.- Ich toimn« heim und finde mich schon da, und ich begrüße mich sehr steif und förmlich. Mir wird dann vor mir selber ganz erbärmlich. und ich verdränge mich beinah. Wir haben zwar dieselben Züge, ich red« un� der andere bleibt swnuu. Wer von uns beiden ist nun«ine Lüg«? Ich häng« an der Wand für jede Fliege und andrerseits lauf ich als Mensch Herum. Der andere schaut„üch an, wenn ich mich schlafen lege, er weiß zuviel von mir und leidet nicht mehr mit. Er lächelt weife über meine Schläge, und jeder Blick von ihm ist mir ein Tritt. Ich weirdc mir dann schließlich selbst den Rücken und grinse mich zuweilen an. Ich hänge an der Wand zu anderer Entzücken. und sie durchs orschen mich mit ihren Blicke». was ich ja letzten Endes doch nicht ändern kann. lll. Myn müßte sich in einem Labyrinth verlieren und später jemand treffen, der man selber war', und mit ihm gehn und mit ihm dtski»ti«ren, und wenn er„Biel" sagt, sagen:..Mehr". Map müßte sich am Tag zweimal venchenke» an jemand, der einen auch zweimal uiag. uich HsnterHer nicht schlechter von ihm denken als sonst an einem Wochentag. Man müßte wenigstens zwei-, dreimal sterben, damit man es genießt und es sich wirklich lohnt, und einmal etwas mit sechs Nullen erben, und eine Reise machen nach dem Mond. Man müßte älter sein und jünger werden— man müßte nicht„man müßte" sagen, nein, selbstzufrieden die Antenne erden und einmal wöchentlich den guten Anzug tragen. Ein Postschaffner wurde zum Oberpostschaffner ernannt Darauf hat ihn der Stolz übermannt: Er arbeite auf keinem Postamt mehr, Man stelle ein Oberpostamt her! Das hat zwar viele Leute verdrossen, Jedoch die Ober haben sich angeschlossen. Und nicht nur die Schaffner, sondern auch Assistenten, Sekretäre, selbst Und so wurde das Oberpostamt geboren. sDirektoren. Man kaufte da Oberpostkarten, Oberpostpaketadrcssen, selbst Ober- briefmarken, Numeriert gedruckt und handsigniert auf besonders starkem Kaiserlich Japan, mit der Hand mit Leim bestrichen— Nachdem kurze Zeit verwichcn, Entstand der Oberphilatelist, Wennftc vielleicht sv einer bist.--- Die Zeiger liefen still und stumm Auf ihrem Zisfernblott rundizni. Der kleine langsam, der große schnell, Jeder nach seinem Naturell. Aber sie waren unzufrieden Mit dem Los, das ihnen beschieden, Und beschlossen einmal um Mitternacht Etwas zu tun. das Aufsehn inacht. Nämlich sie tauschten ihre Rollen, Der große zeiget« nun die vollen, Der kleine die Viertelstunden an. Am Morgen schrie entsetzt der Man»: Mathilde, wir haben uns verpennt! Uni» ist verrückt zum Dienst gerennt. Oberlei nhesgerichtsrat Haberecht hat ein Fräulein Doktor jur. geehlicht, mit ihm zu begründen ein neues Geschlecht, das die Menschheit absolut beseligt. Nämlich, es sollte diese Nachkommenschaft nie verstoßen gegen irgendwelche Paragraphen, alle Moral sozusagen zusammengerafft, haben sie miteinander geschlafen. Das Experiment ist. durchaus gelungen. Unerhörtes Verdienst haben die beiden erworben, sie erzielten einen gänzlich einwandfreien Jungen, leider ist er bei der Geburt gestorben. Zwar sind die Mädchen von Natur blutdürstig wie die Ratieil Brunhild ging's um den Liebsten nur, das kam dem Floh zustatten. Sie setzt ihn ihrem Freund ins Ohr, so blieb der Floh am Leben. Zwar kam der Ort ihm enge vor, Doch mußt er sich ergeben. Er blieb nicht lange so allein. Der junge Mann sing Grillen, die brachten Geigen und Schalmein. da tanzt der Floh auf einem Bein, halb wider seinen Willen. Der Floh glaubt schon,'s bleibt immer so, er tanzt, die Grillen geigen, der Perspektive eines Floh ist nicht viel andres«igen. Der junge Mann jedoch vergafft sich plötzlich in Kamillen. Da hat er schleunigst abgeschafft den Floh samt allen Grillen. Was weiter unserm Floh passiert,— ja, wer kann das wohl jagen? Ich Hab ihn' nieinals mehr gespürt, nur in Brunhildcns Tagen... Manch kleiner Floh hüpft frisch and froh � bakd hier, bald anderswo. iTat Die Leiter, die fängt unten an, Damit sie oben enden kann. Man stellt sie gern an Wand, an Zlst Und steigt empor, wie's einem paßt, Das Ziel, das man sich vorgenommen, Wird dergestalt gar bald erklommen. Nun denk dir aber dieses Ding Im Kreis herum wie einen Ring. Du kletterst daran unentwegt— Was tut es jetzt?— Nun. es bewegt Und dreht sich mit dir an dem Ort Im Kreis herum.— Ein seiner Sport! Und je nachdem, ob fest die Achse Oder entfernt, hat das Gekrackfe Den Sinn, daß du im Kreise lau-, st Oder dich von der Stelle pslänzst. Denk weiter, dieses sei das Leben, Die Leiter, die du grade wähnst, Die zu ersteigen du ersehnst Mit Vorwärtskommen, Aufwärlsstreben Ach Gott, sie ist hall nur ein Rad. Uni» du, du klellerst früh und spat Und tanzst doch auf derselben Stelle. Nur selten ist einer so helle, Bei diesein Tanze zu erlernen: Du mußt die Achse draus entfernen. Meist wahrt's schon lange, bis er rät, Daß sich das Ding im Kreise dreht. Machst du dir aber das Vergnügen Und willst die Leiter geradebiegen— Das laß nur. sie zerbricht dabei, Und aus ist selbst die Tanzerei. AM Ein kleiner Floh hüpst frisch und froh bald hier, bald anderswo. Jedoch ein Mädchen, jung und schön, erwischt ihp mit geschickten Händen Wo» wird den» arinen Floh gcschchiz? lvtuß er sein Leben enden? Vom Leben bröckelt Stund um Sturü» ein Stück. Man weiß— nicht eines kommt davon zurück. Doch davon sei die Rede nicht im Augenblick. Die Urne mein' ick» auf dein Bücherfpind, der längst dreitausend Jahr verstrichen sind die dennoch jung ist, wie ein kleines Kind. Kein Stückchen bröckelle die Zeit ihr ab; gleichgültig, ob sie stand in ihrem Grab oder das Schicksal sie in meine Hände gab Jedoch vor?lmias Händen fall es sie benrahre! sie pflegt mit solchen Suchen.anders zu verfahre n.' im Nu hat sie vollbracht, woran die Zeit sich müht seit taujenö Jahren. Die Windsbraut jagt durch Wald und Kluft. Sie sucht den Boreas, den Schuft, Der sie. versetzt, inzwischen nahm Sie Notos. der vom Süden kam. Auch dies Erlebnis fand sie schön lind nannte es, weil's schwül war, Föhn. Doch polygam, wie sie min ist, Entfloh sie ihm nach kurzer Frist Und wälzt sich in der Südsee Schoß In'nem Zyklon mit chespcros. Der bracht' ihr immer Aepfel mit, Wofür sie die Umarmung litt. Zephyr pussiert sie dann ein Weilchen In einem andern Erdenteilchen, Bis Boreas sie wiederfand Ganz zufällig in Samarkand. So lebt die Windsbraut froh auf Erden Und will durchaus nicht Wtndsfrau werden Amh unmoralisch gilt's den Winden, sich«wer dauernd zu verbinden, Und da's nur«ine Windsbraut gibt. Jedweder Wind sie herzlich siebt. Nachkcunmenschast genug erblüht Doch nie man Mädchen hört ncch sieht, In Flur und Feld, Palast und Stübchen. Was du auch triffst— stets sind es— Bübchen. Tief in der Erde ruht versteckt ein antidlluvialer Fu*d. Er fühlt's: noch ist er t«incr und dumpf hofft er, daß ihn wer enbcckt. Wie schön war's vorm Diluvium! ein Megather, mit Fleisch und Knochen, ist er vergnügt herumgekrochen, nun siegt er da— ganz still und dunnn. Wenn ihn nun niemals jemand fända Ein Nichts blieb er auf dieser Erden, nie würde er er selber werden Ergeben ruht er im Gelände. Kleine'Befrachtunffen ßin Film mit ZU Capcno Es soll jetzt in Amerika mit jenem ein Film gedreht»erben, der so manches Ding gedreht hat: mtt A l E a p o n e. dem König der Ehikagoer Unterwelt(die sreilich längst ein« von sämtlichen Schein- werfcrn der Publikation bestrahlte Oberwelt geworden ist). Eines der Charakteristika unserer Epoche ist dies, daß sie«ineif ungeheueren Erlcbnisbedarf hat, einen Heißhunger nach Geschch- nissen. Früher teilten sich die Literatur und die Iouniolistik in die Aufgabe, an den Alltag des Menschen seltsame und aufregende Er- eignisje heranzutragen. Bücher werden heute mehr gedruckt als frülzer, die Scnsationsblätter haben ebenfalls an Zahl zugenommen: zu den Büchern und Zeitungen sind Kwo und Rundsunk getreten, die auch ihre Forderungen aus Beliejerui'g mit Lebcnskuriosa anmelden. Woher nchmen? Es passiert vielerlei auf der Welt, was dem Wisicn schaftler, dem Politiker, den, wahrhaft Bildungsbeflissenen immer neuen Sioff zur Abrundung seines Weltbildes gibt— aber es passiert nicht alle Tage so Aufregendes, daß auch der Sensationslüsterne auf seine Kosten konimen kann. Die Folge ist der Krampf. Aber gerade der Kramps ist es, der zuweilen besonders helle Schlaglichter auf eine Situation wirst: Al Capone, der Berufs- Verbrecher aus asozialem Instinkt als Filmstar...! Welche Konzession einer der Theorie nach in den starren Bahnen der Heilig- sprechung des Privoteigeiitums wandelnden Welt des Kapitalismus an die Kehrseite ihrer Moral! Man stelle sich eine Religion vor, die ihren Erzfeind, den Gottes- zettrüinnierer, liebenswürdig-guwiütjg, väterlich-streichelnd zu Worte kommen läßt, ihn respektiert, ihm zu einem Podium verHilst! Auch der Kapitalismus, und besonders der amerikanische, ist eine Religion, aber eine müde Religion, eine Religion mit innerem Unglauben an sich, eine Religion, deren Phantasie ohne die Aiierkeniiung ihrer i-crneinuiig nicht mehr anzukommen vermag. lil. B. SEwei"Bvüdev vcv Qcvicbi Groß sind Prozesse dann, wenn verkrachte Bankdirekroren oder ..adcrs-Menschen, die„bessere Tag« gesehen hatten", wegen Betruges vor den Schranken des Gerichts stehen. Dann horcht die Welk auf .jedes Wort aus dem Gcrichtsfaal. Kleine Prozesse sind, wenn hungrige Menschen aus Lerzweifülng zum Berbrechen getrieben wurden. Oft sollt« die Welt gerade diese kleinen Prozesse hören. Wenn Menschen, Menschen mit warmen Herzen auf der Anklage- bank sitzen! Bor einem Wiener Einzelrichter swd zwei Brüder, 19 und 20 Jahre alt, des Diebstahls angeklagt. Sie haben angesichts des kommenden Winters zwei Säcke Kohlen von cilieln Lager gestohlen. Beide leben in großer?tot von kleinen Gelegenheitsarbeiten. Er- nähren ihre Mutter mit. Oer Richter läßt zunächst den filteren der Brüder hcreinführcn. „Sie bekemren sich jchuloig?" „Ja." „Schildern Sie die Tat." Ich bin über den Lagerzaun gesprungen, habe die zwei Kohlen- sacke weggeschleppt und über den Zaun geworfen." Der Richter: Sie können doch nicht alleine diese zentnerschweren Säcke üb'er den Zaun geworfen und dann fortgetragen haben! War Ihr Bruder Ihnen behilflich?" Angeklagter:„Nein, nem, Herr Rat, er ist unschuldig, ich war's ganz alleine." Der Richter läßt den Aelleren wegführen, dann wird der Jüngere hereingebracht. Dasselbe wiederholt sich. Der Jüngere schildert genau so die Tat. nur wi�l er sie völlig allein begangen haben.. Ich versichere Sie. Herr Rat. mein älterer Bruder war gar nicht dabei. Er weiß nichts von der Tat!" Nun läßt der Richter den älteren Bruder wieder hereinkommen und hält den beiden ihre Aussagen vor. Der Aeltcre wird blaß, als er hört, dag auch sein Bruder gestanden habe. Cr schreit auf: „Herr Rat. mein Bruder lügt, er war den Tag zu Hause, krank." Dann aber, als er merkt, daß nichts mehr hilft, brüllt er feinen Bruder an: „Idiot, jetzt sitzen wir beide, und die Mutter kann schauen, wie sie weiterlebt." Der Angeklagte brach vor Aufregung in Tränen aus. Die Brüder muhten wegen Diebstahls verurteilt werden, aber beide Ernährer blieben der Mutter erhalten. Das Gericht erkannte Bewährungsfrist an. FtcckefcUev betet John D R o ck c f e l l e r— Multimillionär und nun bald 02 Jahre alt— wurde interviewt und erklärte, in seinem Hause werde jeden Tag ein Gebet aufgesagt, und er werde das Bewußtsein haben,.eine gute Tat getan zu haben, wenn dieses Gebet in der ganzen Welt bekannt würde. Und Tzerr John D. Rockeseller begann: „Herr, mache uns bereit, die Segnungen mit anderen zu teilen, mit denen du unser Leben gekrönt hast Hilf uns. zu begreifen. daß unser größter Gewinn darin besteht, mit anderen zu teilen, was du uns so gütig gegeben hast. Bereitwillig haben wir empfangen aus deiner Gnadenhand; nun sollen wir auch bereitwillig von unserem Besitz denen, die es bedürfen das geben, was wir geben können Da unser Herr jedes Leben, das von ihm berührt wurde, reicher gemacht hat durch feine Gnade, so sollen wir unser Leben um seinetwillen zu einer Ouelled es Segens machen, indem wir bedenken, daß wir, wenn wir anderen geben, ihm geben, ülinen." Es ist nickt bekannt geworden, mit welchen Gefühlen dxr Jour- nalist die Batschaft des HerrivJohn D Rockeseller aufnahm, wohl aber, daß eine staatliche Unterstützung der Multimillionen j amerikanischer Arbeitsloser, die es neben den amerikanischen Multimillionären ja auch gibt, gerade von den Multimillionären 4 ia Rockeseller mit aller Vehemenz abgelehnt wird... Wacbwcvt zu einer Erbvanbung Raymond Poincar«-, jahrzehntelang in Frankreich der erste Mann, war in der vergangenen Woche lebensgefährlich krank. Di« Zeitungen waren im Alarmzustand, und es gab einen Morgen, an dem der Zeiwngsleser Im Hauptblatt jenes Kreuz zu finden glaubte, das das Ende bedeutet. Aber im Gegenteil! Bon einer Besserung war die Rede, und heute liest der Genesende wohl mit einem Frösteln die Artikel, die beinahe schon Nachruf« sind. In einem jener Zeitungsbericht« war etwas zu lesen, was uns heute noch interessieren kann: In der Nacht, in der Poincarts Leben an einem Faden hing, wurde die Straße, in der er wohnt, für den Berkehr gesperrt. Kein Laut sollte den genesungbringenben Schlaf beeinträchtigen. UnS wenn wir bedenken, daß gerade kurz vor dem Krankheitsfall die Augen aller Franzosen aus den Mann gerichtet waren— anläßlich der Umbildung des Kabinetts—. fo kann es u>s als gerechtfertigt erscheinen, wenn das Leben dieses Einzelnen vorzugsweise gehütet wird. Es gibt gewiß Leute, welche die Maßnahme ln diesem Sonder- fall als eine übertriebene Rücksicht ironisieren. Es sollt« euch nicht ärgern, ruf« ich diesen zu. daß die Ruhe eines Einzelne» geschützt wird, sondern ihr solltet besser selber dazu beitragen, daß die Ruhe in eurem eigenen Wohnhause gewährleistet werde! Glaubt ihr, ihr hättet noch niemals— wenn auch nicht böswillig— eure Ruch- barn geplagt? Ein Berliner Gericht hat freilich vor kurzem den Wannfeern das sicherste Mittel gegen den Lärm empfehlen: Watte in die Ohren. Aber den Lautsprecher möchte ich hören, der nicht durch Watte hindurchdringt, als war's Papier. Die Polizei schützt die Straße vor Lärm und Musik, indent sie uns zwingt, die Fenster zu schließen. Aber liegen auf der Straße die Kranken und Müden? Laßt uns, che wir zu sprechen, zu lachen, zu singen, zu schlmpsen beginnen, uns selber einen Dämpfer ailfsetzen! Wir alle sind Ge- quölle und Quäler zugleich. Laßt uns stets denken, nebenan schliefe ein-Kranker um sein Leben! I. bl. tt Buch 3m Slugzeug zur Jtörcenlagd Wenn früher Handelsherren und Majestäten von ihrer„anstrengenden" Tätigkeit des Hcrrschens in geräumigen Jachten und auf langen Rersen Erholung und Zerstreuung suchten, so ist heute dem Flugzeug diese Ausgabe zugesallen. Zell ist Geld— deshalb eilt man im sicheren dreimotorigen Flugzeug schnell in die wild- reichste Grassteppe Afrikas, knallt ein paar Löwen und andere Bestien ab und erlebt eine Fülle großartigster Eindrücke. Ein Stab van weißen Technikern und Kaufleuten hat für alle Bequemlichkeit vorgesorgt,«tn Heer von schwarzen Dienern steht zu jedem Handgrtss berell— das macht der Zauberer Geld! Und nach sechs Wochen ist man wieder im Privatbüro, hält Konferenzen über Lohnabbau und gibt Interviews über die ständig wachsende Notlage der Groß- industrie und Finanz!—*............ Das ikt per!»)«<(* d-n uns Walter Mittelholzcr in seinem Buche„K i l i in a n d- j a r o- F l u g"(Orell Füßll � Berlog, Zürich 1930, geh. 6,40 M.. geb 8 M.) schildert. Glücklicherweise ist von dem Jagdausflug des Wiener Großfinanziers Rochschild nicht viel die Rede— dafür werden uns um so begeisterter und begeisternder Flugerlebnisse in der afrikanischen Gebirgs- und Tierwell erzählt. Was nie«in Mensch vorher gesehen hat, ist dem Flieger vcr- gönnt zu erblicken und im Bilde festzuhalten: Die weißen Vulkane Zentralafrikas, der K e n y a sölSö Meter) und der K i l i in a n d- j q r o mit seinem Doppelgipfel, dem spitzigen M a w c n z i (5143 Meter) und dem breiten K i b o(6010 Meter), werden in kühnem Fluge bezwungen. Die Urwälder und die Grassteppen enthüllen ihre Geheimnisse, Tausende, Zehntausende von Tieren cnt- fliehen vor dem Domrergetöse der in wcnlgen Metern Höh» dahin- schießenden Maschine. Nebenbei gibt es aufregende Jagderlebnisse und leidenschaftliche Tänze der Neger. Dies Buch ist eine bemerkenswerte Bereicherung unserer Flug- literatur. Leider hielt es Mittelholzer für notwendig, stall der Er- lebniffe der Hinfahrt uns allzuviel Uhrzeiten, Höhenzahlen und Fahrtgeschwindigkeiten mitzuteilen Wer sich nicht gerade sehr dafür intcrefsiert. überschlägt besser die ersten Abschnille. Ein besonderer Reichtum liegt aber in den 125 technisch ausgezeichneten Tiesdruckbildern. Das ist der Vorzug gegenüber dem gleich- namizen Film Mkttelholzers: nwn kann zu jeder Zell die Bilder wieder aufschlagen und in Ruhe betivchten. So entdeckt man immer wieder Neues aus dieser fremden und jetzt doch so nahen Well paradiesischer Wildnis. Gleichzeitig wird noch ein Fwgbuch vorgelegt: I. Breit- Haupt„Mit„Graf Zeppelin" nach Süd- und Nordamerika" (M. Schauenburg Verlag 1930). Die durch zahlreich« Schriften und zellgenössifches Miterleben bekannte Amerikareise des Lustschisfes wird hier von einem Fachmann und Mitreisenden knapp und doch umfassend geschrldert. Vor allem interessiert die im Ptauderton vorgetragene Technik der Luftschifiahrt. Zahlreiche Bilder heben die Anschaulichkell des Werkes. Wilhelm Tietgens. Rätsel- Ecke des„Abend" Kreuzwort-Silbenrätsel Waa gerecht: 1. Stadt auf Samoa: 3. Berliner Stadtbezirk; 4. Truppenbezeichnung: 6. Uebeltar; 8. Stadt in Thüringen. 9 Natur- kraft; 10. Stadt in Rußland; 12. Nebenfluß der Weichte!; 13. woibl. Borname: 15. nordische Göttin: 16. ital. Landschaft.— Senkrecht: 1. Osrseebad: 2. Artist: 3. Fluß in der Mark: S. Turnabt.'ilung: 7. grammatische Be, Zeichnung; 11. Erquickung: 12. Roman von Zola; 14. Lvbgesang: 15. europäische Halbinsel. Buchstabenrätsel Aus den Luchstaben aaaaaäddddlteee -eggghh. hiiiiiiktlnnnnnnnno oooorrrrrrrssttuwzz sind 15 Wörter von je vier Buchstaben zu bilden, deren Anfangsbuchstaben aneinandergereiht ein Rätselwort ergeben.— Die Wörter bedeuten: 1. Wasser- iahrzeug: 2; europäische Hauptstadt: 3. weiblicher Vorname: 4. Fisch- gattunP 5. Zahl; 6. Naturerscheinung: 7. deutscher Fluß: 8 Farbe; 9. Ort m Thüringen: 10. Schmuckstück; 11. Blutenstand; 12. weiblicher Dornam«: 13. Mineral; 14. Nebenfluß der Elbe; 15. Bade- strand bei Venedig.— ekr.— Zahlenrätsel Für jede Ziffer in nebenstehender Figur ist ein Buchstabe zu setzen, so, daß sich Wörter folgender Bedeutung ergeben: 1. Erdteil: 2. Pflanze: 3. salzsaures Ammoniak; 4. Ueber- sichtstafel: 5. Fleischröllchen: 0. Schalllehre: 7. Raubtier: 8. Teil einer Zellung: 9. Land tn Europa; 10 geographischer Begriff.— Die erste senkrecht« Reihe muh dann den Namen eines Erdteils ergeben. dt. L. Derwand'ungsrätsel Di« Wörter Ocker, Nabe, Kain, Iran, Donte, Taft, Jeder, Kammer, Ehre, Tonne, Gaumen, Angel, Pegel, Tadel. Esel, Zelle, Lohn, Lasso sind durch Austauschen der Anfangsbuchstaben in andere Wörter zu verwandeln, die Anfangsbuchstaben, richtig gefunden und aneinandergereiht, ergeben ein Sprichwort. � ekr.— Auflösungen in der nächsten Rätselecke. Auflösungen ber letzten Rätselecke Der Weih nachts st«rn: 1— 2 Lora; 3— 1 Tanne: 4—5. Etat; 6— 7 Staub: 7— 8 Bonn; 9— 10 antik; 10—11 Kino: 12—13 Donau: 13— 14 User; 15— 16 Brauch; 16—17 Chlor: 18— 19 Trude; 19—20 Esel: 21—22 klein: 22—23 Note; 24—1 Segel.—„Leb- kuchen." Verschmelzungsräisel: 1. Eidechse:?. Resullat; 3. Nietzsche: 4 Salb«: S. Tamburin: 6. Thalia: 7. vdaliske: 8. Leuthen, S. Limonade: 10. Eifersucht; 11. Resonanz.— Ernst Toller. Zahlenquadrat: >:! s! eisto 4!.'oj 8»| gsl" w 53 14> ioUfi A>I s jrz! 38! 4 «5>.u! so| r 1? Zweischneidiges Wort: Gericht, Baukunst: Mosch«— Mosaik. Ungebrochen trotz alledem! Von Fritz Wildling Die ungeheure Wirtschoststrise mit ihrer ungeheuren Arbeitslosigkeit hat den Lebensmut der Arbeitersportler nicht zu brechen vermocht. Die Äewegung hat sich in den schwersten aller Notjahre seit Errichtung der Republik nicht<-nur be- hauptet, sondern hier und dort noch kleine Fortschritte gemacht. Das giltbesonders für Berlin, wo es ge- lungen ist, den kommunistischen Sportorganisationen drei kräftig blühende Zweige abzubrechen und sie dem Mutter- boden wieder einzupflanzen. Hier hatte die kommunistische Bewegung sich schon im ersten Anlauf erschöpft, während sie im Reich sich erst langsam entwickeln konnte. Ein ungeheuerer Aufwand an Geld und Kraft hat den Spaltern nur einen verhältnismäßig geringen Erfolg gebracht. Manchen, ehemals von dem Phrasenglanz Moskaus ge- blendeten Arbeitersportler hat inzwischen der B a n n st r a h l der Partei getroffen, weil er den Anweisungen der Spalter nicht folgen wollte. Wir kennen viele, die sich seitdem wieder als Mensch fühlen. Wenn man die Leiter der kom- munistischen Bewegung kennt, ihre Unwahrhastigkeit, ihre brutale Herrschsucht, ihren jeder sozialistischen Gesinnung ins Gesicht schlagenden Egoismus, die Roheit ihres Tones, dann muß mau sich immer wieder wundern, daß sie die Gefolgschaft ehrlicher Arbeiter finden konnten. Wenn man dann aber auf der anderen Seite den Erfolg der Hitler- Bewe- g u n g sieht, wenn man schmerzlich erkennen muß, wie die gebildete bürgerliche Welt diesen geistigen Niedergang nicht nur erträgt, sondern ihn noch als Erhebung feiert, dann kommt einem zum Bewußtsein, wie schwerkrank unser Volk durch die Not der Zeit und wie ungeheuer wichtig und wert- voll die Arbeit der gesund gebliebenen Schichten der deutschen Arbeiterschaft geworden ist. Daß zu dieser gesunden Schicht die Arbeiter» j p o r t l e r gehören, daß sie Kerntruppen dieser Schicht sind, das darf uns mit besonderem Stolz erfüllen. Die jahrzehnte- lange Erziehungs- und Organisationsarbeit in der Arbeiter- sportbewezung, die erst in letzter Zeit die rechte Würdigung gefunden hat,' ist wahrlich nicht umsonst gewesen, das zeigt sich jetzt an ihrer unzerstörbaren Festigkeit. Einen Teil des Verdienstes, an der Bildung dieses Festungswalles mitge- ariieitet zu haben, darf die Republik für sich in Anspruch nehmen. Allerdings, nur einen geringen Teil. Noch ist das alte Unrecht, das einst vom Kaiserreich gegen die Arbeiter- sportbewegung begangen worden ist, nicht gutgemacht. Der bürgerliche Sport bekommt, im Gegensatz zum Arbeitersport, besonders im Reich, immer noch mit Scheffeln zugemessen, das geht aus dem Rechnungsergebnis über die B e r w c n- dung des Sportfonds der Jahre 1927/28 so deutlich hervor, daß dagegen alle geheimrätlichen Beschwichtigungs- versuche versagen müssen. In diesem Rschnungsergebnis spiegelt sich die angebliche„Futterkrippenpolitik" der Sozial- .damotratia in einem so unzweideutigen Lickst wider, daß selbst den Nazilemen ein Licht aufgehen müßte, wenn sie überhaupt einer Belehrung durch Tatsachen zugänglich wären. Bei einer solchen Verwendung der Mittel ist es kein Wunder. daß die Kürzung um die Hälfte für„tragbar" gehalten wurde. Da ist es weiter kein Wunder, wenn für die Förderung der Arbeiterolympiade kein Geld da ist. Im Gegensatz zum Reich haben die meisten Länder und Gemeinden eine gesunde Ausgleichspolitik auf dem Sport- gebiete getrieben. Das erklärt sich wohl aus der Tatsache, daß dort die Bedeutung der Arbeilersportbewegung aus eigener Anschauung bekannt ist, während im Reich dieser Anschauungsunterricht fehlt. Es rächt sich immer wieder die Tatsache, daß der Arbeitersport hier in der Reichshauptstadt keine würdige Vertretung hat. Die Vorstände aller großen Verbände sitzen in der Provinz, für Berlin, der Zentrale des Deutschen Reiches, fast unsichtbar. Die Z e n t r a l k o m- missionfürArbeitersportundKörperpflege, s der Dachverband der gesamten Arbeitersportbewegung, kann i ihrer Natur nach nur ein kleines Büro sein, denn sie hat i neben der Verwaltung ihrer Landeskartelle nur noch die Vertretung bei den Reichs- und preußischen Landesbehörden. Wer die Arbeitersportbewegung also nach dieser Spitze be- urteilt, muß notwendig zu Fehlschlüssen kommen.. 2ln diesem unzeitgemäßen Zustande dürfte leider in absehbarer Zeit nichts geändert werden können. * Die Arbeitersportbewegung hat in den letzten Jahren, wo sie von den Spaltungskämpfen der Kommunisten durchwühlt wurde, immer mehr politische Bedeutung erlangt. Das hat sie naturgemäß näher an die S e i t e d e r S o z i a l- MWV Beschwert, aber ungebrochen int nene Jahr! demokratie geführt, denn sie verteidigt, wie die Partei, altes sozialdemokratisches Gut. Die Bewegung kann darum auch nicht ohne Beachtung an den politischen Tatsachen vorübergehen, die durch die Wahlen vom 14. September ge- schaffen wurden. Eine Zerstörung der republikanischen demo- kratischen Staatsform würde auch eine Vernichtung der Existenzbasis der Arbeitersportbewegung bedeuten. Damit würde ein Eckpfeiler der sozialistischen Kultur beseitigt wer- den. Was in vielen Jahren mühsamer Pionierarbeit aufgebaut worden ist, würde von den verblendeten Horden des Nationalismus brutal niedergetrampelt werden. Diese Tat- fache hat die Arbeitersportbewegung in die Abwehrfront der Partei und der Gewerkschaften geführt. Seite an Seite mit allen ehrlichen Republikanern werden die Arbeitersporller gegen den polltische» Vandalismus von links und rechts kämpfen und. wenn es fein muß. Leib und Leben einsetzen. Die deutsch« Zukunft erfordert den Einsatz aller aufbauenden Kräfte, Es gilt, bexei.t zu sein z u,r Verteil) i- gung der sozialistischen Kulturgüter, bis dir Gefahr gebannt ist. Was immer auch kommen möge, die deutschen Arbeitersportler werden immer dort stehen, wo für die Freiheit der Menschheit, für den Sozialismus gekämpft wird. Zu einem Ereignis von Weltbedeutung wird die Zweite Arbeiterolympiade werden, die im Juli 1931 in Wien abgehalten wird. Mit ihr zusammen fällt der Internationale Soziali st enkongreß. Das werden Großtage des Sozialismus im roten Wien fein, die weithin leuchten und die Bedeutung der Arbeitersport- bewegung über die ganze Welt tragen werden. Wie immer die herrschende Wirtschaftskrise so manchen braven Arbeiter- sportler hindern wird, an dieser herrlichen Manifestation teilzunehmen, wer nach Wien geht, wird sich im Geist? ver- bündet fühlen mit Millionen von Gesinnungsgenossen. Meiner Sport von überall Schlitlfchuh-Club besiegt Mailand Z: 0. Die internationale Eis» liockeymannschaft des Berliner SchlittschuH-Clubs begann ihre W ett- Ipielreise durch die Schweiz am Dienstag in Arofa, wo ihr der Hockeyclub Mailand zum Kampfe entgegentrat. Das sehr lebhafte Treffen endete mit einem verdienten Siege der Berliner von 3:0(2:0, v: 9, 1:0) Toren. Beiderseits sah man gutes Kombi- nationsfpiel, in bezug aus Schnelligkeit waren die Berliner ihren Italienischen Gegnern aber weit überlegen. Der Schlittschuh-Club ging durch Daoidosf in Führung und Rudi Ball erhöhte den Bor- sprung bis zur ersten Pause auf 2: l). Der zweite Spielabschnitt brachte keiner Partei einen zählbaren Erfolg, aber im letzten Drittel mußten die sich tapfer wehrenden Italiener zum dritten Mal« die die- mal von Dr. Holsbocr geschossene Scheibe aus ihrem Kasten ho'en, während ihnen selbst, trotz aller Bemühungen, der Ehren- treffer oersagt blieb. Am Mittwoch spiell der Berliner Schlittschuh- Club gegen die erste Mannschast von Arosa. Um den Spengler- Pokal. Beim Eishockeyturnier um den S p e n g l e r- P o I a l in Davos wurden am Dienstag die igruppenspiele mit dem Tressen zwischen der ersten Mannschaft des Eishockeyclubs Davos und dem Spartclub Risfersee abgeschlossen. Dank ihres technisch und taktisch gereisteren Könnens setzten sich di« Einheimischen leicht gegen di« Bayer» durch. Donos siegte mit 4:1 »e««««. X. Januar Fahrt nach Bernau. Treffpunkt» Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Sonntag, 4. Zfanuar, ssahrt nach MeitznersHof. Treffpunkt S Uhr Bahnhof Spandau�Weft .Solidarität»,«adfahre,, 6. Abteilung. Die turnusgcmiiüe Abteilung,- fitzun« am 1. Januar wird auf den 6. Januar verlegt.— vrtogrnpp« Grotz- Berlin. Der Borlrag Uder Bcrlehrsordnung fllr Nad- und Kraftfahrer findet nicht am 2k. Januar, sondern am 26. Januar statt. Genaue Bekanntmachung erfolgt»och durch Nundschrciben. Di- fpahrwardsttzung am 12. Januar ist auf 'den 13. Januar verlegt. Arbeitersportler! Eure Zeitung ist der „VORWÄRTS" ? trotze 6 elegenh« und Po ankstraße 12. Eine Zlevtlsigfährige. Am heutigen letzten Tag des Jahres feiert die 1849 in Königsberg(Ostpreußen) geborene Witwe W i l h e l m i n e H e n nkg, Tegeler Straß« 23, in voll« RÜftigkeil und geistiger Frische ihren 99. Geburtstag. Oberapotheker Eugen Lilienthal, Friedenau, Wikhelms höher Straße 4 II, begeht heute seine Silberhochzeit. Gen. Lilien thal gehört seit 2S Jahren der Sozialdemokratischen Parte« an und ist seit dieser Zeit Leser des„Vorwärts". Mittwoch, 31. Dezember. Berlin- 16.10 17.00 Bekannt«« und Unbekanntes von Frant huppe. „Die Witwe Dusedey". Ein Berliner Sllvestenpuk von Victor v. KohJenetf.. (Sprecher: F. Bonn.) IT.30 Oberlnt;. Hartmann; Technischer Rückblick auf das Jahr 1030. 18.00 HeiUron; Juriatiseber Rückblick auf das Jahr 1930. 18.30 Opern und Operetten 1930. Ltc.: C. Bronsgcest 20.00 Intendant Dr. Flesch: JahresrückbUck aui Platten. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 1. J. S. Bach: Suite Nr. 3, D-Dnr. 2. Matthias Claudius.(Sprecher; Walter Fried.) 3. Beethoven: Sink. Nr. 5, C-Moll, op. 67.(Funk-Orch.) 22. IS Wetter-, Taeesnachrlehteu, Sport. 22.20 Schlager des Jahres 1930.> 23.00„Schwamm drüber", Silvester-Revue vop Robert Scblflan. Musik; Werner Michel. Kurc vor 24.00: Ucbcrgang ins neue Jahr. AnschlieBend bis 3.00: Tanz- und Unterhaltungsmusik. Einlage: Mit dem Mikrophon an der Kranzler-Ecke. Khnlgswasterhansen. 16.00 Rektor P. Klantke: Das chinesische Neujahrsfest. 16.30 Hambarg: Konzert. 17.30 Fr. K. Hoclert: Kau« Kalender 1931. 17.55 Romantische Nacht.(Dr. H. Michaelis und Mitwirkeode.) 21.10 Königsberg: Konzert. 23.00 Aus der Volksbühne: IX. Sinfonie, von Beethoven.(Verstärktes Phtjh. Orchester. Dir.: Oeneralmusikdirektor Prof. 11. Abendroth.) Donnerstag. 1. Januar. Berlin. 7.00 Funkgymnasllk 8.50 Morgenfeier. AnschlieBend; Qlockengellnt des Doms. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Neujahrswflnscbe. 11.30 Enrico Caruso singt(Schaltplätlcn). 12.00 Dresden: Konzert. 14.00 Hertha-Platz, Oesandbrunncn: Ausschnitt vom FuDball-Pokal-Tunilcr, (Am Mikrophon: Allred Braun.) 15.00 Goldberg-Variatloncn vom J. S. Bach.(Dr. E. Latzko, Cembalo.) 15.30 Fechten.(Fechtmeister Dr. Herbert Hoops.) 16.00 Königsberg: Konzert. 17.30..Krach". Lustige Szenen ans dem Berliner Leben von Qaorc Mhhh n- Schulte. 1. Gramnlopbonmutlk bei offenem Fenster. 2. Eine Panne vor dem Standesamt. 3. Das süße Lied verhallt 4. Viel Linn um nichts. 5. Rauchen im Kino verboten. 5. Rohrbruch bei Kuhlaps. T. MuS Herr Ackermann die Garderobe abgeben? 8. Stunde der Abrecbnnng.(Regle: Gerd Frlcke.) is, 30 Neue Untirbaltnngsmuslk. 19.30 Anna Seghers liest eigene Diehtupgen. 19.50 Sportnachrichten. 20.00 Othello. Oper von Q. Verdi. Dir.: Qeneralntosikdir. Klemperer. 22.45 ca. Wetter-, Tages- nnd Soortnachrlehten. Anschließend bis 1.00; Tanzmusik. Königswusterliansen. 16.00 Königsberg: Konzert 19.» Relchswehrmtelster Groener: 10 Jahr» RetdWwehr. Oer sächsische Schiedsspruch. Die Metallarbeiter für Annahme. D.'r am 29. Dezember für die sachsische Metallindustrie gefällte Schiedsspruch setzt das am 39. Juni abgelaufene Lohnabkommen wieder in Kraft. Die Ausgleichszulage bleibt bestehen, die Aus- gangszisser für Zeitlohn arbeitcr ivird um 4 Prozent a n f 7 8 P f., die der A k k o r d a r b«i t c r um 5 Prozent auf 7 7 Pf. herabgesetzt. Diese Lohnsätze gelten ab 2. Januar und tonnen mit einmonatiger Kündigungsfrist zum Zt. Mai 1931 erstmalig aufgekündigt werden. Da es gelungen ist, die im Vorjahr tcstgelegt« Ausglcichszulagc in voller Höhe zu erhalten, beträgt der (üinstellohn in der Spitze 83 Pf. gegen bisher 86 Pf. Die Vereinigung der Verbände sächsischer Metallindustriellcr hat in der Parteiuerhandlung ihre Forderung auf IS Prozent Lohn- abbau erweitert. Die Gegenargumente der Arbeiter fanden bei den Herren lein Verständnis. Nur Lohnabbau könne uns retten. In der großen Tarifkommifsion am Dienstag kam zum Aus- druck, daß der Schiedsspruch aus Grund seiner wirtschastsselstidigen- den Tendenz die Arbeiterschaft unter keinen Umständen befriedigen könne. Die Mitglieder der großen Tariskoinmission verpflichteten sich dennoch, in den Versammlungen für Annahme des Schiedsspruches einzutreten, da unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen die Opfer eines längeren Kampfes in keinem Verhältnis zu einem etwaigen Nutzen stehen. Texiillöhne um 2 prozeni gekurzi. Für 4Z vvv Arbeiter im Tlechtsrheinqebiet. Wuppertal, 31. Dezember. Der staatliche Schlichtungsausschuh für das Berzrsche Land sällto am Dienstagabend unter Vorsitz des. Veigeordneten Dr. Bra- g a r d nach über vierzehnstündigen Verhandlungen einen Schiedsspruch über die Löhne in der Tertilindustrie des rechtsrheinischen Bezirks. Danach sollen vorn 16. Januar 1931 ab dl« Lohnsätze». in 7Proz. gesenkt werden. Diese Regelung soll z u n ä ch st bis zum IS. Juli 1931 gelten. Erklärungsfrist 7. Januar. Bon dem Schüchtungsspruch werden mehr als 4S9V9 Arbeiter betroffen. Girafella gegen die Eisenbahner. Eine kalte Dusche kühlte den llebereifer. Wien, 31. Dezember. Der berüchtigte Grazer Heimwehrheld Strafella, der sich den Posten des Generaldirektors der österreichischen Bundesbahnen zu sichern verstand, begann seine neue Laufbahn mit einem Angriff gegen die Eisenbahner, deren geschlossene freigewerkschaftliche Organisation diesem Herrn mißfällt. Von den 19999 Eifenvahnwerkstätteu- arbeitern wollte Slrosella zu Neujahr etwa 1999 Mann„beurlauben". Die Personalvertretung der Eisenbahner beschloß ei»- stimmig, also auch mit den Stimmen der deutschnational-christ- lichcn Minderheit, den Anschlag der Gcneraldsrektion abMehnen. Trotzdem solche Verfügungen nach dem Gesetz nur mir Ziiftimmung der Pcrsonalvertretung erlasse,, werden können, hat Straiella einen Erlaß herausgegeben, daß anKsi Januar mit den Beuriaublingen der Arbeitcr in den Bundesbahnwerkstötten zu beginnen ist. Der Handelsminister hat dem Gesetz entsprechend oi� geordnet, daß zunächst mit der P-rsonalvertrctung ocr. handelt werden muß. Weberstreik in England. - Beginn am Montag, wenn bis dabm keine Einiannq. London. 31. Dezember. Eine Versammlung des Zentralkomitees dfc- Gewerkschaft der Weber in Manchester beschloß, daß alle Weber in den Spinne- reicn, in denen das neue„Mehr-Webstublsystcm" emgenü- i wird, die Arbeit niederlegen und daß die Arbeiter in den anderen in den Sympathiestreik eintreten sollen. Sollten die Untern-hmer ihre Borschläge nicht zurückziehen, so würde am Montag der Streik in der Webindustrie beginnim. Bei dem„Mehrwebstuhlsysteiii" handelt es sich darum, daß man einem Weber etwa 8 bis 19 Webstühle moderner Konstruktion an» vertrauen will, um zu rationalisieren, während bisher ein Weber nur vier Webstühle zu beaufsichtigen hatte. Aus der Einführung dieses neuen Versahreiis ergeben sich Streitigkeiten um die Löhne, die bisher noch nicht gelöst werden konnten. föezitfc fliden-Wefien UMiGiner BAUAUSFÜHRUNGEN HOCHBAU/ TIEFBAU Berlin- Wilmersdorf Helmstedter Straße 3 Tel.: Amt Uhland 962/63 Max Prankenbach Berlin S 14, WalBstraße 74-79 � Spezlal-Niederlage der Gruschwltz Textil A G., Bindfäden: Cordel Wäsdie wasch eo bl&tenwclB _Dampl wasch werke sReibedanz& Co., G. m. b. H., T empelhof SBdring: M8— ,058- 2823 Maierhotte Berlin G.m.b.H. VORHALS UAirREIOENOSSENSOHAFT GIBRONDET IRIL N018, LANDSBERGER ALLEE38-39 FERNSPR.i E 4 ALEXANDER 5628—30 ALLE MALERARBEITEN ,8t MOEBEL- UND AUTOLACKiERUNG Kaust in den Mrkihallen! Große Auswahl- Wohlfeile preise Z Man vergleiche die Angebote an den Anschlagsäulen ebrüdfer Silz Masch iaentabvih er. flcparaiur~ Wcvkaluif.f.'Dructtcrvimascbtuen Secnxfivccsrie der ScbnellpreBsen- tabrib KSatg BÜCHDRUCKARBEITEN IN NEUZEITLICHER AUFMACHUNG BERLIN SO 16 AdaU>ert>tra|e 6, Femsprech- Anschluß F 7, jarnovntz»all M 187 1 A- DRUCK HUZI GROSSDEST I LL ATI O N Prinzesstnnenstrasse 17 Ritter- Ecke Branden&urgstr LntfwlgDorncr Berlin-Bohnsdorf ZentralhelziinO Sanliarc Anlagen BauKiempnerel 4 ml Grünau 626 S [R.240 npomeher e. swing& Ernst Hauen G. m. b. H. BIER-G ROSSVERTRIEB Fabrik alkoholfreier Getränke Btfl.ioo.lTikmrStr.m Big. SVS8.lieaevbiiiers,r.2e Fernruf; ü 4, Vineu 1403 Fernruf; A 7, Dönhoff 1276 Walfisch Köpenicker Str. Ecke BrückenstraOe r-- N Sparsame flausfraoeo Kaolen nur emaillierte Rocbseschirre � RECO Bllilo und trotzdem vorzflslidil Zu Haben in allen einscm&Biflen Beschiften V___ � Immortella-Camembert und Brie 1' geteilt und ungeteilt..■.■; EdeierzeugnissederCentral Molkerei Reichenbach i.Schl. Erhältlich i in allen einschlägigen Geschäften Buchdruclcerei C. janiszewski Elisabeth- Ufer 28/29 Telefon t Sammelnummor Morltzplots 5471 empfiehlt sich den Gewerkschaften zur Herstellung aller Arten Drucksachen in vornehmer Aussloftung bei billigster Preisberechnung wasche nach Gewicht Damptwäschcrei Merkur* Berlin O 112 Frankfurter Allee 307 Ferntpr.: Andrea« 2330!288 (nh. Aug. Bachmann Mitgl. d. SPD. Gesellschaft mit beschränkter Haftang Industrie- and Banglaseref/ Glashandlimg Berlin N0 18, Landsberger Allee 39 Telcphoa: K5ntS»Udt«970[R.l'ij Horst Waither G.m.b.H. SiemraMtadt, VsitittraBi 2.~ Fernruf; Wilknim«05 und«06 Heizungs- und sanltöre Anlagen i-os Ständiges Lager sämtlicher Materialien Wer braucht ? Dien u. Uodilterde; Nur out© und billige Qualitätsarbeit, auch auoerhaib fircfi-BeiiiDS Fliesen arbeit Baukeramik Berliner Töpfferhütte GmbH[ho Berlin SO 36/ Waidemarstr. 14 Farnspr.ch.r; Amt f a Oberbaum 0319 tßuHerhnmlhmy Otto thürmann 100 eigene Filialen in allen Sladtieiien Alexander Michel « Großdampfwäscherei für Hauswäsche, Leibwäsche, Berufskleidung Sorofältlosto Behonaluno bei so, Idar» Preisen SO.Mörionncnslr.SI/ Oberbaum 0551 CarlPielsdi Inhaber: Gnslav Sauer Haus- u. Küchengeräte— Werkzeuge S\V'6S, Lindenstraße 107 Tel.: Dönhoff 3070 i-EBcat blutfördernd—>213 macht gesund und froh— Klischees OalvaaoptasHsche Werkstätten K-c.Baum&Co. $W6S> Alle jakoiMtraftc 144 Telephon: Dönhoff 890— 891 Kurt Pätz O, Bödikerstr. 10 Telephon: Andreas E8, 5017 BauHsdilerei mit eiekiri$dicm Betrieb Werkstätten für Möbel a. Innenausbau Frisier-Salon für Damen und Herren Gut© Bedienung Solide Preis© Stadtbad Rreuzberg, Burwaldstr. 84-65 Leihwäsche billig, sauber Wäsche- Fliess pUnktllch NW.»7 KlOPStOCkStr. 4 Moab.»849 8lumen— Krünxe für Prcvd und Ceid pretoverf